Nr. 87. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando: Vierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. = Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblatt. 28. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die fechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 60 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Bereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das fettgedruckte 28ort 20 Pfg.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen bas erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Jahresbericht der badischen Fabrikinipektion. Der Bericht der badischen Fabrikinspektion für das Jahr 1910 erfüllt nicht alle Erwartungen, die man auf ihn glaubte fetzen zu fönnen. Denn er enthält fast nur Tatsachen, ohne dieselben in der scharfen Weise kritisch zu würdigen, wie das noch vor wenigen Jahren regelmäßig der Fall war. Ein Vergleich der mitgeteilten Zahlen mit denen früherer Berichte zeigt zur Evidenz, daß auch in Baden die industrielle Entwickelung erhebliche Fortschritte macht. 1907 1910 Die Zahl der in den Betrieben mit mindestens 10 Arbeitern betrug Davon waren ermachsene männliche weibliche Junge Leute, männliche. weibliche 229 935 152 181 246 864 159 919 62 625 10 558 9 492 471 66 615 12 237 10 561 532 Mittwoch, den 12. April 1911. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. geber oder auch, wenn sie die Forderungen nicht stark genug Sozialdemokratie zu widerlegen. Wie das gemacht werden soll, da bertreten, bei ihren Arbeitskollegen zum Schaden gereichen für liefert die, Kreuz- Zeitung" ein interessantes Beispiel. fönnten. Sie( das heißt die Arbeiter) ziehen es daher vor, Sie polemisiert gegen unser Brandenburger Parteiblatt, die Beschwerden, oft auch solche, die lediglich innere Betriebs- Brandenburger Beitung". Diese brachte jüngst folgende angelegenheiten betreffen und für die der Arbeiterausschuß Tabelle über die indirekten Steuern: .Es ist durch indirekte Steuer belastet: die gegebene Stelle wäre, den Beamten ihrer Organisation borzutragen." feit der Arbeiterausschüsse wenig in Erfahrung Ueberhaupt konnte die Fabrikinspektion über die Tätigbringen"; meist beschäftigen sich dieselben, wenn überhaupt Sigungen abgehalten werden, mit minder wichtigen Angelegenheiten; Arbeiterinnen werden als Mitglieder der Arbeiterausschüsse selten angetroffen". Ueber Streiks und Aussperrungen sagt der Bericht unter anderem:" Die allgemeine Bauarbeiteraussperrung habe sich über 196 Betriebe mit 5427 Arbeitern erstrect." Wie schon in früheren Jahren, so wird auch in dem diesjährigen Bericht die außerordentlich milde Bestrafung der Uebertretungen gesetzlicher Bestimmungen seitens der Unternehmer festgestellt. So wurde ein wegen ungesetzlicher Beschäftigung von jugendlichen Arbeitern mit einer Geldstrafe von 40 M. bereits vorbestrafter Holzkistenfabrikant wegen gesezwidriger Beschäftigung von elf schulpflichtigen Kindern mit 3 M. Geldstrafe belegt. Ein Zigarrenfabrikant, der wiederholt schulpflichtige Kinder in seinem Betriebe beschäftigt und wegen dieses Vergehens schon vorbestraft war, erhielt wegen weiterer gesetzwidriger Beschäftigung von Kindern die geringe Strafe von 20 M. auferlegt. in drei Kalksteinbrüchen wurden vier Kinder mit Steinflopfen beschäftigt; die Betriebsinhaber erhielten eine Geldstrafe von je 5 M. Das sind nur einige Fälle, die wir herausgegriffen haben. Ueber die wirtschaftliche& age der Arbeiter sind Erhebungen auf derselben Grundlage veranstaltet worden, die 1890 auch dem damaligen Fabrikinspektor Dr. Wörishoffer zu seiner Monographie über„ Die soziale Lage der Fabritarbeiter in Mann. heim" als Unterlage gedient haben. Im Jahre 1890 waren den Erhebungen 47 Fabriken zugrunde gelegt worden, die, soweit sie noch vorhanden waren, wieder mit einbezogen wurden. Die Zahl der von der Statistik erfaßten Arbeiter ist von 9231 auf 11 938 gestiegen. Brauchbare Unterlagen zur Bearbeitung wurden von 35 Betrieben geliefert. Jedes Pfund Salz mit 6 Pf. Stener, Jedes Viertel Kaffee mit 10 Pf. Steuer, Jedes Viertel Tee mit 13 Pf. Steuer, Jedes Pfund Zuder mit 7 Bf. Steuer, Jedes Pfund Katao mit 10 Pf. Steuer, Jedes Pfund Gewürz mit 25 Pf. Steuer, Jedes Pack Streichhölzer mit 15 Pf. Steuer, Jedes Liter Petroleum mit 6 Pf. Steuer, Jedes Liter Bier mit 5 Pf. Steuer, Jedes Achtel Branntwein mit 6 Pf. Steuer, Jedes Pfund Tabat mit 59 Pf. Steuer. Das alles haben wir den Vertretern der bürgerlichen Parteien und vor allem den die Zoll- und Wucherpolitik verteidigenden Blättern aller Richtungen zu verdanken! Gebt die richtige Antwort darauf bei Wahlen und beim Quartals- und Monatswechsel!" Dazu schreibt das Hammersteinblatt: „ Das find unwahre verheßende Behauptungen, die auf die Leser, deren einzige Informationsquelle derartige Preßorgane sind, im höchsten Maße aufreizend wirken müssen. Jedenfalls werden dieses so raffiniert zusammengestellte Hegmaterial auch andere fozialdemokratische Blätter ausgiebig vertverten, sowie die Agitatoren in Versammlungen und an den Arbeitsstätten. Vor einer sachgemäßen Prüfung müssen diese unwahrheiten in Nichts zerrinnen. Jedes Viertelpfund Staffee soll nach sozial demokratischer Behauptung mit 10 Pf. belastet sein. In Wahrheit tommen aber nur 3% Pf. heraus. Nicht anders steht es mit dem Tee. Statt 13 Pf., wie unwahrerweise angegeben, beträgt die Steuerliche Belastung auf ein Biertelpfund nicht mehr als 9½ Pf. Auf 1 Liter Bier fommen auch nicht 5 Pf. an Steuern, sondern nur 12, höchstens 2, f. Auch das Pfund Tabak ist nicht mit 59, sondern nur mit 25 Pf. Steuer belastet. Das Tollste Teistet sich aber das Genossenblatt mit der Behauptung, beim Branntwein betrage die Belastung für jedes Achtel Liter 6 Pf. In Wahrheit ist es nur der dritte Teil, nämlich 2 Pf. Die falsche fozialdemokratische Angabe beruht darauf, daß einfach die Belastung für das Hektoliter reinen Alkohols derjenigen für Trinkbranntwein gleichgesezt ist, was wohl weniger aus Unfenntnis als zum Zwed absichtlicher Täuschung des Volkes geschehen ist. Der Trinkbrannt wein erhält nur etwa 33 Broz. Alkohol, ist also nur mit 15 bis 20 Bf. belastet, wonach im Höchstfalle, wie oben angegeben, 2 Pf. auf 18 Liter entfallen." Brüfen wir nach: Schulpflichtige Kinder. Die Zahl der beschäftigten Frauen hat im Verhältnis mehr zugenommen als die der Männer. Die Revisionstätigkeit der Beamten hat eine erfreuliche Erweiterung erfahren. Die Zahl der Gesamtrevisionen betrug 1907 5001, 1910 8901; in den revidierten Betrieben waren 1907 56,3 Broz. und 1910 57,6 Proz. der Gesamtarbeiterschaft beschäftigt. Der Zahl der beschäftigten Arbeiter nach steht obenan die Bigarrenindustrie. Es wurden beschäftigt 1907 39 085, 1908 40 997, 1909 40 088, 1910 39 683. Daß der Rückgang der Arbeiterzahl nach dem Inkrafttreten der erhöhten Tabaksteuer nicht noch größer ist, ist lediglich dem Umstande zuzuschreiben, daß zahlreiche norddeutsche Fabrikanten, namentlich aus Westfalen, wegen der billigen Arbeitslöhne in Baden dortselbst Filialbetriebe eröffnet haben. Nichtsdestoweniger ist die Zahl der beschäftigten Bigarrenarbeiter gegenüber 1908 um mehr als 1300 zurückgegangen. Im Bericht wird geschildert, wie die Bigarrenindustrie, trotz der Berteuerung der Rohmaterialien, durch Verwendung von Rippen als Zigarreneinlage die alte Preislage auch unter den neuen Steuerverhältnissen aufrechtzuerhalten versuchte. Vielfach greife man auch zu anderen Formen, was für die Arbeiter jedoch immer, wenn auch nur vorübergehend, einen Verdienst ausfall zur Folge habe, weil sie sich erst an die veränderte Arbeitsmethode gewöhnen müßten. Zu Anfang des Jahres Nach den auf dieser Grundlage getroffenen Feststellungen 1910 hat übrigens troß alledem große Arbeitslosigkeit ge- verteilte fich die Arbeiterschaft in diesen 35 Betrieben über Staffee 40 m., für gerösteten 60 m., der Schnapsblod erhöhte ihn 1. Kaffee: der Zoll betrug früher für den Doppelzentner rohen herrscht, so daß die Arbeitsräume zum Teil leer gestanden die Lohnstufen derart, daß in der niedersten Stufe mit einem auf 60 beziehungsweise 85 m. Folglich lastet auf einem Kilogramım haben;„ wochen- und selbst monatelange Schließung der Be- Wochenverdienst von weniger als 15 M. 40 Broz., in der gerösteten Kaffee ein Zoll von 80 Bf. Das ergibt nach Adam Riese triebe war feine Seltenheit". mittleren Lohnstufe mit einem Wochenlohn zwischen 15 und Einen kleinen Aufschwung hat die Maschinen- 24 m. 45 Broz. und in der obersten Stufe von mehr als auf das Viertel Pfund 10 Pf. Die 3 Pf. der Kreuzindustrie zu verzeichnen. Die Zahl der in ihr be- 24 M. 15 Proz. der Arbeiterschaft waren. Weniger als 15 M. 8eitung" sind erlogen. schäftigten Arbeiter stieg von 34 663 auf 37 639; damit ist verdienen heute nur noch 28 Proz., zwischen 15 und 24 M. 2. Tee: der Zoll war bisher 25 jetzt 100 m. Macht pro die Zahl von 39 045 vom Jahre 1907 jedoch noch nicht wieder 19 Broz, und über 24 M. 53 Proz. Das würde eine erhebliche Biertel Pfund 12%, Pf. Die 9% Pf. der Kreuz- Zeitung" sind ebenfalls erlogen.\ erreicht. Auch die Textilindustrie hat wie alle anderen Lohnsteigerung bedeuten, wenn durch die Verteuerung der Industrien eine geringe Steigerung ihrer Arbeiterziffer( fie Nahrungsmittel und sonstiger Bedarfsartikel nicht eine er fondern vom Malz erhoben. Legt man das reelle Maß des Malz3. Bier: die Steuer wird bekanntlich nicht vom fertigen Bier, stieg im letzten Jahre von 33 999 auf 34 347) zu verzeichnen. hebliche Geldentwertung eingetreten wäre. Um auch Die Revisionen haben, wie immer, zu zahlreichen Be- hier Vergleiche anstellen zu fönnen, sind ebenso wie vor berbrauchs, der zur Herstellung guten Bieres notwendig ist, zu anstandungen geführt. Das ist um so bezeichnender 20 Jahren Erhebungen bei 26 Arbeiterfamilien grunde, so betrug früher die Steuer im Brausteuergebiete 0,92 bis für den Widerstand, den das Unternehmertum den An- gemacht worden. Diese Arbeiterfamilien leben, so heißt es 1,95 m. für 100 Liter. Nach der Erhöhung durch den Schnapsblod ordnungen der Fabrikinspektion entgegenbringt, als es sich in dem diesjährigen Bericht, fast alle in geordneten Verhält- beträgt sie 2,72 bis 4,45 M. Das neue Gesez macht das Entstehen der errichteten neuen Betriebe ist sehr gering. Hierbei ist genaue Auskunft geben können und geben wollen. Aus den überall der höchste Steuersatz zum Ausdrud im Preise, sondern es immer um dieselben Betriebe handelt. Denn die Zahl nissen, was damit zusammenhängt, daß nur solche Familien neuer Brauereien unmöglich, die Konkurrenz ist ausgeschlossen, die Ringe der Brauer bestimmen den Preis. Ringe der Brauer bestimmen den Preis. Daher kommt nicht nur noch in Betracht zu ziehen, daß die Gesamtzahl der Betriebe veröffentlichten Tabellen zieht der Bearbeiter über die wirt- überall der höchste Steuersatz zum Ausdruck im Preise, sondern es feine Steigerung erfahren hat, sondern daß sie im Gegenteil schaftliche Lage dieser Familien nachstehende sehr beachtens- wird darüber hinaus noch das Bier verteuert. Daher dürften 5 Pf. zurückgegangen ist. Es wurden im Berichtsjahr nicht weniger werte Schlußfolgerung: Belastung pro Liter noch zu niedrig gerechnet sein. Die 1%, Pf. der als für 2273 Betriebe gegen 1795 im Vorjahr auf Antrag Kreuz- Zeitung" sind wiederum erlogen. der Fabrikinspektion Auflagen erlassen; die Zahl der AufIagen betrug 4267 gegen 3309 im Jahre vorher. Im einzelnen betrafen die Auflagen 1269 die Verhütung gesundheitsschädlicher Einflüsse, 981 die Verhütung von Unfällen und 2017 den Allgemeinschuß der Arbeiter. Gesuch abgewiesen werden. B „ Ein Umstand fällt aber auch bei diesen( d. H. bei den in ordentlichen Verhältnissen lebenden) Familien auf: mit wenigen 4. Tabat: die Steuer auf inländischen Rohtabak beträgt 57 M. pro Ausnahmen kann sich die Familie nur dadurch halten, daß zu Doppelzentner( früher 45 M.). Dieses inländische Kraut ist jedoch der Einnahme des Mannes noch Nebeneinnahmen durch Mits ungenießbar. Es werden davon nur geringe Mengen dem ausarbeit von Frau und Kindern oder Barzuschüsse aus Erländischen Tabat beigemischt. Der Zoll auf fremden Rohtabak aber sparnissen oder aus anderen Hilfsquellen hinzukommen. 31,5 ist 85 M. pro Doppelzentner und 40 Proz. des Wertes. Prozent der Gesamteinnahmen fließen aus dem Erwerb von gemerkt: beides vom obtabat, also der Blätter samt Stengel WohlFrau und Kindern oder aus sonstigen Quellen." ein beträchtlicher Teil des Gewichtes verloren. Daher kommt auf und Rippen. Wird der Rohtabat zu Rauchtabat verarbeitet, so geht einen Doppelzentner gebrauchsfertigen Rauchtabats ein bedeutend höherer Satz. Der Preis des ausländischen Robtabals geringer fanntlich im Großhandel sehr start). Der Zollzuschlag vom Werte höherer Saz. Der Preis des ausländischen Robtabaks geringer Sorten beträgt unverzollt ungefähr 100 M.( der Preis schwankt bes anntlich im Großhandel ſehr ſtart). Der Zollzuschlag vom Werte deutend mehr. Wenn also unser Bruderblatt mit einem Zoll von beträgt daher ungefähr 40 M., also der gesamte Zoll pro Doppelzentner Rohtabak 125 M., für den gebrauchsfertigen Rauchtabat beDie Rheinische Gummi- und 3elluloid. fchen ergibt, daß die Ernährungsverhältnisse nicht besser ge 59 Pf. pro Pfund( 118 M. pro Doppelzentner) rechnet, so ist das sind demnach wieder erlogen. 5. Branntwein: auf dem Heftoliter reinen Alkohols lasten Die Einführung der zehn stündigen Arbeits, zeit für Arbeiterinnen mit dem 1. Januar 1910 Bor 20 Jahren konnte Wörishoffer noch schreiben:" Die scheint nach dem Bericht feine besonderen Schwierigkeiten ge- Frau arbeitet fast niemals in der Fabrik mit und ist nur ganz macht zu haben. Nur in der Zigarrenindustrie und den ausnahmsweise in der Lage, zur Erhöhung der Einnahmen Die Ziegeleibefizer im Amtsbezirk Schwetzingen hatten die Frauen regelmäßig erwerbstätig und verdienen 21,5 Bro3. Biegeleibetrieben ist es zu erheblichen Differenzen gekommen. beizutragen." Jekt find in 14 von den erfaßten 26 Fällen ſogar beantragt, die Frauen auch 11 Stunden beschäftigen zu von dem Einkommen ihrer Männer und 15,1 Proz. des Gebrauchten als die Männer. Selbstverständlich mußte das aufgeführten Haushaltungsbudgets mit den Wörishoffer dürfen, damit dieselben nicht früher nach Hause zu gehen ſamteinkommens ihrer Familie. Ein Vergleich der einzeln für die erhöhten fabrik in Mannheim hat ihren Arbeiterausschuß um Nahrungsmittelpreise und Wohnungsmieten fast restlos auf- ficher noch zu niedrig. Die 25 f. der Kreuz- Zeitung" Aeußerung über die Notwendigkeit des zehnstündigen Arbeits- gehen. Auch diese Erhebungen zeigen wie der ganze Bericht, tages für Frauen ersucht. Dieser hat in seinem Gutachten wie außerordentlich viel noch zu tun ist, ehe die Arbeiterschaft den Standpunkt vertreten, daß der frühere Arbeitsschluß an einen nennenswerten Anteil an den Kulturgütern sich erden Sonnabenden nur für die verheirateten Frauen not- obert hat. wendig sei, während fein durchschlagender Grund bestehe, die unverheirateten Arbeiterinnen früher von der Arbeit zu entbinden als die männlichen Arbeiter. Dieser Beschluß des Arbeiterausschusses sieht sehr nach bestellter Arbeit aus, jedenfalls ist er der Fabrikleitung so erwünscht gekommen, daß sie glaubte, ihn in ihrem Sinne ausschlachten zu können. Kein Wunder, wenn es in dem Bericht an anderer Stelle über die Arbeiterausschüsse heißt, daß dieselben in den In dustriezentren an Bedeutung abnehmen: Die Arbeiter haben mit oder ohne Grund oft den Gedanken, daß ein persönliches Anbringen und Erörtern von Beschwerden ihnen beim ArbeitSchnapsblocklügen. Den Parteien des Schnapsblods wird himmelangst vor den Wahlen. Diese Angst zeitigte den schönen Plan, die Organe der Regierung zum Umlügen des Fiaskos der Finanzreform in einen Erfolg zu mißbrauchen. Das klägliche Elaborat irgend eines streb samen Referendars, das neulich durch die Presse ging, erivies sich indessen als gänzlich untauglich. Deshalb sieht sich die Schnaps blockpresse zu dem Versuche gezwungen, die Steuerfeststellungen der 125 M. Berbrauchsabgabe und 14 M. Betriebsauflage, zusammen 189 M. Der Alkoholgehalt im Trinkbranntwein schwankt zwischen 40-60 Broz. Folglich lastet auf dem Liter Trinkbranntwein eine Steuer von 55,6-83,4 Pf. Wenn unser Bruderblatt somit eine Steuer von 48 Bf. rechnet, so ist auch das zu niedrig. Die„ KreuzZeitung" spricht von 38 Proz. Sie denkt dabei offenbar an die guten alten Zeiten", wo der gnädige Herr" durch den Schank juden auf seinen Gütern den Fusel verzapfen ließ. Damals wurden diesem Fusel, um ihn stärker" erscheinen zu lassen,„ Tropfen" beis gemischt, nämlich Tropfen Schwefelsäure oder Aezzfalflange. Auch heute ist diese Giftmischerei noch im Schwange, aber lange nicht mehr in dem Maße, daher ist es im allgemeinen mit den 331 Proz nichts mehr. Aber selbst wenn man so rechnet, tommen auf das Liter SSVoii'öä- Trinkbrantttwein 46,5 Pf. Steuer, olfo pro Liter Pf. der„Kreuz-Zeitung" sind als die„Kreuz-Zeituna" treibt, beruht au rund 8 Pf. Die 2 wieder erlogen. Der Schwindel, den einen, Falschspielertricl. Die»Brandenburger Zeitung" schreibt über ihrer Tabelle:»eZ ist durch indirekte Steuer belastet"; sie rechnet al die tatsächliche Belastung durch die jetzigen erhöhten Steuern. Das Junlerblatt stellt sich dumm und tut, als ob eS sich nur um die Mehrbelastung handelt, die der Schnapsblock einführte, a l s früher keine Steuern bestanden hätten. Nur hat es einen Vorwand für seine faustdicken Lügen. Mirza Schafft) singt:„Wer da lügt, muß Prügel haben." Da der Skribifax der„Kreuz-Zeiwng" jedenfalls Anhänger der Prügeb strafe ist, so lägt er sich hoffentlich jetzt fünfundzwanzig aufzählen Verdient hat er das Doppelte, weil seine Lügen gar so dumm und klobig sind. Noch ein Wort: das Junkerblatt wundert sich, daß in der Tabelle des sozialdemokratischen Blattes auch die Schnapssteuer figuriert, während doch die Sozialdemokratie gegen den SchnapSsu ist und— so folgert die„Kreuz-Zeitung"— deshalb der Partei»eine kräftige Besteuerung gerade hier willkommen sein müßte". Auch das ist ein durch und durch verlogenes Argument. Die Erfahrung lehrt, daß die Preissteigerung de« Fusels allein nie und nimmer den Suff hindert, sondern daß dann die Säufer eben einen noch größeren Teil ihres kargen Einkommens in Fuselgift an- legen. Wir hoffen, daß bald kein organisierter Arbeiter mehr Schnaps genießt, aber wir geben uns nicht der Illusion hin, daß wir heute schon die grenzenlos verelendeten Schichte» des Lumpen Proletariats oder die geknechteten Landarbeiter OstelbienS für den Schnapsboykott gewinnen können. Daher werden wir nicht aufhöre» dagegen zu protestieren, daß die Junker, das Elend ausbeutend, an der Fuselseuche sich bereichern wollen. In dem gleichen Artikel fordert daS Blatt seine Partei au das Land mit Flugblättern über die Steuern zu überschwemmen Wenn diese Flugblätter nach dem Schema gearbestet werden, wie der Artikel, dann werden diese frechen Lügen uns einen ganz hervorragenden SgitationS st of liefern. ßevolnflODäre Gärung tu der rufiifchcr Murine. Nichts charakterisiert so sehr die politische Lage in Ruß kaild, als die Wiederkehr der Stimmungen und Strömungen der vorrevolutionären Epoche. Kaum sind die ersten grandiosen Manifestationen der Studenten und Arbeiter wie unterirdische Erdstöße in der bisherigen Kirchhofsruhe des Stolypinschen Galgenregimes vorübergebraust, kaum haben die Studentenunruhen und die hartnäckig geführten Arbeiter streiks das Wiederbeleben der revolutionären Bewegung mr gezeigt, als auch die wichtigste Stütze des tönernen Kolosses des Absolutismus, das Heer und die Marine, recht deutliche Anzeichen der beginnenden Unzufriedenheit und Gärung zeigen. Hierbei tritt, wie vor 1905, die Erscheinung zutage, daß die Marine früher als das Landheer Anzeichen der Unzufriedenheit zeigt. Das erklärt sich daraus, daß die russische Marine fast ausschließlich aus den städtischen Ar- heitern, die die nötigen technischen Vorkenntnisse besitzen und kulturell mehr entwickelt sind, komplettiert wird, während in dem Landheer die bäuerlichen Elemente vorherrschen. Ebenso wie die revolutionäre Bewegung bei den Matrosen vor 1905 früher in Erscheinung trat als in der Armee und zu den denk würdigen Aufständen auf dem Panzerschiff„Fürst Potemkin", »n Kronstadt und Sveaborg führte, zeigt sich auch jetzt bei den Matrosen eine Gärung, die durch die Art und Weise, wie sie in Erscheinung tritt, zu recht erfreulichen Prognosen Anlas; gibt. Zwanzigtausend Matrosen der Äronstädter Marine haben vor kurzem der sozialdemo kratischen Dumafraktion ein von zwölf Bevollmächtigten unterzeichnetes Dokument unterbreitet, in welchem sie die Deffentlichkeit von den Zuständen in der russischen Marine und der Stimmung der Matrosen in Kenntnis setzen. Unter der ungeheuren Spannung des ganzen Hauses, das von diesem Schritt der Matrosen wie von einem Donnerschlag gerührt wurde, verlas Genosse Kusnetzow diese Erklärung anläßlich der Debatte über den Marincetat in der Duma. Es heißt in diesem Dokument: »Es gab eine Zeit, wo auf den Schiffen der russischen Flotte Körperstrafen angewandt und die Matrosen mit Rutenhieben und Rippenstößen traktiert wurden. Jetzt ist der Marineadel in eine neue Aera eingetreten und schlägt die Vaterlandsverteidiger mit den Fäusten. Auf jedem beliebigen Kriegsschiff der russischen Flotte kann man täglich auf folgende Fälle stoßen: ein Offizier versetzte einem Matrosen einen Stoß ins Genick, ein Offizier schlug einem Matrosen Zähne aus, ein Matrose, der fünf Mimu ten zu spät kam, bekam einen Faustschlag ins Gesicht. Es ver- lohnt sich nicht, alle diese Fausischläge aufzuzählen, man kann nur sagen, daß man stets und überall prügelt oder der Wache und dem wachthabenden Offizier den Befahl erteilt, die Matrosen nach Belieben zu prügeln." Als Beweis werden dann zwei besonders krasse Fälle der Mißhandlungen und Exekutionen in der russischen Marine ange- führt. Im verflossenen Sommer wurde ein Matrose des Schul- schiffeS„Admiral Kornilow" von seinem Offizier mißhandelt, »vorauf er, um seine Menschenwürde zu verteidigen, zuerst den Offizier und dann sich selbsl niederschoß. Um keinen Staub aufzuwirbeln, wurde die Untersuchung gleich bei Beginn ein- gestellt. Ein zweiter, ebenso krasser Fall ereignete sich im De- zember vorigen Jahres im Kronstädter Kriegöhafen auf dem Kreuzer„Apostel Andreas". Der Obcroffizier Aleambarow be- fahl dem KonstabelSmaat DuranowSki aus einem nichtigen An- lak, die Schiffstreppe zehnmal auf und ab zu laufen. AIS er erschöpft zusammensank und sich weigerte, weiter zu laufen, be- fahl der Offizier dem wachthabenden Unteroffizier, der Wache den Befehl zu erteilen, Duranowski mit Kolbenschlägen zu züch- tigeu. Der wachthabende Offizier weigerte sich, einen so un- sinnigen Befehl des Obcroffiziers auszuführen, aber einige Wachtfoldaten führten diesen Befehl aus und schlugen Dura- nowski mit den Kolben. Dieser wurde nach einigen Schlägen von dem Oberdeck gestoßen, flog die eiserne Treppe hinunter und zerschlug sich unten an einer Eisenstange. Als er tnfolge der Exekution und des Sturzes zu stöhnen begann, befahl der Ober- offizier dem Wachtofftzicr. den Verwundeten zu verhaften! Nach- dem in dem Dokument die Personen genannt werden, die Zeugen dieses empörenden Vorfalles waren, heißt es dort wie folgt: „Dank der Unschlüssigkeit und ungenügenden Entwicklung der Matrosen dieses Schisses, kam es nach diesem Vorfall zu keinen Unruhen, obgleich diese von Minute zu Mmute erwartet werden konnten; dieser Vorfall ist jetzt auf allen Schiffen bekannt, die in Kronstadt stehen. Wir Matrosen einiger dieser Schiffe setzen durch die von unö gewählten Deputierten die Gesellschaft und die Reichsduma schriftlich davon in Kenntnis, damit die Richtigkeit der genannten Fälle nachgeprüft werden kann. Gleichzeitig wird auch der Gehilfe des Marineministers davon in Kenntnis gesetzt." Nachdem Genosse Kusnetzow diese Darstellung er- gänzt und darauf Hingelviesen hatte, daß die besten Elemente, jtfs ZlMitll, aus&£ Waruie jMten, wM fee dem Militarismus feindlich gegenüberstehen und namentlich die jetzige Armee hassen, weil sie in ein Polizeikominando zur Unterdrückung der„inneren Feinde" verwandelt worden ist, gab der Militär- und Marineprokurator anläßlich der sozial- demokratischen Anklagen eine ausführliche Erklärung ab. Er b e st ä t i g t e aber im Grunde nicht nur die vorgebrachten Tatsachen, sondern gab auch offen zu, daß die Handlungsweife des Offiziers Aleambarow in der Tat ungesetzlich war und die strafgesetzliche Verfolgung eingeleitet werden mußte. Die Angelegenheit sei aber eingestellt worden, um das Ansehen der Obrigkeit aufrecht zu erhalten. Zum Schluß protestierte er gegen die Schlußfolgerungen unseres Genoffen und ver- sicherte, daß das Marineministerium keinerlei Agitatoren in der Flott« fürchte. Genosse KuSnetzow konnte in seiner Replik mit Recht darauf hinweisen, daß es keiner anderen Agitatoren in der Flotte bedürfe, als solcher Offiziere wie Aleambarow, die offensichtlich in der russischen Flotts die iibcrwältigende Mehrheit bilden. Die geschilderte Debatte, die in der dritten Duma ein vollständiges Novum bildete, legt von zweierlei Zeugnis ab: Erstens, daß die Matrosen der russischen Marine ihre natür lichen Vertreter in der s o z i a l d e m o k r a t i s ch e n D u m a f r a k t i o n sehen und nicht davor zurückschrecken, öffentlich an diese zu appellieren. Zweitens zeigt aber auch die Debatte, wie eifrig die Regierung darüber wacht, daß die Zustände in der Flotte der Ocffentlichkeit unbekannt bleiben. Die ausführliche Erwiderung des Regicrungsvertreters auf die Anklagen des sozialdemokratischen Redners eine seltene Erscheinung in der dritten Duma—, zeigt deutlich, daß die Regierung sich dieses wunden Punktes des herrschenden Systems voll bewußt ist und die beginnende Gärung durch Schönfärbereien aus der Welt zu schaffen vermeint, politilcbe Gcbcrficbt Berlin, den 11. April 1911 lieber die Ersatzwahl i« Berlin lV stellt die bürgerliche Presse allerhand Meditationen an. Das „Berliner Tageblatt" will nicht zugeben, daß die Verminderung der sozialdemokratischen Stimnien in der Haupt fache auf die O e f f e n t l i ch k e i t der Wahl zurückzuführen ist, die dadurch zustande kam, daß außer dem Zentrum und den Polen überhaupt keine gegnerische Partei Eigenkandidaturen aufgestellt hatte. Es meint, daß eine„sehr erhebliche" Zahl sozialdemokratischer Wähler nicht gewählt habe, die keinerlei Nachteile zu befürchten gehabt hätten. Es habe eben der Kampf gefehlt und„nur wenn Stahl und Stein zusammen kommen, gibt es Funken". Das ist ganz richtig und auch von uns betont worden. Wenn dem aber so ist, wie kann dann daS„Berliner Tageblatt" behaupten, daß diesmal die Sozial- demokratie„unter den denkbar günstigsten Verhältnissen" gekämpft habe? Im übrigen sollte doch auch das„Berliner Tageblatt" nicht übersehen, daß die Zahl der Wahl- berechtigten sich um 3393 vermindert hat, und daß der größte Teil hiervon sicherlich sozialdemokratische Wähler waren. Ferner darf nicht übersehen lverden, daß mit dem 1. April zahlreiche Wähler aus deni Wahlkreis verzogen sind und deshalb von ihrem Wahl recht keinen Gebrauch machten. Die Zahl der„Mit läufer", die aus bloßer Lässigkeit von ihrem Stinimrecht keinen Gebrauch machten, von denen das Blatt spricht, kann also wirklich nicht allzu groß gewesen sein! Geradezu albern sind aber die Glossen der„Germania". Insern Hinweis auf die Oeffentlichkeit der Wahl, die abhängige Wähler abgeschreckt habe, tut sie mit der Bemerkung ab. daß a diese Wähler weiße Stimmzettel hätten abgeben können. Eine so sinnlose Demonstration kann eben nur die„Germania" vernünftigen Menschen zumuten! Natürlich unterläßt es die „Germania" auch, von den 12167 Stimmen, die Büchner weniger erhalten hat. als Singer, einen entsprechenden Prozentsatz der 3393 diesmal nicht mehr vorhandenen Wähler abzuziehen! Statt das sozialdcmokrattsche Stimmen- minus von kaum ein Achtel hämisch zu glossieren, sollte die „Germania" doch lieber über den Stimmenrückgang des Zentrums von einem vollen D r i t t e l Bettachtungen an- 'tcllen! Auch die.. DeutfcheTageSzeitung" meint, daß die Sozialdemokratie mit dem Wahlresultat nicht viel Staat machen könne. Aber sie ist wenigstens klug genug, zuzugeben, daß die Sozialdemokratie bei der bevorstehenden Hauptwahl höchstwahrscheinlich ihre alte Sttmmeuzahl wiedererhalten, ja e möglicherweise noch vermehren werde. Ra also! So geht's mit der Revision. AIS Herr Richard Calwer sich in seltsamer Selbsttäu- chung über seine politischen Anschauungen noch zur sozial- ismokratifchen Partei rechnete— Lehrer an der Gewerk- chaftsschule ist er ja noch heute—, da wurden seine Wirt- chaftspolitischen Wochenberichte von bestimmten Partei- blättern für feinste Blütchen der nationalökonomisckien Wissenschaft erklärt und mit Bewünderung nachgedruckt. Mehrmals nahm zwar der„Vorwärts" Anlaß, die eigen,- artigen vulgärökonomischcn Ansichten Calwers und seine Imriosen stattstifchen Jongleurkunststücke zu kritisieren: aber um so fester hielten gewiffe Parteiblätter an ihrem großen Elawer. Und sie fanden dabei ganz selbstverständlich die Interstützung verschiedener liberaler Blätter, die in den Calwerschen Darlegungen so manche Anklänge an die übliche Handelskammer-Nationalökonomie wiederfanden. Die Kritik dcS„Vorwärts" zeugte ja nur von seiner marxistischen Ver- rannthett. Seitdem ist Herr Calwer aus der sozialdemokratischen Partei ausgeschieden und seme Leistungen lassen sich nicht niehr gegen den„marxistischen Dogmatismus" ausschlachten. Damit hat Herr Calwer auch die Bewunderung der links- ' iberalen Presse eingebüßt, ist er doch nicht mehr als Demonstrationsobjett für die Ueberlebtheit marxistischer Lehren zu gebrauchen. Hin und wieder gestattet sich jetzt >iese Preffe sogar, Herrn Calwcr höchst despektierlich einen Nasenstüber zu versetzen. So schrieb jüngst die„Frank- 'urter Zeitung": Welcher Unfug oft mit der Statistik gettiebcn wird, ist all- bekannt. Keine Interessengruppe, die nicht mit stattlichen Ziffern- reihen die Berechtigung ihrer Ansprüche unwiderleglich bewiese, kein Jnteresscnvcrtreter. der nicht mit Tabellen und Kurven. Zeichnungen sich den Anschein objektiver Wissenschastlichkeit gäbe. Mit der Statistik kann man alles beweisen, wenn man nur die Zahlen gut gruppiert. DaS weiß man. und man sieht sich die Autoren darauf an: Jnteresscntenstatistilen sind nicht gefährlich. weil sie doch nicht ernst genommen werden. Aber schlimm wird die Sache, wenn uninteressierte Stellen aus leichtfertig grpxeterjeo Zitjerg i�re opjelM fein soßenkn m!k einer Kühnheit ziehen, die durch keines Gedankens Blässe angekränkelt ist. Denn dann kommen Dinge heraus, die i n Wahrheit unverantwortlich sind. Ein solches Beispiel, wie Statistik nicht betrieben werden darf, liefert die„Wirtschaftliche. Korrespondenz" in ihrer Nr. 81. in der sie sich mit dem Verhältnis von Reingewinn und Löhnen auf der Gutehoffnungshütte befaßt.