Dr.SS. RbonnementS'Redingungehi BBonnemcntä- Preis pränumerando t «icrtcljährl. ZL0 Ml�, monarL 1,10 Mk, Ivöchenlllih 28 Pfg, frei ins Haus. einzelne Nummer S Pfg. Sonntags« nunimcr mit illustrierter Sonntaas- Vellage.Die Neue Welt" 10 Pfg, Polt- »tbonncinent: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post, Zeitlinas- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Mark, für das übrige«usland L Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien. Luzeniburg, Portugal. Rumänien. Schweden und die Schweiz. 38. Jahrg. vlch hallt die Marseillaise der Veutemacher. Der Plan der Clique scheint in der Tat geglückt. Wovor Jaurös in der Kammer wiederholt mit dringenden, leiden schaftlich beschwörenden Worten gewarnt hat, die Vorbereitung einer Situation, worin ein großer Kolonialfeldzug mit seinem großen Menschen- und Geldaufwand und seinem unabsehbaren Ziel unausweichlich ist, hat ihre unvermeidlichen Konsequenzen cntlvickelt. Indem die französischen. M ilitär- Jnstruktoren Kommandogewalt erhielten, war mit dem Glück der von ihnen geführten„Mahalla" die„nationale Ehre" Frankreichs engagiert und die militärische Intervention Frankreichs wurde die Folge der Niederlage des Sultans. Diese Intervention bringt aber in doppelter Hinsicht Gefahren. In Marokko entzündet sie den religiösen Fanatismus und vervielfacht die Kraft des Auf- standes gegen den Steuererpresser Muley Hafid durch den Fanatismus des„helligen Krieges"; zugleich aber macht sie die Eifersucht der Kapitalisten der anderen europäischen Staaten rege und schafft die Möglichkeit neuer inter nationaler� Konflikte. Denn die Absichten der fran zösischen Imperialisten werden so deutlich, daß sie die bisherige Heuchelei einfach abgeschmackt erscheinen lassen.„Es i st nicht nötig", schreibt der„Temps". daß man zur Ver- proviantierung der Militärmission, d. h. des von den französischen Offizieren kommandierten Verteidigungskorps von Fez,„eine scherifische Maske vornimmt. Von den verschiedensten Seiten her marschieren französische Truppen in Marroko ein. Während im Innern Mangin in Fez, Bremond im Gebiet der Scherardas an der Spitze der von Frankreich bezahlten scherifischen Soldaten den Widerstand organisieren, bereitet sich General Moinier vor, mit 20(XX) Mann in der Schauja vor- wärtS zu rücken und stattet die Matzalla zum Entsatz von Fez mit Unteroffizieren und Artillerie aus. In Casablanca sind bedeutende Verstärkungen gelandet. Und im Osten, an der Grenze von Oran, sind 8000 Mann konzentriert, um an der Mulaja zu operieren. Es gehört wahrhaftig ein ungewöhnliches Maß von Naivität dazu, zu glauben, daß diese Truppen etwa nach der Rettung von Fez wieder in ihre alten Stellungen zurückkehren werden. Man ivird nicht mit Unrecht die moralischen Wirkungen dagegen gelten machen, die der scheinbare Rückzug der Franzosen auf die Marokkaner und selbst auf ihre Stammverivandten in Algerien üben würde. Die militärische Abenteurerpolitik hat ihre eigene unbestreitbare Logik. Aber diese wurzelt im kapitali st ischen Kolonial- s y st e m s e l b st. Und das ist ihre Stärke gegenüber den Einivendungen und großherzigen Bemühungen Jaurös selbst. Unser Genosse hat bekanntlich eine Politik vertreten, die darin bestand. Muley Hafid zu günstigen Bedingungen französisches Geld zur Verfügung zu stellen, um seine Herr- schaft in Marokko militärisch und administrativ zu organisieren. Unser Genosse hat da doch den Edelmut der Kapitalisten über- schätzt, die ihr Geld in exotischen Unternehmungen nicht ohne starke Risikoprämie und noch weniger ohne materielle Sicher- hellen anlegen mögen. Es ist auch wirklich sehr zweifelhaft, ob Muley Hafid der Mann wäre, das seit langem in Anarchie verfallene Land einer Wiedergeburt entgenzuführen. ganz ab- gesehen davon, daß eine solche Wiedergeburt zuletzt doch auf eine Freiheitsbewegung gegen den ausländischen!tapitalismus hinauslaufen müßte. Die„Penetrativ- pacifiqne", die alte Lieblingsidee Jaures, die EntWickelung der kapitalistischen Weltwirtschast auf dem Boden der Barbarei mit Ueber- springung der Stufe der ursprünglichen Akkumulation, ist eine Utopie, die von den historischen Gesetzen der kapitalistischen Expansion blutig desavouiert tvird. Man muß also mit der Tatsache rechnen, daß die Beute- macher der französischen Kolonialclique ihren Willen durch- setzen und die Regierung zu der Intervention im großen Stil vorwärtstreiben werden- der sie zweifellos lieber ausgewichen wäre. Die jetzige künstliche Erhitzung der„öffentlichen Met nung", soweit sie sich im Zeitung lesenden kleinbürgerlichen Großstadtpublikum darstellt, ist offensichtlich ein Teil der unr fassenden Aktion, die seit dem Sturz Briands von der jour nalistischen Landsknechtschar der Großftnanz betrieben wird. Der Widerstand, den die Bahngesellschaften gegen die Regierung organisieren und die an ihr versuchte„patriotische" Erpressung in der Marokko-Politik bringen sie in eine Situation, worin sie entweder vor den großkapitalistischen Mächten kapitulieren oder den nicht gerade aussichtsreichen Kampf auf Tod und Leben mit ihnen aufnehmen muß. In dieser Situation wird aber die Taktik der sozialistischen Partei besonders schwierig iverden, da sie jedwedem Bestreben der Regierung, den Kolonialabenteurern Befriedigung zu ge währen, energisch entgegentreten, andererseits aber sich hüten muß, den Briandisten in die Falle zu gehen. Die Marokkopolitik hat so schon durch ihren Zusammen hang nnt den großkapitalistischen Intrigen gegen das Kabinett Monis eine nationale Bedeutung. Sie wird aber von der internationalen noch übertroffen. Unleugbar birgt die französische Intervention in Marokko manche ernste Gefahren in sich. Es wäre lächerlich, sie etwa ans Grund der Abmachungen von Algeciras zu beanstanden. Was diese charakterisierte, war der Umstand, daß sie nur auf normale Zustände in Marokko zugeschnitten waren, also just in dem Augenblick versagen mußten, wo ein Einvernehmen der Mächte am dringendsten wurde. Gleichwohl kann man annehmen, daß trotz der un vermeidlichen alldeutschen Stänkereien in Deutschland die Lust zu wichtigtuerischen— und im jetzigen Augenblick geradezu verbrecherischen— Einmischungen sich nicht mehr her vorwagen wird. Wenn dabei den Scharfmachern des eng- lischen Imperialismus das Konzept verdorben wird, um so besser. Wenn die französische Bonrgeoisrepublik sich in Marokko durchaus verbluten will— Deutschland hat dort sicher nichts zu holen. Indem aber die deutsche Arbeiterklasse, um den Herrschenden jeden Zweifel zu benehmen, ihnen ihren Wider stand gegen jeden Gedanken einer Einmischung mit aller Energie klar machen tvird, tvird sie ebenso eine im besten Sinne nationale Politik betreiben wie die sranzösischen Sozialisten, die ihre Opposition gegen den marokkanischen Feldzug mit um so besserer Aussicht entfalten können, je weniger de» weltpolitischen Spekulanten die Ausbeutung chauvinistischer, deutschfeindlicher Gefühle möglich ist. Die V e r st ä n d i g u n g mit den spanischen Genossen, deren Wichtigkeit der Parteitag in St. Quentin eben erst betont hat, ist hierbei zu dringendster Aktualität gelangt, da die französische Inter- vention bei den herrschenden Klassen Spaniens, die in der marokkanischen Sphäre den letzten Rest des einstigen kolonialen Weltreichs behaupten und mit Zukunftshosfnungen spielen, Beunruhigung erwecken muß. Die Kooperation dieser beiden Sektionen der Internationale wird der Erregung chauvinisti- scheu Hasses vorzubeugen oder entgegenzuwirken haben. Noch ist das Proletariat nicht stark genug, die internationale Politik im Geiste des Völkerfriedens und der Brüderlichkeit zu de- herrschen. Aber es gehört zu. seinen vornehmen Pflichten, mit allen Kräften die Greuel des Krieges zu ver hindern, womit die wilde Beutegier der rivalisierenden Kapitalistenbanden unaufhörlich die Kufturwelt bedroht. Die französischen Truppensenduugen. Paris, 24. April. Wie mehrfach verlautet, werden die neuen Verstärkungen des BesatzungSkorpS im Schaujagebiet min- bestens zehntausend Mann betragen. Ferner wird gemeldet, das französische BesatzungSkorpS der Schauja werde, da Mulay Hafid außerstande sei, die von ihm versprochene Bestrafung des Zacrstamines wegen des Ueberfalles auf eine französische Truppen- abteilung zu vollziehen, voraussichtlich ihre Züchtigung übernehmen. Wie aus FeS vom 17. April gemeldet wird, ist die Stadt ruhig und die Lage unverändert. Eine BeruhignngSnote. Paris, 24. April. In einem sichtlich offiziösen Artikel deS„Matin" heißt es über Marokko:„Gegenüber der Beunruhigung, die in gewissen Madrider und Berliner Blättern zutage treten könnte, dürfen wir bereits jetzt erklären: Den von der fran- zösischen Regierung getroffenen Maßnahmen liegen keinerlei Hintergedanken zugrunde. Die Entsendung französischer und marokkanischer Truppen nach FeS, die Verstärkung deS BesatzungSkorpS in der Schauja. die Ansammlung französischer Truppen an der algerisch-marokkanischen Grenze, haben nur den Zweck, den französischen Instrukteuren und den fremden Kolonien in Fes Hilfe zu bringen und den Sultan instandzusctzcn, die Aufständischen niederzuwerfen, seine Oberhoheit über die aufrührerischen Stämme geltend zu machen und den Stämmen zu zeigen, daß sie die Ruhe nicht ungestraft stören dürfen. Frankreich hegt keine Eroberungsgedanken und wünscht nur, daß in Marokko Ruhe und Wohlfahrt herrscht. Unsere Offiziere und Soldaten bleiben nicht in Fes, sie werden die Stadt verlassen, sobald das angestrebte Ziel erreicht ist." In demselben Sinne schreibt, wie miS London telegraphiert wird, die.Westminster Gazette", das offiziöse Organ der englischen Regierung: Die französische Regierung beabsichtige keine militärische Okkupation Marokkos, erstens, weil dies llitcrnationale Verwickelungen herbeiführen würde, zweitens wegen der inneren Schwierigkeiten, die dieser Operation entgegen- stehen. DaS Blatt fährt fort: Wir hoffet� daß die französische Regierung bedachtsam handeln und soweit als möglich sich darauf beschränken wird, den eingeborenen Truppen französische Offiziere zu geben. Wir hoffen ferner, daß sie internationale Empfindlichkeiten schonen und ihre Nachbarn von jedem Schritt, den sie zu tun beabsichtigt, genau unterrichten wird. Die deutsche Regierung kann nicht gut Einspruch gegen Maßregeln erheben, die für die Sicherheit der französischen Mission und der Europäer in FeS notwendig sind, aber sie wird sicher fordern, daß der AlgeciraS-Vertrag in Geist und Buchstaben eingehalten wird, und darin ist sie natürlich völlig in ihrem Recht. Die Warnung der Sozialdemokratie. Jaurös schreibt in der„Humanits": Wie seinerzeit während der P a r l a m e tt t s f e r i e n der Streit von Casa- blanea unternommen wurde, so werden auch diesmal nach Schluß der Parlamentstagung plötzlich bedrohliche Nachrichten über Marokko verbreitet und Kolonialgruppen verdoppeln ihre Bemühungen, um die Regierung und die Nation mit fortzureißen. Das alles sieht nach bedenklichen Machenschaften und Ränken aus. Man sucht durch eine Panik einen umfassenden In- vasions- und Besetzungsplan zu erzwingen, der in gar keinem Verhältnis zu der in Marokko herrschenden Gärung steht. Die Urheber dieser Machenschaften treiben uns mit alarmierenden Meldungen in einen regelrechten Krieg gegen Marokko. Wenn die Regierung so schwach ist, diesen öffent- lichen Missetätern nachzugeben, dann venvickelt sie sich und Frankreich in ein unheilvolles, unsauberes Aden- teuer.__________ Gehälter und Pensionen im Cande der Verfaifungsreform. Zur elsaß- lothringischen VerfassungSfrage hat der frühere Staatssekretär für Elsaß-Lothringen. Ernst Mathias v. Koller, mit seinem HerzenSerguß in der neuesten Nummer der „Woche" ein Sciltanzkmiststück aufgeführt, das ihn als jenen wasch- echten Klerikalen zeigt, als der er sich während seiner Ministertätigkeit in Elsaß-Lothringen mit den Wcttcrlö, Preiß und Genossen allezeit trcff- lich abgefunden hat. Da ist es eine der derbsten Ironien der Welt- gcschichte, daß just zum Erscheinen des Köllcrschcn Artikels in der „Woche" fein elsässischer Bruder in Christo, der Abbe Wetter 16, in dem von ihm in französischer Sprache herausgegebene» Blatte „Nonvelliste"(wohl aus Zartgefühl nur in diesem) dem Herrn v. Köller die Pension berechnet, die er, der lebenslängliche preußische Herrenhäusler von heute, von Elsaß-Lothringen und von Preußen bezieht. Wetterlö hebt hervor, daß der Pensions- fonds im elsaß- lothringischen LandeShauShaltSetat Jahr für Jahr wachsen und daß die Summe jetzt an 6 Millionen heranreiche, welche das kleine Land an seine ehemaligen Beamten jährlich abzu- führen hat. Den Ehrenplatz bei den erbaulichen Ziffern, die er an» führt, erhält Herr v. K ö l l e r.„Wissen Sie." fragt Wetterlö,„was Herr v. Köller, der ehemalige Staatssekretär, bezieht? Die Baga- tclle von 27 903 M. Da Herr v. Köller ferner etliche Monate Minister des Innern in Preußen war, belastet er auch den Haus- halt dieses Landes um das bescheidene Sümmchen von 15 000 M. Zusammen 42 603 M., daS sind 6603 M. mehr als er zu der Zeit bezog, da er noch die Geschicke der annektierte Provinzen lenkte. Richtig ist allerdings, daß er dantalS auf Kosten der Fürstin wohnte und mit dem Kurator der Universität die 3000 M. teilte, die zur Entschädigung dieses letzteren vorgesehen waren." Er hat delikate Freunde in Elsaß-Lothringen, der Junker Ernst Mathias v. Köller I Aber der Artikel enthält auch sonst lehrreiche Zahlen. Der frühere Statthalter Für st v. Hohen lohe-Langen- bürg ist ein armer Teufel im Vergleich zu diesem Nabob der Ruhegelder, den wir in Herrn v. Köller kennen gelernt haben. Er hat zur Sicherung seiner alten Tage nur eine Pension von 27 000 M. Den Fall gesetzt, daß infolge des Scheiterns der verfassnngS« Vorlage der gegenwärtige Statthalter Graf v. Wedel mit den Herren v. Bulach und Mandel zurücktritt, was nicht zu den Unmöglichkeiten gehört, so würde der LandeShauShaltSetat für Elsaß- Lothringen die nachstehenden Folgen zu tragen haben: drei neue Pensionen von 27 000 plus 27 000 pluS 16 500 M., dos ist eine neue unproduktive Mehrausgabe von 70 500 M., die diesen Herren zu entrichten wäre. Noch interessanter ist der Fall deS Alt-BürgermeisterS von Straßburg und ExministerS Herrn Back. Dieser Herr, der ganze sechs Monate hindurch Nnterstaatssekretär war, bezieht vom Staate ein Ruhegehalt von 16 500 M. Dazu gibt ihm die Stadt Straßburg, deren Bürgermeister er zwanzig Jahre hindurch war, 12 000 M. Pension, das sind zusammen 28 500 M. Herr Back hat also wie Herr v. Köller Ruhegehälter, deren Gesamtsumme höher ist als die Gehaltsbezüge, die er während seiner Amtstätigkeit erhielt (21 500 M. und später 20 000 M. nnt Dienstwohnung). Der frühere Bürgermeister von Straßburg wurde außerdem zum Kurator der Universität ernannt, was ihm jährlich 3000 M. einträgt. Er hat so- mit ein Einkommen von 31 500 M. im Ruhestand. Noch höher als die ihnen zustehenden Pensionen sind die Bezüge des früheren Bezirkspräsidenten des Ober-Elsaß, des Prinzen Alexander zu Hohenlohe-Schillingsfürst, und des ehemaligen Colniarer Kreisdirektors Freiherrn v. Türke, die beide zur Disposition gestellt worden sind und keinerlei Dienst mehr tun. So muß es das Land finanziell büßen, daß Prinz Alexander rückgratfest genug war, die Memoiren feines Vater» herauszugeben, wodurch er in Ungnade fiel, Zum Schluß sei kewirlt, Saß der kaiserliche Statthalter in Elsaß-Lothrmgen, der kein Gehalt, sondern„nur" 200 000 Wi Repräsentationsgelder bezieht, mit dem Dispositionsfonds, dem Statthalterbureau usw. das Land nach der Berechnung Wetterlös auf 460 030 M. jährlich zu stehen kommt. Und dabei ist er eigentlich neben dem Staatssekretär und den Uuterstaatsselrxtgreri ganz über- flüssig t verleumtlei' am Franger. In, Juni 1910 hatten sich durch Rebisionen und sonstige Erwitte- langen Unregelmäßigkeiten in der Geschäftsführung der Orts- krankenkasse l in Freiberg ergeben, die nur durch den Geschäfts- sührer G r ä ß e r verschuldet sein konnten. Genosse Bieligk sah sich daher als Vorsitzender der Kasse genötigt, beim Stadtrate zn Frei- berg eine Generalrevision der Kasse zu beantragen. Kurz danach unterbreitete er in Gegenwart Gräßers die er- mittelten Unregelmäßigkeiten dem Kassenvorstande und kam dabei zu dem Schluß, daß Großer unter diesen Umständen die Geschäfte der Kasse nicht mehr weiterführen könne. Doch beschränkte man sich zunächst darauf, Größer einen Urlaub in der Dauer von 14 Tagen zu geben. In der darauffolgenden Nacht beging jedoch der suspendierte Geschäftsführer Selbstmord. In einem hinterlassenen Briefe hatte er bemerkt: Tie Genosien haben mich in den Tod ge- trieben, besonders Bieligk. Obwohl nun dieser eilig vor- genommene Selbstmord für jeden vernünftigen Menschen zu der Vermutung hätte führen müssen, daß Größer wahrscheinlich weit mehr als die bereits ermittelten Unregelmäßigkeiten auf dem Kerb- holze habe, deren Entdeckung er zu fürchten hatte, war dieser traurige Fall sowohl für die Unternehmer im Ziassenvorstand, wie für den agrartonservativen„Freiberger Nnzeiger" Ver- anlassung, in ebenso frivoler wie leichtfertiger Weise mit gehässigen Verdächtigungen über die sozialdemokratischen Mitglieder im Kassenvorstand, besonders aber über den Vorsitzenden Genossen Bieligk herzufallen. In zwei Artikeln des„Freiberger Anzeigers", von denen einer überschrieben war:„Ein Opfer sozialdemokratischer Machinatio ne n", wurde unter anderem behauptet. Größer sei ein Opfer des rigorosen Vorgehens der sozialdemokratischen Vor- standsmitglieder. Die gänzlich harmlosen Unregelmäßigkeiten Gräßers seien eine Folge davon gewesen, daß die sozialdemokratische Vorstandsmehrheit bei der Anstellung von Beamten nicht nach Be- fähigung und Vorbildung, sondern nach deren p a r t e i p o l i- tischer und gewerkschaftlicher Tätigkeit frage. Für die sozialdemokratischen Machthaber in der Kasse habe es sich nur darum gehandelt, einen Beamten zu beseitigen, der ihnen wegen der Betätigung seiner nationalen Gesinnung längst lästig geworden war. Natürlich druckte die reichsverbändlerische Presse diese Ergüsse mit Behagen nach, während sie die Klarstellung Bieligks unterschlug. Der„Freiberger Anzeiger" selbst lehnte eine Be- richtigung des Genossen Bieligk rundweg ab und setzte damit seinem frivolen Verhalten die Krone auf. Da blieb Bieligk nichts weiter übrig, als die Verleumder vor den Straf- richter zu zitieren, um so eine Klarstellung zu erlangen.— Am Freitag und Sonnabend kam die Sache vor dem Schöffengericht in Freiberg zum Austrag. Angeklagt war der Redakteur des „Freiberger Anzeigers", Burk Hardt. Als Rechtsbeistand Bieligks war Genosse Rechtsanwalt Heine erschienen. In der umfangreichen Beweisaufnahme wurde unter anderem festgestellt, daß Genosse Bieligk auf das Betreiben der Arbeit- geber im Kassenvorstand, die gedroht hatten, im anderen Falle ihre Aemter niederlegen zu wollen, vom Stadtrate vorläufig seines Amtes enthoben worden war, angeblich auch des- halb, weil er mitverantwortlich sei für die Unregelmäßigkeit und auch zu shiit eingeschritten sei. Rechtsanwalt Heine stellte zunächst fest, daß dieselben Unternehmervertreter, die erst in einer Erklärung behauptet hatten, Bieligk habe Größer in den Tod getrieben, vier Tage später beim Stadtrat deshalb gegen B. als Vorsitzenden Be- schwerde geführt hätten, weil er zu spät gegen Größer vorgegangen fei. Darin spiegle sich die unsinnig gehässige Kampfesweise gegen Bieligk Wider. Im weiteren stellt Heine fest, daß die Kreishaupt- niannschaft Bieligk wieder in fei» Amt e i.n g e s e tz t und in den Entscheidungsgründen hervorgehoben habe, daß das Recht auf der SeiteBieltgks sei. Allerdings habe sie auch gesagt, Bieligk hätte eher gegen Größer vorgehen sollen. Daraus gehe aber deutlich hervor, daß Bieligk nicht in rigoroser Weise gegen Größer vorgegangen sei. Besonders eingehend wurde in der Beweiserhebung die Be- hauptung erörtert, daß man bei der Einstellung der Kasseubeamten nicht nach ihrer Befähigung, sondern nur nach der Partei- politischen und gewerkschaftlichen Tätigkeit frage. Festgestellt wurde, daß nur ein einziger Sozialdemo- k r a t als Bureaubeamter beschäftigt sei, der sich im Bureau als besonders tüchtig bewährt hat. Noch weniger konnte auch nur der Schatten eines Beweises dafür erbracht werden, daß gegen Größer seiner nationalen Gesinnung wegen vorgegangen worden sei. Es hat sich im Gegenteil ergeben, daß Maßnahmen gegen Größer dringend nötig waren, denn außer den bereits früher ermittelten Unregelmäßigkeiten hat er auch noch Unterschlagungen verübt. In seiner Anklagerede konnte Genosse Heine feststellen, daß auch nicht das mindeste von den verleumderischen Behauptungen des „Anzeiger" redakteurs Burkhardt erwiesen worden. Diesem sei der Selbstmord Größer zu Zwecken einer politischen Hetze willkommen gewesen; er habe mit Leichen gekrebst und den Tod zu politischen Machinationen ausgeputzt. Das Ergebnis der Beweisaufnahme war eine völlige Recht- sertigung Bieligks und der sozialdemokratischen Vorstandsmit- glieder, zugleich aber auch eine vernichtende moralische Niederlage für die Verleumder, besonders Burkhardt. Doch fand der Herr milde Richter. Auf 30 M. Geldstrafe lautete das Ur- teil gegen Burkhardt. Mit Recht hatte Rechtsanwalt Heine vorher darauf hingewiesen, daß ein sozialdemokratischer Ne- d a k t c u r, der gegen eine bürgerliche Kassenverwaltung solche An- griffe geschleudert habe, mit 6 Monaten Gefängnis werde rechnen müssen. Doch kam es weder Bieligk noch seinem Rcchts- beistand auf eine hohe Strafe an, was auch betont wurde; dem Ansehen der Rechtspflege und dem Rechtsbewußtsein kann aber eine so geringfügige Geldstrafe, die förmlich Prämien auf Verleum- düngen sind, nicht entsprechen. Die Tatsache, daß auch dieses Urteil die Rechtsprechung im Klassenstaate wieder einmal beleuchtet, kann aber an der Recht- sertigung Bieligks und der bollständigen Niederlage der Verleumder nichts ändern. Torheit wäre es aber, anzunehmen, daß sie trotz olleo gegenteiligen Beweise ihren Verleumdungsfeldzug gegen die voll Aibeteu verwalteten KraLkenlasjeZ cinjtMg. poUtifche CkbcrHcbt. Berlin, den 24. April 1911. Die Ersatzwahlen im 4. Berliner Landtagswahlkreise. Die gestrigen Wahlmänner-Ersatzwahlen im 4. Berliner Landtagswahlkreise haben der Sozialdemokratie einen Ge- w i n n von insgesamt 21 Mandaten gebracht, und zwar 18 in der 2. Abteilung und 3 in der dritten. Für die einzelnen Abteilungen stellt sich das Resultat fol- gendermaßen dar: In der ersten Klasse wurden gewählt 2 Sozialdemo- traten und 139 Freisinnige. In der zweiten Klasse: 30 Sozialdemokraten und 96 Freisinnige. In der dritten Klasse: 115 Sozialdemokraten und 1 Demokrat. Hierzu kommen 22 bürgerliche Wahlmänner der ersten und 16 der zweiten Abteilung sowie 1 bürgerlicher der dritten Abteilung, die ihr altes Mandat behalten haben. Es stehen somit insgesamt 275 bürgerlichen Wahlmännern 215 s o z i a l- demokratische gegenüber.