Nr. 106. nborniemcntS'ßedingungen: UkonncmentS- Preis pränumerando i «iertcljährl. ZL0 Mk., monaM 1,10 Ml. wöchentlich 28 Pfg. frei ms Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- »u.mmcr mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psq. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland s Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Kumänien, Schweden und die Schweiz. �8. Jahrs» Cridstlnt lösstld außer Montag,. Berliner Volksblntt. �entralorgan cker fo2ialclemokratifcken Partei Veutfcklanäs. die Tnfertlons'Gebflbr Behägt für die sechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und aewerlschastliche Vereins- Und Vcrsammlungs-Anzeigcn 30 Pfg. „Aleine Anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. 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Das tritt ganz besonders deutlich zutage bei zwei Vorlagen, die augenblicklich der Beschluß- fassung des Landtages unterliegen, bei der Vorlage über die Einführung des obligatorischen Fortbildungsschulunterrichts, und bei der über den Zweckverband für Groß-Berlin. Ueber das Fortbildungsschulgeseh ein andermal. Heute wollen wir uns lediglich mit dem Zweckverband Groß-Berlin beschäftigen. Die Notwendigkeit der Bildung von Zweckvcr- bänden ist von keiner Partei so scharf betont worden wie von der sozialdemokratischen. Speziell einem Zloeckverband für Groß-Berlin hat unser verstorbener Genosse Singer in der Berliner Stadwerordnetenversammlung zu wiederholten Malen das Wort geredet. Grundsätzlich vertrat Singer und mit ihm die sozialdemokratische Stadtverordnetenfraktionen von Groß-Berlin den Gedanken einer Eingemeindung großen Stils, die Bildung eines kommunalen Groß-Berlin, aber so lange das nicht zu erreichen ist, erklärte er sich, um wenigstens in etwas die unhaltbaren Zustände zu beseitigen, auch mit der Schaffung von ZweckverbLnden einverstanden. Leider hat die Berliner Stadwerordnetenversammlung am 21. April 11904 einem sozialdemokratischen Antrage auf Einleitung von Verhandlungen mit Vertretern der.Vorortgemeinden dar- über, ob und auf welche Weise eine gemeindliche Gesamtorgani- fation Berlins und der Vororte zu fördern und ein Ausgleich kommunaler Interessen zu schaffen sei, ihre Zustimmung ver- sagt und damit der Gesamtheit einen schlechten Dienst er- wiesen. Auch aus dem freiwilligen Verkehrsverbande, der schon vor einem Jahrzehnt von Singer angeregt war, ist dank der kleinlichen Kirchturmspolitik der Vertretungen einzelner Vorortgemeinden nichts geworden, das Projekt dürfte heute endgültig als gescheitert anzusehen sein. Mit unermüdlichem Eifer verfolgte die Sozialdemokratie von Groß-Berlin weiter den Zweckverbandsgedanken. Aus einer ihrer letzten Gemeindevertreterkonferenzen für Groß- Berlin und die Provinz Brandenburg gelangte eine Rcsolu- tion zur Annahme, in der es unter anderem heißt:„Solange die Zusammenlegung der Vororte mit Berlin durch die Landes- gesetzgebung nicht zu erreichen ist, haben die sozialdemokrati- scheu Gemeindevertreter von Groß-Berlin durch die Gesetz- gebung die Bildung von leistungsfähigen Zwangsverbänden anzustreben, denen die finanzielle Erfüllung der den Gemein- den gemeinsamen Aufgaben obliegt." Auch als in der vorigen Session des Landtags Anträge aus Vorlegung eines Gesetz- entwurfs betreffend die Bildung von Zweckverbänden zur Beratung standen, stimmte unsere Fraktion trotz mancher Bedenken im einzelnen der Grundtendenz der Anträge zu, ohne sich indes dadurch auf ihre Stellung gegenüber den zu erwartenden Vorlagen irgendwie festzulegen. Inzwischen sind nun die beiden Zweckverbandsgesetzent- würfe, das allgemeine Gesetz und das Spezialgesetz für Groß- Berlin, dem Landtage zugegangen und in der Kommission durchberaten worden 1 man kann wohl annehmen, daß sie im Plenum im ivesentlichen die Gestaltung erfahren, die sie nach den Kommissionsbeschlüssen bekommen haben, eine Gestaltung, die den Sozialdemokraten die Zustimmung unmöglich macht. Schon der allgemeine Zweckverbands- entwurf enthält eine Reihe so reaktionärer Bestimmungen � es sei nur erinnert an die Gestaltung des Wahlrechts, an die Einführung des Bcstätigungsrechts für die Verbandsvor- stehcr—, daß ein Sozialdemokrat, und mag er der begci- stertste Anhänger von Zweckverbänden sein, ihn ablehnen muß. Noch weit sckiwerer aber sind die Bedenken, die dem Zweck- Verbandsgesetz für Groß-Berlin entgegenstehen. Zunächst ist der KreisderAufgabe neinäußer st beschränk- t e r: er genügt in keiner Weise den Anforderungen der wirt- schaftlichen Entwickclung. Nach der Regierungsvorlage sollten dem Zweckverband lediglich folgende drei Aufgaben zufallen: 1. Regelung des Verhältnisses zu öffentlichen, aus Schienen betriebenen Transportanstalten. 2. Beteiligung an der Fest- stellung der Baufluchtenpläne für das Verbandsgebiet und gutachtliche Mitwirkung an dem Erlaß von Bauordnungen. 9. Erwerbung und Erhaltung größerer, von der Bebauung freizuhaltender Flächen(Wälder, Parks, Wiesen, Schmuck-, Spiel- und Sportplätze). Die Kommission hat ihm eine vierte Aufgabe überwiesen: die Erwerbung von Flächen für den Bau von Kleinwohnungen, eine Auf- gäbe, die auf den ersten Blick etwas Bestechendes hat, der aber in Wirklichkeit nur ein dekorativer Charakter beizumessen ist. Die Verbandsversammlung und der Verbandsausschuß sind, wie wir später sehen werden, so zusammengesetzt, daß in ihnen das.Haus- und Grundbesitzerelement überwiegt, und diese Herren, die erfahrungsgemäß in den Vertretungen der ein- zelnen Gemeinden die nackteste Klassenpolitik betreiben, die sich insbesondere jeder Maßnahme zur Linderung der Woh- nungsnot auf das heftigste widersetzen, werden m der? Perbandsversammlung zweifellos etwaige auf den Bau von Kleinwohnungen gerichtete Pläne zu vereiteln verstehen. Für die Linderung des Wohnungselends, unter dem die minder- bemittelten Bevölkerungskreise von Groß-Berlin leiden, ist von diesem Zweckverband auch nicht das geringste zu erwarten. Andererseits hat die Kommission es abgelehnt, dem Zweckverband andere Fragen zu überweisen, die dringend einer Lösung bedürfen. Hierhin gehört vor allem die Frage des V 0 l k s s ch u I w e s e n s. Die östlichen und südlichen Berliner Vorortgemeinden klagen über die hohen Lasten, die ihnen durch die Volksschule erwachsen. Die Entwickelung hat dahin geführt, daß im allgemeinen in den westlichen Vororten eine wohlhabendere Bevölkerung sich angesiedelt hat, während die ärmere Bevölkerung in den östlichen Vororten sitzt. Natur- gemäß erwachsen diesen im Verhältnis weit höhere Volksschul- lasten als den wohlhabenderen westlichen Gemeinden. Zwar können sie auf Grund des§ 53 des Kommunalabgabengesetzes die sogenannten Betriebsgemeinden, in denen ihre Steueo zahler ihrem Broterwerb nachgehen, zu Zuschüssen heran ziehen, aber die Bestimmungen des§ 53 reichen in keiner Weise aus und führen nur zu unliebsamen Klagen zwischen den einzelnen Gemeinden. Eine wirkliche Besserung wird nur herbeigeführt werden durch die H e b e rn a h m e des ganzen Volksschulwesens auf den Zweck- verband, eine Forderung, die bei der augenblicklichen Zu- sammensetzung des Landtags keine Aussicht auf Verwirklichung hat. Tie Kommission hat ja auch einen dahingehenden An- trag des sozialdemokratischen Vertreters abgelehnt. Genau so wie mit den Volksschullasten verhält es sich mit dien Armen- und K r a n k e n l a st e n. Ist es nicht ein un- haltbarer Zustand, daß Berliner Einwohner, die das Kranken- Haus einer Nachbargemeinde aufzusuchen gezwungen sind, höhere Verpflegungssätze zahlen müssen als die Einwohner der betreffenden Gemeinde selbst, und umgekehrt? Geinein- den, die so sehr eine wirtschaftliche Einheit bilden, wie Berlin mit seinen Vororben, wo ein fortwährendes Herüber und Hinüber von einer Gemeinde in die andere stattfindet, wo jemand heute vielleicht in Nixdorf, ein paar Monate später in Berlin und wieder einige Monate später in Charlottenburg wohnt, bedürfen einer kommunalen Organisation, die der wirtschaftlichen Einheit gerecht wird. Daß das auch von an- derer Seite anerkannt wird, zeigt ja das Streben des Ne- gierungspräsidenten zu Potsdam auf einheitliche G e- staltung der kommunalen S teu e r zu s ch l ä g e. Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß eine Reihe ärmerer Gemeinden, ja, sogar Brelin selbst, mit einem Zuschlage von 100 Proz. ihre Aufgaben auch nicht entfernt erfüllen können; aber aus Konkurrenzrücksichten, aus Furcht vor dem Abzug Wohlhabender, fürchten sie die Grenze von 100 Proz. zu überschreiten� Hier gemeinsam vorzugehen ist eine unbedingte Notwendigkeit. Alles das sind Aufgaben, deren Lösung dem Zweckverband Groß-Berlin zu überweisen wären. Aber davon will weder die Regierung noch die Mehrheit des Landtages etwas wissen, die Kommission begnügte sich damit, dem Zweck- verband die oben erwähnten Aufgaben zu überweisen, und es ist ja ein offenes Geheimnis, daß es der Regierung in der Hauptsache auf die Erfüllung des dritten Zweckes, auf die Erwerbung ihrer Wälder durch die Gemeinden ankommt, sie erblickt in dem Zweckverband im Grunde genommen weiter nichts als einen kapital- kräftigen Käufer, der ihr ihre Wälder für einen möglich st hohen Preis abnimmt. Ebenso wie der dem Zweckverband überwiesene Kreis von Aufgaben fordert die Ausdehnung, die der Ver- band erhalten soll, zur Kritik heraus. Gegen die Einbeziehung der Kreise Teltow und Niederbarnim in ihrem vollen Umfange wollen wir nichts sagen, obwohl nicht einzu- sehen ist, welche wirtschaftliche Interessengemeinschaft zwischen Berlin und seinen eigentlichen Vororten einerseits und den rein ländlichen Teilen dieser beidien Kreise andererseits besteht. Viel wichtiger aber als die Einbeziehung des Hinterlandes von Teltow und Niederbarnim erscheint uns die Einbeziehung desjenigen Teiles des Kreises Osthavelland, der durch die Döberitzer Heerstraße in direkte Verbindung mit Berlin gerückt ist. Die Entivickelung wird sich zweifellos nach den Ufern der Havel hin vollziehen, und es zeugt von einer niehr als kurzsichtigen Politik, wenn man den Kreis Oschavelland aus dem Zweckverbande herausläßt und sich damit begnügt, daß der Kreis oder Teile von ihm mit Zustimmung des«Kreises durch Beschluß der Verbandsoersammlung mit dem Zweck- verband vereinigt werden können. Nach der Regierungsvorlage sollte der Zweckverband die Stadtkreise Berlin, Charlottenburg, Schöneberg, Rixdorf, Deutsch-Wilmersdorf, Lichtenberg und Spandau sowie die Landkreise Teltow und Niederbarnim umfassen. Gemeinden dieser Landkreise sollten als selbständige Glieder zugelassen werden, wenn sie mehr als 60 000 Einwohner haben. Diestz. Voraussetzung erfüllt zurzeit nur die Gemeinde Steglitz. Durch die weitere Bestimmung, daß kein Verbondsglied mehr als ein Drittel der Gesamtvertreterzahl in der Verbandsversamm- lung haben darf, sollte den Londräten der Vorortskreise ein weitgehender Einfluß eingeräumt werden. Wäre diese Be- slimmung Gesetz geworden, dann würde Berlin zwar zwei Drittel zu den Kosten beizutragen, aber nur ein Drittel der Vertreter bekommen habien, und umgekehrt hätten die Land- kreise, die noch nicht den siebenten Teil der Kosten aufbringen, zusammen etwa auch ein Drittel Vertreter erhalten. Diese Bestimmung ist ja nun von der Kommission, wenn auch nicht ausgemerzt, so doch etwas gemildert worden. Die Kommission hat beschlossen, daß die diejenigen Gemeinden, die einem der Landkreise angehöven und nach der letzten Personenstands- aufnähme mehr als den fünfzehnten Teil der Kreisbevölkerung haben, dauernd selbständige Mitglieder des Verbandes sind. Hiernach werden außer Steglitz noch 7 weitere kreisangehörige Gemeinden selbständige Glieder des Verbandes werden, die Landkreise werden also entsprechend weniger Vertreter be- kommen, und weiter wird die Zahl ihrer Vertreter noch da- durch verringert werden, daß die Kommission der Stadt Berlin außer dem Oberbürgermeister, der den Vorsitz führt, gnädigst 40 Vertreter eingeräumt hat. Da ihr von Rechts wegen 52 Vertreter zustehen, so bedeutet also diese Aenderung immer noch eine Schmälerung des Einflusses der Reichshaupt- stadt, die in wichtigen Fragen leicht von den Vorortgemeinden überstimmt und dauernd mit erheblichen Ausgaben belastet werden kann._ Der deutlch-Ichwedüche(Handelsvertrag und die IFrelle. Der deutsch-schwedische Handelsvertrag hat bisher in der deutschen Presse wenig Beachtung gefunden. Selbst mehrere der großen Blätter haben sich darauf beschränkt, den er- läuternden Artikel der„Nordd. Allgem. Ztg." abzudrucken. ohne ein Wort der Kritik hinzuzufügen. Soweit aber die bürgerlichen Blätter näher auf den Inhalt des Vertrages ein- gehen, wird allgemein anerkannt, daß das bisherige Handelsverhältnis zwischen Deutschland und Schweden nicht verbessert, sondern verschlechtert wird; da durch die neuen Tarifsätze der Absatz deutscher Industriewaren nach Schweden sehr erschwert wird. Dennoch wird allgemein hervorgehoben, daß, wie nun einmal die beiderseitigen Handelsbeziehungen liegen, die deutschen Unter- Händler nichts anderes zu tun vermochten, als von denr schwedischen autonomen Zolltarif hier und dort etwas ab- zuHandeln, zumal sie der schwedischen Landwirtschaft irgend- welche nennenswerten Erleichterungen der Einfuhr schwedischer landwirtschaftlicher Erzeugnisse in Deutschland nicht zu bieten vermochten. Selbst die freihändlerische Presse nimmt diesen Stand- Punkt ein. So schreibt die„Voss. Z t g.": „Deutschland war bei den Verhandlungen in einer üblen Lage. Sie war übel noch aus einem zweiten Grunde. Was hatten die deutschen Unterhändler Schweden zu bieten. In der Hauptsache höchstens die Zölle des deutschen Tarifs mit der Meistbegünstigung und der Bindung einzelner Sätze. Andere Forderungen, deren Erfüllung in Schweden willkommen ge« Wesen wäre, mutzten verschiedentlich schon aus Rücksichten auf die deutschen Agrarier nutzer Betracht bleiben. Und selbst trotz dieser Eni- sagung, die die deutschen Unterhändler geübt haben. werden sie von den Agrariern angegriffen werden. Erklärt doch schon die„Deutsche Tagesztg.", ihr sei es am meisten darauf angekommen,„datz unsere Pflasterstciniudustrie geschützt werde, und datz keine Bindung der Zollfreiheit sür Milch und Rahm erfolge". Beide Wünsche seien nicht erfüllt worden.„Es ist deshalb", sagt das leitende Blatt des Bundes der Landwirte, „selbstverständlich, datz wir dem Vertrage mit lebhaften und tief- gehenden Bedenken gegenüberstehen'...... Steht also die Frage nur„annehmen oder ablehnen", so ist eS eine schwere Verantwortung, die der Reichstag tragen soll, die Verantwortung für die Ablehnung und für den Zollkrieg. Die„Deutsche Tageszeitung" ist der Meinung, ein schlechter Handelsvertrag auf fünf oder zehn Jahre könne ei» schlimmeres Uebel sei» als ein vorübergehender Zollkrieg. In- dessen so wenig ein Zollkrieg unter allen Umständen unzu- lässig erscheint, so kann er doch nur gerechtfertigt werden durch ganz unbillige Zumutungen, die an Deutschland gestellt werden, und durch die Aussicht, mehr Zugeständnisse als bisher zu erlangen. Für beide Voraussetzungen fehlt eS zunächst an Vc- weis wie Wahrscheinlichkeit. Die schwedische Schutz- zöllnerei ist die Frucht der Wirtschaftspolitik. die seit 1879 in Deutschland herrscht. Deutschland hat wieder einen Staat bekehrt. Fehlte nur noch, datz es auch England bekehrte und datz das Jnselreich einen autonomen Tarif nach deutschem und schwedischem Muster aufstellte I" Aehnlich spricht sich das„Berliner Tageblatt" aus: „Wir vergietzen keine Tränen darüber, datz es den deutschen Unterhändlern nicht geglückt ist, den Ausgleich für die erheblichen Opfer, die unserer Ausfuhrindustrie zugenmtet werden, durch Hinaufsetzung deutscher Zollsätze zu erzielen. Wir können den Zweck von Handelsverträgen nun einmal nicht darin er- blicken, datz man sich aneinander mit möglichst grotzen Verkehrsbeschränkungen revanchiere. Darum beklagen wir auch, so sehr es einzelne nach Preiserhöhung lüsterne Interessenten- gruppen verstimmen mag, die Beibehaltung der Zollfreihcit für Pflastersteine und des bisherigen Viermarkzolls für die schwedische» Türen- und Fensterrahmen nicht, ebensowenig wie eine Reihe anderer an Schweden gemachter Zugeständnisse, bei denen, da eS nicht anders ging, unsere Regierung sogar ihr Herz für die. Wünsche der deutschen Verbraucher" entdeckt hat. Wenn sie diese Entdeckung in grötzerem Umfange und ein Dutzend Jahre früher gemacht hätte, würde dieser ganze Vertrag nicht notwendig geworden sein. D�nu Schweden ist heute,' wir wiederholen es, nur auf den, Wege gefolgt, den wir schon lange ge- wiesen haben. WaS wirbellagen, ist, dost alle diese Zugeständnisse und auch die Einräumung der vollen MeistbegQnsti» gung an Schweden keine vorteilhafteren Bedingungen für unsere Ausfuhr zu erwirken vermochten. Man wird trotzdem dem Reichstag nicht raten können, den Vertrag abzulehnen. Wenn nicht mehr zu erreichen war, so ist dies schlimm, aber ein Zollkrieg wäre noch schlimmer. Ein solcher ist, wie heute jeder Krieg, inuner vom Uebel für beide Parteien. Er wäre ein schwer zu be- klagendes Unheil auch in politischer Beziehung. Unser politisches Verhältnis zu dem uns � so sympathischen Bruder- und Nachbarvolke auf der anderen Seite der Satznitzer Fähr- brücke ist heute ausgezeichnet. Wir freuen uns dessen und bleiben auch besten eingedenk, daß ein Handelsvertrag nicht für die Ewigkeit geschlossen ist. Der Schutzzollrausch wird drüben vorübergehen, wie bei uns der Schutzzollkatzenjammer schon im Anzug ist." Die bündlerische„Deutsche Tageszeitung" verlangte zu- nächst nach dem Erscheinen der Tarifauszüge in der„Nordd. Allgem. Ztg." einen kleinen Zollkrieg. Sie schrieb am Donnerstagabend: „Soweit die Presse schon jetzt dazu Stellung genommen hat, äußert sie sich dahin, daß die Zugeständnisse des Deutschen Reiche? an Schweden weit bedeutender und weit erheblicher sind als die Schwedens an das Deutsche Reich. Trotzdem glauben einige Zeitungen schon jetzt dem Reichstage raten zu sollen, den Vertrag nicht abzulehnen; eS fei zwar schlimm, daß nicht mehr erreicht worden sei, aber ein Zollkrieg wäre noch schlimmer. Auch diese Frage läßt sich erst nach sorgfältiger Prüfung der Bestimmungen des Handelsvertrages und nach ebenso sorgfältiger Abwägung unserer ge- samten wirtschaftlichen Verhältnisse entscheiden. ES l ä tz t s i ch wohl denken, daß ein schlechter Handelsvertrag, der S o der 10 Jahre dauern soll, ein größeres Uebel ist al« ein etwaigerZollkrieg, der nur von vorübergehenderDauer fein kann und seinwird.' Inzwischen hat jedoch auch daS Jntelligenzblatt der Land- bündler entdeckt, daß sich mit dem neuen Vertrag leben läßt wenn auch der deutsche Milchzoll darin fehlt. Mstnentsiliche Zersetzung in der tiirbei. Aus Konstantinopel schreibt uns P a r v u s: Das Kriegsgericht hat an alle Zeitungen in Kon- stantinopel ein Rundschreiben versandt, folgenden Inhalts: ,.Aus Anlaß des Streites innerhalb der Partei„Union und Progreß" hätten einige Zeitungen für und wider Artikel ge- bracht, welche die öffentliche Meinung aufreizen: wenn weiter- hin solche Artikel gebracht werden sollten, welche die öffent- liche Meinung aufreizen, so werden die resp. Zeitungen zur Verantwortung gezogen werden." Trotzdem setzen die Zeitungen ihre Kampagne fort. Das Rundschreiben des Kriegsgerichts verblieb ohne jede Wirkung. Das kennzeichnet die Situation. Denn Konstantinopel befindet sich im Belagerungszustand, Und das Wort des Kriegsgerichts war bis jetzt Gesetz. Das Kriegsgericht diktierte harte Strafen, suspendierte Zeitungen, verbannte deren Redakteure und war in seiner Rechtsprechung durch nichts gebunden. Sich dem Kriegsgericht nicht zu fügen, galt bis jetzt als Tollheit. Man spielte vielmehr das Prä- venire und vermied alles, was zu einem Konflikt mit dem Kriegsgericht führen könnte. Und nun fetzt man sich über seine deutliche Drohung hinweg— und das Kriegsgericht schweigt dazu, es läßt das Unglaubliche geschehen. Das Kriegsgericht müßte so ziemlich alle Zeitungen suS- pendieren, wenn es seine Drohung erfüllen wollte. Die poli- tische Diskussion hat sich endlich in der Presse Bahn gebrochen, und die Erregung ist groß. Wohin führt diese Bewegung? Bedeutet sie eine Stärkung der Reaktion? Vielleicht— vielleicht auch nicht. Es ist durchaus falsch, die gegenwärtige Krisis vom Standpunkte des Gegensatzes zwischen Reaktion und Libera- lismus beurteilen zu wollen. Die Regierung und daS Komitee betrachten als Reaktion alles, was nicht mit ihnen stimmt. Jede Opposition ist in ihren Augen Reaktion— darum sind auch die jetzigen Dissidenten Reaktionäre. Aber wie sieht ihr eigener Liberalismus aus? Er ist unbestimmt, kaum definier- bar. Und ebenso unbestimmt ist die Reaktion der anderen. Von einem politischen Programm von großen Gesichtspunkten aus ist weder auf der einen, noch auf der anderen Seite die Rede, und reaktionäre Tendenzen gibt es hüben wie drüben. Die Forderungen der Dissidenten lassen sich ebenso gegen den Parlamentarismus wie gegen den Gouvernementalismus deuten. Wenn z. B. verlangt wird, daß Deputierte keine Ministerposten annehmen sollen, so wird damit keineswegs eine Einschränkung des Parlamentarismus beabsichtigt. Die Forderung ist vielmehr der Tatsache entsprungen, daß einzelne Minister sich hier geradezu zu unabhängigen Potentaten emporentwickeln. Und um die Minister herum bilden sich mächtige Cliquen, die bei KonzessionSvergebungen. Beamten- ernennungen ihren Einfluß ausüben. Aber allerdings würde diese Forderung der Dissidenten nur zur Bildung von Be- amtenministerien führen, wodurch dem Uebel nicht abgeholfen und die Korruptisn erst recht gefördert wird. Woraus zu er- sehen, daß die Revolte im Schöße der Unionspartei ebenso große Unzufriedenheit wie Ratlosigkeit aufdeckt. Im Lande selbst herrscht große Unzufriedenheit. Die Massen sind enttäuscht: sie haben von der Aenderung des Re- gimes mehr erwartet und weniger erhalten, als hätte geschehen können. Die Lage der Bauern hat sich verschlimmert. Die Arbeiter leiden unter der steigenden Teuerung. Der Libera- lismus sieht sich verraten. Die Reaktionäre, die mehr ein- geschüchtert als niedergerungen wurden, bekommen in dem Maße, wie die Regierung ihnen Konzessionen macht, immer mehr Macht und sind erst recht unzufrieden, denn ihnen paßt da? ganze neue System nicht. Der eindringende Kapitalis- mus schafft steigende Interessengegensätze. Das Komitee und die Regierung haben nun, abgesehen von dem Mangel eines Programms wirtschaftlicher Reformen und der sonstigen Unzulänglichkeit, Beschränktheit und Ver- kehrtheit ihrer Politik, vor allem den Fehler begangen, daß sie diese Unzufriedenheit und die daraus entspringenden Gegensätze nicht zum Ausdruck kommen lassen wollten. Sie wollten mit Gewalt die„Einigkeit" aufrechterhalten und haben dadurch schließlich alle gegen sich vereinigt. Sie wollten das Gewitter beschwören und werden zum Blitzableiter, an dem jstch das Gewitter entladen kann. Tie jetzt eingetretene politische Zersetzung begann mit KW Moment, öaTalaat-Zes�n.Posten öes Ministers 5es JnMsi verließ, unt die Stellung des Führers seiner Partei zu übernehmen. Ohne politischen Blick, aber ein routinierter Verschwörer, d. h. ein Organisator im kleinen. der durch die Autorität seiner Persönlichkeit wirkt, von einer Festigkeit des Willens, die in der Beschränktheit der Ansichten ihre selbswerständliche Grundlage findet, unermüdlich in Kleinigkeiten, hat Talaat-Bey, ausgerüstet mit dem Be- schluß der Partei, daß sich jeder dem Votum einer Zweidrittel- Mehrheit fügen muß, tatsächlich Tag für Tag eine geschlossene Mehrheit von 118 Stimmen zustande gebracht. Bei jeder Ab- stimmunst stand er oben auf der Präsidentenbühne, komman- dierte mit emporgehobenen Armen und kontrollierte jeden Zettel an der Urne. Und so hat er folgerichtig die Partei vor die Wahl gestellt: entweder Geschlossenheit oder Spaltung! Die politische Zersetzung war das Produkt der Verhältnisse, aber die Massenrevolte, wie sie jetzt innerhalb der Unionspartei ausbrach, ist vor allem das Werk von T a l a a t- Bey. Die Bewegung wurde unterstützt durch die steigende Un- Zufriedenheit im Offizierkorps. Es sind die niederen Offizierschargen— jene, die keine Aspirationen auf hohe administrative Posten, dagegen die immer näher heran- rückende Aussicht haben, im Jemen oder in Albanien oder an einem anderen Orte ihr Leben dranzusetzen diese sind es, die auf der Seite der Dissidenten stehen. Der Riß innerhalb der Unionspartei ist allerdings jetzt für den Augenblick verkleistert worden. Die Dissidenten werden auch sicher auf die Dauer noch weniger zusammenhalten können, als die Partei selbst. Ihr Widerstand wixd geringer werden, aher die Zersetzung selbst schreitet fort- r J poUtilcbc Gcbcrficbt Berlin, den 6. Mai 1911. Fortgesetzte Niederstimmung der Arbeiterforderungen. Aus dem Reichstag, 6. Mai. Etwas häufiger als gestern sahen sich in der heutigen Beratung der Ver- sicher ungsordnung die Mehrheitsparteien genötigt, in die Debatte einzugreifen. Dafür hatte die Mehrheit aber durch die gestrige schlechte Behandlung den Berichterstatter Dr. D r ö s ch e r in eine beharrliche Schweigsamkeit hinein- geängstigt, aus der er nur selten und zögernd sich zu einigen gelinden Redeseufzern hervorwagte. Herr Vahrenhorst hatte es nicht mehr nötig, seine symbolische Maultrommel zur Ein- schüchterung des Dr. Dröscher in Bewegung zu setzen. Bei Fortsetzung der Beratung über die gemeinsamen Vorschriften kam es zunächst zu einer Aus- einandersetzung über die Kosten, von denen nach § 69 der Borlage ein Teil durch die Gemeinden aufgebracht werden soll. Dagegen wollte ein sozial- demokratischer Antrag sie ausschließlich den Bundesstaaten aufbürden, da jetzt schon, wie Genosse Hildenbrand ein- gehend darlegte, die Gemeinden auf solche Weise ganz will- kürlich herangezogen werden und dadurch ungleichmäßig be- lastet würden. Trotzdem ursprünglich Regierung und Kommission selbst auf diesem Standpunkt gestanden hatten, wurde der Antrag ebenso wie ein gleichartiger der Freisinnigen von der Mehrheit abgelehnt. Eine lange Reihe von Paragraphen wurde dann debatte- loS erledigt, da keinerlei Anträge vorlagen. Andere Anträge wurden schnell durchberaten. Einen energischen Vorstoß unternahmen die Sozialdemokraten wieder bei den§§ 161 und 162. in denen Bestimmungen über den Ortslohn ge- wöhnlicher Tagesarbeiter enthalten sind. Unsere Partei ver- langt, daß als Ortslohn für männliche Personen über 21 Jahre nicht weniger als 3 M., für weibliche nicht weniger als 2 M. täglich festgesetzt werden darf. Genosse Brey wies nach, daß eine solche Festsetzung notwendig sei, damit nicht durch Unternehmereinfluß in einzelnen Gegenden die Krankenunterftützung sonst zu einem Zerrbild werden würde. Sein Wunsch, daß die„epidemische Mund- sperre" auf der Rechten erlöschen möge, wurde indes nicht erfüllt. Ebensowenig gelang eS bei dieser Gelegenheit dem Genossen Molkenbuhr. den Agrariern das Gehege der Zähne durch die Bemerkung zu lockern, daß die Agrarier ja sonst über die hohen Löhne jammern, die sie angeblich ihren Landarbeitern zahlen müssen. Auch dieser sozialdemokratische Antrag, der besonders zugunsten der Landarbeiter und HauS- arbeitet wirken würde, wurde schweigend begraben. Dann kam ein sozialdemokratischer Antrag zur Erörterung. den ausländischen Arbeitern gleiche Rechte bei der Versicherung zu gewähren wie den inländischen, sofern sie auS solchen Staaten stammen, die in der Arbeiterversicherung deutsche Reichsangehörige nicht ungünstiger behandeln als die eigenen Staatsangehörigen. Die Kommission wollte das in das Belieben der Regierung gestellt haben. Genosse Hue wies an reichem statistischen Material nach, wie ausgiebig die deutschen Unternehmer von fremden Arbeitskräften Gebrauch machen, und Molkenbuhr ergänzte die Ausführungen durch den Hinweis darauf, daß die Polizei sowieso gegen- über Ausländern die bedenkliche Vollmacht der Ausweisung habe, wenn sie„lästig" geworden seien. Es bestehe die Gefahr, daß gerade unterstützungLberechttgte Ausländer leicht „lästig" würden. Die Mehrheit ließ sich auS ihrer Gleichgültigkeit auch nicht durch die Erwägung herausreißen, daß den deutschen Arbeitern ein Vorteil erwachsen müßte aus der Annahme deS Antrags. Die Patrioten lehnten auch diesen Antrag ab. Für die HauLarbeiter legte sich dann Genofle A l b r e ch t ins Zeug, um eS durchzusetzen, daß als HauS- arbeiter im Sinne des Gesetzes auch solche Gewerbetreibende zu gelten haben, die neben der Hausarbeit gelegentlich selb- ständige Arbeit verrichten. Eine Verbesserung der KommissionS- fassung sei um so notwendiger, da sie die Möglichkeit ent- halte, daß jene sogenannten Platzgesellen von den Wohl- taten des Gesetzes ausgeschlossen würden. Der Ministerial- direktor Caspar appellierte an die Mehrheit, sie solle die Entscheidung im Einzelfall nur den Behörden überlassen, und dann wurde auch dieser Antrag abgelehnt. Damit waren die allgemeinen Bestimmungen erledigt. Trotz vielfachen Widerspruches eröffnete der Vizepräsident Schultz indes noch die Debatte über daS zweite Buch:„Krankenversicherung". Weit kam er allerdings nicht. Höchst unangenehm wurde der Mehrheit die Auseinandersetzung über einen sozialdemokratischen Antrag zu§ 177. in dem die Ausdehnung der Krankenversicherung auf alle angestellten Personen und selbständigen Gewerbetreibenden mit einem Ein- kommen von weniger als SOOO Mark