„Ohne Rück si cht auf dieHöhe des Aktienkapitals und ohneRücksicht auf dieZahl derBeschäftigten" wird da die Bewegung des verteilten Reingewinns und die der ausbezahlten Lohn- summen für das Jahrzehnt von 1906/61 bis 1969/16 verglichen: das Resultat ist. daß der verteilte Reingewinn von 3 262 566 auf 5 466 660 M., die Lohnsumme von 18 538 966 auf 34 747 266 M. gestiegen ist; setzt man die Ziffern des ersten Jahres in beiden Reihen gleich 166, so hat sich der verteilte Reingewinn auf 165.5. die Lohnsumme aber auf 187,4 erhöht. Und daraus wird nun die Folgerung gezogen: Die Lohnsummen sind also absolut und auch relativ stärker gestiegen als der Reingewinn, aber damit ist noch kcincsivcgs gesagt, daß sich die wirtschaftliche Lage der Arbeiterschaft gebessert hat. Ebenso ist aus der Zunahme des Reingewinns noch nicht auf die Rente zu schließen, die dem einzelnen Aktionär zufällt. Aber zweifellos ergibt sich aus der obigen Zusammenstellung, daß der Anteil der Arbeit kräftiger gewachsen ist als der Anteil des Kapitals. Setzt man Rein- gewinn und Lohnsumme gleich dem Produktionkerttag, soweit Aktionär und Arbeiter des in Frage kommenden Werkes an ihm partizipieren, so erhielten die Arbeiter von diesem Ertrag im Jahre 1966/61 85,6, im Jahre 1969/16 aber 86,5 Proz. „Zweifellos" besagt in Wirklichkeit die ganze Berechnung gar nichts. Denn wenn man das Wachstum des Anteils von Kapital und Arbeit vergleichen will, so darf man vor allem nicht das Wachstum von Kapital und Arbeit selbst„ohne Rücksicht"' lassen: tatsächlich aber ist in dem betrachteten Zeitraum das Aktienkapital um zirka 56 Proz., die Zahl der Beschäftigten um zirka 86 Proz. gestiegen! Das hätte auch der Nur-Statistiker in Rechnung stellen müssen: für den Fachmann aber geht die Fehlerhaftigkeit der Be- rechnung noch viel weiter. Die„W. K." registriert selbst, daß die Zabl der Arbeiter und Beamten 1966/61 13 586, 1969/16 aber 24 366 betrug. Berechnet man danach die Lohnsumme pro Kopf (eigentlich müßten dabei die Beamten wohl ausgeschieden werden), so ergibt sich für 1966/61 ein Durchschnittssatz von 1364, für 1909/10 ein solcher von 1429 M.. das ist ein PluS von 65 M. gleich 4, 7 Proz. Das ist daS Wachstum, des An- teils der Arbeit. Der Anteil des Kapitals aber ist aus dem Reingewinn überhaupt nicht zu entnehmen. Nicht aus dem „verteilten" Reingewinn, weil ja doch die Erhöhungen der Reserve auch einen Gewinnanteil des Kapitals ausmachen. Und auch nicht einmal aus dem ausgewiesenen Reingewinn, weil die Gute- hoffnungShütte, die trotz der Aktienform in der Hauptsache Haniel- scher Familicnbesitz ist, ebenso wie zahlreiche andere Gesellschaften wohl in starkem Umfange dem Grundsatz folgt, nicht so viel Gc- winn auszuschütten, wie sie ausweist, sondern umgekehrt, so viel Gewinn auszuweisen, wie sie ausschütten will, während sie im übrigen je nach Bedarf und Gewinn stille Reserven ansammelt, Abschreibungen macht usw. Tatsache aber ist, daß die Gute- hoffnungShütte in den letzten elf Jahren regelmäßig, unbeschadet aller Schwankungen der Konjunktur, je 26 Proz. Dividende an ihre Aktionäre verteilt hat, daß sie trotz dieser hohen Rente im Jahre 1963 neue Aktien von 6 Millionen Mark zu dem niedrigen Kurse von 125 Proz., im Jahre 1969 weitere 6 Millionen Mark sogar zu nur 166 Proz.(ohne jedes Agio) ausgegeben hat, und daß diese beiden Serien von neuen Aktien jedesmal vom Tage ihrer Anteilsberechtigung ab in denGenuß von 2VProz. Dividende traten. Das ist die Entwickclung des Anteils des Kapitals. Die von der„Franks. Ztg." gerügte Leistung ist nicht die anfechtbarste der Calwerschen Wissenschaft: er hat noch ganz andere„leichtfertige" Gruppierungen von Ziffern auf seinen, Gewissen. Merkwürdig ist nur, daß auch ein Blatt die Kritik der«Franks. Ztg." abdruttt, das früher am kritik- lesesten die Calwerschen Artikel und Berichte nachdruckte, die Chemnitzer„V o l k S st i m m c". Hätte sie nur früher schon etwas von der heuttgen besseren Erkenntnis besessen! Uebrigens wollen wir Herrn Calwer nicht unterschätzen und kränken. Leider haben wir für ihn reichlich Ersatz er- halten. Der agrarkonservattv-sozialistische Auchgenoffe Artur Schulz, der zurzeit in den„Sozial. Monatsheften" des natlonalllberalen Sozialdemokraten Dr. Josef Bloch in Agrarökononne macht und die alten Argumente der„Deutsch. �.agesztg." fiir die Leserschaft dieser Zeitschrift Wissenschaft- lich präpariert, wiegt mindestens drei, vier Calwerö auf. Möchte er doch auch erst sein Damaskus finden und sich seit- wärts in die agrarkonservativen Büsche schlagen« Die elsässischen Genossen zur Bcrfassnngs- und Wahlkreisfrage. Der Sozialdemokratische Kreisverein Mülhausent.E. hielt letzten Sonntag seine vierteljährliche Generalversammlung ab. in welcher der ReichStagSabgiordnete Genosse Emme! über die politische Lage im Reiche und Lande referierte. Dabei wurde die �äaltung de« Zentrums und der Konservativen in der Reichstags« kom Mission für die elsaß- lothringische Ber- fassungsvorlage einer scharfen und eingehenden Kritik unter- warfen. Von feiten de» Z e n t r u m S ist in Presse und Parlament — im Landesausschuß für Elsaß-Lothringen namentlich durch den Abgeordneten Dr. Ricklin— behauptet worden, die dem Unter- staatSsekretär Mandel zugeschriebene WahlkreiSeinteilung der Regierung für die Wahlen zur Zweiten Kammer be- günstige neben den Liberalen auch die Sozialdemokratie, deren Abgeordnete in der ReichötagSkommission'»mit Begeisterung" für diesen Regierungsvorschlag eingetreten seien. ES wurde demgegen- über in der Versammlung festgestellt, daß Genosse Emme! in der Kommission den RegieruiigSvorschlag nur al« besser. weil politisch gerechter, erklärt hat,' als den Zentrums- mittag auf Listenwahl nach dem Majoritätsprinzip mit Ab- grenzung nach den bestehenden Lerwaltungökreisen, dab die Sozial- demokratie aber keinerlei Grund hat, irgendwie warm für die von der Regierung vorgelegte WahlkreiSeinteilung einzutreten, da diese z. B- m der Stadt Mülhausen durch die Abgrenzung nqch rassiniert gruppierten Polizeirevieren unserer Partei nur die Aussicht auf Gewinnung von einem Mandat aus deren drei eröffnet, während die Partei auf Grund ihrer Stärke von drei Mandaten zwei zu beanspruchen hätte; wie auch in S t r a ß b u r y die Partei durch die Bildung eines Wahlkreises mit vier Mandaten durch die Stadt innerhalb der Umwällung(ohne die Vororte) um die ihrer wirklichen Stärke entsprechende Vertretung gebracht werden würde. Die außer- ordentlich stark besuchte Versammlung nahm einstimmig eine von dem Genossen Martin eingebrachte Resolution a». in der es heißt: Die Versammlung erkennt an. daß dle sozialdemo- tlschen Abgeordneten im Reichstag« und in dessen imGon für die elsaß-lothringische Berfaffungsvorlag« allein kra Kommission die volle Selbständigleit Elsatz-LothriygenS als republikanischer Bundesstaat mit Einkammer- systsn, auf der Grundlage des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts für beide Geschlechter bei propornoneller Vertretung der Parteien gefordert und verfochten haben. Die Versammlung erwartet, daß die Abgeordnelen der Sozialdemo- tratie durch unbeugsames Festhalten an diesem Standpunkte im gegenwärtigen Verfassungskampfe für die demolrattsche Zukunft des Landes richtunggebend bleiben werden. Das widerliche Wettrennen der Besitzenden und Privilegierten nach neuen Vorrechten durch Sitze in einer Ersten Kammer, wobei sich insbesondere die angebliche Volkspartei des Z e n t r u m§ wieder hervortut, muß den Hundertlausenden des werliatigen Volkes die Augen öffnen über die schamlose Volksteindlichkeit der beteiligten Jntercjientengruppen. Nicht minder charakteristisch ist der gleichzeitige Versuch des Zentrums und seiner Handlanger, durch Fixierung der Listenwahl ohne Proporz in den einzelnen Ver- waltungskreiien, unter rücksichtsloser Majorisierung der Minder- beiten, sich den ausschlaggebenden Einfluß in der Zweiten Kammer zu sichern. Die Versammluitg fordert demgegenüber laut die Wahl der Volksvertretung auf Grund des Berhältnissystems mit Listenwahl in den drei Verwaltungsbezirken des Landes(Oberelsaß 17 Ab- geordnete, Unterelsaß 23, Lolbringen 21). Weiter spricht sich die Resolution sehr scharf gegen die Wohn- fitzllausel und gegen das Pluralwahlrecht aus. Zurückgenommene Beleidigung. Bekanntlich hatte die reichsverbändlerisch gespeiste Preffe dem Genossen Karl Liebknecht seinerzeit den Borwurf einer Pflicht- Versäumnis bei der Ausübung feiner Rechtsanwaltstäligkeit gemacht. Genosse Liebknecht hatte nicht nur den betreffenden Blättern eine Berichtigung zugesandt, sondern auch gegen einS der Blätter die Beleidigungsklage erhoben. Der Redakteur des.Ofthavel- ländischen Kreisblattes' hat sich infolgedessen genötigt gesehen, den auch in seinem Blatte erhobenen Vorwurf in einem Vergleich zurückzunehmen, der folgendermaßen lautet r .Ich, der Redakteur Alfred Freyhoff zu Nauen, spreche mein lebhaftes Bedauern aus, daß der mit der Stichniarke „Der Abgeordnete Liebknecht' versehene, der„Berliner Redaktion' cntnommene Artikel in Nr. 3l> deS„Osthavelländischen KreiS- dlatteS' vom 4. Februar d. I. abgedruckt ist. Ich nehme die darin gegell den Abgeordneten Liebknecht gerichteten Beleidigungen zurück und erkläre insbesotldere, daß der Vorwurf, er habe für eine nicht vertretene Sache Gebühren erhoben, völlig ungerechtfertigt ist. Ick verpflichte mich, die Kosten der Privatklagesache Liebknecht gegen Freyhoff, die bei dem Königlichen Schöffengericht Berlin- Mitte schwebt, zu tragen. Ich, der mitunterzeicknete Rechtsanwalt Dr. K. Liebknecht, verpflichte mich, mit Rücksicht auf die vorstehende Erklärung des Herrn Freyhofi, die Privatklage gegen ihn zurückzunehmen. Dr. K. Liebknecht. Alfr. Freyhoff. Ob die übrigen Blätter, die den gleichen Vorwurf gegen Lieb- knccht erhoben hatten, nunmehr auch von diesem Widermf Notiz nehmen werden?_ Protest gegen einen Ordnungsruf. Der.RotstandS'-Vizepräsident des SchnapSblockS im Reichstag, Herr Schultz, ist als ebenso ungeschickter wie nervöser Leiter der Verhandlungen bekannt. Wohl aus Aerger über die eifrige Tätig- keit, die die sozialdemokratische ReichstagSfraktion noch bei der dritten -Lesung entfaltete, griff er mehrmals direkt störend in die Debatte ein. Namentlich hatte er es auf den Abg. Severing abgesehen, den er kurz nacheinander zweimal zur Ordnung rief. Gegen den ersten OtviimigSruf hat nun Genone Severing Beschwerde beim Präsidenten erhoben. Nach der Geschäftsordnung muß über eine solche Be- schwerde abgestimmt werden, ohne daß erst eine Diskussion zu- lässig ist. Der Präsideni hat die Abstimmung auf Mittwoch, den 3. Mai, festgesetzt und je nach dem Ausfall dieser Abstimmuilg kann eine neuerliche Präsidial-Knsie eintreten Zur Sache selbst sei folgendes bemerkt: Genosse Severing sprach bei der Beratung de? Marine-EtatS über die Heizerzulagen und führte nach dem Stenogramm dazu aus: „Auch über diese Sache findet sich im Bericht der„Marine- Rimdschau' eine Darstellung, die eine gröbliche Irreführung der öffentlichen Meinung bedeutet und darum nicht unwidersprochen bleiben darf. ES ist die Darstellung, wie sie in der„Marine« Rundschau' gegeben wird— ich bin mir der Traweite dieses Vorwurfes sehr wohl bewußt— direkt erlogen.(Glocke des Präsidenten.) Vizepräsident Schultz: Herr Abgeordneter, das Wort dürfen Sie nicht fagenl Severing: Ich kann leider von diesem Vorwurf nichts zurücknehmen. Vizepräsident Schultz: Dann rufe ich Sie zur Ordnung I lZuruf bei den Sozialdemokraten: Was geht uns die„Marine- Nuiidschau' a»? I— Sehr richtig I und wiederholte Zwischenrufe bei den Sozialdemokraten.) Severing: Ich meine, es war bisher Sitte, daß man an dieser Stelle das aussprechen durfte, was ist.' Dem Vizepräsidenten Schultz scheint gleich darauf aber dqch die Befürchtung aufgedämmert zu sein, daß er sich verhauen habe. Statt ober den Ordnungsruf einfach zurückzuiiehmen, suchte er ihn damit zu erläutern, daß er sagte: „Die.Marine-Rundschau' wird im ReichSmarineamt redigiert und Sie erheben damit einen Vorwurf gegen das NeichSmarineamt. (Lebhafte Rufe links: Ah so!) In derselben Sitzung bestritt nun aber der Staats- fekretär des ReichsmarineamtS, v. Tirpitz, daß die„Marine-Rundschau' ein amtliches Organ fei. er lehnte in Konsequenz dessen auch die Verantwortung für den von Severing kritiftertcn Artikel ausdrücklich ab. Zu allein Ueberflnß behauptet auch noch die.Marine-Rundschau' von sich selbst: „Der Inhalt ist nichtamtlich, also nicht als eine Wieder- gäbe der Ansichten leitender Stellen aufzufassen. Die Ver- antwortung für die ausgesprochenen Meinungen und die Ver- tretung für die gemachten Angaben bleibt den Verfaffern oder der Schristlettung üoerlassen. Genosse Severing ist also völlig im Reckt, wenn er sich über den»hin erteilten Ordnungsruf beschwert. In einer Zuschrift an uns führt Severing aus: „Wollte der Vizepräsident mit dem Ordnungsruf indes nur die Schärfe des Ausdrucks beanstanden, so müßte ich sagen, daß nach den bisherigen Gepflogenheiten des Hauses auch dann sein Vorgehen meines Evachtens noch nicht berechtigt war. Getviß enthielt der beanstandete Ausdruck einen schweren Vorwurf, doch habe ich ihn gebraucht in der Abwehr einer gegen den Reichstag erhobenen nicht minder schweren Beschuldigung. In derselben Sitzung des Reichstages aber ist die schwerste Beleidigung, die man elner Zeitung zufügen kann, ungerügt geblieben. In seinen Ausführungen über die Reinontierung der Armee sagte der Abg. v. Treuenfels nach dem amtlichen Stenogramm(163. Sitzung. .Seite 6ülbS) u. a.: „Dem Herrn Abg. Noske folgend, hat dann die„Leip- ziger Volkszeitung' einen geradezu infamen Artikel ge- bracht, überschrieben„Skrupellose Gcfchäftspolitiker". worin meinen, Freunde Nchbel und mir dieselben Vorwürfe gc- macht worden sind." Nach dem Sprachgebrauch bedeutet der Ausdruck..infam" soviel wie verrucht, schandlich, ehrlos— also ungefähr das ärgste. wat W dknlkfl Mt. Wws aber die durch diesen All/druck der „Leipziger VoNszeitung' zugefügte Beleidigung ihrflrt Urheber keine Zurechtweisung eingetragen hat. dann vermag ich nicht einzusehen, warum ich für den in der Form noch um einige Grade milderen Borwurf einen Ordnungsruf einstecken soll. Ich bin nicht gesonnen, mich mit einem anderen Maße messen zu lassen, als es Herrn v. Treuenfels gegenüber belieht wurde," Dr. Solf bleibt. Der Gouverneur von Samoa Dr. Solf sollte nach Meldung einer Berliner Zeitungskorrespondenz seinen Abschied eingereicht und sich entschlossen haben, in da? parlamentarische Leben einzulreten. Wie uns demgegenüber das„Wolffsche Telegraphen-Bureau" aus eine Anfrage bei T r. Solf mitteilt, ist eS durchaus unzutreffend, daß Dr. Solf ein Abschiedsgesuch eingereicht oder daß er überhaupt die Absicht hat, den Kolonialdienst zu verlassen. Damit erledigt sich auch die Kombination, nach der Dr. Solf eine Kandidatur für die nächsten Reichstagswahlen angenoininen habe. Polizeiliche Findigkeit. Die Polizei in Preußen bringt alles fertig. Es gibt keine Schwierigkeit, der sie im.,. Herr zu werden vermöchte. Eine wahre Glanzleistung ist ober entschieden die neueste Auslegung des Preß- gesetzes. Ein demokratischer Verein hatte für die Märzgefallenen eine Kranzschleife bestellt, die folgende Inschrift trug: „Es lebe die Freiheit, es lebe das Recht, Das gleiche Recht für olle! Es stürze die Knechtschaft, es stürze der Feind, Der schwarzblaue Block— er falle!' Diese Schleife hing im Schaufenster eines Blumengeschäftes' aber so, daß die Inschrift von außen nicht zu lesen war. Doch die Polizei in Preußen ist findig. Ein Wachtmeister bekam den Auf- trag, sich in den Laden zu begeben und dort die Inschrift zu notieren. Die Folge war. daß die Inhaberin des Ladens ein Strafmandat erhielt, lautend auf ö Mark, wegen Uebertretung des— Preßgesetzes, weil die Polizei in dieser Schleife ein— Plakat erblickte. Die Polizei stützt sich bei ihrem Vorgehen auf ein altes preußisches Polizeigesetz, durch welche» das Plakanvesen gewissen Beschränkungen unterworfen wird. Gegen die polizeiliche Strafvecfügung ist natürlich auf gerichtliche Entlcheidung angetragen worden und es bleibt abzuwarten, ob die preußische Justiz sich zu den Höhen polizeilicher Findigkeit aufzuschwingen vermag. frankreicb. Tcputiertenkammer. Die Kammer nahm die sämtlichen Artikel des Finanzgesetzes an, die sich auf die Reorganisation des Finanzgesetzes beziehen. Die Kammer lehnte mit 266 gegen 253 Stimmen einen von der Regie- ning bekämpften Abänderungsantrag ab, der bestimmte, daß in den Eisenbahnrat Vertreter des Handelsstandes, der Landwirtschaft und der Arbeiterschaft gelvählt werden sollten, aber sie nahm ungeachtet des Widerstandes des Ministers der öffentlichen Arbeiten einen Ab- änderringsantrag an, demzufolge mir Vertreter der Arbeiter in den Eifenbahnrgt gewählt werden sollen. Italien. Karl Marx zum alte» Eisen. Rom, den 9. April.(Eig. Ber.) Die gestrige ParkarnentS- dtSkussion hat eine Bemerkung GiolittiS gebracht, die verdient, daß man kurz auf sie zurückkommt, weil sie ein grelles Schlaglicht auf die offizielle Politik unserer Fraktion und ihre Einschätzung durch die Gegner wirft. Im Laufe seiner Rede sagte Giolitti:„Die sozia- listische Partei hat ihr Programm wesentlich gemäßigt. Marx ist zum alten Eisen geworfen worden'. Gegen diese Bemerkung haben nur Elccotti und Agnini lebhaft protestiert. Turati und Bissolati haben ähttliches oft genug gesagt, um eS nicht ohne Widerspruch anhören zu müssen. So hat Giolitti der sozialistischen Partei wenigstens die Ehre angetan, diejenigen ihrer Vertreter, die ihm ihr Bündnis anboten, als den Parteiidealen entfremdet zu bezeichnen. Gleichzeitig hat er seiner alten Mehrheit klannachen wollen, daß es sich um ein Bündnis mit harmlosen Leuten handele, die aus revolutionären und verneinenden längst zu staatSerhaltenden Elementen geworden waren. Eine kleine persönliche Rache wegen einiger harten Worte BiffolatiS finden wir hier vereint mit einet wohlwollenden Einführung der neuen Gefolgschaft in den großen KreiS der alten. Harte Worte waren es, die Btssolali aussprach, indein er sagte, daß der Zweifel an GiolittiS Rcchlschaffenheit und Aufrichtigkeit kein Einwand gegen die ihm gewährte Unterstützung sei, da im sozialen und polittschen Kampf die Menschen Werkzeuge seien und als solch« ver- wendet iverden, ob sie aufrichtig find oder nickt. In der ganzen Situation, in der sich die Mitarbeit auf soviel gegen- seitiger Verachtung aufbaut, haben nur die Republikaner mit Wurde abgeschnitten, die durch ihren Redner die folgenden Erklärungen ab- geben ließen.- Es handele sich nicht darum, die Wahlreform anzunehmen oder zu verwerfen, sondern für oder gegen die Politik des Kabinetts als den Ausdruck einer gegebenen politischen Macht» gruppe zu stimmen. Die Republikaner würden gegen das Ministerium stimmen, unbesorgt darum, eine kleine Minderheit zu bleiben. Zu Besorgnis und Scham würde ihnen nur der Tag Anlaß geben, an dem sie sich verleiten ließen, irgend eines ihrer Ideale oder ihrer Grundsätze zum alten Eisen zu werfen. Und die Sozialisten mußten zu diesen Erklärungen schweigen und sür das Kabinett stimmen! Cnglanct. Burcaukratie und Liberalismus. Aus London wird uns geschrieben: Seit einigen Monaten findet man in der englischen liberalen Presse beständig Klagen über die reaktionären Ver- waltungsmaßregeln. die von den meist konservativen höheren Beamten der verschiedenen Ministerien mit und ohne die Unterschrift des Ministers erlassen»verden. Mehr als fünf Jahre- besteht nun schon ein liberales Ministerium und die Regierung ist in mancher Hinsicht reaktionärer geworden wie zuvor. In manchen Ressorts haben es die Häupter der Bureaukratie so weit getrieben, daß sie offen die Politik der perantwortlichen Minister durchkreuzen. Die herrschenden Zustände werden drastisch durch eine sarkastische Frage ge- schildert, die ein liberales Parlamentsmitglied vor wenigen Tagen im Unterhause stellte. Sie hieß:„Richtet sich die Politik eines Ministers nach der seines ersten Beamten oder richtet sich umgekehrt die Politik des obersten Beamten nach der des Ministers?" Der indirekte Anlaß zu dieser Frage war die Veröffentlichung eines geheimen Erlasses, der von einem Sektionschef des Unterrichtsministeriums ausgegangen war und in dem empfohlen wurde, künstig nicht mehr Volks- schullehrer als Schulinspektorcn vorzuschlagen, da diese Per- sonen nicht die genügende Bildung besäßen, um Posten zu bekleiden, die von Rechts wegen nur den Akademikern von Oxford und Cambridge zukommen müßten. Die Sache wirbelte im Parlament großen Staub auf und endete mit der Erklärung des Unterrichtsministcrs, daß er von dem Be- stehen des Dokuments nichts gewußt habe. Fast in jedem Ministerium macht sich dieses Bestreben der ständigen Beamten, ihren Willen durchzusetzen, bemerkbar. In den meisteit Fällen unterliegen die Minister den bureau- tratischell Einflüssen oder sind zu schwach, sich zur Wehre zu letzeisi Der famose Kepx Burutz geht sogax fe weit, mit seinen reaktionären Tra&mkeit im Lokalreglekungsmmifleninn gemeinsame Sache zu machen. Ein klares Beispiel der wachsenden bureaukratischen Macht in Großbritannien zeigt die Verwaltung des Ackerbauministcriums. Im Jahre 1907 schufen die Liberalen ein Gesetz, das der Ausdruck ihrer Agrar- Politik ist. Die englischen Liberalen wollen sich auf dem Lande ein Gegengewicht gegen die Torypartei schaffen, indem sie einen ltberalen Kleinpächterstand heranzuzüchten versuchen. Das Gesetz vom Jahre 1907, das die Landarbeiter zu Pächtern der lokalen Verwaltungskörperschaften machen will, wird nun von den Beamten des Ackerbauministerlums in einer Weise gchandhabt, die es fast gänzlich wirkungslos macht, und jeder Protest der interessierten liberalen Parlamentsmitgliedex bleibt ohne Erfolg. Aehnlich sieht es im Ministerium des Innern aus, wo der Chef der Abteilung Bergbau ganz nach eigener Laune schaltet und waltet und allen seinen Vorurteilen Achtung zu verschaffen weiß. Manchmal soll er sogar die Berichte der Bergwerksinspektoren redigieren. Auch die von dem Lord» Kanzler vorgenommenen Ernennungen gehören zu diesem Thema. Der Lord-Kanzler, der als Mitglied des jeweiligen Ministeriums im Oberhause den Vorsitz führt, ernennt die Friedensrichter. Der Friedensrichter übt als Magistrat in der untergeordneten lokalen Rechtspflege ein cinflußreicheS Amt aus, und die Würde„Justice of the Pcace" wird von den kleineren Parteiführern sehr begehrt. Seitdem die Liberalen am Ruder sind, hat nun der liberale Lord-Kanzler mehr Kon» servative zu Friedensrichtern ernannt als Liberale, was von seinen Parteifreunden als ein großes Unrecht empfunden wird. Anscheinend ernennt der Lord-Kanzler nur die Per» sonen, die ihm der Sitte gemäß von den Lord-Leutnants(den höchsten Beamten der Grafschaften), die durchweg Konservative sind, vorgeschlagen werden. Man sieht aus diesen Beispielen, daß ein liberales Ministerium durchaus noch nicht eine liberale Verwaltung bedeutet. In einigen Fällen mag der Minister wohl mehr mit den konservativen Volksschichten sympathisieren als mit seinen radikaleren Parteifreunden und seinen Beamten und Untergebenen daher freien Spielraum lassen. Aber in den meisten Fällen kann dies unmöglich zutreffen und hier spielt ohne Zweifel die Furcht der Mlnistcr vor den mächtigen Schichten mit, aus denen sich die höhere Bureaukratie re- krutiert. Diese höheren Beamten liefern ausschließlich die beiden alten und sehr kostspieligen Universitäten Oxford und Cambridge, die, wie ihre parlamentarische Vertretung be» weist, überwiegend konservativ gesinnt sind. Nur Akademiker von diesen aristokratischen Universitäten haben Aussicht, in die höhere Bureaukratie zu gelangen. Das beweisen am besten die Prüfungen, die die Kandidaten für höhere Beamten» Posten zu bestehen haben. In diesen Prüfungen werden zum Beispiel Mathematik. Griechisch und Latein weit höher be- wertet als Nationalökonomie, Staatswissenschaften, Geschichte und moderne Sprachen, welch letztere Gegenstände mehr zu dem Lehrplan der moderneren und demokratischeren Uni» versitäten gehören. Diese Zustände mögen mcxnche reaktw- nären Maßnahmen erklären, die unter der bestehenden Regierung getroffen worden sind. Es ist aber doch bezeichnend für die Aengstlichkeit des Liberalismus, daß er rein gar nichts unternimmt, um die Verwaltung in Einklang mit seinen erklärten Prinzipien zu bringen. Rußland. Die Adreßdebatte im finnischen Landtage. Unser finnländischer Mitarbeiter schreibt unS: Am 31. März fanden im finnischen Landtage äußerst erregbe Debatten über den Adreßenttvurf statt, den die Kommission sür Verfassungsfragen ausgearbeitet hatte. Da der sozialdeino- kratische Entwurf zu einem Antrage über die politische Lage Finnlands vom Plenum abgelehnt worden Ivar und die bürger- liche Kommissionsmehrheit alle Verbesserungsanträge der Sozial- demokräten niedergestimmt hatte, blieb unseren Genosselt nichts anderes übrig, als ihre abweichende Meinung in die Form einer Gegenerklärung zu kleiden, deren kernige, etndringliche Sprache, deren flammende Anklagen gegen die Willkürherrschaft der Petersburger Barbarenregierung die völlige Unzulänglichkeit und geflissentliche Unklarheit des bürgerlichen AdreßenttourfeS kraß hervortreten ließen. Diese Gegenerklärung, die aus 14 auöfüh» lich begründeten Punkten bestand, war zugleich mit dem Kom- missionsentwurf auf die Tagesordnung gestellt. Die Dehatte, die sich bis weit nach Mitternacht hinzog, wurde eingeleitet durch eine Rede Leo M e ch e l i n S, der sich vetlagtc, daß die Adresse nicht einmütig beschlossen werden könne, waS ihre Wirkung abschwächen müsse. Er bedauerte die Abgabe einer Gegenerklärung und sprach die Hoffnung aus, daß die Volksvcr- tretung dieselbe nnberückstchtigt lassen würde. Nach ihm sprach der Führer der Altfinnen, fß!rof. Daniels» n-Kol mari, der in einer kurzen Erklärung die Stellung seiner Partei be- gründete. Diese sei anfangs gegen eine Adresse gewesen. Da aber in Petersburg neue Gesetze geplant würden� die von scharf einschneidender Bedeutung für Finnland sein würden, so könne eine kurze, allgemein gehaltene Erklärung doch zeitgemäß sein. Gegen die Vorredner, wie gegen den ganzen Adreßentwurf, ergriff darauf unser Genosse O. K u u s i n e n das Wort, der in einer wohlgelungenen Rede die Argumente feiner Gegner zerpflückte. „An schönen Worten", so sagte er.