9t. 73. Ndonnemelitz-NeSinslingen: Kbünncments- Prciz präiiumcranda i L�rtcljöhrl. SM Ml, monatL 1,10 Ml.. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags« nummcr mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt' 10 Pfa, Post- »Ibonnemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs. Vreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn L Marl, für das Übrige Ausland 8 Mari pro Monat. PostabonnementS nekmen an: Belgien, Dänemark Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, kmuänien. Schweden und die Schweiz, 38. Jahrs.' Crfälint iZgYch aaßcr tilontags. Verlinev Volksblskt. BU TiitcrHons-Gct)ül)r teirägt für die scchsgespaltene Kolonel« geile oder deren Raum 50 Pfg., für Politische und gewcrlschaflliche Vereins- und Bcrsammlungs-Wizeigen 80 Pfg. „Kleine Hnzeigen", das erste(feit- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stcllengcluchc und Schlaf- slellen-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über »5 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adrest« „SoziäidcmoKrat Rtrliu", Zentralorgan der rozialdemokrati fchen Partei Oeutfchlands. Redaktion: SM. 68, Lindcnstrasac 69» Fernfprechert Amt IV. Nr. 198S. Expedition: SM. 68» Lindenatraose 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. flutZCt dk Zeit!' ein �feiender Nlderlpmch. Fn immer weitere Kreise des deutschen Volkes dringt die berechtigte Empörung über das Niederhalten jeglicher freiheit- lichen Regung. Der von Tag zu Tag unerträglicher werdende wirtschaftliche Druck, erzeugt und verschärft durch die terroristischen Taten des Blocks der Ritter und Heiligen, hat vielen Indifferenten die Augen- geöffnet. Die verschiedenen Nachwahlen zum Reichstage zeigen, daß sich eine gewaltige Schwenkung nach links vollzieht; haben- doch die Nachwahlen der letzten Monate für die Sozialdemokratie einen Zuwachs von ettva 36000 Stimmen gebracht. Und die Saat, die so herrlich aufgeht, soll und muß bei den kommende» Hauptwahlen zur Reife gebracht werden; es gilt, der Reaktion aller Schattierungen bei der großen) Ab- rechnung eine wohlverdiente, zerschmetternde Niederlage zu bereiten. Hierzu ist die sozialdemokratische Presse, der „Vorwärts" eines der vorzüglichsten Kampf- und Aufklärungsmittel. Weil dem so ist und weil die herrschende Klasse klar erkennt, welche Gefahr ihr in der oppositionellen Presse entstanden, versucht die Klassenjustiz durch Schreckensurteile den Quell der Aufklärung zu unterbinden. Viele hundert Monate Gefängnis, viele tausend Mark Geldstrafen sind in den letzten Jahren auf sozialdemokratische Redakteure niedergehagelt. Um die Unterdrückung der Meinungsfreiheit zu vollenden, soll mit Hilfe einer neuen Justiznovelle eine weitere Verschärfung der Strafen für Redakteure eintreten. Da ist es an der Zeit, daß die Arbeiterschaft noch mehr als bisher dafür sorgt, daß ihrem Vorkämpfer, ihrem Parteiorgan, neue Verbreitungsgebiete erschlossen, neue Leser zugeführt werden. Und ivahrlich: es tut bitter not, daß Aufklärung in den Reihen der noch abseits Stehenden- ge- schaffen wird. Noch seufzt das Volk unter den Stockschlägen aus den Magen, die ihm mit Hilfe der famosen Reichsfinanz., reform" ver- abreicht wurden. Und schon wieder grinst das Defizit aus den Kassen des Reiches hervor. Geld ist freilich in Unmenge vor» banden, aber Moloch Militarismus und Marinismus ist un> ersättlich; immer neue Millionen werden von ihm verschlun- gen. Nur die Furcht, bei den kommenden Wahlen, wie es ja alle Nachwahlen erwarten lassen, aufs Haupt geschlagen zu werden, hält Reichstagsmehrheit und Regierung davon ab. einen neuen gewaltigen Steuerraubzug auf die Taschen der breiten Masse des Volkes zu unternehmen. Aber was man im Großen nicht ermöglichen kann, ver- sucht man nienigstens im Kleinen in die Tat umzusetzen. Wie in der Presse schon angekündigt, will der jetzige Reichstag, der längstkeineDaseinsberechtigung mehr hat, noch eine Anzahl reaktionär gehaltener Gesetzentwürfe durch- peitschen. Vernichtung der Selbstverwaltung, Verschärfung des geltenden Rechte? sind die Losungsworte der Junker und Pfaffen bei Beratung der der Verabschiedung harrenden Regierungsvor- lagen. Es liegt an den Arbeitern, alles daranzusetzen, daß der �ethmänner schwarze Pläne zu schänden werden. Wirksam ankämpfen gegen die dunklen Machenschaften kann aber nur der, der die Ursachen und treibenden Kräfte des wirtschaftlichen und politischen Getriebes kennt. Dem Arbeiter dieses Getriebe aufzuhellen, ihm die Möglichkeit zu bieten, in der Agitation den politischen Gegner abzufertigen, ist Aufgabe und Bestimmung der sozial» demokratischen Presse, des„Vorwärts". Gerade die kommen» den Monate, die Zeiten des Wahlkampses, sind vorzüglich geeignet, die Indifferenten auf ihre Pflichten aufmerksam zu machen. Pflichten, die nicht nur darin liegen, bei der Wahl den Stimmzettel abzugeben, sondern die erst er» füllt sind, wenn jeder sozialdemokratische Wähler auch Leser des „Vorwärts", Mitglied der Parteiorganisation ist. Arbeiter! Ihr habt nur Eure Ketten zuverlieren, -aber eineWeltzu gewinnen! Setzt alles daran, daß unsere Ideale baldmöglichst verwirklicht werden; sorgt, daß Eurem Kampforgan, dem„Vorwärts" neue tausende Leser zugeführt werden. nutzet die Zeit! Aus der ebenso lendenlahmen wie anmaßenden und skandalösen Erwiderung, die der preußische Polizeiminister in der Freitagssitzung des Dreiklassenhauses gegen die wuchtige Anklage vorbrachte, die Genosse Hirsch ob der empörenden Tatsache erhob, daß noch kein einziger der polizeilichen Ex- Zedenten von Moabit vor Gericht gestellt ist, geht so viel hervor, daß sie samt und sonders, einschließlich der Mörder des Arbeiters Herrmann, der Staatsanwaltschaft noch völlig unbekannt sind. Dasselbe sagt auch eine Veröffentlichung des „Berliner Lokal-Anzeigers". die dieser Tage erschien und worin es heißts, daß die Staatsanwaltschaft„nicht nur in dem Falle Herrmann, sondern auch in einer Anzahl anderer Fälle, in denen während der Moabiter Krawalle Ausschreitungen von Beamten zutage getreten waren, schon während der Dauer des Moabiter Schwurgerichts- Prozesses die erforderlichen Ermittelungen in die Wege ge- leitet" hat.„Die Erhebungen gestalteten sich sehr schwierig und sind bisher noch nicht zum Abschluß gelangt. Zu Beginn der nächsten Woche findet ein Termin statt, bei dem eine große Anzahl der Schutzmannschaft, die in Moabit während der Unruhen tätig gewesen sind, einander gegenübergestellt werden sollen. Aus diese Weise soll versucht werden, ein klares Bild von den Vorgängen zu schaffen. Vielleicht dürfte es auf diese Weise gelingen, einen der Schuldigen zu finden." Die Verbrechen sind erwiesen, die Verbrecher aber laufen noch immer frei herum, tragen noch immer den Rock des Beamten und führen noch immer die Säbel. Können bei passender Gelegenheit aufs neue ihre Brutalität an Berliner Arbeitern auslassen. Ein Vietteljahr ist seit der Aufhellung des Tatbestandes in öffentlicher Gerichtssitzung verflossen Sind polizeiliche Verbrecher in Berlin ebenso sicher wie Raubmörder? Man sollte meinen, daß die Suche nach den Tätern nicht so schwierig sein könnte, wenn man weiß, daß sie in Schutzmannsröcken stecken. Ort und Zeit der Untaten sind meist bekannt. So muß es für die Polizei leitung ein. leichtes sein, anzugeben, unter welchen Beamten die Verbrecher zu suchen sind. Groß kann die Zahl derer, die für einen bestimmten Fall in Betracht kommen können, nicht sein. Denn die Verteilung der Beamten zu jener Zeit läßt sich in den Bureaus des Alexanderplatzcs ja leicht fest- stellen. In den Moabiter Prozessen hat das Polizeipräsidium mehrfach den Beweis geliefert, daß solche Ermittelung ein Kinderspiel ist. Es ist nicht gerade selten vorgekommen, daß einem VetteidigungSzcugen Polizeibeamte entgegengestellt wurden, die seine Angaben widerlegen sollten. Die Verteidigungs- zeugen hatten die Persönlichkeit der Beamten natürlich nicht angeben können, die Polizei stellte aber auf Grund ihrer Akten fest, wer von ihren Leuten zu der angegebenen Zeit an dem benannten Orte gewesen war. Es handelte sich dabei allerdings vornehmlich um Vorgesetzte, um Offiziere, Kommissare und Wachtmeister. Aber es wird sich doch mit einiger Sicherheit ermitteln lassen, welche Schutzleute damals unter dem Kommando dieser Herren gestanden haben, und aus dieser verhältnismäßig kleinen Zahl sollten die Verbrecher nicht herauszufinden sein? Wir unterschätzen gewiß nicht das, was wir den Korps- geist der Schutzmannschaft nennen wollen. Wir wissen, daß Polizeibeamte, die auf der Wache Arrestanten mißhandelt haben, selten durch das Zeugnis ihrer Kollegen überführt werden, daß vielmehr die an der Tat nicht beteiligten Polizisten meist nichts von Mißhandlungen gesehen haben oder sich beim besten Willen an solche Vorgänge nicht er- irtnern können. Wir wissen, daß im Moabiter Schwurgerichts- Prozeß der Schutzmann Laars die bezeichnende Aussage machte. er habe seinen Arrestanten doch schon deshalb nicht priigeln dürfen, weil der begleitende Schutzmann ein Charlottenburger war und er doch nicht wissen konnte, ob der dasselbe sagen würde wie er. Und wir wissen, daß das schöne Vertrauen, das der Schutzmann Laars in seine Berliner Kollegen setzte, seinen guten Grund hat. Aber trotz alledem sollte es unseres Er- achtens nicht unmöglich sein, die polizeilichen Verbrecher zu entdecken. Die Polizei, die das wichtigste Hilfsorgan der Staatsanwaltschaft bei der Suche nach Verbrechern ist, sollte sie ganz machtlos sein, wenn die Verbrecher in ihren eigenen Reihen sitzen? Wir glauben das nicht und wir glauben das um so weniger. da eine feierliche Rede des Polizeipräsidenten das Gegenteil versichett. Am 27. Januar, am Geburtstag des Kaisers, hat Herr v. Jagow im Kreise seiner Räte. Offiziere und Kom- missare beim Festmahl in schwungvoller Rede erklärt, daß jede einzelne Behauptung über polizeiliche Ausschreitungen, die in den beiden Prozessen aufgestellt worden, von seiner Behörde genau untersucht worden ist. Er sagte wörtlich: .... ich benutze den heutigen patriotischen Tag, um— gegenüber ungezählten Angriffen, entsprungen aus Phantasie, Suggestion, System— auch an dieser Stelle grund«in» gehendster Untersuchung jedeS Einzelfalles zu weitester Oeffentlich- keit eS auszusprechen, daß der Ehrenschild unserer Schutzmann schaft rein ist. Sie hielt tadellose Manneszucht...." Zu den Einzelfällen, die eingehender Untersuchung unterlegen haben, gehört selbswerständlich auch der Fall Herrmann. Und er ist nicht etwa unaufgeklärt geblieben nach der Rede des Herrn Präsidenten. Auch er ist zugunsten der Polizei aufgehellt worden, versichert Herr v. Jagow, auch die Niedermetzelung dieses ruhigen Passanten in menschenleerer Straße war kein Mord, kein Akt viehischer Brutalität, sondern lediglich eine Betätigung tadelloser Manneszucht. Versichert Herr v. Jagow. Er würde das natürlich nicht ge- sagt haben, wenn er nicht glaubte, durchaus stichhaltige Unter« lagen dafür zu haben. Er würde die Bekundungen einwands- freier Zeugen, darunter solcher, die mit der Sozialdemokratie absolut nichts zu tun haben, die als Belastungszeugen von der Staatsanwaltschaft geladen waren, nicht einfach für wertlos erklären, nicht einfach als aus„Phantasie, Suggestion, System" entsprungen diskreditieren, wenn er nicht Beweise dafür zu haben glaubte. Er muß also, das ist die unabweisbare Konsequenz seiner Worte, wissen, wie sich in Wahrheit der Fall Herrmann zugetragen hat, muß glauben� daß die beiden dabei beteiligten Schutzleute in be- rechtigter Ausübung ihres Amtes gehandelt haben. Wie konnte er aber zu diesem Urteil gelangen? Doch nur, wenn die Täter selbst sich über die Gründe, die sie zu ihrer Handlung bewogen haben, auslassen konnten. Der Schluß ist nicht zu umgehen: wenn die Polizei zu wissen behauptet, daß an Herrmann kein Verbrechen begangen wurde, so muß sie die Schutzleute kennen, die Herrmann niederschlugen! Weshalb sind dann aber ihre Namen noch nicht der Staatsanwaltschaft mitgeteilt, damit sie die Untersuchung der Polizei nachprüfe? Weshalb haben die polizeioffiziösen Korrespondenzen noch nichts über die polizeiliche Untersuchung mitgeteilt, sie, die doch sonst so eifrig dabei sind, die einzelnen Phasen einer polizeilichen Jagd nach einem Raubmörder, die freilich meist ergebnislos endet, dem Publikum möglichst detailliert zu schildern? Weshalb diese ungewohnte Zurückhaltung? Sollte Herr v. Jagow in seiner Festrede den Mund doch zu voll genommen haben, als er der „weitesten Oeffentlichkeit" feierlich versicherte, er habe„auf Grund eingehend st er Untersuchung jedes Einzelfalls" festgestellt, daß„der Ehrenschild unserer Schutzmaunschaft rein ist"? Wie verträgt sich diese Versicherung mit der Tatsache, daß die Namen der beiden Schutzleute und ihre Rechtfertigung, die nach Herrn v. Jagow doch überzeugend sein soll, noch nicht bekannt sind? Die Oeffentlichkeit hat ein Recht darauf, das zu wissen— diese Angelegenheit ist keine Privatsache des Herrn Polizeipräsidenten, wie sein Brief an die Frau des Herrn Cassirer l Er selbst hat seine Rede an die weiteste Oeffentlichkeit gerichtet— er ist ihr jetzt weitere Aufklärung schuldig t Und wenn Herr v. Jagow schweigt, so ist es ihre Auf» gäbe, der Staatsanwaltschaft den schreienden Wider- spruch zwischen der Rede des Polizeipräsidenten und der Tat» fache, daß sie immer noch vergeblich nach den Mördern Herr- mannS sucht, aufzuklären und die Oeffentlichkeit über den Sachverhalt zu unterrichten! Und nicht bloß darüber, sondern auch über die anderen Untersuchungen, die nach Herrn v. Jagow ergeben haben sollen, daß polizeiliche Ausschreitungen in Moabit nicht vorgekommen sind! Mit der Bestrafung� der Mörder Herrmanns allein wäre dem beleidigten Rechtsgefühl noch nicht Genüge geschehen l Der Fall Herrmann ist nur einer unter vielen! Aehnliche Brutalitäten an fried» lichen Passanten in fast menschenleeren Straßen sind zu Hunderten vorgekommen, nur daß die Opfer nicht gleich tödlich verletzt worden sind. Aber groß genug ist die Zahl derer, die wochenlang im Krankcnhause zubringen mußten, und einige von ihnen leiden noch heute an den Folgen I Und wer will jene zählen, die durch Säbel- und Gummiknüppel- hiebe„nur" mißhandelt wurden, ohne daß sie direkte Wunden davontrugen! Bei der Massenhaftigkeit dieser Fälle mag es schwer sein, die Täter aufzufinden, aber über nicht wenige dieser empörenden Ausschreitungen sind so genaue Zeit- und Ottsangaben gemacht worden, daß die Ermittelung der Schuldigen möglich sein muß. Noch aber ist keiner von ihnen angeklagt! Sollen sie alle unentdeckt bleiben, wie der polizeiliche Handabhacker von Breslau? Was hat die Staatsanwaltschaft getan, um solch ein negatives Resultat zu verhüten? Wir wissen nur, was sie nicht getan hat I Sie hat keinen öffentlichen Aufruf an das Publikum erlassen, ihr bei der Ermittelung der Täter behilf- lich zu sein, sie hat die Plakatsäulen nicht mit roten Zetteln bekleben lassen, sie hat keine Belohnung für denjenigen ausgesetzt, der brauchbare Angaben macht, die zur Entdeckung führen l Der sozialdemo» kratische Parteivorstand hat tun müssen, was di'e Staatsanwaltschaft versäumt hat! In seiner Abgeordnetenhausrede vom Donnerstag hat Genosse Hirsch für die auffallende Erscheinung, daß noch keiner der polizeilichen Verbrecher ermittelt ist, eine Erklärung ge- geben,- die der Staatsanwaltschaft wahrscheinlich sehr wenig gefallen wird. Wenn sie nicht will, daß sie in der weitesten Oeffentlichkeit als zutreffend angenommen wird, so hat sie das lebhafteste Interesse daran, ihre Ermittelungen alsbald zum posittven Ergebnis zu führen. Keinen Tag aber dürfte sie vergehen lassen, ohne den schreienden Widerspruch auf- zuklären, der zwischen dem biShettgen negativen Resultat ihrer Bemühungen und den zuversichtlichen, positiven Behauptungen der Kaisergeburtstagsrede des Herrn v. Jagow besteht! «Mi. Die bürgerliche Welt hat eine neue Sensaiion: Leonida Bissolati, sozialdemokratischer Abgeordneter der italienischen Kammer, Mitglied des Internationalen sozialistischen Bureaus, war beim König, um über seinen Eintritt in das neue Ministerium zu verhandeln, und setzt diese Verhandlungen mit dem künftigen Ministerpräsidenten G i o l i t t i fort. Nach glaubwürdigen, wenn auch nicht sicher verbürgten Mitteilungen ist Bissolati zum Eintritt in die Negierung bereit, falls das neue Ministerium eine konsequent antiklerikale Politik verfolgen und die Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts mit AuSschluh der Analphabeten verbürgen wolle. In diesem Falle würde Bissolati das Land- wirtschaftsministerium übernehmen und zwei andere sozialistische Deputierte als Unterstaatssekretäre üi die Regierung ein- treten. Für den, der die EntWickelung der Strömungen inner- halb der italienischen Partei verfolgt hat, hat diese EntWicke- Jung nichts Ueberraschendes. Schon in dem Artikel des„Vorwärts" über den letzten Parteitag in Mailand wurde voraus- gesagt, daß der systematische Ministerialismus die letzte Konsc- quenz der Ergebnisse dieses Parteitages sein werde. Seit Jahren beherrscht der Reformismus die Partei und Bissolati, der frühere Chefredakteur des„Avanti", stand auf dem äußersten rechten Flügel. Das Fazit der Politik, an der Bissolati selbst die Hauptverantwortung trägt, hat er am Mailänder Parteitag gezogen, als er die Partei einen dürren Ast" nannte, nachdem er schon früher im„Avanti" eine Diskussion darüber hatte führen lassen, ob� nicht die Partei überhaupt überflüssig wäre und ihre Funktionen von einer unmittelbar mit den Gewerkschaften zusammenhängeil- den Arbeiterpartei übernommen werden könnten. Was Wunder, daß ein solcher Mann, der innerlich wohl längst resigniert haben muß, sich nun von dem dürren Ast in einen Ministersessel rettet, vielleicht im guten Glauben, daß er so der Arbeiterklasse noch eher nützen könne wie als Führer einer Arbeiterpartei. Man wird die weitere EntWickelung abwarten müssen, um ein ausführlicheres Urteil begründen zu können. Ist doch der Eintritt Bissolatis selbst noch nickst sicher. Es heißt, daß Giolitti die Bewilligung des Budgets und der Militärausgaben zur Bedingung stelle und ob Bissolati sich wirklich auf diese Forderungen einläßt, deren Erfüllung ihn und die ihm folgen, außerhalb der Reihen der proletarischen Internationale stellen würde, ist ungewiß. Ebensowenig hat die Partei bisher zur Frage Stellung genommen. Der Parteivorstand wird erst am Montag zu- samnientreten. Wenn der„Avanti" die Meinung der leiten- den Organe wiederspiegelt, dann muß man annehmen,� daß die Partei als solche sich mit Bissolati nicht identifizieren würde. Bissolati würde dann aus der Partei austreten und nur für seine Person die Verantwortung als Minister zu tragen haben. Es würde dann von der weiteren Haltung der Partei im Parlament und im Lande abhängen, wie weit die schädlichen Folgen dieses Experimentes reichen werden. Dieser neueste Fall von Ministerialismus ist für Sozial- demokraten kein Problem. Als M i l l e r a n d seinerzeit in die Regierung eintrat und ein Teil der französischen Sozial- demokraten zum großen Schaden der Bewegung ein Glied der Regierungspartei wurde, da betonten sie. daß außer- ordentliche Umstände vorlagen, daß die Republik in Gefahr fei, daß die Mitwirkung des Proletariats, die nur eine außer- gewöhnliche und vorübergehende sein solle, unter diesen Um- ständen unumgänglich sei. In Italien ist davon gar keine Rede. Der Einfluß der Sozialisten ist ein geringer. Die Aufforderung Bissolatis entspringt aus der persönlichen Initiative Giolittis. Schrieb doch der„Avanti" selbst vor zwei Tagen erst, daß Giolitti die Wahl habe, sich an die Klerikalen oder an die Sozialisten zu wenden. Nicht der eigenen Kraft, sondern der Ungefährlichkeit und Schwäche der Partei ist es zuzuschreiben, daß einem bürger- lichen Minister solche Wahl offen steht, daß dem Zufall der persönlichen Entscheidung solcher Spielraum gewährt ist. Aber eben deswegen können nur Politiker, die ganz in den engsten parlamentarischen Anschauungen befangen sind, der Meinung sein, daß das, was nur im harten Klassenkampf errungen werden, dem Proletariat durch ein Geschenk von oben in den Schoß fallen kann. Die rauhe Wirklichkeit macht diesen Illusionen ja rasch ein Ende. Aber solche Enttäu« schung wirkt verderblich auf das Proletariat, zerrüttet seine Einigkeit und bietet anarchosozialistischen Angriffen günstige Gelegenheit. Noch ist der Fall Bissolati nur ein personliches Vor- kommnis. Noch hat die italienische Partei die Verantwortung für ein so gefährliches Experiment nicht übernommen. Wir dürfen vielleicht hoffen, daß sie die schlimmen Erfahrungen des französischen Ministerialismus, die selbst von einem so zurückhaltenden Politiker wie Vandervelde klar hervor- gehoben worden sind, nützen werde, hoffen, daß jene taktischen Grundsätze, die die Internationale in Paris und Amsterdam festgelegt hat. nicht außer acht gelassen werden. Stärker als je erhebt der Imperialismus sein Haupt. Den Gefahren, die daraus entstehen, kann nur eine einheitliche und geschlossene Aktion des Proletariats vor- beugen. Wenige Tage trennen unsere italienischen Genossen von der Zusammenkunft mit den österreichischen Sozialdemo- kraten, die mit ihnen gemeinsam Protest gegen die neuen Rüstungsausgaben erheben wollen. Sollen ihnen die italienischen Genossen mit dem Geständnis entgegenkommen. daß diese Aktion jeden Sinn verloren, daß daS italienische Proletariat sich außerhalb der ernsthaften Be- kämpfer des Militarismus gestellt hat und mit dem Im- perialismus zusammen dieselbe Regierung unterstützt? Man sollte meinen, bloß diese Frage aufwerfen, hieße jedem neuen ministerialistischen Experiment heute ein schroffeSNein entgegensetzm. Rom. 25. März.(29, H.) Die Mimsterliste ist zwar immer «och nicht offiziell bekannt, doch steht bereits soviel fest, daß das neue Kabinett in erster Linie die Wahlreform durchführen wird, und zwar unter Einführung des allgemeinen gleichen Stimm- rechts für alle diejenigen Personen,»velche Militärdienste geleistet, sowie ferner«m alle diejenigen, die ein gewisses Alter erreicht haben. Sollte die Kammer diese Vorschläge ab» lehnen, so würde sie aufgelöst wenden. Es heißt, der Sozialist Bissolati verlange energische Maßregeln gegen die Kongrega- tionen, sowie ferner eine friedliche äußere Politik im Sinne der Einführung des Schiedsverfahrens. Weiter heißt es, die Regierung werde ein Altersrentengesctz, sowie ferner die Unfallversicherung und die Errichtung von Krankenkassen, end- llch eine Fiskalreform in Vorschlag bringen, welche sich auf die KinkoMmensteuer erstrecken würde. EinPe Soziglisten fordern eine größere Anteilnahme ihrer Partei an den StaatZgeschästen. Das neue Kabinett dürfte am nächsten Donnerstag gebildet sein und am 31. Wärz oder 2. April sein Amt überpehmeo._ politische Qcberficbt. Berlin, den 25. März 1911. Der reumütige Kanzler. Als sich am Donnerstag Herr v. Bethniann Hollweg im Abgeordnetenhause auf die provokatorischen, scharfen Aus- führungcn des Herrn v. Heydcbrand einige zurückweisende laumilde Erwiderungen gestattete, fand er nicht nur bei den Nationallibcralcn und Fortschrittlern dröhnenden Beifall, sou- dem er wurde hinterher auch noch in der liberalen Presse als„liberaler" Staatsmann gefeiert, von dem vielleicht doch noch große Taten zu erwarten seien. Lächerliche Hoffnungen! In dem Wochenrückblick der letzten Nummer der„Nordd. Allg. Ztg." kehrt Herr v. Beth- mann Hollweg reumüttg in die gottgegebene Abhängigkeit zurück und läßt verkünden, daß er es bereut, in der Auf- regnng einige halbenergische Worte gegen die konservative Diktatur gefunden zu haben. Ganze 9'/z Zeilen weiß das Kanzlerblatt über die betreffenden Verhandlungen zu sagen, und diese 9Vs Zeilen lauten: „Am Donnerstag kam bis elsaß-lothringische Frage im Mgeordnetenhause zur Sprache. Gegenüber Bedenken, die von konservativer und freikonservativer Seite geäußert wurden, antwortete der Ministerpräsident in längeren Ausführungen. Er hob hervor, daß die elsaß-lothringische Frage in deutschem Geiste gelöst werden muß. und daß jeder Schritt, den Preußen in dieser Frage uniernommen hat. von diesem Geiste diktiert ist. Kollisionen mit preußischen Jnteresien seien nicht möglich, weil preußische und deutsche Interessen, richtig aufgefaßt, zusammenfließen." Die Sätze klingen fast, als wollte Herr v. Bethmann noch nachträglich um Verzeihung dafür nachsuchen, daß er überhaupt geboren ist._ Nationalliberale Träume. Seit sich die nationalliberale Partei von der ehemaligen Fort- schrittspartei abgezweigt hat. krankt sie vornehmlich an den Fehlerne Prinzipienlosigkeit, naive Selbstüberschätzung und kind- licheS Vertrauen zu jeder Ankündigung und Maßnahme eines Ministers, die ein wenig liberal schillert. So hat denn auch wieder die milde Abwehr, die der Reichskanzler dem Herrn v. Heydebrand in seiner Antwort im preußischen Dreiklassenhause zuteil werden ließ, die„Nationalzeitung" in stürmische Frühlingsgefühle versetzt. Sie wittert nationalliberales Morgenrot! In einem Artilel: „Doch endlich drückt des Joches Schwere..." wird ausgeführt: Es gebe nur ein Mittel, den Radikalismus, der über die Ufer treten wolle,„noch vor Beginn der großen Wahlbewegung einzudämmen. Die Regierung müsse mit starker Entschlußkraft und durch eindeutige Taten die Behauptung zerstören, daß sie nur ein willenloses Werkzeug des schwarzblauen Blocks und Herr v. Bethmann Hollweg der Gefangene des Herrn v. Heydebrand sei. Nichts sei so gefährlich,„wie dieses Gerede und Geraune im ganzen Reich". 