»r.S7. IftonncmenfS'Bedtogiing«»! BSSonncmentJ- Preis pränumerando j Licrtcliährl. Z�o Md. vwnatl. l.lv Mk, wöchentlich 26 Psg. frei ins HauS. Einzelne Nummer Z Psg. Sonntags- tiunimer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 P,'g. Post- Vbonncmcnt: I.lO Mark pro Monat. Eingetragen in die Posl-Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige AuslanS 8 Mark pro Monat. Postabonncments nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Siumänieu, Schweden und die Schweiz, 28. Jahrg. y�> Die TnlerfionS'GeblUr keirägt sür die scchsgespaltcne Kolons?- »eile oder deren Raum M Psg.. für polilische und gewcrlschastliche Vereins- lind Versanunlungs-Anzeigeti 80 Psg. ..Ulein« Anrei-ten", das seltgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort in Pfg. Ctollcngcsuche und Schlasstcllenau- zeigen das erste Wort lv Pfg., jedes wertere Wort ö Pfg. Worte über tö Buch- ttaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis ife Uhr nachmittags in der Erpeditioil gpgegeben werden. Die Expedition ist tis 7 Uhr abends geöffnet, Crfötiot Sgllch»Oer tsoota». Nevlinev Volksblail. Zentratorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfcblands. Telegramm-Ndress« „SoziäWslncärat BtrUB". Redaktion: 8Äl. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Au,t IV, Nr. Ig8S. Oer Sttasgeie�eMurs und die linternationale MrimlnaIHtiiclK Vereinigung. G§ sind nunmehr l'/z Jahre verflossen, seitdem das Reichsjuslizamt den Vorentwurf zu einem neuen Strafgesetz- buch veröffentlicht und zur Kritik desselben freundlichst ein- geladen hat. Der„Vorwärts" hat dieser Aufforderung, wie den Lesern wohl noch in Erinnerung ist. gründlich Folge gc- leistet und in einer Serie von Leitartikeln alsbald nach Er- scheinen des Entwurfs dargelegt. daß derselbe ein aus- gewachsenes Sozialistengesetz in sich birgt, das sich in gleicher Weise gegen die politische wie gegen die gewerkschaftliche Seite der modernen Arbeiterbewegung richtet.(Vergl. auch meine im Stuttgarter Parteiverlage erschienene Schrift: „Die Arbeiterklasse und der Strafgesetzentwurf".) Wir haben dort hingewiesen auf die Gefahren, die dem kärglichen Rest freier Meinungsäußerung, den wir in Preußen-Dcutschland haben, drohen, auf die Unter- bindung des Streikrechts der Arbeiter der öffentlichen Betriebe und auf die vielen juristischen Möglichkeiten zur Knebelung mißliebiger politi- scher Agitation. Um nur einige der Schönheiten des Entwurfs ins Gedächtnis zurückzurufen, sei daran erinnert, daß der Entwurf beispielsweise nach dem glorreichen Vorbilde der preußischen Umsturzvorlage die„Verherrlichung" begangener— auch politischer—„Verbrechen", zum Beispiel der französischen Revolution, der Kom- mune usw. unter schwere Strafe stellt, daß er die Hoch- Verratsparagraphen aufs gefährlichste er- w eitert und auch bei anderen Delikten den Kautschuk- tatbestand der verbotenen„Ausreizungen" schafft. Hingewiesen sei auch noch auf die unerhörte Erweite- rung des Nötigungsparagraphen. Ferner auf die angedrohte Bestrafung der„gefährlichen" und „gemeingefährlichen Drohung", die so recht auf die überall in den Motiven herumspukenden„geschickten und gefährlichen Volksaufwiegler" gemünzt erscheint. Fehlen darf auch bei dieser summarischen Aufzählung einiger Schönheiten des Entwurfes auf dem Gebiete politischer Ausnahmegesetz- gebung nicht der Hinweis auf den— um im Marinejargon zu reden—„Ersatz-Grober-Unfug"-Paragraphen. der ein ordnungsliebendes staats- und königstreues Publikum vor der„Belästigung" durch„ungebührliches Verhalten" politischer oder sozialer Gegner durch erheb- liche Strafandrohung schützt. Wir hatten ferner gelegentlich jener Besprechung des Ent- Wurfes darauf Hingelviesen, daß derselbe auch in seinen unpolitischen Teilen eine Reihe bekämpfenswerter Einzelheiten enthält: erinnert sei nur an die vorgeschlagenen barbarischen Straf Verschärfungen durch harta Lagerstatt und Hunger. Wir erwähnten auch, daß der Ent- Wurf einige Verbesserungen gegenüber dem geltenden Recht auflveist, und daß er sich überall bemüht, seine reaktionären Blößen durch ein inodern schillerndes Gewand zu verdecken, insbesondere durch scheinbare oder wirkliche Konzcssionen, an die früher so verfemte sogenannte„moderne Strafrcchts- schule". Es gibt nämlich in der bürgerlichen Straftcchtswissenschaft zwei Lager: die sogenannte„klassische" Strafrechtsschule, der die Strafe Selbstzweck und nur Sühne einer Schuld ist. deren Verhängung nach dem ewigen, göttlichen Maßstabe der Gerechtigkeit zu erfolgen hat. Besagter Maßstab, der dem Uneingeweihten unerkennbar ist, wird erworben durch die Absolvierung einer dreijährigen Studenten- und vierjährigen Referendarzeit nebst zugehörigem Examinibus. Jkr geht wieder verloren durch die Bekundung einer nicht genügend königstreuen und staatsfreund- lichen Gesinnung. In? Gegensatz zu dieser unter den Theore- tikern des Strafrcchts aussterbenden, in der StraftechtSpraxis jedoch noch fast unbeschrankt herrschenden Anschauung steht die modernem Empfinden erheblich näherstehende sog.„m 0 d e r n e" Strafrechtsschule, die ihren Kristallisationspunkt in der„Internationalen kriminalistischen Vereinigung" gefunden hat. und zu deren Führern der Berliner Professor und frei- sinnige Abgeordnete v. Liszt gehört. Das Programm dieser Schule rückt vor allem die kriminalsoziologischen Gesichts- punkte in den Vordergrund. Das Verbrechen soll nach einem Ausspruch Liszts als„sozialpathologische Erscheinung", d. h. als ein durch gesellschaftliche Faktoren bedingtes Ucbel gewertet werden, dessen Bekämpfung nicht mit irgend welchen moralisierenden Gründen der Vergeltung, sondern mit dem Zwecke der Wahrung des gesellschaftlichen Wohles gerecht- fertigt wird. Die deutsche Landes gruppe der Jnter« nationalen kriminalistischen Vereinigung hat nun in voriger Woche ihre 14. Tagung in Berlin abgehalten. Einziger Verhandlungsgegenstand dieser drei- tägigen Tagung, zu der mehr Regierungsvertreter erschienen waren, als zu sämtlichen Arbeiterveranstaltungen seit Bestehen des Deutschen Reiches zusammengenommen, war der V 0 r- Expedition: 8M. 68, Lindcnstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr» 1.384» entwurf zum deutschen Strafgesetzbuch. Bei diesen ganzen Verhandlungen ist nun— um das für uns Wichtigste vorwegzunehmen— mit keinem Wort der politischen Rücken und Tücken des Entwurfs ge- dacht worden, während z. B. blutige Tränen darüber ver- gössen wurden, daß Duellmörder künftig nicht mehr mit einer fidelen Festungshaft, sondern mit gewöhnlicher Haft bestraft und dadurch„Dirnen, Bettlern und Landstreichern gleich- gestellt" werden sollen. Der Kieler Privatdozent Kriegsmann fand allseitigen Widerspruch mit seiner Aeußerung, er würde sich auch ganz wohl fühlen unter einem Strafrecht, das den Duellanten ins Gefängnis schickt. Dieser Widerspruch war aber nicht so zu verstehen, daß die Widersprechenden etwa für die anderen Mördern und Totschlägern gegenüber angedrohte Zuchthaus- oder Todesstrafe eingetreten wären, sondern selbst die Gefängnisstrafe schien der Versammlung für diese feudale Art von Verbrechern noch zu hart. Es wäre ungerecht, wenn nicht nach diesen Ausstellungen auch betont würde, daß auf der Tagung manche Aeußerung fiel, die ihren Urheber als über dem Durchschnittsniveau des bürgerlichen Strafrechtlers stehend erscheinen läßt. So ver- dient beispielsweise die Diskussionsrede des Berliner Straf- anstaltsdirektors Finkenberg— die zwar für uns Sozial- demokraten nur Selbstverständliches enthält,— in den Kreisen seiner Berufsgenossen Bcherzigung. Dieser Redner führte aus: „Unsere erschreckend große Kriminalität beruht weniger auf der Unsozialität der Ber- brecher als auf der herrschenden Not. Meist haben die rückfälligen Gewohnheitsverbrecher Vergehen gegen das Eigen- tum begangen und eS find Leute, die nichts mehr zu beißen und zu brechen hatten und ihrem schwachem Willen erlegen sind.... Das sind eben die Leute, die, wenn sie bei der Polizei eingeliefert werden, keinen Pfennig in der Tasche haben und sich in einer vollständigen Desperadoverfassung befinden. Nun rangiert man diese Leute unter den Begriff der Unsozialität, während sie doch nur Produkte der Not find. Gegen diese Leute sind in viel höherem Matze soziale Matznahmen am Platze, als daS, was sie hier verlangen... Alle diese kriminellen Matznahmen aber wiegen nur federleicht gegen die wirklich durchgreifenden Matznahmen auf sozialem Gebiet." Finkenberg erwähnte auch einen haarsträubenden Fall, in dem ein Mann, der sich in eincni Restaurant zwei Flaschen Selters bestellt und nicht bezahlt hatte, weil er rückfällig war, zu einem Jahr Zuchthaus und 130 M. Geldstrafe sowie Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt wurde! Gegen den Vorentwurf selbst wurden von den Referenten und den Diskussionsrednern eine Reihe gewichtiger Argumente geltend gemacht, wenngleich die allgemeine Meinung dahin ging, daß der Entwurf eine geeignete Grundlage abgebe, um darauf weiter zu bauen. Dies war auch das Resultat, zu dem v. Liszt in seinem Referat über den Entlvurf gelangte. Dies Referat war in seinem ersten Teil ein Hymnus auf die von den Verfassern des Entwurfs vorgeschlagene grenzenlose Erweiterung der richterlichen Willkür.„ES findet sich in dem Entlvurf keine einzige Einschränkung des freien richterlichen Ermessens... Von einer Eindämmung der richterlichen Be- fugnisse ist im deutschen Vorentwurf glücklicherweise nichts zu spüren." Diese Kennzeichnung des Entwurfs ist richtig. Rur sind wir Sozialdemokraten so gut wie einstimmig der Meinung, daß dies kein„Glück", sondern ein Unglück ist in unserer von Klassengegensätzen so durchwühlten Gesellschaft mit ihrem ausschließlich aus Angehörigen der bürgerlichen Klassen rekrutierten Richterstande. Im wer- teren Verlaufe seines Referats forderte v. Liszt eine Abgrenzung des kriminellen vom polizeilichen Unrecht und die dringend notwendige Einverleibung der Nebengcsetze. Er kritisierte die heillose Verwirrung, in die unsere Reichsgesetzgebung hineingeraten ist, die es kaum noch möglich inache, in diesem Wüste zu arbeiten. Er verlangt ferner ein einheitliches Straf- Vollzugsgesetz und wandte sich gegen verschiedene Einzel- Vorschläge des Entwurfs. Das folgende Referat des preußischen Wirklichen Geheimen Oberregierungsrats Dr. Krahne be- handelte das Thema:„Freiheitsstrafen und Strafvollzug nach dem Vorentwurf". Interessant war das Geständnis dieses sachkundigen Mannes, daß sich kaum ein Finanzminister oder eine Volksvertretung finden werde, um die für eine humane Ausgestaltung des Strafvollzuges erforderlichen Mittel zu bewilligen. Sympathisch berührte es, daß sich Dr. Krahne dahin ausließ, man solle auch bei Zucht- hausgefangenen das Ehrgefühl nicht durch falsche Maßnahmen zu ersticken versuchen. Man könne auch beim schwersten Ver- brecher nicht sagen, daß er absolut kein Ehrgefühl mehr habe. Leider wurde das Sympathische dieser Ausführungen voll- kommen dadurch verwischt, daß Krahne den vorgeschlagenen barbarischen Strafverschärfungen das Wort redete, mit der Einschränkung, daß sie nur für die ersten Monate der Straf- zeit zulässig sein sollten. Gegen diese Anschauung wandte sich scharf der Berliner Professor G 0 l d s ch m i d t, der die Strafvcrschärfungen charakterisierte als eine Konzession an die Forderung nach der Prügelstrafe in demselben Augenblick, wo sich Dänemark anschicke, seinen Irrtum wieder gut zu machen. Interessant war auch die Erklärung des sächsischen Geheimrats Meier. wonach'die sächsische Regierung sich im Bundesrat gegen die Strafvcrschärfungen ausgesprochen habe, weil dieselben früher in? sächsischen Straf- recht be st anden hätten und nach den damals gewonnenen Erfahrungen keine Lust be- st ehe, dieselben tvieder einzuführen. Die sächsische Regierung sei der Ansicht, daß diese Be st immun gen, wenn sie wirklich in das Strafgesetzbuch aufgenommen würden. bei der nächsten Revision wieder beseitigt werden müßten. Ein Greifswalder Professor Merkel warf sich hingegen zum begeisterten Verehrer der vor- geschlagenen Barbareien auf. Aus der sonstigen Diskussion sei noch eine scharfe Anklagerede des Breslauer Rechts» anwalts Dr. M a m r 0 t h gegen die Untersuchungshast her- vorgchoben. Der dritte Verhandlungstag war einem Referat des Gießeuer Professors Dr. Mitter maier über die BeHand- lung der unsozialen Elemente im Vorentwurf nebst an- schließender Diskussion gewidmet. Statt schwerer Strafe gegen die sogen, gewcrbs- und gewohnheitsmäßigen Verbrecher verlangte Mittermaier eine humane Sicherungshaft. Besonders scharf wandte er sich gegen die heutigen Arbeitshäuser, von denen er mit Recht sagte, sie seien oft viel schlimmer als die Zucht» Häuser. Zuzustimmen ist auch dem Verlangen des Rescrenteu nach Einführung des in Amerika längst bewährten progressiven Strafvollzuges, der die allmählige Gewöhnung des Ge- strauchelten an ein soziales Leben bezweckt. Der Vor- st eh er der elsatz-lothringischcn Gefängnis- Verwaltung, Gcheimrat S ch iv a l b, unterstützte die scharfen Angriffe Mittermaiers gegen das heutige Arbeits- Haus:„Es macht die Menschen nicht zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft, sondern es zieht diejenigen, die iioch zu retten sind, herab auf das Niveau der Unverbesserlichen". lautet sein von Sachkenntnis getragenes Verdammungsurteil. Sozialpolitisch und recht unpreußisch berührte serner in der Diskussion die Schilderung, die Krahne von dem von ihm geschaffenen Freiluftzuchthaus auf Hela gab. Die Ge- fangenen arbeiten dort fast nur im Freien. Es gäbe kein Schimpfen und Schelten auf Hela, jeder gehe freund- lich mit den Inhaftierten um. Diese seien so frei, daß sie ruhig weglaufen könnten, sie täten es aber nicht, weil es ihnen gut gefiele. Hoffentlich kontrastiert die Wirklichkeit nicht gar zu sehr mit dieser idyllischen Schilderung. Der letzte Verhandlungstag war der Behandlung der Jugendlichen gewidmet, ein Problem, das anläßlich der bedrohlichen Steigerung der Kriminalität der Jugendlichen von großer Bedeutung ist. Allerdings ist die Heilung hier nicht von kriminellen, sondern von sozialen Maßnahmen zu erwarten. Das Referat hatte der Frankfurter Professor Freudenthal. Vom Referenten wie von den Diskussions- rednern wurde übereinstimmend die Schaffung eines be- sonderen Jugendstrafgcsetzes verlangt. Mit Recht bekämpft wurde von verschiedenen Seiten der skandalöse Vorschlag des Entwurfs, die sog. relative Strafmündigkeit zu beseitigen, also die Freisprechung Minderjähriger wegen mangelnder Einsicht und Charakterreife auszuschließen. Während nach der Auffassung unserer herrschenden Kreise ein junger Mann im achtzehnten Lebens- jähre nicht reif sein soll, einen einfachen politischen Vortrag anzuhören, soll ein vierzehnjähriges Kind in jedem Falle reif genug sein, die kompliziertesten Verbrechenstatbestände zu erkennen. Zuzustimmen ist dem Referenten, wenn er die Verabfolgung alkoholischer Getränke an Jugendliche unter schwere Strafe gestellt wissen will, ein Vorschlag, der übrigens in dem österreichischen und schweizerischen Strafgesetzentwurf verwirklicht ist. An der Regelung des Jugendstrafrechts in dem Entwurf fand der Referent mit Recht vieles auszusetzen. In der Diskilssion bemängelte der Hamburger Amtsrichter Dr. Hertz mit Recht die Heraufsctzung des Strafmündigkeits- alters auf das vierzehnte Lebensjahr als nicht ausreichend und verlangte Hcraufsetznng auf das fiinfzehnte Jahr. Uns erscheint auch dies noch nicht als genügend. Gilt doch von keiner Kategorie von Menschen so sehr das Wort: „Ihr laßt den Armen schuldig werden. dann überlaßt Ihr ihn der Pein l" als von den sogenannten„jugendlichen Verbrechen?". Die letzte Tagung der Internationalen Kriminalistischen Vereinigung, deren Verlauf wir in? vorhergehenden kurz skizziert haben, war zivar nicht geeignet, uns zu befriedigen. Der herrschenden StrafrechtSbureaukratie aber hat sie sicherlich noch »oeit weniger Freude gemacht. Freilich, das hat auch diese Tagung gezeigt, den Kampf gegen die der Arbeiterschaft zugedachte Äusnahiilegesetzgebung tvird die Sozialdemokratie allein zu führen haben. Auch die vorurteilsloseren der bürgerlichen Straftechtler halten eS nicht der Mühe lvert, darüber nur ein Wort zu verlieren. Gerade jetzt geht eine hochinteressante Mitteilung durch die Presse: Die Regierung hat der Kommission zur Ausarbei- tung des Strafgesetzbuchs— der ebenso selbstverständlich wie skandalöser Weise kein Mitglied der bei weitem stärksten Partei Deutschlands angehört— eine Denkschrift ü b e r die Ausschreitungen bei Lohnkämpfen unter- breitet. Ans der Mitteilung geht lricht hervor, ob es sich um Ausschreitungen von Polizisten oder um solche, die angeblich von Streikenden verübt sind, handelt. Obgleich eine Denkschrift der ersterwähnten Art viel wichtiger wäre, ist doch anzunehmen, daß es sich nicht um eine solche handelt. Also auch schon die äußere Aufmachung der Schaffung des neuen Strafgesetzbuchs ist dieselbe wie bei hst unfefigen Zuchthausvorlage. Die Regierung lüftet die Maske und bekennt sich offen zu denk Vorentwurf unter einer dicken Schicht von Heuchelei verdeckter Matzregeln gegen die Arbeiterklasse. Wir akzeptieren dankend auch dieses neue Material für die Reichstagswahlen. Siegfried Weinberg. KiaiSenfcampf in öeltemlch. Tie„Wiener Arbeiterzeitung" veröffentlicht iu ihrer Sonntagsnummer den Wahlaufruf der deutsch-öster- reichischen Sozialdemokratie, dessen wichtigste Stellen folgen- dermaßen lauten: Wähler! Am 13. Juni werdet ihr zur Urne gehen, um ein neues Abgeordnetenhaus zu wählen. Ihr werdet zur Urne gehen als F r e i e und Gleiche. Tie Zeit ist oorüber, in der ein Dutzend adeliger Großgrundbesitzer, ein Häuflein reicher Handelskammer- rate einen Abgeordneten in den Reichsrat entsenden konnte. Die Wahlrechtsprivilegien sind gefallen. Die Stimme des reichsten Kapitalisten gilt am Wahltag nicht mehr als die Stimme des ärmsten Tagelöhners. Euer Schicksal liegt jetzt iu eurer Hand. TaS allgemeine und gleiche Wahlrecht hat seine erste Aufgabe erfüllt. Es hat den bürgerlichen Parteien die Maske vom Gesicht gerissen, die sie unter dem Schutze der alten Kurien getragen haben. In den vier Jahren, die seit den letzten Wahlen vergangen sind, haben die Christlichsozialen und die Deutschnationalen im Bunde mit den polnischen Schlachzizen regiert. Sie bildeten die Mehrheit des Parla- ments und sie stellten dem Staate seine Minister. Wir haben sie am Ruder gesehen. Ihre Worte werden niemanden mehr täuschen, ha ihre Taten dem ganzen Volke sichtbar geworden sind. Das Märchen vom„christlichen Sozialismus" ist tot. Die Partei, die ausgezogen ist. im Geiste des Christentums den Kapita- lismus zu überwinden, ist zur Partei der Bankgründer und der Verwaltungsräte geworden. Von der ganzen Tätigkeit der christ- lich-sozialen Handelsminister ist nichts geblieben als die Mil- l i o n e n g e s ch e n k e an großkapitalistische Schiffahrtsgesell- schaften, die Geheimverträge mit Ungarn, die uns die Fleischeinfnhr verbieten, die Verschlechterung der Han- delsverträge mit Serbien und mit Rumänien! So haben sich die Tausende, die einst unter Luegers Führung zum Kampfe gegen das Großkapital ausgezogen sind, den„christlichen Sozialis- muS" nicht vorgestellt. Die Christlichsozialen werden höhnisches Gelächter ernten, wenn sie es noch wagen, sich als Bekärnpfer des Kapitalismus zu gebärden. Aber auch die Legende vom deutschen Freisinn ist erschlagen. Tie gestern alldeutsch waren, sind heute die knechtseligste Gefolg- schast der k. k. Regierung. Die gestern„Heil Hohenzollecn!" riefen, sitzen heute als HabsburgS Gäste beim Hofdiner. Die gestern das deutsche Volk von der Herrschaft der Römlinge befreien wollten, stützen heute die erzklerikale Schulverwaltung des Grafen S t ü r g k h. Sie sind die Verbündeten der Schwärzesten der Schwarzen— die Bundesgenossen der Altklerikalen, die unter Taaffe mit Tschechen und Polen den„eisernen Ring" gegen die Deutschen schmiedeten und unter Badeni ihren Namen unter die Lex Falkenhayn setzten. Sie, deren Minister heute BienerthS§ 14-Verordnungen unterschrieben haben, werden es nicht mehr wagen, sich als die Vorkämpfer deutscher Freiheit zu gebärden! Die Shristlichsozialen sind nicht mehr ontikavitalistisch, die Deutschnationalen sind nicht mehr antiklerikal. Nichts scheidet mehr die beiden Parteien. Sie bilden nur noch eine Partei, in der alle inneren Gegensätze überdeckt sind durch die feig« Knechtseligkeit gegen die Herrschenden, durch die' hochmütige Anmaßung gegen die Arbeiter. Die Abgeordneten armer Klein- gewerbetreibender und Kleinbauern bilden die Gefolgschaft der Ber- treter des Großkapitals; die Erwählten der Jndustriebezirke gehorchen dem Kommando der A g r a r i e r aus HohenblumS Kreise. Sie alle vereint die Furcht vor der Arbeiterklasse. Sie alle schmiedet die Sorge zusammen, sich die Gnade des Hofes zu erhalten. Weil ihnen Hofgunst vor Bolksgunst steht, haben sie dem Mili- tarismus seine DreadnoughtS, dem Klerikalismus seine Privilegien gegeben, um die Gnade der Herrschenden nicht zu ver- lieren. Weil ihnen die Profite der Reichen