„beklagen sich die Herren wiederum, daß eine Einigkelt fehle. Als wir aber in der Kom- Mission unsere Anträge stellten, ivurden sie jedesmal verworfen. Nachdem in der Kommission selbst die Worte gestrichen wurden, daß die Adresse unsere gegenwärtige politische Lage betrifft, ist es unmöglich, daraus zu verstehen, wozu sie eigentlich dienen soll. Die Lage Finnlands i st momentan viel ge» fährlicher, als zur Zeit BobrikowS. Es kommen jetzt nicht mehr einzelne Maßnahmen in Betracht,, sondern ein System der Unterdrückung, welches sich gegen das ganze Volk richtet, hauptsächlich jedoch gegen die Arbeiterklasse. In der Verwaltung hat sich die Rusfisizicrung stark Bahn gebrochen. Die Beseitigung der sinnischen Gesetzgebung auf den bedeutendsten Gebieten ist beschlossene Sache. Eine Zwangsbestcuerung lähmt unser Staatswesen schon seit Jahren und droht immer größere Dimensionen anzunehmen. Angesichts dieser Sachlage müßte die Volksvertretung getviß etwas anderes sagen, als was die bürger» liche Mehrheit der Aerfassungskommission hier beantragt. Nach unserer Meinung hätte die Kommission die gegenwärtige Lage des Landes voll beleuchten müssen, ohne irgend etwas beiseite zu lassen. Das Volk hat ein Recht darauf, von der Volksvertretung die Wahrheit über die Lage des Lande? zu hören. Aber das wollte die Mehrheit nicht." Zum Schluß appellierte unser Genosse an die revolutionäre Energie der russischen Arbeiterklasse, die das stärkst« Bollwerk der finnischen Freiheit bilde. Viele Abgeordnete ergriffen noch das Wort, unter ihnen eine ganze Reihe Sozialdemokraten. Aber die bürgerliche Mehrheit war von vornherein ihres Sieges sicher. Sie benutzte ihr geringes sumerisches Uebergewicht, um die Vertreter des arbeitenden Volkes rücksichtslos niederzustimmen. Nachdem die Gegenerklärung der Sozialdemokraten vom bürgerlichen Mischmasch verworfen wurde, gelangte der Kommifsionsentwurf der Adresse mit 169 gegen 73 Stimmen zur Aynahmc. Die bürgerliche Prinzipienlosigkeit M einen ihrer traurigen �Erfolge" GewerhfcbaftUcbee. Berlin und Qmzegend. Zum Streik in der Zl. E. G.» Bttmiienstrage, nahmen gestern abend nacheinander zwei Betriebs Versammlungen Stellung, zu denen die im Werke noch beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen in solchen Massen erschienen waren� dast Ballschmieders großer Saal nach Entfernung der Tische und Stühle nicht Raum genug bot. Zu Anfang herrschte offenbar die Stimmung vor, einen allgemeinen Sympathiestreik zu beschließen� nachdem jedoch die Vertreter der Organisation, besonders Johansen und Cohen, klargelegt hatten, daß es erst einmal Sache der Streik kenden ist, zu dem Ergebnis der inzwischen fortgesetzten VerHand- lungen Stellung zu nehmen, gab man sich bannt zufrieden, den wer tcren Verlauf der Sache abzuwarten. Zum Streik selbst wurde be- richtet, daß die Direktion nach wiederholten Verhandlungen gestern nachmittag das Angebot machte, die Streikenden zu dem Anfangs lohn von 42 Pf. wieder einzustellen, und jedem, der bisher schon höheren Lohn hatte, am l. Mai mindestens 2 Pf. zuzulegen und darauf weitere Zulagen, so daß innerhalb 3 Monaten die frühere Lohnhohe wieder erreicht ist. Ferner hat Herr Direktor Elfers erklärt, daß die Berichtigung in der Sonntagnummer des„Vor wärts" nicht zutreffe, sondern daß nach dem Angebot vom vorigen Montag, gemäß der Erhöhung des Einstcllungslohnes, alle im ZLerk beschäftigten Hilfsarbeiter 2 Pf. Zulage erhalten sollten.— Demgegenüber behaupteten die anwesenden Ausschutzmitglieder in der gestrigen Versammlung, daß die Berichtigung der Streikleitung den Tatsachen entspreche, sonst müsse ein Mißverständnis vorliegen. Achtung! Gürtler, Drücker und Schleifer! Der Streik bei Nie mann dauert unverändert fort. Wir ersuchen, den Betrieb nach wie vor streng zu meiden Da die Firma und ihre Agenten sich auswärts unter allerhand Deckadressen um Arbeitswillige bemühen, ersuchen wir Arbeiten blätter um Nachdruck. Deutscher Metallarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin. Die Lohnbewegung der Bäcker. Eine öffentliche Versammlung der Bäckergesellen, die gestern nachmittag den großen Kellerschen Saal bis auf den letzten Platz füllte, nahm Stellung zu der Antwort, welche der Zweckverband der Innungen auf den Beschluß der Gesellenversammlung vom 4. April erteilt hat. Das Antwortschreiben der Innungen stellt erneut die Behauptung auf, daß der Verband, während er Korporativverträge mit den Innungen abschließen will, gleichzeitig versuche, Tarife mit einzelnen Meistern abzuschließen. Der Referent Hetzschold be- merkte hierzu, dies sei eine Unwahrheit. Falls die Innungen das an alle Meister gesandte Kündigungszirkular des alten Tarifes als Versuch des Abschlusses von Einzelverträgen deuten möchten, so sei das eine gekünstelte Auslegung, die geeignet wäre, den Frieden zu hintertreiben. Eigentümlich sei es dagegen, daß zur gleichen Zeit, wo die Vorsitzenden des Zweckverbandes erklären, im Auftrage der 17 Innungen zu handeln, einige dieser Innungen, z. B. in Span- bau und Lichtenberg, mit ihren Gesellenausschüssen unter ausdrück- lich betonter Ausschaltung der Lohnkommission und des Zweckver- bandes, besondere Abmachungen treffen wollen. Das sei ein hinter- hältiges Vorgehen, welches gegen Treu und Glauben verstoße. f serner heißt es in dem Antwortschreiben der Innungen, es werde edauert, daß der Verband den Innungen Herrn v. Schulz als Unparteiischen aufzuzwingen suche.— Das ist, wie Hetzschold dar- legte, durchaus nicht der Fall. In der Resolution vom 4. d. M. wird nicht der von den Innungen abgelehnte Vorsitzende des Gewerbe gerichts v. Schulz, sondern der Gewerberichter Schulz vorgeschlagen. Die gleichen Namen der beiden Herren haben Veranlassung ge- geben zu einem Irrtum in den Berichten der Tagespresse. Die am 10. d. M. abgehaltene Versammlung des Zweckverbandcs konnte aber diesem Irrtum nicht zum Opfer fallen, denn ihr lag nicht nur die Resolution vom 4. d. M. vor, sondern Hetzschold hatte schon vor der Versammlung den Obermeister Schmidt schriftlich über den Irrtum in der Tagespresse aufgeklärt.— Weiter heißt es in dem Antwortschreiben der Innungen, sie seien mit Rücksicht auf das Gesetz gehalten, Tarifverträge nicht ohne Mitwirkung der Gesellen- ausschüsse abzuschließen. Auf der Teilnahme von Vertretern der Gelben an den Verhandlungen bestehen die Innungen. Sie haben ober nichts dagegen, daß der Verband eine größere Anzahl von Vertretern zu den Verhandlungen entsendet. Als Verhandlungs- tag schlagen die Innungen den 21. April vor.— Was der Referent zu diesen Punkten des Antwortschreibens ausführte, deckt sich mit dem Inhalt einer von ihm empfohlenen Resolution, die einstimmig angenommen wurde. Sie lautet: Die Versammlung beschließt: I. Als Verhandlungsleiter wird nochmals Herr Magistrats- rat Schulz s nicht v. Schulz. D. B.) in Vorschlag gebracht. 2. Zu den Verhandlungen wird ein zu gleichen Teilen vom Zweckverband der Innungen und von der Lohnkommission zu ernennende paritätische Kommisston zugelassen. Höchstzahl von jeder Seite ist die Zahl 10.— Wir haben die Gesellenausschüsse nicht abgelehnt. Gesetzlich aber sind Verträge, die ohne Mitwir- kung der Gesellenausschüsse zustande kommen, durchaus zulässig. Es bleibt aber den Innungen überlassen, in die Kommission Ge- sellenansschutzmitglieder mit hinein zu wählen, wie sich daS die Lohnkommission auch nicht verbieten läßt. 3. Unter keinen Umständen wird ein gelber Vertreter zu den Verhandlungen zugelassen. Falls die Herren mit dem Vertrag der von Organisation zu Organisation eventuell abgeschlossen wird, nicht einverstanden sind, bleibt ihnen ja die Niederlegung der Arbeit. Dabei würde sich dann auch gleich zeigen, wie stark die Herren in Wirklichkeit sind. 4. Falls die Innungen unter diesen Voraussetzungen ver- handeln wollen, ist die Versammlung mit dem Termin, dem LI. April 1911, einverstanden. Die Verhandlungen können vor- Mittag 10 Uhr beginnen. 5. Falls die Verhandlungen auf obiger Grundlage nicht zu- stände kommen sollten, sind dieselben als gescheitert zu betrachten und weitere Verhandlungen mit den Innungen nicht mehr zu führen. .Zum Schluß konstatiert die Versammlung, daß die beiden von der Freien Vereinigung der Bäckermeister Berlins und Umg. eingereichten Resolutionen, deren Eingang hiermit bestätigt wird, einen weit versöhnlicheren Geist atmen, als die Jnnungsbeschlüsse. Die Versammelten würden gegen die Hinzuziehung her Freien Vereinigung keinerlei Einwände erheben, würden es viel- mehr begrüßen, wenn alle Arbeitgeberorganisationen an den Beratungen über unsere Forderungen beteiligt wären. Falls eine Einigung mit den Innungen nicht erfolgt, soll sofort mit der Freien Vereinigung in Verbindung getreten werden. Die Versammelten beschließen, daß bis 25. April die Ver- Handlungen erledigt sein müssen, so daß in einer an diesem Tage stattfindenden Versammlung endgültiger Beschluß gefaßt werden kann._ Achtung, Knabenkonfektion! Bei der Firma Schürer u. Sohn, Petersburger Straße 34, haben die Bügler und Schneide- rinnen die Arbeit niedergelegt, weil die Firma jedes Eingehen auf den vorgelegten Tarifvertrag ablehnte. Ueber die genannte Firma ist daher die Sperre verhängt. Verband der Schneider und Schneiderinnen. Die Ortsverwaltung. Achtung. Töpfer! Wegen Maßregelung verhängen wir hiermit über die Firma Paul Damm, Charlottenburg. Leibnizstr. 19, die Sperre. In Frage kommt der Bau Rixdorf, Hermann-, Ecke Schierkestraße. Die Verbandsleitung. Ein allgemeiner Tarifvertrag für das Militärfchneider- gewerbe. Die Lohnbewegung der Militärschneider hat auf dem Wege friedlicher Verhandlungen zum Abschluß eines allgemeinen Tarif- Vertrages geführt, der am Montag einer Mitgliederversammlung dieser Branche des SchneiderverbandeZ zur Beschlußfassung vor- gelegt wurde. Der neue Tarif bleibt ein gut Teil hinter dem turuck, was man von der Bewegung erwartet hatte, und bei der ierlesung der zahlreichen Positionen zeigte sich in der Bersamm- lung bereits eine starke Mißstimmung, die dann später in der Diskussion noch weiter zum Ausdruck kam. Als der Filialvor- sitzende Ku n z e für die Annahme des Tarifes sprechen wollte, schien es zuerst, als wollte ihn die Versammlung aus Mißmut über das magere Ergebnis der Verhandlungen gar nicht zu Worte kommen lassen, bald darauf hörte man den Redner jedoch ruhig an. Er führte u. a. aus, daß, wenn bei der Bewegung nicht mehr erreicht wurde, die Militärschneider zu einem großen Teil selbst daran schuld seien, da eine nicht geringe Anzahl von ihnen während der verflossenen Jahre nicht auf strenge Durchführung des alten Tarifes gehalten, ja hier und da mit einzelnen Arbeit- gebern bei einzelnen Positionen tarifwidrige Sonderabmachungen getroffen hätten. Uebrigens biete der neue Tarif im allgemeinen 6 bis 7 und 8 Prozent, für einen Teil der Militärschneider sogar 15 bis 20 Prozent Lohnzulage. Der wichtigste Erfolg sei aber, daß die Grundsätze, die die Militärschneider für den Tarifab- schluß aufgestellt hatten, von den Arbeitgebern anerkannt wurden, und zum ersten Mal in dieser Branche genau festgelegt ist, was für jedes einzelne Stück zu zahlen ist. Die Arbeitgeber der Branche haben sich inzwischen organisiert und sich dem allgemeinen Arbeitgeberverband für das Schneidergewerbe angeschlossen. Der neue Tarifvertrag wird also formgerecht zwischen dem Schneider- verband und der Arbeitgeberorganisation geschlossen, und Mar auf unbestimmte Zeit mit vierteljährlicher Kündigung. Den nicht organisierten Firmen wird der Tarif ebenfalls zur Anerkennung vorgelegt, und zwar in unveränderter Form. Die Durchführung wird auch hier kaum größere Schwierigkeiten bieten, da sich die Mehrzahl dieser Firmen schon im Voraus bereit erklärt hat, das Ergebnis der Kommissionsverhandlungen als bindend zu be- trachten.— Die Versammlung erklärte sich nach einer sehr regen Debatte, die bis gegen Mitternacht dauerte, gegen eine starke Minderheit mit dem Tarifvertrage einverstanden. Die Marineuniformen sind in dem allgemeinen Tarif nicht mit aufgenommen, da für sie in Berlin nur wenige Firmen in Betracht kommen. Der Marinetarif soll nach Ostern durch be- sonders Verhandlungen festgestellt werden. Noch eine„Berichtigung". Wir erhalten folgcude Zuschrift: Spandau, den 10. April 1911. Auf Grund des Z 11 des Reichs gesetzes über die Presse vom 7. Mai 1874 ersuche ich Sie ergebenst, in der näcbstfolgenden Nummer Ihrer Zeitung folgende Berichtigung des Artikels.Der ?lbwehrstreik der Hafenarbeiter bei der Firma Kurt Thomas in Spandau" aufzunehmen: Es ist unrichtig, daß Holzpritschen mit Stroh, daS zum Teil verfault ist, den Leuten als Lagerstätte dienen. Es ist vielmehr richtig, daß die Leute eine Holzbettstelle mit Strohsack, Unterlaken, bezogenen Kopfkissen und bezogener Ueber- decke als Lagerstätte erhalten. Es ist ferner unrichtig, daß eine Schlafftelle 2,50 M. pro Woche für jeden Mann kostet und bezahlt wird. Es ist vielmehr richtig, daß die Schlafftelle, einschließlich Kaffee mit zwei BrÜrcfym 2,50 M. wöchentlich beträgt. Ferner ist es unrichtig, daß 20 Mann ein Handwch zur Verfügung gestellt wird. Es"ist vielmehr richtig, daß jeder für jede Woche ein besonderes Handtuch erhält. Schließlich ist es unrichtig, daß die Getränke und Speisen unerhört teuer und schlecht sind. Für warmes Mittagessen wird vielmehr nur 40 Pf. verlangt und bezahlt, das Glas Bier kostet 10 Pf., der Nachmittagskaffee mit Brötchen ebenfalls nur 10 Pf., die Zigarre 5 Pf. Es wird nur gute und nicht schlechte Ware beim Bäcker und Schlächter gekauft. Hochachtungsvoll Frau Helene Heyn. Es scheint sich hier nicht mehr um einen Streit in der Sache, sondern um einen Streit um Worte zu handeln. Lager, die nur aus einem lakenbedeckten Strohsack, einem bezogenen Kopf-(viel- leicht auch Keil-?) Kissen und bezogener Decke bestehen, entsprechen etwa der Gefängnis-Unterkunft. Ob man das Holzgestell Bett- stelle oder Pritsche nennen will, ist dabei wirtlich Nebensache. Ebenso steht es mit der Bewirtung. Die Preise sind solche, wie sie in Ar- beiterwirtschaften auch sonst gezahlt werden. Geschenkt bekommen also die Leute gewiß nichts. Ob sie Preise angemessen sind, dar- über kann nur die Qualität der Ware entscheidend sein. Ziffern besagen da gar nichts. Was Frau Heyn vielleicht für billig und gut ansieht, mag manchem ihrer Gäste als teuer und schlecht er- scheinen._ Die Verschmelzung der Zahlstellen NowaweS und Potsdam des deutschen MetallarbeiterverbandeS, die bereits im Jahre 1907 ohne Erfolg angebahnt wurde, kann nunmehr als gesichert gelten. Nach- dem die Zahlstelle Potsdam einen zustimmenden Beschlutz gefaßt. beschäftigte sich Ende voriger Woche auch die Nowaweser Zahlstelle in einer außerordentlichen Versammlung mit dieser Frage und kam nach einem Referat des Bezirksleiters Z e r n i ck e- Berlin zur einstimmigen Annahme des vom Vorstand gestellten Antrages auf Verschmelzung mit der Potsdamer Zahlstelle und gleichzeitige An- tellung eines Verwaltungsbeamten. Die nötigen Vorarbeiten wurden einer siebengliedrigen Kommission, bestehend aus je drei Mitgliedern der beiden Zahlstellen und dem Bezirksleiter, über- tragen. Die Anstellung des Beamten soll bereits am 1. Juli er- folgen. VeutfcKes Reich. Achtung. Böttcher! Nach einem llwöchigen Kampfe in der Holzreifenbranche in Culm-Schulitz haben zwei Fabrikanten, Bötel-Schulitz und Köller in Fordon. die von den Streiken- den aufgestellte 5prozei>tige Lohnaufbesserung bewilligt. Du� übri- gen Fabrikanten, Lehmann, Jahnke und R o h l m a n n, blei- ben so lange gesperrt, bis auch sie die gerechte Forderung der Strci- kenden bewilligt haben. Sämtliche Kollegen in den Packfaßwerk- tellen und Fabriken werden nochmals ganz besonders auf den Streik der Reifenmachcr aufmerksam gemocht. Die Streikenden appellieren an das Solidaritätsgefühl eines jeden Kollegen und fordern auf, aus dem Streikgebiet kommende Holzrcifen nicht eher zu verarbeiten, bis sämtliche Fabrikanten unsere Forderung be- willigt haben. Verband der Böttcher, Weinküfcr und Hilfsarbeiter. Die Aussperrung im Hamburger Holzgewcrbe macht den übrigen Scharfmachern in Hamburg arge Kopf- chmerzen. Insbesondere die Werftbesitzer und der Verband der Metallindustriellcn sind von dem Gang der Dinge gar nicht er- baut und möchten den Holzarbeitern unter allen Umständen eine Niederlage beibringen. Das ist schließlich zu verstehen, wenn man >edenkt, daß die Holzarbeiter in Hamburg bisher schon die >2stündige wöchentliche Arbeitszeit hatten und nun 51 Stunden ordern, während in der Eisenindustrie und auf den Wersten noch 3—8 Stunden pro Woche länger gearbeitet wird. Ihr chlechtcs Gewissen sagt den Herrschaften, daß die anderen Berufe den Holzarbeitern folgen werden. Aber ganz besonders paßt den Werftbesitzern und Metallindustriellen der paritätische Arbeits- Nachweis in der Holzindustrie nicht. Diese Herren betrachten den Arbeitsnachweis als eine Domäne der Unternehmer und können ich gar nicht an den Gedanken gewöhnen, daß der Arbeiter in der Nachweisfrage, wo es sich um den Verkauf seiner Arbeitskraft handelt, überhaupt mitreden will. Die Arbeitsnachweise des Metallindustricllenverbandes an der Unterelbe sind mit die be- rüchtigsten in ganz Deutschland und man nimmt an. daß. wenn ur das Hamburger Holzgewerbe im allgemeinen die Arbeitsver- niittelung paritätisch geregelt ist, eines Tages auch von den Werften verlangt werden könnte, daß diese die benötigten Arbeits- kräfte, soweit sie für die Tischlerei, Drechslerei usw. nötig sind, , vom paritätischen Arbeitsnachweis beziehen mußten. Herr B l o h m I hat darum im Arbeitgeberverband für Hamburg-Altona auf diese I Gefahr ganz besonders verwiesen. Er hat mit aller Entschieden» } heit verlangt, daß der Arbeitgeberschutzverband für das Holzge- ! werbe den paritätischen Arbeitsnachweis unter allen Umständen ablehnt, weil sonst der Holzarbeiterverband es recht bald so machen würde wie in Bremen, nämlich den Jndustriellennachweis sperren. Und dann müßten die Werftbesitzer ihre Arbeiter wohl oder übel vom paritätischen Nachweis holen, wie man auch die Aktiengesell- schaft„Weser" in Bremen dazu gezwungen habe. Weiter sagte Herr Blohm:„Den Tischlermeistern kann es gleich sein, woher sie ihre Arbeiter beziehen. Diese haben auch kein Interesse daran, daß der paritätische Arbeitsnachweis abgelehnt wird, aber wir Großindustriellen lassen uns die Einrichtung eines solchen Arbeitsnachweises nicht gefallen."— Herr G u r l i t t, der Ober« stratege des Arbeitgeberschutzverbandes, gab dem Werftbesitzer Blohm vollständig recht und sprach offen aus, daß der paritätische Arbeitsnachweis den Tischlermeistern bisher nur Vorteile ge- bracht habe, denn die Meister hätten, solange der paritätische Arbeitsnachweis bestanden, immer die benötrgten Arbeitskräfte bekommen, während das vorher nicht der Fall gewesen sei; aber mit Rücksicht auf die Arbeitsnachweise des Metallindustriellen, Verbandes mußten die Tischlermeister den paritätischen Arbeits- Nachweis unter allen Umständen ablehnen. Diesen Standpunkt hätte er auch bisher schon mit aller Entschiedenheit vertreten, doch wäre es ihm außerordentlich schwer gemacht, ihn durchzusetzen, weil eine große Anzahl Tischlermeister immer wieder behaupte, der paritätische Arbeitsnachweis habe sich als ein großer Vorteil für das Hamburger Holzgewcrbe erwiesen.— Wie wir schon be- richteten, bewilligte man hierauf dem Arbeitgeberschutzverband für das Holzgewerbe einen Kredit bis zu 100 000 M. und beschloß, alle Maßnahmen zu treffen, um der Aussperrung eine größere Ausdehnung zu geben, aber nur unter der Bedingung, daß die Holzindustriellen an der„Ablehnung des paritätischen jürbeitsnach- weises und der übrigen unerfüllbaren Forderungen" des Holz- arbeiterverbandes festhalten. Das wurde von Herrn Gurlitt feierlich versprochen.— Ob die Tischlermeister sich diesen Be- dingungen fügen werden, läßt sich im Augenblick noch nicht sagen, doch das steht fest: im Arbeitgeberlager rumort es gewaltig, und es bedarf nur noch eines Anstoßes, dann braucht Herr Gurlitt seine„erfolgreiche Taktik" nicht mehr zu machen.— Die von Berlin nach Hamburg geschafften Arbeitswilligen konnten zum großen Teil wieder abgesdhoben werden; es waren Leute dabei, die, auf allen möglichen„Pennen" zusammengesucht, unter aller- Hand Versprechungen nach Hamburg verschleppt worden sind. Jetzt suchen die Metallindustriellen-Arbeitsnachweise in einer ganzen Anzahl Orte Holzarbeiter nach Hamburg; diesen muß darum ganz besonderes Augenmerk gewidmet werden.— Holzarbeiter Deutsch- lands. sorgt für Fernhaltung des Zuzugs l Streik der Schuhmacher in Dresden. Am 1. Mai läuft der im Jahre 1908 mit der Schuhmacher- innung abgeschlossene Lohntarifvertrag ab. In den Vertragsbe- stimmungen ist vorgesehen, daß spätestens mit Ablauf von vier Wochen nach erfolgter Kündigung des Vertrages die Parteien ver« pflichtet sind, in Unterhandlungen einzutreten, um einen neuen Lohntarifvcrtrag zu vereinbaren. Die Organisationsleitung stellten an die Innung den Antrag, baldigst Unterhairdlungen fest- zusetzen. Der Termin ging vorüber, ohne daß von der Innung eine Antwort einging. Nach Anfrage an den Obermeister, ob die Innung die Bestimmungen des Vertrages einhalten wolle, wurde das zugesichert und zugesagt, für Erledigung der Sache Sorge tragen zu wollen. Am 5. April kam dann aber die Antwort vom Vo�itzenden des Unternehmerverbandes, daß die Innung es ab- lehne, in irgend welche Verhandlungen einzutreten. Mit dieser Antwort war der Bruch des Tarifvertrages von 1908 vollzogen. Die Arbeiter der Schoßbranche nahmen in einer Versammlung am 9. April zu diesem Vorgehen der Jnnungsnieister Stellung, Nach lebhafter Diskussion, in der alle Redner das Vorgehen der Innung scharf verurteilten, wurde ein Antrag angenonimen, die Arbeit sofort niederzulegen. Montag, den 10. April, haben die Gehilfen die Arbeit eingestellt, da auch für sie keine Verpflichtung mehr besteht, bis 1. Mai, dem Schluß des alten Vertrages, durch Arbeitsleistung den Jnnungsmeistern für ihren Vertragsbruch noch Dienste zu leisten. Die Schoßschuhmacher werden darauf auf« merksam gemacht, in Dresden Arbeit nicht anzunehmen. Erfolgreicher Schneiderstreik in den Unteriveserorten. Eine erfolgreiche Lohnbewegung von nur ein paar Stunden Dauer hatten die Schneider der Unterweserorte(Bremerhaven. Lehe, Geestemünde). Verschiedene Firmen weigerten sich, einzelne Positionen des im Vorjahre geschaffenen Tarifs zu bezahlen. Zu Unterhandlungen wollten sie erst nach Ostern Zeit haben. Die so- fortige Arbeitsniederlegung der Schneidergehilfen am Sonnabend vormittag sorgte aber für so viel Zeit, daß die Verhandlungen sofort stattfinden und ein befriedigendes Ergebnis erzielt werden konnte. Die Arbeit wurde deshalb noch im Laufe des Vormittags wieder aufgenommen._ Die Differenzen in den Steinzeugwcrken in Friedrichs- f e l d(Baden) sind beigelegt. Die zustandegekommene Einigung be- steht darin, daß der in der Krisenzeit 1903 vorgekommene Abzug auf die Löhne der Töpfer und Steinzeugarbciter wieder zurückgenommen wurde. Die Kündigung der Töpfer durch die Akticngesell- schaft hat sich damit gleichfalls erledigt. Ausland. Eine Warnung an die Bergarbeiter. Die organisierten Bergarbeiter von Amerika richten eine War- nung an die Bergarbeiter aller Länder, sich nicht durch Agenten oder Anzeigen verleite» zulassen, nach N e u- S ch o t t l a n'd(Britisch- Nordamerika) zu gehen. Seit 20 Monaten kämpfen dort die Arbeiter in den Kohlengruben von Spring Hill um bessere Arbeits- bedingungen und um die Anerkennung ihrer Gewerkjchast. Am 10. August 1909 legten 1600 Männer die Arbeit nieder und hielten seitdem tapfer au-Z, obgleich die Untcniehincr zahlreiche Streikbrecher« agenturen errichteten und die größten Anstrengungen machten, die Bewegung der Bergarbeiter niederzuzwingen. Man versucht jetzt, aus den europäischen Ländern Arbeiter Heranzuziehen; die Streikenden wünschen daher die allgemeine Aufmerksamkeit der Bergarbeiter dar- auf zu richten, daß der Kampf in Ncu-Schottland noch nicht be- endet ist. Letzte Nachrichten. Tod des Regenten von Abessinien. Rom, 11. April.(W. T. B.) Wie der„Agenzia SIefani' aus Addis Abeba gemeldet wird, ist R a s T a s sa m m a. der Vormund des Thronerben und Regent von Abessinien. in der vergangenen Nacht gestorben. Er war vor einigen Tagen von einer Lähmung befallen worden. Einsturz einer Kirche in Spanien. Barcelona. 11. April.(H. 58.) In Aranja ist die Kirche sowie die anstoßenden Gebäulichkciten. welche Ordensschwestern gehörten, eingestürzt. Hierbei wurden zwei Nonnen getötet und mehrere verwundet. Es heißt, daß der Einsturz die Folge eines Erdstoßes ist. anderen Meldungen zufolge ist jedoch das Unglück aus anhaltende Regengüsse der letzten Tage zurückzuführen. Zwei Heizer erstickt. Stettin, 11. April. Hausgewerbetreibende. ß) im Wandergewerbe Beschäftigte. Die Versicherung der unter 2b— g aufgeführten Personen ist indesien eine völlig unzulängliche. Damit ermöglicht werde, dah die in der Landwirtschaft zu er- werbstätiger Arbeit herangezogene Schuljugend ohne Lasten des Srveitgebers weiter ausgebeutet werden können(Motive S. 150), soll ferner der Bundesrat bestimmen, inwieweit vor- übergehende Dienstleistungen verficherungSfrei bleiben.(§ 182.) Beginn der Mitgliedschaft. Die Mitgliedschaft Versicherungspflichtiger bei der Krankenkasse beginnt, wie nach dem heutigen Gesetz, ohne weiteres mit dem Tage ihres Eintritts in die Beschäftigung, die die Versicherungspflicht begründet. Die Vorschlage über die An- und Abmeldung zur Kasse sind im wesentlichen dieselben wie die bestehenden Vor>christen. Abweichend ist für unständig B e- s ch ä f t i g t e eine Meldung durch diese, und der Beginn der Mir- gliedschaft ist mit Eintragung in dke Liste vorgeschrieben. Auch Hausgewerbetreibende sollen sich selbst anmelden. Eine so dringlich erforderliche Regelung der zahlreich vor- kommenden Fälle, in denei» ein Versicherter, nach- dem er erkrankt ist, als nicht der Kasse zugehörig erklärt wird, ist in unzulänglicher Weise getroffen. Nach § 327 hat eine Kasse, die für einen angemeldeten Versicherten drei Monate lang die Beiträge anstandslos aegenommen hat. ihn als Mitglied mindestens bis zu dem Tage anzuerkennen, wo der Kassenvorstand ihn oder seinen Arbeitgeber schriftlich an eine andere Kasse verweist. Diese Regelung nützt dem hilfSbedürf- tigen Erkrankten nicht. ES hätte insbesondere gegenüber dem kleines f cirilleton. Eil»»tuet UniversitStStypuS soll in einer sogenannten StiftungSuniversität in Frankfurt a. M. geschaffen werden. Dr. Alex. Lang charakterisiert ihn in der Rundschau: «Während die bestehenden Universitäten vom Staate unter- halten werden und nach ihrer praktischen Seite hin in� erster Linie der Beamtcnausbildung zu dienen haben, soll die Stiftungs- Universität in pekuniärer Beziehung völlig unabhängig sein und damit auch völlig freie Hand haben in der Wahl ihrer Wiffenschasts- gebiete. Das bedeutet einen Bruch mit dem Ueberlieferten und eine— wenn auch unbeabsichtigte— Nachahmung des amerikanischen Vorbildes. Der Kenner der amerikanischen UniversitätS- Verhältnisse weist, dast es nicht nur der ideale Sinn für die Wissen- schaft ist. der die amerikanischen Grostindustriellen zu ihren wahr- Haft«fürstlichen" Stiftungen für diese Anstalten aneisert; als praktisch denkende Männer wissen sie, dast die für ihre Universi- täten gespendeten Summen gut angelegtes Kapital bedeuten. So ist es denn auch kein Zufall, dast dort im Mittelpunkt von Forschung und Lehre jene Wissenschaften stehen, die in unmittel- barer Wechselwirkung mit dem praktischen Leben sich befinden: die angewandten Naturwissenschaften. Dieses eigenartige Gepräge der amerikanischen Universität hat den Hauptvertreter des eng- tischen Schutzzollgedankens, Joseph Chamberlain in Birmingham, derart gefesselt, dast er seinen ganzen politischen Einflust ein- setzte für die Nachahmung der amerikanischen Universitäten in seinem Lande, und heute besitzt England in Birmingham. Manchester. LeedS.