verlangt wird. Genosse Büchner« der seine Jungfernrede hielt, betonte, daß es hauptsächlich darauf ankomme, dem Mittek- stände zu helfen, für den die Rechte und das Zentrum sonst nur wohlfeile Redensarten auf Lager haben. Hier könnte sie einmal durch Taten ihre Mittelstandsfreundlichkeik beweisen. Der„schlichte Mann aus der Werkstatt", Herr Paul i-Potsdam, erkletterte die Tribüne, um einige Scheinarm mente gegen diesen mittelstandsfreund- lichen Antrag zusai.ne..ustottern, aber der sonst so laute Stabstrompeter der Mitielstandsretterei, Herr Raab, traute sich nicht den Mund aufzumachen. Genosse B r ü h n e heilte den falschen Mittelstandsfreunden nochmals gehörig ein, während Genosse Hoch einen Eventualantrag be- gründete, durch den die völlig unsinnige Ausschließung der Privatangestellten mit„wissenschaftlicher Tätig- keit" aus der Krankenversicherung beseitigt werden sollte Als ob ein solcher Mann von einem geringfügigen Gehalt mehr für Krankheitsfälle erübrigen könnte als ein „unwissenschaftlicher", ganz abgesehen davon, daß die Unter- scheidungsmerkmale völlig flüssig sind. Aber alle noch so überzeugenden Gründe halfen nichts; die Mittelstandsfeinde. das heißt sämtliche bürgerlichen Parteien, lehnten die mittelstandsfreundlichen Anträge der Soziat- demokratie ab. Nunmehr benutzte Genosse Bebel die nächste Ab- stimmung, um die Beschlußfähigkeit des Hauses anzuzweifeln. Trotz beharrlichen Läutens der Schrift- führer kam die erforderliche Anzahl von Abgeordneten nicht mehr zusammen und so mußte um 5 Uhr Vertagung eintreten. Am Montag Fortsetzung um 12 Uhr. Stumpfsinn: Ein preußischer Eisenbahnminister ist fürwahr ein gequälter Mensch. Fast eine Woche hindurch Tag für Tag fünf Stunden lang im leeren Saale des Abgeordnetenhauses zu sitzen und lokale Wünsche über Bahnverbindungen anzuhören, ist gewiß eine„Tätigkeit", die an die Nerven die größten Anstrengungen stellt. Da haben die .Volksvertreter" es besser: entweder sie kommen überhaupt nicht. oder aber, sie halten sich in den Nebenräumen auf, betreten den Sitzungssaal nur, um ihre Rede loszuwerden und ergreifen damr schleunigst die Flucht. So kommt eS denn, baß im Saale bei der Beratung der Sekundärbahnvorlage gewöhnlich nur 6 bis 6 Abgeordnete zugegen sind. Am Sonnabend haben sogar die Schriftführer eS nicht mehr auSgehalten, sondern ihre Posten ver- lassen. Wenn es so weiter geht, wird am Montag, der auch noch der Beratung der Sekundärbahnvorlage gewidmet ist, vielleicht sogar der Präsident das beffere Teil erwählen und nicht erscheinen. Zur Stuttgarter Oberbürgermeisterwahl. Unser Stuttgarter Parteiorgan, die„Schwäbische Tagwacht", bringt über die Stuttgarter Parteiversammlung, m der Genosse Lindemann als Kandidat aufgestellt worden ist. einen kurzen Bericht, der im wesentlichen mit dem von uns gestern mitgeteilten gleichlautend ist. Dann folgt dieser Aufruf: Genossen! Die Parteiversammlung hat entschieden! Die Partei tritt mit einem eigenen Kandidaten in den Wahlkampf ein. Der Kampf wird— daran ist nicht zu zweifeln— hart und schwer werden. Die bürgerlichen Parteien werden alles daran setzen, die Kandidatur Lindemann zu Fall zu bringen. In dieser Situation ist Einigkeit und Geschlossenheit, unablässige Agitation unser aller Pflicht. In der Werkstatt und auf dem Bau, überall muß für die Kandidatur Dr. Lindemann gearbeitet werden, damit am 12. Mai, dem Wahltag, der Sieg unserem Kandidaten zufällt. Wir haben schon gestern darauf hingewiesen, daß der Beschluß der Stuttgarter Partciversammlung vom Standpunkt der Organisation bedenklich ist. Zunächst bleibt es im unklaren, welch eOrganisationSbeschlüsse Genosse Lindemann gemeint hat. die ihm angeblich die Ausübung deS AmteS unmöglich machen. Falls solche beständen, hätten sie entweder aufgehoben oder bestätigt werden müssen. Auf keinen Fall geht es aber an, einen einzelnen Genossen von den Beschlüssen der Gesamtheit zu entbinden und für ihn Ausnahmen in der Gegenwart oder Zukunft zu machen. Handelte es sich gar um Beschlüsse der Landes- Organisation in Württemberg, so wäre die Partei- Versammlung eineS Wahlkreises sicher nicht berechttgt, diese aufzuheben oder von ihrer Befolgung zu dispensieren. Die Situation, wie sie sich infolge der Ablehnung des Antrags der Parteileitung und der Annahme einer allgemein gehaltenen Vertrauensresolution für den Genossen Lindemann gestaltet hat, ist somit durchaus unklar. Jedenfalls wird die Stutt- garter Parteileitung noch weitere Aufklärungen der Partei- öffentlichkeit wohl nicht vorenthalten. Wir würden uns damit auf jene schiefe Ebene begeben. die die französische Partei eingeschlagen hatte, als es sich um den Einttttt Millerands in die Regierung handelte. Solche „Genossen auf Urlaub" hat die Partei bisher nicht gekannt und wird sie wohl auch in Zukunft nicht kennen lernen wollen.„ Aus der preußischen Verwaltungspraxis. In H i r s ch b e r g(Schlesien) fand Anfang dieser Woche eine Versammlung der Saal- und Konzertlokalinhaber statt. Dabei kam auch zur Sprache, daß der Amtsvorstcher Kunze aus Arnsdorf i. R. einem dortigen Gastwirt die Ge- nchmigung zur Abhaltung eines RadfahrervergnügenS verbot, weil der Radfahrcrverein angeblich polittsche Ziele verfolgt. Darauf wandte sich der Vorsitzende deS Saalinhabervereins an den Amtsvorsteher und teilte diesem mit, daß der Verein kürzlich einstimmig den Beschluß gefaßt hätte, allen Parteien ihre Säle für ihre Veranstaltungen zu überlassen: denn als Geschäftsleute seien die Wirte verpflichtet, mit allen Leuten in geschäftliche Verbindung zu treten. Mit Rücksicht auf. diesen Beschluß bat der Vorsitzende um Rücksichtnahme der Behörde. Auf diesen bescheidenen, aber ganz selbstverständ- lichen Wunsch erhielt der Absender folgenden Bescheid; Der Amtsvorsteher des Amtsbezirls Arnsdorf, Kreis Hirschberg i. Schl. I. Nr. 500. Herrn Heinrich Schreich. Vorsitzender des Saalinhabcr-Vereins von Hirschberg u. Umgegend Hirschberg i. Schl. Auf Ihr geehrtes Schreiben vom 29. d. MtS. teile ich Ihnen hierdurch ergcbenst mit, daß ich Ihre Ansicht betr. Hergäbe der Tanzsäle zur Abhaltung von sozialdemokratischen Vergnügungen und Versammlungen nicht mit Ihnen teilen kann. Die sozialdemokratische Partei ist mir bekannt als eine Partei, welche mit der heutigen Staatsordnung und-Einrichtung voll- ständig unzufrieden(!) ist, und fall» sie einigermaßen zur Sie- gierung(!) gelangen würde, die heutige Staatsordnung sofort umstjeß..., . Wenn oder ein Gastwirt seinen Saal dazu hergibt, daß darin Versammlungen und Ver- gnügungen abgehalten werden, in welchen sozial- demokratische Tendenzen gepflegt und getrieben werden, so lehnt sich der betreffende Gastwirt bezw. Saalinhaber gegen die heutige StaatSord- nung auf und er istinmeinenAugendergrößte Förderer der Sozialdemolratie, indem er die Mittel zur Erreichung des Zweckes durch Her- gäbe seines SaaleS bereitstellt, damit die revolutionären Bestrebungen dieser Partei gekräftigt und ihrem Ziele immer nähergeführt werden. Ein solcher mit der Sozialdemokratie paktierender Gastwirt ist selbstverständlich Sozialdemokrat, denn ihm geht seine Existenz der Erhaltung der Staatsordnung vor. Wenn der Verein der Saalinhaber einen sl) steifen Rückgrat hat und unter sich einig ist, daß der sozialdemokratischen Partei nicht ein einziger Saal zu Versammlnngszwecken und Vergnügungen hergegeben wird, dann wird auch kein Gastwirt unter Boykottierung zu leiden haben, denn diese Boykottierungen gehen in der Regel nur von einzelnen, ganz ordinären Elementen aus, und wenn die große Masse der Sozialdemo- kraten sehen wird, daß ihre Boykottierungen erfolglos bleiben, so wird sie den Anfeuerungen und Rufen der Parteiführer nicht mehr so leicht ein williges Ohr schenken.... Durch das vorstehende Schreiben werden Sie meine Ansicht kennen gelernt haben und werden daraus «inen Schluß ziehen, wid ich einen Saalwirt in meinem Amtsbezirk behandeln werde, der ein Förderer der Sozialdemokratie sein sollte. So lange mir höheren OrtS nicht das Gegenteil befohlen wird, würde ich mir jederzeit zum Vorwurf machen, mit der Sozialdemokratie paktiert zu haben, wenn ich gegen derartige Saalwirte nicht Stellung nehmen würde. Der Amtsvorsteher. gez. Kunze. Herr Amtsvorsteher Kunze mag als Privatperson über die Sozialdemokratie denken, wie er will, das ist seine Sache; aber als A m t s v o r st e h e r hat er die Pflicht, die be- stehenden Gesetze zu respektieren, ganz gleich, um wen es sich handelt. Hier liegt jedoch nach den Erklärungen des jetzigen Reichskanzlers bei Beratung des ReichsvereinSgesetzes ein offenbarer Ämtsmißbranch vor. Hoffentlich nimmt sich der Staatsanwalt den Amtsvorsteher Knnze recht bald gründlich vor._ Abgefallen. Die sächsische Regierung fühlt sich gedrungen— weshalb, verstehen wir freilicht nicht—. sich vor der„Deutschen TageS- zeitung" und einigen anderen Blättern gleicher Qualität zu rechtfertigen, die sie der Begünstigung und Förderung der Sozialdemokratie beschuldigten, weil sie in Dresden einen Maifestumzug mit Musik gestattet hat. Das amtliche„Dresdener Journal" antwortet nämlich auf diese Angriffe in seinem nicht- amtlichen Teil mit folgender Entschuldigung: .Die Umzüge zur Maifeier sind in Sachsen ebensowenig ver- boten worden wie z. B. in Hamburg. München, Stuttgart, Mann- heim usw. Nach§ 7 des ReichsvereinSgesetzes ist die Genehmi- gung öffentlicher Umzüge keine behördliche Gunstbezeigung mehr, sondern kann nur dann verweigert werden, wenn eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit droht. Das war nach densäch fischen Verhältnissen und nach den Erfahrungen mit der M aifeier in den letzten Jahren nicht der Fall. Ander- wärts mag eS anders gelegen haben; in Preußen insbesondere hält die noch nicht zum Abschluß gekommene Wahlrechtsreform die Gemüter in Spannung, zittert die Erregung von den Moabiter Tumulten immer noch nach. Daß in Sachsen keine Gefahr be- stand, hat der Erfolg gelehrt; nirgends ist eine Störung der öffent- lichen Ordnung vorgekommen. Die Verweigerung der Genehmi- gung wäre daher ungesetzlich gewesen. Auch die Genehmigung von Musik, bei welcher revolutionäre Lieder auögeschloffen worden sind, . ist keine Neuerung. Sie ist schon in anderen Jahren erteilt worden, die Veranstalter hatten nur in früheren Jahren von der Erlaubnis keinen Gebrauch gemacht. Von dem gesetzlichen Wege kann und wird sich die Regierung unter keinen Um- ständen abdrängen lasten, auch nicht, wenn dies unter der Sorge um eine Gefährdung staatserhaltender Interessen versucht würde. Denn die Achtung vor dem Gesetz ist und bleibt das vornehmste Gebot aller staatSerhaltenden Politik.' Die„Deutsche Taaesztg." ist von dieser Antwort natür- lich wenig befriedigt. Besonders ärgert sie, daff das amtliche Organ auf den tz 7 des ReichsvereinSgesetzes und den„ g c- fetzlichen Weg" verweist. WaS Reichsvereinsgesetz I Nach Oertelscher Logik steht die Negierung über dem Gesetz. Und wenn preußische Verwaltungsbehörden sich mit den seltsamsten Auslegungen über die klarsten Gesetzes- bcstiinmungen hinwegsetzen, weshalb können das sächsische Behörden nicht auch? So fragt denn entrüstet die„Deutsche Tageszeitung":„War eS nötig, den antimonarchischen Ge- Nossen zu gestatten. daß sie durch Umzüge mit Musik ihre revolutionäre Gesinnung bekundeten? Welches Gesetz zwingt die Regierung zu einer derartigen Erlaubnis? WaS soll die hochtönende Redensart, daß die Regierung sich nicht von dem gesetzlichen Wege abdrängen lassen werde? Wer hat das von ihr verlangt? Hat sich etwa die preußische Regierung von diesem Wege abdrängen lafsen. wenn sie ähnliche Umzüge verbot?" Kciue Enteignung. Die Beratung der Denkschrift über die LnfiedelungSpolitik in der Budgetkommission de? Abgeordnetenhauses brachte interestante Er- klärungen der Regierung. Der LandwirlschaftSminister v. S ch o r» lern er sprach offen aus, was ja längst kein politisches Geheimnis mehr war: daß die Regierung gar nicht an die Anwendung des Enteignungsgesetzes d e n l t, überhaupt die SiedelungS- Politik in langsamerem Tempo fortsetzen will. DaS Besondere an den Erklärungen des Minister war lediglich der Ton, in dem er sich gegen die Hakaristen wendete. Herr v. Schorleiner scheute sich gar nicht, dem Ostmarkenvcrein eine sehr energische Ab- sage zuteil werden zu lassen. Die Regierung betrachte das Ent- eignungsgesetz als eine ultima ratio, die es anwenden werde, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben seien; auf- drängen laffe sie sich nicht die Enteignung I Wenn der Ost- markenverein der Regierung unterstelle, daß sie die Denkschrift frisier, habe, so verzichte die Regierung gern auf den Rat und die Unterstützung einer solchen Ver- «insleitung! Wenn eine Korrespondenz diese brüske Zurückweisung des Ost- markenvereinS auf eine gewisse Nervosität der StaatSregierimg zurückführt, die nicht nur von den Nationalliberalen, sondern auch der Rechten„lebhaft bedauert' werde, so ist das doch wohl ein Irrtum. H?rr v. Schorlemer ist viel zu genau von den Stimmungen des Junkertums unterrichtet und nimmt diel zu sorglich auf diese Stimmungen Rücksicht, als daß er sich in der Hitze des Gefechtes zu Aeußerungen hinreißen ließe, die wirklich das Mißfallen der Junker erregten I ES ist vielmehr umgekehrt anzunehmen, daß die derbe Abschüttewng des Ostmarlenvereins ganz im Sinne unserer Junker gewesen ist l Unsere Edelsten und Besten wollen ja längst nichts mehr von einer energischen SiedelungSpolitik wissen. Solange sie sich durch den Verkauf der Güter zu Wucherpreisen auf Staatskosten bereichern konnten, waren sie für die GermanisierungSpolitik; als aber die An« siedler rebellisch wurden, den Bauernbund gründeten und national- liberal wählten, war es vorbei mit der Begeisterung für die Ost- markenpolitik. Schon vor zwei Jahren warnte in der Budget- kommission ein Konservativer vor einem allzu raschen Tempo der Ansiedelung! Die Haltung der Regierung deckt sich also vollständig mit den Wünschen der Junker, und die Leidtragenden sind lediglich die Nationalliberalen. An dieser Tatsache ändern auch die Redensarten mehrerer Ion- servativer Kommissionsmitglieder, daß die Konservativen nicht gewillt seien, hinter die durch das Enteignungsgesetz gezogene Linie zurück- zutreten, nicht da§ geringste. Als„Patrioten" und um eS mit den Ansiedlern nicht völlig zu verderben, müssen die Konservativen natür« lich einen GermanisierungSeifer heucheln, von dem sie keine Spur besitzen. Aber die Regierung kennt ihre Pappenheimer l ES wird also nicht enteignet I Auch wird das Tempo der An- siedelung verlangsamt werden I Und statt selbständiger Bauern wird man möglichst ländliche Arbeiter anzusiedeln suchen, die den Junkern billige Arbeitskräfte liefern. Bon der polizeilichen Tuellkomödie in Elsah-Lothringen. Nachdem am Mittwoch der Abgeordnete Blumenthal im elsaß-lothringischen Landesausschuß die possenhafte Affäre der Duellforderung des Metzer Polizeipräsidenten Baumbach von Kaimberg— Pistolen, 15 Schritt Distanz, dreimaliger Kugel- Wechsel— in ihrer ganzen tragikomischen Herrlichkeit„enthüllt" hatte, erschien prompt am anderen Morgen in der„Straßburger Post" die Erklärung des Kartellträgers Kreisdirektor Freiherr von G e m m i n g e n. daß er(Freiherr v. Gemmingen) gegen sich wegen Katelltragens und gegen den Polizeipräsidenten von Metz wegen Herausforderung zum Zweikampf bereits Strafanzeige er- stattet habe— und zwar schon, bevor Herr Blumenthal die An- gelegenheit im LandcsauSschuß zur Sprache brachte. Die Presse des Colmarer Dreigcstirns Blumenthal-Preiß-Wetterlä macht sich mit offenbarem Recht über diese Erklärung lustig. Sie sagt, das sei zum mindesten überraschend. Denn vor der Berührung der Sache im Landesausschuß wußte Herr v. Gemmingen gar noch nicht, ob Herr Blumenthal die Herausforderung annehmen werde. Hätte der Rechtsanwalt, Bürgermeister und Abgeordnete Blumenthal sich nun auf das Duell eingelassen, so wäre es doch recht bedenklich gewesen, die kaiserliche Staatsanwaltschaft vorher davon zu benachrichtigen; denn sobald der Staatsanwalt von der Sache Kenntnis hatte, war es zweifellos seine Pflicht, die Absichten der Duellanten und die Ge- sctzesvcrletzung zu verhindern. Die ganze hübsche Geschichte wird durch diese Erklärung des kreisdirektorlichen Kartellträgers nur noch possenhafter. Blumenthal läßt übrigens bekanntgeben, daß er die zuständige Behörde in Colmar um die Erlaubnis ersucht habe, stets mit zwei Brownings in der Tasche und mit einem Degenstock be- waffnet, ausgehen zu dürfen. Er begründete das Gesuch mit den gemeingefährlichen Tendenzen gewisser höherer Beamten in Metz und Straßburg-Land... Man sieht; wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Hungersnot und Annektionsgelüstc. Jm Oltambo-Lande ist wieder einmal der Regen ausgeblieben, sodaß eine schwere Hungersnot droht. Das Kolonialblatt„Südwest" rät zu einer energischen Hilfs- aktion. Durch kräftige Unterstützung könne die Regierung das Vertrauen der Ovambostämme gewinnen. Außerdem sei die Hilfsaktion auch schon im eigensten Interesse der südwest- afrikanischen Farmer notwendig, gelte es doch die Erhaltung der unentbehrlichen Arbeiter. Dann aber rät das Blatt, die HungerLnotunterstützung gleichzeitig mit einer Annektion des Landes zu verbinden: „Zu überlegen ist aber hierbei etwas anderes! Wäre dies nicht der geeignete Augenblick, im Ovambolande festen Fuß zu fassen? Wir kommen als die Reiter in der Not, wir kommen, um Hungernde zu speisen und sind sicherlich willkommen, werden mit offenen Armen aufgenommen. Eine Ge- legenheit, wie fie so bald nicht wiederkehren wird! Wird man dies- mal die Bedenken zu üperwiuden vermögen? Es gilt, die ver» paßten Gelegenheiten nicht»och um eine weitere zu vermehren." Wie denkt sich eigentlich das Kolonialblatt diese Annektion? Soll man den Eingeborenen nur Lebensmittel liefern, wenn sie dafür ihr Land und ihre Gewehre hergeben? Daß es unsere Farmer nach dem Land, dem Vieh und der— natürlich möglichst billig zu erlangenden— Arbeits- kraft der Ovambo gelüstet, ist ja bekannt. Selbst ein neuer langwieriger Krieg hätte für diese Kreise keinen Schrecken, böte sich dann doch wieder herrliche Gelegenheit zum Geld- verdienen auf Kosten der deutschen Steuerzahler! Verurteilung eines geistesschtvache« Soldaten. Ein Füsilier vom Grenadierregiment Nr. 3 hatte sich vor dem Königsberger Kriegsgericht wegen Fahnenflucht und einiger damit zusammenhängender Vergehen zu verantworten. Bei dem Angeklagten machten sich Anzeichen hochgradiger geistiger Minderwertigkeit be- merkbar, deshalb wurde das Gutachten eines medizinischen Sach- verständigen eingefordert. Dieser bekundete, der Angeklagte leide an angeborenem Schwachsinn und st ehe in- tellektuell auf der Stufe eines etwa 14 Jahre alten Dorfjungen. Trotzdem erklärte der Herr Sachverständige. die geistige Vorfaslung bedinge nicht eine Straflosigkeit des An- geklagten auf Grund des§ 51 des Reichsstrafgesetzbuches, wohl aber sei„Milde" am Platze. Das Kriegsgericht ließ denn auch die bekannte„Milde" walten und erkannte auf a'ch t Monate GefängniSI franferctcb. Für Arbeiterpcnsionen. Paris, 6. Mai. Behufs Erleichterung der Dlirchfiihnmg des Arbeiterpensionsgesetzes hat der Generalrat des Departements Haute-Vienne beichlosien. den Arbeitern des De- partements die von ihnen für das Jahr 1011 gezahlten Beiträge zurückzuerstatten und die von ihnen zu zahlenden Beiträge in das Budget des Departements für ISIS einzustellen. Lelgien. Anders als in Preußen. Brüssel, 6. Mai.(Privattelegramm des„Vorwärts.) Die russische Regierung, die bei der belgischen um die Auslieferung des ehemaligen Studenten SzimanLky. den sie eines angeblich gemeinen Verbrechens beschuldigte, ansuchte, hat sich wieder einen Korb geholt. Nachdem sich das AppellationZ- gericht bereits vorige Woche gegen die Auslieferung ausgesprochen, hat nunmehr der Justizminister das Gutachten des Gerichts bestätigt und die Freilassung des inhaftierten russischen Revolutionärs verfügt. Gestern hat Szimansky das Gefängnis von St. Gilles (Brüssel) verlassen. Belgien hat mit diesem Rechtsspruch eine Ehrenpflicht erfüllt, indem es das Asylrecht lvahrte und es wieder einmal ablehnte, der russischen Regierung, die im Handumdrehen aus revolutionären Kämpfern„gemeine Verbrecher" zu machen beliebt, Schergendienste zu leisten. Spanien. Sozialistische Kundgebungen. Madrid, 6. Mai. Morgen werden hier und in den meisten größeren Städten von den Soziali st en und Republikanern organisierte Kundgebungen statt- finden zugunsten der Einführung der allgemeinen Wehr- Pflicht, Abschaffung des Gesetzes über Ausnahme- g e r i ch t e sowie Aufgabe jedes afrikanischen Abenteuers. Portugal. Die Berfassongsfrage. Lissabon, S. Mai. Wie„Diario Populär' meldet, wird die Sonderkommission zur Beratung des von dem Präsidenten der vor- läufigen Regierung B r a g a vorbereiteten VerfassungS» ent wurfs diesen wegen der bestehenden Meinungs« Verschiedenheiten noch einmal durchbcraten. Einige Minister wünschten die parlamentarische Republik wie in Frank- reich, andere ein Regime wie in den Vereinigten Staaten. B r a g a sei für einen auf fünf Jahre von der Kammer ge« wählten und nicht wieder wählbaren Präsidenten. Cnglanä. DaS Franenwahlrecht. London» 8. Mai. Unterhaus. K e m p(liberal) und G o u l d i n g(konservativ) brachten den Antrag ein, das HauS wolle in die zweite Lesung der Bill betreffend die Aus- d e h n u n g des Wahlrechts auf alle Frauen, die einen selbständigen Haushalt führen, eintreten. Die Bill würde etwa einer Million Frauen das Wahlrecht geben. Die zweite Lesung wurde mit 255 gegen 88 Stimmen beschlossen, aber man glaubt allgemein, daß der Ent- Wurf keine Aussicht hat. Gesetzeskraft zu erlangen. Marokko. Spanische Befürchtungen. Paris, 6. Mai. Wie dem„Matin" aus Madrid ge- meldet wird, habe Spanien im Begriff gestanden, bei den Mächten gegen die französischen Truppenbewegungen in Marokko Einspruch zu erheben, habe aber darauf ver- zichtet, um Reibungen mit Frankreich zu vermeiden, dessen Freundschaft es sich erhalten wolle. Es bestätigt sich aber, daß Spanien in Paris freundschaftliche Vor- stellungen bezüglich des französischen Einschreitens in Marokko erhoben hat. Die Madrider Regierung befürchtet, daß die ftanzösische Kolonne gewisse strategische Punkte in Marokko endgültig besetzen werde, was Spanien zwingen würde, dasselbe zu tun. Wenn die ftanzösischen Truppen den Vormarsch fortsetzen würden, dürften die spanischen Truppen ebenfalls Befehl erhalten, vorzurücken und zwar nicht nur von Ceuta, sondern auch von Melilla und Larrasch aus._ Schwarzmalerciev. Paris, 6. Mai. Hier werden wieder ungünstige Nachrichten über die Situation in FeS verbreitet. Danach ist die Lage noch immer kritisch. Die Hartnäckigkeit, mit der die rebellischen Stämme mit ihren Angriffen auf die Stadt fortfahren, beweist, daß es sich keineswegs um einen Teilaufstand, sondern um eine allgemeine Erhebung handelt. Die Truppen der Kolonne Bremond sind sehr ermüdet und die übrigen Truppen nicht zuverlässig. Außerdem mangelt eS an Geld, Lebensmitteln und Munition. Die steigenden Lebensmittelpreise lasten einen Aufstand in der Stadt befürchten. Der Sultan hat den französischen Konsul aufgefordert, möglichst rasch für Truppenverstärkungen zu sorgen sowie für Entsatz der Hauptstadt. Im heutigen Ministerrat erklärte der Kriegsminister B e r- teaux daß die Hilfskolonne des Generals IM o in i er ihren Marsch unter den vorher angegebenen Verhältnissen fortsetzen werde. Mexiko. Rücktritt dcö Präsidenten. Mexiko, 6. Mai. Es erscheint wenig zweifelhaft, daß Präsident D i a z, mit Rücksicht auf den Ernst der Lage und dem Verlangen des Volkes entsprechend, sich zurück- ziehen wird, wenn die Ordnung wieder hergestellt ist. Das Verhalte« der Bereinigte« Staaten. Washington, 6. Mai. Das Kabinett hat eingehend die Lage in Mexiko beraten und beschlossen, daß die Ver- einigten Staaten � den Statusquo aufrecht erhalten sollen. Vorläufig sollen keine weiteren Truppen nach Texas und keine Kriegsschiffe nach den mexikanischen Gewässern gesandt werden, bis Präsident Taft sich davon überzeugt hat, daß keine Möglichkeit zur Wieder- Herstellung des Friedens in Mexiko vorhanden sei. Hirn der parte!« poKzeiUchte» GmcMiuhco uftv. Klassenjustiz in Bayern. Wegen der einem Prozeßberickit gegebenen Ueberschrift:»Der Prozeß eines Querulanten' wurde der verantwortliche Redakteur der .Münchener Post" unter Wbichneidung jeglichen Wahrheits- beweiies, obwohl dieser wenigsten« für das Strafmaß von Bedeutung gewesen wäre, zu einer Geld st rate von 100 M. verurteilt. Der nämliche Richter hat den Redakteur eines Zentrumsblattes. daS die„Münchener Post' als Lügen- und Hcuchlerorgan bezeichnet und ihr Schuitenpplitit vorgeworfen hat ohne auch nur den Schatten eines Beweises anzubieten, geschweige denn zu erbringen, wegen Beleidigung der gesamten Redaktion der„Münchener Post" zu eine« Geldstrafe von 5 0 M. verurteilt. Die von verschiedenen Seiten so gerühmte„süddeutsche Eigenart' wird durch folgende Bemerkung, die die„Münchener Post' an diese Meldung knüpft, in das rechte Licht gesetzt: „In unserem Archiv schlummert noch eine große Anzahl von lehrreichen Beispielen, die zeigen, mit welchen Maßen vor deutschen. insbesondere auch bäuerische«Gerichten Sozialdemo- kraten und Nichtsozialdemolraten gemessen werden. Beispiel«, die das Kammergericht Berlin ohne Zweifel veranlassen würden, das, was es unvergessenermaßen einmal über sächsische Gerichte festgestellt hat, auch auf die unsrigen auszudehnen. Wir behalten uuS vor, zu gelegener Zeit die Tatsachen«inander gegenüberzustellen.� <3cwerkrchaftUcbe& Oer Bucbbindervcrband im Jakre 1910. Bei der starken Vertretung der weiblichen Arbeitskraft in der Buchbinderei und den verwandten Gelverben ist die starke Zunahme der weiblichen Verbandsmitglieder besonders erfreulich. Im Berichts- jähre hat der Verband 1S19 männliche und 3271 weibliche Mitglieder gewonnen, und er hat mit insgesamt 28 794 Mitgliedern eine Höhe erreicht wie nie zuvor. Der Kampf um Verkürzung der Arbeitszeit wurde in besonders Wirksamer Weise geführt. Für 4719 Arbeiter rind Arbeiterinnen wurde eine Arbeitszeitverkürzung von 7943 Stunden pro Woche erreicht, Lohnerhöhungen wurden für 7646 Personen mit S94 776M. pro Jahr erzielt; durch Abwehrstreiks wurde eine Lohnherabsetzung für 133 Per- sonen um 261 M. pro Woche verhütet. Diese Erfolge überragen die der letzten sechs Jahre. In den sechs Jahren 1993 bis 1919 wurden 1 433 224 Stunden Arbeitszeitverkürzung und 1 449 935 M. Lohnerhöhungen erreicht. Der Verband ist Tarifkontrahent bei 193 Tarifen, die für 1754 Betriebe mit 23 562 Personen Gültigkeit haben? die Buchbinderbranche ist mit 59 Tarifen für 1413 Betrieben mit 16 519 Personen am stärksten daran beteiligt, die anderen ver- teilen sich auf die Nebenbranchen. Neu abgeschlossen wurden im Berichtsjahre 59 Tarife für 919 Betriebe mit 8954 beschäftigte Personen. Für diese wirtschaftlichen Kämpfe hat der Verband rund eine Viertel Million Mark aufgewandt. Außerdem wurden nahezu 299999 M. an Unterstützungen aus- gezahlt. Davon entfielen 199 999 M. auf die Unterstützung Arbeits- loser und 79 999 M. auf Krankenunterstützung.— Mit diesen Er- folgen des Jahres 1919 hat der Verband das zweite Bierteljahr- hundert seines Bestehens verheißungsvoll angefangen. Lerlln und Umgegend. Die Klempner der Gasmesserbranche stehen seit Mitke der nun Berflossenen Woche in einem Streik, der sich auf alle in Betracht kommenden Betriebe erstreckt, mit Ausnahme der Firma Baum- gärtner, die die Forderungen von vornherein bewilligt hat. Bei der Firma Elster dauert der Streik bereits acht Tage. Herr Elster hatte am 1. Mai die übrigen Firmen zu einer Sitzung zu- sammenberufen, um gemeinsam zu den eingereichten Forderungen Stellung zu nehmen. Es kam dabei auch ein Angebot zustande, aber mit so geringen Zugeständnissen, daß die Klempner unmöglich darauf eingehen konnten, und da aus dem Wege der Verhandlungen nichts weiter zu erreichen war, blieb kein anderes Mittel, als das der allgemeinen Arbeitsniederlegung übrig. Das Angebot der Unternehmer, die bindende Abmachungen überhaupt nicht treffen wollten, ging darauf hinaus, als Anfangslohn in der Branche 55 Pf., nach sechswöchiger Beschäftigung 69 Pf. die Stunde zu zahlen und bei Akkordarbeit den Verdienst auf 65 Pf. zu bemessen. Die Firma P i n t s ch, die ja einen gemischten Betrieb hat. von dem die Gasmesserfabrikation nur einen geringen Teil bildet, hat mit ihrem Arbeiterausschuß oder„Arbeitsrat" verhandelt und dabei 69 Pf. Stundenlohn und bei Akkord 65 Pf. geboten. Da die Gasmesser- illempner bei Akkordarbeit immerhin ihre 79, 75 bis 89 Pf. oder noch etwas mehr die Stunde verdienen, konnte natürlich auch das An- gebot dieser Firma nicht befriedigen. Gefordert werden in der Tarifvorlage als Mindestlohn 79 Pf.; für Jungausgelernte im ersten Jahre 69 Pf., im zweiten 65 Pf.