2Verde es rechtzeitig widerlegt, so werde das„eine viel tiefere Wirkung auf die gesamte Bevölkerung üben als die be- rcdtesten Ausrufe und die spitzfindigste Wahlparole". „Die Verärgerung und die Verbitterung hat sich in dem Volkskörper zwar schon weit hineingesreffen. Dennoch wird— dafür birgt der gesunde realpolitische Sinn des deutschen Volkes— die Oeffentlichkeit sich nicht taub und blind stellen, wenn der Reichskanzler unwiderlegliche Beweise dafür erbringt, daß er den Uebermut der jetzt so fest verbündeten, macht- berauschten Reaktion zu begegnen entschlossen ist und seine Re- gierungsakte vom Gesamtwohl, nicht aber von den Weisungen herrschwütiger Parteihäuptlinge abhängig macht." Bereits sieht die..Nationalzeitung an allen Ecken und Enden Zeichen, die sie frohen Herzens so deutet, als nahe eine schönere Zeit nationalliberaler Erfüllungen. Bethmanns Rede über den Antimodernisteneid habe„Formeln von einer erfrischenden Prä- zision" gebracht, und im preußischen Abgeordnetenhause habe er „dem überhitzten Preußeneifer des Gutsherrn von Klein- Tschunkave, hinter dem der Hochmut einer verhätschelten Partei und persönlicher Machthunger lauerten, daS klare Prinzip entgegen- gesetzt, Preußen dürfe keine kleinliche Politik im Bundesrate treiben, und die elsaß-lothringische Berfaffungssrage dürfe nicht im überlebten partikularistischen Sinne, sondern im deutschen Geiste gelöst werden". Solchen Worten schalle auS unzähligen Herzen ein frohe? Echo entgegen, das sich nur noch nicht„mit voller Herzlichkeit" her- vortraue. Erst allmählich werde sich das Mißtrauen gegen Beth- mann besiegen lassen.„Aber wenn sich die Anzeichen dafür der- stärken, daß Herr v. Bethmann Hollweg schon heute alö kluger Staatsmann nicht an die jetzige Majorität, die nach den Ergeb- nissen der Nachwahlen kaum mehr eine solche genannt zu werden verdient und bald zur Minderheit herabsinken muß, sondern an die ZukunstSmajorität denkt, die der neue Reichstag bringen wird, dann wird manche schwere Wolke des Mißtrauens und Unbehagens weichen." Es gibt doch gar seltsame große Kinder unter den„Staats- männern" des Nationalliberalismus. Um von dem bureaukratisch- pedantischen Philosophen von Hohenfinow die Begründung einer neuen liberalen Aera zu erwarten, muß man entschieden schon ein Wasser- oder Kindskopf sein._ Snnm cniqttc. S. M. hat den Reichskanzler Dr. v. Bethmann Hollweg bei Gelegenheit des StapellaufeS des Linienschiffes„Kaiser" in Kiel zum Generalmajor ernannt. Wahrscheinlich, weil der Kanzler ein so prächtiges Beispiel strengster Disziplin gibt, indem er stets willig in gottergebener Abhängigkeit sich den Befehlen des Herrn v. Heydcbrand unterwirft. Eine heilige Union. Nicht nur im rheinisch-westfälischen Jndustrkerevier werden bei der nächsten Reichstagswahl die Zentrumspartei und die nationalliberale Partei zusammen marschieren, um die dortigen Wahlkreise vor einer Vertretung durch sogenannte sozialdemo- demokrattsche Hetzer zu bewahren, auch in anderen West- deutschen Wahlkreisen wird zwischen beiden Parteien hinter den Kulissen steißig geschachert. In Bingen- Alzey. dem achten hessischen Wahlkreise, ist der Handel bereits perfekt. Dort haben sich die Zentrnmsparteiler verpflichtet, bei der nächsten Reichstagswahl keinen eigenen Kandidaten aufzustellen, sondern gleich im ersten Wahlgang für den bekannten nationalliberale» Rcichver- bändler Dr. Becker(Sprendlingen) zu stimmen. Ein Liebes- dienst, der natürlich nicht umsonst vom Zentrum geleistet wird. Es hat sich vielmehr als Entgelt ausbedungen, daß dafür bei der übernächsten Reichstagswahl die nationalliberalen Lokal- größen ihre Gefolgschaft zur Unterstützung des Zentrums- kandidaten kommandieren. So heißt es im klerikalen„Mainzer Journal": »Ja der heute stattgefundenen außerordentlich stark besuchten Vcrttauensmäimerversammlung der Zentrumspartei Alzeh-Bingen wurde einstimmig beschlossen, auf die Aufftellung.eines eigenen Kandidaten zu verzichten und den Kandidaten der»ational« liberalen Partei, Herrn Dr. Becker(Sprendlingen), be« dingnngSloS zu unterstützen. Am Schlüsse der von einmütiger Begeisterung getragenen Beratungen hielt Herr Weingutsbefitzer Biermann(Bingerbrück) einen interessanten Vortrag über das vierzigjährige Jubiläumsfest der deutschen Zentrumspartei, der mit großem Beifall ausgenommen wurde. Mit begeisternden Worten des Herrn Pfarrers Metzger-Alzey über die seitherige Tätigkeit unseres verehrten Herrn Reichstagsabgeordneten Ucbel wurde die glänzend verlaufene Versammlung mit einem Hoch auf denselben geschlossen." Und das schönste ist— die nationalliberale Parteileitung, in der zurzeit die„entschieden liberale" Richtung Bassermann überwiegt, billigt durchaus diesen schmählichen Wahlschacher. Auf die Anfrage, ob sie mit der Schachermacherei ein- verstanden sei, läßt sie in der„Nationallib. Korr." erklären: »Im Wahlkreise Alzeh-Bingen ist der frühere Reichstags« abgeordnete Dr. Becker(Sprendlingen) endgültig a&S Reichstags» abgeordneter aufgestellt worden. Durch die Presse geht die Mit- teilung, daß die Parteileitung die Kandidatur mißbillige und ihr die Unterstützung zu versagen beschlossen habe. DvL ist un» richtig. Die Parteileitung hat keinen Anlaß gehabt, sich zu der Frage dieser Kandidatur zu äußern." Wir finden diesen Kuhhandel der„nach Bildung und Besitz maßgebenden Partei" durchaus begreiflich: Verwandte Seelen finden sich zu Wasser und zu Land. Amtliches Resultat der Stichwahl in Gieheu-Nkdda. Bei der NeichStagSersatz-Stichwahl am 21. März im 1. hessischen Wahlkreise wurden insgesamt 24197 Stimmen abgegeben. Davon erhielt Oberlehrer Dr. Werner- Butzbach(Wirtsch. Vg.) 12 673 und Krankenkasicnkontrolleur Beckmann-Gießen 11 619 Stimmen. Wem» ist somit gewählt._ Revolution gemäß dem Bürgerlichen Gesetzbach» Bekanntlich hat der. R e i ch s b o t e" nichts weniger als die Gefangennahme des Parteivorstondes verlangt, da das Aussetzen einer Belohnung für die NamhaftmaÄuug der Mörder Herrmanns der Beginn der Revolution sei. Beim.Reichsboten" ersetzt eben die Frömmigkeit das Wissen. Es müßte ihm sonst bekannt sein, daß solche„Revolution" ausdrücklich vorgesehen ist— im Bürgerlichen Gesetzbuch. Der§ 657 dieser revolutionären Schrift lautet nämlich: „Auslobung. Wer durch öffentliche Bekanntmachung eine Belohnung für die Vornahme einer Handlung, insbesondere für die Herbeiführung eines Erfolges, aussetzt, ist verpflichtet, die Belohnung demjenigen zu entrichten, welcher die Handlung vor« genommen hat, auch wenn dieser nicht mit Rücksicht auf die AuZ» lobung gehandelt hat." Das nächste Mal. unwissender„Reichsbote', sei also mit Deinen christlichen Denunziationen vorsichtiger. Wird er kneifen? Herr Dr. Heim, der König der bayerischen ZentrumSbauem. liebt es zwar, den Bullenbeißer und unerschrockenen Volkskämpen zu spielen, wie so oft steckt aber auch hinter seiner absichtlichen Schnoddrigkeit eine recht ansehnliche Portion Feigheit. Obgleich er ganz genau weiß, daß die in einer Reihe Zentrumsblätter gegen ihn geschleuderten Verleumdungen und Verdächtigungen von der „ZentrutnS-Parlam.-Äorresp.", der sogen. ,C. P. C". ausgehen und diese von dem Vorstand der Zentrumsfraktion deS Reichstages inspiriert und versorgt wird, hat er doch nicht den Mut, sich direkt gegen die ihm bekannten Vorstandsmitglieder zu wenden, sonder» tut so, als handle cS sich um Angriffe einzelner Zentrumsblätter. Der Fraktionsvorstand hat für diese Taktik jedoch kein Ver« ständiiiS. Er würde es allem Anscheine nach recht gerne sehen. wenn der zum Bouernkönig avancierte Schullehrer aus Ansbach gegen die Leitung der Zentrumsfraktion selbst vom Leder zöge, da sich dann Gelegenheit böte, den lästig gewordenen Großmogul los zu werden. So schreibt denn die„Köln. VolkSztg." mit nicht miß- zuverstehettder Deurlichkeit: „Der jetzige Fall Heim ist ein Streit zwischen ihm und der Zentrumsfraktion des Reichstages. Wir wollen ihn nicht durch eine Polemik gegen Dr. Heim und seine Aeutzerungcn im Parlament zu einem Streit Dr. HeimS mit der Zentrumspresse machen. Die beiden von unS veröffentlichten Erklärungen wurden uns im Auftrage einer matzgebenden Stelle in der Fraktion durch die OLL übersandt und von uns als varteioffizielle Erklärung dc» Parteivorstandes veröffentlicht. Wir wiffen auch, daß die Erklärungen von einem Mitglieds des Partei» Vorstandes— einem Nichtprenßen— im Einverständnis bezw. im Auftrage des Fraktionsvorstandes ver« faßt und der Presse zur Veröffentlichung übergeben worden sind. Dr. Heim möge also seine Lorwürfe und Beschwerden an die richtige Stelle richten, wenn er sich dazu für berechtigt Wie wir Herrn Dr. Heim kennen, wird er kneifen, da» heißt sich mit einigen schnoddrigen �VerlegenheitSausreden aus der Sache zu ziehen suchen und die„richtige Stelle" nicht bemühen. Bayern gerettet! In der Kgl. Eiienbahnzentralwerkstätte Weiden(Oberpfolz) wurden drei Arbeiter entlassen, weil sie in der Werkstätte während des Faschings eine FaschingSzeitung verteilt hatten, in der angeblich nicht nur die StaatSamornät, sondern auch die Religion und mehrere ZentrumSabgeordnete verhöhnt worden sind. Amilich wird die Maß- regelung der drei„Verbrecher" damit gerech fertigt, daß man die Schuld— auf die sozialdemokratische Presse schiebt,„die. als die drei Arbeiter zuerst mit einem Verweis bestraft wurden, die Sache inL Lächerliche gezogen habe.. Keine Pest in Kiantschou. Wie das Gouvernement Kiantschou aus Tfingtau meldet, nimmt die Zahl der Pestfälle in der Mandschurei stetig ab. Das Schutz» gebiet Kiautschou ist bisher jeuchenfrei geblieben. frankreick. Die Altersversicherung. Baris, 23. März. Im heutigen Ministerrat unterzeichnete Präsident Falliereö ein Dekret zur Durchführung deS Gesetzes über die Altersversicherung für Industrie und land, liche Arbeiter. Der Ministerrat stimmte Pen Ausjührungs, bestimmungen für das Gesetz zu. foivlaticl. Stolypin bleibt. Petersburg, 25. März. Die Krisis ist beendet. S t o l y p i n b l e i b t auf seinem Posten. In seinem Haus fanix gestern abend ein Ministerrat statt. Durch zwei kaiserliche Er« lasse an den Senat wird befohlen, daß R e i ch s r a t unÄ R e i ch s d u m a die Session vom 25. bis 28. März unter, h r e ch e y, Die Erlasse smd von Stslypin gegengezeichnet, � Diese UnierbreZiung der Reichsrats- und der Duma- Sitzungen berechtigt die Regierung nach den Staatsgrund- yesetzen, die Semstwovorlage für die sechs West- gouvernements, deren Ablehnung im Reichsrat die unmittel- bare Veranlassung für die Demission Stolypins bildete, zum Gesetz zu erheben. Innerhalb zwei Monaten nach Wieder- aufnähme der Sitzungen muß das Gesetz den parlamentarischen Körperschaften vorgelegt werden. Zugleich erhält Stolypin die Genugtuung, indem seine Sauptgegner, die Reichsratsmitglieder Durnowo und Trepow vom Kaiser bis 1. Januar 1912 beurlaubt worden sind._ Einige Bestien verurteilt. Jekatcrinburg(Gouv. Perm), 24. März. Das Gericht vcrur- teilte den früheren Chef der hiesigen Sträflings- abteilung, seinen Gehilfen und fünf Aufseher wegen Mißhandlung verhafteter Personen zu Festungs- strafen, sieben weitere Aufseher wegen desselben Deliktes zu Polizeihaft. Von hundert vorgeladenen Zeugen bckun- beten sechzig, daß sie mißhandelt worden seien. Ein neues Halbnltimatum an China. � Peking, 25. März.(Meldung des Ncuterschen Burealls.) In einer weiteren Note fordert Rußland von China die An- nähme der in der Note vom 16. Februar aufgestellten Prin- zipien. Obschon die Note nicht in drohendem Ton gehalten ist, so läßt ihr Wortlaut doch erkennen, daß eine prompte, gerade und klare Antwort erwartet wird. In Wladiwostok sind Kriegsgerüchte der- breitet. Man behauptet,-daß wieder zahlreiche Grenzzwischen- fälle vorgekommen seien und die chinesifchenTruppen mobilisiert werden._ Ernste Lage. Peking, 25. März. Die Lage soll sehr e r n st sein. Man glaubt. wenn sich nicht China innerhalb der festgesetzten Frist bedingungs- los auf den Standpunkt der russischen Note vom IS. Februar stellt, werde Rußland Zwangsmaßnahmen, die bereits vorbereitet feien, ergreifen. Japan. Der Gehcimprozeß vor der PairSkammer. Tokio, 23. März. Ein Mitglied der Kammer der PairS hat die Regierung über die Affäre Kotoku interpelliert und hat erklärt, daß die Regierung die größte Verantwortung in dieser Sache trage. Die Unzufriedenheit des Volkes sei durch das Elend und durch die Strenge der Justiz erzeugt. Man habe einer großen Zahl von jungen Leuten einen gefährlichen Weg gezeigt. Der Minister des Inneren antwortete, daß in seinem Programm Hilfe für die Armen, Arbeitsnachweis für Arbeitswillige und die Ent- Wickelung der nationalen Erziehung vorgesehen sei, um die Ent- Wickelung des Sozialismus zu verhindern(!) Der Minister verlangt zur Erfüllung dieser Aufgabe die Unterstützung der Bürger. Ein anderes Mitglied hat gefragt, welchen Eindruck das Gerichtsurteil aus das Ausland gemacht habe. Der Minister erwiderte, daß aus den Berichten der Gesandtschaften hervorgeht, daß das Ausland gleichgültig blieb. Am nächsten Tage ist von Parlamentsmitgliedern erklärt worden, daß die Regierung die Wahrheit entstellt habe, denn in Paris. New-Nork und anderen Städten hatten heftige Protestversammlungen stattgefunden. Die emsländische Presse hat die japanische Regierung stark angegriffen. Zehn Mitglieder haben übernommen, die Beweise beizubringen für den schlechten Eindruck den der Geheimprozeß im Ausland gemacht hat. Mexiko.. Rücktritt des Ministeriums. New Jork, 25. März. Der Associated Preß wird aus Presidio meldet, ist das Kabinett zurückgetreten. Als offizieller Grund für den Rücktritt wird der Wunsch bezeichnet, zur W i e d e r- Herstellung des Friedens und zur Erleichterung der AuS- führung der beabsichtigten Reformen beizutragen. Corral ist als Minister des Innern, aber nicht als Vizepräsident zurück- getreten. Mit Ausnahme des Ministers des Aeußeren Creel sind alle Mitglieder des Kabinetts lange im Amte gewesen. Dies ist gerade eine der Beschwerden der Revolutionäre, die erklären, daß die Minister Vertreter der jüngeren Generation sein sollten. Der Rücktritt dcö Kabinetts ist in allen Kreisen mit Befriedigung auf- genommen worden. Nach einer weiteren Depesche aus Mexiko ist dort halbamtlich verkündet worden, der Präsident D i a z habe die Minister zum Rück- tritt aufgefordert, da er ein jüngeres Kabinett zu haben wünsche. In das neue Kabinett soll kein Mitglielz per revolutionären Partei aufgenommen werden. Ein Erfolg der Revolutionäre. New Dork, 25. März. Der Associad Preß wird aus Presidio (Texas) berichtet, daß die Insurgenten die Regierungs- t r u p p e n bei Chihuahua geschlagen haben. Auf feiten der RegierungStruppen sollen 160 Mann gefallen sein. Eue der Partei. Die Fortschritte der gecinigten Partei Frankreichs. DaS Wochenblatt der französischen Genossen ,Le Sodaliste* veröffentlicht den Bericht des Nationalrats an den Parteitag, der Ostern in St. Ouentin tagen wird. Der Bericht ist überaus günstig. Die Zahl der b'bobenen Partcikarlen ist im Jahre lölO von 57 077 auf 69 280 gestiegen, die für die Vertretung auf dem Partei- tag maßgebende Zahl der Parteikartcn, auf die mindestens acht Monatsbeiträge eingezahlt wurden, von 53 923 auf 63 358. Die Zahl der steuernden Parteimitglieder hat also um 0430 zu- genommen, ungefähr um soviel, wie in den letzten vier Jahren zusammen. Seit dem Einignngskongreß. wo 84 638 Mitglieder verireten waren, ist die Partei stetig gewachsen. aber niemals in dem Maße wie im letzten Jahre. Zweifellos ist der Fortschritt besonders auch dem Umstände zu danken, daß im Mai die all- geineincn Wahlen stattfinde», aber auch so ist dieses Ergebnis viel- versprechend. Wie der Parteisekretär feststellt, ist seit der Wahl- bewegung keineswegs ein Abflauen, sondern" im Gegenteil ein weiteres Zuströmen in die Parteiorganisationen bemerkbar. Was das letzte Jabr weiter vor seinen Vorgängern auszeichnet, ist der erfreuliche Umstand, daß die Zunahme nicht auf einige große Föderationen entfällt, während die Mehrzahl stagniert oder abnimnit. Von den 70 Föderationen, die 1010 die Partei bildeten, find 58 gewachsen, 20 haben abgenommen, eine ist stehen geblieben. Am stärksten ist die Zunahme in der Föderation Nord, die von 10 000 auf 11 525 Mitglieder gestiegen ist. in der Föderation Seine <8750 Mitglieder. Zunahme 1000): G i r o n d e<1502 Mitglieder. Zunahme 580), Haute vienne<1600 Mitglieder, Zunahme 680). Das vom BriandiSmuS korrumpierte Departement Loire zeigt gleichfalls eine erfreuliche Zunahme(von 488 auf 706). Im ganzen hat sich auch diesmal die Erfahrung bestätigt, daß die Organisationen umsomehr Aussicht auf Zunahme haben, je stärker sie sind. Der Bericht gibt weiter einen Uebciblick über die für die Partei erfolgreichen Kammerwahlen. Die sozialistischen Sriminen find von 877 009 im Jahre 1010 auf 1106 047. also über 20 Proz. gestiegen, die eroberten Mandate von 54 auf 76. Ein Pariser Mandat, das durch des Tod de» Genossen Chauviöre erledigt war. ging seither verloren, weiter ist der„Verlust* des Deputierten Breton zu der- zeichnen, der aus der Partei endlich ausgetreten ist. Ein Vergleich der Stimmen- und Mandatsgetvinne mit dem Stand der Organisatiosten findet sich im Bericht nicht. Er hätte allerdings einige dunklere Partien in diesem lichten Bild gezeigt. Ein Stimmengewinn z. B. von 20: 129 wie im Deparirment«llier steht zu einer Zunahme der Föderation von 800 auf 1287 Stimmen in einem wenig erfreulichen Verhältnis. Das gleiche— ein Gewinn von 2 bis 3 Proz. der neuen Wähler für die Organisation findet sich noch in einer Reihe weilerer Departements. Hier zeigt sich, mit welchen Schwierigkeiten die Organisation der französischen Partei zu kämpfen hat. Der Aufschwung der Partei findet in der Entwickelung ihres Wochenblattes keinen Ausdruck. Vielmehr geht trotz aller Kongreß- beschlüffe die Auslage des.Sozialiste* immer mehr zurück. Die Abonnentenziffer fiel im Jahre 1910 von 140l auf 1331. Die Verpflichtung der Sekretäre der Lokalorganisationen, das Blatt zu abonnieren, wird in vielen Fällen nicht eingehalten. Die Buch- Handlung des„Socialiste* klagt gleichfalls über das geringe Interesse der Genossen. 1010 wurden nur drei neue Broschüren tierausgegeben. Eine Ausgabe der Hauptwerke von Karl Marx ist in Vorbereitung._ Unsere Toten. In Kiel starb ein Veteran der Bewegung, Genosie Adolf F r a n ck im Alter von 83 Jahren. Er gehörte zur alten Garde und konnte, wenn er auch nicht öffentlich hervortrat, vielen jungen Genossen als Beispiel dienen, denn trotz seines hoben Alters ließ er keine Parteiversammlung bezw. Beranstalwng vorübergehen, an der er sich nicht beteiligte. Ehre seinem Andenken! Jugendbewegung. Vom Polizeikrieg gegen die„UnterrichtSknrse". In Lichtender g-Friedrichsfelde führt die Polizei bekanntlich, bewaffnet mit einer ungesetzlichen Verfügung der Schul- abteilung der Regierung zu Potsdam, einen Krieg gegen die unpolitischen Versammlungen, die der Jugendausschuß für die Jugendlichen veranstaltet. Vor etwa drei Wochen hat sie solch, eine Versammlung bekanntlich verhindert. Dann hat sie an den fälligen Abenden zweimal vergeblich in Friedrichsfelde auf der Lauer gelegen, in der dritten Woche aber, am Mittwochabend, gelang es ihr. ein« öffentliche unpolitische Versammlung aufzuspüren. Ein starkes Polizeiaufgebot, das viel Aufsehen erregte, trat in Aktton i«in Polizeihauptmann und zwei Schutzleute, einer davon mit einem Revolver bewaffnet, bettaten da? Lokal und machten auf die Verfügung des Regierungspräsidenten von Potsdam aufmerksam. Die Versammlung müffe geschloffen werden. Obgleich nicht etwa Genosse Davidsohn, wie die Polizei vermutet hatte, referierte, sondern ein Jugendlicher eine geschichtliche Darstellung vortrug. nahm der Herr Hauptmann eine Fortsetzung des verbotenen„Unter- richtskursuS* an. Nachdem einige Jugendliche festgestellt waren, wurden die Anwesenden aufgefordert, daS Lokal zu verlaffen. Die Jugend vergnügte sich darauf in den anderen Räumen. Die Ge- »offen Davidsohn und Kliem aber gingen zum Polizeirevier, um die Verfügung einzusehen. Sie war nicht vorhanden, auch der Herr Hauptmann, der die Aktion durchführte und den man auf einer anderen Polizeiwache auffuchte, ließ sich nicht sprechen, auf dem Polizeiprästdium stellte sich nach längerem Warten der Kriminal' lommisiar Baumann als Vertreter des Präsidenten vor, weigerte sich aber. die Verfügung zu zeigen, ohne ausdrückliche Genehmigung desPräsidenten. Auf dem Polizeirevier war den Genoffen gesagt worden, eS handele sich um eine generelle Verfügung, im Gegensatz dazu erklärte Herr Baumann, daß es eine spezielle Verfügung für den besonderen Tag und die besondere Versammlung sei. Mehr war nicht heraus- zukriegen. DaS Verfahren der Lichteuberger Polizei wird immer absonder- licher und widergesetzlicher. Aber nicht erfolgreicher, wie daS ver- gnügte Zusammenbleiben der Jugendlichen nach der Auslösung zeigt. Soziales. Das Einführungsgesetz zur ReichsversicherungSorbnung' wurde besprochen in einer von der Zentralkommission einberufenen, sehr stark besuchten Versammlung der Krankenkaffenvorstände und Verwaltungsbeamten, die gestern in Dräsels Saal stattfand. Der Referent Svdow unterzog das Gesetz einer sachlichen aber abfälligen Kritik und sagte zmn Schluß: Jetzt, wo die Beratung der Reichs- versicherungsordnung durch die Kommission abgeschlossen ist, sei es Zeit für die Krairkenkaffen, mit der Agitation dagegen einzusetzen. — Lehmann beleuchtete die Beeinträchtigung der Rechte der Krankenkassenangestellten vom Standpunkte der Organisation der- selben.— Zur Versammlung waren sämtliche Mitglieder der Reichstagskommission eingeladen. Erschienen war mir Robert Schmidt. In längerer Rede zeigte er. daß es lediglich politische Gründe sind, welche die Regierung und die reaktionären Parteien veranlaßten, di« Selbstverwaltung der Krankenkaffen illusorisch zu machen. Die Sozialdemokraten aus der Vevwaltung der Kaffen zu verdrängen, sei der Zweck dieses Vorgehens. Obgleich die Sozial- demokraten nicht nötig haben, ihre Stellung in den Krankenkaffen zu politischen Zwecken auszunutzen, und es auch nicht tun, so soll doch nicht geduiidet werden, daß Sozialdemokraten an der Vertval- tung einer Korporation mit öffentlich-rechtlichen Befugnissen teil- nehmen. Und doch sind unter dem Einfluß sozialdemokratischer Ver- waltungsmitglieder in vielen Krankenkaffen mustergültige Einrich. tungen geschaffen worden. Es sei ein Irrtum, wenn angenommen werde, daß die hier gekennzeichnete Verschlechterung des Kranken- kassenwesenS, besonders die Beeinträchtigung der Selbstverwaltung. ein Werk des schwarz-blauen Blocks sei. An diesem Werk der Ver» schlechterung haben auch die Nationallibcralcn, ja sogar die Frei- sinnigen mitgearbeitet. Der Haß gegen die Arbeiterbewegung geht so weit, daß auch die Nationalliberalen und Freisinnigen in der Kommission den Bestimmungen zustimmten, die sich gegen die Ar- beiterbewegung richten. Dieser Umstand sei in unserer Partei- presse nicht genügend hervorgehoben worden. Die Reichsverstche- rungsordnung sei ein Ausnahmesesctz gegen die Arbeiter, eine Ber- gewaltigung der Arbeiter, gegen die protestiert werden müsse. Die Versammlung, in der 103 Krankenkassen vertreten waren, nahm einstimmig diese Resolution an: „Die Versammelten erheben schärfsten Protest gegen den Ver- such, im Rahmen des EinführungSgesetzeS zur ReichSversicherungs- ordnung ein Ausnahmegesetz gegen die bisherigen Kassenbeamten zu schassen.