wichtiger dünken als die Gesundheit des Volkes, bewilligen sie den Kapitalisten ihre Prämien, den Großagrariern ihre Liebesgaben. Auf ihre Knecht- seligkeit bauend, erheben alle volksfeindlichen Mächte kühner denn je ihr Haupt. Der Militarismus ist mit den unerhörten Opfern, die die Christlichsozialen und die Deutschnationalcn ihm in der letzten Telegationstagung bewilligt haben, noch nicht befriedigt. Sofort nach dem Zusammentritt des neuen Parlaments wird ihm das neue Wehrgesetz vorgelegt werden. Der Inhalt dieses Gesetzes ist bereits bekannt. Es wird dem Volke eine ungeheuerliche Eni- täuschung bereiten. Die zweijährige Dienstzeit, die uns längst per- sprachen worden ist, soll nur für einen Teil des Heeres eingeführt werden— für den anderen Teil soll die dreijährige Dienstzeit fort- bestehen! TaS Rekrutenkontingent soll in solchem Maße erhöht werden, daß jährlich 56 000 Mann, die nach dem heutigen Gesetz nur acht Wochen in der Ersatzreserve dienen müssen, nun zu zwei- oder dreijähriger Dienstzeit herangezogen werden sollen! Und diese Reform soll auch noch dazu mißbraucht werden, der Volksvertretung neue Opfer für den Militarismus zu erpressen. Tie jährlichen Ausgaben für das Heer sollen um hundert Mil- lionen Kronen erhöht werden. Ueberdies fordert die Heeresverwaltung die Bewilligung einer einmaligen- Ausgabe für neue Kriegsrüstungen im Betrage von weiteren hundert M i l l i o n en Kronen. Die bürgerlichen Parteien, die die DreadnoughtS bewilligt haben, sind bereit, auch diese Forderungen zu bewilligen. Es ist die Sache der Wähler, diesen volksfeindlichen Plan zu Falle zu bringen. Jede Stimme für die Sozialdemokratie ist eine Stimme gegen die Dreadnought-Bewilliger. eine Stimme gegen den Militarismus! Die Regierung Bienerth will die Kosten der HeereSrüstungen durch die Einführung neuer drückender Steuern decken. Schon vom 1. Juli an sollen die Preise der Zigarren, der Zigaretten und des Rauchtabaks erhöht werden. Dann soll die Erhöhung der Branntweinsteuer um sechzig Heller für den Liter Alkohol folge». Schließlich soll ein Zündhölzchen Monopol eingeführt und es soll der Preis jeder Schachtel Zündhölzchen aus das Doppelt erhöht werden. Gleichzeitig wollen die Landtage vieler Länder die Biersteuer erhöhen. Die bürgerlichen Par- teisn stimmen diesen Plänen zu— sie haben die DreadnoughtS bewilligt, nun sollen wir die Kosten bezahlen! Die Sozialdcmo- iratie allein bekämpft diese Forderungen. Wenn der Staat Geld braucht, möge er eS suchen, wo es reichlich zu finden ist: bei dem Großkapital und bei dem Großgrundbesitz. Jede Stimme sür die Sozialdemokratie ist eine Stimme gegen neue indirekte Steuern! Weil unsere Steuergelder für den Militarismus vergeudet Gerden, fehlen dem Staate die Mittel für jede fruchtbare Wirtschaft- We Arbeit. Der Staat baut iteue Kriegsschiffe— aEer unsere©reise und Krüppel, unsere Witwen und Waisen darben! Der Staat will das Rekrutenkontingent um die Hälfte erhöhen— die Schul lasten sollen arme Gemeinden tragen! Das Heer be- kommt neue Kasernen, neue Kanonen— aber die Hauszinssteuer, die uns die Wohnungen verteuert, kann nicht ermäßigt werden! Jedes Bataillon hat seine Maschinengewehre bekommen — die Arbeiter, die Diener und die Beamten des Staates leben im Elend! Trotzdem haben die Christlich- sozialen und die Deutschnatwnalen dem jkriegsminister auf Heller und Pfennig bewilligt, was er gefordert hat. Die Sozialdemokratie allein bekämpft die Vergeudung unserer Steuergelder für den Mili- tarismus. um die Mittel für soziale Reformen, für produktive Kulturarbeit zu gewinnen. Jede Stimme für die Sozialdemokratie ist eine Stimme für fruchtbare wirtschaftliche Arbeit! Der Ausgleich mit Ungarn, der autonome Zolltarif und die Handelsverträge laufen im Jahre 1917 ab. Nur sechs Jahre trennen uns noch von der Schicksalsstunde, in der unsere ganze Wirtschaftspolitik wiederum für ein ganzes Jahrzehnt auf neue Grundlagen gestellt werden muß. Die Teuerung, die uns belastet, ist die Wirkung des Z o l l t a r i s e s. den die bürgerlichen Par- teien noch im alten Privilegienparlament im Jahre 1905 geschaffen haben. ES ist die Aufgabe der Wähler, dafür zu sorgen, daß im Jahre 1917 unserer Zoll- und Handelspolitik neue Bahnen gewiesen werden. Wir fordern vom neuen Parlament die Ab- schaffung der Zölle auf Getreide und Futtermittel, die dem Arbeiter das Brot, dem Bauern das Viehfutter verteuern; die Abschaffung der Einfuhrverbote für gesundes Bich und Fleisch; die Abschaffung der Kartellschutzzölle, insbesondere der Zölle aus Eise» und Zucker; die Abschaffung der Finanzzölle, insbesondere des Zolles auf Kaffee. Wir fordern Handelsverträge, die die Zufuhr billiger Lebensmittel und die A u S f u h r der Erzeugnisse unserer Industrie und unseres Gewerbes erleichtern. Jede Stimme für die Sozialdemokratie ist eine Stimme gegen die agrarisch-kapitalistische Hungerpolitik! Die endliche Vollendung der mühevollen Arbeit an der Sozial- Versicherung muß die erste Aufgabe des neuen Parlaments sein. Wir fordern, daß die S e l b st v e r w a l t u n g der Versicherten ge- sichert, daß der Alters- und Invalidenversicherung die Witwen- und Waisenversorgung angegliedert werde, daß zur Bei- stellung staatlicher Mittel für die Arbeitslosenversiche- rung unverzüglich die vorbereitenden Arbeiten begonnen werden. Die im letzten Parlament von den Sozialdemokraten ein- gebrachten, von den bürgerlichen Parteien abgelehnten Anträge über den Ausbau der Arbeiterschutzgesetzgebung müssen auch das neue Parlament wieder beschäftigen. Wir fordern den A ch t st u n d e n- tag für die ununterbrochenen Betriebe und für den Bergbau, die schrittweise Verkürzung des gesetzlichen Maximal- arbeitstages für die fabriksmäßigen und seine Ausdehnung auf die kleingewerblichen Betriebe, die Ausdehnung der Sonntags- ruhe auf die von ihr bisher ausgcnommenen Betriebe, wirksamen Schutz der Gesundheit der Arbeiter gegen die Gefahren der Ge- Werbekrankheiten und Betriebsunfälle, den Ausbau der Gewerbe- Inspektion. Wir verlangen, daß die von den sozialdemokratischen Abgeordneten eingebrachten Anträge über den Schutz der Bäcker- gehilfen, der Bergarbeiter, der Eisenbahner, der Forstarbeiter, der Gastwirtsgehilfen, der Angestellten und Arbeiter de? Handels- gewerbeS, der in der Hausindustrie und Heimarbeit beschäftigten Personen, der Salinenarbeiter, der Tabakarbeiter, der Werkmeister und Jndustriedeamten, der Staatsdiener und der Beamten des Staates endlich durchgeführt werden? Wir fordern die endliche Be» seitigung des schmählichen Bruderladenskandals, die Be- kämpfung des Kohlenwuchers durch eine energische Abände- rung des Berggesetzes, die Bekämpfung der Wohnungsteue- rung und des Wohnungselends durch das Reich. Wir fordern für das arme Landvolk wirksamen Schutz gegen die Vorrechte des Großgrundbesitzes und gegen die Verschuldung an das Kapital. Jede Stimme für die Sozialdemokratie ist eine Stimme für energische Sozialpolitik! Der ärgste Feind jedes sozialen und politischen Fortschritts ist der n a t i o n a l e K a m p f. Er stört jede soziale Reformarbeit im Parlament. Er unterbricht immer wieder die parlamentarische Arbeit. Er macht das Parlament ohnmächtig gegen die Herrschen- den. Heute bewilligen die Deutschen die DreadnoughtS, um die Gnade des HofeS dem Deutschtum zu erhalten; morgen werden die Tschechen neue DreadnoughtS bewilligen, um ihren nationalen Be- strebungen die Gunst des HofeS zu erkaufen. So können die Herrschaften alles erlangen, indem sie eine Nation gegen die andere ausspielen. Diesem unseligen nationalen Kampfe, diesem Weit- kriechen der Nationen vor den Herrschenden kann nur die nationale Autonomie ein Ende setzen. Auch die bürgerlichen Parteien sprechen von der nationalen Autonomie. Aber sie können sie nicht durch- ühren, weil sie in dem einen Lande als Mehrheit verweigern, was 'ie in dem anderen Lande als Minderheit fordern. In Oesterreich leben zehn Millionen Deutsche, achtzehn Millionen Slawen und Romanen; keine Nation bildet die Mehrheit, keine ist stark genug, die anderen zu beherrschen. Kein Volk kann da? Recht der Selbst- rcgierung für sich selbst erlangen, wenn es dasselbe Recht nicht auch den anderen Völkern zugesteht. DaS fordern wir Sozialdemokraten. Beschuldigen uns unsere Gegner des„nationalen Verrates", so tragen wir diesen Vorwurf erhobenen Hauptes als das beste Zeug» nis, daß wir der nationalen Hetze gegenüber unsere Pflicht erfüllt, daß wir rastlos und unerschrocken sür den natio- nalen Frieden und für die nationale Autonomie gearbeitet haben. Jede Stimme für die Sozialdemokratie ist eine Stimme für den Frieden und die Selb st rcgierung der Völker! Der nationale Kampf hat die Kraft der Volksvertretung ge- lähmt. Auf der einen Seite haben die tschechischen und die slowenischen bürgerlichen Parteien durch ihre verbrecherische O b st r u k t i o n den Parlamentarismus untergraben, auf der anderen haben die deutschen und die polnischen bürgerlichen Par- teien durch ihre Knechtseligkeit gegen die Regierung das Parlament entmannt. Diesen Verbrechen der Nationalisten aller Nationen gegenüber vertreten wir die große Sache ber Demokratie. Wir wollen ein starkes und arbeitsfähiges Parlament. Wir fordern die Beseitigung des 8 14, die Erweiterung der Rechte des Parlaments gegen die Krone und die Bureaukratic, die Befreiung der Schule vom klerikalen Joch. Jede Stimme für die Sozialdemokratie ist eme Stimme für die Freiheit, für das SelbstbejtimmungSrecht des Voltes! W ä h l e r? Jahraus, jahrein seid ihr die Beherrschten, die Unterdrückten, die Ausgebeuteten. Der Unternehmer gebietet euch in der Fabrik, der Großagrarier und der Händler beuten euch auf dem Markte auS, die Boden- Spekulation heischt von euch ihren Tribut. In der Gemeinde herrschen die Besitzenden. Im Landtag regieren Kapital und Grundbesitz. Vor den Behörden des Staate? gift euer Aecht weniger als daö der Reihen. Immer und überall seid ihr die Knechte, die ckkiberen die Herren. Nur an einem Tage seid ihr die Herren eures eigenen Gc- schickes. Am Tage her Reichs ratswahl liegt euer Schicksal in eurer Hand. An diesem Tage werdet ihr die volksfeindlichen Pläne der Rc- gierung und ihrer christlichsozialcn und deutschnationalen Mehrheit durchkreuzen. Ihr werdet entscheiden: Gegen die Regierung des§ 14! Gegen die Pläne des Mili- tarismus! Gegen die volksfeindlichen Steuerpläae! Gegen die kapita- listische Ausbeutung! Gegen den Lebensmittel- und Wohnungswucher i Der Kampf, den unsere österreichischen Genossen unter den schwierigsten Umständen in einer Zeit der Entfesselun g aller nationalistischen Leidenschaften gegen den geschlossenen Ansturm der reaktionären Masse zu führen haben, ist der- selbe Kampf, den auch wir zu führen haben, dessen nächste Entscheidung bei den Reichstagswahlen wir mit Ungedulo herbeisehnen. Wir wünschen unseren kampferprobten Ge- Nossen besten Erfolg; wir wissen, ihr Kampf in dem national zerrissenen, klerikal verseuchten Reiche ist schwieriger alz anderswo; aber je schwieriger der Kampf, desto ch renvoll er auch der S i e g I_ politifche Cleberficht. Berlin, den 25. April 1911. Patriotismus und Zote. Der Herr Landrat des Kreises Allenstein, Dr. Paulh, hat ein mit guten Ermahnungen gefülltes Rundschreiben an die Krieger- vereine seines Bezirks gerichtet, das für die sittlichen Zustände dieser Vereine recht kennzeichnend ist. In diesem Schriftstück heißt es nämlich: „Ich möchte das Augenmerk der Vorsitzenden der Krieg:rverei::e auf die bei Vereinsfestlichkeiten veranstalteten Sllfführungen richtr.i und Sie bitten, es sich angelegen sein zu lassen, daß dabei nicht solZ' Aufführungen oder Gesänge zum Vortrage gelangen, die g l l& unsittlich sind, wie dies gelegentlich vorgelommrn ist. Das nicht zuzulassen, verlangt die Würde der Bereu■, ebenso wie die möglichste s! Ij Verhinderung jeder Art von Völlerei und Streitigkeilen. Um letzteren vorz beugen, möchte ich zu erwägen geben, ob eS wirklich nötig isü i.i KastergeburtStagsfeiern und anderen VereinSfestlichkeiten oder Vc. sammlungen um Konzesfionsverlängerungen biS lange nach Mitterna r r «inzukonunen. Die späte und vielfach trunkene Heimkehr d.> Mannes, verbunden mit reichlichen Geldausgaben, ist nur geeign r. die gute Sache der Kriegervereine in Berrns zu bringen, zumal b. � den Frauen. Sollen die Kriegervereine die von dieien erwarte:> Erfolge: die Entfaltung soldatischen Geistes und guter vaterlänl scheu Gesinnung bringen, so bedürfen sie der Mitarbeit und Sym pathie der Frauen der Kameraden, und eS dars den Vereinen niu: mit Rech: nachgesagt werden kömien, daß eS nur Kneipveren e wären. Sind die weiblichen Familienangehörigen— und bis zu gewissem Grade auch die Kinder— bei den VeremSveranstalwng�. zugegen, so werden einerseits Unznttäglichkeiten und Streiterei: kaum vorkommen, die Ausgaben für die ganze Familie werde: aber schwerlich höher sein, als sonst für den Mann allein. So ist es schon in einigen Kriegervereinen, so muß eS aber in allen werden; dann werden sie auch über Mangel an Mitglied«« und Teilnehmern bei ihren Festen nicht zu klagen haben.' Dem, der das Treiben so mancher Kriegerverein« kennt, überraschen diese Ermahnungen nicht. Mehrfach find uns Nummern von Festzeiwngen und Festliedcrn Hochpatriottscher kriegervereine zu- gesandt werden, die das Möglichste von Verherrlichung des Suffs und des Geschlechtsgenusses leisten. Das Widerlichste an Zoten- reißerei, da? uns bisher auf diesem Gebiet« bekannt ge> worden ist, vollbringt eine uns kürzlich eingesandte Fesi- zeitung des KriegcrvereinS zu T h o r n, die allerdings schon aus dem Jahre 190S stammt und damals zum.Wurstessen' de» Vereins (am 22. Februar) im Bürgergarten erschienen ist. Sir find nicht prüde und können auch einen recht derben Witz vertragen; aber die Verse, in denen hier der Beischlaf geschildert wird, find denn doch schon gemeinste Schweinerei. So finden sich zu schönster Harmonie zusammen: Patriotismus und Zote. DaS preußische Eisenbahnanleihegesetz« das heute dem Abgeordnetenhaus zugegangen ist, fordert insgesamt die Summe von 263 376 000 M. Im einzelnen werden gefordert zur Herstellung weiterer Gleise auf bestehenden Strecken 28 410 000 M., zum Bau von vier neuen Haupteisenbahnen(Witten« West nach einem geeigneten Punkte der Babnstrecke Schwelm— Barmen— Ritterthausen, von Mors nach Geldern, von Wiesenburg nach Roßlau, von Nienburg a. Weser nach Minden i. W.j die Summ» von 51854000 M. Für den Bau von Rebenbahnen wird eine Summe von 46 493 000 M. gefordert, und zwar für folgend, Nebenbahnen: Bartenstein— Heilsberg. Mogilno— Orchheim, Taruowitz— Mikultschütz. Flatow— Deutsch> Krone— Jastrow. Torgau— Belgern. ManSseld— Wippra, Uelzen— Dannenberg, Eichenberg— Velmeden. Meinerzhagen — Olge. Polch— Mllnstermaifeld. Zur Beschaffung von Fahr- zeugen für diese Strecke» fordert d« Entwurf dt« Summe von 8 185 000 M. Zur Errichtung elektrischerZugförderung werden 27 830 000 M. gefordert(für die Strecke Magdeburg-Bitterfeld 17 430 000 M.. für die schlesischen GebirgSstrecken Lauban-DitterS- bach-KönigSzelt mit ihren Zweigstrecken Hirichbcrg-Grünthal-Schmtede» berg, Ruhbank-Liebau. Niedersalzbrunn-Halbstadt 9 900 000 M. Ferner fordert der Entwurf 3 500 000 M. für den Ausbau der Nebenbahn Posen-Schneidemühl zur Hauptbahn, 4 550 000 Mark für den Bau einer rechtsrheinischen Eisenbahnverbindung zwischen Mülheim a. Rh. undKalk-Süd bei Köln an Stelle der aufzugebenden Schiffbrückenlinie und 5 048 000 M. zur Deckung von Mehrlosten für bereits genehmigte Bauausführungen. 82 Millionen Mark werden gefordert zur Beschaffung von Fahr- zeugen für die bestehenden Staatsbahnen und 6 Millionen Mark zur weiteren Förderung des Baue» von Kleindahnen. DaS unerledigte Material der Parlamente. Nach einem Verzeichnis der unerledigten Borlagen find fvn Abgeordnetenhause noch 10 Vorlagen in erster Lesung'oom Plenum zu berate». ES sind dies die rheinische Landgewceinde- ordnung, das Eisenbahnanleihegesetz, der Entwurf über die Beschulung blinder mid taubstummer Kinder, der Entwurf über die Aufhebung der Tertialderhälwisse im Regierungsbezirk Stralsund, der Entwurf über ländliche Fortbildungsschulen. daS Aus« sührungSgesetz zum NeichSviehseuchengesctz, die Äleinbahndenkschrist, der Staatsschuldenbericht, die Rechnung über Zwiichenkredite bei Reutengütern und zwei kleinere Borlagen. An Anträgen sind im Plenum noch gar nicht beraten worden 67 Anträge, sie beziehen sich auf Wanderlager, Konsumvereine, Landtagswohlrecht, Vereinsgesetz. Beamtenrecht, Einkommensteuerveranlagung. KreistagSwahlrecht, Fidei- loauniiieund Staatsdomänen, Altpensionäre, Gewerbesteuer, Sicherung de» Arbeitsverhältnisses. UniverfitätSbesuch der Bolksschullehrer. Stenographie in höheren Schulen. Sufhebung d««rreststrafe für untere Beamte, geheime Abstimmung bei den Gemeindewahlen, Ge« meindewahlrecht der Vollsschullehrer, Wegeordnung für die Rhein- Provinz, Umzugskosten der Volksschullehrer, Naturdenkmalspflege, Behandlung von Dissidentenkindern usw. Den Kommissionen find überwiesen worden die Gesetzentwürfe über Wegereinigung, zur Be- kämpfung deS LoSschwindelS, die Zweckverbandsgesetze, die Bus- führungsbestimmungen zum Zuwachssteuergesetz, daS Feuer- bestattungsgesetz, der Entwurf über die gewerblichen FortbildungS- schulen, der Entwurf über den Ankauf von Fischereiberechtigungen durch den Staat, die Wegeordnung für Ostpreußen, der Entwurf über die Regelung der Anliegerverhältnisse an Eisenbahnen sowie sechs Anträge und einige Rechnungssachen. Ferner liegen vier PetitionSberichte der PetilionSkommission vor. Im Reichstage find in zweiter Lesung vom Plenum zu beraten daS HauSarbeitsgesetz, die Novelle zur Gewerbeordnung, die Reichsversicherungsordnung mit dem Einführungsgesetz und dem HilfS- soilengesetz, der Entwurf über die elsaß-lothringische Verfafiungsstage, daS Schiffahrtsabgabengesetz, das Kurfuichergesetz, der Entwurf über den PatentauSführungSzwang, der Entwurf über den obersten Kolonial- gerichtshof, die Fernsprechgebührenordnung, der Entwurf über die UmzugSkosten der Kolonialbeamten. In dritter Lesung wären zu beraten das Arbeitskammergesetz und die kleine Strafgesetznovelle. Ferner ist die neue Strafprozeßordnung zum größten Teil noch in zweiter Beratung zu erledigen, der sich die dritte Lesung anschließen wird. Noch gar nicht beraten sind einige kleine Gesetze, wie der Entwurf über die Schiffsmeldungen im Auslande. Dem Reichstage zugehen sollen noch das Privatbeamtenversicherungsges etz und der deuffch-schwedische Handelsvertrag. Was wird hiervon noch im laufenden Jahre erledigt werden? Falsche Sparsamkeit der preußischen Eisenbahn- Verwaltung. In der Nacht vom 80. September auf den 1. Oktober v. I. war auf der südlichen Kölner Umgehungsbahn ein Güterzug auf einen anderen aufgefahren; zwei Zugbeamte wurden verletzt; der Material- schaden betrug 8300 M. Der Oberbahnasfistent a. D. SchiffcaS be- kündete als Sachverständiger, daß die Einrichtungen an der Unfall- stelle damals nur provisorisch gewesen seien; das Provisorium habe fast ein Jahr gedauert. Die nicht etatsmäßig Angestellten hatten auf 1000 Meter 17 Gleise mit den dazu gehörigen Weichen zu übersehen; der Fahrdienstleiter mußte außerdem vier Morseapparate, fünf Telephone und einen Blockapparat bedienen. Eine solche Arbeitszuweisung sei entweder auf ungenügender Instruktion durch den Dezernenten oder auf Sparsamkeit zurückzuführen; mindestens hätte noch ein Telegraphist dem Beamten zur Seite stehen müssen. Der Fahrdienstleiter wurde freigesprochen; der andere An- geklagte wurde zu ö M. Geldstrafe verurteilt. Zentrumsparade. In dem ZentrumZpresse wird zur Teilnahme an dem Parteitag de? Zentrums eingeladen, der bekanntlich offiziell den Titel.General- Versammlung der deutschen Katholiken" führt. DaS Paradespiel findet diesmal in Mainz vom S. bis 10. August statt und soll in Anbettacht der kommenden ReichStagswahlen besonders packend ge« stalttt werden. In dem Aufruf heißt es denn auch: .Daß der E r n st d e r S t u n d e, den kein EinficktSvoller sich verhehlen kann, den festen Zusammenschluß aller Katholiken, ja aller, die noch christlich denken und empfinden, erheischt, bedarf keiner näheren Begründung. Darum wollen wir uns erneuern in dem Gelöbnis, umern katholischen Glauben in keiner ganzen Rein- heit zu bewahren, zu betätigen und zu verteidigen. Wir wollen uns erneuern in dem Geiste des Gehorsams und der Treue gegen du» Apostolischen Stuhl und unsere Oberhirten. Wir wollen auch gemeinsam prüfen und beraten, was uns zu dm obliegt in der mannigfachen Not der gegenwärtigen Zeit zum Wohl der Kirche und zum Heil für unser Vaterland." Der schwarze Schrecken in der bayerischen Oberpfalz. Der Regierungsbezirk Oberpfalz war bisher eine der sichersten Hochburgen des Zentrums. Sämtliche Mandate sowohl für den Reichstag als für den Landtag sind in ZentrumSbesitz. Aber durch die letzten politischen Missetaten der Partei für Wahrheit, Freiheit und Recht ist selbst diese lammgeduldige Bevölkerung stutzig geworden. Da und dort fängt eS leise an zu rebellieren. Die Bevölkerung ver- hält sich nicht mehr so abweisend