Dr. 76. Nbonnementz-Kecklngunzeli: Abonncmcnls- Preis pränumerando i Bicrteljährl. ZPt) Mr., monotl. 1,10 Mk., wöcheullich 2S Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags» nununcr mit illusNncrter SonntagS- Bcilagc.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1.10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post.Zeitunas» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn L Marl, für daS übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PostabonncmcntS nehmen an: Belgien. Dänemark Holland, Italien. Luxemburg. Portugal, Liunänien. Schweden und die Schweiz, eiiditint tiigllch außer montags. Vevlinev Volksblakk. 88. Ii»hrs7 Me InscNIonz-eebilhr vsirägt für die sechZgcspaltene Kolonel» geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerljchastNche Vereins- und BersammlungS-Anzeigen M Pfg. „Kleine Hmeigen", das erste(feit- gedruckt«) Wort 20 Pfg. jedes weiters Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- ftellen-Anzcige» das erste Wort 10 Pfg.» jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis ä Uhr nachmittags in der Expedition Abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geössnct, Telegramm-Adresse: „SozUltttmoisrat ßeNin". Zentralorgan der rozialdemobrattfchen Partei Deutfchlands. Redaktion s SM. 68, Lindcnstraeac 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Donnerstag, den 30. März 1911. Expedition: SM. 68, Lindenstraaac 69. Fernsprecher: Amt 1"V, Nr. 1984. Die Stande Europas. (Schluß.) Wir haben gestem im allgemeinen die Schändlichkeiten in den Katorga-Gefängnissen geschildert. Heute werden wir dieses Vild durch die fürchterlichen Einzelheiten ergänzen, und so den Beweis liefern, daß kein Wort des Hasses und der Verachtung scharf genug sein kann, um das abscheuliche Henkersregiment des russischen Zaren zu brandmarken. In der letzten Zeit haben namentlich die Gefängnis- tragödien in W 0 l 0 g d a und S e r e n t u i Entsetzen erregt. In Wologda war es der neue Gefängnisinspektor, der auf Grund des speziellen Befehl des Chefs der Hauptgefängnis- Verwaltung C h r u l j 0 w, das Regime in diesem Gefängnis zu verschärfen, die im Dezember vorigen Jahres statt- gefundenen„Unruhen" provozierte und hiernach 86 Gefangene durchpeitschen ließ. Die Jnsafjen von vier Zellen hatten sich geweigert, zur Arbeit zu gehen, wenn man ihnen statt der vorgeschriebenenKost die ganz abscheuliche Fastenkost geben würde, mit der die Gefangenen in Wologda 250 Tage im Jahre gefüttert werden. Am 14. Dezember wurden diese Gefangenen vor den In- spektor geführt, wo ihnen ein Telegramm Chruljows verlesen wurde, in dem es heißt, daß die Häftlinge ohne Ausnahme zu fasten haben. Nun wurde ihnen die Wahl zwischen Prügel und Arbeit überlassen. Jeder wurde namentlich vorgerufen und um seine Entschließung gefragt. Nach einer halben Stunde standen schon alle bei der Arbeit. Dies war für die nach einer Revolte lüsterne Verwaltung eine Enttäuschulig. Ihre Ungeduld wuchs. Ani folgenden Tage kam es zu einem Auftritt zwischen einem Häftling und einem Aufseher. Es entstand ein Lärm. Die beunruhigten Häftlinge begannen mit den Bänken gegen die Zellentüren zu schlagen. Das genügte. Der Chefgehilfe Merkurjew ließ die Wächter Feuer geben. Sofort wurde auch Militär requiriert, die Exekution ging los. 105 Häftlinge wurden ins Dampfbad gebracht, wo der Arzt begutachten sollte, wer von ihnen die Prügelstrafe ertragen könnten. Er fand 80 als„prügelfähig". Der In- spektor fand noch einige Fähige unter den„Untauglichen". Sie wurden in einen separaten Raum geführt, wo bereits zwei Henkersknechte warteten. Diese legten ihren Opfern Hauben über den Kopf und hieben mit aus Ruten geflochtenen Peitschen auf sie ein. Der Oberaufseher G l u s ch i z k i zählte die Hiebe, Merkurjew führte die Liste der Geprügelten. Es wurden 86 Häftlinge gezüchtigt. Geschlagen wurde von früh morgens bis zum Abend. Am nächsten Tage besuchte der Inspektor alle Zellen und fragte höhnisch:„Nun, wie fühlt Ihr Euch jetzt?" An diesem Tage erschien der Vizegouverneur im Gefängnis und erteilte dem Inspektor öffentlich seine Belobigung. Weit schlimmer noch als diese waren die Ereignisse in Serentui. Dort führte die Administration schon seit Jahren einen zähen Kampf gegen die von S s a s 0 n 0 ,v geführte Ge- fangenengruppe, die der Administration erklärt hatte, daß sie die Anwendung der Prügelstrafe gegen die Gefangenen mit Massenselbstmorden beantworten würde. Dank dieser Drohung und der peinlich genauen Erfüllung aller Gefängnis- Vorschriften vermochte diese Gruppe bis zur letzten Zeit ihre Menschenwürde zu verteidigen. Es wurde nun zu anderen Mitteln gegriffen, um den„Widerstand" dieser Gefangenen zu brechen. Seit dem Sommer 1909 wurde gegen die Zellen der politischen Gefangenen, vor allem gegen die Zelle Ssasonows systematisch von der Wache geschossen. Alles wies darauf hin, daß man es hier auf einen Meuchelmord des ver- haßten Feindes, dessen Frist bald ablief, abgesehen hatte. Es ist charakteristisch, daß selbst während der Anwesenheit Chruljows. der im Herbst die sibirischen Gefängnisse inspizierte. gegen die Zellenfenster geschossen wurde. Als der vom Jrkutsker Generalgouverneur zur Inspektion entsandte General P u til 0 w den Gefängnisdirektor Schmatschenko in Akawi wegen dieses ungesetzlichen Schießens zur Rede stellte, erhielt er von diesem die klassische Antwort: �Jch habe geheime Rundschreiben aus der Hauptgefängnisverwaltung I" Derselbe General Putilow äußerte sich den politischen Gefangenen in Serentui gegenüber, daß das Schießen der Wachtsoldaten gegen die Gefangencnzellcn in allen Fällen ungesetzlich sei. Das geschah im Frühjahr 1910, Anfang Dezember wurde zum Direktor der Katorga in Serentui der Bluthund W y s s 0 tz k i ernannt, von dem es bekannt ist, daß er als Chef der Arrestantenkorrektiansanstalt in N i k 0 1 a j e w (Perm) die Gefangenen mit glühendem Eisen folterte.*) (Welche Zustände in diesem Gefängnisse herrschen, ist aus dem soeben abgeschlossenen Prozeß gegen die frühere Gefängnis- administration von Nikolajew. den Cbef I u g u r t i n. seine Gehilfen Konjuchow und Palomoshnich und zwölf Aufseher, ersichtlich, die wegen schwerer Mißhandlung der Gefangenen zu Festungsstrafen und Polizcihaft verurteilt wurden. Die Aussagen zahlreicher Zeugen stellten fest, daß die Folterungen der Gefangenen im Karzer systematisch betrieben und nach irgendwelchen Klagen der Ge- marterten noch verstärkt wurden). Der Chef dieses Gefäng- nisses, Wyssotzki. wurde mit der speziellen Aufgabe nach *) aus der Rede des Genossen K u s n e tz 0 w am 14. März 1911 » der Duma. Serentui gesandt, das Regime dort zu verschärfen. Er nahm für diesen Zweck vier„erprobte" Aufseher aus Nikolojew mit und machte sich gleich nach seiner Ankunft an die ihm ge- stellte Aufgabe, indem er einige politische Gefangene heraus- griff und durchpeitschen ließ. Darauf beschlossen sieben Gefangene Selbstmord zu begehen. Ssasonow starb, indem er durch seinen Martertod gegen diese Scheußlichkeiten protestierte. Nach diesen Ereignissen wurden die Folterungen in Serentui auf Befehl des Chefs der transbaikalischen Katorga, Sabello, vorläufig eingestellt.*) Sie fanden aber ihre Fort- setzung im Gefängnis zu Wol'gatsch, wohin ein Teil der Gefangenen aus Serentui übergeführt worden war. Wie der Redner der sozialdemokratischen Dumafraktion, B e l 0 u s s 0 w, dieser Tage anläßlich des Etats der Gefängnisverwaltung in der Duma feststellte, nahm der Chef des Gefängnisses zu Wolgatsch, Garin, an dem Gefangenen Malinowski und anderen eine ähnliche Exekution vor/ wie in Serentui. Der kranke Malinowski, der von Serentui bis Wolgatsch 260 Werst zu Fuß zurücklegen mußte und darauf ins Spital gebracht wurde, wurde in den finsteren Karzer geschleppt, weil er sich als Dissident weigerte, bei dem bei ihm erschienenen Geistlichen das Abendmahl zu nehmen. Aus der Anklagerede des zweiten sozialdemokratischen Etatsredners, Kusnctzow, wollen wir nur die Schilderung der Gefängnisgreuel in Jekaterinoslaw hervorheben. Im Jahre 1908 fand in dem Gefängnis in Jekaterinoslaw ein Massaker statt, bei welchem 58 Gefangene getötet und verwundet wurden. Die Folterungen der politischen Gefangenen dauern dort bis auf den heutigen Tag fort. Ende 1910 wurde dort neben vielen anderen„Politischen" auch der 50jährige Arbeiter W a g a n 0 w, der bei den Wahlen zur dritten Duma als gemäßigter Wahl- mann der Arbeiterkurie von den Reaktionären unterstützt wurde, Folterungen und Mißhandlungen unterworfen. Auch der Etatsredner der Kadetten, R 0 d i t s ch e w, wies in seiner Rede auf die täglich stattfindenden Gefängnisgreuel hin.„Es gab einst— so rief er am Schluß seiner Rede aus— bulgarische Greuel, die die ganze zivilisierte Welt in Empörung versetzten. Heute gibt es russische Greuel, deren Grau- samkcit nur der Schamlosigkeit der russischen Lüge gleichgestellt werden kann I" Wir zitieren aus dem uns vorliegenden Material noch einige der charakteristischsten Briefe. Aus dem Gefängnis zu T 0 b 0 l s k. das durch seinen„heißen Karzer" berüchtigt ist, schreibt uns am 18. September 1910 ein Gefangener: .Der neue Chef Sinowjew revidierte die Häftlinge ganze Nächte hindurch: diese werden nackt ausgezogen, im Munde und dem After untersuiht. wobei dieser Körperteil in der schamlosesten Weise gcwaltsam gedehnt und die Häftlinge dabei in gebückter Stellung mit dem Kopfe beim Boden gehalten werden und ihnen besohlen wird, in dieser Stellung dreimal zu husten. Wer sich dieser Ope- ration widersetzt, wird in der schrecklichsten Weise mihhandelt. Diese Untersuchungen werden vom Gehilfen deS Chefs Pisteroff und den Oberauffchern Romanoff und Pietroff vorgenommen(auch der Schreiber dieser Zeilen wurde einer solchen Untersuchung unterzogen). Für die Außerachtlassung der neuen Vorschriften deS Sinowjew werden Prügelstrafen ausgeteilt, so daß fast täglich acht bis zehn Häftlinge mit ihrem Blute die Fußböden und Wände des Ge- fängnisses bespritzen und dumpfes Wehklagen das Haus erfüllt. 40 Gefangene hungern, 8 verübten Selbstmord." Die Komödie der„ärztlichen Fürsorge" in den Ge- fängnisscn, mit der sich die zarische Regierung gewöhnlich vor Europa brüstet, wird durch folgenden Brief aus AlexandrowLk (Sibirien) grell illustriert: „Wenn der Gefängnisarzt Dr. Golschuch dey Ncrvenzustand eines Gefangenen als nichtnormal findet, dann sperrt er ihn für einen ganzen Monat ohne jede Aussicht in Einzelhaft. Nach einem Monat wird eine Piüfung.zweiter Stufe" vorgenommen und er wird ganz nackt in eine kalte Zelle,.Isolator" genannt, gesteckt. Hier, wo im Winter die Temperatur nie mehr als 7 bis 8 Grad beträgt, mutz der nackte Kranke auf dem unbedeckten Fuß- boden ohne jedes Bettzeug schlafen. So werdenNervenkranke ärztlich behandelt. Aehnlich wie die Gcfängnisverwaltung achtet auch Golschuch darauf, daß der Kranke nicbtS Unerlaubtes bei sich hat und unterzieht ihn mit größter Sorgfalt der Leibesvisitation. An das Bett des kranken Gotula, der an Knochentuberkulose leidet, und seit zwei Jahren im Spital liegt, tritt der Arzt Golschuch.„Vielleicht werden Sie mich. Herr Doktor, untersuchen"— sagt der Kranke—.daS Fieber ist gestiegen, ich habe 39,5, ich kann nichts essen." Der Arzt gibt dem Wärter ein Zeichen, die polizeiliche Untersuchung vorzunehmen und entfernt sich. Der im Sterben liegende Kosnira sagt dem Arzte, daß er das Fleisch nicht kauen kann und bitter um leichtere Speisen. Golschuch läßt ihm Kraut und Schrotbrot bringen. Ins Spital wird Jljin gebracht, mit Symptomen von Brand am Fuße. Der Arzt stellt Brand fest, schiebt aber die Operation auf den gewöhnlichen Operationstag auf und nimmt dann nach 4 Tagen dem Sterbenden den Fuß ab. Auf die Typhusabteilung wird der Katorgasträfling W. in bewußtlosem Zu stände mit 40 Grad Fieber, an Händen und Füßen gefesselt, gebracht. Da der Arzt nicht den Auftrag zum Entfesseln gibt, so wissen die Wärter nicht, wie sie den Kranken umkleiden sollen. Schließlich schneiden sie ihm das schmutzige Hemd vom Leibe und ziehen ein frisches über den Körper des Kranken, ohne ihm die Bermel anzuziehen. Der Kranke streift nach einiger Zeit die Handketten ab und steckt instinktiv die Hände in die Bermel. Der Arzt kommt. Wo sind die Ketten? Die Wärter erklären. daß der Kranke sie abgestreift habe, denn anders war das Hemd nicht anzuziehen.„Sofort die Ketten anlegen und wenn er sie noch- Wie aus den neuesten Meldungen ersichtlich ist, sucht der Blut- Hund Wyffotzki durch feine Repressionen und sein provokatorisches Borgehen ein Blutbad m Serentui hervorzurufen. mals abstreift, so ist er in den Karzer zu tragen I"— dies der Auftrag deS Arztes." Ueber die Greuel in der Katorga zu O r e l, der fürchter- lichsten aller russischen Strafanstalten, liegt folgender Ve- richt vor: „Jeder Transport politischer Gefangener wird im Dampfbad empfangen, wo man die nackt ausgezogenen niederwirft, mit Füßen tritt, ihnen F a u st s ch l ä g e WS Gesicht, an Brust und Bauch versetzt usw. Dieser Empfang soll eine Warnung sein und eine Ankündigung, daß man hier in Orel keine Späße versteht. An dieser Prozedur beteiligen sich alle, sowohl höhere als auch niedere Beamte der Verwaltung, jeder auf eigene Art. Einer der Aufseher versteht eS so kunstgerecht den Geprügelten mit der Faust aufs Ohr zu schlagen, daß ihm unfehlbar das Trommelfell gesprengt wird.(In Orel sind deshalb auch sehr viele Häftlinge mit zerrissenem Trommelfell, ihre Namen will aber Schreiber dieses Briefes nicht anführen, um das Los dieser Opfer nicht noch zu verschlimmern. Aus demselben Grunde kann auch über viele andere furchtbare Greuel nicht berichtet werden.) Graf Songailo, der Gehilfe des Gesängnischefs, pflegt Hiebe übers ganze Gesicht von unten bis oben zu verteilen, indem er beim Kinn anfängt und über den Augen aufhört. Der zweite Gehilfe deS Chefs, Amenko, haut mit ganzer Kraft geradeaus ins Gesicht..Da habt Ihr Eure Revolution I"— sagt einer nach dem anderen bei diesen Prozeduren. Nach Beendigung des„Empfanges" werden die Häftlinge auf die Zellen verteilt, wo sie jeder Wächter, Aufseher, Soldat, Scherge bis zur Besinnungslosigkeit schlagen darf. ES ist unmöglich, alle Foltermethoden aufzuzählen. Eine ganz unheimliche Erfindungs- gäbe entfalten in dieser Richtung die tollen Bluthunde: Einer der Wächter zum Beispiel zwang einen Häftling wiederholt, das Gesicht in die Oeffnung der Tür zu stecken, und schlug ihn jedesmal mit der Faust auf die Nase.„In Eurem Blute werde ich mich baden" — erklärte den Häftlingen einer der grausamsten Wächter S a ch a r Koslenkow, dessen Prügelsystem darin besteht, den Gefangenen auf den Boden zu werfen, und ihn mit den Füßen in den Bauch zu stoßen. Selbstmorde der Gefangenen folgen unaufhörlich aufein- ander. Unter anderem hat hier auch der Student Sapotnißky Selbstmord begangen, der im Prozeß gegen die sozialdemnlratische Fraktion der zweiten Duma zur.Katorga" verurteilt worden war." Endlich sei noch ein Bericht über die Zustände in dem Moskauer ,.Butyrki"-Gefängnis zitiert, das von der Regierung stets als„musterhaft" gepriesen wird: .In der letzten Zeit hat im Butyrki-GefängniS der AbteilungS- vorstand D r u s h i n i n ganz grausam gewütet. Diese entartete und wild gewordene Bestie findet seine Lust im Anhören der Schmerzens- schreie und im Anblick des unter den Rutenstreichen herum- spritzenden Blutes. Wochenlange Karzerhaft oder Prügelstrafe trifft jeden Häftling, an dessen Rock ein Knopf fehlt, der nicht genug höflich grüßt, einen Brief von einem Genossen erhält oder einen solchen schreibt usw. Es wird ohne Grund geschlagen, zum Vergnügen des GefängnisleiterS, aus Prinzip, aus Langeweile, aus Uebung. Spezialisten im Züchtigen sind hier die Aufseher Bondarjew und I e w's s e j e w, zwei Schüler DrushininS, die er aus dem Gefängnis in Jarosflaw mitgebracht hat. Alle älteren Aufseher sind frühere Gehilfen DrushininS ans Jarosflaw her. Wie die Häftlinge mitteilen, verstand es Drushinin in ganz virtuoser Weise, sich Gehilfen auszusuchen und abzurichten. Solche, die nicht schon früher in seiner Schule waren, können nicht lange die von ihm verübten Grausamkeiten und Morde mit ansehen und verlassen oft nach einigen Monaten den Dienst." Wir könnten den Bericht über die Greuel des Zaren- regimes noch fortsetzen, denn bergehoch haben sich die Sünden des blutigen Nikolaus II. aufgetürmt. Wir verweisen zum Schluß nur noch auf die bloß für das Jahr 1909 amtlich registrierte Zahl von 112 Selbstmorden der Gefangenen innerhalb und 37 S e l b st m 0 r d e n außerhalb der Gefäng- uisse I Diese Zahlen müßten von Rechts wegen auf der Stirne des verbrecherischen Herrschers Rußlands eingebrannt werden. Dieses ganze Regime, das einen Schandfleck Europas bildet, ist nur möglich geworden dank der Unter- stützung der internationalen Börse und der europäischen Re- gierungen. Mit dem Gclde der europäischen Kapitalisten hat der Zar seine Herrschaft gefestigt und die mächtige Volks- bewegung unterdrückt. Mit diesem Gelde hat er die Galgen, die Gefängnisse, die Folterkammern errichtet, die seit 1906 unalifhörlich in Arbeit sind, um überall die Ruhe des Kirch- Hofes herzustellen. Dank der moralischen Untcrschätzung der europäischen Regierungen, die in ihren diplomatischen Kon- kurrenzkämpfen um die Gunst des Zaren buhlen und seiner Regierung ein größeres politisches Gewicht verleihen, als sie eigentlich besitzt,— dank dieser Unterstützung tritt der Zarismus frecher und schamloser auf, als das selbst unter Alexander III. je möglich gewesen wäre. Die kannibalischen Reden eines Markow, eines Purischkcwitsch in der Duma sekundieren nur den schamlosen Erklärungen der russischen Regierung. Die in Potsdam erfolgte Annäherung zwischen Deutsch- land und Rußland hat auch in dieser Beziehung zu traurigen Folgen geführt. Noch nie hat sich die russische Reaktion so siegessicher, so jeder Verantwortung bar gefühlt, wie in den letzten Monaten, wo sie, der Unterstützung der borussischen Reaktion gewiß, sich in aller ihrer Scheußlichkeit entfaltete. Parallel mit dem chauvinistischen Säbelgerassel im fernen Osten geht innerhalb des Zarenreiches eine Vernichtung der letzten Uebcrreste der Volksfreiheiten vor sich, eine Ver- schärfung des Blutregiments, die die Zeiten Iwans des Schrecklichen in den Schatten stellt. Um die Zukunft ist man in Petersburg nicht besorgt, seitdem in Potsdam die Koalition der osteuropäischen Unkultur ein- geleitet wurde. Und auch die Kosten dafür gedenkt man grotzmütigerweise Deutschland aufzubürden, dem in nächster Zukunft eine neue russische Millionenanleihe bevorsteht. Der fall Mo. In Költt oMicrt ein evangelischer Pfarrer, ücr fo'üifvor. sichtig gewesen ist. in weniger verklausulierten Worten, als das sonst bei dem liberalen Teile der protestantischen Geistlichkeit üblich ist, auszusprechen, dah er an die Togmen der christlichen Kirche nicht glaubt. Für ihn ist das Christentum nicht eine Sache des Bekenntnisses, sondern des Gefühls. Er hat sich gleich der liberalen Theologie eine ästhetisch ausgeputzte Religion der..Menschenliebe" Zurecht gemacht, die aller Festlegungen auf bestimmte Glaubens- sätze entbehrt. Solcher Geistlicher gibt es im Lande eine ganze Menge. Die meisten sind freilich so vorsichtig, ihre Reden ganz in dem alten Pastoralen Stile zu halten und nur für die Eingeweihten durchblicken zu lassen, daß ihre Ausführungen nur bildlich, nur symbolisch zu verstehen sind. Solange das der Fall ist, solange nicht auch die große Masse erfährt, daß diese Geistlichen in Wirk- hchkeit all das preisgegeben haben, was den Kindern in der Schule als christliche Glaubenslehre beigebracht wird, drückt die Kirchen- behörde auch gerne ein Auge zu. Herr JatHo jedoch hat es der vorgesetzten Behörde zu bunt getrieben und seine innersten Gedanken zu deutlich verraten. Daher der Kreuzzug wider diesen Mann, daher das Vorgehen des Ober- kirchenrats gegen ihn. Pfarrer Iatho soll seines Amts entsetzt werden. Begreiflich nun, daß die Entschiedeneren unter den geist- lichen Gesinnungsgenossen Jathos über dies Vorgehen des Oberkirchenrats erregt sind. Sie erheben Protest gegen die Amtsentsetzung Pathos und fordern, daß in der Kirche auch Platz für„selbständige religiöse Persönlichkeiten" sei, daß die„Glaubensfreiheit der Ge- meinden" nicht angetastet werde. Eine solche Forderung wurde auch in einer von 1200 bis 1500 Personen besuchten Versammlung erhoben, die am Dienstag in Berlin stattfand. Für diese Proteswersammlung hatte das Berliner Konsistorium noch dadurch Reklame gemacht, daß es drei Berliner Pfarrern, die für die Versammlung als Redner angekündigt waren, das öffentliche Austreten verboten hatte. Die drei Geist- lichen hatten erklärt, dennoch sprechen zu wollen. Und da die liberale Presse weiterhin angekündigt hatte, daß sich die liberalen Geistlichen in großer Zahl einfinden würden, war es kein Wunder, daß immerhin eine gut besuchte Versammlung zustande kam.