— Die von der Regierung 1908 in das Reichsamt deS Innern einberufene Konferenz hat als einhellige Meinung der mit dem Kassenwesen wirklich vertrauten Arbeitgeber die Zurückweisung der von Parteileidenschaft diktierten Behauptung ergeben, als würden in den Ortskassen die Geschäfte der sozialdemokratischen Partei gefördert. Die Nichtigkeitserklärung auf Grund bestehender Gesetze zwischen Kassen und Angestellten abgeschlossenen Verträge wider- spricht jedem Rechtsgefühl und läuft den anerkannten StaatSgruttd- sähen zuwider. Wir fordern Verwerfung der auch sonst mit Verschlechterungen überreich bepackten ReichSversicherungvordnung. die in der von der Kommission fertiggestellten Fassung das Zerrbild einer wirklichen Reform bietet und in keiner Weise den Wünschen der Kranken- kssseüvoMnwt SeMaltMgsbkllBteo Ull!» Wijgliedsr m bezug(W| I Selbstverwaltung, sowie bezüglich der fflrzs- und ApothekettfragS ' entspricht.*>' Ein gegen die guten Sitte« verstoßender Hungerlohnvertrag beschäftigte gestern die Kammer 3 des Gcwerbegerichts. Bei der Firma Hermann Hoppe war der Kläger N. als Abonnentensammler für das von der Firma verlegte Privattelephonbuch mit Branchen- Verzeichnis bcschäftigt. Als Lohn war durch schriftlichen Vertrag 25 M. pro Woche und 6 M. für Spesen vereinbart. Dafür mutzte er aber 50 Aufträge bringen. Für jeden Auftrag, den er mehr bringt, sollten ihm 50 Pf. zugelegt und für jeden Auftrag, den eo weniger bringt, 50 Pf. von den 23 M. abgezogen werden. Bringt er weniger wie 40 Aufträge, so kommen auch die Spesen in Fort» fall. Der Kläger hat in seiner dreitägigen Tätigkeit nur 7 Auf- träge bringen können. Diese will die Lirma nicht bezahlen. Sie bemängelt, daß dieselben anstatt mit Tinte mit Bleistift von den Austraggebern unterschrieben waren. DaS Gewerbegcricht unter Vorsitz des Magistratsrats Schultz bezeichnete den Bertrag als gegen die guten Sitten verstoßend, weil die in ihm enthaltene Lohnvereinbarung derart verklausuliert sei, daß sich der Kläger, dem doch nur ein geringerer Bildungs- grad eigen sei, kaum über den Vertrag klar werden könne, lieber- dies ist eine Lohnvereinbarung, die von solchen Bedingungen ab» hängig ist. wie in diesem Vertrage, ein Verstoß gegen die guten Sitten und deshalb nichtig. Denn es bleibt bei der Berechnung nach den Vertragsbedingungen als Lohn fast gar nichts für die Tätigkeit des Klägers übrig. Das Gewerbegericht hat daher dem Kläger 7,50 M. als angemessene Entschädigung für seine Tätigkeit zugesprochen und die Mehrforderung im Betrage von ö M. ab« gewiesen. Einführung ber Verhältniswahl beim Gewerbegericht."s Beim Göttinger Gewcrbegericht bestand bisher die MehrheitS» Wahl. Nach Anhörung der beteiligten Kreise haben die städtischen Kollegien beschlossen, nunmehr auch beim Gewcrbegericht die Ber- hältniswahl einzuführen._ Hus Industrie und Kandel. Speknlationstaumel. Seit einiger Zeit schenkt die Börsenspekulation ihre ganz bc» sondere Aufmerksamkeit den Aktien von Maschinenfabriken. die denn auch fortgesetzt starke Kurssteigerungen erfahren haben. Wohl ist der Geschäftsgang im Maschinenbau nicht unerheblich leb- hafter geworden, auch die Geschäftsabschlüsse von Gesellschaften dieser Branche weisen fast allgemein gesteigerte Gewinnevgebnisse auf, doch längst wurde dieses Maß der Besserung in den hoch- getriebenen Kursen überreichlich getvertet. Neue Nahrung erhielt dos Kurstreiben nun durch die Ankündigung von Kapitals- erhöhungen zahlreicher Gesellschaften, die ihre Unternehmuwzen ausdehnen wollen. Dabei zeigen täglich weitere Gesellschaften Kapitalsbcdarf an. Diese Vorgänge sind wirtschaftlich recht bc- denklich. sie lassen erkennen, daß viele Kapitalserhöhungen erst durch die starken Kurssteigerungen angeregt worden sind. Fraglich dürfte sein, ob die unter solchen Umständen erfolgten Betriebs- evweiterungen sich auch als zweckmäßig erweisen werden, wenn die in den letzten Monaten regere Beschäftigung wieder nachläßt, wobei noch zu berücksichtigen ist, daß die ProdultionsauSdehnung ziemlich allgemein vorgenommen wird. Der Einwand, daß der Ausbau von Anlagen stets nach sorg- fältigen Erwägungen erfolgt, ist keineswegs stichhaltig, wahr ist vielmehr, daß bei solchen Maßnahmen technische Gründe oft nur eine untergeordnete Rolle spielen, daß dagegen von den Banken, die die Gesellschaften kontrollieren, Betriebsausdehnungen usw. häufig allein veranlaßt werden, u-m bei den dazu notwendigen .Kapitalbeschaffungen beträchtliche Profite zu erzielen. Für die Arbeiters cha s t ist eine derartig« Bewegung nicht ohne Jnter» esse, denn Kapitalserhöhungen zu rem spekulativen Zwecken wirken schließlich auch auf di« Gestaltung der Lohnverhältnisse ein, weil Unternehmungen bei einer Ueberkapitalisie» rung in ihrer Rentabilität meist zurückgehen müssen. Elxiratlerisiischlfür die Folgen überstürzter Kapitals- Vermehrung ist die Geschichte der Lübecker Maschinen- gesellschaft, die von KapitalSerliöhung zu Kapitalserhöhung schritt, ihre Betriebe ununterbrochen ausdehnte und nach Dividenden von 20 Proz. für 1909 auf eine Dividende von 12 Proz. zurückging, für das Jahr 1019 aber gar keine Dividende mehr zur Verteilung brachte. Bei der wüsten Spekulation in den Aktien von Maschinen- fabriken und den auffällig zahlreichen Kapitalserhöhungen der» artiger Unternehmungen dürste sich daS Geschick bei; Lübecker Maschinengesellschaft öfter wiederholen. Das Jubiläum der Krise. ES ist einmal Mode geworden, alle passenden und unpassenden Gelegenheiten zu Jubiläen auszunützen, und daher möge hier auch eines Ereignisses gedacht werden, das zwar keine angenehmen Er- innerungen weckt, jedoch für die kapitalistische Ordnung der Dinge von ganz beträchtlicher Bedeutung ist. Gegenwärtig sind nämlich an die 100 Jahre Verslossen, daß die Kultnrwelt mit dem furcht- baren Gespenst der wirtschaftlichen Krise bekannt wurde. Napoleon hatte durch die Kontinentalsperre das Festland der eng- lischcn Ware verschlossen und dadurch die junge Industrie Frank- reichs, Belgiens und der Rheinlande zu heben versucht. Aber das Experiment gelang nur sehr unvollkommen. Nicht allein, daß das industriell noch sehr rückständige Preußen unter der Sperre furcht- bar litt, nicht nur, daß für die kontinentalen Rohprodukte England als Abnehmer verloren ging, auch die mit großer Mühe auf- gepäppelte Industrie des Westens ließ bald ihre innere Schwäche zutage treten. Im Jahre 1811 war ihr, trotzdem die Zeiten relativ friedlich waren, der Atem ausgegangen, und, um den völligen Zu- sammenbruch zu verhindern, mußte der Kaiser mit GtaatSvor- sch ü ss e n an die größeren Unternehmer einspringen. Nicht weniger als 18 Millionen Frank, eine für die damalige Zeit sehr beträchtliche Summe, gab das Empire damals für die Groß» industriellen her. Diese kontinentale Krise bildete dann gewissermaßen die Ein- leitung zu der großen wirtschaftlichen Katastrophe, von der das triumphierende England nach dem Sturze Napoleons heim- gesucht wurde. Der Sieg über den Usurpator war mit englischen Geldmitteln ermöglicht worden; hatte doch die englische Anleihe- schuld von 1793 bis 1815 den ungeheuren Betrag von 427 Millionen Pfund Sterling oder 8Vi Milliarden Mark erreicht. Als nun mit gewaltigen Opfern der Friede hergestellt war, rechnete das eng- tische Unternehmertum mit einein großen Aufschwung« des Ab» satzeS auf dem Kontinent und richtete die Produktion dieser Er, Wartung entsprechend ein. Aber die Berechnung schlug fehl, denn man hatte außer Be> tracht gelassen, daß der Krieg die Völker des Festlandes ausgesogen und die Kaufkraft herabgedrückt hatte. So mußten denn viele Fa- briken wegen Mangel an Bestellungen schließen und ihre Arbeiter entlassen, denn an StaatShilse, wie viele Jahre vorher in Frank- reich, war nicht zu denken. Das Elend wurde noch verschärft dadurch, daß die infolge des Friedensschlusses entlassenen Soldaten auf den ArbcitSmarkt drückten und die mit barbarischen Strafen erzwungene Organisationölosigkeit der Arbeiter nicht nur jede Selbsthilfe, sondern auch jede Aufklärung unter dem Proletariat unmöglich machte. So kam eS denn, daß die Arbeitslosen die Ma- schinen als die Ursache ihre Elends betrachteten und diese vielfach zerstörten. An die zwanzig großen Krisen gaben dann noch bis zur Gegen- wart Kunde von der Widcrsinnigkeit der kapitalistischen Pro- duktionsweiss; mit Millionen von Opfern ist der Leidensweg be- deckt, den das Proletariat in den jetzt verflossenen hundert Jahren zu wandeln hatte. Um so Heller leuchtet ihm die Hoffnung auf eine sozialistisch geordnete Produktionsweise, die mit anderen Widersinnigkeiten und Scheußlichkeiten des KaptaliSmuS auch da» ZjespWsj d» Krise für immer kvuuv wird,.. 6ewcrhrchaftUcbca. Cln neuer„cbnUtUcber" Streikbruck ist bei der Bewegung der Maschinisten und Heizer auf der Stinnes- Grube Union in Dortmund zu konstatieren. Die „Christlichen" kommen dort nur mit ganzen vier Leutchen in Betracht. Schon lange bevor die Forderungen eingereicht worden waren, hatte sich die Ortsverwaltung der„Christen" an die Werks- direktion gewandt. In verschiedenen Schreiben wurde die kommende Bewegung signalisiert, und es wurde das Wohl- wollen der Firma sür die vier christlichen Helden erbettelt. Infolge dieser Schurkentat wurde beschlossen, die christlichen Führer von dem Bekanntwerden ab von den Sitzungen und Versammlungen auszuschließen. Die vier beteiligten„christlichen" Arbeiter wurden aber nicht ausgeschaltet. Entsprechend ihrem„vor- sorgenden" Treiben betätigten sich die Christen bei der Pro- klamierung des Streiks. In einer„Betriebsversammlung", zu der die Christen einige werkfremde Arbeiter herangeschleppt hatten, wurde vom Sekretär des christlichen Metallarbeiterverbandes der Streikbruch in aller Form proklamiert. Nicht nur das. es wurde auch betont, daß die Christen v ers u ch en w o ll en, i hr e Leut e i n den Betrieb zu bringen und den Streik damit abzuwürgen! Zum Glück laufen die Dinge nicht, wie es ein Zentrums� gebundener Sekretär haben will. Im Zentralverband der Maschinisten und Heizer sind zirka 340 der Streikenden organisiert, die beim Deutschen Metall» arbeiterverband und im Hirsch-Dunckerschen Gewerkverein organisierten Maschinisten haben sich von ansang an der Bewegung angeschlossen. Sicher können die vier„Christen" mitsamt ihrem Sekretär Stinnes nicht retten, wenn nur die Streikenden fest bleiben._ ßerltn und Umgegend« Achtung, Metallarbeiter! Der Betrieb der Firma Niemann. Kommandantenstratze, ist immer noch streng gesperrt. Die Sperre de« Unternehmernachweises hat den von den Unternehmern ge wünschten Erfolg nicht gehabt, denn die Herren bemühen sich unter Beistand von gewerbsmäßigen Vermitteiungsgeschäften. Leute als Streikbrecher zu bekommen. Was da zusammenkommt, ist das be- kannte„leistungsfähige" Material. Wir ersuchen unsere Kollegen, den Betrieb der Firma Niemann so wie bisher zu meiden, dann hat ja die Firma auch ihren Wunsch erfüllt, nämlich keinen Organi- sierten im Betrieb. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Protest der städtischen Rieselfeldarbekter. Das Personal der nördlichen Rieselfelder Berlins nahm in zwei gut besuchten Versammlungen, eine tagte in Franz. Buchholz, die andere in Hohenschönhausen, Stellung zu den Ergebnissen der Etatsverhandlungen im roten Hause. Die Verhandlungen lassen erkennen, daß die Arbeiter auch diesmal wieder vollständig leer aus- gegangen sind, obgleich die unrichtigen Angaben des Stadt- kämmerers Steiniger vom vergangenen Jahre, wonach das Jahreseinkommen der Nieselfeldarbeiter im letzten Jahrzehnt von 110» auf 1900 Mk. gestiegen sei, längst widerlegt sind. Seit 1882, also seit 29 Jahren, ist keine Lohnaufbesserung erfolgt. Wie damals beträgt noch heute der Lohn der Hofleute im Winter 1,20 Mk. oder 12! I! Pf. die Stunde, im Sommer 1,80 Mk., zu- sammen mit Deputat kaum 800 Mk. Bestimmt hatte man erwartet, daß den bescheidenen Wünschen der Arbeiter zum Etat in etwas Rechnung getragen würde. Aber nichts ist erfolgt. Wie bisher, sollen auch in Zukunft die Rieselfeldarbeiter die Stiefkinder der städtischen Verwaltung bleiben. Neben den erbärmlichen Löhnen eine überlange Arbeitszeit; so müssen die Rieselwärter immer noch 12 Stunden arbeiten. Die sozialen Einrichtungen, wie Sommer- urlaub und Arbeiterausschüsse, die in den anderen städtischen Be� trieben schon ein Jahrzehnt und länger bestehen, fehlen den Riesel feldarbeitern noch gänzlich. In den Versammlungen kam der Un» wille der Arbeiterschaft in elementarer Weise zum Ausdruck. Euv stimmig gelangte ,n beiden Versammlungen d,e nachstehende Reso lution zur Annahme: „Die zahlreich besuchten Versammlungen der Rieselwärter und Arbeiter in Franz. Buchholz und Hohenschönhausen am 12. März 1811 nehmen entrüstet Kenntnis von der abermaligen Außerachtlassung ihrer gerechten Forderungen im Etat für 1811 und bezeichnen eS als eine soziale Rückstandigkeit ohnegleichen, daß die Arbeiterlöhne, ungeachtet der dauernd gestiegenen Teuerungsverhältnisse, seit 1832 keine Aufbesserung erfahren haben. Die Versammelten protestieren ferner dagegen, daß die Rieselfeldarbeiter als minderen Rechtes behandelt werden und ihnen der allen anderen städtischen Arbeitern gewährte Sommer urlaub sowohl als auch die Vertretung durch einen Arbeiter auSschuß verweigert wird. Nichtsdestoweniger werden die Versammelten in ihrem ge- rechten Kampfe treu aushalten; sie fordern daher die noch fern- stehenden Kollegen aus, die Pflicht der Solidarität aller Arbeiter zu üben und sich der gewerkschaftlichen Organisation, dem Verbände der Gemeinde- und Staatsarbeiter, unverzüglich anzw schließen."_ «verband der Tapezierer. Gesperrt sind folgende Werkstätten: Rolke, Frankfurter Straße 88; Birnbaum. Fliederstr. 4; Stephan u. Helbing, Andreas- straße 43; Dreier, Dennewitzstr. 29; Dittmar. Molkenmarkt 4; Petri, Adalbertstr. 52; Stille, Charlottenburg; Heß u. Rom. Leip- ziger Straße; Müller, Lebuser Straße 15; Groß, Lindenstr. 92; Ungar, Straßburger Straße 54; Heymann, Adalbertstratze 9; Berschak(früher Rothe), Mehnerstr. 4; Lehmann, Wilhelmstr. 42; Fastrupp, Chausseestr. 36; Krause. Hedemannstr. 15; Rönier und Böttcher, Saarbrücker Straße 30; Parlhie, Lichtenberg; Fleischer, Pannierstraße 29; Ehrlich, Schönhauser Straße 32; Jakob und Braunfisch. Alexanderstr. 27a; Barsig u. Pohl, Fruchtstr. 36; Trunk u. Co., Kronenstr. 10; Hilt, Kupfergraben 4; Emmier, Kottbuser Damm 25; Jäckel, Markgrafenstr. 77; Gierke, Reichenberger Str. 47; Kunst im Handwerk, Frankfurter Allee 117»; Plettenberg, Teltower Straße 22. Obige Werkstätten stehen im Streik. Ausgespe-rrt haben: Göppert, Schöneberg. Hauptstr. 96; Berner. Wilmersdorf; Israel, Spandauer Straße; Henke, Markus- straße 52; I. C Pfaff, Maybachufer; Keller u. Reiner, Potsdamer Straße 113; Rifenstahl. Prager Platz; Schirmann, Potsdamer Straße; A. I. Ball, Potsdamer Straße 26; H. Gerson; A. Theuer, Passauer Straße 16; Kimbel u. Friederichsen. Bülowstr. 43; Hein- rich, Greifswalder Straße 218; Redelsheimer, Hobrechtstraße 30; Schöll, Kurfürstendamm 240; Theiler, Neitelbeckstr. 5; Ditt, Königs- Weg 10; Wannowski, Bochumer Straße 13; Wollner, Molkenmarkt. Achtung, Dachdecker! Wegen vorhandener Differenzen haben dt« Kollegen der Firma Puhlemann, Müllerstr. 14, die Arbeit ein- gestellt. Zentralverband der Dachdecker. Der Streik der Kutscher und Speditionsarbeiter bei der Firma R. Wrichhardt Nnchf. zu Spandau dauert unverändert fort. Fünf Arbeiter aus der Eisenhandlung der Firma sind zu Arbeits- willigen geworden, und zwar die Kutscher Kunde, Protz. Dietze, Hanne und D u h m k e, die im Berein mit den.Steh- kragenproletariern' der Firma Ransreißerdienste leisten. Wir bitten die Spandauer Arbeiterschaft sowie die Berliner Rollkutscher und Speditionsarbeiter, uns in diesem Kampfe um die Anerkennung der Organisation zu unterstützen, indem sie die Streik- brecher auf daS Verwerfliche ihres Treibens aufmerksam machen. Deutscher TranSportarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Spandau. Deutfchcs Reich. Zur Lohnbewegung der Oderschiffer. Die Verhandlungen, die am Freitag in Berlin stattgefunden haben, werden nächste Woche in Breslau fortgesetzt werden. Tarifbewegung in der Lederwaren-, Album- und Reise- artikel-Jndnstrie. Am 30. Juni d. I. laufen die Tarifverträge in der Porte- feuilles-, Reiseartikel-, Koffer-, Album-, Mappen- und Leder- aalanteriewaren-Jndustrie in den Städten: Berlin, Frei- berg i. S., Stuttgart und im Osfenbacher Industrie- gebiet ab. In Berlin, Freiberg i. S. und Stuttgart haben die im Verbände der Sattler und Portefeuiller organisierten Arbeiter in überaus stark besuchten Versammlungen bereits einmütig be- schlössen, die Verträge zu kündigen. Im Offenbacher Industrie- bezirk und bei den Berliner Album-, Mappen- und Galanterie- arbeitern ist ebenso beschlossen worden. Die in Betracht kommenden Unternehmervereinigunaen, die im Zentralverband der Lederwarenindustriellen Deutschlands vereinigt sind, haben sich dahin festgelegt, daß, wenn an einem Ort der Tarif von. den Ar- beitern gekündigt wird, das gleiche für die übrigen Orte gilt. Somit kann schon jetzt gesagt werden, daß der Lohnkampf, an dem zirka 7500 Beschäftigte beteiligt sind, auf der ganzen Linie ent- brennen wird. Freigewerkschaftlich sind über 6000 im Verband der Sattler und Portefeuiller und über 600(Album-, Mappen- und Ledergalanteriearbeiter Berlins) im Deutschen Buchbinderverband organisiert. Die Unternehmer sind ebenfalls in ihrer großen Mehr- zahl organisiert; außerdem hat sich ein Teil von ihnen der Streik- Versicherung des Bundes sächsischer Industrieller angeschlossen, andere kapitalkräftige Fabrikanten in Offenbach wollen durch Sicht- Wechsel sich verpflichten, Aussperrungen gründlich durchzuführen. Auf Grund der bestehenden Tarifverträge sind die örtlichen Schlichtungskommissionen verpflichtet, einen neuen Tarifvertrag vorzubereiten. Hierzu stellen die Arbeiter folgende Hauptforde- rungen: Das Tarifverhältnis ist auf alle Arbeiter und Arbeite- rinnen auszudehnen, auch auf solche, die in Filial-, Verleger-, Zwischenmeister- oder Heimarbeitsbetrieben beschäftigt werden. Die Vereinigung der Lederwaren- und Reiseartikelfabrikanten darf denjenigen Mitgliedern, die das System der Zweigniederlassungen oder der Zwischenmeisterbetriebe benutzen, in dem die Bestim- mungen des Vertrages umgangen werden, keinen Schutz gewähren, d. h. auch die Hauptbetriebe dürfen bestreikt werden, und die Schlichtungskommissionen sollen berechtigt sein, solchen Unter- nehmern empfindliche Geldbußen aufzuerlegen. Waren, die nicht unter tarifmäßigen Bestimmungen hergestellt werden, dürfen von vertragsverpflichteten Personen nicht gekauft werden. Auch sollen die Unternehmer verpflichtet werden, nur solche Heimarbeiter und Zwischenmeister zu beschästigen, die ihre Hilfskräfte unter ver- traglichen Bedingungen entlohnen. Die Durchsetzung dieser For- derungen für das Zustandekommen eines neuen Tarifverhältniffes ist bedingt, weil schon jetzt fast die Hälfte der Portefeuiller und Damentaschenarbeiter von Heimarbeitern und Zwischenmeistern beschäftigt werden. Diese EntWickelung nimmt zuungunsten der Fabrikarbeit immer mehr zu. Die regelmäßige Arbeitszeft, gleichgültig ob in der Stadt oder auf dem Lande, soll täglich neun, Sonnabends sieben Stunden nicht überschreiten. Die Akkordpreise find um 10 Proz. zu erhöhen, ebenso die Löhne der auf Zeitlohn Beschäftigten. Diese sollen auch die gesetzlichen und die vom Unternehmer angeordneten Feiertage bezahlt erhalten. Allen Arbeitern und Arbeiterinnen ist ein Sommerurlaub unter Fortzahlung des Lohnes zu gewähren. Die zur Fertigstellung der Arbeit notwendigen Zutaten, auch für alle Außerhausarbeit, sind vom Unternehmer zu stellen. Neben den vereinbarten Akkordlöhnen ist für Außerhausarbeit ein Aufschlag von 5 Proz. für Entschädigung an Miete des Arbeitsraumes usw. zu zahlen. Heimarbeiter müssen gegen Krankheit und Invalidität versichert werden. Das Lehrlingswesen soll durch besondere Ver- einbarungen geregelt werden. Den Schlichtungstommissionen, die schon jetzt mit den Funktionen der§§ 1025—1048 der Zivil-Prozeßordnung ausgestattet sind, soll das Recht zugestanden werden, Tarifverstöße mit Geldbußen zu ahnden und gemaßregelten Ar- beitern eine Entschädigung zuzusprechen. Die Vertragsdauer soll auf drei Jahre festgelegt, oaS Zentraltarifamt nach Berlin verlegt werden. Fliesenleger für eine größere Arbeit sucht die Firma„SanitaS" G. m. b. H. in Breslau, anzulocken, um sie zu geringeren als Tarif. preisen zu bezahlen. Die Kollegen in Breslau haben das Ansinnen zurückgewiesen. Vor Agenten der Firma wird gewarnt. Der Kampf im Hamburger Holzgewerbe ist durch die Beschlüsse der Srbeitgeberversammlung vom 22. März gewaltig verschärft worden. Der paritätische Arbeitsnachweis soll allen SrnsteS befeittgt werden und der von den Arbeitern ein- gereichte Vertragsentwurf wurde von der Versammlung kurzerhand abgelehnt. Die.berufenen Ratgeber' ließen eS an.schneidigen Scharfmacherreden nicht fehlen, und in der Hurrastimmung wurde dem Holzarbeiterverbande der Kampf bis aufs Messer erklärt. Dem Anscheine nach sind also die Hamburger Tischler dazu auSersehen, daS Rezept praktisch zu erproben. das einer ihrer Führer auf der im vorigen Jahre in E i s e n a ch tagenden Generalversammlung deS Arbeitgeberschutzverbandes für daS deutsche Holzgewerbe zur Empfehlung brachte, bei den Zuhörern viel Gegenliebe damit zu finden. Dieser berühmte Hamburger Stratege forderte damals die Unternehmer au» dem übrigen Deutsch« land auf, den Kamps gegen den Holzarbeiterverband nach echt militärischem Muster zu organisieren. Nach seiner Meinung be- findet sich das Srbeitgeberhtm beständig in der Defensiv- stellung. Da gelte es, sich stets kampfgerüstet zu halten und den Feind zu einer Zeit zum Angriff zu reizen, wenn man ihn am sichersten schlagen könne. Daß die Leitung des Arbeit- geberschutzverbandeS dazu unfähig sei, habe sie längst bewiesen, der Schutzverband müsse also gründlich umgekrempelt werden.— Von großem Beifall soll diese Meinung damals verschont geblieben sein, eS verlautete sogar, daß dem Scharfmacher der Stuhl ziemlich unsanft vor die Tür gesetzt worden sei. Sicher ist, daß er seitdem mit dem Schutzverband, oder dieser mit ihm, gründlich fertig ist. Ohne Kamps scheint in Hamburg ein annehmbarer Vertrag nicht zu- stände zu kommen. Im Arbeitgeberlager hat die scharfmacherische Richtung Oberhand gewonnen. Den Arbeitern bleibt daher nichts anderes übrig, als ihre Maßnahmen ebenfalls danach ein- zurichten. In überfüllten Versammlungen nahmen sie die Be- richte ihrer Vertreter entgegen und einstimmig wurde in der Versammlung vom 23. März beschlossen: Alle Ledigen haben sofort daS Kampfgebiet zu verlassen unter Zah- lung eines angemessenen Reisegeldes: ab 27. März wird allen orts- ansässigen Streikenden und Arbeitslosen eine erhöhte Unterstützung gezahlt; der paritätische Arbeitsnachweis darf Arbeitskräfte an ge- sperrte Betriebe nicht vermitteln, selbst auf die Gefahr hin. daß der Nachweis seine Tätigkeit ganz einstellen muß; Ueberstunden sind strikte zu verweigern.