� Sheffield und Liverpool die sogenannten «Neueren Universitäten", als Abbilder der amerikanischen Universi- täten mit der„Technologischen Fakultät" im Mittelpunkt." Dast jede Produktionsweise das Unterrichts- und BildungSwesen auf die ihren Zwecken entsprechende Weise organisiert, ist ja natur- gemäst. In Deutschland ist dieser Entwickelungsprozeh bisher frei- lich durch das staatliche Monopol aufgehalten worden. Der ideolo- gische Ueberbau unserer Unwersitäten, die traditionell noch an der sogen, klassischen Bildung festhalten, entspricht ja den unmittelbaren kapitalistischen Bedürfnissen längst nicht mehr, wenn er auch für die Züchtung einer volköfrcmden, rein formalistisch gebildeten Herschcrkaste genügend sorgte. Die � erste deutsche Stiftungs- unwcrsität ist insofern ein„Fortschritt", aber ein durchaus kapita- listischer. D,e freien amerikanischen Universitäten sind vielfach unfreier als die deutschen Zunft- und Bureaukratenanstalten und erfreuen sich zum Teil einer höchst gefährlichen und unwürdigen Abhängigkeit zu den ehrenwerten Stiftern. Die Spekulation in Büchern. AuS New Dork wird berichtet: Ein neues Feld für die Spekulationswut der amerikanischen Mil- lionäre hat sich auf dem„Büchermarkt" eröffnet, und zwar macht den Anfang Mr. Henry Edward Huntington, der Neffe und Erbe des verstorbenen Präsidenten der Western-Eisenbahn. der die Privat- bibliothek des verstorbenen Mr. Dwight Ehurch zu keinem anderen Zwecke erstanden hat, als us estien großen Spekulationsgewinn Rattenschwanz von Kassenarten, die der Entwurf zulästt, klar zum Ausdruck kommen sollen, dast der Erkrankte vorbehaltlich eines späteren Regresses an die verpflichtete Kasse während der Dauer seiner Krankheit und Arbeitsunfähigkeit als vollberechtigtes Mitglied der Kasse zu behandeln ist, die seine Beiträge vermeintlich zu unrecht angenommen bat. War der Angemeldete überhaupt nicht versicherungspflichtig oder versichernngsberechiigt, hatte aber die Kasse nach vorschrifismästiger und nicht vorsätzlich unrichtiger Anmeldung drei Monate ununter- brachen und unbeanstandet die Beiträge angenommen, so must nach S 225a die Kasse dennoch die satzungSmästigen Leistungen gewähren. Bersicherungsierechtigt kollen sein: � 1. Betriebsbeamte, Werkmeister'und ähnliche Angestellten, Hand- lungsgehilfen, Bühnen- und Orchestermitglieder, Lehrer und Erzieher wenn ihr Jahresarbeitsverdienst 2000 M. übersteigt, jedoch nur so- lange eS 4000 M. nicht übersteigt. 2. Familienangehörige der Arbeitgebers, die ohne eigentliches Arbeitsverhältnis und ohne Entgelt in seinem Betriebe tätig sind, z. B. Ehefrauen, 3. Gewerbetreibende und andere Betriebsunternehmer, die in ihren Betrieben rcgelmästig keinen oder höchstens zwei BersicherungS- Pflichtige beschäftigen. Die Satzung der Kasse kann jedoch das Recht dieses Personen- kreises, zum Beitritt von einer bestimmten Altersgrenze und von der Vorlegung eines ärztlichen Gesundheitsattestes abhängig machen. Leistungen der Kasse. An Stelle des Ausdrucks Krankenunterstlltzung soll der Ausdruck Krankenhilfe, statt Wöchnerinnenunterstützung Wochengeld treten. Die Mindestleistungen der Kranken- Versicherung bleiben dieselben wie bisher. Sie bestehen also in einer 26 wöchentlichen ärztlichen Hilfe, in einem Krankengeld und in einem Sterbegeld sowie für Schwangere und Wöchnerinnen in einem Wochengeld. Die Kommission hat es ab- gelehnt, als Mindestleistung auch Hilfsmittel gegen Verunstaltung und Verlrüppelung zuzubilligen, die nach beendetem Heilverfahren nötig sind, um die Arbeitsfähigkeit herzustellen oder zu erkalten. Das soll nur durch statutarische Vorschrift möglich werden. Ebenso sollen gröstere Heilmittel sz. B. Zahngebisse) den Kassenkranken nach wie vor versagt bleiben. Nur soll die Satzung einen Zuschuß für gröstere Heilmittel gewähren können, aber nur mit Zustimniung des OberversichermigSamts. Auch hinsichtlich der Höhe und Dauer der gesetzlichen Krankenhilfe hat der Entwurf nichts geändert. Neu ist die Vorschrift, dast die ärztliche Behandlung nur durch approbierte Aerzte, bei Zahn- kranken durch approbierte Zahnärzte erfolgen soll. Die ärztliche Behandlung soll Hilfeleistung anderer Personen, wie Bader, Hebamnien, Heildiener, Heilgehilfen, Krankenwärter, Masseure. Zahntechniker nur dann umfassen, wenn die Hilfeleistung vom Arzt(beziehentlich Zahnarzt) angeordnet ist oder wenn sie in dringende» Fällen gewährt wird, in denen Zuziehung eines approbierten ArzteS oder Zahnarztes nicht angängig ist. Wenn im Bezirk einer Kasse oder in Teilen dieses Bezirkes Zahnärzte nicht in ausreichender Zahl vorhanden sind, welche die Behandlung zu an- gemessenen Bedingungen übernehmen, so kann bei Zahnkraiikheiten, mit Ausschlust von Mund- und Kiefernkrankheiten, die Hilfeleistung auch in anderen Fällen durch geeignete Zahntechniker, Heildiener oder Heilgehilfen gewährt werden. An Stelle der Krankenpflege und des Krankengeldes kann unter denselben Voraussetzungen wie im bestehenden Gesetz Kranken- hauspflege gewährt werden. Das Statut kann bestimme», dast in Fällen, in denen die Ueberffihriing deö Erkrankten in ein Krankenhaus angezeigt, aber nicht ausführbar ist, mit seiner Zustimmung von der Kasse Hilfe und Wartung durch Kranken- Pfleger oder Krankenschwestern geivährt«nd dast die Kosten hierfür bis zum Viertel am Krankengelde gekürzt werden dürfen. Auch wenn ein wichtiger Grund vorliegt, den Kranle» in seinem Haushalt oder seiner Familie zu belassen, soll solche Pflege zulässig sein. Die obligatorischeWöchnerinnenunterstützung, die heute für Wöchnerinnen, die innerhalb des letzten Jahres, vom Tage der Entbindung an gerechnet, mindestens sechs Wkonate hin- durch auf Grund der ReichSvcrsicherung gegen Krankheit versichert gewesen sind, sechs Wochen beträgt, ist endlich infolge der Gewerbe ordnungsnovelle wenigstens auf acht Wochen ausgedehnt, von denen sechs Wochen in die Zeit nach der Entbindung fallen müssen. damit zu erzielen. Die Bibliothek, die der verstorbene Bücherlieö haber in einem halben Jahrhundert mühevoller und geduldiger Arbeit zusammengebracht hat, gerät so in die Hände eines Mannes, dem sie nicht mehr gilt als Eisenbahnpapiere oder irgend ein anderer Spekulationsgegenstand. Er bezahlte zwar für die Bibliothek als Ganzes die ungeheure Summe von 5 Millionen Mark, aber nur, weil man ihn darauf hingewiesen hatte, daß der Wert, den die einzelnen Bücherschätze heute erzielen können, noch erheblich höher ist. Er will also die Bibliothek zur Auktion bringen und hofft bei den Preisen, die man heute in Amerika für seltene Erstausgaben und Manuskripte bezablt, durch den Einzelverkauf einen großen Gewinn zu erzielen. Die Bibliothek besteht aus zwei Teilen; die englische Abteilung enthält Exemplare aller Folioausgaben von Shakespeare, deren Wert allein auf 806 006 M. geschätzt wird. Die zweite und gröstere Abteilung ist besonders reich an wertvollen historischen Dokumenten. Eromwells Kopf. Das kleine friedliche Dorf Stole-by-Nahland, drei Wegstunden von der Austernstadt Colchester im östlichen Eng- land entfernt, war in diesen Tagen in lebhafter Ausregung. Eine Reihe englischer Gelehrter waren in dem Dörfchen eingetroffen, um bei dem Vikar der Gemeinde eine historische Reliquie zu bc- sichtigen, von deren Existenz bisher kaum etwas bekannt war. Wie so viele Kirchengemeinden im östlichen England hat auch Stoke-by- Nahland seine Reminiszenzen an Cromwell aufzuweisen. Der Lordprotektor von England oder seine Freunde hatten gewünscht, dast seine sterblichen Ueberreste in einem der stillen Dörfer des östlichen Englands ihre letzte Ruhestätte finden möchten, und in der Tat fand dann auch nach der Enthauptung Cromwells sein bal- samiertes Haupt den Weg nach dem kleinen Stoke-by-Nayland. Seit Jahren wird es hier verwahrt und vererbte sich von Vikar zu Vikar. Der gegenwärtige Vikar hat nun nach langer Zeit den schweren Deckel der Truhe wieder geöffnet, um der Kommission der gelehrten Herren den Kopf des Protektors von England zu zeigen. In dem Haupte steckt noch ein Stück von der Pike, an der der Kopf Cromwells einst von den Mauern der Westminster Hall dem Volke zur Schau gestellt war. Es ist eine Tatsache, daß der Leichnam Cromwells nach der Wiederausgrabung mit brutaler Roheit behandelt wurde, und die Spuren davon gewahrt man auch noch deutlich an der grauenvollen Reliquie. Am Nacken sieht man die Spuren einer klaffenden Wunde, die Nase ist platt gedrückt und ein wenig nach rechts gebogen. Die Gelehrten, die das Haupt eingehend unter- sucht haben, erklären, dast Cromwells Kopf eine Reihe charaktcri- stischer Merkmale in Form und Gesichtsgestaltung aufweist. Der Unterkiefer ist ungewöhnlich kurz, die Augenhöhlen weisen eine weit über den Durchschnitt hinausgehende Größe der Wölbung auf, Cromwell hat sehr starke Augenbrauen besessen. Das Haupt des Staatsmannes hat seinerzeit nicht direkt den Weg von London nach dem friedlichen Nest gefunden, und ehe ihm die letzte Ruhe wurde, nutzten findige Leute den Schädel Cromwells dazu aus, um Geld zu verdienen. Ein gewisser Russell stellte den Kops gegen Geld zur Schau und verdiente sich damit ein kleines Vermögen. Dann verkaufte er das Haupt für LtXX) M.; auf dem Umweg über ein Museum kam es schließlich in den Besitz der jZemeinde Stole-by» Wöchnerinnen kann mit ihrer Zustimmung an Stelle des Wochengeldes Kur und Verpflegung in einem Wöchnerinnen« heim gewährt und Hilfe und Wartung durch Hauspflegerinnen unter Abzug der Hälfte des Wochengeldes gewährt werden.(§ 210°). Hebammendienste und ärztliche Geburtshilfe bei der Niederkunft soll nur durch Statut zugebilligt werden können.(Z 212.) Die Zubilligung einer Unterstützung in Höhe des Krankengeldes bis zur Gesamtdauer � von sechs Wochen wegen einer durch Schwangerschast verursachten Arbeitsunfähig- keit soll nach wie vor lediglich statutarisch möglich fem. Neu ist, dast ferner ermöglicht wird, statutarisch zu bestimmen(§ 213), dast Wöchnerinnen, solange sie ihre Neugeborenen stillen, cht Stillgeld bis zur Höhe des halben Krankengeldes bis zu zwölf Wochen nach der Niederkunft zugebilligt werden kann. Die Vorschriften über Sterbegeld und Familien« unter st ützung sind unverändert geblieben. Nur sollen den Ueberschust des Sterbegeldes auch Geschwister erhalten können. Der Erkrankte soll nach wie vor ein N e ch t, die K r a n k en« h a u s p f l e g e zu verlangen, n i ch haben, wiewohl die Motive anerkennen,„dast sich Fälle beulen lassen, in denen das erwünscht sein könne". Es genügte der Regierung und der Kommissionsmehrheit als Grund für die Ablehnung des Rechtes des Versicherten � auf KrankcuhauSpflege, dast es«große Schwierigleiten bereiten würde, hier die sacbgemästen Grenzen zu finden und das Vorkommen zahl- reicher Zweifel und Streitfälle sich noch kaum verhindern lasse". Das Krankengeld wird nach einem Grundlohn be- rechnet. Als solcher gilt das durchschnittliche� Tagesentgelt derjenigen Klasse Versicherter, für welche die Klasse errichtet ist, jedoch nach dein bestehenden Gesetz nur bis 4 M. für den Arbeits- tag, falls nicht durch Kaffenstatut das durchschnittliche TageSentgelt auf höchstens S M. festgesetzt ist. Die Höchstsätze sind auf 5 und 6 M. erhöht. Statt endlich diese durchaus ungerechtfertigte Grenze nach oben zu beseiligen, führt der Entwurf einen noch niedrigeren Lohn für zahlreiche Personen ein. Es soll nämlich bei L a n d kr a n k e n k a s s e n die Satzung den O r t S l o h n(jetzt ortsüblicher TageSlobn genannt) als Grundlohn bestimmen können. Der Orislohn soll ourch das OberversicherungS« amt festgesetzt werden, nachdem die Gemeindebehörden sowie die Vorstände der beteiligten Versicherungsanstalten und Krankenkassen gehört sind und daS Versicherungsamt sich tzutachtlich geäußert hat. Darin liegt eine schwere Benachterligung der Mit» glieder der La ndkrattken lassen. Dies sind die länd« lichen Arbeiter, die Dienstboten, die im Wandergewerbe Beschäftigten, die Hausgewerbetreibenden und ihre hauSgewerblich Beschäftigten. Es können aber auch eine große Anzahl gewerblicher Arbeitet in die Landlrankenkasse einbezogen werden. Sind die Mehrleistungen, die der Entwurf den Versicherten ge« währt, danach austerordentlich gering, und hat er die statutarische Besserstellung der Mitglieder dadurch verschlechtert, daß jeder Be- schlust auf Statutenänderung die Zustimmung beider Gruppen (Arbeitgeber und Arbeitnehmer) in der Generalversammlung(jetzt Ausschutz genannt) und die Zustimmung des Oberversicherungsamtes aufweisen mutz, so nimmt die Borlage nach folgenden fünf Richtungen hin Rechte. Erstens führt er ein Ruhen des Anspruchs auf Krankenhilfe ein. Der Anspruch auf Krankengeld soll ruhen: 1. solange der Berechtigte eine Freiheitsstrafe verbüstt oder sich in Untersuchungshaft befindet oder in einem Arbeitshaus oder einer Besserungsanstalt untergebracht ist; hat der Berechtigte im In« lande Angehörige, denen die Satzung Familienhilse zubilligt, so ist diese zu Gewähren: 2. Für Mitglieder, die sich nach Eintritt deö VersicherungS- alls freiwillig ohne Zustimmung des Kasicnvorstandes ins Ausland begeben, so lange sie sich dort ohne diese aufhalten. 3. Für Aus« länder,„so lange sie wegen Verurteilung in einem Strafverfahren aus dem Reichsgebiet ausgewiesen sind. DaS gleiche gilt für AuS« länder, die aus Anlast oder Verurteilung in einem Strafverfahren aus dem Gebiet eines Bundesstaates ausgewiesen sind, so lange sie sich nicht in einem anderen Bundesstaat aushalten". Der letzte Satz hat eine weit über das Versicherungswesen hinausreichende Wirkung: er führt aus Umwegen reichsgesetzlich ein Aus« Weisungsrecht der Einzel st aaten gegen Ausländer efin, das diesen nicht zu st eht, ja ausdrücklich durch Reichsgesetz(Paßgesetz) genommen ist. DaS Straf« gesetzbuch führt als Folge einer durch Gerichtsurteil aus« gesprochenen Verurteilung wegen Glücksspiel oder Stellung unter Polizeiaufsicht oder Ucberweisung an die Landespolizeibehörde die Möglichkeit ein, einen Ausländer auszuweisen. Neben dieser Nayland. �Trotz der gelehrten Gutachten ist die Echtheit des Kopfes freilich keineswegs erwiesen. Schließlich kann es dem an- geblichen Kopfe Cromwells auch noch gehen wie dem Bohespierres, der als Produkt Castans nachgewiesen wurde.) Humor und Satire. Die glückliche Hand. Im letzten Jahr sprach Er zu Sudermann: Ach, bitte, sehn Sie zu. dast unsre Dichtung Sich etwa« mehr in nationaler Richtung Entfalten kann l Der Meister, mit beseligtem Gesicht, Begab sich froh ins Land der Ordensritter, Doch Majestät bemerkte etwas bitter: DaS langt noch nicht I Sie haben. Meister, zwar den richt'gen Schwung Für's Nationale, doch mir will eS scheinen: Im Glauben sind Sie— oh, wer wird dem» weinen-» Nicht firm genung I In diesem Jahr begab sich'« nun in Kiel. Du, hör mal, Wilhelm, sprach das Prin�-Geschwister t Der deutsche Dichter, den du suchst— hier ist er. Du bist am Ziel l Er(groß geschrieben) lauschte, ging und sah. Und fand ergriffen: Ja, hier ist es endlich: Deutsch, objektiv, fromm uud gemeinverständlich— 's ist alles dal Nun geht und meldet es dem deutschen Land: Der Bürger wandle unbesorgt zum Skattisch, Er wacht und wählt; hier sieht man symptomatisch DeS Kaisers Hand l Peter Scher im.SimplicissimuS". Notizen. — Vortrage. In der Urania führt der Direktor deS Zoologischen Gartens. Prof. Heck, am Donnerstag, abends 3 Uhr, „Lebende Tierbilder von Nah und Fern" vor, und zwar Moment- und kinematographjsche Aufnahmen. -'7"." Bad e als Unfrerer. Wie das„Verl. Tagebl." erfahrt, hat die Generalverwaltung der königlichen Museen, d. h. Herr Bode, dte Postkarte mit der Jo C o r r e g g i o S selber aus dem Handel Zurückziehen lassen. Unsere oberste Kunstver« tL � � burcf) irgendwelche obskure, aber mächtige Einfluste bewegen lassen, sich selber aufs ärgste zu desavouieren. Unter diesem Gesichtswinkel wird die Angelegenheit noch blamabler. KunstbeHde ist°ohne�eisp?el.�®aftra*entu,n einct«"glichen ft-T n r e\n 6»» e 1 58 o u m von 22 Meter Länge wurde rv c™ n 1 � gesunden, an einer Stelle, wo schon mehrte folchcr versteinerter Borzeitreste zutage gefördert wurden. reichSgesetzlich auZdrücklich al-Z SJeEcuflrofe Eefiimmiet Delikte ausgesprochenen Aus-Veisung ist de» Bundesstaaten kein AusweisungS- recht zugestanden. ReichSrecht bricht Landesrecht. Die KommisstonS- Mehrheit hat hier Landesrecht oder vielmehr LandeSunrecht aus- drücklich sanktioniert. ES ist das eine ungeheuerliche Verletzung des Frcmdenrechts. Zweitens soll, anstatt die dreitägige Karenzzeit der ersten Zirairkenversic')erungSvorlage der Negierung entsprechend endlich in Fortfall zu bringen, den Kosten das Recht g e- n o m m e n werden,-Me Karenzzeit durch Statut zu beseitigen. Die Kassen sollen(Z 200) schon vom ersten Tage der Arbeitsunfähigkeit Krankengeld nur noch zubilligen lömien„bei üirankheiten, die länger als eine Woche danern. oder zum Tode führen oder durch Betriebsunfall verursacht worden find", b'.nd das. weil der Wegfall der Karenzzeit die Lasten der Kasten und— Simulation erhöhe. Nur wenn sich durch Tod, Betriebsunfall oder längere Krankheit auch für den Simulationsschnüffler mit ,'tärlstem Ricchorgan herausgestellt hat. das; Simulation nicht vurlirge» kann, soll Krankengeld nach- t r ä g l i ch gewährt werden können I Wer nicht durch die Brille bureaiikratisclien ArbeiterhasseS sieht, weist, dast die Simulation der Gesnndheit bei Arbeitern weit gröster ist als die einer Krankheit und dast ferner der Wegfall der Karenz- zeit keinerlei Anlast zu Sirnulation gibt, wohl aber einer längerenDauer der Krankheit vorzubeugen vermag Indes grundsätzlich scheint die jtommissionsmehrheit den Standpunkt zn vertreten, dast Vorbeuge gegen Krankheit ein entbehrlicher Luxus für den Arbeiter sei: wir crimrern an ihren auf Verminderung der Heilstätten abzielenden Beschlust. Die drei weiteren Verschlechterungen deS b e stehenden Zustand es betreffen die Erwerbslosen, die freiwillige lWitgliedschafl und die chronisch Kranken Nach§ 28 des bestehenden Gesetzes verbleibt Personen, welche in- folge eintretender Erwerbslosigkeil aus der Kasse ausscheiden, der Anspruch auf die gesetzliche Minderleistung der Kasse in UnterstützungS fällen, welche während der ErtyerbSlosigkeit und innerhalb eines Zeitraumes von drei Wochen nzch dem Ausscheiden aus der Kaste eintreten, wenn der Ausscheidende vor seinem Ausscheiden mindestens drei Wochen ununterbrochen einer gesetzliche» Krankenkasse an- gehört hat. Der Entwurf ersckiwerl die Voraussetzungen für das Recht der Erwerbslosen im§ 226 dahin, dast der Betreffende in den vorangegangenen zwölf Monaten mindestens 26 Wochen oder unniittelbar vorher mindestens sechs Wochen versichert war. Zur Bcgründrmg sogt er seine Sprüche von der Notwendigkeit emes„Schutzes der Kassen gegen die mistbräuchliche Ausnutzung" her und sucht die Erschwerung als eine Verbesserung auch vom Standpunkte der Versicherten hinzustellen, da eS ja zur Erhebung des Anspruchs nach der neuen Borschrist auch genügt, wenn der Versicherte 26 Wochen im Jahre vorher einer Krankenkasse an- gehörte. Dieselben Voraussetzungen will§ 326 an die frei willige Weiterversicherung knüpfen. Während jetzt ein Kaffennsttglied nach§ 27 ohne weitere Voraussetzungen Mitglied einer Kaste bleibt, wenn es zu keiner versicherungspflichtige» Beschäftigung übergebt, aber die Beiträge voll zahlt, so soll künftig Voraussetzung der Weiterverfichening sei», dast er in den vorausgegangenen 12 Monaten mindestens 26 Wochen oder mnnittelbar vorher mindestens 6 Wochen einer Kasse angehörte. Noch viel unsozialer ist die gegen chronisch Erkrankte gebilligte Neuerung. Nach dem geltenden Gesetz kann die Satzung einer Kaste vorschreiben, dast Mitgliedern, welche von der Kasse eine Krankeiiunterstützung uiumtccbrochen oder im Lause eine« ZeilraumS von 12 Monaten für 26 Wochen bezogen haben, bei Eintritt eines neuen llnterstützungSsalls, sofern dieser durch die gleiche nicht ge hobene Krankheitsursache veranlasst worden ist. im Laufe der nächsten 12 Monate Krankemmterstützung nur im gesetzlichen Mindestbetrag und nur flir die Gesamtdauer von 13 Woche» zu gewähren ist. Derartige Kraule sind bedauernswerte, meist im eigentlichen Sinne invalide Leute. Ihnen würde geHolsen und der Kasse genützt, wenn der Begriff der Erwerbsunfähigkeit im JnvalidenversicherungSgeietz endlich dem Sprachgebrauch und sozialen Empfinden entsprechend definiert würde. Den Weg beschreitet die ReichSverficherungSordnung nicht. Sie kürzt das Recht der bedauernswerten chronisch Kranken im Buch über Krankenversicherung 208), ohne ihnen hinreichende Hilst in den, die Invaliden betreffenden Teil(8 1240) zu gewähren. Die statutarisch mögliche Kürzung soll nämlich schon dann eintreten. wenn der Erkrankte nicht bei der Kaste, die er in Anspruch nimmt. sondern bei irgend einer bereits 26 Wochen Unterstützung in einem Jahre erhalten hat. Diese Schlechterstellung bedauernswerter Kranker nennen die Motive„Vorsorge Aegen ein übermäßiges Aus- nutzen der Kastenmittel" I„UebermästigeS Ausnutzen der Kasten- nnttel" der Anspruch eines hilfsbedürftigen Arbeiters, der vielleicht Jahrzehnte zu Kasten gesteuert hatte, ohne einen Pfennig von ihr begehrt zu haben. Prächtiges soziales Empfinden: wer sich krank meldet, steht im Verdacht zu„simulieren", und wenn er fast ständig krank ist, die Invalidenversicherung ihm aber Invalidenrente versagt, dann ist er ein„Ausnutzer" der Kastonmittel. Eintrittsgelder und Beiträge. DaS vom Arbeiter beim ersten Eintritt in eine Kaste zu zahlende Eintrittsgeld soll in Wegfall kommen. Die Beiträge sollen wie bisher zu zwei Dritteln von den Arbeitern und zu einem Drittel vom Arbeilgever gezahlt werden. Die Höhe der Beiträge soll bei Errichtung einer Kasse 4'/, vom Hundert nicht übersteigen. Aus übereinstimmenden Beschlusj der Arbeiter und Arbeitgeber im Ausschuß soll im Gegensatz zum heutigen Zustand zur Deckung der Negelleistungen bei Örtskrankenkassen auch über 6 Proz. des Grund- lohnes hinausgegangen werden können. Wird ein Hinaufgehen über 6 Proz. des Grundlohnes bei anderen Kassen erforderlich, so soll die erforderliche Beihilfe bei Landkrankenkassen vom Gemeindeverband, bei Betriebskrankenkassen vom Arbeitgeber und bei Jmiungslranken- kästen von der Innung getragen werden. AuS den weiteren Bestiininllngen sei§ 424 Abs. 2 als Zeichen rührender Fürsorge dafür, daß nun ja auch vom ärmsten Arbeiter Beiträge vom Arbeitgeber eingetrieben werden können, hervorgehoben. Er lautet: „Die oberste Verwaltungsbehörde kann bestimmen, wie dem Arbeitgeber der BeitragSteil Versicherungspflichtiger aus ihrem Entgelt zu erstatten ist, wenn dieser nur aus Sachbezügen besteht oder von Dritten gewährt wird." Wenn ein Arbeitgeber lediglicv z. B. freie Wohnung und Kost oder eines von beiden als Entgelt für ihm geleistete Arbeit zu ge- währen hat, so kann er nach der allgemeinen heute geltende» und aufrechterhaltenen Vorschrift, daß die Beitragsgclder nur vom Bar- lohn abzuziehen sind, natürlich den für den Arbeiter gezahlten Bei- tragsanteil nicht zurückverlangen. DaS erscheint der Regierung und der Komniissionsrnehrheit als ein brennendes Unrecht. Dieser§ 424 trifft auch die Fälle, in denen nur durch Dritte, z. B. durch Trink- g e l d— wie heute noch vielfach bei Kellnern, Hotclbediensteten usw. — ein Entgelt geleistet wird. Die Entrechtung der Arbeiter in der Generalversammlung und im Ausschuß haben wir bereits in Nr. LS und 86 des.Vorwärts' besprochen. Landarbeiter. Auch Personen, die in landwirtschaftlichen Nebenbetrieben beschäftigt werden, also auch gewerbliche Arbeiter, gelten im Sinne der Reichsverstcherungsordnung als landwirtschaftliche Arbeiter. Für die landwirtschaftlichen Arbeiter tritt»ach 8 443 auf Antrag ihrer Arbeitgeber während der Geltungsdauer des Arbeits- Vertrages unter Fortfall des Anspruchs auf Kranken- g e l d eine Ermäßigung der Kassenbeiträge ei», wenn erweislich mindestens: t. der Arbeitsvertrag auf ein Jahr abgeschlossen ist. 2. die Versicherten entweder für das Jahr Sachleistungen im dreihundertfachen Werte des satzungSmäßigen täglichen Krankengeldes erhalten oder für den Arbeitstag einen Entgelt im Werte dieses Krankengeldes beziehen, und 3. ihnen ein Rechtsanspruch auf diese Leistungen für die Gel- tungkdauer des ArbeitSverlrags zusteht. Mit Genehmigung des OberversicheruiigZamteS kann eine Kürzung deS Krankengeldes durch daS Statut auch dann zugelassen werden, wenn den Landarbeitern noch geringere Geld- oder Natural- leistungen, als in der oben angeführten Ziffer 2 angegeben ist, ge- währt werden. Ferner kann die Satzung einer Landkrankenkaste mit Genehmigung des Oberversicherungsaintes bestimme», daß Kasten- Mitglieder Krankengeld nicht erhalten, denen ous Grund der Reichsversicherung eine dauernde jährliche Rente mindestens im 300jachen Betrage deS satzungSmäßigen täglichen Krankengeldes bewilligt ist. Da eS leider in Bayern und Preußen noch eine Reihe von Orten gibt, in denen der ortsübliche Tagelobn eine Mark beträgt. so würde also das Krankengeld dem Landarbeiler durch daS Statut genommen werden können, wenn er z. B. eine Invalidenrente oder eine llnfallrente in Höhe von ganzen 150 M. jährlich erhält. Die Regimingsvorlage erachtete die Landarbeiter wohl als eine Art Wesen, die einen Winterschlaf halten und währenddessen keine Nahrung zu sich nebmen. Sie schlug dementsprechend vor, daß das Statut einer Landkronken lasse das Krankengeld für die Zeit vo«; 1. Oktober bis zum 31. März bis auf ein Viertel des Ortslohnes, das wäre in einer Reihe von Fällen bis auf 25 Pf. pro Tag herabsetzt! In gleicher Weise soll mit dem Wochengeld und Hausgeld umgesprungen werden können. In erster Lesung war diese ungeheuerliche Porschrift ab- gelehnt. Dann überzeugten sich Zenlrumsabgcordneie und National- liberale, als getreue Heloten der Komervativen, aber, daß ein Landarbeiter und seine Familie im Winter weniger zu essen brauchten. Sie nahmen den Regierungsvorschlag mit der Maßnahme an, daß solche Statulenvorschrift der Genehmigung des Oberversichermigsainls bedürfe. Und diese Verhöhnung des Landarbeiters nennt man eine ver- sicherung der Landarbeiter. Bekanntlich hatte der Reichstag im Jahre 1882 in zweiler Lesung einer vollen Einbeziehung des ländlichen Arbeiters in das KrankenversickerungSgesetz zugestimmt. Der Drohung des Zentrums, für den Fall der Krankenversicherung der Landarbeiter das ganze Gesetz scheitern zu lasten und dem Widerstand der Regierung gegen die Krankenveisichelung der Land- arbeiter»st es zuzuschreiben, daß dann leider in dritter Lesung die Krankenversicherung der ländlichen Arbeiter mit 136 gegen 134 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen fiel. „Erweiterte Krankenpflege' nennt Z 457 der Ver- sicherungöordniing freie Kur und Verpflegung in einem Krankenhouse oder in einer ähnliche» Heil« oder Pflegeanstalt st a t t der Krankenpflege und des Krankengeldes. Diese eigenartige erweiterte Krankenpflege sollen die Landkrankenkassen durch Statut dann einführen können, wenn im Bezirk der Landkrankenkasse durch die Gewährung der Regelleistungen die LeistungSjähig- keit der in der Landwirtschaft beschäftigten Personen oder ihrer Arbeitgeber beeinträchtigt werden würde, und wenn ferner eine ausreichende Zahl von Krankenhäusern und ähnlichen Heil- und Pflegeanstalten