— Die geistlichen Redner, die das Wort ergriffen, vertraten mit Leb- haftigkeit den Standpunkt, daß der Oberkirchenrat nicht das Recht habe, Geistliche wegen ihres abweichenden Bekenntnisses zu maß- regeln. In der evangelischen Kirche müsse Raum auch für die Auf- fassungen der liberalen Theologie Vorhänden sein. Man solle im Gegenteil dem Pfarrer Jatho dafür Dank wissen,'daß es ihm ge- lungen sei, durch sein Wirken auch solche Leute wieder für die Kirche zu gewinnen, die ihr bereits ihrer modernen Weltanschauung wegen entfremdet gewesen seien. Einem Redner, der die ortho- doxe Auffassung vertrat und von den Geistlichen verlangte, daß für sie die Lehre der heiligen Schrift maßgebend sein müsse, wuvde ziemlich übel mitgespielt und durch Lärmen däs Weitersprechen vereitelt. Schließlich wurde eine im Sinne der Protestreden ge- Haltens Resolution gegen wenige Sttmmen angenommen. Wir Sozialdemokraten stehen diesem häuslichen Streit in der evangelischen Kirche sehr kühl gegenüber. Um so mehr, als die liberale Theologie unS bisher durch Bekennermut nicht gerade zu imponieren vermocht hat. Wie auf politischem Gebiete hat sich auch auf theologischem der Liberalismus nicht über kläglichste Halbheit und Kompromißlerei zu erheben vermocht. Solange die liberale Geistlichkeit ihre geläuterte Menschenliebe, die zu vertreten sie vorgibt, nicht energischer auf politischem und sozi- alem Gebiet betätigt, als das bisher der Falk gewesen ist, vermögen wir zwischen ihr und der Orthodoxie irgend einen Wesensunterschied nicht zu entdecken. Wenn die liberalen Geist- lichen noch die Konsequenz zögen und für die Trennung d'ör Kirche vom Staat eintreten würden, dann wäre wenigstens der erste Grundsatz der kirchlichen Freiheit erfüllt. So- lange aber auch die liberale Geistlichkeit das Recht der Staats- kirche für sich beansprucht und von dem Staate erhebliche Mittel verlangt, kann weder von religiöser Freiheit der Staatsbürger überhaupt, noch von der Freiheit der Kirchengemeinschaft die Rede sein. Wenn also auch gewisse Kreise des Bürgertums in dem Streite um die geistliche Lehrfreiheit am Ende gar eine Episode des geistigen Befreiungskampfes der Menschheit verkörpert sehen mögen— das Proletariat betrachtet das Ganze nur als ein be« langloses Theologengezänk, das für den wirklichen Emanzipation»- kämpf der Geister völlig gleichgültig ist. politische(lebersicbt. Berlin, den 29. März 1911. Reichstagsschmerzen. AuS d'öm Reichstag, 29. März. Bei Beginn der 'Sitzung teilte der Präsident mit. er würde, wenn die Tages- ordnung bis 7 Uhr nicht erschöpft werde, eine Abend- s i tz u n g ansetzen. Der Gang der Debatte ließ es ihm aber ratsam erscheinen, von diesem Plan der Durchpeitschung des Etats heute Abstand zu nehmen. Zunächst gab es eine längere Erörterung beim Reichs- e i s e n b a h n a m t, in deren Verlauf Genosse Stolle an dem letzten großen Eisenbahnunglück eine Anzahl Betriebs- Mängel der deutschen Eisenbahnen nachwies, während Genosse Leber Klage führte, daß die thüringischen Staaten, deren Eisenbahnen in preußische Verwaltung übergegangen sind. stiefmütterlich behandelt würden. Der Präsident des Reichs- «isenbahnamts, Herr Wackerzapp, bestritt das. Er meinte vielmehr, daß die thüringischen Staaten nur Vorteile von der preußischen Eisenbahnverwaltung hätten. Bei Etat des Reichstags kam es zu sehr lebhaften Auseinandersetzungen. Genosse Geck legte in humoristischer Rede allerhand Mängel der Reichstagseinrichtungen dar. Hierüber herrschte, wie die weitere Debatte ergab. Einmütig- keit unter allen Parteien des Hauses. Meinungsverschieden. heiten ergaben sich erst bei der Frage, ob ein Grundstück gegen- über dem Reichstagsgebäude verkauft oder für Geschäfts- räume des Reichstags vorbehalten werden solle. Die Mehr- heit stimmte der Regierung zu. daß das Grundstück verkauft würde. Beim Etat des Reichstags kam es zu sehr lebhaften rung. Genosse Ledebour machte geltend, daß die übermäßige Ausdehnung der Sitzungen zum gesundheitlichen Ruin der Mitglieder und zur Schädigung der Reichstags- geschäfte führen müsse. Darauf wirke auch das jetzige Gesetz über die Reichstagsdiäten hin, das eine Prämie auf kurze Sessionen und lange Sitzungen setze. Die Hauptschuld trage die amtierende Bureaukratie, die durch Verschleppung der Geschäfte planmäßig auf die Untergrabung des Einflusses des Reichstags hingearbeitet habe. Die Reichstagsmehrheit trage insofern die Mitschuld, als sie dieser bureaukratischen Taktik Umn Widerstand entgegengesetzt habe. Leber die AuZein- anb'ersetzüngen kam es zu einem Zusammenstoß Lcdebours mit Herrn Erzberger und dem Vorsitzenden der Budgetkom- Mission, Herrn v. G a m p. Um 7� Uhr trat Vertagung ein. Morgen beginnt der Etat des Reichskanzlers, Reiufall. Am Mittwoch hat die schwarzblaue Schlußmachergarde des Ab- geordnetenhauseS einen bösen Reinfall erlebt. Zur Beratung stand in zweiter Lesung der Gesetzentwurf über die Polizeiverwaltung in den Regierungsbezirken Düsseldorf, Arnsberg und Münster, bei dessen erster Lesung der Präsident v. K r ö ch e r unserm Genossen Liebknecht nach dreimaligem Ruf zur Sache mit Zustimmung des Hauses das Wort entzogen hatte. Daß Liebkneck-t rein sachlich gesprochen hatte, das lehrt ein Blick in den schriftlich erstatteten Kom- missionSbericht. Hat sich doch die Kommission ausschließlich mit den Fragen befaßt, über die zu reden unserm Genossen verboten war! In der bangen Vorahnung, Liebknecht würde ihnen ihre Un- gerechtigkeit vorhalten, schnitten die Konservativen, unterstützt von ihren getreuen Schildknappen aus dem klerikalen Lager, ihm zu Z 1 bei der zweiten Lesung das Wort ab. Aber das Manöver nutzte ihnen nichts, sie konnten es nicht hindern, daß Liebknecht zu einem anderen Paragraphen sprach und alles das nachholte, woran man ihn vorher mit Gewalt gehindert hatte. Schonungslos deckte er den polizeilichen Charakter des gegen die Arbeiter gerichteten Ent- Wurfes sowie das skandalöse Verhalten der sich als Arbeitervertreter aufspielenden Zentrumsabgeordneten auf und bereitete den letzteren eine gründliche Abfuhr. In vorgerückter Stunde trat daS Haus dann noch in die erste Lesung des Pflichtfortbildungsschulgesetzentwurfes, den der Handels- minister S y d o w im wesentlichen ebenso wie die der Vorlage bei- gegebenen Motive begründete. Den Reigen der Redner aus dem Hause eröffnete Herr Hammer «nissionsmitglieder empfahlen, die Regierung möge möglichst genau feststellen,.ob nicht bei den anderen Kreisvereinen ähnliche Zustände herrschen". Wenn die Regierung dieser agrarischen, mit Staats- zuschüffen aus allgemeinen Steuergroschen bedachten Organisation gegenüber auch nur ein Teilchen des Schneides an den Tag gelegt hätte, mit welchem sie hinter den Organisationen der Arbeiter her ist, so hätten die Unterschlagungen und Betrügereien unmöglich solche Dimensionen annehmen können. Die Verfassung für Elsast-Lothringen. Eine längere Debatte gab es am Mittwoch beim§ 24, bei dem ein freikonservanver Antrag einstimmig angenommen wurde, nach welchem die Freiheit des religiösen Bekenntnisses ausdrücklich ge- währleistet und der Genutz der staatsbürgerliche» Rechte von dem religiösen Bekenntnis für unabhängig erklärt wird. Dem§ 27 wird ein Antrag des Zentrums angefügt: ..Finanzgesetzentwürfe und Staatshaushaltsetats werden zuerst der Zweiten Kammer vorgelegt, letztere werden von der Ersten Kammer im ganzen angenommen oder abgelehnt. Im Etat nicht vorgesehene Ausgaben oder Erhöhungen von Ausgabeposten über den Betrag der von der Landesregierung vorgeschlagenen Summe können von den Kammern ohne Zustimmung der Regierung in den Etat nicht eingesetzt werden." Der erste Teil des Antrages wird mit allen gegen die Stimmen der Konservativen, der zweite Teil gegen Konservative und Sozial- demokraten angenommen. Genosse Dr. Frank hatte die ab- lehnende Stellung unserer Genossen damit begründet, datz der zweite Teil des Zentrumsantrages eine Verschlechterung der Re- gierungsvorlage bedeute, denn er wolle den Kammern die Hände » binden und sie verhindern, Ausgabeposten ohne Zustinuimug der Sie- giening zu erhöhen. Die Beratung des von dem freikonservativen ReichSverbändler v. Dirks en gestellten Antrages, der eine Unterdrückung der fremd- sprachigen Presse bezweckte, wurde von der Kommission gegen eine Stimme abgelehnt. Damit war die Beratung des VerfaffungSgefetzeS erledigt. Donnerstag beginnt die Beratung des Wahlgesetzes. Offiziöse Schaumschlägerei. Die Schcrlprcsse verbreitet die weltbewegende Mitteilung, datz der Reichskanzler v. Bethmann Hollweg am Donnerstag anläßlich der Beratung des Etats des Auswärtigen Amtes eine längere Rede halten werde, in der er besonders die Abrüstungsfrage zu erörtern gedenke. An sich ist es recht erfreulich, datz der Reichskanzler nicht wieder durch ein Jagdvergnügen abgehalten ist, im Reichstag zu erscheinen. Ob aber besonderer Anlatz dazu vorlag, die Rede, die er zu halten gedenkt, in so breitspuriger Weise anzukündigen, erscheint doch cinigermotzen fraglich. In der Regel wutzte der Reichskanzler nach solch großen Ankündigungen herzlich ivenig zu sagen. Aber klappern gehört zum Handwerk— auch zu dem eines Reichs- kanzlers,_' Die Kosten der Katholikentage. Die Zentrumsparaden, offiziell Katholikentage genannt, erfordern enonne Geldmittel. Das Zentralkomitee für den diesjährigen Katholikentag fordert deshalb durch die Zcntrumspreffe die zahllmgS- fähigen Anhänger des Zentrums auf,.ordentliche Mitglieder" des Katholikentages zu werden: eine Ehre, die nur 7,50 M. kostet. Diese Werbung erfolgt, wie der Aufruf sagt, um dem jeweiligen Komitee zu gestatten, aus einer sicheren finanziellen Grundlage zu operieren, ohne datz es befürchten brauche, ein grotzeS finanzielles Risiko übernehmen zu müssen. Was die alljährlichen Katholikentage kosten, daS zeigen folgende Zahlen: Der Augöburger Katholikentag erforderte nach der am IS. März erstatteten Schlutzabrechnung des Komitees eine Ausgabe von 144130,74 M. An Einnahmen werden genannt 95 570,02 M. Einnahmen des Finanzkomitees(darunter 35 392,50 M. Beiträge ordentlicher Mitglieder). Ferner werden aufgeführt 24 867,82 M. Einnahmen aus dem Verkauf von Festzeitungcn und aus Inseraten, 4739,45 M. Einnahmen der Festzugskommission, 903,45 M. Einnahmen der Altarkommission und 13 000 M. Zu- Wendung des StadtmaglstratS. Die Bau- und AusschmückungSkommission verausgabte allein St 179.65 M. lind die Festkommission 10 043,26 M. Und dieselben Leute, die solche Unsummen sür ihre jährliche Theatervorstellung ausgeben, entrüsten sich über Vergeudung von Arbeitergroschen durch die Sozialdemokratie, die für ähnliche Aus- gaben ihrer Parteitage höchstens einige tausend Mark gebraucht I Ein Kolonialskandälchen? AuS Daressalam wird amtlick gemeldet, datz gegen den Refe- renten beim kaiserlich en Gouvernement, Regierungs- rat Freiherrn V.Wächter, dos Hauptverfahren wegen Meineids eröffnet worden ist. v. Wächter ist von Berliner Schreibsachverständigen als Schreiber anonymer Schriftstücke be- zeiibnet worden, deren Urheberschaft er im vorigen Jahre in einem Verfahren gegen Unbekannt eidlich abgeleugnet hatte. Frhr. v. Wächter bestreitet jede Schuld, ist jedoch einstweilen vom Dien st sus- pendiert worden. Die tzauptverhandlung wird frühestens im Mai stattfinden können. In dem vorjährigen Prozetz gegen den Herausgeber der »Deutsch-Ostasrit. Ztg.". v. Roy, war RegierungSrat fe. Wächter beschuldigt worden, anonyme Briefe an v. Roy gerichtet zu haben, die den Verdacht eines Vergehens aus K 175 St.-G.-D. von ihm ablenken sollten. Das hatte v. Wächter eidlich in Abrede gestellt._ Differenzen in Südivestafrika. Die mit dem Bau von Eisenbahnen in Südwcstafrika bclraute Firma Bachstein u. Koppel hat einen Teil ihrer Beamten Knall und Fall entlassen. Unter den Beamten der Firma war ein Streit deswegen ausgebrochen, weil die deutschen Beamten sich den tschechischen Beamten gegenüber zurückgesetzt fühlten. Die Firma hatte die Behauptung aufgestellt, datz die Entlassung des Ober- beamten Schönherr auf das Betreiben des Kolonialamts zurück- zuführen sei. Diese Behauptung hat nunmehr der Gouverneur als völlig unwahr bezeichnet. Gleichwohl lehnte es der Gouverneur ab, zugunsten der deutschen Beamten intervenieren, weil er zu einem solchen Eingreifen nicht berechtigt sei. Unter diesen Um- ständen wird es Sache des Reichstages sein, die Scharfmacher- Praktiken der Firma Bachstein u. Koppel einmal gründlich unter die Lupe zu nehmen._ Einträgliche Kolonialbegeisterung. Die„Afrikanische Compagnie", eine Kolonialgesellschaft mit dem Sitz in Berlin, die in Kamerun die Kautschukverwertung be- treibt, hat in ihrer letzthin stattgefundencn Generalversammlung die Verteilung einer Dividende in Höhe von 17 Proz. beschloffen. Ein Aktionär wies nach, datz nach dem Reingewinn eigentlich 20 Proz. verteilt werden mützlen, doch war die Mehrheit der Ver- sammlung„bescheiden" genug, sich auch mit 17 Proz.„zufrieden" zu geben. Unter den Leitern dieser Gesellschaft spielt der Reichs- verdandsgeneral v. Liebert eine matzgebcnde Rolle. Im Reichs- tag zählt derselbe Herr zu den begeistertsten und bcwilligungS- lustigsten Kolonialfrcundcn— in Anbetracht solcher Dividende ganz begreiflich._ franhmeh. Tie Winzerunruhen. Bar sur Aube, 28. März. Die demonstrierenden Winzer zerbrachen heute nachmittag in der Unterpräfektur einige Fensterscheiben, rissen dann von der Tür der Präfektnr die Trikolore herab und ersetzten sie durch eine rote Fahne. Der Präfekt hielt eine Ansprache an die Menge und gab dem Winzer- ausschuh die Zusage, er werde die Truppen zurückziehen, wenn die Manifestanten Ruhe halten würden. Nachdem die De- monstranten dies versprochen hatten, setzten sich Präfekt und Unter- präfekt an die Spitze des Zuges, begaben sich zum Marktplatze und befahlen den Truppen, in ihre Garnison zurückzukehren. Die Demonstranten brachen in lebhafte Beifallskundgebungen aus und zerstreuten sich dann. Um 6 Uhr abends herrschte Ruhe. Italien. Bissolntis Weigerung. Rom, 27. März.(Eig. Ber.) Bissolati, der heute zu einer defimtiven Unterredung mit Giolitti eingeladen war, hat diesem brieflich mitgeteilt, datz er es nicht über sich ver- möchte, sich den äußeren Formen und Forderungen der Mi- nisderwürde anzupassen, weshalb er Giolitti bittet, nicht weiter in ihn zu dringen. Obwohl Giolitti noch um eine Unterredung mit Bissolati, die am 28. d. M. stattfinden soll, nachgesucht hat, ist anzunehmen, datz in der obigen Erklärung der nunmehr endgültige Entschluß Bissolatis vorliegt. Der„Avanti" kommentiert den Entschluß in folgender Weise: Wenn uns an dieser nachgerade unvermuteten Wendung der Umstand befremdet, datz Bissolati das Wesen annimmt und nur die äußere Form verwirft, so ist andererseits dieser Lösung eine gewisse Komik nicht abzusprechen. Man bedenke, daß Bissolati mit Giolitti ein Neformprogramm vereinbart hatte und darin gleichsam den Preis seines Opfers schon in Häuden hielt. Heute zieht er das Opfer zurück. Was wird nun aus dem vereinbarten Preise? Wird nun Giolitti das Experiment der Wahlrechtseriveiterung und der übrigen Reformen versuchen, ohne Bissolati als Geisel zu haben? Er hat seiner ganzen getreuen Mehrheit den Laufpatz gegeben, um sich sozialistische Mitarbeiter zu rufen. Wie wird nun die Mehrheit sich nach dem Rücktritt Bissolatis Verhalten? Wird sie wirklich den Minister in die angenehme Situation dessen dringen, der sich zwischen zwei Stühle setzt? „Wir haben vir innere Folgerichtigkeit von Bissolatis Ge- danken— von seiner Haltung auf dem Mailänder Kongretz bis zu seiner Unterredung mit dem König— anerkannt und auch die scharfe Logik gebilligt, die ihn als Individuum unter seiner ausschlietzlichen streng von der der Partei getrennten Verantwortlichkeit zur Teilnahme an der Regierung bewegte. Unsär Urteil in der Sache hat den Beifall der ganzen Partei und sogar des äutzersten revolutionären Flügels gefunden. Aber es liegt in der Natur der Sache, datz die grohen Forderungen der politischen Aktion sich sür einen Sozialisten in eine tägliche Ver- oewaltigung seines Widerwillens gegen die Ueberreste von Sym- bolen, Zcrmoniell und Hofgängcrwesen umsetzt, aus denen die äußere Erscheinung der Regierung in unserer Zeit gewebt ist. Man hat gut reden, datz man nicht die Form, sondern das Wesen beachten mutz: ein so schlichter und unabhängiger Mensch wie Bissolati bringt es nicht über sich, die innere Demütigung des Formelkrams über sich ergehen zu lassen." Das Blatt fügt dann hinzu, daß. wenn Giolitti an dem vereinbarten Programm festhielte, die Parlamentsfraktion die Verpflichtung hätte, sein neues Ministerium zu unterstützen. Solange man nicht über Giolittis Programm und über die Mitarbeiter, die er sich nach Bissolatis Rücktritt wählen wird, näheres weiß, ist es unangebracht, ein Urteil über die neue Situation abzugeben. So wenig sympathisch die Form und die Begründung des Rücktritts sein mag, so wird das organisierte Proletariat diesem doch als eine Erlösung be- grüßen und ihn mit großer Genugtuung zur Kenntnis nehincn._ Das neue Miuisterium. Rom, 29. März. Nach Mitteilungen aus den Wandelgängen der Kammer wird sich das neue Kabinett Giolitti morgen konstituieren. Wie versichert wird, soll die Liste der Minister fol- gcnde sein: Ministerpräsident und Inneres Giolitti, AentzcreS di San Giuliano, Justiz Finocchiaro, öffentliche Arbeiten Sacchi, Schatz Tedesco, Finanzen Facta, Ackerbau Nitti, Krieg Spingardi, Marine Eattolica, Unterricht Credaro und Posten, Easissapo, Spanien. Die Ferrer-Debattc. Madrid', 29. März. Der Republikaner Soriano setzte seine Rede fort und kritisierte die gegen Ferrer vorgebrachten Beweise, wies nach, daß Ferrer während der blutigen Woche aus Barce- lona abwesend war, und untersuchte das politische Eingreifen der konservativen Partei in den Prozetz. Ferrer, gegen den zuerst nur Beschuldigungen vorgelegen hätten, wie gegen mehrere andere Angeklagte, sei plötzlich einem besonderen Prozetz unterworfen, ver- urteilt und erschossen worden, während die übrigen Angeklagten, unter ihnen der Deputierte Emiliano I g l e s i a s, einige Monate später freigesprochen und in Freiheit gesetzt worden seien. Cnglanä. Der cnglisch-amerikanische Vertrag.. Washington, 28. März. Der schriftliche Entwurf des englisch- amerikanischen Schiedsgerichtsvcrtrages macht solche Fortschrüte. fcofc Tslt Mfc(£& tm SkLLt fei[cifl£p| herSMahenisen sutzerörLentlichen Tatzuklg borlegen zv k?rm«n. Die Verfasser wollen ihn zu einem Muster für zukünftige Verträge machen, und es soll tatsächlich jn jedem Streitfall eine ickieds- gerichtliche Lösung erfolgen.' Machtcntfaltnng am Persischen Golf. Bombay, 29, März. Amtlich wird bekanntgegeben, daß von Indien eine Expedition gegen die Waffenschmuggler im Persischen Golf beschlossen wurde. Sie wird aus Ma- troscn von den Kreuzern„Fox" und„Hyacinth", einem Bataillon Schützen, einer Abteilung Gebirgsartillerie, einem Tctachemeitt Sappeure und einer Feldambulanz bestehen. Ein Vcrschlcppnngsmanövcr. London, 28. März. Im Oberhans teilte Lord Sans» d o w n e heute mit, datz er seine Rcformbill nicht vor Ostern ein- bringen könnte. Jeder Vorschlag über die Zusammensetzung des Hauses berühre die königliche Prärogative für die Er- nenni g von Peers, und nach Präzedenzfällen und der Praxis des Parlaments mutzte zuerst die Zustimmung der Krone zur Einbringung einer derartigen Vorlage erlangt werden. Er werde daher am Donnerstag beantragen, dem König eine Adresse zu überreichen, in der Se. Majestät gebeten wird, der Einbringung einer Bill zuzustimmen, die zur Reform des Oberhauses die könig- liche Prärogative für die Ernennung von Peers einschränkt. Der Staatssekretär für Indien Lord Morley erklärte, er würde die Stellung der Regierung zu der Frage am Donnerstag darlegen. I�orivegen._ Offiziere als Agenten für ausländische Waffenfabri?en. Kristiania, 28. März.(Eig. Ber.) Unser Parteigenosse Egede-Nissen deckte in der gestrigen Storthingssitzung die Tatsache auf, daß norwegische Offiziere für ausländische Firmen als Agenten bei den Lieferungen von Kriegsmaterial tätig sind. Ein Jnfanterieoffizier ist Agent in Kruppschen Kanonen, ein Artillerieoffizier für Gebirgskanonen einer französischen Firma, ein Kavallerieoffizier besorgt die Lieferung von Unterseebooten.— Diese Geschäftemacherei wurde vom Storthing fast allgemein ver- urteilt und ein Antrag Egede-Nissens, der die Regierung � auffordert, den aktiven Offizieren zu verbieten, als Agenten bei den Lieferungen für Heer und Flotte tätig zu sein, wurde gegen pur 2 Stimmen angenommen. Schwecieii. Eine große Militärdebatte, die zwei Tage in Anspruch nahm, haben die sozialdemokratischen Anträge zur Herabsetzung der Militärausgaben in der Zweiten Kammer hervorgerufen. Wie zu erwarten war, wurden die Anträge schlietzlich abgelehnt. Statt dessen stimmte die Kammer mit knapper Mehrheit dem Verlangen der Liberalen zu. von neuem eine Untersuchung über die Militärlasten im Verhältnis zur Tragkraft des Volkes zu ver« anstalten. Bei der Abstimmung hierüber haben unsere Genossen sich der Stimme enthalten. Die Debatte hat insofern einen guten Zweck erfüllt, als sie eine Klärung über die Stellung der Parteien zum Militarismus brachte, was mit Rücksicht auf die bevorstehenden ReichStagSwaHIen von besonderem Werte ist. Rußland. Die Lage nach dem Staatsstreich. Petersburg, 29. März.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Die R e i ch s d u m a hat die Interpellationen, worin die Re- gierung ungesetzmätzigen Vorgehens beschuldigt wird. nüt 174 Stimmen der O k t o b r i st e n und der Mitglieder der Opposition gegen 88 Stimmen der Nationalisten und der Mitglieder der Rechten angenommen und diese Abstimmung bedeutet eine außerordentliche Verschärfung der Lage. Zum ersten Male seit der Existenz der dritten Duma haben die Oktobristen es gewagt, der Regierung in einer wichttgen politischen Frage ihr M i tz t r a u e n auszu- drücken. Stolypin hat das Wunder vollbracht, die rückgrat- lose, liebedienerische Oktobristenpartei in die Opposition zu drängen. Wenn bei dem ungewohnt entschlossenen Auftreten dieser Partei auch in bedeulendem Matze die Furcht vor den neuen Wahlen mitspricht, so ist ftir sie doch die Tat- fache matzgebend, datz der jetzt geschaffene Präzedenzfall die Bedeutung der Duma auf Null herabgedrückt hat. Aeutzerten sich doch selbst sehr gemäßigte Abgeordnete in der Duma nach dem Bekanntwerden der letzten Zarenukase, datz diese die russische Volksvertretung vollkommen e n t>v e r t c t hätten. Heute habe man die Duma sür drei Tage geschlossen, um die Scmstwovorlage durchzubringen. Morgen würde man sie für zwei Tage schließen, um ein anderes Projekt zu ver- wirklichen, und übermorgen— sür eine halbe Stunde, um die Bewilligung eines neuen Kredits durchzusetzen I Dieses Beispiel zeigt in krasser Weise, wohin die jetzt inaugurierte Praxis führen mutz, und die Oktobristen handeln nur ans Selbsterhaltungstrieb, wenn sie die Verantwortung für diese schmähliche Brüskierung der Duma ablehnen. Eine andere Frage ist es, ob sie auch die Konsequenzen ihrer Handlungsweise übernehmen und nicht durch ein Hinter- türchen wieder einschmuggeln, was sie offen zur Tür hinaus- gejagt haben. Anzeichen für solche Kompronntzaltion sind allerdings vorhanden und einflutzreiche Abgeordnete sind eifrig an der Arbeit, um der Regierung eine goldene Brücke zur Dumamehrheit zu bauen. Ob Stolypin diese Brücke de- schreitet oder in seinem Vn bauque- Spiel fortführt und die Duma auflöst diese Frage läßt sich heute noch nicht be- antworten. Ciii-Kei. Albanien im Ausstand. Saloniki, 29. März.