Nr. 104. 28. Jahrg. · Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 30 Big. , Kleine Anzeigen", das fettgedruckle Wort 20 Bfg.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 10 Big., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Der Reichsverband. III.( Schluß.) Freitag, den 5. Mai 1911. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. mut des Zentrums und der Nationalliberalen gemacht. Beide Par teien fielen im Plenum um, und zwar zum Erstaunen der Konservativen diesmal nicht auf die reaktionäre Seite. dämmerung herannahen sieht und nun, um ihre historisch längst zum Tode verurteilte Herrschaft zu verlängern, zu den skrupellosesten und verwegenſten Kampfmitteln greift. Aber auch was wir dagegen einzusehen haben, ist Auch unsere Genossen hatten fest mit der Annahme des KomEinen dunklen Punkt" im Leben des Reichsverbandes wahrlich nicht wenig: es ist die lodernde Begeisterung für missionsantrages, also mit der Ablehnung ihres Antrags, gerechnet. hohes Ziel, stellen seine Stassenverhältnisse dar. Darüber wird unser hohes es ist die felsenfeste Sicherheit Genosse Hirsch machte denn auch als Fraktionsredner gar nicht in den uns vorliegenden Jahresberichten des Vorstandes unseres endlichen Sieges, es ist der unerschütterliche Glaube erst den Versuch, die Herren eines anderen zu belehren, er fand niemals etwas Genaues gesagt, wie denn auch über ge- an das geschichtliche Recht unserer Klasse, die Gewißheit, daß sich mit der gegebenen Tatsache ab und stimmte den Ton seiner wisse andere Punkte( wir zitieren wörtlich)„ aus begreif- mit uns die wirtschaftliche Entwickelung ist, es ist unser Mut, Rede darauf, der Mehrheit ihre Jämmerlichkeit vor Augen zu begreifunsere führen, zu zeigen, daß sie das Recht mit Füßen tritt und mit ihrer lichen Gründen der Deffentlichkeit näheres unsere vor nichts zurückschreckende Opferwilligkeit! nicht mitgeteilt werden kann".( Jahresbericht für Und das ist etwas, was uns die auf den Mann Macht, die ihnen das Dreiklassenwahlrecht gibt, schnödesten Mißdes Kapitalismus nun und brauch treibt, daß sie das Ansehen des Parlaments schädigt und die 1907.) So sehr sich gerade der Reichsverband in zahlreichen dressierten Bulldoggen nimmer mehr nachmachen können so sehr speziell preußische Volksvertretung" dem Gespött der ganzen Welt preisnimmer mehr nachmachen können feiner Publikationen über die vor aller Welt offen daliegende auch der Reichsverband in den äußeren Formen der gibt. Um Annahme des Antrages bat er nicht, da er es für unter sozialdemokratische Kassengebarung aufhielt: über feine eigenen Einnahmen und Ausgaben läßt Organisation von uns gelernt haben mag! Deshalb können fciner Würde hält, an dies Haus eine Bitte zu richten. uns völlig Dunkeln! im wir auch, allen Machenschaften zum Trok, den kommenden Alle Vorstandsberichte speisen uns da mit ein paar Wahlfämpfen getrosten Mutes entgegensehen wenn wir ganz bagen Andeutungen ab. Und doch wäre es für die Deffentlichkeit so eben nur allesamt auf unserem Posten sind. Bereit sein ist alles! überaus interessant, gerade hierüber einmal etwas Näheres zu erfahren! Denn daß der Reichsverband die ungeheuren Unkosten seiner volfsverblödenden Tätigkeit allein oder auch nur zu einem nennenswerten Teile aus den Jahresbeiträgen seiner jekt wohl rund 200 000 Mitglieder decken könnte er Ein Schlauer Trick. " Bum allgemeinen Erstaunen sprachen sich nicht nur Polen und Fortschrittler, sondern auch Nationalliberale und Zentrum für die Einstellung des Verfahrens gegen Liebknecht aus, und zwar erflärten sämtliche Redner, daß ihre Frattionen geschlossen stimmen würden. Zentrum und Nationalliberale hatten sich also noch im letten Augenblick eines Besseren besonnen, sie überließen es den beiden konservativen Parteien, sich und das Haus zu blamieren. Man merkte es dem Wortführer der Konservativen, Herrn von Brandenstein an, wie er sich über diese Fahnenflucht seiner Hilfstruppen ärgerte. Glaubte er doch schon, den sicheren Sieg in der Tasche zu haben! Und nun mußte er zusehen, wie seine Getreuen ihn im Stiche ließen. Dieser Aerger war es denn auch, der ihn zu den tollsten Seitensprüngen und den gewagtesten Auslegungen der Verfassung verleitete. Daß er sich dabei in den üblichen Zu dem Beschluffe des Seniorentonvents des Reichstages, Ausfällen gegen die Sozialdemokratie erging, wollen wir seiner die Reichsversicherungsordnung paragraphenweise zu erledigen, ohnmächtigen Wuf zugute halten. Auf den gleichen Standpunkt wird uns aus parlamentarischen Kreisen geschrieben: Dieser stellte sich Herr Viered, der für die Freikonservativen sprach. Beschluß ist nur ein provisorischer. Man will den Genosse Hirsch, den die Mehrheit großmütig noch einmal zu Verfuch machen, acht Tage lang die Vorlage ordnungsgemäß zu Worte ließ die Konservativen wollten nämlich die Debatte nicht beraten. Die Mehrheit des Reichstages ist schon Zu dem gestern vom Seniorenkonvent des Reichstages gefaßten ( Mindestbeitrag: 1 M. jährlich!) erscheint uns völlig ausge- Beschluß, daß die aus der Kommission in wesentlich veränderter schlossen. Nunsahen wir zwar vorhin schon, daß die Industriellen Gestalt hervorgegangene Reichsversicherungsordnung im Plenum zum Beispiel zum großen Teile die Portokosten für die posta- des Reichstages paragraphenweise beraten werden soll, bringt eine lische Versendung der jetzt fast 150 verschiedene Nummern umfassenden( und bis zu den Wahlen hiesige halboffiziöse Korrespondenz folgende Erläuterung aus parlagewiß auf 200 Nummern steigenden) Flugblatt- und Broschüren- mentarischen Streisen: sammlung des Reichsverbandes tragen, und auch sonst schon ist gelegentlich bekannt geworden, daß die Industrie in sehr zweckbewußter Weise dem Reichsverbande finanziell unter die Arme greift. So erzählte- der Vorwärts" hat seinerzeit darüber berichtet- am 5. Januar 1909 der Generalsekretär der nationalliberalen Partei, Herr Breithaupt aus Berlin, in einer in Klafeld( Wahlkreis Siegen) abgehaltenen Wählerversammlung:" Ich kann aus genauer Renntnis der Dinge sagen, daß die hohen Beträge, die die Schwerindustrie, ich meine die Industrie des Westens, zahlt, in die Stasse des Reichsberbandes zur Bekämpfung der Sozialdemotratie fließen.". " Man will der heute der Ueberzeugung, daß es sich heraus- so schnell schließen, um Zeit zur telephonischen Beorderung ihrer stellen wird, daß diese Praris nicht gangbar ist. Mannen zu gewinnen- rechnete gründlich und mit gutem Humor Minderheit borläufig entgegenfommen, mit der junkerlich- frechen Anmaßung derer um Brandenstein ab. um ihr den guten Willen zu zeigen. Da aber bereits Aber noch gaben die Konservativen ihre Position nicht verloren, die fortschrittliche Volkspartei und die Sozialdemokraten zu ihre lehte Hoffnung setzten sie auf die schwache Besetzung des Hauses. den einzelnen Paragraphen des Entwurfes Abänderungs- Deshalb beantragten sie namentliche Abstimmung. Vielleicht anträge gestellt haben, die sehr zahlreich find, und die diese dachten sie haben sie doch die Mehrheit. Unsere Genossen unterBarteien eingehend begründen wollen, so wird es notwendig sein, stüßten natürlich die namentliche Abstimmung. Hatten sie doch ein in sehr kurzer Zeit nach Vereinbarung der Parteien einen anderen sehr lebhaftes Interesse an der unanfechtbaren Feststellung der Beratungsmodus aufzustellen. Es ist selbstverständlich ganz unmöglich, eine Vorlage von 1754 Paragraphen paragraphenweise Namen derjenigen Abgeordneten, die die parlamentarische Jmmunizu beraten und Abänderungen der Kommissionsbeschlüsse vor- tät so leichten Herzens preisgeben. zunehmen. Abänderungen des einen Paragraphen zichen Ab- Tatsächlich hing denn auch die Entscheidung an des Messers änderungen des anderen Paragraphen nach sich und es läßt sich Schneide. Von 240 Anwesenden stimmten 123 für, 116 gegen die bom Plenum nicht übersehen, welche Tragweite Abänderungen Einstellung des Verfahrens. Die Parteien stimmten geschlossen, haben können." nur ein einziges Zentrumsmitglied, Abg. v. Hagen, tanzte aus der Reihe und ging zu den Junkern über. Genosse Liebknecht ents hielt sich der Abstimmung. " " " " Politifche Ueberficbt. Berlin, den 4. Mai 1911. Petitionen. Man versteht, daß der Reichsverband ein Interesse daran hat, diese zarten metallischen Beziehungen zu dem Ausbeutertum des Westens so viel wie möglich vor profanen Blicken zu verschleiern. Aber trotz dieser tatkräftigen Unterstügung durch die Großindustriellen erscheint doch die Frage erlaubt: unterhält der Reichsverband vielleicht auch finanzielle Beziehungen zu Regierungstreisen? Wird er vielleicht Die parlamentarischen Kreise", von denen die auch aus irgend welchen, in ihren Einzelheiten der parla- Korrespondenz inspiriert worden ist, gehören jedenfalls der konsermentarischen Kontrolle bekanntlich völlig entzogenen vativen und der Zentrumsfraktion an. Das ist um so wahrSo wird denn das Verfahren eingestellt werden. An den Non,, Dispositionsfonds" gespeist? Die Frage liegt scheinlicher, als sich die Märk. Volksztg.", der Ableger der Ger- fervativen liegt es nicht, wenn das Junterparlament vor einer dem besonders nahe, der sich der außerordentlich intimen mania", in einem Artikel mit der Ueberschrift Paragraphenweise" neuen Blamage bewahrt blieb. Beziehungen erinnert, die bekanntlich Fürst Bülow zum ganz ähnlich so äußert, wie die betreffende Korrespondenz. Am Hierauf erledigte das Haus eine Reihe Kleinerer Vorlagen, Reichsverbande unterhielt. Der Vorsitzende dieses Reichs- liebsten hätten diese Kreise" unzweifelhaft gesehen, das ganze darunter den Gesezentwurf betr. die Einschulung blinder verbandes, Herr von Liebert, war es ja, an den FürstBülow Gesez wäre einfach en bloc angenommen worden; da ein solches Ver- und taubstummer Kinder, der, nachdem u. a. Ljchfeine ber- ühmte Hottentottenwahlproklamation, den famosen fahren aber nicht angängig ist, und überdies die Ansicht hervorrufen necht verschiedene Bestimmungen des Entwurfs fritisiert hatte. Silvesterbrief richtete. Und der Adressat dieses Briefes hatte genau würde, als wenn der von den Konservativen und Klerikalen ver- an eine Kommission ging. bierundzwanzig Stunden vor der Reichstags- ballhornte Gefeßentwurf nicht die sozialdemokratische Kritik auszuhalten auflösung am 13. Dezember 1906, nämlich am vermöchte, so sind allem Anschein nach die Strategen beider Barteien 12. Dezember 1906, in der Hauptversammlung des Reichs- auf den schlauen Trid verfallen, zunächst die paragraphenweise Be verbandes die Hoffnung aussprechen können, die Reichs- ratung zuzulassen, um dann, wenn ihnen der Gang der Debatte regierung werde sich entschließen, eine nationale Wahlparole nicht mehr behagt, feierlichst zu erklären, daß eine solche Beratung zu schaffen, die teine andere sein kann, als: Stampf gegen nimmermehr zum Ziele zu führen vermöge und deshalb notgedrungen Die Sozialdemokratie bis zu deren Vernichtung. durch einen anderen Modus", d. h. die summarische Abstimmung Aus dem Reichstag, 4. Mai. Nach schneller ErAls Herr v. Liebert diesen sehr unfrommen Wunsch aus- ersetzt werden müsse. Tedigung einer Anzahl von Rechnungsübersichten sprach, wußte noch kein gewöhnlicher" Sterblicher etwas von Vielleicht auch vermeint man, mit der Drohung, daß die Zu- der Schutzgebiete aus vergangenen Jahren wurde mit der der geplanten Reichstagsauflösung und auch er selbst gebärdete laffung der Einzelberatung jederzeit wieder rückgängig gemacht Beratung der Petitionen fortgefahren. Zu längeren sich durchaus unwissend: am nächsten Nachmittag aber werden könne, einen Druck auf die sozialdemokratische Reichstags- Auseinandersetzungen tam es zunächst bei einer Petition von schon war die Auflösung zur Tatsache geworden, Herrn v. Lieberts fraktion ausüben und sie dazu bewegen zu können, ihre Kritik der Hausbesigern und Bädermeistern, die behaupahnungsvolle Zuversicht war in Erfüllung gegangen. Ein Borlage beträchtlich einzuschränken. Wenn solche Erwartungen ge- ten, durch die Bäckereiverordnung geschädigt worden Zusammentreffen, das gewiß auf sehr nahe- wenn natür- hegt werden sollten, hat man sich gründlich getäuscht. Die Ab- zu sein. Ihr Verlangen, entschädigt zu werden, hatte bei der lich auch nie offen zugegebene und nie eraft nachweis geordneten unserer Partei werden unter allen Umständen ihre Pflicht Kommission feine Unterstüßung gefunden, wohl aber hatte sie bare Beziehungen zwischen Regierung und Reichsverband tun, und diese Pflicht erheischt eine gründliche Prüfung des tief- fich dazu verstanden, eine möglichst schonende Durchführung der schließen läßt. Sollten diese Beziehungen heute, unter Herrn einschneidenden Gesezes. Verordnung besonders zu empfehlen. Die Sozialdemo von Bethmann Hollweg, wirklich ganz eingeschlafen sein und fraten hatten den Gegenantrag gestellt, über die ganze follten sie in feiner Weise einen- flingenden Charakter Petition zur Tagesordnung überzugehen. Für die tragen? weitgehendste Berücksichtigung der Bäckermeisterbeschwerde Wie dem aber auch sein möge: ob der Reichsverband legte sich zunächst der Bäckermeister Schefbed( 3.) ins Zeug. außer mit eigenem und Industriellengeld auch noch mit Die Junkersippe im Dreitlassenparlament hat sich am Donners- Genosse Binder trat ihm mit dem Nachweis entgegen, daß Regierungsgeld arbeitet oder nicht: der unsaubere tag unter Führung des Herrn v. Brandenstein eine Schlappe zuge- die Bäckereiverordnung so wie so nur in rücksichtsvollster Feind darf nicht unterschätzt werden. Wir müssen zogen, die sie wohl so bald nicht vergessen dürfte. Weise einige bescheidene Vorschriften im Interesse der und zwar gilt das für jeden einzelnen Parteigenossen- Schon vor Monaten hatten die Sozialdemokraten die Ein- Bäckereiarbeiter und der Volksgesundheit erläßt. Ein Beein wachsames Auge haben auf seine, meist im Dunkeln sich stellung des gegen den Genossen Liebknecht vor dem schluß des Reichstages im Sinne der Kommission würde für vollziehende Wühlarbeit, wir müssen von ihm im kommenden Ehrengericht der Anwaltskammer in Perlin schwe- die Regierung ein Anreiz zur Abschwächung der notwendigen Wahlkampfe jedes Streiches, jedes Ueberrumpelungsversuches benden Verfahrens für die Dauer der Session beantragt. Aufsicht sein. gewärtig sein. Aber andererseits liegt natürlich auch Während bisher in allen ähnlichen Fällen derartigen Anträgen ohne Die Gesamtheit der bürgerlichen Parteien, von den Freinicht die mindeste Veranlassung vor, die reichsverbändle- weiteres stattgegeben ist, überwies das Haus diesmal den Antrag sinnigen bis zu den Konservativen, trat indes, um ihre rische Gefahr nun etwa zu überschätzen. Man müßte ja der Geschäftsordnungskommission, und diese tam zu dem Schluß. Mittelstandsfreundlichkeit zu beweisen, für eine solche Abam deutschen Volke verzweifeln, wollte man ernsthaft abweichend von der bisher geübten Praxis, dem Antrage teine schwächung der Verordnung ein. Besonders zog der antifürchten, daß eine solche Organisation mit solchen Kampf- Folge zu geben. Für diesen skandalösen Beschluß waren in der semitische Bäckermeister Rieseberg mit dröhnenden mitteln wirklich mehr als Augenblickserfolge erringen könnte, Rommission nicht nur die Vertreter der beiden konservativen Bar- patriotischen Phrasen gegen die Bäckereiverordnung zu Felde. daß sie einen dauernden, nachhaltigen Einfluß auszuüben ver- teien eingetreten, sondern auch die des Zentrums und ein National- n seinem Eifer ließ er sich beikommen, an den Genossen möchte! Gewiß: biel ist auf jener Seite; es find liberaler; der Kommissionsbeschluß war mit 11 gegen 3 Stimaten Bebel die Aufforderung zu richten, er solle die Beschuldidie gewaltigen Geldmittel der Herrschenden, es zustande gekommen, und deshalb konnten die Konservativen mit gung zurücknehmen, die er vor Jahren in seiner bekannten ist da der gesamte amtliche Apparat, es ist da die verzweifelte einem gewissen Recht annehmen, daß die Mehrheit des Hauses thm Schrift gegen die Zustände in den Bäckereien erhoben hatte. Kraft einer Herrscherkaste, die die Tage ihrer Götter- beitreten würde. Aber sie hatten die Rechnung ohne den Wankel Daß das Riesebergsche Gedröhn dem Ansehen des Bäckerδα Die blamierten Europäer. 9 (jefSei-Bc3 tiür scha?eii könne, ges!an8 selbst der Zentrums- abgeordnete G i e s b e r t s, der im übrige» aua) für den Kommissionsantrag eintrat. Noch gründlicher heimgeleuchtet wurde dann dem Herrn Nieseberg durch de» Genossen Bebel, der mit Recht betonen konnte, dafe er selbst durch seine Entlarvung der greulichen Mißstände in den Backbetrieben den Anstoß zu den beiden Bäckereiverordnungen gegeben habe. Im Interesse der Ar- beiter wie im Interesse der VolksgSsundheit sei die unbe- schränkte Aufrechterhaltung der Verordnung erforderlich. Für den sozialdemokratischen Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung erhob sich indes nur unsere Partei. Dann wurde der Kommissionsantrag angenommen. " Mehr Erfolg hatte ein sozialdemokratischer Antrag, über eine Petition zur Tagesordnung überzugehen, in der die Verläng er ungder Arbeitszeit in denPuhge- schäften an den Sonnabenden verlangt wird. Die Kommission hatte auch hier Berücksichtigung beantragt. Die Genossen A l b r e ch t und B r ü h n e wiesen nach, daß die Arbeiterinnen in Putzgsschäften so wie so in schlimmer Lage sich befinden. Man solle ihnen den geringfügigen Schutz, den die Gewerbeordnung ihnen jetzt gewähre, nicht verkümmern. Bei der Abstimmung wurde denn auch der fozialdemo- kratische Antrag angenomnien. Eine sehr ausgedehnte und erregte Debatte wurde dann durch eine Petition herbeigeführt, die die Begünstigung der Antiguaschrift gegenüber der gegenwärtig in Deutsch- land vorherrschenden Frakturschrift fordert. Da das eine Frage ist, die eigentlich äußerhalb der Politik liegt, wurde sie meist humoristisch behandelt, besonders mit großem Erfolg vom Genossen G e ck, der feststellte, daß von der großen Masse der Fraktur-Freunde im Reichstag nur 12 ihren Namen in Frakturschrift schreiben. In bitterm Ernst versuchte der Anti- somit Bindewald und der Reichsverbandsgeneral v. L i e b e r t die Beibehaltung der Fraktur zu einer natio- ualen Frage aufzubauschen. Erst um 8y2 Uhr kam es zur Abstimmung über einen antisemitischen Antrag, über die Petition zur Tagesordnung überzugehen. Dabei stellte sich nahezu Stimmengleichheit, aber auch die B e s ch l u ß u n» f ä h i g k e i t des Hauses heraus. So bleibt für den Reichs- tag die Frage: Fraktur oder Antiqua in der Schwebe. Morgen beginnt die zweite Lesung der R e i ch s v e r- sicher» ngsordnung._ Tie Landtagsersatzwahlen in Straubing und Rosenheim. Der Ausfall der beiden am Sonntag in Bayern vollzogenen Landdagsersatztoohlen hat die Erwartungen der Zentrumsstrategen bitter getäuscht. Aber offen zuzugeben, daß ein Teil der bisherigen Zentrumslvählerschaft in feindliche Lager übergegangen ist, fällt natürlich der Zentrumspresse nicht ein: sie macht vielmehr die seltsamsten Gründe geltend für den Rückgang der Zentrums- stimmen. Wohl so ziemlich das Albernste auf diesem Gebiete leistet sich die„Köln. Vollszig.", die den Stimmenverlust des Zen- trums folgendermaßen begründet: Die Landtagsersatzlvahlen von Straubing und Rosenheim, die am 3(1. April stattgefunden haben, ergaben die Behauptung des Besitzbestandes: in beiden Fällen wurden, wie bereits mitgeteilt, die Zentrumskandidaten gewählt. Trotzdem ist der Wahlausgang in Straubing keineswegs erfreulich. Dort toar in- folge des Todes Echingers ein neuer Landtagsabgeordneter zu wählen. Es erhielten Bauer Rabl 4116(— 1234), Bauernbund 2797 (+ 76), Sozialdemokratie 1096(+ 820) Stimmen. Das Wachs tuni der Sozialdemokratie rührt von bauernbündlerischen Stimmen her; denn der Radikal-Bündler Dr. Gäch hatte die Bauernbündler aufgefordert, für die Sozialdemokratie zu stimmen, was bei den Bündlern des Wahlkreises Straubing, welche aus die Gächsche Tonart gestimmt sind, sicher befolgt worden ist. Wenn gleichluvhl die Bauernbündler keine Stimmen verloren haben, so kommt das daher, daß die Liberalen, welche 1997 es auf 2677 Stimmen gebracht hatten, diesmal Stimmenthaltung als Wahl- Parole ausgegeben hatten, was zumeist stille Unterstützung der Bauernbündler hieß. Der Rückgang der Zentrumsstimmen erklärt sich» zunächst aus der Sicherheit des Besitzes, der infolge des Ausscheidens der Liberalen aus der Reihe der bc- werbenden Parteien ernstlich nicht angefochten war. Zur Flauheit der Wahlbeteiligung scheint auch mitgewirkt zu haben, daß der Zentrumskandidat diesmal dem Bezirk Kötzting und nichtdem Bezirk Straubing