Zlr. 101. HbonnementS'ßdingungen: ■BonnementS- Preis pränumerando i SiertcljShrl. 330®U., monatl. 1,10 Mk,, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. «inzelne Nummer S Pfg, Eanntags. nunimer mit illustrierter Sonntags- Vellage.Die Reue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat, Eingetragen in die Post-ZeitungS- Prelsiifie. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostabonneinentS nehmen-n: Belgien, Dänemark Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, LT. Jahrs» CrföelDt»glich»Btr Clontaat Verlinev Volksblctkt. Zcntratorgan der rozialdemokrattfchen Partei Deutfchlanda. vi« Tn(«rt)onS'GeMII)r OeKägt für die sechsgespaltene Kolonel- geil« oder deren Raum«0 Psg„ für polillsche und gewerkschaftliche Vereins- und Versamnllungs-Anzeigen S0 Pfg. ,,Aleine?n:-igen", daS fcttgcdrrlckle Wort 20 Pfg, fzulässtg 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuchs und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort b Pfg, Worte über lö Duch- i laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen » Uhr nachmittags in de: Cxpeoltton abgegeben werden. Die Erpcdilw» ist bis 7 Uhr abends geossnet. Telegramm- Adresse: «SoÄlltlilllSllkSl liiklll,". Redaktion: SM. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1S8Z. Expedition: SM. 68» Ltndenstraese 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Der Cag der Internationale. Unser ist dieser Tag! Selbst haben wir ihn uns gesetzt, aus eigener Macht und unsere eigensten Ziele sind cS. denen wir diesen Maitag geweiht haben. Heute gehören wir nur uns selbst, fühlen uns nur als Träger der neuen Welt, als Gründer der neuen Gesellschaft. „O wagt es doch nur einen Tag, nur einen frei zu sein!" Wir haben's gewagt: an diesem Tag sind wir frei! Frei sind jene, die ai� diesem Tag die Arbeit ruhen lassen, diese Arbeit, die geschändet ist durch den Makel der Ausbeutung, und die wir heiligen wollen in jener neuen Gesellschaft, in der die Freien und Gleichen die Herren der Arbeit und nicht mehr ihre Knechte sein lverden. Aber frei sind auch jene anderen, die selbst an diesem Tage in Werkstatt und Fabrik zürnend und trotzend der fremden Mackit fronen müssen. Frei sind sie, denn im Geiste und mit ihrem ganzen Willen und heißen Sehnen sind sie draußen bei ihren glücklicheren Brüdern und jeden Hammerschlag begleitet ein Fluch dem verhaßten Zwange, jeder Unidrehung der Räder folgt das Gelöbnis, erst recht alles dran zu setzen, die Knechtschaft zu brechen, deren Druck unerträglicher als je an diesem Freiheitstage der Völker die Leiber noch in Fesseln hält. Und wenn am Abend endlich die Stunde der Befreiung schlägt, wenn sich die endlich Erlösten den Festen ihrer Brüder gesellen, dann sind sie es, die nur um so heißer die Er- lösungssehnsucht fühlen, sie, die selbst heute arbeiten mußten, obgleich sie nicht wollten, die sich nicht selbst gehören durften, sondern auch heute hörig waren dem Kapital, das sie selbst schaffen müssen, die am Tage der Freiheit die Bitternis der Sklaverei bis zum Ende aus- kosten mußten. Die Kämpfer, die heute gefangen sind, sie werden wahrlich nicht die letzten sein, wenn es gilt, die Gefangenschaft der Arbeit auf immer zu beseitigen. Unser ist dieser Tag und unserem eigensten Ziele ist er gesetzt. Ungeheuren Reichtum schafft die Arbeit den Müßigen und Herrschenden. Die Vergesellschaftung der Arbeit, wie sie das Kapital, die alte vereinzelte Produktionsweise revolutionierend, in seinen Großbetrieben vollzogen hat, ist zum Springqucll geworden für eine ungeheure Vennehrung der Pro- duktionskräfte. Im Verein mit der Wissenschaft hat die vergesellschaftete Arbeit der Menschheit die Fähigkeit gegeben, sich aus der Barbarei, der Not und Bedürftigkeit zu er- heben zur Zivilisation der harmonischen Befriedigung aller leiblichen und geistigen Bedürsnisie. Aber diese Fähigkeit, die uns die Wissenschaft erkennen gelehrt hat, sie ist heute unterdrückt. Die Spaltung der Gesellschaft in die beiden großen Klassen der Besitzer der Produktionsmittel »nd der Lohnarbeiter hat den Reichtum, den die Gesamtheit schafft, zum Monopol einer kleinen Zahl gemacht. Und die berauschende Vermehrung der anschwellenden Massen der Produktion, sie dienen nicht der Ausdehnung der Konsumtion, den kulturellen Bedürfnissen der riesigen Arbeiterarmeen; sie dienen der immer rascher sich fortwälzenden Akkuniulation der Kapitalmagnaten. Daß der Reichtum, den sie schaffen, endlich den S ch a f s e n d e n werde, das ist das Ziel des Sozialismus, das ist das Ziel, dessen Erreichung durchzusetzen wir an diesem Tage des Ersten Mai vor allem uns geloben. Reichtum, sagt ein alter Sozialist, ist Zeit, über die man verfügt, sonst nichts. Und fürwahr I Ist cL doch der Fluch deö Kapitalismus, daß er olle Lebenszeit dcS Arbeiters in Arbeitszeit für das Kapital verwandelt. Zeit der arbeitenden Menschheit zu erobern, den unendlichen Reichtum moderner Kultur sich anzueignen und zu genießen, das ist das Ziel der sozialistischen Neuorganisation der Gesellschaft, ist der Inhalt des proletarischen Kampfes. Aber auch zum Kampfe bedarf es der Zeit. Sich dies bißchen Zeit zu nehmen, mußte so die erste KampfeSlosung werden. So gilt dieser Tag des Endziels zugleich dem unmittel- barsten und nächsten Ziel jeder zum Bewußtsein ihres Menschentums erwachten Arbeiter- schicht: der Verkürzung der Arbeitszeit. Achtstundentag als Mittel die Kampfesfähigkcit zu erhöhen. Sozialismus als Preis des Kampfes, Eroberung der politischen Macht, um das Ziel zu verwirklichen, das war es. was der Anternationale Kongreß als Inhalt des Festes bestimmte, als er die Feier des Ersten Mai beschloß. '. Eine eigentümliche Stimmung sicgcSgewisser und siegesfroher Zuversicht war es. in der die neue Internationale sich diese Geburtstagsfeier setzte. Man kann die Geschichtsepoche seit dem Jahre 1848. mit dem die Periode der großen bürgerlichen Revolution ihren Abschluß findet. leicht in drei Perioden teilen. Am Beginn der ersten steht das Kommunistische Manifest, die Geburtsurkunde des wissenschaftlichen Sozialismus, in dem zum erstenmal der instinktiven Klassenbewegung des unentwickelten Proletariats das Bewußtsein seiner historischen Mission gegeben wird. Der Bund der Kommunisten ist der erste Keim der Internationale, der erste Versuch, die Arbeiterbewegung von den nationalen Schranken zu befteien und in dem ge- meinsamen Interesse der Umwälzung der gesamten Gesellschaft ihre Elite organisatorisch zu vereinen. Aber der Donnerrus: Proletarier aller Länder vereinigt Euch I scheint zu verhallen alS nach der Niederlage der Revolution die Reaktion einsetzte und das neuersprießende «eben unter ihrem Eiseshauch abstirbt. Nicht dem Proletariat, der Bourgeoisie gehört diese Periode, in der das Bürgertum seinen Frieden mit den herrschenden Gewalten schließt und im Bunde mit ihnen erreicht, was es einst gegen sie erkämpfen sollte: den einheitlichen büraerlichen Nationalstaat. Mit dem Jahre 1870, der Begründung des Deutschen Rcichtis und des gceinigten Italiens schließt diese Periode ab.— Es ist eine kriegerische Zeit. Die nationale Einheit scheint nur durchzusetzen im Kampfe gegen den auswärtigen tvcind, der der Erstarkung und Berielbständigung der Nationen widerstrebt. Die Notwendigkeit des Krieges erscheint als Vorbedingung der nationalen Bcfteiung. Die Völker selbst wollen den Krieg und nur darin, welche Kriege und zu welchen Zwecken sie sie wollen, unterscheiden sich die Parteien. In der gewaltigen Erregung, die die großen Entscheidungskämpfe der Zeit auslösen, erwacht auch das Proletariat zu neuem und selbständigerem Leben. L a s s a l l e envcckt die deutsche Arbeiterschaft und 1863 kann Marz aufs neue den Versuch wagen, in der internationalen Arbeiterassoziation dem kämpfenden Proletariat eine weltumspaiinende Organisation zu geben. Aus dem Zusammenbruch des ftanzösischcn Kaiserreichs erhebt sich die erste proletarische Revolution der Pariser Kommune, doch nur um in ihren Trümmern auch die Internationale zu begraben.. Tie neue staatliche Organisation der Bourgeoisie ist aber zugleich der Rahmen für die neu« Organisation des Proletariats. Der Feuerbrand von Paris hatte der Bourgeoisie ein Licht angezündet, in dessen blendendem Schein sie erschreckt die Gefahr des Untergangs ersah, die die neue Klasse, das eigenste Produkt ihrer Gesellschaft, dieser Ge- sellschaft bringen mußte. Mit aller Gewalt suchte sie das Erstarken dieser neuen Bewegung niederzuschlagen. Die letzten Reste ihrer Freiheitsideale gab sie preis, um, reaktionär ge- worden, ini Bunde mit der Staatsmacht und den überlebenden feudalen Schichten ihre ökononiische Herrschaft über das Proletariat auch politisch sicherzustellen. Vergebens: ihr Widerstand weckte nur den vermehrten Widerstand der Unterdrückten. Und am Ende der Periode, als 1889 der Pariser Kongreß zusammentrat, da konnte die neue Internationale gegründet werden nicht mehr als eine Vereinigung einer Elite von vereinzelten Kämpfern, sondern als die Zusammenfassung der in jedem Staate national 0 r g oni• sterten. mächtigen politischen Parteien des Proletariats. Und dieser gewaltige schritt der Organisation zeugte zugleich von der gewaltigen inneren geistigen Reife, die daS Proletariat der Welt während der Känipfe dieser Periode erfahren hatte. Es war vor allein das theoretische Bewußtsein und die taktische Klarheit der deutschen Sozialdemokratie, die sie dem Marxismus verdankt, die auf dieser ersten Tagung der neuen Internationale ihren ersten Triumph errang und die seitdem immer mehr das Denken und Handeln des Welteuproletariats beeinflußt. Oekonomisch aber war diese Zeit charakterisiert dadurch, daß der englische Kapitalismus sein den Weltmarkt beherrschendes Monopol verlor und in den neuen Nationalstaaten kapitalistische Wirtschaftszcntren entstanden, die dem englischen allmählich ebenbürtig werden sollten. Die europäische Krise vom Jahre 1873 zeigte in ihren verheerenden Wirkungen, wie stark das kontinentale Wirtschaftsleben bereits unter die Herrschaft des Kapitalismus verfallen war. Von da ab freilich schien der Kapitalismus in seiner jugendlichen Kraft gebrochen, sein Vorwärtsstürmen schien verlangsamt. Träge und schleppend unter fortwährenden Rückschlägen vollzog sich die ökonomische Entwickclung. Uni so größer waren die Fortschritte, die der Sozialismus machte. Neben der politischen Organisation erhob sich die gewerkschaftliche, und gerade als diese Periode zu Ende ging, erschien sein Vordringen am stürmischsten und unaufhaltsamsten. In Deutschland war das Sozialistengesetz zerborsten und seine Beseitigung konnte nur eine Frage kurzer Zeit sein. In Oesterreich und in Frankreich erstarkten die sozialistischen Parteien und in England schienen die alten Gewerkschaften von neuem Geiste erfüllt. Und den großen Ländern schloffen sich die kleineren an; überall stürmisches Vorwärtsdrängen, siegessichere Zuversicht. Und auf der anderen Seite schien der alten Gesellschaft jede Lebensfreude genommen. Seit den achtziger Jahren lastete eine ökonomische Depression auf dem öffentlichen Leben, die nicht mehr weichen zu wollen schien. Was Wunder, daß selbst bürgerliche Schichten von Zweifel an ihrer Gesellschaft gepackt wurden, daß der Sozialismus in kleinbürgerlichen Reihen und bei den Intellektuellen schon als einziger Ausweg diskutiert wurde. War er nicht der neue Glaube, der einzige, der möglich blieb, nachdem die alte Gesellschaft den Glauben an sich selbst zu verlieren schien? In dieser unvergeßlichen Stimmung ist der Pariser Kongreß zusammengetreten, wurde die neue Internationale aufgerichtet. Da erschien das Schwerste leicht und da drängte es, der bürgerlichen Welt zu zeigen, welch neue Kraftverniehrung das Proletariat durch den Zusammenschluß zur Weltpartei erfahren hatte, drängte es zu demonstrieren, wie entschlossen seine Kampfeslust, wie groß seine Siegeszuversicht sei. Als Demonstration der Internationale, als Tag des nahenden Sieges ist so der Erste Mai eingesetzt worden. .- Von der Begründung der neuen Internationale dürfen wir eine andere Epoche datieren. Der Kapitalismus erfährt eine neue Verjüngung. In Sturm und Drang zieht er aus, um von Europa aus die Welt zu erobern. Im Innern des Staates monopolisiert er den Markt durch die Errichtung seiner Schutzzollmauern. Die Abhaltung der auswärtigen Konkurrenz ermöglicht es ihm, auch auf dem inneren Markte die Konkurrenz einzuschränken. Eine neue Aera der Vergesellschaftung der Produkt ron beginnt. Die Selbständigkeit des einzelnen kapitalistischen Unternehmens wird aufgehoben, Kartelle und Trusts verbinden ganze Produktionszweige zu einem einheitlichen Ganzen. Und auch dabei bleibt der Prozeß Jdcr Vergesellschaftung nicht stehen. Für die Riesenbetriebe gewinnt die Verfügung über das Gcldkapital der Gesamtheit immer größere Bedeutung. Das schafft den Banken stets wachsende Macht über die Industrie. Ein ungeheurer Konzentrationsprozeß, der im Bankwesen einsetzt, schafft aus dem zersplitterten Bankgcwerbe die Domäne weniger Großbanken, die mit ihrer gesammelten Kraft immer mehr zu Herren der von ihnen einheitlich beherrschten gesellschaftlichen Produktion werden. Die Konzentration des Kapitals, die Marx als Tendenz der kapitalistischen Akkumulation verkündet hatte, naht im Innern der Staaten der Vollendung. Die Aufgabe der Sozialisicrung der Produktionsmittel ist ökonomisch reif geworden und wird zur Frage der politischen Macht. Die Spannung zwischen den Beherrschern der Produktion und den Beherrschten erreicht in, Innern klarsten und schärfsten Ausdruck. Das konzentrierte Kapital verfügt zugleich über die Staatsmacht und sucht sie immer unverhüllter in den Dienst seiner Konkurrenzbcdürfnisse auf dem Weltmarkt zu stellen. Je mehr das Schutzzollsystem den inneren Markt versperrt, desto heißer das Streben, Stücke des noch fteicn Weltmarkts� dem eigenen Staate anzugliedern. Die stürmische Entwickclung des Kapitalismus seit 1895 läßt zugleich die Basis der Rohstoffversorgung den Expansionsbedürfnissen des Kapitals zu eng erscheinen. Neue Absatzmärkte, neue Stätten für die Erzeugung des Rohmaterials I wird jetzt das Losungswort des Kapitalismus. Weltmacht will jeder kapitalistische Staat werden, die imperialistische Ideologie ist erstanden. Es ist der neue Glaube, den der Kapitalismus sich geschaffen hat, um der Kapitulation vor dem Sozialismus zu entgehen. So beginnt ein neuer Kampf der kapitalistischen Staaten untereinander, der Kampf um die Beherrschung des Weltmarkts und die Besitzergreifung der Kolonien. Neue Gegensätze zwischen den Staaten erwachen. Kriegerische Stimmungen werden Ivicder lebendig. Aber nicht mehr sind die V ö l k e r die Träger dieser Stimmung. Die arbeitenden Massen jeden Staates werden immer mehr eingereiht in die kämpsende Armee des Proletariats, das keinen feindlichen nationalen Unterschied kennt. Die Völker wollen den Frieden, aber die Kapitalmagnaten wollen den Krieg. Sie wollen den Krieg, die einen, um das Feld der nationalen Beherrschung zu verbreitern, die anderen süid zum Kriege entschlossen, um dieses Bestreben abzuwehren. Ein ungebeuerlichcr Wcttlauf entspringt zwischen den einzelnen Staaten, die Kriegsbereitschaft aufs höchste zu steigern, Die Last der Rüstungen wächst unaufhörlich, endlos. Der ökonomische Druck, unter dem der Kapitalismus das Proletariat erhält, ohnehin immer unerträglicher in einer Zeit, wo die rasche Expansion des Kapitalismus eine wachsende Teuerung aller Lebensmittel produziert. wird ständig vermehrt durch den S t e u e r d r u ck des Staates. So wachsen im Innern des Staates die Gegensätze, so wachsen die Gegensätze zwischen den Kavitalistenklasion der entwickelten Staaten. Die Periode der europäischen Kriege wird in dieser Periode abgelöst durch die fortwährenden Kolonialkriege. Zugleich wälzt der Kapitalismus überall, wohin er vordringt, alle überkommenen Verhältnisse um und erzeugt die Revolution der er in Europa entgehen will, in den fremden Erdteilen. Japaner. Türken und Perser erheben sich, um durch die Errichtung eines nationalen Verfassnngsstaates der Fremdherrschaft des europäischen Kapitalismus zu entgehen. In Aegypten und Indien kündet dumpfes Grollen das nahende Ungewittcr an. daS sich über den englischen Kapitalismus entladen wird. Uud Rußland zeigt, daß der Krieg in seinem Schöße die Revolution birgt. Seit dem Ende des Jahrhunderts nimmt die Entwicklung ihre stürmischsten, gewaltsamsten Formen an. Zeitigt das Erwachen Astens den chinesisch-japanischen und den japanisch-russischen Krieg, die türkische und persische Revolution, so der europäisch-amerikanische Imperialismus den sdanisch-ainerikanischen und den Butenlrieg und die fortwährenden Ncdoluüone» in Mittel- und Südamerika. Immer näher rückt das Verhängnis dem europäischen Zentrum dieser Umwälzung. Der englisch- deutsche Gegensatz' bedeutet die chronische Kriegsgefahr, der Marokkostreit und die Baitankrise führten bereits zweimal hart gn den Abgrund des Weltkriegs. So gewinnt denn der Erste Mai erneute und vertiefte Bedeutung. Der Tag der Internationale wird zum Tag der Völker- Verbrüderung. An dem einen Tage hält das Proletariat Heerschau über die geeinte Armee, die es dxn feindlichen Heerhaufen des Kapitalismus entgegensetzt. Dem Imperialismus, dem kriegerischen Ideale des vor sich selbst flüchtenden Kapitalismus, setzt es die friede- bringende Lösung des Sozialismus entgegen; den Hceresfordcrungen des Kapitalismus die Forderung der Abrüstung, der Verwandlung des�stehenden HeereL in freie Volksarmeen, die für die Eroberuugsgelüste des Kapitals unverwendbar sind. Aber das Proletariat weiß, daß es auch dieses Friedenstdeal nur im harten Kampfe durchsetzen kann. Mit der Konzentration des Kapitals wächst auch die Einheitlichkeit der Kapitalistenklasse, wächst ihre Beherrschung der Staatsmaschinerie. In dieser Herrschaft suhlen sie sich gestört durch jene Parlamente, die einst ihre Macht gegen den Staat begründet haben. Je demokratischer das Wahlrecht, desto unverhüllter diese Feindschaft. Selbst in England hat das endliche und langsame Erwachen der Arbeiterklasse die Konservativen, die Träger des Imperialismus, zu einem Angriff gegen die Rechte des Unterhauses getrieben, die die liberale Regierung nur schwach und halb abzuwehren weiß. In Rußland wird selbst die Duma des Staatsstreichs durch absolutisttsche Eingriffe ebenso gedemürigt, wie in Oester- reich das Parlament des gleichen Wahlrechts. Und in Deutschland hat sich die Bureaukratie und die Reaktion hinter der Veychanzung des preußischeil Dreiklassenwahlrechts die Wacht gesichert, mit der sie, so oft sie es für nötig hält, den Willen des gleichen Reichstagswahlrechts zu zer- brechen hofft. So häufen sich die Angriffe gegen die Demokratie, die immer mehr aufhört, eine Forderung der bürgerlichen Klaffen zu sein. Ihre mächtigste Schicht setzt der Demo- kratie immer unberhüllter die Diktatur der Kapitalmagnaten entgegen� Und noch haben sie die Macht. Müssen wir doch gerode jetzt sehen, wie im republikanischen Frankreich die Vertagung der Kammer ausgenützt wird, um das Land in ein fürchterliches Kolonialabenteuer hineinzutreiben, zum Nutzen einer kleinen Clique. So gilt der Erste Mai schließlich, aber nicht zuletzt der Forderung des Proletariats nach völliger politischer Gleichberechtigung. Der Kampf um das gleiche Wahlrecht— das hat vor allem der Wahlrechtskampf in Preußen aufs neue gelehrt— ist ein wesentlicher Bestandteil des proletarischen Klassenkampfes geworden. Und so setzen wir dem Herr- schaftsstreben des kriegerischen Imperialismus an diesem Ersten Mai die Forderung der Volksherrschaft aufs neue entgegen. Und für uns in Deutschland ist dieser Tag zugleich ein Tag der Musterung über die Scharen, die wir bei den bevorstehenden Wahle» den Gegnern entgegensühren ivollen. Un- verschämter als je droht die Reaktion. Rechte, die wir errungen und schon gesichert glaubten, werden aufs neue behauptet, Ausnahmegesetze, die geplant sind, werden verhindert werden müssen. Ob die Sozialpolitik endlich wieder fortgeführt, ob die Wirtschaftspolitik den Jnter- essen der arbeitender! Massen nach Verbilligung der notwendigen Lebensmittel Rechnung tragen soll, darüber müssen die nächsten Wahlen entscheiden. Aber über all' diese Einzelforderungen hinaus richten wir an diesem Tage unsere Blicks auf unser großes Ideal. All' unsere Einzelkämpfe münden ja für uns in den großen End- kämpf»m die Befreiung der arbeitenden Menschheit. Wir wissen, wie gewaltig der Gegensatz ist, der uns von der Welt der Ausbeutung trennt, wie groß die Anstrengung sein wird, ihn zu überwinden. Der neue Glaube des Kapitalismus ist nur häßlicher Aberglaube. Zum Bölkerkrieg um vermehrter Ausbeutung willen ruft der Imperialismus. Zum Neuaufbau der Gesellschaft, zur Befreiung der Arbeit von dem Fluche der Klasienknechtung ruft der Sozialismus. Die Antwort kann nicht Hweifel- Haft sein: Unser die Welt! Sie Maifeier und die Lmerkichskteii. Aus gewerkschaftlichen Hoffnungen, aus gewerkschaft- lichem Streben ist der Gedanke internationaleii Kampfes zur Erringung des Achtstundentages erwachsen. Forschen wir nach den Wurzeln der Achtstundenbewegung, so kommen wir in die Zeiten der internationalen Arbeiterassoziation, die schon um den Achtstundentag gerungen hat, die die Forderung des internationalen Kampfes um die Verkür- zung der Arbeitszeit aufgestellt hat. Und suchen wir weiter, wie man zu dieser Forderung gelangte, lote überhaupt die internationale Arbeiterassoziation entstehen konnte, so sehen wir das Streben der englischen GeWerk- schaften nach dem Kampfe um bessere Arbeitsbedingungen, die Erkenntnis der englischen Gewerkschaften, daß dieser Kampf nicht isoliert, nicht allein auf englischem Boden geführt werden kann, daß er getragen werden muß von dem Willen der ganzen Arbeiterklasse. Das Zusammenfallen der Bestrebun- gen von Karl Marx und Friedrich Engels, die Proletarier aller Länder zu vereinigen, und des Willens der englischen Ar- bester, den Kampf um die Verkürzung der Arbeitszeit durch die Arbeiter aller Länder zu führen, hat auf dem Londoner Boden, wo die Flüchtlinge vor der Reaktion von 1&t9 sich vereinigt hatten, wohin die Londoner Weltausstellung von 1862 französische und deutsche Arbeiter geführt hatte, zur Gründung der internationalen Arbeiterassoziation geführt. Hier sehen wir an einem wichtigen Ausgangspunkte der ge- samten Arbeiterbewegung politische und gewerkschaftliche Be° strebungen zusammenfließen, den wissenschaftlichen Sozialis- mus und die praktische GegenwartSarbeit in den berühmtesten Formen jener Zeit, in dem Sozialismus von Marx, in der Gewerkschaftsbewegung der englischen Preisfechter der Ar- beiterklasse, sich vereinigen zu gemeinsamer Arbeit und ge- schlossenein'Willen. Und wir sehen die Forderung des Acht- stundentages aufgestellt auf den Kongressen der alten Jnter- nationale, aufgestellt gleichzeitig aus amerikanischem Boden vom berühmten Kongreß zu Baltimore, von dem Marx im ersten Band des Kapitals rühmend spricht. Die alte Internationale ging zugrunde. Aber nicht ver- loren war die Arbeit, die sie für die Ausklärung, für die Zielsetzung der Arbeitermassen getan hat. West mehr, als so manche vermuten, hat die alte Internationale nicht bloß auf die Sozialdemokratie im engsten Sinne, sondern auch auf die Gewerkschaftsbewegung im besonderen gewirkt. Wenn es Gemeingut aller Gewerkschaftspolitiker heute ist, und seit Jährzehnten schon war, daß höchste Aufgabe der Ge- werkschastsbewegung das Streben nach der Verkürzung der Arbeitszeit ist, so ist dies un- zweifelhast zurückzuführen auf die Arbeit der alten Jnter- nationale, die auf den Geist der Führer der ersten Gewerk- schaftsbewegung in Deutschland, die durch das Sozialisten- gesetz zum Stillstand gebracht wurde, eingewirkt hat. Soweit wir zurückdenken können, finden wir stets als ersten Grundsali in der Erziehungsarbeit unserer Gewerkschaften, daß die Verkürzung der Arbeitszeit die wichtigste Forderung ist, die die Gewerkschaften durchzusitzen haben. Ausgangspunkt und gleichzeitig Ziel der gewerkschaftlichen Aktion sollte der Kamps um die Verkürzung der Arbeitszeit sein. Immer wieder wurde unfern Arbeitern vorgetragen, daß sich kurze Arbeitszeiten und hohe Löhne bedingen, daß in den Ländern und Industrien mit den langen Arbestszciten auch die niedrig- sten Löhne vorhanden sind. Als ein Zeichen der Rückständig- keit der Arbeiter wurde es oft hillgestellt, wenn sie in den Vordergrund ihrer Wünsche die Erhöhung des Lohnes und nicht die Verkürzung der Arbeitszeit stellen. Die Verkürzung der Arbeitszeit wurde den Proletariern empfohlen als dauernder, den Arbeitern schwer cntreißbarer. sicherer Ge- winn, auf den die Erhöhung der Löhne, die bcffere Lebens- haltuilg. das gesteigerte Ansehen der Arbeiter, ihre höhere soziale Geltung. Bildungsmöglichkeit und Lebensfreude. Fa- mllienleben und Hoffnungsfreudigkeit automatisch folgen. Der so notwendige Kampf um die Erhöhung der Löhne wurde nlöglichst oft in Zusammenhang gebracht mit dem Streben, die Arbeitszeit zi» verkürzen. Reine Lohnerhöhungen wurden den Arbeitern oft entrissen durch schwer zu kontrol- lierende Aenderungen der Entlohnungsmethoden, durch Be- rechnnngen, die die Arbeiter nicht kontrollieren konnten, so daß ihnen bald der Loh« ihrer Anstrengungen und ihrer Opfer entzogen wurde. Alle diese Gedanken und Erwägungen finden wir schon in der ersten Periode der deutschen Gewerkschaftsbewegung von 1568 bis 1878, die zwar an äußeren Erfolgen arm>var, die aber doch eine Anzahl von Männern erzogen und geschult hat, um rn kommenden Zeiten die Arbeiter gewerkschaftlich zusammenzufassen und in den Kampf gegen das Unternehmer- tum zu sichren. Die Jahre des Sozialistengesetzes lasteten mit bleierner Schwere auf unseren Gewerkschaften, die Luft und Licht, die freier Bewegung und Oefsiullichkeit, die ge- sicherter Grundlage der Entfaltung, der Anerkennung ihrer Aktionen bedürfen. Wohl erweckten die Väter des VozialistengesetzeS kurze Zeit die Hoffnung, doß nur„die ge m ei ii gefährlichen Bestrebungen der So- z i a l d e ni o k r a t i e" getroffen werden sollen, daß die Wirt- schaftliche Bewegung der Arbeiter dem Ausiiahmegejetze nicht unterworfen sein soll. Aber es war dies eine der vielen Täuschililge», mit denen man den Widerstand gegen die Ver- hängung der drakonischen Bestimmungen des Gesetzes zum Schweigen bringen wollte. Als das Gesetz in der zweiten Oktoberhälfte 1578 in Kraft getreten lvar, wurden mit einem Schlage fast alle gelverkschasttichen Organisationen der Ar- bester vernichtet: die wenigen, die übrig blieben, mußten sich vor jeder gewerkschaftlichen Aktion, vor jedem Bemerkbar- machen i» der Oeffentlichkeit auf das sorgsamste hüten, weil sie sonst die Schivere des Gesetzes zu fühlen gehabt hätten, weil die Vernichtung ihr Schicksal gewesen wäre. Wohl ließ sich der Olganisatioilstrieb der Arbeiter nicht vernichten, auch das Zuckerbrot des Arbeiterversicheruiigsgesetzes erzielte nicht, was die Peitsche der Ausnahmegesetze vergeblich durchsetzen wollte. Bald nierkte man— vor alsini in Berlin— das Streben, die Arbeiter nach Berufen in Fachvereinen zu ver- einigen, jede Möglichkeit der Organisierung wurde ergriffen: oft lvaren es tastende Versuche, hier und da merkte inan auch reifliche kluge Ueberlegung, manchmal waren es ganz raffinierte Experimeilte, aber nicht selten auch Versuche, die mit Mißtrauen aufgenommen werden mußten. Die Unsicherheit, unter der alle diese Bestrebungen litten, ließen sie niemals zu vollem Gedeihen gelangen, so lange das Sozialistengesetz be- stand. Immer wieder wurden Organisationen ausgelöst, da- neben gab es zahlreiche Prozesse, die die Wirksamkeit für gewerkschaftliche Vereinigungen recht opferreich gestalteten... Aber es war in den anderen Ländern wahrlich nicht bester als in Deutschland. Nachdem die alte Internationale ihre Wirksamkeit in Europa fast vollständig eingestellt hatte, nach- dem sie in Amerika auch bald aufgehört hatte zu existieren, war eine Zeit des Stillstandes, der inneren Streitigkeiten und auch bösartiger Verfolgungen der Arbeiterbewegung einge- treten. Im Osten und Norden Europas waren nicht viel mehr als Keime einer selbständigen Arbeiterbewegung vorhanden, in England war die Gewerkschaftsbewegung in der Gefahr höchster Einseitigkeit und Verknöcherung, in Frankreich litt die nach den Verfolgungen der 1870er Jahre wieder er- wachende Arbeiterbewegung unter zahlreichen inneren Kon- slikten. Ebenso war es im Süden Europas: in Oesterreich zer- fleischte der Kampf zwischen anarchistisch beeinflußten„Ra- dikalen" und den aus dem Boden der deutschen Sozialdemo- kratie stehenden„Gemäßigten" die Arbeiterbewegung, die dann eine unerhörte Handhabung des Ausnahmezustandes fast vollständig ertöten wollte. Was in den kleinen Staaten sich unter den Arbeitern rührte, ließ auch keine Hoffnung er- wachen. Erst die Unerschütterlichkeit der beut- scheu Sozialdemokratie, die in den Wahlen von 1881 zum überraschenden Ausdruck kam, ließ neue Zuversicht gedeihen. Ueberall begann es sich dann zu rühren, neue Hoffnungen erwuchsen, langsam wurde das Proletariat wieder zuversichtlicher, aber schwere wirtschaftliche Krisen ließen die Entfaltung zwar der politischen Beivcgung, nicht aber der gewerkschaftlichen zu.... Da gaöen der internationale Arbeite rkon- greßzu Paris und der von Zürich neuen Allstoß