U-.TV. flbonnemcntS'Bcdingungen: »bonnements- Preis pränumerando: Eierlcljährl. 3£0 Ml, monatl. l,tO Ml, möchenllich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sanntags. nummer mit Muslrierter Sonntags» BeUage.Die Neue Welt' 10 Psg. Post, Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn L Mark, für da? übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark Holland. Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz, 28. Jahrg. fifUtilt»glich inBtr illmtts». Vevlinev Volksblettt. ZcntraXorgan der rozialdemokratifcbcn Partei Deutfcblande. Sie Tnkrtlons'GebQbr Beträgt für die sechsgespaltene Koloncl- zeile oder deren Raum W Pfg, für politische und gewerkschaftliche Vereins» und Versammtungz.Anzeigen 30 Psg. „Atetn« Snieigen", das seftgedruikte Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes wettere Wort ö Psg. Worte über ISBuch- stoben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: ,,S»IsIl!em»Il»t BtrllB". Redahttom SM. 68. Linden Strasse 69» Fernsprecher: Amt lV. Nr. 198Z. Sonntag, den 2. April 1911. Expedition: SM. 68, Lindcnstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Drauf und dran! Die Regierung schiebt den Tag der Wrechnung angstlich hinaus. Ihr böses Gewissen läßt sie die Ansehung des Termins zu den Reichstagsneuwahlen, der ursprünglich für das Jahr 1911 geplant war, bis zum Jahre 1912 hinaus- zögern. Die Volksempörung, die in sämtlichen Reichstags- ersatzwahlen der letzten zwei Jahre ihren Ausdruck fand, ist ihr Warnung genug, den Generalappell so lange als möglich zu verschieben. Und die Regierungsparteien bestärken natürlich die Regierung in ihrer Vorsicht. Die Herren vom Schnapsblock wissen ja. was ihnen bevorsteht. Sie wissen, daß ihnen eine zerschmetternde Niederlage sicher ist, wenn nicht durch künstliche Machenschaften das Plebiszit nach Möglichkeit gefälscht wird. Was aber bis jetzt an Mitteln zur Täuschung und Irreführung der Massen versucht wurde, ist schmählich miß- lungen. Als im September der Polizeisäbel in Moabit raste, als die gesamte Scharfmacherpresse nicht nur. sondern auch die liberale Presse, durch eine skrupellose Schwindelbericht erstattung getäuscht, das frivole Märchen von den„revolutio nären Vorübungen" in die Welt setzte, schien unserer Reaktion die heitzersehnte Wahlparole gefunden und die richtige Stimmung zu einer Reichstagsauflösung gekommen zu sein. Aber der Schars wacherschwindel von dem Moabiter Aufruhr zerplatzte bald wie eine Seifenblase I Nichts blieb von ihm zurück, als eine unglaubliche Blamage der Scharfmacher und ihrer Handlanger und gerichtliche Feststellungen, mit denen sich gegen die Sozialdemokratie beim besten Willen nichts ausrichten läßt! So wurstelte man denn weiter. Und jetzt hat man sich denn dazu entschlossen, es wieder einmal mit einem Mittel zu versuchen, das man bereits im Jahre 1997 erprobt hat. Man will wieder einmal die Wahlen mitten im Winter vornehmen l In dieser Jahreszeit, so hofft man, werde es den oppositionellen Parteien, namentlich aber der Sozialdemokratie, nicht möglich sein, eine so ausgedehnte und wirksame Agitation unter den Wähler- massen des platten Landes zu treiben, wie zu günstigerer Jahreszeit. Mit dem Winter als Bundesgenossen glaubt man dem Ansturm des Volkes eher gewachsen zu sein. Ein hübsches Symbol für unsere Reaktionäre: wie die winterliche Macht und die Kälte alle lebendigen Triebkräfte in ihren Bann schlägt, so glaubt auch die Reation, die Repräsentanten der Starrheit und Finsternis, die Keimkraft des Volkes in starrem Bann erhalten zu können. EitleS Beginnen! Wie die Macht des Winters vor den Gluten der immer höher am Firmament emporsteigenden Sonne dahinschmilZt, so wird von den er- leuchtenden und erwärmenden Strahlen des Sozialismus auch der reaktionäre Eispanzer gesprengt werden I Die reaktionären Gewalten wissen ja nur zu genau, daß fle nichts mehr zu fürchten haben, als ehrliche Rechenschafts- ablegung vor dem Volke. Sie wissen, daß sie vor einer gründlichen Prüfung ihrer Taten, niemals bestehen können. Aus Furcht vor der Bekundung des Volkswillens hat man ja seinerzeit die Legislaturperioden auf fünf Jahre verlängert. Man wagte es nicht länger, den Massen alle drei Jahre die Entscheidung darüber zu geben, ob sie mit der Politik der Mehrheit einverstanden sind. Nur alle fünf Jahre hat jetzt das Volk das Recht, durch Neuwahlen seinen Willen zu bekunden. Mit allem Vorbedacht hat man so die Rechte des Volkes eingeengt. Die Regierung hat jederzeit die Möglichkeit, durch Auflösung einer ihr unbequemen Volksvertretung den Versuch zu machen, sich eine gefügigere Mehrheit zu schaffen. Aber das Volk muß alle Taten einer volksfeindlichen Parla- mentsmehrheit wehrlos über sich ergehen lassen l Erst wenn die fünffährige Sündenfrist abgelaufen ist, kommt auch es wieder zum Wort. Aber wenn Regierung und bisherige Mehrheit es wollen, können sie die Neuwahlen so ein- richten, daß die Gefahr für die Reaktion durch Ausschreibung von W i n t e r w a h l e n auf ein möglichstes Minimum redu- riert wird l Nur ein Teil des Berliner Volkes darf schon in den nächsten Tagen wieder mit dem Stimmzettel demonstrieren. Am 19. April können die Wähler des vierten Berliner Neichstagswahlkreises beweisen, wie sie über die Politik der Volksausbeutung und des Arbeitcrtrutzes denken I Und es ist kein geringer Teil der Berliner Bevölkerung, der von diesem Rechte Gebrauch machen darf.. Ist doch die Wählerschaft des vierten Kreises so zahlreich, daß aus dem einen Haupt st ädtischen Wahlkreise mit Leichtigkeit ein halbes Dutzend ländlicher Wahlkreise ge- macht werden könnten. Nur freilich dürfen diese Proletarier- massen des arbeitsreichen Berlin 0. nicht auch sechs Ab- geordnete wählen, sondern sie müssen sich mit einem ein- zigen Vertreter begnügen! Die skandalöse Wahlkreis- einteilung, die den unter konservativem Druck stehenden Wählern Ostelbiens sechs-, ja acht- und zehnmal so viel Wahl- recht einräumt als den Wählern der Großstädte und In- dustriezentren, sorgt ja dafür, daß die Masse der Bevölkerung der Herrschaft der reaktionären Minderheit ausgeliefert bleibt. Kein entscheidender Schlag kann am 19. April gegen die Reaktion geführt werden. Die Junker und Pfaffen sind ja in Berlin längst abgehaust. Wenn jetzt im vierten Wahl- kreise das Zentrum durch jesuitische Umtriebe und eine licht- scheue Agitation für eine Zählkandidatur Stimmung macht, fe handelt es sich nicht um guten Kegner, der den Kamps offen aufnimmt, sondern um die schleichenden Ränke einer Partei, die nur in einer Atmosphäre religiöser Bigotterie und geistlicher Verhetzung zu gedeihen vermag. Aber auch der Liberalismus fühlt sich der sozialdemokratischen Auf- klärung gegenüber so ohnmächtig, daß er von vornherein auf jeden Kampf verzichtet hat. Der vierte Berliner Wahlkreis ist für alle Zeiten eine unbestrittene Hochburg der Sozial- demokratie, der Vertreterin des klassenbewußten Prole- tariats. Aber diese Tatsache darf die Wähler nie und nimmer in die Lässigkeit des sicheren Triumphes einwiegen! Hat es doch Bebel erst dieser Tage in Hamburg ausgesprochen, daß die Sozialdemokratie keine Partei ist wie eine andere, sondern eine Partei des unablässigen Kampfes, eine Partei, die eine Welt erobern will! Den bürger- lichen Parteien mag es genügen, Mandate zu erobern, der Sozialdemokratie kommt es erst in zweiter Linie auf die Ge- winnung von Mandaten, in erster Linie aber auf die Ver- mehrung ihrer Stimmenzahl an. Die Sozial- demokratie will die politische Macht erobern, und dazu ist es notwendig, daß sie die Mehrheit des ganzen Volkes um sich schart. Erst mit der Gewinnung der Volksmehrheit vermag sie ihre Ziele durchzusetzen, vermag sie jene politischen und sozialen Umgestaltungen durchzuführen, die dem Prole- tariat volle Bürger- und Menschenrechte sichern! Darum genügt es-auch nicht, daß im vierten Wahlkreis das Mandat mit der bisherigen gewaltigen Stimmen- zahl behauptet wird, sondern es ist notwendig, daß das Wachstum der- Sozialdemokratie auch in der G e winnung neuer Tausender von Stimmen seinen glänzenden. anfeuernden, die Massen begeisternden Ausdruck findet! Nur um ein Vorpostengefecht handelt es sich zwar im vierten Wahlkreis, aber Vorpostengefcchte sind oft als Stimmungs- Momente von ausschlaggebender Bedeutung für einen ganzen Feldzug I Darum gilt es in den nächsten Tagen für das organisierte Proletariat des vierten Wahlkreises, für den sozialdemokratischen Kandidaten, den Genossen-Otto Büchner, eine so intensive, tausendfältige Tätigkeit zu entwickeln, daß der 19. April zu einem Tage des Triumphes nicht nur Berlins, sondern ganz Deutschlands wird! Erst die letzten Verhandlungen des Reichstages und des preußischen Abgeordnetenhauses haben wieder gezeigt, mit welchem Hochmut und welch unsäglicher Verachtung unsere Junker auf die Massen des Volkes herabblicken. Auf solche Provokation gibt es nur eine Antwort: 199 099 rote Stimm- zettel!_ Aus der Oppolitionszcit des Zentrums. Die Opposition, die in den 7ver Jahren das Zentrum gegen über der Regierung in Preußen und im Reiche getrieben hat, die Entschiedenheit, mit der es sich gegen die Ansprüche des Militaris mus, gegen die Gewaltpolitik Bismarcks, gegen die Uebergriffe der Bureaukratie wandte, hat dem Zentrum den weiten und festen Anhang unter der katholischen Bevölkerung verschafft, der heute noch die Macht dieser Partei ausmacht. Und selbst in den Kreisen der Gegner gewann baS Zentrum durch sein Verhalten in der Kulturkampfzeit den Ruf einer Partei, die nicht ohne Unrecht in ihrem Wahlspruch sich des Eintretens für Freiheit und Recht sich rühme. Nun hat sich ja im Laufe der Zeit gezeigt, daß die Opposition der Zentrumsführer durchaus nicht dem Streben entsprang, die Freiheiten und Rechte des Volkes im Sinne der Demokratie zu mehren. Freiheit und Recht, die das Zentrum forderte, waren das Mittel, der ultramontanen Politik die Wege zu ebnen, dem Kleri kalismus die Mitherrschaft im öffentlichen Leben zu sichern. Im selben Maße, wie das erreicht wurde, nahm die Oppositionslust des Zentrums ab, wurden seine radikalen Anwandlungen seltener, bis es schließlich in den Hafen der Regierungsfreundlichkeit einlief und, an die ausschlaggebende Stelle gelangt, sich offen kundgab, als was es im Grunde immer gewesen war und sein wird: Die Partei der Reaktion auf allen Gebieten! Die Opposition gegen die Regierung, der Appell an die radi- kalen Gelüste seines Gefolges waren für die Zentrumsführerschaft das demokratisch schillernde Mittel zu einem reaktionären Zweck. Im Dezember 1878, als Bismarck dem Zentrum die Hand zum Frieden entgegenstreckte, erklärte Windthor st im Reichstage: ..Was nun unsere Haltung in politischen Fragen betrifft, so werden wir in dieser Hinsicht nach wie vor nach Maßgabe unserer inneren festen Ueberzeugung verfahren. Im voraus zu erklären, wie wir in jedem einzelnen Falle stimmen werden, wäre vermessen, weil uns ja alle Fragen heute noch nicht vorliegen. Soviel aber müßte doch jedem verständigen Menschen einleuchten, daß, wenn die unglückseligen Kämpfe auf kirchenpolitischem Ge- biete beseitigt wären und wir die verletzten Gefühle zu einer gewissen Ruhe hatten zurückführen können, wenn wir einsähen, daß die Staatsgewalt Wohlwollen auch für die katho- lischen Untertanen hegt, daß wir eben da, wo ein Zweifel sein könnte, welche Haltung wir zu beobachten hätten, gerne geneigt sein würden, mehr als jetzt der Fall sein kann, auf feiten der Regierung zu treten." Der Sinn dieser diplomatisch gewundenen und sprachlich ver- zwickten Erklärung geht dahin, daß das Zentrum, wenn die Re- gierung den Kulturkampf einstellt und die ultramontanen Paritäts- schmerzen stillt, die Opposition in politischen Dingen fahren läßt. Etwas deutlicher wurde ein anderer Zentrumsführer: August Reichensperger� gu? dessen Tagebuch feig Biograph, der Historiker Pastor, eine Stelle aus dem Jahre 1878 zitiert, worin der Befriedigung über die vom Zentrum erlangten Erfolge, aber auch der Besorgnis über die in der Fraktion und der Partei auftauchen- den Schwierigkeiten Ausdruck gegeben war. Dann heißt es: „Zum Glück naht das Ende der Session. Wenn bis zum Beginn der im Oktober stattfindenden Landtagswahlen eine Sistierung des Kulturkampfes mit der sicheren Aus- ficht auf dessen Beendigung nicht eingetreten ist, dann muß das Zentrum wieder als entschiedene Oppo- sition auftrete n." Die Opposition des Zentrums- zeigte sich namentlich auch dem Militarismus gegenüber. In den 70er und 80er Jahren kamen in dieser Beziehung aus dem Munde der Zentrumsführer Worte, denen sich kein Sozialdemokrat zu schämen braucht, und gerade sein Auftreten gegen die Militärforderungen hat wesentlich mit beigetragen, dem Zentrum den Beifall und die Anhänglichkeit seiner bäuerlichen und kleinbürgerlichen Massen zu sichern. Aber auch diese Opposition war höchst zweifelhafter Natur, sie galt weniger dem Militarismus als der kulturkämpferischen Regierung. Der Abgeordnete und„Germania"-Redakteur M a j u n k e gibt dar- über in seiner„Geschichte des Kulturkampfes" eine sehr inter- essante Aufklärung, indem er schreibt: „Das Zentrum hatte bisher zweimal geschlossen gegen das Septennat gestimmt(1874 und 1881), obschon manche Mit- glieder an sich dafür gewesen waren. Indes zur Zeit des Kulturkampfes kam es vor allen Dingen darauf an, daß eine kirchenfeindliche Regierung nicht ge- stärkt würde, und so hatten denn jene septennatsfreundlichen Mitglieder des Zentrums, bis auf eine Ausnahme, aus kirchen- politischen Gründen mit der Mehrzahl der Fraktionsgenossen zweimal gegen das Septennat gestimmt." Im Jahre 1886 fielen die noch bestehenden Kulturkampfgesetz'e. und so sehen wir denn im Jahre 1887 das Zentrum bereit, der Re- gierung jeden Mann und jeden Groschen der damals geforderten Heeresvermehrung zu bewilligen, nur für die siebenjährige Bindung war es nicht zu haben. In den S0er Jahren verschwinden auch diese etatsrechtlichen Bedenken und, seitdem die Sonne der Regierung dem Zentrum leuchtet, bewilligt es alles, was und wie es die Regierung haben will. Und was beweist das? DaS Zentrum bemißt sein Wohlwollen der Regierung gegenüber nach dem Wohlwollen, das die Regierung dem Zentrum beweist. Es wird oppositionell auch in politischen Fragen, wenn die Regierung der Kirche nicht den Willen tut, und seine Führer stimmen sogar be-i Militärforderungen dagegen, wenn die Regierung kirchenfeindliche Politik treibt. Das soll dem Jen- trum nicht verwehrt und verübelt sein. Im Gegenteil, jede Partei, die von der Regierung nicht als gleichberechtigt anerkannt wird und dxr wichtige Forderungen abgeschlagen werden, hat das Recht. der Regierung Opposition zu machen und ihre Vorlagen abzuweisen. um sie gefügig zu machen. Aber man wolle, um das Zentrum nicht zu überschätzen, darauf achten, daß seine Opposition nicht der Sache, etwa der Bekämpfung des Militarismus galt, sondern nur als Mittel zur Erreichung eines vom Gegenstand der Opposition fern- liegenden Zweckes, der Erhaltung der Macht der Kirche, diente. Und dann wollen wir die Heuchelei des Zentrums festnageln, das so vortrefflich Opposition zu machen und dem Staate die Mittel zu verweigern gewußt hat und jetzt, wo es die Opposition verlernt hat, über die Sozialdemokratie herzieht, die, zehnmal schärfer be- kämpft als das Zentrum in der heißesten Zeit des Kulturkämpfe?, der Regierung Opposition macht. Wenn das Zentrum im Kultur- kämpf die Forderungen der Regierung ablehnte, damit, wie Majunke sagt,„eine kirchenfeindliche Regierung nicht gestärkit würde", dann darf die Sozialdemokratie als Arbeiterpartei wohl auch Regierungsvorlagen ablehnen, damit eine arbeite r- feindliche Regierung nicht gestärkt werde« Die Lords und das Referendum. London, 39. März.(Eig. Bor.)''* Die Debatte über das Referendum im Hause der LordS verlief rcsultatlos wie in einem Diskutierklub. Sie wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Damit ist der Vorlage des Lord Balfour of Burleigh der Todesstoß versetzt worden. Die Vorlage enthielt zwei Hauptgedanken. Sie verlangte cm Referendum für den Fall, daß die Lords eine von der Volksvertrtetmg angenommene Bill verwürfen, und sie sah ferner ein Referendum für den Fall vor, daß zwei- hundert Mitglieder des Unterhauses eine Volksabstimmung über ein Gesetz verlangten, dos schon von beiden Kammern angenommen worden ist. Die Vorlage war wohl nichts weiter als ein Versuchs- ballon und bot den Führern der konservativen Peers die Ge- legenheit, ihr unerschütterliches, Vertrauen zur Demokratie vor aller Welt zu bekunden. Allerdings schwärmen die Lords für die Gesetzgebung durch das Volk nur in der Theorie: ihre ungestüme Liebe zum Referendum geht nur so weit, als sich der Appell an das Volk als ein zugkräftiges Schlagwort gegen die Liberalen gebrauchen läßt. Kommt es zur Tat, so weichen sie scheu zurück. Selbst die mäßigen Vorschläge Lord Balfours waren Lord Lansdowne, dem Führer der Konservativen im Oberhause, viel zu weitgehend. Nach seiner Ansicht dürfte das Referendum nur ganz ausnahmsweise bei beharrlichen Differenzen zwischen den beiden Kammern über Vorlagen von ernster Bedeutung zur Anwendung kommen. Auch sollte es nicht eher stattfinden, als bis eine Vorlage zweimal ver- warfen worden sei und Konferenzen und gemeinschaftliche Sitzungen der beiden Kammern der Gesetzgebung stattgefunden hätten. Ferner würde noch Lord Lansdowne noch die Ein- sührung eines Gerichtshofes zu erMägen fem. der zu bs» THitt'tttcit halte, welche Vorlagen Sur'ch Me VollsabsttMAung zu entscheiden seien. Tiefer hätte er das Referendunt Wohl nicht begraben können-. Die liberalen Minister im Oberhause leisteten der Vor- läge eine elefantenartigen Widerstand, wie sich einer ihrer politischen Freunde ausdrückte, der seine alte Liebe nicht Plötz- lich aus taktischen Erwägungen verleugnen wollte. Lord M o r l e y führte folgende Hauptpunkte gegen das Referendum ins Feld. Die Vergleiche mit anderen Ländern seien nicht stichhaltig: denn das parlamentarische System wurzele„im Mark des englischen Volkes". Das Referendum richte sich gegen das Repräsentativsystem und bedeute eine revolutionäre Maßregel. Nach dem Gedankengang der Verfassung wähle das Volk ehrenhafte Männer, die es frei und unabhängig der- träten. Ein einfacher Wähler könne nicht über den ganzen Inhalt einer Vorlage mit Ja oder Nein stimmen. Das Referendum bedeute, daß eine Regierung, deren Vorlage vom Volke verworfen worden sei, demissionieren müsse.