entnommen war, .was schon bei der Kandidatenaufstellung Stimmenzersplitterung hervorgerufk» hatte. Solche Momente sollten allerdings bei einer geschulten Wählerschaft ohne Bedeutung sein. Auch in Rosenheim ist daS Ergebnis nicht günstig. Es er- hielten: Scharnagl(Z.) 5067, die Liberalen 819, die Sozialdemokratie 1640, der Bauernbnnd 484 Stimmen. Das Zentrum hat 1192, der Liberalismus 155 Stimmen Stimmen verloren, gewonnen haben die Sozialdemokratie 602, die Bündler 192 Stimmen. Die Wahl- beteiligung ist zurückgegangen. Daß Scharnagl lrotz fleißiger Ägitättön gegen seinen Vorgänger, den verstorbenen Dr. von Daller, zurückstehen würde an Stimmen, war zu erwarten. Dazu kam auch wieder, daß Dr. v. Daller in gewissem Sinne a ls gebürtiger Miesbacher für Rosenheim als Heimatkändidat gelten könnte, obwohl er seinen Wohnsitz in Freising hatte, während Scharnagl dem Wahlkreis bisher fremd war und erst das Vertrauen der Wählerschaft sich erwerben muß._ Kastrierte Tischreden. Die deutsche liberale Presse hat wieder einmal Magenbeschwerden als Folge eines Diners, dessen substantiellen Genüsse freilich nur zwei Monarchen und deren höfischem Anhang zuteil geworden sind. Ob die hierbei zunächst Beteiligten mit Indigestionen geplagt worden sind, wissen wir nicht, verschiedenen liberalen Tempelwächten« verursachten aber die bei dem Diner gefallenen Tisch- reden, oder richtiger die offiziöse Berichterstattung über diese, heftige« Sodbrennen. Ende April hat nämlich der schwedische König seinen italienischen Kollegen besucht, da er nicht wie gewisse andere Monarchen auf die gute oder schlechte Laune des „armen Gefangenen im Vatikan� Rücksicht zu nehmen braucht. Dieser Besuch, der in erster Linie tzer italienischen Jubiläumsfeier galt, hat sich mit den üblichen Zeremonien abgespielt. Beide Monarchen wechselten bei irgend einem Festessen die traditionellen Trinksprüche,. die trotz aller schönen Worte so herzlich wenig besagen. Der italienische König soll dabei von den«liberalen Grund- fätzen des italienischen Volkes" gesprochen haben, während der Schwedenkönig„die Proklamteu�g Roms zur Hauptstadt Italiens" feierte und damit dem Vatikan einen kleinen Hieb versetzte. Diese Stellen sind nun von dem offiziösen Wolfs schenTelegrapheu- b u r e a u aus dem Wortlaute der Tischreden weggelassen worden. Was nicht weiter verwunderlich ist, denn in der blauschwarzen Blockära darf in Deutschland weder von„liberalen Grundsätzen" eines Volkes geredet werden, noch darf den deutschen Anhängern deS Vatikans die Proklamierung Roms zur weltlichen Hauptstadt Italien» als rühmenswerte Tat hingestellt werden. Ein offiziöses Telegraphen- bnreau weiß eben, was es den jeweilig ausschlaggebenden Rc- gierungsparteien schuldig ist. Possierlich ist nur die Entrüstung der liberalen deutschen Presse. Sie sollte sich doch freuen, daß die Gleichheit vor der Zensur sich jetzt auch auf Monarchenreden und «icht bloß auf die oppofMovtLe Presse und auf Kraozschleifw erstreckt. Der Chemnitzer Majestätsbeleidigungsprozest» der bekanntlich zwei Redakteuren der„Chemnitzer Volksstimme" je 6 Monate Gefängnis eintrug, charakterisiert sich als ein ausgesprochen politischer Prozeß, aus dem unser Chemnitzer Partei- blatt folgende politische Folgerungen zieht: .... Da ist zunächst der totale Bankrott des MajestätS- beleidigungSgefetzes ganz unleugbar... Die törichten Liberalen haben geglaubt, daß eine freimütige Kritik in Zukunft keinem Hindernis mehr begegne, wenn die Bestrasung der Majestätsbeleidi- gungen an die drei Voraussetzungen der Ueberlegung. Absichtlichkeit und Böswilligkeit geknüpft wurde. Aber diese ganzen Voraus- setzungen sehen die Gerichte als erwiesen an. wenn jemand vor ihnen steht, der Unter Umständen nicht abgeneigt wäre, die Fürsten als überflüssig zu betrachten. Vergeblich hat Genosse Heine ein- gewendet, daß das doch nur eine Beleidigung der Institution Majestät und nicht der majestätischen Personen sei. Das Gericht aber hat erklärt, daß, wer die Fürsten für überflüssig hält, damit die deutschen Fürsten und speziell den Kaiser von Deutschland und den angestammten Landesherrn beleidigt. Das neue Majestätsbeleidigungsgesetz verhindert also die Verurteilung eineS Sozialdemokraten unter keine» Umständen. Es bat vielmehr nur die eine Wirkung gehabt, das durchschnittliche Strafmaß zu erhöhe». Indem man die Gerichte gezwungen hat. ein paar Worte darüber zu sagen, daß sie Böswilligkeit, Ueber- legung und Absichtlichkeit„festgestellt" haben, hat man sie dazu gelrieben, für diese festgestellten Extragemeinheiten auch extra- hohe Strafen auszuwerfen. Der Majestätsbeleidigungsstrafen- taris ist jetzt sechs Monate. Der Metallarbeiter Wiesenthal hat sie in Berlin, und. wenn wir nicht sehr irren, der Genosse Knauf in Mülhausen im Elsaß bekommen. Früher gab es in solchem Falle die Hälfte. Das ist der bittere Nach- geschmack der süßen Blockfrucht von 1903. Die Liberalen, die, Betrüger oder Betrogene, d-ieses Gesetz geschaffen haben, werden uns dafür im nächsten WahUampf Rechenschaft ablegen und alles Volk wird erkennen, daß ein ehrlicher Fortschritt nur durch die Sozialdemokratie möglich ist. Mit der von den Liberalen so gerühmten„Milderung des Majestätsbeleidigungs-Paragraphen" ist es eben wie mit dem „liberalen" Reichsvereinsgesetz. Die Polizei- und Justizaktionen gegen die kproletarische Jugendbewegung, gegen Arbeiter-Turn- und Radfahrervereine, die Ueberwachung der Mitgliederversammlungen sozialdemokratischer Vereine und einzelner Gewerkschaften in H a l l e, Hannover usw. beweisen, daß die prenßisch-deutsche Polizeipraxis mit den sogenannten liberalen Errungenschaften Schindluder treibt, weil sie weiß, daß ihr die liberale Opposifton und liberale Proteste, soweit solche überhaupt erfolgen, nicht wehe tun. Deutsche Mittelsta«dsverei»igung. Auch die Mittelständler haben begonnen, zum nächsten Reichs- tagswahlkampf zu rüsten. Reichskiagskandidaten der Deutschen Mittelstandsvereiiiigung sind in den Wahlkreisen Schweidnitz-Striegau, Neuhaldensleben. Wanzteben, Calbv- Aschersleben, Halberstadt- Wernigerode und Haniiover-Linden in Aussicht genommen. In Neuhaldensleben soll der LandtagSabgeordnetc Rahardt kandidieren, für Wanzleben ist der bisherige Vertreter Rieseberg wieder aus- gestellt worden. Für die anderen Kreise sind noch keine Kandidaten nominiert. Die Aufstellunu eigener Kandidaten soll überhaupt, wie in der letzten Vorstandsfitzung wiederum festgestellt wurde, nur im Notfall erfolgen, das heißt nur dann, wenn eine Einigung niit den bürgerlichen Parteien wicht zu erreichen ist. Im anderen Falle sollen die Kandidaten der bürgerlichen Parteien unter- stützt werden, ivelche für die Forderungen doc Mittelstandsvereinigung eintreten. Sind mehrere Kandidaten vorhawden, welche hierzu bereit sind, so soll es den Wählern überlassen bleöben, zu entscheiden, zu welchem Kandidaten sie das meiste Vertremen haben. Im all- gemeinen ist in der Vorstandssitzung die Frontstellung nach Links als Parole ausgegeben worden. Als entschiedenen Gegner sollen nur die Sozialdemokraten und die mit ihnen verbündeten Parteien angesehen werden._ Heiteres aus dem preußischen Dreiklassenhause. In der Geschäftsordnungskommission des preußischen Abgeordnetenhauses stellte der konservative Abg. Vieveck den Antrag, die Redezeit der Abgeordneten in folgender Weise zu beschränken: In der zweiten und dritten Beratung ist die Dvuer einer Rede bei der allgemeinen Beivrechung auf e i n e S t u n d e. bei der Einzel- besprechung einschließlich der Begründung und Erörterung von Ab- änderungSvotschlägen und ResolutionSanträgen auf 30 Minuten beschränkt. Nach Ablauf der Redezeit soll dem Ledner durch den Präsidenten das Wort entzogeii werden l Gegen die Scharfmacher-„Pos�� und einige andere Blätter hat der fortschrittliche Kandidat für de» Wahltreis Alzey-Bingen, Pfarrer K o r e l l durch den Rechtsanwalt und ReichstogSabgeordneten Haußmann Privntklage wegen Be- leidigung erheben lasten. Aus dem Kalender„Schölle", der auch einen Beitrag Korells enthielt, war von der„Post" sin vom Guts- besitzer Fischer verfaßter Artikel über den russischen Nihilismus agitatorisch gegen Korell ausgeschlachtet worden. Die Bemerkungen der„Post" wurden von antlsemitischer Seite bereits im Gießener Äahlkampfe„mit Erfolg" verwendet. Spionageptozest. Bor dem vereinigten zweiten und dritten Strafsenat des Reichs- getichts in Leipzig begann heute früh der Splonagegrozeß gegen den ehenuiligen Souffleur des polnischen Theaters in Posen Sigmund Zbierski. In dem Eröstnungsbeschluß wird dieser des der- uchten Verrats militärischer Geheimnisse beschuldigt. Er oll versucht haben, sich Schriften usw. zu verschaffen. die in Wirklichkeit oder nach seiner Meinung geeignet waren, die Sicherheit des Deutschen Reiches zu gefährden, und dies in der Absicht getan haben, sie einer fremden Regierung zu übermitteln. Geladen sind zwei Sachverständige und sechs Zeugen. ZbierSki kann sich nur durch eine» Dolmetscher verständlich machen. Auf Antrag des ReichSanlvalts Freiherr» v. Eberz und Nockenstein wurde wegen Gefährdung der Staatssicherheit für die ganze Dauer der Verhandlung die Oeffentlichkelt ausgeschlossen. Leipzig, i. Mai. In dem Spionageprozeß wurde der Angeklagte Zbiersky wegen Versuchs militärischer Geheimnisse zu zwei Jahren Zuchthaus, fünstährigem Ehrverlust und Stellung unter Polizei- aussicht verurteilt. Zwei Monate der Untersuchungshaft wurden angerechnet._ „Sau-Rekrut"— keine Beleidigung. Kürzlich wurde vom Nürnberger Kriegsgericht ein Reservist wegen angeblicher Bedrohung und Achtungsverletzung zu 6 Monaten und 15 Tagen Gefängnts verurteilt. Die Sache kam dann vor das Oberkriegsgericht. Dorr hob der Verteidiger des Soldaten hervor, daß der Vorfall während deS Manövers in einem Dorfe spielte und daß der Soldat durch den Unteroffizier gereizt war, da der 'Unteroffizier den Soldaten vor dem Pudlilnm roh beschimpfte und ihn einen„Sau-Rekruien" nannte. Danach führte der die Verhandlung leitende OberkriegSgerichtZ- rat Schmidt in der Urteilsbegründung auö, daß die Bezeich- nung.Sau-Rekrut" für den Soldaten Italien. Giolitti drangsaliert die Beamten. Giolitti hat sich noch nicht recht an seine neue Jnkarwatkon als Demokrat und Freiheitsfreund gewöhnen können und fällt des- halb öfter aus der Rolle. So berichtet unser Neapolitaner Parteiblatt, die„Propaganda", daß der im August v.J. gegründete Verband der Präfekturbeamten vom heutigen Ministerpräsidenten in der Weise aufgelöst wurde, daß dieser den Präfekten von Mailand beauftragte, allen Präsekturen die„freiwillige" Auflösimg deS Verbandes zu melden. Da nicht alle Seltionen sich mit gleicher Freudig- keit auflösen wollten, hat Giolitti unlängst ein telegraphisches Rundschreiben an alle Präsekturen gesandt, worin gesagt wird, daß der Verband unvereinbar mit den Obliegenheiten der Beamtenschaft gewesen wäre und daß er jeden Widerstand gegen die Auflösung sowie jeden etwaigen Versuch zu einer Neugründung als schwere Disziplinverletzung an- sehen würde. Dabei handelt eS sich um einen Verband, zu dessen Gründung der damalige Ministerpräsident Luzzatti ein beifall- spendendes Telegramm gesandt hatte I Aber Luzzatti war bekannt- lich konservativ, während Giolitti augenblicklich demokratisch ist. Cnglancl. Die Vetobill. London, 4. Mai. Im Unterhause wurde gestern die Ein- leitung zur Vetobill angenommen. Die Einzel- berat ung über die Klauseln wurde dann unter lange anhaltenden Beifallsrufen der Miutstcriellen zum Abschluß gebracht. Premierminister Asguith kündigte an, Lloyd George hoffe, das Budget am 15. Mai vorzulegen. Marokko. Die Lage in FcS. Tanger, 4. Mai. Der französische Konsul in FeS sagt in seiner Meldung über den Einzug der Kolonne des Majors B r ö m o n d am 26. April, alle Instrukteure seien wohlauf. Der Kampf sei ein erbitterter gewesen, die Stämme hätten sich nicht unterworfen. Die Blockade dauere fort, es herrsche Mangel an Lebensmitteln und die Not- wendigkeit neuer Zufuhr sei nach wie vor dringend. Im Gegensatz zu der offiziösen französischen Darstellung stehen private englische Nachrichten, die mehr Vertrauen der- dienen. Danach ist in Fes alles ruhig. Die Stämme kehren in ihre Bezirke zurück. Für die Europäer liegt keine Notwendigkeit vor, Fes zu verlassen. Die Straßen sind frei. Die Städte Mekine» und Sefru haben Deputationen nach Fes entsandt, die dem Sultan ihre Unterwerfung anbieten und ihn um Verzeihung bitten sollen. Die Berber räumen Mekines. Ei« Sieg Mulay HafidS. Paris, 4. Mai. Der hier weilende marokkanische Minister des Aenßeren El Mokri erhielt eine Depesche aus Tanger mit Nachrichten aus Fes vom 27. April, welche besagt, daß der Sultan sofort nach der Ankunft der Mahalla Brömond einen allgemeincil Angriff gegen die B e n i M t e r unter Leitung des Großwesirs unternehmen ließ. Die scherifischen Truppen trugen einen glänzenden Sieg davon. Die Alifständischen sind zweifellos sehr geschwächt. Der Anbruch der Nacht verhinderte die Mahalla, den Kampf fortzusetzen. Der Machsen beschloß, die Aufständischen am 28. April von neuem anzugreifen.— Nach weiteren Meldungen hatte die Mahalla Brömond in den Scharmützeln auf dem Marsche nach Fes im ganzen 30 Tote und ebensoviel Verwundete. Von den 7000 jetzt dem Machsen zur Verfügung stehenden Truppen gehören 2600 zur Mahalla Brömond, 2400 zur Mahalla Mangin, 2000 sind irreguläre Truppen._ Die Stimmung in Spanien. Madrid, 4. Mai. Die Gereiztheit der spanischen Presse gegen Frankreich nimmt täglich zu und die heutigen Blätter halten sich namentlich über die von Algier ausgehende Aktion auf, die sie einmütig als Eroberungsaktion kennzeichnen. Der„Jinparcial" meint, nach der Besetzung von Fes sei der vertragsmäßige Zweck der Intervention erreicht und die Mächte müßten gegen weitere Operationen protestieren, wenn nicht die AlgeciraSalte als annulliert gelten solle. Ministerpräsident CanalejaS hat einem Berichterstatter des „Petit Parisien" erklärt, er sei wegen der Strömung, die sich in der Presse und der Bevölkerung gegen die französische Ünterntzbmung in Marollo geltend mache, lebhaft beunruhigt. Gewiss» Kreise behaupteten, daß die Unternehmung den Interessen und dem Einfluß Spaniens abträglich sein müsse. Diejenigen, die da« dächten und schrieben, kennten d,e Frage nicht gründlich. Durch die diplomatische Verschwiegenheit werde nicht verhindert, daß Einzelheiten über die spanisch-franzSsischen Verhandlungen enthüllt würden, aber es sei dadurch zweifellos ein Zustand feindlicher Gesinnung geschaffen, den er aufrichtig beklage, der jedoch nicht verhthlt werden könne. JJbgeorclmtenkaiis. 66. Sitzung vom Donnerstag, den 4. Mai. vormittags 11 Uhr. Am Ministertische: Kommissare. Zunächst werden eine Reihe von Petitionen als zur Er- örtcrnng im Plenum für ungeeignet erllärt. Auf Antrag des Abg. Hossmaun wird eine von diesen Petitionen, ausgehend bo» A. N e u m a n n in Haag(Holland), der sich über unlautere Manipulationen beschwert, wobei ein Kommerzienrat Stein in Düsseldorf beteiligt sein soll, an die Kommission zurückgewiesen. Es folgt die Beratung des schleunigen Antrages der Sozial- demokcaten betreffend Einstellung des gegen den Abg. Dr. Liebknecht beim Ehrengericht der Anwaltskamuier zu Berlin schwebenden BerfahrenS. Die GeschäftSordnungstom miss ton empfiehlt durch ihren Berichterstatter, Abg. Peltasohn, die Ablehnung deS Antrages. «Sg. Hirsch(Soz.): DaS Abgeordnetenhaus hat i» Uebereinstimmung mit anderen deutschen und außerdeutswe» Parlamenten bisher stets die Praxi« befolgt, solche Anträge auf Einstellung»incS Strafverfahrens gegen einen Abgeordneten ohne weitere Debatte anzunehmen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Bei unserem Antraze aber vurtz? die Ukbnveisuftg as die ÄejchäjtsoldUtN� fommWon beschlossen, ffitt baben selbst einen solchen Antrag gestellt, nachdem uns mitgeteilt ivorden war, daß die Herren von der Rechte» eine große Staatsaktion planten, um ihnen zuvor- zukommen, und wir haben es nicht bereut, denn wir haben dadurch einen sehr wertvollen Kommissionsbericht erhalten, der zugleich ein bedeutsames Dokument für den Grad ist, den die politische Verblendung und Parteilridenschaft in diesem Hause erreicht haben.(Sehr richtig I bei den Sozial- demokraten.) Mein Freund Liebknecht persönlich wollte auf die Immunität verzichten, aber die Mehrheit meiner Freunde konnte ein solches Recht einem einzelnen Abgeordneten nicht zuerkennen und deshalb haben wir den Antrag auf Einstellung des Verfahrens gestellt. Es handelt sich nicht etwa um irgendein gemeines Ver- brechen, das verfolgt werden soll, sondern ein Berliner Rechtsanwalt hat Ende Oktober ISly beim Justizminister be- antragt, gegen Liebknecht wegen einer Rede auf dem sozialdemo- kratischen Parteitag in Magdeburg einzuschreiten, also wegen eines politischen Vergehens. Der Antrag ist weiter gegeben an den Oberstaats- vnwalt des Kammergerichts, dieser ist mit dem Oberreichsanwalt und dem Oberstaatsanwalt in Naumburg in Verbindung getreten, beide aber haben ebenso wie der Erste Staatsanwalt in Magdeburg einen Anlaß zum Einschreiten nicht gefunden.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Dann wurde die Eröffnung der Voruntersuchung beim Ehrengericht der Anwaltskammer beantragt. Auch dieser An- trag wurde abgelehnt. Auf Beschwerde des Oberstaatsanwalts hat dann das Kammergericht die Eröffnung des Hauptverfahrens. vor dem Ehrengericht der Anwaltskammer in Berlin ohne Vorunter- suchung verfügt, weil Liebknecht in Magdeburg über den Kaiser von Rußland und die preußische und hessische Regierung schwer beschimpfende und aufreizende Aeußerungen getan habe und sich durch dies Verhalten außerhalb seines Berufes der Achtung, die der Beruf eines Rechtsanwalts erfordere, unwürdig gezeigt hpbe.(Hört, hört l bei den Sozialdemo- kraten.) Also das Ehrengericht hat den Antrag auf Eröffnung der Voruntersuchung abgelehnt. Das muß man sich vergegenwärtigen, wenn man den unerhörten, einem unglaublichen Fanatismus ent- sprungenen Beschluß der Geschäflsordnungskommission richtig würdigen will.(Sehr ivahr l bei den Sozialdemokraten.)— Uebrigens will ich noch den Namen des Denunzianten mitteilen, von dem der Antrag ausgegangen ist, eS ist der Rechtsanwalt Dr. Schwabe auS der Charlottenstraße in Berlin. Der Herr wird der Regierung für eine zukünftige Ordensverleihung bestens empfohlen.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.)— Der Kommissionsbericht bezieht sich nun auf einen Beschluß aus dem Jahre 1853, worin die vom Haufe ftüher befolgten Prinzipien niedergelegt sind. Danach sei es nicht die Aufgabe der Kammer, zu prüfen, ob die erhobene Anklage begründet sei oder nicht. Ferner be- gründe der Arttkel 84 kein absolutes Privileg der Abgeordneten, während der Dauer der Session einer Untersuchung entzogen zu werden, die Sistierung eines Strafverfahrens dürfe vielmehr nur dann eintreten. wenn ganz überwiegende Gründe dafür vorliegen. Während nun das Haus in früheren Zeiten stets das Vorliegen solcher über- wiegender Gründe anerkannt hat, hat die Kommission im vorliegenden Falle dies verneint. Bisher wurden überhaupt die Gründe nicht geprüft, sondern ein solcher Antrag wurde einfach angenommen. Mir dieser Praxis will man jetzt brechen. Wenn aber erst die Gründe jedesmal geprüft werden sollen, dann ist es mit der Gleichberechtigung der Abgeordneten zu Ende, dann gibt es keine Gerechtigkeit mehr. Ich bitte Sie nicht um Annahme unseres Antrages. Das halten wir nicht mit unserer Ehre für vereinbar, es liegt auch nicht im Sinne des Abg. Liebknechts. Für uns handelt eS sich hier um die Wahrung deS Ansehens des Parlaments.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Ronen(Z.): Wir treten dem Koinmissionsbeschluß nicht bei. Wir wollen, daß an der bisherigen Praxi» festgehalten wird, die dieses Haus und auch der Reichstag seit Jahren geübt hat. Auch ist der Antrag auf Einstellung des Verfahrens sachlich be- gründet. Das Versahren kann während der Session stattfinden und dann ist der Abg. Lieblnecht an der Ausübung seines Mandat? ver- hindert. Wir bitten daher um Ablehnung des Kam- missionsantrageS.(Bravo links.) Abg. MathiS(natl.): Die bisherige Praxis des HmiseS steht zweifellos nicht im Einklang mit dem Sinn der Berzassung.