-Die Akkordpreise sollen so geregelt werden, daß ein Durchschnittsarbeiter mindestens 89 Pf. die Stunde verdient. Am Sonnabendvormittag hielten die Gasmesserklempner eine Streikversammlung ab. Der Vertrauensmann D i d e r i ch be- richtete über die Lage. Es ist mehr als 15 Jahre her, daß in dieser Branche eine Lohnbewegung stattgefunden hat. Im Laufe dieser Jahre wurde durch die Einführung des Einheitspreises für Leucht- und Kochgas, die eine große Anzahl von Gasmessern überflüssig machte, eine sehr schlechte Konjunktur hervorgerufen, die eine schon lange notwendig gewordene Lohnbewegung nicht ratsam erscheinen ließ. Inzwischen haben sich in dieser Hinsicht die Verhältnisse ge- bessert, und es ist wieder ausreichend Arbeit vorhanden. Bewilligen könnten die Firmen die Forderungen um so leichter, als die gegen- seitige Konkurrenz bei ihnen keine große Rolle spielt, da der Kreis ihrer Abnehmer im wesentlichen aus den Städten Berlin, Char- lottenburg und Rixdorf besteht, während für die meisten anderen Bororte die englische Gasgesellschaft in Betracht kommt, die ihre Gasmesser im eigenen Betriebe anfertigt. Uebrigens scheint es, daß die Stadt Berlin den Unternehmern den Rücken zu steifen sucht. Wie berichtet wird, hat an der Sitzung der Unternehmer ein Vertreter der Stadt teilgenommen— allerdings„inoffiziell", wie gesagt wird—, und Herr E l st e r hat erklärt, es sei dafür gesorgt, daß die Streikenden weder bei der englischen Gasgesellschaft, noch bei der Stadt Berlin oder sonstwo Arbeit erhalten. Herr Elster Ist darüber unzufrieden, daß mit Genehmigung der Organisation einige in seinem Betriebe alt und grau geworbene Leute stehengeblieben sind. Er findet das sehr verkehrt gehandelt von den Streikenden, solche Ausnahmen zu machen. Die alten Arbeiter, meinte er, kosteten ihm jährlich 5999 M., und da wäre es eine schlechte Humanität, ihm gerade diese Leute, denen er so etwas wie eine Pension zahlt, zu überlassen, während alle die voll- kräftigen Leute streiken. Derselbe Unternehmer bietet denen, die wieder arbeiten wollten, eine tägliche Zulage von 2 M., aber die Streikenden haben es selbstverständlich einmütig abgelehnt, sich für den Judaslohn zu verkaufen. Kann Herr E l st e r etwaigen Ar- kxitswilligen solche Zuwendungen in Aussicht stellen, so kann er um so eher die bescheidenen Forderungen der Streikenden bewilligen.— Die Versammlung zeigte in ihrem ganzen Verlauf, daß die Strei- kenden einmütig zusammenstehen und nicht daran denken, bei irgendeiner Firma die Arbeit wieder aufzunehmen, solange nicht ein den Forderungen entsprechendes Uebereinkommen getroffen ist. Zu Verhandlungen sind sie selbstverständlich jederzeit bereit. Der Streik erstreckt sich auf die Firmen Jahn, Kiesewetter, B e s s in, Pintsch, Elster und Heise. Bon der Subkvmmisfion des ArbeiterauSschusseS der A. E. G. erhalten wir folgende Zuschrift: Die Notiz im„Vorwärts vom 26. April d. I.. betr. den Streik der Transportarbeiter der A. E. G., Brunnenftraße, bedarf einer Richtigstellung. Es heißt in der Notiz: „Das, was sie(die Direktion) unter allen Umständen wollte: sofortige Einstellung der über drei Jahre im Werk tätigen Leute, wurde nicht erfüllt." Dieser Wortlaut trifft nicht vollständig die von der Direktion gemachte Zusage, denn das Zugeständnis ging nur dahin, daß die alteren Leute in erster Linie bei der Einstellung berücksichtigt werden sollten. Die Unterzeichneten erklären ferner, daß die nach Beendigung des Streiks stattgefundenen Verhandlungen des Arbeiterausschusses mit der Direktion durchaus sachlich geführt wurden. Bei dieser Verhandlung erklärte die Direktion, daß sie auch nach Möglichkeit die älteren Leute berücksichtigt habe. Die Subkommission des Arbeiterausschusses. Bentz. Ullrich. Baumgart. Grigoleit. Die Bäcker und Konditoren werden auf das Inserat in der heutigen Nummer besonders hingewiesen! Die Maschinisten, Heizer, Abschmiere? und Kohlenarbeiter der Brauereien versammelten sich am Sonnabend vormittag in den «rminhallen. Nachdem fie einen Vortrog von Jakoby über Sozialpolitik gehört hatten, brachte der Vorsitzende Schwittau die Fragen der Bezahlung der Feiertage und der Einteilung des Ur- laubs zur Sprack>e. In bezug auf den Urlaub ist darauf zu achten, daß für das Maschinenpersonal die Urlaubswocke sieben Tage be- trägt; die Beschränkung auf sechs Tage ist zurückzuweisen. Die Frage Berantw, Redakteur: Albert Wachs, Berlin. In /eratenteil vergntw. der Bezahlung der Feiertage kam am 24. Februar zur Entscheidung vor das Einigungsamt. Der Spruch des Einigungsamtes ging dahin, daß 1. Arbeit an in die Woche fallenden gesetzlichen Feier- tagen als Ueberarbeit gilt; 2. Arbeit, welche an in die Woche fallenden Oster-, Pfingst- oder Weihnachtsfeiertagen geleistet wird, gilt als Ueberarbeit, welche zu dem in Wochenlohn sich ergebenden Stundensatz zuzüglich 49 Pf. Zuschlag zu bezahlen ist; 3. Arbeit, welche an Oster-, Pfingst- und Weihnachtsfeiertagen, die auf einen Sonntag fallen, von den Maschinisten und Heizern geleistet wird, gilt nicht als Ueberarbeit und ist nicht besonders zu vergüten.— Fleischergescllcn! In der Schinkensalzerei von Oskar Dörffler, Greifswalder Straße 33a, haben sämtliche Gesellen (23) die Arbeit eingestellt. Die Firma zahlt in Berlin mit die niedrigsten Löhne. Alle Versuche, diese zu erhöhen, waren ver- geben». Herr Dörffler erklärte der Organisationsleitung so- wie einer Kommission der Gesellen, daß er sich auf nichts einlasse; über Lohn- und Arbeitsbedingungen habe nur er zu entscheiden. Die Firma versucht, da sie Schlächter als Streikbrecher nicht erhält, ungelernte Arbeiter zu bekommen. Wir ersuchen alle Partei- und Gewerkschaftsgenossen, darauf zu achten, daß dies nicht gelingt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Ferner ersuchen wir unsere Mitglieder, den Jnnungsarbeitsnachweis in der Mulackstraße 3 genau zu beobachten. Zentralverband der Fleischer. Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Bäcker! Die Sperre über die Brotbäckerei Liebing, Reinickendorf, Residenzstratze 159, besteht nach wie vor weiter. Auch gegenüber von Schlichtungsversuchen von dritter unbeteiligter Seite war Herr Obermeister Liebing völlig unzu- gänglich. Er will der«Herr im Hause" bleiben, wie er sich nicht nur seinen Leuten, sondern auch dem vermittelnd eingreifenden Ge- Werkschaftsvertreter gegenüber hoheitsvoll abweisend erklärte. Der Herr ist froh, daß er die„Aufhetzer", d. h. die jahrelang in seinem Betriebe arbeitenden, seinen Reichtum vermehrenden Verbandsmit- glieder losgeworden ist. Er scheint dafür seine ganz besonderen Gründe zu haben. Er erklärte nämlich seinen Gesellen gegenüber, daß er bei einer zehnstündigen Arbeitszeit, die der neue Tarif vor- sieht, sein Brot gar nicht fertig st ellen(„s ch a f f e n") könne. Der Herr scheint bei seinem fabelhaften Reichtum, den er aus seiner Bäckerei„erworben" hat, noch gar nicht auf den Ge- danken gekommen zu sein, daß man auch in einem Großbetrieb, wie dieser Herr ihn hat, noch Arbeitskräfte einstellen kann, und trotz- dem noch jährlich Tausende und Zehntausende„gutmachen" kann. Auch sonst hat Herr Liebing sich Aeußerungen bedient, die der Vermutung der Gemaßregelten und Streikenden recht zu geben scheinen, daß Herr Liebing nur seinen Betrieb von Ver- bandsge seilen säubern wollte, um nach Schaf- fung des Tarifes denselben nicht einhalten zu brauchen. In einer Quartalsversammlung seiner Innung hat er als Obermeister den recht eigenartigen Satz geprägt:„Ja, wenn die Kollegen aber nachher den Tarif nicht halten, dann können wir auch nichts dagegen machen!" Der Herr Obermeister Liebing hat dabei selbst den Widerspruch von Bäckermeistern herausgefordert, die obigen Satz so aufgekaßt haben, als wenn er den Meistern für Durchbrechung des Tarifes schon vorher einen Freibrief ausstellen wolle. Aus alledem läßt sich das Vorgehen dieses„Herrn im Hause" nur im arbeiterfeindlichen Sinne begreifen. Viele der Abnehmer des Liebingschen Brotes, die sehr zahlreich namentlich im Norden und in Rixdorf wohnen, werden dem Standpunkt ihres Brotlieferanten wenig Verständnis entgegenbringen können. Zuzug organisierter Arbeiter ist von der Brotbäckerei Liebing- Reinickendorf nach wie vor streng fernzuhalten. Der Vertrauensmann der Bäcker Berlins und Umgegend. OeutkcheB Reich. Auf der Streikbrechersuche. In den Bürgerlichen Zeitungen prangt in großen Lettern folgendes Inserat: Bäcker-Gesellen finden sofort lohnende Arbeit in Hamburg- Mona- Wandsbek. In Hamburg werden die höchsten Löhne im Bäckergewerbe Bezahlt. Reisegeld wird vergütet. Meldungen Hamburg 3, Holstenwall 19, Bäcker-JnnungS« haus. Mit keinem Wort sagen die.noblen" Inserenten den Reflek- tanten, daß es sich bei dieser.lohnenden Arbeit" um Streikbrecher- tätigkeit handelt. Die Hamburger Bäcker und Konditoren stehen in der Lohnbewegung. Die Arbeiter haben der eklen Komödie der Verhandlungen, die durch die Verschleppungstaktik der Meister unter Führung des Einpeitschers beim WahlrechtSraub in der Bürger- schaft, des Obermeisters Blinkmann, fünf Wochen dauerten, jetzt ein Ende gemacht. Ein Streikbeschluß liegt aber noch nicht vor, sondern es waren bereits neue Verhandlungen eingeleitet. Da kommen jetzt in allen Orten und bürgerlichen Zeitungen die Hamburger Meister her, um unter unverfäng« licher, falscher Flagge unerfahrene Leute nach Hamburg zu locken, um die Getäuschten an ihrer Arbeiterehre und auch finanziell schwer zu schädigen. Die bürgerlichen Zeitungen geben sich natürlich gern zu dieser schäbigen HandlungS« weise her, indem sie diese, für jeden Setzerlehrling auf den ersten Blick erkennbaren, verkappten, unlauteren Streikbrecher-Jnserate auf- nehmen. Die Bäckermeister von Hamburg treiben es mit Gewalt zum Streik: das zeigt diese hinterhältige Streikbrechersuche mit aller wünschenswerten Deutlichkeit. Kein Bäcker, kein Konditor gehe jetzt nach Hamburg! Das gesamte Hamburg-Altonaer Städtegebie ist bis auf weiteres für Bäcker und Konditoren gesperrt. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Die Einigungsversuche zur gütlichen Beilegung der Lohn- iewegung der Breslauer Bäcker sind als gescheitert zu betrachten. Eine Einladung des Bürgermeisters T r e n l i n an die Innung so- wie auck, an den gelben Gesellenausschuß zur Aussprache über die Lohnforderungen wurde einfach ignoriert. Eine von mehreren hundert Gesellen besuchte Versammlung forderte einmütig die Lohn- kommission auf, nunmehr ungesäumt an das Werk zu gehen und den Meistern einzeln den Tarif vorzulegen. In allen Fällen, wo der Tarif nicht anerkannt wird, soll die Arbeit sofort eingestellt werden. Der Streik in der Gasanstalt Gotha ist wieder aufgehoben worden. Die Schwesterbetriebe der Gesellschaft in Dessau und anderen Städten hatten eine genügende Anzahl Streikbrecher zu stellen vermocht. Die Arbeit wurde wieder ausgenommen, nachdem das gcmaßregelte Ausschußmitglied erklärt hatte, auf eine Wieder- einstellung zu verzichten._ Die Hinkegarde in Gera. Bei der Firma Wilhelm Spaethe, Musikinstrumenten- fabrik, in Gera(Reuß) ist ein Streik ausgebrochen. Da die Be- mübungen der Firma, anständige Leute als Ersatzkräfle heranzuziehen, vergeblich gewesen sind, hat sie jetzt fünf Hintzemänner ein- gestellt. Diese sind mit Schlagringen, Guinmischläuchen und angeblich auch mit Revolvern ausgerüstet. Auch der Meister, der die.Arbeitswilligen" in ihr Quartier brachte, trug einen Schlag« ring offen in der Hand. Natürlich wurden die Herren ; Th- Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Lerlagsanstali „Arbeitswilligen' Bon einem Schutzmann begleitet. Zu Aus- schreitungen dieser„nützlichen Elemente" ist es�zioch nicht gekommen. Die Streikenden lassen sie nach Möglichkeit liias liegen. Ter Streik selbst steht günstig._ Seelenverkäufer an der Arbeit. Die Streilbrecheragenten sind noch mit allen Mitteln bestrebt Arbeitswillige nach Hamburg zu schaffen. Am 5. Mai kam ein Transport aus Berlin und einer aus Thüringen. Auguste Müller hat ihre Helfershelfer sogar unter den auS- wärtigen Tischlermeistern und diese Seelenverkäufer scheuen selbst vor den schofelsten Mitteln nicht zurück, um ihr Ziel zu erreichen. Ein drastisches Beispiel dafür. In Schleusingen bei Erfurt betreibt ein gewisser Adlung eine Möbelfabrik. Am Mittwoch trat der Inhaber� an seine Arbeiter heran und teilte ihnen mit, daß er einige Tischler für eine Man« tage in der Nähe von Bebra gebrauche. Von den dort Be- schäftigten meldeten sich dann drei Mann, um die Montagen sür den gebotenen Stundenlohn auszuführen. Der Meister fuhr mit den Arbeitern bis Bebra, wo man mit weiteren sechs Arbeitern zusammentraf, die von Erfurt kamen, dar- unter ein gewisser Hercht aus Wegelsberg. Mit diesem gemeinsam wurde der Hamburger Zug bestiegen und als dann Stunde um Stunde verrann, ohne zum Ziele zu kommen, wurde den Genossen aus Schleusingen, unter denen sich auch der Parteivertrauensmann befand, bei der Geschichte unheimlich, wurden aber ans ihre Anfragen mit Ausreden hingehalten. Erst als man in Harburg von ihnen verlangte, ein bereit stehendes Automobil zu besteigen, wurde ihnen klar, zu welchen verwerflichem Zweck man sie ge- brauchen wollte, und weigerten sie sich nunmehr, noch weiter mit- zufahren. Trotz der Bedrohungen, die ihnen zuteil wurden, ließen sie sich nicht einschüchtern, sondern begaben sich zum Streikbureau nach Hamburg. Mit dem Tischlermeister Adlung in Schleusingen wird der Holzarbeiterverband noch ein Wort zu reden haben. Der berüchtigte K a tz m a r e k verkauft den Hamburger Unternehmern nicht ollein Streikbrecher, sondern auch— Jnvaliden- karten. In welch unverfrorener Weise der Bursche vorgeht, dafür folgender Fall. Vor 8 Tagen hatte er einen Trupp Arbeiter in Berlin angeworben. Von diesen, denen er die Jnvalidenkartcn abgenommen, gingen ihm in Hamburg 3 Mann„verloren". Diese iourden vom Holzarbeiterverband wieder nach Berlin geschafft. Einige Tage später hat K. dann dieselben Arbeiter wieder in Berlin angeworben und weil sie nicht im Besitz von Jnvalidenkarten waren, weil die eigenen von K. den Holzindustriellen in Hamburg ausgehändigt wären, gab er ihnen Jnvalidenkarten ans andere Namen lautend, darunter diejenige des— Bevollmächtigten des Holzarbeiterverbandes in Hannover!— K. erklärte hierbei:„Ich muß Sie in Hamburg wenigstens abliefern, dann bekckmme ich mein Geld, zu arbeiten brauchen Sie ja nicht. Ich habe den Hamburger Arbeitgebern schon mindestens ein Dutzend Streikbrecher einige Male, jedesmal mit anderen Jnvalidenkarten abgeliefert und jedes- mal mein Geld dafür bekommen. Sorgt doch dafür, daß ich 29 Mann kriege, auf die ich mich verlassen kann, die die Kiste nicht verraten. Jnvalidenkarten hal« ich genug da, dann können wir ein Bombengeschäft machen, denn die Kerle in Hamburg sind ja zu dumm." Die drei„Arbeitswilligen" haben sich dann aber nicht„ab- liefern" lassen, sondern haben sich auf dem Streikbureau in Ham- bürg gemeldet, weil es— Mitglieder des Holzarbeiterverbandes waren, die sich anwerben ließen, um die Schliche dieses Burschen aufzudecken. Wer weiß, welches Gesindel die Hamburger Tischlermeister mit falschen Jnvalidenkarten in ihren Betrieben beherbergen. Vielleicht wäre mancher„gute Fang" für die Kriminalpolizei da- runter— Katzmarek hat ja„Jnvalidenkarten noch genug da". Arbeiter, sorgt dafür, daß diesem Burschen das Handwerk gez legt wird. Ausland. Streik der römischen Straßenkehrer. Rom, den 4. Mai 1911.(Eig. Ber.) Am 3. d. MtS. sind die städtischen Straßenkehrer Roms in den Ausstand getreten, um eine Er- höhung ihres TagelohnS, der zwischen 3 Lire und 8,59 Lire schwankt, zu erzielen. Die Abholung des Abfalls aus den Häusern ist ein- gestellt worden und für die Straßenreinigung wird sehr notdürftig durch Streilbrecher, die unter polizeilicher Bewachung arbeiten, ge- sorgt. Der Bürgermeister fordert durch Anschlag die Bürgerschaft auf, den Absall auf die Straße zu tragen, von wo die Stadt- Verwaltung seine Wegräumung veranlassen würde. Die Zahl der Streikenden beträgt über 1999. Der durch den Streik brach gelegte öffentliche Dienst hängt von dem Stadtrat Genossen Rossi- Doria ab. Die Maureraussperrung in Madrid. In Madrid haben die Unternehmer des Baugewerbe? die organisierten Maurer seit dem 22. April ausgesperrt unter dem Vor» wand, daß die Gewerkschaft die Zusammenarbeit mit unorganisierten Maureni verweigert hat. In Wirklichkeit handelt es sich nur um einen Versuch, die starke Gewerkschaft niederzuzwingen, bevor diese die alten Arbeitsbedingungen auskündigle und neue mit Erfolge verlangen konnte. Die Unternehmer hatten mit der Spaltung unter den Arbeitern gerechnet; allein sie täuschte sich darin gründlich. Die Maurer Madrids können mit den Reserven in ihren Kassen mindestens 4 Wochen aushalten. Mit der Unterstützung der anderen Arbeitsorganisationen können sie 5 oder 6 Wochen kämpfen. Das erste Ergebnis dieser Aussperrung ist, daß die Zimmerleute und die Schmiede bald ohne Arbeit sein werden. Ein Generalstreik der Baugewerkschaften kann jeden Augenblick erklärt werden._ Hetzte Nachrichten« Ein Manifest der belgischen Sozialisten. Brüssel, 6. Mai.(W. T. B.) Die Sozialisten veröffentlichten heute ein Manifest gegen den Besuch des Präsidenten Fallieres, in dem es heißt, das heutige Frankreich berge unter seinem republi» kanischen Mantel monarchische Institutionen und stübc mit seinem Gelde den russischen Zarismus. Ferner kritisiert das Manifest das Verbot der Maifeierkundgcbungen und fordert die Arbeiterschaft auf. sich während des Besuchs Fallieres vollständig neutral zu ver- halten._ Aus dem türkischen Aufstandsgebiet. Saloniki, 6. Mai.(W. T. B.) Wie aus Skutari gemeldet wird, sind drei Torpedoboote in Schindjin eingetroffen und haben den Wachtdienst übernommen, um an der Küste die Landung von Frei- schärlern und Waffenschmuggel zu verhindern. Nachdem alle für das Wilajet Skutari bestimmten Bataillone in ihren Bestimmungs- orten eingetroffen sind, wird nun mit der Niederwerfung der 3ie- bellen nach den Weisungen der Regierung begonnen werden. Die gestern und heute eingetroffenen Truppen sollen von Uesküb nach den verschiedenen, strategisch wichtigen Plätzen an der Grenze weitergehen._ Die Rache des Zuchthäuslers. Trier, 6. Mai.(H. B.) In L o s h e i m(Kreis Merzig) drang der zur Entlassung gekommene Zuchtbäusler Schmal in das Haus seiner inzwischen wieder verheirateten früheren Frau, um sie zu erstechen. Er kam aber an das Bell der l4jäb>igen Schwester der Frau und stach sie nieder. Der Zustand des Mädchens ist hoffnungslos. Der Täter wurde verhaftet._ Großer Theatcrbrand. SimbirSk(Rußland). 6. Mai.(W. T. B.) Im hiesigen Theater 'ist ein Brand ausgebrochen. Das Feuer bedroht die benachbarten Häuser.______ Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 5 Beilagen. Nr. M. 28. Jahrgang. 1. KtilM Ks.Amöck" Fnlim AckÄM Sonntag, 7. Mai M. l�eickstag. 163. Sitzung. Sonnabend, den 6. Mai, mittags 12 Uhr. Lm Bundesratstisch: Dr. Delbrück. Die Beratung der Reichsverficherungsordnung wird fortgesetzt bei§ 69, der die Kosten des Versicherungsamtes dem Bundesstaat auferlegt, falls es aber bei einer gemeindlichen Behörde errichtet ist, dem Gemeindeverband. Abg. Giißling(Sßp.) begründet einen Antrag, die Kosten der Versicherungsämter den B u n d e s st a a t e n zu übertragen, nicht den Gemeinden. Man könne die Gemeinden nicht mit der Begründung mit diesen Kosten belasten, weil durch die Versicherung der Armen- etat der Gemeinden entlastet werde; bisher habe sich das nicht gezeigt. Ein Regierungskommissar bestreitet, daß die Gemeinden durch die Bestimmungen der Vorlage neu belastet werden und bittet um Ablehnung der gestellten Anträge. Abg. Hildenbrand sSoz.) begründet einen Antrag Albrecht und Genossen, der dasselbe der langt, wie der freifinnige Antrag. Die finanzielle Deckung der Kosten der Versicherungsämter wollte auch die Kommission den Bundesstaaten auferlegen; aber der Vertreter von Sachsen hat, wie der Kommissionsbericht zeigt, sich mit Händen und Füßen da- gegen gewehrt. Die Versicherten haben bei der großen Bedeutung der Versicherungsämter ein starkes Interesse daran, daß sie als staatliche Behörden ausgestattet werden. Daß dies durch- führbar ist, beweist das Beispiel Württembergs. Was dort durch- führbar ist, wäre auch in Preußen durchführbar, wenn eine andere Landesvertretung dort verhanden wäre. In der ersten Lesung siegte in der Kommission auch die Vernunft. Aber zwischen der ersten und zweiten Lesung gabdaS Zentrum den preußischen Konservariven nach und nun ist der Paragraph so gestaltet, daß er heißt:.Die Kosten des VersicherungSamts trägt der Bundes- staat; wenn er daS aber nicht will, legt er sie den Gemeinden auf". Als Folge wird eintreten, daß man in Preußen die Städte mit den Kosten belasten wird, in den ostelbischen Bezirken aber wird man die Versicherungsämter den Landratsämtern an- gliedern und die Kosten dem Staat auferlegen. So haben die preußischen Konservativen es auch bei diesem Gesetz verstanden, ihre Geldbeutelinteressen zu wahren. Eine so verschiedene Gestaltung der Versicherungsämter sollte der Reichstag nicht mitmachen, sondern er sollte den Kommissionsbeschluß erster Lesung wiederherstellen. was unser Antrag bezweckt. Auch Sachsen sollte sich einer solchen Regelung im Interesse der Arbeiter nicht entgegensetzen.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Abg. Trimborn(Z.) befürwortet einen Kompromißantrag der bürgerlichen Parteien, wenigsten? die Lasten der Bezüge der Ver- sicherungsvertreter dem Staate aufzuerlegen und bestreitet, daß der Paragraph eine Verschlechterung gegenüber dem bisherigen Zustande bedeute. Abg. Gyßling(Vp.): Es handelt sich durchaus nicht nur um eine Kodifikation des bisherigen ZustandeS, denn die neuen Ver- sicherungsämter haben doch diel weitergehendere Aufgaben als die bisherigen Bersicherungskörper, daher werden die Kosten viel größer werden.(Sehr richtig I links.) Abg. Horn(natl.) spricht für den Kompromißantrag. Abg. Hildenbraod(Soz.): Auch ich muß entschieden bestreiten, daß es sich nur um die Aufrechterhaltung des seitherigen ZustandeS handelt, denn die Kosten der Gemeinden werden erheblich st eigen. Versprechungen der Regierung werden bekanntlich von den Verwaltungsorganen nicht beachtet, darum müssen wir eine gesetzliche Festlegung verlangen. Es ist bedauerlich, daß das Zentrum hier mcht ebenso fest bleibt. wie bei der Finanzreform, wo es sich um alle Unannehmbarkeits- erklärungen der Regierung nicht gekümmert hat. Die Regierung würde dann auf ihrem Unannehmbar kaum bestehen bleiben, denn sie hat selbst das größte Interesse an dem Zustandekommen des Gesetzes.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Unter Ablehnung der sonstigen Anträge wird der Kompromiß- antra g und der so veränderte Paragraph angenommen. Die folgenden Paragraphen werden debattelos angenommen. Zu§ 128, der Ne Rechtshilfe betrifft, beantragen die Abgg. kleines feuilleton. Arbeitermöbel. Es gibt nichts Komischeres als einen plötzlich reich gewordenen Bourgeois, der nun alles daran setzt, den ihm ge- wordenen Goldregen jedermann in die Ohren zu schreien. Das erste. waS er tut. ist. daß er sich neu einrichtet, hochherrschaftlich. nach der letzten Mode. Am liebsten möchte er eS so haben, wie die ganz reiche» Leute, die Bankdirektoren oder gar die hochedlen Schloß- Herren. So füllt sich denn der Bürgerprotz seine Zimmer mit Möbeln, die aussehen, als hätten schon lange Ahnenreihen zwischen ihnen gehaust, Raubritter und Sonnenkönige. Warum sollte er auch nicht, gibt eS doch alle diese Dinge bequem zu kaufen, links um die Ecke oder auch rechts. Gönnen wir dem Bürgerprotz sein Ver- gnügen. Der zum Bewußtsein seiner Eigenart erwachte Proletarier lächelt über solche Anbetung abgesetzter Klassen. Er weiß, daß es töricht wäre und schwach, gleich dem Bourgeois nun seinerseits dem Bürger absehen zu wollen, wie er sich räuspert und spuckt. Er weiß, daß er eS seiner Würde schuldig ist, die lahmen Krücken einer verlogenen Pseudokultur siehe» zu lassen, um aus eigener Kraft sich und seiner politischen Schicht mit allem, was sichtbar ist, einen Ausdruck zu schaffen. Wie eS eine Architektur der Könige gegeben hat, so mutz es einmal eine Architektur des Volkes geben. Freilich. daS will erstritten sein. Heute waltet auch in diesen Dingen noch die Hörigleit von denen, die zwar sterben, aber doch noch da sind. So kommt es, daß der Arbeiter, selbst wenn er den reinsten und stärksten Willen hat. sich nicht davor bewahren kann: die charalterlosen Möbel eines degenerierten Bürgertum» in sein Haus zu Und obendrein in einer elenden, die Lüge noch lächer- lich«c machenden Qualität Gibt e« kein Mittel, den Arbeiter von dem nachäffenden Schund zu befreien! Solche Befreiung könnte zu- gleich die Versklavung durch bestimmte, wucherische Methoden des Abzahlungsgeschäftes brechen. Versuche solcher Art sind wohl schon des öfteren gemacht worden, auch nicht immer ohne einigen Erfolg. Wiederum in diesen Tagen soll ein Vorstoß gegen den Schund und die Lüge für die Qualität und den Charakter unternommen werden. Die Kommission für Vorbild- liche Arbeiterwohnungen hat nach einjähriger Arbeit ihre Absichten nunmehr soweit gefördert, daß die erste Musterwohnung gezeigt werden kann: Möbel, die sich völlig fernhalten von allem Unsinn und aller Lächerlichkeit der„Guten Stube", der Muschelrenaissance, des hochfeinen, massiven Nußbaum und der übrigen Laster eines nach dem Herrschastlichen schielenden„Mobilars". Alles was in dieser Wohnung zu sehen sein wird, ist brauchbar, aus gutem Material ordentlich gearbeitet und den Lebensgewohnheiten, dem Charakter des Proletariers angepaßt. Diese zwei Zimmer und Küche sind in allem was sie enthalten, in ihrem ganzen räumlichen Ausdruck ein Dokument für das Wolle» des Voltes, daS nicht mehr das in sein HauS nehmen will, was die Profitgier ihm diktiert, vielmehr das, was eS sich selber schafft. Diese Möbel werden am Freitag, den 12. Mai, abends'von S— v Uhr in den bekannten Räumen deS Gewerkschaftshauses jeder- A l b r e ch t und Genossen anzufügen:„Bei Beweisaufnahme ist den Parteien Gelegenheit zur Teilnahme zu geben". Abg. Busold(Soz.): Auch diesen unseren Antrag hat die Kommission in der ersten Lesung angenommen und erst nachher wieder gestrichen. Die bis- herigen praktischen Erfahrungen beweisen, wie dringend notwendig die Teilnahme der Parteien an der Beweisaufnahme ist.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Becker(Z.): Ich bitte, den Antrag abzulehnen. Was er will, soll beim letzten Buch nachgeholt werden. Abg. Hoch(Soz.): DaS ist uns in der Kommission auch gesagt worden, aber es ist nachher nicht geschehen; hier ist auch die richtige Stelle zur An- nähme dieser Bestimmung. Abg. Becker(Z.): Hier handelt es sich um die polizeilichen Ver- nehmungen, auf die viele Praktiker nicht großen Wert legen. Wert- voll dagegen ist die Teilnahme der Parteien da, wo das Beweis- Material beim Versicherungs- und Oberversicherungsamt ge- sammelt wird. Abg. Hoch(Soz.): Der Vorredner sagt, den polizeilichen Vernehmungen ist nicht viel Wert beizulegen, weil diese Personen nicht sachverständig sind. Gerade deshalb aber ist die Anwesenheit der Beteiligten notwendig, damit sie nachholen können, was ein unfähiger Polizei- b e a in t e r versäumt hat. Berichterstatter Abg. Dröscher(k.): Nach Ansicht der Kommission soll das ganze Verfahren einheitlich ini 6. Buch geregelt werden. Der K 1555 soll sich auf alle Beweisaufnahmen beziehen, gleichviel vor welcher Behörde sie stattfinden. Allerdings bezieht sich dieser Paragraph bisher nur auf die Unfallversicherung und muß daher auch noch für die I n v a l i d e n v e r s i ch e r u n g Geltung erhalten; das soll noch nachgeholt werden. Abg. Hoch(Soz.): In der Annahme, daß loyal im Sinne dieser Erklärung ge- handelt werden wird, ziehe ich unfern Antrag zurück. Zu§ 136, der zu zahnärztlicher Hilfe auch Zahn t e ch n i k e r in gewissen Fällen zuläßt, begründet Abg. Dr. Fleischer(Z.) einen Antrag, durch welchen die oberste Verwaltungsbehörde befugt werden soll, Zahntechniker in weiterem Umfange zuzulassen. Abg. Hausmann(natl.) tritt gleichfalls für den Antrag ein. Der Antrag wird angenommen. Z 157 bestimmt, daß Beamte, die der Dienstgewalt einer staat- lichen oder gemeindlichen Behörde unterstchen, von den Straf- bestimmungen für unbefugte Offenbarung von Geschäfts- und Be- triebSgeheimnissen ausgenommen werden, eS soll für sie statt dessen bei den für sie geltenden Vorschriften bleiben. Die Abgeordneten A I b r e ch t u. Gen.(Soz.) beantragen, diesen § 157 zu streichen. Abg. Molkenbuhr(Soz.): Es kommt vielfach vor, daß Beamte im Vorstand von Kranken- lassen sitzen. Diese sollen nun von den Strafbestimmungen der vorhergehenden Paragraphen ausgenomnien sein, weil sie be- reits dem Disziplinarverfahren unterstehen. Dadurch haben aber die Versicherten Kassenvorständen, die aus Beamten bestehen, gegenüber nicht dieselbe Sicherheit wie anderen Kassenvorständen gegenüber, weil wir nicht wissen, ob alle hier vorgesehenen Verbote auch disziplina- risch belangt werden können. Der Paragraph verstößt also gegen den Grundsatz, daß alle Personen vor dem Gesetze gleich sind.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Berichterstatter Dröscher(k.): Die Kommission hat sich von dem anderen Grundsatz leiten lassen: as bis in iäsm, es soll niemand wegen desselben Vergehens zweimal bestraft werden. Die Beamten unterstehen eben bereits dem Disziplinarrecht und mußten daher von den hier vorgesehenen Strafen ausgenommen werden. z 157 wird hierauf gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. § 161 bestimmt, daß das Oberversicherungsamt den Ortslohn festsetzt nach Anhörung der Gemeindebehörden und der Vorstände der beteiligten Krankenkassen. Die Äbgg. Alb recht u. Gen.