die Durchführung der erweiterten Krankenpflege sichert. So lange der erkrankte ländliche Arbeiter Kranienhauspflege da ablehnt, wo sie nach dem Gesetz seiner Zustimmung bedarf, bat er nur auf Krankenpflege Anspruch, verliert also das Recht auf Krankengeld. Nur wenn er bisher von seinem Arbeitsverdienst Angehörige ganz oder überwiegend unterhalten hat. soll er dann auf daS halbe Krankengeld Anspruch haben. DaS»enilt die Scharfmachrrmehrheit: Kräftigung des Familiensinns. Dienstboten. Die Einengungen des Rechtes der ländlichen Arbeiter sollen mit Ausnahme der Pflicht, im Winter zu buiigern, auch für Dienst« boten gelten. Die Herrschaft soll ferner das dem Dienstboten zu« stehende Krankengeld auf den Lohn anrechnen können, den sie ihm während der Erkranklmg weiter zu zahle» hat. Ist die Krankheit ansteckend, oder stellt sie Anforderungen an die Behandlung oder Verpflegung, denen in der häuslichen Gemeinschaft nicht oder nicht ohne erhebliche Belästigung der Herrschast genügt welden kann, so muß die Krankenkasse aus Antrag der Herrschaft oder deS Dienstboten die erweiterte Krankenpflege gewahren. Werden Dienstboten gleichzeitig in dem Betriebe oder sonstigem Erwerbsbetriebe der Heirschasl versicherungspflichtig bei'chästigt, so ist diese Beschäftigung für ihre Versicherung maßgebend, so- fern sie nicht so geringfügig ist, daß sich für sie allein snach einem Beschluß des Bundesrats über NichtversicherungSpflicht nur vorübergehend Beschäftigter) die Versicherungspflicht nicht be- gründen würde. Unständig Beschäftigte nennt die Reichsverstcherungsordnung Personen, deren Beschäftigung durch die Natur ihres Gegenstandes oder im voraus durch den Arbeitsvertrag aus den Zeitraum von weniger als eine Woche be schränkt ist. Diese solle» bei der allgemeinen OrtSk'ranten- lasse und, sosern sie überwiegend in landwirtschastlicken Betrieben beschästigt sind, bei der L a n d k r a n k e n k a s i e ihres BeichäftigungS ortes versichert werden. Damit diese unständigen Arbeiter den Segen der Krankenkaste aucb voll erfahren, soll die Krankenkasse die Befugnis erhalten, sie zur Feststellung ihrer VerstcherungSpflicht zu laden oder durch die Polizeibehörde laden zu lasten. Der BureaukratismuS geht sogar so weit, die unständig Beschäftigten mit Geldstrafe bis zu 10 M. für den Fall zu be- drohen, daß sie der Ladung keine Folge leisten. Ihre Mitgliedschaft bei der Kasse beginnt nicht bereits mit der Beschästigung, sondern erst mit der Eintragung in daS Verzeichnis, das die Kaste über die Mitglieder zu führen hat— eine bureau- kratische, mit dem Zweck und allgemeinen Grundsatz deS Kranken- Versilberungsgesetzes und eines KassenzwangeS durchaus unvereinbare Vorschrift. Die unständig Beschäftigten sollen ihren Beitragsanteil an den Zahltagen s e l b st an den Kassen einzahlen. Die Statuten der Kassen können eine Karenzzeit von sechs Wochen für Unständige fest- legen. Hat ein unständig Beschäftigter seinen Beitragsanteil im L a u fe d e r le tzten 26 W o ch e n für mehr als 3 Wochen nicht geleistet, so erhält er bei Erkrankung nur freie Krankenpflege. Die Mitgliedschaft dauert auch während der Zeit fort, in der vorübergehend eine Beschäftigung gegen Entgelt nicht stattgefunden hat. Den Gesamtbetrag der Beitragsanteile für die Arbeitgeber der unständig Beschäftigten soll der G e- meindeverband zahlen und kann die vorgelegten Beträge auf alle Einwohner des Kastenbezirks oder in anderer Weise umlegen. Die unständig Beschäftigten und deren Arbeitgeber können bei der Krankenkasse weder Stimmrecht ausüben noch Kassenämter bekleiden. Wandergewerde. Der Unternehmer eines Wanderbetriebes, der eines Wander- gewerbescheineS bedarf, hat die in diesem Betriebe beschäftigten Personen, soweit er sie von Ort zu Ort niit sich führen will, ihrer Zahl nach bei der Landkrankenkaste deS OrteS als Mitglieder an- zumelden, bei dessen Polizeibehörde er den Wandergewerbeschcin beantragt. Er hat bei der Anmeldung die Beitrage für die Geltungsdauer des Wandergewerbes im voraus zu entrichten und kann den Versicherten für Zeiten, die längstens einen Monat zurück- liegen, zwei Drittel der von ihm dafür gezahlten Beträge vom Lohne abziehen. Hausgewerbe. Auch die Hausgewerbetreibenden sollen bei der Land kranken- kasse versichert werden, in deren Bezirk sie ihre eigene Beiriebistätte haben. Bei der gleichen Kaste werde» die Personen versichert, die sie in ihrem HauSgewerbebetriebe beschäftigen. Auf die HauS- gewerbetreibenden finden die für die unständig Beschäftigten gelten- den Vorschriften über Lnmeldepsticht. Schikanierungsmöglichkeit durch Ladungen zur Kasse, also durch Laudrat, Kreisselrelär, Militär- anwärter und dergleichen entsprechende Anwendung. Der Motivenverfaffer und die Kommission haben sich angesichts der auch von ihnen nicht bestrittenen traurigen wirtschaftlichen Lage der meisten HauSindustriellen schier den Kopf darüber zerbrochen. wie die Kosteitbeiträge aufgebracht werden lönnten. Der Gedanke, sie wie die gesamten Kosten durch Einkommensteuer auf hohe Vermögen oder durch daS Reich oder Bundesstaaten tragen zu lassen oder, wie eS Bismarck für olle Kassenartcn vorschlug. wenigstens die Koste» für Personen mit Einkommen von nur oder 750 oder 1000 M. dem Reich.'aufzulegen, dämmerte ihnen mal. Aber sofort kam ihnen bei. daß die Arbeiter ja keine Arbeitgeber seien. Und da kamen sie auf die— an verschiedenen Stellen der Motive wiederholte— sublime Idee: das gehl nicht, denn wenn Leistungen ohne vorherige Beiträge erfolgen, so sind das Armen- leistungen! Als ob nicht von der Regierung, Bismarck an der Spitze, und sämtlilben Sozialpolitikern ohne Unterschied der politischen Auffassung stets anerkannt ist, daß die gesamte sogenannte Ar'beiterver sicherung nichts anderes als eine würdigere Ausgestaltung der Armen- pflege, aber ausKosten derArbeiteristl Bethmann Hollweg, Delbrück und Genossen verwerfen mit der Kommission selbst hier die Erfüllung der Pflicht, die Kosten der Versicherung durch Einkommensteuer aufzubringen oder durch das Reich oder die Bundes- staaten tragen zu lasten. Das ist nur dadurch erklärnch. daß sie offensichtlich, wenn auch sich selbst nicht bewußt, die Aufgabe einer sozialen Versicherung nicht in einem Vorbeugen gegen Krankheit, Invalidität usw. und in einem wirtschaftlichen Ausgleich der von den Unfällen des Lebens betroffenen Arbeiter sehen, sondern in einer unter dem Schein einer„Versicherung" erfolgenden zum Himmel schreienden Ansbentling der Arbeiter. Der Entwurf gelaiigt zu folgendem Borschlag über die Aufbringung der Mittel für das Hausgewerbe: Die Benräge zur houSgewerblichen Krankenversicherung werden zu einem Teile von den Personen aufgebracht, in deren Auftrag und für deren Rechnung die hanSgewetblichen Arbeilen geleistet werden sAuflraggeberj. zum anderen Teile von den HauSgewerbe« treibenden selbst und den von ihnen hauSgewerblich beschäftigten Versicheruiigspflichligeii. Die Beiträge der A u s t r a g g e b e r be« messen sich— unabhängig von der Versicherung und Kassen- Zugehörigkeit der einzelnen Hausgewerbetreibenden lind von der Höhe und Zahl der Beiträge, die sie für sich und die von thnen beschäftigten Personen einzuzahlen haben nach der Höhe des Entgelts, den der Auftraggeber für die ihm gelieferte Arbeit dem Hausgewerbe» treibenden zahlt. Der Wert der von dem Hausgewerbe- treibenden beschafften Roh- und Hilfsstoffe bleibt bei der Berechnung des Entgelts außer Ansatz. Diese Zuschüffe der Arbeitgeber sind bis zum 31. Dezember 1914 auf zwei vom Hundert des Entgelts festgesetzt. Die Satzung setzt die Beiträge, welche die HauSgewerbe» treibenden für sich und fllr die von ihnen beschäftigten hauSgewerb« lichen Versicherungspflichtigen einzuzahlen haben, lowie die Kasten- leistungen für diese Perionen besonders fest. Als Grundbetrag für die Beilräge und baren Leistungen dient der O r t s l o h n. Die Beiträge sind so zu bemessen, daß sie zusammen mit den der Kaste zufließenden Auslraggeberbeilrägen ausreichen, um die Be- lastung zu decken, die der Kasse durch die Versicherung ihrer Haus- gewerblichen Mitglieder erwächst. Solange sich die Höhe der voraus« sichtlich einkonmienden Austtaggeberbeilräge nicht annähernd fest» stellen läßt, sind die Beiträge so zu bemesien, daß sie die Hälfte der Belastung decken, die der Kaste bei Gewährung der Regelleistungen an ihre hausgewerblichen Mitglieder erwachsen würde. Soweit diese Beiträge für die von den Hausgewerbetreibenden beschäftigten hausgewerblichen BersicherungSpflich- ti g e n zu leisten sind, entfallen sie zu 3I3 auf diese, zu>/, auf die Hausgewerbetreibenden. Als Kranken Unterstützung ist den hauSgewerblich Versicherten neben der freien Krankenpflege ein Kronken« g e I d zu gewähren. Die Höhe dieses Krankengeldes richtet sich nach dem Betrag der dem Hausgewerbetreibenden gutgeschriebenen Austrag- geberbeiträge. Dabei verhält sich daS Krankengeld, soweit die Satzung nicht ein anderes bestimmt, zu dem gesetzlichen Krankengeld wie die Gesamthöhe der im letzten Rechnungsjahre dem Hausgewerbe- treibenden gutgeschriebenen Auftraggeberbeiträge zu der Gesamt- höhe der Beiträge, die der Hausgewerbetreibende für diese Zeit einzuzahlen hatte. Hat die Versicherung erst kürzere Zeit bestanden, so ist die BeitrogSleistung in diesem Zeitraum der Berechnung zugrunde zu legen. Knappschaftliche Krankenkassen. Die landeSgcsetzlichen Vorschriften über die KnappschastSvereine und die Kiioppschaflskassen sind für den Verfaster des Entwurfs ein Rührmichnichtan. Statt endlich der Zersplitterung im Krankenkassen- Wesen durch Beseitigung der Knappschaftskasten, JnnungS- und Betriebskasten ein Ende zu bereiten, will der Entwurf sorgsam alle reichS- und landesgesetzlichen Vorschriften konservieren, die gegen das Jntereste der Arbelterktasse und der Gesamtheit sind. Nur im Z 525» ist in Abweichung von der Regierungsvorlage und in Anlehnung an daS bestehende Krankenversichcrnngsgesetz geheime und Pro« p o r t i o n a l w a h l für die Vertreter der Versicherten in der Ge» neralversanniilung sKnappschaftsälteste), in dem Vorstand der knapp- schaftlichen Krankenkassen, Kiiappschaslsvereinen und KnappschastS- lassen vorgeschrieben. Führt der Entwurf so insbesondere auch durch die vielen Sonderbestiinmimgen, die er gegen ländliche Arbeiter. Dienstboten. unständig Beschäitigte. gegen die im Wandergewerbe Beschäftigten und gegen die Hausgewerbetreibenden vorschlägt, zu einer noch größeren Zersplitterung, als sie bereits der bestehende Zustand aufweist, so will der Entwurf mit den freien Hilfskassen radikal aufräumen. Sie sind ihm ein Dorn im Auge, weil sie auf Selbsthilfe der Arbeiter beruhen. Denselben reaktionären Weg, den die kurzsichtigen Regierungen im Widerspruch mit der über« großen Mehrheit deS Reichstages, insbesondere seit Beginn der 70er Jahre gegen alle Arbeitervereine führten, die eine Besser» stellung der wirtschaftlichen Lag« der Arbeiter anstreben, beschreitet. freilich minder aufrichtig der Einwurf. Der wesentliche Inhalt der in den KZ 528 bis 543 niedergelegten Vorschläge der Reichs- Versicherungsordnung zur H i l f s k a f s e n f r a g e»st der: Ver- sichernngsvereine auf Gegenseitigkeit, denen als eingeschriebenen Hilfskasten eine Vesibeliiigung nach§ 75» deS KrankenversicherungS- gesetzes vor dem 1. April 1909 erteilt ist, sind auf ihren Antrag für den an diesem Tage saynngSmäßig bestimmten Bezirk und KreiS ihrer verficherungspflichtige» Miiglieder als Srsatzkassen zuzulassen. sofern sie mindestens 1000 Mitglieder haben und ihre Satzung näher bezeichneten Anforderungen genügt, die im wesentlichen auS dem Hilfskassengesetzemwurf entnommen sind. Hilfskassen sollen nur noch im Rahinen des dem Reichstage vorliegenden Hilfskassengesetzentwurfs zugelasten werden. Nach ihm sollen Hilfskassen nur noch als dem Privatverficherungsgesetz unterworfene, also konzessionS- Pflichtige VersicherungSvereine auf Gegenseitigkeit zulässig sein. Die Zugehörigkeit zu den in Ersatz lassen umgetauften HilfS- kästen soll in Zukunft bewirken, daß auf Antrag der Ver» ficherungspflichtigen ihre Rechte und Pflichten als Mitglieder der Ort«-, Betriebs- oder JnntingSkrankenkassen ruhen. Ihre Arbeit- geber haben jedoch den auf sie als Arbeitgeber entfallenden Beitragsanteil an die Orts-, Betriebs- oder JnnungSkrantenlasse einzuzahlen._ HU9 der parteü Der italienische Parteivorpand für den MiuifierialiSnmS. AuS Rom wird uns geschrieben: Der Partcivorstand hat in seiner Sitzung vom 3. d. MtS. eine Resolution angeuominen, die die Entscheidung über die Frage deS Eintritts der Sozialisten in ein Kabinett dem Parteitag überweist, aber BissolatiS Vorgehen in Hin- blick auf daö Ziel des allgemeinen Stimmrechts billigt, obwohl es als Disziplinverletzung bezeichnet wird. Die Resolution billigt auch die Unterstützung des Ministeriums Giolitti. Gegen die Rc- solution stimmte Genosie Modigliani: gegen das Urteil über Bissolati die Genossin Altobelli. « Wie der„AbanU" meldet, hat der Parteivorstand den nächsten Parteitag nach Modena eiubenlfen. Die Tagung wird in der zweiten Hälfte des September d. I. stattfindeu. Tie Sozialdemokratische Arbeiterpartei Hollands. Du dem, wie alljährlich, auch diesmal zu Ostern stattfindenden Parteitag der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Hollands der- öfsentlicht der Parteisekretär van Kuijkhos seinen Jahres- bericht. Die Parteiorganisation ist im Jahre 1910 wiederum stärker geworden. Die Zahl ihrer OrtSabteilungen ist von 203 auf 220, die Zahl ihrer Mitglieder von SK00 auf 10 090 g e- stiegen. Die Zahl der weiblichen Mitglieder war am Jahres- schlug rund 1100. Von den Beschlüssen des vorigen Parteitages, die der Parteivorstand auszuführen hatte, ist der wichtigste die Resolution zur Wahlrechtsbewegung, die, neben den schon seit Jahren stattfindenden grotzen Demonstrationen, als ein neues Mittel eine große V o l k s p e t i t i o n für das allgemeine, gleiche Wablrecht vorsieht. Diese Resolution ist nach dem Parteitag in der Urabstimmung von den Mitgliedern mit 4389 gegen 34 Stimmen gutgeheißen worden. Nachdem am 18. September die Wahlrechts- demonstrationen unter stärkerer Beteiligung als je zuvor verlaufen waren, organisierte der Parteivorsland bald darauf die Bewegung für die Wahlrechtspetition und stellte ihren Text fest. Die frei- sinnig-demokratische Partei wünschte sich der Petitionsbewegung an- zuschließen und forderte den sozialdemokratischen Parteivorstand zu einer gemeinsamen Konferenz auf. an der dann neben diesen beiden Parteien auch der freisinnige„Allgemeine Arbeiterverband" sowie der Hauptvorstand der Liberalen Union teilnahmen. Zu irgendwelchen Vereinbarungen oder zu einem gemeinsamen Vor- gehen mit den bürgerlichen Parteien kam es jedoch nicht, da unsere Genossen die von jener Seite geäußerten Wünsche nicht berück- sichtigen konnten. Die Bewegung für die Volkspetition wurde durch eine Reihe öffentlicher Versammlungen, sowie durch Mitglieder- Versammlungen derjenigen Organisationen eingeleitet, die an der Wahlrechtsbewegung teilnehmen wollten. Auch die„Sozialdcmo- kratische Partei" wurde dazu eingeladen. Ihr Vorstand richtete dann jedoch an den Vorstand der Sozialdemokratischen Arbeiter- Partei das Ersuchen um eine gemeinsame Konferenz zur Be- sprechung der Angelegenheit. Das lehnte der Partcivorstand ab mit der Begründung, daß eine solche Besprechung unnötig sei, weil die Grundlagen für die Aktion schon festgestellt und ein Einfluß der Sozialdemokratischen Partei darauf nicht mehr möglich sei. Das bisherige Ergebnis der Unterschriftensammlung für die Petition wird auf dem Parteitag bekanntgegeben. Die Wahlrechtsbewegung wurde kräftig unterstützt von dem Verband der Gewerk- s ch a f t c n, wie andererseits von beiden Zweigen der Arbeiter- bewegung auch in der Aktion für den gesetzlichen Z e h n st u n d e n- t a g gemeinsam vorgegangen wurde. Die Kammerfraktion hat die Einreichung eines solchen Gesetzentwurses vorbereitet. Durch die Brovinzialwahlen des verflossenen Jahres erhöhte sich die Zahl der sozialdemokratischen Vertreter in den P r o V i n z i a l p a r l a- m e n t e n von 18 auf 26. An den Kommunalwahlen nahm die Partei in 20 Gemeinden mit eigenen Kandidaten teil, und in 3 Fällen mit Erfolg. Hinsichtlich der Jugendorganisation hat der Parteivorstand den Ortsabteilungen die Weisung erteilt, daß sie mit dem der Sozialdemokratischen Partei nahestehenden Jugendverband„De Zaaier" keinerlei Verbindung pflegen sollten. Diese Frage wird übrigens auch den bevorstehenden Parteitag wiederum beschästigen. Die Parteipresse zählt jetzt neben dem Zentralorgan„Het Volk" 19 Zeitungen, nachdem im ver- flossencn Jahre 4 neue Blätter hinzugekommen sind; außerdem das zweimal im Monat erscheinende Fraucnblatt„De Proletarische Prouw", die Monatsschrift der sozialdemokratischen Gemeindever- treter„De Gemeente" und„De Nieuwe Tijd", eine Monatsschrift, deren Redaktion aus Mitgliedern der Sozialdemokratischen Arbeiter- Partei und der Sozialdemokratischen Partei besteht. Die Jahres- abrechnung schließt mit der Bilanzsumme von 20 379,21 Gulden ab. Die finanzielle Lage der Partei ist derart, daß sie, wenn die Ein- nahmen nicht noch bedeutentr steigen, keine weiteren finanziellen Verpflichtungen auf sich nehlen kann. Der Sozialdemokratische Studienklub zählt rund 100 Mit- glieder. von denen jedoch nur ein kleiner Teil aktiv tätig ist. Der Studienklub hat eine große Anzahl Anfragen, sowie verschiedene umfangreichere Arbeiten erledigt. Ein glänzender Sieg. Bei der Wahl zum Stadtrat der neuen Stadt Rü st ringen. gebildet aus den oldenburgisckwn Gemeinden Bant, Heppen? und Neuende erhielt die Liste der Partei und Gewerkschaften 4204, die der vereinigten Gegner 1206 Stimmen. Gewählt wurde nach der V e r h ä l t n i s w a h l. Auf unsere Liste entsielen 19 Sitze. aus die der Gegner 5. För die besondere Vertretung des ländlichen Kreises der neuen Stadt wurden für unsere Liste 231, für die der Gegner 131 Stimmen abgegeben. Hier erhielten wir 3, die Gegner 4 Sitze. In sozialdemokratischen Händen befinden sich demnach drei Biertel der zu vergebenden Mandate. Die österreichische Maifestzeitung isi soeben im Berlage der Wiener Volksbuchhandlung, Wien VI. Gumpendorfer Str. 18, erschienen. Der Preis der textlich und illustrativ reich ausgestatteten Festschrift beträgt 23 Pf. Als Gratis- beilage erhalten die Käufer da« auf Kunstdruckpapier reproduzierte Bild»Der Wettlauf der Stunden" von Walter Trane. polirellicbea,(Zericimicdes uftv* Das andere Allrnstein. Im Juli 1910 wurde, wie auch in anderen Parteiblättern, in der„Rheinischen Zeitung" in Köln ein Artikel„Das andere Allen- stein" zum Abdruck gebracht, in dem zwei Allensteiner Offizieren vorgeworfen wurde, sie hätten sich ihrer Alimentation«- Pflicht gegen eine Verkäuferin entzogen. In dem Artikel war auf den Untertchied in der Behandlung der Frau Weber-Schönebeck und der armen Verkäuferin hingewiesen. Der Kommandeur des Regiments in Allenstein hatte gegen die sozialdemokratischen Blätter, die den Artikel veröffentlichten. Strafantrag gestellt, und wiederholt ist wegen solcher Klagen aus Geldstrafen erkannt worden. Am Montag hatte sich Genosse Präger wegen des Artikels vor der Kölner Sirafkaminer zu verantworten. Der Staatsanwalt beantragte sechs Monate, das Gericht erkannte aus einen Monat Gefängnis. In der Verhandlung führte Landgerichtsdirektor We st ermann, der auch den Deutzer Landfriedensbruchprozeß geleitet hat, den Vorsitz._ Soziales* Zum Vertragsbruch gegen die Kasseiiangestellten. In dem„Zcntralblatt der Reichsversicherung" veröffentlicht Professor Dr. Sticr-Somlo(Bonn) ein längeres Gutachten über die Rechtsgülugkeit der von uns wiederholt besprochenen beab- sichtigten Regelung des Kassenbeanrtenrcchts im Einführungsgesetz zur Reichsvcrsicherungsordnung. Er kommt zu folgendem Ergebnis: .1. Es ist zweifellos statthaft, daß eine Gesetzgebung durch eine neue ersetzt tvird, welche in bczug auf die Voraussetzungen von Rechten und Pflichten andere Bestimmungen trifft. Es ist also an sich zulässig, daß da- Einführungsgesetz zur Reichsver- sicherungsordnung erklärt, daß die Dienstverträge der Kranken- lassen sich in Zukunft in Uebereinstimmung befinden müssen mit einer Dienstordnung und mit einem dieser angeschlossenen Be- soldungsplane. Dagegen ist es eine ganz andere Frage, ob die Gesetzgebung berechtigt ist, die Wimmg von rechtsgültig geschlossenen Verträgen zu beseitigen, die ihre Kraft aus der früheren Gesetzgebung schöpfen, also aus der unbehinderten Mög- lichkeit der Abschließung von Dienftverträgen. Demnach ist die Frage die, ob die einmal entstandenen und über den Zeitpunkt des Inkrafttretens der Reichsverfichcrungsordnung wirkenden Rechtsverhältnisse durch eine spätere Gesetzgebung auf der aktiven und passiven Seite, also auf seilen der Berechtigten wie der Ver- pflichteten, verletzt tverden dürfen. Diese Frage ist nach obigem zu verneinen. 2. Weil die abgeschlossenen Verträge im Vertrauen auf das bestehende Recht des Staats betätigt worden sind, folgt aus der Selbstbindung des Staates an sein Recht, daß die das Recht an- wendenden Bürger sich darauf verlassen können, daß die Rechts- geschäfte diejenigen Wirkungen haben werden, die ihnen in dem geltenden Rechte zugeschrieben sind. 3. Es folgt dasselbe Ergebnis aus der Tatsache des Weiter- bestehens des Bürgerlichen Gesetzbuchs neben der Reichsver» sicherungsordnung, also des Weiterbestchens derjenigen Rechts- quelle, auf die gestützt die Kassen mit ihren Beamten und Auge- stellten Verträge geschlossen haben. Aus alledem ergibt sich nun, daß eine Rechtsverletzung der eklatantesten Art in der Regelung der Artikel 29— 32 vorläge, wenn diese Bestimmungen Gesetz würden. Neben der Frage der Gesetzmäßigleit steht aber dann noch die der Zweckmässigkeit und Angemessenheit. ES ist kein Zweifel, daß die Absicht der Artikel auf Beschaffung eines geeigneten und tüchtigen Personals für die 5irankenkassen ebenso berechtigt ist wie der Versuch, einem Miß- brauch der Kassen durch Anstellung unfähiger Personen entgegen- zutreten. Allein die Form, in der diese Gedanken zur Durch- führung gelangen, ist eine höchst unglückliche und würde der Will- kür Tür und Tor öffnen. Offensichtlich find die sämtlichen Be- stimmungen von der Absicht beherrscht, die sozialdemokratischen Kassenbeamten zu treffen. Aber eS trifft gar nicht zu, daß gerade die sozialdemokratischen Vorstände übermäßige Gehälter festgesetzt haben, viel eher ist das Gegenteil richtig. Es würden also, wenn die Artikel 29—32 Gesetz werden, in erster Reihe zu leiden haben die den bürgerlichen Parteien angehörenden Kassenbeamten, weil diese sich in gehobener Stellung befinden. Es ist sehr fraglich, od das Versicherungsamt von dem ihm zusteheirden Rechte bczüg- lich der Fortdauer der Gehälter, den richtigen Gebrauch machen würde. DaS würde viel von dem persönlichen Wohlwollen des VersicherungSamtsmannes abhängen. Es sind also die vor- geschlagenen Bestimmungen nicht nur ungesetzlich, fondern auch unzweckmäßig. In keiner Weise soll bezweifelt werden, daß es auch Verträge gibt innerhalb der Krankenkassen, die mancherlei Bedenken gegen sich haben. Es ist aber gegen sie auf dem der Begründung zum Einführungsgesetz bezeichneten Wege, nämlich der K§ 134 und 628 deS Bürgerlichen Gesetzbuches, der KZ 42, 43 des Krankenver- sicherungsgesetzeS, alles Nötige vorzukehren. Es besteht also für die rigorafe» Bestimmungen kein ausreichender Anlaß, da Mittel genug auf dem ordentlichen Rechts- und auf dem Aufsichts- wrge vorhanden sind, um hier Wandel zu schaffen. Daß die vor- geschlagene Regelung auch im übrigen mangelhaft ist, ist schon an- gedeutet worden. Wenn der Angestellte mit den Bedingungen der Dienstordnung und deS Besoldungsplanes nicht einverstanden ist, und auch nicht zu der ihm freigestellten Kündigung greift, so ist eine rechtliche Regelung für diesen Fall nicht getroffen; es bliebe dann lediglich die rohe Gewalt übrig. In allem Bisherigen ist ein Gesichtspunkt mit Vorbedacht nicht zur Erörterung gekommen, nämlich der, daß tatsächlich, wenn dies der Wille von Bundesrat und Reichstag ist, die vorgeschlagenen Bestimmungen trotz ihrer Rechtswidrigkeit formell zum Gesetze ge- deihen können. In jedem Staatswesen mutz es schließlich eine letzte Stelle geben, gegen deren Entscheidungen eine weitere Ap- pellation unmöglich ist. In bezug auf die Rechtsnormen sind diese Stellen für das Reich die gesetzgebenden Faktoren, der Bundesrat und der Reichstag. Irgend eine Strafe auf eine rechts- oder gesetz- widrige Aufnahme von Bestimmungen in ein neues Gesetz besteht nicht und kann nicht bestehen, wenn diese Faktoren ihre Zustim- mung erteilt haben. Geschieht jedoch etwas dem Gesetze und Rechte materiell Widersprechendes, so wird der ganzen giechtsordnung, so wird dem RechtSstaate unwiederbringlicher Schaden zugefügt, der sowohl das Ansehen der Staatsgewalt, wie das Vertrauen der Staatsangehörigen in die Zuverlässigkeit und Unantastbarkeit des positiven Rechts erschüttern muß. Sind demnach die Folgen einer, früheren Gesetz und Recht Hohn sprechenden Gesetzgebung für die gesetzgebenden Faktoren nicht rechtliche, so sind eS doch sehr wichtige staatspolitischc und unter dem Gesichtspunkte der öffentlichen Sitt- lichkeit zu beurteilende Punkte, die«in geschaffenes Unrecht als solches auch dann erkennen lassen, wenn es etwa in die Form eines neuen Gesetzes gekleidet wird. Wenn das Recht die Grund- läge der Staaten bleiben soll, dürfen Bestimmungen, wie die der Artikel 29—32 nicht zum Gesetz erhoben lverden." Em Induftric und fjandel. Finanzkapital und Industrie. In der Generalversammlung der RütgerSwerke Aktiengesellschaft ergab sich eine Versckiebung in der Besetznug des Aufsichlsrates, die eine interessante Jllnstraiion zu der Beeinflussung der Industrie durch die Beherrscher der Banken liefert. Die genannte Gesellschaft, die mit einem Kapital von 12 Millionen Mark arbeitet, treibt als Hauptgeschäft die Imprägnierung von Holz(Eisenbahnschwellen, Telegraphenstangen. Ramnipfähle, Grubenholz usw.), ferner die Her- stellung von Teerprodukten, hauptsächlich von Pech für die Brikett- fabrikation. Sie besitzt außer großen Fabrikbetrieben bedeutende Lände« rcien. Außerdeni betreibt sie Zweiggeschäfte in Rußland und ist an einer Anzahl anderer Betriebe in Deutschland beteiligt. Diese Be- teiligung und der große Bedarf an Uinsatzkapnal(Holzkäufe) brachte es mit sich, daß die Gesellschaft ausgedehnte Beziehungen zu Banken »nterhiell, und zwar waren das bisher in erster Linie die Berliner Handelsgesellschaft, der Schaaffhausensche Bankverein, die Diskonto- gesellschafl, der Schlesische Bankverein. Diese Banlen waren denn I auch im Aufsichtsrat vertreten. Bei der diesjährigen Generalversammlung waren Neuwahlen d7S AufsichtSrateS vorzunehmen, da der bayerische Großindustrielle RcichSrat v. C.lemm, der bei einer Aufkaufung der chemischen Fabrik Lindenhof C. Wetzl u. Co. durch die RütgerSwerke für 300000 M. Aktien erwarb, gestorben ist; serner der Industrielle Karl Scheide- mantel austrat. Außerdem ist auch Dr. MoSler, der die Diskonto- gesellschaft vertritt, ausgeschieden, weil diese Bank»kein Interesse mehr an den RütgerSwerke» hat". Neu gewählt wurden 1. Dr. Rudolf v. Gagern, weil die Familie v. Gagcrn einen großen Be- sitz von Aktien hat; 2. Herr Klönne, einer der Direktoren der Deutschen Bank, an Stelle des Herrn Mosler; 3. Herr AhrenS von der HandelSgefillichaft an Stelle des Herrn Scheide- mantel. Dann vennehrte man die Aufsichtsratsstellen durch Zuwahl eines Vertreters deS Konzern Friedländer-Fuld(Wolff- Zittetmann), eines Vertreters der Harpener Bergbaugesellschaft (Müser), eines Vertreters der Deutschen Tcerprodukten-Vereinigung (Haßlacher). Die letzten drei gelten nun wiederum als Alliierte einzelner Banken: Herr Müser und Haßlacher der Handelsgesellschaft, Herr Wolff-Zittelmann der Deutschen Bank. Auf dieie Weise üben die Banken ihren maßgebenden Einfluß auf ein Industrieunternehmen aus. Es ist dafür gesorgt, daß die Gesellschaft stetS so geleitet wird, wie eS den Interessen der Banken entspricht._ „Deutscher Eisenhandel". Mia dem zunehmenden Einfluß der großen Betriebe und der straff organisierten Syndikate in der Eisenindustrie vollzog sich naturgemäß eine Veränderung der Stellung des Zwischenhandels. In dem Vertrieb der syndizierten Pro- dulte sind die Handelsfirmen kaum mehr als Kommissionäre der S Y n d i k a t e, die nicht nur die Verkaufspreise bestimmen, sondern auch den einzelnen Händlern begrenzte Absatzgebiete zuweisen. Ver- schieden« der großen gemischten Werke gingen dazu über, mit Handelsfirmen in eine Art von Interessengemeinschaft zu treten, sie erwirkten diesen Firmen alsdann eine Vorzugsstellung bei den Stzndilaten, aber die Abhängigkeit der Händler wurde dadurch eher erhöht als gemindert. Im Jahre 1909 erfolgte ein Zusammenschluß der vier bedeutendsten Eisengroßfirmcn unter der Firma „Deutscher Eisenhandel, Akt.