Nr. 100. 28. Jahrg. Abonnements- Bedingungen: Abonnements- Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage, Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemar?, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 60 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. ,, Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Bfg.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Bfg. 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IT. dem erhofften Beharrungszustand noch immer um 18,3 schwinden unter dem Druck der Militärherrschaft Millionen zurück.- Die Wechselstempelsteuer brachte Alter und neuer Partikularismus. und der modernen Grund herrlichkeitsabgabe, ſelbſt gegenüber dem minimalen tatanschlag von 3 Millionen welche nunmehr ganz Deutschland an die Junkerschaft zu ent-( im Beharrungszustand 8 Millionen) ein Minus von 1,6 Millionen. richtet hat. Ebenso hat der Sched stempel, der im Beharrungszustand 12 Millionen bringen sollte, von dem man aber im Stat nur 7,3 Millionen einsetzte, nur 3,5 Millionen gebracht, also 3,8 MilliEinzig die Grundwechselabgabe hat den Etatansatz von 25,5 Millionen um 17,3 Millionen überſtiegen, wobei freilich noch immer die für den Beharrungszustand erhoffte Einnahme nicht erreicht ist. onen weniger. Was ergibt sich also, wenn wir die neuen Steuern( mit Auser= Diese taste wird von ihrem llebermut über jegliches Maß Die ostelbische Junkerschaft empfand es schmerzlich, daß und Ziel hinaus fortgerissen. Mit der ganzen Welt möchte sie ihr großpreußischer Partitularismus bei der im 3ollfrie g leben, um daheim die Preise für ihre agrarischen Sie trauten Reichsgründung ganz zurückgedrängt wurde. Produkte gänzlich ungestört diftieren zu können. Sie ist es, der Bismarck nicht mehr zu, daß er aus den neugeschaffenen das große Mißtrauen gilt, das alle anderen Mächte Zuständen noch werde besondere Vorteile für feine eigene dem Deutschen Reich entgegenbringen. Diese Kaste verfolgt Klasse herausschlagen können. Sie nahmen die Komödie alles, was nicht nach ihrem Muster zugeschnitten ist, das ernst, die er spielte, um bei der liberalen Bourgeoisie glücklicherweise niemand nachahmt, auch in der Gestalt des nahme der Erhöhung der Zölle und der Tabaksteuer, für die als moderner Staatsmann" zu erscheinen. Sie gerieten mit ihm in Streit, und beide Zeile verdächtigten und junkerlichen preußischen Leutnants nicht. Sie haßt Polen, mangels näherer Angaben Bergleichsziffern nicht möglich find) beschimpften sich vor der Deffentlichkeit. Das wurde anders, Dänen, Franzosen, Schweizer, Italiener, Spanier, Engländer, in ihrer Jit- Einnahme mit der Aufstellung des Etats für 1910 beschimpften sich vor der Deffentlichkeit. Das wurde anders, Türken und Amerikaner und sogar an den Russen liebt sie vergleichen? Nichts anderes, als daß die wirklichen als Bismarck den Kulturkampf aufgab, mit dem Sozialisten- nur gesetz die nationalliberale Partei sprengte und seine schuk- nur die Polizeiknute und das sibirische Totenhaus, aber sie Einnahmen um 15 Millionen hinter den Einnahmen zurüdgeblieben find. Zöllnerisch agrarische Politik begann. Jetzt zeigte sich, daß er tobt gegen russischen Roggen, russische Schweine, russisches warteten Die Zeit abgewartet hatte, die ihm erlaubte, die Maske ab- Geflügel und russische Eier. Schon einmal hatte sich eine un- obwohl man bereits bei der Aufstellung des Etats diese Einnahmen geheure europäische Stoalition gegen sie gebildet; seit den jüngsten um 130 Millionen niedriger angefekt hat, als zuwerfen, die er zur Täuschung der liberalen Bourgeoisie ge- Veränderungen hat diese zwar aufgehört, aber sie muß und dem Beharrungszustand entspräche! Gs zeugt also tragen. Jett regnete es Zölle, Prämien und Liebesgaben zu wird wiederkommen, so lange die Politik des Reiches von von unglaublicher Bescheidenheit oder unsäglicher Dreistigkeit des gunsten der Junter. Die vorher beim Verkrachen in drohen junterlichem Geiste getragen ist. der Nähe angelangte Raste begann sich zu erholen, begann sich zu erholen, die ergiebigen agrarischen Beutezüge verschafften ihr den ver- eine europäische Stoalition ihre Stöße gegen das Reich richtete, Und wenn einmal der gefürchtete Weltkrieg fäme, wenn Schnapsblods, wenn er über ein solches Resultat noch frohloden zu dürfen wähnt! Aber freilich, der Schnapsblod ist ja bereits so unendlich bes lorenen politischen Einfluß wieder gegenüber dem niedergehenden Liberalismus. Bismard selbst fonnte sein Wert während der zarische Despotismus auf der Lauer läge, um scheiden geworden. Bei der Beratung der Reichsfinanzreform nicht mehr vollenden; dies geschah unter seinen Nachfolgern. aus der Zerfleischung von Mittel- und Westeuropa seine rechnete man mit aller Bestimmtheit damit, durch die neuen nicht mehr vollenden; dies geschah unter seinen Nachfolgern. Beute zu gewinnen wie nahe liegt da nicht die Gefahr, Steuern, die ja einschließlich der 25 Millionen der erhöhten Ma„ Die Zeit der Ernte fam", wie Bülow fagte. Der Ueber daß das Reich in seine ursprünglichen Bestandteile trikularbeiträge einen Mehrertrag von 453 Millionen bringen mut der Junker, denen ein goldener Regen in den Schoß fiel, schließlich zerbersten wird, nachdem eine ebenso überlebte und sollten, in den Stand gesezt zu werden, nun endlich einmal an stieg ins Unbegrenzte. Da erwachte auch der ostpreußische Partitu- und die innige und organische Verschmelzung der einzelnen man machte denn auch Schuldentilgungsgefeße, die zur Schuldenübermütige Stoterie den inneren Zusammenhalt untergraben eine wirkliche Schuldentilgung herangehen zu können. larismus wieder und bäumte sich auf gegen das Reich Teile fünstlich unterbunden hat! Wir setzen einmal den Fall, tilgung unbedingt verpflichteten. Für das Jahr 1911 mit dem berhaßten allgemeinen Wahlrecht. Der Umschwung der Strieg fäme, was wir am wenigsten wünschen; wir sepen hätten nach diesem Geseze 89,6 Millionen Schulden abgetragen der Dinge bewirkte, daß die Junker in dem preußischen DreiKlassenlandtag eine dominierende Position bekamen, und ihr dann weiter den Fall, der möglich, aber uns gewiß, nicht werden müssen. Aber was geschah? Bestreben geht dahin, diese Körperschaft zur dominierenden im erwünscht wäre, ein englisch französisches Heer bräche nach diese Schuldentilgung auf die neue Anleihe, Reiche gegenüber dem Reichstage zu erheben. Bis zu einem Norddeutschland herein und proklamierte das Königreich so daß man das vorhandene Defizit von 187 Millionen glüdlich gewissen Grade ist das gelungen.. Der großpreußische Barti- annover, auf welches ja immer noch Prätendenten ihre auf 97 Millionen reduzierte! So erbrachte bereits die Etataúffularismus vereitelt im Deutschen Reiche jede gesunde Eisen-" Ansprüche" erheben, mit einer Verfassung nach englischem stellung für 1911 den Beweis für das totale fiasko der Muster welche Wirkung würde das in Deutschland hervor Reichsfinanzreform! Und nicht zufrieden mit diesem bahnreform größeren Stils, da die preußische Eisenbahnrufen, auf dies von den ostelbischen Junkern mißhandelte Beweis, erdreistet man sich jetzt, nach dem Ergebnis für das Etat politit im agrarischen Interesse reaktionär bleibt. Die Land! Wir wollen diesen Fall nicht weiter ausdenken. In jahr 1910 noch weitere Erfolge" der Großtat des Schnapsblocks Demokratisierung der der Wahlsysteme einiger füddeutschen dem wir die Zerstörer der deutschen Zusammengehörigkeit, die in die Welt hinauszuposaunen! Staaten hatte schon den höchsten Zorn der oftelbischen Träger des großpreußischen Partitularismus bis zu ihrem Eins freilich scheint der Schnapsblod dabei nicht bedacht au aber diese Staste mit ihrem großpreußischen Partikularismus Sturze bekämpfen, dienen wir dem Einheitsgedanken weit aber diese Raste mit ihrem großpreußischen Partitularismus besser als alle bürgerlichen Parteien im Sinne eines wirklichen in der elsaß Lothringischen Verfassungs- besser angelegenheit. Die Junter möchten den Reichslanden und reinen Patriotismus. mit ihrer demokratischen Vergangenheit gerne die ostelbische Rückständigkeit aufzwingen; sie möchten die beiden Provinzen Junkerschaft erregt. Den Gipfel der Anmaßung erreichte einfach an Preußen„ angliedern"; ſie ſollen nicht dem Reide Das Flasko der Reichsfinanzreform. gehören, sondern dem vom Junkertum beherrschten preußi- Die offiziöse Preffe, lebhaft sekundiert von den Organen des schen Staate. Diese Anmaßung findet bereitwilligen Schnapsblods, schlägt wahre Freubenpurzelbäume über ben angebe Suffurs bei nationalliberalen Professoren, die aus dem lich so glänzenden Ausfall der Reichseinnahmen im Etatsjahr 1910. Bismarcdufel jemals wieder herauszukommen unfähig man stellt es so hin, als ob durch die Mehreinnahme von 35,7 millisind. Die Taktik der Konservativen geht dahin, zunächst das onen aus den Steuern und Zöllen der Erfolg der ReichsfinanzVerfassungswerk in den Reichslanden überhaupt zu vereiteln reform zur Evidenz erwiesen sei. Bei näherem Zusehen aber und so eine neue Annexion", die an Preußen, herbeizuführen. stellt sich heraus, daß die neuen Steuern fast ausnahmslos in Daß aus einer so wichtigen und bedeutsamen Aftion sich ihren Erträgen sogar hinter den äußerst bescheide. weitere Schritte zum Aufgehen Deutschlands in nen Etatansäßen noch ganz erheblich zurüd. Preußen ganz von selbst ergeben würden, braucht nicht geblieben sind! Die voreiligen Folgerungen also, die aus erst eingehend bewiesen werden. der Mehreinnahme gezogen werden, sind vollständig hinfällig! " Man verrechnete haben. Je ruhmrediger er die Erfolge der Steuerschröpfung preiſt und in je rofigerem Lichte er die Finanzlage erblidt, desto it! näher rüdt die Befürchtung, daß er fünftig auch bor neuen militaristischen und marinistischen Belastungen nicht zurüdschreden wird! Denn wie wollen Zentrum und Konservative die Ablehnung neuer Marineforderungen begründen, wenn nach ihren eigenen Darlegungen die Finanzlage des Reiches eine so glänBende iſt! Uns freilich kann es nur recht sein, wenn die Schnapsblodbrüder ihre Karten so unvorsichtig aufbeden! Zentralverband Deutscher Industrieller zur Reichsversicherungsordnung. Die Delegiertenversammlung des Zentralverbandes Deutscher Industrieller nahm gestern im Hotel Adlon zur Reichsversiche rungsordnung Stellung. Die Regierung, die in fast allen gegen die Arbeiter gerichteten Teilen des Entwurfs gehorsam den Forderungen des einflußreichen Verbandes gefolgt ist, ist den Industriemagnaten noch nicht reaftionär genug gewesen. Reichsversicherungsordnung. Wir Sozialdemokraten sind immer Anhänger des Einheits- An dem Gesamtmehrertrag von 35,7 Millionen sind nämlich staates gewesen; für uns existiert feine fünstliche Mainlinie, die 30lleinnahmen allein mit 27,3 millionen beteiligt. Ob beren Umrisse zwischen einzelnen Gruppen der herrschenden diese Mehreinnahmen auch nur zum Teil auf die Boll erhöhung Klaffen Deutschlands wieder aufzusteigen beginnen. Bei uns des Tabats, Kaffees und Tees zurückzuführen sind, ist sehr ist der Einheitsgedanke in seiner Reinheit erhalten geblieben. fraglich. Die Publikation macht darüber leider keinerlei MitIn der Eröffnungsrede begrüßte der Vorsitzende, Landrat Aber wir werden uns hüten, unterherrschaft mit teilungen. Die Tabat steuer ist jedenfalls um 2,6 Millionen a. D. Rötger, die anwesenden Regierungsvertreter und berührte kurz die beiden Themata der Tagesordnung: Die Reichsver Einheit zu verwechseln. Das wird der Sozialdemo- hinter dem Etatanschlag zurückgeblieben. sicherungsordnung und bas Privatbeamten. tratie weder im Norden noch im Süden passieren. Die ge- Die Branntweinsteuer vollends hat ein Minus von geset. In beiden Fragen habe der Zentralverband viel stille und famte deutsche Sozialdemokratie fämpft gegen das preußische 27 Millionen ergeben. Ihr Mehrertrag im Beharrungszustande selbstlose"(!) Arbeit geleistet, zum Teil in vielstündigen Dreitlassenwahlsystem, das ein Bollivert der Reaktion und wurde auf 80 Millionen berechnet. Da der Etat von 1910 aber erhandlungen gemeinsam mit den Referenten allen Versuchen zur Demokratisierung des Reiches zunächst im nur ein Mehr von 60 Millionen ansette, blieb die Steuer hinter im Reich 3 amt des Innern. Wege steht. Der Geschäftsführer des Zentralverbandes, Regierausrat a. D. den Erwartungen um nicht weniger als 47 Millionen zurüd! Deshalb tritt auch die Sozialdemokratie dafür ein, die Der Ertrag der Schaumweinsteuer ergab gleichfalls ein Schweighofer referierte über die Beschlüsse der zweiten Reichslande den gierig ausgestreckten Fängen der oftelbischen Minus von 0,4 Millionen gegenüber dem Etatanschlag.- Die Lesung der Reichstagskommission über die Junterschaft zu entreißen und sie zu einem selbständigen und Leuchtmittelsteuer, von der man im Beharrungszustande Es ist falsch, führte er aus, die Stellung des Zentralverbandes gleichberechtigten Glied des Reiches zu machen. 20 Millionen erwartete, wovon man aber nur 15 Millionen in Die Anmaßung der Junkerschaft, ihre Drohungen und den Etat von 1910 einsetzte, blieb hinter diesem Anschlag noch als eine grundsäglich ablehnende zu bezeichnen. Seit den sozialen Erlassen hat keine Interessenvertretung mehr an der sozialpoliti höhnischen Ausbrüche haben in dem außerpreußischen Deutsch um mehr als 5 Millionen zurück. Auch die Zündwarenschen Gesetzgebung positiv mitgearbeitet als unjer Verband. Aber land eine tiefgehende Verstimmung erregt, die sich je nach steuer hat eine Million weniger gebracht als der Voranschlag das verpflichtet nicht zu bedingungsloser Zustimmung. In ge Umständen zur Erbitterung steigert. Auch in der bürgerlichen annahm. Hinter den Erwartungen für den Beharrungszustand wissen Kreisen gilt es heute als geboten, die wichtigsten InteressenBevölkerung hat man unter Einheit nicht Junkerherrschaft ver- blieb sie einstweilen um bolle 11 Millionen zurüd. Von ten in sozialen Fragen nicht zu hören, sondern ganz zu mizachten, standen, die ohnehin in der ersten Zeit des Reiches der Brau steuer erwartete der Schnapsblod im Beharrungs- fie als einseitige Vertreter der Unternehmerschaft zu bekämpfen. Brausteuer durch die liberalen" Draperien der Bismarckschen Politit ver- zustand 100 Millionen mehr, doch setzte man für das Jahr 1910 Besonders diejenige liberale Partei, die in den achtziger Jahren hüllt war. Aus diesen Stimmungen entspringt die Reichs- nur ein Mehr von 56 Millionen an. Die Jst- Einnahme blieb gegen die sozialen Gefeße gestimmt hat, fann sich heute nicht genug berbrossenheit", von der so oft die Rede gewesen ist. jedoch noch um 1,3 Millionen hinter diesem Voranschlag zurüd. Staatsiozialismus der Bevölkerung zugänglich zu machen. Die tun, zusammen mit der Sozialdemokratie die Segnungen des Der darin ausgeprägte Gegensatz wird sich eminent verschärfen, Die Börsen steuern haben nun zwar, soweit die neuen Fortschrittliche Volkspartei, die so viele Mandate der Industrie wenn die Junterherrschaft andauert, denn die Erbitterung Steuern in Frage kommen, ein Mehr von 7,7 Millionen gebracht, verdantt, hat zusammen mit der Sozialdemokratie die schärfste gegen diese wird tagtäglich durch die aus den junkerlichen allein der im Jahre 1910 erreichte Betrag bleibt gleichwohl hinter Stellung genommen, bei allen Abänderungen im sozialistischen Beutezügen und den neuen Steuern erwachsene Teuerung Sinne, so in der Betriebskrankenkassenfrage, in der Arztfrage, in geschürt. Die ohnehin nicht allzu großen Vorzüge, welche die*) So bezeichnet der bekannte schwäbische Nationalökonom der Frage der Bekämpfung des sozialdemokratischen Einflusses in von Bismard geschaffene Einheit mit sich brachte, ver. Säffle treffend die Agrarzölle. den Ortskrankenkassen. Es muß aber Vorsorge getroffen werden, " Nachdem noch der Vorsitzende eine Nesolution, die gestern, Donnerstag, in zahlreichen sozialdemokratischen Versammlungen in Groß- Berlin angenommen worden ist, unter lebhaftem Geläch ter der Anwesenden zur Verlesung gebracht hatte, wird die vorgeschlagene Resolution des Zentralverbandes ange. nommen. Ihr letter Absah lautet. wie Militärische Erziehung. Bei der in den weitesten Streisen unserer Bevölkerung bis zur Erbitterung gesteigerten unzufriedenheit mit der heutigen FinanzBon der Anklage, dem Musketier Lennede eine so heftige Dhr. und Wirtschaftspolitik fann es nicht ausbleiben, daß der Partei- feige gegeben zu haben, daß das Trommelfell plazie, war der Ser lampf in diesem Jahre heftiger entbrennen wird wie je zuvor. Der Gastwirt, der mit seinen dem Dienst der Deffentlichkeit bereit geanten Riehe vom 98. Jnf.- Regt. vom Kriegsgericht freigesprochen gestellten Räumen von dem Parteigetriebe oftmals sehr arg mit worden, weil es an den genügenden Beweisen mangelte. Gegen die genommen und geschüttelt wurde, soll sich fernhalten von jeder Freisprechung legte der Gerichtsherr Berufung ein, die am Donnerstag parteipolitischen Tätigkeit und lediglich seine Räume als neutralen vor dem Oberkriegsgericht des 4. Armeekorps in Magdeburg zur VerBoden für jedermann bereithalten. Da aber der oft zum handlung gelangte. Der Herr Sergeant beftritt mit aller Ent Fanatismus ausartende Parteikampf es fertig brachte, gerade schiedenheit, dem Soldaten eine Dhrfeige gegeben zu haben, und Gastwirte, weil sie einer nicht genehmen Parteiverfamm- zahlreiche als Zeugen geladene Kompagniekameraden fagten, trob boyfottieren, in lung ihre Räume liehen, zu Ver ruf zu erklären, daß sie sich strengster Neutralität den eindringlichster Ermahnung des Verhandlungsleiters aus, daß fie Parteien gegenüber befleißigen, two aber von irgend einer Partei, nichts gefehen und gehört hätten. Bei den vergeblichen Versuchen, gleichviel welcher Richtung, eine Zwangs- oder Gewaltspolitit etwas anderes aus den Zeugen herauszubekommen, sagte schließlich über einen Gastwirt oder sein Geschäft verhängt werden sollte, der Geschlagene: Herr Oberkriegsgerichtsrat, es hat keinen Zwed, fordern wir eine eingehende Mitteilung, da bei uns die feste Ab- denn die fagen doch alle das Gegenteil aus 1" sicht besteht, mit allen gegebenen und gesetzlichen Mitteln derartigem Treiben energisch entgegenzutreten. Das B. G.-B. gibt im§ 828 hierzu die Handhabe: Wer in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Beise einem anderen vorfäßlich Schaden zufügt, ist dem andern zum Ersatz des Schadens verpflichtet. Obwohl der Musketier Lennecke weiter mitteilte, daß er am Tage nach dem Vorfall nach der Unteroffizierstube bestellt und hier von dem Sergeanten gebeten worden sei, die Sache doch nicht anzuzeigen, denn das gäbe für die Kompagnie eine große Schweinerei und seine Karriere stände in Frage, blieb der Sergeant bei der AbUnser Reichsgericht hat festgelegt, daß Verrufserklärungen bei leugnung der Dhrfeige, ob auch der Vorsitzende ihm ins Gesicht Sittenwidrigkeit hinsichtlich des verfolgten Zwedes oder des zur fagte: Aber Riehe, so lügen( wie die Aussage des Geschlagenen) Anwendung gebrachten Mittels unerlaubt find. Eine Gitten- fann doch kein Mensch!" widrigkeit liegt aber zweifelsohne vor, wenn eine Aufforderung Auch der sachverständige Arzt sagte aus, daß die Berlegung des zum Boykott den Zweck hat, den politischen Gegner für feine Trommelfelles unzweifelhaft die Merkmale eines Schlages mit der Stellungnahme zu strafen oder ihn zur Verleugnumg feiner Ueber- Hand anfgewiesen hätte. Vor der Vereidigung nahm der Gerichtszeugung zu zwingen. Derartige Racheboykotts find also unzulässig. Wir fordern daher unsere Mitglieder auf, uns jeden vorkommenden vorsitzende die Zeugen noch einmal eindringlich ins Gebet: Kinder, geht in Euch! Die Sache stimmt mit Euch nicht, da muß ettvas Fall unter eingehender Darstellung zur Anzeige zu bringen." " Frankreich. daß so wichtige Fragen nicht vom Standpunkle der Wahltaltik enfschieden werden. Mit der Reichsversicherungsordnung sind der Arbeiterschaft Vorteile geboten, die andere Länder gar nicht fennen. Im einzelnen fritifiert der Redner dann die Beschlüsse nach verschiedenen Richtungen. Unter grundsäßlicher Zustimmung zum Ausbau der Krankenversicherung erhebt er Einspruch bei der Krantenversicherung gegen die Benachteiligung" der Betriebskrankenfassen, gegen die Ausdehnung der Mehrleistungen, gegen die unzureichende Lösung der Arzifrage, dagegen stimmt er der Neuregelung der Bestimmungen über die Ortsfranfenfassen 31. In der Unfallversiche rung erklärt er sich gegen die Erweiterung des Umfangs und die Steigerung der Leistungen, fowie gegen die Vorschriften über die Rücklagen, bei der Invalidenversicherung gegen die Kinderzuschußrente, im ganzen gegen die Schaf fung von Versicherungsämtern. Er tadelt, daß in bezug auf die Mehrbelastungen, z. B. durch die Kinderzuschußrente, allein die Konservativen sich grundsätzlich ablehnend verhalten haben, nicht aber die Regierung. Was besonders die Arztfrage anbelangt, so ist in der zweiten Lesung eine Verschlechterung eingetreten. Unter dem Druck der Drohung mit dem Generalstreik hat die Regierung davon abgesehen, dem Mißbrauch der Ehrenund Standesgerichtsbarkeit zu wirtschaftlichen Zweden entgegenzutreten. Es ist sehr bedauerlich, daß ein wissenschaftlicher Beruf in der Vertretung seiner wirtschaftlichen Interessen so wenig Rüdficht auf die allgemeinen Interessen genommen hat. Dagegen ist die Beseitigung des sozialdemokratischen Mißbrauchs der Ortskrantenfassen au begrüßen, obwohl der Schritt von der Selbstverwaltung zur Bureaukratisierung nicht ganz bedenkenfrei ist. Bezeichnend für die Bedeutung dieser Bestimmungen sind die scharfen Angriffe seitens der sozialdemokratischen Presse, die deswegen die ganze Reichsversicherungsordnung als ein AusnahmeDie Erklärung ist recht unklar und bedarf einer näheren Er- zugrunde liegen!" Es war vergeblich, die Beugen beschworen, gesetz des Scharfmacherkartells gegen die Arbeiter hinstellt.