Nr. 75. Ndsnnementz-Keäingungsiii Abonnements- Preis pränumerando i Säierlcljöhrl. 330 MI., monatl. 1,10 Mt„ »röchcntlich 23 Psg, frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags« Jiitnuncr mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs» Preisliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Postabonncments nehincn an: Belgien, Dänemarks Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweis 88. Jahrg.' Crfötist Wich auOcr montags. Verlinev Volksblatt. vi« Inkertisns-Sedlll»' Lelrägt für die scchsgespaltene Kolonel« geile oder deren Raum M Psg„ siic politische und gewerkschaslkichc BcreinS- und Berjammlungs-Anzcigen 30 Psg. „kleine Snreigen". das erste tsclt. gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weiter- Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schias« slellen-Atizeigen das erste Wort 10 Psg» jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über lk Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijS bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Ndresse: „SoaiallUmolirat Bttli»" Zentralorgan der rozialdemokratlfcben Partei Deutfcblands. Redaktion: SSI. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Zlmt IV, Nr. 1983. Expedition: SM. 68, Llndcnstrasse 69, Fernsprecher: Nmt IV, Nr. 1931. Sie schände Luwpas. Das Wettkriechen vor der Zarenregierung, das seit der Potsdamer Zusammenkunft wie eine Seuche in Deutschland grassiert, nimmt immer abstoßendere und gefährlichere For- men an. Stellt einerseits die ehrengerichtliche Verfolgung unseres Genossen Liebknecht die Quittung der deutschen Regierung für die Beihilfe der zarischen Diplomatie dar, so zeigt andererseits der Beifall, den die bürgerliche Presse dem neuesten Schritte der deutschen Diplomatie zollt, daß der Russenkurs der Regierung, die Intimität mit dem Blutzaren, bei dem Bürgertum auf keinen Widerspruch stößt. Während das Junkertuni in Deutschland wie in Rußland bereits von einer neuen heiligen Allianz, von einer„antirevolutionären Koalition" zwischen Rußland, Oesterreich und dem Deutschen Reich träumt, ist das Bürgertum um der geringsten imperia- listischen Erfolge willen bereit, sich mit dem ärgsten Barbaren- staate zu verbünden, ohne auch nur einen Augenblick zu über- legen, daß es dadurch der Reaktion im Inneren Vorschub leistet und letzten Endes auf eine Verschärfung der weit- politischen Lage hinarbeitet. Es ist bereits in der Presse angedeutet worden, daß gewisse Scharfmacherkreise die Re- giernng drängen, eine Kriegshetze zur Wahlparole zu machen, und noch jüngst hat der fromme„Reichsbote", das Blatt der Kaiserin, empfohlen, es mit dem„Appell an die nationale Ehre" als den letzten„Ausweg" zu versuchen. Mit herz- erfrischender Offenheit hat das halboffiziöse Organ der russischen Regierung,„Nowoje Wremja", denselben Gedanken geäußert.„Die deutsche Regierung," so schrieb das Blatt, „ist durch das Anwachsen des revolutionären Sozialismus im Lande sehr beunruhigt und hat beschlossen, bei den bevor- stehenden Reichstagswahlen einen ernsten Kampf gegen ihn zu führen. Hin ihr Ziel zu erreichen und als Siegerin aus dem Kampfe hervorzugehen, muß sie durch den Hinweis auf die äußere Gefahr die chauvinistischen Gefühle der Wähler anwärmen. Das ist— so schließt das Blatt in belehrendem Tone— die gewohnliche Methode der Regierungen zu allen Zeiten und bei allen Völkern, wenn sie die revolutionären Elemente im Lande schwächen wollen." Der letzte Satz stimmt zwar nicht ganz— das hätte das russische Regierungsblatt nach den Erfahrungen des russisch-japanischen Krieges und der nachfolgenden Revolution am besten wissen müssen— er scheint aber doch die geheimen Absichten der befreundeten Regierungen wiederzugeben, die beide mit geheimem Grauen in die Zukunft blicken. Jedenfalls verdient die freundschaft- liche Aneiferung der deutschen Reichsregierung durch das russische Regierungsblatt die vollste Aufmerksamkeit, als ein Zeichen der fortgeschrittenen Intimität der deutschen und russischen Reaktion. Von dieser Intimität legt auch das Votum der Geschäfts- ordnungskommission des Abgeordnetenhauses Zeugnis ab, die bekanntlich den Antrag auf Einstellung des Disziplinarver- sahrens gegen Liebknecht während der parlamentarischen Verhandlungen ablehnte. Wenn irgendetwas imstande ist, dem deutschen Volke den inneren Kern des jüngst inaugurierten Russenkurses vor Augen zu führen, so ist es dieser Beschluß der Mehrheitsparteien der preußischen Duma, die vor dem Bruch eines bisher eingehaltenen Prinzips nicht zurückschrecken und einen Präzedenzfall schaffen, um sich Väterchen gegen- über gefällig zu zeigen. Auch sonst zeigt sich in letzter Zeit in der Halwng der deutschen bürgerlichen Welt der russischen Regierungsbarbarei gegenüber eine bemerkenswerte Toleranz. Noch während des jüngsten Zarenbesuches fand die„Frankfurter Zeitung"— übrigens als das einzige liberale Organ Deutschlands— den Mut, zu erklären, es sei„einer westeuropäischen Nation unwürdig, einem Träger des russischen Regierungssystems die Honneurs der Kultur des zwanzigsten Jahrhunderts zu erweisen". Und über Nikolaus H. schrieb sie:„Für uns Zeitgenossen ist sein Name eine blutige Flamme, die wir auf weiten Leichenfeldern leuchten sehen!" Aber seitdem ist die bürgerliche Presse über die Schreckensherrschaft im Reiche des Zaren merkwürdig schweigsam geworden. Nach der Pots- damer Zusammenkunft schaut sie noch gleichgültiger als früher auf die„weiten Leichenfelder" Rußlands und sorgt eifrig dafür, daß das Ansehen des„mächtigen Freundes" des deut- schen Kaisers durch die sozialdemokratische Kritik nicht„herab- gewürdigt" werde. Für uns kann das natürlich nur als Ansporn dienen, diese Kritik fortzusetzen und die Scheußlichkeiten des russi- schen Regierungssystems vor aller Welt aufzudecken. Das verlangen nicht nur die unmittelbaren Interessen der deut- schen Arbeiterklasse, die Interessen der Kultur und Menschlich- keit, die von der bürgerlichen Welt so schmählich im Stich gelassen werden. Das verlangen auch die Interessen� unserer russischen Brüder, die, von ihren Bedrückern in eine ver- zweifelte Kampfposition gedrängt, aus der Erstarrung der letzten Jahre zu erwachen beginnen und sich zu neuen Kämpfen gegen das fluchwürdige Regime des Zaren aufraffen. Endlos sind die Leiden, die sie in diesen Jahren er- dulden mußten und noch heute erdulden. Bergehoch haben sich die Verbrechen der herrschenden Terroristen angehäuft. Immer wieder, in ihrer zitternden Angst vor der neuen Re- volutiou rufen sie nach neuen Gewaltmcchregeln. nach neuen Exekutionen. Sie verwandelten das ganze Reich in einen Friedhof, wo die Stolypins und Asews uneingeschränkt Herr- scheu: endlos, zahllos starrt uns die Reihe der Gräber der gefallenen Freiheitskämpfer entgegen. Aber nicht nur diese Gräber sind es, die sie schufen. Von einem Ende des Reiches bis zum anderen, von Warschau bis Wladiwostok, von Ar changelsk bis Astrachan zieht sich die Reihe der lebenden Gräber, der„Totenhäuser" hin. in denen die Zarenregie- rung ihre politischen Gegner eingeschlossen hält. Und wie die jüngsten Anzeichen der revolutionären Belebung in Rußland die Demonstration anläßlich des Todes T 0 l st 0 i s und des Selbstmordes Ssasonows in Serentui, ihren Ausgang nahmen aus den„großen Gräbern", so sind es vor allem die lebenden Gräber, die Leiden der lebendig begrabenen Kriegs gefangenen des Zaren, die zur Empörung aufreizen und den Abscheu der gesamten Kulturwelt gegen das Rußland Niko laus II. wachrufen. Wir brachten bereits vor einigen Tagen Auszüge aus der Rede unseres österreichischen Genossen Dr. Ellen bogen, der in der österreichischen Delegation die Schreck nisse der sibirischen Gefängnisse aufdeckte und auf die Opfer der barbarischen„Justiz" der russischen Regierung hinwies Heute ergänzen wir dieses Bild, indem wir aus den uns vor liegenden Briefen, den stenographischen Dumaberichten und verschiedenen offiziellen Dokumenten die charakteristischsten Fälle herausgreifen, um die russische Regierungsbarbarei zu brandmarken. Niemand anders als das Regierungsblatt„Nowoje Wremja" schrieb im vorigen Jahre aus Anlaß der Zu stände im Gefängnis zu Pjatigorsk im Kaukasus fol gendes: „Mörder und Räuber können keinen Anspruch auf Komfort erheben.... Aber man darf es nicht dulden, daß die Ge- fangenen, mit Wissen der Administration, einander mit Syphilis und Tuberkulose anstecken; man darf sie nicht zwingen, auf Strohsäcken zu schlafen, die mit Kot angefüllt sind; man darf auch Verbrecher nicht in Lebensbedingungen bringen, in denen ein halbwegs anständiger Landwirt sein Vieh nicht halten wird." Diese Brandmarkung, die sich dem Regierungsblatte, nach seinem eigenen Geständnis, infolge der Angst um die Gesund- heit der Einwohner und Kurgäste von Pjatigors! entrang, ist charakteristisch für die grauenhaften Zustände, die in den fängnissen des Zaren herrschen. In solchen Bedingungen lebt jetzt eine Gefangenenarmee von 215— 220(XX) Personen. Trotz der schon seit 3 Jahren offiziell angekündigten„Beruhigung ist die Zahl der Gefangenen in stetem Steigen begriffen. Vor lOJahren betrug die tägliche Durchschnittszahl der Gefangenen 84 632, Ende 1910 belief sie sich auf 175000!*) Hierzu kommen noch zirka 40 000 Gefangene, die sich auf dem Transport befinden und die Insassen der Korrektionsanstalten für„jugend liche Verbrecher", deren Zahl sich 1910 auf 3000 bis 3500 belief. Nach den Angaben des Berichterstatters der Dum* kommission, W oj ei ko w. wird auch in diesem Jahre die Durchschnittszahl der Gefängnisinsassen mit 170000 berechnet. Diese Zahl dürfte aber noch überschritten werden, da die Re gierung durch die jüngsten Manifestationen und Studenten unruhen in einen wahren Paroxysmus der Wut geraten ist und die Gefängnisse und Arrestlokale täglich mit neuen„Ver brechern" anfüllt. Am fürchterlichsten sind natürlich die Zustände in den sogenannten„Katorga-Gefäng nissen", die zu einem großen Teil mit politischen Gefangenen bevölkert sind. Die Zahl der Katorgagcfangenen hat jetzt nach amtlichen Angaben die unerhörte Höhe von 30 000 erreicht.(Die entsprechenden Zahlen betrugen 1905: 10000—12 000, 1909: 22000. Die diesjährige Zahl charat terisiert die zunehmende Verschärfung der Repressionen.) Diese Gefangenenkategorie ist den Henkerknechten des Zaren mit Haut und Haaren ausgeliefert und erduldet schon seit Jahren solche Mißhandlungen und Leiden, daß buchstäblich das Blut in den Adern gerinnt, wenn man die Einzelheiten dieses Martyriums erfährt. Die„Katorga" oder„Zwangsarbeit" ist das höchste Strafmatz, das seit vielen Jahren von den russischen Gerichten gemeinen Verbrechern gegenüber angewendet wird. Diese Strafe macht den Betroffenen aller Zivil- und Standesrechte (Bürgerrechte) verlustig, löst seine Ehe, nimmt ihm sein Privateigentum und unterwirft ihn einer be- sonders strengen Gefängnisordnung, deren Hauptbestandteile Zwangsarbeit und das Tragen schwerer Ketten sind. Selbst für kleine Vergehen gestattet das Gesetz körperliche Züchtigung bis 100 Rutenstreiche. Seit es in Rutzland politische Prozesse gibt, werden auch politische Vergehen mit Zwangsarbeit beswast. Wer dem Galgen entschlüpft, verfällt der Katorga. Politische Katorgahäftlinge werden in mancher Beziehung strenger behandelt, als es die Vor- schriftcn verlangen und gestatten, sie wurden aber bis in die letzte Zeit hinein nicht gezüchtigt. Der vor 20 Jahren im Katorgagefängnis von Kara unternommene Versuch, politische Gefangene zu züchtigen, wo die Gefangene Sigida der Prügel- strafe unterzogen wurde, rief massenhafte Selbstmorde der Häftlinge hervor. Seit dieser Zeit wurden solche Versuche bis zum Jahre 1907 nicht mehr wiederholt. In den Revolutionsjahren stillten sich die Katorga- gefängnisse Sibiriens: Alcxandrowsk. Tobolsk. Algatschi, ") Die amtlichen Zahlen für die letzten Jahre sind: 1903: 85 184. 100«: 111403. 1907: 138 500. 1908: 171 219, 1909: 173047, 1910: 175 000. Akatui Serentui, Kutamasa und Malzew mit politischen Gefangenen, deren Zahl heute 10000 erreicht. Eine Anzahl Gefängnisse im europäischen Rußland wurden in provisorische Katorgagefäugnisse umgewandelt, so Smolensk, Orel, Wladimir, Nikolajew u. a. Der Zustrom von politischen Gefangenen und die noch ungeklärten politischen Zustände brachten es mit sich, daß die Lage der politischen Katorga- sträflinge, ihre Behandlung durch die Gefängnisverwaltungen usw. eine Zeitlang ungeregelt blieben. Mit dem lieber- handnehmen der Gegenrevolution begann man in den Katorga- aefängnissen„Ordnung" zu schaffen. Ende 1906 und im Laufe der Jahre 1907 und 1908 wurde von der obersten Gefängnisverwaltung eine Reihe von Verordnungen erlassen, die die schärfsten Matzregeln gegen politische Sträflinge vor- schrieben. Außer diesen öffentlichen Verordnungen wurden auch geheime Erlässe herausgegeben, aus denen die Gefängnisleiter ersehen konnten, daß sie selbst für die brutalste Drangsalierung der polistschen Gefangenen keine Strafe zu fürchten, vielmehr eine rasche Beförderung zu gewärtigen hatten. Die„Wankelmütigen" wurden aufgefordert, freiwillig von ihren Posten als Gcfängnisleiter zurückzutreten.(Zirkular vom Dezember 1906.) Mit dem Zirkular vom Juni 1907 wurde die Prügelstrafe in Erinnerung gebracht. Die Gouverneure wurden angewiesen, auf Verlangen der Gefängnisleiter Militär zu entsenden, das auf Kommando die Häftlinge niederschießen darf. Mit der Her- ausgäbe dieser neuen Vorschriften, also mit Anfang 1907, begannen in den Katorgagefängnisscn die wildesten Ver- folgungen und blutige Kämpfe, die bis auf den heutigen Tag andauern. Das normale Leben in der Katorga wurde so zu einer höllischen Pein und Qual. Ungenügende Kost(schwarz- brot, Grützsuppe, die sogenannte„Balanda", und etwa 0,1 Pfd. Fleisch), die furchtbare Ueberfüllung der Zellen, Luftmangel, Einschränkung oder Entziehung der Spaziergänge, Mangel an ärztlicher Hilfe, ständige Leibesvisitationen, brutale Behandlung durch die Behörden und Aufseher, das Tragen der schweren Ketten bei Tag und Nacht, die sich in den Körper einfressen und schmerzliche Wunden verursachen, das Zusammenleben mit halbverwilderten und entarteten Kriminalverbrechern, für das kleinste Vergehen wochenlange Karzerhaft(Dunkelkammer, wo den Gefangenen nur Brot und Wasser verabreicht wird) und das Hineinstellen von vollen Unratkübeln, der sogenannte„Parascha", für einige Wochen in die Zelle der Gefangenen— dies alles erschöpft noch nicht das Matz der täglichen Qualen. Jedes Katorga- gefängnis hat überdies seine eigene Geschichte, die mit dem Blut der Gefangenen geschrieben ist.' Sie freisinnige theorie von der Vermeidung falscher Stichwahlen. Die Herren Freisinnigen, gleichviel ob von der schärferen oder zahmeren Richtung, sind unverbesserliche Illusionisten. Mehrfach haben der„Vorwärts" und andere Blätter unserer Partei die schöne freisinnige Theorie von der Vermeidung sogenannter falscher Stichwahlen zurückgewiesen und erklärt, daß für uns diese Theorie nicht existiert; dennoch scheinen im Stillen die freisinmigen Wahlstrategen noch immer gehofft zu haben, daß die sozialdemokratische Partei sich zu ihrer seltsamen politischen Weis- heit bekehren könnte. Denn wenn diese Hoffnung nicht gehegt wurde, dann ist völlig unverständlich, weshalb das„Verl. Tageblatt" nebst„Voss. Ztg." sich über die Rede Bebels in Hamburg aufregen und sich gegen den in dieser Rede enthaltenen Satz:„Vier Mil» lionen Stimmen und fünfzig Mandate sind mir Neber, als drei Millionen Stimmen und hundert andate" besondere Leitartikel leisten. Was besagt die von den fortschrittlichen Blättern an die So- zialdemokratie gerichtete Forderung, falsche Stichwahlen zu ver- meiden? In ihrer Konsequenz läuft sie auf nichts anderes hinaus, als daß unsere Partei überall dort, wo sie an Stelle eines Liberalen mit einem reaktionären Kandidaten in die Stichwahl kommen könnte, auf die Aufstellung eines eigenen Kandidaten verzichten und von vornherein für den Liberalen t i m m e n soll. Die Sozialdemokratie soll also die Wahlkreise, in denen sie Aussicht hat, den reaktionären Gegner in der Stichwahl zu werfen, den Liberalen überlassen, und lediglich dort in die Wahl- chlacht ziehen, wo sie so stark ist, aus eigener Kraft zu siegen, oder wo sie so schwach ist, daß sie nicht damit rechnen kann, in die Stich- Wahl zu gelangen. Und weshalb soll die sozialdemokratische Partei sich in dieser Weise selbst kastrieren und auf die Gewinnung neuer Mandate verzichten? Damit die Fortschrittler und National- liberalen nicht, falls ein Sozialdemokrat mit einem Konservativen, ZentrumSparteiler oder Antisemiten in die Stichwahl kommt, vor die Entscheidung gestellt werden, zwischen dem 'ozialdemokratischen und reaktiönären Kandi» baten des blauschwarzen Blocks zu wählen; denn, so agen die freisinnigen Wahlkalkulatoren, selbst wenn die liberale -Parteileitung ihre Anhängerschaft auffordere, für den sozialdemo- kratischen Kandidaten bei der Stichwahl zu stimmen, würde doch voraussichtlich meist ein Teil der liberalen Wählerschaft dieser Parole nicht folgen, so daß das Endresultat die Wahl des reaktio- nären Kandidaten sein würde. Damit also die liberalen Wähler nicht gezwungen werden, Farbe zu bekennen— damit sie nicht in Verlegenheit geraten und nicht ihrem liberalen Dämmerungszujtand entrissen werden, deshalb soll die Sozialdemokratie auf einen protzen Teil de» Kampffeld« ?T?zschIen> ühS ihn?Mhslos uhS felDfiloB Seit Liberalen uSetkasseÄ, und zwai. nicht nur den Fortschrittlern, sondern auch den Nationalliberalen; denn in vielen Gegenden zieht der Fortschritt vereint mit dem National- lliberalismus in den Wahlkampf. Eine recht bescheidene Zumutung. Die sozialdemokratische Partei soll sich selb st kastrieren, nur damit den liberalen Wählern erspart wird, Einsicht und Mut zu beweisen. Darauf läuft nämlich die ganze Argumentation der Freisinnigen hinaus. Wäre die liberale Führerschaft sich ihrer Gefolgschaft sicher, hätte sie nicht versäumt, diese zur politischen Einsicht und zur Disziplin zu erziehen, dann wäre diese ganze Theorie von den falschen Stich- wählen völlig gegenstandslos. Dann könnten einfach bei den Stich- wählen die sozialdemokratischen Wähler die fortschrittlichen Kan- didaten und die fortschrittlichen Wähler die sozialdemokratischen Kandidaten heraushauen. Aber die freisinnigen Führer sind sich ihrer Gefolgschaft nicht sicher— und daraus ziehen sie in sonder- barer Logik nicht die Folgerung, daß sie die politische Pflicht haben, ihre Wähler zu erziehen und diesen Disziplin beizubringen, sondern daß die sozialdemokratische Partei ihren ganzen Wahl- kämpf dieser Disziplinlosigkeit anzupassen hat, So meint die..Vossische Zeitung": „Als dieser unfreiwillige Helfer der Reaktion bewährt sich Herr Bebel auch jetzt. Er denkt nicht daran, der schwarz- blauen Mehrheit„unter allen Umständen den Garaus zu machen". Es fällt ihm nicht ein, die Aufstellung sozialdemokratischer Kandidaturen, wo sie völlig aussichtslos sind, deshalb zu wider- raten, weil statt des Ueberagrariers ein Mitglied der Fortschritt- lichen Volkspartei gewählt werden könnte. Was kommt es über- Haupt darauf an, wie die Mehrheit aussieht?„Lieber vier Millionen Stimmen und fünfzig Mandate als drei Millionen Stimmen und hundert Mandate bei den nächsten Reichstags- Wahlen I" Das ist die Parole, die er am Sonntag in Hamburg öffentlich ausgab. Das ist seiner politischen WeiZhe't letzter Schluß. Die Sozialdemokratie sei eine Partei nicht der Mandate, sondern der Stimmen. Wenn man sich erinnert, wie die Partei früher über die Beteiligung am parlamentarischen Leben überhaupt dachte, hat man vielleicht die Empfindung, der Genosse Bebel erlebe einen Rückfall in Anschauungen, von denen sich die Sozialdemokratie seit geraumer Zeit mehr und mehr entfernt hat. Wie ja auch alte Leute hier und da nock; von Masern befallen werden. Die Gleichgültigkeit gegen die Mandatsziffer mag revolutionär sein, niag� dem Dresdener Dogma entsprechen; wer eine durch- greifende Besserung auf gesetzlichem Wege zu erreichen nicht glaubt, nicht glauben will, der mag nicht die Abgeordneten als die Offiziere, sondern die Wähler als die Soldaten zählen. Und wenn er gezählt hat. hat er sich gründlich geirrt. Denn wer für einen„Genossen" stimmt. ,st darum noch nicht für die „große Entscheidung" zu haben.... Das ist ein Trost für die um Hehdebrand und um Erz- berger. Viel wichtiger als die Sammlungsparole des Reichs- kanzlers ist für sie die Parole des greisen Führers der Sozial- demokratie. Unter diesem Zeichen kann die Reaktion zu triumphieren hoffen oder jedenfalls viel weniger Nackenschläge zu erhalten, als ihr sicher wären, wenn die Sozialdeipokratie nicht in ödem Doktrinarismus als entscheidend ansähe, wie viel Stimmen, sondern wieviel Mandate ihr und anderen Parteien zufallen, die den schwarzblauen Block nachdrücklich bekämpfen." Schlau, wie immer, zeigt sich dabei das„Verl. Tageblatt". Es Nimmt in seiner politischen Naivität an, die Sozialdemokratie ginge „ur deshalb auf seine Forderung nicht«in. um nicht auf die Auf- stellung von Zählkandidaten verzichten zu müssen. Es empfiehlt deshalb, die Sozialdemokratie möchte doch, damit sie nur ja nicht anstatt eines Liberalen mit einem Reaktionär in die Stichwahl komme, gleich zwei oder drei Kandidaten in einem und demselben Wahlkreis aufstellen: „Aber man könnte das eine tun und brauchte das andere nicht zu lassen. Tluch hierfür haben die sehr schlauen Zentrums- taktiker schon bei früheren Gelegenheiten Rat zu schaffen gewußt. Wenn sie nicht gut vermeiden konnten, einen eigenen Kandidaten aufzustellen, und doch nicht in die Stichwahl kommen wollten, dann machten sie es einfach so, daß sie nicht einen Kandi- daten auf st eilten, sondern gleich zwei. Sie haben in einem Wahlkreise sogar drei Zentrumskandidaten aufgestellt, um dem Liberalismus ein Bein zu stellen. Denn sie erreichen damit natürlich, daß zwar die Zentrumsstimmen gezählt wer- den, daß aber keiner der Zentrumskandidaten in die Stichwahl kommt. Wenn Bebel diese taktischen Manöver des Zentrums sich etwas genauer ansieht, dann dürfte er finden, daß dabei auch die Sozialdemokratie auf ihre Rechnung kommen könnte, ohne doch der Verstärkung der Linken künstliche Hindernisse zu bereiten. Ist es nach Lage der Dinge ausgeschlossen, daß die Sozialdemo- kratie selbst einen Wahlkreis erobert, will sie aber ihre Stimmen zählen, dann ist eS ja ganz gleich, ob sie einen oder zwei Kandi- daten nominiert." Im Ernst diesen Vorschlag zu erörtern, wird man unS nicht zumuten. Solche Albernheiten kritisiert man nicht. Es wird schon dem Freisinn, will er den blauschwarzen Block kaltstellen, nichts anderes übrig bleiben, als sich an die politische Erziehungsarbeit zu machen._ Zwedtverband Groß-Bcrlin. Die Zweckverbandskommission trat am Dienstag in die Be- ratung des§ b, der bestimmt, daß der Verband mittels Beschlusses der Verbandsversammlung Bebauungspläne für Teilo des Verbandsgebietes entwerfen kann, insoweit ihm dies für die Zwecke von Bahnunternehmungen, für die Schaffung oder Ausgestaltung von Durchgangs- einschließlich den Anschlußftraßen oder für die Ausgestaltung der Umgebung von Freiflächen, die der Verband er- toorben hat, erforderlich erscheint. Solange und insoweit Be- bauungSpläne durch den Verband nicht endgültig festgesetzt sind, bleibt das Straßen- und Baufluchtenwesen Sache der Einzelgemein- den nach Maßgabe der bestehenden Bestimmungen mit der Maß- gäbe, daß neue oder abgeänderte Baufluchtenpläne der Einzel- gemeinden dem Verbandsausschuffe zur Begutachtung vorzulegen sind. Der Vorlegung bedarf eS nicht, wenn die Pläne nur die Aufteilung einzelner Staublöcke oder die Verbreiterung bestehender Straßen betreffen. Ein nationalliberaler Antrag verlangte, daß die vor dem In- krafttreten des Gesetzes festgestellten Bebauungspläne am t. Oktober �014 ohne weiteres außer Kraft treten sollen, wenn sie nicht bis dahin durch Beschluß des Verbandsausschusses bestätigt sind. Im Gegensatz hierzu wollte ein fveikonservativer Antrag dem Verbands- auSschutz nur die Möglichkeit geben, solche Bebauungspläne nach dem 1. Oktober 1914 außer Kraft zu setzen. Die Konservativen beantragten einmal, an die Stelle des Wortes„Bebauungspläne" zu setzen„Straßen- oder Bauftuchtlinienpläne", und zweitens be- antragten sie, die Regierungsvorlage dahin abzuändern, daß dem Verband das Recht der Aufstellung von Bebauungsplänen auch dann zustehen solle, wenn eS sich um die Schaffung von Frei- stächen handelt, die der Verband noch nicht erworben hat. Die Regierung bezeichnete den nationalliberalen Antrag aus technischen Gründen als unannehmbar. Ebenso wandte sie sich gegen einen weiteren nationalliberalen Antrag, nach dem Be- dauungspläne vom Verbände auch entworfen werden können zur Westimmuug der Lage und Grenzen der Freiflächen sowie zur Ausgestaltung ihrer Umgebung. Der Minister des Innern erblickte 6808 fififiS Sit VW gcheSbLL Mgrisf w privgte RkW. cMlte sich jeSoch ciftöcrffdttSeT: llnk eineilt önSeTcn nalionallibetälen Antrag, neue oder abgeänderte. Baufluchtenpläne der Einzelgemeinden von der Genehmigung statt von der Begutachtung des Verbands- ausschusses abhängig zu machen. Freilich sei es wünschenswert, dazu den freilonservativen Antrag anzunehmen, nach welchem es der Genehmigung nicht bedürfen solle, wenn die Pläne nur die Aufteilung einzelner Baublöcke oder die Verbreiterung bestehender Straßen betreffen. Den zweiten konservativen Antrag bezeichnete er als annehmbar, die übrigen Anträge bat er. abzulehnen. Zur Begründung des nationalliberalen Antrages wies einer der Antrag- steller aus die ungünstigen Wohnungsverhältnisse hin. Dagegen bekämpfte ein freisinniger Redner alle Anträge, die die Befugnisse des Verbandes erweitern sollen. Schon die Regierungsvorlage bedeute weitgehende Eingriffe in die Selbstverwaltung und was darüber hinaus noch gefordert werde, sei mit dem Begriff Selbst- Verwaltung unvereinbar. Es sei ganz falsch, es so hinzustellen. als ob die Wohnungsverhältnisse in Groß-Berlin so ungünstig seien, daß man zu einer Besserung die Verbandsversammlung brauche. Die Gemeinden Groß-Berlins hätten sich bemüht, für die Gesund- heit der Bevölkerung in weitgehendstem Maße zu sorgen, und tat- sächlich seien die Zustände in den Groß-Berliner Arbeiterhäusern weit besser als in den von einer radikalen Stadtverwaltung Londons errichteten, angeblich mustergültigen Arbeiterwohnungen. Gegen den nationalliberalen Antrag wandte sich auch ein Zentrumsredner; dadurch, daß man dem Verbände weitgehende Rechte über die Lage und Grenzen der Freiflächen der Einzelgemeinden gebe, werde die Autonomie der Gemeinden vollständig ausgeschaltet. Es werde so kommen, daß der Zweckverband zu bestimmen und die Gemeinden nur noch zu zahlen hätten. Nachdem noch einige weitere Abändcrungsanträge eingegangen und einige wieder zurückgezogen waren, wurde der konservative An- trag, statt„Bebauungspläne" zu setzen„Straßen- und Bauflucht- Pläne oder Bebauungspläne", angenommen, ebenso der Antrag, hinter ..Freiflächen" zu setzen:„die als solche sicher gestellt sind". Der letzte einschränkende Satz des§ S, daß es der Vorlegung neuer oder ab- geänderter Baufluchtlinien der Einzelgemeinden nicht bedarf, wenn die Pläne nur die Aufteilung einzelner Baublöcke oder die Ver- breiterung bestehender Straßen betreffen, wurde gestrichen, ein frei- konservativer Antrag, der dem Verbandsausschuß das Recht der Be- anstandung ihm vorgelegter Baufluchtpläne gibt, gelangte zur An- nähme. Mit diesen Aenderungen wurde der ganze§ ö angenommen. In der Nachmittagssitzung wurde der dritte Absatz des§ v, über die Behandlung von Einwendungen gegen die Bebauungspläne, nach kurzer Debatte mit unwesentlichen redaktionellen Aenderungen angenommen. Dagegen, trotz des Widerspruchs des Ministers des Innern, der letzte Absatz, wonach es zur Festsetzung der Bebauungs- Pläne königlicher Genehmigung bedürfe, einstimmig abgelehnt. Zu Z 8, wonach vor Erlaß neuer oder Abänderung bestehender Bau- Polizeiordnungen die zuständige Behörde den Verbandsausschuß unter Bestimmung einer der Lage des Einzelfalls entsprechenden Frist gutachtlich zu hören hat, wurde beschlossen, daß zum Erlaß neuer oder zur Abänderung bestehender Baupolizeiordnungen für das Verbandsgebiet oder für Teile desselben der Oberpräsident mit Zustimmung des Verbandsausschusses zuständig ist. Endlich wurde noch die Bestimmung des§ 9 gestrichen, daß der Beschlußfassung der Verbandsversammlung überlassen bleibt, von dem Verband er- wordene Freiflächen einzelnen Verbandsgliedern zur Unterhaltung gegen angemessene Entschädigung im Vertragswege zu übertragen. Nächste Sitzung: Freitag. Lin linker fiügei der Arbeiterpartei. London, 24. März.