gegen unS. Ueberall zeigt sich. daß Interesse für unsere Partei vorhanden ist. DaS ist für die Zentrumsgeistlichkeit Grund genug, noch schärfer als bisher ihre fast unumschränkte Macht auszuüben, um zu ver- hindern, daß durch uns Aufklärung in jene Kreise ge- rragen wird. All die belannten Mittel: Saalabtreiberei, Mißbrauch der Kanzel und des BeichstuhlS. BrotloSmachung Anders- gesinnter usw. werden rücksichtslos und in verstärktem Maße an- gewendet. Dabei leihen auch die Behörden hilfreiche Hand, und so arbeiten Klerisei und Beamtentum einträchtig zusammen, um den wackeligen ZenttumSturm vor Anfechtungen zu bewahren. Am Sonntag fand in Weiden eine sozialdemokratische� Partei« lonferenz statt, die sich mit der Frage der Agitation und Stellung- nähme zu den kommenden ReichStagswahlen beschäftigte. Man hörte erbauliche Geschichten über den schwarzen Terroriomus in der Ober- Pfalz. Die ZentrumSpreffe und die Zentrums agitatoren arbeiten mit den gröbsten Lügen und Entstellungen und setzen� alle Hebel in Bewegung, um zu verhindern, daß die Sozialdemo- kraten stch dagegen verteidigen können. ES sei nur einiges aus dem reichhaltigen Material angesührt, daS von den Delegierten vorgebrach: wurde. Ein Wirt in einem oberpfälzischen Städtchen hatte im vorigen Jahre uns sein Lokal selbst angeboten. Als von diesem Angebot Gebrauch gemacht werden sollte, erklärte er:.Wenn ich Euch mein Lokal gebe, bin ich meines Lebens nicht mehr sicher". Man hat ihm u. a. auch gedroht, ihm die Postagentur zu nehmen, was seinen Ruin bedeuten würde. Die Sozialdemo- .'raten können in der ganzen Stadt kein Lokal bekommen; wenn sie zusammenkommen wollen, müssen sie nach auöwärtö gehen. In einem anderen Orte hat der Wirt gleichfalls sein Lokal zugesagt, eS aber hinterher verweigert mit der Bemerkung, er sei geschäftlich vernichtet, wenn er den Saal zur Verfügung stelle. Es stellte sich heraus, daß der Geistliche mit allerlei Ermahnungen und Drohungen gearbeitet hatte. Unzählig sind die Fälle, daß. wenn in einem Orte ein sozial- demokratisches Flugblatt verteilt wird, der Geistliche oder einer seiner Trabanten hinter den Verteilern einhergeht und eS wieder einsammelt, ehe die Leute eS lesen können. Während man u»S alle möglichen Schwierigkeiten in den Weg legt, macht eS sich der Geistliche recht leicht mit dem Einberufe» von Bersamm- lungen. Er schickt, wenn eS ihm gefällt, den Polizeidiener herum und läßt zur Versammlung einladen, ohne sie anzumelden. Die Behörden lasten ihn ruhig gewähren. Ost begnügen sich die Geist- lichen nicht mehr damit, uns die Lokale abzutreiben, sondern sie suwon auch dort, wo Versammlungen zustande kommen, diese zu sprengen, wobei sie sich mitunter selbst an die Spitze der Spreng- koloniien stellen. Die halbwüchsige Jugend, die die Geistlichen in de» sog. Burschenvereinen saimneln,>vix&_ in der unverantwortlichsten Weise aufgehetzt und fanatisiert, wosür� ein Redner selbsterlebtc drastische Beispiele rnffiihrte. Er mußte von FeicrtagZschülern Reden hören wie:»Den Rotei� bringen wir noch um!" und»Den roten Lumpen schmeißen wir die Treppe ninter, daß er den Hals bricht." Die Verhetzung hat eS b-retts so weit gebracht, daß schon ein ziemlicher Grad von Mut dazu gehört, in jenen Gegenden die Stelle eines sozialdeinokratiichen Vertrauens- lnauneö zu übernehmen. Es wird alles aufgeltkciidet. um ihn nicht nur brotlos zu machen, sondern auch auS dem Orte hinauSzubriugen. »je Unternehmer werde» bearbeitet, derartige Personen zu entlassen; man steckt sich hinter die Hausbesitzer, den„Sozis" keine Dohmmg zu geben; ja, es kommen sogar Versuche vor, ihnen die Versorgung mit Nahrungsmitteln abzutreiben. So teilt ein Delegierter mit, daß er wegen seiner Tätigkeit in der ganzen Umgegend keine Milch mehr für seine Familie bekommen kann. Die Konferenz nahm folgende Resolution gegen den Zentrums- terror einstimmig an: „In der heutigen Konferenz wurde von allen Rednern in der glaubwürdigsten Weise versichert und durch die festgestellten Tat- fachen bestätigt, daß in vielen Orten der Oberpfalz von Geistlichen und Bürgermeistern durch Abtreibung der Säle und andere Mittel das Versmumlungsrecht außerordentlich beschränkt, in manchen Orten völlig illusorisch gemacht wird. Gegen diesen TerroriSmuS von im Dienste des Zentrums stehende» Geistlichen und Bürger- meistern erhebt die Konserenz den schärfsten Prolest und verpflichtet sich, dieser Vergewaltigung durch vermehrte Agitation in Wort und Schrift mit aller Energie entgegenzutreten." Rheinischer»ationalliberaler Parteitag. Die nationalliberale Partei der Rheinprovinz hält am 27. und 28. Mai in Saarbrücken einen Parteitag ab. Der sogenannte „Arbeitsplan" ist folgendermaßen festgesetzt: Sonnabend. 27. Mai, nachmittags 2 Uhr: Sitzung des Provinzialvorstandes; 4 Uhr: Ver- treterversammlung(nicht öffentlich); abends Sy, Uhr: KommerS.— Sonntag. 28. Mai, vormittags 11 Uhr: Parteitag<öffentlich), Redner: Reichstagsabgeordneter Basscrmann; nachmittags 2'/, Uhr: Gemeinsames Esten.— Montag, 29. Mai, vormittags, Ausflug nach den Spicherer Höhen und patriotische Feier. Das nennt man einen„Arbeitsplan", richtiger wäre Festplan, denn den weitaus größten Teil der Tagung nimmt, wie man steht, das„Feiern" in Anspruch._ Unternehmer-Wortbruch im Kampf um de» Arbeitsnachweis. In Offenbach wurde mit Beginn des neuen Jahres der für den Landkreis bestehende staatliche Arbeitsnachweis mit dem in der Stadt selbst vorhandenen kommunalen Arbeitsnachweis vereinigt. Die freien Gewerkschaften erklärten sich bereit, auch ihrerseits diesen Arbeits- Nachweis zu benutzen und gaben infolgedesien ihre gut funktionierenden Branchenarbeitsnachweise auf. Voraussetzung dafür war natürlich völlige Parität, die auch vom Kreisamt zugestanden wurde. Dazu gehörte auch, daß von de» beiden Beamten deS Arbeitsnachweises einer von den freien Gewerkschaften vorgeschlagen und ernannt iverdcn sollte. Bei der Wahl des zweiten Beamten— der erste war schon von Arbeitgeberseite eingestellt— die vom Verwaltungs- ausschuß des Arbeitsnachweises vorgenommen wurde, stimmten die beiden Arbeitervertreter fiir die Kandidaten der Gewerkschaften, die beiden Arbeitgebervertreter jedoch für einen Gelben, während fich der von der Städleverwaltung eingesetzte Vorsitzende des Verwaltungs- ouSichusses in übel verstandener Unparteilichkeit der Stimme enthielt. Darauf entschied das vom Vorsitzenden gezogene Los für den Gelben. Da die Offenbacher Gewerkschaften nun durch ihr Kartell erklären ließen, daß sie an dem so gestalteten Arbeitsnachweis lein Jnlereste mehr hätten, lehnte die Offenbachcr Stadtverordnetenversammlung, die bekanntlich eine sozialdemokratische Mehrheit hat, die Bewilligung des Gehalts für den danach unnötig gewordenen zweiten Beamten ab. Die christlich organisierten Arbeiter, die sich bisher um den Arbeitsnachweis überhaupt nicht kümmerten, sahen sich nunmehr zu einer„Protest- bewegung' gegen den„sozialdemottatischen Terrorismus" veranlaßt und behaupteten in einer Resolution unwahrerweise, die freien Gewerkschaften wollten den Arbeitsnachweis dazu benutzen, nicht- organisierte Arbeiter brotlos zu machen. Wenn Kreisrat und Bürgermeisterei nicht den Weg zur Ber- ständigung mit den Gewerkschaften finden, wird der kommunale Arbeitsnachweis Offenbachs völlig in die Brüche gehen. Berichtigung. Die Leitung des vor einigen Monaten gegründeten „Deutschen Schifferbundes" ersucht uns um Mitteilung. folgender Resolution, die der geschäftsführende Ausschuß in einer Sitzung am 20. April angenommen hat: Der LandragSabgeordnete Dr. Liebknecht hat in der Sitzung vom 23. Februar d. I. ausgeführt: „In neuester Zeit— am 23. Januar 1S11 ist ein Reichsverband deutscher Schiffervereine gegründet worden, ein„nationaler Schifferbund". Zn dieser Gründung sind Mitglieder aller Parteien, nur nicht der Sozialdemokratie eingeladen worden. Man will mit diesem Bund den sozialdemottatischen Bestrebungen innerhalb der Schifferbevölkerung möglichst viele Schwierigkeiten bereiten. Ja, meine Herren, eö wird Ihnen das schwerlich gelingen." Diesen Ausführungen gegenüber sei zunächst festgestellt, daß Herr Dr. Krüger, dem die Vorbereitung der Delegiertenversammlung vom 28. Februar d. I. übertragen war, sich persönlich in den Reichstag begeben hat, um Herrn Abgeordneten Robert Schmidt- Berlin einzuladen. Da Herr Schmidt in, Reichstage nicht anwesend war. hat Herr Dr. Krüger ihm sofort einen handichristlichen Rohr- postbrief gesandt. Wir bedauern die Erklärungen de« Herrn Abgeordneten Dr. Liebknecht, die ja, wie sich aus dem oben Gesagten ergibt, nur durch oberflächliche Information zustande gekommen sind, uin so mehr, als wir uns grundsätzlich von jeder Parteipolitik fern halten und unsere Haltung lediglich durch das Bestreben dittiert wird, dem Privat- schifferstande in seinem schweren sozialen und wirtschaftlichen Ringen zu helfen und ihm seine Selbständigkeit zu wahren. Oertemicb-Ungarn. Der uugarische Wahlrech tslampf. Budapest, 25. April. Die Parteikonferenz der Justh- Partei faßte den Beschluß, eine ihr innerhalb oder außer- halb des Parlaments im Kampfe für das allgemeine, gleiche und geheime Stimmrecht angebotene Unterstützung mit Freuden anzunehmen. Allgemein faßt man diesen Beschluß so auf, daß zwischen der Justhpartoi und den Sozialisten ein gemeinsames Vorgehen in der Wahlrechtssrage in Aussicht genommen ist. Ein Pogrom in Gallzie». Lemberg, 2ö. April. AuS Kazow bei Nhnow ist die Nachricht von judenfeindliche u Ausschreitungen eingettoffcn. Militär wurde requiriert. Der Vertreter der Statthalterei ist nach Kazow abgereist. Nach Wiederherstellung der Ruhe ivnrde daS Militär ab- berufen, eine Gendarmerieabteilung bleibt am Orte zurück. 29 Personen, welche die Bauern aufgereizt hatten, wurden als Rädelsführer verhaftet. franfcmcb. Die Wiedereinstellung der Eisenbahner. Paris, 25. April. Tie Präsidenten und Direktoren der Bahngesellschaften hielte» gestern eine gemeinsame Versammlung ab zur Beratung der Forderung der Re- g i e r u n g, die Eisenbahnbediensteten wieder anzustellen. Der Berichterstatter erklärte, daß die Fassung eines endgültigen Beschlusses erst nach der Generalversammlung der Aktionäre möglich sei. Der Ministerpräsident und der Minister der öffentlichen Arbeiten hätten den Wunsch ausgesprochen, dem- nächst Vertreter der Bahngcsellfchaften zn empfangen. Diese würden dem Minister eine Erklärung über ihre Halttmg geben und darlegen, daß sie im Interesse der Sicherheit deS Publikums in ihrem Wohlwollen gegen die entlassenen Be- diensteten nicht soweit gehen könnten, wie die Re- gierung es wünsche. Sngianck. Die OberhauSreform. London, 25. April. Im Unterhaus schreitet die Debatte über die zweite Klausel der Parlamentsbill. die das Vetorecht der Lords in der allgemeinen Gesetzgebung einschänkt, nur langsam vorwärts, obwohl die Sitzungen ver- längert worden sind. Die Oppositton hat eine Reihe von Zusatzanttägen eingebracht, die Home Rule und verschiedene andere Maßnahmen von der Anwendung der Parlamentsbill ausschließen; aber die Regiernng erklärte, keine Aus- nahmen anzunehmen, und alle Zusatzanträge wurden abgelehnt. Türkei. Die Spaltung unter de» Jungtürke». Konstantinopel, 24. April. Die für heute erwartete Wahl deS neuen Bureaus der jungtürkischen Kammer- Partei ist auf morgen verschoben worden. Die Anhänger T a l a a t S und D s ch a v i d S scheinen sich zu bemühen, die Wieder- wähl Talaats durchzusetzen. Dagegen erklären die Führer der Dissi- deuten, daß sie mehr denn je entschlossen seien, den Kampf zur Brechung der Oligarchie, welche bisher in ber Partei herrschte, weiterzuführen. ES bestätigt stch, daß die Bewegung durch einen Geheimbund geleitet wird, dessen Anhänger im Hause deS Obersten Sadik vereidigt worden sind. Das 5ttiegsgericht hat heute abend an die Zeitungen die Aus- forderung erlassen, aufhetzende Publikationen zu unterlassen, da durch die letzte Zeitungspolemik die Gemüter in Konstantinopel er- regt worden seien. Gerüchtweise verlautet, daß der frühere Groß- wesir Kiamil Pascha, welcher stch in Smyrna aufhält, hierher berufen worden sei. Man spricht auch von der Berufung des Prinzen Salah Sddin. Sicherem Vernehmen nach wurde Oberst Sadik, in bestem Hause die Mitglieder des GeheimbuudeS vereidigt wurden, vom Kriegsministerium aufgefordert, Konstantinopel zu ver- lassen und in seine Garnison Monastir zurückzukehren. Der Oberst soll diesem Befehl bisher nicht Folge geleistet haben. Marokko. DaS Borgehe» Frankreich». Casablanea, 25. April. General M o i n i e r hat den Be- fehl erhalten, an die benachbarten Stämme Pro- klamationen zu erlassen, um ihnen den Vormarsch der scherifischen Kontingente und der französischen Truppen an- zuzeigen. Er soll erklären, Frankreich beabsichttge nicht, neue Landstrecken zu besetzen, sondern nur die Harka zu unter- stützen, damtt sie den bedrohten Fremdenkolonien er- folgreich Hilfe leisten und die Ordnung unter der Ober- Hoheit des Sultans wiederherstellen könne. Frankreich lverde sich der weiteren Brandschatzung und wetteren Gewalt- tätigkeiten, wie sie von der eingeborenen Behörde den Stämmen zugefügt worden seien, widersetzen. Wenn die Stämme den Aufstand beendeten, würden die französischen Truppen nicht weiter vorrücken; im entgegengesetzten Falle würden sie jedoch gezwungen sein, das Land zur Ruhe zu bringen und die Anstifter des AufstandeL schivcr zu besttafen. Die Stämme werden ferner aufgefordert werden, an Elmranr, General Montier oder an den Befehlshaber der fliegenden Kolonne Abgesandte zu schicken, die ermächtigt sind, tm Namen der.HM/ime PeMi.chtMgen, einzugehen. Ei» Gegeusalt»»? Langer, 26. April. Nach einer Meldung aus Rabat vom 24. d. MtS. sind dort Briefe aus Mekines eingetroffen, denen zu- folge Mulay el Zin, ein Bruder Mulay HasidS, dort zum Sultan proklamiert worden ist. Die Warenlager wurden von Zemmurs geplündert, wobei mehrere jüdische Kauf- leute erschlagen wurden. Die Situation in FeS. Tanger, 25. April. Aus FeS wird vom 18. April gemeldet, daß dieser Tag ruhig verlaufen ist. Eine große Menge von Lebensmitteln, Mehl, Vieh und Kohlen, find in die Stadl hineingekommen, ebenso 800 Hayama«. die dem Machfen ihre Hilfe anboten. Am 19. April griffen die Uled Djamaa in einer Stärke von 2000 Mann die Stadt im Norden an, wurden aber nach an- haltendem Gewehr- und Artilleriefeuer zurückgeschlagen. Die Truppen des Machfen hatten unbedeutende Verluste. Die euro- päischen Konsuln haben in gemeinsamer Beratung beschlossen, ihren Staatsangehörigen zu raten, FeS zu verlassen, sobald der Weg nach Tanger frei sein würde. Von der Mahalla Brömond sind Briefe vom 22. April eingetroffen. Es bestätigt sich, daß die ZemmurS in MelineS eingerückt sind und Mulay e l gin zum Sultan ausgerufen haben. Amerika. Ein Polizeiattentat gegen die GerwerkschaftSbewegung. Im Ottober vorigen Jahres fand ein mysteriöses Dynamit» attentat gegen das Redaktionsgebäude eines ScharfmacherblatteS, der„Timeü" von Los Angeles in Kalifornien statt. Im Anschluß daran begann eine Hetze gegen dieGewerkschaftSführer. die beschuldigt wurden, das Attentat, bei dem zwanzig Menschen unis Leben kamen, veranlaßt zu haben. So blödsinnig diese Be- schuldigung war, die korrupte Beamtenschaft war den Scharfmachern zu willen und leitete eine Untersuchung ein. Vor kurzem wurden die Führer des Eisenbahnarbeiterverbandes Me. M a n a r a und Otto Mc. M a n i g e l als Anstifter verhaftet. Die Polizeistrolche verbreiteten das Märchen, daß sie einer weitverbreiteten Ver- s ch w ü r u n g auf die Spur gekommen seien, deren Leiter, zu denen auch die Verhafteten gehören tollen, die Absicht hätten, dle Unter- nehmer mit allen Mitteln der Gewalt den Forderungen der Gcwerk« schaften gefügig zu machen. Gegenüber diesen hirnrissigen An- schuldigungen erklart G o m p e r S, der Präsident der Federation of Labor, daß die kalifornischen Polizisten ein Komplott gegen die Arbeiterschaft angezettelt haben. Die Art der Verhaftung der Arbeiterführer sei em S k a n d a l. Mc. Manigal sei in Detroit, wo der Detektiv ThomaS Recd ihn arretierte, zehn Tage lang in dessen Wohnung eingesperrt gehalten worden und dort der Inquisition smethode unterworfen worden, die unter der harmlosen Bezeichnung„der dritte Grad" bekannt sei, in Wahrheit aber auf die Tortur hinauslaufe. Das Gericht selbst hat nun diese Beschwerden anerkennen müssen und daS Vorgehen gegen die Arbeiterführer für ungesetz» lich erklärt. Demgemäß verfügte das Gericht die Ber- Haftung des H i l f s st a a t S a n tv a l t S D r e lo in Los Angeles. deS Anwalts der Baumeistervereinigung und des Chauffeur? Fox wegen Entführung M a c N a nl a r a S. Die Arbeiterunion er- wirkte einen Gerichtsbefehl gegen die Einsichtnahme in die beschlag- nahmten Bücher. Der Staatsanwalt hielt gleichwohl feine Anklage aufrecht. In der amerikanischen Arbeiterschaft haben diese Vorgänge, die Snen so recht die freche Klassenherrschaft dt» Kapital» vor Augen hreo. ungeheure Erregung hervergemfe» GcweHtfcbaftUcbee. Der Brauerei- und Mtihtenarbeiterverband im Jabre 1910. Nach dem Jahresbericht des Verbandes, dem seit 1910 die Mühlenarbeiter angeschlossen sind, war die EntWickelung der Orga- nisation in jeder Beziehung eine erfreuliche. Die Agitation wurde zwar sehr beeinträchtigt und deren Erfolge zum grossen Teil illu- sorisch gemacht durch die Nachwehen der vom Schnapsblock be- schlossenen Brausteuererhöhung im Jahre 1999 bezw. durch die er- hebliche Verminderung des Bierkonsums und der Produktion. lieber den Winter 1999/19 blieb den Arbeitern auf Grund der Ver- einbarungen des Brauereiarbeiterverbandes mit den Unternehmer- organisationen zum größten Teil ihre Arbeitsgelegenheit erhalten; dann aber traten die Folgen der Brausteuererhöhung ein, und rücksichtslos wurde die Arbeiterzahl verringert. Mehrere Tausend verloren ihre Arbeitsstelle. Trotzdem beträgt die Zunahme an Mit- gliedern 3373, mit den angeschlossenen Mühlenarbcitern zusammen 7197, so daß sich der Mitgliederbestand von 33 896 auf 41393 er- höhte. Die Finanzverhältnisse entwickelten sich in gleich erfreulichem Masse. Die Einnahmen der Hauptkasse stiegen von 784 613 Ml im Jahre 1909 auf 976 950 Mi. im Jahre 1910. In dieser Summe sind enthalten rund 76 748 Mk. Bestand vom MühlenarbeiteD verband. Diese abgerechnet, betrug die Mehreinnahme immer noch rund 116 099 Mk. Die Einnahmen an Beiträgen stiegen von 753 113 Mk. im Jahre 1909 auf 856 425 Mk. im Jahre 1919, die Ge samtausgaben von 602 666 Mk. auf 743 569 Mk. Das Vermögen einschließlich des in den Lokalkassen stieg von 994 209 Mk. auf 1 209 265 Mk., davon in der Hauptkasse 1 096 295 Mk.— An Unter stützungen wurden ausbezahlt 347 700 Mk. gegen 286 276 Mk. im Vorjahr. Die größten Summen an Unterstützungen entfallen 1919: auf Krankenunterstützung 139128 Mk., Streikunterstützung 111099 Mark, Arbeitslosenunterstützung 48 525 Mk. Auch in der Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen hat der Verband im Jahre 1919 recht Ansehnliches geleistet. LoHw erhöhung wurde erzielt für 26 759 Personen pro Woche rund 49 909 Mk., Arbeitszeitverkürzung für 19 902 Personen pro Woche rund 65 009 Stunden, Verbesserung in der Bezahlung der Ueber stunden für 16 694 Personen, in der Bezahlung der Sonntags arbeit für 13 733 Personen, an sonstigen Verbesserungen ver> schiedener Art nehmen teil 27 954 Personen. Außerdem wurde Urlaub ohne Lohnabzug neu eingeführt in 384 Betrieben für 9047 Personen, schon bestandener Urlaub verbessert in 190 Betrieben für 12 421 Personen. Tarifverträge wurden 396 abgeschlossen, und zwar für 768 Betriebe mit 26 802 Personen; darunter entfallen auf neue Tarif Verträge 133 für 4175 Personen, Tariferneuerungen 173 für 22 627 Personen. Die gesamten Lohnbewegungen umfaßten 782 Brauereien, 99 Bierniederlagen, 28 Malzfabriken, 19 Brennereien und 4 andere Betriebe. Durch Verhandlungen wurden 284 Lohnbewegungen er- ledigt, durch Streiks usw. 46, die 67 Betriebe mit 1446 Personen betrafen. Von den Streiks endeten 27 mit vollem, 13 mit teib weisem, 6 ohne Erfolg. Die vorstehenden Ergebnisse der Lohnbewegungen und Streiks beziehen sich nur auf die Arbeiter und Betriebsgruppen im Be reiche des früheren Brauereiarbeiterverbandes. Auf die Mühlen arbeiter entfallen 1919 42 Lohnbewegungen für 1293 Personen. Durch Verhandlung wurden die Forderungen für 1150, durch Streiks-für 143 Persanen- erledigt; t Stocff�oftt�erfefglbs.-"ßti reicht wurden an Arbeitszeitverkürzung für 345 Personen 2255 Stunden pro Woche, Lohnerhöhung für.1008 Personen 105$ Mk. pro Woche, sonstige Verbesserungen für 1449 Personen. Tarif- Verträge wurden 8 abgeschlossen für 406 Personen.— Seit dem Zusammenschluß beider Verbände ist auch ein weit regeres Leben unter den Mühlenarbeitern zu verzeichnen und, nach den bisherigen Ergebnissen zu schließen, wird der Fortschritt auch im laufenden Jahre befriedigend sein._ Berlin und Umgegend. Achtung, Mitglieder des Metallarbeiter-Verbandes. Die am 23. d. M. vorgenommene Wahl hat folgendes Resultat gezeitigt: Als Beisitzer wurden gewählt die Kollegen Liesack und Stricker. Als Delegierte zur Generalversammlung in Mannheim sind folgende Kollegen gewählt: Cohen, Dräger, Devigneux. Engel, Erler. Falk, Fellenberg. Franke, Fries. Gericke. Glahmann, Grabow, Gräber. Grail, Gutsche, Henning. Jakob. Kassner. Koblank, Köhler, Kühn, Leuendorf. Liesack. LooS, Ma a ss, Maynz, Michaelis, Nowrocki, Radke, Röbbel, Alwin Schulz, Schurig. Stricker. Thurau, Bölkel und Vollmer. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Die Lohnbewegung der Schraubendreher ist durch Besckiluss einer am Montag abgehaltenen Versammlung für beendet erklärt. Die Bewegung wurde Ende März eingeleitet, weil ein grosser Teil der Fabrikanten die tariflichen Vereinbarungen vom November 1919 nicht erfüllten. Das Ziel der Bewegung war, die Fabrikanten zur Gewährung der Berbesserungen zu veranlassen, auf welche die Schraubenarbeiter nach dem Tarif Anspruch haben. Dies Ziel ist jetzt, teils durch Streik, teils durch Verhandlungen in den einzelnen Betrieben soweit erreicht worden, dass die Bewegung abgeschlossen werden konnte. Wie in dem Versammlungsbeschluss ausgesprochen wird, sind tatsächliche Berbesserungen erreicht worden. Der allgemeine Arbeiterinnenstreik in der Glühlampen« fabrik von Bergmann dauert fort. DaS Ergebnis der Verhandlungen, die am Montag fortgesetzt wurden, ist so unbefriedigend, daß in der gestrigen Streik- Versammlung nicht eine einzige der wiederum vollzählig erschienenen Arbeiterinnen dafür zu haben war. Die Direktion hatte bei den Verhandlungen folgendes Angebot schriftlich vorgelegt: .Wir unterbreiten der Kommission den Vonchlag, nach den neuen Akkordsätzen vier Wochen lang zu arbeiten zu dem Zweck, während dieser vier Wochen festzustellen, ob ber diesen neuen Preisen ein auskömmlicher Verdienst zu erzielen ser oder nicht. Sollte sich hierbei herausstellen, dass verschiedene Preise erhöht werden müßten, so werden dieselben nach gemeinschaftlicher Prüfung erhöht, und wird die bereits zu dem niedrigen Preise während der Versuchszeit geleistete Arbeit nach dem nachträglich erhöhten Satz berechnet. Bei Wiederausnahme der Arbeit werden sofort� so vrele Arbeiterinnen beschäftigt, wie dem gegenwärtigen BeschäftigungS- grade entspricht. Weitere Einstellungen werden mit wachsendem Beschäftigungsgrade erfolgen. Der Wiedereinstellung von 16 namentlich benannten Arbeite« rinnen steht unsererseits nichts im Wege." Der letzte Satz bezieht sich auf die KommiffionSmitglieder und enthält etwas, das bei Beendigung des Streiks als selbst- verständlich gelten müßte.— Die VerhandlungSkommisfion hatte der Direktion den Vorschlag gemacht, doch wenigstens eine bestimmte Norm für den Verdienst der Arbeiterinnen festzusetzen, was jedoch rundweg abgelehnt wurde. Ueber das oben wiedergegebeno Au- aebot wollte die Direktion nicht hinausgehen. Die Kommission be« verantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Jitjeratenteil vergntw.s richtete nun über die Verhandlungen und verlas das Angebot, über« ließ es aber durchaus der Versammlung selbst, zu entscheiden, ob man sich damit zufrieden geben wollte. Der Vorsitzende Handle forderte besonders diejenigen auf, die etwa dieser Meinung seien, sich zu äussern. Aber alle, die das Wort nahmen, erklärten sich ganz entschieden für Ablehnung des Angebotes. Es wurde dann auch schliesslich von der Versammlung ein st immig abgelehnt, die Arbeit unter diesen Bedingungen wieder aufzunehmen. Ebenso wurde daraus solzende Resolution angenommen: „Die Versammlung kann sich mit dem Zugeständnis der Di- rektion nicht einverstanden erklären, da eine Sicherheit dagegen, dass eine Verringerung des Wochenverdienstes eintritt, nicht ge- aeben ist. Die Kommission wird beauftragt, diese Meinung der streikenden Arbeiterinnen der Direktion mitzuteilen, mit der Be- merkung, dass die Streikenden nach wie vor zuni Frieden geneigt sind. Ferner wird die Kommission beauftragt, der Direktion, um den Streik beizulegen, folgenden Vorschlag zu unterbreiten: Wenn eine Negnlieruiig der Akkordpreise vorgenommen werden soll, dann in der Weise, dass der bisherige Verdienst den betreffenden Ar- beiterinnen gesichert bleibt." Hindernisse bei der Einstellung der Transportarbeiter in der Zl. E.-E. Der Streik der Transportarbeiter von der Allgemeinen Elektri- zitäts-Gesellschaft, Werk Brunnensirasse, erlangte am Dienstag, den 18. April er., bekanntlich sein Ende dadurch, dass die Direktion durch den Betriebsarbeiterausschuß den Streikenden ein Angebot über mittel» lietz, wonach ein Vergleich möglich und die Wiederaufnahme der Arbeit vor sich gehen konnte. Hätte die Direktion sich an daS gegebene Wort gehalten, so würde alles leidlich gegangen sein. Aber die Direktion hat, wie am Mittwochmorgen bei der Einstellung leider festzustellen war, sich an ihr Versprechen nicht gebunden gefühlt. DaS, was sie unter allen Umständen wollte: sofortige Einstellung der über drei Jahre im Werk tätigen Leute, wurde nicht erfüllt. Gerade die längere Zeit im Betriebe tätigen Leute wurden von der Annahme ab- gewiesen und ihnen gesagt, sie hätten auf eme Wiedereinstellung nicht zu rechnen. Was zur Einstellung gelangte, waren fast durchweg jüngere, erst kurze Zeit im Betriebe tätige Leute. Auch von dem Grundsatz, solange Streikende vorhanden, sollen Betriebs« fremde nicht eingestellt werden, ging die Direktion ab. DaS ganze Gebaren der Direktion erweckte den Anschein, als wenn sie bestrebt war, ein Strafgericht an den Streikenden auszuüben. Gegen ein solches Gebaren der Direktion wurde der Ausschuß beauftragt, Protest zu erheben. Leider ohne Erfolg. Die Direktion hat diesem gegen- über in ziemlich überhebender Weise erklärt, dass sie sich an nichts gebunden fühle und machen werde, wie fie es für gut befinde. Dies die nackten Tatsachen, die wir der Oeffentlichkeit zur Beurteilung unterbreiten. Die Betriebsmeister und eine Reihe AbteilungSchefS erklären übereinstimmend, dass fie ihre alten bewährten Leute gerne wieder eingestellt hätten; doch die Direktion habe ein Verbot erlassen, welches sie machtlos mache. Sie seien gezwungen, Arbeitskräfte zu nehmen, die fie von der Direktion gestellt erhalten. DaS Vorgehen der Direktion hat daher nicht nur unter den Streikenden, sondern auch unter der Arbeiterschaft allgemein eine tiefgehende Erregung erzeugt, die gelegentlich ihren Widerhall finden dürfte. Zum Streik bei der Firma Heinrich Freese wird uns berichtet, daß es den Anstrengungen der Firma gelungen ist, mit Hilfe deS Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereins und der christliche» Verbände eine Äpzahl Arbest�wMge zu den Holzpflafterungsarbeiien hier in Berlin zu acwnmen. Es sind dies die Arbeiter H. Richter, Brunnen- strasse 122. Aug. M u s s a ck. Strelitzer Str. 49, H ö r g e r, Schön- hastset Alles 169. Willi Hähne! und H. Rosen Hain, beide Nieder-Schönhausen, Blankenburger Str. 32 wohnhast, Oskar Bock, Paulstr. 7, Rich. Krüger, Charloitenburg, Schlüterstr. 4, Anglist T r e i k e. Charlotlenburg, Lützower Str. 5, und R u n k e. Blanken- bürg wohnhaft. Zurzeit läßt die Firma Arbeiten aus- führen aus der Kaiser-Wilhelmbrücke, Westend, Kaiserdamm, SiegmundShos und Bethanien-Ufer gegenüber dem GewerkschastS- Haus.— Zum Anlernen der Arbeitswilligen dienen die Vormänner N. Kothenbeutel, Beymestr. 8; W. Schröder, Jnvalidenstr. 123; Wieberneit, Schumannstr. 5 und Franz Sommerfeld, Gethsemanestr. 5. Diese Arbeiter sind dem un- gesetzlichen Verlangen ihres Arbeitgebers nachgekommen und aus ihrem Verbände ausgetreten. Ebenso haben einige von ihnen auch dem Wahlverein den Rücken gekehrt. Zum„Schutze" der lieben Rausreisser bedient sich Herr Freese der Polizei. Jede Baustelle wird den ganzen Tag ununterbrochen durch SchutzmannSposten bewacht. Der Platzmeister Schi pull, der sich, solange er neben seiner Be- schäftigung bei Freese noch ein Zigarrengeschäst in der Mirbach- strasse 15 besaß, als pflichteifriger Parteigenosse gerierte, scheint diesen Pflichteifer gänzlich vergessen zil haben. Das geht wenigstens daraus hervor, daß er vor Ausbruch des Streiks in einer Arbeiter- Vertretungssitzung die Arbeiter zum Uebertritt in den Hirsch- Dunckerschen Gewerkverein zu überreden versuchte. Schipull meinte, dadurch würden fiev e r e n V o r w ü r f e des Ar- ttjeis üb-r die Behandlung der Soldaten strafrechtlich vorzugehen. Hub Induftnc und Pandel. Kolonial-Enttäuschungen. Tie Verwaltung der ScnkH* West»Afrika Company mutz jetzt der OeffenUichkeit die unangenehme Mitteilung machen, datz sie für das letzte Geschäfts- jähre nur ein eDividende von 4 Proz. gegen T/S Proz. für das Bor- jähr verteilen kann. Aus den Kurs am Montag übte die erst nach der Börse bekannt gewordene Meldung keinen Einflutz aus, der KurS wurde vielmehr wie am vorhergehenden Tc*}« mit 149 Proz. notiert. Die Aktien sind vor noch nicht langer Zeit zu einem Kurse von 190 Proz. an die deutsche Börse gebracht Warden, als sich der Kolonialtaumel unter der Aera Dernburg überschlug. Dann wurden sie zum Ultimohandel zugelassen, und erreichten hier noch eine Anfangsnotiz von et>va 185 Proz. Seitdem ist cS aber un- aufhaltsam abwärts gegangen, je weitere Fortschrttte die Ernüchtc- rung der Kolonialschwarmer gemacht hat. Einige wenige Leute haben an dem Rummel Unsummen verdient, die grotze Menge hat aber Unsummen verloren. Das ist die Bilanz der Dernburgära, die eine Blütezeit der deutschen Kolonien darstellen sollte, aber sich jetzt als große Schaumschlägerei erwiesen hat. Die monatliche Kohlenproduktion der Erbe deträgt mehr als eine Milliarde Tonne». Man bildet sich eine einißennatzen anschauliche Vorstellung von dieser Menge, wenn mmi erfährt, datz zu ihrer einmaligen Beförderung ein Güterzug von etwa 500 000 Kil» meter Länge nötig wäre. Ein solcher Zug könnte den Erdball läng» seines Acquatoro lllinal umwinden. Diese Menge Kohlen genügt, um eine Tag und Stacht arbeitende Dampfmaschine von 200 Milliu« nen Pferdestärken zu speisen. An der Spitze der Kohlenproduktion marschieren drei Länder — Vereinigte Staaten von Amerika, England und Deutschland—. die zusammen mehr als vier Fünftel der Gesamtproduktion liefern. Tie erste Stelle nehmen die Vereinigten Staaten ein. wobei ihre Produktion besonders schnell wächst, während die von England und Teutschland in den letzten Jahren nahezu stabil bleibt. Die übrigen kohlenproduzierenden Länder folgen im weiten Abstand: Frankreich und Oesterreich-Ungarn produzieren je 40 000 Tonnen monatlich, was nur ein Zehntel der Produttion der Vereinigten Staaten aus- macht. Von den Ländern, die eine besonders rapide Enttvickelung aufweisen, ist Mexiko zu nennen; seine Produktion, die 1908 fast gar nicht existiertc, ist 1909 auf«in« Million Tonnen jährlich em- vorgeschnellt. Das kleine Belgien verdient eine besondere Aus- zeichnung: sein Kohlenreichtum ist— auf ein Quadratkilometer der Oberfläche berechnet— das größte. Die jährliche Produktion dieses Landes beträgt mehr als 23 Millionen Tonnen, wovon der größere Teil für die Ausfuhr bestimmt ist. Höchster Farbwerke— Ehrlich-Hata. Die Farbwerke M e i st e r, Lucius und Brüning in Höchst a. Main ver- öffentlichen jetzt ihren Jahresabschluß pro 1910. Er ist besonders deshalb interessant, weil in seiner Berichtsperiode durch die Höchster Werke die Massenfabrikation des Salvarsan— Ehrlich-Hata 606— aufgenommen worden ist. Damit wird auch eine» beispiellosen Spc- kulationsrummel» der Berliner Börse gedacht. Im August 1910 raufte man sich an der Börse fast um Aktien der Farbwerke, war damals doch nach und nach durchgesickert, datz Meister, Lucius u. Brüning die Produktion dieses viclgebrauchren Medikaments übernehmen würde. Die fabelhaftesten Dividenden wurden mitgeteilt, die riesigsten Gr- Winne vorausgesagt. Als der Kurs der Höibster Aktien von 490 bis auf 540 gestiegen war. bequemte sich die Verwaltung des Unter- nchmens inttzuteUen, datz für 1910 eine Steigerung des Ertrag- nisscs noch nicht zu hoffen sei. Dabei ist es denn auch geblieben, das Unternehmen verteilt 27 Proz. Dividende. Dabei ist Brutto- und Rettorcingewinn gegenüber dem Vorjahr nicht unbeträchtlich gestiegen. Auch die Tantiemen und Gvcrttfikationen sind von 2176 551 M. auf 2 201 296 M. gestiegen. Dies sind mehr als 20 Proz. der Tividcndensumine! Dabei ist noch nicht beachtet, dah unter dem Posten Woblfahrt auch noch Gratifikationen stecken, deren Höhe sich nicht kontrollieren läßt. Der trotz solcher Mehrausgaben, noch verbleibende Mehrüberschutz gegen 1909 verschwindet durch ein» autzerordentliche Abschreibung, die 500000 M. ausmacht, uns für neue Baitten bestimmt sein soll. Dabei klagt die Verwaltung bitterlich, daß leider nur rund ein Drittel deS ReingewimreS auS dem Salvarsanverkauf in die Taschtn der Akttonär« fließen könne, da da» übrige für wissenschaftliche Forschungen«rußerhalb der Fand« werke festgelegt sei. Wie traurig! Soziales. An Sie Vcisskter Set Schiedsgerichte fllt«rbelkerderssGettttli fit fcl Stadtkreis Berlin und den Regierungsbezirk PatSdami-«j Werte Kollegen! Ter Borsitzende de» Schiedsgericht» hak ttStt Wahrscheinlichkeit nach an a l l e Beisitzer ein Schreiben folgende« Inhalts gerichtet. „DaS neue Dienstgebäude des Schiedsgericht» für Lr&eiker- Versicherung zu Berlin-Eharlottcnburg, Berliner Straß« H/IL, folk Ende Juli bezogen werden. Zurzeit läßt sich noch nicht bestimmen, ob eine feierliche Einweihung stattfindet. Ilm aber für den Fall, datz eine solche abgehalten wird, die Zahl der Teilnehmer festzu, stellen, bitte ich hierunter anzugeben, ob Sie sich an der Feier be- teiligen würden und zutreffendenfalls, ob Wünsche bezüglich der Zeit der Feier(Tag oder Stunde) vorliegen." Kollegen! Es bedarf wohl keiner welkeren UeberlegunK kaF wir als Arbeitnehmerbeisitzer e» ablehnen, un» an den bevorstehenden Zeremonien zu beteiligen. Der Herr Vorsitzend« hat seit Jahren cS nicht mehr der Mühe für wert««« halten, unsere Wünsche zu beachten. Wenn wir weiter die Methode bezüglich der ärztlühen Beguk« achtung und der Art der Verhandlungen in den einzelnen Spruch- kammern der Schiedegerichte betrachten, und wenn wir besonder» bedenken, datz der Herr Vorsitzende v. G. bei der Verlegung des Schiedsgerichts nach dem äußersten Ende von Charlottenburg die Arbeitnehmcrbeisitzer um ihren Rat nicht fragte, sondern sich lediglich hinter einzelne BerufSgcnossenschaften steckte, dann gibt eS für uns nur eine Antwort, und die ist die, die Arbeitnehmer« beisitzer müssen es ablehnen, bei den bevorstehenden Feierlichkeiten als Dekoration mitzuwirken. Beantwortet daher daS Schreiben mit einem glatten NeinZ Mehrere Arbeitnchmerbeisitzer der Schiedsgerichte Nerlin upjj des Regierungsbezirks Potsdam. Gesetzlicher Siebenutzr-Ladenschlutz ist dank sozialdemokratischer Agitation und trotz„nationaler" und Unternehmerproteste von der Landesregierung der österreichi« schrn Alpenregierung Kärnten für die Städte angeordnet vordem— Möglickst lange in staubigen, stickigen Geschäften arbeiten, ist näm, lich national!_ Ter Untergang der Dampfer„Palcrma",„Savana"«nb„«omu" vor dem Hamburger Teeamt. Am Freitag gelangten vor dem Seeamt zu Hamburg dia Ursachen dieser drei scknffskatastrvphen zur Erörterung. Wie seinerzeit wiederholt in der Presse zur Sprache gebracht, hat den Untergang der Dampfer„Srniona".»Genua* und„Palermo" großes Aufsehen erregt, zumal sämtliche Schiffe, zur S l o m a n n. L i n i e gehörend,«in recht ehrwürdiges Alter battcn. Di« „P a l e r m o". 686 Registertons groß und mit einer Maschine von 480 indizierten Pferdeträtten verseben, ist im Jahre 1876 in Eng« land au» Eisen erbaut,>>atte eine Besatzung von 19 Mann und ferner 6 Passagiere an Bord, als sie am 3. Dezember 1910 den Hafen von Hamburg verlietz, um nach Eugenia de Rixeira zu dampfen. Zuletzt wurde das Schiff am Vormittag de» 8. Dezember von dem Bremer Dampfer„Roma" etwa vier See- mcilen von der spanischen Küsw gesichtet. Am 13. Dezember wurde xine Frauenlcich-e und«inig« Tage später wurden ein Boot, er« SWIung�ürlcT unS Mehrere LadungKgcKenstände und Schiffs- irümmer der„Palermo" an der Küste von Corrubedo angetrieben; neuerdings ist auch das Wrack des Schiffes an der genannten Küste entdeckt worden. Tie gesamte Mannschaft wie die Paffagiere haben ihren Tod in den Wellen gefunden. Der Dampfer„Genua", 1877 in England erbaut, war 882 Regiftertons groß und halte eine Maschine von 600 indizierten Pferdckräften; die Mannschaft zählte 2 0 Kopfe. Das Schiff berlieg am 8. Dezember 1010 den Hamburger Hafen, um nach Barcelona zu fahren, und ist seit dieser Zeit verschollen. Am 20. Dezember hat der russische Dampfer„Bellorassia" im BiScayschen Meerbusen ein zur„Genua" gehörendes Boot gefunden und an Bord genommen. Zwei andere Boote der„Genua" wurden später im Meere treibend gefunden. Der Dampfer»Savo na" ist im Jahre 187S in England aus Eisen gebaut, er tvar 048 Registcrlons groff und hatte eine Maschine von 700 indizierten Pferdekräften; die Mannschaft bestand aus 2 1 S)ia n n. �as ischisf verliest am 3. Dezember 1Ö10 de» Hafen von»lrxmsea mit den» Bestimmungsort Tom i>el Annunziata. Auch von diesem Dampfer und dessen Besatzung fehlt jede Spur. Bei diesen drei Schifsbrüchen haben also 60 Seeleute und fünf Passagiere ihren Tod in den Bellen gefunden. Zu den Aufgaben der Sceämter gehört die Feststellung der Ursachen irgend eines Schiffsunfalles. Da kein Uederledcndcr vor- banden ist, vermochten nur zur„Aufklärung" Vertreter der Reederei Slomann, des Gennanischen ltlovd, der Seebernfsgcnossenschaft» verschiedene Ingenieure und frühere Führer und Maschinisten der untergegangenen Schiffe geladen zu werden. Sämtliche Sach- verständige crkläreir, dast die drei Sckifse sich in seetüchtigem Zustande befanden und dast die Reederei bei beantragten Repa- raturen und Reuanschaffniigen nie Schwierigkeiten gemacbt habe. Tie Maschinen seien ebenfalls gut erhalten gewesen und hätten sich stn richtigen Verhältnis zur Graste der Schifte befunden. Ter Kapitän des Bremer Dampfer»„Roma" hat ausgesagt, dast in jener Zeit, als er die„Päkrmo" sichtete, ein so deftiger Sturm wütete, wie er ihn nie zuvor erlebt habe. Sehr merkwürdig ist das Verhalten der spanischen Behörde gewesen. Heber die Befeuerung (Leuchtfeuer) der spanischen Küste find schlvcre Klagen erhoben I vordtn. Wie der Vorsitzende, Rat Dr. Schoen, mitteilt, soll der deutsche Konsul bei seiner Umfrage bei den spanische» Äthörde« sehr wenig Entgegenkommen gefunden haben. Namentlich i st über das Funktionieren des Feuers von Salvora in der fraglichen Nacht nichts ermittelt worden. Die Sectvarte hat mitgeteilt, dast in den genannten Tezembertagen an der spanischen Küste schlvcre Orkane und hoher Seegang gr- herrscht haben. Der Taucher, der das Wrack der„Palermo" untersucht hat. ist der Meinung, dast ein« Ex plo- sion sta tt gefunden habe, eine Meinung, der man keine besondere Bedeutung beizulegen scheint, obwohl das Gegenteil nicht zu erweisen ist. Ter R e i ch s l o m in i s s a r. Vizeadmiral z. D. Frei- h err von Bodcnhausen, meint, alle Schiffe hätten sich in gutem Zustande befunden. Man müsse eö als ein recht unglückliches Zusammentreffen betrachten, dast in dieser Sturmpenode drei Dampfer einer Reederei verloren gegangen seien und in a n müsse anerkennen, dast die Ereignisse zu einer Kritik Anlast gegeben hätten; aber man müsse auch anerkennen, dast durch das Ergebnis der heutigen Verhandlung dieser''Kritik der Boden entzogen sei. Nicht aufgeklärt sei der Zustand des Feuers von Salvora in der fraglichen Nacht und ob das Feuer tatsächlich gebrannt habe. In allen drei Fällen gab daß Seeamt seinen„Spruch" dahin ab. dast die Schifft bei ibrer Ausreise in gutem, seetüchtigen Zustande waren, dast sie nicht überladen und genügend bemannt auf die Reise geschickt wurden, und dast nicht festzustellen sei, wo- durch sie zugrunde gingem kleber die angebliche Seetüchtigkeit der drei alten Schüfe gehen die Weinungen denn doch weit auseinander, wie aus den seinerzeit in unserer Presse vcrössentlichten Zuschriften, von denen wir eben- falls Notiz geiwmmcn haben, hervorgeht. SerieKts-Leitung. Lerfrommuntsverordnung und Lustbarkel?. § 266 Ziffer 1 des Reichs-Strafgesetzbuches bedroht mit Sftafe den. der den gegen die Störung der Feier der«onn- und Festtage erlassenen Anordnungen zuwiderhandelt. In Preutzen können nach der Rechtsprechung trotz der Verfassung in den neueren Provinzen »ach dem Gesetz vom V. Mai 1892 und in den alten Provinzen nach der Kabincttsorder vom 7. Februar k8S7 Anordnungen erlassen werden, die erforderlich sind, um die äustere Hcilighaltung der Sonn- und Festtage zu bewahren. DaS heistt nach der Judikatur, dast Handlungen verboten werden können, die geeignet sind, die äustere Heilighaltung der Sonn- und Festtage zu stören oder zu hindern. Derartige Verordnungen sind in allen Provinzen durch die Oberpräsidentcn erlassen. Tie OberpräsidialvSrordnung für SchleSwig-Holstcin bom 20. Februar 1896 bestimmt nun im K Ii Absatz 4:„Tanzmusik, Bälle und ähnliche Lustbarkeiten in Gasthäusern, Schankwirtschaften und sonstigen VergnüguugSlokalen, auch wenn sie in geschlassenen Gesellschaften stattfinden, müssen an Sonnabrnde« spLtestenS um 12 Uhr»achlS geschlossen werden." Eine Tanzlustbarkeit des Ge- sangvcreins„Alsensund" hatte in Itzehoe am Sonnabend nicht um 12 Uhr nachts thr Ende erreicht, sondern bis Sonntag früh um S'.