(Meldung des Wiener K. K. Telegraphen- Korrespondenz-Bureaus.) Die Situation verschlechtert sich täglich, so datz die Regierung gezwungen ist, wieder schärfere Matz- nähmen zu ergreifen. Bei den leitenden Kreisen sind ernste Mcl- düngen aus Jpek und Djakova eingetroffen, nach denen die A r- n a u t e n allenthalben eine feindliche Haltung gegenüber den Behörden und dem Militär einnehmen. Von der Grenze eingetroffene Nachrichten besagen, datz die Albaner, nachdem sie alle türkischen Blockhäuser in Kaza Tuzi ge- nommen, und die Soldaten entwaffnet hatten, Tuzi besetzt haben. Sie bemächtigten sich der Waffen und Munition und er- beuteten drei Kanonen. Emenka. Die Lage in Mexiko. New Nock, 28. März. Nach einem Telegramm aus EI Paso gibt ein Dekret M a d e r o s bekannt, daß die Revolutionäre in Mexiko den Guerillakrieg formell aufgegeben haben. Gttuobtt(Mexiko), 28. März. Berichte der Regierungstruppen melden eine Niederlage der Aufständischen bei Hermosillo. Siebzig von ihnen seien getötet, über hundert verwundet worden. Die Bundestruppen hätten sechzehn Tote und zwanzig Verwundete gehabt. Diese Meldung zeigt, datz der Ministerwechscl beruhigend gewirkt hat. Man' nimmt an, datz das Willkürrcgiment Diaz' bald zu Ende gehen, Diaz selbst zurücktreten und der jetzige j�inanz» ffliuist« LjWSvtsvr iW AsMÄger fön hMg.. GewerhlcbaftUchce# Bertin und Umgegend. An die organisierte Arbeiterschaft! An Ostern beenden wieder Tausende von Handsung'Zlehr lmgen ihre Lehrzeit und viele junge Mädchen treten als jugend> liche Angestellte in kaufmännische Geschäfte ein. Da ist es Zeit dafür zu sorgen, daß diese jungen Leute nicht jenen kaufmän- nischen Vereinen zum Opfer zu fallen, von deren Anhängern die gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft ständig bekämpft und beschimpft wird. Heute kann man leider noch sehr oft be vbachten, daß auch Arbeitersöhne und-töchter, die als Handlungs gehilfen tätig sind, sich aus Unerfahrenheit von jenen arbeiter feindlichen Vereinen ins Schlepptau nehmen lassen. Die Arbeiter sollten daher nicht die Gelegenheit versäumen, ihre Kinder und Geschwister aufzuklären, daß, soweit sie als männliche und Weib- liche Handlungsgehilfen tätig sind oder im Versicherungsgewerbe beschäftigt werden, der Zentralverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen die zuständige Organisation ist. Dieser Verband kämpft für die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage seiner rufsgenossen und zwar Schulter an Schulter mit den Arbeitern anderer Berufe. Anmeldungen nimmt entgegen Zentralverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen Teutschlands. Geschäftsstelle Berlin NO. 43, Neue Königstr. 361, Gegen das Ueberstundensystem erklürten sich die Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma A r o n, Fabrik für Elektrizitätszähler, Charlottenburg, in einer Betriebs Versammlung, die am Dienstagabend im.Volkshause" stattfand, W e g e n e r vom Deutschen Metallarbeiterverband referierte. Er erinnerte daran, daß schon im Herbst vorigen Jahres lebhafter lln- Wille ausbrach, weil zu viele Ueberstunden verlangt wurden. Die Arbeiterschaft ließ sich damals beschwichtigen, als die Direktion er- klärte, daß die Ueberstunden aufhören würden, sobald eine Reihe von Umzugsarbeiten in der Fabrik erledigt seien. Die Direktion wies darauf hin. daß sie sonst die Lieferungstermine nicht einhalten könne. Die Arbeiter gaben nach und warteten. Sie warteten der- gebens; die Direktion hat ihr Versprechen nicht gehalten, sondern behauptet jetzt, die Ueberstunden nicht entbehren zu können. Die Arbeiter sind nun der Ansicht, daß es in der Leitung des Betriebes liegt, wenn die Ueberstunden zu einer dauernden Einrichtung werden. Verschiedene Meister sollen schlecht geeignet sein für die Stellung, die sie bekleiden, so daß ihre Aiiorduuugen häufig unzweckmäßig seien. Die Arbeiter der Abteilung Stieber klagen außerdem über Mangel an hygienischer Fürsorge; sie leiden unter Qualm und Dunst und Benzindämpfen, es fehle an genügenden Abzugsvorrichtungen. Die Gänge und Türen seien oft so verbaut, daß es bei Feuersgefahr sehr gefährlich werden könne. Das Be- tragen dieses Meisters gegenüber den Arbeitern soll oft sehr un- gehörig sein. Bon mehrere» Rednern wurde betont, daß sehr viel an den Arbeitern selbst liegt, wenn sie sich ungehörige Zumutungen gefallen ließen.— Nach einer längeren Besprechung wurde ein- stimmig eine Resolution angenommen, die dahin lautet, daß vom Montag, den 3. April, ab keine Ueberstundell mehr geleistet werden sollten._ Achtung, Metallarbeiter! Der Betrieb von Windhoff in Friedenau-Schöneberg, Bennigsenstr. 21, Fabrik für Automobilkühler, ist für sämtliche Metallarbeiter streng ge- sperrt, da in dem Betrieb die sämtlich dort Beschäftigten seit einigen Tagen im Streik stehen. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Die Schneiderinnen und Schneider der Kostüm- und Muster- branche hielten am Montag in den Arminhallen eine Versammlung ab, in der Frau Dr. Zepler über die Frage sprach: Welche Rechte und Pflichten haben die Frauen in der Gegenwart? Nach dem Vortrage, der lebhaften Beifall fand, berichtete Knoop über die gegenwärtige Lage in der Branche. Er wies zunächst auf den Lohnkampf der Kostümschneider und Schneiderinnen Wiens hin, der es notwendig macht, genau darauf zu achten, daß hier in Berlin keine Streikarbeit hergestellt wird. Es liegt aus Wien die Mitteilung vor, daß versucht wird, solche Arbeit in Berlin herstellen zu lassen und dabei sind namentlich auch die Firmen Spitzer und Unger genannt worden. Jedenfalls werden der Schneiderverband und die Arbeiterschaft in der Kostüm- brauche alles aufbieten, um hier die Anfertigung von Streikarbeit zu verhindern.— Das Tarifverhältnis in der Kostüm- brauche Berlins ist in letzter Zeit noch auf einige weiteve Firmen ausgedehnt worden, wodurch den betreffenden Schneide- rinnen und Schneidern schätzenswerte Lohnzulagen und andere Verbesserungen der Arbeitsverhältnisse zuteil wurden. Anderer. seits nannte der Redner einige Firmen, die Versuche gemacht haben, den Tarifvertrag zu durchbrechen oder sich auf andere Weise, z. B. durch ungehörige Behandlung ihres Personals, unliebsam bemerkbar gemacht haben. Die Ausführungen des Referenten wurden in dieser Hinsicht in der Diskussion noch ergänzt. Dabei wurde namentlich hervorgehoben, wie notwendig es ist, daß die Schneider und Schneiderinnen stets auf dem Posten sind und auch die Werkstattsitzungen vollzählig besuchen, damit irgend welchen Tarifdurchbrcchungen vorgebeugt und Differenzen ordnungsgemäß erledigt werden können._ Die„Hintzetruppe" in Spandau. Mit dem Zuge 8.04 abends kamen am 28. b. M. auS Hamburg 34 dieser dem Staate besonders nützlichen Elemente an, um den Firmen Weichhardt und Kurt Thomas in ihrem Kampfe gegen die Arbeiter beizustehen. Zum.Empfang" waren zwei Kremser der Firma Thomas, der stellvertretende„liberale" Stadtverordnetenvorsteher der Stadt Spandau, Herr Prager, diverse Polizeibeamte zu Fuß und zu Pferde, sowie einige Angestellte der Firma Weich Hardt, sowie die Geschäftsinhaber beider Firmen anwesend. Nachdem Herr Thomas den«lieben Arbeitswilligen" beim Einsteigen behilflich gewesen, ging der Zug, begleitet von Polizei, Streikbrecheragenten usw. nach Tiefwerder, wo die Leute in einem alten Tanzsalon, Tiefwerder Weg 7a, einquartiert wurden. Am gestrigen Vormittag traten die.Herren" ihre.nützliche" Arbeit an. Fünf Mann wurden der Firma R. W e i ch h a r d t, die übrigen der Firma Thomas zur Verfügung gestellt. Die Streikenden lassen sich durch das Erscheinen der Hintzegarde weder provozieren noch einschüchtern. Sie stehen im Kampf, bis sich die Unternehmer bequemen, den Forderungen der Arbeiter ent- gegenzu'ommen._ Oeutfches Reich. Wenn zwei dasselbe tun.., Der Vorsitzende des Bauarbeiterverbandes der Zahlstelle Rathenow, der Maurer B., der während der Bauarbeiter- ausfperrung mit dem Arbeitswilligen Timm aus Berlin der- handelte, wurde am 23. März von der Strafkammer in Stendal wegen Nötigung zu einem Monat Gefängnis verurteilt. B. war schon vorher von derselben Strafkammer mit noch zwei Kollegen zu je fünf Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil sie sich von dem arbeitswilligen Revolverhelden Brinkmann nicht die Knochen entzweischießen lassen wollten, sondern ihn verdientermaßen eine derbe Tracht Prügel verabfolgten. Bei der Verhandlung am 23. März beschworen fünf Zeugen, daß der Augeklagte keine Rede- Wendung gebraucht habe, die als Drohung gedeutet'werden könnte. Das Gericht maß jedoch dem Zeugnis des staatserhaltenden Elements erhöhteren Glauben bei,_ Lerantw. Redakteur: Albert Wach», Berlin. Jq/eratenteil verantw.: s In Heidelberg machten die Fleischergesellen den Versuch. die bei dem Fleischenneister Hoflieferanten Schwab beschäftigten Gesellen für den Verband zu gewinnen. Der Meister geriet hierüber in solche Aufregung, daß er mit dem Gummiknüttel ausgerüstet den Vertrauensmann der Organisation auf der Straße stellte, diesen ver- prügelte und dabei nicht unerheblich verletzte. Der Staatsanwalt, dem dieser Vorfall zur Strafverfolgung übergeben worden war, lehnte die Erhebung einer Auklage ab, da nach den gerichtsärztlichen Gutachten nur eine einfache Körperverletzung vorliege, an deren Ver- folgung ein öffentliches Interesse nicht bestehe; die Akten seien zu etwaigem polizeilichen Einschreiten an das Bezirksamt abgegeben. Gegen diesen Entscheid ist Berufung bei der Oberstaatsanwaltschast eingelegt worden._ Streik städtischer Arbeiter in Kolberg. Bereits am 16. Februar d. I. batten die städtischen Betriebe K o l b e r g s eine zweitägige Arbeitsniederlegung, die dann durch Tarifabschluß zwischen Stadtverwaltung und Gemeindearbeiter- verband beigelegt wurde. An den dabei getroffenen Abmachungen waren der erste Bürgermeister, zwei Stadträte, einige Stadtverordnete sowie Vertreter der Arbeiter und des Verbandes beteiligt. Die eigentlich nur noch formell zu gebende Zustimmung der Stadt- verordnetenversannnlung wurde auf Betreiben einiger Scharfmacher versagt. Der gerade zur entscheidenden Sitzung ins Kollegium ein- gezogene Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes machte gegen den Abschluß des Tarifvertrages scharf und erreichte die Zurückweisung an die Finanzkommission. Das Stadtverordnetenkollegium des avouierte also die Vertreter der Gemeinde. Die Zusicherung, auf der hin vor einigen Tagen die Arbeit aufgenommen worden war, wurde durch den Beschlutz eines vierwöchentlichen Waffenstillstandes abgeändert: es wurde in erneute Verhandlungen eingetreten. Hiev bei ist nun aber nicht das herausgekommen, was ursprünglich zw gestanden worden war. Den erste» Feuerleuten der Gasanstalt wurde wohl ein Wocheulohn von 22,50 M. und den übrigen Feuer- leuten ein solcher von 18,90 M., sowie allen anderen Gasarbeitern Pf. Zulage pro Stunde zugebilligt, bei der Parkverwalwng sollten die Frauen nur 1 Pf. Zulage pro Stunde erhalten, die anderen Ar- bciter der Parkverwaltung, des Bauamts und der Straßenreinigung edoch leer ausgehen, wenngleich die Löhne für Arbeiter noch aus 24 und 26 Pf. pro Stunde stehen. Die Stadtverwaltung Kolberg hat eben in früheren Jahren ihren Arbeitern keine der Zeit ent prechenden Lohnzulagen gewährt, obgleich die Stadt als Badeort ziemlich hohe Preise für Lebensunterhalt hat. Den Arbeitern erschien daher die Stellung der Stadtverwaltung als eine Verhöhnung und deshalb legten sie am Donnerstag abend bezw. Freitag früh die Arbeit nieder. Nachträglich wurde allerdings durch Publikation des Magistrats bekannt gegeben, daß alle Arbeiter 2 Pf. Zulage zum Stundenlohn und einen dreitätigen Urlaub nach dreijähriger Dienstzeit erhalten sollen. Von einer Verkürzung der Arbeitszeit, die verschiedentlich noch über zehn Stunden dauert, war keine Rede, ebensowenig von einem Tarifvertrag mit den Arbeitern. Die un- genügenden Zugeständnisse bewogen die Arbeiter, im Streik auszu- harren. Als Rausreißer fungieren einige städtische Beamte, sowie eine aus Essen herbeigerufene Streikbrecherkolonne, die nahezu bei allen Streiks städtischer Arbeiter in Funktion tritt. Zuzug ist fern- zuhalten._ Die Aussperrung der Steinarbeiter in Weimar(Bezirk Kassel) ist beendet. Die Firma Bauch u. Co., die ihre 400 Arbeiter aufs Pflaster geworfen hatte, um eine Schwächung der stark gewordenen Organi- ation herbeizuführen, hat klein beigegeben und sogar noch eine Er- Höhung der Löhne bewilligen müssen. Die Möbeltransportarbeiter m Frankfurt a. M. haben die Arbeit eingestellt, nachdem Verhandlungen mit den Unternehmern ergebnislos verlaufen waren. Es handelt sich um ungefähr 180 Mann._ Zum Kampf im Hamburger Holzgewerbe. Jetzt hat der Verband„Unterelbe" seinen Willen durchgesetzt; die Holzindustriellen haben die Aussperrung sämtlicher Holzarbeiter beschlossen, doch sollen in erster Linie die Mitglieder des Deutschen Holzarbeiterverbandes„berücksichtigt" werden. Es scheint fast so, als wenn man auch hier wieder damit rechnet, daß der Hirsch-Dunckersche Gewerkverein der Holzarbeiter ganz selbstverständlich die Streik brecherrolle übernehmen wird. Die Versammlung der Holz industriellen, in der der Aussperrungsbeschluß gefaßt wurde, war sehr schwach besucht. Der Sekretär des Schutzverbandes, Herr Gurlitt. beruhigte die Anwesenden damit, daß er erklärte: Der zu fassende Beschluß wird auch von den Nichtanwesenden durchgeführt und wenn jemand sich weigern sollte, so werden unsere Verbindungen mit den Materiallieferanten durch die Material sperre und die Drohung mit Entziehung der Auf träge durch die Bauunternehmer den nötigen Eindruck nicht ver- fehlen. Wer dem Beschluß dann nicht Folge leistet, der wird von uns gezwungen werden, seinen Betrieb zu schließen. Trotzdem er- klärte ein Tischlermeister auS Wandsbek, daß bei seinen Kollegen herzlich wenig Neigung für eine Aussperrung vorhanden sei. Als es dann zur Abstimmung kam. wagten jedochZnur fünf Unternehmer gegen die Aussperrung zu stimmen. Eine Kommission von drei Unternehmern wurde dann eingesetzt, die von Betrieb zu Betrieb die Aussperrung propagieren soll und kontrollieren, ob die Unternehmer die Aussperrung durchführen. Dienstag sind nun bereits die Bauunternehmer und Holzhändler mobil gemacht, um die widerspenstigen Tischlermeister zur Raison zu bringen. Dienstagabend sollte die Aussperrung auf der ganzen Linie er- folgen und Mittwoch früh sollen nach Ansicht deS Verbandes„Unter- elbe" 6000 Holzarbeiter auf dem Pflaster liegen. Und das alles, weil der Holzarbeiterverband auf Anerkennung des mit dem Arbeit- geberschutzverband vereinbarten Vertragsmusters besteht, dessen An- erkennung nach Ansicht des geistigen Leiters der Hamburger Unter- nehmer, Herrn W o l f r o m m, den„Ruin deS Gewerbes" be- deutet. Der paritätische Arbeitsnachweis spielt gegenwärtig nur noch eine nebensächliche Rolle und spielte sie auch in der Unternehmer- Versammlung, weil er von den Tischlermeistern bereits geschlossen ist. Durch ein Schreiben an den Holzarbeiterverband ersucht die Innung nur noch, eine Verständigung über die Veräußerung deS gemeinsam angeschafften Inventars I Der Verband„Unterelbe" hat bereits eine Anzahl Streikbrecher- agenten nach allen Himmelsrichtungen entsandt und inseriert gegen- wärtig schon in allen möglichen Blättern nach Arbeitswilligen. Die Holzarbeiter werden darum gut tun, besonders aufmerksam zu sein. diesen Firmen beschäftigten Metallarbeitern wurden 6695 au»« gesperrt. 26 Firmen, die 4833 Arbeiter beschäftigen,_ beteiligten sich überhaupt nicht an der Aussperrung. An die Aussperrung schloß sich dann der Streik der organisierten Metallarbeiter, die nicht aus- gesperrt worden waren; 782 legten vorige Woche die Arbeit nieder. Dieser Kampf richtete sich gegen 19 Betriebe;. 6 davon wurden da- durch vollständig stillgelegt. Metallarbeiter kommen— einschließlich der streikenden Former und Gießereiarbeiter— bei dieser Bewegung 9071 Mann in Betracht. Dazu kommen aber noch 400 vorige Woche ausgesperrte Modell- und Fabriktischler; insgesamt also sind bei dem Kampfe 9471 Personen beteiligt. Diese Zahl erhöht sich aber täglich._ Die Rastatter Belagerung ist beendet; der Kampf der streikenden Arbeiter der Waggonfabrik mit der Direktion, welche anfangs jede Verhandlung mit Vertretern der Organisation ablehnte, dauerte 18 Wochen. Das ist in Anbetracht des nicht außerordentlich um- fangreichen Betriebes und der örtlichen Beschränkung des Kampfes eine für den Erfolg der Arbeiter nicht aussichtsvolle Periode. Der Verlauf des Streikes zeigt, daß die Unternehmerposition von vorn« herein durch die arbeiterfeindliche Haltung der Polizeigewalt. welche die Hintzegarde mit einem sichtbaren Wohlwollen behandelte, gefestigt worden war. Da half es wenig mehr, als endlich die Arbeiterpresse mittels ethischen Appells an den Minister des Innern die öffentliche Meinung zu Hilfe rufen wollte. Herr v. Bodman versagte vollständig. Die Fabrikleitung aber kam im Verlauf des Streikes zur Einsicht, daß mit dem zusammengetrommelten Interims- arbeiterstand ein geschäftlicher Erfolg nicht erzielt werden kann. So unterhandelte sie denn in der vorigen Woche mit einer Kommission der Streikende» und machte die kleine platonische Konzession, die Arbeitszeit auf 9� Stunden, d. h. um eine halbe Stunde, zu re« duzieren,-- wenn die Eisenbahnbehörde die Zugsverbindung morgens besser einrichtet. Selbstverständlich erklärte sich die Fabrik- leitung für die Zusicherung einer guten Behandlung der Arbeiter; aber die Aufbesserung derLöhne behält sie sich vor. Hamburg, 29. März.(Privat telegramm des„Vor- wärts".) Am Mittwochmittag betrug die Zahl der Streikenden 1500, die der Ausgesperrten 540. Diese Ziffern entsprechen bei weitem nicht den großen Worten, mit denen die Scharf- niacher ihre Aktion einleiteten. 40 Korbmacher in Wulsdorf, Kreis Geestemünde, haben wegen Akkordreduzierung am Montag, den 27. März, die Arbeit nieder- gelegt. Die Wulsdorfer Korbmacher gehören zu den schlecht be- zahltesten Arbeiterkategorien der Unterweserorte. Zuzug ist fernzu- halten. Statistik über den Kampf der Chemnitzer Metallarbeiter. lieber das Numerische des Kampfes ist nach Fertigstellung und Abschluß der Statistik der Streikleiwng folgendes zu berichten: In den Streik traten ursprünglich 2600 Former und Gießereiarbeiter. 60 Firmen beteiligten sich an der Aussperrung; von 13158 bei „Schwere Streikausschreitungen bei Bamberg". Unter dieser Ueberschrift brachte die bürgerliche Presse eine offenbar aus einem Korrespondenzbureau stammende Notiz, nach der aus Anlaß eines Ziegeleiarbeiterstreiks in B i s ch b e r g bei Bamberg schwere Ausschreitungen der Streikenden stattgefunden hätten. Sämt- liche Fensterscheiben im Fabrikgebäude seien eingeworfen und die Direktorwohnung sei mit Steinen bombardiert worden. Die Familie des Direktors sei nach Bamberg geflüchtet. Die Gendarmerie sei auS der ganzen Gegend zusammengezogen und die Polizeistunde auf abends 9 Uhr festgesetzt worden. Auch die Gendarmerie sei attackiert worden, worauf die Gendarmerie mit blinden Schüssen geantwortet habe. Alle diese schauerlichen Meldungen sind von A bis Z erlogen. Weder ist Gendarmerie zusammengezogen, noch ist sie attackiert worden, noch hat sie geschossen, noch ist der Direktor geflüchtet; kurz, alle Nachrichten sind das Schwindelprodult eines zeilenhungrigen Reporters, vielleicht aber auch eines Scharf- machersöldlings. der mit der Nachricht Stimmung gegen die Arbeiter machen will. Richtig ist nur, daß in den Bischberger Ton- uud Ziegelwerken gestreikt wird und daß sich, als italienische Streikbrecher in Automobilen in die Fabrik gebracht wurden, eine große Anzahl Menschen ansammelte. Schulkinder warfen einige Fensterscheiben im Fabrikgebäude ein, das geschah aber unter den Augen der Gendarmen, denen es nicht einfiel, von der Sache irgendwelches Aufheben zu machen. Im übrigen sind Unterhandlungen im Gange, die wahr- scheinlich Erfolg haben werden, denn die Italiener weigern sich, Streikbrecherdienste zu leisten._ Der TranSportardeitrrstreil MiiNjausc» 1. Elf. hat nach stehen- tägiger Dauer mit einem vollen Erfolge der Strei- kenden geendet. Nachdem im Laufe der Woche. verschiedene Einzelgeschäfte nachgegeben hatten, schloffen am Sonnabendabend in einer Einigungsverhandlung unter dem Vorsitze des Bürger- meisters auch die Spediteure mit den Arbeitern den vorgelegten Tarifvertrag ab, indem sie den grundsätzlichen Widerstand gegen die Einführung des Wochenlohnes fallen ließen. Im allgemeinen wurde durchschnittlich eine Lohnerhöhung von sechs Mark pro Woche für rund 500 Transport» arbeiter errungen. ES hat den Unternehmern nichts ge» halfen, daß die Verwaltung der Reichseisenbahnen den Rovfuhrverkehr der mittels der Bahn eingetroffenen Güter durch das Eisenbahnpersonal besorgen ließ und daß sogar Dragoner hier und da Streikbrecherdienste leisten mußten. Auch das Eingreifen der bewaffneten Macht gegen die Streikposten, welche von berittenen Gendarmen provoziert und mit Verhaftung bedroht wurden, half nichts: die Ausständigen ließen sich einfach nicht pro- dozieren. Die junge Organisation hat unter der Führung des Gau- leiters des Deutschen TranSportarbeiterverbandeS die Feuerprobe glänzend bestanden. Die Schuhmacher in Metz haben der Meisterorganisation sowie den außerhalb derselben stehenden Meistern mit Gehilfen einen Lohntarif zur Anerkennung unterbreitet. Nach den bis jetzt gemachten Erfahrungen besteht wenig Hoffnung, durch friedliche Unterhandlungen eine Einigung zu erzielen. Die Gehilfen wollen, falls im Laufe dieser Woche keine Einigung erzielt wird, die Arbeit niederlegen. Zuzug nach Metz ist streng fernzuhalten. Hustand. K. n. k. Streikbrecher. Während deS SeemannSstreiks in Trieft wurde die Abfahrt deS Lohddampfers„Semiramis" nach Aegypten dadurch ermöglicht, daß Heizer der Kriegsmarine auf dieses Schiff abkommandiert wurden. 