-Ges., und zwar der Ra- vene Akt.-Ges. Berlin. Mr I. Caro u. Sohn und Eduard Lindner zu Berlin und Breslau und der Firma C. F. Weithas Nach f. in Leipzig, mit der ein besonderer Be- teiligungSvertrag geschlossen wurde. Keineswegs war mit dieser Fusion der Versuch unternommen worden, sich von den Stahlwerken unabhängig zu machen, sie geschah im Gegenteil mit Zustimmung und Beteiligung der großen gemischten Werte. Natürlich besteht zwischen dieser Gründung und den Vorgängen in der Eisenindustrie ein enger Zusammenhang. Für den Fall einer Auflösung des Stahlwcrksverbandes würde die Akt.-Ges.„Deutscher Eisenhandel- einigen der trustähnlichen Montanwerk« als VerkaufSovganisati-in dienen, für die bisherigen Vertriebseinrichtungen des Syndikats hätten jene Betriebe dann schnellen Ersatz. Jede der jetzt zur Alt.»Ges.„Deutscher Eisenhandel" gehörigen Firmen verfügte über einen Konzern von Geschäften, so daß nach der Vereinigung ein über ganz Ost- und Mitteldeutschland verbreitetes Netz von Eisen- firmen in eine Hand gelangte. Nunmehr erwirbt die Akt.-Ges. „Deutscher Eisenhandel", die für das Jahr 1910 auf ein Aktien- kapital von 23 Millionen Mark eine Dividende von 6 Proz. gegen 4 Proz. im Vorjahre verteilt, das Rohrgeschäft der Firma Jakob Raven e Söhne u. Co., das als Spezialgeschäft der Aktiengesellschaft in einer Interessengemeinschaft mit der der Ge- sellsckust bereits angegliederten Röhr-Großfirma A. N i e d e r st ä t t e r u. Co. in Breslau fortgeführt werden soll. Marktpreise von Berlin am 10. April 1911, nach Ermittelung des Königlichen Polizeipräsidiums. Marltballenpreise. fKIeinbandel l 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Koche» 30,— 30,00. Soei�bohm.a weiße 30,00—50,00. Linien 20,00-60,00. Kartoffeln S, 00— 9,00. 1 S\/U( gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60— 2,30. Rindfleisch, Bauchfleisch, 20 bis 1,70. schweinefleisch 1,20—1,90. Kalbfleisch 1,30—2,40. Hamm- Mei'ick 1.40—2,20. Bulter 2,20—3,00. 60 Stück Eier 3,00-4,40. I Kilearamm Karpfen 1,10—2,40. Aale 1,60—3,00. Zander 1.40—3,60. Hechte 1 20 bis 2,80. Barsche 0,80-2,00. Schleie 1,40-3,40. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 2,25-28,00. Maser Nen eröffnet: Tanentzienstraße 20 Leipziger Straße 65 Oranienstrafie 34 Maileratraße 3a KSnigatrafie 34 Oranienatr. 47a Rlxdorf, Bergatr. 7-8 Zentrale nad Versand! Oranienstraße 34 i Die Eröffnung unseres Er- 1 1 Weiterungsbaues Leipziger! ; Str. 65 findet demnächst statt i lllustr. Katalog gratis Ihre Oster-Toilette wird ßn Schick und Eleganz gewinnen, wenn Sie sich hierbei unserer allemeuesten Frühjahrsmodelle in farbigen Stiefeln oder Schuhen bedienen. Der ungeahnt große Zuspruch, den wir vornehmlich in den letzten Tagen zu verzeichnen hatten, dürfte der markanteste Beweis für die Schönheit und Preiswürdigkeit unserer Ware sein. Auch für Knaben und Mädchen sind reizende Muster in reichhaltigster Auswahl eingetroffen. Haupt-Preislagen für modernste Damen- u. 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Neuchateller Frühstücks- Käse Stack 19PL Stack 5PL Apfelsinen Dutzend 25, 35, 45 Pt. PL Kopt 10 Pt. ......... Stack 35 Pt. Schweineschinken 75 PL.| Roulade...... Koteletts im Ganzen... Pfand 90 Pt. Goulasch Blut- Apfelsinen Dutzend 35, 45 Pf. Kamm Kamm im Ganzen..... im Ganzen Pfund 85 Pr. Fehlrippe 70P. Gitronen........... Datsend 25, 35PL. Schulterblatt im Ganzen, Pfand 75 Pf. Querrippe Pfanu 65PL Kopfsalat Bauch Pfand 65 Pt. Hammelkeule im Ganzen Pfand 90 PL Grüne Gurken Schmorfleisch ........ Pfund 90 Pf. Dicke Rippe........ Pfand 75 PL Spinat........ Rückenfett and 50 PL| Speck fett, Pfand fett, Pfand 68 mager, Pfand 78 Pt. Liesen Pfund 60 Pf. Bratenschmalz........ Pfand 55 P. Birnen weiss oder rot...... Stachelbeeren........... Dose 65 PL| Preisselbeeren............. Dose 68 PL. Dose 63 PL. Erdbeeren........... Dose 88P. Pfand 15 Pf. Bund 5Pt. Radieschen Traubenrosinen Pfand 65 Pf. Schalmandeln ......... Pfand 75Pt. Früchte- Melange... Dose 95 Pt. Reineclauden.............. Dose 78 PL Berantwortlicher Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchbruderei u. Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW Dr. 87. 28. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Mittwoch, 12. April 1911. Aus aller Welt. Zwei Welten. Ja, Bauer, das ist ganz was auderes. Russisches. An dem Leiter des Baues der Mittel- Amurbahn Eine Bauerndirne im Zillertal hatte, wie die Innsbruder Ingenieur rublewski und seinem Kutscher wurde in der Nähe Boltszeitung" schreibt, ein Verhältnis mit einem Schuster namens der projektierten Bahnstation Blagowostichenst ein Raubmord verübt. Im Kubangebiete überfielen Räuber ein von Kapuziner, das nicht ohne Folgen blieb. Als sie zum Pfarrer Sie töteten tommt, will ihr das Geständnis nur schwer über die Lippen. Wie deutschen Kolonisten gepachtetes Anwesen. Ein englischer Eulenburger. In Nizza ist der Leutnant der Die Tochter des amerikanischen Erst fürzlich hat in Berlin verwundert ist sie aber, als der Pfarrer kein böses Wort sagt, ihr neun Personen und beraubten das Anwesen. bloß ein Vater unser zur Buße aufgibt und sie beschwört, ja Millionärs Morosini ist bei einer eine arme Arbeiterin ihr neu- niemandem etwas davon zu sagen, wer der Vater ist. Er meinte, englischen Armee Hubert Singer, der Sohn einer reichen Zusammenstellung ihrer Toiletten- geborenes Kind erstickt und sich sie solle sich nur nichts daraus machen, es sei ein Gott wohl Londoner Familie, wegen eines unfittlichen Angriffs auf ausgaben zu dem Ergebnis ge- felbst er hängt, weil sie ihrer gefälliges Werf, aus dem Kinde einen braven Menschen zu zwei Boys seines Hotels verhaftet worden. 9000 Meter über der Erde. Die Luftschiffer Bien aimé und tommen, daß eine Frau, die sich Not kein Ende wußte nur halbwegs elegant" fleiden noch zwei Pfennige, und eine machen und werde er mit dazu beitragen. Er hatte nämlich miß- Senou que unternahmen Sonntag mit einem 2200 Kubikmeter will, auch bei größter„ Sparsam- andere mußte nachts auf der berstanden und befand sich in dem Glauben, der Vater sei ein Kapus fassenden Kugelballon von Paris aus einen Aufstieg und erreichten ziner. Schließlich lud er das Diandl ein, wenn das Kind da set, eine Höhe von 9000 Meter. Das Thermometer wies in dieser rechtzeitig wegen der Taufe vorzusprechen. Nach vierzehn Tagen " man mit 25000 Mart im Jahre für Belze nur fnapp auskommen. Man braucht täg Lich mindestens ein Paar Handschuhe, das 12 Mark foftet." " - sie besaß Eine Himmelserscheinung. feit" mindestens eine halbe Straße niederkommen. Million Mart jährlich tommt das Mädchen wieder mit dem Neugeborenen, um die Höhe eine Temperatur von 35 Grad unter Null auf. Die aufwenden muß. Das ist gar Taufe und die Eintragung in das Taufregister vornehmen zu lassen. Luftschiffer beabsichtigten, den vor Jahren von den Deutschen Berson nicht viel", schreibt sie naib, man Die unerhörte Fleischteuerung Der Pfarrer glaubt falsch zu hören, als das Mädchen auf seine und Syring aufgestellten Höhenrekord von 10 000 Meter au brechen. braucht wenigstens 100 Toiletten im Jahre, für die man, wenig zwingt die Maſſen immer mehr, Frage nach dem Vater des Kindes sagt: Jofef Kapuziner, Schuster. Briefkaften der Redaktion. fich dem Genuß von Pferde- Als er sich auf wiederholtes Fragen überzeugt, das erstemal doch gerechnet, 4000 Mark für das Stück und selbst Hundefleisch zu gut gehört zu haben, da atmet er erleichtert auf und ein hölli Die furistische Sprechstunde findet Lindenstraße 69, vorn vier Treppen anlegen mug. Dazu kommen zuwenden. Jm Jahre 1909 find ich es Donnerwetter ergießt sich über die ganz verdugt drein- Fahrstuhl, wochentäglich von 4½ bis 7½ Uhr abends, Sonnabends 50 Paar Schuhe und Stiefel, in Deutschland 151 357 Pferde schauende Bauerndirne. Sie konnte die Veränderung in dem Wesen von 4% bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage 150 Spigentaschentücher, gefchlachtet worden gegen 136 273 des Herrn Pfarrers gar nicht begreifen, der beim ersten Besuch so ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort die mindestens 15 M. fosten. Für im Jahre 1908. Die Zahl der liebevoll mit ihr gesprochen und sie jetzt so gründlich verfluchte, ihr wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Wäsche muß man, bescheiden ge- undeschlachtungen ist im eine arge Buße aufgab und sie überdies nicht lossprechen wollte A. G. 24. Es ist zwedmäßig, daß Sie vorher mit dem Standes rechnet, 60000 Mart rechnen; bei den teuren Pelzpreisen wird gleichen Zeitraum gestiegen von von der Sünde, womit sie eine große Schande über die beamten sprechen. Notwendig ist die Geburtsurkunde und eine Bescheinigung - vom Konsulat legalisiert- darüber, daß nach den 6138 auf 6990 Stüd. ganze Gemeinde gebracht habe. Weinend schlich das Diandi, Ihrer Heimatbehörde dortigen Gesetzen Ehehindernisse nicht entgegenstehen. 100 2. Sch. Wir fich über die Wandelbarkeit des Herrn Pfarrers den Kopf zer- verweisen auf die Beröffentlichung in Nr. 40 des Vorwärts" vom 16. Fes brechend, von dannen. bruar:„ Die preußische Klassenlotterie". 5. S. 91. Handelt es sich nur um eine gelegentliche, nicht gewerbsmäßige Bermittelung und ist die Höhe der Vergütung nicht vereinbart, so haben Sie Anspruch auf eine unter Be rücksichtigung der aufgewendeten Mühen angemessene Entschädigung. G. M. 22. 1. und 3. Die Amortisationsbeiträge sind nur in Höhe von 1 Broz. und außerdem die Binsea abzugsfähig, wenn Einkünfte aus dem Grundbesitz bei Ihrer Veranlagung zur Einkommensteuer einbezogen sind. 2. Wahrheitsgemäße Sachdarstellung. 4. bis 8. Diese Ausgaben tönnen J. H. 41. Nach einer eine Herabjegung bis zu drei Stufen begründen. die bezüglichen Verordnungen Entscheidung des Reichsgerichts find rechtsunwirksam. Ihnen steht aber nur das Verwaltungsstreitverfahren offen, dessen Ausgang zweifelhaft ist. Wir raten daher, den Bescheid M. 23. 70. Nein. des Regierungspräsidenten abzuwarten. Hahn, Neugersdorf. Nach§ 218 Abs. 2 in Verbindung mit§ 197 des Bürgerlichen Gesetzbuches find die Unterhaltsansprüche verjährt. Erbberechtigung liegt nicht vor. Schaden ersatzansprüche gegen den Vormunds schaftsrichter bezw. gegen den Fiskus lassen sich u. E. mit Aussicht auf ErKleine Notizen. folg nicht geltend machen. Dagegen ist es dentbar, daß Sie als Vormund Spandau, Jordanstr. 3a. Weiterfahrt der Deutschland". Das neue Zeppelin- Luftschiff ist regreßpflichtig gemacht werden könnten. Das genügt nicht. G. 32. Die Wiederverheiratung ist zulässig. Der Riefenbrand in Tokio. gestern morgen 81% Uhr mit 15 Passagieren in Frankfurt a. M. Kirchensteuer. Sie sind zahlungspflichtig. 224 K. Jhre Frage ist Wie die Petersburger Telegraphen- Agentur aus Tokio meldet, zur Fahrt nach Düsseldorf aufgestiegen. Nachdem es wies- nicht verständlich. Kommen Sie in die Sprechstunde. find dem Brande 6676 Häuser, neun Tempel, zwei Faba den überflogen hatte, hielt es feine Route längs des Rheines. 1. Ja. 2. Das läßt sich nur von Fall zu Fall beurteilen. F. St. 61. Sie haften nur, wenn dies im Mietsbriken und ein Feuerwehrdepot zum Opfer gefallen. Gegen 24 Uhr langte es auf dem Flugplake in Düsseldorf an In der Regel nicht. Nach den bisherigen Feststellungen sind vier Personen um- und landete nach einer Schleifenfahrt turz nach drei Uhr vor der Halle. vertrag bestimmt ist. Im übrigen ist der Lieferant erstattungspflichtig. In der Nähe von Stolpe bei Antiam tg. 19. Unseres Erachtens nicht. Klage bei dem Amtsgericht. getommen und 133 mehr oder weniger schwer verwurde Montag abend die Leiche des Dienstmädchens Anna Erich, 33. Dafür ist der mit dem Hospital geschlossene Vertrag maßgebend. E. D. 25. Reklamieren Sie sofort unter Hinweis auf F. H. Nein. legt. Militär und Polizei betätigten sich in hervorragender Weise genamt Grimm, in einer Sandgrube aufgefunden. Die herabjegung der Einkommensteuer. M. B. 10. Leider nicht. an dem Rettungswert. Behörden, Zeitungen und Private bemühen Das Mädchen wurde schon seit dem 13. März vermißt. Vermutlich m. 100. 24 f. E. B. 53. 1. Bruchanlage, schwacher Körperbau. sich, die Not der 40 000 Obdachlosen zu lindern. liegt Lust mord vor. 2. Wenden Sie sich an die Zentraltommission der Krantentassen, Engelufer 15. Die feche Wärmestuben des Wiener Wärmestuben- und Wohltätigkeitsvereins wurden in der Nach der Zeitung Sun" hinter Beit vom 3. bis 9. März bei Tag ließ der Erzbischof bon bon 22 518 Männern, 10 663 Canterbury 700000 Mart, der Frauen und 30126 Kindern, von Orfort eine Million, der von zusammen 63 307 Personen auf Yort 1 100 000 Mart. Die Bischöfe gesucht. Bei Nacht wurden diese von Durham und von Bath und Anstalten in derselben Zeit von Wels hinterließen je 2 400 000 m. 5673 Obdachlosen benüßt. Im Als reichster verschied der Bischof ganzen Winter fanden mehr als bon Lancester und Bristol mit 1 200 000 Berfonen in den Wärme2800000 Mart. stuben Aufnahme. Unserm Genoffen Franz Lucht zum 60. Geburtstage die herz lichsten Glüdwünsche! Die Genossen d. 8. u. 11. Bez. 1. Kreis. 12256 Herzlichen Dank fagen wir auf diesem Wege allen Freunden, Bekannten und Genossen, der Neuner fommission, den Firmens trägern, der Geschäftsleitung fowie dem Kontorpersonal der Borwärts- Buchdruckerei, den Funktionären des III. Berliner Reichstags- Wahlkreises sowie den Kollegen der Drtskranken. laffe der Kaufleute 2c. für die Ein seltenes meteorologisches Phänomen wurde am Montag abend im südlichen Jtalien beobachtet. Gegen 7 Uhr erstrahlte über Messina der Himmel plöglich in einem intensiven Lichte. Nach etwa drei Minuten hörte man vier sehr heftige Er plosionen, die sich wie Schüsse aus schweren Geschützen an hörten. Man befürchtete zuerst, daß ein Pulvermagazin oder ein Küstenfort in die Luft geflogen sei, doch trafen bald darauf telegraphische Nachrichten ein, daß die Erscheinung auch in Catania cireale, Palermo und Reggio di Calabria wahrgenommen worden sei. Berliner Spar- und Bauverein warum sich grämen, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Freitag, den 21. April 1911, abends 82 Uhr, in den Sophien- Sälen, C., Sophienftr. 17/18: Außerordentliche General- Versammlung Tages- Ordnung: Berichterstattung über den Saalbau in Charlottenburg. Der Vorstand. 104/19 2. Schmidt. Ernst Roscher. uns anläßlich unserer filbernen Verein Berliner Musiker( E. V.) Hochzeit erwiesenen Ehrungen, Gratulationen 2c. Marie und Karl Alboldt. eeeeeeee Berliner Spar- und Bauverein eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Sonntag, den 23. April 1911, bormittags 9 Uhr, in den Sophien- Sälen, = C., Sophienftr. 17/18: Neunzehnte ordentliche General- Versammlung 1. Lokalverein des Allg. Deutschen Musiker- Verbandes. Donnerstag, den 13. April, abends 9 Uhr: Oeffentliche Versammlung im Vereinshaus, Kaiser WilhelmStraße 18m. I Die Lehrlingsfrage im Musikergewerbe. Referent: Herr Hans. Schaub, Redakteur der Deutschen MusikerZeitung" Freie Diskussion. An alle Mufifer und an die Eltern und Vormünder, deren Kinder und Mündel Musiker werden sollen, ergeht 1. Erstattung des Geschäftsberichtes die Aufforderung, in dieser Versammunter Vorlegung der Bilanz nebst lung anwesend zu sein. Tages- Ordnung: Gewinn und Berlustberechnung für Die Schuhkommission das Jahr 1910. 2. Bericht der Revisionsfommission. 3. Beschlußfaſſung Humor muß man nehmen. m Humor Putzt alle Metalle sauber und geruchlos. Ueberall zu haben in 56/11 über die Genehmigung der Bilanz Vereins Berl. Musiker( E. B.) und die Verteilung des Gewinnes. 4. Neuwahlen zum Aufsichtsrat. 5. Bericht über den Verband der auf der Grundlage des gemein schaftlichen Eigentums stehenden deutschen Baugenossenschaften. 6. Beschlußfassung über den Gesamtbetrag, welchen Anleihen der Genossenschaft und Spareinlagen bei ihr nicht überfteigen follen. 7. Beschlußfassung über die Ausschließung von säumigen Genossen. Die Bilanz sowie die Gewinn- und Berluftberechnung für das Jahr 1910 find in der Geschäftsstelle, Sidingen Straße 8, einzusehen. Der Vorstand. des J. A.: Hugo Schwiegt, Dbmann. teppdecken in sauberster Ausführung empfiehlt sich am besten zu faufen nur direkt in der Wiener Steppdecken- Fabrik Bernhard Strohmandel. Sauptgeschäft: Wallstr. 72. 104/18 Berlin S., Bweiggeschäfte: 2. Schmidt. Eruft Roscher. W., Joachimsthalerstr.25/ 26 Ecke Wer- Stoff- hat! C., Spittelmarkt, Seydelstr. Fertige Herren- Anzug oder Paletot Reparaturen u. Aufarbeitungen billigst. von 20. an, feinste Butaten, auf Illustrierten Preistatalog grat. u. frco. 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Violine: Frau Gertrud Steiner- Rothstein Cello: Fräulein Käte Soehnge Herr Willi Deckert Klavier: Herr Leo Kestenberg Herr Alfred Simon Herr Fritz Vogel Konzertflügel: Ibach. Nach den Vorstellungen: Tanz. Ausführliche Programme am Eingang zu den Sälen. CLOU" BERLINER KONZERTHAUS Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90-91 Heute und folgende Tage: Gastspiel des k. k. Hofball- Musik- Direktors C.M. Ziehrer mit seiner aus 65 Wiener Künstlern bestehenden Kapelle Anfang 8 Uhr. Potsdamer Str. 72/ 72a Eintritt 50 Pt. Potsdamer Str. 72/ 72a 1/72 Sport- Palast Sa Größter Eispalast der Welt. Allabendlich: Glänzende sportliche Vorführungen und die Ausstattungs- Feerie ,, Eisfest an der Newa." Eintritt bis 5 Uhr 50 Pf. Nach 5 Uhr M. 1,-, reservierter Platz M. 2,-. A Achtung! Gesellschaften, Vereinen u. Gewerkschaften empfehle ich mein herrlich am Baffer, Wald und Bergen belegenes Ausflugs. lokal. Billigste Dampfervermietung. Prospekt gratis. Poft Schmödwin. 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UK Lahnstr.74, LL Für den Jubalt der Juierate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber teinerici Verantwortung. Sozialdemokratisch. Wahlverein für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis. Stralauer Viertel. Bezirk 828 IV. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosse, der Glasarbeiter Franz Herzfeldt Bödiderstraße 8 geftorben ist. an Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 13. April, nach mittags 2 Uhr, von der Leichen balle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 217/14 Der Vorstand. Sozialdemokrat. Wahlverein für den 4. Berl. Reichstagswahlkreis. Görliger Viertel. ( Bezirk 218 II). Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genoffe, der Gürtler Otto Weiß Grünauer Straße 20 gestorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 13. April. nachmittags 3%, Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes in Rigdorf aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berl. Reichstags- Wahlkreis. Köpenicker Viertel. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genoffe, der Schloffer Adolf Bigalski geftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 12. April, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen halle des Zentral- Friedhojes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 217/13 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein des 6. Berl. Reichstags- Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 9. April verstarb unser Genosse, der Dreher Karl Dreystein Fennstr. 14. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 13. April, nach mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Dankes- Kirchhofes, Reiniden. dorf- West, Blankestraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 226/19 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metall dreher Karl Dreystein am 9. April cr. an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 13. April, nach mittags 4 Uhr, von der Leichen halle des Danteskirchhofes in Reinidendorf, Blankestraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 115/6 Die Ortsverwaltung. Deutscher Arbeiter- StenographenBund, System Arends. Den Mitgliedern zur Nachricht, baß unser Schriftgenosse und Breß- Borsigender Karl Dreystein am Sonntag, den 9. b. Mts ,, geftorben ift. 290/7 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 13. d. Mts., nach mittags 4 Uhr, von der Leichen halle des Dantes- Kirchhofes in Reinidendorf- West, Blankestraße, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet Der Vorstand. 三 川 EEEEEEEEEEE ||||||||||||||||||||| E| E| E| ENEME Es ist Vorsorge getroffen, dass Jede Dame trotz des grossen Andranges sorgfältig bedient wird. Aenderungen und Ablieferungen auf Wunsch prompt bis zum Fest. Letztes Angebot vor Ostern! 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Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 12. April, nachm. Uhr, von der Leichenhalle des Zentralfriedhofs in Friedrichsfelde aus statt. Den Kollegen zu Nachricht, daß unfer Mitglied, der Gürtler Otto Weiß am 10. d. M. an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 13. April, nachmittags 32 Uhr, von der Leichen halle des Emmaus- Kirchhofes in Rigdorf, Hermannstraße, aus statt. Den Kollegen zur Nachricht. daß unser Mitglied, der Schloffer Adolf Schulz am 9. d. M. an Darmleiden ge storben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 13. April, nach mittags 4 Uhr, von der Leichen. balle des Sophien Kirchhofes, Freienwalder Straße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Karl Tiede am 9. April gestorben ist. am Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 13. April, nach: mittags 2 Uhr, vom Trauerhause in Nigborf, Jägerstraße 66 aus nach dem neuen Rigdorfer Ge meinde- Friedhoi am Marlendorfer Weg statt. Um rege Beteiligung ersucht 82/3 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die mir erwiesene Teilnahme bei der Beerdigung meines Vaters Hermann Grund fage ich meinen beften Dant 38458 Paul Grund. Sozialdemokratischer Wahlverein Rixdorf. Den Parteigenoffen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Süberarbeiter Paul Fohrmeister, Friedelftr. 9, verstorben ist. Uhr, Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, nachmittags 4 von der Leichenhalle des neuen Rigdorfer Gemeinde- Friedhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. Ferner verstarb unser Parteigenosse, der Tischler Karl Tiede, Jägerstraße 66( 19, Bezirf). am Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause aus nach dem neuen Rigdorfer Gemeinde- Fried hose, Mariendorfer Weg, statt. Rege Beteiligung erwartet 235/1 Der Vorstand. Todesanzeige. Hierdurch die traurige Nachricht, daß unser Klubbruder. Otto Weiss am 10. April verstorben ist. Wir werden demselben stets ein ehrendes Andenken bewahren. Klub Erreicht. Die Beerdigung findet. am Donnerstag, den 13. April, nach mittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus Kirchhofes 12256 aus ftatt, # Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Teilnehmern meinen herzlichsten Dant. Wwe. Auguste Kühn. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich allen Teilnehmern meinen herzlichften Dank. Maximilian Bergner nebit Kindern. Danksagung. Für die herzlich Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes fage allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Herrn Waldeck Manasse, dem Direktor der Frän. fischen Schuhfabriken Herrn Paul Fürstenhelm, dem Bersonal und den Arbeitern und Arbeiterinnen der Fränkischen Schuhfabriken, Betrieb 5, meinen herzlichten Dant. Wwe. Berta Halbauer. Wir kennen keine Sorgen, wir sind stets kreuzfidel und lustig, seitdem wir Kunden in Deutschlands allergrösstem Kredit Institut von B.FEDER Centrale: Brunnenstrasse 1 I. Filiale: IL Filiale: Frankfurter Allee 89 Kottbuser Damm 103 sind; dort ist die Bedienung streng reell, dort sind die Preise äusserst niedrig, dort ist die Auswahl ganz kolossal Mit kleinster Anzahlung: für Garderobe for Herren Damen und Kinder Damenhüte Schuhwaren- Wäsche Teppiche Gardinen Stores Portieren Π Jede Abteilung gleicht einem Spezialgeschäft, Alles auf Kredit 10% der geleisteten Anzahlung erhält jeder neue Kunde sofort gutgeschrieben, der sich auf dieses Inserat bezieht beftes deutfches Fabrikat Sicherheits- Zündhölzer G.F.Müller, Berlin SW. 68, Markgrafenftr. 91, Telefon IV 10302. Schutzmarke Union Augsburg Niederlage und Vertretung für Berlin: + Nachdr. verbot Westmanns Trauermagazin Mohmoderne Zimmeruhr Extra- Abteilung 1. Gesch.: Berlin W., MohrenStraße 37a( 2. 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Ist eine Aenderung der gegenwärtigen Verhältnisse im Puhergewerbe möglich? 2. Diskussion. Achtung! Putzerträger! Der Einberufer. Am Donnerstag, deu 13. April, abends 82 Uhr: Achtung! Oeffentliche Putzerträger- Versammlung in Feuersteins Festsälen, Alte Jakobstr. 75. Tagesordnung: 1. Die Lage der Puzzerträger und deren Stellung zur Lohnbewegung der Puter. 2. Diskussion. 11 Die Gruppenleitung. NB. Da am andern Tage, wegen des gefehlichen Feiertages die Arbeit ruht, ist es unbedingte Pflicht jedes Kollegen in der Versammlung zu erscheinen. Achtung! Isolierer! Achtung! Am Dienstag, den 18. April( 3. Osterfeiertag), abends 8 Uhr: Mitglieder- Versammlung in Grunows Vereinshaus, Dragonerstr. 15. Tagesordnung: 1. Vortrag über die Entwickelung der Gewerkschaftsbewegung. 2. Diskussion.- 3. Verschiedenes. Das Erscheinen aller Mitglieder erwartet 138/2 Der Zweigvereinsvorstand. Arbeit Radfahrer- Bund, Solidarität ( Mitgliedschaft Berlin). Freitag, den 14. April cr., mittags 12 Uhr: Geffentl. Radfahrer- Versammlung im großen Saale der Brauerei Friedrichshain. Zages Drdnung: 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Eichhorn über: Die Aufgaben der Sportvereine im Emanzipationskampfe des Proletariats. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Vertrauensmannes für die Arbeiter- Radfahrer der Provinz Brandenburg. 10/16 Alle Radfahrerinnen und Radfahrer, insbesondere die Mitglieder des Bundes Freiheit", sind hierdurch eingeladen. Die Agitationskommissiou. J. A.: Franz Wegner, Triftstr. 44. Steinarbeiter! Donnerstag, den 13. April, abends 8 Uhr, in den Musikerfälen, Kaiser- Wilhelm- Str. 18m: General- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Bericht vom 1. Quartal. 2. Stellungnahme zum 1. Mai. 3. Die Drganisationszugehörigkeit der Kunststeinarbeiter. Jeder organisierte Kollege ist verflichtet, an der Versammlung teilzunehmen! Um pünktliches Erscheinen ersucht 171/ 13* Die Ortsverwaltung. Huf Stock Cred Credi Gratis 1Gürtel Handthe etc.e Jeder Dame etc. etc Qoem Herrn Credit- Haus Moabit" Zum Osterfeste! 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Morgen, Donnerstag, den 13. April, abends 19 Uhr, im Schullofab Grenadierstraße 37: General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes, der Revisoren und des Lehrerfollegiums. 2. Wahl zweier Revisoren. 3. Anträge. 4. Berschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Beiträge müssen bezahlt werden. Sie kaufen Möbel ganze Wohnungs- Einrichtungen bunte Küchen bei Kassapreisen auf Teilzahlung im Möbelhaus Carl Barthel 7589 Inh. Joachim Hochmuth. 7589 AO. 34, Zorndorfer Str. 54 Amt 7 Riesen- Lager in separaten Räumen von Uhren, Goldwaren, Sprechmaschinen. Berantwortlicher Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Dcudu. Verlag: Borwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW Dr. 87. 28. Jahrgang. 3. ßtilm des Jnrroirts" Knlim MsdIM. Mittwoch. 