ö Uhr gedauert. Deshalb war Fcck angeklagt worden, die Straf. kammer in Itzehoe als zweite Instanz hatte ihn aber freigesprochen. DaS Gericht erachtete die fragliche Vorschrift für nngllltig. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ei» und verlangte, daß die Bestimmung als gültig angesehen werde. Sie diene ebenso der äusteren Hcilighaltung der Sonn- und Feiertage, wie die fiir gültig angesehenen Vorschriften für die Vorabende der grasten Feste, des BusttagS usw. Das Rammergericht verwarf jedoch am Mantag die Revision der Staateanioaltschaft mit folgender Begründung: Nach z 366 Ziffer 1 des Rcichs-StrafgcsetzbuchS werde bestraft. wer den gegen die Störung der Sonn- und Festtage erlassenen An- zorduuiigen zuwiderhandelt. Eine solche Polizeivcrordnung könne sich also nur richten gegen die Störung der Feier der Sonn- und Festtage. Nun habe allerdings das Kammcrgericht entschieden, dast Tanzlustbarkeiten, Bälle usw. verboten werden können an den Vor- abrnden der hohen Festtage, zum Beispiel auch am Vorabende des BusttagS. An hohen Festtagen sei aber nach allgemeinen An- schauungen eine Vorbereitung des Innern nötig, die schon am Tage vorher stattfinde. ES würde also das Publikum in seinem religiösen Empfinden gestört, wenn an den Vortagen der grasten Feste der- artig« Lustbarkeiten stattfänden. Anders läge es aber bei den Vorabenden der gewöhnliche« Sonn- und Festtage. Das Publikum in Teutschland habe im allgemeinen nicht das Gefühl, dast für die Feier der gewöhnlichen Sonntage am Tage vorher eine innere Vor- bcreitung notwendig sei. Die Feier des Sonntags beginne erst mit den Morgenstunden, ungefähr um 9 Uhr, wenn die Leute zur Kirche gihen wollten. Die hier fragliche Vorschrift, wonach allgemein an Sonnabenden die genannten Lustbarkeiten spätestens um 12 Uhr nachts ihr End« erreichen sollen, sel ungültig.-» Auf die Frage, wie es in überwiegend katholischen Gegenden sei. wo Frühmessen statt- fänden, brauche hier nicht eingegangen werden. Ter Angeklagte müsse wegen Ungültigkeit der Vorschrift freigesprochen werden. Hochstapeleien in großem Umfange bch'chösligfcn gestern das Schn'urgerickt de» Landgerichis I. Angeklagt tpgkts wegen schwrm Urkundenfälschung, Betrug uyp ver- fuchien Beftug her Vermittler Joses Eugen Margolm und die San- gerin Ernestine Fröhlich. Beide sind auf Ersuchen des Gerichts von Rustland ausgclwfert. Märgsli» ist am 10. Oktober 1868 in Rust- land, die Fröhlich am 24. März 1868 in Prag geboren. Die Anklage legt den Angeklagten zur Last, etwa 500 000 M. durch tzälschnngrn auf den Rainen der Frau Kommerzsenrat Hrn- riette Heckt zusammengegaunert zu haben. Tie Fälschungen sollen teilweise in dem Gebrauch des Namens der Frau Kominerzienrat Hecht auf Wechseln bestehen, teils sind sie dadurch zustande ge- kommen, dast auf Veranlassung des Angeklagten Margolin die Mit- angeklagie Sängerin Fröhlich sich als Frau Hecht beim Justizrat Tr. Georg Mühsam vorstellen liest und Bürgschaften und andere Notariatsatte alp„Henriette Hecht geb. Koppel" Unterschrieb. Margolin will durch den Grafen de la Raine, den Schwicgcr- söhn der Frau Kommerzicnrat Hecht, zu den Fälschungen beivogcn sein. Die Angeklagte Fröhlich erklärt, sie lebe seit 5 Jahren mit Margolin zusammen, habe nicht geglaubt, dast dieser etwas II»- rechtes tue oder was ihr zum Schaden gereichen könne, und habe sich bei den Unterschriften nichts gedacht. Der Angeklagte Margolin behauptet, diese Angabe sei richtig, die Fröhlich habe von den Ge- schaften keinerlei Abimng gehabt und habe aus Liebe zu ihm ge- handelt, ohne zu wisse», um was es sich handele. Sie hätte auch auf sein Verlangen ihr Todesurteil unterschrieben. In der Brwetsausuahm« erklärt der Mrdizinalrat Tr. Hofft mann: Margolin. dessen Geisteszustand er auf Veranlassung der Verteidigung untersucht habe, sei ein iierveitschlvacher und nervöser Mensch mit plrantastischei, Plänen. Von einer Geisteskrankheit könne aber bei ihm keine Rede sein. Justizrat Dr. Georg Mühsam bekundet, er sei iut Jahre 1008 zum erstenmal mit Margolin be- kannt geworden und schildert dann, wie Margolin und die Fröhlich ihm die Komödie vormachten. Da Margolin in die Hechtschen Fa- nülienverhältnisse sxhr eingeweiht war, habe er die lleberzeugung erhalten, er sei eine Art Vertrauter der Hechtschen Familie. Tie notariellen Akte seien alle verlesen worden. Er habe die Beglaubft gu«lg einiger Verträge abgelehnt, weil er den Eindruck gewonnen hatte, dast die angebliche Frau Hecht in übertriebener Liebe zu ihrer Tochter sich verleiten lieh, alles zu unterschreiben uiid' sich ausbeuten zu lassen.' Unter den Notariatsakten befand sich auch einer, der das Grundstück der Frau Kommerzienrat Hecht mit einer Hhpothek belastete und für den Fall nicht rechtzeitiger Zahlung das Grundstück der ZlvangsbollstreFung unterwarf, Eue aller Alelt. Mas ein Ckrentrunk zuwege bnngt. Wie Wilhelm II. österreichischen Liberalen unfreiwillige Wahlhilfe leistete, ist tu ergötzlicher Weise in der„Wiener Arbeiter-Zeitung" zu lesen. Es heistt dort unter der Uebelschrift „Haugsdorfer oder Guinpvldslirchner": Und Wilhelm II. stand mitlcn zwischen den Ratsherrcn und das weistbärtige Oberhaupt der . K. 35. Die Ursachen können sehr verschieden sein, daher cinpsikhll eS sich, einen Arzt zu besragen.— M. R. 50. 80., Biücken- itvasic 8.«nd Kvtlbuser User 33. ist.. Usedomstr. 7. Gcöffnet von 12— 2 und 6— t0, Sonntags mid Sonnabends von 1—10 Uhr. Sektion Berlin I. Bureau: Engelufer 14/15, II, Zimmer 33. Fernsprecher: Amt IT Nr. 2382 und 1747. Arbeitsnachweis: Alte Leipziger Str. t. Fcrnsflr.: Amt I, 2S3Z. Püte, glilisdieittr, KiiWcr nfai. kus der Gists-, �srstljan-. Aelkiichtnuss-, Gsitontkck-, Kurz-, Fedtmaren- und EiPortdranche. Tonnerstag, den 27. April 1911, abends S Uhr: Große öffentliche Versammlung der obengenannten Braucken in BovcUtB Rie(crHlUt*n, R itterstriche 75, TageS-Ordliung! Tie heutigen»virtschaftlichc»«erhiiltnifse«nd Wie können wir unsere Lage verbessernd Reserenti Kollege Vkt« Franke.— Diskussion. 67/16 Ott? llranchcnlehunp. Tausandfach bewährta Nahrung bei; Brechdurchfall» Diarrhöe; Darmkatarrh, etes i r- M Nur ein Paket Penil genügt, such lür ein ziemScb großes Quantum Wäsche. Kein weiterer Zusatz von Seite u. Waschpulver nStig; spart Zeil, Arbelt und Q«ld und gibt blendend weisse Wäsche bei nur einmaligem'/»-'/tSkündigem Kochen. SrbUUlek aar In Origlnsl-PalteUc. HENKEL& Co.. DÜSSELDORF. nileiu'r« r*!>rlk«nl«fi«uth 4u wollbtrUhmttn Henkels Bleich-Soda Fabrik-Niederlage für Berlin und Vorortes Job. Scluaftlor, Berlio K. 4 Tieckst* U- OeffenMche politische Uolksversammlungen Donnerstag, den 3?. April, abends 8 Uhr: Berlin, Bock-Brauerei, Tempelhofer Berg. Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Coneordia-Festsäle, Andreasstraße 64. Germania-Säle, Chausseestraße 110. Pharus-Säle, Müllerstraße 142. Charlottenburg, Bolkshaus, Rosinensttaße 3. Köpenick, Stadttheater, Friedrichstraße. Nowawes, Singers Volksgarte», Priesterstraße 31. Schöneberg, Schlotzbranerei, Hauptstraße. ff ff ff Treptow-Banmfchnlenweg, Sport-Restaurant, Treptow. „„ Speers Festsäle, Banmschulenweg. Lichtenberg, Paul Schwarz, Möllendorffstraße 25/26. Rummelsburg, Caft Bellevue, Hauptstraße 2. Pankow, Zum Kurfürst, Berliner Straße 102. Ober-Schöneweide, Wilhelminenhof. Tegel-Borsigwalde, Trapps Festsäle, Tegel, Bahnhofstr. 1. Spandau, Böhle, Havelstraße 20. Tages-Ordnung: vie IReichsvmkfyerungsordnung, eine Lelahr für die Melterhlasse. Diskussion. Referenken: Büchner. Brückner, Jul. Cohn, Eichhorn, Gertrud Hanna, Hildebrandt, Koblenzer» Albert Kohn, Lehmann, Link, Molkenbnhr, Müller, Nürnberg, Georg Schmidt, Robert Schmidt, Stücklen, Luise Zieh. Wer nur ein Fünkchen sozialen Empfindens besitzt, muß in den Versammlungen erscheinen! Für die Einberufer: Eugen Ernst, Liesenstraße 16. Alwin Körsten, Engelufer 13._ rar Hf Arbeitsnachweis: Hof L Amt 3, 1239. BerwaltnngSftelle Berlin. Hmiptbiirca«: CharitistraBe 3. Hof Hl. Amt 3. 1987 Tonnerstag, den 27. April, abends 8'/z Uhr: Allgem. Klempner• Versammlung im grohen Saale der Brauerei Friedrichshain, Am Friedrichshain 10—23. Taqes-Ordnung: 1. Die gegeinvörtige Tituation in unierem Berus und waS ge- denke!» wir zn tun? Referent: Kollege Cohen. 2. Diskussion. Kollegen! Erscheint in Massen, rüttelt die Giiumigeu auf. Reln Klempner darf in dieser Versammlung fehlen. Donnerstag, den 27. April, abends S'/g Uhr: Mglieder- Versammlung der Gold- und Silberarbeiter und verwandten Berufsgenossen im Dresdener Garte», Dresdener Straße 45. Tagesordnung: 1. Bortrag de»®eno|fcn Brucks über; Der gewerbliche Slrbeits- bertraq. 2. Verbandsangelcgenheiten und Verschiedenes. Zahlreiches und pünktliches Erscheine» wird erwartet. Donnerstag, den 27. April, abends Uhr: Sraneben- Versammlung ler KUsniVlem i Beller CreS-Berliiis u. llDiiepi im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c. Tages-Ordnung: 1. Bortrag. 2. Branchenangclcgenheiten. 3. verschiedenes. Kollegen! ES ist notwendig, dag Sie in dieser Versammlung er- scheinen. Wir weisen aus die Wichtigkeit im 2. Punkt der Tagesordnung hm. Ferner ersuchen wir alle organisierten Kollegen, die Mitgliedsbücher witzubringen, jedoch steht dem Zutritt der unorganisierten Kollegen nichts entgegen.— Aufnahmen»nd Beiträge werden i» der Versammlnng entgrgcngruommen.__ Die Versamitullg d. Wrurgischtv Krauche findet nicht statt. Laut Äeschluß der Geueralversammlong vom 2. April soll für Spandau ein Agitationsleiter angestellt werden. Be- Werber, die mindestens fünf Jahre organisiert sein müssen, werden ersucht, ihre Bewerbung bis spätestens 5. Mai d. I. bei der Ortsverwaltung Berlin, mit der Aufschrift„Be- Werbung" versehen, einzureichen. 115/19_ Die Ortsrerwoltang. sauberster Ausführung empfiehlt sich z.D.ppl>vIbkIl am besten zu kaufen nur direkt in ----- der Fabrik Bernhard Strohmandel. F Berlin, Wallstf. 72 und Spltlelmarkl, Sef/ewtr. �. iggeschäst:) W., Joachlmsthalep Straße 25/26. Reparaturen u. Ausarbeitungen billigst. Illustrierten Preiskatalog grat. u. srco. Verdanü der Maler. Laokisrsr, Anstreieber°5« Melchiorfiraße 28, Part. TilllllS 3erUN. Fernsprecher Amt lV Nr.«4787. Wegen der am Donnerstag, den 27. April, stattfindenden Protest- Versammlungen fällt die zu diesem Tage einberufene 7iUsl- Versammlung aus, und ersuchen wir die Kollegen, sich recht zahlreich an den Protest-Versammlungen zu beteiligen. Die Versammlung am 1. Mai findet in den Attlirsas' 7sstsälstl» Andreasstr. 21, statt. 129/6* Tie Qrtövcrwaltung. m Filiale Berlin I. Bureau: Sebastianstr. 37/38, Hos rechts II.— Telephon: Ami IV, 9737. rsiiLur ieliig! Die in der.FachzeUung- sür den 27. April nach dem Gewerkschafts- hauie einberufene Aiitglied er- Vers ammlung taut wegen der von der Eewerkschastskommission und dem Altions- auSschusi einberufenen Volksversammlungen »RR».. � Wir ersuchen unsere Mitglieder, sich an diesen Ver- sammlungen recht zahlreich zu beteiligen. » Maiversammlung g.V.V.Ä'.'IS™ «Itter Strafte 96—97 statt. Di- KontrollmaUeii loerdcn sür die größeren Firmen in den SitzungSIokalen, wo sich di« Mitglieder vorder ein- zufinde» babcn, ausgegeben. Für die übrigen VirjaminIungSbesuchcr er- solgt die Ausgabe am Saaleingniig. 1S3/4 Zahlreichen Besuch erwartet Die Orts-vern-altnng. Verband der Tapezierer. Filiale Berlin. Achtung! Achtung! 5W Bürgen der morgen Donnerstag, den 27. d. tvit».. stattfindenden Protcft-Bersammluiige« findet die für diese» Dag festgesetzte O>uartals-Bersamullu»g nicht statt.-Mg Uns ere ftfci- Versammlung ist am Montag, den 1. Mai. vormitiagS 10 Uhr. bei Wendt, Bcnthstr. 20.— Der Beschlusi der Vertrauensmänner-Versamnilung vom 21. d. MlS. lautet dahin, den Dag durch Ardeitsruhe zu feiern. Die nächste Vertrauensmänner- Versammlung ist am Mittwoch, den Z. Mai. abends 8 Uhr, bei ZRever. Lranien. strafte 103. Fortsetzung der DiStussion über den VorstandSbcricht. 178/13_ Tie Qrtsverwaltnng. Kraflkengeliiziiseliuß-uJe�ätüiis- kasse der BepIIösp Knoplaplieitep and verwandter Gewerbe. Am Sonnabend, 29. April 1911. bei tturch, Berlin, Wrangelstr. 10S: illißerordeiitllelie General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Vierteljährlicher Kassenbericht. 2. Innere Kasscnangelcgcnbciten und Statutenänderung. 3. Verschiedenes. Der Wichtigkeit der Statuten- ändening wegen ersucht um zahlreiche Beteiligung l470b ver Verstand. I. A.: Fr. Holtmann, 2. Schriftführer. 'Jeder Hrbeiter» jeder fjandwerke� follte zur Hrbcit die Lcderbos*> Herkules tragen. s Unerrelohte s Lelitungskähigkelt« Mein-Verkauf. Sehr starkes Leder in grauen n.bmonoa Streiten, auch einfarbig. Am Band aus einem Staclc gearbeitet, wodurch besondere Haltbarkeit bedingt istt Sehr feste Kappnähte m. stark. Ga«> Schwer» Leder-Pilot- Taschen. Groß« Flicken umsonst Trott dieser vielen und anderer Vorzüge kostet -Ho die Herkules- Hose für normale Mannes- OrflBe M. 50 Haben Sie blott? /ch fertige davon Anzug od. Paletot noch Mass, schick, datier h. Zutaten von 25 Mark an. Moritz Laband� Neue Pt omenade 8% II,(Stadtb. Bors.) Ktluiltn- imb f.roniljiiiiifrfi von Robert Meyer,. nur|Rnri(innfii=S!rnfjf 2. Berufs- u. 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Ueber diese selbst will Redner sich nicht im Augenblick auslassen. Keine Partei sei verpflichtet, sich in die Karten sehen zu lassen. Das Resultat werde sich nach deren vollständigem Abschlüsse zeigen. In der heute abend stattfinden geschlossenen Sitzung des Parteitages werde hierüber Kriegsrat gehalten. In der Oeffentlichkeit jedoch wolle Redner mitteilen, daß das Ergebnis der drei letzten Monate in Uebereinstünmung mit den Erwartungen des Parteivorstandes fei. Bei den Arbeiter nund Arbeiterfrauen sei kein Widerstand gegen die Unterzeichnung der Wahl- rechtspctition angetroffen worden. Anfänglich sei befürchtet worden, daß die Frauen die Petition nicht unter- zeichnen würden. Diese Furcht aber sei in jeder Hinsicht beschämt worden. Das Verhältnis zwischen der Anzahl Männer und der Anzahl Frauen, welche unterzeichnet haben, sei eine glänzende Rechtfertigung für das allgemeine Frauenwahl- recht.(Beifall.) Dieses Ergebnis lasse erwarten, daß auch in Holland eine gleich glänzende Frauendemonstration zustande zu bringen sei, wie die diesjährigen zu W i e n und Berlin.(Beifall.) Die diesjährige Wahlrechtsdemonstration könne von der Ueberreichung der Petition an Regierung und Kammer nicht geschieden werden. Hierauf müsse das ganze Interesse, die ganze Arbeit gerichtet sein. Hieraus müsse man folgerichtig schließen, daß der Kulminationspunkt der Petitionsaktion nicht an einem Sonntag liegen könne, da an einem solchen die Ueberreichung der Listen an dre Regierung nicht stattfinden könne. Der Partei- vorstand habe nach langer Erwägung einstimmig beschlossen, daß die Ueberreichung am Dienstag, dem Tag der Eröffnung der Kammern durch die Königin, geschehen müsse.(Starker Beifall.) Die Tat- fache, daß die Aufmerksamkeit aller Mächte im Staate und Volke auf diese Bewegung gerichtet sein müsse, fordere die Ueberreichung an diesem Tage. Müssen wir nun einen demonstrativen Massen st reik ausschreiben? Diese Frage müsse verneint werden. Für einen solchen Streik habe sich keine Stimme im Parteivorstande erhoben. Die Vorbedingungen für die Notwendigkeit und den Erfolg eines solchen Streiks seien nicht gegeben. Besonders sei zu erwägen, daß man keine revolutionäre Bewegung hervorrufen könne. Die Wahrheit sei, daß in der holländischen Bewegung, besonders auch in der Gewerkschaftsbewegung, der revolutionäre Geist, um solch einen demonstrativen Streik mit Erfolg zu führen, nicht vorhanden sei; höhere Ansprüche sollten nicht gestellt werden, als zu verwirklichen seien. Trotzdem sei es möglich, die Demonstration imposanter zu gestalten, als man sich im Augenblick vorstellen könne. DaS Mittel hierzu sei solcher Art, daß auch ein stärkeres revolutionäres Gefühl, al» nun in den Massen lebe, sich äußern könne. Plötzliche Aufflammungen seien keine Seltenheit. Man denke an 1905, als auf den Bericht der Zusage einer Duma in Ruß- land die österreichischen Genossen auf die Straße gingen, was daS ollgemeine Wahlrecht brachte. Wenn am Dienstag im September eine Demonstration statt- finden werde, sei zu erwarten, daß diese nicht fo viele Teilnehmer zählen könne, als bisher an einem Sonntag. Um aber am DienS- tag soviel wie möglich Teilnehmer nach dem Haag zu bringen. solle die gewöhnliche Demonstration am Sonntag vorher ausfallen, da alles auf die Ueberreichung der Petition konzentriert werden müsse. Diese Überreichung müsse die Arbeiterbewegung in ihrer weitest ausgedehnten Bedeutung mit der Staatsmacht in Kontakt bringen. Sie müsse dem ganzen Volke zeigen. daß die Arbeiterklasse überall für das allgemeine WahlrechtinBewegungsei. sie müsse den größtmöglichen Eindruck machen. Auch müsse sie ein Ganzes mit der Aktion im Parlament bilden. Königin, Minister und Parlament müßten den Eindruck erfahren, des- halb müsse der Dienötag gewählt werden.� Dieser Eröffnungstag des Parlaments fei der Propagandatag für die Königitt und für die kapitalistische Herrschaft der Bourgeoisie. An jenem Tage, wenn die Bourgeoisie, ihre Mitläufer und Trabanten ihr Vergnügen finden in dem Prahlen der Goldtressen, müsse das Proletariat seine Forderung hören lassen: Gebt uns wenigstens das simple allgemeine Wahlrecht, damit es uns ermöglicht werde, den Staat nach unseren Bedürfnissen einzurichten.(Beifall.) Ter Kampfcharakter der Arbeiterbewegung müsse stark in den Vordergrund treten. Das ganze hollandische Proletariat könne man nicht auffordern, nach dem Haag zu kommen, seine Organisa- tionen aber, seine Delegierten, seine Fahnen müßten anwesend sein. Diese müßten zahlreicher sein als im letzten Jahr, sei der Demonstrationszug auch kleiner. Da nun aber nicht alle Arbeiter im Haag demonstrieren könnten, demonstrieren sollten sie doch. Beabsichtigt sei, daß am Vorabend des Haager Dienstags, am Montagabend, in ganz Holland die Massen demonstrieren.(Bei- fall.) In sehr vielen Orten, besonders in den an Bahn- oder Schiffs- Stationen gelegenen, werde man die Delegierten für den Haag mit den Fahnen nach ihrer Abreisestation begleiten. Jedenfalls könne man an diesem Abend in Versammlungen demonstrieren und Straßenumzüge veranstalten.- Auf diese Weise werde die Slusmerksamkeit nicht von den Geschehnissen am Dienstag im Haag abgelenkt, sondern werde den Haager Aufmarsch verstärken. Am Drenstag um Uhr sei die königliche Parade abgelaufen. um 3 Uhr beginne die Kammer ihre Tätigkeit. Eines Meetings bedürfe es nicht; in den anderthalb Stunden sei Zeit, um den De- monstrationszug aufzustellen und einen Augenblick Gehör beim Minister des Innern zu finden zur Ueberreichung der Wahlrechts- Petition. Redner zweifelt nicht daran, daß M i n i st e r Heemsker! zwischen 2 und 3 Uhr der Deputation zur Ver- fiigung stehen werde, sei er doch ein praktischer Mann. Seit einigen Jahren sei die Beantwortungsadresse auf die Thronrede abgeschafft worden, mit Ausnahme von besonderen Um- ständen. Die sozialdemokratische Kammerfraktion werde ausnahmsweise beantragen, solch eine Antwortadresse zu beschließen.(Langandauernder, lauter Beifall.) Je mehr Arbeiter aber am Dienstag nach dem Haag kämen, um so besser sei es. Wer dabei sein wolle, solle Ferien nehmen. (Beifall.) Das müsse den Personen selbst überlassen bleiben. Man stände hier zu Lande wieder am Anfang einer Ver- fassungSrevision. Diese Dienstags-Demonstra- tion sei das erste Wort, das in der neuen Wahlrechtstaktik gesprochen werde. Weigert man sich, unsere Deputation zu empfangen, dann erweisen uns die Herren noch einen größeren Dienst. Wir werden unsere Aktion nicht vom Minister Heemskcrk bestimmen lassen. Fürchte man eine revolutionäre Bewe- g u n g, dann tu« man am besten, die Demonstration ruhig v o r s i ch gehen zu lassen. Erst wenn die königliche Demonstration ab- gehalten sei, kommen die Arbeiter. Wenn man uns aber verhindert, unfern Aufzug zu halten, dann sehen wir uns verpflichtet, den königlichen Aufzug unserer Sache dien st bar zu machen.(Langandauernder, begeisterter Beifall.) Dann wird die sozialdemokra- tische Kammerfraktion sich vielleicht zum ersten Male verpflichtet sehen, an der feierlichen Eröff- nung der Kammern teilzunehmen, um dort die Königin, wenigstens einen Augenblick, mit dem Willen eines großen Teiles des nieder- ländischen Volkes in Kontakt zu bringen.(Lang- anhaltender, lauter Beifall.) Auch die Gegner haben mit den Tat- fachen zu rechnen. Wollen wir an jenem Dienstag demonstrieren, dann tun wir das auch. Und will man verhindern, daß 1099 Mann demonstrieren, dann wäre die Antwort, daß 2999, 3999, 4999 und noch viel mehr dies doch tun werden. Mit einer feurigen, begeisternden Ermahnung an die Dele» gierten, damit dieser Dienstag ein historischer Tag werde, schließt Redner.(Nach einem Augenblick feierlicher Stille bricht ein donnernder, nicht endenwollender Beifall loS; alle An- wesenden, die Delegierten, der Parteivorstand, die Zuhörer, erheben sich spontan und, erst zögernd vor innerer Bewegung, stimmt der Parteitag die Internationale an.) Vorsitzender Vliegen fragt, ob nach diesem Referate eine Diskussion noch nötig sei.