für die Belebung der Arbesterbewegung im allgemeinen, für die der Gewerkschaften im besonderen. Forderungen wurden da ans- gestellt, die in den Rahmen der gewerkschaftlichen Agitation und Aktion gehörten, weit mehr noch als in den der politischen Wirksamkeit der Arbeiterklasse. Wohl betont noch der Kongreß von 1889 ausschließlich die Notwendigkeit der Durchsetzung der Arbeiterschutzforderungen mit den Mitteln.des politischen Kampfes. Aber er sagt doch auch, daß es die Pflicht der Ar- oeiter sei, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zu kämpfen, nicht nur durch internationale Manifestationen, nicht nur durch die Wirkung auf die öffentlichen Gewalten. Der berühmte Beschluß von 1889 bezieht sich auch auf den amerikanischen Arbeiterbund, auf die gewerkschaftlichen Or- ganisationen der amerikanischen Arbeiter. Wir sehen inS- besondere in Oesterreich von dieser Maifeier aus die gewerk- schaftlichen Organisationen, die bis dahin betrüblich schwache lokale Fachvereine waren, zu Zentralverbänden gedeihen und den Grund legen zu der heutigen bedeutenden Entfaltung der Gewerkschaften. Das Selbstbewußtsein der Arbeiterklasse Oesterreichs hat seine Wurzel in der großartigen De- monstration und in der gewaltigen Arbeitsnihe, die am 1. Mai 1890 die Arbeiter Oesterreichs nicht niinder in Er- staunen setzte wie die Regierung, die die militärischen Massen aufgeboten hatte, wie die Unternehmer, die durch diese Ein- Helligkeit des Arbeiterwillens überrascht wurden. Freilich in Deutschland merkte man von dieser Wirkung der Beschlüsse des Internationalen Arbeiterkongresies zu Paris recht wenig. Der alle Erwartungen übersteigende, der Deutschland erschütternde, das Bismarcksche Cisttein zu Fall bringende Wahlsieg vom Frühjahr 1890 konnte durch eine Maifeier, und wäre sie auch die glänzcndste gc- wesen, nicht in den Schatten gestellt tpei den. Hier liegt ein bedeutender Erklärungsgrund der für iucle so durchaus unverständlichen Verschiedenheit der(mschavung der Maifeier bei den Gewerkschaften Teutschlands und Oesterreichs. Falsch wäre es, wollte man die Bedeutung der Acht- stundentagbeschlüsse der Internationalen Kongresse für Deutschland unterschätzen. Was mit Recht den Vertretern der deutschen Gewerkschaften nach Aufhebung des Sozialisten- gesetzes so notwendig erschien, die Anerkemiung der Gleich- Berechtigung politischer und gewerkschaftlicher Arbeiterbewegung, da5 wurde in einer viel zu wenig damals und heute gewürdigten Weise durch die Beschlüsse des Jnternatio- nale n Arbeiterkongresses in Zürich im August 1893 in gründlichster Weise festgelegt. All die Forderungen für die Verkürzung der Arbeitszeit, all die Gründe, die für sie anzuführen sind, wurden besser und klarer in Zürich zum Ausdruck gebracht, als vier Jahre vorher in Paris. Aber es wurde auch betont, daß das Mittel zur internationalen Durchführung des Achtstundentages die gewerkschaft- liche niid politische Organisation der Ar- beiterklasse auf nationaler und internationaler Grund- läge und die Agitation und Propaganda für den Achtstuildeii- tag durch diese Organisation sei. Wir sehen in der Zeit nach 1903 ein Aussteigen der Ge- werkschastsbewegung in Teutschland, das alle Erwartungen übertraf und allen Pessimismus, der sich aus die unerfreu- lichen Ergebnisse der gewerkschaftlichen Propaganda der früheren Jahrzehnte stützte, völlig Lügen strafte. Und wir sehen, daß die Gewerkschaften nicht nur Mitglsider gewannen, nicht nur ihre Organisationen ausbauten, nicht nur zu gttvalti- gen Geldlohnsteigerungen den Arbeitern verhalfen, sondern ihnen auch das Streben nach einer Verkürzung der Arbeitszeit, das Verständnis für diese bedeutsamste gewerkschaftliche Forderung ständig wachhielten. Im Gegensatz zu mancher anderen Anschauung sind sel)r zahlreiche Freunde und Feinde unserer Bewegung überzeugt, daß dieses energische Streben nach der Verringerung der Arbeitszeit, diese höhere Wertung der Ver- kürzung der Arbeitszeit, die selbst mehr geschützt wurde als die so klar wirkende Lohnerhöhung, nicht zuletzt zurückzuführen ist auf die ununterbrochene Aufklärung der Arbeiter, auf die ständige Steigerung der Begeisterung der Arbeiter für die Verkürzung der Arbeitszeit durch die Maifeier. Die systema- tische, alljährlich wiederkehrende, die Arbeiter an- und auf- regende Agitation für die Maifeier hat in Millioneil Arbeitern das Interesse an der Verkürzung der Arbeitszeit festgelegt. Kann man auch die Wirkungen der Maifeier für die Gewerk- schaften. für die geistige Befruchtung, für die systematische Vorbereitung der gewerkschaftlichen Kämpfe nicht messen und nicht wägen, so kann man doch wohl behaupten, daß die Mai- feier und alle Arbeit, die auf sie gewandt wurde, reichlich gc- lohnt wurde in mächtigen gewerkschaftlichen Erfolgen. Diese gewerkschaftlichen Erfolge wurden erleichtert und gesteigert durch die Versenkung der Ideen der Maifeier in Millionen Köpfen und Herzen der Welt. Tie Opferfrcudigkeit der Arbeiter in den Gewerkschaften. ihre Bercltwllllgkelt. v,ele Wochen, ja Monate hindurch Entbehr, ingen aus sich zu nehmen, um sich eine Verkürzung der Arbeitszeit zu sicher», der Idealismus der Arbeiter der in den gewerkschaftlichen Kämpfen zum Ausdruck gelangt, hat, wie wir alle wlssin. zahlreiche Wurzeln. Eine kräftige und den Masten des Proletanats immer wieder neue Kraft zu- führende Wurzel der Begeisterung und Opfer- frendigkeit der Arbeiter ist die Maifeier gelvesen und wird sie bleiben. Mit gewaltigen Massen fremder«rbeiter rechnet beute iede Volkswirtschaft. Immer neue Meiffchen- massen ziehen von emem Wirtschaftsgebiet in das andere: die Unternehmer sind bemüht, anspruchslose, willsähriae. beschei- d-ne«rbmter heranzuziehen, sie auszubeuten, sie an die Stelle zu setzen der bisherigen, der einheimischen Arbeiter. In dem Kampfe gegen die Arbeiterorganisation ist eine der letzten �.. �'sternehmertlims, den aufgeklärten, klaisin- bewlißten Proletariern den NationSgcnoffen zu ersetzen durch den noch nickt aufgeklärten, bedürfnislosen, auf niedriger Kulturstufe verharrenden fremden Arbeiter. Diesem Streben der Unternehmer wirkt entgegen der internationale Gedanke. der das Proletariat erfüllt, das internationale Streben nach Hebung der Arbeiterklasse, der international geführte Klaffen- kainpt. Die für die Proletarier aller Nationen gemeinsam auf- gestellten und von allen ins Auge gefaßten Forderungen, die zum Ausdruck gelangen in der Maifeier. ., So bleibt die Maiseier für alle Arbeiter, ffsi d,e gewerk- Ichamicycn nicht zuletzt, eine Notwendigkeit von höchster Be- deutung. cm imincr neuer Ansporn, eine immer neue Kräf- tigung der Arbeiter. Stets schöpfen wir aus ihr neue Be- gclstcrung, die für die Kämpfe unentbehrlich ist, und die immer wieder von neuem aus den Arbeitern für die Arbeiter geschöpft werden muß. Diese Begeisterung ist ebensosehr not- wendig für die Kämpfe des margigen TagcS, wie für die cnt- scheidenden Kämpfe, die das Proletariat zu führen hat. um die Herrschaft zu erringen über die Wirtschast der Welt, damit die Arbeiter zu Schöpfern einer neuen Gesellschaft werden köimen. Der erste Mai und die internationasi Arbeiterbewegung gehören zusammen!- Ter ersw Mai und die Gewerkschaftsbewegung vermögen nicht getrennt zu werden! > Adolf Braun. Den ücrrfchcndcn! Ihr, die Ihr rückwärts rolltet gern mit starker Faust das Rad der Zeit, Ob Ihr im Purpurmantel prangt, im Ritter- oder Priefierkleid:\ Kört Ihr den Weckruf hell durchs Land? Wir sind erwacht aus Traum und Trug! Mit unsrer Langmut ist's vorbei. Bereitet Euch! Die Stunde schlug. Wir stellen uns in Reih' und Glied, ein ebenbürtiges Geschlecht! Was Eure Willkür uns entzog, wir Heischens als ein uralt Recht. Raum in der Welt, die weit sich dehnt, und Freiheit auch dem Proletar! Ja, die Freiheit auch dem ärmsten Knecht, der Spielball Eurer Laune war! Die Losung klingt, die Trommel schallt, die Fahne rauscht im frischen Wind; Wenn ein Gefühl die Truppe eint, hebt sich der Fuß im Takt geschwind. Wenn ein Gedanke sie beseelt, wie regt beflügelt sich der Geist! Schon winkt der Sieg, schon lockt das Ziel, das rüstig uns marschieren heißt. Doch schwand auch die Geduld uns jäh, und wuchs mit Druck und Drang der Mut: Wir gieren nicht nach Eurem Gold, wir lechzen nicht nach Eurem Blut. Nicht um Zerstörung fremden Glücks, um Tand und Tod nicht geht der Streit; Der Proletar mit Kim und Kerz kämpft nur für Licht und Menschlichkeit! And wie im Lenzhauch schmilzt der Schnee, des Eises Scholle berstend kracht, Auf Feldern sprießt die grüne Saat und Blum' an Blume freudig lacht: So blüht durch unfern Sieg empor, statt gift'gen Unkrauts, stolz und frei Aus Eurer welkenden Kultur ein neuer, schön'rer Völkermai., Drum ist der Mai uns ein Symbol, das frührotfarben vor uns schwebt! Das unser flattemdes Panier mit blankem Sonnengold umwebt! Drum feiern wir, des Frühlings froh und froh der Pracht in Flur und Kag, Verbrüdert jedes neue Jahr den ersten jungen Maientag! Seid auf der Kut! Die Stunde naht und die Entscheidung ist nicht fem, Da purpurn aus der Ame flammt im Maienglanz der Zukunft Stern. Schon deuten Zeichen rings ihn an! Rasch reift die Saat, die Sense schwirrt; Es kommt der Tag, die Stunde naht, da Euch sein Schimmer blenden wird! Mit unsrer Langmut ist's vorbei. Millionenstimmig gebt es kund! Aus Klltte, Werkstatt und Fabrik strömt heut herbei und schließt den Bund! Dm heil'gen Bund, der Euch die Kraft, die lang verhalt'ne, stärkt und stählt, Daß Ihr zum Ziel den rechten Weg, zum Sieg die reinste Waffe wählt! der Mal der fugend. *" In der Ryifeicr kommt das Kraftgefühl des jugendstarken Proletariats zum Ausdruck. Die unerfreuliche Tatsache, daß in manchem Worte, das in den letzten Jahren über die Maifeier gesprochen worden ist, von diesem Krastbetvuhtsein wenig zu spüren war, widerstreitet der Ursprung- lichcn und natürlichen Bedeutung des Moisestes nicht. Das sind Erscheinungen, wie sie auch dem einzelnen Menschen gerade in der Zeit des stolzesten Kraftzuwachses eigen sind. Der Jüngling, der sich seine Ideale himmelhoch stellt und die muskelstarken Arme gegen eine Welt von Feinden und Widerständen reckt, erliegt oft kleinmütigen Stimmungen, in denen er seiner jugendlichen Kraft nichts zutraut und der Größe seines Wiollens verzagt gegenübersteht. Aber das sind nur Regenschauer und schwarze Wolken im Mai. Sie dienen zur Selbstbesinnung und Erfrischung, und über ein Weilchen strahlt die Sonne wärmender und sieghafter als zuvor. Darum werden die Kämpfe um die Maifeier ihr auch nicht schaden. Hat auch manche voreilige Hoffnung diesen Stürmen und Angriffen nicht standgehalten, so wird sich doch die Maifeier selbst in ihrem wertvollen Kerne durchsetzen. Eine der sichersten Bürg- schaftcn für die Erhaltung, Festigung und Erweiterung der Mai- scicr bietet die freie Jugendbewegung. Was die Arbeiterbewegung im ganzen für die ollgemeine Kulturentwickelung bedeutet, das bedeutet die Jugendbewegung für das Proletariat. In ihr kommt die HoftnungSfreude der Ar- beiterklaffe, die sichere Zuversicht auf den Sieg, die Stärke ihres Wollens, aber auch die Rücksichtslosigkeit der widerstrebenden Mächte «m unmittelbarsten zum Ausdruck. Für die Jugendbewegung hat idaher auch die anfeuernde Symbolik der Maifeier doppelte Bedeu- tung. Enger und inniger noch als bei der Arbeiterbewegung im allgemeinen sind die inneren Beziehungen der Gefühlswelt der Ar- beiterjugend zum Gefühlsinhalt der Maifeier. Das Pathetische de» Maigedankens, sein natürlicher poetischer Zauber, der bcgei- stcrnde Schwung der Maifeier, die kühne Ideologie einer weit- umspannenden, unwiderstehlichen Solidarität, die trotzige Aufleh- nung gegen Ueberlieferung und Autorität— das alles hat die Maiseier dem Proletariat lieb und teuer gemacht: aber es findet doppelt freudigen Widerhall in den Herzen der begeisterungssrohen Jugend. Ihr ist das Pathos ein echtes und berechtigtes Bedürfnis. sie liebt unbedingter als da» Alter die erhebende Kraft und Bc- geisterung der Poesie, sie richtet den leiuhtenden Blick sehnsüchtig in die Unendlichkeit der Zukunft, und kampflustig und ungeduldig kehrt sie ihre sprossende Kraft gegen die tausend Widerstände und Hcmnmissc der schwerfälligen Gegenwart. Je fester und sicherer daher der Schritt der freien Jugendbewegung wird, und je mehr jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen sie um ihre flatternden Standarten sammelt, um so tiefer und fester graben sich die Wurzeln der Maifeier in den Mutterboden des Volkes ein. Aber nicht nur die gleiche Stimmung der Gefühle verkettet die Maifeier mit der nlodcrnen Jugendbewegung. Auch die Gedanken und die besonderen Forderungen, die am Maitage vom kämpfenden Prolctariate aller Länder ausgesprochen und aufgestellt werden, finden bei der jungen Garde der Arbeiterklasse klares Verständnis und freudige Zustimmung. Wer unmittelbar ans dem Dunkel in strahlendes Sonnenlicht tritt, empfindet den Gegensatz zwischen dem Licht und der Finsternis doppelt stark. Dorum wirkt auch auf den jungen Proletartcr. der zum ersten Male im klaren Licht des Sozialisnrus den Weg der Menschheit vor sich ficht, um so auf- rüttelnder die Not. durch die er bisher geschritten ist. und deren Bedeutung ihm in der Dunkelheit seines unentwickelten Verständ- pisse» noch nicht genügend zum Bewußtsein kam. Er erkennt jetzt, daß das grausige Elend, daS er bisher für ein unabwendbares Geschick, wohl gar für eine gottliche Einrich- tung gehalten bat, nichts anderes ist als ein gesellschaftliches Uebel, da« d'.e Gesellschaft beseitigen kann, wenn sie will, und da» sie sofort, unmittelbar, vom morgigen Tage an lindern kann, wenn ibr die Gier noch dem Profit nicht über alle» Ritleid und über alle Menschlichkeit ginge. Der junge Proletarier erfaßt darum auch sofort mit dem richtigen Klassengcfühl die Bedeutung des Arbciterschutzcs. Er steht ei», daß seine Jugend weniger freudlos und mühselig gewesen wäre, wenn der Achtstundentag, die schlichteste und volkstümlichste der Maifordcrungen, verwirklicht wäre. Dann hätte er feinen Pater nicht nur Sonntag« gesehen, dann hätte er in ihm einen Erzieher und Freund gehabt, dann hätte der Vater auch nicht so oft mißvergnügt als Arbeitsloser zum Nachweis lausen müssen. Sein Vater wäre auch nicht so ost krank gewesen und würde nicht in seinen besten Iahren dahinsiechen wie jetzt, da ih» 10- und 12= stnnd'ge Arbeitszeit in schmutzigen stauberfüllten Räumen, unzu- reichende und ungenügendes und unregelmäßiges Essen lange vor der Zeit geknickt haben. Sic würden mit ihrer zahlreichen Familie auch eine bessere Wohnung, mehr an der Stadtgrenze, mehr im jFreien, und geräumiger als das jetzige ärmliche Loch bewohnen. Ter jugendliche Arbeiter erkennt auch schnell und sicher die ihobe Bedeutung der sonstigen Arbeiterschutzsorderungen der Mai- demonstration. Wenn die Kinderarbeit wirtlich verboten wäre, so dätte er viele bittere Ovalen in seinem jungen Leven nicht durch- kosten brauche». Wie schwer wurde es ihm alS Ivjährigem, schmal- wangigem Knaben, wenn er mitten im Muter noch in dunkler Nacht von seinem harten Lager aufgestört wurde und im slatteruden Röckchen bei knarrendem Froste von Tür zu Tür lausen mußte! Sie ost hat er die glücklichen Sinder deS Reichtum» beneidet, wenn je j» schattigen Kars, tzie Ssie&er im fröhlichen Tpic! dehnen kenn- ten, während er einen schweren Wagen über die staubige, sonnen� durchglühte Straße schleppen mußte! Und wenn die Mutier nicht hätte arbeiten müssen! Wenn sie ihrem Hause der belebende Mittelpunkt gewesen wäre, statt bei Tqg und oft genug bei Nacht in die Fabrik zu laufen oder auf den Straßen armseligen Bettel auszubieten! Die herrschende Gesellschaft gibt sich alle Mühe, dem kämpfen- den Proletariat seinen jugendfrischen'Nachwuchs wegzutapern. Mit Zuckerbrot und Peitsche, den alten Mittlen unfähiger Reaktionäre, sucht mau die jugendlichen Proletarier und Proletqrierinnen in die Hürden des Klassenstaates zu locken oder zu jagen. Man verspricht ihnen Flittergold und bunten Tand, wenn sie freiwillig kommen. Wenn aber die jungen Arbeiter und Arbchtermädchen diesen Lockungen nicht folgen, sondern den bürgerlichen Vogelstellern eine Nase drehen, so jagt man ein Heer bärbeißiger Schutzleute hinter sie her. Aber das junge Volk ist leichtfüßiger als seine Verfolger und lacht sie obendrein aus. Es gibt ein einfaches Mittel, die Arbeiterjugend zu gewinnen: man gebe ihr ihre Jugend! Man schasse gesellschaftliche Zustände, in denen den Arbeiterkindern, so gut wie heute dcu Kindern der Reichen, die Sonne des Glücks strahlt, in den«! sie gesund an Leib und Seele geboren werden und aufwachsen und gedeihen können. Das kann man freilich nicht schaffen, solange man die Grundlage der heutigen Gesellschaftsordnung nicht anzutasten wagt, solange die kapitalistische Lohnknechtschaft mit ihrem reaktionären politischen lleberbau besteht. Solange aber wird eL auch nicht gelingen, die jugendliche Ar- beiterschast von ihrem geraden freien Wege abzubringen, den sie sich in den letzten Jahren mit vieler Mühe, unter ehxltchen Kämpfen und Opfern erobert hat. Und weil am Tage des 1. Mai der Gegensatz zwischen dem harten, unfreien, jugendfeinlichen Jetzt des kapitalistischen Klassen staates und der befreienden Weite der sozialistischen Zukunft be- sonders scharf und ausrüttelnd in die Augen springt, darum hängt die vorwärtsdrängende Jugend der Arbeiterklasse mit besotziderer Zuneigung an der Maifeier. Es gibt noch einen Grund, der die Gewähr bietet, daß die Maifeier an der freien Jugendbewegung einen zuverlässigen£Üuck- halt hat. Heber 20 Jahre feiert das Proletariat bereits dos Mai- fest der Arbeit. Unter den Hunderttausend, die bereits in Reih und Glied der modernen Jugendbewegung niarschieren, gibt es Täutzrndc und aber Tausende, die schon in ihrem ersten Lebensjahre, auf Mutters oder Vaters Arm, die Maiseier miterlebt haben, und die seitdem Jahr für Jahr am 1. Mai auf den gestplätzen oder bei den Ausflügen dabei waren. Für sie ist die Maifeier ein so selbst verständliches, mit ihrem ganzen Fühlen und Denken festverwachscnes Fest wie nur irgend ein kirchliches Fest für ein bürgerliches Kind. Sie würden es daher nicht verstehen, wenn die Maifeier auf- gehoben oder auch nur eingeschränkt würde; für sie kann es nur ein Vorwärts, ein Ausgestalten, ein Vertiefen der Maifeier geben Darin liegt aber auch eine Mahnung, ein Antrieb für die älteren Parteigenossen. Ist die Maifeier bereits zu einem Erbe geworden, so liaben wir auch die Verpflichtung, dieses Erbe gut zu verwalten, auf daß wir es vermehrt und verbessert unseren Kindern und Kindeskindern hinterlassen können. ' Und wir tun es gern! Auch uns Aclteren, die wir die Mai- frier seit 20 Jahren Jahr für Jahr mit Begeisterung und Liebe gehegt und gepflegt haben, wir sind unlöslich mit ihr verwachsen. Sic ist uns ein Jungbrunnen geworden, au« dem wir alljährlich neue Kraft und neue Kampfeslust schöpfen, den wir aber auch gerade deshalb hüten und schützen wollen vor der inneren Wer- slachung und vor der Verschüttung und Verunreinigung durch äußere Feinde. Wenn uns hierbei jetzt schon die herangewachsenen Söhne und Töchter an die Teste treten, wenn sie ihre junge Kraft mit unter die schwere, aber kostbare Last der Maidemonstration stemmen, so wollen wir diesen jugendlichen Mststreitern freudig die Hände reichen. Wer die Jugend hat, der hat die Zukunstl Wir haben die Jugend! Und mehr noch al» sonst freuen wir uns dessen am ersten Mar!___ Heinrich Schulz. Der I. lüal und die grauen. Hochklopfenden Herzens, mit glühenden Wangen und strahlenden Augen strömen die Proletarierinnen zum Maifcst der Arbeit. In heller Begeisterung und in fester Solidarität ,nit chreu niännlichen Klasscngcnosscn erneuern sie den Kampsesschwur gegen Kapitalismus und Militarismus und grüßen jauchzend den frciheit- und friedenbringeuden So- zialisnnik. Sie alle tragen die Wuudcnmale kapitalistisch ausgeben- tcter Arbeit: Sie kommen au- den lärmersüllteu Sälen, au- den mit Staub und giftigen Gasen geschwängerten Arbeits- räumen der Fabriken: sie sind auf einen Tag den: tödlichen Einerlei und der ewig rasselnden Aähmajchme der Hausindustrie entronnen: Lohnstlaven des Handelsgewerbes in Kontor und Laden haben einen Tag ihrer endgültigen Bc- freiung vonoeggenommen. Selbst die Landproletaricrinncn, die sonst nur gewohnt sind, mit gebeugtem Rücken bei Sonnen- brand und Rcgionschaueru in Demut und Unterwürfiakeic dem Grundherrn zu srondc», sie beginnen ziikuustssroh jlnen Blick auf die größer und größer tverdeudeu ArbdterbataiJioile zu richten, in dem instinktiven Gefühl oder der klaren Erkennt- nis: Nur von bier kam» wä Erlösung louumni Mit Sorgen und Arbeit überlastete HcmSmütty entfliehen am Mgifest der ewigen Tretmühle des häuslichen Aschenputteltums und stellen sich bewußt und freudig in die Reihen der internationalen Klassenkäinpfcr. Und die Proletarienimen der Kopfarbeit schließen den Ring der weiblichen Habenichtse, deren: lebendiges Menschentum dagegen rebelliert, dein toten Besitz: geopfert zu werden. Tie kapitalistisch ausgebeutete Arbeit, zu der die mannrg- fache Not des Lebens die Frauen trieb, führte sie aus der Enge des Hauses, weitete ihren Gesichtskreis, wandelte ihre Anschauungen, so daß der Weckruf des konmumistrschen Moni* festes:„Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!" freudig.-l» Widerhall auch bei ihnen fand.-< Dieser Ruf wand zum zwingenden Pslichtgebot durch drei Botschaft und die eigene Erkeimtms, daß die Befreiung derr Arbeit aus den Fesssln der Lohnsklaverei nur das Werk der Arbeiterklasse sein faam. Ter Kampf dex Freiheit aber ist ein harter Kamps. Er erfordert Begeisterung. Energie, Ausdauer und Opferwillig- keif. Bis aufs Blut ausgebeutete, körperlich und geistig zer- miirbte, stumpf und apathisch gewordene Menschen sind unfähig, ihn zu einem siegreichen Ende zu führen: dazu bedarf es vielmehr gesunder, kräftiger, willensstarter und ziel klarer Kämpfer. Her uut dem Achtstundentag! Her mit einem wirksamen Arbeiter- und Arbeiteruinenschutz, der der kapitalistischen Aus» beutung eine feste, unplerrückbare Schranke setzt, der uns vor körperlichein Siechtum und intellektneller Verödung schützt! Das ward deshalb die Mailosung der freihcitdnrstenden. der nach Freude lind Schönheit hungernden Proletanermassen. Weit noch entfernt sind wir von der Erfüllung dieser Forderungen. Millionen zarter Kinder wird die Jugend, der Froh- sinn, die Entwickelungsmöglichkeit geraubt durch die Ein- spannung in die Enverbsarbcit: jungen Mädchen zerbricht kapitalistische Bersklavamg den Frühling ihres Lebens. Frauen brechen zusammen unter dem Toppeljoch der Haus- und Erwerbsarbeis: kapitalistische Profitgier mordet das Kind ipt Mntteilcchc, reißt es von der Mutterbrust oder der- wgndelk diese aup ein'gm Kraft und Leben spendenden Nahrungt-auell in eiücn tödlichen Giftborn. Trotz alledem drohten kürzlich Vertreter der Regierung, die ganze Rttz»chshcrsichcrluigsordnuiig scheitern zu lassen, wenn die von den Sozialdemokraten beantragte Mutter- und Säuglingsfürso�ae die Zustimmung der Ncichstagsmehrheit finden würde,-�lugs hupfte daraufhin die bürgerliche Koalition zurück. �Statt die so notwendige Mutter- und Säugliiigsfürsorge zu Mfw», meuchelten sie das Selbsiper- waltungsrecht der Versierten und erdrosselten damit auch noch die geringe sakgltatt� Flck'iorgeinögliälreit der Kranken» kasscn für die Mütter des Akolks. Weite Schichten weibliche?.Lohnsklapen sind noch jeglichen gesetzlichen Schutzes und jeder sozialen Fürsorge bar. Bei der Entscheidung über die Ausgestaltu«! deS Arbeiter innen-, des Kinderschuhes, der Sozialversicheruqfl aber dürfen die Frauen nicht mitreden, weil zu ihrer wirtsäM tlichinf Knechttmg sich noch die politische Rechtlosigkeit gesellt: Tiie Rechte einer Staatsbürgerin werden dein Weibe vorelitivüteii, dagegen die Pflichten einer solchen ihm auferlegt. Do.bei belehrt der uuerträgliche Druck deö Zoll- und SteuerwucR�rs, die Kon- sequenz ocr wahnsinnigen Rüstungen zu Wasser und zu Lande. die Proletarierinnen täglich aufs neue, daß die(I�'fräßigkcit des Militarismus nicht geringer ist als die Ausbeulv'vgÄvut seines Zwilliiigsbruders Kapitalismus. Sie erkennt kti�r und klarer, daß ihr Kamps beiden gelten muß, denn beide KV'Clt am Mark ihrer Knochen, beide verringern ihre Widersland,.'- kraft und ihre Kampfcssähiglcit gegen die Herrschaft deS, Kapitals. Um diese ausrecht zu erhalte», bedieueit die Herrschenden sich zudem deS Militärs als des vornehmsten Uuterdriickungsmittcls gegen die meuternden Habenichtse. Kein Wunder deshalb, daß Regierungen und herrschende Prolctarieijin sind alle diese Tatsachen: der Stillstand der Klassen von einer Einschränkung der daS Volk erdrückenden Rüstungen nichts wissen wollen, ivciuiglcich die Kriegsgefahr dadurch zu einer permanenten wird. Für die klassenbewußte Sozialreform, das heiße Bemühen der verbündeten Re- aktionäre. da� SclbstvcrwaltungSrecht den Arbeitern zu rauben, Ausnahmegesetze gegen sie durchzusetzen, das unaus- gesetzte Anziehen der Zoll- und Steuerschraube, die forcierten Rüstungen und anderes mehr: Flammenzeiche», die ein Vec» idwrfcn und Zuwitzen der Klassenkänipse künden. Flammen» zeichen, die das Proletariat gemahnen, alle Kräfte zusammen» znsaflen und das Bond internationaler Solidarität fester zu knüpfen: Floinmenzeicheu, die vor allem die Frauen aufrufen. ihren ganzen Fonds aufrüttelnder und werbender Kraft in den Dienst des Sozialismus zu stellen. So wird das Maifest zu einem Kampfesruf und einer Friedensbotschaft. Zu einem Kampfcsruf, der alle Mühseligen' und Belodencn um die Fahne des Klassenkampfes sckart. Zu einer FriedeiisbotsSialt, weil allein die wachsende Zahl ziel- klarer Klassenkämpfer die Bürgschaft ist sür die Verwirk- lirtnmo des Sozialismus, der zu den sonnige» Höhen freien Menschentums und der Völkerverbrüderung führt. „ Dw Frauen hören den Ruf. größer und größer wird di- .Zahl, die»hm folgen: Sotmcusehnsucht und Siegeszuversicht im Herzen! Kovise Zietz. GewerfefcbaftUches. Gcwet'krcbaftshampf und poftgcbcnnnie. Der Kampf im Hamburger Holzgewerbe treibt sonderbare Blüten. Nicht nur Polizei und Streikbrechervermittler suchen die Streikenden unterzukriegeu, selbst das Postgeheimnis wird nicht mehr geivahrt. Dafür folgendes fast unglaublich klingende Vorkommnis: Am Freitag, den 23. April, war-ein Streikbrechertransport von Berlin avisiert. Die Streikleitung unterrichtete hiervon telegraphisch einen Genossen in Berge- d o r f mit dem Ersuchen, im Zuge Verbindung zu suchen. Das Telegramm wurde durch den Bahntelegraphen übermittelt. Vor Ankunft des Zuges befanden sich drei Streikende im Bahnhofsgebäude und hörten, wie der Stationsvorsteher einem anwesenden Polizeibeamten mitteilte, daß an den in Frage kommenden Genossen ein Telegramni von der Ham- burger Streikleitung gerichtet sei. Er las ihm auch dessen Wortlaut vor. Die Streikenden fuhren nun mit ihren Rädern zu den ihnen bekannten Genossen und erkundigten sich, ob das in Frage kommende Telegramm, dessen genauen In- halt man schon in der Lage war mitzuteilen, eingegangen war, was verneint werden mußte. Erst einige Zeit später wurde dann die Depesche über- mittelt, worauf die vier Personen sich gemeinschaftlich zum Bahnhof begaben und den Stationsvorsteher zur Rede stellten. Er bestritt denn auch gar nicht, daß er dem Polizisten von dem ihm in seiner Eigen- schaft als Beamter bekant gewordenen Tele- gramm Kenntnis gegeben hatte, und fügte dem an. daß, wenn im Zuge Arbeitswillige gewesen seien, würde er den Genossen ohne weiteres gehindert haben, den Perron zu betreten, selbst wenn er im Besitz einer gültigen Fahrkarte gewesen sei. Die nötigen Schritte gegen den pflichtvergessenen Beamten sind sofort eingeleitet worden. Ocurkcbes Reich. Achtung, Mitglieder des Metallarveiterderbandes! Nach unS gewordenen Mitteilungen haben wir in diesem Jahre eine größere Anzahl von Aussperrungen aus Anlaß der Maifeier zu erwarten. Wir ersuchen alle diejenigen, welche ausgesperrt werden und die Feier ordnungsgemäß angemeldet haben, sich am Dienstag, den 2. Mai, vormittags 10 Uhr, im Gcwerkschaftshaus, Engelufer IS, einzufinden. Metallarbeiterverband. Ortsverwaltimg Berlin. Die Beendigung des Arbeiterinnenstreiks in der Glühlampenfabrik von Bergmann. Nachdem die Streikversammlung am Freitag die zwischen ihrer Kommission und der Direktion getroffenen Vereinbarungen ein- st i m m i g gutgeheißen hatte in dem Vertrauen, daß sie auch ge- Wissenhaft innegehalten werden, ist der Direktion sofort Mitteilung von diesem Beschluß gemacht worden. Man war sich dann auch bald einig über den Zeitpunkt der Wiederaufnahme der Arbeit: sie soll am 3. Mai, mit dem Beginn der in der Fabrik üblichen Lohn- Woche, erfolgen. Es ist wohl zu erwarten, daß die Arbeit, den Ab- machungen gemäß, dann auch bald wieder in vollem Umfange in Gang kommt._ Um den Barbieren eine Maifeier zu ermöglichen, werden alle Arbeiter gebeten, sich in den Barbiergeschäften am heutigen Sonntag bedienen zu lassen. Stukkateure! Die Maiversammlung findet um 10 Uhr, nicht, wie im„Stukkateur" angegeben, um 12 Uhr statt. Treffpunkt in den Zahlstellen um 8 Uhr, nicht um 10 Uhr. _ Die Ortsverwaltung. Die Militärbehörde für einen bestreikten Unternehmer. Beim Streik der Militärsattler bei der Firma C. Bi llepp in Spandau ist wieder einmal ein recht einseitiges Ein- greifen der zu st ändigen Militärbehörde, in diesem Falle der Direltion der kgl. Artilleriewerkstelle, zu verzeichnen. Bei genannter Firma haben die Sattler die Arbeit eingestellt, weil sich der Firmeninhaber strikte weigerte, den Tarifvertrag) für die Militärbranche, der mit sämtlichen Militäreffekten-Firmen Berlins und Umgegend vereinbart worden ist, anzuerkennen. Zu dieser Weigerung hat Herr B i l l e p p allerdings guten Grund, denn die Anerkennung des Tarifvertrages würde endgültig dem Zustande ein Ende machen, daß Herr B i l l e p p bei allen Arbeiten niedrigere Arbeitslöhne zahlen konnte, als der Tarifvertrag vorsieht. Da Herr Bi llepp wieder verschiedene Posten„Arbeit" für die Spandauer Werkstatt anzufertigen hat, für die bestimmte Lieferfristen vorgesehen sind, so wurde an Herrn B i l l e p p durch die Taristommission der Militärsattler das Ver- langen gestellt, nunmehr auch dem Vertragsverhältnis für die Mililärbranche beizutreten. Herr B i l l e p p lehnte wiederum jede Unterschrift ab und der Streik wurde unvermeidlich. Hätte nun die Direktion der königlichen Artillerisiverkstelle auf Einhaltung der Lieferfristen bestanden, so hätte auch Herr Bi llepp längst den Vertrag anerkennen müssen. Leider können wir aber feststellen, daß unbeteiligte Firmen, die die gleichen Arbeiten anzufertigen haben, mit aller Macht zur schnelle» Lieferung ihrer Aufträge angehalten werden, um den Ausfall der Lieferung seitens der Firma B il lepp vorläufig zu paralisieren. Der Reichstag hat bei den EtatsberatunAn 1908 und 1911 Re- solutionen gefaßt, welche besagen, daß die Militärverwaltung ihre Arbeiten nur an solche Firmen vergeben möchte, welche in Beziehung auf Arbeitsbedingungen die gesetzlichen Vorschriften einhalten und, falls Tarifverträge für die betreffende Art der Arbeit am Orte des Betriebes gelten, nicht hinter den Bestimmungen dieser Tarifverträge zurückbleiben. Das Verhalten der Direktion der königlichen Artilleriewerkstatt Spandau charakterisiert am besten die Stellung der Militärbehörden gegenüber den Wünschen deS Reichstages. Maßschuhmacher i Der Vorstand des Vereins Berliner Maß- schuhmochermeister sticht in den Matzgeschäften Groß-Verlins Streik- arbeit für Dresden usw. unterzubringen: eine diesbezügliche An- Weisung lag uns vor. Wir ersuchen die Kollegen, auf der Hut zu sein und verdächtige Arbeit zurückzuweisen. Wo Streikarbeit ver- langt wird, ersuchen wir, dies sofort aus dein Bureau Blaukenfelde- jtraße 10 zu melden. Hoch die Solidarität! Zeiitralverband der Schuhmacher. Orlsverwaltung Berlin. Berlin und klmgegend. Klempnevstreik in Stettin. In den letzten 14 Tagen haben zwischen der freien Klempner- innung und dem Gesellenausichuß Verhandliingen stattgefunden wegen Abschluß eines Tarifs. Die Meister zeigten sich von Anfang an sehr halsstarrig und blieben auch bis jetzt bei ihrem ablehnenden Standplmkte. Da die Stettiner Klempner einsahen, daß auf ein Entgegenkommen der Meister nicht zu rechnen ist, beschlossen sie ein- stimmig, am Freilag die Arbeit niederzulegen. Fünf Meister haben sich bereit erllärt. den Tarif zu unterzeichnen. Die Verhandlungen find aber noch nicht beendet. Wixd auch hier keine Einigung erzielt, i ' Kerantw. Redakteur.: Albert Wachs, Berlin. Jn jeratenteil vexgntv.