300 Millionen für DreadnoughtS und Niederschlagung der Be- strebungen nach besserer Stellung— die beste Floltenagstation. die man sich wünschen kann._ letzte Nachrichten. Zur Befestigung der Stellung StolypinS Petersburg. 2g. März.(W. T. B.) Von unserem Privat- korreipondenten. Der Kaiser hat den Reichsratspräsidenten beauf- D u r n o w o mitzuteilen, daß er zwar Turnowos Verdienste schätze, aber doch meine, daß er während der Krise unrichtig ge- handelt habe. Von der russischen Flotte. m Diersburg, 29. März.(W. T. B.) Reichsduma.(Schluß.) Nach der Rede des Gehilfen des Marineministers machte Wojei« kow �(extreme Rechte) längere Ausführungen über die Bedingungen des Schiffsbaues, wobei er zu dem Schlüsse kam, daß eine Kürzung der Kredite die Lage nur verschlimmer» könnte. Es sei unmöglich 1® die Schlagfertigkeit der Flotte zu schwächen. Stveginzow (Oktobrist) wies aus das in der Marineverwaltung Herrschends Chaos hin und drückte die Hoffnung aus, der neue Marineminister werde sich für verpflichtet halten, dem Kaiser vorzustellen, daß die Zentralvcrwaltung des Ministeriums der Bestimmung nicht ent- spreche. Schingarew(Kadettenpartei) kritisierte die Tätigkeit des Marineministeriums uud wies au fdie Schulden bei den Werk- stätten und Werften hin, die vierzig Millionen betrügen..~:ep Bau eines Unterseebootes, dessen Konstruktion Staatsgeheimnis iei, st.i einer Privatwerst übergeben worden, bei der einer der AniO» näte ein früherer deutschet Ossizier und österreichischem Vize» konsul sei. TH. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.>4 Lerlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen«. UnterhaltaagSb� Hr. 76. 28. Jahrgang. Donnerstag, 36. Marz Ml. is Rede Kedels. Wie haben bereits kurz über die Rede, die Bebel in Hamburg gehalten hat, berichtet. Tie helle Beleuchtung, die die gesamte politische Situation durch diese Ausführungen erfährt, lassen eine ausführlichere Wiedergabe angezeigt er- icheinen. Bebel führte aus: Volle vier Jahre sind es her, seit ich das letztemal zu Ihnen gesprochen habe. Damals war der Reichstag eben aufgelöst. Wir waren, das gestehe ich offen, damals alle ein wenig zu hoffnungs- voll. Wir glaubten, das Voll in seiner grofjen Mehrheit werde die Taktik billigen, die wir im Reichstag der Regierung gegenüber befolgt hatten. Es kam anders. B ü l o w versuchte, aus Konser- vativen und Liberalen eine neue Mehrheit, den sogenannten Bülow- block, zu bilden. Und mit Hilfe von Wahlbeeinflussungen, wie sie selbst zu Bismarcks Zeiten nicht dagewesen, gelang der Coup. Freilich konnte der Bund zwischen Konservativen und Liberalen, die sich seit Jahrzehnten aufs schärsste bekämpften, nicht von Dauer sein. Der alte Träger hatte recht, als er dieses unnatürliche Bündnis eine Paarung zwischen Karpfen und Kaninchen nannte. (Heiterkeit.) Man brachte zwar das neue Vereinsgesetz und einige andere Gesetze, die etwas nach Liberalismus schmecken, zustande. Sobald es sich aber darum handelte, die ReichSfinanzen zu reformieren, kam es zum Krach. Regierung und Liberale waren sich einig geworden, dasi 100 Millionen durch direkte Steuern, vornehmlich durch die Erbschafts- steuer aufgebracht werden sollten. Unzweifelhaft ist auch die Erbschafts st euer eine der gerechte st en Steuern. Schon deshalb, weil sie gestattet, diejenigen zu fassen, die bei Leb- zeiten durch Steuerhinterziehung den Staat betrogen haben. Diese Steuer ging aber den Konservativen und dem Zentrum, das doch nach den Lehren Christi gerade dafür eintreten mühte, dah die Reichen belastet und die Armen geschont werden, wider den Strich. Es kamen dann die neuen indirekten Steuervor- lagen zustande, die 400 Millionen Mark jährlich einbringen sollen, aber nach dem Urteil von Sachverständigen bei weitem nicht ein- bringen werden. Diese neuen Steuern haben auf verschiedene Zweige unserer Industrie geradezu verheerend gewirkt. Das Reich sieht sich genötigt, einen Teil der neuen Steuereinnahmen zur Unterstützung von Arbeitern zu verwenden, die durch diese Steuern existenzlos geworden sind. Diese sogenannte Steuerreform lagn gut nicht scharf genug verurteilt werden. Sie ist ein Serbrechea am deutschen Bolke. (Lebhafter Beifall.) Wdnn alle 500 Millionen Mark, die das Reich brauchte, auf dem Wege der Einkommen-, Vermögens- und Erb- schaftSsteuer aufgebracht worden wären, so wäre das bei dem Heu» tigen Stande unseres Nationalvermögens ganz gut möglich gewesen. Man prahlt ja sonst so gern damit, dah das deutsche Volk alljährlich um 400 Millionen Mark reicher wird. Ich glaube allerdings nicht, dah diel von diesem Reichtum sich in Ihre Taschen verirrt hat.(Heiter- teit und Zustimmung.) Es trifft auf unsere Verhältnisse das Wort «t. das im enaliichen Parlament einmal ein Redner aussprach, in- dem er sagte, dah der ganze vcrauschcnde Reichtum der Nation sich beschränkt aus die besitzenden Klassen. Nun ist man bei uns mit der indirekten Besteuerung so weit gegangen, dah kaum noch ein Massenkonsumartikel als Steuerquelle in Frage kommen kann, wenn man nicht am Ende auch noch Wasser und Luft besteuern will. Es gibt keine indirekte Steuerquelle mehr, die genug ein- bringen könnte, um das Loch im Reichssäckel zu stopfen. Das sahen auch Regierung und Liberale ein, und deshalb ihr Reformvorschlag, der von den Konservativen und vom Zentrum abgelehnt wurde. Damit hatten sich diese beiden Parteien, die ihrer Natur nach zu- LammensehSrte«, wiedergefunden. Das bihchen Katholizismus oder Protestantismus hat nie eine grohe Rolle als trennendes Moment zwischen beiden gespielt. Beide sind sich darin einig, dah das Volk unterdrückt und die Massen ausgebeutet werden müssen. Darin find sich beide gleich: die Junker und die Pfaffen.(Zustimmung.) Und eS gibt hochgestellte Personen bei uns. die gern katholisch würden, wenn sie nur auch gleich Kardinal oder Papst werden tonnten.(Grohe Heiterkeit und Bravo!) Man hat 1907 gesagt, es komme nicht darauf an, ob man den Feind nach der Regel schlage, wenn man ihn nur schlage, dah er sinke mit allen seinen Fahnen. Der König von Sachsen zitierte damals sogar den Geist des seligen Hutten, indem er äuherte: jetzt sei es eine Lust zu leben! 1903 hat er das nicht gesagt, und 191L wird er es chohl auch nicht wieder sagen.(Sehr gut! und Heiterkeit.) Man hat schon oft geglaubt, man habe unS vernichtet, aber man hat sich noch jedesmal getäuscht. Wir sind wie der Aal. wenn man uns an einem Ende saht, schlüpfen wir am anderen Ende durch.(Heiterkeit.) Nicht, dah wir als einzelne unüberwindlich wären. Ich bilde mir nicht ein, dah wir etwas Besseres sind als die Angehörigen anderer Parteien. Aber die Stellung, die das Proletariat in der heutigen Gesellschaft einnimmt, die sorgt dafür, dah die Sozialdemokratie desto besser wächst und gedeiht, je länger die bürgerliche Gesellschaftsordnung besteht. Die bürgerliche Gesellschaft befindet sich in beständiger Revolution. DaS ist eine Revolution, bei der kein Blut flieht, bei der aber auher- ordentlich viel Elend zutage tritt. Vor einem Menschenalter war Deutschlands Bevölkerung noch zum gröhten Teil bäuerlich. Der Bauer aber ist seiner Natur nach konservativ. Inzwischen hat eine vollständige Umwälzung stattgefunden. Während die Bevölkerung� zahl selbst enorm gewachsen ist, ist der Anteil der bäuerlichen Be> völkerung zurückgegangen und beträgt heute schon lange nicht mehr die Hälfte. Nach der letzten Berufszählung waren von je 1000 Er- wcrbstätigen nicht weniger als 724 Arbeiter und Arbeiterinnen. Die Arbeiterschaft bildet also nahezu drei Viertel der Gesamt- bevölkerung. Dah von diesen Arbeitern und Arbeiterinnen heute noch sehr viele den bürgerlichen Parteien nachlaufen, wissen wir. Aber das Proletariat ist seiner Natur nach revolutionär, und in demselben Mahe wie die bürgerliche Gesellschaft weiter existiert, muh auch die Sozialdemokratie an Boden gewinnen. Die Notwendigkeit der Finanzreform ergab sich aus der Ent- Wickelung, die das Deutsche Reich seit 1870 genommen hat. 1872 schrieb die..Vossische Zeitung": die Militärrüstungcn seien kaum noch zu ertragen. Damafs betrugen die Etats des Heeres, der Marine, der Pensionen und der Schuldenverzinsung zusammen 303 Millionen Mark. Im Etatsjahr 1911 beträgt die Gesamtsumme der vier Etats 1543 Millionen Mark. Der Aufwand ist also um das Fünffache gestiegen. Während die Bevölkerung sich um 57 Proz. vermehrte, sind die Militär- und Marineausgaben um 500 Proz! gestiegen.(Grohe Bewegung.) Auherdem haben wir jetzt wieder eine neue Militärvorlage verabschiedet, die zährlich 141 Millionen Mehrkosten verursacht. Dabei klagen die Invaliden aus der Kricgszcit, dah sie bei der Teuerung mit ihren Renten nicht mehr auskommen. Die einfachen Soldaten erhalten immer noch wie vor 40 Jahren ihren kärglichen Sold von 22 Pf. pro Tag, Unteroffiziere und Lffiziere haben wiederholt Zulagen erhalten, den armen Sol- baten hat man sie verweigert.(Entrüstete Zwischenrufe.) Wir Sozialdemokraten hatten beantragt, den Sold auf 32 Pf. pro Tag SU erhöhen, das hätte dem Reich jährlich 18 Millionen War! Mehr- ausgaben verursacht. Das wurde abgelehnk. Nur die Uebernahme der Putzmaterialkosten auf das Reich wurde bewilligt. Die neuen Steuergesetze haben noch eine andere ungeahnte Wirkung gehabt. Durch die allgemeine Verteuerung der Lebensmittel sind die Beamten nicht mehr in der Lage, mit ihren Gehältern auszukommen. Von Staat und Gemeinden muhten Gehalts- a u f b e s s e r u n g e n bewilligt werden. Denn mit Versprechungen hatte ja 1907 Bülow die Beamtenstinimen für die bürgerlichen Par- teicn geködert. Aber dem Staat und den Gemeinden sind daraus Mehrausgaben erwachsen, die in die Hunderte von Millionen gehen. Dadurch wird die ganze Finanzreform ein Schlag ins Wasser. Arbeiter und kleine Leute zahlen die Zeche. Weiter hat sich gezeigt, dah selbst die Steuern, mit denen man die Kapitalisten treffen wollte, wie die Talonsteuer, in Wirklichkeit nicht von diesen, sondern von den Gemeinden getragen werden. Agrarisch ist jetzt wieder Trumpf in Deutschland. Den Junkern wird alles, was sie wünschen, von der Regierung entgegen- gebracht. Ihnen zu Liebe wurde auch der Identitätsnachweis auf- gehoben. Die Zentrumsleute hatten, demagogisch wie sie sino, bei der Beratung des Zolltarifs beantragt, dah aus den Mehrein- nahmen an Zöllen ein Fonds zur Waisen- und Witwcnvcrsicherung der Arbeiter aufgesammelt werde. Dieser schöne Plan ist durch das schlaue Manöver der Einfuhrscheine vereitelt worden. Staat der 400 Millionen, auf die man gerechnet hatte, stehen für die Witwen und Waisen heute erst 47 Millionen zur Verfügung. Trotz Finanzreform ist heute wieder kein Geld in der Reichskasse. Es wird nichts übrig bleiben, als neue Steuerquellen zu erschlichen. Wohl oder übel wird man sich zum Ausbau der Erbschaftssteuer entschliehen müssen. Was heute in deutschen Einzelstaaten an Erbschaftssteuer aufgebracht wird, ist ein Kinderspiel gegen das, was England einnimmt. Obwohl England 20 Millionen weniger Einwohner hat und Ein- kommen unter 3200 M. steuerfrei läht, nimmt es aus Einkommen-, Vermögens- und Erbschaftssteuer 1200 Millionen Mark ein. Das zeigt, tvas noch herauszuholen ist, wenn man die Kapitalisten ge- hörig kitzelt.(Heiterkeit.) Bei uns wird alles auf Pump gemacht. Wohin soll das sichren? Die Reichslasten werden durch die steigenden Ausgaben für Heer und Flotte immer gröher. Es gibt freilich Leute, denen diese Vermehrung der Rüstungen noch nicht schnell genug geht und die es als nationales Unglück bezeich- nen, wenn wir noch weitere 40 Jahre Frieden hätten. Wenn das lvahr sein soll, dann ist nicht zu verstehen, warum die Staats- obcrhäupter fortwährend beteuern, sie Ivollten den Frieden erhalten. Die Arbeiter bringen übrigens schon in Friedenszeiten dem Vater- land so grohe Opfer, dah sie nicht de? Krieges bedürfen, um ihren Opfermut zu beweisen. Im deutsch-französischen Krieg hat das deutsche Heer 130000 Mann verloren. Aber seit 1870 sind dreizehn Mal so viel deutsche Arbeiter durch Betriebsunfälle um Leben und Gesundheit gekommen.(Bewegung.) Wäre der Krieg wirklich eine Wohltat für bie Böller, toie der Feldmarfchall Moltcke einmal behauptet hat, dann mühte alle paar Jahre einer ange- fangen werden. Aber davor schrecken selbst unsere Regierungen zurück. Nun stelle man sich vor, welche Zerrüttung ein moderner europäischer Krieg vom ersten Tage der Mobilmachung an im Ge- folge haben würde. Die Absperrung der Lebensmittelzufuhr vom Auslände her und die Ernährung der zu den Waffen einberufenen Mannschaften würde die Lebensmittelpreise derart erhöhen, dah schon nach vierzehn Tagen allgemeine Hungersnot die unausbleibliche Folge wäre. Das Reich mühte die Familien der im Felde stehenden Reserve- und Landwehrmänner unterstützen. der Stillstand der Schiffahrt und des Gewerbes würde den Ruin zahlreicher Geschäftsleute nach sich ziehen. Das war schon 1870 so und würde in einem zukünftigen Kriege noch viel schrecklicher wer- den. Denn Deutschlands Aus- und Einfuhr ist seit 1870 auf mehr als das doppelte gestiegen. Als ich 1905 Bülow gegenüber diese Tatsachen anführte und erklärte: hinter jedem zukünftigen Krieg lauert die Revolution! gab Bülow dies offen zu und antwortete: Eben deshalb machen Ivir keinen Krieg. Tann erhebt sich aber die Erage: Weshalb geschieht nicht alles, um den Ausbruch eines rieges überhaupt zu verhindern?(Lebhafte Zustimmung.) Statt sich mft dieser Frage zu beschästigen, sinnt unsere Regierung, wie der Erlah des Generals B i s s i n g gezeigt hat, nur darauf, was sie im Falle eines Krieges gegen die Sozialdemokratie unternehmen will. Nach diesem Erlah, der übrigens für die ganze Armee gilt, sollen bei Ausbruch eines Krieges alle sozialdemokrati- sehen Al'gcordnetcn, Parteisekretäre, Redakteure, kurz unser ganzer Generalstab(Heiterkeit) verhaftet werden. Das wäre aber die größte Dummheit, die man begehen könnte, denn gerade diese Personen sind ja stets bemüht, das Volk von gefährlichen Unbesonnenheiten zurückzu- halten. Sperrt man sie ein, so wird man die Menge ungeheuer reizen und es wird erst recht zu Unruhen kommen.(Sehr richtig!) Das Fatalste ist ober noch, dah es auch im Heere schon so viele So- zialdcmokraten gibt. Will man etwa, während die aktiven Truppen an den Grenzen stehen, die Bewachung der Sozialdemokratie dem Landsturm überlassen?(Grohe Heiterkeit.) Bei den nächsten Wahlen werden wir es auf vier Millionen Anhänger bringen. Wie will man da noch verhindern, dah der Sozialismus auch in die Armee eindringt?(Lebhafter Beifall.) Es wird immer unmöglicher, künftig noch grohe Kriege gegen den Willen der Nation zu führen. Unter solchen Umständen ist es erklärlich, wenn die fortgeschrittenen Staaten untereinander eine Verständigung über eine allmähliche Abrüstung herbeizuführen suchen. In der französischen Kammer hat man kürzlich eine Resolution angenommen, in England haben die sozia- listischen Abgeordneten einen Antrag in gleicher Richtung eingebracht. Alan wird dazu kommen müssen, diesen Anträgen zuzu- stimmen, um den Ruin der bürgerlichen Gesellschaft aufzuhalten. Oestcrreich-Ungarn hatte neulich beschlossen, sich eine grohe Kriegs- flotte zuzulegen. Vier DrcadnougthS sollten gebaut werden, die das Land mit 1500 Millionen Kronen Mehrausgaben belasten. Kaum war dies geschehen, als Italien 800 Millionen für Dread- nougthS bewilligte, und England beantwortete das damit, dah es sieben neue Dreadnougths auf Stapel legte. Die englische Bour- geoisie sagt sich aber wenigstens: ist der Staat unser Staat, so wollen wir auch die Kosten zu seiner Erhaltung selbst tragen. Wenn England die von den Konservativen geforderte Schutzzoll- Politik einführte, könnte es mit einem Schlage Hunderte von Milli- oncn an neuen Staatseinnahmen gewinnen. Aber das wollen die Liberalen, die jetzt am Ruder sind, nickst, und ebenso treten die Ar- bester fiir den Freihandel ein. Frankreich ist weder imstande, einen neuen Mann in die Armee einzustellen, noch einen Frank mehr Steuern aufzubringen. Denn die französische Bourgeoisie sträubt sich gegen Erhöhung der direkten Steuer». Frankreich und Eng» land tverdeo also über kurz oder lang in Verhandlungen über Ver- Minderung der KriegIrustungen einlreten. Amerika ist ebenfalls dazu geneigt. Die Abrüstung ist heute möglich, wenn man sie nur ernstlich will. Die Frage der Entwaffnung kann dabei nicht in Frage kom- men. Es hätte gar keinen Zweck, darüber zu streiten, ob dieses oder� jenes Land mehr oder weniger Kanonen, Gewehre, Luft- schiffe, Unterseeboote usw. haben soll. Man wird einen anderen Weg einschlagen müssen. Meines Erachtens ist dieser Weg fol- gender: Die Staaten verpflichten sich, den s t s t u s q u o, das heiht ihren jetzigen Ländcrbesitz, als gegeben anzuerkennen. Die Fran» zosen mühten sich mit der Abtretung Elsak-Lothringens endgültig einverstanden erklären. Ich bin bis heute noch der Meinung, dah diese Annexion die Ursache tvar, aus der das ga n z e g eg e n- wärtige Kriegswettrüsten hervorgegangen ist. Aber das kann uns nicht hindern, heute den gegenwärtigen Stand der Dinge anzuerkennen und zu verlangen, dah an dem heutigen Besitzstand der Staaten, auch an den Kolonien, nichts geändert wird. Dann mühte ein Uebcreinkommen darüber geschaffen wer- den, dah zur Schlichtung von Streitfragen, loic sie jetzt entstanden sind wegen der Bagdadbahn, mit der Deutschland zweifellos ein großes Kulturwerk leistet, unparteiische Schiedsgerichte eingesetzt werden, deren Schiedsspruch jede Nation sich zu fügen hat. Die Rüstungen selbst könnten nur in der Weise eingeschränkt werden, dah festgesetzt wird: kein Staat darf mehr für Heer und Marin« auswenden, als im Etat, etwa für 1911, dafür vorgesehen ist. Im nächsten Jahre würde dann der Etat vom vorangegangenen maßgebend sein, also für 1912 der von 1910, für 1913 der für 1909 und so fort. So könnten die Staaten nach und nach alle sich von der Last befreien, die jetzt deren Wohlstand bedroht. Die Hauptsache ist, dah die Mittel für die Rüstungen beschränkt werden; ohne dies ist keine Verständigung möglich. Nun würde es freilich nicht an heftigem Widerstand gegen solche Abrüstungspläne fehlen, namentlich von feiten der Wafsenlieferanten, die an den Rüstungen ihre Reichtümer verdiene». Dex Eifer, mit dem diese Leute heute schon das Wettrüsten zu beschleunigen suchen, gibt uns eine Vorstellung davon. Dazu kommt, daß ein großer Teil des Bürgertums selbst keine Veränderung des Heeres wünscht, weil er für seine Söhne dort Versorgungsstellen findet. Aber auf der anderen Seite sieht sich die bürgerliche Gesellschaft doch vor die Notwendigkeit gestellt, mit diesem System zu brechen, und wir werden alles tun, um sie zu zwingen, dah sie damit bricht.(Beifall.) Der neue Reichstag wird auch die Frage der Handelsverträge wieder zu prüfen haben. Was wir 1902 prophezeiten, ist unter dem jetzigen Zolltarif in vollem Mahe eingetroffen. Die Bevölkerung leidet unter kolossaler Teuerung. Aber es darf nicht übersehen werden, dah durch diese Verteuerung der Landesprodukte der Grund und Boden für die Landwirtschaft bedeutend an Wert gewonnen hat. Diese Kreise werden sich mit aller Macht dagegen wehren, daß die Lebensmittelpreise wieder herabgedrückt werden. Wie es mit der Sozialpolitik steht, ist allbekannt. DaS Arbeitcrkammergcsetz ist gescheitert, das Heimarbeiterschutzgesetz wird nicht zur Geltung kommen. Die Neichsversicherungsordnung ist durch die Bcschrän- kung des Selbstverwaltungsrechts für die Arbeiterschaft unannchm- bar geworden. Die Privatbeamten sucht man durch eine Versiche- rungsordnung an das Reich zu fesseln. DaS Volk wird alles auf- bieten müssen, um einen Reichstag zu bekommen, der besseres zu« siande bringt. Für unS ist noch wichtig die Frage der Wahlbündnisse. Man hat an Stelle des zerbrochenen Bülowblocks einen Grohblock von Bassermann bis Bebel vorgeschlagen. Der Bassermann und der Bebel sind sich einig darüber, dah das Unsinn ist.(Heiterkeit.) Zwischen Sozialdemokraten und Rationallibcralen bestehen gruud- tiefe Unterschiede, die sich nicht ohne weiteres überbrücken lassen. Auher dem, dah wir nichts von unseren Prinzipien preisgeben wollen, sind die Nationalliberalcn nach allen Erfahrungen, die wir gemacht haben, viel zu unzuverlässig, als dah wir ihnen trauen könnten.