Mr. 89. flbonnemcntS'Rcdlngungcn: LionnementZ> Preis prönumerando i Lierteljöhrl. ZP0 Ml., monatl. 1.10 Ml., wöchentlich 28 Pfg. frei ms Haus. Einzelne Äummer 5 Pfg. Sonntags« »umnier mit illustrierter Sonntags« Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Lbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.Zcitungs« Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mail, für daS übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien. Llixemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 28. Itcheg. Die Tn(effl«n$«6(b8|p teträgt für die fechSgeKaltene«oiMS- zeile oder deren Raum so Psg.. für politische und aewerkfchasllich« Vereins- und Berfammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Alelne lSnrelgen", daS fettgedruckte Wart 20 Pfg. fzuläffig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen an- zeigen das erste Wort 10 Psg., jedcS wettere Wort K Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bi» 5 Uhr nachmittags in der ElvediAon abgegeben werden. Die Expeditton ist bis 7 Uhr abends geöffnet. vschilnt lZgtlch anOtr Dloatag«, Verlinev Volksblakt. Zcntratorgan der rozSalckmokrati fehen Partei Deutfdhtands. relegramm-Ldreff«: Ms«iUliltni»knt Btrlii*. Iledaktion: 8 Tl. 68. Lindcnstrassc 69. Fernsprecher- Amt IV, Nr. 1083. Freitag, den 14. April 1911. Expedition: 8Äl. 68, Lindcnatraööc 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. Der Bfinzeraufftand in Frankreich. Wieder einmal entlad sich der Ingrimm französischer Kleinbauern in wilden und sinnlosen Gewalttaten. Es sind erst einige Jahre her. daß ein ähnlicher Aufstand Frankreich in Aufregung versetzte. Damals, im Juni 1907, waren es vier südliche Departements, in denen sich die Weinbauern erhoben. Wie jetzt die Winzer in der Marne, fühlten sich damals die Winzer des Südens durch die wirtschaftlichen Um- stände in ihrer Existenz bedroht. Damals wie heute kam es zu gewaltigen Zusammenrottungen und zu Zusammenstösieu mit der bewaffneten Macht. Und damals wie Heute erschallte der Ruf: Tod den Fälschern, den Weinpantschern! In diesem Wutschrei gegen die großen Weinproduzenten entlud sich der Ingrimm der Weinbauern. Damals suchte man die Weinpantscherei dadurch einzudämmen, daß man die Zucke- ruug des Weines durch eine erhebliche Zusatzsteu'er auf den in der Weinproduktion verwendeten Zucker zu vereiteln suchte: ein Mittel, das freilich sofort die Unzufriedenheit der Zuckerproduzenten hervorrief, hinter denen gleichfalls Massen mittlerer und kleinerer ländlicher Besitzer, Rübenbauern, standen, die durch ein solches Mittel ihren harten Lebens- kämpf ersckMert sahen. Diesmal loderte die Flamme des Aufruhrs in der Champagne empor. Verschiedene Ursachen kamen zu- sammen, um die Unzufriedenheit der Weinbauern zur Explosion zu bringen. Durch die vom Senat beschlossene Be- seitigung des Monopols auf die Erzeugung des..Cham- pagners" sahen sich die Winzer der Marne in ihrer Existenz bedroht. Sie fürchteten die Konkurrenz der angrenzenden Weingebiete. Es handelte sich so um den Kampf einer territorialen Winzergruppe gegen die übrigen. Aber die Ausschreitungen der Winzer der Champagne richteten sich nicht nur gegen die konkurrierenden Winzer der Nachbar- bezirke, sondern vor allen Dingen auch gegen die sogenannten Fälscher. Unter Fälschern versteht man die Champagner- fabrikanten, die aus dem Süden importierten Wein zur Be reitung des Champagners verwenden. Durch die Pautschereien dieser Großproduzenten fühlten sich die kleinen Weinbauern am schwersten bedroht. Gegm sie richtete sich daher in erster Linie die Volkswut. Wie am Mittwoch, so beging man auch am Donnersbag schwere Ausschreitungen gegen diese Fabrikanten. Man stürmte ihre Fabriken, zertrümmerte- ihre Warenvorräte, zerschlug ungeheure Lager von Flaschen Wein und Stückfässern und ließ schließlich gar die gesamten Bau lichkeiten tu Flammen aufgehen. Sicherlich wird manches von den Nachrichten, die durch die Tepeschenbureaus und betrieb- same Berichterstatter verbreitet werden, sensationell auf- gebauscht und übertrieben sein, immerhin wird so viel am Tatsächlichen übrig bleiben, daß von einer gewalttätigen Massenerhebung der Winzer gesprochen werden kann. Die Lage der Regierung ist nach wie vor eine überaus schwierige. Einstweilen sucht mau der Revolte dadurch Herr zu werden, daß man starke Truppenmassen iu das Aufstands. gebiet wirst, die ja zweifellos die Erhebung auch bald er- sticken werden. Aber damit ist der Jnteressenstreit zwischen den verschiedenen Produzentengruppen noch keineswegs ge- schlichtet. Bleibt die Abgrenzung der Weingebiete bestehen, so fühlen sich andere Winzerschichten benachteiligt. Ebenso wird ein strengeres Vorgehen gegen die sogeimnnte Wein- fälschung, die künstliche Champagnerproduktion, wieder den Absatz anderer Weingebiete beeinträchtigen. Ganz abgesehen von der Benachteiligmig der Kapitalistengruppen, deren Champagnerproduktion durch solche Maßnahmen unter- Kunden würde. Hinzu kommt, daß der französische Weinbau' überhaupt unter einer Krise leidet, die durch das Wachstum des den Wcinverbrauch einschränkenden Bier konsums und auch durch die preisdrückende Konkurrenz des in den letzten Jahren aufgeblühten algerischen Weinbaus hervor- gerufen worden ist. All diese Tendenzen lassen sich nicht ein- fach durch die Gesetzgebung aus der Welt schaffen, so daß Frankreich auch in Zukunft mit der Notlage der Winzer und gelegentlichen Verzwciflungsausbrüchen dieser notleidendm Kleinbauch'n zu rechnen haben wird. Auch in Bordeaux gärt es. Die Abstimmung im Senat, der sich für die Aushebung der Abgrenzung im Wcingebiet ausgesprochen hat, hat in Bordeaux große Erregung hervorgerufen. Dr. Martin, eine führende Per- sönlichkeit unter den Weinbauern des Bordeauxgebieteö, veröffentlicht einen Ueberblick über die Lage, die er im schivärzesten Licht erscheinen läßt..Die Lage," sagt er,.ist«ine außerordentlich' .�»were. ES ist für die Weinbauern von Bordeaux eine LebenS« 'rag«, daß durch Abgrenzungsmaßregeln einem b e» trügerischen Borgehen vorgebeugtwird. Esistun- möglich, unter anderen Bedingungen Wein zu pflanzen und zu der» cdeln. Wenn die Abgrenzung aufgehoben wird, dann wird in den Bezirken von Bordeaux die größte Verwirrung um sich greifen." Exzesse der Aufständischen. Paris, 13. April. Ueber die Vorkommnisse bei der Plünderung und dem Z e r st ö r u n g S w e r k in der Umgegend von Epernay fottie über die Maßnahmen der Negieruug äußerte sich der Präsctt> des Marinrdepartements zu einem Berichterstatter wie folgt: Zu- nach st muß vor allem Ay gesäubert werden, wo etwa 12 000 Ruhestörer vereinigt sind. Man plündert Privathäuser, raubt Geldkassen aus und stiehlt Silberzeug: das ist der Bürgerkrieg. Ich entsandte soeben ein Regiment Kavallerie und «in Bataillon Infanterie nach Ay, wo sich bereits zwei Schwadronen befinden. Der Polizeikommissar wird an die Menge die gesetz- liche Aufforderung richten und dann die Straßen unbarmherzig säubern lassen. Die Truppen in Ay hatten tagsüber die Aufgabe, den Marsch der Meuterer nach Epernay zu verhindern, sie wurden aber zum Teil durch die Menschenmassen über den Haufen gerannt. so daß auch in Epernay Fälle von Sabotage vorlamen. Jetzt aber, wo ich über tsiOOV Man» verfüge, darunter 12 Kavallerieregimenter, werde ich dem Gesetz Geltung verschaffen. Hoffentlich wird es ohne Blutvergießen mög- lich sein. Gegen 11 Uhr nachts ist eS den Truppen in Ay gelungen. die aufrührerischen Winzer zu vertreiben, die einen ganzen Straßen- zug in Brand gesteckt hatten, so daß in einer Länge von 80 Meter nur noch verkohlte und rauchende Ruinen übrig geblieben sind. Bei dem Zusammenstoß wurden viele Winzer verwundet, die von ihren Kameraden fortgetragen wurden. Auch mehrere Soldaten erlitten ziemlich schwere Verletzungen. Die Jagd auf die Meuterer, die zumeist in die Weinberge geflüchtet waren, dauerte bis 1 Uhr nachts. Die Untersuchung hat ergeben, daß sich den Winzern arbeitsscheues Gesindel angeschlossen hat, dem der Hauptanteil an den Plünderungen und Dieb- stählen zufällt.— Aus Bar-sur-Aube wird gemeldet, der Unterpräfekt sei von mehreren Winzern mißhandelt worden, weil er die Bekanntgabe des Votums der Kammer verbindert habe aus Furcht, daß hierdurch Ruhestörungen veranlaßt werden könnten. Die landwirtschaftlichen Verbände des Departements Gironde haben gestern abend Versammlungen abgehalten, in denen gegen den Be- schluß des Senats betr. Aufhebung der Abgrenzung des Champagne- Weinbaubezirks Einspruch crboben wird. Epernay, 13. April.(W.T.B.) Ueber denAufsiand derWinzer werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: Das Schauspiel, daS A y gestern nachmittag bot, war schrecklich. Die Flammen der in Brand ge st eckten Häuser beleuchteten Stätten der Gewalt- taten und Plünderungen. An verschiedenen Orten stritten sich die Plünderer um die Beute. Ein scharfer Geruch erfüllte die Straßen, in denen der Wein in Strömen floß. Diese Szenen dauerten bis zum Abend, und selbst um 10'U Uhr nachts versuchte man noch ein HauS in Brand zu stecken. Zwischen den Soldaten und der Menge kam eS namentlich vor den geplünderten Häusern zu zahlreichen Zusammenstößen. Die einen versuchten, mit Chanipagnerflaschen zu entfliehen, andere wieder trachteten, ihnen diese zu entreißen. Von den verbrannten Häusern standen am Abend nur noch die vier Mauern. Straßen und Brücken sind militärisch bewacht. Patrouillen durchsuchten die Voniberkommenden, nahmen ihnen die ge- stohlenen Champagnerflasche» ab und verjagten die letzten Plünderer, die noch nach irgend welcher Benfe in den Trümmern suchten. In Epernay wurden in einem einzigen Hause 71 Stück Wem ausgelassen. Durch die Schüsse der Kavalleristen wurden mehrere Leute verwundet. Am Abend begaben sich viele Einwohner nach Ay, um die Stätten der Plünderung in Augenschein zu nehmen. Auf den Straßen begegneten sie zahlreichen Trunkenen, jeder mit gestohlenen Champagnerflaschen in den Taschen. In Epernay selbst war am Abend alles ruhige Es kommen immer neue Truppen an, die strenge Vorschriften zur Aufrechterhaltung der Ordnung erhalten haben. Heute früh werden zwölftausend Manu in Epernay stehen. Epernay, 13. April.(W. T. 23.) Um 1 Uhr früh erklärte der Präfekt, die Lage sei jetzt ruhiger, da der Hauptherd der Bewegung Ay durch die Truppen gesäubert sei. Während deS gestrigen BorgchenS der Truppen gegen die Plünderer in Ah wurde ein Rittmeister durch einen Steinwurf am Knie schwer verletzt, auch vier Kavalleristen wurden verwundet. RcimS, 13. April.(W. T. B.) Die Winzer v e r b a r r i- lädierten heute das Dorf Venteuil, so daß die Truppen eS erst nach einiger Zeit betetzen konnten. Die tclegraphische und telephonische Verbindung mit Venteuil ist unterbrochen, da die Drähte bei Reuil zerschnitten worden sind. Gegen eine Dragoner- Patrouille wurden Revolverschüsse abgegeben, die jedoch ihr Ziel verfehlten. Ter angerichtete Schaden. Reim?, 13. April.(W. T. B.) Die Zahl der gestern in Ay zerbrochenen Flaschen mit Champagnerwein wird ans mehr als fünf Millionen geschätzt.— Die Winzer, die heute früh einen Weinkeller in Vivay zerslöctcn, haben dabei fünfhundert Stückfässer Wein zertrümmert. Herr v. Scljulzc-Gacvcrnitz und lilarx. Graf v. Mirbach-Sorquitten hat jüngst im preußischen Herren- hause in der Person des Freiburger Professors Dr. v. Schulzc-Gae- vcrnitz den Nachfolger Bebels entdeckt. Des Herrenhäuslers geniale Entdeckung hat in politischen Kreisen viele Heiterkeit erregt. Wußte man auch bisher schon, daß es im Jchthyosauren-Museum der Leip- ziger Straße manche Exemplare aus der Gattung der höheren Saurier gibt, die ihre Würde weniger ihren besonderen Geistes- gaben als der Vorsicht verdanken, die sie einst bei der Wahl ihrer Eltern geübt haben, so war doch diese Gleichstellung der Bebelschen Weltanschauung mit der deS Herrn v. Schulze-Gaevernitz allzu komisch, um nicht heiteres Lachen herauszufordern. Nur Herr v. Schulze-Gaevernitz scheint die Mirbachsche Leistung nicht von der heiteren Seite genommen zu haben; denn er hat dem„Berl. Tage- blatt" einen Artikel eingesandt, in dem er die tiefe Kluft darlegt, die ihn von der marxistischen Sozialdemokratie trennt, und das ehr- same Tageblatt, dieses Unglücks-Welforgan, hat diese Auseinander- fetzung aufgenommen. Eine Courteoisie, die wir im Interesse des Herrn v. Schulze tief bedauern, denn hätte es diesem seinen schönen Artikel zurückgeschickt, dann hätte das Mosseblatt das Freiburger Genie davor bewahrt, aufs neue den Beweis dafür zu liefern, daß es ungefähr vom Marxismus soviel versteht, wie eine allgäuische Milchkuh von der Geometrie. Herr v. Schulze-Gaevernitz ist Kantianer, das heißt nicht Alt- kantianer im Sinne Kants, auch nicht Neukantianer, sondern lieber- kantianer. Als Professor besitzt er natürlich das Verlangen, sich nicht einfach einer schon vorhandenen philosophischen Richtung ein- zugliedern, sondern eine neue zu begründen, und so hat er denn auch den Kantianismus insofern erweitert, als er seinen eigenen Spezial-Jdealismus und vor allem seine kuriose naiv-teleologische Ethik den Kantianischen Lehren aufpfropfte. Daß daraus ein höchst seltsames Geistesragout entstehen mußte, ist selbstverständlich. Es nimmt uns deshalb auch nicht wunder, wenn Herr v. Schulze- Gaevernitz noch immer nicht, obgleich er schon früher mehrfach über Marx und Kant philosophierte, den Unterschied zwischen der teleolo- gisch-ethischen Auffassung Kants und der kausal-historischen Auf- fassung Marxens begriffen hat. Unbegreiflicher dünkt uns schon, daß er Marx, den ärgsten Spötter über den UtilitariSmus(Nütz- lichkeitS- und Glückscligkeitslehre) Benthams und seiner Schule, zum Vertreter der.utilitaristischen Ethik West- e u r 0 p a s" macht. Doch auch das wurden wir ihm in unserer großen Toleranz noch verzeihen; denn man soll von jemandem—- und wäre es selbst ein ordentlicher Professor an einer Universität— nicht etwas verlangen, wofür sein Denkvermögen nicht ausreicht; aber daß er schließlich gar die marxistisch-materialistische Geschichts- auffassung für überlebt erklärt, ohne auch nur eine blasse Ahnung vondieser Theorie zuhaben, ist wirklich allzu starker Tabak. Wörtlich schreibt er? �."���istischi Geschichtsauffassung kann heute durch Z3 e. nach welcher die Ideologie(d. h. die politischen, recht- lichen, moralischen, religiösen Anschauungen) jeder Zeit bestimmt wird durch die Eigenart ihrer Wirtschaftsweise, Arme Freiburger Universitätl Sie ZaHmKougreiie der englischen Sozialdemokratie. Während der Ostcrfeiertag-e finden die Jahreskonferenzen der beiden großen sozialistischen Organisationen Englands statt. Die englische Sozialdemokratische Partei(S. D. P.) wird ihre 31. Jahreskonferenz in Coventry bei Birmingham ab- halten, während die den Gewerkschaften nahestehende Unab» hängige Arbeiterpartei(I. L. P.) Birmingham «um Ort der Tagung bestimmt hat. Auf beiden Konferenzen wird die Frage der internationalen Rüstungen einen großen Teil der Verhandlungen einnehinen. Für die S D P hat.die Frage der Rüstungen nicht nur eine allgemeine, sondern midh eine große parteipolitische Bedeutung. Nehmen doch ihre Fuhrer» allen voran H y n d m a n. eine der Auffassung der inter- nationalen Sozialdemokratie widersprechende Stelluna zu dem Wettrüsten der Völker ein. Sie betrachten Deutschland als Stör?.n r.ed im Volkerkonzert. England müsse rüsten, um die von Deutsch- land drohende Gefahr abzuwenden. Innerhalb der S. D. P. hat diese Auffassung erklärlicherweise heftigen Widerspruch gefunden; verschiedene dazu vorliegende Anträge werden hoffent» lich zu einer klaren und entscheidenden Beschlußfassung führen. Bei anderen Tagesordnungspunkten wird sich die Konferenz der S. D. P. mit ihrer Stellung zu den übrigen führen- den sozialistischen Organisationen Englands de» schäftigen. Daneben befaßt sich eine Anzahl vorliegender Resolu. twnen mit der Wahltaktik der S. D, P.. der Arbeiter, Versicherung u. g. m. Tuch die Tagesordnung der F. L. P. ist sehr reichhaltig; nicht tvcniger als 129 Anträge und Abänderungsanträge sollen während der beiden Kongregtage verabschiedet werden. Die wichtigsten be- ziehen sich auf die Frage des Militarismus und der internationalen Politik. Daneben wird auch die Parteitaktik einer gründlichen Debatte unterzogen werden. Kurios klingt die Resolution der Ortsgruppe Harborne, die die Parlamcntsdertreter der I. L. P. beauftragen will, an keiner Aktion zur Einschränkung der Rüstungen teilzunehmen, so- lange das Recht auf Arbeit nicht verwirklicht ist. Die Orts- gcuppe Bethnal Green verlangt, daß die Leitung der äuszeren Politik und namentlich der Abschluß internationaler Berträge mehr der Kontrolle des Parlaments unterliegen soll. Uebcr die Frage der Parteitaktik, über die Beziehungen der I. L. P. zur Arbeiterpartei einerseits und z u r S. D. P. (Sozialdemokratische Partei) andrerseits, wird sich, wie es scheint, eine eingehende Debatte entwickeln. Eine Resolution will der Arbeiterpartei das Vertrauen der Konferenz ausdrücken. Eine andere Resolution dagegen will angesichts der fortgeschrittenen sozialistischen Meinungen im Lande den Vorstand beauftragen, ihre Delegation von der Arbeiterpartei zurückzuziehen. Eine dritte Resolution schlägt die Vornahme einer Urabstimmung der Parteimitglieder über die Frage vor, ob die I. 2. P. noch weiter im Verbände der Arbeiterpartei bleiben soll oder nicht. Die Ortsgruppen von Chapel-en-le-Frith und Shefford haben Resolutionen, die den Vorstand beauftragen, Matznahmen zu treffen, uin eine Einigung ztvi scheu der I. L. P. und der S. D. P., bezw. eine Verschmelzung aller Teile der sozialistischen Bewegung Englands herbeizuführen. Da auf der fast gleichzeitig stattfindenden JahrcSkonfercnz der S. D. P. ganz ähnliche Resolutionen zur Verhandlungen ge- langen werden, so ist es nicht ausgeschlossen, datz die brennende Frage der sozialistischen Einigkeit in EnglM einen (jjckjnft vorwärts kommt. politikhc Uchcvücht. Berlin, den 13. April 1911. Noch einmal der Termin der Reichstagswahlen. Wie die„Post" erfährt, besteht in RegierungSkreisen der Wunsch. die für den 10. Oktober in Aussicht genommene Herbsttagung des Reichstags noch bis in den Januar 1912 hinein auszudehnen. Der Reichstag würde dann am 2S. Januar sein natürliches Ende finden und die Regierung wäre damit der Einhaltung der Fristen enthoben, die bei einer Auslösung des Reichstags vorgesehen sind. Sehr lange allerdings könnten die Wahlen dann nicht hinausgeschoben werden. schon weil der Etat für 1912/18 so rasch als möglich erledigt werden mutzte._ Eine nene Wahlkreiseinteilung für Elsaß-Lothringen. Es bestätigt sich, daß. wie bereits die„Germania" meldete, die Regierung einen neuen WahlkreiseinteilungSplan für Elsaß-Lothringen ausarbeiten läßt, der den Wünschen deS Zentrums entspricht. Auch die„Köln. Ztg." meldet in ihrer heutigen Morgennummer: Zur Frage der WahlkrekSeinteilung in Elsatz-Lothringen der- lautet, daß gegen die ursprünglich vorgeschlagene Abgrenzung nicht nur in den Kreisen des Zentrum?, sondern auch in denen der Regierung nachträglich Bedenken hervorgetreten seien. Das Zentrum verlangt bekanntlich. datz statt der vorgeschlagenen WahlkreiSgliederung eine solche nach den politischen Kreisen erfolgen solle und daß in denjenigen Kreisen, die auf Grund ihrer Bevölkerungszahl auf zwei oder drei Abgeordnete Anspruch hätten, durch Listen- wähl gewählt werden soll. Diesem Antrage gedenlt die Rc- gierung nicht nachzugeben, wohl aber wird ein neuer Entwurf ausgearbeitet. Als Grundlage für die neue Wahlkreiseinteilung sollen dabei die politischen Kreise gelten. Die- jenigen unter ihnen, die mehrere Abgeordneten zn wählen haben, sollen aber in sich in besondere Wahlbezirke cürgeteilt werden. von denen ein jeder für sich, also unter Ausschluß der Listenwahl seinen eigenen Abgeordneten zu wählen haben wird. Im wesentlichen gibt also die Regierung nach. Höchst komisch mutet de- Satz an. daß der Regierung selbst Be- denken aufgestiegen seien. Sollten diese Bedenken nicht erst dann den erleuchteten Köpfen der Regicrungsbureaukratie zum Bewußtsein gekonmien sein, nachdem das Zentrum mit Ablehnung der Verfassrmgsvorlage drohte? Znm Zwist im bayerischen«ationallibcralen Lager. Die Casselmannsche Richtung in der bayerischen nationalliberalen Partei bleibt die Antwort auf die gestern von uns wiedergegebenen Anschuldigungen deS Herrn Tafel gegen den Bassennannschen „Radikalismus" nicht schuldig. Die parteiamtliche„Liberale LandtagSkorrespondenz" entgegnet ironisch: „AiiZ dieser Darstellung wird zur Gewitzheit, tvaZ auf der Rüniberger Tagung des Landesausschusses keineswegs mit dieser Klarheit zum Ausdruck gelommen ist. datz Herr Tafel nickitS Geringeres angestrebt hat, als die Politik der Nationallibcralen Partei im Reiche von Bayern auS zu durchkreuzen. Mit anderen Worten, in Bayern eine neue�„ W o r m s e r Ecke' einzurichten. ... Für eine Politik nach den, Rezept deS Frhrn. v. Heyl ist. wenn ja unter den Großindustriellen Bayerns wirklich derartige Neigungen bestehen sollten, worüber Herr Tafcl besser unterrichtet sein mutz als wir. die große Masse auch der bayerischen National- liberalen nicht zn haben. Unter solchen Umständen wäre aller- hinaS Herr» Tafels Verbleiben, darin mag er recht haben, ein nutz- loses Opfer seinerseits gewesen, ja vielleicht sogar mehr: Eine Gefahr für die Partei." Nochmals die Wahl in Berlin IV. In der bürgerlichen Presse will man eS nicht anerkennen— oder stellt sich Wenigstens so—, daß durch das Fehlen eines ernst- haften Gegenkandidaten im vierten Berliner ReickSlagSwahlkreise die Wahl in der Tat zu einer öffentlichen geworden war. von der die Beamten sich fernhaUen mutzten. Wie recht wir aber mit unserer Austastung in dieser Beziehung haben, geht deutlich aus der Zuschrift eines Genosien hervor, der bei der Wahl in einem Bezirke tätig war, in dem eine außerordentlich große Zahl von Beamten wohnt. Ter Genosie schreibt: Von Sil eingeschriebenen Wählern kanten nur 21ö zur Wahl. Von den zahlreichen Beamten beteiligte» sich nur fünf daran. DaS Wohlreiullat war folgendes: Für Büchner wurden 290 Stimmen abgegeben, 3 Stimmen erhielt der Zählkandidat deS Zentrums, 2 Stimmen waren zersplittert und 4 Zettel waren ungültig. Angenommen, die fünf Beamten hätten sozialdemokratisch gewählt, so hätten sie hier gerade noch knapp die Möglichkeit gehabt, sich darauf hinauszureden, daß die nicht sozialdemokratischen bezw. die ungültigen Stimmzettel von ihnen herrühren. Durften die Beamten aber denn mit Sicherheit damit rechnen, daß sie, soweit sie sozialdemokratische Zettel abgeben, durch genügend andere gegnerische Stimmzettel gedeckt werden? Nein I Es bleibt dabei, die Beamten, die fönst bei früheren Wahlen zu Tausenden zur Wahlurne gegangen sind, um der Sozialdemokratie, der Partei ihres VeriräüenZ, die Stimme zu geben, mutzten diesmal zu Haufe bleiben. Der Terra- r i s m u s ihrer Vorgesetzten hinderte sie, dos„freie" Wahlrecht, das ihnen von Gesetzes wegen zusteht, auszuüben. Selbsterkenntnis. In der letzten Nummer der„Theologisch-klassischen Monats- schrist", dem Zenwalorgan der katholischen Geistlichkeit Bayerns, sind auf Seite 302 folgende erbaulichen Sätze zu finden: „Man sehe nur das rohe, raffiniert Verletzende in der Preß- Polemik, die schamlose Lüge und das niederträchtige Totschweigen gelehrter Werke und Personen, die nickt zur Partei gehören. andererseits das Hinaufloben kläglicher Machwerke von Freunden. Die katholische Presse ist hier nicht besser, vielmehr noch schofler, als die gegnerische." Das Blatt scheint die Zentrumsfitten und Zentrumsmethode» gründlich zu kenneu._ Was ist's mit der Glcichbercchtiyung in Baden? Dieser Tage hatten unsere badischen Genossen, die als Ver- trcter der Stadt Mannheim in die Kreisversammlung gewählt worden waren, zum erstenmal Gelegenheit, in der Kreisverwaltung praktisch mitzuwirken. Unsere Genossen hatten sich früher bekannt- lich an den Wahlen zu dieser verstaubten Körperschaft nie beteiligt; als in diesem Jahre die Mannheimer Genoffen mit dieser alten Gepflogenheit brachen, gelang eS ihnen, gleich auf den ersten Au- stürm sieben sozialdemokratische Hechte in den Karpfenteich hinein- zubringen. Von diesem Besuch der ungebetenen roten Gäste waren die bürgerlichen Herrschaften begreiflicherweise sehr wenig erbaut, Sie hatten sich daran gewöhnt, die Kreisverwaltung als ihre un- bestrittene Domäne zu betrachten und gaben ihrem Unmut gleich in der ersten Sitzung der alljährlich nur einmal tagenden Kreis- Versammlung Ausdruck. Genosse Remmele eröffnete in dieser Sitzung den Reigen der Redner mit der Begründung eines An- trags, der eine gerechte, der BevölkerungSzisfcr entsprechende