( Sört! läuterung. Daß Barteien oder vielmehr leitende Mitglieder einer daß fie von dem Borgang nicht das geringste wußten. hört!) Hier hat es sich gezeigt, daß die Regierung mit der eigenen Das Gericht tam zu einer Verurteilung, wenn auch zu der entschiedenen Stellungnahme( d. h. mit der bedingungslosen Unter- Partei an einen Saalbefizer das Anfinnen stellen, er folle seinen werfung unter den Zentralverband. D. Ned.) mehr erreicht, als Saal nur ihrer Partei zu Versammlungszwecken hergeben, den milden Strafe von acht Tagen gelinden Arrest. Es erachtete die wenn fie fich von den Parteien führen läßt. Sehr richtig!) Alles gegnerischen Parteien aber berfagen, falls er nicht sein Lokal Aussagen der sämtlichen 8eugen für unglaub. in allem muß man jagen, daß die Wünsche des Zentralverbandes boyfottiert sehen wolle, fommt im großen und ganzen nur in den würdig und folgte allein den Angaben bes geDeutscher Industrieller fast gar keine Berücksichtigung gefunden gefegneten Gefilden Dstelbiens, in denen die Konservativen die Macht ihlagenen Musketiers. haben, ja daß in der zweiten Rejung noch Verschlechterungen ein- in den Händen haben, und in den rheinischen und bayerischen Zentrums- Es ist doch etwas Herrliches um die militärische Erziehung und getreten sind. Die Industriellen sind vielfach enttäuscht und es domänen vor. Dort gehört es allerdings zum traditionellen poli- das durch diese Erziehung geweckte spezifische militärische Ergefühl. find ihnen noch neue Lasten auferlegt worden, die die beste Werbetätigkeit der deutschen Industrie auf dem Weltmarkt in Frage tischen Anstand, daß der Sozialdemokratie und unter gewissen Um Die von lekteren in richtigem Ausmaß Befallenen hören, sehen stellen. Die Regierung aber täuscht sich, wenn sie glaubt, fidh An- ftänden auch den Freifinnigen von den herrschenden Cliquen die riechen und denken nur noch, was von ihren Vorgesezten gewünscht spruch auf Dank bei den Arbeitern erwerben zu können. Sie wird Säle abgetrieben und jeder Saalinhaber mit dem Boykott bedroht oder verlangt wird. Ihre Sinnesorgane funktionieren nur, wenn immer bon demokratischen Wahlagitatoren übertrumpft werden. wird, der feinen Saal zu Versammlungen an die Mitglieder der der Herr Unteroffizier oder der Herr Feldwebel es gestattetim Dagegen wird ohne eine freudige Zustimmung der Arbeitgeber das oppositionellen Parteien vermietet. Und die Verwaltungs- anderen Falle find sie lebende Kadaver. bie Reformiert niemals zum Segen werden!( Bebhafter Beifall und Militärbehörden unterstützen diese Art Boh Händeklatschen!) die gegen ihre fottierungen dadurch, daß sie den Wirten, Berrufserklärungen freveln, die Tanzkonzeffion entziehen, das Eine friedliche Maidemonstration. berbieten, den Militärs Paris, 27. April.( Eig. Ber.) Die Maifeier dieses Abhalten öffentlicher Festlichkeiten personen das Betreten der betreffenden Lokalitäten untersagen usw. Jahres wird zweierlei Kundgebungen in sich faffen: zwei allWenn die Gastwirte sich gegen diese willkürliche Beschränkung ihrer gemeine Gewerkschaftsversammlungen am Vormittag und Erwerbsfreiheit entschieden zur Wehr sehen und gerichtlich gegen 45 Versammlungen in Paris und den Vororten am NachDer Zentralverband Deutscher Industrieller faßt seine diefen gemeinen Unfug vorgehen wollen, kann man es ihnen nicht mittag und eine diefen vorausgehende große StraßenStellungnahme zum Entwurf einer Reichsversicherungsordnung verdenken. Es hätte längst geschehen follen. fundgebung. Um 2 Uhr nachmittags werden sich die dahin zusammen, daß er auch in der jebigen Gestal. Aber die Erklärung des Ausschusses des Deutschen Gastwirt feiernden Arbeiter an zwei nahe von einander gelegenen tung der Vorlage eine unannehmbare enderung verbandes lägt auch noch eine andere Deutung zu. Vielleicht wollen lägen versammeln: die Arbeiter der am linken Seineufer unserer Arbeiterversicherung erblidt. Unter Außerachtlaffung der bisherigen Leistungen der Arbeitgeberschaft die Saalbefizer auch fernerhin die Uebergriffe der herrschenden gelegenen Quartiere und der Vororte auf der Esplanade und der fegensreichen Wirksamkeit unserer großen Fabritbetriebe Parteien und der Verwaltungsorgane demütig hinnehmen und nur des Invalides, die Arbeiter der Quartiere und Vororte in sozialpolitischer Beziehung sind durch die Kommissionsbeschlüsse dann zur gerichtlichen lage greifen, wenn Sozialdemokraten, denen des rechten Ufers auf dem Concordienplag. Der Ge den Arbeitgebern neue Leistungen und Belästigungen auferlegt, die Säle zur Abhaltung öffentlicher Versammlungen verweigert werkschaftsverband des Seinedepartements betont in feinem welche schwere wirtschaftliche Beeinträchtigungen, nicht nur für die worden sind, ihre Genossen auffordern, auch die Biergärten und Aufruf ausdrücklich die Friedlichkeit der Mani. gewerblichen Kreise selbst, sondern auch für die nationale Wirt- Wirtschaftsstuben der betreffenden Gastwirte zu meiden. festation. Diese soll den Charakter eines Protestes gegen schaft überhaupt und nicht zuletzt für die Arbeiterschaft im Gefolge Sollte das beabsichtigt sein, dann können wir heute schon dem die gegen die Arbeiterklasse gerichteten Verfolgungen darhaben werden. Durch die immer fortschreitende Vermehrung der Lasten der Versicherung wird nicht nur die Ausfuhrmöglichkeit, gefchäftsführenden Ausschuß des Deutschen Gastwirte- Verbandes ver- ftellen und zugleich das Recht des Proletariats auf die Straße sondern schließlich auch der Bestand der deutschen Industrie über- raten, daß sich trotz aller Drohungen unsere Genoffen auch fünftig bezeugen. Der Aufruf warnt die Arbeiter ausbrüdlich vor Haupt in Frage gestellt werden. Der Zentralverband Deutscher nicht abhalten lassen werden, die Wirtschaftsräume jener Gastwirte Provokationen, die die Störung des friedlichen Charakters der Industrieller ist der Zuversicht, daß es möglich ist, noch in den zu meiden, die ihnen aus feiger Striedjeret vor Landräten, Bürger- Demonstration beabsichtigen könnten. Diese Sprache zeigt Blenarberatungen des Reichstages den Gefeßentwurf erträglich zu meistern, Polizeigrößen und Gendarmen ihre Säle verweigern. Wir einen erfreulichen Wechsel in der Taktik der Arbeitskonfödegestalten. Sollte dies nicht zu erreichen sein, so brängen uns nicht auf. ration an, die fich ehedem in zwecklosen und schädlichen Kraftwürde der Fortdauer des gegenwärtigen 8umeiereien gefiel. Sie ist auch ein Zeugnis von großer politistandes der Vorzug zu geben sein." Die Andeutung, als ob die sozialdemokratische Preise die Reichs. Das Reichsmarineamt und die Marine- Rundschau" scher Geschicklichkeit, indem fie die Regierung nötigt, ihren Konservative Blätter bemühen sich, den vom Genossen Severing Gegensatz gegen die Infamie Briand, der im vorigen Jahre versicherungsordnung nur wegen der ungeheuerlichen Entrechtung der Arbeiter in den Stranfenfassen als ein Ausnahmegesetz gegen erhobenen Proteft gegen den feltfamen Ordnungsruf des zweiten eine Rundgebung außerhalb der Stadt, im Boulogner die Arbeiter bezeichnet habe, ist, wie unsere Leser wissen, irrig. Bizepräsidenten des Reichstags Schulz als völlig unberechtigt hinzu wäldchen, mit blutiger Unterdrückung bedrohte, za doku Leider kennzeichnet nicht nur dieser reaktionäre Vorschlag die ftellen, da die von Severing fritifierte Marine Rund mentieren und den Polizeipräfekten 26 pine, dem die Reichsversicherungsordnung als ein Ausnahmegesen gegen die Ar- fchau" im Reichsmarineamt rebigiert werde und dem- Niederknüppelung der proletarischen Demonstranten die größte beiter. Der Zentralverband wendet sich gegen die jebige Gestalt nach durch die gegen dieses Blatt erhobenen Beschuldi Herzensluft ist, eng am Bügel zu nehmen. Die Störung der des Gefeßentwurfs offensichtlich, um gegen eine Beseitigung der gungen bas Reichsmarineamt beleidigt worden sei. Ganz Stundgebung durch Gewaltatte wäre vor allem auch eine vielen in ihm enthaltenen schweren Benachteiligungen der Arbeiterabgesehen bon anderen falschen Folgerungen, ist dieser schwere Schädigung der gemaßregelten Eisentlasse durch das Reichstagsplemum scharf zu machen und um noch einige Verschlechterungen durchzusetzen. Der Verband berfolgt schöne Beweisführung" schon deshalb völlig unrichtig, well die bahner, für deren Wiedereinfegung sich die Regierung verdasselbe Ziel, das das auf Durchpeitschung der Vorlage hinarbei- Marine Rundschau" gar kein amtliches Blatt ist, sondern sich pflichtet hat. Eine friedliche Manifestation wird die öffent tende Scharfmacherkartell verfolgt. felbft als nichtamtlich" bezeichnet. Die Marine- Rundschau" liche Meinung sicher zugunsten der Eisenbahner beeinflussen, erscheint, wie die Boff. Stg." schreibt, im buchhändlerischen Ber- jede Störung aber würde einerseits die Regierung in einen Lage der Firma E. S. Mittler u. Sohn in Berlin. Auf der Rüd Konflikt mit der Arbeiterschaft treiben, in dem ihre löblichen feite des blauen Umschlages trägt jedes Seft den Bermert Schrift Borfäße leicht untergehen könnten, und andererseits die Umleitung: Nachrichtenbureau des Reichs- Marine- Amts, Berlin W. 9, triebe des Scharfmachertums gegen diese Regierung begünLeipziger Platz 18. Berantwortlich für den redaktionellen Teil: Geb. ftigen. Es bleibt nur noch zu wünschen, daß der Aufruf des Admiralitätsrat Koch, Berlin W. 9, Linfstraße 7." Das sieht ja Gewerkschaftsverbandes genug große Maffen in Bewegung Die Reichsregierung scheint vorläufig nicht geneigt zu allerdings amtlich genug aus. Aber darunter steht( und zwar bringt, um der Bourgeoisie und der ganzen Deffentlichkeit die fein, dem gegenwärtigen Reichstage in der Herbsttagung noch schon seit Jahren) in auffallender Schrift und durch Um- ihnen nach den Niederlagen der letzten Jahre zweifelhaft gcden Etatsentwurf für 1912 zur Beratung vorzulegen. Sotahmung hervorgehoben: Der Inhalt ist nichtamtlich, wordene Macht der Arbeiterorganisation zu beweisen. läßt denn die Deutsche Tagesztg." die von der„ Kreuzatg." also nicht als eine Wiedergabe der Ansichten Die Verantwortung Soweit unser Korrespondent. Um so mehr Erft auVoraussicht darauf, von der Regierung zu verlangen, daß sie für die ausgesprochenen Meinungen und die Vertretung für die ge- nen und Entrüstung muß die Nachricht erwecken, daß die nur eine den Wünschen und Wahlzwecken des Fufelblods ent- machten Angaben bleibt den Berfassern oder der Schriftleitung über- Regierung, wie ein Telegramm aus Paris meldet, die sprechende Denkschrift über den Segen der letzten Reichsfinanz- lafen oder nach den letzten Worten das Nachrichtenbureau Straßenkundgebung verboten hat. Mit Recht reform präpariert und mit dem nötigen Fanfarenstößen in die des Reichsmarineamts unter Umständen die Verantwortung für den nennt Jaurès diefe unbegreifliche Duminheit den allerInhalt übernimmt, ist doch durch den ersten Satz, der nichtamt- fchwersten Fehler. Die Regierung, die eben blind in das liche Charakter des Blattes so flar ausgesprochen, daß ein marokkanische Abenteuer hineingefappt ist, beschwört jest Das Bündlerorgan schreibt: Wir haben nicht daran gedacht, daß der vollständig aus- 3weifel darüber nur bei Unkenntnis des Sachverhalts möglich ist. mutwillig einen Konflift mit dem Proletariat berauf. Denn gearbeitete Etat in allen feinen Einzelheiten den jegigen Reichs- Diernach wird nichts anderes übrig bleiben, als den dem Abg. Sebe- daß fich die Arbeiter diesem Willküraft ruhig fülgen werden, daran ist nicht zu denken. Leitende Gewerkschaftsführer er tage während feiner Serbsttagung informationsweise" bor- ring erteilten Ordnungsruf zurüdzunehmen. flären denn auch bereits, daß die Kundgebungen trob gelegt werden solle, sondern nur, daß ihm eine dieses Verbots stattfinden würden. Die KundUebersicht unterbreitet werde über die mut. gebungen hätten den friedlichsten Charakter tragen sollen, aber angesichts der Haltung der Regierung seien zwischen. fälle immerhin möglich. Politifche Ueberficht. Berlin, den 28. April 1911. Nur eine Reklame- Denkschrift. D fo eifrig berfochtene Forderung fallen und beschränkt sich in weiser leitender Stellen aufzufaffen. Welt schickt. Wittings Kandidatur in Deffau. maßliche Gestaltung des nächsten Etats im Aus Deffau wurde jüngst gemeldet, der nationalliberale Kandidat großen und im allgemeinen. Eine derartige Vor- für die nächste Reichstagswahl, Geheimrat Bitting, habe deshalb Lage brauchte man nicht Etatsübersicht zu nennen, feine Standidatur zurückgezogen, weil auf die Grringung des Mandats fondern fonnte sie als Dentschrift über die mutmaßlichen auf nationalliberaler Geite nicht gerechnet werde. Demgegenüber Wirkungen der Reichsfinanzreform auf die Gestaltung des fünftigen wird von der Köln. 8tg." gemeldet: Etats bezeichnen. Gegen die Vorlegung einer derartigen Denkschrift ließe sich weder sachlich noch formell das geringste einwenden. Wie glauben vielmehr davon überzeugt sein zu dürfen, daß man im Reichsamte bes Innern und ganz besonders im Reichsschazamt die Vorlage einer solchen Dentschrift für durchaus awedmäßig erachten wird." Also nur eine Dentschrift über die ,, mutmaßlichen" Wirkungen aber recht schön; Wahrheitsliebe, Offenheit und Gewissenhaftigkeit sind dabei überflüffig. Die Gastwirte und die Reichstagswahlen. „ Der Rüdtritt des Geheimrats Witting von der national liberalen Kandidatur im Wahlfreise Anhalt I, den manche Blätter als einen Berzicht der Nationalliberalen auf die Beteiligung an Wahlkampfe ansahen, bedeutet nicht die Aufgabe einer national liberalen Kandidatur, sondern nur einen Wechsel in der Person. Der neue Kandidat ist noch nicht bekannt." Im Erfurter Wahlkreise Die Regierung und die Eisenbahner. Paris, 28. April. Man glaubt, daß die Regierung bis zum Beginn der nächsten Woche alle Antworten der Eisenbahn. gesellschaften betreffend die Wiederanstellung der ent. Iaffenen Eisenbahnbeamten in Händen haben wird. Der Ministerrat wird sie am Dienstag prüfen, worauf Minister. präfident Monis die Vertreter der Gesellschaften sufammene berufen wird. Der Generalsekretär Ser Rokomotivführer. und Heizerberbände, offin, äußerte einem Berichterstatter gegenüber, der Arbeitsminister möge ruhig alle von den Pahngesellschaften entlassenen Eisenbahner auf dem Staatsbahnist trop der, liberalen Einigung" neben demnational liberalen" Reichsverbändler Hagemann von den Fortschrittlern der Handelslehrer Ehringhaus als Kandidat aufgestellt worden. Wahr scheinlich ist beabsichtigt, die Stimmen der oppositionellen" bürger Der geschäftsführende Ausschuß des Deutschen Gastwirteverbandes lichen Wähler auf diesem Wege im Falle einer Stichwahl um fonet anstellen, denn er könne sicher sein, daß sie feinen Aus ficherer dem Reichsverbändler zuzuführen. 1907 wurden in Erfurt nimmt in einer längeren Erklärung Stellung zu den kommenden 17 107 fozialdemokratifche, 18 774 nationalliberate und 8602 tonjer- stand mehr anzetteln würden. Die Synditate der EisenMeichstagswahlen, und zwar in folgender Form: vative Stimmen abgegeben; in der Stichwahl wurde Hagemann mit Das Jahr 1911 steht im Zeichen der Reichstagswahlen, 22 534 gegen 17 587 Stimmen gewählt. and" bald werden sich die Vorboten dieses Ereignisses zeigen. I bahner würden im ganzen Lande für die Verstaatlichung fämtlicher Bahnlinien agitieren, und hätten selbstverständlich das größte Intereffe, au zeigen, daß die Stagisbahn eine Muster. Eine kisliche Frage. finie geworden fei, auf Ser feinerlei Siteit oder Unordnung zu Nach einer späteren Depesche aus Hongkong feint es sich um Sittlichkeitsserbredens angeflagt werden? Bei befürchten- stehe. einen Aufstand von größeren Dimensionen zu han- nahe liegt es so. Das Kind ist nun nämlich auf Betreiben des deln. In Hongkong ist ein Dampfer aus Kanton mit etwa Ratsherrn wegen- Diebstahls unter Anklage gestellt. Das hundert Flüchtlingen, meist Frauen, eingetroffen. Wie sind hatte von der Erlaubnis des Ratsherrn, fich Geld zu verlautet, sollen bei den Zusammenstößen mit den Truppen gegen kleinen Bedürfnissen zu nehmen, Gebrauch gemacht und kleine 300 Aufständische getötet worden sein, Beträge( zur Beschaffung eines Schulbuchs u. dergl.) an sich genommen. Das soll jetzt als Diebstahl angesehen werden? Paris, 28. April. Der sozialistische Deputierte LagrofilTière hat dem Ministerpräsidenten mitgeteilt, daß er ihn über die Umstände interpellieren werde, unter denen gewissen Parlamentariern, namentlich einem mit der Berichterstattung über die neue tunesische Anleihe von 90% Millionen betrauten Deputierten, 2 and- und Bergwertstonzessionen in Tunis erteilt worden seien. England. Mexiko. Verlängerung des Waffenstillstandes. New York, 27. April. Nach einer Meldung aus El Paso ist der Waffen still stand zwischen Bundestruppen und Aufständischen um weitere fünf Tage verlängert worden. Anarchische Zustände. New- York, 28. April. Einer Meldung der„ New York Times" aus Merito zufolge werden die beiden Staaten Guerrebo und Morelos fast vollständig von Banden beherrscht, die mit der Partei Madero in keinem Zusammenhange stehen. Es werden viele Mordtaten und Grausamkeiten gemeldet. Aus der Partei. Die beleidigte Majestät. Wird das Provinzialschulkollegium gegen den Pastor und Schulinspektor einschreiten, der in der Weise dem geschändeten Kind Schutz angedeihen ließ, daß er der Mutter riet, von der Sache zu schweigen, die Einsegnung ablehnte und dem Kinde des Natherrn Verfehlung als eigenes sittliches Bergehen ins Schulzeugnis schrieb? Zum Krankenkassenbeamtentag. Die Protesttagung der Kassenangestellten findet, wie uns mif geteilt wird, am Sonntag, den 30. April, morgens um 8 Uhr( nicht um 8% Uhr, wie wir der Ankündigung im Bureauangestellten" entnehmen) statt. Der VI. Allgemeine Krankenkaffenkongres beginnt, wie wir hören, weil die Polizei der Eröffnung um 10 Uhr Schwierigkeiten entgegenscht, voraussichtlich erst um 12 Uhr. Der Schiedsgerichtsvertrag mit den Vereinigten Staaten. London, 28. April. Auf einer großen, von zahlreichen hervorragenden Persönlichkeiten besuchten Versammlung in der Guildhall gelangte eine Resolution zugunsten eines Schiedsgerichtsver: trages zwischen England und Amerika zur Annahme. Der Premierminister Asquith erklärte, die beiden großen englisch sprechenden Demokratien feien dahin gelangt, einen Strieg gegeneinander als ein unfaßbares Verbrechen anzusehen. Das Abkommen Alageanstrengung als Erfaß für Sichzurverfügungstellen." zwischen ihnen, das den Krieg als Mittel zur Lösung von Schwierig feiten abschaffe, werde einen sehr bemerkenswerten Sieg der Betrachtet der Prinzipal einen Dienstvertrag für beendet, Vernunft bedeuten. Ein solches Abkommen verfolge keine so wird nach der herrschenden Praxis der Gehilfe, wenn er gegenVor der Straffammer des Chemnizer Landgerichts standen teiliger Ansicht ist, meist eine dementsprechende Erklärung abweitergehenden politischen Zwede und bedeute keine Bedrohung irgendeines Teiles des Menschengeschlechts. Es bedeute kein Bünd- am Freitagvormittag die Redakteure der„ Chemnizer Volksstimme", geben und vor allem sich zur Verfügung stellen müssen. Die nis für die Verteidigung oder den Angriff. Er hoffe, daß sich die Genossen Heilmann und Meyer. Sie waren angellagt, 2. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichtes hielt jedoch in einem weitere Fortschritte aus diesem Abkommen entwickeln werden. Aber den Kaiser und den sächsischen König durch zwei Artikel vor- ieht verhandelten Falle die Klage eines Handlungsgehilfen für beEngland könne für jekt nicht von weiser Wachsamkeit fäßlich und böswillig beleidigt zu haben. Die Beleidigung rechtigt, obgleich sich dieser bei Entlassung nicht zur Verfügung Lassen zur Sicherung seines über alle Weltteile ausgedehnten wurde gefunden in einem Artikel über die Steuerfreiheit der Fürsten im gestellt hatte. Der Rechtsfall lag folgendermaßen: Der Kläger, Wertzuwachssteuergesetz und in einem anderen Artikel, in dem die Kontorist L., war von dem Beklagten H. auf Grund eines EngageBesitzes. ments mit täglicher Kündigung entlassen worden. Einen Tag alfour führte aus, er könne die von einigen vertretene Streuzungsmanipulationen des Kaisers auf seinem Gute Kadinen und später reichte er beim Kaufmannsgericht die Klage ein und ver Ansicht nicht teilen, daß es zwar leicht sei, Versammlungen abzu- fein Vortrag in der Landwirtschafts- Gesellschaft hierüber scherzhaft langte Gehaltszahlung bis Ablauf des Quartals. Der Beklagte halten und für die Sache des Friedens ein Geschrei zu erheben, daß gloffiert wurden. Genosse Heilmann war angeflagt als Verfasser wandte dagegen ein, 2. sei nach seiner Ansicht Gewerbegehilfe, er aber in den Zeiten der Not und der internationalen Spannung alle Genosse Meyer als verantwortlicher Redakteur. Schon die Ein- habe beim Ausscheiden auch weder gegen die Entlassung remon papiernen Schranken sofort weggefegt werden würden. Es sei leitung der Verhandlung war vielversprechend. Die beiden Ge- ftriert, noch sich sofort oder später zur Verfügung gestellt. Demallerdings töricht, internationale Geseze schaffen zu wollen, die der nossen hatten neben ihrem Verteidiger, Wolfgang Heine Berlin gegenüber machte der Kläger geltend, daß er sein Nichteinverständöffentlichen Meinung zu weit vorauseilten. Aber er glaube, die am Berteidigertisch Platz genommen. Der Borsigende aber herrschte nis mit der Entlassung dadurch zu erkennen gegeben habe, daß große Maffe aller Klassen in England und Amerika sei für den Gerichtsdiener an, warum die Angeklagten nicht in die An- er fofort, nämlich am folgenden Tage, die Klage eingereicht habe. Das Kaufmannsgericht fah den Einwand des Klägers als Schiedsgerichte, und es bestehe daher keine Gefahr, daß im agebant gebracht worden seien. Bei der Vernehmung Heil- stichhaltig an und verurteilte den Beklagten antragsgemäß. Kläger Slugenblide der Not eine von beiden Parteien sich von dem Schieds- manns meinte der in Redaktionsfragen offenbar wenig erfahrene habe sich allerdings nicht zur Verfügung gestellt, aber ein beson Vorsigende: Sie sind also derjenige, der die Leitartikel und deres Sichzurberfügungstellen war in diesem Falle auch nicht ers gerichtsprinzip lossagen werde. Zeitungsausschnitte zurecht zu machen hat?" forderlich, da er seinen Willen in bezug auf Weitergehen des Dienstvertrages ohne Berzug zu erkennen gegeben hat, indem er fofort die Klage einreichte. Da Kläger im übrigen als Handlungsgehilfe zu erachten ist, so war seinem Anspruch stattzugeben, werden. Rußland. Das Streifrecht. 0 Aus Induftrie und Handel. Ohne daß der Staatsanwalt es beantragt hatte, beschloß dann bas Gericht gegen den Widerspruch der Angeklagten und des Verteidigers, die Deffentlichkeit wegen Gefährdung der Die Kampagne der Petersburger Arbeiter für das Koa- öffentlichen Ordnung auszuschließen. Vier Stunden litionsrecht nimmt einen immer größeren Umfang an. lang wurde hinter verschloffenen Türen berhandelt und dann In der sozialdemokratischen Dumafraktion laufen täglich neue wurden die beiden Genossen zu je sechs Monaten Gefängnis verPetitionen der Arbeiter ein, die mit zahlreichen Unterschriften urteilt. bededt sind. Die sozialdemokratische Duma fraktion hat Da die Begründung des Urteils im wesentlichen die inkrimi Zur Abschwächung am Kohlenmarkte schreibt die Rhein.- Westf. nun beschlossen, gleich nach Wiederaufnahme der Duma- nierten Stellen der Artikel wiedergibt, kann sie nicht im vollen Um 8tg." Man hat die 8 of 3 beteiligungsanteile um 5 Proz fizungen eine Vorlage über das Streifrecht ein- fange gegeben werden. Hinsichtlich des verantwortlichen Redakteurs, herabgefegt, um den Stokereien Anlaß zur Beschränkung zubringen und hierbei das Material auszunuzen, das in den Genoffen Meyer, ist zu bemerken, daß dessen Behauptung, er feiber Erzeugung zu geben. Neben der rapiden Produktionszahlreichen Protestrefolutionen der Arbeiter über die Beschrän- während der Aufnahme und Drucklegung der unter Anflage gestellten steigerung es werden zurzeit im Revier etwa 3000 neue Kofsfung des Koalitionsrechts enthalten ist. Außerdem soll eine Artikel nicht in der Redaktion gewesen soweit der zweite Artikel öfen gebaut liegt für Kols auch eine Absa zverminderung Interpellation in derselben Angelegenheit eingebracht in Frage kommt, war er nachgewiefenermaßen zur gerichtlichen gegenüber dem Herbst und Winter vor. Die Hoffnungen auf eine Vernehmung über den ersten Artikel nicht widerlegt weitere günstige Entwickelung im Frühjahr haben sich nicht erwerden konnte. Das Gericht glaubte ihm trotzdem nicht, füllt, der April hat einen Rüdschlag gebracht. Der Absat nahm vielmehr als erwiesen an, daß an, daß er die Artikel auch für Mai ist mit einer Aenderung der Verhältnisse nicht zu die Artikel ist hinter der vorgesehenen Beteiligung zurüdgeblieben und Der Landtag hat furz vor seiner plöglichen Bertagung eine gefannt und mit vollem Bewußtsein aufgenommen habe. Die rechnen, die Stofsvorräte, die sich im vorigen Jahre unt 30000 Tonnen wichtige Vorlage unter Dach und Bach gebracht. Mit 155 gegen böswillige, abfichtliche, überlegte Majestätsbeleidigung wird u. a. verringert hatten, dürften, falls keine Belebung des Abjates eintritt, 28 Stimmen wurde das Zivilehegefez in dritter Lesung angenommen. Falls das Gefeß die Sanktion des Baren erhält, erlangen die finn- darin gesehen, daß auch von überflüssigen Landesfürsten im Artikel in diesem Jahre taum einen Rüdgang aufzuweisen haben. 2enn ländischen Bürger, mit Ausnahme der zur griechisch- orthodoxen die Rede sei. Schon die Ueberschriften zeigten die Absicht und die von den Rotereien des Synditats nicht eingeschränkt wird, bleibt Stirche gehörigen, das Recht, ihre Ehen vor einem Zivilbeamten oder Böswilligkeit der Beleidigung. Bei der Strafabmessung sei au beau erwarten, daß der Kotsabfaz mit der Erzeugung nicht gleichen bei einem Geistlichen zu schließen. rüdsichtigen, daß Heilmann unbestraft, Meher nur wegen Privat- Schritt hält und daß der mit der Roheisenerzeugung zusammenDas Gesetz wurde in den letzten Jahren als eine dringende beleidigung vorbestraft sei, aber bei der Erheblichkeit der Beleidi- hängende stärkere Verbrauch an Koks von den Hüttenzechen und den Notwendigkeit empfunden, da viele, die die firchliche Zeremonie um- gungen fönnten teine mildernden Umstände bewilligt außerhalb des Syndikats stehenden Zechen absorbiert wird. gehen wollten, ihre Eheschließung einfach in der Beitung bekannt machten. Daraus ergaben sich aber viele Unzuträglichkeiten und Rechtsstreitigkeiten, da diese Ehen vorläufig als ungefeßlich angesehen werden. Unsere Genoffen im Landtage find energifch für diefe Vorlage eingetreten amb tönnen mit Genugtuung auf ihren Erfolg zurüdbliden. Annahme des Zivilehegesetzes in Finnland. Marokko. Bremond gefallen? Paris, 28. April. In Zanger ist das Gerücht verbreitet, Major Bremond sei gefallen. Bis heute mittag ist weder im Kriegsministerium noch im Ministerium des Aeußern irgendeine Bestätigung dieser Nachricht eingetroffen. Man betrachtet daher das Gerücht als unrichtig. hindern. werden. " Der Verband schweizerischer Konsumvereine zählte Ende 1910 328 Vereine. Der Umfag der 8entralftelle betrug 27 765 800 Zur Maifeier in Bayern. Frant. Die Zunahme gegen das Vorjahr( 6 363 800) war größer Vor einigen Tagen gaben wir einer Zuschrift Raum, die sich als im Jahre 1903 der gesamte Umfaz. Das Genossenschaftliche gegen die Verlegung der Maifeier in Baben auf Tage vor und nach Boltsblatt" wird von 180( i.. 160) Vereinen in 188 500( 128 000) dem 1. Mai wandte. Dieselbe Unfitte finden wir in einer Maifeier Exemplaren bezogen. Der Verband beschäftigte 254 Personen: 174 1911" überschriebenen Bekanntmachung in der Münchener Post". in der Zentralverwaltung, 80 in ben auswärtigen Lagerhäusern. Danach finden in Bayern Maifeierveranstaltungen mit Festreden Mustergültig sind in Basel die Arbeitsbedingungen, die statt am Sonntag, den 30. April, Montag, den 1. Mai, bereits feit 1904 gewähren: Ferien, Gehaltszahlung während militäSonnabend, den 6. Mai, Sonntag, den 7. Wai. Die rifcher Uebungen, desgleichen bei Erkrankung, in den ersten fechs Arbeiterschaft von Wilshofen, Ingolstadt, Pfarr- Monaten das volle, in den folgenden das halbe Gehalt, Beitrag von tirchen und Beiffenberg wird gar erst am Sonntag, Bwveidritteln zur Strantenversicherung( noch nicht gefeßlich borden 14. Mai, die am 1. Mai verfäumte Maidemonstration geschrieben) des Angestellten und seiner Familie, 8-9ftündige Arbeitsnachholen. zeit usw.mit Beginn dieses Jahres aber noch wesentlich günstiger Gine solche Verzettelung der Maifeier verstößt durchaus gegen gestaltet worden find. den Gedanken der Maidemonstration des internationalen Proletariats. Ganz abgesehen davon, daß des öfteren schon auf den nationalen und internationalen Tagungen der Sozialdemokratie die willkürliche Berlegung der Demonstration gerügt wurde. Soziales. Aus der Frauenbewegung. Nonnen an der Wahlurne. Intereffant und beachtenswert ist die erstmalige Ausübung des direkten Gemeindewahlrechts durch Frauen, die am 28. April in Laibach, der Hauptstadt des österreichischen Landes Krain, erfolgt ist. Gs tvar ein stürmischer Wahltag. Gegenüber der, insbesondere in folonial- politischen Kreisen ausgesprochenen Ansicht, daß es notwendig wäre, auch von der algerischen Grenze aus eine Expedition über Taza zu unternehmen, wird offigiös gemeldet, daß die Regierung eineswegs eine derartige Absicht habe, da sie der Meinung sei, daß die von Cajablanca und Rabat abgesandten Streitkräfte durchaus hinreichten, es zu entseßen und die Autorität des Sultans über die Stämme wiederherzustellen. Die an der algerisch- marokkanischen Jns Elend mit schuldlosen Kindern! Grenze aufgestellten Truppen hätten lediglich den zwed, den Anschluß der oftmarokkanischen Stämme an die Aufständischen zu ber- ig( Streis Osternberg in der Mark Brandenburg) lebt eine In Königswalde, einen Städtchen bei Bielen Für die Frauen war eine eigene Sektion eingerichtet, der das Wie aus Tanger weiter gemeldet wird, wird tros aller Ab. Witwe, die sich und ihre Stinder durch redliche Fabrifarbeit größte Intereffe gewidmet war. Liberale und flerifale Parteiführer ernährt. Ein Rentier und Ratsherr Peters, nimint das Strains hatten sich bei dieser Sektion eingefunden, um die Stimmen. Leugnungen die Behauptung aufrecht erhalten, daß eine Landung 12jährige Kind der Witwe zu sich, damit es gegen freies Effen abgabe der Frauen zu beobachten. Es wählen seit der vor einigen spanischer Truppen in 2arrasch und deren Marsch nach Tetuan bevorstehe. In Larrasch seien am 23. April etwa zehn Hausarbeit verrichte. Der Ratsherr nähert sich dem Kinde in Monaten vom Landtag beschlossenen Wahlreform drei Wählerklassen. Tetuan bevorstehe. In Larrasch seien am 23. April etwa zehn spanische Offiziere eingetroffen, die mit dem spanischen Konsul und unittlicher Weise. Das Kind wehrt ab. Es wird eingeschüchtert. In der britten, der allgemeinen, wählen alle, welche unter fechs Unter anderem meinte der Ratsherr:„ wenn Du der Ollen Kronen oder gar keine Steuern bezahlen und den sonstigen Wahl. ben Offizieren der spanisch- marokkanischen Polizei eifrig Be sprechungen abgehalten hätten. Der Stommandant dieser Boligci( des Ratsherrn Frau) oder Deiner Mutter etwas fagit, dann bedingungen entsprechen. Auch die Frauen sind in dieser demnach fei am 24. April mit allen Reitern feiner Truppe nach Attassar auf- wirst Du nicht eingesegnet". Als das Kind nach zweijährigem wirklich" allgemeinen Wählertlase wahlberechtigt, unter denfei am 24. April mit allen Reitern seiner Truppe nach Altassar auf- Drängen dem Dienst- und Ratsherrn zum Opfer gefallen war, selben Voraussetzungen wie die Männer. Auch den Nonnen gebrochen, um das Vorgehen der franzöfifchen Militärmiston zu teilte es das seiner Mutter mif. Die entsegte Mutter eilte zum wurde das Wahlrecht ausbrücklich zuerkannt. Pastor, teilte diejent das Geständnis des Stindes mit. Und Liberale und leritale bemühten fich intensiv um die Stimmen China. was tat dieser Seelsorger zum Schutz des Kindes? Er erteilte der Frauen. Ein terifaler Parteigänger, Stebatteur einer flerifalen Die tonstitutionelle Bewegung. der Mutter den Rat, über die Sache zu schweigen, und drohte flovenischen Zeitung, ging fo weit, daß er im Wahllokal den Frauen Hankau, 28. April. Der Präsident des Provinzialfomitees der damit, daß er das Mädchen nicht einsegnen werde. Der die Stimmzettel aus den Händen riß und wenn er fah, daß sie Broving Supeh hat sich heute nach Beling begeben, unt die Ein- Gendarm stellte dem Kinde gar in Aussicht, daß es in eine für die liberale Lifte zu stimmen beabsichtigten, vernichtete er den -den Stimmzettel und gab ihnen andere, mit den Namen der flerifalen berufung einer außerordentlichen Versammlung der Erziehungsanstalt gehöre, da es den alten Herrn tonftitutionellen Partei zur Beratung der gegen- chrbaren Ratsherrn verführt habe. Das war die Hilfe, Kandidaten. Das rief stürmische Szenen hervor und die Frauen wärtigen Lage Chinas zu fordern. Die Bevölkerung gab ihm ein die die Stüben von Altar und Thron der Witwe und dem ge- des bürgerlich liberalen und deutschen Frauenfomitees gingen zur feierliches Geleit zum Bahnhof. Die Beamten hielten fich fern. fchändeten Kinde angedeihen ließen. Die verzweifelte Wutter Landesbehörde, um abhilfe zu verlangen. Obgleich die Frauen erstattete dann beim Bürgermeister Anzeige über die ihrem sum erstenmal das Stimmrecht ausübten, blieben die Stteritalen in Sinde zugefügte Freveltat. Herr Peters wurde berber Minorität. Als sich die Nonnen vom stlofter aus in Wagen Ein revolutionärer Putsch. haftet, am nächstfolgenden Tage aber gegen Raution aus zur Wahrne begaben, fourden sie von der angesammelten Wenge beschimpft und geschmäht. Die Ronnen hatten vom Bifchof DeBer Haft entlassen. Das war Mitte März. überwachen. Stanton, 28. April. Infolge der Verhaftung eines angeblichen Revolutionäre sogen seine Genossen, mit Revolvern be waffnet, nach dem Vamen des Bizetönigs und stedten ihn in Brand. Die Truppen gingen gegen die Aufrührer vor und töteten einige von ihnen. Ein Oberst wurde verwundet. Es wurden viele Berhaftungen vorgenommen. Die Revolutionäre haben außer dem Damen des Vizekönigs 50 Säufer berbrannt und 70 Mann von der Wache des Bigelönigs niedergemehelt. Tie Dampferberbindung mit Songtong ist vorläufig unterbrochen, Seitdem beginnt aber eine Hekiago gegen die„ Ver- fonderen Dispens gum Verlaffen des Klosters erhalten. Mit Recht führerin" des armen Ratsherrn. Der Pastor lehnt es ab, lehnte sich die Bevölkerung gegen die Ausübung des Wahlrechts das Mädchen mit den anderen zufammen zu fonfirmieren. Er durch Bersonen auf, die doch, wie man meinen sollte, mit dem wollte es einzeln( in der Kirche oder in der elterlichen Woh- Leben abgefchloffen haben. Zur Vorbereitung auf best Simmel nung) einfeguen. Das lehnte verständigerweise die Mutter bedarf es, wie uns bisher dünfte, einer Einmischung in politische ab. Am 31. März wird dem Kind das Schulentlaffungs- Sandlungen nicht. Nur unter polizeilicher Intervention konnten die zeugnis erteilt. In diesen findet sich der Paffus: u Ronnen zur Wahlurne gelangen. Die umfichtige, luge und eifrige Saltung der Frauen Bei den fabeln wegen sittlicher Bergeben" Bird nun nicht gar noch das sind an Stelle des Ratsberen wegen Wahlen findet allgemeine Anerkennung. GewerkfcbaftUchea. fTocb einmal die Konstitution des Reim freefe. Ein Arbeiter, der an dem Konflikt in der Jalousiefabrik Von Heinrich F r e e s e beteiligt ist, wünschte ein Zeugnis überfeine Führung und Leistung. Das Dokument, welches der Arbeiter erhielt, lautet: , Herr H. L. ist vom 29. Mai 1890 in den ersten Jahren mit Unterbrechungen und vom 2t. Januar 1893 dauernd in meiner Fabrik als Gelbgieher und Klempner tätig gewesen. Er ist ein pünktlicher, pflichttreuer und ehrlicher Arbeiter und ich bin mit seinen Leistungen zufrieden gewesen. Auch mit seiner Führung bin ich zufrieden gewesen. I n der letzten Zeit hat er durch sein agitatorisches Eintreten für seinen Verband und gegen anders organisierte Kol- legen zu Klagen Veranlassung gegeben. Heinrich Frees e. Wer über den Charakter des„konstitutionelleu Unter- nehmers" noch im Zweifel war, dem wird dies Zeugnis Klarheit verschaffen. Die Anerkennung der Tüchtigkeit des Arbeiters wird einfach ausgestrichen durch den Satz, welcher das Eintreten für seinen Verband hervorhebt, denn das wird doch auch Herrn F r e e s e nicht zweifelhaft sein, daß ein Zeugnis niit solchem Schlußpassus selbst für den tüchtigsten Arbeiter keine Enipfehlung in den Augen eines Unternehmers ist, sondern ihn in seinem Fortkommen hindern muß. Human ist das keineswegs._ Berlin und ümgegend« Abschluß des Arbeiterinnenstreiks bei Bergmann. Die Direktion oder vielmehr die Generaldirektion der Berg- mannschen Elektrizitätsgesellschaft ist den Streikenden nun soweit entgegengekommen, daß die Beendigung des Kampfes möglich wurde. Auf Grundlage des Vorschlages der Streikversammlung vom Don- nerstag haben nochmals Verhandlungen stattgefunden, an denen diesmal auch der Generaldirektor Bergmann teilnahm. Die Firma machte dann folgendes Angebot: „Wir akzeptieren den Vorschlag der Kommission in der Form, daß wir eine Anzahl von zirka 399 Arbeiterinnen zu den alten Akkordsätzen einstellen. Innerhalb einer Frist von zirka 19 Tagen loerden die neuen Akkordsätze geregelt. Die Arbeite- rinnen verpflichten sich ausdrücklich, daß diejenigen, welche mit der Festsetzung der neuen Akkorde beschäftigt sind, weder direkt noch indirekt in ihren Arbeiten beeinflußt oder behindert werden. Nach erfolgter Feststellung der neuen Akkorde werden weitere Einstellungen erfolgen." Die Kommission wünschte natürlich, daß nach Beendigung des Streiks alle Streikenden in kürzester Frist wieder eingestellt werden. Der Generaldirektor erklärte jedoch, daß das aus tech- nischen Gründen unmöglich sei. Binnen 19 Tagen sollten schon 799 bis 899 wieder eingestellt sein, und irgendwelche Maßregelung werde man auf keinen Fall vornehmen. Sämtliche Kommissions- Mitglieder sollten mit unter den zirka 399 sein, die sofort wieder in Arbeit treten. Ehe neue Arbeitskräfte angenommen werden, sollten zuerst alle am Streik beteiligt gewesenen Arbeiterinnen ein- gestellt werden. Zur Regulierung der Akkordpreise äußerte der Generaldirektor, daß, wenn es sich herausstelle, daß auf manche Preise nichts abgezogen werden könne, es eben beim alten Preis bleiben solle; ja, man sei auch geneigt, auf Arbeiten, für die der Preis zu gering ist, zuzulegen. An eine Verringerung des Ver- dienstes der Arbeiterinnen werde nicht gedacht. Die Streikenden hatten sich gestern nachmittag wiederum ebenso zahlreich wie während des ganzen Streiks in den„Pharus- sälen" versammelt, um den Bericht über die Verhandlungen ent- gegenzunehmen. Die Streikleitung sowie die gesamte Kommission waren nach reiflicher Ueberlegung zu der Ueberzeugung gekommen, daß es das beste sei, der Versammlung zu empfehlen, das jetzt vor- liegende Angebot der Firma anzunehmen und auf dieser Grund- läge die Beendigung des Streits zu beschließen. Dagegen machte sich wohl zu Anfang eine mehr oder minder heftige Opposition aus der Versammlung geltend, und zwar namentlich deswegen, weil die Zahl derer, die sofort wieder eingestellt werden sollen, als viel zu gering erschien, aber schließlich erklärte die Versammlung sich mit den zwischen der Direktion und der Kommission getroffenen Ver- cinbarungen auch hinsichtlich der Wiedereinstellung einverstanden. unter der Voraussetzung, daß die Regulierung der Preise so vor- genommen wird, daß keine Schädigung entsteht, und daß die Ver- sprechungen über die Wicdereinstellung ebenfalls innegehalten werden. Sollte das nicht der Fall sein, so behalten sich sowohl die wiedereingestellten wie auch die vorerst noch außer dem Betrieb bleibenden Arbeiterinnen weitere Maßnahmen vor. Zum Schluß sprach der Streikleiter Handle den Strei- kenden seine Anerkennung aus für die Tapferkeit und Einmütig- keif, mit der sie den Kampf durchgeführt haben. Man habe dies bisher bei ArbeitcrinnenstreikS selten erlebt. Die Wiederaufnahme der Arbeit wird jedenfalls, soweit es nach den Vereinbarungen mög- lich ist, Anfang der kommenden Woche erfolgen. Tie Victoria-Versicherungsgesellschaft in Berlin. hat etwas davon läuten hören, daß unter ihren Angestellten Frage- bogen im Umlauf seien, durch die die wirtschaftliche Lage der An- gestellten erkundet werden soll. Daraufhin hat sie ihren Ange- stellten inner- und außerhalb Berlins kund und zu wissen getan: „Wir verbieten hiermit allen Beamten, diese Fragebogen auszufüllen oder irgendwelche Auskünfte über unsere internen Angelegenheiten an Außenstehende zu geben. Zuwiderhand. lungcn würden die Entlassung des Betreffenden nach sich ziehen." Ist dieser Ukas der Furcht vor der Oeffentlichkeit entsprungen, die über die wirtschaftliche Lage der Victoria-Angestellten nichts er- fahren soll? Oder hat man ihn erlassen, um den Angestellten aufs neue daS absolutistische Regiment bei dieser Gesellschaft vor Augen zu führen? Wahrscheinlich sprechen beide Gründe mit. Die letzte Berliner Kaufmannsgerichtswahl, bei der die Victoria-Angestellten meist für den- Zentralverband der Handlungsgehilfen und Ge- hilfinnen stimmten, hat gezeigt, daß die Angestellten dieser Gesell- schaft immer mehr gewerkschaftlich denken lernen. Der neueste Er- laß der Victoria kann diese EntWickelung nur noch fördern. Lohnbewegung der Presser in der Luxuspapierindustrie und den Preßvergoldeanstalten. Bereits am 27. Februar hatte eine Branchenversammlung der Presser und Pressereiarbeiterinnen beschlossen, in eiue Lohn- bewegung einzutreten. Nun fand am Tonnerstag in den Fürstensälen, Köpenicker Straße, eine neue Versammlung statt, in der die seinerzeit gewählte Tarifkommission den inzwischen noch- mals durchgesehenen Tarifentwurf vorlegte, der in einzelnen Punkten abgeändert und mehr dem Tarifentwurf der Buchbinder- brauche angepaßt worden ist. Wie bei den Buchbindern, so wird auch hier die blstündige Arbeitszeit verlangt in der Form, daß Sonnabends und an den Tagen vor den hohen Festen nur sechs Stunden gearbeitet wird, an den übrigen Tagen neun Stunden. Der Anfangslohn für Presser soll 65 Pf. die Stunde betragen, und der Stundenlohn für Akkordarbeiter, wenn sie zeitweise im Lohn arbeiten, 73 Pf.