(Gig. Ber.) Die Disziplinlosigkeit in der Arbeiterpartei, die vor kurzem bei der Abstimmung über die Resolutton Murray Macdonald in solch erschreckender Weise zum Ausdruck kam, hat die energischeren sozialisttschen Parlamentsmitglieder zur Abwehr aufgerüttelt. Einige dieser Parlamentarier, von denen besonders Lansbutch, Thorne und O'Grady zu nennen sind, sind im Begriff, sich zu einein linken Flügel der Arbeiter- Partei zusammenzuschließen, der die Aufgabe haben soll, die Partei vorwärts zu treiben. Was sie zu diesem Schritt bewegt, erhellt am besten aus einer Rede, die der Genosse Lansbury vor kurzem in Stockpott hielt. Er fühtte dort aus, daß viele Mitglieder der Arbeiterpartei gegen ihren Willen von den Mitgliedern der Gewerkschaften in die Partei aettteben worden und in Wirklichkeit Liberale seien. Das Resultat sei, daß die Pattei keine Kampftaktik besitze. Die große Masse der Arbeitervettreter im Parlament glaube, daß es ihre unbedingte Pflicht sei, die Regierung unter allen Umständen am Ruder zu erhalten, bis die Parlamentsbill an- genommen sei. Aber eS bestehe die Gefahr, daß die Regierung, die sehe, daß ihr die 42 Sttmmen der Arbeiterpartei sicher seien, die Arbeiterpartei eher zum Teufel schicken würde, als daß sie etwas für die Arbeitslosen, Armen und Frauen täte. Die ittsche Pattei habe das Versprechen einer Homerule- vorläge, die Waliser das Versprechen einer Bill zur Trennung der Kirche vom Staat, die Schotten das Versprechen einer Landvorlage erhalten; aber der Himmel allein wisse, was England und die Arbeiterpattei bekommen werde. Die Ar- beiterparteiler marschierten immer zur Verteidigung der Re- gierung auf. Nur sehr wenige von ihnen stimmten nicht oder paatten nicht ab. Handele es sich aber um Anträge der Arbeiter- pattei, wie die über die Arbeitslosigkeit und die Untersuchung über die Polizeimethoden in Südwales, so stimmten nur 30 Arbeiterpatteiler oder im letzten Falle gar nur 17 für diese Anträge. Die Mitglieder der Partei müßten ihre Stimme erheben; es nütze nichts, die Parlamentatter auszuschimpfen, man müsse in würdiger Weise einen starken Protest einlegen. Er sei zur Ueberzeugung gekommen, daß die Arbeiterpartei einen rechten und einen linken Flügel besitzen müsse. Die Zeit sei längst vorüber, um eine Trennung von der Arbeiterpartei vor- zunehmen. Es müsse sich ein Flügel bilden, dem die Auf- gäbe zufiele, die Partei so schnell als möglich vorwärts zu treiben. Diejenigen, die der Ansicht seien, daß die Pattei entschlossener vorgehen und einen mehr sozialistischen Charakter tragen müsse, sollten auf unbedingte Bewegungsfreiheit inner- halb und außerhalb des Parlaments bestehen. Sie dürften sich von den schwächeren Gewerkschaften nicht aufhalten, noch dürften sie sich von der Mehrheit der Partei binden lassen. Er fühle sich immer weniger geneigt, die Mitglieder durch den Beschluß der Mehrheit streng zu verpflichten. In der Arbeiter- Partei wisse eine große Zahl der 42 Mitglieder überhaupt nichts vom Sozialismus. Diese hätten stets die Politik vom liberalen Standpuntt aus bettachtet. Wenn die I. L. P. sage, ihre Anhänger seien durch den Beschluß einer Mehrheit dieser Per- sonen gebunden, dann würden die bewußten Sozialisten das Parlament zu verlaffen haben. Es würde eine unerträgliche Lage geschaffen, die er nicht 48 Stunden lang aushalten könne. Sozialisten sollten als Sozialisten handeln uud ihre Stimmen für einen bestimmten Zweck benützcn. Nichts sei dem Mitglied der Arbetterpattei geschehen, der gegen das Recht auf Arbett gestimmt habe. Werbe den Mitgliebew die Bewegungsfreiheit nicht zugestanden,' so wurde sich die Parket nicht zum Sozialismus eutwickelu, sondern zum Liberalismus zurück- entwickeln, und da mache er nicht mit. Genosse LanSbury ist derselbe, dessen Kandidatur den Londoner Liberalen bei der letzten Wahl von Lloyd George empfohlen wurde. Er äußerte sich während der Wahl über das Wertzuwachsgesetz in der Weise, daß er nicht die Konfis- kation eines kleinen Teiles des Wettzuwachses, sondern die des ganzen Wertzuwachses empfahl, und erhielt dafür von den Kon- servativen den Spitznamen Nr. Tuire-tüe-Iot(Herr Nimm- das-Ganze). Seine Forderung, den sozialistischen Mitgliedern der Arbeiterpartei volle Bewegungsfreiheit zuzugestehen, klingt etwas sonderbar, wenn man bedenkt, daß die Disziplinlosigkeit innerhalb der Arbeiterpattei sowieso schon groß genug ist. Sie wird aber verständlich, wenn man erwägt, daß die liberal denkenden Arbciterparteiler auch ihren eigenen Weg gehet! und häufig— wie bei der letzten Abstimmung über die Rüswngseinfchränkung— in einer Weise handeln, die das An- sehen ihrer Parteigenossen schwer schädigt. politflcbe Oebcrlicbt. Berlin, den 28. März 1911. Sozialismus schlimmer als Diebstahl. Aus dem Reichstag, 28. März. Wenn der Etat der elf atz- lothringischen Reichseisenbahnen zur Verhandlung steht, haben die elsaß-lothringischeu Abgcord- neten alle diejenigen Beschwerden vorzubttngen, die sonst in den Einzelparlamenten zu den Laudesangelegenhciteu gehören. da ja der Reichstag heute noch eine Art höheres Landesparlament für die Rcichslande ist. So wurde auch heute eingehend Kritik an der Reichseisenbahnverwaltung geübt. Genosse B ö hle verttat in erfter Reihe die Sache der Eisenbahnarbeiter, deren Koalittonsrecht in Elsaß-Lothttngen völlig auf dem Papier steht, so daß sie der Fuchtel der Verwaltung wehrlos unterworfen sind. Als z. B. die Verwaltung einen Ukas er- lassen hatte, daß jeder Arbeiter, der beim Lesen einer sozial- demokrattschen Zeitung ettappt würde, sofort zu entlassen sei. erkühnte sich ein Beamter bei Verlesung dieses Schriftstückes hinzuzusetzen, in solchem Fall sei die Entlassung unausbleiblich; habe sich ein Arbeiter eines Diebstahls schuldig gemacht, so könne immerhin unter gewissen Umständen von einer Entlassung Abstand genommen werden. Danach ist das Lesen eines sozialdemottattschen Blattes in den Augen dieses Menschenfreundes ein unsühnbareres Ver- brechen als ein Diebstahl. Der Minister v. Breitenbach suchte von diesem Beamten abzurücken, indem er erwidette, er mißbillige, daß die beiden Fälle in einen Kausalncxus (sächlichen Zusammenhang) gebracht worden seien. Wohl- gemerkt. er mißbilligte nur die Neben» einander stellung, er mißbilligte aber nicht. daß bei Diebstahl eine Wiederanstellung zwar möglich sei, beim Lesen einer sozialdemottattschen Zeitung aber nicht. Mit der verschiedenattigen Behandlung solcher Sünder ist er also einverstanden. Auch ihm erscheint es als ein Kapitalverbrechen, wenn ein Arbeiter eine sozialdemottattsche Zeitung liest. Nur die Fälle in einen Kausalnexus zu bttngen, hätte jener unvorsichtige Beamte vermeiden müssen. Und einen Mann wie Herrn v. Breitenbach, der auch bei dieser Gelegenheit sich als ein engstirniger bnreaukratischer Sozialistenfeind erwies, pttesen nachher die freisinnigen Ab- geordneten Carstens und Hormann als einen Minister „von sozialem Empfinden l" Genosse E m m e l rügte das mit Recht in kräftigen Watten und brachte neues Matettal für die fozialpolittfche Rückständig- keit der Verwaltung bei. So bekämpfte er es. daß die Ver- waltung die Vereine und Versammlungen der Eisenbahn- arbeiter durch höhere Beamte„bespitzeln" lasse, was Herr v. Breitenbach wiederum als eine notwendige und von den Arbeitern gewünschte Teilnahme der höheren Beamten an den Arbeiterbestrebungen vetteidigte. Zum Schluß der wiederum auf 7>/z Stunden ausgedehnten Sitzung gab es einen amüsanten Zusammenstoß zwischen Herrn Spahn junior und seinem Frakttonskollegen Birken- mayer. Der junge Spahn legte sich nämlich für die wirtschaftliche Förderung seines Wohnottes Sttaßburg ins Zeug. In seinem neu-elsässischen Lokalpatttottsmus über- spannte er aber den Bogen gewaltig, indem er verlangte, es möge durch die Berwaltung darauf hingewirtt werden, daß Straßburg die handelspolittsche Stelle von Mannheim ein- nehmen könne. Das brachte den oberbadischen Bürgermeister Birkenmayer, der dem kampflusttgen Holzenwalde ent- stammt, arg in Harnisch. Er zog für sein gutes Ländle Baden gegen den neugebackenen Elsässer vom Leder und wurde dabei von dem Freisinnigen G o t h e i n unterstützt. Herr Spahn verteidigte sich so gut es ging, zog aber doch entschieden in dieser badisch-elsässischen Fehde den kürzeren. Schließlich gab es noch eine kurze Auseinandersetzung über Arbeiterpetitionen, die die Sozialdemokraten zur Berücksichtigung, die Zetitrumsleute nur zur Er- w ä g u n g dem Reichskanzler überwiesen haben wollten. Der sozialdemottattsche Antrag wurde abgelehnt und dann der Zentrumsantrag angenommen, Eine Beschwichtigungserklärung. In der Finanzkommission des Herrenhauses gab der Minister für Landwirffchaft, Freiherr v. Schorlemer-Lie.ser eine Erflärung über den Stand der Enteignungsfrage ab, in der es heißt, die Staatsregievung sei fest entschlossen, die durch das Ge- setz vom 26. April 1386 eingeleitete Ansiedelungspolitik zum Schutze des Deutschtums in den Provinzen Posen und Westpreußen fort- zuführen. Sie werde deshalb auch nicht darauf verzichten, von der ihr durch 8 13 des Gesetzes vom 26. März 1968 gegebenen Befugnis zur Enteignung in geeigneten Fällen und mit der Ver- meidung jeder unnötigen Härte Gebrauch zu machen, sobald die ge- fetzlich bestimmten Voraussetzungen der Enteignung als vorliegend zu erachten seien. Die Staatsregierung allein habe die Verant- Wartung für die Prüfung dieser Voraussetzungen und die darauf- hin zu treffende Entscheidung zu tragen. Sie könne sich deshalb in ihren Entschließungen auch nicht durch die in der Presse und von Bereinen und Versammlungen geäußerten Wünsche, sondern lediglich durch eine sachliche und gewissenhafte Beurteilung der vorliegenden Verhältnisse bestimmen lassen. Es lasse sich noch nicht übersehen, wie weit der Landbedarf der Ansiedlungstommission für das Jahr 1912 aus freihändigen Ankäufen gedeckt werden könne, für das laufende Jahr fei aber kein Rückgang der Anfiedlungstätigkeit zu befürchten, Ein Prachtexemplar. Welche seltsamen Gegensätze und Widersprüche in Ken Neihea des HiUljcMMÄ h�rMeo. dsfiir ligffiii Waenic Bis TaSrNruZen MieCele GesHichte dm nredliLes Beispiel: Herr Dr. Alexander Tille, der sich bekanntlich vom Sozialaristo- kratismus zur Lehre vom Herrenmenschentum der— Schlotjunker bekehrt hat, ist zugleich Generalsekretär der südwest- lichcn Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahl- industrieller und Geschäftsführer der Bezirksgruppe Saar- brücken des Hansabundes. In dieser Eigenschaft hat er die Interessen beider Verbände wahrzunehmen. Wie er das macht, zeigt in recht amüsanter Weise ein Schreiben, das er por kurzem an die wirtschaftlichen Vereine im Saargebiet jgerichtet hat. Es heißt darin: „Neben dem Wuhlfoubs der deutschen Industrie, welcher auf Veranlassung des Zentralverbandes deutscher Industrieller an- gesammelt worden ist und weiter angesammelt wird, hat auch der Hansabund begonnen, einen Wahlfonds zu schaffen und die an ihm beteiligten Kreise aufgefordert, Beiträge zu demselben zu leisten. Die Vorstände der wirtschaftlichen Vereine der Saar- industrie haben die Angelegenheit in einer ihrer letzten Vorstands- sitzungen behandelt und sind der Meinung, daß die Gefahr naheliegt, daß in manchen Fällen die Mittel beider Dahlfonds gegeneinander verwendet und sich so gegenseitig aufheben könnten. Sie inochten daher den Mitgliedern des Vereins den Gedanken nahe- legen, sich ausschließlich an dem Wahlfonds der deutscheu Industrie zu beteiligen, dagegen von einer Beteiligung an dem Wahlfonds des Hansabundcs abzusehen." Als Geschäftsführer des HansabuildcS ist also Herr Dr. Tille bestrebt, dem Wahlfonds des Hansabundes die Sub- sidien der rheinischen Großindustriellen abzujagen. Ein nettes Verfahren. Dennoch glauben wir kaum, daß diese Praxis ihn seine Geschäftsführerstellung kosten wird, denn in der großen Maschinerie zur Vertretung rohkapitalistischer Interessen, als welcher sich der Hansabund darstellt, haben olle Platz, die hohe Beiträge zahlen: zollwütige Eisenmag- naten und freihändlerische Exporteure, arbeiterfeindliche Scharfmacher und verschrobene linksliberale Ideologen, Schiffsreeder und gegangene Landräte usw. Tie Hauptsache Sst nur, daß der Profitinstinkt möglichst ausgeprägt ist. Zur hessischen Landtagstvahlreform. Bereits schien es, als stehe die hessische LandtagSwahlreform endlich, nachdem sie zehn Jahren lang Volk, Landtag und Regierung beschäftigt hat, vor ihren Abschluß. Doch der Schein trügt; wieder haben sich allerlei Hindernisse eingestellt, die das»große Reform- Werk" zum Scheitern zu bringen drohen. Die Erste Kammer hatte die Borlage in einigen Punkten— natürlich in reaktionärem Sinne— geändert; sie mußte infolgedesien noch einmal an die Zweite Kammer zurückgehen. Bei der jetzigen Zusammensetzung der„Bolls- kammer" nahm man allgemein an, daß sie die kleinen Herzens- wünsche der blaublütigen Standesherren gern und willig erfüllen werde. Nun aber verlautet, daß gerade die reaktionärsten Elemente der Zweiten Kammer, die bündlerischcn Antisemiten, die Vorlage scheitern lassen wollen. Ihre Beweggründe sind recht interessant: Der Ausfall der letzten ReichstagSwahlen in Hesien, in Friedberg-BMngen «nd Gießen-Nidda, die eine starke Zunahme der soziAdemo- kratischen und freisinnigen Stimmen auch auf dem Lande ergaben, erweckt bei den Bündlern für die kommenden Landtagswahlen im Herbste dieses Jahres schwerste Befürchtungen. Die Einführung des direkten Wahlrechts an Stelle des veralteten WahlmännersystemS, das sozialdemokratischen Wahlerfolgen auf dem Lande wegen der Schwierig- seit, dort Wahlmänner zu finden, große Hindernisie entgegenstellte, -rtchentt den Bündle rn besonders gefährlich. Als Gegengewicht haben sie zwar Erhöhung der StaatSangehörigkeitSfrist. Ler- schärfung der Steuerrückstandsklausel und das gioeistimmen- recht für Wähler über bv Jahre durchgesetzt; aber alle diese skan- dalösen Verhunzungen des Wahlrechts befreien die hessischen Reak- tionäre nicht vor der Furcht vor einer schweren Niederlage bei den nächsten LandtagSwahlen. Auch die Nationalliberalen und das Zentrum fühlen bedrohliche Aengste. Die Antiseiniten scheinen bereit, für sie die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Ihre Absentierung genügt, die verfassungsmäßig erforderliche Zweidrittelmehrheit in der Zweiten Kammer zu verhindern. So werden sie einige unerfüllbare Forderungen in der Frage der Wahlkreis- einteilung aufstellen und darauf bei der selbstverständlichen Ab- lehnung ihre Zustimmung zur Wahlreform verweigern. Für den hessischen schwarzblauen Block würde das eine schmähliche Blamage bedeuten, aber er wird sie in Kauf nehmen, um der drohenden Abrechnung bei den Wahlen zu entgehen. Ob das gelingen wird, ist freilich eine andere Frage. Es ist fast undenkbar, daß sich die große Mehrheit der hessischen Wähler eine solche skandalöse Wirtschast mit Geduld gefallen läßt._ Die Wahlprüfungskommission des Abgeordnetenhauses jhat am Dienstag einstimmig beschlossen, die Wahl des freisinnigen Abg. Dr. Ehlers in Breslau IV für ungültig zu erklären. Diese Wahl wird in einem Protest der Zentrumspartei deshalb ange- fochten, weil nicht Ehlers, auf den auch die sozialdemokratischen Stimmen in der Stichwahl gefallen waren, sondern der Konserva- tive Vogel die absolute Mehrheit erlangt habe und ferner deshalb, weil bei den Ersatzwahlen der Wahlmänner Geschäftsleute von sozialdemokratischer Seite mit Boykott bedroht worden seien. Es vzurjeo guch Verstöße gegen das Wahlreglemcnt geübt. Oelteireich. Auflösung deö ReichSratS. Wik«, 28. März. lPrivattelegrannn.) Für heute wird die Auf- löfung des ReichSratS erwartet. Der Vorstand der sozialdemo- kratischen Fraktion veröffentlicht über die Lage eine Darlegung, in der er das Verhalten der Regierung Bienerth auf das schärfste verurteilt, die unter dem pharisäischen Vorwande. den Buchstaben der Verfassung hochzuhalten, den offenen Verfassungsbril ch eines§I4-Regimes herbeiführt. Die Beseitigung dieser Regierung sei daS wichtigste Erfordernis. Der Vorstand, fährt die Kundgebung fort, hält es für undenkbar, daß eine Regierung, die nur mit Hilfe deS offenen VerfaffungSbrucheS regieren kann, eö noch einmal wage» sollte, vor das Parlament des allgemeinen Wahlrechtes, fei es nun dieses oder ein neugewähltes Parlament, zu treten. Als Mit- schuldige der Regierung betrachtet der Verband die Mehr- heitS Parteien, die die volksfemdliche Regierung unbedingt und in allen Fällen unterstützt haben, so lange, bis ihr Regime den Staat vor die unmittelbar drohende Gefahr des§ 14 stellt. Nicht minder scharf verurteilt der Vorstand aber auch das «erhalten der obstruierenden slawischen Par- t e i e n. Die Obstruktion allein hat der Regierung Bienerth die Möglichkeit gegeben, sich immer wieder durch die Vertagung des Hauses oder die Schließung der Session über alle Verlegenheiten hinwegzuflüchten. Die bewußte oder unbewußte Kooperation der Re- gierung mit den Obstruktionsparteien gefährdet nicht nur die parlamentarische Arbeit überhaupt, sie bringt insbesondere jene Arbeit in Gefahr, deren Vollendung die Arbeiterklasse fordert. Wenn der Vertagung des ReichsratcS die Auflösung folgen sollte, dann würde die Arbeiterklaffe der Früchte jahrelang« parla« lamentarischer Arbeit, besonders der Vollendung der Sozialver- sicherung, beraubt. Sollte also die Regierung wirklich zur Auflösung schreiten, so hofft der Vorstand, daß die Regierung und die mitschuldigen Parteien von den Wählern die gebührende Antwort erhalten werden. franfcmcb. Eine ungünstige Stichwahl. Paris, 27. März.(Eig. Ber.) Der Bezirk von Saint-Claude im Jura hatte gestern einen Nachfolger für den verstorbenen De- putierten Genossen Turbourieux zu wählen, der in den all- gemeinen Mahlen von 1910 im ersten Wahlgange 4996 Stimmen erhalten Hütte— gegen 4972 und 1796 radikalrepublikanische— und im zweiten mit 6731 gegen 5181 Stimmen durchgedrungen war. Diesmal bekam ein„unabhängiger" Sozialist 3655, ein Links- republikaner 3577 und der sozialistische Kandidat Genosse Varenue, dessen Sieg die„Humanitö" als sicher hingestellt hatte, nur 2873 Stimmen. DaS Mandat ist somit als verloren anzusehen. Dieser Verlust von über 2069 Stimmen, zwei Fünfteln der Gesamtzahl, ist sicher auffallend, besonders da Barenne, bekanntlich einer der am weitesten rechtsstehenden Parteimitglieder, auch als Kandidat der Proporzanhänger gelten konnte. Der„Temps" erklärt die Nieder- läge einfach damit, daß die Reaktionäre diesmal nicht, wie in den Hauptwahlen, für die geeinigten Sozialisten gestimmt hätten. Wäre dem so, wäre der Verlust des mdustriereichen Wahlkreises weniger empfindlich, als er es in der Tat ist. Jedenfalls beweist diese Wahl, wie wenig sich die Partei auf die Wiederkehr der Umstände, die sich im Mai zu ihren Gunsten vereinigt haben, verlassen darf. Eine neue AuSlieferungSaffäre. Paris, 27. März.(Eig. Ber.) Vor zwölf Tagen wurde hier ein junger Russe namens Georg B a b S k i verhaftet. Die russische Regie- rung fordert seine Auslieferung wegen angeblicher Teilnahme an der Tötung deS Polizeipräfekten Schurawel von JckaterinoSlav im Jahre 1997. Die russische sozialrevolutionäre Partei erklärt nun offiziell folgendes: BabSkr war 1997 Mitglied der Partei. Nach der Ermordung SchurawelS wurde er in Rußland verhastet, ohne daß die Regierung ihn in die Affäre verwickelte. 1998 entfloh er aus Sibirien und lebte dann unter seinem Namen ruhig im Ausland, ohne beunruhigt zu werden.— Es scheint da eine neue Intrige vorzuliegen. Denn Babski ist sozusagen auf stanzösischen Boden gelockt worden, indem man ihm in Lüttich, wo er zuletzt lebte, hinterbrachte, seine Freiheit sei dort gefährdet. In Paris wurde er sofort festgenommen. Die Auslieferung ist wohl moralisch und juristisch unmöglich, aber es scheint, als ob der neuen Regierung Verlegenheiten geschaffen werden sollten. Jedenfalls ist aber bis Aus- dehnung der Haft unverständlich. Die Winzerbewegung. Paris, 28. März. Der Unterpräsekt von Dar-sur-Aube der« langte vergeblich die Entfernung der am Bürger- meisteramt angebrachten aufrührerischen Inschriften und roten Fahnen. Statt dessen wurden nachts noch weitere auf- rührerifche Inschriften angebracht. Die Gcgenagitatio» in der Champagne. Epernay, 28. März. Der Ausschuß der Winzervereini- gung der Champagne hat einen Aufruf erlassen, in dem gegen die Ansprüche der Winzer des AubedepartementS scharf protestiert und erklärt wird, die Winzer der Champagne würden selbst bor gewalttätige» Maßnahme» nicht zurückschrecken, um eine Aenderung der Abgrenzung der Champagne zu verhindern. Italien. Befriedigung über den Rücktritt BissolatiS. Rom, 28. März.«Giornale d'Jtalia" berichtet, daß die Radikalen Sacchi und Credaro sich ebenfalls weigern, in das Kabinett einzutreten. Andererseits wird versichert, daß die Radikalen am Ruder bleiben und daß G i o I i t t i sich die Mitwirkung des früheren Republikaners Pantano gesichert hat, welcher bereits dem Kabinett Sonnino als Mit- glied angehörte. In parlamentarischen Kreisen versichert man, daß die Weigerung des Sozialistcnführers B i s s o» lati, in das Kabinett einzutreten, auf die Haltung Gio° littis zurückzuführen ist. der versicherte, er wolle keine antiklerikale und antimilitaristische Poll- tik betreiben. Als die Einwohner des proletarischen Stadtviertels Transtevere erfuhren, daß Bissolati es abgelehnt habe, in das neue Kabinett einzutreten, veranstalteten sie eine Freudenkundgebung. Sie durchzogen die festlich be- leuchteten Straßen dieses Viertels unter Absingung der sozia- listischen Hymne. Dem Zuge voran wurden Banner und Fahnen getragen. Das sozialistische Organ.. A v a n t i" veröffentlicht einen Artikel, worin es Bissolati zu seinem Entschluß beglückwünscht. Das Blatt sagt, das Zere- moniell des Hofes annehmen, wäre für Bissolati ciiic gx- niedrig un g gewesen. Spanien. Die Ferrer-Debatte. Madrid, 27. März. Deputiertenkammer. DerRepubli- kaner S o r i a n o wies darauf hin. daß das Kriegsgericht das 1299 Seiten umfassende Aktenstück Ferrer in vier Stunden durchgeprüft habe und daß der Verteidiger FerrerS für das Studium der Akten nicht mehr Zeit gehabt habe als das Gericht. Dieses habe zudem die Zu- lassuna zahlreicher Entlastungszeugen abgelehnt. Redner sprach seine feste Ueberzeugung von der Unschuld FerrerS aus und erklärte, in jedem Fall habe Ferrer nur als Anstifter einer Auf- lehnung gegen die Militärbehörde von Mataro verurteilt werden können, ein Delikt, das nur mit Zuchthaus zu bestrafen sei. Statt dessen sei Ferrer für ein Verbrechen abgeurteilt worden, worauf die Todesstrafe stehe. Dies fei auf das aus politischen Motiven erfolgte Eingreisen der Exekutiv- gewalt zurückzuführen, für das die ganze konservative Partei die Verantwortung trage. Der Gouverneur von Barcelona habe zur Zeit des Ausbruchs der Unruhen kein Beweismaterial entdeckt, welches zu der An- nähme berechtigt hätte, daß Ferrer der Führer deZ AuistandeS gewesen sei. Soriano bemühte sich schließlich zu zeigen, daß Ferrer nicht den gering st en Anteil an den Ereigniffen in Barcelona genomnien habe und daß die gegen ihn vorgebrachten Zeugenaussagen unbestimmt und wertlos gewesen seien. Cnglanck. Eine Nachwahl. London, 28. März. Bei der Ersatzwahl im Wahlkreise Bootle(Liverpool) wurde B o n a r Law. einer ber Haupi- Vorkämpfer der englischen Schutzzollbewegung, mit 9376 Stim- inen gegen den liherglen Kandidaten gewählt, der 7782 ZtWmcü erhielt.. RlfBUtl£ -— Ter Staatsstreich Stolhpins.' Petersburg, 28. März. In der heutigen Sitzung Ler Reichs- duma teilte Vizepräsident Fürst Wolkonski mit, daß der Präsident der Duma, G u t s ch k o w, sein Amt niedergelegt hat. So- dann berichtete Fürst Wolkonski über Anträge betr. Abänderung der Tagesordnung. Der Kadett Schingarcw erklärte, die Unter- brechung der Tagung der Rcichsduma, eine ungesetzliche Handlung der Regierung, habe eine Reihe von Fraktionen ge- zwungen, Interpellationen einzubringen. Die Erledigung der laufenden Geschäfte sei unmöglich, bevor die Duma nicht über die gegenwärtige Lage beraten habe. Anrcp(Oktobrist) führte aus, die Duma müsse vor allein ausdrücklich betonen, daß sie die Unterbrechung ihrer Arbeit bedauere und für eine grund- lose Beleidigung halte. Die Duma sei aber verpflichtet, zu- nächst die Beratung des Kriegsbudgcts zu beendige» und dann erst zu den von vier Fraktionen eingebrachten Interpellationen überzu- gehen. Zweifellos werde die Duma eine einmütige Entscheidung treffen. Hierauf werden die Anträge auf Abänderung der Tages- ordnung abgelehnt. Nach Annahme einer Reihe von Forderungen für LaS Kriegs- Ministerium schritt die Duma zur Debatte über die Dringlichkeit gleichartiger Interpellationen der Oktobristen, Progrcssistcn. Kadetten und Sozialdemokraten, in denen die Regierung ungesctzmätzigen Vorgehens beschuldigt wird. Nach mehreren Reden wurde die Dringlichkeit mit den Stimmen aller gegen die Stimmen der Nationalisten und der Rechten angenommen und die Duma begann sofort die Besprechung der Interpellation. Schidlowsky erklärte im Namen der Oktobristen, die Anwendung des Artikels 87 bedeute im gegebenen Fall eine Untergrabung des Zwei- kammersystems. Schidlowsky erklärte weiter, die Duma bilde mit dem Reichsrat ein ganzes, und eine Verletzung der Rechte des RetchL- rates sei zugleich eine Verletzung der Rechte der Duma« (Beifall links.) Der Progressist Jefremow betonte, die dreitägige Unier« brechung der Arbeit der Duma und des Reichsrates sei eine un- glaubliche falsche Auslegung der Artikel 86 und 87 der Grundgesetze, und erklärte, eine Politik, welche zu gleicher Zeit innere und äußere Schwierigkeiten säe, fordere unnötigerweise die«rllermäßigsten Elemente heraus und reize durch Mangel an staats- männischer Einsicht auf. Mit einem solchen Minister lasse sich nicht weiter arbeiten. Der Kadett M i l j u k o w er- klärte, aus nichtigen Anlässen habe Stolypin die erste und die zweite Duma aufgelöst. Jetzt komme die Reihe an die verantwortliche Majorität der dritten Duma, doch sei die Majorität s e l b st an der Situation schuld. Sie habe alle Matzregeln der Regierung unterstützt und die Regierung verwöhnt. Durch die jüngsten Regie- rungsmaßnahmcn sei der Duma der Todesstoß versetzt worden, zugleich aber habe die Regierung sich selbst getroffen. Doch darum habe sich die Duma nicht zu kümmern. Wenn die dritte Duma nicht imstande gewesen sei, mit Würde zu leben, müsse sie wenigstens, wenn nötig, mit Wahrung der Ehre sterben. (Beifall links.)_ Rücktritt des MarineministerS. Petersburg, 28. März. Marincminister Wojewodgki gat, wie die Blätter melden, seine Demission gegeben. Eine Farce. Petersburg, 23. März. Zu Anfang der heutigen Sitzung des Reichsrates erklärte Kobylinski(Rechte), er wünsche nach der dreitägigen Unterbrechung des Reichsrates einige Worte über die geschaffene Lage zu sprechen. Der Borsitzende nnter- brach jedoch den Redner mit der Erklärung, welch schwere Tage dem ReichSrate auch beschieden sein möchten, welche Beichuldigungcn und Berleumdungen ihm auch vorgeworfen würden, er müsse während alles dieses LärmenS schweigen und dürfe keinesfalls feine Sitzungen zum Schauplatz politischer Demonstrationen machen. Für den ReichSrat sei nur eines wertvoll— das Vertrauen Seiner Majestät.„Ich bin glücklich," schloß der Vorsitzende,„daß dieses Vertrauen keineswegs erschüttert ist." Die Anwesenden erhoben sich von de» Sitzen und brachen in Hurrarufe aus. Beendigung des Konflikts mit China. Petersburg, 23. März. Die Antwort der chinesischen Regierung ist eingetroffen und als befriedigend anerkannt worden. Dein russischen Gesandten wurden entsprechende Instruktionen erteilt. Rumänien. Sozialistische Wahlerfolge. Im»Pcuple" weist Genosse Rakowski darauf hin, daß an die Eroberung von Mandaten von vornherein gar nicht zu denken war. Hat doch Rumänien bei IVt Millionen Einwohnern noch nicht 199 999 Wahlberechtigte, die in drei Klassen zerfallen. Die erste, die großen Besitzer, zählt 15 999 bis 29 999 Wähler und wählt 79 Abgeordnete. Die zweite, Mittel- und Kleinbürger und ein winziger Teil der Arbeiterschaft, umfaßt 35 999 Wähler und entsendet 75 Vertreter. Und die dritte Klasse, die der Bauern, wählt bei 49 999 Wählern teils direkten, teils Wahlmänner»— 33 Abgeordnete. Der Einfluß der Regierung ist so groß, daß selten mehr als eine Handvoll Oppositioneller durch persönliche Beziehungen in den kleinen Wählerkreisen gewählt wird. Sonst gehqxt alles zum RegierungSgcfolge.„Gewöhnlich siegt die Partei, die am Ruder ist, während sie nach ihrem Sturze nicht mehr als 5—6 Abgeordnete, manchmal noch weniger durchbringt. Dazu kommen die kolossalen Taxen, die der Staat für die Kandidaturen er- hebt. In Bukarest betrugen sie 3599 Lei(Frank). Unter solcken Verhältnissen war ein Sieg ohne Wahlbündnis undenkbar. Ein solches aber verbot sich bei dem reaktionären Charakter sämtlicher bürgerlichen Parteien, die alle gegen das allgemeine Wahlrecht wie gegen die Anerkennung des Koalitions- und Streikrechts sind. Unter solchen Umständen, zu denen Mangel an genügenden Mitteln zur Agitation hinzukam, sind die erzielten Erfolge hoch einzuschätzen. In der Hauptstadt Buk a r e st erzielte unsere Liste bis zu 825 Stimmen und erreichte damit fast die der Nationalisten. In Galata wurden diese überflügelt, indem unsere Liste bis zu 222 Stimmen erhielt gegen 179 ihres Kändl- baten. Ja, wir kamen der„Vereinigten Opposition"(Liberalen und„demokratischen" Konservativen), nalze, deren Kandidaten teil- weise nyr 359 Stimmen erhielten. COrfcd. Greuzkampfe. Konpantiuopel, 27. März. Nach Montenegro geflüchtete Albanesen haben gemeinsam mit Montenegrinern mehrere türkische Grenzposten in Kaza und Tuzi angegriffen, mehrere Soldaten getötet und viele gefangen genommen haben. Die Zahl der An greiser wird aus 3999 angegeben. Wie ver- lautet, sind die Hauptorte Kaza und Tuzi eingeschlossen. Aus Jpek sind drei Bataillone nach Skutari entsandt worden. Außerdem sollen zwei Redifbrigadcn dahin abgehen. Die MtihitiOD des tzeiM Freelc. Bekanntlich ist fit der Jalousiefabrik von Heinrich F r e e s e ein Konflikt ausgebrochen, dessen letzte Ursache darin besteht, daß sich das vielgerühmte konstitutionelle Fabrik- system als ein reaktionäres, selbstherrliches Regiment ent- puppte. Mit der unbegründeten Entlassung des Vertrauens- maunes vom Holzarbeiterverband fing die Sache an. Als die Arbeiter hiergegen auftraten, folgten weitere Entlassungen von Verbandsmitgliedern und Herr Freese dekretierte, daß nur noch Gewerkvereinler, Christliche und Unorganisierte in seinem Betriebe beschäftigt werden sollen. So kam es zum Streik der freigewerkschafrlich organisierten Arbeiter. Das Organ der Hirsch-Dunckerschen Holzarbeiter„Die Eiche" nimmt sich nach alter Gewohnheit des„konstitutionellen" Fabrikherren an und tischten der letzten Nummer eine völlig entstellte Darstellung eines Vorganges auf, der als ein Akt von Terrorismus des Holzarbeiterverbandes hingestellt wird. Nach der„Eiche" soll Herr Freese, weil es ihm an Einsetzern fehlte, einen Werkstattarbeiter zum Einsetzen mitgeschickt haben nach einer Arbeitsstelle in Mecklenburg. Weil dieser zum Einsetzen bestimmte Arbeiter aus dem Verbände in den Ge- werkverein übergetreten ist, sollen sich die Verbandsmitglieder ? geweigert haben, mit ihm zusammenzuarbeiten. Daraufhin oll Herr Freese die Verbandsmitglieder entlassen haben. Diese Angelegenheit wurde am Montag in einer Ver- sammlung der im Holzarbeiterverbande organisierten Jalousie- arbeiter so dargestellt: Der Arbeiter, um den es sich handelt, heißt Malon. Er war Bursche bei dem jungen Herrn Freese, der Offizier ist. Nach seiner Entlassung vom Militär trat Malon in die Freesesche Fabrik ein und wurde Mitglied des Holzarbeiterverbandes. Doch jetzt hat es sich herausgestellt, daß Malon nicht aus Ueberzeugung, sondern als Vertrauensmann. vielleicht kann man auch sagen als Spitzel Freeses in den Holzarbeiterverband eingetreten ist. Alles was in den Versammlungen besprochen wurde, hat Malon brühwarm Herrn Freese hinterbracht. Malon, diese Stütze des„konsti- tutionellen Systems", ist neuerdings in den Gewerkverein übergetreten. Nicht aus- Mangel an Einsetzern ist er zum Einsetzer beordert worden, sondern weil Herr Freese seiner eigenen Angabe nach die Taktik befolgt, seine christlichen und Hirsch-Dunckerschen Konstitutionellen von den Verbandsmitgliedern erst anlernen zu lassen und diese dann hinaus- zuwerfen. Nur aus diesem Grunde weigerten sich die Ver- bandsmitglieder, mit Malon zusammenzuarbeiten, weil sie ihn nicht zum Einsetzer anlernen und sich selber dadurch überflüssig machen wollten. Das spielte sich übrigens schon ab, ehe von den Einsetzerarbeiten in Mecklen- bürg die Rede war. Die Einsetzer sind nicht von Freese entlassen, sondern sie haben aus den an- gegebenen Gründen die Arbeit niedergelegt. Als die Ver- bandsmitglieder das Verlangen an Herrn Freese stellten, den Malon von den Einsetzerarbeiten zurückzuziehen, sagte er, wenn genügend Einsetzer angelernt seien oder er genug Christ- liche und Gewerkvereinler gefunden habe, werden sämtliche Mitglieder des Deutschen Holzarbeiterverbandes entlassen ohne Rücksicht auf sie oder ihre Familien.