Ur. 93. Bbonnemcnts-Bedinguhgcn! UbonnemeniS- Preis dränumcrando i Licrlclj-ihrl. 330 fit., monotl. 1,10 Ml. wöchmllich LS Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Hummer mit illustrierter Sonntags- Bcilage.Die Neue Veit' 10 Pfg. Post- Nbonnemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zcitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostllbonncmcnlZ nehmen an: Belgien. Dänemarl Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 28. Jahrg. Crfötlst tilg»» SHßtr Ricntas* Berliner Volksblntl. Zentralorgan der foz* aldemohrati f eben parte! Deutfchlands. Die TniertlonS'GcbQIsr velrägt für die fechsgespaltene Kolon es- geile oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerlschastlichc Vereins- und Versammlungs-Anzeigen 30 Pfg, „meine Anzeigen", das settgedruckle Wort 20 Psg. tzulässig 2 settgcdrnilte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellcnan- zeigen das erste Wort 10 Psg, jcdeS weitere Worts Pfg. Worte über ISBuch- ilabc» zählen für zwei Worte. Inserate ur die nächste Rümmer müssen bis > Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist Iii? 7 Uhr abends flcoffucU Telegramm-Adresse: „Sdzialicinshrat RcrliD", Rcdahtion: SM. 68» Ltndcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Freitag, den 21. April 1911. Das Steigen(kr Bodenpreik. ii. Verfasser der im ersten Artikel erwähnten Wissenschaft- lichen Arbeit über die Bodenfrage ist Walter Rothkegel. Er veröffentlichte ein Buch unter den: Titel„Die Kaufpreise für ländliche Besitzungen im Königreich Preußen von 1895 bis 1906"*) und als Ergänzung hierzu die Abhandlung„Die Bewegung der Kaufpreise für ländliche Besitzungen und die Ent- Wickelung der Getreidepreise im Königreich Preußen von 1895 bis 1906".**) Das Material, auf das er sich stützt, stammt aus amtlicher Quelle. Es werden nämlich in Preußen seit 1895 von den Katasteränitern Ermittelungen über die beim Besitzwechsel erzielten Preise geführt und in dreijährigen Perioden(entsprechend der Veranlagung zur Ergänzungsteuer) zusammengestellt. Sonderbarerweise wird dieses überaus ivcrt- volle Material jedoch nicht veröffentlicht, sondern bleibt in den Archiven, die nur Auserwählten zugänglich sind, so daß man auf die private Initiative des Herrn Rothkegel warten mußte, der es der Oeffentlichkeit erschloß. Die Wissenschaft schuldet ihm Dank für die überaus sorgfältige Art, in der er dieses Material zusammengestellt und bearbeitet hat, das ändert indessen nichts an der Tatsache, daß die Nichtvcröffentlichung dieser amtlichen Zahlen ein Skandal ist. In der Veröffentlichung Rothkcgels liegt folgendes Material vor: 1. Kaufpreise ländlicher Besitzungen, die im ganzen, mit Inventar und Gebäuden verkauft wurden, 2. Kaufpreise von „Stückländereicn", d. h. von Grundstücken, die von' einem landwirtschaftlichen Betriebe abgetrennt wurden, also ohne Gebäude und Inventar verkauft wurden. In beiden Gruppen sind die Grundstücke nach der Grö�e und nach„Bonitäts- klaffen" gesondert. Die Qualifikation der Grundstücke nach Bonitätsklassen beruht auf der amtlichen Schätzung des Rein- ertrages zum Zwecke der Steuererhebung, wobei man fünf Bonitätsklassen unterscheidet: I. die Grundstücke mit geringstem Ertrage, also von geringster natürlicher Fruchtbarkeit, V. die Grundstücke mit höchstem Ertrage. Auf die Details brauchen wir hier nicht einzugehen; es genügt zu sagen, daß diese Ein- teilung, die aus dem Jahre 1865 stammt, sich auch heute noch als brauchbar erweist. Ferner sind die Grundstücke in üblicher Weise nach Größen- klaffen eingeteilt(1 unter 2 Hektar, 2 bis 5 Hektar, 5 bis 20 Hektar, 20 bis 100 Hektar, 100 bis 500 Hektar und über 500 Hektar) und nach Regierungsbezirken gesondert. Zu er- wähnen ist ferner, daß die Katasterämter bei ihren Eintragun- gen außer dem tatsächlich gezahlten Preise, der oft von Neben- umständen beeinflußt sein kann(Notlage des Verkäufers, Lieb- habereien des Käufers. Ausbedingung dinglicher Rechte am Grundstücke usw.), auch den„reinen Kaufpreis" ermitteln, auf Grund der persönlichen Kenntnis der Katasterkontrolleure über die obwaltenden Verhältnisse. So ergibt sich die Möglichkeit, die Bewegung der Preise kleiner und großer Besitzungen, Besitzungen mit gutem und schlechtem Boden in den einzelnen Regierungsbezirken zu ver- folgen und auch bis zu einem Grade das Steigen des Preises für den reinen Boden und für Landgüter samt Gebäuden und Inventar gesondert zu verfolgen. Die Resultate, zu denen Rothkegel kommt, lassen sich in folgendem zusammenfassen: 1. Im Durchschnitt aller Landgüter(also Boden samt Gebäuden und Inventar) für das ganze Staatsgebiet sind die Preise gestiegen: in der Periode von 1895/97 bis 1901/03 um 17 Proz., in der Periode von 1901/03 bis 1907/09 um 33 Proz.; insgesamt in der Periode von 1895/97 bis 1907/09 um 50 Proz. 2. Im Durchschnitt aller Stückländercien(also Boden ohne Gebäude und Inventar) in der ersten Periode um 10 Proz., in der zweiten um 21 Proz.; insgesamt um 31 Proz. 3. Diese Steigerung ist nicht gleichmäßig insofern, als die Grundstücke der verschiedenen Bonitätsklassen eine ver- schiedcnc Steigerung ausweisen. Nämlich: vergleicht man die Preise der Periode von 1895/97 mit denen der Periode 1907/09, so ergibt sich eine Steigerung in Prozenten: BonitätSklaffe bei Stückländereicn bei Landgütern I 57 n 37 III 23 IV 12 V 6 4. Die Steigerung ist ferner nicht 67 62 26 22 18 glcichnläßig bei den Landgütern der einzelnen Größenklassen. Es ergibt sich hier folgendes: Der Preis ist gestiegen bei Landgütern um Prozente: *) Leipzig 1910. Verlag von Duncker u. Humblot. 863 Seiten. Preis 10 M. ") In SchmollerS„Jahrbuch für Gesetzgebung. Verwaltung und volkSwirlschast im Deutschen Reiche". Jahrgang 34, Heft 4. von 1895/97 bis 1901/03 unter 2 Hektar.. 21 2—3 Heklar... 18 6— 20 Hcklar... 18 20-100 Hektar.. 14 100—500 Hektar. 13 über 500 Hektar. 19 von 1901/03 bis 1907/09 33 27 31 37 49 53 insgesamt von 1895/97 bis 1907/09 54 45 49 51 62 72 5. Die Steigerung ist schließlich allgemein in den östlichen Provinzen größer als in den westlichen. Sehen wir zu, was diese Zahlen bedeuten. In den Jahren 1895 bis 1906 galt der Zollsatz von 35 M. pro Tonne Roggen und Weizen, seitdem 50 und 55 M. Indessen war der neue Zolltarif bereits im Jahre 1902 beschlossen, die Agrarier hatten es durchgesetzt, daß die Regierung bei Ab- schluß der Handelsverträge unter die genannten Sätze nicht herabgehen durfte. Auch in bczug auf die Vichzölle und die Zölle auf andere landwirtschaftliche Produkte war eine Er- höhung bei Abschluß der Verträge absolut sicher. Käufer und Verkäufer von Landgütern konnten daher bereits im Jahre 1903 mit voller Sicherheit auf eine Erhöhung des Preisniveaus der landwirtschaftlichen Produkte rechnen, und diese kam in der Prcisbeniessung zur Geltung. Nun sehen»vir, daß in der Periode von 1895 bis 1903 die Preise sowohl der Landgüter als der Stückländercien steigen. Das bedeutet, daß in dieser Periode die Profitrate der landwirt- schaftlichen Unternehmer stieg. Die Behauptungen der Agrarier, daß die„zu niedrigen" Zölle der Caprivischen Aera den Ruin der Landwirtschaft bedeuten, daß die Zölle erhöht werden mußten„um die Lebensfähigkeit der Landwirtschaft" zu er- halten, wird durch diese Tatsache Lügen gestraft. Es hat in der genannten Periode die Rentabilität sich gehoben, es konnte bei den Verkäufen in steigendem Maße Grundrente realisiert lverdcn, indem im Durckstchnittspreis der Landgüter um 17 Prozent, der Preis des nackten Bodens um 10 Prozent erhöht wurde. Nun kommt die zweite Periode, nach 1903, die Periode der enorm gesteigerten Zölle, die eine allgemeine Steigerung der Preise landwirtschaftlicher Produkte herbeiführte und in dieser Periode schnellen die Preise der Land güter um weitere 33 Prozent in die Höhe. die Preise des nackten Bodens um 21 Prozent Das beweist, daß infolge der Zölle eine enorme Steige- rung der Profitrate der landwirtschaftlichen Unter nehmer eingetreten ist. Indem man dem Volke die Nahrungsmittel verteuerte, verschaffte man den Gutsbesitzern, die schon bisher steigende Profite einheimsten, Extraprofite und diese Extraprofite wurden sofort kapitalisiert in den rapid steigenden Bodcnpreisen. Die Tatsache, daß die Böden geringerer Qualität bei weitem mehr im Preise gestiegen sind als die Böden von größter Fruchtbarkeit, bedeutet einen Ausgleich der Badem rente. Die Eigentümer des fruchtbarsten, ertragreichsten Bodens beziehen eine Differenzialrente: weil ihr Boden bei gleichem Aufwände von Kapital und Arbeit höheren Ertrag abwirst als geringer Boden, ist ihre Profitrate größer als die der Besitzer weniger ertragreichen Bodens. Nun zeigt sich, daß in der Periode von 1895 bis 1909 die Grundstücke mit ertragreichstem Boden um 5 Proz. im Preise gestiegen sind, die mit Boden von geringster Qualität um 57 Proz. Dieser Ausgleich erklärt sich, wie Rothkegel richtig bemerkt, zum Teil daraus, daß die meisten Errungenschaften der landwirtschaft- lichen Technik der letzten Zeit ganz besonders den Ertrag ge> ringer Böden gehoben haben. In der Tat: wenn früher der Landwirt dem sterilen Sandboden hoffnungslos gegenüber stand und der Besitzer einer solchen„Sandbüchse" mit Neid den reichen Schwarzerde- Boden des Nachbars betrachtete. auf dem doppelt und dreifach so viel Korn wuchs, so hat sich das heute stark geändert. Durch rationellen Anbau kann heute der Ertrag des Sandbodens in kurzer Zeit sehr stark gehoben werden, während das bei weitem nicht in dem Maße zutrifft für den fruchtbaren Boden, auf dem eine weitere Steigerung der Ertragsfähigkeit nicht mehr in diesem Maße möglich ist. Aber auch hier wirkt die Zoll- Politik ein. In erster Linie sind die Zölle auf Getreide ge- steigert worden. Die Hauptgetrcidcartcn Deutschlands, Roggen, Hafer, Gerste werden auf geringem und mittlerem Boden an- gebaut, mährend der fruchtbarste Boden zum Anbau von Hack- srüchtcn und Handelsgelvächscn verwendet wird, vor allem zum Anbau von Zuckerrüben. Indem nun die Gctreidepreise in die Höhe getrieben wurden, stieg der Profit, der bei der Produktion von Getreide auf jenen geringen Böden zu er- zielen ist. Ferner werden bedeutende Teile der geringen Böden mit Kartoffeln angebaut und die«Liebesgabe" für die Sxpedltion: SM. 68» Ltndcnstrassc 69» Ferniprecher: Amt IV, Nr. 1984. Schnapsbrenner macht den Anbau von Kartoffeln zur Pro- duktion von Fusel ganz besonders profitabel. Die Steigerung der Rente und damit des Preises auf geringen Böden ist somit zurückzuführen auf die Errungenschasteu der Wissenschaft, die den Eigentümer solchen Bodens bereichern, ferner auf die künstlichen Maßnahmen, auf die Zölle und Liebesgaben. Zu bemerken ist, daß der Osten des Staates, das Gebiet der ostelbischeu Großgrundbesitzer, vor- wiegend schlechteren Boden aufweist, als der Westen. Die enorme Steigerung der Profitrate, die im Steigen des Preises geringer Böden zum Ausdruck kommt, ist vornehmlich diesen ostelbischen Granden zugute gekommen. Wenden wir uns zur Einteilung nach Größenklassen, so sehen»vir, daß in der Periode bis 1903 die Preise der großen Güter weniger im Preise gestiegen sind, als die bäuerlichen Besitzungen. Die letzten erfuhren eine Preis- steigerung von 18 Prozent, die Rittergüter(von 100 bis 500 Hektar) um 13 Prozent. Der Fortschritt in der Bcwirt- schaftung, die Steigerung der Ertragsfähigkeit. ist im allge» meinen bei den Bauern größer gewesen, weil die letzten Jahr- zehnte immerhin mit dcmfbäuerlichen Schlendrian aufräumten. Dazu komnit, daß die Nachfrage nach kleineren Bauerngütern stets lebhafter ist, als die Nachfrage nach großen Gütern. weil die bäuerliche Bevölkerung sich vermehrt und für die Söhne Raum geschaffen werden muß. Nur die ganz großen Güter, mit über 500 Hektar, sind in jener Periode noch etwas mehr im Preise gestiegen als die Bauerngüter, nämlich um 19 Proz. Das erklärt sich wohl daraus, daß die reichen Besitzer dieser Güter die Mittel hatten, alle Errungen- schaften der land>virtschaftlichen Technik in Anwendung zu bringen und so die Ertragsfähigkeit ihrer Güter zu heben.— In der zweiten Periode, der Periode der erhöhten Zölle, nach 1903, sehen wir die Preise der großen Güter viel mehr in die Höhe schnellen als die der kleinen Bauerngüter. Je größer die Besitzungen, desto mehr steigt der Preis!(Eine Ausnahme bilden die Parzellen unter 2 Hektar, deren Preise ctivaS mehr stiegen als die der Bauerngüter. Für diese Parzellen, die nicht eigentlich der landwirtschaftlichen Produktion dienen. gelten überhaupt andere Regeln der Preisbildung.) Auch diese Erscheinung findet ihre Erklärung in der Erhöhung der Zölle. Die bäuerlichen Besitzer sind viel weniger an den hohen Verkaufspreisen interessiert, weil ein großer Teil der erzeugten Produktion in den Konsum der Familie übergeht, und ivcil Viele dieser bäuerlichen Betriebe Getreide überhaupt nicht für den Verkauf produzieren. Die Zahlen bestätigen also von neuem, daß den Hauptvortcil von den Zöllen die Großgrund- bcsitzer eingeheimst haben. Was schließlich die größere Steigerung in den östlichen Provinzen anbetrifft, so wirkt hier eine gan�e Reihe von Ursachen mit: 1. überwiegen hier die geringen Böden: 2. die großen Güter; da, wie gesagt, die geringen Böden stärker im Preise stiegen als die guten, und die großen Güter stärker als die kleinen, so muß das eine allgemeine größere Steigerung im Osten als im Westen zeitigen; 3. hat die Regierung durch ihren Kampf gegen die Polen, durch den Ankauf von Gütern seitens der Ansiedclungskommission in Posen und Westpreußen die Preise künstlich in die Höhe geschraubt; 4. ist gerade im Osten in den letzten Jahrzehnten das Netz der Verkehrs- straßen ganz besonders stark ausgebaut worden, wodurch die Absatzmöglichkeit sich erhöhte und die Produktionskosten herabgcdrückt, also die Profitrate gehoben wurde. Hier sehen wir denn auch eine ganz enorme Preissteigernng. Ziehen wie das typische ostelbische Rittergut mit 100 bis 500 Hektar geringen Bodens in Betracht, so ergibt sich folgendes: setzt man den Preis in der Periode 1895 bis 1897 gleich hundert, so war der Preis in der Periode 1907 bis 1909: im Regierungsbezirk Allenstcin 182, Gumbinnen 154, Danzig 170, Maricnwcrder 235, Potsdam 142, Frankfurt a. O. 142, Köslin 209, Posen 163, Bromberg 186. Das sind also Steigerungen von 42 bis 135 Proz.! Die ostelbischen Junker, die in Preußen die Politik bestimmen, haben durch die Polen- hetze, durch den Kornwucher, durch Verwendung von Staats- gcldern zum Ausbau der Bahnen im Osten, durch Erpressung der„Liebesgaben" den Wert ihrer Güter enorm gesteigert. Das Gerede von der„Notlage der Landwirtschaft" war eine freche Lüge. Das Steigen der Güterpreise bis 1903 be- weist es. Der Brotwuchcr und Fleischwuchcr, die Erhöhung der Zölle, die Brandschatzung des Volkes, zeitigt eine enorme Bereicherung der Bodenbesitzcr, vor allem der Großgrund- bcsitzer. In der kurzen Spanne Zeit von 1895 bis 1909 ist der Preis der Besitzungen im Durchschnitt um 50 Proz. gc- stiegen, der Preis der Rittergüter bis zu 135 Proz. Auf Kosten des Volkes, das unerschwingliche Preise für Nahrungsmittel zahlen muß. haben sich die Bodeneigcntümer. vor allem die Junker enorm bereichert. Das ist das Resultat der„bewährten" Wirtschaftspolitik, die das Volk den Junkern ausliefert. Hrbeitei'! Rüstet zu einer würdigen Maifeier! Die Mreskonfmira der S. D. P. 1 London, 18. April.(Cig. 23er.) Am Karfreitag und dem folgenden Tage hielt die S. D. P iSozialdemolratische Partei) in Cnventrh ihre 31. Jahreskonferenz ab. Es waren ungefähr hundert Delegierte der verschiedenen Sek- Honen anwesend. Den Vorsitz führte der Genosse Bannt ngton aus ßoventry. In seiner Begrüßungsrede wies dieser darauf hin. daß der Sozialismus im vergangenen Jahre in Großbritannien nur wenig Fortschritte gemacht habe. Es sei aber falsch, die Stärke der Partei nach der Zahl der parlamentarischen Vertreter zu beurteilen. Die Mittel und Wege, die die bürgerlichen Parteien benutzten, um die Wahl ihrer Kandidaten herbeizuführen, seien vor einigen Tagen bei der Untersuchung über die skandalöse Wahl in Exeter wieder einmal ans Tageslicht gekommen. Es wäre besser für die Partei, keinen einzigen Vertreter in eine Ver- tretungskörperschast zu schicken, als den Erfolg ihrer Kandidaten zweifelhaften Mitteln und jämmerlichen Notbehelfen zu verdanken. Eine Hauptursache des langsamen Fortschritts sei in dem Man- gel an einer sozialistischen Tageszeitung zu suchen. Alle Zeichen der Zeit wiesen aber darauf hin, daß die Arbeiterklasse anfinge, sich zu regen. In Südwales kämpften Proletariat und Kapitalismus einen erbitterten Kampf und die Antisozialistische Liga sammle wieder einen großen Fonds, um der Ausbreitung sozialistischer Gedanken entgegenzuarbeiten. Es sei daher notwendig, daß die Sozialdemokratie energisch eingreife. Im Parlament verschleudere die Niegierung die Zeit der Volks- Vertretung mit einem Scheinkampfe gegen die Lords, während die dringendsten das Wohl der Arbeiterklasse betreffenden Aufgaben der Lösung harrten. Das Traurigste an der Sache sei, daß die Arbeitervertreter dem Spiele untätig zusäben. Die erste Frage, die zur Diskussion stand, betraf das Ver- hältnis der S. D. P. zur Arbeiterpartei. Die Partei- Organisation von North-West Hain hatte den Antrag gestellt, es einem Parteimitglied in Zukunft zu verbieten, als Kandidat der Arbeiterpartei aufzutreten. Die Spitze dieses Antrages richtete sich gegen den Genossen Will. T hörne, der«in bekanntes Mit- glied der S. D. P. ist und West Ham als Arbeiterparteiler im Parlament vertritt; er ist der Kandidat seiner Gewerkschaft, die der Arbeiterpartei angeschlossen ist. Die Gründe, die für die Resolution ins Feld geführt wurden, waren prinzipieller Natur. Die Gegner des Antrages brachten namentlich taktische Bedenken vor. Es wurde angeführt, daß es nicht im Interesse der Partei sei. Streitigkeiten mit der Arbeiterpartei heraufzubeschwören. Queich führte aus. daß der bestehende Zustand der Partei jaum gefährlich werden könnte. Die Arbeiterpartei habe nicht nur kein Programm und keine Politik, sondern auch keine Disziplin; jeder Parlamentarier handle nach eigenem Gutdünken und unbekümmert um die Beschlüsse der Parteikonferenz. Unter diesen Umständen brauche-in sozialdemokratisches Mitglied der Arbeiterpartei nicht in die Lage zu geraten, sich mit seinen Parteigenossen in Wider- spruch zu setzen. Nach langer Diskussion wurde die Resolution schließlich mit großer Mehrheit mit dem Zusatzantrag ange- u o m m e n. daß ein Parteimitglied. daS als'Arbeiterparteiler kandidiere, in seinen, ZSahlaufrns ausdrücklich erklären müsse, daß es der S. D. P. angehöre und sür alle Forderungen dieser Partei «intrete. Ein zweiter Antrag von West Ham verlangte, daß bei allen Wahlen, wenn kein sozialistischer Kandidat auftrete, sich die Parteigenossen entweder der Stimme enthalten oder das Wort„Sozialist" aus den Wahlzettel schreiben sollten. Diese Taktik fand auf der Konferenz wenig Zlnhänger. Die Praxis, das Wort„Sozialist" auf den Wahlzettel zu schreiben, die in der Ver- gangenheit in einer Reihe von Fällen beobachtet worden ist. wurde von mehreren Rednern als geradezu albern bezeichnet. Ein Gegenantrag des Parteivorstandes, der diesem die Aufgabe gibt, vor der Wahl zu entscheiden, in welcher Weise die Stimmen der Partei am vorteilhaftesten angewendet werden können, wurde mit großer Mehrheit angenommen. Eine von der Parteiorganisation in West Leeds gestellte Reso- lution verlangte, daß es den lokalen Organisationen nicht gestattet werden sollte, sich der Arbeiterparlei� anzuschließen. Die Sektion Southamptou forderte dagegen, daß sich die Partei als solche der Arbeiterpartei anschließen sollte. Für diesen letzten Antrag wurde hauptsächlich das Argument angeführt. daß sich die Arbeiterpartei nach der Richtung zum Sozialismus entwickele und daß der Anschluß der S. D. P. dieser Eutwickelung nur förderlich sein könne. Dies wurde von den Gegnern des Sin- träges verneint. Sie wiesen darauf hin. daß sich die Arbeiter- parte, seit dem Anschluß der Bergarbeiter nach rückwärts ent wickelt habe und daß die Affiliierung der S. D. P. mit ihr der sozialistischen Bewegung schaden würde. Beide Anträge wurden verworfen. Von besonderem Interesse waren die Ausführungen des Ge Nossen Higgs über die Agrarfrage. HiggZ ist vielleicht der einzige tätige Sozialist in der Klasse der kleinen Pächter Englands. Er schilderte das Elend der kleinen Pächter, wie sie sich abrackern müssen und doch auf keinen grünen Zweig kommen können. Trotz der üblen Erfahrungen werde die Vermehrung des Äleinpächter- standes von bürgerlichen Politikern als das Allheilmittel gegen die sozialen Schäden angepriesen. Di« einzige Hoffnung für die Landwirtschast sei der Sozialismus. Ein klares und leicht ver- ständliches Agrarprogramm müsse entworfen werden, um d.e Landarbeiter und Pächter dem Sozialismus zuzuführen. Die wichtigste Frage, die auf der Konferenz diskutiert wurde, war jedoch die Frage der Kriegsrüstungen, in der einige hervorragende Führer der S. D. P. eine Stellung einnehmen, die in der Partei selbst und anderswo schon Anlaß zu scharfer Kritik gegeben hat. Es lagen zwei Resolutionen vor. In der ersten wurden die Parteisektionen, der Parteivorstand und die einzelnen Parteigenossen aufgefordert, gemäß den von den internationalen Sozialistenkongresseu gegen die Rüstungsbestrcbungen gefaßten Resolutionen zu handeln. ES wurde ferner erklärt, daß die best« Gewähr für die Sicherheit des Landes geschaffen werden könne, wenn die Regierung ihre aggressiv- imperialistische Politik auf- gebe. Die zweite vom Parieivorstand eingebrachte Resolution lautete:«Diese Konferenz drückt ihre vollständige Uebereinstim- mung aus mit den von dem internationalen Sozialistenkongrcß gefaßten Resolutionen zugunsten des Friedens, �der Abrüstung und der Einführung allgemeiner internationaler Schiedsgerichte. In Anbetracht jedoch, daß Kriege und Rüstungen die unvermeidlichen Folgen des dem modernen kommerziellen und industriellen System innewohnenden Wettbewerbs sind, ist diese Konferenz der?lnsicht, daß ein energischer und beständiger Kampf gegen den Kapitalismus das beste Mittel ist, um den Krieg zu bekämpfen, und daß in- zwischen die unmittelbaren Ziele, die wir erstreben sollten, um den Beschlüssen der internationalen sozialistischen Bewegung nach- zukommen, die sind, eine genügend starke Flotte zu erhalten und die Reorganisation unseres militärischen Systems aus der Grund- löge einer nationalen Bürgerwehr und das Aushören jeder aggressive» imperialistischen Politik herbeizuführen." Diese zweite Resolution wurde mit 47 gegen 33 Stimmen angenommen. Auf diese DiSkufsign werden wir noch zurüAogimcn. politische(Übersicht. Berlin, den 20. April 1911. Offizielle Bilanzverschleierung im Dienste des Fuselblocks. Tie gestern von den„Münchener Neuesten Nachrichten" gebrachte und von uns weitergegebene Meldung, daß in Re gierungs» und gewissen parlamciitanschcn Kreisen ernstlich geplant werde, den gegenwärtigen Reickistag zur Erledigung des Reickssctats sür das Rechnungsjahr: 1912 bis in den Januar nächsten Jahres tagen zu lassen, wird von verschie denen konservativen Und liberalen Blättern bestritten. Tai sächlich scheint, wie wir schon gestern andeuteten, das Münchener nationalliberale Blatt schlecht'insorimert worden zu sein. Zwar ist in gewissen konservativen Kreisen auch über das Projekt, den jetzigen Reichstag noch den Reichsetat für 1912 erledigen zu lassen, verhandelt worden; aber allem An- schein nach hat dieser Plan doch nur geringe Zustimmung ge funden. Dagegen wird ein anderes sauberes Projekt in ton servativen Kreisen sorgfältig erwogen, nämlich der Plan, die Regierung zur frühen Fertigstellung und Vorlegung eines Reichsetntsentwurfs zu veranlassen, der, schön frisiert und optimistisch geschminkt, nachweist, daß die Reichs- finanzreform des Jahres 1999 eine große, segensreiche, die Sanierung der Reichs- finanzen prächtig einleitende Tat gewesen sei, und der andererseits die Neuforderungen für Heer und Marine so knapp hält, daß die Regierungsparteien mit Nach- druck der Behauptung entgegenzutreten vermögen, es ständen bald weitere beträchtliche Erhöhungen der militärischen Aus- gaben in Aussicht. Kurz, an Stelle der früher verlangten autoritativen Aufklärung über die letzte Reichsfinanzreform fordert man jetzt von der Regierung die Ausstellung eines wohltemperierten Etatsentwurfs, der ungefähr den frisierten und verschleierten Bilanzen fauler Aktiengesellschaften entspricht. Mit einem solchen Etatsentwurf meint man in kon- servativen und klerikalen Kreisen schöne Wahlgeschäfte machen zu können, zumal wenn er durch eine entsprechend abgefaßte Denkschrift oder einen Bericht über die günstige Finanzlage des Reiches wirksam ergänzt wird. Daß dieser Etatsentwurf auch beraten wird, verlangt die konservativ- klerikale Sippe gar nicht; vielleicht sieht sie sogar lieber, wenn in die saubere Mache nicht näher hineingeleuchtet wird; es geniigt ihr völlig, wenn die Regierung.solchen Etat mit der schönen Erklärung vorlegt, daß das Ergebnis der 1999er Finanzreform ein unerwartet günstiges sei, so daß weitere Steu'ererhöhungen vorerst durchaus nicht nötig seien. Schon vor kurzem erhielten wir Andeutungen, daß man sich in bestimmten konservativen Kreisen mit solchen Plänen trage; aber es fehlte uns au Beweisen für solches Gerücht. In dem Artikel„DieHerbsttagungdesReichstnges" ihrer heutigen Abendnummer gesteht aber die„Deutsche Tages- zeitung" ganz o f f e n z u, daß man aus konservativer Seite tatsächlich die nächste Reichstagswahlkampagne mit frisier- ten Bilanzen einzuleiten beabsichtigt. Das Bündler- blatt erklärt nämlich mit schätzenswertem Freimut: „Wir möchten uns aber vor allem deshalb über diesen an- geblichen Plan(das von den„Münchener Neuesten Nachrichten" gemeldete Projekt) einstweilen den Kopf nicht weiter zerbrechen, weil wir es voraussichtlich nur mit einer Kombination nicht sehr maßgebender Stellen zu tun haben. Bisher wenigstens i st n u r davondieRedegewesen. den neuen Etat dem scheidenden Reichstage gleichsam zur Kenntnisnahme zu unter- breiten, nicht aber zur völligen Erledigung. Eine solche Absicht aber wäre sachlich sehr wohl begründet und politisch zweckmäßig. Der Reichstag hat ein natürliches Recht darauf. eine möglichst vollständige Bilanz seiner Hauptarbeit zu sehen. Diese Bilanz wird, wie oben be reiis gesagt, der nächste ReichßhaushaltSetat jedenfalls in noch besserer und schlüssigerer Weise darstellen können als der diesjährige. Wenn dem Reichstage also entweder der vollständige Etat oder eine eingehende EtatSiibrrsicht zuge stellt und in einer besonderen Regierungskundgebung näher anf dessen Bedeutung hingewiesen würde, so wäre damit nur der finanziellen wie der politischen und der parlamentarischen Lage in gleichem Maße ge- dient; und es würde damit zugleich gegenüber der Bevölke- rung, die vor bedeutsamen Neuwahlen steht, wie gegenüber dem Auslände eine wichtige Regierungs- aufgäbe erfüllt." j Also ein Wahlparad'eetat! Bilanzverschleierung im Dienste des Fuselblocks! Ein recht nützliches Ansinnen, das die' Junker an ihre ministeriellen Kommis stellen. ». Vielleicht erklären sich aus diesem Bestreben, die Wirkung der letzten Reichsfinanzlage als möglichst günstig hinzustellen, auch gewisse Notizen, die seit einigen Tagen in halb- und vierteloffiziösen Blättern erscheinen. So schreiben z. B. die„Berliner Polit. Nachr."; „Demnächst wird das Ergebnis der Einnah meil aus Zöllen, Steuern und Gebühren während des Rechnungsjahres ISlv veröffentlicht werden. Dieser Publikation wird sich die Jahreseinnahme aus der Post- und Reichseisenbahn- Verwaltung anschließen. Die ersten Zahlen dieser hauptsächlich- sten Reichseinnahmeergebnisse sind keine endgültigen, sie erfahren später immer noch kleine Berichtigungen auf Grund genauerer Aufstellungen, jedoch gewähren sie ein im großen ganzen zu- treffendes Bild. Es ist sicher, daß die wirklichen Ein- nahmen bei den Zöllen, Steuern und Gebühren, wie bei den beiden großen Betriebsverwaltungen deS Reiches die Etatsansätze übertrofsen haben. Man darf sich sogar aus ansehnliche Summen gesaßt machen. Jeden- falls sind sie so groß, daß auch insgesamt für das Rechnungs- jähr 1910 auf einen Ueberschuß beim Endabschluß der Reichs- Haupikaffe zu rechnen ist." Und in einer anderen Ehrenrettung des Fuselblocks heißt es: „Daß dieser Reichstag bisher unfruchtbar gewesen, ist gar nicht wahr. Er hat durch den Haushaltsplan für 1911 die Finanzen des Reichs, die früher recht viel zu wünschen übrig ließen, auf eine gesunde Bahn gebracht, und er hat das neue Jriedenspräfenzgefetz genehmigt, wonach auf die uäch. sten fünf Jahre die EntWickelung des deutschen Heerwesens sichergestellt ist. Finanzen und Wehrmacht sind zwei so wichtige Grundpfeiler jedes Staatswesens, daß, wenn der Reichstag nichts iveiler als ihre Stärkung unb Befestigung siollbrachk hälke, her gegen ihn gerichtete Vorwurf der Unfruchtbarkeit als völlig deplaciert erscheinen müßte. Wenn der Reichstag von den großen sozialpolitischen und anderen umfassenden Vorlagen bisher keine erledigt hat, so ist zunächst zu betonen, daß dem Reichstage, der vor Weibnachten nicht allzuviel Zeit zur Verfügung hat und zwischen Neujahr und Ostern seine Zeit auf den Etat Hauptfach- lich verwendet, es gar nicht außergewöhnlich ist, daß er zur Ent- scheidung über die ihm sonst unterbreiteten Vorlagen erst zwischen Ostern und Pfingsten kommt. Dazu ist ihm NUN auch diesmal reichliche Gelegenheit geboten." Die Arbeiten des Landtages im Mai. Die Korrespondenz Woth schreibt: Es ist beabsichtigt, die Slrbeiten des Landtags nach Wieder- aufnähme der Arbeiten am 2. Mai so zu fördern, daß der Schluß der Session noch vor Pfingsten eintritt. Es ist beabsichtigt, zunächst die Vorlagen zu beraten, die noch Kommissionen überwiesen werden müssen. Es sind dies die Novelle zur Landgemeinde- ordnung für die Rheinprovinz, der Entwurf über die läud- lichen'PflichtfortbildungHjchnleii. einige kleinere vom Herrenhaus überwiesene Vorlagen, das SluSführungZgesetz zum ReichSviehseuchen- gesetz, die Denkschrift über die Ansiedelung in Posen und Westpreußen und einige andere Denkschriften. ES soll sodann mit der Beratung der zahlreichen vorliegenden Anträge und der zurückgestellten Etats- resolutionen begonnen werden. Im ganzen werden in den Kommissionen Anfang Mai fünfzehn Gesetzentwürfe beraten werden müssen, die im Laufe deS Monats vom Plenum zu verabschieden sind. Dazu tritt das noch in den nächsten Tagen dem Landtag zugehende Eisenbahn- anleihegcsetz. dessen Beratung im Plenum etwa acht Tage in Anspruch nehmen wird. Der größte Teil des Materials hat dem Herrenhaus noch nicht vorgelegen und ist auch von diesem noch nicht verabschiedet. Die Hauptarbeit wird die Verabschiedung der beiden Zweck- Verbandsgesetze sein, deren Beratung auch einige Tage währen wird. Da die Kommissionen nicht, wie ursprünglich beabsichtigt war, schon Ende April zu tagen gedenken, um das Material vor- zubereiten, sondern größtenteils erst anfangs Mai zusammen- treten, so ist eS immerhin nicht ausgeschlossen. daß die Verabschiedung der lö Gesetzentwürfe sich bis Pfingsten nicht wird durchführen lassen und eine kurze Tagung nach Pfingsten noch notwendig sein wird, zumal im günstigsten Falle die Gesetzentwürfe dem Herreuhause erst Ende Mai werden zugehen können. Die Kommission zur Vorberatung der Zweck- Verbandsgesetze wird als einzige Kommission ihre Be- ratungen bereits am 25. April aufnehmen. Belehrte Rechtsgelehrte. Wie die Leser deS„Vorwärts" sich erinnern werden, führte ein Bericht über die Solinger Polizeiattacke vom S. März 1910 im Januar dieses Jahres zu einer Verurteilung unseres damaligen ver- antworilichen Redakteurs, des Genossen Barth-Berlin, vor der Straf- kammer I des Berliner Landgerichts I. In dem unter Vorsitz des LandgerichtSdireltorS Schmidt gefällten Urteil ist die PublikationZ- befugnis verfügt je einmal im„Vorwärts" und in der»Bergischen Arbeiter stimme" und zwar im redaltionellen Teil dieser Blätter. Der Erste Staatsanwalt Steinbrecht beim Berliner Landgericht I sandte nun unter dem 4. April d. I. der Redaktion der»Bergischen Arbeiterstimme" in Solingen eine Abschrist des Urteilstenors mit dem Ersuchen um Abdruck zu, erhielt darauf jedoch folgende Antwort: Den geforderten Abdruck des uns übersandten Urteilstenors in Sachen des Redakteurs Barth, Berlin(32 I. 424. 