� Einrichter an den Blitz- und Farbendruck- schncllpressen sollen für Bedienung von bis zu drei Maschinen mindestens 36 M. pro Woche erhalten. Für die Arbeiterinnen an den verschiedenen Pressen wird für die ersten drei Monate der Beschäftigung in der Branche 15 M. und von da ab 18 M. Wochen- lohn verlangt; für die übrigen Arbeiterinnen teils 16 M., teils 13 M.. und für ungeübte Arbeiterinnen in den ersten sechs Wochen mindestens 13 M. Wochenlohn. Akkordarbeiterinnen sollen, wenn sie zeitweise im Lohn arbeiten. 42 Pf. Stundenlohn erhalten. Arbeiterinnen unter 16 Jahren sollen nicht beschäftigt werden. Lcrantw. Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Inseratenteil perantw.� Heimarbeit soll verboten sein. Für Ueberzeitarbeit sind im all- gemeinen dieselben Bestimmungen vorgesehen wie im Buchbinder- tarif. Ebenfalls wird für die Postkartenpressereien ein Akkord- tarif in Vorschlag gebracht. Zur Schlichtung von Streitigkeiten aus dem Lohn- und Arbeitsverhältnis soll eine Schlichtung-- kommission gebildet werden. Nachdem Max K e m p k e als Vertreter der Tarifkommission über die Forderungen berichtet hatte, folgte eine rege Diskussion, die erkennen ließ, daß man mit der Arbeit der Kommission ein- verstanden war, und verschiedene Anregungen zur weiteren Durch- führung der Bewegung bot. Es wird sich demnächst noch eine öffentliche Versammlung weiter mit der Lohnbewegung befassen. Achtung, Schuhmacher! Die Firma Pfarr, Ackerstraße 14, droht ihren Arbeitern und Arbeiterinnen, sämtliche Plätze der am 1. Mai Feiernden durch Neueinstellungen zu besetzen. Wir warnen daher die Kollegen und Kolleginnen davor, bei dieser Firma in Ar- beit zu treten. Weiter weisen wir darauf hin, daß der Streik bei der Firma Hetz u. Dörr unverändert fortbesteht. Zentralverband der Schuhmacher, Ortsverwaltung Berlin, Deutsches Reich. Der Streik der Maurer und Zimmerer in Wriezen a. O. ist nach zweiwöchiger Dauer mit Abschluß eines Vertrages beendet worden. Der Vertrag gilt bis 31. März 1914. Der Lohn wird sofort von 43 auf 48 Pf. erhöht und am 1. April 1913 tritt eine weitere Lohnerhöhung von 2 Pf. ein. � Aus einem Scharfmacherverbande. Die Königsberger organisierten Bauunternehmer haben fahre- lang die Arbeiter in der unerhörtesten Weise terrorisiert. Sie stellten keinen organisierten Arbeiter ein, höchstens Mitglieder des christlichen Verbandes. Jetzt ist ans Tageslicht gekommen, in welch skandalöser Weise die Auftraggeber von Bauten von dem ver- einigten Unternehmertum unter Führung des Obermeisters Herrn Lauffer übervorteilt werden. Vor einigen Jahren ist ein Preisschutzverband für das Bau- gewerbe in Königsberg gegründet worden. Es wurde versucht, möglichst alle Bauunternehmer dafür zu gewinnen, um angeblich die„unreelle Preisunterbietung" im Baugewerbe zu verhindern. Die Forderungen sollten den festgesetzten Mindestpreisen ent- sprechen. Der Vorstand, das heißt der Obermeister, bekommt für seine„Mühewaltung" 1 Proz. der Aufträge und Lieferungen, die den Mitgliedern des Vereins übertragen werden. Wird eine Bauarbeit in öffentlicher Submission ausgeboten, so tritt der Preisschutzverband in Tätigkeit. Der Vorstand, also der Obermeister, ladet die Mitglieder des Preisschutzverbandes zu einer„Vorsubmission" ein, zu der jeder, der sich um die Arbeit zu bewerben gedenkt, ein Angebot mitzubringen hat. Die An- geböte werden dann geprüft, ob sie die Mindestpreise enthalten. Die Beschlüsse der Vorsubmissionsversammlungen sind auch für die beteiligten Mitglieder matzgebend, die im Termin nicht an- wesend sind. Wer gegen die ihm obliegenden Verpflichtungen ver- stößt,' kann in eine Vertragsstrafe genommen werden. Die Jnnungsmitglieder haben die Beschlüsse des Preisschutzverbandes zu halten. Auf diese Weise hat die Innung das Recht erlangt, Strafen festzusetzen, die auch zwangsweise eingetrieben werden können. Der Preisschutzverband geht nun in folgender Weise vor: Bei den Vorsubmissionen ist meistens von der Einreichung der ganzen Kostenvorschläge keine Rede. Gewöhnlich geben die Unternehmer die Endsumme ihrer Forderung an. Der Mindestfordernde wird für zuschlagsfähig erklärt, ganz gleich, ob er die festgesetzten Mindestpreise eingehalten hatte oder auf seine Forderung 19 Proz. (manchmal auch mehr) aufgeschlagen hatte. Die 19 Proz. werden dann unter die ausfallenden Unternehmer verteilt, die dafür ver- pflichtet sind, mehr als der für zuschlagsfähig erklärte Unternehmer zu fordern, damit dieser die Arbeit bekommt. Außerdem erhält der„Vorstand", also der Obermeister, 1 Proz. der ganzen Bau- summe für seine„Mühewaltung". Die zugeschlagenen Summen werden nicht voll an die Mitglieder verteilt, sondern ein Zehntel wird als Kautionskonto cinbehalten. Dieses Kautionskonto wird dann bei der vom„Vorstand" gegründeten und verwalteten Ee- werbebank angelegt. Auf diese Weise können Unternehmer bei Arbeiten, um die es ihnen ernstlich gar nicht zu tun ist, lediglich durch Beteiligung an der Vorsubmission schönes Geld verdiene». Wird eine Arbeit nicht in Submission gegeben, sondern wird ein Unternehmer zur Einreichung eines Kostenanschlages auf- gefordert, so wird folgendermaßen verfahren: Der Unternehmer meldet die Aufforderung beim„Vorstand" an. Erhält er innerhalb 24 Stunden keine Mitteilung, so reicht er seinen Kostenanschlag ein. Dabei berechnet er vielleicht eine Arbeit, die 15 999 M. kosten würde, mit 18 999 M. Dem Bauherrn ist das zu teuer, und er fordert einen zweiten Unternehmer auf. Dieser muß ebenfalls beim Vorstand anfragen, und er erhält die Antwort, daß der erste Unternehmer„ältere Rechte" und 18 999 M. gefordert habe. Der zweite Unternehmer mutz mehr fordern, vielleicht 19 999 M.. so daß der erste doch die Arbeit erhält. Der„Vorstand" bekommt für seine„Mühewaltung" 1 Proz. der Bausumme. Wie der„Vorstand" erzählt hat, sind im ersten Jahre des Be. stehens dcs Preisschutzverbandes 173999 M. aus den Vor- submissionen ausgezahlt worden. Im Jahre 1993 erklärte der „Vorstand", daß die Vorsubmissionen in drei bis dreieinhalb Jahren die Summe von 399 999 M. eingebracht hätten. Das macht allein für den Obermeister eine Einnahme von 69 999 bis 89 999 M. 1 Proz. der Bausumme, also 39 999 M., erhält er ja schon für seine Tätigkeit als„Vorstand". Ein anderer Unter- nehmer hatte in zwei Jahren rund 4799 M. aus den Vor- submissionen erhalten. Tritt ein Unternehmer aus dem Preis- schutzverband nach einjähriger Kündigung aus, so verfällt iein Kautionskonto(ein Zehntel seines Anteils aus den Vor- submissionen) der Kampfkasse. Weiter sind auch mit den Baumaterialienhändkern, mit der Duchdeckerinnung, der Glaserinnung und den Ziegellieferanten Verträge abgeschlossen, die für alle Jnnungsm'tglieder verbindlich sind. Diese Firmen sind verpflichtet, ihre Preise um 3 Proz. zu erhöhen. Nach Jahresschluß erhalten die Jnnungsmitglieder 3 Proz. auf die Kaufsumm-n zurückgezahlt, 1 Proz. bleibt als ihr Eigentum bei der Bauu.uung in Verwahrung und 1 Proz. fließt in die Jnnungskasse oder in die Tasche dcs„Vorstandes". Wer nicht Jnnungsmitglied ist, muß wohl hcn Aufschlag von 3 Proz. bezahlen, erhält aber nichts zurückerstattet. So sieht es hinter den Kulissen der Leute aus, die sich nicht genug über die„anmaßenden" und„unerhörten" Forderungen der Arbeiter entrüsten können. In dieser Weise werden Private und Behörden übers Ohr gehauen von Personen, die bei jeder Ge- legenheit mit ihrem„Patriotismus" prunken und auf deren Wunsch die Behörden sofort in Bewegung gesetzt werden, um gegen die Arbeiter in ihren wirtschaftlichen Kämpfen vorzugehen. Die Lithographen und Steindrucker in Mannheim-Ludwigshafen stehen in einer Tarifbewe- aung. Mit der Kunstanstalt Chr. Seitz in Mannheim wurde bereits ein Tarif auf fünf Jahre abgeschlossen, wonach die tägliche Arbeitszeit für Steindrucker 8% Stunden beträgt. Der Mindest- Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanstals- lohn ivursie für Ausgelernls im ersten Gehilfenzahre auf 23 un? im zweiten GehiljMjahre auf 26 Mk. festgelegt. Ueberstunden werden bis 2 Stunden mit 23 Proz., über 2 Stunden mit 38% Proz., Nachts und Sonntags mit 59 Proz. Zuschlag bezahlt. Auf 1 bis 4 Gehilfen darf ein Lehrling gehalten werden. Aerztliche unter- suchung auf Brust und Augen hat vor der Aufnahme stattzufinden. — Für das gesamte Lithographen- und Steindruckerpersonal trat eine fünfprozentige Lohnerhöhung ein, die Lohnzulage beträgt für 'jeden Gehilfen 1,39—2 M. wöchentlich. Ferner wurden Ferren bis zu einer Woche gewährt. Der Streik in der Lithographischen Anstalt von Roeller u, Huste in Leipzig wurde nach vierwöchiger Dauer beendet und haben die Lithographen die Arbeit wieder aufgenommen. Die von der Firma geplanten Verschlechterungen der Arbeitsverhältnisse wurden abgelehnt._ Versammlungen. .Die Stellmacher hielten am Donnerstag ihre Ouartals- Versammlung ab. Den Bericht vom letzten Quartal erstattete P a s e w a l d. Werkstattstreiks und Differenzen waren 6 zu ver- zeichnen, und zwar 2 mit und 4 ohne Arbeitsniederlegung,-tie Werkstattkommission hielt 5 geschäftliche und 59 Werlstattsitzungen ab. 155 Werkstuben waren eingeladen, 85 waren vertreten.<>n diesen Betrieben waren 1263 Kollegen beschäftigt, davon gehörten 1994 dem Verbände und 42 anderen Organisationen an.-o» den Sitzungen erschienen 977 Kollegen; davon waren 833 Mitglieder des Verbandes, 89 gehörten keiner Organisation an. Redner be- richtet noch eingehend über die mit den betreffenden Firmen ge- pflogenen Verhandlungen und gab eine detaillierte Darstellung der durchgedrückten Errungenschaften. Sämtliche Tisserenzen haben einen für die Organisation günstigen Ausgang genommen� Einwendungen gegen den Bericht ergab die kurze Diskussion nicbr. Ein Antrag, die Kommission auf 12 Personen zu erweitern, wurda angenommen und 7 neue Mitglieder hinzugewählt.„ Sodann berichtete Altgeselle Rosenberger über die Ver- Handlungen des Gesellenausschusses mit der Innung wegen der Frage der Angliederung des Jnnungsnachweises an den paritati- scheu Arbeitsnachweis. Die bestehenden Älißstände im jetzigen Nachweis hatten die Arbeiter bewogen, die Frage in Fluß zu bringen. Die Antwort lautete in ablehnendem sinne. Ter Ober- meiiter hatte unter anderem auch noch erklärt, daß er bei R a h a r d t von der Tischlerinnung Rat geholt habe und der habe ihm gesagt, sie sollten eher alles andere machen, nur nicht da--. Die Tischlerinnung habe diese Dummheit einmal gemacht, ein zweites Mal täte sie es nicht mehr. Bei dieser Unterhaltung gab auch der Stellmacher-Obermeister das köstliche Geständnis preis, daß e r selbst es sei. der in den Provinzblättern nach Gehilfen annonciere, und das, obgleich es jetzt schon an Stellmachern in Berlin nicht mangelt. Trotz dieses Resultats wird die Gehilfenschaft die Frage dcs Nachweises energisch weiter verfolgen, und der Obermeister hat sich denn auch herbeigelassen, für die nächste Zeit eine neue Sitzung in Aussicht zu stellen. Vor allem wurde von den folgenden Rednern kritisiert, daß der Nachweis der Innung in einem Schank- lokal(!) betrieben wird., Ein Antrag, nach dem über den Nachweis der Innung in der Lichtenberger Straße von nun an die Sperre verhängt wird und jede weitere Benutzung dem Streikbruch gleichzustellen ist, ferner daß nur der Nachweis in der Gormannstraße benutzt und nicht mehr umgeschaut werden darf, fand gegen 4 Stimmen An» nähme. Gegen jeden Kollegen, der von heute ab anders als durch den Nachweis in der Gormannstraße vermittelt wird, sollen die Arbeiter des betreffenden Betriebes scharf Stellung nehwen. Die Maifeicrfrage behandelte Pasewald. Wo die Organ!» sationsvcrhältnisse es zuließen, könne es nichts anderes geben, als strikte Durchführung der Arbeitsruhe am 1. Mai. Die großen Betriebe hätten durchweg schon beschlossen, dem nachzukomiiicn. Unter Branchenangelegenheiten teilte der Vorsitzende mit, daß bei der Firma Voll u. R o h r b c ck die Kollegen Lohnzulage ver- langt und auch erhalten haben. Trotzdem zurzeit nicht viel Arbeit dort vorhanden sei, inseriere die Firma nun in der. Volks- Zeitung" nach Stellmachern. Der Betrieb sei zu meiden. Weiter wurde gewünscht möge eine Städte- oder eine Branchenkonferenz anberaumt werde,.. Die Korbmacher versammelten sich am Donnerstagabend m Gewerkschaftshause. Nach Erledigung einiger Branchenangclc heilen wurde in bezug auf die Maifeier beschlossen, daß ebenso wie in früheren Jahren am 1. Mai die Arbeit ruhen solle. Die Mitglieder der Branche versanimeln sich am Montagmorgen im Lokal von Krause, Muskauer Straße, um sich von dort nach der Hauptversammlung der Holzarbeiter in der„Neuen Welt", Hasen, Heide, zu begeben. Letzte Kehrichten* Die Lage in Marokko. London, 28. April. Wie das Rcutersche Bureau erfährk, herrscht in den diplomatischen Kreisen Londons zwar große Un- gewißheit über die wirkliche Lage in Fes, doch ist man der Ansicht. daß der gegenwärtige Ausbruch ernsthafter ist, als die sonst unter den Stämmen Marokkos üblichen Unruhen, da die Meinung sich immer mehr verbreitet, daß auch das fremdenfeindlichc Element nicht fehlt. Mit Bezug auf die Haltung Frankreichs wird dem Vertrauen Ausdruck verliehen, daß man nur nach Fes zu gehen wünsche, wenn die Lage der Fremden das unvermeidlich machen sollte, und daß unter keinen Umständen die französischen Truppen dort dauernd bleiben werden. Wohlunterrichtete Kreise sind der Meinung, daß Frankreich gewissenhaft vermeiden werde, seine aus der Algeciras-Akte hervorgehenden Rechte zu überschreiten und daß wirklich in der Lage nichts enthalten sei, was zu Verwickelungen Achlaß geben könnte._ Ein neuer„Kulturfortschritt" in Frankreich. Cherbourg, 28. April.(H. B.) Gestern erfolgten hier die ersten Schießversuche mit den neuen?-Granaten gegen das veraltete Kriegsschiff„Neptune". Die Versuche fanden in Gegenwart des Direktors dcs Artilleriewesens, Oberst Gallart. statt. Es wurden zwei Granaten mit einer Ladung von 17 Kilogramm schwarzem Pulver abgefeuert, und zwar derart, daß die Wirkung dieselbe war, wie sie bei einer Entfernung von 6999 Meter zu verzeichnen ist. Die beiden Granaten explodierten. Die erste nach 8, die zweite nach 2 Sekunden. Der durch die Granaten angerichtete Schaden ist, wie eS heißt, sehr bedeutend. Es wird seitens der Militär- bchörde über das genaue Ergebnis strenges Geheimnis gewahrt. Vom mexikanischen Kriegsschauplatz! New-York, 28. April.(W. T. 93.) AuS Tucson(Arizonas) wird gemeldet, daß jn einem Gefecht zwischen Bundestruppen und Aufständischen bei Horcasitas vierzig Mann gefallen sind. Mexiko, 28. April.(W. T. B.) Heute ist eine Kommission zur Eröffnung von Friedensverhandlungen nach El Paso abgereist. Eine Stadt in Flammen. Prag, 28. April.(H. B.) Die Stadt T a ch a u in Westböhmen, ein alter deutscher Ort. steht seit heute nachmittag in Flammen. Nach einer weiteren Meldung Wn W. T. B. ist der Brand heute nachmittag lokalisiert worden, �wciundzwanzig, meist mit Schin- deln gedeckte Häuser, darunter der jüdische Tempel, sind nieder- gebrannt; 25 Häuser find mehr oder minder beschädigt. Die Ent- stehungsrirsache ist unbekanm.__ Die Cholera in Petersburg. Petersburg, 28. April.(W. T. B.)_ Jn den letzten Tagen sind hier sechzehn choleraverdächtige Fälle festgestellt worden._ jaul Singer 4 do-, Berlin S\V. Hierzu 3 Beilagen u.UnterhaltungSbt. |f. 100. 28. Iahrgallg. t Stütze i>rs.lotnärls" Knlim lolMlutt ZMMO, 29. April!9W Resolution für die Maifeier-Versammlungen. Der Vorstand öeS Verbandes der Wahlvereine von Groß-Berün und der Ausschuß der Gewerkschaftskommission für Berlin und Umgegend empfehlen für die Maifeier-Versammlungen folgende Resolution: »Nm 1. Mai demonstriert das klassenbewußte Proletariat aller Länder für den Ausbau der Srbe'.terschutzgesetzgebung und den Böllerfrieden und protestiert gegen das wahnwitzige Wettrüsten, in dem eS eine wachsende Gefahr für den Frieden und die Ursache der immer mehr steigenden Belastung der breiten Massen erblickt. Die Arbeiterklasse verurteilt das Verhalten des Herrn v. Bethinann Hollweg, der in seiner diesjährigen Etatsrede behauptete, daß eS unmöglich sei, eine Grundlage für das Abrüsten zu finden, und daß man keine Einrichtungen zur Schlichtung internationaler Streitigkeiten schaffen könne, auf das schärfste. Eine Beschränkung der Rüstungsausgaben muß erfolgen, damit Mittel frei werden für den dringend nötigen Ausbau der Arbeiterschlitz» und ArbeiterversicherungS- gesetzt. Die Grundlage einer wirksamen Arbeiterschutzgesetzgebung muß die gesetzliche Einführung dcS Achtstundentages sein. Der dem deutschen Reichstage vorliegende Entwurf einer ReichSdersicherungSordnung entspricht in keiner Weise den berechtigten Forderungen der Arbeiter, sondern raubt durch Beseitigung der Selbstverwaltung in den Krankenkassen Rechte, die man selbst unter der Herrschaft des Sozialisten- gesetzes den Arbeitern nicht zu verweigern wagte. Die deutschen Arbeiter fordern demgegenüber den Ausbau der bestehenden Selbstverwaltung, die Beseitigung der Mängel der Versicherungsgesetze, die Einführung einer wirklichen Versorgung der Witwen und Waisen, eine ausreichende Unterstützung der Schwangeren und Mütter zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit und die Einführung einer Arbeitslosenversicherung. Die Versammelten erklären, daß sie mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln den von den herrschenden Klassen genährten Nationalitätenhaß bekämpfen und für die Völlerverbrüderung, für Schaffung einer ausreichenden Sozialreform und Befreiung der Arbeiterklasse von wirtschaftlicher Ausbeutung und politischer Unterdrückung wirken werdend Jugendbewegung. Di« Treptower Jugendorganisation für aufgelöst erklärt. Nachdem die meisten Groß-Berliner Jugendorganisationen auf- gelöst worden sind, ist nun auch die Treptower Jugend- organisation dem polizeilichen Vernichtungsfeldzuge zum Opfer ge- fallen. In einem Schreiben an den Vorsitzenden des Vereins hat der Amtsvorsteher von Treptow die Freie Jugendorganisation Treptow auf Grund des§ 2 Abs. 1 deS ReichSvereinSgesetzeS für aufgelöst erklärt. Diese SuflösungSverfügung bedeutet für die Treptower Jugend- organisation die endgültige Beendigung deS Kampfes, den sie feit einem halben Jahr mit der Polizei zu führen gezwungen war, und ist für die Jugendlichen selbst von keinem Interesse, wie sie auch auf die Jugendbewegung überhaupt nicht von Einfluß ist. Gmcbtö-Zcitung. RoH eine Polizeiattacke auf Kranzschleife«. Nicht vereinzelt steht der Fall da, über den wir am Mittwoch berichteten, wo die Blumenhändlerin Fräulein Schubert der Ueber- tretung der Plakatbestimmungen des alten preußischen Preßgesetzes angeklagt war, weil sie in ihrem Schaufenster einen für die Gräber der Märzgefallenen bestimmten Kranz mit entsprechender, der Schleife aufgedruckter Widmung ausgehängt hatte. Mit einem zweiten Fall ganz derselben Art hatte sich gestern das Schöffen- gericht Berlin-Wedding zu befassen. Wie im Falle Schubert, so war eS auch in dem jetzt vor- liegenden Fall der Polizeiwachtmeister Jakob, auf dessen Anzeige daS Strafverfahren zurückzuführen ist. Es handelt sich um den Blumenhändler Schulz, Stolpische Straße 5. In seinem Schau- fenster hing eine rote Kranzschleife. Auf dem einen Ende der- selben war in Goldschrift zu lesen, daß der Kranz vom Personal der Brauerei Engelhardt den gefallenen Märzkämpfern gewidmet war. Auf der anderen Hälfte der Schleife standen die Worte: „Ihr ungezählten Massen, die Ihr zum Opfer fielt. Auf deren blut'gen Leibern die Rache Einzug hielt, In Reih und Glied dahingestreckt, Euch hat ins Herz geschlossen das Proletariat." Polizeiwachtmeister Jakob notierte die Kranzinschrift, zeigte Herrn Schulz an und dieser erhielt einen amtSrichterlichcn Straf- befehl, der 10 M. Geldstrafe gegen Schulz festsetzte, weil er durch Ausstellung der Kranzschleife den§ 9 des preußischen Preßgesetzes übertreten haben soll. Bekanntlich verbietet dieser Paragraph den öffentlichen Aushang von Plakaten, die einen anderen Inhalt haben als Anzeigen über gestohlene, gefundene und verlorene Sachen, gesetzlich gestattete Versammlungen und Nachrichten für den ge- werblichen Verkehr. Ter Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Siegfried Weinberg, be- zeichnete diese Anklage als einen Beweis dafür, daß doch der