� dann kommt es ebenfalls zur Arbeitsniederlegung.— Stettin ist für Klempner streng gesperrt I Die Tarifbewegung im Braunkohlenbergbau. Am 24. April haben im Zeitz-Weißenfelser Revier vorläufig zirka 3000 Arbeiter ihre Kündigung eingereicht. Eine ebenso große Zahl dürfte am 29. April im Altenburger Revier, wo nur achttägige Kündigung bestehr, kündigen. Wenn am 6. Mai die Kündigung ab- gelaufen ist und der Streik beginnt, dann werden die Grubenbetriebe des Zeitz-Weißenfels-Altenburger Reviers völlig still stehen. Außer- dem stehen aber auch noch in der Oberlausitz 400 Arbeiter im Streik. Ferner haben die Braunkohlenarbeiter im Leipzig- Bornaer-, Magdeburg- Haller und Braunschlveigcr Revier ebenfalls Tarif- Verträge eingereicht. Teilweise sind die angebahnten Verhandlungen noch nicht erledigt. Wenn die Werlsbesitzer nicht einlenken und sich zu Verhandlungen bereit erklären, kann mit einer weiteren Aus- dehnung der Bewegung gerechnet werden. Durch einen solchen Kampf würde das Wirtschaftsleben sehr erschüttert. Den ansässigen alten Arbeitern verweigert man eine geringe Lohnzulage, während für die Anwerbung berufsfremder Arbeiter daS Geld' mit vollen Händen herausgegeben wird. Wir werden hier dasselbe Schauspiel erleben wie in der Oberiaufitz. Agenten und Werksbeamte werden in der Welt herumreisen, um Arbeiter anzuwerben. Große Ver- sprechungen werden gemacht, und wenn die irregeführten Arbeiter ins Revier kommen, dann kommt die Ernüchterung. Die Agenten verschwinden. Kein Werk denkt daran, die den fremden Arbeitern gemachten Versprechungen zu erfüllen. Es sei deshalb jetzt schon darauf hingewiesen, daß jeder Zuzug nach den mitteldeutschen Braun- kohlenrevieren streng fernzuhalten ist. Kein ehrlicher Arbeiter dar zum Verräter an seinen im Lohnkampf stehenden Klassengenossen werden. Vor allen Dingen möge die gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft ihr Augenmerk auf die benifsmäßigen Vermittelungs- bureaus und Agenten richten. Etwaige Nachrichten und Anfragen sind an den Bezicksleiter des Bergarbeiterverbandes» Genossen Herm. Weikert in Zeitz» Nordstr. 2 zu richten. Zur Lohnbewegung der Krefelder Samtweber. Am 26. April tagten in der Weber-Union die gesamten Ausschüsie sämtlicher Samtbetriebe. Die Lohnkominission gab Bericht von den stattgefundenen Verhandlungen, insbesondere wurde auf die Lohnkürzungen in der neuen Liste hingewiesen. Nach längerer sehr lebhafter Debatte wurde folgende Resolution sämtlichen Belegschaften zu den am 27. stattfindenden Fabrikversammlungen zur Entschließung unterbreitet: „Die Samtweber Krefelds sind mit der neuen von den Fabrikanten einseitig ausgearbeiteten Lohnliste nicht zufrieden. Dieselbe kommt den Wünschen der Arbeiter in bezug aus eine allgemeine Lohnerhöhung nicht entgegen, im Gegenteil sind die leichten Werke teilweise reduziert worden. Auch enthält die Liste einzelne Nebenbcstimmungen, mit denen sich die Arbeiter nicht ein- verstanden erklären können. Wenn auch anzuerkennen ist, daß der Aufbau der neuen Liste besser und übersichtlicher wie die alte Liste ist, so erklären die Ar- beiter sie aber nur dann annehmen zu wollen, wenn eine Ver- besserung derselben eintritt. Sie beantragen deshalb eine Erhöhung der Grundlöhne um 10 Proz. und Erfüllung der sonstigen Wünsche der Arbeiter be- züglich der NebeubSstimmungen. Um nun die Angelegenheit möglichst schnell zu erledigen, werden die Vcrbandsvertreter ersucht, diese Forderung erneut den Fabrikanteu einzureichen, mit der Maßgabe jedoch, daß bis längstens Mittwoch, den 3. Mai, eine Verhandlung mit Erfolg stattgefunden haben muß. Hat bis dahin eine Verhandlung nicht stattgefunden, oder ist auch sonst ein Zugeständnis nicht gemacht worden, dann reichen am Donnerstag, den 4. Mai, sämtliche Samt- Weber Krefelds die Kündigung ein." Die Abstimmung über die vorstehende Resolution wurde mit 1307 gegen 26 Stimmen— 6 Stimmen ungültig— gefaßt und die von den Fabrikanten vorgelegte Lohnliste verworfen. Die Samt- Weber verlangen 10 Proz. Lohnerhöhung zum Grundlohn. Am 23. traten die BerbandSvertreter zusammen, formulierten die Wünsche der Arbeiter zur nochmaligen Prüfung an den Fabrikantenverband. Hoffen wir aus ein Entgegenkommen, die Situation ist sehr ernst, das möge man nicht verkennen._ Die Bauschlosscr in Kassel stehen in einer Bewegung, um eine Verkürzung der Arbeitszeit auf O'/a Stunden und eine Ivprozentige Lohnerhöhung durchzusetzen. Zuzug ist fernzuhalten. Zur Aussperrung in der bayerischen Textilindustrie. Die bayerischen Textilindustriellen haben in einer Versammlung in Augsburg erneut zu der Aussperrung in H o f Stellung ge- nommen. Durch die Unternehmerpresse geben die Unternehmer nach- stehenden Beschluß bekannt: „Die im Verband süddeutscher Textilarbeitgeber vereinigten bayerischen Industriellen beschlossen heute einstimmig, falls die in Hof eiilstandenen Arbeitsdiffereuzen nicht beigelegt werden sollten, die Aussperrung der sozialdemokratisch organisierten Textilarbeiter auf das ganze rechtsrheinische Bayern auszudehnen. Es soll ab kommender Woche an demnächst zulässigen Kündigungsterininen die Kündigung in den nordbayerischen Textilbetrieben erfolgen. Nach weiteren 14 Tagen soll sie in den Betrieben in Augsburg und Umgegend und endlich nach weiteren 2 Wochen auch in den Allgäuer Betrieben vorgenommen werden." Aufschwung der Gcwerkschaftsorganisaiion in Nürnberg. Die Gcwerlschaften Nürnbergs haben im vorigen Jahre wieder einen stattlichen Zuwachs erhalten. Die Zahl der Mitglieder stieg von 40 663 auf S0 092. hat also um 9324, daS sind nicht ganz 23 Pro- zent, zugenommen. Ueberrafchend stark war der Zudrang der Weib- lichen Mitglieder, deren Zahl von 6488 auf 11 040, somit um rund 70 Prozent stieg, während die Mehrung bei den männlichen Mit- gliedern nur 14,3 Prozent betrug. Das Hauptlontiugent zu dieser stattlichen Arbeiterarmee stellt der Deutsche Metallarbeiterverband. dessen Mitgliederzahl von 13 977 auf 18 024 gestiegen ist. In den ersten Monaten dieses Jahres hat er wiederum um zirka 1000 Mit- glieder zugenommen und gedenkt eS bis zur Generalversammlung des Gesamtverbaudes auf 20 000 zu bringen. Von Interesse ist auch, daß sich die Mitgliederfluktuation innerhalb der Gewerkschaften erheblich gemindert hat. Huskand. Friedensschluß in Dänemark. Die Gefahr eines allgemeinen wirtschaftlichen Kampfes zwischen den Arbeitern und Arbeitgebern Dänemarks, die seit Anfang d. I. wie ein drohendes Gespenst über dem ganzen Erwerbsleben des Landes schwebte, scheint jetzt endgültig abgewehrt zu sein. Monate- lang hatten die Vertreter der Parteien Tag und Nacht immer von neuem verhandelt, aber noch am Donnerstag der nun verflossenen Woche schien es, als ob die Arbcitgcbervereiuiguug trotz aller Bemühungen des staatsangestellteii SchlichttmgSbeamten und alles Entgegenkommens derArbeiterswaft die bereits 14000 Arbeiter umfassenden Äussperruiigen auf weitere 26000 ausdehnen wollten. Endlich am späten Abend konnte der Vorsitzende des Gesamlverbandes der dänischen Gewerkschaften Karl Ma b sen dem seit Dienstag tagenden Gewerkschaftskongreß die Mitteilung machen, daß eine Einigung zustande gekommen war und die Aussperrungen aufgehoben werden sollten, allerdings nur unter der Bedingung, daß bis zum 1. Mai. mittags 12 Uhr. auch die Konflikte der Maurerarbeitsleule und der Klempner zum Abschluß gebracht werden.� Diese beiden Gruppen, die die für sie bestimmten Einigungsvorschläge der SchlichtnngSbeamten verworfen haben, stehen außerhalb deS GciverlschaslsverbaudeS, so daß für sie die zwischen den Zentralen der beide» Parteien getroffenen Abmachungen keine Geltung haben. Man darf aber erwarten, daß die beiden Konflikte in der angegebenen Frist auch erledigt werden.__ M. Glocke, Berlin. Druck h, Verlag: VorNärtK Buchdr.k Lerlagsgnstalt Bei den durch die Vereinbarungen beendeten Lohnkämpsen und Lohnbewegungen können sich weder die Arbeiter noch die Arbeit« geber als Sieger betrachten. Beide Parteien haben von ihren Wünschen und Forderungen etwas ablassen muffen. Die Arbeit« geber hatten grundsätzlich auf der ganzen Linie fünfjährige Tarifverträge verlangt, und zwar in der Form, daß im allgemeinen die Löhne nicht erhöht werden und eine Verkürzung der Arbeitszeit überhaupt nicht eintreten sollte. In den meisten Fällen haben sie die fünfjährige Tarifdauer durchgesetzt, jedoch sind die neuen Ver« träge für die Maurer in den Provinzen und für das Tischlergewerbe vorerst auf drei Jahre abgeschlossen, allerdings mit dem Zugeständnis an die Arbeitgeber, daß diese vor Ablauf der Frist eine Verlängerung auf weitere zwei Jahre gegen eine abermalige Erhöhung der Stundenlöhne von 2—3 Oere verlangen können. UebrigenS haben die Arbeitgeber in allen Berufen, die an der Bewegung beteiligt waren, für die lange Tarifdauer Lohnerhöhungen zugestehen müssen» die allerdings in den meisten Fällen sehr gering sind. Auch haben sie zum Teil eine Verkürzung der Arbeitszeit bewilligt. Im all- gemeinen sind die Zugestöndniffe so gering, daß die Arbeiterschaft sicherlich nicht darauf eingegangen sein würde, wenn die Wirtschafts- läge eine beffere gewesen wäre. Kus der frauenbenegung. Tie Einführung der unentgeltlichen Geburtshilfe in Zürich. Nach eingehender Beratung hat der Züricher Stadtrat die Ein» führung der Geburtshilfe für unbemittelte Wöchnerinnen nach folgenden Normen beschlossen: Wöchnerinnen, die sich seit min- bestens einem Jahre ununterbrochen in der Stadt Zürich niedergelassen und auf ein Einkommen von nicht mehr als 2000 Fr. ohne Vermögen angewiesen sind, sind zur unentgeltlichen Verpflegung in der kantonalen Frauenklinik oder zum Be- zuge der staatlichen Hebammengebühr und bei pathologischen Ge- burten auch zum Bezüge der Arzt- und Arzneikosten berechtigt. Ausnahmsweise kann in Fällen, wo ein höheres Einkommen vorbanden ist, aber die wirtschaftliche Lagb der Familie es recht- fertigt, diese Vergütung ebenfalls gewährt werden. Behufs Sicherstellung der Anstaltspflege wurde mit der Ver- waltung der kantonalen Frauenklinik ein Vertrag geschlossen» demzufolge die Gemeinde für die Erweiterung dieser Staatsanstalt 440 000 Fr. leistet und das Recht erhält, jährlich 2000 Wöchnerinnen gegen eine die amtliche Gebühr übersteigende Verpflegungstaxe (1 Fr. über dem amtlichen Satz, jedoch nicht höher als 70 Proz. der Verpflegungskosten) einzuweisen. Eine Verordnung zur Regelung des Verhältnisses zu den Krankenkassen, die solche bereits gewähren, und zur bevorstehenden eidgenössischen Wöchne- rinnenversicherung soll vom kleinen Stadtrat(Magistrat) aus- gearbeitet werden. Der Annahme der Reform wurden von freisinniger Seite unter Führung von Aerzten, die unter manchesterlichen Redewendungen die Vertretung von materiellen Standesinteressen verbargen, starker Widerstand entgegengesetzt. Ein demokratischer Kompromißvor- schlag forderte die Einkommensgrenze schon bei 1800 Fr., wogegen von freisinniger Seite, die jeden Rechtsanspruch ablehnte und die Gewährung der freien Geburtshilfe zu einer von der Behörde im Einzelfall abhängigen Armenunterstützung machen wollte, mit Recht erwidert wurde, daß eine größere Familie auch bei 2S00 Fr. Einkommen noch hilfsbedürftig sei. Die Annahme der Vorlage, die namentlich von unseren Genossen Dr. Wehrlin(Arzt), Seidel, Sigg und dem hervorragenden Hygieniker Stadtrat Professor Erismann energisch vertreten wurde, erfolgte schließlich mit großer Mehrheit« Erforderlich bleibt jetzt noch die Annahme in der V o l k s a b st i m-> m u n g, von der man bei dem weiten Kreis der an der Neuerung interessierten Volksschichten diesmal wohl mehr Einsicht, als sie sonst schon in sozialpolitischen Fragen bekundet hat, erwarten darf. Die Reform würde sich den beiden anderen, seit geraumer Zeit be- stehenden gemeinnützigen Maßregeln: der unentgeltlichen De» erdigung und der freien Lieferung der Lernmittiel, sowie der von der Gemeinde Zürich unternommenen großzügigey Wohyungsversorgung würdig anschließen, Siegreicher Franeustreik. Rom, den 23. April 1911.(Eig. Ber.) Nach zehntägigem Streik haben die Arbeiterinnen, die in den römischen Betrieben der Militärschneider arbeiten, alle ihre Forderungen durchgesetzt und ihre Lage nicht unwesentlich verbessert. Der Streik ist mit großer Ruhe und Solidarität durchgeführt worden. Bersammlungen— Veranstaltungen. Zentralvcrband der Hausangestellten. Sonntag, den SO. April, abends 7 Uhr, in Feuersteins Festiälen, Alte Jakobstr. 75 I, Versammlung Vortrag von Frl. Laar: Die Bedeutung der Maifeier für die Hausangestellten. Nachdem gemütliches Bei- sammensein._ Leseabende. Zehlendorf(Wannseebahn). Mittwoch, den 3. Mai bei Benno Mickley. Vortrag. Verschiedenes. letzte ftaebriedten. Um die Wiederanstellung der französischen Eisenbahner. Paris» 29. April(W. T. B.) Die Vollversammlung der Aktionäre der Nordbahngesellschast genehmigte heute ein- itimmig ein von dem Aufsichtsrate an den Minister der öffentlichen Arbeiten gerichtetes Schreiben, in welchem erklärt wird, daß die Gesellschaft, um dem von der Kammer bekundeten Ansinnen Rech- nung zu tragen, 81 wegen des Ausstandes entlassenen Bediensteten dieselben Ruhegehälter gewährt hat. als ob sie wegen Krank. heit dienstuntauglich geworden wären. Aber wenn die Gesellschaft sich heute zu Geldopfern verstehen könne, sei es ihr doch unmöglich. eine allgemeine Wiederanstellung zu verfügen» da dadurch nur die- selben Hetzer zur Anzettelung neuer Streik? ermutigt würden. Uebrigens hätten fast sämtliche entlassenen Bediensteten andere Beschäftigungen gesunden: doch werde die Gesellschaft alle an sie gerichteten Reklamationen prüfen, um etwaig: Irrtümer gut zu machen. Paris, 20. April.(W. T. B.) Der Generalsekretär des Loko- motivmhrerverbandeS. Toffin, erklärte, daß die Eisenbahner. falls die Geicllschaften die Wiederanstellung der Entlassenen ver» weigern, aus allen Bahnlinien, mit Ausnahme des Staatsbahn» netzes, einen bierundzwanzigstündiacn oder einen noch längeren Ausstand veranlassen würden. Tie Wiener Volksoper vnd die Musiker. Wien, 29. April.($.©.) Der Internationale Musikerverein Hot über bie_ Wiener Volksoper die Sperre verhängt. Der Grund für diese Maßregel ist darin zu suchen, daß Direklor Simon für � seine Bühne ein neues Orchester nach Ablauf dieser Saison engagieren wollte, ohne daß die bisherigen Orchester» »utglieder, deren Vertrag abgelaufen ist, davon vorher vcrnandlgt worden waren. DaS neu zu engagierende Orchester sollte daS Müuchener Tonkünstlerorchester sein, desten Orchcsterverband jedoch auf den Engagementöantrag dem österreichj. scheu Musikerverband Mitteilung macht:, woraus dieser die Sperre über die VolkZoper verhängte. Argentiniens Hanptstadt gerettet. Buenos Aires. 29. April.(W. T. B.) Die UeberschwcmmungS. gefahr ist beseitigt. Der Wasserstand ist wieder normal. Z.atil Singer 4 Co.» Verlin S\¥. Hierznb Beilagen. Nr. 101. 28. Iahrgaas- 1. Ktiltzk Ks Sollulag. 30. April 1911. Zm 6. Allgemeinen Kranken- kaiienkongreS. Heute tritt in der„Neuen Welt" der sechste allgemeine Krankentassenkongreß zusammen. Wir begrüßen ihn und wünschen seinen Arbeiten reichen Erfolg. Der erste allgemeine Krankenkassenkongreß tagte am 27. und 28. Mai 1899. Er verdankte seine Entstehung der Erkenntnis, daß es zur Förderung der Kultur notwendig sei, die Krankenkassenorganisation einheitlich zu gestalten, um in ihnen die Interessen der Kultur und der Arbeiterklasse wahr- zunehmen. Auf dem ersten allgemeinen Krankenkassenkongreß wurde von diesem Gesichtspunkt im Anschluß an den kurz zuvor unter Teilnahme von Krankenkassenvertretern abge- halteuen Tuberkulosekongretz die Notwendigkeit betont, den Kampf gegen die furchtbare Seuche mit Energie aufzu- nehmen und die Versicherungsorgane in tatkräftigen Dienst für diesen Kamps zu stellen. Dies Eintreten der Arbeiter und der Arbeitgeber auf dem Krankenkassenkongreß ohne Unterschied der politischen Richtung, die Ergebnisse des Tuberkulosekongresses für die Praxis des Lebens zu verwerten, gab einem Arzt Veranlassung, im„Vorwärts" vom Ä). Mai 1899 seiner Freude darüber Ausdntck zu geben, daß der Krankenkassenkongreß sofort ans Werk gegangen war, um die Gesetzgebung zur Anerkennung der Ergebnisse des Wissenschaft- lichen Kongresses zu drängen. Der Artikel schloß mit den Worten: .So gelang denn vor allem der große Wurf: eS wurde einstimmig beschlossen, den Grundstein zu einer dauernden Or- ganisation aller Krankenlasten Deutschlands zu legen, um so die bisher zerstreuten Kräfte zu sammeln zu gemeinsamer Arbeit, vor allem zu gemeinsamer Einwirkung auf die Gesetzgebung. Was wir von dieser Einwirkung erwarten, da§ haben wir bereits in unserem Begrüßungsartikel(zum Tuberkulosekongretz. Die Red.) ausgesprochen: Wir hoffen, daß sich durch sie die Krankenkassen zu einer neuen Waffe im Befreiungskampfe des Proletariats ent- wickeln werden." Warum wir an diesen Artikel erinnern? Ihn und ins- besondere den von uns wörtlich angezogenen Passus hat die „Kreuz-Zeitung" am 15. März vorgeschlagen— zur Rechtfertigung der ausnahmegesetzlichen Stellung, der nunmehr die Krankenkassenmitglieder unterworfen sein sollen und zum Be- weise dafür heranzuziehen,„daß die Sozialdemokratie die Krankenkassen zu einer neuen Waffe im Befreiungskampf des Proletariats machen wollte". Es liegt ein tiefer Sinn im kindischen Spiel. Die „Kreuz-Zeitung" hat sehr wider Willen durch ihr Zitat be- wiesen, daß die Verschlechterung der Zkrankenkassengesetzgebung erfolgt, um eine Besserung der Hygiene und der Lage der Arbeiterklasse zu hindern. Der Mahnung der„Kreuz-Zeitung" ist eine Reihe von Blättern des Scharfmachcrkartells getreulich gefolgt. Wir möchten bezweifeln, ob diese Zeitungen wußten, daß sie durch ihre Zitate den Beweis geliefert, daß in der Tat das Streben des zur Verhunzung der Rcichsversicherungs- ordnung gebildeten Scharfmacherkartells dahin geht, zu vcr- citeln, daß die Versicherungsgesetzgebung zur Bekämpfung der gesundheitlichen Gefahren Anwendung findet, die die Arbeiter- klaffe in erster Linie bedrohen. In vollem Einklang mit dem antisozialen, ja brutalen Streben dieser Mehrheit steht ihr Vorschlag, die Versicherungsanstalten zu zwingen, ein Viertel ihres Vermögens zugunsten mili- taristischer Bestrebungen und zur Besserung der Kurse der Konsols in Anleihen des Reiches oder der Bundesstaaten an- zulegen, sie aber an der Errichtung von Heilanstalten zu hindern. Als der letzte allgemeine Kongreß der Krankenkassen Deutschlands im Jahre 1909 zusammentrat, um im Interesse der Versicherten zur Reichsversichcrungsordnung Stellung zu nehmen, war der Kongreß einmütig von dem Streben beseelt, einem gedeihlichen Ausbau der Versicherungsgesctzgebung die Wege zu ebnen. Grausam sind sämtliche Hoffnungen, denen damals von allen Seiten ohne Unterschied der politischen Richtung l�aimorgen. Jahrelang vom Qualm der Esten stauberfüllter Irongebäude eingehüllt: hast Du vergessen Deiner Zugend Lebensfreude? Ach. in Deiner Werkstatt Grenzen sitzt Dein Leben hingekauert: Deine Welt verlor ihr Glänzen, und Dein Himmel ist vermauert. Stimmen, die das Ohr erquicken. Ningen Dir wie Hammerschläge, und in Andachtsaugenblicken gellt das Eisen, kreischt die Säg«. Und das Rauicken grüner Bäume und der Duft der Ackerscholle stiehlt fich nur in Deine Träume. leidgepreßle. sehnsuchtsvolle... Tritt hinaus! Zm Morgengrauen siehst Du Deine Hoffnung glimmen. hörst Du schmetternd aus dem Blauen Deiner Areude Zubelstimmeu. Und Du siehst an diesem Morgen wie befreit von dunkler Binde: Tausend werfen Deine Sorgen leichten Herzen» in die winde; lausend fühlen Deine zage Freude und Dein bleiches hoffen groß und hell an diesem Tage und Dein Herz schlägt frohbelrosfen. Denn in ihren Hirnen dämmernd weißt Do Deine Zukunft weben. und in ihren Pulsen hämmernd Deine Kraft den Sieg erstreben. Und Du reichst die harten Hände all den Brüdern— erdumschlingend. und im Licht der Sonnenwende Slchß Vs. Sieznffedxr jwgend. H-mmerSd-rss. auf dem Kongreß beredter Ausdruck gegeben wurde, enttäuscht/ Das Zentrum ist inzwischen zum gehorsamen Vasallen der konservativen Scharfmacher herabgesunken. Dank seiner Hilfe ist aus einem Gesetzentwurf, der die Grundlage für soziale Einrichtungen zugunsten der Arbeiterklasse abgeben konnte, ein Ausnahmegesetzentwurf gegen die Arbeiterklasse ge- worden. Nach den Vorschlägen der Reichsversicherungs- ordnung, die heute zur Beratung steht, soll der Arbeiter entrechtet und die Arbeiterversicherung zu einer Versorgung für eine bureaukratffche Unternehmerschutztruppe auf Kosten der Arbeiter werden. In allen Zweigen der Ver- sichcrungsgesetzgebung sind erhebliche Verschlechterungen zu- Ungunsten der Arbeiter vorgeschlagen, die eine brutale Aus- nahmcgesetzgebung gegen diejenigen darstellen, deren Erwerbs- fähigkeit durch die für die Gesamtheit geleistete Arbeit be- einträchtigt ist. Verhöhnung der Witwen und Waisen wird gar als eine sozialpolitische Großtat ausposaunt. Die Bevor- mundung der Arbeiter durch engherzige Bureaukraten und Unternehmer an Stelle einer Selb st Verwaltung der Krankenkassen ist für den Arbeiterhaß bezeichnend, der die Mehrheit der Reichsversicherungskommission durchglühte. Noch sind die Berichte der Reichsversicherungskommission nicht erschienen, insbesondere steht noch der über die Kranken- Versicherung aus. der vom Abgeordneten Horn erstattet werden soll, jenem Abgeordneten, der so unvorsichtig den Plan einer Durchpeitschung der Reichsversicherungsordnung ausplauderte. Die Kongreßteilnehmer, durchweg sachkundige Personen auf dem weiten Gebiete der Versicherungsgesetzgebung, müssen ohne solche Berichte Stellung nehmen. Die Borschläge der Reichsversicherungsordnung legen auch ohne Berichte für Sachkenner ein beredtes Zeugnis von der Unbill ab, die der Arbeiterklasse zugedacht ist. Auf dem Kongreß werden Angehörige der verschiedensten Parteirichtungen ihre Ansicht äußern. Alle, geeint durch das Bestreben die Versicherungsgesetzgebung in den Dienst sozialer Hygiene und damit in den Dienst der gesamten Ar- beiterklasse zu stellen. Sie können auf reiche Er- fahrung und zugunsten der Gesamtheit geschaffene reiche Erfolge zurückblicken. Ihre Ansicht muß von jedem Unbefangenen geachtet und geschätzt werden. Möge der Kongreß dazu beitragen, über die geplanten Eingriffe in die Rechte der Arbeiterklasse die weitesten Kreise ohne Unterschied ihrer politischen Stellung aufzuklären und die Eingriffe selbst abzuwehren._ politifcbc Qebcrficbt. Berlin, den 29. April 191L Rückgang des Schnapskonsums. Als der Leipziger Parteitag beschloß, allen politisch und gewerkschaftlich organisierten sozialdemokratischen Arbeitern zu empfehlen, das Schnapstriuken zu unterlassen, hatte die agrarische Presse nur Spott für diesen Beschluß. Hohnlachend verkündete sie, daß es nichts als ein Schlag ins Wasser sei; denn alte Gewohnheiten ließen sich nicht durch bloße Empfehlungen aus der Welt schaffen. Der stetige Rückgang des Schnapsverbrauchs und der Verbrauchsabgabe hat sie inzwischen eines Besseren belehrt. Besonders ist aber die soeben erschienene amtliche Statistik für das Betriebsjahr 1909/10 geeignet schmerzliche Empfindungen in der Brust der vaterländischen Fuselbrenner zu wecken, denn aus dieser Statistik ergibt sich, daß der Schnapsgenutz um ein Drittel abgenommen hat. Sicherlich wäre es besser. der Rückgang wäre ein noch bedeutenderer. aber selbst die Gegner werden, soweit sie ehrlich sind und die Schwierigkeit der Bekämpfung des Schnapsteufels kennen, zugeben, daß das ein alle Erwartungen weit übertreffender Erfolg ist, zumal wenn sie in Betracht ziehen, daß die So zialdemokratie leider bisher auf die Arbeiterschaft in den feftUcbcr Kampf» Krieg und Kampf— das sind die beiden Gegensätze der menschlichen Gesellschaft, das ist der Weg von der Barbarei zur Kultur. Krieg ist das Raufen um Vernichtung, Kampf das Ringen um Vollendung. Die herrschenden Klassen führen Krieg, die unterdrückten, austvärtsstrebenden kämpfen. In der kapitalistischen Welt herrscht unablässig ver- wüstender Krieg, durch den für wenige ein satter Friede erkauft werden soll. Die sozialistffche Welt will keinen Krieg, um einen trägen Schlaraffenfricden zu ernten: sie will vielmehr den Frieden, um kämpfen zu können. Nichts Größeres ist den Menschen gegönnt als der Kampf; er ist der heiligste Inhalt des Lebens. Daß dieses Dasein zum heiligen, zum festlickten Kampf tverde, ist höchstes Ziel menschlicher Kulturarbeit. Und darum ist das Weltfest des Prole- tariats, der Maitag, die tieffinnigste Idee, die jemals verwirklicht war, dieser Gedanke eines Feiertages, der zugleich Fest und Kampf ist. In solcher Vereinigung ist unsere Maifeier, wie mühselig, in echt proletarischem Schicksal sie sich immer vor dem Zchirrsal der andrängenden Hemmungen behaupten und durchsetzen mag, den- noch ein Vorklang jenes zukünftigen Lebens, das festlicher Kampf sein wird. Dieses F est ae fühl sollten wir in unseren zähen, oft klein und kleinlich scheinenden, bisweilen hoffnungsarm ermatten- den WerktagSkämpfcn niemals vcrgesien. Wo und wie sich daS Proletariat betätigt, ob in der Enge des Dorfes oder der Unrast der Weltstadt,' ob auf dem Acker oder in der Fabrik, ob eS seinen Stimmzettel in die Urne wirft, in Versammlungen de- monstriert, Flugblätter austrägt, in einer Werkstattberatung noch so winzige Verbcsserungen seiner Arbeitsverhältniffe erörtert; ob es genoffensckiaftlich die Beschaffung von Nahrung und Hausung organisiert, ob es sich in das freie Wort seiner Presse versenkt, mit hingebendem Fleiß um wissenschaftliche Erkenntnisse sich bemüht oder sein Gefühl in künstlerischen Offenbarungen erfüllt— stets umwittert den Proletarier die Größe seiner weltgeschich l- lichen Aufgabe und, indem er um das Nächste und Beschei- denste kämpft, erhebt er sich zum ahnungsvollen Bürger einer er- habenen Zukunft, die er selbst rüsten hilft. Das helle Mailicht be- gleitet den aufrechten Proletarier durch alle Tage des Jahres, und in keinem Tun vergißt er die festliche Begeisterung, die er seinem Werk schuldet. Ludwig Feuerbach hat in einem schönen und kühnen Gleichnis die Erhabenheit des Alltäglichen gezeichnet: „Essen und Trinken ist das Mysterium des Abendmahls— Essen und Trinken ist in der Tat an und sür sich selbst ein religiöser Akt; soll es wenigstens sein. Denke daher bei jedem Bissen Brot, der'dich von der LuÄ des Hungers erlöst, bei jedem Schluck Beiv. konservativen Wahlkreisen der ostelbischen Gefilde und in den Zentrumsdomänen des Rheinlandes, Westfalens und Bayerns nur sehr geringen Einfluß hat. Nach der amtlichen Statistik wurden im Jahre 1909/10 im ganzen 3641889 Hektoliter Alkohol hergestellt, also gegen die Borjahrscrzeugung(4255121 Hektoliter) 613232 Hektoliter gleich 14,4 Proz. weniger. Der Hauptteil der Minder« erzeugung entfällt auf die landwirtschaftlichen Kartoffel« brennereien(— 470828 Hektoliter) und die gewerblichen Getreidebrennereien(— 79 749 Hektoliter), dann folgen in er« heblichem Abstände die landwirtschaftlichen Getreide- brennereien(— 29 564 Hektoliter) und die Melassebrennereien (— 13401 Hektoliter.) Von den einzelnen Direktivbezirken sind am stärk st en an der Mindererzeugung be« teiligt: Schlesien(— 113 939 Hektoliter), Posen (— 110716 Hektoliter), Pommern(— 76749 Hektoliter) und Brandenburg(73 410 Hektoliter.) Von der Gesamterzeugung entfallen auf die landwirt« schaftlichen Kartoffelbrennercien 2 921 901(1908/09: 3 392 729) Hektoliter, auf die landwirtschaftlichen Getreidebrennereien 262 121 Hektoliter(1908/09: 291 685 Hektoliter), auf die ge« werblichen Kartoffelbrennereien 16601 Hektoliter(1908/09: 26 456 Hektoliter), auf die gewerblichen Getreidebrenncreien 329129 Hektoliter(1908/09: 408878 Hektoliter), auf die Melasscbrennereien 73 371 Hektoliter(1908/09: 86 779 Hekto- liier) und auf die übrigen gewerblichen Brennereien 1040 Hektoliter(1908/09: 141 Hektoliter). In den Obstbrennereicn und in den ihnen gleichgestellten Brennereien wurden 37 726 Hektoliter Alkohol(1908/09: 48 453 Hektoliter) erzeugt. In den freien Verkehr wurden gesetzt: Gegen Entrichtung der Verbrauchsabgabe(abzüglich der gegen Vergütung der Verbrauchsabgabe ausgeführten Trinkbranntweine und Branntweinfabrikate) 1769 222 Hektoliter Alkohol(1908/09; 2 592 388 Hektoliter), gegen Entrichtung des Zolles 13 805 Hektoliter Alkohol(1908/09: 58 234 Hektoliter). Insgesamt ergibt sich hieraus für G e n u tz z w e ck e eine Menge von 1783027 Hektoliter Alkohol— 2,8 Liter aus den Kopf der Bevölkerung, gegen 2650622 Hektoliter— 4,2 Liter pro Kopf der Bevölkerung im Jahre 1908/09, das ist ein Rückgang um 1,4 Liter, also um ein volles Drittel des Gesamtkonsums vom Jahre 1908/09. In den letzten 20 Jahren hat der Branntweinverbrauch zwischen 3,8 und 4,7 Liter auf den Kopf geschwankt, wobei die Vcr- änderungen von Jahr zu Jahr höchstens 0.3 Liter betragen haben. Der jetzige große Rückgang ist natürlich fast aus« schließlich auf den Schnapsboykott zurückzuführen; was nicht auf dieses Konto kommt, ist der neuen Steuer zuzuschreiben. Die Einnahmen aus der Branntwcinverbrauchsabgabe gingen trotz Steuerreform von 187 Millionen Mark im Jahre 1909 auf 153 Millionen im Jahre 1910 zurück. Dieser glänzende Ersolg des Schnapsboykotts ist ein kräftiger Ansporn, den begonnenen Kampf mit vermehrtem Eifer fortzuführen._ Anö dem klerikalen Lager. Recht interessant ist, wie die Zentrumspressc sich mit der kürz» lich von uns gemeldeten Erscheinung abfindet, daß die Mitglieder- zahl des Volksvereins für das katholische Deutschland in vcrschie- denen Teilen Westfalens und des Rheinlandes zurückgegangen ist. Die„Köln. Volksztg.", das Hauptblatt des rheinischen Zentrums, erklärt diesen Rückgang folgendermaßen: „In manchen Fällen sind die Verhältnisse und nicht die Per- sonen für den ungünstigen Stand verantwortlich zu machen. Es darf aber andererseits nicht verschwiegen werden, daß es auch heute noch Orte und Bezirke gibt, in denen matzgebende Kreise die Arbeit des Volksvercins für überflüssig halten. Wir betonen ausdrücklich: maßgebende Kreise. Diese stehen recht oft allein mit ihrer Ucberzeugung. Das katholische Volk würde gern der dein Herz erfreut, an den Gott, der dir diese wohltätigen Gaben gespendet— an den Menschen! Aber vergiß nicht über der Dankbarkeit gegen den Menschen die Dankbarkeit gegen die Natur! Vergitz nicht, daß der Wein das Blut der Pflanze und das Mehl das Fleisch der Pflanze ist, welches dem Wohle deiner Existenz geopfert wird! Vergiß nicht, daß die Pflanze dir das Wesen der Natur versinnbildlicht, die sie selbstlos dir zum Genüsse hingibt!... Hunger und Durst zerstören nicht nur die physische, son» dern auch die geistige und moralische Kraft des Menschen, sie be- rauben ihn der Menschheit, des Verstandes, des Bewußtseins. O. wenn du je solchen Mangel, solches Unglück erlebtest, wie würdest du segnen und preisen die natürliche Qualität des Brotes und Weines, die dir wieder deine Menschheit, deinen Verstand gegeben! So braucht man nur den gewöhnlichen gemeinen Lauf der Dinge zu unterdrcchen, um dem Gemeinen ungemeine Bedeutung, dem Leben als solchem überhaupt religiöse Bedeutung abzugewinnen." Unser Maitag ist solche Unterbrechung des gemeinen Laufs der Dinge, um dem Gemeinen ungemeine Bedeutung zu geben. Er lehrt uns die Alltäglichkeit unseres Kampfes itr seiner Größe erkennen, das Glück des KämpfenS selbst im Innersten empfinden, er bestärkt und befeuert unS in der erhabenen Ueber- zcugung, daß der Klassenkampf des Proletariats die schafsende Ven. nichtung des Klasscnkriegcs ist, den die Herrschenden unbarmherzig und sinnlos zu führen verurteilt sind.' Man sollte unfern Kamps nicht mit dem Kriege jener ver» gleichen. Es ist nichts Gemeinsames zwischen diesen beiden Betäti- gungen. Kämpfen ist Schaffen, Kriegen ist Zerstören. Es ist nicht daS Ringen moralisch Ebenbürtiger, das zwischen den beiden Lagern brandet. Das sind die Kämpfer des Daseins, die das festlich« Schöpferglück noch in dem Allgenblick begnadet, da sie im Uebermaß der Kraftanspannung zusammenbrechen. Der Denker ist Kämpser. der die quellende Mannigfaltigkeit der Erscheinungen in klaren ein- fachen Gedanken zu bändigen sich quält. Der Künstler ist Kämpfer, der das Schicksal der Menschheit in großen Gesichten zu gestalten ringt— bis zur verzehrenden Aufopferung seines Selbst. Wer auf schwankem Fahrzeug hoch über der Erde im weiten Luftmeer, den tödlichen Sturz vor Auge», unerschrocken steuert, wer in die Eis- gcfilde fernster Einsamkeit vordringt, wer den verderbenden Krank- heitserregern im menschlichen Körper, die grauenhaften Gehcünnisse ihres Wirkens nachspurt— der weiß, was Kämpfen heißt. Wer mit schwerem Schritte die Scholle bearbeitet, wer glühendes Metall zu zweckmäßig sinnvoller Form unterwirft— sie alle gehören zu dem Maiheere der Kämpfer. Tie Herrschenden aber kämpfen nicht, sie fuhren K.r> e g, sie zerstören. Sie rasen in allen Ländern und Ströme von Blut sheyeii. Bald fuhren sie Rachezüge gegen wildtvückffige Natur» Volker und rotten sie ,m Namen der Zivilisation aus, bald trechen sie zivilisierte Nationen mit Kanonen, Maschinengewehren. Panzer, jchisfeL gegeneuigi�y, Jetzt satfeffüB Ü5 iMlüligk. Sil kätilll den VoltSverem Such m diesen Orlen SN der Arbeit sehen. Tan- sende von Mitgliedern verliert der Volksverein, T a u s e n d e werden ihm künstlich ferngehalten, weil leitende Männer für die so dringend notwendige wirtschaftliche, soziale, staatsbürgerliche und apologetische Aufklärung, für die so wichtige soziale und geistige Hebung des gesamten Volkes in bedauernS- werter Kurzsichtigkeit kein Interesse zeigen und keinen Opfersinn betätigen. Das gilt für Bezirke abseits des Weltverkehrs, aber auch für solche mit regem industriellen Leben. Und trotzdem hier und da noch diese verhängnisvolle Gleichgültigkeit sogar in führenden Kreisen!" / Wer sind diese maßgebenden Kreise, die nicht nur„maß- 'gebend" für die katholischen Angelegenheiten sind, sondern auch solche Autorität besitzen, daß sich durch sie„Tausende" vom Volks- verein fernhalten lassen? Nach der ganzen Aeußerung des Kölner Blattes können das nur Bischöfe und Erzbischöfe sein. Nun i zwar bekannt, daß Fürstbischof Kopp von Breslau und mehrere bayerische Mitglieder des Episkopats von dem Treiben des katholi- schen Volksvereins nicht sonderlich erbaut sind; aber daß auch die Erzbischöfe und Bischöfe des Rheinlandes und Westfalens zu denen gehören, die in„bedauernswerter Kurzsichtigkeit" don der„so zialen und geistigen Hebung" des Volkes nichts wissen wollen, ist bisher nicht in weitere 5kreise gedrungen. Vielleicht versteht sich die„Köln. Volksztg.", trotz ihrer feigen Furcht vor dem Episkopat, dazu, diese Oberhirtcn näher zu bezeichnen. Uebrigens geht auch aus dieser Aeutzerung des Kölner Blattes wieder hervor, daß die eigentliche Leitung des Zentrums in den Händen des hohen Klerus liegt; bezeichnet doch in dem obigen Zitat daS Blatt selbst die Bischöfe als„leiteLde Männer" und „führende Kreise",,_ u Die Marokkogefahr. Der offiziöse„Pester Lloyd" veröffentlicht einen von diplomatischer Seite herstammenden Artikel über Marokko. Bei der engen Beziehung der österreichischen zur deutschen Regierung darf nian vermuten, daß die darin vertretenen Ansichten auch die der deutschen Regierung sind, und das um so mehr, als auch das Wolffsche Telegraphenbureau den Artikel weiterverbreitet. Es heißt darin: Die französischen Politiker dürfen es nicht als Feindseligkeit betrachten, wenn ihre steten Berufungen auf die korce majeure nicht allenthalben die erwünschte Auf. nähme finden. Die unzweideutigen Verwahrungen Eruppi» gegen jede Erobernngsabsicht verdienen gewiß Beachtung, im Augenblicke wird aber ihre Wirkung durch verschiedene Ereignisse geschmälert, die in scheinbarem Zusammenhang stehen. Man un- terschätzt in Paris am wenigsten die Schwierigkeiten, die eventuell aus der internationalen Erörterung einer langwierigen Okkupation erwachsen dürften, und man wird deshalb trachten, ihr vorzubeugen. Was speziell die Stellungnahme Oesterreich-Un» ?arns betrifft, so bedingen unsere Interessen, obzwar beträcht- ich, kein Heraustreten in die erste Linie. Oesterreich-Ungarn ist in keiner Richtung gebunden und könnte im Vollbesitz seiner Handlungsfreiheit für seine Interessen und die Wahrung der auch durch seine Unterschrift besiegelten Rechtsnormen eintreten. Diese Aeußerungen sind eine deutliche Warnung an die französische Adresse, eine dauernde Okkupation zu versuchen. Von einer bedenklichen Spannung aber zeigte die für eine offiziöse Auslassung ziemlich scharfe Behandlung des Mißtrauens in die französischen offiziellen Erklärungen. Auch deis zeigt wieder, daß das Marokkoabenteuer sehr leicht zu einer neuen Kriegsgefahr werden kann. Man wird jedenfalls alle Aufmerksamkeit anzuwenden haben, um das Treiben der deutschen Kotonialhetzer zu über- wachen und rechtzeitig dahin zu wirken, daß der Konflikt nicht zur gewaltsamen Lösung treibt. Zentrum und Reichsversicherungsordnuug! Die„Germania" ruft zu einer Massenversammlung der katho- lischen Arbeitervereine und der katholischen Vereine erwerbstätiger Frauen und Mädchen Berlins zum nächsten Donnerstag nach dem Saale des LehrervereinShauseS auf. Die Versammlung soll gegen- über den„hetzerischen Massenflugblättern, mit denen ganz Berlin in der letzten Woche geradezu überschüttet wurde", über die Reichs- Versicherung„die Wahrheit feststellen". UnS kann'S recht fein, wenn über das Ausnahmegesetz gegen die Arbeiterklasse wirklich die Wahrheit in der Versammlung verbreitet würde. Bei dem Ausschluß der Oeffentlichkeit und nach den in Zentrums- blättern bislang abgelegten Proben ist aber leider zu erwarten, daß die Versammlung der Verhüllung der Wahrheit dienen soll. minder grausame Völkerkriege durch Zölle und Sperren, dann toben sie in inneren Fehden: Die Straßen röten sich vom Blut wehrloser Bürger, frecher Uebermut sperrt Tausenden Raum und Werkzeuge der Arbeit, Rechte und Freiheiten werden zertreten. GerichtSsäle und Gefängnisse, Arbeitshäuser und Prügelheime. Kasernen, in denen die Leiber entseelt, und Kirchen, in denen die Geister ent- törpert werden, das sind ihre Kriegsschauplätze. Blickt in die Fratzen dieser Krieger, wo gelvahrt ihr Größe, Begeisterung, oder auch nur ein gutes Gewissen? Sie säen Tod und ernten Verwesung. In oll ihrem Glanz, in all ihrer Macht, in all ihrem Reichtum irren sie doch scheu, wie von der Weltacht Ge- bannte und Verfluchte, unstät durch ihre Zeit, die für sie zum ewigen Grabe wird. Sie haben nichts, wofür sie kämpfen dürfen. Sic kennen ja nur Unterdrückung und Erniedrigung. Sie wissen nichts von der Unsterblichkeit des Kämpferglücks, das des endlichen Sieges gewiß ist. Ihr zittert vor euren eigenen Geschossen und Sprengstoffen, vor euren eigenen Klassengenossen und noch mehr vor denen, die ihr beraubt. Wir aber reichen, mit unbewehr- ten Händen, unbekümmert um alle Schrecken stählerner Waffen und blutiger Gesetze die brüderlichen Hände über alle Grenzen und rufen, ob man uns tausendfach als Hochverräter schmähen und verfolgen mag, alle zu Hilfe, die mit uns bereit sind, in festlichem Kampf«in neues Leben aufzubauen; und fast find wir weichmütig, euch übermächtige, uns bedrohende Feinde zu bedauern, daß ihr nichts verspüren könnt von der Fülle unserer Sehnsucht, Tapferkeit und Zuversicht. Der erste Mai ist unser Fest ans eigenem Recht. Keine Kirche lockert dem Pöbel die Zügel für kurze Rauschstunden, kein König läßt seinen Untertanen aus Marktbrunnen roten Wein fließen und den Hungernden zu stumpfer Völlerei Ochsen braten. Die Viasse, die unser ernstes, verfolgtes und gefährdetes Fest feiert, ist nicht mehr euer geduldiges, armseliges, feiges Volk, dem ihr die Glieder und Gedanken nach Willkür verstümmelt, und das ihr mit huldvollen Vergnüglichkesten begnadet, nachdem eS euch sein Menschentum geopfert hat. Wir wollen kei n Recht, daswir nicht selber erobert, keine Freiheit, die wir nicht selber gefügt, keine Freude, die wir nicht selber gespendet, und auch kein Fest, das wir nicht selber unö gewonnen. Dazu erziehen wir dies n e u e V o l k, daß jeder sich selber au erziehen wisse, daß jeder verstünde, keinem Dasein Wert und Würde zu verleihen, sein Schicksal klug und tapfer zu lenken: jeder ein- zelne, in sich gereift und gehämmert, ein Kämpfer für sich und doch eis frei sich fugendes Glied in der Gesamtheit— festlichen Kampf! Kurt EiSgex. kleines feuilleton. ,JRini9 Oedipo«" i« AmphUheater von Fiesole. Nun Häven «ich die Florentiner«König Oedipus" wiedererweckt; in freier Natur Eine Probe für Verdächtigungstaktik leistet sich die„Germania" in derselben Nummer. Die Verschweigung der auf Erdrosselungen der Selbstverwallung hinauslaufenden Vorschläge der ReichsversicherungS- ordnung: selbst der Zentralverband der deutschen Industriellen ist ehrlich genug, diese rund anzuerkennen. Die„Germania" behauptet statt einer sachlichen Aufklärung: „Die Hauptbeschwerde richtet sich dagegen, daß die Sozial- demokratie fortan die Verwaltung der Krankenkassen nicht mehr als eine Parteidomäne zur Versorgung von„Genossen" behalten soll, die zwar für derartige Posten ungeeignet sind, sich aber als Agitatoren der Sozialdemokratie„verdient" gemacht haben." Dem fügt das Zentrumsblatt zu: „Der Vorwärts möge nur einmal wieder nachlesen und ab- drucken, was der„Genosse" Görcke von den„Krankenkassenonkel- anwärtern" in seiner Broschüre über die sozialdemokratischen Ver- bälrnisse in der roten Garnison Charlottenbnrg vor einigen Jahren geschrieben hat. Oder sollen wir noch einmal diese Dwge besprechen?" Wir können die„Germania" nur dringend ersuchen, das zu tun, dann aber die Wahrheit über„diese Dinge' nicht, wie vor zehn Jahren, zu verschweigen. UcbrigenS ein nettes Eingeständnis, daß das Zentrum zur Rechtfertigung seiner Zustimmung zu dem AuS- nahmegesetz nur alte, längst widerlegte Kamellen anzuführen weiß. Wirkung des Fleischwuchers. Der eben erschienene Bericht der Nürnberger Schlachthofdirektion verzeichnet für daS Jahr 1910 einen wesentlichen Rückgang des Fleischverbrauches. Dieser ist bei einem Gesamtverbrauch von 16 845 950 Kilo um 268 318 Kilo gesunken. Dabei ist zu beachten, daß ein ähnlicher Rückgang schon in den vorausgegangenen Jahren eingetreten ist. Der Fleischverbrauch pro Kopf der Bevölkerung ist im vorigen Jahre von 52,67 auf 50.65 Kilo herabgegangen. 1904 betrug er noch 61,64, im Jahre 1896 79,81 Kilo pro Kopf. Jeder Nürnberger ißt also jetzt jährlich rund 11 Kilo Fleisch weniger als vor 7 Jahren und rund 29 Kilo weniger als vor 15 Iahren. Bei einer fllnstöpfigen Familie macht das 55 resp. 145 Kilo aus. Im Arbeiterhaushalt geht natürlich der Minderverbrauch an Fleisch weit über diesen Durchschnitt hinaus, denn die Wohlhabenden und Reichen werden ihren Fleischkonsum schwerlich nennenswert eingeschränkt haben. DaS ist der Segen unserer agrarischen Wirtschaftspolitik. Rittergüter für ausgediente Unteroffiziere. Der Militarismus treibt immer seltsamere Blüten. Die Korrespondenz„Heer und Politik" meldet: „Da für die Aufrechterhaltung eines geeigneten Ersatzes von Unteroffizieren im Heere eine Versorgung dieser Unteroffiziere eine notwendige und unabweisbare Pflicht des Staates ist, und da auf der anderen Seite schon ein erheblicher Mangel an Stellen für Militäranwärter vorhanden ist, so erscheint die An- siedelung von ausgedienten Unteroffizieren auf dem Lande aus mehreren Gründen als eine sehr wün- schenswerte Lösung dieser Frage. Es ist darum beabsichtigt, die Unteroffiziere dadurch zu versorgen, daß man sie erst in die Lage setzt, sich eigene kleine Rentengüter zu erstehen, durch die ihre Zukunft mindestens ebenso gesichert ist wie durch eine Anstellung. Nach§ 21 des MannschaftSversorgungsgesetzes vom 31. Mai 1906 erhalten Unteroffiziere bei der Entlassung aus dem Militär- dienst auf ihren Antrag an Stelle des Zivilversorgungsscheines eine einmalige Geldabfindung von 1500 M. Diese Summe, die auf 2000 M. zu erhöhen wäre, würde dann das Kapital bilden, mit dem der Unterofjizier die Anzahlung bei Kauf des Renten- gutes leisten kann. Es ist beabsichtigt, den Unteroffizieren Rentengüter von einer Größe von rund 10 Hektar zu überlassen, bei denen die Anzahlung ungefähr 4000 M. beträgt. Bei geringem eigenen Vermögen wäre also die Anzahlung leicht zu leisten. Es könnte aber auch die ge- ringere Anzahlung durch eine erhöhte Amortisationsquote aus- geglichen werden. Die Regierung beabsichtigt, den Unteroffizieren die Bezah- lung des Restkaufgeldes und die Verzinsung des Restkapitals sehr zu erleichtern, damit sie ein ruhiges und angenehme? Leben führen können. Aus diesem Grunde soll die bei Ankauf von kleinen Bauerngütern übliche Zahlung von 4 Proz. auf 2X Proz. anfangs ermäßigt werden. Späterhin, wenn der Hausstand schon fest gegründet ist, wäre eine kleine Erhöhung dieses Prozent- satzeS zur Durchführung der Amortisation notwendig." Von dieser Absicht der Regierung ist in den weitesten Kreisen noch nichts bekannt. Wenn die Militärverwaltung den aus- gedienten Unteroffizieren höhere Beträge bezahlen will, ist dazu die Einwilligung deS Reichstags erforderlich. Vermutlich steckt die Ansiedelungsgesellschaft hinter diesem Plane, deren seitherige unter strahlender Sonne, inmitten der malerischen Bergketten Tos« kanas hat in dem einstigen Amphitheater von Fiesole die erste Frei- lichtaufführung der Sophokleischen Tragödie stattgefunden— ein >roßes Ereignis für das kleine Fiesole und für das ganze Florenz. Eommaso Salvinis begabter Sohn Gustavs verkörpene den Helden des Dramas. Das ganze Milieu, die antiken, dem Erd- boden wieder entrissenen Thermenreste, die neunzehn halb- vergrasten mächtigen Ouaderreihen des römischen Amphi- theaterS, die wunderbar sanften Berglinien deS Apennin atmen inmitten der lachenden Schönhüt des Lenzes eine wahrhaft klassische Stimmung. Der Hauch klassischen Altertums und der Atem antiken Lebensgefühls ging'von dem Ganzen auS und übertraf alle Möglichkeiten der klügsten intellektuellen Rekonstruktion. Selbst hier im Freien drang jedes Wort bis zu den letzten Ouaderreihen. und diese Verkörperung der Oedipus-Tragödie hatte al» mächtigen Bundesgenossen noch die TemperamentSverwandtschaft aller üdlichen Völker. Da gewannen die großen Erzählungen und die ergreifenden Anrufungen jene Lebendigkeit, um die wir kühleren nordischen Völker so schwer und oft so vergeb- lich ringen müssen. Auch der Chor, wenn auch ungeschickt gestaltet und nur durch einzelne Sprecher vertreten, wurde in diesen, Raum unentbehrlicher und fördernder Teil der Handlung. Hier verstand man, wie viele», daS uns als„klassisch" abgerückt erscheint, bei solcher Interpretation volle ursprüngliche Lebendigkeit erhält und doch frei bleibt von jeder Anwandlung eine« platten Realismus. Und inmitten der großen Linien der freien Natur treten auch die großen Linien des Schicksals und der Charaklere mit monunieiitaler Größe hervor. Als Oedipus den berühmten Anruf an die Sonne zum Himmel emporschleudute, an die Sonne, die hier wirklich in unbekümmertem Glanz auf den unschuldig Schmachbedeckten herableuchtete, da stieg für uns das Schicksal des Verfluchten zu erschütternder tragischer Wirkung empor. Mag die Auftührung im übrigen auch manche Schwächen gezeigt haben: sie hat gelehrt, daß edles Pathos und volle Lebendigkeit Hand in Hand gehen können. Romanischem Geiste bleibt Sophokles kein fremder „Klassiker", hier wird er zum Sprecher deS VolkSgeisteS. Körperschönheit und Industrie. Der italienische Soziologe Achille Loria weist in der„Nnova Antologia" aus die großen Unterschiede hin, die zwischen der Körpergestalt der Arbeiter von heute und der der Handwerker und Arbeiter von ehemals zu konstatieren find; während der Handwerker von einst sich durch männliche Schönheit auszeichnete, ist der Arbeiter unserer Tage gewöhnlich ein häßlicher. verkümmerter oder jedenfalls nicht besonders schön gestalteter Mensch. Loria meint, daß die Schuld an dieser Degeneration des Körpers unsere fieberhast arbeitende Industrie trage, die dem niodernen Menschen, ganz gleich ob es ein Kind oder ein Erwachsener sei, unab- lässig eine freudlos», einförmige, seelenlose Arbeit auferlege. Der Industriearbeiter zeige deshalb auch unebenmäßige Züge, die man z. B. bei dem Landmann nicht finde, weil dieser einer abwechselungS' reicheren und daher auch nicht so sehr entstellenden Arbeit ergeben Tätigkeit ein einziges getvaitiges Fiasko bed'euie?. Ob Levic, die 12 Jahre in der Großstadt beim Militär gedient haben, sich dazu eignen, auf«ine weltferne polnische Klitsche verpflanzt zu werden. ist denn doch noch sehr die Frage, und deshalb erscheint es noch keineswegs sicher, daß der Reichstag einem solch abenteuerlichen Plane zustimmen wird.._ Ein nationalliberaler Staatsmann. Wie unser Parteiblatt in Hannover, der„Volkswille" berichtet, hat der nationalliberale Abgeordnete für den Reichstags- Wahlkreis Hameln-Springe, Herr Hausmann, eine Abordnung des Vorstandes der Allgemeinen Ortskrankenkasse in Hameln empfangen und auf deren Protest gegen die in der Reichstags« kommission beschlossene weitere Verhunzung der ReichsversicherungS- ordnung erklärt: Er bedaure eS sehr, daß diese Aussprache nicht ein halbes Jahr früher stattgefunden hätte, feine Stellungnahme wäre dann vielleicht in manchen Dingen eine andere gewesen. Herr HauSmann hat auch zugegeben, daß die wüste Hetze gegen die angeblich sozialdemokratische Mißwirtschaft übertrieben sei; auS seinem, dem 9. hannoverschen Wahlkreise, wäre ihm überhaupt nichts Derartiges zu Ohren gekommen. Herr HauSmann hat dann der Ab« ordnung versprochen, in mehreren Sachen für eine Verbesserung einzutreten, wie bei der Mutterschaftsversichernng usw. Ueber die Hauptsache, das Zertrümmern de? Selbstverwaltungsrechts, hat sich Herr HauSmann natürlich auSgeschwiegen; er will seine Stellung davon abhängig machen, wie das Material, daS man als Beweis für die angebliche Mißwirtschaft im Plenum vorbringen will, ausfallen wird I Herr Hausmann hat auch der Abordnung gegenüber erklärt, daß seiner persönlichen Ueberzeugung nach die ReichsversicherungS- ordnung überhaupt nicht von dem alten Reichstag fertiggestellt werden dürfe, sondern daß diese Materie vor daS Forum einer neuen Volksvertretung gehöre. Mit Recht ist ihm daraus von den Arbeitervertretern der Abordnung erklärt worden, daß es in seiner Hand läge, innerbalb seiner Fraktion dahin zu wirken, daß diese sich nicht zum Mitschuldigen machen soll und vielleicht daS Gesetz durch eine erneute Vergewaltigung der Minderheit durch den Bruch der Geschäftsordnung zur Verabschiedung zu bringen, sondern dafür zu sorgen, daß daS Gesetz in dem alten Reichstage nicht zustande käme.— Nach diesem Berichte deS„VolkSwillen" muß Herr HauSmann einer jener kuriosen Politiker sein, wie man sie in ihrer ganzen Schönheit nur in der nationalliberalen Partei findet. Er ist selbst Mitglied der ReichSversicherungSlommission, aber trotzdem über die Gründe der Ortskrankenkassen gegen die beschlossenen Bestimmungen nicht im geringsten unterrichtet. Ferner hat er über daS Selbstver- waltungSrecht der Kassen keine eigene Meinung und hält den jetzigen Reichstag überhaupt nicht ldasür geeignet, die Materie gesetzlich zu regeln, stimmt aber, wennS verlangt wird, dennoch im entgegen« gesetzten Sinne mit seiner Fraktion. Echt nationalliberal I Der Zentralverband Deutscher Industrieller und die Privatbeamtenversicherung. Die Delegiertenversammlnng des Zentralverbandes Deutscher Industrieller nahm im weiteren Verlauf ihrer Verhandlungen, über die wir bereits berichtet haben, zum Versicherungsgesetz für die Privatbeamten Stellung. Der erste Referent, Professor Dr. Moldenhaner(Köln) äußerte fich mißbilligend über die Stellungnahme deS Hauptausschusses der Privatangestelltenverbände und bedauerte, daß die Regierung mit der Industrie nicht so enge Fühlung genommen hat, wie mit dieser Vertreterschaft von Interessenten. Die Industrie habe sich mit wenigen Ausnahmen gegen die vorgeschlagene Form de« Gesetzes erklärt. Zu beanstanden sei hauptsächlich, daß der Entwurf den Versicherungszwang auf Personen ausdehnt, welche durch Selbsthilfe für ihre Zukunft Sorge tragen können. DaS Reich zahle nach der vorgeschlagenen Fassung nicht einen Pfennig Zuschuß. dafür haben aber die Versicherten nicht einmal eine Teilnahme an der Verwaltung. ES dränge sich die Frage auf, ob nicht der Ausbau der Invaliden- Versicherung besser wäre. Die Bedenken der Regierung dagegen könnten nicht austecht erhalten werden. Wenn die Re- gierung fürchtet, auf diesem Wege die Wünsche der Angestellten hin« sichtlich der Höhe der Versicherung nicht befriedigen zu können, so muß dagegen gesagt werden: es kommt nicht auf die Wünsch« der Interessenten, sondern darauf an, was den Gesamtinteresscn frommt. Die Frage der sogenannten LerufSinvalidität ist nicht so schwierig zu lösen, denn eS sei nur eine geringer Unterschied zwischen dem Begriff der allgemeinen Invalidität und dem vorgeschlagenen der set. Sin für das Schöne begeisterter Weltreisender, der in den ver- schiedensten Ländern der Erde die wahre Frauenschönheit gesucht habe, erzählte Loria, daß er die Vollkon, mene Schönheit nur in Scanno, einem fern von der Eisenbahn und vom Welt- verkehr gelegenen, primitiven, sozusagen noch jungfräu- lichen Abruzzenörtchen, gesunden habe; hier leuchteten den entzücklen Augen des Schönheitssuchers auf SSritt und Tritt bezaubernde griechische Profile mit tiefschwarzen Augen ent« gegen. Aber wie lange nocb, und die Schönheiten von Scanno werden sich auch in triviale AlltagSgefichter gewandelt haben I Man wird auch in dem weltverlorenen Abruzzenflecken die alles zernagende und nivellierende Industrie kennen lernen, und dann wird eS rasch vorbei sein mit den klassischen griechischen Profilen. DaS ist durch- auS kein Phantafiegebilde. sondern durch Tatsachen erhärtete Wahrheit! Die Frauen von Burano waren einst Wunder von Schönheit, verloren aber noch und nach alle Reize, als sie nach Einführung der Spitzenindustrie hart arbeilen mußte». Und dann noch ein Beispiel:„In einer Stadt Piemonls", schreibt Loria,„und in einer anderen, zwischen Mailand und Turin gelegenen Stadt war die weibliche Jugend, bevor die industriellen Etablissements a»S dem Boden wuchsen, außerordentlich schön und so kräftig und üppig, daß die beiden Hauptstädte von dort viele ihrer Ammen bezogen; nach der Errichtung der Fabriken aber wurden die Frauen so ausgemergelt und kraftlos, daß man tiefstes Mitleid empfindet, wenn man sie zu sehen bekommt." DaS Ausspucken ist verbeten! Eine köstliche Szene ereignete fich dieser Tage in P e t e r S b u r g. Auf einer der kürzlich eröffneten Kunstausssellnngen war u. a. das Bild des berüchtigten Mitarbeiters der offiziösen„Nowoje Wremja", deS Schriftsteller« Mensckikoff, aus- gestellt, das die abstoßenden Züge diese« literarischen Spitzels und Hetzer« in formvollendeter Weise wiedergab. Da der Künstler die Gefühle, die dieses Bild auslösen mußte, sehr gut kannte, hatte er das Bild, entgegen dem üblichen Brauch, mit Glas versehen. DaS Publikum gab indes seinen Gefühlen in anderer Weise Ausdruck, und das Bild erwies sich bald von oben bis unten bespuckt. Darauf brachte die Administratlou an dem Bilde ein Plakat an. aus welchem stand: »ES wird gebeten, nicht zu spucken l" Notizen. -- Die Große Berliner Kunstausstellung wurde am Sonnobendnachmittag eröffnet. Sie umfaßt 2520 Nummern und enthält u. a. eine historische Ausstellung Berliner Kunst von 1880 bis 1850. Wie der Präsident Langhammer inch« EröffiumgS» rede besonder« betonte, ist hie Ausstellung wesentlich deutsch, von Ausländern ist nur Schweizer Künstlern Raum gewährt, CcrufSlttbalibiiSt zu finden. In beziig auf die Witwen« und Waisen» Versicherung sollte bei den Angestellten ebensogut wie bei den Arbeitern das Prinzip gelten, daß nur erwerbsunfähige Witwen Rente erhalten. Es seinicht zutreffend, dah deMusbau der Invalidenversicherung so sehr viel losten würde. Er schätze diese Kosten auf rund SO Millionen, während die Sondervcrsicherung die Industrie 00 Millionen jährlich kosten würde. Bei Stichproben in rheinischen Werken hatte sich dieses Verhältnis fast überall als zutreffend herausgestellt. ES würden überhaupt nicht mehr als 400 000 neue Versicherte zur Invalidenversicherung hinzukommen. Daher würde der Verfall von Versicherungen sich nicht so eminent steigern, wie befürchtet wird. ES müsse verlangt werden, dag der Gesetzentwurf nicht ans Wahlrücksichten übers Knie gebrochen wird lSchr richtig I), sondern daß erst neue zahlenmäßige Erhebungen über die Kosten eines Ausbaues der Invalidenversicherung angestellt werden. Die Eile sei gar nicht so groß, da das Gesetz infolge der Karenzfrist erst in zehn Jahren in Kraft treten könne. Dem vorliegenden Gesetz- entwurs aber müsse die Industrie ihre Zu st im- mung versagen. Der zweite Referent, Mathematiker vom.Nordstern' Schein- g a l l a behandelte die versicherungStechnischen Unterlagen des Entwurfs, der dritte Referent, Justizrat W o n d e l(Effen) verlangte die Zulassung von Ersatzkaffen(Werks-PensionSkassen, von privaten LebenSversicherungSvcrträgen, KnappschaftSkaffen) in weitem Umfang In der einstimmig angenommenen Resolution wurde ausgesprochen� „In Anbetracht der schwerwiegenden Einwurfe, welche gegen den vorliegenden Entwurf erhoben werden müssen, kann ihn der Zentralverband Deutscher Industrieller nicht für eine geeignete Grundlage einer Zwangsversicherung der Angestellten ansehen. Der Zentralverband hält es für notwendig, daß eingehende Unter- fuchungen darüber angestellt werden, ob nicht die sachlich überaus wichtige Frage der Angestelltenversichcruna auf einem anderen Wege. etwa auf dem des Anschlusses an die Jnvalienversicherung. einer befriedigenden Lösung entgegengesührt werden kann.... Der Zentralverband wird seine Mitwirkung bei den zur völligen Klarstellung der ein- fchlägigen Verhältnisse erforderlichen statistischen Erhebungen gern zur Verfügung stellen. Der Zentralverband muß gegen die Annahme dieses Entwurfes auf das allerentschieden st« Stellung nehmen. Er muß er- warten, daß seinen Einwendungen gegenüber politische Beweggründe von vorübergehender Bedeutung, insbesondere Wahlrücksichten voll- kommen zurückgestellt werden und daß darum ewe überstürzte An- nähme des Entwurfs unterbleibt.' frattkreidi. Monis gegen die Maifeier. Paris, 23. April.