— Ein netter Kommentar zu dem oft zitierten Wahlspruch der eng- tischen Liberalen:„Der Liberalismus bedeutet Vertrauen zum Wolke." Unter anderen Umständen wäre das Urteil der Liberalen wahrscheinlich anders ausgefallen. Heute können sie nicht anders reden, wenn sie an der Regierung bleiben wollen; denn Herr Redmond, in dessen Händen ihr Schicksal liegt, will aus leicht verständlichen Gründen von einem Referendum -nichts wissen. Es scheint oft, als erwähnten die Konservativen das Wort Referendum nur in mutwilliger Laune, um sich an der Benerkerwut liberaler Minister zu weiden, die noch vor einem Jahre mit dem Referendum tändelten. Die Referendumdebatte war von Anfang an n ich t e r u st S» nehmen. Nur aus kurze Zeit verlor sie ihren gekünstelten Eharakter, als nämlich zwei Naturburschen— der eine ein Liberaler, der andere ein Konservativer— das Wort nahmen. Der liberale Lord Sheffield platzte mit der Be- merkung heraus, daß er ein Gegner des Referendums sei, da es„der schlecht erwogenen und unwissenden Stimme des Volkes" zu viel Macht verleihe. Der konservative Lord Newton bezeichnete es schlankweg als einen schlechtenSpaß, daß sich seine Partei als die Hüterin der Demokratie aufspiele. Es habe nicht den geringsten Zweck, so erklärte er unter Gelächter, zu versuchen, dem Volke aufzubinden, daß er ein Demokrat sei. Die Referendumbill ist tot; es ist aber wahrscheinlich, daß Vorschläge, die sich an die Kritik Lord Lansdownes anlehnen dürften, bei der Beratung der Parlamentsvorlage im Ober- haus unter dem Namen Referendum wieder auftauchen werden.,_ politifcbc üebcrficbt. Berlin, den 1. April 1911. Die Zollplage. AuS dem Reichstag, 1. April. Beim Etat der Zölle und Steuern in zweiter Lesung kam es auch dieses �ahr zu scharfen Auseinandersetzungen über die künstliche Lebensmittelverteuerung durch agrarische Hochschutzzöllnerei. Nachdem der freikonservasive Abgeordnete Brun st ermann einen Zoll auf Pflastersteine verlangt hatte, nahm sich Genosse Scheidemann die Zöllner und ihr Werk gründlich vor. Kommen doch zu der natürlichen Einwirkung der Zölle auf die Verteuerung der Lebensmittel noch die vexatorischen Einflüsse der komplizierten Zollabfertigung, die zur Lagerung verderblicher Artikel und dadurch zu empfindlichen pekuniären Verlusten führen. Scheidemann wieS dann noch zahlenmäßig nach, welche Belastung dem Volke aus diesem indirekten Steuersystem erwächst, und sprach zum Schluß die Erwartung aus, daß die Zeit der Lebensmittelverteuerung bald vorbei sein werde, weil die Wähler den Reichstag bald gründlich ausräuchern und ausschwefeln würden. In Erwiderung dieses Angriffs erfreute der antisemitische Abg. Burckhardt dann die Sozialdemokraten durch die Offenbarung, daß der Wider- stand gegen die Schutzzollpolitik die deutschen Arbeiter schädige. Genosse Lehmann- Wiesbaden legte dar, daß durch die Branntweinsteuergesetzgebung zwar den Großgrundbesitzern Liebesgaben verschafft werden, daß aber eine Anzahl kleiner Brenner dadurch schwer geschädigt seien. Die Einfuhr- scheine brachte Genosse Stolle zur Sprache. Er konnte mitteilen, daß durch diese den Agrariern zu Liebe geschaffene Einrichtung der Reichskasse in drei Monaten nicht weniger als 11 Millionen Mark entgangen seien. Wie sehr über die allgemeine Schädigung durch die Lebens- mittelverteuerung hinaus gewiffe Arbeiterkategorien noch be- sonders geschädigt werden, kam dann bei den sozialdemokratischen Anträgen zur Unterstützung der notleidenden Tabak- arbeiter noch eine Million Mark und der notleidenden Zündholzarbeiter 400 000 M. zu bewilligen zur Sprache. Genosse Geyer begründete die erstere, Genosse Brey die letztere Resolution. Trotz ihrer eindringlichen Darlegungen gelang eS dem Schatzsekretär Mermuth, die bürgerlichen Parteien von einer Annahme der sozialdemokratischen Re- solutionen abzubringen, indem er einen ernstlichen Notstand bestritt. Alles, wozu sie sich verstehen konnten, war die An- nähme einer Resolution B a s s e r m a n n, die der Regierung die Einbringung einer unbestimmt gelassenen Nachtrags sorderung anheimgibt. Um 8 Uhr abends, nach einer abermals neun Stunden währenden Dauersitzung, war die zweite Lesung erledigt. Wäre es nach dem Wunsche der Mehrheit der bürgerlichen Parteien gegangen, so wäre sie noch schneller durchgepeitscht worden. Am Montag beginnt die dritte Lesung des Etats. Auch an, Montag stehen nur fleineke Vorlagen auf der Tages- ordnung. Die einzige größere Vorlage, die die erste Lesung noch nicht passiert hat, die rheinische Gemeindeordnung, soll aus Wunsch des Zentrums erst nach der Osterpause in Angriff genommen werden. Keine Unklarheit. Die Annahme der freisinnigen Anträge, den Reichs- kanzler zu ersuchen, seine Bereitwilligkeit zu erklären, über Vorschläge anderer Mächte auf Begrenzung der Rüstungs- ausgaben zu verhandeln, gibt der liberalen Presse Gelegen- heit, auf den Gegensatz hinzuweisen, der zwischen diesem Beschlutz und der Rede des Kanzlers besteht. Uns scheint dies aber nur ein neuer Beweis für die ungebrochene Herr- schaft des Absolutismus auf dem Gebiet der aus- wärtigen Politik zu sein. Oder zweifelt irgend jemand daran, daß die Annahme der Resolution, deren Befolgung der Reichskanzler in seiner Rede gerade auf das schärfste abgelehnt hat, auch nur den geringsten Einfluß auf die Leitung der auswärtigen Politik haben wird? Und die parlamentarische Nieder- läge, die die Annahme formell zweifellos bedeutet, wird dem Herrn Reichskanzter mit Recht keinen Moment lang Sorge bereitet haben. Weiß er doch, daß die bürgerlichen Parteien selbst nicht das geringste zu tun gedenken, um ihrer Resolution Nachdruck zu verleihen. Ja man darf ohne weiteres annehmen, daß namentlich die Zentrumsmänner und Nationalliberalen, diezumTeil für dieRcsolution gestimmt haben, es unterlassen hätten, wenn sie nicht selbst von der Bcdeutungs- losigkeit dieser Abstimmung überzeugt wären. Deshalb ist die „Kreuz-Zeitung"— wenigstens heute noch— ganz im Recht, wenn sie höhnisch schreibt: „Man weitz sehr wohl, daß bei uns nicht eine Reichs« tagSmehrheit, deren Kern die Sozialdemokratie bildet, sondern der Kaiser, beraten vom Reichskanzler, die Be- ziehungen des Deutschen Reiches zu den Luslandsstaaten regelt. Wie aus dem führenden Organ der Freisinnigen Bolkspartei her- vorgeht, wird auf jener Seite die Annahme der erwähnten beiden Anträge gewissermaßen als ein Mißtrauensvotum gegen den leitenden Siaaismann, mindestens aber als eine Korrektur seiner letzten Auslandsrede angesehen. Wir glauben, daß Herr v. Bethmann Hollweg sich dadurch nicht in seiner weiteren und erfolgreichen Behandlung der Auslandspolitik stören lassen wird." Das glauben wir auch und nicht nur wir allein. Und so wird die unheflvolle Wirkung der deutschen auswärtigen Politik fortdauern, bis die Empörung des deutschen Volkes dem Rüstungswahnsinn und dem Anwachsen deL Steuerdrucks ein Ende machen wird. Ferienstimmung. Ferienstinlmung herrscht im preußischen Abgeordnetenhause; das Gros der»Volksvertreter' hat bereits seine heimatlichen Penaten aufgesucht, und nur ein kleines Häuflein hält pflichtbewußt auf seinem Posten aus. Und wie daS Haus, so zeichnen sich auch die Debatten durch eine bemerkenswerte Leere aus. Eine Ausnahme davon machte einzig und allein die Rede, die Genosse Liebknecht zur dritten Lesung des Gesetzentwurfs über die Polizeiverwaltung in den Bezirken Düsseldorf, Arnsberg und Münster hielt, und worin er das, was er bei der zweiten Lesung infolge des gewaltsamen Debatteschlusses nicht ausführen durfte, nachholte. In kernigen Worten hielt er dem Zentrum seinen Berrat an der Arbeitcrsache vor und wies schlagend nach, wie diese Partei Verrat an der Srbeitersache geübt hat. Bergebens suchten sich die Gebrandmarkten herauszureden, sie sind und bleiben daS, alS was Liebknecht sie gekennzeichnet hat— Jesuiten. Der Gesetzentwurf selbst gelangte zur Annahme, einige kleinere Lorlagen wurden nach unerheblicher Debatte Kommissionen über- Viesen. Gegen die Friedensidee eifert wieder einmal Herr Oertel in einem Leitartikel der»Deut- schen Tageszeitung'. Der gläubige Christ müsse zwar davon über- zeugt sein, daß auch auf Erden einmal die Zeit kommt, wo eS nur „einen Hirten und eine Herde" gäbe. Bis zu dieser fernen Zeit der „Erfüllung" aber bleibe der sogenannte etrnge Frieden ein Traum und nichteinmaleinschönerTraum. Habe doch auch der bekannte Theologe Luthardt seinerzeit die Anschauung vertreten, daß auch der Krieg ohne Zweifel„seine Bestimmung im Heilsplanedessen habe, der die Geschicke der Völker in seiner Hand halte". Mit dem Kampfe a-lS dem letzten Mittel müsse auch der Christ rechnen. Sei dem aber so, so müsse auch der kriegerische Geist im Volke lebendig erhalten werden: „Wir dürfen daS werdende Geschlecht nicht zur Schlappheit. zur schloddernden Kampfesfurcht, zur jämmerlichen Weichlichkeit erziehen. Unsere Jugend soll sich immer begeistern an den ruhmreichen Kriegstaten der Ahnen, an ihrer hingebenden Kampfestreue, an der großartigen, seelenzwingenden Opferfreudigkeit, die in den Zeiten großer Kämpfe zu erwachen pflegt. Es gibt Leute, die unseren Jungen Trommel, Säbel und Gewehr am liebsten wegnehmen möchten, die aus den Knaben� schulen die alten, herzensstarken Kampfeslieder und die begeistern- den Geschichten mutiger Waffentaten zu bannen bemüht sind, die an die Stelle der lebendigen, warmblütigen Kunde von hel- bischer Männerart die fade, hölzerne, blutleere, leb lose Geschichte der sogenannten EntWickelung setzen möchten: diesem Beginnen muß mit aller Kraft gewehrt werden." Daß den Junkern der Völlerfriede als häßlicher Traum erscheint, ist nur zu begreiflich. Wenn die Völker, statt sich von ihren Ausbeutern gegeneinanderhetzen zu lassen, sich erst einmal mit Energie gegen ihre nationalen Bedränger wenden würden, so wäre es mit der Junkerherrschaft gar bald vor- bei! Vor dieser EntWickelung graust es unseren Kriegstreibern. Solchem Beginnen wollen sie in der Tat„mit aller Kraft wehren". Dckher ihr Versuch, die heranwachsende Jugend vollends in den Dienst einer Orthodoxie i la Luthardt zu zwingen und mit Hurra- patriotischen Wahnideen zu erfüllen. Nützen wird freilich alles nichts, denn die proletarischen Vollsmassen sind viel zu einsichtig, als daß sie sich auf den Chauvinismus dressieren ließen. Zum Fall Jatho. Wie See„Evangelisch-kirchliche Anzeiger" schreibt, hat der Oberkirchcnrat den Fall Jatho nunmehr dem Spruch k o l l e g i u m für kirchliche Angelegenheiten zur Entscheidung zugehen lassen. Dies aus dreizehn Mitgliedern bestehende Spnichkollegium hat darüber zu entscheiden, ob eine weitere Wirksamkeit Jathos inmerhalb der Landeskirche mit der Stellung vereinbar ist, die er in seiner Lehre zum Bekenntnis der Kirche einnimmt. Zur Charakteristik der Lehren Jathos zitiert das ge- nannte Blatt aus dessen Andachtsbüchlein„Fröhlicher Glaube" folgende Stelle: „Gott ist jkraft. Darum ist er auch deines Lebens Kraft: und umgekehrt: deine Lebenskraft ist dein Gott. Nicht das Emp- finden deiner Mängel ist die wichtigste Tatsache deiner Frömmig. keit, sondern das Gefühl deiner Kraft. Deine Stärke erst wirst Licht auf deine Schwachheit. Verehren können wir nur das Starke, lieben, und begehren nur das trostvoll Wirkende. Denn nicht als arme Sünder werden wir geborem sondern als Gottes- kinder mit göttlicher Schönheit und Lebensfülle. Dies schätzen wir an uns, gewinnen dadurch Achtung vor uns und halten uns selber heilig, daß wir unsere göttliche Mitgift nicht verschleudern. Dies lieben wir auch am Nächsten, so daß er unS um seiner Kraft willen ein Liebling wird, und wir es nicht mehr ertragen können, daß er schwach werde und falle." Nach den Sätzen der christlichen Glaubenslehre klingt das gerade nicht. Von der Erbsünde und der Schwachheit des Fleisches ist hier keine Rede. Auf der anderen Seite freilich laßt sich auch nicht verhehlen, daß sich bei dem tönenden Wort- schwoll des Herrn Jatho nicht gerade sehr viel denken läßt! Wegen Beleidigung eines Reichsverbändlers, des Gutsbesitzers H e s s e in Guthmannshausen, hatte sich am Freitag der Landtagsabgeordnete Genosse B a u d e r t- Weimar vor dem Schöffengericht in Buttstädt zu verantworten. Der Herr Gutsbesitzer fühlte sich durch«inen Artikel»Landarbeiterelend" im .„Thüring. Landb.", Volkskalender für 1S11, bclcidigt, obgleich in dem l Artikel weder Name noch Ort genannt find. Die Haupwerhandlnng mußte bkrtagt werden, da der Angeklagte den Amtsrichter, die Schöffen und den Gerichtsschreiber als besangen ablehnte. Der klägerische Anwalt versuche den Prozeß offenbar in politisch-tendenziöser Weise aufzubauschen, da er besonders hervorgehoben habe, daß der Kläger Vertrauensmann des Reichsverbandes_ zur Bekämpfung der Sozialdemokratie sei. Da aber die Buttstädter Amtsrichter Mitglieder des Reichsverbandes feien und auch von den übrigen richterlich tätigen Herren anzunehmen sei. daß sie dem. Reichsverbande angehörten, müsse man sie als befangen erkläre«. Weiter komme noch in Frage, daß bei den gerichtlichen Zu« stellungen die politische Parteistellung deS Angeklagten in einer Weise zum Ausdruck gebracht worden sei, die befremdlich wirken müsse.— Die früher als„lüstige Ausländerin" auS dem Groß- Herzogtum ausgewiesene Arbeiterin, um die es sich in dem angeblich beleidigenden Artikel handelt und die für den Prozeß als Haupt- entlastungszeugin Bauderts in Frage kam, i st zwei Tage vor dem Termin in Buttstädt verhaftet und ver» mutlich abgeschoben worden. Wiederaufnahme gegen Verstorbene. DaS Essener Landgericht hat auf den Antrag deS Verteidigers Dr. Niemeyer den Beschluß gefaßt, die beiden verstorbenen Mit- verurteilten des Essener McineidSprozesseS Gräf und Imberg ohne Hauptverhandlung freizusprechen. Hierdurch ist die Eni- schädigungSpflicht des Staates auch der Hinterbliebenen von Gräf und Imberg anerkannt. Ersterer ist in Brasilien verschollen, während der letztere auf einer Grube in Schottland den Bei�mannStod fand. Oeftcmich. Tic Friedensdemonstration verschoben. Wien, 1. April. Im Einvernehmen mit dem Vorstand der italienischen Sozialdemokraten wurde die für den 19. April in Aussicht genommene große Friedensdemonstration der Sozialdemokraten Oesterreich-Ungarns und Italiens bis nach den Wahlen verschoben�_ Neuwahlen und Verfassungsbruch. Wien, 31. März. Die Neuwahlen für das Abgeord-tletcn- hauS werden am 13. Juni stattfinden, die engeren Wahlen am Ä1. Juni. Eine kaiserliche Verordnung, die im morgigen ReichSgesetzblatte zur Veröffentlichung gelangt, sieht zur Vermci- dung eines gesetzlosen Zustandes in der Führung deS StaatShaus- Haltes ein neunmonatiges Budgetprovisorium vor und erteilt dem Finanzminister die Ermächtigung, zur Bestreitung der im Jahre 1311 vorzunehmenden Tilgungen der allgemeinen Staatsschuld und des auf Oesterreich entfallenden Anteil» der außerordentlichen Heeres- und Marincerforderniffe nach Maßgabe des Bedarfs eine schwebende Schuld in Höhe von 76 Millio- neu Kronen aufzunehmen, solange die Deckung dieser Auslagen nicht durch eine definitiv« Krcditoperation erfolgen kann. Die Ermächtigung zur Aufnahme einer Anleihe und die In- kraftsetzung des Budgetprovisoriums durch eine kaiserliche Ver. ordnung auf Grund des§ 14 statt durch ParlamentZbeschluß ist ein flagranter Verfassungsbruch und elende Heuchelei ist es, dann noch von einer«Vermeidung cineS ge- setzlosen ZustandcS' zu sprechen. franfefdcb. Tic Maifeier. Paris, I. April. Die Vereinigung der Arbeiter LeS Sesnd» departementS fordert die Arbeiterschaft in einem Aufruf auf, am 1. Mai eine große Kundgebung zu veranstalten. um gegen die Verfolgung zu protestieren, durch die Durand in den Wahnsinn getrieben worden sei. Spanien. Demission des Ministeriums Canalejas. Madrid, 1. April.(Privattelegramm.) Das Ministerium hat beschlossen, seine Demission zu geben. Der Rücktritt Canalejas, dessen Regierungsantritt auch von den Radikalen mit einigen Hoffnungen begleitet worden war. steht im unmittelbaren Zusammenhang mit der Ferrer- d e b a t t e. Die heftigen Angriffe, die die sozialistisch- republikanische Koalition gegen die Konservativen und die militärische Kamarilla richteten, haben bei den Pfaffen und Salongeneralen, die Spanien beherrschen, große Wut erregt. Man sprach wieder einmal von einem militärischen Pronunziamento und im Hintergrunde tauchte bereits die blutige Gestalt des Henkers von Kuba, des Generals Weyler, auf. Diesem Vorstoß der reaktionären Elemente war Canalejas nicht gewachsen. Seine schwankende Haltung hatte ihn all- mählich um allen Kredit gebracht. Vor seiner Ministerschaft war er ein Vorkämpfer der Revision des Ferrerprozesses. Als Minister aber suchte er zunächst die Verhandlungen hinauszuschieben, und als dies mißlang, wenigstens einen Beschluß für die Revision zu verhindern. Dies raubte ihm alle Sympathie der Republikaner und Liberalen. die ohnehin schon durch seine schwankende Kirchenpolitik und die Verfolgung der sozialdemokratischen Politiker miß- trauisch geworden waren, während die bedrohten Kon- servativen sich von neuem die Regierungsgewalt zu bemächtigen suchen. So blich dem Schwächling nur die Flucht aus dem Amte, Die Situation ist ernst. Die militärische und re- aktionäre Kamarilla werden wahrscheinlich nochmals den Ver- such machen, an die Herrschaft zu gelangen, um sich durch W e y l e r oder einen anderen Gewaltpolitiker in der Macht zu behaupten. Daß eine solche Politik unter den gegebenen Verhältnissen nur den Ausbruch der Revolution beschleunigen würde, ist klar. Und ebenso, daß dann mit der militärischen Kamarilla auch die Monarchie, die diese zur Regierung gelangen läßt, dem Untergange geweiht wäre. Portugal. Tie Wahlen. Lissabon, 31. März. Der Minister des Aeußeren erklärte Ver» tretern der Presse gegenüber, die Wahlen würden im M a i statt» finden. Die Regierung beschäftige sich auch mit der Frage de» Frauen st immrecht S. Finanzielle Reformen würden dem» nächst veröffentlicht, und der Kammer werde ein Gesetzentwurf ich» eine Nenderung des Zolltarifs vorgelegt werden. Snglancl. 8900 Mark Diäten. London, 31. März. Wie verlautet, wird das Budget für die Mitglieder des Unterhauses eine jährliche Entschädigung von 400 Pfund Sterling vorsehen. CUrfed. Der Aufruhr in Albanien. Saloniki, 31. März. Wegen des ständigen Vordringen» der Arnauten gegen Skutari hat sich der Bevölkerung große Auf» regung bemächtigt. Mehrere Ortschaften sind geplündert und die Eimvohner niedergemacht worden. Die Malissoren(das sind die katholischen Albaner, die an der montenegrinischen Grenze wodueoi hadeo ftch verschiedener AegierunMeMj und Me Pötl Tagertilcft SeBcnlmiRcT, Wafseni üitF MuftMöÄ focgi genommen. Die vorhandenen Truppen sind außer stände, der Bepzeguyg Einhalj zu tun. Mgeorclnetendaus. S1. Sitzung vom Sonnabend, den 1. April, mittags 12 Uhr. Am Ministertische: v. Dallwitz. Auf der Tagesordnung steht zunächst die dritte Lesung de? Ge- sctzcs über die Polizeiverwaltung in den Bezirken Dussel« dorf, Arnsberg und Münster. Mg. Dr. Liebknecht sSoz): ES ist uns vorgestern, nachdem zwei Zentruinsredner uns heftig angegriffen hatten, das Wort abgeschnitten worden, daher mutz ich jetzt darauf zurückkommen. Meine Behauptung, datz es sich hier um ein Ausnahmegesetz gegen die Arbeiterschaft handelt, stützt sich aus eine frühere oifiziell« Bemerkung im Etat von 190S und auf Aeutzerungen der Konservativen, Nationalliberalen und des Zentrums in der damaligen Budgetkommission. Wen» die Herren vom Zentrum behaupteten, sie seien stets gegen ausnahmegesetzliche Matz- nahmen, so stelle ich nochmals fest, datz Herr Busch neulich ausdrück- lich die Staatsgewalt für berechtigt erklärt hat, sozial- demokratisch gesinnte Arbeiter zu matzregeln. Von da bis zu dem Staudpunkt: die Sozialdemokratie steht autzerhalb des Gesetzes ist nur ein Schritt.— Die Behauptung der Zentrums- redner, die sogenannten sozialdemokratischen Gewerkschaften im Ruhr- kohlenrevier hätten zu einem aussichtslosen Streik gehetzt, ist eine an den Haaren herbeigezogene Untv ab rhaftigkeit. Gerade das Verhalten des Alten Bergarbeiterverbandes und seiner Zührer hat dazu beigetragen, trotz der erhitzten Stimmung in der Bergarbeiterschaft jetzt die Ruhe aufrecht zu erhalten.— Indem das Zentrum der durch dies Gesetz beabsichtigten Kriegsvorbereitung gegen die Bergarbeiter im Ruhrkoblenrevier zustimmt, zeigt es sein wahre« Gesicht in bezug auf die Arbeiterfrage. Das Motiv des Zentrums bei dieser Abstimmung ist offenbar der Hätz gegen die freien Gewerk- fchaften und dann auch wohl die Abficht, die Nationalliberalen für die nächsten Wahlen zu einem Bündnis in diesem Revier zu ködern. In jedem Fall erweist sich daS Zentrum hier als Judas an den Berg- arbeitern im Ruhrkohlcnrevier.