Nr. 81. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando; Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Big. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblaff. 28. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die sechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 60 Pfg., für bontische und gewerkschaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. Kleine Anzeigen", das fettgedrudie Bort 20 Bfg.( zuläfftg 2 fettgedrudte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Bort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die Bilanz der Rüftungen. Die Stimmen, die sich warnend gegen den Rüstungswahnsinn wenden, häufen sich. Auch in bürgerlichen Kreisen bringt immer mehr die Erkenntnis ein, daß es nicht so weiter gehen kann. In England, wo die bürgerlichen Klassen einen guten Teil der Rüstungsausgaben tragen, hat, wie es scheint, Diese Erkenntnis am festesten Boden gewonnen. Schon 1908 sprach der Londoner„ Economist" das Problem offen aus: Zwischen Militarismus und Sozialismus. Auch einige liberale Minister erklären sich scharf gegen den Rüstungswahnsinn, was fie allerdings nicht hindert, immer steigende Militärausgaben zu machen ... Mittwoch, den 5. April 1911. Großbritannien allein Vereinigte Staaten Rumänien Schweden Deutschland Frankreich Spanien. Italien. Portugal Japan . . Desterreich- Ungarn Griechenland Türkei Bulgarien Serbien. Rußland. • • • · Mart • 51, 75, 77, 78, 87,80 93, 104,10 108, 133,30 134,20 137, • 147,30 150,10 154,70 160,70 259, Diese Zahlen ergeben nun unwiderleglich, daß der feinem Verhältnis zu den Außenhandel in gar Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. zeichnen. Denn hierher gehören 955 Millionen für den Schuldendienst, 1372 Millionen für innere Verwaltung( also in der Hauptsache für Polizei) usw. Als wirkliche Kulturausgaben kann man in der Tat nur die für Gesundheitspflege, Armen-, Kranken- und Waisenpflege, Kultus, Schule, Wissenschaft und Kunst ansehen. Für all diese Zwecke gibt der deutsche Staat samt Gemeinden 1028 Millionen Mart aus, also viel weniger als allein für Armee und Flotte. So hat auch Kobatsch sehr recht, wenn er behauptet, daß infolge der Rüftungsausgaben die allernotwendigsten Kulturausgaben vernachlässigt werden. Vor allem: Wie beschämend gering sind die Ausgaben der sogenannten Stulturstaaten für Wohlfahrtszwecke im Vergleich zu ihren Rüstungsausgaben"! Nach einer Enquete des französischen Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten waren die Wohlfahrtsausgaben im Vergleich zu den Rüstungsausgaben 1910 in Großbritannien.. Frankreich Deutsches Reich Italien Desterreich- Ungarn • • wie 1: 5 1:10 " 1:28 " •" " 1: 27,5 1: 22,5 Auch in anderen Ländern beginnt man einzusehen, daß die Rüftungsausgaben eine ernste Gefahr für die volkswirtschaftliche Entwickelung darstellen. Der Professor R. Robatsch hat neuerdings im Niederösterreichischen Gewerbeverein einen Vortrag über„ Die volks- und staatswirtschaftliche Bilanz der Rüstungen" gehalten, der darauf in der Form einer Schrift Rüstungsausgaben steht. Großbritannien mit seinem Weltbet Karl Ronegen in Wien erschienen ist. Was Professor handel gibt, um seinen Handel zu schüßen", den fünften Teil Robatsch hier ausführt, ist nicht neu, auch zergliedert er den dessen aus, was Rußland diese Versicherungsprämie toftet. Stoff nicht besonders scharfsinnig und eingehend. Vom sta- Frankreich gibt fast doppelt so viel aus, Deutschland um " In der Tat", bemerkt hierzu Robatsch, wir haben noch tistischen wie bom allgemein theoretischen Standpunkt aus 72 Proz. mehr, als England zum Schuße" seines Handels. Lange fein Gemeinwesen, welches das Ehrenwort„ Kulturläßt sich gewiß manches gegen die Ausführungen von Kobatsch Noch deutlicher wird dieselbe Tatsache, wenn man die oder Wohlfahrtsstaat" führen dürfte; wir leben noch immer einwenden. Doch treffen sie den Sern der Sache und Entwickelung des auswärtigen Handels mit der der Rüstungen in der Zeit des Militär- und Beamtenstaates"... darauf kommt es schließlich an. Kurz zusammengefaßt, gibt bergleicht. Nach einer Publikation der englischen Regierung er eine vielfach zutreffende Antwort auf die Argumente der( Statistical Tables and Charts relating to British and Rüftungsfreunde, und somit kann seine Schrift gute Dienste foreign Trade and Industrie) stellte sich die Ein- und Ausfuhr wie folgt: Leiften. Zunächst berechnet er die Kosten des bewaffneten Friedens". Er findet, daß sich die Rüstungsausgaben aller Länder auf zehn Milliarden Mart stellen, die Europas allein auf sieben Milliarden Mart. Dazu kommt noch der Arbeitsausfall der aktiv Dienenden, den er für Europa auf fünf Milliarden annimmt, sowie der Schuldendienst mit sechs Milliarden Mark. Somit stellt sich der jähr. liche Berluft der europäischen Volkswirtschaft auf 18 Milliarden Mark! Es ist interessant, biefe von Kobatsch gefundenen Zahlen mit einigen von früheren Forschern festgestellten Angaben zu bergleichen. So hat Pfeifer zusammengerechnet, daß die Rüftungsausgaben Europas um Mitte der 70er Jahre des borigen Jahrhunderts drei Milliarden Mart betrugen. Seit dem haben sich also die Rüstungsausgaben mehr als ber. doppelt! .. O Ausfuhr 1880-1884 1905-1908 1880-1884 1905-1908 in Millionen Pfund Sterling England 848,6 Frankreich. 190,9 Deutschland 151,8 Einfuhr 519,3 222,7 387,9 234,3 138,8 152,8 368,5 207,8 311,5 Der englische Außenhandel ist also von 577,9 auf 887,8 Millionen oder um 310 Millionen gestiegen. Der französische hat sich von 329,2 auf 430,5 Millionen oder um rund 100 Millionen, und der deutsche von 304,6 auf 699,4 Millionen Pfund Sterling erhöht. In Prozenten war die Steigerung des Außenhandels bei England Frankreich Deutschland. " " Die . • • um 54 Proz. · • • " 30 129 • . " Der Zwangszweckverband. Die Zweckverbandskommission sette am Montagabend die Verhandlungen fort bei Beratung der Zusammensetzung der Verbandsbersammlung. Nach der Regierungsvorlage sollte ein Verbandsglied( Gemeinde oder Kreis) nicht mehr als ein Drittel der Vertreter haben. Von freisinniger Seite war für Berlin Vertretung entsprechend seiner Bevölkerungszahl, mindestens die Hälfte, beantragt. Die Konservativen beantragten schließlich, die, Bemessung nach der Einwohnerzahl und dem Steuersoll eintreten zu lassen. Die Anzahl der Vertreter für Berlin bildete bas Streitobjekt. Ein freisinniger Redner erklärte, daß es bei längerer Beratung für Berlin immer schlimmer werde. Zwei Drittel solle Berlin zahlen und nur ein Drittel soll es Vertreter haben! Die Nationalliberalen lehnen eine Verbindung mit dem Steuersoll zur Be messung der Vertreter ab. Der konservative Antrag, bas Steuersoll mit sur Grundlage Ausgaben für Heer und Flotte sind dagegen seit der Bemessung der Vertreter zu machen, wird gegen die Kon in England " Frankreich „ Deutschland Der französische Gelehrte Théry hat fürzlich berechnet, 1888 bis 1908 gestiegen daß Europa feit 1883 bis 1908 nicht weniger als 145 milliarden Frank für Rüstungszwecke ausgegeben hat. Es sind alles Summen, die die Frage gewiß berechtigt erscheinen laffen, ob man nicht in Friedenszeiten verbluten wird. • • • . um 112 Proz 39 " 193 " Die Militärausgaben find also bei weitem rafcher gestiegen als der Außenhandel. Daraus ergibt sich schon flar, welchen Wert die Redens- Noch lächerlicher ist es, von einer Versicherung der Handelsarten haben, daß die Rüstungsausgaben eine Versicherungs- flotte durch die Kriegsmarine zu sprechen. Setzt man die prämie gegen den Krieg bilden. In der Tat bedeuten diese Aus- Registertonnenzahl der Handesflotte gleich 1, so stellten die gaben nichts anderes als den ununterbrochenen Krieg. Nach Ausgaben für die Kriegsflotte in ben Angaben der österreichischen militärischen Zeitschrift stellen sich die Kriegskosten für ein Jahr auf 7,5 Milliarden Kronen. Die Rüftungsausgaben( einschließlich die Schuldenzinsen) stellen fich auf 1500 Millionen Kronen. Fünf Friedens". jahre sind also gleich einem Kriegsjahre! werden. " " Rußland Frankreich Deutsches Reich Italien Desterreich- Ungarn Großbritannien. 263,8 . 206,9 157,8 146,2 114,7 61,8 " serbatiben abgelehnt. Angenommen wird dagegen der Antrag, 40 Broz. für Berlin auzulassen ohne Anrechnung des Oberbürgermeisters. Die Zahl der zu wählenden Gesamtvertreter wird auf 100 statt 99 feftgestellt. Der Oberbürgermeister tritt als Verbandsdirektor hinzu. § 18( Genehmigung der Festsetzung von mehr als 25 Proz. des Gesamtsteuersolls an Beitragsbedarf),§ 19( Einladung zu den Verbandsversammlungen),§ 20( 8uziehung von Sachverständigen),§ 21( Beschlußfähigkeit) werden ohne erhebliche Debatte nach der Regierungsvorlage angenommen. § 22 bestimmt, daß die Beschlüsse mit einfacher Stimmen mehrheit gefaßt werden sollen. Beschlüsse, welche den Bau, die Uebernahme des Betriebes oder den Erwerb von Bahnen durch den Verband, insbesondere die Ueber. nahme von Bahnen der Verbandsmitglieder oder der zu den beteiligten Landkreisen gehörigen Gemeinden auf den Verband betreffen, bedürfen einer mehrheit von zwei Dritteln der Stimmen. Herr Kobatsch berechnet die Versicherungsprämie" auf 12,6 Broz, da er auch die indirekten Schäden des Krieges Wiederum erweist sich, daß die Länder mit der relativ mit in Anschlag bringt. Diese lassen sich aber feineswegs geringsten Handelsflotte die meisten Ausgaben für ihre KriegsDie Konservativen beantragten, den letzten Saß zu streichen. genau berechnen, so wenig wie die indirekten Schäden des flotte machen. Wenn man der Stadt Berlin 40 Stimmen gebe und Zweidrittelbewaffneten Friedens. So zieht er beispielsweise die Kosten Als legten Grund für die Rüftungsausgaben führt man mehrheit bestehen lasse, werde es nie zu einer Uebernahme von des Militärtransports nicht in Betracht, ebenso viele Aus- die Notwendigkeit des Schutzes der Staatsangehörigen im Bahnen kommen. Berlin werde die ganze Verbandsversammlung gaben, die in den Budgets unter anderen Rubriten aufgeführt Auslande an. Demgegenüber bemerkt Robatsch mit Recht: vergewaltigen. Werde diese Bestimmung nicht gestrichen, dann Eine richtigere Vorstellung von der Höhe der Ver- Es ist auffallend, daß man sich bei der Vorlage eines werden die Konservativen bei der zweiten Lesung die Wiedersicherungsprämie" geben nur Vergleiche zwischen den Flottenprogramms wieder einmal der auswärtigen Staats- herstellung bon 83 Vertretern für Berlin beantragen. Für die direkten Rüstungs- und Kriegsausgaben, wonach die angehörigen erinnert, die infolge so mancher Ungunft der Streichung sprach sich auch ein Zentrumsredner aus. Nachdem ersteren 20-25 Proz. ausmachen! wirtschaftlichen Verhältnisse jährlich zu Hunderttausenden unser so der schwarz- blaue Blod seine Gegnerschaft gegen Berlin zum Ein anderes Argument für die Rüstungsausgaben ist das, Vaterland verlassen." Zuerst bürdet man den Staats- Ausdrud gebracht, nühte es nichts, daß die liberalen Vertreter daß sie den auswärtigen Handel schützen und fördern. In angehörigen" eine ungeheuere Steuerlast auf, berjagt sie da- mit tausend Gründe gegen die Anträge zu Felde zogen. Am diesem Sinne sprach sich der österreichische Marineminister durch ins Ausland, dann macht man neue Ausgaben, um an- Schluß fiel auch der Minister um, natürlich auf die schwarz- blaue qus. Aehnlich das Zentrum in einer Schrift über die Reichs- geblich diese ins Ausland Geflohenen zu schützen! Eine schöne Seite. Der Minister hielt es für genügend, daß in den Satzungen finanzfrage" Prof. Sobatsch stellt nun auf Grund detaillierter Logit! eine qualifizierte Mehrheit bestimmt werden kann. Tabellen fest, daß die Größe der Ausgaben für die Rüstungen Und das Fazit des ganzen Rüstungswahnsinns sind grauenund für die Flotte in gar feinem ursächlichen Zusammenhange erregende Kulturdefizite! Man stellt es häufig so dar, als ob steht mit den erwähnten wichtigen Auslandsinteressen der die Rüstungsausgaben doch schließlich wieder der Volkswirt einzelnen Staaten, und zwar weder mit der Ausfuhr noch schaft zugute tämen." Zwischen diesen beiden Aften des mit der Handelsflotte".( S. 27.)„ Es zeigt sich fast eine Rüstungsdramas", bemerkt Stobatsch sehr richtig,„ liegt aber gefeßmäßige Erscheinung", sagt er weiter, welche vielleicht ein oft sehr langer Zwischenakt und die Akteure sind darauf zurückzuführen ist, daß, je geringer die Rüstungs- ganz andere: im ersten Atte Voltsszenen, auslagen find, defto geringer naturgemäß auch die im zweiten Atte feudale Herren, die GeldBelastung der Volkswirtschaft und desto größer aristokratie." Die Last der Rüstungen drückt die ceterius paribus ihre Konturrenzmöglichkeit Voltsmassen; den Profit ziehen die Geld und auf ausländischen Märkten sein muß." Grundherren ein! Und in der Staatswirtschaft stellen Aus seinen zahlreichen Tabellen wollen wir nur zwei sich immer schrecklichere Defizite ein. Herausgreifen, die das Gesagte vollauf bestätigen. Die einzelnen Länder wenden für je 1000 m. Außenhandel folgende Rüftungsausgaben auf: Mart 5,76 7,90 . Belgien Holland. " Dänemark 22,40 · Norwegen. 83,40 • Großbritannien und Kolonien 43,60 Die schon erwähnte Zentrumsschrift über die Finanzfrage polemistert gegen die Behauptung unserer Genossen, daß für Kulturzwede nie Geld da ist. Sie stellt die Staats- und Gemeindeausgaben des Deutschen Reiches zusammen und erklärt pomphaft:" Den 1104 Millionen für Rüstungszwecke ftehen nicht weniger wie 4512 Millionen für andere Zwecke gegenüber." Welcher Art sind aber die anderen" Zwecke? Die Zentrumsschrift hütet sich, diese als Kulturzwecke zu be als Der Abs. 2 der Regierungsvorlage( Zweidrittelmehrheit) wird mit den Stimmen des Zentrums und der Konservativen ab= gelehnt und folgender tonservativer Antrag angenommen: Durch die Sagung tann für bestimmt au bezeichnende Angelegenheiten eine größere einfache Stimmenmehrheit gefordert Beim§ 24, der vom Verbandsausschuß und dessen Zusammensekung handelt, entspinnen sich dieselben Debatten wie bei der Busammensetzung der Verbandsversammlung. Es wurde ein tonservativer Antrag unter Ablehnung der Regierungsvorlage augenommen, der wie folgt lautet: werden." „ Der Verbandsausschuß besteht aus dem ersten Bürger meister der Stadt Berlin als Vorsitzenden, einem von ihm zu bestimmenden Stadtrat derselben Stadt, den ersten Bürgermeistern der sechs nach Einwohnerzahl größten Gemeinden des Verbandsgebietes, den Vorsitzenden der Kreisausschüsse der zum Verbande gehörigen Kreise und zurzeit acht von der Verbandsbersammlung aus dem im§ 14 Abs. 2 bezeichneten Personenkreise zu wählenden Mitgliedern., E Durch Sagung fann eine anderweite Zusammensetzung des Verbandsausschusses angeordnet werden." Con Sen gewählten Mitgliedern müssen bier in der Stadt| albeiten Lage zu Ende zu bringent. Das wurde in zehnstiint- zu bringen, aber nicht Sozialistenhatz zu betreiben hat; er Berlin und vier in den nach Abs. 1 nicht berücksichtigten Ge- diger Sigung dadurch erreicht, daß die bürgerlicher Parteien, fragte aber auch mit geradezu überlegener Ironie, to denn der bon jenen Herrschaften Stets bcmeinden des Verbandsgebietes die im§ 14 Abs. 2 bezeichnete um ihren Feriendrang befriedigen zu können, beständig durch die Erfolge Und da sich Wählbarkeit befizen. Rundgebungen des Unwillens die Redner einzuschüchtern triebenen Sozialistenbekämpfung blieben. fuchten. Bei ihren eigenen Parteigenoffen gelang das auch auch der Minister gegen den Antrag des Generalfeldmarschalls größtenteils. Bei den Sozialdemokraten verfing das Ma- mit einem Flankenangriff wandte, kam das Zentrum, will növer allerdings nicht. Sie brachten bei aller Zurückhaltung fagen der Antrag selbst, ins Schwanken, er wurde vom Ministertisch und aus dem Hause heraus umgangen und doch das vor, was notwendig noch zu sagen war. Beim Militäretat tam Genosse Kunert auf die schließlich erlag er dem Feinde dem bösen Feinde, von ihm in der zweiten Lesung erwähnten schwarzen Fonds der die Mehrheit berlockte, ihn abzulehnen. Aber darf nicht ganz triumphieren: einer der bei der fächsischen Militärverwaltung zurück. Gegenüber der Satan Predigtton gehaltenen Reden Seiner fürstlichen Bestreitung durch den General v. Salza wies er nach, im daß tatsächlich mehrere illegale Fonds bestehen, deren Beträge Gnaden, des Breslauer Oberhirten, gelang es wenigftens, in Reichsbesig übergeführt werden müßten. In zwei Fällen eine Resolution des Grafen v. Droste- Bischering zur Annahme gab der General v. Salzo das jetzt auch zu und bestritt nur zu verhelfen, die eine Fortbildung auch in der Religion bernoch die Illegalität der übrigen. langte. Gar liebevoll wurde dem Minister auch vom OberDie ständigen Beschwerden der Zivilmusiker über die hofprediger Dr. Dryander zugeredet, sich nur ja recht beKonkurrenz der Militärmusiker wurden vom eifrig des Angebots der hohen Geistlichkeit zu die Kindlein zu sich, Genossen 3ubeil durch einige Fälle ergänzt. Herr dienen, die sich dazu drängt, Am Dienstag wurde die Beratung bei§ 26 fortgefekt. it unwesentlichen Wenderungen nahm die Kommission die Re gierungsvorlage an. Die Bestimmung regelt die Wahlperiode, Aufgaben des Verbandsausschusses, die Einsprüche gegen BeitragsLeiftung, Berufung des Ausschusses und die Stellung des Verbandsdirektora. Die im§ 35 enthaltene Beschwerdeinstans foll den Namen: Beschlußbehörde Groß- Berlin" erhalten und ihren Sitz am Sige des Oberpräsidenten haben. Bon einem konservativen Mitgliede war ein Gesezentwurf über Verteilung der Schullasten eingebracht und beantragt, ihn noch in dieser Sitzung zu beraten. Das wurde jedoch abgelehnt. Die Beratung erfolgt am Schlusse der zweiten Lesung. Stellvertreter des