(Eig. Ber.) Die Polizei war stärker als die radikalen Prinzipien. Die Regierung hat die vom Gewerkschafts- verband des Seine-Departements vorbereitete Straßenkundgebung untersagt und gibt dem Polizeipräfekten den Auftrag, sie zu verhindern. Es war also vergeblich, daß die Organisatoren den Nachdruck auf den friedlichen Charakter der Demonstration gelegt haben und ganz umsonst haben die insurrektionellen„Jungen Gar- den" diese Parole anerkannt. Herr Läpine duldet nun einmal keine„Zusammenrottungen". Er hat unlängst die harmlosen Fa- milienväter, die für eine materielle staatliche Anerkennung des Kindersegens manifestieren wollten, brutal auseinanderjagen lassen und hat offenbar keine Lust, just in der Frage der Arbeiterkund- gedungen einen Präzedenzfall zu schaffen. Denn gelänge erst eine Straßenkundgebung, wäre die ganze glorreiche Polizeitaktik, die . Wissenschaft von den„kleinen Paketen", in die der Massenwill« von Poltzistenfäusten parzelliert wird, zu Tode getroffen. Und mit seinem Lebenswerk müßte Herr L-pine selbst verschwinden. Diesen mächtigen Mann, der so vieles kann und noch mehr— weiß, wagt aber keine Regierung preiszugeben, der wohlmeinende Herr Monis so wenig als der niederträchtige Briand. Der einzige Unterschied ist, daß Monis sein Verbot in einen dicken Brei von demokratischen Phrasen eingerührt hat. Die Manifestation würde eine„tiefgreifende Störung" in das Leben der Stadt und die Freiheit aller Bürger bringen. Es könnten— Gegenmanifestationen stattfinden(vermutlich von Aktionären der Eisenbahnen. diesen„Eisenbahnern der Sparsamkeit", wie ein von den Scharf- machern zu poetischen Ergüssen bestellter Journalist so schön sagt) und dann gibt es„politische Elemente-verdächtigen Ursprungs" und„ausgesprochen anarchistische Elemente", die die ja sicher aner» kennenSwertcn friedlichen Absichten der Organisatoren durchkreuzen könnten. Sicherlich—„eines TageS" wird eS möglich sein, an derlei Kundgebungen zu denken. Aber dazu bedarf eS der„Vor« bereitung", der„langen Vernünftigkeit der Massen" und dann auch wird daS Gesetz noch Vorsichten. Verantwortlichkeiten, Verein- barungen mit den Autoritäten stipulieren müssen. Kurzum, eine Freiheit, die in anderen, mit öffentlichen Autoritäten vollauf auS- gestatteten Staaten schon mehr oder minder gerne zugestanden worden ist. wird in der auf das allgemeine Wahlrecht gegründeten Republik so ungefähr auf den Tag nach Beendigung sämtlicher politischen und Klassenkämpfe und nach vollendeter Erziehung sämt- licher Staatsbürger zu Musterknaben verschoben. Man muß eS dem„Temps" lassen, daß er recht hat, wenn er schreibt:„Die Sprache des Herrn Monis ist dieselbe, die die Herren Briand, Clemenceau. Bourgeois, Ribot, Dupuy, Meline, Ferry geführt hätten." In der Tat. das Verbot der Maikundgebung zeigt, daß der Radikalismus nicht einmal diejenigen demokratischen Prinzipien verwirklichen will, die sich mit der Existenz deS kapita- listischen KlassenstaatS sehr wohl vereinbaren lassen. ES ist die zweite große Enttäuschung jener Parteigenossen, die mit I a u r i S erhofft haben. auS dem Konflikt der Regierung mit den Eisenbahn- gesellschaften wegen der Wiedereinstellung der Gemaßrcgelten würde sich eine kühne Initiative der Demokratie zum Kampf gegen die großkapitalistischen Klüngel entwickeln. In der äußeren Politik haben die R e g n a u l t und E t i e n n e die Intervention in Marokko durchgesetzt, in der inneren fuhrt Herr Ltpine das Kommando. Dieser doppelte Sieg des kapitalistischen Gewalt- staates bedeutet aber nicht nur eine moralische, sondern auch die politische Niederlage des Radikalismus. Was Monis auf der Seite der Arbeiterschaft verliert, wird er auf der der Kapitalisten nicht gewinnen. Er verliert die Kraft, gegen die Eisenbahnkapitalisten erfolgreich zu kämpfen und wird doch nicht von der Großbourgeoisie für seine bescheidenen Versuche, sich von ihrer Diktatur zu emanzipieren, den Pardon erlangen. Auch wenn der Entschluß des Gewerkschaftsverbandcs, die Demonstration dennoch durchzuführen, nicht durchgesetzt werden wird, so ist doch der Waffenstillstand zwischen der Regierung, der Republik und dem Proletariat, der dem Sturz Briands folgte, abgebrochen. Die Hoffnungen auf den„neuen Kurs" werden wohl nicht mehr lange vorhalten, aber auch diesem selbst läutet die Totenglocke, Mobilisierung gegen die Arbeiter. Paris, 29. Avril. Die Regierung hat angeordnet, daß zur Aufrcchterhaltung der Ordnung ain 1. Mai 28 Re» gimenter. darunter 8 Regimenter Kavallerie aus den bc- Nachbarn Garnisonen, päd) Paris kommen sollen. Englanä. Ei» liberaler Verlust. London, 28. April. Bei der Nachwahl in Eheltenham, wo jüngst daS liberale Mandat insolge WahlprotestS kassiert worden war, wurde heute der U n i o n i st G a r d n e r mit 4043 Stimmen in das Unterhaus gewählt. Der Liberale Mathias erhielt 4030 Stimmen._ Spanien. Tie Maifeier. Madrid, 29. April. Die Arbeitervereinigungen der großen spanischen Städte rüsten für eine allgemeine Feier des 1. Mai. In Barcelona, Bilbao, Ferrol, Oviedo, Neus und La Coruna werden große Demonstrations- z ü g e stattfinden. Die sozialdemokratische Partei will die Feier des 11. Mai benutzen, um glcidzzeitig zugunsten einer RevisiondesFerrer-Prozesseszu demonstrieren. Portugal. Monarchistische Umtriebe. Lissabon, 20. April.(W. T. B.) Unter der Beschuldigung der Verschwörung gegen die Regierung sind verschiedene Per- sonen verhaftet worden, darunter der Bruder des Grafen A g u e d a, eines Anhängers des alten Regimes. Der Graf selbst ist geflohen. In seiner Wohnung sind belastende Schriftstücke heschlag- nahmt worden-------•.__/ Marohko. • Brdmond in Fez. � Tanger, 29. April. Wie amtlich gemeldet wird, ist die Mahalla des Majors Brömond am 26. April in Fez ein getroffen._ Das Treiben der Kolonialcliqne. Paris, 29. April. Jaurds schreibt in der„Humanitä": Es tritt jetzt zutage, daß Frankreich von den Anstiftern der Marokko expedition in der abscheulichsten Weise irregeführt worden ist, welche erklärten, daß Fez unterliegen müsse und sich nicht mehr verproviantieren könne. Jetzt erfährt man, daß die Stadt sich immer noch hält, daß nicht einmal die Lebensmittel im Preise ge stiegen sind, daß der Getreideprei» wie im Vorjahre drei Frank pro 50 Kilo beträgt, daß daS Kilo Fleisch 70 Centimes kostet, und daß die Verbindung zwischen Fez und Tanger niemals unterbrochen war. Man hatte behauptet, daß Major Brämond keine Munition mehr habe. Jetzt gibt man zu. daß er noch 2ö0 000 Patronen und noch für mehrere Wochen Proviant besitze. Man hatte ferner behauptet. Muley Hafid habe um eine französische Ex- pedition nachgesucht. Man möge doch nur ein einziges Schriftstück aufweisen, aus welchem dies hervorgeht. Alle Angaben seien über- trieben worden, um der öffentlichen Meinung einzureden, daß eine große militärische Operation in Marokko unabweisbar sei. Sine andere Politik war und ist noch immer möglich._ Erregung der Stämme. Madrid, 29. April. Dem.Heraldo" wird aus Melikla ge- meldet, daß die Stämme des östlichen RiffgebteteS häufige Zusammenkünfte abhalten, in denen Redner für eine Erhebung gegen die Spanier und Franzosen agitieren und die Kabhlen auffordern, sich Waffen und Munition zu kaufen. Die Reden sollen bisher keine große Wirkung erzielt haben. Dasselbe Blatt meldet aus Nemours(Algier), die nach Taza marschierende französische Kolonne sei von den Kabylen angegriffen worden und habe nach heftigem Kampfe den Marsch fortgesetzt. Die Franzosen hätten fünfzehn Tote und zwanzig Verwundete, die Verluste der Kabylen seien unbekannt. Sozlakd. Ein Rentenquetsch-Spitzelbureau. Einer aus jener Klasse, die die Reichsversicherungsordnung zu Geschäftsführern und Beamten der Ortskrankenkassen an Stelle von Personen machen will, die aus dem Vertrauen der Arbeiter heraus gewählt, deren Interessen wahrnehmen, sucht die durch Unfälle im Betriebe oder durch andere Wechsel fälle im Leben arbeitsunfähig gewordenen Arbeiter zu besonderen Ausbeutungsobjekten zu machen. Der die Kommissionsbeschlüsse zur Reichsversicherungsordnung beseelende Haß gegen die Arbeiterklasse und die Geringschätzung kapitalistischer Eigensucht gegenüber den erwerbsunfähig Gewordenen hat ihn zu folgendem Plan ermutigt: Es sollen die Berufsgenossenschaften die Rentenempfänger durch ein Kon- trollbureau, als dessen Vorsteher er sich empfiehlt, ständig bespitzeln lassen, um ihnen die Renten zu kürzen oder ganz abzujagen. Die leider sckion heute bestehenden Nadiforschungen durch Detektivbureaus genügen dem Herrn nicht. Doch lassen wir ihn selbst reden. Der Herr, ein pensionierter Polizeileutnant und Hauptmann der Land- w e h r- F u ß a r t i l l e r i e. hat an die Vorstände der in Berlin domizilierenden Berufsgenosscnschaften folgendes An- erbieten gesendet: Berlin. 18. April 1911. An die Vorstände der in Berlin domizilierenden Berufsgenossenschaften. Berlin. ?. P. Die sich immer mehr und mehr zeigenden Bestrebungen von Rentenempfängern, trotz aller Besserungen und Wieder- Herstellungen die einmal bewilligte Rente zeitlebens, mindestens aber solange wie möglich, unverkürzt zu behalten, macht nament- lich in größeren Städten, wo einer den anderen nicht kennt, eine Beobachtung der Simulanten notwendig. Beim Fehlen jeder Kontrolle erfahren die Berufsgenossenschaften, namentlich bei' der rücksichtsvollen Behandlung von feiten gewisser Aerztekreisc, welche sich auf Grund der subjektiven Angabe der Verletzten zu den unglaublichsten Beurteilungen verstehen, unberechenbare Schädigungen. Ihnen zu begegnen, bleibt den Genossenschaften, welche ihre Rentenempfänger nicht in gleicher Weise wie die Krankenkassen ihre Patienten unter ständiger Kontrolle zu halten in der Lage sind, nur der Weg zur Selbsthilfe durch Schaffung gemeinsamer K o n t r o l l st a t i o n c». Und zwar des- halb, weil jede Benutzung von Privatdetektiv-Jnsti- tuten, abgesehen von den zu hohen Kosten, ein gewisses Odium hervorrufen und auch in den Augen der entscheidenden Stellen vielleicht die Bekundung derartiger, geschäftsmäßig betriebener Institute geringwertig erscheinen lassen könnte und anderes mehr. AuS diesen Gründen bin ich, der ich mich schon länger mit der hier erörterten Angelegenheit beschäftige, von der E r r i ch- tung eines eigenen Bureaus für besagten Zweck nach reiflichen Erwägungen abgekommen und unternehme ,-s hiermit, alle in Berlin domizilierenden Bcrufsgenosscn- schasten für meine Ideen und meinen hiermit zur Kenntnis unterbreiteten Plan zu interessieren. Derselbe geht da- SiBe cia ßcfflcinfqmeä Nuxegzz Ulld zwar SU- «Schst für Berlin Lnti Porörke'einzurichten, welchem alle zweifelhaften Fälle zur Recherche überwiesen wer- den, und dessen Kosten nach Maßgabe der im Jahre erledigte» Fälle aus die beteiligten Bcrussgenosscnschaftcn zur Umlage ge- langen. Als pensionierter Polizeileutnant, der noch heute mit allen Behörden in Fühlung st cht, genaue Kenntnis der Arbeiter undson» st igen großstädtischen Verhältnisse besitzt. auch über hervorragende Kräfte von che- maligen Kriminalbeamten tadelloser, ein- wandfreier Führung verfügt, bin ich bereit und auch wohl qualifiziert, die Leitung eineS solchen Bureaus und die ebenfalls nicht zu entbehrende Ueberwachung seines Personals z u ü b e r n e h m e n. Mit Referenzen über meine Perion stehe ich persönlich jederzeit zur Verfügung, ebenso mit evtl. näheren Details über die zielbewußte Durchführung meines Planes, an dessen Erfolg sicherlich nicht zu zweifeln sein wird., Vielleicht treten auf meine Anregung hin zunächst einmal die Herren Direktoren der Berufsgenossenschaften zusammen, um sich wegen der zweckmäßigsten Art einer derartigen Organisation zu besprechen und schlüssig zu machen. Ihres gütigen Bescheides gern gewärtig, habe ich die Ehre unter dem Ausdruck der vorzüglichsten Hochachtung zu zeichnen ganz crgebenst Wulkow. pensionierter Polizeileutnant und Hauptmann der Landwehr-Fuß-Artillerie. W. 57, Frobenstr. 24. Der Herr ist tveri, Ehrenpräsident der Scharfmacher- Parteien, einschließlich des Zentrums, zu werden, die sich zu- sammengeschlossen haben, um aus einer Arbeiterversicherung eine Versicherung von brüchig gewordenen Existenzen aus der bürgerlichen Klasse unter dem Titel„Reichsversicherungs- ordnung" zu machen._ Gegen die Entrechtung der Krankenkassen sprach sich in einer kürzlich in Königsberg abgehaltenen Versamm- lung auch der freisinnige Abgeordnete Gyßling. aber in einer den jetzigen Rechten der Arbeiter keineswegs Rechnung tragenden Weise. üus. Er führte u. a. auS: „Ich bin dafür, daß die Grundsähe der Selbstverwaltung aufrechterhalten werden; entweder Selbstverwaltung oder Bureau- tratie. Jeder Schein der Selbstverwaltung ist zu verwerfen. Es genügt, gegen etwa vorhandene Mißstände bei den Ortskranken- kassen Kautelen zu schaffen. Mißgriffe können bei den Orts- krankenkassen ebenso vorkommen wie bei der kommunalen Selbst- Verwaltung, daraus läh sich aber kein Recht herleiten, die Selbst- Verwaltung der Krankenkassen zu unterbinden. Ich stimme auch dem bei, daß die kleinen Kassen ein Schaden in der Arbeiter- Versicherung sind, sie helfen dem Versicherten nicht in ausreichen- dem Maße und graben den großen Kassen das Wasser ab. Er sei ebenfalls der Meinung, die vertraglichen Rechte der jetzigen An- gestellten der Krankenkassen dürfen nicht beseitigt werden, und wenn eS sich im einzelnen nicht umgehen lasse, müsse eine Eni- fchädigung gewährt werden. Der Gesetzgeber dürfe wohlerwor- bene Rechte nicht einfach beseitigen. Zur Frage der Politik in den Krankenkassen halte er es für ganz natürlich, daß, wenn irgendwo die Mehrzahl der Angestellten einer bestimmten politi- schen Partei angehören, sich auch einmal politische Einflüsse gel- tend machen können, bei jeder Partei komme das vor. Daraus aber Folgerungen zu ziehen, halte er für verfehlt. Ich stimme dem Vorredner bei, dah diejenigen erst vor ihrer Türe fegen sollten, die gegen die Kassen zu Felde ziehen. Aber— meinte er — wenn er auch der Ansicht sei, die Arbeitgeber könnten zu grüße- ren Leistungen herangezogen werden, so sollten doch Arbeitgeber und Arbeitnehmer die gleichen Rechte in der Verwaltung haben." Wenn der Abgeordnete Gytzling mit seinen letzten Ausführun- gen meinte, es sollten die Arbeiter in den Ortskrankenkassen nicht mehr zwei Drittel Stimmen im Vorstand haben, so steht seine Auffassung mit der. die freisinnige Abgeordnete in den 80er und 90er Jahren ausgesprochen haben, in Widerspruch. Die Kranken- kassen sollen Fürsorge gegen Krankheiten der Arbeiter, nicht der Arbeitgeber, tragen. Schon die jetzige Beteiligung der Arbeitgeber an der Kassenverwaltuna ist eine Bevormundung. Ein Recht, zu gleichen Teilen wie die Arbeiter an der Verwaltung teilzunehmen. verkürzt, auch wenn die Arbeitgeber nominell den gleichen Beitrag leisten würden und die von der Vorlage ermöglichten Eingriffe der Behörden empfinden, erheblich das bestehende Recht der Arbeiter zum Schaden der Volksgesundheit. � IZng Induftric und ftendcL Der deutsche Schiffsbau im Jahre 1919. Der Schiffsbau auf deutscben Privatwerften hat im abgelaufenen Jahre einen ziemlich starken Aufschwung genommen. ES waren im Bau begriffen: 1907 1908 1909 1910 Zahl der Schiffe. 1424 128« 1187 130S Bruttogehalt in Registertonnen 784 627«93 877 589 948 751 890 Von den 1910 im Bau begriffenen Schiffen waren 52 Kriegs« schiffe mit 178083 Registertonnen, 1093 Kauffahrteischiffe mit 556 345 Registertonnen und 160 Flußschiffe mit 17 462 Register« tonnen. Zurückgegangen und zwar nicht unerheblich sind allerding« die fertig gestellten Schiffe. Wenn auch ihre Zahl von 814 aus 910 gewachsen ist, so ist doch der Inhalt an Registertonnen, aus den eS in erster Linie ankommt, gesunken und zwar von 327 230 im Jahre 1909 auf 265 313. Diese Abnahme trifft ausschließlich die Kauffahrteischiffe, deren Tonneninhalt sich von 298 330 auf 209 270 verminderte, während der Tonneninhalt der fertiggestellten Kriegs» schiffe sogar eine Steigerung von 21 030 auf 44 343 erfuhr. Jeden» falls läßt die starke Steigerung der im Bau begriffenen Schiffe, die auf große Aufwäge am Schlüsse des JahreS zurückzuführen ist, hoffen, dah das nächste Jahr reichliche Arbeitsgelegenheit auf den Werften bringen wird._ Der marokkanische Handel. Einem deutschen Konsulatsberichte zufolge hat sich der Auslands« Handel von Marokko seit der Konferenz von AlgeciraS gut entwickelt. Er stieg von 88 Millionen im Jahre 1905 auf 124 Millionen im Jahre 1909. Der deutsche Handel, der sich in den Jahren 1905 und 1906 zwischen 10 und 11 Millionen Mark bewegte, hat seit 1907 die Höhe von rund 13 Millionen erreicht. Für die vier hauptsächlich in Betracht kommenden Länder ergaben sich folgende Handelsziffern im See- und Ueberlmidverkehr mit Marokko: in Millionen Mark 1905 190« 1907 1908 1909 England... 28.3 30.8 34.3 45.« 50.2 Frankreich.. 34.8 87.9 33.7 40.5 46.5 Deutschland.. 10.5 10.8 13,0 13,0 13,0 Spanien... 4.7 4.6 4.3 3.7 6.2 Gesamthandet. 33.« 95.7 92,7 110,7 124.4 Wenn auch der englische und der französische Handel größere Interessen in Marokko zu vertreten haben als der deutsche, so lohnen sich doch keineswegs für diese verhältnismäßig geringen Summen die Unkosten, in die sich jetzt Frankreich für Marokko gestürzt hat. Roch weniger würden sich aber Blut und Kosten eines Krieges lohnen, in den unsere Alldeutschen Deutschland gem mit Frankreich um MaroNoS willen verwickeln möchten. A. WERTHEIM G. M. B. H. 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Dem Berbote des Maiumzuges folgte das Verhindern des Anklebens von Plakaten, in denen zum Besuch der Maiveranstaltungen aufgefordert wurde. Jetzt hat es der Behörde ein Maiaus- f l u g angetan, den die Stcttiner Genossen am Morgen des Mai- tages unternehmen wollen. Und da es. wie der stellvertretende Stettiner Polizeipräsident sich ausdrückt, zum Berufe der Polizei gehört, strafbare Handlungen zu verhüten, sandte der Herr Assessor Walther der Redaktion und Geschäftsleitung des„Volksboten" sowie dem Vorsitzenden des Maikomitees folgende väterliche War- nung: „Der Polizeipräsident. Stettin, den 28. April 1911. J.-Nr. 1325/4. Zum Berufe der Polizei gehört die Verhütung strafbarer Handlungen. Unter Bezugnahme auf mein Verbot eines öffentlichen Auf- zuges der Maifeier-Temonstranten vom 18. dieses Monats und aus Anlaß der Maifeieranzeige in Nr. 99 des„Volksboten", nach welcher zwei gemeinsame Treffpunkte für die Teilnehmer an einem sogenannten Maiaussluge auf 7)4 Uhr vormittags festgesetzt worden sind, mache ich daher ergebenst darauf auf- merksam, daß selbst bei einer ganz erheblich geringeren Teil- nehmerzahl wie im Vorjahre der sogenannte MaiauSflug schon infolge der ausgegebenen gemeinschaftlichen Abmarschpunkte notwendigerweise sich zu einem öffentlichen Aufzuge gc- stalten müßte. Das hat sich bei dem vorjährigen Maiaussluge gezeigt, wo, sei es infolge mangelhafter Leitung, sei es abficht- lich der polizeilich in losen, kleineren Truppen zugelassene, von sehr verschiedenen Punkten aus angesetzte Ausflug nach der Eckerberger Forst sich etwa von der Ecke der Pölitzer Straße und der Birkenallee ab zu einem geschlossenen, in Nr. 93 des„Volks- boten" jetzt fälschlicherweise als genehmigt hingestellten öffent- lichen Aufzuge verdichtete. Wenn damals von der Einleitung eines Strafverfahren» abgesehen wurde, so geschah es lediglich, weil nach den gegebenen Umständen den Leitern des Aufzuges «in Verschulden schwer nachzuweisen gewesen sein würde. In diesem Jahre können sich die Mitglieder der Maifeier- Kommission und die sonstigen Leiter der Maifeier nicht wie im Vorjahre auf eine damals auf Nachsuchen hin erteilte polizeiliche Genehmigung von losen Spaziergängertrupps, die sich notwendig oder zufällig weit vor dem Marschziele hätten zusammenfinden müssen, berufen. Auch spricht die Festsetzung gemeinschaftlicher Abmarschpunkte für eine vielleicht wieder nach Tausenden zählende, in den verschiedensten Stadtgegenden, großenteils recht nahe der Eckerberger Forst wohnende Teilnehmermenge für die bewußte Absicht, nicht einen Maiausflug mit lediglich gemeinsamem Endziele, sondern verbotswidrig einen nicht ge- nehmigten öffentlichen Aufzug zu veranstalten. Ich müßte daher, abgesehen von strafrechtlicher Ver- folgung, die Regelung emeL derart organisierten sogenannten MaiauSflugeS von PolizeiwegenindieHand nehmen. Sollte es dabei zu Zusammenstößen zwischen den AuSflugteilnehmern und der Schutzmannschaft kommen, so würde das mir auch Anlaß geben, meine vor- läufige, in Nr. 98 des„Volksboten" beiläufig erwähnte Zusage der Genehmigung eines öffentlichen Aufzuges gelegentlich deS für den 18. Juni geplanten Sommerfcftes der Gewerkschaften Groß-Stettins zurückzuziehen. Eine begründete Berechtigung dafür würde mir die ge- meinsame Unterzeichnung des Aufrufe» zur Teilnahme an dem geplanten Maifcierausfluge durch da» Gewerkschaftskartcll und die Wahlvereine Stettin und Randow-Greifenhagen geben. In Vertretung: W a l t h e r." Auch trotz dieser wohlwollenden Mahnung werden die Stettiner Genossen die Maifeier zu einer würdigen Demon- stration gestalten. Zu einer Demonstration, die sich auch gegen die in Preußen so beliebte polizeiliche Bevormundung des Volkes richten wird. SencKts-Leitung. In da» Treiben von Billetthändlern leuchtete eine Verhandlung hinein, die gestern unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Goebcl die 6. Strafkammer des Land- gerichts I beschäftigte. Wegen Betruges war der Händler Franz Krebs angeklagt. Der Angeklagte ist der Polizei schon seit längerer eit als Billetthändler bekannt.— Am 18. April, anläßlich der achtvorstellung der Berliner Schauspieler im Zirkus Busch, herrschte vor dem Zirkusgeböude ein kolossaler Andrang, obwohl die Billetts längst ausverkauft waren. Der Angeklagte kam nun auf folgenden, recht raffiniert ausgeklügelten Gedanken, um ein gutes „Extrageschäft" zu machen. Er begann mit den Kontrolleuren Schröder und Stachel ein Gespräch, bei welchem er sie bat, ihm doch einen der von ihnen von den Billetts abgerissenen Coupons zu überlassen. Tip beiden Kontrolleure lehnten jedoch dieses An- sinnen ob. Der Angeklagte mußte jedoch von irgendeiner anderen Stelle einen derartigen Coupon erhalten haben, denn er fabrizierte sich mit Hilfe eines anderen Billetts und dieses Coupons ein schein- bar gültiges Billett, welches er an einen unbekannt gebliebenen Herrn, der auch tatsächlich damit in den Zirkus hineinkam, zum Preise von 89 Mark verkaufte. Auf Veranlassung der beiden Kon- trolleure wurde der Angeklagte von dem diensthabenden Polizei- offizier verhaftet, dem er zugab, da» gefälschte Billett für 80 M. verkauft zu haben. Der Verteidiger, Rechtsamvalt Dr. Oskar Cohn, Sichte in längeren juristischen Ausführungen darzulegen, daß eine cstrafung des Angeklagten wegen Betruges nicht eintreten könne. Der Angeklagte habe sich durch den Verkauf des Billett» lediglich verpflichtet, dem Käufer den Eintritt in den Zirkus zu verfchancn, was ja auch geschehen sei. Mangels des Vorliegens einer Ver- mögensbeschädigung müsse deshalb die Freisprechung erfolgen. Das Gericht hielt jedoch einen Betrug insofern für vorliegend, daß der Käufer dock nicht für das an sich völlig wertlose Billett den Preis bezahlt hatte und der Angeklagte auf jeden Fall damit gerechnet hatte und rechnen mußte, daß der Käufer an der Kontrolle ange- halten wird. Das Urteil lautete auf 3 Wochen Gefängnis, Eine Liebestragödie, welche mit dem Selbstowrde eines verheirateken Briefträgers ge- endet hatte, spielte in eine Unterschlagungssache hinein, welche gestern die 6. Straflammer des Landgerichts l beschäftigte. An- geklagt war eine Frau Martha Zochert. Die Angeflagte, welche ver- heiratet und Mutter dreier Kinder ist, verwaltete im vorigen Jahre eine Filiale der Großbäckerei Hanke. In dem Geschäft machte sie die Bekanntschaft de» Briefträgers Schulz, der ebenfalls verheiratet ist. Zwischen beiden entwickelte sich ein Liebesverhältnis, welches dazu führte, daß sie den Plan faßten, gemeinsam zu flüchten.� Am 14. November vorigen Jahres ivurde dieser Plan auch ausgeführt. Die Angeklagte eignete sich die Tageskasse in Höhe von 289 M. an und fuhr mit Schulz in die Welt hinaus. Das Pärchen lebte einige Zeit herrlich und voller Freuden. Als schließlich das Geld alle war, wurde die Angeklagte von der Reue gepackt. Sie kehrte freiwillig zurück nach Berlin, tvährend Schulz aus Furcht vor Strafe sich eine Kugel in die Schläfe schoß, welche ihn svsort tötete. Das Schöffengericht batte die Angeklagte zu 2 Wochen Ge- fängnis verurteilt. Die von ihr hiergegen eingelegte Berufung wurde von der Strafkammer verworfen. Sind Militärpferde LuxuSpferde? Durch die Novelle zum Tierhalterparagraphen(Z 833 des Bürgerlichen Gesetzbuchs) ist leider bestimmt worden, daß der Tier- Halter für Tierschaden nur dann in der üblichen Weise zu haften habe, wenn die Schäden durch LuxuStiere angerichtet werden. Da- gegen ist bezüglich der im Dienste der Hauswirtschaft oder der Berufstätigkeit stehenden Tiere die Pflicht zur Haftung aus Tier- schaden fernerhin nur dann begründet, wenn den Tierhalter ein Verschulden trifft. Nunmehr ist infolge eines Unfalles, der durch Scheuen cineö dem 3. Badischcn Feldartillerie-Regiment angehörenden Pferdes verursacht worden ist. die Frage aufgewor'en worden, ob dieses Militärpferd zu den Luxuspferden oder zu den Berufspferden zu rechnen ist. Das Pferd ist nach einer Fahrt von Mühlberg nach Gottesau» als es in den KasernementS stand, plötzlich mit dem Krümpcrwagen durchgegangen und hat bei einer Straßenkreuzung die Frau des Arbeiters Eiscle aus KarlSruke überfahren und verletzt. Das Landgericht und Obertandesgcricht Karlsruhe haben den Anspruch des Klägers aus Schadloshaltung aus§ 833 des Bürgerlichen Gesetzbuches als gerechtfertigt an- erkannt. Denn das Militärpferd komme nicht als Berufspserd in Betracht. Die beim Reichsgericht gegen dieses Urteil eingelegte Revision betonte, bei dem zur Novelle gepflogenen Verhandlungen� im Reichstage fei ausdrücklich erklärt worden, daß auch die Haftpflicht des Fiskus für die Militärpferde alsdann nur bei Verschulden einzutreten habe. Das Reichsgericht hob am Doin-erstag das Urteil des Oberlandesgerichts auf und wies die Sache zur ander- weiten Verhandlung und Entscheidung an das Oberlandesgcricht Karlsruhe zurück._ Haftpflicht der Straßenbahn. Die Hinterbliebenen eines durch einen Straßenbahnunfall auf sonderbare Weise tödlich verunglückten HaudelSiuamieS� Mayer haben gegen die Stadtgemcinde Freiburg i. Br. Ansprüche auf Schadloshaltung für den ihnen durch den Tod ihres Gatten und Voters entstandenen Schaden erhoben und sind damit endgültig durchgedrungen. Das Reichsgericht hat am Donnerstag in letzter Instanz gesprochen. Ter Unfall ereignete sich bei einer Kreuzung der Äaiscrstraßc, wo die Straßenbahn an den hinteren Teil eines beladenen Fuhrwerks anfuhr. Dort hatte der Verunglückte ohne Wissen des Kutschers Platz genommen. Durch den Anprall wurde er hcruntergeschleudert und kam dann unter die Schutzvorrichtung des Motorwagens zu liegen. Bei dem Versuch, ihn aus der gefährlichen Lage zu befreien, riß die Hauptschlagader eines Beines, wodurch der Tod des Verunglückten herbeigeführt worden ist. Das Landgericht Freiburg und Oberlandesgcricht Karlsruhe verurteilten die Bahn nach den Grundsätzen des Reichshaftpflicht- gefetzes unter Annahme des Betriebsunfalles und Ausschluß des eigenen Verschuldens des Getöteten. Besonders gegen die letztere Feststellung wendete sich die beim Reichsgericht eingelegte Revision der Stadtgemeinde. DaS Reichsgericht erkannte jedoch auf Zurück- Weisung der Revision. Es ist dem Obcrlandesgericht darin bei- getreten, daß cS nicht schuld hast von dem Verunglückten gewesen sei, wenn er auf dem Rücksitz des Fuhrwerks rittlings Platz ge- nommen habe. Denn er habe damit rechnen dürfen, daß der Kutscher die übliche Vorsicht gebrauchen und nicht mit Fuhrwerken oder Straßenbahnwagen zusammenfahren werde. Daran könne auch der Umstand nichts änoern, daß er von dem Rücksitz aitZ keinerlei Aussicht gehabt habe. Unterstehen alkoholfreie Weine dem Weingesetz? Vom Landgericht Mainz ist mn 29. Oktober v. I. der Direktor der Gesellschaft„Nektar", Theodor Habermann, wegen Verstoßes gegen das Weingcsetz zu 59 M. Geldstrafe verurteilt worden, weil er alkoholfreien Wein unter der Bezeichnung „Tokayer" in den Handel gebracht hat, obwohl die Trauben, aller- dings Tokayer benannt, in Rheinhessen gewachsen sind. Von der Anklage des Vergehens gegen das Warenzeichengesetz und das Weit» bcwerbsgcsetz ist er dagegen freigesprochen worden. Nach Ansicht des Landgerichts fallen auch die sogenannten alkoholfteicn Weine unter das Weingesetz, auch sei es hierbei gleichgültig, ob sie un- vergoren sind oder ob ihnen der Alkohol später entzogen ist.