(Hört! hörtl rechts.) Danach sollte von dem Recht der Einstellung des Versahrens nur Gebrauch gemacht werden, um tendenziöse Verfolgungen von Abgeordneten zu verhindern. Wir wollen aber trotzdem von dem seit dreißig Jahren geübten Brauch des Hauses nicht abweichen und werde»' daher gegen den Rom missionsantrag stimmen. Abg. Tracger(Vp., auf der Tribüne unverständlich) spricht für den Antrag aus Einstellung de» Verfahrens. Abg. v. Brandenstein(k.)ff Meine Freunde werden für den AommiffionSantrag stimmen. Der Antrag ist von mir ausgegangen, weil ich durch eingehende? Studium der Geschäftsordnung zu der lleberzeugung gekommen bin, daß so manches, waS in diesem Hause iiblicki ist, keine innere Berechtigung hat.(Abg. Hoffmann fSoz.ft Sehr wahr I Heiterkeit.) Deshalb habe ich auch beantragt. eine allgemeine Revision der Geschäftsordnung vorzunehmen. Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich der Brauch herausgebildet, daß daS HnuS ohne jede Prüfung der Sachlage einfach jeden solchen Antrag aus Einstellung eines Verfahrens angenommen hat. Man hat ganz im Gegensatz zu dem Geist der Verfassung es so hin« gestellt, als handele es sich um ein Privilegium für die Abgeordneten. Uebcrhaupt herrscht ja die Tendenz vor, dio Freiheiten und Rechte der Abgeordnetin immer mehr zu erweitern. Hat man doch sogar beantragt, daß der Abg. Liebknecht bei Beginn der Session sofort aus seiner Festungshaft entlaffen werden solle. Man sagt einfach, jeder Abgeordnete habe die Pflicht, im Hanse anwesend zu sei». Das war natürlich nicht haltbar, die Er- fahrung beweist ja. daß ständig ein großer Teil des Hauses diese Pflicht, im Hause anwesend zu sein, nicht erfüllt.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten. Heiterkeit.) Dann hat man von dem Rechte der Volksvertreter gesprochen und hat gesagt, der Wille des Volkes sei das oberste Gesetz.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) WodaS steht. weißichjan ich t.(Heiterkeit rechts.) Unter Volk verstehen die Herren aber nur sozialdemokratische Volks- Versammlungen. Ein königs- und gottestreuer Mann ist für Sie überhaupt nicht„Volk", sondern entweder blödsinnig oder ein ver- worfener Mensch.(Lachen bei den Sozialdemokraten.)— In der Kommission wurde von einem Redner gesagt, er sei zwar mit meinen Ausführungen einverstanden, aber man müsse bedenken, daß hier ein Sozialdemokrat in Betracht komme. Demgegenüber er- innere ich an das Dichterwort:„Der eine fragt: was kommt dä- nach, der andere: was ist recht, und dadurch unterscheidet sich der Freie von dem Knecht." Wir fühlen uns frei von jeder Knechtschaft der Sozialdemokratie(Gelächter links) und stimmen deshalb einmütig für den Beschluß der Kommission. (Lebhaftes Bravo! rechts. Zischen links.) Abg. Viereck(srk.) erklärt, daß auch seine Freunde an dem Kommissionsbeschluß fe st halten. Die Abgg. v. Saß-JaworSki(Pole) und Brust(Z.) sprechen für die Einstellung deS Verfahrens. Abg. Hirsch(Soz.): Herr v. Brandenstein, der so siegesbewußt, in den Kampf gezogen ist, Muß nun erlebeit. daß nur noch die Heiden konservativen Parteien für seinen Antrag stimmen.(Zuruf reäitS: Abwarten!)' Die Koitservätlben halten eS wieder einmal für nötig,-als Netter des Vaterlandes aufzutreten und Ord- nung zu schaffen.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Wir geben Herrn v. Brandenstein durchaus zu. daß hier im Hause manches üblich ist, was innerlich nicht berechtigt ist, und es erfüllt uns mit Genugtuung, daß es erst deS Eintreten« der Sbzialdemo- traten in bics Parlament bedurft hat. um die Herren daran zu erinnern, daß es Zeit ist, hier einmal Ordnung zu schaffen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wennen Kleinbetrieben sei nicht so anstrengend, daß die Arbeitszeit verkürzt werden müßte. Viele Gesellen arbeiteten am liebsten in Kleinbetrieben, weil sie hier nicht so angespannt werden wie in Großbetrieben. Auch finanziell könnten die Kleinbetriebe eine Aöbeitszeiwerkürzung nicht tragen. Vielleicht hätten die Vertreter des Bäckerverbandes ein Interesse, das Gewerbe zugrunde zu richten. Aber da machen die Meister natürlich nicht mit. Nach diesen Erörterungen zog sich das Einigungsamt zur Be- ratung zurück. Später erfolgten noch mehrfache Sonderverhand- lungen der Vertrauensmänner mit den Parteien, die sich bis gegen 8 Uhr abends hinzogen. Ein Resultat über Lohn und Arbeitszeit wurde aber noch nicht erreicht. Die Verhandlungen werden heute(Freitag) fortgesetzt. SemrKfebaMicbe�. Aussperrung der Hamburger Metallarbeiter wegen der JMaifeier. Den 1. Mai haben 10 000 Mitglieder des Metallarbeiterverbandes in Hamburg durch Arbeitsruhe begangen. Davon haben 2300 am 2. Mai die Arbeit wieder aufgenommen, 2000 sind einen Tag ausgesperrt, haben also am 3. Mai angefangen zu arbeiten, 3000 sind zwei Tage ausgesperrt, nahmen die Arbeit also am 4. Mai wieder auf, die übrigen 2700 Arbeiter sind zehn Tage, also bis zum 11. Mai, ausgesperrt. Von Maßregelungen und Entlassungen ist bisher nichts bekannt geworden._ Berlin und Qmgegend. Drahtarbeitcr, Schlosser, Signalbauarbeiter! Die Firma H e s ch, Drahlwerke, Wilhelm-Sloltze-Str. 16, ist gesperrt, ebenso die Eisen- konstruklionswerkstatt von Hein, Lehmann u. Cie. in Reinickendorf. Etwaige Arbeilsangebote sind nicht zu beachten. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Die Steinarbeiter nahmen in einer kombinierten Ver- sammlung, die am Mittwochabend in den„Arminhallen" stattfand, Stellung zu der Maiaussperrung. Der Vorsitzende W i n k l e r er- klärte, daß die diesmalige Beteiligung an der Maifeier alle Er- Wartungen übertroffen habe. Mehr als 70 Proz. der Stein- arbeiter haben am 1. Mai die Arbeit unterlassen, obgleich die Unternehmer mit Drohungen wie auch mit Versprechungen ver- suchten, die Arbeiter von der Maifeier abzuhalten. Bis zum Mittwochabend waren bei dem Verbände 259 Ausgesperrte gemeldet, die erst am Freitagmorgen die Arbeit wieder aufnehmen dürfen. Der Vorstand machte den Versammelten den Vorschlag, daß den Ausgesperrten vom ersten Tage der Aussperrung ab 3 M. pro Tag als Unterstützung gezahlt werden. Der Vorschlag wurde ange- nommen. Die Versammelten stimmten ferner der Empfehlung des Vorstandes zu, daß diejenigen, die am 1. Mai gearbeitet haben, mindestens 2 M. pro Mann in den Maifonds zahlen.— Daß die Steinarbeiter auch für die Wicdereinstellung der Hilfsarbeiter, die mit ihnen den 1. Mai gefeiert haben, Sorge tragen, wurde von allen Seiten als selbswerständliche Pflicht bezeichnet.— In der weiteren Diskussion fand das Verhalten derjenigen Arbeiter, die am 1. Mai nicht die Arbeit ruhen ließen, den schärfsten Tadel. Bei der Ausschußmahl zum Berliner Kaufmannsgericht, welche am Mittwoch, den 3. Mai, stattfand, erhielt die Gewerkschaft, der Zentralverband der Handlungsgehilfen, zwei Beisitzer, während sie in der vorigen Periode nur einen Vertreter stellte.— Bei der Wahl der Kauflente zum Ausschuß erhielt die sozialdemokratische Liste einen Beisitzer. Dieses Mandat, welches seiner Zeit der verstorbene Genosse Singer innehatte, wird jetzt Genosse Willi Friedländer ausüben._ Streikbrecher-Allüren. Welche Helden die vom Staate und dem Unternehmertum so sorgsam behüteten und beschützten«nützlichen Elemente" sind, be- weisen zwei Vorgänge unter den„Arbeitswilligen" der Firma Kurt Thomas in Spandau. Eines dieser Musterexemplare rühmte sich mit Stolz, bereits 13 Streiks gebrochen zu haben. Auch bei dem jetzigen Streik bei der Firma Thomas versuchte er, unter den polnischen und galizischen Arbeitern in dem Massen- quartier der Witwe Heyn, Tiefwerder 7a. Arbeitswillige für die Firma Thomas anzuwerben. Am letzten Sonnabend nun wurde er in einer Wirtschaft durch die Polizei verhaftet, weil er einem Arbeitskollegen ein Paar Hosen und die Schuhe gestohlen haben soll. Am 1. Mai kam es in dem obengenannten Massenquartier zu einer jener gefährlichen Revolverschießereien. Unter den„Herren Arbeitswilligen" entstanden Streitigkeiten, in deren Verlauf einer dieser„Helden" den ihm zum„Schutze gegen die Streikenden" über- lassenen Revolver zog und einem Arbeiter in die Backen, einem anderen den halben Finger fortschoß. Derartige Helden genießen den Schutz deS Unternehmertums und der Polizei und das„von Rechts wegen". Auf Grund einer Beschwerde des Transportarbeiterverbandes hat sich allerdings die Polizeiverwaltung gemüßigt gesehen. Kon- trollen auf dem Hafen unter den„Arbeitswilligen" vorzunehmen und scheint dieselbe dabei einige Ausstände an der Qualität der „Herren Streikbrecher" gehabt zu haben, da einige dieser Leute bereits den Landesansweis bekamen. Der am Sonnabend Ver- haftete nannte nicht weniger als fünf Jnvalidenkarten sein eigen, und war dadurch in der Lage, seine Personalien zu wechseln wie ein Chamäleon die Forben. Eine nette Gesellschaft, die dazu erkoren ist, anständigen und ehrlichen Arbeitern im Kampfe um Erringung besserer Arbeits- bedingungen in den Rücken zu fallen und die auf Grund dieser Tätigkeit sich alles Mögliche und Unmögliche ungestraft erlauben zu können glaubt._ Oeutkcbeo Reich. Drohender Streik der Breslauer Konfektionsschneider. Eine Versammlung der Breslauer Konfektionsschneider nahm, nachdem wiederholte von den Gehilfen nachgesuchte Einigungsver- Handlungen an dem Starrsinn der Unternehmer scheiterten, eine Resolution an. in der es heißt, daß in der Breslauer Konfektions- brauche eine Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse nur durch Anwendung von Kampfmitteln zu erreichen ist. Zur geeig- neten Zeit soll die Lohnkommission die nötigen Schritte unter- nehmen. Beharren die Unternehmer auf ihrem ablehnenden Standpunkt, auch nur die geringsten Zugeständnisse zu machen. fo ist der Kampf unausbleiblich. In Breslau werden pie niedrigsten Arbeitslöhne gezahlt.__ �verantw. Redaktevr: Albert Wachs, Berlin. In jeratenteil verantw. Die Klempner in Königsberg, die vor rund fünf Wochen aus- gesperrt wurden, weil sie den von den Meistern aufgestellten Tarif nicht anerkannten, haben einen schönen Erfolg zu verzeichnen.. Die Meister mutzten schließlich Zugeständnisse machen. Die Innung gab zunächst dem Ortsvorstand des Deutschen Metallarbeiterver- bandes als vertragschließendem Kontrahenten ihre Anerkennung, dann fällte das Einigungsamt des Königsberger Gewerbegerichts den Schiedsspruch, der für die Gesellen eine Lohnerhöhung von 3 Pf. pro Stunde für das erste Jahr der Vertragsdauer bringt, während für das zweite Jahr der Vertragsdauer eine weitere Er- höhung des Stundenlohnes von 2 Pf. vorgesehen ist. Transportarbeiter! In Erfurt streiken seit dem 2. Mai 84 Hofarbeiter und Geschirrfiihrer der beiden Firmen Gottfried Rothe und Karl B o r n k e s s e l. Nur zwei Arbeitswillige sind vorhanden. Die Streikenden verlangen die 14stündige Arbeitszeit einschließlich Pausen— und darum müssen sie streiken! Zuzug ist fernzuhalten. I» sämtlichen Samtfabriken Krefelds fanden gestern vormittag Abstimmungen darüber statt, oh die Weber, die eine Lohnerhöhung von 10 Proz. fordern, das Angebot der Arbeitgeber, die ihnen eine Lohnerhöhung von 3 Proz. gewähren wollen, annehmen sollen oder nicht. Die Abstimmung ergab eine Ablehnung des Angebots. Es ist zu erwarten, daß in den nächsten Tagen 1520 Weber ihre Kündi- gungen einreichen, wenn die Unternehmer kein größeres Entgegen- kommen zeigen._ Zur Tarifbewegnng im Braunkohlenbergbau. Im Meuselwitz- Altenburger Revier haben die Beleg- schaften am 29. April die Kündigung prompt eingereicht. Selbst bürgerliche Zeitungen müssen zugeben, daß die Kündigungen so zahlreich erfolgt sind, daß etwa 90 Prozent der Arbeiter in Frage kommen. Auf mehreren Werken bleibt kein einziger Arbeiter stehen, weil alle gekündigt haben. Werden die Unternehmer aus dieser Einmütigkeit der Arbeiter die richtige Lehre ziehen und sich zu Verhandlungen bereit er- klären oder wollen sie absolut den Kampf? Diese Frage drängt sich jedem Unbeteiligten auf. Die nächsten Tage werden hierüber Aufklärung geben. Vom Braunschweiger-Magdeburger Revier ist zu berichten, daß nur etwa die Hälfte der Arbeiterausschüsse sich bereit erklärt haben, die Forderungen der Arbeiter bei den Werksverwaltungen zu vertrSten. Dies Ergebnis kann die Kenner der Verhältnisse nicht überraschen, weil vielfach Werksbeamte und unternehmertreue Arbeiter als Ausschußmitglieder fungieren. Diejenigen Ausschüsse, die ihre Aufgabe erfaßt sehen, sind ihrer Pflicht bereits nach- gekommen. Auf einigen Werken hat die Werksverwaltung den Arbeiterausschüssen versprochen, daß sie bis Ende dieser Woche einen endgültigen Bescheid erhalten würden. Daß die Bergarbeiter das Verhalten derjenigen Arbeiteraus- schüsse, die die Forderungen der Arbeiter nicht vertreten, ver- urteilen, beweisen die am 30. April im ganzen Revier stattgefun- denen Belegschastsversammlungen. Der Besuch dieser Versamm- lungen war ein sehr starker; über 3000 Besucher konnten gezählt werden. In allen Versammlungen kam die Empörung über die ablehnende Antwort der Werksverwaltungen zum Ausdruck, aber auch die waschlappige Haltung verschiedener Arbeiterausschüsse fand die richtige Würdigung. Die Versammlungen wählten für die- jenigen Werke, wo die Ausschüsse versagt haben, besondere Lohn- kommissionen und beauftragten diese, die Forderungen und Jnter- essen der Arbeiter gegenüber den Werken zu vertreten. Sämtliche Versammlungen erklärten sich mit den Beschlüssen der Konferenz vom 17. April einverstanden. Die Werksverwaltungen versuchen, die Arbeiter einzuschüchtern. So hatte die Verwaltung des Werkes„Treue"(Braunschweiger Kohlenwerke) am letzten Samstag eine Feierschicht wegen Mangel an Absatz eingelegt. Während der größere Teil der Belegschasts- Mitglieder nun zu Hause war, wurden die Arbeiter aus der Werks- kantine herausgeholt, damit Kohlen gefördert werden konnten. Werksboten suchten einzelne Belegschaftsmitglieder in den Woh- nungen auf, um sie zur Grube zu holen. Dieser Vorgang beweist, daß die. Geschästsbage in der Braun- kohlenindustrie eine gute ist und daß die Behauptungen der Werks- Verwaltungen, die Geschäftskonjunktur sei sehr schlecht, eitel Lug und Trug sind. Das wird auch durch die Arbeitsmarktübersicht des Reichsarbeitsblattes bewiesen, in der konstatiert wird, daß der Ge- schäftsgang in der Braunkohlenindustrie im Monat März gegen- über demselben Monat des Vorjahres befriedigend gewesen sei. Verschärfung des Kampfes in der Hamburger Holzindustrie. Die Hoffnung der Unternehmer auf Uneinigkeit der Arbeiter ist znschanden geivorden, obwohl die Macher der Aussperrung durch Flugblätter und Aufrufe den EriSapfel in die Reihen der um ihr gutes Recht und um äußerst minimale Forderungen kämpfenden Arbeiter z» tragen suchten. Ueber die einzelnen Phasen dieses von den Scharfmachern im Holzgewerbe zu einer Prinzipienfrage ge- stempelten Kampfes haben wir unsere Leser fortlaufend unterrichiet. Ein Teil der Holzarbeiter ist bckannrlich ausgesperrt, ein weiterer Teil kämpft um die Anerkennung der aufgestellten Forderungen, während die Mehrzahl der Arbeiter gewissermaßen mit Gewehr bei Fuß stand. Die Passivität dieses Teiles der Holzarbeiter hat nun aufgehört. In einer am Mittwochabend stattgehabten Riesenversammlung, die vom über 5000 Personell besucht war, erklärte man sich mit der seitherigen Taktik einverstanden. Weiter wurde beschlossen: „Um eine Klärung der ganzen Situation herbeizuführen, hält die Versammlung den Zeitpunkt für gekommen, in allen Betrieben, wo die Forderungen nicht anerkannt werden, die Arbeit einzustellen. Diese Arbeitgeber mögen sich für diese notwendige MaßnaHnie bei ihren Führern bedanken, die in unverantwortlicher Weise auf eine Verschärfung des Kampfes hingearbeitet haben." Die OrtSverwaltnng wurde beauftragt, die Frage der Erhebung eines namhaften Extrabeitrages von den in Arbeit stehenden Kollegen sowie die Geivährung einer Mictsunterstützung an die Ausständigen ins Auge zu fassen und der nächsten Versammlung dahingehende Anträge zu unterbreiten. Streik itt der Gasaustalt Gotha. Wegen der provozierenden Maßregelung eines Arbeiierausschuß« Mitgliedes, das über 15 Jahre in dem Betriebe beschäftigt war haben sämtliche Installateure, Rohrleger und Außenarbciter der Gasanstalt in Gotha die Arbeit niedergelegt. Die Gasarberter appellieren an das Solidaritätsgefühl ihrer Berufskollegen und er- suchen, Zuzug nach Gotha streng fernzuhalten. Die Lohnbewegung der Böttcher bei der Hochseefischerei A.-G. in Nordenham(Oldenburg) an der Unterweser ist nach achttägiger Dauer mit einem vollem Erfolg beendet worden. Dem solidarischen Zu- sammenhalten der Streikenden ist es zu danken, daß wesentliche Aufbesserungen der Löhne und Akkordsätze erzielt wurden. Der Kampf im Mannheim-Ludlvigshafener Hafengebiet ist definitiv beendet und die Arbeit am 3. Mai aufgenommen worden, nachdem eine Versammlung der Hafenarbeiter, Kranführer und Schiff- fahrtsleute den Abmachungen zugestimmt hat. Tarifvertrag der Brauereiarbeiter in Kulmbach. Mit den Brauereien in der oberfränkischen Biermetrovole Kulm- b a ch ist es nach langwierigen Verhandlungen zum Tarifabschluß gekommen. Nach Einreichung der Forderungen hatten die Unter- nehmer Gegenvorschläge gemacht, die so ziemlich alles beim alten ließen; Verhandlungen erklärten sie für zwecklos. Sie haben sich später jedoch eines Besseren besonnen. Das schließliche Ergebnis der Verhandlungen ist ein ziemlich gutes. Die Lohnerhöhung beträgt während der Tarifdauer 4 M. pro Woche; 2 M. sofort und 1 M. nach einem Jahre bezw. nach drei Jahren. Die Arbeitszeit wurde um eine Viertelstunde pro Tag verkürzt, Sonntags um eine Stunde, die Ueberstundensätze um 10 Pf. erhöht, der Urlaub auch auf die Mälzer ausgedehnt und die Bestimmung bei Ausstellung von Ar- beitern infolge Arbeitsmaiigel besser geregelt. Der Tarif umfaßt 12 Betriebe mit über 500 beschäftigten Per- sonen. Seit zirka neun Jahren, seitdem die Organisation der Brauereiarbeiter ihre Wirksamkeit in Kulmbach begann, beträgt die Lohnsteigerung einschließlich des neuen Vertrages, durchschnittlich 100 Proz. und darüber. Ein Erfolg, der sich sehen lassen kann. Hetzte ffccbricfitem Frankreich in Marokko. Paris, 4. Mai.(H.-B.) Ueber die marokkanische Angelegenheit wird von zuständiger Seite mitgeteilt, daß nach Wiederherstellung der Ordnung in Fez und Mekanez die französische Militär- kolonne in der Richtung nach Süden nach Casablanca zurück- kehren wird. Bei dieser Gelegenheit werden die fran- zösischen Truppen das Gebiet der Zaer durchstreifen. Diese Stämme haben sich bekanntlich des Mordes eines französischen Offiziers und eines Unteroffiziers im Januar dieses JahreS schuldig gemacht, eine Tat, die noch nicht gesühnt ist. Mulah Hafid halte den Antrag gestellt, man möge ihn mit der Bestrafung der Mörder betrauen. Die französische Regierung hatte damals ihre Zustimmung hierzu gegeben, doch haben sich die Ereignisse inzwischen infolge deS Aufstandes und der Blockierung von Fez verschoben. Die französischen Truppen werden nunmehr diese Ausgabe erfüllen, weil der Sultan nicht in der Lage ist, sie auszuführen. Marokkodebatte im englischen Unterbause. London, 4. Mai.(W. T. B.) Im Unterhause wünschte D i l l o n eine Veröffentlichung des Textes der französischen Note, durch die die Absicht der französischen Regierung, Truppen nach Fes zu senden, mitgeteilt worden fei, und ebenso die Veröffent- lichung der britischen Antwort darauf. Hierauf erwiderte Grey, diese Mitteilung sei mündlich erfolgt und eine Note zur Ver- öffentlichung existiere nicht. Später fragte Keir Hardie, ob Fes nicht vor einer Woche von den Sultanstruppcn entsetzt sei, und wenn dem so wäre, was für eine Notwendigkeit für eine fran- zösische Intervention vorliege. Hierauf erwiderte Sir Edward Grey, die letzten Nachrichten aus Fes lauteten, daß die Sultans- Mahalla dorthin zurückgekehrt sei, daß in Fes selbst Ruhe herrsche, außerhalb der Stadt' aber völlige Unordnung und daß die Stadt vom Verkehr abgeschnitten sei. Englische Arbeiterversicherung. London, 4. Mai. Lloyd George legte dem Unterhause den nationalen Versicherungsgesetzentwurf vor. Der Gesetzentwurf gliedert sich in zwei Teile, wovon einer die Versicherung gegen Krankheit, der andere die Versicherung gegen Arbeitslosigkeit be- trifft. Um der Geißel der Schwindsucht zu begegnen, schlägt die Regierung vor, den Lokalbehörden und den Spitälern bei der Er- richtung von Sanatorien im ganzen Lande Beihilfen zu leisten. Der Staat wird hierfür ein Kapital von l'A Millionen Pfund Sterling vorsehen. Der Entwurf soll hauptsächlich mit Hilfe der Arbeiterunterstützungsvercine durchgeführt werden. Ein neuer Unruheherd in der Türkei. Konstantinopel, 4. Mai. Der Gouverneur von Jerusalem verlangt die Genehmigung der Pforte zur Verhängung des Be- lagerungszustandes, da die Ausregung der dortigen islamitischen Bevölkerung so bedeutend ist, daß seit zehn Tagen niemand wagen kann, die Omarmoschee zu betreten. Es wird einer englischen Ge- sellschaft, die unter dem Großvezier Kiamil die Konzession zur Ausgrabung des Schatzes Davids erhielt, der Vorwurf gemacht, diese Konzession auf heilige Stätten ausgedehnt zu haben. Man be- fürchtet allgemein ein Christenmassaker, das nur mühsam hintan- gehalten werden konnte. Der bei den englischen Ausgrabungen Angestellte Armenier Macasdar wurde als verdächtig verhaftet. Bahnhofsdiebe. Aschaffenburg, 4. Mai.