Berbandsdirektors foll der zweite Bürger meister der Stadt Berlin sein, sofern er Mitglied des Verbandsausschusses ist, sonst der Bürgermeister der nächstgrößten Stadt. Das Gesetz soll am 1. Oktober in Kraft treten. Vorher sollen alle Vorbereitungen, Wahlen usw. erledigt sein. Damit war die erfte Beratung beendet. Die nächste Sigung findet am 25. April, abends 7 Uhr, statt und wird die zweite Lesung des allgemeinen Bwvedverbandes vorgenommen. Am 26. April soll die Redaktions. Commission zusammentreten und am 27. April die 2. Lefung des Bwedverbandsgefehes Groß- Berlin beginnen. Preußlicher Polizeieifer. einsgefeges einleitete. b. Gamp, der sich als ständiger Beschwerdeführer über zu in die alsdann von Geistlichen geleiteten Fortbildungsschulen vieles Reben gefällt, nahm in schroffem Gegensatz zu feiner tommen zu lassen. Wir haben schon das Vertrauen in die Theorie heute mehrere Male das Wort. Er genierte sich Staatsregierung, daß hier nicht tauben Ohren gepredigt fogar nicht, eine Garnison für den Hauptort seines Kreises wird Deutsch Krone sowie die Vergebung von BekleidungsDer Rest waren fleinere Vorlagen. Heute aber, ta heute aufträgen an Kleinmeister zu fordern. Dabei griff er den um eins, soll bei der Etatsberatung abermals eine Attade ge Genoffen Albrecht wegen seiner Forderung großer Militär- ritten werden: Graf Botho Eulenburg wird sich da werkstätten an. Ihm wurde von Albrecht und Nos fe nicht mehr mit der bescheidenen Rolle von Manteuffels Mentor gründlich heimgeleuchtet. Genosse 2eber brachte dann Be- zufrieden geben, der bei jeder irgendwie nicht ganz einfachen schwerden über einen Unteroffizier in einem thüringischen Abstimmung dem mit runden 17 000 m. als Landesdirektor heute gilt's Regiment vor, die der Kriegsminister furzerhand ab- pensionierten Herrn Präsidenten einhilft meifen zu können glaubte. Reber bestand jedoch auf einer Stampf gegen den angeblich so ganz unpreußisch, ja beinahe elässisch- demokratisch gewordenen Generalmajor b. Bethmann Untersuchung der vorgebrachten Beschwerden. O Bu einem scharfen Zusammenstoß fam es beim Marine- Hollweg. Den Kampf gegen die Jugendbetvegung will man offenbar etat. Anlaß dazu gaben Angriffe der offiziöfen„ Marineauch im rheinisch- westfälischen Industriebeair! rundschau" auf die sozialdemokratischen und freifinnigen KomDie Verfassungsfrage in Elsaß- Lothringen. Jm elfaß lothringischen Landesausfcuffe tam es am Dienstag fyftematisch betreiben. Wor turzem zog sich bei dem erften missionsmitglieder, die von dem Genossen Severing sowie zu einer ausführlichen Besprechung der Schwierigkeiten, die wegen Berfuch das fönigl. Polizeipräsidium in Essen hierbei eine un dem Freisinnigen Dr. Strube zurückgewiesen wurden. Als der Wahlkreiseinteilung in der elfaß- lothringischen Berfaffungsfrage rühmliche Blamage zu. Eine zweite Attion ist auf Veranlassung Severing dabei die Darstellung des offiziösen Blattes als ver- entstanden find. Abg. Wolf( lib.) tandte fich energiich gegen bes Effener Polizeipräsidenten mit größerem Erlogen bezeichnete, beging der Vizepräsident Schulz die Un- die vom Zentrum eingebrachten Vorschläge. Sollten fie verwirk folge" am letzten Sonnabend in Gelsenkirchen vorläufig zu geschicklichkeit, das als einen Angriff auf die Marinever licht werden, würde das Zentrum, das eine Minderheit Ende geführt worden. Vor dem dortigen Schöffengericht hatten sich waltung zu rügen. Das war dem Admiral v. Tirpitz höchst des Volkes darstelle, im Parlamente eine Mehrheit haben. Man die sämtlichen Mitglieder des Gelsenkirchener peinlich, da die Verwaltung stets die Fiktion aufrecht zu erfordere ein gerechtes Proportionalwahlrecht. Gegen Jugendausschusses wegen angeblicher Uebertretung des Beber( Lothringer) und Dr. Ridlin( 3), die die Regierungsfeine Ausführungen wandten fich die Abgg. Betterlé( 3.), Reichsvereinsgefeßes zu verantworten. Die Antlage war in einer halten sucht, daß fie für die Artikel der Rundschau" nicht ver- feine Ausführungen wandten fich die Abgg. Wetterlé( 3.), antwortlich ist. vorlage fritisierten. Die Abgg. Wetterlé und Ridlin behaupteten, ettwas merkwürdigen Weise, die dabei aber das System verrät, guNoch heißer ward das Gefecht bei der von sozialdemokrati- die Regierung habe die Liberalen und die Sozialdemokraten bestande gekommen. Das Essener Polizeipräsidium hatte die eben scher und freisinniger Seite beantragten Wiederherstel günstigen wollen. Bei dieser Gelegenheit wurde das angeblich gute falls fönigliche Gelsenkirchener Polizei auf den Jugendausschuß Tung der Seiserzulage. Für das Zentrum erklärte Berhältnis zwischen der reichsländischen Regierung und der aufmerksam gemacht. Die Gelsenkirchener Polizeidirektion fich Herr Erzberger gegen den Antrag. Auch der Sozialdemokratie besprochen. Staatssekretär 3orn von Bulach lehnte Hielt gehorsamst eine aussuchung bei dem Obmann des Marineminister verteidigte die bekanntlich in zweiter die gegen ihn erhobenen Vorwürfe ab. Abg. Nicklin hielt ihm entgegen, Ausschusses ab. Harmlose Bieberbücher, Legitimationstarten und Rejung vorgenommene Kürzung der Zulage. In schärfiter er habe schon früher bei der Wahl eines Landesausschuhabgeord eine Liste der Jugendlichen, die die Veranstaltungen des Jugend- Form ging Genosse No 3 ke gegen die standalöse Beschmeidung neten für den unterelſäffischen Bezirkstag im Herbst 1909 die Jugend- Form Bahl eines Sozialdemokraten zu ermöglichen verfucht. ausschusses regelmäßig oder doch öfter besuchten, wurden beschlag von Mannschaftslöhnen vor. Auch der Freifinnige Dr. Der Staatssekretär verlangte einen Beweis für diese Behauptung, nahmt. Die Polizei bernahm dann eine große Anzahl der jugend- Struve ergriff mehrmals das Wort. Schließlich passierte worauf Ricklin erklärte, ein flarer Beweis sei nicht zu führen, Lichen Personen, worauf der Amtsanwalt gegen alle Mitglieder dem Marineminister aber noch das Unglück, daß der Konser- die Regierung sei zu schlau gewefen. Er frage ben Staatssekretär, des Jugendausschusses ein Berfahren wegen übertretung des Ver- bative Herr v. Oldenburg ihn und die Zulagestreichung ob er nicht selbst den Wunsch geäußert habe, daß die Sozialdemo Die pofitive" Ausbeute der Beweisaufnahme war für die An- mit den ödesten Gamaschenknopf- Argumenten berteidigte. Es fratie im Landesausschuß vertreten sei. Ferner frage er den Unterflagebehörde swar recht spärlich, um so interessanter aber waren die schlug dem Faß den Boden aus, als er die unglüdlichen Worte staatssekretär Mandel, ob er nicht mit Sozialdemokraten über grellen Schlaglichter, durch die der Wert der polizeilichen Ber des Marineminiſters wiederholte: Wenn es befohlen bas Bahlrecht und die Wahlkreiseinteilung fonferiert habe. Der Staatssekretär 8orn v. Bulach erklärte Ridlins Be nehmungen wieder einmal trefflich beleuchtet wurden. Zwei der wird, hört die unzufriedenheit auf! jugendlichen Zeugen befunden auf daß bestimmteste, daß fie eine Mehrheit für deren Wiederherstellung. artei im Lande, ob fie nun über die Mehrheit oder Minderheit Die namentliche Abstimmung über die Heizerzulage ergab bauptungen für unrichtig. Er habe leinen Wunsch nach Be günstigung oder Benachteiligung einer Bartei geäußert. Jede die im Sinne der Anklage angeblich gemachten Ausführungen bei Ein fräftiges Bravo der Linken unterstrich die Verkündung verfüge, habe ein Recht auf Bertretung im Landtage, also der Polizeibehörde gar nicht abgegeben hätten. des Resultats. auch die Sozialdemokratie fönne dieses Recht be. Beugin erklärte, der Polizeibeamte habe sie ganz berleistert"; die Beim Reichsschaamt hielt der Freisinnige Dr. anspruchen. Er geniere fich durchaus nicht, das auszusprechen. Mussage, daß in der Jugendlichenversammlung über Sozialdemo- Dohrn eine sehr wigige Rede über die unkünstlerische Ausge- Er leugne zwar die Berechtigung der Sozialdemokratie, weil fie eine fratie geredet worden fei, habe ihr ber Beamte direkt in staltung der neuen Münzen und der neuen Hundertmarkscheine. Klaffenpartei sei, die einseitige Interessen vertrete, aber wenn sie den Mund gelegt. Diese Zeugen behaupteten auch, ihre Der antisemitische Kunstmaler Bin dewald war anderer einmal egiftiere, tönne fie auch beanspruchen, eine angepolizeilichen Aussagen feien ihnen überhaupt nicht vorgelesen Meinung, erweďte aber durch seine Plumpheit nur Gelächter. messene Bertretung im Landtage zu haben. Wenn worden. Mehrere jugendliche Zeugen, die die Veranstaltungen des Jugendausschusses regelmäßig besuchten, befundeten, es sei die Eisenbahnmißstände in Duisburg und die Bostmängel nachteilig wirken würden. Genoffe engsbach sprach dann noch ausführlich über einige Sozialdemokraten im Landesausschusse fiben würden, lönne es zwar zu Auseinandersetzungen kommen, die aber keineswegs nie von Politik ober Gozialdemokratie gerebet worben. Man habe in Samborn. Auch Genosse Eichhorn brachte postalische Unterstaatssekretär Mandel Berneinte Ridline Fragen auf Spiele veranstaltet, belehrende Vorträge gehalten und fie feien Beschwerden zur Geltung. Bis 8 Uhr abends wurde getagt. das Bestimmteste; niemals habe er mit Sozialdemokraten über die immer vor dem Wirtshausbesuch gewarnt und aur Mäßigkeit er. Schließlich erlahmben die Debatten in allgemeiner Erschöpfung. Berfaffungsfrage fonferiert. Diesen Befundungen gegenüber wollten drei Beugen bas Der Etat wurde in der Schlußabstimmung gegen die Wort Sozialdemokratie und Wahlen gehört haben. Os Sozialdemokraten bewilligt, Nächste Sitzung am 2. Mai, es sich hierbei etwa um die Wahl des Spielletters handelte, wußten bie Beugen nicht; ebensowenig fonnten fie angeben, in welchem Busammenhang and don wem das Wort Sozialdemokratie ge braucht worden fei. mahnt worden. Gine Die Ulanenattacke und der Misthaufen. Das erlauchte und eble Herrenhaus muß sich in der langen Beit, in der die durch Geburt, Präsentation oder ErDas Gelsenkirchener Schöffengericht verurteilte nennung zu preußischen Gesetzgebern berufenen Herren fich alle fieben angeklagten zu je zehn Mart Geldstrafe beat. parlamentarisch nicht zu betätigen brauchten, gar fürtrefflich 2 Tage Gefängnis. Nach der Urteilsbegründung fieht es das Ge erholt haben. Gestern hat es in einer fünfftündigen, also richt als erwiesen an, daß es sich um einen politischen Berein beinahe den Sitten des immerhin gewählten Dreiklassenhauses handelt. Die Aufforderung des einen Rebners, die Jugendlichen angepaßten Sigung gar Erbauliches geleistet. Und das begab müßten Sozialdemokraten werben, sei teine Entgleisung, sondern sich also: die Tenbena bes Vereins. Der Jugendausschuß Buerst erledigte man ein Gesetz über die Schulpflicht der schließlich bilde den Borstand bes Bereins. Die Angeklagten blinden und taubstummen Kinder. Gegen einen Kommissions hätten sich deshalb strafbar gemacht, weil sie erstens es unterließen, antrag, der den Staat zu den Stosten der Provinzen für diese ihre Sahungen einzureichen, weil sie zweitens die Anwesenheit von Fürsorgezwede heranziehen will, fuhr der Kultusminister Berfonen unter achtzehn Jahren in ihren politischen" Versamm b. Erott zu Sola das große Geschütz des Unannehmbar lungen bulbeten. auf, und das genügte, um den Antrag zu Fall zu bringen. Das Urteil trägt wenn auch unbewußt die Tendens, Seine Eminenz Herr Fürstbischof Kopp, Auslieferungsstelle die freie Jugendbewegung zu unterbinden. Zudem ist es aber auch römischer Modernistenerläuterungen für Deutschland, war hier nicht frei von tatsächlichen Jrrtümern. Daß der Jugendausschuß mit dem erlauchten Grafen v. Droste- Bischering einig den Borstand des Jugendbereins" bildet, ist eine etwas gewalt in der Sorge für konfessionelle Erziehung dieser armen fame Konstruktion; denn der Jugendausschuß besteht ganz unab Kinder.. Mit der Verfassungsfrage beschäftigte sich auch die Bandes. fonferenz der reichsländischen Sentrumspartei, die Montag in Straßburg tagte. Man gab sich damit zufrieden, daß eine völlige Autonomie noch nicht zu erreichen fei, berlangte aber, daß die Reichsregierung wegen der Statthalterschaft, des Budgetrechts der Ersten Kammer und der Wahlkreiseinteilung ugeständniffe mache. In einer Resolution wurde ben der Zentrumspartei angehörigen Mitgliedern der Verfassungskom mission des Reichstages gedankt, daß fie für die Erhebung ElsaßLothringens zum ebenbürtigen selbständigen Bundesstaate eintraten. Dann wurden fie gebeten, unbedingt bei ihren Anträgen zu beharren, da sie das Minimum dessen enthielten, was Elsaß- Lothringen zu berlangen berechtigt sei. Reif zum Abfägen. Der Freiburger Universitätsprofeffor b.Sulze Gäbernit, liberaler Reichstagskandidat für Freiburg, hat dort eine Rede ge halten, ber die Germania" folgende Stellen entnimmt: Wir beabsichtigen, mitzuarbeiten an der Herstellung einer Reichstagsmehrheit der Linken, bei welcher eine starte Sozialbemokratie auf der äußersten Linken und der Liberalismus das Seft in der Hand hätte. Durch eine solche Reichstag mehrheit hoffen wir hinzuwirken in der Richtung auf die Liberalifierung Breußens, ohne welche eine Liberalifierung Deutschlands überhaupt undentbar ift. Und diese Liberalisierung Preußens ist bringenb notwendig, ist dringendes nationales Interesse. Die Herrschaft des ostelbischen Junkertums wendet sich in der Weise gegen die Arbeiter bewegung, daß fie berechtigte wie unberechtigte Bestrebungen in gleicher Weife niedergeknüppelt. Ich bin überzeugt, wenn wir in Moabit gewesen wären und den Rüden verfalzen bekommen bätten, wir waren auch Sozialdemokraten geworden und wahrscheinlich leine Revisionisten, sondern Radikale. hängig von dem Berein" der Jugendlichen. Er bestand zeitlich Und nun tamen die ländlichen Fortbildungsfrüher als der Berein"; schließlich haben die Jugendlichen nicht schulen an die Reihe. Mit rückhaltsloser Offenheit beden allermindesten Einfluß auf die Gestaltung des Jugendausschusses, der Ausschuß lann vielmehr unter Umständen sogar tannten da die lebenslänglichen und erblichen Gesetzgeber, gegen den Willen der Jugendlichen bestehen. Alle typischen Eigen, daß diese Schulen den Hauptzwed haben sollen, dem Kampi schaften des Bereinsvorstandes fehlen ihm völlig. Aehnlich steht gegen die klaffenbewegung des Proletariats Die Preffe des schwarzblauen Blods nimmt diefen freimütigen es mit dem angeblichen Berein der Jugendlichen. Eine Organi au dienen. Generalfeldmarschall Graf v. Haefeler ging sation besteht überhaupt nicht, ebensowenig die Pflicht zur Bei zur Attacke über.„ Alle Preußen bis zum 18. Lebensjahre Herrn fräftig in die Shere. Die Post" findet fogar, daß die Er " maligen Brofefforen zurückzuführen find. Denfelben destruktiven tragszahlung. Die Eigentümlichkeit dieses Vereins ist, daß ihm müssen in die Fortbildungsschule und auch an Sonntagen eigniffe von 1848 nicht aum wenigften auf die Tätigkeit der da jebes Merkmal einer Organisation mangelt. Für So forderte fromm und bieder der alte Strieger. Gemütlicher weder die Professoren treten für das lichtfcheue Treiben der Ritter wird, soweit es der Hauptgottesdienst gestattet, unterrichtet." Einfluß wirft das Blatt dem oben genannten Professor vor. Entdie weitere Feststellung, daß es sich sogar um einen politischen Verein handelt, hat jedenfalls selbst nicht einmal die Beweisauf- packte der Graf Hohenthal die Sache an: er blieb zwar und Heiligen ein, oder sie haben sich jeder politischen Tätigkeit au auch im favalleristischen Jargon, denn er erklärte unter heiterer enthalten- so lautet der Befehl des Schnapsblods. nahme auch nur den Schatten eines Anhalts erbracht. Das Urteil wird natürlich von den weiteren Instangen nach. Zustimmung, der Pessimist, das sei der Mist, auf dem gar geprüft werden. Ob es eine Storreltur erfahren wird, ist bei der nichts wächst. Aber Gott sei dant, in unserem Herrenhaus Unberechenbarkeit ber preußischen Richter aller Instanzen immer. wächst die Gottesfurcht und fromme Sitte, und so erzählte hin tros feiner Mängel fraglich, aber das eine lann jedenfalls der Herr Graf vor lauter Gemütlichkeit: Heute schon gejagt werden, den Zwed, dem es dienen soll, wird es nicht erreichen. Die freie Jugendbewegung wird deshalb doch marschieren! Politische Uebersicht. Berlin, den 4. April 1911. Erledigung der dritten Lesung. us dem Reichsfag, 4. April. Mit Sochdrud hat heute der Reichstag gearbeitet, um die dritte Sesung am Die sozialdemokratischen Turnvereine und das böse Blatt Arbeiter- Jugend" versorgen die Jugend mit schlüpfriger und auf reizender Lektüre. Unkoschere Diamanten. In einer der letzten Sizungen der Betitionstommiffion bemerkte man die Anwefenheit des Abgeordneten Liebermann v. Sonnenberg. Er hatte sich als Eintagefliege in biefes Rollegium bersetzen laffen, um einmal der Fürsprecher eines teutfchen Mannes au sein, der nach seiner Meinung von dem deutschBut, daß man im Herrenhause Niemandem, der Beweise feindlichen England in schwere Not gebracht und vom Auswärtigen berlangt, Rede zu stehen braucht.... Amt nicht, wie es ein guter Patriot verdiente, genügend geschikt Aber weder die Ulanenattade noch die parlamentarische worden war. Bertreter der Reichsregierung war heute der Geh. Düngerproduktion hatten den erwarteten Erfolg. Der frühere Regationsrat Dr. Senge; der Klient des großen Antisemiten Dberpräsident bon Schlesien, Graf b. 8eblik hielt eine so führers ist ein gewiffer Juwelier Hermann St. in Berlin, der mit achtbare, luge und unverärgerte Rede, daß man gang ber feiner Angelegenheit schon beim Raiser erfolglos vorstellig geworden geffen tonute, wo man sich befand. Er sagte feinen Standes- war. Nun vertraute er der Straft des großen Germanen Liebermann genoffen rund heraus, daß die Schule nur