— Was die„Eiche" von Terrorismus der Verbandsmitglieder erzählt, ist also in allen wesentlichen Punkten unwahr. Im weiteren Verlauf der Versammlung wurde der Freesesche Fabrikkonstitutionalismus an einer Reihe von Bei- spielen gekennzeichnet. Der Achtstundentag sei als ein Ge- schenk des Herrn Freese gepriesen worden. Nicht im Interesse der Arbeiter habe Freese den Achtstundentag eingeführt, son- dern weil er berechnet hatte, daß ihm diese Neuerung Er- sparnisse an Licht, Feuerung. Dampf usw. bringen und die Arbeiter nicht weniger leisten würden wie in der längeren Arbeitszeit, was denn auch eingetroffen sei. Alljährlich werde den Arbeitern eine Woche Ferien unter Fortzahlung des Lohnes gewährt. Doch den Lohn zahle Freese nur zur Hälfte. Die andere Hälfte werde aus der Unterstützungskasse gezahlt, die sich auS Beiträgen der Arbeiter und aus Beiträgen der Firma zusammenfetzt. Durch den Austritt der Arbeiter sei ihnen nun auch ihr Anteil an dem kl 000 M. befragenden Vermögen der Unterstützungskasse verloren gegangen.— Das vielgerühmte konstitutionelle System habe den Arbeitern jähre lang die Augen verblendet. Die Rücksicht aus den liberalen Chef habe sie veranlaßt, Hoffnungen zu hegen, die nicht erfüllt worden seien. Jetzt sei es endlich an der Zeit, das System Freese der Oeffentlichkeit in seinem wahren Lichte zu zeigen. Die Arbeiter sind in diesem Betriebe nicht besser daran als anderswo. Dem Streik der Einsetzer haben sich auch die Holz Pflasterer angeschlossen. Es handelt sich um eine Gruppe von Arbeitern, die im Sommer, wenn die Fabrik größere.Straßen bauten auszuführen hat, als Kolonnenführer, beziehungsweise als Vormänner fungieren. Dagegen aber in den Winter monaten in der Fabrik oder auf dem Lagerplatz beschäftigt Iverden. Diese Arbeiter, ungefähr 23 Mann gehören dem Transportarbeiterverband zum größten Teil schon seit Jahren als Mitglieder an. Als Herr Freese sah, daß seine Werbe- tätigkeit für die Gewerkvereine bei den Transportarbeitern nicht fruchten wollte, versuchte er ein anderes Mittel in An Wendung zu bringen. Er bestellte sich zwei dieser Arbeiter, welche am längsten beschäftigt sind, zu sich und eröffnete diesen, daß er beabsichtige, sie zu Beamten seines Betriebes zu er- nennen. Der bisherige Wochenlohn würde dann um 6 M. erhöht. Bedingung sei Austritt aus dem Deutschen Transportarbeiter- verband. Einen anderen Teil der Arbeiter versuchte Herr Freese dadurch für den Eintritt in den Hirsch- Dunckerschen Gewerkverein zu gewinnen, daß er diesen 25 Psg. Mehrlohn Pro Tag gab. Durch diese Maßnahmen rechnete Herr Freese wahrscheinlich Uneinigkeit in die Reihen der Arbeiter zutragen. Als dies nicht gelang, wurde offen gedroht, daß, wenn ge- nügend andere Arbeiter mit den vorkommenden Arbeiten ver- traut sein würden, alle sozialdemokratisch denkenden Arbeiter entlassen werden. In einer Fabrikversammlung äußerte Herr Freese sogar: Er habe nur Verachtung für die Sozialdemo- traten; er hasse diese. Es würde ihm nur recht sein, wenn dieselben je früher desto besser seinen Betrieb verlassen würden. Um diesen sortgesetzten Belästigungen ein Ende zu machen, beschlossen die Arbeiter. Herrn Freese zu ersuchen, daß sie in Zukunft wegen der Ausübung ihres Koalitionsrechtes in dem Betriebe nicht mehr belästigt würden. Der Transportarbeiterverband wandte sich deshalb in einem höflichen Schreiben an den Unternehmer, durch welchen um Verhandlung zwecks Beilegung dieser Differenzen ersucht wurde. Herr Freese gab eine ablehnende Antwort. Darauf- hin wurden die Arbeiter Montag früh selbst vorstellig und wünschten die Abgabe folgender Erklärung: Hierdurch gebe ich meinen sämtlichen Arbeitern a«S der Abteilung 2(Straßenbau) auf deren speziellen Wunsch die Erklärung ab, daß ich denselben in Zukunft in meinein Betriebe wegen deren Zugehörigkeit zum Deutschen Trausportarbeiter» Verband keine Schwierigkeiten bereiten werde. Ebenfalls dürfen die vorgesetzten Beamten meiner Fabrik nicht durch irgendwelchen Druck oder sonstige Maßnahmen die Arbeiter zwingen, daß sie in eine von den Beamten beliebte Organisation ein- noch übertreten brauchen. Ferner erkläre ich noch ausdrücklich, daß meine älteren Arbeiter (sechs Kolonnenführer bezw. Vormänner) nach beendeter Saison im Straßenbau wegen ihrer Zugehörigkeit zu den oben genannten Verbände weder Entlassungen noch sonstige Zurücksetzungen in ihren bisherigen Arbeitsbedingungen zu erwarten haben; ihre Beichäfti- gung soll auch in Zukunft m den Wintermonaten ir f Am Soft tfaEcnS ist mt Arbeitswilliger verunglllckt und getötet worden. Am Sonntagabend wurde abermals ein Kranführer tödlich verletzt. Der Mann stürzte vom Kran am Hochofen ab. Eine Hand wurde abgerissen und konnte nicht gefunden werden. Zwei Todesfälle von Arbeits- willigen in Zwei Tagen! Wo bleibt der Staatsanwalt? üblichen Weise erfolgen. Nieder-Schönhausen, den....... 1911. in der bisher Herr Freese lehnte die Abgabe dieser Erklärung ab; er verlangte, daß seine Fabrikvertretung, die sich jetzt in ihrer Mehrheit aus Hirsch-Dunckerschen zusammensetzt, darüber ent- scheiden sollte. DieS lehnten jedoch die Arbeiter ab und traten in den Streik. So sieht also die Konstitution des Herrn Freese auS: eine recht gesunde Scharfmacherkonstitution l 6ewerkrcbaftl!cbee. Berttn und Clmgegcnd* Die Mödellackierer nahmen in der letzten Versammlung den Bericht übe� die Verhandlungen mit den einzelnen Unternehmern entgegen. Nach dem Bericht sind die eingereichten Forderungen voll der Mehrzahl der Arbeitgeber rückhaltlos anerkannt worden. Ueber zwei Betriebe, in denen die Forderungen nicht anerkannt sind, wurde die Sperre verhängt. Es find dieses die Firmen E. Richter, Lindenstr. 03, und Karl Schlüter, Charlottenstr. 98. Die Militörsattler der Firma K. Bellip in Spandau stehen seit Dienstag morgen wegen Nichtanerkennung des Berliner Militär- Sattlertarifs im Streik. Da die Firma in bürgerlichen Blättern hauptsächlich Ost- und Westpreußens unorganisierte Saltler sucht, sei vor Zuzug dringend gewarnt. Oeutfdieo Reich. Di« Speditionskutscher und-Arbeiter streiken in Posen. In Frage kommen etwa 2»">» Reicbötag. 157. Sitzung. Dienstag, den28. März, mittags 12 Uhr. «m BunoesratStisch: v. Äreitenvach, Mermuth. Ein Nachtragsetat für die Schutzgebiete für 1910 wird in zweiter wid hierauf in dritter Lesung en bloc angenommen. Es folgt der Etat der Verwaltung des Reichseisenbahnen. Abg. Will(Elf.) wünscht, daß die Eisenbahnverwaltung in eine gründliche Prüfung der Löhne der Arbeiter bei den Reichseisenbahnen eintrete. Die Löhne sind z. B. bei den Rottenarbeitern viel zu niedrig. Die Akkordarbeit lehnen die Arbeiter überhaupt ab. Viele Mißhelligkeiten bestehen auch beim Aufrücken in den Löhnen. Die Arbeitszeit geht noch stellenweise bis 14 Stunden, darunter leidet die Betriebssicherheit. Abg. Böhle sSoz.): DaS Eisenbahnnetz in Elsaß-Lothringen ist zwar sehr ausgebaut, aber vielfach fehlt es doch noch an nötigen Verbindungen.— Beim Sonntagsverkehr werden vielfach Reisende mit Billetts IH. Kiasse gezwungen in Wagen IV. Klasse einzusteigen und die Reisenden IV. Klasse müssen mit Viehwagen sürlieb nehmen. In dieser Beziehung hat ja der Chef der Relchseisenbahnvcrwaltung in der Kommission Abhilfe zugesagt, unsere Generaldirektion war bisher der Meinung, die Reisenden könnten froh sein, überhaupt befördert zu werden. In Hagenau wurden eines Tages die Wartesäle I. und II. Klasse mit Rücksicht auf e i n Festmahl von Offizieren einfach für das Publikum gesperrt.(Hört I hört!)— Bei Arbeiten auf den Strecken müssen unter allen Uniständen Posten ausgestellt werden, damit die Arbeiter vor heranbrausenden Zügen gewarnt werden. In einem Falle find, weil da« Unterlasten war, zwei Arbeiter zu Tode gekommen. Was die Arbeiterverhältnisse anlangt, so sind die Akkordsätze neuerdings noch herabgesetzt worden. Die Verwaltung spart jetzt bei den Akkordsätzen 4>/z Pf. pro Tag; dadurch wird die bei den Zeitlöhnen erfolgte Erhöbung wieder eingebracht. Ver- schiedene Arbeiterkategorien haben überhaupt keine Lohn- erhöhung erhalten.— Mit dem Material wird sehr wenig sparsam gewirtschaftet, ganz neue Eisenteile werden zum alten Eisen geworfen.— Zu der Zuschußkasse der Verwaltung müsten die Arbeiter die Hälfte der Beiträge zahlen. Werden sie aber nach zehn- oder zwölfjähriger Dienstzeit entlassen, haben sie keinen Anspruch ans Pension und auch nicht einmal auf Rückbezahlung eines Teils der eingezahlten Beiträge. Besonders schlecht sind die Verhältnisse der Güterbodenarbeiter in Straßburg. Dort ist das Akkordsystem um- gewandelt in ein Prämienshstem. Bei 12— lZstündigem Nachtdienst und 80 Ueberstllnden haben Arbeiter 128 Mark verdient, in stillen Monaten 83— 120 Mark. Die Arbeiter haben Einführung der neunstündigen Arbeitszeit und Erhöhung des Tagelohns aus 4L0 Mark verlangt; das ist abgelehnt worden. In einer Petition wird von diesen Arbeitern ein Anfangslohn von 3,20 M. verlangt und 4,20 M. alS Endlohn. Das ist doch wirklich eine sehr bescheidene Forderung. Auch die dreitägige Karenzzeit bei Krankheitsfällen sollte abgeschafft werden. Kommen die Arbeiter dadurch in Not und reichen ein Unterstützungsgesuch ein, so dauert eS oft wochenlang, ehe sie überhaupt Bescheid erhalten. Besonders klagen die Arbeiter weiter über schlechte Behandlung durch einen Obmann, der als Unteroffizier in Rastatt wegen Soldatenmißhandlung mehrere Monate Gefängnis ab- gefesten haben soll.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.j Durch eine Verfügung wurden die Arbeiter vor der Lektüre des Fachorgans .Der Eisenbahner" und sozialdemokratischer Zeitungen gewarnt und mit Entlastung bedroht, falls sie es doch täten. Dabei bemerkte der betreffende Obmann, wegen Diebstahls würde keine Entlassung erfolgen.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Auf der anderen Seite hat die Verwaltung Geld übrig, um Sudelschriften des Reichs- lügenverbandes gegen die Sozialdemokratie unter den Arbeitern zu verbreiten.(Vizepräsident Dr. Schultz rügt den Ausdruck: Sudel- schristen des Reichslügenverbandes.) Man sagt, die Löhne gehen nicht unter die ortsüblichen Tagelöhne herunter. Aber auf dereit Festsetzung übt die ReichSeisenbahnverwalwng selbst einen Einfluß auS. SS Proz. der Arbeiter haben noch 2,40 M. bis 3 M. Tage- lohn. Wie soll ein Arbeiter mit einem solchen Lohn auskommen?! (Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Diese Löhne bleiben weit hinter den Löhnen in Privatbetrieben zurück, während die Eisenbahnverwaltung doch als Musterbetrieb voran- gehen sollte.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der ge- waltige Lohn von 3,90 Mark wird von den Wagenputzern erst «ach 15 Dieastjahren erreicht, die Rottenarbeiter erhalten nach Die Mßftanäe in der kgl. Oper. Gegen die Leitung des Kömglichen Opernhauses hatte der frei finnige Abgeordnete Kopsch am 21. dieses Monats im Abgeori* netenhause eine scharfe Rede gehalten, mit Klagen über hohe Preise, über unzulängliche Leistungen, über Bevorzugung des Aus- landes usw. Am 27. d. M. hielt Generalintendant v. H ü l sen- Haeseler vor seinem gesamten Personal eine mit lebhaftem Beifall ausgenommene Verteidigungsrede. Außerdem stellte er das genauere Material für die Oesfentlichkeit zur Verfügung; in der Gencralintendantur(Dorotheenstr. 3) liegt es für jedermann bereit. Längst weiß jeder Kenner, daß die offizielle Berliner Oper nichts weniger als an der Spitze der musikdramatischen Entivicke- lung steht— wenigstens nicht seit O. Nicolais„Lustigen Weibern", 1849, oder gar seit Webers„Freischütz", 1821. Von der Vcrnach- lässigung R. Wagners— zur entscheidenden Zeit— nicht erst zu sprechen! Längst sind wir gewöhnt, uns wirklich produktive Taten aus anderen Städten(Dessau, Dresden, Karlsruhe, Straßburg usw.) erzählen zu lassen. Allerdings darf der Verteidiger sich immerhin zum Teil auf„iKis Getriebe des hastenden und überhctztcn Berlins" berufen. Noch mehr! Der Angreifer hat uns anderen aus der Seele gesprochen, hat aber doch nicht genügend mit den tatsächlichen Schvierigkeiten gerechnet. Die hohen Eintrittspreise sind, w i e d i e Dinge liegen, sür eine voll ausgestattete Oper nicht zu ver- meiden— als der stete Kampf gegen das unvermeidliche Defizit. „Wie die Dinge liegen!" Sie liegen so, wenn man sie liegen läßt, wenn man nicht endlich und endlich darangeht, die Tätigkeit z>es Opernhauses mit Hilfe eines zweiten Gebäudes und einer Personalvermehrung zu erweitern und eine„Volksausgabe" zu veranstalten. Weiterhin bedeutete die Verteidigung hauptsächlich einen Schuh »eS Personals gegen eine Geringschätzung. Auch da ist sie im Recht: Sängerschar, Orchester usw. sind, wie wir oft genug betont haben. größtenteils aller Ehren wert. Aber zu was wird diese treffliche Armee verwendet? Welchen Einfluß haben die Kapellmeister? Sülsens Antwort gerade darauf zeigt deutlich, daß sie über die Ausgestaltung der einzelnen Aufführung hinaus eben nichts zu sagen haben. An anderen Opernbühnen wird das Ganze von einem Musiker oder—»nie durch Gregor erst an der Berliner„Komi- sehen Oper' und jetzt an der Wiener Hofoper— von einem speziell ,n der Darstellungsweise neu schaffenden Theatcrmann geleitet. Dem Berliner Opernhaus fehlt eben ein solcher Mann, oder ge- tKjuer: war' er da. so würde doch wieder jemand anderer der ��Geaen den Vorwurf der Vernachlässigung lebender deutscher O-Mponisten hieß«S unter anderem, Pfitzner sei mit dem„Armen 15 Jahren sogar erst 3,50 M.(Hört I hört! bei den Sozialdemo- traten.) Die Werkstattarbeiter haben im vorigen Jahre ein Durch- schnittSeinkommcn von 1221 M. gehabt, die Roltenarbciter gar nur 874 M., dabei betrug die D u r ch s ch ni t t s z a h l der Familien fünf Köpfe. All' dieS ist in einer Petition der Ar- beiter festgestellt, die die Reichseisenbahnverwaltung eingehend studieren sollte. Ueber die Petition der Beamten schlägt die Kommission vor, zur Tagesordnung überzugehen. DaS halten wir nicht für richtig, denn besonders die unteren Beamten sind bei der Besoldungsreform sehr schlecht weggekommen. Wir beantragen, diese Petitionen der Regierung als Material und die Petitionen der Arbeiter der Regierung zur Berücksichtigung zu über- weisen.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Eisenbahnminister v. Brcitendach: Wenn die Verhältnisse der Arbeiter wirklich so schlecht wären, wäre es nicht zu verstehen, daß wir ständig auch bei steigender Konjunktur ein so großes Angebot von Arbeiter» bei den Reichseisenbahnen haben. In der Tai hat sich die Verwaltung immer den Verhältnissen des Marktes angepaßt und es sind ständig recht erhebliche Lohnerhöhungen erfolgt. Ich kann auch für die Zukunft erklären. daß bei steigender Konjunktur die Verwaltung den Lohnmarkt kontrollieren und soweit erforderlich, Lohnaufbesserungen eintreten lassen wird. Die durchschnittliche tägliche Dauer der Dienstschicht ist ständig zurückgegangen. Auf Ueberlastung des Personals sind bei uns Eiseubahnunfälle nie zurückzuführen gewesen.— Die Benutzung von Güterwagen für Reisende IV. Klasse kommt leider noch ab und zu vor; da' wird bei Vermehrung des Wagenparks hoffentlich bald ganz aufhören.— Iii bezug auf den bedauerlichen Unfall der Streckenarbeiter, den Herr Bühle erwähnte, muß ich leider feststellen, daß in diesem Falle der Vorarbeiter die Ausstellung von Posten, entgegen der Weisung, unterlassen hatte.— Die drei Tage Karenzzeit bei der Eisenbahnbetriebskasse können nicht beseitigt werden. Die Kasse hatte sie früher nicht, kam aber dadurch an den Rand deS Bankrotts.— Der ortsübliche Tagelohn wird ganz unabhängig von dem Willen des Präsidenten der Generaldirektion festgesetzt. Die Verteilung von Schriften des Reichsverbandes unter den Eisenbahnarbeitern kann ich als unangemessen nicht bc- zeichnen. Abg. Wctzel(natl.) freut sich über das Zustandekommen der Wagcngemeinschaft und beschwerte sich über die Umleitungen beim Gülcrvcrlehr, durch die Württemberg geschädigt werde und die nicht dem bundesstaatlichen Charakter des Reiches entsprächen. Abg. Carstens(Vp.j: Ich möchte den Chef der lljeichseisenbahn- Verwaltung einmal fragen, wie er zur Frage der Fahrkarten- stcuer steht.(Sehr wahr! links.) Und wie stehr es mit der Presse- zeusur auf den Bahnhöfen? Wir haben selbstredend nichts gegen den Ausschluß der Schundliteratur. Aber was heißt„staatsfeindlich und was heißt„unsittlich"? Fürst Bülow war der Ansicht, daß die Mehrheit, die die Erbschaftssteuer verwarf, staatsfeindlich gehandelt hat. Soll deshalb die Presse des schwarzblauen Blocks von den Bahnhöfen ausgeschlossen werden?(Heiterkeit und Sehr gut I links.) Und was den„SimplicissimuS" betrifft, so ist scharfe Satire jedenfalls besser als die Gemeinheiten einer gewissen Sorte Revolverpresse.(Lebhafte Zustimmung links.)— Die Arbeiter- Verhältnisse haben Isich, wie ich gegenüber dem Kollegen Bühle hervorheben möchte, gebessert; aber sie sind weit davon ent- fernt ideal zu sein. Es ist bedauerlich, daß die Eisenbahnverwaltuug der Durchführung des Neunstundcntages in den Eisenbahnbetriebs- Werlstätten so ablehnend gegenübersteht.— Für die Arbeiter- Wohnungen sollten größere Mittel in den Etat eingestellt werden. — Da den Eisenbahnarbeilern kein Strcikrecht zugesprochen werden kann, muß um so mehr für die Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage gesorgt werden.(Beifall links.) Eisenbahuminister v. Breitenbach verweist gegenüber dem Abg. Wetzet aus die fortschreitende Vereinheitlichung deS deutschen Eisenbahnwesens.— Eine Reform der Fahrkartensteuer ist allerdings wünschenswert; ein Gesetzentwurf, der die auf diesem Gebiete zu- tage getretenen Mißstände beseitigt, dürfte dem Hause in der nächsten Session zugehen.— Auf die Bestimmungen betreffend den Verkauf von Zeitungen und Zeitschriften auf den Bahnhöfen hat die Reichs- eisenbahnverwaltung keinen Einfluß, sondern das ist Sache der allgemeinen Landesverwaltung.— Ich bin völlig mit dem Abg. Carstens darin einverstanden, daß die Eisenbahnarbeiter das Koalitionsrecht, aber nicht das Streikrecht besitzen diirsen. Abg. Behrens(wirtsch. Vg.): Auch ich bin mit dem Minister und dem Abgeordneten Carstens der Ansicht, daß die Koalitions- fteiheit der Eisenbahnarbeiter nicht auch das Streikrecht einschließt.— In bezug auf die Lohnvcrhältnisse sind Fort- schritte zu verzeichnen, doch bleibt noch manches zu tun übrig. Redner regt eine Statt st i? über die Arbeiter- a u s s ch ü s s e bei den Reichseisenbahnen an und bittet den Minister, wohlwollend zu erwägen, ob nicht den Arbeitern nach einer Heinrich" 1900/01 dreimal zu Wort gekommen, und andere so und so oft.„Sämtliche Opern mußten wegen mangelnden Erfolges wieder abgesetzt werden." Die Berliner Opernleitung ist mindestens mit schuft»'daran, daß einer der größten, Hans Pfitzner. nicht zur Geltung kam und Berlin verließ, um nun in Straßburg sich weiter zu muhen, Jahre 1895 wurde das genannte Erstlingswerk des damals 20-, jetzt 42jä,hrigcn Komponisten» zu Mainz herausgebracht. Im Jahre 1898 konnte zu Berlin jeder für Musik Interessierte wipen, daß Pfitzner in der Arbeitszeit, die ihm vom Lektionen- geben freiblieb, an seiner„Rose vom Licbesgartcn" schuft und sie nrckit etwa iust dem Opernhaus vorenthielt. Am 18. und 19. März 1900 wurden Stückchen aus der„Rose" in einem Konzerte des „Vereins zur Förderung der Kunst" aufgeführt, mit einem auf- schlußreichen Programmbüchlein. Am 10. Dezember 1900 fand die Berliner Premiere des inzwischen auch über Mainz hinaus auf- «c führten„Armen Heinrich" statt, mit einem entschiedenen Erfolg. dem untere und andere kritische Sitmmen nichts wegnehmen konnten und wollten. Dann trat die„Rose" ihren Siegeszua an von Elberfeld 1901 aus, in wertem Bogen um Berlin herum...' Mit einem gssyrisch-brandeuburgischen Marlgrafen-Festspicl hat es besagter reiner Tor allerdings noch nicht versucht. si Kleines feuilletofl. NnvervrcnnSarcs Zelluloid. Die furchtbare Brnndkatastrophe in New Uork, die mehr als 200 Opfer an Toten und Verwundeten ae- fordert hat. ist wiederum, wie so oft, die Folge einer Entzündlina oder Explosion von Zelluloid gewesen. Immer von neuem zeigt sich, wie außerordentlich gefährlich daS exvlosible und leicht ent- flammbare Zelluloid>n großen Geschäftsgebäiideir ist. und die In- dustrie sucht andauernd nacki Mittel», diese Gefahren zu vermindern Seit 1901 beschäftigt sich der Chemiker Dr. A. Eichengrün mit der Herstellung emeS Stoffes zum Ersatz des Zelluloids, der äh»,liche Eigenschaften besitzt, ohne ebenso gefährlich zu sein. Im Prinzip eignen sich dazu die Verbindimgen von Zellstoff(z. B. Baumwolle) mit Essigsäure, die den wissenschaftliche» Namen Zelliiloseazetal führen Es gibt eine ganze Reihe von verschiedenen Zelluloseazetaten die teils in Chloroform, teils in Azeton, teils in Essigäther, teils in Sprit löslich, teils aber in den gleichen Lösiingsinilteln vollkommen unlöslich sind. Ein bestimmtes, in Azeton lösliches Zellulosen-etat. der Celli t. hat sich bisher als das technisch brauchbarste Produkt erwiesen. Während es relativ leicht gelvesen ist, aus Celli: dünne Folien von großer Festigkeit herzustellen, ans denen der unver- brennbare Kinematographenfilm hergestellt wird, ist es bis jetzt ebensowenig aus Cellit, wie aus irgend einen: anderen Produkt gelimgen, zelluloidartige Tafeln und Platten herzustellen. Der Grund hierfür liegt hauptsachlich in dem ungünstigen Verhalten der Lösungen, die zur bestimmten Dienstzeit die Boamteneigenschaft_ verliehen werden könne.— Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse� in den Bahnhofs» wirtschaften lassen außerordenlich zu wünschen übrig. Eisenbahnminister v. Breitenbach sagt zu, die Wünsche dkS Bor« redncrS nach Möglichkeit zu erfüllen. Ein Schlußantrag wird angenommen. Beim Kapitel Besoldungen weist Abg Emmcl(Soz.) darauf hin, daß für die U n t e r b e a m t e n nicht genügend gesorgt sei. Das beweist die große Anzahl von Petitionen dieser Unter» beamten. Wir können, wie gesagt, dem Antrag der Budgetkommission auf Uebergang zur Tagesordnung über diese Petition nicht zu» stimmen, sondern beantragen, sie der Regierung zur Erwägung zu überweisen. Besondere Berücksichtigung verdienen auch die Alt» Pensionäre, sie sollten mit den später pensionierten Beamten gleich» gestellt werden.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Hormann(Vp.) tritt für die Herabsetzung der Dienstzeit der Lokomotivführer ein. Minister v. Breitenbach wendet sich gegen die AuSführnngen des Abg. Hormann. Es folgt der Titel»Löhne der Arbeiter'. Abg. Emmel(Soz.) DaS Streikrecht steht den Eisenbahnarbeitern ebenso gut za tvie allen anderen. Niemand kam: ihnen das Recht nehmen, nicht zur Arbeit zu gehen, sich unwohl zu fühlen. Wenn sie von diesem Recht Gebrauch machen, so kommt das auf genau dasselbe heraus, als wem: sie das Swcikrccht haben. Wir müssen protestieren dagegen, daß man den Eiseubahnarbeitern dies Recht wegdiskulieren ivill, wie das die Herren Behrens und C a r st e n s getan haben. Sie haben damit den Minister der Notwendigkeit ent- hoben, gegen das Streikrecht der Eisenbahner aufzutreten, wie er eS früher immer für nötig hielt. Auch von ganz neutralen Vereinen der Eisenbahnarbeiter verlangt man Einreickung der Tagesordnung und läßt ihre Bereinssihungcn von höheren Beamten bespitzeln. Zu einer Delegiertenversammlung wollten gleich vier Beamte Zutritt haben, sie wurden ober nicht zugelassen. Beamte, die sich zu solcbeu Spitzeldiensteu hergeben, sind ni cki t die besten. Die Arbeiter suhlen sich in ihren Staatsbürgerrechten beeinträchtigt, wenn man sie in dieser Weise bespitzelt, auch wird das Vertrauen der Arbeiter zu den Beamten dadurch sicher nicht gehoben. DieS ganze System der Bespitzelung der Arbeiter ist verwerflich.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraren.) Aus den Ausführungen des Herrn Behrens mutz ich schließen, daß seine Freunde bereit sind, die Eisenbahnarbeiter aus dem Arbeitskammergesetz auszuschalten. Er sollte sich deutlicher darüber aussprechen. Die Rede des Herrn Carstens war eine Art Echter» n acher Springprozession.(Sehr gut! bei den Sozial- demolratcn.) Daß die Verwaltung an der Festsetzung der orts- üblichen Tagelöhne in der Tat beteiligt ist, geht aus einer Ver- öffen:lichung des Bezirkspräsidenten des Unterelsatz von 1909 hervor, wonach die Regelung der ortsüblichen Tagelöhne„in Ueberein- stimmung mit den Intentionen der Reichs- regier» ng" erst nach Inkrafttreten der Reichsversicherungsordmmg erfolgen könne.(Hört l hört l bei den Sozialdemokraten.) Die ReichSeiseubahnverwaltuug ist doch auch ein Teil der Reichs- Verwaltung.— Wie in der Kommission verwies der Minister auch hier wieder auf den großen Andrang von Arbeitern znr Eisenbahn. Aber es fragt sich noch, ob dieser Andrang ebenso groß ist wie bei anderen Berufen. Und wenn das auch der Fall wäre, so wäre eS ja verständlich, daß die Arbeiter für die größere Sicherheit des Arbeitsverdienstes geringere Löhne in Kauf nehmen, aber eine Musteranstalt dürfte doch diese Notlage der Arbeiter nicht ausnützen, um die Löhne herabzudrücken.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Daß die Durchschnittslöhne in den letzten Jahren gestiegen sind, beweist»ich:s, da die Preise der Lebens- b e d ü r f n i s s e mindestens in demselben Prozentsatz gestiegen sind. Ein erfreulicher Erfolg der Debatte ist es, daß der Minister sich hier nicht mehr wie in der Kommission scharf gegen jede Lohnerhöhung in Zukunft ausgesprochen hat. Ich erwarte aber, daß die Parteien, die das Ungenügende der jetzigen Löhne anerkannt haben, dann auch für unseren Antrag stimmen werden, die betreffenden Petitionen der Regierung zur Berücksichtigung zu überweisen.— Der Herr Minister hat dann eine Lektüre sozialdemokratischer Zeitungen als unangemessen für die Arbeiter hingestellt. Präs. Graf Schwerin-Löwitz: Das hat mit dem Titel„Bezüge und Löhne' nichts zu tun. Abg. Emme!: Die Arbeiter beschaffen sich doch mit ihren Löhnen die Lektüre.(Große Heiterkeit.) Präs. Graf Schwerin: Der Zusammenhang ist aber doch zu lose. Abg. Emmel: Dann will ich nur noch die Erwartung aussprechen, daß der Minister seine Mißbilligung über das Verhalten des Be- Bildung von sirupnrtigen oder pastenförmigen Massen neigen und infolgedessen technisch unbrauchbar sind. Den Zelluloseazetaten fehlte bis jetzt die Haupteigenschaft, die die Fabrikation von Zelluloid auS Nitrozellulose so sehr erleichtert: das GelatinierungSvermögen, das eine mechanische Weiterverarbeitung zuläßt. Neuerdings hat nun Eichen- grün einen Weg zur Herstellung von Zelluloseazetatlösungen ge- funden, die mit Leichtigkeit gelatinieren und mit Hilfe deren eS moa- lich ist, eine plastische Masse herzustellen, die sich ebenso wie Zelluloid in Form von Blöcken bringen und zu Stäben, Platten und Röhren schneiden und walzen läßt. DaS Material unterscheidet sich äußerlich in nichts von dem gewöhnlichen Zelluloid; eS läßt sich Ivie dieses sögen, fräsen, pressen, formen und blasen; eS lassen sich alle Färbungen und Qualitäten herstellen. Vom Zelluloid unter- scheidet sich das neue Material, C c l l o n genannt, in typischer Weise jedo»ch dadurch, daß es vollkommen unverbrennlich ist und bei der Berührung mit einer offenen Flamme lediglich schmilzt. Cellon läßt sich in jeder Art färben; man kann daraus Schildpattimitationen machen; geblasene Gegenstände, insbesondere Kinderspielzeug. unterscheiden sich äußerlich in nichts von den bis« herigcn Produkten. Cellonblöcke werde» bereits betriebsmäßig hergestellt. Der neue Stoff ist auch zur Herstellung von Lösungen»nd Lacken geeignet. Auf diese Weise lassen sich relativ billige dünn- flüssige Lacke für Lackierung oder Ernailliernng von Leder, Holz, Metall sowie auch JmprägnierungSfliissigkeiten sür Papier. Gewebe, Kartons usw. herstellen._ Notizen. — Theaterchronik.„Medusa", Tragödie von HanS K h s e r, wird, da eine Wiederholung im Moderne» Theater nicht möglich:st. im Neuen S ch a u s p i e l h a u s e am Sonntag in der Besetzung der Premiere wiederholt. *- A« s dem Panoptikum ins Museum. Kürzlich wurde im Pariser Musöe Carnavalet. da? so viele interessante Er- innenmgen an die Revolutionszeit beherbergt, ein neuer Saal er- öffnet. Die meiste Aufmerksamkeit erregte darin eine WaibSmaske RobeSprerreS, dre ern Sohn deö bekannten Republikaners JuleS Simon dem Museum vermacht hatte. Sie war angeblich sofort nachdem das Haupt des Revolutionärs in den Korb gefallen war' angefertigt worden. Nun stellt aber ein Herr Liaume in Antwerpen fest, daß die gruselig naturalistische Maske aus— Ca stasi s P a n o p t i k u m stammt. Castan hat sie in den siebziger Jahren in Brüssel angefertigt und später Liaume geschenkt. der"sie später dem jungen Sunon Verehrte, ohne ihm den Ursprung bekanntzugeben. da'hm die gelehrten Diskussionen über die Maske viel Spaß machten. Und d,e, er Bosheit setzt er jetzt durch seine Enthüllung d« Krone ans. Die Verwaltung hat aber die entthronte Büste aus d-n««SMungSsalen entfernt.(In Berlin gewährt man hingegen unechten Sachen Ehrenplatze; vergl. die Florabüste.) amten ausspricht, der einen Dievstakil milder beurteilte «IS Betätigung sozialdemokratischer Gesinnung. Diese Aeußerung ist so unerhört, das; ich nicht annehmen kann, das; der Minister damit einverstanden ist.(Bravo! bei den Sozial- demokraten.) Abg. Hauß(3.) Wünscht eine Revision der Lohnverhältnisse der Rottenarbeiter. Abg. Behrens(Wirtsch. Vg.): Die Hereinbeziehung der Eisen bahner in die Arbeitskammern wird nicht durchführbar sein, da die Regierung sie absolut ablehnt. Unter diesen Umständen habe ich mich für eine Zentralisation der Arbeiterausschüsse ans- gesprochen.