(B. H.) Auf dem hiesigen Güter- bahnhofe wurden große Eisenbahndiebstähle festgestellt. Durch einen Polizeihund sind drei Bahnbedienstete als Diebe ermittelt worden. Eine Haussuchung bei ihnen förderte ein ganzes Waren- lager von Dicbesbeute zutage._ Eine ungarische Stadt in Flammen. Zilah, 4. Mai.(W. T. B). Die Ortschaft Oekoerito (Komitat Szilagy) steht seit Mittag in Flammen. Die Kirche, das Schulhaus und 60 Häuser mit Nebengebäuden sind bisher niedergebrannt. Flugwoche in Petersburg. Petersburg, 4. Mai. Der allrussische Aeroklub hat beschlossen. vom 21. bis 28. Mai eine Flugwoche zu veranstalten, an der aus- ländische Flieger mit Apparaten«euer Systeme teilnehme» werde». Pestverdacht in Antwerpen. Brüssel, 4. Mai.(W. T. B.) In der heutigen Kammersitzung erklärte der Minister des Innern, daß im Hafen von Antwerpen sofort nach der Entdeckung eineS pestvcrdächtigen Falles alle er- forderlichen Maßregeln getroffen worden sind, trotzdem die Pest nicht festgestellt werden konnte. Th. Glocke, Berlin. Dryck u. Verlag: Vorwärts Bnchdr. u, verlagsanstalt Paul Singer a Co., Berlin LW. Hierzu 2 Beilage»«.Unterhaltungsbl. Nr. 104. 28. Jahrgang. Reichstag. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. 166. Sigung. Donnerstag, den 4. Mai, nachmittags 2 Uhr. Am Bundesratstisch: v. Lindequist, Wermuth. Auf dez zagesordnung steht die Rechnung über den Haushalt der afrikanischen Schuhgebiete usw. aus dem Jahre 1905. danken. Freitag, 5. Mai 1911. Abg. Schefbed( 3.): Durch die Durchführung der Bäckerei- nicht so gesundheitsschädlich ist, zeigen die drei Bädermeister verordnung wird manchem Bäckermeister die Existenz geradezu dieses Hauses, meine Wenigkeit und die Kollegen Schefbeck und Binder. unmöglich gemacht; die mit der Durchführung betrauten Wir alle drei sehen doch wirklich nicht schlecht aus.( Große Heiters Behörden zeigen keineswegs immer die notwendige Humanität. feit.) Selbstredend haben wir Bäckermeister nichts gegen VerSozialpolitik darf es doch nicht bloß für den Arbeiter geben, vor ordnungen einzuwenden, die auf eine peinliche Sauberkeit bringen. allem muß dem Handwerker geholfen werden. Mögen die Sozialdemokraten dafür sorgen, daß diese Vor Da ( Bravo! im Zentrum.) schriften von ihren eigenen Genossen befolgt werden. ist in Düsseldorf der sozialdemokratische Bäckermeister verurteilt worden. Der Herr belegte seine auf den Handärgsten Schimpfworten; dem Abg. Binder( Soz.): werden. Die Vorredner haben es weislich unterlassen zu sagen, was denn o mann die von den Petenten angefeindete Bäckereiverordnung eigentlich ver- Gesellen mit den Abg. Erzberger( 3.) gibt seiner Genugtuung darüber Ausdrud, langt. Ich will das daher nachholen. Es wird vorgeschrieben, der tüchern halten Kazen ihr Nachtlager, Wanzen kriechen in den daß die Rechnungsfachen jezt nicht mehr zehn, sondern nur noch Fußboden einer Räumlichkeit, in welcher Backwaren hergestellt Backtrögen herum( Lebhaftes Hört! hört!) usw. Der ganze bürgers fech 3 Jahre nach Abschluß des betreffenden Haushalts an den werden, soll nicht einen halben Meter bezw. einen Meter unter liche Reichstag, das ganze deutsche Volt, soweit es noch national Reichstag gelangen. Das sei jedenfalls der hier geübten Kritik zu anschließenden natürlichen Terrain sich denkt, sollten doch den bedrängten Bäckermeistern zur Hilfe eilen. befinden, und bon dieser Vorschrift können Ausnahmen( Buruf des Abg. Bebel.) Der Kollege Bebel sollte hier einmal Die Rechnung, sowie einige weitere Rechnungen werden debatte- in besonderen Fällen gestattet Weiter soll der die schweren Beschuldigungen beweisen, die er gegen das deutsche Los erledigt. Arbeitsraum drei Meter hoch sein und Fenster Bäckergewerbe geschleudert hat.( Abg. Bebel: Ich bitte ums Zur zweiten Beratung der Rechnung über den Haushalt der haben, die ins Freie geben, um Luft und Licht hineinzulassen. Wort!) Durch die Bäckereiverordnung wird die persönliche Freiheit afrikanischen Schutzgebiete usw. für die Jahre 1902 und 1903 be- Weiter wird verlangt, der Fußboden soll dicht sein, damit die in der infamsten Weise geknebelt.( Glocke des Präsidenten.) Präsident Graf Schwerin- Löwik rügt diesen Ausdruck. antragt die Rechnungskommission eine Resolution, den Reichskanzler Erdfeuchtigkeit nicht aufsteigt. Ferner wird vorgeschrieben, man dente- alle fünf Abg. Riefeberg( fortfahrend): Durch solche Maßnahmen, wie die zu ersuchen, dafür Sorge zu tragen, daß die den Beamten obliegende die Wände und Decken sollen Weiter verlangt man Bäckereiverordnung, wird ein Vernichtungstrieg gegen Haftung für Abweichungen vom Etat in allen Fällen strengstens Jahre frisch gestrichen werden. durchgeführt wird. 15 Rubitmeter Luftraum für den Arbeiter, aber das Handwerk geführt,( Bravo! rechts.) gestattet werden. Bei Abg. Noste( Soz., als Berichterstatter): Es lag nahe, darauf auch hier können Ausnahmen Abg. Giesberts( 3.): Durch folche Reden, wie die soeben ges Hinzuweisen, ein wie berechtigter Anlaß vorliegt, gegen den früheren Sträflingen wird doch auch ein gewisser Luftraum er hörte, wirbt man dem Handwerk keine neuen Freunde. Mit Einwänden, Gouverneur v. Puttkamer vorzugehen, der sich in einer für die fordert, warum nicht auch bei freien Arbeitern. Ferner wie sie der Vorredner erhoben hat, kann man alle Maßnahmen zum Beaintenschaft geradezu, gefährlichen Art über die wird verlangt, daß die Mehlvorräte nur in trodenen Schutz von Leben und Gesundheit der Arbeiter zu unberechtigten Befehle seiner vorgesezten Behörde hinweg Räumen aufbewahrt werden. Bezüglich der Handhabung Eingriffen in die wirtschaftliche Freiheit stempeln.( Sehr wahr! bei gefest bat. Nach Lage der Rechtsgrundsäße ist aber jetzt ein der Verordnung kann ich nur sagen, daß nicht rigoros, den Sozialdemokraten.) Ich bin durchaus dafür, daß die Sozial Alle diese politik nicht beim Arbeiter aufhört, sondern sich auch auf den HandEinschreiten nicht mehr möglich, und deshalb hat die Kommission sich sondern sehr rüdsichtsvoll borgegangen wird. auf die Resolution beschränken müssen. Dinge find doch eigentlich selbstverständlich, und es ist beklagens- verter erstreckt. Was aber die Bäckereiverordnung betrifft, so glaube wert, daß solche Zustände erst auf dem Wege einer Bundesrats- ich, daß es eigentlich weniger die Bäckermeister, als die Haus. berordnung gefordert werden müssen.( Sehr wahr! bei den Sozial- besiger sind, die gegen die Verordnung Sturm laufen.( Sehr demokraten.) Das muß doch den Eindruck erwecken, als ob in wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Düsseldorfer Fall, den der Abg. Wirklichkeit viel schlimmere Zustände vorhanden sind. Und die Durch- Riejeberg anführte, beweist gerade die Notwendigkeit der Bäckereiverordnung. führung derartiger minimaler Forderungen nennt der Abg. Görde Abg. Kopsch( Vp.): Unsere Partei ist stets gegen Maßnahmen einen starken wirtschaftlichen Eingriff! Herr Schefbeck klagt, die Bäcker werden sehr mit Verordnungen gesegnet.( Sehr wahr! im eingetreten, die geeignet sind, die wirtschaftliche Freiheit zu ges Was aber die Existenzvernichtung betrifft, von der Zentrum.) Daran mag ja etwas Richtiges sein, aber man muß doch fährden. auch die Zustände in den Bäckereien bedenken. Die Bäcker haben Herr Rieseberg sprach, so glaube ich, daß durch die Steuerheute noch das Recht, ihre Gesellen gesetzgebung der gegenwärtigen Reichstagsmehrheit entschieden mehr Eristenzen gefährdet und vernichtet worden sind, als durch die Bäckereiverordnung.( Sehr wahr! links. Heftiger Widerspruch zu beschäftigen( hört! hört! bei den Sozialdemokraten), d. h. werk- rechts.) Das hindert mich aber nicht, anzuerkennen, daß die rigorose täglich 12 Stunden und am Sonntag 10 Stunden. Man behauptet, Handhabung der Bäckereiverordnung vielfach zu unberechtigten Eindrei Viertel aller Bäckereien würden von der Verordnung getroffen. griffen in wirtschaftliche Verhältnisse geführt hat. Darum treten wir Wenn das richtig ist, war die Verordnung gewiß sehr not- für den Kommissionsantrag ein.( Bravo! bei den wendig, denn dann müssen die Zustände in den Bäckereien Fortsch.) geradezu entsetzlich sein.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) In den Wohnungsverhältnissen der Bäckergesellen Als der Abg. Rieseberg davon sprach, daß durch die Bädereisind unstreitig in den letzten anderthalb Jahrzehnten einige verordnung zahlreiche Eristenzen vernichtet worden sind, rief ich ihm Fortschritte erzielt worden. Das ist nicht zum wenigsten dem das Wort„ Steuergesetzgebung" zu. Ich habe damit gemeint, daß Borgehen Bebels zu verdanken, der die grauenhaften Zustände ent- gerade Herr Rieseberg und seine Freunde bei der letzten hüllt hat, wie sie vor der Bäckereiverordnung herrschten. Die bürger- großen Steu erreform lichen Parteien, die, wie namentlich das Zentrum und die FortTausende und Abertausende Existenzen ruiniert haben. schrittliche Volkspartei, sollten daher wirklich nicht die Hand zu einer Abschwächung der Verordnung bieten. Nicht ein wirklicher Fall( Sehr richtig! links.) Der Abg. Rieseberg hat gesagt, ich hätte gang rigoroser Handhabung hat augeführt werden können. Wir beantragen ungerechtfertigte Angriffe gegen das Bädereigewerbe gerichtet, Uebergang zur Tagesordnung über diese Petitionen. hätte es diskreditiert und mich nicht veranlaßt gesehen, einen Beweis für meine Behauptungen anzutreten. Unter meinen un ( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Erzberger( 3.): Wenn derartige Etatsüberschreitungen vorkommen wie in dem Falle des Gouverneurs v. Puttkamer, und das Budgetrecht des Reichstags in solcher Weise illusorisch gemacht wird, müssen wir verlangen, daß gegen die schuldigen Beamten eine Disziplinaruntersuchung eingeleitet wird. Abg. Dr. Görcke( natl.): Als wir uns mit der Sache zu beschäftigen hatten, war Herr v. Buttkamer nicht mehr Beamter. Abg. Noske( Soz.)[ als Abgeordneter]: Es wäre verlockend, die Angelegenheit Buttkamer hier noch einmal zu erörtern und dabei das Material zu verwerten, das wir in der Kommission erhalten haben. Ich nehme davon Abstand in Rücksicht auf die Geschäftslage des Hauses und weil ich überzeugt bin, daß das, was zu erreichen ist, fachlich durch die Verhandlungen in der Kommission erreicht ist. Jezt noch ein Disziplinarberfahren einzuleiten, ist unmöglich. Es muß aber festgestellt werden, daß die damalige Verwaltung ebenso schuldig ist wie der Gouverneur;( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) die Verwaltung hätte fofort eingreifen und einen Mann, der sich herausnahm, sich so über die Anweisungen der vorgesetzten Behörde hinwegzusetzen, aus dem Amte entfernen müssen. Nach Lage der Dinge bleibt uns jetzt nur übrig, scharf zum Ausdruck zu bringen, daß der Reichsfanzler dafür zu sorgen hat, daß in Zukunft gegen einen Beamten vorgegangen wird, der sich in solcher Weise über das Etatsrecht des Reichstags hinwegießt. Abg. Erzberger( 8.): Sollte die gegenwärtige Gesetzgebung nicht Handhaben bieten, um gegen solchen Beamten vorzugehen, so müßten wir eine Novelle zum Reichsbeamtengeset verlangen. Reichsschazsekretär Wermuth: Ueber die Resolution des Reichstages, die ein Komptabilitätsgesetz verlangt, hat der Bundesrat noch nicht Beschluß gefaßt. Damit schließt die Diskussion. Die Resolution der Kommission wird angenommen. Es folgt die Beratung über Petitionen. 82 Stunden in der Woche Abg. Bebel( Soz.): Abg. Günther( Vp.): Die guten fozialpolitischen Abfichten der gerechtfertigten Angriffen bat Herr Rieseberg wohl die Broschüre Bäckereiverordnung sollen gewiß nicht verkannt werden. Aber man berstanden, die ich im Jahre 1890 über die Lage der Arbeiter in fann nicht abstreiten, daß die rigorose Durchführung der den Bäckereien veröffentlicht habe. Ich hatte damals eine Enquete Verordnung manche berechtigten wirtschaftlichen Interessen geschädigt über die Verhältnisse in den deutschen Bäckereien vorgenommen, hat. Die Fortschrittliche Bollspartei hat sich immer gegen eine nachdem ich wiederholt gehört hatte, welch traurige und ent Rigorofität gewandt. Gewiß müssen die Forderungen der Hygiene e zliche Zustände in einem großen Teil der Bädereien erfüllt werden, aber darüber dürfen nicht die berechtigten Interessen herrschten. Meine Enquete bezog sich auf eine große Zahl deutscher Der Zentralverband deutscher Bäckerinnungen Germania zu der Bäckereien vernachlässigt werden. Wir bitten die Verbündeten Städte. Ich habe in meiner Broschüre mit voller Abfit Berlin, der preußische Verband der Haus- und Grundbefizervereine Regierungen, die Verordnung in diesem Sinne zu hand- keine Namen genannt, habe aber die Bäckereien so bezeichnet, daß zu Spandau und der Provinzialverband der Grundbesitzervereine zu man erkennen fonnte, gegen welche Bäckereien ich ein Vorgehen für Spandau wenden sich gegen die vom Bundesrat aufgestellten Grund- haben.( Bravo! bei den bürgerlichen Parteien.) säge für die Einrichtung und den Betrieb von Bäde= besondere Genugtuung über diese Verhandlungen. Lange standen Abg. Frhr. v. Gamp- Massaunen( Np.): Unsere Partei empfindet angebracht hielt. Die Zustände waren einfach grauenhaft. reien und bitten um eine Entschädigung der durch die Verordnung wir mit unserer Vertretung der Interessen der Bäckermeister allein( hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Nicht allein stellte sich heraus, geschädigten Haus- und Bäckereibefizer aus Reichsmitteln. Die Kommission beantragt, die Petitionen, so weit sie sich auf da. Jetzt erhalten wir Unterſtüßung von anderen bürgerlichen daß in einem sehr großen Teil der Bäckereien eine unmenschlich Barteien. Besonders freuen wir uns über die jezige lange Arbeitszeit herrschte, sondern die Zustände waren auch derart, die Forderung einer schonenden Durchführung der Bädereiverordnung altung des Zentrum 8. Hoffentlich bekehrt sich das daß die Gesundheit der Arbeiter in schwerster Weise leiden mußte. beschränken, dem Reichskanzler zur Erwägung zu überweisen, im 8entrum auch in anderen Dingen zu unserer Anschauung und Ich konnte feststellen, daß in der weitaus größten Mehrzahl der übrigen über sie zur Tagesordnung überzugehen. Die Abgg. Albrecht und Genoffen( S08.) beantragen, über erkennt z. B. die Notwendigkeit an, die Verordnung über die Arbeits- Bädereien eine die Petitionen vollständig zur Tagesordnung über- verhältnisse im Gastwirtsgewerbe zu revidieren. Man sollte endlich mit dieser zugeben. Abg. Dr. Görde( natl.): Die Bädereiverordnung bedeutet einen sehr erheblichen wirtschaftlichen Eingriff in die Verhältnisse der Bäder, und die unteren Verwaltungsbehörden sind sich über die Stärke dieses Eingriffes nicht immer klar. Ein schonendes Vorgehen ist durchaus angebracht und deshalb bitte ich, den Antrag der Kommission anzunehmen. Wie neunzehn Menfchen vom Galgen gerettet wurden. Von Wladimir Korolento. Folgender Fall ist passiert. In der Schweiz lebte unser Landsmann Victor Wassiljewv. Eines Tages verhaftete man ihn auf Verlangen der russischen Regierung als Teilnehmer der Expropriation in der Nordbant. Raub wird nicht als politisches Verbrechen betrachtet. So lieferte die Schweiz Wassiljew aus. An der russischen Grenze legte man ihm an den Händen und an den Füßen Schellen an. Man umgab ihn mit einer Abteilung Soldaten und Gendarmen nebst einem Offizier, und ein jeder, der ihn zu dieser Zeit anschaute, dachte natürlich: Das ist ein Mann, den man zum Galgen führt. Wassiljew hatte eine Mutter. Sie wußte mit Bestimmtheit, daß ihr Sohn unschuldig war. Konnte sie indes überzeugt sein, daß das Kriegsgericht ihn nicht erhängen würde? Man hat ihn nicht gehenti. Im Gegenteil, seine Auslieferung" hat andere gerettet. Und also geschah es. Die Schweiz hatte sich bereit erklärt, den angeblichen Räuber anszuliefern, aber nur an ein Gericht. Unsere Kriegsgerichtsbar feit erkennt man aber in Europa nirgends als Gericht an. Wollt ihr Wassiljew in einem gewöhnlichen, nicht in einem außerordentlichen Gericht aburteilen, 10 tönnt ihr ihn haben." Und die Schweiz werde zum Prozeß ihren Bevollmächtigten entfenden, um fich zu überzeugen, daß man wirklich urteile, nicht von vornherein berurteilen wolle. Rußland übernahm seinen Untertan mit dieser ausländischen Bedingung. Es stellte sich heraus, daß Wassiljem zum Ueberfall auf die Nordbant gar keine Beziehung gehabt hatte. Ihn hatte ein Angeflagter fälschlich denunziert. Nicht aus Schlechtigkeit denunziert. Denn er wußte, daß ein Mensch, den die Schweiz ausgeliefert habe, vor ein gewöhnliches Gericht fommen müsse, daß er mit der unter dem düstern Zeichen des Galgens arbeitenden Kriegsprozedur nichts zu tun haben werde. Und ihm werden aus dem Schatten des Galgens heraus die übrigen Beschuldigten folgen neunzehn Mann. Und so geschah es. Nach Beendigung des Prozesses schrieb Wassiljews Mutter an die Zeitungen einen rührenden Brief. Sie erzählte zuerst von den Quglen, die ihr Sohn und nicht weniger sie selbst erbuldet, che die unpraktischen Gesetzesmacherei tägliche Arbeitszeit von 13, 15, 16, ja 20 Stunden das ganze Jahr hindurch bestand, und daß den Arbeitern während des ganzen Jahres kein einziger Sonntag gegönnt wurde. Die Arbeitsräume waren in so scheußlichen Zuständen, daß man es sich kaum vorstellen kann. Ebenso mangelhaft waren die Wohnräume. Die Bäderwäsche wurde alle Jahr einmal gewechselt usw. usw. In einer ganzen Reihe brechen. Für eine großzügige Sozialpolitik ist die Reichspartei stets eingetreten( Stürmische Heiterkeit bei den Sozialdemokraten), aber nicht für eine Sozialpolitik vom grünen Tische aus.( Bravo! rechts.) Abg. Rieseberg( Wirtsch. Vg.): Daß die Backstubenluft wirklich von Bäckereien herrschte der Zustand, daß, wenn der Bäderrätselhafte Denunziation aufgeklärt war. Dann fügt sie hinzu, daß ihr Mutterherz diese Qualen trotzdem segne. Neunzehn andere Mütter seien vom Schrecken der Hinrichtung ihrer Kinder befreit. Dann dankt sie allen denen, die ihr in der schweren Zeit eine wahrhaft menschliche Teilnahme bewiesen hätten. Unter anderen auch den Eskortesoldaten, die ihren gefesselten Sohn geführt hatten. Es waren einfache und gute russische Männer gewesen. Sie hatten Wassiljew zum Tode geführt und ihn bedauert. " Biele folcher guten russischen Männer gibt es. Einige von ihnen, die viele Todeskandidaten" zur Hinrichtungsstätte geführt haben, sagten Herrn S., der dann darüber im Wjestnit Jewropy" schrieb, daß nach ihrer einfältigen Ueberzeugung die Hälfte der Verurteilten unschuldig, nur infolge eines Jrrtums der Kriegsgerichte hingerichtet worden. seien. So dachten die Soldaten und bedauerten wohl auch die Hingerichteten. Vielleicht liebten fie fie gar mit christlicher Liebe und .. und beteten, um ihre Seelen. Aber sie führten veinten fie doch! Gute russische Männer, weichherzige, einfältige, rechtgläubige russische Männer... Christen. Von ihnen wendet sich der Gedante unwillkürlich ab zu jenem Echweizer Rechtsvertreter, der mit der russischen Regierung die Unterhandlung behufs Auslieferung von Victor Wassiljew geführt hatte. Hat er ihn geliebt? Hat er ihn bedauert? Hat er für seine Seele gebetet? Zweifelhaft! Sein Antlik war wohl rasiert, seine Gefichtszüge waren sicherlich trocene, sein Blid ein geschäftlicher, und schwerlich hat er es für passend gehalten, besondere persönliche Empfindungen zum Ausdruck zu bringen. Er besitzt nur eine fertige nationale Formel:„ Mein Land verbürgt jedem das Recht auf ein gerechtes Gericht." Aber diese„ trodene Formel" fliegt blißartig vom Westen Europas nach dem Osten Rußlands, nach Nowotschertast, hinüber und paralysiert neunzehn Nowotscherkaster Galgen. Weil diese Formel ein Kristall ist. Sie haben bei sich einst dasselbe durchgelebt, was wir jetzt erleben. Ihre Mütter haben einst für ihre Kinder ebenso gezittert und bei ihnen flossen eben falls Tränen und Blut. Aber sie schäßten diese Tränen sehr hoch, sie nahmen sie in Rechnung, sie sammelten sie und kristallisierten sie in fnappe Formeln, in denen eine Mahnung der traurigen Vergangenheit an die Gegenwart und Zukunft verdichtei war. Unser russisches Blut jedoch- trinkt die durstige Erde, unsere Tränen trocknet die Sonne, verscheuchen die Winde des veränderlichen Wetters. Wir sind weichherzig. Unser Gejebeskoder hat als einer der ersten die Todesstrafe abgeschafft. Und etwa ein halbes . Jahrhundert später brüsten wir uns damit, daß man laut unserem Minderjährige nicht hinrichten darf. Dann neuen" Gesetz. aber werden trotzdem bei uns Siebzehnjährige, Sechzehnjährige, Fünfzehnjährige zu Dußenden hingerichtet. Wir sind gut, wir wollen Gerechtigkeit. Unsere Güte sind wir indes nicht imstande in guten Gefeßen festzulegen, noch unsere Gerechtigkeit in gerechten Institutionen zu kristallisieren. Daher ist alles Gute bei uns ohne Gewähr, hinfällig, von kurzer Dauer, unbeständig. Als Staat sind wir nur im Bösen konservativ. Kaum taucht etwas Besseres, etivas Neues, Humaneres, Gerechteres auf, und bald erlöscht es auch. Dann kommt ein neuer„ Kurs" und wirft uns zu Johann dem Schrecklichen zurüd. Dann fommt ein und verschiebt ein ganzes Land in die Tiefe neuer Satrap Afiens. Darin hat man vielleicht die Grundlage der Tragödie der gegenwärtigen russischen Seele zu suchen. Worin besteht nun die Lösung? In den Menschen sagen die einen. In den Anstalten erwidern die anderen. ,, Böse Menschen können die besten Einrichtungen verderben." Ja! Aber böse Anstalten können so oft und so qualboll lange durch die Hände selbst guter Menschen ihre Verbrechen begehen. Zudem suchen sie sich auch die Schlechten aus.... 11 Notizen. Kunstchronit. Die große Versammlung bildender Künstler, in der über die erste Berliner jury freie Ausstellung Näheres mitgeteilt werden soll, findet am Sonnabend, den 6. Mai, abends 8 Uhr, in den Auguste- Victoria- Sälen, Lutherstr. 