Wissen und Bildung Im Jahre 1895 begann Herr St, der lein Händler, sondern ein Goldarbeiter fein will--- er neitnl sich SSorliitg Jeweler— in JohanniSburg den Diamanten Vertrieb. Wegen Schmuggels wurde er in seiner Abwesenheit zu Prätoria zu 1900l>Mark Buße verurteilt und mit einer Beschlagnahme seines Vermögens überrascht. ES gelang ihm, in einem zweiten Verfahren die Strafe aus IllWO Mark zu erniedrigen. Das Urteil nahm an, das; er die ordnungsmäßige Buchführung unterlassen und für einen Gesamtwert von 3570 Pfd. Sterl. Diamanten nach Südwestafrika ein- geschmuggelt habe. Verzollt wurden nur für 340 Pfd. Sterl., dagegen verkauft für über 6000. Herr St. legte keine Berufung ein! er machte nun dem Kaiserlichen Konsulat in Prätoria und dem Aus- wältigen Amte Vorwürfe, weil man ihn als Deutschen gegen die britische Behörde nicht genügend geschützt habe. Der Abg. Liebermann von Sonnenberg richtete bereits die Klinge seiner unwiderstehlichen Suada, als der Vertreter der Reichsregierung für die Abweisung der Petition, deren Subjekt recht wenig des Vertrauens würdig fei. einzutreten begann. Als er zum Schlüsse aktenmäßig feststellte, daß der Petent in Oesterreich wegen Diebstahls zu zwei Jahren schweren Kerkers, in Breslau wegen Unterschlagung zu sechs Monaten, wegen Diebstahls zu drei Jahren Gefängnis und fünfjährigem Ehrverlust verurteilt worden ist. ergriff den Abg. Liebermann ein kleines Unbehagen. Es könnte aber doch dem Gold- arbeiter im Auslände ein Unrecht geschehen sein? Als nun die weiteren Feststellungen ergaben. daß der Schützling de» Antisemiten zu Unrecht in Preußen naturalisiert wurde. daß dieser St. überhaupt kein Deutscher von Ge- burt, sondern ein Russe ist, da stieg vor der Phantasie Lieber- mann? auch die Gestalt eines jüdischen Diamantenjobbers auf wie BankoS Geist. Der große Liebermann wurde immer kleiner, die deutsche Sprache versagte und die Haare, wenn sie vorhanden wären, würden sich gesträubt haben. Nur einige Töne der Wer- lcgenheit hörten die Mitglieder der Kommission. Und Roß und Reiter sieht man niemals wieder. Königlich bayerischer Titelschacher. Der Kapitalismus hat alle ideellen Werte kapitalisiert. Während ber naive Spießbürger vermeint, wenn er einen ordengeschmückten Mann sieht, oder einen Mann mit schönem Titel anreden hört, daß hinter diesen Merkmalen, die den Einzelnen über die Zahl der Dutzendmenschen erheben sollen, auch wirklich ein besonderes Ver- dienst stecke, liegen heute die Dinge in Wirklichkeit ganz anders. ES zeigt sich, daß in mehr Fällen, als sich die Schulweisheit träumen läßt, nicht das Verdienst, sondern der Verdienst dem Manne zu seiner.Auszeichnung' verholfen hat. Die Dinge spielen sich ab wie aus dem Warenmarkt. Wer Orden oder Titel infolge seiner persönlichen Fühlung mit den Kreisen, in deren Händen die Fabrikation liegt, direkt zu beziehen in der glück- lichen Lage ist. den kommt die Geschichte billiger als dem, der sich erst des Zwischenhandels bedienen muß. Wie sich derlei Titel- schachcr abspielt, wurde in ergötzlicher Weise enthüllt in einem Land- gerichtSprozeß, der seit einem Jahre in Nürnberg spielt und der kürzlich erledigt wurde. Im Jahre 1003 wurde der Nürnberger Nadelfabrikant Heinrich Wenglein»von der Krone Bayerns' zum Kommerztenrat befördert. Kurz danach starb der Mann. Nach dem Tode des Kommerzien- rate» meldete sich bei der Witwe der Münchener Ingenieur Hell- d ö r f e r und gab an. die Beförderung des Verstorbenen zum königl. bayerischen Kommerzienrat sei ,k rast seiner vorzüglichen Verbindungen, die er in maßgebenden Kreisen habe und kraft seiner energischen Bemühungen bei zuständiger Stelle, einzig und allein sein Verdienst'. Der Ingenieur behauptete ferner, daß ihm der Ver- storbene für seine Bemühungen 15 000 M. Honorar versprochen habe. Die Witwe zahlte nicht. Helldörfer zedierte die Forderung einer AmtSrichterSwitwe und diese klagt« gegen die Wi»ve Wenglein. Nunmehr hat das Landgericht Nürnberg entschieden, daß die Kom- merzienratSwitwe zwar nicht die geforderten 15000 M.. wohl aber 1600 M. an die Klägerin zu zahlen habe. Im Prozeß hat sich nämlich ergeben, daß tatsächlich der Ingenieur, der. wie im Gerichtssaal festgestellt wurde, eine sehr trübe Vergangenheit hat und schon mit drei Jahren Gefängnis vorbestraft ist—. der Vermittler des KommerzienratStitelS war. Der Münchener Jirgenieur arbeitete mit dem Nürnberger Jmmobilienbureauinhaber Wolf Hand in Hand. Wolf suchte die Kandidaten auS. und der Ingenieur besorgte in München die Beförderung der Titelsüchtigen, nachdem diese größere Summen für die verschiedensten staatlichen Institute gestiftet hatten. Im Falle Wenglein mußten 30 000 M. an das Ethnologische Museum gezahlt werden. Im Verlaufe dieses ProzesieS kamen ganz« Stöße von Briefen zur Verlesung, die zwischen Helldörfer und Wolf in Titelsachen gewechselt wurden und ein« derartig ergötzliche Satire auf den Ordens- und Titelhumbug darstellen, wie sie der gediegenste Spötter und Witzbold nicht schreiben könnte. Die Brief« sind kulturhistorische Dokumente. Sie geben eine Vor- stellung. wie die Titelsucht grassiert und welch« Gummen dafür geopfert werden.h 50 000. 70 000 M. und mehr werden daeo der ZeulrumSfraktion ist, auch btt belgischen Ersten Kanuner als Mitglied an. Zur Reform des Strafrechts. Am Dienstag nachmittag trat im Rcichsjustizamk die Kom- Mission zur Reform deS Strafrechts zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Sie hat die Aufgabe, auf Grund de» im Jahre E1603 veröffentlichten Borentwurfs eine» Strafgesetzbuches einen derLeAexten kiSeurj suszusrhejtcll. N» SM» des perbiyderten Siaalssekretärs LeS ReichsjustizatnieS füsirle ber frühere Ministe- rialdirekwr im preußischen Justizministerium.Geheimrat Dr. Lucas den Vorsitz. DaS neue badische Wahlgesetz. Die hessische Stände- k a m m e r nahm am Dienstag das neue Wahlgesetz an, das für Hessen dag direkte Wahlrecht mit einem Pluralwahl- r e ch t für Wähler über 50 Jahre bringt. Oeftemieb. Der sozialdemokratische Wahlaufruf. Die sozialdemokratische Fraktion des auf- gelösten Abgeordnetenhauses veröffentlicht ihren Wahlausruf. Er beginnt folgendermaßen: .Mit dem schimpflichsten Verfassungsbruch endet die Tagung des ersten Parlaments des gleichen Wahlrechts. Die Re- gierung B i e n e r t h stößt daS Haus, auf das Millionen ihre Hoff- nung gesetzt hatten, hochmütig zur Seite und bewilligt sich selbst aufGrund des§14 das Recht zur Eintreibung der Steuern und zur Aushebung der Rekruten, das sie von der Volksvertretung nicht erlangen konnte. Und die Vertrauensmänner der bürgerlichen Parteien in der Regierung— Weiskirchner, Hochenburgcr, Stürgkh, Marek und GlombinSli— besiegeln mit ihrer Unterschrift den Bruch der Verfassung!' Die Kundgebung schildert dann den Kampf gegen die Regierung. die eine Regierung des K l c r i k a l i S m u S und der Parlamcntsfcindschaft, der Teuerung und des Militarismus ist, und stellt die M i t s ch u l d der deutsch- bürgerlichen Parteien fest, die dieser Regierung stets zu Diensten gestanden haben. Dann fährt der Aufruf fort: „Im Kampfe gegen diese volisfeindliche Regierung und ihre Mehrheit mußten wir aber auch die bürgerlichen Gegner dieser Regierung bekämpfen. Unsere Opposition ist wesenS- verschieden von der Opposition der Slawischen Union. W i r sind grundsätzliche Gegner der Regierung deS kapitalistischen MilitärstaateS; die Parteien der Slawischen Union haben kein anderes Ziel, als Stützen und Mitschuldige dieser Regierung zu werden, und sie stellen nur die eine Bedingung, daß zwei oder drei von ihnen mit dem Mmisterfrack geswmückl werden. Wir wollen die Macht de» Parlaments gegen die Regierung der Kamarilla und deS Generalstabes stärken: die Slawische Union hat da? Parlament durch ihre Obstruktion zerstört und dadurch der Kamarilla und dem Beneralstab alle Macht ausgeliefert. Im Kanrpfe gegen die Regierung haben wir zugleich den Kampf gegen die Obstruktion, den Kampf für die Arbeits- fähigkeit des Parlaments geführt. So erbittert die bürgerlichen Deutschen und Tschechen, Polen und Ruthenen, Südslawen und Italiener gegeneinander gekämpft haben um den Anteil an der Macht, um Ministerwürden und Beamtenstellen, so einig waren sie. wenn eS galt, die Forderungen der Arbeiter niederzustimmen. Im Kampfe gegen die Arbeiter bilden alle bürgerlichen Parteien eine einzige reaktionäre Masse. Dreimal haben wir vom Parlament wirksame Maßregeln gegen die LebenSmitteltcuerung gefordert— Maßregeln, deren Durchführung das Elend der Volksmaffen lindern, die Ergiebigkeit unserer Landwirtschaft im Interesse deS armen Landvolkes steigern sollte. Aber alle unsere Anträge wurden von den bürgerlichen Parteien niedergestimmt. Der Aufruf schildert dann ausführlich die sozialpolitische Arbeit, die die Frattion im Reichsrat geleistet hat und die infolge der Haltung der bürgerlichen Parteien oder an dem Widerstand deS Herrenhauses meist fruchtlos geblieben ist, während die Auslösung die Hoffnung vernichtet hat. daß wenigstens die Arbetterversicherungsgefetze er- ledigt würden. Mit der Aufforderung, daß die Wähler über die bürger- lichen Parteien Gericht halten und dafür sorgen mögen. daß das zweite Parlament deS gleichen Wahlrechts besser werde als das erste, schließt die Kundgebung. ptaroftko. Pessimistische Gerüchte. Pari». 4. April. Mehreren Blättern wirdegung im Jahre 1996 seine Unparteilichkeit dadurch bekundete, baß er nicht alle Wünsche der Bäckermeister erfüllen konnte. Die Vertretung, welche der Zweckvcrband für die von ihm in Aussicht gestellt», Verhandlungen vorschlägt, sieht nicht gerade ver- trauenerweckend aus. Tie 17 Innungen sollen durch ihre Ober- meister vertreten werden. Als Vertretung der Arbeiter sollen fungieren die 17 Vorsitzenden der Gesellenausschüsse(Altgesellen), drei bis vier Vertreter des Bäckerverbandes und drei Vertreter — des gelben Bundes. Die Hinzuziehung der Gelben wird damit begründet, daß auch sie Lohnforderungen gestellt haben. Es soll also wieder dieselbe Komödie aufgeführt werden wie 1996. Als damals der Verband eine Lohnbewegung beschlossen und seine Forderungen aufgestellt hatte, reichten auch die Gelben auf Be- stellung der Meister Forderungen ein. lediglich zu dem Zweck, daß die Gelben zu den Verhandlungen hinzugezogen und dort gegen die Verbandsvcrtreter ausgespielt werden konnten. So soll es auch jetzt wieder gedeichselt werden. Die Innungen wollen sich als Ar- beitervertreter bei den Verhandlungen eine kompakte Mehrheit solcher Gesellen sichern, von denen von vornherein feststeht, daß sie nicht Arbeiter-, sondern Arbeitgeberinteressen vertreten. Von den 17 Altgesellen sind 11 als unbedingt meistertreu anzusehen. Nur 6 Vertreter der Gesellenausschüsse gehören dem Verbände an. Diese repräsentieren aber die Ausschüsse derjenigen Innungen, die nach Zahl der beschäftigten Gesellen und räumlicher Ausdehnung die überwiegende Mehrheit darstellen. Dem gelben Bund, der in Berlin etwa 199 Mitglieder zählt, sollen 3 Vertreter zugebilligt werden, während der Bäckerverband mit seinen 4999 Mitgliedern auch nur 3— 4 Vertreter entsenden soll. Hiernach würde also die weitaus überwiegende hinter den Forderungen des Verbandes stehende Mehrheit der Bäckergesellen durch 9— 10 Personen vertreten sein, während das kleine Säuslein gelber, unorganisierter und sonstiger meistcrtreuen Gesellen durch 14 Personen vertreten wird, die sich voraussichtlich„voll und ganz" auf die Seite der 17 Ober- meister stellen werden. Verhandlungen, die von einer s o zusammen- gesetzten Vertretung geführt werden, können natürlich kein zu. treffendes Bild von den wirklichen Wünschen der Gesellen geben und erwarten, welches den tatsächlich bestehenden Verhältnissen Rechnung trägt. und von den deshalb kein Resultat Gestern nachmittag tagte in Kellers Saal in der Koppcnstraße eine öffentliche Versammlung der Bäckergesellen, die zu der vor- stehend besprochenen Angelegenheit Stellung nahm. Saal und Galerien waren überfüllt. Ein Zeichen des lebhaften Interesses, welches die Bäckereiarbeiter an den auf die Lohnbewegung bczüg» lichen Vorgängen nehmen. In eingehender Weise beleuchtete He tz s ch o l d das erwähnte Schreiben des Zweckverbandes. Er führte unter anderem auS: Das Schreiben errege starke Zweifel an der ehrlichen Absicht der Innungen, die Bewegung zu einem friedlichen Abschluß zu bringen. Der Zweifel sei um so mehr be- gründet, da der Vorsitzende deS Zweckverbandes bereits am 17. März in einer Sitzung berichtete über die Schritte, die unternommen sind, um dem Streik und Boykott wirksam entgegenzutreten. Solche Vorbereitungen zeugen nicht von Friedensliebe. Ebensowenig die Ablehnung des Herrn v. Schulz als Leiter der Einigungsvcrband- hingen. Die in so beleidigender Form schon im voraus erfolgte Ablehnung � des Vorsitzenden des Eewerbcgerichts müßte doch die Folge haben, daß auch die übrigen Gewerberichter die Ucbcrnahme der Einigungsverhandlungen ablehnen und dadurch daS Gcwerbe- aeiicht als EinigungSamt überhaupt ausgeschaltet werde. Das sei >m Interesse des Friedens auf das tiefste zu bedauern.— Die Weiteren Ausführungen des Redners decken sich mit einer von ihm «Mpfohlenen Resolution, deren entscheidender Teil lautet:� Ungeachtet der Ablehnung durch den Zweckverband schlägt die Versammlung Herrn Magistratsrat v. Schulz als Vcrhandlungs- leiter vor. Die Hinzuziehung des gelben Bundes zu den Verhand- hingen weist die Versammlung entrüstet zurück, da die Gelben nur eine Schöpfung der Bäckermeister, aber leine Vertretung der Gesellen sind. Die Lohnkommission hat in einer öffentlichen, allen Bäckern und Konditoren zugänglichen Versammlung ihr Mandat erhalten. Diese Vertretung ehrlicher Arbeiter mit den Gelben auf eine Stufe zu stellen, wird als Beleidigung und Ver- höhnung empfunden.— Die Versammlung wünscht die Ver- cherantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.: Handlungen nicht zu einer Komödie herabgewürdigt zu sehen. Sie kann deshalb den Vorschlag des Zweckverbandes, daß neben mehr als 39 Jnnungsvertretern nur 4 Vertretern der Lohn- kommission der Zutritt gnädigst gestattet wird, gar nicht ernst nehmen.— Die Versammlung schlägt für die Verhandlung eine paritätische Kommission vor, welche je zur Hälfte aus Vertretern des Zweckverbandes und Vertretern der Lohnkommission der Gesellen zusammengesetzt wird. Der vom Zweckverband vor- geschlagene 19. April kann wegen anderer wichtiger Dispositionen als Vcrhandlungstag nicht in Frage kommen. Die Versamm- lung schlägt den 18. oder 21. April vor. In der Diskussion sprach ein Vertreter der Freien Vereins- gung der Bäckermeister, die der Lohnkommission bereits erklärt hat, daß sie eine Verständigung auf Grundlage der eingereichten Forde- rungen wünscht. Die Versammlung nahm die Resolution einstimmig an. Diese soll dem Zweckverbande zugestellt werden. Zu der Antwort des- selben wird eine am 11. April stattfindende Versammlung Stellung nehmen. Berlin und Umgegend. Achtung, Schuhmacher! Bei den Firmen Kurzmann, Grüner Weg 199, und Braun, Große Frankfurter Straße 84, haben die Kollegen infolge Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. Diese beiden Firmen sind deshalb gesperrt. Zentralverband der Schuhmacher, Ortsverwaltung Berlin. Der Abtvehrstreik der Hafenarbeiter bei der �irma Kurt Thomas in Spandau. Die Firma Thomas, die sich, wie bereits berichtet, am Anfang voriger Woche Arbeitswillige von der Firma K n od t- Hamburg schicken ließ, hat mit diesen„Ehrenmännern" nicht allzuviel Glück. Obwohl sie dieselben jeden Morgen und Abend per Kremser unter polizeilichem Schutz zur Arbeitsstätte bringt und abholt, scheinen die„nützlichen Elemente" nicht allzuviel Gefallen an der Arbeit zu finden. Ueberdies ist es der Verbandsleitung gelungen, 17 der Leute aus dem Betriebe herauszuholen und zur Rückreise nach Hamburg zu bewegen. Jetzt hat sich nun die Firma, als Ersatz für oie Aus- gerückten, erneut 13 Mann schicken lassen, alles junge Menschen, die kaum den Kinderschuhen entwachsen sind. Dieselben wurden eben falls unter polizeilicher Eskorte und Begleitung nach Tiefwerder 7a gebracht, wo sie im Massenquartier in einem Tanzsaale beherbergt werden. Die Zustände in diesem Quartier spotten jeder Beschrei- bung, Holzpritschen mit Stroh, das zum Teil verfault, dienen den Leuten als Lagerstätte. Dafür müssen dieselben pro Woche und Mann 2,59 M. an Schlafgeld bezahlen. Die Getränke und Speisen sind unerhört teuer und schlecht. 