(Soz.) beantragen zuzufügen: „der Ausschüsse der Gewerbegerichte und, wo solche nicht vor- Händen sind, der Vertreter der beteiligten gewerkschaftlichen Organi- sationen". Abg. Brey(Soz.): Die Krankenversicherung ist doch in erster Linie im Interesse mann zugänglich sein. An demselben Abend 8'/z Uhr wird im großen Saale des Gewerkschastshauses ein öffentlicher Lichtbilder- Vortrag stattfinden, der über daS Prinzipielle und Praktische dieses Kulturproblems Auskunft geben soll. Die Musterwohnung selbst soll während der nächsten Monate Mittwoch und Sonnabend von 6 bis 9 Uhr und Sonntag von 12—2 Uhr dem freien Zutritt geöffnet sein. Pariser Theater. Aus Paris wird uns geschrieben: E§ ist ein merkwürdiges, aber am Ende doch nicht ganz zufällige? Zusammen- treffen, daß zwei dramatische Autoren— Paul Bourget in seinem unlängst an dieser Stelle besprochenen„Tribüne" und Paul Hyacinthe L o y s o n in dem nun im Odeon zur einmaligen Auf- führung vor geladenen Zuschauern aufgeführten„ A p o st e l"— zu gleicher Zeit unabhängig voneinander denselben Stoff behandelt haben. Auch Loyson— ein Sohn des einst durch seinen Bruch mit der KiiFie berühmt gewordenen Abbös— stellt den Konflikt zwischen Vaterliebe und sittlicher Pflicht dar, der im Gewissen eines republikanischen antiklerikalen Ministers aus der Entdeckung ver- brecherischer Handlungen seines Sohnes erwächst. Im Gegensatz zu Bourget läßt er aber das Siltengesetz über das Gefühl siegen. Sein Held macht die Schuld des Sohnes der Welt offenbar. Der Autor hat ihm diese Entscheidung allerdings nicht allzu schwer gemacht, indem er den Jungen als einen ausgepichten Schuft zeichnete. Aber von einigen psychologischen Klobigkeiten und Schwerfälligkeiten abgesehen, ist der „Apostel" nicht nur ein ungewöhnlich starkes, im straffen zweiten Akt.mit fortreißendem dramatischen Temperament geführtes Theaterstück, sondern auch eine mutige Tat. Loyson weist auf die � Gefahr deS ethischen Materialismus hin, die einem Geschlecht droht, das keine neuen sittlichen Bindungen an die Stelle der Religion zu setzen hat, und legt da- mit unleugbar den Finger auf eine Wunde der bürgerlichen Republik. Loyson sucht eine neue Religion in einer Wahrheits- und Pflichtmoral, die er dem zum Nihilismus ausartenden Materialismus entgegensetzt. Es ist ein glücklicher Gedanke, daß er den Entschluß des Vaters aus der Empörung über den Versuch des Sohnes, die Schande auf einen unschuldigen Toten abzuwälzen, hervorgehen läßt. Der sittliche Jniperativ Loysons bejaht hier die Persönlichkeits- idee. Daß diese in einer Gesellschaft der Ausbeutung und Klaffen- Herrschaft eine Illusion bleiben muß, übersieht Loyson mit seinem Helden allerdings. Die skrupellosen Genüßlinge der republikanischen Gesellschaft, die er mit so schönem Mut darstellt, müssen die Regel und die großen Charaktere Ausnahmen und Zufälle bleiben. Die „weltliche" Moral hängt so lange in der Luft, als sie nicht bewußt sozialistische Moral geworden ist. O. P. Die Karriere des sprechenden HundeS. Don, der redselige Vier« füßler aus der Letzlinger Heide, ist zu einer europäischen Berühmt- heit geworden. Er hat vor kurzem sein erstes öffentlicbeS Engagement im Berliner Wintergarten beendet.' Infolgedessen ist der Hund zu einer gesuchten Varietö-Attraktion geworden; schon im Wintergarten hat der einstige Jagdhund eine„Gage" von 12 060 M. bezogen, und mit einer noch weit höheren Gage ist Don für den Monat Mai dem Etablissement Ronacher in Wien ver- der Versicherten geschaffen. Deshalb müssen auf die Fest- setzung des Ortslohnes vor allem auch die Arbeiter und die mit den Arbeiterverhältnissen vertrauten Einfluß haben. Die Gemeinde- behörden sind in Preußen nicht so zusammengesetzt, daß die Arbeiter darin vertreten sind. Nach den Vorschlägen der Kommission würden die Ortslöhne vom grünen Tisch aus festgesetzt werden, ohne daß die Verhältnisse der Arbeiter genügend Berücksichtigung finden. Dem soll unser Antrag vorbeugen. Eine Ablehnung unseres Antrages würde bedeuten, daß Sie die Rechte der Arbeiter minder hoch einschätzen als die Rechte der Be- sitzenden.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Der Antrag A l b r e ch t wird abgelehnt. Zu§ 162 be« antragen die Abgg. Alb recht und Genossen(Soz.), daß als Orts- lohn für männliche Personen über 21 Jahren nicht weniger als 3 Mark und für weibliche Personen über 21 Jahren nicht weniger als 2 Mark festgesetzt werden darf. Abg. Brey(Soz.): Nach dem Kommissionsbeschluß soll der Ortslohn einheitlich nach dem Durchschnitt für den Bezirk jedes Versicherungsamts festgesetzt werden. Nach diesem Ortslohn wird die Krankenbeihilfe bemessen und daß diese ausreichend ist, ist für den Erkrankten von un- geheurer Wichtigkeit. Hier zu sparen bedeutet eine Versündigung an unserem besten Wert, an der Arbeitskraft des Volkes. Die vor- geschlagene Regelung des Ortslohns schafft nun Krankenbeihilfe in verschiedenen Bezirken, die ganz unzureichend sind. Es kommen Ortslöhne von 1 M. pro Tag vor und wir werden erleben, daß in solchen Gegenden 47, 48 bis 50 Pf. Krankenbeihilfe gewährt werden. Das wäre eine Ber- höhnung der Kranken, zumal im Winter die Beihilfe unter Um- ständen auf 25 Proz. sinken kann. Das wäre eine Karikatur auf eine wirkliche Kraukcnbeihilfe.(Sehr wahr I bei den Sozialdemo- kraten.) Daher schlagen wir vor, Mindestsätze festzulegen. Die Mehrheit und die Regierung übt ja unseren Verbesserungsanträgen gegenüber passive Resistenz, man könnte von einer epidemischen Mundsperre auf ihrer Seite sprechen.(Heiterkeit.) Ich bitte dringend, unserem Antrage zuzustimmen.(Bravo l bei den Sozialdemokraten.) Abg. Molkenbuhr(Soz.): Wenn man die Klagen der Agrarier über die hohen Löhne der Landarbeiter höit, sollte man meinen, die Landarbeiter bekommen wirklich sehr hohe Bezüge. Aber tatsächlich sind in Ostpreußen bei 143 000 Krankentagen durchschnittlich 43 Pf. pro Kranken- tag als Unterstützung bezahlt worden, der ortsübliche Tagelohn beträgt dort also nur 96 Pf. Noch schlimmer ist es in Schlesien, wo nur 47 Pf. Unter- stützung pro Krankentag gezahlt sind. ES gibt eine ganze Reihe kleiner Orte, in denen der ortsübliche Tagelohn nur 1 M. beträgt. Die Herren Agrarier klagen, daß sie zu solchen Sätzen keine Arbeiter finden; wenn eS sich etwa darum handelt, Beiträge zur Kranken- Versicherung zu zahlen, dann haben die Landarbeiter plötzlich so gut wie gar keine Löhne, dann wird der ganze Lohn wegdiskutiert.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Zu der Geringfügigkeit der Sätze kommt noch, daß bei Krankenhausbehandlung des Versicherten die Familie nur die Hälfte der Unterstützung, also in Ostpreußen nur 24, in Schlesien nur 23'/2 Pfennig pro Werk- tag erhält, und das vorliegende Gesetz bleibt in ffeinen Leistungen hinter den gegenwärtigen Bezügen noch in mancher Beziehung zurück. Wie sind denn nun die Löhne der Landarbeiter in Wirklichkeit? Wenn man von dem, was Sie(nach rechts) bei den Zolldebatten uns darüber erzählt haben, noch reichlich die Hälfte ab- zieht, bleibt noch so viel übrig, daß die von uns beantragten Mindestsätze des Ortslohnes gerechtfertigt erscheinen. Wir bitten deshalb, unseren Antrag anzunehmen.(Bravo l bei den Sozialdemokraten.) Der Antrag Alb recht wird abgelehnt. K 169 gestattet dem Reichskanzler, unter Zustinimung deS Bundes- ratS mit folchen Staaten, die eine der Reichsversicherungsordnung entsprechende Fürsorge durchgeführt haben, Vereinbarungen zur Fürsorge für die Arbeiter unter Wahrung der Gegenseitigkeit zu treffen. Die Abgg. Albrecht und Genossen(Soz.) beantragen, daß für Angehörige der Staaten, in denen deutsche Reichsangehörige in bezug auf die Arbeiterversicherung nicht ungünstiger ge» pflichtet. Aus England und Amerika haben sich große Manager an Dons Impresario gewandt, die für einen Monat Gagen bis zu 40600 M. boten. Diese Anträge sind aber bisher abgelehnt worden, da das jetzt so wertvoll gewordene Tier nicht den Zufälligkeiten einer Seereise ausgesetzt werden soll. Don wird überhaupt jetzt behütet wie die empfindsamste Primadonna. Er hat seinen eigenen Tierarzt bei sich, ganz wie Caruso seinen Kehlkopfspezialisten, und während seines Engagements in Berlin ist Don Tag für Tag von seinem Impresario im Auto nach dem Grunewald geführt worden, damit er sich dort tüchtig auslaufen kann. Wie alle Herren in glänzenden Verhältnissen, so leidet nämlich auch Don an der Neigung zur Korpulenz. Kuchen, der bekanntlich auch im Sprachschatz Dons eine große Nolle spielt, wird ihm so selten als möglich gereicht; der neue Varietestar lernt eben jetzt auch alle Freuden und Leiden der Be- rühmtheit kennen. Seine Reise nach Wien legte Don nicht etwa im Hunde-Coupö zurück, sondern in einem Abteil 1. Klasse, das eigens für ihn und seine menschliche Begleitung reserviert war. Sein wertvolles Leben ist übrigens bei Lloyds mit einer gewaltigen Summe, man spricht von 256 666 Mark, versichert. Ein? deutsche Gesellschaft wollte bei dem immerhin schon hohen Alter Dons das Geschäft nicht machen. Ueber die sogenannten besten Jahre ist der Hund nämlich schon hinaus. Liest sich dieser Bericht nicht als ein zur Aufhetzung der darbenden und notleidenden Menschen erfundener Hohn eines Satirikers? Und doch entspricht er nur den Tatsachen und wird als Korrespondenz in den bürgerlichen Blättern nur als amüsante Plauderei genossen. Notizen. — DasThea'kertnderKöniggrätzerSttaße. Die Direktoren des Berliner Theaters, Carl Meinhard und Rudolf B-«Mner, haben vom 1. September 1911 bis zum 31. August 1921 du» ehemalige Hebbeltheater gepachtet, das sie unter dem Namen Theater in der Königgrätzer Straße zugleich mit dem Berliner Theater führen werden. — M u s i k ch r o n i k. In der kgl. Oper werden in der Zeit vom 18. Mai bis 16. Juni sämtliche Opern WagnerS in chrono- logischer Reihenfolge aufgeführt. Uebertragbare Sonderabonnements werden am 11. Mai von 3—5 Uhr nachmittags ausgegeben. — Der Name. Max Reinhardt inszeniert diesen Sommer für das Münchener Kllnstlertheater zwei Operetten von Offenbach. Er bekommt dafür und für die Erlaubnis, daß sein Name als Leiter genannt wird. 36 006 M.• — Die internationale HhgieneauSstellung wurde am Sonnabend m Dresden eröffnet. - Auch ein Titel. In der„Tägl. Rundschau' lesen wir: Vor kurzem brachten wir die Nachricht, daß in Dahlewitz(Kreis Teltow) der königliche Hofhundepfleger Joseph Reichelt zum Schöffen gewählt worden sei. Wir werden jetzt gebeten, mitzuteilen, daß der Herr nicht„Hof-Hundepfleger". sondern königlicher.Hof-Händcpflea«' »st oder, wie er sich auf gut deutsch nennt:.Hostnanicurist", stellt sind als die Inländer, während ihres SlufenthaltS im Reichsgebiete die Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung ebenso gelten wie für Inländer. Abg. Hue(Soz.): Der Paragraph sieht gewissermaßen einen internationalen reichs- versichernngSgesetzlichen MeistbegniistigungSvertrag vor. Die Zahl der in Deutschland beschäftigten ausländischen Arbeiter ist sehr groß. t90S waren allein im Ruhrkohlenbergbau 18 000 ausländische krankenverficherungspslichtige Arbeiter vorhanden, heute sind cS etwa 30 000.(Hört I hört!) Diese Leute kommen meist durch gewissenlose Agenten nach Deutschland hinein, ohne von den Verhältnissen etwas zu wissen. Es wird ihnen von diesen Agenten einfach gesagt, daß sie alle Borteile haben wie die deutschen Arbeiter auch. Es wäre eine Ehrenpflicht Deutschlands, da unsere Industrie ohne diese ausländischen Arbeiter nicht aus- kommen zu können glaubt, klare, für diese ausländischen Ar- bester möglichst günstige Bestimmungen in das Gesetz auszunehmen. Um so besser werden dann auch die deutschen Arbeiter im Aus- lande gestellt sein, In Betracht kommt auch, daß die ausländischen Arbeiter in viel größerer Zahl der Unfall- und Erkrankungsgesahr unterliegen. Ebenso trifft das im Auslande auf die deutschen Ar- beiter zu. Zum Teil ist die soziale Fürsorge im Auslände besser geregelt als in Deutschland, z. B. in F r a n k r e i ch in bezug auf die Alters- und Invalidenrente. Wir haben also unsere» Antrag gestellt, damit nicht etwa deutsche Arbeiter im Auslände durch unsere Beschlüsse geschädigt werden. Heute ist es ganz unklar. was für Rechte eigentlich die ausländischen Arbeiter in bezug auf die Versicherung bei unS haben. Diesem unhaltbaren Zustande endlich ein Ende zu machen, bezweckt unser Antrag. Es steht zu befürchten, daß auch über diese Frage der Trappistenblock (Sehr gut I bei den Soz.) sich aus schweigen wird. Dann darf man sich nicht wundern, wenn wir bei jeder Beratung des Etats des ReichSamts des Innern eine Fülle von Material vorbringen werden, das die ungerechte Behandlung der ausländischen Arbeiter beweist. Wollen Sie dies vermeiden, so nehmen Sie unseren Antrag an.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Schmidt-Berlin(Soz.): Die Kommissionsfassung bedeutet eine neue Begünstigung der Agrarier, speziell der o st e l b i s ch e n Großgrundbesitzer, die Hunderttausende von Arbeitern au-s Russisch- und Galizisch-Polen beschästigen. Es liegt auf Grund des§ 169 die Möglichkeit vor. die Versicherungspflicht dieser Arbeiter durch Bundesratsbeschluß aus- zuschließen. Beabsichtigen die Verbündeten Regierungen von dieser Befugnis allgemeinen Gebrauch zu machen? Oder denken Sie sich auf Ausnahmefülle zu beschränken? Ich bitte dringend um Antwort. (Sehr gutl bei den Sozialdemokraten.) Ministerialdirektor Caspar: Die Befürchtungen des Abgeordneten Schmidt sind unbegründet. Wenn das Ausland dieselben Verpflichtungen gegenüber deutschen Arbeitern übernimmt, so werden die Arbeiter des betreffenden Landes den deutschen Arbeitern gleich- gestellt. Abg. Schmidt-Berlin(Soz.): SS ist auf lange nicht daran zu denken, daß Rußland eine dahingehende Verpflichtung übernehmen wird. Der Vertreter des Reichsamts deS Innern hat also die Bersicherung. um die ich bat, nicht abgegeben: aus seiner Antwort geht vielmehr hervor, daß man die russischen Arbeiter von de» Wohltaten der Versicherung auszuschließen beabsichtigt.(Hört! hört i bei den Sozial« demotraten.) Abg. Molkcnbuhr(Soz.): Der Paragraph ist um so bedenklicher, als bereits die polizeiliche AuSweismigspraxis die ausländischen Arbester rechtlos macht. Jeder Ausländer, der sich.lästig" macht, wird ausgewiesen. AlS„lästig" wird in Zukunft mancher Arbeiter betrachtet werden. der Ansprüche an die Krankenversicherung geltend macht. Recht und Billigkeit verlangen die Annahine unseres An- träges.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Nach einer im Zusammenhang unverständlich bleibenden Antwort deS Ministerialdirektors Caspar wird der Antrag Albrecht gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und einiger Freisinniger ab- gelehnt, ß 169 in der Kommissionsfa ssung an- genommen. § 171 bestimmt, daß die Beschäftigung eines Ehegatten durch den anderen keine BerstcherungSpflicht begründet, daß dagegen andere Verwandtschaftsgrade zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer die VersichemngSpflicht und Versicherungsberechtigung nicht ausschließen. Die Abg. A l b r c ch t und Genossen(Soz.) beantragen, den ersten Paffus zu streichen und den s 171 zu fassen: .Verwandtschaftsgrade zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer schließen die Versicherungspflicht und Versicherungsberechtigung nicht aus." Abg. Schmidt-Berlin(Soz.) begründet den Antrag. Es liegt kein Grund vor, die ständig im Betriebe des Ehemannes arbeitende Ehefrau von der Versicherung auszunehmen. Wenn eine obligatorische Familienversicherung in der Reichsverstcherungsordnung vorgesehen wäre, möchte unser Antrag überflüssig sein; da die» aber nicht der Fall ist, haben wir unseren Antrag gestellt und bitten um seine Annahme.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Molkcnbuhr(Soz.): Wenn neben dem Eheverhältnis ein Arbeitsverhältnis besteht, liegt kein Grund vor, die Ehefrau, weil fie im Betriebe ihres Mannes arbeitet, ungünstiger zu stellen als andere Arbeite- rinnen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Diskussion schließt. Der Antrag wird a b g e l e h nt. § 174 bezeichnet als Hausgewerbetreibende im Sinne dieses Gesetzes die selbständigen Gewerbetreibenden, die in eigenen Werk- stätten im Austrage und für Rechnung anderer Gewerbetreibender gewerbliche Erzeugnisse herstellen oder bearbeiten. Abg. Alirecht(Soz.): Die Kommissionsfassung ist darum bedenklich, weil die Zwischen- meister oder sogenannten Platzgesellen von der Definition nicht getroffen werden, die hier vom Begriff„Hausgewerbetreibende" ge- geben wird. Diese ungenügende Definition kann zur S ch ä d i- a u n g zahlreicher Arbeiter bezw. vieler Krankenkassen führen. Wir beantragen daher folgende Fassung:.Als Hausgewerbetreibende im Sinne dieses Gesetzes gelten diejenigen Gewerbetreibenden, die in eigenen oder fremden Betriebsstätten im Aufttag und für Rech- nüng anderer Gewerbetreibender gewerbliche Erzeugnisse herstellen oder bearbeiten sowie her st eilen oder bearbeiten lasse n".(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Pfeiffergllerlej EohlfahrtS- einrichtungen in Betracht zu ziehe». Die Diskussion war sehr lebhaft, von allen Seiten stimmte man der Gründung zu. Stadtsyndikus Dr. Bergmann versicherte, daß der Magistrat von Schöneberg den vorliegenden Fragen grotzes Interesse entgegenbringe; am wichtigsten sei die Ausgabe, zu ver- hüten, datz Differenzen überhaupt ausbrechen. Frl. Klausner vom Zentralverein für Arbeitsnachweis wunderte sich, daß man auf eine so wichtige Institution wie den Arbeitsnachweis für die Dienst- boten nicht die gebührende Rücksicht bei den Vorberatungen wie bei den weiteren Arbeiten genommen habe. Mit der Gründung eines Hausdienstausschusses erklärte sie sich einverstanden. Daß man sich bei diesem Unternehmen um die Mitwirkung deZ Zentralverbandes der Hausangestellten, der unter den fünf Organisationen für Dienstboten in Berlin die erste Stelle einnimmt, in keiner Weise bemüht hat, ist nicht verwunderlich. Man weiß, daß der Zentralverband auf dem Standpunkte beharrt, daß die vorhandenen großen Gegensätze der Interessen zwischen Dienst- boten und Herrschaften sich nicht durch schöngeplante Einrichtungen ausgleichen lassen. Er begnügt sich damit, die Interessen der Hausange st eilten allein zu vertreten, aber er tritt den Bestrebungen, einen Hausdienstausschutz zu gründen, nicht hindernd in den Weg: denn diese Bestrebungen haben ein besonderes Interesse für ihn. Man macht nämlich von der anderen Seite dadurch das wertvolle Eingeständnis, daß es mit der alten Gesindcordming nicht mehr weiter geht, am wenigsten in Berlin. Man braucht notwendig etwas anderes. Ohne den geringsten Widerspruch wurde von verschiedenen Rednerinnen und Rednern die Gesindeordnung angegriffen und das Recht der Dienstboten auf eine andere, eine bessere Ordnung betont. Daß der geplante HauSdienstausschutz vor der Größe der gestellten Aufgaben nicht bestehen kann, ist klar, aber die bürgerlichen Frauen haben beschlossen, den Versuch zu wagen, und Herr Pastor Burckhardt, Vorsitzender vom Verband der evangelischen Jungfrauenvereine; wird diej Leitung in die Hand nehmen. Den Hausangestellten kann nur einpfählen werden, sich dem Zentralverbande anzuschließen, wo ihre Rechte und ihre Interessen die beste Wahrung sinken, weil sie dort selbst die Ziele, die sie erreichen wollen, bestimmen können. Versammlungen— Veranstaltungen. Zentralverband der Hausangestellten. Sonntag, den 14. Mai, im «Deutschen Hof", Luckauer Str. 1b(großer Saal): Stiftungs- fest. Programm: Festrede: Frau Luise Zieh: Herr Ferdinand Kalweit, Kammersänger(Lieder für Tenor); Frl. Else Kardaetz und Herr Emil Kühne vom Residenztheater(Rezitation und dramarische Aufführung): Herr Rudolf Tobias(Klavier). Ball. Saalöffnung 6 Uhr. Beginn des Programms 7'/, Uhr. 8o2ia!es. Die kaufmännische« Angestellten und die ReichSversicherungS- ordnung. Anläßlich der gegenwärtigen Verhandlungen deS Reichstags über die Reichsversicherungsordnung hat der Vorstand des Zentral- Verbandes der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen folgenden Be- ifchluß gefaßt und dem Reichstage zugehen lassen: „Die Handlungsgehilfen hatten erwartet, daß die ReichSver- ficherungsordnung ihnen endlich insofern eine Gleichberechtigung mit den Arbeitern bringen werde, als die für Handlungsgehilfen und andere Privatangestellte geltende Grenze der Versicherungs- Pflicht bei LOW) M. Jahresarbeitsverdienst beseitigt würde. Daß dieses Verlangen der Handlungsgehilfen berechtigt ist, hatte die RcichStagskommifsion wenigstens teilweise ausdrücklich anerkannt, indem sie bei der Krankenversicherung die Pflichtgrenze auf 2500 Mark erhöhte. Leider hat die Kommission diesen Beschluß wieder aufgehoben. Dagegen aber ist in der Reichsversicherungsordnung. wie sie dem Reichstage zur zweiten Lesung vorliegt, eine wesentliche Einschränkung des Selbstverwaltungsrechts der Versicherten in den Krankenkassen vorgesehen, anderseits der Einfluß der Unternehmer gestärkt worden. Eine Ausdehnung der Unfallversicherung für die Handlungsgehilfen ist trotz deren Wünschen nicht erfolgt. Bei der Invalidenversicherung ist die Grenze der Vcrsicherungspflicht von LOOO Mk. Jahresarbeitsverdienst beibehalten worden, höher ent- lohnte Angestellte bleiben wie bisher von der Versicherungspflicht ausgeschlossen; weitere Beitrags- und Lohnklassen sind der Jnva- lidenversicherung nicht angegliedert, eine angemessene Witwen- und ordentlich verringert. Deswegen und weil die ReichSversicherungS ordnung in der Fassung der Kommissionsberatung für die Hand- lungsgehilfen keinen nennenswerten Fortschritt brrngt— auch die ganz belanglosen Waisenrenten und die kümmerlichen Unter- stützungen an arbeitsunfähige Witwen an Stelle der Annenpflege können als ein solcher wesentlicher Fortschritt nicht anerkannt werden— richtet der Vorstand deS Zentralverbandes der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen an den Reichstag das Ersuchen, dem Gesetzentwurfe in dieser Form seine Zustimmung nicht zu geben, sondern ihn nur zu verabschieden, wenn in den erwähnten Punkten noch wichtige Verbesserungen herbeigeführt werden. Bon der Lohnberechnung bei MonatSbezügen. Der Zahntechniker K. forderte vor dem Gewerbegericht von der Inhaberin eines Zahnateliers Fr. Erdmann, bei der er gegen 250 M. Monatslohn in Stellung war, noch einen restlichen Lohn- betrag von 75 M. Der Kläger will vom 7. bis 28. Februar in der Stellung gewesen sein. Er ist der Meinung, daß er nach Ab- zug von sechs Dreißigstel des Monatsbezuges für die ersten sechs Tage— 50 M., 200 M. Lohn für seine Tätigkeit zu beanspruchen habe, so daß ihm, da er schon 125 M. erhalten hat, noch 75 M. zustehen. Die Beklagte behauptete, der Kläger habe die Stellung erst am 8. Februar angetreten. Sie erkennt an, daß der Kläger nach ihrer Berechnung noch einen berechtigten Lohnanspruch von 50.35 M. hat. Die Beweisaufnahme bestätigte die Behauptung der Beklagten über den Antritt der Stellung durch den Kläger. Das Gewerbegericht vertrat die Ansicht, daß für den Monat Februar nicht ein Dreißigstel des Monatslohnes auf jeden Tag entfällt, sondern dem Kläger stehen, da er nur 21 Tage in der Stellung war,"In des Monatsbezuges zu. Da er hiervon schon 125 M. erhalten hat, wurde die Beklagte verurteilt, noch 62,50 M. zu zahlen; die Mehrforderung wurde abgewiesen. Serickts- Leitung. Ein Nachspiel zur Affäre Spahn. Eine Privatklage des Reichstagsabgeordneten und Herren- IsausmitgliedeS Grasen v. Oppersdarff gegen den verantwortlichen Redakteur des..Westfälischen VolkSblatteS" Hermann Abels in Paderborn beschäftigte gestern das Schöffengericht Berlin-Mitte. Der Privatkläger wurde durch Rechtsanwalt Dr. Marwiv vertreten, der Angeklagte durch Rechtsanwalcht GörreS verteidigt. Mittel- Punkt der Klage war die Broschüre des Grasen v. Oppersdorfs:„Ist Martin Spahn Zentrumsmann?" Als �diese Broschüre erschienen war, brachte das..Westfälische Volksblatt" einen längeren gegen den Grasen v. Oppersdorf gerichteten Artikel, der das Borgehen des Privatklägers gegen Martin Spahn scharf tadelte. Es wurde darauf hingewiesen, daß Graf v. O. als Wortführer einer Reihe von Zentrumsabgeordneten einige Tage vor der Wahl in Warburg- Höxter versucht habe, in einem Briefe Herrn Spahn zum Rücktritt von der Kandidatur zu bewegen. Obgleich es im Parteiinteresse gelegen hätte, von dieser Agitation gegen Spahn abzulassen, habe Graf v. O. alles mögliche aus den Schriften Spahns zusammen- gesucht, um den Nachweis zu liefern, daß Spahn kein Zentrums- mann sei. Tie von ihm herausgegebene Broschüre sei auf das schärfste zu verurteilen, denn er sei dabei nicht objektiv vorgegangen. Die m ihm aus den SMnschen SchxiM bUlUtSLejuLteo Stelle» sollen Bedenleii örieffen, Kenn Kais allet nihÄ zusehe, erSebe sich. daß sie einen ganz anderen Sinn haben. Das sei nicht mehr Pole- mik, sondern Verdrehung, wie sie kaum stärker geschrieben werden könne. Der Vorstand der Zentrumspartei in Paderborn verdiene volle Anerkennung dafür, daß er von der„skandalösen" Broschüre Kenntnis genommen und der Zentrumsfraktion des Reichstages eine entsprechende Resolution unterbreitet habe. Graf v. Oppersdorfs sei in seinem Kampfe gegen Martin Spahn unterlegen; wer die Disziplin nicht zu halten verstehe, tue besser, die Konsequenzen zu ziehen. Graf v. Oppersdorff habe nicht quellenmäßiges Material zum Stützpunkt für seine Behauptungen benutzt, sondern nach Zitaten zentrumsfeindlicher Blätter gearbeitet usw. usw.— diese Ausführungen haben den Grafen v. Oppersdorff veranlaßt, die Privat- klage anzustrengen.— Rechtsanwalt Görres glaubte die Behaup- tung, daß es sich um„Verdrehungen" handele, belegen zu können und beantragte, aus der Broschüre einige Stellen zu verlesen und diese mit den in Frage kommenden Ausführungen in den Werken Spahns zu vergleichen.— Rechtsanwalt Dr. Marwitz: Dem Pribatkläger würde natürlich nichts angenehmer sein, als wenn der Wahrheitsbeweis versucht würde. Dieser Wahrheitsbeweis werde nun aber ganz plötzlich und unvorbereitet angetreten, und es würde doch unumgänglich notwendig sein, daß Graf v. Oppersdorfs per- sönlich bei diesen Erörterungen zugegen sei. Aus diesem Grunde müsse er die Vertagung beantragen.— Rechtsanwalt Görres widersprach dieser Vertagung, da es nur der Verlesung zweier Stellen bedürfe, wo eine offenbare Verdrehung vorliege.— Der Vorsitzende bemerkte: Ihm sei der Inhalt der Broschüre bis zur Stunde nicht bekannt und er habe die betreffenden Stellen nicht gelesen. ES sei aber doch zweifelhaft, ob ein direkter Beweis da- für. daß eS sich um wissentliche Verdrehungen handele, überhaupt geführt werden könne; schlimmsten Falles würden ja doch wohl nur objektive Verdrehungen nachgewiesen werden können.— Der Gerichtshof beschloß, die Verhandlung zu vertagen und den Parteien auszugeben, zum nächsten Termin ganz bestimmt formulierte Be- Weisanträge bezw. Gegenerklärungen beim Gericht einzureichen. Eine Luftschifferkreise interessierende Gerichtsverhanblungi wird am 19. Mai vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts II stattfinden. Der in Flugsportkreisen sehr bekannte RegierungS- baumeister Hoffmann hatte im Auftrage und unter Kontrolle der Versuchsabteilung der Verkehrstruppen einen Drachenflieger er- baut, mit welchem auf dem Truppenübungsplatz Döberitz Flug- versuche angestellt wurden. Zum Bau des Sleroplans wurde eine besondere Holzart, sog. pitchpine Holz verwendet, die der Chef der Versuchsabteiluna, Hauptmann de la Rai, bei seinem Schwieg«- bat«, dem Holzhändler Nitschke in Stolpe, in Auftrag gab und auch von diesem geliefert wurde. Als der Vertrag zwischen Hoff- mann und der Militärverwaltung gelöst war, kam es eines Tages zwischen dem Hauptmann de la Rot und Hosfmann zu einem sehr heftigen Wortwechsel, in dessen Verlauf letzterer dem Hauptmann unlautere Machinationen vorwarf. Die Situation spitzte sich der- artig zu, daß der Hauptmann seinen Deqen zog und auf Hoffmami eindrang, um ihn zum Verlassen des Zimmers zu zwingen. Hoff- mann ließ sich hinreißen, dem Hauptmann, als er aus dem Zimmer flüchtete, das Wort„Oberschieber" zuzurufen.— Dieser Vorfall hatte erst ein ehrengerichtliches Verfahren zur Folge, welche» aber allem Anschein nach keine genügende Klärung der Angelegen- heit brachte.— Hauptmann de la Rai stellte daraufhin Straf- antrag wegen Beleidigung gegen Hoffmann, der sich nunmehr vor der Strafkammer zu verantworten haben wird. Auf seinen Antrag ist Hauptmann de la Roi unter Beistand des Justizrats Eschenbach alS Nebenkläger zugelassen worden. Der Angeklagte selbst hat durch Rechtsanwalt Dr. Puppe einen Wahrheitsbeweis für feine Be- hauptungen antreten lassen, so daß die Verhandlung sehr inter- essant werden dürfte. Den Vorsitz im Gerichtshof wird Land- gerichtsdirektor Dr. Liepmann führen, die Anklage poird vom StaatSanwaltschaftsrat Dr. Pabst vertreten. MasochismuS. Leipzig, 5. Mai. Wegen Sittlichkeitsverbrechens nach§178, 3 hatte sich am 1. November v. I. vor der Strafkammer in Walden- bürg(Schlesien) der Kollekteur Franz Gottwald zu verantworten. DaS Gericht verurteilte ihn jedoch nur wegen tätlicher Beleidigung zu 150 M. Geldstrafe. Der Angeklagte hat mehrere Knaben unter 14 Jahren, die Gänge für ihn machten, oft mit einem Rohrstock auf das Gesäß geschlagen und sich, wenn er sich auskleidete, von ihnen an den Füßen kitzeln lassen. Das Gericht hat darin nur eine Beleidigung der Knaben erblickt.