10/38) lehnen wir aus grundsätzlich- rechtlichen Gründen für den redaktionellen Teil unseres Blattes ab. Das Verlangen stellt ein Novum dar, das'ge- setzlich nicht begründet ist. Nur für dasjenige Blatt, welches die fragliche Beleidigung veröffentlicht hat. kann das Gericht gemäß§ 200 Abs. 2 des Str.-G.-B. den Abdruck des Urteilstenors im redaktionellen Teil verfügen, nicht aber zugleich auch für andere Blätter, in denen die Publikation erfolgen soll. Für diese kann lediglich der Inseratenteil in Frage kommen, wie aus 8 10 deS Preß- Gesetzes deutlich hervorgeht. Im vorliegenden Falle kann also nur vom„vorwärts" der Abdruck im redaktionellen Teil gefordert werden, nicht aber von unserem Blatt, das mit dem Prozeß gar nichts zu tun hat. Dom Abdruck im Inseratenteil der.Bergischen Arbeiterstimme" steht natürlich nichts im Wege. Daraufhin traf vom Ersten Staatsanwalt in Berlin das Ersuchen ein, den Abdruck deS UrteilStenorS im Inseratenteil vorzunehmen. Er hat sich also belehren lassen, daß sein erstgestellteS verlangen gesetzlich nicht begründet sei. So bleibt ein Teil des „von Rechts wegen" gefällten Urteils unausgeführt von Rechts wegen!_ Tagung der Internationalen Kriminalistische» Bereinigung. Die Landesgruppe Deutsches Reich der Internationalen Krimi- nalistischen Bereinigung ist heute unter zahlreicher Beteiligung ihrer Mitglieder zu einer Tagung zusammengetreten. Die Verhandlungen. die sich über mehrere Tage erstrecken, haben zum Gegenstand die Stellungnahme zum Borentwurf deS Strafgesetzbuches. Der erste Tag brachte ein einleitendes Referat des Herrn Prof. Dr. v. L i s z t- Eharlottenburg und ein Referat deS Wirst. Geh. Ober-Reg.-Rat Dr. Krahne über Freiheitsstrafen und Strafvollzug nach dem Vorentwurfe. Am Freitag steht zur Debatte die BeHand- lung der unsozialen Elemente im Vorentwurfe(Referent Mitter- maier-Gießen) und am Sonnabend wird über die Behandlung der Jugendlichen im Vorentwurfe(Referent Freudenthal-Frankfurt a. M.) verhandelt werden. Nach Abschluß der Verhandlungen werden wir in einem be- sonderen Artikel auf die bedeutsame Tagung zurückkommen. Ter Kampf gegen die freie Jugendbewegung. Ter Vorsitzende des Kreisverbandes Berliner Evangelischer Jüngluigsvereine eifert im.Reichsboten' gar beweglich gegen die freie Jugendbewegung. Besonders warnt er vor der„Arbeiter- Jugend",� die das verderblichste Gift unter der Jugend verbreite. Alles mißfällt dem Herrn Pastor an dem proletarischen Jugend- organ: daß eS ätzenden Spott ausgießt über die kläglichen Ver- folgungsmaßregeln der Behörden gegen die freie Jugendbewegung, daß es dem dreisten Chauvinismus einer verlogenen„patriotischen" Geschichtsfälschung die geschichtliche Wahrheit entgegensetzt, daß es die Ausbeuterpraktiken des Kapitalismus gebührend kennzeichnet. Ein Naiver könnte ineine», daß es gerade einem abgestempelten Vertreter des„Christentums" sympathisch sein müsse, wenn die höchst unchristliche Intoleranz der Behörden gebrand- markt, die frivole Bösterverhetzung bekämpft und den so unbrüderlichen AusbeuwngSbestrebungen des Kapitalismus entgegengetreten werde. Wer da freilich weiß, daß die Kirche sich jederzeit auf die Seite der Herrschenden und Besitzenden ge- schlagen hat. wird auch die Besorgnis dieses Geistlichen verstehen. daß durch die„Arbeiter-Jugend" die Idee» echter Menschlichkeit und Nächstenliebe unter dem heranwachsenden Proletariat» verbreitet werden. Wir können eS daher dem Herrn Pfarrer nachfühlen, wenn er in dem schmerzlichen Ausruf ausbricht:„Wo sollen wir hin- kommen, wenn diese Apostel deS HasseS und der AutoritStSlosigkeit ihr Gift ungehindert(!) weiter verspritzen dürfen!" Die gehässigen Schikanen gegen die freie Jugendbeivegung geniigen dem Braven also noch nicht I Es versteht sich von selbst, das; der Herr Pastor zum Schlust zur Unterstützung seiner geliebte» Evangelischen JünglingSvcreine aufruft. Der Berband könne das Doppelte leisten, wenn er nur Mittel zur Verfügung habe! Nun, die braven JugendverdummungSvereinc mögen sich ge- trösten: ihnen tvird ja auch aus dem MillioneufondZ bald Unter- stützung zufliesten! Die Stipendiaten! des Korruptionsfonds werden dann ja in größerem Stile ihre Arbeit aufnehmen können. Freilich werden sie dann ja einseben müssen, daß es mit materiellen Mittelu allein nicht getan ist, sondern daß zur Gewinnung der Jugend auch geistige und moralische Mittel gehören. Geistlichen Klein- kinderbewahranstaltcn ist die moderne Jugend denn doch erfreulicher- weise entwachsen!_ Sie verlangen Anteil an der Staatskrippe. Die.Köln. Volksztg." beklagt sich bitter darüber, daß bei der Besetzung hoher Staatspostcn die Katholiken nicht genügend berück- sichtigt würden. Erbost fragt das klerikale Blatt: „Warum reden die liberalen Zeitungen immer nur von der Bevorzugung des alten Adels? ES gibt eine andere Bevor- zugung, die viel weiter greift und viel empfindlicher ist, nämlich die Bevorzugung der Protestanten vor den Katholiken." Und in einer langen Zusammenstellung sucht dann die Bachemsche Standarte nachzuweisen, daß trotz aller Dienste, die das Zentrum der Regierung geleistet hat, bei Vergebung der Staatsämter noch immer höchst unparitätisch verfahren wird. So sei in der Provinz Westpreußen unter 25 Ländräten, in Brandenburg unter 31, in Pommern unter 23. in Hessen-Nassau unter 37 Landräten nicht ein einziger Katholik vorhanden. Und in Ostpreußen gäbe es unter 3S Landräten, in Schleswig-Holstein unter 20, in der Provinz Sachsen unter 39 Landräten nur je einen Katholiken. Auch in Posen seien unter iO Landräten nur 2, in Schlesien unter 61, in Hannover unter 69, in Hohenzollern unter 4 Landräten nur je 3 katholisch. Wir finden vom Standpunkt der„Köln. Volkszlg." diese Mahnung ganz begreiflich. Das Zentrum hat der Regierung alles geopfert, selbst seine Ehre; dafür kann es mit Recht seine Belohnung verlangen. Auch ein Hund hat, wenn er treue Dienste leistet, An- spruch auf ausreichendes Futter. Die Politik in den Kriegervereinen. Die Kricgervereine treiben bekanntlich nach der Behauptung der offiziösen Presse keine Politik. Ein nenes Beispiel für diese an- gebliche politische Abstinenz bietet folgendes Schreiben, das ein Mitglied des KriegervercinS Böhne vom Vorstand zugesandt erhielt. DaS Schreiben lautet wörtlich: Böhne, den 22. Februar 1911. Herrn N. N., hier. Am Abend des 21. Februar er. hielt der Redner des Bundes der Landwirte. Herr Rieseberg, einen Vortrag im Gottschalkschen Gasthofe, in welchem Sie anwesend waren. Der Vorgenannte führte aus: Die sozialdemokratischen Führer nehmen den Arbeitern das Geld in helle» Haufen ab, diesen Arbeiterführern folgen unsere Arbeiter in hellen Haufen und diese Leitung be- kämpfen wir. Räch Aussage glaubwürdiger Zeugen sollen Sie den Ausruf „Frechheit" gleich nach den Ausführungen ausgerufen haben, auch hatten Sie ichon vorher und nachher �Shr Mißfallen durch Mienen und Ausrufe öffentlich betätigt, was bei den anwesenden Kameraden großes AergermS erregte. Da solche öffentliche Kundgebungen gegen§ 1a unserer Vereinssatzungen verstoßen, so hält der Vorstand des Kriegervcreins es für feine Pflicht, Ihnen den Rat zu erteilen, freiwillig aus dem Berein ouSzuicheide» nach§ 3a. Aach§ 3 f steht Ihnen die Berufung gegen diesen Beschluß in der nächsten Versammlung binnen vier Wochen zu. Der Vorstand des Kriegervereins Böhne. (Folgen Unterschriften.) Nach der Ansicht des Böhner KriegervereinSvorftandeS entspricht eS also der Ehre und Würde des gewesenen Soldaten, daß er Lügen ohne mit der Wimper zu zucken mit anzuhören hat. Das also ge- tadelte Mitglied ließ sich den freundlichen Rat nicht zweimal geben; es kehrte der Gesellschaft den Rücken. Bester wäre allerdings ge- wesen, es wäre schon früher ausgetreten. Arbeiter, die auf Intelligenz Anspruch erheben und proletarisches Ehrgefühl besitzen, gehören nicht in Äriegerveretne._ Die Kriegervereine und die freie Jugendbewegung. DaS amtliche Organ des deutschen Kriegerbundes, die„Parole", bringt einen fulminanten Auftuf, in dem die Kriegervereine zum Schutze gegen sogenannte armeesein bliche Bestrebungen mobil gemacht werden. Die größte Gefahr wird in der freien Jugend- bewcgung erblickt, „die den jungen Leuten schon vor dem Dienstcintritt die Lust am Soldatenleben verleiden und sie mit Mißtrauen gegen die ge- samten Heereseinrichtungen und die zukünftigen Vorgesetzten er- füllen will." Verschiedene Kriegervereine haben deshalb schon besondere Jugeudvereine gegründet, die im Zusammenwirken mit anderen staatStreueu Vereinen die Jugend vor der Aufklärung bewahren sollen. An die Offiziere des Beurlaubtenstandes wird bei dieser Gelegenheit erneut die Mahnung gerichtet, ihre Kraft in den Dienst dieses Landsturmes der finstersten Reaktion zu stellen. Diese immer wiederkehrenden Aufforderungen berechtigen zu der Folgerung, daß die Bestrebungen der Heeresverwaltung auf diesem Gebiet nur recht magere Erfolge gezeitigt haben. Mecklenburgisches aus Hessen. Daß e-5 die Feudalen auch im Großherzogtum Hessen verstanden haben, sich allerlei junkerliche Privilegien zu erhalten, beweist eine Meldung der„Franks. Ztg." aus dem Kreise Erbach. Die Slandcsherren von Erbach haben dort für fast alle Lehrer- stellen ein Präsentationörecht. Von den 8ö Orten deS Kreise« find im ganzen nur 9 Orte präsentationsfrei, und das sind die llcinsten Dörfer, in denen anscheinend erst in späterer Zeit Sckml- stellen errichtet worden sind. Die Vergebung aller übrigen Stellen liegt in den Händen der Herren von Erbach-Crbach, Erbach- Fürstenau. Erbach-Schönberg und derer von Löwenstein-Wertbeim- Rosenberg. Dabei liegt oft die Präsentation ein und derselben Stelle in der Hand zweier Standesherren. die an ganz verschiedenen Orten ihren Wohnsitz haben. Während das hessische Schulministerium zurzeit mit Reckt bestrebt ist, bei der Vergebung von Lehrerstellen die größtmöglichste Vereinfachnng eintreten zu lasten, wird durch jene veralteten Zustände eine Verschleppung und Erschwerung des Geschäftsganges herbeigeführt. Dabei stehen diesen Prä- sentationsrechren kann, irgend welche Pflichten gegenüber. In Erbach zahlt die Standesherrschaft einen baren Zuschuß zur Dotierung zweier Lehrerstellen von 259, Oi M. und 235,01 M., sowie je snns Raummeter Buchenholz. Von sonstigen Verpflichtungen ist nichts zu vermelden. Dafür haben aber die Herren das Recht der Präsentation in 76 Orten des Kreises, während Staat und Gemeinde die Lehrer- geholter ausbringen dürfen. Und diese Zustände läßt die herrschende bürgerliche Klasse ruhig weiter bestehen!___ Schwefe. Ein Arbeitcrtag. Der Schweizerische Arbeiierbund hielt an den Osterseiertagen in Zürich den nur alle drei Jahre stattfindenden Arbetterlag ab. T-chr scht jiK gua Mn oUe Mch- ficht auf Parteistclluug und Bckennlnis zusammen, sofern diese � Vereine in der Mehrzahl aus Schweizer Bürgern bestehen. Als Abgeordnete zum Arbeitcrtag sind nur Schweizer Bürger und Bürgerinnen wählbar. Auf der heurigen Arbeitertagung waren 217 Vereine mit 376 000 Mitgliedern durch 306 Delegierte der- treten. Das Organ des Arbciterbundes ist das schweizerische Ar- bcitersekretariat, dessen Sekretär und Adjunkten vom Arbeitertag aus eine Amtsdaucr von drei Jahren gewählt werden. Außerdem nimmt er Stellung zu den aktuellen die Arbeiterschaft lebhaft interessierenden Tagesfragen. Um ein genaueres Bild dieser eigen- artigen Organisation, in der es keine politische und konfessionelle Trennung mehr gibt, also das reinste Aequivaleut der Arbeitgeber- berbände ist, und der seit 1887 besteht, seien noch folgende Zahlen genannt: Es waren vertreten 46' freie Gewerkschaften, 52 sozial» dcmokratisckie Vereine, 55 Vereine religiöser Richtung und 64 Krankenkassen. Genosse Oberrichter Lang eröffnete die Tagung. Das erste Referat hielt Genosse Landaminan Scherrer in St. Gallen über die Kranken- und Unfallversicherung, die geschlossene An- nähme des bereits fertigen Gesetzes empfehlend. Der betagte Genosse Greulich, der das 70. Lebensjahr angetreten hat, wurde einstimmig für weitere drei Jahre zum Arbeitersckretär gelvählt. Auf der Montagtagung hielt Genosse Nationalrat Dr. S t u d e r von Winterthur ein Referat über die Revision des schtoeizerischcn Fabrikgesetzcs, das in zahlreichen Thesen mit den speziellen Wünschen der Arbeiterschaft ausklang, die einstimmig angenommen wurden. Besonders unterstrichen wurden von den Diskussionsrednern die Forderungen auf wirksamen Mutter- schütz, Unantastbarkeit der Koalitionsfreiheit, gesetz- licher Schutz der Heimarbeiter und Verbot der Nacht- arbeit in den Bäckereien. Auch in der Frage der Teuerung wurde eine Resolution angenommen. Den Schluß bildete das Referat von Dr. Buomberger, Redakteur in Schaffhauscn, über die schweizerische Ausländer- frage, in der Forderung der Erleichterung der Einbürgerung gipfelnd. Tie Schweiz hat unter allen Staaten die meisten Aus- länder. Außerdem ist die durchschnittliche jährliche Zunahme der Bevölkerung auf je 1000 Einwohner bei den Schweizern 10,4, bei den Ausländern dagegen 39,6. Daraus erhellt die Bedeutung der Ausländerfrage für die Schweiz und besonders ihrer Arbeiter- bevölkerung. franhreich. Die Reaktioliäre gegen die Wiedereinstellung der Eisenbahner. Paris, 20. April. Die konservativen und gemäßigten Blätter kritisieren das Schre iben des Arbeitsministers an die Eisenbähngesellschaften betreffend Wiederein st ellung der entlassenen Eisenbahner sehr scharf.„Figaro" bezeichnet es als ein anmaßendes Ultimatum, ja geradezu als eine r e v o- lutionäre Tat. lUlUanci. Bilanz der Studentenverfolgungen. Das Petersburger marxistische Wochenblatt„Swesda" ver öffentlicht folgende Angaben über die Opfer der Studenten- beluegung in den letzten zwei Monaten(5. Februar bis 5. April). Diese Angaben, die auf Grund der Meldungen der Tagespresse zusammengestellt sind, stehen natürlich hinter der Wirklichkeit weit zurück. Auf Befehl der Minister wurden insgesamt relegiert 1701 Studierende, darunter in Petersburg 557, Moskau 445, Toms! 370, Warschau 120 usw. Nicht inbegriffen sind hier die Massen rclegationen im Kiewer Polytechnikum. Auf administrativem Wege verbannt wurden 336 Personen, darunter in Warschau 204, Petersburg 52, Odessa 26, Kiew 21 usw. Verhaftet wegen Nichterfüllung von obligatorischen Vor schriften wurden 87 Personen. Außerdem wurden verhaftet: in Petersburg 486, in Warschau 109, in Moskau 83 usw., insgesamt 801 Personen. Außer diesen Maßnahmen wurden in großem Umfange an- gewendet: Ausweisung der Studierenden(in Petersburg wurden fast sämtliche relegierte Studenten ausgewiesen), Ueberwcisung an die Gerichte wegen Zugehörigkeit zum Koalitionskomitee usw. und polizeiliche Sistierung der Studierenden(in verschiedenen Hoch- schulen wurden ca. 2000 Studierende polizeilich sistiert). Marokko. Ausstand in Fes? Tanger, 19. April. Nach einer Meldung des 5lor° respondenten der„Agence Havas" in Rabat sind dort Ae- rächte verbreitet, wonach eine E m p ö r u n g unter der Etil- Wohnerschaft von Fes ausgebrochen" und die Stadt g e- p I ii n d c r t sein soll. Eine BestätigliNg dieser.Gedichte liegt nicht vor. Amerika. Der Kongreß in außerordentlicher Session. New Hort, 7. April. Vorgestern trat der 62. Kongreß zu einer außerordentlichen Session zusammen. In den gesetz- gebenden Körperschaften der Union sitzt zum ersten Male ein Sozialist: der Genosse Victor L. B e r g e r von Mlwaukee. Nach ununterbrochener sechzehnjähriger republikanischer Herr- schast haben die Dentokraten.im Nepräscntantenhause die Mehrheit: die Volkskammer setzt sich zusammen aus 228 Demo kraten, 160 Republikanem und 1 Sozialisten; zwei Mandate sind unerledigt. Dagegen haben die Republikaner im Senat die Majorität: sie verfügen über 50, die Demokraten über 41 Sitze. Ein Senator ist von der überwiegend demo- kratischen Legislatur des Staates Kolorado noch zu erküren. Obwohl die beiden Häuser des Kongresses entgegengesetzte Mehrheiten aufweisen und der Senat bei weitem den größeren Einfluß auf die Gestaltung der amerikanischen Politik ausübt, sind die Demokraten imstande, ihren Willen in manchen wichtigen Fragen ihren republikanischen Gegnern aufzuzwingen. Die republikanische Majorität des Kongresses setzt sich nämlich aus 36„Regulären". 12 fortschrittlicher gerichteten„Jnsur gcnten" und 2„Halbinsurgenten" zusammen. Im letzten' Kongreß, dessen Mandat am 4. März ablief, gelangte das zwischen den Regierungen Kanadas und der Ver einigten Staaten vereinbarte Handelsabkommen nicht zur An nähme. Es fand zwar im Repräsentantenhaus, nicht aber im Senat eine Mehrheit. Lediglich um das kanadisch-amerikanische Abkommen rektifizieren zu lassen, berief der Präsident Taft den neuen Kongreß auf den 4. April zu einer außerordent- lichcn Session ein. Andere Aufgaben erwähnte er auch nicht in seiner gestrigen, an die gesetzgebenden Körperschaften ge- richteten Botschaft. Chauip Clark, der Sprecher(Präsident) des Repräsen- tantenhauscs. gab am Dienstag die Erklärung ab, die Demokraten, seien entschlossen, in der gegenwärtigen Session auch die Ermäßigung der Lebens mtttelzölle, die Annahme einer die direkte Wahl der VundeLsenatorcn vorjchlggendeü ÄrjassüiigS-BtiolstUp.n vlld die Aufnahme der Territorien New Mexiko und Arizona als Einzelstaatcn iu die Union durchzusetzen. Für die Erhebung der beiden Territorien zu Einzelstaatcn und die direkte Wahl der Bundesscnatoren sind wohl alle republikanischen Insurgenten. Daher haben diese beiden Maßnahmen alle Aussicht� nicht nur vom Re- präsentantenhause, sondern auch vom Senat angenommen zu werden, obwohl keine von ihnen die Billigung aller domo- kratischen Senatoren findet. Dagegen ist das Schicksal des kanadisch-amerikanischen Handelsabkommens und einer Revision der Lebeiismittelzölle noch mehr wie fraglich. In der ziveiten Sitzung des Repräsentantenhauses reichte der Genosse Borger eine Resolution ein, in welcher die Zurückziehung der an der mexikanischen Grenze konzentrierten amerikanischen Truppen gefordert wird. Mit seinem Antrage sprach Bergcr der großen Mehr- heit des Volkes aus dem Herzen. Es ist nicht aus- geschlossen, daß die Resolution, falls sie überhaupt aus die Tagesordnung gelangt, iin Repräsentantenhause eine Mehrheit findet. Denn die aus direkter Wahl hervorgehenden Gesetzgeber haben auf den Willen der Wähler immerhin einige Rücksicht zu nehmen. Wenn aber auch die Bergersche Resolu- tion totgeschwiegen wird, so ivcrden doch andere sozialistische Anträge kommen, die sich nicht so ohne weiteres begraben lassen. Mögen Republikaner und Demokraten auch nichts für die werktätige Bevölkerung übrig haben, so müssen sie der Arbeiterschaft doch aus wahltaktischen Gründen bis zu einem gewissen Grade Rechnung tragen,»venu sie gezwungen iverden, Farbe zu bekennen. Sicherlich wird Berger im Repräsentantenhaus die Rolle des bösen Gewissens spielen und den Gesetz- gebern im Parlamente und damit vor dem ganzen Volke an ihre Begehungs- und Unterlassungssünden mahnen. Und darin liegt die Bedeutung des Eintritts des ersten Sozialisten in das Repräsentenhaus. Mexiko. Die Friedensverhandlungen. New Aork, 20. April. Nach einer Depesche aus Et Paso (Texas) haben die A u f st ä n d�i s ch e n die Stadt I u a r e z aufgefordert, sich binnen 24 Stunden zu ergeben. Nach einem Telegramm aus der Stadt Mexiko hcibim die Abgeordneten einen vollständigen Bericht über die Friedensverhandlungen verlangt. Wenn auch bisher die Verhandlungen nur von inoffiziellen Agenten der Regierung geführt worden sind, so ist es doch kein Geheimnis, daß der Minister des Auswärtigen ihnen Direktiven ge- geben hat. Die„New Aork Times" veröffentlicht eine Depesche aus Mexiko, in der es heißt, Mexikos Antwort.note auf Amerikas Protest gegen die Grenzkämpfe ignoriere die diplomatischen Formen und erhebe Beschuldigungen gegen die amerikanischen Truppen an der Grenze. Es mache den Ein- druck, als wolle Präsident D i a z die Vereinigten Staaten zu einer Intervention provozieren in der Hofs- nung, daß ein Ueberschrciten der Grenze durch die amerirani» scheu Truppen alle Parteien in Mexiko gegen Ainerika ver- einigen werde._ Madero verweigert den Wafseustillstaud. New Uork, 20. April. Madero verweigerte, wie die Associated Preß aus El Paso meldet, unbedingt den sofortigen Waffenstillstand. Erst nach der Schlacht bci.Juarez werde er über einen Waffenstillstand reden. Eue der Partei. Nur ein PrcMndcr. Wie man lm„liberalen" Thüringen mit sozialdemokratischen Preßsündern umspringt, wird am treffendsten durch die Gegenüber- stellung nachstehender beiden Fälle illustriert. Genosse Georg P f e u s f e r von der„ W e i m a r i s ch e n V o I k s z e i t u n g" in Jena verbüßt zurzeit in den gemeinsamen thüringischen Straf- anstalten zu Ichtershausen eine dreimonarliche Gefängnisstrafe, die ihm von der Strafkammer in Weimar Ivegen angeblicher Be- leidigung des Jenaer OberlandeSgecichtöratS Dr. B ö r n g e n(für das eine Wort„Byzantinerrede" 1 Monat!) sowie deS Pfarrers Ackermann in Jena-O. zudiktiert worden war. Gleich bei seinem Straf- antritt stellte Gen. P f e u f f e r einen Antrag auf Gewährung von Selbstbeschäftigung und Selbstbeköstigung. Nach vier Woche» wurde ihm aber von der Gcfängnisdirektion im Namen des Gothaer StaatsministeriumS, dem die Aufsicht über die Strafanstalt obliegt, eröffnet, daß„kein Grund vorliege, um Genossen Pfeuffer besondere Begünstigungen zu ge- währen".—- Gen. Pfeuffer wird somit noch zwei Monate lang bei GefängniSkost und Briefumschlagfalzen Betrachtungen über die schöne NechtSmaxime:„Jeder Deutsche ist gleich vor dem Gesetz" anstellen können. Daß aber daS Staats- Ministerium in Gotha auch anders kann, wenn es sich nicht um sozialdemokratische Preßsünder, sondern um„staatserhaltende" Meineids dauern handelt, hat es dadurch bewiesen, daß eS im Jahre 1009, wo Genosse Pfeuffer schon einmal drei Monate in der JchterShäuser Idylle zu verbringen hatte, zwei Bauern aus dem gothaischen Dorfe MolSdorf— Vater und Sohn V.—, die das Schwurgericht in Gotha wegen Meineids zu Zuchthaus ver- urteilt hatte und deren Strafe auf dem Gnadenwege in Gefängnis- strafe, die sie zudem nicht einsnal ganz zu verbüßen brauchten, umgewandelt worden war, die gesetzlich zulässigen Vergünstigungen auf Selbstbeköstigung und Selbstbeschäftigung gewährte, für die Genossen Pfeuffer gegenüber, der allerdings keinen Meineid leistete, sondern Allgemeininteressen vertrat, nach Ansicht desselben StaatsministeriumS in Gotha kein Grund vorliegt.— Jeder weitere Kommentar zu dieser Gegenüberstellung würde ihre aufreizende Wirkung nur abschwächen. Und trotz alledem ist jeder Deutsche gleich vor dem Gesetz!!_ Verbotener Maiumzug. Die Stettiner Polizei ist äußerst fürsorglich. Deshalb hat sie auch die Genehmigung zu einem Maifeierumzug nicht erteilt. Sie befürchtet eine Gefahr für die öffentlicheOrdnung. wenn sich Mnidcmonstranten im geschlossenen Zuge durch die Straßen der Stadt bewegen und hinaus in de» maigrünen Wald wanden,. Sie stellt damit den staatStreuen Elementen ein keineswegs beneidenswertes Zeugnis aus. Denn Herr Assessor W a l t h e r. der den ablehnenden Bescheid erteilte, befand sich»m Vorjahr inmitten der Maifeier- demonstranten und wird anerkennen müssen, daß diese sich anständia und gesittet bewegen. Er muß also Ausschreitungen der staats- treuen Elemente befurchten, wenn er seinen Entscheid näher b°° gründen wollte Aber auch sonst läßt der Entscheid des Vertreters des Stetüner Poltzelprandenten die weise Voraussicht der Wohl- löblichen erkenne». Er macht nämlich dabei noch « mr-V �öebcnst darauf aufmerksam, daß»och vor dem 1. Maz d. I. die Nummer der Gesetzsammlung, mit deren AuS- fiaoe die(nnaettieittoung des Eckerberger Forstes iu den Stadt- und Polrzeibezirk Stettin in Kraft tritt, erscheinen dürfte." Man möchte also auf dem Stottiner Polizeipräsidium unseren Genossen auch einen Spaziergang nach dem Walde verwehre». Aber man wird einsehen inüssen, daß selbst in Preußen die Bäume der Polizei Vicht in den Himmel wachsen, OewerkfcbaftUcbee* Der Verband der Fabrikarbeiter im Jabre 1910. Der Verband der Fabrikarbeiter Ijat im verflossenen Jahre ausserordentlich erfreuliche Fortschritte gemacht. Die Zahl der Mit- glieder stieg von 141 024 zu Begim' auf 167 697 am Ende des Jahres. Das ist eine Zunahme um 26 073 oder rund 18 Proz. Von den Mitgliedern waren 20S16 weiblichen Geschlechts. Die Einnahme der Hauptkasse betrug(ohne den Kassenbestand) 8117 487 Mk. gegen 2 482S98 Mk. im Jahre 1909. Dieser Ein- nahmenzuwachs von rund 600 000 Mk. wurde jedoch fast völlig durch die gleichzeitige Steigerung der Unterstützungsausgaben, nament lich der Streikunterstützung, wieder aufgezehrt. Die Gesamtsumme der Unterstützungen betrug nämlich 2114 467 Mk. gegen 1566 837 Mark im Jahre 1909. Ausserdem wurden noch für Gemassregelten- Unterstützung 46 000 Mk., für Sterbegeld 52 676 Mk. verausgabt. Ausser den hier angeführten wurden noch erhebliche Summen an Unterstützung aus lokalen Mitteln gezahlt. So zum Beispiel 94 029 Mk. Streikunterstützung, 39 312 Mk. Notlageunterstützung usw. Die Ausgabe der Hauptkasse betrug insgesamt 3 085 501 Mk., der Einnahmeüberschuss mithin 31 986 Mk. Das Vermögen der Hauptkasse betrug 1 504 763 Mk. In den Lokalkassen waren noch 606921 Mk. vorhanden. Das Gesamtvermögen des Verbandes betrug mithin 2111684 Mk. Die Lohnkämpfe des Verbandes hatten sehr günstige Resultate. Die Zahl der Lohnbewegungen, die ohne Streik zu Ende geführt werden konnten, betrug 367, die sich auf 503 Betriebe mit 44 708 beschäftigten Personen erstreckten. Eine Verbesserung der Arbeits- bedingungen wurde für 39 072 Personen erreicht. Und zwar für 8958 Personen Verkürzung der Arbeitszeit um insgesamt 20 845 Stunden pro Woche, und für 32 064 Personen Lohnerhöhung um insgesamt 50 980 Mk. pro Woche. Die Zahl der Streiks und Aus- sperrungen, an denen Verbandsmitglieder allein oder in wesent- licher Anzahl mit beteiligt waren, betrug 122; davon 74 Angriffs- und 40 Abwehrstreiks und 8 Aussperrungen. Die Zahl der betei- ligten Personen betrug 13 591, die sich auf 1371 Betriebe verteilten. Von den Streiks und Aussperrungen endeten 60 mit vollem, 31 mit teilweisem und 28 ohne Erfolg. Erreicht wurde für 3961 Beteiligte Verkürzung der Arbeitszeit und für 8648 Beteiligte Erhöhung der Löhne. Die Gesamtzahl der vom Verband abgeschlossenen Tarif- Verträge betrug am Jahresschlüsse 175. Diese Verträge umfaßten 308 Betriebe mit 20 906 Beschäftigten. Die allseitig erfreuliche EntWickelung des Verbandes hält im laufenden Jahre an. Vor einigen Wochen schon betrug die Mit- gliederzahl 175 000, zurzeit dürfte sie 180 000 erreicht, wenn nicht überschritten haben. Wenn man bedenkt, dass der Verband der Fabrikarbeiter die ungelernten, meist schlecht entlohnten Arbeiter zu organisieren, also ein sehr steiniges Feld zu bearbeiten hat, ist diese präZiige Vorwärtsentwickelung doppelt erfreulich. Berlin und Umgegend. Achtung, Metallarbeiter! Wegen der Beerdigung des Genossen Borgmann findet die Wahl der Delegierten für unsere diesjährige Generalversammlung am Sonntag, den 23. April, schon von SVj bis 11% Uhr vormittags statt.