> Im Kampfe stehen gegenwärtig zirka 60 Betriebe mit rund 1500 Beschäftigten. Es kommen die Branchen der Bau- und Möbel- tischler, Bauanschläger, Parkettleger und Maschinenarbeiter in Frage. Zuzug nach Hamburg ist strengstens fernzuhalten. In Osnabrück haben die Tischlermeister beschlossen, sämt- liche Holzarbeiter auszusperren. Die Kündigung derselben ist be- reitS erfolgt und läuft am 27. resp. 28. März ab. Zuzug ist fern- zuhalten._ Von der„Einigkeit" zur Einheit. In Leipzig sind die lokalorganisierten Fliesenleger, LS Mit- glieder stark, in den Deutschen Bauarbeiterverband übergetreten. DaS Vermögen des Vereins, 3332,47 Mk., Burks Ski 5ie Hallpkkass« abgeführt._ Tarifbewegung im Hafengebiete Mannheim« Ludwigshafen. Im genannten Hafengebiete laufen am 1. April vier Tarif- Verträge ab. Mit Einschluß eines schon am 1. März abgelaufenen Tarifvertrages arbeiten unter diesen Verträgen rund 2000 Arbeiter verschiedener Branchen. Die Arbeitgeberverbände dieser Branchen haben seit Jahren darauf hingedrängt, alle diese Verträge auf einen Tag ablaufen zu lassen. Vertraglich festgelegt war, daß die Ver- Handlungen über die neuen Verträge am 2. Januar 1911 beginnen müssen. In einer Verhandlung Anfang deS Jahres wurde festgelegt: die Arbeiterverbände reichen die Forderungen der Arbeiter bis spätestens zum 1. Februar an die Arbeitgeberverbände ein. Dies ist geschehen. In den letzten Wochen haben eingehende Verhandlungen zwischen beiden Parteien stattgefunden, ohne jedoch zu einem positiven Resultat zu führen. Die Arbeiter verlangen, entsprechend der Verteuerung des Lebensunterhalts in den letzten Jahren Lohnerhöhungen in Höhe von etwa 8—12 Proz., ebenso wird für die Stückgutsbezirke eine Reduktion der Arbeitszeit gefordert, um den Arbeitsschluß am Abend von bisher im Sommer um 7 Uhr auf 6 Uhr und im Winter von'/z? auf 6 Uhr verlegen zu können. Diese Verkürzung der Arbeitszeit soll auch bei den Ge» treidefirmen eintreten. Für die Schiffahrt werden außer un- bedeutenden Lohnerhöhungen in der Hauptsache eine Regelung der übermäßig langen täglichen Fahrzeit von 16 bis 18 Stunden gefordert. Die Unternehmer verhielten sich diesen Forderungen gegenüber durchweg ablehnend, wollten aber in eine„Erwägung" darüber eintreten, ob und welche Lohnerhöhungen für die Zukunft gewährt werden könnten; Voraussetzung sei aber ein vierjähriger Tarifvertrag. Die Lohnangebote der Unternehmer sind jetzt aber so geringe, daß in den letzten Tagen stattgefundene Versammlungen der Arbeiter diese ablehnten und den Lobnkommissionen den Auf- trag erteilten, neue Verhandlungen mit den Arbeitgebern anzubahnen. Ein siegreicher Chorsängerstreik. Der Allgemeine deutsche Chorsängerverband(Sitz Mannheim) hatte Ende Februar über das Stabttheater in Mülhausen im Elsaß die Verbandssperre verhängt. Wie jetzt der Verbandsvorstand in einem Extrablatt der Verbandszeitung mitteilt, ist die Sperre aufgehoben. Am 13. März fand in Mül- Hausen i. E. eine Verbandsversammlung statt, in welcher die Theater- kommission des Gemeinderats und der Direktor Herr Schwantge er» schienen und auch der Geschäftsleiter des Verbandes anwesend war. Die Vorkommnisse, welche zu der Verbandssperre Veranlassung gegeben hatten, wurden einer gründlichen Besprechung unterzogen und das Chorpersonal wurde im Anschluß daran ersucht, seine Wünsche in einer Eingabe an die Theaterkommission zu formulieren. Diese Eingabe wurde sofort gemacht und nun hat die Theaterkommission des Gemeinderats, wie die Verbandsleitung bekannt gibt, durch Be- schluß vom 17. d. Mts. die Anträge des Chorpersonals in allen Punkten bewilligt.— Es hat sich in erster Reihe um Schutz gegen die schikanöse Behandlung durch den ersten Kapell» meister und um mehr freie Zeit für daS Personal gehandelt. Der Herforder Konfektionsarbeiterstreik. Nachdem die Herforder Konfektionäre eS abgelehnt hatten, eine Aufbesserung der Löhne und eine tarifliche Festlegung der Arbeits- bedingungen anzuerkennen, legten von acht in Betracht kommenden Firmen die Arbeiter und Arbeiterinnen von zwei Firmen die Arbeit nieder. Eine Vermittelung des Gewerbegerichtsvorsitzenden war er» gebnisloS. Nach zweiwöchigem Ausstand fanden nun doch Verhand- lungen statt. Die Firmen erkannten den Tarif an und gewährten eine Lohnerhöhung von 5 Proz. ab I.Juli. Die Firmen beschäftigen zusammen 500 Arbeiterinnen und 100 Arbeiter, die zum großen Teil in der Hausindustrie beschäftigt werden. Mit einer dritten Firma wurde ebenfalls eine Verständigung erzielt. Husland. Die ausständigen Trieftet Seeleute beschlossen mit großer Mehr» heit, die Arbeit vorläufig aufzunehmen und die Verhandlungen mit den Reedern fortzusetzen. £etztc Nachrichten. Zum russisch-chinesischen Konflikt. Petersburg, 25. März.(W. T. B.) Der zeitweilige Ver, Weser des Auswärtigen Amts hat dem russischen Gesandten in Peking nachstehendes Telegramm zugehen lassen: Die Verhandlun- gen der letzten Monate haben die kaiserliche Regierung überzeugt, daß die chinesische Regierung danach strebt, durch verschweigende oder ausweichende Antworten die in der russischen Note vom 16. Februar dargelegten Punkte abzulehnen. In Anbetracht der völligen Nutzlosigkeit derartiger Verhandlungen, in denen die chinesische Regierung nur einen Anlaß sucht, die russischen Ver- tragsrechte durch Argumente zu beschränken, die sie felbst später fallen zu lassen gezwungen ist. sieht sich die russische Regierung ge- nötigt, jetzt diesem durch nichts gerechtfertigten Hinziehen ein Ende zu machen und die chinesische Regierung zu bitten, die Rechtmäßig- keit und die Uebereinstimmung aller Punkte der russischen Note vom 16. Februar mit den Verträgen formell zu bestätigen. Nur nach einer derartigen Bestätigung kann die kaiserliche Regierung einwilligen, über die Fragen der Einführung von Zoll- abgaben, der Schaffung eines besonderen Regimes für den Tee- Handel oder irgend welche partielle Abänderungen des Vertrage. vom Jahre 1881 in Verhandlung zu treten. Die kaiserliche Re- gierung ist bereit, auf die Antwort auf diese Note bis zum 28. März zu warten. Sie macht jedoch darauf aufmerksam, daß sie sich. wenn bis zu dem angegebenen Termin keine erschöpfende und be- ftiedigende Antwort bezüglich aller sechs Punkte der Note vom 16. Februar eintrifft, die Freiheit des Handelns vorbehält und daß sie die chinesische Regierung für die von ihr an den Tag gelegte Hartnäckigkeit verantwortlich mache. Zur Bollendung der Bagdadvahn. Frankfurt a. M., 26. März.(H. B.) Im Anschluß an die bis- herigen Meldungen über das neue Abkommen der Bagdadbahn- gesellschaft mit der türkischen Regierung ist die„Frankfurter Zei- tung" auf Grund von Informationen, die ihr aus Konstantinopel zugingen, in der Lage, daraus die wichtigsten Bestimmungen sür den Ausbau der Bahn bis Bagdad und für die Verbindung der Stammlinie mit Alexandrette in längeren Ausführungen mit- teilen zu können. Bemerkenswert sind die kurzen Termine, die sür die Bollendung deS gewaltigen Werkes, aber auch für die Prü» fung der Pläne durch die Regierung vorgesehen sind. In diesen knapp bemessenen Zeitabschnitten zeigt sich, welche Bedeutung die türkische Regierung der Schöpfung der Bagdadbah» beilegt. Wtcaata. Redakteur: vlb»rt Wachs. Berlin. Ja jerolenieil veräntw.: Th. Glocke. Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr.» VerlagSanjialt Paul Singer 4 Co., Berlin SW. Eiscnvahnzusammcnstoß. Duisburg, 25. März.(W. T. B.) Amtliche Meldung. Heute nachmittag 5,50 Uhr fuhr der Personenzug 2l4 von Oberhaufen dem von Mülheim-Ruhr— Styrum kommenden Eilzug 2 kurz vor Stellwerk nt Bahnhof Duisburg in die Flanke, sie streiften sich, wobei die Lokomotive des Personenzuges 214 mit der Lauf- und den beiden ersten Triebachsen entgleiste und stark beschädigt wurde. Vom Eilzug 2 entgleiste der Packwagen mit sämtlichen Achsen. Dieser, sowie der folgende Postwagen wurden durch das Streifen leicht beschädigt. Äußer dem an der Hand leicht verletzten Pack- meister des Eilzuges 2 wurde niemand verletzt. Die Ursache deS Unfalles ist ein Signaldefslt infolge des herrschenden«turmes, Hierzu S Leilagen. it. 73. 28. Iahrgllllg. t Ifilnjc des Juwütls" Sttliiict WIKsdlM. Smtiig,2G.i«t|191L Auslegung der Orwäblerlllten fBt die im 4. Berliner Landtagswahlbezirke notwendig gewordene Abgeordnctenersatzwahl. Der Magistrat macht bekannt: Für die Abgeordnetenersatzwahl im 4. Berliner Landtagswahlbezirke haben wir durch unsere Bekantmachung vom 17. März d. I. (312 Wahl 11) alle diejenigen UrWahlbezirke und Abteilungen zur öffentlichen Kenntnis gebracht, in denen gemäß§ 18 der Verordnung vom 3t>. Mai 1849 an Stelle der ausgeschiedenen Wahlmänncr neue zu wählen sind. Ferner haben wir darauf hingewiesen, daß die meisten dieser Wahlmännerwahlen jetzt auf Grund der gelegentlich der Ersatzwahl 1910 in obigem Wahlbezirk aufgestellten Wählerlisten vorgenommen werden müssen. Nur für diejenigen UrWahlbezirke sind gemäß Z 21 des Wahlreglements neue Urwähler- und Abteilungslisten auf- zustellen, in denen bei der Ersatzwahl 1910 Wahlmännercrgänzungs- Wahlen nicht erforderlich waren. Demnach ist für jeden der beteUigten, weiter unten bezeichneten UrWahlbezirke nach§ 15 der Verordnung ein Verzeichnis der stimm- berechtigten Urwähler(UrWählerliste) neu aufgestellt und darin bei jedem einzelnen Namen der Steuerbetrag angegeben, den der Ur- Wähler zu entrichten hat(Z 3 des Reglements). Diese UrWählerlisten sind nach dem Wohnungsstande des ersten Drittels des Monats März d. Js. aufgestellt und werden nach Vorschrift des§ 4 des Wahlreglements drei Tage lang. am Sonntag, den 20. März d. I., von vormittags 10 bis nach- mittags 3 Uhr, am Montag, den 27. März und am Dienstag, den 28. März d. I., von mittags 12 bis abends 8 Uhr in der Turnhalle der 28./217. Gemeindeschule, Wilms- stratze 10, zur Einsicht öffentlich ausliegen. Es sind dies die UrWählerlisten folgender UrWahlbezirke: UrWahlbezirk 216. Gneisenaustr. 22— 23 und 91—92, Zossener- straße 7— 15 und 37— 45(1438).— 217. Mittenwalderstr. 13—20 und 43—49(1551).— 223. Blücherplatz 3, Blücherstr. 1—12, Planufer 5— 24a, Waterlooufer 18, Zossenerstr. 56— 60a(1575).— 224. Blücherstr. 68— 69, Brachvogelstratze, Johannistisch, Johannitcr- straße 1—11(1065).— 225. Johanniterstr. 12 und 15—20, Plan- ufer 25—33(796).— 227. Bärwaldstr. 1—11 und 63—69, Geibel- straße, Planufer 40— 74, Straße 14b(Abt. II d. Beb.-Pl.), Urban- Hafen, Wilmsstratze 2— 22(1654).— 228. Johanniterstr. 13 und 14, Planufer 34— 39, Tempelherrenstr. 1— 12 und 15—24, Wilmsstr. 1 und 23(1679),— 230. Blücherstr. 25 und 52— 60, Schleiermacherstraße 1, Urbanstr. 1— 5(1074).— 243. Camphausenstr. 1— 4 und 30—32, Urbanstr. 25— 29a(1558).— 244. Camphausenstr. 8—25, Freiligrathstr. 5— 7, Hasenheide 57— 60(1600).— 245. Fichtestr. 1 bis 3 und 22— 34, Urbanstr. 30(1628).— 246. Gräfestr. 30, Urbanstraße 31—38 und 127— 137a(1707).— 248. Gräfestr. 31—42 und 44—64, Hasenheide 21—38(1741).— 251. Hasenheide 1—20, Jahnstraße 9—19(1320).— 257. Bocckhstr. 55, Grimmstr. 29/30, Planufer 87—94(1515).— 263. Boppstr. 5— 11, Kottbuserdamm 22— 43, Urbanstr. 82— 83(1501).— 265. Boppstr. 1— 4, Hohenstaufenplatz, Kottbuserdamm 13 und 14, Lachmannstr. 6, Schönleinstr. 22—34 (1519).— 268. Gräfestr. 89—92, Kottbuserdamm 1— 10, Planufer 97 (1129).— 269. Gräfestr. 1—9 und 84—83 und 93, Planufer 95 und 96(1539).— 406. Moritzstr. 1—3 und 21—24, Prinzenstr. 9 bis 16 und 103— 110, Wasscrtorstr. 17 und 56— 57(1567).— 407. Moritzstr. 4—11 und 14—20(900).— 408. Brandenburgstr. 64— 66, Wasscrtorstr. 25a— 45(1581).— 415. Alte Jakobstr. ,145— 147 und 166—168, Neuenburgcrstr. 9— 20 und 22— 31(1616). Innerhalb der genannten drei Tage steht es jedem frei, sowohl gegen die Nichtigkeit oder Vollständigkeit dieser Listen, als auch gegen die Richtigkeit der darin aufgeführten Steuerbeträge(8Z 3 und 4 Rcgl.) seine Einwendungen in unserem Mahlbureau, Post- stratze 16 II. schriftlich oder in der obigen Auslejzcstelle bei unseren dort anwesenden Beamten zu Protokoll anzubringen. Einsprüche, welche vor Beginn oder nach Schluß der Auslegung der Urwählerlistcn bei uns etwa eingegangen sind oder eingehen werden, finden keine Berücksichtigung. Die Legitimation kann durch Vorlegung der Steucrquittung für das Vierteljahr Januar/März 1911, der polizeilich bescheinigten Anmeldung für die Wohnung, unter welcher die Eintragung erfolgen soll, oder auf sonst glaubhafte Weise geführt werden. Die Urwähler dieser ausliegenden Listen haben in denjenigen Bezirken zu wählen, in welchen sie zur Zeit der Aufstellung der UrWählerlisten— d. i. das erste Drittel des Monats März 1911— gewohnt haben. Wie bereits eingangs erwähnt, sind in allen übrigen Urwahl- bezirken die jetzigen Ersatzwahlen auf Grund der 1910 neu auf- gestellten Listen auszuführen. Eine Auslegung dieser Listen findet nicht mehr statt. �_ Es sei hierdurch darauf hingewiesen, daß die Urwähler dieser Listen von 1910 in denjenigen Bezirken zu wählen haben, in denen sie zur Zeit der Aufstellung der Urlisten wohnten: d. i. das erste Drittel des Monats August 1910. Die Genossen in den oben genannten Bezirken tun gut, sich davon zu überzeugen, ob sie in der Liste stehen, um eventuell ihre Nachtragung zu bewirken._ Gerichts-Zeitung Meineidsanklagei�gegen Taubstumme. In das Seelenleben der Taubstummen führte eine VerHand- hing hinein, die das Schwurgericht des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Neuenfeld gestern bis zum späten Abend beschäftigte. Die Verhandlung machte ganz besondere Schwierig- leiten, da sowohl die beiden Angeklagten als auch sämtliche Zeugen taubstumm waren und eine Verständigung mit ihnen nur mit Hilfe der als Dolmetscherin geladenen Frau Schenk und der Sachverstän. digen Taubstummenlehrers Schiller, des Direktors der städtifchen Taubstmnmenschule Schorch und Taubstummenlehrers Sannert möglich war. Wegen Meineides war der taubstumme Schneider Ferdinand Steinke, dem Rechtsanwalt Dr. Mendel als Verteidiger beigegeben war, angeklagt. Die Anklage gegen den taubstummen Schuhmacher Max Markus, der vom Rechtsanwalt Leander ver- teidigt wurde, lautete aus Meineid und Anstiftung zum Meineid. Den Ausgangspunkt zu der Anklage bildete ein Ehescheidungsprozeß, der zwischen dem taubstummen Schuhmacher Heinrich und seiner gleichfalls taubstummen Ehefrau entbrannt war. Der Angeklagte Markus war zu der Ehefrau in Beziehungen getreten und soll nun, als er als Zeuge vor der Kammer des Landgerichtsdirektors Heinemann vereidigt wurde, ebenso wie der jetzt Mitangeklagte Steinte einen Meineid geleistet haben. Bei diesem Akt hatte die Dolmetscherin Frau Schenk gleichfalls die Verständigung vermittelt und den beiden jetzigen Angeklagten auf Ersuchen des Vorsitzenden ganz besonders eindringlich die Wichtigkeit und Heiligkeit des Eides und die Folgen des Meineides klargelegt. Beide Angeklagte sind sechs Jahre in der Taubstummenschule unterrichtet worden und soweit im Sprechen ausgebildet worden, daß sie auf die Fragen, die sie der Frau Schenk vom Munde ablesen, eine sprachliche, aller- dings schwer zu verstehende Antwort geben können. Sie leisteten dann auch damals den Eid, indem sie die Worte der Eidesformel nachsprachen. Diese Tatsache verwertete gestern Rechtsanwalt Dr. Mendel zugunsten seines Klienten, indem er ausführte, daß der Eid nicht in der gesetzlich vorgeschriebenen Form geleistet worden sei. Die Vorschrift laute dahin:„Stumme, welche schreiben können, leisten den Eid mittels Abschreibens und Unterschreibens der die Eidesnorm enthaltenden Eidesformel." Ueber die Gesetzmäßigkeit der geleisteten Eide kam es zu längeren, teilweise recht lebhaften Erörterungen. Frau Schenk erklärte als Zeugin, daß die Ange- klagten zweifellos ein volles Verständnis von der Bedeutung des Eides gehabt haben, als sie die Eidesworte nachsprachen, während Rechtsanwalt Dr. Mendel dies bezweifelte und behauptete, daß es sich bei diesem„Sprechen" um ein ganz mechanifches Nachbilden vorgesagter Worte handele. Der als Zeuge vernommene Land- gcrichtsdirektor Hcincmann vertrat den Standpunkt, daß das Kollegium die stattgefundene Form der Eidesleistung für zulässig gehalten habe, da bei dem Kollegium auf Grund der sehr langen Vernehmung kein Zweifel an der ausreichenden Intelligenz der beiden Taubstummen obwaltete und diese im Sprechen soweit aus- gebildet waren, daß sie nicht als„Stumme" im Sinne des Ge- setzeS, sondern nur als„Taube" angesehen werden konnten. Diese Auffassung wurde von der Verteidigung lebhaft bekämpft. Die hierüber gehörten Sachverständigen erklärten ziemlich überein- stimmend, daß, wenn auch der eine von ihnen die Angeklagten als „entstummt" bezeichnete, die letzteren doch als„Taubstumme" zu gelten haben. Die Verhandlung wurde dann durch wiederholte Anregungen vom Verteidigertische aus vorzugsweise auf das psycho- logische Gebiet geführt, und es kamen sehr interessante Fragen zu eingehender Erörterung; so schilderten namentlich die Sachverstän- digen das Seelenleben der Taubstummen, ihren Intellekt, ihre Fähigkeit, Dinge, die sich vor ihren Augen abspielen, richtig auf- zufassen und speziell die mehr oder minder große Wahrscheinlichkeit. daß die beiden Angeklagten das richtige Verständnis von der Be- deutung der Worte hatten, die ihnen von Frau Schenk als Eides- formel vorgesprochen worden waren. Die Sachverständigen waren darin einig, daß die Intelligenz des Angeklagten Markus wesent- lich größer sei als die des Steinke.— Rechtsanwalt Dr. Mendel machte noch darauf aufmerksam, daß die Erhebung einer Anklage ursprünglich zweimal von der Staatsanwaltschaft abgelehnt ge- Wesen sei. Das Endergebnis der vierstündigen Verhandlung ging dahin: Die Geschworenen sprachen den Angeklagten Steinke nicht- schuldig, ebenso den Angeklagten Markus nichtschuldig der Anstif- tung, dagegen schuldig des Meineids mit dem Milderungsgrund des § 157, da„die Angabe der Wahrheit gegen ihn selbst eine Straf- kleines feuilleton. Die Gezeiten als Kraftquelle. Ueber ein neues Projekt, dies alte Problem zu lösen, bringt, die„Umschau" in Nr. 13 einen Artikel aus der Feder des Ingenieurs F. H e r m a n n. Der Gebanke, die Ebbe und F-lut in den Dienst der menschlichen Technik zu stellen, ist nicht neu. Schon im 17. Jahrhundert wurden manche Versuche unternommen, die Gezeiten als Antriebskraft für die Müllereibctriebe zu ver- wenden. Was diese Versuche an weiterer Ausbreitung verhinderte, war die Tatsache, daß das Wasser sich bei Flut in einer Richtung bei Ebbe aber in der entgegengesetzten bewegt. Das nötigte ent- weder zu den kostspieligen und umständlichen Umschaltungsvorrich- tungen oder zu einer AuSnützung der Wasserkraft nur bei einer Strömungsrichtung. Das eine wie das andere bedeutete aber die starke Herabmindernng der Wirtschaftlichkeit. DaS neue Flutwerk, das bei Husum errichtet werden soll. vermeidet diesen Uebelstand dadurch, daß es die Turbinen mit vertikaler Achse verwendet. In diese Turbinen strömt das Wasser immer von oben nach unten und erzeugt nun eine Art Rotations- bewegung. gleichwohl ob es vom Meer in den Stauweiher oder in umgekehrter Richtung fließt. Durch sinnvolle Kombination von Bassins mit verschiedenem Wasserstand wird die ununterbrochene Arbeitsleistung ermöglicht. Die erzeugte Kraft wird in Elektrizität umgewandelt und die Gesamtleistung des Werkes soll 7500 Pferde- stärken betragen. Das Gelingen dieses Werkes, das vom Ingenieur Pein, der .ch schon 15 Jahre mit dem Problem befaßt, ausgeführt werden ,oll. wird eine hohe Bedeutung für unsere Industrie haben. Denn die Kosten der Pserdckraft in diesem Werk werden sich so billig stellen wie in keinem zweiten der Welt. Sie werden höchstens 1,6 Pf. betragen. Das Schachturnier von San Sebastian wird eins der bemerkenS- wertesten Turniere in den Annalen des Schachs bleiben, weil sämt- liche Teilnehmer ebenbürtige Meister ersten Range» waren. Das war bisher nie der Fall, weil noch immer mehr oder weniger.Out- siders"(Außenseiter. Bönhasen) zugelassen wurden. Im Zusammenhang mit der ebenbürtigen Qualität der Teil- nehmer stehen die Ergebnisse: t. Capablanca O'/z, 2. und 3. Rubinstein und Bidmar je 9, 4. Marshall 8'/°, 5., 6.. 7. Niemzowitsch. Zarrasch, Schlechter je 7'/» 3.. 9. Bernstein. Spielmann 7. 10., 11. Maroezy, Teichmann 6'/», 12. Janowski 6, 13., 14. Burn, Duras je 5. 15. Leonhardt 41/] Points. Der erste Preisträger(Capablanca) hat einen verhältnismäßig sehr geringen Prozentsatz der gewonnenen Points(68 Proz.) Uns ist kein Meisterturnier bekannt, in dem dieser Prozentsatz so niedrig E war. Die Ebenbürtigkeit der Teilnehmer war so bedeutend, daß 18 Proz. über die Hälfte schon zum ersten Preise ausreichte! Die Zahl der Remisen im Turnier beläuft sich auf 55 von 105 oder mehr als die Hälfte l DicS ist auch noch nie vorgekommen und beweist die annähernd gleiche Spielstärke der Teilnehmer. Selbst der letzte in der Turnierliste, Herr Leonhardt hat noch mehr als 28 Proz. seiner Points gewonnen. Zu bemerken ist noch, daß die ältere Generation der jüngeren weicht. Capablanca, Rubinstein und Vidmar sind ver- hältnismäßig junge Leute. Tarrafch, Marshall, Schlechter, Teich- mann, Maroczy, Janowski. Burn können nicht mehr mitkommen, weil da? Alier die Geistesfrische beeinträchtigt. Dies ist teilweise der Grund, weshalb der Wellmeister Em. L a s k e r sich sehr unqerne auf das Tunnerfpiel einläßt. Der Spiclmodus in Turnieren ist ein ungerechter und verlangt, daß die älteren Herren den jüngeren etwas vorgeben. Die Spielsitzungen dauern vier Stunden hintereinander und zwar zweimal an jedem Spieltage. Eine derartige Kraftleistung kann auf die Dauer eine ältere Person nicht leisten. Es wäre im Interesse der Gleichberechtigung höchst wünschenswert, die Dauer der Spielsitzmigen auf drei Stunden hintereinander herabzusetzen. Man sollte auch den Teilnehmern das Recht einräumen, während des Spieles auf ihren Taschenbrettern für sich die Stellung zu analy- sieren. Das Turnierspiel ist doch kein Blindlingsspiel und dem Zuschauer oder Leser ist es doch gleichgültig, auf welchem Wege der Spieler seinen Zug ermittelt hat!... Erst unter diesen Be- dingungen werden ältere Kräfte mit jüngeren konkurrieren können. L. Jmiggesellenstener und Mutterlohn. Die kürzlich von ameri- kanischcn Patrioten erhobene Anklage gegen die Multimillionäre, die beschuldigt werden, ihre Pflicht gegen den Staat zu vernachlässigen, indem sie sich der Fortpflanzung der amerikanischen Rasse entziehen. findet ihre Ergänzung in einem eigenartigen Gesetzentwurf, den der Senator Beall nunmehr dem Parlamente dcS Staates Illinois vor- gelegt hat. In der Begründung des Gesetzentwurfes wird aus- geführt, daß trotz der weilherzigen Fürsorge der Regierung die Be- völkeruiig dcS Staates Illinois eine beforgniserrcgende Abnahme in den Geburtsziffern aufweist. Insbesondere wird darauf hingeiviesen. daß gerade die reicheren Leute sich der nationalen Pflicht entziehen, für Nachwuchs zu sorgen; die reichen Amerikannerinnen werden be- schuldigt, daß bei ihnen„auf der Jagd nach dem Luxus die Mutter- schaft völlig aus der Mode gekommen ist." Der da- mit verbundenen Gefahr eines Rückganges der alteingeseffenen amerikanischen Bevölkerung will das Gesetz vorbeugen und zwar zunächst durch Besteuerung der Junggesellen. Jeder unverheiratete Mann, der das 35. Lebensjahr erreicht hat und keine überzeugenden Gründe für seine Ehelosigkeit anführen kann, wird von Staats wegen mit einer Junggeselleiisteiier von 40 Mark belegt. Die auf diese Weise eingehenden Gelder sollen dazu dienen, Verfolgung nach sich ziehen konnte".— Auf Grund dieses Wahr- spruchs«wurde Steinke freigesprochen, Markus dagegen zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Von der Untersuchungshaft wurde ihm nichts angerechnet, da er s. Zt. nach der Schweiz entflohen war. Schutz vor Schutzleuten. In die Geheimnisse einer Polizeiwache leuchtete wieder einmal eine Verhandlung vor der Glogauer Strafkammer gegen den Polizeisergeanten Hermann Frenzel aus Neusalz a. O. hinein. Dieser Ordnungshüter schlug einen wegen Ruhestörung verhafteten Schlosser bei der Entlassung aus dem Polizeigefängnis mit der geballten Faust ins Gesicht, zerrte ihn an den Haaren in der Polizeiwachtstube herum und warf ihn dann brutal in eine Ecke. Einen anderen jungen Mann, der jetzt beim Militär dient, miß- handelte er, weil er angeblich seinen Namen nicht schnell genug nannte. Einen älteren, schwächlichen Sattlergesellen stieß dieser Musterpolizist mit solcher Gewalt vor die Brust, daß er in einem weiten Bogen auf die Straße flog und sich dabei erheblich verletzte. In diesem Falle will Frenzel nur„Spaß" gemacht haben. Eine Arbeiterin wurde von Frenzel ebenfalls ohne Grund in das Gesicht geschlagen, so daß dieses anschwoll, und schließlich hat Frenze! einen Fleischergcsellen, mit dem er ein unbedeutendes Renkontre hatte, widerrechtlich verhaftet. Selbstverständlilh bestritt diese Ord- nungssäule vor Gericht alles und versuchte, die zahlreichen Opfer seiner Brutalität als Lügner hinzustellen. Da die Beweise aber zu gravierend, die Aussagen der Belastungszeugen und Gemiß- handelten zu bestimmt waren, kam auch das Gericht zu der Ueber- zeugung, daß man es hier mit einem äußerst rohen Patron zu tun habe. Frenze! wurde zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Außer- dem wurde ihm die Befugnis abgesprochen, drei Jahre lang ein öffentliches Amt zu bekleiden._« Die Ehe dieses Musterpolizisten ist auf Antrag seiner Frau gerichtlich geschieden worden, weil er diese fortgesetzt in schwerster Weise gcmißhandelt hat. Und trotzdem kann unter Umständen dieser brutale Kerl nach drei Jahren wieder auf das Publikum losgelassen werden, denn irgendeine Gemeinde, die auf solche Elemente re> flektiert, wird sich schließlich schon finden.« KrUfkatten der Redaktion. Sie turlstliche eprcchsmndr findet Linden st rohe 69, vorn vier Terbven — Fahrstnyl—, wochentäglich von 4� bis 7% Nyr abends, Sonnabends von 4V" bis 6 Uhr abends statt. Jeder für drn Bricslasten bcftlmnitcn«nsrage ist ein Buchstade und rine Zahl als Malirichen beizufiigrn. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Etlige Sragen trage man in der Sprechstunde vor. M. P. 1883, 1. Charitö Berlin. Antrag ist an daS Berliner Polizeipräsidium zu richten. 2. Sechs Monate.— E. I. 23. 1. a) Keine. b) Heimatschcin. 2. Berliner Polizeipräsidium. 3. Melden unter lieber» reichung des Paffes. 4. Durch Studium der einschlägigen Literatur.— P. M. 100. Fuhren Sic Beschwerde.— H. M. 83. Zulässig, am zweckmäßigsten durch notariellen Vertrag.— A. S. 32. Anberaumung eines Verhandlungstermins beantragen.— T. S. 100. Für die letzten 4 Jahre, mit Zustimmung des Vormundschastsgerichts.— R. Z. 87. 1. Ja. 2. In voller Höhe. 3. und 4.'Sie können Rückgabe des BildeS, sür den Unvermögenssall Ersatz de? Wertes fordern. — O. A. 77. Beiträge zur Krantenkasse und Invalidenversicherung sind abzugSsähig. Reklamieren Sie.— F. B. 100. In beiden Fällen bis zum Abend des 1. April.— M. C. 31. Es cmpsiehlt sich, daß die Arbeiterin bei der AusstchtSbehörde, Stralauer Str. 3/K, Klage erhebt.— W.®. O. 21. Der Wortlaut der Stcucrordnung ist matzgebend. Wabrschcinlich besteht ZahIungSpflicht bezüglich des Diffcrenzbetragcs.— H. M. 12. Nein.— R. K. 12. Präzisieren Sie Ihre Anfrage. So allgemein lägt sich die Frage im Rahmen des BrieskastenS nicht beantworten.— E. L. 100. Nur mit Zustimmung des Vormundes, eventuell des Vormundschastsgerichts. Dorthin sind auch Gesuche zu richten.— Bl. 101. Sie haben Anspruch aus Zahlung Ihres ZlnteilS.— 803(Hoffnung). Sie sind zur Abnahme und Zahlung verpflichtet. Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, datz man berechtigt ist, Verträge binnen 24 Stunden z u w i d e r r u s e n.— A. S. 04. Fromm, Kochbuch sür Diabetiker. Preis 2,80 M., in der Buchhandlung Vorwärts erhältlich.— M. B. Ja. — 100 G. B. Wir halten den Mann nicht für haslbar.— Invaliden- rente. 1. Nicht notwendig, aber zweckmäßig. 2. An den Magistrat des Wohnsitzes. 3. Die Markenzahl reicht aus. 4. Ja.— O. N. Die Kündigung war zulässig. Die Öerrschast hastet aber sür Dauer von sechs— nicht nur vier— Wochen.— Reinickendorf 8. Nein.— K. K. 17. Für den Fall der Kündigung haben Sie sür die Dauer von 14 Tagen Anspruch aus Fortzahlung des Lohnes, müssen sich aber daS Krankengeld anrechnen lassen.— raven 2. 1. Nein. 2. Das Kind, verbeten durch den Vormund, aus Unterhaltszahlung.— H. L. 113. Ja. Nötigung oder Erprcffungs. versuch.— Zorndorf 103. Ja.— M. B. 500. 1. 16-18 M. 2. 24—26 M.—<£.®. Ja.— 64 R. Von den Erben kann die so« genannte„AuSkaussgebühr" verlangt werden.— Kirche 1910. Zur Zablung der Kirchensteuer bis einschließlich Dezember 1910— nicht bis einschließlich März 1911— sind Sie verpstichtet, wenn Sie im Lause des Jahres 1909 ausgeschieden sind. Reicht die Veranlagung bis einschließlich März 1911, so reklamieren Sie.— W. R. 98. Sie sind im Irrtum. einen„Fonds der Bevölkerungszunahme" zu begründen. Die Jung- geselle» also werden die nötige» Gelder aufbringen, um den Müttern staatliche Prämien für jede Geburt zu verschaffen. Denn das ist der Hauptzweck des Gesetzes: die Ermutigung zur Mutterschaft. Nach dem Entwürfe wird der Staat Illinois künftig jede Mutter, die nach zweijähriger Ehe ein Kind zur Welt bringt, eine Prämie von 400 M. bezahlen, und die gleiche Summe für jede» weitere Kind, das in Ab- ständen von zwei Jahren danach geboren wird. Für Zwillinge ist eine Prämie von 800 M. und sür Drillinge von 1200 M. vorgesehen. Eine dem Gesetzentwurf angegliederte genaue Statistik weist darauf hin, datz die Bevölkerungszunahine in Illinois noch geringer ist als die ohnehin schon dürftige Vermehrung Frankreichs. Der eiserne Berg von Durango. Obwohl schon 350 Jahre seit Zeit vergangen sind, als die Spanier den berühmten eisernen Berg von Durango in Mexiko entdeckten, beginnt die intensive Aus- beutung dieses ungeheueren Erzlagers dank der fortschreitenden industriellen Entwickelung Mexiko», die Stahl und Eisen in großen Mengen verbraucht, doch erst jetzt in ein schnelleres Tempo zu treten. Acht Kilometer südlich von der heute gegen 40 000 Ein- wohner zählenden Stadt steigt aus der 2000 Meter über dem Meere gelegenen Hochebene der 200 Meter hohe Cerro de Mercado in einer Länge von 2l/z Kilometer und einer Breite von 600 bis 700 Meter empor, der nichts anderes ist als ein ungeheuerer Block vo» Magneteisenstein mit einem Gehalt von 60—63 Prozent reinen EisenS, da» sich wegen seiner Reinheit für alle industriellen Zwecke eignet. Während man die Menge des über dem Niveau der Umgebung liegenden Erzes auf reichlich eine Milliarde Tonnen schätzt, haben Tiesbohrungen, die in den letzten Jahren vorgenommen wurden, ergeben, daß unter der Erde Erz noch in viel größeren Mengen vorhanden ist. Da die Zusammen» setzung des Erzes mit der des großen Meteorsteinfalles übereinstimmt, der sich im Jahre 1751 in Ungarn ereignete, wird allgemein an- genommen, daß auch der eiserne Berg von Durango nichts andere? als ein Riesenmeteor aus vorgeschichtlicher Zeit ist, das sich beim Fall tief in das Alluvium der Ebene einbohrte und im Laufe der Zeiten an seiner Basis noch mehr von sedimentären Schichten umkleidet wurde. Daß dieser kostbare Schatz, aus dem die ganze Welt für lange Zeit mit Roheisen versorgt werden könnte, bisher nur eine mangelhafte industrielle Verwertung gefunden hat, lag an der Schwierigkeit, die Hochöfen mit aus- reichenden Mengen nicht allzu teuren Heizmaterials zu versorgen, als welche nur Holzkohle und Koks in Betracht kommen. Eine direkte Eisenbahnverbindung mit der Stadt Mexiko, die bereits im Betriebe ist, und eine im Bau begriffene Bahnlinie nach der Küste am Stillen Ozean lösen aber jetzt dicfe Schwierigkeiten, so daß daS mexikanische Eisen sich sehr bald auf dem Weltmärkte bemerkbar machen wird. » »»GSSsAA�z Stf Unserem Genossen■ I Wilhelm Prillvitz V nebst Frau O zur silbernen Hochzeit die "ö beste« Glückwünsche. � Die Genossen der 7. Abteilung H' des 5. Kreises. Bewilligte Bäckerei! Dem geehnen Publikum zur gefl. Kenninisnabme, dah ich die Bäckerei von Oswald Rnuhnt, Lichtenberg. Wcserstr. 22, läuflich erworben habe. Es wird mein grStztcs Bestreben sein, die werte Zillndschast reell zu bedienen. 3ö54L Die Forderunge» des Zentrai-Ver. bandeS der Bäcker und Konditoren sind anerkannt. Hochachtungsvoll Heinrich Husheer. Tätowierung entfernt 183/9 Spezlalarzt Dr. Scbünemann, Berlin, Oranlenstr. 189. Dr. Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prlnzenslr. 41,«djr0Ä 10— 2. ö— 7. 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Wir sind sicher, daß Sie von den Leistungen deS SlpparateS, dessen hervorragende Ausstattung jeden Wohnraum ziert, entzückt sein werden, da die Palhe- Schalldose, die Seele des Apparates, das Vollendetste ist, was aus diesem Gebiete existiert. Unübert rossen aberfind die von uns gelieferten Pathö-Plaiten, die nicht nur um ein Drittel größer als die allgemein bekannten Radelplatten, sondern auch im Gegensatz zu dielen nahezu unzerstörbar find und serner ohne Nadelwechsel, mit ewem niemals auszuwechselnde» Saphirstist gespielt werden. Was diese Neuerung bedeutet, kann nur derjenige beurteilen, der schon einmal-einen Sprechapparai besessen hat, der den lästigen Nadelwechsel kennt und der weiß, wie rasch sich jede, auch die teuerste Nadelplatte, von Ansang an abnutzt, um schließlich gänzlich wertlos zu werden. Die Vorzüge unserer Pathä. Platten find aber nicht nur hinsichtlich der Haltbarkeit, sondern auch hinsichtlich ihres Inhaltes so gewaltige, daß nie- mand, der diese Platten gehört hat, den Wunsch haben wird, andere Platlen�zu besitzen. Da gibtses die neuesten lWMMMMLM und andere Tänze, Ouvertüren und Potpourris, alle nur möglichen Jnstrumentalsoli, wie Flügelhorn, Piston, Klarinette. Zylophon je., ernste und lustig« Orchester- stücke, Jodler und Duette, humoristische Vorträge und Couplets, und zwar aus allen Gebieten das denk- b a r B e st e. Denn das große Pathe-Repertoire umfaßt mehr als 25 000 Nummern, lauter Ortginalausnahmen, von den größtenKünstlern gesungen und gespielt. Haben Sie sich nun während der Dauer vonöTagen von alledem, was wir vorstehend gesagt haben, persönlich überzeugt, so steht eS Ihnen frei, unsere Sendung käuflich zu erwerben. In diesem Falle haben Sie für Apparat und Platten nur einen Betrag von 3.— Mk. monatlich an uns zu zahlen. Der Apparat kostet einschließlich der echten Pathä-Schalldose nur 45.— Mk., während wir Weitere Platten können Sie in einem von uns geschaffenen, cbenjalls nur ganz geringe Monats- zahluugen erfordernden Abonnement in beliebigen Mengen nachbeziehen. Wenn man bedenkt, wie leicht und achtlos man 10 Pfennig läglich für gleichgültige oder vergängliche Dmge ausgibt, wird niemand zögern, sich und den Seinen den von uns gebotenen unvergänglichen Genuß zu verschafsen. Die zahllosen uns täglich ohne Ausforderung zu- kommenden, zum Teil in Worten des höchsten Lobes gehaltenen Zuschriften sind der beste Beweis dafür, daß nicht nur die von uns geführten Fabrikale, sondern auch die Vergünstigungen, welche wir gewähren».in den weitesten Kreisen Anerkennung finden. ------Machen Sie also einen Versuch----- der Sie nichts tosttf, und werfen Sie den eingedruckten Bestellschein, den Sie nur mit Ihrer Unterschrijt zu versehen brauchen, in den nächsten Brieskasten. Sie erhalten dann schnellstens unsere Sendung, durch die Sie alles das bestätigt finden werben, was wir gesagt haben. Gefällt Ihnen der Apparat aber nicht, so können Sie die ganze Sendung 5 Tage nach Empfang wieder an uns zurückgehen lassen. Wir find aber überzeugt, daß auch Sie uns, wie viele Tausende unserer Kunden, dankbar sein werden, daß wir Sie aus unlere Vergünstigimgen aufmerksam gemacht und Ihnen Gelegenheit geboten haben, von oenselven Gebrauch zu mache». posttscd 120/7. Einige Anerkennungen. Besten Dank für den Pathc-Apparat. Derselbe spielt wunderbar und überragt be- tressend Klangschönheit alles Dagewesene. Ich bin stolz aus den betreffenden Apparat Danzig. gez. P. P., Buchhalter. Die mir gelieferte Pathä-Sendung übertrifft bei weitem meine Erwartung und kann ich diese jedem aufs wärm st e empfehlen. Radis, Bezirk Halle. gez. W. Sch., kgl. Weichensteller. Ich habe die beiliegenden Paihs-Plalien gespielt und bin mit denselben sehr zusricden. Erstaunt bin ich sowie meine Familie über die Tonschönheit. Frankfurt a. M. gez. W. M. SÄ! Bestellschein 120/7 SÄ? Hierdurch ersuche ich die Firma Bial&. Freund in Breslau II, mir den angebotenen Luxus-Sprech- apparat mi t e ch t e r P a t h s- S ch a lld o i e und 20 Stücke aus doppelseitig bespielten Pathä-PIatten ohne Anzahlung, ohne Nachnahme, ohne jede Emballageberechiumg, insbesondere ohne jede Kaufoerpslichtnng zur Probe zuzusenden. Ich vervflichie mich, diese Sendung, falls ich sie nicht zu behalten wünsche. Innerhalb 5 Tagen, vom Tage des Empsanges an gerechnet, franko zurückzusenden, andernsalls behalte ich sie und zahle unter Anerkennung des Eigen- tumsrechteS monatlich 3 Mk. vom Ablauf der Probezeit be- ginnend, bis der Wert des Apparates von 45 Mk. und der er 10 Doppelplatten& 3 Mk. beglichen ist.— ErsüllungS- ort ist Breslau. Ort und Dalum: Vor«, Zuname mtd Berus: Kraft- Rotwein RtSOa ZOO mmtmmtmamammmamiaammmmmKmmmamamimmmm n unter u ledormaaa franko'. 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Zwei literarifcbe 6cgenfüßlcr. Henna»» Wcinhcimer:„Geschichte des BolkeS Israel". Bd. i; Bon den Anfänge» bis zur Zerstörung Jeru- sale ms durch die Baby lonicr. Bd. 2: Von der babylonischen Gefangenschaft bis zur Zer- storung durch die Römer.— Buchverlag der.Hilfe", BerliniSchöneberg. 188 und 131 Seiten klein 8�. Mit zwei Karten. Jeder Band broschiert 3,— M. John M. Robertson-„Geschichte dcS Christentums".— Neuer Frank- furter Verlag. Frankfurt a. M. 43S Seiten 3°. Preis 3,ö3M., geb. 4,50 M. Weinheimers„W e r k" ist eine kuriose, nicht ernst zu nehmende erbauliche Geschichte des Judentums— das Furchtbarste, was wir von„populären" Erzeugnissen auf diesem Gebiete je gelesen haben. Es lohm die Stunden der Lektüre nicht, denn es ist nichts als eine fromme Abschrift aus der Bibel. Keine Fabel aus der jüdischen Ucderlieferung ist dem Verfasser zu unglaubhaft, daß sie nicht Geschichte bei ihm würde— und dabei führt er im Vorwort auch noch die mate- rialistische Geschichtsauffassung unnützlich im Munde. Er macht auch nicht den kleinsten Versuch ihrer Anwendung und des Eingehens auf wirtschaftspoliüsche Tatsachen. Der erste Band beginnt gleich mit der Uebertreibung, daß das israelitische Volk schon zur Zeit der Gründung Roms eine lange Entwickelung hinter sich hatte. Da die Geschichte Israels keinesfalls über Saul hinaufreicht— vorher gab es eben kein Israel, sondern wie vor der Gründung Roins nur einzelne Stämme—, so beträgt der Unterschied nur 200— 300 Jahre.— Alle anderen Angaben sind genau so leichtfertig. Ucber die Hyksos, über die die ernste Forschung noch durchaus nicht im Reinen ist, wird genau so apodyktisch geredet wie über die in Wirklichkeit noch sehr dunkle Amarnazeit in Palästina(zirka 1400). Moses ist eine Geschichts- gestalt wie der brennende Dornbusch eine Naturtatsachc, in der sich Jahwe— den Wcinheimer der Abwechselung wegen als„der Brau- sende" etymologisieren möchte— offenbart. Apropos Jahwe! Wo dieser Gott herstammt, weiß noch kein Mensch, alles ist Vermutung, aber daß er Jahwe hieß, dagegen gibt es ebenso viele Gründe als dafür, daß er Jahu geheißen. Das wichtigste ist erst ein paar Jahre bekannt. Er stammt aus jüdischen Lriginalpaphri des Jahres 408 vor u. Z., die in Aegypten gefunden wurden und auf denen der Name jdv geschrieben ist, was nur Jahu gelesen werden kann. Das Richterbuch mit seinem entsetzlichen Durcheinander ältester guter Erinerungen und neuester schlechter Fälschungen gilt dem Verfasser genau wie die Moscsbücher für ewige Wahrheit,— nur die alten religiösen Zustände, die sich hier wie in den Königsbüchern finden, übergeht auch er mit Stillschweigen. Alle Leute, die uns das Volk Israel als ein den Gesetzen der kulturgeschichtlichen Ent- Wickelung nicht unterworfenes aufschwindeln, es als ein seit un- vordenklichen Zeiten monotheistisches darstellen wollen, fassen dieses heiße Eisen nie an, denn dann müßten sie erzählen, doy auch in Palästina einst auf allen hohen Bergen und unter allen grünen Bäumen angebetet wurde, d. h. nach Analogie ariderer Völker: daß man allerorts Familien, und Lakalgötter verehrte,— daß die Abbot: Väter, Großvater, Ahnen und die Obbot: Geister, Gespenster in Sprache wie Volksglauben dasselbe sind; daß die Emin(Gespenster, Riesen) Wesen sind, die sich mit den alten Urmüttergöttinnen decken, und daß mit Baal nicht bloß die Götzen, sondern auch die Hausväter bezeichnet wurden,— kurz und gut: daß die alten Fsvaeliten Ahnengötter verehrten. Das würde freilich der unvor- denklichen Jahweherrlichkeit ein Ende machen. Bon einer Scheidung der Völker Palästinas in das israelitische Zehnstämmereich und das viel jüngere Juda ist natürlich keine Rede— das stört stets die Kreise der Bibelgläubigcn und Jahwe- theoretiker. Darum bleibt auch David der lächerliche junge Mann, der im Heere Sauls sich herausdient. Daß auch jeder sonstige Un- sinn resp. Plattheit, die die Bibel aus der weiteren Königszeit bc- »ichtet, mit breiter Wichtigkeit als bare Münze aufgezählt wird, ist selbstverständlich. Mit dem Ignorieren obenerwähnter Scheidung, dem kritiklosen Zusammenwerfen der sich ziemlich fernstehenden und fast immer feindlichen Völker, wird nicht nur daS Verständnis für die geschicht- liche, sondern noch viel mehr für die religiöse Entwickelung Judas, das Verständnis der Bibel überhaupt abgeschnitten. Es besteht nicht der geringste Beweis dafür, daß Jahu im Nordreich einen Staats- k u I t, wenn auch nur für kurze Zeit, gehabt hätte. Christenvölkcr, die sich gegenseitig bekriegen, beten wohl zu dem einen Gott um Hilfe. So unlogisch Ivaren die alten Heiden nicht. Es widerspricht jeder geschichtlichen Analogie, der Trennung des Reichs unter Re- habeam und vor allem dem Geschimpf der„Propheten" nebst anderer Bibelschriftsteller, daß die„Sünde Jerobeams" nur in der Verehrung Jahus als Stier bestanden hätte. Israel hatte einen anderen Gott, wenn sein Name jetzt auch in der Bibel anSgemerzb ist. Die Jahuverehrung war nur das Panier der— stets sehr schwachen— judäischen Partei in Israel. Erst im Exil ist- der Jahukult mit seinen Anhängern Ivie nach Aegypten so nach Sa- maria gewandert. Aus jenen obenerwähnten Papyri geht hervor, daß ein in Elephantine bestehender Jahutempel von den Priestern des Anubis 411 zerstört worden war. Die Schreiber bitten nun den persischen Statthalter Bagoas, ihn wieder aufbauen zu dürfen, was ihnen gestattet wurde. Sie machten also, wie die Samaritaner, den Jerusalemer Zentralisationsschloindel einfach nicht mit. Ebenso wie ihn die AHänger des Tempels in Leontopolis(Unterägypten) nicht mitmachten, in dem vielleicht bis in christliche Zeit Gottesdienst abgehalten wurde. Und trotzdem wagt man immer noch uns diesen Schwindel als das A und O jüdischer Religiosität vorzugaukeln. Der zweite Band ist nicht besser. Fast keinerlei Kombination auS den gegebenen Nachrichten. Was in der Bibel steht, ist wahr, was nicht drin steht, ist nicht passiert. So in der Geschichte Sern- Kabels, so in der Zeit des Nehemja, die Verfasser genau mit der Bibel schließen läßt, während die mehrfach erlvähnten Papyri nicht nur eine ganze Generation weiterbringen, bis zu den Söhnen Sanballats. sondern die Geschichte auch durch sie ein ganz anderes Gesicht erhält. Da W.s Voraussetzungen für die alte Zeit ganz unhistorisch sind, so kann die Weiterentwickelung der Religion in späterer Zeit. wo die Bibel selbst im Stich läßt und man auf Kombinattonen aus allerhand anderen Nachrichten angewiesen ist, natürlich erst recht nichts Wertvolles bieten. Wo ein passabler Gedanke auftaucht, ist er nicht logisch gefolgert, sondern angelesen. Weinheimer kennt eben nur theologische, meist veraltete Quellen; von Historikern hat er außer E. Meyer nichts gelesen. Alles ist auf den Gedanken zugeschnitten: das Judentum ist die Hauptquelle des Christentums— dieses die letzte Blüte der jüdischen ReligipN —, die Auffassung von vorgestern.—--- Einen vollen Gegensatz zu dem eben betrachteten Laborat bildet Robertsons Buch. Er beginnt bei den Anfängen des Ur- christentums und führt uns bis zum heutigen Protestantismus, Katholizismus und der orthodoxen Kirche, läßt keine hervorragende Erscheinung oder Person auf ihrem Gebiete unberührt und sucht immer die soziologischen Ursachen der verschiedenen Wendungen des Dogmas sowie der lveiteren Ausbreitung der Lehre zu finden. Nach- dem das Christentum die Massen durch Einfachheit und Billigkeit seiner Heilsmittcl gewonnen, organisierte sich wieder ein vorher abgeschaffter Priesterstand, fester als je ein heidnischer. Diese und die hinter ihnen stehende Organisation schienen gewissen Cäsaren die besten Mittel, ihre Macht festzuhalten, welche Spcku- latwnen auch nicht täuschten. So wurde das Christentum römischer Staatstult. Die iveitere Ausbreitung über die Grenzen des Reiches hinaus geschah mit Hilfe der Fürsten der Barbaren und ihrer Gefolgschaften, die man zu interessieren verstand. Im Kampfe gegen das politisch wie religiös demokratische Heidentum der Halb- kultur wurde mit dem Christentumc ein politisches wie religiöses Herrentum— König mit Adel uiid Priesterschaft— bevorzugt und neu cingefichrt. Meist mit Gewalt,— das Christentum war ebenso eine Religion des Schwertes wie der Islam. Seit dem 11. Jahr- hundert hat sich dann die christliche Kirche zu einer wahren Er- prcssungsmaschine gegenüber allen Klassen ausgebildet, und nun beginnen die neuen Ketzereien, die weniger dogmatisch sind wie die alteii, sondern— von den rein rationalistischen abgesehen— meist antiklerikal. Sie brechen dort aus, Ivo sich noch ein freies Bauern- tum erhalten oder neu gebildet hat, wo die sich entwickelnde Im dustrie die Intelligenz erhöhte und den Geist der Sparsamkeit bczw. bürgerlichen Kapitalsbildung hervorrief oder die Armut so groß geworden war, daß sich das Volk nach anderen Heilsmittcln als den verkäuflichen der Kirche umsehen mutzte. Diese Angriffe auf die priesterlichen Monopole wurden mit größter Grausamkeit bekämpft. Die Reformation, obwohl den Volksinteressen dienend(Prädesiina- tion und Gnade waren nur Formen eines unbezahlten Ablasses), fand nur dort endgültig Eingang, wo die Interessen von Fürsten und Adel durch sie gefördert wurden,— auf allen anderen Gebieten wurde sie wieder ausgerottet. In neuerer Zeit haben die realen Wissenschaften zum Sinke» des kirchlichen Geistes beigetragen, med obwohl auch der Sozialis- mus, besonders in Deutschland, sein R täglichstes tut, ihm Abbruch zu schaffen, herrscht derselbe noch immer. Die Hoffnung, daß die Sache der Vernunft siegt, beruht nach Robertson auf den Idealen und Bewegungen, die am besten verheißen, die Tenwkratie zu sichern und die Massen zu heben. In einer Gesellschaft, die allen Arbeit gibt und alle erhält, wird die Kirche keine Notwendigkeit mehr sein.-- Robertson ist ein englischer liberaler Journalist; man sieht, wie stark er sich vom deutschen liberalen Journalismus unterscheidet. Der Stil des Werkes ist vortrefflich und erinnert oft an Lecky/ Das Papier der Ausgabe ist elend, kann für den billigen Preis frei, lich kaum besser sein. Ein Register fehlt lefdcr, ja selbst eine In- haltsübe-�«yt über die reiche Gliederung des Buches in 59 Para« graphen, obwohl der Autor sie im Vorwort verspricht. Bruno Sommer.' albschuh-Woclie Gxira- Preise Montag bis Sonnabend Halbschuhe: die große Mode mr Damen u Herren Damen Serie 1 580 Lack-oAChevrette-Pumps, mit breit Krawattenschleife u. � � modern, höh. amerik. Abs. ♦ Verschied. Modeformen Schnürschuhe, braun oder schwarz Chevreau mit Lackk. 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Uhr: Per FcIdhcrrnlrtlgeL Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Die lustigen Nibelungen. Sonntag 8'lt II: Die lustig« WHwe. Berliner Volksoper Nachm. 3'/, Uhr: Zar o. Zlmmerniann. «uA Die Zauberflöte. Residenz-Theater. Direktion: Richard Mexander. Ansang 8 Uhr. kervsmlZ EbekoDtrakt. Schwank in 3 Akten von Georges Zeydeau. In deutscher Bearbeitung von Benno Jacobson. Sonntag, 2. April, nachm. 3 Uhr: Pariser Men«. Morgen und solgende Tage: Fernands Ehekontrakt. Lustspielhaus. Nachm. 3 Uhr: Her Herr Senator. Abends 8 Uhr: Die grüne Neune. Luisen-Theater. Nachmittags 3 Uhr: Dorf und Stadt. Schauspiel in 6 Aufzügen von Charlotte Birch-Pseiffer. Abends 8 Uhr: Aus erster Ehe. rchausp. in 5 Akt. v. Ernst Ritterscldt. Montag: NmS goldene Kalb. Dienstag: Aus erster Ehe. fryrieh-WIhsImstälttislihös Schauspielhaus. SvtMtag, den 26. März, 8 Uhr: £ X a= 5. Nachm. 3 Uhr: Die Jungfrau von-Orleans. Montag: Pagenstreiche. Dienstag: Wilhelm Tell. 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März, nachm. 3 Uhr: Mein Herzensfritz. Abends 7 Uhr: Die feindlichen Kruder. Billeltvorverlauf von 10 Uhr vor- Mittags ab an der Theaterkasse. �eMIIer- Sehlller-Theater 0.(Wallner-Tbeat.) Sonntag, nachm. 3 Uhr: liiS Lhn«. Schauspiel in 4 Alt. v. H. Sudermann. Ende 6'/, Uhr. Sonntag, abends 8 Uhr: El» Idealer Gatte. Schauspiel in 4 Akten v. Oskar Wilde. Ende 10>/, Uhr. Montag, abends 8 Uhr: Zlnrin nnd Magdalena. Dienstag, abends« Uhr: Ein idealer Gatte. TbekUer. Schiller-Theater Charlotfcnburg. Sonntag, nachm. 3 Uh r: Prinz Friedrich von Homburg. Schauspiel in 5 Akten v. H. o. KieisL Ende 5>/, Uhr. Sonntag, abends 8Uhr: liier Tran», ein Leben. Dramatisches Märchen in 4 Auszüge» von Franz Grillparzer. E. IO'/j U- Montag, abends 8 Uhr: Ein idealer Gatte. Dienstag, adeuds 8 Ubr: Der Tranin ein Leben. kriedridi- Straße 165 Castan5 Panoptikum Die Schönen Samoas. 25 Personen. Ohne Extra-Entree. 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März nach unseren Nendatt-Attlagen in Lichtenberg, Nittergntftraßc 22—26 Fernsprecher: Amt Lichtenberg, 3S4 und S!S3. verlegen. Wir machen aber gleichzeitig bekannt, daß Einzelbesichtigungen der Anlagen nicht stattfinden können. Zu Führungen werden nach Ostern Einladungen erfolgen. Wegen des Umzuges bleibt Dienstag und Mittwoch unsere Kasse geschlossen. —-AMbe! billig:—* 10—20 Proz., teilweise unter Verlausspreis.• MoilErne iMpliclie liliel. Wilhelm Hamann Berlin N. 58. � 42 Schönhauser Allee 42 Sptzill!- EllirWiillgkll ZOO— 800 M. Bilanz der Dentsclien Bank, Berlin Stoffe sllr Anzüge, Paletots, Meter S, 4, 5 M. auS direkte: Quelle, daher am billigsten. Tuchtager stach 4 Seeland G.m b. H. Gertrauritenstr.20-21tSb" Aktiva. am 81. Denember 1010. Passiva. Kasse...... M. 92081894.85 Sorten, Coupons u. zur Kückznhlung gekünd. Effekten„ 46940713.26 Gnthab.bei Banken und Bankiers.. M. Wechsel.