29 Mann wird e i n Handtuch zur Verfügung gestellt. Wo bleibt da die Fürsorge der Polizei, die sich doch sonst so bemerkbar macht. Uns wird versichert, daß einige der Arbeitswilligen von der Polizei steckbrieflich verfolgt werden. Weil sie aber jetzt das ehrbare Handwerk des Streikbrechers ausüben, werden sie von derselben Polizeimacht beschützt und behütet. Die Streikenden sind sich darüber nicht im unklaren, daß mit derartigen Elementen auf die Dauer nichts auszurichten ist und werden des- halb nach wie vor im Kampfe ausharren. Die Bauarbeiter in Selten i. d. Mark haben die Arbeit ein- gestellt, nachdem Verhandlungen zu keinem befriedigenden Ergeb- nis geführt haben. Es wird gebeten, den Zuzug fernzuhalten. Dentfches Reich. Der in Stolp seit 14 Tagen dauernde Streik der Schneider ist durch eine Einigung beigelegt worden. Im allgemeinen haben die Arbeitgeber die Forderungen der Schneider anerkannt. Die Arbeits- zeit, die bisher zwölf Stunden währte, ist auf täglich II Stunden herabgesetzt worden. Die durchschnittliche Erhöhung der Löhne be- trägt 16 Proz. Ueberstunden und Sonntagsarbeit werden mit 25 Pf., Nachtarbeit mit 39 Pf. Aufschlag bezahlt, bei Stücklöhnen beträgt der Aufschlag 15 bis 29 Proz. Streitigkeiten aus dem Tarif, der bis 1. März 1914 Geltung hat, regelt eine Schlichtungs- kommission aus drei Arbeitern und drei Unternehmern. Für Be- Nutzung der Werkstatt, Hergabe des Lichtes und der Heizung werden statt den bisherigen 29 Proz. nur 19 Proz. von den Arbeitnehmern an den Arbeitgeber gezahlt._ Steinsetzer-Aussperrung i« Schlesien. Der Arbeitgeberverband für das Steinsetzgewerbe der Provinz Schlesien hat. nachdem die Einigungsverhandlungen wegen der Regelung der Lohnfrage gescheitert sind, die Aussperrung aller orga- nisierten Gehilfen beschlossen. Die Verhandlungen scheiterten an der Hartnäckigkeit der Unternehmer, die geringsten Zugeständnisse zu machen, obwohl die Gehilfen die weitgehendsten Konzessionen machten. Die Unternehmer wollten einen Vertrag auf drei Jahre abschließen ohne jede Lohnzulage; sie verlangten noch eine inten- stvere Arbeitsleistung._ Zum Streik der Zinkhüttenarbeiter in Dortmund. Wie seinerzeit erwähnt wurde, hatten die streikenden Zink- Hüttenarbeiter die Vermittelung deS Oberbürgermeisters ange- rufen. Die Direktion der Zinkhütt« hatte es abgelehnt, zu ver- handeln. Die Ablehnung war ausführlich begründet worden. Die lreikenden Arbeiter haben nun eine Gegenschrift an die General- direktion in Aachen abgesandt, worin sie ihrer Ansicht Ausdruck geben, daß die Generaldirektion„über die Ursachen und den Gang >er Bewegungen vom April 1919 sowohl wie auch von dem jetzigen Ausstände nicht richtig informiert" zu sein scheine. ES wird dann gleich ausführlich die Entstehung der Streitfragen geschildert und zargelegt, daß die Wunsche der Arbeiter berechtigt waren. Der Streik der MöbeltranSporteure in Frankfurt a. M. wurde mit einem teilweisen Erfolg beendet. Die Arbeiter nahmen am Sonnabend die Arbeit wieder auf, da alle Versuche, eine Verständi- gung mit den Arbeitgebern auf der ganzen Linie herbeizuführen, 'cheiterten, andererseits aber auch fast alle am Streik Beteiligten bei den Firmen, die bewilligten, beschäftigt wurden, so daß es an Streikposten mangelte. Mit neun Firmen wurde ein Vertrag, der wesentliche Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse enthält, abgeschlossen. Gegen die Firmen, die nicht bewilligten, soll später vorgegangen werden. Achtung, Tabakarbelter! Sämtliche Arbeiter— Sortierer, Zigarrenarbeiter, Zurichter— der Firma Kleine u. Kolthoff, Burgsteinfurt �Westfalen) stehen im Streik. Die Streikenden gehören dem Deutschen Tabakarbeiterverbande an. Zuzug nach Burgsteinfurt ist fernzuhalten. Die Damenschneider in Düsseldorf beschlossen, die Arbeit ein- zustellen, da über den am 8. März an die Geschäfte eingereichten Lohntarif keine zufriedenstellende Einigung erzielt werden konnte. Zuzug ist deshalb fernzuhalten. Streik der Steinarbeiter in Koblenz. Am Montag, den 3. April, haben die in Koblenz beschäftigten Steinarbeiter die Arbeit eingestellt, da Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Arbeitsvertrages ergebnislos verlaufen sind. Von den Arbeitern war eine Lohnerhöhung von 5 Pf. pro Stunde gefordert worden, einige kleine Firmen haben dies bewilligt, nur die beiden Hauptfirmen: Hofsteinmetzmeister H. Pabst und Ww. Wilhelm Pabst, weigern sich und wollen nur ab 1. Juli 2 Pf. Zu- läge bewilligen. Zuzug ist fernzuhalten. Anöstand der Schnhntachcrgehilfeu von Grosi-Stuttgart. In Stuttgart haben am 3. April ca. 299 Schuhmacher- gehilfen die Arbeit eingestellt. Ter Kampf scheint ein erbitterter zu werden. Eine Anzahl Meister mit 48 Arbeitern haben die Forde- rungen bewilligt. Die„Christlichen" haben den ihnen von den Meistern diktierten Tarif angenommen. Wie miserabel der Tarif iff, geht daraus hervor, daß Irotz aller von der Leihitfg der christlichen Gewerkschaft angewandten Mittel sich nur eine ganz geringe Majorität für diesen Tarif erklärte. Auch sollen die„Christlichen" von den Meistern die Verpflichtung übernommen haben, für Heran- ziehung von Streikbrechern zu sorgen. Zuzug nach Stuttgart ist streng fernzuhalten._ Christlicher Reinfall. Einen erfreulichen Erfolg bei der Lrtskrankenkassenwahl hat die fteie Arbeiterschaft im badiscken Rheinfelden zu verzeichnen, das vor zwei Jahren durch seinen turbulösen Streik und den an- geschlossenen Kriminalprozeß in weitesten Kreisen bekannt geworden ist. Die christliche Führung der Arbeiter geriet damals schwer unter den Wagen. Wie man auS dem Resultate der jüngsten Wahl der Vertreler zur Orrskrankenkasfe erkennt, steht nun die Mehrheit der Rheiufelder Arbeiierfchaft hinter der Sozialdemokratie und der freien Gewerkschaft, deren sämtliche Beisitzerkandidaten gewählt wurden. Auf dem ersten Wahlzettel hatte das Gewerkschaftskartell auch fünf christliche Kandidaten verzeichnet, die aber dann durch frei- organisierte Arbeiter ersetzt wurden, als die Christlichen sich nicht damit begnügten und eine„reine" Liste der Reakrionäre aufstelllen. Auch das Aufgebot der weiblichen Kassenmilglieder konnte den Christ- lichen den Sieg nicht mehr sichern. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Ausland. Die Aussperrung in Dänemark ist nach einem Telegramm aus Kopenhagen perfekt ge- worden. Außer>den Maurern und Tischlern trifft die AuS- sperrung die Eleftrizitätsarbeiter und sämtliche Arbeiter der Holzindustrie, namentlich Sägewerksarbeiter und Maschinentischler jowie Klempner und Bauhandwerker. Die Zahl der in Kopenhagen und in den Provinzen Ausgesperrten schätzt man auf ins- gesamt 14 999._ Generalstreik der französischen Dockarbeiter. Infolge des Aufrufes des internationalen Dockarbeiter- Verbandes ist die Arbeit in den meisten französischen Häfen seit gestern früh teilweise oder vollständig«ingestellt worden. In St. Nazaire ist der Ausstand ziemlich allgemein. In Brest feiern zwei Drittel der Dockarbeiter. Die Ausständigen fordern in Ver- sammlungcn ihre Kameraden auf, das Verladen von Waren durch Nichtstreikende zu verhindern. Bedeutende Gendarmerieverstär- kungcn sind zum Schutze der Unternehmerinteressen aufgeboten. Auch in Rouen feiern mehrere Hundert Arbeiter. Bisher ist es trotz des großen Polizeiaufgebotes nirgends zu Zwischenfällen ge- kommen._ Streik in Singers Nähmaschinenfabrik zu Glasgow. London, 31. März 1911.(Eig. Bcr.) In Kilbowie in der Nähe von Glasgow besitzt die bekannte Nähmaschinenfabrik Singer ein Riesenwerk, in dem nicht weniger als 3999 Arbeiterinnen und 9999 Arbeiter beschäftigt werden. In diesem Betriebe ist es nun vor wenigen Tagen anläßlich der Nc- Volte einiger Arbeiterinnen gegen die unerträglich gewordene An- treiberei zu einem großen Streik gekommen, an dem außer den wenigen organisierten gelernten Arbeitern alle Arbeiter und Ar- beiterinnen beteiligt sind. Ein schottischer Genosse macht über diesen höchst interessanten Kampf, bei dem die unorganisierten Frauen die Führung übernommen haben und der von der bürger- lichen Presse fast ganz totgeschwiegen wird, in der„Justice" einige bemerkenswerte Angaben. Die Arbeitsteilung ist in den Singer- fchen Werken so weit fortgefchritten, daß nur äußerst wenige ge- lernte Arbeiter beschäftigt werden. Ter ganze Fabrikbetrieb ist noch amerikanischem Muster eingerichtet, und das Antreiben der Arbeiter und Arbeiterinnen wird auf die Spitze getrieben. Organi- siert sind nur die wenigen gelernten Arbeiter(Schlosser usw.); die große Masse der Angestellten gehört keiner Organisation an. Auch hat sich anscheinend noch keine der großen Gewerkschaften ernstlich um sie gekümmert. Schon vor einigen Wochen fand ein kleiner Streik statt, der aber bald beigelegt wurde. Vor einigen Tagen traten nun eine Anzahl Arbeiterinnen(Polierer), denen man mehr Arbeit auftragen wollte, ohne ihnen einen höheren Lohn zu geben, in den Ausstand. Sogleich schlössen sich ihnen alle anderen Arbeiterinnen an, und bald darauf folgten ihnen auch alle un- gelernten Arbeiter und einige der organisierten. Die meisten der organisierten Arbeiter sind noch bei der Arbeit und warten auf den Beschluß des Exekutivkomitee« der Maschinenbauergewerkschaft. Bis jetzt haben sich die Streikenden gut gehalten, so daß ihr Sieg trotz des Mangels einer Streikkasse nicht ausgeschlossen ist. Diese Aktion unorganisierter Arbeiterinnen und Arbeiter beweist, daß sie dem Gedanken der Organisation wohl zugänglich sind. Hoffentlich führt der Streik zur Gründung einer dauerhaften Gewerkschaft. vek K-ctzte Ftadmchtcn. Ein neuer Präsident der russischen„Volks"vtrtrek««?« Petersburg, 4. April.(W. T. B.) Zum Präsidenten Reichsduma ist der Oktobrist Rodsianlo gewählt worden. Zu der überwundenen Mimsterkrise in Spanien. Madrid, 4. April.(W. T. B.) Ministerpräsident CanasefvS besprach in der Kammer die letzte Ministerkrise und führte a'is, der Kriegsminister hätte den bestimmten Wunsch ausgesprocher,, daß die Erörterung über die Ferrer-Angelegenheit möglichst kurz gehalten werden sollte. Er, der Ministerpräsident, sei demaegen- über der Ansicht gewesen, daß die Kammer über die Ausführlichkeit der Debatte entscheiden müsse. Da eine Einigung nicht erreichbar war, habe er die Demission des Kabinetts überreicht. Der König habe ihm erneut sein Vertrauen ausgesprochen, und er habe darauf. hin ein neues Kabinett gebildet, in welches der Kriegsminister auS den angegebenen Gründen und andere Minister aus Gesundheits- rücksichten nicht hätten wiedereintrcten können. DaS Programm der neuen Regierung sei dasselbe, welches in der Thronrede dar» gelegt worden sei. Die Ferrer-Angelegenhcit solle in voller Aus- führlichkeit gemäß der Geschäftsordnung, aber ohne Mißbrauch er- örtert werden. Er, der Ministerpräsident, sei überzeugt, daß man die Armee nicht zum Gegenstand von Angriffen machen werde.— Azcarate(Republikaner) wünscht über die Ministcrkrise zu inter» pellieren. Diese Interpellation wird noch heute besprochen werden. Neue Arbelteraussperrnng in Sicht. Memel, 4, April. Nachdem wegen Entlassung zweier Arbeiter die Arbeiter einer hiesigen Holzfirma am Montag die Arbeit nieder- gelegt haben, faßte der Arbeitgeberverband für Memel laut„Meme- ler Dampfboot" heute den Beschluß, eine allgemeine Aussperrung auf nächsten Montag anzukündigen, falls die Arbeiter der betreffen- den Firma bis Sonnabend morgen die Arbeit nicht unter den alten Bedingungen aufnehmen. Falls dies geschieht, sind die Arbeitgeber zu Tarifuntcrhandlungcn bereit. Von der Aussperrung würden insgesamt 2999 Arbeiter betroffen werden. Folgenschwere Bcnzinexplosion. Mertingcn(Bayern). 4. April. Heute nachmittag erfolgk tti einem Brauereikcllcr eine Benzinexplosion, wobei ein Dienstmädchen getötet, die Tochter des BrancreibefitzerS und ein anderes Dienst, mädchen schwer verletzt wurden. Zur Nacheifernng für Deutschland! Washington, 4. April.(W. T. B.) In seiner Programmrede bei Nebernahme deS Sprccheramtcs verhieß Champ Clark eine ehrliche und gerechte Durchsicht des TarifeS zur Verringerung der Kosten der Lebenshaltung durch AuSmcrzung der besonders großen Härten des jetzigen Zolltarifs. Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt PaulSingerLCo.tBerlivLVV. Hierzu 4 Beilagen n.yqtrrtzatt«naShl. ir.81. 28. Jahrgang. 1. KtilW Ks Jotmirtö" Knlim Bolblilatt. WWlh.5.MtS1l. Reichstag. 163. Sitzung. Dienstag, den 4. April, vormittags 10 Uhr. Am Bundesratstisch'»>. Heeringen. Dritte Lesung des Etats. (Zweiter Tag.) Die Beratung wird fortgesetzt beim Militäretat. Abg. Dr. Brunstermanuv ahnt immer wieder die Anerkennung, die der Staatssekretär seitens der Rechten, des Zentrums und der Nationalliberolen ge- funden habe. Die ganze DankeSkoinödie wird noch ein- mal in der.Marine-Rundschau' wiedergegeben.„Es war sehr sckön, eS bat mich«ehr gefreut!" Das war dos Fazit der sogenannten Informationsreise, zu der nur Abgeordnete von den Par- teie» der Rechten, nicht aber von den Freisinnigen oder Sozial- de»nokraten eingeladen wurden. Zu dieser Informationsreise nach der Werst ist ein amtliches Programm herausgegeben worden, aus dem sich ergibt, daß die Abgeordnelen sich dort nickt i n f o r- niiert haben, sondern informiert wurden. Ausdrücklich wird aber den sühreiiden Beamten und Ofstzieren verboten, de» Ab- geordnete» gegenüber Kritik an de» Einrichtungen der Werft zu üben oder selbst Verbesserungsvorschlägezu machen. Es«väre doch weit besser, wenn das Reichsmarineamt den eigenen Ideen der Offiziere und Beamten inehr Rechnung tragen würde. Der Erfolg der eigen- artigen Informationsreise war ja, daß sogar der Abg. Erzberger, der früher mit uns in der Opposition stand, jetzt eine voll- st ändige Wandlung seiner Anschauungen erfahren hat. In der.Marine-Rundschau", dem amtlichen Organ des Staatssekretärs, wird dann aber die Kritik der Abgeordneten an der Marinevenvaltnng als unfruchtbare, zeitraubende Nörgelei bezeichnet. Wenn ein a u S Reichs Mitteln bezahltes Organ derartige Beschimpfungen der Ab- geordneten bringt, so muß dagegen scharf protestiert werden. (Beifall links.) Außerhalb dieses HaufeS würde ich den Redakteur der.Marinc-Rundschau" einen unverschämten Patron nennen. sBeifall bei den Sozialdemokraten.) Bei den Werstarbeitern herrscht Mißmut und Unzufriedenheit, weil ihre be scheidenen Forderungen rundweg abgelehnt worden sind, während andererseits einem gelbcn Arbeiterverein g r o ß e S u m m e n für Kaffeekränzchen und dergleichen a u S R e i ch S m i t t e l n ge- währt werden. Die Steuerzahler haben die Pflicht, sich da- gegen zu wehren, daß in dieser Weise die Gelder der- pulvert werde».(Sehr richtig I bei den Sozialdernokraten.) Ueber die Angelegenheit der Fischer in Laboe findet sich in der „Marine-Rundichan" ein Artikel, den ich nur als verlogen be- zeichnen kann.(Glocke des Präsidenten.) Vizepräsident Schultz: Wegen dieses AusdNlckS rufe ich Sie zur Ordnung.(Unruhe und Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Abg. Scvering(sortfahrend): Such dieser Ordnungsruf kam, mich nicht veranlassen, meinen Ausdruck zurückzunehmen.(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demolraten, Unruhe rechts.) Wenn jemand etwas wider besseres Wissen behauptet, dam, lügt er eben.(Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Auch über die Heizer-Angelegenheit hat die„Dkarine-Rundschau" eine verlogene Darstellung ge- geben.(HörtI hört! bei den Sozialdemolraten. Unruhe recht». Glocke des Präsidenten.) Vizepräsident Schultz: Die„Manite-Rundschnn" wird im keichsmarineamt redigiert.(Stünnisches Hört! hört! bei den I Sozialdemokraten.) Sie dürfen nicht Verlogenheit vorwerfen.(Lante Rufe bei den Sozialdemokraten: Warum nicht?) Ich rufe Sie zum zweiten Mal zur Orb- n n n g und mache Sie auf die Folgen eines dritten Ordnungsrufes aufmerksam.(Lebhafter Beifall rechts, Große Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Abg. Sevcring: Ich freue mich, daß der Präsident den offiziellen Charakter der„Marine-Rundschau" so entschieden unter- streicht.— Aus Sparsamkeit streicht man den Heizern die 20 Pf.— Zulage; aber der Flottenchef erhält Periode eine tägliche Zulage von bei den Sozialdemokraten.) Die beiden Tatsachen hatte iir den denen ich darüber sprach, stets die Pfui! hervorzurusen.(Lebhaftes Sehr demolraten.) Wir geben dem Reichstage erneut Gelegenheit, die Schädigimg der Heizer abzuwenden, indem wir einen Antrag auf Beseitigung des Abstrichs gestellt haben.(Lebhaftes Bravo l bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär v. Tirpitz: Den Artikel in der„Marlne-Rnnd- schau", von dem der Vorredner sprach, habe ich nicht gelesen.(Zuruf ein Organ des Marineamts f Reichsschatzsekretör Wermuth bittet dringend, die Beschlüffs der zweiten Lesung aufrecht zu erhalten. Abg. Dr. Struve(Vp.): Es ist durchaus möglich, im Rahmen deS Marineetats die Heizerentlohnung zu lagen wie bisher. Das ist eine militärische Notwendigkeit, und ich appelliere an den Reichstag, der immer militärische Notwendigkeiten bewilligt hat, dies auch hier zu tun. Sehr heiler war die Besprechung der„Marine-Nundschau". Bald ist sie amtlich, bald halbamtlich, bald nicht amtlich, dann gar nicht amtlich, wie es gerade paßt. Es ist wirklich an der Zeit, dieiem heiteren Zustande, der aber auch sehr ernst zu betrachten ist, ein Ende zu machen.(Lebhafte Zustimmung links.) Staatssekretär v. Tirpitz: Ueber die Heizerzulagen will ich mich nicht nochmals verbreiten, ich habe bereits bei der zweiten Lesung darüber gesprochen; ich will nur noch die Ausführung des Abg. Erzberger unterstreichen, daß die Heizerlähnung auch nach Fort- iall der Zulage noch 27 M. beträgt, die des Matrosen nur 19 M. Die Sache ist also außerordentlich ausgebauscht. Damit schließt die Generaldisknskion. lieber den Antrag Albreckt(Soz.) und den inhaltlich damit identischen Antrag der Abgg. A b l a ß(Vp.) und Bassermann (natl.) auf Wiederherstellung der Hcizrrzulagen wird gemeinschaftlich namentlich abgestimmt. bei den Sozialdemokraten: Haben wir ja auch nickt behauptet.) � Der Antrag wird mit 102 gegen 110 Stimmen bei 2 Stimmen- Ich muß der„Marine-Rundschau" eine gewisse Freiheit geben: aber enthaltunge» angenommen, dafür hat die Linke, die wirtschaftliche auch in der Sparsamkcits- 00 Mark.(Hört! hört! Gegenüberstellung dieser Volksversammlungen, in Wirkung, ein kräftiges richtig! bei den Sozial- «venu in ihr Angriffs auf Sieickstagsabgeordnet erscheinen, so geht das zu«oeit.(Hört! hört I links). Bei Besuchen von Abgeordneten aus Werften ist allerdings zu verlangen, daß sich Beamte und Offiziere gegenüber den besuchenden Abgeordneten eder Kriitik von Maßnahmen des Staats ekretärs enthalten. Die Zulage deS Flottenchefs ist um 25 Proz. gekürzt worden.