(Siehe heutiges Inserat.) Unsere Funktionäre ersuchen wir, soweit sie dazu aufgefordert iwerden, sich an den Wahlarbeiten für unsere Delegiertenwahl am kommenden Sonntag zu beteiligen, damit das Wahlresultat so schnell wie möglich festgestellt werden kann. Deutscher Metallarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin. Der Arbeiterinnenstreik bei Bergemann. Die Firma Bergemann, Aktiengesellschast, hat es für not- wendig erachtet, die Oeffentlichkeit durch eine Zuschrift an die bürgerliche Presse über die Ursachen des Streiks aufzuklären. Sie tut das in ihrer Weise und sucht die Arbeiterinnen als den schuldi- gen Teil hinzustellen. Sie schreibt: „Seitens der Arbeiterschaft unserer Glühlampenfabrik wurde von uns die Zusicherung gefordert, daß trotz der stillen Saison die übliche Reduzierung des Personals nicht vorgenommen würde, und dass trotz der verbesserten Fabrikationseinrichtungen und vorteilhafteren Arbeitsmethoden die alten Akkordsätze bestehen bleiben sollten. Da diese Forderungen abgelehnt wurden, ist heute früh die Arbeit in unserer Gkühlampenfabrik teilweise nicht wieder aufgenommen worden. Der Betrieb wird in be- schränktem Masse aufrechterhalten." Der„Vorwärts" hat gestern die Ursachen de? Streiks wahi> heitsgxtreu mitgeteilt, und dabei nichts verschwiegen, was von Wichtigkeit war. Was die Firma schreibt, entspricht nicht der Wahrheit. Da wird die Sache zunächst so hingestellt, als hätten die Arbeiterinnen verlangt, dass die Firma in der toten Saison überflüssige Arbeitskräfte gleichsam durchfüttern sollte. Wer auch nur einigermaßen mit der GewerbschastsbewegunH Bescheid weiß, erkennt sofort, dass das nicht wahr sein kann. Hat ein Unternehmer nicht genügend zu tun. so fügen die überflüssig gewordenen Ar- beiter und Arbeiterinnen sich selbstverständlich in das Unvermeid- liche, und keine Gewerkschaft würde ihre Zustimmung dazu geben, wegen Arbeitsmangel über irgendeinen Betrieh den Streik zu der- hängen. Das wäre ja auch geradezu Wahnsinn. Aber bei Berge- mann lag die Sache so, dass man bislang von der toten Saison nichts gewußt hatte, und erst als die Firma sah, dass sie mit ihrem Lohnherabsetzungsbestreben auf den einmütigen Widerstand der Arbeiterinnen stieß, gab sie ihnen durch den Anschlag vom 18. April kund und zu wissen, daß die. Saison tot war und das Personal vermindert werden sollte. Aber die Hauptsache in dem Anschlag war die Aufrechterhaltung der Abzüge von 30 bis hinauf zu 60 Proz. der bisherigen Akkordpreise, und das ist es, wogegen sich der Streik richtet. Nun soll eine Verbesserung der Arbeitsmethode als Rechtfertigung der Lohnherabsetzung dienen. Die Arbeiterinnen wissen von solcher Verbesserung nichts, und es ist ihnen gegenüber auch bislang nichts dergleichen als Begründung für das Vor- gehen der Firma angeführt worden. Die Streikenden hatten sich gestern vormittag wiederum vollzählig in den„Pharussälen" ber- sammelt. Der Streikleiter Handle richtete in seinem Bericht über den Stand des Streiks an die Versammlung die Frage: „Ist irgendeine Veränderung in der Arbeitsmethode ein- getreten?" Die einstimmige Antwort lautete:„Nein!" Und weiter:„Sind irgendwelche neuen maschinellen Einrich- tungcn geschaffen?" Wiederum folgte das einstimmige„Nein" der Versammelten. Wenn also die Firma in ihrem Glühlampenwerk irgendwelche technischen Verbesserungen eingeführt hat, durch die eine Erhöhung der Arbeitsleistung möglich wird, so müßte das nach der Arbeits- niederlcgrmg geschehen sein, und sicherlich hätte sie eine solche Tat- sacke doch auch von vornherein und nicht erst nachträglich zur Be- gründung der Herabsetzung der Akkordpreise angeführt. Mit dem Streik steht es übrigens durchaus günstig. Die Strei- kenden sind sich von vornherein darüber klar gewesen, dass der Kampf nicht von heut auf morgen beendet werden kann. Sie halten tapfer und einmütig aus, und ein Teil derer, die am Dienstag noch wieder in die Fabrik gingen, hat das Verwerfliche dieses Tuns schon eingesehen und sich den Streikenden angeschlossen. Die geringe Anzahl der Arbeitswilligen vermindert sich also mit der Dauer des Streiks. Die Firma hat versucht, die männlichen Ar- heiter im Betriebe zu Streikarbeit heranzuziehen, hat aber damit keinen Erfolg gehabt und deswegen eine kleine Anzahl entlassen oder auch aussetzen lassen. Die männlichen Arbeiter erklären sich selbstverständlich in allen dergleichen Fällen mit ihren streikenden Kolleginnen solidarisch. Die Polizei hat versucht, einer Arbeiterin daS Streikposten- stehen vor dem Betriebe zu verbieten, aber eine so zutreffende und sachgemäße Antwort erhalten, dass der betreffende Schutzmann von weiteren Massnahmen Abstand nahm. Die Streikenden haben sich bereits in der ersten Streikversammlung einstimmig verpflichtet, jegliche Ansammlung vor dem Betriebe zu vermeiden; aber ihre Streikposten, die vereinzelt in der Nähe des Betriebes in aller Ruhe auf und ab gehen, lassen sich das gesetzliche Recht nicht nehmen, diejenigen, die es ang/eht, über die Tatsache des Streiks aufzu- klären._ Oeutfcheo Reich. Der Bergarbeiterstreik in der Oberlaufitz hat in den letzten Tagen an Ausdehnung zugenommen. Die Unter- nehmer wollten den Grubenarbeitern keinerlei Zugeständnisse in der Lohnhöhe oder Arbeitszeitverkürzung machen. Jetzt, wo der Streik ausgebrochen ist, werden einheimischen und fremden Ar beitern bedeutend höhere Löhne versprochen, als die Arbeiter fordern. Die Verwaltungen versprechen denjenigen Arbeitern, die zum Verräter an ihren Klassengenossen werden, Extrageschenke. Ueberall sind Agenten tätig, um Arbeitswillige heranzulotsen. Die Agenten versprechen den Arbeitern Löhne von 5 M. und darüber pro Tag. Wenn diese Arbeiter ins Strcikrevier kommen, ist der Werbeagent verschwunden, und die Arbeiter stehen einem anderen Manne gegenüber, der von den Versprechungen des ersten Agenten nichts wissen will. Die Hintzemänner üben denn auch ihr unsauberes Handwerk aus. Nachdem kürzlich für die„(Aückauf"-Grube in Olbersdorf einige Streikbrecher eintrafen, aber kurz nachdem wieder ab dampften, ging das Gerücht, dass an den Ostertagen ein größeres Aufgebot von Arbeitswilligen eintreffen werde. Die Bergarbeiter waren aber auf dem Posten und fingen die Kolonnen aus entfernt gelegenen Bahnhöfen ab und wiesen ihnen in den nächsten Orten Arbeit an. Ein Verkehrs- und Vermittelungsbureau in erlin 0. 17, Breslauer Str. 18. vermittelte aus Koppen in Oesterreich und Posen eine Anzahl Leute, die in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch der Grube Herkules in Hirschfelde zugeführt werden sollten. Leiterwagen, Droschken fuhren am Bahnhof Hirsch- felde vor, um die lieben Arbeitswilligen nach der Zechenanlage zu befördern. Aber auch noch andere Leute hatten sich eingefunden und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Genosse G ö t t e aus Bochum, der im Streikgebiet weilt, hatte sich mit einer Anzahl Kameraden, darunter polnisch sprechenden, eingefunden. Eine kurze Ansprache des Genossen G ö t t e am Bahnhof klärte den An- kommenden die Situation. Mit Jubel begrüßten sie die Worte, sich doch als Arbeitsbrüder zu betrachten und keinem streikenden Ar- beiter in den Rücken zu fallen. Sie folgten ihren Arbeitsbrüdern in das Streikbureau, wo sie bewirtet wurden; am anderen Tage reisten sie ab. Agenten, Gendarmen und der Herr Direktor, der elbst erschienen war, machten lange Gesichter. Gendarmen stellten daraus die Person des Genossen Götte fest. Gelingt die Fernhaltung des Zuzuges, so muß den Berg- arbeitern der Sieg werden._ In den„Märkischen Kunftsaudstemwerken", Firma O. Krischker, zu L a n d s b e r g a. W., haben die Arbeiter die Arbeit eingestellt, weil der Unternehmer gegenüber eingereichten Lohnforderungen der Arbeiter nicht genügend Zugeständnisse gemacht hat. Bei einem Lohn von 25—30 Pf. pro Stunde forderten die Arbeiter im Durch- schnitt 5 Pf. Lohnerhöhung. Zugestehen wollte man 1 resp. 2 Pf.. und einige Arbeiter sollten nichts erhalten. Hiermit waren die Arbeiter nicht einverstanden. Alle Arbeiter obiger Branche werden ersucht, Zuzug von Landsberg a. W. streng fernzuhalten. Lohnbewegungen im Holzgewerbe. Eine überüus lebhafte Lohnbewegung entwickelt sich gegenwärtig im Holzgewcrbe. Von der allgemeinen Tarifbewegung sind die Orte Kelkheim, Finsterwalde und Osnabrück immer noch nicht er« ledigt, dort dauert der Kamps noch immer fort. In Breslau. wo die Unternehmer den Schiedsspruch anerkannt haben, versuchen sie durch allerlei Winkelznge den Arbeitern die Errungenschaften streitig zu machen. Insbesondere wird den Maschinenarbeitern die ihnen durch Schiedsspruch zugesicherte Lohnerhöhung illusorisch ge- macht. Die Arbeiter werden sich das nicht gefallen lassen, sondern durch schärfste Massnahmen eventuell sich ihr Recht erzwingen. In der sächsischen Stuhlindustrie, wo einige tausend Arbeiter dieser Branche beschäftigt sind, haben 600 die Arbeit eingestellt. ES wird von einer allgemeinen Aussperrung sämtlicher Stuhlarbeiter Deutschlands gemunkelt. In Fürth i. Bayern befinden sich rund 1500 Holzarbeiter im Kampf, um an Stelle der 54stündigen die b2stündige wöchentliche Arbeitszeit zu erreichen. Für 750 Arbeiter sind die Forderungen bewilligt. In Köln a. Rh. reichten sämtliche Arbeiter der Waggonfabrik die Kündigung ein, weil die Firma die neunstündige Arbeitszeit, die seit zwei Jahren eingeführt war, durch die zehnstündige ersetzen will. Auch lehnt sie eine Ivprozentige Lohnerhöhung ab.— In M a n n- heim sind sämtliche Arbeiter der Hobelwerke ausgesperrt, weil die Transportarbeiter im Hafengebiet die Arbeit einstellten.— In Mainz haben die Trsckler die Forderung auf Verkürzung der Arbeitszeit von 54 auf 52 Wochenstunden nebst entsprechender Lohnerhöhung eingereicht. Mainz bildet neben Berlin und Stuttgart eine Zentrale der deutschen Möbelindustrie. Zuzug nach den Orten, wo Differenzen bestehen, ist streng fernzuhalten. Znm Streik auf der Schichau-Werst in Dauzig. Die Elbinger„Neuesten Nachrichten", daS Organ der Firma Schichau, das noch 12 Stunden vor Beginn des Streiks schrieb, von einer Lohnbewegung bei der Firma Sckichau könne keine Rede sein, mutz jetzt zugeben, dass zirka 800 Mann sich im Ausstände be- finden. Das Blatt tröstet sich aber damit, daß die Ausständigen nur ein Drittel der Belegschaft bilden und meist jüngere Leute sind. Eine genaue Feststellung der Zahl der Beschäftigten ist unS zurzeit nicht möglich; aber nach den Ausweisen der Kranken- lasse hatte diese Anfang März 1827 Mitglieder. Darunter befinden sich nun auch die Roharbeiter, Lehrlinge und Meister, so dass die eigentliche Arbeiterschaft höchstens 1600 Mann betragen kann. Die Hälfte davon ist also ausständig. Und zwar sind daS sämtliche im SchiffSrumpfbau Beschäftigten; die anderen Abteilungen auch ausständig werden zu lassen, liegt für die Streikleitung keine Ber- anlassung vor. Wie bei allen dergleichen Gelegenheiten werden auch hier Ver- suche gemacht. Streikbrecher zu finden, zunächst in den Reihen der eigenen früheren Arbeiter. Bei einer Abgabe der Werkzeuge und Empfangnahme des letzten Lohnes wurden die besten Leute auf- gefordert, zu den Fleischtöpfen der Firma Schichau zurückzukehren. Ein vergebliches Bemühen. Nachdem das misslungcn, hat die Firma allen den Leuten, die in Arbeiterwohnhäusern der Firma wohnen, zum 1. Mai die Wohnung gekündigt. Dienstag haben sich 789 Mann zur Streikkontrolle gemeldet. Die Erhöhung der Zahl der Streikenden kommt daher, dass die Probefahrt der„Regina", ein Handelsschiff der Stettiner Reede, als Slreikarbeit erklärt und verweigert worden ist, auch eine Anzahl anderer Arbeiter wurde wegen Verweigerung von Streikarbeit noch entlassen. Nunmehr sucht die Firma durch die Vermittelung der bekannten Firma Ww. Müller-Hamburg Streikbrecher. Der Stand der Bewegung ist im allgemeinen ein äusserst günstiger._ Die Aufhebung des Streiks bezw. der Aussperrung in den Fabriken Eilenburgs ist durch einen Wortbruch der Unternehmer wieder rückgängig gemacht. Zuzug von Fabrik- und Textilarbeitern ist deshalb streng fernzuhalten. Lohnbewegung der Binnenschiffer auf der Elbe« Die Bootsleute der Steine-, Kohlen- und Güterschiffahrt von Meissen und Umgebung stehen in einer Lohnbewegung; es kommen 18 Firmen mit 90 Fahrzeugen in Betracht._ Die Bewegung ist dadurch hervorgerufen, dass die Firmen die in diesem Jahre ein- getretene Lohnerhöhung auf der JSlbe nicht gezahlt haben. Die Mannschaften haben nun beschlossen, einen neuen Vertrag ernzu- reichen; sie verlangen eine Erhöhung des Lohnes von 3,60 M. auf 3,85 M. pro Tag; ausserdem eine besondere Vergütigung für Steine- karren. Die Forderungen sind den Unternehmern bereits zugestellt. Antwort verlangen die Mannschaften bis zuni 26. d. M. damit noch vor dem 1. Mai die weiteren Schritte beschlossen werden können. Beharren die Unternehmer auf ihrem Standpunkt, so ist eine Arbeits- einstellung sicher. Da die Fahrzeuge sich auf das ganze Stromgebiet der Elbe verteilen, und die Unternehmer versuchen werden, Bootsleute aus anderen Stromgebieten heranzuziehen, wird gebeten, Arbeitsangebote bei der Schiffahrt nach dem Elbegebiet nicht anzunehmen. Etwaige Mitteilungen sind an den Vorsitzenden der Binnenschiffer W. S ch ü n i n g. Berlin L. 14. Neu-Kölln am Wasser 1, zu richten. Ausdehnung der Textilarbeiter-Aussperrung zu Hof i. B. Am 18. April wurden in Hof die Arbeiter und Arbeiterinnen von weiteren vier Spinnereien, insgeiamt 2400 Personen, infolge des Kampfes für den freien Sonnabendnachmittag ausgesperrt. Es sind jetzt insgesamt ettva 5000 Personen ausgesperrt. Tlusland. Ein Streik der Holzarbeiter ist nach einem uns zugegangenen Privattelegramm in Zürich ausgebrochen. Die dortigen Holzarbeiter kämpfen für einen freien Sonnabendnachmittag. Zürich ist für Holzarbeiter strengstens gesperrt. Die Parteipresse wird um Aufnahme einer Warnung vor Zuzug ersucht. Ter Streik der türkischen Tabakarbeiter ist nach einer Meldung des Wölfischen Bureaus beendet. Zwischen der Direktion der Tabakregie und den ausständigen Arbeitern ist ein Einvernehmen erzielt worden. Huq Induftric und Ftandcl. Der Bericht über den Saatenstand in Preußen lautet wenig günstig. Der Saatenstand betrug Mitte April(wenn 2 gut. 3 mittel und 4 gering bedeutet) für W i n t e r w e i z e n 2,7(2,3), Winterspelz 3,0(2,2), Winterroggen 2,8(2,5), Raps und Rübsen 2,7(2.3), Klee 3,1(2,4), Luzerne 3,0(2,5), Rieselwiesen 2,8(2,7) und andere Wiesen 3,1(2,9). Hierzu wird offiziell be- merkt: Trotz der im Flachlande zumeist schwachen und vorübergehen- dcn Schneedecke kamen eigentliche Auswinterungen doch nur in geringem Umfange vor, da der verflossene Winter über- wiegend f r o st f r e i war. Nachdem der Frühling jedoch um die Monatswende hochgradige Wärme gebracht hatte, die deutliches Wachstum hervorrief, dürfte der zu Anfang des laufenden Monats eingetretene Witterungsumschlag mit starken Kahlfrösten den Saaten wie den Futterpflanzen und Wiesen empfind- licheren Schaden zugefügt haben als der Winter selbst. ES wird aber auch aus westlichen Provinzen berichtet, dass der Nach» Winter gut bestockten Saaten so gut wie gar nicht, eher den Futter- pflanzen geschadet habe. Dagegen sollen die M ä u s e, die geradezu verheerend austreten, ungeheuren Schaden angerichtet haben, da in dem gelinden Winter keine geeigneten Witterung?- einflüsse zu ihrer Vernichtung vorgekommen sind. Viele U m» pflügungen sind deshalb schon ausgeführt worden, die meisten und umfangreichsten stehen noch bevor. Die Ziffern für die Schäden. die zum allergröhten Teile von den Mäusen herrühren dürften, er» scheinen beispielsweise beim Klee, wo sie aus 50 und mehr, sogar 90 Hundertteile des Anbaus(!) geschätzt werden, mitunter fast unglaublich. Nach alledem kann der Stand der Wintersaaten nur selten zufrieden st ellen, noch weniger der der Futter- pflanzen und der Wiesen. Obgleich bei dem günstigen Märzwctter mit der Frühjahrsbestellung rechtzeitig begonnen wurde, ist sie infolge des Wettersturzes doch erheblich verzögert worden. Erwünscht ist Regen, da die scharfen Winde den Boden in manchen Gegenden sehr ausgetrocknet haben." Hetzte Nachrichten» Frankreich und Marokko. Paris, 20. April.(W. T. B.) In Marseille werden die Paketboote„Espagne".„Aquitaine" und..Muluya" bereit gemacht. um in Marseille. Bona. Philippeville und Algier ungefähr 270« Mann mit der Bestimmung nach Casablanca aufzunehmen. Trennung von Staat und Kirche in Portugal. Lissabon, 20. April.(W. T. 2?.)� Das Gesetz über die Trennung von Kirche und Staat wird demnächst veröffentlicht werden. Die Republik gewährleistet die Gewissensfreiheit und hebt die katholische Sleligi-n°l» Staatsreligion aus. Der öffentliche Kultus wird ge- wissen Beschränkungen unterworfen; die Lasten des Kultus werden von Kultusvereimgungen getragen. Diese Vereinigungen dürfen ich nicht in die Erziehung und den Unterricht mischen. Das Ge- etz bestimmt dann näheres über die Gebäude und Kirchengüter. Die Kathedralen und Kirchen, die als notwendig angesehen werden. werden den VerelNigungen unentgeltlich für den Kultus überlassen. Den Priestern, die zur Zeit der Erklärung der Republik im Amt- waren, werden Ruhegehalter zuerkannt. Päpstliche Erlaffe dürfen ohne Erlaubnis der Regierung nicht veröffentlicht werden. Grosses Schadenfeuer Atrenburg, 20. April.(B H.) Ein Schadenfeuer äscherte die Gesamtanlage des Tagebaues Waltersdorf«ist welcher zum Braun- kohlenwerk Mariengrube gehört. Der Schaden ist bedeutend. Hundert Arbeiter sind brotlos geworden. J3""1 Schlachtfeld der Arbeit. Siegen, 20. April.(B. H.) In der Rolandshütte in Weidenau kippte ein mit weihflüssiger Hochofenschlacke gefüllter Wagen um; der Inhalt ergötz sich auf die unterhalb dcS GleiseS beschäftigten Arbeiter. Einer von diesen war sofort tot. ein anderer ist schwer verletzt. Auch eine Folge der Zündholzsteucr. Euprn, 20. April.(B. H.) In der vergangenen Nacht haben zwei Grenzansseher vor der Stadt wieder an 10 000 von Schmugg. lern abgeworfene Schachteln Zündhölzer mit Beschlag belegt. Eine Stadt in Flammen. Lemberg, 20. April.(B. H.) DaS Städtchen Borszczew steht cit gestern in Flammen. Bis heute mittag waren über hundert Wohnhauser eingeäschert. � � Fliegers Ende. v April.(W. T. B.) Der vor einigen Tagen auf dem Flugfelde in Bethenh abgestürzte Flieger Liere ist heute seinen Verletzungen erlegen. Drahtlose Telegraphenstation auf Spitzbergen. �lftf'fti-ni«. 20. April.(W. T. B.) Nach einer Meldung der Astenposten ist im heutigen Staatsrat ein Vorschlag zur Errick- tung einer drahtlosen Telegraphenstation auf Spitzbergen einae- bracht worden. Es wird beabsichtigt, diese Station als Glied in das drahtlose Telegraphennetz aufzunehmen, das nach dem Plan des TclcgraphendirektorS längs der ganzen norwegischen Küste er, richtet werden soll. 1 Kerantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. n, Verlagsanstalt PaulSingeräCo..BerI,nLW. Hierzu 2 Beilagen U.Unterhaltungsbl.' Ar. 93. 28. Jahrgang. 1. KtilM des Jotnwte" Kttlim NckslilR Freitag, 3!. April 191!. ffsnzSiiicher Parteitag. 3. Tag. St. Quentin, 18. April.(Eig. Bsr.) Die heutige Verhandlung war mit einer Diskussion über das sozialistische Munizipalprogramm ausgefüllt. Sie wurde vom Referenten, dem Pariser Deputierten V e b e r eröffnet. Veber sieht in der direkten Regie eine Rückergreifung kapitalistischen Profits. Die Lohnerhöhung der Gemeindearbeiter wirkt auf die allgemeinen Arbeiterlöhne zurück. Der Redner fordert namentlich den Proporz für die Gemeindewahlen, die Wertznwachssteuer und die Konstituie- rung von Gemeindeverbänden. Verachten wir nicht im Namen des großen Prinzips die kleinen Profite, die wir in der Gemeindeverwaltung erringen können. Es ist gute sozialistische Arbeit, die wir dort voll- bringen können. Nicht nur in den großen, sondern auch in den kleinen Gemeinden. So z. B. wenn Seeleuten und Fischern Sckiiffe— also Arbeitsmittel— zur Verfügung gestellt werden. Wir müffen im Dienst der Arbeiterklasse einen Ansatz von Gemeineigen- tum schaffen. Wenn die Bewohner der Gemeinden die Sozialisten bei diesem Werke sehen werden, werden sie für uns leichter zugäng- lich sein. Der Redner schließt unter großem Beifall der Mehrheit mit einem Hoch auf die soziale Kommune. Der Hauptredner der Mehrheit ist Egar Milhaud, Professor der Genfer Universität. Er beginnt mit einem Vergleich der Situation der Regiearbeiter mit der der anderen Arbeiter und stellt auf Grund der Lohn- und Kapitalzinsziffern des Genfer Gaswerkes eine Berechnung an, wieviel die Produzenten in der sozialistischen Ge- sellschaft gewinnen würden. Die Heizer z. B. würden statt 7,20 Fr. täglich 2S Fr. erhalten. In seinen folgenden Ausführungen wendet sich der Redner gegen die Einwendungen der Gueödisten, die in der Praxis die Teilreformen selbst akzeptiert hätten. Ihr Theoretiker Deslinivres z. B. hat den Kapitalisten nach der Expropriation eine Verzinsung von 3 Proz. durch zwei Generationen gewähren wollen. Und ist nicht Jules G u e s d e s berühmte Rede von 1893 über die Gemeindeapotheke von Roubaix eine seiner Ruhmestaten? sGuesde ruft: Man hat aber in der kommunalen Apotheke keinen Sozialismus verkauft!) In Reggio Emilia hat die kommunale Apotheke eine Verbilligung der Arzneien um 80 Proz. herbeigeführt. Milhaud hält Guesde eine Rede vor. in der er den bürgerlichen De- putierten entgegengehalten habe, daß sich die Revolution alle Tage vollziehe und daß die Bourgeoisie sie selbst macht, ohne es zu merken.(Die Mehrheit applaudiert demonstrativ, aber auch die Guesdisteu.) Guesde erklärt, daß er nur gesagt habe, was er immer wieder sage— daß der Sozialismus ein natürlicher Sohn des Kapitalismus sei und daß er die soziale Entwickelnng nur be- schleunigen wolle. Milhaud beruft sich ferner auf Vandervelde und auf KautSky, der in der Einleitung seiner Agrarfrage zu- gebe, daß es heute neben den kapitalistischen Produktionsformen noch Reste früherer und Keime neuer, höherer Systeme gebe. Zu ihnen gehört der staatliche, kommunale und genossenschaftliche Betrieb. Kautskh ist gegen den kommunalen Agrarsozialismus wegen des Sinkens der Grundrente. Anders ist es in den Städten, wo die Grundrente wächst. In den Gemeinden, wo das allgemeine Wahlrecht herrscht, kann dieses Wachstum dem sozialen Fortschritt und der Kultur zugute kommen. Besonders ist durch die Sozialisierung des Grund und Bodens eine munizipale Wohnungs reform, die Besiegung des Wohnungswuchers und die Verringerung der fürchterlichen Sterblichkeit in den überfüllten und unsauberen Arbeiterbezirken ermöglicht. Der Redner weist auf die ungeheuere Wichtigkeit der Wohnungsfrage gerade für Frankreich hin und schildert die Erfolge der kommunalen Wohnungspolitik in Zürich und namentlich in Budapest an der Hand des statistischen Materials. Er wendet sich dann gegen das Argument Brackes, daß die Ver- Minderung der Existenzkosten die Herabdrückung der Löhne begünstige und der Verbilligung des Konsums der Bourgeoisie, die mehr konsumiere, zugule komme. Der Redner setzt das Wesen des „degressiven Tarifs" auseinander, den z. B. die Genfer Gemeinde für den ElektrizitätSbezug eingeführt hat, wobei der Preis mit der Zahl der Lampen progressiv abnimmt. Der Strommesser wird umsonst geliefert, was bei einem kleinen Haushalt Verhältnis mäßig außerordentlich viel ausniacht, ebenso wird die Installierung bis 80 Fr. nicht berechnet. So bleibt der Nutzen der Regie den Besitzlosen gesichert. Was Bracke einwendet, läuft auf das eherne Lohngesetz hmaus. Dieses aber ist längst aufgegeben, Marx selbst hat es entschieden bekämpft. Wenn die Kapitalisten die Monopole mißbrauchen wollen, so haben wir eine Waffe dagegen � die Gewerkschaften. Diese brauchen wir allerdings in der Tat, um dem Proletariat die Borteile der Rationalisierung und Munizipa lisierung zu sichern. Delory hat gemeint, wir wollten unser Erst geburtsrecht um ein Linsengericht verkaufen. Wir wollen aber die Erstgeburt und das Linsengericht. Der Redner hebt weiter die Be deutung der Arbeiterausschüsse hervor, die von den Ge- meinden in wachsender Zahl für die Regieunternehmungen ins Leben gerufen werden. Er verweist auf die EntWickelung dieser Ein- richtung in Deutschland und im Detail auf die Erfolge in Basel, wo die Mehrheit in jedem Arbeiterausschutz genügt, um die Zulassung des Gewerkschaftsvertreters zu erlangen. Dort ist auch der Kampf zegen das geplante Streikverbot für die öffentlichen Dienste siegreich durchgeführt worden. Von besonderer Wichtigkeit ist aber die Zu- lassung von Arbeitervertretern nicht nur, wo spezielle Arbeiter- interessen ins Spiel kommen, sondern zur Leitung des Betriebes e l b st. Hier ist Frankreich in der Welt vorangegangen. Im Verwaltungsrat der departementalen Trambahn der Cöte dDr find unter neun Mitgliedern zwei Vertreter der Beamten und Unterbeamten.(Zwischenruf: Kollaboration der Klaffen! Widerspruch.) C a m e l i n a t, der Direktor der Münze unter der Kommune, stellt unter Beifall fest, daß die Kommrme in allen öffentlichen Dienstzweigen Arbeitervertreter zugezogen bat.) Namentlich in den Händen der sozialistischen Partei kann die Regie eine große Bedeutung in der sozialen EntWickelung erlangen und neue Keime einer höheren Gesellschaftsform ins Leben rufen. Sie erhält einen besonderen Wert in einer Epoche, wo die kapita- listischen Monopole überhand nehmen. Karl Marx hatte noch eine Gesellschaft der freien Konkurrenz im Auge, in der der Kampf nur zwischen dem produzierenden Arbeiter und dem industriellen AuS- beuter ausgefochten wurde, eine Wirtschaft, die eine Tendenz zum Sinken der Preise hatte. Sobald das kapitalistische Monopol kommt, gehen die Preise in die Höhe. Der Arbeiter wird nun auch als Kon- sument ausgebeutet und mit ihm der in der freien Konkurrenz stehende Kapitalist. Auch die Demokraten und Radikalen greifen unter diesen Umständen zur kommunalen Regie, um die Kollektivität der Konsumenten zu schützen. Sagen Sie meinet- wegen, daß in der Regie noch kapitalistischer Parasitismus steckt, aber sagen Sie nicht, daß sie mit dem kapitalistischen Monopol auf einer Stufe stehe I Die Kartelle nehmen überall zu, auch in Frank- reich, wo sie aus Furcht vor dem Strafgesetz unter der Oberfläche bleiben. Das Leben wird immer teurer. Und die Massen fragen uns: Könnt Ihr nichts gegen unsere doppelte Ausbeutung tun? Die Regie kann verbilligen, den Konsum der Massen steigern, ihnen selbst Luxus, wie das elektrische Licht in Genf, zugänglich machen. Wenn wir den Massen gegenüber den kapitalistischen Monopolisten die Regie mit ihrem Arbeiterparlament, der Teilnahme der Arbeiter an der Leitung und mit ihrer Verbilligung des Lebens für die Gemeinschaft zeigen, werden sie besser verstehen, daß der Sozialis- muS die endgültige Lösung bringt.