„ Deutsche Schatz- anweisungen..„ Report u.Lombard- V orsohüsse...„ Eigene Effekten lt. Jflrlirösböriciiti** tt 63269185.96 621400 691,60 37700357.69 336552067.63 47 906 846.56 Eigene Beteiligungen an Ken- sortial-Geschäften...... Kommanditen......... Dauernde Beteiligungen bei fremden Unternehmungen..... Debitoren in laufender Rechnung gedeckte... M. 497032352.26 ungedeckte..* 101454672.23 außerdem Bürgschafts-Debitor.: M. 123795603.54 Vorschüsse auf Waren und Warenverschiffungen....... (davon am Bilanztage durch Waren, Verschiffungs- Dokumente usw. effektiv gedeckt M. 120 530 656.78) Anlagen des Dr. Georg v. Siemensschan Pension- und Unterstützung-Fonds....... Bankgebäude,<....... Mobillea..«..... 139 022 608 1 096 829 749 11 44 39 475 185 13 660 000- 69 852 029 06 598 487 024 49 184760 809 1018 000 28 131 400 1 05 Aktien-Kapital........ Reserven: Ordentl. Reserve A. M. 66388031.30 „ B., 32321481.09 Kontokorrent- Reserve....„ 7016652.28 Depositengelder........ Kreditoren in laufender Rechnung Noch nicht vorgekommene Scheks Akzepte im Umlauf...... außerdem Bürgschaften: M. 123795603.54 Dividende, unerhoben..... Dr. Georg v. Siemensscher Pension- und Unterstützung-Fonds... Ueborgnngaposten derZentrale und der Filialen untereinander... Rückstellung für Talonsteuer.. Gewinn- und Verlust-Konto... 200 000 000- 105726164 67 558 257 166 76 976 384 505 26 14 936 954 21 260 712 303 58 29124 7 491 059 1 848 546 eoooooj— 32 550 982 84 Debet. Mark 2 158 236 807118 Gewinn' und Verlust'Konto. Mark[2 158 236 807118 Kredit. An Gehälter, Weihnachs-Qratifika- tionen an die Beamten und allgemeine Unkosten M. 18 870 153.67 „ Beamten- Fürsorge-Verein., 928 808(52 „ Wohlfahrtseinrichtungen fü. d. Beamten(Klub, Kantinen etc.) M. 197 571.47 , Steuern und Abgaben M. 3 352 181.59 , Gewinnbeteiligng. an Vorstand, stellvertretende Direktoren u. Filialdirektionen M. 3 452 345.97 „"Rückstellung für Talonsteuor „ Abschreibungen auf Bankgebäude.. M. 2 462 347.50 . Abschreibungen auf Mobilien.« 776 957,56 , Saldo, zur Verteilung verbleibender Uebersohnß... 26 801 061 400000 8 259 305 32 550 982 Mark 62 991 849i22 Per Saldo ans 1909...... „ Gewinn auf Wechsel- u. Zinsen- Konto...•. M. 27337390.42 „ Gewinn auf Sorten, Coupons u. zur Rückzahlung gekündigte Effekten... M. 415655.22 „ Gewinn auf Effekten M. 2766524.37 , Gewinn anfKonsort.-Geschäfte M. 6615351.82 . Gewinn auf Provisions-Konto M. 17887 310.19 •, Gewinn aus dauernden Beteiligung. b. fremd. Unternehmung. u. Kommandit. M. 6 303 156.09 1 165 961 61 825 388 11 Achtung! Gesellschafte», Bereine» u. Gewerkschaften empfehle Ich mein herrlich am Wasser, Wald und Bergen belegenes Zlusstugc. lokal.— Billigste Tampfervermietung.— Proipett, Führer und Preislisten frei. HachachwngSvoll Schmöckwih. Robert Voigt, Krampenburg,%f8|?ltr' Mark 1 S2991349j22 teppbeckeu in sauberster AuSsührung empfiehlt sich am besten zu kaufen nur direfti. d.Fabril Ssrodsra GMnismtel. Berlin, Wallstf. 72. Reparaturen u. 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Das GeschäslSgutqaben der Genossen Hai sich im Geschäftsjahr um 350 M., die Gesamthaslsumme der Genossen ebenfalls um 350 M. erhöht. Letztere belies sich am 31. Dezember 1910 aus 9950 M.■ 104/5 Stralau, den 31. Dezember 1910. Ball- o. Erwertispössenseliaft.MM" �flb.r.acBhrän,,#,M,,sohaft Karl Behrcnd. Max Schuldig. kter Haftung. Paul StOgelrnaisr. 119 645 022,12 Große Berliner Straßenbahn. Bilanz am 3i. Dezember 1910. Aktiva. Konto Bau des Gesami-Bahnförpers.. 64 623 490,18 M. . Bau sämll. Bahnhöse u. Werkstätten 20 972 482.05, Wagen-Konto........... 35 649 049,89„ 121 245 022,12 il." Mschrelbungen.......... 1600 000,—, (Slußerdem find noch abgeschrieben ffir 1910 aus Bnhnförper, Bahnhöse, Werkstätten und Wagen 500 000,— M., welche dem Bahnförper-AmortisatioiiSscndS überivlesen sind.) Maschinen-Koiito nach Abschreibung von.. 19 930,25 M. Mobilien-Konlo.... 17 533,43. Utensilien-Konto................ Pserde-Konto nach Abschreibung von.... 7 923,— M. Gefchirre-Konto................ Befleidungeii-Konto nach Abschreibung von. 360 802,35 M. Inventuren-Konto, Bestände an Materialien und Futter. Kontoforrent-Konto, verschiedene Guthaben...... Kasta-Konto, Bar am 3t. Dezember 1910....... Konto Kautionen bei Behörden, bei diesen hinterlegt... Effekten- u. Dokumente-Konto, Effekten- u. Hypothekeubestände als SInIage des Reservefonds......... und d-S Bahntörper-SlmorllsatioiiSsondS..... Effekten des Beamten-KautlonSsondS...... Nicht begebene 3l/s•/, Obligationen......... •» 4%,.......... 173 1869 7 956 15 512 4142 21 493 452 313 145 972,23 1.- 1,— 1.- 1- 671,78 534,04 714,75 676,57 000,— 621J0 000,— 000,— Oer&6fl nau c«> Verkauf begtant Montag 9 Uhr. Passiva. Aftienrapiial-Konio............... 3l/i°U Obligationeii-Kapital-Konko.......... i 0/o n" u.......... Sypothefen-Konto................ Dwidenden-Koiito............... 31/» 0/o ObligationS-AuSlosungs-Konto, unbehobene Obligationen-Zinsen........ 31/i'I,,»Zinsen-Konto, Zinsen per 1. Oktober bIS 31. Dezember 1910...... ReservesondS-Koiito............... Bochntörper-AmortisafionSfondS-Konto........ Taloiistcuer-Nückstelluilgs-«Konto........., Beaniicnkautionen-Konto............. Hastpsfich t-BersicherungSsondS-Konto......... Reserve-Konto, Entschädigungss ordernng gegen die Stadt Berlin au« Konkurrenzbetrieben. Koniororreni-Konio, Verschiedene Gläubiger u. Bar-Kauiionen EmeuerungSsondS-Konio I............ .»». n... Gewinn- und Verlust-Konlo............ 156 719 712,19 100 082 400,— 1222 000,— 338 000,— 1 826 000,— 6 850,75 «1463,75 7 953,75 10 681 502,67 21 641 726,36 r 200000,— 453 958,20 675 892,01 283 608,75 1 814 641,16 6 422 049,81 1 648 153,72 10473511,26 166 719 712,19 Oewintn und Verlust'Konto. Sali. Hhpokheken-Zinsen-Konto............. 31/, 0/0 Obligationen-Zinsen-Konto......«.. ♦ 4/» Gcsämtabschrcibungen Reserve« Konto, EntschädigungS- Forderung gegen die Stadt Berlin aus Kon- kurrciizbrtricbcn...... 110000,— N. Rültstellung aus Talonstcner.. 100 000,—. Konto DerlragSmätzige Abgaben an die Gemeinden 70 566,75 62 805,75 8 080,- 2 505 609,03 210000,- 2 786.429,97 EmeuerungSsondS-Konto 1, Zuschuß au« den BctrlebS-EIn- nahmen nach§ 39 des Statuts .... U. Zuweisung aus 1910........... Hastpflicht-VersicherungS-Konto........... 200 000,— saldo, Reingewinn............... 10473511,26 19 142(102,76 Haben. Gewinn- und Verlust-Konto, Gewinnvorlrag aus 1909*.. Interessen-Konto, Eingeiiommcne Zinse»....... Konto-EntschädigungSsorderungen gegen die Stadt Berlin aus Konkurrenzbetrieben für 1910.... Betriebs<5ionio sämtlicher Linien Die Einnahmen beiragen.. 41 463 325,67 M. » Ausgaben,,. 23 044 656,61. 2 300 000,— 525 000,— 88 847,80 $74 485,90 110000,- Bleibt Ueberschuß 18 418 669.06 19 112 002,76 Berlin, den 25. Februar 1911. Die Direktion. Dr. Micke. Koehler. Meyer. Nach vorgenommener Prüfung der Belege und Bücher der Gefcllfchast bescheinigen wir hiermit die ordnungsmäßige Führung der Bücher und die Heber eins. inimung der vorstehenden Bilanz, sowie des Gewinn- und Verlust- Kontos mit denselben. Berlin, den 25. Februar 1911. Otkar Zwickau, öffentlich angestellter, beeidigter Bücherrevisor. Emil Kryaliz, gerichtlicher Bücherrevisor. SO» G*nub.Hi In dieser Woche W. WERTHEIM Leipziger Straße 75/76 am Donhoffplatz Potsdamer Straße 10. U«< 13® Friedrichstraße 110/112 Extra-Preise In dieser Woche Glas Dessertteller........ 5, 10 w- Korn pottschalen... 18, 28, 55 w- Knchenteller....... 45, 85 Pf. Butterdosen.......... 38 Pf. Käseglocken.......... 60« Preßglas- Garnitur„Saxonia": Dessertteller.......... 9 Kompottschalen. 15, 25 b.- 80 Pf. Butterdosen.......... 68 Pf Käseglocken......... 90« Honigdosen.......... 38 Pf Zuckerschalen......... 25 Pf Kuchenteller.......... 75 Pf Konfektschalen � 65 Pf- Fruchtschalen mit faa..... 1.95 Sdinensnvice s 75. Dekoriertes Porzellan Steingut Speiseteller........... 25 Pf. Dessertteller-......... 20« Runde Platten........ 38«. Ovale Platten......... 75« Butterdosen SStÄ".0�. 42. 48 Pf. Kaffeetassen«a öntertasse«... 17«. Kaffeetassen-»um. r-w dekoriert. 38«• Kaffeeservice � 8 3.50, 4.50 Für 2 Personen, löteiHj, mit Kobahlband 7.50 Dejeuners stems........ 1.45 Tafelservice elegant dekoriert, für 23 teilig........ 6 Personen, 17.50 Für 12 Personen, 60 teilig..... 52.50; 60.00 110.00 j Seriengeschirr„Victoria j Porzellan mit modernem Dekor und Goldrand| I Spciseteller......... 52«. 8aucieren.......... 2.25 J B Dessertteller...... 35, 45« Salatieren....... 1.15, 1.75| Platten..... 1.30, 2.50, 4.35 Karloffelschfisseln..... 3.30 J Gemüseschusseln...... 2.50 Terrinen.......... 6.25 J .TaSSen mit blauem Band..... 33 Pt Salatieren gerippt. Satz«o v stück 80«• Salatieren Fond, Satz von 7 stück 1.35 Salatieren eckig, grün dekoriert, Satz 1.40 Köchengarnituren 7.75 mit rotem oder blanem Karo- Master 9.00 mit modernem dnnkelblanern Karo- Master 1 0.50 VVaschgamituren a teüig. 1.50, 1.90 «teiiig 2.15; steiiig 2.90, 5.25, 8.75 Weißes Poraellan Kaffeetassen.......... 12«. Milchgießer.......... 12« Zuckerdosen.......... 18 pc Kaffeekannen......... 45 pl Salatieren...—....... 28« niiciitöpie 35» Besonders preiswerte Emaille-Geschirre Schmortöpfe otme Ring. r... 40, 50, 60«. Kasserollen mit svei....... 20, 25, 35 Pf. Schöpflöffel, Schaumlöffel Topfdeckel in»N» Größen.... Wassermaße'/» md i uter.,. i stück«• Fisch kessel verschiedene Größen....... 1.50 Wassereimer 28 cm Durchmesser...... 65 Pf Kohlenschütter............. 95«. 15 Teekannen in verschiedenen Größen 45«> Wasserkrüge............ 55, 75«. Eierkuchenpfannen Eimerdeckel 28 cm DurdtmesKr. Kaffeekannen verschiedene Größen j �«• Wasserkannen xo ut« inha«...... 95«. 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Strafkammer des Landgerichts III wegen angeblicher Beleidi- gung verantworten. Den Vorsitz im Gerichtshofe führte Land- gerichtsdirektor Reichhelin. Der Anklage liegt ein Rencontre zu- gründe, welches sich am 25. August v. I. zwischen dem jetzigen An- geklagten und einem Schutzmann Wachtel vor dem Schöffengericht Charlottenburg zugetragen hatte. Rechtsanwalt Lesser hatte an diesem Tage einen wegen Uebertretung der Stratzenpolizeiver- ordnung angeklagten Schmied Vergens zu verteidigen. Gegen diesen war von der Polizei ein Strafmandat erlassen worden, weil er eines Tages anlätzlich eines Streiks bei einer Firma in der Fasanenstratze 14 Streikposten gestanden und dadurch eine Ver- kehrsstörung herbeigeführt haben sollte. In der Verhandlung vor dem Schöffengericht trat der Schutzmann Wachtel, der seinerzeit die Festnahme des Vergens bewirkt hatte, als Zeuge auf und be- kündete u. a., datz er bei der Festnahme zu V. geäußert habe:„Sie stehen hier Streikposten, Sie wissen doch, daß dies verboten ist!" Von dem jetzigen Angeklagten wurde diese Aeutzerung sofort auf- gegriffen. Nach den einschlägigen Entscheidungen des Reichs- gerichts und auch des Kammergerichts ist, wie L. seinerzeit aus- führte, das Streikpostenstehen an sich keineswegs strafbar. Da nach der eigenen Angabe des Schutzmanns Vergens lediglich wegen des Strcikpostenstehens selbst festgenommen worden war und nicht wegen der möglicherweise hierdurch verursachten Behinderung des Verkehrs, so hatte Vergens freigesprochen werden müssen. Rechts- anwalt Lesser beantragte deshalb in der Verhandlung die Proto- kollierung jener Angabe des Schutzmanns. Dies wurde jedoch von dem damaligen Vorsitzenden, Amtsgerichtsrat Meyer, abgelehnt. Der Verteidiger beantragte nunmehr die Protokollierung der Ab- lehnungsgründe seines Antrages. Auch dieser Antrag wurde von dem Vorsitzenden abgelehnt. Als dann der Schutzmann, nochmals vom Vorsitzenden vorgerufen, jene Aeutzerung einschränkte und schließlich abänderte, führte dies zu recht erregten Auseinander- sctzungen zwischen dem jetzigen Angeklagten und dem Schutzmann. In«einem Plaidoyer führte Rechtsanwalt Lesser seinerzeit aus, datz oer Schutzmann sehr ungeschickt und tölpelhaft gehandelt habe, als er den einzig wahren Grund der Festnahme ausgeplaudert habe. Er selbst vertrete den Standpunkt, datz die Anwendung der Stratzenpolizeiverordnung nur der Vorwand, während die Be- seitiguna der Streikposten der eigentliche Grund des Einschreitens der Polizei in solchen Fällen sei. Die nachträgliche Abänderung der Aussage des Schutzmanns stelle eine entweder wissentliche oder fahrlässige Verletzung der Eidespflicht dar.— Wegen dieser Aeutzerungen stellte der Polizeipräsident von Charlottenburg Strafantrag wegen Beleidigung des Schutzmanns Wachtel. In der gestrigen Verhandlung erklärte der Angeklagte, datz er seinerzeit, um seiner Pflicht als Verteidiger zu genügen, im Jnter- esse seines Mandanten genötigt war, das Zeugnis des Schutzmanns einer scharfen, aber nach seiner Meinung vollkommen berechtigten Kritik zu unterziehen. DaS Wort„ungeschickt" habe er gebraucht, ebenso auch die Eidesleistung des Schutzmanns als nicht ganz korrekt bezeichnet, dagegen könne er sich auf das Wort„tölpelhaft" nicht mehr besinnen. In der Beweisaufnahme nahm Justizrat Leonh. Friedmann auf einen ablehnenden Bescheid des Oberstaats- anwalts Bezug, in welchem der Gebrauch des Wortes„unflätig" im Plaidoyer nicht als eine Beleidigung angesehen wurde.— Staatsanwalt Kriechert vertrat den Standpunkt, datz der Ange- klagte über dasjenige hinausgegangen sei, was einem Verteidiger »ur Wahrung der Interessen seines Klienten zustehe. Da es Pflicht der BeHorden sei, vor Gericht stehende Zeugen gegen derartige An- griffe energisch in Schutz zu nehmen, ferner auch, datz die Ver- teidiger häufrg über das, was erlaubt ist, hinausgehen und dieser Mißstand� energisch bekämpft werden müsse, beantrage er eine Geldstrafe von IW M.— Justizrat Leonh. Friedmann trat dieser letzten Bemerkung des Staatsanwalts mit allem Nachdruck ent- gegen. Diese stelle lediglich eine rein subjektive Empfindung des Anklagevertreters dar. Jeder Verteidiger fei gezwungen, im Interesse seines Mandanten die Glaubwürdigkeit eines Zeugen fchars nachzuprüfen und je nach Ausfall auch emer ebenso scharfen Kritik zu unterziehen. Der Angeklagte sei in dem vorliegenden Falle nicht über die Grenzen des Rechts und der Pflicht hinaus- gegangen und müsse deshalb freigesprochen werden.— Nach .längerer Beratung verkündete das Gericht folgendes Nrteil: Das Gericht hat es als nicht widerlegt ansehen können, datz der Ange- klagte seinerzeit geglaubt hat, daß der Schutzmann nachträglich seine Aussage in einer für seinen Mandanten ungünstigen Weise abgeändert hatte und damit seine Eidespflicht verletzt habe, was jedoch objektiv nicht der Fall ist. Nach dem Ergebnis der Beweis- aufnähme könne das Gericht nur annehmen, datz der Angeklagte jene Worte nur gebraucht habe, um seiner Pflicht als Verteidiger gerecht zu werden. Unter diesen Umständen könne von einer straf- baren Beleidigung nicht die Rede sein. Das Urteil laute deshalb auf Freisprechung. Dem Staatsinteresse und der Autorität des Gesetzes, das Streikpostenstehen als Ausfluß des Koalitionsrechtes unumschränkt zuläßt, wäre mehr gedient, wenn Anklage gegen die Person erhoben würde, die durch Anweisung an ihre Beainten das Streikposten- stehen tatsächlich hindere, als daß haltlose Anklagen gegen die Ver- teidiger des gesetzlich gewährleisteten Koalitionsrechts konstruiert würden._ Wegen Verbreitung einer unzüchtigen Schrift standen gestern der noch jugendliche Schriftsteller Alfred Lehmann iAlfred Lemm) und der verantwortliche Redakteur der„Zeit am Montag", Fritz Schweynert, vor der 4. Strafkainmer des Land- gerichts I. Der Angeklagte Lehmann ist der Verfasser einer in der „Z. a. M." im Dezember v. I. erschienenen feuilletonistischen Skizze„Großstadt", die in das Getriebe eines Tanzlokals hinein- führte und nach der Absicht des Verfassers den ernsten Zweck ver- folgte, junge Männer vor den Höhlen des Lasters zu warnen. Beide Angeklagte bestritten, daß es sich hier um eine unzüchtige Schrift handele. Als Sachverständiger gab Hosrat Dr. Schlcnker sein Gutachten dahin ab, datz er vielleicht vom künstlerisch- ästhetischen Standpunkte Einwendungen gegen einzelne Rede- Wendungen in diesem von einem noch recht jungen Autor stammen- den Artikel machen könnte, daß aber zu Beanstandungen in sittlicher Beziehung nach seiner Meinung kein Anlaß vorliege. Diese An- ficht vertrat auch Justizrat Dr. Sello, der in einem warmherzigen Plädoyer nachzuweisen suchte, datz weder in objektiver noch in sub- jektiver Beziehung§ 184 angewendet werden könne. Das Gericht war anderer Ansicht und verurteilte Lehmann zu 28 M., Schweynert zu 100 M. Geldstrafe. Der Staatsanwalt hatte 50 M. bezw. 500 M. beantragt._ (Hocbcii-Spielplan der Berliner Cbeater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Die Königskinder. Montag: Salome. Ans. 8 Uhr. Dienstag: Die Zauberflötc. Mittwoch: Sinfonie« Konzert. Donnerstag: Elektra. Freitag: Die Königskinder. Sonnabend: Mala. Cavsllsria rusticana. Sonntag: Die Zauberflötc. Montag: Tannhäuscr.(Ansang 71/, Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntagnachmittag: Wilhelm Tell.(An- sang 2'!, Uhr.) Abends: Goldsische. Montag: König Richard II. Diens« tag: Der Störenfried. Mittwoch: Die Karolinger. Donnerstag: Ein Schritt vom Wege. Freitag: Wallcnsteins Tod. Sonnabend: Julius Cäsar. Sormtag: Die Journalisten. Montag: Der Störenfried.(An- sang 7st, Uhr.) Neues kgl. Opcrn-Thcater. Sonnlagnachmittag 3'/, Uhr: Der Herrgottschnitzer von Ammergau. Abends: Der Stammhalter. Montag: Der Stammhalter. Dienstag: Der Siammhalter. Mittwoch: Der Geigen« macher von Mittenwald. Dolmerstag: Jägerblut. Freitag: AImcnrausch nnd Edelweiß. Sonnabend: Der Stammhalter. Sonntagnachmittag 3st, Uhr: Amerikaseppl. Sllmenrausch und Edelweiß. Abends: Der Bauernpolilik(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag, Dienstag, Donnerstag,( und Sonntag: Faust. 2. Teil i Ansang 5 Uhr.) Montag, Mitt Montag: Sonnabend woch, Frei- «Anfang S Uhr.) Montag, tag und Montag: Faust. 1. Teil.(Ansang 7st, Uhr.) Deutsches Theater(Kamm erspiele). Sonntag: Sunmrun. Montag: Komödie der Irrungen. Heirat wider Willen. Dienstag: Sumurun. Mittwoch: Die Königin. Donnerstag: Sumurun. Freitag: Die Königin. Sonnabend: Sumurun. Sonntag: Die Königin. Montag: Komödie der Irrungen. Heirat wider Willen.(Ansang 8 Uhr.) Lessing-Xheater. Sonntagnachm. 3 Uhr: Die versunkene Glocke. Allabendlich: Glaube und Heimat.(Ansang 8 Uhr.) Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: DaS Kind. Abends biS Sonnabend: Der Leibgardist. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Kind. Abends und Montag: Der Leibgardist.(Ansang 8 Uhr.) Neues Theater. Allabendlich: Mein erlauchter Ahnherr.(Ansang 8 Uhr.) Neues Schauspielhaus. Sonntag: Alt-Heidelberg. Montag: Wieder- kehr. Dienstag, Mittwoch, Sonnabend und Sonntag: DaS klewe Schokoladenmädchen. Donnerstag: Maria Stuart. Freitag: Die Hosen des Herrn von Bredow. Nächsten Montag: Wiederkehr.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Pension Schöller. Allabendlich: Bummelstudenten. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Minna von Barnhelm. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Veilchensrcsser.(Alt- sang 8 Uhr.) Modernes(Hebbel-) Theater. Allabendlich: Der Feldherrnhsigel. (Ansang Sllt Uhr.) Komische Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Fledermaus. Abends und Montag: Orpheus in der Unterwelt. Dienstag: HoffmannS Erzählungen. Mittwoch: Orpheus in der Unterwelt. Donnerstag: Die Bohöme. Freitag: Die verkaufte Braut. Sonnabend: Tosca. Sonntag- nachmittag 3 Uhr: HoffmannS Erzählungen. Abends: Orpheus in der Unterwelt. Montag: Die verkaufte Braut.(Ansang 8 Uhr.) Thalia-Theater. Allabendlich: Polnische Wirtschast.(Ansang 3 Uhr.) Schiller- Theater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Ehre. Abends: Ein idealer Gatte. Montag: Maria und Magdalena. Dienstag: Ein idealer Gatte. Mittwoch: Nathan der Weise. Donnerstag: Gabriello der Fischer. Freitag: Maria und Magdalena. Sonnabend: Gabriello der Fischer. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Ehre. Abends: Maria und Magdalena. Montag: Ein idealer Gatte.(Ansang 8 Uhr.) Schiller- Theater Charlottenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Prinz Friedrich von Homburg. Abends: Der Traum ein Leben Montag: Ein idealer Gatte. Dienstag: Der Traum ein Leben. Mittwoch: Ein idealer Gatte. Donnerstag: Der Traum ein Leben. Freitag: Ein idealer Gatte. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Nathan der Weise. Abends: Der Traum ein Leben. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Prinz Friedrich von Hom- bürg. Abends: Ein idealer Gatte. Montag: Maria und Magdalena. (Ansang 8 Uhr.) Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr:' Die Jungfrau von Orleans. Abends: 2X2= 6, Montag: Pagenstrciche. Dienstag und Mittwoch: Wilhelm Tell. Donnerstag: Eine Ehe. Freitag und Sonnabend: 2X2= 5. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Gras Essex. Abends und Montag: Eine Ehe.(Ansang 8 Uhr.) Neues Operetten- Theater. Soimtagnachmittag 3 Uhr: Der GläckSengel. Allabendlich: Die schöne Risette.(Ansang 8 Uhr.) Nächste» Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Glücksengel.(Ansang 8 Uhr.) Theater des Westens. Sonntagnachmittag 3ff, Uhr: Die lustige Witwe. Abends und folgende Tage: Die lustigen Nibelungen.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten sonntagnachmittag: Die lustige Witwe. Trianon-Theater. sonntagnachmittag 3 Uhr: Der selige Toupwel. Allabendlich: Hippolytes Abenteuer.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonntag- nachmittag 3 Uhr: Fräulein Josette, meine Frau. Residenz-Theater. Allabendlich: Fernands Ehekontrakt.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Volks-Oper. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Zar und Zimmermann. Abends: Die Zaubcrflöte. Montag: Der Waffen- ichmied. Dienstag: Der Troubadour. Mittwoch: Don Juan. Donners- tag: Die Dollarprinzessin. Freitag: Der Freischütz. Sonnabend: Der Trompeter von Säkkingen. Sonntag: Die Dollarprinzessin.(Ans. 8 Uhr.) Montag: Die lustigen Weiber von Windsor.(Ansang 8lU Uhr.) Luisen- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Dorf und Stadt. Abends: Aus erster Ehe. Montag: Ums goldene Kalb. Dienstag und Mittwoch: Aus erster Ehe. Donnerstag: Der krtttsche Tag. Freitag bis Montag: Aus erster Ehe.(Ansang 8 Uhr.) Lustspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Herr Senator. Abends bis Sonnabend: Die Grüne Neune. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Meyers. Abends und Montag: Die Grüne Neune.(Ans. 8 Uhr.) Metropol-Theater. Allabendlich: Hurra!— Wir leben noch l Ansang 8 Uhr. Rose-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Abend?: Leuwant der Reserve. Montag: Am Rande de? Abgrunds. Dienstag: Die Jungfrau von Orleans. Mittlvoch: Leuwant der Reserve. Donnerstag: Die Jungstau von Orleans. Freitag, Sonnabend und Sonntag: Am Rande des Abgrunds. Montag: Wilhelm Tell. (Ansang 8 Uhr.) Casino-Theater. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Haß und Liebe. Allabendlich: Julie Wippchen.(Ansang ö Uhr.) Nächsten Sonntagnach- mittag 3'/, Uhr: Hätz und Liebe. FolieS Caprice. Allabendlich BIS auf weiteres: Der Feldwebelhügel. Anfang 8'/. Uhr. Apollo. Tbeater. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang S Uhr. Sonntagnachmittag 31/, Uhr: Spezialitäten. Passage- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Spezialttäten. Ansang 8 Uhr. Wintergarten. Allabendlich und Sonntagnachmittag: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Reichshalleu» Theater. Täglich: Etetttner Sänger. Ansang S Uhr, Sonntags 7 Uhr. Walhalla- Theater. Sonntagnachmittag 81/, Uhr: Der Trompeter von Säkkingen. Allabendlich: Bravo l Da capos Spezialitäten.(An- sang Sllt Uhr.) Carl-Haverland-Theater. Täglich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Herrnfeld-Theater. Täglich: ScheidungS-Souper. Die Bar-Schwester. (Ansang 8 Uhr.) Kaiser- Panorama. Lustschloß SchSnbnnm und Gemächer. Eine Reise 20 Ps. Kinder nur 10 Pf. Urania. Theater, Taubenstr. 48/4?. Mtt dem Kronprinzen durch Indien.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte» Jnvalidenstr. 67— 62. Arbkitrr! Pirteigeiiilseil! 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Männer und Frauen, erscheint in Massen! 