31, statt. Der Deutsche Künstlerbund hat zu einer von dem Maler Binnen ausgehenden Bewegung gegen das Ueberwiegen fremder, besonders französischer Kunst in Deutschland Stellung ge nommen. In der von Liebermann, Klinger und Kaldreuth unter zeichneten Erklärung wird gesagt: ,, Einem jeden Versuch, das Ansehen unserer deutschen Kunst im Vergleich zum Auslande zu schmälern, würden wir selbstverständlich entgegenivirken, doch vermögen wir eine solche Schmälerung feines wegs darin zu erblicken, daß hervorragende Werke ausländischer Meister in den Ausstellungen und öffentlichen Sammlungen Deutschlands Aufnahme finden. Die wirtschaftlichen Uebelstände, die in der Broschüre( von Vinnen) erwähnt werden, lassen sich nicht von außen durch Kundgebungen und Maßregelungen beseitigen, sondern nur von innen heraus durch eine Hebung der Künstlerleistungen." geselle des Abends für die Nachtnrbeit aufstand, die Die n st- Mädchen sich in das Bett hineinlegen muhten weil der Meister sonst keinen Platz hatte. lHortl hörtl beiden Sozialdemokraten.) Meine Broschüre hat damals ungeheueres Aufsehen erregt. Sie war Gegenstand der Kritik im Parlament und in der Presse. SS wurde gesagt, es sei ja ganz unmöglich, daß derartige Zustände existieren könnten. Der nationalliberale Ab- geordnete Osann, der Vater unseres jetzigen Kollegen, erklärte da- malS, man habe allerdings nicht geglaubt, dah das richtig wäre, was ich über die Zustände in den Darmstädter Bäckereien geschrieben hatte. Eine Untersuchung derDarmstädter Polizei aber hätte ergeben, daß die Zustände in Wirklichkeit noch viel schlimmer lagen. (Hört! hörtl bei de» Sozialdemokraten.) In vielen anderen Städten hatten die Untersuchungen dasselbe Resultat. Mau hatte ja überall Untersuchungen vorgenommen, um mir Unrichtigkeiten nach zuweisen, aber es ist nicht gelungen. Die Dinge kamen nun im Reichstag zur Sprache und als 1832 die Kommission für Arbeiterstatistik eingesetzt wurde, hatte sie sich zu allererst mit den Verhältnissen in den Bäckereien zu beschäftigen. Auf Grund der grauenhaften Verhältnisse, die damals bekannt wurden, wurde die erste Bäckereiverordnung erlassen. Ich rechne es mir als ein grohes Verdienst an, dah ich die Anregung für diese Verordnung gegeben habe.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Ver- ordnung war Jahr für Jahr der Gegenstand heftigster Angriffe, aber die Regierung hat sich, wie ich anerkenne, nicht irre machen lassen. Sie ging weiter, und erlieh die Verordnung von 1906, die nun jetzt der Gegenstand heftigster Angriffe ist. Der Abg. R i e s e b e r g hat behauptet, die Verordnung habe Existenzen zugrunde ge richtet. Das soll er e i n ni a l beweisen. Er hat sich danlit einer unerhörten Neiertreibung schuldig gemacht. Dah den Bäckermeistern die Verordnung u i»- bequem ist, ist zu begreifen. Wo ist überhaupt eine Arbeiterschutz mahrcgel erlassen worden, die nicht zunächst bei den A r b e i t- gebe'rn dem allerheftigsten Widerspruch begegnete? «Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) In allen Ländern der Welt werden Sie daS finden. Als 1847 in England auf Antrag der Konservativen der Normalarbeitstag von 11 auf 10 Stunden verkürzt wurde, da erklärte der Nationalötonom Nasfan-Senior.die englische Baumwollindustrie würde ruiniert werden, denn gerade aus der elften Stuitde zögen die Fabrikanten den Unternehmergewinn.(Heiterkeit und Hört! hört! links.) Mittlerweile ist die Arbeitszeit weiter verkürzt worden. Heute beträgt sie nur noch S4 Stunde» die Woche. und doch ist bis auf den heutigen Tag die englische Baumwollindustrie die erste der Welt. Genau so ist eS in allen Ländern der Welt und auch bei uns in Deutschland gewesen, über jede Bestimmung zugunsten der Arbeiter ist von den Unter- nehmern geschrien worden, man bat getan, als könne die Industrie und das Gewerbe nicht mehr existieren, aber das Gegenteil ist der Fall. Man kann auch nicht sagen, dah das Bäckerei gewerbe zurückgegangen ist. Wenn die kleineren Existenzen schwer zu kämpfen haben, so ist das nicht bloß im Bäckereigewerbe, sondern überall der Fall, dah ist eine Folge der großindustriellen EntWickelung, und auch Herr Rieseberg wird genau wissen, dah die günstigsten Arbeitsbedingungen nicht in den Kleinbetrieben herrschen, sondern in den Grobbetrieben.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- kraten.) Gehen Sie nur in die Bäckereibetriebe der Konsum- vereine, da werden Sie Ihr blaues Wunder erleben. Dort herrscht achtstündige Arbeitszeit, eS wird in drei Schichten gearbeitet, vor Beginn der Arbeit nimmt jeder Bäcker ein Bad, zur Arbeit bekommt er einen frischgewaschenen Anzug geliefert. Wir haben später die Enqueten über das Fleischerei gewerbe und über das Gast wirtSgewerbe gehabt, die ähnliche Zustände enthüllten. Wenn Sie wühten, aus welchen Küchen Sie manchmal in Restaurants Ihre Speisen beziehen. (Heiterkeit.) Sie würden entsetzt sein. Nach allen diesen Richtungen habe ich nicht die geringste Ursache, irgend ein Wort von dem zurück- zunehmen, was ich, nicht gegen die Bäckereien im allgemeinen, sondern gegen eine grohe Zahl von Bäckereien gesagt habe. Wenn Herr Rieseberg auf den Fall eines sozialdemokrati« schen Bäckermeisters in Düsseldorf hinweist, so sind wir die ersten, die ein solches Schwein auf das schär fste verurteilen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Sie wissen a>er, dah Jahr für Jahr Prozesse sich abspielen, in denen Zustände enthüllt werden, wie sie Herr Rieseberg in dem Düsseldorfer Fall schildert. Es ist eben nicht so. wie Herr Rieseberg gesagt hat, dah in allen Bäckereien reinliche Zustände herrschen, und ich habe keinen Anlaß, irgend etwas von dem zurückzunehmen, was ich gesagt habe,(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Binder(Soz.): Herr v. Gamv hat mir vorgeworfen, ich hätte die bedeutendste Bestimmung der Bäckereiverordnung, wonach der Arbeitsraum für einen Arbeiter mindestens 16 Kubikmeter Luftraum haben muh. nicht mitgenannt. AuS dem Stenogramm kann er sich überzeugen, dah seine Behauptung unrichtig ist. Ebenso unrichtig ist seine Be- hauptung, die Sozialdemokraten hätten seinerzeit gegen die Bäckerei- Verordnung gestimmt, sie sind vielmehr das treibende Element ge- wese».(Sehr wahr! bei denDozialdemokr.) Herr Rieseberg verwies auf die 3 oder 4 Bäckermeister im Reichstag zum Beweis dafür, dah das Gewerbe nicht schädlich sei. eS gibt aber 180 000 Bäckermeister und man kann doch nicht gerade einen kranken Menschen ins Parlament senden. Mit der Anführung des Düsseldorfer Falles hat Herr Rieseberg die Sache auf da» persönliche Gebiet zu spielen ge- sucht. Schweinereien können selbst in den reinlichsten Räumen vor- kommen. Mir ist sogar bekannt, dah in einer Villa Schweinereien vorgekommen sind. Allerdings geht man nicht gerichtlich dagegen vor. Mit den Ausführungen de« Abg. G i e S b e r t s kann ich mich einverstanden erklären.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Raab(Wirtsch. Vg.): Mein Freund Rieseberg wendet sich nicht gegen die Bäckereiverordnung als solche, sondern gegen einige Bestimmungen der Bäckereiverordnung, namentlich gegen dre r i g o- rosen Raumvorschriften.— Durch die Finanzreform sind keine Existenzen vernichtet worden.— Die Sozialdemo- kraten sind die geschworenen Feinde de» Mittelstandes.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Die Arbeitsverhältnisse in den Privat- betrieben sind weit g ü n st i g e r als die in den sozialdemokratischen Konsunivereinen.(Bravo I rechts: grohe Heiterkeil bei de» Sozial- demokraten.) Die Debatte schließt. Der Antrag A l b r e ch t(Uebergang zur Tagesordnnng über die gesamten Petitionen) wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt, der Kom- missionsantrag angenommen. Es folgen die Petitionen betr. Erlaß eines Reichstheatergesetzes. Die Kommission beantragt Ueberweisung als Material bezw. zur Kcnntnisnabme. Abg. Dr. Pfeiffer(Z.) lenkt die Aufmerksamkeit auf die traurigen Verhältnisse, die auch vielfach im B ü h n e n w e s e n herrschen. Ein besonders(trauriges Kapitel ist die K o st ü m i e r u n g S- frage. Es ist wirklich notwendig, daß etwas geschieht. Abg. Dr. Müller-Meiningen(Vp.) schließt sich diesen Ausführungen an. Der Erlaß eines Reichstheatergesetzes wird eine der ersten Auf- gaben des neuen Reichstages sein.(Bravo I) Abg. Geck(Soz): Ich bin in der angenehmen Lage, den Ausführungen beider Herren Vorredner, der Kollegen Dr. Pfeiffer und Dr. Müller- Meiningen, vollinhaltlich zustinimen zu können. Eine reichsgesetzliche Regelung des TheatcrivesenS ist eine dringende Not- wendigkeit. Es ist finchtbar viel himmelschreiendes Elend in Bühnenkreisen vorhanden. Nicht bloß an kleinen Provinzlheatern. sondern auch an großen Bühnen werden vielfach geradezu lächerlich geringe Gage» gezahlt.(Bielfache Zustimmung auf mehreren Seiten.) Wie manche Schauspielerin wird durch die bittere Not der Prostitution in die Anne getrieben. Die Bühnenleiter, die doch manchmal selbst soziale Stücke zur Auf- führung bringen, sollten mit sozialem Verständnis den Bestrebungen der Schauspieler schaft auf Ver besserung ihrer wirtschaftlichen Lage gegen- überstehen. Sehr erfreulich ist es, daß endlich auch unter den Bühnenangehörigen die Erkenntnis von dein hohen Werte der Organisation zum Durchbruch kommt.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Um so bedauerlicher ist die Verstandnislosigkeit— sie ist größer, alS die des Polizeipräsidenten von Berlin(Heiterkeit)— mit der die Verbündeten Regierungen dieser wichtigen Angelegenheit gegenüberstehen. Wie meine Vor redner muß'ich es als durchaus unangemessen bezeichnen, daß der Bundesrat bei dieser Beratung gar nicht oder doch völlig unzureichend vertreten ist.(Lebhafter Beifall.) Die Debatte schließt. Der Kommissionsantrag wird an- genommen. Es folgen die Petitionen um Aenderung der Bestimmungen der Gewerbeordnung über die Arbeitszeit in Putzgeschäften. Die Petittonen ersuchen um Ausdehnung der Arbeitszeit am Sonnabend(Schluß um 3 statt um 5 Uhr). Die Petenten scblagen vor, dafür Verkürzungen etwa am Montag eintreten zu lassen. Die Kommission beantragt Ueberweisung zur Erwägung. Ein sozialdemokratischer Antrag will Uebergang zur Tagesordnung. Abg. Albrccht(Soz.): Es liegt gar kein Anlaß vor, die armen Mädchen in den Putz- geschäften bis 9 Uhr abend i arbeiten zu lassen. Alle derartigen Neuerungen, wie hier die Beschränkung der Arbeitszeit bis auf 5 Uhr am Sonn- abend sind anfangs auf Widerstand gestoßen. Auch bei der Sonn« t a g S r u h e war es so, ebenso beim Achtuhr-Ladenschlutz. Heute gibt es bereits viele Ladeninhaber, die eine vollständige Sonn- tagsruhe verlangen. Derselbe Reichstag, der soziale Reformen ver- langt und diese Bestimmungen vor noch gar nicht langer Zeit ge- schaffen hat, kann unmöglich darauf eingehen, diese Bestimmungen jetzt abzuändern und die Petition dem Reichskanzler zur Erwägung zu überweisen. Abg. Brühue(Soz).: Zunächst sollte man dafür sorgen, daß die Bestimmungen der Gewerbeordnung durchgeführt werden. Der Reichstag sollte nicht die Hand dazu bieten, die Sckutzbestimmungen abzuschwächen und über die Petition einfach zur Tagesordnung übergehen. (Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Abg. Meuz(Vp.) tritt für den Kommissionsbeschluß ein, da das Putzgeschäft am Sonnabendabend gerade am lebhaftesten sei. Abg. GtrsbertS(Z.) befürwortet den sozialdemokratischen Antrag. Die Diskussion schließt. Der Antrag A l b r e ch t(Soz.) auf Nebergang zur Tagesordnung wird a n g e n o in>n e n. ES folgen die Petittonen betreffend die amtliche Zulaffung der Antiqua(Altschrift). Die Kommisston beantragte über einen Teil der Petitionen zur Tagesordnung überzugehen, den anderen Teil zur Berücksichtigung zu überweisen. Es entspann sich eine lange Diskussion, in der sich Gegner und freunde der lateinischen Lettern gegenüberstanden— für die Sozial- emokraten befürwortete Abg. G e a in einer humorvollen Rede die Beschlüsse der Kommission. Abg. Bindewald iwinsch. Vg.) bittet, über den törichten Beschluß der Petltionskommission zur Tagesordnung überzugehen, und fordert namentliche Abstimmung über seinen Antrag. Dieser Antrag wird nicht genügend unterstützt. DaS Resultat der Abstimmung über den Antrag Bindewald, bleibt zunächst weifelhaft; die Abstimmung durch Hammelsprung ergibt 87 Stimmen für und 82 gegen den Antrag; das Hau» ist also beschlußunfähig. (Große Heiterkeit.) Vizepräsident Dr. Spahn beraumt die nächste Sitzung an auf Freitag 1 Uhr.(Reichsversicherungsordnung.) Schluß'/«9 Uhr._ Versammlungen. Die Maiaussperrung der Berliner Holzarbeiter wurde am Mittwoch in der Generalversammlung des Holzarbeiter- Verbandes behandelt. Leopold, der den Bericht über diese An- gelcgenheit gab, sagte, die Hoffnung der Gegner und die Bcsürch- jung eines Teiles der Kollegen, daß die Maifeier in diesem Jahre zurückgehen werde, sei nicht«ingetroffen. Im Gegenteil. Die >ieSjährige Beteiligung an der Maifeier habe die Beteiligung der beiden vorhergegangenen Jahre weit übertroffen. Durch die Markenkontrolle ist festgestellt, daß 22 130 Kollegen den 1. Mai durch ArbeitSruhe gefeiert haben. Auch die Arbeiter mehrerer Großbetriebe, die in früheren Jahren nicht gefeiert haben, be- teiligten sich in diesem Jahre an der Feier. In 320 Betrieben ind 6768 Kollegen ausgesperrt worden und zwar 69 Kollegen«inen Tag, 54 Kollegen zwei Tag«, 5866 Kollegen drei Tage. 780 Kollegen uns Tage. Ein tleiner Teil der Feiernden ist entlassen. Bon den Ausgesperrten sind 6484 AerbandSmitglieder. Auf Antrag der OrtSvcrwaltung beschloß die Versammlung, daß die Ausgesperrten vom ersten Tage an die übliche Streikunterstützung erhalten.—. Au» der Versammlung wurde beantragt, die AvSiperrung damit zu beantworten, daß die Arbeit erst am nächsten Montag wieder auf- genommen werde. Verschiedene Werkstätten hatten bereits einen >ahingehenden Beschluß gefaßt.— Glocke machte taktische Gründe zegen den Antrag geltend und riet auch den Kollegen der betreffen- den Werkstätten, ihren Beschluß nicht auszuführen, sondern nach Ablauf der Aussperrungsfrist die Arbeit wieder aufzunehmen. Die Versammlung beschloß in diesem Sinne und lehnte den Antrag, erst am Montag die Arbeit aufzunehmen, ab.— Eine Resolution wurde angenommen, die auf das scharsfte verurteilt, daß organisiert« Kollegen, die in der Lage gewesen wären, zu feiern, am 1. Mai gearbeitet haben. Die Versammlung hatte noch die Wahl eines Angestellten für die Geschäftsstelle im Westen vorzunehmen. Die Stelle ist aus- geschrieben worden. Von 9 Bewerbern hat die Kommission drei zur engeren Wahl gestellt. Von diesen wurde Rennau durch >ie Versammlung gewählt.— Ferner wurde Glocke als De- legierter zum Gewerkschaftskongreß gewählt. Gericbts- Leitung. Flugblattverteilen und Kammergericht. (Zwei wichtige Entscheidungen.) 1. Hausflure sind„geschlossene Siäutne" gemäß§ 43 Abs. 5 der Gewerbeordnung. Druckschristen, die sich als Plakate. Bekanntmachungen oder Aufrufe darstellen, dürfen nach K 10 des preußischen PreßgeseheS in der Fassung, die er durch ß 30 Abs. 2 de» Reichsprehgcsctzcs erhalten hat, nicht ohne polizeiliche Erlaubnis an öffentlichen Orten unent- acltlich verteilt werden. Diese Bestimmung wird durch ß 43 Abs. 6 der Gewerbeordnung insofern modifiziert, als danach eine polizeiliche Erlaubnis nicht erforderlich ist zur nichtgewerbsmäßigcn Bcr- teilung u. a. von Druckschriften in geschlofienen Räumen. Das Landgericht in Bonn hatte nun die Angeklagten Schnitzler und Graf, die in Bonn sozialdemokratische Druckschriften verteilt hatten, wegen Ucbertrctung des§ 10 des preußischen Preßgcsetzes zu Geldstrafen verurteilt, weil sie ohne polizeiliche Erlaubnis an öffentlichen Orten unentgeltlich Druckschriften verteilt hätten. Das Gericht nahm als festgestellt au, daß die Angeklagten die Flugblätter teils in Briefkästen und durch Ritzen geschlossener HauStore gesteckt hätten. Wo aber Haustore nicht verschlossen waren, hätten sie sie in de.y pffenen Hausflur geworfen, Ter pffeKe HquSftgr{ei gber seLerStarktt zugänglich, also el» öffentlicher Ork. So Leliüzierle SaS Landgericht. Das Kammergericht hob auf die von Rechtsanwalt Dr. Ruhm vertretene Revision das Urteil auf und sprach die Angeklagten mit folgender Begründung frei: Hier schließe§ 43 Abs. 6 der Gewerbe- ordnung die Verurteilung auf Grund des 8 10 deS preußischen Preßgesetzes aus. Erstens stehe fest, daß das Verteilen ein nichtgewerbs- mäßiges gewesen sei. Es sei aber auch als ein Verteilen in„ge- schlossenen Räumen" gemäß Z 43 Abs. 5 der Gewerbeordnung anzusehen. ES stehe fest, daß die Blätter von der Straße aus in Brief- kästen und durch Ritzen in verschlossene Türen gesteckt worden seien und daß man sie ferner in Hausflure geworfen habe, deren Türen nicht verschlossen waren. Für die Feststellung, ob in einem„ge- schlossenen Räume" verteilt worden sei, komme es nun nicht darauf an, wo der Verteiler sich befinde, sondern wohin die Verteilung er- folge. Deshalb müsse hier Freisprechung erfolgen, denn selbst die nicht verschlossenen Hausflure seien als„geschlossene Räume" im Sinne von§ 43 Abs. 5 der Gewerbeordnung anzusehen. Die Oeffent- lichkeit eines Orts sei nicht identisch mit dessen Ungeschlossenheit. Gleichwie ein Wirtshaus zwar ein öffentlicher Ort, aber zugleich ein geschlossener Raum sei, müsse dieses auch von Hausfluren gelten, die auch dann, wenn sie nicht verschlossen gehalten würden, Räume unter Dach und Fach, gedeckte und umfriedigte Räume bildeten. Das Hineinwerfen der Blätter in die nicht verschlossenen Hausflure sei deshalb ebenso ein„Berteilen in geschlossenen Räumen", wie das übrige Verteilen der Angeklagten. 2. Die„unentgeltliche" nichtgewerbsmäßige Verteilung. Rech und Genossen hatten in Bochum sozialdemokratische Druck« schristen verteilt. Es sollte nach der Anklage ein öffentliches un- entgeltliches und nichtgewerbsmäßiges Verteilen im Sinne des Z 10 des preußischen Preßgesetzes in Verbindung mit 8 30 Abs. 2 des Reichsprcßgesctzes sein. Tie Strafkammer in Bochum sprach sie frei. weil es sich zwar um ein nichtgewerbsmäßiges, aber doch entgeltliches Verteilen handele, das nicht bestraft werden könne, auch wenn es öffentlich sei. Es sei entgeltlich gewesen, weil die Angeklagten von der Partei ein Entgelt von 50 Pf. pro Stunde erhalten hatten. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein und machte geltend, ein entgeltliches Verteilen würde nur dann vorliegen, wenn die Empfänger der Blätter den Verteilern etwas gezahlt hätten. Das Kammergericht verwarf die Revision der Staatsanwalt- schaft mit folgender Begründung: Sowohl nach dem Sprachgebrauch als auch nach der Entstehungsgeschichte des Gesetzes könne nicht an- genommen werden, daß ein entgeltliches„Berteilen" dann vorliege, wenn der Empfänger dem Verteiler etwas zahle. Vielmehr könne von einem entgeltlichen nichtgewerbsmäßigen Berteilen nur dann die Rede sein, wenn der Verteiler zwar nichtgewerbsmäßig handele, aber doch von seinem Auftraggeber, wie hier, ein Entgelt erhalte, Diebstähle in der Technische» Hochschule zu Charlottenburg fielen dem aus Rumänien stammenden Studenten Leiser Goldberg zur Last, der gestern der Straftammer des Landgerichts III aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde. In der Technischen Hochschul« sind in der letzten Zeit mehrfach Diebstähle vorgekommen, ohne daß es gelang, den Täter zu ermitteln. Neuerdings ivar einen» Studenten in einem Saale der Hochschule aus einem verschlossenen mittels Nachschlüssel geöffneten Tischkasten ein Reißzeug im Werte von 25 M. entwendet. Unter gleichen Ilmständen war einem anderen Studenten ein unvollständiges Reißzeug im Werte von 35 M. gestohlen loorden. JDurch Nachfrage bei Pfandleihern gelang es fcstznstellen, daß ein Student Goldberg Anfang März versucht hatte, ein unvollständiges Reihzeug zu versetzen und es dann bei einem anderen Pfandleiher für 6 M. versetzt hatte. Die Polizei ermittelte den Angeklagten als denjenigen, der das Reißzeug ver, setzt hatte. Bei einer in seiner Behausung vorgenommenen Durch« suchung wurden noch zwei, anderen Studenten abhanden ge- kommen« Reißzeuge, mehrere der Technischen Hochschule gehörige Bücher und 4 Pfandscheine vorgefunden. Der Staatsanwalt beantragte gegen den gestündigen Angeklagten ein Jahr Gefängnis, da» Gericht erkannte auf 7 Monate Gefängnis unter Anrechnung vos 1 Monat Untersuchungshaft. Hus der frauenbewegung. Ein Japaner über die deutsche Fran. In der Wochenschrift.Zeitschrift" veröffentlicht ein Japaner einen Artikel mit der Iteberschrift:.Wie wir Japaner über die deutsche Frau denken." Was die Aeußerungen dieses Sohne« des Ostens bemerkenswert macht, ist erstens der Uinstand, daß. wie sie zeigen, er und seine Landsleute den heiligen Respekt vor Europa» übertünchter Höflichkeit schon überwunden haben und in den Ein- richtungen und dem Wesen der alten Welt durchaus nicht den In- begriff aller Kultur entdecken. Der Artikel beschäftigt sich natürlich nur mit der bürgerlichen Frau; die proletarische existiert ja für die meisten Europareisenden nicht. Er habe, schreibt der Verfasser, fast keine deutsche Frau kennen gelernt, die es fertig� gebracht hätte, auch nur mal einige Tage zu Hause zu bleiben. Sei e» auch nur um Schaufenster zu mustern oder die eigene Toilette zur Schau zu stellen, aber fort aus dem Hause müsse sie. Während die deutsche Frau unzählige Male in Theater, Konzert« und andere Veranstaltungen laufe und ihre Kinder und die wichtigsten Arbeiten ihrer� Dienerschaft überlasse, würden seine Landsmänninnen froh sein, dürften sie auch nur ein- bis zwei» mal im Jahre z. B. das Theater besuchen. Harte Worte findet er über die sklavische Unterwerfung der deutschen Frau unter die ver- rücktesten Gesetze der Mode, wobei skrupellos ein gut Teil des Familienglückes geopfert wird und woraus auch resultlere, daß die deutsche Frau(immer die Dame gemeint) ihre Kinder nicht gerne stille, waS oft genug die englische Krankheit zur Folge habe. Die japanische Frau reiche ihrem Liebling gern und solange alS möglich die Brust. Dann folgt folgt folgende interessante Auslastung: .Eine der unbehaglichsten Klippen des deutschen Familien- lebenS bildet das Verhältnis der Hausfrau zu ihreni Dienst- mädchen. Hier zeigt sich die„gnädige Frau"(die Gänsefüßchen stammen vom Verfasser deS Artikels) leider nur zu oft von ihrer .ungnädigsten" Seite. Ich wurde mehrmals von wahrem Entsetzen gepackt, als ich zukällig Gelegenheit hatte, eine.gnädige Frau", die uns Gäste bei Tisch mit süßestem Lächeln und sanftesten Worten bewirtete, eine Stund« später im Tete-a-tete mit ihrem Zimmermädchen zu belauschen. Hierin liegt auch der Grund, warum der Fremde in Japan kein anständiges Dienstmädchen bekommt. Unsere Dienstmädchen werde» wie Kinder im Hause Schalten und empfinden es als Schande, unter europäischen Be- ingungen zu dienen." Da« sind Worte, die man all' den.Gnädigen", die stets über die Schlechtigkeit der Dienstboten klagen, ins Stammbuch schreibe» sollte._ Hus aller Alelt. Der hnallende Browning. In Vennhausen bei Düsseldorf wurde der 24 jährige Schlächtergeselle Hibberle, der Sohn eines Schlächtermeisters in Paderborn, unter eigenartigen Umständen von dem Polizei» sergeanten Seeger erschossen. Hibberle wurde mit mehrere» anderen Gästen bei Eintritt der Polizeistunde aus einem WirtschaftS» lokal hinauSgewiesen. An der Räumung deS Lokals beteiligte sich der Polizeisergeant Seeger. der sich in Zivil befand und den Gästen deshalb als Polizeibeamter nicht kenntlich war. Nach der Räumung deS Lokals entstand vor der Tür ein Wortwechsel zwischen dem Wirt und dem Polizeisergeanten einerseits nnd den mit sanftem Zwang» an die Lust beforderten Gästen andererseits. Ein bürgerliche» Lokalblatt, die„Düsseldorf.GerreSheimtt Zeitung", schildert nun daß Folgende mit diesen Worten: Während dieser furzen Auseinandersehungen war man durch den Vorgarten bis auf die Straße gelangt. Hier stockte der Ein Unmensch. Der in der Schifferstraße in Magdeburg Ein Drama auf hoher See. Wie ein Telegramm aus Cherbourg meldet, begegnete der wohnende Tapezier cherer verfolgte seit einiger Zeit feine eigene Bug etwas. Die Laterne brannte trübe und warf ihr fahles Licht englische Postdampfer„ Druba" am 27. April auf hoher See das 21 jährige Tochter mit unfittlichen Anträgen. Empört über die erfolgte Abweisung ergriff er am Mittwochabend in Anwesenheit auf die lebhaft gestikulierende Gruppe. Seeger lehnte an einem Baume, dicht neben ihm befand sich der Wirt. Mitten unter den französische Segelschiff, En Avant". Auf dem Segel- feiner Frau und seines erwachsenen Sohnes das Mädchen, warf es Arbeitern, etwa 2 Meter von Seeger entfernt, stand der Metzger- fchiff, das Notfignale gab, waren die neun Mann seiner Besatzung auf das Bett und feuerte ihm aus dem im Aermel verborgenen geselle, mit einer Hand sich am Eingangspfeiler infolge Mangels an Nahrungsmitteln dem Hungert ode nahe Revolver zwei Schüsse ins Genid. Darauf gab er einen haltend, während er die vertrüppelte andere Hand- Nachdem der Schiffsarzt des„ Druba" der Mannschaft die not- Schuß auf seinen Sohn ab, der aber fehl ging, und feuerte fich S. wurden verflossenes Jahr an der Fleischmaschine ein Daumen wendige Pflege hatte angedeihen lassen, wurde sie mit Lebensmitteln dann selbst awei Kugeln in den Kopf. Der Mann und das und zwei halbe Finger glatt abgeschnitten dem Polizeisergeanten und Wasser versehen. Mädchen sind tot. drohend entgegenstreďte mit den Worten: Bon Ihnen Lasse ich mir noch lange nichts sagen". Als Antwort feuerte Seeger " Explosion eines Pulvermagazins. In dem nahe Lissabon geVier Tote um einen Ohrring. legenen Orte Caparica erfolgte am Mittwoch in einem Pulver Aus Rom wird uns geschrieben: In der Konservenfabrit magazin eine heftige Explosion, bei der zehn Personen schwer drei Schüsse aus seiner Browningpistole ab. Der erste Schuß traf Gagliardi in Palermo hatte eine Arbeiterin einen Ohrring berberlegt wurden. Das Magazin wurde fast vollständig zerstört. Strandung eines englischen Zweimasters. Auf der Höhe von den Arbeiter Grundkomsti am Oberschenkel, der zweite pfiff dem loren. Ein Angestellter, der den Verdacht hatte, daß der Ohrring Holehaven ist während eines Unwetters am Donnerstag der Wirt am Dhr vorbei und streifte einen anderen Arbeiter am mit dem Abfall in einen Schacht geworfen worden sei, ließ sich in englische Zweimaster Steadfast" gestrandet. Auf dem als Finger, der diesen hinab, um das Schmuckstück zu suchen. Als er nicht wieder Uebungsschiff für Schiffsjungen benugten„ Steadfast" befinden sich britte Schuß traf den Mekgergesellen Hibberle ins Herz. hinauf tam, stieg der Besizer der Fabrit, Gagliardo, der seinen 40 Schiffsjungen und vier Matrosen. Das Schiff bes Dhne einen Laut von sich zu geben, drehte sich der Getroffene noch Angestellten unten ohnmächtig liegen jah, in den Schacht findet sich in sehr gefährdeter Lage. Die Pest auf Java. etnmal um seine eigene Achse, dann stürzte er hin und war tot. hinunter, wurde aber gleich seinem Vorgänger durch die Fäulnisgase In der vergangenen Woche wurden auf Die drei Schüsse waren dicht hintereinander, ohne Bause ab- besinnungslos. Nun stieg der Neffe des Besizers hinunter, Java 153 Bestfälle festgestellt, darunter fünf Erkrankungen an gegeben worden, wie neben den Augenzeugen auch Nachbarn, welche ohne zurückzukehren, und schließlich ein Arbeiter, ben das gleiche Zungenpest. 111 Personen starben an der Best. im Bett den Knall hörten, befunden." Nach der Tat suchte der Polizeisergeant sein Heil in schleuniger Flucht. Er wurde jedoch von erbitterten Zuschauern verfolgt und schwer mißhandelt, so daß er im Krankenhause Aufnahme finden mußte. Die Schießaffäre hat im Orte große Erbitterung hervorgerufen. Der Polizeisergeant, der sonst als ruhiger und pflichtgetreuer Beamter geschildert wird, hat sich nach der allgemeinen Ansicht zu einer völlig unbegreiflichen Handlung fortreißen lassen. Oft genug haben wir darauf hingewiesen, welche berhängnisvolle Folgen die Ausrüstung der Polizeibeamten mit Schießwaffen nach sich ziehen kann. Wäre der Beamte nicht im Besize der Browningpistole gewesen, so würde die harmlose Rempelei nicht den tragischen Abschluß gefunden haben! Babalu BЯ Todes- Anzeigen Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstays- Wahlkreis. Stralauer Viertel. ( Bezirk 346 II.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Glaser Alois Bartsch gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 6. Mai, nach mittags 4 Uhr, auf dem Pius Kirchhof in Hohen- Schönhausen, Berliner Straße 31/32, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 218/19 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein Rixdorf. Am 3. Mai verstarb unser Mitglied, der Maler Karl Sternberg Fuldastr. 60( 5. Bez.) Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findel am Sonnabend, den 6. d. M., nach mittags 4 hr, von der Leichen halle des Rigdorfer GemeindeFriedhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein für Alt- Glienicke. Den Parteigenossinnen und Ge noffen zur Nachricht, daß am 3. Mai 1911 unsere Genossin Klara Winniewski geb. Kreft, verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am BΣ Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Friedrich Fährmann am 2. d. Mts. im Alter von 43 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 5. d. Mts., nach mittags 3 Uhr, von der Leichen halle des Danteskirchhofes, Blanke straße, aus statt. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Boden. arbeiter 67/19 Joseph Stumpf am 1. d. Mts. im Alter von 48 Jahren verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 5. d. Mts., nach mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Hedwigs- und Herz Jesu- Friedhofes in Wilhelmsberg aus statt. Den Mitgliedern zur Nachricht, baß unser Stollege, ber Arbeiter Ernst Loeper am 2. d. Mts. im Alter von 28 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 6. d. M., nach mittags Uhr, von der Leichen halle des städtischen Friedhofes Müller, Ede Seestraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Bezirksverwaltung. Kranzspenden fotoie sämtliche Blumenarrangements liefert schnell und billig Paul Groß Lindenstraße 69 ( Borwärts"-Haus). 13326* Sonntag, den 7. Mai, nachmittags Blumen- und Kranzbinderei 4 Uhr, von der hiesigen Leichen halle aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 202/12 Der Vorstand. von Robert Meyer, nur Mariannen- Straße 2. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Heute, Freitag, abends 81 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 14/15, Saal 4( Arbeitslosenfaal): Sitzung der Ortsverwaltung. Bodenleger. Montag, den 8. Mai, abends 81% Uhr, im Gewerkschaftshause: 88/2 Vertrauensmänner- Versammlung. Die Branchenkommission. Buchhandlung Vorwärts, Lindenstr. 69 Morgen erscheint: ( Laden) 246/ 1* Der Geist der Unzufriedenheit! in Bildern, Löchern und Versen von G. Brandt Preis 2,50 M. Diese aktuelle politische Satire in Bild und Wort wird allen Freunden unserer Polizei" viel Vergnügen bereiten. Schicksal ereilte. Weiter drängten sich mehrere zur Hilfsaktion, aber die Umstehenden litten es nicht, daß noch mehr Menschen ihr eben aufs Spiel festen. Alle vier Opfer wurden kurz Darauf mit Striden und Hafen zutage gefördert. Drei waren tot, ber vierte atmete noch, starb aber bald darauf. Kleine Notizen. Stationen Witterungsübersicht vom 4. Mai 1911. Swinembe. 761 SD Berlin 761 GD Better Il Stationen Better 762 Still heiter 2 bedeďt 12 berbeen 11 Baris 12 3 wollen! 13 Baparanda 769 4 wolfig 15 Betersburg 768 MND 3 molten! 13 Scilly 3 heiter 2 heiter 1 moltig 761 28 4 mollig 8 750G 2 balb bd. 7 761 SSB 4 Regen 10 Folgenschwere Explosion. In der technisch- chemischen Fabrit von Damburg 758 28 Richard Mühling in Breslau explodierte Donnerstag bortanti.a M. 761 S Der Inhaber Münden mittag im Siederaum ein Kessel Benzol. Eduard Mühling sowie der Arbeiter Buchpa wurden schwer Bien 762 NW verlegt ins Krankenhaus gebracht. Bei Buch pa ist teine AusWetterprognose für Freitag, den 5. Mai 1911. sicht vorhanden, daß er am Leben bleibt. Das einstöckige Bielfach wollig, am Tage fühler, bei ziemlich lebhaften südwestlichen Gebäude des Siederaums ist vollständig niedergebrannt. Binden, etivas Regen und Gewitterneigung. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Tischler- Verein zu Berlin( E. H. 89.) Sonnabend, den 6. Mai, abends 8 Uhr, Melchiorstr. 15: Arbeitsnachweis: Hof I. Amt III, 1239. Charitéstraße 3. Hauptbureau: Hof III. Amt III, 1987. Versammlung. Sonntag, den 7. Mai, vormittags 9% Uhr: Branchenversammlung Berichterstattung vom Kongreß der deutschen Hilfstassen. Verschiedenes. Die Herrenpartie findet am 14. Mai nach Finkenkrug statt. 197/6 99 Der Vorstand. , Orientperle" Drientalischer Med.- Bein, z. Stärkung für Blutarme, Genesende u. sehr empfohlen. Zu der in den Eisenkonstruktionswerkstätten beschäftigten Arbeiter beinber 116/8 im großen Saale der Brauerei Friedrichshain, Am Friedrichshain 16/23. Tages Ordnung: 1. Bericht der in der letzten Versammlung beschlossenen Umfrage. 2. Unsere Stellung dazu und Beschlußfassung über unsere weiteren Maßnahmen. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt! Pflicht aller Kollegen ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. Fliesenleger Achtung! und Hilfsarbeiter. Dienstag, den 9. Wat, abends 8, Uhr, in den Corona- Sälen ( früher Klubhaus), Kommandantenstr. 72: Oeffentliche Versammlung der Fliesenleger und Fliesenleger- Hilfsarbeiter. Tages Ordnung: 1. Bericht der Schlichtungskommission. 2. Diskussion. 3. Berufs angelegenheiten. arbeiter. Zutritt zu dieser Versammlung haben alle Fliesenleger und Hilfs. Die Vorstände der Fliesenlegerorganisationen. Schuhputz Servus das Beste Servus bester Schuhputz Ueberall zu haben in Dosen à 10 und 20 Pfg. Fabrik: Lubszynski& Co., Berlin- Lichtenberg. Berlin NO, Herbert Wilke, sufelandstr. 21. SP Kostproben gratis. Dr. Simmel Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, dicht am Moritzplatz, 10-2.5-7. Sonntags 10-12, 2-4 Radfahrer von Charlottenburg! Achtung! Heute Freitag, abends 8 Uhr, im Volkshause, Nofinen- Straße 3: Deffentliche Radfahrer- Versammlung. Tages- Ordnung: 11/4 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Genossen Eichhorn über: Die Arbeiter- Radfahrer im Emanzipationstampfe des Proles tariats. 2. Wahl eines Vertrauensmannes für Charlottenburg. Jeder Radfahrer, welcher geneigt ist, sein Rad in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen, ift frol. eingeladen. Maschinisten, Heizer, Abschmierer und Kohlenarbeiter der Brauereien Berlins und der Umgegend. Sonnabend, den 6. Mai, vormittags 82 Uhr: Versammlung in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59. Zages- Ordnung: 145/14 1. Bortrag. 2. Die Bezahlung der Feiertage auf Grund des Protololls bom 24. Februar. 3. Die Einteilung des Urlaubs. 4. Verschiedenes. Es ist dringend notwendig, daß jeder Betrieb in der Versammlung bertreten ist. H. Schwittau. Zentralverein der Bildhauer. Verwaltungsstelle Berlin. Montag, den 8. Mai, abends 6 1hr pünktlich, im Saale III des Gewerkschaftshauses: General- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Revisoren. 2. Der Berlauf der biesjährigen Maifeler und Antrag auf besondere Unterſtügung der Ausgesperrten. 3. Antrag auf Unterſtüzung der im Lohnkampf stehenden Kollegen in Fürth. 4. Berschiedenes. 20/7 Mitgliedsbuch legitimiert! Zahlreichen und pünktlichen Besuch erwartet Der Vorstand. Deutscher Bauarbeiter- Verband. Zweigverein Berlin. Gruppe der Puterträger. Sonntag, den 7. Mai, pünktlich vormittags 10 Uhr: Gruppen- Versammlung bei Obiglo, Schwedter Str. 23/24. Da sehr wichtige Fragen auf der Tagesordnung stehen, darunter auch die Festschung eines einheitlichen Beitrages, ist es Pflicht jedes Kollegen, bestimmt zu erscheinen. Der Sektionsvorstand. Gruppe der Töpferträger. Montag, den 8. Mai, abends pünktlich 8½ Uhr: Gruppen- Versammlung bei Wegner, Seydelstr. 30, dicht am Spittelmarkt. 138/ 10* Zages Drdnung: Der Ablauf des Tarifvertrages und unsere vorbereitenden Schritte hierzu. Da außerdem noch andere wichtige Fragen auf der Tagesordnung stehen, ist es Bflicht der Kollegen, für den Besuch der Veriammlung die größte Agitation zu entfalten und unbedingt selber zu erscheinen. Die mit den Töpferträgern zusammen arbeitenden Töpfer ersuchen mir bringend, die Töpferträger auf diese Versammlung aufmerksam zu machen unb fie aum Besuch derselben anzuhalten Der Sektionsvorstand. Freitag Sonnabend A.WERTHEIM G. M. B. H. LEIPZIGER STR. 132-37 Leipziger Platz ROSENTHALER STR. CORANIEN- STRASSE Lebensmittel- Angebot Konserven Stangenspargel I..... Dose 1.45 Stangenspargel III... .. Dose 1.10 Bruchspargel extra stark 1.30, p. 70 Pl. Bruchspargel II De 88, De 50 Pf. Dose Dose Dose Dose Abschnittspargel, D. 52,%, D. 32 Pr. Kaiserschoten%, D. 1.05,%, D. 58 Pl. Junge Schoten I p. 75, De 43 Pt. Karotten Dose 45, 65 PI. Dose 1/2 Schnittbohnen / 1 Dose Brech- u. Schnittbohnen lap. 42 Pr. Wachsbohnen. .... Dose 38 Pf. Stangen- Perlbohnen... Dose 42 Pl. Gemischtes Gemüse extrafein 1.20 Gemischtes Gemüse II, Dose 60 Pf. Teltower Rübchen.... Dose 58 Pr. Pfefferlinge Dose 48 Pf. 1.20 Rote Rüben/ Dose 32 PL., % 10 Pfund Dose . 9 1/1 Dose 24 Pf. Stangenspargel sehr stark, mit grünen Köpfen, 1.35 extra fein, .. Junge Schoten Bruchspargel ohne Köpfe 1/1 Dose Dose 85, 12 Dose 48 Pf. ¼ Dose 55 Pf. 2/1 Preisselbeeren Dose 65 P., ose 1.15, 2.90 Gewürzgurken Heringe in Gelee.... Aprikosen/ Frucht...... Dose 1.00 Pfirsicherte 1.05,%, Dose 58 Pf. schält, Dose in Essig Pflaumen Zucker, Dose 68,% Dose 40 P! Reineclauden Dose 85 Pr. Senfgurken Glas 60 Pf.,% Gallone 1.65 Zuckergurken.... Glas 70, 80 Pf. Zuckergurken... Schmorgurken 1 Gallone 1.90 1 Dose 75 Pl. Butter und Käse Koch- und Backbutter Pfund 1.10 Tischbutter..... Pfund 1.15, 1.20 Faustkäse 3 Stck. 20, Romatour Stck. 28 Pf. Briekäse Pfund 52 Pf. Limburger Pfund 60, Tilsiter 58 Pt. Schweizer Käse Pfund 85, Edamer.. 78 Pr. Emmenthaler Käse . Pfund 1.10 Harzer Käse Kiste. 1.65, 3 Stück Camembert 2 Stück 35 Pf. Vollfetter Tafelkäse.. 3 Stück 35 Pf. Schlesisch. Stangenkäse 3 Stck, 25 Pf. Bratenschmalz Pfund 55 P Türkisch. Pflaumenmus Pfund 22 Pf. oder 10 Pf. 5 Frischer Spargel • Glas 48 Pf. Pfund- Dose 20 Pf. Marmelade verschiedene FruchtBratheringe sorten Bismarckheringe Forellenheringe. Delikatessheringe%, D. 78, Hummer Appetit Sild... Oelsardinen ... . Topf 28 Pf. Dose 40 Pf. Dose 40 Pf. Dose 48 Pf. D. 48 Pf. Dose 2.35 Dose 38 Pf. Dose 38, 48, 63 Pf. soweit vorhanden Fleischwaren Rollschinken ca. 6-11 Pfd.... Prd. 1.25 Landschinken ca. 10-12 Pfd... Pid. 1.15 Mausschinken ca. 2-3 Pfd... Pfd. 1.15 Schinkenspeck 14 Pid... Pfd. 95 Pl. Zervelat- u. Salamiwurst. Pfd. 1.15 * Teewurst in Stücken von Pfd. 1.10 Kasseler Rippespeer Geflügel ... Frische Puten... Pfd. 88 Pf. und 1.20 Pfd. 95 Pf. und 1.10 Junge Gänse Enten gefroren Stück 2.50, 2.75, 2.90 Brathühner... Stück 1.50 bis 2.40 Suppenhühner Stück 1.75 bis 2.90 Möven- Eier Stück 15 Pf. .. Artikel sind von der Zusendung ausgeschlossen. Bauernmettwurst mit Knoblauch * Pasteten- Leberwurst * Feine Leberwurst.... * Landleberwurst Jagdwurst.. Rotwurst .... Pfund Pfd. Pra. 1.00 Pfd. 1.00 Pfd, 95 Pf. Pfd. 80 Pt. Pid. 90 PE Pfd. 45, 70 Pl. Pfund 85 Pf. bis 1.00 Räucherwaren 10 ca. Kiste ca. Sprottbücklinge..... Pfund 35 PT. Sprotten Pid. 50, Bücklinge 4st. 10 Pt. Schlei- Bücklinge Stück 25, 20 Stück 58 Pf. Aale Pfund 1.00, Bund 40 PL. Seehasen Stck. 20 Pf. Seelachs Pid. 28 PL Lachs in Stücken Pfund 65, 75 PL Wilde Kaninchen S. 85 P. 1.00 Matjes- Heringe Stück 5. 