— Gegen das Urteil hatten der Angeklagte und der Staatsanwalt Revision eingelegt. In der Verhandlung vor dem Reichsgericht beantragte am Donnerstag der Reichsanwalt die Verwerfung beider Revisionen. � Die Urteilsverkündung wurde auf den 18. Mai vertagt. WasserstandS-Nachrtcdten -) 4- bedeutet«uch»,- Fall.—') Untervegel. Vor K. kostet onssre Potent-Ankei-Remantolr Mler-Stalil-Illir Slodell 1010. Mit Tenilbuwnt Ziflerblatt M«k 12 Mit Sprangdtekel Work 18. □ Eine gleiche Uhr kostet im Silbergehüaae� Baasintorm, 800/1000 Reichs. tempei, 20 Mark, de«gl mit SpniBgdooktl 28 M. in Tala-SUber•••«SSM, Für jede Uhr drelJUirlge sohriltllobe Garantie. Tielmonie 4eö Wüstlings gen v. F. Schafe: oder: Im Banne des Wüstlings. Sittenbild in 4 Auszug � Kafscneröfsnung 6, Ansang 7 Uhr. Billcttvorvcrk. 10— 1 Uhr Theaterkasse. Alt-Roablt 47/48. Sonntag, den 30. April 1911: Lebrccht Winter: Da. HanS Reib. Kasseneröffn. SV, Uhr. Ans. 8 Uhr. Nach der Vorstellung: = Tanz.= 1- Kottbuser Str. 6, am Kottbuser Tor. GröftteS Lichtbildtheater Berlins ca. 1300 Plätze. vom LS. April bis S. 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Lohgerber, Weitzgerber, Lederzurichter, Ledersärber und Handschuhmacher gehen direkt in die Gruppen- Versammlung. «sdruegz- u. l!emil!mlllel-l!e«erde. Brauerei, u. MKhlenarbeiter, Äastwirt«gehilf«u und EafB-Angrsteattii. Gehen direkt zur Bersonnnlung. Hotridienrr. Vormittags• Uhr im LerbandSlokal, Ani Scibenbamm 1». Fleischer. TrefipunN der«ollege» u,n 9 Uhr im««et»hr»l»tal»ou Fritz Nächtler, Elisabethstr. 11. Friseure. Barviere. Gärtner. Musiker, itadatardeiter und Zlrbeiic-innen und Zigarren- sortlerer gehen direkt in die Versammlung. Schneider und Schneiderinnen, Wäsche- und Krawatfenarbeiferinnen und Zuschneider. Vormittag« 10 Uhr: Keller« Reue Philharmonie, Köpenicker«Ir. 90/97. Ref.> tt. Hoffmaun. Trcstpunkt der Wäsche-, Kratvalte»., Blusen.. Regligä-, Korsett, und Schürzonbraiiche sowie der Plätte- rinne» und»äscheriunen vormittag« 6 Uhr in Schulz' Festsälen, Am KöuigSgrabcn, Münzstr. 17. Isphelietitk lliill PepMaelxieeiter. »ciler um! 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Ginsetzer im Gewerkschaftshaus, Saal 11. �alousirarbeiter bei Walter. Adalbertsir. 62. Kammacher bei Walter, Adalbertstr. 69. Kistenmacher bei Kling, vreslauer Str. 28. Klavierarbciter tm Märktscheu Hof, Admiral« stratze lko. Korbmacher bei Krause, MuSkauer Str. 20. Mafchinrnarbriter bei Merkowski, AndreaSsir. 26. Modell- und Fabriktischler im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. II/12. Perlinuttarbeiier bei Tboina«, Melchlorstr. 5. Rohmcninacher bei Wehlisch, Skalider Str. 22. Stellmacher imRolenthalerHof, Rosenthaler Straße. StoSarbeiter und Schirmmacher bei Lehm««. An der Stralauer Brücke 3. Beraoider tm GewcrkschaftsbauS. Arbeitslosensaal. Hntformentifchler im««ewerkschaftdhauS. Die Tischler. Drechsler und Polterer treffen sich in den Lokalen, in denen sie ihre W:rks>attsitzungen abhallen und gehen von dort nach der.Reue» Welt'. Die Holzarbeiter der Vororte versammeln sich tn Lichtenberg bei Schwarz. Möllendotfstr. LS. Rummrlsbnrg bei Tempel. Hauptstraße. FriedrichSfelde bei«. Schuir. Wilhrlmstr. U. Weihensee im Prälaten, Lehdtr Str. 122. »Moabit bei Hude, An der Moabit» Brücke. Hulwaeder.»lumeo-, Fedemarbeller und-Arbelterlonen. Vt straß« 5/6. Reserent: I. Soffeubach. Treflpuntt:«rohe Hamburger Str. 18/1». Selimlede uod Kopfersehmiede. i5oimmR89 10 Kürschner Vormittag» 10 Uhr in�den Mufi�er-Silen, Kaiftr.WIIhelm-Sttäßt 18. Ilater und lactzlei'er." Die Maler der KüchcnmSbeldranch« Treffpunti«'/, Uhr im Englischen Garte«, Mexanberfir. ll?«. i�elaiiarbelter Vormittags 10 Uhr te der Brauerei Friedrichshain, Am Friedrichshaw 16—23. Besondere Zuigninlenkünsi« find vorher nicht. Sämtliche MeiaSarbeiier begeben sich direkt in daS BerfammIungSIokäl. Zci>uii«aren-illdu5itte.- Porzellanarbeiler nnd Schildermaler. Äff m! Äb1 Sanier, Porlefeuiiler.'m Steinarbeiter Vormittags 10 Uhr in den?lr>ni»hallcn� Koinmaildantenstraß« S8/SS(kleiner Saal). Steinsetzer. Kammer und Stelnbaver. CflllrimtOMP» II RlncnioRor Vormittags 10 Uhr Keller,»spenicker Skr. 9S/S7. Refereni: G. Bauer. SlUkAiNruie ll. vipszienvr. Die Miigsieder treffen sich um 8 Uhr in den Zahlstelle» dtb Verbandet. Tapezierer. Vormittags 10 Uhr Jndnstrit-FeftsSte. Beuihstraße IS/SO. Referent: Kollege Enget. l'ovtilaHHaitflU' Bormittag.? 10 Uhr in den Peachtsäleu Alt-verltn. viimienstraße 10. Reserent» t L�UInl UcllCl-(f. Hübsch. Die Ardeiter der Textilindustrie treffen sich tat ihren BerkehrSIokalen. Tönfoi» Bonniitng« 10 Uhr GewerkschaftShan«. Engeluser lö(großer Saal? Refereni! Eugen Bruckner. 1 UjllCI. Diettollege» veriaimneln sich in dcnBezirkszahlsiellen u. gehe» von dort au» gemeinsam in die Ve> saminlung, Slailsr. Bonniltags 10 Uhr im Englischen Garten, Mexandersiraße 27o. Reskreiit: H. Weise. Zlninierer. Vormittag» 10 Uhr Brauerei KSntgsiadt, Schänhauser Allee 10. Nelttcstti H. Ktribet. Alle in v e r l i n stattfindenden Versammlungen gelten durch diese» Inserat als genügend angemeldet. Außerdem finden in Groß-Berlin noch folgende Versammlungen der Nnterkommisstonen zur Gewerkschaftskommission statt: vormittags 11 Uhr bei«nul, BiSmärckstr. 16. Rescrenl: Hellmuth Lehmann. Bormittag» 10 Uhr im volkshuub, Rosinensir. 3. Reserenl: I. Hast. 61*» Vormittags 11 Uhr in DegebrodtS GefellschaftShanö, Friedrichstr. Reserent: Langnitschke Uhr A Kattens. �m.ou>pt.tz. Vormittags 10 Uhr im WilhelmSgartc«(Fnh. Scheer). Referent: W. Rttschke. «««.«»« Bormittag« 10 Uhr im WtlhelmSbad. Reserenl: P. varrhat. & 1 seut icnsnagen. Zusammenkmist S'/, Uhr,«esellschasiShaus. tSIRAZerg. Vormittag» 10 Uhr Bei P. Schwarz. Mollendorffstr. �25/26. Referent: Leopold. vormittag« 10 Uhr«n«oeztcky»«asallschaftbvau».«reuzstr. 3/4. Reserent:»». Domut». �KvÄeR'-KvI»Ül»I»»«8Sl». Vormittag» 10 Uhr in Neu-K°rl«h.s. Buchholj.r Straße. «eliiwKviickoi'k-ddst. «ixtl,»!-!'.-"■ RcfernUc«: St. Schmidt, Fr. Schneider, Dh. Glocke. Stralnu-llitiiiiiielslmrg.®onnUtaßfi a»» Vormittag» 10 Uhr iu den Neuen RatbauSsäle». früher Obst. Meiningtt Str. S. Nescreiitln: Ida Altmann. fifen-UTaulasi* Vormittags 10 Uhr im Volksheim(Jnh. Böhl«), Haoetstr. 20, Reserentüi: Fr. Klara Wehl. Vormittags 10 Uhr bei Klippensiein, Spandauer Straß«. Resermt: R. Bahn. �°�s�Be�rlW«�EIr.�S.��e?eren�?�egeWal?/�' ku»««au»«» Vormittags 10 Uhr im Tchkost Weihensee, KönIgS-llhauss« 1—4. ww Reserent: A. Störwer. �Va i«bck»,««lFV äd,»� Vormittags 10 Uhr im GesellschaftShan». WilhelmSaue 110/11» B»> SllllVZ. K» Ztesereni: H. Knüpfe». Vormittags 10 Uhr in Haffelwerder. Referent: I. Hartman». Stesm-.I'jrtedei»»!!.«•"■»■'CiÄ'Jl-gJÖSf� M* SlnrleiitVldc-lilcbtcurndc.'"ÄMS"""* Vcserentin: Martha Kaiser-Umbreit. Kartelle und Vororte: Alt-Crlieiiiclt©«®')nni"fla8 10 � 6e' 2'raSc Sl" � 3l'{|tren'in: Bernau. Vormittags 11 Uhr im SchüsieuhauS. Referent: Genosse KnSschte. BAeI»'WaAÄe. Vormittags 10 Uhr in Wittes WaldfchlSsiche». Reserent: Genosse Mci.ke. �rÄnan. Vormittags 10 Uhr bei Duchauffour. Referent: Genosse Her«. Kunze. Könles-Wasterhaiiseii. 10» W liankwitz. Vormittags 10 Uhr bei Ebel, Mühlenstraße S. Rescrent: Genosse Barth. Mahlsilorf-Ranlsdorf. ComÄÄ Neuculiageu. Vormittag» 10 Uhr bei Wortmaun. Bahnhosstrafjt. Res.: Genosse«twmlu«. �OU'aHVeK. Vormittag» 10 Uhr w Schmidts Deutschen Feftsäli». Res.: Genosse Souueubnrg. BK'anlenAZnrK. �"" a3Bl�tt"»' Sa»dh,»seu. Schü�mst�ße. Teltow. Vormittags 11 Uhr Sei Bouow, Sertiner Str. 16. Reserent: Lambrecht. Tredtkln. Vormittags 10 Uhr in der Plantage. Reserent: Stühmer. HVannSee. Vormittags 10 Uhr im gürstcnhof. Reserent: Dhurow. Äeeltlentlorl'. Bonnittags 10 Uhr im GesellschaftShauS. Referent: Ulm. Tie Maifeiernden erhalten in den Vormittagsversammlungcn unentgeltlich je eine Maifestmarke. Tie Anmeldung der Versammlungen der Vororte haben die Funktionäre der einzelnen Crtc in der ortsüblichen Weise zu bewirken. Die Bureaus der Versammluugen werden beauftragt, über die Zahl der LcrsammlungSbesuchcr der Redaktion dcS„Vorwärts". Lindcnstr. 60. schriftliche Mitteilung zu machen. Her Aasschich der GewerkschaftSkonnnisfion Berlins und Umgegend. ▲liNa Köretea, engtiuj« 15, L Der verband der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend. L. lilepmaus. Lwdepflr. OS der sozialdemokratischen Wahbereine am Klontag, den 1. Klai 1911. Nachmittags- und Abend•Veranstaltnngen. Tagesordnung aller Versammlungen; Die Bedeutung des 1. Mai Berlin. Brauerei Kappoldt, Hasenheide 32— 38, Kliems Testsäle. Hasenheide 13—15. Soek'Sratterei, Tempelhofer Berg. Jfeue Welt, Hasenheide 108—114. Gewerksehaftslians. Engeluser 15. Ludwig, Treptow, Köpenicker Landstraße. Coneordia-Tesfsäle. Andreasstraße 64. Slysiuro, Landsberger Allee 40—41. Brauerei Tdedriehshain, Am Königstor. Keumanns VolHsgarteu. Lichtenberg, Röderstraße 5— 6. Schweizer-Garten, Am Königstor. Trebels Allerlei-Theater. Schönhauser Allee Nr. 148. frater- Theater, Kastanien-Allee 7�9. Obiglos Testsäte, Schwedter Str. 23—24. Stablissement Ballsehmieder. Badstr. 16. 3os. Trankes Testsäte. Badstr. 19. Boek-Branerei(Abt. II), Chausseestr. 64.' Voigts Theater. Badstr. 58. Tharns-Säle, Müllerstr. 142. Brauerei Tatzenhojer. Turmstr. 25—26. Stadt-Theater, Alt-Moabit 47-49. Kloabiter Gesellschaffshaus. Wiclefstr. 24. dnsel-Kestauraut. Plötzensee. Referenten: Barthel— Alfred Bernstein— Dr. Borchardt— Brückner— Büchner— Gertrud David— Dlttmer— Richard Fischer Regina Priedländer— Dr. Herzfeld— Adolf Hoffmann— Koblenzer— Kubig— Ledebour Litfin--- PlannkttQb Sabath— Sassenbacb— Robert Schmidt— Ströbel— Dr. Weyl— Louise Zietz. Wahlkreis Teltom-Beeskow-Storkow-Chartottenburg. Ablershof. Wail««eli>B.Luftsarten-. Dohnsborf. Scbsrcp,«m Kaltenberg. Raddata,«hanfleestr. SS. Chnrlottenburg..vottshau»-, Rosincnftr. z. Cöpenidl..St.»t. Theater-. Dabeuborf bei Zossen..3«r«oselwies--. Eithwolbr.»TeglerschlSftchen-. HantelS Ablage. Friedenau,.s«- mause',«/«. Groß- it. Kieinbesten<« Kieindesten Groß-jichterfelbe. �mhrenaorr. Bükest». LS. Referenten: Qustav Lecker— Lduard Knoll— Manasse— Piek ftivhitrf f Vre« Ver-\»Berelnsbrautrei-, Rappe» Fest» / s«le und �tarlsganeu'. Grünau, vaenantroar, Köpenicker Str. 7S. Johannisthal..Liudenhof-. Friedrichftr. S1. Königs- Wusterhausen. Laukwih. Ebel, Mühlenftr. 9. Fichtenrade beiDeter. Mariendorf. PpcnB, Kurfürstenstr. 4«. Marienfelde, nerrmaiin, Grossbeerenstr. SS. Mittenwalde.»Gasthaus zum«rouprintru-. Uieder-Kchöneweide. Restaurant.KysshSufer«. tlotUO»»»»«» f r»a> Ver-\ Singer«„valksgarteu- und �IvlOUfOrU.\anstaltungBD./ Schmidt,»Deutsche Feftsäle". Bernstein— Brühl— Eichhorn— Engel— Hartmann— Hass— Hetzschold — Frida Schulte— Sonnenhurg— Frida Wulf!— Mathilde Wurm— Zeuer» Schöneberg.»Tchlostbrauoret«. Hauplstr. 29* tteglih.»Birkenwaldchen-. eltow. R»a«v, Berliner Str.»«. Tempelhof.»WilhelmSgarten-, Berliner Str. s. Trept-w-Ka«msch«I«nmes.s.S„'�)»;;!Z-' Parkst». 1, und«der, Parkftr. S. Trebbin.»Gesellschaftshans-. Wilmersdorf..Gesenschaftöhans-.«Qilhelmbau«. Zehlendorf.»s�enschaftshaus-, Karlstr. I». Zossen. Knrzncr, Baruther Str. 10. Wahlkreis Kiederkarnitn. Dernau. Franz»alumann, BaSdorfer Strafte. Oc»eUaeh»((sh«n» Fenerttak, Kirnenweioer. Hauptstra,.«. Äorstgwalde.»orzlL'valdcr. Feutsiile. Konrabftr. 42. Drbner-Woltersdorf.v--°�«dm«c.cu.ci.att. Franz. ÄUthholZ.«abn», Berliner Strafte 39. Friedrichsfelde. Prinze».A«ee SO. Friedrichshagen. Ecrcl»«» Fesuaie, Friedrichstr. 112. Friedrichsthal. Met»«,«n.thvt»n den 4 binden. Hohen-Schiinhaase«. N°»k°w. Kttrlsh.rst, Far.t.i>i>.& Stritt«»« hri'r»( z*el v#r- 1»ebwnp», iOTöffenborffftraftt 25,-26. sanstaltungenj Arnhold, Frankfurter Chaussee 5/6, Mahlsdorf. Karl Linke, Grunowftrafte. |le«cttha0ai-Jetwshtt0e».ZM�»Äaaer' Uieder-Schönhausen.' cXZV.9127519752850 875 1275 1675 14" 18" 17502450300« Möbel auf Teilzahlung bei allerkleinster An= u. Abzahlung. 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Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer u.Co., Berlin SW, Nr. 101. 28. Jahrgang. 4. Irilont des.Hmiirls" Kerlim UslksdlR Sonntag, 30. April 1911. Rus aller ödelt. Tie Bubonenpest in Indien. Reich Mtteilungen, die der Unterstaatssekretär für Indien im englischen Unterhanse machte, tritt die Bubonenpest in diesem Jahre in Indien in bisher unbekannter Stärke auf. In Agra und Oudt allein fielen ihr im Laufe des Monats Februar 43508 Personen zum Opfer und im März bezifferte sich die Z a h l d e r T o t e n auf 45884. Die Regierung hat energische Maßregeln getroffen, um die Krankheit zu bekämpfen und ihre Verbreitung einzudämmen. Alle schon in früheren Jahren angekündigten energischen Maß- nahmen haben nicht verhindern können, daß in jedem Jahre die Seuche in Indien viele Tausende Eingeborene dahinrafft. Einen großen Teil Schuld trägt die ungeheure Ausbeutung der in den Kapitalismus hineingezogenen Inder. Während die englischen Kapi- talisten Millionen aus dem Lande ziehen, geben sie ihm dafür Hungersnöte und verheerende Seuchen. Internationale Industrieausstellung in Turin. Mit dem üblichen höfischen Tamtam wurde am Sonnabend in Turin die Internationale Industrieausstellung eröffnet. Allerlei männliche und weibliche Fürstlichkeiten, die wahrscheinlich in ihrem Leben niemals ein Werkzeug der Industrie in Händen gehabt haben, gaben durch ihre Anwesenheit der Ausstellung die nötige Weihe. Grnbenkatastrophe in England. Ein Telegramm aus London meldet ein schweres Gruben- Unglück, das sich am Freitag in der Bruntcliff-Grube im Iorkshirer Kohlengebiete ereignete. In der Grube kam in der Nacht Feuer aus. während sich 50—60 Mann in dem Schachte befanden. Auf den sofort gegebenen Feueralarm hin eilten die Feuerwehren von L e e d e und M o r l e y zur Brandstätte. Der durch den Brand angerichtete Schaden ist sehr beträchtlich. Man hofft, daß sämtliche Leute gerettet werden können._ Ein Attentat im Theater. Während einer Borstellung im Theater der russischen Stadt W o l o y d a verübte eine unbekannte Frau auf den vor ihr sitzenden Gefängnisinspektor Jefimow ein Revolver- a t t e n t a t. Dem Inspektor wurden durch zwei Revolverkugeln der Hals und die Hand durchschossen. Auch die Frau JefimowS wurde durch einen Schuß leicht verletzt. Während der durch das Attentat entstandenen Panik gelang es der Täterin, zu ent- kommen._ Kleine Notizen. Durch den Ausbruch eines Hochofens hat sich auf der Völklinger- Hütte bei Saarbrücken ein schweres Unglück ereignet. Ein Arbeiter wurde durch das ausströmende Metall getötet, ein anderer schwer verbrannt. Ein Ungetreuer. In Z a b e r n i. E. hat sich der K r e, S- sekretär Pfefferkorn. Kassierer des Kreisvereins Zabern, erschossen. Der Grund des Selbstmordes war eine unvermutete Ne- Vision, die Unterschlagungen in Höhe von 20 000 M. ergaben. Eine neue Erdbedenperiode scheint sich vorzubereiten. Am Frei- tagvormittag 11 Uhr registrierte die Erdbebenwarte in Laibach ein Erdbeben mit einer Maximalbewegung von acht Millimeter, die um 11 Uhr 15 Min. und 10 Sekunden eintrat. Die Herddistanz be- trug 300 Kilometer. Sonnabend, früh um 6 Uhr 30 wiederholte sich das Erdbeben und um 7 Uhr 5 Min. 19 Sek. begann wieder ein Nahbeben mit einer Herddistanz von etwas über 300 Kilo- meter. Mocken-Spielplan der Berliner Cbeater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Die Zauberflöte. Montag: Die Walküre. Dienstag: Don Juan. Mittwoch: Die Zauberflöte. Donners- tag: Tannhäuscr. Freitag: Madame Buttcrfly. Sonnabend: Der Meister- länger von Nürnberg. Sonntag: Die Königskinder. Montag: Mala. Bajazzi.(Ansang T'/n Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Die Stützen der Gesellschaft. Montag: Der Störensried. Dienstag: Minna von Barnhelm. Mitt- woch: Neu einstudiert: Die Mitschuldigen. Der zerbrochene Krug. Donners- tag: Die Stützen der Gesellschast. Freitag: Bürgerlich und romantisch. Sonnabend: Zopf und Schwert. Sonntag: Die Mitschuldigen. Der zer- brochcne Krug. Montag: Die Journalisten.(Ansang 71/, Uhr.) Neues tgl. Opern-Theater. Sonntag bis Sonnabend: Geschloffen. Sonntag, 7. Mai: Die Rabensteinerin.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag und Montag: Faust. 2. Teil.(An- sang 6 Uhr.) Dienstag: Ein SommernachtStraum.(Ansang 7'/, Uhr.) Mittwoch, Donnerstag: Faust 2. Teil. Freitag: Faust 1. Teil.(Ansang VI, Uhr. Sonnabend, Sonntag, Montag: Faust 2. Teil.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Theater(K a m m er s p i e I e). Sonntag: Die Königin. Montag: Simson und Dalila Dienstag, Mittwoch, Donnerstag: Die Königin. Freitag: Frühlings Erwachen. Sonnabend: Sumurnn. Sonn- tag: Die Komödie der Irrungen. Borher: Die Heirat wider Willen. Montag: Gawän.(Ansang 8 Uhr.) Lessing-Theater. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Frau vom Meere. Täglich: Glaube und Heimat.(Ansang 8 Uhr.) Sonntag, 7. Mai, nachm. 3 Uhr: Die Weber. Abends: Glaube und Heimat. Montag: Glaube und Heimat. Kleines Theater. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Nur ein Traum. Abends: Der Leibgardist. Montag bis Sonnabend: Der Lcibgardist. Sonntag. 7. Mai. nachmittag 3 Uhr: Nur ein Traum. Abends: Der Leibgardist.(Ansang 8 Uhr.) Neues Theater. Täglich: Mein erlauchter Ahnherr.(Ansang 8 Uhr.) Neues Schauspielhaus. Sonntag bis Freitag: Wienerinnen. Sonn- abcndnachmittag 3 Uhr: Sternsches Konservatorium. Abends: Eine Million.(Ansang VI, Uhr.) Sonntag und Montag: Eine Million.(An- sang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Taisun. Abends: Bunnnelstudenten. Montag bis Sonnabend: Bummelstudenten. Sonntag, 7. Mai, nachmittag 3 Uhr: Minna von Barnhelm. Abends und Montag: Bummelstudenten.(Ansang 8 Uhr.) Modernes(Hebbel-) Theater. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Minna von Barnhelm. Abends: Großstadtlust. Montag bis Sonnabend: Groß- stadtlust.(Ansang 8'/, Uhr.) Komische Oper. Sonntagnachmistag 3 Uhr: Orpheus in der Unter- weit.'Abends: Die Fledermaus. Montag: Tosca. Dienstag: Orpheus in der Unterwelt. Mittwoch: Figaros Hochzeit. Donnerstag: Tiestand Freitag: Orpheus in der Unterwelt. Sonnabend: Don Juan. Sonntag, 7. Mai, nachmittag 3 Uhr: Die Boheme. Abends: Orpheus in der Unter- weit. Montag: ToSca.(Ansang 8 Uhr.) Thalia-Theater. Allabendlich: Polnische Wirlschast.(Ansang 8 Uhr.) Schillrr-Tbeater O. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Di« Ehre. Abends und Montag: Der Traum ein Leben. Dienstag: MaAa und Magdalena, Mittwoch: Liebelei. Literatur. Donnerstag: Nathan der Weiss: Freitag: Der Traum ein Leben. Sonnabend: Der große Name. Sonntag, 7. Mai, nachmittag 3 Uhr: Die Ehre. Abends: Der große Name. Montag: Der Traum ein Leben.(Anfang 8 Uhr.) Schilter- Theator tsharlottenbnrg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: tapscnstreich. Abends: Ein idealer Gatte. Montag: Liebelei. Literatur. üensiag: Die Macht der Finsternis. Mittwoch: Im Klubsessel. Donners- tag, Freitag: Liebelei. Literatur. Sonnabend: Im Klubsessel. Sonntag, nachmittag 3 Uhr: Zapfenstreich. AbendS: Im Klubsessel. Msntag: Liebelei. Literatur.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Räuber. Abends: Kasernenlust. Montag und Dienstag: Kasernenlust. Mittwoch: Krieg im Frieden. Donnerstag bis Montag: Kasernenlust.(Ansang 8 Uhr.) Neues Operette»- Theater. Eonntagnachmlttag 3 Uhr: Der Glücksengcl. Abends: Der Gras von Luxemburg. Montag bis Sonn- abend: Der Gras von Luxenburg. Sonntag, 7. Mai, nachmittag 3 Uhr: Der Glücksengel. tAbends und Montag: Der Gras von Luxemburg. (Ansang 8 Uhr.) Theater des Westens. Sonntagnachmitlag 3>/, Uhr: Di« ge« schiedene Frau. Abends: Die lustigen Nibelungen. Montag bis Sonnabend: Die lustigen Nibelungen. Sonntag, 7. Mai, nachmittag 31/, Uhr: Das Puppenmädel. Abends und Montag: Die lustigen Nibelungen. (Anfang 8 Uhr.) Triauon-Theater. Allabendlich: DaS Prinzchm.(Anfang 8 Uhr.) Berliner BolkS-OPer. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Trompeter von Säkkingen. Abends: Der Wildschütz. Montag: Der Troubadour. Dienstag: Der Wildschütz. Mittwoch: Undine. Donnerstag: Die letzten Tage von Pompeji. Freitag: Die lustigen Weiber von Windsor. Sonn- abend: Der Freischütz. Sonntag, 7. Mai, nachmittag 3ll, Uhr: Fra Diavolo. Abends: Figaros Hochzeit.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Undine (Ansang 8'/, Uhr.) Luisen- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: AuS erster Ehe. Abends: Der kritische Tag. Montag: Mausesalle. Dienstag bis Sonnabend: Ohne Mutter. Sonntag, nachmittag 3 Uhr: AuS erster Ehe. Abends und Montag: Ohne Mutter.(Ansang 8 Uhr.) Residenz- Theater. Abends 8 Uhr: Fernand? Ehekontrakt. Lustspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Meyers. Abends: Registrator aus Reisen. Montag bis Sonnabend: Registrator aus Reisen. Sonntag, 7. Mai, nachmittag 3 Uhr: Das Leutnantsmündel. Abends und Montag: Registrator aus Reisen.(Ansang 8 Uhr.) Rose-Thcater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Millionenerbin. Abends: Robert und Bertram. Montag: Muitcrsegen. Dienstag: Robert und Bertram. Mittwoch: Muttersegen. Donnerstag: Robert und Bertram. Freitag: Multersegen. Sonnabend: Aus nach N�w Jork. Sonntag, 7. Mai. nachmittag 3 Uhr: Robert und Bertram. AbendS und Montag: Aus nach New Jork.(Ansang 8 Uhr.) Casiuo- Theater. Sonntagnachmittag 3>/, Uhr: Marianne, ein Weib aus dem Bolle. Abends: Zwei Wappen. Montag bis Sonnabend: Zwei Wappen. Sonntag. 7. Mai, nachmittag 3st, Uhr: Marianne, ein Weib aus dem Volke. Abends und Montag: Zwei Wappen.(Ansang 8 Uhr.) Metropol- Theater. Allabendlich: Hoheit amüsiert sich. Ansang 8 Uhr. JolieS Eapriee. Allabendlich bis aus wettere?: Wertheim wird Platzen. III. Klasse. Ansang 8'/. Uhr. Npollo-Tbeater. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Sonn- tagnachmittag 3'/, Uhr: Spezialitäten. Passage- Theater. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Spezialitäten. All- abendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Wintergarten. Allabendlich und Sonntagnachmittag: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Reichshalle«> Theater. Täglich: Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Walhalla- Theater. Sonntagnachmittag 3>/, Uhr: Der Trom» peter von Säkkingen. Allabendlich; Bravo l Da capo I Spezialitäten. (Ansang 8'/, Uhr.) Herrn, cld-Theater. Täglich: ScheidungS-Souper. Ein Verlobungs- geschäst. Die Bar-Schwester.(Ansang 8 Uhr.) Earl-Haverland-Theater. Täglich: Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Katser-Panorama. Täglich: Besuch der Ostseebäder. Reise über den Brenner nach Venedig. Urania- Theater. Taubenstr 43/42. Lebende Tierbilder von»ah und fern.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte, Jnvalidenstr. 67—62. Freireligiöse Gemeinde. Heute vormittags 9 Uhr, Pappel-Allee Nr. 15—17 und Rixdors, Jdealpassage: Freirclegiöse Vorlesung. Vor- mittags II Uhr: Kleine Frankfurter Str. 6: Vortrag von Herin Dr. Bruno Wille: Nächstenliebe. Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Ssqueme Hauskur ohne Diät Apotheker Kumbier's Garantiert unschädlich feit«5 Jahre« von bewährter Heilkrast bei Blutarmut, Bleichsucht, Nervenleiden, Magen-, Darm-, Leber», Gallenstein� Nieren- u. 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Ich werde die Sur im nächsten Jahre wiederholen.. Berlin. 10. Oliirz IOll. Frau Börnig. »rüffelti etrote 7. ... Ihr Stiblbrnnnen hat aleh bei mir sor. beite denähre. Ich nar rar Oebraseh deaaelben immer roflde nnd nhauapanm. Nach VerbrsDch der CO riatehen Stahlbraaaen fühle leb mich friaeh nnd kräftig. Berlin, 15. Movrmber 1910. OreunsiraSt 10. Kmll GOppert. ... leb IUI eebr an Wcrvenlelden. Koptaehmeraan, Magen. nnd Untcrlelbsbcaehrrcrden. Uaa allea hat eich, nachdem leb «etrnnkcs haha, gehoben.... Frau E. Bacler. .,. leb litt telt etna 10 Jahren an hctllgcm RhcnmnHmwna, Hcrrleidcn und Blntarmnl, hatte öfter hcütlno Sehnserzcu In der Kraut und Sltche In der Unken Seite. Auaaerdem litt ich Jahre. lang an helllne»! KoptBehmcrifn. Koch Gebrauch ron 60 Fluchen ron Ihrem btahlbrunnea bin leb eänxllcb ran meinen Sehmenen befreit. Berlin O 17, O.Mal 1910. Stacht sie. 51, UL Otto Berger. CO Flarehen„Uerllner ntablbruaaen" Lassa bei Würzen, 16. Oktober 1919. lab litt aelt langer Zeit an heftigen Uop]w£hmerzen_nnd_Blnt. nrmnt. nach 60 Raichen von Ihrem vorziiglichrn Stahtdrnnnrn bin leb giina- Urb nieder frisch and maater. Berlin, I. Januar 1911. Jrau BlUIer. siommanbantenstr 60. Ihr„Berllaer Stahlbrunaen'-. den dem Ich bisher gO glaschea g-branchle, lat mir aefar gut bekommen. Ich litt eeit meinem 14. Lebeaejahre an epllcptlachen Kramplnaiailcn. di- sich den Tag Z-trnat wieder» hotten, bin nacht» au« dem«nie gelallen, blieb besinnungslos liegen and hatte mir imitier dir Zunge Multg gedisien. Seit dem Jahre 1908, da Ich die ersten «0 Flaschen ron Ihrem Brnnaen getrunken habe, Ut die eplleptlsehe Eraakheft raaa masgebHebea« Wa» meine Kar anbetrifft fo danke Ich Ihnen herzlich, nie hat mir für Binar nie BSaqcn auegeiolehnete Dienste getan, so dad ich Sie zu jedee Zeit empfehlen laun und werde. Ich selbst werde alle Jahre die Sur wirberholen. Weihensee, 1. September 1910, Etdanstr. 79. leb bebe Ihren„Berl laer Stahlhrnnaea" mit lehr gutem Erfclfe gegen Blntarmnt, clironlachen Kachentratarrh und Katarrh dar Luftwege getrunken, ao dua leb Um ähnlleh Leidenden mit. gutem Gewissen empfehlen kann. Berlin so. 8. oiat 1010. MnZkauer Str. 47. Gustav Tasche, lkausmann. Frau Prosrhke. Rixd-rl, 15. Dezember 1910. Hermannstr. 214-219. Ihr Stahlbrnnnen hat aleh bei meinem Bcrvttacn Magenleiden ■ad hartnaeklper StuhlveratoplunH nnfa beste bewahrt. Meine Scliwliidelanfaile aind ganalieh vorilher und fühl« leb mich nieder gesund, habt ireUich auch 120 Maschen getrunken. Herzlichsten Dank. Tegel. 16. August 1910. Brunawftrabe 23 n. lob litt an nervOaen IM Hncnbencb werden«nlf starker Stnhl- veratoplnnj|. Itarmkullk. Maaten nnd UnlBheaehwerden, konnte keine aoeh so leichte Speise mehr rertiagen, hatte jedesmal furchtbare Sebmonea Im Leide nnd Magen. Ich habe Ihren Stuhl- bruanen 4 Monate getrunken; jetit kann ich nieder allea eigen nnd trinken ohne Beschwerden; Sran Markbert. Berlin, 6. Mai>010. Sugeluier 2 c, IV. Frau Emma Voigt. Guiteck. ...«or 2 Jahren hatte ich debeutenbe Blutrerleate. Well ich an« den weehsellahren vordeugen wollte, machte ich den tij.rwch mit Ihrem Stahl- brnnnen. welcher mir ToriBglich geholfen hat. Ich bade davon bald 60 glaschtn getrunken. Klcht bloss vrrdannnn und Stnhlnnim sind geregelt, et kommen aueh kelae Stamonen der Mcnntruallon mehr ror. Mein ganaer Korper lat nlderatandgfahlgor geworden, eis er früher war; leb habe frische Farbe, gutes Aussehen, während früher Jeder mein sehleehtee Aussehen bedauerte. Köln. 81. Rodeinber 1910. Cteinenflöffc 1- Frau LOtzcnratho ... U«I» L-M«» hat«Ich ateb d«m Gebrtuch tob«0 Flaschen bc dentead gebessert, leb bin nerven- nnd hnlnleldcnd. schon nach dem Gebrauch roa 15 Flaschen rerapürte leb eine wssentlieht Besserung, si> dag ich den Brunnen allen litdenden grauen empsrhlen kann. Berlin. 