menschliche Geist immer erfinderischer werde. Seit vielen Jahren würden derartige Kranzschleifen von Geschäftsleuten ausgestellt, vrokt eine neue peftepiäemie? Ueber dieses leider aktuelle Thema berichtete auf der Haupt« versammlungdesPreußischenMedizinalvereinS. die am Freitag in Berlin eröffnet wurde, Professor Kirchner (Berlin) vorn Ministerium deS Innern. Er führte auS: Der plötzliche Ausbruch der Pest in Ostasien im vorigen Jahre und ihre überaus schnelle Verbreitung sowie daS ungeheure Sterben. da? sie hervorgerufen hat. hat in der ganzen Welt tiefen Eindruck gemacht. Ganz besonders beunruhigend aber war eS für unS alle, daß die Krankheit in einer Forin auftrat, wie sie unS als be- sonders gefährlich bekannt ist, in Forin der Lunge«Pest. Gerade die Lungenpest ist außerordentlich infektiös und tödlich wirkend. Haben wir doch hier in Berlin im Jahre 1993 die im- glaublich schnelle Wirkung der Lungenpestkeime in einem traurigen Falle beobachten können, der einen jungen Arzt am Berliner Institut für JnfeltionSlrankheiten betraf. Er wollte Meerschweinchen Lungen- pesterrcger einimpfen, allein er verspritzte etwas von der Kultur und infizierte sich. Schon nach wenigen Tagen brach bei ihm eine über- aus schwere Lungenentzündung aus, die sofort den Verdacht er- regte, daß ein Fall von Lungenpest vorlag. Trotz der allergrößten Sorgfalt wurde auch noch ein Wärter infiziert, der jedoch glücklicherweise mit dem Leben davonkam. Es zeigte sich, daß Husten und Niesen des Pestbefallenen die furchtbarste Gefahr für seine Umgebung bedeutete, da der Auswurf die Krankheit sofort übertrug. Ein ähnlicher Fall ereignete sich dann auch noch in Wien. Und zwar ebenfalls bei einem Arzte des Instituts für Jnfeklions- krankheiten., Die zweite Form der Pest, dre sogenannte Beulenpest, wird durch kleinere Verletzungen oder durch Stiche von Insekten übertragen. Diese Form ist nicht so infektiös. Ein großer Teil dieser Pestkranken kam mit dem Leben davon. Diese, auch die orientalische Pest genannte Beulenpest wird weniger schnell verbreitet und hat nicht die große Todeshäufigkeit der Lungenpest. Lungen, und Beulenpest unterscheiden sich dadurch, daß sie zu verschiedenen Zeiten und in verschiedener Starke auftreten, Pest die im Sommer austritt, ist zumeist Beulenpest, Pest ,m Winter Lungen- pest. Und wenn daher jetzt die chinesische Regierung die Pest offiziell für erloschen erklärt hat. so müssen wir dieser Erklärung mit den größten Zweifeln entgegentreten. Ich bin fest davon überzeugt, daß nur infolge des Eintretens der milderen Witterung die Lungenpest nachgelassen hat, daß wir aber im Sommer eine Beulen- pest zu erwarten haben, und daß sich im nächsten Winter die Lungenpest wiederholen wird. Die wissen- schostliche Erklärung hixrfiir liegt in der Art der Uebertragung der ohne daß jemand auf den Gedanken gekommen wäre, die Schleife lei ein Plakat und der Aussteller mache sich strafbar. Es liege kein Anlaß vor, dem preußischen Preßgesetz eine so weitgehende Auslegung zu geben, wie es in diesem Falle versucht wird. Sollte die der Anklage zugrunde liegende Auffassung als zutreffend an- gesehen werden, dann würde auch der Kaufmann, der ein Kissen mit der Ausschrift:„Nur ein Viertelstündchen" ausstellt, gegen die Plakatbestimmung verstoßen, ja selbst die Etiketten von Kognak- und Likörflaschen könnten dann als Plakate angesehen und ihr Aus- steller bestraft werden. DaS Gericht erkannte, wie der Verteidiger beantragt hatte, auf Freisprechung und Auferlegung der Kosten einschließlich der Berteidigungskosten auf die Staatskasse.— An sich— so sagte der Vorsitzende in der Urteilsbegründung— könne eine Schleife wohl als Plakat angesehen werden, wenn sie ausgestellt werde, um ihre Aufschrift bekannt zu geben. Ein solcher Fall liege aber nicht vor. Die Schleife sei nur zum Zweck der geschäftlichen Reklame des Angeklagten ausgestellt, wobei ihr Inhalt keine Rolle spiele. Die Schreckenstat eines Italieners beschäftigte gestern das Schwurgericht des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichtsdirektorö Dr. Schmer. Aus der Unter- suchungshaft wurde der 29jährige Arbeiter Giovanni Ridolfi vorge- führt, um sich wegen versuchten Totschlages zu verantworten. Der in Antrodero in Italien gebürtige und schon wegen schwerer Ur- kundenfälschung vorbestrafte Angeklagte zog im Juli 1999 zu den in der Schivelbeiner Straße wohnhaften Monteur Grunewaldschen Eheleuten als Schlasbursche. Er war bon Anfang an bei dem Plietezahlen sehr unpünktlich, so daß ihn die G.schen Eheleute schon wiederholt auf die Straße setzen wollten. Auf die Bitten des Ange- klagten hin ließen sie sich jedoch immer wieder erweichen, ihn noch weiter zu behalten. Anfang Juli v. I. stand R. wieder mit 18 Mk. bei seinen Wirtsleuten in der Kreide. Als eines Tages deshalb ein Streit ausbrach, versteckte er sich unter einem Bett, um die G.schen Eheleute zu belauschen. Als er hier hörte, wie die Frau Grunewald sagte:„Wenn er morgen nicht 19 M. bezahlt, muß er raus", schlich er sich still in sein Zimmer, wo er sich auf den Bett- rand setzte und laut weinte und schluchzte, so daß die auf dem Kor- ridor schlafende zehnjährige Tochter der Eheleute wach wurde und ihre Eltern aufmerffam machte. Diesen erzählte der Angeklagte, daß er Leibschmerzen habe und deshalb weine. Als Ridolfi einige Tage darauf erzählte, daß er nach Leipzig fahre und sich dort Ar- beit suchen wollte, machte die vierzehnjährige Anna G. die Harm- lose Bemerkung, daß sie dann endlich ihr Bett wiederbekomme. welches, als R. einzog, diesem zur Verfügung gestellt worden war. Der Angeklagte geriet über diese Bemerkung so in Wut, daß er das Mädchen auf das Bett warf, so daß es mit dem Kopse gegen die Wand schlug. Dieser Vorfall hatte zur Folge, daß die G.schen Ehe- leute mit aller Energie darauf drangen, daß Ridolfi ausziehe. Am Abend des 8. Juli trat der Angeklagte auf die auf dem Balkon stehende und allein anwesende Frau G. zu und bat sie. ihm 19 M. zu leihen, welche er zum Fahrgeld nach Leipzig brauche. Als sie dann einige Minuten später ahnungslos das Zimmer betrat, stürzte der Angeklagte mit den Worten:«Wenn ich kein Geld bekomme, dann kannst du A— s tot gehen!" auf sie zu und gab hintereinander sechs Schüsse auf sie ab. Frau Grunewald erhielt einen Schuß in den Mund, während die übrigen Kugeln die zur Abwehr borge- streckten Hände und Arme trafen. Während die Getroffene besin- nungslos zu Boden stürzte, ging der Angeklagte ruhig in fein Zimmer und lud den Revolver nochmals. Inzwischen hatte Frau G. das Bewußtsein wiedererlangt, sie flüchtete zu einer Nachbarin, deren Tür zufällig offen stand. Der Angeklagte, der dies bemerkt hatte, lief hinter ihr her und gab nochmals drei Schüsse auf eine Por- tiere ab, hinter der er die Frau Grunewald vermutete. Dann schloß er sich in sein Zimmer ein und jagte sich drei Kugeln in die Brust. Er wurde hier schwer verletzt aufgefunden und als Polizeigefan- gener nach der kgl. Charite gebracht, wo er längere Zeit in Lebens- gefahr schwebte. Die Verletzungen der Frau G. stellten sich als nicht erheblich heraus, so daß sie schon nach zwei Tagen wieder ent- lassen werden konnte.— Der Angeklagte behauptete schon früher. daß er sich bei der Tat in einem Zustande sinnloser Trunkenheit befunden habe. Von Rechtsanwalt Dr. Holpert ist deshalb ein um- fangreicher Beweis dafür angetreten worden, daß der Angeklagte vor der Tat mehrere Schanklokale besucht und dort erhebliche Quantitäten Alkohol zu sich genommen hatte. Die Geschworenen verneinten sämtliche Schuldfragen. Der Angeklagte wurde darauf freigesprochen. Ob und welche Schritte gegen den Freigesprochenen unternommen werden, um ähnlichen Ausbrüchen der furchtbaren Folgen des Dämons Alkohol bei diesem Italiener vorzubeugen, wird die Staatsanwaltschaft zu erwägen haben.-*■ Ein Lehrer auf Abwegen. Wegen Verführung und Beleidigung ist am 9. Janüär böm Landgericht Magdeburg der Hauptlchrer Wilhelm Steinmonn zu einem Jahre Gefängnis verurteilt worden. Der Angeklagte ist seit Jahren in Niederndodeleben tätig gewesen. Er hat die noch nicht 16 Jahre alte Tochter eines Kollegen verführt und ein anderes jugendliches Mädchen durch unsittliche Zumutungen beleidigt.— Die Revision des Angeklagten wurde am Donnerstag vom Reichs- gericht verworfen._ Ein gemeingefährlicher Bursche» der in der Maske eines Kriminalschutzmanns junge Mädchen auf der Straße belästigt hatte, wurde gestern auf längere Zeit un- schädlich gemacht.' Wegen Anmaßung eines öffentlichen Amtes und tätlicher Beleidigung hatte die 6. Strafkammer des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Gockel gegen den sich als Schlosser bezeichnenden Willi Tuchel zu verhandeln. Der schon vorbestrafte Angeklagte hatte sich eine Blechmarke verschafft, welche den Erkennungsmarken der Kriminalpolizei ahn» lich war, um damit einen recht gemeinen Streich zu begehen. Am Abend des 5. Januar d. I. trat er plötzlich an ein 17jähriges Dienstmädchen heran, welches in der Berliner Straße in Char- lottenburg ruhig ihres Weges ging. Unter Vorzeigung der Blech- marke gab er sich als Kriminalbeamter aus und beschuldigte das Mädchen, auf der Straße auf Männerfang ausgegangen zu sein. Er drohte ihr, sie unter sittenpolizeilicher Kontrolle zu bringen und befahl ihr in barschem Ton, ihm zur Wache zu folgen, wo er sie erst einmal körperlich untersuchen müsse. Das Madchen war durch diese Drohungen so eingeschüchtert, daß es dem angeblichen Kri- minalbeamten fast willenlos folgte. Auf dem Wege wurde der „Herr Beamte" dann plötzlich etwas freundlicher und legte dem Mädchen nahe, daß er von einer Anzeige Abstand nehmen wolle, wenn eS in seiner Wohnung mitkomme. Zum Glück erschien in beiden Pestarten. Die Fortpflanzung der Pest als Lungenpest ist besonders im Winter erfolgreich, wo die Menschen im engen Räume beieinander hausen und Ucbertragung von Mensch zu Mensch ge- fördert wird. Der Uebertragung der Beulenpest aber wird besonders im Sommer Vorschub geleistet durch den Tierstich(Insektenstich). Wenn wir die Art und den Verlaus der Pest an sich beobachten, so fällt unS die Aehnlichkeit mit dem Milzbrand auf, der ja für die Menschen relativ ungefährlich ist, dagegen unter de» Herden- tieren alljährlich großes Unheil anrichtet. Wie beim Milzbrand, so hat man denn auch bei der Pest zu außerordentlich scharfen Abwehrmitteln greifen müssen und steht jetzt ebenso wie beim Milz- brand auf dem Standpunkt, daß die Serumbehandlung das wirksamste ist. Versuche sind allenthalben angestellt worden, be- sonders in Petersburg und auch in Berlin. Allein sehr bald stellte sich derselbe Uebclstand wie beim Diphtherieheilserum heraus, daß das Serum sich wohl als ein Heilmittel, nicht aber als ein Schutzmittel gegen die Krankheit erwieS. Beim Pestserum bildete nach dem Verlauf von 14 Tagen die Einspritzung keinen Schutz gegen eine neue Infektion mehr. Wohl aber war der Erfolg der Einspritzung beim Menschen ein fast unmittelbarer. Nur ist bei einer Schutzfrist von 14 Tagen nicht viel mit einem solchen Heil- mittel anzufangen. Es wurde daher ein kombiniertes Verfahren ins Auge gefast, indem man Immunisierte durch Schutzserum, in dem man abgetötete Pestbakterien aufgeschwennnt hatte, impfte. Dies kombinierte Versahren wurde auch als Heilmittel benutzt. Mein ein günstiger Erfolg war nicht zu konstatieren und so wird nichts weiter übrig bleiben als den Schwerpunkt nach wie vor auf die Verhütung der Pest zu legen, eingedenk der Tatsache, daß wir nicht in der Lage find, sie zu heilen. Neben der Mandschurei ist seit allerSher auch Indien ein immerwährender Pestberd gewesen. In I p d i e n sterben fast Jahr auS Jahr ein ein e Million Menschen an der Pest, im letzten Jahre allerdings nur eine halbe Million. Und gerade dieses Land ist es, von dem unS die wahre Pestgefahr droht. Denn immer wieder findet von hier ans die Verschleppung der Seuche nach anderen Ländern statt. Die Ursachen dafür sind zweierlei Art. Zunächst sind die WohnnngS- Verhältnisse der ärmeren Klassen in Indien ganz und gar unzureichende. Die Bevölkerung ist geradezu zusammengepfercht. Dadurch wird die Uebertragung der Krankheit ungeheuer begünstigt. Die andere Ursache der Ueberlragung ist die Ratte. Es scheint, als ob die Pest für die Ratten noch viel gefährlicher ist als für die Menschen. Die Freunde der erkrankten Ratte ftessen diese einfach auf. und so überträgt sich die Krankheit auf sie alle, die so die Pest fast blitzartig weiterverbreiten. Die Frage der Uebertragung von der Rotte auf den Menschen ist noch nicht ganz gelöst. SS scheint aber, daß sie durch einen Floh erfolgt. Nun ist in Indien der Boden von Natten geradezn unterwühlt. Die buddhistische Religion hält aber das Töten von Tieren für ein Religionsvergehen. ÄnS diesen Gründen können die Engländer die Ratten nicht ver» tilgen. Und so verschleppt sich die Pest neuerdings in einem solchen Maße, daß vor allem Aegypten dadurch gefährdet ist. Dies Land aber bietet für uns eine ganz andere Gefahrenquelle wie etwa die Mandschurei. Da hier die Seuchenherde immer die gleichen geblieben sind, während in Aegypten früher sechs bis neun, jetzt aber zirka dreißig Pest- Herde konstatiert sind. Die besonderen Gefahren der Verschleppung der Pest von Aegypten nach Deutschland liegen in dem immer mehr anwachsende» Schiffsverkehr zwischen Aegypten und Deutschland. Dieser Umstand weist uns aber auch gleichzeifig die geeignetsten Wege zur Be» kämpfung der Pest. Denn unsere modernen Verkehrsmittel, insonder- heit auch unsere Schiffe, sind in hygienischer Weise ausgebaut. Und durch die Onaraiitäneanstallen haben wir das Sicherheitsventil, das in jedem verdächtigen Falle sofort in Wirksamkeit tritt. Unsere Haupt» aufgäbe muß es daher sein, durch die Ausrechterhaltung und den weiteren Ausbau unserer VorbeugungSmittel in der Bevölkerung das Vertrauen zu unseren Maßnahmen zur Bekämpfung der Pest zu stärken._ Notizen- — Theaterchronik. Im Neuen Bolks-Theater (Neue Freie Volksbühne) findet Montag, den 1. Mai, die Erst- aufführung von.Kater Lampe" von Emil R o s e n o w statt. — D i e JesuS-Dramen von Karl Weiser, deren öffentliche Aufführung in E i s e n a ch die großherzogliche Regierung als Arm der Kirche verbot, sollten als Vereinsaufführungen heraus- gebracht werden. Das ist jetzt auch für unzulässig erklärt worden. Der Protestantismus ist bekanntlich die Religion, die jeder Forschung und Kritik freien Spielraum gewährt. — JmKupferstichkabinett find von jetzt ab Zeichnungen und graphische Werke des holländischen Malers Adrian van O st a d e ausgestellt, der als Sittenfchilderer des Bauernlebens im siebzehnten Jahrhundert, auch abgesehen von seiner künstlerischen Bedeutung, interessiert. — Deutsche. Zeitungen in Amerika. Die Statistik zählt in den Vereinigten Staaten 1299 Zeitungen und Zeitschriften. fremden, mchtenglischen Sprache gedruckt werden. Davon find 6�., also mehr als die Hälfte, deutsch. Unter den übrigen gibt es auch 9 japanische, 6 chinesische, 6 armenische und 3 arabische Zeitungen. Diese 1290 Blätter erscheinen u» 29 verschieheyev Sprachen, Diesem Augenblid ein Kriminalschuhmann, dem das Pärchen schon heit gefährdenden Weise an junge Mädchen heranmadhe und fie vorher aufgefallen war und der mit seinem falschen Kollegen" nun dann durch Drohungen seinem Willen gefügig mache. Mit Rüd wirklich den Gang zur Polizeiwache antrat. ficht hierauf erkannte das Gericht auf die vom Staatsanwalt beantragte Strafe von 6 Monaten Gefängnis. Das Gericht bezeichnete den Angeklagten als einen geradezu gemeingefährlichen Burschen, der sich in einer die öffentliche SicherEingegangene Druckfchriften. Björnstjerne Björnson, Gesammelte Werke. Bollsausgabe. 5 Bänden. Herausgegeben von J. Elias.( S. Fischer, Verlag, Berliin) In Leinen geb. 15 M. MGN¡¡¡ Theater und Vergnügungen Sonnabend, den 29. April. Anfang 72 Uhr. Königl. Opernhaus. Lohengrin. ( Anfang 7 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Nathan ber Weise. Deutsches. Fauft. 2. Teil.( Anfang 6 Uhr.) Anjang 8 Uhr. Kammerspiele. Die Königin. Nenes tönigl. Opern- heater. Geschlossen. Neues Schauspielhaus. Wienerinnen. Leffing. Glaube und Heimat. Komische Oper. Drpheus in der Unterwelt. Kleines. Der Leibgardist. Berlines. Bummelstudenten. Westen. Die lustigen Nibelungen. Neues. Mein erlauchter Ahnherr. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Nachm. 4 Uhr und abends 8 Uhr: Lebende Tierbilder von nah und fern. Zirkus Busch. Sonnabend, den 29. April 1911, abends 8 Uhr: Gala- Premiere T der neuen großen Frühjahrs- Pantomime: Luisen- Theater. Ein Jagdfest am Hofe Ludwig XIV. Luisen- Theater. Abends 8 Uhr: Zapfenstreich. Drama in 4 Aften v. Adam Beherlein. Sonntag 3 Uhr: Aus erster Che. 8 Uhr: Der fritische Tag. Montag 8 Uhr: Die Mausefalle. Dienstag: Premiere: Ohne Mutter. Luftivielband. Der Regiſtrator auf DOSE THEATED Reifen. Trianon. Théodore u. Cie. Residenz. Fernands Chekontrakt. Thalia. Polnische Wirtschaft. 9 Schiller 0. Wallner Theater.) Liebelei. Literatur. Schiller Charlottenburg. Im Klubfeffel. Friedrich Wilhelmstädtisches. Kasernenluft. Nachm. 3 Uhr: Wilhelm Tell. Große Frankfurter Str. 132. Anf. 8 Uhr Ende 11 Uhr. Robert und Bertram. Posse mit Gesang und Tanz in vier Aften von Räder. Sonntag 3 Uhr: Die Millionenerbin. 8 Uhr: Robert und Bertram. Herrnfeld. Scheidungs- Souper. Die Metropol- Theater. Bar- Schwester. Nenes Operetten. von Luremburg. Volksoper. Die Jildin. Der Graf ( Anfang 8 Uhr.) Quisen. Zapfenstreich. Modernes. Großstadtluft.( Anfang 84 Uhr.) Moje. Robert und Bertram. Folies Caprice. Wertheim wird plagen! III. Klasse.( Anfang 8 Uhr.) Metropol. Hoheit amüsiert sich. ( Anfang 7 Uhr.) Kasino. Zwei Wappen. Voigt. Geschlossen. Apollo. Spezialitäten. Bafiage. Spezialitäten. Noad. Der Wirrwar. Reichshallen. Stettiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Walhalla. Bravo! Da capo! ( Anfang 8%, Uhr.) Jutimes. Nachtarbeit. Madame Madeleine.( Anfang 8%, Uhr.) Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Lebende Tierbilder bon nah und fern. Nachmittags 4 Uhr: Lebende Tier bilder von nah und jern. Sternwarte, Invalidenstr. 57-62. Kaiser- Panorama. Besuch der Oftfeebäder. Reise über den Brenner nach Benedig. Wedding. Lichtspiele. Karl Saverland. Spezialitäten. Schiller- Theater 0. Ballner. Theater. Sonnabend, abends 8 Uhr: Liebelei. Hierauf: Literatur. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Die Ehre. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Traum ein Leben. Montag, abends 8 Uhr: Der Traum ein Leben. Schiller- Theater Charlottenburg. Heute zum erstenmal: Hoheit amüsiert sich! Operette in 3 Atten von J. Freund. Musik von Rudolf Nelson. In Szene gefekt vom Dir. N. Schult. Madge Leffing. J. Giampietro. G. Thielscher. Fr. Maffary. K. Pfann. W. Bishop. Anfang 7, Uhr. Rauchen gestattet. WIM BREN Vorletzter Tag! Der sprechende und weitere " Don" Hund 12 Attraktionen 12 U. a.: Roda Roda. Rauchen gestattet. pollo Balletts einMusik von Original- Ausstattungsstück des Zirkus Busch. Verfaßt und inszeniert von Herrn Georg Burkhardt- Foottit. studiert von Herrn Ballettmeister Richard Riegel. Herrn Kapellmeister Taubert. Dekorationen von den Hoflieferanten Hugo Baruch& Co. und den Hoflieferanten Verch& Flothow. Projektionen von Willy Hagedorn. -1. Akt: Das Waldfest. Der Ueberfall der Bären. Die große Treibjagd über die 60 Fuß hohen Kaskaden. 2. Akt: Im Park von Fontainebleau. Schäferszenen. 3. Akt: Die Hetzjagd der Bären und Wölfe durch das Wasser. 4. Akt: In der Pagenschule. Waffenspiele und Fechtballetts. 5. Akt: Ludwig der XIV. und sein Hof.( Das nächtliche Prunkfest.) Die 300 spielenden Wasserkünste und die RiesenMittel- Fontäne. Der Wassersturz aus der Höhe der Zirkuskuppel. DE Vorher das große Gala- Programm. ,, CLOU" 99 BERLINER KONZERTHAUS Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90-91 Täglich( auch Sonntags!) nachmittags und abends Große Konzerte ausgeführt von Garde- Regiments- Kapellen bei freiem Entritt. Vorzügliche Küche. Spezialausschank von Münchener Mathäser Bräu. Potsdamer Potsdamer Str. 72/ 72a Str.72/ 72 Sport- Palast m Schluß der Eislauf- Saison. Sonnabend und Sonntag letzte Vorführungen der Feerie: „ Eisfest an der Newa." Sonnabend, den 29. April, nachmittags 4 Uhr: Eröffnung des Sommergartens. Erstklassiges Restaurant. Künstler- Konzert. Nächstens Beginn interessanter Vorführungen. Neue Welt Amerikanischer Vergnügungs Park. Hasenheide 108/114. POLLO Heute Eröffnung! Theater Letzte Tage des gr. Weltstadt- Programms. 9½ Uhr: Sonnabend, abends 8 ü: Heinrich Prang Im Klubsessel. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Zapfenstreich. Sonntag, abends 8 Uhr: Ein idealer Gatte. Montag, abends 8 Ubr: Liebelei. Hierauf: Literatur. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Bummelstudenten. Morgen: Bummelstudenten. Neues Theater. Täglich: Mein erlauchter Ahnherr. Anfang 8 Uhr. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Die luftigen Nibelungen. Sonnt. 