10Pf. Pf., Nur Leipziger und Rosenthaler Strasse Frisches 95 Pf. Schmorfleisch...... Pfd. Rinderfilet 1.10, schalt ausge- 1.40 bis 1.60 Roastbeef Pld. 1.00, 1.40 Kamm und Brust..... Pid. ohne Knochen 75 P Pf. Obst und Gemüse Gulasch P. 70, Gehacktes 60 PL. Valencia- Apfelsinen Dutzend 58 Pf. • Zitronen .. Dtz. 20, 25, 30 Pf. Meraner Calvillen.. Pfund 58 Pf. Datteln.... Pfund 50 Pf., Karton 30 Pf. Feigen. Kistehen 18, 26 Pl. Aepfel Pfund 15 Pf. Frische Gurken.... Stück 25, 30 Pl. Salat 3 Köpfe 25, Radieschen 3Bd. 10 Pf. Sellerieknollen ...... 2 Stück 10 Pf. Frischer Waldmeister. 4 Bund 10 Pr Frischer Spinat Rhabarber... Pfd. Pökelzunge..... 1.35 Frischer Schinken 65, geteilt 70 Pf. 1.30 Schweinefilet....... Pfund Pfund 1.30 Kamm u. Schuft..... Pfund 85 Pf. Fleisch Schweine- Kotelette... Pfund 1.00 Liesen 55, Rückenfett 50, Pl.2.40 Eisbein( Dickbeinnd 55 Pf., 6 Pfund 3.00 Pfund teilt 85 Pl. Kalbskeule und Nierenbraten Pfd. 1.10, 1.20 Kalbskamm u. Bug 80, Kalbsbrust. Pfund 90 Pf., Spitze Hammelkeule u. Rücken geteilt ge1.00 Pfund 85, Seilt 95 PL Dicke Rippe Rippe..... Dünnung...... Lebende Hechte Pfund Pfund Pfund 75#t. 55 PL 65 Pf., 1.10 Lebende Aale 86 1.10 Fische Schollen.... Pfund 10,20 PL. 3 Plund 20 Pi! 3 Bund 10 Pt. Kabeljau Seelachs Schellfische in ganzen Fischen . Pfund 10 Pf. in ganzen Fischen Pfund 11 Pf. . Plund 8 bis 18 Pf. Rotzungen. 15 Pf. Französ. Blumenkohl Kopf 25, 30 Pt. stark und mittelstark.. Pfund 48 Pf. Ständiger Verkauf, Leipziger Strasse: Heilbutt Pfund Pfund 35, Tafellachs 38 Pt. 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Der Vorstand. Berliner J�acbrichten. Krach der Lichtenberger Bereinsbank. Die in Lichtenberg in der Gürtelstratze 41 befindliche Lichten- berger Vereinsbank ist am gestrigen Tonnerstag vormittag durch die etwa 70 000 M. betragenden Unterschlagungen ihres Vorsitzenden und Aufsichtsrates A. Horstmann, Lichtenberg, Gürtelstraße 40 wohnhaft, in Konkurs geraten. Wir erhalten über den Zusammen- bruch folgende Mitteilungen: Die Lichtenberger Vereinsbank war im Jahre 1907 als Ver- kaufsgenossenschast der Berliner Tischlermeister und Pianoforte- fabrikanten mit dem Sitz in Lichtenberg gegründet worden. Die Bank, die mit einem lächerlich kleinen Kapital, kaum einigen Hundert Mark, ins Leben gerufen wurde, galt von vornherein als unhaltbar. Nach einigen Monaten schloß denn die Verkaufsgenossen- schaft auch ihre Pforten, um kurz darauf als Lichtenberger Vereins- bank neu zu erstehen. Um nun Kapitalien für �as neue Unter- nehmen aufzubringen, kam Horstmann, der Vorstand und Aufsichts- rat in einer Person war, auf folgenden Gedanken. Für sein ziem- lich gutgehendes Essenzengeschäft und für seine Leimfabrik engagierte er nacheinander mehrere Reisende und Rechercheure. Seine Angestellten mußten zwei- bis fünftausend Mark Kautionen einlegen, erhielten dafür jedoch die Zusicherung von Horstmann, daß jte allein für die Fabrik beschäftigt würden und daß ihnen alle Auf- �räge und Provisionen zuflössen. Durch außerordentlich geschickte Manöver verstand es nun Horstmann, nach und nach etwa 15 der- artige Reisende zu engagieren und so ein ganz ansehnliches Sümm- chen zusammenzubringen. Die erhaltenen Kapitalien verwendete er zum Teil für die Vereinsbank, die gegen Wechsel und Bürg- schaften an Lichtenberger Kleinkaufleute und Handwerker Summen bis zu 1000 M. auslieh. Der größte Teil des Geldes aber wanderte in die Taschen des Herrn Direktors, der ein flotter Lebemann und eifriger Rennbahnbesucher war. Falls nun seine Angestellten die Kautionen von ihm zurückforderten, verwies er sie auf ihren Kon- trakt, in welchem vermerkt war, daß die Rückzahlung der Kautionen nur auf beiderseitiges Einverständnis oder mit Einwilligung des Aufsichtsrates und Vorstandes möglich sei. Da Horstmann nun aber in einer Person beide Posten bekleidete, konnten die Angestellten Nicht zu ihrem Gelde kommen. Um am 1. eines jeden Monats die fälligen Gehälter für seine Reisenden zahlen zu können, hatte Horstmann drei Zahltage vorgesehen, damit die Geprellten sich nicht gegenseitig kennenlernen könnten. Schließlich wußte er keinen Aus- weg mehr. Er wandte sich an seine in Lichtenberg wohnende Mutter, die vor einiger Zeit für ihren Sohn Generalbürgschaft übernommen hatte und versuchte, von dieser ein größeres Betriebskapital zu er- halten. Als ihm das jedoch mißlang, beranlaßte er seinen in Tempelhof wohnenden Kassierer, der gestern vormittag verhört worden ist, alle Immobilien flüssig zu machen. Am vorgestrigen Nachmittag fanden sich nun auf dem Bureau der Bank die geschä- digten Angestellten zusammen, und durch ein Gespräch kam es dann heraus, daß Horstmann sie sämtlich geprellt hatte. Die aufs äußerste gereizten Herren begaben sich nach der Wohnung des H.. erfuhren dort jedoch, daß der Herr Direktor verreist und seinen Aufenthalt nicht angegeben habe. Daraufhin erstatteten sie bei der Lichten- berger Kriminalpolizei Anzeige. Am gestrigen Vormittag lief ein Brief von Horstmann ein, in dem er seine Verfehlungen sämtlich eingesteht, jedoch in ddm Schreiben die Hoffnung ausspricht, daß seine Verwandten wohl seine Schulden decken werden und daß er selbst durch Abzahlungen seine Schuld späterhin gutmachen wolle. Horstmann war früher in Lichtenberg Stadtverordneter und beklei- dete längere Zeit das Amt eines Kirchenältesten. Im städtischen Familicnobdach befanden sich am 1. Mai 143 Per- sonen, und zwar 20 Familien mit zusammen 48 Köpfen(darunter 21 Kinder und 10 Säuglinge) und 93 Einzelpersonen. Der Gesamt- bestand betrug am 1. April 63 Personen mehr. Das nächtliche Obdach wurde während des April von 92 693 Männern und 541 Frauen besucht. Der Tag des geringsten Besuches war der 24. April mit 2362 Personen, der des stärksten Besuches der 15. April mit 8731 Personen. Gebadet haben in den Brausebädern täglich durch- schnitllich 735 Personen. Wannenbäder wurden während des ganzen Monats an 695 Männer und 422 Frauen verabreicht. Berliner«W-Berein für Obdachlose. Im Monat April nach- tigten im Männerasyl 14 634 Personen, wovon 7210 badeten, im Frauenasyl 4135 Personen, wovon 1299 badeten. Arbeitsnachweis wird erbeten: für Manner: Wiesenstraße 55/59, für Frauen: Col- berger Straße 30. Wegen Haltens einer nichtkonzesstonierten Privatkrankenanstalt in Hohen-Schonhau,en war der praktische Arzt Dr. Goldberg vom Landgericht III in Berlin zu einer Geldstrafe auf Grund der Ge- Werbeordnung verurteilt� worden. Der Tatbestand war kurz fol- gender: Dr. G. hat an seinen Patienten öfter Operationen vorzu- nehmen. Es kommt dann mal vor, daß die Operierten wegen ihres Zustandes entweder einen halben oder ganzen Tag oder gclcgcnt- lich auch mal mehrere Tage in seiner Wohnung bleiben müssen. Dafür nimmt der Arzt keine Bezahlung. Einzelne Patienten aßen dann unentgeltlich von seinem-risch. Das Gericht ging nun davon aus, daß bei dieser Sachlage doch gewisse Vorkehrungen für das Verbleiben der Patienten getroffen worden seien. Es sei ein Feld- bett dagewesen und ein Wandschirm. Nötigenfalls hätten zwei Patienten gleichzeitig untergebracht werden können. Das für den Tatbestand des Haltens einer Privatkrankenanstalt erforderliche Moment der Gewerbsmäßigkeit sei darin zu sehen, daß der Angc- klagte aus seiner ch i r u r g i s che n Tätigkeit eine dauernde Einrichtung machte und daß er sie nur ausüben konnte, wenn er mit der gelegentlichen Unterbringung der Kranken in seiner Woh- nung rechnete. Allerdings habe die Anstalt einen unmittelbaren Gewinn nicht gebracht. Aber mittelbar habe sie Gewinn gebracht, indem sie ihm seine Einnahmen aus den chirurgischen Eingriffen ermöglichte. Das genüge, auch die Unterbringung der Patienten als gewerbsmäßig erscheinen zu lassen. Das Kammcrgericht gab aber der vom Angeklagten gegen dieses Urteil eingelegten Revision statt und sprach den Angeklagten frei. Der Begriff des gewerbsmäßigen Haltens einer Privat- Krani.-nanstalt sei verkannt. Da der Arzt aus der Unterbringung lener Patienten keinen unmittelbaren Gewinn gezogen habe, so könne die Gewerbsmäßigkeit nicht angenommen werden und Angeklagter sei freizusprechen. Von der städtischen Straßenbahn. In der letzten Sitzung des städtischen Verkehrsausschusses wurde bekannt gegeben, daß die beiden städtischen Straßenbahnlinien vom Stettiner Bahnhof und vom Vircbowkrankenhause ab bis zum Görlitzer Bahnhof mit je 10 Minuten Zugfolge betrieben werden. Ferner wurde mitgeteilt, daß den vielfach geäußerten Wünschen der Bevölkerung entsprechend eine Verdichtung des Verkehrs durch Einsetzwagen mehr als bisher vorgenommen werden wird, sobald die vor einiger Zeit in Auftrag gegebenen neuen Wagen in Betrieb genommen werden können. Für diesen Zweck ist u. a. der Einbau von Weichenanlagen in der Strelitzer Straße und am Görlitzer Ufer beabsichtigt, um durch Ein- richtung einer Einsetzlinie zwischen der Strelitzer Straße und dem Görlitzer Ufer dem lebhasten Ausflugsverkehr nach Treptow zu be- gegnen._ Im 4. Landtagswahlbezirk sind für Montag, den 8. Mai, engere bezw. Neuwahlen von Wahlmännern festgesetzt. A) Engere Wahlen finden statt: Im 201. Urwahlbezirk der II. Abteilung zwischen dem Brauereibesitzer Wolf, Zossener Str. 30, und dem Hutmacher Keller. Zossener Str. 22; im 217. Urwahlbezirk der II. Abteilung zwischen dem Tapezierer Berner und dem Schneider Friedrich. L) Neuwahlen finden in folgenden UrWahlbezirken und Abteilungen statt: I» 200. Urwahlbezirk der I. Abteilung für 1 Wahlmann, „ 218.„ n II.»„1 II 240. 257. I. II. Bier Arbeiter in einer Kiesgrube verschüttet. Eine folgen- schwere Katastrophe, wobei ein Arbeiter den Tod fand und ein zweiter schwer verletzt wurde, hat sich in den Kiesgruben von Starcke u. Piper in Woltersdorf ereignet. In den Gruben an der Linden- straße waren einige Arbeiter mit dem Abbauen von Kies beschäftigt, als plötzlich eine mächtige Seitenwand einstürzte. Vier Arbeiter wurden unter den Kiesmassen verschüttet und vollständig begraben. Arbeitskollegen, die den Vorgang mit angesehen hatten, eilten sofort hinzu und machten sich an die Rettung der Verurglückten. Es ge- lang auch, alle vier ans Tageslicht zu befördern. Ein hinzu- gerufener Arzt stellte Wiederbelebungsversuche an, die auch bei drei Arbeitern Erfolg haben sollten. Dagegen waren bei dem vierten Verunglückten, dem 40 Jahre alten Eigentümer Albert Heinrich vom Steg alle Bemühungen vergeblich. H. war bereits tot; er hatte den Erstickungstod gefunden. Der Arbeiter Albert Piper hat bei dem Unglück schwere innere und äußere Verletzungen erlitten. Er mußte nach dem Kreiskrankenhaus gebracht werden, wo er in sehr bedenklichem Zustand daniederliegt. Die Leiche des H. wurde von der Behörde beschlagnahmt und die Arbeiten in der Grube einst- weilen eingestellt. Bor die Lokomotive geworfen und zermalmt. Auf schreckliche Weise hat sich der Kaufmann Gerhard Ramschüssel aus der Turm- straße ums Leben gebracht. R. warf sich in der Nähe der Station Borsdorf vor die Lokomotive eines von Berlin einfahrenden Vor- ortzuges. Er wurde unter die Maschine gestoßen, und der Kopf wurde dem Unglücklichen buchstäblich vom Rumpf getrennt. Die Leichenteile mußten, nachdem der Zug zum Stehen gebracht worden war, aus den Speichen des Maschinenrades entfernt werden. Bei der Leiche fand man einen Abschiedsbrief vor, in dem R. schreibt, er befürchte, hart bestraft zu werden. Ferner fand man ein Spar- kassenbuch, auf das 59 M. abgehoben waren, in der Tasche des Rockes. Auch ein Schreiben, das an den Vorsitzenden des Sportklubs „Lessing" gerichtet war, wurde entdeckt. Aus diesem scheint hervor- zugehen, daß R. aus Furcht vor Bestrafung den Tod gesucht hat. Ein Gerüsteinsturz, wobei zwei Arbeiter verschüttet und verletzt wurden, ereignete sich gestern nachmittag 4 Uhr im Hofe der Reichs- druckcrei. Dort wird gegenwärtig ein Gebäude aufgeführt, das bis zur ersten Etage gediehen ist. Aus bisher noch unbekannter Ursache brach nun gestern das Gerüst des Baues zusammen und verschüttete zwei der auf dem Bau beschäftigten Arbeiter. Während es dem einen Verschütteten gelang, sich selbst unter den Trümmern hervor« zuarbeiten, mußte der andere von der Feuerwehr hervorgeholt werden. Beide hatten erhebliche Verletzungen davongetragen, sie wurden von der Feuerwehr weggebracht. Nicht abspringen während der Fahrt! Die Unsitte, Straßen- bahnwagen während der Fahrt zu verlassen oder zu besteigen, hat wiederum zu zwei schweren Unglücksfällen geführt. Am Mittwoch abends gegen 8 Uhr, hatte ein Fräulein Meta Meyer, Kaiserstraße Nr. 25 wohnhaft, einen Straßenbahnzug der Linie 69 zur Fahrt nach Hause benutzt und stand auf dem Vorderperron des Anhänge- Wagens. Als an der Lichtleitung des Waggons Kurzschluß entstand, wollte Fräulein M. nach dem Motorwagen umsteigen. Sie sprang in der Potsdamer Straße während der Fahrt vom Anhänger ab, kam aber dabei zu Fall und schlug so heftig auf das Straßen- Pflaster auf, daß sie einen Schädelbruch und eine Gehirnerschütte- rung erlitt. In hoffnungslosem Zustande wurde die Verunglückte nach dem Krankenhause Moabit übergeführt.— Ein ähnlicher Unfall trug sich gestern früh gegen W Uhr in der Brunnenstraße zu. Vor dem Hause Nr. 87 versuchte der 35jährige Tischler Otto Maß aus der Rügcner Straße 11 den Hinterperron eines Straßenbahn- Wagens der Linie 38 während der Fahrt zu besteigen. Er glitt ab und fiel so unglücklich, daß er unter den Vorderperron des An- hängcwagens geriet. M. erlitt eine schwere Gehirnerschütterung, außerdem wurde ihm der rechte Arm völlig zerquetscht. Auf der Unfallstation in der Badstraße erhielt der Verunglückte Notverbände und wurde von dort nach dem Rudolf-Virchow-Krankenhaus über- geführt, wo er in bedenklichem Zustande daniederliegt. Das Opfer einer Rauchvergiftung ist vorgestern der 75 Jahre alte Droschkenkutscher Franz Wetz aus der Katzlerstraße Nr. 2 ge- worden. Der alte Mann, der nur nachts fuhr, pflegte sich sein Mittagessen selbst zu bereiten, während feine Tochter, die bei ihm wohnt, außerhalb des Hauses zu tun hatte. Nachdem er auch vor- gestern nachmittag in seinem Kochofen wieder Feuer gemacht hatte. rauchte es unter der Einwirkung der plötzlichen Wärmesteigerung und de» Sonnenscheines in seiner Behausung sehr stark. Haus- genossen merkten das wobl, achteten aber nicht weiter darauf. Als abends gegen 9 Uhr Fräulein Wetz nach Hause kam, wurde ihr weder geöffnet, noch geantwortet. Nichts Gutes ahnend, ließ sie die verschlossene Tür öffnen und fand jetzt ihren alten Vater in der mit Rauch angefüllten Küche regungslos auf dem Fußboden liegend. Ein Arzt, der gleich geholt wurde, konnte nur noch feststellen, daß W. tot war. Die Todesursache konnte er zwar mit Bestimmtheit nicht angeben, für wahrscheinlich aber hielt er eine Rauchvergiftung. Ein schwerer Straßcnunfall ereignete sich vorgestern in der Koloniestraße. Gegen 5 Uhr nachmittags passierte der 33jährige Arheiter Franz Korum aztt einem Zweirade diesen Straßcnzug. indem er unmittelbar Hilter einem mit Blechplattcn beladencn Wagen herfuhr. Plötzlich hielt das Fuhrwerk an und K. wurde von einem ihm folgenden Radfahrer angefahren. Er stürzte von seiner Maschine, die in Trümmer ging, und fiel gegen die über den Wagen hinausragenden Blechplatten. K. erlitt eine zwanzig Zentimeter lange Schnittwunde am rechten Oberschenkel, die bis auf den Knochen reichte unp durch die hie Sehnen glatt durchttennt wurden. Der Schwerverletzte erhielt auf der Unfallstation in der Badstraße einen Notverband und mußte von dort nach dem Rudols-Virchow- Krankenhaus übergeführt werden. Die Direktion des Gebrüder Herrnfeld-Theaters ersucht uns mitzuteilen: Seit einigen Tagen wird bekannt gegeben, daß das Grundstück Kommandantenstraße 57, auf welchem sich das Gebrüder Herrnfeld-Theater befindet, zum Verkaufe steht, ebenso ist bereits amtlich angezeigt worden, daß am 19. Juni d. I. die Zwangsver- steigerung dieses Grundstückes stattfinden soll. Um irrtümlichen Auffassungen entgegenzutreten, sei mitgeteilt, daß die Direktion des Theaters weder prozessual noch vermögensrechtlich mit dem Verkaufe oder der Subhastation des Grundstücks irgend etwas zu tun hat, da sie lediglich Pächterin des dort befindlichen Theatcrgebäudes ist. Aufgefundene KindeSleiche. Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 2. d. Mts., gegen 5 Uhr vormittags, wurde an der Ecke der Prinzen- und Dresdener Straße die Leiche eines neugeborenen Kindes männlichen Geschlechts aufgefunden. Die Leiche war in mehrere Bogen des„Vorwärts" und der„Berliner Allgemeinen Zeitung' vom 28. April 1911 eingewickelt und mit starkem Bindfaden verschnürt. Der Tod ist anscheinend durch Ersticken eingetreten.— Personen, die über die Mutter des Kindes Angaben machen können, wollen sich im Polizeipräsidium(Zimmer 330) melden oder zu 2063 IV. 55. 11 schriftlich Mitteilung machen. Verloren gegangen auf dem Wege von Liebenwalder Str. 44 nach dem Gewerkschaftshaus sind die Verbandskatte, Streikkarte, Krankenkasienbuch und Jnvalidenkarte, auf den Namen Anna Pätzold lautend. Gegen Rückvergütung des event. Fahrgeldes resp. Portos abzugeben im Bureau des Fabrikarbeiterverbandes, Engelufer 15. Vorort- 1>sacl)ricdten. Schöneberg. Ein entsetzlicher Unglücksfall spielte sich am Mittwochabend gegen 7 Uhr vor den Augen zahlreicher Pqssanten in der Ebersstraße in Schöneberg ab. Zur genannten Zeit wollten die 6 und 2 Jahre alten Töchter des in der Ebersstr. 35 wohnenden Schmiedemeislers Robert Albinus vor dem Hause Nr. 65 der genannten Straße den Fahrdamm überschreiten, als ein Fuhrwerk der Firma Müseler, Neuenburger- straße 24 herannahte. Die Kinder versuchten noch kurz vor dem Fuhrwerk den jenseitigen Bürgersteig zu erreichen, hatten jedoch die Entfernung unterschätzt und gerieten gegen das Gespann. Während es dein älteren Mädchen noch im letzten Augenblick gelang, zur Seite zu springen, wurde die kleinere Erna umgerissen und ge- riet unter den Wagen, dessen Räder über sie hinweggingen. In be- siijnungslosem Zustande wurde das verunglückte Kind von Augen- zeugen des Unfalles zu einem in der Nähe wohnenden Arzt ge- bracht, der eine Zertrümmerung des Brustkastens feststellte und nach Anlegung eines Notverbandes nach dem Schöneberger Krankenhaus übergeführt, wo daS bedauernswerte Mädchen unmittelbar nach der Einlieferung verstarb. Die Schuldfrage bedarf noch der Auf- tlärung. Treptow-Banmschulenweg. Aus der Gemeindevertretung. Bürgermeister Schablow Verla? zunächst ein Schreiben des Landrats, in dem dieser mitteilt, daß er die Zahl der Exekutivbeamten in Treptow für ausreichend hält. Die Anstellung eines Polizeikominissars wird vom Landrat empfohlen. In den Petitionsausschuß wurde Genosse H a r t m a n n gewählt. Im verflossenen Jahre hat der Petitionsausschuß nicht eine Sitzung ab- gehalten. Der unbebaute Teil des Gemeindegrundstücks Baumschulen« straße 79/83 soll zum Teil an Herrn Pfarrer Ahlenstiel, welcher den Platz zum Spielen für Kinder seiner Parochie benützen will, ver- pachtet werden. Den anderen Teil des GrnndstückS will Herr Gastwirt Speer pachten und denselben als Sportplatz für seine Gäste verwenden. Genosse Müller hielt den Preis, 7'/z Pf. pro Ouadrat- rute, für viel zu gering. Beschlossen wurde, mit Herrn Speer noch einmal in Verhandlung zu treten. Des weiteren wurde be- schlössen, den Gemeindevorstand zu bevollmächtigen, unter Hinzu« ziehung eines sachverständigen Mitgliedes der Gemeinde- Vertretung Verpachtungen bis zum Preise von 300 Mark aus die Dauer von 3 Jahren abzuschließen. Für die Feier des lOOjährigen Bestehens des Turnplatzes in der Hasenheide bewilligte die Gemeindevertretung einen Beitrag von 175 M. Der Genwinde- vorstand enipfahl die anbaufähige Herstellung der Klingerstraße von der Straße am Treptower Park bis zur Leiblstraße und der Leibi- straße von der Klingerstraße bis zur Ludwig-Richter-Straße. Die Straßen sollen eine Breite von 25 Meter erhalten, davon entfallen 7,50 Meter auf den Fahrdamm, je 3 Meter auf die Bürgersteige und je 6 Meter auf die Vorgärten. Der Gemcindevorstand will die Bauerlaubnis in diesen Straßen davon abhängig gemacht haben, daß die Eigentümer resp. Bauherrn sich durch eine Eintragung inS Grundbuch verpflichten, Einzimmerwohnungen nicht zu errichten. Hiergegen wandte sich Genosse Hartmann. Er warf die Frage auf. warum man es den Arbeitern, denen doch frische Luft nach schwerem Tagewerk in staubigen, schlechtgelüsteten Arbeits- räumen ganz besonders not tue, unmöglich machen«volle, eine gute, in frischer Luft gelege-»- Wohnung zu besitzen.' Die Ver- tretung stimmte jedoch dem Vorlchlage des Gemeindevorstandes zu. Die Kosten für die Verbreiterung und Befestigung der Straße Alt- Treptow betragen 85 547,85 M. Davon trägt die Gesellschaft für den Bau von Untergrundbahnen 55 282,86 M.. von dem Rest soll die Gemeinde 20 Proz. und die Anlieger 80 Proz. tragen. Genosse Hartmann schlug vor, daß die Gemeinde 10 Proz. und die Anlieger 90 Pro�. tragen sollen. Begründet wurde der Vorschlag damit, daß die Anlieger gerade dieser Straße von der Durchführung einer Straßenbahn großen Nutzen hätten. Der Antrag wurde abgelehnt. In der Baumschulenstraße sollen die Anlieger auch nur 75 Proz. tragen, weil sie vor Jahren schon einmal fteiwillig einen Beittag zu den Pflasterkosten geleistet haben. Gemeindeverordneter Kröbel stellte mit Unterstützung unserer Genossen den Antrag, eine Kommission einzusetzen, welche um einen Kopf stärker sei als der Gemeindevorstand. Die Kommission soll mit dem Gemeindevorstand zusammen ein Programm ausstellen, welches bei den Verhandlungen mit Berlin über die zur Entwickelung Treptows nötigen Bahnhofs« anlagen und einige andere die' Entwickelung Treptows fördernde Dinge als Unterlage dient. Der Antrag wurde angenommen. Der Kommission, bestehend ans sieben Mitgliedern, gehören auch unser Genosse Carow und Herr Kröbel an. Herr Kröbel fragt an, ob es zulässig sei, aus einer nichtöffentlichen Sitzung an interessierte Kreise zu berichten. Die Gemeindeverordneten Klapp und Neumann hätten den Lehrern über ihre Stellungnahme bei Be- ratung und Beschlußfassung Über die Lehrergehälter, welche in nicht- öffentlicher Sitzung stattfand, noch am selben Abend Mitteilung und zivar zum Teil unwahre Mitteilung gemacht. Bürgermeister Schablow erklärte ein derartiges Verhalten für unzulässig. Die Herren Klapp und Neumann gehörten zu der Mehrheit, welche gegen den Widerspruch unserer Genossen und des Herrn Kröbel beschlossen hatte, die Beratung der Lehrergehälter in nichtöffentlicher Sitzung vorzunehmen. Rixdorf. O* c??