— Das Streikrecht hat für die Eisenbahner keinen prak- Aschen Wert, iu, cS kann zu einer Gefahr für sie werden. Er- scheinungen wie bei dem Eisenbahnerstrcik in Frankreich liegen nicht im Interesse der BolkSwirtschaft. des Staates und auch nicht der Arbeiter. Das Wort„Generalstreik ist Generalnnsinn" stammt übrigens aus dem Wortschatz der sozialdemokratischen Bewegung. (Hört! hört! rechts.) Minister v. Brcitenbach: Herrn E m m e l fehlt jedes Berständniö dafür, daß zwischen der Verwaltung und den Arbeitern ein V e r- traue 11 sverhältnis bestehen must. Daher ist es notwendig. daß die Verwaltung informiert wird, wenn die Arbeiter sich in Versammlungen zusammenfinden. Der überwiegende Teil der Arbeiter hat dafür auch volles Verständnis. Enlsckieden protestieren mufi ich dagegen, dafi die Beamten, die in dieser Weise ihre Pflicht erfüllc«, als Spitzel bezeickmet werden.(Bravo! rechts.) Die Aeusterung des Beamten, der Betätigung sozialdemokratischer Gesinnung und Diebstahl in Verbindung brachte, habe ich bereits geniigbilligt. Abg. Carstens(Vp.) schlicht sich in der Frage des Streikrechts der Eisenbahner dem Abg. Behrens an. Die Majorität der Eisen- bahnarbeiter ist gegen ein Streikrecht. Abg. Emmel(Soz.): Abg. Behrens huldigt der sonderbaren Ansicht, daß wegen des französischen Eisenbahnerstreiks den deutschen Eifenbahnarbeitern das Streikrecht genommen werden müsse. Es gibt gar kein be- sondercs Slreikrecht, das, was man so nennt, ist nur eine Kon- sequenz deS allgemeinen K 0 a l i t i 0 n s r c ch r s. Derselben irreführenden Verwechslung huldigt der Abg. Carstens. Die deutschen Eisenbahnarbeiter haben dasselbe Recht wie die anderen Arbeiter auf volle und unumschränkte Koalitionsfreiheit. — Der Minister sprach in hohen Tönen von dem gegenseitigen Vertrauen, das zwischen der Eisenbahnverwaltung und ihren Arbeitern besteht. Wenn dem so ist. warum dann diese Ucberwachung, diese Bespitzelung der Arbeiterversammlungen? Wenn man glaubt, mit solchen kleinlichen Maßnahmen die Sozialdemokraten aus den Eisenbahnwerkstätten fernzuhalten, so irrt man sich. Und wenn der Minister sich über den Ausdruck„Spitzel" beklagt, so erwidere ich: so lange sich Leute finden, die sich zu Spitzeldiensten her- geben, so lange müssen sie sich auch gefallen lassen, als Spitzel bezeichnet zu werden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir Sozialdemokraten werden uns jedenfalls das Recht nicht nehmen lassen, die Dinge beim rechten Namen zu nennen. Der Minister aber täte gut, mit diesem System der moralischen Korruption zu brechen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Werner(Antis.) bittet um Besierstellung verschiedener Beamtenkategorien, besonders der Beamten in den Abfertigungs- ämtern.„ Der Rest des ordentlichen Etats der Reichselsenbahnen wird nach unwesentlicher Debatte bewilligt. Beim außerordentlichen Etat wünscht Abg. Göring(Z.) Verbesserung der Bahnverbindungen zwischen dem Reichslande und der baherischen Pfalz... Minister v. Brritenbach erklärt, daß bereits mehrere Limen pro- jektiert seien... � Abg. Haust(Z.) führt Klage darüber, daß bisweilen Wagen 4. Klasse einfach dadurch in Wagen 3. Klasse verwandelt werden, daß man Schilder mit entsprechender Ausschiist anbringt. Abg. Dr. Spahn jim.- Warburg(Z.) wünscht Aenderungen im Gütertarif. Es liegt in der Hand der ReichSeisenbahnverwaltung, durch geeignete Maßnahmen Straßburg die kommerzielle Hegemonie ini Reichslande zuzuwenden, die ihm gebührt und die zurzeit von Mannheim okkupiert ist. Manche Klagen des Abg. B ö h l e sind übertrieben, aber wahr ist, daß es gut täte, wenn ein srt scher Z u g in die Verwaltung der Reichseisenbahnen käme. Minister v. Breitendach verspricht sein möglichstes zu tun, um UM die Interessen der Stadt Straßburg zu fördern. Abg. Gothein(Vp.): Wir wünschen gewiß Elsaß-Lothringen die möglichste wirtschaftliche Entwicklung, aber einen solchen partiku- l a r i st i s ch e n Egoismus,»vie ihn Herr Spahn vertreten hat, können wir doch nicht billigen. Herr Spahn hat geradezu eine Depossedierung Mannheim? zugunsten StraßburgS verlangt, eine solche Verkehrsverschiebung können wir nicht wünschen. Abg. Birkenmayer(Z.) polemisiert gleichfalls gegen den Abg. Spahn und verteidigt sein badisches Vaterland, das stolz darauf sei, die besten Bahnen zu haben. Abg. Dr. Spahn(Z.) betont, eS habe ihn, fern gelegen, irgend etwas gegen Baden zu sagen, er bewundere die badische VerkebrS- Politik. Aber Verkehrsverschiebungen kämen in der modernen Zeit häufig vor. Damit ist der Etat erledigt. Es folgen die Petitionen. Berichterstatter Abg. Will(Elf.) wendet sich gegen den Antrag A lb r e ch t(Soz.). einige Petitionen von Eisenbahnarbeitern zur Berücksichtigung zu überweisen. DaS habe nur einen Sinn, wenn man auch die nötigen Mittel bewilligen wolle. Abg. Böhle(Soz.): Auf diesen Gesichtspunkt haben wir noch bei keinem einzigen Etat Rücksicht genommen. Ich bitte Sie, unserem Antrage zuzustimmen. Der Antrag A l b r e ch t wird abgelehnt, die Petitionen werden zur Erwägung überwiesen. Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung: Mittwoch 12 Uhr.(Reichseisenbahnamt, Reichs- >. Zölle usw.)_ Schluß 7 Vi Uhr. !e beleidigte Polizei und der ab- geschnittene Blahrheitsbeweis. Nach den Feststellungen der dritten Strafkammer sind Polizei- beamie in Moabit in einer größeren Zahl von Fällen mit Säbeln, Knüppeln, Fäusten und rohen Schimpfworten gegen das Publikum vorgegangen. Aber„der Ehrenschild der Polize, ist blank" sagte Herr v. Jagow. Er hält eS deshalb für einen Frevel an der mit so blankem Ehrenschild einhcrgehenden Polizei, wenn jemand eine Bemerkung macht, die als Beleidigung von Polizeibeamten aufgefaßt werden könnte. Wer so den blanken Ehrenschild der Polizei zu trüben wagt, der muß ins Gefängnis, denkt offenbar der Polizeipräsident. Demgemäß hat er wegen öffentlicher Beleidi- gung von Kriminalbeamten Strafantrag gestellt gegen Genossen Werniuth als verantwortlichen Redakteur des »Vorwärts".... In einem am 2. November erschienenen Artikel über die Vor- g S n g e am W e d d i n g soll die Beleidigung enthalten sein. In T,em Artikel mit der Ueberschrift„Am Wedding Ruhe und Regen" wird gesagt, pünktlich nach Schluß des Morgensternschen Geschäfts fänden sich immer noch die Knüppelgardisten ein, die sich als Doppel- Posten an dunklen Stellen, in Nischen und Fluren verteilten, un- genannt und doch wohlbekannt. Durch den Ausdruck. Kuüppelgardi st en" sollen die Kriminalbeamten beleidigt sein. Mermuth, der sich gestern des- wegen bor der 10. Straskammer zu verantworten hatte, sagte: Ge- meint sind mit der Bezeichnung„Knüppelgardisten" die Leute, welche am Wcdding mit Knüppeln auf das Publikum einschlugen. Wenn unter diesen Leuten Kriminalbeamte waren, dann sind diese natürlich auch gemeint. � Mermuths Verteidiger, RechtSanwaltWolfgangHeine, hatte eine größe Anzahl von Zeugen, etwa 30. geladen, die be- künden sollen, daß sich Kriminalbeamte am Wedding in der Tat so benommen haben, daß die Bezeichnung„Knüppelgardisten" für sie nicht zu scharf ist. Derartige Borgänge sind in der vorhergegangenen Nummer des„Vorwärts" geschildert und darauf bezieht sich der unter Anllage gestellte Ausdruck in der Nummer vom Tage darauf. Die von der Verteidigung geladenen Zeugen sollten in der Hauptsache die Richtigkeit dessen bestätigen, was in dem Artikel vom 1. November behauptet worden ist, außerdem aber eine Reihe genau angegebener ähnlichen Fälle. Auf Antrag des Rechts anwalts Heine wurde auch dieser Artikel, soweit er für den vor- liegenden Fall in Frage kommt, verlesen. Der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Krüger be merkte, es handele sich darum, ob die Zeugen überhaupt vernommen werden sollen. Rechtsanwalt Heine: Sie müssen gemäß ß 244 der Strafprozeßordnung vernommen werden, denn ich habe sie geladen und sie sind zur Stelle. Erster Staatsanwalt Stein brecht widersprach der Zeugenvernehmung. Die Anklage sei nur wegen formaler Be- leidigung erhoben. In diesem Falle sei das Gericht, wie daS Reichs- gericht entschieden habe, nicht gezwungen, die von der Verteidigung geladenen und erschienenen Zeugen zu hören. Es könne z u- gegeben werden, daß der Angeklagte geglaubt habe, Kriminal- beamte hätten von ihren Stöcken Gebrauch ge- m a ch t. Ob solche Verfehlungen wirklich vorgekommen sind, das sei für diesen Prozeß unerheblich. RechtSainvalt Heine beantragt die Vernehmung der Zeugen und führt dazu aus: Ich weiß, daß das Reichsgericht ge- sagt hat. das Gericht dürfe„im Jmereffe seiner Würde" auch die Vernehmung der von der Verteidigung geladenen und er- schienenen Zeugen ablehnen, wenn deren Bekundungen in gar keinem Zusammenhange mit der Sache stehen. Im Interesse seiner Würde", das heißt also. wenn, was sich wohl denken läßt, Zeugen lediglich aus Unfug, um das Gericht zu verhöhne», geladen werden sollten. Im vorliegenden Falle kann das von der Staatsanwaltschaft angezogene Reichsgerichtsurteil nicht angewandt werden. Das hat da» Reichsgericht selbst mit größter Entschiedenheit ausgesprochen in dem Radbodprozeß gegen den Redakteur der.Bergarbeiterzeitung". Dort hatte die Straf- kammer, weil nur wegen einer einzelnen beleidigenden Behauptung Strafantrag gestellt worden war, den W a h r h e i t S b e w e i s für die Zustände in der Grube zuerst abgelehnt. Das Urteil wurde vom Reichsgericht aufgehoben und im zweiten Prozeß mußte der Wahrbeitsbeweis in vollem Umfange stattfinden.— Hier liegt nun die Sache so: Am 1. November hat der„Vorwärts" unter der Ueberschrift„Die Knüppelgarde" ganz konkrete Vorgänge mit- geteilt. Es ist recht charakteristisch, daß der Polizeipräsident wegen dieses Artikels keinen Strafantrag gestellt hat. Ich habe in der Voruntersuchung auf diesen Artikel hingewiesen, um den Polizei- Präsidenten zur Stellung eines Strafantrages zu provozieren. Wenn trotzdem kein Strafanlrag gestellt wurde, so geschah das nicht ohne Absicht. Nur wegen des Artikels vom 2. November, der auf den vorhergegangenen Artikel Bezug nimmt, ist Strafantrag gestellt worden, in der Hoffnung, daß nnS der Beweis dasiir, daß Kriminalbeamte am Wedding sich so benommen haben, daß sie die Bezeichnung„ Knüppelgardisten" verdienen, abgeschnitten werden könnte. Glücklicherweise gibt die Strafprozeßordnung noch Schutz gegen solche willlürlichen Ver- schiebungen der tatsächlichen und rechtlichen Grundlage eines Straf- Prozesses. Wenn bewiesen werden kann— und wir können es be- weisen— daß sich Kriminalbeamte so benommen haben, wie der „Vorwärts" angegeben hat, dann ist der Ausdruck„Knüppelgardisten" für diese Leute überhaupt keine Beleidigung. Wer mit Knüppeln grundlos und wahllos um sich haut, der ist eben ein Knüppelgardist. ES mögen unter den Leuten, die aus daS Publikum eingehauen haben, auch Vigilanten ohne Beamtencharalter gewesen sein. Aber sie standen doch im Dienste der Polizei. Ein Teil der Leute aber, die dort postiert waren, wo sich diese Dinge abspielten, waren Bcainte. ÄuS diesen Gründen kann uns der Wahrheitsbeweis gar nicht abgeschnitten werden. Sollte es dennoch geschehen. dann ist das Ergebnis lediglich, daß die Zeugen statt heute erst in einigen Monaten vernommen werden, nachdem das Reichsgericht daS Urteil aufgehoben haben wird. Der Verteidiger überreicht dem Gericht das Original des Reichs- gerichtserkenntnisseS in Sachen des RadbodprozesfeS gegen die»Berg- arbeitcrzeitung". Gerichtsbeschluß. Nach längerer Beratung deS Gerichts verkündete der Vorsitzende: Die Vernehmung der Zeugen wird abg elehnt, weil die Tat- fachen, die sie bekunden sollen, in keinem Zusammenhang mit der unter Anklage gestellten Beleidigung stehen und auch für daS Straf- maß von keiner Bedeutung sind. Erster Staatsanwalt Steinbrecht führt aus, das Wort„Knüppelgardisten", auf Kriminalbeamte angewandt, sei un- bedingt beleidigend, denn es enthalte die Behauptung, daß Beamte mit Knüppeln geschlagen hätten. ES sei anzunehmen, daß der An- geklagte geglaubt habe, daß Kriminalbeamte mit Stöcken ge- schlagen haben, aber das gebe ihm kein Recht, sie al« Knüppel- gardisten zu bezeichnen. Der Ausdruck sei für die Kriminalbeamten mn so mehr beleidigend, als sie dadurch denZHintzeschen Streikbrechern gleichgestellt werden, die der„Vorwärts" schon verher als Knüppel- gardisten bezeichnet habe. Der Staatsanwalt beantragte eine Geld- strafe von 200 Mark sowie Publikation des Urteils im„Vorwärts" und im„Lolal-Anzeiger". �_ Rechtsanwalt Heine beanttagt Freisprechung. Der Staatsanwalt selbst habe die«nllage nur damit begründen kvimen, daß der Artikel die talsächliche Behauptung enihalte. die Kriminal- schutzleute, für die Strafantrag gestellt sei. hätten geprügelt. Dieser Beweis hätte der Verteidigung obgelegen und sie hatte ihn fuhren wollen. Nachdem die Vernehmung der Zeugen abgelehnt worden sei, gäbe es leine andere Möglichkeit als die Freisprechung des An» geklagten. Wenn das Gericht nicht auf dem Standpunll steht: Es ist wahr, daß Kriminalbeamte geprügelt haben, dann �hätte es unsere Beweise nicht ablehnen kvimen. Der Verteidiger erklärte: Ich will nach dieser Beschränkung der Verteidigung hier nicht darüber reden, ob der Ausdruck„Knüppelgardisten" beleidigend ist. Ich hätte be- weisen können, daß tatsächlich„Knüppelgardisten" ai, dem fraglichen Ort tätig waren. Nachdem der Beweis für diese Behauptung abgeschnitten ist. denke ich nicht daran, heute hierüber noch etwas zu sagen. Ich werde darauf zurückkommen, wem, wir wieder in dieser Sache vor dieser Instanz stehen, und nur noch einige Bemerkungen über das Strafmaß machen. Die vom Staatsanwalt erwähnte Vorstrafe deS Angeklagten wegen Beleidigung kann zur Begründung des beantragten Straf- maßeS nicht herangezogen werden. Hier liegt die Sache so: Es sind Roheiten vorgekommen und der Angeklagte hat seine Schuldigkeit getan, indem er sie kennzeichnete. Wegen deS Artikels, in dem diese Roheiten im einzelnen angeführt werden, ist kein Strafantrag gestellt. DaS Gericht sollte doch der Polizei nicht zu Hilfe konimen, wem» sie keinen Strafantrag stellte in dem Falle, wo sie die Aufklärung polizeilicher AuSschreituiigen befürchtet, sondern nur in dem Falle Bestrafung fordert, wo sie glaubt, diese Feststellung verhindern zu können. Das Verfahren der Polizei ist so durchsichtig, daß über den Zweck desselben sich kein Mensch täuschen kann. DaS Gericht wird zu der Meinung kommen müssen: Wenn die Polizei in dem ersten Artikel keinen Anlaß fand, Strafantrag wegen Beleldiguilg zu stellen, dann liegt erst recht kein Anlaß vor. in dem zweiten Artikel eine Beleidigung zu erblicken und den Angeklagten deswegen zu bestrafen. W e r m u t h, der das letzte Wort erhält, sagte unter anderem: Ich glaube nicht nur, wie der Staatsanwalt annimmt, daß Kriminal- beamte Leute aus dem Publikum geprügelt haben, sondem ich bin davon fest überzeugt durch Mitteilungen von Augenzeugcn und von Leuten, welche Prügel bekoininen haben. Der Beweis der Wahr- heit ist angetreten. Weim ich das Treiben der Kriminalbeamten mit zutreffenden Worten hätte bezeichnen wollen, dann hätte ich schärfere Ausdrücke als die Bezeichnung„Knüppelgardisten* ge« brauchen müssen. Daß ich diesen milden Ausdruck wählte, beweist, daß ich n i ch t die Absicht hatte, zu beleidigen, sondern tatsächliche Vorkommnisse zu kennzeichnen. Urteil. Das Gericht erkannte dem Antrage deS Staatsanwalts gemäß auf zweihundert Mark Geld st rase und Publi- kation des Urteils im„Vorwärts" und im„Lokal-Anzeiger". Bei der Urteilsbegründimg sagte der Vorsitzende: Das Gericht hatte sich nur zu beschäsligen mit dem Artikel vom 2. November. AuS welchem Grunde der Polizeipräsident wegen des Artikels vom 1. November keinen Strafantrag stellte, das geht das Gericht gar nichts an. Es kann zu dem Artikel vom 1. November rnckit Stellung nehmen und den Polizeipräsidenten nicht zwingen, Strafantrag zu stellen.— Der Ausdruck„Knüppelgarde", auf die Kriminalbeamten angewandt, ist„zweifellos" beleidigend. Was auch passiert sein mag, der Angeklagte durfte nicht die Kriminalbeamten niit diesem Ausdruck belege». Weder für die Schuld- noch für die Strassrage kommt iu Betracht, was Polizeibeamte angeblich getan haben. ».' Das Verfahren des Gerichts ist ein gröblicher Verstoß gegen die Gesetzesvorschrist, die von allen die wichtigste Garantie für die An» geklagten bildet. Wenn das Gericht mit seiner Auslegung recht hätte, würde jede Beweiserhebung willkürlich abgeschnitten werden können, denn die Behauptung, der Beweis, daß Schutzleute wie Kniippclhelden gehaust hätten, stünde„in keinem Zusammenhang" mit ihrer Bezeichming als „Knüppelgardisten", wird doch keinem Menschen von gesundem und ehrlichem Menschenverstände einleuchten. Uebrigens hat das Gericht ursprünglich selbst nicht so gedacht, denn der auf den 7. März, mittags 1 Uhr angesetzte Termin wurde ohne weiteres aufgehoben, als der Verteidiger anzeigte, daß er eine größere Anzahl Zeugen direkt laden werde, und daß die Zeit von Mittag an zu ihrer Vernehmung nicht ausreichen würde. Damals also sah das Gericht offenbar ein, daß es die geladenen und er- schienenen Zeugen verhören müsse. DaS BeweiZthema war auch bereits angegeben, so daß das Gericht nicht im Zweifel sein konnte, welcher Zusammenhang zwischen der Anllage und dem ZeugenbeweiS bestände. Unter dem Einfluß welcher Gründe das Gericht inzwischen seine Absicht geändert hat, können wir nicht wissen. Tatsache ist jedenfalls, daß schon vor dem Termin vom 23. März die Nichlvernebmung der Zeugen abgemacht gewesen sein muß, denn für diese Sache mit 30 Zeugen hatte daS Gericht eine ganze Viertelstunde Zeit angesetzt. Diese Beschränkung der Verteidigung wird ein Versuch bleiben, denn das Reichsgericht müßte sich in Widerspruch mit der gesamten bisherigen Rechtsprechung und dem Gesetz setzen. wenn es das Verfahren des Landgerichts gut heißen wollte. Aber daß schon jetzt ei» solcher Versuch ohne auch nur den Anschein einer stichhaltigen Begründung gewagt werden kann, ist ein Beweis, wessen man sich zu versehen hätte, wenn durch die Strafprozeßnovelle— wie Konservative und Zentrumsleute es wollen— das Recht auf Beweisaufnahme noch weiter in die Willkür— man nennt daS be» schönigend„billiges Ermessen"— deS Gerichts gestellt würde. Der heutige Prozeß»st ein schlagender Beweis gegen diejenige»», die immer von»Vertrauen in die Justiz" predigen. Hiid der parte!« Die italienische Partei und der Fall Bissolati. Der Gedanke GiolittiS, einen Sozialisten und zwar den Genossen Bissolati bei der Kabinettsbildung mit dem Posten des Ackerbauministers zu betrauen, hat in den italienischen Partei« kreisen bekanntlich großes Aufsehen erregt. Die dabei zutage ge- ttetene Mißstimmung hat wohl auf den Entschluß B i s s 0 l a t i S eingewirkt, das Portefeuille abzulehnen. Ueber die Stimmung in de» Parteikreisen vor der Ablehnung meldet uns unser römischer Korrespondent: Eine satirische Aeußerung fand die Stimmung bei dem Fest des Avanti", aus dem am LS. d. der IS. Jahrtag unseres Zenttal» organS feierlich begangen wurde. Die jungen Sozialisten führten da nämlich eine Gruppe vor. deren Komik sich selbst die Reformisten nicht entziehen konnten. Ein kleines Kerlchen in Generalsuniform, das inan sofort als Viktor Emanuel HI. erkannte, zog da an einer Leine einen langen hageren grauhaarigen Mann herum, durch dessen große Bissolatische Nase ein Ring gezogen war. Während der König einen Band von Marxen«„Kapital" unter den, Arme trug, hatte Bissolatt, der in Ministeruniform prangte, einen dürren Ast aus der Schulter, als Anspielung auf seine Rede auf dem Mailänder Parteitag, in der er die Partei einen dürren Ast genannt hat. Nachdem man die beiden herzlich ausgepfiffen hatte, umdrängte sie der Chor der Bittsteller, und sowohl die Majestät als die Exzellenz geruhten, allen Anstellungen und Unterstützungen zu der- sprechen. DaS Zentralkomitee der revolutionären und intransigenten Sozialisten, daS am 2S. d. MtS. über den Fall Bissolati beraten hat, hat eine Resolution angenommen, die sich gegen den Einttitt BissolatiS in das Ministerium wendet, weil die direkte Beteiligung der Partei an den Regierungsorganen der Bourgeoisie außerhalb berge- sunden und folgerichtigen sozialistischen Betätigung liegt. Die Haltung BissolattS laufe der Parteidisziplin und den Kongreßbeschlüssen zu- wider, auch handele es sich um kein persönliches Erpcriment. sondern der beabsichtigte Eintritt sei eine logische Folge des Programms und der praktischen Altion deS reformistischen Flügels der Partei. Im Schluß der Resolulion werden die Parteiinstanzen aufgefordert' zu der Frage klar und deutlich Stellung zu nehmen. AuS zahlreichen persönlichen Kundgebungen geht hervor, daß die Mehrzahl der Abgeordneten unserer Partei gegen den Eintritt von Sozialisten in das Kabinett ist. Erklärungen in diesem Sinne haben Prampolini. Morgari. Agnini, Marangoni und andere abgegeben. Tur ati, der zu Anfang gesagt hatte, daß man mindestens die Redultion der Militärausgaben auf die Hälfte ver- langen müßte, scheint sich langsam mit dem Experiment zu befreunden, allerdings ohne jeden Enthusiasmus. Was die Parteipresse betrifft, so spricht sich das Genueser „Lavoro" für Bissolati aus, die„Giustizia" von Reggio Emilia sehr energisch dagegen, desgleichen auch das Wochenblatt der Mailänder Reformisten, die„Battaglia". Die zahlreichen Wochenblätter der Provinzen sind in der Mehrzahl unzufrieden. Von Parteisektionen haben die von Neapel und Bologna be- reits gegen das Experiment Stellung genommen; die römische, bei der Bissolati organisiert ist, wird am Donnerstag die Frage be» handeln._ Aus den Organisationen. Im 19. sächsischen ReichStagSwahlkreise(Stell- berg-Schnceberg) wurde von der stark besuchten Parteiversammlung Genosse Georg Schöpflin-Leipzig, der jetzige Mandatsinhaber, einstinniiig als Kandidat zur bevoritehenden ReichstagSwahl wieder aufgestellt.— In derselben Parteiversammlung wurden die Partei- bciiräge, die bis jetzt monatlich auf 30 Pf. festgesetzt waren, mit großer Mehrheit aus wöchentlich 10 Pf. festgesetzt. Die Er- Hebung des ParteibeitraaeS in dieser Höhe soll ab 1. Juli 1011 ge- schehen. Run ist in Sachsen in allen 23 Wahlkreisen der Zehnpsennig- Wochenbeitrag einheitlich ein- und durchgeführt zum Nutzen der Finanzen, zum Besten der Agitation. Bei einer Gemeiuderats-Cesatzwahl in Bühl(Oberelsaß) für drei Mitglieder erzielten die Kandidaten der Sozialdemokratie 160— 200 Stimmen, die Kandidaten des Zentrums 203—226 und drei„unabhängige" bürgerliche Kandidaten 73— 118. Es findet nächsten Sonntags ein zweiter Wahlgang statt, bei welchem das relative Mehr entscheidet. Die Sozialdemokratie erzielte bei dieser Wahl, bei der sie selbständig vorging, fast eben so viel Stimmen, als ihre Kandidaten bei den Hauptwahlcn von 1908 auf einer geineinsamen liheral-sozjgliftischen Kandidatenliste erhalten hatten, ein Erfolg, der die Gründe noch unterstützt, die ohnehin für daS selbständige Vorgehen auch bei Kommunalwahlen spreche». Die Z entrumS stimmen sind gegen 1908 nicht unerheblich zurückgegangen._ Die Türkei ein politisches Asyl. Wie wir vor einiger Zeit berichteten, ist der rumänische Genosse Dr. R a k o w s I i aus seiner Heimat vertrieben und auf einem rumänischen Schiffe nach Konstantinopel abgeschoben worden. Schon vor seiner Ankunft intervenierten die türkischen Abgeordneten Vlachow, Wartkes und P a v a s s i a n bei der Regierung, daß Rakowski sich in Konstantinopel ungestört aufhalten könne. Nach der Ankunft RakowskiS bekam der türttsche Kammerpräsident Achmed Riza vom belgischen Abgeordneten Georges L o r a n d ein Telegramm, in dem auch er ersucht wird, für Rakowski einzutreten, Achmed Riza hat hierauf den Wunsch geäußert, Dr. Rakowski kennen zu lernen. Rakowski begab sich ins Abgeordnetenhaus, wo ihn Achmed Riza warm begrüßte und ihn in einem langen Gespräch zu trösten versnchte. Riza verwies darauf, daß auch er im Exil ge� Wesen sei und daS LoS der Exilierten kenne. Der Kammerpräsident versicherte Rakowski, daß er auf türkischem Boden keinerlei Unannehmlichkeiten haben werde und bleiben könne, so lange er wolle. Rakowski dankte und erklärte, er werde nur so lange bleiben, bis er sich etwas erholt habe, dann wolle er nach Rumänien zurückkehren, um seine Sache zu Ende zu führen. Die Sozialdemokratie in der Stadtverordnetenversammlung Stockholms. In der verflossenen Woche wurden die Kommunalwahlen in Stockholm beendet, bei denen die Hälfte der 100 Mandate des Stadlparlaments zur Wahl stand. Das Ergebnis ist, daß die Sozialdemokratie 11 Mandate gewann, mid zwar 8 von den Konservativen und 3 von den Liberalen. Sie hat danach 31 Vertreter in der Stadtverordnetenversammlung, während die Zahl der Liberalen von 27 auf 24, die der Konservativen von 63 auf 46 zurückgegangen ist. Der Erfolg ist um so höher anzu schlagen, als er auf Grund eines nach der Steuerleistung abgestuften Wahlunrechts errungen wurde, das dem einzelnen Wähler bis zu 40 Wahlstimmen gibt, und überdies die Arbeiterschaft gegenwärtig wirtschaftlich sehr herabgedrückt ist. Zür die Sozialdemokratie stimmten 15 022 Wähler, die im Durchschnitt je 10,03 Stimmen in die Wagschale werfen konnten, für die Konser- dativen stimmten 10 639 Wähler mit je 26,73 Stimmen, für die Liberalen 7829 mit se 17,94 Stimmen. Die Konservativen haben bei diesen Wahlen ihre seit langen Jahren innegehabte absoluteMehrheit eingebüßt, und zwar lediglich infolge des unaufhaltsamen Vordrängens der Sozialdemokratie, die jetzt, nachdem durch die Beseitigung des alten hundertgradigen Wahl» Unrechts den Arbeiterwählern etwaS mehr Sttmmrecht gegeben wurde, es doch in den Gemeinden zu einer einigermaßen starken Vertretung bringen kann._ Ein Trauerfall in der schwedischen Sozialdemokratie. Die Arbeiterschaft Stockholms hat am Sonntag unter außer ordentlich zahlreicher Beteiligung den Genossen Ernst Blomberg zu Grabe geleitet, der seit dem Jahre 1896 Vorsitzender des Eisen- und MetollarbeiterverbandeS war und außerdem eine Reihe von Jahren Stadtverordneter sowie seit 1906 Reichstagsabgeordneter. Bis zum Herbst vorigen Jahres gehörte er der Zweiten Kammer des Reichstages an, au» der er ausschied, als er von GäfleborgS Landsting in die Erste Kammer gewählt wurde, in der bis dahin kein Sozialdemokrat Platz gefunden hatte. poUreUlcbes, Gerichtliches ukw. AuS Wcftprcußens Gefilden. Wegen Beleidigung des Gemeindevorstehers Luchterhand Oliva ist Genosse E r i S v i e n als verantwortlicher Redakteur der Danziger.Bolkswacht' vom dortigen Schöffengericht zu 400 VI. Geldstrafe verurteilt worden. Crispien hatte in seinem Blatte eigenartige Manipulattonen bei EingemeindungS- und Grunderwerbs- augelegenheilen in dem Dorfe Oliva aufgedeckt. Um günstige Resultate für sich zu erzielen, hatte die Allgemeine Bodeugesellschaft Danzig-Berlin Olivaer Gemeinde'vertretern Land- Parzellen unentgeltlich angeboten; diejenigen, die Barzahlung vorzogen, io Ilten 600 M. erhalten. Die Empörung über diese Vorgänge in interessierten Kreisen war um so größer, als bekannt wurde, daß auch der Gemeinde« Vorsteher einen solchen Gur schein angenommen hatte. Im Gerichtstermin erklärte der Gemeindevorsteher, er habe keinen Strafantrag stellen wollen, sei dazu aber von seiner vorgesetzten Behörde gezwungen worden. Sein Engagement mit der Bodengesellschaft begründete er damit, daß er Kreistags- abgeordneter werden wollte und geglaubt habe, daß dazu Grundbesitz notwendig sei. Als die Angelegenheit publik ge- worden sei. habe er daS Land zurückgegeben. Trotz dieser eigentümlichen Sachlage beantragte der Vertreter der Anklage 200 Mark Geldstrafe. DaS Gericht billigte dem Angeklagten zwar den Schutz des§ 193 zu, erkannte aber doch auf die oben genannte Strafe. Erfolgreiche Revision. Genosie Steinkamp vom Bochumer.VolkSblatt' war von d» dortigen Strafkammer wegen Beleidigung eines Lehrer» zu 300 M. Geldstrafe verurteilt worden. Die Beleidigung wurde in einem Artikel erblickt, in dem dem betreffenden Lehrer vorgeworfen wurde, baß er die Kinder derart gezüchtigt habe, daß die Züchtigungen außerhalb des Schullokals geHort worden seien. Der Angeklagte hatte beantragt, eine Lehrerin darüber zu vernehmen, daß feine Be» hauptungen in dem Artikel den Tatsachen enlsprächen, waS von der Strafkammer abgelehnt wurde. Hierin hat das Reichsgericht eine Beschränkung der Berteidigungerblickt, weSHalb es zur Aufhebung des Urteils kam. flue Induftrie und FtandeL Krach im Hefesyndikat. Das Hefeshndikat ist bekanntlich nur unter großen Schwierigkeiten zustande gekommen. Es kann sich mit seinen hohen diktatorischen Preisen auch nur solange halten, als die Außenseiter nicht zu stark werden. Jetzt ist nun als neuer Outsider die Firma P a u l W u l f, G. m. b. S.. ausgetreten, die dem Syndikat scharfe Konkurrenz macht. DaS Syndikat resp. der in ihm allmachtige Aufsichtsrat, in dem natürlich die Großinteressen überwiegen, be- schloß darauf im Handumdrehen, den Syndikatspreis der Hefe u m 10 Pfennig pro Pfund herabzusetzen. Die meisten Mitglieder des Syndikats, zumal die kleineren, sind aber mit dieser scharfen Preisreduktion nicht einverstanden, da sie nach ihrer Be- hauptung für ihre Betriebe direkten Verlust bedeutet. Als die gegen die Preisherabsetzung protestierenden Mitglieder in der Generalversammlung Wiederaufhebung der Preisermäßigung oder wenigstens eine Abschwächung des allzuscharfen Preisabschlages forderten, drohte eine der berühmten SyndikatSbestimmungen in Wirksamkeit zu treten, die zumeist, und wohl auch hier ahnungslos unterschrieben worden sind. Den einzelnen Gesellschaftern steht im Syndikatsvertrag der Hefeproduzenten das sogenannte Vetorecht zu. Sie können bei einer Wiederheraufsetzung des Preises durch den Aufsichtsrat auf dem niedrigen Niveau beharren. Darauf muß eine neue Generalversammlung entscheiden, ob die Majorität ge- willt ist, den höheren Preis zu halten und der Minorität 95 Proz. ihres Produktionsrcchtes zu gewähren. Es ist wohl nur noch eine Frage kurzer Zeit, und das mühsam zusammengeleimte Hefesyndikat ist wieder auseinander- gepufft. Und dann beginnt wieder der Kampf der Großen gegen die Kleinen, der manchen ins Gras beißen lassen wird. Vntoijs(iiifc fcflWfl feflna ms&x die tMelMds�Mtendeo" Sozialdemokraten schuld, und nicht die großen Schieber, die shter ohne Syndikatshindernisse Konkurrenten beseitigen wollen! In den AufsichtSratsstand erhoben wurde der frühere Ober- Präsident Gehcimrat v. Löbell. Zur Zeit des Fürsten Bülow war v. Löbell Chef der Reichskanzlei, bei dem letzten Reichskanzler- Wechsel trat er von seinem Amt zurück und wurde Oberpräsident der Provinz Brandenburg. Sein Gesuudheitszustand veranlatzte ihn angeblich, das Oberpräsidium bald niederzulegen; er scheint sich aber merkwürdig schnell erholt zu Haben. Am Freitag wählte ihn die Generalversammlung der D e» t s ch en B an k in den Auffichtsrat, nachdem er unlängst einen Aufsichtsratsposten in BergmanS Elektrizitätswerken übernommen hat. Welche hervorragenden Fähigkeiten zur Bekleidung von