> Das ueue Zuchthausgesetz. Nach der Mitteilung eines mecklenburgischen Blattes ist der Kommission zur Beratung des neuen Strafgesetzbuchs eine Denkschrift über Ausschreitungen bei Lohnkämpfen, zur Herbeiführung einer Ver- schärfung der Strafen gegen den TerroriSmuZ zugegangen. Neber den Inhalt dieser Denkschrift werden nähere Angaben nicht gemacht. Daß die Nachricht de-Z mecklenburgischen Blattes den Tatsachen entspricht, ist kaum zu bezweifeln, wenn man sich vergegenwärtigt, daß der Reichskanzler bereits im November vorigen Jahres im Reichstag ausdrücklich betont hat, daß für einen größeren Schutz der Arbeitswilligen gesorgt werden müsse. In dieselbe Kerbe hat überdies der preußische Polizeiminister v. Dallwitz am 8. April in einer Sitzung des Herrenhauses geschlagen, als er ausdrücklich erklärte: .Jedenfalls wird es meines Dafürhaltens nicht zu umgehen sein, daß bei der Revision des Strafgesetzbuches auch diese Frage geprüft und die Materie, wenn möglich, besser geregelt wird, als es bisher der Fall ist." Daß die Regierung das Material geheim hält, läßt den Schluß zu, daß sie auf die Beweiskraft dieses Materials selb« nicht besonders baut. Wir erinnern dabei an daS Material, das dazu her- halten mußte, die seinerzeit verscharrte ZuchthauSvorlage zu be- gründen. Die meiste» Fälle waren so maßlos übertrieben, daß eS eine Leichtigkeit war, sie auf das richtige Maß zurückzuführen. Die neueste Vorlage an die Strafrechtskommisston ist offenbar von langer Hand vorbereitet. Schon vor etwa drei Jahren wurde bekannt, daß die Polizeibehörden angewiesen worden sind, über jeden Streik und seine Begleiterscheinungen, insbesondere über angeblichen TerrorismiiS der Streikenden, an eine Zentralstelle zu berichten. Die Denkschrift, die der Kommission zugegangen ist, stellt jedenfalls ein Sammel- surium polizeilichen Eifers dar. Das mindeste, was man von einer Regierung, die noch einigermaßen als vernünftig gelten will, ver- langen kann, wäre das, daß solches Material erst der Leffentlichkeit bekannt gegeben würde, ehe es in arbeiterfeindlichem Sinne fruk- tifiziert werden soll. Allem Anschein nach ist aber das Material so, daß eS einer öffentlichen Kritik nicht standhalten würde, und die Negierung rechnet damit, daß, wenn erst einmal aus- nahmegesetzliche Bestimmungen in das neue Strafgesetzbuch hinein- gearbeitet sind, eS außerordentlich schwer hält, fie bei der parlamen- tarischen Beratung wieder herauszubringen. Dadurch gewinnt der geplante Ueberfall auf die Arbeiterklasse ganz wesentlich an Bosheit und Hinterlist. Unter allen Umständen muß von der Regierung verlangt werden, daß fie. nachdem ihre Methode an das Licht der Oeffentlichkeit gezogen.wird, auch ihr Material der Oeffentlichkeit unterbreitet. Noch eine Bestätigung. Auch die.Kreuz-Zeitung" bestätigt jetzt, daß in gewissen Kreisen der RegierungSbureaukratie und der Agrarkonservativen der Plan gehegt wird, die Bethniann Holllvegsche Regierung dazu zu be- stimmen, noch dem jetzigen Reichstage im Spätherbst den Reichs- Haushaltsplan für 1912 vorzulegen. In einer an die National- liberalen gerichteten Mahnung, sich dem Fuselblock bei der nächsten Gesetzgebungskampagne anzuschließen, schteibt nämlich das Blatt der Hammerstein-Epigonen: „Nicht minder aber, sollten wir meinen, wird eS auch einer Mittelpartei wohl anstehen, wenn sie alles daran setzt, um noch vor den Wahlen den Etat für das kommende Jahr verabschieden zn helfen. Es ist uns nur von, Standpunkt der Sozialdemokratie und ihrer Helfershelfer verständlich, wenn dem Wunsche, diesen Reichstag noch den Etat erledigen zu lassen, widersprochen wird. Glaubt denn irgend ein Gegner der Finanzrefornimehrheit, daß der Etat anders ausseben wird, wenn er dem neuen Reichstage vorgelegt wird, oder daß sich dann eine Möglichkeit biete» könnle, die vielgeliebte Ausdehnung der Erbschafts- st e u e r a u s W i t iv e n und Waisen einzuführen, die T a n t i e m e n st e u e r aber abzuschaffen? Für absehbare Zeit kann die Regierung nicht die Hand zu neuen Steuerexperimenten bieten. Und wenn sie es wollte: welche Partei könnte es wagen, die tatsächlich bei allen seßhaften Leuten so überaus unpopuläre Witwen- und Waisen- steuer durchzusetzen? Das Verlangen danach— man sei doch endlich so ehrlich, eS stillschweigend einzugestehen— war nichts anderes als ein parteitaktischer Trick zur Niederzwingung der „Agrarier". An und für sich ist dies- Steuer mindestens ebenso drückend, wie jede andere direkte Steuer, und wer sie ohne Not einführen will, macht sich Feinde. Da eS sich also im Jahre 1012 unter keinen Umstände» um eine Beseitigung der Finaiizreform handeln kann, wird man auch vom Standpunkt einer Mittelpartei nicht bestreiten dürfen, daß es im Reichs- t n t e r e s s e liegt, wenn es möglich wäre, den Etat vor den Wahlen zu verabschieden. Ob die Regierung selber großen Wert darauf legt, wissen wir nicht; es wird behauptet und wir finden eS begreiflich; ebenso begreiflich würden wir eS im anderen Falle finden, wenn die wütenden Proteste der Sozial- demokratie und ihrer Helfershelfer die Regierung erst darauf brächten, daß der Gedanke gut und empfehlenswert sei... Die Konservativen wünschen demnach dringend, daß die Regie- rnng in der Herbsttagung noch dem scheidenden Reichstage den Reichsetat für 1912 vorlegt. Und die Regierung wird sicherlich in williger Anerkennung ihrer gottgegcbenen Abhängigkeit von den Agrarkonservativen diesen Wunsch erfüllen. Doch kommt es weder allein auf die schönen Absichten und Wünsche der Konservativen noch der Regierung an, auch die oppositionellen Parteien des Reichstages haben ein Wort mitzureden._ Zentrumsstratege Erzberger. An die Regierung werden jetzt gar seltsame Ansinnen gestellt. Sie soll schöne Verteidigungsschriften über die letzte Reichsfinanz- rssorm ausarbeiten lassen, die Reichöbilanzen frisieren, billige Reichs- Haushaltspläne aufstellen usw. Und jetzt kommt gar noch Herr Erzberzer aus Builenhausen und berkangi, die Regierung solle energisch die offizielle Stimmungsmache für die aus der Komniisstoii hervorgegangene Reichsversicherungs- ordiiung betreiben. Derselbe Schwätzer, der früher nicht genug über die Regierung und' ihre liederliche Gesetzgebimgsarbeit her- fallen konnte, findet jetzt, daß bei der VersicherungZordimiig alles getan sei, was sich bei ordiiungSgemäßer Erledigung eines Gesetzes tun ließe und daß absolut nichts Neues mehr in der Sache vor- gebracht werden könnte. In einem Artikel im„Tag"(Nr. 93 vorn 23. April) meint er, der den Reichstag mit seinen endlosen Redereien unzählige Stunden gekostet hat, mit der ihm eigenen Ueberhebung: „In der Geschäftsordnung steht letzten Endes auch nichts ge- schrieben, daß alles das, was schon in der Kommission dreimal gesagt worden ist, sechsmal im Plenum zu wiederholen sei. Wenn alle gesetzgeberischen Arbeiten so gut vorbereitet wären, wie es die Reichsversicherinigsordnung heute ist, stände es gut. Dazu kommt noch ein weiterer Grund: eine große Mehrheit ist den Kommisfionsbeschlüssen im allgemeinen gesichert. Solange kann man nicht beraten, bis Einstimmigkeit erzielt ist. � Rechte, Zentrum und Nationalliberale haben den festen und entschiedenen Willen bekundet, dieses Werk zu verabschieden... Die schon vorhandene Zweidrittelmehrheit ist sich über sehr viele Punkte einig, von den anderen kann noch eine Einigkeit erzielt werdcv- Eine solch große Mehrheit wird auch vor einer Obstruktion nicht kapitulieren. In Vorbereitimg seiner späteren Broschüren über die Vortreff- lichkeit der Zentrumsarbeit bei der Reichsversicherungsordnung hält eS nun Erzberger für notwendig, an dieser Stelle schon von zahl- reichen und ungemein großen Vorteilen für die Arbeiter zn schwindeln. Und der Abgeordnete der Zentrumspartei, die vor einigen Jahren gegen offiziöse Stimmungsmache in den stärksten Formen wütete, verlangt nicht» Geringeres, als daß die Regierung jetzt eine ungeheure Stimmungsmache für die Versicherungsordnung, natürlich zugunsten der Schwarzblauen, in Szene setzte. Er schreibt: „Das stärkste Motiv für die Verabschiedung der Reichs- versicherungsordnung liegt schließlich in den zahlreichen und un- gemein großen Vorteilen, die für die Arbeiterschaft in dem Gesetze enthalten sind. Die Leistungen werden auf der ganzen Linie er- klecklich erhöht, die Hinterbliebenenversicherung wird neu ein- geführt; wenn die Arbeiterschaft einmal alle Vorteile der Koni- inissionSanträge kennt, dann wird sie selbst am lautesten den Ruf nach ihrer sofortigen Verabschiedung erheben. Die Regierung sollte daher auch in ein- facher und übersichtlicher Weise diese Fort- schritte gegenüber deni bestehenden Gesetze zu- sammenstellen und durch Tausende von Kanälen in das Volk leiten; das wäre eine sehr verdien st- volle Arbeit, die dem deutschen Volke er st recht die Bedeutung dieses Werkes klarmacht. Dann müßte die Sozialdemokratie verstummen, auch wenn sie weiß, daß die Neuregelung 4000 sozialdemokratische Organisationsträger— die roten Angestellten der Krankenkassen— nicht mit dem Wohl- wollen behandelt, das dem erkrankten und invaliden Arbeiter zuteil wird. Es fehlt den breitesten Voltsschichten noch viel zu sehr an der Kenntnis der weitgehenden Kommissionsbeschlüffe." Die Sozialdemokratie wird in der nächsten Zeit dafür sorgen. daß diese Kenntnis den Arbeitern in umfangreichster Weise ver- mittelt wird, und die Arbeiter werden dann bei den Neuwahlen den Schwarzblauen den Dank für die Entrechtung und für die ver- kcnppelte Sozialreform ebenso heimzahlen, wie Herrn Erzberger für seine Unverschämtheiten._ Chauvinisten an der Hetzarbeit. Der„Alldeutsche Verband' hat am Sonntag eine Ver- sammlung abgehalten, in der der bekannte NeichSverbandSgeneral v. Liebert über die politische Situation referierte und gegen die Polen und Elsaß-Lothringer scharf machte. Dann wurden Maßregeln verlangt, die den Eintritt in die französische Fremdenlegion unmöglich machen sollten. Den Gipfel chauvi- nistischer Torheit aber erreichte die Tagung, indem sie einen Antrag für die Aufteilung Marokkos annahm. Dabei müßte dos ganze atlantische Marokko dem Deutschen Reiche zufallen» damit Deutschland endlich eine SisdlungSkolonie erhalte. Wenn die Pariser Boulevardblätter den alldeutschen Narren den Gefallen tun sollten, ihre Redereien ernst zu nehmen, kann eine ganz nette chauvinistische Hetze herauskommen. Das neue hessische Landtagswahlrecht. Nachdem jetzt der GesetzgebungSausschuß der Ersten Kammer deS hessischen Landtages den Beschlüssen der Zweiten Kammer zugestimmt hat, kann man die Reform deS hessischen LandtagSwahlrechtS endlich als vollendet ansehen. Bon den vier süddeutschen Staaten hat Hessen daS weitaus schlechteste Wahlrecht erhalten, ein in mancher Beziehung sogar noch schlechteres, als es selbst in norddeutschen Staaten, wie z. B. Oldenburg, nach seiner Reform gilt. Nach dem neuen Gesetz sind alle Personen mäniilichen Geschlechts wahlberechtigt, die zur Zeit der Wahl daS 25. Lebensjahr vollendet haben, wenigstens drei Jahre in Hessen wohnen, seit mindestens einem Jahre die hessische Staats- angehörigkeit besitzen und seit dem Beginn deS Rechnungsjahres, in dem die Wahl vorgenommen wird, zu einer direkten Staats- und Gemeindesteuer herangezogen find. Jeder mindestens 30 Jahre alte Wähler erhält eine Zusatzstimme. DaS Wahlrecht kann- von den Wählern nicht ausgeübt werden, die zur Zeit der Wahl mit dem letzten fälligen Ziel der Staats- oder der Gemeindesteuer im Rück» stand sind. Die Wahl ist direkt und geheim. Für die Wahlhandlung gelten im wesentlichen die gleichen Bestimmungen wie bei der ReichstagSwahl.(WahlkouvertS, Jsolierraum usw.) Wenn im ersten Wahlgauge kein Kandidat die absolute Mehrheit auf sich vereinigt, ist Stichwahl zwischen den beiden„Höchst- bestimmten" erforderlich. Die Abgeordneten der Zweiten Kammer werden auf sechs Jahre gewählt; alle drei Jahre scheidet die Hälfte aus. Die Zweie Kammer wird in Zukunft 38 statt 30 Mitglieder zählen. Die Städte Darmstadt, Mainz, Offenbach, Gießen und WorniS, von denen die beiden ersten bisher je zwei, die anderen bisher je einen Abgeordneten wählten, erhalten nach der Wahlreform je einen Abgeordneten mehr. Ebenso wird in jeder der drei Pro- vinzen des Großherzogtums je ein ländlicher Wahlkreis neu gebildet. Die nächsten Landtagswahlen finden im kommenden Herbst statt. Es scheiden 8 Antisemiten, 8 Nationalliberale, 5 Klerikale. 8 Sozialdemokraten(Bcrihold, Fulda, Raab) und ein Freisinniger aus. Mit den neu geschaffenen 3 städtischen und 3 ländlichen Mandaten sind also diesmal SS Mandate neu zu be« setzen._ Die Dortmunder Handelskammer über die erhöhte Bier- steuer und den Bierkonsum. Die Blätter des Schiiapsblockcs bringen in letzter Zeit wieder eine Nachricht über die andere von den„segensreichen Wirkungen" der letzten Finanzreform. Was in Wirklich- keit daran ist, lehrt erneut der vor kurzem erschienene Jahresbericht der Dortmunder Handelskammer. lieber die Lage der Brauindustrie heißt es in dem Bericht, das Jahr 1910 sei für die Brauindustrie eine Probe auf ein sehr bedeutsames und schwieriges Exempel gewesen. Es habe sich herausstellen müssen, ob eS gelingen würde, sich mit der erhöhten Braufieuer „abziisindeii". Es sei indes gelungen, unter dein Drucke der Verhältnisse mit dem größten Teil der rheinisch- westfälischen Brauereien einen Vertrag über die Erhöhung der Bierpreis« zustand« zu bringen. EZ wird dann zwar von einer»gewissen Gesundung" der wirtschaftlichen Lage der Brauereien geredet, das kann aber höchsten» für die engen U n t e r n e h m e r p r o s i t i n t e r e s s e n gellen. DaS dicke Ende kam bei der Preiserhöhung nach. Der Bericht erwähnt, es sei erwartet worden, daß mit Ende des Jahres IVOS die rückgängige Bewegung im Bierabsatz den Tiefpunkt überschritten haben würde. Diese Hoffnung habe sich jedoch nicht erfüllt. Im Berichtsjahr ist der Bierabsatz noch erheblich hinter dein deS schlechten JahreS t90!) zurückgeblieben, was aus den Malz- Verbrauchsziffern von lf» Dortmunder Brauereien deutlich hervor- geht. Nach dem Bericht der Handelskammer betrug der Malz- verbrauch dieser Brauereien in, Jahre 1308/09 St7 97S Zentner, im Jahre 1909/10 464328 Zentner, das sind 83 650 sZentner oder zirka 15 Prozi weniger. In dem Bericht wird dann weiter gegen die„beinahe zur Modesache gewordene" Antialkoholbewegung ge- wettert. Die Kaufkraft der arbeitenden Bevölkerung, heißt es, fei zwar infolge der Besserung der wirtschaftlichen Konjunktur im all- geineincn größer gewesen, aber dieser günstige Moment sei durch die Bauarbeiteraussperrnng und durch andere Streiks„stark be- einträchtigt" worden. Auch der kühle und regnerische Sommer wird erwähnt.„Der schlechte Biervcrbrauch", heißt es lueiter, „hat im Berichtsjahre zur Folge gehabt, daß Verhältnis- mäßig viele Wirtschaften zur Subhastation kamen, welche von den daran beteiligten Brauereien meist erlvorbsn werden mußten, damit nicht größere in ihnen investierte Kapitalien in Verlust gerieten." Die„Hauptsorge" der Brauereien ist die, ob sie die Preis- konvention erneuern können. ES wird für eine„Lebensfrage" der Brauindustrie erklärt, ob die erhöhten Preise beibehalten werden können. Andernfalls soll die Brauindustrie„nicht bestehen" können. Die Frage, ob die Masse der Konsumenten bei den Wucherpreisen »bestehen" kann, kümmert die Unternehmer ja nicht. Der Segen des Brvtwuchers. Das der Stadt Rostock in Mecklenburg gehörige Gut Willers- Hägen brachte bisher jährlich 7100 M. Pacht. Jetzt ist die Pacht- Periode abgelaufen. Bei der nunmehrigen Wiederverpachtnng blieben drei Bieter im Hauptgebor. Sie boten 13 000, 13100 und 13 200 M. jährlich. Daran kann man ermessen, was der Bcotwucher den Besitzern von Ar und Halm für Vorteile gebracht hat! Nationalliberaler TerrorismuS. Unlere Genossen in Reuß j. L. haben im renßischcn Obcrlande, dem Schmcrzenskinde der Partei, in den letzten Wochen eine eifrige Agitation zur Gewinnung neuer Abonnenten für unser Geraer Parteiblatt betrieben, die schöne Erfolge erzielte. Zugleich wurden wertvolle Verbindungen angeknüpft und in einigen Orten wurden die Saalbesitzer beivogen, uns ihre Säle für Versammlungen zu »iberlasien. So sollte dieser Tage eine öffentliche Versammlung in Culm bei Saalburg staltfinden. Sofort setzte der bekannte Terrorismus der National„liberalen" ein. der dem der Konservativen und des Zentrums nichts»achgibt. Der Saal wurde uns prompt abgetrieben. Der Wirt erhielt von dem Vor- sitzenden des Militärvereins, einem fürstlichen Waldwärter, ein, Schreiben, das wörtlich lautet: Wernsdorf, den 19. April 1911. Lieber Heinrich I Ich weis nicht, ist was dran oder nicht, ich habe gehört, bei dir sollte am Sonntag eine Soziale-Versammlung abgehalten werden, wenn daß so wäre, dann inacbe ich dich Heinrich ans die Folgen darauf aufmerksam, 1. ist keine Abendnnterhaltung bei dir, unser Verein muß dein Lokal als Vercinslokal aufgeben und du wirst jedenfalls als Kamarad vom Militärverein ausgestoßen werden, ich als Vorstand müßte dies dem Verband anzeigen, sonst falle ich selber rein. Lieber Heinrich Urteile selbst darüber, den solche Dinge räumen sich nicht mit dem Militärverein zusammen. (Bitte bewahre diese Zeilen auf). Mit Kameradschaftlichen Gruß G. Beigang, Vorsitzender. DaS sind die geistigen Waffen, mit denen man uns im Macht- bereiche des Reichstagsabgeordneten Horn zu bekäinpfen sucht. Bei den Wahlen sehen wir uns wieder. Protestvetsammlung gegen die Kommissionsbrschlüffe zur Rcichsversicherungsordnuug. In Gera sReuß) fand am Sonnabend, den 22. April, eine vom Gewerkschastskarlell einberufene öffentliche Versainmlung statt, die sehr stark besucht war. Nach einem instruktiven Vortrage deS Genossen Albert K o h n- Berlin, der die arbeiterfeindliche Tendenz der KommisfionZbeschlasse scharf hervorhob und nach einer Diskussion/ in der dir Genossen, LandtagSabgeordnetcr Vetterlein, Gewerkschafts- sekretär K r a u s e und Arbeitersekretär F r a e n i el besonders die reaktionäre Stellungnahme des Abgeordneten Horn-Reuß beleuchteten. wurde einstimmig durch eine Resolution der Entwurf der Reichsversicherungsordnung in seiner gegenwärtigen Gestalt für u n- an n e h nr b a r erklärt. Der Abgeordnete Horn war schriftlich eingeladen worden. hatte aber abgeschrieben.— Die Resolution wird an das Präsidium des Reichstages und an den Abgeordneten Horn gesandt. Wie Insubordinationen entstehen. Der Ulan Göpfert vom Illanenregiment Nr. 17 in Oschatz hörte eines Tages nach dem Einrücken, daß einem Kameraden vom Sergeanten Krande Festungsstrafe in Aussicht gestellt worden war.„Was hast Du denn auSgefreffen?" fragte Göpfert seinen Kameraden. Als der csergeant erltärte, die Sacke ginge ihn nichts an, äußerte Göpfert:„Es gehört sich nicht, daß Unlerofsiziere solche Ausdrücke gebrauchen!" Darauf entgegnete der Sergeant:„Sie sind ja auch nur a l s L u m p zu», Militär g e l o ,n in e n!" Durch diese Beleidigung auf» höchste erregt, erwiderte G.:»Ich bin als anständiger Mensch zum Militär gelommen. und wenn ich ein Lump geworden bin, dann nur durch die Unteroffiziere und Arrestsirafen I" Göpfert wurde sofort arretiert und gemeldet. Der Sergeant erhielt aus dem Disziplinarwege zwei Tage Arrest wegen der Beleidigung; der Soldat wurde hingegen vom Dresdener Kriegsgericht zu achtzehn Tagen strengem Arrest wegen Achtungsverletzung verurteilt. Man hatte dem Soldaten den Schutz des§ 98 des Militär-Straf- gesetzbuchS gewährt, wonach die Slrase bedeutend ermäßigt werden kann, wenn ein Untergebener vom Vorgesetzten gereizt worden ist. Auf der anderen Seite hat man aber die grobe„tlngehörigkcit" und„Disziplinlosigkeit" berücksichtigt I Beantragt waren zwei Monate Gefängnis! Die Anklagen wegen Nötigung auf Grund des A 153 der Gewerbeordnung häufen sich in M ü l h a u s e n i. E.. seitdem die Zentrums- presse wegen jeder Klemigkeit ein Mordsgeschrei über„T e r r o r i S- m u s" erhebt und die Zentrumssraklion des Gemeinderats sogar eine besondere Vcstimmung inS städtische Lastenheft aufnehmen ließ. welche die Unternehmer gegen die Streitigkeiten unter der Arbeiterschaft wegen Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zur Organisation scharf m a ckj t. Letzten Freitag hatte sich die Straf- kämm er mit zwei Berufungen gegen schöffengerichtliche Urteile auf Grund des§ 153 der Gewerbeordnung zu befassen. In dem einen Falle war der Geschäftsführer Groß vom Deutschen Metallarbeiterverband zu zwei Tagen Ge- fängniS verurteilt worden, weil er im September vorigen JahreS zu zwei Streikbrecher» gesagt haben soll:„Wenn Ihr die Arbeit nicht niederlegt, bekommt Ihr keine Arbeit und Eure Meister kein- Arbeiter mehr". Groß bestreitet die Aeußerung. die er in dieser Form gar nicht getan haben iann. Die Slrafkanimer hielt ihn auf Grund der konsusen Aussagen eines Zeugen doch für überführt und erhöhte die Gefängnisstrafe, da auch die Staatsanwaltschaft Be- öjpfl eingelegt hatte, von zwei Tagen aus zwei Bochen! Im zweiten Falke kamen zwei Holzarbeiter als Sknaeklagie etwas besser davon: ihre Strafe von je drei Tagen Gefängnis wurde auf 20 M. Geldstrafe ermäßigt, da nur»versuchte Nötigung" vorliege._ Oeftemicb. Eiu MandatSverlust der Christlichsozialeu. Die Chriftlichsozialcn haben abermals ein niederösterreichisches Landtagsmandat verloren, aber diesmal braucht eS sie nicht so zu grämen, wie SchuhmeierS Wahl in LuegerS Bezirk. Trotzdem die Landstädte des„TrblandeS" nicht klerikal sind, war der industrielle Städtewahlbezirk M ö d l i n g bei Wien in der Privilegienkurie seit langem christlichsozialer Besitz. Nun ist der Deutschnationale Tammussino gewählt worden. Die in der Geldsacklurie wenig zahlreichen Sozialdemokraten stimmten für den Herrn als kleineres Uebel. Die niederösterreichischen Deutschnatioiialen tun nämlich sehr anständig, so lange bis sie von den Arbeitern heraus- gehauen sind. Uebrigens hat bei dieser Wahl der Wettbewerb zweier Weinbäugegenden um die Gunst des Wiener Rathauskellers kaum eine geringere Rolle gespielt als der Antiklerikalismus. Spanien. Ein barbarisches Urteil. Madrid, 24. April. DaS Kriegsgericht in Barcelona verurteilte den Journalisten P a i s a, den Redakteur der Zeitung„Progreso", heute wegen Beleidigung der Armee zu drei Jahren sechs Monaten Gefängnis. Für die Revision. Madrid, 23. April. Die Senatoren und Deputierten, die der republikanischen und der sozial! st ischen Partei angehören, haben ein Manifest an das Land gerichtet, in dem sie erklären, innerhalb und außerhalb deS Parlaments die auf die Revision deS ProzeffeS F e r r e r und anderer Prozesse abzielende Kampagne fortsetzen zu wollen. Ebenso erklären sie, sie seien durchaus gegen eine militärische Jnterventin in Marokko. Cürkcu Ei» Handstreich der Rebellen. Hodeida, 24. April. Araber, zu den Anhängern des Said I d r i s gehörig, haben in den Häfen von El Wessin und El Birk im Roten Meer zwei Fahrzeuge weggenommen und ge» plündert, die mit Proviam für die Besatzungen von Assyr beladen waren. Der lürlische Offizier sowie sechs Soldaten wurden g e- fangen genommen und ins Innere des Landes gebracht. Sechs ottomanische Kanonenboote wurden ausgeschickt, um die verloren ge- gangenen Fahrzeuge wiederznerlangcn, mit dem gleichzeitigen Befehl, die Häfen zu bombardieren und die Städte zu zer- stören. Mexiko. Der Waffenstillstand geschlosien. El Paso, 23. April. Ter Führer der Aufständischen, M a d e r o, und der Regierungsvertreter N a v a r r o haben einen fünftägigen Waffenstillstand unterzeichnet, der heute mittag feinen Anfang nahm. Die Friedens- Unterhandlungen werden s o f o r t a u f g e n o m m e n lverden. Soziales. Betriebsunfall. Dep Arbeiter K. hatte eine Verletzung des linken Auges erlitten. Er erhob bei der Norddeutsche» Teztil-Berufs- aciiolseilschaft Anspruch aus Unfallrente, wurde aber abgewiefe», weil der Unfall kein Betriebsunfall gewesen sei. Denn einmal habe K. gesagt, daß er sich das Auge mit seinen eigeilen Finger- nageln verletzt habe. Bei der polizeilichen Unfalluntersuchung hat K. den Vorgang wieder so dargestellt, daß er sich das Auge tn- folge eines Anrufes durch seinen Mitarbeiter an dessen erhobenen Finger verletzt l)abe. Weder die ersterc Darstellung noch die zweite enthalte die Merkmale eines Betriebsunfalles. Nach der letzteren Tarstellung handele eS sich nur um einen unglücklichen Zufall, wie er jedem Menschen an jedem Orte, wo ihn ein Be- tannter anspricht, widerfahren kann. Die von K. beim Schiedsgericht für Arbeiterversichcrung, Stadtkreis Berlin, eingelegte Berufung wurde ohne Beweis- ausnähme zurückgewiesen. Gegen dies Urteil legte der Verletzte beim Reichsversichecungsamt Rekurs ein. Das Reichsversicherungs- amt hatte zum Verhandlungstermin, der vor kurzem stattfand. die beiden Mitarbeiter des K. zur Vernehmung geladen. Der erkennende Senat(10) hörte die Zeugen eingehend ab. Durch die eidliche» Aussagen wurde erwiesen, daß die Verletzung des linken Auges des K. tatsächlich im Betriebe erfolgt ist. Der Un- fall war dadurch entstanden, daß der Mitarbeiter T. sich nach dem Arbeitstisch des St. begab, um von diesem eine„Prise" zu fordern. dabei sah er, daß K. hinter dem linken Ohre einen Fussel von dem Material, das in der Fabrik verarbeitet wird, sitzen hatte. T. sagte daraus zu St.:„Was hakt Du da am Kopfe?" Infolge des Anrufs kehrte K. sich um, bei dieser Gelegenheit stieß er mit dem linke» Auge in den erhobenen Finger der Hand des Mitarbeiters T. Auf wiederholtes Befragen durch den Senatsvorsitzenden wurde festgestellt, daß Tätlichkeiten oder illeckcreien zwischen dem Mitarbeiter T. und dem Unfallverletzten nicht stattgefunden hatten. Der Rekurs des Verletzten hatte Erfolg. Der erkennende Senat verurteilte die Norddeutsche Textil-Berussgenossenschaft zur Zahlung der Rente, da hier das Vorliegen eines Betriebs- Unfalles angenommen werden müsse. Lei der Begründung de» Urteils wurde etwa folgende» ausgeführt: Würde sich der Ar- beiter an einer Maschine im Betriebe gestoßen haben, dann läge zweifellos ein Betriebsunfall vor. Hier hat sich der Verletzte nun an der Hand eines Mitarbeiters das Gesicht gestoßen und dabei das linke Auge borletzt. Der Mitarbeiter gehöre indessen zum Betriebe, nur iin Interesse des Betriebes sei er in der Fabrik be- schäftigt; er bildet damit füglich auch einen Bestandteil des Be- tricbcs. Durch den Bestandteil des Betriebe» sei indessen der Unfall entstanden, et müsse daher auch als Betriebsunfall an- gesprochen werden._ Lieferungsfrist. Der Schneider Härtung war von der Firma Bluhm als Heim- arbciter beschäftigt worden. Er klagte gestern bor der Kammer I des Gcwerbegerichts auf Zahlung von 165 M. Lohn für 110 Anzüge gegen einen Arbeitslohn von 1,25 M. das Stück. Die Beklagte begründete ihre Zahlungsweigernng damit, daß der Kläger die Anzüge innerhalb einer Woche liefern sollte; er habe aber am 1. MärK und am 1. April je 30 und am 12. April die restlichen 50 Anzüge geliefert. Durch die verspätete Lieferung habe sie die Anzüge nickt mehr verwenden können. Dadurch sei ihr ein Schaden entstanden, der sich zum mindesten auf dieselbe Höhe wie die Lohnforderung beziffere. Der Kläger bestritt, die behauptete Lieferungsverpflichtung eingegangen zu sein. Sie zu halten wäre ihm auch unmöglich gewesen. Ein Schaden könne der Firma nicht erwachsen sein. Das Gewcrbcgerickt unter Vorsitz des Magistrats. rats Dr. Leo verurteilte die Beklagte zur Zahlung der 165 M. Dem Einwände der Schadensailfrechnung steht daS 1 Verbot der Aufrechnung gegen Lohn im 8 694 des Bürgerlichen Gejchbuchco entgegen. Da die Sachen noch vor Ostern geliefert möxdfi» finD, waren sie überdies nach Ansicht des Gericht» auch verwertbar. Da gegen die Qualität der Arbeit nichts eingewendet«ordeil ist, lifßt Jeip GkMd zur WMrMg ZaZlWg cet, Kommunale ÄrbeitsiolenüetsichcrülsS. Die bürgerlichen Kollegien � von Gmünd haben als erste württembergische Stadtverwaltung die Einführung einer Arbeits- losenverjichcrung nach dem Genter System beschlossen. Die Gesellschaft für Soziale Reform hält ihre Generalversammlung von, 11. bis 13. Mäi d. I. in Berlin aö. Die gesamte Tagung wird das Thema:„Die gewerb- lichen Lohnarbeiter beiderlei Geschlechts im Alter von 14 V'? 18 Jahren" behandeln. Am Donnerstag, 11. Mai, abends 8 Uhr, spricht in einer Versammlung der Berliner Ortsgruppe Stadt- schulrat Dr. Michaelis über das Berliner Fortbildungsschulwesen; am Freitag, 12. Mai, 9'/{ Ubr, beginnen die Verhandlungen der Hauptgesellschaft mit einem Vortrag vom Obermedizinalrat Dr. v. Grubet-München über:„Berufsschutz der jugendlichen Arbeiter". am Sonnabend, gleichfalls um 9'A Uhr beginnend, werden sprechen Reichstagsabgeordneter Oberbürgermeister Cuno-Hagen über:„Die Fortbildungsschule" und Walter Claßen, Leiter des Volksheims in Hamburg, über:„Jugendpflege". Die Versammlung am Donners- tagabend findet im Lehrervereinshause am Alexanderplatz statt; die Verhandlungen am Freitag und Sonnabend im Bürgersaal des Rathauses. Königstratze. An die Referate schließt sich Dis- kussion an. Ter Eintritt ist frei für jedermann. Alle auf die Tagung bezüglichen Anfragen und Mitteilungen sind an den Generalsekretär Professor Dr. E. Francke, Berlin W. 30, Nollendorfstraße 29/30, zu richten._ Tie Arbeiter-Stenographen. Am 16. April tagten im Kasseler Gewerksckiaftshause die Vcr« treter sämtlicher im deutschen Sprachgebiete bestehenden Arbeiter- Stenographen-Organisationen. Nach eingehender Aussprache ivurde die Einsetzung eines Ausschusses von sechs Mitgliedern beschlossen. der die Vorarbeiten zur Schaffung etiler einheitlichen Arbeiter- Stenogpaphen-Organisation übernehmen � wird. Vorsitzender des Ausschusses ist der Buchdruckereikorrektor F..G. Gicbler, Leipzig, Sternwartenstraße 73, 1 Tr. l. Hus Induftne und Handel. Deutschlands Ein- und Ausfuhr im Jahre 1910. Nach den Veröffentlichungen des Kaiserl. Stat. Amtes hat sich die Ein- und Ausfuhr Deutschlands nach den einzelnen Erdteilen im letzten Jahre folgendermaßen gestaltet: Einfuhr aus Alisfuhr nach in Millionen Mark 1309 1910 1909 1910 Europa.... 