(Allgemein ruft man: Rein, nein!) Er fügt hinzu, er sei überzeugt, daß Genosse Troelstra deutlich auseinandergesetzt habe, waS zu geschehen habe.(Beifall.) Alle Energie der Partei und der Gewerksckmften müsse dafür angespornt werden. Der Vorschlag ist angenommen.(Lauter Beifall. Ter Parteitag singt den WahlrechtSmarsch.) Hierauf tritt der Parteitag in die Beratung über di» Soziale Versicherung ein, wozu zwei ausführliche Resolutionen vorliegen, die Genosse Schaper begründet. Die ausführliche Debatte auf dem Partei- lag drehte sich hauptsächlich um die Frage, ob auch die Arbeiter Beiträge zur Krankenversicherung leisten sollten oder diese ganz vom Staat und Unternehmern aufzubringen seien. Schließlich wurden die Vorstandsresolutionen angenommen. Der letzte Punkt der Tagesordnung betrifft die Jugendorganisation. Beschlossen wurde die Gründung einer selbständigen Ju- gendorganisation, im Gegensatz zu der bestehenden Jugend- organisation»De Zaaier", die von der S. D. P., der Gruppe der ausgetretenen Marxisten, unterstützt wird. Diese besteht aus Ju- gendlichen von 14— 18 Jahren. Mitglieder der S. D. A. P. zwischen 18 und 29 Jahren können zugleich Mitglieder der Jugendorganisa- tionen sein. Die Jugendorganisation wird von den Jugendlichen selbst geleitet unter Zuziehung eines Delegierten dcS AbteilungS- oder Föderationsvorsiandcs der Partei. Zweck der Organisation ist die Förderung der Bildung, wobei besonders jene 5ienntnipc Berücksichtigung finden sollen, die für die späteren Kämpfer der Arbeiterbewegung nützlich sind. Die Gründung eines eigenen Jugendorgans soll in Erwägung gezogen werden. Die Antrage zur Gründung einer Parteischule werden dem Parteworstand zu- gewiesen. Auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages soll die Genossenschaftsfrage gesetzt werden. � Unter Hochrufen auf die holländische und internationale So« zialdeinokratie schließt der Vorsitzende Vliegen die Tagupg, Gerichts- Zeitung. Polizeiliches Borgehen gegen eine Kranzschleife.> � Ein echt preußisches Polizeistückchen, welches nicht esiva in einem ostelbischen Gutsbezirk, sondern in der Reichshauptstadt passiert ist. beschäftigte gestern das Schöffengericht Berlin-Wedding. Der Gegenstand, gegen den sich der polizeiliche Eiser ridjtejei ist eine Kranzschleife mit der Inschrift: „Es lebe die Freiheit, eS lebe da? Recht, Das gleiche Recht für alle! Es stürze die Knechtschaft, eS stürze der Feind, Der schwarzblaue Block— er fallet" Der Kranz nebst Schleife hing am 17. März im Laden de'S Blumengeschäfts Bornholmer Straße ö. Er war vom Demokra- tischen Verein Norden bestellt und zur Niederlegung auf den Gräbern der Märzgefallenen bestimmt. Zwei Meter vom Schau- fenster entfernt hing das Verdammungsurteil des schwarzblauen Blocks. Aber eS entging nicht der Aufmerksamkeit des vorüber- gehenden Polizeiwachtmeistrrö Jakob. Dessen Interesse für die Kranzinschrist war so groß, daß er in den Laden ging und die Ge- schäftsinhaberin, Fräulein Schubert, um Erlaubnis ersuchte, die Inschrift abschreiben zu dürfen. DaS wurde bereitwilligst gewährt. Als der Wachtmeister den gefahrdrohenden Vers schwarz auf weiß besaß, ging er noch nicht getrost nach Hause, sondern erkundigte sich erst nach dem Preise dcS Kranzes. Acht Mark wurden ihm als Preis benannt, worauf Wachtmeister Jakob sich mit der Bemerkung empfahl: Acht Mark werde Fräulein Schubert für den Kranz bc- kommen, aber dreißig Mark Strafe werde sie zu zahlen haben, weil sie die Inschrift öffentlich ausgestellt habe. Diese Poraussage traf zwar nicht in vollem Umfange ein. Immerhin erhielt Fräulein Schubert ein polizeiliches Strafmandat, lautend auf fünf Mark, weil sie ein Plakat— als solches sah die Polizei die Kranzschleife an— ohne polizeiliche Erlaubnis öffentlich ausgestellt habe. Der 8 9 deS alten preußischen Preßgesetzes diente der Polizei als Hand- habe für die Strafverfügung, gegen die Fräulein Schubert das.Ge- richt angerufen hatte. Der Vorsitzende Richter schien sehr verwundert darüber, daß eine Kranzschleife als Plakat angesehen werden solle. Als der Zeuge Wachtmeister Jakob merkte, daß die polizeiliche BcgriffSerklärung des Wortes„Plakat" vor Gericht wohl keine Zustimmung finden könne, bemühte er sich, mit Nachdruck auf den„aufreizenden" Inhalt der Inschrift hinzuweisen. Vielleicht hatte der Wachtmeister den Gedanken: Gehts nicht mit dem verstaubten Preßgesetz, dann geht es am Ende mit dem groben Unfug oder dergleichen.— Doch der Richter bemerkte zutreffend: So etwas liest man doch alle Tage in der Zeitung. Wie kann denn das aufreizend sein, wenn eS auf einer Kranzschleife steht? Wer das liest und es gefällt ihm, der freut sich und geht weiter. Wem eS nicht gefällt, der schüttelt den Kopf und geht auch weiter. Das Gericht schloß sich den Ausführungen und den Anträgen des Verteidigers, Rechtsanwalts Dr. Hamburger, an. Fräulein Schubert wurde freigesprochen und die Kosten einschließlich der Ver» teidigungskvsten der Staatskasse auferlegt, WttteruuaSNdertta,» vom LS. April 1911. II öf SwMemd». Hamburg »trlte Aranss.a M 763 583 München 1764 SO Wien 759® 760©$® 761 S® Bettti Zbedeckt 2 bedeckt 3 bedeckt 2 heiter 2 wolkig |762®R® 3 wolkig *■! di 5» M« «tattonen 2= <-5 II i? avaranda 751 NNO eterSbmg 749 NW Sctllh Abrrdeen Parti 760 SW 752 SW 764 still M! H Bettet 2 beller 1 Regen 4 bedeckt 1 Regen heiter rfrt ei »" S* 3 9 9 10 «vettervrognoke für Mittwoch, de« LS. April 1911. Zunächst vielfach heiter, am Tag- wieder etwa« wärmer bei mäßigen sudwestlichen Winden; spater neue Trübung ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Etaladimg zum Frei-Konzert! ailierdlnch erbitten wir von Ihnen die Erlaubnis, 51 in Ihrer Wohnung ein Konzert veranstalten zu dürsrn, wie Sie es wahrscheinlich noch nicht gehört haben, Di« Veranstaltung erfolgt völlig kostenlos für Sie imd hat den Zweck. Sie zu emem Abomiement aus diele Konzerte zu veranlassen, fall» da» Probe- konzert, da» Sie wahrend der Dauer von 6 Tagen föllio unentgeltlich baden sollen, Ihnen und Ihren Slngcböltgev Freude bereitet hat. Unser Angebot wird Sie gewig intercffiercn. und deShaw bitten wir Sie, unS einige Minuten Gehör zu schenken: Wir wollen Ihnen— zunächst kostenlos aus 5 Tage— ewen Spezial-LuxuS-Sprcchapparat mit echter Patbe. Schalldose und 20 ausgewählte Stücke auf 10 dovpclseitig bespielt e». 29 cm großen Künstler- Patbö-Plalten z inenden. Diesen Apparat und diese Blatten können Sie während der Dauer von 5 Tagen spielen lassen und probieren, so ost und so viel Sie wollen. Wir sind sicher, daß Sie von den Leistungen de» Avparatc». dessen hervorragende AuSslaltung jeden Aohmamn ziert, entzück« sein werden, da die Paths. Schalldose, die Srrir d«» Apparate». daS Vollendetste ist. waS aus diesem Gebiete existiert. Nnüb ertrofsen aber sind d'e von un» aelleserten Küiiitler-Patbo. 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Referent: Reichstagsabgeordneter Fritz Z u b e i l. Thema:.Auf der Suche nach einer Wahlparole'.— Eine Versammlung gegen die reaktionäre Reichsversicherungsordnung findet deshalb am Donnerstag für Rixdorf nicht statt. Der Vorstand. Treptow- Baumschulenweg. Heute abend 7>/z Uhr: Wichtige Flugblattverbreitung von sämtlichen Bezirkslokalen aus. Stralau. Der Wahlverein veranstaltet in diesem Jahre seine Maiseier gemeinsam mit dem Bezirk Rumnielsburg im Lokal von Tempel.Cafs Bellevue'. Billetts sind zu haben im I. Bezirk beim Genossen Johann Walter, Alt-Stralau 46, und im Lokal von Paul Schöps, Alt-Stralau 17; im II. Bezirk beim Genossen Otto Bern- Hardt, Markgrafendamm 4. und Ernst Schmidt, Restaurant Mark- grafendamm 6; im m. Bezirk bei Otto Fischer, Markgrafendamm 12, und im Lokal von Reschke, Tübbeckestr. 6. Die Vormittagsversammlung findet ebenfalls bei Tempel in Rummelsburg statt. Die Bezirksleitung. Zossen. Am Donnerstag, den 27. April, abends 8ll3 Uhr, bei Kurzner: WahlvereinSversammlung. Tagesordnung: Aufnahme neuer Mitglieder. Bericht von der Generalversammlung von Groß- Berlin. Wahl eineS Bezirksführers. Abrechnung vom I. Quartal. Verschiedenes. Der Vorstand. Berliner J�acbricbten» Verdummungsblätter. CS ist schon oft darauf hingewiesen worden, daß die so- genannten parteilosen oder liberal schillernden bürgerlichen Zeitungen, die hauptsächlich von den„kleinen Leuten" und Arbeitern gelesen werden, nicht nur nichts für Kultur und Aufklärung tun, sondern auch jeden Fortschritt hemnien, indem sie die rückständigsten Vorurteile nähren und großziehen. Aber sie hüten sich, mit offenem Visier zu kämpfen, denn sie wissen, daß sie dann manchen Leser verlieren und ihren Zweck, den Aufschwung der Massen zu hindern, nicht erreichen könnten. Sie verschleiern vielmehr sorgfältig die Tendenz und bearbeiten den harmlosen Leser in einer so geschickten Weise, daß er von einer Beeinflussung nach einer bestimntten Richtung gewöhnlich nichts merkt. Wie es die„Berliner Allgemeine Zeitung" anfängt, kann man aus ihrer letzten Sonntags- nummer recht gut ersehen. Wilhelm Neunauge, der„Ur- berliner", der allwöchentlich seine Betrachtungen über die Zeit- ereignisse anstellt, philosophiert diesmal über die Frauenfrage. Er schildert seine Erlebnisse beim Besuch einer englischen Frauen- rechtlerin, der er sich als„Präsident der Mäunerabteilung des Frauenvereins zur Hebung der Frauenemauzipation" vorgestellt hat. Sie— in Männerjackett und Hosenrock, mit kurzge- schnittenem Haar, eine Zigarre im Munde, dürr und mager wie eine Schwindsüchtige im letzten Stadium— sei sofort, nachdem von beiden Seiten ein paar kurze, aber von giftigstem Haß gegen das Männergeschlecht triefende Bemerkungen ge- macht worden seien, in leidenschaftlicher Liebe zu ihm ent- brannt und habe ihn— der Adonis hat einen Brustumfang von 2 Meter und ein Gewicht von 3 Zentnern— zu umfassen und abzuküssen versucht. Er sei in höchster sittlicher Entrüstung davongeeilt und habe die Adresse jener Schönen seiner Ehe- frau mitgeteilt, die dann voller Eifersucht die Frauenrechtlerin so zugerichtet hätte, daß sie an dem Abend in einer Versamm- lung nicht habe reden können, lieber diesen blödsinnigen Ulk amüsiert sich der Philister so sehr, daß es ihm garnicht zum Bewußtsein kommt, wie man ihn gegen die Frauenbewegung hetzt und das ernste Ringen des Weibes nach Gleichberechti- gung mit Hohn und Spott übergießt. In nächster Zeit setzen ähnliche versteckte Angriffe das begonnene Werk fort, und schon steht für die vielen Allzuvielen, die neben ihrem Leibblatt keine geistige Nahrung zu sich nehmen, unerschütter- lich fest: Die Frau gehört ins Haus, die öffentliche Betätigung führt zur Entartung der Frau, schafft geile Mannweiber usw. Doch Neunauge begnügt sich nicht damit, die um ihre Rechte kämpfenden Frauen der Lächerlichkeit auszusetzen, daneben hiacht er in biederem, urgemütlichem Ton noch Stimmung für reichlichen Genuß von Fusel und Bier: ein bezahlter Agent der Brauer und Brenner braucht es nicht besser zu ver- stehen! Der Schnaps ist sein„Jchirndokter", der ihn auf geniale Ideen bringt und seine Laune und sein Wohlbefinden würden leiden, könnte er nicht„immer noch eenen schmettern". Was stött es ihn auch, wenn längst bewiesen ist. daß der Alkohol gerade das Gehirn und die Geistestätigkcit des Menschen ver- derblich beeinflußt, schlapp und energielos macht! Vielleicht ist ihm gerade wegen oieser Wirkung der Alkohol willkommen, dielleicht braucht er neben seinen„Betrachtungen" noch ein anderes Mittel zur L c r d u Nl m u n g der Massen! Znr AuSwanderuligSfrage»ach Brasilien wird berichtet: Die wirtschaftlichen Propagandakömmissionen, die Brasilien im Auslande unterhielt, sind vor einiger Zeit plötzlich aufgelöst worden, ohne datz Klarheit darüber geschaffen wurde, welcher Anlaß dieser Verfügung augrunde lag. Wie nun milgeteilt wird, soll die Ursache die gewesen sein, daß die Pariser Zentralstelle, der die übrigen Missionen unter- geordnet waren, ihr Budget um viele Millionen überschritt. Auch die Art der Propaganda in einzelnen Ländern soll Anlaß zu Be- denken gegeben haben. So hätte die Pariser Kominission an drei SafvS aus den Pariser Boulevards jahrelang unentgeltlich den Kaffee geliefert, damit Reklame für den brasilianischen SantoS gemacht werde und dadurch zu vielen Protesten Anlaß geboten. Noch übler sei eS von einzelnen Regierungen vermerkt worden, daß diese Kom- Missionen der Tätigkeit der Answanderungsagenten, die Landleute gegen freie Passage zur Ansiedelung nach Brasilien zu ziehen suchten. nicht überall völlig fernstanden. Die Berliner Unterkommission ist ebenfalls aufgelöst worden._ Wie steht es mit der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe? Die Sonntagsruhe in den offenen Verkaufsstellen soll nach einem Stadtverordnetenbeschluß, dem der Magistrat bei- getreten ist, in der Art geregelt werden, daß Gehilfen usw. an Sonntagen in der Zeit vom 1. Mai bis 30. September nur von 8—10 Uhr vormittags und in der Zeit vom 1 Ottober bis 30. April nur von 12—2 Uhr mittags be- schäftigt werden dürfen.« Der Magistrat hat das Inkrafttreten dieses Beschlusses davon abhängig gemacht, daß auch die Vororte gleiche Be- stimmungen erlassen. In den Vororten beschäftigen sich die städttschen Behörden mit der Angelegenheit. In Rixdorf ist bereits in gleichem Sinne wie in Berlin beschlossen worden; in Lichtenberg dürfte dieser Tage beschlossen werden. In Charlottenburg ist noch kein Eiltscheid gefallen. Dort will man, wie es heißt, die Zigarrengeschäfte besonders aus- nehmen. Unseres Erachtens wird es höchste Zeit, daß mög- lichst bald die neuen Sonntagsruhebestimmungen in Kraft treten._ Erhebung von Umsabsteuern beim Verkauf van Friedhofs- gelände. Die Stadt Schöneberg hatte von den Bernsteinschen Erben ein größeres Terrain erworben, das zur Erweiterung des städtischen Friedhofs dienen sollte. Als der Kreis Teltow die Veräußerer im vollen Umfange zur Umsatzsteuer heranzog, verlangten sie die Er- Mäßigung um die Hälfte. Sie beriefen sich dafür auf eine Be- stimmung der Steuerordnung, wonach bezüglich der Ermäßigungen und Befreiungen die Bestimmungen der preußischen Stempelgesetze maßgebend sein sollten. Wenn danach der eine Teil der beiden Kontrahenten von der Steuer sirei wäre, dann solle der andere nur mit der Hälfte herangezogen werden können. Das treffe hier aber zu, denn die Stadt Schöneberg als der eine Teil müsse frei sein, weil Unterhaltung und Erwerb eines Gemeindefriedhofs kirchliche Angelegenheiten der Gemeinde seien und§ S Ziffer k des Stempel- stcuergcsetzcs vom Stempel u. a. freilasse: die Gemeinden in lirch- lichen Angelegenheiten. Da die Stadt Schöneberg am Ausgang der Sache im Prinzip sehr interessiert war, so wurden die Bernsteinschen Erben im Prozeß durch einen Magistratsvertreter vertreten, welcher die Ansicht ver- focht, daß es sich hier um eine kirchliche Angelegenheit der Gemeinde handele, wenn diese einen Gemeindefriedhof anlege. Das 5X>erverwaItungsgericht wies jedoch in letzter Instanz die Ermäßigungsklage ab und führte aus: Die hier aufgeworfene Frage, ob der Erwerb und die Unterhaltung des kommunalen Friedhofs in Schöneberg- eine„kirchliche Angelegenheit' der Ge- meinde sei, vernein- der Senat. Nach dem Allgemeinen Landrecht waren die Friedhöfe in der Regel solche der Kirchengemeinden, Allerdings seien neben diesen auch kommunale Friedhöfe züläsfig gewesen. Damals hätte es aber auch für die Kommunalfriedhöse der Zustimmung der„geistlichen Obern" bedurft. Diese sei hinweg- gefallen. Um s o w e n i g e r könne man annehmen, daß auch die Anlage eines jtommunalfriedhofs eine kirchliche Angelegenheit sei. Am wenigsten könne das aber angenommen werden, wenn, wie hier in Groß-Berlin, die Kirchengemeinden für ihre Konfessions- angehörigen ihrerseits Friedhöfe anlegten und daneben noch kommunale Friedhöfe beständen, wo Beerdigungen erfolgten ohne Rücksicht auf die Konfession und auch Beerdigungen solcher Per- sonen, die keiner Konfession angehörten, sowie von Dissidenten. Die Anlegung solcher kommunaler Friedhöfe sei keine kirchliche An- gelegenheit. K 5f des Stempelsteuergesetzcs in Verbindung mit der frgalichcn Vorschrift-der Steuerordnung könne hier nicht Anwen- dung finden._ Ein Unteroffizier von einem Schuhmann angeschossen. Eine verhängnisvolle Schießaffäre hat sich gestern vormittag ans dem Tempelhofer Felde abgespielt. Ans Rixdorfer Gebiet be- findet sich auf dem Tempelhofer Felde ein Schießplatz, auf dem Polizeibeamte Hebungen vorzunehmen pflegen. ES wird dort mit Brownings und Karabiner» geschossen. Die Beamten bilden sich auf dem Schießplätze vor allem in der Handhabe der Pistolen aus. Gestern vormittag waren wiedernm eine ganze Reihe von Schutz- leuten und Kriminalbeantten bei der llebung, als eine Abteilung Kavallerie, Angehörige des zweite» Garde- Dragoner- Regiments, die auf dem Tempelhofer Felde übten, vorüber- geritten kamen. Eine der Kugel» sauste nun über daS Gitter des Schießplatzes hinweg und traf den Unteroffizier Vorpahl in den Rücken. V. verspürte sofort einen brennenden Schmerz, doch ritt er noch eine kurze Strecke weiter, bis er vom Pferd herunterstürzte. Er wurde schleunigst nach dem Tempelhofer Garnisonlazarett gebracht, wo die Aerzte feststellten, daß Lebens- gefahr nicht vorliegt. Die Kugel wird auf operativem Wege ent- fernt werden. Ueber den Vorgang ist eine eingehende Untersuchung, die sich hauptsächlich auf den Abgcber des verhängnisvollen Schusses erstreckt, eingeleitet worden. Das sind ja schöne Zustände, daß Passanten schon ihres Lebens nicht mehr sicher sind, selbst wenn sie nur in der Nähe von Schutz- leuten vorübergehen. Kann der Landtagswahler einen Irrtum berichtigt verlangen? Die außerordentliche Kompliziertheit des preußischen LandtagS- wahlrcchteö ist eine Quelle fortwährenden Verdrusses für alle Be- teiligten. Dieses zeigt auch wieder folgende Begebenheit bei de» diesmaligen Wahliiiäniierwablen im vierte» LandtagSwahlkreis. Er- scheiitt da in einem der Wahlbezirke ein Wähler, der den Namen auch des zweiten Wahlmannes so angibt, wie er auf dem ihm vor- her zugestellten Zirkular deS Wahlkomitees gedruckt ist. Dem Ab- stimmenden fällt hierbei auf, daß die Mitglieder des WahldorstandeS eiwas erstaunte Gesichter über den angegebenen Vornamen des zweiten! Wahlmannes machen. Da der Wähler aber vor sich den gedruckten Zettel hat. so bestätigt er, daß er in der Tat seine Stimme fiir Albert Wetzel abgegeben habe. Die eigenartige Situation veranlaßt nun den Wähler, sich bei dem am Ncbentisch sitzenden Parteigenössischen Listenführer zn erkundigen. Hier wird ihm bedeutet, daß dem sozialdemokratischen Wahlkomitce im versandte» Zirkular bezüglich deS Vornamens des zweiten Wahlmannes ein Irrtum unterlaufen sei; dieser heiße nicht mit Vornamen Alberl, sondern Gustav. Der Wähler tritt jetzt an den Wahlvorstand mit der Be- merkung, daß ihm bezüglich deS Vornamens eben ein Irrtum unter- laufen sei. Der Wahlvorstand jedoch� lehnt jede Berichtigung ab. Hierfür war die bureaukratische Erklärung maßgebend, daß»der Vorname Albert nun schon in die Liste eingeschrieben' sei. Der Wähler erklärte nochmals ausdrücklich!, daß er den aufgestellten Wahlmann mit Vornamen Gustav meine, konnte aber vom Wahl- vorstand keine Erklärung erhalten, ob er für diesen die Stimme als gültig betrachten würde. Es sei hervorgehoben, daß die Berichtigung vom Wähler unmittelbar nach der Abstimmung, geradezu in der nächsten Minute versucht wurde. Der Bau der zweiten Hälfte des Sprectunncls wird bereits vor« bereitet. Auf der Mitte des Flusses ist ein hohes Gerüst empor- geführt worden, wellbeS die Arbeiten im Anschluß des WeiterbaueS erleichtern soll. Aehnlich, wie man über zwei Rohrenden eine Muffe schiebt und abdichtet, so werden an das vorläufig durch eine Beton« mauer abgeschlagene fertige Tunnelstück Spundwände und Fange- dämme angeschlossen, so daß die zweite Tunnelhälfte im Trockenen mit der neuen Baustelle in Verbindung gebracht werden kann. Ist dies geschehen, so wird man nach Beseitigung der älteren Fange- dämme das Wasser über den Tunnel fluten lassen und diese Seite der Schiffahrt freigeben, während von der jetzt in Angriff genommenen Anschlußbaustelle in der Milte des Stromes nach dem jenseitigen Ufer weitergebaut werden kann. Mit dem Einrammen der Pfähle für die Spundwände und Fangedämme dürfte bereits im Juni be- gönnen werden. lieber ein recht rohes Betragen am Tage der Beerdigung des Genossen Borgmann wird uns aus der Lvcbener Straße berichtet. Dort hatten am Sonntag bekanntlich die Genossen des 6. Kreises Aufftellung genommen. Aus der ersten Etage des Hauses Lhchencr Straße 13 wurden unsere Genossen in der gemeinsten Weise an- gepöbelt. Vom Balkon wie aus dem Fenster wurde allerlei Unrat, wie vertrocknete Blumensträuße, Apfelsinenschalen und dergl. aus die Parteigenossen geworfen, begleitet von Acußerungen wie„Rote Bande'. Nur der Besonnenheit unserer Parteifreunde tvar es zu danken, daß es ohne einen Zwischenfall abging. Allgemein wurden die Veranlasscr dieser Roheit als eine Familie Cohn bezeichnet. Die Leute scheinen ihren Sozialistenhaß schiver verbergen zu können; sie sollten aber sich so weit zu beherrschen versuchen, daß sie nickst zu Rowdies werden. Die Arbeiter haben die Sozialistenfresser durch ihr Benehmen beschämt, daran könnten die Hervschasten sich ein Beispiel nehmen. Die Gotzkowßkybrücke soll nach einer gestern verbreiteten Nach- richt wegen drohenden Einsturzes gesperrt worden sein. Es handelt sich vielmehr bei der für den Wagenverkehr erfolgten Sperrung lediglich um eine Sicherheitsmaßnahme für da? Publikum. Der Bruck« droht kein Einsturz. ES hat sich nur die Notwendigkeit heraus- gestellt, die etwas wackelig gewordenen Brückenpfeiler zu festigen und einige andere Reparaturarbeiten vorzunehmen. Zu diesem Zweck mußte eine Sperrung der Brücke erfolgen. Sie wird nach Beendi- gung der Arbeiten wieder dem Verkehr übergeben, dem sie so lange dienen»sird, bis die neue Brücke fertiggestellt ist. Die Gotzkowsky- brücke ist eine Hotzbrücke, die im Jahre 1886 erbaut worden ist, und zwar hauptsächlich auf Kosten der Moabiter Bürgerschaft. Der Lastwagenverkehr über diese Brücke ist ein sehr großer, da viele Fabriken, die sich in der Nähe befinden, ihren gesamten Frachtverkehr über die.im-Zuge der Franklin- und GotzkowSkystraße errichteten Brücke leiten. Zwei Kinder totgefahren. Die 3�/, jährige Tochter Gertrud der Zigarettenarbeiterin Tekla Schmidt wurde vor dem Hause Mariannen» straße 51 von einem Omnibus überfahren. Die Mutter, die den Vorfall von ihrer Wohnung mit angesehen hatte, brachte ihr Kind sofort nach dem Krankenhanse Bethanien, wo es gestorben ist. Die Schuld trifft einen noch nicht ermittelten Riann, der mit dem Kinde gespielt und es in den: Augenblicke losgclasien hatte, als der Omnibus hart an der Bordschwelle vorbeifuhr.