(Sehr richtig I bei den Sozialdemo- traten. Lachen im Zentrum.) Wg. B arischer(Z.); DaS Gesetz trägt keinen politischen Charakter und bedeutet auch keinen Eingriff in die Selbstverwaltung. Den Ausführungen des Hern» Liebknecht gegenüber betone ich, datz wir durchaus Freunde des Koalitionsrechts sind. Aber wir gestehen keinen KoalitionSzwang zu. Die sozialdemokratische Erziehung, von der Herr Liebknecht neulich sprach, besteht in dem Säen des Klassen- hasseS; vor allem nehmen Sie jzu den Sozialdemokraten) den Arbeitern das heiligste, was sie haben, die Religion. Bei den Wahlen üben Sie den grötzten Terrorismus aus. sLachen bei den Sozialdemokraten.) Mit den Nationalliberalen sind die Sozial« demokraten bei den Stadtverordnetenwahlcn in Essen und Dortmund selbst zusammengegangen. Mg. Dr. Liebknecht sSoz.): Angesichts der Schilderung, die neulich mein Freund Hoffmann Von der traurigen Lage der Bergarbeiter gegeben hat, ist die er- regte Stimmung unter den Bergarbeitern wohl begreiflich. Wer da noch von sozialdemokratischer Verhetzung sprechen kann, die diese Erregung erst erzeugt haben solle, mutz un« heilbarer Verblödung verfallen sein oder ist ein überlegter Schleppenträger des ScharfmackertumS. Wenn freie Geiverkschasten sich geweigert haben, mit Christlichen zusammen zu verhandeln, so stetSnurinsolchen Fällen, wo vorher beiLohn- bewegungen die Christlichen sich auf dir Seite der Unter- uehmer gestellt haben. Wenn das Zentrum immer den Mund voll nimmt von Vaterlandsliebe und Monarchie, so ist dieser Jesuitismus ein Schauspiel für Götter,(«ehr wahrt bei den Sozialdemo- traten.) Damit schlietzt die Debatte, daS Gesetz wird angenommen. Ein Gesetz über den Erwerb von Fischereiberechtigungen durch den Staat wird nach kurzer Debatte an eine Kommission von 14 Mitgliedern verwiesen. Ebenso der Entwurf einer Wege- ordnung für Ostpreutzen. Eine Novelle zum Gesetz über die Eisenbahnunternebmungen, durch welche die Rechts- verhältniffe zwischen der Eisenbahnverwaltung und den Besitzern der benachbarten Grundstücke, sowie den beteiligten Kommunalverbänden, Wegeunterhaltungspflichtigen usw. neu geregelt werden, wird eben» falls einer Kommission von 14 Mitgliedern überwiesen. Hierauf vertagt sich das HauS. Nächste Sitzung: Montag 12 Uhr. tKleinere Vorlagen und Petitionen.) Schlutz gegen 4 Uhr._ Hus der partcü Eine interessante Erinnerung. In diesen Tagen hat sich bei uns ein Mann gemeldet, der im Jahre 1830 geboren, am 20. März 1848, also als achtzehnjähriger Jüngling, einer der Träger war, die den Sarg 8v, in dem ein am 18. März erschossener Weber ruhte, nach dem griedrichshain geleiteten. Der Pastor Shdow habe bei jener Gelegenheit den Ausspruch getan, datz der gefallen« Weber als Held gestorben sei. Der damals junge, heute 81jährige Mann heitzt T. H. B e tz o l d, ist seines Zeichens Gärtnerei- und Dampf- badbesitzer ln Kirchberg i. S. und gehört in Konsequenz der Grundsätze seiner Jugend heute zur Sozialdemokratie. Wir ziehen vor dem wackeren Alten den Hut. AuS den Organisationen. Eine rührige Werbearbeit hat die Parteiorganisation Stutt- gart in den letzten Monaten entfaltet. Mit Hilfe einer systematisch durchgeführten HauSagitation ist e» gelungen, allein im ab- gelaufenen Vierteljahr 318 neue Mitglieder der Organisation zuzuführen. In 8'/, Monaten, über welchen Zeitraum sich die rntenfive Werbearbeit erstreckt, wurden 2111 neue Mitkämpfer gewonnen._ Larteiliteratur. Der Agitation sollen zwei Broschüren dienen, die soeben vom Verlage der Buchhandlung Vorwärts, Berlin LW. 68, im Rahmen der Sammlung.Sozialdemokratische Flugschriften" herausgegeben sind:.Beamtenschaft und Sozial» dem okratie"(Ein Mahnwort an alle Beamten), sowie.Die indirekten Steuern und Zölle"(Wer sie zahlt und wem sie nützen). Beide Broschüren sind populär geschrieben. Der Preis beträgt 10 Pf. pro Heft. Den Organisationen stellt der Verlag «ine Ausgabe ohne Umschlag zum Massenvertrieb zu besonders billigen Preisen zur Verfügung.__ Hus Industrie und Kandel. Schutzzollpolitik in Holland. Haag, 1. April. Die Regierung hat dem Parlament den Gesetzentwurf betr. den neuen Tarif für Einganaszölle gugehen lassen. Der jährliche Ertrag wird auf 10 Millionen Gulden geschätzt, von denen S für die Altersversorgung der Arbeiter in Reserve gestellt werden sollen. Der neue Tarif hat nicht ausschließlich schutzzöllnerischen Charakter für die niederländische Industrie, trägt aber den Schivkrigkeiten, mit denen diese Jndustrw infolge deS starken Protektionismus in fast allen Ländern Europas und in Amerika zu kämpfen hat, Rech- nniP. Der neue Tarif verjvlgt nicht die Handelspolitik anderer Länder, er ist im Vergleich zu den Eingangszöllen des Auslandes sehr MßvLv, Die ZöÜL M vM l0 W!/ ivtz dM MjSlldilÄL JittsiorleürM die Unterbringung ihfer Daren cm holländischen Markte unmöglich gemacht würde und werden den niederländischen Industriellen nicht Gelegenheit bieten, sich zu einer Steigerung der Preise zu vereinigen. Die Hauptgebrauchsstofte für Industrie und Ackerbau wie Kohle, Erze und Getreide beiden frei. Halb- fabrikate werden mit 3 bis 6 Prozent Wertzoll belegt, beinahe fertiggestellte Fabrikate mit 10 Prozent, Ganzfabrikate mit 12 Pro- zent. Tabak wird nicht höher besteuert als bisher, Kaffee beibt frei. Die Regierung hält sich die Möglichkeit offen, bei Mehl, das als Nahrungsmittel dient, RetorsionSmatzrcgeln anzuweisen. Schlachtvieh bleibt frei. Feinstes Mehl wird mit 40 Cent pro 100 Kilogramm belegt. Petroleum bleibt frei. Zigarren wenden mit 125 Gulden pro 100 Kilogramm plus 20 Prozent Wertzoll und Zigaretten mit 250 Gulden pro 100 Kilogramm plus 40 Prozent Wertzoll belegt. Soweit die offiziöse Meldung, die bestrebt ist, den Uebergang zum Schutzzollsystem möglichst harmlos darzustellen. Aber es ist nur der erste Schritt, der Mähe kostet. Sind die Schutzzölle nur erst da, so folgt späte; die Erhöhung schon nach. Soziales. Aufhebung der Schließung des ArbeiterheimS in Dola». i Der Amtsvorstehcr zu Dölau erließ am 14. Mai 1000 an den Vorstand des Vereins..Arbeitcrhcim" in Dölau eine polizeiliche Verfügung, ivodurch ihm aufgegeben wurde, den Schankbetneb in den Räumen des Arbeiterheims, welche der Verein in dem Richter- schen Hause, Zechenhausstr. 17, gemietet hatte, einzustellen, widrigenfalls die Beseitigung der zur Ausübung des Gcwerbebe- triebcs benutzten Einrichtung im Zwangswege erfolgen würde. Demnächst ließ auch der Amtsvorsteher Wirtschaftstische, Stühle, einen Bierdruckapparat(der schon in einer Kiste lag), Bier- und Wassergläser, sowie ein Vcreinsbuch durch Gendarmen entfernen und in polizeilichen Gewahrsam nehmen. Und am 19. August ließ er die Räume amtlich schließen und versiegeln und erklären, daß eine Benutzung der Räume des ArbeiterheimS untersagt werde. Ter Landrat deS Saalkreises wies die Beschwerden de8 Bor- standes gegen beide polizeilichen Maßnahmen zurück und führte aus:. Ter Maurer Richter, der Besitzer des Hauses, habe als Ver- Walter des Vereins Arbeitcrheim in jenen Räumen die Schank- Wirtschaft betrieben, obwohl keine Konzession vorlag, und sei auch mehrmals deshalb bestraft worden. Trotzdem sei der Ausschank weiter betrieben worden. Tie Beschlagnahme der benutzten Ge- rate(Tische usw.) habe angedroht und durchgeführt werden können, weil der Ausschank trotz der Strafen unbefugt fortgesetzt worden sei. Aber auch die Schließung der Räume sei gerechtfertigt, denn nach wie vor hätten die Räume weiter in der Lokalliste der für die Arbeiterschaft freien Lokale Halles und des Saallreises ge- standen, die im„Volksblatt" mit einer Empfehlung dieser Lokale veröffentlicht würde. ES hätte auf eine weitere Benutzung der Räume zu Schankzweckcn geschloffen werden müssen, zumal bei einer Revision vor der Schließung viele, meist leere Flaschen in Gebinden(Kästen) in den Räumen vorgefunden seien. So habe sich als letztes Mittel die Schließung geboten. Der Regierungspräsident verwarf die weitere Beschwerde. Da- rauf klagte der Borstand beim Obcrvcrwaltungsgericht. Dieses erhob vor Einsetzung eines Termins zur mündlichen Verhandlung Beweis darüber, ob tatsächlich seit der ersten Verfügung im Diai in der Zeit bis zur Schließung der Räume die Schankwirtschaft in den Räumen betrieben worden sei. Eine Reihe von Personen, darunter verschiedene Vorstands- Mitglieder, bekundeten, daß seit dem Mai kein Schankbetrieb statt- gefunden habe. Namentlich sei der Bierdruckapparat schon im Mai nach der ersten Verfügung abgebaochen und in eine Kiste verpackt Wörden.' Wenn nun auch kein Bier mehr in den Räumen aus- geschenkt worden sei, so hätten allerdings die Teilnehmer von Zu- sammenkünftcn Bier und Kaffee getrunken, zum Beispiel an den GesangSabcnden. Diese Getränke aber hätten sich die Leute mit- gebracht, so daß von einer Ausübung der Schankwirtschaft nicht mehr habe die Rede sein können. Vor dem Obervevnxrltungsgericht nahm nun am 30. März Rechtsanwalt Müller-Halle in längeren Ausführungen die Rechte des klagenden Vorstandes wahr, indem er besonders die Schließung der Räume als verfehlt bekämpfte. Das Oberverwaltungsgericht«kannte am Donnerstag dahin, baß die Schließung der Räume aufzuheben sei, daß dagegen die Androhung und Beschlagnahme der Gerätschaften im Mai 1909 gerechtfertigt sei und insoweit die Klage abzuweisen sei. Was die Schließung der Räume angehe, so sei ihr eine Anordnung, daß solche Schließung eventuell in Aussicht stehe, nicht vorher gegangen. Deshalb sei eine solche Anordnung in der Schließung selbst zu finden. Das Recht, sie anzufechten, bestand also. Die Schließung müsse aber auch als unbegründet aufgehoben werden, weil die Vor- aussetzung dafür fehlte. Denn zweifellos sei nach der Beweisauf- nähme, daß irgend eine Veranlassung zur Annahme, eS finde in den Räumen noch ein Schankbetrieb statt, nicht vorgelegen habe. Das sei matzgebend. Auf die Liste im.„Volksblatt", auf das Vor, finden von Bierflaschen usw. komme eS demgegenüber nicht an. DaS selbst mitgebrachte Bier konnten die Leute dort trinken. Sei nun auch aus diesen Gründen die Schließung der Lokalitäten aufzuheben, so müsse es doch bei der Anordnung und Durchführung der Beschlagnahme der WirtschaftSutenstlien verbleiben, da es fest- stehe, daß sie zur Ausübung der seinerzeit betriebenen Echan!» Wirtschaft ohne Konzession benutzt worden seien. Ein Arzt als Menschenfreund. Ein in Geilenkirchen wähnender Drogist wurde in der Nacht überfallen und mit einem Messer sehr arg zugerichtet. Mit Hilfe eines Schutzmanns und einer Zivilperson wurde der Verletzte zu der Wohnung des Arztes Dr. Keller geleitet. Als sie Einlaß be- gehrten, wurden sie gefragt, ob sie auch Gelb hätten. Erst nach Bejahung dieser Frage wurde geöffnet. Der Arzt nahm die Be- Handlung des Verletzten vor. Als er den Verband fertig hatte, ver» langte er dafür 10 M. Soviel hatte der Verletzte nicht im Besitz. Er konnte nur 5 M. zahlen, wollte aber feine Uhr nebst Kette zum Pfand dort lassen. Mit den Worten: Ich habe doch keine Alt- Handlung hier! warf darauf der Herr Doktor den Verbundenen in den Operationsstuhl, ritz ziemlich unsanft- den Verband herunter und forderte die Anwesenden auf, dos Haus zu verlassen. Der Verletzte hat auf Anraten deS ihn behandelnden Arztes gegen den Herrn Doktor Anzeige bei der Aerztelammer erstattet. Richtig wäre es, wenn er auch Strafanzeige wegen Körperverletzung gegen den edlen Menschenfreund erstattet. Der Fall zeigt, wie dringend der von unseren Genossen in der Kurpfuscherkommission gestellte Antrag auf Einführung eines BehandlungSzwangS gegen Aerzte ist. Hus der Frauenbewegung. Frauenlöhne. Dem Vorgehen der Gewerkschaften folgend, bequemen sich nun auch Unternehmer dazu, Beiträge für die Lohnstatistik zu liefern. Das sollte eigentlich nicht nötig sein; eine eingehende Lohnstatistik. um über die einschlägigen Verhältnisse zu. unterrichten, wäre Auf- flqfe(pfaflics. M» djx btlmmle SMrfmacherecke setzt gleichen BestrebungSn Widerstand ¥iiIgveo?ft. Daher uistfi tnW fich wohl oder übel mit den privaten Erhebungen begnügen. Natur der Sache bedingt es, dem, was die Unternehmer auf dipsein Ge- biete leisten, mit einer gewissen Vorsicht zu begegnen. Man braucht nicht an Fälschungen zu denken, aber eine Sucht zu Schöiifärbereicil darf man doch wohl voraussetzen. Auf jeden Fall erlauben die Erhebungen aber doch, wenn sie nach einheitlichen Gesichtspunkten durchgeführt werden, Vergleichsurteile. Und da liefert die von der Pforzheimer Schmuckwarenindustrie, mit der von dem Syndikus der Süddeutschen Edel- und Unedelmctall-Berufsgenosscnschast, Sektion III, für das Jahr 190S aufgenommenen Lohnstatistik einen neuen Beitrag zu dem Kapitel von der schlechteren Entlohnung der weiblichen Arbeitskraft. Vorweg mutz bemerkt werden, als Abwehr des bekannten EinwandeS von der Minderwertigkeit der Frauen- arbeit, datz die Arbeiterinnen in dieser Industrie sehr viel Qualitätsarbeit leisten. Das belveist schon ein Blick auf die Struktur der Arbeiterschaft. Von den Personen, die die Erhebung umfaßt, waren 20 811 männlichen, 11343 weiblichen Geschlechts, darunter 2773 männliche und 1507 weibliche Lehrlinge. Und die Lohiwer- Hältnisse? Für die männlichen Personen beträgt der durchschnitt- liche Tagelohn 3,48 M., für die Arbeiterinnen 2,39 M. Die Frauen- löhne bleiben also weit hinter den Männerlöhncn zurück. Daß die schlechtere Entlohnung der Arbeiterinnen eine Geschlechtsstrafe ist, besagt die Differenz in den Löhnen für Männer und Frauen inner- halb der gleichen Berufsgruppe. So verdienen Kettenmacher im Durchschnitt 4 M., Kcttenmacherinnen aber' nur 2,08 M. Hier bekommt die Arbeiterin nur etwas mehr als die Hälfte des Lohnes der Männer. Dabei ist zu konstatieren, daß in den« letzten Jahr- zehnt teilweise sogar noch die Tendenz einer Steigerung der Laim- differenzen hervorsticht. Nur die Löhne der weiblichen Lehrling« sind etwas stärker gestiegen als die der männlichen Lehrlinge. Für diese erhöhte sich in der angegebenen Zeit der Lohn von 93 auf 115 Pf. Die weiblichen Lehrlinge erzielten eine Aufbesserung von 77 auf 199 Pf. Im übrigen schwanken die Steigerungen bei den Männerlöhnen zwischen 27,7 bis 42,5 Proz., während die Löhne der Arbeiterinnen eine Aufbesserung von nur 26.0 bis 41,6 Proz. erfuhren. Man sieht, die vielgerühmte Hochachtung vor dem Weibe — wenn es Arbeiterin ist. hört beim Portemonnaie vollständig auf. Dem Kapitalisten ist die verschärfte Ausbeutung der»oeiblichen Arbeitskraft ein Mittel, für sich selbst goldene Rosen ins irdische Leben zu weben. Mag die Arbeiterin dabei ruhig zugrunde gehen. Das ist göttliche Wcltordnung! Bemerkenswert ist noch, datz, für Männer und Frauen gleich, die Löhne in den größeren Betrieben am höchsten sind. Es betragen z. B. die Durchschnittslöhne für Ar- beiterinnen in Kleinbetrieben 2,28 M., in Mittelbetrieben 2,30 M. und in Großbetrieben 2,45 M. Die kleinen Betriebe, die sehr oft mit rückständigen technischen Einrichtungen arbeiten, suchen ihre Selbständigkeit ggf Kosten der Arbeiterlöhne zu erhalten. Leseabende. Erster Krei»(Hansaviertel). Montag, den 3. April, bei Rothe. Flensburger Str. 24: Vortrag des Genossen Philipp Bernstein: „Die Macht der Frau". Alt« Glienicke. Der Leseabend in diesem Monat fällt aul. Serid)t9- Leitung. Ein Moabiter Nachspiel. Wegen groben Unfugs war der Arbeiter Ladwig in zweiter Instanz zu 5 Wochen Haft verurteilt worden, weil er am Morgen des 24., September 1910. in Moabit einen 200 Gramm schweren Mauerftcin in der Richtung eines Kupferschen Kohlenwagens ge- worfen hatte, auf dem sich Arbeitswillige befanden und der von Schutzleuten begleitet toar. Das Landgericht führte aus: Aller- dings habe sich L. nach durchzechter Nacht im angeheiterten Zustande befunden. Er sei aber seiner Sinne durchaus mächtig gewesen. Sein Verhalten sei geeignet gewesen, dft ohnehin schon erregte Menge, namentlich diejenigen Personen, welche für die Streiten- den Partei nahmen, noch mehr zu erbittern, sie zu Gewalttätig- leiten anzureizen und auf diese Weise de» friedlichen Teil der Bevölkerung in dem Gefühl der eigenen Sicherheit zu bceinträcly- tigen. Der Steinwurf sei also unbedenklich als eine grob unge- bührliche, das Publikum in seiner unbestimmten Allgemeinheit be- lästigende und gefährdende Handlung anzusprechen. Ferner sei die Belästigung und' Gefährdung des Publikums eine derartige ge- wesen, daß darin zugleich eine Gefährdung und Verletzung de» äußeren Bestandes der öffentlichen Ordnung in die Erscheinung getreten sei. Im übrigen sei nicht dargetan, daß er Personen oder Pferde habe treffen wollen.§ 366 Ziffer 7 des Strafgesetzbuches komme deshalb neben dem Unfugsparagraph nicht in Betracht. Das Kammergcricht verwarf am Freitag die gegen daS Urteil eingelegte Revision. Ein SchiffSznfammenstoß auf der Oberspree hatte gestern ein gerichtliches Nachspiel vor dem Strafrichter, nach- dem sich auch schon das Zivilgericht mit den aus jenem Zusammen- stoß hergeleiteten Entschädigungsansprüchen zu beschäftigen Ge- lcgenheit gehabt hat. Unter der Anklage, durch Fahrlässigkeit das Sinken eines Schiffes bewirkt und dadurch Gefahr für das Leben eines andern herbeigeführt zu haben, stand der Schiffsführer Max Paul Schwer vor der 3. Strafkammer des Landgerichts III. Der mit Passagieren besetzte Dampfer„Zehdenick" kehrte am 5. Mai 1910, mittags, von Köpenick zurück. In der Näh« von Stralau hatte der Angeklagte das Kommando übernommen. In der Nähe der Stralauer Kirche lag auf der Fahrstraße das dem Herrn Hans- Herr gehörige Motorboot„Lux" still. Das Motorboot, in welchem sich Herr Hausherr und fein Monteur befanden, konnte nicht vor- wärts kommen, da der Motor den Dienst versagte. Während der Monteur damit beschäftigt war, den Mangel zu beseitigen, sah Herr Hausherr zu seinem Schrecken den Dampfer„Zehdenick" direkt auf sein Boot zukommen. Um einen Zusammenstoß zu vermeiden, gab er nach seiner Behauptung drei Zeichen mit der Schiffshupe und als das keinen Erfolg hatte, richtete er sich im Boot auf und suchte dem Kommandeur des Dampfers durch lebhafte Armbewegungen und entsprechende Zeichen klar zu machen, datz das Motorboot sich nicht bewegen könne. Der Angeklagte bemerkte erst im letzten Augenblick die Gefahr, er ließ sofort Konterdampf geben und ver- suchte durch energische Einwirkung auf das Steuer das Schiff zu drehen, es war aber schon zu spät: der„Zehdenick" überrannte das Motorboot, die beiden Insassen sielen ins Wasser und das Boot welches ein großes Leck bekommen hatte, ging unter. Die beiden ins Wasser gestürzten Herren kamen in große Lebensgefahr. Ein Glück war es, daß der Trainingdampfer des Ruderklub„Hellas" ganz in der Nähe war. Durch tatkräftiges Eingreifen der Mann» schaft dieses Dampfers gelang es, die beiden mit dem nassen Ele» ment Kämpfenden mit Hilfe von Rettungsringen und Haken dem Tode zu entreißen. Wie Herr Hausherr gestern vor Gericht be- kündete, ist vom Dampfer„Zehdenick" aus so gut wie nichts zur Rettung geschehen. Er schwenkte vielmehr sehr bald ab und setzte seine Fahr nach Berlin fort. Das gesunkene Boot ist später durch Taucher wieder gehoben worden. Der Angeklagte bestritt seine Schuld und behauptete, er habe, als er das Motorboot habe liegen selzen, Warnungszeichen gegeben und als darauf keine Antwort erfolgte, habe er annehmen müssen, daß das Motorboot liegen bleibe. Da die Fahrstraße im übrigen siei war, habe der Dampfer„Zehdenick" feine Fahrt in der alten Geschwindigkeit fortgesetzt; der Zusammenstoß sei dadurch vcrur- sacht worden, daß sich das Motorboot plätzlich in Bewegung gesetzt habe. Durch die umfangreiche Beweisaufnahme hielt der Staatsanwalt für erwiesen, daß der Angeklagte grob fahrlässig gehandelt habe und beantragte gegen ihn 3 Mm Oft Gefängnis, Zas. Urjcil IMxle M Z MLllgjj.■••-■>-■; GewcrkFcbaftUcbes. )y[odeme Leibeigen Tchaft. Der bekannte Generaldirektor H i l g e r von der Der einigten Königs- und Laurahütte in Oberschlesien, der schon früher, als er noch im Saarrevier das Zepter führte, sich als ein ausgesprochener Gegner jeder Arbeiter- und Beamten� organisation hervorgetan, hat neuerdings wieder an seine Arbeitssklaven eine Verfügung erlassen, in der aufs neue sein unauslöschlicher Haß gegen die Arbeiterorganisationen zum Ausdruck kommt. Die Verfügung zeigt auch wieder einmal recht deutlich, wie Herr H i l g e r die ihm unterstellten Arbeiter mit wenigen Federstrichen um ihre gesetzlich gewährleisteten Rechte bringt. Sie lautet: .Schloß Siemianowitz, den 12. 2. 11. Ein besonderer Fall veranlaßt mich, nochmals darauf hin- zuweisen, daß jeder Verkehr mit den Arbeiterorganisationen und deren Vertretern, angestellten Sekretären usw. auf das bestimmteste und in unzweideutigster Form abzuweisen ist. Erst kürzlich hat der Bezirksleiter der Gewerkschaft der deutschen Maschinenbauer und Metallarbeiter lH.