(Lebhafte Zustimmung.) Deshalb habe ich mich ge- hr e u t über den Wahlausfall von Gießcn-Nidda, denn es schadet gar nichts, wenn wir hin und wieder eine solche Ohrfeige bekommen. Wir dürfen nicht glauben, dah wir gleich die ganze Hand nehmen können, wenn man uns einmal den kleinen Finger zeigt. Es gibt allerdings auch Leute unter uns, die gemeint haben, wir sollten in allen Kreisen, in denen wir nicht siegen können, von vorn- herein für die Liberalen stimmen. Wer solche Vorschläge macht, beweist nur, dah er vom cigentlichcn Wesen der Partei keine Ahnuug hat. Wer einen derartigen Vorschlag auf einem Parteitag machen wollte, dem würde ein Empfang bereitet werden, wie er noch keinem bereitet wurde. Für uns sind nicht die Mandate, sondern die Stimmen die Hauptsache!(Lebhaftes Bravo!) Als wir in den jetzigen Reichstag mit 43 Mann einzogen— unterdessen sind es wieder 52 geworden— sagte ich mir: es geht auch so ganz gut. Wir wollen bei der Wahl vor allen Dingen wissen, wo unsere Freunde stehen, wir wollen konstatieren, wie unsere Agitation ge- wirkt hat und wie das sPialdemokratischc Feuer weiter und weiter züngelt bis in die entlegAlsten Gegenden! Mir sind vier Millionen Stimmen und 50 Mandate viel lieber als drei Millionen Stimmen und 100 Mandate. Eine Partei wie die unsrige. die eine neue Gesellschaftsordnung schaffen, die ganze heutige Wirtschaft umgestalten will. muh. wenn sie in den Kampf geht, vor allem wissen, wie groß die Zahl derer ist. die hinter ihr stehen. DaS ist eine Frage, die uns weit mehr interessiert wie die Frage nach der Zahl der Mandate. Bei den Stichwahlen sind unsere Ansprüche an die bürgerlichen Kandidaten, bie wir unterstützen wollen, notgedrungen immer bescheidener geworden, weil die bürgerliche Opposition immer unzuverlässiger geworden ist. Es gibt heute keine bürgerliche Partei mehr, die in bestimmten Fragen so wie früher mit uns übereinstimmt. Aber als mindestens müssen wir verlangen, dah ein Kandidat, der unsere Stimmen in der Stichwahl haben will. unS fest verspricht, erstens für Aufrecht- erhaltung dcS Rcichstagswahlrechts, zweitens gegen jevr Beschrän- kung dcS Vereins- und Versammlungsrechts, drittens gegen jedes Ausnahmegesetz, das sich gegen die Arbeiterklasse richten könnte. eintritt. Tut er das nicht, so sind wir für ihn nicht zu haben. (Lebhafter Beifall.) Die Situation ist tiefernst. Das Bülowsche Versprechen bezüg- lich der Reform des preußischen Wahlrechts ist noch nicht eingelöst. Die Reaktion auf allen Gebieten nimmt zu. Die e i n z i g e H o f f. nung auf eine gesunde, gedeihliche und erfreuliche Besserung unserer politischen Zustände beruht auf der Arbeiterschaft, und wir dürfen erwarten, dah sie bei den Neuwahlen zum Reichs- tag ihren Ausdruck sinden wird.(Langanhaltcnder brausender Beifall.) Hus der Partei. Der Bormarsch m Hessen. Vom I. April ab wird im Verlage des«Hessischen Volks- freundes" der„VolkSbote" als Kopfblatr für den Wahlkreis E r- bach-Bens heiin erscheinen. AuS diesem Anlas; wurde am Sonntag in dem weit verzweigten, etwa 150 kleinere Orte um fassenden Wahlkreise eine grosze Anzahl von öffentlichen Versannn- lnngen abgehalten, die ein durchaus befriedigendes Ergebnis zeiligten. ES wurden nicht nur viele Hunderte von neuen Lesern für die Parteipresse gewonnen, sondern auch in einer Reihe von Orten Parteiorganisationen gegründet. Wie die sozialdemo- kratische Werbearbeit wirkte, geht daraus hervor, daff zum Beispiel in Fürth im Odenwald, einem Marktflecken von 1500 Einwohnern, eine Organisation von 4 8 Mitgliedern ins Leben gerufen werden konnte. Gegen sie wurde der Kriegerverein mobil gemacht; die militärische Mobilmachung hatte den allerdings nicht erwarteten Erfolg, daß 18 Kriegerverein ler ihre Mitgliedschaft lmHurra-Vereinaufgaben! Deutsch-böhmischcr Parteitag. Die Sozialdemokratie Deutschböhmens hat am Sonnabend und Sonntag ihren Landesparteitag in B o d e n b a ch abgehalten. Bei dem den Verhältnissen der angrenzenden Teile Deutschlands fast völlig gleichenden wirtschaftliche» Charakter Deutschböhmens dürften einige Daten über die dortige Arbeiterbewegung von Interesse sein. Wir entnehmen deni gedruckt vorliegenden Bericht der Landespartei« vertretling, datz in 051 Orten 20 195 Männer und in 77 Orten 4157 Frauen der Parteiorganisation angehören, was gegen 1909/10 eine Zunahme von 6673 Parteimitgliedern bedeutet. Die Zahl der Jugendorganisationen ist in dieser Zeit von 80 mit 2000 Mitgliedern auf 144 mit 6014 Mitgliedern ge- fliegen. Die Jugendorganisation ist um so ivichtiger, als von den „Deutschfreiheitlichen" unter Mithilfe der Gemeindeverwaltungen das möglichste aufgeboten wird, um die Arbeiterjugend für gelbe Radauvereine, die sogenannten„Jungmannschaften" einzufangen. Für das projektierte Tageblatt in Prag sind als Gründungsfonds bisher 18 000 Kronen aufgebracht. Es erscheinen gegen- wältig Parteiblätter in Trantenau(einmal wöchentlich), Gablonz(2). Reiche nberg(2), Warnsdorf(2>, Bodenbach<2), Antzig(3), Teplitz(3), Saaz(1), Karlsbad(2J und Krummau(1). Bei den Reichsrats- nachlvahlen in Warnsdorf und in den industriearmen Bezirken Plan- Tachau und Harinanitz erzielte die Partei bemerkenswerte Erfolge, während sie im Glasindustriegebiet von Gablonz-Tannwald und in dem Elendsdistrikt Grulich-LandSkro» sehr empfindliche Stimmen- Verluste erlitt, die auf wirtschaftliche und innere Parteikrisen sowie ans den straflos geübten TcrrorisimiS der Unternehmer und auch auf Auswanderung gerade der tüchtigsten Elemente der Arbeiter- schaft zurückzuführen sind. Die Organisation scheint in den Kreisen Tevlitz, Ansfig, Lodenbach und Karlsbad am besten zu sein. Der Parteitag, der' von 140 Delegierten besucht war und an dem auch Dr. Adler und Dr. Bauer- Wien teilnahmen, be- schäftigte sich in langer und gründlicher Debatte mit der durch den tschechischen Separatismus geschaffenen Lage. In der schliesslich gefassten Resolution wird die Zersplitterung der Arbeiterbewegung um so schärfer verurteilt, als sie mit dem Zusammenschluss und stärksten Vorstoss dcS BürgertumS zusammenfällt. Ein Zusahantrag, der die Parteigenossen zur Unterstützung der tschechischen Zcnlralisten aufforderte, wurde dahin abgeändert, dass die Parteigenossen alles daran setzen sollen, die tschechischen Arbeiter über die Schädlichkeit deS Separatismus aufzuklären. Dr. Adler hatte nämlich ausgeführt, dass der Kampf gegen die bürgerlich-nationalen Tendenzen in der tschechischen Ar- beiterschaft nicht von der deutschen Partei geführt werden und dass die ohnehin masslose Verdächtigung der tschechischen Zentralisten aus der Annahme der ersten Faffung nur neues Material schöpfen würde!--- Im übrigen wurden organisatorische Fragen beraten. Deutscher ArbeltcrbildungSverein Amsterdam. Gleich den in anderen Städten des Auslandes bestehenden Vereinen ist von einer Anzahl deutscher Arbeiter nunmehr auch zu Amsterdam unter obigem Namen ein Verein gegründet worden, der zum Zwecke hat: Zusamnienschluss der in Amsterdam und Umgegend weilendeir Arbeiter und Arbeiterinnen deutscher Zunge; Auf- Ilärung seiner Mitglieder in politischen und ökonomischen Fragen ini Geiste der internationalen sozialdeniokratischen Arbeiterbewegung; Förderung der BilduugSbestrebungen und der Geselligkeit. Dieser Zweck soll erreicht werden durch Veranstaltung sozialer, politischer und wissenschaftlicher Vorträge und Besprechungen, durch eine Bibliothek und Lesezimmer, eine AnskunftSstelle und Unterrichtskurse. Die Auskunftsstelle verwaltet der Borsitzende W. N o u tz e. Nüsten- bürgerstraat 147._ polizeiUches, Ocricbtlichco uhp* Die Ehre deS Arbeitswilligen. Wegen Beleidigung von Arbeitswilligen wurde der Redakteur der„Altenburger Volkszeitung" Genosse Dickreiter, zu einer Gefängnisstrafe von einer Woche verurteilt. Soziales. Die Androhung einer AuSsperrun?, veranlasste sämtliche Tapezierer bei der Firma A. S. Ball. Möbel. ausstattungsmagazin, Potsdamerstr. 27s, zur Arbeitseinstellung. Tie Firma gehört dem Unternehmerverbande an und fühlte sich infolge des Streiks in einigen VcrbandSbetrieben verpflichtet, ihren organisierten Arbeitern zu erklären, dass sie nach Fertig- flellung des Akkords ausgesperrt werden. Die Arbeiter, auch die unorganisierten, legten daraufhin die Arbeit sofort nieder. Dies war aber der auSfperrungslustigen Firma höchst unangenehm. Sie klagte am Dienötag gegen mehrere Ausständigen, die ihre Akkordarbeit unfertig haben liegen lassen, auf Zahlung einer Entschädigung nach Mahgabe des§ 124b der Gewerbeordnung, auf Zahlung von je 21,60 M. Das S ch i e d s g e r i ch t gab dem Klageantrag statt und v e r- urteilte die beklagten Arbeiter unterschiedslos zur Zahlung von 21,60 M. Der Einwand, den einige der Beklagten niachten, dass ihre Arbeit nur 2 und 3 Tage zur Fertigstellung benötige, blieb unbeachtet. Die Entscheidung verstößt gegen den Grundsatz, daß zu moral- widrigen Handlungen niemand verpflichtet ist. Solche Hand- lung wäre aber unter den gegebenen Umständen die Fortsetzung der Arbeit gewesen._ Gesindcvermieter und Beherbergnnasrecht. Ilm die Auslegung der Ministerialvorschriften vom 5. März 1907 handelte es sich in einen VevwaltungSstreit. Diese auf Grund des 8 33 der Gewerbeordnung vom prcuhischen Handels- minister erlassenen Vorschriften über den Gewerbebetrieb der Gesindevermieter und Stellenvermittler bestimmen unter Ziffer 17: ..Gesindcvermieter und Stcllenvermittler, die sich im Besitz der Erlaubnis auf Grund des§ 34 der Gewerbeordnung befinden, kann von der Ortspolizeibehörde die Erlaubnis zur Beherbung von siellensuchcnden Personen erteilt toerden, wenn für die Unter- bcingung geeignete Räume vorhanden sind. Männliche und Weib- liche Personen dürfen nicht gleichzeitig beherbergt werden. Die Erlaubnis kann jederzeit von der Ortspolizeibehörde ohne Angabe von Gründen entzogen werden." Ter Stellenvermittlcrin Boll, die diese Erlaubnis hatie, war sie dann wieder vom Berliner Polizeipräsidium ohne Angabe von Gründen entzogen worden. Sie ilagtc aus Aufhebung der EntziehungSvcrsüguug. Das Obcrvcrwaltungsgcricht als lebte Instanz wies vor kurzem ihre Klage mit folgender Begründung ab: Zweifellos seien dl? L«llt!alWylde» befflgt, dig NngelegeiMt fccu und Grsindeberuneler sin weiicsten Umfange zu regeln. Tie Vorschrift, dass nicht Personen männlichen und iveiblichen Geschlechts gleich- zeitig beherbergt werden dürfen, sei gültig. Auch die, dass ohne Angabe von Gründen die Erlaubnis zur Beherbergung entzogen werden könne. Wie sei diese letzte Bestimmung auszulegend Das sei die Frage. Hat sie die Bedeutung, dass die Ortspolizeibehörde überhaupt keine Gründe zu haben brauche, um die Erlaubnis zurückzuziehen? Oder braucht die Polizeibehörde die Gründe, die sie habe, nur nicht anzugeben? Mit anderen Worten: eS frage sich, ob der Polizei in der Beziehung ein unbeschränktes Ermessen (Willkür) beigelegt werden sollte. Wenn das aber beabsichtigt gewesen wäre, dann hätte der Klagcweg, wie er im Landesver- ivaltungsgesetze gegen polizeiliche Verfügungen gegeben sei, für den vorliegenden Fall ausgeschlossen werden müssen,>oas nur wieder durch ein Gesetz hätte geschehen können. Da das nicht geschehen sei, so dürfe die Polizei auch bei der Entziehung einer solchen Er- laubnis nicht willkürlich handeln, sondern es müssten polizeiliche Gründe vorliegen, und der Vcrwalwngsrichter habe darüber zu be- finden. Ein willkürliches Vorgehen müsse vorliegend verneint Iverdcn. Die Akten ergäben, dass Frau B. die Ministerialvor- schriften übertreten habe, indem sie gleichzeitig männliche und Weib- liche Stellensuchende beherbergte. Das reiche aus, die Entziehung der Erlaubnis als gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Hus Industrie und Kandel. Syndikatsmüdigkcit. Nachdem das Noheisensyndikat im Jahre 1903 in die Brüche ge- gangen war, wurde eS zu einem förmlickien Sport einiger Handels- blätter, immer und immer wieder zu versichern, daß die Grohindustrie shndikatsmüde geworden sei. Zumeist waren es liberale Zeitungen, die eine shndikalslose Zeit heraufkommen sahen und mit ihr natür- lich die Wiederkehr der freien Konkurrenz auf allen wichtigen Märkten. Nun sind gewiss gerade in den Industrien mit den stärksten Kartellen Kräfte rege, die auf eine Sprengung der Kartellorganisotion drängen. Aber hierbei handelt es sich nicht um irgendwelche Gegner« schast gegen Kartelle und Syndikate, sondern um die Be- strebungen der größten Werke, für sich erweiterte Absatzmöglichkeit auf Kosten der ihnen finanziell und technisch nicht gewachsenen Betriebe zu schaffen, die bisher unter dem Schutze des gemeinsamen Kartells standen. So ging das Roheisensyndikat auseinander, weil die grossen gemischten Werke gerade in der Krise die Gelegenheit als günstig betrachteten, die„reinen" Hochofenwerke an die Wand zu drücken. deren Beteiligungen im Syndikat die Ausdehnung der Roheisen- Produktion und die Monopolstellung der gemischten Werke hinderten. Im Jahre 1910 kam alsdann das neue Noheisensyndikat zustande. das den Forderungen der gemischten Werke entsprach, da ihre Be- teiligungsziffern ivesentlich erhöht wurden. Aber der Vertrag dieses neuen Syndikats ist nur kurzfristig; in allen Montan- verbanden glauben eben die Riesenbetriebe den Rahmen der Shiidikatsorganisation erfolgreich durchbrechen zu können, um »ach einer Vennchtung oder Aufsaugung der noch bestehenden kleineren Unternehmungen zu Trustorganisationen übergehen zu können. Wo immer Kartelle von Bedeutung gesprengt wurden, lag die Ursache darin, daß die grossen Betriebe die kleinere» Konkurrenten aufreiben wollten. Die gleichen Motive führen jetzt zur Auflösung der Ein« und Verkaufsvereinigung deutscher Knochen- und L e i»r f a b r i k a n t e n G. m. b. H. i n B c r l i n, die»ach einer vorliegenden Meldung von der Gesellschafterversammlung in diesen Tagen beschlossen werden wird. Begründet wurde diese Etil- und Verkaufsvereinignng im Jahre 1907 unter Führimg der Aktiengesellschaft für Chemische Produkte vorm. H. S ch e i d e m a n t e l. Die Firina Scheide- mantel hat sich in dieser Zeit selbst zu einem Trust in der Leim- und Knochen», ehlfabrikation herausgebildet, sie nahm allein im Jahre 1907/08 siebe» Firmen ihrer Branche auf, ihre Fusionstätigkeit gestaltete sich bis in die letzten Tage hinein ausser- ordentlick, lebhaft. Zugleich betätigte sie im Auslände durch Gründung neuer Gesellschaftenuud Aufnahnie bestehender Betriebe dieselben Trust- bestrebungen, so vor allem in Oesterreich, weiterhin auch in Belgien. Italien, Frankreich und in der S ch w e i z. Zu dem Konzern Scheidemantel gehören unter anderen die Aktien- gesellschaften für Chemische Industrie in Wien, die Zentralgesellschaft für Chemische Industrie, die wiederum verschiedene deulsche und ausländische Fabriken beherrschen. Bereits im Geschäftsjahre 1908/09 verarbeiteten die unmittelbar zur Aktiengesellschaft vormals Scheide- mantel gehörenden Betriebe 6Proz. des deutschen Ge- s a i» t a u f k o m m e n S von Knochen, seither ist die Beteili- gung von Scheidemantel an der Gesamtproduktion noch erheblich ge- wachsen. Die ehemalige Gründerin der Ein- und Verkaufs- Vereinigung deutscher Knochenmehl- und Leimfabrikanten kann dieses von ihr geschaffene Syndikat jetzt nicht nur entbehren, sie beseitigt eS sogar, weil sie darin eine Behinderung des Ausbaues ihrer un- beschränkten Trustherrschaft erblickt. Also auch in diesem Industrie- zweige hat sich Syndikatsmüdigkeit eingestellt, weil daS Syndikat durch de» Trust überwunden worden ist. Sembts- Leitung. Eine Schulversäumnissache» die an sich fehr belanglos ist, aber wegen der begleitenden Neben, umstände beachtet zu werden verdient, wurde gestern vor dem Landgericht ll verhandelt. In Nixdorf hatte eine Schülerin Lotte Röbbel, die die 20. Mädchcn-Gemeindcfchule am Hertzbergplatz be- suchte, kurz bor ihrer Entlassung aus der Schulpflicht gegen Ende September vorigen Jahres einige Tage den Unterricht versäumt. Die Klassenlehrerin, Fräulein Schulze, meldete dem Rektor, dass es an einer ausreichenden Entschuldigung fehle, und Rektor Gerst- berger erstattete daraufhin Anzeige, die dem Vater eine Straf- Verfügung, 1 M. Geldstrafe, eintrug. DaS Amtsgericht Rixdorf sprach den Vater frei, weil das Kind den Unterricht wegen eines Fussleidens versäumt habe, ausreichend entschuldigt gewesen sei und nach Ausweis des Entlassungszeugnisses sonst die Schule«gel- mäßig besucht habe. Ter Amtsanwalt legte Berufung ein. weil das Kind in den Tagen, die es dem Unterricht fernblieb, in der Freireligiösen Gemeinde an einer Jugendweihe teilgenommen habe, also wohl auch zur Schule hätte kommen können. Vor dem Landgericht II(Strafkammer 4) bat der Angeklagte Röbbel, sich zunächst über einiges auslassen zu dürfen, was vor dieser Schul- vcrsäummssache passiert sei. Er erzählte, in der Schule habe Fräulein Schulze oft die Frühstückspause damit ausgefüllt, dass sie durch ein paar Schülerinnen den anderen eine Art Repetitions- kursuS in Religion geben ließ. Als Röbbel das erfuhr und sich bei dem Rektor darüber beschwerte, habe Fräulein Schulze vor der- sammelter Klasse gesagt, die Röbbel solle fortan in der Pause keinen Religionsunterricht bekommen. Ihrem Vater möge sie melden,-dass sie, die Lehrerin, sich-das merken werde. Eine weitere Erörterung dieser Angelegenheit wurde vom Vorsitzenden nicht zu- gelassen, weil sie nicht zur Sache gehöre. Der Angeklagte gab dann an, erst auf Fräulein SchulzeS ausdrücklichen Rat habe er seine Tochter, deren Fus'lcibe» schon in-der Schule aufgefallen war, dem Unterricht ferngehalten. Am Sonntag sei er allerdings mit ihr zur Freireligiösen Gemeinde gefahren, weil sie selber an diesem Tage dort die Jugendweihe empfange» sollte. Dadurch habe aber das Fussleiden sich wieder verschlimmert, und er habe sie dann erst am Mittwoch, dem Tage des Schulschlusscs, wieder zur Schule ge- schickt. In der Beweiserhebung bekundeten zwei Zeuginnen, daß Lotte in der Tat fusskrank gewesen sei. Rektor Gerstbergcr, der als Zeuge vernommen wurde, lzat in seinem Amtszimmer, wo Lotte W einmal fein Zmferz fefflggt AG kr AMekung des Fräulein Schulze habe er angenommM. dass für Sonnabend eine ausreichende Entschuldigung fehlte. Entschuldigt habe der Vater das Kind bei der Lehrerin für Montag und DienStag durch zwei Briefe, für Montag mit Besuchen, die es machen solle, für Dienstag mit dem Umzug der Eltern. Die Lehrerin Fräulein Schulze war selber als Zeugin geladen, fehlte aber und'hatte sich mit Krankheit entschuldigt. Ter Angeklagte erklärte, er wisse nichts von einem Brief, der das Kind mit Besuchen entschuldigt hätte. Für Sonnabend habe er durch die jüngere Schwester eine münd- liche Entschuldigung bestellen-lassen. Rektor Gerstbergcr behauptete, schriftliche Entschuldigung oder persönliche Abmeldung sei nötig. Aber der Verteidiger, Rechtsanwalt Karl Liebknecht, stellte aus der hierfür gegebenen Vorschrift fest, dass für den vorliegenden Fall über die Form der Entschuldigung nichts Bestimmtes gesagt ist. Der Staatsanwalt hielt das Kind für nicht hinreichend entschuldigt und beantragte gegen den Angeklagten 3 M. Geldstrafe. Ter Verteidiger beantragte Freisprechung. Die Schule könne nicht der- langen, dass Eltern ein leidendes Kind quälen und schädigen, nur um es den Unterricht nicht versäumen zu lassen. Dass Lotte Röbbel die Jugendfeier nicht versäumen sollte, sei begreiflich, denn diese habe den Eltern als ein Akt von großer Bedeutung für das Kind gegolten. Der Besuch dieser Feier sei dann allerdings für die Amts- anwaktschaft der Anlaß gewesen, Berufung gegen das freisprechende Urteil einzulegen. Das Gericht kenn zu dem Beschlutz, die Sache zu vertagen und zu dem neuen Termin die Lehrerin Fräulein Schnlzo sowie die Lotte Röbbel und ihre jüngere Schwester zu laden, Die»einstweilige Verfügung" als Instrument gegen die Presse. Vor Jahresfrist veröffentlichte das„Hamburger Echo" ein „Eingesandt", das sich mit angeblichen Missständen und Unsauber- leiten im Betriebe der Kakao-Kompagnie Th. Reichardt in Wands- deck beschäftigte. Wie im Herbst 1910 mitgeteilt, wurde der Vcr- fasser des.Eingesandt", Genosse Lehmann, Vorsitzender der Zahl- stelle Hamburg des Bäckervcrbandcs, wegen Beleidigung der Di- rektion dieses Betriebes zu der enorm hohen �Geldstrafe von 1200 M. verurteilt. Vorher hatte die Direktion eine durch Vcr- sehen rechtskräftig gewordene einstweilige Verfügung vom Land- gericht Hamburg erwirkt, durch die unter Androhung von 1200 M. für jeden Fall der Zuwiderhandlung verboten-wurde, die Behaup- tung des Sprechfaalartikels zu wiederholen. Da das„Echo" über die Verhandlung gegen Lehmann einen Bericht brachte, in dem auch ungünstige Zeugenaussagen über den klägcrischen Betrieb enthalten Iva«», wie auch der Wochenplauderer des„Echo" die Angelegenheit behandelte und in der Druckerei des Blattes(Auer u."Co.) der Jahresbericht kr Bäcker mit dem Sprechsaalartikel hergestellt worden ist, stellte die Reichardt-Kompagnie beim Landgericht Hamburg den Antrag, Auer u. Co. wegen der drei Publi. kationr» zu je 1200 M. Strafe zu verurteilen. Die erste Instanz erkannte nur wegen der Plauderei auf eine Geldstrafe von 1200 M., die weiteren Anträge lehnte sie ab. Wahrheitsgetreue Berichte über Gerichtsverhandlungen feien unter allen Umständen straffrei und durch die Herstellung des Jahresberichts werde die einstweilige Verfügung nicht verletzt. Die Reichardt-Kompagnie rief das OberlanbeSgericht an. daS auch hinsichtlich des Gerichtsberichts eine Geldstrafe von 1200 M. für verwirkt erklärte, so datz die Beklagte 2400 M. zahlen muß. Im dritten Falle wurde die Ablehnung bestätigt, da Auer u. Co. lediglich das ihr überwiesene Material für den Jahresbericht ge- druckt habe. Das Gericht erklärte, wahrheitsgetreue Berichte der Presse über öffentliche gerichtliche Verhandlungen befreiten nicht einmal von strafrechtlicher Verantwortlichkeit. Inhalt und Form dieses Berichts verstießen gegen die einstweilige Verfügung. Durch diesen„Sieg" der reichen Kakao-Kompagnie von Reichardt auf Kosten unseres Hamburger Parteigeschäfts lassen! sich die Feststellungen ihrer Organisationsfeindlichkeit sowie andere gewisse, in der Verhandlung erörterte Dinge«ich» aus der WrlH schaffen._ Eine Familieutragödie aus dem Norden Berlins hatte gestern ihr Nachspiel bor dem Schwurgericht des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsrats v. Cnrlowiti. Unter der Anklage des Totschlages-hatte sich Kr aus der Untersuchungshaft vorgeführte frühere Tischlermeister, spätere Tischlergeselle Daniel Rcsiger zu berantlvvrten. Der b7jährige An. geklagte hat am 4. November v. I. in der in der Gandystrasse be- lcgenen Wohnung feiner 34jährigen Ehefrau Alwine diese erschossen und sich selbst durch zwei Kugeln, die er sich in die Brust und den Magen jagte, schwer verletzt. Die Ehe war höchst unglücklich. Die Ehefrau war infolge der Zerwürfnisse mit ihrem Kinde schliesslich fortgezogen. Am 4. November suchte der Angeklagte sie auf. Er hatte sich in den Kopf gesetzt, er müsse es noch einmal im Guten versuchen, und wenn der Versuch mißglückte, sollte ein Ende ge- macht werden. Als er in die Wohnung getreten war, sagte seine Frau zu ihm:„Na. was bringst Du denn? Dir ist wohl bange nach mir?" Er antwortete darauf:„Gewiß, denn Du weißt ja, ich bin nicht gewohnt, so allein als Schlafbursche zu wohnen." Die Frau gab ihm ganz friedlich Kaffee zu trinken, legte ihm eine Kuchenschnccke bor und beide sprachen gang friedlich miteinander. Er faßte sie um die Taille und sagte zu ihr:„Das geht doch nicht so weiter; wir müssen doch ein anderes Verhältnis herstellen." Tie Frau entwand sich ihm aber und erwiderte: sie habe schon an ihren Max geschrieben und wolle wieder mit diesem verkehren. Darauf geriet er in grosse Erregung, erklärte der Frau, dass er dann ein Ende machen müsse und schoß dreimal auf seine Frau los, die sofort zu Boden sank. Dann richtete er den Revolver gegen sich selbst und jagte sich zwei Kugeln in den Leib, durch die er schwer per, letzt wurde. Nach Anlegung von Notverbänden wurde er als Polizei- gefangener nach der Charit« gebracht. Als er dort zur Besinnung kam, hörte er erst, dass seine Frau gestorben sei.