— In der Durchfahrt des Hauses Putbuser Str. 44 wurde der dreijährige Knabe Rudolf Beyer von einem mit Preßkohlen beladenen Wagen über- fahren und schwer verletzt, so daß er bald darauf verschied. Beim Besteigen eines fahrenden Straßenbahnwagens schwer verunglückt ist der Kaufmann Kowalewski aus der Lübecker Str. 35. K. versuchte am Kastauienwäldchen cinen Motorwagen der Straßenbahnlinie 12 während der Fahrt zu besteigen, wurde aber dabei zwischen den Bahnwagen und einen der an jener Stelle die Gleise begrenzenden Bäume gedrückt. Er erlitt eine schwere Schulter- guctschung, sowie innere Verletzungen und mußte nach der Charite übergeführt werden. Ein aufregender Vorfall spielte sich am gestrigen Dienstagmittag auf der Abtei in Treptow ab. Dort war gegen 12 Uhr mittags ein etwa 66jähriger gutgekleideter Mann herübergekommen und hatte sich längere Zeil vor dem Restaurant aufgehalten. Den Kellnern siel das Benehmen des Mannes, der sich sehr erregt gebürdete auf, doch achteten sie nicht weiter auf den Gast. Plötzlich eilte der Fremde ans die Dampferanlegebrücke, ivarf seinen Ueverzieher und Hut von sich und stürzte sich dann kopfüber in die Spree. Ein Kellner und der Büfettier sprangen dem Unbekannten nach, konnten ihn jedoch nicht erreichen, da er mit kräftigen Stößen der Mitte des Stromes zuschwamm. Dort versank er dann plötzlich und wurde nicht mehr ausgefunden. In dem Ueberzieher fand man eine Visitenkarte Martha Sachs, Neue Friedrichstr. 72. Bei dem Rettungswerk wäre übrigens einer der Retter bald selbst ertrunken. Nur mit Mühe gelang es den übrigen Angestellten der Abtei, ihren bereits halb bewußtlosen Kollegen auS dem Waffer zu ziehen. Der Berliner Spar- und Bauvercin hielt am 21. April eine außerordentliche und am 23. April seine ordentliche Generalver- sammlung in'den Sophicnsälen ab. Erstere beschäftigte sich nur >nit dein Saalbau in Westend, der im sogenannten Wohlsahrtshaus errichtet und hauptsächlich nur zu wissenschaftlichen, belehrenden und tützstlerischen Zwecken benutzt werden soll: ebenso zu Mieter- Versammlungen und geselligen Zusammenkünften. Hiergegen wen- detc sich ein Teil der Genossen, der die WohlsahrtSsimpelei nicht mit- machen will und außerdem den Saalbau auch der Größe wegen(500 bis 600 Personen) als unrentabel bezeichnete. Der Vorstand ent- gcgnctc, daß nur zu diesen Zwecken der Saal gebaut werden könnte. andernfalls der Geldgeber das Geld zurückziehe. Es wurde eine Resolution angenommen, die die Benvaltung bcaustragt, ein neues Projctt auszuarbeiten.— Die zweite Generalversammlung brachte den Geschäftsbericht für 1910. Die Bilanz steht in Aktiva und Passiva mit 9 981 070,39 M. zu Buch; der Reingewinn beträgt 21 873,34 M. Der Mitgliederstand zählte am Jahresschluß 5479 Mitglieder, darunter 525 Beanrtc und Staatsarbeiter. Die D's- kussian belvegte sich in denselben Bahnen wie.in der ersten Generalversammlung; man solle die Wohlfahrtsfexerei beiseite lassen. Der Vorstand behauptete, daß die Wahlvcreinsmitglieder Parteipolitik innerhalb der Genossenschaft treiben. Das wurde widerlegt. Fest siebt aber, daß die Verwaltung mit der„Zentralstelle für Volks- Wohlfahrt" liiert ist, die das Streben hat, dw„Freien Jugendorga- nisationen" auf das schärfste zu bekämpfen. Man braucht bloß das Reckesche Buch zu lesen, um die Bestrebungen der„Zentralstelle für Voltswohlfahrt', deren Polypenarme sich über ganz Deutschland er- strecken, vollauf zu würdigen. Auch der jetzige Dezernent für die Jugend, ein Mannepsarrcr o. D.. dringt von Zeit zu Zeit im„Rat- gebcr" geharnischte Artikel gegen die Sozialdemokratie. Die Ver» waktung kommt hier ig den Verdacht, diese preußisch-reattioMe Politik zu unlcrst ätzen und lnuc�ald der Aoug'euossen'chaft zü sör- dern. Tie übrigen Punkte'der Tagesordnung erledigten sich glatt. Tie von unseren Genossen aufgestellte üistc zum Aufsichtsrat ging bis auf zwei Porschlägc glatt durch. Eine Reihe Genossen wurden von der Vorschlagsliste ausgeschlossen, tveil sie zurzeit Funktionäre oder l Geschäftsleute in der Genossenschaft sind; eine solche Klassen- einteilung sollte nicht stattfinden. Wer ist die Tote? Aus dem Urbanhafen gelandet wurde gestern die Leiche einer unbekannten Frau, die schon längere Zeit im Wasser gelegen hat und schon stark verwest ist. Tie Tote ist etwa 50 bis 55 Jahre alt und klein, nur etwa Meter groß, sie trug eine dunkel gesprenkelte Taille,«inen schlvarzen Rock, ein Uinhängetuch, ein gehäkeltes schtvarzes Kopftuch ui'd schwarze Handschuhe. Feuer im Eispalast. Im Berliner Eispalast in der Martin- Luthcrstraße brach in der gestrigen Rächt ein grösseres Feuer aus. Gegen Jch2 Uhr nachts bemerkte ein Aufsichtsbeamter, dass aus den Kellereien des linken Flügels starke Rauchtvolkcn herausdrangen. Er gab sofort Feuermeldung an die nächsten Revierivacken, die in wenigen Minuten zur Stelle waren. Wie sich herausstellte, Waren die hölzernen Lerschläge, in denen sich die Garderobe des Maschinen- Personals, elektrische Leitungsdrähte und Materialien sowie Deko- rationsstücke befanden, durch Kurzschluß i» der Starkstromleitung in Brand geraten. Tic Feuerwehr griff mit mehreren Leitungen an, iwch erschwerte die starke Oualmcntwickelung die Löscharbcitcn sehr erheblich. Erst gegen 5 Uhr morgens konnte die Gefahr als beseitigt gelten. Durch den Brand selbst ist ein« Störung im Betriebe des Eispalastes nicht eingetreten. Vorort- J�admcbtcn« Schöneberg. In der Stadtverordnetenversammlung icistc der Vorsteher. Gras Matuschla, zunächst mit. daß die Grundsteinlegung des neuen Rathauses am W. Mai d. I. stattfindet. Vom Magistrat wurde Keiiiitnis gegeben, dass die Eröffnung des städtischen Ov- dachs im Südg�lände nicht im April, sondern wahrscheinlich erst am 1. Oktober vorsichgehen kann. Daher sei die Verlängerung der Mictsverträge für die gemieteten Wohnungen notivendig ge- worden. Genosse Reiche ersucht um Auskunft, weshalb die Er- offnung solange verzögert ivird. Ter Magistrat schwieg sich aus. Tie Vorlage wurde zwecks Klärung dem Etatausschuss überwiesen. Aus SparsamkeilSrücksicht Ivuroe ersucht, von der Anlage eines Fahrstuhls im Alters- und Siechenheim in Tcutsch-Wusterhausen Abstand zu nehmen. Für diesen Aufzug, der zur Aufnahme von Personen und zur Beförderung von Speisen, Wäsche uflo. not- wendig ist, sind bereits.tvtX) 38. bewilligt; es ist jedoch ein Mindestangebot von l>?75 M. abgegeben worden und da erscheinen mit einmal die Mehrkosten als zu hoch. Ilm nun die Kosten der ersten Anlage fmvie die Betriebskosteic zu spare», soll von der Einrichtung des Aufzuges Abstand genommen werden. Genosse Daum ig verurteilte das Vorgehen deS Magistrats. Gerade den alten und siechen Leuten sollte man ihre letzten Tage so angenehm wie möglich machen und daher den Aufzug errichte». Ter auch die Liberalen das Vorgehen nicht gutheißen konnten, so wurde die Vorlage einem Ausschuß üvcrlviescu, dem die Genossen Reiche und T ä u m i g angehören.— Tie Gemeinde Boldixurn beabsichtigt, am Föhrer Strand eine Schutzmauer zu errichten, die auch vor dem Schöneberger Kinderheim vorbeiführe» soll. Den «inen Teil der Kasten übernimmt die Gemeinde selbst, den anderen Teil sollen die Anlieger übernehmen. Es würden für die Stadl an 4000 M. Kosten entstehen. Auch diese Vorlag« soll erst geprüft werd«n.— Ter Zuschuß an den Berliner Ashlvercin für Obdacl)- lose wurde von 1000 M. auf 1500 M. erhöht. Um den südlichen Teil der Maxstrahe zu asphaltieren, der- langte der Magistrat 17 500 M. In der Begründung wurde an- gegeben, dass bei der Beerdigung des Oberbürgermeisters Wilde Von vielen Seiten der Wunsch geäussert wurde, die Strasse mit gutem Pflaster zu versehen. Genosse K ü t c r empfahl, die Vor- läge solange zurückzustellen, bis die Neubauten der Tesinfettions- anstatt und des Shassenrciiiigungsdepots fertig stich, damit keine doppelten Kosten entstellen. Stadtrat Licht hält die Asphaltierung zwar für dringend erforderlich, ist jedoch cdenfalls der Meinung, dass diese Arbeite» nach Fertigstellung der Neubauten ausgeführt werden sollen. Die Borlage wurde angenommen. Seit dein 1. April ist der Schulrat Kob in den Ruhestand gc- treten; an seiner Stelle ist der Berliner Stadtschulinspettor S t ub b c mit einer Vergütung von 4000 M. getreten. Für die Jahnfeier in der Hasenbaide, am 17. und 18, Juni, soll die Stadt 1850 M. beisteuern. Stadtv. Zobel(üb. Frakt.) lobte diesen Beschluß und gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Feier dazu beitragen möge, einen Einfluß auf die Bebauung aus- zuüben. Genosse B e r n st e i n erklärte, dass, wenn die Feier mit dem propagandistischen Wirten der Turnerei verknüpft wäre, die So. fiatdeinotraten dafür stimmen würden, da sie ebenfalls Freunde er Leibesübungen seien. Jahn sei jedoch eine Doppelperson gc- Wesen und selbst Liberale hätten sich gegen ihn ausgesprochen. Die Feier werde tvahrscheinlich nur zu byzantinischen Zwecken ausgenutzt«oerden und darum stimme die sozialdemokratische Fraktion gegen die Vorlage. Dieselbe wurde zedoch gegen die Stimmen unserer Genossen angenommen. Zu der Verbreiterung der Unterführung deS Sachsendammeö, unter dem Anschlußgleis chom Rangicrbahnhof Tempelhof nach dem Ringbahnhof, zahlte die Stadt einschließlich des Abbruchs des alten Bauwerls 100 000 28. Baukosten, ferner eine einmalige Enr- schädigung von 14 000 M. für Unterhaltung und Erneuerung des Bauwerks, sowie«ine jährliche Auerkennungsgebühr von 42 M. für Mitbenutzung der unter dem Bauwerk befindlichen eisenbahn- fiskalischen Stratzenlandsläche. Die Wahl des neuen Stadtbaurats wurde auf Montag, den 1. Mai, abends 7 Uhr festgesetzt. In Vorschlag kommt der Stadt» baurat R o e m e r- Hagen. Eharlottenburg. Eine längere Störung im Straßenlahnbetriebe ereignete sich an, Montagnackmittag in Charlottenburg. In der Berliner Strasse vor der Technischen Hochschule war einem in der Richtung nach Berlin verkehrenden Straßenbahnwagen der Linie T der Berlin-Charlotten- burger Straßenbahn das Zahnrad gebrochen, wodurch der Waggon betriebsunfähig wurde. Durch Mannschaften des Rettungswagens der Straßenbahn wurde der Wagen transportfähig gemacht und nach dem Depot Westend gebracht Während der Dauer der Störung, die von'st4 bis sltö Uhr währte, wurden die Wagen der Linien N, T und u über den Kurfürstendamm, Corneliusbrücke und Großen Stern abgeleitet. Rixdorf. Ueberfahren und schwer verletzt wurde vorgestern abend gegen st Uhr der 22jShrige Tischler Wilhelm Laban. L. wollte an der Ecke Weser- und Weichselstraße den Fahrdomm überschreiten, dabei geriet er gegen das Fuhrwerk einer Spritfabrik. Der Tischler wurde um- avoffen und überfahren. Er erlitt Quetschwunden am Kopfe und «nnere Verletzungen; das linke Ohr wurde ihm vollständig ab- gerissen. Der Verunglückte erhielt auf der Rixdorfer Unfallstation Notverbände und wnrde von dort»ach dem Krankenhanse in Buckow übergeführt. Lichtenberg. Mit der KrankenhauSbaufrage wird stch wiederum die am Donnerstag, den 27. April, abends S'/z, tagende Stadtverordneten- Versammlung beschäftigen. Hoffentlich machen die Herren Schachtel und Genossen nicht wieder von neuem Einwendungen. Bon einem Radfahrer überfahre» uud schwer verletzt wurde am Aiontagabend gegen 7 Uhr d,e lSjährige Erna Sels', Kantstr. 4 bei ihren Eliern wohuhast. Das Mädchen wollt« bor ihrem Hanse den Fahrdamm überschreiten, als ein Radfahrer in rasendem Tempo herannahte. Ehe das Kind ausweichen konnte, wurde es vom Vorderrad ergrissen und so heftig zu Boden geschleudert, dass eS einen Schädelbruch und eine Gehirnerschütterung erlitt. Das ver- unglückts Mädchen wurde von Passanten in die elterliche Wohnung gebracht. Der riicksichlslose Radfahrer entzog sich seiner Festnahme durch die Flucht. Lber-Tchönettieide. Das Kuratorium der Pflichtfortbildungsschule haitc sich in seiner letzten Sitzung, der auch ein Regierungsvertretcr beüvohitte, mit der in der Gemeindevertretung von unseren Genossen erhöbe- neu Anfrage zu beschäftigen, ob die im Kabelwerk Oberspree erfolgte Littlassung zweier jugendlicher Arbeiter damit zusammen- hängt, weil sich dieselben weigerten, dem von der Fortbildungs- schule protegierten Wandertlub oeizutretcn. Tie Vcrbandlung hierüber ergab wie zu erwarten war, ein negatives Bild. Von dem Schulleiter wurde die Ausübung jeglichen Zwanges in Abrede gestellt; nickt festgestellt konnte jedoch werden, od nicht von den in Frage kommenden Lehrpersonen. iveldic gleichzeitig Angestellte des Kabeltoerics sind, ein unberechtigter Einfluß ausgeübt worden sei. Von unseren im Kuratorium vertretenen Genossen wurde die ganze Art und Weise der so überaus verdächtig aussehenden Fürsorge für das Wohl der Fortbildungsschüler als Massnahme der Reaktion gegen die Bestrebungen der Arbeiterschaft gekennzeichnet. Es wurde auch festgestellt, dass an der Schule ein Wanderklub be- steht und ausserdem noch Turn- und Schachspiellunterricht erteilt wird. Ter Schule gehören jetzt 700 Schüler an. Die Frage der Schaffung einer gemeindlichen Arbeitslosenversicherung und Eruchmug eines Arbeitsnachweises ist von der Gemeinde- Vertretung einer Kommission zur Beratung überwiesen worden; es hat jedoch den Anschein, daß die Sache im Sande verläuft, denn nach dem Ergebnis der ersten Sitzung ist zu erwarten, daß die von nnsercn Genossen beantragte Regelung betreffs Aufbau dieser Ein- richtung keine Annahme finden wird. Bekanntlich ist vorgesehen, daß sowohl die Auszahlung des kommunalen Zuschusses als auch die Kontrolle der Arbeitslosen den Gewerkschaften zugeteilt ist, soweit sie Arbeitslosenunterstützung leisten. Die Berücksichtigung der verhaßten Gewerkschaften ist nun den in der Kommission vemetenen Herren Fabrikdirektoren etwas Schreckliches, dein sie ihre Zustimmung versagen wollen, um nicht etwa zu einer cstärkung derselben beizulragen, ein Standpunkt, der durch nichts begründet ist. Man darf übrigens gespannt sein, welche Vorschläge zu anderweiter Regelung nun von dieser Seite kommen werden, denn es dürft« nicht ganz leicht sein, etwas Zweckentsprechenderes an dessen Stelle zu setzen, ohne die Gemeindelalse zu belasten und die Beteiligten allerlei unnützen Behinderungen auszusetzen. Man kann sich eben keine öffentliche Einrichtung denken, bei der nicht BureaukratiSinns oder Polzeibüttelei ihren Einfluß geltend machen können. Die Abneigung gegen alleS, was Arbeiterorgani« sation heißt, treibt sonderbare Bluten; etwas anderes ist es aller- dings. wenn, wie erst kürzlich, es sich darum handelt, vaterländischen Frauenvereinen Subventionen z» belvilligen. Treptow-Baumschulenweg. Die hiesige Gemeinde hat in ibrer Griludsteuerordnung be» stimint, daß zu den unbebaute» Grundstücken zdic höher besteuert werden) auch Vachtgrundstücke gehören, auf denen vorn Pächter Gebäude errichtet sind, wenn der Pachtvertrag aus nicht länger ast!!0 Jahre unlösbar geschloffen ist. Das traf zu auf ein Treptower Grundstück der Jerusalemitiftung. Tie Stiftung wurde deshalb mit dein höheren Prozemsay für unbebaute Grundstücke zur /Grundsteuer herangezogen. Sie klagte auf Ermässigung, weil es sich um ein bebautes Grundstück handele und eine Steuer- ordnung bebaute Grundstücke nicht als imbebauto hinstellen könne. Tie Klage wurde jedoch jetzt in letzter Instanz vom Ober- verwaltungSgcricht abgetviesen. Die fragliche Bestimmung der Sieuerordnung, wonach auck> Grundstücke, die bebaut sind, unter Umständen als unbebaute gelten sollen, sei rechts- gültig. Tie Autonomie der Gemeinde sei in der Beziehung nicht eingeschränkt. Daraus ergebe sich die Abweisung der Klage. U n- erheblich sei demgegenüber, dass die Stiftung Anliegerbeiträge gemäss 8 15 des Fluchtliniengesetzes habe zahlen müssen, weil Bau- lichkeiten auf dem Grundstück an der Straße errichtet worden seien. Das sei ein anderes Rechtsgebiet. Stralau. Eine gutbesucht« Volksversammlung beschäftigte fich vor einigen Tagen mit den Beschlüssen der Gemeindevertretung aus Anlaß der Etatberatung. DaS Referat hielt der Äemeindevertreter Genosse Wessel, der in einer etwa zweistündigen Rede daS sozial rück- ständige Verhalten der bürgerlichen Vertreter kennzeichnete. Ins- besondere erwähnte Redner die Gründung des Kinderhort, die wir bereits in dem Bericht über die Etatberotungen würdigten und die damals von unserem Vertreter richtig gekennzeichnet- wurden. Auch die skandalösen Schulverhältnisse unterzog der Redner einer treffenden Kritik. Eine vom Referenten vorgeschlagene Resolution, die sich gegen die erwähnten Beschlüsse und Mißstände richtet, gelangte ein- stimmig zur Annahme. Gemeindevorstand und Gemeindevertreter glänzten, obwohl die- selben schriftlich geladen waren, durch Abwesenheit. Nieder- schvuetveide. In der Generalversammlung des Wahlvereins hielt Genosse G r o g e r seinen letzten Vortrag über:.Die politischen Parteien und ihre Programme". Nach dem Vorstandsbericht über das letzte Quartal haben statt- gefunden eine Generalversammlung, zwei Mitgliederversammlungen und eine öffentliche Versammlung. Die Genossen wurden auf- gefordert, sich im neuen Quartal an den Parteiarbeiten reger zu beteiligen, wie bisher, da unö nur noch eine kurze Zeit von den Reichstagswahlen trennt..BorwärtS'-Leser find 294 am Ort. Der Kassenbericht weist eine Einnahme von 204.31 M. und eine Aus- gäbe von 52,90 M. auf. 136,21 M. wurden an die Zentralkasse abgeliefert. Der Mitgliederbestand beträgt 168, darunter 26 weib- liche. Die diesjährige Maifeier findet im Lokal Kyffhäuser statt. Am Nachmittag von 4 Uhr ab wie alljährlich Gartenkonzert. Die Konsumgeschäftsstelle wird am 1. Juli eröffnet, doch muß dafür Sorge getragen werden, daß noch bedeutend mehr Mitglieder ge- Wonnen werden. Wilhelmsberg- Hohen- Schönbause«. Die Gründung eines ArbeitergesangverelnS bezweckt«ine vom Deutschen Arbeitersängerbund, Gau Berlin, zu morgen. Donnerstag, abends Ö1/» Uhr, nach dem Lolal von Beyer, Berliner Str. 93, ein- berufene öffentliche Sängerversammlung. Alle Sänger und Sangesfreunde, die dem neu zu gründenden Gesangverein beizu- treten gewillt find, werden ersucht, in der Versammlung zu er- scheinen. Weihensee. Gegen die gevlante ReichSverficherungsordiwitg protestierte eine im Schloß Weißensee stattgehabte öffentliche Versammlung. Der Rekerent, Arbeitersekretär B a u e r» Berlin, zeigt« den Versammelten in seinen etwa zweistündigen von großer Sachkenntnis zeugenden Darlegunaen, wessen sich die Versicherten zu gewäriigen hätten. wenn diese reaktionäre Ordnung Gesetz würde. Di« vorliegende Protestresolution wurde von den etwa 500 Versammelten einstimulig angenommen. Bernau. Die letzt« Stadtverordnetenversammlung gab dem Entwurf des Regulativs für die städtische Wasserleitung ihre Zustimmung. Demnach soll 1 Kubikmeter Wasserentnahme für häusliche Zwecke 30 Ps. kosten. Bei Wasserentnahme zu industriellen usw. Zwecken soll bei einer Entnahme von 100—250 Kubikmeter int Vieteljahr 25 Pf. pro Kubikmeter, bei 251—500 Kubikmeter 20 Pf., bei Kjiblkmelex 15 Pf. und iifcj; IM Kubitmstrr ngck, Ueöereinkunft gezahlt Nerüen. Alsdann ivurde die Bildüng«tnsr Deputation für das städtische Wasserwerk beschlossen; derselben gehören Genosse Helbig als Stadtverordneter, sowie Genosse Urban als Bürger neben zwei bürgerlichen Stadtverordneten und zwei anderen Bürgern an. Gegen die Stimmen unserer Genossen sowie eines Bürgerlichen wurden 800 M. als Zuschuß für die Herstellung eines Führers für Bernau bewilligt. Ter Vertrieb sowie der" Ueberschuss soll dem Festausschuß für die Hussitenfest- spiele überwiesen werden. Tie Magistratsvorlage betreffend die Regelung des höheren Schulwesens, zeitigte eine längere Diskussion. Genosse Krüger gab seiner Meinung dahin Ausdruck, daß unsere Genossen nur dann für die höheren Schulen stimmen könnten, loenn sämtliche Minder zunächst die Gemeindeschule besuchten und nur die Be- fähigten ohne Vorschule in die höhere Schule aufrücken würden. Diejenigen Eltern, welche ein Einkommen von 2100 M. und darüber" versteuerten, sollten ein jährliches Schulgeld von 120 M. zahlen, für die niedrigeren Einkommen zollte der«chulbesuch ein unentgeltlicher sein. Genosse Heldig monierte die Mietung deS Kleineiitschen Grundstückes auf 3 Jahre, da nach Angabe die gegenwärtige Einrichtung des höheren Schulwesens� nur ein Provisoriums wäre und es dock? nicht anginge, sich auf so lange Zeit mit dem Besitzer zu binden. Es wäre auch gar nicht ausze- schloffen, daß die Regierung bei Genehmigung des höheren Schulwesens das Haus für Schulzwecke als nicht geeignet erachten würde; die Stadt wäre aber dann verpflichtet, dem Besitzer drei Fahre hindurch den jährlichen Mietszins von 2800 M. zu zahlen. Tie Magistratsvorlage'wurde jedoch gegen die Stimmen unserer Genossen angenommen. Schöntvalde(Bezirk Pankow). Tie Entrechtung der Arbeiter in der soziale» Gesetzgebung lautete das Thema, das in einer am Sonnabend in Schömvalde abgehaltenen, von über 100 Personen besuchten Versammlung vorn Genossen Müller behandelt wurde. Reicher Beifall lohnte dem Redner und einstimmig schloffen sich die Versammelten dem vom Referent empfohlenen Protest gegen eine derartige Entrechtung an. Nack einer Auswrderung des Vorsitzenden, die Lehren aus dem Gehörten zu ziehen und der Partei beizutreten, welche allen» die Interessen der Arbeiter vertritt, wurde diy Versammlung ge- schloffen. Biesdorf. Der letzten Gemeindevertretersitzung lag u. a. der neue Flucht- linienplan für die Dorsslraße zur Genehmigung vor. Für die Dorf- straße ist eine Durchschnittsbreite von 36 Meter vorgesehen. In der Mitte ein Streifen von 7 Meter für die beiden Fahrtrichtungen der elektrischen Bahn. Die endgültige Beschlußfassung dieses Punktes der Tagesordnung wurde bis zur nächsten Sitzung vertagt. ES fanden ferner die von unserem Genossen Müller schon lange geforderten Wahlen für dieeinzelnenKommiisionen statt. Jndie Etat- und Rechnungskommission wurde Genosse Müller gewählt. Ein Vertreter deS„Bcrl. Adreßbuches" hatte Verhandlungen angebahnt zwecks Aufnahme deS OrteS in das Borortsverzeichnis des Adreßbuches; er verlangte dafür 500 M. Genosse Müller wies darauf hin, daß doch eine große Anzahl Spekulanten in Biesdorf wohnen, für die es eine Kleinigkeit wäre, diese Summe zu zeichnen. Die Mehrheit stimmte dieser An- regung zu; der Betrag soll durch Zeichnungen aufgeblacht werden. Nowawes. Die gewerbliche Fortbildungsschule, die sich in den letzten Jahren außerordentlich günstig entwickelt hat, soll nunmehr einen bauptaml» lichen Leiter erhalten. Gewählt wurde der bisher im Nebenamt tätige Leiter dieser Schule, Volksschulrektor Schenck, der bereits früher in Frankfurt a. 28. ein derartiges Amt inne hatte und der sich bei der Ausgestaltung unserer Fortbildungsschule Verdienste erworben hat.— Wie begehrenswert übrigens eine derartige Stellung der Lehrerschaft erscheinen muß, beweist das Ergebnis der Aus- fchreibung: ES hatten sich insgesamt 84 Bewerber gemeldet, von denen nur vier zur engeren Wahl kommen. 31 Bewerber, unter ihnen 11 Rektoren, waren bereits reiv. sind noch hauptamtliche Leiter von Fortbildungsschulen, während die übrigen, meist BolkSschullehrer und Techniker, an einer Fortbildungsschule nur im Nebenamt oder über- Haupt noch nicht tätig waren. Potsdam. Stadtverordnetenversammlung. Nach Erledigung elittr Reihe Etatsrechnungen für 1908 und 1909 stimmte die Versammlung der Einführung der elektrischen Beleuchtung der Brauer- und Berliner Strasse zu. Anlagekoften 2500 M. und jährlich Betriebskosten 645 28. mehr gegen die jetzige Gasbeleuchtung. Die Besitzung Luisenhof wird gegen einen jährlichen Pachtzins von 5500 M. an den Kaufmann A. Kriese-Berlin vermietet. Der Antrag des Stadl». Winzler, hier wieder wie in früheren Jahren auf einem Teil des Grundstücks einen Restaurationsdetrieb(Neuer Tornow) einzurichten, fand keine Gegenliebe; man war ebenso wie der Stadtrat Krause der Ansicht, daß es für einen Kapitalisten nicht angenehm sei, den Rauch der Nachbarschaft zu schlucken, den jetzt schon zum Teil die daneben befindlich« Mälzerei verbreitet. Das Grundstück Beblertstr. 32 wird an den Major Freih. v. Stöffel für 1500 M. JahreSzinö auf 5 Jahre verpachtet. Diese Miete ist sehr gering. Da aber in Potsdam-2� Proz. Müllabfuhr- und Kanalisationsgebühr gezahlt werden, Steuern aber die tonser- vatiden Herren nicht gerne zahlen, so will Freih. v. Stöffel, als deren Vorsitzender, eine einmalige Summe twn 3000 28. zur besseren Instandsetzung der Villa zahlen, die dann steuerfrei ist. Für daS Naturtheater packtet die Stadt«inen 2 Hektar großen Platz auf dem BrauhauSberg. den ne dem Leiter Axel Delmgr-Steglitz gegen Zahlung von 200 28. jährlich überläßt. Al. Betriedsfonds sind aber 3000 M. statt 2000 28. zur Verfügung zu stellen. Das Elektrizitätswerk, an das durch Anschluß zablreicher Nachvargemeinden ständig erhöhte Anforderungen ge- stellt werden, ist zu klein. Es soll eine neue Dampfturbinen. anlage mit allen maschinellen Anlagen zum Preise von 305 000 38. erhalten, die in einer demnächst aufzunehmenden größeren An- leihe Deckung findet. Für die im vorigen Jahre errichtete Frauenbadeanstalt hat ein« Bürgerin 1000 M. für Erweiterungsbauten gestiftet. Die Stadt will daneben ebenfalls 900 M. aufwenden und die notwendigen Arbeiten sofort vor- nehmen,'_________ Versammlungen. Zentralverband der Handlungsgehilse« und-Gehilfinnen Deutsch- laudS, Bezirk Berlin, Die Mitgliederversammlung vom 21. April nahm zunächst den Kassenbericht über das 1. Vierteljahr 1911 ent- gegen. Die Abrechnung schließt in Einnahme und Ausgabe bei einetn verbleibenden Äasseubestande von 3422.05 M. mit 13 695,54 M. ab. Die Zahl der Mitglieder hat sich gegenüber dem 4. Vierteljahr 1910 um 257 erhöht und beträgt jetzt 2053. Aus dem Borstandsbericht ist zu bemerken, daß in der Berichtszeit außer den regelmäßigen Sitzungen der OrtSverwaltungen und der Bezirke 13 öffentliche Versammlungen in Berlin und den Vororten statt- fanden, von denen sechs Versammlungen allein sich mit der Berliner KausinamtSgerichtSwahl beschäftigten. Femer fanden sechs Betriebsversammlungen und eine Zusammenkunft der KausmannSgerichtSbeisitzer statt. Zirka 525 000 Druckschriften wurden anläßlich der KaufmannSgerichtSwahl an die in Berlin beschäftigten Handlungsgehilfen verteilt. Die Versammlung nahm sodann einen Bericht der Agitationskommission für die Vororte entgegen und be- schloß ferner, den Beitrag für Mitglieder bi« zu 17 Jahren auf 30 Pf. pro Monat festzulegen und eine besondere Abteilung für dieselben einzurichten. Zum Schluß wurde noch auf die am 1. Mai. mittag» 12 Uhr. im.Deutschen Hos" anberaumt« Maiversammlung hingewiesen und um zahlreiche Beteiligung an derselben ersucht. Die Kisten- und Kvffermacker hielten am Montag eine gut be- suchte Versammlung ab, in der zunächst der Obmann Märten den Tätigkeitöbeiicht der BcavcheMitul'g für das abgelgufeue ffiiciltU fdljt etpaTfeTe. NaH c'nfi fZngeten ÜSfujftoit u?er tcn 5cticf>f befaßte sich die Versammlung mit der Ma i fe i er frage. Wie Märten betonte, hat die Äranche der Slisten- und Kofscrmacher noch nie in dieser Frage biutenan gestanden uird sich stets an der Maifeier beteiligt. Tie Aeteiligungszifser war von allen Bran- chen verhältnismäßig immer eine der besten mit und es sei zu hoffen, daß sich in diesem Jahre noch mehr Werkstellen wie früher an der Feier beieilisien werden. In der Tebattc wurde darauf hingewiesen, daß es in mehreren Betrieben den Mitgliedern nicht möglich sein wird, die Maifeier durchzuführen, weil es in einigen an einer straffen Organisation fehlt und in anderen Betrieben die Mitglieder, wie z. B. in der A. E. G.. einen winzigen Bruchteil des Gesamtperfonals darstellen. Da der Metallarbeitervcrband seine wegen der Maifeier gcmaßrcgelten oder ausgesperrten Mitglieder nicht mehr unterstützt, sei auch nicht zu erwarten, daß sich die Me- tallarbeiter in den Betrieben, Ivo sie die Aussperrung zu gewärtigen haben, an der Maifeier beteiligen iverden. Andere Redner ermunterten die in solchen Betrieden beschäftigten Holzarbeiter zur Teilnahme an der Maiseier und wünschten, daß in solchen Fällen Iis DerkstellenbbrfMmIungeN züd Maifeier Sfcffuflg gelloMlitft werde. Tie Haltung der Buchdrucker- und Metallarbeitervertreter in der Sitzung der Geweriscbaftslommission wurde mißbilligt. In der Ansammlung von Bezirksfonds sei keine Förderung des Mai- gedankns zu erblicken, sie bedeute den Maimord. Tem Beschlüsse der Generalversammlung trat schließlich die Lersamnilung ein- stimmig bei Sesc- und Tüskotierklub.Ttralauer Allee». Heute Miilwoch- abends Uhr, Sihuuz bei Kellenberg, Caprivistr. 20: B e s ch I u tz- assUNgzurauberordentlichenGeneraldersanimlung. eingeZangene v�uckfcknkten. lZahrbuib des Deutschen Nrbeiter-StenograPhenbuadeZ ISll. 120'S.®. Richter, Lahr i. Baden, Die weifte Amsel. Erzählung von A, de Musset, L M,, geb, Z M. — Diskussion. Hest 8. Herausgeber H, Ostwald. AZ Ps, H. Bondy, Berlin W. 15. W-ffevstalldS.Slachrichte» der LaudeZübstalt für Gewässerkunde, mitgelellt vom Berlwsr Kelkechuktas. vasserllimd M« m e l, TM B r e g e l, Jnstrrbnrz Weichsel, Äor» Oder, Ratibor , Krosse» , Kranhurt Warthe, Schrinm» . Landsberg Netz«, Vorsamm Elbe, Lettmerttz . Dresdeu , Barby . Magdeburg >1+ bedeutet Wuchs,— Kall.—«) Unlerveoel. H. Greifenhagen Nachf. Brunnenstr. 17-18 Mittwoch, Donnerstag, Freitag Veteranen«tr. 1-2. Doppelte Rabattmarken Wir geben sonst bei einem Einkauf von 1 Mark««b Ä hl. s 4 Rabattmarken, in diesen Tagen Jedoch O ifCsllla .,,&-"'.>�4'-..-'5}.•• j � Mittwoch, den 26. April. Ansang T'/j Uhr. KSuigl. Lpcruhaus. Die Zauber- flöte. KZuigl. Schauspielbaus. Die Stützen der Gesellschaft. deutsches. Faust. 2. Teil.(Ansang 6 Uhr.) Ansang 8 Uhr. Rammerspiele. Gawän. skeues königl. Cpern-Dbeate». Der Amerikascppl. Aeues Schaulvield. Wienerinnen. Sellin g. Glaube und Heimat. Romische Oper. Orpheus tu der Unterwelt. Rleines. Der Lelbgardlft. Berliner. Bummelstudenten. Nachmittag« ll'/, Uhr: Nathan der Weise. Weste». Die lustigen Nibelunaen. Sieues. Mein erlauchter Slhnherr. Sustspielhau». Der Ziegisttator aus Reifen. Drianon. Thsodor« u. Tie. Residenz. Fernand« Ehekontrakt. Dhalta. Polnisch« Wirtschast. Schiller«». iWaiUier- chheater.) Die Liebe wacht. SchtUe,(kharlottenburg. Im Klubsessel. Kriedrich. Wilhelmstidtische». irasernenluft. Herrufeld. ScheidungS-Souper. Die Bar- Schwester. Rene« Ot-erett««. Der Gras von Luxemburg. «olksoper. Die Zauberflbl«.(An- sang S'f. Uhr.) Sülsen. Aus erster Ehe. Modernes. Grvtzftadtlusl.(Ansang S>,. Uhr.) Role. Robert und Bertram. »lies ikaprie». Werthcim wird platzen! III. Klasse.(Ansang L'/. Uhr.) Metrovol. Hurra— Wir leim noch I Rasiiio. Zwei Lappen. Voigt. Gefallene Mädchen«der: Im Banne des Wüstlings. Apoll«. Spezialitäten. vallage. Spezialitäten. NoaE. Der Fluchiling. Virichsballen. Sleiliner Einger. berliner Theater. Abends 8 Uhr: Btuunielcitudeiiteji. Margm:«nmmclftudrnten. Neues Tlieater. Täglich: Mi MM Uerr. Anfangs Uhr. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Die luftigen Nibelungen. Sonnt. 3'/, Uhr: Diegetchleileiie Fr««. Karl Haverlan». Sv-zialitälen. M"' Spezialitälen. Walhalla. Bravo I Da capo l Wintergarten. Epe lÄnfang 8'/. Uhr.) Intimes. Rachlarbcit. Madame Madeleine. Urania. Taudenftrafte 4«/«S. Abends 8 Uhr: Lebende TierbUder von nah und fern. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62. KaiserPanorama. Besuch der Ostseebäder. Reise über den Brenner nach Venedig. 8eIi!IIer-7hester0.zd°� Mittwoch, abends 8 Uhr: VI« Dtetbe wacht. Donnerstag, abend« 8 Uhr: Oer Traum ein l-eben. r ei tag, abends 8 Uhr: er Band der dnxend. Ä Schlller-Tbealer"SSr Mittwoch, abendsSUhr: Im Klnbaeaael. Donnerstag, abends 8 Uhr: Dar Oinemvl ant Lrden. Freitag, abend» 8 Ubr: TJeheiGi. Hieraus: Llteratnr. Friedfich-Wiitieliuslddtisclies Schauspielhaus. Mstlwoch. den 26. April. 8 Uhr: Kasernenlurt. Morgen und folgende Tag«: Kaserne, Uust.__ Berliner Volksoper vellc-Alliancestroche 7/8.—',,g Uhr: vie Xauderklüte. ee8illeli?-lliöstes. Direktion: Richard?llexandtr. Abend« 8 Uhr: Fernands Ehekontrakt. Schwank in 3 Allen von Georges Zehdeau. In deutscher Bearbeitung von Benno Jacobson. Schlug der Spielzeit: Sonntagr, den 80. April. Wiedererössnung Donnerstag. den 3. August._ Lusispielhaus. AbendS 8 Uhr: Der RegiSraw ouf Keisev. Luisen-Theater. Llbends 8 Uhr: Aus erster Ehe. Schansp. w 5 AN. v. Ernst Ritterscldt nach einer Erzählung von H. CourlL Möhler. Donnerstag: Au» erster Ehe. !OSE=THEATE Ar°tze Krankfurle» Str. 122. j Anf S uhr Ende t l Uhr. Robert ulld Sertraw. Voss« mit Gesan�w« Abteilung« JswsrKtog: Nuttersegxa, ß Letzte Woche! Der sprechende Hund univnlttT*"**11" 12 Attraktionen 12 ü. s.: Roda Roda« Ranchen gestattet._ Mefropol- Theater. Wegen Vorbereitung geschloffen. „euotl" or:nr-i8sORi koxzerthavs Mauerstr. 82 Zimmerstr. 90-91 Heute nachmittag: Gr. Promeiiaden-Konzert. Außerdem abend«: Kapelle des Kaiser Alexander�Regiments, Dirigent: KgL MuaiVctirektor Braue, bei freiem Eintritt. spÄ SporJ-Palast Aul vielseitigen Wunsch bleibt bis auf weiteres geößnet als; Größter Eispalast der Welt.. Allabendlich: Glänzende sportliche Vorführungen und die Ansstattangs-Fcerk- „Eisfest an der Neva." Eintritt bis 5 Uhr 50 Pf. Nach 5 Uhr M. 1,—, reservierter Platz H. 2,—. Achtung! wesellschafteu. lvereiuen u. Wciwcrtichnftcn empfehle ich mein herrlich am Wasser, Wald und Bergen belegenes Ausflugs- lokal.— Billigste Dampferver, nietung.— Hochachtungsvoll > Schmöckwitz, ltohsd Voigt, Kramponburg, Irospekt grak Ami Köpenick, Rr. 227. Abends ab 8 Uhr: Letzte Woche hell gr. Weltstadt-Programms. »'/. Uhr: ttsinciok ppsng d: seiner Burleske Ein Gemütsmensch. MM» SensationS-Erfolg der drei Novitäten Das Scheidlnigs-Zauptt von Julius Horst. Tie Bar- Schwester von Anton und Donat Hennseld. Ei» Derlobungsgtschäst von Anton und Donat Herrufeld mit den Autoren in den Hauptrolle». 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Herr Ernst Schumann mit den j neuesten Preiheitedresguren, I und das große Gala-Programm, j mi m hi i— nuij i wni>m Alt-noablC 4.7I4.H. DonnerSkaz, den 27. April 1911: i Ueisr des Hallen Lrbrecht'Winter: Dir. Hans Rcitz. Kasseneiössn. 7 Uhr. Ans. 8'/« Uhr. Nach der Vorstellung: :=: Tanz. «WWW»» am Bahnhof FriedrlchstraBe. EiS'Arena Nachmittags und nbend« Kunstlauf-Produktionen. Allabendlich das(eenhaft ausgestattete Eisballett. . Montreal | Die Stadt auf Schlittschuhen Die Kishahu isf für Sohlitt- bchuhlüufer ununterbrochen von 10 Uhr- vorm. geöffnet. Mittags: Korso hei Musik. mS�MHitärkaiielle | Abends: Einödshotor-KoRZOft Bis 7 Uhr halbs Knssenpreise. Unterricht im Schlittschuh- und Kunstlaufen wird erteilt Karl Haverland- Ansang THonicn Aommaiidanten- präz. 8 Uhr. Mklvl. swatze 77/79. Das Avrilproyiamm öbtr- tM'aSes Dageivtstue. ssteul Die schwebende Musik. Reiodsiftüeo-TdsiUör. Stette Sänger. Britton als Mittwoch, den 26. April 1911, abend« T'/i Uhr: Abschicds-Dor�äuug. Gr. Sport-Prograniffl. Auftreten deS Neinstc» Reit» künstlors der Welt Mi*. Baglionghi. Auftreten der beliebt. Schulreiterin Frl. Isora lftcbnmann. Rc. RTo.lxliii in seinen autzergewöhnlichev Leistungen. Berühmte Nellerjuunlle Clnoliv. Dir. i&Ib. Ptcbumaun mit seinen Original Schul- und Frei- heiisdressuren. Antonet A Groch die besten Clowns der Gegenwart sowie die übrigen Spezialitäten. Folies Capriee. laglich S'if Uhr: W o r t Ii e 1 m wird platzen k LSy" Bnatcp»olo-Tell. Od III. KlaNse. Konigstadt-Kasino. Täglich: Jfrtinr Sobannbl, Viktor Ritter, Lotte le Mans, Geschw. Waldov/, Adolf Holländer als Gast, der derühmte Improvisator The Wodlaws usw. Ter undantbare Soffn. Bolksstück ln 1 Akt von Relssllngen. Zkoseks 7Szsstsr. Dlrellion! Rodert Ulli. Berlin!?.. Brunnenstrüße IS. Der Flüchtling. Tchansplel n. d. glelchnom. Z�am« der.Berl. Morgenpost" v. P. Hiller. Ansang 81/, Uhr. Entree 30 Ps. bis 1 Mark. Vorzugskarten, überall zu bab., gltltig. Vasina Lolhringer Stratze S?. Von Presse und Publikinn onerkanntk Großartiger Lachersolg I ssZwei Wappen4* tmn Blnnientbal»nd Äadelbnrg. Dazu: Tartakolls llosaken-Ererritien. Sonntag ö'l, Uhr;.Maria«»r- (ein Weib ans den, Volte). VciKt-VStCtttcc Gesundbrunnen. Badstratz« 53. Mittwoch, den 26. Sluvil 1911: Grsollttte Mädchtll oder: Im Banne des TÄüstlingS. Mitlenbild in 4 Auszügen v. F. Schäfer. Kasjenerkssnutch 7. Ansang 8 Uhr. Für den Ynhalr der Inserate llbcrutuimt die Siedaktion dem Vnbliknm gegenüdsr keinerlei Zleruntwortung. WWsTodes-Anzeigen jMM SozialtooMselisrWalilyerEiD des 8. Herl. Reiclistags-Waltreises. STm 23. April verstarb unser Genosse, der Schlosser Lusfeiif Feige Sickinpen Str. 1. Ehre seinem Andenken J Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 27. April, nach- mittags 3'/» Uhr. von der Leichen- Halle des Moabiter Krankenhauses aus nach dem Heilandslirchhos, Plötzensee, statt. Um rege Beteiligung ersucht 227/4 Der Vorstand. Oeutsctier Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstolle Berlia. Todes- Anaelgc. Den Kollegen zur Nachricht, iah Mlser Mitglied, der Schlosser (Zustav kteixe am 23. April an Gehirnhautentzündung gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 27. April, nach- mittags 3'/- Uhr, vom Kranken- Hause Moabit aus nach dem Heilands-Friedhof, Plötzensee, statt. Rege Beteiligung erwartet US/20 Die Örtsverwaltnng. SozialdeiiiokratisüiiJablTereiD Spandau. Nachruf« Am Freitag, den 22. April, der- schied nach kurzem Krankenlager im Alter von 35 Jahren der Ge- nossc, Maurer Kar! FreäricK Bez. 7, Götelstr. 10. Mr verlieren in ihm einen tüchtigen und braven Genossen und werden sein Andenken stets in Ehreu halten I 14S0b Der Vorstand. oeMer Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter ttermaim Horn am 23. d. MlZ. im Alter von 37 Jahren verstorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 2S. d. MtS., nach- mittags-U/zUhr, von der Leichen- Halle deS Gethsemane-KirchhoseS, Nordend- Niederschönhausen, aus statt. 67/15 Um rege Beteiligung ersucht Die Bezirksverivaltung. _ I.A.: G. Kahlert. vi». Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Primenslr. 41, ÄÄ, 10— 2, 5—7. Sonntags 10—12. 2— 4 Von der Reise zurück. Dr. A. Pinkuss, 64/9 Frauenarzt, W., KleiststraOe 9, Am Montag früh verstarb nach langen, schwerenLeiden der Tischler Karl Eduard Tornow. Wwe. Auguste Tornow und Kinder. Beerdigung heute nachm. 5 Uhr von der Leichenhalle der Simeon- und Lukas-Gemeinde, Rixdors. Danksagung. Allen denen, welche unserem guten Vater, dem Wirker Moritz Voigt die letzte Ehre erwiesen haben, sowie sür die zahlreichen Kranzspenden sagen wir unseren herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebene» J. A.: Karl Voigt. Zentral-Ferband derj Fleischer. (Sektion der Dsrmarbelter.) Den Mitgliedern zur Kennwis, daß unser Kollege ködert«lesdike am 24. April an der Proletarier. lrantheit gestorben ist. Wir werden demselben ein dauenides Andenken bewahren. Die Beerdigung findet Mittwoch- nachmittag 5'/, Uhr von der Leichenhalle des Weitzenseer Fried- hoses aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 290/16 Der Lorstand. Danksagung. Sage hierdurch allen Freunden und Bekannten sowie dem Wahl verein, Bezirk 284, für die rege Bc teiligung meinen herzlichsten Dank. krsn Kurka nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters ttans Tpzcinski sage ich allen Beteiligien, besonders den Herren Kollegen der Ortskranken lasse der Kausleute, sowie dem Trans portarbeiter-Verband und den(Se nassen des vierten Berliner Wahl- kreiseS meinen innigsten Dank. Anna Trzcinski. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres Vaters Albert Ldioning sagen allen Freunden und Bekannten, dem Wahlverein, dem Verband der Lithographen und Steindruckcr, sowie den Kollegen der Firma Böhme unseren herzlichsten Dank. Marie Schöning geb. Kieck nebst Kindern. anerkannt befles deutsches Fabrikat •-fe-ch �zmarW, Union Augsburg •-NJ und UertreWn� � �ZfW-es.Markgralw'«� Erslkteige ffl nur nach lllaB anerkannt best.Rns- führnng, garantiert tadelloser Sitz, liefert aut Tcilzahlnng zu Kassapreisen wöchentlich-g Mark von an. Schneidermeister, 76 Dresdener Straße 76 nahe Thalia-Theater. S. Geschäft: Schöneberg, Hauptstr. 158. MtlüMfiMIMMj Extra- Abteilung I i. Gesch.: Berlin W., Mohren- 1 StraSe37a(2. Haus von der| Jerusalemer Straße). III. Gesch.: Berlin NO., Große 1 Frankfurt. Str. IIS(2. Hausj von der Andreasstraße). I Sohrgr.Äusw. fert. Kleider,| j Hüte, Handschuhe, Schleier[ letc. v. einfachsten bis zum! ] hochelegant. 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