(HörtI hvrtl rechts.) Abg. Dr. Leonhart(Vp.): Mit der„Marine-Rundschau' ist es ein eigenes Ding, bald soll sie offiziell kein, bald unabhängig. 1?- dürfte sich doch empfehlen, im nächsten Etat den Betrag für die Marine-Rundschan" zu streichen. Jedenfalls kann ich mich der Kritil des Abg. Scvering über die„Marine-Rundschau' a n schließen, ebenso seinen Ausführungen über die Fischer der Kieler Föhrde.— Auch wir haben einen Antrag auf Wiederherstellung der Heizerzulage eingebracht und beantragen namentliche Ab 't i in«ii n n g darüber.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Erzberger(Z.): DaS Zentrum ist sich in seiner Marine Politik stets konsequent geblieben.(Heiterkeit bei den Sozial demolraten.) Es läßt sich nichts dagegen sagen, das» Beamte und Offiziere gegenüber bestickenden Abgeordneten kein» Kritik an drn Maßnahmrn deS Staatssekretärs üben dürfen. Was würde wohl Besuchern des„Vorwärts" geschehen, wenn sie einen Setzer fragen würden:„Wik denken Sie von ten Maßregeln des Direktors Fischer?'(Sehr gut I im Zentrum.)— Redner wendet sich am Schluß seiner Rede gegen die Anträge au Wiederherstellung der vollen Heizerzulage. Abg. Semler(natl.): Der Artikel der„Marine-Rundschau" ging zu weit. Die Kritik des Abg. Seve ring an den Besuchen bürgerlicher Abgeordneten auf den Werften war unzutreffend. Redner tritt für die Wiederherstellung der vollen Heizerzulage ein. Abg. NoSle(Soz.) Der Staatssekretär v. Tirpitz sucht systematisch sozial« demokratische Abgeordnete von den Besuchen auf den Werften ans zuschließen. Wir werden dieses Verfahren stets auf das schärfste kritisieren, bis wir den Staatssekretär zu einer anderen Handlungsweise erzogen haben.(Lärm recht», Glocke deS Präfidenten.) Vizepräsident Dr. Schultz: Ick bitte Sie, sich zu mäßigen. (Beifall recht», Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Abg. Noske(fortfahrend): Wir werden gegen den AnSschliiß der Sozialdemokraten von den Besuchen auf den Wersten solange protestieren, bis der Staats- sekretär dieses völlig ungehörige Benehmen unterläßt.(Glocke des Präsidenten.) Vizepräsident Schultz: Ich bitte Sie, sich noch mehr zu zu mäßigen.(Schallende Heiterkeit.) Abg. NoSke: Dann will ich sagen: unangemessenes Benehmen.(Heiterkeit. Vergebens hat der Äbg. Erzberger versucht, die Umfülle des Zentrums zu bemänteln. Dem Zentrum wird der Vor- Wurf nicht erspart bleiben, daß eS sich dazu hergibt, den armen Teufeln von Heizern die paar lumpigen Pfennige zu kürzen.(Sehr wahr! links. Lärm im Zentrum.)— Die.Marine-Rundschau' sucht in geradezu unerhörter Weise die öffentliche Meinung zu täuschen.(Glocke des Präsidenten.) Lizepräf. Schultz: Sie dürfen nickt solche Vorwürfe er- heben.(Stürmische Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Abg. NoSke: Wie können diese Alisführniigen vom Präsidenten gerügt werden wenn unS eben erst erzählt worden ist. daß die.�Marine-Rundschau" nicht vom M a r i ii e a m t abhängig ist?(Sehr gut I bei den Soz.) Unfraglich ist der eigentliche Urheber des Abstrich» der Heizer« zulage der Staatssekretär. Augenscheinlich dachte man in der Verwaltung: Schlagt ihr unsere Ad Mirale und Offiziere. dann ichlagen wir eure Heizer.(Sehr gut I bei den Sozial demolraten' Unruhe rechts.) Dem Reichstag sollte die Sparsamkeit vergällt werden und man wollte den Heizern sagen: Seht, die Abgeordneten, das sind die Leute, die Euch Eure Zulagen nehmen. Und ich muß allerdings sagen, wenn der Reichstag die sklandalöseu Beschlüsse über die Heizerzulagen, die in der Kommission und in der zweiten Lesimg gefaßt worden sind, in dritter Lesung aufrecht erhält, so ist eS ganz in der Ordnung, «venu die helle Empörung, die im Lande und in der Manne über diese Sacke herrscht, sich auch gegen den Reichstag wendet I(Leb- hafte Ziistiminung bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Schultz: Herr Abgeordneter. eS ist ungehörig, daß Sie einen ReichSiagsbeichluß als einen Skandal bezeichnen. (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär v. Tirpitz: Es ist nicht wahr, daß sozialdemokra- tische Abgeordnete zu den Werfte» nicht zugelassen werden. Die Abgg. Scheide mann und NoSke sind ans der Werst herumgeführt worden. Hat Herr Noske denn ein solch schlechtes Gedächtnis?— Ich habe allerdings stets die Ansicht vertreten, daß die Verschieden- artigkeit des militärischen Dienste« nicht in der verschiedenen Höhe der Besoldung sich auszudrücken hat. Auch im Landheer wird der Kavalleriedienst nicht höher besoldet als der Jiifanteriedienst. und es gibt keine besonderen Entschädigungen für den Dienst in un- angenehmen Grenzgarnisonen.(Hört! hört l rechtS.) Abg. v. Oldenburg(k.): Ich habe im Namen meiner Fraktion zu erklären, daß eS uns sehr schlver gefallen ist, der Streichung der Heizerzulagen zilziistimmen. Nichts war unS alten Offizieren peinlicher, als den Heizern und den Marineoffizieren die Zulagen zu kürzen. Wenn wir uns dock dazu entschlossen haben, so geschah es im Hinblick auf die Finanzen deS Reiches und in der felsenfesten Ueberzeugung. daß die unerschütterliche Pflicht« treue in der Marine nicht von solchen Dingen abhängig ist. Wir«verden u»S nicht herbeilassen. Mittel zu bewilligen, wenn nicht die Deckung dafür vorhanden ist. ES ist unsere verfluchte Pflicht und Schuldigkeit, dem Relchsschatzsekretär auf diesem Wege zu folgen. Der Herr Großadmiral hat gesagt: Wenn Unzufriedenheit vorhanden ist, so hat sie aufzuhören. wenne» von oben befohlen wird. Das war ein Wort, wie wir eS gcr«, von dieser Stelle hören.(LauteS Gelächter links.) Von den Sozialdemokraten ist gesagt worden, sie wollten die Reichs- marineverwaltung erziehen. Wir haben in der Person dieser Herren (zum BundeSratStisch zeigend) die Garantie, daß Ihnen daö nicht gelingen wird. fTie, meine Herren Sozialdemokraten, legen doch Wert darauf, international zu fem, unsere Marine aber ist ngtsoggl und wird«S bltibk».(Peisall rrchis: Lachen linv.) Vereinigung und ein erheblicher Teil des Zentrums gestiniml, dagegen die Konservativen, die Reichspartei, die Polen und ein großer Teil des Zentrums. Die Verkündung des Resultats wird mit lebhaften Bravo« rufen auf der Linken entgegengenommen. Der Manneetat wird bewilligt, und debatteloS der Etat deS NeichsjustizamtS. Es folgt der Etat deS Reichsschatzamts. Abg. Dohr»(Vp.) kritisiert den JubilänmStaler der Berliner llniversiiät,«eine Vorderseite sei realistisch, seine Hinterfeite heraldisch(Große Heiterkeit); dann kriiifiert der Redner weiter unter andauernder Heiterkeit des Hauses die neuen Hundert» m a r k s ch e i n e. Die symbolische Darstellung von Handel und Wandel soll wohl andeuten,«vi« man solche Scheine er» wirbt, und die Darstellung der Panzerschiffe, wie man sie ausgibt.(Große Heiterkeit.) Ist es denn nicht möglich, zu dem engliichen System überzugehen und ganz schlichte Banknoten anzufertigen und sie bei der Rückkehr zur Bank wieder einzuziehen und durch neue zu ersetzen. ReichSschaysekreiär Wermuth: Es heißt nicht unser Kunstgewerbe ermutigen, wenn man über all und jede» von oben herab ab- sprechend urteilt.(Oho I links.) Die Jubiläumsdenkmünze der Berliner Universitäl ist im Einvernehmen mit hervorragenden Künstlern angefertigt. Abg. Bindewald(Äntis.): Ich erhebe Protest gegen die Kritik de» freisinnigen Redners(Heiterkeit), wir haben noch keine schönere Banknote gehabt, als die neue Hundertmarlbanknote.(Stürmische Heiterkeit.) Abg. Vöhl«(Soz.): Die 1500 in Elsaß-Lothringen tätigen Zollbeamten sind bedeutend schlechter gestellt, als die übrigen Zollbeamten deS Reiches. ES ist wohl an der Zeit, dieser Ungleichheit«in Ende zu machen. Weiter beschwert sich der Redner, daß 100 Grundbesitzer, die wegen der neuen Rayonfestsetzung in Stroßburg zu entschädigen find, bis heute keine endgültige Bezahlung haben erlanget» können, obwohl die Angelegenheit schon sieben Jahre schwebt. Abg. Dr. Görcke(natl.) freut sich, daß für die Kriegsteilnehmer endlich höhere Beihilfen in den Etat eingestellt find. Ein Jntriidanturrat: Die von Herrn Böhls vorgebrachten Tat» sacken aus Straßburg sind richtig; aber die Feststellung von Rayonentschädigungen dauert überall lange, nicht nur in Straßburg. Abg. Frhr. v. Gamp wünscht, daß die Jubiläumsdenkmünzen in noch größeren Mengen auSgeptägt werden mögen. Redner freut sich dann gleich dem Abg. Görcke über die Einstellung der Veteranen« beihilfen. Abg. Baumann(Z.) tritt für die Veteranen ein. Abg. Hufnagel(k.) schließt sich dem Borrebner an. Abg. Schöpsiiu(Sog.): Ich gestehe zu. daß die AuSfübrungSbesttmmungen über die Veteranenbeihilfe eine gewisse Berbesserung des bisherigen außer» ordentlich wenig befriedigenden ZustandeS bedeuten. Aber eS sind, wie ja auch von bürgerlicher Seite hervorgehoben wird, noch so viele Mängel und Unvollkommenheiten vorhanden, daß wirllich keine Veranlassung vorliegt, dem Schatzamt Lorbeer- kränze zu flechten.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Wenn übrigens von konservativer Seite erklärt wird, daß Abstimmungen nichts helfen, wenn sie nur auf dem Papier stehen und nickt ausgeführt werden, so stimmen wir dem zu, merken uns aber gleichzeitig das konservative Zugeständnis für andere Fälle. Sehr gut« be, den Sozialdemokraten.) Es ist now viel zu tun, um das Veteranenelend zu lindern. Eine ganze Reihe geradezu himmelschreiender Fälle sind mir bekannt, dock will ,ch jetzt darauf verzichten, sie hier zu schildern. Vor allem muß ich immer wieder auf die Nolwendigkcit verweisen, die Bestimmungen weitherzig und ohne Kleinlichkeit auszulegen. Vor allem gilt die« von der so wie so sehr bedenk- lichen, leider nicht beseitigten Bestimmung über die.Würdigkeit'. die leicht mißbrauch« werden kann. Wir erkennen gern an, daß der gegenwärtige Schntziekretär sich weit entgegenkommender gegen die Weteraue«, zeigt, als alle seine Borgänger, vmsomehr bttien wir ihn. auch fernerbin sich gegen die wahrhastig berechtigten Wünsche der Bcirrane» eulgegcnkommend zu zeigen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. Oeryen(Rp.): Auch ich möchte darum bitten, daß die AuSsührungsbeslimmimgen mit Weilherzigkeit ausgelegt und an« geioandt werden, namentlich auch die Bestimmung über die Un- Würdigkeit als AiiSfchlleßungSgrund. Klein« Vergehen von Veteranen dürfen nicht zur Entziehung der Beihilfe führen. ReichSschaysekreiär Wermuth erklärt, daß die LandeSbebördcn angewiesen seien, die AnSführungSdestimi'iungen. die weit günstiger feien, als die früheren, mit möglichster Weithrrzigkeit anzuwenden. Ferner bittet Redner, ihm alle Fälle engherziger An« Wendung und Auslegung mitzuteilen. Abg. Wiclaud(Vp.) begrüßt die Veteranenbeihilfe, bemängelt aber die AuSführungsbestimmungen. Abg. Prinz Schönaich-llarolath(natl.) schließt sich dem Dank an den Staatssekretär an, betont mit dem Abg. S ch öp f lin. daß noch viel zn tun übrig bleibt, und bittet ebenfalls um wohlwollende Aut- legung und Anwendung der AuSführungsbestimmungen. Die Debatte schließt. Bei einem weiteren Titel rügt Abg. Dr. Reumann-Hefer(Vp.) die ungleichmäßigen Bezüge der ollbeamten und verweist u. a. auf die vorigen Ausführungen des Abg. Bühle. Der Rest deS Etats des Reichsschatzamts wird debatte« loS bewillig». Der Etat der Schutzgriiete und des Kolonialamts wird debatte« öS angenommen. Es folgt der Etat deS ReichSeisenbahnamteS. Abg. Hengsbach(Soz.): >om fchwarzdlauen Block empfangen): smlt Lärm von: Am Schwarzen Weg in Duisburg, wo noch vor einigen Jahren ein schweres Eisenbahnunglück stattfand, ist am 2S. März an gleicher Stelle ein neues Unglück vorgekommen. Als Ursache wird ein Signaldefekt infolge de» SttirmeS im amtlichen Bericht angegeben. Im amtlichen Bericht wird der Vorgang aber nicht richtig wiedergegeben. Auch die Beamten scheinen angewiesen sein, reinen Mund zu halten, als ich mich nach den Ursachen erkundigte. In der Bevölkerung herrscht mir eine Meinung darüber, daß die amtlich angegebrns Ursache nicht richtig ist, tsb da» ljgzliick viel« mehr auf die NnSder�chtlichleit der ZusahrtSfireck« zurückzuführen sei. An der gleichen Stelle ist neuerdings schon wieder ein Unglücks« fall passiert. Die Bebörde sollte doch einmal ernstlich untersuchen, wie weit die Unübersichtlichkeit der Strecke die Ursache dieser Unglück»« fälle bildet. Die Betriebssicherheit der Bahn würde erheblich ge- Winnen, wenn man die Wünsche des Fahrpersonals berücksichtigen und vor allem die Dienstzeit verkürze» würde. Ich möchte bei dieser Gelegenheit die Eingabe des Vereins deutscher Lokoinotivführer um reiÄsgesetzliche Regelung der Dienstverhältnisse zur Berücksichtigung empfehlen und möchte weiter die Verwaltung ersuchen, endlich ein- mal die Verhältnisse am Duisburger Bahnhof zu untersuchen und zu bessern, bannt der.Schwarze Weg" endlich seinen sprich- wörtlichen Ruf al» Unglücksstelle verliert. sBeifall bei den Sozial« demokraten.) Präsident des Reichseisenbahnamtes Wackerzapp erwidert, das vom Vorredner erwähnte Unglück sei tatsächlich daraus zurückzuführen, daß ein Signal durch einen Sturm defekt wurde. Der Etat deS Reichsei senbahnamteS wird bewilligt. Es folgt der Etat der Reichsschuld. Der Erat wird nach unwesentlicher Debatte bewilligt. Der Allgemeine PensionsfondS wird debattelos bewilligt. Es folgt der Etat der Ncichspostverwaltung. Abg. GieSbertS(Z.) befürwortet einen Antrag, daß die nicht- etatsmägigen Unterbeanuen sowie die zum Aufrücken in Unter- beamlenstellcn bestimmten Arbeiter und Handwerker der Post- und Telegrapheiiverwaltung spätestens nach zehnjähriger Dienstzeit etals- mäßig angestellt werden. Abg. Hengsbach(Soz.); Da» Dorf Hamborn ist. endlich Stadt geworden, aber die postalischen Verbältnisse sind noch immer recht dörflich geblieben. Redner führt einige Fälle an. Man sollte in Hamborn ein Jentrai« Postamt errichte». Auch die Telephonverhältnisse sind nicht auf der Höhe. Man sollte einem Orte mit einer solchen geradezu amerikanischen Entwickclung doch mehr Rechnung trogen. Abg. Hormanunes Diebstahls sich nicht würde beweisen lassen und daß die Mög- lichkeit bestand, dah die anderen die Boote nur sicherstellen wollten. gleichsam einen Akt der Selbsthilfe vorgenommen hätten. Er hätte das Schreiben der Leute, das davon sprach, der Staatsanwaltschaft in der Anzeige mitteilen müssen, und hätte nicht die unbestimmte Aeußerung tun dürfen, es läge Anlaß zu der Annahme vor, daß das Boot gestohlen sei. Dann fielen besonders in Gewicht die Schreiben an die vorgesetzte Behörde der verdächtigten Beamten. Mit Rücksicht auf den Charakter der üblen Nachrede und auf die Schwierigkeiten, die den Beamten bei ihrer Behörde erwuchsen, so- wie mit Rücksicht darauf, daß er schon zweimal wegen Beleidigung bestraft sei, müsse die Strafe in der erkannten Höhe ausgesprochen werden. Das Kammergericht verwarf am Sonnabend die von Steinberg eingelegte Revision._ Die Höflichkeit des Droschkenkutschers. Dem Droschkenkutscher wird durch die Droschkenordnung die Pflicht auferlegt, gegenüber seinen Fahrgästen sich der Höflichkeit zu befleißigen. Gegen diese Pflicht sollte ein Kraftdroschkrnsührer Walter verstoßen haben, der deshalb sich vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte zu verantworten hatte. Der Vorsitzende Amtsgerichts rat Wagler hob bei der Feststellung der Personalien des Ange klagten hervor, daß dieser für einen Droschkenkutscher„auffallend wenig bestraft" sei, in fünfzehnjähriger Berufstätigkeit nur viermal und im Höchstfall nur mit 3 Mark. Diesmal wurde Walter be schuldigt, daß er einen Fahrgast, dem Bankbeamten Hans Liebhardt, angeboten habe, ihm»eins in die Fresse zu hauen". Der Ange- klagte bestritt das nicht, aber er beschwerte sich, daß Herr Lied Hardt, der sehr aufgeregt gewesen sei, mit Beleidigungen den An fang gemacht habe. Liebhardt habe zu Kroll gewollt, er aber habe verstanden„Zur Traube", und unterwegs habe dann Liebhardt ihn mit Vorwürfen überhäuft, daß er falsch fahre. Auch habe Lieb- Hardt gefragt, ob er blödsinnig, ob er besoffen sei, und das habe ihn ganz besonders gekränkt, so daß er sich zu jener Aeußerung hinreißen ließ. Daß Walter nicht betrunken gewesen sein könne, bestätigte vor Gericht der Schutzmann Doerge, den damals Liebhardt um Notierung des Kutschers ersucht hatte. Kraftdroschkcnführrr Falkenberg, der bei Walters Abfahrt vom Droschkenhalteplatz zu- gegen gewesen war, bekundete, auch er habe als Ziel der Fahrt verstanden„Zur Traube". Der Bankbeamte Liebhardt selber be- hauptete, deutlich und wiederholt gesagt zu haben, daß er zu Kroll wolle. Als der Kutscher unterwegs auf seinen Irrtum aufmerksam gemacht worden war und die Route geändert hatte, sei er schließlich noch falsch um die Siegessäule herumgefahren. Da habe Liebhardt ihn gefragt, ob er betrunken sei; die Worte„besoffen" und„blöd- sinnig" habe er nicht gebraucht. Zeuge Schutzmann Doerge erklärte hierzu, daß nach der Polizeivorschrift über die Anfahrt vor Kroll der Angeklagte nicht anders habe fahren dürfen. Der Amtsanwalt erkannte an, daß ein Mißverständnis vorlag, und daß Walter, als der Fahrgast ihn zur Rede stellte, in Erregung geriet, die man ihm zugute halten könne. Das Urteil lautete, in Uebereinstimmung mit dem Antrag des Amtsanwalts, auf Freisprechung. Walter sei unhöflich gewesen, aber der Sinn jeuer Vorschrift der Droschken ordnung sei doch nicht der, daß ein Kutscher unter allen Umständen höflich sein müsse. Das Gericht sehe als erwiesen an, daß der Kutscher sich zur UnHöflichkeit nur habe hinreißen lassen, weil er von dem Fahrgast in schroffer Weise zur Rede gestellt worden sei. Ein überraschend verständiges Urteil! Ueberfchreitung des Züchtigungsrechts wurde dem Lehrer Heinrich Berlin