(Stürmischer Beifall, der den Charakter einer Ovation der ParteitagSmehrheit für den Redner annimmt.) Nachmittagssitzung. DaS Wort ergreift Compbre-Morel. Was man Kommunal- sozialismus nennt, ist gemeiniglich eine gute Gemeinde- Verwaltung, aber durchaus kein Sozialismus. Wenn wir aus der kommunalen Regie ein Prinzip machen, das wir überall anwenden wollen, z. B. auch auf das Theater, können wir üble Erfahrungen machen. Hätte die Regie einen sozialistischen Charakter, müßten wir sie in der Tat überall zur Geltung bringen. Aber sie hat ihn eben nicht. ES gibt weder eilten MunizipalsozialismuS, noch einen Agrarsozialismus, sondern nur einenSozialismus schlechtweg. Die Munizipalisierung kann eventuell kommerziellen Profit, aber nicht den aus der Produktion stammenden Profit be- seitigen. Durch Schulkantinen, Wöchnerinnenunterstützung usw. nützen wir den Arbeitern sicher, aber das ist kollektive Philanthropie und kein Sozialismus. Die Vorbereitung des Sozialismus voll zieht sich auch ohne Regie— in der kapitalistischen Konzentration. Immer wenn wir gegen gewisse Abirrungen auftreten, stellt man uns als Anhänger des„Alles oder nichts" hin, als Gegner der Reformen. Aber in drei Vierteln aller Fälle wgren wir es, die diese Reformen begonnen haben. Versuchen Sie nur in den kleinen Gemeinden, wo Sie die Macht haben, die direkte Regie, Sie werden die Folgen bei den Wahlen sehen. Unsere Genossen in den GemeindeverwalMngen haben noch keine Erfahrung in den Budgetftagen und Sie wollen ihnen diese neue Sorge aufladen. Als Propagandamittel ist die Rchie akzeptabel, machen Sie aber keine Verpflichtung aus ihr— sie ist für uns unannehmbar. Wir find bereit, einen großen Teil des hier Gehörten zu unterschreiben und wollen die direkte Regie überall einführen, wo sie möglich ist. Alle Reformen find gut: die Hauptsache aber bleibt der Sozialismus, der etwas anderes ist, als die„neue Doktrin", als welche man hier Milhauds Darlegungen begrüßt hat. �Lebhafter Beifall.) Poisson: Wir wollen ja kein für alle Gemeinden obligatorisches Programm, sonder« einen Katalog, aus dem die Genossen ihrem Budget entsprechend schöpfen können. In den Gemeinden erziehen wir Verwalter, die wir nach der Eroberung der politischen Gewalt brauchen werden. Auf das Wort Munizipalsozialismus kommt es uns nicht an. Die englische Arbeiterpartei, die in ihrem Programm den Klassenkampf ausschließt, ist gleichwohl in die Internationale aufgenommen worden, weil ihr Handeln Klassenkampf ist. Wahl- kleines feuiUeton WaS der KricgSruhm kostet. Ueber die gewaltigen Opfer die eine Nation dafür aufbringen mutz, um ihren Namen mit kriegerischem Ruhm zu verknüpfen, stellt der Friedensfreund d'EstournelleS de Constant im„Jndependent" Betrachtungen an. Er führt darin aus, daß die Regierungen im allgemeinen höchst schlecht über die wahren Konsequenzen der von ihnen geführten Kriege unterrichtet find.„So weiß man noch heute nur sehr unvollkommen. welchen Verlust an Menschenleben Frankreich die Revolution und das erste Kaiserreich gekostet hat. Die Angaben schwanken zwischen zwei und sünf Millionen, aber es ist völlig unmöglich, auf irgend eine Weise auch nut annähernd genaue §ablen zu gewinnen. Die Armeen Napoleons durchzogen daS ganze urova und lictzen auf ollen Schlachtfeldern furchtbare Massen von Toten zurück. Allein der spanische Krieg forderte 473 000 Opfer. Die Verluste des russischen Krieges, bei dem die„große Arince" täglich dezimiert murde. beziffern sich allein auf russischem Boden au 380 000 Menschen. Dazu kommen aber die zahllosen Un- alücklichen. die am Wegrand starben. Ueber die Feld züae auf französischem Boden, über Waterloo weiß man o?»„. Im Jahre 1813 hob das kaiserliche nichts Positives. i/uu uuo Frankreich allein für diese Armee 1300000 Mann aus. Die Rekruten waren meist junge Leute und von so schwacher körperlicher Kon« stilution, daß die Hälfte dieser Soldaten 1814 unter''—— machte von diesen Hekatomben wenig Aushebens. n- �... n__ J- 1_ n/�ntlinmrtPn lrntr0Ht«A unterging J" Napoleon Dresden, bei' der berühmten achtstündigen Entrevue mit Metternich wagte der österreichische Staatsmann die Frage:„Was werden Sie tun, wenn diese Jünglinge geopfert sind?" Und Napoleon antwortete:„Ich gebe keinen Deut für das Leben einer Million Menschen" Und zu Narbonne äußerte er:„Der russische fteldzug hat mir 300000 Mann geraubt, und unter den Toten be- fanden sich zudem noch viele Deutsche." Der Geist der Eroberung ist lange Zeit hindurch die einzige Triebfeder für militärische Ex- peditionen gewesen, und man hat die unnützen und unvermeidlichen Grausamkeilen, die' sie notwendig begleiten, ignoriert, hat die Massen nicht aufgeklärt unter dem Borwand, das Prestige der Regierungen nicht zu verringern. Krankenlektüre. ES gibt kaum eine Zeit, schreibt der„Kunst- wart", die den Menschen so empfänglich für gute Lektüre findet, wie d,e Wochen der Genesung nach einer schweren Krankheit. Auch wäh- rend der leichten KrankhcitSzustände. die bei dem heutigen Versiche- rungswesen selbst die Minderbemittelten in Scharen in die Krankenhäuser führen, find die Leute geneigt, ihr Jntereffe von den Alltagssorgen des Berufslebens höheren Dingen zuzuwenden. Sind nun unsere Kranken- Häuser gerüstet, diese» Verlangen nach geistiger.Therapie" zu befriedigen? Politik ist auch kein Sozialismus!.(Beifall, an dem.auch die Guesdisten demonstrativ teilnehmen.) Constans(Bürgermeister von Montluyon) verweist auf die inanziellen Schwierigkeiten in den Gemeinden, die ihre Einnahmen zu zwei Dritteln aus dem Oktroi beziehen. Er zählt die unter ihm durchgeführten Reformen auf, die er aber nicht als Sozialismus ansieht. Vaillant: Ich gehöre keiner Tendenz an— ich kenn« keine Tendenz, seitdem die Einigkeit besteht.(Der ganze Kongreß applaudiert.) Vermeiden wir Konflikte Worte und Formeln halber. DaS ist eine französische Krankheit. Bei den deutschen Sozialisten wird man nicht wegen eines Wortes jemand beschuldigen, daß er einen eigenen Weg abseits gehen wolle. Auch bei den Revisionisten ist keiner, der einen speziellen Sozialismus machen will. Was wir filchen müssen, ist, wie wir in den Gemeinden und im Staat unsere Forderungen zur Geltung bringen können. Anderswo streitet man nicht um Worte. In Deutschland erscheint die„Kom- munale Praxis" mit dem Untertitel:„Organ für Kom- mnnalsozialismus". Dieses Blatt will aber nicht den Sozialismus in der Gemeinde kantonieren. Als vor zwei Jahren auf dem Preutzentag daS Munizipalprogramm verhandelt wurde, schrieb der„Vorwärts" von der direkten Regie, daß es Forderungen gebe, die schon in der heutigen Gesellschaft verwirklicht werden können. In Bremen wurde aus dem Parteitag kein Programm— man hat in Deutschland nicht den Programm- fetischismuS wie in Frankreich— sondern nur eine Resolution in demselben Geiste beschlossen: Wir müssen den Besitzlosen in den Gemeinden, die wir verwalten, nicht nur eine intellektuelle und moralische, sondern auch eine materielle Satisfaktion geben.(Großer Beifall.) In England haben die fortgeschrittenen Lokalverwyltungen Einrichtungen im Interesse der Arbeiterklasse geschaffen. Die Munizipalisierung der öffentlichen Dienste hat eine Bedeutung auch für die Evolution des Kapitalismus. Seit Jahren ist die Aera der sinkenden Preise infolge der Schutzzölle und Trusts durch eine Aera bft steigenden Preise, der Lebensmittelteuerung abgelöst worden. Zu dieser sozusagen organisierten Verteuerung kommt noch die Spekulation. Die Munizipalisierung kann ein Mittel der EntWickelung der Produktivkräfte werden, die durch die Trusts aufgehalten worden ist. Ungünstige Wirkungen auf die Löhne sind nur möglich, wenn die Organisation der Arbeiter schlecht ist. Wir wollen auch die Kommune der DutvIIs(Vormundschaft) des Staates entziehen. Lassen wir die Formeln! Und suchen wir die Mittel, daS Prole- tariat kampffähig zu machen.(Stürmischer Beifall des ganzen Parteitages.) Guesde: Es war mir eine Freude Vaillant zu hören. Er hat daS Problem vereinfacht. Wir können zwischen dem munizipalen und dem anderen Kamps keinen Unterschied machen. Wir dürfen das Proletariat nicht glauben machen, daß die Eroberung des Stadt- Hauses den Kampf gegen den Staat ersetzen könne. Wenn wir die Lebensmittel verbilligen, haben wir nur die Lage der organisierten. wahrhaften Arbeiter verbessert. Unsere Arbeit in den Stadt- Häusern zielt darauf hin, unsere Wehrhaftigkeit im Kampf gegen die bürgerliche Gesellschaft, um die politische Macht zu stärken. In der neuen Aera des Kapitalismus wird nicht nur der Produzent, sondern durch die Kartelle auch der Konsument angegriffen. Aber wir dürfen uns bei seiner Verteidigung nicht aufhalten, sondern müssen den Kampf um die Befreiung der Produzenten zu Ende kämpfen— einig, wie wir es bei aller Verschiedenheit unserer theoretischen Anschauungen sind.(Beifall auf allen Seiten.) Vaillant legt folgende Resolution vor: „Die Erforschung der Organisation der munizipalen Arbeiten und Dienste, die zugleich der Gemeinde, den von ihr beschäftigten Arbeitern und der Arbeiterklasse den größten Nutzen bringt, ist eine» der ersten Elemente der Aktion der Sozialisten und ihrer Vertreter in der Gemeinde. Unter den gegenwärtigen Umständen und immer, wenn eS möglich ist, kann diese Organisation durch die Munizipalisierung der Gemeindearbeiten und-dienste unter der Anteilnahme der ge« werkschaftlich und politisch organisierten Arbeiterklasse an der Leitung am besten verwirklicht werden. Die dort beschäftigten Arbeiter sollen neben ihrem Anteil an der Leitung die möglichst besten Bedingungen der Arbeit, der Ruhe- zeit, der Hygiene und der Sicherheit, sowie das volle KoalittonS- recht haben. Die dermaßen an die Stelle der Privatmonopole der kapita« listischen Kartelle und Trusts gesetzte Organisation soll die Kon- trolle der proletarischen Konsumenten und Nutznießer«suchen und organisieren. Die munizipalen Dienste können und sollen unter diesen Be« dingungen zunächst zum Nutzen der arbeitenden und armen Bevölkerung etabliert werden, für die sie. soweit sie entgeltlich sind, höchstens zum GestehungSpreis zur Verfügung sein sollen. Und sofern sie durch die Inanspruchnahme seitens der anderen Klassen der Bevölke- rung Gewinne bringen, sollen diese Gewinne zur Ausdehnung Die Antwort muß betrüben. Die Bücherei, die den Patienten zur Verfügung steht, ist in den meisten Fällen durchaus minderwertig. Von einer bewußten Auswahl bester, oder doch guter Bücher ist keine Rede. Meist findet man eine sehr geringe Anzahl von mittelmäßigen Romanen, die von irgendeinem Gönner, der seinen Bücherschrank vom Schund säuberte, gestiftet wurden. Daneben eine Reihe von alten Journalen, Witzblättern, illustrierten Wochen- und Monatsschriften, die die Aerzte nicht zuhause herumliegen lassen wollen. Nicht minder trostlos sieht es in den Wartezimmern der Aerzte(und Rechtsanwälte) aus. Auch hier werden dem Patienten, der bei dem langen, oft unruhevollen Warten geradezu zum Lesen gezwungen ist, alte Bäderprospckte, illustrierte.Prachtwerke", zerschliffene AlbumS und abgegriffene Bände irgendeiner.Unterhaltungsbibliothek" oder gar RcklamealbumS zu- gemutet. Und doch ist eine kleine gediegene Bücherei, etwa aus den billigen Sammlungen zusammengestellt, um wenig Geld zu beschaffen. Die „Regiekosten" könnte jedenfalls das Einkommen des Herrn Doktors noch tragen. Falls er nicht den Einfluß des seelischen gustandes seiner Patienten auf ihren körperlichen sehr unterschätzt, wird er sogar diese Ausgabe nicht als„unnütz" im engsten Berufsintereffe ansehen dürfen. Die Auswahl wird nicht allzugroße Schwierigkeiten bereiten: Ein gesunder Humor wird den Borzug verdienen, doch nicht allein herrschen dürfen. Humor und Satire« Von einer Hofbühne. Theaterzettel mit Ansprachen. Maja-Poia Jndianer-Oper aus Wild-West aus dem Nachlaß von MacKinleh. Ich mache da? Publikum besonders darauf aufmerksam, daß wir mit der Aufführung dieser Oper eine nationale Tat vollbringen, in- sosern sich der amerikanische Gesandte für dieses Werk weit stärker interessiert, als für alle Werke von Schillings, Pfitzner und Sieg- sried Wagner zusammengenommen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Einstudierung von Maja-Poia zur Verbesserung unseres Handelsvertrages mir Amerika mächtig beitragen wird. DaS Publikum hat durch wiederholten Beifall bei offener Szene dahin zu wirken, daß diese Premiere der schönste Augenblick unseres Lebens werde. Der Intendant. Nabopolassar. Assyrisches Ballett mit Ausstattung für 150 000 M., die der Landtag zu bewilligen hat. Anfang 6 Uhr.— Ende: nicht zu erleben. Hochgeehrtes Publikum 1 Dieses Ballett wird an Stelle des .Rosenkavaliers' gegeben, vor dem es den Mangel eines Bettes aus der Bühne und einer Feldmarschallin im Negligs voraus hat. ES erfüllt die höchsten Anforderungen der Kunst dadurch. daß nach dem sachverständigen Gutachten der Kreisshnode nichts Anstößiges darin vorkommt. Sollte sich irgend ein Parkett» besucher während � der Aufführung langweilen und dieser Stimmung durch Gähnen oder durch Aufhetzung eines Abgeordnete» Ausdruck geben, so werde ich nicht verfehlen, sofort meine Entlassung einzureichen, auf die Gefahr hin, daß dieses mein Anliegen von meinem allergnädigsten Herrn entschieden abgelehnt wird, was ein laute» Bravo meiner sämtlichen Untergebenen zur Folge haben würde. In dieses Bravo hat die Kritik noch lauter einzustimmen. Der Intendant. _(.Lustige Blätter".) Notizen. — Gegen Bonns Verrossung der Literatur ist eine Versammlung einberufen worden,„um gegen die unerhörte Zirkusmache im Namen der Kunst zu protestieren". Herr Botin wird, wie wir ihn kennen, dieS als eine erwünschte Reklame für sich betrachten. Vielleicht wird er sogar hoch zu Roß dabei erscheinen und eine Attacke zu seinem und des bekannten Bonnschen deutschen Volkes Ruhme reuen. — Die Goethebünde beschäftigten sich auf ihrem Xl. in Bremen» abgehaltenen Delegiertentage init der Schundliteratur. Sie wollen sich an dem Kampfe beteiligen, glauben aber, daß es mit polizeilichen Maßnahmen nicht getan ist.(Es wurde mlch auf den in der Traktätchen- und Soldatenliteratur angehäuften religiös- patriotischen Schund hingewiesen.) Man will deshalb versuchen, eine von guten Schriftstellern verfaßte Goethebücherei zu schaffen und auf dem Wege der Kolportage verbreiten. — Bülow und Bethmann Hollweg. In einem Artikel über den französischen Politiker Ribot schreibt der große Stilkünstler Horden in der Osternummer der„Neuen freien Pressa" von dem Franzosen: Er ist kein für die Galerie unter erkünsteltem Lächeln schwitzender Heiterlmg, kein Feierl, chkeitSkrämer. dessen Leichenbitter« miene die Grazien abschreckt." Müxchen kennt seine Pappenheimers » �"sundsen im Südpolareis. Amundscns Schiff Ä' tKZ Bu-"°s-A.res eingetroffen und hat die Kunde ge- f r antarktische Festland erreichte und be- abstchtigte. mit 8 Begleitern und 115 Hunden nach dem Pole hin Sudpol jetzt der Winter beginnt, unternimmt Wlntertour. während nur im Polarsommer Vor- n m? toutb«n- Die„Fram" wird im Oktober ins Evvmeer zurückkehren, um die Expedäivn wieder aufzunehmen, in mimiaHiöTcit Diensie im Interesse der Arbeiter und bor allem für die Errichtung und Entwickelung unentgeltlicher Dienste au dem Gebiete der Erziehung, des Unterrichts, der Hygiene, der Ver- sicherung, der Wohlfahrtspflege und der Lebensmittelversorgung ver- wendet werden." Resolutionen. Es folgt der Bericht der Resolutionskonnnission. Die in der Kommission abgeänderte Resolution Pressenss über den Proporz wird mit allen gegen eine Stimme angenommen. Sie lautet:„In der Erwägung, datz das„Apparente- inent" einen Teil der ärgsten Fehler, die man der Majoritätswahl vorwirst, forrsetzt, fordert der Kongreß die Fraktion auf, für den Triumph des exaktesten Systems des Proportionalsystems alles in Bewegung zu setzen." Die Resolution RoldeS über Freimaurerei, Antiklerikalismus und Antisemitismus wird dem nächsten Parteitag zugewiesen mit der Hervorhebung des selbstverständlichen Prinzips der Weltlichkeit. Angenominen wird eine Resolution Bracke, die in Anerkennung deS bisherigen Borgehens der Fraktion für die Zukunft eine Fort- dauer der Einigkeit erhofft. In der folgenden Diskussion über die Taktik bei den Munizipalwahlen fordert D e l o r y zur Vermeidung gefähr- licher Konfusion vollständige Listen für den ersten Wahlgang, für den zweiten die Ueberlassung der Entscheidung an die Föderationen wie bisher. Kongreß der belgifchen Sozialdemofirafle Brüssel, 18. April.(Eigenbericht.) Der Punkt über die Statutenänderung des General» rat es der Partei bringt einen kurzen Meinungsaustausch über die Zusammensetzung der Parteileitung. Hins vertritt da die Ansicht, daß die Leitung des Generalrates unabhängig von der parlamentarischen Gruppe sein solle und künftig keine Deputierten mehr dem Borstand angehören— welcher Auffassung Vandervelde entgegentritt. Der Generalrat sei Haupt- sächlich ein Kontrollorgan der Partei, wenngleich er zu Zeiten ver- antwortungsvolle Entscheidungen zu treffen habe. Daraus resultiert, daß der Leitung Männer angehören müssen, die den Partei- Organismus gründlich kennen. Die Frage wird schließlich einer Kommission überwiesen. Der Pressebericht wird ohne Debatte angenommen. Beim Punkt: Bericht über den Verband der Genossen- schaften wird eine Resolution vorgelegt, die eine Regelung und Verbesserung der Beziehungen zwischen Gewerk- schaften und Genossenschaften anregt. Es existiere eine große Anzahl Genossenschafter, die nicht den Ge- werk schaften angehören und umgekehrt. Die Resolution schlägt vor, eine aus Gewerkschaftern und Genossenschaftern zu bildende Kommission zu ernennen, die die Situation prüft und dem nächsten Kongreß Bericht erstattet.(Angenommen.) Leblanc übt Kritik an der Genossenschaftsbewegung über- Haupt: die Genossenschaften erfüllten nicht ganz ihre Pflicht gegen- über der Partei. Bandervelde macht dem Kongreß Mitteilung über die im Vorjahre erfolgte Gründung der.Centrale d'Education"— eine vom Generalrat im Einvernehmen mit der Gewerkschafts- kommission und dem Genossenschastsverbande geschaffene Institution für die Zentralisierung des Arbeiterbildungs- Wesens. Das Kapital von 85 OOO Fr., über das der BildungS- ausschuß verfügt, stammt aus zwei privaten Spenden. Sekretär der Bildungszentrale ist Genosse De Man— für die Kunstsektion wirkt Genossin Vandervelde. Es ist ein Budget von 20000 Fr. pro Jahr vorgesehen, wovon 10000 Fr. die Zenttale selbst aufbringt; die restlichen 10000 Fr. sollen von der Partei bei- gestellt werden. Die Debatte über die Taktik im Kampf gegen die Schulvorlage. Zum Punkt WahlrechtSkampf und die Kampagne gegen die Schulvorlage liegt die Resolution Vandervelde vor. Sie gibt eine Kritik der Schulvorlage und eine Zusammenfassung aller Konsequenzen und Gefahren, die ihre Gesetzwerdung mit sich führte. Die Resolution rust die sozialistischen Mandatare zum energischsten Kampf auf. Die Resolution fordert ferner, daß(auf Grund der neuen Volkszählungs- ergebnisse) die Zahl der Deputierten vermehrt und Wahlen für das ganze Land ausgeschrieben werden. Der Ausgangspunkt dieser Kampagne, erklärt die Resolution, muß die Eroberung des gleichen Wahlrechts sein. Für diese Forderung und gegen den klerikalen Anschlag werden die Arbeiter ganz Belgiens am 15. August demonstrieren! Vandervelde als Berichterstatter geht in seinen Aus- sührungen vor allem auf eine Untersuchung der taktischen Rot- wendigkeiten im Kampf gegen daL klerikale Parteiwerk aus und kommt zum Schluß, daß nur das einige und gemein- same Vorgehen der Oppositionsparteien— von Sozialisten und Liberalen— den Sieg verheißt. Wenn die Arbeiterschaft alle Kraft und Fähigkeit dransetzen würde, könnten die Neuwahlen von 1012 der Negier ung den To des- stoß versetzen und das gleiche Recht für die Arbeiter wäre in Sicht I Wenn die Opposition im Jahre 1012 den Sieg davon trägt, werden die Sozialisten von den Liberalen die Einführung des all- gemeinen Wahlrechts für die Gemeinde- und Provinzvertretungen verlangen. Was die Erlangung des glichen Wahlrechts für die Kammer betrifft, so ist der Sieg weniger leicht zu holen, denn es bedarf für die Durchsetzung in der Kammer der Zweidrittel- Majorität. Um die zu erreichen, machen wir uns. sagte Vandervelde, keine Illusion, werden wir einen Teil der Klerikalen zu uns herüber- ziehen müssen.— Aber wenn eine mächtige Bewegung außer- halb deS Parlaments, die das ganze Land mitreißt, um sich greifen wird, wird auch das Parlament nicht wider- stehen.— DaS Feuer ftir den Kampf ums Wahlrecht wird freilich auch nach Vanderveldes Meinung die Arbeiterschaft allein aufzubringen haben. Vandervelde erinnert an die Versamm- lung. wo er neben dem liberalen Führer H y m a n s über die Schul- Vorlage gesprochen und das Kampfbündnis quasi seine Weihe empsing. Dort hatte H y m a n S, obwohl feine Worte Töne von revolutionärer Resonanz hatten, kein Wort für das Gr ll ndrecht der Arbeiter gefundenl.Das Wort ist nicht gekommen und eS wird nicht kommen", sagte Vandervelde..Die libe- role Bourgeoisie hat sich nur gezwungenermaßen mit dem allgemeinen Wahlrecht abgefunden und ihre Vertreter werden ohne Begeisterung dafür stimmen. Die Echollaertsche Vorlage wird durch die Macht der gesamten Opposition niedergerungen werden: aber für den Kampf um 8 Wahlrecht werden die Arveiter nur auf ihre eigene Kraft zählen können I" Nach Vandervelde fpricht der Vertreter der Handelsangestellten. Jacquemotte. der den„Block" Utopist isch findet, in einem Augenblick, wo die Arbeiterschaft gegen die Schulvorlage und für das Wahlrecht auszieht. Die Arbeiterschaft hätte auch aus eigenen Kräften den Widerstand gegen die Vorlage organisiert I Der Kampf fürs Wahlrecht, dessen Erringung die Vorbedingung für alle Reforme» sei, müsse ins vorderste Tressen gestellt werden. Und hier haben die Arbeiter nur auf sich zu zählen. Jacquemotte wendet sich dagegen, daß man zu viel nach den Liberalen blinzle. Er legt eine Tagesordnung vor, die die Vorbereitung für den General» streik empfiehlt. S o u p l i t unterstützt Vanderveldes Auffassungen. De Brouckere fpricht sich vorerst gegen die Tagesordnung Jacquemotte aus. Wir verfolgen eine realistische Politik. Der Generalstreik ist am Platze, wenn die Organisationen im ganzen Lande bereit sind, ihn durchzuführen. Aus der Tagesordnung Vandervelde will De Brouckere den Passus.in Uebereinstimmung mit allen OpportunitätSparteien" gestrichen sehen. Auch viinscht er, daß es einfach heiße:.die Arbeiterschaft wird ans- gefordert, eine energische Kampagne gegen die Schulborlage zu führen(nicht wie es im ursprünglichen Text heißt: sich der bevor- stehenden Bewegung anzuschließen). Die Arbeiterschaft solle ihre Kampagne für sich führen.— De Brouckere wendet sich gegen das Wort Vanderveldes: die Arbeiter mögen nicht der liberalen Bourgeoisie die Ehre lassen, allein für die Schule zu kämpfen. Daß die Arbeiter bereit sind, haben sie bereits gezeigt. Die Frage ist nur, ob auch die Liberalen.marschieren" werden.— Wir würden uns selbst verleugnen, wenn wir aussprächen, daß wir uns einer Bewegung anschließen, die wir selbst gemacht haben. Denn die Arbeiter sind auf den Ruf des Generalrats bereits losmarschiert.— De Brouckere kommt auf die K a r t e l l t a k t i k zu sprechen, die die Aktionskraft der Arbeiter ebenso gelähmt habe wie die der Liberalen. Die erwachenden Arbeiter finden auf ihrem Wege nicht nur die klerikale, sondern ebenso die liberale Bourgeoisie. Ein gemeinsamer Kamps mit den Liberalen wird der Arbeiterklasse nicht die nötige Begeiste- rung geben! Vandervelde hat in der liberalen Versammlung zu den Liberalen gesagt: Bergessen wir. waS uns trennt! Aber was uns trennt, ist unser ganzes Programm, ist vor allem das Wahlrecht, das wir er- kämpfen wollen! Wenn wir aber daS Wahlrecht nicht vergessen und an den Kampf gegen das Schulprojekt die Wahlrechtsforderung ketten, können wir dann mit den Liberalen gemeinsam vorgehen? Vandervelde selbst mußte zugeben, daß der liberale Führer über das Wahlrecht geschwiegen hat! Wir aber müssen reden, um die Massen zu uns zu ziehen I Die Partei würde ihren Klassencharatter und.das, was uns von allen Parteien trennt", ver« hüllen, wenn sie hinter den Liberalen marschiert. ES könnte für die Partei von ungeheurem Schaden werden, wenn(sie in der gegenwärtigen Volksbewegung, die nicht nur gegen das Schulgesetz, sondern ebenso und mehr noch für die Arbeiterforderungen eingesetzt hat, das zurückstellen würde, was ihre Existenzberechtigung ausmacht. In seiner Erwiderung erklärt sich V a n d er v e l d e mit der zweiten von De Broucksre vorgeschlagenen Abänderung einverstanden. aber nicht mit der Streichung des Passus: in Uebereinstimmung mit allen Oppositionsparteien. Der Geueralrat habe sich dahin erklärt, daß die sozialistischen Redner an den gemeinsamen(liberal-sozia- listischen) Meetings teilnehmen, die Kampagne der Arbeiterschaft aber selbständig geführt wird.— Bezüglich der Bündnispolitik bei Wahlen erklärt Vandervelde, gegen die Kartellpolitik in großen Wahlkreisen zu sein und sie nur für Ausnahmefälle gelten zu lassen. Er könne den ersten Abänderungsvorschlag nicht akzeptieren, weil er der festen Ueberzeugung sei. daß das Schulgesetz nur durch eine Auftüttelung der gesamten öffentlichen Meinung verhindert werden könne. Es sprechen weiter die Deputierten Roher für den .Oppositionsblock" und MeySnians— mit Berufung auf die letzten Kongreßentschließungen der Partei bezüglich ihrer Taktik— gegen ihn. Deputierter Hubin hält MehsmanS entgegen, daß sich leit dem Kongreß die Siluatton durch die Vorlage des Schulprojekts völlig geändert habe, wodurch sich die von Vandervelde in seiner Tagesordnung verteidigte Taktik rechtfertige. Camille Huysmans sagt, er sei in diesem Punkte nicht .verdächtig", er müsse aber erklären, daß die Liberalen in der Schulsrage Vorwürfe nicht verdienen. Um nicku den Verdacht einer Art.Blockpolitik" aufkommen zu lassen, schlägt HuySmanS eine stilistische Abänderung des von De Brouckere beanstandeten Satzes vor(„insbesonderS in Uebereinstimmung mit den anderen Parteien der Opposition und allen, die guten Willens sind"). Er unter- stützt auch De Brouckeres Anregung, die gegenwärtige Bewegung auszunützen, um für daS ganze Schulprogramm der Partei einzu- treten. ES sprechen noch Abg. P ö p i n für und SanderS gegen die Kampfgemeinschaft mit den Liberalen. De Brouckere erNärt sich mit dem Amendement HuySmanS befriedigt, vorausgesetzt, daß die Zeit deS Kampfes gegen die Schulvorlage ftir die Arbeiterpartei keinen Waffen still st and und keinen.Block" bedeutet und die A u t o n o m i e der Parteitätigkeit unangetastet bleibt. Vandervelde stellt noch fest, daß es sich nicht allein, „wie De Brouckere zu glauben scheine", um ein Zusammen- wirken der parlamentarischen Gruppen handle. Die Partei selbst, sagt Vandervelde, muß zusammen mit allen Männern, die guten Willens sind, gemein» sarn marschieren, um das Schulprojekt zunichte zu machen. Aber eS sei niemals die Rede davon gewefen, daS Programm in die Tasche zu stecken. Wir sindSozialisten und werden es bleiben! De Broucköre: Darum handelt es sich nicht! Ja oder nein? Werden wir in unserer gegenwärtigen Propaganda hervorheben, WaS uns von den Liberalen trenn;? Vandervelde: Ja, wir werden das tun. Aber wir werden auch betonen, was uns im Kampf gegen das Schulgesetz näher bringt.— Vandervelde bemerkt, daß es für ihn die größte Befriedigung wäre. De BroucköreS Zustimmung zur Resolution zu finden. De Broucköre stellt die Frage, ob neben den Meetings, die mit den Liberalen veranstaltet würden, die Partei ihre eigene, elbständige Bewegung führen würde. Vandervelde bejaht und De Broucksre erklärt unter diesen Bedingungen für die Tagesordnung Vandervelde mit dem Zusatz HuySmanS zu stimmen. Damit ist die bewegte Debatte erschöpft. Die Tagesordnung Vandervelde mit dem Zusatz HuySmanS und.kommentiert im Sinne De Brouckeres", wie der Vorsitzende sagt, wird mit allen Stimmengegen zwei Abstinenzen unter Beifall an- genommen._ ilm 4. Candlagsivalssltrelie widmen sich unsere Genossen jetzt mit immer größerem Eifer der Arbeit für die bevorstehende Nachwahl, über deren Ergebnis bekannt- lich durch die Urwahlen am nächsten Montag, den 24. April, ent- schieden wird. Auf Mittwoch abend hatten unsere Genossen vier öffentliche Wählerversammlungen veranstaltet, die der Agitation für die Wahl und der Aufstellung der Wahlmänner dienten. Sie fanden im Meßpalast, in Habels Brauereiausschank, bei Rabe in der Fichte- straße und in SchnegelbergS Festsälen statt und waren alle ziemlich zahlreich besucht, wenngleich nicht in dem Maße, wie eS wünschenS- wert gewesen wäre. Ueberall gedachte man vor Eintritt in die Tagesordnung deS verstorbenen Landtagsabgeordneten Borgmann, ehrte sein An- denken, seine rastlose Tätigkeit für die Partei und gelobte sich, in seinem Sinne weiter zu kämpfen und dafür zu sorgen, daß statt seiner zwei neue Sozialdemokraten in das Abgeordnetenhaus ein- ziehen. Als Referenten sprachen die Landtagsabgeordneten Adolf offmann, Liebknecht. Hirsch und Ströbel. In treffenden Worten legten sie dar, um was es sich bei der Wahl handelt. Sie beleuchteten scharf und gründlich das ganze Gebiet der preußischen Reattion, die schmachvolle Ungerechtigkeit, die ihre Grundlage in dem schändlichen Dreiklassenwahlrecht hat, und zeigten auch, welche Handlangerdienste der„Freisinn" den reaktionären Machthabern geleistet hat und wie er nun selbst mit seinem Vertteter im 4. LandtagSwahllreise in dieselbe Grube gefallen ist. die er vor zwei Jahren den sozialdemokratischen Abgeordneten Berlins gegraben' hat. In allen vier Versammlungen hielt auch der Landtagskandidat Ge- nosse Max Grunwald eine zündende Ansprache. Die Aufforde- rung zu eifrigster Tätigkeit für den Sieg der sozialdemokratischen Wahlmänner fand begeisterte Zustimmung, die ohne Zweifel auch mit aller Kraft in die Tat umgesetzt wird. Die Aufstellung der Wahlmännerkandidaten, die ja schon in den Bezirken vorbereitet worden war, vollzog sich ohne jede Schwierigkeit. 