15. Slobrinber 1910. varlnsstrahe t. Frau Ranlenbcrg. Ich daie den Ihrem Berliner Klahlbrnnnen fest 12 Jahren alljZhrlich SO Raschen getrunken und bin jetzt 54 Jahre alt leb litt frühee an Stuhl. traglsell. Manenlclden nnd Hämorrholdnlbeaehwerdcn. was sich In dteaer Zeit durch ihren Brnnnen alles gebessert hat, an Bötprt. gewicht habe ich in Mefer Stil SO Pfund zugenommen Auch In den Wechsel- lahren bat der Brunnen mir grotae Dienste geleistet. Bkelne Frau leidet in ben Weehsellahren an allen mSzlichen ve- schwetden. namenUich an stnrher, nervöser Ueberrelzunn, Kopt- »elimcru, Rtlrkcn- nnd interlrihNwihmc r/ cn. ncrvB»fnr Hera nnd nlarkem Herkhloplen. Nachdem sie Bü Raichen Ihres Glahietunnens geltunltn. ist das rtunemeinbesinden dedeutend bester: sie hat neuen Lebensmut erdalten, alle Belchwerde» sind verschwunden. Rixbars. 18. wiärz 191». Weiersir. 58. U._ Erltz SclirOder. Berlin S. 87. Juli 1910. «räststraße 3. Trau Weinberg. .-•«letchzeUig teile ich Ihnen mit bat nneh dleiee Mal Ihr„Berliner Stahlbrnunen" mich rollständlg wiederhergestellt hat. Ich litt an Inchln» und war dleKraakhait dieses Mal sehr hartnüeklg, acht Wochen lang war ich genöligt, an Stützen zu lausen. Ebarlotirnburg. 87. Juli 1910. Ihr Stehlhmnnen bat mir hei meinem Gallenntclnlelden roriQg. liehe Dienste gelelatot. leb fühle mich eusserordeaUich wohl, seit leb Ihn gebrauche, haha ausgezeicUuoten Appetit und leide nicht mehr wie früher an Verstopfung. Weistrnsee, 4. Februar 1919. Carl Entmann. «0ntgi ttdauffee 15 IL sialiertn-Augusta-Allte 15-16. Frau Maria Loctscb. DrucKsactien mit weiteren Heilerfolgen Kostenlos. Analjrse: Kalriumchlorld 1.202, Natriumsulfat 20.920, Kaliumsulfat 0.172, Magnesiumsulfat 1.160, Uangaosultat 0.14, Elsenkarbanst 2.197 in 10000 Teilen. Gesetzlich geschützt Verein für frauen v. lARckeben «ier Arbeiterklasse. Mittwoch, den 3. Mai, aiendS 8'/, Uhr, im Englischen Satte», Alexanderstrabe ZI et „Die trilehttischtu Anfgaben vor und nach der Schulzeit." Gäste willkommen. bS/10 Der Vorstand. Achtung 1 Arbeitslose. Achtung Die Arbeitslosen brauchen am t. Mai die Arbeitsnachweise nicht zu besuchen und auch die Arbeitslosenkarten nicht stempeln zu lassen. Berbandsbnreau geschloffen! MP' Die Ausgesperrten melden sich am 2. Mai früh wieder zur Arbeu. Bleibt es bei der Aussperrung, so versammeln sich die Kollegen in ihren WertslaUsidungslokalen. Dort stellt der Vertrauensmann die Zahl der Ausgesperrten sest und meldet sich dann in der Zeit von g bis 12 Uhr im G ew erks ch asts h aus e(Saal I). Diese Meldungen müssen wre bei einem Streik durch den Vertrauensmann erfolgen unter Vorzeigung der Legitimationskarte._ 82U8 Di- Generalversammlung findet der Protestv-r. sammlung gegen die ReichSversicherungsordnung wegen nicht am Donnerstag, fondem am Mittwoch, deu 3. Mai, im Köhmifchkll Krau- Haufe, Landsberger Allee ll— 13, statt. Tagesordnung: 1, Die MaiauSsperrung. 2. Beschlubsassung über die Unterstützung der Ausgesperrten. 3. Ausstellung eines Delegiertenkandidaten zum Gewerlschastt- ivNgreg. Wahl des Angestellten für die westlichen Vororte. Delegiertenkarte und Mitgliedsbuch legitimirrt. Kantischler. Sonntag, den 30. April 1011, vormittags 10 Uhr Branchen- Versammlung für Grotz-Berlin » bei Anton Boeker, Weberstraße 17.> Tages.Ordnung: 1. Stellungnahme zur Maschinhn-verechnungStabelle. 2. Stellungnahme zum Beschlust de? Bautischlcnnelster, dast jeder Mal. leiernde drei Tage ausgesperrt und dann durch den Arbeitsnachweis ewgestellt werden soll._ Die Ortsverwaltung. Einsetzer. Donnerstag, den 4. Mai 1011: Bezirks- Versammlungen. Verband der Sattler und Poilefeuiller. = Odsvenvaltung SerUn.■ Die nächsten Branchen-Versammlungen finden an nachsolgendm Tagen statt: Gtschirr-Krauche: Donnerstag, den 4. Mai, abends S',. Uhr, im GewerkschostShause. Engeluser IS. lixckftmiler. lind KeiseMiiitldnche S stattsindenden austerordentlichen Versammlung auS. Militür-Kranche: Mittwoch, d.« s. Mai. abmds« uhr. im Englischen Garten, Alexanderstr. 27 e. Fiuoltumlegtr«. Teppichnäher: bei Weihnacht, Grünstr. 21. Uugtu-Dtuucht: Mittwoch, den S. Mai, abends 8'/, Uhr. im«e. Werkschaftshause, Engeluser IS. «stmöbel-». ledkMlpoljlem: im Gewerkschaftshause. Engeluser IS. Sektion Charlstttnbnrg: Mittwoch, 3. Mai. abends S',. Uhr, im Bolkshause. Rosinenstr. 3. Zahlreichen Besuch dieser Branchen-Dersammwngen erwarten lbS/W Die Branchenlettunge». MWül» lebtung! Montag, ll. Mai, mittags IS Uhr, in Fehs Fcstsäle, Brunnenstr. 184: Große öffeMlht Uolks-Nkchmlllllg. Tagesordnung: 1 Die Bedeutung des 1. Mai. Reserent: Genosse Svetliols lladn. it. Diskussion. 16825 Um zahlreiche? Erscheinen ersucht Die Affltatlonskommlsslon. I. A.: G. Gladaseh, Berlin NW., Rostocker® haste 41. Kadda Cigaretten Spezia'Mke: Kadda Gold, beste 2 Pt.-Ci i sm- M we. Cigarettenfabrik„Kadda" Berlin N. 37. Deutscher transportaMer'Verband Bureau: Engeluser 14/15 II, Zimmer 33. Fernsprecher: Amt TV, 2382 und 1747. SeUttoti I(Kandelsarbeiter). Arbeitsnachweis: Alte Leipziger Str. 1. Fernsprecher: Amt I, 2632 Hausdiener, Packer, Mahrer, Schaffner, Portiers, Jahrstuhlführer, Jugendliche, Chauffeure usw. aus den Kauf- und Warenhäusern Sertins! Mittwoch, den 8. Mai 1911, abends 9 Uhr, in den„Armmhallen", Kommandantenstr. 58/39: Gr. öffentliche Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Schriftsteller«ItlliUS Kfiliski über: „Bepllner Kanf- und Warenhäuser". 2. Diskussion. 3. Ausnahme neuer Mitglieder. 87/17 __ Die Branchenleitung der Kauf- und Warenhäuser. fientseher Bauarbeiter-Verband. - Zweigverein Berlin. Eugelnfer 15. Zimmer 53. Telephon: Amt 4, Nr. 4993. Achtung! Achtung! An alle Mitglieder des Gesamtzweigvereins! In der Ausgabe des„Zentralblattes für das Deutsche Bangewerbe" vom Freitag. den 28. April, macht der Verband der Baugeschäfte von Berlin und den Bororte» bekannt, daß die Aussperrung derjenigen Bauarbeiter, die den 1. Mai durch Arbeitsruhe begehen, bis Donnerstag, den 4. Mai, durchgeführt werden soll; ebenso lange sollen auch neue Arbeitskräste nicht angestellt werden. Entsprechend diesem Beschlüsse kann die Unterstützung solcher Kollegen, die zurzeit arbeitslos sind, nur bis Donnerstag, den 4. Mai, durchgeführt werden, da die Vorbedingung für eine längere Unterstützung fehlt. Arbeitslose und ausgesperrte Kollegen, die den 1. Mai durch Arbeitsruhe begangen und die am Vormittag des 1. Mai stattfindenden Versammlungen besucht haben, melden sich von Mittwoch, deu 3. Mai, an in der Zeit von 19 bis 12 Uhr in untenstehenden Kontrollstellen. Vertretkrßkuug und Ztvtjgvkreinsvorstalld. Für AdlerShof, Sllt-Glienicke. Köpenick, Johannisthal und Ober-Schöneweid« in Adlershof. Metzerstr. 1 bei B a s ch i n. Für Charlottenburg im Lolkshause. Rosinenstr. 3. Für Friedrichsfelde und Mahlsdorf bei Sommerfeld in FriedrichSfelde. Miquelstr. 70. Für Friedrichshagen bei S ch r ö d e r. Seestr. 103. Für Friedenau. Lankwitz und Steglitz in Steglitz bei Heizmann. Flora- und . Düntherstratzen-Ecke. Für Lichtenberg bei Piekenhagen. Scharnweberstr. 69. Für Mariendorf, Marie, ifelde und Tempelhof in Mariendorf bei Löwenhagen. Chausseestr. 27. Für Pankow im F e l d s ch I ö h ch e n. Berliner Str. 27. Für Reinickendorf u.Tegel in Berli n- Wedding bei Preppernau, PasewalkerStr.3. Für Rixdorf bei Wolfs. Kirchhofstr. 41. Für Schmargendorf u. Wilmersdorf in Wilmersdorf bei Rietsche, Gasteiner Str. 6. Für Teltow bei B o n o w, Berliner Str.- 16. Für Weihensee bei P e u k e r t, Berliner Allee 251. Für Zchlendorf bei M i e ck l e y, Potsdamer Str. 25. Für Moabit bei Bach sie in, Salzwedeler Str. 26. Für Aorde» I und II bei O d i g l o. Schwedter Str. 23/24. Für Osten I bei Kluge, Langestr. 53. Für Osten II bei K e in p i n, Tilsiter Str. 85. Für Südosten und Süden im Bureau des ZweigvereinS, Engelufer 15. ür Südwesten bei Maas. Bergmannstr. 97. ür Westen bei W i e m e r s. Bülowstr. 58. ür Schöneberg bei F o l g e r. Kyffhäuserstr. 26. ür Oranienburger Vorstadt bei D a h m s. Schlegelstr. 9. ür Wannsee im Fürstenhof. Königstraße.__________ Vom 7. bie 13. Mai 1011 werde ioh im Schadow-(Ecke Dorotheen- I, atralie 8 etraße) hienelbst anwesend sein, m i künsliicbeingen direkt n. d. Natur 1. Patient, anzakert. u. einzupass. F. Ad. Mttller, AugenkQnstler a. Wiesbaden. ssy Am 1. Mai Ms) bleibt auch in diesem Jahre mein Geschäft geschlossen. Arbeiter- Anzüge Wilhelm Pahri BrnimenstraBc 116. med. Karl Reinhardts spezial-ärztliohe Institute(Br Geschlechtskrankheiten llant-. Harnleiden, Schn-liche. 1 Neandetslraß« 12 PolsHamet Slraäa II? SÄÄ'JÄÜlV?; I Für Frauen von 3 Iiis 7,5 Ulli, Sonntaga 11—12 I hr. Vollkommenstes kombiniertet Heilverfahren. Nachweislich unerrcichto Oauerer folge in verhfiltnitmäSig kurzer Zeit 1 Um sich vor zwecklosen evt schädlichen Koren zu schützen, I verlange man ausführliche Broschüre iu meinen Instituten| oder durch die Poet(verschloss. Kuvert) gratis und franko. EHRLICH-HATA- Behandlung ohne Berufsstörung. Der nächste Herren-Vortrag I | findet statt am Oonnerstag, den 4. Mal, abends'/,1v Uhr, | in den Armlnhallen, Kommandantenstr. 58/59, über Haut- und Harnleiden und das neue Heilmittel Ehrlich• Hafa 606 sowie über knr. ptnscherhafte Uchandlnngawciso mit IJemon- 1 atrationea von naturgetrouea Wachsmodeilen. | Eintritt frei. 243/13 Frageabeantworiung. Ucu crlchloffco! ca. 600 Morgen Sseparzellen □Rute von 10 Mark an FlieSparzellen„„ 4„„ Waldparzellen„„ 8„„ Ackerparzellen„„ 2 ,, ,. Auskimst und Pläne kostenlos.• J. Rieger, Berlin,(Bontaibstt. 5. ül! 'Strahl8' Institut. lOperationSIose BeHand. I | lang ohne Berufsstörung f lieber 2500 Dank- schreiben. Prospekt grallS. Sehr billige Kur-� kosten. roBfHclbir �.i Ltipilttr. oaj rrladr'.� Mtmc. Sftroehioll 10— IS uid 1—6 r>Ä S.OOIM.» 10-11. Pnipak, tr.Ut! Vorlelli-Institut: Friedrichs!. 1 1 S/l,a.Orabg. ,"101. Eleg. Frack. Gebrock IWtosel.OÖ. Weste»OPs. Gartenstadt Hohen-kieuenSorf Wald.(Rordbahn) Wasser. Am Schiisseuhaus. billigstcs.schönsteS Gelände rund um Berlin. Leich- tester Erwerb eines Eigenheims. 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Abänderung stnd die §§ 10 und 12 dahin abgeändert, daß Aenderungen im Arbeitsverdienst, welche die Versetzung in eine andere Mitglied« klasse zur Folge haben, vom Arbeitgeber künftig spätestens am dritten Tage nach dem Gintritt der Aenderung der Kasse schriftlich anzuzeigen sind. Versetzungen in eine höhere oder niedrigere Klasse finden bei verändertem Arbeits- oerdtenst von jetzt ab schon mit dem ersten aus die Veränderung folgenden Montage statt. 275/16 Vorstehende Wanderungen treten mit dem 1. Mal 1911 in Kraft. Berlin, den 30. April 1911. vor Vorstand. SB. Piehl. Vorsitzender. Orts-Krankenkaffe Lichtenberg. Einladung zu der am DicnStag, deu 9. Mai 1911, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Josef Grtel. Lichtenberg. Pfarrftr. 74. stattfindenden ardcutllohoia General-Versammlung der gewählten Vertreter der vrtS« Kraulenkaste Lichtenberg. Tagesordnung: 1. Vorlegung deS DerwaltungsberichlZ und Rechnungsabschlusses pro lS10. 2. Bericht der PiüsungSkommisfion und Beschlußfassung über die Ab- nähme der Jahresrechnung. 3. Vorlegung der mit den Aerzten ab- zulchliekeiiden Verträge. 4. Voriraa über die ZietchSverflche- rungs.Lrdnung. S. Kassenangelegenheiten. Der Vorstand. 273/18 0. Seikel, Vorsitzender. Kachtvag zur Bilanz für das lahr 1910. Die Hastsumme vermehrte sich m> Jahre 1210 um 120,00 Mark. BMePEiposseiiSElialt Berlin. Eingetragene Genossenschaft mit be» schränkter Hastpjlicht. Ter Vorstand. 105/6 Riehard Linder. Ludwig Erü. WunderYOlI flcstickte ab' jporti�ren fflr Fensterj und Türen] in Qualität: 31. pro Fenster: Filztügh.... 3,35 bis 10, so tlatarleioen.. 8,3s. 20.00 KelyetplHseb. ß.ss, 78, 00 PersisehSi IQ,". 36, 00 eridenart Empill! 10,85 n«,00 Kochelleipeii.. 18, so„ 60, oo Pa.reinw.M 18, so.180,«o Nach KQnstlsr- Entwürfen! NachauswärtejiorNaohi� Teppich- Spezlalhaus Lm- Erai! efevre Berlins. Selll882ngr Oranienstr.158. Unterhalte nirgends Filialen! 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Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todett-Anzelire. Den Kollegen zur Nachricht, dafj unser Mitglied, der Former Collis Meißner gestorben ist. Ehr« seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Rontag, den 1. Mai, nachmittag» S Uhr, vom Trauerhause, Lin« dower Str. 24, nach dem neuen Nazarethlirchhos in Reinickendors statt. Rege Beteifigung erwartet Utyo��Ol�rttiwrjttltung� Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine» lieben McmneS und unseres guten BaterS Crnstav Feig© sagen wir allen Beteiligten sowie den Kollegen der A. S.-G. und dem Wahl» verein unseren herzlichsten Dank. Witwe Berta Felge _ nebst Kindern. Danksagung:. Für die Beteiligung bei der Beerdi« gung meine« lieben Mannes Tlieotlor Heidt sage ich allen Freunden und Belonnten, insbesondere dem Deutschen Metall» arbeiter-Verband, den Kollegen der Werlstatt lliobdrod ck rriidrioii sowie den Sängern meinen besten Dank. Witwe Ida Heidt. jVeMWlMi'iiizgaM Extra- Abteilung I. 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B. der Gouverneure der Provinzen, umgeben sein wird. Der Alinliler wird im Ratbouse empsangen werden, wo ihm der Bürgermeister den Lunch anbieten wird. Daraus wird man sich um 2 Uhr zur Ausstellung begeben. Die EröffnungSseter findet Im großen Festsaale statt, wo die Reden gehalten werden. Schließlich, nach einem Bankett, an dem 350 Personen teilnehmen, findet die Besichtigung de» großartiaen Panorama» de« Kohlengebiete« slalt, da« man von den Gärten der Ausstellung au» beherrscht. SS/12 � ist der schönste Ausflugsort? � Immer noch Pichelswerder» VcvSt beim Alten Freund. kmm Mm Särge Berlin, llrbanstr. III, E�e Jahnstr., früher Rigdors. Tel: Amt IV, 1345S. INshlsiZoef, Qn-R. von 8 M. an, 20 Ps..Fahrt. J. Rieger, Gontardstr. 5. • Berlin, Alteiakobatr. 124. Elektro-Teehnikoml aegr. 1874. Eia. Fabrik. Elektro- Maschinen-, Bau-, Ingenieur-, s Techniker-, Werkmeister-, Monteur. Ausbild., Maschinenlabora- torium. I Prospekt koatenlrei. zum Selbstausstellen für 3 rn Tieje schon v. 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Person der Referenten und etwaige Zwischenfälle zugehen zu lassen._ Zur Maifeier. Britz-Buckow. Die VormittagZversammlung findet im Lokal den Karl Schöncberg, Britz, Rudower Str. 66, die Maifeier nachmittags im Lokal von Raddatz. Chausieestr. 39 statt. Borfigwalde. Billetts für die abends 7Vz Uhr in den Borsigwalde r Festsälen. Konradstrafie 43, beginnende Maifeier find bei den Genossen Kienast, Räuschstr. 16 und Gramm, Schubartstr. 21 zu haben. Falkenhagen-Seegefeld. Die den 1. Mai feiernden Genofien treffen sich zur Abstempelung ihrer Bücher vormittags bei Nicolai, von dort erfolgt um 16 Uhr ein gemeinsamer Spaziergang nach Paufin über Brieselang. Abends von 6 Uhr ab: Gemütliches Bei- fammensein mit Tanz bei Nicolai. Schöncichc. Die Genossen des hiesigen Bezirks beteiligen sich an der VormittagSversammlung in Friedrichshagen. Abfahrt vom Dahnhof Rahnsdorf 8,27. Niedcr-Schöncweide. Die NachmittagSfeier des hiesigen Wahl- Vereins findet im Restaurant Khffhäuser, verbunden mit Tanz, turnerischen Aufführungen und humoristischen Vorträgen statt. Berliner JVfochrichten. Ballonschmuck-Wettbcwerb. Im vorigen Jahre empfand ein Komitee, daS sich aus der Zenttale zur Hebung de» Berliner Fremdenverkehrs heraus ge- bildet hatte, das Bedürfnis, für hervorragenden Balkonschmuck Prämien und Diplome in Aussicht zu stellen. Der Gedanke an sich ist wunderschön, bloß hatte die Sache einen kleinen metallischen Bei- geschmack. Nur solche Balkoninhaber, welche dem Komitee eine nicht ganz geringe Gebühr einsandten, kamen für die Prämiierung in Be- trocht. Dadurch wurde der Wettbewerb auf einen verhältnismäßig kleinen Interessentenkreis beschränkt. Auch schon die Namen der Komiteemitglieder sprachen dafür, daß es in der Hauptsache auf eine Balkonschau innerhalb der vornehmeren Stadtviertel ankomme, wo die wohlhabenden Balkonbefitzer mit Leichtigkeit in der Lage find, sich durch die Kunst des bezahlten Gärwers, nicht durch eigenen Geschmack und eigene Krastleistung, einen vom Durchschnitt ab- weichenden Balkonschmuck hinzaubern zu lassen. ES gingen zwar auch Anmeldungen aus den Vorstadtvierteln ein. und die Preisrichter, die in Equipagen das Terrain abfuhren, ließen weniger gutmüttg als mit kluger Berechnung auch hierher ein paar Preise fallen, aber in Wirklichkeit trug die Balkonschau rein.gesellschaftlichen" Charakter. In diesem Jahre hat man von dem anfangs beabsichtigten zweiten Balkonschmuck- Wettbewerb solcher Art noch nichts gehört. Dagegen soll eine allgemeine Balkonprämiierung, wie sie alljährlich schon in anderen Städten stattfindet, von der„Deutschen Gartenbau- Gesellschaft' veranstaltet werden. Ohne Anmeldung und Zahlungs- gebühr wird jeder nach der Straße zu gelegene Blumenschmuck am Hause, Balkon oder Fenster einer Bewertung unterzogen. Die zur Verteilung gelangenden �gleichwertigen Anerkennungen bestehen in Palmen, blühenden Zimmerpflanzen und Knollengewächsen. Für die Zuerteilung von Preisen spricht hauptsächlich die Eigenartigkeit der Pflanzenzusammenstellung mit Berücksichtigung der Gesamt- Wirkung für das Stratzenbild und die aus der Beschaffenheit der Pflanzen ersichtliche Liebe und Pflege des Besitzers. Zur gleich> mäßigen Durchführung der Beurteilung ist Berlin in zehn PrämiicrungSbezirke geteilt. Für jeden dieser Bezirke tritt ein be- sondereS Preisrichterkollegium in Tätigkeit. DaS läßt sich eher hören, obgleich auch nur ein Teil von Balkon- inhabern dabei in Frage kommt. Zum Kiuberhilfstag in Grofi-Berlin, den für 1911 eine Gruppe von Wohltätigkeitsvereinen zu veran stalten beabsichtigt, sind die Vorbereitungen im Gange. Wenn auch in den interessierten Kreisen der Streit der Meinungen noch fortdauert und noch immer das Für und Wider erörtert wird, so ist doch nicht mehr daran zu zweifeln, daß die Ausführung des Planes zustande kommt. Die organisawrischen Arbeiten sind be sorgt worden von der..Hauptstelle für Mutter- und Säuglings fürsorge in Groß-Bcrlin". die durch die..Preußische Landes zentrale für Säuglingsschutz' geschaffen wurde, um die zahlreichen Vereine für Mutter- und Säuglingsfürsorgc zu gemeinsamer Ar- beit zusammenzufassen. Ein paar sehr einflußreiche Jugendfür- sorge-Vercinigungen haben, so beifällig sie im übrigen diesen Zu- sammenschlutz begrüßten, für dieses Jahr eine offizielle Beteili- gung an dem geplanten Kinderhilfötag abgelehnt. Nach dem Beispiel der„Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge', die so be schlössen hat. ist nun auch der„Freiwillige Erziehungsbeirat für schulentlassene Waisen" zu dem Beschluß gelangt, sich offiziell dies mal nicht zu beteiligen. Das bedeutet aber nichts für die prim zipielle Stellung dieser Körperschaften zu der Frage der Veran- staltung von Äinderhilfstagen, und jedem ihrer Mitglieder bleibt die private Beteiligung auch an dem diesjährigen KinderhilfStag überlassen. WaS wir von dem Unternehmen halten. daS haben wir hier bereits im Herbst vorigen Jahres gesagt, als die Verhandlungen darüber begonnen hatten. Der Gedanke, das für eine ein- dringendere Kind er fürsorge erforderliche Kleingeld einmafdurch daS Gewaltmittel einer sensationell wirken- den Massenbettelei zusammenzubringen, hat für die meisten Wohltätigkeitsvercine etwas sehr Verlockendes. Wer aber die treibenden Kräfte der vielgepriesenen Liebestätigkeit solcher Vereinigungen kennt, der wird auch den KinderhilfStag nicht wesentlich anders bewerten wollen als die berüchtigten Wohl- tätigkeitSamüsemcnts der Besitzenden. Bei dieser Masscnbettelei sollen Zehntauscnde von jungen Damen, die mit ihren Sammcl- b'ichsen durch alle Straßen wandern und in alle Häuser gehen, auf alle Portemonnaies mit der Kraft des Magneten wirken und klin- gcnde Münze in überreicher Menge herausholen. Selbst wenn diese Hoffnung sich erfüllt, so ist damit nicht das geringste getan für die Stärkung dessozralen Empfindens der bürgerlichen K lalle. Und der äußere Erfolg, den solche in großartigstem Maßstabe ausgeführten Attacken auf das warme Herz der Besitzen- den etwa bringen, kann für die Gemeinden und den Staat nur ein neuer Ansporn werden, ihrerseits zur Linderung des Elends der Besitzlosen nach wie vor nicht viel mehr als Nichts zu tun. Der diesjährige Groß-Berlmer Kinderhistötag wird als ein allgemeiner„Blumcntag" in Szene gesetzt werden. Am 24. und 25. Juni sollen allüberall in Groß-Berlin junge Damen, von denen man„20 000'— eine Zeitungsnachricht fabelt sogar von .30 000"— zusammenzutrommeln hosft. durch Feilhaltung tünst- (icher Ngrgueiitcn die»mildeo Ap/lldeu" Idlkep z» Möchcg süchcn., Drei Millionen Margueriten sind bestellt, deren Verkauf, wenn für alle sich Abnehmer fänden und jede nur mit 10 Pf. bezahlt würde, 300 000 M. bringen müßte. Geplant sind aber, wenn wir nicht irren, noch ein paar gleichartige Veranstaltungen, die noch vorher stattfinden sollen und den Blumentagen vom 24. und 25. Juni vielleicht den Ertrag um einiges schmälern werden. Vor einigen Wochen wurde gemeldet, daß das Zentralkomitee des„Preußischen Landesvereins vom Roten Kreuz" am 16. Juni für ganz Preußen einen Kornblumentag veranstalten will, dessen Ertrag für Kriegs- Veteranen bestimmt ist. Ein besonderer Blumentag für Potsdam ist zum 31. Mai angekündigt, und aus Lichterfelde wurde kürzlich gemeldet, daß dort am 6. Mai ein besonderer Blumeutag statt- finden soll. Der besondere Blumcntag für Pankow hat bereits stattgefunden. In Lichterfelde sollen sogar Schulkinder als Blumenverkäuferinnen verwendet werden, wovon man offenbar sich eine besondere Wirkung verspricht. Der Eifer, Blumentage zu veran st alten, hat— wie man sieht— schon einen recht flotten Wettbewerb hervorgerufen. Aber am Ende bleibt der eine und der andere dieser Pläne unausgeführt und ist vielleicht schon aufgegeben. Dem Groß-Berliner Blumentag vom 24. und 25. Juni soll noch ein Mäntelchen umgehängt werden, unter dem er sich fast wie eine Veranstaltung zur Förderung sozialen Empfindens ausnehmen wird. Angekündigt ist, daß vorher etliche Wochen hindurch die Bevölkerung durch Vorträge und durch kinematographische Dar- stellungen auf die ethische Bedeutung des Kinderhilfs- BlumentageS hingewiesen werden soll. Wenn das mehr als ein Scherz ist und wirklich ausgeführt werden soll, dann darf man ge- spannt sein auf das, was da geboten werden wird. Bon den Berliner Wasserwerken. Die Stadtverordneten-Ver- sammlung hatte sich im Oktober v. I. mit Ausführung der erforder- lichen Erneuerung«- und Erweiterungsbauten für die städttschen Wasserwerke in Tegel, Müggelsee und Lichtenberg auf Grund vor- gelegter Entwürfe und Kostenanschläge einverstanden erklärt und die veranschlagten Kosten in Höhe von 5 400 000 M. bewilligt. Der Magistrat hat nunmehr die Projekte für einen Erweiterungsbau zunächst des Wasierwerks Lichtenberg fertiggestellt. ES muß auf dem Werk Lichtenberg ein neuer Reinwasierbehälter mit einem Fassungsraum von 15 000 Kubikmeter gebaut werden, der zum Teil mit dem Wühl- Heideprojekt zusammenhängt, zum Teil aber auch schon für die auS den vorhandenen Schöpfanlagen des Werkes Müggelsee kommenden Wasiermengen nöttg wird und deshalb baldmöglichst hergestellt werden soll. Ferner haben sich Kohlen- und insbesondere Röhren- lagerplätze als dringend erforderlich gezeigt, um günstige Markt- konjuntturen auszunutzen, Syndikate umgehen zu können und so fort. Da für alle diese Anlagen auf dem vorhandenen Werks- grundsttick kein Raum mehr vorhanden ist, wird der Zulauf einer an das alte Grundstück anschließenden Fläche von 17 145 Quadratmeter notwendig. Für den geplanten dritten Druckrohrstrang Müggelsee- Lichtenberg, der in der Feldmark Lichtenberg neben die ersten beiden Stränge gelegt werden soll, ist eine Verbreiterung des für die ersten Stränge seinerzeit angelanften zehn Meter breiten LandstteifenS um fünf Meter erforderlich, da daS neue Rohr in dem zehn Meter breiten Streifen sehr wenig Platz hat. Der Magistrat hat mit dem Eigentümer deS in Frage kommenden Geländes. Rittergutsbesitzer Roeder in Lichtenberg, zwei Verträge abgeschlossen, deren erster den Ankauf zweier Landflächen von 20 563 Quadratmeter Größe betrifft. Der zweite Vertrag handelt von der Herstellung eines Eisenbahnanschlusses für das genannte Werk, indem Herr Roeder seine vorhandenen umfangreichen Anschluß anlagen zur Verfügung stellt und sie bis zum Wasserwerksgrundstück verlängert. Die Ausgaben für den Landerwerb, Eisenbahnanfchluß, Stempel und Steuern betragen rund 538 625 M. Zwischen den Vertretern der Stadt Berlin und der Gemeinde Treptow fanden gestern vertrauliche Besprechungen über ver schiodene beide Gemeinden betreffende Fragen statt, wobei eine Einigung über verschiedene Gesichtspunkte erzielt wurde. Die Ver- Handlungen sollen weiter ausgedehnt werden. Eine Gefahr für den Zoologischen Garten. In der..Vossischen Zeitung' wird einer längeren Zuschrift Raum gegeben, die sich mit der Absicht Hagenbccks beschäftigt, in Berlin eine Filiale seines Stellinger Tierparks zu errichten. In der Zuschrift heißt es u. a.: „Ein Gerücht besagt, daß Herr tzagenbcck wegen eines Geländes im beträchtlichen Umfang von 180—200 Morgen im Norden von Berlin mit dem Forstfiskus unterhandle, und daß der Fiskus ge- neigt sein solle, Herrn Hagcnbecks Wunsch zu erfüllen. Wir können unser Befremden über diese Angelegenheit nicht unterdrücken. Wenn Herr Hagenbeck und seine Hamburger Finanzgruppe irgendwo Ber- liner Gelände erwirbt, uni eine Tierschau darauf zu errichten, so ist das sein gutes Recht, dessen Ausübung ihm nicht zu bestreiten ist. Ganz anders liegt die Sache, wenn fiskalisches Gelände in Frage kommt. Ob der Staat das Gelände zu einem Ausnahmepreise an die Hagenbecksche Finanzgruppe in Hamburg verkauft oder billig verpachtet, ist hierbei gleichgültig. Im ersteren Falle würde er— was uns bei der Größe des geforderten Geländes unzweifelhaft ist — eine Bodenspekulation begünstigen, deren Gewinn obendrein in Hamburger Taschen fällt, im anderen Falle würde er unter Um- ständen auf Kosten der Steuerzahler und des Staates ein privates Unternehmen fördern, das lediglich Erwerbsinteressen dient. Es gibt in Deutschland etwa 15 Zoologische Gärten. Zoologische Gärten sind Sammlungen lebender Tiere für die Zwecke des Unterrichts und der Bildung der Massen. Sic sind gezwungen, eine syste- matische Ucbersicht möglichst über alle Tierfamilien zu geben. Sie bedürfen zu diesem Zwecke großer Gelände, beträchtlicher Kapitalien für Gebäude und Tierankauf, großer Summen für den Unterhalt. Kaum ein Zoologischer Garten kann ohne Beihilfe des Staates oder der Stadtverwaltungen bestehen. Solche Beihilfen sind überall in der richtigen Erwägung gewährt worden, daß Institute dieser Art für Schule und Volk unentbehrlich sind. Diesen altbewährten Instituten hat Heer Hagenbeck in Stellingen eine Konkurrenz ge- schaffen. Er hat Felsen aus Gips und Eisenbeton errichtet und mittels einer geschickten optischen Täuschung den Eindruck erzielt, als ob die Löwen neben den Giraffen ruhen und als ob die reißenden Bestien sich im Freien bewegen. Das ist ein sehr hübscher. für Wissenschast. Bildung und Unterricht aber wertloser Trick. Das, was Hagenbcck ausgedacht hat, läßt sich indessen nur mit einer ganz geringen Zahl von Tieren vorführen. Es ist eben kein System, nur ein Trick. Einschließlich der Handelsmenagerie hat Hagenbeck noch nicht halb soviel Tiere als z. B. der Berliner Zoologische Garten. Der Menge gefällt, was auf den Marktplatz taugt, sagt Bürger. Ter Stcllinger Trick und eine echt amerikanische Reklame zogen alles an sich. Der Besuch des wissenschaftlich wie ticrgärtnerisch ausgezeichneten Hamburger Gartens sank dagegen, seit Stellingen existiert, auf die Hälfte. Der Hamburger Staat zahlt ihm jährlich 75 000 M. Zuschuß, um den Zusammenbruch des Instituts zu ver- hüten. Auch Derlrn hat einen Zoologischen Garten. Die Zahl und Be- schaffenheit sekner Tiere, die Pracht seiner Tierhäuser stellen ihn an die erste Stelle ,n der Welt. Der Berliner ist mit Fug und Recht stolz auf seinen Zoo. Das Gelände dieses Gartens gehört dem Staat; er erhält von Staat und Stadt Beihilfen. Er wird gemein- nützig verwaltet, zahlt keine Dividenden. Tantiemen usw. Ter Ucbcrschuß aus dem Betrieb wird immer wieder zur Verschönerung des pnternchmens verwendet. Sie Mstlerifche PMpWZzenM des. Berliner Gartens wird dem einmütigen Zusammenwirken einer tatkräftigen Verwaltung und des Wohlwollens von Staat und Stadtgemeinde verdankt, welche letztere noch eben das Zustandekommen des Aquariums durch einen namhaften Jahreszuschutz ge- fördert hat. Dieses stolze Werk wird in seiner weiteren Entwicke- lung gefährdet und unter Umständen schwer geschädigt. wenn man in Berlin das Zustandekommen einer Konkurrenz be- günstigt. Von der schweren Erfahrung des Hamburger Gartens sprachen wir schon. Der Wiener Tiergarten ist ganz zusammen- gebrochen, der Pariser laräin ck aeelimstation siecht hin gegenüber dem staatlichen �aräin des plantes. Nirgends können zwei Zoologische Gärten nebeneinander bestehen, wie die Erfahrung lehrt. Muß es nicht das allergrößte Bedenken er- regen, wenn der Fiskus das Berliner Institut, das seiner Aufsicht untersteht und dank wohlwollender Förderung zu einem Glanz- Punkt von Berlin und einem Anziehungspunkte für die Fremden ge- worden ist, der Gefahr der Hemmung und des Niederganges aus- setzen will? Das Schicksal des Hamburger Gartens ist ein drohendes Menetekel. Was nun, wenn Herr Hagenbcck, der nur eine kleinere Zahl von Tieren für seine Schaustellung gebraucht und die starken Fresser völlig ausschalten kann, also billiger wirtschaftet, aus Kosten des Berliner Gartens großen Zulauf hat? Wenn der Berliner Garten in dieselbe Bedrängnis gerät wie vor kurzem der Ham- burger? Ist etwa anzunehmen, daß im Roten Hause in der König- stratze Neigung, dem etwa bedrängten Garten beizuspringen, vor- banden sein wird, wenn der Fiskus die Krisis selber herauf- beschworen hat? Es kann leicht kommen— wir hörten heute eine Meinung: es komme unfehlbar so—, daß der Fiskus seinerseits den Berliner Zoologischen Garten würde stützen müssen. Bei den großen Verhältnissen des Berliner Unternehmens wären 75 000 M. Jahres- zuschuß aber ein Tropfen auf einen heißen Stein, und es kämen ganz andere Summen in Frage. Diese schweren Opfer aber müßten letzten Endes die Steuerzahler bringen, lediglich damit der Privat- Unternehmer Hagenbeck gute Geschäfte macht. Diese Kehrseite der Medaille ist so anders als die Vorderseite, daß wir nicht dringend genug aus die drohende Gefahr für den Staatssäckel hinweisen können. Noch ist die Entscheidung anscheinend nicht gefallen. Mögen es die zuständigen Stellen nicht an nachdrücklichen Vorstellungen höheren Orts fehlen lassen."