-D.) den Versuch gemacht. Auskunft von einem unserer Werke über Arbeitsaussetzungstage mehrerer Arbeiter zu erhalten. Derartige Versuche müssen selbstverständlich strikte zurück- gewiesen werden. Der Generaldirektor sgez. Hilger).' Ter Verfügung lag ein Begleitschreiben der einzelnen Werksdirektoren bei. die es wiederum allen Bureauvorstehern, Obersteigern. Obermeistern und Betriebsbeamten zur Kenntnis brachten. Diese mußten schriftlich den Empfang bestätigen und dann erfolgte der Anschlag an den Gruben und Fabriken Kerlin un/z Stunden und in den weiteren beiden Jahren eine solche von 9 Stunden vor. Für S ch o ß a r b e e r wird der Stundenlohn für das erste Jahr aus 51 Pf., für das zweite und dritte Jahr auf 54 Pf. festgesetzt, während die Maschinen« arbeiter 54 bezw. 57 Pf. erhalten. Aushilsestunden werden mit 5. Ueberstunden mit 15, nach 9 Uhr abends mit 25 Pf. Aufschlag be zahlt. Außerdem ist eine wesentliche Erhöbung der Akkordpositionen erzielt worden. Bislang hat der Minimallohn 50 Pst, die Arbeits- zeit in der Regel 10 Stunden betragen. Matrosenartilleristcn als Arbeitswillige. In den Unterweserorten Bremerhaven, Lehe, Geestemünde streiken die Tapezierer. Der Möbelfabrikant Mauritius in Lehe hat sich von der in Bremerhaven garnisonierenden Matrosenartillerie- abteilung Ersatzkräfte für seine streikenden Arbeiter kommandieren lassen. Von der Organisation wurde telegraphisch Beschwerde beim Marinestationskommando der Nordseestation in Wilhelmshaven er- hoben. Die Antwort wird ja zeigen, ob Marinesoldaten für be- drängte Unternehmer mir nichts dir nichts als billige und willige RauSreißer tätig sein dürfen. TlusUnck. Gewerkschaftsbeamter und Reserveoffizier. Der Redakteur des polnischen TextilarbeiterfachblatteS, Ludwig SzaloSny in Tesche»(Oesterreich) ist von der Ernennung zum Reserveoffizier deshalb ausgeschlossen worden, weil seine Beschäfti- gung nicht standesgemäß sei. Ob. wenn er ein gelbeS Blatt als Fabrikantensöldling redigieren würde, die Entscheidung auch dieselbe wäre? Versammlungen. Deutscher Hoizarbeiterverband. Die am Freitag abgehaltene Generalversammlung der Zahlstelle Berlin vollzog eine Reihe von Wahlen. In die Ortsverwaltung wurden einstimmig wieder- gewählt der erste Bevollmächtigte Glocke, der erste Kassierer Micke, der erste Schriftführer Grabe, die Beisitzer Appich und Bernau. Das Resultat der Revisorenwahl war am Schluß der Versammlung noch nicht festgestellt. Tasselbe gilt von der Wahl der Kommission, welche die Reorganisation der Ortsverwaltung vorberaten soll. Ferner wurden wiedergewählt der Arbeitsver- mittler Güth, der zweite Obmann der Schlichtungskommission Reiche, die Bureauarbeiter Langhammer. Werner und Glaß. Zum Anschluß der VorortSzahlstellen an Berlin teilte Glocke mit, daß, uaihbem sich Weißensee schon angeschlossen hatte. mit dem 1. April auch der Anschluß von Schöncberg und Rixdorf erfolgt. Charlottenburg will seine Selbständigkeit beibehalten, ob- wohl das den Beschlüssen des Verbandstages nicht entspricht. Die Geschäftsstelle in Rixdorf bleibt in der bisherigen Besetzung weiter- bestehen. In Schöneberg soll eine Geschäftsstelle errichtet und der Posten ausgeschrieben werden. Zur Prüfung der einlaufenden Bc- Werbungen setzte die Versammlung eine Kommission ein. Hierauf folgte eine Besprechung des Beschlusses der Gewer?- 'chaftskommission über den Maifonds. Glocke teilte den Inhalt des Beschlusses mit und bemerkte dazu: Er halte es nicht für richtig, daß die Gewerkschaftskommissüm, deren Sitzung er nur zum Teil beiwohnen konnte, nur zu den Geldsammlungen für den Maifeierunterstützungsfonds, nicht aber zu der Feier selbst Stellung genommen habe. Wenn ein solcher Fonds gesammelt werden solle. dann müsse doch auch eine Maifeier bestehen, denn sonst sei ja die ganze Sammlung ztvecklos. Der Beschluß, zu dem Fonds beizu- tragen, könne sich doch nicht auf diejenigen beziehen, welche am 1. Mai feiern. Jedenfalls sollten doch nur die Arbeitenden zahlen. Das würde aber bedeuten, daß jeder, der am 1. Mai arbeiten wolle, das könne, wenn cr nur den Beitrag zum Fonds zahle. Wenn dieser Beschluß Geltung bekäme, dann würde.die nächste Maiseier keinen glänzenden Verlaus nehmen. Bor allem hätte festgestellt werden müssen, ob überall der Wille zu feiern vor- hanfien sei. Es sei bekanlik, 5aß die Vuchdtliiker übsrhasipk nitfjü, die Maurer nicht allgemein und die Metallarbeiter nur in den kleinen Betrieben feiern. Eigentlich seien es nur die Holzarbeiter» welche die Feier allgemein durchführen. Da sie sich aus die Samm- lungen nicht vevlassen könnten und auch die Hauptkasse die Mai» ausgesperrten nicht unterstütze, so seien die Berliner Holzarbeitev aus sich allein angewiesen. Deshalb müßten sie zur Maifeiei: Stellung nehmen. Die Ortsverwaltung stehe auf dem Standpunkt, daß der 1. Mai von den Holzarbeitern wie bisher durch Arbeits« ruhe gefeiert werde. Aber es sei doch angebracht, daß, ehe diS Generalversammlung hierüber einen Beschluß faßt, die AngelegeitH heit in den Kreisen der Kollegen besprochen werde. Matz bemerkte, die Vertretung der Partei und der Gäverk« schasten habe sich erneut mit den Sammlungen zum Maifonds be- saßt und sich dahin geeinigt, daß der Generalversammlung der Parteiorganisation ein Antrag vorgelegt werde, wonach Beitrags« marken zu 25, 50 und 100 Pst ausgegeben und nur die Arbeitenden zu den Sammlungen herangezogen werden, während die Feiernden eine kostenlose Ausweismarke erhalten. Alle Redner, welche sich an der Diskussion beteiligten, traten für Arbeitsruhe am 1. Mai ein.— Als Ausdruck ihres Stand- Punktes empfahl die Generalversammlung den Kollegen, bei ihren Besprechungen in den Werkstätten und Bezirken dahin zu wirken. daß der 1. Mai auch in diesem Jahre durch Arbeitsruhe gefeiert werde. Eine Sersammlung ber Dachdecker- Hilfsarbeiter nahm am Donnerstag im Gewerkschaftshaus Stellung zur diesjährigen Maifeier.Es ist im Dachdeckergewerbe infolge des Tarif- Vertrages leider nicht möglich, die allgemeine Arbeitsruhe zu be- schließen. Aus diesem Grunde schlug der Vorstand folgende Re- solution vor, die bereits von den Dachdeckern angenommen worden ist: „In Erwägung, daß es uns in diesem Jahre mit Rücksicht auf die bestehenden Verhältnisse in unserem Gewerbe nicht möglich ist, den 1. Mai durch allgemeine Arbeitsruhe zu feiern, beschließt die Versammlung: Die Begehung der Maifeier ist jedem ein- zelnen Mitgliede nach freiem Ermessen zu überlassen." Wie Alt haus ausführte, soll Zrie Maifeier durch diesen Be- schluß keineswegs lahmgelegt werden, vielmehr wünscht und.hofft man, daß der Maifeier noch mehr Interesse entgegengebracht werde als bisher.— Die Versammlung erklärte sich ohne Diskussion mit der Resolution einverstanden. Ebenso wurden die Vereinbarungen über die Beiträge zum allgemeinen Maifonds einstimmig gut- geheißen._ Letzte pfoehrichten. Weitere englische Preßstimmen über die Kanzlerrede.' London, 1. April.(Wi. T. B.) Die„Westminster Gazette* sagt in einem Leitartikel über die gegenwärtigen Erörterungen der allgemeinen Friedens- und Schiedsgerichtsfrage: Es wäre nach unserer Ansicht sehr bodauerlich, wenn die emphatische Sprache des deutschen Reichskanzlers über die Friedensprinzipien im allgc- meinen uns blind machen würde der Tatsache gegenüber, daß in eben dieser Rede der Kanzler einen wichtigen praktischen Beitrag geliefert hat zu der Herbeiführung besserer Beziehungen. Seine Annahme des Vorschlages, daß England und Deutschland Fnfor» mationen über ihr Schiffsbauprogramm austauschen sollen, ist im höchsten Maße dienlich, und wenn er in einem fairen und freund- lichen Geiste von beiden Seiten ausgeführt wird, kann er trotz Teutschlands Weigerung, über Friedensprinzipien zu verhandeln, eine tatsächliche Erleichterung für beide Länder im Gefolge haben. „Globe" schreibt: Der deutsche Reichskanzler verwirft vi« liebenswürdigen Theorien der sentimentalen Pazifisten in England und Amerika als unausführbar. Von einer Nation, die bis zu einem Grade, wie wir bei unserer insularen Stellung es uns niemals vorstellen können, von großen Militärmächten umgeben ist. mit denen allen Deutschland gekämpft hat, war keine andere Ant« wort möglich. „Poll Mall Gazette" sagt: Wir haben keine Ursache zum Streit mit Deutschland. Amerika gegenwärtig auch nicht. Die Welt ist groß genug für uns alle; wenn keiner daS Gebiet eines anderen zu besitzen wünscht, gibt es weder eine Ursache zum Krieg, noch einen Grund, nach einer Ursache zu suchen. ES ist dielmehr durchaus Ursache vorhanden, die guten Beziehungen zu pflegen. um sich ein immer besseres Feld kommerzieller Operationen zu sichern. Auf diesem Wege liegt die Hoffnung auf eine Dauer deS Friedens, wenn nicht auf eine Beschränkung der Rüstungen. Und wenn die gewünschte Maßregel, ein Schiedsgerichtsabkommen zwischen England und Amerika, durchgeführt wird, so sind wir nicht sicher, ob nicht von der deutschen Regierung ein Handelödreibund vorgeschlagen werden wird als das allerbeste Mittel. daS Expan- sionsfeld zu sichern. daS zur Befriedigung seiner wirtschaftlichen Bedürfnisse nötig ist._ Republikanische Kundgebung in der spanischen Kammer. Madrid, 1. April.(IL. T. B.) In der Kammer verlas der Sekretär eine Mitteilung über den Rücktritt des Kabinetts. Der Präsident hob die Sitzung auf unter lebhaften Proteftrufen der Republikaner, die dir Republik und die bürgerliche Gewalt hoch. leben ließen, während die Monarchisten Hochrufe auf den König und die Armee ausbrachten._ Ein hartnäckiger jugendlicher Selbstmörder. Leipzig, 4. April. Der fünfzehnjährige Gymnasiast Schmidt aus Charlottenburg, der sich hier bei seine» Verwandten aufhielt, versuchte sich heute mit Morphium zu vergiften. Da er seine Absicht nicht erreichte, ging er in das Roscntak, um sich im dortigen Teich zu ertränken. Er wurde aber daran gehindert. Heute nachmittag erlag er im Kranlenhause den Folgen der Per» giftung._ Bluttat eines Eifersüchtigen. WleSdadeil, 1. April.(V. H.) Der Restaiirateur OsterArist versuchte heute nackunittag. weil er Grund zur Eifersucht zu haben glaubte. seine 45 jährige Frau, von der er seit zwei Jahren getrennt lebt und den Kellner Jung in der Helenenstratze zu erschießen. Die Frau und Jung wurden schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht. Oster« christ erschoß sich nach der Tat.__ Der Kanal wird gebaut!n— Rußland. Petersburg, 1. April.(W. T. B.) DaS Ministerium der Ver« kehrSwcge hat Untersuchungen angestellt zum Zweck der AuSarbei« tung eines Projektes zur Verbindung des W-lgabassinS mit dem Ob-Basfin durch ein Kanal, und Schleoseasystem. Die Arbeiten sollen Ende dieses Jahres beendigt werden. Streik der türkischen StaatSarbeiter. Konstantinopel, 1. April.(W- T. B.) Die Arbelker staatlichen Tabakfabrik sind in den Ausstand getreten. der Redakleur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.; Th. Glocke, Berlin. Druck u. Perlag: Vorwärts B uchdr.» PerlagSanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Zur Beendigung der mexikanischen Revolution. New Jork, 1. April.(SB. D B.) Dem„Herald" wird halb« amtlich aus Mexiko gemeldet, daß demnächst eine Konferenz zwischen Vertretern der Regierung und Madero stattfinden werde. Präsident Tiaz werde«ach der Herstellung de» FriedeuS«ach Spanien gehe». Hierzu s Beilage» Kr. 79. 28. Iahrgllvg. i. SeilGt des LmSlls" Kcilm NcksdlÄ. SottMg, 2. MM Reichstag. 181. Sitzung. Sonnabend, den 1. April, vormittags 11 Uhr. Am BundeSratStisch: Mermuth, Dr. Delbrück, v. Linde- tzuist, v. Kiderlen-Wächter. Der Etat der Zölle, Steuer« und Gebühre». Hierzu liegen Resolutionen des Zentrums, der Konservativen und der Wirtschaftlichen Vereinigung vor, welche Schweden gegen- über wirksame Mahnahmen zum Schutz der heimischen Steinini�istrie, insbesondere der Pflastersteinindustrie verlangen. Abg. Speck(Z.): Die Einnahmen aus den Zöllen bieten ein erfreuliches Bild unserer gesamten wirtschaftlichen Entwickelung dar.— Zu bedauern ist, daß die Kosten, die bei der Er- Hebung der Zölle und Steuern den Einzelstaaten erwachsen, zum Teil größer find als die ihnen vom Reich zugewiesenen Beträge; das ist ein unhaltbarer Zustand, den ich den Reichsschatz- sekretär zu beseitigen bitte. Ferner bitte ich den Schatzsekretär, eine Aufstellung über die Belastung der Bevölkerung durch die Zölle und Steuern zu veranlafien.— In bezug auf den Schutz unserer Pflaster- steinindustrie, die durch die starke Einfuhr aus Schweden schwer ge- schädigt ist, muh jetzt, vor dem Abschluß des Handelsvertrages mit Schweden, der Reichstag ein deutliches Wort sprechen; wir verlangen, daß auf diesem Gebiet Erfolge erzielt werden, und wenn das nicht geschieht, werden meine Frennde eS sich sehr überlegen, ob sie dem Handelsvertrage ihre Zustimmung geben.(Hört! hört!) Abg. Brunstermann(Rp.): Die Einfuhr von schwedischen Pflastersteinen hat derartig zugenommen, daß unsere Industrie aufs schwer st e bedroht ist, deshalb ist es unbedingt nötig, in dem neuen Handelsverträge die schwedischen Pflastersteine mit einem starken Einfuhrzoll zu belegen, wie es die von mir gestellte Resolution Verlangt. Ich bitte, diese Resolution anzunehmen. Wg. Scheideman«(Soz.): Den Wünschen auf Einführung eines Pflastersteinzolles gegen- über verhalten wir uns ablehnend. Die Vorredner haben hier eine recht einseitige Darstellung gegeben, sie stützten sich nur aus Material von Unternehmen!(Zuruf im Zentrum: Auch von Arbeitern), wie daS zu bewerten ist, geht aus der Nr. K3 des„Steinarbeiters' hervor, wo mitgeteilt ist, wie in einem Betriebe die Unterschriften der Arbeiter zustande kamen; »er nicht unterschreibt, wird sofort entlasse«, dekretiert« die Betriebsleitung. Mit diesen Stimmen aus Arbeiterkreisen können Sie also keinen Staat machen. Gewiß befinden sich die Steinarbeiter in einer schwierigen Lage, weil die Städte vielfach zum Asphalt und zum Holiwflaster übergehen; aber im ganzen ist die Entwickelung der Steinindusttie eine glänzende, die Zahl der Betriebe, die Zahl der in ihr beschäftigten Arbeiter und damit die Lohnsumme hat in den letzten Jahren sich ganz beträchtlich erhöht. Nun zu etwas anderem. Die Zölle werden auf Grund des Zolltarifgesetzes von 1302 erhoben, und für den Fall, daß irgend jemand hier im Hause es vergessen haben sollte, will ich doch er- wähnen, daß dieser Zolltarif nur durch die Vergewaltigung der Minderheit, durch die Aenderung der Geschäftsordnung zustande kommen konnte.(Sehr richttg l bei den Soz.) Zu den Vorzügen des Zolltarifs soll die größere Spezialisierung gehören. Wir haben daS schon seinerzeit bestritten und unsere Behauptungen haben sich jetzt auch als vollständig richtig erwiesen, die Schwierigkeiten sind gewachsen, iu der Zeit von 1906 bis 1910 hat die Zentralbehörde nicht weniger als 3900 Tarifentscheidungen wessen müssen. Das Reichs fchatzamt hat selbst anerkennen müssen, daß auch jetzt noch einige der Vorschriften ganz ungenügend sind; tagelang find die Waren oft an der Grenze, was zu unglaublichen Scherereien für die Kauflente führt. Die Untersuchung erfolgt durch staatliche Chemiker und kostet manchmal mehr, als der ganze Zoll beträgt.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Natürlich kommt auch St. Bureau- kratws dabei auf seine Kosten, monatelang dauert eS zuweilen, ehe eine Entscheidung getroffen ist, und dann fällt die Entscheidung so schutzzöllnerisch aus, daß die Einfuhr dadurch verhindert und die Waren zurückgeschickt werden.(Hört! hört! bei den Sozial- demolraten.) Z. B. existieren bei der Feststellung der Kleie ganz unglaubliche Vorschriften, die auf eine Erschwerung, ja auf die mög- lichste Verhinderung der Einfuhr ausländischer Kleie hinauslaufen. Begründet ist der Erlaß dieser Vorschriften mit dem Vorkommen von Zolldefraudationen, was aber von den deutschen Kleiehändlern entschieden in Abrede gestellt wird. Schließlich haben selbst die zu- ständigen Behörden eingesehen, daß der Kleieimport, dieses für oie Landwirtschaft so wichtigen Futtermittels, dadurch geradezu un- möglich gemacht wird, und haben die Bestimmungen wesenlrch ge- Rleines feiriUcton. Martin Greif ist am Sonnabend im Alter von 72 Jahren in Kufstein gestorben. Er war kein Großer im Reiche der Dichtung. keiner von den Eigenen, die die Grenzen des poetisch AuSdrück- baren und der Ausdrucksmittel kühn vordringend erweitert haben. Aber in den alten oft durchwanderten Bezirken, in denen die an Goethe und teilweis an Heine, Lenau und Platen anschließende, Stoffe und Formen wiederholende Epigonenlyrik heimisch war, gelang ihm manches innige stimmungswarme Lied. Hermann Frey, so hieß der Dichter mit seinem bürgerlichen Namen, ist 1839 in Rheinland geboren. In die militärische Karriere verschlagen, nahm er, noch nicht dreißigjährig, seinen Abschied und siedelte nach München über, wo in den S0er und«0er Jahren so viele der damals berühmten Dichter, darunter auch das größte lyrische Formtalent der Periode: Emanuel Gcibel. wohnten. Hier gab er 1868 eine Sammlung seiner Gedichte heraus, die seither, vielfach ergänzt und erwettert, in einer Reihe neuer Auflagen erschien. Der Abschnitt.Vaterländische Gedenkblätter' enthält im Ton. der nach dem 70cr Kiicge eine Zeitlang in der Lyrik grassierte, arg byzantinische Tiraden. Von dem aber. was als neue Kraft in den Tiefen die Zeit bewegt. sucht man vergebens einen Anklang in dem ganzen Buche. Einmal in den meist recht oberflächlichen»Sinngedichten", blitzt aller- dingS etwas wie eine Zeitbeziehung auf. Er zitiert da die»Welt- verbcsserer" herbei, aber nur um sie mit dem billigen Dutzend- sprüchlein:»Jeder erfülle schon jetzt seinen besonderen Zweck", komisch altklug abzutrumpfen. Ganz anders wirken da die»L i e d e r", die„N a t u r b i l d e r, die»Stimmen u n d G e st a l t e n". Was Greif als Dichter zu sagen vergönnt gewesen ist. das hat er hier gesagt. Man spürt den frischen Hauch des Sclbstempfundenen auch da. wo die Empfindung einen unvergleichlich klangvolleren Ausdruck in Gocthcschen und Heineschen Strophen bereits gefunden hat. �Einfach ist feine Lhru; den unmittelbaren Eindruck, den ein vorüberhuschender Moment in der Seele auslöst, will er ohne Reflexion, ja, ohne persönliche Nuancen im Worte festhalten. Tarin liegt der Reiz dieser Dich- tung. aber zugleich auch eine»hrer Schranken. Der Trieb zur raschen tagebuchartigcn Wiedergabe jeder aufschießenden Regung fuhrt nicht selten auch zur Ueberhastung. Aber wenn die Lieder auch in diesem Sinne nicht sättigra, so hallt doch etwas von dem ursprünglichen Gefühl nachzttternd in der Seele des Lesers wider. Als Lyriker ist Greif ein freundliches Gedächtnis sicher. Jen- seitS dieser Grenzen sind ihm Erfolge kaum zuteil geworden, vor allem nicht auf dem Gebiet der historischen Heldcndramcn, Die Entstehung einer neuen Insel. Ueber daS Thema, wie die Insel im ivegeksee(Provinz Brandenburg) entstanden ist, sprach ändert. DaS Reichsschatzamt hat somit anerkannt, daß die Be- hauptungen, die ich seinerzeit über den Zolltarif und seine Speziali- sierung aufstellte, zutreffende waren. Noch auf eine andere Sache muß ich eingehen, auf die ich in der Kommission keine genügende Antwort erhalten habe. Wenn Kriegsschiffe ins Ausland gehen, bekommen sie den Proviant zoll- frei, das ist ganz selbstverständlich und beruht auf Bestimmungen aus dem Jahre 1372. Wenn aber Schiffe nur auf ein paar Stunden in See fahren zu einer Uebung, wobei sie gar nicht in fremde Ge- Wässer kommen, so ist es ein Skandal, wenn sie die Verzehrungs- gegenstände ebenfalls zollftei erhalten. Es sind daS Vergünstigungen für die Marineoffiziere, die sonst kein Mensch in Deutschland genießt. Auch diese Offiziere müssen das bezahlen, was durch Ihren Zolltarif und Ihre Finanz- rcform an Verteuerung der Preise herausgekommen ist. Hätte daS Reichsschatzamt keine Handhabe, diesem Zustand ein Ende zu machen, so müßten wir erneut die Frage prüfen, ob nicht die Zulage der Marineoffiziere erheblich zu kürzen sei.(Sehr wahr l bei den Sozial- demolraten.) Im Etat ist festgestellt, daß die Einnahmen der Zölle 680 Millionen Mark betragen. Wollte man hieran die Belastung des Volkes durch die Zölle ermessen und etwa sagen, bei 65 Millionen Einwohnern ergibt das rund 10 M. auf den Kopf, so wäre das ganz falsch. Die Einnahmen im Etat bilden ja nur einen ganz bescheidenen Teil dessen, was das deutsche Volt an den Zöllen wirklich bezahlen muß. Finanzzölle würden in die Reichslasse fließen, Schutzzölle aber fließen zum größten Teil in die Taschen der Interessenten, bei den Kornzöllen also in die Tasche der Großgrundbesitzer. Professor Brentano hat festgestellt, daß die Belastung des deutschen Volkes durch den Weizenzoll allein im Jahre 1909 236 Millionen betrug (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten), wovon die Reichslasse nur 70 Millionen, in die Taschen der Großgrundbesitzer 165 Millionen geflossen sind.(Erneutes Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) An Roggenzoll hatten wir 363 Millionen zu bezahlen, wovon in die Reichskasse gar nichts floß.(Hört I hört I) Diese ganze Summe floß in die Taschen der Großgrundbesitzer, weil wir eine Ueberproduktion in Deutschland und daher gar keine Ein- fuhr hatten. Die Gesamtbelastung durch den Roggen-, Weizen-, Gerste- und Haferzoll betrug 988 Millionen Mark, wovon nur 108 Millionen in die Reichslasse kamen, dagegen in die Taschen der Großgrundbesitzer 880 Millionen. (Hört! hört!) Also nur ein Neuntel dessen, was das Volk bezahlt, steht hier in den Einnahmen, achtmal soviel bezahlt es an die Agrarier. Dazu kommen dann noch die Ausfuhrprämien, die Liebesgaben, die ermäßigten Eisenbahntarife, die Grenzsperren und vor allem daS famose System der Einfuhrscheine. 