Aende- rung der Wahlkreisbezirke fordert. Ferner fordern die Sozial- demokraten das Eintreten des Kreisausschusses für das gleiche, allge- meine, direkte und geheime Wahlrecht mit Proporz für die.Kreis- Versammlung. Der Regierungsrat Becker bezeichnete eine Abstim- mung über die sozialdemokratischen Anträge als unzulässig, weshalb sie einstimmig dem Kreisausschutz überwiesen wurden. Als aber die Wahl des Kreisausschusscs vorgenommen wurde, gewährte man der Arbeiterschaft keinen Vertreter; der sozialdemokratische Kan- didat Geitz(Kammervizepräsident) fiel glatt durch, er erhielt nur 9 Stimmen. Ebenso erging eS Bei der Wahl des Sonderausschusses dem Genossen Aöttgcr(Arbeitersekretär), der nur 8 Stimmen er- hielt. Infolgedessen konstatierte der sozialdemokratische Fraktion»- redner, daß unsere Genossen für unwürdig erklärt wurden, praktisch in der Kreisbersammlung mitzuarbeiten. Sie beteiligten sich dann auch nicht mehr an den weiteren Wahlen der Sonderausschüsse. Und das trotz des Grotzblocks! Agrarischer Patriotismus. Die„Ostpreußische Zeitung" läßt sich„von einem Freunde er- zählen, warum die opferwilligen Agrarier die Erbschaftssteuer ver» werfen mußten. Der„Freund" meint:„Die Folgen dieser Steuer kann sich ein gewöhnlicher Sterblicher kaum ausmalen.... ES wäre nicht dabei geblieben, falls die Erbanfallstener Gesetz geworden wäre, daß der ReichSfiSkuS bei jeder ErbschastöauSeinandersetzung seine fest- gesetzten Abgaben erhalten hätte, vielmehr wäre die natürliche Folge gewesen, daß sehr viele Besitzer eines stcuer» Pflichtigen Vermögens danach gestrebt hätte». daS Vermögen so anzulegen, daß eS sich beim Todesfalle dem S teuer fistuS leicht entziehen könnte." Der„Freund" gibt also ohne Scheu zn, daß die Antwort der Opferwilligen aus die Erbschaftssteuer der verstärkte Versuch zu jenen Steuermogeleien großen Stil« gewesen wäre, die bereit« bei vielen der Edelsten und Besten zu den heiligsten Traditionen ihres Standes gehören._ Die Sozialdemokratie im Urteile des Zentrums. Wenn man die heutigen Zentrumsagitatorcn im geistlichen oder weltlichen Gewände hört, dann ist die Sozialdemokratie der Ver- derb der deutschen Arbeiterbevölkerung. Nicht nur ist die Sozial- demolrati« in ihrem Wirken vollständig unfruchtbar gewesen, es ist ihr auch gar nicht ernstlich um die Hebung der Arbeiterklasse zu tun; sie lebt nur der Schürung der Unzufriedenheit, deS Klassenhasic«, und das einzige. waS sie erreicht, besieht darin, daß sie Regierung und Parteien in ihrer Abneigung vor einer wirksamen Sozialreform bestärkt. ES gab eine Zeit, da dachte das Zentrum weniger schlecht über die Sozialdemokratte. Damals hatte es allerdings noch nicht den Bund mit den Konservativen geschlossen und die Sozialdemokratie als den einzigen Feind erkannt, der unter allen Umständen zur Strecke gebracht werden muß. So konnte man denn Mitte 1896 in der„Germania", dem führenden ZentrumSorgan, folgenden Satz lesen: Von allen größeren Parteien haben bisher nur zwei bewiesen, daß es ihnen m i t der Vertretung der Arbeiterinteressen Wirklich ernst ist: das Zentrum und die S o z i a l d e»n o- kratie. Die anderen Parteien haben erst ihre Arbeiterfreund- lichkeit gezeigt, als die Regierung voranging und die Haltung der breiten Massen deS Volkes ihnen die Reichstags Mandate gefährdete. Da, wo diese Gefahr nicht vorHandel: war, wie im preußischen Abgeordneten- Hause, hat man von einer arbeiterrrenn blichen Politik bei den Parteien außer dem Zentrum nicht allzu- viel bemerkt. Die Meinung, die die„Germania" von dem Ernst und dem Verständnis des Zentrums in der Arbeiterfrage hat. ist ohne Zweifel sehr hoch, und wir könnten uns geschmeichelt fühlen, in dieser Be. ziehung dem glorreichen Zentrum als ebenbürtig an bis Seite gesetzt zu werden. Leider müssen wir den Vergleich ablehnen, denn wir schätzet die sozialvolittsche Verläßlichkeit des Zentrums sehr gering ein. Gerade aus daS Zentrum trifft eS zu, was die„Germania" anderen Parteien zum Vorwurf macht, daß sie nämlich ihr arbenerfreundlicheS Herz erst entdeckten, als die Massen sich auslehnten und ihnen die ReichStagSmandate gefährdeten. Die erste sozialpolitische Tat deS Zentnuns, der vielzerübmte Antrag Galen, erschien, als am Niederrhein und an der Ruhr die katholischen Arbeiter sich gegen daS Zentrum erhoben und bei der Wahl im Jahre 1877 in Aachen und Essen eigene Kandidaten aufgestellt hatten. Und dann möckiten wir einmal wissen, wo und wann denn das Zentrum im preußischen Abgeordnetenhause.arbeiterfreundliche Politik" getrieben hatte. Genau wie die anderen Parteien blieb auch daS Zentrum untätig, weil es im Dreiklassenhause nichts von der Sozialdemo- kratie zu fürchten hatte. Weiter fanden wir in demselben Artikel der„Germania" den Satz: Alle Parteien sind Interessenvertretungen, mögen nun die Interessen geistiger oder materieller Natur sein oder mögen sie beide Arten von Interessen vereinigen. Wenn nun alle Jnteressenkreise daraus bedacht sind. Vertreter ihrer Jnter- essen in den Reichstag zu bringen,«vor will e S dann den Arbeitern verargen, daß sie bestrebt sind, Männer i» den Reichstag zu wählen, welche speziell ihre Interesse>i kennen und energisch vertreten? Wo aber find in den Parteien mit Aiisnahme deS Zentrums und der Sozialdemokratie solche Männer? Ihre Zahl war bisher verschwindend klein und droht in Zukunft noch kleiner zn werden: Mit Verlaub; wo waren denn beim Zentrum im Jahre 1896 die Männer, die„speziell die Interessen der Arbeiter kennen und ver- treten"? In der Reichstagsfraktion des Zentrums saß ein ein- z i g e r der Arbeiterklasse angehörender Abgeordneter: Herr S t ö tz e l. Und dieser war im Jahre 1877 gegen den Willen des Zentrums in Essen gewählt worden, und zwar mit Hilfe der Sozialdemokraten in der Stichwahl gegen den offiziellen Zentrumskondidaten. Und Herr Stötzel blieb bis 19 05, wo" ihm Herr GieLberts folgte, der einzige Arbeiter- Vertreter im Zentrum. 1907 gab es dann fünf solcher Männer, die gewiß als ehemalige Arbeiter die Interessen ihrer Klasiengenossen gründlich kennen, aber als ZcntrumSabgeorduete sie ebenso gründlich verraten. Nach unserer Einschätzung der klerikalen Arbeiterpolitik müssen wir für die Ehre danlen, mit dem Zentrum auf eine Stufe gestellt zu werden. Immerhin»vollen wir uriS denAusspruch des führenden ZentruniSorganS aus dem Jahre 1896 merken: daß ersten« es d e r Sozialdemokratie wirklich ernst ist mit der Ver- t r e t u n g der Arbeiterinteressen und daß zweitens die sozialdemokratischen Abgeordneten Männer sind.I die speziell die Interessen der Arbeiter kennen und energisch vertreten._ Literardistorische Rassentheoretik. Uebcr Friedrich Spielhagen schreibt Adolf Bartels im April-Heft feines„Deutschen Schrifttums": „Er ist eine ilitcressaute Erscheinung und hat zweifellos ehr- sich gekämpft; wenn ihn aber die liberalen Blätter nach seinem Tode zum typischen deutschen Romandichlcr stempeln wollten, so muß doch kräsiig dagegen protestiert werden: Spielhagen hatte eine jüdische Blützumischung. und das verrät sich auch in dem sensationellen und manchmal geradezu advokatorischen Charalter seiner Werke." Also auch Spielhagen ein Judenabkömmling! Natürlich eine Erfindung des Herrn Bartels. Wenn er mit seinen Nassesch, lüffc- leien so fortfährt, wird die Zahl der Dichter rein arischer Ab- stammung immer kleiner._ Reichsjustizamt und Rechtsanwaltsgehilfen. DaS Reichsjusiizamt hat vor längerer Zeit Erhebungen ver- anlaßt über die wirtschaftliche Lage der Angestellten in den Rechts- anwalts-BureauS. Die ausgegebenen Fragebogen sind nunmehr an daS ReichSjusiizamt zurückgelangt und wie von scharfmacherischer Seite behauptet wird, hat sich bei der Bearbeilung der cinzegangenen Antworten ergeben, daß die Lage dieser Angestellten erheblich günstiger ist, als man vorher angenommen hat, weshalb eine gesetz- liche Regelung der Arbeitsverhältnisse als nicht nötig zu er» achten fei. Allem Anschein nach ist hier der Wunsch wieder einmal der Vater deS Gedanken«, denn es unterliegt doch nachgerade keinem Zweifel, daß gerade die Angestellten der Rechtsanwälte zum größten Teil neben langer Arbeitszeit ganz miserabel bezahlt werden. Cnglanä. Liberalismus und Arbeiterschaft. London, 11. April 1911.(Eig. Ber.) Der erbitterte Kampf. den die Bergarbeiter im Rhouddatale seit dem 1. November gegen das„Camörian Combine", ein mächtiges Zechensyndikat führen, hat zu einer großen Verschärfung der Gegensätze zwischen dem liberalen walisischen Bürgertum und der Arbeiterschaft geführt. Der grimmige Kampf zwischen Kapital und Arbeit hat naturgemäß auch die Geschäfte des Bürgertums beeinträchtigt. Aber anstatt sich der Zorn des Krämertums gegen daS halsstarrige Syndikat richtet, das seinen Kunden, den Arbeitern, eine menschenwürdige Existenz nicht zugestehen will, richtet sich sein ganzer Haß gegen die Arbeiter und ihre Führer. Namentlich den Genossen Stanton, der die Berg- leute des Aberdaretales zum Sympathiestreik bewog, und den Ec- nosscn Kcir Hardie, der sich im Parlament unablässig der Sache der von der Polizei brutal mitzhandelten Bergleute angenommen hat, läßt man seinen Unwillen fühlen. Ter crstcre kann sich in den walisischen Städten kaum sehen lassen, ohne ausgezischt und bc- schimpft zu werden. Dem letzteren versucht man nun sein Mandat streitig zu machen. Vor einigen Tagen beschlotz der liberale Ver- band des Wahlkreises Mcrthyr Tydvil, den Kcir Hardie vertritt, ihm bei der nächsten Wahl einen liberalen Kandidaten entgegenzu- stellen. In Arbeiterkreisen erblickt man in diesem Beschluß den An- fang eines erbitterten Kampfes zwischen dem Liberalismus und der organisierten Arbeiterschaft. Man erwartet, daß die liberalen Organisationen in vier weiteren südwalisischcn Wahlkreisen, die jetzt von Arbeiterparteilern vertreten werden, ähnliche Beschlüsse fassen werden. Die treibenden Kräfte in diesem liberalen Vorstoß sind die Jungliberalen, die die Köpfe der Arbeiter durch die Pro- pagierung des walisischen Partikularismus zu verwirren suchen. Hand in Hand mit der Verbreitung nationalistischer Ideen geht eine rege und ungemein gehässige Agitation gegen den Sozialismus, der in den letzten Jahren in Wales viele Anhänger gefunden hat. Die Gehässigkeit, mit der dieser Kampf geführt wird, erklärt sich zum Teil aus dem Umstände, daß die Führer des walisischen Libc- ralismuS vielfach neukonformistische Geistliche, Prediger der Reli- gion der Liebe, sind. Kämpfe zwischen den organisierten Arbeitern und den liberalen Parteiorganisationen gehören in SüdwaleS nicht zn den Seltenheiten; diesmal scheint es sich aber um einen energischen allgemeinen Angriff der Liberalen zu handeln, dem die Arbeiterschaft hoffentlich erfolgreich begegnen wird. Eine Ausdehnung der Osborne-Entscheidung. DaS Kanzleigericht von Lancashire in M a n ch e st e r hat gegen den Verein der Bleicher und Färber einen Einhaltsbefehl erlassen, der ihm die Erhebung der beschlossenen jährlichen Auflage von% Schilling für parlamentarische und örtliche Arbeitervcr- tretung untersagt. Tie Beklagten brachten zur Sprach«, daß der Kläger, ein Bleichcr-Vorarbciter, eine Vergütung von der„Ge- Werkschafts-Verteidigungs-Liga"(der Vereinigung zur Bekämpfung der politischen Gewerkschaftsbetätigung) erhalte. Der Richter erklärte das aber für völlig gesetzlich. Da die Ent- scheidung hinsichtlich der örtlichen Arbeitcrvcrtretung über da? Os- borne-Urteil hinausgeht, soll Berufung eingelegt werden» CUrfe«. Rußland und der albanische Aufstand. Tie türkische Regierung, die mit dem Aufstand in Arabien noch nicht fertig ist, ist durch das Wiederaufflammen der albanischen Empörung nun auch in Europa wieder von Verlegenheiten um- geben. Wird auch berichtet, daß die türkischen Truppen, dank ihrer Maschinengewehre und Schnellfeuergeschützc, in den Gefechten sieg- reich bleiben, so kann von durchschlagenden Erfolgen gegenüber dem gut bcwaffrieien und tapferen Feind noch lange keine Rede sein. Ist es doch den Aufständischen gelungen, die Verbindung zwischen den Truppen und der Landeshauptstadt Skutori zu unterbrechen. Auffällig ist dabei besonders der starke Rückhalt, den der Ausstand SB Wsntenegrs findet, SjdjJ Mr habm WZ fei vorjährigen Med'eüschlagUng Set Cilchorung Scfbft TeilneWst großenteils Zu»> flucht dort gefunden, es wird auch in amtlichen türkischen Kreisen versichert, daß sie dort unterhalten worden seien. Die Mann- schasten hätten täglich 4 Piaster, die Führer das Zehnsache erhalten. So habe man sie unter Waffen zusammengehalten, bis der Kampf wieder von neuen: losgehen konnte. Es wird daher auch gefordert, daß die türkische Regierung die montenegrinische Grenze mit Llrtil- ferie absperre, um den weiK.en Zuzug von dort zu unterbinden. Es ist natürlich nicht daran zu denken, daß Montenegro, dessen Armut bekannt ist, aus eigenen Mitteln diese Kosten aufbringe. ll,ch da der graue Sünder auf dem dortigen„Königsthron" von zeher von Rußland als dessen Agent provocateur auf dem Balkan ausgeholten worden ist, so liegt es nahe, daß in der Türkei die Quelle dieser Freigebigkeit in Nußland gesucht wird. Es wird ja auch von amtlicher russischer Seite stolz berichtet, daß der Staats- schätz in Gold schwimme. Und die Anzettelung neuer Stänkereien im türkischen Reiche wäre sicher die beste Verwendung für die den verhungernden russischen Bauern ausgepreßten Millionen Rubel. Dazu paßt es auch ganz gut, daß der von der türkischen Regierung beabsichtigte Ankauf von drei Transportschiffen der russischen„frei- willigen" Flotte, die zur Beförderung von Truppen nach Albanien dienen sollten, auf Anweisung aus Petersburg hin abgelehnt worden ist.— Jedenfalls wird man dem alten Brandstifter auf die Finger sehen müssen. »» * Eetinje, 13. April.(H. B.) In Detschitsche, wo 1300 bewaffnete Albanesen konzentriert sind, erwartet man einen neuen Kampf. Bei Bozej ist es bereits-zu einem blutigen Zusammenstoß gekom- men, wobei auf beiden Seiten 250 Tote und Verwundete zu ver- zeichnen Ivaren. Die türkischen Truppen steckten aus Rache zwei albanesiscke Dörfer der Stämme Hotti und Eastrati in Brand, wodurch 10 Häuser eingeäschert wurden. Die türkischen Soldaten aus dem Grenzmachthause Prekall, die einen Angriff der Albanesen fürchteten, flüchteten nach Montenegro. Skutari, 13. April. In Djafkische(Hotti), Detschitsche, Schin usw. haben neuerliche Gefechte zwischen Türken und Albanesen stattgefunden. Die aus Skutari auf dem Kriegsschauplatz eingc- troffenen Truppen erlitten große Verluste und haben sich deshalb in das Fort Schiptchanik zurückgezogen. Wie verlautet, haben die Albanesen die Stadt Alessio in Brand gesetzt, jedoch steht eine Ve- pätigung noch aus. Belgrad, 13. April.(H. B.). Aus der Türkei eingetroffene Flüchtliirge erzählen folgende Einzelheiten über die letzten Ereig- nisse in Albanien: Die Albanesen haben nach dem Kampfe bei Tusi die Ortschaft Detschitsche sowie alle Positionen in der Umgebung des Forts Schiptchanik wieder erobert, das jetzt von allen Seiten blockiert ist. Ter Kampf dauerte zwei Tage. Das Resultat dieses Kampfes ist den Flüchtlingen zwar nicht bekannt, aber nach ihrer Ansicht ist die Kapitulation Schiptchaniks bestimmt zu erwarten. Die tele- graphische Verbindung zwischen Tusi und Skutari ist wieder zer- stört. Die neuen Erfolge der Albanesen haben in Skutarieine Panik hervorgerufen. Die dortige Kaufmannschaft verlangte auf telegraphischem Wege Militärverstärtungen für die Stadt, welche in Gefahr ist. Der Tclegraphcndirektor und mehrere Beamte aus Tust sind nach Montenegro geflüchtet. Nach ihren Angaben sind die türkischen Truppen bei Tusi und Detschitsche von den Albanesen gänzlich geschlagen worden._ Die Türkei und Montenegro. Skutari, 13. April. Hier verlautet, die türkische Regierung habe eine neuerliche NoteanMontenegro gerichtet, in welcher Montenegro energisch aufgefordert wird, seine Grenze derart mit einem starken Militärkordon zu umgeben, daß ihre Ueberschreitung durch albanesische Flüchtlinge und Aufständische unmöglich gemacht wird. Hier sind große Militärtransporte angekommen. Ner regiert in Luxemburg? Die bereits durch die Parteipresse bekannt, verfügte die groß- Herzoglich luxemburgische Regierung durch Beschluß vom 7. März d. I.. der am IS. März in die Hände des Betroffenen gelangte, dem Geschäftsführer des Deutschen Metallarbeiterverbatckes, Genossen Brauner Sreuther-Diedenhofen. den ferneren Eintritt in das Gebiet des Grohherzogtums zu verweigern. ES handelt sich also nicht, wie zuerst gemeldet, um eine Ausweisung. Brau- nerSreuther hat seinen Sch außerhalb Luxemburgs— in Diedeichofen in Lothringen—, sondern um eine im Effekt zwar gleiche, aber bei Berücksichtigung der Ursachen des Vorgehens die angeblich.freiheitliche unabhängige luxemburgische Regierung" in noch sonderbarerem Lichte erscheinen lassende Maßregel. Nachdem es möglich geworden, die.Gründe" des Herrn Staatsministers Eyschen kennen zu lernen, besteht auch die Verpflichtung, diese der Oefsentlichkeit zu unterbreiten. Die„Freiheit und Souverä- nität" der luxemburgischen herrschenden Gewalten gegenüber iiußeren Einflüssen wird dadurch blitzartig beleuchtet. Luxemburg ist neben Lothringen bekannt durch seine un- geheuren Eisenerzlager, die— früher fast unbrauchbar durch ihren starken Schwefclgehalt— seit der durch G i l ch r i st und Thomas verbesserten Erfindung Bessemers. der sogenannten Bessemer- birne, die eS ermöglichte, aus dem schwefel- und phosphorrcichsten Eisenerz vorzüglichen Stahl herzustellen, heute die Eisenindustrie Lothringens und Luxemburgs zu ungeahnter, noch stetig fort- schreitender Entwickelung hat emporschnellen lassen. Alle bekannten großen deutschen Montangewaltigen haben sich schon seit längeren Jahren hier festgesetzt und große Werke errichtet. Wer das Wetter am wirtschaftlichen Horizont beobachtet, sich in der Slindikatßpolitik informiert, und ganz besonders die kleinen und großen Eifersüchte- leien, die Interessengegensätze der letzten Zeitläufte in den großen Montanverbänden registriert, muß immer mehr und mehr der An- ficht zuneigen, daß die letzten Trümpfe um das Weiterbesiehen oder die Vorherrschaft im Stahlwerksverband in Lothringen-Luxemburg fallen werden. Seit bereits zwei Jahren ist bei Esch a. d. Alz. im Luxemburgischen die sogenannte Emil-Adolf-Hütto der Gelsen- kirchener Bergwerks» und Hüttcnaktiengesellschaft im Bau, und gleichsam als Antwort darauf hat die Gewerkschaft JakovuS (Thyssen) an der Bahnlinie Metz— Dicdenhofen bei dem Orw Hogendingen die Erstellung einer noch gewaltigeren kapitalistischen Zitadelle, eines Hochofen- und Walzwerkes, in Angriff genommen. Tie„Deutsth-Luxemburgische Bergwerks, und Hüttcnaktiengesellschaft". der dritte Montanriese, beabsichtigt, ihre acht Hochöfen in Differdingen— ebenfalls in Luxemburg— gleicherweise um drei weitere zu vermehren. Die Ausführung derartiger Arbeiten er- ferdert naturgemäß eine große Arbeiterzahl, und daß dieser Bedarf an Menschenhänden im Luxemburgischen selbst nicht mobilisiert werden kann, liegt ohne weiteres auf der Hand. Ein luxemburgisches Landesgesetz schreibt nun vor. daß alle Arbeiterunterkunftsräume, Schlafstätten besonders, in ihren Aus- maßen derart beschaffen sein müssen, daß pro Person 8 Kubikmeter Luftraum zur Verfügung stehen. Zu 10 bis 15 Mann jedoch wurden seitens der Bauleitung der Emil-Adolf-Hütte all die Italiener, Kroaten und Polen in schnell zusammengenagelte Brctterkisten von ihöchsiens 20 bis 30 Kubikmeter gesteckt. Monatelang ging dies schon so. Alles starrte von Schmutz. Das Blsimchen der gcwerbepolizei- lichen Wirksamkeit jedoch blühte in verborgener Bescheidenheit. Das luxemburgische Gesetz gibt auch Vorschriften über die zu schafsenden Einrichtungen zur Förderung der VesundheitS- und Leibespflege der KrjzeiterMast, ebenso ü-ßer die Beschaffenheit her Baugerüste u.Ä» noch vieles anssere. Wascheinrichtung'en sind jedoch nirgends vor» Händen, Unfälle, darunter sogar schwerste mit tödlichem Ausgang, an der Tagesordnung. Wochen- und wochenlang schlief die Ge- Werbeaufsicht den Dornröschenschlaf. Zwar wies die luxemburgische Gewerbeinspektion in einem an die Regierung gerichteten Schreiben die in einer Versammlung zu Esch über die Zustände aus der Werk- baustelle gemachten Ausführungen als übertrieben, teils sogar als erfunden zurück. Als unwahr wurde auch die Schilderung der .pietätvollen Bestattungsart" beim Werksbau zu Tode Gekommener bezeichnet. Wir stellen fest: Am 4. Januar verunglückte ein acht- zehnjähriger Arbeiter tödlich. Am Tage der Beerdigung verlangten nach dem Friedhofsgange einige Arbeitskollegen— ihre Namen sind bekannt— vom Totengräber und Leichenhallenaufseher die Arbeits- lleider des Verschiedenen.„Ich habe nichts als Schuhe, Leibriemen und Mütze; alles übrige ist mit ins Grab gekommen", antwortete dieser. Gewaschen wurde der Tote nach den Feststellungen seiner Mitarbeiter ebenfalls nicht. So wie am 4. Januar an die Arbeit, so am 7. ins Grab! Je eine am 21. Januar und 12. Februar abgehaltene Versamm- lung der beim Bau der Emil-Adolf-Hütte beschäftigten Arbeiter nahm nun Stellung zu all den Dingen. Das Ergebnis der ersten Veranstaltung bestand in einer Eingabe cur die luxemburgische Staatsregierung, in welcher auf die Anarchie auf der Baustelle, auf die vollständige Nichtbeachtung der LandcSvorschriften seitens der Unternehmer hingewiesen und um Einschreiten dagegen ersucht wurde. In beiden Versammlungen wurde selbstverständlich auch nicht unterlassen, auf die Notwendigkeit der Organisation, des An- schlusses an den Deutschen Metallarbcitcrverband hinzuweisen. Für Sonntag, den 19. März, war für die gesamte Arbeiterschaft Eschs erneut eine öffentliche Versammlung anberaumt. Am Bahn- hos Esch wurde jedoch Genosse Braune rsreuther von den luxemburgischen Gendarmen schon in Empfang genommen und ihm das Landesverweisungsschriftstück, unterzeichnet vom StaatSminister Eyschen und dem Gencralstaatsanwalt T h o r n. überreicht. �laeta est alea, die Würfel sind gefallen. Wie durfte es auch gewagt werden, im„freien" Luxemburg die dort herrschenden Zustände zu kritisieren! Indessen, diese Maßnahme luxemburgischer ftaatsministerlicher Weisheit ist dergestalt eigenartig, daß es sich schon verlohnt, sie zu sezieren. Das Land erläßt Schutzvorschriften und Gesetze. Eine mächtige ausländische Kapitalistcngruppe— jedenfalls ist Gelsenkirchen in Luxemburg ein ausländisches Konsortium— kommt herein ins Land, investiert riesige Kapitalien, setzt Tausende von Händen in Bewegung, die Naturschätze in Gold umzumünzen. Mit brutalem Tritt zerfetzt der ausländische Kapitalist das dünne Spinngewebe der zur Einschränkung seiner gesundheit- und menschenwürgenden Tätigkeit erlassenen Paragraphen. Ein anderer „Ausländer" mückste den Gesetzen des Landes Geltung verschaffen, und i h n trifft der Blitzstrahl, e r wird zu Boden geworfen von den Machthabern desselben Landes, dessen gefährdeter Staatsautorität. weil�sie sich zufällig ein Stück Weges mit allgemein menschlichen Rücksichten deckte, er gegen die ebenfalls ausländischen Gesetzes« Verächter eine Gasse bahnen wollte. Ein Bild geradezu leben- sprühender Plastik» Die für den Eintrittsverweigerungsbeschluß vorgeblich wirksam gewesenen„Gründe", Braunersreuther habe in öffentlicher Versammlung die Sabotage empfohlen, wolle auf die luxemburgischen Gesetze pfeifen usw.. sind so unsäglich klobig, so maßlos täppisch, daß man demjenigen, der solches anführt, ohne weiteres den guten Glauben absprechen muß. Ein Angestellter einer deutschen Gewerkschaft, der solcherart plump operierte, würde sich dadurch sofort außerhalb sewer Organisation stellen. Herr Staatsminister Eyschen scheint den Gewerkschaften nicht besonders grün zu sein. Er hat dadurch zweifellos eine gute Note bei Herrn St tun es. dem maßgebenden Manne der„Deutsch-Luxembur- gischen Bergwerks- und Hütten-Aktiengesellschaft". Steht in Deutschland die Gesetzgebung zum Schutze der in den Hütten- und Walzwerken beschäftigten Arbeiter auch erst in den allerersten arm- seligsten Anfängen, so hat das ausländische, das deutsche Kapital. wie dieser Landesverweis zeigt, in Luxemburg vorläufig noch nicht einmal mit solchen Anfängen zu rechnen. Wenn nun der Staats- minister Eyschen in der Kammerverhandlung vom 24. März über die Zulassung der Arbeitersckretäre an die Friedens- und Schiedsgerichte betonte, daß die Sekretäre zum Teil„Ausländer" seien, mit„ausländischem Gelde" bezahlt würden, so wird auf der anderen Seite das Luxemburger Land nicht außer acht lassen, daß es auch in der Hauptsache„ausländisches" Kapital ist, gegen dessen Maximen und nicht zuletzt auch zum Nutzen der inländischen Ar- bester die Tätigkeit der Gewerkschaftssekretäre das notwendige Gegengewicht bildet.