vorgeworfen, der gestern unter der Anklage der fahrlässigen Körperverletzung vor der 1. Straf- kammer des Landgerichts I stand. Der Angeklagte ist Lehrer an der Gemeindeschule in Groß-Lichterfelde und nahm im Juni v. I. Veranlassung, einen seiner Schüler, den Knaben Rudkowsti, der in der Rechenstunde fortgesetzt unaufmerksam war, mehrmals von seinem Platz hervorzuholen und mit einem Rohrstock zu züchtigen. Der Stock, welcher dabei in Anwendung kam, war etwa einen halben Meter lang und hatte die Stärke eines Bleistifts. Der Lehrer hatte nach Aussage seiner Schüler mit diesem Stock dem Jungen nach und nach etwa zwölf Hiebe über die Schultergegend und den Rücken verabfolgt. Nachdem der Junge zu Hause über Schmerzen geklagt hatte, ging die Mutter mit ihm zu dem prak- tischen Arzt Dr. Dumstrey, der an dem Körper des Jungen eine ganze Anzahl blutunterlaufener Striemen feststellte, die nach seiner Meinung von recht heftigen Mißhandlungen herrühren mußten. Der Vater des Jungen hat dann später, als der Lehrer Berlin ihn wegen Beleidigung zur Anzeige gebracht hatte, Straf» anzeige wegen Körperverletzung erstattet. In der gestrigen Ve» Handlung wurde außer dem Rektor und mehreren Schülern auch der Gerichtsarzt Dr. Marx vernommen. Er bekundete, daß Schläge mit einem so dünnen Stöckchen an sich nicht bedenklich seien und die von Dr. Dumstrey beobachteten Striemen möglicherweise sich dadurch erklären lassen, daß der Knabe sehr dünn angezogen ge- Wesen sei und eine sehr empfindliche Haut habe. Der Staats- anwalt hielt doch eine Ueberfchreitung des Züchtigungsrechts für vorliegend und beantragte 40 M. Geldstrafe. Das Gericht erkannte dagegen leider auf Freisprechung. Krawattenakabemie. Ein kleiner Kongreß von Krawattennäherinnen entwickelte sich gestern vor dem kleinen Schwurgerichtssaal, in welchem die vierte Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichts- direktors Criigcr eine BctrugSanklage gegen den Kaufmann Adolf Steinberg und dessen Ehefrau verhandelte. Die vorgeladenen Frauen und Mädchen waren größtenteils ehemalige Schülerinnen der„Ersten Deutschen KrawattennäherÄkademie", die von den Angeklagten ins Leben gerufen worden war. Ein großer Teil dieser von der Staatsanwaltschaft aufgebotenen Belastungszeugen fühlt sich dadurch geschädigt, daß sie auf Grund der Prosvekte der Angeklagten, in LSnen ihnen nach ihrer Meinung ein« dauernde Arbeitsgelegenheit nach absolvierter kurzer Lehrzeit versprochen wurde, die Akademie besuchten, das Eintrittsgeld bezahlten und nachher sich in ihren Hoffnungen bezüglich der Arbeitsgelegenheit getäuscht sahen. Ter Angeklagte bestreitet dagegen jedwede Täuschung und verweist auf den angeblich klaren Wortlaut des von jeder einzelnen Schülerin unterschriebenen Vertrages. Er betont immer wieder mit großem Nachdruck, daß seine Akademie nach streng reellen Grundsätzen geleitet worden sei. Den Belastungs- zeugen des Staatsanwalts stellt der Angeklagte eine große Zahl von Entlafiungszeugcn gegenüber, so daß für die nächsten drei Verhandlungstage schon über 130 Zeugen geladen werden mußten. Die Anklage vertritt Assessor Dr. Friedersdorf, die Angeklagten werden von Rechtsanwalt Goldberg verteidigt. Als Sachverstän- dige wohnen Kaufmann Schrötcr-Karlshorst und Fabrikant Karl Weber(Kampe u. Weber) der Verhandlung bei. Wir werden das Urteil mitteilen. Zwanzig Schnäpse als Todesursache. Wegen fahrlässiger Tötung sind am 3. Februar vom Landgericht Frankfurt a. O. der Gastwirt Paul Redlich und der Kellner Jahn verurteilt worden, der erstere zu einem Monat, der letztere zu einer Woche Gefängnis. Der Arbeiter Neumann hatte an einem Freitagabend in der Wirtschaft Redlichs schon reichlich Bier und Schnaps getrunken. Er rühmte sich, er könne noch 20 Schnäpse trinken. Jahn erklärte sich bereit, die Schnäpse zu bezahlen, wenn Neumann sie trinken könne. Der herbeigerufene Redlich erklärte: so etwas gibt es nicht in meinem Lokal, ließ aber dann seinen Widerspruch fallen. NeutNaNN krank die 20 Schnäpse wirklich Mittwoch, 5. April 1911. KIЯ Sozialdemokratisch. Wahlverein für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis. Görlitzer Viertel. Bezirk 171. Teil I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Klempner Hermann Manecke Rottbuser Str. 27 geftorben ist am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 6. April, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenballe des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus ftatt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Zentral- Kranken- und Sterbekasse d. deutschen Wagenbauer Bezirk 17. Am 1. April verstarb nach längerem Leiden unser Mitglied, der Klempner Hermann Manecke. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 6. April, nach mittags 4 Uhr, von der Halle des Bentral- Friedhofes in Friedrichs. felde aus ftatf. Um zahlreiche Beteiligung er fucht 10995 Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratisch. Wahlverein Kreis Nieder- Barnim Bezirk Rummelsburg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Genoffin Anna Witzke geb. Lange im ter von 47 Jahren ver storben ift. 8/3 Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 6. April, nach mittags 4 Uhr, vom Trauerhause Borhagen- Rummelsburg, Grünberger Straße 9( 20. Abteilung), aus nach dem Rummelsburger Gemeinde Friedhof, Lüdstraße, aus ftatt. 9 Rege Beteiligung erwartet Die Bezirksleitung. Blumen- und Kranzbinderei Don Robert Meyer, aur Mariannen- Straße 2. Am Montag, den 3. April, nach mittags 52 Uhr, verstarb nach einjährigem schweren Krankenlager, im Alter von 47 Jahren, meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwester, Schwägerin 1102b und Zante Anna Witzke am geb. Lange. Borhagen- Rummelsburg, 4.4. 1911 Oskar Witte und Töchter. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 6. April, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerbause Grünberger Straße 9( Borhagener Plazz) nach dem Rummelsburger Gemeindefriedhof( Lückstraße) statt. Verband der Hat- u. Filzwarenarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands.( Ortsverwaltung Berlin.) Todes Anzeige. Am Mittwoch, den 29. März, schted freiwillig aus dem Leben unser Stollege Hans Schulz im Alter von 24 Jahren. Die Beerdigung findet heute nachmittag 5 Uhr von der Halle des Markus: und Andreas- Stirch hofes in Wilhelmsberg aus statt. Bahlreiche Beteiligung erwartet 76/2 Der Vorstand. Zentralkranken- und Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. E. H. Filiale Berlin XII. Frauen Sterbekaffe. Am 1. April ftarb unser Mit257/7 glied Erna Schröder an Herzschwäche im 53. Lebensjahre. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, den 5. April, nach. mittags 4, Uhr, von der Kapelle des Heiland- Friedhofes, aus statt. Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise berglicher Teilnahme sowie die zahlreichen Kranz spenden bei der Beerdigung unserer guten Tochter Martha Westphal sagen wir allen Verwandten und Belannten, dem Deutschen Kürschner verband, forte ben Stollegen und Kolleginnen der Firma S. Gärtner unseren herzlichsten Dank. Familie Westphal nebst Bräutigam. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner Hermann Manecke am 1. April an Herzleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 6. April, nach mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Rege Beteiligung erwartet 114/18 Die Ortsverwaltung. Zentral- Kranken- und SterbeKasse d. Deutschen Wagenbauer Berlin 3. Den Mitgliedern zur Nachricht, 11006 daß unser Mitglied Hermann Strauß am 1. April im Alter bon 40 Jahren verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, den 5. April, nach mittags 41, Uhr, von der Leichen balle des St. Georgen- Kirchhofes, Landsberger Allee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Am 3. April verschied nach furzem, aber schwerem Leiden meine inniggeliebte Frau, unsere herzensgute Mutter, Schwieger und Großmutter Emma Hoppe geb. Schuls 11015 im 56. Lebensjahre. Dies zeigen tiefbetrübt an Paul Hoppe, Gastwirt, nebft Kindern. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 6. April, nach mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und reichen Stranzspenden bei der Beerdi gung meiner lieben Frau und guten Mutter Berta Filz fagen wir allen Verwandten, Freun den und Bekannten, insbesondere dem Wahlverein des 4. Streises, Bez. 207a, fowie ben Arbeitern der Firmen Dunsky, Groß, Brand u. Co. und Chauffeuren der Firma W. Kamjunte unferen herzlichsten Dant. Hermann Filz u. 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Nr. 81. 28. Jahrgang. 4. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Mittwo, 5. April 1911. Partei- Angelegenbeiten. Dritter Wahlkreis. Heute Mittwoch, abends 8 Uhr, findet in Wilkes Festfälen, Sebastianstr. 39, der dritte Vortrag des Genossen Eichorn statt. Diejenigen Mitglieder, welche noch nicht im Bejiz einer Teilnehmerkarte sind, werden ersucht, sich durch das Mitgliedsbuch zu legitimieren. Der Vorstand. Grünau. Heute Mittwoch, abends 1/9 Uhr, wichtige Mitglieder berfammlung im Lokal Zur grünen Ede", Köpenicker Str. 88. Auf Beschluß der letzten Versammlung sind die Gewerkschaftsbücher mit zubringen. Der Vorstand. Berliner Nachrichten. einführen will, wenn auch der Versuch reichlich spät kommt und Mannes bei einem Gastwirt ein, dessen Lokal in der Nähe der Berlin sich auf dem Gebiete des Arbeitsunterrichts wie auf fo Wohnung J.3 liegt und dem hier in Frage kommenden Wahlverein vielen anderen von manchem leinerem Orte des Reiches hat den als 3a hlstelle dient. Bei der allein anwesenden Wirtin erRang ablaufen lassen. Der Wertunterricht ist nicht ein besonderes Unterrichtsfach, fundigte sich der Blonde, ob fie 3. kenne und wo er wohne. Mis das in einzelnen lehrplanmäßigen Stunden betrieben wird, sondern 3. wolle er wegen der Kranzangelegenheit beraten, falls der ein ein Unterrichtsgrundsatz, der in allen Lehrstunden zur Anwendung Strafmandat bekomme. Er selber habe, so fügte er hinzu, bereits kommen sollte. Er bildet auch nur einen Teil der Arbeitsschule; ein Strafmandat bekommen, aber er werde sich deshalb an die Gedenn zu dieser gehört auch noch der Werkstättenunterricht( Handwerkschaft oder an die Partei wenden. Ob J. organisiert sei, fragte fertigteitsunterricht, Senabenhandarbeit) und, wo es möglich ist, er; ob er dem Verband und auch dem Wahlberein das Arbeiten im Schulgarten und im Versuchsfelde. Wie schon angehöre. Beide gingen dann mit dem Bemerken, sie würden sein Name jagt, wird der Werkstättenunterricht in besonderen J. aufsuchen. Bei Frau J., die allein zu Hause war, fand sich aber Räumen und besonderen Stunden, meist nachmittags, betrieben und umfaßt vorzugsweise leichte und schwere Holzarbeit, Glas- und nur der Blonde ein. Auch hier gab er an, er tomme in der KranzMetallarbeiten. Zum Wertunterricht, der in jeder Schulklasse be- angelegenheit, er sei deshalb schon bei der Frau des anderen ge= trieben werden kann, gehören dagegen Zeichnen, Formen, Papp- wesen. Als er fragte, ob J. im Verband sei, dachte Frau J. an und Bapierarbeit und Basteln. Daraus ergibt sich dann auch schon, die durch den Vorwärts" beröffentlichte BarDie Luftbarkeitssteuer und die königlichen Theater. daß sich der Wertunterricht leicht in unser heutiges Schulsystem nung und schwieg. Sie brauchen nichts zu fürchten," tröstete Der Vorsitzende des Verbandes Berliner Bühnenleiter, Direktor hineinbauen läßt und die materiellen Opfer, die seine Einführung der Fremde, das bezahlt die Partei oder die Gewerkschaft". Wieder erfordert, verhältnismäßig gering sind. Besonders stolz find ja zeigte er sein Buch, diesmal unaufgefordert, und unaufgefordert Dr. Brahm, schreibt uns: die Werkunterrichtler darauf, daß sie den größten Teil ihres Ma- nannte er feinen Namen, den aber Frau J. zunächst nicht verstand. Berlin, den 8. April 1911. Auch Frau J. versichert, es sei bestimmt das Mitgliedsbuch „ Ein Antrag, den der Stadtberordnete Cassel in der Donners. terials aus dem Mülltasten" gewinnen, da sie die findenden Kulturmerte wieder zu Ehren bringen; denn Zeichenblodrücken, zertags- Berhandlung über die Luftbarkeitssteuer stellen will, lautet nach brochene Lampenzylinder, alte Hufeisen, Korfe und anderes Allt- eines Wahlbereins gewesen; wie ein solches Buch aussieht, Zeitungsmeldungen, denen nicht widersprochen wurde, dahin: Man material, find die Rohstoffe, aus denen sie ihre Apparate aufbauen. ist auch ihr bekannt. Als der Besucher sich empfahl mit der Unwolle beschließen, die Verhandlung so lange auszulegen, bis eine Sind so die materiellen Hindernisse leicht zu überwinden, so darf fündigung, daß er am Mittag wiederkommen werde, bat sie, noch wolle beschließen, die Verhandlung so lange auszulegen, bis eine Erklärung der föniglichen Theater vorliegt, wonach sie sich der Steuer unterwerfen. Zur Klärung dieser Frage"( die unseres Er man doch eine andere Schwierigkeit nicht unterschäben, eine einmal feinen Namen zu sagen, und nun verstand sie deutlich: Steuer unterwerfen. Zur Klärung dieser Frage"( die unseres Er Schwierigkeit, die man der Berliner Schulverwaltung gern als Mühlstein". Bisher ist der Mann nicht wiedergekommen! achtens längst teine Frage mehr ist, nachdem noch Graf Hülsen sich Milderungsgrund für die späte Einführung anrechnen wird. Der Man sieht: es wird weiter gespikelt! Nach dem ganzen Drum so unzweideutig gegen die Steuer ausgesprochen hat) ging ich ins Bertunterricht ist in erster Linie eine Frage der Behrerbildung, und Dran ist es außer allem Zweifel, daß es auch hier sich wieder Hausministerium und erhielt dort bereitwilligst innerhalb weniger und auf den preußischen Seminaren geschieht in dieser Beziehung Tage die Auskunft, welche die Stadtverwaltung innerhalb vieler leider noch nichte, eine Tatsache, die dem Eingeweihten nicht weiter nur um einen Erschnüffelungs- und Bespikelungsversuch handelt. Monate nicht bekam oder bekommen wollte. Im Auftrage des auf Wunder nimmt. Ist es doch sattsam bekannt, daß die Lehrer Verblüffend ist die Sicherheit, mit der der Blonde Korfu weilenden Ministers Grafen Eulenburg ging mir heute bildung nicht den Forderungen der Pädagogif vorauseilt, ja nicht Schilderungen der beiden Frauen aufgetreten zu sein scheint. folgendes Schreiben zu, deffen Driginal ich dem Herrn Stadt- einmal mit ihnen Schritt hält, sondern in weitem Abstande hinter Daß Beauftragte des Vorwärts" stets eine von der Redaktion verordnetenvorsteher übersende: ihnen herhinkt. Berlin mußte sich daher erst in besonderen Kursen, ausgestellte Legitimation bei sich tragen, hätte er aus jener die jetzt vom Lehrerverein fortgesetzt werden, ein geeignetes Lehr- von uns veröffentlichten Warnung wissen tönnen, aber offenbar personal vorbilden. Ministerium des Königlichen Haufes Berlin, 1. April 1911. J.-Nr. 1498. Euer Hochwohlgeboren erwidere ich auf die mir vorgelegte Frage, welche Stellung ich als Minister des Königlichen Hauses zu der von den städtischen Behörden geplanten Luftbarkeitssteuer einnehme, ergebenst, daß mir der fragliche Entwurf bisher nicht zugegangen ist und ich ohne genaue Kenntnis der Modalitäten desselben eine definitive Erklärung naturgemäß nicht abgeben fann, mir aber zur Wahrung der staatsrechtlichen Stellung der preußischen Krone alle Schritte mit allen gegebenen gefeßlichen J. A.: Graf Kanig. Mitteln vorbehalte. Mündlich wurde noch bemerkt, daß unter Ausschaltung aller anderen Erwägungen das Ministerium bes föniglichen Hauses hier nur die eine Aufgabe fähe: die Prärogative des Königs zu wahren, und daß, gleichwie der preußische Finanzminister beim Bertzutache Steuergesetz die Steuerfreiheit der Landesherren vertrat, es als Pflicht des Hausministeriums erscheine, bon des Königs Rechten auch nicht cin Zitelchen zu opfern. " " nach den Bon Patienten des Oftkrankenhauses, Tilsiter Straße 22, erhalten wir folgende Buschrift: Leider entspricht nun die Art und Weise, wie der Werfunter- war sie ihm entgangen. Er ließ sich jedoch durch Frau W.3 Frage zicht in den Gemeindeschulen eingeführt und betrieben werden soll, nach seiner Legitimation nicht aus der Fassung bringen, sondern nicht den Forderungen, die von allen Fachleuten an ihn gestellt stellte sich nunmehr als Beauftragter des Wahlvereins bor werden. Er soll nur im Anschluß an den Anschauungsunterricht, und tat dann dasselbe gegenüber der Frau J. von vornherein. Wenn also in Verbindung mit nur zwei wöchentlichen Unterrichtsstunden es wahr ist, daß das vorgewiesene Buch ein Wahlvereins- Mitgliedsbetrieben werden, erscheint also eher als Unterrichtsfach denn als buch war, so hätte man es hier mit einem Spiel zu tun, Unterrichtsgrundfab. Es ist auch völlig unverständlich, warum nur vor dem man ganz besonders auf der Hutsein muß. der Anschauungsunterricht diesen Vorteil genießen soll; denn so Frau J. hat es leider unterlassen, in dem Buch nach dem Namen reformbedürftig auch der gesamte innere Betrieb unserer Bernund Wissenschule ist, so bedarf doch vor allem die Elementarklasse und der Wohnung zu sehen. einer völligen Umgestaltung, und hier ist es wieder der erste Schreib- und Leseunterricht, der wie kein anderes Unterrichtsfach nach Reformen schreit die, wie heute allseitig anerkannt ist, eben nur auf merfunterrichtlicher Grundlage durchzuführen sind. Und gerade hier fann der Werfunterricht seine Ueberlegenheit über den heutigen Schulbetrieb zeigen. Wollte man boshaft fein, so fönnte man vermuten, daß Berlin Sollte angesichte so unzweidentiger Erflärungen der Antrag Cassel dennoch aufrechterhalten bleiben, so würde dies wohl weniger die Sache nur deshalb so mangelhaft