— Der Angeklagte gab seine Tat im einzelnen zu und behauptete, daß er in so grosser Erregung gewesen-sei, daß er nicht wusste, was er tat. Die Ge- schworenen bejahten die Schuldfrage nach Totschlag, billigten dem Angeklagten aber mildernde Umstände zu. Das Urteil lautete auf 1 Jahr und 3 Monate Gefängnis unter Berücksichtigung deS UmstandeS, dass der Angeklagte fortgesetzt schwer gereizt worden war, andererseits aber auch, daß ein Menschenleben von ihm ver- nichtet worden war. Auf die Strafe wurde dem Angeklagten fast die volle Untersuchungshaft in Höhe von 3 Monaten angerechnet. — Die Geschworenen beschlossen einstimmig, für den Angeklagten ein Gnadengesuch einzureichen, durch welches der teilweise Erlaß der Strafe herbeigeführt werden soll und der Angeklagte nur die gesetzliche Mindeststrafe von 6 Monaten zu verbützen Kt Bremer Krawallprozeß. Am DienStag und Mittwoch standen wegen Aufruhr und Landfriedensbruchs, begangen anlässlich des Strassenbahnerstreiks im Oktober 1910, die Arbeiter Longhorst, Westphal und Frau Jühring vor den Geschworenen. Der Angeklagte Westphal wurde freigesprochen, die beiden anderen Angeklagten zu enormen Strafen — Langhorst zu 1 Jahr 4 Monaten Zuchthans(unter Anrechnung einer Strafe von 5 Monaten wegen Diebstahls), Frau Jühring zu 2 Jahre» 7 Tagen Zuchthaus— verurteilt. Der Angeklagten Jühring wurde besonders zur Last gelegt, dass sie einem Schutzmann Pfeffer in die Augen getvorsen hatte. Die Versagnng mildernder Umstände und die Verhängnng so drakonischer Strafen wäre bei einem aus allen Klaffen der Bevölkerung zusammengesetzten Schwurgericht unmöglich gelvesen. Wegen zweier„aufrührerischer" Ansichtspostkarten in den französischen Nationalsarben mit seinem Selbstbildnis stand der Herausgeber des nationalistischen Witzblattes«Dur'S ELfoS", Ks SMfetutiö»cuii ZiMi, m DmMs feu Ks Strafkammer In Mülhausen l. ff. ZiKlin Haike üc beiden ÄN- sichtSkarten aus Anlaß semer Verurteilung zu zwei Monaten Gefängnis wegen Beleidigung der deutschen Veteranen von 1870 bcrausgegebe»,— wie er vor Gericht erklärt, ohne politischen Hintergedanken und einzig zu dem Zwecke, seine unterstützungs- chedürstigen Eltern während der Zeit seiner Strafhaft durch den Erlös unter die Arme zu greifen. Die seinerzeitige Beschlag- nähme der 5larten traf nur noch wenige Hundert von der in einer Auflage von 6000 Stück hergestellten Karten. Das Gericht verurteilte Zislin, der erst am letzten Sonnabend nach Verbüßung der zweimonatigen Gefängnisstrafe wieder freigelassen worden ist, wegen Vergehens gegen Artikel ki des in Elsaß-Lothringen noch in Geltung befindlichen französischen Gesetzes vom 11. August 1818 zu zwei Wochen Gefängnis und 80 M. Geldstrafe evtl. weitere 8 Tage Gefängnis. Eine neue nationalistische Reklame! Aber die preußisch-deutsche Staatsweisheit tuts in Elsaß-Lothringen nicht anders__ Em der frauenbeweflfiing* Frauenarbeit. I. Wenngleich die Berufszählung von 1307 eine kolossale Zunahme der weiblichen Arbeitskraft ergab, haben wir jedoch wenig Material über die Wertung der weiblichen Arbeitskraft in den verschiedenen Industrien. Daß„Frauenarbeit" im allgemeinen schlechter entlohnt wird als die Arbeit des Mannes, ist eine genügend bekannte Tat- fache. Fälschlich hat man deshalb vielfach die Ansicht von der „Minderwertigkeit" der Frauenarbeit verbreitet. Indessen ist längst seitens der Unternehmer für viele Arbeitsprozesse die männliche Abcitskraft als weniger qualifiziert erkannt und die dafür höher qualifizierte(!) und billigere(!) weibliche Arbeitskraft bevorzugt worden. Neben dem durch technische Umwälzungen eingetretenen Bedürfnisse nach Mchreinstcllung weiblicher Arbeitskräfte, gilt die Frauenarbeit dem Unternehmer noch immer als billiges und williges Ausbeutungsobjekt. Die„Herren im Hause" sind sich dieser Tat- fache voll und ganz bewußt. Einiges Material über die Arbeits- Verhältnisse aus den verschiedenen Industrien entnehmen wir den technisch volkswirtschaftlichen R Sonographien, herausgegeben von Prof. Dr. S i n z h e i m e r, im Verlag von Dr. Klinkhardt, Leipzig. Einige Verfasser berichten, daß ihnen Fabrikherren jede Auskunft über Lohn- und Arbeitsverhältnisse verweigerten. Aus der Papierindustrie erfahren wir von Dr. Franz Schäfer u. a. folgendes: In den Lumpensortieranstalten erhalten die Frauen Wochenlöhne von 9— 10 M. Einige Angaben aus dem berufsgenossenschaftlichen Kataster beweisen, daß in der Entlohnung die Willkür eine sehr große Rolle spielt. So z. B. betrug in der Sektion IX der Jahreslohn eines Maschinenführers 1233,87 M., der einer Hadernsortiererin 350 M.; es ergibt sich ein Verhältnis von 3,52: 1. Bei sämtlichen Sektionen zusammen stellt sich für Maschinenführer ein Jahreslohn von nur 1087,31 M. heraus, wäh- rend dieser für die Hadernsortiererinnen bis auf 530 M. ansteigt; das Verhältnis ist nun 2,05: 1. Für die Lumpensorticrerinnen ist hingegen der Lohn im Gesamtdurchschnitt niedriger als in der Sektion IX; hier beträgt er 426 M., dort 540 M. Daß da die Leistung den gerechten Löhnungsmaßstab abgibt, wird wohl niemand behaupten wolle». Schäfer hat die Meinung gewonnen, die hier in Betracht kommende Arbeiterschaft sei zu genügsam und unter- würfig, um den bestehenden patriarchalischen Verhältnissen sich zu entziehen. Als rückständigste der Unternehmer ständen hier die Vertreter des grössten Teiles der deutschen Papierfabrikation den staatlichen„sozialen Einrichtungen noch in„fanatischer" Kampf- stsllung gegenüber". Das; die fyraucnarvett/, Uhr, von der Leichenhalle deS Rirdorfer Fried- Zeituugs-Ausgabestelle« und An seraten-An nähme. Kentrum: fillbert Hahntsch, Auguststr. 50, Eingang Joachimstrahe. 8. Wahlkreis, W.: Gust. Schmidt, Kirchbachstr. 14. Hochparterre. S. und SW.t Hermann Werner, Gneisenaustr. 72. S. IVahllrrel«: St. Fritz, Prinzenstr. 3t, Hos recht« pari. 4. WnhlkreiB: Osten: Robert W e n g e IS, Gr. FranlsUrterstr. 120. — Richard H a ck e l b u s ch, PelerSburgerplatz 4(Laden). ». Wahlkrela, Südosten: Paul Böhm. Lausttzervlatz 14/15. 5. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmanuelkirchsw 12(Hos). v. Wahlkreis(Moabit): Karl A n d er S, Salzwedelerstr. 8. Weck ding; Karl Weihe, Nazarethkirchstrahe 49. lloseiithalcr und Oranienburger Vorstadt: Wilhelm Baumann, Bernauerstr. 9, vorn pari. Oesuadhrunnea: F. Trapp, Stettinerstr. 10. St-httniiniiser Vorstadt: Karl Mar», LhchcNtrstr. 123. adlershof: Karl Schwarzlose, Hoffmannstr. 9. Alt-Glienicke: Wilhelm Dürre, Rudowerstr. 33 II. Ilanmschulenweg: H. Hornig, Maricnthalerstr. 13, I. Bernau. Utintgental, Zepernick, Schönow und SchOO- brlick; Heinrich Brase, Hohesleinstr. 74, pari. Biesdorf: Leopold Peter», Dorsstr. 33. Bohnsdorf und Falkenberg: Alois Laus, Bohnsdorf, Ge» nosscnschastShauS.Paradies-. Oharlotlenbnrg: Gustav Scharnberg, Seienheimerstratze 1. Elchwaldc, Zeuthen, Miersdorf und Hankels Ablage: Oskar Mahle, Eichwalde, Stubenrauchstr. 99. Frkner: Ernst H o f s m a n n, Friedrichshagener Chauffee. rredersdorf-Fetersbngen: E- Hütelbarlh, PcterShagm. Friedenau. Steglitz. Stldende-O r».a-l-lehterfelde-I.aak- wlts: H. B e r» I e e, fillsenstr. 5 In Steglitz. Friedrichshagen: Ernst W e r k in a n n, Käpentcker Straße 18. Oriinan: Franz Klein, Bahnhofstr. 6 III. dohaanlsthal: Pielicke, Kaiser-WilHelm-PIatz 4. Karlshorst: Richard Küter, Rödelslr. 9, II. Könlgs-Wusterhausen: Friedrich B a u m a N N, BaHnHosstr. 13. tziönenlck: Emil W ihler, Kietzerstr. 6, Laden. s-lcntenherg, Frledrlehskelde, Wllhelmsherg: Otto S e t k e I, KronprinzeiistraHe 4, 1. nahlsdorf, Kaulsdorf: Scheibe, Mahltdorf, Walderseestr. 14. Barlendorf: August Ltip, Ehausseestr. 296, Hos. stlarienfelde: Emil W e i n e r 1, Dorsstr. 14. hieuenhagen: Johann Hübscher, Woltersttaße. > Icder-Schönewelde: Max P r i e b k e, Britzerstr. 14 Xowawcs: Wilhelm I a p p e, Friebrichstr. 7. Oher-Scliönewelde: fittsreb Bader, Wilhelminenhosstt. 17 II. l'ankow-stiiederschönhansen: R t H m a n u, Mühlenstr. 30. Beinickeadort» Ost, Wilhelmsruh jund Sehiiahols: P. G u r I ch. Provinzstr. 36, Laden. Ripdorf: M. 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April 1911, vormittags 10 Uhr: Fortsetzung; der Generalverfammluog unserer Verwaltungsstelle Int groste» Saale der Branerel„Friedrichshain", Am Friedrichshain 10—23. Tages-Ordnung: 1114/12 Fortsetzung der Tagesordnung der Generaloersammlnng Vom 19» Vt&r� d» 5» Mit kollegialem Gruß: Die Ortsverwaltnng. Besondere Einladungen werden z» dieser Generalversammlung nicht verschickt.— MS Legitimation gilt die Legitimationskarte für Bertrancnsleute und Mitgliedsbuch. BW- Tertretimgcn sind nicht snlNsslg.-MW Ach tnug! T ertr anenslente! Aclitnng! Die nächste ordentliche Generalversammlung der Verwaltungsstelle Berlin findet am 8. Mai d. I. statt. Anträge hierzu müssen rechtzeitig vier Wochen vorher bei der Orts- Verwaltung eingereicht sein. Tie Ortsverwaltung. MAr SoUiltr-W. Verwaltung Berlin. Heute» Donnerstag, abends 8>/g Uhr, im GrwcrkschaftShause: Sitzung der Ortsverwaltung. Freitag, den 31. März, STTT im Gewerkschaftshause(Saal 4):- General- Versammlung. Fortsetzung der Tagesordnung vom 17. März. 81/4 Die Ortsverwaltnng. Oeffentliche Uersammlung Heute Donnerstag, den 30. März, abends 8'/, Uhr, im„Klubhans", Kopenhagener Str. 74. TageS- Ordnung: 1. Bortrag des RedalteurS Genoffen 91. Barth: ArbkitttklO«nd ionfuinoereittr. 2. Diskussion. 3. Gründung einer Berkaufsstelle. 104/12 Um zahlreichen Besuch bittet Der Binhernker. Orts-Krankenkasse für Ober- Schöneweide. Am Dienstag, den 11. April ISN. findet im Lokale des Herrn Warnolio Hierselbst, Wilhelminenhosstraße 18, eine Ersatzwahl der Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer statt. 272/17 Die Vertreter der Arbeitgeber werden von diesen in ungeteilter Wahlversammlung in der Zeit von 4 bis 5 Ubr nachmittags gewählt. Zu wählen sind 7 Vertreter. Die Vertreter der Arbeitnehmer werden ebenfalls in ungeteilter Wahl- Versammlung in der Zeit von 5'/, bis 71/, Uhr nachmittags gewählt. Zu wählen sind 11 Vertreter. Wahlberechtigt und wählbar ist jedes großjährige, im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte sich be« sindende Mitglied. AIS Legltimalion ist der Mitgliedsausweis mit- zubringen. Ober-SehDneweido, d. 29. März 1911. Der Toratand. Sommerfeld, Wilke, 1. Vorsitzender. Schristsührer. Bon der Reise zurück. Hr. Sommerfeld, Schtfnebergr, Hanptstr. SO. Schluß Sonntag Billige Ausnahme-Angebote zur Einschulung. Erstklass. Modell-Anzüge{| Blusen- und Sport-Anzüge| Besooden gute o. feine Reisemuster /f 50 i\ darunter schöne Muster- Sachen. A 50 i Für3-8 Jahre, durchweg 9.— ,8.— u. Qm.| j Für 5-8 Jahre..... durchweg| Wasdi-Blusen 1.85 95, 50 Pf. Knaben-Hosen ÄÄTs � 1.50 a 60 Pf. Schüler-Hosen XV.'.�Üfrr.'.SlViiVw.- 2.— M. Cheviot- Anzüge-m»«- 2.90�. blanc�lester- Anzüge Z.zg Lngl. Samt-Anzüge 6.59 MJ Kammgarn- Anzüge 6.50 M. Knab.- Wasch- Anzüge 2.50 M. la Manchest.- Anzüge 6.50 M. lünglings-Anzüge 7.50 M. 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Sie Keichztzgsrvshlzgitstioo im vierten üireiie luirb von unseren Parteigenossen mit gewohntem Eifer fort- gesetzt. Am Dienstag fanden wieder vier Versammlungen statt.„Wen wählen ivir in den Reichstag" lautete das Thema. Die Antwort auf diese Frage ist für den vierten Berliner Neichstagswahlkreis natürlich nicht zweifelhaft. Aber es handelt sich ja nicht nur darum, daß unser Kandidat gewählt wird, sondern daß sich eine imposante Stimmenzahl auf ihn vereinigt, die der Regierung und den herrschenden Parteien als ein wuchtiger Protest des Volkes gegen das heutige System in den Ohren gellt. Leider gibt es unter den Proletariermassen aller- orts noch viele Taufende, denen diese BcdeutungcinerReichstags- Wahl nicht klar ist. In dieser Hinsicht nachzuhelfen, Klarheit zu verbreiten über die politische Situation und über die große Bedeutung eines Massenprotcstes, das ist es, was die Agitation unserer Genossen sich zur Aufgabe stellt. In dieser Hinsicht leisteten auch die vier Versammlungen ani Dienstag ein gutes Stück Aufklärungsarbeit. In der„Urania"(Wrangelstraßc) begann Genosse Büchner sein Referat mit der Darlegung der Zoll- und Steuerpolitik. Hierdurch wurde den Zuhörern vor Augen geführt, daß die Geldmittel, welche das Reich braucht, in der Hauptsache aus den Taschen der ärmeren der arbeitenden Volkskreise gezogen, während die Lasten der Besitzenden verhältnismäßig geringer sind. Bei alledem verstehen es die Begüterten— und die Agrarier haben darin eine ganz besondere Fertigkeit— sich durch zu niedrige Einschätzung von ihrer Steuerpflicht zu drücken. Welche Verwendung die aus der breiten Masse des Volkes herausgepreßten Steuern vornehmlich finden, das machte Ge nossc Hermann Müller, der im„Elysium"(Landsberger Allee) referierte, in einem Teil seiner Rede den Zuhörern klar. Er zeigte ihnen, daß der weitaus größte Teil der Steuererträge dem Militarismus, der Welt- und Flottenpolitik geopfert wird, einer Politik, die nicht nur das eigene Volk bedrückt, sondern eine unausgesetzte Bedrohung des Völkerfriedens ist. Daß die Arbeiterklasse dem herrschenden System, dem Nimmersatten Kapitalismus nicht nur Opfer an Geld und Gut, sondern auch Opfer an Leib und Leben zu bringen ge- zwungcn ist, das legte Genosse Stadthagen im Verlauf seiner Rede dar, die er im Kellerschcn Saale hielt. Er zeigte, daß auf dem Schlachtfelde der Arbeit mehr Tote und Ver- wundete bleiben wie in kriegerischen Schlachten, und daß die soziale Fürsorge für die Opfer der kapitalistischen Ausbeutung völlig unzureichend ist. Auch durch den im Litfinschcn Saale gehaltenen Vortrag des Genossen Adolf Ho ff mann wurde den Zuhörern ein- dringlich zu Gemüte geführt, daß es die unerläßliche Pflicht jedes Arbeiters ist, sein Teil beizutragen im Kampfe gegen die bürgerliche Gesellschaft und daß die bevorstehende Wahl eine Gelegenheit bietet, den Gegnern zu zeigen: die Reihen der Sozialdemokratie sind gewachsen und diese Vermehrung der Zahl unserer Kämpfer gibt uns die Gewißheit, daß unsere �deeu siegelt_ parte!- Angelegenheiten. Verband sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins und Umgegend. Alle Parteigenossen, welche beim diesmalige« Umzüge die Wohnung verändern, werden dringend gebeten, den Bezirks- sühreru oder den Kreiskassierern rechtzeitige Nachricht zugehen zu lassen, damit eventuelle llmmeldnngen ohne Verzögerungen bewirkt werden._ DaS Verbandsbureau. Wanusee. Sonntag, den 2. April, nachmittags 3 Uhr, im Restaurant»Fürstenhof': Wahlvereinsversainmlung. Teltow. Freitagabend 8 Uhr: Flugblattverbreitung vom Lokale W. Bonow, Berliner Str. 18. Am Sonntag, den 2. April, nach- mittags 2>/z Uhr, im Lokale des Genossen W. Bonow: Deffentliche Versammlung für Männer und Frauen. Tagesordnung: Vortrag des Reichstagsabgeordneten Fritz Zubeil:»Die bevorstehende Reichstagswahl'._ Der Vorstand. Berliner J�acbricbten. Aus dem Kinderkrankenhaus der Stadt Berlin(an der Reinickendorfer Straße) liegt jetzt für das Verwaltungsjahr 1909/10(vom 1. April 1909 bis zum 31. März 1910) der ärztliche Jahresbericht vor, den der Magistrat soeben bekannt- gegeben hat. Die Abteilung für äußere Krankheiten berichtet über 392 behandelte Kinder, von denen 56 starben, 14 von je 100 behandelten. In dem Abschnitt über die Abteilung für innere Krankheiten und für Infektionskrankheiten wird das Bedauern ausgesprochen, daß leider so viele Kinder dem Krankenhaus zu spät zugeführt werden, so daß die Hilfe des Arztes erfolglos bleiben muß. Diese Abteilung hatte in dem ganzen Verwaltungsjahr 2861 Kinder zu behandeln, davon starben 515, das sind von je 100 behandelten Kindern 18. Zieht man von der Gesamtzahl der hier behandelten Kinder die ab, die am Schluß des Verwaltungsjahres noch weiter behandelt wurden, so sind an den übrigen 2710 Kindern die 515 gestorbenen mit 19 Proz. beteiligt, mit 81 Proz. die 2195 entlassenen(geheilte, gebesserte, ungeheilte, auch nach der Abteilung für äußere Krankheiten verlegte). Unter den 2710 Kindern, die durch Tod oder durch Entlassung usw. ausschieden, waren 737 Säug- linge lKinder des 1. Lebensjahres). Von diesen starben 233, während 554 entlassen wurden, hier waren demnach die Gestorbenen mit ziemlich 30 Proz. beteiligt. Es starben aber von den in die Abteilung für innere Krankheiten und für Infektionskrankheiten eingelieferten Säuglingen schon am ersten Tage 64, am zweiten Tage 23, am dritten Tage 23, mithin innerhalb der drei ersten Tage zu- sammen 110, die übrigen 123 später. Wären die 64 Säug- linge, die fa st schon st erbend eingeliefert wurden und noch am ersten Tage starben, gar nicht mehr in das Krankenhaus gelangt. so hätten wir nur 169 gestorbene Säuglinge gegenüber 554 entlassenen. An der Gesamtzahl von dann 723 Säuglingen wären die gestorbenen mit nur noch 23 Proz. beteiligt. Zu denken gibt die Mitteilung, daß z. B. von 24 an Abzehrung gestorbenen Säuglingen 0 noch am ersten Tage starben. Am ersten Tage starben ferner: 9 von 37 an Brechdurchfall gestorbenen Säuglingen. 6 von 21 an akutem Darmkatarrh gestorbenen, 7 von 14 an katarrhalischer Lungenentzündung gestorbenen usw. Auch bei älteren Kindern bleibt nicht selten im Krankenhaus die ärztliche Hilfe erfolglos, weil sie zu spät eingeliefert wurden. Von Kindern im Alter von 0—14 Jahren starben in der Abteilung für innere Krankheiten usw. am ersten, zweiten, dritten Tage z. B. an Diphtherie 14, 21, 14 von überhaupt 91 gestorbenen, an Scharlach 8, 13, 10 von über- Haupt 68 gestorbenen, an Masern 8. 4, 4 von überhaupt 43 gestorbenen, an Lungenentzündung 13, 10, 2 von über- Haupt 46 gestorbenen usw. In dem Jahresbericht wird an die Mitteilung dieser Zahlen die Benierkuug geknüpft:„Da bei fast sterbend eingelieferten Kindern die ärztliche Hilfeleistung im Krankenhaus e augcnschein- lich zu spät kommt, so kann immer nur wieder darauf hingewiesen werden, daß die Zuführung der erkrankten Kinder in das Krankenhaus möglichst bald nach Eintreten der ersten Krankheitserscheinungen erfolgen möge." Neuerungen bei der Post am 1. April. Bei der Post bringt der 1. April vor ollem die Einführung eines neuen Dienstzweiges, des O r t s s ch n e l l d i c n st e s. Er besteht darin, daß an größeren Orten Briefsendungen auf Verlan- gen des Absenders von besonderen Boten abgeholt und sofort durch denselben Boten bestellt werden. Das Verlangen kann durch den Fernsprecher ein für allemal oder auf andere Weise gestellt werden. Den neuen Dienst erhalten 84 Postorte des Rcichs-Postgebietes, und zwar Aachen, Altona, Barmen. Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Braunschweig, Bremen, Breslau. Cassel, Chemnitz, Cöln, Cottbus, Crefeld, Danzig, Darmstadt, Dortmund, Dresden, Elber- feld, Erfurt, Essen, Flensburg, Frankfurt ct. M., Frankfurt ct. O.. Freiburg i. Br., Gießen, Görlitz, Göttingen, Goslar, Hagen, Halle, Hamburg, Hannover, Heidelberg, Karlsruhe, Kiel, Königsberg, Leipzig, Lübeck, Magdeburg, Mainz. Mannheim. Metz, Mülhausen, i. Elf., Münster. Pforzheim, Plauen, Posen, Rostock, Saarbrücken, Stettin, Straßburg i. Elf., Trier und Wiesbaden. _ Zu Berlin gehören Charlottenburg, Friedenau. Halensee, Plötzensee, Rixdorf, Schöneberg, Westend und Wilmersdorf. Die meisten dieser Städte bilden auch für den Ortsschnelldienst einen Bestellbezirk mit einem einheitlichen Tarif. Für die Eilabholung und Eilbestcllung einer Sendung werden bl) Pf. erhoben, für eine Antwort, die dem Empfänger zurückzubringen ist, 25 Pf. Nur für die allergrößten Städte kommt eine zweite Zone in Betracht, nach und von der ein Gang 75 Pf., eine Antwort 48 Pf. kostet. In Gvoß-Berlin werden vier Zonen gebildet. Ein Gang nach der dritten Zone kostet 1 M., nach der vierten 1,25 M., eine Ant- wort von oder nach der dritten Zone 58 Pf., in der vierten 65 Pf. lieberall werden bei gleichzeitiger Abholung von Sendungen an zwei verschiedene Empfänger für den zweiten Empfänger 28 Pf. abgezogen. Werden mehrere Sendungen gleichzeitig von demselben Absender abgeholt und an denselben Empfänger bestellt, so wird für jede weitere Sendung nur 18 Pf. Zuschlag erhoben. Wenn der Bote den Wog zum Auftraggeber schon angetreten hat, der Auftrag aber zurückgezogen wird, so werden 25 Pf. erhoben. Ein beson- dcrcs Porto wird neben diesen Gebühren nicht berechnet. Im Ortsschnelldienst werden auck gewöhnliche Briefsendungen auf Verlangen vom Absender durch Eilbote» abgeholt und zur Bc- förderuug mit der gewöhnlichen Post aufgeliefert. Diese Eilab- holung kostet 25 Pf., jede weitere Sendung 18 Pf. In Groß-Berlin werden so auch Rohrpostsendungen abgeholt. Eine Karte komint so auf 58 Pf., ein Brief auf 55 Pf. zu stehen. Die Einteilung der Zonen von Groß-Berlin erfolgt nach Ra- dien, die von jedetn Bestellpostamt zu jedem andern Besteltpostamt gezogen werden. Nur die Lage der Postämter ist für die Entfer- nung maßgebend. Die drei Radien betragen 2, 4 und ö Kilometer. So liegt z. B. vom Briefpostamt aus dos Postamt 8 in der ersten Zone, 18 in der zweiten, 58 in der dritten, Wilmersdorf in der vierten Zone. Vom Postamt 68 liegt das Postamt 7 in der ersten Zone, 48 in der zweiten, 21 in der dritten, Plötzensee in der vierten Zone. Das Doppel der Zollinhaltserklärungen für die deutsche Warenverkehrsstatistik muß vom 1. April an bei allen Paketen nach dein Zollauslande und nicht mehr bloß bei solchen mit Wertangabe auf einem Formular von grüner Farbe ausgesertigt werden. Die Bezeichnung der Gattung der Ware in dem Doppel braucht mit den Angaben in den Inhaltserklärungen für das Ausland nicht über- einstimmen. Angaben, die geheim bleiben sollen, können dem grünen Doppel in verschlossenem Umschlag beigefügt werden, der an die Anmeldestelle adressiert und mit dem Doppel fest verbunden wird. Das Kaiserliche Statistische Amt gestattet auf Antrag, daß der Wert nur unmittelbar dem Amte mitgeteilt wird. Die Postämter öffnen ihre Schalter jetzt wieder um 7 Uhr morgens._ Nachtdienst beim Bernsprechamt Elroß-Lichterfelbe. Nachtdienst wird bei der Fernsprechvermittelungsstelle in Groß-Lichterfelde am 1. April eingeführt. Von diesem Tage an wird dort ununterbroche- ner Dienst abgehalten. Der Nachtdienst erstreckt sich auf den Orts- verkehr, den Nachbarortsverkehr mit Berlin. Charlottenburg. Lich- tenbcrg, Ober-Schönewcide, Reinickendorf(Ost), Rixdorf, Weißensee und Wilmersdorf, sowie auf den Fernverkehr mit den Orten, die zum Tagesverkehr mit Groß-Lichterfelde zugelassen und an denen während der Nachtzeit FernspreäpVermittelungsdienst abgehalten wird. Für jede Verbindung bei Nacht wird im OrtS- und Nach- lKtrortsverkehr von dem Inhaber der Sprechstelle, von der die Ver- bindung verlangt ist, eine Einzelgcbühr von 28 Pf. erhoben. Als Nachtzeit gelten für den Orts- und Nachbarortsverkehr die Stunden von l8 Uhr nachmittags bis 7 Uhr vormittags, für den inländischen Fernverkehr die Stunden von 9 Uhr nachmittags bis 3 Uhr vormittags. Mit der LustbarkeitSsteuerordnung beschäftigten sich am Dienstagabend die einzelnen Fraktionen; sie wird aber am heutigen Donnerstag nicht verhandelt tverden, sondern erst über acht Tage. Das Schicksal der Lustbarkeitsstcuer hängt an einigen Stimmen. In der Fraktion der Alten Linken ist die Zahl der Gegner der Steuerordnung in letzter Zeit größer geworden. In der Fraktion der Neuen Linken ergab die Ab- stimmung die Ablehnung der Vorlage mit allen gegen zwei Stimmen. In der Freien Fraktion hielten sich Freunde und Gegner der Vorlage die Wage. Die sozialdemokratische FraMon wird geschlossen gegen die Lustbarkeitsstcuer stimmen. Die Obstvcrwertung im Kreise Teltotv soll durch Gründung einer Obstverwertungsgesellschaft besser als bisher ermöglicht werden. Der Obstbau wurde durch Gewährung von Prämien schon seit Jahren vom Kreise Teltow gefördert. Jetzt handelt es sich um die Verwertung der Ernten. Der Landrat deS Kreises Teltow veröffentlicht nun folgende Bekanntmachung: „Trotz der unmittelbaren Nähe der Reichshauptstadt vermag der einzelne Obstzüchter eine wirklich rentable Ausnutzung seiner Ernten nicht zu erzielen, da er meist nicht in der Lage� ist, das für eine gewinnbringende Frischverwertung unerläßliche Sortieren und Aufbewahren des Obstes vorzunehmen. Auch erschwert ihm die leider meist zu große Verschiedenheit der Sorten den Absatz. da die Händler ungern ihren Bedarf in kleinen Mengen ankaufen. Alle diese Mißstände bedingen, daß der Züchter für seine Ernten einen sehr niedrigen Preis erhält, der in keinem Verhältnis steht zu den durchaus nicht ungünstigen Marktpreisen. Noch ungünstiger liegen üc BeMltnisse für dgs schnell xeifeMe aafc leicht vude.rb? liche Stein« und Beerenobst, dessen Anbau nur dann rentabel sein kann, wenn die nicht sofort verkäuflichen Ernten in einer konser- vierten Form zur Nachfrage bereit gehalten werden können. Diesen llebelständen kann nur dadurch begegnet werden, daß die Jnter- essen der Obstzüchter in einer Stelle vereinigt werden, d. h., daß eine gemeinschaftliche Verwertung des Obstes eingeführt wird. Um das zu erreichen, wird die Gründung einer Obstverwertungs- gesellschaft m. b. H. im Kreise Teltow geplant, ioelche unter der Ueberwachung des Kreises wirken soll. Die Gesellschaft stellt ein« Sammelstelle für die Erzeugnisse der kreiseingesessenen Obstzüchter dar. Die Ernten werden hier sortiert und in zusammengezogene» Mengen entweder sofort auf den Markt gebracht, oder ats Spät- obst, d. I). Tafelobst in Obsthäusern, bis zum«irklich rationellen Verkauf gelagert. Alles in frischer Form nicht rationell verkäus- liche und wenig haltbare Obst soll zu Marmelade, besonders auch zu Volksmarmelade und ähnlichem verarbeitet werden. Die bc« teiligten Obstzüchter erhalten den gesamten Erlös, der sich nach Abzug der Betriebskosten und der begrenzten Verzinsung des Ge- sellschaftskapitals ergibt und zwar aus Grund der bei der Ab» lieferung des Obstes ausgestellten Qualitätswertscheine. Ein Betrieb über diesen Rahmen hinaus ist nicht geplant, doch bleibt die Verwertung von marktfähigem Gemüse vorbehalten. Die Gesellschaft wird mit einem Stammkapital von 48 888 M., eingeteilt in 88 auf den Inhaber lautende» Anteile 4 508 M. gegründet. Die Anteile werden zum Nominalwerte zuzüglich 5 Proz. für Gründungskosten einschließlich Reichsstempel gusgegeben. Die Hälfte des gezeichneten Betrages nebst dem fünfprozentigen Zuschlage ist innerhalb 4 Wochen nach Aufforde- rung, der Rest nach Erfordern einzuzahlen. Ter Kreis wird sich — die Zustimmung des Kreistages vorausgesetzt— mit einer größeren Summe beteiligen, den Betrieb übenvachen und der Einrichtung auch weitere Unterstützung zuteil werden lassen. Wir richten an alle interessierten Körperschaften, Obstzüchter und Freunde unseres heimischen Obstbaues die Bitte, sich durch Ueber- nähme ein oder mehrerer Anteile an dem gewiß erfolgreichen und segensreichen Unternehmen zu beteiligen und bitten, den Zeich- nungsschein ausgefüllt möglichst innerhalb 14 Tagen an uns ein- zusenden." Schließlich wird noch mitgeteilt, daß bereits eine Anzahl Rittergutsbesitzer, auch die Stadt Berlin, thre Beteiligung an der Gesellschaft zugesagt haben._ Ein Kirchcndieb, der wiederholt, wie wir mitteilten, in der Pauliiskirche der Dominikaner in Moabit Damen während des Gottesdienstes die Handtaschen stahl, ist jetzt auch in Charlotten- bürg aufgetreten. Hier gelang ihm gleich ein„großer Zug". Denn die lederne Handtasche, die er einer Dame während der Abend- andacht in der Herz-Jesukirche entwendete, enthielt zwei Hundert» markscheine. 238 M. in Gold und 76,58 M. in Silber. Verdächtig erscheint ein etwa 29 Jahre alter, 1,65 Meter großer Mann mit breitem Gesicht und Schnurrbart, einem abgetragenen Winter- Überzieher und einem schlechten Anzug. Ein entsetzlicher Unglücksfall hat sich am Dienstagabend gegen 8 Uhr in dem Hause Rüdersdorfer Straße 21 abgespielt. Im vierten Stockwerk wohnte die 81jährige Arbeiterin Margarete Prause bei den Hintncrschen Eheleuten. Am Dienstagabend kam die Prause noch Hause und fand die Korridortür zu der Wohnung verschlossen. Da sie selbst keinen Schlüssel besaß, ging sie an das Treppen- fcnftcr und kletterte von dort aus an dem ziemlich breiten SimS entlang bis zu dem Küchenfcnster, vor dem sich ein eiserner Haken befindet. Als die Prause daS verriegelte Fenster eindrücken wollte und sich dabei mit der rechten Hand gegen die Mauer stützte, gab der Wandbewurf plötzlich nach, daS Mädchen verlor daS Gleichgewicht und glitt rücklings von dem SimS herab. Dabei verfing sich jedoch ihr Rock an dem eisernen Haken. so daß die Unglückliche zwischen Himmel und Erde schwebte. Auf das Hilferufen der P. wurden die Nachbarn aufmerksam, doch wußte niemand im ersten Augenblick, was zu tun sei. Endlich eilten einige Männer in die Hintnersche Wohnung, um von da aus das Mädchen aus seiner entsetzlichen Lage zu befreien. Die Rettung kam jedoch zu spät. Infolge der Last riß das Kleid und die Prause stürzte kopfüber in die Tiefe, wo sie mit zerschinettertem Schädel tot liegen blieb. Die Leiche wurde nach dem Schauhause über- geführt. Der Mord in der Bohenstraße. Die verhafteten beiden jungen Männer, die sich selbst verdächtig gemacht hatten, sind vorgestern abend, wie gleich zu erwarten war. entlassen worden. Es ist jetzt ein Zeuge aus der Boyenstraße ermittelt worden, der Frau Schramm schon seit dein Jahre 1988, als sie in der Ackcrstraße wohnte, kennt. Als er in der kritischen Nacht um 12 Uhr aus seiner Wohnung sich entfernte, sah er Frau Schramm vor dem Hause Boyenstvaße 46, dem Eckhause auf der Südseite an der Chausseestraße, mit einem Manne zusammenstehen. Dieser sprach lebhaft auf sie ein, während sie mit dem Rücken an der Hausmauer sind. Der Mann ist etlva 1,60 Meter groß, also nur klein, hat ein pickeliges Gesicht und trug eine blaue Schirmmütze, einen offenen dunklen Ulster und darunter einen dunklen Sweater ohne Kragen. Ein schwerer Automobilnnfall ereignete sich gestern früh gegen s47 Uhr am Halleschen Tor. Dort wurde der 38jähnge Schneider Hermann Gerlach aus der Fürbringerstvaße 2 beim Ueberschreiten des Fahrdammes von einem Autoomnibus der Linie 4, der aus dem Depot in der Baruther Straße kam und nach der Haltestelle am Blücherplatz fuhr, umgerissen und geriet unter den Kraftivagen. Das linke Hinterrad des Autos ging dem G. über das linke Bein hinweg, das unterhalb des Knies glatt abgetrennt wurde. Der Verunglückte erhielt auf der nahe belegenen Unfallstation am Tem- pelhofer Ufer Notverbände und wurde von dort nach dem Kranken- Hause Am Urban übergeführt. Ein tödlicher Straßenbahnunfall trug sich gestern morgen gegen 7 Uhr in der Prinzenstraße, in der Nähe des Hochbahnhofö, zu. Dort betrat der etwa 37jährige Kaufmann Anton Hertel vor einem in der Richtung nach Schöneberg fahrenden Straßenbahnzug der Linie 41 das Gleis, wurde umgestoßen und geriet mit der linken Schulter und Hüfte unter den Schutzrahmen. Mit Hilfe von Passan- ten wurde der Bahnwagen angehoben und der Verunglückte befreit. In bewußtlosem Zustande wurde H. mittels Droschke nach dem Urban-Krankenhause gebracht, wo er jedoch unmittelbar nach seiner Einlieferung an den Folgen der erlittenen äußeren und inneren Verletzungen verstarb. Die von Passanten alarmierte Feuerwehr brauchte bei den Befreiungsarbeiten nicht in Tätigkeit»u trete». Der Berliner Schlachthof anfs neue gesperrt. Der Berliner Vieh- und Schlachthof ist gestern, wie die„Allgemeine Fleischerztg." meldet, von neuem wegen Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche für den Abtrieb gesperrt worden. Die Seuche ist bei einem auS Grambow in Pommern stammenden Posten Rindvieh festgestellt toorden. Die Ausfuhr von Schlachttieren aller Art wird bedin- gungsweise gestattet werden. Die AuSfuhrbedingungen sind im Veterinärbureau, Zimmer 36/37, zu erfahren. Der Viehhof mußte bis gestern nachmittag 5 Uhr gänzlich geräumt sein. Die Abschlach- tung des vom gestrigen Markt stammenden Viehes muß bis heule abend beendet sein. Eine Störung im Straßenbahnvcrkehc trat gestern nachmittag an der Marschallbrücke ein. Tort war einem Kohlenwagen der Firma 23. Nicolai, Mühlenstraße, die Hinterachse gebrochen und daS Gefährt sperrte die Straßenbahnqleise in der Richtung nach dem Brandenburger Tor. Durch den Rettungswagen der Straßen- bah« wurba dgs Hindernis beseitigt. Während der Dauer brr Störung von 1.15 Uhr bis 1.50 Uhr verkehrten hie Wagen ber Jinie 14 über Moltkebrücke, diejenigen der Linien 50, 51 und 57 durch Karlstrabe über den Königsplatz. Ein aufregender Borfall ereignete sich Mittwochbormittag in der Nähe des BczirlskommandoS in der General- Pape- Straße. Dort versuchte sich der 20jährige Bäckergeselle Georg Rochow aus der Goltzstr. 26 vor den Augen zahlreicher Passanten das Leben zu nehmen. AlS er gerade im Begriff war. auf sich einen Schuß ab- zugeben, wurde er von einem von der Arbeit kommenden Schlosser, der den Lebensmüden schon einige Zeit hindurch beobachtet halte, daran gebindert. Bei dem Versuch des Schlossers, dem R. die Waffe zu entreißen, entspann sich ein hartnäckiger Kampf zwischen beiden, bei dem schließlich der sich wie rasend geberdende Bäckergeselle, der fortwährend ausrief, man möge ihn doch ruhig sterben lassen, die Oberhand gewann. Mehrere Personen, die den Vorfall beobachtet halten, eilten hinzu, worauf der hartnäckige Selbstmordkandidat die Flucht ergriff. Plötzlich blieb R. stehen und jagte sich eine Kugel in die rechte Schläfe. Der Schwerverletzte wurde nach der Kranken- stube des BezirkskommandoS geschafft, wo ihm der diensttnende Arzt einen Notverband anlegte. Von dort wurde Nochow nach dem Schöneberger städtischen Krankenhause übergefühlt, wo er in hoff- nungslosem Zustande daniederliegt. Die Kugel ist so tief in das Gehirn eingedrungen, daß sie bisher nicht entfernt werden konnte. Das Motiv zu der Tat ist unbekannt. Bon der Straßenbahn überfahren wurde gestern abend in der neunten Stunde vor dem Hause Wrangelstr. 65 ein etwa lOjähriger Radfahrer. Der junge Mann erlitt durch den Unfall so schwere Verletzungen, daß er nach dem Krankenhause Bethanien tranS- portiert werden mußte. Bon dem Sechstage- ober besser Sechsnächte-Rennen sind wieder drei schwere Stürze zu berichten. Es stürzten Demke, Marx und schließlich Lorenz, der mit Saldow eine aussichtsreiche Mannschaft bildete und zwar so schlver, daß alle drei ausscheiden mußten. Es soll der letzte Unfug dieser Art sein, wenn die„Rat.- Ztg." recht unterrichtet ist. In führenden Kreisen der Berliner Polizei ist man der Ansicht, daß eine nochmalige Genehmigung der SechStage-Rennen in Berlin nicht erfolgen wird. Man steht jetzt auf dem Standpunkt, daß diese Wettrennen jeden sportlichen Cha- rakter verloren haben und eine Herabwürdigung des menschlichen Körpers zur Maschine darstellen. An den Polizeipräsidenten und den Minister des Innern ist jetzt eine Petition von hervorragenden Hhgienikern und offiziellen Vertretern der öffentlichen Gesund- heit-pflege gelangt, die sich gegen die„Unsitte" der Sechstagc- Rennen wendet, und da die Regierung dieser Petition sympathisch gegenübersteht, so ist vorauszusehen, daß die Sechstage-Rennen in ganz Preußen verboten werden. Besonders kommen für ein Ver- 'bot die zahlreichen, mehr oder minder schweren Unfälle der Fahrer in Betracht, die infolge der Ueberanstrengung die notwendigen Vorsichtsmaßregeln außer acht lassen. Das Theater Sanssouci, Kottbuser Straße 6, am Kottbuser Tor. ist in eine Lichtbildbühne umgewandelt worden. Die Eröff- nung findet Freitag, den 31. d. M.. 7 Uhr. statt. Quittung. Für den Verein Arbeiter-Jugendheim gingen bei dem Unterzeichneten ein: 17.36 M. Ueberschug der Kranzspende von den Frauen der 11. Abt. d. 6. Kr. 29,95 M. von der Groichenlasse der Abt. Seeler A. E.-G., Br.-Slr. 15,— M. von den organisierten Hausdienern der Firma Peel u. Cloppenburg, statt Märzkranz. 11,— M. von der Mechanischen Werkstatt H. Goctzle, Pankow, statt Märzkranz. 9,95 M. von den Kollegen der A. E.-G., Br.-Str., Adt. Lehmann. 9,93 M. von den Patienten der Heilstätte Beelitz, Uebcrschutz vom Märzkranz. 16,36 M. Ueberichutz von der Kranzsammlung sür die Märzgesallencn von der Firma A. Roller. Prinzen- alle- 24. 16,— M. Mödelwbrik Phönix. 10.— M. L-seabend. 4. Kr. Abt. 25. SO,— M. Bierkasse der städt. Gaswerke(ZeniralniagaznO. 6.76 M. 4. Kretz Wahlbezirk 336. 34,50 M. Arbeiter der Möbelsabnk M. u. Franz Berndt. K. R o s e n s e l d, An der Spandauer Brücke 1a. Eine Tasche mit Abrcchnungsbüchern sowie 450 Bcitragsmarkeu a 70 Pf. des Deutschen Metallarbeiler-Verbandes hat ein Metall- arbeiter in dem morgens 6 Uhr 23 Minuten von Rixdorf nach Schöneberg fahrenden Zuge liegen lassen. Wir ersuchen den Finder, dieselbe in unserem Bureau, CharitSstraße 3, abzugeben. Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Vorort- l�acd richten. Lichtenberg. Die Majorität der bürgerlichen Stadtverordneten pfeift nicht nur auf die Bedürfnisse der Einwohner. Um die„Auspowerung der Reichen zugunsten der Armen' zu verhindern, scheuen diese Sorte Stadwäter selbst vor einem glatten Wortbruch nicht zurück. Vor nunmehr 13 Jahren wurde eine Kommission gewählt, die im Auf- trage der damaligen Gemeindevertretung den Bau eines Kranken- Hauses vorbereiten sollte. Kämpfe und zwar harte Kämpfe um die Verwirklichung dieser Aufgabe spiegelten sich in den Berichten wieder, die über die Tätigkeit oder besser Nichttätigkeit der KommissionS- Mitglieder und ihrer diversen Nachfolger in die Oeffentlichkeit drangen. Schließlich konnte man die Geduld der Einwohner nicht mehr länger auf die Probe stellen; das„notwendige Uebel' gewann festere Formen. Die königlich preußische Regierung machte den Bau eines Krankenhauses zu einer der Bedingungen, unter denen das Dorf Lichtenberg Stadt werden sollte. Von der bürgerlichen Mehrheit wurde auf jeden Protest gegen die„Verkümmerung deS SelbstbestimmungS- und SclbstverwaltungSrechtS' verzichtet. Wieder waren vier volle Jahre ins Land gegangen und wieder einmal wurde die„KrankenhauSbaukommission" neu gewählt bezw. ergänzt. Pro« gramme, Projekte entstanden, um den Bauplatz tobte ein heißer Kampf. Alles, alles sollte nur der„Gründlichkeit' dienen und ein Zeichen deS„VcrantwortlichkeitSgefühlS' fein. Unterdessen durften die Unglücklichen der 80 000 Einwohner zählenden Stadt Lichtenberg. hei denen die KrankenhauSbehandlung nicht nur erwünscht, sondern auch notwendig war, im Krankenwagen oder sonstwie tagelang in Berlin und anderen Vororten herumirrend vergeblich an den Pforten der dgrt schon längst bestehende» Krankenhäuser anfragen. In Lichtenberg wird eben.gründliche' Arbeit gemacht. All den Programmen und Projekten fehlen endlich Beschlüsse. 2S2 Betten sollte nach den Beschlüssen der neuerdings gewählten Kommission der erste Bauabschnitt bringen! Aber jetzt fängt man hinter den Kulissen wirtlich an zu arbeiten. Da Berlin doch bei Lichtenberg liegt, war mit einem Male keine Notwendigkeit vorhanden für soviel Betten, sintemal Lichtenberg doch erst knapp 82 000 Einwohner habe! So und ähnlich wurde» die Vertreter der Großgrundbesitzervereine zur Rechenschaft gezogen. Der Magistrat beschloß, zunächst 223 Betten einzurichten. Eine dahingehende Vorlage gelangte an die an Gründlichkeit gewohnten Stadtväter zur Beratung. Und was geschah? Vom Redner der Majorität wird Vertagung der Beratung beantragt. Wieder setzt die treibende Kraft ein: die sozialdemokratischen Stadtverordneten wehrten sich dagegen. Ein heiße» Ringen entstand um die endliche Möglich- keit. noch in diesem Jahre mit dem Bau beginnen zu können. Da ertönte aus den Reihen der„Gründlichen' der Ruf:„Laßt uns doch nur noch 14 Tage Zeit. Wir wollen ganz gewiß keine Verschleppung, nur ist die Borlage zu kurze Zeit in unseren Händen und— hat es 13 Jahre gedauert, dann machen es 14 Tage auch nicht auS. Aber über 14 Tage ganz bestimmt I Vertrauen Sie unSl' Heute am 30. März sind die 14 Tage um! Heute sollte nach den Versicherungen der bürgerlichen Majorität die Vorlage berate» werden! Heute, Donnerstag, ist— keine Sitzung! Ein Pfui! den Wortbrüchigen. Die sozialdemokratischen Stadtverordneten haben mit vollem Recht der Katze die Schelle umgehängt. Jetzt liegt es an den Einwohnern, dafür zu sorgen, daß auch in der letzten Familie ein solche» Treiben bekannt gemacht wird. Einen schrecklichen Toi» fanL VaS 6 Jahre alte Töchterchen des Tischlers Kiehl aus der Mainzerstr. 25. Die Kleine wurde gestern nachmittag von dem Hunde eines Schlächtermeisters aus der Nach- barschaft angefallen und entsetzlich zugerichtet. Die Rettungswache verband der Unglücklichen die Bißwunden und ließ sie dann nach der Charit« bringen. Dort ist sie aber im Laufe der Nacht ihren Verletzungen erlegen Schoneverg. Das Auge auSgefchossen. Das unvorsichtige Hantieren mit einer Schutzwaffe hat wiederum einen schweren Unfall hecbeige- führt. Als vorgestern abend gegen 9 Uhr der 32jährige Kutscher Gustav Budack aus der Schwerinerstr. 