4961,1 5196,9 4992,1 5623,9 Afrika.... 363,0 418,0 143,9 181,3 Asien.... 666,4' 828,3 258,1 332,3 Amerika... 2283,6 2190,7 1089,3 1255,0 Australien... 245,7 293,0 66.4 71,8 Die Einfuhr aus Europa ist also nur wenig gestiegen, die auS Amerika sogar zurückgegangen, während die anderen Erdteile größere Steigerungen aufweisen.— Die Ausfuhr dagegen hat nach allen Erdteilen erheblich zugenommen, am meisten nach Amerika. Eine neue Interessengemeinschaft. Wie die„Franks. Ztg." aus Köln hört, sind die Verhandlmigen zwischen der D e u t s ch- L u r e m b u r g i s ch e n Bergwerks- und Hütten- Aktiengesellschaft in Bochum und dem R ü m e l i it g c r und St. Jngberter Hochofen und Stahl- werk in Rümelingen auf Eingehung einer Interessen- gemeinschast so weit gediehen, daß der formelle Abschluß des Vertrages in der allernächsten Zeit zu erwarten steht. Es kommt hierbei zunächst lediglich ein Pachtvertrag mit einer Dividenden- garantie in Frage. Der Anlaß zu dem Abkommen besiebt in der Hauptsache in dem Bestreben RümelingenS. sich mit eigener Kohle zu versorgen._ Deutscher Rogge».. Auf dem Markte der wichtigsten Getreideausfiihrländer, Ruß« land und der Vereinigten Staaten vonAmerika, macht sich der deutschs Roggen immer mehr bemerkbar. In Rußland ist es schckn so weit gelommen, daß der billige deutsche Roggen zur Viehfütterüng be- nutzt wird, ganze Mühlengrenzdistrikte bestehen, welche von Deutsch- band ausgeführte Roggenmengen vermählen und die hochevertigs Kleie zollfrei wieder nach dem Herkunftslande des Rohproduktes zurücktransportieren, wo sie mit Erfolg der teureren und viel mehr ausgemahlenen deutschen Kleie scharfe Konkurrenz machen. Wenn auch nach den Vereinigten Staaten nicht nur deutscher Roggen. sondern ebenfalls schon argentinischer Hafer eingeführt worden ist und damit der Beweis erbracht wurde, daß das Land der„unbe- grenzten" Möglichkeiten bald bei dem Moment anlangen wird, wo es keine Getreideüberschüsse mehr auf den Weltmarkt senden tann, seine tiefere Ursache hat diese deutsche Roggenausfuhr in der agrarischen Gesetzgebung des Deutschen Reiches. Jede Tonne Roggen wird von Reichs wegen durch einen Ein- fuhrschein mit 50 Mk. bezahlt, wenn sie über die deutsche Grenze hinausgeht. Roggen kostet zurzeit innerhalb der schwarzweitzroten Grenzpfähle rund 150 M.. im Ausland sinkt dieser Preis um den Zollbetrag, den die deutsche Regierung den Exporteuren schenkt. Es sind seit einigen Jahren immer rund 100 bis 120 Millionen Mark und noch mehr, die so dem Fonds für die Witwen- und Waisen- Versicherung verloren gehen! Für Rußland ist diese durch den deutschen Zolltarif begünstigte Engrosausfuhr von Roggen besonders ge- fährlich. War doch bis vor kurzem das Zarenreich mit seiner Riesenernte— durchschnittlich die Hälfte der Welternte— der größte Exporteur dieser Getreideart. Deutschland hat jetzt, trotz- dem es nur ein Viertel der Weltproduktion schafft uud im eigenen Lande den Roggen sehr nötig braucht, Rußland weit überflügelt. Rußland schaffte im Erntejahr— August bis Juli— 1909/10 4,9 Mil- lionen Doppelzentner Roggen über seine Grenzen, 1998/09 waren es2,S Millionen. Dagegen exportierte Teutschland in den beiden Jahren 6,8 uud 8,4 Millionen Doppelzentner Roggen! In der Zeit vvin 1. August 1910 bis Ende März 1911 waren es bei Rußland 4,3 Millionen und für das Deutsche Reich 6,1 Millionen Doppelzentner, die das Produktionsland verließe». Wie schon gesagt, der deutsche Roggen ist nur dcslvegen zu einem solch großen AuSfuhrobjekt geworden, weil die deutscke Schutzzollgesetzgebung dafür gesorgt hat. daß im Auslände eine Tonne Roggen jetzt für rund 100 M. gekauft werden kann, während in Deutschland selbst die gleiche Menge 150 M. kostet. Wie sehr im besonderen Rußland durch diese Dinge getroffen wird, zeigt sich auch darin, daß jetzt das russische ReichsratSmitglied Krestownikow, der Vorsitzender des Moskauer Böcsenkomitee» ist, eine Denkschrift für das Parlament ausgearbeitet hat, die sich aus- schließlich mit diesem Problem befaßt. Sogar die„Kreuzzeitung" schreibt darüber, allerdings mit der sehr interessanten Einschrän- kung, daß sie kein Wort von dem eigentlichen Grunde des Uebels erwähnt. Die ungeheuerliche Einrichtung der Einsuhrscheine, die das deutsche Volk systematisch von guten Brotgetreidesortcn entblößt, sie um ein Drittel billiger auf den Auslandsmarkt treibt und die Differenz den Agrariern als Liebesgabe schenkt, verschweigt man einfach. Und die deutschen Arbeiter sollen dabei noch zufrieden sein, daß ihr Roggen in Rußland für 97 M. verkauft wird, während die russische Futtergerste auf dem Weltmarkte 112 M. kostet. Es ist klar, daß der russische Viehfütterer lieber die deutschen Roggen- mengen zum Viehfüttern benutzt. Eine Gefahr, rusiffche Fleischkonkurrenz zu bekommen, besteht ja für die Agrarier Deutschlands nicht, das Fleischbesifiaiigesetz und die Einsuhrbestimmungeli gc- nüaen da schon als„Schutz". Und daß die Wittost,- und Waisen- Versicherung immer weiter hinausgeschoben wird, schadet sa den Äcrren nichts. Zudem ivar ja der Zentrumsantrag, bestimmte Zollüberschüsse dafür als Griindfonds anzusammeln, bei den Be- vatimge» von 1902 gar nicht so ernst gemeint. Bollsüetcug hier und LiebeHgM dort. dqK ist daS Ä und Q der deulschen NegierungspMil, 6cwerkrcbaftUcbe9* ßerltn und Qmgegend* Der Arbeiterinuenstreik bei der Firma Bergmann hat durch die am Sonnabend begonnenen Verhandlungen sein Ende noch nicht erreicht. Die Streikenden hatten sich gestern morgen wieder ebenso zahlreich wie Vörden, zur Streikvcr>ammlung ein- gefuilden, was abermals ein Beweis dafür ist, daß sie einmütig bis zum regelrechten Abschluß des Lohnkampfes ausharren werden. Aus dem Bericht der Kommissionsvertreter ist zu entnehmen, daß die Verhandlungen mit der Direktion am Sonnabend noch nicht beendet werden konnten und man übereinkam, sie am Montagnachmittag fortzusetzen. Es sollen inzwischen von beiden Parteien Feststellungen über die bisherigen Löhne der Arbeiterinnen sowie über die Löhne gemacht werden, die sich nach den von der Firma angestrebten Akkordsätzen ergeben. Die Direktion wünschte übrigens die Ver- Handlungen schon am Sonntagvormittag fortzusetzen; die Vertreter der Arbeitnehmer meinten aber, daß die Angelegenheit nun doch wohl nicht mit einem Male so übergroße Eile habe, daß man sich deswegen gerade diesen schönen Sonntag nehmen lassen sollte. Die Direktion erklärte sich dann auch mit der Fortsetzung der Verhandlungen am Montag einverstanden und gab ferner das Versprechen, daß Montag und Dienstag Neueinstellungen nicht stattfinden sollen. Ferner erklärte die Direktion, daß die Entlassungen männlicher Arbeiter nicht wegen Verweigerung von Streikarbeit vorgenommen wurden, sondern lediglich wegen Arbeitsinangel, der für sie infolge des Streiks der Arbeiterinnen entstehen mußte.— Die Versammlung war mit dem Verhalten ihrer Kommission durchaus einverstanden und beauftragte sie, weiter zu verhandeln. Die Streikenden werden sich heute von neuem ver- sammeln, um den Bericht über den weiteren Verlauf der VerHand lungen entgegenzunehmen._ Die Kraftdroschkenführer Groß-Berlins gegen das S4-Stmidenfahren. Eine außerordentlich zahlreich besuchte Versammlung der im Transportarbeiterverband organisierten Kraftwagenführer Berlins und Vororte nahm zu dem Vierundzwanzig-Stundenfahren Stellung. Wie der Bevollmächtigte Becker ausführte, habe das Vier undzwanzig-Stundenfahren der Chauffeure einen derartigen Um fang angenommen, daß gegen dieses Unwesen energisch vorgegangen werden müsse. In großen und größten Garagen werde eine der- artige Ausdehnung der Arbeitszeit gefordert. Von 75 Unfällen, die in letzter Zeit vorgekommen, sei die große Mehrzahl nachgewiesener- maßen auf die lange Arbeitszeit der Fahrer zurückzuführen. Nach- dem in der Aussprache diese Ausführungen bestätigt, gelangte ein Beschluß zur einstimmigen Annahme, in welchem es heißt:» Die Versammelten erklären das dauernde Vierundzwanzig-Stundew fahren für den Fahrer geeignet, die Gesundheit zu untergraben. Sie erblicken in der damit verbundenen übermäßig langen Arbeits- zeit eine Gefahr für die Berufskollegen und das Publikum, da erwiesenermaßen der größte Teil der Unfälle durch lange an- strengende Tätigkeit der Chauffeure hervorgerufen wurde. Die Versammelten verpflichten sich, das Vierundzwanzig-Stundenfahren mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu bekämpfen und diejenigen Kollegen, welche bei wiederholter Verwarnung davon nicht ablasien, aus der Organisation auszuschließen. Weiter soll über alle diejenigen Betriebe, wo die Besitzer das dauernde Vierundzwanzig-Stundenfahren von den Chauffeuren verlangen, die Sperre verhängt werden. Die Namen der ausgeschlossenen Chauffeure sollen jm Veo bandsorgan, dem„Courier", veröffentlicht werden. Der Streik der Hafenarbeiter bei der Firma Kurt Thomas zu Spandau dauert unverändert fort. Der Unternehmer lehnt jede Verhandlung mit der Organisationsleitung und vor dem Einigungsamt des Gewerbegerichts ab. Wem Anscheine nach will er mit den„Essener Arbeitswilligen" sein Glück noch weiter versuchen, und hat zu diesem Zwecke auf der städtischen Hafen- anlage einen Holzschuppen erbauen lassen, in dem die„nützlichen Elemente" beköstigt und beherbergt werden. Als Lagerstätte dient ein Strohsack und eine einfache Wolldecke. In dem Schuppen be- findet sich weiter noch eine Küche, woselbst ein Koch seines Amtes waltet. Es ist nur verwunderlich, daß die Pol'zeiverwaltung hiergegen nicht einschreitet, da dies gesetzlich unzulässig ist. Wo bleibt hier die Gewerbeinspektion?? Wenn ein Arbeiter sich erlaubt, auf seinem Stückchen gepachteten Laubenland in seiner Laube zur Herrichtung eines warmen Mittag- oder Abendbrots einen Ofen aufzusiellen, so wird das sofort seitens der Polizeiver- waltung verboten. Hier jedoch, wo es sich um einen tarifbvüchigen Unternehmer handelt, geschieht alles, selbst gesetzlich Verbotenes. unter den Augen der Polizei.„Vor dem Gesetz sind alle gleich." Die„Herren Arbeitswilligen" sind natürlich, nach den Be- richten der bürgerlichen Presse, die„harmlosesten und fried- fertigsten Menschen". Dagegen erscheint fast täglich im„Anzeiger für das Havelland" eine Notiz über:„Ausschreitungen der Streikenden." Diese Berichte sind zum Teil erfunden oder aber '10 Tl. pro Doppelwaggon(a 10 Tonnen) herabgeseß! sei. Ändere Verwaltungen erklärten, daß die Forderungen im Tarifvertrag zu weit gingen; die Belegschaften sollten den Vertrag zurückziehen, dann könnte zu dieser und jener Frage erneut Stellung genommen werden. Die Verwaltungen der den Rybeckschen Montanwerken an- gehörenden Gruben nahmen die Forderungen und Wünsche entgegen und sagten, daß sie sich erst mit der Generaldirektion in Halle in Verbindung setzen müßten, und sollen die Arbeiter später Antwort haben. Auf einigen Werken wurde zu diesem Zwecke zum Donners- tag, den 27. April, eine erneute Sitzung angesetzt. Einige kleinere Werke machten etliche Zugeständnisse in der Lohnfrage; der Tarif- vertrag wurde aber abgelehnt. Das Schlußergebnis ist somit: Alle von den Arbeiterorganisationen und den Belegschaften bezw. den Ausschüssen unternommenen Versuche, auf friedlichem Wege eine Verständigung herbeizuführen, miüssen als goscheitert betrachtet werden. Die Situation hat sich durch die ablehnende Haltung der Werksverwaltung wesentlich verschärft. Während die Arbeiter und deren Organisationen alles getan haben, um eine friedliche Lösung herbeizuführen, stellte der Verband der Braunkohlenindustriellen sich durchaus auf den Herrenstandpunkt. Uns ist bekannt, daß manches kleine Wert mit den Arbeitern Frieden schließen möchte; die Verwaltungen dürfen aber nicht auf der Grundlage des Tarif- Vertrages verhandeln, weil der Unternehmerverband dies verboten hat. Unter keinen Umständen Anerkennung der Arbeiterorganisa- tionen und der Tarifverträge, denn das würde der Ruin der Braunkohlcnindustrie sein— so und ähnlich lauten die Veröffent lichungen des Unternehmerverbandes in der bürgerlichen Presse Weiter lassen sie verkünden, daß noch große Kohlenvorräte vor Händen wären, und daß die Arbeiterführer den Arbeitern einen schlechten Dienst erwiesen, wenn sie sie jetzt„in den Streik hetzten Hinter den Braunkohlengrubenbesitzern ständen die gesamten Grubenbesitzer Deutschlands. Es ist den Arbeitern längst bekannt. daß kürzlich eine Konferenz sämtlicher Grubenkapitalisten getagt hat und dort beschlossen wurde, unter keinen Umständen Tarifver träge abzuschließen, denn diese wären im Bergbau nicht durch uhrbar. Im übrigen wird mit dem Gerede nur der Zweck verfolgt. die Oeffentlichkeit irrezuführen und die Arbeiter bange zu machen Wenn die Unternehmer wirklich den Frieden wollen, dann ist es jetzt höchste Zeit, daß sie einlenken und mit den Organisations- Vertretern in Verhandlungen eintreten. Die Arbeiter lassen sich jetzt nicht mehr länger hinhalten. Die notwendigen Vorbereitungen zum Kampfe sind von den Organisationen getroffen, und werden die Arbeiter den ihnen aufgezwungenen Kampf zu führen wissen Ueberall zeigte es sich, daß die Arbeiter mit Spannung der kommen den Dinge harren, und daß sie lieber heute wie morgen den Kamp■ beginnen möchten. Die entscheidende Konferenz fand am Sonntag, den 23. April, vormittags, in Zeitz statt. Die Organisationsleitungen berichteten über das Ergebnis der eingegangenen Kündigungen. Die Zu ammenstellung ergab ein befriedigendes Resultat. Es wurde chlietzlich einmütig beschlossen, daß auf den Werken mit vierzehn tägiger Kündigungszeit die Kündigung am Montag, den 24. April, vor Beginn der Tagesschicht eingereicht werden soll. Auf den Werken, wo nur wöchentliche Kündigung besteht, wird die Kündr gung eine Woche später erfolgen. Die Ausschüsse wurden ersucht. die angebahnten und noch nicht beendeten Verhandlungen weiter zuführen. Schließlich wurden noch eine Reihe organisatorischer Fragen für den bevorstehenden Kampf besprochen und entsprechende Beschlüsse gefaßt. Für Sonntagnachmittag waren im Revier mehrere Versamm lungen einberufen, die alle äußerst stark besucht waren und einen geradezu imposanten Verlauf nahmen. Die Beschlüsse der Konferenz wurden einmütig gutgeheißen. Kampfesmut und Begeisterung blitzten aus den Augen der Versammelten; sie bewiesen, daß sich Organisationsleiter, Vertrauensleute und Arbeiter einig sind. aber die Herren Streikbrecher Zäckerjungen auf dem Salzhof in gröblichster Weise entstellt. Da' im Laufe der Ostevwoche einen ohne jeden Anlaß geschlagen und getreten haben, davon weiß' die „bürgerliche Presse" nichts zu melden. Es ist tief bedauerlich. daß man in Arbeiterwohnungen solche Preßerzeugnisse, die in einem derartig berechtigten Kampfe gegen die Arbeiter scharf- machen, dieselben herabzuwürdigen versucht und in einseitiger Weise Unternehmerinteressen vertritt, noch antrifft. Hoffentlich trägt diese„Offenheit" ihre Früchte, indem die Spandaue� Arbeiter derartige Zeitungen aus ihren Wohnungen entfernen. Auch die Polizei legt sich nach wie vor für das„bedrohte Kapital" über olle Maßen ins Zeug. Die Streikposten erhielten fast alle wegen Uebertretung der Straßenpolizeiverordnung Straf- Verfügungen und wurden zum Teil verhaftet. Die Streikenden haben beschlossen, im Kampfe weiter auS- zuharren, bis die Firma Thomas sich zu Verhandlungen bequemt und den Forderungen der Streikenden weitgehendst Rechnung trägt. Achtung! Schallplatten- und JsolationSpresser! Bei der Firma M. A b r a h a m s o h n, Wienerstr. 50, stehen die Kollegen seit 44 Tagen wegen Tarifbruchs im Streik. Die Firma fertigt speziell Schallplatten„Derbh-Rekords" und solche mit grünen und roten neutralen Etiketts(sogenannte 85 Vf.-Platten). Der Betrieb ist gesperrt. Wir ersuchen, denselben streng zu meiden. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Schuhmacher! Bei der Firma Heß u. Dörr, Andreas- straße 40, haben die Kollegen infolge Lohndifferenzen und Maß- regelungen die Arbeit eingestellt. Eine von feiten der Ortsver- waltung angeknüpfte Verhandlung war resultatlos. Die Firma ist daher gesperrt. Zentralvcrband der Schuhmacher. Ortsverwaltung Berlin. Deutfcsses Reich. Zur Tarifbewegung im Zeitz- Weistenfels- Altenburger Braunkohlenbergbau. Die Verhandlungen der Arbeiterausschüsse und Belegschafts- kommissioncn haben, wie vorauszusehen war. auf fast allen Werken ein negatives Resultat gehabt. Ein Teil der Werksverwaltungen erklärte, daß auf Grund des eingereichten Tarifvertrages weitere Verhandlungen nicht möglich wären. Der Vertrag sei durch die Antwort der Werksverwaltungen und die Bekanntmachung auf den Werken abgelehnt. Es sei im Bergbau unmöglich. Tarifverträge abzuschließen. Eine Lohnerhöhung sei auch nicht angängig, da der Verrechnungspreis des Syndikats in den letzten zwei Jahren um verantw. Redalteurt Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil vergntw.1 Aussperrung auf der Schichau-Werft in Tanzig. Die Schichau-Werft in Dan zig hat am Sonnabend eine Bekanntmachung erlassen, nach der die Betriebsstörung durch den Streik zu groß sei und alle jetzt noch beschäftigten Arbeiter ent- lassen werden, wenn sie den Anordnungen der Streikleitung Folge leisten. Darauf hielten die noch im Betriebe befindlichen Arbeiter am Sonntag eine Versammlung ab und ließen der Firma eine Entschließung überreichen, nach der sie wohl arbeiten wollen, aber unter keinen Umständen Streikarbeit verrichten. Darauf hat die Firma alle Arbeiter entlassen, mit Ausnahme von tloa 50 Mann, die minderwertige Arbeitskräfte und zumeist invalid ind. Der Betrieb ruht also gänzlich. Der Betriebsleiter hat sich aber gleichzeitig bereit erklärt, nunmehr mit dem Arbeiterausschuß über die Forderungen zu verhandeln. Zur Aussperrung im Hamburger Holzgewerbe. Der Arbeitgeberschutzverband macht auch jetzt noch geradezu der zweifelte Anstrengungen, der Aussperrung eine größere Aus »ehnung zu geben. In der letzten Woche hat er sein Heil wieder mit Bezirksversammlungen in allen Teilen des Hamburger Städte komplexes versucht und auch eine besondere Versammlung der Jw haber der Spezialbetriebe einberufen, um auch diese zur Aus perrung zu veranlassen. Der„Hauptmann" Gurlitt operiert dabei mit deirAndroHung sehr terroristischer Mittel gegen die Unter- nehmer, die nicht parieren wollen. Weiter hat er ihnen vor- geflunkert, der Schutzverband würde alle Lohnmaschinenbetriebe auf- kaufen und stillegen, damit diejenigen Tischlermeister, die nicht über eigene Maschinen verfügen, die Arbeit einstellen müßten. Den „Hauptmann" ärgert es nämlich ganz besonders, daß die mittleren Betriebe sich seinen Anweisungen gar nicht fügen, sondern ruhig weiterarbeiten. Wenn der Ankauf der Maschinenbetriebe mit Gurlittschen Phrasen erfolgen könnte, wäre das Geschäft vielleicht möglich; wenn aber der Schutzverband sich einen Kredit von 100 000 Mark beim Jndustriellenverband einräumen lassen muß, um seinen dringendsten Verpflichtungen nachkommen zu können, dann nimmt diese Großsprechereien niemand ernst. Die Inhaber der Spezial- betriebe haben dann nach stundenlanger„Massage" versprochen, auszusperren, wenn— die übertragenen Akkordarbeiten fertig- gestellt seien; das würde aber immer noch einige Wochen dauern. Eine sofortige Aussperrung lehnten sie ab. Die Tischlermeister ver- langen immer mehr, daß ihre Führer nun endlich das ausführten, was sie seit Wochen versprochen haben, nämlich den noch in den Werkstellen arbeitenden„Rest" der Holzarbeiter auszusperren. Nur zwei weitere Betriebe mit insgesamt 12 Mann haben noch aus- gesperrt und nur wenig über 700 Mann sind insgesamt ausgesperrt. Mit einer Anzahl Firmen, die nicht ausgesperrt haben, hat der Holzarbeiterverband jetzt Einzelverträge abgeschlossen, die die so- fortige Durchführung der achteinhalbstündigen Arbeitszeit vorsehen. Bis jetzt sind schon 30 solcher Verträge abgeschlossen und wird die Zahl sich in den nächsten Tagen mindestens verdreifachen. Tie Unternehmer bemühen sich krampfhaft. Streikbrecher zu be- kommen Die internationalen Streikbrecheragenten A u g u st e Müller, der„gelbe" Katzmarek usw. wollen„Ware" besorgen. In Berlin und H'a n n o v e r sind die Asyle und Herbergen ab- gesucht worden; aber auch die internationale Streikbrecherbande in der Holzindustrie, die Leute, die bei der Firma Saalfeld in Helm- stadt, in Zürich, in Rastatt und in Delmenhorst tätig waren� sind für Hamburg angeworben und bereits eingetroffen. Bei der Firma Markus u. Frank sind in einer Werkstelle Lattenverschläge her- gerichtet, und zwar für 100 Mann, je drei Mann übereinander- gelagert. Diese durch rohe Tachlattcn hergcrichteten Lagerstätten siiw mit einem Strohsack und einer Pferdedecke versehen, und hier sind nun 64 dieser Elemente zusammengepfercht unter Aufsicht einiger Seelenverkäufer, die, mit Revolvern ausgerüstet, jeden be- drohen, der Miene macht, die„gastliche" Stätte zu verlassen. Die als notorische Arbeitswillige in ganz Deutschland bekannten Ge- brüder-Scheu spielen auch in Hamburg wieder ihre unrühmliche Rolle. Den Unternehmern sind diese Elemente zu gönnen. Zum Arbeiten.find die nicht nach Hamburg gekommen. Obgleich die - Leute erst wenige Tage hier sinss. ist es unser ihnen schon zu argen Schlägereien gekommen, und die Betriebsinhaber und die Werk» meister trauen sich kaum noch in ihre eigenen Werkstätten. Die Polizei stellt sich natürlich ganz in den Dienst der Unter- nehmer. Schon die wenigen, ruhig gesprochenen Worte:„Kollegen, hier wird gestreikt!" genügen für einen Streikenden, verhaftet und stundenlang auf der Wache festgehalten zu werden. Dutzende solcher Verhaftungen sind in den letzten Tagen erfolgt, wobei den Inhaftierten immer erklärt wurde, wenn sie sich wieder blicken lassen, sperre man sie 24 Stunden ein. Die Hamburger Holzarbeiter lassen sich durch diese Vorgänge nicht beirren. Sie fuhren den Kampf mit aller Entschiedenheit weiter. Abgereist sind bisher 750 ledige und verheiratete Kollegen. Holzarbeiter Teutschlands, sorgt für Fernhaltung des Zuzuges und guckt den Streikbrecheragenten auf dt? Finger. Erfolgreicher Landschaftsgärtnerstreik in Stuttgart. Am 27. März hatten die Gehilfen und Arbeiter der Landschafts« brauche in Stuttgart die Arbeit eingestellt, weil die Unternehmer- organisation jedes Entgegenkommen abgelehnt hatte. Nach einigen Tagen schloß die größte Firma B e r z u. Schwede mit der Arbeitnebmerorganisation einen Tarifvertrag für zwei Jahre ab, der für Gehilfen einen Stundenlohn von 48 Pf. in diesem, von 50 Pf. im nächsten Jahre bringt. Der weitere Verlauf des Kampfes gestaltete sich weniger güustig; zwar bewilligten noch ein paar kleinere Firmen, aber es stellten sich allmählich auch aus den umliegenden Ortschaften Arbeits- willige(Weinbergsbauern) ein. Außerdem halten die Unternehmer durch einen„Bluff" eine Anzahl Gehilfen ins Bockshorn gejagt, indem sie beim Gewerbegericht Klagen„wegen KontraklbruckcS" anstrengten und„Schadenersatzansprüche" erhoben. In einem Ver- Handlungstermin am 10. April ist dann allerdings durch Sach- verständigen- und Zeugenvernehmung festgestellt worden, das es in Stuttgart ortsüblich sei, daß eine KLndigungs- frist ausgeschlossen ist. Immerhin waren durch diesen„Bluff" einige ÄuSständige wankend geworden. Da die Unter- nehmer jetzt allgemein den 43 Pf.-Siundenlohn für Gehilfen, den 45 Pf.- Stundenlohn für Arbeiter bewilligt haben, so wurde der Streik jetzt für beendet erklärt. Das Gesamtergebnis ist immer- hin befriedigend, nach vorläufigem Ueberschlag ist eine Lohnerhöhung von 3 bis 4 M. pro Woche für etwa 150 Mann erreicht. �Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Versammlungen. Maifeier im Baugewerbe. Der hiesige Zweigverein des Deutschen BauarbeiterverbandeS hielt am Sonntag eine außerordentliche Generalversammlung ab, die sich eines guten Besuchs erfreute und sich zunächst mit der Mai- feier beschäftigte. Wie der Vorsitzende Hanke berichtete, hat sich eine Vertretersitzung bereits mit der Frage beschäftigt, und bringt dieselbe der Generalversammlung folgende Resolution in Vorschlag: „Die am Sonntag, den 23. April, tagende außerordentliche Generalversammlung des gesamten Zweigvereins beschlieht, den 1. Mai wie bisher durch Arbeitsruhe zu feiern, und ist es Pflicht jedes feiernden Kollegen, die am Vormittag des 1. Mai statt- findenden Maiversammlungen zu besuchen. Alle wegen der Feier am 1. Mai ausgesperrten, wie alle zur- zeit arbeitslosen Kollegen haben sich vom 3. Mai an in den hierzu von der Zweigvereinsleitung eingerichteten Meldestellen zur Kon- trolle zu melden. Als Ausweis über die Teilnahme an der Mai» feier dient die in den Versammlungen zur Verteilung kommende Maimarke und der darüberstehende Maistempel der Organisation. Kollegen, die über diesen Ausweis nicht verfügen, werden in den Kontrollisten nicht aufgenommen. Alle arbeitslosen Kollegen werden bis Sonnabend, den 6. Mai, und alle ausgesperrten für die Dauer von drei Wochen aus Mitteln der Lokalkasse unterstützt. Die Höhe der Unter- stützung regelt sich nach dem Vcrbandsstatut. Kollegen, die den 1. Mai nicht durch Arbeitsruhe begangen haben, sind moralisch verpflichtet, einen Beitrag zu dem von der Partei und den Gewerkschaften geschaffenen Mvifonds zu sammeln, der sich nach der Höhe ihres Verdienstes richtet." Nach einigen Erläuterungen Haukes über den Zweck dieses Maifonds, wobei noch darauf hingewiesen wurde, daß eS nicht die Absicht sei, auch die Feiernden zur Sammlung der Mittel für den Fonds anzuhalten, wurde die vorgeschlagene Resolution in allen Teilen angenommen. Ueber den letzten Satz der Resolution, den Hanke selbst als„Schönheitspflästerchen" bezeichnete, war ge- ondert abgestimmt worden, weil er von einem Teil der Ver- sammelten für überflüssig gehalten wurde, da es nach ihrer An- nähme wohl kaum organisierte Bauarbeiter geben dürfte, die den 1. Mai micht durch Arbeitsruhe feiern würden. Die Versammlung schritt darauf zur Aufftellung von Kan- didaten für die Wahl der Delegierten zum achten Gewerkschafts- kongreß, der im Juni d. I. in Dresden stattfinden wird. Der kon- 'tituierende Verbandstag des Bauarbeiterverbandes zu Leipzig hatte bestimmt, daß sich der Verband nur durch 30 Delegierte auf dem Gewerkschaftskongreß vertreten lassen solle, obwohl ihm eine tärkere Vertretung zustehe. Von den 30 Delegierten sind 6 den leitenden Vcrbandsinstanzen zuerkannt und 24 sollen durch die Mit- glieder gewählt werden. Der Vorstand hat hierfür den gesamten Verband in acht Wahlabteilungen eingeteilt, von denen zede drei Delegierte zu wählen hat. Die zweite Wahlabteilung umfaßt die Provinzen Brandenburg und Schlesien. Hanke schlägt deshalb im Auftrage der Vertretersitzung vor, in Anbetracht der Größe der Wahlabteilung, die etwa 300 Zweigvcreine umfaßt, nur zwei Kan- didaten seitens des Berliner Zweigvereins aufzustellen, wovon einer auS den gelernten Berufen entnommen und der andere dem Stande der Bauhilfsarbeiter angehören soll. Aus den Reihen der gelernten Bauarbeiter wurde der Maurer Otto Hanke von 688 anwesenden Mitgliedern gegen zwei Stimmen aufgestellt. AuS den Reihen der Hilfsarbeiter erhielt OkonSki 21, Paul R ö i e r 431(nicht. Wie soforh bekanntgegeben wurde, 531) Stimmen. l*ttzU Nachrichten. Ter deutsche Nundflug. Nordhausen, 24. April. Wie die„Saale-Ztg." meldet, be- willigten die hiesigen Stadtverordneten in ihrer heutigen Sitzung 5000 M. für den geplanten Nundflug durch Deutschland. Von diesem Betrage sind 3000 M. für die Errichtung eines Preises und 2000 M. für den Garantiefonds des hiesigen Luftschiffer- Vereins bestimmt, der gelegentlich des Rundfluges flugtechnische Veranstaltungen arrangieren wird. Nordhausen wird Etappen» ielle für den Ueberharzflug. Die sportlichen Veranstaltungen werden mehrere Tage in Anspruch nehmen. Arbeiterrisiko. Magdeburg. 