1894 gelang eS den Agrariern, den Identitätsnachweis aus der Welt zu schaffen und daS Volk da durch umsomehr zu belasten. Mit den Einsuhrscheinen wurden 1894 erst 6,7 Millionen Mark beglichen, im Jahre 1900 war die Zahl be« reitS auf 22 Millionen gestiegen, im Jahre 1905 auf 38 und 1910 auf III Millionen.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) DaS ist eine ungeheuerliche Belastung und durch diese« Mittel ist das Geld, das für die Witwen und Waisen bestimmt war, durch die nuersSttlichrn Agrarier in ihren Säckel gesteckt worden.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Am 22. April vorigen Jahres erklärte Herr von Bethmann Hollweg, wenn der Ueberfchuß der Ausfuhr an Roggen und Hafer, der wohl nur eine vorübergehende Erscheinung sei, sich als dauernd erweise, habe die Regierung die Handhabe, Stellung dazu zu nehmen. Es scheint aber bei dem Reichskanzler immer sehr lange zu dauern, bis er zur Klarheit komnit.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) In der unL zugegangenen Denkschrift des Reichsschatzamtes ist in aller Klarheit nachgewiesen, daß unsere An- schauunge» richtig sind. Wenn trotzdem die Denkschrift sich die Mühe gibt, zu Schlüssen zu kommen, die mit den Wünschen derer um Heydebrand übereinstimmen, so muß ich doch fragen, ob diese Denk- schrift denn in einem Reichsamt gemacht ist oder in einem Bureau der Stipendiaten des Ka li s y n d ika tS und des Bundes derLandwirte.(Sehr wahr I bei den Sozial- demolraten.) Ich habe bisher nur von den Kornzöllen gesprochen und will auf die anderen nicht eingehen, ich erwähne nur. daß die Fleischzölle die Ernährung des Volkes ebenfalls um tausende Millionen Mark verteuert hat, also fleisch und Brot allein find mit 2 Milliarden belastet. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Nicht 10 M. pro Kopf be- trägt die Belastung des Volke» durch unsere Zölle, sondern für Fleisch und Brot ollein schon 30,77 M., daS macht für eine Familie etwa 150 bis 160 M.(Hört I hört I bei den Sozial- demolraten.) Ich kenne ja die Einwände der Agrarier, daß diese Professor Dr. H. P o t o n i ü in der Versammlung der.Deutschen Gesellschaft für volkstümliche Naturkunde". Dem Bericht über diese Versammlung, den die letzte(14.) Nummer der»Naturwissenschaft lichen Wochenschrift" bringt, wollen wir die wichtigsten Punkte ent nehmen. In der Nacht zum 23. Oktober deS verflossenen Jahres ist Plötz lich im Oegelsee bei BceSkow eine 70 Meter lange und 30 Meter breite Insel aufgetaucht. Daß dabei keine vulkanischen Kräfte im Spiele waren, versteht sich bei der ganzen Naturbeschaffenheit der fraglichen Gegend von selbst. Abrr es wird wohl bei manchem eine Verwunderung erregen, wenn er erfährt, daß dieses neue Stück Land buchstäblich auf den Leichen der unzähligen Kleinlebewesen entstanden ist. Bis etwa zur Zeit Friedrichs II. war der Oegelsee ein stagnierender See, ursprünglich 30 Meter tief. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich sein Boden mit den ungeheuer zahlreichen ab gestorbenen Kleinlebewesen deS Wassers bedeckt. Infolge mangelnder Sauerftoffzufuhr konnte die vollkommene Verwesung ihrer Reste nicht stattfinden, und so bildeten sie einen fauligen breiigen Schlamm, der de» Boden deS Sees mit einer Kruste von 26 Meter Dicke aus polsterte. Der See wäre auf diese Weise sicher zu einem Torfmoor geworden, wenn nicht vor etwa 200 Jahren die Spree ihre Richtung geändert und den See auS einem stagnierenden zu einem durchflossenen gemacht hätte. Die Bildung des Faulschlammes wurde dadurch verlangsamt; statt dessen aber wurde jetzt von der Spree viel Sand in den See hineingeführt. Dieser Sand bildete eine Art Deckel über den Faulschlamm und ver- hinderte auf diese Weise die bei der Fäulnis sich bildenden Gase am Entweichen. Der innere GaSdruck stieg immer mehr und mehr, bis endlich die Gase den Deckel emporhoben, an der schwächsten Stelle zerrissen und so die Insel bildeten. Ob diese Neubildung von dauernder Existenz sein wird, läßt sich vorläufig nicht sagen. Jetzt erscheint die Insel gut fundiert, denn beim Emporgehcn des Deckels wurde der entstandene Hohlraum vom Falschlammkalk ausgefüllt. Die Bohrungen haben ergeben, daß die neue Insel nirgends unter sich Wasser besitzt. Aber eS ist nicht ausgeschlossen, daß die Strömung des Flusses und das Treib ihrer Stelle Insel mit der Zeit abschleifen werden, um an mehr als eine Untiefe oder Sandbank zu lassen. nichts Das erste weibliche Mitglied der norwegischen Akademie. Kurz nachdem die erste Frau ihren Einzug in den norwegischen Reichstag gehalten, hat sich auch die Akademie der Wissenschaften zu Kristiania entschlossen, einer Frau den Zutritt in den bisher nur Männern zu- gänglichen Kreis threr Mitgeieder zu gewähren. Die also AuS- gezeichnete ist. wie Zeitung»Morgenbladet" berichtet, Frl. Kristine Bonnevie. KustoS am zoologischen Laboratorium der Universität zu Kristiania, und Verfasserin mehrerer größerer biologischer Arbeiten, darunter deS einzigen Lehrbuchs, das in Norwegen auf diesem Ge- biet für das Sbiturium offiziell eingeführt ist. UebrigenS hat Belastung notwendig sei im Interesse der Landwirtschast. Ich will hier auf eine Mannskriptsammlung deS Bundes der Landwirte hinweisen,„Material zur Zusammenstellung von Flugblättern, als Manuskript gedruckt", und zwar für die Vertrauensleute des Bundes. Unter diesen befinden sich ja eine Reihe zweifelhafter Elemente, und einer dieser Herren kam eines schönen Tages zu mir und fragte mich, ob ich daS Zeug nicht benutzen könne. Ich habe das Zeug natürlich dankbar angenommen und den Mann selbst als„Lumpen" zur Tür hinausgeschmissen.(Heiterkeit.) Es heißt da, die„indirekten Steuern und Zölle dienen zum Schutze der inländischen Produktion oder zur Vermehrung der Einnahmen der Reichskasse. Sie drücken viel weniger als die direkten, weil sie nicht auf einmal erhoben werden, wie diese, sondern sich fast unmerklich auf einen längeren Zeittaum und eine Reihe einzelner Vorgänge verteilen, sich im allgemeinen auch besser der Leistungsfähigkeit des einzelnen anpassen. So kann ein Armer sich der Zuckersteuer entziehen, wenn er seinen Zucker» verbrauch beschränkt. Freilich ist dieS bei notwendigen Lebensmitteln unmöglich; allein hier trägt in Wirklichkeit der Kon- sument nur einen Teil der Abgabe; der Rest, mitunter der ganze Zoll, trifft das Ausland und die inländischen� Zwischenpersonen."(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Wenn wir also für Fleisch und Brot die Belastung einer Familie mit 150 bis 160 M. annehmen, so wird ihre Gesamt- belastutig durch die Zölle auf mindestens 300 Millionen Mark z u s ch a tz e n s e i n. Da die ungeheure Mehrheit der Bevölkerung ein Einkommen von weniger als 900 M. hat, so ergibt sich, daß die Masse des Volkes mit einer Einkommensteuer von 33'/, Proz. ge- troffen wird.(Lebhaftes Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Bei dem Einkommen von 10000 M. macht diese Belastung nur 3 Proz. ans, also dem Neichen nehmen Sie nur 3 Proz., dem Armen 33 Proz. für die Erhaltung deS Heeres und der Marine.(Sehr richtig! bei den Sozialdem.) Nun sagt man, diese ganzen Zölle nützen der Landwirtschaft l DaS ist aber unwahr, sie nützen den Groß- grundbesitzern.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Zu tausend alten Beweisen könnte man immer neue hervorbringen dafür, daß der Reichskanzler Fürst Hohenlohe die Wahrheit sprach. als er feststellte, eine wie geringe Zahl von Landwirten Interesse an den Zöllen hat. Gewiß bekommt auch der kleine Bauer für leinen Doppelzentner mehr, aber die Zölle verteuern nicht bloß, was er verkauft, sondern auch, was er zukauft,(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) und lassen Sie mal den kleinen und mittleren Landwirt ausrechnen, was das ausmacht. Interessiert an den Zöllen ist tatsächlich die ganze Landwirtschaft, in« sofern, als die großen den Nutzen haben und die kleinen mitbezahlen müssen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Dann sagen Sie, die Zölle sind nötig, zum Schutz der nationalen Arbeit. Dabei lassen Sie die Lebensmittel herstellen von billigen ausländischen Arbeitern(Sehr richtig l bei den Sozialdemokraten) und verkaufen Sie nach dem Auslande billiger und bewilligen sich Ausfuhrprämien. Ihr Schutz der nationalen Arbeit gipfelt in dem Wort:»im Notfall führen wir Kulis ein".(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich weiß, daß Sie sich nicht belehren lassen wollen, wir haben aber ein Interesse daran, daß das deutsche Volk sich belehren läßt.(Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Mögen dem deutschen Michel endlich die Schuppen von den Augen fallen, damit er erkennt, wie er mit nationalliberalkn Phrasen eingeseift wird, damit er sich das Fell über die Ohren ziehen läßt. Hoffent- lich wird der deutsche Wähler bei den nächsten Wahlen dieses Haus gründlich ausschwefeln und ausräuchcnt.(Lebhaft, anhaltender Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Ortel(natl.) bemängelt die Zollabfertigung der Roggen- kleie. Das zur Verwendung gelangende Siebsystem sei völlig un» zulänglich; der Schatzsckretär möge für seine Ersetzung sorgen. Abg. Kaempf(Vp.): Wir stehen auf dem Standpunkt, daß der Verkehr zwischen den Nationen erleichtert werden muß, und deshalb treten wir für schrittweisen Ablxau unseres Schutzzollsystems ein. Ganz besonders schädigend für unsere Volkswirtschaft ist die Zündholzsteuer und der Scheck- st e m p e l. Auch den von den Herren Speck und Brunstermann befürworteten neuen Einfuhrzoll auf schwedische Pflastersteine lehnen meine Freunde als verkehrserschwerend ab und werden daher gegen sämtliche dazu gestellten Resolutionen stimmen. — Dem Preußischen Abgeordnetenhause liegt ein Gesetzentwurf über die Zuwachssteuer vor. der. soweit ich ihn verstehe, darauf hinausgeht, den Gemeinden den Anteil von 40 Proz., den'das ReichswertzuwachSsteuergesetz ihnen gewährt, zu verkürzen. Das widerspricht meines Erachtens dem von uns beschlossenen Reiche- Frl. Bonnevie auch Aussicht, der erste weibliche Professor Skandi» naviens zu werden, denn erst in diesem Winter wurde sie für das Professorat auf dem Gebiet der Biologie vorgeschlagen, nachdem sie bereits längere Zeit als Dozent an der Universität Borlesungen ge» halten hatte. Bemerkenswert ist dabei, daß. während in Frankreich Madame Curie von der Akademie der Wissenschaft abgewiesen wurde, die Mitglieder der norwegischen Akademie ohne Widerspruch in die Zulassung einer Frau einwilligten. Hnmor«nd Satire. 8000 Mark Belohnung. Der sozialdemokratische Parteivorstand hat eine Belohnung von 2000 Mark für die Ermittelung jener zwei Polizeibeamten auS» geschrieben, die mit gehässiger Beharrlichkeit als die.Mörder" eine» Proletariers Namens Herrmann bezeichnet werden. Diesen lächerlichen Versuch, sich in behördliche Angelegenheiten einzumischen, beantwortet daS Polizeipräsidium damit, daß es seiner» seitS eine Belohnung von 3000 M. für denjenigen ausschreibt, der glaubwürdig nachweist, daß der p. Herrmann überhaupt nicht er» mordet worden ist. ES besteht dieSseit» nämlich der Verdacht, daß Hermann, der in schlechten pekuniären Verhältnissen lebte, von den Sozialdemokraten, die eines neuen AgitationSstoffeS gegen die Polizei dringend be- nötigten, gegen angemessenes Honorar beauftragt worden ist, sich zwischen zwei zufällig erhobene Säbel zu stürzen. Die obige Belohnung fällt demjenigen zu, der UNS eine vor Zeugen getane Aeußerung deS p. Hermann nachweist, auS der her- vorgeht, daß der Mann sich in der ausdrücklichen Absicht, sich einen Vermögensvorteil zu verschaffen, zwischen die jusällig! erhobenen Säbel gestürzt hat. Für den Fall, daß eS gelingt, diesen Nachweis zu erbringen, wird es auch diesseits möglich werden, das Gedächtnis der fraglichen Beamten soweit zu schärfen, daß sie sich jenes harmlosen Vorfalls entsinnen. I. 81.; Eft Ess. _(.Jugend'� Notizen. - Karl Weiß ist im Alter von 61 Jahren in Monte Carlo gestorben. Für den Berliner Lokalpatrioten bedarf dieser Name keiner werteren Bezeichnung. Karl Weiß war für ihn in den letzten 30 Jahren einer der beliebtesten Gesangölomiker und ersten Dar» steller ,n all' den Volksstücken und Gesangspossen, die in den acht» zrger und neunziger Jahren im Kleinoürgertunl ebenso populär waren. w,e sie heute vergessen sind. Als Berliner Kind wußte Karl »»-clß den Berliner Ton zu treffen. Seine Blütezeit hatte er unter Adolph Ernst. Von 1896 an führte er selbst die Direktion in dem g-y»« beuannten Ostendtheater, das er 1906 au Bernhard, gesetz; die Eingeistaalen �adsn lediglich Ai spruch auf 1v Proz. alZ Entschädigung für die Veranlagung. Ich lbitte den StaatSselretär, sich darüber zu äußern, cb diese Auffassung richtig ist. Rcichsschatzsekretär Mermuth: Ueber dw Veuivaltungslosten der Bundesstaaten sind Erhebungen im Kangee; Herr Speck wird aber wissen, daß die Materie nicht einfach ist.— Herr Scheidemann scheint' das Wesen unserer Tarifauskünfte»zu verkennen; sie bilden nicht eine Erschtverung des Handels, sondern sind auf seinen Wunsch cingesühnt. Die neuen Bestimmungen über die Zollabfertigung von Kleie trauen notwendig, weil große Mengen von Kleie mit einem größerev als dem zulässigen Mehlgehalt eisgeführt wurden.(Hört! hört! mhts.) Ueber die Zuwachssteu er kann ich mich hier nur sckstver maßgeblich äußern, da die Verhandlungen in Preußen schweben. Auch ist das Reich nicht kompeterit; die Verteilung wird auf Grund des 8 58 des Neichsgesetzes der Landesgesetzgebung vorbehalten bleiben müssen.— Der zollfreie Schiffsproviant, den Herr Scheidemann erwähnte, beruht auf gesetzlicher Bestimmung; die Aiarineverwaltu'ng ist darauf ausmerksanr gemacht worden, daß auf diese Zollbefreiung nur Anspruch best wirklichen Aus- landsreisen erhoben»verden kann. Abg. Vurckfmrbd swiutsch. Vg.): Mit ihrem Widerstand gegen die Schutzzollpolitik fichädiigcn die Sogtaldeinokraten die Interessen der deutschen Arbeiter. Redner wirft sodann unter großer Heiter- keit der Linken den FreSjöndlern Vater.landsverrat vor. Abg. Gräfe-Sachsen sÄnt.) schließt sich den Ausführungen des Borredners an. Auch der rückständigste sozialdemo- kratische Arbeiter lGroße Heiterkeit bei den Sozialdemo- kraten) muß begr«if«n. daß mit dem Freihandel nichts anzufangen ist. Die Arbeiter sollten einsehen, daß ihnen die Sozialdemokraten das Brot wegnehmen.(Stürmische Heiterkeit bei den SoziaL>emokraten.)— Redner hält sodann unter lebhaftem Beifall der Rechten und des Zentrums eine Lobrede auf den Schutzzoll. Abg. Wallenborn(Z.g fast unverständlich� bestreitet u. a., daß die Petitionen der Steinar.beiter zugunsten des Pfhastersteinzolles von den Steinbruchbesitzern veranlaßt seien. Abg. Graf Könitzit- geteilt worden, daß auf der Bock-Strccke mit 25 Kilometer Ge« schwindigkeit gefahren werden könne. Bei Nebel soll vorsichtig und langsam gefahren werden. Bindende Vorschriften darüber«risttertcn nicht. Jnstruklionsstunden würden nur bei besonders wichtigen Sacken abgehalten. Angelernt würden sie von anderen Fahrern. Er sei seit IM Führer bei der Etratzenbahll. Der Angeklagte Milkert. der Fübrer des bom Bock kommenden Wagens, gibt im wesentlichen dieselbe Darstellung. Er sei allerdings 8 Minuten vom Depot zu spät abgefahren und deshalb bei der Hinfahrt etwas schnell gefahren. Bei der Rückfahrt habe er aber die Geschwindigkeit bedeutend herabgesetzt. Bei dem dichten Nebel habe auch er erst den Wagen 8—10 Meter vor ihm auftauchen sehen und sofort alle Bremsen gezogen. Der Angeklagte Grunze bestreitet entschieden von einer Sperrung etwas gewußt zu haben. Das ginge auch daraus hervor, datz er selbst mit dem Rettungswagen auf das gesperrte Gleis gefahren sei. Er hätte auch den Fahrern an dem Ilnglückstage keine Instruktion geben können, da er an Stelle eines aus- gebliebenen Führers, einen Wagen fahren mutzte. Die Kon- trolleure seien verpflichtet, für einen zu spät kommenden Führer einzuspringen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Er sei schon 12 Jahre im Dienste der Stratzenbahn, deren Berwaltungsapparat aus dem Direktor, dem Oberkontrolleur und 5 Kontrolleuren bestehe. Letztere, die die Revision der Strecken vorzunehmen haben, kommen selten dazu, da sie viel von, Bureau aus mit Geldeinwechseln usw. beschäftigt werden. Die gesperrte Strecke sei durch nichts kenntlich gemacht worden. Die Beweisaufnahme ergab, datz keiner der Kontrolleure von der Sperrung etwas gewutzt hatte, mit Ausnahme des Ober- tontrolleurs Hahn, der den, Angeklagten Grunze am Donnerstag- abend— die Sperrung war aber schon am Donnerstag früh an- geordnet— davon Mitteilung gemacht haben will, was dieser aber energisch bestritt. Es kam auch zur Sprache. datz Anfang September sich einige Fälle ereigneten die auf ein Haar zu ähnlichen Kata st rophen führten, weil die Führer ungenügend instruiert waren. Nur der Umstard, datz klares Wetter herrschte, hatte in diesen Fällen die Katastrophe abgewendet. Der Sachverständige für Bahnwesen will eine Schuld der Angeklagten nicht von der Hand weisen, da die Beschaffenheit der demo- lierten Wagen dafür spricht, datz die Führer zu schnell gefahren sind. Aber auch bei 15 Kilometer Geschwindigkeit wäre ein Zusammenstoh un- ausbleiblich gewesen. Die Angeklagten hätten bei den, Nebel so langsam fahren müffen, datz sie den Wagen sofort in der Gewalt hatten! Allerdings wäre„die Fahrgäste dann lieb er zu Futz gegangen. Beide Angeklagten haben geglaubt, sie fahren richtig. Die H a u p t u r f a ch e an dem Unglück trage die ungenügende Jnstruierung der Angeklagten. DaS schnelle Fahren derselben habe die Folgen verschlimmert. Die Strecke hätte auch gekennzeichnet sein müssen. Direktor Müller hält seine getroffenen Anordnungen, datz die Kontrolleure, die den AuSrückdienst haben, den Fahrern Instruktion erteilen, nach wie vor für die beste Methode, trotz des Hinweises des Vorsitzenden, datz ihn doch dies folgenschwere Unglück belehrt haben müsse..Ja. das ist ja sehr unangenehm." meinte der Direktor..Nein, tief traurig,* fällt ihm der Vorsitzende ins Wort. Auf Antrag des Verteidiger« Justizrat Loewe l beschloß dann das Gericht, den Oberkontrolleur Hahn und den Direktor Müller nicht zu vereidigen. Ter Amtsanwalt hielt die Schuld_ der Angeklagten durch da? Gutachten des SachverNändigen und die Aussage des Ober- kontrolleurZ für erwiesen. Er beantragte gegen Grunze als den Hauptschuldigen sechs Wochen Gefängnis, gegen Schneider und Milkert 50 M. bezw. 100 M. Geldstrafe. Das Gericht folgte den Ausführungen des Verteidigers und sprach die Angeklagten sämtlich frei. Der Vorsitzende. Amtsrichter Jacoby führte in seiner Begründung au«, daß bei Schneider erwiesen fei, datz er von einer Sperrung nicht« gewutzt habe. Er mutzte auch annehmen, datz die Verwaltung Motznahmen für die Sicherheit der Strecke getroffen hatte. Ebenso liegt es bei Milkert. Das Unglück wäre auch beim langsamen F.chre» passiert. Bei Grunze könne dahingestellt bleiben, ob ihm Hahn von der Sperrung Mitteilung gemacht hatte. Grunze könne es auch ebenso gut überhört haben. Wenn das Gericht sich auch nur mit der Schuldfrage der drei Angeklagten zu befassen habe, so bringt eS doch zum Ausdruck, datz die direkte Ursache des Unglücks auf die mangelhaften Matz„ ahmen der Verwaltung zurückzuführen sind. Wenn solche ein- schneidenden Aeaderungen wie die Sperrung eines Geleises ange- ordnet werden, dann müssen Vorkehrungen getroffen werden, die ein Un- glück unmöglich machen. Die mündliche Ueberlieferung von wichtigen Äenderungen müssen als absolut unzuverlässig bezeichnet werden. Matznahmen gleich an Ort und Stelle, wie Signale, Posten usw. wären am Platze gewesen.