Aufsichtsratsämtern Herr v. Löbell in seiner bisherigen Amistätigkeit zu unterdrücken vermochte, wird der Oeffentlichkeit leider nicht verraten. Die böse Welt raunt, daß das größte Finanzinstitut Deutschlands den Herrn Ober- Präsidenten a. D. in die eigene Verwaltung und in das Tantieme- bezieherkorps anderer Gesellschaften lediglich als Telephon- auffichtsrat bringt. Dieser Titel wird gewissen Aufsichtsräten nicht deshalb beigelegt, weil man etwa vermutet, daß sie ihre Aufsichtsratstätigkeit telephonisch erledigen, man bezeichnet als Telephonaufsichtsräte dielmehr jene Herren, die ihre Aufsichtsrats- tantiemen für die guten Verbindungen beziehen, die sie den Gesellschaften mit ihren, Eintritt verschaffen. Lang ist die Liste der Kollegen des Herrn von Löbell, die vor ihm den Weg zu Aufsichtsratsposten gefunden haben. Kaum gibt es noch eine größere Bank oder eine bedeutendere industrielle Ge- sellschaft, die sich nicht einen Minister. Ministerialdirektor, Oberpräsi- deuten, General oder Admiral als Auffichtsrat beigelegt hat. Die alten Praktiker, Bankdirettoren. Terrainschieber und Industriekapitäne können ganz gewiß rechnen, sie müssen also wissen, daß Staats Würdenträger a. D. und einflußreiche Feudalherren sich als Aufsichts- räte rentieren. In Anpassung an diese Verhältnisse wird man künftig bei dem Ausscheiden von hohen Beamten aus dem Staats dienst fragen müssen, ob sich die Scheidenden bereits im Besitze des AufsichtsratsversorgungSscheinS befinden. Nur sehr kluge Leute vom Schlage des preußischen Eisenbahnministers Breitenbach glauben an das schöne Märchen, daß Herren aus hohen Staatsstellungen von Aktiengesellschaften als Aufsichtsräte be vorzugt werden, weil sie sich durch besondere Geistesgaben aus zeichnen._ ScziaUd« Der„Kuhkopf" in Aschingers„Rheingöld" Ein Fräulein Martha F. klagte gestern gegen die Aschinger- Gesellschaft auf Zahlung von 11,39 M. rückständigen Lohnes untz 41,00 M. Lohnentschädigung. Die Klägerin hatte selbst daS Arbeits- Verhältnis gelöst, weil der aus Bayern stammende Direktor Mauermeier, dessen Aufsicht auch das Küchenpersonal— zu dem die Klägerin gehörte— unterstand, mit Bezug auf die Klägerin zu einer Angestellten gesagt hatte, sie solle das Frauenzimmer rausschmeißen. Der als Zeuge vernommene Direktor M. bestreitet das nicht, erklärt aber, er habe das nicht schlimm gemeint. Ihm als Bayer sei allerdings der Ausdruck zu sehr geläufig, worüber er sich schon 100mal geärgert habe. In Bayern habe aber das Wort Frauenzimmer nicht die üble Bedeutung wie in Nord- deutschland. Der Zeuge bestreitet auch nicht, die Klägerin mit der ihm ebenfalls sehr geläufigen Bezeichnung„Kuhkopf" belegt zu haben, cr kann sich nur nicht entsinnen, daß er auch schon die Klägerin einen„Kuhkopf" genannt habe. Das Gericht unter Borsitz des Magistratsrats Schultz reachtetc eine grobe Beleidigung, die zur Lösung des Arbeitsverhältnisses berechtigte, nicht als vorliegend. Es verurteilte die beklagte Ge- fellschaft zur Zahlung des rückständigen Lohnes, wies aber den Entschädigungsauspruch ab. Mitbestimmend für das befremdliche Urteil war. daß sich die Klägerin, obwohl sie nicht arbeitete, noch fast zwei Tage im Hause der Beklagten aufhielt. Das Ehrenwort des Angestellten. Recht eigenartige Vcrtragsabmachungen mit ihren Angestellten schließt die Firma Max Kühl, Trikotagengeschäft, Leipziger Strasse, wie sich in einer Verhandlung vor der III. Kammer des Kaufmanns- gerichts zeigte. Die Klägerin war seit 9. Mai vorigen Jahres bei der Beklagten als Verkäuferin tätig. Bei ihrem Engagement mußte sich die Klägerin durch Unterschrift und Ehrenwort verpflichten, zu keinem anderen Angestellten über Gehalt zu sprechen und auch nie- mand danach zu fragen. Fernerhin mußte Klägerin auch die ehren- wörtliche Erklärung abgeben, nicht chronisch krank zu sein und diese Erklärung auch noch unterschriftlich bestätigen. Für„Fehltagr" fiel laut Vertrag Gehalt aus. Am 21. September wurde Klägerin krank und Ende September zum 31. Oktober gekündigt. Klägerin zeigte fieberhafte Jnfluenzaerscheinungen mit nachfolgender Lungen- cntzündung. Nachdem die Klägerin wiederhergestellt war, verlangte sie von der Firma Kühl Gehalt für den Monat Oktober. Die Zah- lung wurde von der Firma-verweigert, weil Klägerin die Firma über ihren Gesundheitszustand wissentlich getäuscht habe. Der Vorsitzende, Magistratsrat Dr. Ntumann, bezeichnete die im Vertrage mit der Klägerin des öfteren abgegebene..ehrenwört- lichen" Erklärungen als äußerst ungewöhnlich. Da die Beklagte sich weigerte, die verlangte Summe in Höhe von 106,60 M. an die Klägerin zu zahlen, so erging folgendes Urteil:„Nach einer Reichs- gerichtsentscheidung ist cs mit den guten Sitten unvereinbar, von einem Angestellten ehrenwörtliche Erklärungen zu verlangen. Zu einem Ausschluß des§ 63 Abs. I des Handelsgesetzbuches gehört zum mindesten eine Vereinbarung; eine einseitige Erklärung des Prin- zipals genügt jedenfalls nicht. Unzweifelhaft hat die Klägerin im Augenblicke der Unterschrift nicht im ganzen Umfange erkannt, was ihre Verzichtleistung bedeute. Jedenfalls ist die Rechtsbeständigkeit ihrer Zustimmuilg zum Ausschluß des§ 63 H.-G. sehr zweifelhaft. Die von der Firma angewandten Mittel verstoßen gegen die guten Sitten. Eine Täuschung über ihren Gesundheitszustand hat Klägerin nach Ansicht des Gerichts nicht vorgenommen. Da ihr von den bc- handelnden Aerzten sehr günstige Auskünfte und Versicherungen ge- geben wurden, so konnte sie nicht wissen, daß sie chronisch leidend war. Aus diesem Grunde ist die beklagte Firma verurteilt» den ge- forderten Betrag zu zahlen._ Milchkrieg in Frankfurt a. M. und Umgebung. Die oberhessischen Agrarier, die„Vereinigten Landwirte von Frankfurt a. M. und Umgebung", beschlossen am Sonntag, ab 1. April den Milchpreis für die Händler Um 1 Pf. pro Liter, von 16 auf 17 Pf., zu erhöhen. Hierzu nahmen die Milchhändler in einer stark besuchten Versammlung am Montag Stellung. Klein- und Großhändler erklärten einmütig, die Preiserhöhung strikte abzu- lehnen. Für die organisierte Arbeiterschaft wurde die Erklärung abgegeben, daß diese die Milchhändler im Kampfe gegen die Land- Wirte unterstützt und jede Erhöhung des Milchpreises zurückweist. Den Konsumenten wird von den Gewerkschaften und der Partei Ein- schränkung in dem Verbrauch sämtlicher Molkereiprodukte empfohlen.— Am 1. April beginnt sonach in Frankfurt a. M. und Umgebung der Milchkrieg. Halten die Milchhändlcr fest, wird der Erfolg sicher auf ihrer Seite sein. Berrufserklärung gegen Kranke. Die Stadtverordneten in Soest hatten bor einiger Zeit be- schlössen, eine Liste der Bürger zu veröffentlichen, die ihre Steuern nicht bezahlt hatten. Die sehr von„sozialem Geist" zeugende Maß- nähme hat damals einiges Aussehen gemacht. Eine ähnliche Manier. arme Unglückliche anderen Sinnes zu machen, scheint man in der Ortskrankrnkasse Borkcn-Racsfeld-Marbeck befolgen zu wollen. Von dort wird berichtet, daß ein Zentrumsblatt, das Bortener Wochen- blatt eine Liste der Mitglieder obiger Krankenkasse enthält, die SssslmsteBiws&V&u brMkll. UgW«üö StM des W- gliesses, der Name des Arbeitgebers, soMe AnfaffgS- und Endtermin der Krankheit wird angegeben. Die Verwaltung der Krankenkasse sind gut katholische Zentrumsleute. Was soll mit der Veröffent- lichung der Namen bezweckt werden? Sicher wird die Maßnahme bewirken, dass Arbeiter, die öfter krank seiern müssen, sehr viel schwerer als sonst Arbeit finden. Ein Schadensersatzprozeß der so Geschädigten gegen die Kasse und das Zentrumsblatt wäre am Platze. Wie die Junker das Freizügigkeitsgesetz außer Kraft setzen. In einer am Sonntag stattgefundenen Landarbeiterversamm- lung zu Grevesmühlcn(Mecklenburg) wurde eine neue Wohl- fahrtseinrichtung des Grafen von Bernstorf, Besitzer der Ritter- guter Bernstorf, Hanshagen, Pieversdorf, Blieschendorf u. a. be- sprochen, mit der dieser Agrarier der Landflucht steuern will. Der obotritische Graf ist auf folgenden Ausweg verfallen. Die schul« entlassenen Kinder seiner Landarbeiter müssen sich auf drei Jahre für den gräflichen Dienst verpflichten. Es erhalten an Tagelohn die Jungknechte resp. Hofgänger 80 Pf., die Mägde 60 Pf. Außer- dem hat sich der gnädige Herr großmütig entschlossen, bei„guter Führung"(soll heißen: wer schuftet, daß er liegen bleibt) jedem Kinde ein Sparkassenbuch anzulegen, auf das er im ersten Dienst- jähre 40, im zweiten 45 und im dritten 60 M. einzahlt. Diese Riesensumme kann erhoben werden von den Knechten nach der Ent- lassung vom Militär, sofern sie sich im Heere und vorher im gräf- lichen Dienste immer gut geführt haben; von den Mägden vor der Verheiratung. Doch müssen auch diese fleißig und tugendhaft ge- Wesen sein. Im anderen Falle fällt das Guthaben an den gnädigen Herrn zurück. Selbst die auf Grund der famosen ritterschaftlichen Volksschulbildung nicht gerade scharfsinnigen Landarbeiter er- kennen diese den guten Sitten Hohn sprechende und deshalb nich- tige Vereinbarung als junkerlichen, agrarischen Schachzug. durH den die Landproletarier an die Scholle gefesselt werden sollem Eue der Frauenbewegung. Die weiblichen Handlungsgehilfen im sozialdemokratischen Lager. Eine Schichte von weiblichen Angestellten, die noch weit mehr wie die Jndustriearbciterinnen von Vorurteilen aller Art befangen ist, steht in Wien, soweit sie am öffentlichen Leben Anteil nehmen, in den Reihen der Sozialdemokratie. Die Mädchen in den kaufmännischen Bureaus und Verkaufsläden gingen mit ihren männlichen Kollegen zur Wahl, um den Gehilfenausschuß und den Vorstand der kaufmännischen Krankenkasse zu wählen. Es bewarben sich um die Mandate Sozialdemokraten, die seit 1902 die Funktionen inne haben, die Liste Karl P i ck und Kollegen, und die vereinigten Deutsch- nattonalen und Christlichsozialen. Von den weiblichen Angestellten gingen 3228 zur Wahl, davon stimmten 2430 für die sozial- demokratische Liste und nur 798 für die Gegenkandidaten. Daß dieses glänzende Resultat erzielt wurde, ist ein Verdienst der agitatorisch tätigen weiblichen Handelsangestellten. Ein ganzer Stab von ihnen arbeitet für die Organisierung de» weiblichen kaufmännischen Personals. Es sind ausgezeichnete Rednerinnen unter ihnen, die ihre Schulung in der sozial- demokratischen Frauenbewegung empfangen haben, die dort tunktionen bekleiden und außerdem eine Sektion weiblicher ngestellter im Verein der kaufmännisch Angestellten leiten. Auch die Parteischule haben einige von ihnen besucht und sie haben sich dort theorettsche Kenntnisse an« geeignet, so daß sie nach jeder Richtung befähigt sind. führend und ausklärend unter dem weiblichen Handelsproletariat zu wirken. Es mag nach dem Gesagten auffällig sein, daß sich auf der Kandidatenliste keine Gehilfin befand. Die Ge» nosjmnen haben jedoch angesichts der heftigen Agitation der Gegner von einer Geltendmachung ihres berechttgten Anspruchs abgesehen, um keine Zersplitterung herbeizuführen und den Sieg der sozialdemokratischen Liste nicht zu gefährden. Bei der nächsten Wahl, wo die Zahl der weiblichen Organisierten noch größer geworden sein wird, werden sicherlich auch weibliche Namen auf der sozialdemokratischen Liste stehen. Ein Protest gegen die Volkszählung. Am 31. März wird in England die alle 10 Jahre stattfindende Volkszählung vorgenommen werden. Die Suffragettes haben diesen Zeitpunktfär passend erachtet, um eine Protestkundgebung zu veranstalten. Was sie mit diesem Protest bezwecken wollen, rst unklar. Vielleicht wollen sie nur aufs neue die Tatsache konsta- tieren, daß ihre Bewegung, die sich nicht auf die breite Masse der proletarischen Frauen zu stützen wagt, nur durch sensationelle Mittel die Aufmerksamkeit der Welt auf sich zu lenken vermag. Die Damenrechtleriunen haben beschlossen, während der Nacht vom 31. März auf den 1. April auf den Straßen spazieren zu gehen oder sich in geschlossenen Gesellschaften zu amüsieren und dem Volkszähler, der sich etwa einstellen sollte, die Türe zu weisen. Der nächtliche Spaziergang wird wohl zu Zusammenstößen mit der Polizei führen. Denn dieser ist die Aufgabe gestellt worden, alle nächtlichen Bummler und Obdachlose zu zählen. Umherstreifende Sussragettes werden alsdann unter der Rubrik„Obdachlose Man- derer ohne Beschäftigung" figurieren. Tätliche Angriffe auf einzelne Minister mögen allenfalls noch erklärlich sein, so Ivcnig Menschen- kenntnis die Anwendung dieses Ueberzeugungsmittcls auch ver» raten mag. Aber der Boykott einer Volkszählung, von der die Sozialpolitiker eine Menge wichtigen Materials über die industrielle Beschäftigung der Frauen und Kinder erwarten, dürfte denn doch an Wahnsinn grenzen._ Versammlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Mittwoch, den 6. April, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27o: Diskussion und Fragestellung über das Thema des vorigen Veremsabends: „Mutter und Kind, ihre Rechte und Pflichten". Die Einleitung der Diskussion hat der Referent Dr. Oslar Cohn übernommen. Gäste willkommen.________ Gerichts-Zeitung Die Frau als Wahlhclferi«r wird' von den bürgerlichen Parteien immer noch mit Hohn und'Haß verfolgt, wenn sie— der Sozialdemokratie dient. Am eigenen Leibe erfuhr das bei der Landtagswahl von 1909 eine unserer Genossinnen, die im Berliner Landtagswahl» kreis XII(Moabit) als„Schlcpperin" mitarbeitete. In der Wiclefstraße wurde Genossin Sattler, als sie mit einem her- bcigeholten Wähler zum Wahllokal ging, von dem im Hause Nif. 31 wohnenden Kohlenhändler Nadlcr wegen dieser der Sozialdemokratie geleisteten Hilfe mit beleidigenden Redens- arten belästigt. Es kam dann zwischen diesem Herrn Nadler und Frau Sattler zu einem Austausch von Grobheiten und schließlich auch zu Tätlichkeiten, bei denen Herr Nadler im Gesicht ein paar blaue Flecke, Frau Sattler aber auf dem Nasenrücken eine blutende Wunde erlitt. Wir haben jenen Zusammenstoß damals mitgeteilt und haben später auch über die verschiedenen Gerichtsverhandlungen berichtet, die sich daran anschlössen. Herr Nadler. der die Staatsanwaltschaft für sein blaues Auge zu interessieren wußte, erhielt iin Fe- bruar 1910 die Genugtuung, daß Frau Sattler zu 15 M. Geldstrafe verurteilt wurde. Dieses Urteil wurde auch von dex Perüfungsinstanz aufrecht erhalten. Frau Zgttler. die Schlimmeres ctlUfeit halte. Mufetc aege» Nadler tn einer Privatklage wegen öffentlicher Beleidigung und vorsätzlicher Äörpcrverlclmng sich ihr Recht suchen. Nachdem die Verhandlung ihrer Klagesache zunächst aus- gesetzt und später einige Male vertagt worden war. kam es erst gestern vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte zu einer Eni- schcidung. Die Beweiserhebung wurde dadurch erschwert, das; jener erregte Auftritt nun schon recht weit zurückliegt. Die Aussagen der zehn Zeugen, die von den Parteien aufge- boten worden waren, widersprachen einander in manchen wichtigen Punkten. Immerhin erbrachte aber die VerHand- jung noch so viel gegen den Angeklagten Nadler. daß dieses Gericht denn doch zu einem anderen Urteil über den Mann gelangen mußte. Nadler hatte den Zusammenstoß dadurch provoziert, daß er dem von Frau Sattler herbeigeholten Wähler in den Weg trat, auf ihn einredete, er möge doch nicht wählen gehen, und dabei zu Frau Sattler sagte:„Sie sollten Sich lieber die Vollen in Ihren Strümpfen stopfen!" Der Angeklagte gab selber diese Aeußeruug zu. Frau Sattler habe aber, sagte er, dann an ihn das Ersuchen gerichtet, er solle ihr usw. Als er daraufhin gescherzt habe:„Na. kommen Sie her!" habe sie nach ihm geschlagen, so daß er sich wehren mußte. Diese ganze Darstellung leitete er ein mit der in merklicher Betonung vorgetragenen Angabe, daß Frau Satt- ler für die sozialdemokratische Partei Helferdienste geleistet habe. Seine Behauptung, daß Frau Sattler als erste ge- schlagen habe, wurde von einigen Zeugen unterstützt. Andere Zeugen aber schilderten ihn keineswegs als den Unschulds- engel, für den er gehalten werden wollte. Sie bekundeten, daß sie zuerst ihn hatten Schläge austeilen sehen, und daß er noch, als Frau Sattler weiterging, aus sie eingehauen habe. Mit welcher Wut der hochgewachsene, augenscheinlich sehr kräftige Mann gegen Frau Sattler„sich gewehrt" haben muß, läßt sich daran ermessen, daß sie die schon erwähnte blutende Wunde auf der Nase erlitt und ihr vom Kopf ein Zopf heruntergerissen wurde. Bekundet wurde, daß er auch geschimpft habe:„Die Olle!" und:„Was das für eine ist, wissen wir ja!" Auch habe er in schamloser Weise einen recht weitgehenden Versuch gemacht, der Frau Sattler die Röcke hochzuheben. Rechtsanwalt Theodor Liebknecht, der der Klägerin Sattler zur Seite stand, sah Beleidigung und auch vorsätzliche Körperverletzung als einwandsfrei nachgewiesen an. Nadler habe ganz unberechtigterweise sich hineingemengt, habe mit den Schimpfworten und der Schlägerei den An- sang gemacht und schließlich einen ganz groben Exzeß be- gangen. Der Angeklagte Nadler bat. ihn wenigstens von der Anklage der Beleidigung freizusprechen. Das Gericht fällte das Urteil, daß er freizusprechen sei von der Anklage der vorsätzlichen Körperverletzung, zu verur- teilen dagegen wegen Beleidigung. Daß er als erster zuge- hauen habe, könne bei den Widersprüchen der Zeugenaussagen nicht als einwandsfrei festgestellt gelten. Mithin sei seine Behauptung, er habe in Notwehr gehandelt, nicht widerlegt worden, und eS dürfe daher in diesem Punkt keine Bestra- fung erfolgen. Dagegen sei erwiesen, daß er zuerst Frau Sattler mit beleidigenden Redensarten belästigt habe, weiter auch, daß er ihr die Röcke hochgehoben habe. Er sei schuldig der wörtlichen und tätlichen Beleidigung im? habe sie Mit IV Mark Geldstrafe zu sühnen. Die Strafe ist im Verhältnis zu der vom Beklagten an den Tag gelegten Roheit und Unftttlichkeit gegenüber einer Frau eine auffallend niedrige. Die geringfügige Strafe sieht einem Freibrief für Roheiten und Schamlosigkeiten gegen Frauen verzweifelt ähnlich. Die Einlegung der Berufung wäre schon deshalb von Wert, um zu erfahren, ob auch die Rechtsprechung der Strafkammer zu einer derartigen Auf- munterung zu strafbaren, rohen, schamlosen Exzessen gegen ehrenhafte Frauen hinneigt. Gleichviel aber wie das Straf- maß schließlich ausfällt, zeigt dieser Prozeß, daß die Staats- anwaltschaft„im öffentlichen Interesse" zwar Anklage gegen eine Sozialdemokratin zugunsten eines rohen, schamlosen Exzedenten erhebt, aber das„öffentliche Interesse" versagen läßt, wenn es sich um den Schutz einer sozialdemokratischen Frau gegen Roheiten und Scham- losigkeiten handelt._ Hochzeiten genehmungöpflichtigc Tanzlustbarkeiten? Beim Gastwirt Potempa in einem Nachbarorte Beuthens(Ober- schlesien) hatte der Besitzer Grabowski seine Hochzeit gefeiert. Es nahmen annähernd 2 Personen teil. Gemäß einer ortspolizei- lichen Anordnung war dem Wirt eine Liste vorgelegt worden, auf der etwa 80 Paare von Hochzeitern als Hochzeitsgäste, die eingeladen seien, verzeichnet waren. Es wurden aber auch noch andere Per- sonen, als auf der Liste verzeichnet waren, zugelassen. Außerdem stellte die Polizei fest, daß Freunde des Hochzeiters von einigen Teil- nehmern ein Eintrittsgeld erhoben. Wegen dieser beiden Tatsachen wurde Potempa als Mitveranstalter einer öffentlichen, nicht genehmigten Tanzlu st barkeit, die im Gegensatz zu ge- schlossenen Lustbarkeiten der Genehmigung bedürfe, auf Grund einer für den Regierungsbezirk Oppeln erlassenen Polizeiderord- nung vom 29. November 1857 zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Urteil des Landgerichts Beuthen wurde mit der Revision an- gefochten. Das Kammergericht hob dieser Tage das Urteil auf und verwies die Sache an die Vorinstanz zurück, indem es ausführte: Daß die Tanzlustbarkeit Hte öffentliche war, sei nicht ausreichend festgestellt. Die Tatsache, daß von einigen Teilnehmern ein Eintrittsgeld er- hoben wurde, sei ganz gleichgültig. Und wie es sich mit erwähnten Liste verhalte, sei vorläufig ganz unverständlich. Wenn etwa, wie es scheine, hier ortspolizeiliche Vorschriften vorlägen, daß an ge- schlossenen Lustbarkeiten nur Personen teilnehmen dürften, welche auf einer Liste ständen, dann wären diese Vorschriften ungültig. Es könne sich lediglich darum handeln, ob die Lustbarkeit einem „nach Zahl, Art und Individualität unbestimmten Personenlreis" zugänglich gewesen sei. Wäre das der Fall, dann wäre die Lust- barkeit eine öffentliche gewesen. Im anderen Falle nicht. In der Richtung sei die Sache nochmals nachzuprüfen. Und subjektiv würde der angeklagte Gastwirt nur strafbar sein, wenn er wirklich an- genommen habe, daß die Lustbarkeit einem unbeschränkten Personen. kreise zugänglich gewesen sei, und wenn er sie trotzdem weiter duldete, oder wenn die Nichtwahrnahme eines strafbaren Tat- bestyndeS auf Fahrlässigkeit beruhte. Ein Opfer unseres Strafsystems. Als ein vorgebliches Opfer unseres Strafsystems präsentierte sich der Schlosser Josef Effer vor dem Schwurgericht zu M.-Glad- bach, vor dem er sich wegen verschiedener räuberischer Diebstähle zu verantworten hatte. Der Angeklagte hatte sich in verschiedenen Orten in EokMarengeschäsie EeFebsn null eS kMMr so elllMichkea verstanden, daß die Geschäftsinhaber abwesend waren. Von der Frau oder der Tochter der Inhaber ließ er sich nun Schmucksachen vorlegen, suchte sich einige ihm passend erscheinende Sachen heraus, steckte sie ein, zog dann einen Revolver aus der Tasche, den er den erschrockenen Frauen unter Drohungen unter die Nase hielt und entfernte sich dann schleunigst. Diese an Raub grenzenden Dieb-- stähle führten bald zu seiner Verhaftung. Er gab die Straftaten ohne weiteres zu und entschuldigte sie mit seiner großen Notlage. Er sei aus dem Gefängnis mit wenigem Gelde entlassen worden. das er zur Beschaffung von Kleidungsstücken benutzte. Auch seine Schuhe seien schlecht gewesen. Der Verein zur Unterstützung ent- laffcner Gefangenen habe ihm keine Arbeit verschaffen können, er sei ohne Verwandte, von aller Welt verlassen und verstoßen. Um nicht Hungers zu sterben, habe er stehlen müssen, denn zu betteln schäme er sich. Als der Vorsitzende ihm vorhielt, daß er sich, um seinen Hunger zu stillen, mit ein oder zwei Diebstählen hätte be- gnügen können, erwiderte der Angeklagte, für die Sachen, die er gestohlen habe, bekomme er in den Herbergen nicht viel, er habe daher immer wieder stehlen müssen. Die Geschworenen bejahten sämtliche ihnen vorgelegten Schuldfragen und versagten dem An- geklagten mildernde Umstände. Das Gericht verurteilte ihn darauf zu acht Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrenrechtsverlust, er- kannte auch auf Stellung unter Polizeiaufsicht. Ei» mißglückter Landfriedensbruchprizeß. Vor der Straf- kammer des Landgerichts Mülhausen i. E. standen am Sonnabend unter der Anklage des Landfriedensbruchs und der Körperverletzung, begangen im Januar d. I. während des Holzarbeiterstreiks, der Schreiner Alfred Barduzzi, die Maschinenarbeiter Franz Flaig und Wilhelm Grötz, die Schreiner Josef Kipfer und Emil Merkle und der Wirt L. Weinzorn. Es wurden gegen 30 Zeugen ver- nommen. De Verhandlung endigte damit, daß der Maschinen, arbeiter Flaig, der erheblich vorbestraft ist, unter Berufung auf diese Vorstrafen wegen Körperverletzung zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt wurde, und der Wirt L. Weinzorn, ebenfalls wegen Körperverletzung, zu einem Monat. Wegen LanbfricdensbrnchS erfolgte in allen Fällen Freisprechung. Weinzor» hat Revision ejn- gelegt,_ Bnefhaften der Redaktion. Die(urlftilrtje S»rechstundc findet Staden st rave KS, dorn»«er Tredpea — Fahr st»hl—, wochcntiigltch«an bis 7'/j Uhr abends, Sonnabends von 4>/z bis 6 Uhr abends statt. Jeder siir den Bricstaftcn bestimmten Anfraze ist ein Buchstabe«nd eine Zahl als Mers�eichcn belznfLiie». Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprcchftnadc vor. N. O. Iii. 1. Der Reichstag hat dahin zielende Resolutionen tviederholt angenommen. Die Regierung verhält sich ablehnend. 2. Deshalb nicht vorauszusehen.— M.®. H. 9. 1. u. 2. Aussichtslos, da gesetzlich nicht zulässig. 3. An die Schöneberger Stadtverordnelenveisammluiig.— ®. 3. 18. Nach dem vorjährigen.— A. B. IVO. Ein Testament ist er- forderlich.— Lehrling. Nein.— A. T. Nein. A. G. 50. Lesen Sie den Artikel.Steuersragen" in der Nummer des„Vorwärts- voni 19. d. Mtz. — R. K. 85. Sic können, wenn der Schuldner Akzeptant des Wechsels ist, aus dem Wechsel, andernsalls aus dem DarlehnsvcrhäitniS Nagen.— G. T. III. Leider nicht.— A. 15. Ja.— Ufer 37. 1. u. 5. Nein. 2. Wegen des nachweisbaren Schadens ja. 3. Nein, aber sich aus Zeugen, eventuell auch aus Sachverständige beziehen. 4. Ja.—<£. H. 13. 1. u. 2. Ja. 3. Ja, da wahrscheinlich im MietSvertrage vorgesehen, sonst der Wirt. — Ff. R. 26. 1. Nein, sallS der Bank KcnniuiS deS Sachverhalts nach- gewiesen werden kann. 2. Der KonkurSvcrwalier kann alsdann intervenicreu. 3. An die Bank.— 3. Bernau. 1. Eine Frist bestimmt daS Gesetz nicht; erinnern Sie. 2. Das Verlangen ist uniercs ErachtenS unbegründcl und eine Klage aussichtsvoll. Einen Rechtsanwalt bestimmen wir nicht.— Genosse Wilmersdorf. 1. Ja. 2. Antrag bei dem Vorsitzenden der Ler- anlaguiigskommission. Die Grundlage bietet§ 63 Einkommensteuergesetze». Orts- Krankenkasse Britz. Blttwoch. den 6. April, abends 8Vj Uhr. findet Sie Ordentliche General-Versamiiilunp der Vertreter der Arbellgeber und Arbeitnehmer in dem Restaurant A. Baddata, Shauffeeftr. 39. statt. Tagesordnung! 1. Beschlußfassung über die Abnahme der Rechnung deS Vorjahres.-L. Er« gänzungSwahl für zwei Vorstands- Mitglieder der Arbeitnehmer. 3. Ver- jchiedeneS. 272/16 Der Knaaea-ToratMid. Behrend, Vorsitzender. für Händler I Set den teueren Geträutepreisen ist e» von allgemeinem Interesse, daß diele Tauseude Familien sich um 6 Pf. das Liter einen gesunde« Ap�el- wein- Eraata aus HeinenS Mostextrakt herstellen. Brosp. er- hältlich tn Drog. u. Kolonialwarenh. Stoffe für Anzüge, PaletotS, Kostüme ze. selbst einkaufen, heißt Geld sparen! Tuchlager Kock& Seeland G.m.b.H. 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L. sieht uns daS Lokal von Bredereck zu allen Veranstaltungen znr Beifügung. In D a t e n d o r f b. Zossen ist das Lokal von Georg Wich- mann gesperrt. Das gleiche trifft zu in C l i e st o w mit dem Lokal von Liefeld. Wir machen Vereine und Ausflügler besonders darauf aufmerksam._ Die Lokalkommissio». Vierter Kreis. Wegen des Extra-Zahlabends bleibt die Bibliothek am Mittwoch, den 29. d. M.» geschlossen. Nächste Bücherausgabe. am 1. April d. I., abends 8—9'/, Uhr, bei Neumann, Beyme� stratze, Ecke Rotherstraße. Der Vorstand. Jberliner JSacbricbten. Osterblumcn. Die Bestrebungen zur Festlegung des Osterfestes auf ein bestimmtes Datum haben noch keinen Erfolg gehabt. Erst in der Mitte des April werden die Osterglocken in diesem Jahre läuten. Nun ist zwar auch in der freien Natur das Osterfest, wenn man die Befreiung von winterlichen Banden so nennen will, njcht festgelegt und jenen Schwankungen unterworfen, wie sie die allgemeine Wetterlage mit sich"bringt. Aber im allgemeinen treffen die Osterboten der Natur doch mit größerer Regelmäßigkeit ein als die kalendermäßigen Feiertage. Daher kommt es, daß wir in der Natur bereits Ostern haben, ob wohl wir noch einige Wochen nach dem Kalender darauf zu warten hätten. An allen Straßenecken ziehen vor allen anderen Blumen die ungewöhnlich leuchtenden gelben Büsche der Nar zissen, im Volke vielfach Osterblumen genannt, die Blicke auf sich. Gern nimmt man sich für ein Nickelstück einen Bund nach Hause, denn die Blume ist im Glase Wasser recht ausdauernd. Aus einem sechsstrabligen gelben Stern erhebt sich in der Mitte eine ebenso gefärbte g'locken förmige Tüte, die der Botaniker als Nebenkrone bezeichnet. In dieser Röhre erblickt man Staubgefäße und Stempel. Die Insekten, die den Nektar am Grunde der Blüte ergattern wollen, müssen wohl oder übel in die Röhre kriechen und diese ist eng genug, um zu bewirken, daß die Insekten sich bei ihrem Herumkrabbeln von oben bis unten und von von, bis hinten mit Blütenstaub einpudern. Indem sie so von Blüte zu Blüte fliegen, besorgen sie die geheimen Absichten der Natur, die die Insekten als Kostgänger der Blumen be- wirtet und für diese gute Bezahlung von ihnen dafür die Verbreitung des Blütenstaubes erlangt. Heiniisch ist diese Blume leider nicht im märkischen Sande, aber schon auf den Bergwiesen des mittleren und mehr noch des südlichen Europas leuchtet sie überall den Frühling ein. Eine andere Frühlingsblume ist die Tulpe, die ebenfalls im Süden daheim ist. Das gleiche gilt für die Crocusarten, die bei uns viel in Gärten und aus Knollen in Schalen im Zimmer gezogen werden. Gelbe, violette und Weiße Arten stammen aus Südeuropa und dem Kaukasusgebirge. Der Weiße Frühlingscrocus wächst in den Alpen, an den Rändern des ewigen Scfmees und tritt gleich nach der Schneeschmelze an seinen Standorten in Menge auf. Es ist ein über- laschender Anblick, unmittelbar an den Rändern von Schnee- feldern weißblühende Crocusfelder zu erblicken und sich dabei wieder bewußt zu werden, daß die Blumen, die an solchen Stellen wachsen, nicht gerade für das Auge des Menschen ent- standen sein können. Begnügen wir uns mit den Reizen deS herben norddeutschen Frühlings. Sie drängen sich nicht auf, sie müssen gesucht werden, aber jeder Fund erfreut umso mehr. In den Kiefernwäl- dern prangt noch keine Blume, und die Mischwälder, in denen jetzt blauen und weißen Anemonen blühen, sind nicht so be- � HWMWMIDMMMDMDMD quem zu erreichen, wie der Grunewald. So muß der Grofr städtcr sich notgedrungen an seine Straßenbäume halten, deren Knospen sich immer dicker gegen den Himmel abzeichnen, an seine kleinen Vor- und Hintergärten, wo die Stachelbeer- sträucher schon ganz grün geworden sind und an ähnliche Vorposten, die der Frühling ihm in die Stadt hineinschickt, bis er endlich sich aufrafft und ihm am freien Sonntag in Wald und Feld entgegen wandert. Gegen die LnstbarkeitSstener wird angesichts der bevorstehenden Entscheidung der Stadt- vcrordnetenversanimlung heftig Sturm gelaufen. Der General- intendant der königlichen Schauspiele Graf v. Hülsen hat auf eine Anfrage des Vorsitzenden des Verbandes Berliner Bühnen- leiter Direktor Dr. Brahm sich in seiner Eigenschaft als Prä- sident des Deutschen Bühnenvereins wie folgt brieflich ge- äußert: .Die von der Stadt geplante Lustbarkeitssteuer schädigt alle beteiligten Bühnenleiter. Gerade in Berlin haben die Theater- Verhältnisse der letzten Zeit sich dahin zugespitzt, daß die von den Direktoren zu tragenden Lasten ständig anwachsen, ohne dast eine entsprechende Vermehrung der