12. April 1911. Gerickts- Leitung- Ein fingierter Raubanfall, dessen Bekanntwerden seinerzeit Berlin in Aufregung versetzt hatte, beschäftigte gestern die 3. Strafkammer des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Liebcnow. Wegen Unterschlagung und groben Unfugs war die Frau Gertrud Rißmann angeklagt. Die 27jährige Angeklagte ist die Ehefrau eines städtischen Steuer- erHebers und Bollziehungsbeamtcn, der von Hause aus und auch ans seiner ersten Ehe ganz gut situiert ist und außer seinem Ge- halt auch beträchtliche Nebeneinnähmcn hat. Diese ermöglichten es ihm sogar, sich in Waidmannslust ein Grundstück zu lausen. Als R. jedoch von der Gemeinde zu den Pslasterungskosten in Höhe von 7000 M. herangezogen wurde, war er genötigt, sich Geld zu leihen. Als außerdem eine Forderung von 600 M. nicht einging und er auch noch in seiner amtlichen Tätigkeit ein Manko in der Kasse zu verzeichnen hatte, geriet er in eine etwas bedrängte Situation, aus der er sich aber sehr leicht durch den Verlaus des Grundstücks hätte heraushelfen können. Er tat dies jedoch aus irgendwelchen Grün- den nicht, sondern klagte seiner Frau, daß er kein Geld habe. Dies in Verbindung mit hinzukommendem häuslichen Aergcr brachte die Angeklagte auf eine ebenso törichte wie gefährliche Idee, um mit einem Schlage aus dieser Bedrängnis herauszukommen.— Am Spätnachmittag« des 9. Februar wurden die Bewohner des Hauses Wisbyerstraße 1 durch gellende Hilferufe, die von der Vorderhaus- treppe herkamen, alarmiert. Als sie hinzucilten, fanden sie die in diesem Hause wohnhafte Angeklagte in furchtbar aufgeregtem Zustande. Das Gesicht, Hut und die Haare waren dicht mit weißem Pfeffer bestreut, der auch die Augen getroffen hatte. Frau Riß- mann wurde sofort in ihre Wohnung geschafft und ein Arzt herbei- geholt. Sie gab an, daß auf der Treppe plötzlich ein Mann auf sie zugetreten sei, ihr Pfeffer in die Augen gestreut und ihr dann ihre Handtasche entrissen habe, in welcher sich 1100 M. befunden hätten. die sie im Auftrage ihres Ehemannes zur Post habe bringen sollen. Sie beschrieb den Täter als einen etwa 30— 3äjährigen Mann von kleiner Statur, dunklem Schnurrbart, der eine Schirmmütze getragen habe. Die Ziachricht von diesem dreisten„Raubanfall" rief große Beunruhigung hervor, da gerade kurze Zeit vorher mehrere Kapitalverbrechen verübt worden ivaren. Die Kriminalpolizei ent- wickelte eine fieberhafte Tätigkeit, der ganze Apparat der Krimi- nalpolizei wurde aufgeboten, nachdem an sämtliche Polizeireviere amtliche Depesche gegeben worden war. Bei der ersten Vernehmung der angeblich Uebcrfallencn kam der Kriminalkommissar von Tres- low ll auf einen eigenartigen Verdacht. Er verwickelte die Frau in ein Kreuzverhör, bei welchem sich mehrfach Widersprüche er- gaben. Der Beamte sagte ihr schließlich auf den Kopf zu, daß der ganz« Raubanfall fingiert worden war. Nach anfänglichem Leug- nen gab die Angeklagte dies auch zu. Sie gab an, daß sie die Ab- ficht gehabt habe, ihren Plann durch die Veruntreuung der amt- lichen Gelder zu helfen. Die 1100 M. wurden dann auch im Küchenschrank und im Wäscheschrank versteckt aufgefunden.— Zu der gestrigen Verhandlung waren auf Antrag des Rechtsanwalts Korn die praktischen Aerzte Dr. Picßner und Dr. Scligfohn hinzu. gezogen, welche begutachteten, daß die Angeklagte eine stark ncr md_..... Visse und hysterische Frau sei, bei welcher geivisse ethische und geistige Defeite zu konstatieren und bei der auch die moralischen Hemmungserscheinungen sehr mangelhaft seien.— Der Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht auf diese Gutachten.nur eine Geld- strafe von 250 M. Wie der Vorsitzende verkündete, habe das Ge- richt es nicht für angebracht gehalten, eine Tat, die von so außer- ordentlicher Gerissenheit zeuge, mit einer Geldstrafe zu sühnen. Wenn auch die Angeklagte eine hysterische und geistig minderwer- tige Frau sei, so müsse andererseits berücksichtigt werden, daß durch ihre Tat die Bevölkerung in große Beunruhigung geraten war und die Polizei Tag und Stacht vergebens auf den Beinen gewesen war. Das Urteil laute deshalb auf 4 Wochen Gefängnis und 2 Wochen Haft._ Ein Scheusal, das mit viehischer Roheit zwei Mädchen in der unerhörtesten Weise ausgebeutet hatte, wurde gestern auf längere Zeit unschädlich ge- macht. Wegen Zuhälterei, Bedrohung, Nötigung«ud Körperver- letzung mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung stand vor der 10. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Land- gerichtsdirektors Criiger der angebliche Zahntechniker Paul Treu- herz. Der Angeklagte, welcher schon mehrfach Vorstrafen wegen Diebstahls, Urkundenfälschung und Kuppelei erlitten hat, wird von der Kriminalpolizei als einer, der gefährlichsten und gewalttätig- sten Zuhälter Berlins bezeichnet. Im Juli 1907 machte er die Bekanntschast einer damals lOjährigen Arbeiterin, mit der er zum Schein erst ein Liebesverhältnis anfing. Bald aber ließ er die Maske fallen und zwang diese unter Drohungen, sich mit anderen Männern einzulassen. Mit ihr unternahm er dann richtige„Gast- spielreisen" nach Breslau, Görlitz und anderen Städten. Wenn sie sich von ihm lossagen wollte, würgte er sie am Halse und schlug sie mit dem Kopf gegen die Wand bis sie bewußtlos wurde. Während sie sich des Slachts auf den Straßen herumtreiben mußte, saß er im Cafe und spielte. Von Zeit zu Zeit suchte er dann das Dkadchen auf, das ihm ihren Verdienst abliefern mußte. Der ge- fährliche Bursche ging sogar soweit, sich Karten drucken zu lassen, die er in obskuren Cases verteilte und auf denen er, um neue Kundschaft zu erlangen, seine Wohnung als Absteigequartier emp- fahl. In ähnlicher Weise behandelte der Angeklagte eine andere Arbeiterin, die ihm ebenfalls ihren Verdienst abliefern mußte.— Die Beweisaufnahme, die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt- fand, ergab geradezu grauenerregende Scheußlichkeiten. Das Gr- richt hielt es für angebracht, diesen vertierten Menschen auf län- gere Zeit unschädlich zu machen und erkannte deshalb auf 3 Jahre Gefängnis. Außerdem wurde die Uebrrweisung an das Arbeits- haus über den Angeklagten verhängt. Schutz vor Schutzleuten! Ganz durchdrungen von der Würde seines Amtes war der erst kurze Zeit im Dienst befindliche Polizist Kork Cech in Königs- Hütte O.-S. Ende Dezember vorigen Jahres stand der Handels- mann Fischer mit seinem Gefährt vor seinem Laden und wollte Waren abladen. Cech kommt hinzu und forderte Fischer auf, mit seinem Wagen weiterzufahren, da er hier nichts zu suchen habe. Dieser durch nichts motivierten Aufforderung kam Fischer nicht nach. Daraufhin wurde Fischer und seine inzwischen hinzuge- kommene Ehefrau von Cech mit den gemeinsten Schimpfwort«! bedacht. Um dieser Szene auf der Straße ein Ende zu machen, ging Fischer in den Laden, seine Ehefrau aber nach der Polizei- Iva che, um dort„Schutz vor Schutzleuten" zu suchen. Cech folgte Fischer in den Laden, zog dort seinen Säbel und bearbeitete Fischer damit ganz gehörig. Schließlch kam ein anderer Polizist, der seinen Kollegen von weiteren Mißhandlungen Fischers abhielt und veranlaßte, daß Cech den Laden verließ. Diese groben Ausschreitungen und Mißbrauch der Amtsgewalt hatten ein gerichtliches Nachspiel vor der Strafkammer in Beuthen. Dort gelang es aber dem Musterpolizisten soviel Zeugen für seine sinnlose Betrunkenheit aufmarschieren zu lassen, daß die Straf- kammer zu der Ueberzeugung kam, daß sich Cech bei der Begehung der Tat in einem Zustande sinnloser Trunkenheit befunden habe. Cech war nur vorläufig auf Probe angestellt. Und die Katto- witzer Polizeiverwaltung war in diesem Falle einsichtig genug, diesem Muster-Ordnungshüter, der den Zivilversorgungsschein be- sitzt, gleich den Laufpaß zu geben. Im anderen Falle hätten die Bewohner von Königshütte unter Umständen noch recht oft mit dem Säbel und Fäusten Cechs Bekanntschaft machen können. Wenn die famosen, auf Entrechtung der Arbeiter in den Krankenkassen und Bureaukratiesierung der Kassen abzielenden Vorschriften der Reichsversicherungsordnung durchgehen, werden wir den Polizisten mit der polizeiwidrigen Betrunkenheit als Kassenbeamten wieder auftauchen sehen. Das schwere Automobilunolück bei Werneuchen, welches sich am 27. November v. I. in der zehnten Abendstunde er- eignete, hatte gestern ein ernstes Nachspiel vor der dritten Straf- kammer des Landgerichts III. Unter der Anklage der fahrlässigen Tötung und Gefährdung eines Eisenbahntransports stand der Chauffeur Elger. Der Angeklagte ist geborener Oesterreicher, hat in Oesterreich die Prüfung als Kraftwagenführer abgelegt und Chauffeur im Dienst der Berliner Motorwagen fabrik stand als Orix in Reinickendorf. Er hat dort häufig neue Motorwagen ein- zufahren und hat diese doch recht verantwortliche Aufgabe immer mit großer Vorsicht erfüllt. Am Sonntag, 27. November, macht« der Prokurist der Fabrik, Otto Stamer unter Führung des Ange- klagten eine Automobilfahrt über Werneuchen, Schwedt a. O. nach Königsberg i. N. und hatte als Teilnehmer den Lithographen Theo, dor Kaiser und den Kaufmann Bruno Bartsch aus Charlottenbnr« zu der Fahrt eingeladen. Auf der Hinfahrt ging alles ganz glatt von statten, auf der Rückfahrt aber ereignete sich ein schlveres Un- glück. Der Angellagte hatte an dem Automobil nicht sehr weit leuchtende Laternen, die auf der ziemlich dunklen Chaussee von Tiefensee nach Werneuchen zu keinen weiten Ueberblick gestatteten. Bei Werneuchen befindet sich ein Bahnübergang der Chaussee. Die Schranke war geschlossen, als der um 9 Uhr 47 Minuten abge- fahrene Personenzug diese Stelle überfuhr. In demselben Augen- blick fuhr der Angeklagte, der die geschlossene Schranke nicht be- merkt hatte, gegen die eine Hälfte der Schranke, diese wurde ga- waltsam zurückgebogen, von der Lokomotive des Personenzuges er- faßt und der an der Schranke festgeklemmte Motorwagen eine Strecke mit fortgeschleift, bis er in einen Graben stürzte. Bei dem Sturz verunglückte der Prokurist Stamer tödlich. Er brach das Ge- nick und blieb als Leiche auf der Strecke liegen. Der Angeklagt« und Herr Kaiser kamen mit mehr oder minder ernsten Kopfwunde« davon. Die Schuld an diesem Unglücksfall wurde dem Angeklagten zugeschrieben, indem behauptet würde, er habe nicht die genügende Aufmerksamkeit bewahrt, als er sich dem Bahnübergange näherte und sei auch in zu schnellem Tempo gefahren. Beides bestritt der Angeklagte und behauptete, daß an der Schranke keine Laterne ge- brannt und der Bahnwärter auch keinerlei Warnungszcichen mit seiner Laterne gegeben habe. Von seiten der Eisenbahnbeamten wurde das Fehlen der Laternenbeleuchtung bestritten. Aus der umfangreichen Beweisaufnahme entnahm der Staatsanwalt eine Reihe von Momenten, die für die Fahrlässigkeit des Angeklagten sprächen mid beantragte gegen diesen 1 Jahr Gefängnis. Das Gericht berücksichtigte die bisherige völlige Unbescholtenheit des An- geklagten, der sich bis jetzt als Kraftivagcnführcr durchaus be- währt hatte, hielt aber auch eine Fahrlässigkeit in diesom Falle für vorliegend und erkannte gegen den Angeklagten auf 3 Llfonat« Gefängnis._ Ungültige Polizriverordnung. Für den Bezirk des Bades Landeck hat der Landrat des KreiscA Habelschwerdt eine Polizeiverordnung erlassen, in der bestimmt ist: Die Hausbesitzer haben der Badcverwaltung Auskunft zu er- teilen über das Eintreffen von Ortsfremden, die bei ihnen Wohnung oder Unterkunft genommen haben. Die Auskunft soll innerhalb 24 Stunden der Badavevwaltung gegeben sein. Der Hausbesitzer Aust hatte eine solche Auskunft verweigert und war deshalb von der Strafkammer in Glatz zu einer Geldstrafe Verl urteilt worden. Die Straftammer erklärte die Verordnung für rechtsgültig. Sie hätte erlassen werden können im besonderen Interesse der Gemeinden, über die sich der Bezirk des BadcS Landeck erstrecke. Sie solle die Herausgabe der Kurliste und die Einziehung der Kurtaxe erleichtern. Was die Kurliste angehe, so könnten sich aus dieser die Fremden leichter über die Antvesen« heit ihnen bekannter anderer Fremden informieren, woran ihnen oft viel gelegen sei. An dem Fremdenverkehr müsse aber der Gemeinde und ihren Angehörigen viel gelegen sein. Die Wünsche der Fremden zu berücksichtigen, liege im besonderen Interesse der Gemeinden, welche Kurorte seien. Auch die Einziehung der Kurtaxe liege im Interesse der Gemeinde. Das Kammergcricht hob dieser Tage das Urteil auf und sprach den Angeklagten frei. Es erachtete mit Recht die Polizeiverord- nung für ungültig. Die 6a bis 6K des Polizeiverlvaltungs- gesetzes könnten die Polizeiverordnung nicht stützen. Nun be. stimme allerdings 8 6i, auf den sich die Strafkammer berufe, daß auch polizeilich geregelt werden könne, tvas sonst noch im be- sonderen Interesse der Gemeinde liege. Der§ 6i lasse aber nur eine Regelung innerhalb der Grenzen des tz 10 Teil 2 Titel 17 des Allgemeinen Landrechts zu. Es müsse sich also um die Er- Haltung der öffentlichen Ordnung oder um die Abwendung von Gefahren handeln, die dem Publikum drohen. Davon könne aber bei dem Zweck der Verordnung des Landrats nicht die Rede sein. Deshalb sei die Verordnung ungültig. Die Gemeinde müsse sehen, wie sie sich auf einem anderen Wege die Vervollständigung der Kurliste und den Eingang der Kurtaxe sichert. Cr nodv�Taoe! " Abzahlungsgeschäfte Credit- Haus Bellealliance" Bellealliance- Str. 100, I. Etage. Waren u. Möbel z, kulant. Beding Erscheint 2 mal wöchentlich. Bäckerei„ Nordstern" Inh.: Gust. Müller Filialen i, verschied. Stadtteilen Peter's Grofsbäckerei Berliner Credit- Haus in allen Stadtteilen u. östlichen B Kommandantenstr. 67. Vororten; üb. 60 eig. Geschäfte. Paul Rißmann, Turinerstr. 36. Max Rosplesch, Memelerstr. 65. Credit- Haus Moabit Conrad Richter Turmstraße 55, Ecke Waldstr. gewährt jedem b. spielend leichter An- u. Abzahlung mehrjährigen Kredit auf Waren und Möbel. Brotfabrik Nied,-Schönhausen Niederl.in all. Stadtteil, Berlins Max Sander, Dunkerstr. 23. Bezugsquellen- Verzeichnis. Wilh. Scholem Kottbuserdamm 94, Keller. 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Kino- Operateure I Ten Kollegen wird der Anschluß an die Z a h l n a ch t empfohlen._ Der Vorstand, Sechster Wahlkreis. Die Genossen und Genossinnen werden ersucht, sich zahlreich an der Fußpartie am Karfreitag zu beteiligen. Treffpunkt in Hermsdorf, ForsthauS, Auguste-Viltoria-Strotze 18. Abfahrt vom Bahnhof Gesundbrunnen um S,01 Uhr, für Nachzügler um 5136 und 9,54 Uhr. Abmarsch von HermSdorf um 10, 45 Uhr nach Neubrück bei Hennigsorf; von dort nach Tegel. Charlottcukurg. Die Generalversammlung des WahkvereinS findet am Dienstag, d e n 2 5. A p r i l, statt. Die Zahlabend- leitcr werden ersucht, in den heutigen Zahlabenden nachdrücklichst darauf hinzuweisen. Der Vorstand. KönigS-Wusterhausea. Der Zahlabend für Wildau, Deutsch« Wusterhausen und Königs-Wusterhausen fällt heute Mittwoch auS. Der Borstand. Sichwalde. Der Zahlabend findet heute im Restaurant EanS» souci statt. Karlshorst. Der heutige Zahlabend findet bei SabrowSfi, Treslow-Allee Ecke Krausestraße, statt. Spandau. Am Donnerstag, den 13. April, abends 6'/, Uhr, findet von allen Bezirkslokalen aus eine wichttge Flugblatt« Verbreitung statt. Alle Genossen müssen zur Stelle sein. ' Der Vorstand. ßerltner JVachnchten. Die Parkanlagen der städtischen Irrenanstalten. Die Irrenanstalten der Stadt Berlin in Dalldorf und Herzberge besitzen prächtige und ziemlich umfangreiche Parkanlagen. Besonders die über drei Jahrzehnte stehende Dalldorfer Anstalt ist von hauS« hohem Waldbestande umgeben, der im Sommer die Anstaltsgebäude fast völlig den Blicken entzieht. Herzberge ist weniger baumreich, weist aber mehr Feld« und Wiesenareal auf. Man hat eine gute Stunde zu tun, um jedes der beiden AnstaltSgevtet« zu umkreisen. Bon mehreren natürlichen Hügeln genießt man eine hübsche Fernstcht. Zwei Karpfenteiche liegen außerordentlich idyllisch. Zahlreiche Lauben und Ruhebänke sind in lauschigen Winkeln versteckt. Bor den Hauptgebäuden dehnen sich großartige gärtnerische Anlagen mit Blumenbeeten und Springbrunnen aus. Auch Lawu-Teimisplätze fehlen nicht. Man könnte hiernach glauben, wie gut es doch unsere Geisteskranken in den Berliner städtischen Irrenanstalten haben. In Wirklichkeit kommen die schöuen Anlagen den Geisteskranken wie selbst dem Wartepersonal nur recht minimal zugute. In Dalldorf haben von dem zwischen 1200 und 1400 Personen schwankenden Krankenbestande ledig« lich 30 bis 40 Leichttranke als.Gartenkolonne' täglichen Zutritt zu den Parkanlagen, und dann auch nur sehr be- schränkt zu Zwecken der Parkarbeil. Die ganz wenigen bevorzugten Pattenten, welche im ganzen AnstaltSgebict frei«mherstreifen dürfen. kommen nicht weiter in Betracht. Herzberge ist etwas günstiger dadurch gestellt, daß hier die sogenannten Landhäuser. tagSuber un- verschlossene Gebäude, außerhalb der eigentlichen geschlofienen Anstalt inmitten des Parks liegen. Die eiwa 100 Landhäusler haben eö hier bester als im besten allgemeinen Krankenhause. Ferner dürfen eS ge« wisse, aber auch nur etwa 50 Patienten auS den geschlossenen Stationen als besondere Vergünstigung bettachten, daß sie an schönen Sonn- und Feiertagen 1 biS 2 Stunden lang durch die Parkanlagen spa- 'gieren geführt werden. In Dalldorf werden derart nur die Idioten bevorzugt. Die weit überwiegende Mehrzahl der Pattenten in Dall- darf und Herzberge hat von dost Parkanlagen absolut nichts, sondern ist auf den täglichen Spaziergang in den kleinen Stationsgärten angewiesen, wo daS Umherlaufen auf engem Räume den Eindruck des GesängnisteS nur noch verstärkt. Oft genug mutz bann selbst hier wegen Mangel an Aufsichtsperfonal der Spaziergang unter- bleiben. In Luch sind im Gegensatz zu der„Stadt der alten Leute' dortselbst Parkanlagen überhaupt nicht vorhanden und die Einzel« gänen sehr dürfttg. Ist in diesen Verhältnissen nicht eine Aenderung möglich? Die mit Jrrenhaubverhältnifsen genau vertrauten nichtärzttichen Kreise behaupten seit Jahren, daß unser modernes Jrrenhaussystem nur deshalb t'o ungemein wenige wirNiche Heilerfolg« aufzuweisen hat, weil allenthalben der gefängnisartig« Charakler vorherrscht, neun Zehntel der Patienten viel zu intensiv hinter Schloß und Riegel gebalte» werden und daher geistig langsam absterben. Jahraus jahrein bekommen diese Unglücklichen nichts weiter zu sehen als das gräß- liche Elend in den Betten, den entnervenden Geisteskrankenkorso auf den StotionSkorridoren, den ewig gleichen Rnndlauf im mageren Garten und hinter Zaun und Mauer, Gilter und Hecke, ein Stückchen lachende, ihnen vielleicht nie wieder erreichbare freie Natur. Gerade die grausame Absperrung von dem, waS dem Auge so furcht» bar nahe liegt, wirb aus seelisch empfindliche, noch nicht völlig ab- gestumpfte oder verzweifelnde Pattenten außerordentlich ungünsttg ein. Die Verwaltungen sind gegen freiere Regungen, weil sie überall Flucht« obsichten wittern, viel zu sehr schematisieren und lieber die Gesamt- heil darunter leiden lasten, daß bei größerer FreiHeitSgestattung irgend ein Patient entfliehen könnte, der nach ärztlicher Meinung nicht entfliehen darf. Daß auch hier wieder die psychiatrische GesängniSpraxiS sich arg verfährt, beweisen die sommerlichen .Jrrenhauslandpartien', bei denen gleichzeitig viele Hunderte von Patienten in die Parlanlagen gelangen, ohne daß e« zu Flucht- versuchen kommt. Die Verwaltungen wie die Irrenärzte sind also nur viel zu bequem, um die erngerissene Gewohnheit über den Hausen zu stürzen und eine neue Organisation einzuführen. auf Grund deren man eher von Heilpflege in den Irren- anitalten reden könnte. Jetzt find die mit riesigem Kosten- aufwand hergestellten und unterhaltenen Parkanlagen fast nur für die Irrenärzte sowie die Oberpfleger und ihre Familien da, während sie doch wohl vorwiegend den Zwecken der Heilbehandlung dienen sollen. Und diese Bevorzugten nutzen den Borteil nicht mal aus. io daß die Parks im großen und ganzen vereinsamt liegen. Selbst den Jrrenpflegern hat man von Jahr zu Jahr die Erlaubnis, sich während ihrer freien Zeit in den Parkanlage» ergehen zu dürfen, ünmer mehr beschnitten. Fürsorgezöglinge als Seeleute. Die Waisendeputation beschloß in ihrer letzten Sitzung von dem Angebot des Landeshauptmanns der Provinz Westfalen znr Unterbringung von Fürsorgezöglingen auf dem von dem Landeshauptmann eingerichteten Schulschiff zwecks Ausbildung als Seelente versuchsweise Gebrauch zu machen. Zu Beginn der Sitzung erfolgte die Einführung dcS Direktors Knaut als pädagogischer Berater der Waisendcpution auf dem Gebiete der Fürsorgeerziehung. Tie Konsumenten von Gas klagen sehr oft darüber, daß ihre Gasmesser einen höheren Verbrauch anzeigen, als er bei ihnen tat- iächlich stattgefunden habe. Um diesen Klagen abzuhelfen, hat die 1 Deputation der städtischen Gasiverke gestern beschlossen, verfuchsweise ' zunächst bei einer Revierinspektion durch den auf einen der Gas- rechnung beigehefteten Zettel den Abnehmer darauf aufinerkfam zu machen, daß eine unentgeltliche Revision der Gasanlagen durch die Revierinspektion auf Antrag sofort stattfindet. Dieser Zettel braucht bei vorkommender Unstimmigkeit nur der Revierinspektion feingesandt werden, welche die erforderliche Revision dann gleich vornehmen lassen wird. Die PreßgaSbekeuchtung in einigen Sttaßen soll entsprechend dem Verkehrsbedürfnis neu geregelt werden. Dort, wo der Verkehr es erfordert, wird die volle Beleuchttmg bis 1 Uhr nachts aus- gedehnt, in anderen Sttaßen dagegen soll sie schon um 10 oder 11 Uhr eingestellt werden. Der„Wahre Jaeob", der sonst immer am Dienstag in der Buchhandlung Vorwärts zur Ausgabe gelangt, kann dies- mal ausnahmSweit« erst heute, Mittwoch, früh ausgegeben werden. Mit de« ZwangSzwcckverband für Groß-Berli» beschäftigte sich eine Versammlung im Architektenhause, in der Stadtverordneter Eduard Bernstein über„Die EntWickelung Groß-Berlins und der Zweckverband' referierte. Die Darlegungen, die durch Stadtrat Licht-Schöneberg und anderen Diskussionsrednern ergänzt wurden, fanden ihren Ausdruck in der einstimmigen Annahme folgender Resolution: „Die Versammlung erklärt, daß der Zweckverband Groß-Berlin den dringenden Entwickelungszielen Groß« Berlins nur dann gerecht werden kann, wenn er statt auf einer Delegiertenschaft der Gemeinden und Kreise auf einer einheitlichen, auf Grund des direkten und geheimen Wahlrechts oller Einwohner gewählten Verttemng aufgebaut ist. Die Versammlung ruft die Be- völkerung Vroß-Berlm» auf, in diesem Sinne ihren Willen geltend zu machen.' Die Versammlung mit dem weite Kreise interessierenden Thema hat im Architektenhause stattgefunden, einem Lokale, das der Arbeiter fchaft nicht zur Verfügung steht. Au» diesem Grunde konnten wir dem an uns gerichteten Wunsche, auf die Versammlung redakttonell hinzuweisen, leider nicht nachkommen. Ei» Kirchenetat. Der HauShaltungSplan der Berliner Stadtsynode schließt ab mit Einnahme und Ausgabe in Höhe von 5 816 226 M. Kirchen steuern sollen wie im Vorjahre wieder 20 Proz. erhoben werden. Nach dem igericht der Synode sind während des letzten Jahres 6673 Personen, darunter 1222 Ehepaare auS der evangelischen Landeskirche ausgeschieden. Natürlich nehmen durch diese Kirchen- flucht die Einnahmen der Kirchenverwaltung ab und«S wird nicht lange dauern, werden die Kirchensteuern weiter erhöht werden müssen. Zu dem Thema der Unterschlagungen bei der Etadtsynode, wegen deren im Jahre 1310 drei Beamte und ein HilfSbote zu mehrjährigen Zuchthausstrafen verurteilt worden sind, teilt der Ver« waltungSbericht des geschäftSführenden Ausschusses der Stadtsynode mit, daß es noch nicht gelungen ist, den einen der Defraudanten, einen Zivilsupernumerar, der flüchtig geworden ist und steckbrieflich verfolgt wird, zu ergreifen. Nach endgültiger Feststellung betragen die veruntreuten Gelder 169 078 M.; darauf sind bisher durch Erlös aus dem Verkauf der bei den Defraudanten beschlagnahmten Wert objelte 6128 M. eingegangen, so daß tatsächlich 162 350 M. der Kasse der Berliner Stadlsynode entzogen sind. Ueber diesen Betrag schwebt zurzeit noch das Defcktenverfahren beim kgl. Konsistorium. jedoch ist auf eine wesentliche Rückerstattung nicht zu rechnen. — Die Angelegenheit des KassendefeklS bei Nazareth ist noch nicht erledigt.— DaS Konsistorinm hat unter dem 25. Januar 1311 gegen den früheren Kirchenkassenrendanten einen Defekten. beschkuß auf Erstattung der unterschlagenen Gosaintsumme von 126 137 M. gefaßt, wonach der Defraudant zum unmittelbaren Ersatz verpflichtet ist. Da aber zu vermuten ist. daß er nicht zahlen kann, werden nach dem Erachten deS Konsistoriums gleichzeittg auch die beiden Vorsitzenden des Gemeindektrchenrats und diejenigen feiner Mitglieder als Gesamtschuldner regreßpflichtig bezeichnet, die entweder als Revisoren der Kirchenkasse tätig gewesen sind oder die als Belege für die Jahresrechnung dienenden, unrichtigen Einnahme» bescheinigungen ohne Prüfung ihrer Richtigkeit nntunterzeichnet haben. ES soll erwogen werden, ob gegen die ersatzpflichtig er- scheinenden Personen, soweit sie nicht ihre Ersatzpflicht'freiwillig an« erkennen und tatsächlich Ersatz leisten, im ordentlichen Rechtswege durch Klage vorzugehen ist._____ Der Mörder deS Arbeiters Herrmann«och nicht gefunden. Vor dem Amtsgerichte Berlin-Mitte fand in den letzten Tagen eine er- neute Untersuchung statt, um die Mörder in Uniform zu ermitteln. ES waren gegen hundert Schutzleute geladen worden, um den Zeugen, die erst am Abend vorher die Zustellung erhalten hatten. gegenübergestellt zu werden. Die Schutzleute wurden gefragt, ob sie in der Zwischenzeit eine Veränderung ihrer Barttracht vor- genommen hätten, oder ob durch andere Merlmale eine Veränderung ihres Aussehens erfolgt sei. Während der Vernehmung geriet eine der Zeuginnen in große Erregung. Sie erklärte, sie werde vor Gericht nicht mehr als Zeugin erscheinen, wenn ihr nicht der in Frag« kommende Beamte entgegengestellt werde, den sie auf daS bestimmteste wiedererkennen würde.— Bis jetzt sind die Untersuchungen ergebnislos geblieben; die beiden Mörder in Uniform sind immer noch„unauffindbar". Von der Unglücksbahu Reinickendorf— Lieteuvalde. Wieder ein- mal ist durch eine schrankenlose Ueberfahrt der Kleinbahn Reinicken- dorf— Liebenwalde— Gr.-Schö»ebeck ein folgenschweres Unglück an- gerickitet worden. Als am Mvntagiiachmittag gegen 5 Uhr der 23jäbrige Kutscher Jul. Müller von der Schultheiß-Branerei(Nieder- lag« Bernau), vom Restaurant Liepnitz-See kommend, mit seinem Wagen den Bahnübergang kurz hinter der Station Seekrug bei Wandlitz passieren wollie, überhörte derselbe infolge des Geräusches seine« Wagens jedenfalls das Läutefignal eines heranbrausenden Güterzuges der Kleinbahn sein Bemerken des Zuges ist an dieser Stell infolge der großen Gleisbiegung unmöglich). Der Kutscher befand sich bereits mit seinem Gespann aus den Schienen, als er den herankommenden Zug bemerkte. Schnell riß er die Pferde herum, im selben Moment wurde auch schon der Hinterwagen von der Maschine des Zuges erfaßt uud zertrümmert. Der Kutscher wurde in großem Boczen von seinem Wagen geschleudert und kam unter demselben zu liegen; mit schweren inneren Verletzungen wurde er hervorgeholt. Nur dem Umstand«, daß der Wagen außer auf den Kutscher auch noch auf das eine Pferd fiel, hat Müller es zu verdanken, daß er noch mit dem Leben davonkommen dürste, obwohl sein Zustand sehr bedenklich ist. Beide Pferde fielen die hohe Böschung, welche sich an dieser Stelle befindet, hinunter, das eine überschlug sich, brach daS Rückgrat und war sofort tot, das andere erlitt schwere Verletzungen. Der sofort herbeigerufene Arzt Doktor Landau aus Wandlitz leistete dem bedauernsiverten Kutscher die erste Hilfe. BiS heute ist der Verunglückte noch nicht vernehmungsfähig. Er wurde mittels Automobils nach dem Bernauer Krankenhause gebracht. Geradezu ein Hohn ist es, daß sich die Gesellschaft an- gesichts der großen Zahl von Unglücksfällen, welche schon an � den Uebergängen passiert sind, nicht dazu verstehen kann, die Uebergänge mit Schranken zu verschen. In eine Holzbearbeitungsmaschine geriet am Montag früh ein Tischler der Pianofortefabrik Steuer in der Memelerstt. 