— Auf die Revision des Staatsanwalts hob heute das Reichsgericht das Urteil auf und verwies die Sache an die Strafkammer zurück. Der Begriff der Unzüchtigkeit scheint verkannt zu sein. Ein Berühren der Geschlechts- teile ist nicht erforderlich. Es mutz geprüft werden, ob die Hand- lungen des Angeklagten wollüstigen Motiven entsprungen sind. War dies der Fall, so wäre die Beziehung zu geschlechtlichen Dingen einwandfrei nachgewiesen. Nach dem festgestellten Sachverhalt liegt es sehr nahe, daß die fraglichen Handlungen unzüchtig waren. Versammlungen. Die Loh«- und Arbeitsverhältnisse in den große« Kauf- und Warenhäusern Berlins. Eine öffentliche Versammlung der Hausdiener, Packer und verschiedenen Transportarbeiter der Kauf- und Warenhäuser füllte am Mittwoch den großen Saal der„Arminhallen" und beschäftigte sich mit den Löhn- und Arbeitsverhältnissen, die in diesen Betrieben herrschen. Schriftsteller Julius Kaliski hielt das einleitende Referat. Der Redner schilderte die Zustände in verschiedenen großen Warenhäusern und darauf folgte eine rege Diskussion, in der seine Ausführungen noch in manchen Punkten ergänzt wurden. Aus dem, was berichtet wurde, ist zu entnehmen, daß man in den meisten der großen Warenhäuser den Angestellten daS freie Ko- alitionSrecht gänzlich zu nehmen sucht. Auch sucht man in den Warenhäusern durch ein weit verzweigtes Spitzelsystem Uneinigkeit und Verhetzung unter die Angestellten zu tragen. Die Löhne sind im allgemeinen sehr unzureichend und zu den Warenhäusern, die ihre Hausdiener, Packer usw. am schlechtesten bezahlen, gehört die Millionenfirma T i e tz. Der Anfangslohn für die über 21 Jahre alten Angestellten ist dort auf 25 M. bemessen, der Höchstlohn, den in jenem Geschäft die allerwenigsten crreick�n, auf 32 M. Die meisten erhalten nur 25 oder 26 M. die Woche bei einer über- langen Arbeitszeit. Um 6 Uhr 25 Minuten müssen sie schon an- treten, um die schwere Arbeit de» Bohnens zu besorgen, und um 8 Uhr beginnt dann die eigentliche Arbeitszeit im Geschäft, die in manchen Fällen bis 10, ja 11 Uhr abends ausgedehnt wird, nament- lich bei dem Neubau der Firma. Ueberdies werden die Leute auch noch Sonntags zum Austragen von Paketen herangezogen. Wird einer krank, so hat er mit sofortiger Entlassung zu rechnen, und dies ist auch bei I o n d o r f der Fall, wo auch im allgemeinen die Behandlung zu wünschen übrig lassen soll. Ueber den Chef des Warenhauses am Kottbuser Damm wurde berichtet, daß er die Ge- wohnheit haben soll, Angestellte gelegentlich als„Schwein" und dergleichen zu bezeichnen, sein erstes Wort bei irgendwelchen Diffe- renzen soll„rausfliegen" sein und Vertrauensmänner der Or- ganisation pflegt man dort fortgesetzt zu maßregeln. Ueber A. Wert heim wurde gesagt, daß bei ihm der Drill noch ärger sei als auf einem preußischen Kasernenhof und daß die Angestellten gjlimwer daran seien als Sklaven. Eme über alle Maßen lange usdehnung der Arbeitszeit unter Mißachtung der gesetzlichen Vorschriften wird, wie eS scheint, in verschiedenen Häusern als eine Selbswerständlichkeit angesehen, mit der sich das Dienerpersonal obne Murren abzufinden hat. Das Publikum kann dies zun: Teil selbst beobachten. Die Fuhrwerke der Firma M. Israel sieht man häufig noch um 10, ja 11 Uhr abends weit außerhalb Berlins in den Vororten herumfahren, und bei Rudolph Hertzog werden d«, Hausdienern noch vsch SäSt ütut odillds Pakete mt auf ds» Weg gsgehett, die sie irt Köti'chen Jallett ftöch dettt äußersten Ends Groß-Berlins zu bringen haben, entgegengesetzt der Richtung, in der ihre Wohnung liegt, so daß sie erst um Mitternacht heim- kommen. Dafür können sie dcyrn 50 Pf. und das tatsächlich aus- gelegte Fahrgeld verlangen, wen« sie es nicht vorziehen, am anderen Tage eine Stunde Urlaub für sich in Anspruch zu nehmen. Es gibt kleinere Warenhäuser, namentlich in Gegenden Berlins mit starker Arbeiterbevölkerung, in denen die Lohn- und Arbeitsverhältnisse wen» auch nicht befriedigend, so doch wesentlich besser sind als in den Riesenbetrieben, deren Leiter mit ihrem sozialen Empfinden zu prahlen pflegen. Die großen Warenhäuser wurden in der Dis- kussion als moderne Zuchthäuser bezeichnet, aber ebenso deutlich wurde hervorgehoben und namentlich auch vom Referenten betont, daß die Angestellten, wenn sie es nur nicht an der nötigen Ein- mütigkeit fehlen ließen, die Macht hätten, sich bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu schaffen als in irgend welchen anderen Betrieben. Die modernen Kauf- und Warenhäuser heimsen Mil- lionen über Millionen an Profit ein, ihre Betriebsunkosten sind verhältnismäßig weit geringer als die der kleinen Handelsbetriebe, und sie können deshalb sehr wohl ihren Angestellten bessere Be- dingungen bieten. Aber freiwillig tun sie es nicht, trotz aller schönen Redensarten. Es muß Aufgabe der Angestellten selbst sein, durch einmütiges Zusammenhalten in der Organisation sie dazu zu zwingen._ Erklärung. Im Versammlungsbericht des ZentralverbandeS der Fleischer im„Vorwärts", Nr. 105, wird meiner Stellung in Sachen der Maifeier eine Form verliehen, als sei ich ein Gegner der Maifeier. Das ist vollständig unzutreffend. Lediglich in bezug auf die beruflichen und tariflichen Verhältnisse in unferein Berufe ist seitens der Geschäftsleitung verlangt worden, eine Verständigung mit dyt Artzeitgetzern über die Feier des 1. Mai herbeizuführen. _ Paul HeviS� Hiis aller Melt. Rurnfcbc Praktiken. Ueber einen Schurkenstreich eines russischen Pfarrers weiß die Neustrelitz« Landeszeitung" folgendes zu berichten: Im Rittergute Möllenbeck war eine Schnitterin aus Rußland zurückgeblieben, die von der Herrschaft als Dienstmädchen engagiert wurde. Zu Ostern wollte sich daS Mädchen mit dem Arbeiter D. auS Weiten- dorf verheiraten und wandte sich deshalb an den Pfarrer ihres Heimatsortes um Ausstellung eines Taufscheines. Als dieser nicht eintraf, trat die Braut die kostspielige Reise nach der Heimat selbst an. Nach kurzer Zeit kehrte sie freudestrahlend mit dem Schein und der Genehmigung zur Heirat nach hier zurück. Aber leider konnte niemand das fast drei Seiten lange Schrift- stück des griechisch-katholischen Geistlichen entziffern. Dieses wurde deshalb zur Uebersetzung nach Berlin gesandt. Dabei stellte sich heraus, daß der Pfarrer dem Mädchen bescheinigt hatte. daß es bereits verheiratet sei. Nicht nur die Zeugen, sondern sogar der Trautag waren ge» nannt. Die Russin beteuerte nun, daß der Inhalt de» Schrift- stücks der Wahrheit nicht entspreche. Abermals trat sie die Reise nach Rußland an. Als sie dort dem Pfarrer Vor- Haltungen wegen der falschen Bescheinigung machte, wurde diese vor ihren Augen zerrissen und sie bekam den gewünschten Taufschein. Man nimmt hier an, daß die Fälschung erfolgt ist, um eine Heirat deS Mädchens mit einem Angehörigen der e v a n- gelischen Kirche zu hintertreiben. Das Mädchen ist durch die Reisen um ihre ganzen Ersparnisse gekommen. Der biedere GotteSmann, der eine arme Arbeiterin durch seine Gaunerpraktiken um die sauer ersparten Groschen gebracht hat, mag sich trösten, neben ihm laufen noch eine Menge ebenbürtiger Lumpen in Rußland herum._ Acht Frauen erschlagen. Ein furchtbares Unglück ereignete sich am Freitag auf dem Gelände der Grube Cockerill bei Seraing in Belgien. Auf einer Halde suchten Arbeiterfrauen unter den Schlacken nach Kohlenstückchen, als sich plötzlich aus einer zur Förderung dienenden Schwebebahn ein S t e i n b o g e n l ö st e. Die etwa 30 000 Kilogramm wiegenden Steinmassen er» schlugen fünf Frauen, die vollständig platt gedrückt wurden. Drei andere Frauen wurden so schwer verletzt. daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Es gibt noch Wunder. Eines der trefflichsten Mittel zur Abwendung von allerlei Schäden ist der Glaube an die Wunderkraft des«heiligsten Herzen Jesu". Was für Wunder dieser Glaube alle? bewerlstelligt, lehrt der in Innsbruck erscheinende„Sendbote de» göttlichen Herzen Jesu". In der Mainumm« des frommen Blattes werden folgende Wunder aufgezählt, die auf das Konto deS„heiligsten Herzen Jesu" kommen: „Für schnelle Hilfe in einer Geldangelegenheit; für Erhaltung guter Dienstplätze; für Bewahrung vor an- steckender Krankheit; für Abwendung eines Pro» z e f f e S; für glücklichen Vorübergang einer schweren Stunde; für Abwendung einer großen Gefahr für eine Familie; für die Bekehrung eines Sünders; für schnelle Hilfe in einer heiklen Prozeßsache; für glücklichen Geschäftsgang; für Hilfe in mehreren Anliegen; für Hilfe in seelsorgerischen Angelegenheiten; für Rückkehr de» Friedens; für die Wiedererlangung der Gesundheit; für glücklichen Hausverkauf; für gutbestandene Prüfungen; für Befreiung von einem von Kindheit an dauerndem Leiden; für Fortschritt im Studium; für gelungene Operationen; für Befreiung vom Irrsinn; für Er» langung einer guten Lebensstellung; für Hilfe in Seelenleidcn; für Genehmigung einer klösterlichen Lehranstalt." Vielleicht wendet der in arger Bedrängnis steckende M a t i 91 e sich einmal an den„Sendboten deS göttlichen Herzen Jesu". Mög- licherweise könnte sein ihm so unangenehmer Prozeß auch abgewendet werden. Kleine Notizen. Fernbeben. Auf der Erdbebenwarte bei P o t s b a K Gurd'e in der Nacht zum Freitag ein starkes Erdbeben registriert» das etwa zwei Stunden andauerte. Nach den Berechnungen liegt der Herd des Bebens etwa 7800 Kilometer in nordnordöstliches Richtung in der Gegend der Halbinsel Kamtschatka. Eisenbahnerlos. Auf dem Bahnhof Bütow in Pommern geriet ein Arbeiter beim Rangieren zwischen die Puffer zweier! Eisenbahnwagen. Der Unglückliche wurde totgequetscht. Der Tod im Goldbergwerk. In einem vor kurzer Zeit aus- gebauten Goldbergwerk bei Clermont Ferrand in Frank. reich sind vier Arbeiter durch Einsturz verschüttet worden» Zwei von ihnen konnten schwer verwundet geborgen werden« Die beiden anderen sind wahrscheinlich getötet worden. Siebe» Arbeiter überfahre». Auf dem Differdinger Hütten. werk wurden Freitag abend durch einen Güterzug sieben Arbeiter überfahren. Zwei von ihnen wurden tödlich verletzt, während die anderen schwere Verletzungen davontrugen. Einer der Schwer- verletzten ist bereits gestorben. ~ Tödlicher Absturz eines Fliegers. Während der zurzeit in S cha n gh a i stattfindenden Flugwoche ist der französische Avratrker Ballon aus beträchtlicher Höhe abgestürzt. Der verunglückte konnte nur als Lpjche gus den Trümmer« seines Ausseuges gekargm tea&sa" A. WERTHEIM G. M. B. H. Montag LEIPZIGER STR. 132-37 tW ROSENTHALER STR. 0RAN1EN-STRASSE Extra- Vreise Dienstag Stickerei- Kleid mit breitem Volant, reich mit Valencienne-Einsätzen..... Sommer-Kleid aus daumvoll. Voile mit bunter Kurbelei und weissen Einsätzen garniert, weiss, hellblau, rosa. Jacken-Kleid aus Halbleinen, Rock u. Jacke reich mit Einsätzen garniert, weiss und ecru........ 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Keilm des Jotmiirts" Kerlim loMntt AirtichaMIcher Aochendericht. Berlin, 6. Mai 1311. Keine Hochkonjunktur.— Unsere Handelspolitik.— Getreide- nnd Fleischteuerung.— Disferenzen in den Montanverbänden.— Wirt- schaftliche Folgen ultramontanrr Parteipolitik. Einen solchen Umfang und eine solche Intensität der Waren- prbl/ilktion, daß man allgemein von einer Hochkonjunktur sprechen könnte, haben wir in den letzten 4 Jahren noch nicht gehabt. Die Bewegungen des Wirtschaftslebens glichen mehr den Flügelschlägen eines verwundeten Vogels. Auch in den Vereinigten Staaten, wo sonst der Uebergang von der Krise zur Hochkonjunktur und um- gelehrt sich über Nacht vollzog, kann man nun aus dem Zustande des Dahinschleichens nicht herauskommen. Der viel gepriesene »Schutz der nationalen Arbeit" durch das Schutzzollsystem ist an dieser bemerkenswerten Erscheinung in hervorragendem Maße schuld. Besonders die Lebensmittelteuerung hält die Konsumkraft der großen Masse dauernd in engen Schranken gefangen. Gerade in der Schwäche, die nicht zu den Höhen einer Hochkonjunktur hinaufspringen läßt, tritt die verwüstende Mrkung des Lebens- mittelwuchers deutlich in die Erscheinung. Selbstverständlich wer- den nicht alle Industrien und Gewerbe in gleicher Weise durch die Teuerung geschädigt. Industrien mit mehr oder minder monopolartigem Charakter, die jede Belastung abwälzen können, werden natürlich am wenigsten getroffen. Dazu gehören, um nur auf einen wichtigen Zweig unseres Wirtschaftslebens hinzuweisen, in erster Reihe die sogen, gemischten Werke der Eisengroßindustrie. Die Stahlproduktion haben sie fast restlos unter ihrer Kontrolle, und da zudem ein Schutzzoll ihnen die ausländische Konkurrenz vom Halse hält, diktieren sie die Preise. Die allgemein aus der Wucher- Politik erwachsenen Kosten werden von ihnen auf die Abnehmer übergewälzt. Das erklärt die Zustimmung der Großindustriellen zu der herrschenden Schutzzollpolitik. Die Rohstoff- und Halbzeug- zölle können sie eben nur durch Zustimmung zu den wucherischen Lebensmittelzöllen erkaufen. Mögen in den grotzindustriellen Organen hin und wieder auch Klagelieder über die schädliche Wirkung der agrarischen Wirtschaftspolitik angestimmt werden, die um Hahn und Rösicke wissen ganz gut, daß das den Pakt zwischen den agrarischen und großindustriellen Hochschutzzöllnern nicht zerreißt. Daß von diesem Gesichtspunkte aus bei uns Handelspolitik gemacht wird, zeigt erneut der Abschluß des deutsch-schwedischen Handelsvertrages. Die agrarischen Interessen hat man nach Mög- lichkeit geschont und der von Schaden in petto gehaltene Aus- fuhrzoll aus Eisenerz ist verhindert worden— auf Kosten der übrigen, speziell der Verfeinerungsgewerbe. Diese Praxis wird auch in Zukunft befolgt werden. Damit eröffnen sich für die Gesamtwirtschaft keine günstigen Aussichten. Allem Anschein nach neigt für die nächste Zeit die Kurve des wirtschaftlichen Lebens wieder nach unten. Die Verhältnisse am Geldmarkt find unbefriedigend, von einer die Unternehmungs- tust anreizenden Flüssigkeit und Billigkeit ist keine Rede. Dazu droht der Warenproduktion durch eine verschärfte Lebensmittelver- teuerung erneut Belastung und Hemmung. Die Getreidepreise schnellen wieder bedenklich hinauf und eine neue Fleischnot mit allen ihren Schrecken ist im Anzüge. Die Seuchen dezimieren die Viehbestände und die Aufzucht wird sehr stark vernachlässigt. Haben doch sogar schon die landwirtschaftlichen Interessenvertretungen sich demüßigt gesehen, auf die Konsequenzen der viel beobachteten Ver- nachlässigung IN der Fleischproduktion hinzuweisen. Vielen Erfolg darf man sip von solchen Mahnungen allerdings nicht versprechen. Ein erhebliches Interesse beanspruchen die Differenzen, die das Mefüge der großen Montanverbände: Kohlensyndikat und Stahl- Werksverband, bedrohen. Der Konkurrenzkampf, der ein Auffliegen der Verbände im Gefolge haben soll, wird im allgemeinen als die wichtigste Konsequenz und als wirtschaftliches Unglück bezeichnet. Wir sind, das wurde schon früher an dieser Stelle dargetan, nach dieser Richtung etwas anderer Ansicht; es erübrigt sich, auf diese Seite der Sache nochmals einzugehen. Mit den Konkurrenzkämpfen wird es übrigens gar nicht so schlimm werden, der Kreis der in Betracht kommenden Unternehmen, deren oberste Direktionsgcwalt zudem in den wenigen Großbanken ruht, ist klein genug, um wirk- lich„ruiniöse" Preiskämpse zu verhindern. Lehrreiche Beispiele liefern ja schon die Vorgänge nach dem Zusammenbruch des Roh- eisensyndikats und anderer Organisationen. Im Anschluß an die Auflösung von Verbänden in der Eisenindustrie ist allerdings viel von Preisrückgängen usw. orakelt worden. Solchen Auslassungen wollte man auch durch vergleichende Angaben über eingetretene Preisveränderungen den Stempel der absoluten Berechtigung aus drücken. Die an die tatsächlich eingetretenen Preisrückgänge ge knüpften Schlußfolgerungen sind aber doch falsch, denn die Ver- bandsauflöfungen waren nur sehr bedingt und höchstens für kurze Zeit ihre Ursache. Sie sind veranlaßt durch die in den letzten Jahren eingetretenen technischen Produktionsverbesserungen. Die Düsseldorfer Handelskammer macht darüber in ihrem letzten Jahres- bericht einige interessante Bemerkungen. Sie sagt, die Gewinn- resultate der großen Montanunternehmungen seien durch die tech- nischen Furtschritte in der Eisenindustrie in außerordentlichem Maße beeinflußt worden. Die Eisenpreise de? Jahre? ISIll blieben durchschnittlich um 25 bis 30 Proz. hinter den Preisen der Jahre 1306 und 1307 zurück und standen nur etwa S bis 10 Proz. höher als im Jahre 1309. Die guten Gewinne der(jroßen Hüttenwerke könne man nur zum Teil auf die besseren Preise und eine bessere Beschäftigung zurückführen; wesentlich seien die erheblichen Ver- besserungen ver Werkanlagen, die man in den geschäftsruhigen Jahren 1308 und 1303 vorgenommen habe. Ueberall ist auf den Werken modernisiert worden und eS wird noch immer weiter ver- bessert: insbesondere hat die zunehmende Verwertung der Hoch- ofengichtgase den Werken außerordentliche Ersparnisse gebracht. Während man früher die Gichtgase der Hochöfen entweichen ließ und zum Betrieb der Stahlwerke und Walzwerke große Mengen Kohlen außerdem verwandte, ist man in letzter Zeit immer mehr dazu übergegangen, die Gichtgase aufzufangen, zu reinigen und entweder zu Leuchtzwecken zu verkaufen oder damit GroßgaZ- Maschinen zu speisen, die mehr als ausreichend sind, um den ganzen Betrieb der Stahl- und Walzwerke mit Kraft zu versorgen. UnS interessiert hier die Frage: wie beeinflußt ein Auffliegen der Verbände das Verhältnis zur Arbeiterbewegung und zu den Arbeitsverhältnissen? Aus dem Unternehmerlager ist mit aller Schärfe betont worden, daß als eine Folge der Syndikatssprengung mit dem sicher einsetzenden Preiskampf auch die Löhne der Berg- arbeiter stark zurückgehen würden. Eine solche Möglichkeit ist aller- ding» vorhanden, aber die Schlußfolgerung ist nicht zwingend, ganz abgesehen davon, daß die Konsumenten von einer Preisreduktion einen erheblichen Vorteil haben würden. So einfach, als es den An- schein haben könnte, geht es mit den Lohnreduktionen den doch nicht. Man darf nicht vergessen: bei den Differenzen handelt eS sich in der Hauptsache um den Widerstreit zwischen den reinen und den sogenannten Hüttenzechen. Ein Preiskampf der reinen Werke gegen diese wäre aber ganz zwecklos, soweit eS sich um den Gelbstver- brauch handelt. Ob der Kohlenpreis hoch oder niedrig ist, daS bleibt für die Preisgestaltung der Stahlerzeugnisse wegen de» MonapolS oer gemischten Werke ohne großen Einfluß. Nur"in dem Matze, alS die Hüttenzechen über den Selbstverbrauch hinaus produzieren, würden sie durch ein Sinken der Kohlenpreise in Mitleidenschaft gc- zogen werden. Darin läge für sie dann jedoch wieder ein Anreiz. durch Erweiterung ihrer Hüttenwerke oder durch Angliederungen usw. deren Selbstverbrauch zu steigern. Selbstverständlich würden sie dann aber auch ihre Bergwerksanlagen restlos ausnutzen und die Zöicherung erhöhen. Die Leidtragenden werden auf alle Fälle die reinen Zechen sein. Nun sind diese aber auch so stark in wenige Hände konzentriert, daß man wohl über untere Preisgrenzen sich einigen könnte. Das würde auch leicht geschehen, wenn die Berg- Herren es mit einer einigen Arbeiterschaft und nicht mit einer durch ultramontanc Umtriebe in zwei Lager von allerdings sehr ver- schiedcner Größe gespaltenen zu tun hätten. Daß die Zentrumsdema- gogen aus parteipolitischen Erwägungen mit voller Ueberzeugung das Wohl der Arbeiter den Unternehmerinteressen opfern, daran kann nach den gemachten Erfahrungen kein vorurteilsloser Mensch mehr zweifeln. DaS wissen die Unternehmer ganz genau. Und daraus erwächst für die Bergarbeiter die Gefahr, daß die Unter- nehmer sich wahrscheinlich versucht fühlen werden, die im eigenen Lager bestehenden Differenzen auf Kosten der Arbeitslöhne auszu- fechten. Dann würden allerdings die Bergarbeiter nicht die alleini- gen Leidtragenden sein; die Einschränkung ihrer Konsumkraft müßte von unheilvollen Wirkungen für das ganze wirtschaftliche Leben des großen Industriegebietes sein. Das sind sehr böse Folgen, die nicht aus den Differenzen im Kohlensyndikat, sondern aus der verräterischen, von parteitaktischen Erwägungen diktierten Stellung des Zentrums und des christlichen Gewerkvereins zu erwachsen drohen. Von viel weniger allgemeiner Bedeutung, als die im Kohlen shndikat heranreifenden Ereignisse sind die Veränderungen, die eine Sprengung des Stahlwerksverbandes hervorrufen würde. Daß die wenigen herrschenden Hüttenwerke sich gegenseitig zerfleischen könn ten, daran denkt ernsthaft doch kein Mensch. Die Cäsarengelüste, die wohl vorhanden sind, werden gedämpft durch den mächtigen Eim flutz der Geldinstitute, ohne deren Willen kein Krieg ausbricht, sicheo lich kein solcher, bei dem sie auf alle Fälle selbst die Kosten tragen müssen. Bei der Frage der Erneuerung des Stahlwcrksverbandes handelt es sich vorwiegend nur um die Form, wie die kleinen Unter- nehmen von den großen, wie die reinen Werke von den gemischten Werken beherrscht werden und wie die Herrschaftsbasis der großen sich erweitern läßt. Den von den gemischten Werken irgendwie abhängigen Betrieben kann es schließlich gleichgültig sei, ob ihnen der Verband oder die„freie" Konkurrenz das schmerzstillende HalS� band anlegt. Solange die Schutzzölle auf Rohmaterial und HaUß zeug den Stahlwerken eine monopolistische Herrschaft sichern, bleiben ihre Abnehmer auch die Objekte ihrer Willkür. Selbstvev ständlich gibt es im Stahlwerksverbande selbst, wie auch unter den reinen Werken der Eisenindustrie und des Bergbaues noch manche gegensätzliche Interessen, die wenigstens zum Teil in die schweben den Differenzen mit hineinspielen und die im Falle des Auffliegens der Verbände nicht wirkungslos bleiben würden, aber diese Gegen- sätze und Wirkungen sind doch mehr sekundärer Natur und tan- gieren die Gesamtwirtschaft viel weniger als die erörterten Fragen. _ D. Hua Induftm und Rande!. Die Rentabilität der Staatsgruben im Ruhrredier. Man schreibt unS: Der gcschäftsgewandte Herr S t i n n e s hat die Absicht, die fiskalischen Gruben im Saarrevier und im Ruhrrevier zu pachten. Einen sehr detaillierten Plan soll er dafür schon haben ausarbeiten lassen. Daß die Ausführung des StinneSschen Projektes dem Interesse der Allgemeinheit dienen würde, diesen Nachweis zu führen, ist man geschäftig am Werke. Der Fiskus wird als recht schlechter Bergbautreibender hingestellt. Die Berechtigung solcher Charakterisierung kann allerdings nicht geleugnet werden. Der Fiskus besitzt im rheinisch-westfälischen Jndustriebezirk die Gruben Gladbeck, Bergmannsglück und Waltrop. Auf allen drei Zechen bestehen mehr oder weniger große Mängel, die die Ursache der Unrcntabilität sind. Gladbeck hat der Fiskus von Thyssen zu einem hohen Preise erworben. Ganz offenbar ist bei diesem Kauf die erforderliche Sorgfalt nicht hinreichend beobachtet worden. Durch die Gruben selber geht eine sogenannte Gebirgsstörung. Der Abbau solcher Gruben ist sehr schwierig, weil die Gebirgsstörung nicht mit Sicher- heit die Lagerung der Kohlen feststellen läßt. Ob Herr Thyssen von dieser Störung, als er sich zum Verkauf von Gladbeck entschloß, nichts wußte? Jedenfalls ist er froh, daß die Zeche nicht mehr sein Eigentum ist. Im Gegensatz zu Gladbeck könnte die zweite fiskalische Zeche BergmannSglück bei Buer eine der rentabelsten im ganzen Jndustrierevier sein. NjrgendS sind die unterirdischen Verhältnisse so glänzend, wie auf BergmannSglück. Die Flöze liegen günstig und die Kohle läßt sich ohne besondere Anstrengung mit der Hacke gewinnen. ES wird fast gar nicht geschossen. Indessen läßt die Leitung sehr zu wünschen übrig. Ueber eine Anzahl technischer Ein- richtungen auf BergmannSglück staunt man in Fachkreisen. So wird ganz schcmatisch in der Grube mit sogenannten Lufthaspcln gearbeitet, obwohl in vielen Fällen die kostenlose Schwerkraft' hätte benutzt werden können. Ein Lufthaspel kostet mehrere tausend Mark. Sein Betrieb erfordert Druckluft, Reparaturen, ferner nutzen sich die Haspel schnell ab. Sachkenner sind der Meinung, daß allein mit Lufthaspeln auf Bergmannsglück Zchntausende un- nütz vertan worden sind. Vor etwa zwei Jahren wurde sodann mit ganz erheblichen Kosten auf der zweiten Sohle eine zweigleisige Bahn erbaut und außerdem der Wassergraben ausgemauert, was vielfach Kopfschütteln erregte. Die nach den großen Vorbereitungen erforderliche Riesenförderung blieb aus. In den zwei Jahren hat der Gebirgsdruck die Schienen verschoben und den gemauerten Wassergraben beschädigt, so daß fast ständig außerordentlich große Reparaturkosten notwendig sind. Ein Steiger schickte vor einiger Zeit bei Uebernahme eines neuen Reviers für mehrere tausend Mark Armaturen, die unnütz in seinem Revier umherlagen und verrosteten, zutage, ohne sich hierfür den Dank deS Betriebsführers zu erwerben. In Fachkreisen ist man der Meinung, daß auf dieser Grube Unsummen an Material gespart werden können und daß auch eine größere Ausbeute zu erzielen wäre. Die dritte fiskalische Grube im Ruhrrevier ist die Zeche Wal- trop bei Dortmund, das größte Schmerzenskind des Fiskus. Die Zeche ist im Anfang des Jahres 1303 ersoffen, nachdem beim Ab- bau eine mächtige Wasserader angefahren worden war. Seit zwei Jahren versucht man ohne Unterlaß das Wasser aus der Grube zu heben, jedoch ohne den gewünschten Erfolg. Bei ununterbrochener, angestrengter Förderung sinkt das Wasser im Schacht nur wenige Meter pro Tag. hat man es schließlich um einige hundert Meter zum Sinken gebracht, dann tritt irgendeine der unausbleiblichen Störungen ein und in wenigen Stunden ist wieder soviel Wasser zugeflossen, als man in den vielen Wochen gehoben hatte. Die Kosten für die Wasserförderung betrugen im Jahre 1303/1310 nicht weniger als 1 373 300 M. Fachleute, die schon damals gleich nach der Katastrophe behaupteten, daß man aus die hier beliebte Weise des Wassers niemals Herr werde, behalten anscheinend recht. DaS Wasser ist nach Ansicht dieser Leute nur dann zu beseitigen, wenn die Grubenbaue von einer Nachbarzcche auS angefahren und auch die Wassermengen von dort gefördert werden. Die Nachbarzeche ge- hört den Freiherren von Stumm, die aber anscheinend keinerlei Neigung bekunden, dem FiSkuS in seiner fat«len Situation bei» zustehen. Weshalb die fiskalischen Zechen deS RuhrrevierS nicht rentabel sind, dürfte sich zum guten Teil auS den vorstehenden Ausführungen ergeben. ES liegt nicht die mindeste Veranlassung vor, den Plänen deS Herrn Stinnes irgendwelche Berechtigung zuzuerkennen. Ein hundertjähriges Jubiläum der Gasbeleuchtung in Deutsch- k-md fällt in da» taufende Jahr. 1811 erleuchtete Lampadius, Professor an der Bergakademie zu Freiberg, einen Teil der Stadt und die dortigen Amalgamierwcrke mit Gas. 1825 und 1826— mit der Einführung der Straßenbeleuchtung durch die Imperial Continental Gas-Assoziation in Hannover und Berlin— hat die neue Beleuchtungsarr eine feste und dauernde Stellung erlvovben. Und wenn ihr auch in den letzten Dezennien die neue Kraft— Elektrizität— den alten Rang streitig macht, so kann trotzdem von einem Niedergang der Gasbeleuchtung durchaus keine Rede sein. Im Gegenteil: der Wettbewerb seitens der Elektrizität hat nur dazu geführt, die Beleuchtungstechnik zu verbessern und neue An- Wendungsmöglichkeiten zu schaffen. Auf die neueren elektrischen Lampen antwortete die Gasindustrie mit dem hängenden Glüh- licht; die Einrichtung der Gasautomaten hat die bedeutende Steigerung von Gasverbrauch in den weitesten Bevölkerung-- schichten bewirkt und nun schickt sich die GaSindustrie an, die elek- irische Kraftübertragung durch Schaffung der GaS-Ueberlandzen- traten zu überbieten. Amerika ist in dieser Beziehung mit dem guten Beispiel vorangegangen. Dort wird z. B. die Stadt Cleve- land von den Naturgasseldern in Westvirginien auf eine Eni- fernung von etwa 350 Kilometern durch Röhrenleitungen mit Gas (etwa 2 Millionen Kubikmeter in 24 Stunden!) versorgt. Das ist eine Leistung, die einer elektrischen Kraftübertragung von etwa 2 Millionen Kilowattstunden pro Tag entspricht. Auch auf dem Gebiete der Gasgewinnung sind viele Fortschritte zu verzeichnen, die die Konkurrenzfähigkeit der Gasindustrie bedeutend gesteigert haben. Es sei auch auf die neue Absatzmöglichkeit, die durch Ent- Wickelung der Luftschiffahrt gegeben ist, hingewiesen. Es ist des- halb nicht zu verwundern, daß sich die EntWickelung dieses In- dustriezweiges in schnellem Anwachsen des Gasverbrauchs sowie der Einnahmen aus dem Gasabsatz recht deutlich zeigt. Der Gasver- brauch ist von 44 Millionen Kubikmeter» im Jahre 1853 auf 1200 Millionen im Jahre 1300 und etwa 1800 Millionen im Jahre 1310 gestiegen. Die in Gaswerken investierten Kapitalien er- reichen gegenwärtig die respektable Höhe von mehr als 1/4 Mil- liarden Mark und die jährlichen Einnahmen aus dem GaSabsatz schwanken zwischen 180 und 200 Millionen Mark. Es scheint somit, daß der Kampf zwischen Gas und Elektrizität noch bei weitem nicht ausgefochten ist und daß, trotz der großen Fortschritte in der Ver- Wertung der elektrischen Kraft, die Rolle der GaSindustrie im Wirtschaftsleben eher im Steigen als im Sinken begriffen ist. Konzentratio» der Erdölindustrie. Die beiden größten Unker- nehmungen der deutschen Erdölindustrie, die Vereinigten Nord- deutschen Mineralölwerke und die Deutsche Minineralöl-Aktien- gesellschaft, wollen sich zusammenschließen. Die Transaktion