einführt, um nachher sagen aus fachlichen als aus„ parteitaktischen" Erwägungen zu begreifen zu können, der Werfunterricht habe sich nicht bewährt. Vergessen fein. Die Berliner Bürger, die mit so ungewöhnlicher Entschieden darf man dabei freilich nicht, bag Berlin auf dem Gebiete bes heit gegen die Steuer Stellung genommen haben, würden ein solches Schulwesens nicht selbständig ist, sondern auf Schritt und Tritt dilatorisches Ausweichen, eine folche Vogel- Strauß- Politik nicht ber von der preußischen Burautratie gegängelt wird. G3 hätte gewiß stehen; fie heifchen gegenüber der Luftbarkeitssteuer im wohlerwogenen Schwierigkeiten gemacht, das Provinzialschultollegium davon zu Intereffe der Stadt wie der Stadtverwaltung nur das eine: ein überzeugen, daß in erster Linie der Lehrplan der Unterstufe geändert werden mußte, wenn die Einführung des Werkunterrichts Bir haben schon wiederholt darauf hingewiefen, daß den Steuer- Berlins arbeitet reichlich langfam. Seit Jahren beschäftigt fie fich Wir haben schon wiederholt darauf hingewiefen, daß den Steuer- bollen Erfolg versprechen foll. Aber auch die Schulverwaltung anhängern im Stoten Hause jezt felber vor der Entscheidung bangt, mit der Umgestaltung des Lehrplans; che aber die Erwägungen und fie versuchen, eine flare Stellungnahme hinauszufchieben. Das praktische Gestalt annehmen, find fie meist von den Fortschritten der sollte geschehen durch Vertagung, um erst zu erfunden, wie die Methodit längst überholt. Es liegt die Gefahr vor, daß es uns öniglichen Theater fich zur Bablung der Steuer verhalten würden. mit dem Werfunterricht ähnlich geht wie mit dem jetzigen LehrDie Stellungnahme dieser Theater war für jeden, der die Augen plan, der zwar schon im Jahre 1902 eingeführt wurde, während nicht abfichtlich verschließen wollte, von vornherein tlar: nach den wir erst im vorigen Jahre, also 8 Jahre später die nach ihm benunmehr vorliegenden Aeußerungen ist eine größere Klarheit taum arbeiteten Lehrbücher teilweise erhielten. In allen Klassen werden noch zu erhalten. Die königlichen Theater zahlen nicht, fchon aus fe erst 1913 eingeführt sein und dann haben wir hoffentlich einen neuen Lehrplan. Es wäre aber nur zu wünschen, daß Berlin Brinzip tun fie das nicht. Aber selbst wenn es anders wäre, müßte etwas Dampf dahinter machte, damit wir den mit dem Berfunterdie Luftbarkeitssteuer in den Abgrund versenkt werden. Je schneller richt organisch verbundenen Lehrplan sobald als möglich erhielten. desto besser. Es liegt fein stichhaltiger Grund vor, die endgültige Entscheidung über das unsinnige Steuerobjekt noch weiter hinauszuschieben.. rundes flares Nein." Es wird weitergefpigelt! Seit einiger Zeit führen die Patienten des Dftfrankenhauses Beschwerde über andauernd schlechtes Effen. Dieses wurde in der letzten Woche so schlecht, daß es absolut unmöglich war, es zu ge nießen. Entweder war das Essen nicht gar gefocht oder es war angebrannt. Am Sonnabend war es den Patienten zu bunt und fie beschwerten sich beim diensttuenden ürzt. Dieser bedeutete ihnen, beschwerten sich beim diensttuenden Arzt. Dieser bedeutete ihnen, daß, wenn es ihnen nicht passe, sie ja gehen könnten. Darauf verlangten brei Patienten ihre Entlassung, die ihnen auch bewilligt wurde. bab, wenn es ihnen nicht paffe, fie ja geben tönnten. Darauf verlangten gab es Graupen, die blau und unappetitlich aussahen, daß niemand Trop diefer Vorgänge wurde das Effen aber nicht beffer. Am Montag gab es Graupen, die blau und unappetitlich aussahen, daß niemand fe effen konnte; auch das Fleisch war minderwertig und fett und ungenießbar, so daß alles zurückgeschickt wurde und in den Futterbehalten. Es wurde bei ber Direttion Beschwerde eingereicht. Die die Direktion zu berichten; bielmehr blieb dies den Patienten bor trog wanderte. Erozdem hielt es das Berfonal nicht für nötig, an einzige Folge davon war, daß der Oberarzt anordnete, keine Graupen mehr zu tochen. Das andere Effen ist aber nicht so beschaffen, daß man ohne Mittagessen und Zufuhr von außen auskommen fann Trogbem in der Anstalt größtenteils Infektionstrante find, tird nicht nur geduldet, daß von Infektionstranten Eßgeschirr und Effen ausgeteilt und zusammengetragen wird, sondern es wird auch von diesen abgewaschen. Dabei ist doch absolut nicht ausgeschloffen, daß andere Stranke infiziert werden.- An Wäsche herrscht großer Mangel. Bettwäsche gibt es frühestens alle vierzehn Tage. Da viel mit Salben usw. eingerieben wird, so tann man fich denken, wie die Wäsche dann aussieht. Anstaltskleidung gibt es überhaupt nur einmal während der Stur und sieht diese daher immer schmuzig und In auffälliger Weise mehren sich die Mitteilungen über Ver- zerrissen aus." Das Ostfrankenbaus in der Tilsiter Straße ist ein Geschlechtss suche zur Grschnüffelung der Zugehörigkeit 3u frankenhaus, in welchem zahlreiche Staffentrante Aufnahme finden. Die Einrichtung des Ortsschnelldienstes bei der Post erinnert einer nicht polizeifrommen Gewerkschaft oder Wir haben im Laufe der letzten Jahre uns wiederholt mit Be in gewissem Sinne an die Uranfänge des Berliner Postwesens, gar zu einem sozialdemokratischen Wahlberein. fchwerben aus dieser Anstalt beschäftigen müssen, aber die Klagen insofern als damals auch die Briefschaften von den Boten ab- Aufs neue müssen wir alle, die in ihrer Tätigkeit für ihre Gewerk- wollen kein Ende nehmen. geholt und gleich weiterbefördert wurden. Speziell war dies schaft oder für die Partei irgendwie die Aufmerksamkeit der Polizei Der Stadtverordnete Dr. jur. Paul Bütow, Kurfürstendamm 250, der Fall bei der Posteinrichtung, die von 1499 bis 1071 be- auf sich gelenkt haben, dringend warnen vor schnellbereiter Wer ist gestern früh 8 Uhr nach kurzer Stronkheit gestorben. Der Verftand. 30 bereidigte Boten, die von der Hofrentei besoldet trauensseligkeit gegenüber Fremden, von denen sie in ihrer Woh- storbene hat 11 Jahre den 15. Gemeindewahlbezirk der II. Abteilung wurden, fammelten auf ihren Wegen die Briefe ein und be- nung heimgesucht und hierüber ausgefragt werden. Namentlich die im Noten Hause bertreten. stellten sie, allerdings gegen eine willkürlich bon ihnen er- rauen sollten sehr vorsichtig sein gegenüber solchen in Ab. Auch ein„ Statistiker". hobene Gebühr. Später wurde die Poft nach anderen wesenheit des Mannes sich einfindenden eGrundsäßen eingerichtet, aber im Jahre 1800 gab es in ju dhern, die freundlich sich als Kollege oder Genosse vorstellen, Im Friedrichshain- Krankenhaus wird die Ablei Berlin abermals eine Boft, die nach dem Reglement fich unterrichtet über die schwebende Angelegenheit zeigen, den Bei- lung für innere Krankheiten geleitet von dem Direktor Professor bon 1499 arbeitete. Es war die von den Staufstand der Gewerkschaft oder der Partei für den Fall einer Anflage Dr. Stadelmann, deffen Spezialität die Bekämpfung des mannsgilden mit einem Aufwande von 3500 Taler ins versprechen und so nebenbei fragen, der Mann sei doch wohl im Altoholmisbrauchs ist. Seine Mitarbeit auf diesem GeLeben gerufene Fußbotenpost, die am 8. September 1800 ihren Wahlberein oder im Verband. Auch gegen zwei Arbeiter J. und biet verdient gewiß allen Dant, aber was er hierüber in den JahresDienst aufnahm. Im Hauptkontor, Klosterstr. 41, fament 28., die am 18. März auf dem Friedhof der März berichten des Krankenhauses aus seinen diesbezüglichen Erfah fämtliche Boten, 13 an der Bahl, zusammen und beförderten gefallenen einen Kranz niedergelegt hatten und von rungen zum Besten zu geben pflegt, tann man manchmal wirklich von da aus die ihnen aufgegebenen Briefe nach allen der die Schleifeninschrift beanstandenden Polizei zur Wache sistiert nur mit verwundertem Kopfschütteln lesen. Wiederholt find wir Gegenden Berlins. Im Sommer mußten fie 8, im Winter worden waren, hat in der vorigen Woche die höchst verdächtige Biß- genötigt gewesen, auf die tomisch irrigen Schlußfolgerungen hinzu. 6 Bestellgänge machen. Besondere Boten sammelten die begierde eines unbekannten Besuchers sich gerichtet. weisen, die Herr Stadelmann an die von ihm ermitelten Zahlen Briefe ein, andere trugen sie aus. Jeder Vote hatte viermal Am Vormittag, wo Arbeiter in der Regel nicht zu Hause ange geknüpft hatte. täglich das ihm angewiesene Viertel zu durchlaufen. Die troffen werden, kam zu Frau 28. ein Frender und fragte, wann Hierher gehört auch eine Aeußerung, die wir in dem foeben Boten trugen braune Jaden mit pfirsichroten Aufschlägen, Herr W. zu sprechen sei. Er komme vom Vorwärts", fügte er erschienenen Bericht über das Verwaltungsjahr 1909/10 finden. ebensolche Hosen und gelbe Westen. Die Einsammler fündigten hinzu, es handele sich um die Kranzangelegenheit. Stun hatte aber Herr Stadelmann, der darin die üblichen Erläuterungen zur Staden Berlinern durch eine start tönende Glocke ihr Herannahen Frau 28. ein paar Tage vorher im„ Borwärts" cine Warnung tistik der von ihm behandelten Kranten gibt, sagt diesmal über feine an; bann tamen die Bewohner aus den Häusern und legten vor Leuten gelesen, die sich für Beauftragte bes Bor- Säufer:" An Säuferleber wurden 32 Kranke behandelt. Außerdem die bereitgehaltenen Briefe in einen Staſten, den die wärts" ausgeben, um bei der Ausübung ihres Spikelhand- ca. 100 wegen afuter resp. chronischer Alkoholvergiftung resp. Boten trugen. Diese Fußbotenpost, die natürlich keine werks sich das Vertrauen der zu bespitelnden Personen zu er- Säuferwahnsinn. Die Zahl derselben ist also trop des angeb Schnellpost im heutigen Sinne war, hatte den Vorzug der schleichen. Als sie unter Hinweis auf diese Warnung den Fremden lichen Schnapsboykotts gegen das Vorjahr um ca. 50 geBilligkeit. Der Absender zahlte 6, der Empfänger 3 Pf. für um eine Legitimation ersuchte, erklärte er, bom Wahlberein stiegen und erreicht wieder die Höhe von 1907." Gin wunderlicher jeden Brief, das Porto war also nicht viel teurer als das tomme er, und ohne mit der Wimper zu zuden, wies er ein Einfall, die von ihm mitgeteilten Säuferzahlen in Beziehung jebige Ortsbriefporto. Die Einrichtung bestand indessen nur Wahlvereins- Mitgliedsbuch vor. Frau W. weiß, wie zu dem Schnapsbontott zu bringen! Jm borlegten Jahr wenige Jahre. Als am 27. Oftober 1806 Napoleon seinen ein solches Buch aussieht, und sie versichert, tatsächlich sei es ein glaubte Stadelmann die damals eingetretene beträchtliche MindeEinzug in Berlin hielt und General Hulin das Kommando Mitgliedsbuch eines Wahlvereins gewesen. Sie war auch vorsichtig rung der Zahl seiner Säufer( auf 54) aus einem Zufall erklären über die Stadt übernahm, hörte mit vielen anderen Einrich- genug, den Namen und die Wohnung zu lesen, als aber furz nach zu sollen. Jetzt aber sieht er in der Wiederkehr der früheren Zahl tungen auch diese erste Berliner Stadtpost auf und erst etwa her ihr Bruder ihr die Nachricht der plöblichen Erkrankung feiner( rund 100) nicht etwa eine Bestätigung der vermuteten 3ufällig 20 Jahre später wurde wieder eine ähnliche Posteinrichtung Frau überbrachte, entfielen infolge ihrer Bestürzung die Angaben teit, sondern bucht die Steigung" mit dem Zusatz: Troß des anins Leben gerufen. über die Persönlichkeit des Fremden vollständig ihrem Gedächtnis. geblichen Schnapsbontotte". Was soll dieser Zusatz!? Will Einführung des Wertunterrichts in den Berliner Gemeinde- Der Wißbegierige hatte sie noch gefragt, ob auf die Kranzgeschichte Stadelmann fagen, daß er an eine nennenswerte Boykottierung des schulen. Zu diesem Thema wird uns geschrieben: Von unseren schon etwas gefolgt sei, und wo ihr Mann arbeite. Ich hätte gar Schnapses nicht glaubt? Oder will er aus der trotz Schnapsboykotts ( chulpolitischen Forderungen hat zurzeit die jüngste, die der Ar- zu gern mit Ihrem Mann selber gesprochen," bedauerte er. In beobachteten Zunahme der Alkoholvergiftungen usw, den Schluß beitsschule, die weitaus meiste Aussicht verwirklicht zu werden. zwischen ist festgestellt worden, daß weder vom Vorwärts" ziehen, daß bei denen, die den Boykott nicht mitmachen, der AlkoholIn der Theorie hat die Idee des Arbeitsunterrichts und der Ar- jemand bei W. gewesen ist, noch von dem sozialdemokra= mißbrauch um so ärger geworden sei? Herr Stadelmann, Ihr beitserziehung auf der ganzen Linie gefiegt; in der Praxis be finden wir uns freilich noch in einer Beriode des lleberganges undischen Wahlverein, in dessen Gebiet die Wohnung W.3 Hinweis auf den angeblichen Schnapsbontott" ist mit Berlaub au fagen Unsinn! Das Verwaltungsjahr 1909/10, in dem der Versuche, obwohl schon achtunggebietende Erfolge mit der vollen liegt! Anscheinend derfelbe Fremde, ein blonder Mann mit sehr lura Sie in Ihren Babillons die 100 Alkoholvergiftungen usw. beob Arbeitsschule, z. B. in München, vorliegen. Es ist darum nur zu begrüßen, daß auch die Schulverwaltung Berlins mit dem Beginn geschnittenem Schnurrbart, suchte an demselben Vormittag auch achteten, reichte vom 1. April 1909 bis zum 31. März 1910. Der des Sommerhalbjahres in 60 Aufnahmeklassen den Wertunterricht Frau I. auf, Vorher fehrte er in Begleitung eines brünetten Schnapsbontott wurde auf dem Parteitag der Sozialdemokratie im Gcplember 1908 Seschlossett, te käms also mlnLestenS ver all Senett Ihrer Säufer, die Sie in der ersten Hälfte des Verwaltungsjahres aufnahmen, von vornherein nicht in Betracht. Aber auch für die zweite Hälfte wird keiner im Ernst behaupten wollen, dah auf den Weschluh eines Schnapsboykotts in kürzester Frist eine Minderung der Alkoholvergiftungen, gar auch der chronischen, hätte folgen müssen. Wir vermuten, daß die Krankenhäuser— nicht wahr, Herr Stadelmann?— auch Leute aufnehmen, die den Teufel was nach Beschlüssen eines Parteitages der Sozialdemokratie fragen und trotz Schnapsboykotts den Junkern ihren Fusel wegtrinken. Welchen Wert haben übrigens Schlüsse aus Zufallszahlen, die auf so kleinem Beobachtungsgebiet gewonnen sind, wie es Herrn Stadclmann in seinem Krankenmaterial zur Verfügung steht.' Doch alle diese Bedenken, die bei einiger Ueberlegung jedem sofort auffallen mutzten, haben nicht gehindert, datz mit Herrn Stadelmanns Erläuterungen seiner Krankenstatistik auch der den Sauferzahlen beigefügte sinnlose Hinweis auf den Schnapsboykott von etlichen Zeitungen— z. B. von.Tageblatt" und„Volks- zcitung"— als neueste Weisheit wiedergegeben und den Lesern als .interessant" zur Beachtung empfohlen wird. Vom Gerüst abgestürzt. Ei» folgenschwerer Unfall ereignete sich gestern nachmittag 13�UHr am Haule Raliborstr. 19. wo gegenwärtig auf einem Hängegerüst Malerarbeiten ausgeführt werden. Als das Gerüst gestern um die angegebene Zeit ungefähr an der 4. Etage beicstigt war, gab plötzlich ein Seil nach. Von den auf dem Gerüst orbeilenden beiden Malern stürzte einer in die Tiefe, während eS dem anderen gelang, sich an einem Fenster zu retten. Der Schwer« verletzte wurde in den Hausflur geschafft und sofort ein Arzt herbei» geholt, der die sofortige Ueberführung in das Krankenhaus an- ordnete. Wie man uns mitteilt, hat der Schwerverletzte Stunden im Hausflur liegen müsse», ehe ein Krankenwagen seine Uebersührung in das Urban-Krankenhaus bewirkte. An dem Aufkommen des Ver- unglücklen wird gezweifelt. Auf den Selbstmord einer Frau deutet ein Fund hin, der gestern morgen am Betvaniemifer gemacht wurde. Dort lagen am Rande des Kanals ein Regenschirm mit gebogener Krücke und ein schwarzer Samtbut mit zwei weissen Flügeln und schwarzem Bande. Eine Leime wurde bisher noch nicht gefunden. Der Hut stammt aus einem Geschäft in der Hagelderger Dlrasse. Rücksichtslosigkeit gegen einen verunglnckte» Arbeiter. Vor einigen Tagen halle sich auf dem Neubau des FrauengesängnisseS, Barnim- und Weinslrassen- Ecke, der von dem Unleriiehiner Olto Carl ausgeführt wird, ein Unfall ereignet. Ein Teil der zweiten Rüstung m der erste» Etage stürzre in dem Moment ein, als der HilfS- orbeiier eine Tracht Steine hinwarf. Die Ursache des Einsturzes ist vorläufig nicht festgestellt. Der auf der Rüstung arbeilende Maurer sowie der Hilfsarbeiter fielen samt dem Kalkkasten und dem übrigen Material bis noch Parterre, da die erste Abdeckung in der ersten Etage fehlte. Eigentümlich mutzte eS berühren, dass der Polier, der ein Bruder des Unternehmers, königl. Hof-Maurer- und Zimmer- meifterS Otto Carl fein soll. eS verantworten konnte, dass er den verunglückten Maurer, der eine grosse Fleischwnnde>n den Weich- teilen des Unterkörpers bei dem Unfall davongetragen halte, zwei Stunden in der Baubude liegen Uetz, was aufs schärffte gerügt werden mutz. Im Wintergarten hat Don. der sprechende Hund, seinen Einzug gehalten. Er sagt hier die sechs bis acht Lautgruppen, die mehr oder weniger an menschliche Worte erinnern, auf. Zweifellos liegt hier eine brsber nie so sicher beobachtete Erscheinung vor, die von wissenschaftlichem Jnteresie ist. Datz der Hund, der ein sonst nur bei Vögeln bekanntes Loutnachabmungsvermögen besitzt, damit nun auch.spreche", ist freilich ausgeschlossen. U»ler der Lockung fressa« lischer Belobnungen„plappert" er bestenfalls. Prof. Vosseler vom Hamburger Zoologischen Garten hat ihn vor längerer Zeit beob- achtet, aber nichts von Erheblichkeit herausgebracht. Die glücklichen Besitzer werden jedenfalls aus der Borführung mehr herausbringen. — Das übrige Programm macht uns zwar nicht mit weiteren Raritäten bekannt, dafür aber mit lauter vorzügliche» Qnalitäts- leistungen auf bekannten Gebieten. Die amerikauiichen Kunstschützen find sicher so wenig zu überbieten wie die radsahrenden Komödianten. die halsbrecherische Bravourstücke vorführten. Neben einer spanischen Eharalteriänzerin s O t e r i t a) vertraten