8o2iales. Kein tatsächliches Arbeitsverhältnis sonder« fatttillenhafteS Gemeinschaftsleben! Die 67 jährige Näherin Emma H. in Berlin erhob am 20. Dezember 1009 Anspruch auf Invalidenrente. Nach einem Gut- achten des Dr. v. E. vom 13. Mai 1910 war die Klägerin wegen Altersschwäche seit November 1909 dauernd völlig erwerbsunfähig. Die Versicherungsanstalt bestritt indessen das Vorliegen einer Ver- sicherungspflicht. Die untere Verwaltungsbehörde hat unter Bejahung der Versicherungspflicht den Antrag der Rentenbewerberin für begründet erachtet. Die LandeSverficherungS- an st alt Berlin wies den Antrag durch Bescheid zurück. Denn „die Wartezeit sei nicht erfüllt und die Tätigkeit der Renten- bcwerberin als Näherin bei ibrer Tochter sei nicht versilherungs- pflichtig gewesen, weil eS sich dabei nicht um ein tatsächliches Arbeitsverhältnis, sondern um ein familienhafteS Ge- meinschaftsleben gehandelt habe". Gegen diesen Bescheid hatte die Witwe H. beim Schiedsgericht für Arberversicherung Stadtkreis Berlin Berufung eingelegt und schiedsgerichtliche Entscheidung beantragt. Sie begründete ihre Be- rufung damit, daß sie tatsächlich bei ihrer Tochter mit anderen Arbeiterinnen genäht hat und hierfür einen Wochenlohn von 6 M. erhalten habe. Das Schiedsgericht erhob weiteren Beweis. Die beiden Mit- arbeiterinnen erklärten übereinstimmend, daß Frau H. tatsächlich den ganzen Tag hindurch gearbeitet und auch den für Kravattenarbeite- rinnen üblichen Lohn erhalten habe. Nach ihrer Leistung müsse Frau H. als vollwertige Arbeiterin bezeichnet werden. Das Schiedsgericht hat daraufhin die Landesversicherungsanstalt Berlin zur Zahlung der Invalidenrente von An» fang Dezember 1909 verurteilt. Die Klägerin erhält nun endlich eine Monatsrente von 12,20 M. Das Verhalten der Landesversicherungsanstalt ist alles andere denn human. Wie wäre es um diese arme Frau— die mit einem Fuße am Grabesrand steht— bestellt gewesen, wenn die Mitarbeiterinnen nicht hätten be- künden können, daß Frau H. tatsächlich den Lohn von ihrer Tochter empfangen hat? Sie wäre abgewiesen worden. Etwas weniger BureaukratiSmuS und mehr soziales Empfinden wäre dringend von- nöten._ Hu9 der Frauenbewegung. Bon der Frauenstimme. Jedenfalls aufgescheucht durch unseren glänzend verlaufenen sozialdemokratischen Frauentag sucht ein Herr Sch. in dem April- Heft der„Konservativen Monatsschrift" unter obiger Stichmarle die Forderung der politischen Gleichberechtigung der Frau zu ver- höhnen und— vor ihr gruselig zu machen. Der Herr knüpft mit seinem Elaborat an die Tatsache an, daß Fräulein Rogstad, als erstes weibliches Parlamentsmitglied in Norwegen, eine militärfreundliche Jungfernrede hielt. Er meint, das Gegenteil wäre eine kleine Sensation gewesen: Eine Rede gegen den Leutnant aus weiblichem Munde— das Aufsehen! Des wohlfeilen Spottes in diesen Worten geben wir nicht weiter acht, wir wollen dem Herrn Sch. auch gerne schenken, was er über das Interesse gewisser Frauenkreise für die prwate Auf» besserung der Soldatenkost zu sagen weiß, wir wollen vielmehr für uns eine sehr ernste Lehre aus der Rede und der Stellungnahme des Fräulein R. ziehen. Fräulein R. ist eine bürgerliche Frau, die auf Grund des beschränkten Frauenwahlrechts in Norwegen ge- wählt ist. Diese Tatsache erklärt ihre Stellungnahme zum Mili. tarismus. die— um mit Herrn Sch. zu reden— sonst sensationell wirken mühte. Die Stellungnahme des Fräulein R. zeigt aber auch klärlich, wie durch ein beschränktes Jrauenwahlrecht der Ein- fluß der Bürgerlichen gestärkt wird, und wie töricht wir handeln würden, wollten wir für ein solches Wahlrecht eintreten, wie unS von gewisser Seite zugemutet wird. Doch hören wir weiter, was Herr Sch. zur Frage deS Frauen- Wahlrechts zu sagen weiß: Er anerkennt, daß die wirtschaftliche Gestaltung der Gesellschaft es erheischt, daß bald Antwort auf die Frage gegeben wird, ob die Frau in der gesetzgebenden Körper, schaft mitbestimmend sein soll. „Die Frau zahlt Steuern wie der Mann; sie ist erioetbS- tätig wie der Mann; sie ist als Landwirtin. als städtische Haus» ibesitzerin, als Handels- und Gewerbetreibende an der Gesetz- gcbung wirtschaftlich interessiert wie der Mann. Sie will wissen. was mit ihren Steucrgeldern in Staat und Gemeinde geschieht und will daher Gesetze verhindern, durch die ihre Interessen ge- schädigt. Gesetze fördern, durch die ihre Interessen gefördert werden können." Das hört sich an wie eine gute sachliche Begründung der poli- tischen Gleichberechtigung der Frau. Herr Sch. ist jedoch durchaus lein solcher Befürworter. Daß in Amerila Frauen im Parlament für ein Temperenzgesetz und gegen die Reglementierung der Pro- stituierten eingetreten sind, hat seinen ganzen Zorn entfacht, und er malt die schrecklichsten Folgen dieser Maßnahmen aus. Was der Herr dann noch über die Ehe und die modernen Frauenbestrebungen, über die Stellung der Sozialdemokratie zur Jrauenfrage zu sagen weiß, zeugt von einer völligen Unleuntnjs der modernen Frauenbewegung. Herr Sch. faselt von dem Bestreben der Frauenbewegung, die Begriffe„Ehe" und„Mutterschaft" völlig umzuwerten, und fügt dann hinzu: Der Sozialdemokratie passe diese Parole, und des- h a l b habe sie die Frauenbewegung unter ihre Fittiche genommen. Soviel Worte, soviel Unrichtigkeiten! Die Sozialdemokratie ist für die politische Gleichberechtigung der Frau eingetreten, bevor von einer nennenswerten Frauen- bewegung die Rede sein konnte. Geschichtliche Einsicht und daS natürliche Gerechtigkeitsgefühl, welches die Unterdrückten treibt, ihren Leidensgefährten beizustehen, waren die Triebfedern ihres TunS. In der Gegenwart, bei der sich fortgesetzt steigernden Erwerbs- arbeit proletarischer Frauen, kommt noch das wohlverstandene Klasseninteresse hinzu, welches die Sozialdemokratie zum zuder- lässigen Preisfechter der politischen Gleichberechtigung des Weibes werden läßt. Erklärlich genug. Bei den Kämpfen der Arbeiter» klasse, die sich auf wirtschaftlichem und politischem Gebiete immer mehr zuspitzen, sind die Proletarierinnen als Kampfgenossinnen nicht nur willkommen, sondern werden immer mehr unentbehrlich. Einen Kampfgenossen wünscht man aber möglichst kampfgerüstet zu sehen, und das Wahlrecht ist eine gute Waffe für diese Kämpfe. Der konservative Herr Sch. hat jedenfalls von den Bestrebungen des„Bundes für Mutterschutz" gehört, die eine„neue Ethik",„eine Ehereform" und„das Recht auf Mutterschaft" für alle Frauen propagieren. Diese Bestrebungen verwechselt er nun mit denen der Frauenbewegung und sogar mit denen der sozialdemokratischen Be- wegung, wie er denn überhaupt die proletarische und die bürgcr- liche Frauenbewegung durcheinander wirft. So sehr die Sozialdemokratie auch das mutvolle Eintreten der bürgerlichen Frauen im Bunde für Mutterschutz für eine Ehe- reform achtet, steht sie denselben doch vollkommen fern. Aus dem einfachen Grunde, weil geschichtliche Einsicht unS lehrt, daß eine Ehereform in dem angedeuteten Sinne bei der heutigen Eigentums- ordnung unmöglich ist. Ist doch die Familie die Trägerin des Privateigentums. Erst wenn dieses beseitigt, ist eine grundlegende Reform der Ehe denkbar. So wenig Sachkenntnis über Wesen und Ziel der sozialdcmo. lratischen und der bürgerlichen Frauenbewegung der Herr Sch. der» rät, so wenig logisch sind seine Schlußfolgerungen, die er aus seinen e-genen Tarlegungcn über Arbeit und Stellung tzer Frau sür ihre pMische F.cecdjfjgi�g M JetgtigiUZg zieht,' 9!a3)bcrh er?n gctöbeju komisch wirkender UeberHebuAg'a�ge- vrkeilt über Fähigkeit und Charakter der Frauen, diesen jede Ob- ijektivität des Urteils abgesprochen und vor ihrer parlamentarischen Setätigung gewarnt hat. reklamiert er sie ein für allemal fürs Haus. Die altbekannten Tiraden von»dem Geplauder der Frau, welches das Herz des Mannes erfreut", von»ihrem sanften Zu- spruch, der seine Sorgen zerstreut",„von den freundlichen Ermah- inungen bei der Erziehung der Kinder", sie alle, alle kehren wieder, und man ist versucht, aus vollem Halse zu lachen über diesen mehr denn konservativen Herrn, der allen anerkannten Rechtsansprüchen der Frau zum Trotze apodiktisch erklärt: Wir, die Männer, brauchen die Frau daheim, als Spielzeug, als Gesellschafterin, als Trösterin usw., deshalb hat sie draußen zu schweigen! Punktum! Geschlechtsegoismus in der krassesten Form, gepaart mit einem stark entwickelten Klasscninstinkt. lassen den Herrn logische Purzel- bäume schießen. Die erwerbstätigen Frauen, die er anfangs nennt, und für die die politischen Rechte eine soziale Lebensnotwcndigkeit find, sie existieren zum Schluß anscheinend nicht mehr für ihn, wo er sich anschickt, die Frauen im Jbsenschen»Puppenheim" zu zeichnen. Und doch sind es just die Bataillone der erwerbstätigen Frauen mit den sorgendurchfurchten Gesichtern, mit den schwielen- harten Fäusten, mit den von schwerer Arbeit gebeugten Rücken, die, geschart um das Banner des Sozialismus, die entscheidenden Schlachten schlagen werden für die politische Gleichberechtigung des Weibes. Auf sie aber wird das Gerede des konservativen Herrn Sch. keine andere Wirkung ausüben, als es die Darbietungen eines politischen Komikers tun würden, die zudem noch den Reiz der Neuheit entbehren. Wenn konservative Frauenkreise nichts da- gegen einzuwenden haben, ist das ihre Sache» Gerichts-Zeitung* Mißlungener Versuch, Sinnsprüche eines Arbeitervereins unier das preußische Plakatgesetz zu bringen. Die in gewissem Umfange durch das Reichspreßgesetz aufrecht- erhaltenen 8K 9 und 10 des alten preußischen Preßgesctzes von 1851 bestimmen unter anderem:„Anschlagezettel und Plakate, welche einen anderen Inhalt haben als Ankündigungen über gesetzlich nicht verbotene Versammlungen, über öffentliche Vergnügungen, über gestohlene, verlorene oder gefundene Sachen, über Verkäufe oder andere Nachrichten für den gewerblichen Verkehr, dürfen nicht an- geschlagen, angeheftet oder in sonstiger Weise öffentlich ausgestellt werden.— Niemand darf auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen oder an anderen öffentlichen Orte» Druckschriften oder andere Schriften... verteilen, anschlagen oder anheften, ohne daß er dazu die Erlaubnis der Ortspolizeibehörde erlangt hat."— Und nach Absatz 2 des§ 30 des Reichs-PreßgesetzeS bestehen derartige landesgesetzliche Vorschriften noch zu Recht, soweit sie betreffen: das öffentliche Anschlagen, Anheften, Ausstellen, sowie die öffentliche i'nentgeltliche Verteilung von Bekanntmachungen, Plakaten und Aufrufen. In einem Orte desjenigen Teils der preußischen Provinz Sachsen, der zum Landgerichtsbezirk Meiningen gehört, hatte es die festliche Saaldekoration des dortigen Arbeiter-Radfahrcrvereins der Behörde angetan. Namentlich waren es die Sinnsprüche, die der Vorsitzende Hoffmann an den Wänden des Saals angebracht hatte, in welchem der Arbeiter-Radfahrerverein ein Fest abhielt. Sie wurden zu„Plakaten" gestempelt und Hoffmann wurde wegen Uebertretung der obigen Borschriften angeklagt. Es handelte sich vm Aufschriften folgenden Inhalts:„Durch Kampf zum Sieg für Wahrheit und Recht."—„Für Wahrheit, Freiheit, Brüderlich keit, kämpfen die Arbeiter-Radfahrer jederzeit."—„Radfahrer, reicht Euch die Bruderhand und bekämpft der Menschen Unver- stand." Das Landgericht in Meiningen, die für den fraglichen preußi- Ischen Bezirk zuständige Instanz, sprach als Berufungsgericht den Angeklagten frei und nahm an, daß es sich nicht um Plakate handle. Die fraglichen Papptafcln enthielten nur Sinnsprüche und sonst keine Mitteilungen. Deshalb feien es keine Plakate.— Das Kammcrgcricht in Berlin verwarf die von der Staatsanwaltschaft gegen dies Urteil eingelegte Revision als unbegründet. ' Ein Erpressungsversuch eines angeblichen Schriftstellers, der tiurch Androhung der Veröffentlichung eines Schlüsselromans die Summe von 10 000 M. zu erlangen versucht hatte, wurde gestern von der 2. Strafkammer des Landgerichts I mit einer empfindlichen Freiheitsstrafe geahndet. Angeklagt war der angebliche Schrift- steller Martin Ehrlich.— Der erst zwanzigjährige Angeklagte, welcher sich auch„Redakteur, Rezitator und Musik- und Theaterreferent" nennt, behauptet auf seinen pompös ausgestatteten Brief- bogen, ständiger Mitarbeiter der hervorragendsten Zeitungen und literarischen und belletristischen Zeitschriften zu sein. Mit rührender Bescheidenheit bezeichnet er ferner als sein hervorragendes ».Spezialgebiet" Literatur, Lyrik, Kunst, zeitgenössische Belletristik und Reklamekunst.— Ende August vorigen Jahres erhielt der In- ihaber eines hiesigen großen Kaufhauses von dem Angeklagten einen Brief, in welchem ihm mitgeteilt wurde, daß in nächster Zeit ein Roman mit dem Tiiel„Die verkaufte Schwester" erscheinen würbe, in welchem er die Hauptrolle spielen würde. Der Angeklagte ging in dem Briefe, ohne sich irgendwie schüchtern zu zeiMn, auf sein Ziel los und erklärte, daß er bereit fei. das Manuskript des„hoch- sensationellen" Romans für 10 000 M. zu verkaufen. Der Empfänger dieses Briefes ging scheinbar auf den Handel ein und erfuhr zu seinem Erstaunen, daß sein eigener Schwager, der als Silberputzer in Hamburg lebt, dabei die Hand im Spiele hatte. Zwischen diesem Schwager und dem jlaufmann hatten zahlreiche Prozesse geschwebt, in denen letzterer aller möglichen Tinge, unter anderem des Verbrechens gegen das keimende Leben und des Ehe- bruchs beschuldigt wurde. Die Kriminalpolizei ermittelte aus die erstattete Anzeige hin folgende Einzelheiten: Der angebliche Schrift- steller hatte vor einiger Zeit mit jenem Schwager in einer Berliner Druckerei zusammen gearbeitet und von diesem erfahren, daß er recht interne Dinge aus dem Ehe- und Familienleben �es Kauf- mannes wisse, und beabsichtigt hatte, dieselben, in die Form eines Romans gekleidet, zu veröffentlichen. Ter jugendliche„Literat" nahm diese Kenntnis als eine willkommene Gelegenheit auf. daraus Kapital zu schlagen. Wie sich aber ergab, hatte der Schwager keine Kenntnis von den Erpresserbriefen, so daß das gegen ihn anhängig gemachte Strafverfahren wieder eingestellt werden mußte.— Bor Gericht bestritt der Angeklagte, der übrigens, wie die Verlesung einiger von ihm herrührender Briefe ergab, mit der deutschen Sprache arg auf dem 5iriegsfuße steht, jede erpresserische Absicht und stellte die naive Behauptung auf. daß er weiter nichts getan habe wie jeder Kaufmann, nämlich, daß er eine Ware zum Kaufe angeboten habe.— Das Gericht erblickte in dem Vorgehen des Angeklagten einen höchst niederträchtigen und gemeingefährlichen Erpressungsversuch und erkannte dem Antrage des Staatsanwalts gemäß auf 4 Monate Gefängnis. Ein gemeingefährliches Ehepaar, welches eine Art Mädchen- Handel getrieben hatte, wurde gestern von der 3. Strafkammer des Landgerichts I unter Borsitz des Landgerichtsdirektors Lieber auf längere Zeit unschädlich gemacht. Wegen Zuhälterei bezw. gemein- schaftlicher Kuppelei tvar der Sattler Albin Grießmann und dessen Ehefrau Marie G. angeklagt. Der schon mehrfach vorbestrafte An- geklagte erschien eines Tages im vergangene» Jahre in dem mecklenburgischen Städtchen� Brüel, wo er sich als Polizeibeamter ausgab und bald überall Bekanntschaften anzuknüpfen verstand. da er ganz offen erklärte, nur deshalb nach Mecklenburg gekommen zu sein, um sich hier eine Frau zu suchen. Die Folge tvar, daß er überall offene Türen fand, da sich die töchterreichen Eltern förmlich danach rissen, einen Beamten zum Schwiegersohn zu be- kommen. Auf diese Weise machte er die Bekanntschaft eines Fräulein Sch., der Tochter eines ehrsamen Schuhmachermeisters. Tie Verlobung fand auch bald statt. An dem Hochzeitstagie war alles schon in schönster Festesstimmung versammelt, nur der Bräutigam fehlte noch. Tie frohe Stimmung verwandelte sich bald in das Gegenteil, als von dem Angeklagten ein Telegramm einlief folgenden Inhalts:„Hochzeit aufschieben, habe übereilt ge- Handelt." Die biederen Schuhmachersleute fühlten sich in dem kleinen Städtchen kolossal blamiert und waren deshalb froh, als einige Zeit darauf der Angeklagte erschien und ihnen den Vor- schlag machte, ihm die Tochter nach Berlin mitzugeben, wo er sie bis zur Hochzeit bei seiner Schwägerin unterbringen wolle.— Auf diese raffinierte Weise verstand es der Angeklagte, das Mädchen nach Berlin zu verschleppen. Hier stellte er der Sch. seine Ehefrau als seine Schwägerin vor. Beide begannen dann aus das Mädchen ganz systematisch einzuwirken und sie moralisch derartig herunter- zubringen, daß sie sich mit einem anderen Manne einließ. Unter allerlei Drohungen wurde die Sch. schließlich gezwungen, auf die Straße zu gehen, wo ihr der saubere Patron Beschützerdienste leistete. Das Mädchen wurde endlich, völlig krank und siech, von der Polizei aufgegriffen und dem Fröbel-Ärankenhaus zugeführt. Erst hier fand sie den Mut wieder, sich an ihre in Berlin lebende Schwester und dann an ihre Eltern zu wenden. Die Folge war die Verhaftung des gemeingefährlichen Kupplerehepaars.— Das Ge- richt hielt es für angebracht, den Ehemann Grießmann, den es als einen der gefährlichsten und raffiniertesten Zuhälter bezeichnete. auf möglichst lange Zeit unschädlich zu machen. Gegen ihn lautete deshalb das Urteil auf 3 Jahre Gefängnis und Uebcrweisung an das Arbeitshaus, gegen die Ehefrau auf 6 Monate Gefängnis. Ungültige Polizeivcrordnung. Eine Polizeiverordnung für Danzig schreibt vor. daß Personen, welche Milch in die Stadt ein- führen oder sie hier in Handel bringen wollen, oder die zu diesem Zwecke Kühe halten, davon der Polizei Anzeige machen müssen. Das Kammergericht erklärte im Falle Waltinat, der die Verord- nung übertreten hatte, die Verordnung für ungültig und sprach W. frei. Der Senat nahm an, daß die Verordnung ausschließlich zu dem Zweck erlassen fei, um der Polizei die Kontrolle über der- artige Gewerbebetriebe und über die Uebertretungen der sie be- treffenden Vorschriften zu erleichtern. Zu diesem Zweck können Polizeiverordnungen nicht erlassen werden. Radfahren während der Dunkelheit. Wie andere Radfahrer- ordnunge», bestimmt auch die für die Provinz Brandenburg: „Während der Dunkelheik, fofine stet stailetn Nestel tst jcSel WsDS» rad mit einer hellbrennenden Laterne zu versehen." Diese Be« ftimmung sollte Glogau dadurch übertreten haben, daß er während der Dunkelheit sein Fahrrad nicht mit brennender Laterne versah. Er wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Kammergericht hob das Urteil auf und verwies die Sache an die Vorinstanz zurück. Die fragliche Verordnung betreffe den„Verkehr" mit Fahrrädern. Ein Verkehr mit Fahrrädern finde aber nur statt, wenn sich jemand des Rades als Verkehrsmittels bediene, d. h., wenn er darauf fahre. Darum könne die Bestimmung nicht Anwendung finden auf Räder, die während der Dunkelheit nur geschoben werden sollten und nur geschoben wurden. Hier stehe nicht genau fest, ob das Rad während der Dunkelheit nur geschoben wurde, wie zur Zeit der Feststellung des Angeklagten, oder ob er auch zeitweilig darauf fuhr. Das müsse das Landgericht nachprüfen. In der Hoffmannschen Mordsache haben die Verteidiger des in Haft befindlichen Angeschuldigten Griehl nunmehr wegen der Ablehnung ihres Haftentlassungsantrages durch die Strafkammer das Kammergericht angerufen. Gleichzeitig ist der Antrag gestellt worden, an dem Tatorte einen Lokaltermin abzuhalten, welcher nach Ansicht der Verteidigung die völlige Haltlosigkeit der Verdachts- gründe ergeben soll. � Bmfhartcn der Redahtion. Tie juristische Eprechsimide findet Linde ns> ratze 09, vorn vier Tretztzen •— Fahrstuhl—, tuocheutiiglich von 4'� bis 7% Uhr abends, Sonnabends von 4>,3 bis 6 Uhr abends statt. Jeder fUr den Briefkasten bestimmten Anfrage ist ein Bnchftate und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. EU ige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. 334 K. Für die angegebenen Schulden hasten Sie nicht.— 31. St. 55. Die Tauszeugnisse können verlangt werden;-es empfiehlt sich daher, selche zu beschassen.— H. T. 4. Nein.— I. R. 107. 1. Ja. 2. Der 28,85 M. wöchentlich übersteigende Lohnbetrag.— G. W. 1. Nein. 2. und 3. So lange Unterstützung bezogen und die Rückkehr nicht gesordert wird, nicht notwendig.— Sch. Pankow. Herbst ISIS. Davon kann durch kaiserliche Verordnung abgegangen werden.— N. 34. 1. Der länger als 3 Jahre zurückliegende Anspruch ist verjährt. Zur Aushändigung der An- Meidebescheinigung können wir nicht raten. 2. Der Ladeninhaber ist zur Entsernung des Schilde« nicht berechtigt.— H. M. 100. 1. Ja. 2. u. 3. Zwecks Beantwortung dieser Fragen müssen wir wissen, wie hoch der Lohn Ihres Mannes ist und wieviel unversorgte Kinder vorhanden sind.— F. H. Ttrafiburger Str. 14. Beschwerde ist angebracht.— E. B. 07. 1. Das sind die ortsüblichen Beträge. 2. Die Mutter ist hastbar, sallS sie zurzeit der Unterschrislsleistung großjährig war. 3. Ihre Zustimmung ist einzuholen. 4. Der Vater. 5. Die Sachlage schildern. Der VormundschastS- Achter beschließt nach sreiem Ermessen. 6. Pflichtverletzung.— M. 70. Ja. — O. Z. 5. Durch Testament der Mutter oder Erboertrag.— H. 5t. 38 und P. S. 51. Fordern Sie Abhilse unter Setzung einer etwa acht- tägigen Frist und unter der Androhung, daß Sie nach fruchtlosem Ablauf der Frist sosort räumen und Schadenersatz beanspruchen werden. Falls Sie Ihre Behauptungen zu beweisen imstande sind, können Sie auch ent- sprechend handeln.— Ntilchplantscher. Anzeige bei der Polizei.— A. H. 03. Ist die Anwartschast aus Rente erloschen, so ist auch ein Antrag aus Heilbehandlung aussichtslos,— H. S. 14. Leider nicht.— H. W. 86. 1. Unseres Erachtens ja. 2. Nein. 3. Für die letzten vier Jahre. Für die weiter zurückliegende Zelt kann der Schuldner den Ein- wand der Verjährung erheben.— Reichert. Wiclefstraße. Es liegt Verjährung vor.— P. S. 34. Es bleibt nur die Anzeige bei der Staatsanwaltschast übrig.— N. SO. Das Geschäft hat Anspruch aus Ueberlassung.— H. 71. Ja.— I. N. 17. 1. Falls sonstiges Vermögen der Tochter nicht vorhanden und der Vater noch erwerbssähig ist, etwa 1000 Marl. 2. Nein.— W. S. 300. Nach dem Stiefvater nicht, Wohl aber nach der Mutter.— I. B. 30. I« zur Hülste.— K. 74. Gewinn aus der Vermietung ja, Wegegeld sür das Kind eines andern nicht. — Ch. 73. Ihr Sohn muß sich an die Organisation seines Berufs wenden. — F. I. Ch. Sie wollen sich an die Stistungsdeputalion des Magistrats, Poststr. 1(3, wenden.— M. 51. DaS statistische Landesamt, Lindenstraße, erscheint uns als geeignete Auskunftsstelle.— C. F. 01. Verband der Handlungsgehilfen, Neue köntgstr. 3g.— Kaffeelokal, Beffelftrnfte. In runden«ummen lassen sich die Abstndungen gar nicht angeben. Schon 1801 wurden sür Teile des Postregals Herrschaften, Stiste, Güter übergebest, 1819 u. a. drei Domänen in Posen, 1867 durch Preußen 3 Millionen Taler usw. — H. N. Das Material finden Sie im Statistischen Jahrbuch für den preußischen Staat. Verlag Kgl. statistisches LandeSamt, Lindenstraße. Preis IM. WasserstandS'Riichetwte« ') st. bedeutet Fall.— Such»,—*) Unterpegel. Ällpeine Orts-Menkasse IiIrilie?ereiniDtEnGEwerlielietriefie M Wir laden hiermit die Kassen- delegierte« zu einer Ordentl. Generalversammlung aus Freitag, den 38. April er., abends si,0 Uhr, nach dem Saale des Volkshauses in Charlottenburg, Rofinenstr. 3, ein, mit der Tagesordnung: 1. Berichterstattung bei Kassenvor- ftandes über die Jahresrechnung sür 1910 und die GeschästSlage der Kasse. 2. Bericht d er Revisionskommission. L. Zlntrag des Kassenvorstandes aus Entlastung. 4. Besprechung über Erweiterung der Kassinleistungen und die dazu erforderliche Statuten- änderung. Die Delegierten erhalten außer- dem eine schriftliche Einladung zu dieser Generalversammlung unter Zu- sendung bei gedmcktcn GeschästS« berichte« Delegiert«, welche in der General- Versammlung Beschwerden gegen die Geschästssührung des Kassenvorstandes vortragen wollen, werden ersucht, dies vorher im Kasscnbureau anzu- zeigen, da es sonst dem Kassenvor- stand unmöglich ist, sich über die Be, schwerden zu insormiere» und in der Generalversammlung Auskunft zu er- teilen. 273;4* Charlottenburg, den 18. April 1911. Oer KuHMenvomtund. Wtlh. AhrcnS. Kranzspenden sowie sämtlich« Blumenarrangements Uejert schnell und billig lZ32d' Paul Groß lilndenstraBe 60 t.VorwSrt»"'HlUtS). Orts Krankenkasse der Stellmacher. W Einladung."•B Freitag, de» 28. April 1911, abends S'/i Uhr. in DräselS Festsälen. Neue Friedrich- straße 35: ------ Ordentliche------- General-Versanunlung TageS-Ordnung: 1. Rechnungslegung sür das Jahr 1910.— 2. Bericht der Revisoren.— 3. AnstellungSoertrag des Rendanten. — 4. DI« Krankenversicherung in der geplantciiReichsversicherungSordnung. — 5. Verschiedene Rassenangcleqcn- heiten. 1355b I. A.: P. Sicvers, Vorsitzender. Verlelli.InBtttnt: Friedriohst.t 16/1, a.Orabg. "Tor. Eleg. Frack, Gebrock 1.50,©ose 1,00, SSefteSOPf. Tischler» Verein zu Berlin(e.««»> Sonnabend, den 38. April, abends 8'/, Uhr, Melchiorstr. 15: Versammlung. Beschlußfassung über die Herren- Partie. Bercinsangclegenheiten. _ Der Vorstand. 198/9 Orts Krankenkasse der Schmiede. Sonnabend, den 30. April 1011. abends 8'/. Uhr, 275/5 bei Fröhlich. Muskauer Straße 1: Ordentliche General- Versammlung. 1. Vorlage der Jahresrechnung 1910. 2. Bericht der Revisoren und Antrag aus Erteilung der Decharge. 3. Wahl eine« Vorstandsmitgliedes. Arbeit- nehmer lErfatzwahl). 4. Verschiedenes. Der Vorntand. I.?!.: Ad. Pilgrim, Vorsitzender. Esperanto. Parteigenossen! SÄ Völker verständigen sich untereinander bereits in E s p e r a n t o, in allen Weltteilen ist lein Lano mehr zu finden, wo cS noch nicht leine Verbreitung gefunden hätte. Esperanto wird bereits von einer nicht niehr zähl- baren Zahl von Menschen gesprochen. Eine direkte Gefahr sür die Arbesterschast wäre es. wenn wir noch länger abwartend abseits stehen wollten: auch wir haben ein Anrecht an die Vorteile dieser kulturellen Er- rungenschast, ja die Arbeiterschaft hat sogar das größte Interesse daran, daß auch sie und nicht nur die bürgerliche Gesellschaft an dem Nutzen dieses Gemeinguts teilnimmt und den Anschluß nicht versäumt. Wir richten an alle intelligenten Arbeiter den dringenden Ruf, diese sich jetzt bietende Gelegenheit nicht zu versäumen. Absolut kostenlose Kehrknrse mit Vortrag des Genossen Schlaf- Dresden linden statt heute. Freitag, abends'1,9 Uhr, in Pachuras Klubhaus. Landsberger Str. 85. und morgen. Sonnabend, abends >/,0 Uhr. in Rlxdorf. Friv.Hoppos Festfalc, Hennaniistr. 49. Lehrmittel nur 1,50 M. Weitere Ausgaben erwachse» nicht. Zutritt haben nur parteivolilisch oder jreigewerlschastlich organisierte Genossen und Genossinnen. Mitgliedsbuch legitimiert. i3övb Deutscher zlrdeitrr-Ssperanttsteu-Bnnd. Wellhen Cigeilslhasteil Ha! Klithmms MMuff« stille liusgeiiehitle Ktlbreitmli jii vttßMcii? Erstens seiner absoluten Unschädlichkeit und Herdorragenden Bekömmlichkeit, - die von Autoritäten der Wissenschaft und Aerzten bestätigt wird. Zweitens seinem angenehm kräftig-aromatischen Wohlgeschmack, der ihm imme» � neue Freunde gewinnt I Drittens seiner großen Ausgiebigkeit und Billigkeit.— AuS einem 10 Pfennig« ■■ Paket kann man sich 20 Tassen bereiten. 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Erkennung d. Lust- seuche von Dr. Z i k e 1. Für M. 1,— franco d. d. Medizin. Verlag E. Schweizer& Co., Berlin NW. 87a. HErmanD Fisebers»imgste Särge Berlin, llrbanstr. III, Ecke Jahnstr., früher Rixdorj. Tel.:'Amt IV, 13459. Rflahlsdorfl Qu. R. von 6 M. an. 20 Ps.-Fahrt. J. Rieger, Gontardstr. ö.* A. WERTHEIM LEIPZIGER STR. 132-37 ORANIEN-STRASSE ROSENTHALER STR. Freitag Sonnabend LEBENSMITTEL soweit vorhanden Fleischwaren Rollschinken 6TnpM; 1 25 Landschinken �!chwmnd 1.15 Mausschinken ca; 113 Schinkenspeck 1.00 Zervelat- u. Salamiwurst mnd 1.15 Zervelatwurst in Fettdarm Pfd. 1.30 Plockwurst............ pfund 1.15 Teewurst............. pfund 1.10 Bauernmettwurst.K?0.b!a.umnd 1 00 Pasteten-Leberwurst... Pfund i.00 Jagdwurst............ pmnd 90 pr. Feine Leberwurst...... pfund 95 pf. Landleberwurst....... Pfund 85 pr. Rotwurst......... pfund 45, 70 pf. Spitzbeine in Gelee 2 pf.U!!dDo.. 65 pr. Eisbeine in Wein-Gelee ea;.'ls/» 65 pr. Königsberg. Fleck 50, FptL 90 pr. 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Bittere Orangen. prund 25 und 45 pr. Datteln.............. Karton 35 Pf. Traubenrosinen....... prund 63 pr. Knackmandeln........ pfund 63 pt Feigen KQrbcben 23 pr.. Kistch. 18 u. 27 pr. Loucomsfeigen........ prund 48 pt Grosse Artischocken....... 30 pr. Kopfsalat............- stuck 25 pr. Malta-Kartoffeln..»..2 prund 25 pr. Französ. Kartoffeln...2 prund 35 pf. Hülsenfrüchte Victoria-Erbsen....... Pfund I6pn Kleine Erbsen......... prund 15?* Glasierte Erbsen g««....prund 21 pr. Glasierte Erbsen«-«>. 18 pt Grüne Erbsen........ prund I8pt LinSen grosso Pfd. 18 Pf. mittel Pfd. 1 2 PL Bohnen grosse prd. 22 PL kleine Pid. 1 5 PL Lang-Bohnen.......... prund I8pt Java-Reis....... piund 28 und 23 PL Rangoon-Reis____ prund l8undl5pL Bruch-Reis...... prund 1 4 und 1 3 PL Olympia-Maispuder Paket>/, Pfd. 1 4, 1 Pfd. 26, 2 Pfd. 50 Pf. Holländisch. Puddingpulver gefärbt Mändelchen-Puddlng, Kerst-Pudding, Der- OC Pudding, mit verschiedenem Cesohmack. fcw Pft Fruchtsäfte mit Raffinade eingeKocHt. Himbeersaft........ nascb« 85 pl Kirschsaft.......... v, piascb« 95 pl Johannisbeersaft........ piascb. 85 pl Himbeersaft extra... v. pusch, 1.00 Erdbeersaft......... Fi.«eh. 1.00 Zitronensaft........ v, piaseh« 1.00 Ananassaft.........