®dtt"-�gefunden wurde vorgestern abend die 23 Jahre alte Frau Margarete des Kaufmanns Bleuel zu Rixdorf. Em Arzt stellte Vergistungscrschcinungen fest, konnte aber' die Todesuriache nicht bestimmt angeben. Die Leiche wurde deshalb zur gerichtsarztlichen Untersuchung beschlagnahnit AuS der Magistratssitzung. Von einer Verlegung des Früh- Marktes aus der Schmkestraße und vom Maybachufer nach einem anderen Gebie.steUe wrrd Abstand genommen. Der Magistrat be« schließt, daß a) der Frühmarkt im Sommer um 17 Uhr, im Winter] Wie die Einwohnerschaft aus den hier furz wiedergegebenen Ober- Schöneweide: jeden Freitag/, 9 Uhr bei Rodenbusch, Wilhelminenhof um 8 Uhr enden, b) der Vormittagsmarkt im Sommer um 8 Uhr. Verhandlungen ersehen wird, tut die Wahl sozialdemokratischer Ber- Ropenid: jeden Donnerstag 19 Uhr bei Bewart, Rubower Str. 28. straße 64, Ede Rathenaustraße. im Winter um 9 Uhr anfangen soll.-Der Magistrat ist treter für die Gemeindevertretung dringend not. damit einverstanden, daß die endgültige Entscheidung über abzuschließende Mietsverträge über städtische Grundstüde bis Niederlehme. zur Höhe von 1500 W. fünftighin der Grundeigentums- Die Tätigkeit der Sozialdemokratie im Reichstage", diefes deputation zustehen foll. Dem Bertrage mit der Thema behandelte Reichstagsabgeordneter Genosse Frizz Bu beil preußischen Eisenbahnverwaltung betreffend die Herstellung in einer gut besuchten öffentlichen Verfammlung, die am Sonntag eines Personenbahnhofes an der Kaiser- Friedrich- Straße wird zu- im Gearischen Lotal tagte. Jn. Klarer Weise beleuchtete Zubeil in gestimmt. Der Ausarbeitung eines Projeftes für den Er- feinem Referat die Stellung der sozialdemokratischen Fraktion zu weiterungsbau des Krankenhauses( II. Bauteils) auf der Grundlage| den wichtigen Gesetzesvorlagen, zu gleicher Zeit das Verhalten der des Beschlusses der Krankenhausdeputation wird zugestimmt. Der Bürgerlichen hierzu richtig fennzeichnend. Bei den nächsten ReichsMagistrat beschließt, für Bedienstete des Krankenhauses, die der tagswahlen müsse das arbeitende Volt flar zum Ausdruck bringen, Betriebskrankenkasse der Stadtgemeinde angehören und im Kranken- daß es nicht mehr länger gewillt ist, sich von den bürgerlichen haus zur Kur und Verpflegung angenommen werden müssen, den Parteien im Reichstag vertreten zu lassen. Sein mit großem Beifall Verpflegungssatz auf 2 M. herabzusetzen. aufgenommenes Referat flang aus in die Ermahnung, die kurze Zeit bis zur Wahl zur Stärtung unserer Drganisation auszunuzen, Bon einer Diskussion wurde Abstand genommen. In begeisterter Stimmung gingen die Versammelten auseinander. Weißensee. Bei der Maifeier ist in der Vereinsbrauerei ein Herrenschirm gefunden worden. Derselbe tann in der Vorwärtsspedition Siegfriedstraße 28/29 abgeholt werden. Charlottenburg. Bei der Maifeier im Boltshause ist eine echte Granatbrofche berloren gegangen. Der Finder wird gebeten, diese bei Strahl, Knobelsdorffir. 60, abzugeben. Köpenid. Die Stadtverordneten berieten in der letzten Sigung den nach Langjährigen Verhandlungen endlich zustande gekommenen Vertrag über eine Straßenbahnverbindung zwischen Adlershof und Köpenid. Verschiedene Bedenken gegen einzelne Bestimmungen des Vertrages wurden im Interesse des endlichen Bustandekommens desselben zurück gestellt und der Bertrag im ganzen genehmigt. Die Vertragsbauer ist 50 Jahre. Der Tarif, zu welchem auch von der Gemeinde Adlers hof noch Abänderungen vorgeschlagen waren, wurde nochmals an die Straßenbahnkommission zur Vorberatung zurüdverwiesen. Arbeiter: Wanderverein„ Berlin". Sonntag, den 7. Mai: Wander fahrt I. Bernau, Liepnissee, Bernau. Abfahrt 6,40 Uhr. Stetttiner Vorortbahnhof. II. Grünau, Strampenburg, Scudinwall. Treffpunkt 7 Uhr, Görlizer Bahnhof. Arbeiter: Wanderbund„ Die Naturfreunde". Wanderfahrten am Sonntag, den 7. Mai: 1. Botsdam- Michendorf. Abfahrt Bahnhof Friedrichftraße, Sonnabend abend 12,14 Uhr. 2. Erkner- Löckniz. Abfahrt Schlesischen Bahnhof 6,23 Uhr vorm. 3. Grunewald. Treffpunkt Bahnhof Grunewald ( Baldhaus) 7 Uhr vorm. 4. Spandau- Tegel. Abfahrt Lehrter Fernbahnof 2.20 Uhr nam Touristenverein„ Die Naturfreunde". Ortsgruppe Berlin. Sonn tag, den 7. Mai: Wanderung von Hohen- Neuendorf, Briefetal. Lehnissee, Dranienburg. Abfahrt Stettiner Bahnhof 7,48. Gäste willkommen. Eingegangene Druckschriften. Von der Neuen Zeit" ist soeben das 31. Heft des 29. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Der Kongres Ein schwerer Unglücksfall hat sich am Mittwoch nachmittag in in Saint Quentin. Bon Ch. Rappoport( Paris).- Die Reichsversicherungs der Berliner Allee zugetragen. Dort fonnte ein Fuhrwerk nicht obnung in der Stommiſſion des Reichstags. Bon Guſtav Hoch( Hanau von der Stelle kommen, weil die ermatteten Pferde die zirka hun- politit, am Main).( Fortseßung.) Das Kulturwerk" der preußischen Polen Bon J. Karšti. Rongreß der Ungarländischen Sozialdemo bert Bentner betragende Last nicht zu bewältigen vermochten. fratischen Partei. Bon Eugen Barga. Literarische Rundschau: Dr. M. Notizen: Mehrere vorüberkommende Arbeiter leisteten bereitwilligst Silfe, Nachimson, Die elektrotechnische Umwälzung, Bon R. Boldt. Beit Brauereiarbeiter Scholz aus der Berliner Allee 73, der sich mit schriftenſchau. Bon G. B unter ihnen auch der bei der Firma Gabriel u. Nichter beschäftigte Die deutsche Burschenschaft und die Sozialdemokratie. Bon mg. aller Kraft gegen das rechte Vorderrad stemmte. Blöblich zogen die Pferde an und der Arbeiter stürzte so unglücklich zu Boden, daß er unter den Wagen geriet. Das linte Sinterrab ging ihm über ben rechten Oberarm hinweg, der vollkommen zerquetscht wurde. In besinnungslosem Zustande wurde der Verunglüdte nach dem Auguste- Bittoria- Krankenhause geschafft, wo fofort eine Amputation des verlegten Gliedes dicht an der Schulter vorgenommen werden mußte. Reinickendorf- Oft. halten am ersten Künstlerabend des Bildungsausschusses der Stuttgarter Kunst und Proletariat. Bon Klara Bettin. Vortrag, ge Arbeiterschaft. Diesen Titel trägt eine uns zugegangene 16 Seiten starte und schön ausgestattete Broschüre, die durch... Die Nachf., G. m. b..( Beitschriftenfonto) in Stuttgart zum Breife von 15 Bj. bezogen werden kann. Bestellungen vermitteln alle Barteigeschäfte. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Lindenstraße 69, born bier Treppen Fahrstuhl, wochentäglich von 4% bis 7 Uhr abends, Sonnabends Dem Antrage des Beamtenwohnungsvereins wegen Erteilung der Bauerlaubnis zur Errichtung fleiner billenartiger Häuser auf feinem an der Biesdorfer Straße belegenen Terrain wurde nach furzer Debatte zugestimmt. Der Antrag des Magistrats, zur JahnBei der Maifeier wurde ein Herrenschirm gefunden. Dieser ist von 4½ bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage feier in der Hasenheide 100 M. aus städtischen Mitteln beizusteuern, abzuholen bei Neumann, Residenzftr. 66, parterre. führte zu einer längeren Debatte. Genosse i ßler ersuchte, die Schildow( Kreis Niederbarnim). Königs- Wusterhausen. von PROT Für den Fall der Ablehnung können wir zu einer Klage nitratem. Gnabs, Kochhannstraße. Derartige Beftimmungen für Beteranen beihilfe find im Reichstage nicht zustande gekommen. ist ein Buchstabe und eine Zahl als Mertzeichen beizufügen, Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. R. S. 100. Bei den Zahlern muß angefragt werden. Läßt sich der Vorlage abzulehnen, da wir feine Veranlassung hätten, zu einer in Ueber die bevorstehenden Reichstagswahlen referierte am legten Eigentümer nicht ermitteln, so erlangen Sie nach Ablauf eines Jahres den erster Linie doch nur patriotischen Feier städtische Mittel herzugeben, Sonntag in einer öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel Eigentumsanspruch. Kühne, Alvenslebenstraße. Benden Sie sich an diese ließen sich sehr gut zu dringenderen Aufgaben verwenden. Des Genosse Dr. Moses- Berlin. Zu dieser Bersammlung waren auch Wichmannstraße 120. bas Bolizeirevler oder an den Gewerbeinspektor Gewerberat effe, weiteren müßte es die Sozialdemokratie ablehnen, für eine Re- zahlreiche Zuhörer aus Blankenfelde, Mühlenbeck, Nieder- Schön- von ab, in welcher Betriebsart die Beschäftigung stattfindet und wie hoch 2. M. 29. 1. Nein. 2. und 3. Das hängt da gierung, welche den Wünschen der arbeitenden Bevölkerung nur hausen usw. gekommen. Die Gendarmerie war in ungewöhnlicher die Bahl der Arbeitnehmer ist. G. K. R. 2. Die Erlangung der Hohn entgegenbringt, noch Geld aus den Taschen derselben Stärke zur Ueberwachung aus dem ganzen Umkreise zusammen- Erlaubnis unterliegt der Steuer, Beträgt das Anlage und Betriebskapital Stenerzahler zu hurrapatriotischen Festen zur Verfügung zu stellen. Die fachlichen Ausführungen unseres Genossen übten auf den Stadt gezogen, um, wie der Referent bemerkte, zu demonstrieren, daß der weniger als 3000 in. und hat der Betrieb einen Ertrag von weniger als verordneten Pfigner eine derartige Wirkung aus, daß derselbe wut- bie Maulförbe abgeschafft find. Nachdem eine Frau mit einem Säug 1500 m. bis ausschließlich 4000 M., fo find 250 M. zu zahlen. 2. 3.57. preußische Staatsbürger noch hinter den Hunden rangiert, für die 1500 m. jährlich, so find 150 M., beträgt das Anlage und Betriebsfapital 3000 M. und weniger als 30 000 m, mit einem jährlichen Ertrage bon entbrannt aufsprang und mit schreiender Stimme eine Krieger ling auf dem Arm den eingezäunten Versammlungsplatz auf Beranlassung 1. Auch für die Marschtage. 2. Die Ausübung des Bahlrechts ist zu vereinsrede für die Vorlage hielt, wie sie schlechter wohl noch der Polizei verlassen mußte und ein jugendlicher Radfahrer auf Herz lässig, dagegen aber nicht irgendwelche Tätigkeit( Berteilung von Stimm nirgends gehalten wurde, selbst seine bürgerlichen Kollegen fonnten und Nieren geprüft war, ob er schon das versammlungsfähige after getteln uiw.). K. S., Buchholzer Straße 4. 1. Nur dann, wenn fich eines mitleidigen Lächelns nicht erwehren. Von unseren Genossen von 18 Jahren erreicht hatte, fonnte der Referent mit seinen Aus der Sohn noch nicht 15 Jahre alt ist. 2. Das it medmäßig, wurde dem Herrn gehörig heimgeleuchtet. Die Vorlage wurde führungen beginnen. Andächtig lauschten die Einwohner des Drtes ben.. Stellen Sie den Antrag beim Magistratstommiffar, Am Kölnischen natürlich angenommen. Unser Redner erhielt außerdem noch einen weithinschallenden Worten des Redners, die in der Mahnung ausBart 8. St. 76. Sie haften bis zum 1. Dftober. A. R. 100. Ordnungsruf, weil er sich unparlamentarisch ausgedrückt haben sollte. flangen, in Zukunft besser ihre Rechte als Staatsbürger zu wahren 1. Ja, 2. Nach Bedarf, wenn nicht im Mietsvertrag ein bestimmter Beits Des weiteren wurden noch 500 m. zu Reparaturarbeiten für das wie bisher und bei den nächsten Wahlen sich nicht punkt festgelegt ist. B. 100. 1. Die länger als vier Jahre zurüdliegenden Armenhaus auf dem Amtsfelde bewilligt. Ansprüche sind verjährt. 2. Ja. Das Recht ist aber durch das Bürger den patriotischen Vereinen ins Schlepptau nehmen zu lassen. liche Gesebbuch beseitigt. S. 23. 20. Ja. Schulben. Sie In der Diskussion forderte Genosse Buchweiß zu gewissenhafter tönnen mit Aussicht auf Erfolg lagen. 3. M. M. Nein. Meidung der gesperrten Lokale in Schildow quf, deren Befizer uns 21, 8, 111. Nichten Sie ein Gesuch an den Magistrat. Der Ueberschreitung seiner Amtsbefugnisse wurde in der lebten hartnädig ihre Säle zu Versammlungen verweigern. Genoffe ihn Gemeindevertretersizung der Gemeindevorsteher vom Gemeindebertreter Dr. Deus bezichtigt. Nachdem eine Vorlage zum Bau schilderte die schlechten Lohn- und Arbeitsverhältnisse in der Schneide eines Wohnhauses für den Ingenieur Miersch und den Baffermeister mühle von Gottschalt, bem Drtsgewaltigen von Schilbow, und auf dem Waffergewinnungsgrundstück in Ermangelung der hierzu organisieren. Der Gesangverein 8ukunft Nieder- Schönhausen. forderte die Anwesenden auf, fich politisch und gewerkschaftlich zu erforderlichen Ausgaben zuidgeftelt worden war, meinte Dr. Deus, der nach hier einen Ausflug unternommen hatte, beschloß die Ber daß der Gemeindevorsteher ohne Wissen der Schäffen, der Finanz- fammlung mit einem begeisternden Kampfeslied. Hierauf ging es und Baukommission den auf 600 000 m. festgelegten Anschlag für in gefchloffenem Buge unter Borantritt des Gesangvereins durch den Basser und Kanalifation um 150 000-170 000 m. überschritten habe. Für einen Ort von 4500 Einwohnern sei das eine horrende Drt an den gesperrten Lokalen vorbei nach der nahen Mönchsmühle, Summe. Zu dem tomme, daß das Waffer gelb und fast ungenießbar wo Rast gemacht wurde. fei. Auch sei bis jetzt meder für die kanalisation, Regenwasserabfluß. Wasserleitung, noch für den Anbau der höheren Knabenschule ein Bauprojekt vorhanden, Ats Entschuldigung erklärte der von der Buch, dann zu Fuß nach Schönerlinde, Schildow, Glienicke, Hermsdorf, Schöneberg. Sonntag, den 7. Mai: Ausflug mit der Bahn nach Gemeinde angeftelte tönigl. Baumeister, daß es ihm unmöglich Batomannsluft, Tegel und Jungfernheide. Fahrgeld 50 Pf. Treffpunkt der Landesanstalt für Gewässertunde, mitgeteilt vom Berliner Betterbureaut gewesen sei, einen ordentlichen Anschlag vorzulegen, well sonst der morgens 7 Uhr Potsdamer Straße, Ede Bülowstraße. Lieberbücher mite Unbau der höheren Knabenfchule in einem Jahre nicht fertig würde. bringen. Der Ausschuß Bei dieser Gelegenheit wurde mitgeteilt, daß ein Bauunternehmer fich erboten habe, den Anbau der Schule für 90 000 m. fertigzustellen, während die Baukommission einem anderen Bauunternehmer 120 000 m. bewilligte. Gemeindevertreter Pa e del machte dem Gemeindevorsteher den Vorwurf, daß er die Gemeindevertreter und die Bürgerschaft im Dunkeln laffe, zu bewundern sei, daß sich die Gemeindevertreter eine folche Behandlung gefallen liegen. Das zu erbauenbe Amtsgericht auf dem von der Gemeinde aur Verfügung gestellten Grundstid im Werte pon 32 000 2. folt 1914 eröffnet werden. Ein Antrag des fozialdemokratischen Wahlvereins, ber die Gemeindevertretung ersucht, am Beginn der Sigungen teine geheimen Sigungen stattfinden zu lassen und auch die öffentliche Verhandlung nicht durch solche zu unterbrechen, wurde vom Gemeindevorsteher zur Kenntnis gebracht. Es foll in Zukunft den Antragstellern Rechnung getragen werden. " Jugendveranstaltungen. Berliner Arbeiter- Schachklub. Often I: jeden Donnerstag 4,9 Uhr bei Guht, Rüdersdorfer Str. 49. sütoit; jeden Freitag 19 Uhr, bei Nitschke. Reichenberger Straße 86. II: jeben Donnerstag 29 Uhr bei Boß, Weberite. 6. Süden: jeden Freitag 9 Uhr bei D. Herrmann, Sebaſtianſtr. 1. eften: jeden Freitag 19 Uhr bei Bayler, Karlsbad 17, Ede Flottwellste. Norden 1 jeden Freitag 9 Uhr bei Lachenich, Marstr. 13b. II: jeden Freitag 19 Uhr bei Fritsch, Drontheimer Str. 4. III: jeden Freitag 19 Uhr bei Baganz, Gaudystr. 3. IV: jeden Freitag 29 Uhr bei Karsowsty, Bernauer Str. 82. Borhagen: jeden Freitag 9 Uhr bei Weöz, Sonntagstr. 22. Sichtenberg jeden Freitag 9 Uhr bei Müncheberg, Gudrunftr. 9. Charlottenburg: jeden Sonnabend 9 Uhr bei Bernice, Bismarcftr. 38. Nirborf I: jeben Dienstag 19 Uhr bei Schmidt, Reuterstr. 23. II: jeden Donnerstag 19 lbr bei Weihe, Hermannstr. 160. UI: jeden Freitag 29 Uhr bei Rau, Wildenbruchstr. 56. Königlichen Polizeipräsidiums. Marttballenpreise.( Kleinhandel.) Marktpreise von Berlin am 3. Mai 1911. nach Ermittelung des 100 Silogramm Erbien, gelbe, zum Kochen 30,00-50,00. Speisebohnen, weiße 30,00-50,00. Linfen 20,00-60,00. Startoffeln 5,00-9,00, 1 stilo, gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60-2,40. Rubflelf, Bauchfleisch 1,20 bis 1,70. Schweinefleti 1,20 1,90. Kalbfleisch 1,50-9,40. Sammelfteffe 1.402,20, Butter 2,20-2,80. 60 Stud Gier 2,80-4.40, 1 kilogramm Karpfen 1,10-2,40. Male 130-3,00. Banber 1,40-3,60. echte 120 bis 2,80. Barfche 0,80-2,00. Schleie 1,20-3,40. Bleie 0,80-1,60. 60 Stüd Streble 2,50-30,00. Baffernand Memel, Tilfit Aroffen Frankfurt Wasserstands- Nachrichten 2 93+3 Rathenow) 146 Beeston Bejer, Mänden Minden am feit 3.5. 2.5. am feit cm cm) 252 +2 Balfernand Saale, Grochit 3.5. 9.5. emcm 08 Bregel, Infterburg Beigsel, born Ober, Ratibor -11 -2 Sabel, Spandau) 146 183 20 Spree, Spremberg') 80 151 122 174 33 55 44 Rhein, Maximiliansau 422 53 Kaub 218 63 Stoln 218 -54 Nedar, Heilbronn 73 192+6 Main, Bertheim Molel. Trier 145 Fall. Unterbegel Schwimm Landsberg 76 Meze, Bordamm Elbe, Leitmerit Dresben Barbn Magdeburg 154+3 )+ bebeutet Bus, g zum zum Frei- Konzert! Einladung Hierdurch erbitten wir von Ihnen die Erlaubnis, in Ihrer Wohnung ein Konzert veranstalten zu dürfen, wie Sie es wahrscheinlich noch nicht gehört haben. Die Beranstaltung erfolgt völlig unentgeltlich und in der Abficht, Sie zu einem Abonnement auf diefe Stonzerte zu veranlassen, falls das 5tägige Probe Freilonzert Ihnen und zuren Angehörigen Freude bereitet hat. Wir wollen Ihnen zu diefem Swede zunächst völlig unentgeltlich auf 5 Tage einen Spezial- Lugus Sprechapparat mit echter Baths- Schalldose und 20 ausgewählte Bathé Sinde auf 19 doppelseitig befpielten, 99 om großen Künstler Pathé Blatten zusenden. Apparat und Platten können Sie 5 Tage lang bieten laffen und probieren, fo eft und so viel Sie wollen. 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Start: Schönleinstraße 6. 3. Abt.: 7 Uhr: Grünheide( Fielik). 12 Uhr: Müggelheim( Stlein). Start: Laufizer Plat 12. 4. Abt.: 5 Uhr: Teupik( Tornows Idyll). 1 Uhr: Schmödwig( Noack). Start: Küftriner Blaz. 5. Abt.: 6 Uhr: Fürstenwalde. 1 Uhr: Heffenwinkel. Start: Elysium. 6. Abt.: 5%, Uhr: Teupis( Tornows Jdy). 12, Uhr: Müggelheim. Start: Oderberger Straße 28. 7. Abt.: 6 Uhr: Beelis( Heilstätte). 1 Uhr: Schlachtenfee( Wilhelmshof). Start: Kösliner Str. 8. 8. Abt.: 6 Uhr: Nauen( Rumple). 1 Uhr: Mter Fintenfrug. Start: Beuffelstr. 22. 9. Abt.: 1, Uhr: Tour wird am Start bekannt gegeben. Start: Schillingstraße 22. 10. Abt.: 7 Uhr: Treuenbrießen. 1 Uhr: Wannsee( Fürstenhof). Start: Weberstr. 6. Lichtenberg und Umgegend. Abteilung Lichtenberg und Jugendabteilung: 8 Uhr: Gülsdorfer Mühle. Start: Pfarrstraße 74. Abteilung Friedrichsfelde: 1 Uhr: Bichelswerder( Freund). Start: Ber liner Str. 98. Abteilung Borhagen u. Nummels. burg: 7 Uhr: Fangschleuse( Dampfschiff). Start: Grünberger Str. 5. 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