— DaS gehöre zwar nicht mehr zur unmittelbaren Schuldfrage, werde aber noch den Staatsanwalt interessieren. � � AIS nach dem Unglück der Transportarbeiterverband eine öffent- liche Versammlung einberief und in dieser das ganze System als den allein Schuldigen an den Pranger stellte, waren Magistrat und Stadtverordneten-Versammlung sofort bei der Hand, dem Direktor Müller ihr uneingeschränktes Vertrauen auszusprechen. Die Verhandlung hat in vollstem Matze die Richtigkeit der vom Trans- portarbeiterverband und schon vorher in unserem Blatt geäußerten Ansicht bestätigt, datz nicht die Angeklagten, sondern das der Ver- waltung zu Last fallende System schuld an dem Unglück war. Kennzeichnend für da§ System ist eS. datz selbst an der schwarzen Tafel nichts von der Sperre mitgeteilt war, wiewohl das zur Verhütung am Unglück dringend erforderlich war. Wohl aber prangte an der schwarzen Tafel eine Warnung vor dem Beitritt zum Transportarbeiterverband! Werden nunmehr die wegen eventueller Täterschaft unbeeidigt gebliebenen Personen, der Direktor und der Oberkontrolleur, zur Verantwortung gezogen werden? Cttocben-Öplelplan der Berliner Cbeater. Königl. OpernhnuS. Sonntag: Di« Zauierflöte. Montag: Z Häuser. Dienstag: Samson und Dalila. Mittwoch: Die Königski DoimerStag: Rigoletw. Freitag: Die Zauberflöte. Sonnabend: Os vaUvria imaricana. Bajagzi. Sonntag: Orpheus und Eurydike. Montag: Königslindcr.(Ansang 7'/, Uhr.) Königl. Tchanspielhaus. Sonntag: Die Journalisten. Montag: Der Störensried. Dienstag: Flachsmann als Erzieher. Mittwoch: Die Karolinger. Donnerstag: Die Braut von Mesfina. Freitag: Flachsmann als Erzieher. Sonnabend: Der Störenfried, sonntag: Die Räuber. (Ans. 7 Uhr.) Montag: Prinz Friedrich von Homburg.(Ansang 7fl, Uhr.) Neues lgl. Lpcrn-Dheater. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Almen. rausch und Edelweiß. Abend«: Der Amerilaseppl. Montag: Bauern Politik. Dienstag: Der Herrgottschnitzer von Ammergau. Mittwoch: Jägerblut. Donnerstag: Der Paragraphenschufter. Freitag: Der Stamm. Halter. Sonnabend und Sonntagabend: In der Sommers, ijch'n. Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: Der verlehrte Hof. Montag: Anno dazumal.(An- fang 8 Uhr.) Deutsches Dheater. Sonntag: Jaust. Z. Teil.(Ansang 6 Uhr.) und Montag: Faust. 2. Te' Dienstag, Donnerstag Sonnabend Montag eil.«An ig: Faust. fang 5 Uhr.) Nächsten Sonntag: Faust. 2. Teil.(Ansang 6 Uhr.) Montag, Mittwoch und Freitag: Faust. 1. Teil.(Ansang 7'/, Uhr.) Deutsches Theater(Kammerspiele). Sonntag: Die Königin. Montag: Gawön. Dienstag: Sumurun. Mittwoch: Die Königin. Donnerstag: Sumurun. Freitag: Die Königin. Sonnabend: Sumurun. Sonntag: Dt« Königin. Montag: Frühlings Erwachen.(Anfang 8 Uhr.) Lessing, Theater. Sonntag, Montag und Dienstag: Glaube und Heimat. Miitmoch: Die Frau vom Meere. Bom Donnerstag ab all- abendlich: Glaub« und Heimat.(Ansang 8 Uhr.) Kleines Theater. Allabendlich: Der Leibgardist.(Anfang 8 Uhr.) Neue« Theater. Allabendlich: Mein erlauchter Ahuherr.(Unjaug 8 Uhr.) NeueS Schauspielhaus. Sonntag: Medusa. Montag: Wiederkehr. Dienstag: Da» kleine Schokoladenmädchen. Mittwoch: Faust. 1. Teil. (Ans. 7'/, Uhr.) Donnerstag: Das Neine Schototadenmädchen. Freitag: Faust, l. Teil.(Ans. 7>/, Uhr) Sonnabend und s-onntag: Wienerinnen. (Sonnabend Ans. 7>/, Uhr.) Montag: Wiederkehr.(Anfang 8 Uhr.) "" Theater. Sonntagnachmtttag 3 Uhr: Der~" Vcilchenfresser. Berliner Theater. Somttagnachmttlag 3 Uhr: Allabendlich: Bummelstudentcn. Nächsten Sonntagnachmittag'3 Uhr l (An'""' Taifun,(ilnfang 8 Uhr.) Modernes(Hcdvel-) Theater. herrnhilgel. Vom Dienstag ab all (Ansang 8>/, Uhr, Dienstag 8 Uhr.) Sonntag und Montag: Der Feld- allabendlich: Colctte, eine aoflänge Frau. Komische Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr Hoffmanus Erzählungen. Abends und Montag: Orpheus in der Unterwelt. Dienstag: Figaro» ochzeit. Mittwoch: Die verkaufte Braut. Donnerstag: Orpheus in der nterwelt. Freitag: Hoffmanns Erzählungen. Sonnabend und Sonntag- abend: Orpheus in der Unterwelt. Sonntagnachmtttag I Uhr: Tie Boheme. Montag: Tiesland.(Ansang 8 Uhr.) Thalia-Theater. Allabendlich: Polnische Wirtschast.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Tbeater O. Sonntagnachmtttag 3 Uhr: Die Ehre. Abends: Maria und Magdalena. Montag: Gabricllo, der Fischer. Dienstag: Nathan der Weise. Mittwoch: Das Urbild des Tartüff. Donnerstag: Maria und Magdalena. Freitag: Egmont. Sonnabend und Sonntagabend: Liebelei- Literatur. Sonntagnachmtttag 3 Uhr: Die Ehre. Montag: Ein idealer Gatte.(Anfang 8 Uhr.) Schiller- Theater«harlotteuburg. Sonntagnachmtttag 3 Uhr: Prinz Friedrich von Homburg. Abends: Ein idealer Gatte. Montag: Maria und Magdalena. Dienstag: Ein idealer Gatte. Mittwoch: Der Traum ein Leben. Donnerstag: Ein idealer Gatte. Freitag: Gadriello der Fischer. Sonnabend: Der Traum ein Leben. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Zapsenstteich. Abends: Der Traum ein Leben Montag: Maria uitd Magdalena.(Ansang 8 Uhr.) Friedrith-WilhrlmstädkisÄeS Schauspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Gras Essex. Sonntagabend, Montag, Dienstag, Donnerstag. Freitag, Sonntag und Montag: Eine Ehe. Mittwoch: Revolutionshochzeit. -Sonnabend: 2X2— 5. Sonntagnachmtttag 3 Uhr: Die Räuber.(Ansang 8 Uhr.) Neues Operetten- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Glücksengel. Allabendlich bis Donnerstag: Die schöne Risette. Vom ~«iiag ab: Der ledige Gatte. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der ''lücksenael. tAnsana 8 Ubr.) Th ätcr des Westens. Sonntagnachmittag 3'/« Uhr: Die ge- jchiedeiie Frau. Abend» und folgende Tage: Die lustigen Nibelungen. (Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonntagnachmittag: Das Pupvenmädel. Trianon-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Fräulein Josette, meine Frau. Allabendlich und nächsten Sonntagnachmtttag 3 Uhr: Hippolyte» Zlbcnteuer.(Ansang 8 Uhr.) Residenz-Theater. Allabendlich: Fernands Ehekontrakt.(Ansang 8 Uhr.) Berliner BolkS< Oper. Sonntagnachmtttag S1/, Uhr: Undtne. Abends: Die Dollarprinzessin.(Ans. 8 Uhr.) Montag: Die lustigen Weiber von Windsor. Dienstag: Die Zaubcrflöte. Mttlwoch: Martha. Donners- tag: Rigoletw. Freilag: Undme. Sonnabend: Die letzten Tage von Pompeji.(Ans. 8 Uhr.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Freischlttz. -Abends: Die Zauberflöte.(Ans. 8 Uhr.) Montag: Die lustigen Weiber von Windsor.(Ansang 8'/, Uhr.) Luisen- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: DaS grobe Licht. Allabendlich: AuS erster Ehe. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Räuber.(Ansang 8 Uhr.) Lustspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: MeherS. Allabendlich: Die Grüne Neune. Nächsten Sountagiiachmtttaa 3 Uhr: MeherS.(Ansang 8 Uhr.) Rose-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Wilhelm Tell. Abends: Am Rande de» Abgrundes. Montag: Wilhelm Tell. Dienstag und Mittwoch: Am Rande des Abgrunde». Donnerstag: Der Störensried. Freitag: Wilhelm Tell. Sonnabend: Der Störenfried. Sonntag und Montag: Muttcrsegen.(Ansang 8 Uhr.) Casino- Theater. Sonntagnachmittag 8'/, Uhr: Haß und Lieb«. Allabendlich: Julie Wippchen.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonntagnach- mittag 3st, Uhr: Familie Klwkert. Metropol» Theat Ansang 8 Uhr. Folie«(kapricc. Allabendlich bis aus weiteres: Der Feldwebclhügel. Ansang 8'/, Uhr. Apollo-Tdeater. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Sonn- tagnachmtttag 3'/, Uhr: Spezialitäten. Pastage- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Spezialttäten. Ansang 3 Uhr. Wintergarten. Allabendlich und Sonntagnachmittag: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Reichsliallen. Theater. Täglich: Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Walhalla- Theater. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Der Trompeter von Säkliiigen. Allabendlich: Bravo l Da capo I Spezialttäten.(An- sang 8'/, Uhr.) ikarl-Haverland-Theater. Täglich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Herrnfeld-Theater. Täglich: Scyeidungs-Souper. Die Bar-Schwester. (Ansang 8 Uhr.) Urania- Theater, Taubenstr. 48/49. 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Oer Liuberutor. _ Paul Hoffmann, Stralauer Platz 1/2. Achtung! Polen Achtung! des 4. Berliner Reichstagswahlkreises. Sonntag, den 2. April 1911, nachmittags 2 Uhr, findet im Lokal des Herrn Freyer (früher Keller), Koppenstr. 29 eine offenl!. polnische Wähler- Versammlung Patt. TageS-Ordnung: i. Die Heuchelei der polnischen Rkichstagssrnktion und die polnische Arbetterklnsst. 2. Diskussion. "' Es ist Pflicht eines jede« Pole» in dieser Versammlung z« erscheine«., 217/6* Die AaU«UonsboininlHlon: Szymowski. Deutscher Bauarbeiter-Verband. Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Achtung! Achtung! Putzer. Mittwoch, den 5. April 1911, abends 8V2 Uhr, in sämtlichen alte» Bezirkslokalen Berlins und der Bororte: ItaPerordentlieheSezirUsversammlutigeti TageS-Ordnung: Das Resultat der Bankontrolle vom 21. März 1911 und welche Mahnahmen find zur Verbesserung der jetzt bestehenden Attordverhältnisse in unserem Beruf zu treffen. »V GS ist Pflicht jedes einzelne» Mitgliedes, pünktlich in dieser Versammlung ,« er« erscheinen._ 187/16_»le«rtllche Verwnltnnic nnd Oblente. Kellner! Köche! Hoteldiener! usw. Dienstag, den 4. April, nachmittags 3 Uhr. in den Jndustrie-Festsälen, Beuthsttaße 19-20(am Spittelmarkt): Große öffentliche Versammlung aller Angestellte« im Gustmirts-Gewerbe. TageS-Ordnung: 280/17 i. Skandalöse Zustände in der Krankenkasse der Gastwirte- Innung Berlin und die Stellung der Behörden dazu. Referent: Nrbeitersekretär Herr<5. Bauer. S. Freie Aussprache Der Vorfltzende der Kasse Herr Gastwirt Preilipper, der Rendant Herr d. Soest sowie die Gewerbedeputation alS Aufsichtsbehörde find schristltch hierzu etngelade»! Verband deutscher Gastwirtsgehilfen:: Gau Groß-Berlin. _ N. 24, Nr Hamburger Str. 18/19. Telephon: Amt III, 4026. Achtang! KMsMtt, SlilKhleMe**»£! und alle ill Kildhanerei u. Stlltkgeschästkll d. llllthfolgklldell Orte beschäst. Arbeiter, die derZwallgsillllUllg augthörell. Berlin, Charlottenburg, Rixdorf, Schöneberg, Wilmers- dorf, Halensee, Lichtenberg, Spandau, Köpenick, Adlers- Hof, Britz, Friedenau, Grunewald, Niederschöneweide, Treptow mit Baumschulenweg» Südende, Tempelhof, Oranienburg, Bernau, Friedrichshagen, Erkner, Karls- Horst, Rummelsbvrg, Friedrichsfelde, Niederschönhausen, Oberschöneweide, Pankow, Plötzensee, Weisteusee, Reinickendorf, Schönholz, Stralau, Tegel. Neata«, den 8. April 1911, abend« 8 Ihr, in Berlin im 6ewerbscbaftsban«e, Engeluser 15, Saal I: SBr Mahl der Ivvvvgsschitdsgerichts.§eifltztr. 173/5 Ter«efellenanSschuH. Restauration in großem FabrilhauS sosort zt miete». Rixoorf, Reuterstr.«3� u ver« 1/44. Ortskrankenkasse d. Kupferschmiede. Am Freitag, den 14. April lSll, vorm. 10 Uhr, Rosenthalerstr. 11/12: General- Versammlung. Tagesordnung: Siehe überiandt« Einladung des Vorstandes. Krankell- ll.5terbekasstNr.ö. Montag, 10. April, abends 8'/, Uhr: General- Versammlung im Äaffutlotol, LandSbergerstr. LS. Tagesordnung: 1. Stalulenänderung. 2. Verschiedenes. 309/12 Der Verstand. Orts-Krankenkaffe de« Maurergewerbes zu Berlm. Donnerstag, de« 18. April, abends 8 Uhr, findet in den neuen Irwin» Hallen, Kommandanten strahe 68/59, parterre General-Yersammlang der Vertreter der Kajsennnlgli-dcr und der Arbeitgeber ftati TageS-Ordnung: 1. Vorlegung des VerwaltungS. bcrichleS und RechnungSab» lchlufieS pro 1910. 2. Bericht der PrüsmigSIommisfion und Beschluhsassung über die Ab- nähme der ,1>ahreSrechnung 3. Antrag aus Bewilligung einer Enlschadigung für die Kassen- miialicder deS RechnungSauS- schuiles. «. Bcrichlerstaitiing über den Stand der Stawten anderung. 6. Verschiedenes. Berlin, den 30. MSrz 1911. Der Vorstand. A. Dthne, C. Leknlg, Vorsitzender. Echrififübrer. Verein für grauen u. stlaclcben der Arbeiterklasse. Mtttw-ch. dm S.April, abends S'/g Uhr. im Englischen«arten, Meranderstrafie 27 c: Tiskutier-Abend über das vorige Rcserat:»Mutter und Kind. ihre Rechte und ihre Pflichten." bö/S 0r. Oskar Ookn hat die Einleitung der DiSIusfion übernommen. chäste willkommen._ Der Vorstand. Verwaltung Berlin. Achtung! Werkstattvertrauensleute! Die Kollegen, welche noch kemen Jahresbericht erhalten haben, lömicn ihn durch die Vertrauensleute vom Bureau abholen lassen. Achtung! Jugendliche Holzarbeiter! Der Lesesaal für die jugendlichen Holzarbeiter ist vom 1. April ab ge« schlössen. ÖS finden an den Sonntagen Ausflüge und andere Veranstaltungen statt, die im.Vorwärts- veröffentlicht werden. 81/8 Montag, den 3. April, abends SVz Uhr(gleich« Feierabmdl! Mitglieder-Versammlung riscbtoi». Beiirt SUoslen I:---"-WT'-' neiirll sntosleu II:'»■"Wß'&'Sr.***'"- Mittwoch, den 5. April: Nkckltllensmüllllknitrsltmmlllllgkn der Bezirke und Branchen. Dienstag, den 4, April 1911, abends 8 Uhr, im Saal 4 des Gewerkschaftshanses, Engelufer IV: Anßmirdtntlllht Grnnnl-VnsnUUlnng. TageS-Ordnung: 1. Warum werden dt- Beschlüsse der GeuerolversawMlnnß»Ott 16. Februar nicht beachtet und ausgeführt? 2. Maimarken, Verschiedenes.>8/18 Mitgliedsbuch legitimiert.> Zablrelchen Besuch erwartet Die DrtsverrrsItniiM. ItiVälitjSNllNlösSlllllUNgSKZSSS der Steindrucksr u. Llthograptien. Am Dienstag, den 11. April, abends 8-/, Uhr. süldei iml:„Ueber die Bedeutung des Wafferheilverfahrens". 2. Bericht der Dreizehner-Kommission und NeglvShl derselben. 3. Verschiedenes. 1006b' Die Dreizehner-Kommisfion. g. A r Gustav Hutaue», gkrtedevstr. 96. Stukkateure! NontsU, den 3. April 1011, abends S'/i Cbr, Gewerkscbaltahanse, Engeluser 15, Eaal I: General- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal. 2. Der BerdandStag in DreSde» und«andidaicuausstellung zur Delegierteuwahl. 3. Gcwertschast. «che». Maifeier. 173/8 Vonzahliges Erscheinen notwendig._ Die OrtSSerwaltnng. Verband der Sattler umiPortefeuiller. . Ortsverwaltung Berlin.> Die nächsten Brnnchen-Versammlungen finden an uachsolgenden Tagen statt: Etschlkk-AkÜllcht Donnerstag, den 6. April, abend« 8V» Uhr, im GewertschaftShause. Engeluser 15. Potteftuilltr- und Rtisrattiktldrallcht �Lds�/uh?"'' bei Granmnnn, Nauntznstr. 27. Mllliär-Krallche: Miimcih, den s.«pru, abend» e Uhr. im Englischen Garten. Alexanderstr. 27 o. FilloltUlllltgkr v. Teppichvahtr: bei Weibnacht, Grünstr. 21. Magkll-Srautlje: snmno«, den S. AprU, abend» 8?, Uhr. im»e- wcrkschaftShause, Engeluser 16. «stmtttl.». iderstihls-lstem:— im«ewertschastshause, Engeluser 16. Akktiov Charlotttvbllrg: Mittwoch, 5.«pril, abend» B'h vhr. im Volkshanse, Rosincnstr. 3. Zahlreichen Besuch dieser Lersammlongen erwarten 166/13 Die Brauchenleitunges. Achwng! Vertrauensmänner. Achwng! Am Montag, den 3. April, abend» S'/, Nhr, in de» Armin- Halle», Kommandantenstt. 68/69: Allgemeine Vertrauensmänner-Vers ammlung. Tagesordnung: 1. Ausgabe und Erläuterung der ftattsttschen Fragckarten. 2. Verschiedenes. Kollegen Da eS sich bei dieser ftattsitsche« Erheb««« um die Erfüllung einer sehr wichtige» Aufgabe handelt, hat jeder Ber» trauenSmanu die Pflicht, diese B>rsammlung unbedingt zu besuche». In verkstuben, wo nur ein Kollege beschästigl wird, ist auch dieser ver- pslichlrt, zu erscheinen. Jede Werlstalt mutz vertreten sein._ Die OrtSverwaltung. Tegel! Montag, de« 3. April, abends S'i Brunowftrah« Tegel! ir, bei Hairers, 162/11 MO Keitnarbeiterinnen-Versammlung. Tagesordnung: 7» Reserent: Genosse Anoon-Beriw genossen werden ersucht, ihre grauen und stg ausmirksaw zu machen. Wer schützt dt« Heimarbeiter ls vor Ausbeutung?« Reserent: Genosse Unoon-Berllu. TSchb... Tie«tuderuftriH. hier aus htess p Gegründet 1825 HAHN BERLIN C25 Landsberger Straße 63, Neue Ksmigstraße 48-49. 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April, nach- mittags i'l, Uhr, von der Leichen- balle des Zentral-Friedhoses in Friedrichsscide aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 217 sb Der Vorstand. Sözialtaokr.Krsiswalilyere!!! Hieder-BarelüL Bezirk Nieder-Schönhause«. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriger und treuer Genosse, der Maurer Albert Lindow am Sonnabend, den 1. April, ver- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beeidigung wird noch be- kannt gegeben. Zahlreiche Beteiligung wird er- wartet. 238/7 Die Bezirksleitung. des ß. Verl. Reieiisiaifs-VaiMes. Todes- Anzeige. Am 1. April verstarb unser Gc- nasse, der Schmied Karl Höhr Berlichingcnstraße 17. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 4. April, nachmittags i Uhr, von der Leichen- Halle des Heilands-Nirchhoses in Plötzenjee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Lim 31. März verschied nach langem schweren Leiden mein inniggeliebter Mann, der Gast- wirt Max Vogel im 42. Lebensjahre. 87052 Die Beerdigung findet am Montag, den 3. April, nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause, Friedel- slraße 12, aus statt. Um stille Tellnahme bittet vis trauernde tiinterdliedene Jotannna Vogel geb. Bader. SoziaMemokratiseherWaMrorelfl Rlxclorf. Am Freitag, den 31. März, ver« starb unser langjähriger Partei- genösse, der Gastwirt Max Vogel Friedelstraße 12(2. Bezirk). Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Montagnachmiitag 2 Uhr vom Trauerhause auS statt. 234/19 Der Borftand. Dankstxgutig. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManneS sage ich allen Bc- kannten, insbesondere dem Genossen Mmialie sür die trostreichen Worte, dem Gesangverein„Morgengrauen" sowie den Kenossen des VI. Kreises »leine» innigsten Dank. lOSlb U'g Neinmiiller Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler .Anton HärtI am 29. März gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 4. April, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des St. Mathias- Kirchhofes in Marienhöhe(Wariendors« Süd- ende) aus statt. Um rege Betelligung ersucht 81/7 Die Ortsverwaltung. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Filiale Groß-Berlin. Durch den Tod ist uns einer unserer Mitkämpfer, der Kolleg« Ksrl Petrat von der Sektion III, Friedrichs- Hägen, entrissen worden. Wir werden ihm ei» ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet am 2. April, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde- Friedhofes in Friedrichshagen aus statt. 35/18 Die Ortsverwaltung. Florians ZabnpflegesKasten, Zaluimüver, Zahnbürste, Mundwasser(Preis zusammen nur 1 M.) Zu haben In Konsumvereinen, Genossenschaften und einschlägigen Geschäften sowie 10 Stück M. 8,50, 24 Stück M. 18,—. franko Nachnahme durch das Mediz. Warenhan», KarlstraUo oder direkt durch die Chcraiacben Werke, Florian n. Co., Britz- Iterlln. hiermit die traurige Nachricht, daß mein geliebter Mann, unser guier Vater, der Maurer Ferdinand Horlitz nach kurzem aber schwerem Leiden sanft entschlafen ist. Witwe Horllt» und Kinder, Pücklerstraß» 23. Die Beerdigung findet Dienstag. nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Emmaus-KirchhojeS aus statt. Vesband der Schneider, Schneiderinnen und Wllscliaarbeiter Deutschlands Filiale Berlin 1. Den Mitgliedern geben wir hiermit befannt, daß der Kollege Friedrick Ltutzke im Alter von 30 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 3. April, nach« mittags 4 Uhr aus dem Marien- Kirchhos zu Mariendors statt. 102/lS Die Oiisverwaliun;. Zentral-Men- und Sterbe- Berlln III. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Mitglied Friedrich känvsld am 30. März im Aller von 40 Jahren an Lungenentzündung verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Montag, den 3. April, nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des St. Elisabeth-KirchhoseS, Prinzen- Allee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 257/6 Die Ortsverwaltung. Danksagung. ES ist unS unmöglich, für die zahl. losen Beweise der Liebe beim Heim- gange meines liebe» Mannes nnd guten VaterS einzeln zu danken. Wir tun es hiermit au» tiefstem Herzen. Wwe..Johanna KnhlfnU _ geb. Zeuke und Sohn._ Danksagung. Für die viele» Beweise herzlicher Anteilnahme bei dem Tod« und der Beerdigung meines lieben Batten und guten Vaters Faul Klicke sagen wir hiermit allen Verwandten, Freunden und Befannten herzlichen Dank. Insbesondere sei gedankt dem Wahtoeiein Charlottenburg, dem Verband der sreien Gast- und Schanf- wirte, dem Lotterieverein„Leere Taschen- und den Arbeitern der Firma Otto Jachmann sür ihre Kranz. spenden. 3704L Wwe. Ann» Kllctae. Trudohen Küche. Danksagung Für die herzliche Teilnahm« und die reichen Kranzspenden bei der Be- erdignng meiner lieben Frau, unserer guten Mutter, Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante Berta Hoffmann sagen wir allen Freunder» und Be- kannten, insbesondere der OrtSver- wallung und den Mitgliedern des Zentral-Kranken- und UnicrstützungS- verein» der Schmiede(Berlin 10) so« wie den Kollegen der Werkzeugbau- und Turbinensabrik unseren herzlichsten D> uttenstraß«, 1063b Otto Hofftnann To de»-Anzeige. Am Sonnabend, den 1. April, verschied nach langen schweren Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, der Parquettleger Gustav Simund. Dies zeigt tiesbetrübt au im Namen der Hinterbliebene» Klar» Simund geb. Schmoll. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 4. d. M, nach. mittags 4'/, Uhr. von der Leichen- halle des neuen Jakobi-KIrchhoses in der Hcrmannstraße aus statt. afOTJuTiorro:!, Danksagung. Für die vielen Beiveise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich allen Teil« nehmern meinen herzlichsten Dank. Beinhold Fliegner. nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweis« herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz. spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes Faul Lckulz sage ich ollen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere dem Wahlverein de» VI. KreiscS sowie dem Deutschen Hotzarbetlerverband« und Herrn d'tanasse mewen innigsten Dank. W«e. Elise Schulz. Danksagung. Für die herzlichste Teilnabme bei der vcerdtgung meines lieben Mannes und untere« guten Vater», des Gast- wirt« Karl Winkler, sprechen wir sämtlichen Teilnehmern unseren besten Dank au«. 370SL Wwe. Winkler nebst Kindern. /frtrrmm VTT irAVTl I/ ri KttllLl�arrttTTX rTTTAXJTLJLXUlj Giraglle für guten Sitzt Gorantle(ür gute SloKel Bevor der Andrens zu stark wird, Besuch möglletast sofort erbetsnl Westmann MohreilStr. 37a, nahe Jerusalemsr Strasse Gr. 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April angesetzte öffentliche Frauenversammlung fällt deswegen aus. __ Der vorstand. Berliner JVacbncbten* Das Gesindehospital der Stadt Berlin da? auf dem Grundstück Koppenstr. 38/40 sich befindet, feiert heute daS Jubiläum seines bOjährigen Bestehens. Die «nstalt«zchört zu den besonderen„Wohlfahrtscinrichtungen" für das«Gesinde", die au» den Mitteln des sogenannten„Gesinde- Belohnungs. und Unterstützungsfonds" unterhalten werden. Tatz dieser Fonds im ersten Drittel deS 19. Jahrhunderts in» Leben gerufen wurde und bis in unser 20. Jahrhundert hinein sich erhalten hat. erklärt sich aus der schmachvollen Son der- stellungdeS„Gesindes". Die Idee, einen Fonds zur Bc- lohnung treuer Dienste des„Gesindes" zu gründen, entstand bei der Gemeindeverwaltung der Stadt Berlin im Jahre 1823. Zur Llufbriirgung der erforderlichen Mittel sollte das„Gesinde" selber herangezogen werden, doch wurde trotz AeitragSzwang lein rechtlicher Anspruch auf Unterstützung ein- geräumt. Den Plan genehmigte der König durch Kabinettsorder von 1826, und seit März 1827 wurde dann alles„Gesinde" gezwungen. bei dem Antritt eines ersten Dienste» und bei jedem Wechsel des Dienste» 6 Silbergroschen zu zahlen. Nach dem ersten Etatut zur Verwaltung deS hieraus sich ansammelnden Fonds, das 1830 durch Kabinettsorder genehmigt wurde, sollte invalides .Gesinde" unterstützt werden entweder mit barem Velde oder mit Verpflegung in einem Hospital. Die schon in diesem Statut aus- gesprochene Absicht, ein besonderes Gesindehospital zu schaffen, wurde erst drei Jahrzehnte später verwirklicht. Im Jahre 7844 wurde die Ausführung angeregt, aber vertagt; 1853 griff man den Gedanken von neuem auf, das Jahr 1858 brachte den Beginn des Baues, 1861 war die Anstalt fertig und wurde in Be- Nutzung genommen. In neuerer Zeit ist ihre BclegungSziffer stark hernnjcrgeggngen, txeij dje Wittel de? Fonds nicht groß sind.: Da« Vertvaltungsjahr 1009/10 schloß mit einem Bestand von nur noch 81 Hospitalitinnen ab. Verringert haben sich auch Zahl und Be- trag der Unterstützungen: In 1909/10 wurden rund 13195 M. hierfür ausgegeben, durchschnittlich pro unterstützte Person 90 M., und das Jahr schloß ah mit rund noch 147 Ünterstützungs- cmpfängerinnen. Ter eigentliche Zweck der ganzen Einrichtung ist allerdings wohl niemals der gewesen, dem„Gesinde" einen gesicherten Lebens. abend zu bereiten. Man wollte das„Gesinde" zu treuem AuS- harren erziehen, teils durch den ZwangSbeitrag von 5 Silber- groschen, der wie eine Strafe für Verändcrungslust wirkte, zum Teil auch durch die Aussicht auf Belohnung und Unterstützung, die als Köder diente. Zwar äußerte der Magistrat schon in einem Bericht über das erste Jahrzehnt des Fonds die verständige Ansicht, datz die weiblichen Dienstboten keineswegs immer aus Mangel an Ausdauer so oft den Dienst wechseln. Er bezeichnet es als„natür- lich, datz sie einen Dienst, in dem sie oft mit Arbeiten überladen werden, geringen Lohn und dürftige Kost haben und dabei bis- weilen noch harte Behandlung ertragen müssen", bald wieder der- lassen,„um ihr Glück anderweitig zu versuchen". DaS hat aber nicht gehindert, datz diese sogenannte„Wohlfahrtseinrichtung" für „Gesinde" mit ihrem als Strafe wirkendem Zwangsbeitrag bis auf den heutigen Tag konserviert worden ist. Noch heute will der Berliner Stadtfreisinn nicht daran rütteln lassen, weil im Grunde auch er durchaus einverstanden ist mit der Sonderstellung des„Gesindes", für die der„Gesinde-Beloh- nungs« und Unterstützungsfonds" samt dem besonderen Gesinde- Hospital ein beschämendes Denkmal. Unseres ErachtenS könnte das Jubiläum nicht besser begangen werden, als durch gänzliche Beseitigung des bO Pfennigzwanges. Fixe Berichterstattung. Die SensatwnSsucht eines großen Teiles der bürgerlichen Presse hat schon mancherlei sonderbare Blüten gezeitigt. Dieser Tage sind wieder einige allerliebste Schnitzer entstanden. So hatte der„Lokal-Anzeiger" bei der Nach- richt von der Ermordung deS Oberstleutnant v. Schlichtina in Konstantmopel nichts eiligeres zu tun als eine vollständige Bio» graphie des Offiziers zu bringen. Anderen Tages wurde mit- geteilt, datz es irrtümlich der LebenSgang des Bruders des Er- schossenen gewesen war.— Die„Morgenpost", auch immer.aktuell". teilte in ihrer DonnerStagnmmner bereits mit, datz der Dichter Martin Greif in Kufftein am Mittwoch, laut Privattelegramm, gestorben wäre. Um aktuell zu sein, brachte sie gleich das Bildnis und eine Biographie des Dichters. Martin Greif ist aber erst gestern, Sonnabend früh 9 Uhr, gestorben.— Am Donnerstag brachte die„Berliner Illustrierte Zeitung" neben einigen faden „Aprilscherzen" als Neuestes die Nachricht, datz unser italienischer Genosse Bissolatie in daS Ministerium eingetreten sei. nachdem seit vier Tagen alle Welt weiß, datz dieser es abgelehnt hat. DaS sind so einige„altuelle" Proben der Sensationspresse, die sich rückgreisend beliobig vermehren lietzen. Der Spießer aber meint, sein Blatt brächte immer das Neueste. Und so steht es doch auch jeweilig in den Anreitzerprospekten der in Frage kommenden Blätter. Der Stadtverordnete A. E. FaSquel hat sein Mandat nieder- gelegt. FaSquel vertrat seit 16 Jahren den S. Gemeindewahlbezirk in der 2. Abteilung. Der Deputation für die städtische» Krankenanstalten und die öffentliche Gesundheitspflege lag in ihrer gestrigen Sitzung der Ent- Wurf des Bauprogramms und der Personalnachweisung zu einer Pflegestätte für Lungenkranke und Kehlkopfleidende in Buch vor. Kit der Vorberatung dieses Programm« hatte sich zunächst ein- eigen« zu diesem Zweck eingesetzte Kominission befaßt. Das Programm fand bis auf geringe Abänderungen die Zustimmung der Deputatton. E« ist der Bau von Pavillons für die Pflegestätte in Aussicht ge» nommen. Die Anlage soll vorläufig für die Ausnahm- von 500 Per- sonen eingerichtet, die Möglichkeit einer Ausdehnung auf 1900 Per- sonen aber berücksichtigt werden. Die MagistratSvorlage über die Neueinteilung der Gemeinde. Wahlbezirke beschäftigte Freitag den Stadtverordneten-Ausschutz. Nach eingehender Bewtung wurde folgender Antrag des Vor» sitzenden Liebenow angenommen und soll dem Plenum vorge- schlagen werden:„Dre Stadtverordneten-Versammlung nimmt Kenntnis von der Porlage des Magistrats und erklärt sich mit der Neueinteilung der Gcmteindewahlbezirke der dritten Abteilung, so wie sie vom Magistrat aufgestellt worden sind, einverstanden. Sie ersucht denselben aber, von einer Neueinwilung der Gemeinde» nxrhlbezirch: der ersten und zweiten Abteilung für die in 1911 statt- findenden Wahlen Abstand zu nehmen und der Stadtverordneten- Versammlung das erforderliche Material zugehen zu lassen, damit diese ev. eine den tatsächlichen Verhältnissen entsprechende Aende- rung in der Einteilung der Wahlbezirke der ersten und zweiten Abteilung in Vorschlrvg bringen kann." AuS der Magistratsfitzung wird berichtet: Nachdem der FiSkuS daS Grundstück der Sternwarte am Enckeplatz verkauft hat, ist man dem Plane einer Verlängerung der Charlottenstratze über das Stern- wanengrundstück nach der Lindenstratze näher getreten. Der Magistrat hält dies« Durchführung der Charloltenstlatze für zweckmäßig und geboten und hat entsprechend dem Vorschlage der Tiefbaudeputation eschlossen, die Fluchtlinien für die durchzulegende Straße dahin festzusetzen. daß die Eharlottenstratze geradlinig bis zur Markthalle II (zwischen Linden- und Friedrichstratze) verläuft und an dieser entlang nach der Lindenstratze führt. Gleichzeittg hat der Magistrat die Fest- setzung der Fluchtlinien für eine Stratze beschlossen, die von der Ecke Linden- und Hollmannstratze nach der Ecke Alte Jakob« und Gitschiner Straße führt. Diese Stratze stellt eine Fortsetzung der verlängerten Eharlottenstratze dar; sie mündet auf die im Zuge der Alten Jakob« stratze über den Landwehrkanal führende Brücke, die im Bau be- griffen ist. Für die Weiterführung der Alten Jakobstratze in die Zosiener Stratze ist der Durchbruch durch den Hauserblock zwischen Waterloo» und Planufer bereit» beschlossen. Eine Jntrraasi-nale Ausstellung für Reise, und Fremdenverkehr ist in den Ausstellungshallen am Zoologischen Garten eröffnet worden; ihre Dauer ist bis zum 20. Juni vereinbart. Eine Störung im Sttaßenbahnbetriele machte sich am Freitag- nachmiU«si im Norden der Stadt bemerkbar. Aus bisher uner- mittelter Ursache trat um 0 Uhr im Bereiche der Speisepunkte 22 und 84 der Untcrstasion Moabit eine zeitweise Sttomunterbrechung ein. welche um 6.55 Uhr beendet war. Das StörungSgebiet erstreckte sich auf die Müllerstratz« vom Wedding bi» Berliner Stratze, sowie auf die Gericht« und Seestratze. Auf bi« Ortskrankenkassea haben t» Einbrecher seit einiger Zeit abgesehen. In der Nacht vom Freitag zum Sonnabend wurde in der Sck'ubmack'erlasie in der LandSbcrgerstratze eingebrochen. Die Burschen müssen aber gestört worden sein und kamen somit nicht zu ihrem Zielen Die armen Reichen. Wie die Damen der oberen Zehntausend sich quälen, um den Armen daS Leben angenehm zu machen, ist gar nicht zu beschreiben. Sie tanzen und singen, trinken und flirten. damit nur Geld für die Armen zusammen kommt. Berliner Blätter bringen folgendes Inserat: .Salon Maro Lennah. Sonntag, den 2. April, nachmittag» 5 Uhr.«m Foyer und großen Saal von Keller u. Reiner, Potsdamer Straße. Im gesellschaftlichen Rahmen: Bild und Plastik erster Der- liner Maler und Bildhauer unter Anwesenheit der Künstler-» altfranzösische Reigentänze, alte Chansons, und Balladen, Romanzen und MaskameS, ausgeführt von Damen der Gesell- schaft.— Plauderei über die neuesten Pariser Moden der Häuser Poiret. Paquin und Worth, mit Vorführung von Original- toiletten(gestellt von der Firma Tietz).— Zum Schluß tanzt man. Billetts einschl. Tee und Gebäck 10 M. bei Keller u. Reiner und H. Tietz. Der Reinertrog ist zum Besten der Charlottenburger Säug- lingSllini! bestimmt." Die armen Damen der Hautevolee I Da opfern sie 10 M. zum Besten der armen Säuglinge, tanzen sich hundemüde und der schwerste Kampf folgt dann noch hinterher, wenn es gilt, die bei der Veranstaltung empfangenen Anregungen in die Praxis umzusetzen und dem Herrn Gemahl sür die neuen Toiletten verschiedene Tausend Mark abzuknöpfen, die er sich doch so sauer— von seinen Arbeitern hat verdienen lassen müssen. Ja, sie haben es recht schwer, die armen Reichen. Man begreift wirklich nicht, wie sie eS noch aushalten können. Bon seiner Frau angeschossen wurde vorgestern abend um 9'/, Uhr der 40 Jahre alte Bauarbeiter Christian Schwabe aus der Frankfurter Stratze 22. Die Leute lebten in kinderloser Ehe und waren schon einmal vier Jahre lang getrennt, seit elf Monaten aber wohnten sie wieder zusammen. Es kam zwischen ihnen öfter zum Streit, auch gestern wieder. AuS dem Wortwechsel entwickelte sich eine Schlägerei. Endlich griff die Frau zum Revolver und der- wundete den Mann durch zwei Schüsse am Halse. Der Verletzte entfloh aus dem Hause und brach an der Ecke der Blankenfelde und Schillingstratze zusammen. Ein Schutzmann brachte ihn nach der Rettungswache in der Keibelstratze und dann nach dem Krankenhause am Friedrichshain. Beamte des 20. Revier» verhafteten Frau Schwabe und übergaben sie der Kriminalpolizei. Sie behauptet, datz sie in der Notwehr geschossen habe. DaS Kasinotheater brachte am Freitag den Schwank von Oskar Blumenthal und Gustav Kadelburg:„Zwei Wappen" auf die Bretter. Da« Künstlerpersonal gab sich die redlichste Mühe, dem Inhalt des etwa» frisierten Stückes gerecht zu werden und es hatte auch guten Erfolg. Der Direktor Herr Berg spielte gar nicht übel den feudalen, aus seine Ahnen stolzen Freiherrn v. Uettingen, während Herr Zimmermann den an Rang und Stand sich nicht kehrenden Amerikaner Thomas Porster gut gelungen herausbrachte. Ihm treu zur Seite standen Herr S ch m u ch als Sohn des Freiherrn, der mit Gertrud Hinz er, der Tochter des amerikanischen Dollarmenschen, die Ehe einging, wobei immer wieder die Standesvorurteile der Feudalen Anlaß zu Konflickten gaben. Außerdem bringt das Programm auch einen netten bunten Teil. der abwechselungsreich ist. Besonder» amüsiert Robert Nesemann durch seine humorvollen Botträge. Da» beifallsfreudige Publikum lohnte die Leistungen reichlich. ArbeitettTamariter-Kolonne Groß-Lerlin. In dieser Woche werden folgende Lehrabende abgehallen: DreSdenerstr. 45 am Montag; Rixdorf, Erkstr. 8, am Mittwoch; Schöneberg. Porberg- stratze 9 und Lichtenberg, Scharnweberstr. 60, am Donnerstag. In allen Abteilungen Borträge über Krankenpflege, Gästc will- lommes. i>_ y-v- Vorort-Nachrichten. Rixdorf. Stadtverordneten-Bersammlung.(Fortsetzung der Etats- beratungen.) Zum Voranschlag der aus Pflicht- und Wahltlasscn bestehenden Fortbildungsschule hat der Magistrat ein Ortsstatut über Erhebung von Beiträgen zu den Kosten der Schule vorgelegt. E» ist veranlatzt durch eine„Anre- gung" des Regierungspräsidenten, die sich stützte auf das Gesetz vom 1. August 1909, nach welchem die Gemeinden Beiträge erheben können, und auf einen bezüglichen Erlaß de» Handelsminister» vom 12. März 1910. Pom letzteren ist die Kürzung de» Staats� Zuschusses angedroht worden, wenn die städtischen Körperschaften nicht Order parieren sollten. Es bleibt den Organen der sogenann- ten„Selbstverwaltung" in Rixdorf in Rücksicht auf die chronische Finanznot nicht» weiter übrig, als das Ortsstatut zu erlassen. Die vierteljährlichen Beiträge sind von den Arbeitgebern zu zahlen und betragen für jeden Schüler der kaufmännischen Klassen 2,50 M., für die Schüler der übrigen Klassen, soweit sie Lehrlinge, Gesellen oder Gehilfen sind, je 1,50 M., sür alle übrigen Schüler 1 M. Die Versammlung genehmigte das Ottsstatut und stellte den Etat der Fortbildungsschule in Einnahme und Ausgabe mit 59161 M. fest. Der Zuschuß des Staat» beziffert sich auf 12 726,67 M.,'der der Stadt auf 35 689,33 M. Eine Reihe von Etats fand debattelo» Zustimmung. Die Ka» nalisationLverwaltung, für welche die Gebühren der Hausbesitzer auf 2 Proz. vom Geböude-NutzungSwerte festgesetzt sind, bedarf eines Zuschusses aus dem Reservefonds von 145 900 Mark und balanciert mit 886 600 M. Auch für da» Extraordi- narium dieser Verwaltung wird neben Anleihemitteln der Reserve- kond» mit 115 000 M. herangezogen zum Zwecke von Erweiterungen der Anlagen im Gesamtbetrage von 368 000 M. Der Voranschlag für das Rieselgut Waßmannsdorf schließt ab mit 184 800 Mark, der für Boddinsfelde mit 163 400 M.; elfteres rechnet mit einem Wirtschaftiüberschutz von 65 000 M.. letzteres mit einem solchen von 50 000 M. Städtjsche Gasanstalt: Abschluß 4 670 000 M., Reingelvinn 1 635 500 M.— Da» E l e k t r i z i- tätSwerk, welches im September in Betrieb genommen wird. balaneiext mit 355 000 M. und soll einen Reingewinn von 110 000 Mark bringen.— Da» StädtischeLeihamt rechnet in Ein, nähme und Ausgabe mit 12 300 M. Das Kapitel I des HauptetatS„AuSVorjahren" schließt zwar mit einem sogenannten Ueberschutz von 400 000 M. ab; diese» Rechenkunststück war aber nur möglich durch daS zweifelhafte Ex» Periment, datz ein„voraussichtlicher" Uebertrag von 400 000 M. au» dem Jahre 1910 in Einnahme gestellt wurde. Wie unberechen- bar eine solche Voraussicht ist. beweist der Uebertrag aus 1909, welchen man mit 452 700 M. im Etat 1910 eingestellt hatte, der aber nur 202 423,85 M. ergab. Infolgedessen mutzte der Aus» gleichöfonds um 197 676,15 M. geschwächt werden. DaS ist die Folge einer arundverkehrten Finanzpolitik, welche die Ueberschüsse zum Ausgleich des Etats benutzt, statt damit die Reserven zu stärken. Beim Kapitel Kämmereiverwaltung gab die Polt» zeiverwaltung, welche die Stadt mit einem Kostenbeitrag von 500 000 M. belastet, dem Stadtv. B ö s k e(Soz.) Anlatz zu einer fckarfen Kritik an der Polizei und ihren in letzter Zeit zur Evidenz festgestellten Heldentaten gegen Leben und Gesundheit der Bürger. Redner verlangte energische» Vorgehen gegen den unwürdigen Zustand, der den Steuerzahlern horrende Summen abnimmt, sie aber sonst zum Maulhalten zwingt. Es müsse erneut von den Städten beim Abgeordnetenhause die Uebertragung der Polizei an sie selbst beantragt werden. Der Magistrat aber müsse energisch Kontrolle üben über die Verwaltungskosten der Polizei, um Ein- blick zu gewinnen, wo die halbe Million bleibt. Stadtrat Glücks- mann äutzerte ebenfalls schwere Besorgnisse über die dauernd tvachsenden Polizeilasten. deren Höhe nicht einmal im voraus zu fixieren ist und selbständig von der staatlichen Polizeiverwaltung sestgesetzt werden. Das geschieht so unzuverlässig, datz beispiels» weise die schon von vornherein reichlich bemessene Summe für 1909 erst noch vor ganz kurzer Zeit eine Nachforderung der Polizei von annähernd 59 000 M. zeitigte. Ferner figurieren in den Kosten. anschlügen der Polizei hohe Beträge über Ausgaben, die nicht näher bezeichnet sind. Dep Magistrat habe de», halb ekngebende NaHweisungen verlang?, üm evtl. «Ms seinen verwaltungstechni'chen Erfahrungen heraus Erspar nisse der Polizei anraten zu können. Ein Entscheid darüber liege noch nicht vor, weshalb Redner im Augenblick weitere Schritte zurückzustellen vorschlägt. Die Versammlung erklärte sich damit einverstanden. Stadtv. Grog er(Soz.) beantragte Streichung des Ber träges an den Brandenburgischen Städtetag in Höhe von 62lZ M., nicht um des Betrages, sondern der Zwecklosigkeit dieser Ausgabe willen. Rirdorfs Interessensphäre liege im Rahmen von Grvß-Bcrlin und es könnte ein Verdienst werden, wenn der Magi ftrat neben der Mitarbeit im kommenden Zweckverband Konferenz zeit der an diesem beteiligten Gemeindeverwaltungen anstreben würde, um die außerhalb der Kompetenz des Verbandes liegenden kommunalen Aufgaben großzügig lösen zu können. Im übrigen nützen auch die Brandenburgischen Städtetage mit ihren mehr als dürftigen Beratungen und um so ausgiebigeren Zweckefsen und Festivitäten im allgemeinen herzlich wenig.— Die Mehrheit ließ trotzdem den Beitrag bestehen. Für dieHerstellungvon.Bebauungsplänen bean!- tragt der Magistrat l2(KX) M. Die Summe wurde bewilligt und die Ausgabe für das ganze Kapitel auf rund 4 86S 000 M. festgesetzt. Hierzu ist ein Zuschuß von rund s�Millionen Mark aus dem Stadtsäckel notwendig. Die Versammlung setzt die Etatberatung am Dienstag, den <. April, nachmittags 5 Uhr, fort. Wilmersdorf-Halensee. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Vor längerer Zeit bereits haben sich die städtischen Körperschaften in Wilmersdorf gleich denen anderer Vororte bei der Regierung um Aenderung der Ortsbezeichnung bemüht. Die Antwort, die jetzt endlich ein- getroffen ist, bringt noch keine Entscheidung. Ter Regierungs, Präsident erklärt, daß zunächst eine Aeußerung der Berliner städti- schen Behörden abgewartet werden müsse, und diese einzuholen, hat der Herr bisher anscheinend noch keine Zeit gehabt. Eine Aenderung in der Gebührenordnung für den städtischen Friedhof erhöht die Entschädigungsbeträge, die für das Begießen der Grabhügel zu zahlen sind und vermehrt die ohnehin schon stattlichen Rangunterschiede in den Grabstellen da- durch, daß sie noch neue„Hainwahlstellen" zum Preise von 300 M. das Stück schafft. Von sozialdemokratischer Seite wurde bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, wie die Gleichheit im Tode nicht nur auf kirchlichen, sondern auch auf kommunalen Friedhöfen zur Lüge wird; ferner wurde beantragt, bei Reihengrabstellen die Ge- bühren für das Begießen der Gräber von 8 M. auf 5 M. herabzusetzen. Die Mehrheit stimmte diesen Antrag nieder. Der Magistrat will auf einem vor kurzem erworbenen Grund- stück an der Strelitzschen Straße eine Oberrealschule er- richten, die alles in allem auf 1 032 000 M. zu stehen kommt. Bei dieser Gelegenheit wurde gerügt, daß die Aulen der höheren Schulen zum Teil überaus prunkvoll hergerichtet seien. Stadtbau- rat H e r r n r i n g meint, t>aß in den neueren Schulen die Aulen an Einfachheit nichts zu wünschen übrig ließen und daß Wilmers- dorf sich andererseits in dieser Hinsicht nicht durch allzu ärmliche Ausstattung zum Gespött der Welt machen dürfe. Dies Wort griff der Stadtverordnete Dr. Leidig auf, um sich einer lieben alten Gewohnheit nach über den Ton zu beklagen, der am Magistratstisch üblich sei. Hatte diese Angelegenheit eine ganze Anzahl Meinungs- kundgebungen ausgelöst, so wurde die Stadwerordnetenversamm- lung mit einer anderen Sache um so leichter fertig. Es handelte sich um den sozialdemokratischen Antrag, wonach Wilmersdorf in sozialer Hinsicht einen Schritt nach vorwärts tun und sich zur Einführung einer Arbeitslosenver- iicherung, sowie zur Errichtung eines städtischen r b e i t s n ach weises beguemm sollte. Seinem Inhalt nach entsprach der Antrag der bekannten, von sozialdemokratischer Seite für Groß-Berlin ausgearbeiteten Vorlage. Der Stadtverordnete Riedel(Soz.) begründete den Antrag in ebenso sachlichen wie beweiskräftigen Ausführungen, während die Mehrheit dadurch von ihrer sozialpolitischen Erkenntnis Zeugnis ablegte, daß sie zum größeren Teil draußen auf dem Korridor, zum kleineren Teil drinnen im Sitzungssaal sich privatim ausplauderte. Als einziger Redner trat der Stadtrat Steinborn dem Antrage ent- gegen. Er sprach allerhand davon, daß sozialpolitische Vorlagen den Bedürfnissen und der Bevölkerungsstruktur einer Stadt entsprechend gestaltet sein müßten, daß Vorsicht am Platze sei und kein Sport in derartigen Tingen getricken werden dürfe, und daß man gut tue, die Initiative von Berlin abzuwarten, das bis jetzt ja von Re� formen der vorgeschlagenen Art nichts habe wissen wollen. Aus den Reihen der Stadtverordneten hielt niemand die Angelegenheit der Erörterung wert. Man nähm einen Schluß a nt r a g an und beschloß dann, über die Frage der Arbeits- losenunterstützung zur Tagesordnung hinwegzugehen, die Angelegenheit des Arbeitsnachweises hingegen einem Ausschuß, dem auch unser Parteigenosse Riedel angehört, zu überweisen. Auch diese Art, sich über eine für die Arbeiterschaft ungemein wichtige Angelegenheit hinwegzusetzen, ist für die sozial- politische Rückständigkeit der Stadt Wilmersdorf bezeichnend. Nachdem die Versammlung noch einen Antrag angenommen hatte, wonach der Magistrat ersucht werden soll, die Freigabe des zupr Joachimst halschen Gymnasium gehörenden Spielplatzes für die Dauer der Sommerferien zu erwirken, trat man in eine geheime Sitzung ein. Hier wurde eine vom Vorstande der Ortskrankenkasse gegebene Anregung erledigt. Der Vorstand der Kasse hatte empfohlen, eines seiner Mitglieder in die städtische Wohlfahrts- deputation aufzunehmen und zur Auswahl den Arbeitgeber! Vertreter Lübsen und den Arbeitnohmervertreter Alfred Riedel präsentiert. Man blieb dem bishxr geübten Brauche treu, keinen Arbeiter mit einem städtischen Ehrenamte zu betrauen und wählte den Kaufmann Lübsen zum Mitgliede der Wohlfahrts- deputation. Ein Vertreter der äußersten Rechten brachte es fertig, sogar diese Wahl als einen sozialdemokratischen Erfolg abzu- stempeln und vor künftigen Schritten nach der erwähnten Richtung hin zu warnen. Eharlottenburg. Ein schwerer Unfall ereignete sich am Freitag in dem Hause Anesebeckstr. 33. Der 28jährige Portier Otto Krüger hatte eine kleine Reparatur am Motor vorzunehmen, der den Fahrstuhl in Be wegung setzt. Unvorsichtigerweise harte er den elektrischen Strom nicht ausgeschaltet, so daß sich infolge einer Bewegung der Kontakt- Hebel plötzlich löste und den Motor in Gang setzte. Krüger geriet dabei mit dem Oberkörper zwischen das Drahtseil und die Trommel und wurde so festgeklemmt. Auf seine fortgesetzten Hilferufe eilten Hausbewohner hinzu, die die zuständigen Feuerwachen alarmierten. Eh« jedoch die Wehr eintraf, war es bereits gelungen, den Ein« geklemmten aus seiner entsetzlichen Lage zu befreien. Man schaffte den K., der schwere Quetschungen des Brustkastens und der Wirbel- fäule erlitten hat, nach dem Krankenhause Westend, wo er bedenklich darnicderliegk. Mariendorf. Etatberatung. Da in den gesamten Vorortgemeinden jetzt tOO Proz. Kommunalsteuerzuschlag erhoben werden, soll auch in unserer Gemeinde trotz der schwierigen Balancierung dieser Satz für den Etat 1911/12 zur Erhebung gelangen. Um die Balancierung möglich zu machen, sind aus dem eisernen Fonds und früheren Er- sparnissen insgesamt 40 000 M. in den jetzigen Etat hineingesetzt worden, so daß derselbe auf 1 112193 M. in Einnahmen und Aus- gaben balanciert. Es ist dies gegen das verflossene Geschäftsjahr ein Mehr von 171 368 M. Für den Schuletat sind 200 832 M. ein- gesetzt. Es entfallen hierbei auf den einzelnen Schüler bei der höheren Schule 421,50 M. und bei der Volksschule 72 M. Auf- genommen sind in diesem Jahre für die Reichswertzuwachssteuer »000 M. Obwohl diese Steuer von unseren Genossen in jedem Jahre bei her Etatsberatung beantrag? war, würbe dieselbe stets abgelehnt; jetzt mutz die Steuer unter bedeutendem Verlust der Ge meinde durch Reichsgesetz eingezogen werden. Bei den Ausgaben wurde von unseren Genossen beantragt, die Summe, die für Einziehung der Kirchensteuer eingesetzt ist, zu streichen, da die Kirchengemeinde ihre Steuern selbst eintreiben kann. Entsprochen wurde diesem Antrage nicht. Ferner verlangten unsere Genossen bei der Besoldungsfrage der Nachtwächter, die- selben am Tage anders zu beschäftigen. Bisher haben die Leute von 10 Uhr abends bis früh 5 Uhr Dienst und müssen dann am Tage vormittags von 10— 12 Uhr und nachmittags von 2— 4 Uhr Botengänge für die Gemeinde besorgen. Mit Recht bezeichnete Ge- nosse Reichardt diese Beschäftigungszeit als menschenunwürdig. Bei dieser Debatte erklärte der bürgerliche Vertreter, Herr Mau. der Mitglied des hiesigen Kirchenrats ist, ganz entrüstet, daß man doch nicht deswegen extra neue Amtsdiener einstellen könne. Nach- dem von unseren Genossen die treffende Antwort gegeben und der Gemeindevorsteher persönliche Rücksprache hierüber mit den Nacht Wächtern zusagte, überwies die Vertretung den Antrag unserer Ge nassen zur„wohlwollenden Erwägung" dem Gemeindevorsteher. Beim Etat für die„Mariendorfer Zeitung" wurde Streichung dieses Postens verlangt. Schließlich brachte der Gemeindevorsteher ein Schreiben des Verlegers zur Verlesung, worin derselbe selbst aw die amtliche Publikation verzichtete, da die ausgeworfene Summe zu gering sei. In Wirklichkeit ahnte wohl der Verlag im voraus, daß aus den letzten Vorkommnissen bei der Mehrheit keine Aussicht auf Wiederbewilligung des Postens vorhanden sei. Trotzdem wollte der Gemeindevorsteher die Summe erhöhen. Die Gemeindevertreter verzichteten geschlossen auf die Zeitung als Publikationsorgan.— Beim Amtsetat verlangte Genosse Reichardt die Verlegung der Bureaustunden, damit die Arbeiter, die meistenteils in Berlin be- schäftigt sind, wegen einer manchmal ganz geringfügigen Sache nicht einen halben, ja sogar einen ganzen Tag unter Verlust ihres Tages- Verdienstes versäumen müssen. Der Gemeindevorsteher bezeichnete das als Sache der Amtsverwaltung, auf die die Gemeindevertretung keinen Einfluß habe.— Eine lange und lebhafte Debatte brachte der Etat der Armen- und Waisenpflege. Genosse Günter brachte auf Grund eigener Information schwere Anklagen gegen die voll- ständig vernachlässigte Armenpflege vor. Nicht nur sei die Armen. Unterstützung eine vollständig unzureichende, sondern auch die Woh- nungsverhältnisse in den Gemeindehäusern ließe viel zu wünschen übrig. So sei festgestellt worden, daß bei einer alten Frau, der durch Krebskrankheit die eine Hälfte des Gesichts unter Verlust des Augenlichtes vollständig zerfressen war. noch eine andere Ortsarme mit zwei Kindern in einer Stube und Küche wohnte. Nach An- führung noch anderer Fälle verlangte Genosse Günter vor allen Dingen die Erhöhung des Armenetats von mindestens 50 Proz. Der Gemeindevorsteher triefte von Bedauern über solche Fälle. Von einer Erhöhung des Etats wollte er aber nichts wissen. Man hätte ihm davon vorher Mitteilung machen sollen; er hätte gewiß Ab- Hilfe geschaffen. Die letzten Ausführungen waren für das Kirchenratsmitglied. Herrn Mau, das Signal, um nun gegen unsere Ge nassen die schwersten Vorwürfe zu erheben, daß sie dem Gemeinde Vorsteher nicht sofort davon Kenntnis gegeben haben.„Ja", rief er aus,„Sie sind jetzt mit verantwortlich!" Genosse Gunter ant- wartete ganz drastisch:„Machen Sie doch nicht solchen Witz!" Der Etat ist vor 14 Tagen zugestellt worden und nachdem war es doch erst möglich, sich zu informieren. Trotzdem war die Mehrheit der bürgerlichen Herren nicht von der Notwendigkeit der Erhöhung des Etats zu überzeugen, nach Meinung des Gemeindevorstehers sei nicht genügend Grund zu einer solchen vorhanden. Um die Ab- lehnung nicht zu offenkundig zu vollziehen, überließ man die Sache dem Gemeindevorsteher zur wohlwollenden Prüfung. Ein kleiner Vorteil kam aus der Debatte wenigstens insofern heraus, daß man die Unfähigkeit der jetzigen Armenkommission anerkannte und für die nächste Sitzung die Neuwahl dieser Kommission festlegte. Weber bezeichnet es als Fortschritt, daß eine Summe in dem Etat für Jugendspiele ausgeworfen ist; er beantragte dabei, für die Schul- linder auch Schwimmunterricht einzurichten. Man einigte sich da hin. mit der hiesigen Badeanstalt unter Abgabe einer Pauschal umme ein Abkommen zu schaffen. Hierbei gab der Gemeindevor teher bekannt, daß er demnächst eine Vorlage für den Bau einer Badeanstalt einbringen werde.— Die ausgeworfene Summe von 700 M. für Schulärzte beantragte Genosse Weber zu erhöhen, da die Schulkinder nicht nur beim Eintritt in die Schule, sondern fort- laufend untersucht werden müßten. Ebenso sei die Einstellung von Zahnärzten für die Zahnpflege von großer Bedeutung. Der Ge- meindevorfteher wollte hiervon nichts wissen. Es mußte dem Herrn erst erklärt werden, daß es sich hierbei um Vorbeugung von Zahn- krankheiten handeln soll. Eine eventuelle Berücksichtigung für das nächste Jahr wurde versprochen.— Der Antrag unserer Genossen. Bücher und Lehrmittel unentgeltlich für die Schulkinder zu liefern. wurde wegen zu hoher Kosten abgelehnt. Der Gemeindevorsteher machte dabei die Bemerkung, daß jeder Vater für die Unterhaltung seiner Kinder zu sorgen habe, armen Kindern werden ja auf Antrag 'die freien Lehrmittel gewährt. Unsere Genossen blieben die Antwort nicht schuldig. Gleichzeitig verlangte Genosse Weber die Ein richtung einer Schulklaffe für schwachsinnige Kinder. Pankow. Die Wahle« der Delegierte» zur Generalversammlung der Orts krankenkasse Pankow sinden am Montag, den 3. April, bei Roczycki, Kreuzstraße 3/4i, abends von VjO Uhr ab statt. Wir ersuchen alle Mitglieder, die von der GeverkschastS-Unter- kommission vorgeschlagenen Kandidaten zu wählen. Die Unterkommission Pankow-Nieder-Echönhausen. Tegel. Wer schützt die Heimarbeiter vor Ausdeutung? Dieses Thema wird in einer morgen Montag, den 3. April, abends 8 Uhr, im Lokal von HalfeS, Brunnenstr. 23. stattfindenden Heimarbeiter- Versammlung Genosse Knoop- Berlin behandeln. Trebbin(KreiS Teltow). Die letzte Stadtverordnetenversammlung hatte sich mit der Etat- beratung zu beschäftigen. Borher gab Genosse Richter die Erklärung ab. daß die ihm gemachten Mitteilungen über den Kantor Johl, die er auch in der letzten Stadtverordnungversammlung zum Bortrag gebracht habe, sich als unzutreffend erwiesen hätten. Der Etat alanziert mit 108 585 M. Derselbe wurde mit 8 gegen 5 Stimmen angenommen. Die Zuschläge zur Einkommensteuer betragen 169 Proz., zur Gewerbesteuer 185 Proz., an Stelle der Grund- und Gebäude- steuer tritt die Grundwertsteuer. Genosse Richter stellte hierauf zwei Anttäge.«ine Etatsberatungskommission zu wählen und den Etat in Druck zu legen. Der erstere wurde angenommen, der letztere jedoch mit mit 7 gegen 6 Stimmen abelehnt. Der Magistrat hat beschlossen, der Marktstandgeldpächterin Frau Wolter für jedlli Markt. an dem kein Rindvieh und Schweine aufgetrieben werden. Mark zu erlassen. Die Versammlung lehnte dies mit 7 gegen 6 Stimmen ab. Jngeudveranstaltunge». Steglitz-Friedena«. Heute nachmittag findet dl« Führung durch da» Museum für Meereskunde, Berlm, Georgenstraße, statt. Treffpunkt an den Dannsee-B-'hnbösen Friedenau und Steglitz. Abfahrt um 3 Uhr. Nachzügler warten um 4 Uhr vor dem Museum. Kinder unter 12 Jahren können nicht teilnehmen. Schirme und Stöcke nicht mitbringen. Nächsten Sonntag finde« eine öffentliche Jugenddersammlung statt. In welcher der Schrislfteller Konrad Hacnisch referieren wird. Wir ersuchen die älteren Parteigenossen, die Jugendlichen hieraus aufmerksam zu macheu. , Der Jugend- und BildungSauSschuß. Dempelhof-Mariendorf. Eine FrühiingSseier für die schulentlaffene Jugend veranstaltet der Ausschuß am Sonnabend, den 8. April, abend« S'U Ubr, im Restaurant.Wilhelmsgarten'. Berliner Str. V. Mitwirkende: Frl. Hedwig Kardaetz(Violine)- Herr F. Lederer-Prina(Gesang); Herr I. Rubin(Rezilatton); Herr Leo Kestenberg(Klavier); Herr Gerhard Pusemann(Festrede) und der Männerchor.SangeSlust'. Tempelhol. Der Emtritt ist sür Jugendliche siel Pankow. Am Sonnabend, de« 8. April, abends 8 Uhr, veranstaltet der JugeudauSschuß im Lokal �um Pavkgrasm', Schloßstraße, etue » FrühlingSseker, vestehenb kn Festrede Liebknecht, Rezitation und Gesang. bei LandtagSadgeordneten Dr. Kay Auch die erwachsene Arbeiterschaft wird ersucht, sich rege an der Feier zu beteiligen. Billetts find w den mit Plakaten versehenen Lokalen und bei den Gruppenführern deS Wahlvereins zu haben._ Hud alter Älelt. Paris— Rom— Turin im Aeroplau. DaS Pariser»Petit Journal' hat in Uebereinstimmung mit den Ausstellungskomitees von Rom und Turin für dieses Jahr einen Flug von Paris nach Rom und Turin ausgeschrieben, für den das Blatt selber 100000 Frank an Preisen auswirst. Das Aus- stellungskomitee in Rom hat sich mit 100000 Frank in Barpreisen beteiligt und zwar für diejenigen Flieger, die in Rom ankommen. DaS Turiner Ausstellungskomitee hat weitere 50 000 Frank für die- jenigen Flieger ausgesetzt, die wenigstens den Flug Rom— Turin machen. Außerdem wird in Rom ein großes Flugmeeting ver« anstaltet werden, wofür 100000 Frank an Preisen ausgesetzt sind. Die Teilnehmer des Fluges Paris— Rom— Turin sind berechtigt, bei dem Flugmeeting zu starten. Ebenso wird in Turin ein lokales Flugmeeting unter denselben Bedingungen abgehalten werden, für welches 50 000 Frank an Preisen ausgesetzt find. Die Preise für diesen großen Flug belaufen sich also im ganzen auf 400000 Frank in bar. « Die beiden deutschen Militärflieger, Leutnant Mackenthun und Erler. find gestern nachmittag zur Fortsetzung ihres Fern- flugeS in Hannover aufgestiegen. Nach einem Fluge von 50 Minuten find sie auf dem Exerzierplatze in Braunschweig glatt gelandet._ Familiendrama. Ein Telegramm aus RenneS gibt Nachricht von einem furcht« baren Familiendrama, das sich am Freitag in Treffaint im nordwestlichen Frankreich abgespielt hat. Ein Marine- Unteroffizier, der sich auf Urlaub befand, drang dort in die Wohnung seiner Schwiegermutter ein. bei der sich gegen- wärtig seine Frau aufhielt. Seit vergangenem Mittwoch war die Scheidung von seiner Frau gegen ihn eingeleitet. Ohne ein Wort zu sprechen, zog er einen Revolver hervor und streckte seine Frau durch einen Schuß nieder. Mit einem zweiten Schuß tötete er seine Schwiegermutter, dann richtete er die Waffe gegen seine S�ch w ä g e r i n. die gleichsfalls tödlich getroffen zusammenbrach. Schließlich entleibte er sich selb st durch einen vierten Schuß. Nur mit Mühe konnte die Leiche des Mörders und Selbst« mörder» vor der Wut der Bevölkerung geschützt werden. Kleine Notizen. Tödliche Grubenunfälle. Auf der Grube Elisabeth bei M ü g e l n wurden ein Arbeiter und ein Maurer durch niedergehende Gesteinsmassen verschüttet, wobei sie schwere Verletzungen er« litten. Auf dem Transport nach Halle starben die Verunglückten. — Auf Zeche Vollmond bei Langendreer stürzte ein Steiger und ein junger Schlepper in den 60 Meter tiefen Brand- schacht hinab. Der Steiger war sofort tot, der Schlepper wurde mit lebensgefährlichen Berletzungen inSKranlen- hauS eingeliefert. Der Mörder v. SchlichtingS erschossen. In Konstantinopel wurde gestern der a l b a n e f i s ch e Soldat, der vor einigen Tagen den Militärinstrukteur v. Schlichting tötete, erschossen. Bim elektrischen Strom getötet. Ein Draht der Telephonleitung fiel auf die Starkstromleitung der L i s s a b o n e r elektrischen Straßenbahn, wodurch ein Kurzschluß pntstand. Aus einem diese Stelle passierenden Straßenbahnwagen schlugen sofort Flammen hervor. Drei Fahrgäste wurden von dem elektrischen Schlag ge- troffen; einer war sofort tot, einer wurde sterbend nach dem Hospital gebracht, wo er seinen Berletzungen bereits erlegen ist, während«in dritter im Hospital schwer verletzt da- niedersiegt.._ Sozialdemokratischer Wahlverein Landsberg. Soldl«.(OrtS. verein Berlin? Heute abend S Uhr, bei Sttehlow, Schreinerftr. 2: Per- sammlung. Gäste willkommen. Eingegangene Druchrcbriften. »Kommunale Praxis*. Heft 13. Verlag Buchhandlung Vorwärts. und kältet vierteljährlich 3 M ndlungen und Speditionen Die„Kommunale Praxis' erscheint wöchentlil Bestellungen nehmen alle Postanstallen, B entgegen. ßrfcffcarten der Redaktion» H. tl. 100. Die Frau ist nicht hastbar. Vom Lohn kann der 28,85 M. übersteigende Betrag gepsändet werden.— A. BS. ÄS. Ihr Standpunkt ist zutreffend. Warten Sie das Weitere ab.— Bösartig 100. 1. und 2. Ja. 3. Wegen der Miete haben Sie ein Zurückbehaltungsrecht.— Un- fallreute gilt als steueipslichliges Einkommen.— A.00 daunige Betten, 10,00 ganzer Stand, rotrofa Inlett, nur Oranicn-Pfand- leihe, Oranieuftraße 23» Fahrgeld wird vergütet. aSjlb* Pommersche Betten! zwei Deck- betten, zwei Kissen, zweischläfrig, 15,00, große Laken 90 Pfennig, Damaftbezüge 3,80, Steppdecken, Portieren, Teppiche.Gardinen, Damen- garderobe Prinzenstraße 34. 23K9K 4,23 prachtvolles Bell, 10 Mark ganzer Stand, rotrosa gestreift. Prinzenpsandleihe, Prinzenstraße 34. Brautbetten, ganzer Stand 27,00, nur in der billigen Pfandleihe Prinzen- straße 34. Fahrgeld wird vergütet. Monotsgarderobe, Paletots von 6.00 an, Jackettanzüge von 10,00 an. Gehrockanzüge. Hosen 2,50 an, sür jede Person passend, nur in der Prinzen-Pfandleihe, Prinzenstraße 34. Fahrgeld wird vergütet._ Es lohnt nur bei Max Weiß, 87, Große Franksurterstraße 87, alt- bekannte Firma, zu lausen. Man wird am reellsten und billigsten be- dient. 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Wege» Streik oder Lohn- disicrenzen find gesperrt: Kiste nfabrtk Pflusratb, Else«- strasse 52. Jalousiefabrik Helnr. Frcese, Berli».Siiederfchöuba»sew. Pianofabrik Gckr Seelower Strasse 0(für Znsammen- fester).'. Tischlerei SoAnelder. Man- truffrlftrasse»t»«»d Laufisser V�mKchler�' Konrad. tu t» a iiu 1 le h e"« e tri che in Hom- dura und Liegnih. Das Berliner Arbeitswilligen- »vcrtiiittelnngSburcau d.«elben „Handwerkerschnnverbandee«. Die Lrtsverwaltnng Berli» des Deutsch. Holzarbeiterverbande«. ein Teil unserer hrnt Nummer liegen Prospelte geudcr Firmen bei: Für den Westen und westliche Bororte: IVilhelm Joneph, KaaftaauM. Bchöneberr, Groiigörschenstr. 1. A. Weiß A Co. Nach f., KanfhauR, btehiinoberr, Haupifttasse II. Für den Norden» Ftadll»»en,ent«tadtparle. l,«aln Balle. Zchuhworenhaus, Berlin fl, Ghauffeestrassc 7». ßSfäiiisssili�f SMafiläfi MM BMS. LsliL. Ut tl» LvlsvtiLtö! saoaitoj TS-ShckkTeilill. Zmi u, L»llchdrullcret 44, xr'rii'g�nMt Tinas Lktlio SÜL