6 mit seinem Fuhrwerk die Motzstratze passierte, machte sich der neben ihm sitzende Mitfahrer mit einem Revolver zu schaffen. Als er dem B. den Mechanismus der Waffe erklären wollte, kam er dem Hahn zu nahe, der Revolver entlud sich und die Kugel drang dem Kutscher in das rechte Auge. Der Schwerverletzte wurde von Passanten nach der Unfallstation in der Vorbergstratze gebracht, wo er die erste Hilfe erhielt, und von dort nach der königlichen Klinik in der Ziegelstraße überführt. Das verletzte Auge wird wahrscheinlich die Sehkraft gänzlich der« lieren. Steglitz. Ein tragischer Vorfall ereignete sich vorgestern bei einem Aus- fluge, den der Lehrer Seiffert von der III. Gemeindeschule mit mehreren Schülern unternommen hatte. In Schmöckwitz, wo Lehrer und Kinder in einem Lokale eingekehrt waren, gingen mehrere Kinder in ein Nebenzimmer und fanden dort ein Gewehr vor. Beim Hantieren damit entlud sich das Gewehr plötzlich, wobei der 14jäh- rige Schüler Kind schwer verletzt wurde. Die Aerzte hoffen, den Knaben am Leben zu erhalten. Heute sollte er eingesegnet werden. Fricdrichsfelde. Der Gemeindevertreter Genosse Pinsel er ersucht uns. unter Bezugnahme auf den letzten Gemeindebericht um Aufnahme folgender Zeilen: Der Berichterstatter hebt besonders hervor, daß gegen die Festsetzung der Grundwertsteuer auf 2,6 pro Mille für bebauten und 5,2 pro Mille für unbebauten Grundbesitz nur Genosse Oehlert gestimmt habe. Hätte der Berichterstatter Fühlung mit den sozialdemokratischen Vertretern genommen, dann wäre er darüber aufgeklärt worden, daß weder sachliche noch prinzipielle Gründe der Zustimmung zu der Abänderung entgegen standen. Grundprinzip war, das Verhältnis von 1 zu 2 herzu- stellen. Auch die Darstellung betr. des Sparguthabens ist nicht richtig. Die Verwendung des Sparguthabens zur Tilgung einer Restanleihe mag unbedenklich sein; finanzpolitisch hielt ich jedoch diese Maßnahme nicht für richtig und deswegen protestierte ich gegen diese Verwendung. Begründend führte ich aus, daß es richtiger wäre die Rücklagen zu vcrmehren. Man könnte dann später diese Summe an Stelle einer kleineren Anleihe verwenden. Den Schuletat vertrat nicht Genosse Oehlert, fondern ich. Mein Antrag, an Stelle der früheren 120 M.. welche gestrichen waren, 200 M. für jede der 4 Schulen für warme Milch einzusetzen, wurde angenommen. Kagel(Nieder-Barnim). In einer gut besuchten B-lkSversammlung referierte am hiesigen Orte Genosse Hildebrand über das Thema:„Nieder mit der Reaktion". Die Ausführungen deS Referenten wurden von den Versammelten mit lebhaftem Beifall entgegengenommen. Die Konservativen unter Führung eines Försters, die offenbar er- schienen waren, um in der Versammlung Störung zu verursachen, verhielten sich, nachdem sie sahen, welchen Eindruck das Referat auf die Anwesenden gemacht hatte, ruhig. Nach einem kräftigen Schlußtvort des Genossen R a u f ch- Stralau, in welchem er die Versammelten zum Eintritt in die Organisation aufforderte, hatte die imposante, vom besten Geist beseelte Versammlung ihr Ende erreicht. Wittenau-Borstgwalde. AuS der Gemeindevertretung. Die Etatsberatung wurde ver- tagt, da die bürgerlichen Vertreter noch acht Tage Zeit beanspruchen, um sich in dem Zweimillionenetat zurecht zu finden. Mit der Stadt Berlin und der Gemeinde Blankenfelde schweben Vcrhand- lungen wegen Durchlegung des Druckrohres nach dem Rieselgut Schönerlinde. Blankenfelde fordert eine einmalige Abfindung?- summ« von 25 000 M. und 15 Pf. pro laufendenn Meter An- erkennungsgebühren pro Jahr und die Uebernahme der Straßen- Unterhaltung durch den Zweckverband; sollte Blankenfelde die letzte Bedingung zurücknehmen, so wird das Druckrohr von der Eichborn- straße durch die Charlottenburger-, Rosenthalerstraßo, Oranicn- burger Chaussee, Lübarscrstraße durch Blankenfelde verlegt werden. Ter Gemeinde Nieder-Schönhausen wird der Eintritt in den Kanalisationszweckverband gestattet, wenn die Gemeinde sich ver- Pflicht«�? jährlich 6000 M. bis zum endgültigen Beitritt zu leisten, um alsdann den vollen auf ihr fallenden Beitrag zu zahlen. Die Rcftforderung der Firma Goodfon für die Kanalisationslose l und III rief eine längere Debatte hervor. Gegen die Stimmen der sozialdemokratischen Fraktion war die Arbeit mit 238 000 M. vergeben worden, hierbei wurde in dem Vertrag für etwaige Mehr- leistungen bei hohem Wasserstand extra Zahlung vereinbart. Die Firma Goodfon hatte nun für Mehrarbeit eine Schlußrechnung von 123 526,75 M. eingereicht. Als die Firma aber nun eine zweite Schlußrechnung über 136 526,75 M. einreichte, wurde die Mehr- sorderung von 13 000 M. für unberechtigt vom Bauamt abgelehnt, desgleichen die Forderung über 4603 M. Die Angelegenheit soll einem Schiedsgericht zur Regelung unterbreitet werden. Die Herren verstehen es meisterhaft, die Gemeinde als melkende Kuh zu benutzen. Die Firma Liebold, die bekanntlich den gemauerten Hauptkanal ausgeführt hatte, reichte vor einem Jahre eine Schluß- rcchnung in Höhe von 51 000 M. ein, die anstandslos bezahlt wurde, jetzt kommt diese Firma ebenfalls mit einer nochmaligen Schluß- forderung. Man darf auf den Urteilsspruch des Schiedsgerichts gespannt sein. Eigenartige Mitßstände herrschen auch am Orte bei Vergebung von Gemeindearbeiten. Bei der Rathauspflasterungs« arbeit wurden drei Firmen aufgefordert, ihre Offerten einzureichen; die Firma Baumann forderte 18 682 M., die Firma Schier 19 673 M. und Niet sehe 29 181 M. Die Firma Schier wurde merkwürdiger- weise nochmals ersucht, eine zweite Offerte abzugeben, und siehe da, sie forderte fetzt 18 694 M. Genau so wird es bei den Tischler- arbeiten gemacht. Nachdem die Gemeindevertretung sich eine halbe Stunde über die Vergebung dieser Arbeiten unterhalten hatte, stellte sich durch«ine Anfrage des Herrn v. Borsig heraus, daß die Arbeiten schon vergeben und auch zum größten Teil geliefert worden sind. Diese Mitteilung rief bei den Anwesenden einiges Erstaunen hervor. Der Etat soll in einer Sitzung am Donnerstag beraten werden. Reinickendorf. Etatberatung. Di«„Friedhofsverwaltung" schließt in Ein- nähme und Ausgabe mit 11 800 M. Auf Vorschlag deS Gemeinde- Vorstandes wird beschlossen, den alten, an der Oranienburger Chaussee belegenen Friedhof cm einzelnen Stellen neu zu belegen, da derselbe wegen mehrerer noch nicht belegten, aber bereits gc- sicherten Grabstellen doch erst in etwa 50 Jahren geschloffen werden kann. Der Etat der Straßen» und Wcgeverwaltung. Straßen- belcuchtung und-reinigung erfordert einen Zuschuß von 173 500 M. Dies ist der Etat, der bei uns stets am stiefmütterlichsten be- handelt wird. In diesem Jahre waren für Straßenumpflaste- rungen usw. 18 000 M. vorgesehen. Die Finanzkommission hatte diese Position schon auf 11000 M. ermäßigt; die Geineindever- tretung aber setzte sie sogar auf 6000 M. herab, was unseren Genoffen Höpfner veranlatzte, den bürgerlichen Herren den Rat zu geben, doch lieber gleich das Pflaster aufzureißen und auch die Steine zu verkaufen. Und dieser Rat ist berechtigt, denn in schlechterem Zustande als in Reinickendorf können die Straßen nirgends sein.„ES fehlen die Mittel", war die einzige Antwort. Als aber Mser Genosse Höpfner darauf hinwies, daß die Gemeinde für dke Grundbesitzer glvek Drilkek Sit Nirklichett Kosten der Straßenreinigung bezahle und verlangte, daß auch diese von den Straßenanliegern getragen würden, wodurch der Gemeinde etwa 50 000 M. jährliche Ausgaben erspart würden, waren die Herren sehr empört darüber, daß die Gemeinde gar nichts für sie tun wolle. Herr Müller bezweifelte sogar, daß sich in Reinickendorf eine Observanz gebildet habe und drohte bei etwaiger Erhöhung der Reinigungskosten im Namen der Grundbesitzer mit Klage. Obgleich die Herren Becker und Reichhelm unseren Genossen zu« stimmen mutzten, wurde der Antrag natürlich abgelehnt. An Stelle der jetzigen elektrischen Beleuchtung einzelner Straßen soll in diesen aus Antrag des Gemeindcvertreters Nikolaus die Gas- glühlichtbeleuchtung eingeführt werden. Ein früherer Antrag unserer Genossen, den erkrankten Arbeitern ia Krankheitsfällen die Differenz zwischen Lohn und Krankengeld zu bezahlen, wurde nach längerer Debatte einer viergliedrigen Kommission überwiesen, der außer den Herren Becker und Dr. Kühnemann unsere Genossen Ohl und Köhn angehören. Die Kanalisationsverwaltung schließt in Einnahme und Ausgabe mit 145 500(136 000) M. Ettva 3,30 M. sind von den Hausbesitzern pro 100 M. des Nutzungswertes ihrer Grundstücke an Abgabe für die Kanalisation zu zahlen. Das Wasserwerk schließt mit einem Ueberschuß von 38 500 M. ab. Der Gemeindevorstand schlägt vor, davon 8000 M. an einen zu bildenden Fonds abzuführen und den Rest für allgemeine Aus- gaben mit zu verwenden. Leider war auch diesmal das Bemühen unserer Genossen, den gesamten Ueberschuß dem Fonds zu über- weisen, ohne Erfolg. Den Etat des Industriegleises glaubt man in diesem Jahre erstmalig durch seine Einnahmen balancieren zu können. 694 000 M. erfordern die von der Gemeinde aufge- nommenen Anleihen in Höhe von 13 467 000 M. an Zinsen, Amortisation und Verwaltungskosten. Der Etat der außerordentlichen Verwaltung balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 1 080 000 M. Die Einnahmequelle ist der Pump; 930 000 M. werden auf diesem Wege zusammengebracht und 218 200 M. werden davon verwandt, um die Zinsen früherer Schulden zahlen zu können. Die Politik des Bankrotteurs! Vor Beratung des Steueretats, des großen Ausgleichers, wurde noch schnell eine neue Hundesteuer beraten; soll diese doch 12 950 M. mehr einbringen als früher. Für die aiigeblich 1700 Luxushunde soll eine Steuer von 30 M. pro Jahr erhoben werden, alle anderen Hunde sollten nach dem Willen des Gemeindevorstandeö mit 10 M. versteuert werden. Als nach langer heftiger Debatte abgestimmt wurde, fand der erste Antrag Annahme, der zweite, die Wach- und Ziehhunde betreffende, aber wurde abgelehnt. Große Verblüffung herrschte im Saale, als der Vorsitzende verkündete, daß hierdurch ein Einnahmeausfall von 7000 M. entstehe, der nun auf eine andere Weise zu decken sei. Genosse O h l beantragte nun, die Gemeindegrundsteuer um 10 Pf. pro 1000 M. Grundwert, d. h. für den bebauten Grundbesitz von 2,7 pro Mille auf 2,8 pro Mille und für unbebauten Grundbesitz von 5,4 pro Mille aus 5,6 pro Mille zu erhöhen, wodurch sich eine höhere Einnahme von zirka 20 000 M. hätte erzielen lassen oder die Erhöhung der Beiträge der Anlieger des Industrie- gleiseS und zwar in der Höhe, daß die Selbstkosten der Gemeinde gedeckt würden, was wieder zirka 18 000 M. Einnahm« ergeben hätte. Aber da kam er sehr schlecht bei den Herren der Majorität an, wofür sind sie denn in der Mehrheit. Sie lehnten beide Anträge ab— und besteuerten auch die Wachhunde. Lediglich die Ziehhunde und die Hunde der Bauwächter sollen nochmal ver- schont bleiben. Sechs der beratenen Etats hatten bis dahin mit einer Zuschutzforderung von insgesamt 1 232 500 M. adgeschlosseir. 30 500 M. Ueberschuß der Wasserwerke standen dieser Summe allein an Einnahmen gegenüber, sodaß noch 1 171 500 M. durch Steuern zu decken waren. Nach längerer Debatte wurde beschlossen zu erheben: 120 Proz. Zuschlag zur Staatseinkommensteuer als Gemeindeeinkommensteuer mit einem Ertrage von 393 009 M. (339 000 M.) Von der Gewerbesteuer werden erhoben 250 Proz. in der 1. und 2. Klasse mit 60 009(68 750) M.; 150 Proz. in der 3. und 4. Klasse 34 500(30 000) M. Von der Betriebsste-uer wird ein Zuschlag von 100 Proz. mit 4000 M.(wie im Vorjahre) er» hoben. Die Grundwertsteuer wird in den schon erwähnten Sätzen erhoben und soll 526 500(507 600) M. bringen. Die Bier- und Brausteuer ist mit 29 900(26 000) M., die Lustbarkeitssteuer mit' 5000(5000) M., die Wertzuwachssteuer mit 89 000(89 000) M., die Umsatzsteuer mit 150 900(150 000) M. und die Hundesteuer mit 27 950(15 000) M. veranlagt. Von diesen Einnahmen sind abzuführen an den Kreis III 600(96 000) M., so daß dieser Etat nach Berücksichtigung von diversen kleineren Einnahmen und AuS- gaben mit einem Ueberschuß von 1202 000 M. und der Gesamt. etat in Einnahme und Ausgabe balancierend mit 4 128 000 M. abschließt. Spandau. Mit dem 1. April 1911 verlegen wir unsere„TortvärlS'. Ausgabestelle von Jagvwstr. 9 nach Breite st r 64(Laden). Die Morgenausgabe am Stresowplatz 18 wird mit dem Tage eingestellt. Die Abonnenten, welche bis dahin dort ihren.Vorwärts' erhalten, können die Zeitung vom 4. April an in der neuen Ausgabestelle, Dreitestr. 64, in Empfang nehmen. Die Hauptexpedition. Jngeudveranstaltungen. AdlerShof. Der vom JugendauSschutz von AdlerShof, vodnSdorf. Grünau und Alt-GIienicke arrangierte Lichtbildervortrag„Eine Reise nach Norwegen' findet heute nicht statt. Derselbe wird eine Woche später, am Freitag, den 7. April, gehalten werden. Amtlicher Marktbericht der städttichen Markthallen-DireMo» über den Grotzbandel in den Fentral-Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zusuhr schwach. Geschält still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr un- bedeutend, Gelchäst rege, Preise fest. G es lüget: Zufuhr nicht aus» reichend, Geschäft ziemlich lebhast. Preise beftiedigend. Fische: Zusuhr mägig, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Süd- j r>1 ch t e: Zusuhr genügend, Geschält eiwaS reger, Preise wenig ver« ändert. BSasserstandS-Racbrtcbt«» 1-st bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unlerpegel.—») einzelne Schollen, treibend. ßrUfltaften der Redafctfon. Die surlfttsche Eprcchst-nde findet Ltndeastrage 69, vir» vier?re»»e» — Sahrftnhl—, wochenlaglilti von 4>4 M8 7M, Uhr abends, Eonnadends von m bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Briifkasteu bestimm, r»'.'lnsrage ist«I» Bach stube und eint Zahl als Mertzeichea beizasiigea. Briefliche Aatwbrt wird nicht erteilt. Eilige Fragen«rage man in der Sprechstunde aar. B. W. 8S. Die Veranlagung erfolgt w der Regel nach dem Ein» kommen des abgelausenen KalendeijahreS. Sind Sie während desselben länger als zehn Wochen erwerbslos gewesen, so kommt das voraussichtliche Einkommen des stcuerjahres in Betracht.— C. K. 61. Nur dann, wenn Sie Ausländer sind, haben Sie Anspruch aus den dreifachen Betrag der JahrcSrente. Sind Sie Inländer, so empftehlt sich die Weiicrvcriicherung. — W. C. 52. Wir nehmen an. datz eS sich um einen Empfänger von Invalidenrente g-handelt hat. Silsdann besteht keinerlei Anspruch.— H. P. 1617. 1. Die Anwartschaft aus Grund der srüheren Beiträge lebt erst dann wieder aus, wenn von den 200 Beiträgen neueren Datum» mwdestenZ 100 ous(Sntftb der DerlicherungZPflicht geleistet stnd� Soweit wir entnehmen, ist dies bei Ihnen nicht der Fall, so daß zu dem Zweck mindestens 500 Beitragswochen geleistet sein müssen. 2. Telbstversicherer. — Schiller. Durch Adoption(Annahme an Kindesstatt) wird die Staats- angehörigleit eines Ausländers nicht begründet.— C. R. 99. Nein. — K. O. 800. 1. Nein. 2. Nur durch einen Rechtsanwalt bei dem Land- gericht, in dessen Bezirk die Frau wohnt, Klage aus Erlah des Vollftreckungs- Urteils gegen die Frau.— 100 B. l. Durch Auscntbalt wird die preußische Staatsangehörigkeit nicht erworben. 2. Nein.— Liener 13. Nein.— C. K. 36, Den zu viel gesordcrten Betrag können Sie im Termine be- streiten.— Äli. A. 1882. Nein. Sie können gegen den Verein klagen.— E. G. 300. 1. Ja. 2. Wenn das Kind in Berlin erzogen wird. 25 bis 30 M. monatlich.— E. I. 26. Ja. DaS ist aber in diesem Falle nicht zweckmäßig.— G. W. 3. 73. Dasür find die Statuten maßgebend. Nach dem Gesetz besteht eine Ersatzpflicht nicht.— S. H. 27. Nein.— Mg. H. 18. 1. Nur dann, wenn die Frau außerstande ist, sich selbst zu unterhalten. 2. Fa. Mndestflrase 1 Tag Gefängnis. S. Wegen veränderter Unterhaltspflichten und Einkommensverhältnisse ja.— A. I. 123. Nein. — P. K. 11. Reklamieren Sie. DaS Gesetz schreibt im§ 20 vor, daß Ermäßigung bis zu drei Stufen erfolgen kann, wenn z. B. andauernde Krankheit, Verschuldung und besondere Uuglückssälle vorlagen.— S. K. 28. 1. Leider nicht. 2. Bund sür Mutterschutz, Wilmersdorf. Trantcnaustraße 20. 3. In der Buchhandlung Vorwärts erhältlich. — L. K. 60. Die Witwe eines Renlencmvsängcrs hat nach ß 39 des Mannschastsoersorgungsgesetzes einen Anspruch aus Zahlung der von dem Verstorbenen bezogenen Beträge sür die aus den Stcrbemonat solgenden drei Monate. Ferner haben Witwen Anspruch aus Witwengeld im Betrage von mindestens 300 M. jährlich, wenn der Mann während der Zugehörig- keit zum attivcn Heere entweder insolge einer Dienslbeschädigung oder nach zehnjähriger Dienstzeit, oder infolge einer Dienstbcschädigung vor Ab- lauj von sechs Jahren nach der Entlassung aus dem aktiven Dienst gestorben ist. Antrag ist an daS Bczirkskommaudo zu richten.— M. P. 74. Wenden Sie sich an dm Psarrer de? detrestenden Kirchspiels. Antrag aus Namens änderung— zu unterscheiden von der B e r i ch t i g u n g der Eintragung im Kirchenbuch— ist an das Polizeipräsidium Berlin zu richten. — L. P. 666. 1. Bei einem Notar. 2. Die Kosten richten sich nach dem Objekt. 3. Nein.— Prager 11. Die Einsegnung ist zulässig, aber von dem Ermessen des Pfarrers abhängig.— H. A. 1001. Ja, da die Sarben zu den unentbehrlichen im Sinne des Gesetzes gehören.— H. 3. 54. Ja. — F. D. 99. Wenn Sie ein Einkommen von mehr als etwa 30 M. wöchentlich baben, sind Sie zur ratenweisen Deckung verpflichtet.— P. 55. Ja. Der Anspruch verjährt erst in dreißig Jahren.—(?. L. O. Es kann auch Bcstrasung erjolgen.— H. 3. 1000. 1. Einsenden. 2. An die Gerichtslasse beim Anitsgmcht Berlin-Mitte unter Angabe des Kassen« Zeichens.— C. R. 100. Sie sind ersatzpflichtig.— Erbschaft. Sie haben an Ihre Stiesmuttcr noch jetzt den Anspruch ans Jnventarisicruiia und Auseinandersetzung bezüglich des Nachlasses. Eine Klage hat Aussicht auf Erfolg. Donnerstag, 30. März. Ansang T/, Uhr. Königl. Opernhaus. Elektra. Königl. Schanspielhans. Ein Schritt vom Wege. Terniches. Faust. 2. Teil. Ansang 5 Uhr. Ansang 8 Uhr. Ren es königl. Opern-Theater. Schlierscer Jägerblut. Kammerspiele. Samiirüa. Lessing. Glaube und Heimat. Neues Schauspielhaus. Maria Stuart. Kleines. Der LeiLgardist. Neues Operetten. Die schöne Risette. Berliner. Bummelstudentcn. Westen. Die lustigen Nibelungen. Neues. Mein erlauchter Ahnherr. Lloiniictie Oper. Die Boheme. rtuftipirlhans. Die grüne Neune. Trianon. Hippolytcs Abenteuer. Residenz. Fernands Ehekontrakt. Thalia. Polnische Wiri schalt. Schiller o.>WoN,irr• Theater.) Gabriello der Fischer. Schiller Ebarlotteuvurg. Der Traum ein Leben. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Eine Ehe. Volksoper. Die Dollarprinzesstn. (Ansang 8'/, Uhr.) Luisen. Der kritische Tag. Modernes. Der Feldherrnhltgel. (Ansang 8>/, Uhr.) Rose. Leutnant der Reserve. Herrnfeld. ScheidungS- Solcher. Bar- Schwester. Faktes Gaprice. Soll und Haben. Ein lediger Ehemann.(Ansang «'/. Uhr.) Metr»»vl. Hurra— Wir leben noch l Kasino. Julie Wippchen. Apollo. Spezialitäten. Valingr. Spezialitäten. Noack. Die Millionenbraut. Reichsballen. Stettiner Sänger. Karl Haderland. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Kaiser- Panorama. Im Banne des Vesuvs. Neapel, Vestw. Lava- seider usw. Französische Riviera. Walkiakkn. S?vavo! tDacapo I tRn- sang 8'U Uhr.) Intimes. Ein fataler Moment. (Ansang H'l, Uhr.) Wedding. Lichtspiele. Urania. Tanbcnstraste 48/49. LlbendS 8 Uhr: Mit dem beut- schen Kronprinzen durch Indien. Sternwarte. Jnvatidcnslr. 57—02. L-essiux-Tkester. 8 Uhr: Glaube und Heimat. Freitag und Sonnabend 8 Uhr: Glaube und Heimat._ Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Bninmeleitadenten. Morgen: Bummelstudeuten. Neues Theater. Täglich: Iis Ansang 8 Uhr. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Die lustigen Nibelungen. Sonnt. 3'/, U.: vi« geschiedoM Frau. Modernes Theater (früher Hebbeltheater). Abends 81/, Uhr: I>�r Residenz-Ttieater. Direktion: Richard Alexander. Anfang 8 Uhr. fernANlis Ehekontrakt. Schwank in 3 Alien von Georges Feydeau. In deulscher Bearbeitung von Benno Jacobson. Sonntag, 2. April, nachm. 3 Uhr: Pariser Men». Morgen und folgende Tage: Fernands Ehekontrakt. Rieltckli-WIhsIlastSlttisehes Schauspielhaus. Donnerstag, den 30. März, 8 Uhr: Zum 1. Male: (£i«t Ehe. Drama in 3 Akten v. C. M. Jacoby. Freitag: 2 X 2— b. Sonnabend: 2 X 2=- 6. AkvÄLks Theater. Dlrellion: Robert Olli. Berlin H., Brunnenstraße 16. Großer Lacherfolg k Die Uiilisuenhri'.üt. Lebensbild mit Gesang in S Akten. Uns. 8'/, Uhr. Borzugstarten gültig. Morgen zum letztenmal: Oeborah. Urania. Wissenschaftliches Theater Tsubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Dr. O. Bongard: Mit dem deutschen Kronprinzen durch Indien._ Kaiser-Panorama. Lustsch'oB Schönbrunn u. __ Gemächer. Letzte Woche: MN Im Bannkreis des Vesuvs. 1 Reise 20 Ps., Kind nur IVPs. AbonnemcnlS 1 M., Taus. Abonnent. Uusisplsiksus. Abends 8 Uhr: Die grüne Neune. Berliner Volksoper Belle-Alliancestraße 7/8.—'/.9 Uhr: Die Dollarprinzessin. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr Uraufführung: Der kritische Tag. Freitag: AuS erster Ehe. «onnabend: Benefiz für Frl. Anna Kahlenberg: Aus erster Ehe._ IKetropol- Theater. Hurra! Wir leben noch! Große Ausftattungsrevue in 7 Bildern v. I. Freund. Mlisik v. V. Hollacnder. In Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Abends 8 Uhr: Vorletzter Tag deS phänomenalen MärzprogrammS. Abends 9>/,Nhr: Berlins Tagesgespräch: Alwin Nenß Tony Tetzlaff _ in Itcregls._ Schiller-Theater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Tbeal.) Donnerstag, abends 8 Uhr: Ctadi-l?!!« Oer Flncher. Eine Burleske in 4 Ausz. v. E. Prcczang. Ende lO'/i Uhr. Freitag, abends v Uhr: Slarla und Magdalena. Zonnabend, abend? 8 Uhr: Hlastrlelln der Fischer. Schiller- Theater Charlottenburg. Sonnctstag, abends 8 Uhr: Her Trnmn ein I/. Uhr: Soll und Rohei». Ehciili,»». RH Abends 8 Uhr: Hedi Herdina. LoleHoi sTschen Chinesentruppe und das groBe neue März- Programm. 14 Variete-Neuheiten. Exeelsior- Liehtspielhaus Rixdorl, Bergstr. 151/152(Passage Richardstraße). Von jetzt ab bringen wir jede Woche etwas Außergewöhnliches. Wir beginnen ab 25. März— bis 31. März einschließlich— mit Ktoensta. die Giftmischerm. Ab 1. April wird; OroBstadtTcrsaclinng, Sittengemälde in 3 Akten, das Tngcsgenpriich Rtxdorfs sein. 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