217/3» Für die Einberufer: Paul HofTmann, Stralauer Platz 1/2, Steinarbeiter Mitglieder- Uersawmlnngen (Baus u. Grab* der Sektion I am Sonntag, SO. März, vorm. 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15. Tagesordnung: 1. Wie haben sich die im Tarif enthaltene» Renernnaen bewährt? 2. BerlchiedeneS. der Sektion II("a™";) Mittwoch, 29. März, abends 8 Uhr, im Englischen Garte», Alexanderstraße 27c. Tagesordnung: Bertchtersiattnna von den Tarisverhandlnnge» mit dem Berbanv der Stcinmetzgeschäfte und Stellungnahme hierzu. Beide Versammlungen sind äußerst wichtig und erfordern die Anwesenheit jedes einzelnen Kollegen. Um pünktliches Erscheinen ersncht 171/s» __ Die Ortsverwaltnng. Veiband der Schneider, Schneiderinnen und Wäschearbeiter.(Filiale Berlin I.) Kostüm- u. Unsterbranehe. Montag, de« 27. März 1SU, abend» präzise 8 Uhr: Oeffentliche Uersammlung in den„Arminhallen«, Kommandantenftr. S8/SS. TageS-Ordnung: 1..Weiche Rechte und Pflichten haben die Frauen in der Aegenwarl?» Rcferentin: ssesu Dr. Zepter. 2. Bericht über die gegenwärtige Lage in unserer Branche. 3. Mitteilung der Kommission und Verschiedenes. Kollegen und Kolleginnen l Lln Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen jedes Einzelneu notwendig. Niemand darf fehlen. 182/13 vi« Koiumlsston. ttr ir-t ArbettSnachweis: BerwalenngSstelle Berlin. Hanpidurean, Hos l. Am» S. 1239. tZdaritistra»» S. Hos M. Amt 3. 1907. Montag, den 27. März 1911, abends S Uhr: säss Uersammlung aller in den Kvleßschrsnktsbniltsn beschästigten Kollegen in Frankes Festsälen, Badstraße IS. TageS-vrdnung: Bericht über die Verhandlungen mit den Arbeit» gebern über den Tarif der Geldschrankschlosser. An Anbetracht der Suherft wichtigen TageS-Ordnung ist baS Erscheinen aller Kollegen dringend notwendig. 114/S Dienßtag, den 28. März 1911, abends 6'/, Uhr: Allgemeine Versammlung der in den Militäressekten-Betriebeu beschäftigten Arbeiter u. Arbeiterinnen in den Ritter-Sälen, Nitterstratze 75. Tages-Ordnung: l. Die Zustände in den Militäressekten-Betriebeu. Referent Kollege G. Klaußner. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Folgende Betriebe sind besonders eingeladen: P. Maybaner, Junker« strasie, MatthrS u. Schwabe, Köpcnicker Strabe, Cocvreux, Zimmer- ftrafje, Thiel, Hollmanniiraßc. Zahlreichen Besuch erwartet Dt« Ortsrerwaltnng. Feine kachierte Arbeit vergibt außer dem Haus«. Offerten si!. K. 606 befördert Rudolf Moese, Prinzenstrahe dl. 46/15 Orts-Krankenkasse der Schuhmacher. Montag. 27.März. abdS. 8'/, Uhr, im Lokale Weberstr. 17: lZeoei'sIvei'ssmmllikig. Tagesordnung: 1. 9 ilmahme der Jahresrechnung pro 1910. 2. Stawrenänderungcn. 3. Verschiedene Koflcnangelegenheiten. Berlin, 25. Mär,>911. 272/9_ Der Vorstand. Allgemeine Orts- Krankenkasse 8pSIAÄ»UR. Montag, den S. April 1911, abends 8 Uhr: General-Versammluns bei Böhle. Havelstratze 29. Tagesordnung: t. Kassenbericht und Bericht der Rechnungs-PrusungS-Kommission. 2. Bortrag de» Herrn Dr. Kallner über.Darwinismus". 3. Verschiedenes. 87S/13 Der Vorstand. R. Slppoldt, Vorsitzender. Ztigend-Attssthch sör Groß-Kelliii. Sonutag, den LS. März. abendS S Uhr: Jagendversammlmig in dm„ArmlnhaUen", Kommandantenstr. 58—59. Vortrag deS Schriftstellers Lllvar� kefNStelN über: D>v VesoUsvIiatkt dos.Altortmas. Nach dem Vortrage; Gesellige Unterhaltung. gar Eintritt frei.— Garderobe 10 Ps.-MA Alle Lehrlinge, jugcndllchm Arbeiter mtd Arbeiterinne» find freund- lichst eingeladen._______ 289/13« llcrdand der Capczicrcr. Am Montag, den 27. März, abends 8 Uhr. im»Dresdener Kasino«, Dresdener Straße 99: Mitglieder-Versammlung TageS-Ordnung: 1.»Der Stand unserer Lohiibetoegung«nd«ufere weitere Stellungnahme�. Referent: Kollege Kltzewltz. 2. Diskussion. 178/7 Pflicht aller Mitglieder ist es. zu erscheinen. '»Ui* Mitgliedsbuch und Streikkarte legitimiert. __ Die Ortsverwältung. fB- W. E inBadung zu der am Freitag, den 7. April d. I., in Hoppes Festsälen, hier- selbst, Hermanustr. 49, statifindmden Achtung! Sdmeider Achtung! (Schneider• Innung). Alle in JnnungSbetriebe» beschäftigten Gehilfe» über 21 Jahre tUNch Helmarbeiter) werden zu Mittwoch, den 29. März, abend» 8'/, Nbr, nach dem Lokale Wllkcs Festsäle, Sebastianstr. 39, hiermit eingeladen. TageS-Ordnung: 1. Ergänzung? wohl des GesellenausschnsseS. 162/14 L. ErgänzungSwahl der Ersatzmänner des GesellenanSschusseS. Im Austrage des Gesellrn-AusschnsseS: Gustav Gebauer, Anhaltstr. IS. Der Borstand dcrSchneider-Jnuuag zu Berlin: Gustav Krause, Obennstr. ordentlichen Senera!-Versammlung I. Abends 8—8'/. Uhr: Wahl eines PmstandsmitgliedeS aus den Reihen der«assenmitglteder an Stelle des Herrn Tesiner bis zum 31. Dezember 1912. II, AbendS 8'/,— 9 Uhr: Wahl eines Vorstandsmitgliedes aus den Reihen der Arbeitgeber an Stelle des Herrn Biester bis zum 3t. Dezember 1911. III. Abends 9 Uhr: vemeloscdsktllede Leoera!- Versammlullg. Tages-Ordnung: 1. VcrwoltungSbcricht. 2. Bericht der Revisionskommission. 3. Beschkich faffung über die Abänderung des H 14, Ziffer 3 des�Kossenslatuis(Be zahlimg des Krankengeldes für jeden Kalendertag) 4........ die Aba' �"'"~ Abänderung deS S 64 des tiassenstatuts(Vornahme der Kassenrevi über . W> onen dmch den Gesämtvorstand). 5. Antrag deS Vorstarides aus BehaltSerhihung für den GeschäftSsühier. 272/7 Rixdors, Jdealpasfage 12, dm 20. Mär, 1911. Der Kaffenvorstand. Schulte, Vorsitzende. Walter, Schriftführer. Die den Delegierten zugesandte Einladung dient als Legitimation und ist beim Eintritt In die Versammlung zur Eintragung in dl« Präsenzliste vorzuzeigen.— Wohnungsveränderungen sind der Kasse sofort mitzuteilen. Zur Beachtung! Die Arbeitgeber, welche sich in der General- Versammlung durch ihr« Geschäftsführer oder BelriebSbeamtm oertreten lassen wollen, werden ersucht, dem«assenvorstand vor Beginn der Ber» Handlungen davon Anzeige zu machen. Kaa! mt Kühne md Garten zu SioaiiuvrnacdtsdäUQii an Sonnabenden im Mai und Juni zu vergeben LroLv EVankftirt«« Straß« 30. Verwaltung Berlin. Achtung? Werkstattvertraueusleute! Die Kollegen, welche noch keinen Jahresbericht erhalten haben, köimen Ihn durch die Vertrauensleute von: Bureau abHolm lassen. sss Stellmacher. s-Z Sonntag, den 2«. März 1911» vormittags 9'/, Uhr: Branchen- Versammlung im„Rosenthaler Hof", Rosenthalerstr. 11/13. Fortsetzung der Tages-Ordnnug vom 19. März. Sämtliche Kollegen müssen pünltiich zur Stelle sein. KüchemnIsssel'Branelie. Montag, den 27. März 1911, abends Punkt 8 Uhr; Branchen- Versammlung SS für Grotz-Bcrlin sss im„Englischen Garten", Mexanderstratze 27«. Die TageS-Ordnung wird in der Versammlung bekannt gegebe» Die Delegierten find hierzu besonders geladen. Mitgliedsbuch legitimiert. Klavierarbeiter. Montag, den 27. März, abends S\'2 Uhr: Branchen-Versammlung im Generbschaftsbanse, Saal 1. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Reichstag»-Abgeordneten Stiieblen über:»Die Ncichsversicherungsordnuiig«. 2. Bericht von der Generalversammlung. 3. Branchen- und Verbandsangelegenhetten. Mitgliedsbuch legitimiert. 80/1« Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Branchenlettnng. Jalousien« Arbeiter. MM Montag, de« 27. März, abends 8'/2 Uhr» bei Anton Bocker, Weberstr. 17: . Lfaneken»Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht des Obmannes. 2. Die neuesten Borgange in der Branche. 3. Verschiedenes. Ltovll- n. ZeUnloId-BrbeHer. Mittwoch, den 29. März 1911, abends 6 Uhr, MP* in den„Rittersälen" iJnh. Bercht), Ritterstr. 75:'MW Branden»Versammlung. Xaarschrnuek'Jlrbelter. Mittwoch, den 29. März 1911, abends Pünktlich 8 Uhr, im GewerkschaftShans(Arbeitslosensaal) Engelufer 15: — Branehcn-Vcrfoirnnlung= oller in der �WM-SMeliUelilii'siZeiüZ Meiler i Meiterliuieii, Tagesordnung: 1. Bortrag des Kollegen Hakler über:„Die Organisation der Jugendlichen und der Holzarbeiterverband. 2. Diskussion. 3. Be» richt von der Generalversammlung. 4. Verbands- und Branchen- angelegenheiten._ MtgUecke�-Versammlung des ttks Hb. Boseisler- o.SeWiBrlliirslit am Montag, den 27. März 1911 (gleich«ach Feierabend), um 5V, Uhr. TageS-Ordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung. 2. Wohl von zwei BeitragSsammlern für Zahlstelle 27 und Zahlstelle öS. 8. Verbands- angelegenheilen. 80/18 Um regen Besuch bittet Die Kowmisfiou. Sllderrahmemtiacher. WM" Montag, den 27. März, abends 0»/, Uhr» HM im Gewerkschaftshanse(Saal 3): Branchen»Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Beriet von der Gencral-Bersammlung. 2. Diskussion. 3. VerbandSangelegenheiten, Die Kommission. Korbmacher. WM' Montag, den 27. d. M., abends 8'/, Uhr,'WM bei Wvllschläger, Adalbcrtstr. 21: B r a u ch e it- B e r s a w w l u u g. TageS-Ordnung: 1. Bericht Von der Generalversammlung. 2. Branchen- und VerbandSangelegenheiten. Die Kommission. Freitag, den 31. März, . im Qewerkschaftshause(Saal 4): General'Tersammlung. Fortselzang der Tagesordnung vom 17. Hin. Freie ßrankell-v. Segrabnis- kasse der Schuhmacher und Scrufdgenofien Berlins (6. H. Nr. 27). Montag, den 10. April, adends L Uhr, bei Knbe, Alle Jakobstr. 75: General-Versammlimg. Tagesordnung: 1. Kasfenberichl vom I. Quartal. 2. Innere Kaffenangelcgenheiten. 8376 Der Vorstand. Ordentliche General-Versammlung der Liepnerschen Sterbe» und Kranken» Untcrstiitzunas- Kasse Nr. ÄZ z» Berlin am Dienstag, de» 4. April 1911, abends S'/j Uhr, im Kassenlokal, Lmienstrahe S. Tagesordnung: Beschlutzsassung über den NachtragS> entwurs zu den Satzungen. SZIb Der Vorstand. Orts-Krankeukasse der Tabak- Fabrikalbeiter zu Berlin. Länlaißung zur > Ordentlichen—— General-Versammlung am Montag, den 3. April 1911, abenda 8V, Uhr, nach Welnstr. II (frOher Feind). Tagesordiiuna: 1. Abnahme der Rechnung des Jahres 1910. 2. Ver» mehrung der Kasse, liiunden und dein- eiilsprelhende Festsetzung der Eni« schädigung des Rendanten. 2. Ver» schiedeneS. Berlin, den 23. Mär» 1911. 272/8 Ter Vorstand. der der vrtskranksnkasse keinickenilors. Bekanntmachung. Die Wahlperiode der sämtlichen Vertreter zur Generalversammlung der OrtSkranlenkalse ist insolge Neu- regelung der diesbezüglichen Be» stimmungcn de« Statuts abgelaujen und babcn demzufolge Neuwahlen stattzufinden. Es sind zu wählen: A. Von den Arbeitnehmern 128 Vertreter. B. Von den Arbeitgebern 64 Vertreter. Zur Vornahme dieser Wahle» find zufolge VorsiandsbelchlufseS Wahl» termin« im Sindauschen Rentanrant, Mosidenzstr. 124 hierselbst, angesetzt, und zwar zur Wahl Kassenvertrctcr auS der Zahl Arbeitgeber Donnerstag, den 6. April 19U, abeudS 7—8'/, Uhr. Zur Wahl der Ualfeuverlreter aus der Zahl der Arbeitnehmer Freitag, den 7. April 1911, ähendS 6—8'/, Uhr. Wahlberechligt und wählbar find nur solche Personen, welche daS 21. Lebenslahr überschritten baben und in: Besitze der bürgerlichen Sbren- rechte sind. 272/11 Die Kaffenmitglleder sowie die Arbeitgeber werden zu den angesetzten Wahlterminen mit dem Ertuchcn um recht zahlreiches und pünktliches Er- scheine» dierdurch eingeladen. Die Kasscnnütglicder haben zu ihrer Legitimation die Kafienbllcher mit- zubringen. Die mit Beiträgen rück- ständigen Arbeitgeber können daS Wahlrecht nicht ausüben. Reinickendorf. 22. Marz lStl. ver Vorstand der Ortekrankenkassa. Naubecker, Bcnsch, Schriftsührer. Borsitzender. Orts- Krankenkasse Pankow. Die Delegiertenwahlen zur Weneraidersammlung für die Jahre 1911 bis 1912 finden am 5. April 1911 im Restaurant von Rocisyckl» Pankow, Krruz- f träfet 3-4 statt. 272/10 ES wählen: Die Arbeitnehmer von 8— SUVr abends. Die Herren Arbeitgeber von 8—9 Ubr abends. Zu wählen find>34 Vertreter der Arbeitnehmer und 67 Vertreter der Arbeitgeber.— Wahlberechtigt und wäblrar sind nur diejenigen Kassen- Mitglieder, welche grofejährig und im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte find. Die Kaflenmitglieder haben sich durch Vorlegung ihre» vom Arbeit- geber abgestempelten Quttwngsbuchcs oder der Mitgliedskarte; die Arbeit- geber, soweit dieselben nicht Person. iich bekannt find, durch die letzte Beitragsquittnng zu legitimieren. Pankow, den 25. März 1911. Der Vorstand. Otto Rlstuiann, vorfitzender. Aal vnnixml haben Sie, meine Semen, wenn sie nlslll entert Kemme» Der Aedraaj la meinen uihitem nr Ottern iet kna a bewiltlsta. KostUvne * ase eeEi enetleede» Stollen Kopp u. J enklnn-Brai'ors) fclaa 91 Aachener Herren-Karamearn, feinst. Tuchen etc. auf aodleeen. ( Duchesae, Selden-Damaasze n. kclastsm Herreu-CIoth eefütt«rt gl anfanirond tou 15.—. 24.—, 85.—. 48.— bia 100.— M.. «• d. b. PreisermSssiKun» 10— 15%. | Paletots Stoffe«. T. echt engliscb(Semon& Co.. 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Friedrlch-Stiaase 231 N. Frledrieh-Strasse 118/19 C. König-Strosse 47 W. Potsdsmsr Strasse 5 C Rosenthaler Strasse 1 W. Tsuentxien• Strasss 18 N. Bad* Strasse 20 NO. Gr. Frankfurter Str 102 (am Strausberger Fiats) KW WlÄBseter Sir, Eclra Tur mstr. 9 Charl, WQmersdoifer Strasse 136 StegUts, Schloss-Strssse 20 Spandau, Breite Sttasae 80 Potsdam, Nauener Strasse 34 Hrbeitcr- Stenographen-V erein □ □„Stolze-Schrey", ßerlin. □ □ Beginn eine» neuen AnsSnger-Aurfu» am Dienatac, den SS. d. H.« abend» 8'/, Uhr. im GewerkschaftShause. Saal S. - Kursus einschlleBIloh Lehrmittel 2 M.■■"» Anmeldungen zu diesem oder zu dem neu eingerichteten — Aortschritts-Kursus— zu richten an den Borfitzenden Genossen Ii. Driecltmann, 0. Uli PeHenkoferstr. 14, ober beim Beginn des Unterrichts. Sllb De? Voratruid. Bewilligte Bäckerei! Achtung Teile dem verehrten Publikum und Nachbarschast mit, dafe ich unten genannte Bäckerei täusllch übernommen habe. Die Korderungen des Bäcker- und Konditoren-Verbande« habe ich bis jetzt Immer eingehalten, was hiermit der Verv auensmann der Bäcker bestätigt. ES wird mein Bestreben sein, gute und schmackhafte Ware zu liefer« und den Tarif weiter einzuhatten. Achtungsvoll 9186_ Ern.t Werner, HussitenpS. 6. Dxtra-Abtetlnnc 1 1. Gesch.: Berlin W., Mohren- 8traleS7a(2. Haue von dar I Jerusalamer StraSa). | M.Besch.: Berlin NO.. Grote 1 Frankfurt. Str. 1 1 S(2. Haus von dar Andreaaatrate). I 1 Sehrgr. Ausw. fert. Kleider,| 1 Hüte, Handschuhe, Schleier lato. v. einlachstsn bis tum ] hochelegant. Genre r änDerut j niedrigen Preisen. Sonder-Abteüang: Hafinnferticung in 10 bis 12 Stunden. WWsTödes�Anzeigen|||[gS] für den t. CiörlltECP Viertel. Bezirk 226, Teil I. Den Miigliedern zur Nachricht. dafe unser Genosse, der schleiser SermAnv Sivmh Glogaucr Str. 4 gestorben ist Ehre feinem Aubeuken! Die Beerdigung findet am Montag, den 27. Marz. nach. mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- balle des Zcntral-Fnedhoses in Friedrichsselde auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 21715 Der Vorstand. Sozlalflemokralischerffaliteln Klxdorf. Am 23. März verstarb unser Mitglied, der Aroeiter Wilhelm Ltodnick Glasowstr. 31(13. Bezirk). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 27. März, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle des Rixdorser Gemeinde- griebhoses, Mariendorjer Weg, au« statt. Um rege Beteiligung ersucht 234/17 Der Vorstand. Zentral-Men- M Sterbe- kasseyestsebeD Wagenbauer Ortsverwaltung Rtxdorf. Den Mitgliedern zur Nachricht, dafe uklser Mitglied, der Arbeiter «illielm Stodnick am 23. März an Lullgeuentzün- dung verstorven ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mon- tag, den 27. März, nachmittags 2 Uhr, von der Halle des Rij- dorser Kirchhofes, Martendorser Weg. auS statL Um rege Beteiligung ersucht ZbT�ö��Dl�OrtsUerwalttnt� llssstaviiLl Rstgllgsdeltgs-Vssdanij Vcnivaitungssleile Berlin. Veckeu-�lluelgea. Den Kollegen zur Nachricht, dafe unser Mttglled, der Bcstofea Wilh. Stodnick am 23. b. R. an Lungenentzündung gestorben isL Die Beerdigung findet am Montag, den 27s März, nach- mittags 2 Ubr, von der Leichen- balle Stäblsschen griedhoscS in Rixdorf, Maricndcrier Weg, aus statt._ Dm Kollegen zur Nachricht, dafe unser Mitglied, der Schleiser »ermann Strauch am 23. d. MtS. an Lungenleiden gestorben ist. Ehre ihrem Andenken t Die Beerdigung findet am Montag, den 27. März, nach- mittag» 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Zenirai-Friedhose» in griedrichsseide auS statL Rege Beteiligung erwartet 114/9 Die OrtSverwnltung. Danksagung. Für die viele» Beweise herzlicher Teilnahme sowie die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Manne» Augaat Barn sage ich alle» Verwandten, Freunden und Vekanntcn tdlvte dem Holzcu heiter« verband, insbesondere dem Herrn Manasse für die trostreichen Worte meinen herzlichsten Dank. 85522 Frau Witwe Barz. Am 24. März ensschlies plötzlich I mein geliebter Mann, Schwager und Onkel, der Stuklateur Widert Ernst Int 45. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbklrienrn. i Wilmersdorf, Hildegsrdstr. IK-r.! Die Beerdigung findet am I 27. März, nachmittags 4 Uhr,! von der Leichenhalle des hiesige» 1 Friedhofes aus statt, i�iallWrat. Mlvm Wilmersdorf. Am 24. März ist unjer Mitglied ölbert Lros! Hildenardstr. 16, 45 Jahre alt, verstorben. Wir werden das Andenken dieses braven Parteigenossen in Ebrcn hatten. 292/11 Die Beerdigung erfolgt Montag- nachmittag 4 Uhr von der Leichen- halle des städtischen FriedhoseS in der Berliner Strafee au«. Zahlreiche Beteiligung wird er- wartet. Der Voratanck. Verband 1 Mkateure, Gipser| und verw. Berufsgenassen. Filiale Berlin. Stukkateure! Am Freitag, den 24. März, starb der Kollege Albert Ernst an Herzschlag. 173/3 Die Beisetzung der Leiche findet morgen Montag, den 27. März, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des WilmerSdorser Friedhojcs, Bei ltnerstrafee, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. «. (M. d. D. A.-S.-B.) Am Freitag, den 24. März, verstarb unser SangeSbrudcr und Chorführer, der Stukkateur Albert Ernst. Ehre seinem Aubeuken! Die Beerdigung findet morgen Montag, den 27. März, nach- mittags 4 Uhr. von der Leichen- Halle des WilmerSdorser Fried- 'eS au« statt, rege Beteiligung bittet Der Vonetan«!. Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme sowie die überaus zahl- reichen Kranzspenden bei dem un- ersetzlichen Verlust meines hinge- schiedencn Mannes, unseres BaterS Heinrich Kaiihnt sagen wir allen Bekannten und Ver- wandten sowie dem Deutschen Bau- arbettervcrband unseren tiesempsun- denen DanL Wwe. Ranhnt und John, Weifeensev. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines inniggeliebten Manne», de» RestaurateurS Carl Grosser sage ich allen Freunden und Be- lanitten, insbesondere dem Verband der srcien Gast- und Schankwirte DeuischlandS, Zahlstelle Echöneberg, den Mitgliedern des Wahlvereiiis, dem Verband deutscher Gastwirts- gehilscn, OrtSvcrwaltung Berlin l, dem Gesangverein„Schönebcrger Männcrchor". sowie dem Vorsitzenden der freien Gast- und Schankwirte, Herrn Obst, für die liefempsnndenen Wort« am Grabe de» Entschlafenen meinen herzlichsten Dank. 995b Witwe Martha Grosser nebst Kind. Danksagung. 2r die Beweise herzlichster Teil- »ahme beim Hinscheiden meines lieben Manne», de« Schrislsctzer« L.u«Iwig Warring allen Bekannten sowie der»Typo- grapifia" herzlichsten Dank. 8916 Witwe Emma Warring. Arbeiter! Parteigenossen! Lernt stenographieren! Die Oi tSgrnppe Berlin de» Deutschen Arbeiter- Stenotachyaraphm- Bundes eröffnet Dienstag, den SS. TlUrs, bei Lehmann, gtixdorf, Steinmetz», Ecke Hermannstrafee, und Donnerstag, den 30. Klttrs, bei Apel. Berlin N., Gertchistrafee 84, abend« 8'/, Uhr, wieder unentgeltliche UnIerrichtSturse in der sehr leicht erlernbaren Stenotachygraphie. Dauer de» Kursus 10— l 2 Stunden. Für Lehrniillcl find 2 M. SU entrichten. Anmeldungen werden in den Lokalen entgegengenommen. 6666__ Die Ortsgrnppenleitung. [Kein SeckaU vorkaut| Gesunder Schief.... Zu haben in allen besseren MBbel- und Bettgeschäften aus den Fabriken Schickler, Bohe& Co., G.m.b. Elberfeld, BerUn-Teapelbot, Breslau, Frankfurt g M.» Hamburf. Unübertroffen an Elastizität und Dauerhaftigkeit, mit and ohne federnde Seitenkanten itTj l|tfiJi�RT;Tj| „Schiboco"- Hatratzen Ätv.v.v Dfi�ssi ladt Ihlrali, tragt I dien Sehutimaik, j Ii I Ein Urteil von vielen: I_ •......5» nteiner Freude kann ich Ihnen mitteilen, daQ ich mit der von Ihnen flclieferten Brille fiußent zufrieden bin. 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Dieser Paragraph wird von vielen Tausenden Wiener Näherinnen als schwerer Angriff auf ihre Existenz empfunden. Unzählige Heimarbeiterinnnen würden, wenn dieses Gesetz sanktioniert würde, arbeitslos und damit brotlos werden. Denn die billige Wäsche, die in den Hausierhandel ge. bracht wird, ist Heimarbeit, schlechtest bezahlte Heimarbeit. Hungerlöhne sind bei dieser Ware sprichwörtlich. Aber— zur Schmach der kapitalistischen Weltordnung— die Arbeiterinnen können diese Hungerlöhne nicht entbehren. Sie haben sich aus. gerafft und sind kürzlich, am Sonntagvormittag, in grosser Zahl zu einer Versammlung gekommen, um gegen das Parlament Stellung zu nehmen. Von ihrem Elend und von dem Elend ihrer Kinder sprachen sie, und sie haben angedroht, dieses einmal auf der Ringstraße zur Schau zu stellen. Es wurde der Beschluß gefaßt, vom Herrenhaus zu verlangen, daß es dem Beschluß des Abgeord- netenhauscs nicht zustimmen möge, um Tausende von Existenzen vor dem gänzlichen Ruin zu bewahren. Arbeiterinnen haben das Wort ergriffen, um schwere Anklagen gegen das Parlament zu er. heben, das über Tausende von Arbeiterinnen hinwegfchreitet, um demagogische Gewerberetterei zu treiben. Tatsächlich ist das Hausieraxsetz ein Geschenk der reaktionären Parteien des Parla- ment�vn den Gewerbestand. Mit dem Hausierverbot soll das Ge» werbe„gerettet" werden. Aber wie es in der kapitalistischen Ge- sellschaft schon ist, die einen rettet man angeblich, indem man die anderen ganz zugrunde richtet. Denn so mörderisch die Heim- arbeit auch ist, sie ist gegenwärtig für zahlreiche verheiratete Arbeiterinnen die einzige Möglichkeit,, zu verdienen.— I Mit Recht wurde anläßlich dieser Näherinnenversammlung von ; der bürgerlichen Presse darauf hingewiesen, wie sehr das Leben l der Frauen in Beziehungen zur Politik steht, wenn auch die bürger- liche Presse sich sonst nicht sonderlich bemüht, um den Kampf der Frauen um politische Rechte zu unterstützen. Leseabende. Erster Kreis. Bei Weihnacht, Grünstr. 21: Vortrag der Genossin Woldt. Friedenau. Montag, den 27. März, abends 8 Uhr, im Lokal von M e ch e l k e, Handjerystr. 61/61: Vortrag der Genossin O ß- Wald:.Der Kampf der Frau um die Bildting." Baumschulenweg. Montag, abends 8Vz Uhr, Ernststr. 22, Seiten» flügel parterre: Vortrag des Genossen Ahlers über:.Der Sozialismus— eine geschichtliche Notwendigkeit.' Nieder- Schönewride. Dienstagabend 8'/, Uhr beim Genossen B e n a s ch, Britzer Str. 17. Johannisthal. Dienstag, den 23. März. 3Vs Uhr, bei Artner, Kaiser-Wilhelm-Straße 43: Vortrag des Genossen Schneider über:„Die gesicherte Existenz der Arbert«". Köpenick. Montag, den 27. März, abends 8 Uhr. im Lokal des Ge- nosien Gustav Müller, Alter Markt Rr. 8. Die Leseabende sind bis auf weiteres in das Lokal deS Genossen Müller ver- legt worden. Pankow. Montag, 27. März, abends 8'/z Uhr, bei Großkurt Nach- folger, Berliner Str. 27: Vortrag. «Versammlungen—«Veranstaltungen. Zentralverband der Hausangestellten. Sonntag, den 26. März, abends 7 Uhr, in Steglitz, Restaurant Schellhase, Ahornstr. IBa: Versammlung. Vortrag von Herrn Emil Unger:«Haus« angestellte, vereinigt Euchl' Freie Aussprache. Nach- ip' dem gemütliches Beisammensein. Tanz. Stralau. Montag, den 27. März, aoends 8'/. Uhr, bei Steinicke, Alt-Stralau b, Heineabend. Referent: Genosse I. H i r i ch f e l d. Die Bezirksleitung. Potsdam. Die Frauenabteil um g des Wahlvereins ver- anstaltet am Sonntag, den 26. März, abends 6 Uhr. bei Wilhelm, Kaiser-Wilhelm-Straße. ein Tanzkränzchen. Allgemeine Familiensterbekasse. Ülckerstraße 123 bei Wernicke und Mariannenstraße 4g im Restaurant von 3—6 Uhr: Zahltag. «SttterungSuderüttn vom LS. März 1911. —5 6 S 1 «Settervrognose für Sonntag, de« L6. März 1S11. Zeitweise heller, ein wenig wärmer, aber veränderlich mit geringe« Niederschlägen und mätzigen nördlichen Winden. Berliner Wetterburea«. Ii «SafferstandS-Nachrtckiteu der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tilfit Pregel. Jnsterburg Weichsel, Thor» Oder. Ratibor , Krassen , Frankfurt Warthe, schrinn» , LandSberg Netze, Bordamm Elbe, Leitmerttz , Dresden , Barbtz . Magdeburg 1+ bedeutet Wuchs— Fall. schollen, treibend. •) llnterpegel.