- Oder aber soll das System vielleicht fort- gebildet werden, wie es uns im Falle Braunersreuther als Symptom entgegen tritt? Regiert in Luxemburg vielleicht in ab- sehbarer Zeit oder heute schon eine Dynastie Gelsenkirchen oder Hugo Stinnes? Ahmt man vielleicht deshalb heute schon alle üblen horusfischen Gebräuche nach? Soziales. ScrtragSabrede gegen die guten Sitten. Tis Firma Carl Stiller junior ersucht uns um Feststellung, daß ihre Firma mit dem„Schuhwarenhaus Carl Stiller", gegen das eine Verkäuferin eine Klage vor dem Kaufmannsgericht an- gestrengt hatte, über die wir gestern berichteten, nicht identisch ist. Wir kommen diesem Ersuchen hiermit nach. Zwei Boykottprozesse. Vor den Hamburger Gerichten sind in den letzten Tagen zwei gegen Gewerkschaftsbeamte und ZcntralverbSude angestrengte Schadenersatzklagen zur Entscheidung gelangt, bei welcher die ve- kannten inneren Einflüsse, auch Klassenjustiz genannt, stark mit- gewirkt haben. Im ersten Falle handelt es sich um eine Boykott- klage auf Schadenersatz gegen den Schlächterverband und gegen den Vorsitzenden der Hainburger OrtSverwaltunz, Fiedler, der im April 1910 in einem Flugblatt die zur Arbeitseinstellung in einem Betriebe maßgebenden Gründe mitgeteilt und das Publikum auf- gefordert hatte, die Konsequenzen daraus zn ziehen. Kurz darauf sperrte die Hamburger Schlächterinnung sämtliche dem Zentral- verbände� angehörende Gesellen aus und setzte 39 Zentralverbändler auf die schwarze Liste. Da in dem Flugblatt und in den sonstigen Veröffentlichungen einige Unrichtigkeiten enthalten sein sollen, ver- urteilte das Landgericht den Zentralverband wie den Beklagten Fiedler zum Ersatz des nach dem 17. und 18. Juni 1910 dem Kläger erwachsenen Schadens, den die klägerische Firma auf 5600 M. be- ziffert. Ferner werden beide Beklagte verurteilt, die genannten Veröffentlichungen zu unterlassen,„durch die unter Verstoß gegen die guten Sitten durch Anwendung allgemeiner auf das Solioa- ritätsgesühl berechneter, aufreizender und verbetzender Schlagworte das Publikum aufgefordert wird, den geschäftlichen Verkehr mit dem Kläger einzustellen und keine weiteren Einkäufe bei ihm zu machen". Im zweiten Fall handelt eS sich um die Boykottklage der „Hansa"-Brotfabrit gegen den Zcntralverband der Transport- arbciter und den Vorsitzenden der Ortsverwnltung Hamburg, Gaack, der die im Jahre 1908 ztnischen dem Geschäftsführer dieser Fabrik und seinen Kutschern und Hausdienern entstandenen Diffe- renzen in einem Flugblatte schilderte. Tarin war ioehauptet, die Arbeitszeit in der„Hansa" betrage 18 Stunden. Bausen würden nicht innegehalten� der Gesthäftssührer hohe BerhaMnngen zurivle gewiesen usw. In Set BeirelSausnahme wurden„nur" Arbeit?- zeiten bis siebzehn Stunden festgestellt. Tie erste Instanz wies die Klage in allen Teilen ab, weil der Beklagte zu 1(Zentrolverbaud) uicht haftbar gemacht werden könne und weil Gaack in gutem Glauben die ihm von den Kutschern und Hausdienern gemachten Angaben in dem Flugblatt verwertet habe, wie es auch seine Pflicht sei, als Vorsitzender der Ortsverwaltung Hamburg des beklagten Verbandes die Interessen seiner Mitglieder wahrzunehmen. Dieses verständige, der Sachlage völlig gerecht werdende Urteil wurde am Mittwoch in seinem zweiten Teile vom Hanseatischen Oberlandesgericht aufgehoben. Es erkannte den Klageanspruch des Klägers, der„eigentlich" einen Schaden von 20 000 M. erlitten, sich aber mit einigen Tausend Einehen begnügen will, gegen Gaack, dem Grunde nach für gerechtfertigt an und verwies die Sache zu anderweitiger Entscheidung an die Vorinstanz zurück. Das Urteil steht in schroffem Gegensatz zu der verständigen Rechtsprechung des Reichsgerichts und wird dies voraussichtlich noch beschäftigen. Erlöschen der Borstandsmitgliedschaft bei Krankenkassen. Eine wichtige Entscheidung hat der höchste- preußische Vör- waltungsgerichtshos gefällt. Nach dem Statut der Ortskrankenkasse der Handwerker in Krefeld werden in der aus Delegierten der Mitglieder bestehenden Generalversammlung die Arbeitnehmerver- treter im Vorstand von den stimmberechtigten Arbeitnehmerdele- gierten auS dercm Kreise gewählt. Es kann also nur in den Vor- stand gewählt werden, wer Delegierter, das heißt stimmberechtigtes Mitglied der Generalversammlung ist. Nun bestimmt der§ 39 des Statuts, daß Mitglieder des Vorstandes aus diesem ausscheiden, wenn sie die Wählbarkeit für den Vorstand verlieren. Es entsteht die Frage, wie es sich mit der Dauer der Vorstandsmitgliedschaft verhält, wenn ein Vorstandsmitglied vor Ablauf seiner Amtsperiode nicht wieder als Delegierter zur Generalversammlung gewählt wird. Mehrere Arbeitnehmermitglieder des Vorstandes der genannten Krefelder Kasse waren nicht wieder neu als Delegierte zur General- Versammlung gewählt worden, als ihre Amtszeit an sich noch nicht abgelaufen war. Es sollte deshalb nach einem Beschlutz eine Generalversammlung Ergänzungswahlen zum Vorstand bornehmen, weil man annahm, das Mandat der fraglichen Vorstandsmitglieder sei erloschen, weil sie nach dem Statut nur Vorstandsmitglieder so lange sein könnten, wie sie Delegierte zur Generalversammlung seien. Der Vorsitzende beanstandete diesen Beschluß auf Vornahme von Ergänzungswahlen, indem er den Ständpunkt vertrat, daß die seinerzeit als Delegierte in den Vorstand gewählten Personen ihr Amt bis zum Ablauf der Dienstzeit behielten, auch wenn sie in- zwischen nicht wieder zu Delegierten gewählt worden seien. Der Oberbürgermeister als Aufsichtsbehörde gab aber dem Bor- sitzenden unrecht und ordnete an, daß die ErgänzungSwahlcu vor- zunehmen seien. Der BezirkSauSschus! in Düsseldorf war derselben Meinung und wies die Klage ab, welche der Vorstand gegen den Bürger- metster angestrengt hatte. Der 3. Senat des OberverwaltungSgerichtS bestätigte am Mon- tag das Urteil des Bezirksausschusses mit folgender Bedründung: Nach dem Gesetz lägen verschiedene Möglichkeiten vor. wie be- züglich der Vorstaiwswahlcn verfahren werden könne. Erstens: Die Generalversammlung der Kasse bestehe aus sämtlichen Kassen- Mitgliedern und es werde statutarisch vorgeschrieben, daß gemäß § 34 des Krankenversicherungsgesetzes der Vorstand auS den Kassen- Mitgliedern zu wählen fei. Die zweite Möglichkeit sei die, daß die Generalversammlung aus Vertretern der Kassenmitglicder (Delegierten) bestehe. Auch dann könne das Statut den Wortlaut des§ 34 des Gesetzes wählen und bestimmen, daß die Vorstands- Mitglieder aus der Mitte der Kasseumitglieder(nicht bloß den Delegierten) zu entnehmen seien. Andererseits könne dann statu- tariH auch bestimmt werden, daß die Wählbarkeit zum Vorstand abhängig sein solle von der Mitgliedschaft zur Generalversammlung, d. h. von der Delegierteneigenschaft. In diesem Falle könne endlich wieder statutarisch bestimmt werden, daß zwar die Voraussetzung der Wahl, die Vertretec-(Delegierten-)Eigenschaft sei, daß aber doch die Vorstandsmitgliedschaft noch nicht aufhören solle, wenn die Dele- gierteneigenschaft verlöret: gehe. Wie lägen nun die Dinge hier. Hier sage das Statut, daß die Generalversammlung aus Vertretern der Mitglieder bestehe und daß aus der Mitte dieser stimmberechtigten Vertreter die Vor- siandsmiiglieder zu wählen seien. Weiter sei bestimmt, das? mit der Wählbarkeit die Mitgliedschaft im Vorstand aushöre. Dieses Statut könne nur so ausgelegt werden, daß die Wählbarkeit auf- höre mit der Eigenschaft als Delegierter zur Generalversammlung und daß das Vorstandsmitglied seines Amts verlustig gehe mit dem Zeitpunkt, wo ein anderer an feiner Stelle alS Delegierter zur Generalversammlung gewählt werde. Demnach seien Reuwahlen vorzunehmen._ Denn ein Recht zum Leben, Lump— Wie schwer es armen Leuten sogar von der„Obrigkeit" gemacht wird, sich ehrlich, wenn auch mühsam, durchs Leben zu schlagen, zeigte eine Verhandlung vor dem BezirkSauSschus; in Arnsberg. Ein Musiker aus Dortmund hatte für sich die Ausstellung eineS Wandergcwcrbefchcins beantragt. Von:„Vertreter des öffeutlicken Interesses" wurde die Ausstellung verweigert, weil der Musiker „im Inland keinen festen Wohnsitz" habe.(I B7a der Gewerbeordnung.) Der verheiratete Musiker hatte in Dortmund eine Wohnung von 2 Zimmern inne. Nun besteht aber die Familie aus — 7 Köpfen, Mann, Frau und 5 Kindern, ftir die nur 2 Betten vorhanden sind. Tie Belsörde hielt diesen Zustand für„ungehörig" und die Wohnungsverhältnisse nicht den Begriffen eines festen Wohnsitzes entsprechend. Der Musiker beging die neue„Ungehörig- keil", beim Bezirksausschuß zu klagen. Als die Frau in der Sitzung in Arnsberg gefragt wurde, waruin denn keine größere Wohnung gemietet werde, gab sie an, ihr Mann sei längere Zeit krank ge- Wesen, und die Miete für eine größere Wohnung könne nicht von ihnen aufgelbracht werden. Die Frau hatte auch für sich die Aus- stellung eines Wandcrgewerbeschcins beantragt. Auch sie war von der Behörde abgewiesen worden. Der Bezirksausschuß erteilte dem Manne den garünschten Schein, die Frau wurde jedoch wieder abgewiesen mit der weisen, aber dem Gesetz wohl nicht entsprechenden Begründung, daß in solchen Fällen die Frau im Haus bleiben müsse. Run wissen die arme» Dortmunder MusikerSlcuie doch wenigstens, was sich„gehört" und was„ungehörig" ist. Allerdings werden sie auch schon genügend erfahren haben, daß von solchen Sentenzen kein Mensch satt werden kann. Noch ein ähnlicher Fall wurde vor dem Bezirksausschuß in Arnsberg in derselben Sitzung verhandelt. Er betraf auch einen armen verheirateten Mann, dem man den Wandergewerbeschein vorenthielt, weil die Wohnung des Proletariers nicht genügend komfortabel ausgestattet war. In diesem Fall hatte das Ehepaar nur ein Zimmer als Wohnung. Bei der ersten polizeilichen Er- Mittelung war„festgestellt" worden,—„eine Wand so bar,'s ist ein Trost sogar, wenn mein Schatten nur draus sälltl"— daß in dem Zimmer des Antragstellers sich insgesamt drei Gegenstände befanden: eine Bettstelle, ein Kochherd und ein Kinderwagen. Das war der ganzs„Reichtum". Da aber die Erteilung, des Wandcr- gewerbeschcines nach der irrigen Ansicht der Behörde von größerem Hausrat abhängig war, weil sonst kein fester Wohnsitz vorhanden sei, waren zur Zeit des Termins vor dem Bezirksausschuß noch weiter vorhanden: ein Tisch, mehrere Stühle, ein Schrank und ein Sofa. Bei dieser auffallenden„Besserung" des Antragstellers wurde auch ihm der Wandergewerbeschein vom Bezirksausschuß zu- erkannt. Was die Leute beginnen sollen, die in der„Uugehörigkeit" ihres blanken Elends verbleiben, hält die Behörde in ihrer Gedanken Schrein verschlossen. Bei ihnen wird der bittere Vers Heines zu seinem Recht kommen: „Wenn Tu aber gar nichts hast, Ach. so lasse Dich begraben, Denn ein Recht zun: Leben. Lunitz, Hahez, npr, die e.tlMs habend OewcrfelcbaftUcbee. Vis Zcntralifatton der britiPchen Gewerh- fcbaften. London, 10. April 1911.{®ig. Set.) Seit der Gründung des Allgemeinen Gewerkschaftsverbandes (General Federation of Trade Unions) im Jahre 1899 hat man in Großbritannien ernstliche Versuche gemacht, die zersplitterte Gewer?- schaflsbewegung zu zentralisieren. Der Verband hatte sich unter anderem das Ziel gesetzt, die Gewerkschaften nach Berufen zu ver- einigen, um den Gefahren begegnen zu können, die der organi- sierten Arbeiterschaft seitens des sich immer stärker zentralisierenden Kapitals drohen. Der eifrige Sekretär des Verbandes, W.A. Appleton ist ein großer Bewunderer der zentralistischen Gewerkschaften Deutsch- landS, und seinen freundlichen Mitteilungen verdanke ich die folgenden Angaben, die ein erfreuliches Licht auf den EntwickelungSgang der Gewerkschaften Großbritanniens werfen. Wie erinnerlich sein wird, beschloß der letzte britische Gewer!- schastskongreß, Schritte zu tun, um die zersplitterten Berufs- organisationen zusammenzubringen. Der Aufforderung des Gewerkschaftskongresses haben nun schon eine Reihe Gewerkschaften Folge geleistet. Dank der Initiative des Gewerkschaftsverbandes haben sich schon die Töpfer und die Gold- und Silberarbeiter Sheffields zu einem Zentralverband zusammengeschlossen. Der Zentralverband der Töpfer umfaßt die vier früher selbständigen Töpfergewerkschaften, und der neue Verband der Gold- und Silberarbeiter Sheffields wird von 13 alten Gewerkschaften gebildet. Eine weitere bedeutende Zusammenschweitzung von Gewerkschaften derselben Berufe wird in nächster Zeit perfekt werden. Sie betrifft die Eisengießer, die bisher in sechs verschiedenen Gewerkschaften organisiert waren. Diese Organisationen haben zusammen 34 900 Mitglieder. Fünf von ihnen mit einer Mitgliederzahl von 33 SOO haben sich zum Zusammenschluß mit großer Majorität bereit erklärt; nur die Kernmacher stehen noch abseits. Man hofft jedoch, daß diese Orga- nisation nicht lange außerhalb des Verbandes stehen wird. In einer großen Reihe anderer Berufe beschäftigt man sich zurzeit mit dem Gedanken des Zusammenschlusses! in einigen find schon die nötigen Vorbereitungen getroffen worden, um den Gedanken in die Tat umzusetzen. Es ist daher sehr wahrscheinlich, daß auf dem dies- jährigen britischen Gewerkschaftskongreß die Zahl der Organisationen, die jetzt etwa 1150 beträgt, bedeutend geringer seind wird. Auch die Lohnbewegung war in den letzten Monaken eine rech! s Und die Regierung hat die gesamte bürgerliche Presse vom Tpührtffe* IftlS Krv/rriPlf rt Sorrr r\Z-> r> fsr-T /st* CVvtJSiPirtf rtM k-i»-/«'-f- ,, � sf*x � J-./V*.» nnnny*> r\' T hr f> T- f r rrv> f f 0 TT BerUti und Umgegend. Fortdauer des Streiks bei der A. E.-G. Gestern vormittag ist nochmals mit Direktor Elses der» handelt worden, jedoch nicht aus Grund der in der vorgestrigen Versammlung angenommenen Resolution, von der Herr Elses nicht einmal Kenntnis nehmen wollte. Er meinte, der Beschlutz der Versammlung könne gar keinen Eindruck machen, weil ein Teil der Streikenden auf der Bühne gestanden, und den andern Zeichen gegeben hätten, wie sie stimmen sollten. Er wollte den Streikenden jedoch noch etwas weiter entgegenkommen und zwar insofern, als alle, die höhere Löhne hatten und länger als 3 Fahre im Betriebe tätig waren, schon nach 6 Wochen ihren alten Lohn wieder erreicht haben sollten, ja, er wollte darauf hinwirken, daß dies schon in 14 Tagen geschehen könnte. Dabei, daß zum 1. Mai die Zulage von 2 Pf. bestimmt gegeben werde, solle es bleiben, aber wahrscheinlich werde man die Zulage schon innerhalb 8 Tagen gewähren. Auf irgend welche weiteren Zugeständnisse werde die Direktion sich unter keinen Umständen einlassen.— Der Obmann der Subkommission teilte den Streikenden, die sich inzwischen von neuem versammelt hatten, das Ergebnis der Verhandlungen mit. Die Diskussion, die darauf folgte, war sehr kurz. Nachdem ein paar Redner gesprochen hatten, wurde ein An trag auf Schluß der Debatte angenommen. Man wäre am liebsten ohne Abstimmung über die Sache hinweggegangen. Die Leitung verlangte jedoch, daß, entsprechend dem Statut des Trans- Portarbeiterverbandes, über Annahme oder Ablehnung des Ange botes der Direktion durch geheime Abstimmung entschieden werde, und dem trug die Versammlung dann auch Rechnung. Die Ab stimmung ergab die Ablehnung des Angebotes mit 839 gegen 56 Stimmen. Der Streik dauert also fort. Die Versammlung schloß mit der Mahnung an alle, treu im Kampfe auszuharren und in jeder Hinsicht ihre Pflicht zu tun. Achtung, Schuhmacher! Die Streiks bei den Firmen L i p s ch i tz W a l i ch. M a r t w i ch und P i st o l find durch Verhandlungen mit dem Verbände der Schuhsabrikanten beigelegt worden. Auch bei der Firma Kurzmann wurde die Arbeit wieder aufgenommen, da auch dort die Verhandlung ein zufriedenstellendes Resultat zeitigte. Tagegen haben die Kollegen der Firma R o o k Friedenstr. 103, die Arbeit niedergelegt, da die geforderten Lohnerhöhungen nicht be- willigt wurden. Diese Firma ist daher gesperrt. Zentralverband der Schuhmacher. Ortsverwaltung Berlin. Oeutkcbes Reich- Die Lohnbewegungen des Dentschen Holzarbeiter- Verbandes im Jahre 1910. Der Deutsche HolzarbeAerverband hat im letzten Jahre eine Lohnbewegung durchgeführt, die seit Bestehen des Verbandes einzig dasteht. Nicht weniger als 102 012 männliche Arbeiter und 3999 Arbeiterinnen waren daran beteiligt. Insgesamt standen in der Lohnbewegung 106 011 Arbeiter und Arbeiterinnen. Geführt wurden 338 Angriffsstreiks mit 19 634 Beteiligten, 126 Abwehrstreiks mit 3828 Arbeitern. 40 Aussperrungen, woran beteiligt waren 3859 Arbeiter. 608 Angriffsbewegungen mit 77 081 Beteiligten konnten ohne Streik durchgeführt werden. Auch gelang es. 62 Abwehrbewegungen mit 2109 Beteiligten ohne offenen Kampf zu Ende zu führen. Im Jahre 1908 führte der Deutsche Holzarbeiterverband 441 Bewegungen durch, an welchen 37 348 Arbeiter beteiligt waren, während im Jahre 1909 543 Bewegungen durchgeführt wurden mit 32 494 Beteiligten. Bei der Lohnbewegung ini Jahre 1910 wurde eine Arbeitszeitverkürzung erreicht für 51 161 Arbeiter von im Durchschnitt 1.7 Stunden pro Woche. An Lohnerhöhung wurde erreicht bei den Angriffsstreiks für 13 677 Beteiligte im Durch- schnitt 2.01 M. pro Woche, bei den Angriffsbewegungen ohne Streik für 70 262 Arbeiter 1,83 M. im Durchschnitt, bei den Abwehrstreiks für 314 Arbeiter 1,70 M.. bei den Aussperrungen für 4122 Arbeiter 1,36 M. und bei den Abwehrbewegungen ohne Streik für 225 Ar- beiter 1 M. im Durchschnitt pro Woche. Insgesamt wurde erzielt eine Lohnerhöhung von 1,34 M. im Durchschnitt pro Woche für 87 386 Arbeiter. Die Kosten sämtlicher Lohnbewegungen im Jahre 1910 betragen 1245 080 M. Ueber den Stand der Tarifverträge gibt folgende Tabelle Aufschluß: Bestand am 1. Jan. 1910 493 Tarife für 11251 Betriebe und 92260 Pees. 1910 erledigt.... 181,. 6322,. 53010. Demnach noch Gültigkeit 312 Tarife für 4929 Betriebe und 39241 Pers. Im Jahre 1910 neu abgeschloffen... 367,. 6368.„ 74361, Bestand am 31. Dez. 1910 679 Tanke für 11797 Betriebe u. 113602 Pers. Die Entwickelung des Verbandes hat auch in diesem Jahre wieder erhebliche Fortschritte genlacht. Ter gegenwärtige Mit- gliederbestand beträgt rund 174 000, worunter sich zirka 5000 Weib- liche befinden. Das bedeutet eine Steigerung von rund 5000 Mit- gliedern im neuen Jahre lebhafte und brachte dem Verband große Erfolge. Insbesondere die große Februartarifbewegung, an welcher der..Arbeitgeber- Schutzverband für das deutsche Holzgewerbe" beteiligt war, hat ein recht erfreuliches Ergebnis gebracht, was darauf zurückzuführen ist, daß die Macht des Holzarbeiterverbandes auch von den Unter- nehmern gebührend gewürdigt wird. Streiks in der Muhlenindustrie. In der Nenmühle in Züllchow bei Stellin sind 23 Mühlenarbeiter, 15 Hilfsarbeiter und 7 Heizer und Maschinisten ausständig geivorden. Die Direktion lehnte den Abschluß eines Tarifvertrages ab und versuchte die Arbeiter auf den Herbst zu vertrösten.— In der Baltischen Mühle zu N e u m ü h l e n bei Kiel legten 46 Mann die Arbeit nieder, weil die Firma die Fordeumgen der Arbeiter nicht bewilligen wollte.— Zuzug ist fernzuhalten._ Streikbrecher itt Uniform! Bei det Speditionsfirma Carsten in Verden(Aller) sind LoHudifferenzen ausgebrochen, welche zur Arbeitsniederlegung ge- führt habe». Zur Aushilfe hat man Militär vom 26. Artillerie- Regiment herangezogen, welches in voller Uniform Streikbrecher- dienste verrichten muß._ Der Kampf um den Arbeitsnachweis in Eilenburg ist nach zehnwöchiger Dauer beendet worden. Damit hat ein Kampf seinen Abschluß gefunden, der weit über die Mauern der Stadt hinaus Bedeutung hatte. Das organisierte Unternehmertum Eileuburgs wollte zunächst in den Betrieben mit ungelernten Arbeitern den gelben Arbeitsnachweis einfuhren und damit die Arbeiter zur Erwerbung der Mitgliedschaft des gelben Vereins zwingen. Die Unternehmer hatlen sich zur Einleitung der Aktion im Borjahre extra einen gelben Sekretär aus M a g d e- bürg zugelegt. Der Kamps der Unternehmer richtete sich gegen die freien Gewerkschaften und die organisierten Arbeiter EilenbnrgS in ihrer Gesamtheit. Ein rücksichtsloser Kampf sollte gegen den .grenzenlosen TerroriSmuS der freien Gewerkschaften" geführt werden.„Wir sind in der Lage, zu erklären, daß der Arbeilgeber- verband für Eilenburg und Umgegend den Kampf aus eigenster Initiative und nach reiflicher Ueberlegung, lediglich im Interesse der nationalen Arbeiterschaft und der maßlosen Uebergriffe sozialdemo- kratifcher Agitation, loelche sich in den Betrieben immer breiter macht, führt", srieb die„Deutsche Arbeitgeberzeitung". In der Deutschen Zelluloidfabrik wurde am schärfsten vorge- gangen. Die Arbeiter beantworteten den Versuch der Arbeitgeber am 1. Februar mit der Arbeitsniederlegung. 250 Arbeiter und Arbeiterinnen legten die Arbeit nieder und 350 Mitglieder des Textilarbeiter- und Bäckerverbandes wurden daraufhin ausgesperrt. Der Versuch der Unternehmer, Arbeitsnachweise einzuführen. ist mißglückt. Dieses Verlangen wurde schon in früheren Ver- Handlungen fallen gelassen. So drehten sich jetzt die Verhandlungen ausschließlich um die Form der Wiedereinstellung der Streikenden Zwischen der Kommission der Zelluloidarbeiter und der Fabrik- leitung wurde hierüber am Dienstag eine Verständigung erzielt, der die Streikenden zustimmten. Am Dienstag nächster Woche wird die Arbeit abteilungsweise wieder aufgenommen. Der An griff der Arbeitgeber ist abgeschlagen und wenn das Organ der Scharfmacher Eilenburgs, die„Eilenburger Zeitung", in einem eine Stunde nach der Beendigung des Streiks herausgegebenen Flugblatt von einer„vollständigen Niederlage der sozialdemokratisch organisierten Arbeiterschaft" faselt, so wird dadurch die Oeffent lichkcit getäuscht._ Zur Aussperrung der Holzarbeiter i« Hamburg. Eine Aenderung der Situation ist in der letzten Woche nicht eingetreten. Innerhalb 7 Tagen wurden die Arbeiter in zwei wei- teren Werkstellen, und zwar insgesamt 5 Mann ausgesperrt. Bei dieser Situation fällt es den Führern der Unternehmer äußerst schwer, ihre Mannen bei guter Laune uild in Kampfstimmung zu halten. Den Tischlermeistern war nämlich auch nicht unbekannt ge- blieben, daß eine Anzahl Unternehmer sich dem Holzarbeiterver- Sande gegenüber bereit erklärt haben, Einzelverträge abzuschließen und die Forderungen der Arbeiter zu bewilligen. Die Zahl der Unternehmer, die sich wegen einer Verständigung an den Holzarbei terverband gewandt haben, ist nicht gering. In der Meisterversammlung wurden Stimmen laut, die zum Ausdruck brachten, daß es jetzt wohl an der Zeit sei, Friedensver Handlungen in die Wege zu leiten. Diesen gegenüber glaubte die Leitung sagen zu müssen, daß die Aussperrung„recht gut geklappt" hätte und sie glaubte das zahlenmäßig belegen zu können. Aller- dings stimmen die angegebenen Zahlen nicht. Nur eine Angabe stimmt. Es wurde nämlich bekannt gegeben, daß bisher rund 700 Arbeiter ausgesperrt sind. Diese Ziffer stimmt auch mit den Er Mittelungen des Holzarbeiterverbandes überein. Wenn aber weiter gesagt wurde, 2000 Holzarbeiter hätte» die Arbeit eingestellt, so stimmt das nicht, es sind nur 1100. Wie es bei den Meistern lange Gesichter gab, daß nur 700 Ausgesperrte vorhanden, wurde ihnen versprochen, daß weitere 700 in den nächsten Tagen folgen würden. Die„nächsten Tage" sind nun aber um, und die Tischlermeister sind wieder um eine Hoffnung ärmer. Vom Leiter der Arbeitgeber- organisation wurde am Ählusse der Auseinandersetzungen erklärt Wer Sieger im Kampfe bleiben wird, läßt sich heute noch nicht sagen, es ist möglich, daß wir unterliegen, aber es bleibt uns nichts anderes übrig als weiter zu kämpfen." Das klingt zienilich resigniert, ist aber verständlich, weil die in Frage kommende Person die Dinge zu übersehen scheint, während Herrn G u r l i t t jedes Augenmaß für den Stand des Kampfes abgeht. Darum darf man es' ihm auch nicht weiter übel nehmen, daß er auch in dieser Ver- sammlung wieder reckt hohe Töne anschlug, trotzdem die von ihm ausgeheckte Taktik vollständig Schiffbruch gelitten hat. Die Hamburger Holzarbeiter sehen der iveiteren Entwickelung der Dinge mit aller Ruhe entgegen, nur richten sie immer wieder die dringende Mahnung an die deutschen Kollegen, den Zuzug fern- zuhalten._ I» der G-ggenauer Automobilfabrik, einein Zweiggeschäft der Finna B e n z u. C i e.. Mannheim, haben sämtliche Lackierer wegen Maßregelung einiger Kollegen die Arbeit eingestellt. Zuzug von Malexn und Lackierern ist streng fernzuhalten. Ter Mannheimer Hafenarbeiterstreik ist in das Zeichen der polizeilichen Provokation getreten. Als die Geier des Streikbruches zu einem halben Tausend aus dem Krupp- scheu Lieferungsgebiet angelangt ivaren. geführt vom Sklavenhalter Dell fing, da stellten sich auch die badffch-bayeri'chen ..Schutztruppen" ein. Zu der starken Hafenpolizei die von der pfäl- zischen Kreisregierung aufgebotenen Gendarmen in Ludwigshafen, die badischen Gendarmen, die auf den Stvcikfeldern von Pforz- heim und Rastatt ihre Hebungen machten und mit dem Fürsten- taler an Weihnachten ausgezeichnet worden sind. Eine Verstärkung sendet der Zwerg Perkes vom großen Fasse. Die Mannheimer „Volksstimme" schreibt: „D i e Behörde macht scharf! Heute wurden aus Heidelberg zehn Schutzleute ins hiesige Hafengebiet abkam- mandiert. Sie erhielten zu ihren Revolvern je zehn scharfe Patronen, die, wenn sie verknallt sind, wieder ersetzt werden. So muß die Behörde anfangen, dann wird der Krach bald fertig sein!" Unser Parteiorgan teilt ferner mit: „Die B a h n Verwaltung geht jetzt so weit, daß sie unter AndrohungderEntlassungdieArbeiterzwingt, auch in die Schiffsräume zu gehen und Schauer- arbeit zu verrichten. Sie hat von» Streckendienst Arbei- ter eingezogen und den Betrieb verdoppelt. Diese Arbeiter zwingt man zur Streikarbeit. Ties ist die vielgerühmte Neu- tralitätim Musterländle Baden. Die Matrosen, welche sich weigern, Streikarbest zu machen, werden kurzerhand auf die Straße geworfen." Groß- und Schnapsblock auf ihrer Seite gegen die Gewerkschaften. Nichts kann die Mannheimer Hafenarbeiter über die Richtig- keit unserer altbewährten Kiassenkainpftaktik besser aufklären— wenn sie überhaupt noch einer Aufklärung bedursten— als diese „Unparteilichkeit" der bedischen Bodman-Regierung im Lohnkampfe der Arbeiterschaft zu Pforzheim, Rastatt und Mannheim. Der Musterjtaat im Format Klein-Moabit! /lusiand. Zur Aussperrung der Lithographen, Steindrucker und deren Hilfspersonal in Böhmen ist zu berichten, daß die tschechische separatistische Gehilfenorganisation„Lithograficka Beseda", die dem internationalen Lithographenbund nicht angehört, mit den Unternehmern für das tschechische Gebiet einen Tarif auf 6 Jahre abgeschlossen hat. Verbesserungen wurden hierbei für die Arbeiter nicht erreicht. Die bisherige 8�stündige Arbeitszeit für Stein- drucket wurde festgelegt; für Lithographen bleibt die täglich Lstündige Arbeitszeit bestehen. Der Mindestlohn beträgt im ersten Jahre nach dem Auslernen 19 Kronen, im 2 Jahre 23 Kronen und im 3. Gehilfenjahre 27 Kronen. Am 1. April 1913 erhöhen sich die Löhne um je 1 Krone. Mit den deutfch-böhmifchen Lithographen, Sieindruckern usw., die im Oesterreichischen Senefelderbund organisiert sind, fanden gleichfalls Verhandlungen statt, bei denen jedoch die Unternehmer darauf bestanden, daß die mit der tschechischen Gohilfeiwrgani- sation abgeschlossenen Arbeitsbedingungen auch für das deutsche Gebiet Geltung haben sollen. In Anbetracht- dessen, daß in den übrigen Kronländern Oesterreichs die 8>-stündige Arbeitszeit für Steindrucker und deren Hilfsarbeiter schon besteht(in Ungarn sogar 8!4 Stunden), lehnte das die österreichische Gehilfenorganisation ab; sie besteht auf ihrer Forderung der 8>4stündigen Arbeitszeit. Der Kampf, der nun schon seit 10. Dezember andauert, geht somit in verschärfter Form weiter. Arbeitswillige haben sich bisher nur wenige gefunden. Als tiefbedauerlich trat hier die Trennung zwischen der tschechischen und deutfch-böhmifchen Gehilfenschaft im Organisationsverhältnis in den Vordergrund und es herrscht in Gehilfenkreisen wegen des Vorgehens der Tschechen große Auf- regung, zumal die österreichische Organisation sich bereit erklärt hatte, die tschechischen Streikenden, deren Mittel seit längerer Zeit erschöpft sind, aus ihrer Organisation zu unterstützen.— Der internationale Sekretär, der sich einige Tage im Streikgebiet auf- hielt, fand die Stimmung unter den Streikenden sehr gut, und da auch die Buchdrucker Interesse für diese Bewegung zeigen und ein Eingreifen von dieser Seite zu erwarten ist, ist anzunehmen. daß es bald zu weiteren Verhandlungen kommt Versammlungen. Ein Konflikt im Verbände deutscher Eisenbahnhandwerker und -Arbeiter beschäftigte gestern abend eine sehr stark besuchte Mit- gliederverstnnmlung dieses Verbandes. Der Ausgangspunkt des Konflikts bildete die vom Bezirk Berlin des genannten Verbandes einberufene öffentliche Eisenbahnerversammlung, die am 26. Februar in der„Neuen Welt" abgehalten wurde. Diese Verscunm- lung, zu der auch bürgerliche Landtagsabgeordnete eingeladen waren, hat auch unser Genosse Ströbel besucht, weil er es als preu- ßischer Landtagsabgeordneter für feine Pflicht hielt, die Wünsche. welche die Eisenbahnarbeiter angesichts der Beratung des Eisen- bahnetats vorzubringen hatten, aus deren eigenem Munde zu hören. Auf ausdrückliches stürmisches Verlangen hat Ströbel auch in der Versammlung unter großem Beifall gesprochen. Das gab der reak- tionären Presse Veranlaßung, eine Hetze gegen den Vorfitzenden der BezirlSvereinigung des Verbandes, Herrn Severin, ins Werk zu setzen und ihn der Eisenbahnverwaltung des PaktierenS mit der Sozialdemokratie zu denunzieren. Severin ist bald darauf durch den Zentralvorstand und den Äufsichtsrat des Verbandes aus dem Vorstande ausgeschlossen worden. Diese Matzregel hat bei den Berliner Mitgliedern des Verbandes lebhafte Entrüstung hervor- gerufen und Anlaß zu der gestrigen Versammlung gegeben. Der Referent Fetting protestierte scharf gegen den Ausschluß des Vorsitzenden Severin. Derselbe sei unerhört und statutenwidrig. Im übrigen gab sich der Referent die größte Mühe, die Berliner Verbandsleitung und-Mitglieder von der Beschuldigung d«S Paktierens mit der Sozialdemokratie reinzuwaschen. Ströbel sei st» ohne Einladung und ohne Wissen der Bezirksleitung in der Ver- sammlung erschienen. Die Versammlungsbesucher, welche ver- langten, daß Ströbel spreche, seien jedenfalls gar keine Eisenbahner gewesen. Die Sache sei vielleicht von anderer Seite inszeniert war- den. Nach dem stürmischen Verlangen, daß Ströbel reden solle. habe man ihm doch das Wort erteilen müssen. Geschadet habe eS nicht, daß Ströbel sprach Deshalb aber seien die Eisenbahner noch keine Sozialdemokraten. Als Staatsarbeiter können wir keine So» zialdemokraten sein und wollen es auch nicht sein.(Zustimmung, Ruf: Noch nicht.) In diesem Sinne sprachen auch die Diskussionsredner. In der Hauptsache gaben sie ihrem Unwillen gegen den Zentralvorstan!» Ausdruck, weil derselbe nicht die Interessen der Mitglieder ver- trete. Die Versammlung in der„Neuen Welt" sei nur der Vor- wand zum Ausschluß Severins gewesen. Die wirkliche Ursache sei Severins konsequente Vertretung der Mitgliederinteressen, was dem Zentralvorstande nicht genehm sei. Die Versammlung nahm eine Resolution an, die im Sinne der Ausführungen des Referenten gegen das Verhalten i>eS Zentralvorstandes protestiert, sowie die Auslassungen des letzteren, der „Kreuzzeitung" und der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" aus Anlaß der Versammlung in der„Neuen Welt" zurückweist. Daß dem Abgeordneten Ströbel das Wort erteill wurde, sei eine An» standspflicht, aber keine sozialdenwkratische Kundgebung. letzte Nachrichten. Die Winzerrcvolte im Erlöschen Epernay, 13. April.(W. T. B.) Ein starke Kolonne von Winzern ist heute nachmittag hier eingetroffen und hat sich in der Stadt zerstreut. Patrouillen durchstreifen die ganze Umgebung, um Ansammlungen zu verhindern. Die Winzer in Ventueil hatten aus Karren, Bündeln von Rebenpfählen und Balken Barrikaden gebaut, die sie in Brand steckten, als Truppen eintrafen. Auch Barrikaden aus Telephonstangen und Telephondrähten wurden errichtet. Der Offizier der die Truppenabtcilung kommandierte, brachte die Winzer wieder zur Vernunft, s» daß sie selbst die Barrikaden wegräumten. Epernay, 13. April. Nach Beseitigung der Barrikaden in Ben- teuil haben die vereinigten Winzer einen Beschluß gefaßt, in dem sie die Gewalttätigkeiten �billigen, allgemeine Verantwortlichkeit verlangen und sich dagegen aussprechen, daß nur einzelne unter ihnen zur Verantwortung gezogen werden. Der Verband der Syn- dikate der Winzer hat nach einer Besprechung mit den Parlamentariern eine Proklamation erlassen, in welcher erklärt wird, daß die Winzer mit Rücksicht auf den Beschluß der Kanuner, der die Abstiminung im Sencu verbessert habe, in Ordnung und, Loyalität die Entscheidung des Staatsrats abwarten sollten. Jnfslge davon fordert der Verband die Munizipalräte, die ihre Aemter nieder- gelegt haben, auf. ihre Demission zurückzuziehen. SieiinS, 13. April. Heute wurden im Weingebiei etlva vierzig Verhaftungen vorgenommen. In Reims wurden vienindzwanzig Personen festgenommen, insbesondere auch einer der Rädelsführer bei den Plünderungen in Ay. Bei den meisten der Verhafteten fand man Bronzen. Gemälde und Uhren, die gestern gestohlen worden waren._ Rußland auf der Steuersuchr. Petersburg, 13. April.(W. T. B.) Ter Finanzminister unter. breitete dein Ministerrat eine Gesetzesvorlage, wonach alle nicht Wehrpflichtigen während eines Zeitraumes von vier Jahren nach ihrer Befreiung von der Wehrpflicht eine militärische Abgabe vo» jährlich sechs Rubel zu entrichten haben. verantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th.Glode, Berlin. Drucku.Verlag:PorwärtSBuchdr.it oerlagsanjtalt PaulSing-rLCo.,BerlinSW. Hierzu 5 Beilagen u.llnterhaltungsbl. 81.89. 28. Ittifflg, U. MI 1911 Die Keichzverlichei'ungzoränllng. II. Juvalideuversicherung. Die Vorschläge der Kommission zur Invalidenversicherung weisen, tlvgesehen von vier kleinen Aenderungen, nur Verschlechte- r u n g e n gegenüber dem bestehendem Zustand auf. Die gering- fügigen Verbesterungen bestehen in 1. einer unerheblichen Erweiterung des Kreises der Versicherten, 2. einer schmalen Erhöhung der In- dalidenrente eines mit Kindern unter lb Jahren gesegneten Invaliden, S. einem unzulänglichen Entgegentreten gegen eine irrige Recht- sprechung in Schadenersatzprozessen von Arbeitern gegen Arbeitgeber, die das Kleben verbummelt haben sowie gegen das Wegurteilen geklebter Marken durch das Reichsverstcherimgsamt und 4. vielleicht noch in der Znlastung von Zusatzmarken. Diesen nicht wesentlichen Vorteilen, die weit hinter dem Nötigen und Erreichbaren zurückbleiben, stehen «ine große Reihe direkter Verschlechterungen entgegen. In erster Reihe heben wir hier hervor: die Verschlechter u n g des Begriffs der Invalidität im Sinne dieses Gesetzes. Ihr nahe steht eine erhebliche Begünstigung der Sucht, bewilligte Renten grundlos zu entziehen und die Neueinführung des Verlangens, daß der Invalide bei Verlust seiner Rente sich auf Verlangen einer Nachuntersuchung oder Beobachtung unterwerfen muß. G e st r i ch e n ist ferner das Recht auf Rück- « r st a t t u n g der gezahlten Beiträge, das der jungen Ehe- f r a u, dem Unfallverletzten und den Kindern eines verstorbenen Versicherten heute zusteht. Hervor- zuheben ist auch die schlechtere Stellung der Hinter- bliebenen eines Ausländers und die reichsgesetzliche Anerkennung eines Ausweisungsrechts gegenüber einem Ausländer. Tie Erhöhung der Beiträge der Arbeiter ist eine nicht unerhebliche Erhöhung der direkten Steuerlast der Arbeiter, nicht minder die Verpflichtung für ältere als siebzig Jahre alte Versicherte und für die Unfallrentner, weiter zu kleben. Eine vielleicht noch schlimmere Beeinträchtigung der Arbeiterklasse als in den hervorgehobenen Eingriffen in wohlerworbene, mühsam erkämpfte Rechte der einzelnen Arbeiter liegt in der E i n s ch r ä n l u n g. ja nahezu Vernichtung der Selb st Verwaltung der Versicherungsanstalt insbesondere für die Fälle, in denen es sich um Errichtung von Heilstätten oder Durchführung sonstiger zur Hebung gesundheitlicher Verhältnisse dienender Maßnahmen handelt. Der Kreis der Versicherte» soll insofern erweitert werden, als in Zukunft zu den Versicherungspflichtigen zutreten sollen: über 16 Jahre alte gegen einen in der Regel 2000 M. nicht übersteigenden eahresarbeitSverdienst beschäftigte Gehilfen und Lehrlinge in potheken, Bühnen« und Orchestermitglieder ohne Rüchficht auf den Wert ihrer Runstleistungen sowie Angestellte in ähnlich gehobener Stellung wie Betriebsbeamte und Werkmeister. Angestellte jedoch sollen im Gegensatz zu dem Vorschlage der Regierungsvorlage ebenso wie Betriebsbeamte und Werkmeister nur dann der Versicherung unterliegen, wenn diese Beschäftigung ihren Hauptberuf bildet. Der Kreis der JnvalidenversicheruugSpflichtigen soll also auch in Zukunft dem der Krankenversicherungspflicht unterstellten Personen nicht gleichen. Insbesondere wären zwar kranken-, aber nicht invalidenverficherungSpflichtig: 1. alle ihrer Beschäftigungsart nach Versicherten, die das 16. Lebensjahr nicht vollendet haben; 2. die Hausgewerbetreibenden, diese sollen nach wie vor nur durch Beschluß des Bundesrats versicherungspflichtig gemacht werden können. Bon dieser Befugnis hat bekanntlich der Bundesrat nur rücksichtlich der Hausgewerbetreibenden der Tabakfabrikation und des größten Teils der Textilfabrikation Gebrauch gemacht. Nach wie vor sollen bei Deutschen im Auslände beschäftigte Personen nur dann versicherungspflichtig sein, wenn der Betrieb im Auslände als Teil, Zubehör oder Ausstrahlung eine« inländischen Betriebes zu betrachten ,st. Die nach ihrer Veranlassung und Begrenzung nicht recht ver« ständliche von der Regierung vorgeschlagene Ausnahme ist gebilligt. Nach ihr sollen künstig auch Deutsche versicherungspflichtig sein, die bei einer amtlichen Vertretung des Reichs oder eines Bundesstaats im Auslände, oder bei deren Leitern oder Mitgliedern beschäftigt sind.(§ 1214.) Die Ermächtigung de« Bundesrats, die Versiche- rungspflicht auf Gewerbetreibende und sonstige B etriebs- Unternehmer zu erstrecken,.welche nicht regelmäßig wenigstens einen Lohnarbeiter beschäftigen", wollte die Regierungsvorlage etwas erweitern, daß diese Erstrecknng sich auf solche Gewerbetreibende und andere BetriebSunternehmer beziehen soll,.die regelmäßig keine oder kleines feuilleton. Ei« General als Kunstkritiker. Er ist General der Artillerie. Da er sich infolge eines.z. D." zurzeit nicht mit Kanonen be- schäftigen kann, macht er in Kunstkritik� Ihn stört, daß eS mit der Schlachtenmalerei bergab geht; er möchte ihr die Beine stärken. Da« bliebe seine Privatangelegenheit, so lange er nicht, um Schlachtenbilder zu erobern, gegen die Klassiker der Kunst abprotzte. Da der Herr Artillerist aber auf Manet zielt, müssen wir'« zum mindesten belächeln. Die.Erschießung des Kaisers Maximilian". die im vergangenen Jahre in der Sezession zu sehen war, hat ihn gekränkt. Er schreibt sbei Scherl im.Tag"):»Das Bild war, vom militärischen Standpunkt aus geichen, dem in diesen Dingen doch eine gewisse Berechtigung zugestanden werden muß, durchaus schwach, ist aber auch zeichnerisch und malerisch ohne Zweifel eine der mäßigeren Arbeiten des Meisters. Trotzdem wurde es von einer deutschen' Großstadt, die sich vermutlich vorgeschrittener Kunstanschauung rühmt, erworben, und zwar für schweres Geld." Bomben und Granaten; vor der Erschießung eines Kaisers hat ein General zunächst einmal einen Ohnmachtsanfall zu bekommen. Und hinterher Nasenbluten. Was aber den Direktor der Mann- heimer Galerie anbelangt, der wird sich wegen Beleidigung der Majestät zu verantworten haben. Und Manet schließlich: der wird zur Besserung in die preußische Akademie berufen. Glücklicherweise ist er inzwischen gestorben. Indessen, unser General hat einen neuen Schlachtenmaler. einen lebendigen, entdeckt. Selbiger heißt: C. Röchling. Der olle, ehrliche Röchling, der mit Farbe und Pinsel seit vielen Jahren sein militärisches Anslreicherhandwerk verrichtet. Rangiert auch in der Ordensliste pp.. soll auch tüchtiger Recklurner sein. Jedenfalls steht fest, daß Röchlings Bilder in richtiggehender Handinalerei her- gestellt sind. Trotzdem dürfte der Herr Artillericgeneral sich irren: Durch Röchling bekommt die Schlachtenmalerei keine neuen Beine. höchstens falsche Waden. Im Frankfurter Luftschiffhafen. Aus Frankfurt a. M., 11. April, wird uns geschrieben: Zum erstenmal hat nun im Frank- surter Luftschiffhafen ein Schiff vor Anker gelegen; die neue .Deutschland" nahm vergangene Nacht bei uns Quartier. Hafen und Ankerplatz heben sich erst wenig aus der Landschaft heraus; da« weite, stille Feld im Westen der Stadt, jenseits des Haupt- bahnhofes, ahnt einstweilen wenig von dem surrenden, brausenden Leben, das bald aus den Lüften über ihm niedergehen soll und das gestern seine ersten Vorboten gesandt hat. Denn gleichzeitig mit dem Zeppelin-Kreuzer, der aus seiner Reise nach Düsteldors hier landete und übernachtete, wurde auch ein Zweidecker nach Eulerschem Muster gesichtet, und die geometrisch knappen, scharfen Linien der Flugmaschine stritten mit dem wolkcngrauen Riesen- leib des Wals der Lüfte um den Schönheits- und Schnelligkeits- preis. höchstens zwei(statt einen nach dem heutigen Gesetz) Versicherungs- Pflichtige beschäftigen". DieKommission hat diese Erweiterung gestrichen. Gebrauch hat von der bestehenden Befugnis der Bundesrat nicht gemacht. Die kleine Erweiterung wäre wohl lediglich eine ebenso wertlose Folge der Shftemlofigkeit gewesen, die die Fürsorgepflicht für einen Kreis von Personen thsomisch anerkennt, die Pflichr aber nicht erfüllt, sondern das gesetzgeberische Gewissen durch Abschiebung der Aufgabe auf den Bundesrat beruhigen will. Dieser Verkehrtheit ist auch die U n t e r« lassung der Einbeziehung der Privatangestellten in den Kreis der Versicherten zuzuschreiben. Die Privatbcamten hat man mit einer in einer Herbstsession zu beschließenden Vorlage vertröstet. Das beißt eine, überdies völlig unzulängliche Ein- beziehung der Privatbeamlen auf den Sankt Nimmerleinstag ver- schieben. Und doch ist die Einbeziehung der Privatbeamlen in den Kreis der Versicherten und im Rahmen der ReichsversicherungS- ordiiung möglich und nötig. Unsere Genossen in der Kommission haben freilich tauben Ohren gepredigt, als sie die Verwirklichung der endlichen Erfüllung dieser Forderung verlangten. Ihre Anträge wurden abgelehnt. Jedem Unvoreingenommenen zeigt sich immer klarer, daß der Weg der richtige, an, leichtesten durchführbare und mit den geringsten Kosten verknüpfte ist, den die Sozialdemokraten bereits bei Be- ratung der ersten Versicherungsgesetze im Jahre 1882 beschritten hatten: unter Beseitigung all' der Katalogisierungen der zu ver- sichernden Personen, und der Ermächtigungen des Bundesrats die Versicherungspflicht lediglich von dem Einkommen abhängig zu mache». Warum soll die Versicherungspflicht nicht auf alle Per« sonen, die ein Jahreseinkommen von unter 5000 Mark haben, ausgedehnt Iv erden? Die Motive verraten über die Gründe nichts, welche Ausflüchte der Kommission« Bericht bringen wird, bleibt abzuwarten, da er noch nicht erschienen ist. Die Privatangestellten, nicht minder die kleinen Gewerbetreibenden und Handwerker, haben ein Recht darauf, daß statt all' der schönen Redensarten, mit denen Regierungen und bürgerliche Parteien sie ein- zufangen suchen. Taten erfolgen. Würde dieS Verlangen durch Annahme der sozialdemokratischen Anträge im Plenum endlich erfüllt, so würde ein Hausen Paragraphen aus dem schon infolge seiner Dickleibigkeit in seinen Einzelheiren schwer übersehbaren Entwurf herausfallen. Es würde ferner eine ganz erhebliche Ent lastung des ReilbSversicherungsamtes und anderer behördlichen Organe eintreten, die eine Unsumme von Zeit und Arbeitskraft auf Tüfteleien darüber verwenden müssen, ob eine Person auch ver- sicherungSpflichtig ist. Aber freilich eine Regierung und Scharf- mactiermchrheit, der nicht an einer Besserung der Lage der arbeitenden Klasie liegt, sondern daran. selbst die Reichs- Versicherungsordnung zu einem entrechtenden Ausnahme- gesetz gegen die arbeitende Klasse zu mißbrauchen, ist für keinerlei wesentlichen Fortschritt auf dem Gebiete der Reichsversicherungsordnung zu haben. Daß eine Kommission ein Jahr lang tagte, ohne irgendeinen größeren Fortschritt auf dem Ge- biet der Versicherungsgesetzgebung zu erreichen, ist für die.negative, perfide" Hallung der Regierung, des Zentrums, der Konservativen und der Nationnllibcralcn kennzeichnend, Dem lediglich auf Belastung der Arbeiterklasie gerichteten Be- streben dieses.Ordnungs"blockö entspricht auch die Annahme des Regierungsvorschlags, das Recht, Empfänger reichsgesetzlicher Unfall- rente und der Siebzigjährigen auf Befreiung von der Ver- siche rungspflicht zu streichelt. Das ist geschehen, weil auch diese Aermsten, denen durch die indirekten Steuern mindestens 20 Pcoz. ihres Einkommens genommen ist, künftig zur Versicherung der Witwen und Waisen in Gestalt einer«Versicherung" beitragen sollen. Die von der Regierung vorgeschlagene freiwillige Zusatzverflchcrung ist von der Kommission ohne wesentliche Aenderungen angenommen. Danach(ZK 1453—1464) können versicherungspflichtige und ver- ficherungsberechtigte Personen zum Zwecke der Versicherung von Zu- satzrenten zu jeder Zeit und in beliebiger Zahl Zusatzmarken sin Höhe von 1 M.) in die Quittungsbiicher einkleben. Durch Einkleben der Zusatzmarke wird ein Anspruch aus Zusatzrente für den Jnvaliditätsfall erworben. Für jede Zusatzmarke wird der Betrag von 2 Pf. als Jahrcsbetrag der Zusatzrenie soviel mal gewährt, als beim Ein- trilp der Invalidität Jahre seit Verwendung der Zusatzmarke ver- flössen sind. Danach würde ein Versicherter, der in 31 Jahren monatlich einen Zusatzbeitrag von 1 M. entrichtet, beim Eintritt der Invalidität eine Zusatzrente von IIS M, erhalten. Beträgt die Zusatzrente, was in der Regel sein wird, höchstens 60 M. jährlich, so ist der Versicherte berechtigt, statt der Zusatzrente eine ein- Beide— der Pilot in loiegendem Gleitflug, der Kreuzer in sanftem Sichsenken— landeten glatt und ohne Störung. Kein Wunderl In kaum übersehbarer Ebene breitet sich der Hafen im Feld; erst weit am nordwestlichen Horizont steht wie ein Schatten- hauch die Hügellette des Taunus. Gegen Nord- und Ostwinde schützen dichte Wälder. Man muß lange suchen, ehe man in- mitten dieser Fläche einen in die Erde gelassenen Betonklotz mit mächtigem Eisenring findet. An ihm hat der.Zeppelin' mit seiner elastischen Bugkette sich diesmal verankert. Aber da? ist natürlich nur ein provisorischer Hafen. Tiefer in der bergenden Wälderkette sieht man ins graue Land eine große aelbsandige Grube gegraben: sie wird die Rohrleitungen für den Wasserstoff- Gasometer aufnehmen, der über ihr errichtet wird, und davor wird balo ein eisernes Gerippe emporwachsen, langgestreckt und mit Toren an beiden Enden: das eigentliche Hafcngebäude, in dem die Schiffe je nach Fahrtrichtung vorne oder hinten landen und starten können. Eine Reparaturwerkstätte in der Nähe wird nicht fehlen. Nicht weit davon ist der Tannenwald bis auf einen schmalen, schirmenden Streifen ausgerodet und hier müssen bis Ende Mai, bis zum großen Zuverlässigkeitsflug, die Flieger» schuppen fertig werden. Die Stogßcnbahnen sind schon bis nahe ans Gelände vor- gedrungen; wie zur Vorbereitung auf die Arena des technischen Triumphes muffen sie dabei Straßen� endloser Fabrikfronten passieren. Der verwitterte alte Weierhof, der sogenannte Nebstock, der bis jetzt in breiter Behaglichkeit aufs Feld herabsah, wischt sich den Schlaf aus den Augen und weiß sich das Menschen- gewimmel nicht recht zu deuten. Die Mainstadt aber kann fortan ihre Zukunftshoffnungen auf zwei Häfen setzen: denn neben diesem luZigen Westhafen geht am anderen Ende der Stadt der mächtige Osthasen seiner Vollendung entgegen, der auch den Verkehr zu Waffer wieder nach Frankfurt ziehen soll. Das goldene Vließ im Lichte der Naturwissenschaft. Diese Sage, die zu den schönsten Mythen des klassischen Altertums gehört, die einen Grillparzer zu seiner Trilogie begeisterte— wurde, wie die .Elektrotechnische Zeilschrist"(Heft'l2> berichtet, von Herrn Wichel- Haus in einem Vortrage in der Berliner„Gesellschaft für Geschichte der Naturwisienschasten" unter die kritische Lupe genoinmen. Aus Grund der ausgedehnten gcschichtswiffenschaftlichen und philologischen Forschungen suchte der Vortragende die schon mehrmals aus- gesprochene Idee: die Sage beziehe sich auf die ursprüngliche Art der Goldgewinnung— auszubauen und zu erhärten. DaS Gold, wonach sich schon seit Jahrtausenden.alles drängt", existiert in der Natur auf zweierlei Art. Seine primäre, ur- sprüngliche Lagerstätte ist da« feste Gestein, worin es ein- gesprengt ist. Durch Geioalt des fließenden WafferS wird eS aus dem Gestein fortgeschwemmt und sammelt sich in Flüssen und Sanden. Das ist seine sekundäre Lagerstätte, Während wir jetzt die Hauptmasse des GoldeS— etwa 7— 8 Millionen Kilogramm jährlich-- aus den primären Lagerstätten holen, ging man im Alter- malige Abfindung in Höhe des Kapitalwertes der Zusatzrente zu verlangen,.......„, Die Begründung hebt hervor, daß diese freiwillige Zusatz- Versicherung wesentlich im Interesse des Mittelstandes_ und des Handwerkerstandes geschaffen ist. um diese zu veranlassen, mehr wie bisher von dem Rechte freiwilliger Versicherung Gebrauch zu machen.— Die Zusatzversicherung ist ein völlig unzureichendes Mittel an Stelle einer Erioeiterung der Lohnklaffen und Ein- beziehung aller mit einem Einkommen bis 5000 M. in die Versicherung. Die Beiträge der Versicherten und der Arbeitgeber sind um 15, 20 und Sltt/z Proz., im Gesamtdurchschnitt um 29 Proz. erhöht. Es betragen die Bei- träge für heute nach dem Kommissions- Vorschlag 16 Pf. 24.. 32« 40. 43, Lohnklasse I(bis 350 M. einschließlich).. 14 Pf. Il(mehr als 350 bis zu 550 M.) 20« . Iiis... 550... 850.) 24« « rv(«. 850.. 1150,) 30„ V(,« 1150 M.).... 36. Diese Beiträge sollen zunächst bis zum 31. Dezember 1920 gelten und dann immer für weitere 10 Jahre festgesetzt werden. Der Beitrag des Reichs für die Alters- und Invaliden- rente(50 M.) ist n l ch t erhöht. Die Boraussehnnge» für die Erlangung einer Alters- oder Invalidenrente sind gegenüber dem heutigen Zustande noch verschlechtert. Statt die Kleberei endlich zu beseitigen, hält die Kom- Mission mit dem Entwurf an dieser Einrichtung mit ihrem großen Beamtenapparat und den überflüssigen Kartenhäusern fest.— Der Borschlag des verstorbenen Präsidenten des Reichsversicherungsamts Dr. Boediker, das Wapperlsystem zu beseitigen, ist auf steinigen Boden auch in der Kominisfion gefallen. Das ist freilich bei einer Regierung und Reichstagsmehrheit nicht verwunderlich, für die nicht die Versicherung der Arbeiter gegen Unbill des Lebens, sondern die Versorgung eines Haufen? Beamter auf Kosten der Arbeiter das Hauptmotiv für die Versicherungsgesetzgebung ist. Nach wie vor soll nur Anspruch auf Invalidenrente erheben können, für den mindestens 200 Wochen sbei Selbstverstcherern 500 Wochen), und Anspruch auf Altersrente, für den mindestens(abgesehen von der lieber« gangszeit) 1200 Wochen hindurch geklebt ist. Fast achtlos geht der Einwurf an dem so bringend der Abhilfe bedürftigen Zustand vorbei, daß durch Bummelei des Arbeitgebers der Anspruch auf Invalidität sj- und Altersrente verloren gehen kann, wiewohl dem Arbeiter jahraus, jahrein die auf ihn entfallenden Beiträge abgezogen waren. Der Entwurf b e- günstigt die Bummelei insbesondere von Großgrundbesitzern noch dadurch, daß er. im Gegensatz zum bestehenden Gesetz(K 182) Arbeitgeber, die Arbeitergroschen dadurch unterschlagen, daß sie die vom Lohn abgezogenen oder die von den Beschäftigten er- haltenen Beitragsteile nicht für die Versicherung verwenden, nur dann bestraft wissen will, wenn die Handlung vorsätzlich begangen ist sß 1474). Einen kleinen Riegel gegen eine irrige Rechtsprechung des Reichsgerichts in Schadensersatzklagen gegen Arbeitgeber wegen unterlassenen Klebens schiebt ein Kommtssionsvorschlag zu§ 1424 vor. Das Reichsgericht hatte entschieden, der Ersatzanspruch sei ganz oder teilweis« abzuweisen, weil den Arbeitern dos Verschulden treffe, sich um rechtzeitigen Umtausch der Karte nicht gekümmert zu haben. Die Kommission schlägt folgende Bestimmung vor:»Ein Benchulden des Versicherten liegt nicht vor, wenn der Arbeit- geber die Ouittungskarte ausbewahrt und sie nicht zur richtigen Zeit ordnungsmäßig umgetauscht hat." Auch gegen das durch Recht- sprcchung des Reichsversicherungsamts hervorgetretene Uebel, daß im Feststellungsverfahren Marken für ungültig erklärt sind, weil ein Versicherungsverhältnis nicht bestanden habe, schlägt die Kommission «ine kleine Abhilfe vor. Nach§ 1427 soll der Versicherte die Fest« stellung der Gültigkeit der verwendeten Marken bei der Aufrechnung der Karte von der Versicherungsanstalt verlangen können und nach Ablauf von zehn Jahren feit der Aufrechnung der Ouittungskarte soll, abgesehen von dem Fall des Betrugs, eine Anfechtung der be- fcheinigten Marken nicht mehr zulässig sein. Die Selbst- und Weiterversicherung hatte der Regierungsentwurf in empfindlicher Weise geschädigt. Nach dem geltenden Gesetz kommt zwar die Anwartschast aus der Versicherung tum, da man noch keine Maschinen, Dynamit, Elektrochemie usw. besaß, zuerst an die Ausbeutung der sekundären Lagerstätten. DieS geschah, indem man das fließende goldhaltige Wasser solche Geräte, wie z. B. die mit Löchern versehenen Tröge, passieren ließ, die die Goldkörnchen und-Flitterchen aufzufangen und festzuhalten im- stände waren. Die langhaarigen Schaf- mid Ziegenfelle gehörten von Anfang an zu diesen Geräten. DaS beweisen die vom Referenten angeführten Zitate aus den klassischen Autoren. Demnach wäre daS geheimnisvolle Vließ, das Jason mit Hilfe von Medea ihrem Vater. dem kolchischen Könige Aeetez, entwendet, nichts anderes als ein solches Fell, das so viel Gold eingesogen hatte, daß eS in der Sonne als lauter Gold erglänzte. Und die wunderbare Kraft, die die Sage dem goldenen Vließ zuschreibt, wäre am Ende nichts anderes, als die plumpe Macht über die Mitmenschen, die daS Gold seinem Besitzer verleiht! So vergeht der Ruhm der allerschöttsten Sage l_ Notizen. Sie XXII. Ausstellung der fBerüttet Eezes, f i o n wurde am Donnerstag eröffnet. In der Eröffnungsrede von Louis(nicht Lovis, wie er sich von den Berliner Blättern gern schreiben läßt) Corinth interessierte nur die Mitteilung, daß die Städte Berlin und Charlottenburg Mittel bereitgestellt haben, um Ankäufe zu machen und Preise zu verteilen. Die Ausstellung bietet von älterer Kunst drei Daumiers, ferner eine kleine Kollektion U h d e und einen Ehrcnsaal für den vom Vorstand zurückgetretenen Slevogt. Sonst haben die älteren(ziemlich wenig) und jüngeren (ziemlich viel) Sczessionsmitglieder ausgestellt. Von den Münchenern interessieren Th. Th. Heines zarte Landschaften. Das Ausland ist durch extravagante französische Experimcntalmalerei vertreten. Hodler hat außer dekörativen Sachen ein wundervolles Land- schaftsidyll ausgestellt. Ein altgriechischer Tempel ist bei Ausgrabungen in Garitza(Korfu) entdeckt worden. Es wurden auch einige Reliefs vom Giebel gefunden, darunter eine Gorgone(weibliche Schreckgestalt mit Schlangen), die sehr realistisch anmutet. Die Funde scheinen für ein hohes Alter(vielleicht 6. Jahrhundert v. Chr.) zu sprechen. Doch wird ihre Beurteilung vorläufig erschwert durch die Aufbauschung, die der Fund infolge der Anwesenheit von S. M. erfährt. — Das Menetekel der Tuberkulose. Aus Chicago kommt die Nachricht, daß der Weizen, und Baumwollkönig James Patten sich entschlossen habe, sein gesamtes Vermögen dem Kampfe gegen die Tuberkulose zu widmen. Der Tod feines Bruders, der an dieser Krankheit litt, soll ihn zu diesem Entschlüsse gebracht haben. Patten hat bereits 2K Millionen Mark für diesen Zweck verausgabt, die er der Universität von Evanston(Illinois) über» wies. Er hat feiejex Summe icht weitere 10 Mllisncn War! Hill, zutzefuzt,, fn Fortfall, tocim innerhalb zwei Jahren 5ei Selkflberstcherem nicht mindestens 40, bei Weiterversicherern nicht mindestens 2V Marken geklebt sind. Aber die Anwartschaft auf Renten lebt doch wieder aus, sobald durch Eintritt in eine versicherungspflichtige Ste schäftigung oder durch freiwillige Beitragsleistung das Versicherung� Verhältnis erneuert und danach eine Warlefrist von 200 Wochen zurückgelegt ist(ZZ 14 und 46 des bestehenden Gesetzes). Die Möglichkeit des Wiederauflebens eines verjährten An spruchs strich der Entwurf<88 1223, 1229). Diese Verschlechterung hat die Kommission beseitigt. Für die Berechnung der Wartezeit ist auch von der Kommission nur die eine ziemlich belanglose Vorschrift des bestehenden Gesetzes in Wegfall gebracht, nach der die Dauer einer Krankheit als Bei tragszeit nicht in Anrechnnung zu bringen ist, wenn der Beteiligte sich die Krankheit durch Trunkfälligkeit zugezogen hat. Die Motive meinen: Die„vielfachen Zibeifel, die sich bei der Anwendung dieser Vorschrift seither ergeben haben, lassen es ratsam und un- bedenklich erscheinen, auf sie ganz zu verzichten". Als Voraussetzung für die A lte rsr ent e soll nach wie vor die Erreichung des 70. Lebensjahres gelten. Auf das 60. oder wenigstens das 6S. Lebensjahr zurückzugehen, lehnte die Kommission mit dem Entwurf ab. Für die Invalidenrente ist die Vorschrift, daß der An- spruchsberechtigte nicht nur invalide im Sinne des gewöhnlichen Sprachgebrauchs, sondern invalide im Sinne deS Jnvalidenversiche- rungsgeietzes sein soll, geblieben und verschärft. Die bereits iin Jahre 1889 von den Sozialdemokraten aufgestellte Begriffs bestimmung, nach der als invalide stets zu gelten hat, wer in seinem Beruf nicht mehr die Hälfte von dem erwerben kann, was er sonst, verdient hat, hat nicht nur keine Aufnahme gefunden, sondern es ist die von der Regierung vorgeschlagene B e r schlechterung des Begriffs Invalidität im Sinne deS Jnvalidenverficherungsgefetzes angenommen. Durch die Novelle des Jahres 1900 erhielt dieser Begriff eine kleine, freilich völlig unzulängliche Ausdehnung gegenüber dem Gesetz von 1890. Für die heulige Festsetzung ist für die Frage, wer in- valide ist?§5 Absatz 9 maßgebend. Dieser lautet:„Der Ver sicherungspflicht unterliegen endlich nicht diejenigen Personen, deren Erwerbsfähigkeit infolge von Alter, Krankheit oder anderen Ge- brechen dauernd auf weniger als ein Drittel herabgesetzt ist. Dies ist dann anzunehmen, wenn sie nicht mehr imstande sind, durch eine ihren Kräften und Fähigkeiten entsprechende Tätigkeit, die ihnen unter billiger Berücksichtigung ihrer Ausbildung und ihres bis herigen Berufes zugemutet werden kann, ein Drittel desjenigen zu erwerben, waS körperlich und geistig gesunde Personen derselben Art mit ähnlicher Ausbildung in derselben Gegend durch Arbeit zu verdienen pflegen." Infolge dieser Vorschrift, die ihre jetzige Fassung in der Reichstagskommission erhalten hatte, damit auch auf die Berufsinvalidität wenigstens etwas Rücksicht genommen werden könne, stieg die Zahl der Jnvalidenrentner etwas. Im Jahre 1903 erreichte sie die Zahl von 152 832. Das erschien dem Reichsamt des Innern furchtbar. ES ordnete eine Bereisung der Bezirke durch „Vertrauensärzte" an, die prüfen sollten, ob nicht die Erwerbs unfähigen durch Verschlechterung des Begriffs der Invalidität wieder erwerbsfähig geschrieben werden könnten. Der Erfolg dieser amtlich angeordneten und seitdem jährlich wiederholten aus Entziehung der erhaltenen Invalidenrente und auf erhebliche Herabsetzung der Zahl der Jnvalidenrentner gerichteten Maßregel blieb nicht auS. Die Erwerbsunfähigen wurden freilich durch die ärztliche Untersuchung und Drangsalierung, zu der sich leider zahl- reiche Aerzte gegen hohe Bezahlung hergaben, nicht erwerbsfähig In einer Reihe von solchen Fällen wurde festgestellt, daß den ver- geblich um eine Invalidenrente Kämpfenden der Bescheid, daß ihnen die Rente nicht zugebilligt werden könnte, weil sie noch zu viel verdienen könnten, wenn sie Arbeit hätten, zuging, als sie eben infolge von Entkräftung verstorben waren. Die Zahl der Jnvalidenrentner wurde durch diese unsoziale, grausame Einengung des Jnvaliditätsbegriffs außerordentlich herabgedrückt. Im Jahre 1906 wurden nur 110 969, im Jahre 1907: 112 220, im Jahre 1908: 116 652, im Jahre 1909: 115 264 Personen neue Rente bewilligt. Diese Renten quetscherei ist in der Vorlage ausdrücklich ge- billigt. Zur Aufrechterhaltung dieses skandalöse» ZustandeS nahm die Begründung» i«d« tlisnr pafsead.!Di«ke Sachea find aus prima«aßstokfen g«fertig«, einzeln«»nch »«»«donaemeuts-Häniern stammend, früher bis IVO Mark, jetzt tu aachfoigenden villigen Preise», Frühjahrs-PaletotS 19.— 14.— 18.— 29.— M.-c. Jackett. Anzüge 1«.— 14.- 18.- 2«.- M.-c. I Gehrock-Anzuge 18.-»».— S«.— S9.— M.-c Rock-Mode-Auzüg. 14.- 18— 20—«5— M-c. I.f.erre>,.. Hofen 4— s.- M.-c L g>k,v-.bieilunp ICr neue, elentnle Garderobe Z J. Wand. Ha«pt'B«sch»ft:«»»he Frankfurter Str. 11«, an der Andreasstr. II. Gefchaf«,«bansseeftraße H». III.»«schilft> vrnnnenftraß« 17». Generaleerteeter: l'ruu» vb«»!», Lcdätorurr. 2. Grosselager bei Theodor Telchproeber, Campbaueenstr. 26 Grosselager bei H. 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Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Mechaniker Wulter Meian am IL d. MtS. gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 15. April, nach. mittags 4 Uhr. von der Leichen- Halle des Luisen« Kirchhofes in Westend,[Zürstenbrumier Weg, auS statt.____ Ferner starb unser Mitglied, der Schlosser Theodor Grund. Beerdigung: Sonnabend, den 15. April, vormitagS S'/, Uhr. von der Leichenhalle deS Elisabeth- Kirchhofes. Pnnzenalle, auS. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 115/9 Die Ortsverwaltung. und Staatsarbeiter. Filiale Groß-Berlin. Durch den Tod ist un» einer unserer Ritkämpscr. der Kollege Hugo Reichelt von der Sektion Charlottenburg, entrissen worden. Wir werden ihm ein ehrende» Andenken bewahren. Die Bestattung findet am Freitag, de» IL April, nachmittag» 3 Uhr, von der Halle de» Luisen-KirchhoseS, gürftenbrunner Weg, aus statt. 35/19 Die Vrtöverwaltung. SozlaldeffieMeber l'ereiu » im flinftea Berliner faireise. Am Mittwoch, den 12. d. MtS.. starb der Schneider Ferdinand Mante (7. Abteilung). Ehre seinem Andenken! Die Bestattung findet am Man- tag, den 17. d. MtS., srfih'9 Uhr. auf dem Kirchhos der PhiilPPuS. Apostel-Gemeinde, Wüllerstratze. statt. 223/6 Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Deotsclier Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kolleg«, der Droschken- sichrer Friedrich Schubert am 12. d. MtS. im Aller von 60 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 15. d. MtS., nach- mittags 4 Ubr, von der Leichen- Halle deS Krankenhauses Friedrichs- Hain aus aus dem Georgen-Kirch- hos, LandSberger-Allee, statt. f�aebruf I Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Droschken- sichrer Wilhelm Lennig am 5, d. Mts. im Alter von 77 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! 67/10 Die Bezlrksverwaltung. Zwelgrereln Berlin. Am 11. April verstarb unser langjähriges Mttglied Karl Kamjunke (Bezirk Südost). Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung. findet am Freitag, den 14. April, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle dcS Petri-KirchhoseSiuderZrieden- strahe, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 138/3 Der Vorftaud. Allen Freunden, Genossen und Bekannten die traurige Nach- richt, dafj mein lieber, imoergetz- licher Mann, der Schneider ferdiirand Mante im Alter von 55 Jahren nach längerem Krankenlager am Mttt- lovch vormittag verstorben ist. Um stilles B-llcid bittet Die trauernde Witwe. Die Beerdigung findet am Montag früh 9 Ubr von der Leichenhalle deS Philipp-Apostel- FricddojcS tu der Müllersnatze aus statt. 387SL ZlumtN-»Hb&rantbiiibrm von Robert Heyer,' not Mamulltll-btrüsjk 2. Bevor Sie Tuchei Maß* tma fertige Anzüge sowie Knabensachen taufen, bitte besnehen Sie «nt die Tuchgesellschaf t Berlin, Kottbuser Damm Iß 17, Amt l 11979. ier i»t fcsin Kaufzwang. ier müssen Ihnen die VerKSufer olles bereitwilligst zeigen und erklüren.. ier bekommen Sie für jeden Preis, jede Pigor, jeden Geschmack und für jeden bland. ier bekammen Bia Herren- Anzüge 9,50 dl. an. MaO-Anzüga 28 U. an. Knaben-Anzüge IAO dl. an. Knabac-Hasan 0�0 M. an. 2000 Tuohreate, enorm billig. Tuche für Herren und Damen, große Auswahl ier brauchen Sie Mefisacben nicht abnehmen, wenn sie nicht, vornehm sitzen. ier bekommen Sie Ihr bares Gold wieder, wenn Ihnen ein Einkauf nicht gefüllt. ier, wird der Vertreter mit Mustern ohne Kaufverpflichtung ins Haus geschiclrt. ier bekommen Sio bei einem Eiatauf über 10 IL 5 Prozent Fahrt vergütet., KuiiiiLMmM' (Mitgliedschaft Berlin). Freitag, den 14. April er., mittags 12 Uhr: Geifentl. Radfahrer-Versammlung im großen Saale bo: Brauerei Friedrichshaiti. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Eichhorn über: Die Aufgaben der Sportvereine im Emanzipationskampfe des Proletariats. 2. DiskussiolL 3. Wahl eines Vertrauensmannes für die Arbeitcr-Radfahrer der Provinz Brandenburg. AHe Radfahrerinnen und Radfahrer, insbesondere die Mitglieder des Bundes„Freiheit", sind hierdurch eingeladen. 10/is Die Zlgitationskommission. I. A.: Franz W e g n e r, Triftstr. 44. Verwaltung Berlin# Sonntag, den 16. April, nachmittags 4 Uhr: Urania-Vorstellung. Billetts werde» noch im Bureau und im Lokale von Krüger, Engelujer 13 ausgegeben._ 82/4 Mittwoch, den 19. April. avendS S'/, Uhr: Vertrauensmänner'Verfammlung für sämtliche Branchen und Bezirke 1» Freyers Fcst-älen, Koppenstraße Xo. SO. Tag-z' Ordnung t„Stellungnahme zur Maifeier". Mittwoch, den 19. April, pünktlich 8 Uhr, Versammlung der zu Ostern ausgelernten Holzarbeiter im GewerkschaftShanse, Engelufer 14/16(Ärbcilslosensaal). Die Bureaus und Arbeitsnachweise find der Feier- tage wegen geschloffen: am Freitag, den 14. April, den ganzen Tag, am Sonnabend, den 15. April, nachmittags, an« Montag, den 17. April, den ganzen Tag, am Dienstag, den 18. April, den ganzen Tag. Die Einkassierung der Beiträge erfolgt am Sonnabend von 7 bis 9 Uhr abends. Die Zahlstelleti Rixdorf und Schöneberg sind am 1. April§u Berlin übergetreten. In folgenden Lokalen werden Beiträge von den Bcrbandsmitgliedern Grosi-Berlins cntciBucuQcrioniru&n• Rixdorf. Schenk, Rosenstraße 24, Müller, Ziethenstrasie 29, Schmidt, Reuterstraße 23, Ecke Donaustraße, Pritsching, Pannierstraße 53, Wendt, Herrfurthstraße 27, Kubat, Sicgfriedstraße 159. Britz. Zietz, Werderstraße 28. Schöneberg;. Großer, Meininger Straße 3(und Martin-Luther- Straße 50 im Tunnel), Brock, Bahnstraße 19. �VHmersdorf. Gesellschaftshaus Wilmersdorf, Wilhelmsaue 112. nie Ort»verHv»Iti»iigk. l! Holzarbeiter Orts-Krankenkaffe der Messerschmiede, Scbwertfeger und Verferliger chirurgischer Instrumente — zu Berlin.— Sonnabend, den SS. April 1911. ubenbs SV, Uhr, im Rosenthaler Hof, Rosenthaler SN. 11/12: t>r«le»tllel»e öeiiessI-Vesssliiiisllilsg Tages-Ordnung: 1. Bericht über die Abnahme der Jahresrechnung 1910. 2. Verschiedenes Einträge, welche Einficht in die Kassenbücher ersordern, sind 4 Tage vorher bei der Kasse schriftlich ein- zureichen. 274/1 — Mitgliedsbuch legitimiert.— Die Herren Arbeitgeber sind hierzu eingeladen. Her V«r»t»uck. Achtung! Sonnabend, den 15. April, vormittags 9 Uhr» findet für alle im Kabelwerk Ober-Schöneweide veschästigtcn Holzarbeiter in dem Lokal von Kienast, Niedcr-Schöne- wcide. Grünauer Strohe, große Betriebsversammlung statt. Aus der Tagipordnung steht: 82/2 Mie schütztu mir unsere luirtschaftlichen Juteresseu? Referent: Kollege G. Exner. In Rücksicht aus die Wichtigkeit der Tagesordnung ist vollzähliges Er« scheinen aber im Kabelwerk beschäftigten Modelltischler, Drechsler, Tischler, Stellmacher. Maschinenarbeitcr usw. dringend notwendig. Deutscher Holzarbciterverband. Gauvorstand 4. «vclrcuthclis Teilzahlung lietere elegante Herren Moden Fertig und nach MaB Garantie für tadellosen Sitz und feinste Verarbeitung J. Kurzberg MaB- Schneiderei Rosenthaler Strasse 40-41 direkt am Hackeachen Markt. II. GoBchNft:____ Frankfurter Allee!04» prt.» Ecke Friedenstr. U| Verkaufszeit! 8 Uhr morgens bis 9 Uhr abends. Nur Sonnabend schon zu Räumungspreisen bei .Westmann Mohrenstrasse 37a 1 Grosse Frankfurter Str. 115 (nahe Jerusalemtr Strasse)|(nahe Andreustrasae) 2600 Kostüme joGerMS5ße' jeden j0den zu 12,— � 15.—. 18,—, 24, sonst z. T. 19,—, 21,—, 29,—, 88,—. 50,— 1500 engl. Palelots .-> 48,-. 67,-, 79,- fÜr 3% 6,-, 7'/> 9,-, 12,-. sonst z. T. 7,—. 10,—, 15,—, 18,- in den schönsten Fassons und besten Stoffen, 15,-, 18.-. 22,- 23,- 44,— 50,- 2L-. Ä.-' 200 seidene kurze Jacketts früherer Preis bis Mi. 33,—, durchschnittlich Mfc 1 0,—" 2000 st. schwarze Konfektion Frauenmäntel u. anschließende Jacketts gediegenste Stoffe, abgepaßte Pranonsohnitte mit weiten Hüften, IS,-, 18,-, gOi— 24,-, SO,-. 86,— regulär 23,—, Ä,- 45,-, 54.- k liel ri"_ blau Kammgarn und Phantasiostoffe \lIV/vF i\OCKC nicht eng früherer Preis. 19,—, jetzt 6i- -r-r++ t- Garantie für guten Sitz,-f t+++ Kartreitag geöffnet 8—10, 12—2 Uhr, ÖrtsKrankeutasse deS zu Berlin Sonntag, den LS. April 1911, vormittags 10Uhr. im G ewerts ch a ftS- Hause, Engeluser 15, Saal 11 i Ordentliche General-VeisammliiDg Tage?. Ordnung: 1. Rechnungslegung pro 1910. 2. Bericht des Prüfungsausschusses. 3. Beschluhsasiung über die Ab» nähme der Jahresrechnung und Dechargeerteilimg. 4. Antrag deS Vorstandes bett.Ruhe- gcbalt des Nendanten F. Minr. 5. Verschiedenes. 1254b Die in der Wahlversammlung vom 16. November 1910 gewühlten Vertreter werden hierzu eingciadcn. — Einladungskarte legitimiert.— Der Vortütund. August Brunzel, Ewald Pctermann, Vorsitzender. Schriftführer. «W»»»WWWWWWWWW»»»W Abcsfitticr- Pumpe« zun» Solbflausstcllen für iSartcnbesitzer u. Lauben- kolonistcn von d>M»on Flilgelpuinpen, Gartenspritzen, Filter, Röhre«, Schläuche usw. billigst. Erdbohrer leihweise. toslKiichMlZo.. Berlin SW. (IV 1676.)«'te Jakobstr. 18/19 Theater und Vergnügungen Freitag, 14. April. Anfang 7-/z Uhr. Komische Oper. Die heilige Elisa- beth. Anfang 8 Uhr. Renes Schauspielhans. Konzert des Mozarlchors. Westen.?)le Schöpfung. Schiller Charlottenburg. Konzerl. Volks-Lper. Geistliches Konzert. Zille übrigen Theater bleiben am Karfreitag geschlossen. Sonnabend, 15. April: Anfang 7'/. Uhr. Kiinigl. Opernhaus. Sinfonie- Konzert. König!. Schauspielhans. Ge- schlössen. Teutsriies. Faust. 2. Teil.(Anfang 5 Uhr.) Anfang 8 Uhr. NcneS köuigl. OPeru.Tbeater. Geigenmacher von Mittenwalde. Ncnre. Ovcretten. Die Glocken von Corneville. Kammcrspiele. SumUrun. St ei, es Sibanivielb Alt-Heidelberg. Lessing. Glaube und Heimat. Kleines. Der Lcibgaroift. Berliner. Taifun. Westen. Der fidele Bauer. Neues. Ueber den Wasiern. Komisch» Oper. Die Sohöme. Lnstspielhnus. Jugend. Trianon. Francillon. Residenz. Die Kamclicndame. Thalia. Mein Leopold. Schiller U. lWallner- Thealer.) Narziß. SchtUe. Charlottenburg. Liebelei. Literatur. Friedrich- Wilhclmstädtlsches. K'asernenlust. Volksoper. Der Troubadour. Luisen. AuS erster Ehe. Modernes. Apostel.(Ans. 3'/« Uhr.) Rolr. Muttersegcn. Hcrrnfeld. Die Bar- Schwester. Die MeyerhainS. Folies Caprice. Der Dorfmusikant. Komiker Schnitzel.(Ans. 8'/, Uhr.) Metroioi. Hurra— Wir leben noch I Kasino. Ackermann. Voigt. Geschlossen. Apollo. Svezialitöten. Vassage. Svezialitäten. Noack. Geschlossen. Reichsdallen. Stettiner Sänger. Karl Haverland. Svezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Walhalla. Der Trompeter von Säkkinggen. Jntitnes. Nachtarbeit. LiebeSrausch. (Ansang 8'/, Uhr.) Wcdding. Lichtspiele. Urania. Tanbcnstrahe 48/4S. Nachmittags 4 Uhr: Der Vierwald- stätier See und St. Gotthardt. Abend-Z 8 Uhr: Lebende Tierbildcr von nah und fern. Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—62. Urania. Wissenschaftliches Theater Tantenstraße 48/49. Freitag: Gcscblosscn. Sonnabend 4 Ubr: Der Vieraaldstätter See und der Gottbard. 8 Uhr Professor Dr. L. Heck: Lebende Tierbllder von nah und fern. Berliner Volksoper Abends 8 Uhr zum 1. Male: Ura IMaTolo. LustspieBhaas. Heute: Geschlossen. fST«I n g c n«1. SEliflier.Tliealer0.1SS, Freilag(Karfreitag)- Geschlossen. Sonnabend, abendZ 8 Uhr Zinr�tv. Sonntag, nachm. 3 Uhr: l>ie Ehre. Sonntag. abends 8 U b r: l-lehelel. Hieraus: Eiterntnr, Sebüler-Tiiealer Freitag, abends VUHr: I'nssions.Iilonsert. Sonnabend, abends 8 Uhr: l.tehelel. Hieraus: Eitcratnr. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Prinz Friedrieb von Homburg. Sonn tag, adendS3Uhr: Im Iflnbsessel. Berliner Theater. Heule Freitag: Geschlossen. Ä Taifun. Neues Theater. Heute: Geschlossen. Sonnabend 8 Uhr: Ueber bei» Wassern. Öfters onntag und»Moniag: Mein erlauchter Ahnherr._ Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Oratorium: Die Schöpfung. Sonntag 3'/, Uhr: die lustige Witwe. OSE=THEÄTE Große Franksurter Str. 132. Heute: Gesehlossen. Morgen u. folgende Tage: Mutterjege». Sonnlag und Dienstag nachm.: Am Rande des Abgrunds. Montag nachm.: Der Störensried._ Heute Karfreitag: Gesehlossen. Morgen Sonnalwnd ab 8 Uhr: 1V Weltstadt-Attraktionen. U. a.: Otto Rühr, 6 Janslys, Meistersänger-Ouartett. Magna Ars Revue plastischer Gemälde._ Heute Karfreitag: beschlossen. Morgen: Der sprechende Hund „von" und weitere 12 Attraktionen 12 An den beiden Osterfeiertagen je 2 Vorstellungen 2 Nachm. 3 Uhr kleine Preise. Abends 8 Uhr. M»ld Heute, Karfreitag: Geschloffen. Morgen: 8 Uhr: Die Metierhains mit den Autoren Anton und Donat Herrnield und die Novität Die Bar-Schwester An allen drei Osterfeiertagen 8 Uhr: Die neuen Herrmseldiaden: Ein Verlobungs-Geschäft Die Bar-Schwester sowie Das Tcheidungs-Souper. Montag(II. Feiertag), nachm. 4 Uhr (halbe Preise): Bar-Schwester. Scheidungs-Souper. Billetts für die ganze Osterwoche bereits zu habe». Metropol-Mester. Heute: Gesehlossen. Sonnabend 8 Uhr:j Von Stufe zu Stufe. Ostersonntag und Montag: Hurra! Wir leben noch! Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Heute Freitag: Geschlossen. Sonnabend zum erstenmal: Ltasernenlnft. Sonntag 3 Uhr: Faust S Uhr! Kasernenlust.__ Residenz-Theater. Direktion: Richard Alexander. Heute: Gesehlossen. Morgen 71/, Uhr: Die Kameliendame. Schauspiel inäAkt.v. 81. Dumas Sohn. Ostersonntag und folgende Tage: Fernands Ehekontrakt. 1. u. 2. Lsterseiertag nachm. 3 Uhr: Pariser Menu._ Luisen-Theater. Heute Karfreitag; Geschlossen. Morgen, Sonnabend 8 Uhr: Aus erster Ehe. 1. Osterfeiertag 3 Uhr: Die Räuber. 8 Uhr: Zapsenstreich. 2. Osterfeiertag 3 Uhr: AuS erster »h«. L Uhr: Zapfenstreichs Alt-»oablt 47/48. Sonntag, den 16. April 1911 (I. Feiertag): Die Waise m Lowood. Kassenösfnung 6»/, Uhr. Ans. 7>/. Uhr. Montag, den' 17. April 1911 (II. Feiertag): Die MasebineDbaiier m Berlin. Kassenösfnung 61/, Uhr. Ans. 71/j Uhr. Dienstag, den 18. April 1911 (III. Feiertag): Dep GlockenguB zu Breslau. Kassenösfnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. ir. Morgen Abond 8 übr; Lina Loos mit neuem Repertoir. Trank Truppe Weltmeister d. Akrobatii und dag groBe April-Varieiö-Programm. Gesangverein„Neu Ervacht" (M. d. D. A.-S. B. Gau Berlin.) Ohorme's.ter: Herr nclnz Blell. Ü Am Montag, den 17. April 1911 (2. Osterfeiertag): @ KONZERT(U in den Gesamträumen des Gewerkschaftshauses, Engelufer 15. Duler Mifwiiiuui Des„Berlinep SielODle-Orehesters" (Wiener Besetzung) 1 Kapellmeister ISaxlmülan Fischer. Kasseneröffnung 6 Uhr.— Anfang des Konzerts 7 Uhr. Eintrittspreis 60 Pf. inkl. Tanz. Eintrittskarten sind bei Horsch, Engelufer 15, zu haben. Banchen ist nicht gestattet. Liedertexte sind am Eingang gratis erhältlich. Kinder unter sechs Jahren haben keinen Zutritt. Sänger-Chor Wedding Mitgl. d. D. A.-S.-B.— Chormeister: Emil Thilo. Montag, den 17. April(2. Osterfeiertag) in den Pharus-Sälen(gr. Saal), Müllerstr. 142 Bunter Abend unter Mitwirkung erstklassiger Künstler Nach dem Konzert: Bslls Herren, die daran teilnehmen, zahlen 50 Pt nach. Eintrittskarte im Vorverkauf 50 Pf. (an der Kasse 60 Pf.) Anfang pünktlich 31/, Uhr. Programm und Liedortexte an der Kasse gratis. anchen während des Konzerts nicht gestattet. „Männerchor Norden" Chormeister 6. Diesbach M. d. v. A.-S.-B. Sonntag, den 16. April 1911(1. Osterfeiertag), in den Germania-Prachtsälen(großer Saal), Chausseestr. 110: » KONZERT* unter gell. Mitwirkung von Frau Alma Pankenin- Aderhold (Konzertsängerin), Frau Bianka Becker- Samolewska(Violine) und Herrn Professor 0. Becker(Flügel). Saal Öffnung 6 Uhr. EinlaBkarte 50 Pf. Anfang 7 Uhr. Während der Vorträge bleiben die Saaltüren geschlossen. Kinder unter 6 Jähren haben keinen Zutritt. Knachcn nicht gestattet. 1251b Nach dem Konzert: Ii Al l"MM Herren, die daran teilnehmen, zahlen 50 Pfennig nach. t Männerchor Vorwärts t % Mitgl. d. Deutschen Arbeiter-Sängerb. X Chorm. W, Buchholz. B Montag, den 17. April(2. Osterfeiertag): KONZERT im„Deutschen Hof", Luckauer Str. 15. Mitwirkende: Fräulein Margrit Erichson, Konzertsängerin Herr Willi Deckert, Violoncello. Eröffnuns 5 Chr. X X X X X Anfang 6(Ihr. Bauchen nicht gestattet X Kinder unter 6 Jahren keinen Zutritt Programm(inkl. Tanz) 60 Pf. 1261b Sanssouci Lichtspiele Kottbnser Straße Xo. 6. am EottbnBcr Tor. ca. 1500 Plötze.- Für die drei Feiertage von 4— 11 Uhr: 3 Schlager Lunapark m Hew York x Oesebwisterlielie x Abpod und das großartige Festprogramm. Entroe 30 Pf., Parkett 50 Pf., Fauteuil 75 Pf, I. Bang 75 Pf, Balkon 1,— M, Loge 1,50 M. Wirtshaus Schloß Woltersdorf Am fißvfrfitng: Srijlndjtrffft, frische 61iit=«. ffbermniß. Den geehrten Vereinen, Gesellschaften, Gewerlschaslen ec. empschle mein Lokal zur bevorstehenden Saison für Dampfer- resp. Landpartien, AuSslüge. Ebenso«mps. meine Dampfer, Abfahrt o. Stralauer Tor. Hochachtungsvoll Friedrich Saewert. Amt Erkner 49. Amt 7, 729 fraßt man»ach Mlegcl resp. Saewert um AuSlünfti. Zirkus Lussk. Heute Karfreitag gesoblessen. Morgen Sonnabend, den 13. April, 8 Uhr abends: j Erste Auffünrung König Kichard III. Tragödie von Shakespeare. Gastspie! Ferdinand Bonn1 mit seinem Ensemble. Adele Sandroek. Endtvig Hartan. Elsbeth Stcckeiberg. Richard Hahn. Margarete Hennig. Trade Tandar. Kar! Schmidt. Artnr Wellin. Karl Beruhard. (Das geehrte Publikum wird höflichst zurl V ermeidung von Störungen um pünktlichstes] Erscheinen gebeten.) Anfang 8 Uhr präzise!] Voranzeige! An allen drei Osterfeiertagen, nachmittags 3'/, Uhr: Das große Gala-Programm und die vollständige Pantomime| ,, Armin". (Gewöhnliche Preise.) Abends 8 Uhr; Richard III. CLOU" BERIAXER KOSZERTHAUS Mauerstr. 82 Zimmerstr. 90-91 Anr noch wenige Tag«: Gastspiel des k. k. Hotbali-Musik-Direktors C. M.. Ziehrer mit seiner aus 65 Wiener Künstlern bestehenden Kapelle Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Potsdamer Str.72/72a Sportpalast Größter Eispalast der Welt. Potsdamer Str.72/72a Allabendlich: GlSozecde sportliche VoriäbroDgen and die Aosstattangs-Fecrie] „Eisfest an der Neva." Eintritt bis 5 Uhr 50 Pf. Nach 5 Uhr M. 1,—, reservierter Platz M. 2,—. Rente den ganzen Tag nnd Abend geUITncf. I« W VII III11MI1U, Rente Karfreitag WM- geschlossen.-W» Morgen Sonnabend. 15. er., abends 71/, Uhr: Grand Soiree high Life. Die gr. Seusa.'io» ist u. bleibt Das Automobil- Üeberholungs-Rennen In der Enft, ausgeführt von La belle Georgina mid ihrem Partner. Auftreten der beliebt. Schulreitertn .Fr! Bora Schumann. Geschwister «azzoli in ihren JongIcurei Wappen. Nachm. gs/, Uhr: Julie Wipzichen dazu Tartukosss Kosaken» Eseercltlen usw. WaHiaiia-Iiiealer. Dir. James Klein. (Roserdh�ior.) WcwbergSw.20. �Heuie: Gesehlossen. �onuabmd abends 8'/, Uhr: verfMMmAwMi. In Szene gesetzt v.Dir. I. Klein. I Kleine Preise. Rauchen gest. T rianon-Theater. Heute: Geschlossen» er«r Francillon. V olgt-Theater Gesundbrunnen, vadstraße 58. Freitao, fien U. ipril(Karlreitag) und Soonabenl fleo IS. April (Ostcrhclligsbcnd): Keine Vorstellung. Karl Haverland- Anfang fknofoR Kommandanien» präz. 7»,, U. i DciUer. straße 77/79. Rente geschlossen, Königstadt-Kasino. Hvlzmarktstr. 72. Heute: Geschlossen. 2lm Ostermorge».— Tie SSude der Frau. Res Pttrsters Tiichtcrlein. Spczialitätcnvorftcllung mit Adolf Holländer, Deutsch!, erst. Improvisator. Ansang 8 Uhr. Keine erhöhte» Preise. Wo geht» vir Osttru hm? fiW* Zum Freund nach"VQ Aeidtschioß �ohknbiiide »Zum Gutenbere'(Stat. Erkner). friem"; Tanz. Clgrne Motorbootvcrbinduna IfC mit Erkner(Abs. Brücke). Empfehle allen Beremen, Gesell» schaften, Herrenvartien mein roman» tisch direkt an Waid und Spree ge» Icgenes Lokal. Alderi Lehmann. Für de» Inhalt der Juierate »vernimmt die Stedaktiou dem Publikum gegenudee keinerlei Verantwortung. Sonntag, den 16. April 1911, in Kellers Festsälen, Koppenstr. 29: »ssss MATINEE€€€€«9 unter Mitwirkung des 217/16* Berliner Humor-Quartett. > Eröffnung 11 Uhr. � ♦ Anfang pünktlich 12 Uhr.■O - Billett a 3« Pf.- Wir bitten die Mitglieder und deren Angehörige, sich rechtzeitig mit Billetts zu versehen, weil offene Kasse nicht stattfindet. Julius Lindenbaum Eckhaus Fruchtstr M(Jf OßB spAMMtSr Stf. 141 Eck!l"ns �-"tstr. Herren- und Knaben-Bekleidung Größtes Geschäft der Branche im Osten Hur neues, modernes Warenlager SdiiiWseliEf»M t II. Berlir BeMsiapaireises, i Sonntag, den 16. April 1911(erster Osterf eiertag): Künstlerische Unterhaitungsabende (Frühlings s Feier) in folgenden Lokalen: Ballschmleders Etablissement, Badstraße 16, □ Phar ijs-Säle, Müllerstraße 142, Prater-Theatcr, KastanienaEee 7/9. Mitwirken de: Gesang: Frau Dora Schnob(Sopran) Violine: Herr Ferdinand Kallweit(Tenor) Cello: Hr. Felix Lederer-Prina(Bariton) Rezitation: Frau Hilma Schlüter Klavier: Herr Eduard von Winterstein) Herr Fritz Richard Anfang 7 Ehr. Konzertflügel; Ibach. Frau Gertrud Steiner-Rothstein Fräulein Käte Soehnge Herr Willi Oeckert Herr Leo Kestenberg Herr Alfred Simon Herr Fritz Vogel Eintritt 40 Pf. Nach den Vorstellungen: Ausführliche Programme am Eingang zu den SiUen. Tanz. 226/15' Das Komitee. Sing Sozialdemokratischer Verein im fOnften Berliner Reichstags-ff ahlhreis. Sonntag, den 16. April(erster Oster-Felertag) im„Schweizergarten"-, Am KSnigstor: Großer UnterSialtungs-Abend j - bestehend in Sinfonie-Konzert(Maximilian Fischer), G Vorträgen und Tanz.* Mitwirkende: Berliner Ulk- T rio und erstklassige Spezialitäten. Eröffnung 6 Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang 7 Uhr. Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Näheres Programm. Tisch« und Stühle dürfen nicht reserviert werden. 20/85* Das Komitee. wöchentlich« Teilzahlung elegante Herren-Schneider»t nur FraiüM.I Eingang Tilsit«! Str. Karow, jGegr.j 11879! Sechster Wahlkreis. Bei der Heutigen MM" Fußpartie*13!* treffen sich die Genossen und Genossinnen in HePltlSdOPf,„ �OffttjOUd"r Auguste-Viktoriastr. 18. Abfahrt vom Bahnhof Gesundbrunnen 9.01, 9.36 und 9.34 Uhr. Für Nachzügler Treffpuntt in Neubrück bei Hennigsdorf im Lokal von Wilh. Matths.__ 226/16___ Der Vorstand. 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Unsere Dampfsohillo und Motorboote verkehren bei gutem| Wetter am Karfreitag und während der Osterfeiertage: a) Oberttprcc, Dahme, Zcnthcncr See, Müggelsee and Ijücknita von morgens 9 Uhr bis nachmittags 5 Uhr in stündlichen bezw. halbstündlichen Zwischenräumen, früh 9.30 Uhr nach Waltersdorfer Schleuse(direkt); b) Auf tletn SciiarmUtzelsee im Anschluß an die dort eintreSenden Züge; c) tinter spree- Elavcl ab Wannsee von 10.45 Uhr bis 6.45 Uhr stündlich bezw. halbstündlich nach Pfaueninsel und Potsdam, ab Potsdam 10 Uhr und 2 Uhr nach Ferch, ab Spandau 10.30, 2.10, 3.10, 4.10 Uhr nach Potsdam; d) Oberhavel und Tegeler See von früh 7.45 Uhr ab stündlicher bezw. halbstündlicher Verkehr zwischonTegel— Tegeiort— Spandau— Heiligensee. Den verehrlichen Vereinen und Gesellschaften empfehlen wir unsere Dampfschiffe und Motorboote zu Ausflügen. Besonders weipen wir auf die ganz erheblich herabgesetzten Preise hin. Ii Sonntag, den 16. April(1. Feiertag), I in den„Germania-Prachtsälen"(großer Saal), Chausseestr. 110: KONZERT KOK Karl Eisarmanns„Eiysium"«Ä," SS'S An allen Feiertagen: Prei-konzeft. Gr. Ball. f'Ä?' Kalauer Sänger. Zlchtuug, Vereine! Stelle meinen herrlichen, 2(j00 Perjone» fassenden Nalnrgarten, sowie Saal zu Sommerfeften mit Svezialitäten unter Verfügung; am erste Attlt 7. 3617. günstiger Bedingung zur Verfügung; am Eaai lud) zu vergebe».~" sten Pswgstlelerlag ist der große ' unter gefl. Mitwirkung von Frau Alma Pankhelm-Aderhold >(Konzertsängerin), Frau Blanke Beckor-Samolewska(Violine) und Herrn Prof. 0. Becker(Klavier). SaalSffnang 6 Uhr. Anfang 7 Uhr. Smr Einlaßkarte SO Pf."9® [ Während der Vorträge bleiben die Saaltüren geschlossen. Kinder unter 6 Jahren haben keinen Zutritt. Baucbon nicht gestattet. Nach dem Konzert BALL Nach dem Konzert Herren, die daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. i Näheres Programm. Der Torstand. tlelleviie, Woltersdorfer Schleuse, am Flakensee, Werder-Straße 34, IrtÄla: Tonimcrwohnung, auch Küche, elektrische Beleuchtung, grosser Saal mit Parfettsustboden für 800 Perfonen. Schöner Waldweg vom Bahnhos Erkner bis Springebeig, dort Ueberfetzen. Oder Dampfer bis Woltersdorfer Schleuse. Gute Küthe, auch Kaffeeküche, wohlgepslegte«iere. 13391» Emil bcbmltl. Deutscher Arbelter'Sängerbund ===== Gan Berlin and Umgegend.===== Sonntag, heu 16. April 1911(1. Ofterfeiertag). Im großen Saale der Brauerei FriedrichShalNi K Erstes Nolks-Konzert K veranstaltet vom Arbeiter-Gesangver-in„Kremen« M. d. A.-S. Dirigent: Herr Hermann Bö»«. SR. d. 81.-S. Anfang 6 Uhr. Eintritt 50 Pf. Programm frei. Montag, den 17. April 1911(S. Ofterfeiertag), im großen Saale der„Neuen Welt': K ZWettes Uolks-Konzert. K Anfang IS Uhr« Eintritt 40 Pf. Programm frei. Billetts find in den mit Plakaten belegten Handlungm und hei dm Sängern zu haben. 17/3« M9G9GOM« JMK SssSsel1 Kahnt& Hertzer I Telephon: Amt VH, Nr. 2062. Dampfer-Extrafatirten ab Waisenbr&lcke | am Karfreitag. 1. u. 2. Ofterfeiertag»nd folgende Sonntage. Bonn. 10'/, Uhr nach Heiienwinkel— Neu-Zittan. Nachm. 2,, Freibad Grünau— Krampenburg— Ziegenhals. | Fahrpreis: Am Karfreitag hin u. zur. 60 Pf., Ostern 70Ps. Kind, die Hälsie. Avis: Dampfer find an Gewerlich., Vereine u. Gefellfch. Hill, zu vergeben. Das Kredithaus I. Ranges liefert 3� an Jedermann auf bequeme Teilzabluug ilerren-Konfektion Damen- Konfektion AnzOäe 18' 24 80' 86 � Anzahlung von 5 M-*" Anzöge42" mm Anzahlung von Q M. an AnzQge 6*«j 70 M Anzahlung von fQ M. an Paletots Ulster zu denselben Bedingrungen F Möbel 1 vom alnfachaian bia zum«laganfaaten Qanra. Einzeln» Stocka: Anzahlung von S M. an. Kemplatta Elnriohlungan: Anzahl, von 15 M. an KosiOme n. 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April bekannt gegeben hat, dost er sein Lokal den sozialdemokratischen Bereinen zu Versammlungen und Festlichkeiten nicht mehr zur Ver- fügung stellt. Es ist für jeden anfgeklärten Arbeiter selbstverständ- lich, dag er das Lokal„Wnldschlosz" links liegen läßt. In N e u- Z i t t a u ist das Lokal von Konrad Hinz, WalShaus Kolonie Burig, Jägerstr. 1, nachzutragen. zzn KummerSdorf bei Storkow steht uns das Lokal von Adolf Helling zu allen Veranstaltungen zur Verfügung. Unter Köpenick muß eS heißen Weltrestaurant an der Friedrichs- Hagener Chaussee, nicht Waldrestaurant. DaS Lokal von Nicolai in Seegefeld bei Spandau ist für alle Veranstaltungen frei. Wir bitten die Genossen, diese Mitteilung zu beachten, um irrtümlichen Annahmen des irrtümlicherweise in der Lokalliste mit einem Stern versehenen Hinweises zu begegnen. Wir bitten die Lokalliste genau zu beachten. _ Die Lokalkommisston. Zweiter WuhlkreiS(Friedrichstadt). Der Zahlmorgen für Druckerei-Nachtarbeiter findet der Feiertage wegen erst am Sonntag, den 23. April, statt. Der Vorstand. Berliner JVacbricbten. Auf dem Berliner WohnungSmarkt haben im letzten Jahre die Verhältnisse sich nicht nennenswert geändert. Noch immer warten die Hausbesitzer Berlins auf die Wiederkehr der fetten Jahre, die sie vor einem Jahrzehnt hatten. Noch immer harren sie einer Ei Neuerung der Wohnungs' knappheit, die es ihnen ermöglichen soll, die Wohnungsmieten wieder mal nach Herzenslust weiter in die Höhe zu schrauben. Aber noch übersteigt das Angebot von Wohnungen die Nachfrage nach solchen so beträchtlich, daß die Hausbesitzer froh sein müssen, wenn ihre frciwerdenden Woh nungen sich überhaupt wieder vermieten lassen. Die Zählung der unvermieteten Wohnungen. die in Berlin alljährlich vorgenommen werden soll, ist regeb mäßig zu Ansang Januar ausgeführt worden. Auf die Zählung von Anfang Januar 1910 ist eine erneute Zählung schon Mitte Ottober 1910 gefolgt. Ihr Ergebnis, das jetzt vom Stattstischen Amt der Stadt veröffentlicht wird, zeigt eine weitere Mehrung der unvermietet gebliebenen Wohnungen. Am 15. Oktober 1919 wurden als unvermietet gezählt: 26 995 Woh nungen, die nicht mit Gewerberäumen verbunden waren, und 298� Wohnungen, die mit Gewerberäumen verbunden waren, zusammen 28987 Wohnungen. Dagegen waren Anfang Januar 1919 als unvermietet gezählt worden: 24 982 Woh nungen ohne Gewerberäume und 1635 Wohnungen mit Gcwerbcräunten, zusammen 26 617 Wohnungen. Das Mehr an unvermieteten Wohnungen beträgt 1923 Wohnungen ohne Gewerberäume und 417 Wohnungen mit Gewerberäumen, zusammen 2379 Wohnungen. Hierbei ist allerdings zu beachten, daß die Ergebnisse zweier so ver schiedenen Zählungstermine, wie eS Anfang Januar und Mitte Oktober sind, nur bedingungsweise miteinander ver glichen werden können. Für die Wohnungen ohne Gcwerberäume gibt die vom Statisttschen Amt veröffentlichte Zusammenstellung eine Unter scheidung nach der Zahl der Zimmer, aus denen die Wohnungen bestehen(wobei von dazu gehörenden Küchen oder Kammern abgesehen wird). Mitte Ottober waren unvermietet: 34o Wohnungen mit 9 Zimmer(also nur aus Küche oder Kammer bestehend), 13 163 Wohnungen mit 1 Zimmer, 8435 mit 2 Zimmern, 2333 mit 3 Zimmern. 1936 mit 4 Zimmern. 645 mit 5 Zimmern, 771 mit 6—8 Zimmern, 177 mit 9 oder mehr Zimmern. Gegenüber dem Januar ist bei allenGrötzen- l l a s s e n eine Mehrung der unvermieteten Wohnungen ein- getreten, im besonderen z. B. bei den 9 Zimmer-Wohnungen von 168 auf 345, bei den 1 Zimmer-Wohnungen von 12489 auf 13 163, bei den 2 Zimmer-Wohnungen von 8949 auf 8435, bei den 3 Zimmer-Wohnungen von 1976 auf 2333 usw. Zahlreich sind die unvermieteten Wohnungen besonders in den Anßenvierteln, wo noch unbebautes Land verfügbar und eine Mehrung der Wohnbauten möglich ist. Aller„Ucberfluß" an unvermietet bleibenden Wohnungen ändert freilich nichts an der Tatsache, daß in Berlin Hundert- tausende von Familien sich in Wohnungen zusammendrängen müssen, die für sie viel zu klein sind. Nach wie vor dauert d i e Wohnungsnot fort, daß wegen der Höhe der Mieten, von der die meisten Hausbesitzer trotz der Un- gunst deS Wohnungsmarktes nicht heruntergehen, did un- bemittelte Bevölkerung ihren Wohnungs- verbrauch aufS äußerste einschränken muß- Ueber de« Stand des Nord-Södbahnprojektö wird aus dem Rathause berichtet:„Nachdem der Polizeipräsident die klcingesetzliche Genehmigung zum Bau der Nord-Südbahn bisher von einer Verständigung mit Tcmpelhof abhängig gemacht hatte, hat er sich nunmehr bereit erklärt, ohne Rück- ficht auf eine solche Verständigung die Genehmigung zum Bau der Bahn zu erteilen, wenn die Bahn bis zur Gneise- naustraße gefülstt wird. Der Magistrat hat in seiner gestrigen Sitzung beschloffen, die Bahn bis zur Gncisenau- straße zu bauen und die alsbaldige Zustimmung der Stadt- verordneten-Versammlung gu diesem Beschluß einzuholen. Achtung vor Andersdenkenden wird unseren Geneffen gepredigt von einem Organ der— Jen- t r u m s p a r t e i. Die.Märknche VolkSzettung" ist eS. die jept fich Plötzlich auf die Pflicht der Toleranz besinnt, weil Sozialdemokraten intolerant aeaen Zentrumsleute gerecien fem tollen. Das genannte Zenlrunisbläniven erzählt von der Re, ch S t a g S- E rs a tz w a h l »« Berlin IV nachträglich die folgende Geschichte: .«uS einem Wahlbezirl, denen Wahllokal Ecke Görlitz« und Lübbener Straße fich befand, wird unS berichtet: Nach Beendigung der Wahl habe der Wahlvorsteher beim Zählen der Stimmen abfällige Bemerkungen über den Zählkandidaten der Zentrumspartei gemacht und etwa gesagt:.Hier können wir gerade noch eine» Grafen in der Lübbener Sttaße gebrauchen. Was will denn der überhaupt hier?" Die Herren Genossen hätten dann dem Wahlvorsteher ihre„lebhafte Zu» ftimmung« bekundet. Bon Anhängern der ZentrumSpartei mußte sich der Wahlvorsteher dann eine Belehrung darüber Qf fallen lasten, daß jeder Wähler zum Abgeordneten wählt, wen er wolle. DaS Verhalten des Wahlvorstehers läßt ihn zu einem solchen Amte ungeeignet erscheinen. ES wird sich empfehlen, beim Wahlkommissar Beschwerde einzureichen. Die Herren Genossen haben wiederholt versucht, die Zettelverteiler der ZentrumSpartei zu„verulken", sie kamen aber an die Unrechten, denn unsere Freunde wußten den roten.Volksbeglückern" entsprechend zu dienen. Man sieht auch hieran wieder, wie weit die sozialdemo- statische Achtung Andersdenkender geht.„Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag' ich dir den Schädel ein!" Bei den Ermittelungen, die wir vornahmen, um diese Nachricht des Zentrumsbläuchens der sehr notwendigen Prüfung zu unter- ziehen, ist uns der Sachverhalt anders dargestellt worden. Der Wahlvorsteher habe bei der Zählung der Stimmen, als ihm ein Zettel für den Grafen v. Oppersdorfs vor Augen kam, ver- wundert gefragt:„Graf v. Oppersdorfs!? Wer ist denn das? Was will denn der in der Lübbener Straße?" Vermutlich hotte der Wahlvorsteher bis dahin noch gar keine Ahnung davon, daß in dieser Hochburg der Sozial- demokratie auch die Zentrumspartei mit einer Kandidatur aufgetreten war. Die bei der Feststellung des Wahlresulrats anwesenden Personen, größtenteils Sozialdemokralen, empfanden jene Lage und die ganze Situation als komisch und lachten dazu. Ein Zentrumsmann, der für seine Partei als Zettelverteiler tätig gewesen war. ärgerte sich und sagte gereizt:„Na, was wollen denn die anderen Parteien hier?" Bestritten wird, daß die Bemerkung deS Vorstehers den herausfordernden Wortlaut gehabt habe, den die„Mark. Vollsztg." angibt. Aber empfinden konnte es der ZcntrumSmann wohl wie eine Herausforderung, wenn der Wahlvorsteher fragte, was denn der Graf v. Oppersdorff in der Lübbener Straße wolle. Selbst- verständlich war eS da das gute Recht jedes ZentrumSwöhlerS, zu protestieren gegen jene Bemerkung, die mindestens überflüssig war und durchaus ungehörig wäre, wenn der Vorsteher mit ihr an einer Partei oder einem Kandidaten eine Kritik hätte üben wollen. Drollig wirkt aber das Gezeter, mit dem das Zentrumsorgan den harmlosen Vorfall begleitet. Vielleicht können wir zur Beruhigung des Blättchens beitragen, wenn wir ausdrücklich erklären, daß der Wahlvorsteher lein Sozialdemostat ist. Ebenso, wie die Erzählung über den Wahlvorsteher, ist die Behauptung zu bewerten, daß Z e t t e l v e r t e i l e r der Zentrums- Partei„verulkt" worden seien. Wir haben bei allen Wahlen immer wieder die Beobachtung gemacht, daß zwischen den Zettelverteilern der verschiedenen Parteien ein durchaus gemütlicher Ton herrscht. Aber wer weiß, ob nicht ein zimperlicher Betbruder sich durch irgend- einen harmlosen Scherz verletzt fühlt! Die„Märk. Voltsztg." schreit— ausgerechnet sie— sogleich über Mangel an Achtung vor Andersdenkenden und leiert das Sprüchlein her:„Und willst Du nicht usw." Auf diesen Schlußeffelt kam's ihr an, das war der Zweck der ganzen Uebung._ Sstrztliche Sprcchstmidm und Kassenpatienten! Uns geht folgende Zuschrift zu: Die Krankenversicherung hat nicht nur dem größten Teil der Arbeiterschaft die Möglichleit gebracht, ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen zu können, sie hat auch gerade dadurch für einen großen Teil der Aerzte überhaupt erst eine Existenz- Möglichkeit geschaffen, die sie unter anderen Verhältnissen wahrscheinlich schwerlich haben dürften. Mit der immer weiter vorwärts schreitenden Sozialisiernng auf diesem Gebiete machen sich aber eine ganze Reihe von Mißständen geltend, deren Abstellung dringend erforderlich ist, weil nur die Arbeiter dabei die Leidenden sind und weil durch diese Mißstände viele Arbeiter, trotz allem, der Kurpfuscherei in die Arme getrieben werden. Wir haben da in erster Linie die Zeiten im Gedächtnis, die bei den meisten Spezialärzten als Sprech- zeiten festgelegt sind. Ob eS sich dabei um Augenärzte. Chirurgen, Nervenärzte oder um Aerzte für Frauenlrankheiten handelt, ob man einen Nervenarzt, einen Arzt für Haut und Geschlechts- krankheiten, Erkrankungen der Harnorgane oder einen Arzt für Hals, Nasen- und Ohrcnlrankhciten konsultieren will, kurz für den Kasten- Patienten ist in den meisten Fällen die Sprechzeit von 11— 1 oder von 0—11 oder ähnlich festgelegt. DaS Aufsucben deS Spezial- arztes bedeutet in fast. allen Fällen eine direkte Verdienst- einbüße für den Arbeiter, der nicht erwerbsunfähig geschrieben ist. Handelt eS sich um eine einmalige Konsultation, so mag diese Einbuße noch in Kauf genommen werden, da ja schließlich die Gesundheit mehr wert ist als der geringe entgangene Verdienst. Die Mehrzahl der Fälle liegt aber so, daß der Pacient oft auf längere Zeil hinaus zum Teil täglich oder alle zwei bis drei Tage den Arzt aufsuchen muß, so daß auf die Dauer für ihn eine erhebliche Verdiensteinbutze entsteht, die er nie wieder einholen kann. Oft hat er gerade wegen seine? an sich vielleicht nicht gemeinschädlichen Leidens die Entlassung mit in den Kauf zu nehme». Das führt natürlich dazu, daß viele Patienten schon auS diesem Grunde die Behand- lun� aufgeben, lind der Prozentsatz dieser Kranken ist weit grötzer als jener, die wegen der Dauer der Behandlung das Ver- trauen zu dem jeweiligen Arzt verloren haben. Es liegt nicht so, daß die Konsultierung sich in der MtttagSzeit erledigen läßt. Meist sind ein paar Stunden weg, die man im Wartezimmer'zugebracht hat, weil entweder der Arzt, trotz der angesetzten Sprechzeit, anstatt um 11 Uhr, erst kurz vor 12 erscheint� oder, weil schon so und so viele Patienten im Wartezimmer anwesend sind, die, um zuerst heran- zukommen, sehr frühzeitig hingegangen sind. In unsere Zeit der englischen Arbeitszeit mit halbstündiger Mittagspause paßt eine solche Lage der Sprechzeiten ganz und gar nicht mehr hinein. Nun gibt es ja Aerzte, die in den Abendstunden noch Sprechstunden abhalten. Da kann eS dem Patienten aber passieren, daß ihm nach stundenlangem Warten von dem Arzt die Frage vorgelegt wird, ob er von der Kasse komme. Muß er dies bejahen, dann heißt es einfach:„Ja, dann müssen Sie von 11 bis 1 kommen, da habe ich für Kassenpatienten Sprechstunde." Dadurch wird natürlich die Meinung der Kaffenpatienten bestärkt. daß sie im Austrage der Krankenkasse von dem Arzt mit anderem Maße gemessen werden sollen als der Patient, der sich auf eigene Kosten behandeln läßt. Daß durch diese ganze Art und Weste dem Kurpfuslbermm Vorscvub geleistet wird, wird jedem Einsichtigen klar sein. Die aufklärende Tätigkeit vieler Aerzte z. B. bei Haut- und Geschlechts- krankheiten hätte größeren Erfolg, wenn die Sprechzeiten in den Abend« stunden lägen. Diesen Umstand hat sich auch das Kurpfuichertum weidlich zu nutze gemacht. Auck eine andere Frage ließe sich da- durch leichter löten: die Frage der Sonntagsruhe der Aerzte. Mancher Patient, der sich jetzt das Aufsuchen des ArzteS bis zum Sonntag aufspart, würde lieber an einem Abend zu ihm gehen. Dadurch wird der Arzt Sonntags entlastet und beiden Teilen ist geholfen. Vielleicht können diese paar Zeilen dazu beitragen, daß auch a«S der Aerzieschaft heraus eine Äenderung in der Sprech- stundensrage bei den Spezialärzten angestrebt wird." Wir haben geglaubt von der Zuschrift Notiz nehmen zu sollen. da die darin gegebene Anregung nicht ganz unbeachtlich sein dürste. DaS OrtSstatut zum Schutze der Stadt Berlin gegen Verunstaltung, vom 24. Juni 1900. wurde von der Berliner Stadtverordnetenver- sammlung im Dezember 1909 angenommen und vom Magistrat ge- nebmigt. Jetzt, nach mcbr als 15 Monaten ist endlich das Orts- statul von den Aufsichtsbehörden genehmigt worden und kann nun- mehr in Kraft treten._____ Eigenartige GeschäftSmcthoden. Wie leicht lassen sich oftmals die Leute von Geschäftsreisenden etwa» aufschwatzen, was sie nachher wieder loS sein möchten, sobald sie sich die aufgehalste Sache genau betrachten oder erfahrenen Rat darüber einholen. Eine Abmachung geht aber nicht so leicht wieder rückgängig zu machen, wenn man sich, wie es häufig geschieht, durch 'eine Unterschrift verpflichtet hat, eine Ware unter bestimmten Be« dingungen abzunehmen. Dabei spielen die Geschäfte, die„auf Ab» zahlung" von den Agenten abgeschlossen werden, die größte Rolle. Wertlose Bilder, an denen der Nahmen noch das beste ist, werden den Leuten manchmal für teures Geld ausgeschwätzt uitd nur eine „kleine Anzahlung" verlangt. Mit dieser Anzahlung ist nicht selten der wirkliche Wert des Bildes schon bezahlt, das übrige ist Profit, wird aber gerade darum sehr rücksichtslos eingetrieben. Häufig werden auch Bücher aller Art zu Preisen angeboten, die dem wirklichen Wert nicht entsprechen, aber viele Leute lasten sich gerade durch die hohen Preise und die kleine Anzahlung verlocken, ein Geschäft abzuschließen, das sie nachher be- dauern. Ein„Verlag christlicher Schriften" versuchte jüngst ein Buch, „Friede sei mit Euch" für 13 M., bei 3 M. Anzahlung abzusetzen, und wo sich Leute zur Abnahme des Werkes durch ihre: Unterschrift verpflichtet hatten, da gestattete die Firma keine Zurücknahme, sondern drang vielmehr in ganz unchristlicher Weise darauf, daß weitere Zahlung geleistet wurde und drohte bei einer Weigerung mit Klagen und„energischen Schritten". In gleicher Weise geht eine Firma Edmund Herr mann, Verlagsbuchhandlung, Frucht- straße 51, vor. Da hatte ein arme? Dienstmädchen, Dora S.. sich überreden lasten, ein Werk„Die Frau als HauSärztin" für 17,50 M. bei 3,50 M. Anzahlung und zu weiteren Abzahlungen von monatlich 2 M. zu bestellen. Gleich darauf tat ihr das abgeschlossene teuere Geschäft leid, sie bestellte das Werk wieder ab und bat, ihr für die angezahlten 3,50 M. ein Kochbuch zu senden. Die Hausfrau, bei der das Mädchen bedienstet war, schrieb eben- falls an den Verlag und bat, das arme Mädchen von dem Bertrag zu entbinden. Das half alles nichts; der Verlag ließ sich nicht darauf ein. Offenbar, um das Mädchen einzuschüchtern, erhielt es von dem Verlage einen Brief mit der Aufforderung. binnen drei Tagen die Abbestellung rückgängig zu machen, oder die Sache würde einem Rechtsanwalt übergeben werden. Das Mädchen erhielt dann noch eine unfrankierte Postkarte mit der Bitte um Rückäußerung. Auf der Postkarte stand ge« druckt zu lesen:„Das von Ihnen durch meinen Reisenden be- stellte Werk habe ich an Ihre w. Adresse abgesandt, jedoch zu meinem Erstaunen mit dem Vermerk„Annahme verweigert" zurückerhalten."... DaS„Erstaunen" über die verweigerte An» nähme scheint man demnach bei dieser Firma gleich auf Vorrat zu halten. Erstaunlich ist vielmehr die Energie und Hartnäckigkeit, mit der die Firma ein armes Dienstmädchen zu zwingen sucht, Zahlung für ein Werk zu leisten, das ihm als wertlos erscheint und daS eS längst abbestellt hat und nickt nehmen mag. Nach dem Buchstaben sind die Firmen im Recht und bei ein« Zivilklage bekommen sie meistens auch Recht, da für daS Gericht die Unterschrift des Bestellers auf dem Bestellschein maßgebend ist. Wer sich also vor Schaden bewahren will, überlege und prüfe sehr genau, bevor er seine Unterschrist hergibt. Die Unterschriften werden heute leider zu leicht gegeben. Immerhin dürste die Art, wie manche Agenten Unterschriften zu erlangen suchen, und wie manche Firmen ihr Geschäft betreiben, in strafrechtlicher Beziehung für den Staats- anwalt ein Interesse haben._ Zur Stimmungsmache Kommunalfreisinniger für die LustbarkeitZ« steuer wird im Hinblick auf die Versammlung der Freien Vereinigung der Haus- und Grundbesitzervereine im Marinehaus berichtet, daß diese Versammlung von 33 Herren und Damen besucht war. Es muß schlimm um die Sache der Anhänger der LusibarkeitSsteuer stehen, wenn sie nicht mehr Protestler auf ihre Seite bekommen, die sie bei der nächsten Beratung über diese Steuer im Rathause bor» führen können. Inzwischen versuchen die Freunde der Steuer noch einige Grundbesitzervereine für die Steuer ins Feld führen zu können und sie zu einer ihnen freundlichen Stellung zu veranlassen. So sieht die Protestbewegung aus, die nach dem Ausspruch deS Herrn Cassel für die Steuer einsetzen wird. Die Sache ist doch zu sehr gemacht!— Die Sänglingsfiirsorgestelle VII befindet fich von Freitag, den Li. d. Mts., ab nicht mehr Prenzlauer Allee 33, sondern Wörther Sttaße 45. Verkehrsstörung. Gestern mittag um 12 Uhr fand eine große Verkehrsstörung im Zentrum von Berlin statt. Infolge eines De» fettes in den„B. E. W." hatten sämtliche Linien der Berliner Straßenbahn länger als'/e Stunde keinen Strom. Mehr als 1000 Wagen standen an den VerkehrSzentten in der Leipzigerstraße, am Potsdamerplatz, am Donhoffplatz, am Spittelmarkt, am Molken- markt usw. still. Eisenbahners Sterben. Ein schwerer BettiebSunfall, dem ein blühendes Menschenleben zum Opfer gefallen ist, hat sich am Dienstagabend auf dem Bahnhof Fürstenwalde zugettagen. Dort war_ gegen 9 Uhr der 26 jährige Hiffsrangierer Wilhelm Stenz ans Fürstenwalde beim Rangieren von Personenzügen beschäftigt. Als er zwei Waggons zusammengekoppelt hatte und aus dem Gleis heraustreten wollte, kam er zu Fall. Ehe sich St. wieder erheben konnte, setzte sich der Zug in Bewegung und der Rangierer geriet unter den nachfolgenden Wagen, dessen Vorderräder über ihn hin- weggingen. Dem Bedauernswerten wurde der Brustkorb vollständig zerquetscht, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau und zwei kleine Kinder. Kreditschwindel im grossen betreibt eine Frauensperson, die fich bisher Frau Wendt nannte und Briefe mit dem Vordruck„Kaufhaus Wendt, Berliit-Schöneberg, Bureau und Kasse VC. 80 Goltzstraße 33" führte. Unter der Vorspiegelung, daß sie mit ihrem Bruder ein Versandhaus eröffnen wolle, mietete sie sich zum 1. April in der Grunewaldstr. 19 einen Laden für 5000 M. Uutcrdesieu ließ sie sich nach ihrem Bureau in der Goltzstr. 38. einem möblierten Zimmer. in dem sie zwei Kontoristinnen beschäftigte, größere Warenposten auf Kredit schicken, um sie sofort zum Verkauf wieder wegzuschaffen. Den Laden hatte die Schwindlerin, ohne etwas anzuzahlen, nur gemietet, um die Lieferanten, die sich nach ihr erkundigten, sicher zu machen. Kurz vor dem 1. April verschwand die Gaunerin mit allen ihre» Sachen. Einbrecher haben in der Nacht zum Donnerstag wieder arg ge« haust. In der Elsasser Str. 33 hat das Konfektionsgeschäft von Josephsohn seit dem 1. d. M. im ersten Stock eine ArbeitSstube, von der eine Treppe in den Laden hinab führt. Von dieser Stube aus' brachen Diebe in die Geschäftsräume ein und erbeuteten daraus für 6000 Mark bunte, schwarze und weiße seidene Blusen. Unter» röcke ulw. „Geldschrank-Knacker" gelangten auf dem Grundstück Wallner» theaterstraße 24 vom Hofe aus durch den Keller der nicht verschlossen war, in das Kontor der Likörfabnk von Schubert, erbrachen dort ein Spind älterer Bauart und stablen daraus 2000 M. bares Geld. Den Rückweg nahmen sie über eine zw« Meter hohe Mauer nach dem Nachbargrundstück zu. Deutliche Finger, und Fubipureu. die sie hinterließen, wurden von der Kr..n.nalpol.z°t festgelegt.- Auf dem Grundstück Nauny.tstraße 33 erbeuteten Einbrecher m einer Fabrik für 1500 M. Lcder und ��waren und auS dem Geldspind des Hauseigentümers und Ä m fS Ä 8?S 6nte3 Geld.- Auch in der Wassertor» «nem nnch£££? Außere Summe in bar.- Aus vm-?s„t ,?.-i�m„c�„c!» ��mbruch oder Diebstahl stammen ohne fSs m h« 4!nf ffn'c. gestern morgen auf dem Flur eines mlife, f» ,,nd„iL»■ � erbrochen aufgefunden wurden, eine Menne �er einen befanden sich eine größere Dtt KafieUe� �£"• Aufschriften F. Hesse und Kasseler Hof. K ftS' ÄßÄÄ* eK,i"ä � Diebstahl in der Bolksoper. Gin dreister Bursche, der seit einiger Zeit die hiesigen Theater unsicher macht, gab gestern in der Volks- oper eine kleine„Gastrolle". Nach beendeter Vorstellung mischte sich der Dieb in daS andrängende Publikum hinein und machte sich in der Garderobe zu schaffen. Es glückte dein Langfinger, einer Theater- besucherin ein goldenes Medaillon, das mit Brillanten besetzt ist und einen Wert uon über 800 M. besitzt, vom Halse zu stehlen, ohne daß davon irgend etwas bemerkt worden wäre. Erst beim Verlassen des Theaters wurde die Bcstohlcne auf den Verlust des Wertstückes aufmerksam. Ein großer Diebstahl an Damenhüten wurde nachts im Süd- Westen der Stadt verübt. Eine Einbrecherbande drang in dem Hause Zossener Sir. 22 in das Atelier eines Pn�geschäftes ein und räumte dort ordentlich auf. Sommerhüte sowie Straußenfedern im Gesamt- werte von mehr als tvoo M. fielen den Einbrechern in die Hände. Auch zahlreiche Modellhüte erbeuteten sie. Einen internationalen Einbrecher hat die Kriminalpolizei in der Person eines gewissen Robert Neumann festgenommen. Gesangliche Osterveraiistaltnuge». Der Männerchor„Norden" veranstaltet am Sonntag, den ersten Feiertag, in den Germania- säten, Chausseestr. 110. ein Konzert unter Mitwirkung von Frau Alma Panlheim-Aderhold sKonzertsängerin), Frau Bianka Becker- Samolewska/, Uhr in den Jugendheimen Lichtenberg, Bürgerheimstr. 94 und RummelS- b ur g, Alt-Boxhagen 56. Abmarsch Punkt 7 Uhr. Nachzügler treffen sich UM 10 Uhr im Restaurant Pserdebucht. Rückfahrt gegen l Uhr. Die Eltern werde» ersuch», die Jugend zur Teilnahme aufzufordern. Sericbts- Leitung. Eine Explosion in einem FeuerwerkslaboratoriuM, bei welcher mehrere Personen erheblich verletzt wurden, hatte gestern vor der 1. Strafkammer des Landgerichts III ein gerichtliches Nachspiel. Angeklagt wegen fahrlässiger Körperverletzung waren der Fabrikant Gustav Bock und der Ingenieur Wilhelm Schlott.— Der Angeklagte Bock war bis zum Januar v. I. Besitzer eines Feuerwerkslaboratoriums in Niederschönhausen, welches'von dem Mitangeklagten Schlott mit der Bedingung käuflich ettvorben worden war. daß er von B. erst in die verschiedenen Betriebsgeheimnisse und Fabrikationsmethoden eingeweiht werde. In dem Laboratorium wurden u. a. auch sog. Knallkorken hergestellt, welche mit einer höchst explosiblen Mischung von Phosphor und chlorsaurem Kali ge- füllt sind und nach dem Trocknen in kleine Pistolen zum Abgeben von Schreckschüssen geladen werden. Da eS sich um höchst gefährliche Sprengkörper handelt, besteht die Vorschrift, daß nie größere Mengen dieser Korken, die im einzelnen völlig harmloser Natur sind, lagern dürfen. Durch eine anonyme Anzeige wurde im Januar v. I. der Polizeibehörde mitgeteilt, daß sich in dem Lager- räum der Angeklagten zirka 30 000 derartige Korken befänden. Der mit der Revision beauftragte Polizeiwachtmeister begnügte sich mit der verneinenden Antwort des Angeklagten Bock, ohne eine genau« Revision der Fabrikräume vorzunehmen. Bock äußerte nach dieser „Revision", daß er„den schön reingelegt" habe. Am Nachmittage desselben Tages ereignete sich in dem Aufbewahrungsräume eine Explosion, bei welcher mehrere Arbeiter und Arbeiterinnen er- heblich verletzt wurden. Es flogen zirka 40 000 Korken in dis Luft; die Dstonation war infolge des ungeheuren Luftdrucks lilometer- weit yvrbar.— Die Sachverständigen, u. a. der Fabrikant und Pyrotechniker Georg Lau, behaupteten übereinstimmend, daß die Aufbewahrung einer derartig großen Menge dieser Knallkorken als höchst leichtsinnig und fahrlässig zu bezeichnen sei.— Das Gericht erkannte nur auf eine Geldstrafe von je 300 M. Der Staatsanwalt hatte mit Rücksicht auf die hochgradige Leichtfertigkeit der Auge- klagten je 1 Jahr Gefängnis beantragt. Hochzeit ohne Bräutigam. In ein arges Dilemma war eine Hochzeitsgesellschaft durch den Streich eines Heiratsschwindlers geraten, der sich gestern vor dem Strafrichter zu verantworten hatte. Wegen Betruges hatte das Schöffengericht Berlin-Mitte unter Vorsitz des AmtsgerichtSrats v. Trescköw gegen den Schweizer Wilhelm Meyer zu verhandeln.— Ter Angeklagte machte vor einiger Zeit die Bekanntschaft einer Schneiderin G., mit der er ein Liebesverhältnis einging, welches nach seinen Versicherungen zu einer Ehe fuhren sollte. Die Ver- lobung fand dann auch in sehr feierlicher Weife unter dem Weih- nachtsbaum statt. Da der neugebackene Bräutigam klagte, daß er kein Geld habe, sich einen Hochzeitsfrack zu kaufen, ging die E. mit ihm zum Schneider und ließ ihn vom Kopf bis zum Fuß neu ein- Neiden. Nicht genug damit, opferte sie auch noch ihre Ersparnisse in Höhe von 300 M., mit welchen der zukünftige Ehemann Einrich- tungsgcgenstände kaufen sollte, da die Hochzeit schon auf den 27. Februar angesetzt war. Als dieser Tag herangekommen war, hatte sich eine große Hochzeitsgesellschaft eingefunden Die zukünf» tige junge Frau hatte schon ihren.bräutlichen Staat angelegt und w«teje nur ns& auf das Erjchewen jljres BxgutjgastS. Wer Äer nichk?aSk, kvse?cr Herr BrauIigaN. Nach längercitt fiergeofichen Warten erkundigte man sich an der von M. angegebenen Adresse nach der Ursache seines Ausbleibens. Zum allgemeinen Entsetzen stellte es sich heraus, daß die Adresse falsch und ein Mann namens Meyer dort unbekannt war.— Aus die sofortige Anzeige der sitzen- gebliebenen Braut wurde der Angeklagte, der nach Leipzig ge- flüchtet war, dort verhaftet.— Das Schöffengericht verurteilte den treulosen Bräutigam zu einelt Gefängnisstrafe von einem Mooat. Eue aller Melt. London-pam im Hcroplan. Der Abiatiker Pierre Prier, von dessen glänzender Flug- leistung wir in unserer gestrigen Nummer bereits kurz Notiz nahmen, stieg in Hendon bei London am Mittwoch kurz nach 1>/z Uhr mittags auf und landete um 5,30 Uhr ohne Zlvischenfall auf dem Flugfelde in I s s y- l e s- M o u l i n e a u x. Er hat die ganze Distanz London— Paris, 450 Kilometer, in 3Stunden 56 Minuten zurückgelegt. Die Flugmaschine, die Prior bcuützte, war ein Bleriot-Eindecker mit einem Gnomo-Rotalionsmotor. lieber seinen Flug sagt P r i e r u. a.: Da es in England ver- boten ist, über Städte zu fliegen, wandte ich mich erst nach Osten und flog dann längs der Themse. Als ich über Chatham hinweg- flog, bemerkte ich Kriegsschiffe. Ich passierte in 500 Meter Höhe die alte Kathedrale von Canterbury und sah bald den Turm von Dover. Um den Kanal zu passieren, erhob ich mich aus 1200 Meter. Ich sah fortwährend Schiffe unter mir, so daß ich nicht eine Sekunde lang an Gefahr dachte. Vom halben Weg an sah ich die ftanzösische Küste. 16 Minuten brauchte ich, um Kap Gris Nez zu erreichen. Von dort folgte ich der Küste. Ueber Abbeville wurde ich sehr vom Winde geschüttelt. Dann kam Nebel. Von Beauvais ab konnte ich mich nur mit dem Kompaß orientieren. Als ich mich Paris näherte, versuchte ich den Eiffelturm zu erreichen. Ich fand ihn aber nicht. Dagegen sah ich die Masse de» Schlosses von Versailles. Ich kam aber schließlich in Jffy an, trotz des Nebels. Verheerende Wirbelstürme in Nordamerik«. Ein über die Staaten Kansas, Missouri und Oklahoma am Mittwoch dahin brausender Wirbelsturm hat weite Gebiete der Staaten zerstört und viele Menschen- l e b e lt vernichtet. Zwei kleinere Städte wurden voll- ständig zerstört. Nach den bisher vorliegenden Mel- düngen sind 23 Tote gezählt worden; jedoch ist zu bc- fürchten, daß die Zahl der Opfer noch erheblich größer ist. Zahlreiche Personen haben Verletzungen erlitten. Ter Lokomotivführer eines fahrenden Zuges wurde von der Maschine herab geweht, in Whittng eine Frau über eine halbe Meile weit vom Sturm fortgerissen und getötet. Ueberall sind die Telegraphenstangen um- gewotfen und die Drähte zerrissen. Aus den öbnach- harten Staaten find Hilfszüge nach der Sturmregion entsandt worden. Auch im nördlichen Deutschland hat am Mitt- woch ein heftiger Sturm mehrere Menschenopfer-geopfert. In Dorotheenthal am Kaiser-Wilhelm-Kanal riß der Sturm mehrere Masten einer Starkstromleitung um. Drei Per- s o n e n kamen mit den Drähten in Berühnlng und wurden getötet._ Heimgezahlt! Kürzlich wurde ein bekannter Hamburger Landrichter in der besten Weise von einem Chauffeur belehrt, daß nicht immer die Theorie des Strafgesetzbuchs mit den Anforderungen des täglicken Lebens in Einklang zu bringen sind. Der Herr Landrichter hatte etwas lange in Morpheus Armen gelegen und wollte nun eiligst nach seinem Amtszimmer im Strasjustizgebäude, da er eine wichtige Sitzung wahrzunehmen hatte. Er stürzt auf die Straße, winkt, wie wir dem„Kurier" enmehmen, einen vorbeifahrenden leeren Kraft- wagen heran und ruft dem Lenker zu, ihn nach dem Strafjustiz- geb'aude zu fahren, und zwar so rasch als möglich. Das Auto setzte sich in Bewegung, jedoch mit der borschriftS- mäßigen Geschwindigkeit, so daß die elektriscken Straßen» bahnen, die Pferdedroschken und selbst die Fußgänger den Wagen über- holen. Mit Vorsicht werden die Straßenkreuzungen befahren, in weitem Bogen wird allen Schutzleuten ausgewichen und vorschrifts- mäßig hält der Cbauffeur hinter einem Straßenbahnwagen, dessen Paffagiere im Aussteigen begriffen sind. Der Herr Landrichter stampft nervös mit den Füßen und wütet in sich hinein. Endlich, mit großer Verspätung angekommen und den Fahrpreis bezahlend, fragte er den Chauffeur, warum er denn in aller Welt io langsam gefahren sei? Da erividerte dieser treuherzig:„Ja, wissen Sie, Herr Land- richter, Sie haben mich erst gestern in 50 M. G e l d str af e wegen Uebertretung der Straßenordnung für Kraft- wagen genommen, da wollte ich heute ganz genau nach diesen Vorschriften fahren."_ Kleine Notizen. Winter im Riesengebirge. In der letzten Nacht ist in Hirschberg und Umgegend starkerSchneesall eingetreten. Im Hirschberger Tale liegt der Schnee fußhoch. Bierfocher Frauenmord. In der AlexejewSkastraße in Moskau verübten unerkannt entkommene Verbrecher an einer achtzig- jährigen Hauswirtin und an drei anderen Frauen Raubmorde. Fabrikeinsturz. In der Nähe von Brüssel ist das Gebäude einer Textilfabrik eingestürzt. Sieben Arbetter wurden unter den Trümmern begraben. Die sofort vorgenommenen Rettungsarbeiten förderten fünf der Opfer in schwer ver- letztem Zu stände zutage; die beiden anderen erlitten leichtere Verletzungen.____ Smgegangene Druck fcbriftcn. Mensch und die Erde. Liefer. 120—124. Herausgezeben von H. ftraemer. Lieser. 60 Ps. Bong u. Co., Berlin IV. 57. Offizielles Hotel- Adreßbuch dcS ReichsverVandeS Deutscher Gastwirtsverbäude 1011. Selbiloerlag, Leipzig, Neumarkt 30/32. Behörden. Adressbuch TeutschlaneS 1011/12. S53 S. Verlag, Berlin SO. 16. Ter Deutsche Arbeiter- Säugerbund. Von B. Noack. 75 Pj. Verlag A. Kaiser, Berlin NO. 18. ßriefkaftcn der Redaktton. Sie IttrtBtfifle errechftnnde findet Ltndenftraveog.«mm»!« reeppeu — gnpt stuhl—. wochentäglich uon iis T'i Uhr»b-ndS. SonnodendS von tZj ttS 6 Uhr adcndS statt. Jcdrr für den BricNasten destlmmien Aafraze «st ein Buihsiadr und ritte zahl«Co VStcrtjeiÄttn hetoufünm-»rirfttihe Antwott wird uiiht rrtrilt. Eiligr Fragen trage maa in der Sprcihftuiidc vor. Am Sonnabend fällt die juristische Sprechstunde aus. A. B. C. 87. UnS nicht bekannt.— P.€>■ R. 37. Die ewgc- klammerten Zahlen bedeuteten die Zahl der cingeschttebcnen Wähler des Bezirks. —«. Luisenufer 20. Ein solches Ausschteiben ist uns nicht belaimt. doch raten wir Ihnen, wenden Sie sich an den Ingenieur Richard Woldt, Elbinger Straße 83.—(f. B. 2. Die Aufführung der Freien BoNS- bühne im National-Theater erfolgie nach der Aufführung ,m Deutichcn Theater.— St. 7. Der Wortlaut der Verfügung ist ur.S nicht bekannt. aber cS handelt sich hier anscheinend nm eine Schreibgebühr, die sür die Zeit der Genehmigung zu entrichten ist. 2. StaatSsorst.— A. ft. 31. Liese- gang. Handbuch der prakt. Kinematographie 9 M.— F. K 23. Städtische Kochichule, Dimckerstraße 65/66 oder aus dem Wege der Annonce.— E. I. 12. Die H ö s n a ch r t ch t e n gehen uns nicht zu.— Mitteilung. Ja.— Däne. 1. Jeden Sonnabend abend 0 Uhr im Lokale Dresdener Str. 45. OiSSt-.. Ossrienstiilte StalStdew«. i.d. Stnne»«eh Bleedarl □ Rute iS Mapk« Kflulsdorf □ Rute 12 Mark im Bahn hof Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend e. G. m. b. H. Kontor. Zentrallager und Groß- Badem: Lichtenberg, Rlttergntstraße 23—26. ............ Feriisprechir: Amt lJohtMlieen, 524, 525, Baubmeau- 526, GelchSftSzeit von 8 I, Uhr früh bis nachmittags S Uhr.— Besichligungen crlolgen auj Einladung.— Einzelbesichtigung ist nicht gestattet. Die �8 Verkaufsstellen befinden sich in Berlin: O. MarkuSftr. 37 Zorndorfcr Str. 61 l'icbigftr. 7 Kochhamiitr. 14 Kopernikusstr. 3 Bödikerstr. 7 Mirbachstr. 26 � ZiQ. Bötzowstr. 34 WinZstr, 63 Büschingslr. 12 in den Vororten» ftrriedenn«. Mosclstr. 7 »sriedrichsfcldc, Caprivi-AIee 44 «arlshorft. T>c»kow. Allee 100 Lichtenberg, Bürgerheimstr. 102 Kronprinzenstr. 1 Rittergutstr. 22 SO. BT. Hörster Str. 3 Manleuffclstr. 91 Michaellirchplatz 4 Wränget ftr. 65 Torfftr. 28» Togostr. 4 Willdenowstr. 30 Maxstr, 13a Prinzen-Allee 85 Ä. Swineinünder Str. 33 Greifenbagcner Str. 84 Saitenftr. 3 Schivelbciner Str. S Soldincr Str. 103 Kerichtstr. 3 Fchrbelliner Str. 54 Hochmcisterstr. ISO(wird am 24. Zlpril eröffnet) 16 -62 Rixdorf, Medetstr. 15 Böhmische itr. 47 Münchener«tr. 39. W. Goebcnstr. 17, Ecke Eulmstraße SV. Kochstr. 62 Arndtftr. 5 XW. ErasmuSfE. 5 Sloftocfev Str. 35 Emdener Str. 50 Stcndater Str. 5 S. Graescstr. 05» Alte Lalobftr. 57-59 104/20 Marlendorf. Kaiserfir. 110 Reiniitendorf-O., Hoppestr. Nixdorf,«elseftr. 52 Eniicr Str. 3? 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Start: Bülowstr.5S. 2 Abt: Am 15. 6 Uhr abends Stettin, am 16. 5 Uhr: Stettmer Bahnhos, am 17. 1 Uhr: Birtm- werdcr(ParadicSgarten). Start: Schöiileinftraße 6. 3. Abt.:?lm 16. 8 Uhr: Liepnch- see. 1 Uhr: Bernau(Elqfium), am 17.(Familientonr) nach Hrrschgarten (Wilbelmshos), am 18.: Tour wird am Start belannt gegeben. Start: Laulider Platz 12. 4. Abt.: AM 16. früh 4-/. Uhr: Stettin(Bahnfahrt bis Angermünde). 7 Uhr: Krünheide(Dampfschiff). 1 Uhr: Rahnsdorf(Klemm), am t7. Ist, Uhr: Zehlendorf lMief). am 18. 2 Uhr: KarlSborst(Fürstenbad). Start: Küstriner Platz. 5. Abt.: Am 16. 2 Uhr: Sadowa (Waldschänle), am 17. 2 Mr: Familientonr nach LohanniSthal (Schlitz), am 18. 2 Uhr: Kautsdorj. Start: Elysium. 6. Abt.: Am 16. früh 5 Uhr: Stettin(Bahnfahrt bis Angermünde). l Uhr: Jörssetde. am 17. 8 Uhr: Neu-Dabendorf(Hafer). 2 Uhr: Tempethos(WilhelmSgarten), am 18. 2 Uhr: Wittenau. Start: Oderberger Straße 23. 7. Abt.: Am 16. 6'/, Uhr: Ebers. walde. 1 Uhr: Bernau, am 17. Ost, Uhr: Buckow, 1 Uhr: All-Lands- berg. Start: Köslincr Str. 8. 8. Abt.: Am 15. nachts IS Uhr: Stettin, am 16. 6 Uhr: EberSwatdc gur Mühl«), 1 Uhr- Bernau Ftysium). am 17. Ist, Uhr: PichelS- werder(Freund). Start: Waldstr. 8. 9. Abt.: AmlS.. Ist, Uhr: Henr dorf. Am 17.. 1'/, Uhr: Pill werder(Freund). Starte Schill ftraße 22. 10. Abt.: Am 17.. 7 Uhr: Prenden. 1 Uhr: Bernau. Start: Weberstr. 6. lt. Abt.(Settion der Gastwirts- gehilfcn): Am 19.. 7 Uhr4 Wendisch. Buchholj. Start: BerbandShauS. Achtunal Die Zentratvorstandssitzung findet der Feiertage wegen am 24. April statt. 10/13 Die ordentliche Keneralveriamm- lung ist am Frettag, dm 2«. April, 8st, Uhr, bei Sorgmann, Andreas- ftraße 26. Die AhtetlungSIeiier werden ersucht, in der nächsten Sitzung die Delegiertenwahlen dazu vorzunehmen. Der Zentralvorftaud. Lichtenberg und Umgegend. Am 14.(Karfreitag) fallen die Tour« wegm der östenllichen Rad- sahrer-Berfammlung aus. Cammel- start zu derfelbm»st, Uhr Pfarr- aße 74. teilnng Lichtenberg emd Jugend- abteilung: Am 16., 12 Uhr: Rüder-- darf(GefellfchaftShauS). Start: Pfarr- ftraße 74. in 17.: BereinStvnr. ISst, Uhr: Soff. Start: an den be- m Stellm. Eammelstart 1 Uhr: Friedrich Sfelde, Berliner Str.»8. Möbel «Kfl Mf Teilzahlung lyUhelm Misch 6t. Franktsitn Sir, 45/46 I s, H 'MG Qptiker�uUe moderne Mer«i 6ptal-|lsern sind leicht, sitzen angenehm und korrekt DUtliS fSto|sd«0©ftiEÜdlt Cfama�db odw 0sld güiytSdk 11 modern eingerichtete S p e zi al- Q e s ch 2f t e: Oranlen-StraBe 44, frlednch-Str. 190, Brunnen-StraBe 12, aaäe Urinien-Plau. in der Kronen-Straße, in der Invalid en-Strtße. Am Alexander-Plate, Kar.-Straße 8, Tauentalen-itr. 19, aeben Asclunger. an der toisen-Straße. an der Nürnberger Straße. »JraVOfile" 3r»nger-2(nel|cp Sperial-DoablS M. 10.- Hartnickei.. M. 4.50 Donble.... M. 6.50 wülbteo Cßisem mehr M. Massiv Gold, 14 karät... 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Die jetzt vom Magistrat veröffentlichten Abteilungs» listen find die Beweise dafür. Es ergibt sich aus ihnen z. B. die Tollheit, daß man im 246. UrWahlbezirk(Gräfestr. 30, Urbanstr. 31—38 und 127— 137a) schon mit einem Steucrbetrage von 236 M. zur I. Klaffe gehört, während man im Hause nebenan, von Gräfestr. 31 an, wo der 248. UrWahlbezirk(Gräfestr. 31—42 und 44—64, Hasenheide 21—33) beginnt, beinahe da« Hundertfache an Steuern zahlen muß, um den Vorzug eines Wählers I. Klasse genießen zu können I Hier zahlt der e i n z i g e Wähler l. Klasse, ein bekannter Brauerei- besitzer, nämlich 21 734 M. Steuern! Mit diesem entsprechenden Geldsack hat er genau so viel Wahlrecht wie die 18 Wähler II. Klasse und die 368 Wähler III. Klaffe desselben Bezirks! Dies Muster- beispiel zeigt aber auch, wie viel leichter und bequemer die Reichen ihre Agitation haben. Um die 2 zu wählenden Wahl- männer der I. Klaffe zu bekommen, braucht man nur einen einzigen Wähler zu bearbeiten, während die gleiche Zahl zu wählender Wahlmänner der HL Klaffe die Bearbeitung von 368 Wählern er- fordert l Sehnlich« Verhältnisse zeigen sich auch in anderen Urwahl- bezirlen deS Kreises. Im 230. Bezirk(Blücherftr. 25 und 52—60, Schleiermacherstr. 1. Urbanstr. 1—6) gibt eS in der L Klasse ganze 4 Wähler, in der EL Klaffe 17, in der EIL Klaffe aber 201 Wähler. Im 257. Bezirk(Boeckhstr. 55, Grnnmstr. 29—30, Planufer 87—94) haben 6 Wähler der I. Klasse so viel politische Macht wie 33 Wähler der IL Klasse und 295 der DJ. Klaffe. Im 251. Bezirk haben vier Wähler der L Klasse so viel Rechte wie 368 Wähler der Hl. Klaffe. Und so geht eS in allen Bezirken mit ganz geringer Differenz weiter I Die Abteilungslisten sind damit ein ganz ausgezeichnetes Agitationsmittel für unsere Parteigenossen im Kreise. Mögen sie besonders auch in den Festtagen diese« Agitationsmittel a u S- nützen, damit der 24. April, der Tag der Wahlinännerwahlen, eine neue Quittung wird über das elendeste aller Wahlsysteme. }3us InduFtric und Handel Terminhaudel in Kupfer an per Berliner Börse. Um einem.dringenden Bedürfnis" abzuhelfen, wird jetzt der Terminhandel in Kupfer an der Berliner Börse eingeführt und der Börfenvorftand veröffentlicht soeben die Bedingungen, unter denen dieser Handel stattfinden soll. Kupfer ist bekanntlich ein überaus wichtiger Handelsartikel, besonder« seit die Entwickelung der Elektrotechnik den Bedarf«norm gesteigert hat. Die Einfuhr nach Deutschland betrug in letzter Zeit über 150000 Tonnen im Jahre im Werte von nahezu 200 Millionen Mark. Gleichzeitig ist es aber ein gefährlicher Spekulationsartikel, da der Preis sehr starken Schwanlungen unterworfen ist. Die amilich notierten Preise für Frankfurt a. M. schwanken z. B. im letzten Jahrzehnt zwischen 111,5 und 189,3 M. Zum Teil rühren diese Schwankungen von den Schwankungen der Nachfrage her(der Höchstpreis wurde während der Hochkonjunktur im Jahre 1907 notiert), zum Teil sind sie indessen eine Folge der wilden Spekulation. Das Hauptproduklionsgebiet sind die Vereinigren Staaten von Rord-Amerika, die im Jahre 1909 rund 495 000 Tonnen lieferten, während aus allen anderen Gebieten zusammen nicht über 400 000 Tonnen kamen. Die Kontrolle" Kupferminen der Bereinigten Staaten sind größtenteils.unter eines Trustes, der den Markt zu beherrschen sucht, aber oft An- griffen der Außenseiter ausgesetzt ist. Daher sind in diesem Artikel „Schwänzen"(künstliche Zurückhaltung der Ware, um den Preis zu treiben) nicht selten und Krachs, die dann folgen, haben schon mehrmals die Börsen in Schrecken gesetzt. Indem also die Berliner Börse den Terminhandel in diesem Artikel aufnimmt, schafft sie Gelegenheit zu überaus gefährlichen Spekulationen. Ob ein wirkliches Bcdürfins des Handels vorlag, scheint uns recht zweifelhaft, da die Werke, die Rohkupfer der- arbeiten, faßt ausschließlich Großbetriebe find, die ihren Bedarf durch direkte Abschlüsse mit den Produzenten decken. Die Demokratisierung des Kapitals« Die spaßige Entdeckung, daß das Kapital durch da? Aktien- wesen demokratisiert werde, war selbst der bürgerlichen Presse, die für derlei Dinge sonst sehr empfänglich ist, zu absurd; sie verleibte deshalb auch diese famose Theorie ihrem Märchenschatz nicht ein. Ge- legentlich aber wärmen doch Leute, die sonst ernst zu nehmen find, das Geschwätz auf, die Kopitals« und Betriebskonzentration sei nur ein Phan- tasieprodukt, da die Aktiengesellschaften der großen Masse der Minder- bemittelten die Möglichkeit geben, durch Erwerb von Aktien Mitbesitzer an bedeutenden Unternehmungen zu loerden. In Wirklichkeit übt vielmehr das Aktienwesen die entgegengesetzte Wirkung aus, es er- möglicht Großkapitalisten, deren Vermögen nur zu dem Besitz eines einzigen privaten Unternehmens gereicht hätte, durch geteilte Anlage ihrer Kapitalien eine ganze Reihe von Betrieben zu beherrschen. Der Mitbesitz der zahlreichen kleinen Aktionäre beschränkt sich auf die Hergabe ihrer Mittel an kleine ober kapitalkräftige Eliquen, ohne irgend ein Mitbestimmungsrecht zu erlangen. Wie kraß diese Ver- bälinisse sind, zeigt sich auch bei den in der letzten Zeit viel be- sprockenen Fusionen. Die Aktiengesellschaft Eisenwerk Kraft in Kratzwieck bei Stettin wird»nit der N i e d er r h e i n i s ch e n Hütte fusioniert. Irgend welche technische Zweckmäßigkeit für diese Betriebsvereinigung fft nicht vorbanden; Veranlassung dazu gab lediglich der Umstand, daß der Großaktionär beider Unternehmungen, der Fürst Henckel von Donnersmarck, der Niederrheinischen Hütte zur Reorganisation ihrer Be- triebe große Mittel vorgestreckt hatte, die er jetzt frei machen will. Aber die Niederrheinische Hütte hat seit fünf Jahren keine Dividende gezahlt; sie konnte auch neue Aktien kaum unterbringen; deshalb erhöht da« dividendenfette Eisen- werk Kraft da« Aktienkapital zum Zweck der Uebernahme der Nieder- rheinischen Hütte und der Rückzahlung der Schulden dieses Werkes an den fürstlichen Kreditgeber. Kaum anders ist die Sachlage bei der Fusion des Fassoneisen-Walzwerkes Mannstaedt mit der Sieg-Rheinischen Hütte. Diese Gesellschaften werden vom Schaaffhausenschen Bankverein kontrolliert, der seine Kredite aus der, trotz verschiedener Sanierungen, dividenden- losen Sieg-Rheinischen Hütte einfach dadurch herauszieht, daß die rentable Mannstaedt-Gesellschaft das Werk aufnimmt, ihr Kapital erhöht und die Schulden der Sieg-Rheinischen Hütte mit Mannstaedt-Aktien bezahlt. Krupp hat in diesen Tagen eine Jnteresseeigemeinschaft init der Westfälischen Draht- Jndustrie-Akt.-Ges. abgeschlossen, die einer Fusion gleich- kommt. Dieser Vertrag ist für Krupp äußerst günstig, weniger jedoch für die Aktionäre der Westfälischen Draht-Jndustrie. Um ihre Wünsche durchzusetzen, brauchte die Krupp-Gesellschaft sich eben nur auf die ihr befreundete Bankgruppe zu stützen, die ihr die notwendige Aktienmajorität der Westfällscheu Draht-Jndustrie-Gesellschaft ohne Schwierigkeit zur Verfügung stellen konnte. Die Stellung der großen Zahl der kleinen Aktionäre kann gar nicht besser illustriert werden als durch die Taffache, daß die Groß- danken die Aktienmajorität in den vielen von ihnen beherrschten Alvienunternehmungen besitzen, ohne über einen irgendwie nennenS- werten eigenen Aktienbesitz zu verfügen. Sie herrschen mit den ihnen zur Aufbewahrung übrrgebencn Aktien ihrer Kunden. In den aller- meisten Fällen wäre es auch für die Kleinaktionüre ein sehr kost- spieliges Vergnügen, an Generalversammlungen„ihrer" Unter- nehmullgen teilzunehmen. Ein Aktionär in Königsberg etwa, der drei Atrien einer Gesellschaft hat, deren Generalversammlung in Essen stattfindet, würde von seiner Dividende wenig zurücklegen, wenn er an der Generalversammlung teilnehmen wollte. Bei den erwähnten Fusionspraktikcn, deren Kosten die Klein- aktionäre zugunsten der maßgebenden Großaktionäre zahlen, handelt es sich keineswegs um Ausnahmefälle, sehr viele Fusionen loerden besonders von den Banken betrieben, um Finanzgewinne zu er- zielen, selbst wenn die beteiligten Unternehmungen dabei keine Borteile oder selbst Schaden erlangen. Auch die oft diS- kutierte Uebertragung vieler AufsichtSratSmandate an eine_ Person charakterisiert den gewaltigen Umfang der Betriebs- und Kapitalskonzentration, denn diese Häufung von Auft'ichtsratsposten dient dazu, die Verbindung der unter der- selben Kapitalmacht stehenden Gesellschaften herbeizuführen, sogar die Aufträge dieser Gesellschaften untereinander zu verteilen.»Jene Vergesellschaftung vieler Ueiner Kapitalien, welche Heere von Aktionären aus dem Boden stampft", vennindert das Risiko der Großkapitalisten, bringt ihnen aber eine weit höhere Gewinn» Möglichkeit und ermöglicht eine Erweiterung ihrer wirffchastlichen Macht in ftüher ungeahnter Weise. Wafferftands>?tl>ldrtd. Augnsta-Bad.Kö; ipenli �"�"bergetatr. 107 Bürger- Bad WeXstr Ctni+T Bad, Münzstraße 2. V�aiUlX- Kassenlieferant. [EDtral-Bai Anze"Äflr. 25. Helena-Bad, Culmstr. 20 a. Erstes Lohtannin-Bad tigl. fr. Abkochnng, Itis Eitrslt. Will- str. 6,-8. Lief, x Kass. 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Der Ehemann wurde von der Anklage der Gefangenenbefreiung freigesprochen, weil er eine im Hinblick auf die Schwäche seiner Frau nur berechtigte Notwehr geübt habe. greigesprochn, wurde auch die Mitangeklagte Frau Gericke, die beschuldigt worden war, dem Schutzmann Widerstand geleistet xu haben. Da die Staatsanwaltschaft wenigstens die Freisprechung des Mannes durch Berufung anfocht, so batte gestern das Land- gericht I durch die Strafkammer 6 Unter Vorsitz des Landgerichts- dtrcktors Goebel diesen Teil des Urteils nachzuprüfen. Ter Angeklagte Gericke wiederholte seine frühere Davstcllung, daß er seine Frau, die auf dem Wege zur Wache ohnmächtig gc- worden fei, in den Armen aufgefangen und in den Flur tpw von ihm bewohnten Hauses gdführt habe. Schubmaun Sana ans Lichtenberg, dein die Sistierung aufgetragen worden war, hast die Auffassung gehabt, Frau Gericke habe auf der Straße sich alchicht- Nch hingesebt und ihr Mann habe sie dann ihm aus seiner Gewalt entzogen. Dieser Bekundung fügte er die Angabe hinzu, daß sie nachher„plötzlich verschwunden" gelvesen sei; vor dem Amtsgericht hatte er sich bestimmter geäußert, Frau Gericke sei„die Treppe hinaufgelaufen, wie ein gesunder Mensch". Zeugin Frau Steinke, die im Hause die Portierstclle hat, behauptete, gesehen zu haben, wie Frau Gericke allein hinaufgegangen sei. Dagegen bekundeten zwei andere Frauen, daß von ihnen die Frau Gericke habe hinauf- geführt werden müffen, weil sie sich sehr schwach gefühlt habe. Frau Gericke selber, die bor dem Landgericht als Zeugin auftrat, gab an, sie habe auf der Straße nicht mehr weiter gekonnt, doch fei sie von dem Schutzmann, der von ihrer Entbindung gewußt hübe, weiter geschoben worden. Ms er dann ober die Handfesiel herausgeholt habe, sei sie ohnmächrig geworden. Demgegenüber versicherte Schutzmann Stanz, er habe überhaupt keine Handfcpel bei sich gehabt. Der Angeklagte wies noch darauf hin, daß der Schutzmann gar kein Recht gehabt habe, die Frau mitzunehmen, da ihr ja gerade mit Rücksicht auf ihre eben erst vollzogene Entbindung die Strafe gestundet worden sei. Der Vorsitzende tat diese Einwendung kurz ab mit den Worten:„Stundung wird sie wohl nicht gehabt haben." Vor dem Amtsgericht hatte Gericke in bc- stiuuntester Form behauptet, daß die von der Berliner Polizei ge- währte Stundung auch von der Lichtenbergcr Polizei nachträglich anerkannt worden sei, indem sie den zu Unrecht einkassierten Geld- strafenbctrag einstweilen wieder zurückgezahlt habe. In der Ver- dandlung vor dem Landgericht hielt niemand es für nötig, eine Aufklärung dieses mindestens für daZ Strafmaß wichtigen Punktes herbeizuführen. Der Staatsanwalt fand, cS könne keine Rede fein von Rot- wehr. Diese setze stets einen rechtswidrigen Eingriff voraus, rechtswidrig sei aber die Sistierung nicht gewesen. Ein Schwäche- »»stand habe bei Frau Gericke nicht mehr bestanden, sie sei ja schon zur Post gegangen, ehe Konz sie sistierte. Gericke habe rechtswidrig sie der Gewalt des Schutzmanns entzogen und sei mit b Tagen Gefönguis zu bestrafen. Das Urteil bescheinigte dem Schutzmann Kanz. daß er das Recht gehabt habe. Frau Gericke zur Wache zu führen. Sie habe geben können, und das habe auch Gericke sehr wohl getvußt. Er habe sie dem Schutzmann mit Getvalt entrissen. Zu büßen habe er das mit 5 Tagen Gefängnis. Neben Frau Gcricke. die am ztvölften Tage nach ihrer Ent- bindung abgeführt werden sollte, weil sie 6 Mark Polizeistrase noch nicht bezahlt hätte, stelle man z. B. den Fürsten Eulenburg, der noch immer auf seine Aburteilung wartet. Ihm glaubt man seinen.Schwächezustand"._ Ein verständiges Urteil gegen einen Streikpostensteher. Während eines Tischlerstveiks in Zeitz erhielt ein Streikender eine polizeiliche Strafverfügung wegen Streikpostenstehens, oder richtiger wegen Uebertretung der Straßenpolizeiverordnung durch Streilpostcnstehcn. Der Beschuldigte beantragte richterliche Ent- scheidung und wurde freigesprochen. Die Begründung des frei- sprechenden UrteVlS enthält bemerkenswerte Ausführungen. Es wird zunächst ausgeführt, die Anordnung, deren Nichtbefolgung in der Polizeiverordnung unter Straße gestellt sei, müsse zum Schutze der Trduung, Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs auf öffentlichen Straßen getroffen sein. Das Gericht habe sich ober nicht überzeugen können, daß dies der wahre Grund der polizeilichen Anordnung gewesen sei. Tie Bestimmung über die Ordnung und Sicherheit auf der Straße habe zwar dem Polizeibeamten den Vorwand zu seinein Befehle gegeben, in Wirklichkeit aber seien irgendwelche Gefahren für diese Zustände nicht beobachtet worden, die llrsache feiner Handlungsweise sei vielmehr gewesen, daß sich die Firma, sowie Anwohner der Straße durch das Streikposten- stehen belästigt suhlten.„Eine Anordnung aber, die lediglich im Interesse von Anwohnern, die sich durch die Tatsache des Streik- postenstchens belästigt fühlen, erfolgt, ist nicht zum Schutze der Ordnung, Sicherheit und der Leichtigkeit des Verkehrs auf der Straße getroffen, und somit sind dem Befehl des Polizeibeamten, der Angeklagte solle sich aus der Straße entfernen, nicht die Vor- aussetzungen des§ 1 der Polizeiverordnung gegeben; der An- geklagte machte sich somit nicht strafbar, wenn er dieser Anordnung nicht nachkam.... Um zu einer Bestrafung des Täters zu kommen, läßt sich ein Eingehen auf die die Anordnung verursachenden Tat- fachen nicht vermeiden. Es ist selbstverständliche, und daher auch in der Polizewerordnung stillschweigend vorausgesetzte Pflicht des Polizeibeamten, nicht nach Willkür vorzugehen, sondern die Recht- Mäßigkeit seines Handelns vorher streng zu prüfen. Er kann daher zum Schutze der Ordnung nur eine Anordnung treffen» wenn nach seinem pflichtmäßigen Ermessen konkrete Umstünde vorliegen, welche die fraglichen Zustände gefährden. Handelt der Beamte willkürlich, so ist eine diesen Schutz bezweckende Anordnung objektiv nicht vorhanden. Sind seine Erwägungen vor Angabe der An- prdnung richtig gelvesen, so müssen tatsächlich GesährdungSmomente vorhanden und infolgedessen auch dem Täter erkennbar und schnell nachweisbar sein. Fehlen solche Tatumstände und ist daher der Beamte irrig zu seiner Anordnung gekommen, so kann sich dem Täter dieser Befehl nicht als zum Schutze der Ordnung usw. ge- geben darstellen, und es fehlt ihm somit das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit feines Handelns. Die Unkenntnis des Täters von dem Vorhandensein dieses Tatumstandes wird auch dadurch nicht aufgehoben, daß der Beamte ihm erklärt, seine Anordnung sei zum Schutze der Ordnung gegeben. Eine militärische Gehorsamspflicht gegenüber Befehlen von Polizeibeamten besteht nicht; der An- gewiesene hat ein Recht der Nachprüfung der ihm gegebenen An- ordnung, und er muß ein« solche nicht näher begründete Antwort des Beamten für eine leere Redensart halten, wenn nicht die Tat- fachen oder ein näherer Hinweis des Beamten auf die für ihn maßgebenden Umstände ihn den wirklichen Zweck der Anordnung erkennen lassen." Zur Erklärung dieser Begründung ist zu bemerken, daß der Angeklagte dem Beamten auf seine Anordnung, im Interesse der Ordnung, Sicherheit und des Verkehrs die Straße zu verlassen, erklärt hatte, aus dieser Anordnung nicht klug geworden zu sein. Da auf der Straße nichts geschah, was die Ordnung habe stören können, die Zahl der Streikenden auch sehr klein gewesen sei, so sei dem Angeklagten zu glauben gewesen, daß er aus der Anord- nung nicht klug geworden sei. Oeshalb habe der Angeklagte auch mangels Nachweises des Bewußtseins der RcchtSwidriglcit frei- gesprochen werden müssen. Das Urteil entspricht dem Rechtsempfinden und dem Gesetz. während die bekannten vom Kammergericht nach HinauSgraulung des Stammergerichtsrats Havenstein gebilligten Verurteilungen von Streikpostcnstehem unter dem Vorwand der Verletzung einer Straßenpolizeiverorduung, wie wir wiederholt dargelegt haben, klare Verstöße gegen das reichsgesetzlich gewährleistete Streikrecht und eine Unterordnung des Gerichts unter die Majestät des Schutz- mannes sind._ Die„Seelenmischung". Ein Fall von krassem Aberglauben einerseits und Gerissenheit einer modernen Sibylle andererseits gelangte am Mittwoch vor der Strafiammer III des Landgerichts Hamburg zur Erörterung. Des fortgesetzten Betruges angeklagt war die 5tartenlegcrin Frau Rieke» zu deren Kundenkreis auch eine durch Reinemachen einen Neben- verdienst von 10—12 M. wöchentlich erzielende Frau M. gehörte. Frau Rieke sagte der M. stets etwas Angenehmes aus den nie trügenden Karten, verhieß ihr eine sorgenlose Zukunft an der Seite eines„schönen blonden Mannes", obwohl Frau M. einen rechtschaffenen Muun und auch schon einige erwachsene Kinder hat. Die am Ausgang des..gefährlichen Alters" siebende Frau M. hatte sich so in die schöne Zukunft mit dem blonden Gatten Nr. 2 hinein- gelebt, daß sie seit neun Jahren der Kartenlegerin einen wöchent- lichen Tribut von etwa 10 M. zahlte, so daß in deren Tasche Tau- sende geflossen sind. Eines Tages erblickte Frau M. den blonden Mann, als sie sich im Kraukenhause befand. Der Gegenstand ihrer zukünftigen Gefüblc war der Arzt Dr. Raucrt, der allerdings von dieser stillen Verehrung nichts wußte. Als sie aus dem Kranken- hause entlassen wurde, erzählte serau M. der Sibylle von dem blonden Mann.„Ja, das ist ja Ihr Zukünftiger", sagte das ge- rissene Frauenzimmer. Und als der Arzt vor zwei Jahren sich verheiratete und Frau M. dies der Angeklagten mitteilte, erklärte diese mit großer Bestimmtheit, daß diese Ehe nicht lange dauern werbe, und frober Hoffnung blechte Frau M. weiter. Endlich kam der Gatte der M. hinter die Schliche seines törichten Weibes und er erstattete kurzerhand Anzeige. In der oft Heiterkeit ans- lösenden Verhandlung kamen auch ciliige der von der Angeklagten angewandten Mittel zur Sprache. So erzählte sie der M. eines TagcS, sie habe eine„Seelcnmischung" vorgeiwimnen, ein Mittel, das nie versage. Sie habe sich aus der Anatomie ein Menschenhcrz geholt, es in zwei gleiche Hälften geteilt und diese mit zwei die Namen der Frau M. und deren zukunftigen Mannes Nr. 2 cntfial- tcnden Zettel verbrannt und die Asche durcheiimndergcmischt. Diese „Mischung", von der Frau M. nichts gesehen hat, mußte entsprechend honoriert werden. Das Urteil gegen die Schwindlerin lautet aus neun Monate Gefängnis. Ehe nicht der Aberglaube aufhört, wird auch die gcmeinschäd' liche Sippe der Wahrsager nicht aussterben. „Verein Bolkswohl" endlich unschädlich? Zu unserem Bericht in der Dienstagnummer über die erfolg- rcicheg Klagen des Polizeipräsidenten gegen den sogenannten „Verein Volkswohl" vor dem Bezirksausschuß teilt uns als Ver- einsvorstand Herr Ley unter Anführung einiger Gründe gegen das Urteil des Bezirksausschusses mit. daß Berufung an das Ober- Verwaltungsgericht eingelegt ist. Die Ansicht des Herrn Leh ver- mögen wir nicht zu teilen, sind vielmehr der Ansicht, daß iwch andere Gründe als die vom Bezirksausschuß inigeführten für die Richtigkeit seines Urteils sprechen und daß die Untersagung der Vermittlertätigkeit des Herrn Ley oder seines Vereins durchaus gerechtfertigt ist._ Aus dem„Rheing»ld"-Betrieb. Aus dem der Aschingergesellschaft gehörigen WeinhauS..Rheingold" war, wie myeren Lesern erinnerlich, vor einiger Zeit vor deni Gewerbcgericht klargestellt, welche beschimpfenden Ausdrücke dort dem Personal gegenüber gebraucht werden. Das Verhalten des Geschäftsführers dieser Firma hat nun, mehr auch das Schöffengericht beschäftigt. Der Küchendircktor des„WeinhauS Rheingold", Mauer- meier, hatte sich dort wegen Körperverletzung zu verant- Worten. Dem Hausdiener I. war das Malheur passiert, einiges Geschirr zu zerbrechen. Das versetzte den eifrigen Geschäftsführer in solche Wut, daß er über den Hausdiener herfiel, ihn aufs brutalste mit Fanftschlägrn und Fußtritten traktierte und ihn schließlich die Treppe hinabwarf. Es fiel dem Vorsitzenden des Gerichts schwer, Herrn Mauermeier zu einem Eingeständnis seiner Roheiten zu bewegen; dieser hatte zunächst jede Erinnerung an daS Vorkommnis verloren. Mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte bereits wegen eine? ähnlichen Vergehens vorbestraft ist, beantragte der Staatsanwalt eine Geldstrafe von KR) M. oder 120 Tage Gefängnis. Der Verteidiger machte geltend, daß M. doch im Interesse der Firma gehandelt hätte, die er vor Schaden habe bewahren wollen. Das Urteil lautete auf 200 M. Geldstrafe oder 20 Tage GefängiHs. Das Gericht fei zu der Ucverzeugung gekommen, daß hier eine gefährliche Körperverletzung vorliege. Das angeblickie Interesse der Firma könne seine Tat um so weniger rechtfertigen, als es za festgestellt sei, daß die im„Rheingold" beschäftigten Kellner jährlich 27 000 M, an Abgabe« für Bruch zu zahlen haben. Könne M. solche Vorkommnisse nicht vermeiden, dann sei erwiesen, daß er sich für einen solchen Posten eben nicht qnalifizicre. Der Küchcndirektor Mauermeier bezieht ein JahreSgehalt von 12000 M. Die Gesellschaft Aschiuger wird ihn wohl behalten, weil er»in ihrem Interesse" schlägt. Marktpreise von Berlin am IS. April ISIl, nach Ermittelung de» Königlichen Polizeipräsidwms. Markthalle»preise. fKleinhandel.) 100 Kllogramm Erbscii. gelbe, jnrn Kochen 30,00—601)0. Speiiebohnen weiß« 30,00—50,00. Linsen 20,00—60,00. Kartoffeln 5,00—6,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—3,30. Rindfleisch, Bauchfleisch J 20 o!S 1,70. Schweinefleisch 1,20—1,90. Kalbfleisch MO— 2,40. Hamm-vlcisch 1.40— 2,20.»uttrr 2,20-3,00. 60 Stück Eier 3,00—440. 1 Kilogramm Knipsen 140—2,40. Aale 1,60—3,00. Zander 1.40—3,60. Hechte 1,30 bis 2,80. Barsche 0.80—2,00. Schleie 1,40—3,40. Bleie 0,80—1,00. 60 Stück Krebse 2LS-28.00. W! arketa, V GEGRÜNDET 1867 Zentrale und Versand: J�rusaletner Strasse 38-39 Potsdamer Strasse 2 FViedrichstrasse 75 Taaentzienstrasse 19 a Kooillstrasse 25—26 Sch&neberg, Haaptstr.146 Rizdarf, Bergstr. 25-26 Roseothaler Strasse 5 ____ 12.50 Spezial-VerKaof........ j Tanentzien-StrasseTb j Anfang Matz Charlottenburg Wilmersdorfer Str. 45. 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