Einnahmen stattfände. Es ist zu befürchten, daß die neue Steuer den Zusammenbruch einzelner Bühnen zur Folge haben wird. Aber auch die anderen Bühnen müssen eine schwere Einbuße dadurch erleiden, daß die Deckung der neuen Ausgabe nur durch solche Maßnahmen mög- lich ist, welche künstlerische oder wirtschaftliche Schäden bedingen. Ein« Abwälzung der Steuer auf das Publikum ist nach meinem Dafürhalten nicht allgemein durchführbar. Insoweit sie zum Teil gelingen sollte, ergibt sich daraus die notwendige Folge einer Steigerung der Eintrittspreise zum Theater. Es ,st aber eine berechtigte Klage, daß diese Preise ohnehin für einen großen Teil der Bevölkerung, der ein lebhaftes Bedürfnis nach Bildung durch die Kunst hat, zu hoch sind. Mag man sich ober auch auf den Standpunkt stellen, daß ein Teil der Eintrittspreise noch gesteigert werden kann, so läßt es sich doch auf keinen Fall von der Hand weisen, daß dadurch gerade solchen Schichten der Bevölkerung, deren Teilnahme am Kunstleben zu wünschen ist, der Zugang zu den theatralischen Darbietungen wesentlich und zum Schaden der Kunst selbst erschwert werden wird. Ich weiß nun sehr wohl, daß man den Bühnenleitern den Ausweg empfiehlt, die neue Steuer durch Kürzungen an ihren Etats einzubringen. Ihnen, mein verehrter Herr Direktor, als dem Fachmanne, brauche ich keine längere Auseinandersetzung nach der Richtung zu machen, daß die einzige Kürzung, die auf die Dauer in Frage kommen wird und die nach- haltig zu wirken vermag, die Kürzung des Gagenetats sein würde. Eine solche wäre aber im Interesse der Bühnen- Mitglieder auf das äußerste zu beklagen. Wer da glaubt, daß die Gagen der allerersten Kräfte unbeschadet derartig verringert werden könnten, daß hiervon die Lustbarkeitssteuer gezahlt wird, hat keine Kenntnis von den wahren Zuständen des Theater- betriebes. Die Einnahmen der in mittlerem Maße und der gering bezahlten Bühnenangehörigen find aber so bemessen, daß ihre Herabsetzung ein schweres Unrecht gegen den Stand der Künstler sein würde. lieber die Unbeliebtheit der Steuer, an die das Publikum täglich erinnert werden wird, und über alle daraus abzuleitenden Konsequenzen möchte ich mich lieber nicht äußernd Auch der Zentralausschuß Berliner kaufmännischer, ge- werblicher und industrieller Vereine hat erneut zu der Ma- gistratsvorlage Stellung genommen und erklärt: .Der Zentralausschuß hält es für undenkbar, daß, nachdem nicht nur die beteiligten Interessenten, sondern auch sämtliche Handelsvertretungen, die gesamte Presse und die erdrückende Mehr- heit der Berliner Bürgerschaft ihren Unwillen und ihren Protest gegen diese Steuer bekundet haben, diese Steuer zur Annahme gelangt. Er richtet in letzter Stunde an die Stadtverordneten- Versammlung die eindringliche Bitte, im wohlverstandenen Jnter- esie der Berliner Bürgerschaft und weiter Kreise deS Berliner Gewerbefleißes die Vorlage abzulehnen." In der Dienstagsnummer bringt der„Börsen- Courier" einen Leitartikel, in welchem gegen die Lustbarkeitssteuer Front gemacht und die Ablehnung dieser Sondersteuer gefordert wird. Unsere Kommunalfreisinnigen im Roten Hause, die für die Steuer sind, mag diese Stimmung in weiten Kreisen der Berliner Bevölkerung manche Kopfschmerzen machen, zumal sie am letzten Donnerstag den voraussichtlichen Betrag der Lustbarkeitssteuer bereits als Einnahme in den Etat eingestellt haben._ Die Gcschiiftserledigung auf dem Polizeipräsidium erscheint durch zwei uns vorliegende Schriftstücke in einem recht eigen- artigen Lichte. Ein in Rixdorf wohnender Arbeiter Z. wandte sich im September vorigen Jahres an das Berliner Polizei' Präsidium mit dem Antrage um Erteilung der Erlaubnis zum Führen von Kraftfahrzeugen. Unterm 23. Oktober erhielt der Antragsteller vom Polizeipräsidenten im Hinblick auf einige Bestrafungen einen ablehnenden Bescheid. Im März, also fünf Monate nach der ablehnenden Antwort, erhielt Z. ein neues Schreiben— datiert vom 9. März 1911—, in dem er ersucht wird, das mit dem Antrag auf Erteilung eines Führer- scheines als Kraftwagenführer eingereichte amtsärztliche Gut- achten des Kreisarztes mit 3 Mark zu verstenipeln und dann das Gutachten wieder zurückzusenden. Für Z. lag natürlich kein Grund mehr vor, diesem Ersuchen nachzukommen, da er ja bereits seit fünf Monaten die Ablehnung seines An- träges vom Polizeipräsidium in den Händen hatte. Auffallen muß es nur, wie das Polizeipräsidium dazu kam, im März 1911 die Verstempelung des Gutachtens zu verlangen, nach- dem der Antrag des Antragstellers im Oktober bereits seine Erledigung gefunden hatte, und das doch gar keinen Wert mehr für den Antrag hatte. Im übrigen möchten wir be- merken, daß das Polizeipräsidium in seinem Verlangen nach Verstempelung des kreisärztlichen Gutachtens sich zwar auf Entscheidungen des Finanzministers stützt, daß aber diese Ent- scheidungen mit dem Gesetze nicht in Einklang stehen, was bereits auch durch ein Urteil des Landgerichts in Köln fest- gestellt ist. Die Lohnverhältnisse der städtischen Arbeiter werden in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag endlich zur Verhandlung kommen, da in dieser Sitzung der Ausschuß- bcricht erstattet wird. Außerdem stehen noch eine Reihe anderer wichtiger Punkte auf der Tagesordnung, unter denen auch die Lustbarkeitssteuer sich befindet. Es wird von dem Umfange der Debatte über die Arbeiterfragen abhängen, ob die Lustbarkeitssteuerfrage noch zur Verhandlung und Erledigung kommen kann. ReichSbank und Gemeinbesteuer». vor dem Bezirksausschüsse zu Berlin wurde heute über die Frage verhandelt, ob die Gewinn- anteile des Reiches an dem Reineinkommen der Reichsbanl der Gemeindeeinkommensteuerpflicht unterliegen oder nicht. Die Reichs bank, welche die Ansicht vertrat, daß diew Gewinnanteile vom Rein gewinn abzuziehen seien, beantragte die Ermäßigung des Steuer satzeS um mehr als 300 000 M. Der Magistrat von Berlin bestritt die Abzugsfähigkeit. Die Klage der Reichsbank wurde vom Bezirks- auSschuß abgewiesen. Eltern schwachbeanlagter, seelisch eigentümlicher oder schwer er- werbSfähig werdender junger Mädchen werden darauf aufmerksam gemacht, daß die städtische Fortbildungsschule für Schwachbeanlagte, Brunnenstr. 186, 2. Hof, SchulhauS, am 1. April daS Sommerhalbjahr beginnt. Die Mädchen erhalten Unterricht in Deutsch, Rechnen, Hauswirtschaft, weiblicher Handarbeit, Gesang und Turnen. Fast sämtliche der zu Ostern abgehenden Schülerinnen werden eine leichte Arbeitsstelle übernehmen oder sich im eigenen Haushalte mit gutem Erfolge nützlich betätigen können. Anmeldungen werden Dienstags und Freitags von S bis 6 Uhr angenommen. In den Kasscnräumen der Ortskrankenkasse der Hutmacher, Gollnowstraße 46, haben in vergangener Nacht Einbrecher wie die Vandalen gehaust. Nachdem sie die mit starkem Eisenblech be« schlagene und mit Sicherheitsschlössern versehene äußere Tür mittelst Stemmeisen ausgesprengt hatten, versuchten fie den großen Geld- schrank im Kassenlokal sowie den in den hinteren Räumen stehenden kleinen Geldschrank aufzubrechen. Beide Schränke widerstanden jedoch allen Aiibohrungsversuchen aufs beste. Nunmehr ließen sie ihre Wut an die Pulte der Beamten aus, welche sämtlich erbrochen wurden, ohne jedoch bares Geld zu erbeuten. Nur an den für Kassen- Mitglieder abzugebenden Borräten an Malzextrakt taten sie sich güt« lich und nahmen außerdem 23 große und kleine Flaschen mit. Die„Zellerhaus-Zeitung". Zu der Notiz hierüber in Nr. 68 deS.Vorwärts" schreibt uns die Verwaltung deS ZellerhauseS erst jetzt, daß es sich nicht um eine Tages« oder Wochenzeitung handelt, sondern um ein monatlich einmal versuchsweise erscheinendes Blättchen, das in erster Linie bestimmt sei, die Beratungen der Mütter- konferenzen deS ZellerhauseS wiederzugeben. Die Kosten deS Blätt- chens würden von dritter Seite gedeckt, dem Zellerhause und seinen öglingen würde also hierdurch nichts entzogen. Auch liege der erwaltung des ZellerhauseS und den Leitern der Mlltterkonferenzen jeder Personenkultus völlig fern. Dazu ist zu bemerken, daß wir, wie auch schon in obiger Notiz angedeutet war. dem Prinzip der Rettung von Trinkerkindern nach wie vor Interesse entgegenbringen. unS aber mit der Art. wie diese Rettungsarbeit mit den periodisch im Berliner Rathause ab- gehaltenen Mütterkonferenzen des ZellerhauseS verquickt wird, nicht recht befreunden können. Seitdem das Zellerhaus endlich im Rettungshafen hochgestellter Protektoren gelandet ist, hat«S ein Wesentlich anderes Gesicht angenommen. DaS ist ja der bekannte Werdegang aller dieser Institutionen, die zunächst bei der Plutokratie keine offene Tür finden und sich erst über die Empfehlung der Arbeiterpresse hinweg, die man nachher gar zu gern verleugnet, zu einiger Bedeutung entwickeln. Eine teure Nacht. An eine gefährliche Lebedäme geriet de« Fabrikant F. aus der Lietzmannstraße. Am Oranienburger Tor machte F. die Bekanntschaft eines hübschen jungen Akädchen., das kaum zwanzig Jahre alt war. Die Holde erzählte'■ihm, sie fei Empfangsdame bei einem bekannten Berliner Zahnarzt, und da sie heute frei habe, wolle sie sich einmal tüchtig amüsieren. F. glaubte auch den Schwindel, und er unternahm mit der Schönen eine ausgedehnte Bierreise. Später folgte ihm die angebliche Empfangsdame, die auch eine falsche Adresse angab, in die Woh« nung, und als F. morgens evlvachte, war sie spurlos verschwunden, Aber es sollte noch andere Ueberraschungen für ihn geben. Mit der Begleiterin waren auch seine sämtlichen Brillcmtringe, die einen Wert von über tausend Mark haben, verschwunden. Ferner hatt� die Person das Portemonnaie mit annabernd hundert Mark und die Taschenuhr des F. mitgehen heißen. Die Diebin ist eine jener raffinierten Halbweltdamen, die es sich zur Aufgabe machen, ihre Opfer nach Möglichkeit zu bestehlen. Die Räuberin hat bereits eme ganze Reihe ahnlicher Taten verübt. Die Kriminalpolizei interessiert sich infolgedessen recht lebhaft für sie. Der Frauenmord in der Boycnstraße. An der Aufklärung deS Frauenmordes in der Boyenstraße arbeitet die Berliner Kriminal« Polizei im stillen weiter, doch konnten bis jetzt handgreifliche Spuren noch immer nicht gefunden werden. Neuerdings wurden zwar zwei Sistierungen vorgenommen, aber nach dem augenblicklichen Stand der Untersuchung hat eS den Anschein, als ob die Sistierungen nicht aufrecht erhalten werden können, da sich bisher nichts Be« lastendes ergeben hat. Die Sistierten sind zwei junge Leute im Alter von 19 und 20 Jahren. Der eine von ihnen wohnt im Hause Boyenstraße 14, wo auch die Bebausung der ermordeten Frau Schramm lag; der andere wohnt im Hause Bohen- straße 18. Beide wurden nach dem Polizeipräsidium geschafft und eingehend verhört. Hierbei machten sie sich dadurch verdächtig, daß sie sich in Widersprüche verwickelten. Nach den polizeilichen Feststellungen ist die Ermordete, wie berichtet, in der Mordnacht mit zwei Männnern über den Hof des Grundstückes Bohen« straße 14 gegangen. Diese Männer sind von einem Ehe« paar, das in demselben Hause wohnt, vor der HauStür angetroffen worden, und später sah eine andere Hausbewohnerin die beiden jungen Leute auf dem Hofe an einigen Staketen, die für eine Gartenanlage benutzt werden sollten, stehen. Der eine trug einen grauen Ulster und der zweite eine dunkelblaue Mütze. Die Sistierten sollen nun jene beiden Männer sein. Nach längerem Leugnen gaben sie zu, in der fraglichen Zeit vor der Tür gestanden zu haben, doch wollen sie mit dem Verbrechen in keinerlei Verbindung stehen. Ihr anfängliches Leugnen erklären sie damit, daß sie Angst hatten, in die Untersuchung verwickelt zu werden. Eine Durchsuchung ihrer Wohnungen förderte nichts zutage, wa» st« be« lasten könnte. Im Untersuchungsgefängnis erhängt hat sich der SO Jahre alke Kesselputzer Wilhelm Marten aus der Driesener Str. 27, der wegen versuchten Mordes verhaftet worden war. Marten hatte sich, wie wir damals berichteten, aus Eifersucht von seiner Geliebten, einer 36 Jahre alten Arbeiterwitwe Marie Reller, getrennt, lauerte ihr, als sie sein« Wiederaimäherungsversuche zurückwies, am 1. dieses Monats aus dem Wege von der Wohnung nach dem Ringbahnhof an der Schönhauser Allee morgens früh an der Ecke der Drieseirer- und Dänenstraße auf und stieß ihr, als sie ihn wieder abwies, sein Messer zweimal in den Nacken und dann noch einmal in die Stirn. Er wurde noch am Abend desselben Tages in einer Schankwirtschast in PaHkow festgenommen und behauptete, er habe der Frau„nur" ein Auge ausstechen wollen, um sie häßlich zu machen. Frau Reller ist im Virchow-Krankenhous vollständig wieder hergestellt worden und hat die Anstalt bereits verlassen. AuS dem Fenster gestürzt hat sich gestern abend gegen 6 Uhr die Frau de» in der Ohmstr. 4 wohnhasten Nachtwächters Krause. Der Stur�, der aus der dritten Etage auf den Hof erfolgte, führte den sofortigen Tod herbei. Die Tat soll in einem plötzlichen An« falle von Schwermut ausgeführt worden sein. Die gestohlene AmtSkette. Recht unliebsame Einbrecher haben in der Nacht vom Montag zum Dienstag dem Bezirksvorsteher Wilhelm Blankenburg, Pankstr. 42, mne Visite abgestattet. Mittels Nachschlüssels verschafften sich die Diebe Einlaß in die Wohnung des Vorstehers, und sie durchsuchten sämtliche Räumlichkeiten nach Geld und Wertsachen. Alle Behälter rissen sie auf und durchwühlten sie von oben bis unten. Die dreisten Burschen erbeuteten ein« Geldsumme von 90 M., sowie die AmtSkette des Vorstehers. Der Bestohlene ist jetzt bemüht, die silberne Kette wieder in seinen Besitz zu bekommen. Die Spur im Wasser. Ein Automobildiebstahl, der am 4. Januar verübt wurde, beschäftigt nach wie vor die Kriminal» Polizei. An jenem Tage hielt ein Wagenführer des Kraftwagen- besitzers Kirsch auS der Merseburger Straße 1 zu Schöneberg mit einer Opel-Droschke am Oranienburger Tor und kehrte einen Augen« blick bei einem Gastwirt ein, um sich zu stärken. Als er zurück« kehrte, war sein Wagen verschwunden. Niemand hatte gesehen, wer mit ihm davongefahren war. Alle Nachforschungen nach dem Auto blieben erfolglos. Erst jetzt hat durch einen Zufall ein Schiffer eine Spur von ihm gefunden, und zwar im Spandauer Schiffahrtskanal. Der Mann stieß dort mit einem Bootshaken auf den Grund. Als er ihn wieder herauszog, hing an dem Haken ein Sack, in dem er dann die Taxameteruhr, den Schlauch, die Buxen und den metallenen Namens« zug.Opel' von' dem gestohlenen Wagen fand. Die Kraftdroschke ist ohne Zweifel auseinander genommen worden. Das Gestell bat einen neuen Aufbau erhalten und der gestohlene Wagen läuft jetzt unter neuer Flagge wieder im Verkehr. Leider hat der Schiffer den Sack wieder ins Wasser geworfen, weil er stark verschlammt war. Es war ein kleiner Zementsack. Vielleicht hätte man an ihm einen Anhalt für weitere Nachforschungen gefunden. Ein mutmaßlicher Kindesmord beschäftigt die Kriminalpolizei. Auf dem Müllabladeplatz an der Bensselstraße wurde die Leiche eines neugeborenen Mädchen? gesunden. Bisher konnte nur fest- gestellt wenden, daß sie in einem der Müllkasten gelegen hat. die vom Holsteiner Ufer stammen. Die kleine Leiche wurde beschlag- nahmt und nach dem Schanhause gebracht. Nachforschungen nach der Mutter des Kindes wurden von der Kriminalpolizei alsbald eingeleitet. Z» dem große» Geldschrankeiniruch, der in der Nacht zum Montag voriger Woche bei Jacob u. Valentin in der Holzmarkt» straße 6S verübt wurde, wird mitgeteilt, daß weder von den Tätern noch von dem Verbleib ihrer Beute bisher auch nur eine Spur ge» funden ist. Nach den genaueren Feststellungen fielen den Dieben 14 469 Mark in deutschem Papiergeld, Gold und Silber, über 11� Pfund Sterling in englischem Gelde, 4M Frank in schweizerischer Münze, für 2400 Mark Coupons 3'/»prozentiger preußischer Staatsanleihen, für 291 Mark 66'Pfennig Briefmarken, statistische Marken zu 6 Pfennig und Frachtbriefstempelmarkcn zu 10 Pf. in die Hände. Der Perlenschmnck, den sie erbeuteten, ist 40 000 M. wert. Er besteht aus zwei Reihen auffallend schöner Perlen, jede Reihe zu 97 Stück. DaS Schloß ist mit einem nn- gewöhnlich großen Saphir besetzt, den Brillanten umgeben. Dazu kommen noch ein antike« silbernes Kollier, dessen Silberwert aNcin 3000 M. beträgt, und eine kleine Brosche, die auS einem länglichen, von Brillanten umgebenen Opal besteht. DaS Kollier ist aus etwa acht Löwenköpfe» zusammengesetzt, die jeder eine birnenförmige Perle tragen und einen Ring im Maul halten. Zwischen den Köpfe» tt* finden sich Rubinen. Mehrere Stürze ereigneten sich beim Sechstagerennen. Arend und v. Natzmer stürzten unfo brachen sich das Schlüsselbein. Beide mußten infolgedessen endgültig aufgeben. Der Zoologische Garten hat seine schon aus mehreren Hundert berschiedencii Arten bestehende Sammlung ausländischer Klein- böge! jetzt noch um ein Paar allerdings noch nicht in Farbe befind- licher Papua-Paradiesvögel und um einen eigenartig schönen, samt- schloarzcn Sechsfedcr-Paradiesvogel aus i'teu-Guinea vergrößern tonnen. Während die ersteve Art. deren Männchen die bekannten goldgelben Schmuckfederbüschel erhält, schon früher, wenn auch sehr seltcu, lebend hier eingeführt worden ist, bedeutet der Sechsfeder- Paradiesvogel, der seinen Rainen nach je drei langen, dünnen, nnr am Ende befiederten Federkielen in der Ohrgegeud erhalten hat, eine vollkommen neu.e Erscheinung auf dem Tiermarkt. In einem der mittleren Glasläsige des großen Vogelhauses ist diese merk- würdige Paradiesvogelart zum ersten Mal zg sehen, i- Vorort- JVacbricbteit. Lichtenberg. In einer Dauersitzung, die sich bis kurz bor 1 llhc nachts hinzog, wurde in der letzten Stadtverordnetenversammlung der gesamte Etat durchgepeitscht. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde die Dringlichkeit einer Petition der Konsumgeiwssenschaft für Berlin und Umgegend anerkannt, welche die Aufhebung der der Firma Ludewig u. Büttner erteilten Konzession zur Errichtung eines Schlachthofes auf dein Grundstück Herzbergstr. 21 fordert. Zur Begründung betonte Genosse Graiuer, daß zweifellos der üble Geruch, der mit einer solchen Schlachthausanlage verbunden ist. zur größten Belästigung und auch GesundheitSschädigung der Anwohner jener Gegend führen müßte. Insbesondere trifft dies über für die Mieter der vom Konsumverein in der Rittergut- siraßc erbauten Häuser zu. In der Debatte betont Bürgermeister Ziethen, daß der Magistrat mit der Sache gar nichts zu tun habe, da ja lediglich der Stadtausschuß hierfür in Frage komme. Er wurde daraufhin«von allen Rednern auf die Tatsache hinge- wiesen, daß doch der Stadtausschuß aus Magistratsmitgliedern gebildet sei und es darum auch die Pflicht der betreffenden Herren sei, bei allen ihren Beschlüssen das Interesse der Bürgerschaft im Auge zu behalten. Genosse Brühl wies noch auf die Miß- stände hin, welche sich für die Anwohner des Berliner Zentral- Viehhofes ergeben haben und ersuchte ebenfalls, die Petition dem Magistrat zur Berücksichtigung zu überweisen, was alsdann auch die Versammlung beschloß.— Für den 21. Bezirk, umfassend Travc-, Oder- und Weserstraße, wird Herr Lehrer F. Schmidt, Scharnweberstr. 52, als Armenkommissar gewählt.— Eine Bortage des Magistrats ersucht um die Anstellung zweier Hilfslehre- rinnen an?cr höheren Mädchenschule. In der Begründung wies Direktor Kluth auch darauf hin, daß erfahrungsgemäß bei einer größeren Schülerzahl in einer Klasse viel mehr Kinder ihr Pensum nicht erreichen. So habe er beispielsweise festgestellt, daß in einer Klasse mit 46 Schülerinnen? sitzen geblieben sind, während beim Unterricht von 36 Kindern nur � Kind nicht versetzt wurde. Unsere Genossen Brühl und Grauer zogen nunmehr eine Parallele zwischen der Volks- schule und der höheren, indem sie darauf hinwiesen, daß man in der Volksschule noch teilweis 76 und mehr Kinder in einer Klasse unterrichte. Weiter wurde von uuseren Rednern darauf hingewiesen, daß auch finanziell die Stadt in ihren Zuioendungen au die Schüler einen großen Unterschied mache, indem man näm- lich für einen höheren Schüler durchschnittlich 181 Mk. und für einen Volksschüler nur 87 Mk. Zuschuß leiste.— Alsdann wurde in die Etatsberatung eingetreten. Am liebsten hätten die Bürger- lichen ohne weiteres über den gesamten Etat en bloc abgestimmt, da aber unsere Genossen sich dem energisch widersetzten, gestattete man gnädigst, in eine Generaldebatte einzutreten, um wenigstens nach außen hin den Schein einer„Beratung" zu wahren. Unser Fraktionsredner Genosse Grauer legt« entschiedenen Protest ein gegen das arbeiterfeindliche Vorgehen des Magistrats, welches sich u. a. darin zeigte, daß derselbe Beschlüsse der Stadtverordneten, soweit dieselben aus die Arbeiterschaft Bezug haben, gar nicht zur Ausführung bringe. Redner wies weiter darauf hin, wie notwendig eS sei, bei Vergebung von Submissionsarbeiten darauf zu achten, daß die für das betreffende Getverbe zwischen Arbeit- gebern und Arbeitnehmern abgeschlossenen Tarife auch von den Submittenten eingehalten»erden. So seien die Tischlerarbeiten für den Neubau des Gymnasiums einer Firma in Henningsdorf bei Velten übertragen worden. Dieselbe habe besonderen Wert daraus gelegt, daß ihre Tischleraesellen nicht organisiert waren. Die Fensterflügel seien von den Balken einer auf Abriß gekauften Mühle zugeschnitten, so daß die neUen Fenster bei der Lieferung bereits wurmstichig und aufgerissen gewesen seien, wovon sich ein Fachmann, Genosse H e ck e r t, selbst auf dem Bau überzeugt habe. Zum Schluß brachte Redner namens unserer Fraktion folgende Resolution ein:„Die Stadtverordnetenversammlung er» sucht den Magistrat, mit ihr in gemischter Kommission zu der- handeln über eine zu machende Vorlage, nach der die städtischen Körperschaften Lichtenbergs den gesetzgebenden Instanzen Preußens das Verlangen unterbreiten: 1. An Celle des bestehenden Dreiklassenwahlrechts da? allge- «leine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht zu setzen, 2. das Wahlrecht auszudehnen auf alle über 26 Jahre alten männlichen und weiblichen Gomeindemitglieder, 3. alle Privilegien oder Vorrechte bei Ausübung de? passiven Wahlrechts zu beseitigen, 4, die VtandatSdauer auf 2 Jahrs zu beschränken, 5. das Einkainmersystem in Stadt und Land einzuführen, 6. den gewählten Vertretern der Bürgerschaft Entschädigung in Form von Diäten oder AmvesenheitSgeldern zu zahlen. Von den Bürgerlichen eröffnete Herr Schachtel den Reigen, indem er eS als besonders glücklich hinstellte, daß die Mehrheit die Erhöhung des Koinmunalsteuerzuschlages auf 116 Proz. ab- gelehnt habe; dabei entschlüpfte ihm auch der wahre Grund der Ablehnung, er erklärte nämlich,„man kann doch nicht die Reichen auspowern zugunsten der Armen". Sein Nachfolger Herr Krüpf- gantz allerdings wollte Herrn Schachtels Ausführungen lediglich als einen falschen Zungenschlag hinstellen, da es den Herren pein- lich war, daß ihr Führer mit dem wahren Grund der Ablehnung herausgerückt war. Zu unserer Resolution erklärt« der„libe- rale" Herr:„Wir Bürgerlichen haben nicht das Interesse wie Sie am allgemeinen und gleichen Wahlrecht und überdies ist eine solche Resolution nur eine leere Demonstration." Nachdem unsere Genossen Heckert, Grauer und Seikel die Einwände der Bürgerlichen, daß die von uns ein- gebrachten Anträge nur wegen Geldmangels abgelehnt würden, als leere Redensarten gekennzeichnet hatten, stimmten die Bürgerlichen, einschließlich der sogenannten Liberalen, mit Ausnahme eines einzigen, gegen unsere Re- Solution. Kapitel I. Allgemeine VerZvaltung, wurde mit Ausnahme der Zulage für den Stadtbaurat, über welche in geheimer Sitzung beraten wurde, mit den von der Etatskommission beschlossenen Ab- änderungen angenommen. Unter anderem sollen die Beisitzer- gebühren am Gewerbe- und Kaufmannsgericht von 5 auf 6 Mk. pro Sitzung erhöht werden. Ein von unseren Genossen gestellter Antrag, die Bersitzergebühren auf 8 Mk. zu erhöhen, war bereits in der Etatskonrmission abgelehirt worden.— Bei Kapitel II, Bauverwaltung, wird wiederum auf unseren Antrag beschlossen, dem Arbeiterturnverein die Schulturnhallen zu überlassen. Es bleibt abziüvarten. inwieweit der Magistrat und die Schuldepu- tation diesmal dem Beschluß der Stadtverordneten nachkommen wird. Die Kapitel Fleischschauamt. Eruirdstücke und Gebäude, sowie Kapital- und SchllldenvexWlsung weppe» dkbsttitoS angenommen, Beim Kckpitel Volks schuleü Ties Genosse Gtfklle? auf die eingangs der Sitzung vom Direktor Kluth gemachten Feststellungen hin und beantragte, die außerordentlich hohe Klassenfrequenz der Volksschulen herabzusetzen, des Weiteren müsse die Zahl der Schulärzte vermehrt werden, da es jetzt unmöglich sei, im Laufe des JahreS wenigstens einmal sämtliche Kinder zu untersuchen. Herr Bürgermeister Ziethen sprach sich dahin aus, daß der Magistrat zu den geäußerten Wünschen Stellung nehmen werde. Ein Antrag, die Ortszulagen der Lehrpersonen den Berliner Sätzen gleichzustellen, sowie den unverheirateten Lehrern dieselbe Mietsentschödigung zu gewähren wie den verheirateten, wurde ab- gelehnt. Zum Kapitel Armenverwaltung beantragte Genosse Spicckermann für Speisung armer Schulkinder 2666 Mk. statt der vorgesehenen 1666 Mk. einzusetzen. Der Antrag wurde abgelehnt. Redner wies weiter darauf hin. wie notwendig es sei,' Frauen zur Armen- und Waisenpflege heranzuziehen, allerdings setze er voraus, daß es nicht nur Damen seien. Dieser Antrag wurde angenommen. Bemerkenswert war hierbei die Stellung der Bürgler- lichen. In der Etatskommission war der Antrag ans Hinzu- ziehung der Frauen abgelehnt worden. Als nun im Plenum der Antrag unserer Genossen erneut gestellt wurde, sahen die bürger- lichen"Herren erwartungsvoll nach Herrn Plonz. Dieser winkte ihnen denn auch ermunternd mit den Worten zu„das können wir ja annehmen", dem Herr Rott noch hinzufügte„das kostet ja nichts" und daraufhin wurde der Antrag angc- nommen. Beim Kapitel Parkvcrüvallung wies Genosse Brühl auf die überaus lange Arbeitszeit der Gärtner hin und beantragte, die- selbe auf 9 Stunden festzusetzen. Der Antrag wurde abgelehnt. Dagegen einem weiteren Antrag zugestimmt, wonach die Arbeits- zeit an den Sonnabenden nur 6 Stunden betragen soll.— Beim Kapitel Steuervevwaltung beantragten unsere Genossen, die Bier- steuer und Betriebssteuer sowie das Soll der fingierten Normal- sätze der Einkommen von 666—966 Mk., welche mit 15666 Mk. in den Etat eingesetzt sind, zu streichen. Unsere Genossen Grauer und Linke führten zur Begründung aus, wie ungerecht diese Steuern wirkten und wie insbesondere der fingierte Normalsatz von 4 Mk. die allerärmstcn Schichten der Bevölkerung treffe. Weiter sei es auch notwendig, eine Aenderung im Mahnverfahren zu treffen, da es in der jetzigen Handhabung oft geradezu rigoros wirke. Alle unsere zum Kapitel Stenerverwaltung gestellten Anträge wurden jedoch abgelehnt. Der Kommunalsteuerzuschlag wurde wiederum aus 166 Proz. festgesetzt. Damit war die Etatsberatung beendet. Elchöueberg. In der Stadtverordnetenversammlung am Montag wurde der zum ersten Bürgermeister gewählte, bisher als Beigeordneter in Straßburg tätige Alexander Dominicus vom Regicrungs- Präsident v. d. Schulenburg in sein Amt eingeführt. Bürgermeister Blankenstein und der Stadtverordnetenvorsteher begrüßten hierauf den Leiter des Gemeinwesens. Bürgermeister Dominicus be- tonte, daß er weder große Worte noch große Versprechen zu geben die Absicht habe, es komme lediglich darauf an, im Sinne des ver- storbenen Oberbürgermeisters Wilde weit» zu wirken, Hieraus wurde die Sitzung geschlossen. Eichwalde. Bei der am Sonnabend stattgesunbencn Gemeinbevertreter- wähl erhielt unser Kandidat der dritten Abteilung, Genosse Karl König, 63, der Gegenkandidat, Molkereibesitzer Franz Beutling, ebenfalls 68 Stimmen, und ein anderer bürgerlicher Kandidat eine Stimme. Da kein Kandidat die Mehrheit hatte, findet am Sonntag, den 2. April, vormittags von 8— Uhr. im Gemeindesitzungssaal die Stichwahl statt. Genossen! Es muß eines jeden Ehrenpflicht sein, bei der Stichwahl unserem Kandidaten Karl König zum Sieg zu verhelfen. Nützt die kurze Frist bis zur Stichwahl aus, agitiert unablässig bei den uns noch fernstehenden Einwohnern. Denkt daran, daß es auf jede einzelne Stimm« ankommt. Das Komitee. Groß-Lichterselde. Zur Gemeindewahl! Heute Mittwoch, den 29. März, findet im Westen die Wahl zur Gemeindevertretung statt. Wahllokal: Wolffs Kasino, am Viktoriaplatz. Wahlzeit: 2 bis 8«Uhr nachmittags. Wir fordern die Arbeiterschaft in letzter Stunde nochmals auf, ihrer Pflicht eingedenk zu fein, ausnahmslos zur Wahl zu erscheinen und dem sozialdemokratischen Kandidaten Zeitungsexpedient Wenzel ihre Stimme zu geben. Die Parteigenossen in den umliegenden Orten, die mit Lichter- selber Arbeitern zusammenkommen, werden ersucht, diese auf die Wahl nochmals aufmerksam zu machen. Da nur zwei Kan- didaten einander gegenüberstehen, fällt die Entscheidung im ersten Wahlgang; eS mutz daher alles aufgeboten werden, den Sieg unseres Kandidaten herbeizuführen. Das Wahlbureau befindet sich bei L. Wrotnickni, Ring-, Ecke Holbeinstratze. Die Genossinnen werden ersucht, sich nachmittags von 2 Uhr ab im Wahlbureau zur Verfügung zu stellen. Friedrichshagen. Aus der Gemeiubevertretung. In geheimer Sitzung wurde zunächst den verheirateten Gemeindebcamten eine nach der borhon- denen Kinderzahl steigende HauShaltungszuIage bewilligt.— Bei der dann folgenden Etatsberatung flihrten hie Genossen Stephan und Sonnenburg Beschwerde über die Straßenbahnverwal- tung, die wiederholt verschiedenen Arbeiterlategorien die Verab» folgung von Arbeiterwochenkarten verweigert hat. Bürgermeister Dr. Stiller sagte eine Untersuchung der Angelegenheit und eventuelle Abhilfe zu. Genosse Sonnenburg wünscht, daß, nachdem nun der Vertrag mit der Gaianstaltsbesttzerin rechtskräftig ge- worden, die Uebergangsbsdingungen öffentlich bekannt gegeben werden. Der Bürgermeister spricht hierzu seine Bereitwilligkeit aus. Genosse Grau boschwerte sich, daß der Arbeiterturnverein „Vorwärts" auf wiederholte Gesuche um Ueberlassung der Ge- meindeschulturnhall« keine Antwort erhalten habe. Genosse Sonnenburg neigt zu der Anficht, daß wohl von maßgebender Stelle dein Turnverein„Vorwärts" Tendenzen unterschoben würden, die jedoch in keiner Hinsicht zutreffen. Der Bürgermeister erklärte die Nichtbeantworwng des Gesuchs damit, daß zurzeit Verhandlungen schweben darüber, ob es angängig sei, die Turn- halle des Realgymnasiums zu benutzen. Bei den Titeln„Bier- steuer" und..Lustbarkeitssteuer" beantragte Genosse Barth, dieselben zu streichen und an deren Stelle die Einkomniensteuer um 10 Proz. zu erhöhen. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der fünf Sozialdemokraten und des Vertreters Geselbracht abgelehnt. Ein Antrag dos Vertreters Geselbracht, die Zu- schlage zur Gewerbesteuer für die 3. und 4. Klasse zu ermäßigen, wurde von unseren Genossen unterstützt. Auf Vorschlag deö Bürgermeisters bleiben jedoch die Zuschläge für dieses Jahr un- verändert. Im nächsten Etatsjahr soll jedoch der Antrag Berück- sichtigung finden. Vertreter Dr. Behling glaubte zur Rettung der Kleingewerbetreibenden als Allheilmittel die Einschränkung oder das gänzliche Verbot des Straßenhandels empfehlen zu können. Dieser Ansicht trat Genosse Sonnenburg entgegen uiid der Bürgermeister schwß sich dem an. Genosse Sonlunburg schilderte dann in scharfen Worten den traurigen Zustand der Ka° stanienallee. Diesen Zustand durch die Pflasterung der Straße zu beseitigen, habe d-r Gemeindevorstgnp die Pflicht und wen» sich die Anlieger noch so sehr gegen die Zahlung der Pslasterkosten- beitrage sträube». Der Bürgermeister erwiderte, daß bezüglich der Pflasterung der Kastanie, rallee und der Zugangsstraßen zu dem östlichen Zusanmienlegungsgebiet der Vertretung zu gegebener Zeit mpe Vptlage zugehen wexpe,' Bei'dezg Titel„AiMvervÄ, Tütig' frug Genosse Sonncnbut'g ast, ob dem BürgKKeister alO Polizeichef etwaige vorschriftswidrige Handlungen seitens der-Bs- amtcn oder Strafanträgs gegen dieselben bekannt seien, da in dieser Hinsicht allerlei Gerüchte umherschwirren. Ter Bürger- meister antwortete im verneinenden Sinne. Die Anfrage, welche Vorkehrungen der Gemeindevorstand getroffen habe, um einen ge» regelten Krankentransport nach dem Oberschönweider Krankenhaus zu sichern, beantwortete der Bürgermeister dahin, daß jederzeit auf telephonischen Anruf vom Oberschönweider Krankeilhaus oder vom benachbarten Köpenick ein Krankenwagen zu erhalten sei. Der Antrag der sozialdemotraiischm Fraktion, für die Freischüler des Realgymnasiums freie Lehrmittel zu bewilligen, wurde angc- nomine». Bot dein Titel„Arbeitslosemmterstützimg" erklärten die Genossen Barth und Sonnenburg, daß für den Fall im Etatsjahr die ausgeworfene Summe von 3666 Mk. nicht ausreichen sollte. ihre Fraktion eine Nachbcwilligung beantragen werde. Der An- trag des Genossen Sonnenburg, den am 3. Februar d. I. gefaßten Beschluß, alljährlich am 27. Januar aus Gemeindemitteln das Rathaus zu illuminieren, wieder aufzuheben, wurde, nachdem der damalige Antragsteller Harcke wiederum die Illumination aus dem Gemeindesäckel befürwortete, gegen die Stimmen unserer Ge« Nossen abgelehnt. Neue Etatspositionen sind: Erteilung von Schwimmunterricht an Schulkinder lBctrag 866 Mk.), Extraunter- stützungen wegen vorübergehender Notlage oder Beihilfe zu den Kosten des Zahnersatzes für arme Schulkinder(Betrag 1666 M.), ein Stifwngsfonds für wohltätige Zwecke lBetrag 1325 M.). Der .Etat schließt ab in Einnahme und Ausgabe init 766 966 M, Di« Einkommensteuer bleibt wie im Vorjahr 146 Proz. Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich am Montag amt hiesigen Ort. Bei dem Friedrichstr. 26 ivohichaften Schlächter- meister Pfeil war seit einigen Tagen der 24jährige Hermann Kralvszik aus Berlin als Kutscher beschäftigt. Vorgestern nach- mittag sollte K. in der Schlächterei aufräumen und machte sich dabei uiibefugterlveise an dem Gasmotor der Betriebsanlage zu schaffen. Er drehte den Motor an und geriet dabei mit dem Ober« körper in die Speichen des großen Schwungrades. Ehe noch die Gesellen zur Hilfe herbeieilen und die Maschinen zum Stillstand bringen konnten, wurde der Unglückliche mehrere Male herum- geschleudert und entsetzlich zugerichtet. Der Kopf wurde ihm glatt abgetrennt und der Oberkörper vollständig zermalmt. Der Tod war aus der Stelle eingetreten. Adlershof. Der Boranschlag der Gemeindeverwaltung schließt in der Ein- nähme und Ausgabe mit 797 356 M. ab. Davon fallen aus die ordentliche Verwaltung 644 966 M. und auf die Ncbenverwaltungen 152 456 M. Gegenüber den Vorjahren hat der vorliegende Vor- anschlag dahingehend eine Aenderung erfahren, daß die Ver- zinsungen und Amortisationen von Anleihen auf die einzelnen Titel verteilt erscheinen, während diese in den Vorjahren nur unter Kapital- und Schuldenverwaltung aufgeführt wurden. Es ist dadurch eine größere Uebersicht der wirklich für die einzelnen Titel erfolgten Ausgaben erreicht worden. Für die Verzinsung und Amortisation der Anleihen sind in diesem Jahre 13 629,64 M. mehr als 1916 eingestellt; die Gemeinde muß insgesamt 7t 621.43 Mark für diesen Zweck aufbringen. Die Kreissteuer ermäßigt sich von 56 666 aus 43 666 M. Für die Unterhaltung von Straßen usw. werden 64 888,99 Dt. gegen 36 666 M. geforoert. Für die öffentlichen Volksschulen sind 172 423,86 M.(122 192,56 M.) an Ausgaben eingesetzt. Darunter befinden sich an Lchrergehältern 92 932,56 M., an anderen persönlichen Ausgaben 36712,56 M., für die Hilfsschule für schwachbegabte und geistig minderwertige Kinder 2767,56 Dt. und für sächliche Kosten 11 466 M. Für Verzinsung und Amortisation von Anleihen sind 34 671,26 M. vorgesehen. Als Einnahmen stehen diesen Ausgaben nur 24 616 M.(11296 M.> gegenüber. Darunter 7656 M. als Beitrag aus der Staatskasse zu dem Diensteinkommen der Lehrer und Lehrerinnen, 3666 M. wider- rufliche Beihilfe und 13 666 Di. für Miete, Heizung, Beleuchtung» Reinigung usw. der höheren Schule. Die Gemeindeverwaltung er- fordert 163 942,96(80 737) M. und die Polizeiverwaltung 13 566 (12646) M. Für Unterhaltung des Feuerlöschwesens sind 6145,16 (3752,16) M. eingesetzt, darunter 2865 Di. für die Verzinsung und Amortisation der Baukosten des Feuerwehrdienstgebäudes. Für die Wohlfahrtsverwaltung, welche in diesem Jahre als Neuheit sich vorstellt, sind 2416 Di. vorgesehen und für die Armen- und Waisen- Verwaltung 21354,67(15931�37) M. In diesem Betrage sind 2467,27 Dt. zur Verzinsung und Amortisation der Anleihen für die ZufluchtSaiistalt enthalten. Nach Abzug dieses Postens verbleib» noch eine Steigerung der Armenlasten gegenüber dem Vorjahre von 3614,63 Di. Auf den Kopf der Einwohnerschaft entfällt eine Armenlast von 2,63 M. An sonstigen Ausgaben kommen noch 25 224,87 M. in Betracht. Darunter befinden sich: Rechtsauskunfts- stelle 275 M., öffentliche Volksbücherei 566 Di., Kosten des Gewerbe- und Kaufmannsschiedsgerichtes 425 M., Unkosten des Gemeinde- badcs 566 M., für Rcllamezwecke 1666 M.. Desinfektion 866 Di., Zuschuß zur Unterhaltung der Regenentwässerungsanlagen 8696, 7t Mark, Verzinsung und Amortisation des Anlagekapitals für letztere 6218,75 Dt. Bei der außerordentlichen Verwaltung sind 5266 Di. für Erweiterung des Gemeindefriedhofes vorgesehen.— Die höhere Schule hat an Ausgaben 44 666 M. und an Einnahmen 11662 M. aufzuweisen, so daß zur Unterhaltung der Anstalt 32 998 M. Zuschuß von der Gemeinde benötigt wird. Jedes diese Schule besuchende Kind kostet der Gemeinde 254,66 M.. während für das Kind der Gemeindeschule nur 92,38 M. verausgabt werden.— Die Kanalisationsverwaltung erfordert in Einnahmen und Ausgaben 46956 Di. Davon entfallen bei den Ausgaben auf VerbandSabgabcn 29997,76, Betriebskost 1366, Gehälter und Löhne 16266 und sächliche Kosten 5452,36 Di. An Einnahmen sind zu verzeichnen: lieber»-�uß aus dem Vorjahre 3666, Zinsen auS hinterlegten Geldern 19 257.17 M, Gebühren 2 Proz. des ÄebäudesteuernutzungSwertcs 19 866, sonstige Einnahmen 4892,83 M.— Die Ausgaben des Voranschlages werden gedeckt durch den Vortrag des vorhandenen Betriebsfonds in Höhe von 45 666 M., auS Zinsen der Kapital- und Vermögensverwaltung und Gerechtsamen mit 166 263,95 M. Der sonstige Steuerbedars wird verteilt: 156 Proz. Kvmmunalsteuerzuschlag auf die Staats- einkommensteuer usw. in Höhe von 167 256 Di.(im Vorjahre 166 Pro». 112 666 M.), 4 pro Diille Grundwertsteuer für bebaute 81 552 Mari und 5,2 pro Mille für unbebaute Grundstücke 134 498 M., ins» gesamt 216 656(195 876,86) M., Gewerbesteuer 256 Proz. in der ersten und zweiten Klasse 19566 M. und 175 Proz. in der dritten und vierten Klasse 7700 M., insgesamt 27 260(26 589,60) M., Ec- meindebetriebssteuer 666 M., Hundesteuer 3466(2766) M., Lust» barkeitssteuer 1766(1239,66) M.. Biersteuer 5560(566) M.. Umsatz. steuer 36 606(26 666) M.. Wertzuwachssteuer 4566(4566) M. Außerdem sind als Eingänge in Aussicht genommen: Bauauflichts- gebühren 13 686 M., Mietszins für vorübergehende Inanspruchnahme des Bürgersteiges oder Straßendammes durch Prßvatpcrsoncn 1266 Di., erstattete Beleuchtungskosten 2924,56 M., durch die Ler- Pachtung des Marktes und der Anschlagsäulen 7966 M. Die Gemeinderatsersatzwahl für die zweite Abteilung, die gestem stattgefunden hat, endete mit folgendem Ergebnis. Abgegeben wurden 286 Stimmen, davon erhielten der Kandidat der Grund- besitzervereine 172 Stimmen, der Kandidat des Bürgervereini 53 und der sozialdemokratische Kandidat 43 Stimmen. Gewählt ist der Kandidat des Grundbesitzervereins. Bemerkt sei, daß die Grund- befitzervereinler 62 Forensenstimmen abgaben. Mahlsdorf an der Ostbahn. In der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins entstand, nachdem Genosse Käming über die Gemeindevertreter-Nachwahl den Bericht erstatter hatte, über die Maiseierftage eine recht lebhafte Debatte. Genosse Ocrtel bezeichnete die durch die beiden Aeso- lytionen neu aufgerollte Mnifeierfrage als ein totgeborenes Kind. Er sprach sich gegen die Annahme beider Resolutionen au» und empfahl, lixber darüber abstimmen zu lassen, ob in Zukunft über« Haupt noch eine Maifeier stattfinden solle. Nach seiner persönlichen UcBttjeuntmg und Beobachtung habe die Maiseier schon langst den größten Teil ihres idealen Charakters eingebüßt und zwar wohl hauptsächlich wegen der sehr veränderten Verhältnisse im Gewerk- schaftsleben. namentlich der in letzter Zeit sich sehr gut entwickelten Unternehmerorganisationen. Wiedemann und Käming sprachen sich für die Annahme der Resolution der Gewerkschaftskommission aus. Die Abstimmung ergab, daß beide Resolutionen mit Stimmen- gleichheit abgelehnt wurden. In der Diskussion über den Punkt: MoniagSansgabe des �Vorwärts", zeigte es sich, daß im hiesigen Bezirk ein Bedürfnis für eine solche Ausgabe nicht vorliegt. Der Antrag wurde einstimmig abgelehnt. Erkner. Einen gründlichen Reinfall erlebten die hiesigen Bürgerlichen daß die Etats beraten iverden müssen, die doch nun mal gedruckt sind. Das ging nun aber selbst den Bürgerlichen über die Hutschnur. Allerdings konnten sie sich nicht zur vorläufigen Ablehnung �ent- schließen, wie es unser« Genossen beantragten, aber fürs nächste Jahr wollen auch sie einen ausführlichen Etat mit richtigen Zahlen haben. In diesem Jahre mußte ihnen der Vorsitzende den Spezial- etat, den er hatte, ausführlich vorlesen. Dadurch erhielten unsere Genossen Gelegenheit, an diesem Etat die Kritik zu üben, die dieser reichlicher verdiente als jeder andere. Hat doch der Verbandsaus- schuß beschlossen, den Verpflegungssatz der dritten Klasse von 3 M. aus 3,50 M. zu erhöhen. Und das, obgleich die dritte Klasse zu- gunsten der ersten und zweiten Klasse stark benachteiligt und zurück- gesetzt wird, so auch ganz besonders beim Essen, über das stark geklagt wird. Wenn diese Klage auch in anderen Krankenhäusern oft erhoben wird, so erfährt sie bei unS ganz besondere Bestätigung dadurch, daß der DurchschnittSvcrpfleaungssatz in Reinickendorf am niedrigsten ist, ein Ergebnis, das bei so neuen Krankenhäusern nur dadurch erreicht werde» kann, daß stark geknausert wird. Diese Ausführungen des Genossen Kuhn, wie auch die Anfrage des Ge- nassen Ohl nach dem Schicksal der Anträge des Krankenhaus- Personals in bezua auf ihre Arbeitsverhältnisse, loaren dem Ge- meindevorstand fichtlich sehr unangenehm: da aber der Vertreter der Gemeinde im VerbandsauSschusse, der Bürgermeister, nicht an- wosend War, konnte man sich mit der billigen Phrase, daß man sich um das alles kümmern werde, aus der Schlinge ziehen. Der Beigeordnete Reichhelm glaubte mit der Bemerkung, daß Reinicken- dorf für joden dem Krankenhause überwiesenen Einwohner pro Jahr zirka 1000 M. Zuschuß leiste, die Behauptung aufstellen zu können, daß Reinickendorf sozialpolitisch doch nicht ganz so unftuchtbar sei. wie stets— mit einem Blick auf unsere Genoffen— behauptet werde. Der Zuschuß der Gemeinde wurde auf 103 000 M. festgesetzt. Rotvawes. Der Gemeindeetat für das Rechnungsjahr 1011 schließt in Ein- »ahme und Ausgabe mit der ganz respektablen Summe von 1 131 500 M. Wie aus den einleitenden Worten des Bürgermeisters bei der ersten Lesung zu entnehmen ist, hat der Etat noch in keinem Jahre so viel Schivierigkeiten gemacht wie in diesem. Er hat sich zwar ohne Erhöhung der Steuerzuschläge aufstellen kassen, aber nur nach größeren Abstrichen bei einzelnen Kapiteln und unter einstweiliger Fortlassung der beabsichtigten Aufbesserung der Beamten« und Arbeiterlöhne, deren Betrag auf zirka 8000 M. geschätzt wird. In der Diskussion nahm zunächst der Gemeindevertreter Nathan das Wort. Der Gemeindesteuer- Zuschlag sei ein Anastprodukt; wenn, er auch nicht zu hoch sei. so müsse doch in anbetracht der anderen Berliner Bororte mit ihren wesentlich geringeren Zuschlägen eine Herabsetzung angestrebt werden, wenn der Ort eine gute Zukunft habe» soll. Bezüglich der Gehalts« erhöjjling erklärte er. die Finanziommisston erkenne zwar die Be- rechtlgung an. müsse ober trotzdem empfehlen, die Erhöhung auf eine Zeit zu verschieben, in der sie möglich ist, ohne Erhöhung der Zu- schlage; wenn sich nach vier bis sechs Wochen die Einlaufe aus den Forensen übersehen lassen, werde er der erste sein, der die Aufbesserung beantragt. Die Ortsfeuerwehr sei ein LuxuS, der von der Gemeinde auf die Dauer nicht getragen werden könne. Die Gemeindeschule bilde die bei weitem größte Ausgabe, die jedoch notwendig und deshalb von der Gemeinde weit über die gesetzliche Verpflichtung hinaus erhöht worden sei. DaS Gymnasium werde sich für den Ort als Zugmittel wertvoll erweisen; „wenn es nicht da wäre, müßte eS gegründet werden". Bei der SorlbikdunaSschuk«, deren Etat noch nicht seststehi. äußerte er den iimsch, daß eS dem Kuratorium gelingen möge, die Frage der An- stellung eines Leiters glücklich zu lösen. Für den Wertzuwachs empfahl Redner, nicht dem Tarife der Reichswertzuwachssteuer zu folgen, welcher Objekte bi« zu 20 000 M. außer Ansatz läßt, sondern-S bei unserer Ordnung, die jederzeit ge- ändert werden könne, zu belassen.— Genosse Neumann protestierte gegen die Art der Etataufstellung, da verschiedene Aenderungen, wie Aufgabe der Müllabfuhr und Ablehnung der Lohnaufbesserung der Arbeiter der Vertretung nicht zur Beratung vorgelegt wurden. Bei gutem Willen wäre eS wohl möglich ge- wesen. den verhältnismäßig geringen Betrag für die GehaltS- aufbesserung der Beamten sowohl wie der Arbeiter in den Etat ein- zustellen. Bei der heutigen Teuerung sei ein AnfangSlohn von 21.50 M. völlig unzureichend und einer Gemeinde von 24 000 Ein- wohnern geradezu unwürdig. Der Beschluß, die Müllabfuhr wieder aufzugeben, sei auS hygienischen Gründen wie.mit Rücksicht auf die Selbstverwaltung im höchsten Grade bedauerlich. In einer Erwiderung versicherte der Bürgermeister, daß die Sufbesserung :a nicht abgelehnt sei. sondern nur hmausgeschobe» werden soll, da wegen der Aufgabe der Müllabfuhr sowie der voraussichtlichen Auf- lösung der Otsfeuerwehr sich eine Neuorganisation der Arbeits- Verhältnisse und demgemäß eine anderweite Regelung der Gehälter notwendig machen werde. In geheimer Sitzung wurde bei der zweiten Lesung denn auch der Beschluß ge- faßt, die GehallSregelung auf etwa sechs Wochen hinaus- zuschieben.— Bei Kapitel Grundstücks« und Straßenverwaltung sprach der Gemeindevertreter Schneider den Wunsch aus. im nächsten Jahre die Abschreibungen dazuzusetzen, um den wahren Wert leichter zu erkennen. Beim Kapitel Feuerlösch- und Fuhrwesen fragte Gen. Zöllner an, auf welche Art und Weise vom 1. April ab die Müll- abfuhr geschehen soll. Der Bürgermeister erwiderte, daß die Ge- meinde weder ein Monopol noch Privileg an irgend jemand verliehen habe. Es stehe jedem Besitzer frei, sein Müll durch die Genossenschaft oder vom Privatunternehmer abfahren zu lassen.-- Die Gemeinde« schulen erfordem einen Zuschuß von 17V 304 M.. also gegen das Vorjahr ein Mehr von 20 167,32 M.; für die beiden Schulärzte sind je 400 9t. angesetzt. DaS Realgymnasium erfordert einen Zuschuß von 31083 Mark, die höhere Mädchenschule einen solchen von 23 518 M.— Die Armenverwaltung kostet die Gemeinde 29170 M., pro Kopf der Be« völkerung ist daS eine Ausgabe von 1,20 M.— Für Verzinsung der Hypotheken und Darlehen im Betraöe von 3 584 424,30 M. müssen 131 383,77 M. aufgebracht werden. Von den KanalisationS« schulden konnten bis jetzt 660000 Mark getilgt werden. — DaS Kapitel..Elektrizität»- und Straßenbahnverwaltung" stellt sich etwas günstiger als im Lorjahre. Der anteilige Neber- schuß auS der ElektrizitätS- und Straßenbahnverwaltung ist mit 16 243 M. angesetzt, f das Mehr gegen das Vorjahr beträgt 10 402,50 M. Die direkten Steuern sollen 574 900 M., die indirekten 78 500 M. bringen. An den Kreis sind abzuführen 82000, gegen das Vorjahr 4629,48 M. weniger.— Die Steuerzuschläge werden wie folgt er« hoben: Gemeindeeinkommensteuer mit 150 Proz., Gewerbesteuer mit 225 und 175 Proz., Betriebssteuer mit 60 Proz., Grundwerlsteuer mit 3,6 pro Tausend de» gemeinen Wertes der bebauten Grundstücke und mit 6,8 pro Tausend des gemeinen Wertes der unbebauten Grundstücke. Ein Antrag des Gemeindevertreters Häberer, die Steuer für letztere Grundstücke herabzusetzen, wurde abgelehnt. Eue aller Melt. Zur ßrandhataftropbc in f�cw �orlt. In der New Iorker Morgue spielen sich fortwährend erschütternde Szenen ab. Die trauernden Hinterbliebenen der bei dem Brande Verunglückten suchen in den Reihen der aufgebahrten noch nicht identifizierten Leichname nach ihren Anverwandten. Von Zeit zu Zeit unterbricht ein schmerzlicher Aufschrei die Stille; wieder hat jemand an einem Schmuckstück, an der Kleidung oder dergleichen «inen teuren Toten erkannt. Vor der Totenhalle warteten die Menschen stundenlang auf Einlaß. Bisher sind noch 37 Leich» name nicht identifiziert. Mehrere Totgeglaubte, die sich retten lonnten, fanden sich nachträglich bei ihren Auge- hörigen ein. Unter den Toten sind vier Angehörige des einen, eine Nichte des zweiten Besitzers der Triangle-Blusen» Company. Die Unter sutbung. die die Behörden unverzüglich ein« leiteten, ergab mehrfach Verletzung« nderBauvorschriften. aber auch die Gesetze stellen sich als recht unzulänglich heraus. Bei dem ersten öffentlichen Verhör über das Brandunglück sagten die Zeugen auS, es habe sofort die größte Panik geherrscht; die Treppen deS Gebäudes seien zu eng und die anderen Ausgänge angeblich verschlossen gewesen. Die einzige Feuernotleiter sei unbrauchbar gewesen. DaS Baudepartement wird in der Durchführung der Feucrschutzvorschristen der Nachlässigkeit beschuldigt. Man erklärt, daß zahl- reiche Wollenkratzer in New Jork ebenso feuergefährlich seien. Zur Unterstützung der Hinterbliebenen wurde eine Sammlung eingeleitet: bisher sind gegen 16 000 Dollar gezeichnet worden. Carnegie, der alle Welt mit seinen Millionenstistungen in Staunen setzt, hat für diesen Zweck von seinem sauer verdienten Riesenvermögen auch ganze 6000 Dollar abgestoßen. Attentat auf eine« türkischen Militärinstrukteur. Der in türkischen Diensten stehende deutsche Oberst- leutnant v. S ch l i ch t i n g ist am DienStagvormittag von einem albanesifchen Soldaten aus zwei Schritt Entfernung angeschossen und schwer verwundet worden. Oberstleutnant v. Schlichting schritt in Begleitung des Korpskommandantcn die Konstantinoveler Wachmannschaft ab und richtete mit der Hand den Kopf des Täters grade. Dieser glaubte sich geschlagen und feuerte die Kugel ab. die den Magen und Dann durchbohrte und die Wirbelsäule und das Rücken- mark verletzte. Trotz einer sofort vorgenommenen gut ver- laufenen Operatton ist der Verwundete noch im Laufe des TageS gestorben. Der Sultan und die Minister übermittelten dem Botschafter ihr Bedauern über den Vorfall. Der Täter soll heute, Mittwoch, erschossen werden. 127 000 M. durch einen Bürgermeister unterschlagen. In Stolberg im Harz hat sich der dortige Bürgermeister Dr. P a m p e I nach Unterichlagung von 127 000 M. Sparkassengeldern erschossen. Die Unterschlagungen reichen mehrere Jahre zurück. Durch Fälschung von Unterschriften zweier Mit« glieder des Kuratoriums hat er seit etwa fünf Jahren vom Magde« burger Bankverein auf Koiito der Sparkasse zu Stolberg größere Beträge erhoben, die den Gesamtbetrag von 127 000 M. erreichten. Die Fälschungen kamen erst am Montag abend durch Zufall an den Tag. Schutztätowierung für Ehefrauen. Der Rev. Francis Rawel. Pastor an einer Mcthodistenkirche in Chicago, ist ein energischer Verteidiger ehelicher Tugend, und um die verheirateten Frauen vor den Nachstellungen der bösen Männer zu schützen, hat er nun, wie der„Araldo italiano" aus New U ork berichtet, ein eigenartiges Verfahren entdeckt, um die Don Juans abzuschrecken. Er will den allzueisrigen Verehren: weiblicher Schön« heit die Möglichkeit der Ausrede nehmen, daß sie in gutem Glauben gehandelt hätten, weil eS ihnen unbekannt gewesen wäre, daß die angebetete Frau bereits verheiratet sei. In einer Predigt hat der Rev. Francis Rawel sein« Idee der versammelten Gemeinde unterbreitet.„Um die verheirateten Frauen zu erkennen und sie zu schützen vor den Nachstellungen jener Männer. die der Anmut de» weiblichen Geschlecht» nicht widerstehen köimen, schlag« ich vor, daß jede Ehefrau an deutlich ficht« barer Stelle tätowiert wird, so daß Mißverständnisse nicht mehr möglich sind. Diese Methode ist keineSlvegS neu, sie wird in Neuseeland längst geübt, und ich glaube, daß sie unseren Zielen entsprechen wird." Aber der Reverend will nicht nur die Ehefrauen tätowieren, er will auch den Kuß beseitigen, zum mindesten den Kuß mit den Lippen. Daher hat er auch seine Gemeindeangebörigen ermahnt, den Lippenkuß zu unterlassen und statt dessen alle Gefühle der Zärtlichkeit im N a s e n k u ß zusammenzufassen, der darin besteht, daß man die Rasenspitzen aneinanderreiht. Ob mit der„äußerst zeitgemäßen" Neneruitg des Tätowieren» alle— Frauen einverstanden sein werden? Kleine Notizen. Explesien i» einem Fcuerwcrkölaiorntorium. In den Werkstätten des Feuerwerkslaboratoriums zu L a g 0 u b r 0 n in Frankreich er« eignete sich während der Entleerung von Geschützpatronen eine Explosion, wodurch sechs Arbeiter verletzt wurden. Da» ausgebrochene Feuer war rasch gelöscht. Entgleisung eines ExpreßzugeS. Nahe der spanischen Stadt T a r r a s a ist der Expreßzug Barcelona— Madrid ent» gleist. Dabei wurden drei Personen getötet und sieben verletzt. Panik im Kinothcatcr. Während der Vorstellung eines Kine» matographentheater» in der englischen Ortschaft MiddleL» borough entstand infolge Feueralarm eine Panik, bei der drei Personen getötet und dreizehn verletzt wurden. •. BIEDER Brunnen-Sfrasse I Frankfurter Allee 89 Kotfbuser Damm 103 V ••• ,v> i A MÄ MW ■faM . iifMj .. t;-> 'ÄSM 'r'1 M '-'UMH . täp'*-..;.v Wer wOsate wohl nicht, dass es in ganz Berlin nur ein Kredithaus gibt, welches Millionen Umsätze macht, ca. 140 Angestellte beschäftigt, dessen Geschäftsbetrieb sich in sieben grossen Geschäftshäusern Berlins abwickelt und somit einzig und allein das Prädikat Deutschlands grösstes Kredithaus verdient. Jeder, der sich elegant kleiden will oder zum 1. April umzieht und unter wirklich günstigen Bedingungen, d h. mit jeder gewünschten Anzahlung und gegen allerkieinste Wochen- und Monatsraten Waren oder Möbel zu kaufen beabsichtigt, gehe nur nach meiner Zentrale Brunnenstr. 1 oder nach einer meiner Filialen: Frankfurter Allee 89oder Kottbuser Damm 103, Dort bekommt man in reichhaltigster Auswahl und zu wirklich billigen Preisen alles, was man braucht vom einfachsten bis zum elegantesten Genre, geliefert. 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Inhaber dieser Schuldverschreibungen tonnen vom 1. Juli b. I. ab den Betrag, gegen Abgabe der Scheine bei unserer Kasse erheben. 104/ U Der Vorstand. I. A.: Ikorner, Vorsitzender. Trapp, Stettiner Str. 10. Karl arl Weiße. Nazarethkirchstr. 49. A. Dietz, Jnvalidenstr. 124 Umiähmellellen für„Kleine flnzeigen" Berlin C. A. Habuisch, Auguststr. 50, Eingang Joachimstraße. W. G. Schmidt, Kirchbachstr. 14. O. R. Hackelbusch. Petersburger Platz 4. Gustav Bogel. Koppen- str-ße 83. R. Wenzels. Gr. Franksurter Str. 120. ZkO. L. Zucht. Jmmanuelkirchstr. 12. I. Reul. Barnimitr. 42. X. W. Baumann, Bernauer Str. 9. f Mars, Lvchener Str. 123.$ H. Bogel. Lortzingstr. 37. L. Dechand, Ruheplatzstr. 24. UTW. Karl Anders, Salzwedelerstr. 8. Weckert. GotzlowSkhstr. SS. SW. H. Werner. Gneisenaustr 72. Daehn. Hagelberger Str. 27. 14. St. Friß, Prwzenstr. 31. F. Gutscbmidt. Kottbuser Damm 8. SO. Paul Böhm. Lausitzer Platz 14/15. P. Horsch. Engeluser 15. Adlerahot. Karl Schwarzlose. Hossmannstr. 9. BaamachDlensvcg. H. Hornig. Marienthalerstr. 13, I. Boralgwalde. Paul Kienast. Näuschstr. 10. Cbarlotteabarg. Gustav Scharnberg, Sesenhetmer Str. 1. Frledricbaliagen. Ernst Werkmann. Köpenicker Str. 18. diirllaaa. Franz Klein, Bahnhosstr. 6, III. Johanniathal. Pielicke, Kaiser-Wilhelm-Platz& Karlahorat. Richard Knter, Rödelslr. 9, II. Bdnealelr. Emil Wisiier, Kietzerstr. 6, Laden. liichtcnberg. Cito Seikel, Kronprinzenstr. 4, I. Blledcp-SchOnewelde. Max Priebke, Britzer Str. 14 ll. Kowawea. Wilhelm Jappe, Friedrichstr. 7. Ober-Schönewcide. Alfred Bader, Wilhelminenhosstr. 17 U. Eaakow. Otto Rißmann, Mühlensir. 30. Reinickendorf. P. Gursch, Provinzstr. 56, Laden. Rlxdorf. M. Heinrich, Neckarstr. 2. Eonrad. Hermann str. SO. C. Rohr, Siegsriedstr. 28/29. Rnniinelabnrg. A. Rosenkranz, Mt-Boxhagen 56. «obvneberg. Wilhelm Bäumler, Martin-Luther-Str. 51 im Laden. Spandau. Koppe», Breitestr. 64. Steglitz. H. Bernsee, Schioßstr. IIS. Vempelbof. Albert Dhiel, Berliner Str. 4l/42. Treptow. 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Um rege Beteiligung ersucht 81/2 Die ertsverwaltiing. Todesanzeige. Am 26. d. Mts. entschlief nach langem, schwerem Leiden im Alter von 46 Jahren mein lieber Mann, der Gastwirt lohannos Heinmüller. Um stille Teilnahme bittet die 36248 geb. Weck. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. d. Mts., nachmittags 2'/, Uhr, vom Trauer, hause nach dem HimmelsahrtS- Kirchhos in Nordend aus statt. SoziaidemokratiseherWahlverelD des 6. Berl. Relehstags-Wahlkrelses. Am 26. März verstarb unser Genosse, der Gastwirt �dhauues Heinmüller Boltastr. 8. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. März, nach. mittags 2'/, Uhr, vom Trauer- banse auS nach dem Friedhos der HimmetsahrtSgemeinde, Nordend. statt. 226/10 Um rege Beteiligung ersucht B«r Verstand. Allen Freunden und Bekannten dt« traurige Nachricht, daß unser Mitglied, der Gastwirt Mauuea Heinmüller im Aller von 46 Jahren ver- starben ist. Bio Genossen des 685. Bezirks. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. März, nachmittags 21/, Uhr, vom Trauerhause auS nach dem immclsahrtSkirchhofe, Nordend. 'att. 3623L Deutseher TraKportarteiter-fertaoil. Bezirksverwaltung GroB- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener Heinrich Hemm am 26. d. MIS. im Aller von 53 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle deS Georgen-KirchhoseS, Landsberger Allee, auS statt. 67/4 Bio Bezirksverwaitung. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und reichen Krmizspenden bei der Beerdi. gung meine» lieben Mannes, unseres guten VaterS sagen wir hiermit allen Beteiligten, insbesondere demDeuts-den Metallarbeiterverband, dem Sozial- demotratischen Wahlverein Rixdors, der Deutschen Wagenbauerkasse und den Kollegen der Firma Otto Flügel unseren herzlichsten Dank. g66b Witwe Stodniclr nebst Kindern. M. Todes-Anzeige. Am 27. März verstarb unser langjähriges Mitglied CJcvrK Dirks im vollendeten 52. Lebensjahre. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet heute, den 29. März, nachmitiags 5 Uhr, ven der Leichenhalle des Heilig- lreuz-Kirchhofes in Marieudorj, Eisenacher Straße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 178/8 Die Ortsverwaltnng. Am Sonnabend verstarb plötzlich am Herzschlage mein innigst. geliebter Mann, der Kupferschmied Paul Ziebarth. Dies zeigt tiesbetrübt an Alwine SliebnrtI» nebst Tochter. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause Nummelsburg, Kant» straße 1, aus aus dem Gemeinde- Friedhof, Lückstraße, statt. S69b Am 27. d. M. entschlief nach langem, schwerem Leiden im Alter von 49 Jahren mein lieber Mann und Vater, der Bäckermeister Karl Kahlfyß. Um stille Teilnahme bittet Bio Witwe lohanna KahlfuB geb. Zeuke nebst Sehn. Berlin, LLwestr. 1. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Georgen-Kirchhoses, Landsberger Allee. auS statt. 3620L Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß mein lieber Mann und guter Vater, der Fuhrherr Hrnsl Schneider im 45. Lebensjahre verstorben ist. Um stille Teilnahme bitten vle trauerndeo Binterblietm. Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 30. März, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle deS MarkuskirchhofeS in Wilhelms- berg aus statt. 977b Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines Bruders 961b Gustav Pentzlin sage allen Kollegen, Freunden und Bekannten mewen innigsten Dank. Im Harnen der Hinteedliedensa _ Angost Pentzlin. Für die zahlreichen Kranzspenden und Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManneS, unseres guten VaterS Wilhelm Schulz sagen wir hiermit allen Berwandten, Freunden und Bekannten, wsbesendere den Kollegen der Firma Bergmann, Abt. dl. der Stanzerei, unseren herz. lichsten Dank. vis trauernden Hlnterbtiebanen, Danksagung. ür die zahlreichen Kranzspenden und Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieicu Baters Iß* Litimann sage ich hiermit allen Bekannten und Verwandten, den Kollegen der Firma Schmidt u. Co., sowie dem Verband der Schneider und Schneiderinnen meinen herzlichsten Dank. S67b Helene lAttmnnn. Danksagung. und BruderS Sohnes 36222 Paul Forchert sagen wir allen Bekannten, WSbeson« dere den Kollegen der Firma Goertz und der Optischen Jndiistrie-Gesell. schast unseren herzlichsten Dank. _ Die Hinterbliebenen. Danksagung. Allen Tellnehmern bei der Beerdi- gung meines lieben Mannes, ins« besondere den Genossen des 4. Wahl- kreise? sowie den Kollegen der Firma Mix u. Genest, der Neuen Automobil. Gesellschaft Oberschöneweide und dem Deutschen Metallarbeiter-Verband sage ich hiermit meinen tiefgesühlten Dank. 3S21L Witwe Elisabeth Strauch. u. Polslerwaren uHHUS A»«USB— Nr. 40— Komplette Wohflungseinrichlongeo zn anerkannt soliden Preisen.