>/. nasche 1.25 Maitrank...,>/. Fia.cbe 80 pc. 1.00 Apfelwein Freyeisen Flasche 38 PL Borsdorfer Apfelwein>/, nascb. 32 pl Braunschweiaer Doppelmumme V» Dose 1.1 0, Vi Dose 2.1 0 Nur Leipzißer und Rosenthaler Strasse: Frisches_Fleisch u. Fische ohne Roastbeef pfd 1.00, Äe« 1.40 Kamm u. Brust.. Pfund 80 pr. Gulasch u. Querrippe 70 pr. Gehackt. Fleisch 60, Talg 45 pr. Zunge m. 1.1 0, g-Meit 1.25 Frischer Schinken 70, Ut 75 pf. Kamm u. Schuft 80, �t 85 pf Liesen Pfd. 60, Rückenfett 55 Pf Eisbein(oickbein).. p�nd 55 pf Schinkenbein— p�d 40 pr. Kalbskeule u. Nierenbraten Pfund 1 ,1 0, gefeilt 1.20 Kalbskamm äftSO, At 85 pr. Kalbsbrust 1.00,-spitze 1.1 0 Hammelkeule und-Rücken Im Ganzen Pfd. 90 Pf. u. 1.00 Dicke Rippe...... p«. 75 pr. Dünnung......... prd 55 pr Sterlett � K?i'ue„ri 85 pl Dorsch..... F-u°d 1 2 pl Leb. Karpfen 53, 75 pl Stockfisch eew PhTnd 35 pl Seelachs— pnmd 1 1 pl Leb.Schleie 87 pl 1.20 Kabeljau.... p�nd 11 pl Schollen.prund 18, 22 pl Leb. Aale prd. 1.05, 1.20 Schellfisch prd. 1 3, 28 pl Rotzungen... prund 20 pl Krebse Seehecht....prund I4pr. Zander 85, 95,»«»63 pr.«and.i 75 pl. 1.25, 1.75 Die neue Mai/z Uhr, findet im Rixdorfer Theater die Aufführung der Operette.Die ge- fchiedene Frau" von Leo Fall statt. Billetts sind bei den Funktio- nären, in beiden Parteispcditionen und in den Lokalen von Bartsch (früher Hoppe), Hermannstr. 49/50; Meier, Prinz-Handjeri-Str. 3, und Kränke, Jdealpassage, zu haben. Der Bildungsausschuß. Boxhagen-Rummclöburg. Heute abend 7 Uhr von den bekannten Stellen aus: Flugblattverbreitung. Niedcr-Schöneweide. Heute Freitag, abends SVe Uhr: Flugblatt» Verbreitung von den Bezirkslokalen aus."Der Vorstand. Ober-Schönewcide. Heute Freitag, abends 7'/, Uhr, von den bekannten Stellen aus: Flugblattverbreitung. Gleichzeitig machen wir daraus aufmerksam, daß zur diesjährigen Maifeier in Mörners Blumengarten Billetts in den bekannten Geschäften und bei den Bezirksführern zu haben sind. Adlershof. Heute abend 8 Uhr vom Jugendheim, Bismarck» straße 11, aus: Flugblattverbreitung. Der Vorstand. Nieder. Schöuhnusen-Nordend. Heute Freitag, abends von 7 Uhr ab: Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen aus. Für den dritten Bezirk befindet sich die Ausgabestelle bei Manie, Beuthstraße Ecke Charlottenstraße. Die Bezirksleitung. Reinickendorf-Ost. Heute Freitag abend von 7 Uhr ab: Flug» blattverbreitung von den bekannten Stellen aus. Die BezirkSleitklng. Schönwalde Bezirk Pankow. Ueber die Entrechtung der Arbeiter in der Reichsverstcherungsordnung' referiert am Sonnabend, den 22. April, abends 8 Uhr, bei Schulz Arbeitersekretär Genosse G. Bauer. Wir ersuchen die Genossen für guten Besuch dieser Versammlung zu agitieren. Die AgilationSkommission. Oranienburg. Am Sonntag, den 23. April, früh l'/z Uhr, findet »on den Bezirkslokalcn aus Flugblattverbreitung statt. Wegen des am Sonntagmiltag stattfindenden Leichenbegängnisses des Genoffen Borgmann findet die Mitgliederversammlung des Wahl« Vereins am Mittwoch, den 26. April, abends 8 Uhr, im Lokal Wald- haus, Sandhausen, statt. Genossen, welche am Begräbnis teil- nehmen, treffen sich 10,37 auf dem Bahnhof. Potsdam. Sonntag, morgens Vz8 Uhr, von den Bezirkslokalen au»: Flugblattverbreitung. Berlimr JVaebnebten. Berliner Frühling. Nach dem Frühling mit Hindernissen der Frühling mit Volldampf. Der April hat den Wetterkundigen nicht den Ge- fallen getan, uns auch noch die Feiertage verhageln zu lassen und die frostige Prognose der Meteorologen ist unter warmen Sonnenstrahlen verdampft. Zwar kann niemand eine Gewähr dafür übernehmen, wie lange diese gute Laune des wetter- wendischsten aller Monate dauern wird, aber was er uns gebracht hat, kann er uns nicht mehr nehmen, auch wenn er noch einmal rückfällig werden sollte. Wie auf den Druck der Gegendruck, so ist auf die eisigen Tage der ersten Aprilwoche. die die Vegetation gewaltsam zurückhielten, jetzt ein mächtiges Emporschießen gefolgt. Der Berliner Straßenbaum, die Ulme, bemüht sich in Eile, seine Blättchcn zu Schatten- spcndern zu vergrößern, auf dem Pariser Platz rühren sich die Linden, im Tiergarten und in den Gärten um das Abgeordnetenhaus stehen die Ahorne prächtig in gelbe Blüten gehüllt, die in der Sonne förmlich blitzen, kurz überall, >vo sonst das Auge ungehemmt durch kahle Zweige auf graue Mauern oder den tristen Himmel traf, da wird es jetzt von einem Meer ergrünender Knospen aufgehalten. Am auf- fälligsten wohl sind die Kastanienbäumc, deren dicke Knospen weit aufgeklappt sind und das Innere der Sonne frei geben; sie haben's eilig, denn in wenig Wochen sollen die Bäume in Blüte stehen. Die Zeit der Hyazinthen, Tulpen. Krokus geht vorüber, und aus dem Zimmer und aus dem Rauni zwischen den Fensterscheiben wird der Berliner Frühling auf den Balkon verlegt. Da wird gepflanzt und geackert und die Geranien- töpfe werden wieder in Reih und Glied gestellt, zu dem typischen Bilde, das die Berliner Balkons den Sommer über bieten. Auch der Restaurationsgarten feiert seine Auf- erstehung; kübelweise wird er vor die Tür getragen, den Gästen und den Wirten ein Wohlgefallen. Aus den Eisbahnen sind über Nacht Tennisplätze geworden und in den Lauben- kolonien daneben wird von jung und alt im Schweiße des An- gesichts Praktische Botanik getrieben. Dabei wird, nach Heinrich Heines System, das Pflanzenreich sorgfältig eingeteilt in solche Kräuter, die man essen und in solche, die man nicht essen kann. Die eine Abteilung wird jdurch Stachelbeer» und Jo- hannisbeersträucher, durch Spargelbecte, Errdbeeren, die ehr- liche Kartoffel und ähnliche ehrbare Nutzpflanzen vertreten. Die andere macht sich kenntlich durch Schwertlilien, Nelken und viele andere Gewächse, die der Laubcnkolonist braucht, weil er nicht bloß einen Magen, sondern auch genußfähige Augen besitzt. Je nach der Ausdehnung, die die eine oder die andere Abteilung der Pflanzenwelt in einer Laubenparzelle besitzt, kann man mit Sicherheit auf die Veranlagung ihrer Bewohner schließen. Sage mir, was du pflanzest und ich sage dir, was du bist. Mögen sie aber alle ernten und ge- nießen. was sie sich gepflanzt und gesät haben im Berliner Frühling!_ Das Sechstage-Reime». Es ist kein„Rennen um den goldenen Pokal" oder„um den großen Preis von Berlin". Allmorgendlich und an jedem Tage findet es statt. Wenn frühmorgens jung und alt durch die Straßen Berlins eilt, wenn Hunderte mit der Straßenbahn von einem Stadtteil zum anderen fahren, wenn die Ringbahnen und die Vorortzüge Tausende und aber Tausende von Menschen be- fördern, kann man das Schauspiel sehen. Station Warschauer Brücke I Zug um Zug braust heran. Alles drängt so schnell wie möglich nach außen; und alle bewegen sie sich, meist Frauen und Mädchen, und nicht in Humpel- oder gar in Hosenröcken, auch nicht mit langsamen, der Dame eigenen graziösen Schritten, sondern in Kleidern, die die Arbeiterin verraten und hurtig— ja wenn die Zeit schon vorgeschritten ist rennend— dem Startplatz zu. Der regelmäßige Bcobachier hat dafür kein Auge mehr. Scherzweise nennt man es das „Sechstagerennen". Aber die Sache ist zu verteufelt erst, um darüber zu lachen. Was würde wohl Goethe, was wohl Schiller sagen, wenn er das sähe. Wie heißt es doch:„Lieblich dem Herzen, dem Aug' lieblich erscheine sie stets 1" Wie„lieblich" auch, wenn das Mädchen, die Frau, mit hochrotem Gesicht, nach Atem ringend, daher gerennt kommt. Für sie kostet ja Zu- spätkommen auch einen Groschen; in den meisten Fällen ist das ein halber Stundenlohn. Ja der Kapitalismus vernichtet alles, sogar die„Würde der Frauen". Wie benannte doch die„Morgcnpost" die Frauen und Mädchen, mit denen wir hier zu tun haben?„Hühner?" Ach nein„Auerhühncr!" So weit haben also die Frauen ihre„Würde" vergeben, daß man sie als Hühner— pardon „Auerhühuer" bezeichnen durfte. Diese Bezeichnung hat natür- lich weiter niemand als der betreffende Berichterstatter selbst erfunden. Zum Dank dafür müßten natürlich die so Betitelten der betreffenden Zeitung einen Fußttitt versetzen, daß sie das Wiederkommen für immer vergißt. Tag für Tag kann man die Jagd nach der Arbeitsstätte beobachten, immer das gleiche Rennen: Ein wirkliches Sechs- tagc-Renncn!_ Aus der Hcimpättcnverwaltung. Die am jilngsten Mittwocki stattgehabte Sitzung de? Kuratoriums der städtischen Heimstätten beschäftigte sich mit einem Antrage des Genossen Dr. Wehl, Heimstätten für schwache, kränk- liche und lungenkranke Kinder mit tunlichster Beschleunigung zu errichten. Bekanntlich ist seit einem Vierteljahr in unseren städtischen Heimstätten einen Versuch gemacht, solche Kinder unterzubringen: in Hcinersdorf standen 72 Betten für Knaben, in Blankenburg 53 Betten für Mädchen, in Malchow 30 Betten für mit offener Tuberkulose behaftete schulpflichtige Mädchen zur Verfügung. Dieser Versuch ist im allgemeinen gut gelungen. Es sind etwas über 200 Kinder der verschiedensten Krankheitsarten untergebracht, und die Behandlung ist. sotveit in der knappen Zeit ein Urteil der Verwaltung und der leitenden Aerzte überhaupt möglich, den Kindern so gut bekommen, Wie eS nach Lage der Dinge nur denkbar war. Die Folgen sind nun die. daß unsere Heimstätten, die ja ursprünglich nur für Erwachsene bestimmt waren, schon im Monat März überfüllt waren. Gegenwärtig beträgt die Zahl der Vor- Meldungen z. B. in Blankenburg 97 mit 5 Wochen Wartezeit, in Malchow 30 mit 3 Wochen Wartezeit. Im Lause deS Sommers, wo naturgemäß der Andrang größer sein wird, dürfte die Zahl der Vormeldungcn so erheblich steigen, daß die Verwaltung wieder in große Schwierigkeiten kommt. Aus dem jüngsten Bericht der Schulärzte ist bekannt geworden, daß im letztvergangenen Jahre 8,66 Proz. der Schulrekruten für schulunfähig erklärt worden sind. Die Stadt hat alle Veranlassung, dafür zu sorgen, daß insbesondere die Kinder aus den massenhaften von der Tuberkulose heimgesuchten Familien gekräftigt werden, daß ihre Widerstandsfähigkeit gegen die Krankheit gefördert wird, damit wir recht leistungsfähige Männer und Frauen heranziehen.— Der obige Antrag wurde zum Beschluß erhoben, die Anstalt soll 200 Plätze fassen und im Wäldchen bei Osdorf in unmittelbarer Nähe von Groß-Lichterfelde-Ost errichtet werden. In derselben Sitzung wurde auch die Beschwerde eines Kranken aus der Heimstätte Buch besprochen, über die der. Vorwärts" am Mittiv och Mitteilung ge- macht hatte. Dem Patienten war zur Teilnahme an einer Krankenkassenwahl der Urlaub verivcigert worden, trotzdem laut Haus- ordnung ein Urlaub zur Teilnahme an.öffentlichen Wahlen.bewilligt wird, sofern der Zustand des Kranken keine Verschlimmerung von der Fahrt nach Berlin befürchten läßt. Nach Ansicht deS Chefarztes sollten Kranken- kaffenwahlen keine öffentlichen Wahlen sein. Das Kuratorium war jedoch verständigerweise anderer Auffaffung. Auf Antrag deS Ge- noffen Dr. Wehl wurde beschlossen, daß Krankenkaffenivahien den Wahlen zu öffentlichen Köpcrschaften, zum Reichstag, Landtag und zur Stadtverordnetenversammlung gleichzustellen sind, zur Teil- nahine an Krankenkaffeuwahlcn künftig Urlaub gewährt werden nmß. Ermäßigte Eintrittskarten zur Ausstellung der Sezession, 25 Pf. statt 1 M.. können von den GewcrkschastSvorständen im Bureau deS Gewerkschaftshauses in Empfang genommen werden. Einzelne Karten werden bei Vorzeigung des Mitgliedsbuches im Zigarrengeschäft von Horsch(Gewerkschaftshaus) ausgegeben. Unerhörte Verschleppung eineS KrankcnhauSbaucS in Lichtenberg. Seit 13 Jahren beraten die gemeindlichen Behörden von Lichtenberg über den Bau eines Krankenhauses und noch hat die Stadwerordnetenversammlung sich zu keinem festen Entschluß durchringen können. In diesem dreizehnjährigen Zeitraum hat die Be- völkerung sich von noch nicht 40 000 auf 81000 erhöht. Die Krankenhausnot ist infolge deS Anwachsens der Bevölkerung immer größer geworden. Zwar hat der Magistrat der Stadtverordneten« 1310 Kkjirken Groß-Kerlws. Versammlung endlich eine Vorlage gemacht, die den schleunigen Bau eines Krankenhauses vorsieht, aber die Stadtverordnetenmehrheit gab diese Vorlage dem Magistrat zurück mit dem Bemerken, ihr weiteres Material zugänglich zu machen. Dabei hatte der Magistrat getan, was er konnte; er hatte, so gut das überhaupt möglich war. schon in seiner Vorlage alle nur wünschenswerten Aufklärungen gegeben und hatte das auch mündlich in der Versammlung noch besonders getan. Das genügte aber den Leuten von der Mehrheit, die seit Jahren eine systematische Verschleppungstaktik in der Kranken» hausbaufrage treiben, nicht, und sie gaben dem Magistrat die Vor- läge wieder. Jetzt kommt dieser auf die gemachten Monikas zurück und bemüht sich nochmals, alle Bedenken zu zerstreuen, indem er im wesentlichen alles bisher schon Gesagte zusammenfaßt. Natürlich gibt eS Leute, die mehr fragen, als zehn vernünftige Menschen beantworten können. Diese wird der Magistrat allerdings nicht be» friedigen. Bezeichnend für die ganze Art, wie in der Lichtenberger Stadt» verordnetenversammlung wichttge Interessen der Gemeinde wahr» genommen werden, ist es aber, daß der Magistrat in seinen "Darlegungen sich aus die Regierung berufen muß. die die Stadtwerdung Lichtenbergs nur genehmigt hat in der Voraussetzung, daß die Gemeinde baldigst für den Bau eines Krankenhauses Sorge trage. Das war im Mai 1906. Inzwischen hat die Regierung die Stadt Lichtenberg wiederholt gemahnt, den Krankenhausbau endlich auszu- führen, und dadurch selbst die dringende Notwendigkeit einer solchen öffentlichen Einrichtung anerkannt, aber die Stadtverordneten» Versammlung läßt sich in ihrem Schneckentempo nicht irre machen. Kann die Selbstverwaltung der Gemeinden mehr gefährdet werden, als durch eine solche skandalöse Behandlung wichtiger öffentlicher Gemeindeintcressen? Wird die Aufsichtsbehörde durch eine solche Verschleppungstaktik der Lichtenberger Gemeindebehörden nicht geradezu provoziert zu einem gewaltsamen Eingriff in die Rechte der Selbstverwaltung? Wie lange noch wird die Haus- und Grund» besitzermehrheit im Lichtcnberger Stadtparlament ihre Pflichten auf dem Gebiete der öffentlichen Gesundheitspflege unerfüllt lassen und mit der Gesundheit weiter Kreise der Lichtenberger Bürgerschaft Schindluder treiben?_ Vorschriften für Bauabvrüche sollten nach einer bor Monaten durch die Presse gegangenen Mitteilung vom Polizeipräsidium er- lassen werden. Gehört hat man seit der Zeit nichts mehr davon. Jedenfalls aber arbeiten heute die aus Abbruchbauten beschäftigten Arbeiter unter schivierigen Verhältnissen, die mit einem großen Risiko für Leib und Leben der Arbeiter verknüpft find. Das kann man wieder einmal in der Potsdamer Straße beobachten. Dort wird gegenüber der Eichhornstraße ein altes fünfstöckiges Haus ab» gebrochen um einem modernen Prachtbau Platz zu machen. In den letzte» Tagen war mit dem Abbruch begonnen worden und waren das Dachgeschoß sowie die Deckenlage des oberen Stockwerks und die Verbindungen der obersten Fensteröffnungen bereits abge» brachen, nur die Pwiler des obersten Stockwerkes ragten einsam in die Luft. Auf diesen Pfeilern standen in schwindelnder Höhe gestern früh um Ve6 Uhr die Abbrucharbciter und schlugen rüstig mit der Picke, das ölte Mauerwerk unter sich, Stück für Stück los. An dem ganzen Hause war keine Rüstung vorhanden. Ein einziger Fehltritt auf dem schmalen Gesims, ein einziger Fehlschlag mit der Picke und unsehlbar saust der Arbeiter in die gähnende Tiefe. Die Frage der Ucberlassnng von Wäldern in der Umgegend von Berlin seitens des ForstfiskuS an die Großbcrlincr Gemeinden wird in den nächsten Wochen Gegenstand neuer Verhandlungen zwischen diesen Gemeinden und dem Landwirtschaftsminister sein. Es wird darüber berichtet:„Vom ForstfiSkus ist ein Plan aufgestellt worden, auf dem diejenigen Forstteile, die zur lleberlassung in Betracht kommen, und ihre Preise verzeichnet sind. Es handelt sich hauptsächlich um den Grüne» wald. um den südlichen Teil der Tegeler Forst und um das Gebiet der Oberförsterei Grünau-Dahme. Insgesamt besitzt der ForstfiSkus in einem Umkreise von 25 Kilometer(vom Potsdamer Platz gerechnet) in der Berliner Umgebung einen Forstbesitz von fast 25 000 Hektar. Es ist beabsichtigt, von diesenr Besitz den Gemeinden etwa 10 bis 12000 Hektar zu überlassen. Ob diese Forstteile den Geineinden käuflich oder pachtweise überlassen werden sollen, ist noch unbestimmt und dürste erst iin Laufe der Verhandlungen sich ent« scheiden. Die Gemeinden wollen den Wald zu verhältnismäßig sehr billigen Preisen erwerben. Wenn der Forstfiskus alle fiskalischen Bedenken zurückstellt und die Gemeinden Ihrer» seitS dem ForstfiSkus ebenfalls entgegenkommen, so wird sich ein Mittelweg ziemlich leicht finden lassen. An dem billigen Verkauf der Wälder würde allerdings der ForstfiSkus die Bedingung knüpfen, daß die Wälder niemals abgeholzt und der Bau» spekulation überantwortet werden dürfen. Auch die Frage der langjährigen Verpachtung der Wälder an die Ge» meindcn wird erörtert werden. Es erscheint sehr staglich, ob Berlin geneigt sein wird, zum Beispiel den Grunewaid durch Kauf zu er» werben mit der Bedingung, kein Quadratmeter dieses Waldes später parzellieren zu dürfen, da später sehr leicht der Umstand eintreten kann, daß bei der Entwickelung der westlichen Vororte Teile des Grunewalds unbedingt für die Bebauung gebraucht werden. ES wird wahrscheinlich eine Einigung aus der Grundlage erfolgen, daß gewisse Forstteile zu erhöhten Preisen verkauft werden ohne ein» schränkende Bedingungen, andere Forstteile dagegen nur für eine Reihe von Jahre» verpachtet werden." Unseres Erachtens hat vor allem der Staat die Verpflichtung. für Erholungsmöglichkeit der Staatsbürger zu sorgen und dieie Sorge nicht auf die Kommunen abzuwälzen. Gerade der Staat hat ein großes Interesse an einem möglichst guten Gesundheitszustand der Bevölkerung. Und schließlich sind die Einwohner von Groß» Berlin auch für den Staat gute Steuerzahler. In der städtischen SäuglingS-Fiirsorgestclle VII, Wörther Str. 46, findet von Dienstag, den 25. April d. I. ab ein vierwöchiger Kursus über Säuglingspflege und«Ernährung statt, der an jedem Dienstag und Freitag abgehalten wird. Das Nähere ist aus der Säuglings- Fürsorgestelle selbst zu erfahren. Ein tödlicher Betriebsunfall ereignete sich gestern früh in der Orenstein u. Koppelschen Fabrik in Drewitz bei Potsdam. Dort sollte ein beladener Güterwagen durch eine kleine Lokomotive auf die Drehscheibe gebracht werden, um gewogen zu werden. Mit dieser Arbeit war neben anderen Arbeitern auch der 31jährige Arbeiter Heese aus NowaweS betraut, der entgegen feiner Instruktion Plötz» lich zwischen Lokomotive und Güterwagen trat, um dort etwas in Ordnung zu bringen, während der Zug sich in Bewegung befand. Dabei geriet H. so unglücklich zwischen die Puffer der Maschine und den schwer beladenen Beiwagen, daß ihm der Brustkasten vollständig zerquetscht wurde und der Tod sofort eintrat. Die Leiche deS Der- unglückten wurde beschlagnahmt. Einen schweren Unfall hat der zehnjährige Schüler Artur Mehhöfer aus der Kastanienallee 61 erlitten. Mittwoch abend war ein offener Anhängewage» der Straßenbahnlinie 3 unterwegs defekt gewordeo und fflufcte deZhald aus dsm Nttricd gzzogin werden. Der Wagen wurde zunächst auf ein totes Gleis am Rosenthaler Tor geschoben, um von»ort nach dein Depot übergeführt zu werden. Zur Be- wachuna wurde der Schaffner bestellt, der den Waggon bedient hatte. In diestu Leerwagen begab sich der zehnjährige Schüler Artur Meyhöfer und stieg auf eine Sitzbank. Als der Schaffner den Jungen fortwieS, sprang dieser von der ziemlich niedrigen Bank herab, kam aber so unglücklich zu Fall, dag er heftig auf das Straßenpflaster aufschlug und blutüberströmt und besinnungslos liegen blieb. Der Berunglückte wurde nach den, nahen Lazarus- Krankenhause übergeführt, wo festgestellt wurde, dag er einen Schädelbruch, Bluterguß in das Gehirn und eine Lähmung des rechten Fußes erlitten hatte. Der Zustand des Knaben ist hoff- nungslos. Allerlei Gaunereien beschäftigen wieder die Kriminalpolizei. Daß man fremden Leuten gegenüber nicht vorsichtig genug sein kann, hat zu ihrem Schaden eme alte Witwe aus der Brandenburg- straße erfahren, die wegen ihrer Gutmütigkeit in ihrem Viertel be- kannt ist. Zu ihr kam eine Frau von 30 bis 40 Jahren mit einem etwa 13 Jahre alten Knaben und erzählte ihr, daß sie Speiseeis vom Wagen verkaufe und augenblicklich auf die Ausbesserung eines Kuchenblechs warten müsse, das sie einem Klempnermeister in der Nachbarschaft über- geben habe. Ihre Bitte, sich die kurze Zeit über bei ,hr aufhalten zu dürfen, gewährte die alte Dame gern. In, Laufe der Unterhaltung erzählte sie dann dem Besuch, dag sie früher einmal bestohlen worden sei und seitdem aus Borsicht alle ihre Wertsachen auf der Brust bei sich trage. Noch am Nachmittag desselben Tages kam die angebliche Speiseeis- Händlerin wieder und entriß der alten Dame, als diese die Wohnungstür öffnete, blitzschnell die Uhr mit Kette und eine Brosche im Werte von 150 Mark. Bevor sich noch die Beraubte von ihrem Schreck erholt hatte. verschwand das Weib. Die Gaunerin, die erzählt hatte, daß sie aus Rstdor sei, steht wohl aus wie eine Händlerin. Sie ist etwa 1,65 Meter groß, untersetzt und kräftig, hat dunkles Haar und ein frisches volles auffallend hübsches Gesicht und trug ein kurzes dunkel- graues Jackett, dunklen Rock und Schürze und keine Kops vedcckung. Sie spricht die Berliner Mundart.— Auf Arbeiter« frauen hat e-Z ein Schwindler abgesehen, der Portierstellen verspricht Er überredet die Frauen. Mitglieder des.Grundbesitzer Vereins" zu werden, wodurch sie die Anwartschaft auf eine gute Stelle als Portierfrau erwürben. Viele Frauen fallen au diesen Kniff hinein und bezahlen gleich das geforderte„Eintritts geld" von zwei Mark. Das Bureau des Vereins sollte sich in der Linkstr. 13 befinden. Diese Stelle wählt der Schwindler ohne Zweifel mit Absicht, weil sich dort der Verein Volkswohl befindet, der von den Frauen leicht mitdem gar nicht bestehendenGrundbesitzerverein verwechselt wird.— Als Steuerreklamant tritt ein anderer Schwindler auf. Ein Mann von 30—35 Jahren, der etwa wie ein Bureauschreiber aussieht, sucht einfache Leute auf und erbietet sich ihnen, die Rekla- mation gegen ihre zu hohe Steuerveranlagung zu besorgen. Seine Tätigkeit beschränkt sich aber darauf, sich�die Rosten bezahlen zu lasse». In einem Falle hatte er auch die Steuerveranlagung an sich behalten, wahrscheinlich um sie zu neuen Schwindeleien zu benutzen. Sie ist auf den Namen Max Wassertuch ausgestellt. Wem gehört der Korb? Auf einen verdächtigen Handel wurde gestern ein Mann ertappt, der wegen BettelnS und VagabondierenS schon wiederholt bestrast ist. In der Herberae zur Heimnt in der Roppenstraße bot er einen Reisekorb mit Mädchenkleidern für einen billigen Preis zum Kauf an. Ein Kriminalbeamter, den» er auffiel. nahm ihn fest. Der Verhaftete behauptete erst, daß er de» Korb mit Inhalt von einem unbekannten Manne gekauft habe, dann aber gab er zu, ihn in der Frankfurter Allee von der Straße weg ge- stöhlen zu haben. Ein junges Mädchen hatte ihn dort an einer Haltestelle der Straßenbahn stehen lassen, um rasch etwas aus einem Laden zu holen. Diesen Augenblick hatte der Bettler benutzt, ihn als gute Beute zu betrachten und damit zu verschwinden. DaS be- stohlene Mädchen hat sich noch nicht gemeldet. Feuer im Grunewald. Im Grunewald ist am Donnerstag, nachmittags um 3 Uhr, an verschiedenen Stellen, u. a. bei Eichkamp, dann am Kreuzungswege im Jagen 0 Feuer ausgekommen, das an einigen Stellen solche Ausdehnung angenommen hat, daß die Wehren von Grunewald. Zehlendorf. Halensee u. a. alarmiert werden mußten. In der Nähe von Roseneck und Dahlem, unweit Schmargendorf, stand um 3 Uhr eine Schonung von 20 Morgen Fläche mit 20jährigen Kiefern in Flammen. Die Schmargendorfer und Ärunewald-Feuerwebr war mit Arbeitern der Forstverwaltung zur Stelle. Den vereinten Anstrengungen der Mannschaften gelang es, den großen Brand einzudämmen und dann nach und nach mit Unterstützung des Publikums zu löschen. Gleich- zeitig kam am gorsthause Eichkamp in einer fünfzebnjährigen Schonung Feuer aus, das auf einen Morgen beschränkt werden konrne. An einer anderen Stelle konnte das Feuer vom Publikum erstickt werden. Die Ursache der Brände ist nicht genau festgestellt. ES wird angenommen, daß unachtsamerweise brennende Zigarren, glimmende Streichhölzer fortaeworfen worden find, so oaß erst nachkommende Personen die gefährlichen Stummel auslöschen mußten. Bereit? am vergangenen Sonnrag wurden mehrere im Entstehen begriffene Brände vom Publikum gelöscht. Die Berliner Feuerwehr war von den Bränden benachrichtigt worden, sie brauchte aber nicht auszurücken. Seit der Genuiunntiige Berel« für Milchausschank zu Berlin in seinen Milchhäusern wie in Fabriken. Banken usw.�gute rohe�Mllch zu niedrigem Preise ldas GlaS 5 Pf., die Vio Literflasche— 10 Pf. verkauft, hat sich zu seiner eigenen Ueberraschung herausgestellt, daß weit urehr Männer als Frauen oder Kinder zu diesem nahrhaften und gesunden ErfrischungSmitrel greifen. Solche rohe Bollmilch fördert gleich der Buttermilch die Ver- dauung. ein besonders für die Grobstadtbevölkerung wichtiger Borzug. Im Jahre 1310 verkaufte der Gemeiiiniitzige Verein in seinen Milchhäusern>/, Million GlaS Vollmilch, ru»d 61 000 Glas Butter milch und 16 000 Tassen Kakao. Daneben mehr als 10 000 Flaschen lbesonderS konstruierte praktische Taschenflaschen von Vici Liter Inhalt) a 10 Pf. Diese S Milibhäuser stehe» zumeist an Bahnhöfen Groß Berlins: drei andere sind im Bau. weitere geplant, darunter eines im Kl. Tiergarten, das mit einem Unterkunftsraum für die Straßern bahnet verbunden wird. Ueberraschender noch ist die Entivlckelung seiner Werkausschänke (Lieferung von Flaschemnilch an Fabriken uiw.); hier betrug der Verlauf mebr als"h Millionen Flaschen im Jahr. Im Mai wird der Verein, der längst seine eigene Molkerei be« sitzt, seinen Betrieb auf Brandenburg a. H. ausdehnen. Auch stehen verschiedene Kommunen Groß-BerlinS im Begriff, ihn, städtische Er- frischungShallen zur Verwaltung zu übergeben, wie Charlottenburg daS bereits tat. Die Geschäftsstelle des Vereins(Berlin-WilrnerSdorf, Tübinger Straße 1) versendet auf Wunsch kostenlos den neuen Jahresbericht. Deutscher Artelter-Sängeriund. Gau Berlin. Der Beisetzungs- fei« des Lanbtagsabgeordneten Genoffen Hermann Borgmann wegen findet die für Sonntag angesetzte UebungSstunde und Aus- schutzsitzung erst am Mittwoch, den 26. April, abends S Uhr, in der Brauerei Friedrichshain statt. Lebendr Tierbilder von nah und'fern, der Vortrag von dem Direktor des Zoologischen Garten«, Herrn Professor Dr. Heck, mit Moment- und kinematographischen Aufnahmen sowie grammopho- nischen Vorführungen wird anläßlich der Schulferien am Freitag- nachmittag und von Sonnabendabend ab täglich im Wissenschaftlichen Theater der Urania gehalten werden. Verloren gegangen ist an, zweiten Osterfeiertag auf den» Bahn- Hof Jungfernheide in der Nähe vom Schalter, von einer armen Näherin ein Portemonnaie mit zirka 12 M. Inhalt. Der ehrliche Finder wird höflichst gebeten, dasselbe bei Frgu Vwe. Zasstow, Wcbkrstr, 13. Höf pntkrre, abzugeben. Gin unbemittelter Pgketfahrtkasseubote hat am 13. d. MtS. in einem Hochbahnwagen ein Paket Mitgliedskarten eines Vereins liegen lassen. Dieser unangenehme Vorgang ist für den betreffenden Beamten unter Umständen mit Verlust seiner Stellung verbunden, er bittet. deshalb den Finder um Abgabe bei der Paletfahrt, Ritter- straße 98/39, Gebäude IZ, Zimmer 16, um so mehr, als das Paket für einen anderen keinen Wert hat. Vorort- JVadmebtem Wilmersdorf-Halensee. Aus der Stadtverordnetenversammlulig. Daß Sozialpolitik und Arbeiterfragen der städtischen Verwaltung immer noch ei» Buch mit sieben Siegeln sind, zeigte sich a»n Mittwoch bei der Mogistrats- Vorlage, die Erbauung der dritten höheren Mädchenschule in der Wohlauer Straße betreffend. Die Schule soll 356000 M. kosten und bis Ostern 1313 fertig sein. Unser Partei- genösse Riedel gab bei der Erörterung der Angelegen- heit dem Magistrat die Anregung, daiür zu sorgen, daß die zu dem Bau herangezogenen Unternehmer nicht nur gute Baumaterialien verwenden, sondern auch den vereinbarten Lohn- tarifen entsprechende Löhne zahlen. Diese Aufforderung schien dem Magistrat in fremder Sprache gesprochen zu sein, denn er über- hörte sie � völlig und gab mit keiner Silbe eine Antwort darauf So wird denn nichts übrig bleiben,. als ihn bei der nächsten besten Gelegenheit um so deutlicher daran zu erinnern, daß auch eine städtische Behörde die zwischen den gewerblichen Organisationen getroffenen Vereinbarungen zu respektieren hat. Nach Erledigung dieser Angelegenheit nahm die Stadtverordnetenl Versammlung eine Magistratsvorlage betreffend das Ortsstatut über den Stundenplan der gewerblichen Fortbildungsschule an. Die Bäcker und Konditoren haben danach Dienstags und Donnerstags in den NachmittagSstunden von 2 bis 6 Uhr Unterricht, während die Barbiere Montags von 2 bis 8 Uhr die Schule besuchen müssen. Die übrigen Handwerker haben Dienstags und Freitags von 5 bis 8 Uhr, die ungelernten Arbeiter Dienstags von 4 bis 8 Uhr Unterricht. ' Der Humor kam zu seinem Recht, als über die Magistrats Vorlage betreffend einen Nachtrog zum Statut der städtischen Sparkasse beraten wurde. Nach dieser Vorlage sollen zum Mletspreise von 3 M. jährlich Schrankfächer zu», Aufbewahren von Sparkassenbüchern und sonstigen Wertgegenständcn vermietet werden. Derartige Fächer werden u. a. bei der Teltower Kreis- sparkasse auch von Arbeitern und kleinen Leuten nicht selten benutzt. Als unser Genofse Riedel verlangte, daß, entgegen dem OrtS- statut, von der Stadt eine Gewähr gegen Einbruchsdiebstahl geleistet werde, glaubte der Stadtverordnete Dr. Leidig sich an der Sozial- dcmokratie reiben zu müssen. Er sprach seine Verwunderung darüber aus, daß gerade einer der Roten auf den Schutz des Eigentums bedacht sei. Von unserer Seite wurde dem national- liberalen Führer entgegnet, er müsse sich mit dieser Er- scheinung schon■ in Rücksicht auf die Tatsache abfinden, daß d,e sozialdemokratischen Arbeiter nun einmal in ihren Orgamsationen ansehnliche Kriegsschätze aufhäufen müssen; so würde höchst wahrscheinlich der von der SozialdemolraNe zu den nächsten Wahle» angesammelte Fonds selbst den Neid eines national libetalen Politikers erregen. Im übrigen trat auch bei dieser Ge legenheit wieder eine bedauerliche Hilflosigkeit des Magistrats zu- tage. Als der demokratische Stadtverordnete Moll die Frage der Gewährleistung gegen Einbruchsdiebstahl angeschnitten halte, wußte der Dezernent Stadtrat Müller nichts anderes zu entgegnen, als daß der Regierungspräsident das Ortsstatut in der vor- liegenden Fassung nun einmal vorgeschrieben habe. Die An gelegenheit wurde schließlich dem Finanzausschuß überwiesen. Zum Schluß hatte die Versammlung sich mit einer Magistrats Vorlage zu befassen, wonach ein mit der Westlichen Boden- aktie n ges ellschaft abgeschlossener Vertrag in einigen Punkten geändert werden soll. ES handelt sich in deni Vertrage, der von der Versammlung angenonimen wurde, um Aenderung an Bau- fluchtUnien für die Straßen in der Nähe des künftigen Rathauses am Fehrbelliner Platz sowie um Verpflichtungen und Entschädigungen. die sich aus der vor Jahren bereits beschlossenen Verlegung des Bauplatzes für das Rathaus ergeben. Von unserer Seite wurde bei der Erörterung der Einzelbeftimmungen die Gelegenheit ergriffen, die auch in diesem Falle gegen die Arbeiterichast gerichtete Wohnungspolitik des Magistrats und der Stadt- verordneten Versammlung zu rügen. Unser Redner legte an der Hand der letzten WohnungSstatistik dar, daß das Streben, den Bau kleinerer und mittlerer Wohnungen nach Möglichkeit zu erschweren, nicht nur arbeiterfeindlich ist. sondern bei deni Ueberflutz, der besonders an größeren Wohnungen vorhanden ist, auch den Interessen der HauS- besitzer widerstreitet. Auch in diesem Falle bestand die Entgegnung deS Magistratsvertreters einzig in der Bitte, an dem einmal vereinbarten Vertrage doch beileibe nichts zu ändern. Rixdorf. Eine traurige Aufklärung hat das Verschwinden der 42jährigen Ehefrau Berta des Schuhmachers Schmidt gefunden. Frau Sch., die hochgradig nervenleidend war. hatte sich vor etwa zehn Tagen aus ihrer Wohnung in der Weisestr. 