die Kunst der hüpfenden Beine zwölf schlanke Engländerinnen, die die Ueberlegenheit der Hosenröcke sfür solche Zwecke) aufS beste bewiesen. Famos dressierte DoppelponieS führte Miss Marquis vor. Geschmeidigkeit und Sicherheit eines Jongleurs und noch dazu anmutige Lustigkeit cnt- faltete der wirklich„grosse Weiland". Japaner zeigten die Viel- seitigleit ihrer artistischen Künste und die Ueberlegenheit ihrer reiz- vollen Kostüme und Dekorationen. Sogar die deutsche Literatur gab ihre Karte ab: Herr Roda Roda erzählte einige nette schnurren, darunter eine von einem automalischen(also wirklich gerechten) Justizklavier, an dem der Erfinder aber noch nachträglich zwei Pedale— eins für bessere Kreise und eins für Sozial- Demokraten— anbringen mutzte. Wer ist der Tote? Auf dem Anhalter Bahnhof vergiftete sich Montagnachmittag ein unbekannier Mann, der wahrscheinlich kurz vorher hier angekommen war. Ein Bahnhofsarbeiter fand ihn gegen 8 Uhr nachmittags in einem Klosettraum tot auf. Reben dem Toten stand eine Flasche. Sie enthielt noch einen Rest einer Flüssigkeit, deren Art noch nicht festgestellt ist. Die Leiche und die Flasche wurden beschlagnahmt. Der Unbekannte ist 25—30 Jahre alt, hat blondes Haar und einen Anflug von Schnurrbart und trug einen blauen Kammgarnanzug und einen Gummimantel. Er scheint von Zürich gekommen zu lein._ Vorort- JVacbncbtem Rkxdorf. Ueber de« Autrag deS Magistrats, zur Einrichtung einer eigenen Druckerei 10 000 M. in den Etat einzustellen, ent- spann sich bei der Etatsberatung am Freitag noch eine lebhafte Debatte. Stadtv. W u tz k y(Soz.) erNärte, gegen die Sache an sich nichts einwenden zu wollen. Die jetzt vom Magistrat überreichte ErgänzungSvorlage zeige aber, dass dieser den deutschen Buchdrucker- Tarif ausser acht lassen will. Das dürfe auf keiuen Fall gescheben; dazu könne die Stadtverordncten-Versammlung nicht die Hand bieten. Die Anerkennung des von Arbeit- gebern und Arbeitnehmern des Buchdruckgewerbes vereinbarten Tarifs mutz für die städtische Druckerei eine Selbstverständlichkeit sein. Mehrere bürgerliche Stadtverordnete sprachen teils für die Borlage, zumeist aber dagegen, aus der bekannten Furcht für die Existenz der Privatdruckereien heraus. Nachdem Oberbürgermeister Kaiser hoch und teuer versichert hatte, dass ketzere Bcfiirchtuug unbegründet sei, da man nur die Kanzlei entlasten und Übersicht- lichere Vorlagen den Stadtvätern aushändigen wolle, wurde auf Antrag der Sozialdemokraten die Vorlage einer gemischten Kom- Mission überwiesen; dieser gehören u. a. auch die Genossen W e r m u t h und W u tz k h an. DaS Kapitel Gewerbliche Unternehmungen weist eine Einnahme von 2 040 000 M. und eine Ausgabe von 180 100 M. aus; das ergibt einen Gewinn von 1800 000 M. Die städtischen Gewerbebetriebe sind also auch in Rixdors die melkende Kuh. Der Titel 1 des Kapitels Veranstaltungen und Ein» richtungen enthält die städtischen Märkte. Die Beratung deS- selben führte zum soundsovielten Male zu den wehleidigen Klagen der bürgerlichen Stadtverordneten über Schädigungen der kleinen Geschäfts- leute usw. usw.— Beim Titel Müllabladeplatz fragte Stadlv. T h u r o w(Soz.) den Magistrat, warum immer noch nicht die in der Deputation beschloffene Uebernahme der Müllabfuhr ' Verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Für den in städtische Regie zur Vorlage gekommen ist. Es scheint so, als ob Einflüsse der Hausbesitzer dabei eine Rolle spielen oder gar eine gewisse Lokal„grösse", welche Sehnsucht nach dem Posten des Müll- direkrors in der geplanten Privatgesellschaft habe. � 48 Privatunternehmer besorgen jetzt in Rixdors die Müllabfuhr— ein Zustand, der schnelle Aenderung beischt. Geschieht jetzt nichts, so könne dnS einst der Stadt riesenhasle Ent- schädigungSsummen kosten. Stadtrat M i e r bestritt die ver- muteien Einflüsse, sondern führte die Verzögerung darauf zurück, dass man erst den Ausgang von anderweit schwebenden Prozessen auf Entschädigmig privater Abtichrunternehmer im Falle der Einführung städiiicker Regie abwarten wollte. Nachdem solle erneut der Frage nähergetreten werden. Schöneberg. Auf der Tagesordnung der letzten Stadtberordnetensitznng stand ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, in dem der Magistrat ersucht wird, im Namen der städtischen Körperschaften Schönebergs eine Petition an den Landtag zu ricklen, das Kommunulabgaben- geietz dahin abzuändern, dass den städtischen Verwaltungen das Recht eingeräumt wird, aus Einkommen bis zu 1800 Mark keine kommunale Ei»kommen st euer zu erheben. Dazu lag ein Antrag der liberalen Fraktion vor. der wünschte, dass die Stufe von 900 Mark um einige Stufen erhöht wird und die grösseren Einkommen stärker zur Einkommen st euer herangezogen werden. Weiter wünscht der Antrag ein gemeinsames Lorgehen der Gemeinden Gross-BerlinS. Nach eingehende! Begründung des sozialdeinolratischen Antrages durch den Genossen B e r n st e i n und deS liberalen An- lrageS durch den Stadtverordneten Zobel wird der iozialdemo- lratische Antrag, für den nur die sozialdcniokralische Fraktion stimmt. abgelehnt. Der verwässerte liberale Antrag wurde alsdann mit grosser Mebrhett angenommen. Aus der weiteren Verhandlung ist erwähnenswert, dass einem Antrag auf Beschränkung der Sonntagsarbeit zu- gestimmt wurde. Tegel. Ungültige Gcmcindevcrtreterwahl. Bei der Ersatzwahl zur Gemeindevertretung von Tegel am 27. April 1909 war der Genosse Arendsee mit grosser Mehrheit ge- wählt worden.— Zwei Bamte klagten auf Ungültigkeit der Wahl, indem sie namentlich gellend machten, dass ein.Angesessener' damals hätte gewählt werden müssen, Arendsee aber Nichlangesessener ge- wesen sei. Wenn er auch zu einem Hmidertstel als Miteigentümer von dem Hause des Gastwirts Rentner grundbucblich eingetragen ge- wesen sei und eine entiprechende Quote der Anzahlung Rentners diesem zahlte, so wäre da» nur zum Scheine geschehen. Ein wirk- licheS Besitzrecht hätte A. nicht gehabt.— Zweitens sei die Wahlzeit zu gering bemessen gewesen. Der KreisauSschuss erklärte die Wahl ArendseeS für ungültig, weil er nicht als wirklicher Angesessener gelten könne. Der Bezirksausschutz als zweite Instanz erhob noch einmal De- weis über die Eintragung A.S als Miteigentümer und erklärte dann unter Aushebung der Vorentscheidung die Wahl deS Genossen Arendsee für gültig. Unter anderem führte er auS: Die blosse Eintragung in das Grundbuch würde allerdings nicht genügen, A. als Angesessenen im Sinne der Landgemeindeordnung erscheinen zu lassen. Es sei erforderlich, dass ein Besitztum von recht- lich gesicherter Dauer vorbanden sei. Hier frage eS sich nun, ob durch Nebenabreden A. im Besitzrecht so beschräilkt sei, dass ein Besitztum von gesicherter Dauer nicht angenommen werden könnte. Diese Frage aber sei zu verneinen. Denn die neue Beweisausnahme habe ergeben, dass der Gastwirt Rentner sich nicht vorbehalten habe, jederzeit die Rückauflassung fordern zu können. Man sei sich nur darüber einig geworden, und dies sei auch schriftlich fixiert, dass A. seinen Besitzanteil am Hause nicht oder nur im Einverständnis mit Rentner weiter veräutzern dürfe. Im übrigen habe der Erwerb des Miteigentums nur eventuell rückgängig gemacht werden sollen. wenn vielleicht durch eine spätere Hypothekenregulierung auS dem Miteigentum Schwierigkeiten entstehen sollten. Unter den ob- waltenden Umständen müsse Arendsee als Angesessener an« gesehen werden und seine Wahl sei gülsig'. Die Gegner legten Revision ein, über die gestern(Dienstag) das Oberverwaltungsgericht zu befinden hatte. Genosse Arendsee wurde durch Rechtsanwalt Dr. Karl Lieb- k n e ch t vertreten, der in eingehenden RechtsauSführungen darlegte. dass die Vorensicheidung deS Bezirksausschusses zutreffeud sei. DaS Oberverwaltungsgericht entschied, dass die Vorentscheidung aufzuheben und die Entscheidung des Kreisausschusses wieder her- zustellen, die Wahl ArendseeS also für ungültig zu erklären sei. Der BezirkSausschuss habe übersehen, dass eS für die Frage, ob jemand Angesessener im Sinne der Landgemeindeordnung sei. wesent- lich auch darauf ankomme, ob der Betreffende nicht nur ein Besitz- recht an einem Grundstück habe, sondern dass dieses Besitzrecht auch ein dauerndes gegenüber der Gemeinde sei und sein solle. Würdige man in der Beziehung die Zeugenaussagen vor dem BezirksauSschuh, wozu der Revisionsrichter ein Recht habe, dann sei kein Zweifel, dass hier bei hxr Uebertragung des Eigentums- anteils von vornherein nicht beabsichtigt gewesen sei, dass Arendsee in ein dauerndes Besitzverhältnis gegenüber der Gemeinde treten sollte. Sondern«S sei danach nur be- zweckt worden, vorübergehend für den Zweck der Wahl die Ouali- fikatton des Angeseffeneu zu begründen. DaS genüge nicht. Genosse Max Knebel, der zweite Kassierer deS Wahlvereins, ist in der Nacht zum Dienstag gestorben. Die Parteiorganisation deS Ortes verliert in dem Verstorbenen einen der rührigsten und eifrigsten Genosicn. Die Beerdigung findet am Donnerstag nachmittag ;Vjö Uhr statt. Näheres im morgigen Inserat. Eichwalde. Bei der an» Sonntag erfolgten Stichwahl zur Gememdeber- tretung erhielt der Mischmaschkandidat 110. unser Genosse König 91 Stimmen. Die Gegner haben mit den schofelsten Mitteln ge- arbeitet und dabei tüchtig mit dem roten Lappen geschwenkt. In ihren, Flugblatt hicss es:„Es gilt, den Ansturm der roten Jnter- nationale, einer Partei, die Thron und Altar stürzen will, einer Parter, die alles was einem Deutschen heilig ist. in den Schmutz zieht, abzuweisen I' usw. Der Erfolg war, dass alle Beamte, Staat?- und Gemeinde- arbeiler zur Stichwahl kommandiert und znnt Teil durch Drohungen gezwungen wurden, den ge in einsamen Kandidaten aller bürgerlichen Parteien zu wählen. Dass alle Sechsdreier- Rentiers und Grundbesitzer in Sorge um ihr»sauerer- worbenes' Vermögen die Sozialdemokratie niederstimmen würden, war vorauszusehen. Friedrichshagen. Ueber die Folgen der Schundliteratur sprach»n der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins Genosse Georg U ck o. Der Vortrag wurde mit Beifall aufgenommen. Hierauf wurde beschlossen. am 1. Mai vormittags eine Versammlung abzuhalten, nachmittags einen kleinen Ausflug und am Abend die Feier zu veranstalten. Diejenigen, welche am 1. Mai feiern, sind nicht verpflichtet, zum Fonds beizusteuern. Aufgenommen wurden sechs neue Mitglieder, darunter eine Genossin« Ober-Schöneweide. Ein Kind erstickt. Ein schweres BranLuitglück, bei dem ein kleines Kind den Tod fand und ein zweites schwer verletzt wurde, Inseratenteil verantw.: ThTGJlocke, Berlin. Druck u. Perlag: Vorwärts ereigtiele sich gestern witkag sn der Edijonstraße 48. In Abwesenheit der Eltern spielten dort die Kinder des Fabrikarbeiters Beyer mit Streichhölzern, wobei Möbel und Kleidungsstücke in Brand ge- rieten. Es entwickelte sich in der Wohnung bald ein starker Rauch, so dass die Kinder betäubt wurden. Als man in die Wohnung ein- drang, war das jüngste Kind der Familie, das im Alter von einem Jahre stand, schon erstickt. Ave Wiederbelebungsversuche waren er- folglos. Auch ein vierjähriger Knabe war durch den Rauch schon hart mitgenommen, doch konnte er durch einen Arzt nach längeren Bemühungen wieder ins Bewußtsein zurückgerufen werden. Hohen- Schönhausen. Was forbera und vertreten Sozialdemokraten im Gemeinderat? lautete das Tbema. über das in einer gut besnldten Gemeiiideiuäbler« Versammlung Genosse Rein referierte. In seinen mir lebhaftem Beifall aufgenommenen Referat übte der Redner u. a. ancd icharfe Kritik an der Festsetzung der Wablzeit von 8— O'/z Uhr. Diese Zeit sei viel zu kurz bemessen, um eine ordnungsgemässe Wahlhandlung zu ermöglichen. Als Kandidat sür die bevorstehende Wahl wurde Genosse Fuhrmann aufgestellt. Reinickendorf. Tie Wahl der Arbcitgrverdclegicrte« zur hiesigen Oriskranken- lasse findet morgen Donnerstag, den 0. April, abends von 7— 8>/z Uhr, im Restaurant Sadau, Rcsidenzstr. 124, statt. Unsere Liste beginnt mit Fuchs und endigt mit Gens. Wir erwarten, dass unsere Genossen und Genossinnen ihre Pflicht erfüllen und für lebhafte Wahlbeteiligung Propaganda machen. Die Bezirlswahlvereine für Rei»ickendorf-Ost und West. Birkentverder. Auch eine Wahl! Die auf den 3. April d. I., mittags 12 Uhr, im hiesigen.Seei'chlösschen' sür die 3. Klasse anberaumt gewesene Neuwahl zur Gemeindevertretung hat ein unerwartetes Resultat ge» hobt. Die Kandidaten der vereinigten.Patrioten' und Hausagrarter sind mit 137 Stimmen glatt gewählt worden. Von den Gegnern, dem liberalen OrtSverein sowie den sozialdemokratischen Wählern wurde auch nicht eine Stimme abgegeben. Und das kam so. Der Gcmeindevolsteher Kühn ließ den Wahlvorstand auf, folgende Weise wählen: Er schlug zu den Stimmen der persönlich anwesenden Wähler noch sämtliche.Vollmachten', die zu prüfen er sich gar nicht erst die Mühe nahm, und erreichte so, dass für die von den Liberalen und Sozialdemokraten vorgeschlagenen Bei- sitzer 1t4(darunter 77 persönliche) und für die Beisitzer der.Schwarzen' 172(darunter nur 83 persönliche) Stimmen abge- geben wurden. Angesichts des UmstondeS, dass die übergrosse Zahl der.Vollmachten' von in die Wählerliste hineingeschwindelten Forensen herrührte, glaubten die Liberalen und Sozialdemokraten dieser Vergewaltigung gegenüber keinen wirkungsvolleren Protest einlegen zu können, als dass sie sich samt und sonders der Stimme enthielten. Die ttotzdem unter zeitweise ohrenbetäubendem Lärm vorgenommene Wahl ergab das oben angegebene Resultat. Die Wahl ist übrigens, von anderen Protestpunkten abgesehen, schon darum ungültig, weil der Gemeindevorsteher Kühn in der Wahl« bekanntmachung anzugeben vergessen hatte, wieviel Angesessene m der dritten Abteilung gewählt werden mußten. Potsdam. Ans der Stadtverordnetcnsitzung. Die Wasserabgabe der städtk« scheu Wasserwerke hat im Sommer 1910 bis zu 10 000 Kubikmeter betragen. Zurzeit liefert Werk l 4800 und Werk II 7000 Kubikmeter, zusammen also 11 800 Kubikmeter in 24 Stunden. Da die maschinellen Förderungseinrichtungen auf Werk ll im vorigen Jahre genügend ertveitert worden sind, macht sich hier die Erweite» rung der Fassungsanlage notwendig, um eine weit grössere Wasser« masse liefern zu können. Die Kosten in Höhe von 18 000 M. wurden bewilligt.— Für die Herstellung von drei Tiefbrunnen auf dem städtischen Grundstück Leipziger Str. 10 zwecks Klärung der Unter- grundtvasserverhältnisse sind 3000 M. bewilligt worden. Da dieser Bettag nicht zureicht und bereits überschritten worden ist, werden 1000 M. nachbewilligt.— Der Wohltätigkeitsverein erhielt bisher eine städtische Beihilfe von 900 M., diese wird auf 1800 M. erhöht. Seit 1882 hatte der Verein auch von der Armendirektion 600 M. jährlich erhalten, die jetzt in Wegfall gekommen sind. Der Verein hat zurzeit ein Vermögen von 82 400 M., das im Falle seiner Auf» lösung der Stadt zufallen würde.— Der Etat für das neue Ver» waltungsjahr balanciert mit 7 182 970,87 M. In ihm ist u. a. ein Posten von 25 000 M. für Vorarbeiten zum Rathausbau, welcher in einer besonderen Vorlage nachbcwilligt werden soll, enthalten.— Die ausscheidenden Stadttäte Scheinert, Dahlweit, Wernick, Eckert. Wolters wurden wieder, für den Stadtrat Böhme der Stadtver» ordnete Herzberger gewählt. Mit der Wahl des letzteren sind nun, mehr acht Stadtverordnetensitze unbesetzt. Lese-««d DiökntterNub„Süd> Oft'. Heute Mittwoch, abend» 8'/, Uhr bei Neidhardt. Görlitzer Strasse 58: Sitzung(Bortrag). Gäste walkommen._ ßriefbaften der Rcdahtion. DI« l»ristUche eptcrfiflunbt(lubrt Ltubevftr-Se 69, dorn die» Dredden — yahrftnhl—, luiKbtntdsIid) von 4% dtö 7zz lU>r adeubS, Sonnobeud» von ezz bis s UI>r»bendb statt. Zrbcr für be» Britstasten bestimmten Ans rage Ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizasstgen. Briesliche Antwort wird nicht rrtcilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. BS. Scefeld, Pankow. Regelwähig beschneiden lasse».— Herzbcrg- ftrafse 7—8. Unverfländlich.— Diö. Schweben. Die Firma ist uns nicht bekannt. In der Regel hört mit der Einsendung der verlangten 10 Mark jede Geschastsverbindung aus. Daher Hände weg!— G. O. 175. Donnerstag, abends>/,V Uhr, Rixdors, Hermannstr. 169 bei Weihe.— Radccke. Am 28. Januar 1907.— B. A. R. v. SS. Wenden Sie sich an Paul Pipper, Rixdors. Friedelstr. 2ö, oder.Frisch Auf', Brunnen» slrasse 38.— F. O. BS. 50. Die Bidliotbel deS Verbandes der Maler dürste Ihrem Zwecke entsprechende Bücher führen, Melchiorftr. 28. Part.— <£. 8. 193. Die Bank ist uns nicht bekannt. Ihrem Zwecke dürsten Staats- oder Kommunalalileihen enliprechen.— B. 2. 1./3. Ueber Preis und Fabrzeilen erhalten Sie unentgeltliche AliSkunst auf der amtlichen Aus- kunstSstelle Bahnhof, Alexandervlatz 4. So im allgemeinen nicht zu bcaiiNvorten. St. 2. 64. Ja.— O. I. 62. Zum Abdruck der stanzen Gesetzesvorschrist reicht der Raum des Briestasiens nicht aus.— C.<9. 43. Ja. wenn das Geld aus Ihren Mitteln herrührt.— R H. 166. Sie persönlich etscheine» nicht Hastbar.— Graber». Vom Tage der Jnvatldilät, wenn die An- meldmig binnen Jahressrist ersolat.— E. Tt. 63. 1. Rein. 2. DaS ist bis zur Vollendung deS 18. Lebensjahres möglich. 3. Nein. 4. Ja.— Patient Buch. Bon welchem Gesetz? In der Regel rönnen wir den Ge» setzeStext Raummangels halber nicht abdrucke». ES ist daher zweckmässig, die Taliache». aus die es ankommt, mitzuteilen.— H. 8. Steglitz. Rein. — K. 33. Ja, sojern der Aujenlhait länger als drei Monate andauert. «yafteritands'VtarNrtickite» 1+ bedeuie« Wuchs,— Fall.—*) llnlerveaei. Buchdrucker«) g. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW»