Ur. US. HbonnemcntS'Bedingungen: Hbonncmcnls- Preis pränumerando i Bierlcljährl. 3M Ml., monatl. 1,10 Mk,, wöchentlich 28 iß fg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- ilbonnemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, sür das übrige Ausland Z Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Lurenibiirg. Portugal, Runiänicn, Schweden und die Schweiz. 88. Jahrg. Vit snlelllonZ'Ledllhf irftügi für die sechsgcspaltene Kolonel- geile oder deren Rauni 60 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- Und Versaninilungs-Anzeigen 30 P'g. „lilelnc Anrergen", das fettgcdruckls Wort 20 Pfg.(zuläffig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstcllcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes toeitcre Wort b Pfg. Worte über 15 Buch- taben zählen für zwei Worte. Inserate -------------------'-11°! für die nächste Kummer muslen bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. «chcliit lsgliid iuilltt lllsnfzgt. Berliner Volksblntt. Tentralorgan der fozialdcmokrati feben Partei Dcutfcblands. Telegramm-Adresse! .�ozialdttnosirat Berlin". Redaktion: 8M. 68. Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die Nah! in Stuttgart. Das Ergebnis der Oberbürgermeisterwahl wird in der bürgerlichen Presse lebhast kommentiert. Die konservative, klerikale und nationalliberale Presse freut sich der„Er mannung" des Bürgertums, das der Wahl eines Sozial- demokraten so entschlossenen Widerstand entgegengesetzt hat und neue Sammlungshoffnungen für die Reichstagswahlen werden laut. Die linksliberale Presse ist weniger zufrieden. Ist doch die Volkspartei die eigentlich Unterlegene. Einer ihrer Führer hatte kurz vor der Schlacht die Truppen zum Gegner ab kommandiert und ein gutes Teil seiner Parteigenossen hat der Sammelparole Folge geleistet— ein nicht sehr erhebendes Bild, von dem die Aufmerksamkeit abzulenken die freisinnige Presse allen Grund hat. Und diese Ablenkung sucht sie natürlich durch Angriffe auf die Sozialdemokratie zu erzielen. Zu diesem Auskunftsmittel greift sie um so lieber, da sie sich auch um die Hoffnung auf einen Streit innerhalb der Sozial deniokratie betrogen sieht. Wenn man gezwungen ist, die liberale Presse fortlaufend zu verfolgen, dann ist man auch an die merkwürdige Er schcinung längst gewöhnt, daß in ihren Redaktionen die hervorragendsten politischen Taktiker und Strategen sitzen. Kaum daß ein Tag vergeht, an dem nicht die konservative, klerikale, nationalliberale und besonders die sozialdemokratische Partei darüber belehrt würde, welche Prinzipien sie zu bc folgen, welche Taktik sie einzuschlagen habe, um ihrer Sache zum Siege zu verhelfen. Und diese Selbstlosigkeit ist um so höher einzuschätzen, als dabei das eigene Parteiinteresse so ganz zurückgestellt wird. Denn gerade freisinnige Strategen und Taktiker scheinen ganz in diesen Redaktionen zu fehlen; stets bilden die Angelegenheiten der anderen Parteien ihre Hauptsorge und in keinem dieser politischen Köpfe scheint je die Frage entstanden zu sein, welches Vertrauen denn Rat- schlage verdienen, die von einer Partei ausgehen, die iin großen und ganzen stets rückwärts gegangen ist, während die Sozialdemokratie z. B. trotz ihrer von der liberalen Presse so unermüdlich konstatierten politischen Ahnungslosigkeit von Erfolg zu Erfolg schreitet und sich zur größten politischen Organisation der Welt entwickelt hat. Aber solche Zweifelsfragen liegen liberalen Zeitungs- schreibern offenbar sehr fern; sie ziehen vor, alle Welt bc- lehren zu wollen und wenn sie dies Ziel zu erreichen auch nicht imstande sind, so liefern sie immerhin einige Belehrungen über die Natur des deutschen Liberalismus, die nicht ohne jeden Wert sind. Zuvor müssen jedoch einige Mißverständnisse zerstreut werden. Das„Berliner Tageblatt" behauptet, wir hätten die Kandidatur des Genossen Lindemann als bedenklich bezeichnet. Das ist ein Irrtum. Bedenklich erschienen uns und erscheinen uns auch heute die Vorgänge, die der Auf- stellung der Kandidatur vorausgegangen sind, die Ablehnung der Resolution der Stuttgarter Parteileitung, die die Selbst- Verständlichkeit enthielt, daß jeder Parteigenosse, in welcher Stellung inimer, den Beschlüssen der Parteiinstanzcn unter- liegt. Daß dies der Fall ist und bleiben muß, hat ja ausdrücklich auch die Erklärung des Partcivorstandes bestätigt. Und das ist— wir wiederholen es und glauben, daß wir damit nirgends in der Partei auf neunens- werten Widerspruch stoßen werden— eine selbstverständliche Forderung. Wenn Sozialdemokraten einen Genossen in irgend ein öffentliches Amt berufen, so tun sie es, damit er in dieser Stellung die Interessen der Partei nach besten Kräften wahrnehme und soweit es die Natur des Amtes gestatte, die sozialdemokratischen Forderungen durchsetzen helfe. Und das ist wirklich keine Besonderheit der sozialdemokratischen Partei. Vieluiehr gehört dies zu den selbstverständlichen Forderungen jeder lebenSfähgen Partei. Worauf anders beruht denn das doch liberale Ideal einer parlamentarischen Regierung als daß die Parteiführer, also Angehörige einer Partei und als solche ihren Beschlüssen unterworfen, die obersten Acmter übernehmen. Oder soll es wirklich liberaler Grundsatz sein— daß es Praxis ist. fühlen zu bestreiten wirunS nicht berufen—, daß jeder liberale Parteimann iin Ainte zum Nenegateii und Verleugner seiner Partei werden muß? In Wirklichkeit ist es ein von der halbabsolntistischen deutschen Bureaukratie für'ihre Herr- schaftszwecke erfundenes Dogma, daß Amt und Partei- Zugehörigkeit unvereinbar seien. Nur der liberalen Einfalt kann es verborgen bleiben, daß gerade dieses Dogma von der„unparteiischen Verwaltung" und„unparteiischen Ne- gienmg" eine der Stützen des konservativen Parteiregiments ist. Und gerade die Liberalen hätten allen Grund, die Frage der Parteidisziplin etwas ernster zu behandeln. Oder haben sie die traurigen Erfahrungen mit Miguel, der so rasch aus dem nationalliberalen Führer zu einem agrarisch- konservativen Werkzeug wurde, schon vergessen? Aber freilich, wenn auch nicht'aus liberalen Grundsätzen, so erklärt sich aus dem bürgerlichen K l a f s c n i n t c r- esse um so leichter der inbrünstige Schrei nach den prole- tarischen Renegaten, nach den deutschen Millerands und B r i a n d s, die ihre Klasse verraten und Verwirrung in die eschlossenen Schlachtreihen des Proletariats tragen sollen. ergebliche Hoffnung! Selbst die liberale Presse sollte doch gibt als Briand. daß die Zeiten des Millerandismus für Frankreich endgültig vorüber sind. In Deutschland aber empfindet jeder Parteigenosse es als Beleidigung, wenn ihm solche Rollen zugemutet werden, und sollte sich einer finden, der auf dem Rücken der Partei zu einer Machtstellung hinanklimmt, um dann die Partei zu verraten, die deutschen Arbeiter würden wahrhaftig verstehen, mit einem solchen kurzen Prozeß zu machen. Wenn wir also die Kandidatur Dr. Linbemann nicht als bedenklich bezeichnet haben, so wollen wir doch heute nach der Wahl ohne weiteres zugeben, daß wir solche Bedenken natür- lich gehabt haben. Und nicht wir allein; wir vermuten. daß auch in Stuttgart ohne Unterschied der„Richtung" solche Bedenken vorhanden gewesen sind. Nur daß die bürgerliche Presse wieder auf dem Holzweg ist, wenn sie meint, daß es die Frage der Repräsentationspflichten gewesen sei, die diese Bedenken wachgerufen habe. Wir Sozialdemo- kraten sind eine republikanische Partei und wir verurteilen alle überflüssigen und freiwilligen Loyalitäts- kundgebungcn, jede Teilnahme an monarchischen Demonstra- tionen. Aber das hat uns nie gehindert, mit der Monarchie als einer bestehenden, wenn auch unserer Meinung nach über- lebten, Institution zu rechnen. Wo aus einem Amte be- stimmte Repräsentationspflichtcn fließen, die also der'Frei- Willigkeit entbehren, kann das die Sozialdemokratie ebenso wenig hindern, als etwa die von uns ebenso, als überflüssig angesehenen Treueide den Eintritt unserer Abgeordneten in die Landtage. Hier nehmen wir uns eben die nötige Frei- heit—„Maskenfreihcit" nennt es die„Kreuz- Zeitung". Wenn wir es also nicht gerade als erhebendste Einleitung eines sozialdemokratischen Wahlkampfcs ansehen können, die Kampagne mit einer Diskussion über die unvermeidlichen höfischen Rcpräsentationspflichten zu beginnen, so entspringen unsere Bedenken doch ganz anderen Gründen. Es war einfach der Zweifel, ob es für einen sozial demokratischen Bürgermeister möglich sei, ersprießliche Arbeit zu leisten, so lange die Sozialdeniokratie in den städtischen VertretungSkörpcrn noch nicht über die Majorität vcr- fügt, die viele Genossen— wir wiederholen ohne Unter- schied der„Richtungen"— zur Skepsis vcranlaßte. Wenn die Stuttgarter Genossen trotzdem die Kandidatur ausstellten, so bewog sie Wohl in erster Linie die Abneigung dazu, ihre Stimmen einem bürgerlichen Kandidaten zuzuwenden, um so mehr, da sie in Dr. Lindemann über einen Kandidaten der- fügten, dessen fachmännische Eignungs nicht bestritten werden konnte. Wie immer man über diesen Beschluß aber auch denken mag, als Regel wird man wohl die Verfügung über eine sozialdemokratische Majorität in den VertretungS- körpern als Vorbedingung einer gedeihlichen Tätigkeit eines sozialdemokratischen Oberhauptes betrachten müssen. So sehr also die liberale Presse irrt, wenn sie meint, daß die Repräsentationspflichten, die unseres Erachtens von einem charakterfesten und proletarisch fühlenden Republikaner auf ein Minimum reduziert werden können, für uns im Vordergründe stehen, so charakteristisch sind sie doch für den Verfall des deutschen Liberalismus, für den politische Charakterlosigkeit bereits zu den Selbstverständlichkeiten gehört. Man lese nur, was die„Voss. Ztg." schreibt: Jedes Ding hat jjwei Seiten, sogar die Aufregung über die Möglichkeit des sozialdemokratischen Oberbürgermeisters. Auf der einen Seite die ewig die Litanei von der Sammlung wieder- holenden Angstmeier und Umsturzschreicr; auf der andern die in ihren heiligsten Empfindungen verletzten ZionSwächter des alleinseligmachenden Zukunftsftaates, die Träger des roten Banners mit dem bammelnden Endziel, die unfehlbaren Vcrkünder des Dogma? von der„sieggekrönten revolutionären Taktik". Dieser Genosse hatte erklärt, daß er sich die Hofgängerei nicht verbieten lasse; man konnte sich zu ihm versehen, datz er genau wie früher gut bürgerliche Oberbürgermeister, so oft sich der Anlaß bietet, auf Kaiser und König ein Hoch ausbrächte. Wenn Stuttgart fürstlichen Besuch erhielt, wäre der Oberbürgermeister Lindemann zum Empfang ans dem Bahnhof, zum Essen im Schloß gewesen. Er hätte seiu Rückgrat so geübt, daß es mit de» Pedalen den vom Obcrzeremonicnmcister vorgeschriebenen rechten oder gar spitze» Winkel bildete. Was wunder, daß bei solchen Vorstellungen„Vorwärts" und„Leipziger Volkszeitung", Karl Kautskh und Rosa Luxemburg in ganz ähnlichen Gemüts- zustand gerieten wie bei dem Gedanken an die Möglichkeit der Bestätigung eines roten Stadtoberhauptes der Januschauer oder der„ungekrönte König", oder die berufsmäßigen Staatsretter vom „Rcichsvcrband". Und doch werden sich die„Rcrrevolutionäre" mit der Tatsache abfinden niüssen, daß die Beschlüsse der Parteitage gegen die Hofgängerei und die Budgetbewilligung in die Rümpel« k a m m e r wandern, wo schon viele frühere Parteibeschlüsse lagern, und daß eines Tages der Wunsch, den Fürst Bülow als Kanzler äußerte, erfüllt wird: Ein Millcrand tut«nS not. In Frankreich hat es Millerand, Briand. Biviani gegeben, und sie werden wiederkehren. In Italien hätte B i s f 0 l a t i schon Minister werden können: die Sozialdemokratie wird dort vom König und vom lcsienden Staatsmann als regierungsfähig aif- erkannt. Wer glaubt, daß Dr. Linde mann radikaler ist als Millerand oder Biffolati? Niemand glaubt es, der seine Schriften und seine öffentliche Tätigkeit kennt." Genossen Lindemann gegen die Identifizierung mit �. Millerand in Schutz nehmen, wäre eine Beleidigung. Aber endlich wissen, daß es in den Reihen der französischen Sozial-! prächtig ist doch diese liberale Unentwegtheit, deren höchstes Hemokratie und den Gewerkschaften keinen verachteteren Mann politisches Ideal der Renegat ist. Das ist Expedition: 8M. 68» Lindcnstraaae 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981» der große Schmerz unserer Fortschrittler: daß ihnen kein Obcrzerenioniemneister Gelegenheit gibt, ihr Rück- krat auf den vorgeschriebenen rechten oder spitzen Winkel einzuüben I Das ist ja heute der letzte Grund ihrer Opposition, daß sie, obwohl wahrhaftig loyal und knecht- selig bis zur Knochenerweichung, ihre Bücklinge nicht vor den gekrönten Mann bringen können. Welche Erbärmlichkeit, die Gesinnungsverleugnung zu verlangen, lvclch größere Erbärm- lichkeit noch, diese Erbärmlichkeit gar nicht zu fühlen I Nein, wirklich, wenn irgend etwas zeigen könnte, wie gefährlich jede Hofgängerei eines Sozialdemokraten ist, so wäre es die'Auslegung solcher„staatsmännischer" Ab- irrungen durch die liberale Presse. Und wenn uns etwas stolz machen kann ans unsere republikanische Gesinnung, so ist es die Jämmerlichkeit dieser Monarchisten. Wenn im übrigen die Stuttgarter Wahl etwas bewiesen hat, so ist es die scharfe Zuspitzung, die die Klassen- gegensätze in Deutschland erfahren haben. Daß diesem Moment, wo die Realität des Klassenkampfes sich in ihrer ganzen Härte gezeigt hat, die liberale Presse uns rät, den Klassenkampf aufzugeben, als ob dieses Bewegungsgesetz der Klassengesellschaft eine sozialdemokratische Erfindung und nicht eine historische Notwendigkeit wäre, verrät so recht die hoffnungslose Unbelehrbarkeit oder die pfiffige Roßtäuschernatur des Freisinns. Wir Sozialdemokraten haben vielmehr allen Grund, recht aufmerksam auf solche Erscheinungen zu achten. Was sich in Stuttgart ereignet hat, der Erfolg der Sammel- Parole, kann sich auch im Reiche wiederholen. Die nächsten Wahlen werden uns eine erstarkte Sozialdemokratie— stark aus eigener Kraft— zeigen. Es wird gut sein, schon heute auf den Rückstoß aus dem bürgerlichen Lager gefaßt zu'ein. Sie entrechtiiiig 6er Sandarbeiter. Die Entrechtung der Industriearbeiter war das Wer! der ReichStagSmehrheit an den beiden vorausgegangenen Tagen. Den Landarbeitern ging es heute an den Kragen. Und bei diesen gc- plagtesten und ausgebeutetsten Proletariern wurde die EntrechtungS- arbeit natürlich gleich noch gründlicher besorgt. Wa§ hier von Regierung und ReichStagSmehrheit anSgcllügclt ist, um die Landarbeiter zu ent- rechten, übertrifft an Schamlosigkeit weit ihre sonstigen Leistungen. Den Landarbeitern und den nnt ihnen in den nämliche» Kassen zusammengepferchten Dienstboten, Haufiercrn und Heimarbeitern wird zwar die Pflicht der Beitragszahlung auferlegt wie den Industriearbeitern, aber das Recht, die Gelder zu ver- walten oder auch nur bei der Verwaltung mitzuwirken, wird ihnen vorenthalten. Den Vor st and der Kasse und d i e Vertretung der Kassenmitglieder wählt die Ver» tretung des Gemeindeverbandes, in Preußen also eigentlich der Landrat. Gegen diese schier unglaubliche Bestimmung haben unsere Genoffen in der Kommission vergeblich angekämpft, sie wiederholten ihre Anträge im Plenum, aber auch die Frei- sinnigen und die Polen leisteten dem Attentat auf die Landarbeiter entschieden Widerstand. Als der freisinnige Abgeordnete F e g t e r die Diskussion mit einer scharfen Rede gegen die Agrarier eröffnete, suchten Rechte und Zentrum ihre Gleichgültigkeit gegen die unbequemen Ausführungen dieses ostfriesischen Bauern durch loutcS Schwatzen zu dokumentieren. Er warnte den Entrechtungsblock, sich nicht der Illusion hinzugeben, daß er durch solche Draugsalierung der Landarbeiter der Sozial- demokratie das Waffer abgraben könne. Das Gegenteil werde der Fall fein. Gcnoffe Stückl en zeigte, welcher Hohn nicht nur in den gc» planten Einrichtungen, sondern auch in der Begründung liege, mit der die Regierung ihren Entrcchtungsplan begründet habe. Weil die Landarbeiter bisher keine Erfahrung in der Selbstverwaltung gesammelt haben, darf man sie nicht zur Selbstverwaltung berufen. Nach diesem Grundsatz darf ein Mann nicht eher ins Wasser gehen, als bis er schwimmen kann und Stein und Hardenberg hätten nach dem Jena-Krach ihre SelbstverwaltmigScinrichtungen nicht in Preußen einführen dürfen. Als Stücklen in seinem Schlußwort dann die ganzen fadenscheinigen Bcgründungsvcrsuche als ein Stück politischer Heuchelei brandmarkte, erklärte Graf Schwerin, daß das Wort „Heuchelei" einem Antragsteller gegenüber unzulässig sei. Einem anderen Abgeordneten gegenüber entspricht eS also offenbar dem parlamentarischen Brauch. Sowohl der Pole KulcrSki wie nach ihm fem Landsmann Korfan ty redeten flehentlich dem Zentrum ins Gewissen, daß eS den Polen doch nicht den Tort antun möchte, ein solches die pol- nischcn Landarbeiter wehrlos den Hakatisten auslieferndes Gesetz zu machen. Sie predigten tauben Ohren I Aus den, Zentrum tat kein Mann den Mund auf. Hatte eS doch vorher schon seine Zustimmung zu dieser tückischen Bestimmung der Regierung verkauft und war vorsichtig genug, sich nicht durch einen Verteidigungsversuch noch mehr zu kompromittieren. Wohl aber erklärte namens der Regierung derfDireklor Caspar ausdrücklich, daß die Annahme der strittigen Bestimmungen über die Landkrankenkaffen eine Bedingung sür die Zustimmung der Regie- rung zu dem ganzen Gesetz sei. Mit eiserner Stirn bestritt dieser Bureaukrat dann, daß man die Nichterteilung de? Wahlrechts an die Landarbeiter eine„Entrechtung" nennen könne. Nach ihm war� der freikonservative.Freigutsbesitzer" Arnstadt aus Mühl- hausen in Thüringen so unvorsichtig, sich mit einem Rechtfertigungs- versuch abzuquälen. Er legte unversehens das Bekenntnis ab, daß er und seine Freunde den Landarbeitern das Wahlrecht nicht er- teilen wollten, weil sie ja sonst»Umstürzler" in die Kassen- Verwaltungen wählen könnten. Mit wachsender Heiterkeit begleitetes die Sozialdemokraten seine Widerspruchsbollen Offenherzigleiten. Als er abtreten wollte, wurde er vonsozialdemolratischerSeite dringend ersucht, seine interessanten Ausführungen fortzusetzen. Geschmeichelt machte er kehrt, um die Rednertribüne wieder zu erklimmen, wurde aber leider von seinen entsetzten Freunden an den Nockschöben zurück- gehalten. In scharfer Weise wandte sich dann Genosse Hoch gegen die kläglichen Beschönigungsversuche der Herren Caspar und Arn- st a d t, deren Ausführungen jeder Logik und jeder Gerechtigkeit ins Gesicht geschlagen hätten. An der Geschichte unserer WirtschaftS- Politik wies Hoch nach, wie die Agrarier für die Landarbeiter immer nur Worte und keine Taten gehabt hätten, leere Versprechungen und tückischen RechtSraub; wie ferner die Handlanger des Agrarier- tumS in der Negierung jederzeit bereit seien, ihren arbeiterfeindlichen Pläne» zur Durchführung zu verhelfen. Genosse Molkenbuh r ergänzte diese Darlegungen noch durch den Hinweis darauf, daß die Aus- schaltung der Arbeiter auS den Wahlen bei den Landkrankenkassen auch den Einflub der gesamten Arbeiter auf die Zusamniensetzung der höheren Versicherungsinstanzen schwer beeinträchtigt. Genoffe Lehmann- Wiesbaden nagelte dann das Zentrum auf seine Trappistentaktik fest. Ebenso schwiegen aber auch die National- liberalen und die Antisemiten, alles Parteien, die sich als Freunde der Landarbeiter aufspielen. Die wohlverdienten Strafen werden bei den kommenden Wahlen diesem Verrat, der Arbeitermaffen nach- folgen. Bei der Abstimmung wurden dann alle die E n t r e ch t u n g S- Paragraphen durch den Block von Westarp bis Bassermann wiederum a n g e n o nnn e n. Gegen andere Bestimmungen der Kassenorganisation wandten sich wiederum vergeblich die Genoffen Busold, Büchner, Sachse. Schlieblich trat Genosse Geck auch für einen Antrag der Sozialdemokraten ein, die Ausbeutung der Krankenkassen durch die Apotheken zu hindern, wobei er an Einzelfällen nachwies, welchen enormen Nutzen die Apotheken beim Verkauf von Arznei- Mitteln jetzt nachweisen. Bei der Abstimmung über diesen Antrag blieb die Sozialdemokratie allein in der Minderheit. Ilm 4>/, Uhr wurde die Sitzung dann auf Montag vertagt. Alis dem albanischen Aufstandsgebiet. UeSknb, 10. Mai 1911.(Eig. Ber.) Uesküb ist in fieberhafter Aufregung. So könnte man es im deutschen Reporterstil bezeichnen, wenn überhaupt der Orientale jemals der fieberhaften Aufregung fähig wäre. �Gegen Ende Mai soll der Sultan auf seiner längst ge- Planten Reise in die europäische Türkei hier anlangen und linn werden überall mit großer Regiekunst Potemkinsche Dörfer hervorgezaubert. Tic alte Römerbrücke über den Wardar ziert ein eisernes Geländer, eine Hauptstraße ist für den großhcrrlichen Besuch eigens geschaffen worden und wird fleißig beschottert und überall wachsen Triumphbogen aus dem Boden. Aber im Grunde genommen weiß eigentlich kein Mensch. lob diese Herrlichkeit an den Mann gebracht werden kann. Denn drei, vier Tagereisen weiter nach Nordwesten brodelt es lebhafter, als sich die Jungtürken noch vor ganz kurzen! -träumen ließen.„Ein neuer Aufstand", hatte vor acht Wochen der Kriegsministcr Mehmud Schewket Pascha in der Kammer stolz erklärt,„ist vollständig ausgeschlossen", und drei Tage darauf flammte es um Skutari aus. Heute müssen die Dinge schlecht stehen, denn man erfährt über ihren Ber- lauf hier weniger als etwa in Wien und Verlin, denn die etwas wissen könnten, die Offiziere, schweigen sich gründlich aus und den Zeitungen schließt die Zensur für unangenehme Dinge vielleicht noch energischer den Mund als in den Tagen des würdigen Abdul Hamid. So ist man lediglich auf den „Küstenklatsch" angewiesen, der im Orient besonders üppig ins Kraut schießt, und der weiß allerdings zu berichten, daß die Aufstandsbetoegung sich mit jedem Tage weiter ausbreitet und bald aus dein Wilajet Skutari in das Wilajet Kossovo übergetreten sein wird. Was diese Auffassung zum mindesten sehr stark unter- stützt und nicht in den Bereich des„Küstenklatsches" gehört, sind die Militärzüge, die, was von Truppen in Saloniki ge- landet wird, nach Albanien werfen. Für den Güterverkehr war Tage lang die Strecke Saloniki-Mitrowiza gesperrt und lediglich Truppen, Munition und Geschütze, Geschütze, Muni- tion und Truppen rollten in endloser Reihenfolge vorbei. Jreilich geben die Jungtürkcn als Zweck der Hebung die große Parade an. die bei der Anwesenheit des Sultans in Prischtina auf dem Amselfelde, dem Schauplatz der berühmten Schlacht, stattfinden soll. Zu dieser harmlosen Tätigkeit sind bis jetzt siebzigtausend Mann in diesen Teil Al» baniens geworfen worden, und rechnet man die Truppen hin- zu, die sich nördlich von Skutari mit den Rebellen herum- schlagen, so kommt man bald auf die Zahl von hundert- 'Kaufend Mann, die im Sommer des Vorjahres die Türkei in Albanien konzentriert hatte. Ueberlegt man, welche Summen die Unterhaltung solcher Massen in diesem unwirtlichen Lande verschlingt, so bekommt man dadurch allein schon einen Begriff davon, wie sehr Albanien zu den faulen Punkten der jungen Türkei gehört, die übrigens ihren reaktionären Cha- rakter von Tag zu Ta� mehr hervorkehrt. Und eigentlich ist man sich in den intelligenten Kreisen Mazedoniens darüber einig, daß der albanische Ausstand nur eines von den An- zeichen für die kommende Loslösung der europäischen Türkei von dem ottomanischen Reich ist. Ohne Eisenbahnen ist Al- Hamen selbst nicht zu halten, und jeder Versuch Eisenbahnen zu bauen, treibt die Arnauten von neuem in Aufstände hinein, ganz abgesehen davon, daß die türkische Regierung angesichts der ungeheuren Schwierigkeiten und bei ihrem notorischen Mangel an flüssigem Gelds diesen Versuch sobald nicht machen wird. Inzwischen wird an den Triumphbogen weiter gebaut und Waggon um Waggon mit scharfer Munition rollt nach 'Rordm— zu Paradczweckenl poUtifchc CUberlicht. Berlin, den 13. Mai 1311. Zweckverband und Wohnnngselend. Am Ssnnavend hat im DreiNassenhause die zweite Lesung des Groß-Berliner gweckverbenbSgesetze» begonnen. Wir haben das Gesetz nach Beendigung der so umfangreichen KommissionSberatnng ausführlich gewürdigt und können seinen Inhalt im allgemeinen wie seine bureaukratisch-reakiionären Instanzen im besonderen als unseren Lesern bekannt voraussetzen. Genoffe Dr. Liebknecht übte nochmals gründliche, aber bei dieser Mehrheit natürlich vergebliche Kritik, in der er auch die Erwähnung kmnmuiialsreisianiger Kurzsichtigkei't nicht vergoß. Sehr intereffant war die Ausführlichkeit, mit der sich die Redner «t» den bürgerlichen Fraktionen gegen den großzügigen Antrag der Sozialdemokraten äuf Ausdehmttig der Verbandszwecks auf das Volksschulwesen, die Armen-, Kranken- und Waisenpflege und die Regelung des Steuerwesens wendeten. Sogar der Polizeiminister v. Dallwitz bequemte sich zu eingehender Erwiderung auf den Antrag der„Herren Sozialdemokraten" und ein Rip van Winkle, der die neudeutsche EntWickelung des Parlamentarismus und ministeriellen Beredsamleit verschlafen und erst zur Zweckverbands- debatte wieder aufgewacht wäre, hätte nimmermehr annehmen können, daß dieser sachliche Debatter ei in schönen Moabiter Tagen auch verstanden hat, Gerichtsurteilen vorzugreifen und Gerichtsurteile au den Kopf zu stellen.. Nur des Oberpräsidenten v. Zedlitz und Neukirch Exzellenz brauchte sich nicht erst lange mit dem Antrag der Sozial- demokraten abzugeben, denn, wie er anerkennend meinte, Freund Cassel hatte ihn schon völlig totgeschlagen I Sehr interessant war die Blamage der Konservativen mit: hrem von den Herren v. Brandenstein und Dr. v. KrieS eingebrachten Antrag, dem Zweckverband den Bau von Kleinwohnungen nicht zu übertragen. Als Berichterstatter der Kommission, die diesen Volks- freundlichen Antrag abgelehnt hat, hätte Herr v. KrieS seinen Antrag bekämpfen müssen, woran ihn auch der Zentrnmsabgeordnete W ü r m e l i n g zart mahnte. Dieser Redner machte übrigens eine sehr treffende Bemerkung über das Wohnungselend und die Unfähig- keit unsozialer Gemeindeverwaltungen, sie wirksam zu bekämpfen. Aber er vergaß hinzuzufügen, daß dos unsoziale Gebaren gewisser Groß-Berliner Gemeinden durch das Hausbesitzer- Privileg bedingt ist und daß die löbliche Zentrums- Partei durch ihr unentwegtes Eintreten für uferlose Rüstungen, für Wucherzölle und indirekte Steuern konsequent den Anteil des VollscinkommenS schmälert, der für Wohnung ausgegeben werden kann. Ein Vortrag über die Wohnungsfrage, den Unlversitätsprofcffor E b e r st a d t den Dreiklaffenmännern Freitag abend gehalten hatte, scheint nicht ohne Wirkung gewesen zu sein, denn der für die Konservativen äußerst kennzeichnende Antrag wurde abgelehnt. Die Beratung gedieh bis zum§ 7. Montag wird sie fort- gesetzt._ Konservative Lügen. Die„Nationalliberale Korresp." hat gestern den ge- meinen, niederträchtigen Ton gerügt, in dem der konservative Abgeordnete Graf v. Westarp im Reichstage seine aus den Lügen und Fälschungen der konservativen Presse zusammen- geholten Reden vorzutragen pflegt, und den Herrn Grafen be- schuldigt, durch seine provozierenden Manieren jüngst die „Tumultszenen" im Reichstage hervorgerufen zu haben. Diese durchaus richtige Ansicht hat den Zorn der „Konserv. Korrespondenz" herausgefordert. In einer„Die fehlende Di stanz" überschriebenen Notiz erklärt sie:I Die unerquicklichen Szenen, die sich bei der Beratung des die Kaffenorgane und Kassenangestellten betreffenden Abschnittes der ReichsversicherungSordnung während der Rede des konservativen Abg. v. Westarp im Reichstage abgespielt haben, sind ein Beweis dafür, wie sehr die Sozialdemokratie um ihren Einfluß in den Krankenkaffen besorgt ist. Daß ein Abgeordneter mutvoll und furchtlos den Finger auf eine schwere Wunde in unserem öffentlichen Leben legt, daß er dem Gebrüll, den Schimpf- und Wutausbrüchen der Sozialdemokraten tapfer standhält, sollte ihm von allen bürgerlichen Parteien gedankt werden; ein Vergnügen, solche Dinge vorzubringen und sie beim rechten Namen zu nennen, ist eS wahrlich nicht. Die.Nationalliberalef Korrespondenz", daS parteioffiziöse Organ der nationalliberalen Partei, fühlt sich nicht berufen, daS Verhalten des Grafen Westarp irgend« wie anzuerkennen. Sie übt vielmehr an der Rede eine abfällige Kritik, in der sie ihren.provokatorischen Charakter besonders kennzeichnen zu muffen glaubt. Die .Korrespondenz" schreibt weiter:.Graf Westarp führte die jeder- mann geläufigen Nachweise der sozialdemokratischen Kassen- Mißwirtschaft an, wußte in diese Aufzählung aber derart auf- reizende Anmerkungen einzuflechten, daß man ihn zum mindesten von der Mitschuld an den späteren Skandal- szenen nicht freisprechen kann.... Diese Art der Polemik muhte notwendig zu den Tumultszenen führen, die sich dann auS dem Folgenden entwickelten." Wir können uns nicht helfen, wir vermissen wieder an dieser Auslassung des offiziösen Organs der angeblich berufenen Mittel- Partei die nötige Distanz zu der Sozialdemo- kratie. was umso unbegreiflicher ist, als seinerzeit die .Nationalliberale Korrespondenz" selbst Material zur Mißwirtschaft in den sozialdemokratischen Krankenkassen beigetragen hat. „Die„Konservatwe Korrespondenz" erblickt also in den provokatorischen Redeleistungen des Grafen v. Westarp ein hoch einzuschätzendes politisches Verdienst. Wir sind in diesem Fall mit dem journalistischen Kommis des Herrn von Heydebrand gänzlich einverstanden— wenn auch aus anderen Gründen, als die ehrsame.Konservative Kor- respondenz". Die Reden des Herrn Grafen rufen nicht nur in der Volksmasse die schärfste Erbitterung hervor und wirken dadurch für uns agitatorisch, sondern sie bieten auch unserer Presse eine günstige Gelegenheit an einzelnen Aussprüchen nachzuweisen, in welcher schamlosen Weise auf konservativer Seite gefälscht, gelogen und entstellt wird. Die ohnehin in weiteren Volkskreisen verbreitete Ueberzeugung, daß in den konservativen Reihen vielfach das innerlich verlogendste Gesindel zu finden ist, wird dadurch wesentlich gestärkt— und das ist ganjj nützlich. Wir haben erst in gestriger Nummer gezeigt, wie skrupellos der die hehre konservative Moral vertretende Graf v. Westarp die Verbreitung kon- servativer Fälschungen besorgt. Universität und Kriminalpolizei. Wie wir gestern mitgeteilt haben, hat die Fortschritts- Partei des Abgeordnetenhauses ihre Unterschriften für die Ein- bringung einer Interpellation über den Fall Dubrowsky verweigert; offenbar war ihr der Wortlaut der Interpellation zu radikal. Immerhin hat sie sich entschlossen, selbst zu inter- pellieren. Die Anfrage hat folgenden Wortlaut: »Ist der königlichen Staatsregierung bekannt, daß dem rufst- scheu Studenten Demetrius D u b r o w s k h das Studium an der hiesigen Universität versagt worden ist? Durch welche Organe und nach welchen Grund- sähen wurden in diesem Falle und werden im allgemeinen die politische Zuverlässigkeit und der Besitz der erforderten Subsistenz- mittel bei ausländischen, insbesondere russischen Studenten geprüft?" Man sieht, der Erwähnung der schmählichen Beihilfe, die die Universität der Kriminalpolizei gewähren muß, ist sorgsam aus dem Wege gegangen._ JubiläumSsihuug des Tentschen Handelstages. In der Aula des neuen KolleqiengebiiudeS am Ludwigsplatz fand heute vormittag 11 Uhr die Festsitzung des Deutschen HandelstageS aus Anlaß der Feier seines övjährigen Bestehens statt. Eine große Zahl von Ehrcitgäftcn au» allen Teilen des Reiches waren erschienen. Namentlich hatte» die Deutschen HvldelZlammttu vollzählig Depu- tationen entsauht. �•,-L � J:, v.„ Präsident Kasmpf begrüßte den Großherzog, den Reichskanzleti die übrigen Ehrengäste und die ganze Versammlung mit einer Er« öffnupgsrede. Der Großherzog von Baden und der Reichslanzter antworteten in längeren Ansprachen. Ihre Reden wurden mit rauschendem Beifall aufgenommen, ebenso dos Danktelegramm des Kaisers auf die gestrige Huldigungsdcpesche. Großen Beifall fanden auch die Begrüßung des Prorektors, Geheimrats Professor Dr. v. Duhn, des badischen Finanzministers Rheinboldt, des preußischen Handelsministers Sydow, des Eisenbahntaris- kommissionspräsidenten Rüdlin, des Honsabnndpräsidenten, Ge- Heimen Jnstizrats Rießer, des Ausschußmitgliedes des deutschen LandwirtschasrsrateS Saenger-Diersheim und des Vorsitzenden der Deutschen Handwerks- und Gewerbekammer, Ober- meisters Plate-Hannover, sowie der Vertreter der auswärtige» Handelskammern, des Präsidenten Olesen-Kopenhagen, des Präsi- denten Legrnnd-Paris, des Präsidenten Tomalin-London und des Präsidenten Ruoff-Rottcrdam. Die Festreden hielten der Präsident Kämpf und der General« sekretär Dr. Soetbcer. Beide schilderten in langen Ausführungen die gewaltige Entwickelung von Industrie und Handel in dem ver- flossenen halben Jahrhundert._ Zur elsast-lothringischen Verfafsungsfrage. Die„Nordd. Allgcm. Ztg." kommt in ihrem Wochenrückblick auf die Kommiisionsverhandlungen über die elsaß- lothringische Ler- faffungsreform zurück und schildert die augenblickliche Situation folgendermaßen: Die Verhandlimgen der Kommission für die elsaß-lothringische Verfassungsreform sind am Donnerstag zum Stillstand gekommen. Ob sie mit Aussicht auf Erfolg wieder aufge- nommen werde» können, ist heute nock nicht zu übersehen. Nach den Aeußernngen der Parteiprcsse besteht, wie es scheint, nach wie vor bei einer Mehrheit des Reichstages der Wunsch und der Wille, die Reform zustande zu bringen. Zu- gunsten einer optimistischen Auffassung der Lage wird angeführt, daß die Abstimmungen am Donnerstag mehr von Zu- fälligkeiten abhingen, als von der Absicht getragen waren, das Gesetz scheitern zu lassen. Auch hätten sie keine Kar- dinalpunkte der Vorlage betroffen, über alle» Wesentliche sei viel- mehr eine Einigung vorhanden geivesen. Vielfach wird daher der Standpunkt vertreten, daß es im Plenum gelingen werde, über die strittigen Fragen, da sie nicht von prinzipieller Be- deutung seien, eine Verständigung herbeizuführen. Ob diese Hoffnung berechtigt ist, muß abgewartet werden. Vom„guten Ton" in der Politik. Die.Kölnische VolkSzeitung" wendet sich gegen die in deutschen Blättern vielfach erhobene Klage über die Verwil» derung des Tones in der politischen Diskussion. In den Parlamenten anderer Länder gehe es im Vergleich zu Deutschland sehr erregt und derbe, unter Umständen auch handgreif- lich zu, und waS die Presse betreffe, so sei der Ton in Deutschland vergleichsweise immer noch höflicher und anständiger als anderswo. Außerdem könne festgestellt werden, daß in Deutschland der Ton in der Presse sich seit Begründung des Deutschen Reiches ganz be- deutend gehoben habe. Damals habe der Parteikamps oft pöbelhafte Formen angenommen, Bismarck sei der Meinung gewesen, daß nur die Artikel, die recht derb geschrieben waren, entsprechende Wirkung hätten. Der Artikel de« ZentrumSblattes schließt: „Wirkliche Roheiten wollen wir natürlich keineswegs beschönigen, und daß im Wahlkampfe solche auch vorkommen, ist ja unbestreit- bar. Man muß aber bedenken, daß der politische Kampf wie wenig andere Ursachen geeignet ist, die menschlichen Leidenschaften zu er- Hitzen, und nicht jedermann hat sich so in der Gewalt, um ihrer Herr zu werden. Wer dergleichen nickt ertragen kann, wer zu ästhetisch veranlagt oder zu nervös ist, um eine ihm entgegenfliegende drastische Redensart zu ertragen, der tut am sichersten, dem politischen Kampfe fernzubleiben. EH wird ja keiner dazu gezwungen. Wir können eben die Natur der Menschen nicht ändern, und wo Holz gehauen wird, fallen Späne. Leidenschaftslose Menschen schimpfen nicht, aber er» sahrnngSgemäß interessieren sie sich auch selten für Politik Die politischen Reiter sind in der Regel lohende Temperamentsmenschen, die sich nicht einmal durch Anlegung eines Maulkorbes zähmen lasten, denn sie beißen ihn durch. Die sensibelen Naturen, die gerne eine politische Rolle spielen möchten, aber empfindlich find wie ein rohes Si, sollen sich einer anderen Beschäftigung widmen." Veteranenfürsorge. In den konservativen Versammlungen wird zurzeit in allen Tonarten daS Lied von der Fürsorge für die Veteranen gesungen. Besonders wird hervorgehoben, daß es gelungen sei, durch da» ReichSwertzuwachSstcuergesetz für die Veteranen noch 5 Millionen ilüsfig zu machen, so daß jetzt der Reichsregierung zu diesem Zwecke 26 Millionen zur Verfügung ständen. Wie aber die Verteilung dieser 26 Millionen unter den Kriegsinvaliden entfolgt, daS verschweigen die Junker. Hier wie überall wird nach Gunst verfahren. ES steht meist ganz im Belieben des Landrats, wer die Beteranenbeihilfe er- halten soll. Hierfür ein Beispiel. Der 69 Jahre alte Landarbeiter Schröder au? Bahn ist von dem Kreisarzt als Invalide erklärt worden, darauf beantragte er die Beteranenbeihilfe, erhielt aber olgenden Bescheid: . G r e i f e n h a g e n, den 22. März 1911. Ich lehne es ab. für Sie die Veteranenbeihilfe zu beantragen, weil Sie nach den angestellten Ermittelungen wegen Jagdvergehens vorbestraft smd. Der Landrat. I. A.: Schwenke, Regierungsassessor." DaS hier angeführte Jagdvergehen bestand darin, daß Schröder vot 20 Jahren mit einem Jagdgewehr über ein Jagdrevier gegangen war und dafür 20 M. Geldstrafe bezahlt hat, außerdem ist er nie bestraft worden. Interessant ist, daß in demselben Bahn zwei Personen wohnen, die mit ö00 M. Geldstrafe wegen Jagdvergehen« bestraft sind, die aber trotzdem ihre Beteranenbeihilfe erhalten, allerdings sind diese beiden stramm patriotisch._ Lelgien. Ein Schachzug der Klerikale«. Brüssel, 12. Mai. Da die Ausschüsse der Kammer, denen da» Schulgesetz der Regierung zur Beratung vorliegt, wegen de» Ueberwiegens der Opposition zu keinem Resultat ge» langen, haben die Mitglieder der katholischen Partei in der Heu, tigen Sitzung der Kammer da» Schulgesetz als Initiativ, a n t r a g nochmals eingebracht. Die Durchberatung dieses An, trageS ist gewährleistet, da die für den Monat Mai auS- gelosten Ausschüsse eine Mehrheit für big Katholiken ergebe» habe». Spanien. DaS Attentat auf Maur». Barcelona, 12. Mai. Manuel Posa, der atn SS. Jultz 1910 den früheren Ministerpräsidenten M a u r a auf dem Bahn, Hof in Barcelona durch einen Revolverschuß verwundet hatte, wurde heute zu drei Jahren und siebe» Monate» Ge» sängnis verurteilt. Rußland. Eine neue Partei. Petersburg, 13. Mai. Etwa zwanzig Mitglieder der Duma, darunter der Vizepräsident WolronSki, sind aus der Na- t-onalistenpartei ausgetreten, um eine neue Fraktion z» bilden. Diese nennt sich Parte, der unabhängigen Ratio, nqllstcn und sieht zwischen den Nationalisten und den Okto, ÄfftWü DA MMPgutt ifccl Programms zjt Äartwg fea SteiajStbee, aber ohne russisch-nationalistischen ChaWMmuS gegenüber den fremden Stämmen im Reichs �' Mrokko. AufstandLvcrsuche in Fes. Paris, 12. Mai. Die Agence Havas meldet aus Fes vom K. Mai: Die Ernennung Zerautis zum Pascha der Stadt ist für notwendig erachtet worden zur Unterdrückung der von der Bevölkerung gemachten Versuche, sich zu empören, wie sie sich gestern bei dem Angriff der Aufrührer gezeigt haben. Mehrere Banden benutzten die Gelegenheit, um Läden zu plündern, wobei einige Personen getötet wurden. Der Wachsen hat energische Maßregeln ergriffen und namentlich die Wachtposten verstärkt. Die Aufrührer wiederholten durch Abgesandte ihre Bemühungen, die Abdankung Mulah Hafids durchzusetzen, wobei sie das Versprechen abgeben ließen, daß den Europäern kein Leid geschehen solle.'_ Beschleunigung des Marsches nach Fes. Paris, 13. Mai. In einem unter dem Vorsitz des Präsi- denten Falliöres abgehaltenen Mini st errat machte C r u p p i Mitteilung von Meldungen, die der französische Konsul in Fes unter dem 6. Mai abgesendet hat. Nach diesen Meldungen ist die Lage immer bedenklicher ge- worden. Ter Angriff am 4. Mai konnte nur mit Mühe abgeschlagen werden. Die Verbindungen mit dem Inneren werden alle Tage schwieriger. Lebensmittel und M u- n i t i o n werden knapp. Der Sultan hat noch einmal in dringendster Form schriftlich um die Unterstützung der französischen Truppen gebeten. Die Nachricht von der niilitärischen Intervention Frankreichs ist in Fes von der eingeborenen Bevölkerung, die sich in ihren Interessen ernst- lich bedroht fühlt, sowie von den europäischen Kolonien und den Mitgliedern des Machsen sehr freudig(?) aufgenommen worden. Der Ministerrat war der Ansicht, daß es unter diesen Umständen angezeigt sei, die schon früher dem General Moi- nier erteilten Weisungen zu bestätigen und ihm vorzu- schreiben, den Marsch der Hilfskolonne zu be- schleunigen, um Fes zu entsetzen, das nur für dieunbedingtnotwendigeZeitbesetztgehal- t e n werden soll. Im weiteren Verlauf des Ministerrates teilte Kriegs- minister B e r t e a u x Depeschen des Generals M o i n i e r vom 11. d. M. mit, wonach die fliegende Kolonne E l K n i t r a verlassen habe und auf der Höhe von Sidi Ayach in ein Gefecht mit einer Reitereiabteilung der Beni Hassen ver- wickelt worden sei. Tie Kolonne habe ihren Marsch fort- gesetzt. mnerika. Militaristische Agitation. Washington, 12. Mai. Generalstabschef Generalmajor Wood befürwortete in der Militärkommission des Repräsentantenhauses den Plan der Aufstellung ständiger Rcservekorps aus ausgedienten Soldaten und führte aus, die Armee müsse auf einer stärkeren Kriegsbasis stehen trotz der Ab- rüstungSbewegung; eine Abrüstung der Nationen sei ein Traum von Träumern. Wechsel im Kriegsministerium. Washington, 12. Mai. Der Staatssekretär des Krieges Dj ck i n s o n ist zurückgetreten. In einem Brief an Präsi- dciit Taft gibt Dickinson als Grund seines Rücktritts persönliche Geschäfte an. Taft hat das RücktrittSgesuch mit dem Ausdruck des Bedauerns angenommen. Zum Siachfolger Dickinsons ist S t i m. s o n, ein fortjchrittlicher Republikaner, ausersehen, der sich vor einiger Zeit um den Gouvcrneurposten in New Jork beworben hatte. Mexiko. Ausbreitung des Aufstandcs. Chihuahua, 12 Mai. Der ganze Distrikt von D u r a n g o und T o r r e o n mit den dazwischen gelegenen Orten befindet sich in einem an Anarchie grenzenden Zustande. Tie Aufständischen haben Torreon, Durango, Zacatecas und Parral umzingelt. Zweitausend Ausständische rücken gegen Chihuahua vor; eine bewaffnete Menge hat einen Vorort von Nombre de Dios angesichts der 1500 Mann starken Besatzung geplündert._ Freie Waffenzufuhr. Washington, 12. Mai. Nach einer Sitzung des Kabinetts wurde heute Oberst Stcever, der Kommandant von El Paso, von dem Staatssekretär des Krieges angewiesen, alle regelmätzigen Schiffs- ladungen, die das Zollhaus pastieren, zur Einfuhr nach Jua- rez zuzulassen. Dies bedeutet, daß das Militär die Zufuhr auch von Waffen. Munition oder Lebensmitteln, die im Zoll- Haus deklgriert werden, nicht hindern wird. Hiiö der Partei. „Die Sozialdemokratie, wie sie leibt und lebt." Die umangreich« Sammlung von Schmähschriften gegen die Sozialdemokratie ist um eine neue Rummer bereichert worden. Unter obigem Titel ist im Verlag von Otto Elsner, Berlin, eine Flugschrift erschienen, deren Verfasser sich„A r m i n i u s nennt, weil er sich vermutlich schämt, sein Machwerk mit seinem wirklichen Namen zu decken. Nach der Ncichsverbcmdspresse sind in der Schrift Aussprüche sozialdemokratischer Führer und Blätter zusammengestellt, also eine Art Zitatensack. Die„Deutsche Zei- tung" meint selbst, daß diese Aussprüche meist bekannt sind: weil sie aber übersichtlich zusammengestellt wurden, können sie im Wahl- kämpf gute Dienste leisten. Die Schrift ist zur Diassenverbreitung bestimmt und vermutlich werden die Wählermassen in der nächsten Zeit mit diesen aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten über- schlvcmmt werden._ Eine Erbschaft der geeinigten Partei. Ein in Los Angelos in Kalifornien ansässiger französischer Restaurateur. Victor Dolle, der kürzlich unter Hinterlassung eines großen Vermögens gestorben ist. hat der gceimgten französi- schen Partei ein Legat von 75 000 Frank vermacht, das der Partei- organisation von T o u l o n zugute kommen soll. Zur Verwendung des Legats in diesem Sinne bevollmächtigte den Genossen V a i l l a n t._ polizeiliches, Ocrichtlichca ufw. Wieder ein MajestStSbeleidigungSProzeß. Vor der 4. Strafkammer des Essener Landgerichts hatten sich am Freitag, den 12. Mai, die Genossen Adam Woicie- cho w s k i° Dortmund und Äiecislaus P i e rz i n s k i- Essen wegen angeblicher Masestätsbeieidigung zu verantworten. Dem Verfahren gegen die Genaimtei' lim nach der Anklage sol- gendcr Borgang zugrunde. Am 20. März 1910 fand im Restaurant Rauhbach in Esten eine Mitgliederversammlung der Essener Filiale der polsijch-soziqsdxWolxatifcheN stfiil» 3« dieser resericrke Genosse Woiciechotvski, der Sekretär der polnisch- sozmldemokratischen Partei im rheinisch-westfälischen Industrie- bezirk, über„Versicherungsfragen und Dynastie". Woiciechowski re- wrierte in polnischer Sprache. In seinen Ausführungen soll er sich der lNajestätsbeleidigung schuldig gemacht haben. Die Maje- stätsbeleidigung des zweiten Angeklagten wird in einem Zwischen- ruf gefunden. Das Bezeichnendste an dem Prozeß ist, wie die An- klage zustande kam. Vor der fraglichen Versammlung ließen sich zwei angebliche polnische Arbeiter in die Partei aufnehmen. Diese beiden angeblichen Arbeiter sind heute die Kronzeu- gen des Staatsanwalts und haben sich inzwischen als Bureaubeamter Student und Bureauvorsteher Mischltewitz entpuppt. Der Angeklagte Woiciechowski be- streitet aufs entschiedenste, die ihm zur Last gelegte Aeußerung getan zu haben, Pierzinski behauptet, überhaupt nicht an der fraglichen Versammlung teilgenommen zu haben. Meh- rere Versammlungsteilnehmer haben erklärt, daß die inkri- minierten Aeutzerungen nicht gefallen seien. Eigentümlich be- rührt die Behandlung der verschiedenen von dem Verteidiger R.-A. Frank I-Dortmund gestellten Anträge. Genosse Woiciechowski hatte die Ladung von 4 Zeugen beantragt, zu denen er schon vor der ftaglichen Versammlung geäußert hatte, er müsse sich in den polnischen Versammlungen in Essen sehr in acht nehmen, da sie zweifellos von Vertrauenspersonen der Polizei bespitzelt würden. Aus dieser Tatsache soll gefolgert werden, daß Woiziechowski schon deshalb in seinen Ausführungen vorsichtig war und sicherlich nicht eine solch klotzige Beleidigung aussprechen würde, wie sie von den Spitzeln behauptet wird. Der Antrag, die vier Zeugen zu laden, wurde abgelehnt. Ferner beantragte die Verteidigung die La-' dung des Essener Polizeipräsidenten, der bekunden sollte, daß sich die beiden Spitzel in die polnische Versammlung im Auftrage der Polizei eingeschlichen hatten und daß sie sich im gleichen Auftrage als Arbeiter in die polnisch-sozialdemokratische Partei aufnehmen ließen. Der Polizeipräsident werde die Richtigkeit dieser Behauptung bestätigen müssen. Die Ladung des Polizeipräsidenten wurde mit der Motivierung abgelehnt, daß es ohne Bedeutung für die Glaubwürdigkeit der Spitzel sei, auf welche Weise sie in die frag- liche Versammlung hineingekommen seien. Die Verhandlung fand unter völligem Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Aus der Beweisausnahme ver- dient hervorgehoben zu werden, daß im Gegensatz zu den beiden Spitzelzeugen zwölf Teilnehmer der fraglichen Versammlung eid- lich bestätigten, die inkriminierten Aeußerungen seien nicht ge- fallen. Bei Feststellung der Kenntnisse der polnischen Sprache der beiden Kronzeugen erklärte der gerichtliche Dolmetscher, daß die beide? Spitzel die polnische Sprache nur mangelhaft beherrschten und daß ein Irrtum dieser Zeugen bei der Uebersetzung nicht aus- geschlossen erscheine. Es wurde ferner festgestellt, daß beide Spitzel wegen Körperverletzung, der eine einmal, der andere viermal vor- bestraft sind. Für die Bespitzelung der fraglichen Versamnilung haben die beiden Herren je 150 M. von einem Königlichen Kriminalkommissar in Essen erhalten. Die Spitzel haben sich auch im Auftrage des- selben Kommissars in die Versammlung eingeschlichen. Der Staatsanwalt Leiße meint, daß gegen die Tätigkeit der Spitzel nichts einzuwenden sei. Auch seien diese uw- bedingt glaubwürdig, wohingegen bei den Entlastungszeugen be- rücksichtigt werden müsse, daß diese sämtlich zur Partei der Ange- klagten gehören. Der Staatsanwalt beantragte gegen Woiciechowski 7 Monate und gegen Pierzinski 4 Monate Gefängnis. Nach sieben- stündiger Beratungsdaucr verkündete der Vorsitzende folgendes Ur- teil: Das Gericht hat die Anwesenheit des Angeklagten Pierzinski in der Versammlung nicht für erwiesen erachtet; auch bezüglich des Angeklagten Woiciechowski hat das Gericht nicht für erwiesen er- achtet, daß die inkriminierten Worte gefallen sind. Trotzdem glaube das Gericht, daß die Belastungszeugen ihre Aussagen nach bestem Wissen getan haben. Bei den"dialektischen Verschiedenheiten nimmt das Gericht an, daß die Belastungszeugen in dem Dialekt der Ange- klagten nicht genügend bewandert waren. Unter den gegebenen Umständen hat das Gericht jedoch auf Freisprechung der An- geklagten erkannt und die Kosten der Staatskasse auferlegt. Der gerichtete Polizeibertcht. Als Wilhelm II. zur Zeit der Königsbcrger Gottesgnaden- Proklamation im August 1910 auch nach Danzig kam, antworteten unsere Genossen auf das byzantinische Delirium der bürgerlichen Hurrapresse mit einer Volksversammlung, in der Genosse Crispien über„Millionen für den König, Fußtritte für das Volk" sprach. Der Verlag der freifinnigen„Danzigcr Zeitung" lehnte als Pächter der Plakatsäulen in üblicher Praxis den Anschlag von Plakaten mit der Begründung ab, daß auf dem Polizeipräsidium nicht ge- wünscht werde, daß S. M. das Thema zufällig zu lesen bekomme. Nach verhältnismäßig langer Zeit wurde Ivcgen des Referats auf Grund des 8 110 des Strafgesetzbuches Anklage mit der Be- schuldigung erhoben, daß Crispien die Soldaten zum Ungehorsam und zum Bruch des Fahneneides aufgefordert habe. Er sollte außerdem die Genossen aufgefordert haben, die ihnen in Quartier legebcnen Soldaten mit dem sozialdemokratischen Gift zu infizieren, ö daß sie unzuverlässig würden. Besonders schwer rechnete ihm die Anklage das Schlußzitat des bekannten Hcrweghschen Gedichtes„Die Arbeiter an ihre Brüder" an, das mit den Worten«Wann stellt ihr Soldaten die Arbeit endlich ein?" schließt. Die Verhandlung erfolgte am 12. Mai vor der Danziger Strafkammer. Der Poltzeikommissar Flöhr erklärte, er habe sich nur die Stichworte notiert, die ihm besonders auffällig schienen. Am nächsten Tage schrieb er dann seinen Bericht im Zusammen- hange aus dem Gedächtnis. Bei der Verlesung dieses Berichtes machte der Vorsitzende sofort auf eine Anzahl schwerer logischer Irrtümer aufmerksam. Besonders ungünstig für den Angeklagten war darin die häufige Verwechselung des Begriffes Militarismus mit Militär. Der Verteidiger, Genosse H a a s e- Königsberg, be- wie» die Unmöglichkeit, in der Weise, wie es der Kommissar getan habe, mit einigen Schlagivorten den Inhalt einer mehr als ein- stündigen Rede sinngemäß wiederzugeben. Das Gericht kam zur Freisprechung. Das Gericht konnte zu keiner Verurteilung kommen auf Grund eines Berichtes, der iu zusammengedrängter Kürze sich nur auf besondere Stichworte stützte. Es müsse in solchen Fällen die stenographisch« Wiedergabe der gesamten Rede verlangen. Im Interesse einer größeren Rechtssicherheit kann nur dringend gewünscht werden, daß alle Gerichte sich auf den von der Danziger Strafkammer vertretenen Standpunkt stellen. Hoffentlich befolgt die Polizei ebenso den ihr gegebenen Rat, wenn sie schon Berichte aufnehmen will, dies« stenographisch herstellen zu lassen. Für die Staatsbürger würde,» damit eine Unmenge Scherereien solvic Zeit- und Geldopfer vermieden werden. Jugendbewegung. Dir Flucht ins Ausland. Ueberall regnen jetzt Strafmandate, Protokolle, Haussuchungen, Verhaftungen, Auflösungen usw. auf unsere Jugendbewegung, die irotzalledem rüstig wester marschiert. Daß es bei diesem Polizei- kämpf auch manchmal recht humoristisch zugeht, und die jungen Arbeiter oft schlauer sind wie die Polizei, zeigt wieder ein heiteres Vorkommnis in Naumburg an der Saale, das ja bekanntlich auch im Bereich der preußischen Polizei liegt. Auch hier hat die heilige Hermandad schon alles versucht, um die freie Jugendbewegung niederzuzwingen und zu vernichten, und wie fast überall, hat inan auch hier den Jugendbildungsverein„aus- gelöst". Aber mit dieser Auflösung ist die Polizei schwer herein- gefallen, denn zählte die„Arbeiter-Jugend" in der Auslösung nur 34 Abonnenten, so waren es kurz nach ihr schon 127, und diese Zahl steigt beständig. Vergangenen«onntag nun wollten unsere jungen Naumburger Freunde eine Werbeversammlung abhalte», in der Jugend- genpsie TbMLi- LvsgÜvgSe ssereitte öder Freie Fugeitd" sprechen sollke. �n der gul besuchten Versammlung erschienen kurz vor Beginn neun Polizeibeamte, darunter ein Kriminalbeamter, wovon zwei im Lokale blieben, während sich die andern sieben vor dem Eingange postierten. Ein Polizeikommissar verlangte sofort die Entfernung aller Jugendlichen unter 18 Jahren, widrigenfalls er die Versamm- lung auflösen würde. Grund dazu hätte die Polizei„in ihrer Anschauung über die Jugendorganisation". Obwohl nun der Refe* rent ausdrücklich erklärte, daß er nicht beabsichtige, auch nur im entferntesten auf das Gebiet der Politik einzugehen, blieb der Beamte bei seinem gesetzwidrigen Verhalten und löste, als der Vorsitzende schließlich einfach dem Redner das Wort erteilte, die Versammlung unter allgemeinem Protest auf. Alle anwesender» Jugendlichen unter 18 Jahren wurden nun von den neun Polizei» beamten angehalten, um ihre Personalien festzustellen. Wenn aber die Polizei geglaubt hatte, sie hätte ihren Zweck er» reicht, so war sie ordentlich hereingefallen, denn nun veranstalteten unsere jungen Freunde flugs einen Ausflug ins„Ausland", nach Sachsen-Meiningen, wo dann die Versammlung ungestört stattfinden sollte. Schnell marschierte die junge Schar unter Be- gleitung von drei Polizeibeamten bis an die Grenze, die man»it etwa einer Stunde erreichte. Hier mußten die Polizeibeamten wohl oder übel umkehren, denn in Sachsen-Meinigen hat die preußische Polizei bekanntlich„nix to seggen". Hocherfreut über den wohlgelungenen Plan ging man»n elne schön und idyllisch gelegene Schlucht, wo dann im„Ausland", mitten in der freien Natur die Versammlung abgehalten wurde, die im „Vaterlande" durch die Polizei unmöglich gemacht worden war. Selbstverständlich fand hierbei Genosse Stoecker, der nicht nur die Polizeiunterdrückung, sondern auch das verräterische Treiben der Jünglingsvereine auf das schärfste brandmarkte, stürmischen Beifall, und begeistert beschlossen alle Jugendgenossen und -genossinnen, nun erst recht mit allen Kräften für die freie Jugend- bewegung einzutreten.. Abends gings dann lustig wieder heim ins Vaterland, wo d»e liebe Polizei hoffentlich bald einsehen wird, daß der proletarischen JugenMSeguvg mit.Polizeifäusten nicht beizukommen ist. Soziales. Von der Sauberkeit in manche» Bäckereien. Als am Donnerstag, den 4. dieses Monats, der Bäcker» meister Rieseberg sich im Reichstage bitter darüber beklagte, daß die deutschen Bäckermeister trotz ihrer peinlichen Sauberkeit durch die Maßnahmen der Bäckereiverordnung in ihren Betrieben un- nötig drangsaliert würden und durch diese Bäckereiverordnung nur „ein Vernichtungskrieg gegen das Handwerk" geführt werde, da: hatte das am Tage vorher am 3. Mai erschienene Heft 18 des 35. Jahrganges der„Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesund» heitsamtes" eine Reihe gerichtlicher Urteile gebracht, durch die fest- gestellt worden war, daß die Sauberkeit und Gewissenhaftigkeit mancher Bäckermeister noch recht sehr zu wünschen läßt. Wie führen im folgenden nur drei dieser gerichtlichen Urteile an.. Urteil des Landgerichts Glatz vom 11. März 1908: Der Bäcker. meister B. hat, wie er auch einräumt, wiederholt beim Backen voni Pfannkuchen die Hitze des zum Backen verwendeten Fettes dadurch geprüft, daß er zwischen den Zähnen einen kleinen Tropfew Speichel hervorstieß und auf das Fett fallen ließ, um zu hören, ob es zischen werde. Die mit diesem Fett gebackenen Genuß- bezw. Nahrungsmittel müssen als verdorben bezeichnet werden, denn das Hineinspucken in das Pfannkuchensett ist zweifellos ekel» erregend, u»»d die mit solchem Fett gebackenen Pfannkuchen sind geeignet, Ekelvorstellungen bei den Konsumenten zu erwecken. Dia Pfannkuchen sind unter Verfchwetgung der Art, wie das zum Backen benutzte Fett auf den Grad seiner Hitze geprüft worder» war, mit Wissen und Willen des Angeklagten verkauft worden- Das Berufungsgericht erachtete die vom Schöffengericht verhängte Geldstrafe nach Art und Höhe für ungenügend und erkannte auf eine Woche Gefängnis, ovdnete auch auf Grund des§ 13 des Nahrungsmittelgesetzes die Bekanntmachung der Verurteilung an« (Veröffentlichungen des Kaiserl. Gesundheitsamtes, i 25. Jahrg. Nr. 18 v. 3. 6. 11.) i Urteil des Landgerichts Köln vom 10. 1. 07 wid«r den Backe« meister W.— Beim Backen der Berliner Pfannkuchen und Matze. niandeln werden die Teigklöhe in einen Topf mit geschinolzenca» Fett gelegt. Dieses Fett muß die Siedehitze erreicht haben. Um festzustellen, ob die nötige Hitze erreicht ist, wird Wasser in daS Fett gespritzt. Wenn der Angeklagte die Kuchen und Mandeln buk. stand gewöhnlich ein Wasserbehälter neben dem Fetttopf auf dem Tische, uin Wasser zum Spritzen zu haben. Nun sagt K. mit aller Bestimmtheit, er habe öfter gesehen, daß der Angeklagte, statt Wasser aus dem Eimer in den Fettopf zu spritzen, in diesen ge» spuckt habe. Diese Angabe ist durch das glaubbafte Zeugnis eines Schülers, welcher bisweilen in die W.'sche Backstube kain, bestätigt und danach als festgestellt angesehen worden. Es bvaucht nicht erörtert zu werden, ob etwas von dem Speichel in die Backwaren gelangte. Niemand wird Backwaren essen, die in Fett gebacken sind, in das jemand anders gespuckt hat. Jedermann wird solche Backlvarcn als ekelerregend von sich weisen. Damit ist der Begriff des Verderbens im Sinne des§ 10 des Nahrungsmittelgesetzes festgestellt. Der Angeklagte hat diese verdorbenen Backwaren später in seinem Laden verkaust. Er handelte aus Bequemlichkeit in einer schlechten Angewöhnung. Es wurde deshalb auf die Berufung der Staatsanwaltschaft das freisprechende Urteil des Schöffengerichts aufgehoben und W. wegen Vergehens gegen 8 IG deS Nahrungsmittelgesetzes zu 200 M. Geldstrafe verurteilt. • Urteil des Landgerichts Magdeburg vom 3. 9. 06 widefc den Bäckermeister M.— Im Oktober 1905 stellte M. ein geschlossenes Faß Margarine unter eine schadhafte, den Regen uicku völlig ab» haltende lleberdachung des Hofes, kratzte darauf Ende 1006 die mit einer großen Anzahl grüner Schimmelflecke bedeckte Oberfläche der Margarine qb und tat die abgekratzte Margarine in die zum Backen von Pfannkuchen bestimmte Pfanne, in der sich schon anderes Fett befand. Nach den» Gutachten des Dr. B. und des Dr. K. läßt sich nicht feststellen, daß die schimmeligen Marga» nneteile ranzig waren, also Buttersäure enthielten, und wären nur in diesem Falle die mit jener Margarine gebackenen Pfann» kuchen durch ihren Genuß die menschliche Gesundheit zu schädigeir geeignet gewesen. Eine Feststellung aus 8 IG des Nahrungsmittel» gesetzes ließ sich deshalb gegen den Angeklagten nicht treffen. Wohl aber waren die mit der verschimmelten Margarine vom An» geklagten hergestellten und verkauften Pfannkuchen als verdorben! anzusprechen: denn wenn, wie die Sachverständigen begutachtet haben, die Schimmelpilze auch durch den Backprozeß abgetötet werden, so werden sie dach dadurch nicht entfernt. Margarine mit Schimmelpilzen ist nach dem unbedenklichen Gutachten der Sach. verständigen widerlich verunreinigtes und infolgedessen zum Ge» nusse für Menschen ungeeignetes Fett,»ind das entspricht auch der allgemein herrschenden Ansicht. Ist aber die Margarine verdorben,' so sind es auch die mit ihr hergestellten Pfannkuchen; denn auch diese weisen infolge der in sie übergegangenen verdorbenen Margarine eine Veränderung des normalen Zustandes auf, die sie nach allgemeiner Ansicht zum Genüsse für Menschen ungeeignet macht. Mit Rücksicht auf diese allgemein herrschende Ansicht war das Wissen des Angeklagten von der verdorbenen Beschaffenheit der schimmeligen Margarine und der damit hergestellten Pfannkuchen iin bedenklich festzustellen. Ebenso unbedenklich war uacki Lage der Sache festzustellen, daß der Angeklagte die Pfannkuchen verkauft. hat. ohne den Käufern mitzuteilen, daß zu ibrer Herstellung ver- dorbene Margarine verwendet war. trotzdem dies äußerlich nicht erkennbar war. Der Angeklagte hat also die verdorbene Beschaffen, heit verschwiege» und wurde hxhalb wegen Vergehens gegen§ 10* m NahrungMittMesetzes»u, HO W. AeldsiGk«tMtcstt. Gcwerkfcbaftlicbea. Dev Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter im Jabre<910. 9 Der vorliegende Jahresabschluß des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter zeigt in allen Details ein recht erfreuliches Bild. liv Filialen mit 39 262 Mitgliedern stehen den am Jahresschluß 1909 vorhandenen 132 Zahlstellen mit 32 488 Mitgliedern gegen- über, was einen Zuwachs von 6774 Mitgliedern bedeutet. Lohnbewegungen ohne Arbeitseinstellungen fanden im Berichts- jähre an 124 Orten und für 731 Betriebe mit 71 213 Beteiligten statt. Die Erfolge dieser Bewegungen ergaben eine Verkürzung der Arbeitszeit für 5374 Personen pro Woche um 24 492 Stunden oder pro Kopf 4,54 Stunden. Die erwirkte Lohnerhöhung bezifferte sich auf 27 851,83 M. pro Woche für 29 294 Personen; mithin pro Kopf und pro Woche auf 1,38 M. Daneben wurde noch ein Lohnaufschlag bei Ueberstunden für 5195 Personen und ein solcher bei Sonn- und Fciertagsarbeit für 5152 Beteiligte erzielt. Erhöhte Bezahlung der Nachtarbeit trat für 4689 Beschäftigte ein. Außerdem wurden noch sonstige Erfolge, wie Gewährung von Sommerurlaub, Zahlung der Differenz zwischen Lohn und Krankengeld, Pensionsberechti- gung usw. für 12 789 Personen erreicht. Angriffsstreiks fanden im Jahre 1919 vier statt mit 177 Beteiligten. Erfolglos endeten 2 Streiks mit 65 Beteiligten, während ein Streik mit vollem Erfolg und einer mit tcilweisem Erfolg abgeschlossen wurde. Abwehr- strciks waren 2 zu verzeichnen, wovon einer teilweise erfolgreich war, die zweite Aktion war am Jahresschluß noch nicht erledigt. In dem ersten Fall war das Resultat eine Verkürzung der Ar- beitszeit für 398 Beschäftigte um 154 Stunden pro Woche und eine Lohnerhöhung von 594 Vi. pro Woche, an welcher 339 Personen partizipierten. Zwei der Angriffsstreiks zogen noch eine Aus- sperrung nach sich, wovon 29 Personen betroffen wurden. Der Abschluß von Tarifverträgen wurde in 6 Fällen für 369 Personen erzielt. Die Gesamtaufwendungen für alle Lohnbewegungen be- trugen 59 973 M. Die Gesamteinnahmen des Verbandes betrugen 814 736 M., die Ausgaben 674 318 M. Von letzteren entfielen auf Streikunterstützung 38 485 M., Gemaßregeltenunterstützung und Rechtsschutz 9495 M., Sterbeunterstützung 29 568 M., Erwerbslosenunterstützung(Arbeitslosen- und Krankenunterstützung) aus der Hauptkasse 114 772 M., während die Filialen 39 279 M. zahlten, ins- gesamt mithin 145 951 M. Das Gesamtdermögen bezifferte sich am Schlüsse des Rechnungsjahres 1919 auf 467 196 M. ßcrlin und Umgegend« Die streikenden GaSmesserklempner hielten gestern vormittag wiederum eine Versammlung ab. Die Lage ist, wie der Verbands- Vertreter Dietrich berichtete, unverändert und durchaus günstig für die Streikenden. Von Verhandlungen verlautet bisher nichts und die Streikenden haben keine Veranlassung, an die Unternehmer -heranzutreten. Die Wirkungen des Streiks zeigen sich auch darin, daß in verschiedenen Betrieben für die Hilfsarbeiter und die Lackierer keine Arbeit mehr vorhanden ist. Die Unternehmer wären schon weit mehr in Verlegenheit geraten, wenn nicht die Stadt auf ihr Ersuchen die Lieferungssristen verlängert hätte. So be- dauerlich es ist, daß die Stadt in diesem Kampf Partei für die Unternehmer ergreift, so kann doch auch das die Streikenden in keiner Weise wankelmütig machen. Die Firma Bessin droht durch ihren Rechtsanwalt ihren älteren streikenden Gasmesserklempnern, die einen besonderen Arbeitskontrakt abgeschlossen halten, mir Schadenersatzklagen, wenn sie binnen 24 Stunden die Arbeit nicht wieder aufnehmen wollten. Es ist klar, daß eS der Firma weit weniger um etwaigen Schadenersatz, als vielmehr darum zu tun ist, daß die Arbeit wieder aufgenommen wird. Die Streikenden, die die Schreiben des Rechtsanwalts erhielten, haben es jedoch einmütig abgelehnt, auf die Zumutung einzugehen. Sie sehen der Klage in oller Ruhe entgegen. Der Kampf wird auf der ganzen Linie mit aller Kraft fortgesetzt. Achtung, Schilderbranche! Wir machen darauf aufmerksam, daß die Firnia Polenz G. m. b. H., Schönhauser Allee 34, immer noch als gesperrt zu betrachten ist. Daß es der Firma an einge- richteten Leuten mangelt, beweist, daß sie den Anmachern Streik- arbeit zumutet, indem dieselben bei Gastwirten, welche Anschrif- ten benötigen, Anstreichcrarbeiten verrichten. Oder mangelt es an Arbeiten zum Anmachen? Nun, auch das ist der Beweis, daß der Betrieb ins Stocken geraten ist. Die Sperre hat also bereits ihre Wirkung getan, trotz Schikanierung der Streikposten. Wir er- suchen, die Sperre nach wie vor streng zu beachten! Verband der Porzellanarbeiter. Zahlstelle Berlin. Der Jahresbericht des Gauvereins Berlin vom Verband der Deutschen Buchdrucker gelangt soeben zur Ausgabe. In Hinblick auf die bevorstehende Tarifrevision bringt der Bericht viel statisti- sches Material über Ueberstundenwcsen, Arbeitslosigkeit, Arbeits- losenunterstützung, Erhebungen betreffend die Lage der Wohnungen bezw. Wohnorte und der Arbeitsstätten der Berliner Gehilfenschaft, über Lehrlingshaltung und Ferienbewilligungen— eine fleißige Arbeit, die für die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage der Ber- liner Buchdrucker klare Auskunst gibt. Der Mitgliederstand im Gau war am Schlüsse des Berichtsjahres 11 221. Im Jahresdurch- schnitt waren arbeitslos 6)4 Proz., krank 4)4 Proz. der Mitglieder. Für die Arbeitslosenunterstützung wandte der Gau in den letzten Jahren durchschnittlich die Hälfte seiner gesamten Einnahmen auf <1919: 117 682,59 M.), unter Hinzurechnung der Krankenunter- stützung 69 Proz., im Jahre 1991 sogar 95 Proz. Diese Zahlen bilden eine treffliche Illustration zu dem scharfmacherischen Ge- flunker von der„Verschirendung der Arbeitergroschen". Der Ueberstunden- und Sonntagsarbeit sind fünf erläuternde Tabellen ge- widmet, worin die Beteiligung der einzelnen Sparten(Handsetzer, Maschinensetzer, Korrektoren, Drucker, Stereotypeure, Gießer) sowie der Lehrlinge nachgewiesen ist. Die Ueberswndenzahl ist gegen- über einer Statistik vom Jahre 1993 bei den Hand- und Maschinen- setzern gestiegen, bei den Druckern etwas verringert, ebenso bei den Lehrlingen. Betreffs der Sonntagsarbeit ist allerdings zu beachten, daß diese in der Hauptsache auf die Herstellung der Montagsmorgen- blätter zurückzuführen ist. Die Lehrlingsstatistik weist nach, daß 379 Druckereien mit 9314 Gehilfen 1451 Lehrlinge halten, im Durchschnitt auf eine Druckerei 3,9 Lehrlinge und auf 6,4 Gehilfen ein Lehrling. 