3%, Uhr: Die geschiedene Frau. Residenz- Theater. Direttion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: in seiner Burleste Ein Gemütsmensch. una Park Sensationelle Attraktionen. Fernands Ehekontrakt. Heute Sonnabend Schwan! in 3 Atten von Georges Feydeau. In deutscher Bearbeitung von Benno Jacobson. Schluß der Spielzeit: Sonntag, den 30. April. Wiedereröffnung Donnerstag, den 3. Auguft. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Der Regiftrator auf Reisen. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonnabend, den 29. April, 8 Uhr: Kasernenluft. Morgen u. folg. Tage: Rafernenluft. Eröffnung. Eintrittspreis 50 Pfg. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Britton als Mieze im SPORE BERLIN SO. DAMPFSCHIFFFAHRTSonntag, den Stern Neue Direktion.. Neue Schaustellungen. Neue Belustigungen. HAVEL GESELLSCHAFT POTSDAN 30. Aprit, ur Baumblüte nach Werder ab Berlin, Weidendammer Brüde Café Gärtner( Bahnhof Bellevue) Charlottenburg, Schloßbrüde Spandau, Charlottenbrüde 9,00 Uhr 9,25 9,50 9,25 und 11,00 " Potsdam, Kaiser- ilhelmbrüde von 9,00 Uhr brm. bis 6,00 Uhr nom. stündlich bezw. halbstündlich. Berktäglich ab Berlin wie oben, ab Botsdam von 10,00 bis 6,00 ftündlich. und Ab Jannowitbrücke: 9,00 Uhr nach Woltersdorfer Schleuje, 10,00 nach Krampenburg Schmödwig, 11,00 nach Grünau. Nachmittags ab 1,30 Uhr stünd lich bezw. halbstündlich nach Loreley resp.Grünau. Auf der Oberhavel und dem Tegeler See: stündlich ab Tegel von 7,45 nach Heiligensee und 8,15 nach Spandau. 26 Spandau von 9,05 ab stündlich nach Tegel. Auf der Unterspree und Havel beginnen mit Sonntag, den 30. b. Mis., die regelmäßigen täglichen Fahrten zwischen Spandau- Wannsee- Potsdam, PotsdamNedlitz- Krampnik und Potsdam- Werder- Ferch. Der diesjährige Taschenfahrplan ist in unseren Bureaus und an famtlichen Stationstassen, auch auf den Dampfern unserer Gesellschaft sowie ferner in den Reiseburaus gratis erhältlich. Dampfer und Motorboote jeder Größe billigst zu vermieten. Schoppans Testsäle ( früher Raabe) 23 Kolberger Straße 23 Heute, sowie jeden Sonntag 65/12 Konzert, Vorträge der Zivilmusiker. Nach den Vorträgen: Großer Ball. A A Abfahrtsst. Schillingsbrücke am Schlesischen Bahnhof. Morgen Sonntag, früh 82 Uhr, mit Musit nach Neue Mühle; früh 9 Uhr nach Woltersdorfer Schleuse. Einfache Fahrt 50 Bf. Mittags von 2 Uhr ab ca. stündlich nach Restaurant Kyffhäuser, NiederSchöneweide. Einfache Fahrt 30 Pf. Daselbst: Militär- Konzert. Fahrgäste zahlen kein Entree. Bon Montag, den 1. Mai ab, täglich früh 10 Uhr, nach Neue Mühle. Mittags 2 Uhr nach Woltersdorfer Schleuse. Hin und zurüd 40 Pf. R. Tismer. 15185 Spree- Havel- DampfschiffahrtsGesellschaft Stern. Jeden Sonntag, vormittags 10 Ubr, ab Brandenburger Ufer( Vannowit* brücke) und Schlesisches Tor( Hochbahn): Billige Dampfer- Sonderfahrten nach Voigts Krampenburg( Berliner Alpen) für Gesellschaften und Fabriken paffendstes Ausflugslokal. Um regen Besuch bittet Robert Voigt, Ami Köpenid 227. Reederei Kahnt& Hertzer Telephon: Amt VII, Nr. 2062. Achtung! Dampfer- Extrafahrt as Waisenbrücke Baumblüte nach Teupitz am Sonntag, den 30. April. Abf. 7, Uhr vorm., hin u. zurüd 2 M., im Borbert. b. Sonnabend 1,50 M. Außerdem: Nchm. 2 Uhr nach Freibad Grünau- Krampenburg- Ziegenhals. Hin u. zurüd 80 Bf., Kinder die Hälfte. Wo? ist der schönste Ausflugsort? Immer noch Pichelswerder, an der neuen beim Alten Freund. Heerstraße Herrnfeld Passage- Theater. Sensations- Erfolg der drei Novitäten Abends 8 Uhr: Melia Das Scheidungs- Souper die gefeierte russische Tänzerin. von Julius Horst. Die Bar- Schwester von Anton und Donat Herrnfeld. Ein Verlobungsgeschäft von Anton und Donat Herrnfeld mit den Autoren in den Hauptrollen. Anf. 8 Uhr. Borverkauf 11-2 Uhr. Lina Loos mit neuem Repertoir. Patty Frank Truppe Weltmeister d. Akrobatik Willi Prager u. d. gr. April- Varieté- Programm. Admiralspalast Karl Haverlandam Bahnhof Friedrichstraße. Eis- Arena Nachmittags und abends Kunstlauf- Produktionen. Allabendlich das feenhaft ausgestattete Eisballett. Montreal Die Stadt auf Schlittschuhen Die Eisbahn ist für Schlittschuhläufer ununterbrochen von 10 Uhr vorm. geöffnet. Mittags: Korso bei Musik. Nach Militärkapelle mittags: Abends: Einödshofer- Konzert Bis 7 Uhr halbe Kassenpreise. Unterricht im Schlittschuh- und Kunstlaufen wird erteilt. Sanssouci- Lichtspiele Rottbufer Str. 6, am Kottbuser Tor. Größtes Lichtbildtheater Berlins ca. 1500 Pläge. Vom 29. April bis 5. Mai Das Hervorragendfte was an künstlerischer Kinemato graphie bisher produziert, von ersten Fachleuten als glänzendste Aufnahme bezeichnet: Das neue Schauspiel Wo Land und Meer fich berühren" sowie das allgemein als erstklassig bekannte große Programm. 11 Konturrenzlos!! Königstadt- Kasino. Holzmarktstr. 72. Täglich Franz Sobanski, Anfang pras 8 libr. Theater Sommandanten ftraße 77/79. Nur noch kurze Zeit die wunderbaren Aprils Spezialitäten. Ab Montag neues Programm. Stadt- Theater Moabit Alt- Moabit 47/48. Sonntag, den 30. April 1911: Die Lieder des Musikanten. Lebrecht Winter: Dir. Hans Reiß. Staffeneröffn. 6, Uhr. Anf. 8 Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz.= Noacks Theater. Direttion: Robert Dill. Berlin N., Brunnenstraße 16. Luftiger Poffen- Abend! Der Wirrwarr. Boffe in 5 Atten von A. b. Rozebue. Anfang 8, Uhr. Vorzugskarten gültig! D Voigt- Theater Gesundbrunnen, Babstraße 58. Sonntag, den 30. April 1911, bei günstiger Bitterung im Garten: Gefallene Mädchen oder: Jm Banne des Wüftlings. Sittenbild in 4 Aufzügen v. F. Schäfer. Staffeneröffnung 6, Anfang 7 Uhr. Billettvorvett. 10-1 Uhr Theaterkaſſe. Casino- Theater Lothringer Straße 37. Von Preffe und Bublifum anerkannt! Großartiger Lacherfolg! ,, Zwei Wappen" bon Blumenthal und Kabelburg. Dazu: Tartakoffs Kosaken- Exerzition. Sonntag 3, Uhr: Marianne Viktor Ritter, Lotte le Mans, Geschw.( ein Beib aus dem Volle). Waldow, Adolf Holländer als Gast, der berühmte Improvisator The Wodlaws Der undankbare Sohn. Niẞles Fest- Säle Bollsftüd in 1 Aft von Reifflingen. Folies Caprice. Täglich 8 Uhr: Wertheim wird platzen! Bunter Solo- Teil. Segler- Schloß- Hankels Ablage L. Klasse. Bahnstation Zenthen. Befizer: W. Heinrich. Bur bevorstehenden Sommersaison halte ich mich werten Bereinen, Hosenrock been up, bei Zusicherung aufmerijamiter Bedienung beftens embfohlen. Drei neue Sale und Gallen. Schöne Spielplätze. 31902 Boote und Beluftigungen aller Art. Trianon- Theater. Täglich abends 8 Uhr: Théodore& Cie. Dennewitzstraße 13. Heute Sonnabend: Tanzkränzchen. 15213 C. NiBle. Für den Inhalt der Inserate abernimmt die Redaktion dem Bublifum gegenüber keinerlei Berantwortung. Todes- Anzeigen Sozialdemokratischer Wahlverein Rixdorf. Nachruf. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Arbeiter Rudolf Boelke Barthestr. 45 und unsere Parteigenoffin Anna Philipp Elbestr. 16 verstorben find. Beide find bereits zur legten Ruhe bestatttet. 235/4 Ehre ihrem Andenken! Der Vorstand. Nachrur. Am Sonntag, den 23. April, verstarb unser Mitarbeiter, der Schriftfeher 15386 Alfred Bleich im Alter von 28 Jahren. Das Personal der Buchdruckerei H. S. Hermann. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unfer Mitglied, der Schloffer Paul Giese am 126. April an Nierenleiden geftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 30. April, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen halle des Kirchhofes in Altdrewik bei Stüftrin, Küftriner Str. 118, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 116/4 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlichec Teilnahme, die uns anläglich des Todes unseres unvergeßlichen Mannes und unseres Baters, des Restaurateurs K> Zentralverband der Bäcker und Konditoren. Verwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Bäder Cäsar Zurfluh ( Dderberger Str. 11) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 29. April, nach mittags 5 Uhr, von der Leichen balle des Hedwigs- Kirchhofes in Neu- Hohenschönhausen bei Wilhelmsberg aus statt. 40/3 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Zentralverband der Töpfer Deutschlands. Filiale Berlin. Hierdurch die traurige Mittellung, daß der Kollege Paul Dier im Alter von 22 Jahren an Lungenschwindsucht verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 30. April, nach mittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Dorotheenstädtischen Stirchhofes in Reinidendorf- West, Scharnweberstr. 1/2, aus statt. 192/13 Der Vorstand. ArbeiterRadfahr.Verein Charl ( Mitgl. d. Arb.-Radf.-B. Solidarität.) Am Mittwoch, den 26, d. M., verstarb unser Mitglied, der Töpfer Paul Dier im Alter von 23 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 30. April, nach mittags 3 Ubr, von der Halle des Dorotheenstädtischen Kirchhofes, Scharnweberstr. 1/2, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 11/2 Der Vorstand. Die Mitglieder treffen sich um 1 Uhr im Bollshaus. Wilhelm Dittmann zuteil geworden sind, sagen wir dem Bablverein Teißenfee, den Tischlern der Für die herzliche Teilnahme während Bema Grünewald, dem Fahrpersonal der Krankheit, sowie bei der Beder Brauerei Enders, dem Pfeifen erdigung meines lieben Mannes, flub Glüblicht I" und Herrn Balded unferesjunvergeßlichen Bruders, fagen Manaffe für die troftreichen Worte wir hierdurch allen Beteiligten am Sarge des Entschlafenen unseren unseren innigsten Dant. herzlichen Dant. Witwe Dittmann nebst Kindern. 40742 Witwe M. Duwe. Geschwister Duwe. 6effentliche politische Versammlungen. Sonntag, den 30. April, abends 7 Uhr: Große Versammlung in Feuersteins Festfälen, Alte Jakobftr. 75 1. Vortrag von Frl. Bahr über: Die Bedeutung der Maifeier für die Hansangestellten. Die Einberuferin: Therese Göttel, Kurfürstenstr. 58. Verband der Brauerei- und Mühlenarbeiter Zahistelle und verwandter Berufsgenossen. Berin Geschäftsstelle: C. 54, Muladftr. 10 L Fernsprecher: Amt 3, 4518. Sonntag, den 30. April, nachmittags 2 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15( großer Saal): General- Versammlung. Tages Drdnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht vom 1. Duartal 1911. 2. Maifeier. 8. Verbandsangelegenheiten. 42/ 13* Es ist Ehrenpflicht der Mitglieder, recht zahlreich in dieser Versammlung zu erscheinen. Mitgliedsbuch oder Mitgliedskarte legitimiert, ohne Buch oder Karte kein Zutritt. Greift zu! Jed. Herrn, der sich eleg. u. billig kleiden will, empfehle eleg. Monatsgarderobe in feinsten Werkstatt. Berlins gearb., von Herrschaften, Doktoren, Kavalieren nur kurze Zeit gebr.( für jed. Fig. paas.) Monats- Jackett- Anzüge 8, 10, 14, 18 M. Monats- Rock- Anzüge 10, 12, 16, 20 M. Monats- Som.- Paletots 8, 10, 14, 18 M. Monats- Herren- Hosen 2,50, 5,00 M. Große Abteilung neuer Garderobe. Grüner Weg 78, 5 Min. v. Schlef. Bhf. Fahrtvergütung. Die Ortsverwaltung. Enorm billig! Vorjährige feinste Ulster- Anzüge von 25-60 M. Billige Hosenwoche. Versandhaus Germania Unter den Linden 21. Möbel- Angebot. Solibes Möbelgeschäft liefert bürgerliche Wohnungseinrichtungen sowie einzelne Möbel gegen mäßige Binsvergütung bei einer Anzahlung u. geringen monatlichen Teilzahlungen. Anfragen unter Boftlagerfarte 16, Poftamt 103. Kein Abzahlungsgeschäft. 14965 Holzarbeiter! Nach dem Beschluß der Vertrauensmänner- Bersammlung soll die domaifeler 10 191 Maifeier... Arbeitsruhe burch begangen werden. Die Drtsverwaltung erwartet von den Mitgliedern die stritte Einhaltung dieses Beschlusses. Die findet statt Maiversammlung vormittags 10 Uhr in der ,, Neuen Welt", safenheide Referent: Frau Luise Zieh vom Parteivorstand. 108-114. Die Mitglieder der einzelnen Branchen treffen sich vormittags 8 Uhr in 82/15 folgenden Lokalen: Bürstenmacher bei Preuß, Holzmarktstr. 65. Bodenleger im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Zimmer 2. Einsetzer im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 11. Jalousiearbeiter bei Walter, Adalbertstr. 62. Kammacher bei Walter, Adalbertstr. 62. en 6 Sorbmader bet trauſe Bastleinen- Kostüm Kammgarn- Kostüme Poiret- Form" mit Spitzenkragen elegant verarbeitet 12.75 14.50 17.75 bis 95.00. 12.50 Leinen- Kostüme sehr fesch 9.75 11.25 in Bastseide 48.75 bis 85.00 3175 Englische Kostüme 21.75 tadellos sitzend 18.75 15.50 17.75 bis 24.50 27.75 75.00 Leinen- Paletots 7.75 reizend geschmackvoll 4.75 5.25 8.75 10.25 POIRET- MODELLE in Popeline... 23.75 in Leinen 20.50 in Tuch... 22.75 in Seide.... 27.50 Schwarze Paletots gediegen und haltbar 10.75 11.25 13.50 14.75 15.50 bis 65.00 16.75 Und 11.75 bis 87.50 Phantasie- Paletots nur neueste Fassons 2.45 4.50 3.25 5.50 2.75 4.75 bis 42.50 Alles SolideWare C& A Brenninkmeyer König- Strasse 33 am AlexanderPlatz Kistenmacher bei Kling, Breslauer Straße 28. Klavierarbeiter im Märkischen Hof", Admiralstr. 180. Korbmacher bet Krause, Mustauer Straße 20. Maschinenarbeiter bei Merkowski, Andreasstr. 26. Modell- und Fabriktischler im Rosenthaler Hof", Nosenthaler Straße 11/12. Perlmuttarbeiter bei Thomas, Melchiorstr. 5. Rahmenmacher bei Wehlisch, Staliger Straße 22. Stellmacher im Rosenthaler Hof", Rosenthaler Str. 11/12. Stockarbeiter und Schirmmacher bei Lehmann, An der Stralauer Brücke 3. Vergolder im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, ArbeitslosenSaal. Sutformentischler im Gewerkschaftshause, Engelufer 15. Ladentischler im Englischen Garten", Alexanderstr. 27c. 11 Die Tischler, Drechsler und Polierer treffen sich in den Lokalen, in denen sie ihre Werkstattsigungen abhalten und gehen von dort nach der Neuen Welt", Hasenheide 108/114. Die Holzarbeiter der Vororte versammeln sich in: Rummelsburg bei Tempel, Hauptstraße. Friedrichsfelde bei G. Schulz, Wilhelmstr. 11, Weißensee im Prälaten", Lehderstr. 122. " Moabit bei Sube, An der Moabiter Brücke. Die Holzarbeiter in Lichtenberg nehmen an der Verfammlung bei Schwarz, Möllendorffstr. 25, teil. Jeder feiernde Kollege erhält zur Kontrolle eine Maimarke in der Neuen Welt". Achtung! Arbeitslose. Achtung! Die Arbeitslosen brauchen am 1. Mai die Arbeitsnachweise nicht zu besuchen und auch die Arbeitslosenkarten nicht stempeln zu laffen. Das Verbandsbureau ist am 1. Mai den ganzen Tag geschloffen! Die Ausgesperten melden fich am 2. Mai früh wieder zur Arbeit. Bleibt es bei der Aussperrung, so bersammeln sich die Kollegen in ihren Werkstattfibungslokalen. Dort stellt der Bertrauensmann die Zahl der Ausgesperrten fest und meldet sich dann in der Beit von 9 bis 12 Uhr im Gewertschaftshause( Saal 1). Diese Meldungen müssen wie bei einem Streit, durch den Vertrauensmann erfolgen unter Borzeigung der Legitimationstarte. Donnerstag, den 4. Mai, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 14/15: Gemeinsame Generalversammlung für Berlin und die Vororte. Allgemeine Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Drechsler und deren Berufsgenossen( E. H. 86 Hamburg). Mitglieder- Versammlungen finden statt: Bezirk A am Sonntag, den 30. April, vormittags 10%, uhr, im Gewerkschaftshaus, Saal 9.1 99 99 99 B am Sonntag, den 30. April, vormittags 10%, Uhr, bet Ehlert, Wiener Straße 25. Cam Sonntag, den 30. April, vormittags 10 Uhr, bei Bartsch, Alte Jakobftr. 18/19. Dam Sonntag, den 30. April, vormittags) 10%, Uhr, bei Hummel, Sophienstr. 5. Zages Drdnung: 1. Geschäftliches. 2. Staffenbericht vom 1. Quartal 1911. 8. Besprechung 290/17 der Generalversammlung. 4. Verschiedenes. Jm Bezirt B findet als 3. Punkt die Neuwahl des 2. Bevoll mächtigten statt. Die Ortsverwaltungen. Zentral- Kranken- u. Sterbekasse der Tischler und anderer gewerblicher Arbeiter. E. H. 3 Hamburg. Mitglieder- Versammlungen der örtlichen Berwaltungsstellen: Berlin A: Am Sonntag, den 30. April, vorm. 10 Uhr, im Lokal von Wählisch, Stalizer Str. 22. Berlin B: Am Sonntag, den 30. April, borm. 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 3. Berlin D: Am Sonntag, den 30. April, vormittags 10 Uhr, in der Pahenhofer- Brauerei, Turmftr. 25/26. Berlin E: Am Sonntag, den 30. April, vormittags 10 Uhr, bei Herrn Naabe, Kolberger Straße 23. Berlin F: Am Sonntag, den 30. april, vormittags 10 Uhr, bei Herrn Obiglo, Schwedter Straße 23. Berlin G: Am Sonntag, den 30. April, vormittags 10 Uhr, in Manns Fortuna- Sälen, Strausberger Straße 3. Berlin H: Am Sonntag, den 30. April, vormittags 10 Uhr, bei Herrn Neidhardt, früher Tolksdorf, Görliger Straße 58. Berlin J: Am Sonntag, den 30. April, vormittags 10 Uhr, bei Herrn H. Greive, Romintener Straße 2. Lichtenberg, Stralau- Rummelsburg: Am Sonntag, den 30. April, vormittags 9 Uhr, bei Herrn Schwarz, Lichten berg, Möllendorffstr. 25/26. Rixdorf: Am Sonntag, den 30. April, vormittags 10 Uhr, bei Herrn Alb. Schmidt, Rigdorf, Reuterstr. 23. Schöneberg: Am Sonntag, den 30. April, vormittags 10 Uhr, bei Herrn Grosser, Meininger Straße 8. Zages Drdnung: 1. Sassenbericht vom 4. Duartal 1910. 2. Staffenbericht vom 1. Duartal 1911. 3. Wahl der Drisverwaltung und der Beitragssammler. 4. Ber fchiedene Staffenangelegenheiten. 184/1 Mitgliedsbuch legitimiert. Um zahlreiches Erscheinen erfuhen Die Ortsverwaltungen. Derfflingerhaus Leineweber Köllnischer Fischmarkt 4, 5, 6 gegenüber der Breite Straße Für jede Körperform passend! Anzüge- Ulster- Paletots 21 25 28 32 36 39 42 48 54 60 68 Mark Für Knaben und Jünglinge: 8 10 12 15 18 21 25 28 32 36 40 Mark Meine Fabrikate, in eigenen Betriebswerkstätten gediegen verarbeitet, sind preiswert und unübertroffen in Sitz und Haltbarkeit. Moderner Schnitt Grosse Auswahl Vorzügliche Passform. Derfflingerhaus Anzüge von 4 Mark Anzahlung an Anzüge von 1 Mark Abzahlung pe Woche an Um jedermann die Möglichkeit zu geben, seinen Sommerbedarf zu decken, stellen wir ale Abzahlungs- Bedingungen bis auf weiteres ganz besonders günstig. 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Von Berantwortlicher Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Für den Inferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin, Drudu. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei y. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. Nr. 100. 