1t; ihm wurde der rechte Unterarm schwer verletzt. Kollegen brachten den Verletzten in einer Droschke nach der Unfallstation. Abgewiesen worden ist die Witwe deS bei den Moabiter Vor. fällen von Schutzleuten erschlagenen Arbeiters Hermann mit ihren an die Stadt Berlin gestellten Schadenersatzansprüchen. Die ob- schlägige Antwort hat folgenden Wortlaut: „Ihre Ansprüche vom 5. Oktober 1310 wegen Bewilligung einer Rente lehnen wir ab, da das Gesetz vom 11. März 1850 allein den Verletzten, nicht aber den UnterhaltungSbercchtigten einen Anspruch auf Entschädigung gibt. Dagegen haben wir dem Antrag vom 11. und 25. März 1311 auf Erstattung der Beerdigungskosten, soweit diese das von der allgemeinen OrtS- krankenkasie Charlottcnburg gezahlte Sterbegeld übersteigen, in der Höhe von 45 Mark stattgegeben. Sie können diesen Be- trag bei der Stadthauptkasie, mit Ausnahme der beiden letzten Arbeitstage eines jeden Monats, in den Vormittagsstunden erheben. Sollte Ihre Unterschrift in der Kasse nicht bekannt sein, so haben sie solche amtlich bescheinigen zu laffen. Falls sie obigen Betrag innerhalb der nächsten drei Monate vom Empfang dieser Bescheinigung an nicht abgehoben haben sollten, werden wir annehmen, daß eS Ihnen angenehm ist, wenn die Zahlung durch Postanweisung unter Abzug des Portos erfolgt, und wird die Absendung demnächst durch die Stadthaupt- lasse bewirkt werden. gez. Kirschner." Frau Hermann erklärt sich mit der abschlägigen Antwort der Stadt Berlin nicht einverstanden und wird nunmehr gegen den Staat die Klage auf Schadenersatzansprüche geltend machen. Auf dem Wege zur RrtttingSwachr verstorben. Der Schlosser Matz. Buchholzer Str. 3 wohnhaft, litt seit einiger Zeit an einem Halsgeschwür. Da sich der Zustand heute verschlimmerte, wollte seine Frau einen Arzt rufen. Da in der Nachbarschaft nicht gleich einer anwesend war, so bestand der von Schmerzen gepeinigte Mann darauf, mit seiner Frau die Rettungswache in der Gaudystraße auf- zusuchen. Unterwegs jedoch schon ttaten Erstickungsanfälle ein und obwohl er schnell von hilfsbereiten Passanten hingetragen wurde. war doch ärztliche Hilfe vergeben», da der Tod bereit» ein- getreten war. Dir polizeiliche Zentralstelle zur Bekämpfung de» Schmutze» in Wort und Bild greift zu Maßnahmen, die mehr und mehr all- gemeines Aufsehen zu erregen geeignet sind. Nachdem erst dieser Tage künstlerische Karten beschlagnahmt worden sind, zu deren Her- stellung die Generaldirektion der königlichen Museen ihre Zu- stimmung erteilt hatte, wird jetzt die Beschlagnahme von Tausenden von Bktstudien bei einer Versandbuchhandlung in der Bülowstrahe gemeldet. Selbst aus polizeilicher Quelle wird berichtet, daß diese Aktstudien einen künstlerischen Wert besäßen. DaS Gericht habe aber ttotzdem die Beschlagnahme gutgeheißen, weil der Geschäftsinhaber die Bilder ohne Rücksicht auf künstlerische Interessen jedermann an- gebolcn und verkauft habe. Die beschlagnahmten Vorräte werden deshalb aus den Geschäftsräumen weggeholt und nach dem Polizei- Präsidium gebracht werden. Die Soldatenselbstmorde in der Berliner Garniso» häufen sich in letzter Zeit in besorgniserregender Weise. Jetzt wird berichtet. daß der Grenadier Januscheck von der 4. Kompagnie deS Königin Augusta-RegimentS, welcher sich vor etwa sechs Wochen von seinen: Truppenteil entfernt hatte, gestern vormitlag als Leiche im Teltow- kanal bei Tempethof gefunden wurde. Die Leiche wurde in das Garnison-Lazarett II Berlin gebracht. Tödlicher Unfall auf einem Dampfer. Ein eigenartiger Unglücks- fall, der leider ein Menschenleben forderte, hat sich am Montag auf dem Schleppdampfer„Germania" der Reederei L. Kahnt in Stralau zugetragen, der sich auf der Fahrt nach Fllrstenwalde befand. Als das Fahrzeug die in der Nähe der Ortschaft KerSdorf über den Epree-Oder-Kanal führende Sandfurthbrücke passieren sollte, wollte der auf dem Dampfer beschäfttgte 13jährige Bootsmann Bernhard Siedler aus Reinickendorf den Schornstein umlegen. Er führte diese Arbeit aber anscheinend nicht schnell genug auS, so daß der Schorn- stein mit großer Wucht gegen die Brücke stieß. Infolge deS hefttgen Anpralles schlug die schwere eiserne Röhre zurück und ttaf den Bootsmann mit voller Gewalt am Kopfe. Siedler stürzte sofort mit gespaltenem Schädel blutüberströmt und besinnungslos zu Boden. Da unterwegs ärztliche Hilfe nicht zu erlangen war, mußte der verunglückte mit dem Dampfer bis nach Fürstenwalde gebracht werden. Der Schwerverletzte wurde dort nach dem Kranlenhause übergeführt, verstarb aber bereits auf dem Transporte. Tödlicher Fahrfiuhlunfall. Tödlich verunglückt ist gestern vormittag der 43 Jahre alte Fahrstuhlführer Grund aus der Zwingli- straße 24, der bei den Allgemeinen Elektrizitätswerken in der Hutten- straße 12—16 angestellt war. Man fand den Unglücklichen kurz nach 3 Uhr tot unter dem Fahrstuhl liegend, den er bediente. Der schwere Stuhl hatte ihm den Kopf zerquetscht. Wie da» Unglück entstanden ist, weiß man noch nicht. Daß daS Verschulden eine» anderen vorliegt, erscheint nach den bisherigen Ermittelungen aus- geschlossen. Die Leiche wurde zur Obduktion beschlagnahmt. Nach ihrer vorläufigen Besichtigung ist der Tod infolge eines Genick« brucheS eingetreten. Vorort- JVacbricbteiT* Schöneverg. Tie Stabtverordnetenderslniimlung beschäftigke sich in der letzten Sitzung mit dem Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, der lautet: „Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat. für die Arbeiter auf dem Pumpwerk der städtischen Kanalisation einen Arbeitsplan vorzuschreiben, der unter Zugrundelegung der Achtstundenschicht die wöchentliche Arbeitszeit der beschäftigten Arbeiter innerhalb der Höchstzahl von 54 Arbeits- oder Dienst- stunden pro Woche hält und leicht zu übersehen und kon- trolliercn ist." Genosse Bernstein betouie in seiner Begründung, daß es sich nicht um eine Veränderung der Dienststundeu handle. soMro LA EisiMrltgg cimr ÄLrMtliK«»« glpeckwaßige» Ar» keltKzsit. Der vorhandene Arbeitsplan ist so kompliziert und verwickelt, daß es für jeden Eingeweihten schwer hält, sich darin zurechtzufinden; erst nach 16 Wochen tritt ein Wechsel ein. Die Unterbrechung, die der Wechsel herbeiführt, bringt stets das ganze System in Unordnung; es sind dann Ucberstundcn erforderlich, wobei sich die im Monatslohn beschäftigten Arbeiter besonders schlecht stehen, da dieselben keine vergütigt erhalten. Bei einem achtstündigen Wechsel wird der Betrieb ständig aufrechterhalten bleiben und die Arbeiter erhalten einen freien Sonntag. Erster Bürgermeister Domin icus: Die Begründung klingt wohl plaustbel. Es müßten aber mehr Arbeitskräste ein- gestellt werden und es würde eine Mehrausgabe von mindestens 7600 M. entstehen. Der Antrag soll jedoch eingehend geprüft und über das Ergebnis berichtet werden. Treugebrodt(wild): Die Kanalisationsdeputation hat sich eingehend stundenlang mit dem bestehenden Arbeitsplan be- schaftigt und ihn allerdings gegen die Stimme des Sozialdemo- traten gutgeheißen. Es ist daher am besten, den Plan so zu be- lassen. Zobel(Lib. Fraktion): Die Liberalen lehnen den Antrag ab. Auch sie stehen den Arbeitern wohlwollend gegenüber. Die Arbeiter hatten die Pflicht, erst dem Magistrat den Plan vor- zulegen und dann den Stadtverordneten. Es ist notwendig, bei den Gemeinden Groß-Bcrlins eine Umfrage zu halten, inwieweit der Achtstundentag eingeführt und wie derselbe sich bewährt hat. Die Liberalen vertreten keine besondere Klasse, viel weniger sozialdemokratische Anträge. Dann kam der Führer der Schöne- berger Liberalen endlich mit der Sprache heraus, wie drückend und unangenehm es für die starke liberale Fraktion ist. auf die Unter ftützung der Sozialdemokraten angewiesen zu sein. Und um nicht ins Hintertreffen zu geraten, brachte Herr Zobel sofort einige Unteranträge ein.— Hepner(wild) erblickt in der Annahme des Antrages eine große Mehrausgabe und gab seiner Verwunde rung Ausdruck, daß die Liberalen im letzten Augenblick immer mit Anträgen kommen, die weit übers Ziel hinausgehen. Genosse K ü t e r erblickt in der Umfrage nur eine Verzögerung und Verschleppung, weil es sich Nur um Arbeiter handelt und weil der Antrag von den Sozialdemokraten kommt. Wenn die Liberalen den Antrag ablehnen, dann wird damit bewiesen, daß die Arbeiterfragen ihnen gleich Null sind. Genosse Molke nbuhr hat schon vor einigen Jahren auf die Schädlichkeit dieses komplizierten Systems hingewiesen. Dw Unregelmäßigkeit sowie der unbestimmte Wechsel führen Magew »— Emilie. Wenn machen, irgend welche Anträge zu stellen, oder über eine Sache, welche nicht auf der Tagesordnung steht, zu sprechen. Unsere Ver- treter verlangten energisch die Beseitigung dieser Paragraphen, für deren Aufrechterhaltung der Gemejndevertreter Wulff be- sonders eintrat. Der Antrag wurde an eine fünfgliedrige Kom- Mission verwiesen, in welcher der Gemeindevorsteher den Borsitz haben soll. Von unseren Vertretern wurde keiner in dieselbe ge- wählt.— Die Uebernahme der Kreischaussee wurde zurückgestellt, da erst mit den Anliegern verhandelt werden soll. krankheiten herbei und Schädigungen in der Zobel bedauert, daß die Arbeiter sich an die Sozialdemokratie wendeten, so sei dazu zu bemerken, daß es Sache der Beteiligten sei, sich an Leute ihres Vertrauens zu wenden. In der nunmehr erfolgten Abstimmung lehnten die Liberale und die Unabhängige Fraktion den Antrag der Sozialdemokraten ab. nur die letzteren und die Liberale Ver- einigung stimmten dafür. Für die von den Liberalen beantragte Umfrage stimmten fast alle Fraktionen. Um das Rathaus nach der Südfront mehr zur Geltung kommen zu lassen, ist eine Abänderung der Baufluchtlinie not- wendig und wurde dem zugestimmt. Ferner wurde davon Kenntnis genommen, daß der Antrag auf Uebertragung der Geschäfte der örtlichen Baupolizei vom Minister des Innern abgelehnt wurde. Von der Aufstellung eines Monuments auf dem Barbarossaplatz wird Abstand genommen. Der Platz soll mit gärtnerischen An- lagen geschmückt werden. Die von der Berlinischen Bodengesell- schaft zur Verfügung gestellten Beträge dürfen nicht für den Stadtpark, sondern für die Ausschmückung eines anderen Platzes verwendet werden. Die Leiche eines gutgekleideten, etwa 27jährigen Manne? wurde vorgestern auf einer Laubenkolonie an der Schöneberg-Tempelhofer Grenze in einer großen Blutlache aufgefunden. Reben dem Toten lag eine Browningpistole, aus der er sich«ine Kugel in die rechte Schläfe gejagt hatte. In der Jackettasche des Verstorbenen wurde «in Zettel gefunden, der außer der Bitte:»Schreiben Sie meiner Muiter, daß ich tot bin' noch die Namen eines jungen Mädcbens und einer Frau Witwe Cygnom in Erfurt enthielt. Die Person» lichkeit des Selbstmörders konnte bisher noch nicht festgestellt werden. Selbstmord einer Geisteskranken. Gestern mittag hat die 44jährige £frau Minna Clemens, die Gattin eines Schönebergcr Kaufmanns, in rhrer Wohnung in der Berchtesgadener Str. 38 durch Einatmen von Leuchtgas ihrem Leben ein Ende gemacht. Frau C. glaubte sich ständig verfolgt und äußerte deshalb mehrmals Selbstmordgedanken. Bon einem Automobil iiierfahren und schwer verletzt wurde testern nachmittag gegen 3 Uhr in der Gleditschstraße der 4 jährige lohn des in dem Hauie Nr. 39 der genannten Straße wohnhaften Malers Ollesch. Der Kleine spielte mit anderen Kindern vor dem elterlichen Hause und lief, als er nach dem jenseitigen Bürgersteige gelangen wollte, blindlings gegen die vorüberfahrende Automobil» drofchke 9672. Der Knabe wurde umgerissen und von dem Kraft- wagen überfahren. DaS verunglückte Kind, das schwere Kopfwunden und anscheinend auch innere Verletzungen erlitten hatte, erhielt auf der Rettungswache in der Vorbergstraße die erste Hilfe und wurde von dort nach dem Schöneberger Krankenhause übergeführt. Rixdorf. Der plötzliche Tod eines Kindes wird im Hause Emser Straße 21/22 viel besprochen. Am Sonnabend ist dort in der Familie des Maurers Herzog der siebenjährige Sohn Walter ver- storben. Die Eheleute Herzog waren am Abend nach einer be- nachbarten Gastwirtschaft gegangen, während die beiden Kinder von sieben und zwei Jahren allein in der Wohnung zurückblieben. Eine Hausbewohnerin hörte nachher aus der Herzogschen Wohnung lautes Geschrei und begab sich schließlich nach der Gastwirtschaft, um Frau Herzog zu benachrichtigen. Frau Herzog ging hinauf, sah nach den Kindern und ließ dann durch ihren Mann einen Arzt herbeirufen. Als dieser eintraf, soll er den Knaben bereits tot vorgefunden haben. Im Hause erfuhr man am Sonntag früh von dem Todesfall. Frau Herzog soll angegeben haben, daß Walter einem Herzschlag oder vielleicht auch einer Fischvergiftung erlegen sei. Im Zusammenhang mit dem plötzlichen Tod wird allerlei darüber erzählt, daß der Junge von seiner Mutter oft und schwer gezüchtigt worden sei. Walter war von Frau Herzog mit in die Ehe gebracht worden. Man sagt, nicht selten seien an ihm blaue Flecke und dicke Striemen be- merkt worden. Auch sei das Kind sehr verschüchtert gewesen und habe auf Fragen geantwortet. eS dürfe nichts sagen. Frau Herzog soll zuweilen darüber geklagt haben, daß das Kind ihr viel Verdruß bereite, weil es unsauber sei und gewisse häßliche Angewohnheiten habe. Die Kriminalpolizei hat auf eine ihr zugegangene Anzeige Ermittelungen darüber eingeleitet, wodurch der Tod herbeigeführt worden ist. Die Leiche ist beschlagnahmt worden, weil durch eine Obduktion die Todesursache festgestellt werden soll. Lankwitz. In der letzten Gemeindevertreierlibung kam endlich der Antrag des Arbeiterturnvereins betr. Freigabe der Schulturnhalle zur Verhandlung. Da ein bürgerlicher Turnverein ebenfalls einen gleichen Antrag gestellt hatte, so war man sich in der Schul- Deputation einig geworden, nur solchen Turnvereinen die Be- Nutzung zu gestatten, welche der Deutschen Turnerschaft bezw. dem Deutschen Turnerbund aimehörert. Genosse Radike wandte sich entschieden gegen eine solche Bevorzugung und verlangte die Frei- gäbe für alle Turnvereine. Die bürgerlichen Vertreter hüllten sich jedoch in Schweigen und stimmten dem Antrag der Schuldeputation zu. Eine lebhaft- Debatte entspann sich über einen Antrag auf Aenderung der Geschäftsordnung der Gemeindevertretung, welcher vom Genossen Teurig mit Unterstützung von drei bürgerlicften Vertretern gestellt war. Es handelt sich um mehrere rigorose Bestimmungen, welche es dem einzelnen Vertreter unmöglich Reinickendorf. Aus der Gemeindevertretung. Die Gemeindevertretung hat tn ihrer Sitzung am 13. Juli v. I. beschlossen, bei den beteiligten Ge- meindcn des Krankenhausverbandes die Einsetzung einer Kranken hausdcputation anzuregen. Zurzeit besteht ein VerwallungS ausschuß, der nur aus den Borsiebern der vier angeschlossenen Ge- meinden zusammengesetzt ist. Dieser Zustand führt allmählich zu den größten Schwierigkeiten insofern, als über die Verwendung der außerordentlich großen Mittel den Vertretungen der einzelnen Ge- meinden kein Kontrollrecht zusteht. Die Rechte, die die Land- gemeindeordniing der Gemeindevertretung vorbehalten hat, sind so- mit völlig außer Kraft gesetzt. Leider haben nun bis aus die Ge- meinde Rosenthal die übrigen Gemeinden die Abänderung dieser Vertragsbesiiinmung abgelehnt. Da sich aber alle Redner durchaus für die Schaffung eines VerivaltungSauSschusseS erklärten, soll der Gemeindevorstand nochmals mit den be- teiligten Gemeinden verhandeln. Der Großen Berliner Straßen- bahn war ans einen Beichluß der Geineindeverlretung nahegelegt worden, Verkehrsverbefferungen(eine neue Linie und Verstärkung der jetzigen Wagenfolge) durchzusühren. Wie voranszusehen war, lehnte sie daS ab. Interessant sind aber die Gründe der Ablehnung. Diesmal ist es u. a.»der zur« zeit zur Beratung stehende Gesetzentwurf zwecks Bildung eines ZwangszweckverbändcS für Groß-Berlin,' der eS ihr unmöglich mache, die notwendigste Verkehrsverbesserung vorzunehmen- Es wurde daher beschlossen, mit Konkurrenzuiiternehmeu in Verbindung zu treten. Der augenblickliche Zustand der Eichbornstraße, der aller- dingS skandalös zu nennen ist, vcranlaßte das Gemeindebauamt zu einer schriftlichen Rechlsertigung, die nach längerer AuSsübrung schließt:»Ein Grund zu Klagen liegt nicht vor.� Die Gemeinde» Vertreter und mit ihnen sämtliche Anwohner der Straße sind aller- Vings erheblich anderer Meinung. Allerdings trägt das Gemeinde- bauamt nicht allein die Schuld; sind doch die zu verlegenden Rohre bis beure noch nickit bestellt, obgleich das alte Pflaster der Straße bereits im Herbst vorigen Jahres aufgerissen worden ist. Die letzte Gemeindevertretersitzung hatte eine Kommission eingesetzt, die den Auftrag hatte, ein Reglement vorzuschlagen, nach welchem, gemäß früherer Anträge, unsere Genossen den Gemeindearbeitern bei Krankheit die Differenz zwischen Lohn und Krankengeld gezahlt werden soll. Was dabei herausgekommen ist. ist mehr den» kümmer- lich. Die.Unterstützung' soll allen mindestens ein Jahr bei der Gemeinde Beschäftigten von der dritten KraniheitSwoche ab in Höhe von täglich einer Mark gewährt werden, und zwar auf die Dauer von sechs Wochen. Jedoch soll die Unterstützung höchstens zweimal im Laufe desselben Jahres gezahlt werden. Genosse Ohl, der dieser Kommission angehört hatte, unterzog zunächst daS Verhalten des ebenfalls in die Kommission entsandte» Herrn Becker einer eingehenden Kritik. Hatte dieser doch wiederholt im Laufe der Vorberatung gedroht, die Mitarbeit einzustellen, falls auch nur die geringsten Verbesserungen an seinen Vorschlägen vorgenomme» werden sollten. Das zwang unsere Ge- Nossen, ihre Verbefferungsvorschläge dem Plenum nochmals zu unterbreiten. Sie beantragten zunächst, den mehrfach angewandten Ausdruck.Unterstützung' durch.Zuschuß' zu ersetzen; ferner daß der Passus gestrichen werde, der das Kündigungs- und Entlasimigs- recht der Gemeinde während der Krankheit ausdrücklich hervorhebt; auch sollte die Auszahlung der Unterstützung an die Familien- angehörigen nicht abb-'-cgig sein vom Nackweis, daß der Erkrankte voll zur Unterhaitun der Unterstnyungsberechtigten beigetragen habe, sondern sie sollte in all den Fällen gezahlt werden, in denen die Krankenkasse die Familienunterstützung gewährt. Nach einer längeren und lebhaften Debalte wurden jedoch alle diese An- lräge abgelehnt. obgleich ihre Annahme der Gemeinde keinen Pfennig gekoster hätte. Zur Jahntunifcier sollte dem Komitee 100 M. bewilligt' werden. Unsere Genossen H ö p f n e r und Ohl beantragten, das Geiuch abzulehnen. Beide kritisierten das Gebaren der sogenannte» patriotischen Turnvereine und gedachten des Kampfes gegen die Arbeiter-Turnvereine. So lange nicht alle Vereine gleichmäßig behandelt würde», liege kein Grund vor, eine Feier zu unterstützen, die wohl der Turnvater Jahn ebenso energisch ablehnen würde, wie es die Sozialdemokraten jetzt ge- zwungen find. Die 100 Mark wurden natürlich bewilligt. Die bisherige Gebührenordnung für die Wasierabgabe halte zu zahlreichen Ausfällen und Schwierigkeiten bei der Er- Hebung der Gebühr Anlaß gegeben. Der Gemeindevorstand ichlug daher vor, das betreffende Ortsstatut aufzuheben und neue Bedingungen auszuarbeiten, unter denen die Gemeinde Wasser an Private ablassen will. Diese Gelegenheit war den Hausbesitzern ein willkommener Anlaß, für Ermäßigung des Wasserpreises zu plädieren, und sie stimmten den neuen Bedingungen nur zu unter der Be- dingung, daß der Gemeindevertretimg in Kürze eine entsprechende Vorlage unterbreitet wird. Die Besprechung einer putzigen Be- chwerde an den Landrat beschloß die Sitzung. Potsdam. Konkurseröffnung Moritz Wolff. Das hiesige Amtsgericht bat auf Antrag der Zuckerroffinerie Tangermünde Fr. Meyers Sohn da? Konkursverfahren über das Vermögen des Kaufmanns Moritz Wolff. Brauerstraße, und über daS Vermögen der offenen Handels- gesellschaft in Firma Moritz Wolff eröffnet. Die Antrag- lellerin soll an dem Konkurse mit einer Forderung von zirka 100000 M. an die Masse interessiert sein. Irrtümlich totgesagt. Am Sonnabend wurde über den»Selbst- mord' eines Fräulein Martha Schlosser aus Berlin, die durch Er- trinken in der Havel ihr Ende gefunden haben sollte, berichtet. Diese Nachricht war insofern irrtümlich, als vor der Potsdamer Polizei eine falsche Rekognition erfolgt ist. Bei der Rekognoszierung der Toten nach den Photographien und Kleidungsstücken ließ sich die betreffende Person durch das Monogramm Ü. 8. irritieren und glaubte nun Frl. Schlosser in der Selbstmörderin wiederzuerkennen. Frl. Sch. befindet sich aber sehr wohl. Das Dunkel über den Leichenfund am Hause Brauerstr. 3 ist also noch nicht gelichtet. Einen schlechten und verspäteten Aprilscherz hat sich ein junger Mann mit den Feuerwehren in Bornim und Bornstedt erlaubt, die er vorgestern aus Grund eines fingierten Feueralarms zweimal auS- rücken ließ. Um>/z6 Uhr rief er zuerst die Bornimer Wehr tele- phonisch an und schickte sie nach Fahrland und unmittelbar darauf sandte er auch die Bornstedter Wehr zur Brandstätte. Da die Born- stedter Wehr weniger leichtgläubig war, rief er telephonisch den Ober- führer-Siellvertreler an und gab sich als KreiSbrandmeisier auS, der das sofortige Ausrücken der Wehr verlangte. Man folgte dem Befehl. Als Täter soll ein Mitglied der Feuerwehr in Betracht komme». Merkwürdigerweise entstand während der Abwesenheit der Wehren ein kleiner Brand im Lokal Gardeschiebstände. Aus cler frauenbeivegung. O süßes Mutierglück! Die Bestrebungen aller einsichtigen Kreise zielen darauf hin, die erschreckend hohe Zahl der alljährlich in Deutschland wegsterbenden Säuglinge auf ein Minimum einzuschränken. Man hebt die eminente Bedeutung hervor, die der Ernährung der Säuglings durch die Muttermilch zukonimt. appelliert an die ethische Pflicht, die Kinder selbst zu stillen und singt das Hohelied des Mutterglückes in allen Tonarten. Ja, ma n hat auch schon Mittel ausfindig gemacht und zum Teil in die Praxis umgesetzt, durch die man die Mütter wieder mehr und niehr zum Stillen der Kinder auf natürliche Weise an- halten will. Stehen doch die Aerzte einmütig auf dem Stand- Punkt, daß die beste Kuhmilch nicht die Mutternahrung er- setzen kann. Nun ist es ja bei den Frauen der werktangen Bevölkerung nicht Bequemlichkeit oder Pflichtvergessenheit, sondern Krankheit, Unterernährung und vor allem der Zwang, Brot verdienen zu müssen, die Ursache, die sie zur kunjllichen Ernährung ihrer Säuglinge zwingt., Anders steht es jedoch mit den Frauen des BurgertumS und der oberen Schichten. Tort wären in der Regel alle Vorbedingungen gegeben, um die Kleinen an der Mutterbrust großzuziehen, wenn nicht Eitelkeit, Bequemlichkeit und falsche Schambegriffe diese Damen abhielten, das zu tun, was die Natur dem Weibe zugedacht hat. Der Hang zu Vergnügungen und Modetollheit, die Furcht, an Schönheit einzubüßen, und nicht zum mindesten die Einbildung, daß sich so etwas für „bessere Damen" einfach nicht schicke, läßt hier die Pflicht rn den Hintergrund treten. So greift man denn zur Flasche� oder, wenn es der Geldbeutel gestattet, engagiert man sich eine Amme, das heißt, eine arme Mutter, die, um Geld zu verdienen, nun ihrerseits dem Kinde zu Hause die Brust ent- ziehen muß. In unserer famosen Gesellschaft ist eben für klingende Münze alles käuflich. Wie man selbst in aller- höchsten Kreisen in dieser Hinsicht denkt, geht aus einer byzantinischen Notiz hervor, die zurzeit in der bürgerlichen Provinzpresse zu finden ist und mit der die braven Spießer beglückt werden: Prinzliche Ammen. Solange Ammen einen Prinzen oder eine Prinzessin nähren, sind sie der allerstrengsten Beaufsichtigung unterworfen. Bei der im übrigen sehr freundlichen, fast familiären Behandlung, dl« sich ganz von selbst aus ihrer Stellung ergibt, ist ihnen doch jeder unbeaufsichtigte Ausgang oder eine solche Ausfahrt untersagt. Ihr Umgang bleibt auch nicht einen Augenblick ohne Kontrolle. Selbst den Besuch ihrer Männer— denn es handelt sich nur um verheiratete Frauen— dürfen sie ohne Aufsicht nicht empfangen. Ihre Diät und sonstige Lebenshaltung unterstehen direkt der Auf. ficht der kaiserlichen Leibärzte und einer eigens damit betrauten Palastdame. Hier wird also alles, was wir behaupten, vollauf be- stätigt. Von den männlichen Vertretern der Fürstenhäuser hören wir ja immer, daß sie unter der erdrückenden Bürde und Verantwortung ihrer Stellung seufzen. Für das Wohl und Glück ihrer Untertanen brauchen also deren Gemahlinnen nicht zu sorgen und hätten demnach Zeit, ihre Mutterpflichten selbst zu erfüllen— sollte man meinen. Ja. Mutter werden ist schon schwer— Mutter sein ist's noch viel mehr! Uebrigens — können nicht etwa mit der Proletarierinnenmilch gefähr- liche Instinkte in die erlauchten Sprößlinge gelangen? Allein der Gedanke ist schon fürchterlich I— «Versammlungen— Veranstaltungen. Jerein für Frauen und Mädchen der ArbritrrNassr. Mittwoch, den 19. April, im Englischen Garten. Alexanderstr. 27o, abend» 8>/, Uhr: Rezitanonsabend mit darauffolgendem geselligen Beisammensein. Rezitation: Ludwig Hardt. Folgende Aus» flüge sind bis jetzt in Aussicht genommen: Himmelfahrt, 26. Mai. nach Wilhelmshagen(Besuch deS Grabes von Klara Müller); 10. Juli mit Kindern nach Treptow; am 23. Juli WonderauSflug nach Wildpark; 6. August nach Ravenstein bei Hirschgarten. Näheres wird noch bekannt gegeben. Versammlungen. Zentralverband der Schmiede. Eine außerordentlich« Mit» glicderversammlung, zu der auch die Frauen eingeladen ware»� fand am Montag abend in den.Musikersälen' statt. Der Reichs» tagsabgeordnete Robert Schmidt hielt einen beifällig aufg» nommenen Vortrag über das Thema:„Unsere Forderungen an die soziale Gesetzgebung". Zum nächsten Punkte der Tagesordnung. Stellungnahme zu der Maifeier, erklärte Siering, daß die Verwaltung und die Vertrauensmänner empfehlen, in allen Be- trieben rechtzeitig die Frage der Maifeier zu besprechen und wo es angängig sei, die Arbeit am 1. Mai ruhen zu lassen. Wo Schmiede mit Angehörigen anderer Berufe oder Branchen zu» sammenarbeiten, da ist gemeinsame Stellung zu der Frage zu nehmen. Siering gab dann die Beschlüsse, den MaifondS betreffend. bekannt. Die Versammlung am 1. Mai wird gemeinsam mit den Kupferschmieden abgehalten werden. Die Versammelten waren mit den Ausführungen SieringS einverstanden. Unter verschiedenen Berbandsangelegenheiten machte der Vor- sitzende darauf aufmerksam, daß die Schmiede in den Wagen» fabriken Forderungen gestellt und auch einige Erfolge errungen haben._ eingegangene Druchrdmftcn. Gegenwart und Zukunft de» Liberalismus. Bon Dr. F. Rhu» mann. 26 Pf.— Die sozialen Aufgaben de» Liberalismus« Von Dr. H. Potthoff. 25 Ps. Buchhandlung Rationalverein. München. Wera Cornelius. Roman von Fernands Einstmann. Reuß n. Jtta, Konstanz. 3 M.. geb. 4M. Der Stolypinsche Gesetzentwurf. Von N. Hobermann. l.«td ll. Teil. 1.S0 und 3,20 M. Duncker u. Humblot. Leipzig. eSitternngSUverfl«»» vom 11. April 1911. LS 2 e II immrmbt"65 R Hamburg|7669!0 8erftr|765 O Arantl.« M NO München~6iD Wien'762 NW Aetter 2woMg 2 wollen! 2 wolkig 1 wollen! 2 wolle»! 2 bedeckt WK ei »II Havaranda 760 SIM Petersburg 751 NW EctUg ,766050 llberdee» PanJ >773 NW >763 NO C* f# woMg—5 1 Schnee—2 6 bedeckt 1 6 3 bedeckt i 6 3 wvlkcul 8 I I «etteevrognose für Mittwoch, den IS. April 1911. Zunächst ziemlich heiter, nachts wieder kalt, am Tage«lwaS wärmer bei mäßigen nordwestlichen Binden; nachher zu'ncbmende Bewölkung ohne erhebliche Niederichläge. Berliner Wetterbureau. .Wasiert«»_„ der Landtsanstalt lür Gewässerkunde, milgeteilt vom verllner Wetterbureau. Wasserstand M e m» l, TUM P r e g e l. Jnfferdmg Weichsel. Tboru Oder, Ratibor » Krassen , Franlwr» Warthe, sSrimm . Zandsberg Netz«, Bordamm Elbe, LeiUneritz , Dresden , varbz . Magdeburg am 10. 4. orn 475 64 236 194 26« 265 IIS 165 73 86 —23 295 243 leu 9 4. rjn') -12 —7 -16 —14 -1 0 —1 —5 —7 —14 —21 —16 —9 Wasserstand Saal«, Grochll» Havel. Spandau») » Rathenow') S p r e«. Svremberg') » veeslow Weser, Münde» . Minden R h«tu, MarimUiansau , Kaub , Köln Neckar, Heilbrom» Main, verlheiw Mosel. Tri« om 10. 4. om 128 120 170 106 174 -34 52 394 225 2l6 112 166 108 seit 9.4. om') 0 ff-4 +2 0 0 —5 —7 —10 +3 —4 —5 ft+ bedeutet Such».— ffag.—*) llnterveael. Kerantwortlicher Redakteur: Zllbert Wachs, Berlin. Für den Lnseratentcil verantw.; Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Luchdruikerei u. LerlagSanstalt Paul Singer u. Co., Berlin Süü""