_ Der Geschäftsverführer. Welchen schweren sittlichen Attacken junge Mädchen in manchen Geschäftsbetrieben ausgesetzt sind, zeigte sich in einem Prozeß, der am Freitag der Entscheidung der 2. Kammer des Berliner Kauf- mannsgerichts unterlag. Der in dem Rechtsstreit als Kläger auf- tretende Kaufmann Fritz Lenz erhebt Einspruch gegen die ihm von der beklagten Firma, des JnnenausstattungsgeschäftS von Holland u. Co., zuteil gewordene sofortige Entlassung und ver- langt 275 M. rückständiges Gehalt. Der Inhaber der Beklagten dagegen verlangt seinerseits das Weihnachtsgeschenk von 500 M. zurück, da L. sich eines groben Undanks schuldig gemacht habe. Er bezieht sich dabei auf einen vom Kläger unterschriebenen Revers, nach welchem der Chef berechtigt ist, das Geschenk zurückzuverlangen, falls der Beschenkte im laufenden Jahre Anlaß zur sofortigen Eni- tassung gäbe. Dieser Fall sei. wie der Beklagte ausführt, im März dieses Jahres eingetreten. Er habe L. schon früher einmal dabei ertappt, wie er versuchte, jugendlicheKontori st innen zu küssen. Damals ließ er es bei einer ernstlichen V e r w a r- n u n g bewenden. L. mißbrauchte aber neuerdings seine mit 275 M. dotierte Vertrauensstellung als Geschäftsführer, indem er bei zwei 17jährigen weiblichen Angestellten unsittliche Attacken unternahm. Der Kläger wandte gegenüber diesen Au- schuldigungen ein, es müsse berücksichtigt werden, daß der Prinzipal selber vorher versucht habe, dieselben jungen Mädchen zu verführen und bemühte sich im übrigen, die sittliche Qualität der beiden An- gestellten in ein schlechtes Licht zu setzen.— Die Vernehmung der jungen Mädchen ergab, daß der Geschäftsführer beide dauernd mit Licbcsattacken verfolgt hatte. Die eine schleppte er, obgleich sie sich heftig dagegen sträubte, in ein Nestau- rant, mit der anderen wollte er im Dunkeln Inventur machen. Beiden erzählte er, sie sollten sich nur vor dem Chef in acht nehmen, der ein großer Draufgänger sei. Das sei verwerflich, denn dessen Frau sei jung und hübsch, bei ihm sei das was anderes, denn seine Frau sei alt und häßlich. In bezug auf die vom Kläger dem Prin- zipal vorgeworfenen Verfehlungen verweigerte erst die eine Zeugin die Aussage, erklärt dann aber, daß ihr der Chef außer dem Streicheln von Kinn und Wange nicht zu nahe getreten sei. Auf die Frage des Vorsitzenden, warum die Zeuginnen die Attacken des Geschäftsführers solange ruhig hinnahmen, ohne der nächsten Instanz, dem Chef und dann auch den Eltern, etwas davon zu sagen, erklärten beide Mädchen weinend, daß sie sich schämten, jemandem etwas darüber zu berichten. DaS Kaufmannsgericht wies den Klager mit seinem Anspruch ab und verurteilte ihn auch, das Weihnachtsgeschenk zurückzuzahlen. Nach den ganzen Vorfallen, wie sie durch die Beweisaufnahme festgestellt worden sind, hafte der Prinzipal guten Ljruich. die Schenkung zu wloerrufen. Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich auf dem Oder- Spree-Kanal. Eine leere Zille des Schiffseigners Schulz ans Ketschendorf, auf der auch der 20jährige Bootsmann Albert Mehlin aus Fürstenberg a. O. beschäftigt war. befand sich im Schlepptau eines Dampfes auf der Fahrt nach Fürstenberg. In der Nähe von Kaisermühl kam dem Schleppzuge ein Dampfer entgegen, der zwei schwer bcladene Frachtkähne im Schlepptau hatte. Die Zillen mußten dicht aneinander vorüber und um eine verhängnisvolle Karambolage zu vermeiden, wollte der Bootsmann M. die söge- nannte Bommel zwischen die Fahrzeuge legen. Dabei beugte er sich jedoch zu tief herab, so daß er mit dem Kops zwischen eine der beladenen Zillen geriet als diese dicht an seinem Kahne vorüberzog. Dem Bedauernswerten wurde der Kopf vollständig zerquetscht, so daß sein Tod auf der Stelle eintrat. In der Irrenanstalt Herzbrrge ist in der vorigen Woche der Schneider Leo Duwe gestorben, der erst acht Tage vorher in diese Anstalt gebracht worden war. Wir erfahren jetzt, daß Duwe nach einem Unfall, den er in der Anstalt gehabt hatte, einer Gehirn- erschütterung erlegen ist. Er war in Haus 6 in der Badczellc auf dem glatten Estrich des Fußbodens ausgeglitten und gestürzt, so daß er eine blutende Verletzung am Hinterkopf erlitt und bewußtlos weggetragen werden mußte. 24 Stünden nach dem Unfall erfolgte der Tod. ohne daß Duwe noch einmal recht zur Besinnung gekommen war. Im Hinblick auf Mitteilungen, die uns über dieses Vor- kommnis gemacht worden sind, drängen sich uns einige Fragen auf War in der Badczelle der Fußboden, der naturgemäß meist naß und schlüpftig ist. mit Latten belegt, so daß der Badende gegen ein Ausgleiten hinreichend geschützt gewesen Ware? Wurden die Folgen des Unfalls, im besonderen die Gehirnerschütterung, baldigst durch eine eingehende Untersuchung ermittelt, so daß rechtzeitig eine zweck- mäßige Behandlung angeordnet werden konnte? Als am Nack,- mittag desselben Tages, der zufällig Besuchstag war Anaebörwe des Verunglückten nach der.Answlt kameV fmchen sie Duwe mtt st/!ür Scklak bÄ en � emem Zustand der Bewutztlosigkeit. den mit dem � c™ a ß«Ir« vr Unterredung mit einem Arzt, wohl nm! de�Gebiene��t-°� Dr. Hasse, wurde ihnen nichts aus die??""d mit keinem Wort wurde auf die Möglichkeit eines so schnellen Endes hingewiesen. Wirdum'st. wie nachträglich bekannt Rei e'ioem � voriger Woche in de» Verkehr gebracht worden. B-, emenuandwltt»n der Umgebung Berlins erschien an jenem Tage ein fremder Mann, der den Eindruck eines Kaufmanns oder Beamten machte, und bat ihn, ihm einen Tausendmarkschein zu wechseln, weil er zu Lohnzahlungen� sofort kleines Geld brauche. Der Mann trat so sicher und gewandt auf, dag der Landwirt nicht das geringste Mig- trauen hegte und seiner Bitte entsprach. Er schöpfte um so weniger Verdacht, als bisher falsche Tausendmarkscheine kaum jemals in den Verkehr gekommen sind. Zu spät entdeckte er, dag er es mit einem Schwindler zu tun gehabt hatte. Der Schein war nachgemacht. Der Mann, der ihn ausgab, hat wahrscheinlich noch mehr davon. Gegen die Arbciterturner hat der Berliner Polizeipräsident einen neuen Ukas erlassen. Er hat an den Borstand des Turnvereins-Fichte" folgendes Schreiben gerichtet: Der Polizeipräsident. Berlin C. 25, Alexanderstr. 3/6, den 10. April 1911. Der Turnverein.Fichte", Mitglied des Arbeiter-Turner-Bundes, ist als ein Berein im Sinne des§ 3 des Reichsvereinsgesetzes an zusehen. Der Bereinsvorstand ist danach verpflichtet, die Satzung des Vereins sowie das Verzeichnis der Mitglieder des Vorstandes mir einzureichen. Ich fordere den Vorstand auf, dieser Verpflichtung innerhalb 14 Tagen nachzukommen. Jagow. Herr v. Jagow erklärt durch seine Verfügung den Turnverein -Fichte" für einen politischen Verein. Die Annahme trifft natürlich nicht zu, und wir find nicht im Zweifel, daß der Herr Polizeipräsident mit seinem neuen Angriff auf die Arbeiterturner einen Reinfall erleben wird. Vorläufig ist beim Oberpräsidenten Beschwerde er- hoben. Dieser neue Polizeistreich wird nur eine kräftige Vermehrung der Mitglieder des Turnvereins-Fichte' herbeiführen. Der Luna-Park in Halensce hat seine Pforten von neuem er- öffnet. Die gegen dieses loeltstädtische Vergniigungsetablissement geführte Campagne, an dem der frühere Staatssekretär Herr Dern- bürg lebhaften Anteil genommen hat, hat nicht vermocht, dem Unter nehmen das Lebenslicht auszublasen. Vielmehr hat die Direktion die vorjährigen Attraktionen an Zahl vermehrt. Als Neuheit er- scheint eine Schwebebahn über den Halensee, die hoch in den Lüften eine gute Aussicht bietet; auch ein-wissenschaftlicher" Park mit einer Kinderbrutanstalt, einer Station für Aeroplane und dergl. wird Leuten, die es dazu haben, Gelegenheit geben, manche Mark los zu werden. Unter den organisierten Arbeiter-Radfahrern in Berlin herrscht eine recht bedauerliche Zersplitterung. Aufler den in„Solidarität' vereinigten Radfahrern besteht der Rrbeiter-Radfahrverein„Freiheit" Und neuerdings hat sich ein„Arbeiter-Radfahrverein Grofl-Berlin' in der Hauptsache aus ehemaligen Mitgliedern von„Solidarität" ge bildet. Der Verein Grofl- Berlin zählt, wie in der am 20. April stattgefundenen Generalversanimlung berichtet wurde, 331 Mitglieder; er hat 275 M. Bankguthaben und 95 M. Kasienbestand. Acht Reigen- rädcr wurden gekauft. Neuaufnahmen waren 36 zu verzeichnen. Als Vorsitzender fungiert Paul Pippow, Liegnitzer Str. 10. Eine Automobillaterne hat ein Leser unseres Blattes gefunden, und möchte sie dem Verlierer gern zustellen. Die Laterne kann ab- geholt werden bei Schreiber, Wolliner Str. 3, nach 6 Uhr abends. Arbeiter-Samariterkolonne.Groß-Berlin. Am Mittwoch, den 8. Mai, abends 3 Uhr, findet in der 5. Abteilung, Rixdorf, Erkstr. 8, Uebungsabend statt. Gäste willkommen.— Heute, Sonntag, vormittag 11 Uhr, Besichtigung des Pathologischen Instituts sVirchow- Museum) am Alexanderufer. Daselbst am Sonntag, den 21. Mai, Bortrag von Herrn Professor Dr. Kayserlingk über-Knochenbrüche". Vorort- 1>fadmd)ten. Rixdorf. Ein Nekrolog zur Eingemeindungsfrage. Endlich beginnt sich das mystische Dunkel zu lichten, in welches die Eingemeindungs- frage von Rixdorf und Treptow für das Gros der Rixdorfer Be völkerung gehüllt war. Wie auf allen Gebieten, so ist auch au' kommunalem die Tendenz zum Zusammenschluß der Kräfte nur zu begrüßen. Diese Tendenz gibt erst die Gewähr, daß, wenn sie in die Tat umgesetzt wird, neue und größere Kulturwerte geschaffen werden können. Das aber bedarf ein Gemeinwesen wie Groß Berlin im besonderen Maße. Die Zerstückelung in viele einzelne Gemeinwesen ist ein Hemmnis für jede großzügige Kommunal Politik, worunter die Arbeiterschaft vor allen Dingen zu leiden hat. Diese Tatsache tritt dort recht kraß zutage, wo die Einzel gemeinde finanziell weniger leistungsfähig ist und durch die stän- dige Ausbreitung und bauliche EntWickelung täglich vor neue Auf- gaben gestellt wird, die in ihrer Vielgestaltigkeit die größten An forderungen an die Gemeinde als Gesamtheit sowie an jedes einzelne Mitglied stellen. Um diese Leistungsfähigkeit zu erhöhen, ist jeder Schritt nach dieser Richtung von kultureller Bedeutung den jeder Sozialdemokrat mit aller Energie zu fördern bestrebt sein muß. Waren nun solche Bestrebungen die Ursache und Triebkraft der so heimlich betriebenen Eingemeindungsbcstrebungen zwischen Rixdorf und Treptow? Diese Frage muß mit aller Entschieden� heit verneint werden. Kürzlich hielt das Magistratsmitglied Justiz rat B ü r k n e r im hiesigen Grundbesitzerverein einen Vortrag, in dem er die Einzelheiten der Eingemeindungsbedingungen be kannt gab. Weder die Stadtverordneten, noch die Bevölkerung haben vordem davon Kenntnis erlangt. Offenbar wollte sich der Magistrat nicht seine Kreise stören lassen. Was hat auch die Ein Wohnerschaft oder die von ihr gewählten Vertreter darüber mit zureden? Der fürsorgliche Magistrat wird schon alles zum Besten niachen. Der ganze Plan der Eingemeindung war doch auf dem Gedanken aufgebaut, die hinter der Ringbahn belegene unbebaute Fläche zu einem Wohnviertel zu gestalten, das den Vergleich mit dem Westen jederzeit aushalten kann. Aus Rixdorf eine Grunewaldkolonie machen zu wollen, klingt mehr wie absurd. Diesem Grundgedanken entsprechend sollte dann auch der ganze Bebauungsplan aufgestellt werden. Große Freiflächen, breite Straßenzüge sollten geschaffen werden. zur Freude und zum Genuß der besitzenden Klasse. Die Kosten für diese erstrebenswerten Schönheiten und Annehmlichkeiten soll- ten dann diejenigen aufbringen, die im Schatten leben und von dieser Klasse mißachtet, vergeblich nach einem sonnigeren Leben trachten. Für dieses neue projektierte Wohnviertel mit seinem westlichen Charakter und den ersehnten Bourgeois sollten dann die neuen Bahnhöfe, Straßenbahnlinien» Brücken und höheren Schulen gebaut werden. Angesichts dieser Pläne kann man es begreifen, wenn der Rixdorfer Magistrat sich in die Toga des Schweigens hüllte und nicht mal die Vertreter der Bürgerschaft damit vertraut machte. Bei Bekanntwerden dieser Dinge wäre sicher der Sturm der Eni- rüstung in der Bevölkerung noch größer geworden als er ohnehin schon war bei dem Wenigen, was in die Oeffentlichkeit drang.' Ohne Frage spielten auch politische Motive in diese Pläne hinein. Nur auf diese Weise konnte man eS mit der Zeit verhin- dern, daß eine Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung, die sich möglicherweise aus Sozialdemokraten zusammensetzt, wieder be- seitigt werden kann. Bei Gelingen des Planes würden dann, nachdem der Wahlrechtsraub als ungesetzlich abgetan und die Wahl- rechtsräuber von allen Instanzen ins Unrecht gesetzt wurden, die Alassengrenzen in den einzelnen Wählerabteilungen derartig ver- schoben und umgestaltet, daß daniit die möglicherweise vorhandene sozialdemokratische Rachau»üu!5rI)eTf wled'er frt«sne Minderheit verwandelt würde. Mit dem Scheitern der Jnkommunalisierung beider Gemein- den ist die Frage nicht endgültig begraben. Noch sind Mächte am Werke, die dem gescheiterten Versuch neues Leben einzuflößen be- strebt sind und möglicherweise auch größere Erfolge aufweisen können. Diesen Schluß wenigstens lasten einige Ausführungen in dem vorhererwähnten Vortrage zu, die andeutungsweise gemacht sind. Es wird darin positiv behauptet, daß nach Aeußerungen höherer Regierungsbeamten in Regierungskreisen das be- stehende Verhältnis der Vorortgemeinden zueinander als unge- sund betrachtet werbe. Wenn die verständigen Bestrebungen, wie sie in einzelnen Orten vorhanden sind, wenn offene oder heimliche Gegnerschaften das eigentliche gemeinsame Jntereste hintertreiben, so sei dies bedauerlich, dann stehe ein Eingriff der Oberbehörde zu befürchten, dessen Form, Gestaltung und dessen Machtgrenzen die größten Ueberraschungen bringen könnten. Sicher sind diese Worte mehr als leere Vermutung. Eines Widerspruches zwischen den Ausführungen dieses Herrn und eines anderen Magistratsvertreters müssen wir noch an dieser Stelle gedenken. Der Presse, den interessierten bürgerlichen Vereinen, den Stadtverordneten und Gemeindevertretern gingen zu Anfang des Jahres eine Zusammenstellung von Vorteilen zu, die die Ge- meinden bei einem Zusammenschluß hätten. Dieser Zusammen- stellung war zur näheren Veranschaulichung eine Karte beigefügt. Das Ganze hatte etwas sehr Reklamehaftes an sich, wie es sonst vielleicht bei Abzahlungsgeschäften Brauch ist. Gelegentlich wurde denn auch dem Magistrat die Frage vorgelegt, ob er diese Dinge veranlaßt hätte. Diese Frage wurde verneint. Und jetzt führt ein anderes Magistratsmitglied aus:„Gelegentlich war scherzhaft und dann ernstlicher über ein Zusammengehen zu nachbarlichem kommunalen Zwecke mit Treptow die Rede, was schließlich dazu führte, die Vorteile schärfer ins Auge zu fassen, welche die Gemein� den aus einer Vereinigung gewinnen könnten. Dies ist dan schriftlich niedergelegt worden und vom Ma gistrat in hiesigen Zeitungen veröffentlicht worden. Es ist auch ein Kärtchen verteilt war den, welches beide Gemeinden und ihre Lag nebeneinander darstellt." Der Oberbürgermeister erklärte dies als ein privates Unter nehmen, der Stadtrat und Justizrat Bürrner sagt, es sei vom Magistrat veranlaßt. Wir müssen gestehen, die Ausführungen des Letzteren erscheinen uns in Anbetracht der Situation wahrscheirn licher. Sicher sind die Bestrebungen des Zusammenschlusses dieser beiden Gemeinden nicht endgültig begraben. Tritt jedoch diese Frage wieder in den Vordergrund der Erörterung, muß schon eine andere Verhandlungsbasis vorhanden sein» wie es die hoffentlich für immer begrabene war. Die Agitation für die ReichZtagswahl begannen die Rixdorfer Parteigenossen mit einer imposanten öffenl lichen Versammlung, die am Freitag in der„Neuen Welt" abgehalten wurde. In Scharen strömten Männer und Frauen dem Ver ammlungslokale zu. Vollständig gefüllt war der große Saal samt den Galerien. Das sichtbare Interesse, mit dem die Versammelten dem 2lli stündigen Vortrage des Genossen Z u b e i l folgten, der lebhafte Beifall, der seine Ausführungen wiederholt unterbrach, zeugten von der Kampfeslust unserer Parteigenossen, von dem Verlangen bei der ReichZtagswahl eine gründliche Abrechnung vorzunehmen'mit der Regierung, dem schwarzblauen Block und der ganzen reaktionären Sippschaft. Wie das arbeitende Volk von der 1907 unter schändlichem Lug und Trug zustande gekommenen reaktionären Reichstagsmehrheit wirtschaftlich belastet und in seinem Rechte beeinträchtigt worden ist. wie man jetzt eiftig bemüht ist, eine Wahlparole zu finden, durch die das Volk abermals betört werden soll, das zeigte Genosse Zubeil in einem Rückblick auf die Tätigkeit dieses Reichstages und einer Beleuchtung der gegnerischen Wahlvorbereitungen. Zum Schluß erörterte der Redner die Parteiverhällnisie und die Wahl aussichten im Kreise Teltow-BeeSkow. Bei der vorigen Wahl hätte die Zunahme der sozialdemokratischen Stimmen nicht Schritt gehalten mit der Zunahme der Bevölkerung, sie hätten sich auch nicht in demselben Verhältnis vermehrt wie die Stimmen der Konser- vaiiven und Freisinnigen. Wenn der Kreis die Ehre der Sozial demokratie, im ersten Wahlgange zu siegen, aufrechterhalten will. dann muß jeder Parteigenosse schon von heut an seine ganze Kraft einsetzen, um neue Kämpfer für die Partei zu werben. Einen neuen Gegner haben wir erhalten in einem Kandidaten der Demokratie, die sich den größten Hoffnungen au' ihren Wahlerfolg hingibt. Wie weit diese Hoffnungen zutreffen, läßt sich heute noch nicht beurteilen. Wir haben die Demokraten, die ja bei der Wahl als unsere Gegner auftreten, ebenso zu be handeln, wie unsere sonstigen Gegner. Wenn uns die Demokraten auch politisch näher stehen wie die Freisinnigen, so stehen sie uns doch wirtschaftlich ebenso fern wie diese. Aber je mehr Feinde uns entgegenstehen, um so lieber kämpfen wir. Unseren Gegnern stehen die Millionen des kalten Mammons zur Verfügung. Uns stärkt im Kampf die edle Begeisterung für unsere großen Ziele. Es wird sich zeigen, daß nicht der kalte Mammon, sondern die Begeisterung für die Befreiung der Menschheit den Kampf entscheidet. Darum vorwärts, durch Kampf zum Sieg.(Stürmischer Beifall.) Herr Schubert, der Kandidat der Demokraten, nahm zur Diskussion dos Wort. Er sagte unter anderem, aus demselben Grunde, wie die Sozialdemokratie habe seine Partei einen eigenen Kandidaten aufgestellt, nämlich um ihre Kraft im ersten Wahlgange zu erproben. Auf eine Stichwahl hoffe er nicht. Sollte die Sozial demokratie mit einer anderen Partei in Stichwahl kommen, dann stehe er auf der Seite der Sozialdemokratie. Zubeil entgegnete, er würde sich freuen, wenn der Kampf zwischen uns und den Demokraten nicht zu heftig werde. Da aber der Deniokrat als Mitbewerber sür das Mandat auftrete, welches wir seit 18 Jahren innehaben, so trete er uns als Feind gegenüber und könne nicht geschont werden. Solange er den Kamps mit an- ständigen Mitteln führe, werde er selbstverständlich auch von uns anständig behandelt werden. Im andern Falle gelte daS Wort: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt eS heraus.— Mit Hochrufen auf die Sozialdemokratie charde die Versamm lung geschlossen. ✓ Ein schwieriges Rettungswerk vollführte am Freitag früh der Glaser Paul Neubert aus der Stcinmetzstraße 118. Gegen 9 Uhr morgens spielten die beiden 6 und 10 Jahre alten Töchter des Oeko- nomen Zobel aus Frankfurt a. O., der gegenwärtig bei Verwandten in Rixdorf zu Besuch weilt, in der Nähe der Fabrik von Steffens n. Nolle am User des Teltowkanals. Dabei stürzte das kleinere Mädchen plötzlich die Böschung hinab und versank vor den Augen ihrer Schwester in den Fluten. Das ältere Mädchen lief nun davon, um Hilfe herbeizuholen, die aber inzwischen schon zur Stelle war. Der Glaser Neubert, der gerade vorüber kam, hatte den Vorfall beobachtet, eilte schnell hinzu und sprang, ohne sich zu besinnen, in den Kanal. Erst nach mehrmaligem Tauchen gelang es ihm unter großen Anstrengungen, das Kind zu erfassen und den Fluten zu entreißen. Unter den Bemühungen des mutigen Retters kam das verunglückte Mädchen bald wieder zu sich; es wurde zunächst zu einem Arzt und dann nach der elterlichen Wohnung gebracht. Eine Gefahr liegt für das Kind nicht vor. Schöneberg. Steuerfragen Groß-Bcrlins. Dieses Thema war in der letzten Wahlvereinsvcrsammlmig Gegenstand längerer Auseinandersetzungen. In Mitgliederkreisen wurde in letzter Zeit die Ansicht laut, daß unsere Genossen im Stadtparlamenl mit der Forderung eines EinkommensteuerzuschlageS von 100 auf IWProz. sich in Gegensatz zu der Anschauung der Mitglieder gestellt hätten. Stadtverordneter Genosse E. Bernstein rechtfertigte in einem Referat die Stellungnahme der sozialdemokratischen Fraktion. Redner meinte: Mit dem Wachsen der Städte mehren sich auch die Ausgaben derselben und die Klagen über das Steigen der Steuern. Man könne wohl streiten über die Art der Steuern und von wem dieselben zu erheben seien, aber nicht über Steuern an sich. Die bürgerlichen Parteien sind zumeist von der Steuerscheu befallen. Unsere Forderungen auf den Gebieten der Schulen, der Hygiene, der Sozialpolitik usw. haben mehr Ausgaben und auch mehr Steuern zur Folge. Die Einnahmen der Gemeinde setzen sich zu« sammen aus: Ueberschüssen gewinnbringender Unternehmungen, aus Gebühren, aus direkten und indirekten Steuern. Wenn Schöneberg auch Ueberschüsse_ aus Unternehmungen städtischer Regie nicht aufweisen könne, so fließen doch aus der Gas-, Wasser- und Elektrizitäts-Lieferung bestimmte Abgaben der Stadtkasse zu. Uebrigens seien ständige Ueberschüsse nicht sozialistisch; entweder werden die gelieferten Produkte dadurch verteuert oder die Entlohnung der Angestellten auf niedriger Stufe erhalten.— Die Einnahmen aus Gebühren(Krankenhaus, Pflasterung, Kanali« sation usw.) reduzieren höchstens die Selbstkosten. Die Gelder müssen also vornehmlich durch direkte Steuern(Wertzuwachssteuer, Umsatzsteuer, Hundesteuer usw.) erzielt werden, da indirekte unserem Programm widersprechen.— Realsteuern und Einkommensteuer und die erwähnten Einnahmequellen haben die Ausgaben der Stadt nicht decken können. Es mußten Anleihen aufgenommen werden. Um diese Pumvwirtschaft wirksam zu bekämpfen, müssen regelmäßige Einnahmen gesichert werden. Nun trete das Bestreben zutage, den Gemeindeeinkommensteuerzuschlag nicht über 100 Prozeni steigen zu lassen, trotzdem die Regierung 110 Prozent ihre Unterstützung lieh. Das Vorgehen der Behörden wurde von den bürgerlichen Parteien als Eingriff in die Selbstverwaltung bezeichnet.— Im größeren Umkreis von Berlin findet man meistens Zuschläge über 100 Prozent. Das starre Festhalten am lOOprozentigen Zuschlag in Groß- Berlin habe seine Ursache in der Konkurrenz der Gemeinden um die Seßhaftniachung wohlhabender Steuerzahler. Wichtige Aufgaben der Kommunen müssen wegen Geldmangel hinausgeschoben werden. Weil nun keine Partei die Initiative ergriff, Ivaren wir Sozialdemokraten bereit, für 110 Proz. Zuschlag zu votieren, wenn in Groß-Berlin derselbe Prozentsatz Annahme finden sollte. Dies wurde jedoch nicht verwirklicht.— Sollte der Zweckverband Gesetz werden, so wird eine Steigerung der Steuer unabwendbar sein. Um für unsere For- derungen finanziellen Rückhalt zu haben, sind wir für Erhöhung des Einkommensteuerzuschlages(die vier unteren Klassen sollten steuerfrei sein) eingetreten, da direkte Abgaben unseren Grundsätzen entsprechen. In der Diskussion brachte Genosse Unger zum Ausdruck, daß uns die Reichsfinanzreform große indirekte Losten aufgebürdet habe, Sozialdemokraten brauchten daher nicht noch für erhöhte direkte Steuern stimmen. Der Redner spricht dann noch seine Verwunderung aus, daß unsere Fraktion eine Petition der Militäranwärter um teilweise Anrechnung ihrer Dienstzeit empfohlen hatte. Genosse Kaspar meinte. Sozialdemokraten dürfen nicht als P r e i s f e ch t e r sür neue Steuern austreten. Man hätte zum mindesten Einkommen bis zu 2000 Mark steuerfrei lassen m ü f s e n. Die Stellungnahme unserer Vertreter sei ein Fehler gewesen. Gegen direkte Steuern könnte sich kein Sozialdemokrat wenden. meinte Genosse Schenk, wohl aber gegen zweckwidrige Verwendung der Einnahmen, die größtenteils den Bürgerlichen zugute kämen. Die arbeitende Bevölkerung werde durch die städtische WohnungS- Politik aus Schöneberg gedrängt. Man hätte die bürgerlichen Par» teien in dieser Frage sich selbst überlasten sollen. Genosse T b i e l i ck e ist auch der Ansicht, daß Sozialdemokratm sich nicht auf die Steuersuche zu begeben brauchten. Redner fnlg an, ob die ganze Fraktion für die Erhebung gestimmt habe. Bezüglich der Militäranwärterpetition stellte Genosse Küter richtig, daß unser Genosse als Referent der betreffenden Kommisston lediglich deren Beschlüsse empfohlen habe. Die Fraktion sei nur für Einlösung der in dieser Sache vom Magistrat gegebenen Versprechen gewesen. Im übrigen hätten alle Fraltionsgenossen für den erhöhten Zuschlag gestimmt. Genosse Bäumler verteidigte die Haltung der Fraktion. Man dürfe nicht mehr nur kritisieren, fondern eS müsse auch für Deckung der Ausgaben von uns eingebrachter Forderungen gesorgt werden. Im Schlußwort erläuterte Genosse E. Bernstein nochmal» den Programmpunkt der direkten Steuern. Lnefkatten cler Keäaktlon.' Die turlftische Sprechftuudk findet Linden st raße SS, von» die»»et»»»«» — Fahrstuhl—, wochentägltlh v-rn 4H»ts 7� Uhr adcndS, Sonnabend» von 4%»is 6 Uhr-dends stall. Irdrr für den Bricfiaflen»rstlnmie» Änfrage ist ein Buihflabe und eine Zahl als Mcrlzeichea beijusügen. Briefliche Aulwort wird nicht rNellt. Ellige Fragen«rage man in der Svrechstnnde vor. R. R. 10. 1. Beschweren Sie sich bei der angegebenen Stelle, außer- dem beim Magistrat. 2, Richten Sie einen Antrag an das VormundschaftS- sericht, Sie selber zum Vormund zu bestellen. 3. ES werden eine Anzahl Mittel genannt. Ob und welche wirlsam find, ist unS nicht bekannt.— A. N. 50. 1. bis 3. Sie sind zur Zahlung derjenigen Kosten Ihres An- Walt» verpflichtet, die bis zu seiner Bestallung als Armcnanwait entstanden waren. Wie hoch diese Kosten sind, läßt sich nur an Hand der Alten beur- teilen. Ebenso sind Sie dem gegnerischen Anwalt vorschußleistungspflichtig. Gegen die Einforderung der Gerichtskosten erheben Sie Erinnerung.— K. 13. 1. DaS Landgericht, in dessen Bezirk der Ehemann den letzten Wohasitz im Inlande hatte. 2. Ja. 3. Bescheinigung der Aufenthalts. behördc.— F. R. 50. Im allgemeinen ja. Für den Fall jedoch nicht, wenn die Krankheit durch eigenes Verschulden erlangt ist.— M. K. 15. 1. Wenn GaSkochvorirchwng vorgesehen, ist daS Sache des Wirtes. 2. Ja. — R. B. 00. Für 14 Tage.— A. 100. 1. und 2. Nein 3. Ja— Tchn 11. Sie sind an den Mietsvertrag gebunden, auch verpflichtet, an den Gläubiger zu zahlen.— K. H. 58. Ja.— A. B. E. 1. Ja. falls der Vertrag heschlossen ist in der Absicht, den Gläubiger zu benach- teiligen. 2. Auch in Berlin. 3«Rein.—(f. x. IS79. Zur«e. Zeichnung Ihrer Arbeitsstelle sind Sie nicht verpflichtet.— L. 2. Ja. — Elise 35. Etwa durch eine Annonce in den sür die genannten Orte in Frage kommenden Lokalblaiier.— 8k. Sch.. Baumschalenweg. Die Frage ist unverständlich, doch kvnnten Sie praktisch einmal im Bureau der Seeleute. Engcluser 15, pcrionllch nachfragen.— Max Gericke. I. Arndt, Naunynstr. 70, IV.— F. R. 101. Allcnstein.— L. 125. Einen Katalog gröyerer Tageszeltungen oder Branchenblätter können Sie in jeder Ännoncen- annahmestelle einsehen— Oderberger Strasse 0. Rem!— P. 10. Warum anonym? Unter Umständen auch. WaS sür Betnebe?— Ber- tretung. Wenn Sic sich die Slaluten nicht nur oberflächlich durchlese», werden sie Jbre Frage, kann man der Kasse mit g u t e ui Gewissen Mitglieder zufuhren, selbst mit einem glatten.Nein" beantworten. Marktpreise von Berlin am 28. April 1911. nach Ermittelung de» Königlichen Polizeipräsidiums. M a r k t h a l l e n p r e i s e.(Kleinhandel.) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00-50.»). Epeisebohnen. weise 30,00-56.90. Linsen 20,00-60,00. Kartoffeln 5,00-9,00. 1 Kilo. Rindfleisch, von der Keule 1,60—2.40. Rindfleisch. Bauchfl.isch 1,20 1,79' Schweinefleisch 1,20-1.90. 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