28. Jahrg. KtillP des JotäK"' Ameizr» fit Gm 29. April M. Vorort- l�acbricbtem Nixdorf. Zur Frage der kommunalen Arbeitslosenversicherung nahm die don der Stadtverordnetenversammlung eingesetzte Kommission am Donnerstag Stellung. Einmütig bekundeten die anwesenden Mitglieder derselben die Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit dieser VerfichernngSeinrichwng. Einem Auftrage der Stadtverordneten- Versammlung entsprechend wandte sich der Magistrat an Berlin mit dem Ersuchen, die Gemeinden Grotz-Berlins und die Vertreter der Gewerkschaften zu einer Konferenz ein- zuladcn, um gemeinsam über die Einführung der Arbeitslosen- Versicherung in diesen Gemeinden Stellung zu nehmen. Nach mehr- maligen Erinnerungen bequemte sich endlich der Magistrat der im .liberalen' Sinne geleiteten Stadt Berlin zu einer Antwort. Ganz in diesem Geiste wurde den Antragstellern dann mitgeteilt, daß der Magistrat Berlin die Anregung bei dem Vorstand des Deutschen Städtetages gegeben hat, die Frage der Regelung der Arbeitslosen- Versicherung auf dein Deutschen Städtetag zur Beratung, zu bringen. Damit wird bei jedem Unbefangenen der Eindruck erweckt, als ob Berlin, wie so häufig, sich jedem sozialpolitischen Fortschritt entgegen- stemmt. Sicher ist doch damit die praktische Lösung dieser brennenden Frage nur sehr wenig in Grosi-Berlin vorwärts gebracht worden. Bei der Kommissionsberatung wurde von den Bürgerlichen der Einwand erhoben, daß es für Rixdorf allein unmöglich sei. eine kommunale Arbeitslosenversicherung— die einen solchen Namen verdient— einzuführen. Das Charlottenburger Muster wurde all seitig abgelehnt. Die Mehrheit neigte der Ansicht zu, daß man ab- warten solle, was Berlin beschließen wird, um nach diesen Beschlüssen auch dann in Nixdorf entsprechend vorgehen zu können. Besonders solle man abwarten, welche Stellung Berlin zu dem von unseren Genossen eingebrachten Entwurf nehmen wird. Demgegenüber wurde von unseren Vertretern nachdrücklichst betont, daß die Berliner RathauSmehrhcit keine Gewähr dafür bietet, daß diese auch nur eine einigermaßen beftiedigende Lösung finden wird. Vor allem wandte sich diese bürgerliche Mehrheit gegen das einzig wirksame und zweckentsprechende Genter System aus Be forgnis, mit der Einführung desselben den freien Gewerkschaften zu ihrer weiteren EntWickelung den Weg frei zu machen. Nixdorf müsse aus eigener Kraft versuchen, etwas Ganzes zu schaffen. Das kann nur geschehen aus Grund der eingereichten Entwürfe, um deren An- nähme unsere Vertreter ersuchten. Die Hauptbcdenken, die von den Bürgerlichen dagegen erhoben wurden, waren zunächst die Frage der Aufbringung der notwendigen Mittel und auch die Befürchtung, daß, wenn eine Arbeitslosen' Versicherung auf Grund der vorgelegten Anträge in Rixdorf ein- geführt wird, dann ein noch größerer Zustrom von Minderbemittelten erfolgen dürfte, die der Gemeinde noch weitere unerschwingliche Lasten verursachen würden. Diese übertriebenen Bedenken versuchten unsere Vertreter zu zerstreuen. ES wurde dann nach langer Diskussion beschlossen, Anträge, die an den Deutschen Städtetag gelangen und die Einführung reichsgesetzlicher, obligatorischer Arbeitslosenversicherung zum Ziele haben, zu unterstützen. Weiter wurde noch beschlosien, mit dem städtischen statistischen Amt der Stadt Rixdorf in Verbindung zu treten, um von diesem eventuell Ermittelungen anstellen zu lasien, wie groß in Rixdorf die Zahl der JnvalidenversicherungSpflichtigen ist. Ferner sollten gegebenenfalls die Gewerkschaften befragt werden über die Zahl ihrer Mitglieder, über Umfang und Dauer der Arbeits losigkeit derselben in den einzelnen Branchen. Auf diese Weise soll dann zunächst versucht werden, eine Unterlage für die etwa ent- stehenden Kosten bei Einführung der kommunalen Arbeitslosen« Versicherung auf der Grundlage der vorgelegten Entwürfe— die eine prinzipielle Gegnerschaft nicht fanden— zu erreichen. Vharlottenburg. Einen großen Dachstnhlbrand hatte die Charlottenburger Feuer- wehr gestern früh von S Uhr an in der Kantstraße 129 zu löschen. DaS neue HauS ist erst vor einiger Zeit bezogen worden. Als die Feuerwehr vom Lützow dort ankam stand der Dachstuhl des Vorder« Hauses mit dem Seitenflügel schon in großer Ausdehnung in Flammen. Ueber die bereits verqualmten Treppen und mehrere mechanische Leitern griffen die Züge wirksam an. Mit fünf Schlauchleitungen von Dampfspritzen wurde kräftig Wasser gegeben, dadurch gelang es, den Brand zu lokalisieren. Es konnte aber nicht mehr verhütet werden, daß die beiden Dachstühle ein Raub der Flammen wurden. Der Schaden für die Mieter ist beträchtlich. Die Entstehung ist bis« her nicht ermittelt. Erst nach mehrstündiger Tätigkeit konnte die Feuerwehr wieder abrücken. Ein schwerer Automobilunfall ereignete fich am Donnerstag« nachmittag gegen 6 Uhr m der Berliner Straße. Als der LSjährige JuliuS Weling aus der Schillerftraße 91 auf einem Zweirade den Straßenzug passiert«, mußte er an der Ecke der Wallstratze einer aus der letzteren Straße kommenden Droschke auSbiegen. Er fuhr des- halb auf die linke Seite des Fahrdamines hinüber und geriet dabei gegen ein entgegenkommendes Geschäftsautomobil eines Berliner Kaufhauses. Bei dem Zusammenprall wurde W. von seinem Rade geschleudert; er schlug so heftig auf das Straßenpflaster auf, daß er blutüberströmt und besinnungslos liegen blieb. Der Verunglückte winde nach der nahe belegenen Unfallstation gebracht, wo festgestellt wurde, daß er einen Schädelbruch erlitten hatte; von dort ivurde er nach Anlegung eines Notverbandes nach dem Kranlenhanse Westend übergeführt. Steglitz. In der Mitgliederversammlung des Wahlvereins sprach Genosse Max Schütte über Ferdinand Lassalle. Der Vortrag fand leb« haften Beifall bei der Versammlung. In der Diskussion vertraten die Genossen Heinrich Schulz und D ü w e l l die Auffassung, daß der Vortrag der Bedeutung Lassalles nicht genügend gerecht geworden sei und geeignetere, falsche Vorstellungen über Lassallc zu erwecken. Sie wünschwMieShalb. daß ein zweiter Vor« trag über Lassalle in der nächsten Ddirgliederversammlung stattfinden möge Der Auffassung über den Vortrag wurde aus der Ver- kamnilung heraus und durch den Referenten in seinem Schlußwort widersprochen Ein Antrag, einen zweiten Vortrag stattfinden zu lassen, wurde auf Beschluß der Versammlung dem Vor« stand überwiesen. Die Abrechnung über das letzte Quartal gab Genosse Höhne. Einer Einnahme von 742,09 M. steht eine Ausgabe von 717,07 M. gegenüber. Dem Zentral- vorstand in Charlottenburg wurden 494,72 M. überwiesen. Für den BildungSauSfchuß gab Genosse Schmidt den Bericht. Den Einnahmen von 059,71 M. stehen Ausgaben im Be- trage von 547 SS M. gegenüber, lieber die Verbaudsgeneralversamm- lung berichtet Genosse Drahn. Zum Schluß wurde zu einer zahl- reichen Beteiligung für die Maiseier aufgefordert. In den Wahl- verein wurden sieben Mitglieder aufgenommen. Zehlendorf(Wannseebahn). Heber den Aufmarsch der Parteien zu den bevorstehenden ReichStagSwahlen referierte in der letzten Mitgliederversammlnng des Wahlvereins Genosse Max G r o g e r. An der Diskussion über den Vortrag beteiligten sich die Genossen Ulm und H a a s e. Genosse I ä ck e l wies am Schlüsse der Versammlung noch auf die Veranstaltungen am 1. Mai hin und ersuchte, für eine würdige Feier Sorge zu tragen. Lankwitz. In der Generalversammlung des Wahlvereins am 26. April wurde zunächst das Referat über die Reichsversicherungsordnung abgesetzt. Danach gab Genosse Anders als Vorsitzender eine kurze Replik über daS letzte Vierteljahr. Genosse Kiest er legte den Kassenbericht ab, wonach der Mitgliederbestand 208 gegen 240 am 1. Januar beträgt. Die Schriftführerwahl blieb unerledigt. Der Iugeudausschuß wurde auf sieben Personen ergänzt. Der Bericht der Gememdevertceter zeitigte lange Auseinandersetzungen. Schmargendorf. Ein seltsames Drama hat sich vorgestern in dem Hause Sulzer- straße 14 abgespielt. Dort wohnten gemeinsam die 76 Jahre alte Witwe Cäcilie Löwinsohn und die gleichaltrige Witwe Lina Weiß. In der letzten Zeit taten sie Nachbarinnen gegenüber Aeußerungen, die darauf hinzielten, daß sie nicht mehr lange leben würden und daß sie gern gemeinsam sterben möchten. Vorgestern erhielten die Verwandten der Greisinnen von diesen Abschiedsbriefe. Die beiden Frauen teilten mit, sie hätten beschlossen, gemeinsam zu sterben, da sie beide des Lebens überdrüssig seien. Die Schmargendorfer Polizei wurde sofort benachrichtigt. Als ein Beamter in die verschlossene Wohnung eindrang, fand er die Bewohnerinnen in bewußtlosem Zu- stände auf. Sie hatten sich mit Leuchtgas vergiftet. Vom Gashahn hatten sie den Schlauch gelöst und die giftigen Gase eingeatmet. Ein Arzt stellte Wiederbelebungsversuche an, die aber nur bei Frau L. Erfolg hatten, Frau Weiß war bereits tot. In hoffnungslosem Zustande wurde Frau L. nach dem Krankeuhause gebracht. Mariendorf. Ans der Gemeindevertretung. Der Vertretung lag zunächst ein Gesuch des Arbeiterturnvereins von Tempelhof-Mariendorf vor, der die Ueberlassung der Schulturnhalle in der Königstraße zu Turnzwecken forderte. Im Gegensatz zu den früher wieder- holt gestellten Anträgen, die der Gemeindevorsteher in schärfster Weise bekämpfte und dem Verein dabei stets sozialdemokratische Bestrebungen unterschob, hat das Oberhaupt— wenigstens schein bar— jetzt eine geneigtere Haltung eingenommen. Dieser Um schwung ist um so erstaunlicher, als bei der Etatsberatung im März dieses Jahres derselbe von unseren Genossen gestellte An- trag von demselben Gemeindevorsteher zur Ablehnung empfohlen wurde. In der Begründung des jetzigen Antrages wurde nochmals mit den früher vom Gemeindevorsteher vorgebrachten Legenden tüchtig aufgeräumt. Als nun gar der Vorsteher noch bekannt gab, daß, wie von unseren Genossen schon früher gesagt wurde, in anderen Gemeinden den Arbeiterturnvcreinen tatsächlich städtische Räume zu Turnzwecken überlassen sind, da wurde auch die Mehr- heit der Vertretung zur Genehmigung geneigt. Diese Geneigtheit fiel den Herren um so leichter, als ja der Gemeindevorsteher gleich anfangs betonte, daß die Schulaufsichtsbehörde einmal darüber zu bestimmen hätte und dann vor allen Dingen nach§ 18 der Regierungsinstruktionen in diesem Falle'erst der Landrat seine Erlaubnis zu erteilen habe. Um die Stunde, die für die Er- ledigung dieses Antrages beinahe gebraucht wurde, voll zu machen, stritten sich die Herren noch um den Preis der Entschädigung, die von der Turnerschaft bei Genehmigung zu zahlen ist.— Hiernach stand die Umänderung des vollständig unzureichenden Feucrlösch- Wesens zur Debatte. Eine vom Landrat ausgehende plötzliche Re- Vision der Feuerwehr im Ortsteil Südende ergab die vollständige Versagung der Wehr. So kam beispielsweise 32 Minuten nach dem Alarm der vierte Mann. Der Landrat forderte hier zunächst eine schnelle Abänderung. Es wurde nun beraten, ob denn die Feuer- wehr in Südende überhaupt bestehen bleiben soll. Nachdem dies beschlossen und außerdem die Feuerwehrleute zur schnelleren Be- reitschaft im Ortstcil wohnen sollen, machte sich die Beschaffung von Wohnungen nötig bis zur Bezugsfähigkeit der in Aussicht genommenen städtischen Dienstwohnungen. Im OrtSteil Südende als Villenort sind aber billigere und kleinere Wohnungen nicht zu haben. Wohl sind nach dem Gemeindevorsteher hierfür Wohnungen vorhanden, dies sind die sogenannten Portierswohnungen, die sich 50 Zentimeter unter der Erdoberfläche befinden, aber nicht bezogen werden dürfen, da solche Bauten nach den Bestimmungen in die Klasse C fallen. Der Gemeindevorsteher beantragte daher einen vorläufigen Dispens für den Bezug solcher Wohnungen nach- zusuchen. Nach verschiedenen Einwendungen unserer Genossen wurde so beschlossen. In einem weiteren Schreiben verlangt der Landrat jetzt die Errichtung deS neuen FeuerwehrgebäudeS an einer Stelle, an der der Radius 2250 Meter beträgt. So wird nun endgültig von der Errichtung in der Friedenstratze abgesehen und daS Gebäude in der Ringstraße erbaut. Für den Ortsteil Südende wurde die Anbringung einer Sirene beschlossen, ebenfalls im Prinzip angenommen wurde die Anschaffung einer neuen mechanischen Letter. Britz-Buckotv. Ein erfreuliches Wachstum der Organisation konnte in der letzten Generalversammlung deS Wahlvereins konstatiert werden. Dte Mitgliederzahl ist im dritten Quartal von 383 auf 420 gestiegen. Einer Einnahme von 483,65 M. steht eine AuSgabe von 454,97 M. gegenüber. Aus der Bibliothek wurden 46 Bände entliehen. Wie mitgeteilt wurde, ist eine Jugendbibliothek eingerichtet worden; eS wird eine fleißige Benutzung derselben erwartet. Den Bericht der Gemeindevertreter erstattete der Genosse Kitzing. Am Schlüsse der Versammlung forderte der Vorsitzende die Genossen zum regen Besuch der am 1. Mai vormittags 10 Uhr bei Schöueberg, Rudower Straße 65. stattfindenden Versammlung, sowie zu der nachmittag« 4 Uhr bei Rabatz auf. Friedrichshagen. „Naturbetrachtung und Naturfreunde", dieses Thema behandelte vor einer aufmerksamen Zuhörerschaft in der letzten Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins Genosse Simon K a tz e n st e i n. Genosse Miele macht« alsdann noch auf das Programm der Maiseier aufmerksam und ersuchte um rege Beteiligung an dem Arrangement. Einlaßkarten sind in den Zahlstellen und im Konsum zu haben. Eichwalde. Mit der Frage der Beschaffung einwandfreien Trinkwassers beschäftigte sich am Dienstag im Lokal„Sanssouci' eine vom sozialdemokratischen Wahlvcrcin einberufene öffentliche Vcrsamm- lung. Die Gemeindevertretung hat die Angelegenheit immer wieder vertagt, obgleich Sachverständigcn-Gutachten vorliegen, nach denen die meisten Hausbrunnen ein gutes Wasser nicht liesern, weil der Grundwasserspiegel im Ort sehr hoch steht und oft in die bakterienhaltige Zone hineinreicht, was bei Ausbruch einer Epidemie die größte Gefahr über den Ort brächte.— Der Ein- ladung zur Versammlung hatten der stellvertretende Gemeinde- Vorsteher, Herr T h o m. und einige bürgerliche Gemeindcräte Folge geleistet. Unser Vertreter. Genosse A l r i tz, führte ein- leitend aus, daß es endlich an der Zeit wäre, dem unhaltbaren Zustande ein Ende zu machen und dem Ort durch Anschluß an eine zentrale Wasserversorgung hygienisch einwandfreies Wasser zu sichern. Hierzu biete sich Gelegenheit, einen sehr vorteilhaften Vertrag mit der Gemeinde Königswusterhausen aus 25 Jahre ab- zuschließen. Er betonte, daß keinerlei Beiträge von den Anliegern erhoben werden und daß kein Zwang zur Abnahme von Wasser erfolgen soll. Die Gemeinde könne das Wasser für 25 Pf. pro Kubikmeter abgeben, die Kosten der Anlage dem Hauseigentümer tunden und langfristige Ratenzahlungen gewähren. Sollte die Gemeindevertretung diese günstige Offerte, die nur noch kurze Zeit bindend sei, ausschlagen, dan-- wäre keine Hoffnung vorhan- den, daß Eichwalde in absehbarer Zeit Wasser bekomme. Aller- dings bewerbe sich auch die„Charlottenburger Wasser- werk A.-G." um die Wasserlieferung, indes sei bei ihr ein Slljähriger Vertragsabschluß Bedingung und außerdem müßten die Hauseigentümer pro Kubikmeter 30 Pf. bezahlen.— Wie Herr T h o in erklärte, habe er, als er von der geplanten Versammlung Kenntnis erhielt, es für seine Pflicht gehalten, die beiden inter- essierten„Wasscrlieferungs-Bcwerber" zu derselben einzuladen. Von Königswusterhausen war leider niemand erschienen, von dem Charlottenburger Wasserwerk nahm dessen Direktor, Herr B u- rau, das Wort. Derselbe erklärte der Versammlung unter Zu- hilfenahme einiger großer Karten den Prozeß der Wassergewinnung sowie das bereits vorhandene Lieferungsgebiet über 29 Gemeinden, die von seiner Gesellschaft das Wasser entnähmen. Für gänzlich ausgeschlossen hielt der Herr die Möglichkeit, daß die Gemeinde Königswusterhausen auf die Dauer ihren vertraglichen Verpflich- tungen nachkommen könne, sowohl lvas den Preis als auch die Menge des Wassers anbelange. Das Beste für Eichwalde wäre An- schlug an die bereits in den Nachbargemeinden Schmöckwitz, Zeuthen, Schulzendorf usw. in nächster Zeit zu legenden Röhren- leitungen seiner Gesellschaft.— Nach einer sehr regen Diskussion fand eine Resolution gegen 3 Stimmen Annahme, in der die Versammlung ihr Einverständnis mit dem Referenten ausspricht, die Notwendigkeit der baldigen Wasserbcsorgung anerkennt und die Gemeindevertretung ersucht, energisch den baldigen Abschluß mit einem zentralen Wasserwerk zu betreiben.— Genosse Mahle nahm dann Gelegenheit, auf den Kampf um die Arbeiterjugend hinzuweisen, was mehreren bürgerlichen Herren solches Unbehagen bereitete, daß sie nicht nur seine Ausführungen störten, sondern dann auch in wenig parlamentarischer Weise gegen„diese Art' sozialdemokratischer Agitation herzogen. Genosse Molkentien hatte bei Widerlegung des krausen Zeuges natürlich die Lacher auf seiner Seite. Zum Schluß forderte Genosse Brüschke zu zahlreicher Beteiligung an der Maifeier auf. Spandau. Ein neuer Unfall, der diesmal zum Glück ohne Schädigung der dort beschäftigten Arbeiter verlief, ereignete sich am Donnerstag- abend beim neuen Rathausbäu. Dort stürzte bei einem der auf« gestellten eisernen Kräne, das Hebeteil zusammen. Erst kürzlich wurde aus dem Bau durch einen Unglücksfall ein Menschenleben vernichtet. Fehlt eS bei dem neuen Rathausbau an den nötigen SicherheitS- maßnahmen oder an der erforderlichen Aufsicht? Ein SittlichkeitSverbrecheu versuchte vorgestern abend der in der Jüdenstraße wohnhafte ausländische Arbeiter Wladislaw K o st e r an einem 10jährigen Mädchen auszuüben. Dadurch, daß daS Kind energischen Widerstand leistete, wurde das Verbrechen ver» hindert. Der Attentäter wurde verhaftet. Potsdam. DaS Potsdamer System der ArbritSlosenfürsorge. Wie die Sozialpolitik in konservativer Reinkultur gedeiht, zeigt am besten die Arbeitslosenfürsorge der Potsdamer Stadtverwaltung: Es wird gespart auf Kosten der Armen und Arbeitslosen. Wer nämlich durch Arbeitslosigkeit in Not gerät, kann bei der Straßenreinigung Arbeit bekommen gegen einen Tagelohn von 1,75 M. Dazu hat man im Etat 5000 M. eingesetzt zur„Beschäftigung arbeitsloser Stadt« armer', die in den LLintermonaten verbraucht wurden. Größere Arbeitslosigkeit am Ort hat dem Magistrat Veranlassung ge» geben, diese Summe um 4000 Mark zu erhöhen. Allein der größte Teil de« städtischen Straßenreinigungskorps(23 Mann) mutz jetzt bei einem Lohn von 1,75 Mark in der königlichen Residenzstadt Potsdam sein Leben fristen. Jetzt hat sich der Magistrat nun an die Stadtverordnetenversammlung gewandt, um dieses System noch weiter auszudehnen. ES sind auf diese Weise beim Kapitel„zur Löhnung der Feuerwehr, StraßenreinigungS« korps usw.' 5000 M. erspart. Der Magistrat hält die Personen meist für Halbinvalide(I) und deren Arbeit nicht für vollwertig. Sie müßten nun entweder entlassen werden oder den sonst üb» lichen Tagelohn von 2,50 Mark erhalten. Beides ist nach Ansicht des Magistrats„sowohl im städtischen wie im Interesse der durch Arbeitsgewährung unterstützten Halbinvaliden unerwünscht'. Die Stadtväter, mit ihnen der konservative„schlichte Mann' Pauli und der liberale ReichStagSkandidat für Spandau-Osthavelland Kenne? fanden diese Sparsamkeitspolitik auf Kosten der Aermsten der Stadt ganz in der Ordnung. Keine andere Arbeitsgelegenheit ist vorhanden, weil die Industrie abstcht» lich fem gehalten wird; so wird die Stadt'zum Preisdrücker und Ausbeuter der Arbeitskräfte, die ohne Schuld, lediglich als Opfer der RathauSpolitik, arbeitslos sind und selbst in der Hochkonjunktur wenn man von einer solchen in Potsdam überhaupt reden kann— keine anderweite Arbeit finden. Sie läßt ihre Straßen bei einem Hungerlohn von 1,75 M. reinigen. Auf der anderen Seite ist die Stadt natürlich stets als die Noble be« kannt. Kein patriotischer Feiertag(und was wird hier nicht alles als solcher angesehen), kein Fürstenbesuch vergeht, ohne daß nicht namhafte Summen dafür ausgegeben werden. Besuchen fremde Körperschaften die Stadt, ist ihnen meisten» ein Früh st ück auf Kosten der Stadt sicher. Denen aber, die aus Not die Straßen der kgl. Residenzstadt Potsdam, der„Elite» stadt', reinigen müssen, zahlt dieselbe Stadtverwaltung täglich einen Lohn von 1,75 M. Zum Leben zu wenig und zum Verhungern zu viel. Wie dringend notwendig wäre eS doch, daß diese Art der .ArbeitSloscnfürsorge' durch einen Vertreter der Arbeiterschaft im Stadtverordnetensaale einmal der gebührenden Kritik unterzogen würde._ Hub aller Alelt. Bcbutzmann und Zuhältei*! Diese beiden etwas gegensätzlichen Beschäftigungen wußte vtt München er Schutzmann G r e i t e r mit Eleganz in einer Person zu vereinigen. Er besaß alle guten Eigenschaften ein-� Schutzmannes, wozu wir freilich nicht die rechnen können, daß er bei Verhaftunqen sehr derb zugriff. Am 26. Februar 1910 nachts war eS, da ver- haftete der Schutzmann Greiter ein anrüchiges Subjekt, das sich aus sehr unappetitlichen Motiven an einen Geschäftsmann herangemacht hatte. Der Verhaftete wehrte sich und der Schutzmann verletzte ihm im Geraufe mit der Schließzange das linke Äuge, da» durch Operation entfernt werden mußte. Es war eine mänit- liche Dttne. die voii Gretter so zugerichtet wurde. Und'eben dieser«chtitzitimtn Gretter unterhielt damals schon selbst m i t einer weiblichen Dirne ein Verhältnis, durch d"en Erwerb er sein Gehalt aufbesserte. Etwa 1500 Mark bezog der Schutzmann und Zuhälter von seiner �>1 P 8 Kontrolle stehenden Liebsten. Im Dezember scheint ihm dieser Nebenerwerb doch nicht mehr ganz polizetmaßtg vorgekommen zu sein; er reichte daher am 1. Dezember sein EntlasjungSgesuch ein und am 1. Januar 1911 wurde er auch entlaffent. Mit gutem Zeugnis, denn feine Vorgesezten wußten nur] 3. An den Magistrat. 10 G. 1. 89. 1. und 2. Das dürfte für die[ 1. Berücksichtigung fann erfolgen, deshalb nicht zvedlos. 2. Ja, wetti Sie Gutes über ihn. Und am 24. April 1911 wurde er dann wegen Steuerbehörde ausreichen. 3. Nach Bien.- Fleischer, Oppelner Straße. den Unterhalt gewähren. 3. Einspruch gegen die Veranlagung zur Staats 1. und 2. Nur dann, wenn die Eltern den Unterhalt zu bestreiten außer einkommensteuer genügt. R. S. 10. Ihre Frau ist zahlungspflichtig. Buhälterei verhaftet. stande find.-H.$. 100. Nein.-R. R. Jhre Angaben sind nicht ausreichend. Senden Sie uns den Bescheid ein. R. S. 7. Für derartige Wetterprognose für Sonnabend, den 29. April 1911. Schulden haftet der Mann. Führen Sie die Mangelhaftigkeit an und Biemlich fühl, zeitweise aufklarend, vorwiegend trübe und regnerisch bei beantragen Sie die Bernehmung eines Sachverständigen. D. G. 6. frischen südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Maffenvergiftungen in einem Kinderheim. In dem Kinderheim des Vaterländischen Frauenvereins in Strefeld sind gegen fünfzig Kinder unter schweren Vergiftungserscheinungen erkrankt. Ein Kind ist bereits gestorben, ein zweites liegt im Sterben und etwa zehn Kinder liegenschwerfrank danieder. Die Vergiftungserscheinungen äußern sich in blutigen Darmabgängen. Es scheint sich um Nahrungsmittelvergiftung zu handeln; die Speisereste der vergifteken Mahlzeit werden chemisch untersucht. Einjährig Freiwillig! Die deutsche Armee hat einen wertvollen Zuivachs erhalten. Der Sohn des Großherzogs von Mecklenburg- Schwerin geruhte am borigen Sonnabend sein erstes Lebensjahr zu vollenben. Aus diesem Anlaß erschienen ein Dberst und ein Hauptmann beim Großherzog, un ihm für hochdero Sohn die Gefreitenabzeichen aut überreichen. Kleine Notizen. zu Eine ganze Familie verbrannt. Bei einem Großfeuer, das in dem russischen Grenzort Gorny ausbrach, ist eine sechs Berfonen zählende Familie in den Flammen umgekommen. Berunglückte Automobilfahrt. Der Champagnerfabrikant Felig Descombes aus Frankreich, der mit seiner Frau eine Automobilfahrt von Wien nach Dedenburg unternahm, ist beim Ausweichen eines Fuhrwerkes gegen eine Telegraphenstange gefahren. Das Automobil stürzte unt. Frau Descombes wurde ich wer, der Chauffeur tödlich und Herr Descombes Leicht verlegt. Eine indische Stadt niedergebrannt. Aus Kallutta wird gemeldet, daß die indische Stadt Bobilly burch eine Feuersbrunft, bie an verschiedenen Stellen der Stadt zugleich ausbrach, fast bollständig bernichtet wurde. Mehr als 400 Säufer find niedergebrannt, Tausende von Familien find obdachlos. Eine Anzahl Personen soll in den Flammen umgetom men sein. Zentral- Kranken- und Sterbekaffe der Tischler und anderer gewerblicher Arbeiter.