21 entfernt. Sie fuhr zunächst zu ihren Eltern nach StratiSberg. die sie beruhigten und sie dazu be- wogen, am nächsten Morgen sich wieder nach Hause zu begeben. Frau Schmidt reiste von Strausberg ab, kehrte jedoch nicht nach ihrer Wohnung zurück, sondern suchte eine Bekannte in Berlin auf, der gegenüber sie Selbstmordgedanken äußerte. Der Freundin gelang es aber, die Krank zu beruhigen, die sich dann anscheinend ganz heiter und gefaßt entfernte. Seitdem war sie verschwunden. Vor- gestern wurde die Leiche der Vermißten aus einem kleinen See bei Strausberg gelandet, wohin sie sich von Berlin aus begebe» hatte. Achöneberg. Einen heitere« bunten Abend veranstaltet der BildungSauSschuß am Sonnabend, den 22. April, abends L'/z Uhr. in den Neuen Rathau-Z- sälen, Martin-Luther-Str. 51. Da das Programm ein abwechslungS reiches ist und einen genußreichen Abend versprechen dürfte, wird die Arbeiterschaft um recht rege Beteiligung ersucht. Programme a 30 Pf. sind zu haben in der ZeitungSspedttion,'Martin-Lnther-Str. 51 und >» den Verkaufsstellen der Konsumgenossenschast. Nach den Bor trägen: Tanz. Zehlendorf(Wannseebahn). Die Fürdernng deS WochenmarkteS hat in Zehlendorf lange auf sich warten lasten. Jahrelang hat der Markt, von den meisten Ein- wohnern ungekannt, an versteckter Stelle ein armseliges Dasein ge- ristet. Endlich vor etwas über einem Jahre hatte die Gemeinde- Verwaltung an leicht zugänglicher Stelle einen Wochenmarkt ein- gerichtet; doch die Verwaltung beging gleich bei der Einrichtung den Fehler, daß sie den Markt selbst einem privatkapitalistischen Unter- nehmer verpachtete, anstatt ihn in«igen« Regie zu führen. Dieser will natürlich möglichst hohe Gelvinne aus der Verpachtung der Stände ziehen. Die Folge ist, daß die Händler, schon. um die höhere Pacht herauszuschlagen, genötigt find, verhältnismäßig höhere Preise für ihre Waren zu nehmen wie anderwärts. DaS kümmert unsere Gemeindeverwaltung jedoch nicht. Aber sonderbarerweise greift sie sofort ein. wenn ein Händler Preise für seine Waren nimmt, die unter den ortsüblichen Verkaufspreisen bei den ansässigen Gewerbetreibenden stehen. Schon bald nach Eröffnung wurde einer Weißwarenhändlerin das weitere Besuchen de« Marktes untersagt, weil angeblich ein Warenhaus vom Ort Einspruch gegen die von ihr gemachten Preise erhob, da es selbst bei solchen Ver- kauföpreisen nicht bcstehcit könnte. Das war der Grund, der der Händlerin für ihre Verweisung von, Markt angegeben war und wie ie ihn am letzten Tage ihres Dortseins ihren Räufern nütteilt«. Jetzt ist ein ähnlicher Fall vorgekommen. Bor kurzer Zeit wurde einer Händlerin»nit GratulationSkarien daS fernere Betteten des Marktes untersagt, weil die zwei od« drei. Papierhändl« dcS- Ottes gegen ihre billigen Preffe Einspruch erhoben hgsten. DgS Verweisen boni Markt kann ttdürlich nur bön der Getttelnde« Verwaltung ausgegangen fein. Dem Generalpächter muß«S gleichgültig sein, zu welchen Preisen die Händler verkaufen, wenn er lein Stand- geld bekommt. Die Bilder paffen aber vorzüglich zu der auch sonst von unserer Gemeindeverwaltung gepflegten Politik, möglichst unve- kümmert um hohe Preisaufschläge nicht genügend leistungsfähige örtliche Gewerbetreibende zum Schaden der Gesamtheit bei ihren Aufträgen zu berücksichtigen. Gegen diese Art, die örtlichen Gewerbe- treibenden zu begünstigen, erheben wir ganz entschieden Einspruch. Sind denn die sonst in der bürgerlichen Gesellschaft geltenden Kon- lurrenzgesetze für Zehlendorf ausgeschaltet?_ Solche Einrichtungen müssen so ausgebaut werden, daß sie dem größten Teil der Bevölke- rung nützen. Wem, aber in kleinlicher Weise daraus geachtet wird. daß den örtlichen Gewerbetreibenden durch die Preise der Markt- Händler kein Härchen gekrümmt wird, dann jagt man die Händler und Käufer vom Platz, weil die Käufer e» dann vorziehen, die ent- fernteren Märkte von Steglitz und NowaweS aufzusuchen, um preiswerter zu kaufen. Eine solche Politik stellt also im Grunde eine Belästigung des Publikums dar. Storkow. Low eigenen Wagen überfahren und getötet. Da» Opfer eines bedauerlichen Unglücksfalles ist der ö2jährige Kutscher Ludwig Strahl aus Reichenwalde bei Storkow geworden. St., der bei dem hiesigen Maurerineister Prömmel seit mehreren Jahren in Stellung war, hatte eine Fuhre Kall nach der Ortschaft Görzig zu transportieren. Unterwegs entfielen dem Kutscher die Zügel und als er sich nieder- beugte, um die Leine wieder zu ergreifen, stürzte er kopfüber von seinem Sitz herab. Er geriet dabei unter den schweren Wagen. dessen Rüder über ihn hinweggingen. Mit zermalmten Beinen wurde der Verunglückte blutüberströmt und besinnungslos von einem vorüberfahrenden Besitzer aufgefunoen, verstarb aber bereits, ehe ihm irgend welche Hilfe gebracht werden konnte. Strahl hinterläßt eine Frau und acht Kinder in sehr dürftigen Verhältnissen. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt. Potsdam. Die Politik deS Rathauses mit ihrem durchweg konservativen Stadlverordnetenkollegium hat in den letzten Jahren jede» gewerb- liche respektive üldustrielle Unternehmen von Potsdam fernzuhalten gewußt. Die Folgen machen sich jetzt vor allem bei den Klein- gewerbetreibenden und Kaufleuten bemerkbar. Man will nun durch die Hebung des Fremdenverkehrs erneute Einnahmequellen für die Bürger der Stadt schaffen. Neben dem Flugplatz an der Pirschheide soll ein Naturtheater auf dem Brauhausverge eingerichtet werden. Der dazu gegründeten Gesellschaft wird ebenso wie beim Flugplatz von den stadtischen Behörden weite» Entgegen- kommen zugesichert. Neben der Schaffung neun Einnahmequellen soll aber auch gleichzeitig der.patriotische Sinn' gefördert werden. In diesem Sommer gelangt zur Aufführung„Der eiserne Heiland", ein Hohenzollernspiel. dann sollen in den nächsten Jahren folgen Festspiele aus den Befreiungskriegen, weitere Hohenzollernspiele— wenn man bis dahin nicht die Spielnei wieder aufgegeben hat. Die technische Leitung hat der ehemalige königl. Regtffeur Axel Delmar in Steglitz. Der Schah im Schwielowsce. Tauchern und Schatzsuchern hat der tückische Zufall in den Ostertagcn ein erstrebenswertes Ziel ge- steckt— richtiger gelegt. Bei einer Osterpartie verlor ein Berliner Fabrikant, der die Havelgewässer mit feinem Boot passierte, bei einem Unfall im Sckwielowsee, wo er nebenbei zu einem unftei- willigen Bad kam, sein Portefeuille mit 10 000 Mark in Papier- geld. Die alles verschlingenden Wellen haben ohne Widerrede den Schatz aufgenommen und all« Voraussicht nach werden sie nicht wieder hergeben, was sie besitzen. Dem Berlustträger wird diese Osterpartie in ewiger Erinnerung bleiben. Fischer und Schiffer, die von dem papierenen Vermögen hörten. «lachten sich bereits daran, das Objekt zu bergen. Da sie aber die Unfallstelle nicht genau kannten, war ihr Bemühen erfolglos. Das emsige Suchen dieser Leute erinnert an einen Borfall in Potsdam. Ein»ermögender Herr, der mit seiner Familie eine bekannte Fluß- badeanstalt frequentierte, verlor daS neue 560 M. kostende Gebiß. Er setzte für die Wiedererlangung seiner künstlichen Kauwerkzeuge eine Belohnung von 100 M. aus. Badewärter und Schwimmeister wollten die Prämie verdienen. Man tauchte und tauchte und fand — fünf Gebisse, darunter das der Schwiegermutter des zahnlosen Herrn; daS teure Gebiß blieb verschollen. NowaweS. Vom eigenen Fuhrwerk getötet. In NowaweS ist am Mittwoch der Kohlenhändler Otto Schröder, der Wilhelmstr. 82 wohnte, tödlich verunglückt. Sch. kam mit seinem Gespann aus Wannsee. Plötzlich scheute da« Pferd. Als Schröder es halten wollte, kam« zu Fall. das Pferd zog an und die Räder gingen dem Unglücklichen über den Leib. Mit schweren Verletzungen brachte man ihn nach seiner Woh- nung. wo er bald darauf starb. Eue aller Welt. Päpstlicher Terrorismus. Aus Rom wird UN« geschrieben: Der Vatikan sucht durch einen geradezu eisernen UnteniehmerterroriSmuS alle von ihm wirtschaftlich abhängigen Personen zum Boykott der römischen Welt» auSstellung, die er als Jubiläumsausstellung haßt, zu zwingen. Den Handwerkern und Unternehmern, die für dm Vatikan Arbeiten ausführen, ist es auf daS strengste verboten worden. Arbeiten für die Ausstellung zu übernehmen. Weiter ist ihnen aber auch sogar verboten worden, auf der Susstellung auszustellen u n d j i e z u b e f u ch e n. Uni daniber eine Kontrolle ausüben zu können, werden, wie der„Avanti" berichtet, die Eingänge der AuS- ftellung von Vertrauensleuten deS Vatikans über- wacht. Diese sollen genaue Listen führen und jeder, der bei der Uebertretung deS Boykotts ertappt wird, hat die längste Zeit Arbeit beim Vatikan gehabt. Früher suchte der hl. Stuhl die Leute durch die Angst um ihr Seelenheil kirre zu machen. Heute versucht er'» wirksam durch die Angst um den Geldbeutel. Eine rltsfische Polizeifchusterei. Seit Monaten ist die englische Polizei vergeblich aus der Suche nach dem Hauptbeteiligten der HoundSditcher Berbrechervande. dem mysteriösen„Peter, den Maler". Ganze Legenden haben sich in der bürgerlichen Presse um die Persönlichkeit deS eifrig Gesuchten gebildet, der eS verstand, spurlos von der BUdfläche zu verschioinden. Die von uns angedeutete Vermutung, daß Peter der Maler nach der ganzen Art seines Wirkens in näheren Bc« ziehungen zur russischen Polizei stehe, um die in London exilierten russischen Revolutionäre zn diskreditieren und unmöglich zu machen. findet ihre Bestätigung durch eine Mitteilung deS berflhttrten englischen Schauspielers Lawrence Irving an die„Pall Mall Gazette". Wie Irving dem Blatt schreibt, hat er von einigen russischen Freunden Briefe«halten, aus denen hervorgeht, daß„Peter der Mal«", der das Blutbad in HoundSditch auf dem Gewisien hat, ein provoostour der ruffi» fchen Polizei fei. Er wurde nach London geschickt, um durch Gewaltakte die russischen politischen Flüchtlinge zu kompromittieren und so England als Asyl für die russischen Revolutionäre unmöglich zu machen. Wie Irving» Gewährsmann mitteilt, ist„Peter der Maler" inzwischen nach Rußland zurückgekehrt und in die Dienste der politischen Geheimpolizei eingetreten. . Diese Mitteilung verdient»im so eher Glauben,'als Rußlands MochthMr stets die verwerflichsten Schustereien begangen haben— «I fei nur an»zews Tätigleit crinnerl—, UM fünZtlich Zurcht vor«volutivvÄc» Attentaten zu erwecken. Eine komplizierte Dörfchen der Altmark Kuddelmuddel. Verwandtschaft ist dieser Ta zustande gekommen. In D ü e in einein r i n g s h o f dei Landsberg haben kürzlich ein Wjähriger BauenigutSbesitzer und dessen ZSjähriger Sohn z w e i S ch w e st c r n g e h e i r a t e t. Der Junge nawi, fich die 24jährige zur Frau, während der Vater die ISjährige ehelichte. Der Stand der gegenwärtigen Verwandtschaft ist der. dast Vater und Sohn Schwägersleute geworden sind, die ISjährige Schwester die Schwiegermutter ihrer 24jährigen Schwester ist. Die Schwiegertochter des Bauerngutsbesitzers ist seine Schwägerin, seine Frau, die Schwiegermutter, gleichfalls Schwägerin ihres Schwiegersohnes. Die ISjährige Gattin ist die Stief- mutter ihres 2Sjährigen Schwiegersohns und Schwager» geworden. Noch viel komplizierter wird aber die Verwandtschaft, wenn aus der Doppelehe Kinder hervorgehen. Die refpektiven Cousins oder Cousinen werden dann gleichzeitig Onkel und Neffe oder Tante und Nichte. Der SSjährige BauenigutSbesitzer und seine ISjährige Gattin werden dann zu den Kindern ihres Sohnes gleichzeitig Großvater respektive Großmutter, Onkel und Tante. Die Kinder, die aus der Ehe des älteren Gutsbesitzers entsprießen, iverden zu ihrein Onkel, dem jungen Gutsbesitzer Bruder oder Schwester. Das verwickelte Verwandtichastsverhältnis weiter auszuspinnen. müsseil wir den Lesern überlassen._ Ein schlagfertiger Pfarrer. Der Pfarrer Dr. Gregor Schmitt in Escherndorf beschied am Karfreitag den L e h r er 23 o l s aus einem Filialdorse Köhler zu sich ins Pfarrhaus nach Escherndorf und machte ihm Bor- halimtgen, weil er am Karsreitag in der Kirche nicht vor- g e b e t e t h a b e. Als der Lehrer darauf hinwies, daß der niedere Kirchei�dienst vom Schuldienst abgelöst sei und damit für ihn die Verpflichtung zum Vorbeten nicht mehr bestehe, wie dies auch schon vom Pfarrer selbst zu Protokoll festgelegt worden sei, nannte Pfarrer Schmitt den Lehrer wiederholt einen„gemeinen Lila» er*. Der Lehrer verbat sich das. Da schlug ihm der Pfarrer m i t g e b a l I t e r Faust ins Gesicht, daß die Nase blutete und das Gesicht anschwoll; dann warf er ihn zum Parrhause hinaus, Wobei der Lehrer noch mehrere Kratzwunden im Gesicht und am Ohr davontrug. Der Lehrer ging sofort zur nächsten Gendarmeriestation, erstattete Anzeige und stellte Strafanzeige gegen seinen Lokalschulinspektor. Die Dummen werden nicht alle. Der Pariser Bankier Lucien R i v i e r. der durch daS schwindelhafte Versprechen, bei ihm hinterlegte Gelder mit 365 Prozent verzinsen zu wollen, zahlreichen kleinen Sparern mehr oder minder beträchtliche Summen entlockt hat, ist seit Mittwoch au» Paris verschwunden, wie man glaubt, unter Mitnahme von etwa einer Million. Der Fehlbetrag beläuft sich nach den gericht- lichen Feststellungen aufdrciMillionen Frank. Kleine Notizen. Schweres Grubenunglück. In der letzten Nacht verunglückten auf der Grube Reden bei Sleunkirchen zwei Bergleute durch herabfallendes Gestein. Einer wurde sofort getötet, der andere ist schwer verletzt. Ein TodeSsturz. Im Deutschen Theater zu München hielt seit einigen Tagen allabendlich die„phänomenale Höllenfahrt mit Todessprung", ausgeführt von William Diabolo, die Zuschauer in Spannung. Als der Artist am Mittivochabend die tvaghalsige Fahrt von der Brüstung der Galerie in die Tiefe angetreten hatte, überschlug sich plötzlich das Fahrrad und Diabolo stürzte unter lautem Aufschrei und unter großem Krach auf die Bühne, wo er mit tödlichen Verletzungen regungslos liegen blieb. Das Ende der Klassenkämpfe hat der Staatsanwalt in Czernowitz(Bukowina) nahegerückt. Er konfiszierte in der Osternummer der sozialdemokratischen„Volkspresse" nicht nur Bc- trachtungen über Christus, sondern auch— da» kämpfende Proletarkak. Da hart Waich febft Klassenkampf mif. f c«tt cfi lein kämpfendes Proletariat mehr gibt! Abstur» cinra französischen Milttärsliegers. Em don dem Leutnant Jougcre gesteuerter Eindecker stürzte in der Nahe von RoimS infolge eines Windstoßes aus 20 Meter Hohe av. �.er Offizier wurde am Oberschenkel schwer verletzt. Das Sündenbabel Paris. Nach dem jetzt bekannt gewordenen Ergebnis der Volkszählung betrug die Einwohnerzahl von Paris im März d. I. L87S08Ü gegen 2 723 734 im März 1006. Verheerende Feuersbrunst. Der in der Nähe von Wien ge- lcgene Marktflecken Langenlois ist am Mittwoch von einem Brand heimgesucht worden, der 1? Wohnhäuser und eme große Anzahl Nebengebäude vernichtete. Zwei Frauen sind in den Flammen umgekommen. Eine indische Stadt durch Zyklon zerstört. Nach einem Tele- gramm aus Kalkutta ist die indische Stadt S a n t e h a r, an der ostbengalischen Eisenbahn belegen, am Mittwoch von einem furchtbaren Sturm heimgesucht worden. 60 Häuser sind vollständig zerstört. Ein Eisenbahnzug wurde vom Sturm die Böschung hinabgeworfen. Viele Personen wurden dabei verletzt, eine Anzahl getötet. Eingegangene Druck lcknifren. Von der„Neuen Zeit« ist soeben das 00. Hess des 20. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Hefte» beben wir hervor: Der Bund der W..._____________ Z»poMchEl China. Von M>chel PawlowUs4(Schluß.)— Erwiderung an Vandervelde. Bon Louis de Broucköre.— Die Entlasiung des Llrmenwelens durch die Arbeiterversichcrmig. Von Max Schmider. Nürnberg. Dir.Neue Zell' erscheint wöchentlich einmal. DaS einzelne Hest kostet 25 Bs. Ter Tropenpfla«zer. Nr. 4. Organ dci Kolonialwirffch. Komitee» ....... D,_ Warburg. F. Wohlimann. Erscheint monatlich. Jährlich und M. Sclbswerlag, Berlin. Unter den Linden 43. Tie Tat. Eine Monatsschrift. Herausgegeben von E. Hornester Hoffmann. 4. Hest. Leipzig. Verlag Die Tat. Vierteljährlich 2 M. Theater und Vergnügungen Freitag, A. April. Anfang?>/, Uhr. Köuigl. Opernhau«. Carmen. «önigl. Schauspielhaus. Flach»- mann al» Srzieber. Dcntiches. Faust, i. Teil.(Ansang 5 Uhr.) Ansang 8 Uhr. Kammerspiele. Frühlings Sr- wachen. Neues kontgl. OPeru-Theater. Meineidbauer. Neues Schauspielhaus. Diene- rinnen. Lessing. Glaube und Heimat. «ouiische Over. Figaro« Hochzeit. Kleines. Der Letbgardift. Berliner. Bummtlswdcnten. Westen. Die lusdgen Nibelum Rene». New erlauchter Ahnl. Luitspielhau«. Der Registrator aus Reisen. Trianon. Theodore u Sie. Resideuz. Fernand» Ebelonktrakt. Thalia. Polnische Wirtschast. Schiller o..»«Qn«. Theater.) Liebelei. Literatur. SchiUe» Ebarlatteubur». Der Traum ein Leben. Friedrich- Wilhelmstädtische». Kaseruenlust. voltSoper. Der Freischütz(An« sang S'/, Uhr.) Luise». AuS erster Ehe. Moderne». Der Feldherrnhügel. (Ans. 8',. Uhr.) Role. Mutlerseaen. Herrufeld. SchewungS-Souper. Dte Bar-Schwester. Nene» Operette». Der ledig« Galt«. Folie« Caprtce. Soll und Haben. (Ans. 8'/. Uhr.) Meerovol« Hurra— Dir leben noch I «astuo. Zwei Wappen. Botgt. Der Wilderer. Apolla, Spezialüäten. «aiiage. Spezialitäten. Roait. Goldene Berge. «etchSdalle». Stelllner Sänger. Karl Haverlaud. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Walhalla. Bravo I Da rapo l (Ansang 8'/, Uhr.) Wedding. Lichtipiele. � Intimes. Nachtarbeit. Madame Madeleine. Urania. Taubenstrafle 48/49. Abends 8 Uhr: Märkische Land- schasts- mid Gartenvoesie. Nachmittags i Uhr: Lebende Tierbilder von nah und seru. Steruwarte, L»validenstr. 57—82. Katser-Ponorama. Besteigung der Zugspitze. Reise über den Brenner nach Venedig. Tlraiit». V�ipssosekuktUesiss'Lsisatsr Vaubonotrallo 48/40. Nootrmittaxs 4 Cdr: Hebens« Ilerdililee»an nah uns wen. Abends 8 Uhr: 8 Uhr; Direktor Franz Ooerka: BUrklnche I-anduchafts- and Oarten-Poenie. Theater des Westens. AbendS M Uhr: Tie luftigen Nibelungen. Sonntag 3'/, Uhr: Die lustige Nil»e. 'Cüstspielhaus. AbcndS 8 Uhr: Der KeMriltor auf Leisen. fdgllsioii-�IItiölnistSiItlseiigz ZetiMpieltiglis. Freitag, den 21. April, 8 Uhr» Kaseruenluft. Sonnabend 3 Uhr: Wilhelm Tcll. 8 Uhr: Kasernenlujt. Sonntag 3 Uhr: Die Räuber. 3 Uhr: Kasernenlust._ Berliner Volksoper Lelle-Alliancestraße 7/8.—'/„O Uhr: Der Freischütz. Residenz-Theater. DircMon: Richard Alexander. AbendS 8 Uhr: Fernands Ehekontrakt. Schwank Jn 3 Akten von Georges Feydeau. In deutscher Bearbeitung von Benno Jacobson. Morgen und folgende Tage: Fernands Ehekontrakt. Luisen-TDenter. LlbendZ 8 Uhr: Ans erster Ehe. Schauip. in 5 Alt. o. Ernst Ritterfeldt nach einer Erzählung von H. Courts Mahler. Sonnabend 8 Uhr: An» erster Ehe. �dirnl-sls-palsst am Bahnhof Friedrichstraße pit Eis»Arena"MC geöffnet von 10 Uhr vormittags. Nachmittags und abends: Eislauf»Ppoduktionen HUabcndlfch: Vie Stadt au 3 Orchester 3 Das feenhaft ans gestattete Montreal Eis- Ballett eti vormittags: Konzert Görner _ Urcnester& Nachmittags: Militär- Kapelle. gg: Abends: Elnftdshofer- Konzert. �8 8S~ Bis 7 Uhr abends halbe Kaasenpreise. „CLOU" BERLINER KONZERTHAÜ8 Mauerstr. 82 Zimmerstr. 80-81 Heute nachmittag: Gr. Promenailen-Konzert. Außerdem abend«: Kapelle des König Franz-Regiments. Adolf Becker bei freiem Eintritt. Sonntag 3 Uhr: Der jüngste Leut- 8 Uhr: Zapfenstreich._ nant. Sibirier-Theater 0.1�: Freitag, a b e»> d S 8 Übt: Liebelei. Hieran]: Literatur. Sonnabend, abends 8 Uhr: Im Iilnb»e»»el. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Die Ehre. Sonntag, abend« 8 Uhr: Im Klab«cs«el. Schiller-Theater ChCen Freitag, abend» 0 Uhr: Der Tnuim ein Leben. Sonnabend, na chm. 3 Uhr: Die Brnat von mesetina. Sonnabend, abends 8 Uhr Liebelei. Hieraus: Literatur. Sonntag, mach m. 8 Uhr: Die Janffraa von Orleans. Sonntag, abend« 8 Uhr: Liebelei. Hieraus: Literatur. Berliner Theater. Abend» 8 Uhr; Bnmmclstndcnten. Morgen: Neues Tlieater. Täglich; Ii erMter Herr. Ansallz 8 Uhr. I0SE=THEATE (Srosjt siranksurter Str. 132. Ans. 8 Uhr Ende 11 Uhr. Ij Muttersegen. Sounabend und folgende Tage: Robert und Bertram. Sonntag nachm.: Muttersegen. Hetropol- Theater. Hurra! Wir leben noch! Große AuSstattungSrevue In 7 BUdern o. I. Freund. Musik v. V. Hollaender. In Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Potsdamer Str.72/72a bleibt bis auf weiteres geöffnet als: l'rnTil Sport-Palast Auf vielseitigen Wunsch bleibt bis auf weiteres gei Größter Eispalast der Welt. Allabendlich: Olänrecde sportliche Vorf abrangen und die Ausstattangs-Fcerie „Eisfest an der Neva." liintritt bis 5 Uhr 50 Pf. Nach 5 Uhr M. i,—, reservierter Platz M. 2,—. Banrnblttlem Werder a.H. in schönster Pracht— Extrazüge und Extradampfer täglich. Ab 8 Uhr: Nur noch kurze Zeit l DaS gr. komische Programm. 0-/, Uhr: «rSftter Lacherfolg! ttsinniok pnsng in leiner Burleske Sin Geiuütsmenfch. I'rinnon-I'henter. Täglich abends 8 Uhr: TbCadorv& Cle. könnt, nach«.: Hwol/tts Abeotcusr. April-Spielplan! Der sprechende Hand „Von" und weitere 12 Attraktionen 12 U. a.: Roda Roda* Rauchen gestattet. Voigt-Theater Gesundbrunnen, Badstraffe 58. Freitag, den tu. AprU lOU- Goldene Berge. VollSstück mit Gesang in drei Mten V0N H. Willen und E. Ltaeobsohn. Musik von R. Mal. LSten SensationS-Erfolg der drei Novitäten Das Schtidlings-Soaptr von Julius Horst. Die Bar-Schwester von Anton und Donat Herrnfeld. Ein Dtrlodnngsgkschiist von Anw» und Donat Herrnseld mit den Autoren iu deu Hauptrollen. Ans. 8 Uhr. Voroerlaus 11—2 Uhr. koiies vapriee. llento: Dnornl«»'«. IVerthetia wird platzen t Posse von Max Ernst. SV Bunter Solo-Teil. fW III. Klasse« Elciaiikhfl-IdyU voa Mas Emst Arktis Busch. Heute, Freitag, den 2t. April, obendt?>/, Uhr: Infolge zweier Unfälle kann die Toratellnnc Bichard III beute nicht stattfinden und wird statt dessen das gr- zirzensische Qala- programtn sowie die Pantomime „Armin" anngclährt. Die letzten Vorstellungen Blehard III. finden morgen, Sonnabend, den 22., Sonntag, den 23.. und Montag, den 24. d. M, statt. OewOhnliche Preise. Casino-Theater Lo thrwger Straß« 37. Aon Presse und Publikum anerkannt I Großartiger Lachersolg I „Ztoei Wappen" von Blumenlhal und Kadclburg. Dazu: TarUkoff* Kosaken-Exerzitien. Sonntag 2'/, Uhr:„Mariaune- (ew Weib au» dem Bolle). Karl Haverland- Ansang ThaitdP Kommandanten- präz. 8 Ubr. IDCfllCr. straße 77/79. Aas Aprilprogramiu übertrifft alles Dagewesene. N e u I Tie schwebeude Musik. lteleh5li»lleii-7he»ler. Stettioer Sänger. Britton als Mieze im ffoacks Theater. Direktion: Robert Olli, Lerlin N., Brunnenstraße 18. Koloffaler Erfolg: Verfährt und entehrt. Mod. Sittenbild a. d. Großstadtlebe». Ans. 8'/. Uhr. Entre« 30 Ps.-1 M. VcmmaiKn, ütctaS zu Hab., gültig Ter Zirkus bleibt v Tage! nur noch Tagesgespräch von Berlin ist lier IlleinslöksWastisrilör Welt Mr. Baghongiii. Jfp. Joe Hodflnl in(einen außergewöhnlichen Leistungen. Apachen zu Pferde ger. v. Frl. Dorn Sohnmann und Herrn Karl Hell. Neueste Original» Dressuren deS Dir. dJb. Schumann. p. gr. Coup d. Schmuggler große AuSftattungS-Pantomime. Zwischen dem 3. u. 4. Akt kine« matographische Vorführungen und zwar d Alt-Roablt 47/48. Sonntag, den 23. April 19Ut Auf allgemtint» Wunsch wiederholt! Hast und Liebe. Drama in 3 Auszügen v. Mar Halbe. Kasseneröffn. 6'/, Uhr. Ans. 7'/» Uhr. Nach der Vorstellung: = Tanz.= Abends 8 Uhr: Lina Loos mit neuem Nepertoir. ?attu Trank Truppe Weltmeister d. Akrobatik und das groBa Aprll-VarleU-Pregruim. Königstaiit-Kasino. HoUmarltftr. 73. Täglich: Frans Sobansht. Viktor Ritter, Lotte le Hans, Geschw. Waldew, Adolf Holländer als Gast, der berühmte Improvisator Tho Wodlawt u|m. Ter undankbare Sohn. VollSstück in 1 Akt von Rcifflingen. IVtthron,!«l. Osterterlen bis inkl. 23. April: Volkstage. Erwachsen. SjU IM stell Jedes Kind erhält ein Geschenk. Berliner! IIR-Trio Bizdnrf'Berlin. w Lalm5tr.74.i-f Für den Inhalt der Inserate «ibernimm» die Nebaktion den» vndlitn» gegenüber teiuertrt Verantwortung. Wa-Ui V-MlU�- Todes-Anzeigen|[[��|| SozialiiemokratlsciierWaiiiyereiii für den I. Herl, ieielistags-ffafiikreis. Frankfurter Viertel. (Bezirk 311.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genosse, der Bäcker Viaiea? plasar (Palisadcustr. 62) gestorben ist. Ehre seinem Nndenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den 21. April, nach- mittags 3'/z Ubr, von der Leichen- Halle des' Pius- Kirchhojes in Wilhelmsberg aus statt. 218/1 Her Vorstand. Zentra(verband der Bäcker und Konditoren. ▼ertvaltnng Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Via?en? plssar nach langem, schwerem Leiden verschieden ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Freitag, den 21. April, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Pius- Kirchhoses in Wilhelmsberg auS statt. Um rege Bl 40/2 etelligung ersucht Die Verwaltung. SoziMeinokratiscMalilyErEiii des 8. BbfI. REiEhstaifS-WalilkfElSES. Todcs-Anzeige. Am 19. April verstarb unser Ge- nasse, der Steindrucker Ulbert Leköniax Türken str. 24. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 22. April, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Nazarcth-Kirchhoses in Rcinickendors-West aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. an Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksvei-waltung Groll-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, das; unser Kollege, der Arbeiter Ksnl Klaus von am 17. d. MtS. im Mter 37 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den 21. d. Äts., nach- mittags 4 Uhr. von der Leichen- halle des Mariendorser Kirchhoss, Friedenstraße, aus statt. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Chausscur Otto Laube am 15. d. MtS. an einem Unsall verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute Freitag, den 21. d. MtS., nach. mittags S Uhr, von der Leichen- balle des Gethsemane-Kirchhoses in Nordend aus statt. K7/11 Die Bezirksverwallunfl leM der taerel- rad MiMeiter Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser ältestes Mitglied, der Wächter Louis Wolf zuletzt w Arbeit gestanden Löwen- Brauerei, Hohen-Schönhausen, plötzlich verstorben ist. Möge ihm die Erde leicht sein l Die Beerdigung ersolgt heute, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Bartholomäus- Kirchhoses in Weihensce, Falken- berger Chaussee, aus. Um rege BeteUigung ersucht Die OrtSverwaltung. Uerbaud der Maler, lackierer, Anltrejchuusrv. Filiale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Maler Dusts? Pritsche am 18. Slpril verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 22. b. M, nachmittags 3lt4 Uhr, aus dem Fried- hos in Ahrensfelde statt. 129/5 Die Ortsverwaltung. Todes-Anzeige. Hierdurch die traurige Nach- richt, dag mein lieber Mann und guter Vater, der Maler WMm Goebel am 18. April nach schwerem Leiden sanst entschlasen ist. Die trauernde Witwe nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 22. April, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle des Luiscn-Kirchhois am Fürsten- brunner Weg aus statt. 3934L ifleiitoehei' Baoarteiterverbaiit SKwcIgvcrcin Berlin. Sektion d.Gips- u. Zementbranche. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Rabitzpuhcr «Joseph Gorski am 17. April im Alter von 45 Jahren an Lungentuberkulose gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 21. April, nach- mittags 3'/, Uhr. von der Leichen- Halle des St. Scbastian-Kirchhoss in Reinickendorj-Wcst, Humboldt- strage, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 138/4 Der Vorstand. Deutscher Bachbioder- Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern die traurige Nachricht, dag unser Kollege Ilnf am 18. April plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Freitag, den 21. April, nachmittags '/A Uhr, aus dem städtischen Fried- hose in Arnsfelde statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 23/17 Oie Ortsverwaltung. lerhand der Tapezierer. Filiale Berlin. Nachruf. Am 17. April verstarb unser langjähriges Mitglied Max Bruckschen im vollendeten 30. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Ionnabend, nachmittags B'L Uhr, von der Leichenhalle des ZionS- Kirchhofes in Nordend aus statt. Um rege Beteiligung bittet 176/9 0!» Ortsverwaltung. Vorband deutscher Textilarbeiter. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser MUglied, der Stricker IBdwin Fahner am 16. d. Ms. an Lungenkatarrh verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 21. d. MtS., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Krankenhauses Am Urban aus statt. Um rege BeteUigung ersucht 197/4 Der Borstand. Am Mittwoch früh 10-/« Uhr entschlief nach kurzem, schwerem Leiden unsere tnnigstgeliebte Mutter, Schwiegermutter, Grog- wutter und Schwester Iterta Voigt geb. Fiebig im Alter von 68 Jahre». Der die edle verstorbene kannte, weiß, welchen unersetzlichen Verlust wir erlitten haben. Im Namen der trauemden Hinterbliebenen �_ Robert Vofgt «rampenbnrg. de» 20. April mi. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 22. April, nach- mittags 4'/. Uhr. von der Leichenhalle des Schmöckwitzer Kirch- hoseS aus statt. Danksaxnnx. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdi- gung unseres unvergeglichen lieben Bruders, Schwagers. OnkelS und Cousins Friedrich Licht der unS so früh entrissen wurde, sagen wir allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Kameraden Herrn K n ü p s e r sür seine trostreichen Worte, dem Gesangverein, sowie dem Zentralvcrband der Zimmerer, BezirkS-Zablstellen 15 und 16, dem Verband der Bauarbeiter, den Genossen des VI. Wahl- krcises, Bezirke 499 und 532, sowie dem EkatNub.Dreieinigkeit" unseren herzlichsten Dank. 1356b Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManncS, unseres guten Bruders und Sohnes, sage allen Freunden und Bekannten, sowie deni Wahl- verein und dem Verband der Schneider herzlichsten Dank. 1361b Im Namen der Hinterbliebenen Witwe Veronika Monte. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau allen, besonders dem Gesangverein Philharmonie, unseren herzlichsten Dank. F. Xenmann nebst Kindern. Heute Freitag, abeubs 8V2 Uhr, in Louis KeUcrs Fest- Talen. Koppenstraste SS: Referent: Karl Kchneidt. Rezitationen vonFrauzFröhlich-Rnhling. Eintritt 10 Pf. 290/13 Verwaltung Berlin. Heute. Freitag, abends 8>/z Uhr, im GcwerkschastShause, Engel- ufer 14/15, Saal 4 sArbeitslosensaal): Sitzung der Orts Verwaltung. Mitglieder- Versammlungen der Tischler. Bezirk Südwesten! Brauerei. Bergmannftr. k>— 7. 2,. Montag, den 24. April, gleich«ach Feter. �?eAll.» /Wjlvll eS» nbcnd, bei Lttfin, Memeler Str. 67. Montag, den Äs. April, gleich nach Feier- �/llvll ö» ♦ abend, in den Prachtsalen des Lftens, Frankfurter Allee 151— ISS. Montag, den 84. April, gleich nach �oezirr Vioroofren. Feierabenb,beiBoeter,Weberstr.l7. Knchemnöbelbranche. Montag, den S4. April, abends 8 Ubr, im Englische» Garten, Alexanderstr. S7«:: kombinierte Versammlung für ZikhUr, JVIardnncnarbciter u. JVIalcr in Berlin und den Vororte«. Vergolder. Hontaff, den Ä4. April 1911. abend« 8 Chr. im Gewerk- ■cbaltshanse, grosser Saal. Engeiuscr 15: Branchen»Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Conrady über:.Die erste Periode der deutschen Arbeiterbewegung, von 18SV— ISSS". 2. Unsere Mai. seier. 3. Branchenangelegenheiten. Kmirslhiliillll-Arbkitn«.-Arbeileriliiltii. BRontag. den 94. April, abends pünktlich 8 Ehr, im Gewerkschaltshanse. Arbeitslosen-ssaal, Engelusir 14: Branchen»Versammlung aller ill der Jellaloid-Haarschmuck-Kranche deschästigtev Arbeiter und Arbeitenulleu. TageS-Ordnung: 1.»Darifverträge. ihr Einflust anf die Lohnverhältnisse der Arbeiterschaft». Reserent: Kollege Jallns Hlldebrandt. 2. DiS- tussion. 3. Maifeier. 4. Verbands- und Branchen-Angelegenheiten. Lehrlmgeu.jugendlicheArbeiter der Holzindustrie! ' Am Sonntag, den«8. April, veranstaltet die Jugmdkommisfion der Holzarbetter einen Ausflug nach Grunewald— Pichelswerder. Absahrt 8 Uhr ab Schlcsischen Bahnhos. Für Nachzügler: Treffpunkt bis 2 Uhr nachmittags w PichelSwerder, Restaurant zum.Alten Freund'. Unsere Kollegen werden gebeten- die jungen Kollegen darauf auf- mcrksam zu machen._ 82/7 Ii L Sauben, Restaurants aof ' etc. erzielt man durch C O#*T\ f\ Fl»eiS— grau— rot— grün leuchtend, 1 | J garantiert wetterbeständig, streichfert.| sofort trocknend, billiger als OeUarbe. Prospekte, Master gratis. Telephon IV. I MranUvortliSer Vititaltmi Llbirt KaMl Birlm, Ar" deo �tlkrattotpil vttautw.� Tjh Druck tt-SZirlagl BsrsgrtS Arbeitsnachweis: Hos 1. Amt 3. 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Hauptburea«: GdaritSstraSe 3. Hos TTL Amt 3. 1987. Sonntag, den ä3. April, vormittags 8V» bis 11 Vs Uhr, finden die Wahlen der Zb Delegierten für den diesjährigen Verbandstag in Mannheim sowie der zwei Beisitzer für die Ortsverwaltvng in folgenden Lokalen statt: KAezorovsbis Festsäle, 11»™»�.•. Werniekes Feslsäle, Ackerstr. Voigt-Theater,»adstr. s». Hönischs Restaurant, wiehert»tr. a. Obiglos Festsäle,»chwcdter str.«s. Karsowskys Restaurant, Bemancr stras« n. RoITmanns Festsäle, Dr«soner.tp. i®. Lachnichts Restaurant,"b. Funkes Gesellsehaftshaus, Trutstr.«s. Kronen-Brauerei, Ait-Moabit 4r/48. Patzenhofer Brauerei, TnrmBtr., Ecke suromitr. Gewerksehaftshaus, Engeiaicr 15, sam 5. Fröhlichs Restaurant, anskancr str. 1. Reitmanns Festsäle, sehömem.tr.«. HfillO RotllOlICCOlo früher Obst(im Tunnel). ScbOne- Neue nalilaUSdülC berg, Bartin Eatberstr. 51. Wiemers Restaurant, Büiowstr. ss. LitfinS FeStSäle, Bemeler Str. 67. Boekers Festsäle, wcber.tr. 17. Eiysium, Landsberger Allee 40/41. Rummeisburg, Blumes Restaurant, �tsorb�n-s. Riidorf, Hoppes Festsäle, Hermann.tr. 4». do. Zibells Restaurant, Eibe.tr. s. do. Rückbeims Restaurant, Berg«tr.M. Tempelhof, Wilhelmsgarten, Bemner str.•. Cbarlottenburg, Volkshaus, Ro.men.tr. 3. Köpenick und Friedricbshagen, Lehmanns Restaurant, Ba?„nK0ör?enttick.44 Steglitz, Clements Restaurant, Dappei.tr. 7. Ädlersbof, Resteis Restaurant, Fneden.tr. 14. Ober-Schöneweide, Weißensee, Peukerts Restaurant, Pankow, Rozyckis Restaurant, Kren..tr.»-4. Spandau, Restaurant Bohle, Haveutr.««. Tegel, Halles Restaurant, Brnnow.tr. ss. S1 Ghllt Mitgliedsbuch kann viemand wöhleu! Die Stiannzettel«erde» am Eingang zu den Wahllokalen verteilt. Wahlleiter ist der Kollege Otto Bandke, Charittstr. 3. Achtung! Zlchtung! Sonntag, den 23. April, vormittags 10 Uhr: Branchen- Berfammlnng der Drahtarbeiter und-Arbeiterinneu im GewerkschaftshauS.»ngeluser 15. Saal 3. TageS-Ordnung: 1. Dortrag. 2. DtSkusfion. 3. Branchenangelegenhetteu und BerschtedeneS. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Sonntag, den 23. April, vormittags»'/, Uhr: Branchen- Versammlung der Eisen-, Metall- n.Ktvoivtrdrehtr, sotvie Rnndsthieifet w den Mufiker-FcftsSlcu, Kaiser Wilhelmstt. ISw. grosse»! Saat. Tagesordnung: . Bericht und Diskussion. 2. BranchenangelegenhettM. 3 Neuwahl der Branchenlommission. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Sonntag, de» SZ. April, vormittags»'/, Uhr. t» de« Andreas- Festsäleu, Andreasstrasse 21: Branchen- Versammlung aller in den Gisenkonstrnktions- Werk- statten beschäftigten Arbeiter. Tages-Ordnung: «orfrag Ii es TchriststellerS Genosse» Eduard Bem.teln fifier: „ Wtrtfchastsfrage» der Neuzeit.« L. Diskussion. 3. B aiichen-An« gelegenheiten. 4. Verschl-d-n-S. � ��-tracht der äusserst wichtig« Tagesordnung ist das Erscheinen aller Kolleg« drmgend notwendig.. j£5/14__ Die Ort.verwaltnng. aiüäbtütfetel»LerlsASonj�tt tßaiilSing« u,tc., BerlioSÄ»" |t. 93. 38. Iahtgllvg. 3. KcilU des Jotwätls" Jttliiiet lreitag. 21. April 1911.' Siebzehnter Parteitag Ser sozial-' demoKratüchen Arbeiterpartei(Hollands. Utrecht, 16. April.(Eig. Ber.) Der diesjährige Parteitag der sozialdemokratischen Arbeiter- Partei tagt am 16., 17. und 18. April zu Utrecht. Am Vorabend hatte die Abteilung Utrecht den üblichen Festabend veranstaltet. In seiner Festrede erinnerte Genosse Abg. P. I. T r o e l st r a an den ersten im Jahre 1896 zu Utrecht abgehaltenen Parteitag. Damals zählte die Partei 39 Abteilungen, wovon 24 durch 44 Delegierte vertreten waren. Sie hatte 1090 Mitglieder, jetzt aber zählt sie über 19999. Der bevorstehende Parteitag habe zu untersuchen, ob die jährliche Demonstr ation für das allgemeine Wahl- recht, anstatt an einem Sonntage, dieses Jahr an einem Wochen- tage stattfinden könne. Auch hierzulande würden Millionen für den Militarismus weggeworfen, Reformen von irgend- welcher Bedeutung bleiben aus, die soziale Reform habe Fiasko gemacht, und was zustande gekommen sei, werde durch die Teuerung der Lebensmittel völlig aus- gehoben. Auf dem Gebiete der Steuern, des Unterrichts usw. trete die Reaktion sters schärfer zutage. Seit der Gründung der S. D. A. P. bis 1991 sei dieselbe schnell wachsend bis auf 4999 Mit- glieder gestiegen. Von da ab gehe es langsamer vorwärts, S e l b st k r i t i k sei nötig. Die Partei sei nunmehr ihrer Or- ganisation und dem Umfang ihrer Waffen entwachsen; sie ver- lange nach neuen Waffen, neuen Arbeitsmethoden, die der neuen Periode entsprächen. Von Bedeuwng seien die dem Partei- tag vorliegenden Anträge betreffs der inneren Propaganda und der Ausbildung der Genossen und der Jugend. Redner ist der Ansicht, daß das allgemeine Wahlrecht 1916 erobert sein werde. Jetzt bereits reiche der Einfluß der S. D. A. P. weit über ihre Mit- gliederzahl und diejenige ihrer Wähler hinaus. Sonntagvormittagsitzung. Der Parteivorsitzende Genosse V l i e g e n eröffnet den Parteitag mit einer Rede, in welcher er konstatiert, daß die Partei mehr als zehn Jahre nötig gehabt habe, um das zweite Fünf- tausend ihrer jetzigen Mitgliederzahl von 19 999 zu erreichen. Die Wahlen für die Provinzialstaaten hätten wiederum Ge- Winne an Sitzen gebracht. Man lebe im Wahlrechts- jähr und die letzte Wahlrechtsdemonstration habe bewiesen, daß das Proletariat der Parole der S. D. A. P. folge. Nach der Demonstralion habe die Petitionsbewegung für das Wahlrecht eingesetzt, worüber der Parteitag noch näher verhandeln müsse. Es gäbe nämlich ver- schiedene Abteilungen, welche die Aktion für dieses zu lau führten. Das Wahlrecht müsse in den Mittelpunkt der Politik gerückt werden. Die regierende Klasse sorge dafür, daß die Propaganda nicht stille stehe und zwar mit ihren Gesetzen für indirekte Steuern und über die Kiistenverteidigung, dem Milizgesetze und dem Zollgesetze. Bei der Abänderung der Erbschaftssteuer war die Gelegenheit da, die Finanzen zu verstärken, aber niemand außer der sozialdemo- kratiichen Kammersraktion war hierzu bereit. Demgegenüber stehe jetzt die geplante Einführung von Einfuhrzöllen; es zeige sich,' daß die jetzige Regierung die allerreaktionärste sei. Die christlichen Arbeiterorganisationen lägen danieder, besonders das protestantische„Patrimonium'; die katho- lischen zeigen noch etwas Leben, kämpften sie doch, wie die sozial- demokratischen, für den Zehnstundentag. Die Stoßkraft aber komme jedoch von den letzteren. Zum Schluß schildert Vliegen den Fortschritt der inter- nationalen Arbeiterbewegung, gedenkt der dahingeschiedenen Kämpfer tür das Proletariat, auch des verstorbenen Genossen Paul Singer, der von der Regierung Japans ermordeten Freunde und spricht die Hoffnung aus, daß in Rußland das revolutionäre Feuer wieder ausflamme, daß es gelinge, dort die Reaktion zu vertreiben und daß eine neue Zeit für die Befreiung des russischen Proletariats anbrechen möge. Nachdem Redner für Holland noch das gute Ein- vernehmen mit der Gewerkschastszentrale der modern organisierten Arbeiter, dem Werkverband, erwähnt und dem dringenden Wunsche Ausdruck verliehen hat, daß der Parteitag ein Parteitag des A r b e i t e n S sei, will er die Kritik der Kammerftaktion und des Parteivorstandes sowie den Jahresbericht in nur ganz kurzer Zeit vom Parteitag abgehandelt sehen, wogegen niemand etwas einzu- wenden hat. Hiermit wird zur Behandlung der Tagesordnung ge« schritten. Sie enthält 27 Punkte, wozu 198 Anträge vorliegen. Auf Vorschlag des Vorsitzenden iverden der Jahresbericht des Parteisekretärs, die Kritik des Parteivorstandes und die der Kammer« fraktion in Behandlung genommen. Aus dem Jahresbericht des Parteisekretärs I. G. Van Kuykhof erhellt, daß die Partei am 31. Dezember 1999 295 Abteilungen mit 9594 Mitgliedern, am 31. Dezember 1919 229 Ab« teilungen mit 19 999 Mitgliedern zählte. Betreffs der Tätigkeit der Parte» im verflossenen Jahre erwähnt der Bericht die Organisation einer Petition an die Regierung und die Kammern für das all- gemeine Wahlrecht; die weitere Agitation für den Zehn- st u n d e n t a g; die Teilnahme an den Provinzialstaaten; einen Bc- schluß des Parteivorstandes betr. der Jugendorganisation„De Zaaier", worin den Parteiableilungen der Auftrag erteilt wurde, leine Verbindung mit dem„De Zaaier" zu unterhalten, wo aber andere Jugendorganisationen beständen, einen Abteilungsdelegierten in diese zu entsenden.„De Zaaier' hat nämlich in seinem Haupt- vorstände auch Mitglieder der S. D. P.— Ferner wird im Berichte ein Beschluß des Parteivorstandes erwähnt, der die Zulassung d e r S. D. P. ber der bevorstehenden Feier des 1. Mai nur dann gestaltet, wenn diese sich von Angriffen auf andere teilnehmende Organisationen enthalte, wie dies letztes Jahr geschehen sei. Der finanzielle Bericht ergibt an Einnahmen und AuS« gaben ein Total von 29 579,21'/, Gulden und ein Saldo von 391.78'/z Gulden. Be» der Debatte über den Jahresbericht wurde neben der Be- sprechung innerer Angelegenheiten nur von dem Delegierten von Amsterdam VI ein Fortschritt in seiner Abteilung von 89 Prozent Arbeitermilgliedern seit Dezember konstatiert, gegenüber einem Verluste von 6 Prozent an Intellektuellen. Demgegenüber verwies der Delegierte von Amsterdam IX aus das geringe Wachstum der Partei, im Gegensatz zu der Mit- gliederzahl der Gewerkschaftsbewegung. Stark zeige sich dies zu Amsterdam, wo die dem»Vorftändeverband angeschlossenen Gewerk« schaften von 15 939 auf 18 999 Mitglieder, alio um 27 Proz. ge- stiegen seien, Ivährend die neun Amsterdamer Parteiabteilungen zu- snmmen nur eine Zunahme von 27 Mitgliedern aufzuweisen hätten. Der Delegierte von Dordrecht warnt davor, daß die beiden Richtungen in der Partei einander die Schuld für diesen Stillstand zuschieben. Früher habe man diese dem kritischen Auftreten der Marxisten zugeschrieben; im letzten Jahre könne man dies doch gewiß nicht mehr tun. Die Kammersraktion erntete während der VormittagSsitzung von»nehreren Delegierten zustimmende Belobung für ihr Auftreten während des letzten Jahres. Andere kritisierten in mehr oder weniger scharfen Worten insbesondere die Auslassungen des Ab« geordneten H u g e n h o l tz in der Ziveiten Kammer anläßlich deS Besuchs des Königs und der Königin von Belgien bei der holländischen Königin, wobei er die ersteren als Vertreter deS belgischen Volkes hingestellt habe, statt sie als Vertreter der belgischen Kapitalistenklaffe zu kennzeichnen; mid ferner die Zusage desselben Abgeordneten bei Behandlung des sog. Sittlichkeits- gesetzes, wobei er Prüfung der verschiedenen Artikel zugesagt habe. statt sich prinzipiell gegen dasselbe zu erklären und die mit diesem Gesetze gezeigte Heuchelei der gegenwärtigen„christlichen' Mehrheit und ihrer Regierung aufzudecken. Die schärfsten Angriffe auf die Kammerfraktion erfolgten von mehreren Seiten wegen ihres Versäumnisses dem Minister Regout gegenüber, als dieser die Vermehrung von Kriminalbeamte» zur Konstatierung von.Ausschreitungen' bei Arbeitskonflikten zusagte. Versammlungen. Stellung zur Maifeier nahm am Mittwoch die Vertrauensmännerversammlung deS Holz- arbeiterverbandes. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte Glocke in ehrenden Worten des verstorbenen Genossen Borg- mann.— Zur Tagesordnung selbst gab Glocke einen Ueberblick über die Geschichte der Maifeier und würdigte ihre Bedeutung. Jin Hinblick aus die Beschlüsse der Berliner Arbeiterschaft über die Bildung des Viaifonds sagte der Redner, viel wichtiger als die Sammlung eines Unterstützungöfonds für die Ausgesperrten sei die Propagierung der Maidemonstration. Die Berliner Holz- arbeiter würden keinen anderen Beschluß fassen können als den, daß der 1. Mai wie bisher durch Arbeitsruhe gefeiert werde. Doch nicht in Hurrastimmung solle ein solcher Beschluß gefaßt werden. sondern in der ruhigen Envägung, daß die Maifeier eine ideale Einrichtung sei, die imstande sei, die Solidarität der Arbeiter zu stärken und sie den Zielen, für die sie demonstrieren, näher zu bringen. Wo gefeiert werde, müsse es einmütig geschehen. Dann könnten die Unternehmer den Kollegen nichts anhaben. Es habe keinen Sinn, wenn nur einzelne Arbeiter eines Betriebes feiern. Namens der Ortsvcrwaltung empfahl der Redner folgende Resolution: Die Versammlung erklärt, daß nur durch strikte Arbeitsruhe der 1. Mai würdig gefeiert werden kann. Deshalb macht es die Versammlung den Vertrauensmännern zur Pflicht, trotz der Aussperrungsbeschlüsse der Unternehmer, auch in diesem Jahre wieder dahin zu wirken, daß die Kollegen am 1. Mai die Arbeit ruhen lassen. Gehrmann, der einzige Diskussionsredner, sagte unter anderem, die Berliner Parteileitung und die Gewerkschafts> kommission hätten zwar über die Sammlung zum Maifonds be schlössen, aber damit sei der Beschluß des Leipziger Parteitages nicht erfüllt. Dieser Beschluß verlange, daß die Bezirkskommissionen die Maifeier vorzubereiten, also Propaganda für eine würdige Maifeier zu machen haben. In dieser Hinsicht sei für Berlin nichts geschehen. Auf diese verkehrte Stellungnahme der Partei und Gewerkschaftsinstanzcn müsse die Antwort der Holzarbeiter sein: Wir halten fest an der Maifeier durch vollständige Arbeits- ruhe. Denen, die nicht feiern, aber Marken kaufen, sollte man sagen: Ihr sammelt nicht zum Maisonds. sondern zum Maimord, denn die Berliner Maifondsbeschlüsse würden ein Absterben der Maifeier zur Folge haben. Die vom Referenten empfohlene Resolution wurde mit alleft gegen 14 Stimmen angenommen. Verband der Sattler und Portefeuiller. Die Ortsvertvaltung Berlin hielt am Mittwoch ihre Generalversammlung ab. Mit der EntWickelung des Verbandes kann man auch in diesem Jahre zufrieden sein, wie Schulze in seinem Bericht vom letzten Vierteljahr konstatierte. Zum ersten Male ist es auch gelungen. mit der Innung Vereinbarungen zu treffen. Die Innung hat der Festsetzung von bestimmten Mindestlöhnen zugestimmt. Eine Arbeitszeit in den Jnnungsbetrieben von 54 Stunden sowie ein Mindestlohn von 59 Pf. pro Stunde, ausgenommen die ganz jungen Gehilfen, die 42 Pf. erhalten, ist ebenfalls gutgeheißen worden. Ebenso hat die Frage der Ueberstunden und Sonntags- arbeit eine annehmbare Regelung erfahren. Auch in den Export- geschästen sind vorteilhafte Abmachungen getroffen worden. � Dasselbe günstige Resultat ist in sämtlichen Branchen zu verzeichnen. Erfreulich ist die Feststellung der Tatsache, daß die Urlaubs- gcwährung immer weitere Fortschritte macht. Auch in der Reise- artikelbranche ist mit Sicherheit zu erwarten, daß der Ausgang der Bewegung ein zufriedenstellender sein wird. Den Kassen- b e r i ch t erstattete Weyher. Die Abrechnung ergibt folgendes Bild: a) Ortsverwaltung: Einnahmen■und Ausgaben bilanzieren mit 18 173,55 M. Hervorzuheben wären Unter- stützungen, die für Arbeitslose 9166,59 M., für Kranke 3458 M.» für Maßregelung 1312,59 M. usw. betragen, insgesamt 21 148,49 Mark, b) Lokalkasse: Einnahmen nebst Bestand 56 447,57 Mark, Ausgaben 6634 M., bleibt Bestand am 31. März 1911 49 813,57 M. c) Berliner Verwaltung: Einnahmen nebst Bestand 2761,63 M., Ausgaben 2426,79 M., Bestand am 31. März 1911 334,93 M. ci) Lehrlings- und Jugendabteilung: Einnahmen und Ausgaben bilanzieren mit 168,89 M. Mit- g l i e d e rb ew e g u n g: Bestand am 1. Januar 1911 133. Davoir sind Lehrlinge 116, Hilfsarbeiter 17. Mitgliederbestand am 31. März 1911 147. Davon sind Lehrlinge 132, Hilfsarbeiter 15. Mitgliederbewegung der Erwachsenen: am 1. Ja- nuar 1911 3215, darunter 178 weibliche Mitglieder. Bestand am 31. März 1911 3285, darunter 195 weibliche Mitglieder. Ueber die Benutzung des Arbeitsnachweises berichtete Haupt- mann. Eingeschriebene Arbeitslose 728, davon 17 nicht organisiert; Januar 248, Februar 232, März 248. Verlangte Arbeitskräfte 314; Januar 49, Februar 54, März 211. Besetzte Stellen 242; Januar 38, Februar 42. März 162.— Ein Antrag des Vorstandes, daß am Sonnabendnachmittag keine Unterstützung ausgezahlt werden soll, wurde angenommen. Desgleichen der Antrag, das Mitglied Robert Geßler dem Hauptvorstande zum Ausschluß zu emp- fehlen und zwar wegen Streikbruchs in einer Tapeziererwerkstatt. Zum 3. Punkt der Tagesordnung: Stellungnahme zur Mai- feier sprach Schulze. Er gab einen Ueberblick von den Ab- machungen zwischen Partei und Gewerkschaft und betonte zum Schlüsse, daß es für die Kollegen gar nichts anderes geben könne, als die»nöglichst vollzählige Teilnahme an der Maifeier. Diese sei im Verband der Sattler schon seit langen Jahren sozusagen verbürgtes Recht und wo nicht ganz außergewöhnliche Umstände die Arbeit an dem Tage bedingten, müsse eben gefeiert werden. Eine Debatte fand nicht statt. Als Vertreter zum Gewerkschafts- kongreß in Dresden wurde Schutze einstimmig gewählt. Marktpreise von Berlin am 19. April 1911, nach Ermittelung de» Königlichen Polizeipräsidiums. Martthallenpreise. HKleinhandel.) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Spciscbohncn, weisie 30,00—60,00. Linsen 20,00—60,00. Kartoffeln 5,00—9,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindsleisch, Bauchfleisch 1.20 bis 1,70.. Schweinefleisch 1,20-1,90. Kalbfleisch 1,50-2,40. Hammelfleisch 1,40—2,20. Butter 2,20-2,80. 60 Stück Eier 3,00-4,40. 1 Kilogramm Karpfen 1,10—2,40. Aale 1,60-3.00. Zander 1.40—4,00. Hechte 1.30 bis 2,80. Barsche 0.80—2.09. Schleie 1,49-3,40. Bleie 0,89-1,60. 60 Stück Krebse 2.50-28.00._ «SitternngSudersich» vom 20. April 1911. |S h a a ji B = s S? Zwtnemd». 762 SO Hamburg 761 WND Sellin 763 SO Arants.a R. 763 SO München 763 SW Wien 763 Still Wetterprognoie für etwas kühler, bei mäßigen Znnahme der Bewölkung, ohne »tottonen LS i8 Haparanda, 772 Still Petersburg 773 Still Sctllh---- Werde«» Paris 763 W 750 SSO 766 SSW ** c-- »» F- *3 tvolkenl—2 wölke»!— 0 5 halb bd. 8 5 bedeckt 2wolkeul > Freitag, den 21. April 1911. südwestlichen Winden und vorübergehender erhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Einladung; zum Frei-Eonzert! hierdurch erbitten wir von Ihnen die Erlaubnis, gf in Ihrer Wohnung ein Ztonzert veranstalten zu dürfen, wie Sie e» wahrscheinlich noch nicht gehört haben. Die Beranstalwng erfolgt völlig kostenlos sllr Sie und hat den Zweck, Sie zu einem Abonnement aus diese Konzerte zu veranlassen, sallS das Probe« konzert, daS Sie während der Dauer von 5 Tagen völlig unentgeltlich baben sollen, Ihnen und Ihren Angehörigen Freude bereitet hol. Unser Angebot wird Sie gewiß interessieren, und deshalb bitten wir Sic, uns einige Minulen Gehör zu schenken: Wir wollen Ihnen— zunächst kostenlos auf 5 Tage— einen Spezial-Lurus-Sprechapparat mit echter Palhö-Schalldoje und 20 ausgewählte Stücke aui lO doppelseitig bespielten. 29 om großen Künstler« Palhe-Plalten zusenden. Diesen Apparat und diese Platten können Sie wahrend der Dauer von 5 Tagen spielen lassen und probleren, so ost und so viel sie wollen. Wir sind sicher, daß Sie von den Leistungen des Apparates, dessen hervorragende AuSflaltung jeden Wohnraum ziert, entzückt sein werden, da die Palho- Schalldose, die Seele des Apparates, das Vollendetste ist, was aus diesem Gebiete exifliert. UnübertrossenabersinddievonunS gelieserten Künstler-Pathö-Plalten, die nicht nur um ein Drittel größer al» die allgemein bekannten Nadclplatte», sondern auch im Gegensatz zu diesen nayezu unzcr- slörbar sind und serner ohne Nadetwechiel. mit einem niemals auszuwechselnden polierten Edelstein gespickt werden. WaS diese Neuerung bedeutet, kann nur derjenige beurteilen, der schon einmal einen Sprechapparat besessen hat. der den lästigen Nadelwechsel kennt und der weih, wie rasch sich jede, auch die teuerste Nadel« blatte, von Ansang an abnutzt, um schließlich gänz- lich zerstört zu werden. Die Vorzüge unserer Paths-PIatten find aber nicht nur hinsichtlich der Hallbarkeit, sondern auch hinsichtlich ihres Inhaltes so gewaltige, daß nie- mand, der diese Platten gehört bat, den Wunsch haben wird, andere Platten zu besitzen. 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Ich verpflichte mich, diese Sendung, salls ich fie nicht zu beHallen wünsche, innerhalb 5 Tagen vom Tage des Empfanges an ge« rechnet franko zuruckzu, enden, andernsalls behalte ich fie / m»' � �«8 Eigentumsrechtes monot« f Pi" niKKM � iau' k'r Probezeit beginnend, bis der WeU des Apparates von 48 Mk.. der der echten Pathä- «v»-- uni! der der 10 Doppelplatten a 3,30 Mk. beglichen»st.— Erjüllungsort ist Breslau. Ort unv Datum: Vor.. Zuname und Beruj- Jtännmcr amt raten soll, mtwai er putzt sagt en Blendol timifrzmsÄTristjmA�QtiARLQTT�Nayj� In Glasfl. zu 10, 15 u. 25 Pf., Blochfl. zu 20, 30 u. 50 PI überall erhältlich. Fabrik: Urban& Eicmm, Charlottenburg.* Ruderboote für Angler fompl. gebrauchsfertig von 8g M. an, mit eis. Schwert u. Seaclv. Vi9 M. an. Uavelwerbe, Berti» W. 66. Prospekte frei. 251/13* ♦ Putzfedern. ♦ Dresdener Firma sucht ArbcitSstuben für Flügel usw. Aussührliche Offerten unter v. N. 553 an Rudolf Moffe. Dresden. 66/10* Verdank nur im Fabrlbgebände! 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April vorgesehen ist, ist schon nahe, und das wird ein Ereignis geben. Wir sehen uns genötigt, unsere früheren Mtteilungen noch dahin zu vervollständigen, daß wir den Be> suchern sagen, welch großartiger Emvsang ihre« sowohl in der Ausstellung selbst wie überall harrt. Die Ausländer und alle anderen werden dort eine solche Ausnahme sinden, daß sie den größten Genuß von einem aus allen Gebieten ebenso lehrreichen wie interessanten Besuche haben werden. Wir haben wohl noch nicht gesagt, daß Charleroi an den großen inter- nationalen Eisenbahnlmien Berlin— Köln— Paris oder Calais— London, 4 Stunden von Paris, 4 Stunden von Calais, 1 Stunde von Brüssel und >/z Stunde von Waterloo liegt. Zahlreiche Schnellzüge gehen Tag und Nacht dort durch, aber die Hotels und die Spezialiomitees haben alle Maßregeln ergriffen, damit sur das Unterkommen und die Bequemlichkeit aller derer gesorgt ist, die nicht versehlen werden, dort ihren Aufenthalt zu nehmem__ 60/9 Ein neuer Malztrank in Würfelform - 1 Würfel 5 Psg.— leicht lösbar in allen Flüssigkeilm, kalt oder warm, Wasser, Milch. Tke, Bier usw. Ein geradezu ideales Getränk von großer Bekömmlichkeit und vortrefflichem Wohlgeschmack sür Kinder. Erwachsene und Greise, für Kranke und Gesunde. Zu haben in allen einschlägigen Beschästen, wo nicht, wende man sich an den Generalvertreter sur Berlin, Leo Meyer- söhn, Calvinstraffe 31. 1352b Teilzahlung liefert auf bequeme bei kleinster Anzahlung in bekannter Güte* (mit gröBter Rücksicht bei Krankheit und Arbeitslosigkeit) E.Coiin,Gr.FpankIiirterstr.58 Damen-Konfektion Engros Export Hausvogteiplatz 11 1. 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