24. April.(B. H.) Auf den hiesigen Krupp-Gruson. werken fand heute der Dreher Max Fleming, der an einer nahezu 200 Zentner schweren Panzerplatte zu arbeiten hatte, dadurch einen schrecklichen Tod, daß sich die Platte plötzlich aus ihrer Verankerung loslöste und den Dreher fast buchstäblich zerquetschte. Die Leiche war nur noch eine unförmliche Masse. Revolverattentat auf einen kündigenden Gesellen. Schneidemühl, 24. April. Nach einer Meldung der„Schneide. muhler Zeitung" gab der FIcischcrmeister Abraham auf seinen Ge- ellen, als dieser ihm erklärte, daß er mit der Arbeit aufhören und nach Berlin fahren wolle, einen Revolverschuß ab. der den Gesellen in die Brust traf und ihn schwer verletzte. Der Fleischcrmeister ist geflüchtet.' Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. ix Verlagsanstalt Paul Ä mger t Co.. Berlin LV�. Hierzu 3 Btilageg«.vatcrhaltungSbl. 1,9« s.Mm t Irilüjif iits Joniätiö" jSftliiin: HolWlitt �ermann ßorpanns Begräbnis. Der Aufmarsch. In der Lychener Straße hatten sich die Ordner, die der sechste Kreis stellte, in den frühen Vormittagsstunden in großer Zahl ein- gefunden, und bald schon fanden sie Gelegenheit, in Aktion zu treten. Bon zehn Uhr ab kamen die Deputationen mit Kränzen und anderen Blumenspenden und mehrten fich in einer Stunde so, daß sie Auf- stellung in Reihen nehmen mußten wie die Wagen, die unablässig heranrollten und Leidtragende nach dem Trauerhause brachten. Die eine Seite der Straße in der Umgebung des Hauses war für das Publikum abgesperrt; desto dichter drängten sich die Massen auf der anderen Seite bis zur Danziger Straße, die von einer Menschen- mauer eingefaßt war soweit man blicken konnte. Vor dem Trauer- hause herrschte die größte Ruhe und Ordnung. Die Schutzleute, die an der Ecke der Danziger Straße und weiterhin zahlreich postiert waren und merkwürdigerweise alle den Revolver am gelben Gurt trugen, befleißigten sich der größten Zurückhaltung und nirgends kam es zu einer Störung nennenswerter Art. Von 11 Uhr ab begannen die Genossen aus den einzelnen Wahlkreisen sich nach ihren Standplätzen zu begeben. In Massen marschierten die Genossen vom sechsten Kreise auf, die in der Lychener Straße fich hinter den Deputationen ausstellten. Im Traverhause. Das Haus Lychener Str. 132 ist eines jener Häuser, wie sie der volkreiche Norden Berlins viele hat. Von drei Seiten blicken Fenster auf den nicht großen Hof herab. Hier ist Hermann Borgmann auf dunklem Katafalk aufgebahrt. Immer- grüne Blattpflanzen umrahmen den schwarzen Sarg, der unseren Toten birgt. Ein Kranz blühenden Flieders, ver- Kunden mit einem Palmwedel, schmückt den Sarg. Er zeugt von der Liebe der Familie, die den schmerzlichsten Verlust erlitten hat. Ein letzter Gruß von der Frau und den Kindern, so kündet in Silberschrist die herabwallende schwarze Schleife. Anderer Kränze Blumenschmuck und die meist roten Schleifen bringen steundliche Farbentöne in den Ernst der dunkelgrünen Blätterwand. Da ist der Kranz des Partei- Vorstandes der sozialdemokratischen Partei Deutschlands, ge- widmet»dem Führer der ersten sozialdemokra- tischen Landtagsfraktion Preußens". Des geehrtenKolleg e ngedenkt diesozialdemokratische Fraktion der Berliner Stadtverordnetenversammlung auf der Schleife ihreS Kranzes. Blumenarrangements und Kränze, zwei mit roter und einer mit schwarzer Schleife, widmen auch die Be- wohner des Hauses ihrem Hauswirt. Die Sektion 2 (Kanalisationsarbeiter) des Verbandes der Gemeindearbeitcr hat einen großen Kranz mit breiter Schleife niedergelegt. Die Inschrift wendet sich an»unser Deputationsmit- glied" und sagt wester: »Du hast gekämpft für Freiheit und Recht und unS zum Siege verholfen. Wir gedenken Dein." Duftende Maiglöckchen zieren den daneben liegenden Kranz mit weißer Schleife, den der„Dankbare Verein für Kindervolksküchen demFörderer seiner Be- st r e b u n g e n" widmet, indem er aus der zweiten Schleife hinzufügt: »Hermann Borgmann danken die Berliner bedürftigen Kinder." Je weiter die Stunde vorrückt, je mehr füllt sich der stille Hof, auf dem inzwischen auch die beiden erwachsenen Söhne des zu früh Verblichenen erschienen sind. Neben zahlreichen Stadtverordneten, unter ihnen auch die bürgerlichen Herren Geh. Justtzrat Cassel, Modler und Dr. K n a u e r, sieht man die Parteivertreter von Groß- Berlin und der Landeskommission der preußischen So- zialdemokratie. Auch diese überbringen prächtige Kränze. Geh. Justizrat Cassel legt am Sarge einen großen Kranz mit weißer Schleife nieder, der die Inschrift trägt: »Ihrem verehrten Kollegen, Herrn Stadt- verordneten Borgmann, die Fraktion der Linken der Stadtverordnetenversammlung." — Es kommen Mitglieder des Parteivorstandes. Dann Karl Liebknecht. Adolf Hoffmann, Hirsch und S t r ö b e l, die Mitstreiter B o r g m a n n s in der kleinen, aber trutzigen Fraktion des preußischen Landtages, die eben- falls den toten Kampfgenossen durch eine Kranzspende ehrt. Die Genossen des Reichstags- Wahlkreises "Königsberg in der Neumark, in dem Borg- mann kandidierte, sind durch Deputationen vertreten. Ihrem lieben Freunde und Genossen, dem Kandidaten des Kreises, bringen sie letzte Grüße. Je einen Kranz legen nieder der Kreiswahlverein Königsberg- Neumark, daS Gcwerkschaftskartell von Cüstrin und Altdrewitz, dcrWahlvcrein Altdrewitz lind dersozialdemokrastsche Lokalverein Neudamm. Genosse Adolf Braun- Wien, früher Redakteur in Berlin am„Vorwärts", bis ihn preußischer Polizeigeist hinauswies. ehrt in seiner Kranzwidmung den toten Vorkämpfer. — Das Personal der städtischen Volksbadeanstalt Oderbergcr Straße sagt auf der schwarzen Schleife feines großen Kranzes: »Unserm Kurator in Dankbarkeit und Ver- ehrungl" Es ist gegen Mittag. Tiefes Schweigen, nur unter- brachen von den Schmerzcslauten der Familienangehörigen. die jetzt von Freunden an den Sarg geführt werden. Es gilt den Abschied von der Stätte, zu der sonst der Teure stets zurückkehrte nach den Kämpfen draußen im öffentlichen Leben. .Wenn sich zwei Herzen scheiden, die sich dereinst geliebt, so ist ein großes Leiden." Niemand kann sich der ergreifenden Wirkung des Liedes entziehen, das ein Doppelquartett anstimmt. Dann ertönt: .O wie herbe ist daZ Scheiden, wenn nur«ineS geht von beiden, die sich treu gewesen sind." Die schlichte Feier ist vyrbei. Der Abmarsch. Punkt 12 Uhr, wie es im Programm vorgesehen war, war der Zug marschbereit. Schwere Trauermusik ertönte und bald darauf setzte sich die Spitze des Zuges, die Genossen vom Bezirk 523, in Bewegung. Dem Leichenwagen folgten, nach den Anverwandten, die Landtags- und Reichstagsfraktion, der Parteivorstand, die Redaktion; einer langen Reihe von blumengeschmückten Wagen folgten Depu- tationen zu Fuß mit ihren Kränzen und Blumenspenden, die von etwa 200 Fabriken und Betrieben, von Gewerkschaften und Arbeiter- vereinen gesandt waren. Die Genossen deS sechsten Kreises, etwa in der Zahl von 5000, schlössen diesen Teil deS Zuges, der erst nach Vzl Uhr die Lychener Straße verließ, obgleich er mit ganz wenigen Ausnahmen in steter Bewegung blieb. An der Ecke der Schliemannstraße standen die Genossen vom 4. Kreis mit einem MusikchorpS an der Spitze in ruhiger Erwartung und schlössen sich dem Zuge in einer Stärke von nahezu 3000 Per- sonen an. An der Dunckerstraße stießen die Genossen aus dem ersten, dem zweiten und dem dritten Kreise, ebenfalls mit Trauer- musik, zu dem Zuge, den sie um weitere 500 bis 600 Teilnehmer vermehrten. Den Schluß des Trauerzuges bildeten die Genossen aus dem fünften Kreis, aus Teltow-Beeskow und Nieder-Barnim, die in der Senefelder Straße versammelt waren und ebenfalls mit einem Musikchor dem Zuge folgten. ES war gegen Va2 Uhr, als diese letzte Abteilung in einer Stärke von 1200 bis 1300 Personen sich anschloß. Das Leichengefolge bestand im ganzen aus etwa 11000 Personen, ein stattlicher Zug, der sich ruhig und stetig durch die breiten Straßen, die zum Friedhof führten, bewegte. Die Zuschauer. Nach den Erfahrungen beim Begräbnis deS Genossen Singer hatten sich die Massen der Zuschauer diesmal nicht so frühzeitig ein- gefunden wie damals. Aber bald nachdem die Mitte des Tages überschritten war, sammelten sich auch diesmal wieder dichte Reihen und Gruppen an, den Leichenzug zu erwarten. Frauen und Männer. auch Kinder, meist Leute aus dem Arbeiterstande, deren Platz eigent- lich im Zuge selbst gewesen wäre, die es aber aus dem einen oder andern Grunde vorzogen, sich mit der Rolle deS Zuschauers zu begnügen. Namentlich an der Ecke der Petersburger Straße und Frankfurter Allee war die Menge ziemlich zahlreich. Die Polizei war' an dieser Stelle unnötig stark vertreten. Wenn man ihrer überhaupt bedurfte, hätte wohl ein Schutzmann vollauf genügt, statt der zehn, die da standen und eigentlich nichts zu tun hatten. DaS Publikum, das, sei eS auch nur als Zuschauer, am Begräbnis eines Sozialdemokraten teilnimmt, ist so kultiviert, daß es mit Recht sagen kann: Wir brauchen keine Polizei. Wir sind unS selbst Polizei genug. Man brauchte diesmal nicht lange zu warten auf den Zug. IV« Uhr hörte man die Trauern, usik kommen, und bald war auch der Leichenwagen da. Die Männer entblößten ihr Haupt, und aller bemächtigte sich eine feierliche Stimmung. In Ehrerbietung bot man dem toten Kämpfer, der sein Leben geweiht hatte der Befreiung des Volkes aus den Fesseln der Knechtschaft, den letzten Gruß dar. Dann bewunderte man die vielen Kränze, einer prächtiger als der andere, und bemühte sich eifrig, die Inschrift der Schleifen zu lesen, was aber nur hier und da gelang. Mit gedämpfter Stimme machte man einander aufmerksam auf die bekannten Persönlichkeiten, die der Leiche folgten, wie auf die Organisationen, die nun in unabsehbarem Zuge heranmarschierten. Die vielen, vielen Tausende von Männern und Frauen, Mitgliedern der Wahlvereine, zogen ziemlich schnellen Schrittes vorüber, und dennoch dauerte es bis nach Va2 Uhr, ehe der Zug sein Ende erreichte. Obwohl die vorüberziehenden Massen in ihrem Anblick wenig Abwechslung boten und die spärlich vertretenen MusikkorpS meist nicht spielten, wenn sie diese Stelle passierten, hielten die Massen aus, bis der ganze Zug vor über war, offenbar weniger als Schaulust, als vielmehr in dem Gefühl, dem Genossen Borgmann wenigstens in dieser Weise ihre Ehrerbietung und Anerkennung für seine Lebensarbeit zu be- zeugen. Bald zeigte die Straße wieder dasselbe Bild wie an anderen Sonntagnachmittagen, nur daß hier und da Gruppen der Leidtragenden bereits vom Friedhof wieder zurückkehrten. Die meisten hatten es aber offenbar vorgezogen, bei dem herrlichen Frühlingswetter weiter hinaus zu ziehen in die zu neuem Leben er- wachte Natur. Vor dem Friedhofe. Am EingangStor hatten sich schon frühzeitig die Funktionäre aufgestellt, während den Weg entlang Ordner bereit standen, nötigen- falls den Verkehr zu regeln. Die Sonne brannte in sommerlicher Glut auf Häuser und Straßen und über der weiten Gegend lag die brütende Mittagsstille. Noch war von dem Kondukt nichts zu sehen. Aber schon hat eine zahlreiche Schar vor dem Friedhof Aufstellung genommen, die sich durch neuen stetigen Zuzug immer mehr verstärkte. Nach 2 Uhr wird es lebendiger. Die Spitze des Leichenzuges hat die Verbindungsbahn passiert— noch eine Weile, dann dringen ab- gerissene Klänge eines Trauermarsches zu den Wartenden herauf. Der Leichenwagen wird sichtbar, hinter ihm die Genossen von, 523. Stadt- bezirk. Banner ragen über das Trauergefolge hinweg, Blumen und Schleifen bringen in die dunkle Schar des Trauergefolges eine färben- prächtige Stimmung. Die goldenen Ketten der Stadtverordneten flimmern und funkeln im Sonnenlicht, Equipagen mit trauernden Verwandten und Freunden des teueren Entschlafenen rollen vorbei— klagend verhallen die Klänge deS ersten MusikchorS hinter den Pforten des Friedhofs. Die einzelnen Kreise rücken dicht hintereinander an, vor der Pforte staut sich die Menge und die Ordner haben Mühe, die vielen Menschen in Reih und Glied zu halten. Und noch immer nimmt der Zug kein Ende. Ein unabsehbarer Strom wälzt sich die Straße herauf, dem Friedhof zu. Tausende sind an der Biegung des WcgeS abgeschwenkt, aber viele andere Tausende harren mit rührender Ausdauer auf die Beendigung der Grabfeier, um im Borbeidefilieren an der offenen Gruft ihrem toten Mitkämpfer einen letzten Gruß nachzusenden. Die Sänger sind verstummt. Die ersten vom Gefolge verlassen durch den Seiteneingang die Stätte der Per« storbcnen. Und nun ergießt sich der Strom der Außenstehenden nach dem Grabe des Genossen Borgmann. Lange, nachdem die Feier beendet ist, tvimmelt die Straße von Leidtragenden, ein Be- weis, wie stark die Person des Verblichenen im Proletariat von Groß-Berlin gewurzelt hatte. Zwischen den Gräbern. Feierliche Stille ringsum. Die Einsamkeit im frühliugs- frischen Reiche der Toten weckt Erinnerungen. Wer kennt nicht den kleinen Hügel unweit des Tores, wo wir vor wenigen Wochen neben Liebknecht und Auer den Genossen Singer in die kühle Gruft senkten. Jeder Genosse, der den Friedhof betritt, besucht auch diese Grabstätte. Doch weiter schweifen die Gedanken von hier aus hinüber zu den Gräber- reihen, wo schon so mancher wackere Parteigenosse, so manche tüchtige Parteigenossin unter den Nasenhügeln schlummern. Sie alle, wenn sie auch nicht auf weithin sichtbarem Posten standen und nicht von Tausenden zu Grabe geleitet wurden, setzten ihre Kraft ein für unsere Ideale, für die hohen Ziele unserer Partei. Wenn auch die Namen dieser lvackeren Genossen nicht der Geschichte angehören, so sind sie doch nicht vergessen. Wir gedenken ihrer zur Stunde, tvo hier wieder ein frisches Grab ausgehoben ist, um einen der Besten aus unseren Reihen aufzunehmen. Stunden vergehen.— Da tönt von fernher Trauermusik. Sie kündet das Nahen des Leichenzuges. Kurz nach 2 Uhr durchschreitet die Spitze des Zuges das Tor. Der Leichen- wagen, von Palmenträgern begleitet, folgt. Ihm schließen sich die Angehörigen des Verstorbenen an, dann die sozial- demokratischen Reichstags- und Landtagsabgeordneten, der Parteivorstand und eine lange Reihe von Deputationen mit prächtigen Kränzen. Auf dem Platz vor der Leichenhalle haben sich unter anderen Teilnehmern der Totenfeier auch einige bürgerliche Stadtverordnete und Magistratsmitglieder eingefunden. Die Freitreppe der Halle ist in einen Hain von Lorbeerbäumen und anderen Blattpflanzen verwandelt. Hier, auf einem schwarzbedcckten Katafalk wird der schlichte Metallsarg nieder- gesetzt. Ein Kranz nut blühendem Flieder und schwarzer Schleife, von den Angehörigen des Verstorbenen gestiftet, schmückt den Sarg. Die Dcputationcn, welche dem Leichenwagen folgten, legen zun: Teil ihre Kränze an der Böschung nieder, die von dem Plateau vor der Halle zu dem breiten Mittelweg abfällt. In kurzer Zeit ist die Böschung vollständig mit Kränzen bedeckt. Das leuchtende Rot der Schleifen und Blumen überstrahlt das zarte Grün, womit der junge Frühling Bäume, Sträuchcr und Rasenteppich überstreut hat. Ernst und schweigend umsteht der engere Kreis des Trauergefolges den Sarg. Da ertönt, vorgetragen vom „Männerchor Norden", die bekannte Weise:„Es stand Deine Wiege im niedrigen Haus". Als die letzten Töne des Refrains: „Ein Sohn des Volkes wollt er sein und bleiben", verklungen waren, trat Genosse Z u b e i l an den Sarg. Er gedachte Borgmanns in seiner Tätigkeit in Partei und Geiverkschaft sowie namentlich als Stadtverordneter. Nach ihm ergriff Genosse Hirsch für die kleine Fraktion der sozialistischen Abgeordneten im preußischen Landtage das Wort, der ihn als Mitkämpfer auf diesem schwierigen Terrain und als Mensch feierte. Genosse Waldeck Manasse wandte sich namentlich an die Familie des Verstorbenen und zeigte, wie er dieser gegenüber eine rührende Sorge und nie ermüdende Liebe entwickelt hatte. Er gab das Versprechen ab. daß Borg- manns Freunde die nicht verlassen würden, die in dem unermüdlich für die Partei Tätigen eine so starke Stütze ver- loren hätten. Wieder wird ein Lied intoniert:»Stumm schläft de Sänger". Dann trägt man den Sarg, begleitet von de Klängen eines Trauermarsches zur Gruft. Inmitten grüner der Büsche ist das Grab aufgeworfen, in das man unsere Toten hinabsenkt, während die ernste Weise des Liedes:„Zur Reich der Gräber rief uns die Freirndespflicht" durch di Frühlingslust klingt.— Den Blicken für immer entschwunden ist die Hülle, welch den Leib unseres wackeren Mitkämpfers birgt.„Da unten st Frieden im stillen Haus" tönt es herüber von den Sängerr In langem, langem Zuge zieht die Schar der Leit tragenden an der letzten Ruhestätte Boramanns vorüber. Ei! letzter Scheidegruß dem so früh aus unseren Reihen dahin gerafften Genossen, ein stilles Gelübde, sein Andenken dadurc zu ehren, daß man gleich ihm aus ganzer Kraft mitarbeite an dem Werke, welches das Lebenswerk Borgmauns war der Befreiung der Arbeiterklasse. Unsere stets hilfsbereite Arbciter-Samaritcr-Kolonne war fast vollzählig erschienen. Die schon in den Vormittagstunden einsetzende schwüle Temperatur gab zu Befürchtungeu allen Anlaß. Der Hof des Trauerhauses, in dem zahllose Genossen am Sarge vorbei« defilierten, ebenso die in Betracht kommenden Straßen mußten recht- zeitig besetzt werden, um sofort Hilfe bringen zu können. Die den Zug begleitenden Samariter leisteten Hilfe in 43 Fällen(Ohnmacht. Unwohlsein) Hilfe, während die auf dem Friedhof selbst eingerichtete Rettungswache zwei Fälle von Herzkrämpfen und einige Fälle von vorübergehender Unpäßlichkeit zu behandeln hatte. Drei Er- krankte mußten durch Samariter in ihre Wohnungen transportiert werden. Das Prolekt des Gbarlottenkurger öpernhaukes. Die Vorlage veiressend die Errichtung eines Opernhauses ist der Charlottenburger Stadiverordnetenversammlung zugegangen. Als Bauplatz ist auSersehen ein Terrain in der Vi-Zmarckstrake zwischen Scsenheimer und Krumanestraste, die Grunderwerbs- und Baukosten sind aus S'/z Millionen veranschlagt, die durch eine Anleihe ans- nebracht werden sollen. Falls die Genehmigung der Aufnahme der St.'>leihe nicht rechtzeitig zu erlangen ist, sollen die erforderlichen Ge/dinittcl durch ein planmäßig zu tilgendes Darlehen beschafft und das>.Overnhaus bis zur Höhe dieses Darlehens verpfändet werden. T. w Stadtgemeinde will das HauS selbst bauen, den Betrieb der Lpr x dagegen überträgt sie der zu diesem Zweck gebildeten OpermH?» nebs-Aktieugesellschaft.Deutsches Opernhaus", sie schlägt also denst. iben Weg ein wie bei der Schaffung des Schiller-Theaters, wo belann/lich auch das HauS von der Stadt gebaut, aber an die Schiller-The�er-Aktiengesellschast verpachtet ist. Die Erwägungen, ans denen heraus' der Magistrat zur Einbringung der Vorlage gekommen ist. sind in der Har'ptsache darin zu erblicken, daß die Einwohner Groß- Berlins hinsichtlich der Versorgung mit gnten Opernvorstellungen schlechter gestellt s ind, als die Einwohner aller anderen großen und mancher mittleren Städte in Deutschland. So kommen zum Beispiel auf je einen Platz in der Oper in Hamburg 468 Einwohner, in Wien 411, in München 315, in Dresden 806, in Leipzig 303, in Köln 281, in Frankfurt a. M. gar nur 217, während auf je eine» Platz im Berliner königlichen Opernhause etwa 2400 Ein- wohner Groß-Berlins entfallen. Selbst nach dein Neubau der königlichen Oper u>ürden, das weitgehendste Projekt mit 2730 Plätzen angenommen, auf einen Platz noch immer 1346 Einwohner kommen. Die tägliche Erfahrung lehrt, wie in der Begründung mit Recht hervorgehoben wird, daß das königliche Opernhaus zurzeit, auch nicht annähernd das Bedürfnis zu defriedigen vermag, zumal wenn man berücksichtigt, daß sein un- gehinderter Besuch durch seinen Charakter als Hofoper in vielen Be- Ziehungen für die große Mehrzahl der Interessenten erheblich ein- geschränkt ist. Gegen die in der Oeffentlichkeit geltend gemachten Gründe, daß derartige Unternehmungen allein der privaten Geschäftstätigkeit überlassen bleiben müßtet», macht der Magistrat geltend, daß die Geschichte des Theaterwefeus zeige, daß regelmäßig nur dort eine Entwickelung zu höchsten Kunstleistungen stattgefunden hat, wo Staat oder Gemeinde ihm unterstützend zur Seite standen. Theater und Oper seien Kunstinstitute, die als Objekte wirtschaftlicher Aus- Nutzung und lohnender KapikackSanlage nur in Ausnahmefällen mit Ehren bestehen können. Für ein öffentliches Gemeinwesen dürften Stätten der Kunst kein gewinnbringendes Unternehmen sein. Eine Stadt dürfe sich damit begnügen, daß ihr die in ein solches Unter- nehmen investierten Kapitalien lediglich in der Höhe der von ihr zu machenden Auswendungen verzinst und in einer nicht zu langen Zeit amortisiert werden, sie könne so die Vorbedingungen zu einem Unternehmen schaffen, das breiten Schichten der Bevölkerung zugute kommt. Werde dagegen ein solches Unternehmen allein mit Hilfe des Privatkapitals ms Leben gerufen, so sei eS außerstande, dem Kunstbedürfnis der breiteren Schichten zu genügen: die hohe Ver- zinsung des Anlagekapitals und das begreifliche Bestreben, größere Gewinns zu erzielen, würden zu Eintrittspreisen führen, die sogar für den besserfituierten Mittelstand unerschwinglich sind. Daß dabei auch die Kunst nur zu häufig zu kurz kommt, ist eine hin- länglich bekannte Tatsache. Die OperhauS-Betriebs-Aktiengesellschaft ist bereit, den Kaufpreis mit 230000 M. zu verzinsen. Dieser Betrag reicht aus, um ein Kapital von 3 Millionen mit höchstens 4 Proz. zu verzinsen und mit 1 Proz. zu amortisieren. Es bleiben also etwa>/, Million ungedeckt, und diesen Betrag beantragt der Magistrat, endgültig der Stadt- gemeinde zur Last zu legen und seine Verzinsung und Tilgung auf deu laufenden Etat zu übernehmen. ES bedeutet das eine jährliche Belastung von rund 30 000 M. Sehr eingehend hat der Magistrat die wirtschaftlichen Grundlagen deS Unternehmens geprüft, er hat diese? Prüfung nicht nur die Zahl der«ingegangenen Abonnements- anmeldungen und den Voranschlag zugrunde gelegt, sondern auch noch ein Gritachten von einem Sachverständigen eingeholt. Nach menschlichem Ermessen erscheint der Bestand deS Unternehmens gesichert. Der Pachtvertrag, der zwischen Stadt und Gesellschaft avge- schloffen ist, ist in seinen Hauptbestimmungen dem mit der Schiller- Theater-Aktiengesellschaft geschloffenen Vertrage nachgebildet. Wir heben daraus unter anderem die Bestimmung hervor, daß die künst- lenschen Darbietungen sich auf einer Höhe bewegen müssen, die dem festgelegten Gagenetat entspricht und den Ansprüchen genügt, die au ein großstädtisches Opernunternehnien mit ernsten künstle- rischen Zielen zu stellen find. Die Eintrittspreise einschließlich der Gebühr für Garderobe und Theaterzettel bewegen sich im Abonnement zwischen 1,20 M. für den dritten Rang und 3,80 M. für den Orchestersitz, die Kaffeu preise zwischen 1,70 M. für den dritten Rang und ö M. für den Orchestersitz. Außerdem sind noch auf der Galerie Plätze vorgesehen zun, Preise von 80 Pf. einschließlich Zettel und Garderobe. Eine Veränderung deS Tarifs und der Abonnementsgrundsätze sowie eine Verminde- rung der für Abonnements vorgesehenen Zahl der Plätze ist nur mit Genehmigung des Magistrats zulässig. Weiter ist die Pächtcrin verpflichtet, auf Ersuchen des Magistrats jährlich bis zu vier Nachmittagsvorstellungen unentgeltlich für Zöglinge der Fort- bildungöschule und Schüler und Schülerinnen der Eharloüenburger Gemeindeschulen und zehn weitere Nachmittagsvorstellungen z» Preisen von 50 Pf. bis 1,25 M. zu veranstalten. Hinsichtlich dieser Vor- stellungen steht dem Magistrat ein Vorzugsrecht zugunsten der Schüler und Schülerinnen der übrigen Charlottenburger öffentlichen und privaten Schulen zu. Von besonderer Bedeutung ist es, daß der Pächteriii bestimmte Vertragsformulare, insbesondere auch bezüglich der Bestimmungen über Krankheitsfälle und Kostümlieferung, als Grundlage für ihre Verträge mit den Mitgliedern der Oper vor- geschrieben sind. Weiter ist zu erwähnen, daß wenn in einem Ge- ichäftsjahre eine Superdividende, d. h. mehr als 6 Proz. Dividende an die Aktionäre verteil: wird, ein ebenso großer Betrag für Wohl- fahrtseinrichtungen zugunsten des Personals der Oper zur Verfügung gestellt werden muß, und zwar in erster Reihe für die Ausstattung von Unterstützungskaffen, deren je eine für die Orchestermitglieder, für die Chor- und Solomitglieder und für das technische Personal zu bilden ist. Die Grundsätze, nach denen Wohlfahrtseinrichtungen für das Personal geschaffen iverden, unterliegen der Genehmigung de? Magistrats. An die Mitglieder des Aufsicktsrats der Gesellschaft dürfen Tantiemen nicht gezahlt werden, sie haben ihre Tätigkeit un- entgelilich auszuüben. Für später ist auf demselben Grundstück ein RestaurationS- und Saalbau geplant, der Pächterin des Opernhauses steht hierfür ein Vorpachtsrecht zu. Als Termin der Eröffnung des Opernhauses ist die Saison 1912/13 gedacht. Die Vorlage, die bereits am Mittwoch die Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung beschäftigen wird, bedarf also großer Beschleunigung, wenn das HauS rechtzeitig in Betrieb genommen werden soll. SmcKts- Leitung. Kindesmißhandlung.