wird wahrscheinlich in einer Kapitalserhöhung der Deutschen Mineralöl- Aktiengesellschaft und der Deutschen Tiefbohrgesellschaft ihren ficht- baren Ausdruck finden. Für die Deutsche Tiefbohrgesellschaft ist die Vermehrung deS Kapitals um 5 Millionen Mark auf 13 Mil- lionen Mark bereits angekündigt. Bisher lag der Schwerpunkt der Deutschen Tiefbohrgesellschaft, die ursprünglich eine reine Bohr- gesellschaft war, im Elsaß, wo sie die Pechelbronner Erdölwerke besaß. Doch hatte sie schon früher Verbindungen auch mit der hannoverschen Erdölindustrie, dem bedeutendsten Petroleumrevier Deutschlands. Diese hannoverschen Interessen sind durch die Ver- einigten Norddeutschen Mineralölwerke vertreten und im ver- gangenen Jahre zugleich mit einer Kapitalserhöhung konzentriert worden. Nun soll ein weiterer Zusammenschluß folgen, und zwar durch Annäherung an die Deutsche Mineralöl-Aktiengesellschaft, ein Unternehmen, das der Deutschen Bank und dem Schaaffhausenschen Bankverein nahesteht. Doch hat die Deutsche Bank seit längerer Zeit auch Fühlung mit der Deutschen Tiefbohrgesellschaft durch deren Kaliinteressen, und dürfte die treibende Kraft bei der jetzigen Finanztransaktion gewesen sein. Die Deutsche Mineralöl-Akticn- gesellschaft verfügt über das verhältnismäßig große Kapital von 16 Millionen Mark, auf das für die beiden letzten Jahre je 6 Proz. Dividende verteilt worden sind. Ueber das Ausmaß der Kapital- erhöhung, die eventuell bei dieser Gesellschaft erfolgen wird, ist noch nicht» bekannt geworden, i Die Kohlen- und Elsenproduktion der Welt im Jahre 1910. Nach einer vorläufigen Zusammenstellung aus den amtlichen Nachweisen hat sich 1310 die- K o h l e n Produktion in den sieben Hauptländern auf 1150 Millionen Tonnen belaufen. Gegen 1303 bedeutet dies eine Vermehrung um 40, gegen 1305 um über 150 Millionen Tonnen. An der Spitze stehen mit fast 440 Millionen Tonnen Anthrazit- und Weichkohle wie früher die Vereinigten Staaten von Nordamerika. Dann folgt noch Groß- Britannien mit 263,5 Millionen Tonnen; aber es hat feine Förderung nur gering erhöht, gegen 1307 sogar»m fast 4 Millionen Tonnen verringert. In absehbarer Zeit wird Großbritannien in der Kohlen« förderung auch von Deutschland überholt werden, das 1310 schon über 222 Millionen Tonnen Stein- und Braunkohlen registrierte. was gegen 1305 eine Erhöhung von über 30 Millionen Tonnen bedeutet. Oesterreich-Ungarn folgt dann in weitem Abstände mit 47>/2 Millionen Tonnen Stein- und Braunkoblenfvrderung; seine Brennstoffproduktion hebt sich nur mäßig. Stärker nahm sie zu in Frankreich, � wo 1910 über 38 Millionen Kohlen zutage geschafft wurden, während eS vier Jahre vorher 34.1 waren. Belgien? Kohlen- förderung ist seit 1306 mit 23,5—23,9 Millionen Tonnen fast stationär geblieben. Die russische Kohlenprodultiön bewegte sich in derselben Zeit zwischen 21—26 Millionen Tonnen. Die drei erstgenannten Länder lieserten allein über 80 Proz. der registrierten Weltproduktion an Kohle. Ein ähnliches Bild bietet die Statistik der Eisen Produktion. Sie betrug in den dorgenannten sieben Hauptländern: 1885: 19,8 Millionen Tonnen 1305: 54,3 MMonm Tonnea» 1830: 27,9,„ 1909: 61,3 1900: 40,6,, 1910: 65.. Auch hierbei stehen die Vereinigten Staaten von Nordamerika mit 27.7 Millionen Tonnen(1910) weitaus an der Spitze. Dann erst folgt Deutschland mit 14,2 und Großbritannien mit rund 10 Millionen Tonnen. Seit 1903 ist das Mutterland der europäischen Eisenindustrie. Großbritannien, von Deutschland überflügelt. Der Abstand wird zugunsten dieses Landes immer größer. Frankreich brachte eS auf bald 4. Rußland auf bald S, Oesterreich-Ungarn auf 2 und Belgien auf 1,3 Millionen Tonnen Roheisenerzeugung. Ohne "weifel kann das russische Reich dank seiner unschätzbar reichen Isenerzlager seine europäischen Konkurrenten überflügeln, wenn im Zarenreiche der lähmende Absolutismus einer freiheitlichen Ver» fassung den Platz räumt._ WasserstandS-Nachrtchte» der LanieSanstalt für EewSsserlunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau vasserftimd M e m e l. TUM D r e g e l, Jiüterbmg V e i ch s e l. Thor» Oder. Ratibor » Krassen » FranNurt Warthe, Schrimm , LnndSberg Reh«, Vordamm S l b e, Lettmeritz , Dr-Sden . Bardo . Magdeburg Wasserssand Saale, Grochllh Havel. Spandaus , Rathenow') Spree, Voremberg') , veestow Weser, Münde» . Minden R h e t«, MaftmUtanlan , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Wertheim Mosel. Trier am 5.5. am 30 88 144 80 114 -43 34 412 215 222 65 140 l-it 4.5. cm1) _ 2 —4 0 0 —4 —8 —4 — 6 — 1 —2 0+ bedeutet Wuchs.~ ftl•<•*) Qntcchtga. □□□ ODO □□□ (Siehe Wochen-Spielplan.) Freie Volksbühne: Sonntag, dm 7. Mai, nachmittags 3 Uhr. Thalia• Theater. 4. 15. Abteilung (Gruppe 16— 19): Moral. Neues Schauspielhaus. 9. Abteilung (Gruppe 38—40): Agnes Bemauer. Hermseld-Theater. 10./11. Abteilung (Gruppe 48—45): An des Reiches Psorten. Montag, den S. Mai, avmdS 8 Uhr: Neues Schauspielhaus. 14. fl.) Abend- abteilung: Alt-Heidelberg. Neue Freie Volksbühne. Sonntag, den 7. Mai, nachm. 2'/, Uhr: Deutsches Theater: Simsou und Delila. Kammerspiele: Gawün. Nachm. 3 Uhr: NeueS Volks- Theater: Der Viel- geprüste. Schiller-Thcater 0.: Die Ehre. Schiller. Theater Charlottenburg: Zapsenstreich. Welropol-Theater: Mamsell Nitouche. Kleines Theater. Nur ein Traum. Neues Operetten- Theater: Der GlückSengel. Neues Theater: Tartüss.— Die Geschwister. Abends 8',, Uhr- NeueS Volks- Theater: Sonntag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag. Sonnabend: Kater Lampe. Montag: Der Vielgeprüfte. Volks- Oper. Montag: Undtne. Freitag: TaSmin.— Da» lustige Felleisen. Schiller-TliealerO.lS: Sonntag, nachm. 3 Uhr: lHv Ehre. Sonntag, abends 8 Uhr: Der große Name. Montag, abends 8 Uhr: Der Traum ein I-eben. Dienstag, abend» 8 Uhr: Nathan der Welse. Schiller-Thealer Cl",sr Sonntag, nachm. ZUHr: Zapfenstreich. Sonntag, abends 8 Uhr: Im Klubsessel, Montag, abend» 8 Uhr: I-lebelel. Hieraus: Uteratur. Dienstag, abend« 8 U h r: I-lebelel. Hieraus: I-lteratur. Berliner Theater. AbendS 8 Uhr: Bummelstudenten. Morgen: Bummelstudenten. Neues Theater. Täglich: Uerr. Ansang 6 Uhr. Theater des Westens. AbendS 8 Uhr; Die lustigen Nibelungen. Sonntag 3>/. Uhr: vsa puppenmSltel. Friedrich-Wilhelinstädtisches Schauspielhaus. Sonntag, den 7. Mai, 8 Uhr: (asernenluft Montag. DienStag: Kasemenlust. Luisen- Theater. Sonntag, den 7. Mai, nachm. 3 Uhr: Aus erster Ehe. Abends 8 Uhr: Ohne Mutter. Preisgekröntes SensationS-Schauspiel in 5 Akten von Benjamin Depaire. Montag 8 Uhr: Ohne Mutter. ll.us'tspiviksus. 3 Uhr: Das Lentnantsmündel. Abends 8 Uhr: Der Regittrator aus Reisen. OSE=THEATE| GruB.e Franksurl er Str. 132. Nachmittags 3 Uhr: Robert u. Bertram. Abends 8 Uhr: Auf nach New York. Voltsstück mit Gesang und Tanz in 5 Alien von Philipp und Richard. Moni. u. solg. Tag-: Aus nach New Jork. lleiehsdallell-Tdealei'. Stettioer Säuger. Britton als Konigsiadt-Kasioo. Holzmarktstr. 72, Sensationeller Erfolg: Mslaar als Erzieher. The 3 Luiasets. Otto Bayer. Duett Hengrich. Anite Raversa usw. vvsang'/js Uhr, Sonntags ll,5 Uhr. ISE AuiOellunj 2�M ZOO ! Urania. Wisaenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Sonntag und Montag 8 Uhr: Lebende Tierbilder von nah und fern. tOCISCHER CAHTEH Heute am 1. 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Mai, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Dankes-Kirchhoses in Rewickendorf-West aus statt. Um rege Beteillgung ersucht Der Vorstand. Allen Verwandten. Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwieger- und Großvater, der Former Franx Struck am Freitag, den 6. Mai, früh 5>/. Uhr, verstorben ist. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Illana Strack geb. GDsfeldt, Grenzstr. 10. Die Beerdigung findet morgen Montag, den 8. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leiibenhalle des Dantes- Kirchhofs, Müllerstraße Ecke Blankestraße, auS statt. Am Mittwoch, den 3. Mai, verstarb nach langen Leiden unser lieber Kollege Lrnst Prätel. Ein ehrendes Andenken be> wahrt ihm Das gesamte Personal der Buchdruckerei 0. Eisner. Die Beerdigung findet am Montag, den 8. Mai, nachmittags 21/. Uhr, aus dem Heilig- Kreuz- Kirchhof in Martendorf statt. VeM der Bueh- und Steindraekerei-Ilillsarlieiter u. MeiteriimeD Deutschlands. Ortsverwaltang Berlin. Am Mittwoch, den 3. Mai, starb nach langem, schweren Leiden unser Mitglied, der HilsSarbeiter Lrnst pratel im Alier von 58 Fahren. Ehre feinem Andenken Z Die Beerdigung findet am Montag, den 8. Mai, nach. mittags 2>/.Uhr, von der Leichen- Halle des Heilig-Kreuz-Kirchhoses, Mariendors, Eisenacher Str. 62, aus statt. 27/8 Die Ortsverwaltung Berlin. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung und die schönen Kranzspenden bei der Be- erdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutier, sagen wir Freunden und Bekannten, sowie dem 4., 5. und 7. Bezirk, insbesondere dem Genossen Hinrichjen com Vorstand der Fimmerer für die überaus herzlichen Worte am Sarge der Verstorbenen besten Dank. Ernst Jentsch, Töpser, nebst Kinder. Volhand der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Filiale Groß-Berlin. Durch den Tod ist UNS am 29. April der Kollege tilreü Falilbusch von der Gruppe der Privat- BadeanstaltS« Angestellten«nt- rissen worden. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung fand a» 4. Mai in Fürstenwalde statt. 36/5 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former Franz Struck am 5. Mai an Herzleiden ge- sterben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 8. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Dankes-KirchhoseS in Reinicken- dort, Blankestraße, aus statt. unser I Ferner starb am 4. Mai Mitglied, der Dreher EtnH Lange an Nierenleiden. Die Beerdigung findet am Montag, den 8. Mal, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Heilands-KirchhoseS in Plötzensee aus statt._ Ferner starb am 2. Mai unser Mitglied, der Schlosser Clemens Feller. Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 7. Mai, nachmittags l'/,Uhr, von der Leichenhalle des Spandauer Gemeinde-FriedhoseS in Spandau au? statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 116/17 0!e Ortsverwaltung. Zentrai-Kraiiken- und Sterbe- Bezirk Reinickendorf-West. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Klemens Feiler gestorben ist. Ehre feinem Andenken k Die Beerdigung findet heute, Sonntag um 1*1, Uhr in Spandau statt. Um rege Beteiligung ersucht 1683b Der Vorstand. Für die herzliche Teilnahme sowie die reichen Kranzspenden bei der Be- erdigung unseres einzigen Sohnes, des SchristfetzerS Albert Scltnlz sagen wir allen Freunden, Verwandten und Bekannten, besonders dem Ge- nofsen BaranowSki sowie den San- gern unsern besten Dank. 42012 Die tiesbetrübien Eltern Bovert u. Ülatkllde Scholz. Liebigstraße 15. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung und schönen Kranzspenden bei der Be- erdigung meiner lieben Frau, Mutter, Großmutter und Schwiegermutter sagen wir hiermit unseren ties- gesühllesten Dank, besonders Herrn Manasse, dem Gesangverein Männer» chvr Norden und dem Verband der freien Gastwirte B II. A. Geister nnb Angehörige Veteranenstr. 4. 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Auch ein kleines Roulette stand da; Matiske sagte, datz dies ein„sehr nettes Spiel" sei, und der Zeuge fand dies durch die Praxis bestätigt. Er fand es „sehr hübsch und intereflant". Als die Zahl der Besucher gröster wurde, erklärte Matiske, dast diese Zusammenkünfte doch wohl bei der Polizei angemeldet werden müssen. Der Zeuge, der früher bei seinen ersten Vernehmungen mehrere belastend klingende Angaben gemacht hatte, schränkte diese nunmehr wesentlich ein. Er erzählt u. a., dast auch er wieder- holt für die Bank eingezahlt habe; es sei nicht richtig, dast die Bank immer mit Ueberschust abgeschlossen habe, vielmehr habe die Bank auch vielfach verloren, so tmst Nachzahlungen geleistet werden musttcn. Er selbst hat ziemlich beträchtlich— int ganzen etwa 6000 M.— verloren. Einmal hat er einen Brillantring im Werte von 1200 M. bei Matiske in Pfand geben müssen, den er später nicht eingelöst hat, da er durch den Selbstmord seines Bankiers pekuniäre Verluste gehabt habe. Der Zeuge hat niemals den Ein- druck gehabt, dast Matiske als gewerbsmähiger Glücksspieler zu betrachten sei. Der Vorsitzende hält ihm vor, datz er vor der Polizei bei seiner Vernehmung genau das Gegenteil bekundet und betont habe: er halte Matiske und Genossen für gewerbsmätzige Glücks- fpieler und sei deshalb von ihnen abgerückt.— Zeuge: Ich kann hier unter meinem Eide nur das bekunden, was ich positiv weist. Damals schwirrten aber allerlch abenteuerliche Gerüchte umher, und wenn man immer wieder von den Beamten nach einer ganz bestimmten Richtung hin befragt wird, so wird einem langsam etwas suggeriert. Es kamen ja auch die Presseberichte, durch welche das Publikum so voreingenommen werden mutzte, datz man sich diesem Eindruck nicht entziehen kann.— Vors. Landgerichtsdirektor Lieber: Es ist doch kaum glaublich, dast Sie, der Sie im Leben stehen, sich so suggerieren lassen, datz Sie etwas aussagen konnten, was Ihrer heutigen Aussage direkt widerspricht. Aus anderen Zeugenaussagen ist hervorzuheben, daß zu der „Bank auf Aktien" zumeist Beiträge von 5 M. geleistet wurden. Matiske soll den Einzahlern eine Rückzahlung von 6 M. SO Pf. garantiert haben, falls sie vor Beendigung des Spiels weggingen. Die Croupiers haben Einzahlungen von 200 bis 300 M. eingezahlt. Ein. Zeuge Berger, der im ganzen 4— 5000 M. verloren hat, hatte Matiske seine Schmucksachen für 1400 M. verpfändet. Matiske hatte dann eines Tages diesen Zeugen zu sich bestellt und ihm gesagt, er habe gehört, dast er eine Anzeige erstattet habe. Der Zeuge hat dies bestritten. Matiske hat dem Zeugen dann angeboten, ihm die Schmucksachen für 500 M. zurückzugeben unter der Bedingung, dast er ihm keinerlei Unannehmlichkeiten bereite. Der Zeuge hat später gehört, datz andere Herren davon sprachen: wenn es schief gehe, werde Matiske verschwinden. Kriminalkommissar v. Manteuffel: Er habe das erstemal mit Matiske zu tun gehabt, als dieser einen Brief an ihn geschrieben, wonach in einer Kaffeegesellschaft im Familienkreise in kleinen, be- scheidenen Grenzen gespielt werde und man Aufklärung darüber haben möchte, ob dies erlaubt sei. Um zu wissen, wer Matiske sei, habe er sich erst die Personalakten kommen lassen und daraus er- sehen, dast einige Vorsicht am Platze war. Er habe dann den Matiske zu sich bestellt und ihm gesagt, dast das, was in dem mehr- fach erwähnten Artikel des Dr. Jul. Meyer im„Tageblatt" ge- standen, an sich richtig sei, datz Spielen im Familienkreise um kleine Beträge nicht beanstandet werden könne. Daneben sei ihm aber auch der Inhalt eines Reichsgerichtserkenntnisses mitgeteilt worden, wodurch er genau entnehmen konnte, unter welchen Umständen ein Glücksspiel als gewerbsmäßig betrieben angesehen werde. Er habe Matiske auch geraten, die Finger lieber vom Roulette ganz weg- zulassen. Dann seien der Polizei Anzeigen zugegangen, welche be- haupteten, dast Matiske ein gewerbsmäßiger Glücksspiel« sei. und es wurden Einzelheiten aufgeführt, die beweisen sollten, dast Matiske der Unternehmer des ganzen Spielbetriebes sei. Es wurden auch Andeutungen gemacht, datz es beim Spiel nicht ganz ehrlich zuzugehen scheine, da mit Doppel-Zero gespielt wurde, was beim Roulette doch ganz ungewöhnlich sei. Auf Grund dieser An- zeigen seien dann die Beamten Hasenjäger und Rath eines Abends zur Beobachtung in den Kreis der Spieler geschickt worden, und es habe sich dann die Notwendigkeit ergeben, im August in der mehr- fach geschilderten Weise den Spielklub aufzuheben und die Person- lichkeiten der Teilnehmer festzustellen. Auf einige Fragen der Rechtsanwälte Dr. Jul. Meyer und Dr. Alsberg bemerkt der Zeuge u. a.: Es sei natürlich nicht zu be- haupten, datz das Roulettespiel ohne weiteres auf gewerbsmäßiges Glücksspiel hindeute. Irgendwelcher Anhalt, datz bei Matiske un- ehrlich gespielt wurde, liege nicht vor.— Aus längere Vorhaltungen des Rechtsanwalts Dr. Werthauer bestätigt der Zeuge, dast in Monte Carlo und anderen Spielorten das Roulettespiel als das harmloseste der Glücksspiele betrachtet werde. Tatsächlich seien Trente et Qua- rante, Baccarat usw. in den Spielklubs viel bevorzugter.— Rechtsanwalt Dr. Werthauer läßt sich weiter bestätigen, daß Roulette wegen der Umständlichkeit seines Betriebes und weil sich das Spiel langsamer entwickelt, in den Klubs eigentlich niemals gespielt wird. — Zeuge v. Manteuffel: Tatsächlich sei hier der erste Fall, dast in einem Klub Roulette gespielt wurde. Der erste Fall war der des „ollen ehrlichen Seemann", der mit einem Roulette von Ort zu Ort zog. Bei ihm handelte eS sich aber nicht um einen Klub. In der Nachmittagssitzung bot die Vernehmung der Teilnehmer an den Matiskeschen Spielabenden wenig öffentliches Interesse dar. Von der Verteidigung wurde wiederholt darauf hingewiesen, dast die Statuten des Vereins genau so waren, wie die Statuten anderer Klubs. Einige Zeugen konnten bekunden, datz sie per Saldo ge- Wonnen haben. Die Bank habe oft gewonnen, manchmal aber auch verloren. Es kam zur Sprache, datz Matiske, der elf Jahre General- agent der„Victoria" war. früher in der Charlottenstratze seinl Bureau hatte und auch dort schon gespielt wurde, Einzelne Mit« spiel« haben sehr hoch pointiert, so namentlich ein junger Staatsanwalt, der einen Schmiß im Gesicht hatte, ferner ein Herr Müller, ein Handelsrichter und andere, deren Namen der Zeuge aber nicht kannte. Alle.diese Leute spielten sehr flott, sie hatten manchmal Glück, indem sie aufs Ganze gingen, manchmal aber„guckten sie auch in den Mond". Die Bank wurde immer zweimal pro Abend aufgelegt; die erste Tour endete gegen 12 Uhr nachts, dann wurde die Bank neu gebildet. Mehrere Zeugen erklärten auf Befragen, sie hätten nicht den Eindruck gehabt, datz Matiske sich bewußt ge, Wesen sei, etwas Unrechtes oder Strafbares zu tun. Um 3 Uhr wurde die Verhau dlungaufMon tag 9 Uhr vertagt. Da die Schwurgerichtssäle anderweitig besetzt sind, sin- det die weitere Verhandlung im Saale 413 des neuen Gerichts- gebäudes in der Turmstratze statt. Am Dienstag soll dann die Sitzung ausfallen, so daß am Montag und Mittwoch verhandelt werden wird. m. Saal, Materialgeich., 30 Morg. kleesäh. Ackern. Wies. Neue mass. Gebäud., 2 Ps., 3 Rind., 4 Schweine. Bieroerbrauch 70 Tonnen. Preis 23 000 M. Anzahlung 6000 M. I�andwirtschaft, 60 Morg. inkl. 14 Zweischnitt-Wiesen. Tadellose Gebäud. Preis 20 000 M. Anz. nach Uebereink. 163/11» l-aadtvli'tscliaft, 40 Morg., isoliert mass. Gebäud. 1 Ps.. 2 Milch. kühe, 6 Schw., 24 HüHn. Viel Neben- verdienst. Preis 1Z 000 M. Anzahl 4000 M. 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Die mit den Töpferträgern zusammen arbeitenden Töpfer ersuchen wir dringend, die Töpserträger aus diese Versammlung ausmerlsam zu machen und sie zum Besuch derselben anzuhalten. Der ScktionSvorstand. Fliesenleiser und Hilfsarbeiter. DienStag, den V. Mai, abends 8'/, Uhr, in de» Corona-Bttlen (früher KlnbhauS), Kommandanteastr. 7?: Oeffentliche Versammlung der Fliesenleger und Fliesenleger-Hilfsarbeiter. TageS. Ordnung: 1. Bericht der Schlichtungskommission. 2. Diskussion. 8. Berufsangelegenheiten. Zutritt zu dieser Versammlung haben alle Fliesenleger und HilfS- arbeiter. Die Borständo der Wiefenlegerorgantfattone». Aehtmig! Achtung! Bäcker, Konditoren und verwandte Berufsgenoffen! Dt- Generalversammlung am Sonntag, den 7. Mai, im Berliner GewerkschaftsyauS Die öffentlichen Versammlungen am Dienstag» S. Mai, für Bäcker: nachmittags 9 Uhr, to der Neuen Welt, Hasenheide, für Konditoren: adendS 7 Uhr, im GewerkschaftshauS, sowie die Versammlung der Hilfs- und Werkstattkasfierer, die mittags 1 Uhr in der Neuen Welt stattfinden sollte, sind, da der Slhicdssprlllh des Eiiiipigsmlts erst Mittwoch, den 10. Mai, verkündet wird, Die Versammlungen» die für den S. Mai geplant waren, finden am Dienstag, den 16. Mai, zur selben Zeit und in denselben Lokalen statt. Die Lohu- und igitationskommlssiOD. tattr UbMM. Zahlstelle Berlin. Donnerstag, de» 11. Mai, abends 51/, Uhr, in Granmanns Fcstsitlen, Rannynstr. 27: Versammlung der in den Album-, Mappen- und Galanteriewaren« fabriken beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Georg Davtdsohn über: Deutscher Humor. S. Bericht von der gemetiisamen Sitzung mit deü Arbeitgebern. 3. Ber- schiedenes. 23/13 Es erwartet vollzähligen Besuch Die Braucheuleitnng. ist das Thema, über das Stadtverordneter.4lIoH Ritter am Montag, den 8. Mai Ml, abends 8V2 Uhr, gyy im grofieu Saale der Arminhallen'WtzS Kommandantenstr. 38/30 spricht. 230/20 Alle Ladenangestellten, Warenhansangestellten, Ver- käufer, Verkäuferinnen nsw. sind nm die Erweiterung der Sonntagsruhe mindestens für diesen Sommer betrogen, wenn sie sich nicht geschlossen zu energischem Protest in »biger Versammlung aufraffen! Nur Massenbesuch kann noch etwas retten! ZCBtralverband der Handlangsgebllfen u. Gehilfinnen Oeutscblands. Bezirk Berlin. J. A.: Otto Urban, Neue Könizstr. SS. Heutscher Netatlarbeiter-Verband. — VervaltnngssteU« Berlin.— Arbeitsnachweis: Hos 1. Amt lll. 1233. EharitSstraste 3. Hauptbureau: Hos Nl. Amt M. 1387. Montag, den 8. Mai, abends 8'� Uhr. im großen Saale der Zranerei Kovigstadt, Schönhauser Allee 10/11; Klempner= Versammlung. Tages-Ordnung: i. Kericht von den Verhandlungen mit den Arbeitgebern. Referent: Id. Cohen. 2. Diskussion. ■■,........ Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt!!: Pflicht aller Kollegen ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Dertranenslente merden ersucht, um 7 Uhr im Fokale anmseud zu fein. Mitglieder anderer Organisationen, die alS Bauklempner beschäftigt find, haben gegen Bor- zeignng ihres Mitgliedsbuches ebenfalls Zutritt. Dienstag, den 9. Mai, abends 6 Uhr: Verslilliiiiiliilg dkrMktalldrölkkrKkrlmg n.Wgegk»l> im Gewerkfchaftshause, Engelufer 15, Saal 4. Tages-Ordnung: t. Bericht der Agitationskommission. 2. Neuwahl des Branchenvertreters. 3. Branchen- angelegenheiten und Verschiedenes. iis/io Zahlreiche« Besuch erwartet____ Die OrtaTertraltnne. ttff i Bodenleger. Montag, den 8. Mai, abends 8V4 Uhr, im Gewerkschaftshause: Vertrauensmänner- Versammlung. 83/5 Dl« Braa«I»vnl!ommt«>sIan. Oärtner! Oartenarbeiter! Dienstag, de» 9. Mai 1911, abends 81/, Uhr, in MtetheS(Rachf.) Feftsüken, Tchöneberg, Hauptstr. S: veffenttieds Versammlutig. Tages-Ordnung: 1. Die Slutivort der Unternehmer auf den Beschlust unserer lestten Bersammlung. Referent: Kollege Walter KwaSuik. 2. Freie Aussprache.» 231/ l Im Anschluß an die öffentliche Versammlung'findet eine Branchen- Versammlung statt. Zutritt zu der Branchenversammlung nur mit Mitglieds- buch oder Kontrollkarte. Aus der Tagesordnung sieht: 1. Bericht des B mchenvor standeS. 2. Neuwahl des Branchenvorstandes. 3. Verschiedenes. Allgemeiner Bcatscher Gartner-Vereln. OrtSverwaUuiig Grost-Berlin. Branche Landschaftsgärtueret. Bureau: 8. 42, Luisenufer 1. Telephon Amt IV, 3725. med. Karl Reinhardts epezial-Srztilehe Institute filr Gesehleehtskrankheiten Bant- und Harnleiden. 1 üsanderslrati 12""s/SSTfl'iS!"* PeManetSlniimilSa�KWÄ�Ps) Für Frauen von 3 Iiis'/»S Uhr, , Sonntags 11—13 Uhr. Vollkommenstes kombiniertes Heilverfahren. 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Mai 1911, abend? präzise 8 Uhr: Geml-Versainmiung sämtlicher Vertreter in den Arminhallen, Kommandanten- straffe 58/53. Tagesordnung: 1. Abnahme der Jahresrechnung für 1310, Bericht der Revisoren, Dechargeerteiwng. 2. Antrag deS Vorstandes auf Abänderung der Dienswerträge der Beamten und auf Anrechnung der Dienstjahre. 3. Ge- schäftliche Mitteilungen. Berlin, den 6. Mai 1911. Der Vorntand. I. A.: M. Kutsche, Vorsitzender. Befchwerden, zu deren Erledigung ----- h...... die Einficht der ltch ist, find bis zum 10. Mai fchritilich tm Kafienlotal einzureichen. laffenattcn erforber. WM-" irtfllich 275/19 Gardinenhaus Bernhard Schwach Gardinen» Fabrik Wallstr. 13. Gardinen. Portieren Tüllbettdecken u, Scherz-, Vereins-» Vtrlotungs- Artlktl, Papier• MBeiCB, Lampion», Radau- Inatrumenl» loauaaei gewöhnlich reicher Aalwahl Vereine erhalten auf die ohnehin schon ■ehr billigen Prelis — R a b«( I.— Bernhard Keiiich tplelwerenhaue— 19 Sohauteneler. flrosa# HamburgsratraBse a 1-23. 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Barkautionen......... Sonstige Paesiva.»»»..«, Gewinn........... Gesamtbetrag Der Dividendenschein Ko. 3 wird mit 22,50 dl.--- S Pros, an uneerst Zentralkasse. Berlin' Potädaaier Str. 22, eingelöst. Qeschäfteberichte sind ebenfalls dort zu haben. Der Vervibfick- Von der Eeiss zurftclt lC65b Dr. F. Mainzer« Eine Partie imii. Perser Köpfet echter Perser von wunderbarer Farbenpracht auf beiden Seiten benutzbar. 160X230 200X300 250X850 300X400 Ungefähre Größe 90X185 cm pr. Stück M. 3,75 130X200- pr. Stück„ 8,50 pr. Stück„ 8,75 pr. Stück r 12,75 pr. Stück„ 21,50 pr. Stück„ 28,75 Pass. Bett- u.Puli-Tepplche Stack 75 Pf., 1,00 u. 1,50 31. Nach auswärts per Nachnahme. Teppich-Spezial-Haus ■wEg| eföire Berlins. Seit 1882 nnr Oranienstv. 158 Spezial-Kalalog SSOAliliiidncgen gratis u. Mo. mm 2e., 27., 29., 30.«. 31. Mal > Lotterie zum Ausbau der Veste COBURG 17 5B3 Stwmnt: Bar ohne Abzuj Mk, Geld 17 5B3 Qewinne: Bar 360,000 tUuptgewinna: Bar Qeld Mari: 100,000 50,000 to,ooo 3QQO ÜSW. 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Die zahlreichen, in den meisten Stadtteilen vorhandenen Verkaufsstellen der alten Stiller- Firma bilden durchweg selbständig geleitete, grosse„Spezialgeschäfte und keine notdürftig mit Waren ausgestatteten„Filialgeschäfte H €t Die Auswahl Unsere Auswahl ist bekanntennassen eine enorm grosse. Wir pflegen nicht nur das feine, hochpreisige Genre, sondern wir schenken den mittleren und billigeren Preislagen gleich grosse Aufmerksamkeit Die Vielseitigkeit unserer Warenlager ist eine überraschend grosse. Wir legen besonderen Wert darauf, gangbare Artikel nicht nur in allen notwendigen Längen, sondern— was sehr wichtig ist— diese Längen auch in den erforderlichen vielen Weiten stets vorrätig zu haben; denn wir führen Schuhwaren in zehn verschiedenen Weiten, sowohl für„sehr schmale" als auch für„extra starke" Füsse. Wir sind deshalb nicht nur in der Lage, jedem Geschmack Rechnung zu tragen, sondern wir vermögen, was die Hauptsache ist, auch für jeden Fuss etwas Passendes zu bieten. Wir beschränken uns nicht darauf, nur allgemein gangbare Sorten und Formen zu führen, sondern wir studieren und beobachten die Moden des In- und Auslandes und bemühen uns, mit den neuesten Schöpfungen der Schuhbranche als Erste auf dem Markt zu erscheinen. Unsere Modelle sind vorbildlich und finden allgemein Nachahmung. Damit ist aber nicht gesagt, dass wir nur solche Neuheiten.bringen, die den ausgeprägten Charakter des Modernsten zeigen, sondern wir bestreben uns, auch der„hygienischen Fusspflege" in ausgedehntestem Masse Rechnung zu tragen, und verfügen über eine grosse Auswahl' von Schuhwaren in rationellen Formen für Damen, Herren und speziell für Kinder. Vielfachen Wünschen unserer festen, alten Kundschaft entsprechend behalten wir bewährte, gut passende Formen jahraus jahrein bei, um die Gewohnheit vieler alter Kunden befriedigen zu können. Die Preiswürdigkeit Unsere Millionenumsätze setzen uns in den Stand, so vorteilhaft wie eben nur möglich einzukaufen und infolge dieser grossen Umsätze können wir uns mit einem kleinen Nutzen begnügen. Jede unserer bekannten Preislagen zeigt eine unübertreffliche Leistungsfähigkeit für sich. Unsere Hauptpreislagen für Damen- und Herrenstiefel sind: 8 75 1050 1250 15™ 18°° 21°° Innerhalb dieser abgestuften Preislagen bieten wir das Vollkommenste, was zu den jeweiligen Preisen erreichbar ist Mit dieser Mannigfaltigkeit der Preislagen bietet unsere Firma einen ganz überwiegenden Vorteil Bedienung Wir verfügen über Hunderte gut geschulter Verkäuferinnen, welche zumeist schon jahrelang der Firma angehören. Die Bedienung ist deshalb eine durchaus sachgemässe und in jeder Beziehung musterhafte. Vermöge unserer grossen und bequem eingerichteten Verkaufsräume, unserer strengen Ordnung und grossen Uebersicht unserer Warenläger ist die Bedienung der Kundschaft eine stets glatte und schnelle, selbst in der lebhaftesten Saison. Da wir nur das Beste zu führen gewohnt sind, können wir für die Güte unserer Waren einstehen, Orthopädische Abteilung: Jerusalemerstrasse 38-39 Kostenlose fußärztliche Sprechstunde 5-7 Uhr. Eigene Werkstätten für feine Maß-Arbeiten und Reparaturen st. m 28. z-ht-m. 4 gelinge des Jotrofirtf Kerliner Wlksllllltl. 7 M-M Mittwoch, den lo. Mai: ZaWabend in den Bezirken Groß-Berlin$. Partei- Hngelegenbeiten. Zur LokaMste! Folgende Lolalinhaber stellen ihre Lokale der Partei und den Eewerkscbaften zu den altbekannten Bedingungen zur Verfügung: In Wandlitz fT.-B.) das Lokal„Zum Seekrug", Jnh. Klein. In Reinickendorf-West find alle Lokale frei. In Pankow das Lokal„Zur Strauchwiese". In Hcrgermühle bei Eberswalde das Lokal von Otto Schulz. Wir bitten die Lokallifte genau zu beachten! _ Die Lokalkommission. Parteigenosse», die im Wahlkreise Züllichan-SchwiebuS- Krossen-Sommerfeld wohnen oder nach dort Beziehungen unter» halten(Familie, Verwandte) und sich zurzeit hier aufhalten, werden dringend ersucht, am Freitag, den 12. Mai, abends 8 Uhr, im Lokale des Genossen I. Meyer, Oranienstr. 