— Teilzahlung gestattet. � r verantwortlicher Siedatteur:»lbert Wach», Berlin. Zur den Inseratenteil veranttv.i LH.Vl«de,2erIm. Druck wBeüaa: Bortvärt» Buchdruckeret u. Verlagsanstalt Paul Siuger It-L-U Berti» LÄ. Nr. 75. 28. Jahrgang. Mitwch. 29. MSyM. Versammlungen. Die Steinarleitcr— Sektion I(Bau- und Grabsteinbranche) besprachen am Sonntagmorgen in einer Versammlung, die im Ge- Werkschaftshause stattfand, einige Bestimmungen des Tarifs, die Ar- beiten betreffend, die der Vereinbarung unterstehen. Für solche Fälle ist im Tarif vorgesehen, daß wenigstens der Minimallohn garantiert sein soll. Die Bestimmungen darüber lauten: Das Versetzen sämtlicher Wertsteinarbeiten mit Ausnahme der Stufen und Podeste darf nur in Tagelohu ausgeführt werden. DaS Versetzen von Stufen und Podesten, das Löcherschlagen und sonstige Arbeiten am Bau sind ebenfalls in Tagclohn auszuführen resp. nach Vereinbarung unter Garauticrung des Miuimallohnes. Arbeiten im gotischen oder romanischen Stil, Baluster und Dreharbeiten, sowie solche Arbeiten, welche nach vorliegendem Tarif nicht zu berechnen sind, werden in Tagelohn oder nach Ver- einbarung bei garantiertem Minimallohn ausgeführt. Der Vorfitzende W i n k l e r wies in seinem Referat darauf hin, daß jeder Stcinarbeiter daS in Anspruch zu nehmen habe, was in dem Tarif festgelegt ist. Die Bedeutung der angeführten Be- stimmungen über die Garantierung des Minimallohnes werde häufig nicht genügend gewürdigt. Viele Arbeiter haben den Wert dieser Waffe noch nicht erkannt, manche betrachten sie sogar mit Miß- trauen, indem sie fürchten, daß daS Mordsystem dadurch gefördert würde. Sollen sie aber vielmehr als Vorstufe zum allgemeinen Lohn dienen, so werde es sich darum handeln, ob die Organisation die Erfüllung dieser Bestimmungen durchzusetzen vermag. Dazu ist die Organisation in der Lage, denn nach einer— nicht ganz vollständigen Statistik sind von 303 Steinarbeitern(darunter 20 Schleifern), die bei 14 Sandstcinfirmen und zwar bei den maß- gebenden, beschäftigt sind, gehören 289. also 94 Prozent, dem Ver- bände an. In der B a u b r a n ch e liegen die Verhältnisse so günstig, daß die tarifmäßige Erhöhung des Lohnes vom 1. April ab nur eine Festlegung der bereits bestehenden Löhne ist. Anders ist es in der G r a b st e i n b r a n ch e. Obgleich in der letzten Zeit gute Fortschritte gemacht worden find, begegnet die Durchführung des Tarifs noch manchen Schwierigkeiten. Etwa ein Drittel der Berliner Geschäfte, allerdings die größeren, sind tariftreu, und man erwartet die baldige Vermehrung dieser Geschäfte, die schneller kommen würde, wenn die Arbeiter besser organisiert wären. In 49 Geschäften wurden 130 Steinarbeiter gezählt, von denen 89 organisiert, 60 unorganisiert lvaren. In der Sandsteinbranche ist bisher— im Gegensatz zur Marmorbranche— die Aufnahme der Hilfsarbeiter in den Verband nicht üblich gewesen. DaS soll jetzt nachgeholt werden. Der Vorstand empfahl, die Organisierung der Hilfsarbeiter auf den Plätzen wie auf den Bauten unverzüglich vorzunehmen.„Buden- rechte"(ein alter Zunftausdruck für Werkstattbesprechungen, der unter den Steinarbeitern noch üblich ist) sollen abgehalten werden, um die Hilfsarbeiter aufmerksam zu machen und sie dem Verbände zuzuführen. In einigen Betrieben ist bereits ein guter Anfang ge- macht worden. Berliand der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Die Filiale Eroß-Bcrliu hatte am Freitag im großen Saale des„Gcwerk- schaftshaus" eine zahlreich besuchte Mitgliederversammlung, in der der Schriftsteller Simon K a tz e n st e i n einen lehrreichen Vortrag über die modernen wirtschaftlichen Organisationsformen hielt, der lebhaften Beifall fand. Darauf nahm die Versammlung Stellung zur Frage des Maifeier-UntcrstützungSfonds für Groß-Berlin. Der Vorsitzende W u tz k y schilderte kurz die Verhaudlungeit, die zwischen Partei und Gervertschaften in dieser Frage gepflogen wurden, so- wie die Stellung, die die Berliner Gcwcrkschaftskommission und der Verband der Wahlvereine dazu genommen haben. Er empfahl , der Versammlung im Namen des Vorstandes, sich mit den Be- . schlüssen der Gewerkschaftstommission einverstanden zu erklären i und für den Fall, daß die Durchführung in diesem Jahre nicht mehr möglich sein sollte, der Ortsverwaltung Auftrag zu erteilen. wie bisher selbständig Maimarken herauszugeben, und zwar zu 26 und 60 Pf. In der Diskussion über diese Frage zeigte es sich, daß man allgemein gern gewillt war, diese Beiträge und eventuell auch höhere für den Maifonds zu zahlen. Die Versammlung erklärte sich mit allen gegen nur eine Stimme mit den Vorschlägen einvcr- standen.— Der preußische Fiuanzminister Dr. L e n tz e, der früher in Magdeburg Bürgermeister war und dort, wo der Gemeinde- arbeiterverband ebenfalls eine starke Filiale hat, wohl Kenntnis von den Einrichtungen dieses Verbandes haben mußte, richtete be- kanntlich vor einigen Wochen im preußischen Abgeordnetenhause gänzlich ungerechtfertigte Angriffe gegen den Verband und stellte die wahrheitswidrige Behauptung auf, daß Wochenbeiträge bis zu 1,40 M. erhoben würden, ja daß selbst die Leute, die von-den Ge- meinden nur aus Barmherzigkeit beschäftigt würden, noch 48 Pf. und mehr an den Gemeindearbeiterverband bezahlen müßten. Mit diesen Behauptungen suchte der Minister das Verlangen der sozial- demokratischen Fraktion auf Befreiung der Einkommen unter 1200 M. von der Steuerleistung zu bekämpfen. Die Versammlung ivandte sich gegen die Aeußerungen des Ministers in folgender Re- solution, die einstimmig angenommen wurde: „Die Mitgliederversammlung der Filiale Groß-Berlin pro- testiert ganz energisch gegen die Auslassungen des preußischen Finanzministers Dr. Lentze in der Sitzung des Abgeordneten- Hauses vom 25. Februar über die Beitragsleistung in unserem Verbände und stellt fest, daß sie der Wahrheit nicht entsprechen. Die Versammlung hält derartige Praktiken mit der Würde eines Staatsministers für unvereinbar und erwartet deren Richtig- stellung seitens des Herrn Finanzministcrs." Deutscher Transportarbeiterverband(Bezirk Groß-Berlin.) Die Fortsetzung der ordentlichen Generalversammlung vom 12. März fand am Donnerstagabend in Freyers Saal, Koppcnstraße, statt und war ebenso wie die erste Versammlung stark besucht. Ein Antrag zur Geschäftsordnung, zuerst die Neuwahl der Bezirksveuwaltung und der Revisionskommission vorzunehmen, wurde gegen ein« starke Minderheit angenommen. Die■ Verwaltung besteht aus 21 Mit- gliedern�, deren Wiederwahl— mit Ausnahme von dreien, die aus- schieden— von der erweiterten Bezirksverwaltung und der Ver- sammlung der Funktionäre empfohlen wurde. Eine längere De- batte entspann sich über die Verteilung der Sitze in der Verwal- tung, soweit es sich um die Beisitzer, resp. um eine Vertretung der Sektionen und auch einzelner Branchen handelte. Die Sektion l (Handelsarbeiter) beanspruchte zwei Sitze, die ihr auch zugebilligt wurden. Dagegen brachten die Jugendlichen ihren Kandidaten, für den sie eifrig eintraten, nicht durch. Die Namen der neun An- gestellten, die einstimmig wiedergewählt wurden, lauten wie folgt: Werner, erster Vorsitzender; Knütter, zweiter Vorsitzender; Li ebenow, Schriftführer; Steinicke, Kassierer; Wappler, Leiter der Sektion l; Uthes, Sektion II; Ortmann, Sektion III; Becker, Sektion IV; Fromke, Sektion V. Nach- dem dann noch zwölf Beisitzer, fünf Mitglieder der Revisionskom- Mission und zwei Revisoren für die Hauptkasse gewählt waren, be- garm nach einigen Mitteilungen des Vorsitzenden die Fortsetzung der Diskussion über den Jahresbericht der Verwaltung. Einige Redner kritisierten den Bericht über den Arbeitsnachweis; sie waren mit den Einrichtungen im Nachweis in verschiedener Beziehung Unzufrieden. Von anderen Rednern wurde die Einführung der frei- willigen 60 Pf.-Beiträge als unberechtigt angegriffen. Ueber mancherlei Punkte des Berichts mußte der Vorstand Auskunst geben, was bereitivillig geschah. Die Klage von Arbeitslosen kehrte immer wieder, daß sie auf dem Nachweis nicht die gewünschte Berücksichtigung fänden. Die erhobenen Vorwürfe wies der Ar- beitsvermittler H i l l e r sehr bestimmt zurück und erklärte, daß er sich an die borgczeichnete Ordnung halten müsse, um allen An- sprüchen gerecht zu werden.— Erst nach Mitternacht wurde die Diskussion über den Bericht geschlossen. Sechs Anträge aus der Mitte der Versammlung, die zum Teil die Wünsche von Arbeits- losen, zum Teil geschäftliche Angelegenheiten betrafen, standen noch auf der Tagesordnung. Die Versammlung hatte sich aber schon stark gelichtet und die vorgelegten Anträge wurden schließlich bis zur nächsten Generalversammlung vertagt. Der Zweigverei» Berlin des deutschen BauarbeiterverbanbeS hielt am Mittwoch seine erste Generalversammlung ab. Sie hatte ein Ortsstatut des Zweigvereins zu beraten. Der Vorstand legte einen Entwurf vor, der sich in vielen Punkten an die Bestiennlun- gen anlehnt, welche vordem im Ztveigberein des Maurerverbandes galten. Neu ist der Vorschlag eines Vertretersystems zur General- Versammlung. Dasselbe soll in der Hauptsache so gestaltet sein: Das Gebiet des Zweigvereins, welches sich mit dem Tarifgebiet Groß-Berlin deckt, umfaßt außer Berlin einen sehr großen Kreis der Vororte. Die Mitglieder eines Ortes bilden eine Zahlstelle. Größere Zahlstellen gliedern sich in eine Anzahl von Bezirken. Jede Zahlstelle und jeder Bezirk wählt sich eine aus vier Personen bestehende Leitung. Als Generalversammlung fungiert die Vertretersitzung. Diese besteht aus den Obmännern der Zahlstellen und Bezirke mit mehr als 100 Mitgliedern, sowie aus Vertretern der Zahlstellen und Bezirke, die alljährlich zu Ivählen sind, iind zwar je einer auf 100 Mitglieder, ferner einem Vertreter der Be- schwerdekommission, den Mitgliedern des Zweigveremsvorstandes und einem Vertreter des Gauvorstandes.— Die Kompetenz der so zusammengesetzten Generalversammlung ist gegenüber dem bisher geltenden Zustand wesentlich eingeschränkt, denn durch Mitglieder« abstimmung sind alle außergewöhnlichen Angelegenheiten zu ent« scheiden, wie Lohnbewegungen, Einführung örtlicher Beitragszu« schlüge, Wahl von Delegierten zu Verbandstagen und Arbeiterkon- gressen, Wahl des Zweigbereinsvorstandes, falls mehr Kandidaten, als zu wählen sind, sich zur Annahme bereit erklärt haben. Di« Kandidaten werden in den Zahlstellen und Bezirken vorgeschlagen. Die Debatte drehte sich lediglich um die Frage der Einführung des Vertretersystems. Der Vorstand empfahl es mit Rücksicht auf die große Mitgliederzahl, besonders aber mit der sehr großen räumlichen Ausdehnung des Zweigvereins. Diesem Standpunkt traten mehrere Redner bei, während andere sich gegen den Vorschlag wandten und sich für Beibehaltung des bisherigen Zustandes er- klärten. Schließlich wurde beschlossen, daß die Abstimmung über das Ortsstatut in den Zahlstellen, und Bezipksversammlungen vor, genommen werden soll. Die Dachbecker und Dachdrckerhilfsarheiter versammelten sich am Sonntag vormittag im Gewerkschaftshause, um Stellung zur Maifeier zu nehmen. Görnitz legte nach einem kurzen Rese« rat die folgende Resolution im Namen des. Borstandes den Bere sammelten vor. Diese Resolution lautet: „In Erwägung, daß es uns in diesem Jahre mtt Rücksicht auf die bestehenden Verhältnisse in unserem Gewerbe nicht mög- lich ist, den 1. Mai durch allgemeine Arbeitsruhe zu feiern, be- schließt die heutige Versammlung: die Begehung der Maifeier ist jedem einzelnen Mitglieds nach seinem freien Ermessen zu üher« lassen." In der Diskussion wurde von verschiedenen Rednern hervor« gehoben, daß eine rege Beteiligung an der Maifeier recht wün» schenswert wäre, und daß die einzelnen sich hoffentlich recht zahl- reich bereit finden werden, den 1. Mai zu feiern. Die Resolution des Vorstandes wurde angenommen, ebenso stimmte die Versamm- lung den getroffenen Abmachungen in bezug auf die Beisteuern zum Maifonds zu.— In vielen einzelnen Werkstätten wird die Beteiligung an der Maifeier noch besprochen werden. Wo man in einer Werkstatt die ArbeitSrnhe nicht für tunlich hält, steht eS natürlich dem Einzelnen immer noch frei, am 1. Mai zu feiern. Credit-Haus „Bellealiiance" Üelkalllanoo-Str. 190, I. Waren u.Höl>«l». lulaal Budlnif teriiner Credit-Haus • Komniandanteoatr. 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Aber es fällt auch sehr schwer, die Behörden gegen einen schlagenden Beamten in Bewegung zu sehen, wie ein geradezu toller Fall in der letzten Sitzung des Altonaer Stadtparlaments vom Genossen Dr. Herz zur Sprache gebracht wurde. In diesem Fall handelt es sich um leinen Arbeiter, sondern um den Sohn eines gutsituierten Bürgers. Der junge Mann war auf die Wache ge° gangen, um eine Sache„richtigzustellen". Er will nun dort von einem Kriminalbeamten Haß einen Schlag ins Gesicht erhalten haben, daß ihm Hören und Sehen verging. Die Beschwerde gegen den„pflichtgetreuen Beamten" wurde abgelehnt. Durch seinen Rechtsbeistand, Dr. Jonas-Altona, stellte der junge Mann Straf- antrag, dem stattzugeben die Staatsanwaltschaft ablehnte� weil die anderen Beamten von der Wache so etwas nicht gesehen hätten. Der Mißhandelte ließ aber nicht locker. Er verklagt: den „Kriminal" auf Zahlung eines Schmerzensgeldes von 2t> M. Die Sache wurde nun für den Beklagten kritisch, da das Gericht ihm einen Eid zuschob, den der Beklagte nicht leistete, weshalb man ihn zur Zahlung der 20 Emchcn verurteilte. Ter Polizeigewaltige von Altona, Senator Dr. Rosenkrantz, nimmt sich aber seiner Beamten in guten wie in bösen Tagen an, denn er verfügte nicht allein die Zahlung des Schmerzensgeldes, sondern auch die der Gcrichtskostcn durch den Steuersäckel. Daß der Beklagte den Eid nicht geleistet habe, könne man ihm nicht verargen, das sei eben ein Beweis für die Gewissenhaftigkeit des Beamten, und eS sei Pflicht der Behörde, sich eines pflichtgctrruen Beamten anzunehmen, erklärte der ge» mütstiefe„liberale" Oberpolizeidr auf die„Anzapfungen" des Genossen Dr. Herz über diese Art der Verwendung von Steuer- groschen. Da ist e'S allerdings kein Wunder, wenn däS Kapitel dtt „Polizeiwachengeheimnisse" noch um manches Blatt erweitert wird. wenn die„pflichtgetreucn" Polizisten wissen, daß sie noch ohendrem belohnt werden. «mtlicher Marktbericht der städtischen Marklhallen-DtreMoa über den Vrohbaiidel in den Zentral-Markthallen. Marktlage: Fleisch:- Zufuhr reichlich, Geschäft ruhig, Preise inwerändert. Wild: Zufuhr unbedeutend, Geschäft rege, Preise fest. Geflügel: Zufuhr nicht mlS« reichend, Geschäft lebhaft, Preise anziehend. Fische: Zusuhr mähig. Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschäft etwas reger, Preise kaum verändert. Theater und Vergnügungen 1 000 MMdI Mittwoch, den 23. März. Ansang 7«/, Uhr. König!. Opernhaus. Sinfonie- konzert. König!. Schauspielhaus. Die Karolinger. Deutsches. Faust. 1. Tell. Ansang 8 Uhr. Neues königl. Overu-Hjeater. Gcigenmacher von Mitienwald. Kammerspiele. Die Königin. Lcfstng. Glaube und Heimat. Neues Sciiauivielliaus. Das kleine Schokoladenmädchen. Kleines. Der Leibgardist. Neues Operetten. Die schöne Nisette. Berliner. Bummclstudenien. Westen. Die lustigen Nibelungen. Neues. Mein erlauchter Ahnherr. Komische Oper. Orpheus in der Unterwelt. Snftspiclhaus. Die grüne Neune. Trlanon. Htppolytes Abenteuer. Restdeuz. Fernands Sbekonwakt. Thalia. Polnische Wirtschaft. Schiller o.: Wallner- Toebter.) Nathan der Wesse. Schiller Gbarlotrenburg. Ein idealer Galle. Ariedrick,. WilhelmstädtischcS. Wilhelm Till. Volksoper. Don Juan. (Ansang 8-/, Uhr.i Sniien. Aus erster Ehe. Modernes. Der Felddernihügel. (Anfang 8','t Uhr.) Roi«. Leutnant der Reserve. Herrnseld. scheidungs- Souper. Var-Schwester. Kolies Eapricc. Soll und Haben. Ein lediger Ehemann.(Ansang . bst. mS_ Metra not. Hurra— Wir leben noch I Kasino. Julie WIppchm. Apollo. Svezialitätcn. Bafiage. Svezialitätcn. Noack. Staatsanwalt Alexander. Reichs!! alt er.. Stettiner Sänger. «arl Haverlaud. Sveztnlitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Kaiser- Panorama. Im Banne des Lesuv. Neapel, Vesuv, Lava» selber usw. Französische Riviera. Walhalla. Bravo I Dacapo l(An- sang 8'/« Uhr.) LntinieS. Ein sataler Moment. (Ansang 8'!, Uhr.) Voigt. Der Vampyr von London. Weddiug. Lichtspiele. (Iranin. Taub,»strafte 48/49. Abends 8 Uhr: Dr. Grabein: Aus dem Reiche der schwarzen Dia- Manien. Sternwarte, Jnvaltdenstr. 67—»8. □ □□ Lessing-Theater. ß Uhr: Glanbc und Heimat. Donnerstag und Fleitag 8 Uhr Glaube und Heimat. Berliner Theater. Abend« 8 Uhr; Bninmelstadcnt«a. Morgen; Wummelftubeate«. Neues Theater. Zlbend» 8 Uhr zum 50. Male: Morgen und folgende Tage: Mein erlauchter Ahnherr. Ideater cles Westeas. Abends 8 Uhr: Die luftigen Ntbelnuge«. Sonnt. 3'/, U.: vis gesebioitee« Frau. Modernes Theater (fröhep Hebbeltheater). Abends 8'/, Uhr: Bor Feldherrnhügel. Fnedrich-Wilhelmstafttisches Schauspielhaus. Mittwoch, den 29. März, 8 Uhr: Willielm Teil. Donnerstag zum erstenmal: Eine Ehe. Freitag: 2 X 2--- v._ OSE=THEATE Große Franfturtcr Str. 132. Ans. 8 Uhr. End- 10'/, Uhr. UfcutKüntlifrUfffriJf.Li Lustspiel in 3 Akten v. Ncal n. Wolff. Donnerstag: Leuwant d. Reserve. Freitag bis Sonntag: Am Rande Des Abgrund». sonn abend nachm.: Wilhelm Tell. Tlrttnl». Wissensciiaküicftks Theater. Taubenstralle 48/49. Abends 8 Uhr: Dr. Gräbeln: Aus dem Reiche der schwarzen Diamanten Kaiser-Panorama. LuftschloD Schönbrunn v. Gemächer. Letzte Woche: im Bannkrei* des Vesuv. 1 Reise 20 Pf. Kind nur>0Ps. Abonnements 1 M., Taus. Abonnent. Deriiner Volksoper Belle-AMancestrabe 7/8.—>/,9 Uhr: ]>oii Juan. RGsidenz-Iheater. Direktion: Richard Alexander. Ansang 8 Uhr. PernaMs Ehekontrakt. Schwank in 3 Akten von Georges Fcydeau. In deutscher Bearbeitung von Benno Jacobson. Konntag, 2. April, nachm. 3 Uhr: Pariser Meuu. Morgen und folgende Tage: Fernands Ehekontrakt. Buisen- Theater. Abend« 8 Uhr: Aus erster Ehe täm"■' Akt. v. Ernst Rilterf« Uraussührung: Der öchausp. w ö Akt. v. Ernst Ritterfeldt. Donnerstag kritische Dag. t:cUag: Au» erster Ehe. onnabend: Benefiz für Frl. Anna Kahlenberg: AuS erster Ehe._ LustspiaShaus. Abends 8 Uhr: Die grüne Neune. ZKetropol-Tkestsr. Hurra! Wir leben noch! Große AuSftaltungSrevue in 7 Bildern v. I. Freund. Musik v. B. Hollaender. In Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Abends 8 Uhr: L etzte Tage de» phänomenalen Märzprogranuv». Abend? 9'/. Uhr: Berlins TagesgesprSch: .AXwlii Nenß Tony Tetslsff _ in Beregf»._ Letzte Woche Olga Desmond Robert 8teldl and eine Aaslese hervorragender Kunstkräfte! _ Ranehen gestattet._ Passage-Panoptikum. Die zusammengewachsenen Schwestern Blezek und ihr Kind! ZwoiMötter— ein Kind! Lebend eii sehen! Täglich von ll>1 u. von 3-10 Uhr. Ohne Extra-Entree! Eintritt 50 Pf. Kinder, Soldaten 25 PI Schiller Schiller-Theater 0.(Wallner-Theal.) Mittwoch, abend» 8 Uhr: Kathan der Weise. Ein dramatisches Gedicht m fünf Ausz. v. G. E. Lesfing. Ende 6 Uhr. Donnerstag, abends 8 Uhr: Piahrlelle der Fischer. Fr e i l a g, abendSLUHr: Jlarla und Magdalena. Theater. Schiller-Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 U h r: Eli» idealer Gatte. Schauspiel in 4 Akten v. Oskar Wilde. Ende l0>/, Uhr. Donnerstag, abend? 8 Uhr: Der Trantn ein Leben. Freitag, abends8Uhr: Ein Idealer Gatte. „fraehtsäle des Ostens" Inhaber: Oskar Cranz. Frankfurter Allee 151—153. Freitag, den 31. März er., abends 8°/, Uhr. im Theatersaal: Gastspiel des ueaea Uiener Operetten- kusembles polaiscke Wirtscliskt. Operettenposse in 3 Akten von Kraaft und Otonkowskt. Musik von I. Gilbert. GesangStepe von A. Tchänfeld. Im Thaliatheater täglich auSverkanftes HauS erzielt. Presse der Plätze im Vorverkauf bei Löser u. Wolff, Berlin 0., Franks. Mee 184, und in d. Prachtsälen des Ostens. lSpmütz 1,26, I. Platz 1,—, II. Platz 75 Ps. An der Abendkasse Sperrsitz 1.50, L PL 1,25, II. PL 1,—. Galerie und Stehplatz an der tzloendkasse 50 Pf. »9 C1.0U" BERLIKER KO�ZERTRAES Mauerstr. 82 Zimmerstr. 90-91 Heute: Gastspiel »es K. K. Hofbail Musik-Direktors CM. Ziehrer mit seinem aas 65 Wiener Kfinstlern bestehenden Orchester. Anfang 8 Ehr. Eintritt SO Ft. Brauerei Friedrichshain Ans Kftnlgster GrOfiter Konzertsaal Berlins ■MB Am SQ., 30. and 31. Marz 1011:"RR daStNplel von Johann Strauß wTen mit seiner vollständigen Kapelle. Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf.. Reserv. Platz 75 Pf. Ezeelsior- Lichtspielhaus Rixdorl, Bergstr. 151/152(Passage Richardstraße). Von jetzt ab bringen wir jede Woche etwas Außergewöhnliches« Wir beginnen ab 25. März— bis 31. März einschlieClich— mit XlOClISta. die Giftmischerin. Ab 1. April wird: GroBstadtversachnng, Sittengsmülde in 3 Akten, das Tagese�sprilch Blxdurfs sein. Anfang Woehentag»» Uhr abends, Sonntags 8 Uhr nachmittag«. Richard Arnhold. Adler UC Frankf. Chaussee 5 Jeden Sonntag: iliroßer Ball« SMT' Heute: Abschieds-Vorstellung Leipziger Sänger. Nachher: Tanzkränzchen. von irles, Dramatisehe Sensation Im Will fl T RReiniekenilorler U* l'W SlrafieR T rianon-Theater. Abend» 8 Uhr: Hippolyten ibenteaer. Casino-Theater Lolhringcr Straße 37. Täglich 8 Uhr: Mr uod) bis 30. März: Julie Wippchen. Ab 31. März: Zwei Wappen von Blumenllal und Kadelburg. Sonntag 3'/, Uhr: Haft and Liebe. Mittwoch, den 29. März 1911, abend» 7 st, Uhr: iulomobil- Ueberholniigs- rennen in d-Lnfl Größte Sensation ausgeführt von La Kella Geoeglna und ihrem Partner. Der große Coup der Schmuggler sowie die übrigen Spezialitäten. MMIll Sevsattovs-Erfolg BOT" der drei Novitäten-HW mit Anton Herrnfel»"Safe Sonnt Herrnfaid"W Martin Bendix-WW i« den Hauptrollen:-ML Das Schtldnngs-Souper von Julius Horst. Ein Verlobnvgsgeschäft von Anton und Donat Herrnseld. Die Bar-Schwester von Anton und Donat Herrnseld. Ansang 8 Uhr. Vorverkaus 11—2 Uhr Theaterkasse. LICHTSPIELE. MOZART- SAAU Nollendorf- Platz. Beginn 6 Uhr, Karl Raverland- Anfang Tho«)*). Kommandantenprä,. 8 Uhr. lUCflier. striche 77/79. HtuieneiltKmitsIlt sowie erstklasfige Spezialttittea. Alt-Aoablt 47148. Donnerstag, den 80. Mär, 1911: Der Trompeter von Säckingen. Kassenerössn. 7 Uhr. Ans. 8'/, Uhr. Nach der Vorstellung: = Tanz.= Foües Caprice. TSsNch«'/. Uhr: Soll und Hahcn. _ lediger Ehemann. Reichshallen-Theater. Stettiner Sänger. Zum letzten Male: Knnllckcz Tarlete-Thcater Ansang wochentags 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Zirkus Busch. Mittwoch, 29. März, abds. 7'/, Uhr; Sensation t Sensation! tVordlnl Suggestion oder Ville. Herr Ernst Schumann mit seinen berühmtenPreilieitsdressuren. Herr Georg Burkhardt- Foottit, Schnlreiter. 3 Gohr. Fratellini, urkom. Clowns. Franz Steidler, radfahrender Bauchredner. Um 9st, Uhr zum 101. Male: „Armin." Gr. Volks-Manege-Schanstück Könlgstadt-Kasino. Holzmarltstr.'2. NovktÄtl Der Novität! Weltmeister-Boxer. SesangSpoffe von Ely und Schlothea. Originell I Boxkampf Originell l ,ltii{$.BertaHofmannu.FranzSobanski. Neue Spezialitäten. Ansang 8 Uhr, Sonntags st,7Uhr. .tieater»* 1 WedjdincM idiiu.n'tflS Ti . Neuer Spielplan. JHualkkapelle: vir. Max Nenmann, Wien. Naohmittags von 5—8 Ohl wird Jedem Besucher eine Probetasse üloakers Kakao gratis verabreicht._ Bnrgtheateiv Festsäle und Klaematograpk norm. Groterjan. Jnhnb.: Rud. Merz, Schönhauser Slllee 1LS. Tel. 3, 3353 Lebende Ebotowraphleu. Eintritt 30 n.«0 Ps., Kinder dietzälste. Ans. 7 ll.. Sonnt. 4 U. Vorrugsknrton, nur wochent. gültig, ES Ps. aus alle» Plätzen. Stets wechs. Programm. Das neue Programm Ü u. a.: Anfang 6 Uhr. EasseneröSnang 4 Uhr. Von 11—2 Uhr: s== TANZ.= KoacUs Theater. Dtrektton: Robort OIU. Beriw N., Bnmnenstraße 1«. Zum letztenmal: Mit folossalem Eisolg ausgeführt: Staatsanwalt Alexander. AnI.8st,Uhr. Borzugskarten gültig. Morgen: Die Millionenbraut. VvlKt-'I'hvstvr Gesundbrunnen, Badstratze 53. Mittwoch, den 29. März 1911: Der N«mpyr m Fonds«. (SHerlock Holme» 2. Test.) Sensaftons-Detemv-Schauspiel in vier Ästen v. Rudolf Schwavz-Reisiingen. Kassencröffnung 7, Ansang 8 Uhr. Germania- Pracht- Säle Carl Richter KT., Chiuissec-StraBe 110. Heute Mittwoch, Paul Mantheys ,8 Sänger. mit Ernst Walters neuest. Schlager! Anfang 8 Uhr. Eintritt 30 Pf, Vorzugskart. gelt. Ansohl. Freitanz. Jeden Donnerstag: Gr. Bockbier-Konzert. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber ketuertei Berautwortung. Arbeltenliliiweis: Hoj L Slnit 3, 1239. Aerwaininnsilcllc Berlin. Hanptburenu: eksntsstrsL« 3. Hoj HI. Amt 3. 13S7. Donnerstag, den SS. März, abends 8 Uhr, im Englischen Garten, großer Saal, Alrxanderstr. S7v: Branchen- Versammlung d. Elcttromontenre u. Helfer TageS-Ordnung: *.»Da? Koalitionsrecht in Gefahr." Referent: Reichstags. aSge>,�,.-:er Wolfgang Heine. 2. Bericht der Agitationskommission. 8. Neuwahl der Branchcnleitung und der Kommission. 4. Verbands- angelegenheiren und Verschiedenes. WA- mtglieclBbac'li legitimiert. Hqg 114/11 Zahlreicher Besuch wird erwartet. Donnerstag, de» 30. Miirz li> 11« abenbS 8'/- Uhr, im Dresdener Garten, Drcsdenerstr. 45: M itglieder- Vers ammlung der Gold-«»d Kilberarbeiter Tagesordnung: 1. Vortrag deS Genossen Dr. Alfred Bernstein über:»Hygienische Erziehung". 2. Branchenangelegenhetten und Verschiedenes._ KKW Um zahlreichen und pünktlichen Besuch wird ersucht, DonnerStag, de» 30. März, abends 0 Uhr, im Lokal von Meyer, Oranienstr. 103: Krauchen-Uerj'ammlung aller m Kuchdruckereimaschineu-Fabriken beschäftigten Arbeiter. Tages-Ordnun g: 1. Vortrag:„Genossenschaftswesen und Gewerkschaftsbewegung". Referent: Kollege Wuschick. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Vle Orteverwnltong. Zentralyerband der freien Händler, Hausierer and verwandten BernfttgenosHen Dontschlanda. Sitz: Essen-Rnhr. Ortsvcrwaltung Berlin. B ezirks-Vers a mmlungen Kezirk Kechl! sinden statt: Mittwoch, den SS. März, abendS S Uhr, im Lokal Otto Böhm, Liesenftr. 12. Donnerstag, de» 30. März, abendS S Uhr, im Lokal Hermann Petsch, Pappelallee 80. DonnerStag, de» 30. März, abends S Uhr, im Lokal Karl Rott, Straßmannstr. 29. .-------' s Uhr, 1, Norden: 3, Norden: 3, Osten: A Qnhnll• Donnerstag, den 30. März, abends Kejllii Ii tili st. im Lokal Julius Haupt, Adalbertstr. 4. Il-i-rb Qtthinofi« Donnerstag, den 30. März. abdS. SUhr, ziejirn«1» AUvlliest. im Lokal Paul Klepzig. Aorckstr. 37. I3»,«.r, ß IWrtrthit« Donnerstag, den 30. März. abendS S Uhr, Htstrn v, Mllutill. im Lokal Schröder. Stromltr. 3S. So,!.!,? �-»lrnm- DonnerStag. den 30. März, abdS. SUhr, KejIlK k, Lknirum. im Lokal Adolf Göttling. Prenzlauer Str. 29. Tagesordnung in allen Bezirken: Unser kommender Verbandsta Diskussion. ll7< Kollegen und Kolleginnen alS Gäste willkommen. »le Brtsverwaltnng. ZKsinsndvttoi'. Heute Mittwoch, abends 8 Uhr, im Englische« Garten, Alexanderstrasse 27c t Mitglieder-Versammlung Sektion TI fMarmorarbeiter). 171,9 TageS, Ordnung: Bericht von den Tarifverhandlungen mit dem Verband der Steinmetzgefchäfte nnd Stellungnahme hierzu. Jeder organisierte Marmorarbeiter ist verpflichtet,— äSMK in der Versammlung zu erscheinen. Tp®? Die Ortsverwaltung. r ii Zahlstelle Charlottenburg. Hente) Mittwoch, den 29. März, abends 8'/z Uhr, im„Volle«- ltn»»", Nosinenstr. 3(kl. Saal): MgNeSsr-Verssmmwng. TageS-Ordnnng: 1. Vortrag über:„Städtische Arbeitslosenverstcherung". L. Bericht über den neuen üllaschinentaris. 3. Berbandsangelegeuheiten. 4. GewerkschastlicheS und Verschiedenes. St/1' vi« Ortsverwaltnng. Hentral-Verband der Töpfer und BerufSgenossen Deutschlands. Filiale Berlin. Heute Mittwoch, den SN. Mörz l.Sll, abends«V- Uhr, im Gewerkschaftshause» Engelnfer 15, Saal 3: Kll»-Nkrfmt»smämitr-UersilinmlWg. TageS-Ordnung: 1. Die Situation auf den Bauten und im Gewerbe. L. Verschiedenes._ 192/9 0®" Kein Bau darf unvertretcn sein. VW Der Vorstund. ZentraMand Bachdeeker « Verwaltungsstelle Berlin. Donnerstag, 30. März, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftöhause. Engelnfer lä, Saal 3i 54/4 Versammlung der Dachdecker-Hilfsarbeiter Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme zuw. 1. Mai. 2. Verbandsangelegenheiten. Das Erscheinen aller Berussgenoffen erwartet Der Verstand. Verband der Idaler, Sackierer, Anstreicher Melchiorfiraße 28, Part.?illAle ILVliN» Fernsprecher Amt IV Nr. 4787. Donnerstag, den 30. März 1S11, abends 8'/, Uhr, in Dräsels Fcstsäle», Nene Friedrichstraste: g*. Tages-Ordnitng: 1. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung in München(Stichwahl). 2. Bericht und Neuwahl der Ortsverwaltung. 3. Berbandsangelegenheit. «— Der wichtigen Tagesordnung wegen ist eS Pflicht eines jeden Kollegen, zu erscheinen.—— p«p~ Vnr Hitglledsbacb legitimiert, ohne dasselbe kein Eintritt. Die Bei-"VS äV trüge müssen bis zur achten Woche 1911 geblebt oder gestandet sein. ges: Die Fibrik; Lubizyntkl* CS, B«rlln- LtchWnb.rg. Seemen- hannoversthe Lebensverstcherungs- Sank /l. S. /ls Antrags-Summe gingen ein: lgSZ: me. S.Z4H.0S0 7905: me. 72.704.900 m7: ttlk. 1$sS4$s000 1909: M. 20.770.000 7970: me. 27.524.000 vieie enorme Stelgerung lunerdalb acht fähren iil der beste Oeums für datOertraaea, das unserer Bank emgegengevrachl mirä. hiermit zeige ergebenst an, daß ich mein seit 16 Jahren inne- gehabtes Etablissement Kaabe' fettlale, 23* Koiberger Str. 28, | mit dem heutigen Tage an Herrn Dago Scboppan Hierselbst verkaust habe. Ich bitte, das mir erwiesene Vertraue» aus meinen � Nachfolger gütigst übertragen zu wollen. Hochachtungsvoll Bernhard Raabe. Aus ObigeS bezugnehmend halte ich mich dem geschätzten Publikum | sowie den werten Vereinen unter Zusicherung reellster, ausmerksamster Bedienung bestens empsohlen. Berlin, de» 25. März, Koiberger Str. 23. Hochachtungsvoll Hugo Schoppan. Ortsvcrwaltung. Zeit und Geld und haben keinen Verdruß bei regelmäßigem Gebrauch von Dr. Thompson'« Seifenpuiver Erstklassige nnr nach BaB anerkannt best.Aus. führung. garantiert tadelloser Sitz, liesert aiit Tellzahlnng zu Kassapreisen «Bchentlich-g Mark von-*• an. Schneidermeister, 76 Dresdener Straße 76 nahe Dhalia-Xheater. 2. Geschäft: Schöneberg, Haoptstr. 158. � Haben Sie Stoff? UtfmtbndmonAaxag ni PMlttet nmm Mxs»t ic/üdc, daacrh. vom 3S Mark an. Moritz LakmmL ��NaoOjPrvmanadaSjJijStaAb�B�nJ� 'airtot 1 Zatatm I Ibmnä, 1 ZzLS mit sellsttätigen Trägern. D. R. G. M. Bister Schutz gegen Betriebsunfälle. Jeder Versuch ist lohnend! Praktische Erfindung l Obige Abbildung stellt Vorder» Und Rückenansicht dar. Prima echt indigoblauer Köper. Die Schutzhose reicht bis an die Achselhöhle heran und wird durch praktische verstellbare Träger befestigt. Hinten 2 Taschen. 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