-~ Grauenerregende Einzelheiten aus der Leidensgeschichte eines Kindes, welches durch eine Stiefmutter in der scheußlichsten We'se gequält und mißhandelt worden war, kamen gestern in einer Ver- Handlung zur Sprache, die unter Vorsitz des Landgerichtsrats Wilde die 7. Strafkammer des Landgerichts I beschäftigte. Wegen schwerer Körperverletzung im Sinne des Z 224 des Strafgesetzbuches hatte sich die aus der Untersuchungshaft vorgeführte Arbeiterfrau Klara Schcttat geb. Drung zu verantworten.— Der Arbeiter Friedrich Schettat, der in einer Siemensschen Fabrik beschäftigt ist, verlor vor etwa zwei Jahren seine Ehefrau durch den Tod. Schon vor Ablauf des Trauerjahres heiratete er die jetzige Angeklagte, um seinen Kindern eine Pflegerin zu geben und sie nicht zu fremden Leuten in Pflege geben zu müssen. Die aus erster Ehe stammenden Kinder, der sechsjährige Wilhelm und die dreijährige Rosa, wurden jedoch von der Stiefmutter bald nach der Eheschließung schlecht behandelt. Als sie' dann in der Ehe selbst ein Kind zur Welt brachte, begann ein wahrhaft entsetzliches Martyrium für die beiden Kinder. Ihr eigenes Kind verhätschelte sie, zog eS nett an und ging mit ihm spazieren. Leidlich gut hatte es auch der sechs- jährige Wilhelm, der zur Schule ging und dadurch einer gewissen Kontrolle durch fremde Leute unterlag. In der scheußlichsten Weise wurde dagegen die kleine Rosa von der Angeklagten gequält und gemartert. Das unglückliche Kind mußte bei bitterster Winterkälte in einer mit schmutzigem und fauligem Stroh gefüllten Kinderbett- stelle schlafen, aus welcher die körperlichen Ausscheidungen des Kindes nie entfernt wurden. Die Folge war, daß es buchstäblich vor Schmutz und Kot starrte und mit Ungeziefer dicht bedeckt war. In dieser Situation mußte es Tag und Nacht aushalten, es wurde nie an die Luft geführt, so daß die Hausbewohner lange Zeit hin- durch gar nicht wußten, daß die Schettatfchen Eheleute noch ein drittes Kind hatten. Außerdem erhielt das nur notdürftig in Lumpen gehüllte arme Wesen nur mangelhafte Nahrung, so daß es schließlich fast nur noch aus Haut und Knochen bestand. Infolge dieser mangelhaften Ernährung trat bei dem Kinde noch die eng. lische Krankheit hinzu, welche das Knochengerüst völlig porös uitt» brüchig machte. Da das Kind sich selbst überlassen war, fiel eS öfter aus dem„Bett" heraus und zog sich Verletzungen zu. Wie sich später ergab, hatte die kleine Rosa an beiden Armen Knichenbrüche. Da keinerlei � ärztliche Hilke hinzugezogen wurde, wuchsen die Knochen schief an, so daß das arme Wesen, als die Schandtaten der Angeklagten aufgedeckt wurden, völlig krumme und verwachsene Gliedmaßen hatte.— Nachdem dieses Martyrium des Kickdes schon fast zwei Jahre gedauert hatte, mußte wohl endlich in dem Hause etwas bekannt geworden sein, denn der Hauseigentümer selbst wandte sich an die Lichtenberger Polizei. Am 2. August vorigen Jahres erschien der Kriminalschutzmann Küsel vor der Wohnung der Angeklagten, die sich aber weigerte, zu öffnen. Erst als er drohte, durch einen Schlosser gewaltsam öffnen zu lassen, ließ ihn die Angeklagte in die Wohnung hinein. Der Beamte fand das Kind, welches am Kopf und auf dem Körper blau-grün verfärbte Stellen hatte, vor Schmutz starend auf dem fauligen Stroh liegend. Trotz- dem der Beamte sofort rinrn Bericht an die Behörde gab, in welchem er die vorgefundenen Zustände schilderte, wurde nach keiner Rich- tung hin etwas veranlaßt. Erst als im Januar dieses Jahre? der „Zentrale für Jugendfürsorge" eine Mitteilung zuging, wurde daS arme Wesen von seinen Qualen erlöst. Die von der Zentrale als Lormünderin eingesetzte Dame fand das Kind in einem Zustande. der jeder Beschreibung spottete. Als das Kind auS dem Stroh herausgenommen wurde, wimmelte es von Ungeziefer. ES war so entkräfte?, daß es sich uberhaup? nicht bewegen konnte un? gcktkz teilnahmslos ins Leere starrte. Als von der Angeklagten Wasch« oder Kleider für das Kind verlangt wurden, verweigerte sie dies, Die Vormünderin mußte sich deshalb von einer in dem Hause wohn- haften Däckermeistersfrau ein Tuch borgen. Auf Veranlassung der Dame wurde dann auch der sechsjährige Wilhelm aus der Wohnung herausgeholt und nach dem Waisenhause in der Alten Jakobjtraße gebracht. Als die Scheußlichkeiten der entmenschten Mutter in der Oeffentlichkeit bekannt wurden, sammelte sich vor dem Hauso Frankfurter Allee 197 eine gewaltige Menschenmenge an, welche die Angeklagte lynchen wollte. Die empörten Leute schlugen die Tür ein und verprügelten die Angeklagte, daß ihr Hören und�Sehcn verging. Wenn nicht die Polizei eingeschritten wäre, so wäre die Angeklagte von der wütenden Menschenmenge zu Tode geprügelt worden. Da die Angeklagte trotz alledem noch auf freiem Fuße belassen wurde, verhängten die Geschäftsleute-n der dortigen Gegend einen Boykott und weigerten sich, ihr etwas zu verkaufen. — Vor Gericht bekundete der als Sachverständiger geladene Pro- fessor Dr. Finkelstcin, daß die bei dem Kinde konstatierten Knochen- bräche nicht zweifelsfrei auf Mißhandlungen zurückzuführen seien. Das Kind, welches damals fast nur noch ein Skelett gewesen sei, habe sich wieder erholt und bisher nur zugenommen.— Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von 2 Jahren. Das Gericht hielt es nach dem Gutachten des Sachverständigen nicht für erwiesen, daß bei dem Kinde ein Siechtum im Sinne deS§ 224 vorliege. Dagegen hielt es für festgestellt, daß die Angeklagte das Kind vorsätzlich in der schändlichsten Weise vernachlässigt habe und hierin eine strafbare Körperverletzung zu erblicken sei. Das Urteil lautete auf 9 Monate Gefängnis. Eisenbahnhaftung. Ms die Gräfin Brunhild von S. die vom Kreis Osterode a. H. betriebene Kleinbahn auf ihrer Harzreise im Jahre 1906 benutzte. sprang plötzlich die nach der Plattform führende Tür ihres Coupes auf. Die Gräfin stand auf, um die Tür wieder zu schließen. Wäb- rend sie sich mit der rechten Hand am Türrahmen festhielt, griff sie mit der linken nach der Türklinke. Im selben Augenblicke schlug die Tür von selbst wieder zu. Dabei ist der S. der Daumen der rechten Hand eingeklemmt und zerquetscht worden. Sie hat deshalb Klage gegen den Kreis Osterode auf Schadloshaltung erhoben. Zu- nächst fordert sie 224 M. jwrkosten, sodann eine Rente für den Fall, daß sie einmal in die Lage kommen sollte, ein Erwerbsgeschäft ergreifen zu müssen, sowie Schmerzensgeld für den immateriellen Schaden in Höhe von 5000 M. Das Landgericht Göttingen hat die Klage zur Hälfte als be- gründet erklärt, den Anspruch aus Schmerzensgeld dagegen gänzlich abgewiesen. Das Lberlandesgericht Celle erkannte die Ansprüche der Klägerin im vollen Umfange dem Grunde nach als gerecht- fertigt an. Das Oberlandesgericht führt begründend auS, daß ein Betriebsunfall im Sinne des ReichshaftpflichtgosetzeS vorliege. In den weiteren Darlegungen der EtttscheidungSgründe verneint daS Gericht ein mitwirkendes Verschulden der Klägerin an dem Un- falle. Denn eS sei dos Nächstliegende gewesen, sich am Türrahmen festzuhalten: wenn die Klägerin dabei infolge der Eile in den Türspalt hineingefaht habe, so liege darin kein Verschulden. ES stellt das Oberlandcsgericht durch Zeugen fest, daß die Coupetüren auf dieser Bahn mehrfach von selbst aufgesprungen und bei Kurven wieder zugeschlagen sind. Hierin erblickt es eine fahrlässige Schadenszufügung im Sinne der ZZ 823 bis 831 des Bürgerlichen Gesetzbuches, für die der beklagte Kreis als Unternehmer der Bahn um so mehr zu haften habe, als es ihm unmöglich sei. bei zwei Angestellten der Bahn den Entlastungsbeweis der Brauchbarkeit im Sinne von§ 831 deS Bürgerlichen Gesetzbuches zu erbringen., Das Reichsgericht hat am Sonnabend das Urtejl des Oberlandesgerichts Celle aufgehoben und die Sache zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an das Lberlandesgericht zurück- verwiesen, weil dieses das eigene Verschulden der Klägerin gänzlich verneint hat. Es sei eine grobe Unvorsichtigkeit, den Finger in den Spalt einer eben aufgeschlagenen Türe zu stecken. Jedenfalls müsse in diesem Falle die Klägerin nachweisen, daß sie deshalb kein Ver- schulden treffe. Die Haftung für den mangelhaften Verschluß der Türen an sich erklärte das Reichsgericht für begründet, Ein recht trllbeS ländliche» Sittenbild wird demnächst die 1. Siraftammer des Landgerichts ll beschäftigen. Ende Februar dieses Jahres rst der Lehrer Georg Arndt in Gads- darf bei Trebbin in Untersuchungshaft genommen worden, weil er in dem dringenden Verdacht stand, sich an einer Anzahl der ihm an- vertrauten Schulmädchen unsittlich vergangen zu haben. Der Ver- dacht hat sich bestätigt, und es ist nun Anklage gegen diesen Jugend- verderber erhoben worden. In nicht weniger als 15 Fällen soll er mit minderjährigen Schülerinnen in unsittlicher Weise verlehrt haben, in zwei Fällen sollen die Opfer seiner Lüste noch nicht 14 Jahre alt gewesen sein. Bei einem der Mädchen sind die Folgen dieses Verkehrs nicht ausgeblieben und haben den Angeklagten zrr Experimenten veranlaßt, die noch ein Strafverfahren wegen Ver- brechenS gegen keimendes Leben gegen ihn veranlaßt haben. Dieser empfehlenswerte Schulmeister ist 35 Jahre alt, verheiratet und Vater mehrerer Kinder. Er ist seit etwa 6 Jahren in GadSdorf tätig und hatte sich in letzter Zeit infolge körperlicher Leiden und großer nervöser Erregtheit vielfach dem Trünke und dem Morphium- genuß hingegeben., Einladung znm Frei-Konzert! hierdurch erbitten wir von Ihnen die Erlaubnis, CS in Ihrer Wohnung ein Konzert veranstalten z» dürfen, wie Sie es wahrscheinlich noch nicht gehört haben. Die Veranstaltung ersolgt völlig kostenlos sllr Sie und hat den Zweck, Sie zu einem Abonnement auf diese Konzerte zu veranlassen, falls daS Probe- wnzert. das Sie während der Dauer von S Tagen völlig unentgeltlich baden sollen, Ihnen und Ihren Angehörigen Freude bereitet hat. Unser Angebot wird Sie gewig interessieren, und deshalb bitten wir Sie, uns einige Minuten Gehör zu schenken: Wir wollen Ihnen— zunächst kostenlos auf 5 Tage— einen Spezial-LuxuS-Sprechapparat mit echter Pathö-Schalldose und 20 ausgewählte Stücke aus 10 doppelseitig bespielten. 29 cm großen Künstler- Patbö-PIattcn zujenden. 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Mscdsa Sie also einen Versuch, der Sie nichts kostet als die minimalen Spesen sür die Hin- und eventl. Rücksendung, und werfen Sie den eingedruckten Bestellschein den Sie nur mit Ihrer Unterschttst zu versehen brauchen, in den nächsten Briefkasten. Sie erhalten dann schnellstens unsere Sendung, durch die Sie alles das bellätigl finden werden, was wir gesagt� Haien. Gesällt Ihnen der Apparat aber nicht, so können Sie die ganze Sendung 5 Tage nach Empfang wieder an uns zurückgehen lassen. Wir sind aber überzeugt, daß auch Sie un», wie viele Tarnende unserer Kunden, dankbar sein werden. daß wir Sie aus unsere Vergünstigungen aufmerksam gemacht und Ihnen Gelegenheit gebolen haben, von denselben Gebrauch zu machen. BIAL& FREUND Breslau II, Postfach 120/28 Einige Anerkennungen_ Besten Dank für den Pathö-Apparat. Derselbe spielt wunderbar und überragt be- tressend Klangschönhelt alles Dagewesene. Ich bin stolz aus den betreffenden Apparat. Die mir gelieferte Pashö-Senbung üöertttfft bei weitem meine Erwartung und lann ich Ihr Fabrikat jedem aus» wärmste empfehlen. Ich habe die belllegenden Patbö-Vlalten gespielt und bin mit denselben sehr zufrieden. Erstaunt bin ich sowie meine Familie über dt» Tonschönheit. AÄ Bestellschein 120/28 SÄ tcn Pathö-Platten o»i Anzablung. ohne Räch. nähme, ohne jede Emballagebe>ca>nung, insbesondere ohne jede Kausverpsltchtung zur Probe zu. zusenden. Ich verpflichte mich, diese Sendung, salls ich sie nicht zu behalten wünschi. innerbalb 5 Tagen, vom Tag» des Empfanges an gerechnet, franko zurückzusenden, andcni- sallS behallc ich sie und zahle unter Anerkennung de» Eigentumsrechtes monatlich 3 Mk. vom Zlblaus der Probe» zeit beginnend, bis der Wert de« Apparates von 4&_ s« und der der 10 Doppelplatten k 8,30 Mk. beglichen iffc ErsüllungSort ist«reSiau. V Ort und Datum: Bor«, Zuname und Berus: Orts- Krankenkasse der Gürtler zu Berlin. Zu der cm> Soilnabciid, den 29. April er., avciioS? Uhr, im Märkischen Hof, Admiralstr. lSe ftattsiudenden ordenllichen GBiieral-Vefsainmliing ibtfCcn die Herren Vertreter der Arbeitgeber und der KassenmUglieder b»7Nnit ergebenst eingeladen. Tagcs-Ordnung: i. Beschllchfassung über die Ab- nabme der Rechnung des Vorjahres. L. Verschiedenes. Berlin, den 25. April 1911. Der Torstand. .Ew. Elesack, Vorsitzender. Im Anschluß hieran findet UM L'/z Uhr für die Mitglieder der IvvlllidtN-ZlutkrMhungg- Kasse der Gurtler die ordentliche General-Versammlung statt. TageS-Ordnung:. � 1. Bericht der Reviioren«nd Ab- nähme der Jtchrcsrechnung. 2. Der- schiedenes. 14576 Berlin, den 25. April 1911. Der Vorstand. Adolf Heller, Vors. Hygienische Drogerie Zareniba, Siüeinbergswrg 1, dir. a.Rosenthaler Tor. � Billigste Bezugsquelle I Versuch f. zur dauernden Kundschasl! Berlchtignng zur Bilanz vom 31. 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Alle Völker verständigen sich umercinander bereits iir E s p e r a n t o, in allen WclttcUen ist kein Land mehr zu finden, wo es noch nicht seine Verbreitung gesunden hätte. Esperanto wird bereits von einer nicht mehr zähl- baren Zahl von Menschen gesprochen. Eine direkte Gefahr sür die Arbeiterschast wäre es. wenn wir noch länger abwartend abseits stehen wollten: auch wir haben ein Anrecht an die Vorteile dieser kulturellen Er- rungenschast, ja die Arbeiterschast hat sogar das größte Interesse daran, daß auch sie nnd nicht nur die bürgerliche Gesellschaft an dem Nutzen dieses Gemeinguts teilnimmt nnd den Anschluß nicht versäumt. Wir richten n» alle inlelligenten Arbeiter den dringenden Rus, diese sich jetzt bietende Gelegenheit nicht zu versäumen. Absolut kostenlose Lchrknrse finden statt heute, 25. Zlvril. abends !/a9 Uhr. Tchöncberg, Neue Ratbaussäle, Meininger Str. 8, und morgen, den 26. April, abends'/,» ttlir. Charlottenburg, Auguste-ViNorio-säle, Lutherjtr. 31/32, ferner nächsten Freitag, den 28., in Pachuras Klub- Haus, Landsberger Jlr. 85, Sounabeud, den 29., Nixdorf, Fritz Hoppes Fejlsäle, Hermannstr. 49. Lehrmutel nur 1,50 M. Weitere Ausgaben erwachsen nicht. Zutritt haben nur parteipolitisch oder sreigewerkschastlich organisierte Genossen und Genossinnen. Mitgliedsbuch legitimiert. l3K0b 1467b Berliner Arbeiter-Eiperanto-Gefellschaft. H.& P. Uder, »erlin SO. 16, Sngd-Ufcr 5. Tabak-Großliandlnng und Tabakfabrik. Spezialität: Nordhäuser Kautabak von <».£. KancwaeUer, Qrlmm* Triepel. - Stets frisch zu den äußersten Engrospreisen. � - Amt IV, 8014..■■■■ GSSS SSSOHSASSSSDGHS«' IMÜll I Damen-Konfektion 1 a o V Engros Export G g Hausvogtelplatz 11® J 1. 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Theater und Vergnügungen nun Dienstag, den 25. April. Anfang 7V, Uhr. königl. LpcruhauS. Götlter- dümmerung.(Ansang S'/, Uhr.) Kouigl. Schauspielhaus. Der Slörensricd. Deutsches. Faust. 2. Teil.(Ansang 6 Uhr.) Ansang 8 Uhr. Kammcrspiele. Die Königin. Neues tönigl. Operii-Dheater. I» der Sommersrisch'n. Neues Kckiauivieltiaus Judith. Lcising. Glaube und Heimat. Aomiiltie Oper. HossmannZ Er» zählnngen. kleines. Der Leibgardist. Berliner. Bummelstudenten. SSestcu. Die lusb gen Nibelungen. NeueS. Mein erlauchter Ahnherr. Lustivielhaus. Der Negistrator aus Reisen. Trianon. Thöodore u. Tie. Nesidenz. Fernands Ebetontrakt. Thalia. Polnische Wirtschast. Schiller«». Wnliue,. Theater.) Maria und Magdalena. Schiller Cbarlotteudurg. Kabale und Liebe. Krirdrich- Wilhelmstadttsche». krasernenlust. tvolksoper. RIgoletto.(Ansang 8',, Ubr.) Luisen. AuS erster Ehe. Modernes. Großftadllusl.(Ansang 8',. Uhr.) Mose. Die Millionmerbln. Hcrrnfeld. Scheidungs-Jouper. Die Bar- Schwester. Nene« Lverette«. Der Gras von Lnremburg. Aoltr« Cnprice. Kerthelm wird Platzen! III. Klasse.(Ansang S>/, Uhr.) Metrvvol. Hurra— Wir leben Kasti»-.)wei Wappen. tBoiat. Gesallene Mädchen ober: Im Banne des Wüstling». Slpolto. Sveziaiitälen. Baiinge. Spezialitäten. Noack. Der Flüchtling. psteichsballen. steiiiner SZnger. » arl Haverland. Sveziaiitälen. Sutintergarten. Gpeztalttälen. 'LSalhalla. Bravo I Da capo l Intimes� Nachtarbeit. Madame Urania.'' Taubenstrafte 48/49. Abends 8 Uhr: Lebende Tierbttder s.ternwarte" Jnvalidenstr. 57�2. » aiter-Panorawa. Besuch der ostjccbäder. Reise über den renner nach Bencdig. LLd!I!er-7dester0.Tde°.7r! Die»»tag, adend« 3 Uhr: Äfarla und Magdalena. Di t t t w o ch, abend# 9 Uhr: Die Liebe wacht. Donnerstag, abend» 8 Uhr: Der Traum eia Leben. Scbilier-Tlieater Ch Ä6"" Dienstag, abend» 8 U h r: Kabale und Liebe. Mittwoch, abends 8 Uhr: In» Klubaeeeel. Donnerstag, abend» S Uhr: Der Iltmmel an» Frden. friedrich-Wilhelrnstödtisches Schauspielhaus. Dt�Stag. den 25. April. 8 Uhr: Kasernenlufl xiwlsr m l-lMde�age:«S- Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Bnminelstudenten. Morgen: Bummelftudenten. RöDSS Ihsatgs. Täglich: W MM«öss. Ansang 8 Uhr. Theater des Westens. Abend# 8 Uhr: Die luftigen Nibelungen. Sonnt. 3'/« Uhr: 0lo goeodisdons prau. Berliner Volksoper Außer Abonnement.'/,9 Uhr: ElKOlStt«. Residenz-Tiieater. Dlreltion; Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Pemnds Ehekontrakt. Schwank in 3 Akten von George# Fitzdcan. In deutscher Bearbeitung von Benno Jacobson. Morgen und solgende Tage: Fernands Ehekontrakt. Abend# 8 Uhr: Der Registrator auf Neisea. Bulsen- Theater. Abend» 8 Uhr: Aus erster Ehe. Schausp. in S Alt. v. Ernst Ritterfeldt nach einer Erzählung von H. Court» Mahler. Mittwoch; Aus erster«he. Donnerstag: Aus erster Ehe. osk-iHHue Große Frankjurtet Str. Vit Sias. 8 Uhr Ende 11 Uhr. Die Piilionrnertun Mittwoch; Robert und Bertram. �Donnerstag: Muttersegen. IKefropol- Theater. Hurra! Wir leben noch! Große AuSstattunaSrevue in 7 Bildern o. I. Freund. Musik o. A. Hollaender. In Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. MMII Sensations-Erfola der drei Novitäten Das Scheidllngs-Ssllper von Julius Horst. Die Bar-Schwester von Anton und Donat Herrnseld. Eni Derlodiiugsgeschäft von Anton und Donat Herrnseld mit den Autoren in den Hauptrolle«. Hol. v Uhr. Semctouf i ws Uhr. CLOU" BERLINER KOKZERTHAUS Mauaretr. 82 Zimmarstr. 90-91 Heute nachmittag: Gr. Promenaden-Konzert. I AuBerdem abends: Kapelle des Garde.FußartlUerie-Reglments, Obermusilnneister Jelly, bai freiem Eintritt. ..... Potsdamer Cm am# Potsdamer Str. 72/72a AtÄN Str.72/72a Aul vielseitigen Wunsch bleibt bis»ul weiteres geöffnet»I»: Größter Eispalast der Welt. Allabeadlioh: Gllnzecde sportllcbe Vorlödrongen und die A nssfaltnngs-Fecrie „Eisfest an der Newa." Eintritt bis 5 Uhr 50 Pf. Nach 5 Uhr M. 1,—, reservierter Platz M. 2,—. Urania. Wiflsenschaftliohes Theater Taubenstraße 48/19. Abends 8 Uhr: Lebsnda Tierblldar von nah und fern. TERRASSEN HAUENSEE Eröffnung am Sonnabend, den 29. April. Karl Haverland- Ansang flinzsgn Kommandanten. präz. 8Uhr. Ifltdicr, straße 77/79. Das Apnlprogramm öber- trisst alles AageVesenk. Neu! Tie schwebende Musik. Kelebsballen-Ideater. Stettiiier Sänger. Britten ol» Mieze im Abends ab 8 Uhr: Letzte Woche deS gr. Weltstadt-ProgrammS. 9>,, Uhr: lMisänniok pi'sng w setner BurleSke Ein Gemütsmensch� Letzte Woche! Der sprechende Hand „Don" and weitere 12 Attraktionen 12 ü. a.: Roda Roda. Rauehen gestattet. Alt-ffloablt 47/48. Donnerstag, den 27. April 1911; r Lebttcht Winter: Dir. HanS Reltz. «asseneröss». 7 Uhr. Ans. 8'/. Uhr. Nach der Borstellung: = T au?.----- Zirkus Busch. Dienstag, den 25. April 1911, abends 8 Uhr; Gr. Gala-Vorstellnng. Herr ifleerg Burkhardl• Footllt, Sobulreiter. Herr Ernst Schumann mit seinen berühmten Freiheitsdressur. sMons, Cariot, Hindostan. Jongleurkünate.— Dia Fredianis, berühmt. Reiter- familie. Zwergclown Francois. Kuastreitax. Um 9'/, Uhr: Zum 128. Male Z? Armin". Volis-Manege-Schaustüok. Vorher das gr. Gala-Programm. Casino-Theater Lothringer Straße 37. Bon Presse und Publikum anerkannt I Großartiger Lachersolg I „ZCwei Wappen" von Blumenthal und L.adelbiira. Dazu: 7artalReit- künftlers der Weit Str. Bagbonghl. Der Rroße Coup der Schmuggler Große AuSstattungspantomtme. Zwischen dem 3. u. 4. Akt kine- matographische Vorsührungen und zwar: LiTepler Steepiecliase 1911. Königstadt-Kasino. Holzmarktstr. 72. Täglich: Franz hfobanakl, Viktor Ritter, Lotte le Mans, Qeschw. Waldow, Adolf Holländer als Gast, der derühmte Improvisator Ido Wodlaws usw. Der undankbare Sohn. Volksstück in 1 Akt von Reisflingen. E oigt-Theater Gesundbrunnen, Badstraße 68. Gastspiel in Puhlmanns Theater» Schönhauser Allee 148. Dienstag, den 25. April 1911: Benesizvorstellung sür UHF Aicbrnanit Gefallene Mädchen oder: Im Banne des Wüstlings. Sittenbild in 4 Auszügen v. F. Schäfer. Äasseneröstnung 7, Ansang 8 Uhr. TnÄnon-Tkeater. Täglich abends 8 Uhr: Thdodore A Cle. Sonnt, nachm.; Hyppolytes Abenteuer. Koaeks Theater. Direküon: Robert Dill. Berlin N., Brunnenstraße 16. Der Flüchtling. Schauspiel n. d. gieichnam. Roman der»Berl. Morgenpost" v. P. Hiller. Ansang 8'/, Uhr. Entree 30 Pf. bis 1 Mark. V orzugskarten, überall zu Hab., gttlti g. Vaiiiaila-Iveater. Dir. James Klein. |(RosenihTor.)«eInbergSw.20. Heute-MW Dienstag abends 8'/, Uhr: veeleornpetLk vonWIngen. I In Szene gesetzt» Dir. I. Kiew. 1 Kleine Preise. Rauchen gest. WnnjM-Vrlo Ui ttixdori-Berlin, LahDstr.74.i-i. SVar den Inhal» der Inserate übernimmt die Nedaktion dem Publikum gegenüber teinerlet Aerantwartnng. Sozialdemohratiseher Wahlverein für den 2. Berliner Reiehstags-Wahlkreis. Mittwoch, den 26. April ct., abends 8'/, Uhr, in der Berliner Bockbranerei, Fidicinstrafte: Außerordentliche General TageS-Ordnung: !10,Ig «« «« «« «» t. Vortrag deS Genossen EI a jus über„FortbildungSschultoesen« 8. Diskussion� 3. KreiSangelegenheiten(Parteispedition im Westen u. a.). ===== Mitgliedsbuch legitimiert.— Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Luxuspapierbranche Berlin. Donnerstag, den 27* April 1911, abends 8 Uhr „Krstenhof", Köpemcktr Straße 137: Allgemeine Prtjstrhrittllhea-Nechmmlmg aller Arbeiter und Arbeiterinnen der Presserei abteilungen der Luxuspapier-, Zelluloidwaren- und Plakatfabriken sowie Preßvergoldeanstalten, Kranz schleifen-, Krawatten- u. Hutfurniturenpressereien TageS-Ordnung: i. Unsere Forderungen an die Unternehmer. 2. Diskussion und Verschiedenes. In Anbetracht der hochwichtigen Tagesordnung ersuchen wir um doli zähligeS Erscheinen aller in der Branche Beschäftigten. 23/18 _ Die Darifkommiksion. I. A.: M. Kempke. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbnrean: Hos l. Amt 3. 1239. CharitsstraBe 8. Hof m. Amt 3. 1987. Mittwoch, den 26* April 1911: Bezirks- Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin in folgenden Lokalen: Horden*. PbanM-Sille, Mullerstraste 142, abends 8'/, Uhr. Norden. Oblcloa FeataUIe, Schwedter Strafte 23, abends NOrden* Fcataaie, Prinzen- Allee 33, abends HADiIan• SwInemündcpCesellachaftshaiia.Stoinf wändet nurueu. Str. 42, abends 8-/, Uhr. Vanal- HVobitkalrpta Featachl«, Reinickendorf-West» Eichborn- ICO VI. strafte 18, abends 6 Uhr. Moabit: Kronen-Branerel, Alt-Moabit 47/49, abends 8'/, Uhr. Westen and Sehöneberg: Äf.e5"Ä Osten undLiehlenberg: ufr""'1" Stralau u. Rummelsburg: Neuwahl der Bezirksleitung. �Nktankovirlra- Hohenataatensaie,«ottbuser Damm 76, dUUcUUcZirRC. Aufgang links, Saal 1, abends 8'/, Uhr. Voillonoaa- Fvubvrta Restaurant, Berliner Allee 251, n ciucllacc. abends 81/, Uhr. Rixdorf: Hoppes Fcststtle, Hermannstr. 49, abends 8'/, Uhr. Charlotten bürg: Tolkshaus, Rostnenstr. 3, abends 8'/, Uhr. OnnlitT* Restaurant Schellhase, Ahorn strafte 15a, OlcylllZ. abends 8'/, Uhr. Köpenick u.Friedriehsliagen: Ä1- MÄ'S: Friedrichstr. 74, abmd» 8'/, Uhr. Ober-Sehöneweide; SpandaU: Hestaurant BOhle, Havelftr. 20, abends 81/, Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: 1. Bericht von der außerordentlichen Generalver« sammlnng. L. Stellungnahme zur nächste« ordentliche« General- Versammlung. Hltglledsbueh legitimiert. 115/17 Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Die laut Beschluß von Maimarken find in a zuständiger llen Zahlst« kasfierern und auch im Bureau zu haben. vi � Stelle auS- Zahlstellen, bei allen e Ortsverwaltnng, Branchcn-Verfamiiilung der Stickerei'Arbeiterschaft am Mittwoch, den 26. April er., abends 8 Uhr, in den Prachtsälen„Alt-Berlin", Blumenstr. S. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS BranchenIeiterS:.Die Schädlichkeit der Lohnstaffelung in unserem Berufe und die Entlassungen in der stillen oder Musterzeit.- 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 197/5- Kollegen und Kolleginnen! Angesichts der gegenwärtigen Tarifberatungen, welche von einschneidender Bedeutung sür uns alle sein werden, halten wir eS sür eine Ehrenpflicht aller, in dieser Branchenversammiung zu erscheinen I Mit Gruft Die Brnnchenlcitnng. Sozialdemokratischer Wahlverein des sechsten Berliner Reichstags-Wahlkreises Dienstag. 25. April 1911, abends 8V, Uhr: Außerordentliche General-Yersammlimg in den Germa«ia-Säle«, Chanfseestr. 110. TageS-Ordnung: 827/3* i. Wahl eines dritte« Angestellte«. z Vortrag:„Die Sozialdemokratie im Dreiklassenparlament". R-serent- Fandtagsilbgkoriilltttt Dr. Karl Lelebknecht. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. "ua®1 7**: ooB * CiO®-®* Komiker Schwartz, Köpenickerstrage 147. 12336 Arbeiter-Bildungsschule Berlin. Schnllokal: Grenadier» tr. 37, Hof geradezu 1. Lehrplan für das II. Quartal 1911. Sonntag: Nationalökonomie.