103, zu einer Besprechung zu erscheinen. Boxhagcn- Rummelsburg.. Den Wahlvereinsmitgliedern zur Kenntnis, daß die Bibliothek in der Zeit vom 1ö. Mai bis 15. Juni zwecks Regelung und Neuanschaffung geschloffen ist. Mitglieder, welche Bücher>m Besitz haben, werden ersucht, dieselben bis zum 15. Mai zurückzubringen. Die Bibliothekkommijfion. Ober-Schöneweide. Am Mittwoch, den 10. Mai, hat der L. Bezirk und am Donnerstag, den 11. Mai, der 6. Bezirk Zahl- abend im Jugendheim. Klarastr. 2. Die Bezirksleitung. Grünau. Am Mittwoch, den 10. Mai, abends 8'/, Uhr, im Lokale von Joh. Franz, Köpenicker Strahe 88: Mitgliederversamm- lung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genoffen Schütte:.Was und wie soll der Arbeiter lesen". 2. Diskussion. S. Vereins- angelegenheiten. 4. Verschiedenes. Gäste willkommen. RowaweS. Mittwoch, den 10. Mai, abends 8'/, Uhr: Ver« sammlung deS Wahlvereins im Schmidtschen Lokale. Wilbelm- strafte 41/48. Tagesordnung: 1. Vortrag:„Die Sünden des Schnapsblocks und die Reichtagswahl". Referent Reichstags- abgeordneter Genosse Otto Büchner. 2. Geschäftliches. 3. Ab- rechnung vom ersten Quartal und von der Gemeindewahl. 4. Ver- schiedenes. Gäste haben Zutritt; auch werden neue Mitglieder auf« genommen. Der Vorstand. ßerliner JVadmcbten* Berliner Angler. Der richtige Angelbruder klebt zäher am Wasser als 8er Alkoholist an der Kneipe oder der Spieler am Skattisch. Seine Ausdauer ist unverwüstlich und sein Sportphlegma beivun» dernswert. Von früher Stunde an, wenn der Tag kaum graut und andere sich nach Herzenslust noch ausschlafen, sitzt er am Uferabhang oder vor dem Schilf im Kahn, bis sich die ersten Schleier der Nacht niedersenker. und auch die Kaltblüter ihre Schlupfwinkel suchen. Selbswergessen, bedürfnislos, fast un- beweglich. Nur hin und wieder schnellt der Arm hoch, um dem Angelhaken eine frische Lage zu geben, die Lockspeise zu erneuern oder einen„Angebissenen" mit elegantem Ruck in Sicherheit zu bringen. Neugierige Zuschauer, lme der Ge» legenheitsangler mitten im Weichbilde der Stadt am Spree- lauf, kann der passionierte Angler nicht brauchen. Jedem Vergnügungsboot, das zu dicht an sein Jagdrevier heran- fährt und ihm die Beute verscheucht, sieht er mit ärgerlichen Blicken nach. Deshalb haben sich die Berliner Sportangler von jenen Stellen, wo lebhafter Dampfer- und Mrnschenver- kehr herrscht, immer mehr zurückgezogen oder sie lassen sich hier doch nur in jenen Stunden für längere Zeit nieder, wo die Fluten und die Fische durch den Schiffahrtsbetrieb nicht allzu sehr beunruhigt werden, am liebsten in den frühesten Morgenstunden, wenn die Sonne die Fischlein weckt und zur Nahrungssuche an die Oberfläche lockt. Der Berliner Angelsport, der in wenigen Wochen wieder stark einsetzt, ist weit verbreiteter, als man gewöhnlich an- nimmt. Es sind Tausende, die in ihrer freien Zeit kaum für etwas anderes Sinn haben und dann auf dem Wasser wie zu Hause sind. Die reichliche Hälfte der Sportangler rekrutiert sich natürlich aus jenen Leuten, die so glücklich gestellt sind, daß sie in ihrer Zeitwahl zu Erwerbszwecken keinerlei Be- schränkung fühlen. Denen kommt es gar nicht daraus an, wochenlang zwischen Angelbude und Angelkahn hin und her zu pendeln, für eine andere Welt nicht zu existieren. Die übrigen sind angewiesen auf die kurze Rast zwischen den Ar- beitstagen, und dann huldigen sie ihrer Leidenschaft mit dem- selben Eifer wie der Radler, Autler oder Aviater. Aber der Reiz liegt nicht ausschlietzlich in der Fischjagd. Jeder Ge- wohnheitsangler hat viel Herz und Sinn für die ihn um- gebende Natur. Mit jener verinnerlichten Stimmung, die die Einsamkeit liebt und doch von Melancholie weit entfernt ist, bewundert er den Auf- und Untergang der Sonne, das Herannahen eines Gewitters, das Vogelidyll im nahen Wald und über den Wassern. Der Wind, der leise durch das Schilf fährt und die Wasserrosen küßt, singt ihm gar eigene Lieder. und Myriaden von Insekten erzählen auf dem stillen See von jenem ungeheueren Triebleben, das der Herdenmensch mit seinen nüchternen Zwecken sonst kaum beachtet. So ist er mit dem Leben und Weben der Natur aufs innigste verbunden, und häufig tritt es auch äußerlich hervor, daß solche abgeklär- ten Einsiedler für unser Dasein und all seinen harten Kampf einen weiteren Horizont haben als andere, die in, Jagen und Hosten nach Verdienst ihrer selbst nicht recht froh werden. Die Lösung der offiziellen Angelkarte und die Gebühr für die Errichtung der Angelbude sowie die Kosten für Be- fchasfung und Instandhaltung eines Kahnes haben sich leider von Jahr zu Jahr verteuert. Gemeinden, die Besitzer beson- ders fischreicher Seen sind, verpachten die Fischereigerechtigkeit an Generalunternehmer, und erst von diesem erlangt der Minderbemittelte die Erlaubnis zur Ausübung seiner Passion. So bezahlt, genau wie bei den Laubenkolonien, der„kleine Mann" sein Extrastückchen Natur am teuersten. Und die Behörde läßt sich die Angelkarte zuweilen noch außerdem bezahlen, hat sogar diese Gebühr hier und da auf dos Dop- pelte und Dreifache des Preises vor zehn und zwanzig Jahren hinaufgeschraubt, obwohl der Fischreichtum zurückgegangen ist. An vielen Stellen besitzen die Fischerinnungen das Privi- legium und treiben damit direkten Wucher. An manchen Soßen Seen in der Umgebung Berlins, an gewissen Stellen t Havel und Oberspree habe» sich ganze Äugle rkolomen gebildet. Hier stößt man am Ufer auf zahlreiche Angelbuden primitivster Gestalt, und oft ist ein winzig kleines Anwesen dabei, das die Sportfreude noch erhöht. Schon die noch nicht mal schulentwachsenen Kinder machen Vätern Konkurrenz, und selbst Mutter beweist in Ruhepausen ihr Evastalent, die Angel auszuwerfen. Im Hochsommer, zur Erntezeft, gibt eS hier an den Wassern wunderhübsche Anglerfeste, die sich den Laubenfesten der„Landratten" würdig an die Seite stellen. Der schwerste Hecht, der setteste Karpfen wird im Triumph nach dem Festplatz getragen und prämiiert. Auf den Fest- tafeln prangen nur Fischgerichte, die einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen, und den Ehrenplatz neben der braven Kochkünstlerin nimmt der große Wassernimrod ein, der.— selbst so fest am Angelhaken sitzt. Wo bleibt die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe? Die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe scheint den Angestellten noch länger vorenthalten werden zu sollen. Berlin hat seinem Be- schluft, die Verkaufszeit vom 1. Mai bis 30. September auf die Stunden von 3 bis 10 und vom 1. Oktober bis 30. April auf die Stunden von 12 bis 2 Uhr festzusetzen, die Voraussetzung beigefügt, daß auch die Borortgemeinden gleiche Ortsstatute einführen. Es ist gewiß erwünscht, wenn die Frage der Sonntagsruhe in Graft- Berlin möglichst einheitlich geregelt wird. ES zeigt sich auch hier wieder einmal, wie hemmend die kommunale Zerriffenheit Graft- Berlins jedem Fortschritt im Wege steht. Besteht der Berliner Magisttat aus seinem Vorbehalt, so dürften die Handelsangestellten noch recht lange auf die kleine Vergünstigung warten können. Die bisher vorliegenden Beschlüsse der Borortgemeinden in der Sonntags- ruhe weichen sehr von einander ab. So hat die Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung beschloffen, daß die offenen Verkaufs« stellen an Sonntagen nur von 8—10 Uhr geöffnet sein dürfen, ganz gleich, ob Sommer oder Winter, aber auch nur unter der Voraussetzung, daß Schöneberg und Wilmersdorf ebenso beschlieften. Schöneberg hat wie Berlin beschloffen. In Weiftensee soll die Sonntagsruhe nicht nur auf die offenen Verkaufsgeschäste. sondern auf sämtliche Geschäfte ausgedehnt werden, Lichtenberg will die in Berlin beschlosiene Regelung zu der seinigen machen. Pankow will alles beim alten lassen. Rixdorf hat sich im Sinne Berlins entschieden. Diese verschieden gearteten Beschlüffe lassen die Folge- rung zu, daß gar nichts geschieht, wenn die Gemeinden sich nicht einigen können, oder aber es muß jede Gemeinde auf eigene Faust Sonntagsruhebestimmungen schaffen. ES wird die höchste Zeit, daft dem gegenwärtigen Zustande ein Ende gemacht wird. Am Montag abends 8'/, Uhr wird sich eine Versammlung, zu der alle Handelsangestelltin nach dem große» Saal der»Armin- hallen", Kommandantenstr. 58/5S. eingeladen sind, mit dem Thema: »Wo bleibt die Sonntagsruhe?" beschäftigen. Die Durchlegnng der Französischen Straße durch die Minister- gärten bis zur Königgrätzer- und Lennzstraße ist kürzlich vom Polizeipräsidenten v. Jagow angeregt wovden, und man mußte annehmen, daß Herr v. Jagow sich vorher über die Durchführung des neuen Verkehrsprojektes vergewissert hatte. Jetzt bringt die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" in auffallender Schrift folgende Mitteilung:_„., „Die Frage der Erleichterung des Verkehrs in der Leipziger Straße und auf dem Potsdamer Platz in Berlin beschäftigt fort- dauernd die Behörden und das Publikum. Zurzeit, wird das Borhaben der Durchlegung der Französischen Straße bis zur Ecke der Königgrätzer. und Lennestraße erörtert und von der Ausführung des Vorhabens eine solche Erleichterung erhofft. Die Verhältnisse liegen hier indessen ähnlich wie betreffs der vor einigen Jahren in Aussicht genommenen Verlängerung der Voß- strafte über die Königgrätzer Strafte nach der Lennestrafte. Von dieser Verlängerung mußte Abstand genommen werden, weil der Kemperplatz schon damals durch die verkehrsreichen Straften, die auf ihn einmünden, als überlastet anzusehen ist, und weil die Besorgnis gerechtfertigt war. daft auf diesem Kreuzungspunkt sich gleiche Verhältnisse entwickeln würden wie auf dem. PotS- damer Platz, wenn durch eine neue Strafte der Verkehr auf dem Kemperplatz noch mehr gesteigert werden würde. Inzwischen hat der Fuhrwerksverkehr, insbesondere der Verkehr mit Auto- mobilen, in der Lennestraße, auf dem Kemperplatz und in der Tiergartenstrahe eine erhebliche Vermehrung erhalten, so daft die Verhältnisse auf dem Platz noch ungünstiger geworden sind. Im Interesse der Verkehrssicherheit erschein. eS daher nicht angängig, eine zweifellos erbebliche Verkehrssteigerung auf diesen Straften dadurch herbeizuführen, daft die Französische Strafte bis zur Ecke der Königgrätzer. und Lennisttatze verlängert wird. zumal diese Ecke ohnehin schon jetzt einen Gcfahrpunkt für den Wagenvcrkehr bildet." Der Inhalt der obigen Erklärung ist eine recht lahme Ausrede; man will anscheinend die Ministergärten für den Verkehr nicht opfern. Nicht mit Unrecht bemerkt hierzu die„Tägliche Rundschau": „Man muß sich doch nur erinnern, daft das Ministerium der öffent- lichen Arbeiten in neuester Zeit noch beim Mogistrat geharnischt anfragte, auf welche Weise nach Aufgabe des— vom Magisttat immer wieder vergeblich gewünschten— Durchbruches der Voft- straße die nötige Entlastung der Potsdamer Strafte bewirkt werden solle, und daft man— so hieß es weiter— nötigenfalls auf die .Tunnelpläne" der„Gräften" zurückkommen müsse. Und man denke weiter daran, daft der Polizeipräsident von Berlin den Durch- bruch der Französischen Strafte beim Magistrat von Berlin an- geregt und befürwortet hatte— wenigstens nach vertrauenswürdigen Meldungen, die auch nicht widerrufen wurden. Und nun soll dieser Plan plötzlich aus Verkehrsrücksichten aufgegeben sein? Also Eisenbahnminister und Polizeipräsident sollen über Nacht ihre Meinungen geändert haben über die Bedürfnisse und Verhältnisse des Berliner Verkehrs? Daft wir selbst die Erhaltung der letzten groften Gärten und Parks in Berlins Steinwüste dringend wün- schen, haben wir wiederholt betont. Wir könnten aber den hier an- gedeuteten, nach dem halbamtlichen Blatt gar nicht abzuleugnenden, verblüffenden Wechsel der Anschauungen bei Exzellenz v. Breittn- bach und Herrn v. Jagow uns nicht anders erklären, als durch die Tatsache, daft letzter Tage geschrien wurde über gewisse Bevor- zugungen und dergleichen mehr. Was indessen dagegen jetzt ein- gewendet wird, ist in der Tat, wie oben bemerkt, nicht ganz ein- wandsloS." Verfahren gegen eine« Berliner Kriminalkommissar. Der Ber- liner Kriminalkommissar v. TreSckow II ist, wie das»Berliner Tage- blatt" meldet, vorläufig seiner Funktionen enthoben worden und dürfte nach Erledigung deS gegen ihn schwebenden Verfahrens vom Amte suspendiert werden. Diese Maßnahme steht mit der Affäre deS Bankdirektors v. Winterfeld in engstem Zusammenhang. Vor einigen Tagen war bereits in der Wohnung deS Kriminalkommissars v. TreSkow II im Auftrage der Staatsanwaltschaft durch einen Kriminalinspektor eine Haussuchung abgehalten worden. Ueber das Ergebnis ber Einigungsverhandlnngen zwischen Stadt und Straßenbahn weift der„Berliner Börsencourier" zu berichten, die Einigung sei im wesentlichen auf Basis einer Kon- zessionsverlängerung unter Festsetzung der Termine und Bedin- gungen für einen späteren eventuellen Uebergang der Bahn an die Stadt zustandegekommen.„Die letzten Punkte, die zu erledigen waren, betrafen", so schreibt das Blatt,„die Uebernahme der der Stadt gehörigen Linien und die Frage der Elektrizitätsabnahme durch die Gesellschaft nach dem Jahre 1S20. In diesem Jahre wird die Straßenbahn in dieser Hinsicht nach den jetzt geltenden Ber- trägen frei. Sie hat sich nunmehr bereit erklärt, von dem ge- nannten Jahre an die elektrische Kraft von der Stadt zu beziehen, wofür auch die Preise bereits in einer für die Gesellschaft nicht unvorteilhaften Weise vereinbart sind. Diese Preise würden für die Straßenbahn eine Berbilligung bedeuten; andererseits erwächst der Stadt, die auch das Recht hat, von 1815 an die Berliner Elektri- zitätswerke zu übernehmen, der Vorteil, daft sie während des Tages einen Großabnehmer für elektrische Kraft hat, und in der Nacht die Elektrizität zu Lichtzwecken verwenden lassen kann. Des weiteren ist für daS Jahr 1920 für den Fall des UebergangeS der Straßenbahn an die Stadt ein Maximal- und Minimalpreis vereinbart worden. Für die späteren Termine ist die Einlösung auf Basis der 25fachen Rentabilität der Gesellschaft festgesetzt worden. Die Rentabilität wird auf Grund der Dividende der der Einlösung vorangehenden Jahre unter Auslassung der zwei schlechtesten er- mittelt. Die Einigung zwischen Stadt und Strahenbahn muß nun- mehr von den städtischen Instanzen und der Generalversammlung gebilligt werden, um Rechtskraft zu erlangen. Falls der Vertrag in dieser Weise gültig wird, wird die Straßenbahn zur Ausgabe von Obligationen schreiten. Die Gesellschaft zahlt nach dem Bertrage die Summe von 23 Millionen Mark für die Schienen, da nach dem geltenden Recht die Stadt im Jahre 1920 die Entfernung der Schienen von den Straften verlangen kann." Unfälle im Sttaßenverkchr. Freitag, gegen 8 Uhr abends, der« suchte der Kaufniann Hermann Versiencr au« der Schulzendorfer Strafte 2 an der Ecke der Weinmeister- und Rosenthaler Strafte kurz vor einem herrannahenden Sttaftenbahnwagen der Linie 31 das Gleis zu überschreiten. Er wurde umgestoßen und geriet unter den Vorderperron des Bahnwagens, jedoch vor den Schutzrahmen. B. er- litt einen Bruch des linken Unterarmes und wurde, nachdem er auf der nächsten Unfallstation einen Notverband erhalten hatte, nach seiner Wohnung übergeführt.— Ein gleicher Unfall ereignete sich zu derselben Zeit in Steglitz. In der Schloftstrafte wollte ein Herr Otto Albrecht aus der Friedrichstrafte 17 in Weißensee vor einem Straßenbahnwagen der Linie E das Gleis überschreiten, wurde aber von dem Bahnwagen erfaßt und zur Erde geschleudert. Er erlitt Quetschungen an der rechten Hüfte und am rechten Bein und wurde zunächst zur Unfallstation und von dort nach seiner Wohnung gebracht.— Ueber« fahren und lebensgefährlich verletzt wurde am Frertagnachmittag der 44jährige Werkmeister Georg Dagap aus der Braunsttafte. D. wollte an der Ecke der Schönhauser und Kastanienallee den Fahrdamm überschreiten, beachtete dabei aber nicht daS Herannahen eines Ge« schäftSfuhrwerkeS, das in die Kastanienallee einbog. Auf den Zuruf des Kutschers erschrak der Werkmeister und geriet dadurch direkt gegen daS Gespann. Er wurde umgerisien und fiel so unglücklich, daß er unter dem Wagen zu liegen kam, dessen Räder über ihn hinweggingen. In besinnungslosem Zustande wurde der Verunglückte, der schwere innere und äußere Verletzungen erlitten hatte, nach der nahen Unfallstation in der Gaudystrafte und von dort in Hoffnung»« losem Zustande nach dem Rudolf-Birchowkrankenhause übergeführt. Eine« Einbrnchsdiebstahl verübten in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend Einbrecher in der Putzfedernfabrik von Lewinsohn, Köpenicker Strafte 75. Vom Hof aus drangen die Diebe in die Kontorräume ein, erbrachen den dort stehenden Geldschrank, den ste zu diesem Zwecke vorher angebohrt hatten, und stahlen daraus 4300 M. bares Geld. Schecks sowie 30 Pf. in Kupfern, ünzen ließen die Einbrecher liegen. Wie Spuren andeuten, haben die Gentlemen dann in aller Ruhe im Keller den Raub geteilt. Im Tiergartea erschossen hat sich gestem morgen ein un» bekannter Mann von etwa 45 Jahren. Ein Schutzmann fand ihn gegen 4 Uhr am Ahornsteig tot auf einer Bank sitzen und lieft die Leiche in das SchauhauS bringen. Nach Rechnungen, die man bei dem Mann fand, hatte er in mehreren Geschäften ein- gekauft und gleich gezahlt. Der Tote ist 1,70 Meter groß, hat blondes Haar und Schnurrbart und trug ein grau-braun kariertes Jackett mit Weste, schwarze Beinkleider und Schnürstiefel und einen Ichwarzen steifen Hut. Die Leiche eines neugeborenen Mädchens wurde im Sprung- garten des KreiSplatzeS der Garde-Kürassiere an der Neuen Kirchhof- strafte im Wald der Haseuheide gefunden. Sie war in weiße Windel» ohne Zeichen eingewickelt. Zermalmt wurde gestern dem 37 Jahre alten Schlosser Otto Koch in Rixdorf. Zeitzer Str. 1/2 wohnhaft, der linke Arm. Koch war in der Reichsdruckerei mit dem Reparieren einer Rotations- Maschine beschäftigt. Dabei geriet er mit dem linken Arm in daS Zahnradgetriehe und wurde schwer verletzt. Der Verunglückte wurde nach einer Klinik gebracht, wo ihm wahrscheinlich der Arm amputiert werden mutz. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich in der Nacht vom Frei- tag zum Sonnabend in der Maschinenfabrik H. Schöning, Uferstr. 5. Dort geriet der Hobler Krummreit mit dem rechten Arm zwischen die Maschine und das aufgespannte Arbeitsstück. Der Arm wurde gebrochen und in einer Länge von 20 Zentimeter vollständig auS- einandergerissen. Der Hobler Krummreit arbeitete Nachtschicht und war ganz allein in einem Saale beschäftigt, im zweiten Saale oberhalb arbeiteten noch 7 Dreher. Als der Unfall passierte, war niemand zugegen, der hätte helfen können. Mit Aufbietung aller Kraft schleppte sich der Verletzte nach oben, wo er zusammenbrach. Die anwesenden Dreher waren mangels jeder Ausbildung nicht in der Lage, eine solch schwere Wunde zu verbinden. Sie brachten den Verletzten sofort mittels Droschke nach der Unfallstation in der Badstrahe und von da nach dem Krankenhaus in der Scharnhorst- strafte. Nach der Besichtigung der Unfallstelle waren sich alle an- wesenden Dreher darüber einig, daß es Krummreit nur seiner Geistesgegenwart zu verdanken hat. daß er nicht vollständig von der Maschine zerdrückt worden ist und— da niemand im Saale an» wesend war— sicher seinen Tod gefunden hätte. Die Firma Schöning ist bekannt wegen schlechter Akkordpreise; sie leidet dem- zufolge unter einem ständigen Arbeiterwechsel und ist auch sonsj peinlich bestrebt, jede Organisation der Arbeiter zu unterdrücken, AuS Furcht vor Strafe hat sich der 63 Jahre alte Eisenbahn- Oberassistent GedieS aus der Schulzendorfer Str. 8 das Leben ge» nommen. Der betagte Mann verlor vor einigen Jahren durch den Tod feine Frau und lebte seitdem für sich allein. In der letzten Zeit wurde eS ruchbar, daft er sich an Kinder herangemacht und diese in seine Wohnung mitgenommen hatte. Zwei Mädchen aus der Schön« walder Strafte, eins eiwaS über 14 Jahre, daS andere noch schul» pflichtig, hatte er soweit gebracht, daß sie ihn wiederholt in sein« kohmmg aufsuchten. Nachdem seine Verfehlungen fetzt ans Licht gekommen waren und er zur Verantwortung gezogen werden sollte, griff Gedies zum Revolver und machte seinem Leben ein Ende. Eine traurige Aufklärung hat das Verschwinden des vier Jahre alten Arbeitersohnes Hermann Bartsch aus der Tegeler Straße 11 gefunden, der seit Mittwoch vor acht Tagen vermißt wurde. Der Kleine hatte die elterliche Wohnung verlassen, während seine Mutter ihrem Manne das Mittagessen nach seiner Arbeitsstelle am Kanal brachte. Seitdem war der Kleine verschwunden und niemand hatte gesehen was mit ihm geschehen war. Erst gestern fand man ihn an der Kieler Brücke im Nordhafen als Leiche wieder. Wahrscheinlich ist er beim Spielen ins Wasser gefallen und ertrunken. Das Walhalla-Theater leistete sich am Freitag die Premiere eines Militär-Sensationsschauspiels, das den schönen Titel„Prinz und Bettlerin" führt, Walter Howard zum Verfasser hat und von S. B. Lutz ins Deutsche übertragen ist. In sechs Bildern wurde den Zuschauern das tragische Geschick einer unver mahlten Balkankönigstochteo vor Augen geführt, die von den drei Brüdern eines kriegerischen Nachbarraubstaates umworben wird. Der eine ist ein gekrönter Unmensch, den sie haßt. Der zweite ist ein guter Kerl, den sie aber seines Buckels halber nicht mag. Den dritten liebt sie; er ist der„Held", und nach wunderlichen Irrungen und Wirrungen, bei denen u. a. der Träger der Krone sein Leben verliert, kommt das Paar zusammen. Alles im Stück ist auf Sensa- tion und rührseligste Sentimentalität abgestimmt. Die„Handlung" muß sich die schnurrigsten Verrenkungen gefallen lassen, die jedem Schauerroman Ehre machen dürften. Die Schauspieler schienen denn auch die Leere und Oedheit des Stückes recht zu empfinden. Durch überlautes Sprechen suchte der eine oder andere einige „Effekte" zu erzielen: Allen voran der Fürst Georg(Herr Dedack). Eine sentimentale Karikatur auf jegliche Krüppelhastig- keit bot in Geste und Maske der bucklige Erbprinz Michael(Herr Conrad). Frisch, natürlich und künstlerisch einigermaßen an- nehmbar waren nur Prinz Olaf(Herr Borchardt) und Mola (Frl. Gereke). Die Trägerin der Hauptrolle, Prinzessin Monika, (Frl. Borut tau) ließ stellenweise einer allzu dick aufgetragenen Sentimentalität überreich die Zügel schießen. Dennoch schien ein großer Teil des Publikums an dem theatralischen Machwerk Ge- fallen zu finden. Nicht nur die Schauspieler, sondern auch Herr Direktor James Klein wurden mehrmals hervorgerufen. Arbeiter-Bildungsschule. Am nächsten Mittwoch, den 10. Mai. fällt der Unterricht des Zahlabends wegen aus.— Sonntag, den 14. Mai, Nachmittagsausflug nach Rabensteiner MLihle. Abfahrt vom Alexanderplatz 1,59, Schlesischen Bahnhof 2,95 Uhr bis Hirschgarten. Nachzügler fahren bis Friedrichshagen. Zahlreiche Beteiligung der Mitglieder und Gäste wird erwartet. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend hatte im April dieses Jahres einen Umsatz von 632 099,30 M. gegen 427 154 Mark im April des Vorjahres, das sind 204 945,30 M. mehr. Die zehn Monate dieses Geschäftsjahres brachten 4 776 628,87 M. gegen 3 302 538,61 M. im gleichen Zeitraum des Vorjahres, also 1 474 090,26 M. mehr. Im Durchschnitt kommen im April jetzt 11 081 M. Umsatz auf die Verkaufsstelle. Die Mitgliederzahl dürfte jetzt 40 000 überschritten haben, doch erfolgen zum Jahresschluß etwa 6000 Austritte und Ausschlüsse. Die Spargelder werden nahe- zu 900000 Mk. erreichen, die Hausanteile 535 000 M. und die ein- gezahlten Geschäftsanteile 400 000 M. Der Roggenbrotumsatz steigt von Woche zu Woche, ebenso auch der des Weizenbrotes, das sich sehr gut einführt; auch der Kuchenumsatz am Freitag und Sonn- abend hat eine respektable Höhe erreicht.• Der Berliner Arbeiter-Radfahrer-Berein(Mitglied des Ar- beiter-Radfahrerbundes„Solidarität") hielt am 28. April seine ordentliche Generalversammlung bei Borgmann, Andreasstr. 21, ab. Aus dem Bericht des Vorstandes ist zu entnehmen, daß der Mit- gliederbestand ein günstiger ist. Die ersten Quartale des Vorjahres weisen einen größeren Verlust an Mitgliedern auf als in diesem Jahr. Im Quartal war weder ein Sterbefall, noch ein Unfall zu verzeichnen. Der Parteikaffe wurden 100 M. zur Reichstagswahl überwiesen. Die geplante Statutenänderung wurde wegen der Ver- fügung des Polizeipräsidenten Jagow, welcher den Verein als einen politischen erklärt hat, vorläufig zurückgestellt. Den Bericht der Agitationskommission gab Genosse Wegner. In erster Linie sei nian bestrebt, die Aufklärung in den Reihen der Mitglieder zu pflegen. Zu diesem Zwecke fand am Freitag, den 14. April, im Lokal „Friedrichshain" eine öffentliche Radfahrerversammlung statt, in welcher Reichstagsabgeordneter Eichhorn über das Thema:„Die Aufgabe der Sportsorganisationen im Emanzipationskampfe des Proletariats" referierte. Flugblätter wurden zirka 4500 verbreitet. Alle für den Verein bestimmten Sendungen sind an den Genossen Rich. Karras, Schönleinstraße 11, vorn I, zu richten. Bei der Maifeier ist in der Brauerei Patzenhofer, Turmstr. 25/26, ein schwarzer steifer Hut gefunden worden. Der Eigentümer kann denselben bei Umlauf, Alt-Moabit 16, in Empfang nehmen. Arbciter-Samariter-Kolonne Groß-Berlin. In dieser Woche werden Leseabende abgehalten am Montag in der ersten Abteilung Dresdener Straße 45 und am Donnerstag in der dritten Abteilung Schöneberg, Vorbergstraße 9. In beiden Abteilungen Vorttag mit darauffolgenden praktischen Uebungen. angelegenheiten zu beschweren. M. geriet bei den Auseinander- setzungen in eine derartige Erregung, daß er gegen den Verwalter tätlich wurde. In seiner Angst holte nun der Verwalter, der 39 jährige Otto Loock einen sechsläufigen scharf geladenen Revolver herbei und feuerte auf Masur einen Schuß ab. Die Kugel drang dem Getroffenen in die Brust. M. brach sofort bewußtlos zu- lammen. Ein herbeigerufener Arzt legte dem Schwerverletzten einen Notverband an und veranlatzte seine Ueberführung nach dem Buckower Krankenhaus. Der Zustand des Angeschossenen ist bedenklich. Loock wurde polizeilich vernommen wobei er beteuerte, daß er uur in der Notwehr gehandelt habe. Wilmersdorf-Halensee. Am Sonntag, den 14. Mai, veranstaltet der ArEeiter-Turnverein auf dem Spielplatz an der Mannheimer Straße, Ecke Berliner Straße, sein diesjähriges volkstümliches Anturnen. Beginn 2 Uhr nach- mittags. Nach dem Anturnen findet abends 8 Uhr in den Wilmers- dorfer Festsälen. Johann-Georgstraße, ein gemütliches Beisammen- sein statt. Zu den gesamten Veranstaltungen find alle Freunde des Turnwesens eingeladen. Vorort- JVacbncbten. Schöneberg. Aus Furcht vor den Folgen mehrerer Unregelmäßigkeiten im Dienst hat sich gestern abend gegen 9 Uhr der 18 Jahre alte, im Telegraphen- dienst beichäftigte Walter H., Vorbergstr. 11, in einer Bodenkammer des Hauses niit einem Revolver in die rechte Schläfe geschossen. Infolge des Schusses eilte der Vater sofort auf den Boden. Sein Sohn gab nur noch schwache Lebenszeichen von sich. Während nach einem Arzte geschickt wurde, trat der Tod ein. Die Leiche ist nach der Halle in der Maxstraße geschafft worden. Ein gräßlicher Todesfall hat sich in einem Badezimmer der dloison de Santö, Hauptstr. 14/16, zugetragen. Seit längerer Zeit wurde in der Anstalt der jetzt 42 Jahre alte Besitzer einer Holz- und Kohlenhandlung Sch. in Schöneberg ärztlich behandelt. Außer an unheilbarer Geisteskrankheit litt er an einem schweren Herzmuskel- fehler und an hochgradiger Lungentuberkulose. Sein Zustand war so schwach, daß die ihn behandelnden Aerzte auf sein Ableben in ganz kurzer Zeit rechneten. In diesem Zustande wurde er gestern von dem Kranken- Wärter S. in eine Badewanne geschafft. Da der Kvankenlvärter wegen des körperlichen Befindens des Geisteskranken es für völlig ausgeschloffen hielt, daß der Kranke irgend eine Bewegung machen könne, ließ er den Bierlantschlüssel zu dem Heißwasserrohre stecken und holte aus einem Nebenzimmer ein Badelaken. Kaum daß eine Minute vergangen war, ertönte ein gräßlicher Schrei aus der Badestube. Der Krankenwärter stürzte sofort zurück und sah zu seinem Schrecken, daß der körperlich scheinbar ganz Erschöpfte doch noch so viel Kraft besessen hatte, das Heißwasserrohr mit dem Schlüssel aufzudrehen. Trotzdem der Wärter sofort den Hahn schloß, hatte das heiß herausschießende Wasser den Oberkörper des Geisteskranken derartig verbrüht, daß er auf der Stelle verstarb. Der Besitzer der Maison de Santo teilte den Vorgang sofort der Staatsanwaltschaft mit, die die Obduktion der Leiche verfügte. Der Wärter ist auf fteien Fuß belassen worden. Rixdorf. Eine Rcvolveraffäre, wobei eine Person lebensgefährlich verletzt wurde, hat sich in der Juliusstraße abgespielt. Der Julinsstr. 