—•) einzelne Ei»- 3600 MA% 4*// M. 2775 Einnahme in den ersten drei Stunden nach Eröffnung unseres Berliner Geschäftes ist ein untrüglicher Beweis dafür, wie rasch die bei der Eröffnung anwesenden Damen die Ueberzeugung gewannen, dass unsere Ware hält, was unsere Annonce verspricht. Eventuell werden auch Sie sich davon überzeugen, dass Sie bei uns wirklich solide Ware billige Preise kulante Bedienung bei weitgehendster Garantieleistung finden. Warum nicht gleich? M. 30» Berlin C, K�önigstrasse 33-ßm Alexanderplatz. Bui s. � kostet onsero Putent-AnkeMtemontolr Kavaller-Stahl-Ohi> Modell 1010 MÜ Torsilbtrtem Ziflorblatt M«k f2 UM 8pnuigd«ok*l Mark|8, Mir gelien Melde 30 Tum zur Prolie. daher Risiko ausgeschlossen. 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Der erst 36 Jahre alte Lüdicke hat eine solche Virtuosität erlangt, daß mehrere Bc« amte ihre gefälschte Namenszeichnung als so vorzüglich gelungen anerkannten, daß sie von der echten nicht zu unterscheiden war. U. a. hat L. eine Kassenorder und die dazu gehörigen Borgäiige mit sieben vorzüglich ausgefiihrten Unterschriften gefälscht. Ilm keinen Verdacht zu erwecken, hat L. unter fingiertem Namen von Baumeistern Konten bei hiesigen Großbanken eröffnet, denen er. von der Stadthauptkasse die hinterzöge neu Beträge überweisen ließ. Vor kurzem wurde L. aus dem Realsteuevburcau versetzt, wodurch seinen Unterschlagungen ein Ziel gesetzt worden wäre, wen» er nicht vorher sich noch Formulare angeeignet hätte. Mit einer seltsamen Raffiniertheit und großen Geschicklichkeit ist L. bei seinen Fäl- schungen zu Werke gegangen, wobei ihm dann noch eine genaue Kenntnis des ganzen Geschäftsganges zustatten kam. Bezeichnend ist, daß er am Tag« seiner Verhaftung noch 36 Herren zu einen, opulenten Diner und Souper eingeladen hatte und daß er innere halb eines Zeitraumes von noch nicht zwei Jahren mehr als 46666 Mark verjubelt hat. Ob der Magistrat Schaden erleidet, läßt sich heute noch nicht übersehen. ES ist möglich, daß die Unterschlagungen durch die vorhandenen Vermögensobjekte und Verwanote gedeckt werden. Erschossen hat sich der 47 Jahre alte Schankwirt August Ramin aus der Reinickendorfer Straße 36. FamilienKvistigkeiten scheinen die Ursache zum Selbstmord zu sein. Selbstmord hat am gestrigen Sonnabcndmorgen der 46jährige Blusenfabrikant A. Münz, Lothringer Straße 26, verübt. M., der verheiratet und Vater von zwei Kindern war, bewohnte im Westcni Berlins eine größere Wohnung und besaß ein gut gehendes Ge-- schüft, in dem er ein größeres Personal beschäftigte. M. huldigte jedoch sehr eifrig dem Spiel, unternahm allzährlich eine Reise nack? Nizza und pflegte selten ein Rennen zu versäumen. So kam es.. daß das, Geschäft zurückging und der Fabrikant in Zahlungs. schwierigkeiten geriet. Cr vermochte schließlich seinen Verpflich- tungen nicht mehr regelmäßig nachzukommen und trug in der letzten Zeit ein sehr gedrücktes Wesen zur Schau. Als am gestrige» Sonnabcndmorgen Angestellte die Geschäftsräume betraten, be» merkten sie, daß aus dem Privatkonwr ein intensiver Gasgeruch herausdrang. Man öffnete die Tür und fand M. vor seinem Schreibtisch tot liegen. Ein hmzugerufener Arzt vermochte nur noch den bereits eingetretenen Tod zu konstatieren. Aus dem Landwchrkanal gelandet wurde gestern vor dem Hause Tempelhofer Ufer 32 der 76 Jahre alte Tischler Rudolf Jonas aus Falkenberg bei Grünau, der seit dem 19. Februar vermißt wurde. Der alte Mann hatte sich zuletzt bei einer Schtviegertochter auf. gehalten und war von dort aus verschwunden. Ein Zusammenstoß zwischen einem Straßenbahnwagen und einem Privatfuhrwerk, bei dem ehre Person verletzt wurde, er- eignete sich am Soonabegdmithag gcgm fäl Uhr vor dem Hause CHausseeflr. 53. Dort fuhr ein Wagen der Destillafionsfirma Max Pieritz' auS der Schröderstrasze 15 gegen den Vorderperron eines in der Vichtung nach dem Gesundbrunnen fahrenden Straßenbahn- Wagens der Linie 34. Bei dem Zusammenprall wurde der Kutscher Scblller aus der Flemmingstraße 32 in Köpenick vom Bock ge- schleudert und erlitt Verletzungen im Gesicht. Der Verunglückte begab sich nach der Unfallstation in der Lindowerstraße, wo er ärzt- liche Hilfe erhielt. Das Pferd des Geschäftsfuhrwerkes wurde schwer verletzt und mußte nach der tierärztlichen Hochschule gebracht werden. An dem Bahnwagen wurde der Vorderperron beschädigt, Während an dem Geschäftswagen die Scherbäume zerbrachen. Drittes Berliner Sechstage-Nenncn. Nachdem schon fast den ganzen Winter über von der Abhaltung eines solchen Rennens die Rede gewesen, ist die Verwirklichung sozusagen über Nacht entstanden. Am Montagabend wurde mit der Erbauung der Bahn begonnen und stellt sich dieselbe als langes Oval mit bedeutend erhöhten Kurven dar; doch wird das Fahren auf derselben durch die Quer- läge der Latten sehr erschwert und dürfte auch öftere Stürze durch Pneumatikdefekte zur Folge haben. Die Eröffnung, die für Frei- tagabend 9 Uhr angesetzt war, verzögerte sich bis 12 Uhr nachts. Vor Beginn des langen Rennens werden die Paare, die gemein- sam eine Mannschaft bilden, aufgerufen und fahren eine Ehren- runde. Es sind folgende 1b Paare im Nennen: A. Müller-Hoff- mann, Tadcwald-Carapezzi, Kudcla-Marx, v. Natzmcr-Tetzlaff, Ganzevoort-F. Stellbrmk, Schallwig-Rudel, W. Arend-Ryscr, T. Hall-Großmann, de Mara-A. Stellbrink, Demke-Georget, Lorenz- Saldow, Brocco-Schilling, Stabe-Pawke, Max Farland-Morau, Rütt-Stol. Die Fahrer werden mit mehr oder weniger starkem Beifall begrüßt und beim lehren Paare spielt die Kapelle die Na- tionalhymne(!). Um 12 Uhr ertönt der Startschuh und der Spek- iakel beginnt.— Für das Publikum, das sehr zahlreich vertreten war und zum Teil aus eleganten Modedamen bestand, war in jeder Hinsicht für Befriedigung seiner Bedürfnisse gesorgt. Schon in der ersten Stunde ereigneten sich verschiedene Stürze, die aber glimpf- lich für die Fahrer verliefen. Weniger günstig war der Sturz von Ryser, der in der 5. Stunde erfolgte und der den Fahrer zum Aufgeben zwang. Das Theater FolieS Caprice brachte am Freitag zwei lustige, unterhaltende imd vielbelachte Einakter heraus. Die Posse..E i n lediger Eheman n" von G l i n g e r und T a u ß i g stellt die Elektrotechnik in den Dienst des Ehebruchs. Ein durch elektrische Ströme in Wirksamkeit gesetzter Schlafstuhl, ein Patent des ledigen Ehemanns, schläfert, wenn's ihn just zu galanten Aben- teuern lockt, jedesmal die nichtsahnende Gattin ein. Ein Freund jedoch, dem er das Geheimnis des Stuhles anvertraut hat. miß- braucht dasselbe. Dadurch sowie durch die plötzlich hereingeschneite Schwiegermutter komnit es zu komischen Verwickelungen, die sich nur schwer entwirren lassen, aber doch schließlich dem Gelegenheits- durchbrcnner zu dem weißgewaschenen Unschuldsbeweis verhelfen. — In der zweiten Posse„Soll und Haben" von Roberft E de r ködert die im Hauptbuch des Sonnenfcheinschcn Geschäftes fingiert eingetragene Mitgiftssumme für die Tochter des Firmen. inhaberS den Buchhalter. Es kommt zur Verlobung; aber im kritischen Moment realisiert ein Lotteriegowinn des Schwieger- Vaters die fingierte Mitgift. Gespielt wurde in beiden Stücken mit wirksamer, mitreißender Ausgelassenheit. Siegfried Barisch bildete wieder einmal mit genialer Komik die Hauptanziehungskraft des Abends. Aber auch Josef Aiüller, Max Horowitz, Hans Rhades, Nanon Urban, Tarcsi Werner und Adolf Hartleg taten ihr Bestes. Hartleg und Horowitz ernteten auch im„Bunten Teil", in dem sich L i e Z b e t Schlösser gleichfalls anerkennenswert hervortat, wohlverdienten Beifall. Nene AusgabcstcAen guter Unterhaltnngslektüre sind errichtet tvorden: Dänen st ratze 19, Zigarrengeschäft von Gösciniäk. Von 6 bis 6 Uhr mit Ausnahme des Sonnabends. Anton st ratze 34. Zigarrengeschäft von KriegSmann. Von 8 bis 6 Uhr mit Ausnahme des Sonnabends. Jedermann erhält ohne Legitimation soviele Bücher wie er will. Er hat entweder den Wert der Bücher zu deponieren oder bereits früher entnommene Bücher zurückzugeben. Eine Leihgebühr wird nicht erhoben. Die Ausstellung der in den verschiedenen Ausgabestellen zu habenden Bücher, die im Ausstellungsraum des Gcwerkschafts- Hauses untergebracht ist, ist heute zum letzten Male von 5 bis 8 Uhr geöffnet. Das Verzeichnis der Ausgabestellen kann in jedem Gewerk- schaftsbureau und in jeder Vorwärtsspedition eingesehen werden. Zeugengesuch. Der Fahrgast, welcher am Montag, den 6. März, abends 8V2 Uhr, mit dem Droschkenauto Nr. 8388, Führer Nr. 14 812, durch die Kastanien-Allee fuhr und gesehen hat, wie vor dem Hause 42 ein älterer Mann überfahren wurde, wird gebeten, seine"Adresse Frau Graul, Christinenstr. 13, Ecke Fehrbelliner Straße, mitzuteilen. Arbeiter-Samariter-Kolonne Groß-Berlin. Heute, Sonntag, ,den 26. März, vormittags von 9 bis 11 Uhr, in Pankow. Mendel- stratze, Turnplatz Fichte, Uebung der gesamten Mitglieder und Kursusteilnehmer. Die Kolonne übt in den fünf Abteilungen. Die Nachbarkolonnen mit ihrem Transportmaterial sowie Freunde und Gönner der Kolonne sind hierzu eingeladen. Am Montag, den 27. März, 2. Abteilung, Brunnenstratze 154, Lehrabend._ Vorort- JVachnchtett* Schöneberg. Sein 4. Stiftungsfest begeht heute abend im großen Saal des „Schivarzen Adler", Hauptstr. 143, der Arbeiterturnverein. Da derselbe noch immer unter der Turnhallenentziehung zu leiden hat {owie bei Arbeiterfestlichkeiten stets mitwirkt, wird um rege Unter» iützung durch Besuch des Festes gebeten. Gleichzeitig sei darauf hingewiesen, daß die Turnübungen des Vereins ab 1. April jeden Montag, Mittwoch und Freitag in„Oeffs Festsäle", Hauptstraße 5, stattfinden. Die Leiche eine? nengcborenen Kinde? weiblichen Geschlechts wurde gestern früh gegen 7 Uhr auf dem Grundstück Apostel Paulus- straße 21/22 vom Portier des HanseS im Müllkasten auigefunden. Der Kopf deS Kindes wies Verletzungen auf. die darauf schließen lassen, daß der Tod durch Eindrücken der Sckädeldecke herbeigeführl worden ist. Die kleine Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt und nach der Halle in der Maxstraße gebracht. Selbstmord aus Liebeskummer. In ihrer. Sedanstraße 83 be- legeue» Wohnung wurde gestern die 30 jährige unverehelichte Plätieri» Therese Strobcl an dem Kronleuchter erbängt aufgesunden. Ein sofort hinzugerufener Arzt konnte nur den bereits seil 24 Srunden eingetretenen Tod feststellen. Aus einem auf dem Tisch des Zimmers vorgenuidenen Brief geht bervor, daß die St. in den Tod gegangen ist, weil ihr Bräutigam sich von ihr losgesagt hatte, sie aber ohue ihn nicht leben zu können glaubte. Rixdorf. Eine FriiHlingSfeier für die arbeitende Jugend veranstaltet am Sonntag, den 2. April, abends 6 Uhr, der Jugend- ausschuß der Arbeiterschaft Rixdorfs im großen Saale von Hoppe (Jnh. Bartsch), Hermannstraße 49. Das Programm ist ein aus- erlesen künstlerisches und besteht aus Festrede, Konzert und Vor- führung lebender Bilder; Mitwirkende stich die Konzertsängerin rl. Sternfeld, ein Streichquartett des Bertiner infonie-Orchesters und der M ä n n e rg e s a n g v e r e i n Rix- d 0 r f. Eintrittskarten für Jugendliche(bis zu 18 Jahren) sind im Jugendheim, Jdeal-Passage 2. unentgeltlich, für Erivachsene bei Frau Frieda Schulte, Niemehstraße 17 III, Karl Bergmann, Allee- straße 46, im Zigarrengeschäft von Zirkel, Jdcal-Passage 6, und im Zigarrenaeschaft von Deising, Kaiser Friedrichstraße 171/72, a 30 Pf. zu haben. Mariendorf. Aus der Gemeindevertretung. Eine reichhaltige Tagesordnung beschäftigte die letzte Vertretersitzung. Bei der Besprechung über die probeweise Besprengung von Straßen mit Wcstrumit bemän- gelte Genosse Reichardt, dag mit der Straßenbesprengung zu sehr nach dem Kalender verfahren und dadurch den Witterungsverhalt- nissen nicht genügend Rechnung getragen werde.— Eine längere Debatte nahm der Bau eines neuen Schulgebäudes in der Ring- straße in Anspruch. Der Bau soll bis 1. April 1913 fertiggestellt sein. Von einem Wettbewerb nahm die Vertretung?lbswiid und übertrug derselben Firma, die schon das Realgymnasium errichtet hat, vorläufig den Borentwurf. Eine hierzu eingesetzte Kommission, der auch einer unserer Genossen angehört, hatte ein voll- ständiges Programm ausgearbeitet, wonach der Entwurf gemacht werden soll. Gefordert wird ein Anstaltsgebäude, das außer dem Kellergeschoß ein Erdgeschoß und drei Stockwerke erhalten soll. Das Gebäude soll 24 Klasicnräume außer den besonderen Lehrräumen für Physik. Chemie. Zcichensaal, Bibliothek und Lesezimmer für Lehrer und Schüler und Turnsaal mit Nebenräumen erhalten. Nach dem Entwurf ist auch dafür Sorge getragen, daß die Garderobe nicht mehr im Klassenzimmer, sondern in besonderen dafür geschaffenen Räumen hängen soll. Die Vertretung genehmigte den Entwurf der Kommission unter Fortlassung der Wohnung des Direktors, die nach der Wahl desselben sein kann, da er Miets- entschädigung bekommt. Sollte die Regierung nach Meinung des Gemeindevorstehers auf die Dienstwohnung innerhalb des Schul- gebäudes bestehen, soll eine solche als Anbau nachgetragen werden. — Hierauf lag der Antrag auf Errichtung eines Gewerbegerichts vor. Vor ungefähr einem Jahre hatte die Gewerkschaftskommission für Tempelhof-Mariendorf-Marienfelde bereits einen Antrag ge- stellt, gemeinsam für alle drei Orte ein Gewerbegcricht zu errichten. Damals lehnte die Vertretung ein solches aus Mangel an Bedürf- niS ab. Die Umfrage bei— Arbeitgebern ergab damals, daß kein Bedürfnis vorhanden sei. In diesem Fahr nun stellte die Gewerk- schaftskommission erneut den Antrag mit der Begründung, daß durch die Ausdehnung des Ortes die Bedürfnisfrage nach einem Gcwerbegericht immer brennender würde. Der Gemeindevorsteher, der sich im vorigen Jahre noch vollständig ablehnend verhielt, zeigte sich zum jetzigen Antrag geneigter. Wohl las er nochmals die Ant- Worten aus dem Ergebnis der vorjährigen Umfrage vor. die bis auf zwei sich dagegen aussprachen, doch kam er den Antragstellern soweit entgegen, daß er eine nochmalige Umfrage und zwar auch bei Arbeitnehmern versprach. Von unseren Genossen wurde die umgehende Errichtung verlangt und dabei betont, daß die Arbeit- geber Wohl mit gutem Grund aus ein Gewerbegericht gern verzich- teten, wüßten doch die Herren, daß es einem Arbeiter aus Mangel an Geld stets schwer fällt, beim Amtsgericht zu klagen, wo auch die Richter die Materie nie so kennen wie Gewevbegerichtsbeisitzer. Die Gemeindevertretung beschloß im Sinne des Gemeindevorstehers eine nochmalige Umfrage zu halten und die eventuelle Errichtung nicht für die drei Ortschaften vorzunehmen, sondern höchstens im Einverständnis mit Marienfelde, da Tempelhof die Einwohnerzahl erreicht habe, die gesetzlich zur Errichtung eines Gewerbegerichts verpflichte.— An den Arbeitern liegt es nun, bei der stattfindenden Umfrage mit genügend Material aufzuwarten. Adlershof. Auf zur Gemeinbewahk. Für die Neuwahl dreier weiterer Gemeindeverlreler Bürden in der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins folgende Genossen als Kandidaten aufgestellt: Für die 3. Abteilung Genosse Georg Müller, Feldherrnstr. 22, 2. Abteilung Genosse Otto Petrich, Hoffmannstr. 24, 1. Abteilung Genosse Emil Klodt, Sedanstr. 22a. Die 3. Abteilung wählt am Montag, den 27. März, im Lokal von Eschner, Bismarckstr. 60(Eingang Bismarckstraße), nach- mittags von 5 bis 9 Uhr. Die 2. Abteilung am Dienstag, den 23. März, in dem- selben Lokal, nachmittags von 6—7(4 Uhr. Arbeiter, Parteigenossen! Geht rechtzeitig zur Wahl und rüttelt die Säumigen auf. An die Wähler der 2. Abteilung richten wir nochmals die Aufforderung, dafür zu sorgen, daß auch in dieser Abteilung ein Sozialdemokrat als Sieger aus dem Kamstfe her- vorgeht. Zur Verbandsgencralversammlung am 9. April delegierte die Mitgliederversammlung die Genossen Horlitz, Schliebner, Pannek und Meil. Am 31. März findet ein Lichtbildervortrag:„Durch das schöne Norwegen" im Jugendheim statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken der verstor- benen Genossen Otto Rade! und Nikolaus Fleck in der üblichen Weise. Pankow. Ein unangenehmes Abenteuer erlebte vor einigen Tagen ein diesiger Reslanratenr W. Denclbe hatte eine vor einiger Zeil außer- halb des Ories verpachtete Drehorgel in Gemeiiiichafl eines Be- kannten zurückgeholt. Als beide um t2>/z Uhr nachts mit dein Wagen annäbernd zu Hauie angelangt wäre», wurden sie plötzlich aus Vernnlasiting eines binter ihnen gehenden Pasiauteu au der Brenlierstraße von zwei Wächtern sistierl. Trotzdem W. Orgel und Wagen umer Angabe seines Namens und der Wohnung als sein Eigentum legitimierte, mußten beide mit nach der Wiche. Kurz hinter der Maxiiuilianstraße wollte W. sehen, ob ei» bekannter Kollege noch Licht habe, damit dieser bezeugen köime, daß die Orgel sein Eigentum sei. Jetzt wurde W. plötzlich gesaßt uiid. wie uns versichert wird, gelucbelt nach der Wache gebracht. Dort nahmen die Beamten noch einmal die Nanren entgegen, die den Nachtwächtern bereits mitgeteilt worden waren. Wenn, wie das hier geschehen z» sein scheint, auf die Ver» dächtigung eines Passanten zwei Leute fistiert wcree», so sollte man doch erwarten, daß nach hinreichender Legitimation init Bürgern etwas anderes umgegangen wird. Der Gemeindevorstand wird gut mn, den Beamten für solche Fälle eine entsprechende Instruktion zu erteilen. Nowawes. Das Gerücht über einen RathauSneubau, das in d«r lebten teil im Orte Verbreitung gefunden, entspricht, wie in der letzten emeindevertretersitznng mitgeteilt wurde, nicht den Tatsachen. > Es haben lediglich Verhandlungen mit einem Besitzer stattgefunden zwecks eventuellen Grunderwerbs für einen späteren Nathausanbau. Nach der Erklärung des Bürgermeisters hat sich im Laufe der Zeit ein Mangel an Berwaltungsräumen herausgestellt, der über kurz oder lang angesichts der zunehmenden Einwohnerzahl einen An- bau notwendig machen wird, soll nicht die Verwaltung gezwungen werden, einzelne Abteilungen in private Räume zu verlegen. Augenblicklich jedoch sei wegen der ungünstigen Finanzlage an die Verwirklichung dieses Projektes nicht zu denken. Eine Ausstellung von Schülerarbeiten, die an der gewerblichen Fortbildungsschule gefertigt wurden, findet am heutigen Sonntag, vormittags 11 Uhr, in den Räumen dieser Schule statt. Die Aus- stellung soll Zeugnis geben von dem Fleiß und Können der Schüler selbst wie auch von dem Erfolg der Lehrtätigkeit. Hu 9 aller Melt. Schwere Eisenbahnkatastrophe i« Amerika. Ein in seinen Folgen entsetzliches Eisenbahnunglück meldet der Telegraph aus dem Staate Georgia, einem der südlichen Staaten der amerikanischen Union. Bei dem Passieren einer Brücke über de» Alapahafluß entgleiste ein Schnellzug der Atlantic-Coast« Line-Eisenbahn. Fünf Wagen sprangen auS den Schienen und schachtelten sich teilweise ineinander. Nach den bisher vorliegenden Meldungen sollen bei der Katastrophe 40 Personen den Tod gefunden haben. Ein Flug mit 12 Passagieren. Die Flugmaschine entwickelt sich immer mehr zum Lust- omnibus. Nachdem erst vor wenigen Tagen der Aviatiker Breguet den Rekord mit elf Passagieren aufstellte, gelang es am Freitag dem Franzosen Sommer, auf dem Flug- felde bei Mouzon den Flugrekord mit zwölf Passa- gieren zu halten. Er legte mit seinem Zweidecker während des Passagierfluaes eine Strecke von 800 Meter zurück. Das Gesamtgewicht der Passagiere betrug 653 Kilo- gramm._ Verhaftung internationaler Verbrecher. Die Sicherheitsbehörde in Paris verhastete einen gewissen Defrenne, das Haupt einer Verbrecherbande, und einen seiner Genossen. Der Genosse erklärte, Defrenne sei der Anstifter von Diebstählen in Antwerpener und Hamburger Museen und sei an der jüngst erfolgten Ermordung eines Priesters und seiner Schwester in Charleroi und an einem im vorigen Jahre in Berlin an einem Kindermädchen be- gangenen Morde beteiligt gewesen. Kleine Notizen. Vom Boxer zum Aviatiker. Der Boxer Johnson, der Sieger in dem Wettkmnpf mit JcffrieS wird sich demnächst von San Francisco nach dem Aerodrom von San Diego begeben, wo er bei dem Aviatiker Curtiß Unterrich t im F l i e g en nehmen wird. Johnson hat die Absicht, sich ganz dem Flugsport zu widmen. Racheakt eines Sechzehnjährigen. In der ungarischen Ortschaft S z e g e d i n wurde ein reicher Hausbesitzer von einem 16 Jahre alten jungen Menschen auS Rache darüber erstochen, daß der Hausbesitzer den Eltern deS jungen Mannes die Wohnung ge- kündigt hatte. Masscnvcrhaftung. � Die Pariser Polizei verhaftete gestern 16 Nordbahn bedien st ete deS Bahnhofs Bourget bei Paris, die seit langem bedeutende Frachtdieb st ähle verübt hatten. In ihren Wohnungen wurden ganze Warenlager vorgefunden. »ledss Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pf£. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 flg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. 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Man- teuffelsiraße 14, Ouergebäude II, Rotlmann.__ 19 S chlaf,'teile, 12.—, Thiede, Wran- geiftraße 14 vom IV. 19 Schlafstelle, Herm, separat, Man- teuficlstraße 14. Ouergebäude I, Müller.___ 19 Möblierte Schlasstelle, Lausitzcr- straße 31, vom III links, großer Ausgang._ j9 Zwei Schlasstellen. separater Ein- gang, vermietet Wrangelstraße 14. zweiter Hausflur parterre rechts. 18 Möblierte Schlasstelle mit 5iaffce 13,00, Witwe Reimann, Kottbusci, straße 17, Hof recht-, IN._ 18 Möblierte Schlasstelle vermietet Krohmann, Schlcsijchcstraße 4P_ 18 Möblierte Schlasstelle sür Damen, Lietzmannstraße 10, vom 2 Treppen links._____ 146 Möblierte Schlasstelle vermietet Wichmaim, Koppenstraße 65, II. Möblierte Schlasstelle, ein oder zwei Herren, Chormerslcaße 23, vom IV. Selchow. 1116 Möblierte Schlafstelle(12,00), Herrn, Lychenerstraßc 17, Seitenflügel._ 1116 Freundliche Schlasstelle(Ballon), Jungslraße 17, vorn II, Ramm. Schlafstelle sür Herr», Emdener- straße 40, Ouergebäude II, Kr'umke. Gine srcundliche Schlasstelle SoluiS straße 19 bei Fromm. 170 Möblierte Schlasstelle vermietet Kockot, Nostizstraße 18, vom II. 170* Möblierte Schlasstelle sür Herrn, 12 Mark, Nibanslraße 101 bei Reiser. Nähe Heimannplatz. 1114 Schlafstelle(Herm oder Dame) Dittmann, Pappelallee 89, Hos Iis Mietsgcsache« Restauration oder Cafs mit In- ventar wird zu mieten gesucht. Ge- naue Preisangabe. Adressen St. Weiß, Nazareihtirchstr. 49, Wedding. Junger Mann sucht Echiasstelle (allem). Nähe Ackerstraße. Offerten mit Pieisangabe unter I-. 222 „Vorwärts*- Spedition, Bemaner- straße 9._ 178 Junger Handwerker sucht möb« ücrtes Zimmer bis 18 Mark, Wedding oder Brunnen. Offerten unter Z. 1008.„Vorwärts'-Ausgabe, Na- zarethkirchstraße 49. 144 �.rbeitsmarkt. Stellenzesuche. Zlnswartesielle sucht Frau Bock. Reicheubergerstraße 115. 19* Suche Uhcniacher- Lehrstelle, drei Jahre gelernt, zum Wcttcrleruen. Baistelt. Palisudenstraße 10t. 178 Kaufmann, 23, sucht Stellung, Expedient, Buchbalicr, Stenotypist. Koriespondenl, Kaisi-rer usw. lieber. nehme auch Filiale, Kaution. MacrinuS, Danzigerstraße 18. IIIS Stellenanzehote. Korbmacher, aus Peddiarohmtöbel geübt, finden lohnende und dauemde Beschäsligung. Meldenbauer, Branden- birrg. Gutenbergstraße 1. 864b* Dreher- und Gürtlcrlchrling tlcllt e!u Bronzewarensabrit Carl Millarg, Berlin O., Goßlcrstraße 20. 208851* Lehrlinge sür Kunst- und Bau- schlosserei verlangt Carl Otto Nachfg., Schöncberg, Lennigsenstr. 25. 860b "Buchbiuder-Lehrling jür Hand- und Prcßvcrgolden. Faien, Krausen- straße 31.. 8966* Gürtlerlehrling verlangt SBvefchl »er, kunitgewerbl. Melullwarensabrik. Alle Jalobstraßc 9._ 8976 Töpferlehrliug verlangt Hosenheide 16. Brucks, 124 Sattler aus Mufterkoffcr und Re- paraturcn verlangt Zimmermann u. Peters, Kurstraße 41/42. 8S6b* Rckordiprive»- Arbeiter nach außerhalb gesucht. 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Ofiertcn unter K. 2 an die Hauptexpcdilion des.Vorwärts*. S02b Tüchtige Farbigmacher verlaugt Reichenbergerftraße 47.__________ 19 Gürtlcrlehrling verlangtOranien- straße 198._ 19 Drei Granitichristhauer.zwci Steinmetzen, in der Grobsteinbranche kundig, verlangt O. Röster, Brunnen« straße 106h._ 178 Gürtlcrlehrling bei sorgiälligster Ausbildung und steigendem Kostgeld oerlangt Baubeschlagsabrik, Dresdener- ftiaße 80._ 208/17 ZcitungSausträgerin findet sofort lohnende Beschäsligimz,.Vor« würIs"-i!luSgabestelle Steglitz, Alsen- straße 5.__ 1 Blusenarbeiteriunen, persek/e, im Haui'e, gegen hohen Aklordlohn suchen Mcndeisohn, Meyerhof u. E", Taubenstraße 23a._ 868b Rock- und Jackettarbciterwnen im Hause verlangt Brandenstein, Sama- rilcrstraße 33, vorn IV._ 888b 100 Bluscnarbciterinnen, perfekte, verlangt Aiüller, Rixdorf, Steinmetz- straße 11.__ 887b Änaben-Kammgarnblusen-Arbeite- rinncn, glatte, gute Verarbeitung, verlangt Laube, 5>rautstraße 48a. 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