(Bank-, Börsen- und Kartell- wesen.) 1. Das Wesen und die Entwickelnngstendenzen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung.— Das Finanzkapital.— Die Technik ~ frifl üg- nik Warnung vor Betrug! Meine Packung ist nur echt mit der Aufschrift: r. Landmann's Messer-Putzpulver. t'f'rt»0 vi etteuKWie SO und 50 Pf. Nur rojt m Lrigtnal.üjerpackuna itt allen besseren «eMöfttn ia hadeu. Pr.B.Lsatoe—, Psrkdr.B* des Bankwesens.— Die deutschen Großbanken.— 2. BegriS und Geschichte der Börse.— Ihre kapitalistische Notwendigkeit, ihre Einteilung und Organisation.— Die Börsentechnik und das allgemeine PubUkum.— 3. Begriff und Geschichte der Kartelle.— Die Kartelle und Trusts in ihrer Bedeutung für die kapitalistische Weltwirtschalt. Vortragender: Max Granwald. Montag: Deutsche Wirtschaftsgeschichte. I. Teil.(Von der Urzeit bis zum Ausgang der Stanfer.) Begriff der Wirtschaftsgeschichte.— Urzeit: Nahrung, Wohnung, Kleidung usw.— Arbeit, Wirtschaltsverfassung.— Soziale Zustände.— Die Wandemngszeit.— Entstehung der fränkischen Königsmacht.— Die Bildung des großen Grundeigentums im fränkischen Reich.— Umbildung der Klassenordnung.— Soziale Zustände zur Zeit der Karolinger.— Die Lehnsordnung der früheren Kaiserzeit.— Der Kampf zwischen Kaisertum und Papsttum.— Ursprung des deutschen Adels, Entstehung und Wesen der ritterlichen Gesellschaftsordnung in der Blütezeit des Mittelalters. Vortragender: Julian Borchardt Dienstag: Geschichte.(Alte Geschichte.) 1. Geschichtliche Anfänge. Völkerfamilien. Das alte Baby- lonien.— 2. Aegypten.— 3. Phönizier, Juden.— 4. Das assyrische Reich. Die Perser.— 6. Das ältere Griechenland.— 6. Griechenland in den Zeiten der Perserkriege, des Perikles und des Peloponnesischen Krieges.— 7. Der Niedergang der griechischen Freistaaten, die mazedonische und hellenistische Zeit.— 8 Rom bis zur Eroberung von Karthago.— 9. Rom zur Zeit der Bürgerkriege.— 10. Die römische Kaiserzeit und die Anfänge des Christentums. Vortragender: Dr. Alexander Gonrady. Mittwoch: Elnführane In den wissenschaftlichen Soxlallsmas. I. Teil(Die Grundsätze des wissenschaftlichen Sozialismus.) Die Enstehungsgründe der modernen Sozialdemokratie.— Die ökonomischen Grundlagen des wissenschaftlichen Sozialismus.— Das Wesen der kapitalistischen Produktion.— Uto- ischer und wissenschaftlicher Sozialismus.— Die historischen rundlagen des wissenschaftlichen Sozialismus.— Der Klassenkampf als Triebfeder der sozialen Umwälzungen.(Historischar Materialismus.)— Die sozialistische Taktik.— Der„Zukunfts- Staat". Nach jedem Vortrag wird Gelegenheit za freier Diskussion gegeben. Vortragender: Julian Borcbsrdt. Donnerstag; Rednerschole. 1. Die Bedeutung und Notwendigkeit der freien Rede.— 2. Technische Hilfsmittel.— 3. Das Vereins- und Versammlungswesen.— 4. Praktische Uebongen im Beden und(Diskutieren. Vortragender: Max Grnnwald. Freitag; Gewerkschaftswesen.(Aus Theorie und Praxis.) Einleitungsvortrag. Grundsätze der modernen Gewerkschaften.— Gewerkschaftliche Demokratie und Disziplin.— Taktik bei Lohnbewegungen und Streiks.— Die üntemehmerorganisationen.— Tarifverträge.— Arbeitsnachweise.— Gewerkschaft und Genossenschaft.— Entwickelungstendenzen der deutschen Gewerkschaften. Vortragender: EmilDittmer. R" Gr Der Unterricht beginnt in Watlonalttkonomle am Sonntag, den 23. April. Wirtschaftsgeschichte: Montag, den 24. April; zweiter Abend: Sonnabond, den 29. April. Geschichte: Dienstag, den 25. April. Einführung in den wissenschaftlichen Sozialismus; Mittwoch, den 19. April. Rcdnerschnle: Donnerstag, den 20. April. Gewerkschaftsweseo: Freitag, den April. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt pünktlich um S'/, Ehr und endet pünktlich um 10 Ehr. Der Sonntagskursus beginnt pünktlich um 10 Ehr und endet pünktlich um 11 /, Ehr. Der Fortschrittskursus findet im Gewerkschaftshaus, Zimmer 11, statt. Die reichhaltige Itibliothek ist an den Abenden von 7%— 81/, Ehr geöffnet. Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; das Unterrichtsgeld für jedes Fach pro Kursus 1 Mark und ist spätestens am zweiten Abend zu zahlen. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt bei Beginn jedes Kursus im Schullokal Grenadier» traUe 37, Hof geradezu 1 Treppe, und in nachstehenden Zahlstellen: Gottft*. Schulz, Admiralstr. 40a; Rcnl, Barnimstr. 42: Vogel, Leitzings tr. 37; W. Kaczorowzkl, Kavenestr. 6; Horsch, Engelufer 15. Alle Zuschriften an den Vorsitzenden Hermann LammA, Berlln-Rlxdorf, Stelnmetzztrafic 51 III, Geldsendungen an den Kassierer U. Königs, Berlin S. 59, Hasenheide 56. Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. ■ Zahlstelle Charlottenburg.------- Mittwoch, den 26. April 1611. abends 8'/, Uhr. im BolkShanse, Rosinen strafte 3, kleiner Saal: General-Versammlnng. TageS-Ordnung: 1. Kaffenbericht. 2. Stellungnahme zur Maifeier, ll. Verbands- angelegenhesten. 4. GewerkschastlicheS und Verschiedenes. 52/13 Die Ortsverwaltnng. Verwalttin x Berlin. fintalieder'VerrammlUDgtD: Einsetzer. Mittwoch, den 26. d.M.. abends 7>/,Uhr. im GewerkschaftShan», Saal 5(Arbeitslosenraum). TageS-Ordnung: 1. Bericht vom l. Quartal. 2. Brauch enangelegenheiten. 8L verschiedenes. Bodenleger. Mittwoch, de» 26. April, abends 8 Uhr, im GewerkfchaftShanS, Engrlufer 14/15, Saal 3. TageS-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Maifeier. 3. Branchenangelegenheite» Schirmmacher. Mittwoch, den 26. Avril, abends 8 Uhr. bei Lehman», An der Spandauer Brücke 3. Tages- Ordnung: Malseier, Branchenangelegenheiten, Wahl von KommissionSmitgliedem. Jalousiearbeiter. Mittwoch, den 26. April, abends 8'/, Uhr, bei a.i>toB Becker, Webersttafte Nr. 17. TageS-Ordnung: 1. Bericht über die Statistik der im Deutschen Reiche vorhandene» Jalousiebettiebe und-Arbeiter. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Dürsten-«. Vinselmacher-sw. Mittwoch, de» 86. April 1911. abendS 8'/, Uhr, bei F. PrcnO, Holzmarltstratze Nr. 65, TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Kollegen Leopold. 2. Die Maifeier. 8. Branchenangelegenheiten. 82/11 Zwcigvereln Berlin. Kektiou der Gips- uud Zementbrauche. Ä grotze Mitglieder-Bersammlungen* Lipsdauknsnokv. Rabttzputzcr, Spanner und Träger. Dienstag, deu 25. April 1911. abends 8 Uhr, in den Armwhalle»,- Kommandantenslrafte 58/59. Betandsulwsiiokv. Selowsky-Cigaretten Zementierer, Einschaler und Hilfsarbeiter. Mittwoch, den 26. April 1911. abends 8'/, Uhr, bei Jannascht. Jnselstrafte 10. Tagesordnung: 128/5 I. Stellungnahme zum 1. Mai. 2. Branchenangelegenheiten. Zahlreichen Besuch erwartet Der biektlonirvoratand. Borussia-Festsäle, Ackerstr. 6-7, an der ElsasserslraBe.- Telephon Amt III, 2674. Empfehle de» verehrliche« Vereine« und Kcwcrlschasien m-ine 4 Säle. 150— 1000 Personen sasscnd, von denen zwei mit modern eingerichteten Bühne n versehen sind, desgleichen 2 Vereins« zimmer(bii 80 Personen). Auch ge- statte ich mir, aus den 600 Personen fassenden, prächtigen Naturgarten mit Bühne binzuweiien. Kulantes Entgegenkommen. Ergebcnst - Georg WoIkTgramm. NB. Mai und Sani mehrere Sonnabende und Sonntage srct. als erstklassig anerkaant! steu erf chlosten! VmataMtli&s S&sialttuii Wittt siäf, Üulia, Lür iia est, 600 Morgen Seeparzellen □Rute*on 10 Mark an FlieSparzollon„„ 4„_ Waldparzellen„„ 8__ Ackerparzellen„„ 2„„ Auskunft und Pläne lestenlo«.• ________________ J�Rieger, Berlin, Montardstr.& Lnftratevteil verantw.; Th. Glocke. Berlin. Druck«.Verlag! Vvrvärt« Suchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. So, Berlin SW. Hr. 96. Z8.IahkMg. rilMr Ks Jotiüätfs" Wim WsM Iiewtag, ZZ. April lM ver Parteitag äer ichwe veranschlagt werden müssen. Auch die Farben. mit denen die Leinwandfläche bedeckt wird, erfordern einen nicht geringen Aufwand; unser Kunstkritiker schätzt sie auf etwa 50 Fr. Dazu kommen bei sehr vielen Bildern noch die Kosten für Modelle, so daß alles in allem die Selbstkosten, die ein Künstler für sein Werk aufwenden muß, schwerlich unter 160 M. bleiben werden. So kommt man zu dem Schluß, daß die 80 000 Gemälde, die d�r Kunstfreund in Paris alljährlich genießen kann, rund 13 000 000 M. an Produktionskosten für Leinwand, Farben und Rahmen erfordern. Nimmt man die von der Ausstellung zurückgewiesenen Gemälde hinzu, so ergibt sich, daß die französischen Maler Jahr für Jahr etwa 26 Millionen dafür ausgeben, die zahllosen Bilder zu malen, von denen doch nur ein recht geringer Teil einen Käufer zu einem normalen Preise findet. Der Kunstkritiker steht selbst entsetzt vor diesen: Ergebnis seiner Berechnungen. Leider vergißt er, die gesell« schaftlichen Zusammenhänge der kapitalistischen Kunstproduktion dar- zulegen, die erklären, warum die Kunst bei der Produktion für den Warenmarkt vor die Hunde gehen muß. Homer im Kicntop. Man schreibt uns aus Wien: Heute nimmt man daS Kino freilich noch nicht recht ernst. Es gilt als Gcschäftsuntcrnchmcn, das sich von anderen Bcrgnügungsctablisie- mcnts allerdings durch ausgezeichnete Bilanzen vorteilhaft unterscheidet. Kal«rett-Krachs sind in Wien jetzt sozusagen in Mode. Aber die Kino-Theater Ivuchcrn aus dem Boden. Sie sind die stärksten Konkurrenten der Tingel-Tangel und zugleich auch der ernsthaften Schauspielhäuser. Man sieht sich den letzten Weltring- kämpf lieber im Kino als im Zirkus an, weil sich der Kino in der Reproduktion eben stets das Allersensationellste des ganzen Erd» zur Sozialisierung.— Weitere Ausdehnung des Boden« besitzes des Staates und der Kommunen. Der Boden ist entweder zum Großbetrieb an Genossenschaften, oder unter bestimmten Garantien für die Arbeiter an Privatleute zu überlassen, oder auch zum Kleinbetrieb unter Sicherstellung der Existenz und der Rechte des Benutzers.— Sicherung des KoalinonsrechteS der Land- und Forstarbeiler. Ausdehnung der Gewerbeaufsicht auf die größere» Betriebe der Land- und Forstwirtschaft. Landarbeitern und anderen wird Boden zu genossenschaftlicher Bewirtschaftung überlassen, der letzten Endes durch Zwangsentäußerung großer Güter sAktien- und Herrengütern) erworben werden kann.— Selbständige Kleinbauern und Kleinbesitzer sind gegen alle Art Gewaltherrschaft der Aktien« gesellschaften und Großgrundbesitzer zu schützen. Das Genossen- schaftSwesen, das dem Kleinbetrieb die Vorteile des Großbetriebes zuführen soll, ist kräftig zu fördern.— Der Kredit für landwirt« schastliche und Wohnungszwecke, besonders für die Minderbemittelten, ist durch Staat und Gemeinden zu regeln." Volle Befriedigung hat das hier in Kürze wiedergegebene Agrar- Programm nicht erweckt. Ueber manche Punkte waren in der Debatte abweichende Meinungen hervorgehoben worden. So äußerte der Genosse C a r l e s o h, daß die Formulierung teilweise als ein Kompromiß mit der sozialistischen Anschauung anzusehen sei, und daß es noch keineswegs bewiesen sei, daß für die Landwirtschaft andere technische Regeln und ökonomische Gesetze geltend wären als für die Industrie. Der Parteitag beschäftigte sich dann noch mit einer ganzen Reihe anderer Fragen und beschloß unter anderem über ein umfangreiches und gründlich durchgearbeitetes Kommunalprogramm, das der sozialdemokratischen Gemeindepolittk als Richtschnur dienen soll und im voraus eine besondere Konferenz der Gemeindevertreter der Partei beschäftigt hatte. Für das Organ der Genossinnen„Morgan- bris" wurde ein Jahresbeitrag von 1000 Kronen bewilligt. Zur Jugendorganisation nahm der Parteitag im Sinne des internationalen Kongresses in Kopenhagen Stellung. Zur Alkohol- frage wurde folgender Punkt in das Parteiprogramm auf- genommen: „Bekämpfung des Alkoholismus in allen öffentlichen Schulen durch Unterweisung über die Natur des Alkohols und seine Wirkungen auf das Individuum und die Gesellschaft, sowie durch eine Gesetzgebungsarbeit, die zu einem gesetzlich festgelegten Rausch- getränkeverbot führt." In den Parteivorstand wurden als Vorsitzender Hjalmar Branting, als Kassierer Wickman wiedergewählt, als Partei- sekretär wurde Fredrik Ström gewählt, und im übrigen wurde der geschäftsführende Ausschuß, der seinen Sitz in Stockholm hat, aus den Genossen Herman Lindquist, Erik Palm- stierna, Albin Hansson und v. L i n d b ä ck zusan, mengesetzt. Im ganzen besteht der Parteivorstaud aus 23 Mitgliedern, von denen die übrigen 16 über das ganze Land verstreut wohnen. Siebzehnkei' Parteitag der fozial- dciDOhratischen Arbeiterpartei Hollands. Utrecht, 16. April.(Eig. Ber.) Erster Tag. Nachmittag. Bei den fortgesetzten Besprechungen über die Tätigkeit der Kammerfraktion und des Parteivorstandes schließt sich T a s- A m st« r da m lV. der Kritik der Kammerfraktion wegen ihres Austretens beim„Sittlichkeitsgesetze" an. Müller- Arnheim bedauert gleichfalls, daß die Kammer» fraktion geschwiegen habe, als in der Kammer scharfmacherische Maßregeln gegen Ausständige verlangt worden seien. Verbeek-Nieulbendam bedauert das Ausscheiden der Genossin Roland-Holst aus der Redaktion des„Weekblad". auch daß diese, weil sie ihre Ansichten nicht durchsetzen könne, sich von ihrer Tätigkeit für die Arbeiterbewegung zurückgezogen habe. T r o e l st r a dankt namens der Kammerfraktion für die ge- hörten zustimmenden Worte zu ihrer Tätigkeit. Das zeige, daß diese genau beachtet werde, während dies von sozialdemokratischer Seite außerhalb der Partei ohne irgendwelche Objektivität geschehe. Die Tätigkeit der Fraktion müsse als Ganzes beurteilt werden und nie- mand von ihren Mitgliedern denke anders, als daß innerhalb der Kammer wie außerhalb derselben ein rücksichtsloser und selbständiger Kampf gegen die Bourgeoisie ge- kämpft werden müsse. Das Sittlichkeitsgesctz habe die Fraktion. gleich den Kritikern, als unbedeutend und gleichgültig angesehen. balleö leisten darf. ES ist gleichsam eine Zeitung in Bildern; auch der Schauerroman, die ulkige Novelette fehlt nicht. Und auf ein» mal ist das Kino, daS man nicht ernst nimmt, ernsthaft geworden. Es wird mit der Zeit immer mehr eine Volksbildungsstätte. Die Tages- und Kolportageatttaktioncn langen für das Programm nicht mehr aus. Man wird also der Not gehorchend volksbildend und trägt Stoffe aus allen Wissensgebieten und allen Zeiten der Historie und allen Gegenden der Erde zusammen. Jetzt ist auch Vater Homer ins Kientopp gewandert. Ein findiger Impresario ließ den trojanischen Krieg„aufnehmen". Selbstverständlich, daß er die voriliadische Voraussetzung der Entführung sich nicht cnt- gehen ließ; weniger selbstverständlich, daß er ein bißchen ethisch stilisiert hat und Paris durch Menelaos fallen läßt. Mit unge- heurem Pomp ist der Fall Trojas inszeniert. An die 600 Personen sind da aufgeboten; im Bild gibt das eine ganz respektable Schlacht. Leicht ist dieses Kunststück nicht gewesen. Es hat über ein Jahr Herstellungszeit und an die 150 000 Kronen Herstellungskosten be» ansprucht. Das beweist drastisch genug, welche unglaubliche ökono- mische Bedeutung das Kinotheater heute besitzt, wie gewaltig der Zuspruch sein muß und wieviel kulturelle Bedeutung c» zwch ea langen kann. Humor und Satirr. Der alte Herr ruft auf zum Sturni. Gottchen, da hat im Herrenhause lJn Preußen natürlich) so ein Greischen Sich aufgerappelt mit seinem Steißchen Und dieses gehustet(Achtungspause): Tätä— ich kann nun nicht mehr schweigen— Pf— Pf— ich fühle die Luft mir entschwinde» (und leide doch an verhaltenen Winden), Kurzum: die Fluten des Umsturzes steigen! Ich fühl'S: es haben sich Katastrophen! Denn— deh— der Geifer der roten Genossen Ist— pf— nun schon bis zum Landrat geschossen! Kein Ferscht sitzt mehr geruhig am Ofen! Mitgreise, HerrenS und Patrioten— Gedenkt— tätä— der Pariser Kommüne! Zieht mächtig vom Leder— hup— die kühne Haltung entwaffnet schon die Roten! Gottchen, so sprach im Herrenhause (In Preußen natürlich) so ein GreiSchen Und setzte sich aufgeregt aufs Steißchen Und verlangte nach einer kalten Brause. (Peter Scher im„SimplieisflmuS".) Notizen. — Musikchronik. Die Komische Oper wird im Mai unter Guras Leitung zehn Festspielabende veranstalten, an denen eine Anzahl auswärtiger Gäste mitwirken werden. Es gelangen zur Aufführung:„ToSea".„Tiefland".„Don Juan".„Der Teufels« weg"(Uraufführung),„Maskenball"..Rigoletto"..Boheme' (Puecini) und»Troubadour", DaS Fraktwnsinilgüed H- l s d i n g e n habe d-ttgelsgs, der Fraktion sei es darum zu tun, die Sklaverei i» den iöordellen ÄzusckMffen. Abgeordneter Hugcnholtz meint, er müsse sich doch Wohl sehr schlecht ausgedrückt haben, wenn selbst Genosse Tro- elstra ihn nicht verteidigen wolle. Die Sache aber stehe so, daß das holländische Ministerium des Aeußeren sich in den letzten Jahren ganz besonders sreundlich gegenüber Teutschland verhalten habe. Um die Uebertriebenheit der Freundschaft Deutschland gegenüber festzustellen, habe Redner gemeint, daß der Minister, für den das Königspaar der Vertreter von Belgien sei, etwas über dessen Besuch in der Thronrede habe sagen niüssen. Vielleicht habe er, Redner, sich bei seiner Kritik zu kurz gefaßt. Abgeordneter, Parteivorsitzender Genosse V liegen erklärt betreffs des Amsterdamer Baustreiks, daß das Eingreifen der Fraktion n, diese Angelegenheit allerdings seine Sache gewesen sei. Ganz bewußt, sagte der Redner, habe er aber dies unterlassen. Gerne nehme er die Vertretung von Arbeitern, die im Kampfe stehen, auf sich. Aber hier hätten die Streikenden zu drei Viertel unrecht gehabt. Er habe nicht erst zugestehen können, daß die Parteigenossen als Streikbrecher behandelt worden seien und danach ein paar Entschuldigungen für die Streikenden stammeln können. Die Kammerfraktion nehme die Angelegenheit nicht auf ihre Rech- nung. Der Minister habe den beiden Abgeovdneten, die verschärfte Maßregeln gegen Streikende forderten, nichts zugesagt. Die anar- chistischen Gewerkschaften machten sich nichts aus den anderen Or- ganisationen, proklamierten auf eigene Faust Streiks und behau- Velten dann die Mitglieder der anderen Organisationen als Streikbrecher. Das Tun der Streikenden habe man zu drei Viertel mißbilligen müssen und die reaktionären Herren hätten gewiß aus den Worten des Fraktionsredners Münze geschlagen. Das Schweigen der Fraktion sei keine Unterlassung gewesen, sondern es sei absichtlich geschehen. Die Freiheit bring« in Gefahr, wer sie mißbrauche; glücklicherweise hätten die modernen Organisationen Anwendung von Gewalt nicht nötig. Sollte man aber von bürger« licher Seite mit irgendwelchen schädlichen Maßregeln ankommen. dann wevde die Fraktion sich widersetzen. Redner, der den Streik einen anarchistischen Krawall nennt, sagt, daß hieraus niemand eine Waffe gegen die Arbeiterbewegung schmieden dürfe. Der Pessimismus wegen des geringen Fortschritts der Partei sei unangebracht. Das Jahr 1910 sei ein stilles gewesen. Habe man letztes Jahr über den ungünstigen Wahlausfall auf dem Lande geklagt, so seien jetzt dort Organisationen entstanden. Nun klage man über den Stillstand in den Städten. Redner erwartet von der Aktion für das Wahlrechtspetitionnement günstige Resultate. Hierauf wird über die R e d a k t i o n von„H e t Volk" und dessen marxistische Wochenbeilage„Het Weekblad" verhandelt. Wolda-Leiden gibt seiner Genugtuung Ausdruck über die Art und Weise, in welcher die„Volk"-Redaktion die Klerikalen bekämpft, wobei sie die richtigen sozialistischen Ansichten propa- giere. Den Liberalen gegenüber jedoch geschehe dies nicht in gleicher Weise. Betreffs des Wahlrechtskampfes habe sie nicht auseinandergesetzt, daß die Liberalen ebensolche Gegner des un- verfälschten Wahlrechts seien als die Klerikalen.„Het Volk" dürfe nicht sagen, die alte Wahlrechtsliebe der Liberalen erwache wieder und dergleichen. Die richtige Schlußfolgerung von„Het Volk" müsse sein, daß es den Liberalen darum zu tun sei, die Ar- beitcr bei den Wahlen von 1913 vor ihrem Wagen zu spannen. Ge- nossen, die in bestimmten Fällen eine abweichende Meinung hätten, dürften nicht als Schulmeister und Nichtswisser heruntergemacht werden. Das Verhalten der„VolT-Redaktwn gegenüber der S. D. P., deren Auftreten schädlich sei für das Proletariat, müsse scharf sein, aber nicht beschimpfend; es seien Sozialdemokraten und Verbitterung dürfe nicht erweckt werden.(Beifall.) Es sei danach zu streben, daß die augenblickliche unglückliche Uneinigkeit eine spätere Wiedervereinigung nicht unmöglich mache. (Beisall.) V l c m i n g- Z w 0 1 l e spricht seine Anerkennung für die das sozialistische Vertiefen befördernden Beiträge der Genossen W i b a n t, Dr. Heyermans u. a. aus. Kuyper-Blarikum tritt namens seiner Abteilung für die Ernennung eines Chefredakteurs für„Het Volk" ein, welchen Antrag er als Kritik der gegenwärtigen Redaktionsführung aufgefaßt wissen will. Die redaktionelle Leitung genüge nicht den An- sorderungen, welche die Partei an sie stellen könne. Man brauche ein Blatt, das die lozialistische Einsicht vertiefe und den Jdealis- mus stärke. Redner führt Beispiele an aus Artikeln, welche«ine Verkennung der wissensdhaftlichen Heranbildung und Aufklärung zeigen. Ein wissenschaftliches Fundament sei für einen Redakteur unentbehrlich. Die Genossen Kautskv, Troelstra, Wibaut und— außerhalb der S. D. A. P.— Genosse Gorter verständen es, in sehr einfacher Weise wissenschaftliche Fragen zu behandeln. Gäbe Wibaut für geschulte Theoretiker auch nichts Neues im Blatte, so gewähren seine Beiträge doch nicht nur der ungeschulten Masse, sondern auch den Intellektuellen Genuß.(Beifall.) Die Redaktion kann mit solchen ausschließlich nüchternen Menschen, wie die Re dakteure jetzt sind, nicht auskommen. Viel zu wenig Artikel über den Sozialismus erschienen in„Het Volt". Da es aber momentan an einem geeigneten Chefredakteur fehle, so habe Redner seinen Antrag dahin abgeändert, eine Redaktion aus den Genossen Tro- elstra, Vliegen und Wibaut einzusetzen. Vorsitzender Vliegen beantragt, daß die Redaktion nunmehr zum Worte komme und damit die Diskussion g e schloffen werde. Keesing-Amsterdam III widerspricht dem. Schluß der Debatte könne den Eindruck erwecken, daß die Redaltion die Kritik fürchte. Vorsitzender Vliegen hält als solcher Schluß er- wünscht, weil das Gesagte unnützerweise vorgebracht ist und man beute morgen beschlossen habe, diesen Teil der Tagesordnung noch heute zu behandeln.(Proteste.) Vlcmina-Zwolle: Laßt die übrigen Parteivorstandsmit glicdcr sich auch aussprechen! Vorsitzender Vliegen: Der Parteitag muß beschließen, ob die Diskussion geschlossen werden soll. Durch Handcrheben wird von einer starken Mehrheit unter Beifall und zustimmenden Zurufen die Fortsetzung beschlossen. Vorsitzender Vliegen protestiert gegen dieses„ge- hässige Gcjubcl". Er fürchte sich vor keiner Kritik. Schließlich werden jedem Redner ö Minuten Redezeit zu- gestanden. Nach iveiterer Debatte wird schließlich die Fortsetzung der Dislussion auf morgen vertagt. Utrecht, 17. April.(Eig. Bcr.) Z>v e i t e r T a g. Vormittag. Vorsitzender ist heute Gen. I. H. S ch a p e r. Die Diskussion über„Het Volk" wird fortgesetzt. H. Spick- man-Rotterdam erklärt, seine Rotterdamer Korrespondenzen nicht mehr schreiben, über seine weitere Mitteilung an„Het Volk" aber mit der Redaktion verhandeln zu wollen. Er verteidigt im übrigen die Redaktionsführung. F. M. W i b a u t. Mitglied deS Parteivorslandes und Redakteur von„Het Weekblad". würde, falls in der Partei die geeignete Per- sönlichkeit hierfür zu finden sei, für einen Chefredakteur ein- treten, doch nicht für eine kollektive Redaktion. Zwar sei„Het Volk" wohl noch zu verbessern, doch sei cS ein ßutcs Blatt, besonders wenn man den wenig zahlreichen RedaktionSstab und die geringen finanziellen Mittel in Betracht ziehe. Die Verbesserung müsse jedoch in anderer Richtung gesucht werden. T r o e l st r a erklärt sich ebenfalls gegen eine kollektive Haupt- redaktion.„Het Volk" sei natürlich nicht mit dein„Vorwärts" oder der„Wiener Arbeiterzeitung" zu vergleichen, es stehe aber hoch über der Partcipresse anderer kleinen Länder. Der Kamps der Rich- tungcn in der Partei habe in den letzten Fahren die Bildungsorga- nisation verhindert, doch sei nun freie Bahn geschaffen, und wenn das Geld vorhanden sei, käme das auch„Hot" Volt" zugute. Ter Parteivorstand werde dann aus eigener Initiative das Nötige tun. W. H. V l i e g e n beantwortet namens der Redaktion die geübte Kritik. ES seien alte Töne, die man jedes Jahr höre. Die Forde- Mg hc? TÄcgierteii Sei) S e i 2 c g t Me 2ftMHon Müsse gegen feie Liberalen ebenso scharf vorgehen, wie gegen die Klerikalen, sei unier den augenblicklichen Umständen eine unsinnige Forderung Man könne nicht in gleicher Weise gegen die Parteien kämpfen, welche sich für das allgemeine Wahlrecht ausgesprochen hätten, wie gegen dessen Gegner. Wir werden das nicht tun, auch wenn Ihr hundertmal mit Eurer Forderung kommt. Redner weist die Klagen über persönliche Bekämpfung einzelner Marxisten zurück. K u y p e r habe sehr geringe Fühlung mit den Arbeitern. Wolle man ein Pro- gramm für eine Veränderung in dem Parteiblatte, dann müsse man mit konkreten Tingen kommen. Richtig sei, daß das Partei- organ nicht genügend theoretische Artikel enthalte. Die Redaktion habe hierzu bei ihrer dringenden Tagesaufgabe keine Zeit. Theoretisch ausgebildete Genossen müßten Mitarbeiter von „Het Volk" werden. Betreffs der Heranbildung von Propagandisten sei nicht alles vom theoretischen Unterricht zu erwarten: dazu �e- höre auch ein wenig Mut der betreffenden Genossen. Die jetzige kollektive Redaktion sei die beste Form. Man dürfe den Genossen nicht fortwährend suggerieren, baß„Het Volk" schlecht sei. Das dämpfe die Kampfeslust.„Het Volk" sei mit dem„Vorwärts" und der„Humanitä" nicht zu dergleichen, da die Redaktionskosten des ersteren 65 009 M., die der letzteren, mit der„Het Volk" wohl kon- lurrieren könne, 99 000 Frank betrügen. Die Verbesserungsmög- lichkeit sei eine Geldfrage, d. h. mehr Raum und mehr Redak- tionsmitglieder. Das Parteiorgan mache stetig Fortschritte in seiner Abonnentenzahl, wenn auch noch zu langsam. Mitarbeiter seien nötig, um„Het Volk" zu einer scharfen Waffe im Klassenkampfe zu machen.