( E. H. Hamburg.) Zahlstelle Baumschulentweg. Heute abend 8, Uhr: Generalversammlung bei Erbe, Baumschulenstr. 14. 1. Quartalsabrechnung. 2. Neuwahl der Drisverwaltung. Allgemeine Kranken- und Sterbekaffe der Metallarbeiter ( E. H. 29, Hamburg), Filiale Baumschulenweg. Heute abend 81, 1hr im Lofal von Rading, Banmschulenstr. 67: Mitgliederversammlung. Briefkaften der Redaktion. R. 1. Rutscher. 1. und 2. Rein. 3. Ja. 4. Ja. Abzug von der Miete ist aber nach den in Berlin üblichen Mietsverträgen nicht statthaft. Sie müßten die Kosten einflagen. 3. T. III. Ja. D. 5. 1. Während der Dauer der Invalidität kann der Antrag jederzeit geftelt werden mit rüdwirkender Kraft bis zu einem Jahre. 2. Mindestens 200. Julius Lindenbaum Eckhaus Fruchtstr. 141 Große Frankfurter Str. 141 Eckhaus Fruchtstr. Herren- und Knaben- Bekleidung Einmaliges Angebot: Farbige Westen Serie I 2,25 Serie II 2,75 Serie III 3,75 M. Herren- Stoff- Hosen Serie 1 1,95 Serie II 2,50 Serie III 3,25 M. 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Weitere Aenderungen in bezug auf die Referenten werden in der morgigen Annonce bekannt gegeben, welche wir zu beachten bitten. Lichtenberg. Der Besuch der„ Ständigen Ausstellung für Arbeiter wohlfahrt" am Sonntag ist für die Abteilungen 7, 8, 9 und 1 von 1-3 Uhr nachmittags, für die Abteilungen 2-6 von 3-5 Uhr. Abfahrtzeiten vom Bahnhof Lichtenberg- Friedrichsfelde 11.50 und 1.50, vom Bahnhof Frankfurter Allee 11.41 und 1.41 Uhr bis Bahnhof Zoologischer Garten. Rudow. Heute abend 8%, Uhr im Lokal Richard Bolle, Köpenider Straße 86, Generalversammlung des Wahlvereins. Der Vorstand. Schildow, Blankenfelde, Mühlenbed, Bezirk Nieder- Schönhausen. Schildow, Blankenfelde, Mühlenbeck, Bezirk Nieder- Schönhausen. Sonntag, den 30. April, nachmittags 3 Uhr: Deffentliche VersammIung unter freiem Himmel in Schildow auf dem Grundstüd des Genoffen Bristow, Sauptstr. 25. Tagesordnung: Die bevor stehenden Reichstagswahlen. Referent: Genoffe Dr. Moses Berlin. Distusfion. Die Nieder- Schönhausener Genossen treffen sich um 1 Uhr bei Schüßler, Nordend. Nieder- Lehme- Wildan- Hoher- Lehme und Königs- Wusterhausen. Sonntag, den 30. April, im Lokal von Gärisch( Inh. Hugo Kruschwitz), große öffentliche Versammlung für Männer und Frauen. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Friz 8u beil über: Die Tätigkeit der Sozialdemokratie im Reichstage und die nächsten Wahlen". 2. Dis tuffion. Genossen! Agitiert für zahlreichen Besuch. Der Einberufer. Berliner Nachrichten. Zur Maifeier. Johannisthal. Die Genossen und Genoffinnen, die den 1. Mai durch Arbeitsruhe feiern, treffen sich vormittags 9 Uhr zum gemeinsamen Besuch der Versammlung. Spandan. Den Partei- und Gewerkschaftsgenossen, welche den 1. Mai durch Arbeitsruhe begehen, zur Nachricht, daß die Marken als Ausweis für die Feier des 1. Mai durch Arbeitsruhe in der Versammlung vormittags um 10 Uhr bei Böhle und nicht durch die einzelnen Gewerkschaften ausgegeben werden. Potsdam. Die Maifeier wird hier durch eine vormittags 9 Uhr bei Wilhelm, Kaiser- Wilhelm- Straße 38, stattfindende Versammlung ( Referent: Arbeitersekretär Otto Sillier- Berlin) und eine in demfelben Lokal stattfindende 6 Uhr beginnende Abendfeier begangen. Ansprache, Konzert, Gesangsvorträge. Eintritt 10 f. Staaten. Die Feier findet unter Mitwirkung des ArbeiterGesangsvereins, der Freien Turnerschaft und des Arbeiter- Nadfahrerbereins nachmittags 5 Uhr in Gnädigs Gasthof statt. Die Festrede hält Landtagsabgeordneter Genosse Dr. Karl Liebknecht. Franz.- Buchholz. Die Genossen, die den 1. Mai durch Arbeitsruhe begehen, treffen sich früh 81%, Uhr im Lofal von Stähne, Berliner Straße 39. Um 9 Uhr erfolgt gemeinsamer Abmarsch nach der Verfammlung in Nieder- Schönhausen. Aus der Magistratssigung. Der Magistrat genehmigte in seiner Mord oder Selbstmord? Ein Leichenfund im Teltowkanal, der geftrigen Sitzung die definitiven Entwürfe und Kostenanschläge für vor einigen Tagen gemacht wurde, beschäftigt jezt die Polizeis Idie Erweiterungsanlagen des Kaiser- und Kaiserin- Friedrich- Kinder- behörden. Ursprünglich nahm man an, daß die an der Leiche des frankenhauses. Es sollen zwei Pavillons für Haut- und Geschlechts- Mannes, eines 25 Jahre alten Arbeiters Schwedler, vorgefundenen tranke neu errichtet werden und der Masern sowie der Diphtherie Verlegungen von Schiffsschrauben und Bootshaken herrührten und pavillon einem Umbau unterzogen werden. Außerdem ist der Neubau des daß es sich um einen Selbstmord handle. Die inzwischen eins Steffel- und Maschinen- und der Umbau des Waschhauses, sowie vergeleiteten Ermittelungen lassen aber die Möglichkeit zu, daß Sch. fchiedener zum Umbau erforderlichen Anlagen notwendig. Der Bau einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Er soll an dem Sonntag eines medizinischen Pavillons und des Verwaltungsgebäudes ist be- vor seinem Verschwinden nach dem Besuch eines Tanzlokals mit reits früher von den Gemeindebehörden bewilligt und geht seiner mehreren jungen Leuten in eine Schlägerei geraten, von diesen Bollendung entgegen. Die Kosten für sämtliche Neu- und Umbauten niedergestochen und in den Teltowkanal geworfen worden sein. find auf 1 950 000 m. veranschlagt. Die Neuanlagen ermöglichen eine Bermehrung der Bahl der jetzt vorhandenen 240 Betten Forst, etwa 80 Meter von dem Haupteingang A des Flugplages in Leichenfund eines Kindes. Am 2. März d. J. ist in der Canner auf 317. Vinodo M Johannisthal, im Gestrüpp die Leiche eines etwa 3-4 Tage alten Das Eine Familientragödie hat sich in der letzten Nacht im Hause Kindes weiblichen Geschlechts, die in ein Frauenhemd und eine Bernauer Str. 49 abgespielt. Es wird amtlich gemeldet: In ver- blauweiß gestreifte Schürze eingewickelt und in einem grauen, gangener Nacht gegen 12%, Uhr erschien auf der Wache des 90. Polizei- verschnürten Starton verpackt war, aufgefunden worden. reviers der Maurer Angust Kuhlmey, geb. am 17. Februar 1869 Sind hatte um den Hals eine Schnur( anscheinend Schürzenband) versucht habe, seine Ehefrau zu ermorden und seine Stieftochter ist das Kind, das nach der Geburt zweifellos gelebt hat, erstid t zu Finkendorf, Bernauer Str. 49 wohnhaft, mit der Angabe, daß er und in der hinteren Rachenhöhle befand sich ein test zusammen gedrückter Bausch Zeitungspapier. Nach dem Obduktionsbefunde Anna, geb. am 13. Mai 1889 zu Berlin, durch einen Revolverschuß worden. Auf dem 36 Zentimeter langen, 15 Zentimeter breiten und und zwei abgeschossenen Batronen geladenen Revolver. K. hatte aufgedruckt: Mindener Molkerei e. G., Minden i. W. Die Mutter getötet habe. Gleichzeitig übergab er einen mit vier scharfen 10 Zentimeter hohen Pappkarton, in dem sich die Leiche befand, ist wegen fortgesetter ehelicher Streitigkeiten bereits vor acht Tagen des Kindes fonnte bisher nicht ermittelt werden. Event. Nachrichten den Entschluß gefaßt, Frau und Stieftochter zu erschießen werden zu 1896 IV. 55. 11 bon jedem Polizeirevier sowie im Polizeiund sich zu diesem Zwecke einen Revolver mit zehn scharfen Patronen präsidium, Zimmer 389b, 404, 404a entgegengenommen. gekauft und ihn auf seiner Arbeitsstelle in der Brauerei Oswald Für Krankenpflegerinnen wird ein unentgeltlicher Fortbildungss Berliner, Brunnenstr. 140, in seinem Schranke aufgehoben. Als es furfus in Krantentochfunft in den Monaten Mai und Juni im Lette gestern abend wieder zu einem heftigen Bank mit seiner Frau fam, baufe stattfinden. Derselbe wird aus ärztlichen Vorträgen und begab er sich nach seiner Arbeitsstelle und holte die Waffe. Gegen praktischen Uebungen im Bereiten von Krankenspeisen bestehen und 12 Uhr nachts tehrte er zurück und verlangte von den beiden bereits zweimal wöchentlich abends 8-9 Uhr abgehalten werden. Bei im Bette liegenden Frauen, daß sie ihm frischen Kaffee bereiten Dr. Dietrich, Professor Dr. H. Strauß, Dr. P. Jacobsohn den Vorträgen werden mitwirken: Geh. Obermedizinalrat Professor follten. Als seine Angehörigen das verweigerten, zog er feinen und Dr. 23. Rosenstein. Der praktische Teil steht unter Leitung W. Revolver hervor und erklärte, daß, wenn er weiter gereizt werde, er von Frl. Hannemann. Beginn des Kursus am 12. Mai, abends ein Ende mache. Durch das Hin- und Herreden geriet er schließlich der- 8 Uhr. Anmeldungen find baldigst schriftlich an das Verwaltungsmaßen in Wut, daß er an das Bett seiner Frau trat und auf sie bureau des Lettehauses, W., Vittoria- Luise- Plaz 6, zu richten. einen Schuß abgab. Die Kugel ging aber fehl und durchbohrte das Der Arbeiter- Schwimmer- Bund gibt den Vereinen und Romitees, Stopftiffen, während der Pulverdampf die linke Wange der Frau ber- welche Festlichkeiten abhalten in Lokalen, die am Wasser liegen, oder brannte. Durch den Schuß erschreckt, sprang darauf die 22jährige Dampferpartien usw. veranstalten, bekannt, daß auf Wunsch RettungsStieftochter aus dem Bette und wollte unter demselben Schuß suchen. mannschaften zur Verfügung gestellt werden. Dieselben sind fachEhe es ihr aber gelang, richtete der Vater seinen Revolver auf sie männisch ausgebildet, um Ertrinkende zu retten sowie die erſten und jagte ihr eine Kugel in den Hinterkopf, so daß der Tod auf der Wiederbelebungsversuche vorzunehmen. Wie oft kommt es vor, daß Stelle eintrat. Dann begab sich K. auf die Wache. Nachdem der iemand aus Unvorsichtigkeit oder aus anderen Gründen ins Wasser fällt und in Ermangelung geeigneter Hilfe vor den Augen einer Arzt den Tod des jungen Mädchens festgestellt hatte, wurde die Leiche großen Zuschauermenge ertrinten muß. Die Vereine und Komitees dem Schauhause zugeführt. Die Ehefrau konnte in der Wohnung follten es nicht versäumen, bei ihren Veranstaltungen eine Rettungsverbleiben, während man. noch in der Nacht dem Polizeipräsidium mannschaft zuzuziehen. Etwaige Bestellungen sind an den Genossen am Alexanderplaß zuführte. F. Menschel, Weißensee, Röllestr. 12, II, zu richten. Die Meierei Bolle verkauft. Die bekannte Meierei C. Bolle in Moabit ist von der Deutschen Bank zum Preise von 7 Millionen Mart angetauft worden. Das Unternehmen soll in eine Attien gesellschaft umgewandelt werden. Zahlungsschwierigkeiten eines Berliner Baubureaus. Das Verschwinden des Charlottenburger Baumeisters Hermann Benzen, Kurfürstenstraße 50, erregt in den Kreisen der Berliner Bauwelt großes Aufsehen. Benzen, der seit gestern nachmittag verschwunden ist, hat nach einer bisherigen Schäßung etwa 300 000 m. Schulden hinterlassen. Wir erfahren über die Affäre noch folgende Einzelheiten. Baumeister Benzen war ein sehr stark beschäftigter Architekt. Im Laufe dieses Jahres hatte er zwei große Neubeuten in der Nassauischen Straße 52/53 und Hohenzollerndamm 28 auf eigene Kosten in Angriff genommen. Während des vorigen Akademische Unterrichtskurse für Arbeiter. Anmeldungen werden noch entgegengenommen am Mittwoch, 3. Mai, und Sonnabend, 6. Mai, Rüderstr. 9( Kantine), am Sonnabend auch Langefir. 31 ( Schlesischer Bahnhof) von 8-10 Uhr abends. 1999 Unserem Bezirksgenossen Emil Weidner nebst Braut die herzlichsten Glüdwünsche zur Vermählung. 15195 Genossen des 96. Bez. Orts- Krankenkasse bes Zimmerer- Gewerbes zu Berlin. Sonntag, den 7. Mai 1911, bor. mittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 11: Außerordentliche Die Ueberwachung der Warteschulen regelt eine bemerkenswerte Jahres erbaute er für Rechnung seiner Schwiegermutter die in inspektoren des Bezirks. Alle Warteschulen sind von der Regierung Bei den jezigen Neubauten scheint sich Benzen verspekuliert zu als Schulaufsichtsbehörde zu genehmigen. Die Aufsicht über diese haben. Er war mit einer Großbank in Verbindung getreten, Anstalten steht ebenfalls der Regierung zu. Sie ist den Kreisschul- um von dieser die nötigen Kapitalien zur Durchführung der Bauinspektoren als ihren Stommissaren übertragen. Die Streisschul- ten zu erlangen. Die Bank trat jedoch dann zurück, und Benzen inspektoren sollen jede Anstalt jährlich einmal revidieren. Alle drei fah sich infolgedessen zunächst gezwungen, die laufenden Zahlungen Jahre soll ein eingehender schriftlicher Bericht über die Revisionen aufzuschieben. Er hatte mit den Baubureaus von A. Lange erstattet werden. Wenn es zweckmäßig erscheint, soll eine Anstalt Neubauer Abschlüsse gemacht, welche die Bauten vollkommen zu er auch der Aufsicht des Drisschulinspektors unterstellt werden. In die schulstatistische Liste sollen die Warteschulen in derselben Weise wie die Privatschulen aufgenommen werden. Zu den Warteschulen gehören alle Schulen, die als Kinderschulen, Kinderbewahranstalten, Kindergärten, Krippen oder ähnlich bezeichnet werden. Berfügung der töniglichen Regierung in Potsdam an die Streisſchul- der Kurfürstenstraße 49/50 gelegenen prachtvollen Wohnhäuſer. Orts- Krankenkaffe General- Versammlung. Bon der Beerdigung des Genossen Borgmann meldeten wir in Nr. 97, daß vor dem Hause yener Straße 13 unter den dort wartenden Teilnehmern große Entrüstung entstanden war, weil aus der im ersten Stockwerk gelegenen Wohnung einer Familie Cohn angesichts des zusammentretenden Trauerzuges eine schwere Ungehörigkeit verübt worden war. Gegen unsere Mitteilungen über dieses Vorkommnis wendet sich jetzt in einer uns überfandten Zuschrift das Oberhaupt der Familie Cohn, ein Herr Adolf Cohn, inbem er erklärt: für das Gewerbe der Verfertigung von General- Versammlung Musik- Juftrumenten richten hatten. Gegen Weihnachten vorigen Jahres geriet er schon am Sonnabend, den 6. Mai 1911. in größere finanzielle Schwierigkeiten, aus denen er sich an- abends 8, Uhr, findet im Restau scheinend nicht mehr herauszuwinden vermocht hat. Am Donners- rant des Herrn Schulz, Münzftr. 17 tag nachmittag teilte er seinen Angestellten im Baubureau mit,( Eingang Königsgraben), die daß er auf längere Zeit verreisen müsse, gab jedoch nicht an, wohin er sich begebe. Auch seine Gattin, die in Berlin weilt, ist über den Aufenthalt ihres Mannes nicht orientiert. Eine flüchtige Prüfung der Bücher hat ergeben, daß den Passiven, die etwa sämtlicher Arbeitnehmervertreter 300 000 m. betragen, nur geringe Aktiven gegenüberstehen. Die Arbeiten auf den Neubauten sollen weitergeführt werden und es hat bereits eine Zusammenkunft der Gläubiger stattgefunden, um über diese Frage zu beraten. Außer den beiden genannten Firmen ist die A. E. G., die für die Bauten des B. die elektrischen Anlagen übernommen hat, finanziell sehr start beteiligt. statt. Tages- Ordnung: 1. Bericht des Borstandes. 2. Jahres bericht. 3. Bericht der Revisoren und 4. Bericht der Delegierten des KonAntrag auf Entlastung des Rendanten. gresies vom 30. April. 5. Ber schiedenes. 275/15 Um vollzähliges und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Tagesordnung: Antrag des Vorstandes betr. Nuhe gehalt des Rendanten F. Ming. Einladungskarte legitimiert. Der Vorstand. August Brunzel, Vorsitzender. Ewald Petermann, Schriftführer. für 15336 Orts- Krankenkaffe Ober- Schöneweide. Wir bringen hierdurch zur Kenntnis der Bersicherten, daß der Bezirks ausschuß zu Potsdam die 16. Abänderung zu den Kassensazungen, wonach die Zahlung des Kranten geldes auch auf die in die Woche fallenden Festtage ausgedehnt wird, genehmigt hat. Diese Statutenänderung tritt mit dem 1. Mai 1911 in Straft. 275/14 Dber- Schöneweide, d. 25. April 1911. Der Vorstand. Sommerfeld, 1. Borsitzender. Wilke, Schriftführer. Prima Schlack- und Salami- Wurst a PM. 1,20 BERLIN C., Es ist unwahr, daß von meinem Ballon heruntergepöbelt Das Haupt einer internationalen Falschspielerbande, der falsche worden ist, ebenso wie die Ausdrücke" Note Bande" gesagt worden Baron Rudolf v. König, von dem schon oft die Rede war, ist auf feien. Ein Blumenstrauß, der auf einem Tisch stand, soll von Veranlassung der hiesigen Kriminalpolizei und auf einen Haftbefehl meinem unerfahrenen Sohn heruntergeworfen worden sein, und des Untersuchungsrichters Dr. Dreist in Kalfutta festgenommen worden. ist derselbe auch darüber gezüchtigt worden. Was von einer Der Baron" ist in Wirklichkeit ein gewöhnlicher Rudolf Stallmann, Familie Cohn die Rede ist, so ist es unwahr, daß weder ich noch der am 14. April 1871 in Berlin geboren wurde. Im Anfange der meine Frau auf dem Balkon war, sondern nur mein 72jähriger 90er Jahre begann er feine Hochstaplerlaufbahn mit allerlei Schwiegervater." „ Schwindeleien und Schiebungen". ihn Wir Cohn noch seine Frau auf dem Balkon waren, was wir übrigens ganz kurzer Zeit entwickelte er sich zum Haupt einer internationalen auch gar nicht behauptet hatten. Herr Cohn irrt aber, wenn Falschspielerbande, die in der ganzen Welt überall dort auftrat, wo er meint, daß außer seinem 72jährigen Schwiegervater niemand fich die Lebewelt zusammenfindet. Weil für eine solche tolle der weiter dort verteilt habe. Teilnehmer des Trauerzuges saben auf Name Stallmann sich wenig eignete, so nannte sich der Gauner dem Balkon der Cohnschen Wohnung mehrere Personen, von denen Baron Rudolf v. König. Als Lockvögel dienten ihm ebenfalls man allerdings nicht wissen tann, ob sie sämtlich Mitglieder der Aristokraten, zum Teil echte, meistens aber falsche. So machte er Familie Cohn waren. Diese Personen zogen mit Ausnahme des aus dem simplen Bela Klimp den Grafen de la Ramé, den er nach alten Herrn sich zurüd, als sie bemerkten, welche Erregung durch seiner Umtaufe in Paris zunächst in Holland einquartierte und die Werferei hervorgerufen worden war. Den Wurf ein es dann in feiner Truppe mit sich führte. Zu dieser gehörte auch Blumenstraußes nebenbei bemerkt: ein vertrodneter Herr Joseph Bujos, der kürzlich auf Veranlassung der Berliner Kriminalwar es gibt Herr Cohn wohl selber zu, wenn er auch ein ein- polizei, die ihm 19 Betrügereien nachgewiesen hat, in Brüssel festschränkendes foll" hinzufügt. Er würde ja wohl seinen Sohn nicht genommen wurde. Nachdem Graf de la Ramé seine Rolle ausgespielt gezüchtigt haben, wenn er nicht diesen als schuldig anfähe. Herr hatte, nahm der Schwindler zum Aushängeschild den echten Grafen Cohn versucht, die Handlungsweise des Sohnes aus Unerfahrenheit Gisbert v. Wolf Metternich, dem nur wenige Betrügereien zur Last zu erklären. Warum gibt er nicht an, wie alt sein Sprößling ist? gelegt werden. Solche Leute und Namen brauchte die Baude, um in den kostspieligen Bädern an die Rabobs heranzukommen und sie Der Borstand des Berliner Asyl- Vereins für Obdachlose bittet auszuplündern. Die reichen Amerifaner waren nicht selten schadenfroh, uns um Aufnahme folgender Notiz: Die Arbeiter und Arbeiterinnen baß auch ihre feudalen Mitspieler beträchtlich verloren, fie wußten der Allgemeinen Elektrizitäts- Gesellschaft, Brunnenstraße, haben als aber nicht, daß deren Wechsel nicht eingelöst zu werden brauchten, Ueberschuß der Sammlung für eine Strangfpende für Baul Ginger während sie selbst zahlen mußten. Aus Argentinien brachte fich den Betrag von 1236 M. dem Berliner Asyl- Verein für Obdachlose, Baron König eine Frau mit, die ihm nach dem Ergebnis dem der Verstorbene jahrzehntelang in leitender Stelle angehörte, der Erkundigungen richtig angetraut ist. Wegen Führung eines überwiesen." falschen Namens und sogleich wegen Betruges wurde der Gauner Nachmittagsspiele für Volksschulkinder werden vom 1. Mai ab schon im Jahre 1903 in München bestraft. Von dort begab des Montags und des Donnerstags wieder auf verschiedenen Spiel er sich zunächst nach Aegypten. Nach der Verhaftung des plägen von städtischen Lehrerinnen geleitet. Die Spielpläge sind: Grafen Wolf Metternich zog sich der Baron nach Paris zurüd, 1. der Platz an der Urbanstraße; 2. Wiesenstr. 49-54 und Bant wo er mit Frau und zahlreicher Dienerschaft auf großem Fuße lebte. ftraße 11-16; 3. Bremer Str. 27-37; 4. im Humboldthain; Als die Kriminalpolizei auf die Spur fam, reiste er nach Indien ab, 5. Strautstr. 49( 12. und 64. Gemeindeschule); 6. Oberberger Straße um dort die Fürstenfige mit einem eleganten Auto zu bereisen. In Nr. 57-59( 200. und 214. Gemeindeschule). Die Spiele im Humboldt- Kallutta wurde er jegt mit seiner Frau und seinem Kammerdiener bain sind in den Stunden von 23/4 bis 43% Uhr, auf allen anderen Mobellier verhaftet. Auslieferungsverhandlungen wurden bereits Spielplägen von 4 bis 6 Uhr gelegt. mit den französischen und englischen Behörden eingeleitet. ehmen also davon Kenntnis, daß weder Herr Adolf aufmerkiam wurden, entfloh er nach Frankreich und England. In Hermann Leißner, Klosterstraße 95, Ecke Kaiser Wilhelm- Straße. 5% Rabatt beim Vorzeigen dieses Inserats. Für Damen! Aus meinem Engroslager: Einzelverkauf nur von 12-8 Uhr. Wegen beendeter Engros- Saison fabelhaft billige Preise! a. gearbeitet.. jetzt auf Seide, jetzt Eleg. Kammy.- Kostüme Seide, hochschick 2500 Englische Kostüme pade, 2000 u. 3000 Uebergangs- Paletots..... jetzt 650 u. 1250 Schwarze anlieg.u. 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