39 wohnhafte 34 jährige Arbeiter Joseph Masur hatte den HauS- Verwalter aufgesucht, um sich bei diesem über verschiedene Miels- Köpenick. Eine wilde Jagd nach einem entflohenen Häftling gab eS vor- gestern in Köpenick. Der wegen Zuhälterei und anderer Straftaten ins Untersuchungsgefängnis eingelieferte„Gelegenheitsarbeiter" L. war vom Untersuchungsrichter einem Verhör unterzogen worden und als er wieder nach der Zelle zurückgebracht werden sollte, ergriff er aus dem Korridor die Flucht. Es glückte ihm auch, aus dem Ge- fängnis zu entkommen. Der begleitende Transporteur nahm sofort die Verfolgung des Flüchtlings auf und auf der Straße beteiligten sich auch zahlreiche Passanten an der Jagd nach dem Ausreißer. Dieser hatte aber schnelle Beine. Es gelang ihm, den Forst bei Sadowa zu erreichen und darin zu entwischen. Eine von Beamten später vorgenommene Streife hatte keinen Erfolg. Biesdorf. Der letzten Gemeindevertretersitzung lag ein Entwurf zur Ab änderung des Besoldungsplanes für die Gemeindebeamten vor. Neu geschaffen wurde die Stelle eines Gemeindesteuerkassenrendanten. Hierfür ist ein Grundgehalt von 1400 M., Alterszulagen 200 M.. Höchstgehalt 3000 M., erreichbar in 24 Jahren, vorgesehen. Genosse Müller erklärte schon in der vorigen Sitzung, daß er sich mit dem Besoldungsplan einverstanden erkläre.„Jeder Arbeiter sei seines Lohnes wert," von diesem Grundsatze ausgehend, soll man auch mal die Löhne der Gemeindearbeiter aufbessern. Als weiterer Punkt stand„Beschlußfassung über die Grundsätze bei Neuregulierungen von Straßen" auf der Tagesordnung. Genosse Müller erklärte, daß diese Grundsätze viel zu breit gehalten seien, dadurch werde der ganze Entwurf den Einwohnern unverständlich. Bei der folgenden Beratung der einzelnen Paragraphen beantragte unser Genosse die Enl- fernung des Absatzes:„Es dürfen nur Wohngebäude errichtet werden, von denen die Gemeinde wirtschaftliche Vorteile hat".— In die Enge getrieben erklärte der Gemeindevorsteher, daß dieser Paragraph dazu dienen solle, die schlechter gestellte Be völkerung von Biesdorf fernzuhalten. Dies könne nur geschehen, wenn man Bauerlaubnis zum Bau kleiner Wohnungen nicht gebe. Bei der folgenden Abstimmung stimmte nur ein Bürger- sicher mit Genossen Müller für Streichung dieses Paragraphen. Die Grundsätze bestimmen, daß für Neupflasterungen von Straßen Reihensteine vierter Qualität, Bordsteine Rixdorfer Profil, Ver Wendung finden müssen.— Donnerstag, 11. Mai, Etatsberatung. Erkner. Mit einer schweren Schußverletzung wurde am Freitagvormittag in der Nähe von Erkner am Wupatzsee ein junger Mann auf- gefunden, der später als der zwanzigjährige Buchdrucker M. auS der Proskauerstr. 2 in Berlin festgestellt wurde. M. hatte sich am Donnerstagabend eine Kugel in den Kops geschossen und die Nacht hindurch»n hilflosem Zustande an jener Stelle zugebracht. Ueber die Gründe zu der Tat verweigerte der junge Mann jede Auskunft. Der Schwerverletzte erhielt auf der Sanitätöwache in Erkner die erste Hilfe und wurde dann nach der kgl. Klinik in Berlin über- geführt, wo auf operativem Wege die Kugel, die in das Gehirn eingedrungen ist, entfernt werden muß. Wenn M. überhaupt dem Leben erhalten bleibt, dürfte er doch voraussichtlich auf beiden Augen erblinden. NowaweS. Das neue Realgymnasium, dessen Bau im Frühjahr 1910 in An- griff genommen wurde und das eine Anleihe im Betrage von 450 000 M. notwendig machte, soll am Mittwoch, den 17. Mai, ein- geweiht werden. Die von dieser Schule bisher innegehabten Räume in der Scharnhorststraße sollen nach der Uebersiedelung ins neue Heim der Gemeindeschule IH zur alleinigen Benutzung überwiesen werden. Am Donnerstag, den 18. Mai. findet nachmittags von 5 bis 7 Uhr eine Besichtigung des neuen Gebäudes statt. Weihensee. Prügelnde Patrioten. Gelegentlich der letzten Kaisergeburtstags- feier kam eS in der Gemeindeturnhalle zu einer Prügelei, wobei Biergläser als Wurfgeschosse dienten. Der Maschinenfabrikant Schulze wurde von dem Tiefbauunternehmer Allers jr. mit einem BierglaS derart an den Kopf getroffen, daß derselbe zu Boden sank. Mit diesem Vorgang hatte sich nunmehr das Gericht zu beschäftigen. AlS Zeugen fungierten verschiedene vornehme Stützen der Gefell- schafl. Der Tiefbauunternehmer Allers jr. wurde als schuldig be- trachtet und mit 150 M. eventuell 10 Tagen Gefängnis bestraft. Die Strafe wurde deswegen so hoch bemessen, weil der Verklagte vermögend und auch schon wegen eines ähnlichen Deliktes vor- bestraft sei. Oranienburg. Aus der Stabtverordnetensitz'nng. Der Etat des Realpro- ghmnasiums schließt ab mit 8100 M. Dem bisherigen Pächter der Anschlagsäulen, Buchdruckereibesitzer Möller, wurde der Vertrag auf weitere fünf Jahre verlängert; der Pächter wird noch weitere vier Säulen auf eigene Kosten aufstellen. Die verlängerte Viktoriastraße soll den Namen Alsenstratze und die von der Frie- drichstratze östlich abzweigende Straße die Bezeichnung:„An der Hasenheide" führen. Nachdem die vor kurzer Zeit hier anwesende Ministerialkommission an Ort und Stelle das Kanalisationsprojekt geprüft und die Genehmigung zum sofortigen Beginn der Arbeit erteilt hat, beantragte der Magistrat die Zustimmung. Die ganze Länge des Rohrstranges beträgt etwa 24 Kilometer. Die Gesamt- kosten sind auf 500 000 M. veranschlagt. Die jährlichen Betriebs- kosten sollen 600 M. betragen. Die Versammlung erteilte nach kurzer Debatte die Genehmigung zum sofortigen Beginn des Baues. Ueber die einzelnen Positionen sollen besondere Vorlagen gemacht werden. Das schon lange schwebende Projekt: Bau einer Brücke im Zuge der alten Fußgängerbrücke, hat nun endlich vor- läufig seinen Abschluß gefunden. Nach wiederholten Ausmessungen und Berechnungen hat sich herausgestellt, daß zurzeit in dieser Gegend von der Erbauung einer befahrbaren Brücke Abstand ge- nommen werden muß, denn die Steigung würde 1: 40 betragen, außerdem würde das Eckhaus an der Poststraße nahezu 1)4 Meter eingeschüttet werden. Es ist Aussicht vorhanden, daß nach fünf Jahren der Hochwasserspiegel für die Erbauung einer befahrbaren Brücke viel günstiger sein wird, wie zurzeit. Aus all diesen Grün- den beantragt die Kommission die Errichtung einer weiteren ver- setzbaren Fußgängerbrücke, die eventuell später zu einer befahr- baren ausgebaut werden kann. Nach längerer Debatte wurde dem Vorschlag gemäß beschlossen und dafür 11 000 M. bewilligt. Eine äußerst erregte Diskussion riefen die Ausführungen des Genossen Schumann hervor, der den Antrag unserer Genossen auf Ein- führung der Arbeitslosenunterstützung begründete. Der erste Dis- kussionsrcdner, Justizrat Jonas, sprach mit so wenig Verständnis über Arbeiterfragen, wie man sie bei einem Rechtsanwalt kaum hätte vermuten sollen. Unter anderein behauptete er, die Gewerk- schafken lvollken durch die Einführung der ArEeiislosenünIe?- stützung ihre eigenen Mittel schonen, um dieselben für andere poli- tische Zwecke flüssig zu haben. Ebenso erklärte er, daß die ganze Unterstützungsfrage Sache der Berufsorganisation wäre; auch müßte bei Annahme des Antrages die Arbeitspflicht eingeführt werden. In dieselbe Kerbe hieben die Herren Neumann und Weinburg. Letzterer hält die Frage für verfrüht. Nachdem die Genossen Paris und Köhrich den Herren manche bittere Wahr- heiten gesagt und Herr Buchdruckereibesitzer Mö.ller für den Antrag eingetreten war, wurde der Antrag des Herrn Jonas auf Ueber- gang zur Tagesordnung gegen 7 Stimmen angenommen. Für die Einführung einer Arbeitslosenunterstützung stimmten außer unse- ren Genossen die Herren Sziede, Möller und Martin. Hierauf ge- Heime Sitzung. Zurücknahme eines LersammlnngSverbotS. Unsere Genossen hatten für heute Sonntag, den 7. Mai, nachmittag? 5 Uhr, auf dem Grundstück des Gastwirts Wülfel in Sachsenhausen eine öffentliche politische Versammlung anberaumt. Der Amtsvorsteher Lauter- dach untersagte jedoch die Versammlung, weil nach seiner Ansicht „Gefahr für die öffentliche Sicherheit" zu befürchten sei. Auf die sofort eingelegte Beschwerde beim Landrat wurde in- dessen das Verbot rückgängig gemacht, der Einberufer der Ver» sammlung, Genosse Schumann, aber ersucht, dafür zu sorgen, daß nicht geraucht wird. Die Bevölkerung Sachsenhausens und Umgegend wird nun ersucht, in Massen der Versammlung bei- zuwohnen. Spandau. Arbeitcr-Samariter-Kolonne. Am Montag, den 8. Mai, abends 8'/a Uhr, bei Böhle, Havelstraße: Uebungsabend. Cmsegangene Druchrcbriften. Jahresbericht 1910 des Verbandes der Maler, Lackierer, Rn» streicher. Tüncher und Weihbinder Deutschlands. 163 S. A. Toblcr, Hamburg. Nietzsches Briefe. In Auswahl herauSgcb. von R. Oehler, Leipzig, Jnjelverlag. In Leinen 3 M., in Leder S M. Reciams Universum. Hest 31. 30 Ps. Ph. Reclam, Leipzig. Lriefkakten der Rcdahtion. Sit turtstisq« Sprechstunde findet Linden st raße 69, vorn Vitt Treppe» — Fahrstuhl—, wocheniäglich van 4V4 618 TV, Uhr atcnds, Sanuadend» von dis K Uhr abends statt. Jeder für den Brieflaslen drstimmteu«nsrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird»icht erteilt. Eilige Frage» trage ma» t» der Sprechstunde vor. G. Treisch. 1. Nein. Das ist ohne Einfluß auf die Entlassung oder da» Zeugnis. 2. An die Berussgenossenjchast, eventuell mit einer Be- schwerde an daS Reichsversicherungsamt.— A. D. Schwedterstrasse. l. Um etwa 14 Tage. 2. Etwa drei Monate in einer Instanz. 3. Die Kosten richten sich nach dem vom Gericht festzusetzenden Objelt. 4. Nur dann, wenn Sie für allein schuldig erklärt werden.— A. S. 83. 1. Leider nicht. 2. Fordern Sie nochmals die Belegexemplare unter Setzung ein» Frist. Nach sruchtlosem Ablauf der Frist können Sie klagen.— A. B.(oder R. 7) 55. 1. Nein, falls nichts anderes vereinbart ist. 2. Einmalige Aufforderung genügt. 3. Klage. Die Kosten trägt der im Prozeß unterliegende T-il.— A. B. 88. Die Beschlagnahme wäre mög- lich, aber»Icht wahrscheinlich. Der Erstattungsanspruch der Stadt verjährt in 4 Jahren.— B. L. 2Ä. 1. Eine Entscheidung der höheren Instanz über die Frage ist nicht veröffentlicht. 2. Sämtliche Kommentare und Lehr« bücher mit Ausnahme von Jsenbart-Samter stehen aus diesem dem gelten- den Recht entsprechenden Standpunkt, z. B. außer Loewe und Stenglein, aellweg und Pros. Ernst Rosenscld. 3. Ja. 4. Unseres ErachtcnS nicht. . 10. Ja.— A. R. 100. 1. und 2. Erstreckt sich der Vergleich nicht auch aus die Kostenstage, so muß, wenn eine Entscheidung über die Kosten- Pflicht herbeigeführt werden soll, ein neuer Termin beantragt werden. 3. Dazu ist der Anwalt nicht verpflichtet, das ist Sache der freien Verein- barung.— F. S. 20. 1. und 2. Ja.— E. B. Rr. 54. 1. Das ist nur möglich mit Zustimmung der KindeSmutter und des Vormundes. 2. Fordert, Sie von dem Vormund, unter Glaubhaftmachung Ihrer Eigen- tumSausprüche und unter Setzung einer dreitägigen Frist Freigabe. Nach einem strich llosen Ablauf der Frist beantragen Sie beim Änilsgericht Ein- stellung der Zwangsvollstreckung und erbeben Sie die Widerspruchsklage.— K. C. 85. Eine Klage hat Aussicht aus Ersolg.— Jülich. Verklagen Sie die Kasse bei der Aussichtsbebörde, Stralaucr Straße 3/6. — Kunulo 46. 1. Zunächst muß ein Erbschein bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk die Großeltern verstorben sind, beantragt werden. Dazu müssen die Stcrbeurkunden der Eltern und Großeltern und Ihre sowie der Geschwister Geburtsurkunden beschafft und eingereicht werden. Nach Er- teilung des Erbscheine« kann die Löschung erfolgen. Dazu ist eine vom Notar oder Gericht beglaubigte löschungSsähige Ouittung nötig. 2. DaS ist möglich, losern die Armcnoerwaltung Kenntnis erhält, aber bei der Gering- sügigkeit des Objekts nicht wahrscheinlich.— P.<£. B. 1879. Erkundigen Sie sich nach der Adresse des Schuldners. Sobald diese ermittelt ist, fordern Sie, unter Setzung einer Frist, die Einlösung der Sachen unter der gleichzeitigen Androhung, daß Sie die Sachen nach fruchtlosem Abiaus der Frist versteigern lassen werden. Erfolgt die Einlösung innerhalb der Frist nicht, so können Sie alsdann einen Gerichtsvollzieher mit der Ver- steigcrung bcaustragen. Der Versteigcrungstcrmin darf aber erst statt- sinden, wenn mindestens ein Monat»ach Empfang der Aufforderung ver- strichen ist. Läßt sich die Adresse des Schuldners nicht ersorschcn, so kann auch dann die Versteigerung stattfinden. Angemessenes Lagergeld lönnm Sie be- rechnen._ Marktpreise von Berlin am 5. Mai 1911, nach«Srmittelnng de» Königlichen Polizeipräsidiums. Marktballenpreise.(Kleinhandel.) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Speisebohnen, weiße 30,00—50,00. Linsen 20,00- 60,00. Kartoffeln 5,00—9,00. 1 Kilo. gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfl-isch 1,20 bis 1,70. Schweinefleisch 1,20— 1,90. Kalbfleisch 1,50—2,40. Hainmelfleisch 1,40—2,20. Butter 2.20—2,80. 60 Stück Eier 2,80-4,40. 1 Kilogramm Karpsen 1,10—2,40. Aale 1,30—3,00. Zander 1,30—3,60. Hechle 1,20 bis 2,80. Barsche 0,80—2,00. Schleie 1,20—3,40. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 2,50-30,00._ eSItternngSiiderfl-dt vom 6. Mai 1911. � ö ä= 12 h ii � Zlvinemde 764 NNW Hamburg 7kg NNW S-rlw 764 NW (JronfUK 706 NNO München ,766 NW Setter Wien Sbalbbd. 3 wolkig 3 wolkig 1 wolkig 2bedcckt 762 WNW 5 Regen w« t!% S» I? Ctoflontn ££ «3 1= |e-f * 1 Havaranda 764 SW Petersburg 768 SO Sctllt! 767 Still Aderveen Parts 768 SSW 768 N Sttta 2Nebel 2bcdeckt Nebel 2 wölken! 1 woUciil "f e* t* 3 10 8 10 10 «eteervrognofe kür Sonntag, den 7. Mai 1911. Etwas wärmer bei mäßigen westlichen Winden und veränderlich« Be« wölkung ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Wetterborean. Am Mittwoch, den 3. Mai, ver- schied plötzlich aus einem Spazier« gange in Pichelsderge insolge Herzschlags mein einzig und inniggeliebter Bruder Kuxen keraard bei der Orts- Krankenkasse der Mechaniker, Berlin. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 9. d. MtS., von der Leichenhalle deS Sophien- Kirchboses zu Pankow. Freien- walder Straße, statt. In tiefster Trauer Victor Bernard. Berlin, den 7. Mai 1911. Die Stunde der Beerdigung wird am Dienstag an dieser Stelle bekannt gegeben. die Welträtsel. Gemeinverständl. Studie» über monistische Philosophie. Von Crntt Hächel. Mit Nachträgen zur Begründung d« monistischen Weltanschauung. Preis 1 Mark. Vii des„Wir Berlin SW. 68 lilndenatralie 00(Laden). Gegründet 1825 Eingang: 7U.SS MSWWkGS OamISm UMSerser Stnfie 63. JjL> y r• �TAIkLsA üerlltl t* mm K6nim 48-49. % Die große KonfehfloiK-IDodie währt von Montag den 8. Mai bis Montag den 15; Mai. moderne Damen-Konfektion bi,srÄ~K. Nur in den reellen Zigarrengeschäften.| MMMMMMMMMMVMWWMMWWWWMMMMMWMMWMMMi 10 Stück 15 Pf. Millionenlach im Gebrauch! Unerreicht in Wasch- und Bleichkralt. Wäscht von selbst ohne Reiben und Bürsten, ohne Zusatz von Seife und Waschpulver. Nur einmaliges'/«— V» stündiges Kochen. Garantiert unschädlich! Erh<licb nur In Original-Paketen. HENKEL& Co., DÜSSELDORF. 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(Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) - 180 373 SO«3 583 785 Im[1800] 206 68 523 481 JlOOOl 740 79 803 2X45 863 533 891 3307 455 519 9« 669 (5001 779 857 83 40it 133 363 715 837 8803(1000)»476 619 49 705 53 835 68 0061 1500) 75 493 6.» 9t 919 7084 (500) 895 403 648 905 8 939(600) 73 11« 491«70 94 702 81 «08 33 9135 37« 99 341 48» 641 10597 39t 483 550 49(600] 74 603 71 849 910 43 (11306 469 602(600)« 23 659 64 740 46 854 60 65 1 20X0 493 647(5001 787 85» 9»x 13013 300 41 47 558 89 30 X 74 838 813 21 916 34 1 4597 402(1000) 29 7 7 514«41 923 88 1 5217 73 85 803 2 7 621 79 653 1 6l«l 230 388 56» (4060) 73 903(5») 45 1 7 090 500 2 5! 880 99 700 822 958 118039 80 122 64 67 393 051 721 40 7 4 857 1 9063 60 63 US 77 97»18 68 3« 83 412 74 521 73 654 775 881 20007 411 70 93 560(3000) 000 730 78 82[1000) 908 2 1 028 230 7 7 329(500) 433 718 996 2 2074 IIS 78 79 264 93 301 20 51 444 504 041.5 754 65 903 23188 819 495 681 89 821 24031 119 62 35-. 85 353 108 607 71 740( 500) 85 800 53 966 28069 110>600] 71(500] 325 98 432 558 98 715 31 971[500] 2080« 131 90 92 220 S4 70 S!3 33 80 160 317 784 40 S3 873 r3000] 973 27070 118«8 533 41 55"09 612 IS[500] 92« 50 2 8005 227(500) 340 582 713 863 2 9 2»![300] 485 558 SIT 718 923 30137 871 75[80001 427 6« 303 83 883 729 812 40 31011 53 88»5 119 28 31 390 413 605 12 39 78« 32071 Ss 95 223 838 571 ,7 802 3 3 �5(500) 643 707 82 910 30 45 34206 31« 01 417 773 810 3 5231 58 71 390 406 85 71 91 371«1t 73 708 345 933 95 3 0 021»11 92 552 657 04 941 37190 20» 21 45 417 603 828 61 83 875 38112 CT 218 27 50 84 3«2 437 52 672 858 3 900° 102 238 637 'W 40olo 389 547 028 892(5000) 993 4 1 022 29 48 141 83 fSOCO] 251 SI9 24 617 83 722 25 826[500] 911 51 42 61 31 401«51 936 4 3 062 127«' 233 CO 310 701 964 44 l} ,'« 510 4« 701 938 43 4 5090 120 95 615 717 39 M£ 40091-00 9« SSO 59 5t« 42 711 63(SOCO) 79 822 fviool 83 90- 47130 277 353(3000) 560 819 57(500) « i�lT 23 4'8013 27-1 379 401 558()O00l 706 31 78 fsno] 93 865(500) 37 914 19 87 4 9 021 33 37(500) 106 MM 39 �5«1(1000] 348 434 529 40 608 762 82£01«3 ,,, 5 1012 79 168 228 91 318 39 525(500) 63M5% IM%«K 46 8-0 910 5« 50073 10««9 607(600 014.1[10001 89 «23 5 7007 275::C0] 87 611»4 767 877 91. 58.12 1600, 05 375 907 59157 493 591 754®-f? ßni Ol1»[500] zriisivVWM«-"'JZ?.;« «45 7*4( 3000] 809 919 6 5073 217 83 81» lia» 5N»8 47 «fiO 60:«S 503 71 535 43 70 9-0(»Ol S®70T»« «8 713 0 8013- 47 443 34« 31(500'« Wl IT 7 930 6 9 27« 723 160[600] 305 33 79 83 99 413 58 524 9. «4 713[3001 43 627...... ,, 70083 135 09[ 1000) 381 465 342 623> 67 94«109 843 71072 74.-OOO) 19« 3-0 797-0? 33 9-3 720.. 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'(Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 79 283 405 68 785 849 1157 310 95«47«7 87« 2065 1«4 883 542«57 714«1 79 85« 3075 183 820 853 989 4 204 335 88«8 475 571 603 14 54»1 795 86»»05 22 57(500) 50-12 134(1000) 47 59 371(500) 543 99 786 838 72 931 77»3 6031 400 591 60» 7« 795(7000) 8M 7014 39 370 7 8 530 880 8207 85 M 808 540 791 821 51 907 9003 125 96 337 481 18 «06 700 38 39 70»84«9 lOlll 53 202 304 98 453 508 53 631 891 9« 11031 138 239 458 614 84 761 896 1 2214 629 79« 921 13043 62 272 «19 17 7« 88(3000] 884 69 920 25 1 4041 336 93 489 852«6 849 57 6« 951 93 99 1 5038 73 363 514 780 906 64 1 0016 (3000] 18 261 523 620 28 40 714 54(1000) 857 93« 17199 SS« 443 60 500 3« 49 71« 97 81« 961 18239 51[500] 77 843[1000] 432 516 733«8 888 937 1 9440 54 50« 627 752 73 «14 74 981 2 0080 90 121 94 204 315 400 81 716 931 21134 221 8» 809 58 413 550 51 768 63 640 41 99 927 2 2117 218 488 56« «0« 33 718 29 904 5 4 2 3 053 114 225 699 727 2 4358 86 418 «60 717 53 91 993 2 5073 114 238 71 329 95 1500] 440 859 927 65 2 6150 873(500) 94 424 578 647 796 821[500] 83 901 80 2 7060 95 101 71 85 424 650 91(lOOO) 750 922 52 68 88 2 8041 95 188 37(500) 423 70 877 949 2 907» 215»7 71 7» (500)«13 728 78 831 990 30019 37 145 498 509 92( 10000) 641 3118« 244 58 61« «1[5001 73 720 884 9« 931 75 3 2167 229 339[3000] 483 841 »3 977 3 3011 80 140(3600) 59[500] 236 313 44» 715 9« «74 03« 55[ 3090] 3 4 045 258«6«1 308»0 540«5« 794 851 »74»3»9 33181 251 3« 93 446 78 511(3000]»34 300:3 187 9 4 257 74 332 43 488 534 91«06 33 67 79 731 813 33 80 »40 3 7193 352 57» 634 738 79[500] 831 38069 110 500 U 635 64«»09 TO 39604 44 52« 28 50 71«1»,.... 40-06[lOOO] 379 443 82»4 761 848 tlOOOl 410.» 104 44« 68 794 61?»27 32 34 4 2175 232 426(500) 5/8«11 22 41[150 000] 770£19 979 431S1 74 83 803 14 411 32 37 580 (500) 628 7«l 4 4019 106 15 262 461 817(500j 2?«2 930 60 45011 27 100[500] 26 851 5-2 7:3 79 902 4 0041 367 492 «03 4 10 811 78(500)»4» 84 47015 85 197 506 606 24 912[1000] 4 8027 34 114 0 6 235 562 73 724 63 800 4 9112 78 >14 65[3000] 525 770 83 811 47 87............ 50165 525(500] 81 756 837 51128 432 54« 66 4 714 816 »18 58 5 202» 526«26 755 805 6.6 5 3 069 15» 242 61 8.0 (5001 98 501 653 904 5 4011 56 272 344 404«13 784»-» 43 46 5 5068 72 ISO 92 281 391 44« 55 68 72 i9«»62 S0124 225 73 322 32 S33 77»54 57127 4 t 220 41 47 77»58 531 41 68 7 8 896 922 26 32 40,86 0 8 078 �«1-5[500] 65 ,311«7 443 595«36 S«3[500) 91« 25 51(3000) 59071 IS« 43« 524 627 770 650 967 8O0U 67 126 278 36» 91 571 847 93« 8l0«5 70 US 224 484 593 754(1900] 814 26»28 0 Z933 IlOIM]«2 11» 24» 460 628 715 917 70 0 3 274 303 47 617(5000] 4» 61 600 UDOO].9 732 41 04120 38 61 277 839 4 7 499 633 87 760 815 5.[lOOO] 054 0 5013 54 102 7»7 572 673 0 0010( 500) 45 119 230 33 48 (1000] 384 528 755 637 6 7339 4«[SOCO)'1 487 58» 705 S67 »17 6 8026 156 396 477 97 852 958 6 9034 44 45 IIS 421 [500] 542 602 24 727(1000] 811 18(»00]..... 70138 211(500)£03£13 909 84 7 1000 158 342 650 64 764 968 7 2 903 143(6 21« 309[1000] 54 640 87«21 (500) 9! 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Jür den Inseratenteil Seranttv.: Th. Glocke, Berlin. Tcuck u. Bf rlag: vorwärts Luchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer». Co., Berlins�. «». ss. w» 5, MM ks Jwmätlü" Snliiitt HMIitt. Mocken-Splelplan der Berliner Cheater. Künigl. Opernhaus. Sonntag: Die Königskinder. Montag: Mai'a. Bajazzi. Dienstag: Die Zauberflöte. Mittwoch: Tristan und Isolde. Donnerstag: Samson und DalUa. Freitag: Fidelio. Sonnabend: Salome. Sonntag: Die Znuberflöte. Montag: Neu einstudiert: Iphigenie m Aulis. (Ansang 71/, Uhr.) Königl. Schanspielhaus. Sonntag: Die Mitschuldigen. Der zer- brochene Krug. Montag: Die Journalisten. Dienstag: WUHelm Teil. Mittwoch: Der Störensried. Donnerstag: Ein Schritt vom Wege. Freitag: Der eingebildete Kranke. Sonnabend: Ein Ersolg. Sonntag: Dre Veit, in der man sich langweilt. Montag: Dr. Klaus.(Anfang 7'/, Uhr.) Neues kgl. OPern-Xheater. Sonntag: Die Rabensteinerin. Man- tag bis Sonnabend: Geschlossen, sonntag, 14. Mai: Zum erstenmal: Ein Winternachliest.(Ansang 71/S Uhr.) Deutsches Theater. Sonnlag und Montag: Faust 2. Teil.(Ansang 6 Uhr.) Dienstag: Judith.(Ansang 7>/, Uhr.) Mittwoch: Faust 2. Teil. lAnfang 6 Uhr.) Donnerstag: Faust 1. Teil.(Ansang 7lll Uhr.) Freitag bis Sonntag: Faust 2. Teil.(Ansang ö Uhr.) Montag: Ein Sommer- nachtstraum.(Ansang 7'/, Uhr.) Deutsches Theater(K a mm ersp i e I e). Sonntag: Die Königin. Montag: Gawan. Dienstag: Simson und Delila. Mittwoch: Die Königin. Donnerstag: Gawan. Freitag: Frühlings Erwachen. Sonnabend und Sonntag: Sumurirn. Montag: Frühlings Erwachen.(Ansang 8 Uhr.) Lcssing-Theater. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Weber. Abend»: Glaube nnd Heimat. Täglich: Glaube und Heimat. Sonntag, lt. Mai, nachm. 3 Uhr: Hedda und Gabler. Abends und Montag: Glaube und Heimat.(Ansang 8 Uhr.) Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Nur ein Traum. Abends: Der'Lcibgardist. Montag bis Sonnabend: Der Leibgardist. Sonntag, 14. Mai. nachmittags 3 Uhr: Nur ein Traum. Abends und Montag: Der Lcibgardist.(Anfang 8 Uhr.) Neues Theater. Täglich: Mein erlauchter Ahnherr.(Ansang 8 Uhr.) Neues Schauspielhaus. Sonntag: Wienerinnen. Montag: Alt- Heidelberg. Dienstag und Mittwoch: Wienerinnen. Donnerstag: Zum erstenmal: Eine Million. Freitag: Eine Million. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Sternsches Konservatorium. Abends: Eine Million. Sonntag und Montag: Eine Million.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Minna von Barn- heim. Abends: Bummelstudenten. Montag bis Sonnabend: Bummel- ftudenten. Sonntag, 14. Mai, nachmittags 3 Uhr: Taisun. Abends und Montag: Bummelftudenten.(Ansang 8 Uhr.) Neues Volks-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Viel- Abends: Kater Lampe. Montag: Der Vielgebrüste. Dienstag is Sonnabend: Kater Lanife. Sonntag, 14. Mai, nachm. 3 Uhr: Der Vielgeprüjte. Abends und Montag: Kater Lampe.(Anfang 8'i, Uhr.) Modernes(Hebbel-) Theater. Sonntagnachmitlag 3'/, Uhr: Die Waise von Lowood. Abends: Grobstadtlust. Montag bis Sonnabend: Grobstadtlust.(Ansang 8'/, Uhr.) Komische Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Bohäme. AbendZ: Tosco. Montag: Orpheus in der Unterwelt. Dienstag: Die Bohäme. Mittwoch: Don Juan. Donnerstag: Die Fledermaus. Freitag: Zum erstenmal: Der Teuselsweg. Sonnabend: Orpheus in der Unterwelt. Sonnlag, 14. Mai, nachmittags 3 Uhr: Orpheus in der Unterwelt. Abends: Der Teuselsweg. Montag: Hoffmanns Erzählungen.(Ansang 8 Uhr.) Thalia-Theater. Allabendlich: Polnische Wirtschast.(Ansang 8 Uhr.) Schillcr-Thearer O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Ehre. Abends: Der grobe Name. Montag: Der Traum ein Leben. Dienstag: Nathan der Weise. Mittwoch: Der grobe Name. Donnerstag: Im Klubsessel. Freitag: Der grobe Name. Sonnabend: Der Traum ein Leben. Sonntag, 14. Mai, nachm. 3 Uhr: Die Ehre. Abends: Der grobe Name. Montag: Liebelei. Literatur.(Ansang 8 Uhr.) Schiller- Theater Eharlottenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: tapsenstreich. Abends: Im Klubseflel. Montag: Liebelei. Literawr. renstag: Liebelei. Literatur. Mittwoch: Zum erstenmal: König Heinrich. Donnerstag: Liebelei. Literatur. Freitag: König Heinrich. Sonnabend: Der grobe Name. Sonntag, 14. Mai, nachmittags 3 Uhr: Zapfenstreich. Abends: König Heinrich. Montag: Im Klubsessel.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich-"Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntag bis Dienstag: Kasernenlust. Mittwoch: Die Jungfrau von Orleans. Donnerstag bis Sonnabend: Kasernenlust. Sonntag: Zum erstenmal: Der Hüttenbesitzer. Montag: Der Hüttenbesitzer.(Anfang 8 Uhr.) Neues Operette»- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Glücksengel. Abends: Der Gras von Luxemburg. Montag bis Sonn- abend: Der Gras von Luxenburg. Sonntag, 14. Mai, nachmittag 3 Uhr: Der Glücksengel. AbendS und Montag: Der Gras von Luxemburg. (Ansang 8 Uhr.) Theater des Westens. Sonntagnachmittag 3>i, Uhr: Das Puppen- mädel. Abends: Die lustigen Nibelungen. Montag bis Sonnabend: Die lustigen Nibelungen. Sonntag, 14. Mar. nachmittags 3'/, Uhr: Der sidele Bauer. Abends und Montag: Die lusttgen Nibelungen.(Ansang 8 Uhr.) Trianon-Theater.'Allabendlich: Das Prinzchen.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Volkö-Oper. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Fra Diavolo. Abends: Die Dollarprmzesfin.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Undine. Dienstag: Der Wildschütz. Mittwoch: Der Freischütz. Donnerstag: La Traviata. Freitag: Jasmin. Hieraus: Das Felleisen. Sonnabend: Die Dollarprinzessm. Sonntag, 14. Mai, nachmittags 3>/, Uhr: Der Waffenschmied. Abends: Der Wildschütz.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Jasmin. Hieraus: Das Felleisen. �"sÄsen'-�Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: AuS erster Ehe. Abends: Ohne Mutter. Montag bis Sonnabend: Ohne Mutter. Sonntag, den 14. Mai, nachmittags 3 Uhr: Aus erster Ehe. AbendS und Montag: Ohne Mutter.(Ansang 8 Uhr.) �, LustsPielhauS. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Leutnantsmündel. Slbends: Registrator aus Reisen. Montag bis Mittwoch: Registrator auf Reisen. Donnerstag bis Sonnabend: Der Feldherrnhügel. Sonntag, 14. Mai, nachmittags 3 Uhr: Meyers. Abends und Montag: Der Feld- herrnhügel.(Anfang 8 Uhr.), Rose-Theater. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Robert und Bertram. Abends: Ans nach New Jork. Montag bis Sonnabend: Aus nach New York. Sonntag, 14. Mai. nachmittags 3 Uhr: Muttersegen. Abends und Montag: Aus nach New Jork.(Ansang 8 Uhr.), m„ Casino- Theater. Sonntaqnachmittag 31/, Uhr: Marianne, ein Weib aus dem Volke. Abends: Zwei Wappen. Montag bis Sonnabend: Zwei Wappen. Sonntag. 14. Mai, nachmittag 3>/, Uhr: Marianne, ein Weib aus dem Volke. Slbends und Montag: Zwei Wappen.(Ansang 8 Uhr.) Metropol- Theater. Allabendlich: Hoheit amüsiert sich. Ansang 8 Uhr. FolieS Eapriee. Allabendlich bis aus weiteres: Wertheim wird Platzen. III. Klaffe. Anfang 8-/, Uhr.„_ Slpollo-Tbeater. Allabendlich: Spezialstaten. Ansang 8 Uhr. Sonn- tagnachmittag 3'/, Uhr: Spezialitäten. Passage« Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. All- abendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Wintergarten. Allabendlich und Sonntagnachmitlag: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Reichshallen. Theater. Täglich: Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Walhalla- Theater. Allabendlich: Prinz und Bettlerin.(Ansang 8'/. Uhr.) Herrnfeld-Theater. Täglich: ScheidungS-Souper. Ein VerlobungS- geschäst. Die Original-Klabrias-Partie.(Ansang 8 Uhr.) Earl-Haverlond-Theater. Täglich: Spezialitäten. Ansang 7'/, Uhr. Kaiser-Panorama. Täglich: Besuch der Ostseebäder. Reise über den Brenner nach Venedig. Urania- Theater, Taubenstr 48/43. Lebende Tierbilder von nah und sent.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte, Jnvalidenstr. 57— 62. Teppiche(Farbensehler)(Stiegen- heilskaus. Fadiillager Mauerboff, Nur Große FranksurteAttatze 3, Flur- eingang. Gegründet 1874. Vorwärts- lesern 10 Prozent. Sonntag» geöffnet. Steppdecke» billigst Fraiiksurterstratze 3. GardinenhauS. Wroge surteritraße 3. Flureingang. abrik Große flureingang. Frank- 2431K» Grundbegriffe der Politik, von Friedrich Stampfer. Gebunden 3 M. Buchhandlung Vorwärts, Linden. ftrage 69(Laden)._ Teppiche!(sehlerbafte) in allen Größen, sast sür die Hälste des Wertes Teppichlager Brünn. 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Tischlerei bio kne liier, Man- «euffelstraste 5» und Lausitzer Ttraste 40 v. p. Pianofabrik«p»tl»e, Pols- damer Str. LS. Sämtliche Betriebe in Hamburg, Liegnitz. Forst, Finster- watde, Schönwalde«. Oranien- bürg. Da« Berliner Arbeitswilligen- vermittelungsdureau d. gelbe» „HandwerkerschutzverbaiideS". Die OrtSverwaltung Berlin deS Dentfch. HolzarbeiterverbaiibeS. Achtnag! Marmorarbeiter! Dle Firma Süsse, Ruppiner Strafte 5, ist wegen Maßregelung der an der Maifeier beteiligt gewesenen Kollegen gesperrt. 171/6 Zentralverbaud d. Steinarbeiter. Orteverwaltung Berlin. v/rgytwprtlWr Nedakteuri Albert Wachs. Berlin. Lür dxg Lnjeratentxil perMtw-i Ti SlsSyt Berlin. DrztckE. Verlag: Vvrtvgrts SstSdriilktzrei u. KerlagtzaMN PazU Tiitg�r u. Ts-. BsrliL SA.