(Beifall.) Wibaut bespricht als Redakteur der marxistischen Wochen- beilage das Ausscheiden der Genossin Henriette Roland- H o l st aus der Redaktion und ihre Ersetzung durch den Genossen van der Goes. Seiner Ansicht nach sei„Het Weekblad" im vorigen Jahre als K a m p f e s b l a t t der marxistischen Richtung besser gewesen, dieses Jahr jedoch sei es besser für die V e r b r e i- t u n g der marxistischen Ansichten innerhalb der Partei.(Beifall.) Das könne aber auch an der Partei selbst liegen. Die marxistische Auffassung in Theorie und Praxis sei in der Partei verstärkt worden. Als Hauptaufgabe betrachte die Re- daktion von„Het Weekblad" die Vertiefung der taktischen Auf- fassungen, und sie sei erfreut, daß sie in letzter Zeit keinen Kampf gegen die Auffassungen der Partetmehrheit zu führen habe. Hiernach wird über verschiedene Anträge abgestimmt, wobei der Antrag betreffs Ernennung einer dreiköpfigen Hauptredaktion mit fast allen Stimmen verworfen wird, ebenso der auf Abschaffung der Korrespondenzen des Rotterdamer Genossen S p i e k m a n. Die jetzigen Redaktionen von„Het Volk" und„Het Weekblad" werden wiedergewählt. Der nächstjährige Parteitag soll zu Leiden abgehalten werden. BS.,sserstitttdS-Nachel-St«» der Landesanflalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetter bareau. vassertland M-m-I, TU fit Brezel, Jniterbnrg Deichsel, Tboru Oder, Nattdor . kkrosicn , Frontiurt SS a r t h e, Tchrimm , LandSberg Neye, Borvamm Elb«, Letlinerttz , Dresden , Bardo Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) llnlerpegel. Todes-Anzeigen DJ Bus der Frauenbewegung. Eine 5?rauentvahl. Das„Ceniralblatt des Bundes deutscher Franenvereine" he- richtet über einen vernünftigen Beschluß, den die Gemeindeverwaltung deS kleinen Ortes Herringhausen faßte. Bor einiger Zeit verstarb die dortige Gemeindehebamme. Als Bewerberinnen für das verwaiste Anit meldeten sich acht Frauen; fünf von diesen setzte die Gemeindeverwaltung auf die engere Wahl. Die endgültige Auswahl wurde ihr jedoch so schwer, daß sie sich sagte: Wir wollen die Hebamme von unseren Frauen wählen lassen! Die Frauen Herringhausens wurden deshalb zur H e b a m m e n w a h l eingeladen.' Es erschienen 24 und wählten durch Stimmzettel einstimmig dieselbe Kandidatin. Man sieht, daß diese Frauen das ihnen zugestandene Wahlrecht offenbar sehr ernst nahmen, und hat das bestimmte Gefühl, daß sie bei ihrer Wahl auch das Richtige trafen. Den vernünftigen Ge- meinderäten von Herringhausen ist es aber sicher nicht eingefallen, daß die Frauen auch an anderen Wahlen als an denen einer Heb» amme ein nicht zu verleimendes Interesse haben, daß sie solchen Wahlen gewiß dasselbe Verständnis entgegenbrächten und daß eS ein Unrecht ist, sie von der Teilnahme an diesen zurückzuhalten. SGZisiileDiolü'atiselierWatihereiii filr den i. Berl. Ueielistatis-Wtteis. Köpenicker Btertel. Bezirk 208 II, Den Mitgliedern zur Nachricht, bah unser Genosse, der Maurer ttemrick Kutaner Schlcjische Str. 25 gestorben ist. Ghre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am DicnStag, den 25. April, nachmittags 2'/, Uhr. von der Leichen- Halle des Zentral- Friedhofes in Frledrichsselde auö statt. Um rege Beteiligung ersucht 218/S Der Vorstand. Hus aller Melt. Schwere Grubenkataftrophe auf Zeche Lucas. Auf der nahe Dortmund gelegenen Zeche Lucas brach in der Nacht zum Sonntag auf der erste» Sohle ein Grubenbrand aus. Eine Anzahl Arbeiter war damit beschäftigt, durch Vermaue- rung der Zugänge den Brand zu lolalisieren. Die im Stollen an- gesammelten giftigen Grubengase brachten die bei den Maurer- arbeiten Beschäftigten in Gefahr. Ein Mann konnte noch rechtzeitig den Luftschacht erreichen und so der Betriebsleitung von der Katastrophe Mitteilung machen. Die sofort vorgenommenen Reltungsarbeiten unter Leitung des BcrgwerksinspeltorS Klein gestalteten sich sehr schwierig, da die Rettungsmannschaften in Gefahr gerieten, von den giftigen Gasen betäubt zu werden und zu ersticken. Schließlich sanken.elf Bergleute und der Inspektor ohnmächtig zu- sammen. Zur Hilfeleistung wurde die städtische Feuerwehr herangezogen, die durch Sauerstoffeinpumpung die Bergleute ins Leben zurückrief. Die bei dem Bergwertsinspektor angestellten Wiederbelebungsversuche waren jedoch erfolglos. Alle Erkrankten wurden dem Krankenhause zugeführt, auch zwei Feuerwehr- leute, die bei den RettungSarbeiten giftige Gase einatmeten, wurden dem Krankenhause überwiesen. Im Laufe des gestrigen Tages konnten von den eingelieferten Kranken neun die Anstalt verlassen. Ueber die Verhältnisse auf der Unglücksgrube meldet uns ein Privattelegramm: Die Zeche Lucas gehört der Aktiengesellschaft für Bergbau. Blei- und Zinkfabrikation zu Stolberg. Dieser Ge- sellschaft gehört auch die Dortmunder Zinkhüite, die in d»r letzten Zeit durch den Streik der Zinkhliltcnarbeiter viel dadurch von sich rede» machte, daß sie den krassesten Herm-im-Hause-Standpu»kt vcr- trat. Die Zeche Lucas selbst ist ini gesamten Vorrrdier durch ver« hälwismäßig häufige Unfälle bekannt. Im Dezember des ver- gangencn-JahreS brach wegen vieler Mißstände ein Streik der gesamten Belegschaft aus. Damais wurde von der Verwaltung der Zeche mit Eifer betont, cS beständen überhaupt keine Mißstände. An der Stelle, an der sich gestern das Unglück ereignete, sind vor einer he zwei Bergleute verunglückt. Ueber den Brand, der am Sonntag zu dem Unglück geführt hat. hat die„Arbeiter- Zeitung" schon vor einigen Tagen berichtet. Die Arbeiter, die auf jener Stelle arbeiteten, bezeichneten den Ort als schon längst nicht geheuer. Die Morgenschicht i st nicht angefahren. Den Arbeitern in dem nicht gefährdeten Teil wurde daS Anfahren freigestellt. Indessen fuhren insgesamt nur 14 Mann an. Alte Bergleute. die seit 20 Jahren in die Grube fahren, sagen, sie hätten nicht Zechen mit einer solchen Fülle von Mißständen gesehen. In zcchenfrcuudlichcn Blättern komite man in de» letzten Monaten dagegen lesen, daß eS auf Lucas keine Mißstände gebe. Ein offenbar von der Prcßabteilnng deS bergbaulichen Vereins inspirierter Artikel durchlief unter der Ueber- chrift„Ein frivoler Streik auf Lucas" erst kürzlich die bürgerliche Presse. Die Herren sind mit ihren Behauptungen in plausibler Weise durch das jetzige Vorkommnis widerlegt. veMes Transportarbeiter-Verband, Bezirkeverwaltung GroB-Bsrlin. Nachruf. Den Mitzliedern zur Nachricht. dafi unjer Kollege, der Drojchkcn- sichrer AM Skibbe am 15. d. MIS. im Aller von 71 Jahren verslorbeu ist. Ehre seinem'Andenken 1 Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Droschke»- sichrer Mann Schirnkus am 21. d. MtS. Im Atter von 63 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 25. d. MtS.. nach- mittags 3 Ubr, von der Leichen- balle deS Sebastian-ztirchbojeS, Müllerstraßc, aus statt. 67/14 Um rege Beteiligung ersucht Die Bczirksvcrwaltung. �illldMvItMeb.VMsei'e!!! Bezirk Weißensee. Am 28. d. MtS. verstarb unser langjähriger Parteigenosse, der Schankwirt Wilhelm Villmann nach langem Leiden. Wir werden demselben ein dauerndes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 26. April, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Gemeinde- FriedhoseS Weißenjee in der Rölckestraße aus statt. 18/3 Die Bezirksleitung. Dentscber Holzarbelter-Yerband Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Tischler .Julius Rohloff am 21. April gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am DienSIag. den 25. April, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle des Friebcns-Kirchhoses in Nieder- schSnhausen-Nordcnd auS statt. 82/12 Die OrtSverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Berwaltungsitelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der An- schläger Varl Leser am 15. April cr. an Blinddarm- entzündung gestorben tst. Ehre seinem Andenken! 115/18 Die Ortsverwaltung, ifeM der Fabrikarbeiter Deutscblanils (Zahlstelle Grofi. Berlin.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Kollegin RHsHv Funk am 21. d. MtS. verstorben ist. Ehre ihrem Andenke«! Die Beerdigung findet am Dienstag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Rix- dorscr Gcincindesriedboses, Ma- riendorser Weg, aus statt. Siege Beteiligung erwartet 63/13 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die vielen Kranzspenden bei der Be- erdigung meiner unvergeßlichen Mutter sage allen Verwandten, Be- kannten nnd Freunden meinen ties- gisühltrsten Dank. Krampenburg, 24. April 1911. Robert Voigt. Tode««- Anreise. Am Sonnabend, den 22. April, früh t Uhr, entschlief nach langem. schiverem Leiden meine innigst- geliebte Frau, mlsere gute Mutter Anna Bhilipp geh Bessel. Dies zeigen tiesbetrübt an Rixdorf, den 24. April 1914. Die trauernden Hinterbliebenen. Gottfried Philipp und Kinder. Die Beerdigung findet am DicnStag, 25. April, nachmittags 4 Uhr. von der Leichenhalle des Rtxdorser Gemeinde- FriedhoseS, Mariendorser Weg, aus statt. Danksagung. Für die vielen Bctreise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sag« ich ollen Be« teiltgten, insbesondere dem Deuttchcn Holzarbeiterverband, dem Wahlvcrein und den Kollegen der Firma Dall» mann u. Grändorss meinen inniaitcn Dank. 400LL IVittoe A. Lieiiigt. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme beim Hinscheiden meine« lieben Manne», uniereS guten Vater» lagen wir dem Gciangvcrein„Eharlottcnburg, Lieder» tajei- unseren herzlichsten Dank. Witwe Lavdsl und Kinder. In iiderrvllltizenäer Fülle sind nnn beim Tode unseres lieben Gatten, Vaters und Schsk-iojxervaters horaliche Worte der Anteilnahme und herrliche Zeichen der Verehrung; entgegengebracht worden, daU wir außerstande eind, jedem einzelnen unseren innigen Sank auszusprechen. Insbesondere danken wir der Berliner Parteileitung, allen Organisationen und den zahlreichen Teilnehmern au dem imposanten Trauerzuge sowie den Söngern und den drei Rednern. 40091, Berlin, Lychencr Straße 132. Frau Minna Bergmann nebnt Kindern. Florians ZahnpfSegesKasten, Zahnpulver, Zahnbürste, Mundwasser f Preis zusammen nur 1 M.) Zu haben in Konsumvereinen. Genossenschaften und ein» schlägigen GoschMtcn sowie 10 Stück M. 8,50, 24 Stück M. 18.— w franko Kachnahme durch das SIedis. Warenhann, Karlstraiie oder direkt durch die Cbemlacbcn Wcikc, Florian a. 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PI 73 7 749 500— 7118 500— 10 000 000— 15 000 000— 10000000— 1797 650— 912 700— 3 122 003 SS 600 000 148000 706 448 53 4725— 25556 23 4214 232 66 3 070 980 39 110102 39f, 34 NIAGGI S Pf. ZU sind allein echt mit dem Namen MAGQI und dem Kreuzstern. 5 fflr V, V, Liter MANOLI Beliebfe Specialmafken Abbas Dandy Gibson GM .""."'Teilzahlung bei kleinster Anzahlung in bekannter Güte* (mit gröBter Rücksicht bei Krankheit und Arbeitslosigkeit) E.Cohn,Gr.FraiikIiirterstr.58 Der HausPrau SPol litalster Mm\i Eimer und Schwamm mehr nötig. Kein Fasern und Schmieren. Fenster und Spiegel werden, unabhängig von jeder Witterung, blitzschnell sauber. Preis 16 Pfsnnli Idealsfer Metallputz ÄöiiÄSimc Macht Putzlappen nicht schmierig. Reinigt, ohne anzugreifen, alle Metalle blitzblank und schnell. Pr»l» 20 Pfenni, {rMA-KE-HE* darf in ktimm Haushalt flhUn,� llleis.rabrikiiit wähl. Der ganze Osten kaust bei UNS. Kreiichmann u. 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Verantwortlicher Nxdattezir) Albert Wach», Berlin- Kür dxs Inseratenteil verantw-: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Berta«: Borwärt» Buchdruckeret u. Lerlagsanstalt Baut Singer u-So., Berlin ir.96.?8. Aahtgavs. 3. KeilU ks Jonitte" Kerlim WksdlÄ. {IMitii, 25. Jpril 1911. Zur flgltatlon gegeu die reaktionäre lleicbsverllcberungsordnung. Die Flugblattverbreitung erfolgt am Dienstag, den 25.. im 2. Berliner Wahlkreise am Mittwoch, den 26.. im l., 3.. 4., 5. u. 6. Berliner Kreise und in folgenden Vororten, ebenfalls am 26., für Teltow-Beeskow in Charlottenbnrg, Köpenick, NowaweS, Schöueberg, Treptow- Baumschulenweg, für Nieder- Barnim W Lichtenberg, RnmmelSbnrg, Pankow, Ober- Schöneweide, Tegel-Borsigwalde und in Spandau. Alle Parteigenossen und Getverkschaftsmitglieder der vor- genannten Bezirke müssen sich beteiligen und gleichzeitig für Besuch der am 27. stattfindenden Versammlungen agitieren. Der AktiouS-Ausschuß. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission. Partei-?Znge!egenkeiten. Dritter Wahlkreis. Morgen Mittwoch, abends pünktlich S Uhr, findet der Vortrag des Genosien Eichhorn in Willes Fest- sälen, Sebastianstr. 39, statt. Fünfter KreiS. t. Abteilung. Mittwoch, den 20. d. MtS., abends 7 Uhr pünktlich Flugblattverteilung. 8>/, Uhr Bei sammlung in den Luna-Sälen, Neue König st r. 7. 1a. Abteilung. Donnerstag, den 27. d. MtS., abends 8 Uhr pünktlich Versammlung in den L u n a» Sälen, Neue König st r. 7. Nachdem gemeinsamer Besuch der Volksversammlung. Id. Abteilung. Freitag, den 28. d. MtS., abends S'/, Uhr, Versammlung im bekannten Lokal. In allen Versammlungen: Wahl der Abteilungsführer. In der I. Abteilung außerdem Bortrag. _ Die Abteilungsführer. Charlottenburg. Heute Dienstag, abends 8>/z Uhr. im Volks hause sgroher Saal): Generalversammlung des Wahlvereins. Es ist eine umfangreiche und wichtige Tagesordnung zu erledigen. Mit- gliedSbuch legitimiert. Der Vorstand. Schöucberg. Heute, DienStag, abends 3 Uhr: WahlvereinSversamm- lung in den Neuen RathauSsälen, Meininger Str. 8. Tagesordnung: 1. Vortrag über:.Die Steuerfragen Groß-BerlinS und die Stellung der Sozialdemokratie'. Referent: Stadtverordneter Genosse Eduard B e r n st e i n. 2. Die Maifeier. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Der Vorstand. Boxhagcn-RummclSburg. Mittwoch, den 20. April, abends 7 Uhr. von den bekannten Stellen aus Flugblattverbreitung. Johannisthal. Mittwoch abend von?>/, Uhr ab: Flugblatt» Verbreitung von Gobin, Roonstr. 2 aus. Der Vorstand. Köpenick. Am Mitiwoch, abends 7 Uhr, für die am Donners« tag, 27. April, abends 8 Uhr, im Stadttheater stattfindende öffent« liche Versammlung: Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen aus. Ober-SchSneweidr. Zu der am Donnerstag stattfindenden öffent» lrchen Versammlung Mittwoch abend 8 Uhr von den Bezirkslokalen aus Flugblattverbrcitung. Der Vorstand. Adlershof. Heute. DienStag, den 25. April, im Lokal von Bayer, Bismarckstraße 19, öffentliche Versammlung. Tagesordnung: .Llonlumcnteiiorganisation und der Verein der Gewerbetreibenden.' Referent: Srbeitersekretär Adolf Ritter. Freie Aussprache. Der Vorstand. Tegel. Morgen Mittwoch, abends von 7 Uhr ab, für die am ;9f'm'c.rstag in Trappz Festsälen, Oahnhofstr. 1, stattfindende öffent- vcho Versammlung: Flugblattvcrbreitung von den bekannten Be» zirkslokalen aus. Materialausgabe in der heute Dienstagabend stattfindenden Mitgliederversammlung. Die Bezirksleitung. Spandau. Mittwoch, den 20. April, abends 6'/-. von allen Be» Zirlslolalen aus: Wichtige Flugblattverbreitung. Der Vorstand. Lerlmer l�ackrickten. Die Lustbarkeitssteuer. Bekanntlich hat die Stadtverordnetenversammlung am 6. d. M. Vach einer sehr erregten Debatte mit 05 gegen 57 Stimmen be- schlössen, die Lustbarkcitssteuerordnung an den Ausschuß zurück. zuVerweisen,„mit dem Auftrag, den Magistrat um eine bestimmte Erklärung darüber zu ersuchen, ob und in welcher Weise die Be- sucher der königlichen Theater der Billettsteuer unterworfen werden können, ferner die gestellten Abänderungsanträge zu beraten". Diese Abänderungsanträge gehen dahin, 1. bei Konzerten die untere steuerpflichtige Grenze von 49 Pf. auf 75 Pf. heraufzusetzen: 2. den Besuch der Kinematographen erst von einem Eintrittsgeld von 49 Pf. statt von 25 Pf. zu besteuern: 3. Freibilletts von jeder Steuer freizulassen, wenn sie unentgeltlich den Teilnehmern an der Lustbarkeit gegeben werden. Man konnte der gestrigen AuSschußsitzung mit besonderem Fntercsse entgegensehen. Bekanntlich hatten unsere Genossen schon in der ersten Sitzung des Ausschusses die Anregung gegeben, den Magistrat zu ersuchen, sich über die Verhältnisse bezüglich der Heranziehung der könig- lichen Theater zu informieren und zu äußern, bevor die Einzel- beratung aufgenommen werde, damit man sich nicht unnötige Mühe mache. Unsere Genossen erklärten daher ausdrücklich, daß sie selber nach Lage unserer ganzen öffentlichen Verhältnisse, nach den Vor- kommnissen bei der Beratung der kommunalen und der Reichs- Wertzuwachssteuer sowie nach dem Beispiel der Steuerfreiheit der königlichen Theater in Wiesbaden, Kassel und Hannover gar keine Zweifel hätten, daß die königlichen Theater in Berlin sich frei- willig der Steuer nicht unterwerfen würden, daß ihnen aber solche amtliche Klarlegung der Verhältnisse für die Stellungnahme der bürgerlichen Ausschußmitglieder sehr wünschenswert erschiene. Die Mehrheit des Ausschusses lehnte diese wiederholt gegebene Anregung ab und trat dem Standpunkt der Magistratsvertreter bei, die er- klärten, der Magistrat könne sich offiziell erst an da? HauS- Ministerium wenden, nachdem ein gültiger Gemeinde- peschlutz borliege. Wie aus dem oben mitgeteilten Beschluß hervorgeht, hat das Plenum der Versammlung die Auffassung unserer Genossen als die richtige erkannt, und man mußte gespannt sein, welche Erklärungen der Kämmerer nun abgeben würde. Zur allgemeinen Verblüffung führte per Kämmerer aus, es sei ihm immer noch nicht klar, ob die( Versammlung eine Erklärung deS Magistrats über seine Auf- fassung bezüglich der rechtlichen Unterlage für eine event. Be- steuerung der königlichen Theater oder eine durch den Magistrat exstrahierte Erklärung deS königlichen Hausministeriums zu haben wünsche. Erst wenn er auf diese Frage eine klare Antwort habe, würde er in der Lage sein, im Magistrat entsprechende Anträge zu stellen. Auf dieses Versteckspielen erhielt der Herr Kämmerer von unseren Genossen wie auch von mehreren bürgerlichen Mitgliedern eine Antwort, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig kjeß und es wurde beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, die im Stadt- verordnetenbeschluß vom 0. April erforderte Erklärung bezüglich der königlichen Theater nunmehr beizubringen. Der Ausschuß trat nach Beendigung dieser sehr lebhaften Debatte noch in die Beratung der gestellten Abänderungsanträge ein und es wurden über diese Anträge hinaus folgende Milderungen angenommen: Kinematographen sollen erst von 59 statt von 25 Pf. ab besteuert werden; Konzerte wie auch TÄnzbelustigungen bleiben bis zu einem Eintrittsgeld von 1 M. einschließlich steuerfrei. Freibilletts unterliegen der Steuer nicht. Unsere Genossen stimmten selbstverständlich für die Anträge und betonten dabei, daß die gleichen Anträge, als sie von ihnen gestellt waren, in dem früheren Stadium der Beratung von den bürgerlichen Mitgliedern niedergestimmt worden waren._ Wütender Haß gegen die Arbeiterklasse spricht aus einem Artikel über„Proletariererziehung" den die..Staatsbürgerzeitung" veröffentlicht. Der Vcr fasser behauptet, seine Erfahrungen in einem Arbeiterviertel Berlins gemacht zu haben, wo er wohne. Täglich habe er da„Ge- legenheit, zu beobachten, welche Art Erziehung bezw. Nichterziehung das moderne Arbeiterkind genießt". Was er dabei gesehen und gehört habe, erzählt er in einem Geschimpfe, das an Giftigkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Sein Urteil über die Eltern beginnt mit dem Satz:„Der Vater kümmert sich selbstverständlich fast niemals um den Nach wuchs." Für ihn sei„andauernd eine Menge sozialdemokratischer Parteikram zu erledigen: Werkstattversammlungen, Zahlabende, Diskutierabende, Rauchklubsitzungen, der Lotterieverein, Ver sammlungen des Wahlvereins, Volksversammlungen, Besprechungen zur Flugblatwerbreitung und wie der sonstige rote Komfort der Neuzeit weiter heißt". Die Mütter sehe man beinahe vor jeder Haustür dutzendweise„klatschend, nichtstuend und herumlungernd und freche Bemerkungen hinter jedem Passanten machend, der einen anständigen Rock trägt". Schon dieser Anfang kennzeichnet den„Beobachter" zur Genüge. Dann erzählt er uns, wie die Kinder sich auf der Straße und den Höfen umhertreiben und spielen. Er schildert besonders ein Spiel„Arbeiter und Polizei": „Einige Jungen hatten sich als Polizeibeamte uniformiert und schleppten einen gräulich schimpfenden Bengel zur Wache. Ein vierter Junge lief mit und schrie:„Ick zeuge, ick zeuge!" Auf meine Frage, tvaS er denn eigentlich mit dem„zeugen" meine, erklärte mir der hoffnungsvolle Proletariersprößling mit überlegener Miene:„Wat es is. weeß ick ooch nich janz jenau, aber Vater sagt, wenn man Zeuge is, denn kriegt man Jeld dafor und braucht den Tag nich zu arbeeten!" Hieran knüpft unser Kenner der Erziehung dcS Arbeiterkindes den Satz: „Nicht zu arbeiten! Da» ist das Ideal der modernen Proletariererziehung." „Nicht zu arbeiten! Das ist da» Ideal der moderne� Proletariererziehung." Man fühlt sich versucht, zu fragen, ob denn der Mensch, der daS sagt, noch seine fünf Sinn« recht beisammen hat. Doch er erklärt, daß er „Dutzende von Beispielen für die Wahrheit dieser Behauptung an- führen könnte", und fährt fort: „Oft genug habe ich versucht, größere Knaben aus meiner Nachbarschaft zu kleinen Botengängen oder dergleichen gegen an- gemessene Bezahlung zu bekommen. Diese Versuche aber habe ich längst aufgegeben, denn die Herren Jungens sind einfach zu faul dazu! Höchstens am Freitag, wenn bei Vätern absolute Ebbe in der Kasse ist und die Groschen für den ..Kientopp" und für Zigaretten eben nirgends weitem aufzutreiben sind, läßt sich so ein moderner Lazzaroni gnädigst einmal herab, ein Paketchen zur Post zu schaffen oder dergleichen. Vor einigen Wochen passierte es mir, daß die Großmutter eines dieser zw künftigen roten ReichstagSwähler einen der kleinen Straßew araber anhielt, als er einen Rohrpostbrief für mich zum Post. amt schaffte. Zwei Minuten darauf läutet« es an meiner Klingel Sturm. Die brave Großmama, eine Witwe, die auf mein« Bitten und Bemühungen hin jetzt städtische Armcnunter- stützung bekommt, stand drohend wie eine beleidigte Rachegöttin draußen und verbat sich ganz energisch, daß ihre Nachkommen schaft zu Botendiensten herabgewürdigt würde:„Wir brauchen Ihre Jroschen nich!" Und für diese Frau, die seine Groschen so schnöde zurückweist. hat der edle Mann noch eine Armenunterstützung erwirkt! Es ist wirklich schade, daß man seinen Namen nicht erfährt. Zuletzt leiert er noch ein Klagelied über die schulent» lassene Jugend. Er stützt sich da auf Angaben von Hand- werksmeistern, wie er sagt, die,„bei der trüben Lage deS Hand- Werks und bei den ungeheuerlichen, gar nicht mehr zu erschwingen- den Arbeitslöhnen gezwungen sind, sich mit Lehrlingen herum- zuärgern". Dem„aus zielbewußten Kreisen stammenden Prole- tarierjüngling" feien Pflichtgefühl und Worthalten vollkommen fremd, Achtung vor Religion und Obrigkeit sei den Kindern ge- waltsam genommen. Die Schuld gibt er nicht allein dem schlechten Beispiel der Eltern, sondern auch dem„Vorwärts" und der „Morgenpost", die ja neben den Nie Carter-Heften die einzige geistige Nahrung einer Million Menschen in Berlin seien. Man sieht, wie der drollige„Kenner" der Arbeiterbevölkerung Berlins schließlich auch die Leser der„Morgenpost" zu den„Roten" wirft, denen ja sein ganzes Gezeter gilt/ Dieser von Haß gegen die Arbeiterklasse diktierte Artikel ist der„Staatsbürgerzeitung", wie sie angibt, aus ihrem Leserkreise geliefert worden. Eine einleitende Bemerkung nimmt Bezug auf einen anderen, von demselben Blättchen kürzlich ver- öffentlichten Artikel, der auf die„Schwierigkeit der Stellung der Volksschullehrer in den Berliner Arbeitervierteln" durchaus zu- treffend hingewiesen habe. Man soll doch nicht etwa glauben, daß die wutschnaubende Schimpfepistel, die wir hiermit„niedriger ge- hängt" haben, von einem Lehrer verfaßt sei? Welchen Erfolg sollte man von der Tätigkeit eines Pädagogen erwarten, der den Arbeiterfamilien und ihren Kindern mit solchen Vorstellungen und Empfindungen gegenüberstände! Zur„Staatsbürgerzeitung" paßt dieser Wuterguß aus gift- geschwollenem Herzen. Er erinnert sehr an jenen oben erwähnten anderen Artikel, in dem sie gegen den„Vorwärts" tobte und die Lehrerschaft gegen die Sozialdemokratie aufzupeitschen versuchte. Lassen 4>ir dem Blättchen das kindliche Vergnügen t Wegen Mißhandlung in Fürsorge. Der kürzlich erschienene Bericht der Schulärzte enthält u. a. die Mitteilung, daß gegen zwei Kinder, die mißhandelt worden seien, Anttag auf Fürsorgeerziehung gestellt worden sei. Diese Tatsache wirft auf unsere Schulverwaltung kein günstiges Licht. Soweit es sich darum handelt, Kinder, die von ihren Eltern oder Erziehern schwer mißhandelt werden, von ihren Peinigern zu befreien, so ist dagegen nichts einzuwenden. Wenn daS aber dazu führt, diese miß- handelten Kinder in Fürsorgeerziehung zu bringen, so kämen diese Kinder vom Regen in die Traufe und es muß gegen ein solches Verfahren entschieden Protest eingelegt werden. Es wäre interessant, zu erfahren, ob das Amtsgericht dem Antrage der Schulverwaltung stattgegeben hat. Mißhandelte Kinder gehören nicht in Fürsorgeerziehung; es muß vielmehr Sorge getragen werden, daß solchen Kindern anderweitig eine vernünftige Erziehung zuteil wird. Sache der Armen- oder der Waisenverwaltung müßte es sein, in Fällen, wie vorstehend dargelegten, für Unterbringung miß» handelter Kinder zu sorgen, sie nicht aber in Fürsorgeerziehung zu bringen. Denn die heutige Fürsorgeerziehung ist keine Erziehung. Sie wirkt obendrein als Strafe und belastet die Kinder mit einem dauernden Makel. „Deutscher Bürger"- Schwindel. Aus Leserkreisen wird uns ein Exemplar einer fich„Deutscher Bürger" betitelten Zeitung zugesandt und bemerkt, daß dieses uns bisher unbekannte Preßerzeugnis in der in den Ausstellungshallen am Zoologischen Garten sich be- findenden Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr an die Be- sucher verteilt worden ist. Der„Deutsche Bürger" ist ein Er- zeugniS des Spreeverlages, als Schriftleiter zeichnet H. Schackmann, Berlin NÜV. 87. Der Inhalt des Druckerzeugnisses besteht aus An- kündigungen von Syphilis- und Schönheitsmitteln, eS wird über Tuberkulose. Syphilis, Krätze usw. geschrieben, über den Prozeß Mah-LebiuS, über Mordtaten in Berlin u. a. UnS interessiert be- sonders eine Abhandlung:„Ein schuldloses Opfer" überschrieben, die sich aus Anlaß des Falles Herrmann über die Moabiter Vor- gänge verbreitet und zwar in einer so skandalösen Weise, daß wir das Geschmiere niedriger hängen wollen. In diesem Artikel heißt es: .Im Herbst vorigen Jahres versuchten bekanntlich die Sozial- demokraten in Moabit den Zukunftsstaat zu errichten. In wochenlanger Straßenschlacht wurden sie aber von den Berliner Schutzleuten besiegt. Da das Land der Moabiter nicht nur von Sozialdemokraten bewohnt wird, so wurden ganz Unbeteiligte in Mitleidenschaft gezogen. Zu diesen gehörte der GelegenheitS- arbeitet Herrmann in der Wielefstraße 31, zweiter Hof. Seiten- flügel 4 Treppen. Er hatte trotz seines Alters von Montag früh bis Dienstagabend als Asphaltierer durchgearbeitet. Als er todmüde nach Hause kam, beunruhigte ihn, daß sein Sohn Max nicht am Abend- brottisch saß. Herrmann hatte die Schlägereien zwischen Schutzleuten und Sozialdemokraten auf der Straße wahrgenommen und fürchtete, sein Sohn köime dabei Schaden nehmen. Vergeblich warnte Frau Herrmann ihren Gatten, auf die Straße zu gehen. Der Alte er- lviderte:„Mir altem Manne tut kemer was." Die Herrmannsche Familie sollte ihren Vater nicht lebend wiedersehen. Auf der Straße wurde dem Herrmann, der zu müde und zu alt war, um rasch genug zu fliehen, von einem Schutzmann der Schädel buch- stäblich gespalten. Vielleicht hatte ein roter Spitzel die Polizei gegen den alten Mann aufgehetzt. Herrmann war nämlich un- organisiert und hielt sich von der sozialdemokratischen Partei fern. Herrmann starb eine Woche später im Krankenhause, ohne die Be- finnung wiedererlangt zu haben.... Es ist nicht von der Hand zu weisen, daß die Sozialdemokratie an dem Tode Herrmanns schuldiger ist als die Polizei. Hätten die Sozialdemokraten den Krawall nicht begonnen und hätte der .Vorwärts" durch seine Brandartikel nicht dauernd Oel ins Feuer gegossen, so hätten keine Straßenkämpfe stattgefunden, und Herr Herrmann lebte noch. Iii seiner Ausschreibung der 2999 M. Belohnung behauptet der sozialdemokratische Parteivorstaud, im Moabiter Krawallprozeß seien 218 einzelne Fälle von Mißhandlungen und Brutalitäten aller Art bezeugt worden. In der Bürgerschaft möchte man gern wissen, ob in der Zahl 218 auch die in Moabit von den Sozial- demokraten verübten Mißhandlungen und Brutalitäten aller Art namentlich gegen die gesteinigten Unorganisierte» enthalten find." Schlimmer ist nicht gelogen und entstellt worden zu jener Zeit, als die gerichtlichen Berhandlungen die dielen«polizcibrutalitäten noch nicht festgestellt hatten. Jetzt aber angesichts der gerichtlichen Feststellungen der polizeilichen Ausschreitungen noch die Stirn zu haben, die Sozialdemokratte mit den Moabiter Vorgängen in Zu- sammenhang zu bringen, übersteigt alles, was bisher auf diesem Gebiete von unseren Gegnern geleistet worden ist. Und nun gar den von Polizeibeamten an dem Arbeiter Herrmann begangenen Tot- schlag unserer Partei zuschreiben zu wollen, ist die größte Frechheit, die je von einem Zeitungsschreiber begangen worden ist. Leute, die den Sachverhalt kennen und die Gerichtsverhandlungen verfolgt haben, wissen ja, was sie von dem Geschreibsel zu halten haben. Aber es gibt Leute, die das nicht wissen. Und! für diese ist der .Deutsche Bürger'-Schwindel berechnet. Auf der Straße erschossen. Sonntagmorgen um 5 Uhr geriet der Telegraphenarbeiter Fleischhauer wegen einer geringfügigen An- -elegeuheit in der Rüdersdorfer Straße mit dem ihm bis dahin un« «kannten Bahnarbeiter Gustav LieSuer in Streit, zog einen Revolver und gab auf seinen Gegner mehrere Schüsse ab. Eine Kugel drang dem Liesner in die rechte Schläfe, so daß er sofort zusammenbrach. Fleischhauer ergriff die Flucht, wurde aber von Pasfanten verfolgt. gestellt und zwei hinzukommenden Schutzleuten übergeben. Den Schwerverletzten schaffte man in einer Kraftdroschke nach dem Krankenhaus am Friedrichshain, wo er bereits im Verlaufe des Vor- mittags starb. Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich am Sonnabend- abend gegen 6V* Uhr auf der Fennbrücke. Dort versuchte der Ar- beiter Stanislaus Kwiateke, Thaerstr. 50, wohnhaft, den Vorder- Perron des Straßenbahnwagens 1672 der Linie 3 Richtung Wedding während der Fahrt zu besteigen, kam jedoch zu Fall und geriet mit dem rechten Fuß unter den seitlichen Schutzrahmen. Mittels Brech- 'tange wurde die Schutzvorrichtung hochgedrückt und K. aus seiner entsetzlichen Lage befreit. Ter Verletzte, der eine Quetschung des rechten Fußes und Hautabschürfungen erlitten hatte, wurde nach der nächsten Unfallstation und von dort nach seiner Wohnung ge- 'chafft. Selstmord eines Geschäftsführers. Selbstmord hat am gestrigen Montag nachmittag gegen 4 Uhr der 34jährlge Geschäfts- �ührer Arnold Bloß des Hotels Briese, Unter den Linden, in einer Wohnung, Ebersstrahe 74 zu Schöneberg, verübt. Bläß, >er in den Kreisen der Lebewelt viel verkehrte, tveit über seine Verhältnisse lebte und ständiger Gast der Rennbahnen war, war in dem oben genannten Hotel seit mehreren Jahren angestellt und bezog ein Gehalt von 0999 Mark. Von seiner Gattin lebte er seit einem Jahre getrennt und seit dieser Zeit stürzte er sich derartig in Schulden, daß er an eine Rangierung seiner Ver» Hältnisse nicht mehr denken konnte. Am 1. Mai sollte er eine größere Wechselschuld einlösen, doch hatte er offenbar zur Be- friedigung seiner Gläubiger nicht mehr die Mittel aufbringen' können. Er entfernte deshalb am gestrigen Tage das Dienst'" .mädchen unter einem Boflpgnd aus seiner Wohnung und sch �o I sich Samt eine Kugel tn Sie techte Schlafe, Als das Mädchen zurückkam, war bereits tot. Ein hinzugerufener Arzt vermochte nur noch den Tod festzustellen. Von einer Kreuzotter gebissen wurde am Sonnabendnachmittag in der Semlincr Seide der dreizehnjährige Rudolf Schönberg aus Rathenow, der mit zwei Schulkameraden einen Waldspaziergang machte. Unterwegs trafen die Knaben eine zusammengerollte Schlanze, die sich sonnte. Die Jungens glaubten, daß es eine Ringelnatter sei, und Schönberg ergriff das Tier. In demselben Augenblick schog die Schlange, die eine Kreuzotter war, in die Höhe und biß den Knaben in den linken Daumen. Die Vergiftung machte sich bald bemerkbar, und bald darauf brach das Kind bewußt- los zusammen. Einer der Kameraden lief nach dem nächsten Dorfe in dem zufällig ein Arzt war, und dieser leistete die erste Hilfe Ter Knabe wurde in ein Krankenhaus geschafft, und dürfte es ge- lingen, ihn am Leben zu erhalten. Spaziergänger seien aus An- laß dieses Falles in der jetzt beginnenden warmen Jahreszeit ge- warnt, Reptilien mit der Hand zu berühren. Die Kreuzotter findet sich, wie bekannt, in der nächsten Nähe von Berlin und ist in den Waldungen der Mark zahlreich anzutreffen. Sturz eines Kindes aus dem vierten Stockwerk. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich am Sonnabendabend in dem Hause Wriezener Str. 21, in dem im vierten Stock des Ouergebäudes der Arbeiter Neuinann mit seiner aus Frau und einem anderthalb Jahre alten Mädchen bestehenden Familie wohnt. Am Sonnabend abend waren die Eheleute fortgegangen, um in der Markthalle Einkäufe zu besorgen und hatten die kleine Hedwig allein in der Wohnung zurückgelassen. Als die Eltern ziemlich lange ausblieben, wurde das Kind ängstlich, kletterte auf eine herbeigeholte Fußbank und öffnete das Fenster, um nach Mutter und Vater auszuspähen; dabei beugte sich das Mädchen zu weit hinaus und stürzte kopfüber aus den Hof hinab, wo es in den Garten fiel, dessen Boden gerade umgegraben worden war. Das Kind erlitt einen Bruch des rechten Oberschenkels und eine schwere Gehirnerschütterung Zu diesem Unfall wird uns noch folgendes mitgeteilt: Der Portier und ein Mieter des Hauses begaben sich mit der Kleinen sofort nach der Unfallstation in der Hochstraße. Dort war um die Zeit zwischen TM und 8 Uhr kein Arzt anwesend, während sich aus der Station 3 Hilfesuchende befanden. Der dort tätige Heilgehilfe verband gerade eine Schienbeinverletzung und untersuchte dann auch das Kind, an welchem er nur den Oberschenkelbruch feststellte und den Notverband anlegte, wobei ihm die beiden Transporteure des Kindes Hilfe letsteten. Während dieser Zeit kam der Arzt, drückte seinen Unwillen darüber aus, daß der ihn ablösende Kollege noch nicht da sei, ließ sich von dem Heilgehilfen erzählen, was dem Kinde fehlt und ging in sein Zimmer. Der Heilgehilfe ordnete an, daß das Kind sofort dem Kinderkrankenhause zugebracht werden sollte und die beiden Herren begaben sich in das Zimmer des Arztes, um die Personalien des Kindes eintragen zu lassen. Auch dabei sah der Arzt sich nicht einmal den Verband an, ja als der eine der beiden Samariter nochmals fragte, ob das Kind sogleich nach dem Krankenhause müßte, fragte der Arzt, ob das Kind überfahren sei. Zu schweren Ausschreitungen von Zigeunern kam es gestern einer Frau wegen in einem Restaurant in der Bellermannnraße. Das Restaurant wurde vollständig demoliert und viele Personen schwer verletzt. Einige Personen wurden verhaftet. Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 21. April löll, abends gegen QVj Uhr, wurde von der Sanitätswache Tempelhofcr Ufer 1a eine bewußtlos aufgefundene, ungefähr 3S bis 40 Fahre alte Frau nach der Eharite eingeliefert, deren Persönlichkeit bis- her nicht festgestellt werden konnte. Sie hat dunkelblondes Haar und war bekleidet mit braunem Hut,� schwarzer Boa, schwarzer Bluse, dunklem Rock, schwarzen Strümpfen und schwarzen Knöpfstiefeln. Bei sich hatte sie ein Paar alte Stiefel, 2 Blusen, 1 Jackett, 4 Röcke, 1 Schirm, 1 Zopf, I grünliche Handtasche, 1 Damenuhr mit goldener Kette und IlZ,65 Mark. Nachrichten über die Persönlichkeit der Unbekannten werden in jedem Polizeirevier und bei der Kriminalpolizei, Alexanderstr. 3/ö, 3 Treppen, Zimmer 346s, schriftlich oder vi und- lich entgegengenommen._ Vorort- JVacbncbteit* Charlottenburg. Ein Slraßenbahnunfall, bei dem ein Kind schwer zu Schaden kam, ereignete sich am Montagmittag gegen%1 Uhr. Beim lieber« queren des Fahrdamms der Schloßstraße lies die dreijährige Tochter Martha des in derselben Straße Nr. 15 wohnhaften Arbeiters Wurzel gegen die Seitenivond eines Straßenbahnwagens der Linie 80 und kam zu Fall. Die Kleine geriet mit dem linken Arm unter de» Schutzrahmen und erlitt eine schwere Quetschung der Hand. DaS verunglückte Kind erhielt auf der Unfallstation einen Notverband und wurde dann nach dem Krankenhause Westend übergeführt. Der Kleinen werden wahrscheinlich mehrere Finger der verletzten Hand amputiert werden müssen. Nixdorf. Bei einem Streit mit Straßenreinlger» dm Tod gefunden hat der Fensterputzer Benjamin Kammert, Pflügerstr. 89. B. traf in der Nacht auf dein Heimweg eine Straßenceiuigungslolonne, die mit dem Fegen des FahrdammeS der Berliner Straße beschäftigt war. Er ivar etwas angetrniikeu und belästigte in seinem Zustand die Straßenreinlger. Der Straßenreiniger Paul Kloße, Auzengruber- straße 27, verbat sich das Verhalten des Passanten, woraus K. auf Kloße eindrang und mit dem Stock tätlich wurde. Kloß« setzte sich nun mit dem Besen zur Wehr. Er versetzte dem Angreifer mehrere Schläge über den Kops, daß der Getroffene besinnungslos zu- fammeubrach. Man schaffte ihn nach dem Buckower Krankenhaus, wo er gester» vormittag den schweren Kopsverletzungen erlag. Die Leiche»st einstweilen von der Polizei beschlagnahmt worden. Zwischen Gräbern Selbstmord verübt hat der 57 Jahre alte Paul Thomas aus der Wiener Straße 59. Th. vergiftete sich auf dem neuen ThomaS-Friedhof au der Hermnnnstraße mit Lysol. FriedhofSbcsuckier fanden ihn bald daraus zwischen Gräbern liegend auf. Man rief noch einen Arzl herbei, der aber nur den Tod bei Th. feststellen konnte. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Ein schwerer Strnßenbahnunfall ereignet« fich am gestrigen Moniagnachmittag gegen 7 Uhr vor dem Hause HerMannstr. 61. Dort versuchte der 31jährige stellungslose Maler Robert Schmidt. Knesebeckstr. 69 wohnhaft, einen Straßenbahnwagen der Linie 59 während der Fahrt zu besteigen, glitt jedoch ab und geriet mit dem Oberkörper unter den Vorderperron. Mit Hilfe einiger Straßen« Passanten wurde der Wagen in wenigen Minuten angehoben und der Verunglückte aus seiner entsetzlichen Lage befreit. Schmidt wurde nach der Unfallstation in der Steinmetzstraße geschafft, wo der Arzt seststellte, daß Sch. der linke Unterarm vollkommen ob« getrennt worden war. Außerdem hatte der Verunglückte Fleisch« wunden an der rechten Hand und am Kopf erlitten. In bedenklichem Zustande wurde der Berunglückie nach dein Krankeilhause�Buckow übergeführt. Johannisthal. Ein eigenartiger Unglücksfall ereignete sich am Sonnabend in der Kaiser-Wilhelmstraße 8. Dort war der lljährige Sohn des Plättereibesitzers Schatz von seiner Mutter nach dem im V>ause Nr. 45 derselben Straße befindlichen Laden geschickt worden, w o er Einkäufe machen sollte. Das GeschäftSlotal wird gegen- wolrtig umzebaui und renoviert und aus diesem Grunde war für mehrere Tage die große Schauseiiilcrscheive herausgenomuieu worrden, so daß viele Käufer, uantentlich die Kinder, ihren Weg durchs das Schaufenster nahmen. DaS wollte am Sonnabend der ' ßtasüi&erUWr Slkrt VschK, BerligT� Ar' Gewohnheit gemäß auch der kleine Sch. tun, der dabei aber übe?- sehen hatte, daß inzwischen die Scheibe wieder eingesetzt war. Der Knabe rannte infolgedessen in dieselbe hinein; das Glas zerbrach und der Junge wurde durch umherfliegende Glassplitter erheblich am Kopf, Gesicht und an den Händen verletzt. Der Ver- letzte wurde zu einem in der Nähe wohnenden Arzt gebracht, der ihm Verbände anlegte, und dann nach der elterliche» Wohnung übergeführt. Friedrichshagen. Aus der Gemeindevertretung. Iii der letzten Sitzung lag ein Antrag der Schuldeputation und des Gemeindevorstandes vor, in den Gemeindeschulen das orthopädische Turnen einzuführen. Nach dem Bericht des Bürgermeisters Dr. Silier haben die Untersuchungen des Schularztes bei einer Reihe von Kindern ver- schiedene Deformationen des Körpers festgestellt. Die Erfahrung habe aber gelehrt, daß durch Heilgymnastik und zweckmäßige Körperübungen eine erfolgreiche Behandlung möglich sei. Der Gemeindevorstand empfiehlt daher die Einführung des rttho- pädischen Unterrichts. ES sollen je zwei Lehrer und Lehrerinnen aus Gemeindekosten für diesen Unterricht bestimmt werden. Da die Regierung zu diesem Zweck Mittel zur Verfügung gestellt habe, werde der Gemeindevorstand sofort einen entsprechenden Zuschuß beantragen. Nachdem Genosse Sonnenburg und die Ver- trcter G ö r l i n g und G I o e d e für den Antrag gesprochen, wurde derselbe angenommen.— Das Gesuch der Treptower Stern- warte um eine jährliche Subvention wurde nach warmer Befür- Wartung des Bürgermeisters und des Genossen Sonnenbnrg sowie des Vertreters Gloede angenommen und ein Jahresbeitrag von 39 M. festgesetzt.— Unter„Mitteilungen" bringt der Bürger-- meister zur Kenntnis, daß der Kultusminffter nunmehr das Real- ghmnasium als Vollanstalt anerkannt habe. Die Kaufofferte der Gasanstalt habe der Gemeindevorstand gemäß den Beschlüssen der Vertretung angenommen. Der Kaufvertrag sei bereits notariell abgeschlossen. Die Gasanstalt geht am 1. Oktober d. I. in den Besitz der Gemeinde über. Der Vertrag mit der„Niederbarnimer Zeitung" als Amtsorgan ist unter den alten Bedingungen wieder auf drei Jahre abgeschlossen. Genosse Sonnenburg wünschte, daß der Jahresbericht des Schularztes früher als bisher der Vertretung zugeht. Der Bürgermeister sagt« die Erfüllung des Wunsches zu.— In geheimer Sitzung wurde dem Erwerb des Karauschen Grundstückes in der Köpenickerstraße zugestimmt. Ebenso der Eingemeindung der Erpewiesen, der Kolonie Westend, der Eisen- bahnfläche beim Bahnhos Hirschgarten, sowie der forstfiskalischen Jagen 316d und 320d. Trebbin(Kreis Teltow). Auf zur Stadtverordneteuwahl! Am Mittwoch, den 28. April, vormittags von 9 bis 11 Uhr, hat die 3. Abteilung die Ersatzwahl für den von hier verzogenen Genossen Morgenrot vorzunehmen. Die Gegner werden alles versuchen, um in der 3. Abteilung wieder Fuß zu fassen. Darum, Arbeiterwähler, opfert auch diesmal die Zeit für die Wahl, um dem sozialdemolraiffchen Kandidaten zum Siege zu VerHelsen. Pankow. Die Errichtung einer Bebürsnisanstalt auf dem freien Platz an der Ecke der Berliner und Mühlenstraße, welche von der Ge- meindevertretung bereits am 11. Januar 1919 beschlossen worden ist und wozu auch die Mittel in Höhe von 19 999 M. in den Etat von 1919 eingesetzt waren, läßt immer noch auf sich warten. Man hat in letzter Zeit gelegentlich der Verschmelzungsbestrebungen mit Niederschönhausen die hiesigen Gemeindeeinrichtungen in den glänzendsten Farben schildern und in den höchsten Tönen loben gehört, und eZ kann auch nicht bestritten werden, daß Pankolv in dieser Beziehung mancherlei Anerkennenswertes aufzuweisen hat. Andererseits aber existieren auch noch recht dörflerische Zustände, die mit der angestrebten Stadtwerdung recht wenig im Einklang stehen. So mangelt es namentlich an öffentlichen Bedürfnis- anstalten. Für einen Ort mit über 46 999 Einwohnern und außer- ordentlich starkem Verkehr mit Berlin müssen die zurzeit vor- handenen zwei öffentlichen Bedürfnisanstalten als völlig un. zureichend bezeichnet werden. Dazu kommt, daß die eine dieser Anstalten sich an einer Stelle befindet, wo nur eingehendste Orts- kenntnis zwar ihr Auffinden, damit aber noch nicht immer— infolge ihres häufig sehr unsauberen Zustandes— auch ihre Benutzung möglich macht. Das sind für einen so lebhaft aufstreben- den Ort wie Pankow durchaus unhaltbare Zustände, deren Ab- stellung der Pankower Gemeindeverwaltung am Herzen liegen sollte. Vor allem aber ist es eine dringende Notwendigkeit, daß mit der Errichtung der projektierten Bedürfnisanstalt an der Ecke der Berliner und Mühlenstraße nun bald Ernst gemacht wird. Gerade diese Gegend ist in letzter Zeit außerordentlich stark be- baut worden und handelt es sich hier zudem um eine der beiden Hauptkommunikationen mit Berlin. Es kommt weiter hinzu, daß an Sonn- und Festtagen die Berliner und Mühlenstraße an ihrer Gabelung von vielen Zehntausenden von Berliner Spaziergängern frequentiert wipd. für die keine Möglichkeit besteht, eine Bedürfnis- anstatt benutzen zu können. Wie sehr gerade hier Abhilfe nottut. hat erst kürzlich der in diesem Jahre außerordentlich starke Osker- verkehr nach Pankow gezeigt. Spandau. Soldaten sollen, wie uns Einwohner aus dem Haufe Kühr- traße 3 mitteilen, seit etwa einer Woche dort mit der Ausführung von Malerarbeiten beschäftigt sein. Das HauS gehört einem in der Neuendorferstraße wohnhaften Herrn Schilling, der zugleich In« haber des Spandauer Bades ist. Während vor Ostern nur zwei Mann mit den Malerarbeiten beschäftigt waren, find eS jetzt drei. Hausbewohner haben beobachtet. daß sich die Soldaten früh gegen 1/28 Uhr einfinden, sich im Quer- geböude des Hauses umkleiden und dann an die Arbeit gehen. Ist dem so. wie unS versichert wird, so entsteht die Frage, in wessen Auftrag handeln die Soldaten? Dazu ist das Militär nicht da, daß eS den in den einzelnen Be- rufen beschäftigten Arbeitern Konkurrenz macht. Es wäre unS interessant zu erfahren, wie Herr Schilling dazu gekommen ist, daß die Malerarbeiten durch Soldaten ausgeführt werden.___ Hus aller Melt. Acht Arbeiter ertrunken. Ein schwerer Bootstinfall trug sich am Sonnabend in der Nähe von Königgrätz zu. Dort wollten bei Elbregu- lierungsarbeiten beschäftigte Arbeiter mit einer Seilfähre über den Fluß setzen. In der Mitte des Stromes kippte die mit vierzehn Insassen besetzte Fähre um und die Arbeiter fielen i n s W a s s e r. Nur sechs von ihnen konnten mit großer Mühe gerettet werden, die übrigen acht er- tranken._ Schweres Strasienbahnunglück bei Regensburg. Am Sonntagabend ereignete sich auf der von Prüfening nach Regensburg führenden Straßenbahn ein schweres Unglück. Auf noch unaufgeklärt« Weise entgleiste ein mit Ans s lüg lern vollbesetzter Wage» mit beiden Anhängelvagen. Der erste Wagen fuhr mit aller Wucht an einen Baum. Bei dem Unglück wurden fünf Personen s ch w e r und dreizehn leichter berletzt. Eine Frau erlitt so schwkte VerletzukkgÄt, daß Ott Frei» Aufkommen gezweifelt wird._ Vom Eisenbahnzuge überrannt. Zwei schwere Verkehrsunfälle haben sich am Sonntag auf deutschen Eisenbahnen ereignet. Bei einem Niveauübergang auf der Chaussee Gräfe»Hainichen— Bitterfeld wurde das Fuhr- werk des Gastwirts Müller aus Gröbern vom Zuge erfaßt und vollständig zertrümmert. Die beiden Insassen, der Besitzer und sein 17jähriger Sohn, wurden getötet. Das Gespann kam in schnellster Gangart ans der Straße dahergerast und durchfuhr die für den O- Zug bereits halb ge- schloffene Schranke, obwohl der Schrankenwärter durch Zu« rufe zu verstehen gab, daß das Fuhrwerk vor der Schranke warten solle.— Ein weiterer tödlicher Unfall ereignete sich auf der Chaussee zwischen Neuland und Gießmannsdorf in Schlesien. Dort übersithr ein Personenzug ein mit vier Personen besetztes Fuhrwerk. Der Lenker des Wagens, der Lohnkutscher Trent«, wurde so schwer verletzt, daß er bald darauf im Krankenhause seinen Ver- letzungen erlegen ist. Die Frau des Getöteten und ein Kind wurden bei dem Unfall leichtverletzt, ein anderes Kind blieb unverletzt._ Kleine Notizen. Ueberfall ans«ine Postagentnr. Von Räubern wurde in der Sonntagnacht die Postag entur zu Breinig bei Aachen heim- gesucht. Bon zwei vermummten Männern wurde der Post- Verwalter mit vorgehaltenem Revolver gezwungen, den Geld- schrank zu öffnen. Die Spitzbuben raubten 4999 M. und ent- kamen unerkannt. Ein verhafteter Theaterdirrktor. Der Direktor A m a l f i vom B o ch u m e r Stadt- Theater ist gestern wegen Unterschlagung verhaftet worden. Die Verhaftung steht in Zusammenhang mit dem vor einigen Tagen erfolgten plötzlichen Lersthwinden des Äafsteres, der 19999 M. veruntreut hat. Fnmiliendrama. In Frankfurt o. M. hat sich am Sonntag die 61jährige Frau eines Straßenbahnaussehers mit ihrer 22 jährigen Tochter und ihrem 12 jährigen Sohn durch Leuchtgas ver- giftet. Die angestellten Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg. Ueber das Motiv der Tat ist nichts Genaues bekannt. Ein Opfer seines Benises ist der auch in Berlin bekannte Taucher Henry Kock jun. geworden. Bei einem Versuche, in Ottsleben bei Braunschweig aus einem mit Waffer angefüllten Schacht die Leiche eines ertrunkenen Bergmanns zu bergen, ist Kock t ö d l i ch v e r u n g l ü ck t. Als er emporgezogen wurde, gab er nur noch schwache Lebenszeichen von sich. Schwere Explosion. In einer SpirituSsabrik in der französischen Ortschaft Anennes les Marais explodierte ein großer Stahlkessel. Vier Arbeiter wurden getötet und drei schwer verletzt. Die Cholera aus Java. Wie ein Telegramm aus Amsterdam meldet, ist die Stadt Batavia für choleraverseucht erllärt worden. Am Sonnabend waren 23 Cholerafälle zur amt- lichen Kenntnis gekommen. Eingegangene Dnrcfcfcbrifteti. Die Mainummer des»Wahren Jacob« ist soeben, 13 Seiten stark. erschienen. Sie enthält auch ein Porträt des in Stuttgart verstorbenen Parleigenosseti Jakob Stern. Der texlliche wie auch illustrative TeU ist reichhalltg ausgestattet. Der Preis der 13 Seite« starlen Nummer ist 19 PI. Von der»Gleichheit«, geltschrist für die Interessen der Ardeilertnnea ist uns soeben Nr. 13 des 21. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Rüsten wir l— Maigedanken. Von Gertrud Haiina.— Schutz der nationalen Arbeit. Bon Luise ZIetz.— Der erste Mai im Zarenreich. Von Alexandra Kollontay.— Die Bedeutung des Achtstundentages sür die Textilarbeiterinnen. Von Martha Hoppe.— Für die Selbslverwallung der Arbeiter in der Arbesterverficherung. Bon Gustav Hoch.— Die Fabrikarbeit verheirateter Frauen und der Acht» stundentag. Von Mathilde Wurm.— WaS sordern die Hausangestellte« vo» der Gesetzgebung? Von Helene Grllnbera. Mit den Beilagen Für unsere Mütter und Haussrauea und Für unsere Kinder. Die.Gleichheit' erjcheiiit alle 14 Tage etmnal. Preis der Nummer 10 Pfennig._ Lese-«nd Dlskutierklub»Wilhelm Liebknecht«. Heute, DienS- tag, abend» S Uhr, bei Karl Sichhorn, Danziger Str. 93: Vortrag. Gäste willkommen. LrlefKasten der Expedition« Patienten in Beelitz, Buch und anderen Heilstätten. Dlefenigen unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in de» Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der Ueberweisung von Frei- exemplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. Marktpreise vo» Berlin am 28. April ISll. nach Ermittelung de» Königlichen Polizeipräsidiums. Martthallenpreise.(Kleinhandel.) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Sp-isebohnen, weiße 80,00-50,00. Linsen 20,00-60,00. Kartoffeln 6,00-9,00. 1 Kilo. gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,20 bis 1,70. Schweinefleisch 1,20—1,90. Kalbfleisch 1,50—2,40. Hammelfleisch 1,40—2,20. Butter 2,20—2,80. 60 Stück Eier 3,00-4,40. 1 Kilogramm Karpfen 1,20—2,40. Aale 1,60-3,00. Zander 1,40—8,60. Hechte 1,40 bi» 2.80. Barsche 1,00-2,00. Schleie 1,40-3,40. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 2,50-30,00. WitterungSübersteb» vom 23. April 1911. |l ° c SZ 41 If stointoidt. Hamburg verlw Franks.» M 733 SA Rünche«>733 SN Wien 760 W Setter 757 J« d balb bd 759 WSW 5 bedeckt 759 S«> 3 wolkig 2 wolkig 3 wolkig 4halbbd. rfK Ii wi CtatUna -6* C-» Ä» S* £3 Havaranda 744 WSW 2 wölken! 2 Petersburg 753 SSW 1 wolkig| 7 Scilly 766 Ä j 3 halb bd.i 9 llberdee» Part» 755 W| 2 wollt 766 WND 2 !>! 11 12 Wetterprognose für DicuStag. dm 23. April 1911. Etwa« lühler, veränderlich, vieljach wolkig mit leichten Regmfällm und frischen westlichen Winden. Berliner Deilerdureaa. UM® BaoaMrreiW Zwoiffvoroln Ucrlin. Bezirk Büdoat. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Maurer tleinrick Kufzner am 22. April gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: Di« Beerdigung sindei heute Dienstag, den 25. April, nach. mittag« 2 Uhr, von der Leichenballe de« ZentralsricdhojS in FiiedrichSseide au» stall. lim rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Abessinier- Pumpen zum Gelbstausstellen sür Gartenbesitzer u. Lauben- lolonisten von H W. an Flügelpumpen, «artenspritz«». Filter. Röhre». Schläuche ulw. billigst. Erdbohrer leihweise. MüelMlZo.. Berlin»W. (IV 1676.) Alte Jakobstr. 18/19 LinsergteMis iUMiifri TH-MSk« Berlin. TMy-Perlsg; PorwgrtS Bnchdrnckerei u. Berlggsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW.,