72 Druckereien mit 1132 Gehilfen beschäftigen über- Haupt keine Lehrlinge. Aus der Ferienstatistik wollen wir noch er- wähnen, daß in 146 Druckereien mit 5841 Gehilfen. 3599 derselben Ferien erhallen haben. Das örtliche Tarifschiedsgericht erledigte 215 Klagen; 16 Fülle wurden an das Gewerbegericht, 2 Fälle an das Tarifamt der Buchdrucker verwiesen. Schließlich wollen wir noch eine Stelle aus dem Bericht wiedergeben, die sich mit dem Ver- bältnis der Prinzipals zur Gehilfenschast befaßt. Es heißt da: „Heber was wir in dem Berichtsjahre sehr oft Klage führen mußten. war die bedauerliche Tatsache, daß namentlich Großbetriebe be- stehende bessere Arbeitsbedingungen zum Schaden der Gehilfen aufgehoben haben. Hier handelte es sich namentlich um Vergünsti- gungen bei den Pausen und bei der Ueberarbeit, Rückschraubung der Löhne, namentlich bei Spezialmaschinen, sowie Entziehung von Vorteilen, die früher den Berechnern anstandslos gegeben wurden. Auch die Anrufung der Instanzen konnte hierbei nichts ändern. Der- artige kleinliche Mittel, die die Gehilfenschast stark erbitterten, zeugten von wenig gewerblicher Klugheit der Prinzipale." An die organisierte Arbeiterschaft Grosi-Berlins. Hiermit machen wir auf wiederholte Anregungen darauf auf- merksam. daß die im Deutschen Transportarbeiterverband organisierten Kutscher. Mitfahrer und Kellerarbeiter aus den Mineralwasserfabriken zwecks Ausweisung über ihre Zugehörigkeit zur Organisation im Besitz einer Legitimationskarte sind, deren Farbe in diesem Jahre �Berantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. In jeratenteil vergntw, rosa ist. Diese Karte, welche die Aufschrift des Verbandes sowie den Namen des Mitgliedes und Nummer sowie Eintrittsdatum ent- hält, wird allmonatlich abgestempelt. Nur wer im Besitz einer solchen Legitimationskarte ist, kann als Mitglied des genanmen Ver- Höndes angesehen werden. Diejenigen, welche sich über die Organi- sationszugebörigkeit nicht ausweisen können, sind in geeigneter Form auf ihre Pflicht hinzuweisen. Die in den Lager-, Malz-, Weiß- und Jungbierbrauereien Beschäftigten stehen sämtlich in einem Tarifvcrtragsverhältnis, während die Kutscher und Mitfahrer usw. in den Mineralwasser- und Bierverlag-Betricben nur zum Teil geregelte Lohn- und Arbeits- Verhältnisse haben. In dieser Branche sind die Kleinbetriebe noch vorherrschend, deren Einrichtungen in hhgienischer Beziehung sehr zu wünschen übrig lassen, auch den berechtigten Forderungen der Arbeiter oftmals feindlich gegenüber stehen. Ein Verzeichnis derjenigen Betriebe, in denen die Lohn- und Arbeitsbedingungen der in Frage Kommenden geregelt sind, wird auf Verlangen an die beteiligten Kreise der Konsumenten. Saal- und Lokalbesitzer sowie Kantinen und Konsumvereine kostenlos ab- gegeben. Die Mitglieder des genannten Verbandes wollen besonders auf die Legitimationskarte und die Firmen achten, die bewilligt haben. Die Branchenleitnng der Mineralwasserarbeiter und-Kutscher des Deutschen Transportarbeiter-Verbandes. Achtung, Lederarbeiter! In der Feinleder-Fabrik von Fritz, Köpenicker Straße 21, ist der Vertrauensmann gemaßregelt worden. Sämtliche Kollegen erklärten sich mit demselben solidarisch. Darauf- hin wurden sie entlassen. Zuzug ist fernzuhalten. Verband der Lederarbeiter. Oeutfcbes Reich. Der Streik der Transportarbeiter in Barmen und Elberfeld ist nach zehntägiger Dauer durch Einigungsverhandlungen vor dem Barmer Einigungsamt beigelegt worden. In allen vom Streik be- troffenen Betrieben ist die Arbeit am 12. Mai wieder aufgenommen worden. Es ist eine Vereinbarung auf drei Jahre abgeschlossen worden. Der Mindestlohn für Transportarbeiter beträgt vom 12. Mai ab 26 M. für die Woche und steigt am 12. Mai 1912 auf 26,75 M. und am 12. Mai 1913 auf 27,59 M. Die Arbeitszeit ist für das Sommerhalbjahr aus 12 Stunden und für das Winter- Halbjahr auf 11 Stunden täglich festgelegt worden. Auch wurden Vereinbarungen getroffen über die Bezahlung der Ueberarbeit, Sonntagsarbeit, Mittagsarbeit und der Feiertage, die auf eine» Wochentag fallen, und der Kündigungsfristen. Bisher betrug die tägliche Arbeitszeit im Durchschnitt vierzehn Stunden und der Wochenlohn 24 M. Die Ueberarbeit wurde in den seltensten Fällen und die SonntagSarbeit unzureichend bezahlt. Erreicht wurde durch die Bewegung eine Verkürzung der Ar- beitszeit von 2,/.2 Stunden täglich oder 15 Stunden wöchentlich und eine sofortige Lohnzulage von durchschnittlich 2 M, pro Woche, dazu die Lohnsteigerungen im Jahre 1912 und 1913 und eine bessere Be- zahlung der Ueber-, Sonntags- und Mittagsarbeit. Durch dielen Vertrag sind geregelte Lohn- und Arbeitsverhält- nisse für das Transportgewcrbe der beiden Wupperstädte geschaffen worden. Früher setzten die Unternehmer willkürlich die Löhne und die Arbeitszeit fest. Diese Willkürherrschast ist durch den Vertrags- abschluß radikal beseitigt worden. Die streikenden Mitglieder des Transportarbeiterverbandes haben durch ihren Lohnkampf einen schönen Erfolg erzielt. Borsicht! Streikbrecheragenten. Nach vierwöchigem Streik hat sich die Firma Herbrand u. Eie., Waggonfabrik in Köln- Ehrenfeld, entschlossen, die Tore ihrer Fabrik am Montag, den 15. Mai, für Arbeitswillige zu öffnen. Da auö den Reihen der Streikenden keine Arbeitswilligen zu erwarten sind, so hat sich die Firma an die verschiedensten Streikbrecherbureaus Deutschlands ge- wandt. Gleichzeitig hat sie aber auch selbst noch einige Agenten losgeschickt, die Arbeitswillige anwerben sollen. Wir ersuchen des- halb alle Arbeiter, Zuzug streng fernzuhalten. In Betracht kommen gelernte und ungelernte Metallarbeiter, Holzarbeiter, Maler und Sattler. Alle Meldungen über Streikbrecherinserate oder Agenten sind zu richten an August Haas, Köln a. Rh., Severinstr. 197—99. _ Die Streikleitung. Zur Aussperrung der Steinsetzer im Regierungsbezirk Merseburg. Seit neun Wochen sind 349 Steinsetzer ausgesperrt, weil sie eine Lohnerhöhung verlangten und sich dann weigerten, aus dem Verbände auszutreten und Streikbrecherarbeit zu leisten. Die Unter- nehmer lehnten, nachdem die Verhandlungen am 18. April gescheitert waren, jede weitere Verhandlung ab, auch eine solche vor dem Ge- Werbegericht in Halle. Ebenso wollten sie von einem aus Berufs- Personen der angrenzenden Bezirke zusammengesetzten Schiedsgericht nichts wissen; sicher nur deshalb, weil in den angrenzenden Bezirken um 3—12 Pf. höhere Stundenlöhne bezahlt werden als im Aussperrungs- gebiet. Die Unternehmer sagen: die Aussperrung könne ruhig einige Jahre dauern. Diese Prahlerei können sie sich nur leisten, weil sie die ausgedehnteste Berücksichtigung durch die Behörden haben. Seit Wochen lassen sie die Dürrenberger Chaussee halb fertig liegen. Ein Chausseeaufseher wollte durch Androhung der Arbeitsentziehung einen Unternehmer zwingen, einige organisierte Steinsetzer zu ent- lassen. Auch in Q n e r f u r t und in Halle haben die Behörden das größte Nachsehen bei nicht fertigen Pflasterarbciten. In Hettstedt vertrieben Bürgermeister und Wegebaumeister die Streikposten nicht nur von Baustellen, sondern auch von ungcsperrten Straßen. Tie Ausgesperrten lehnten das Angebot der Unternehmer, zu den alten Bedingungen die Arbeit aufzunehmen, in einer Bezirks- konferenz und in den Zahlstellenversammlungen in geheimer Abstim- mung einstimmig ab. Der Zentralvorstand deS Stcinsetzerverbandes hat den Ausgesperrten jetzt für die kommenden Mietzinszahlungen erhebliche Uuterstützungen zugesichert. Die Unternehmer haben bisher im ganzen 51 Streikbrecher zusammengebracht. Zuzug muß aufs strengste ferngehalten werden._ Die Dresdener Droschkcnchauffenre sind am 12. Mai einmütig in den Streik eingetreten. Der Betrieb ruht vollständig. Die Ge- sellschaft versucht, auf alle mögliche Weise Streikbrecher heranzuziehen und hat zu diesem Zwecke einen Werkmeister auf die Arbeitswilligen- suche geschickt. Die Direktion will nur mit einer Kommission ver- handeln. Die Streikenden lehnen dies ab. Sie sind der Meinung. daß nur ein Tarifvertrag mit dem Verbände endlich Ordnung in ihre Lohn- und Arbeitsverhältnisse bringen kann. Die Situation liegt für die Streikenden günstig und wird dringend ersucht, Zuzug nach Dresden fernzuhalten.— Alle arbeiterfreundlicheu Blätter werden um Abdruck ersucht._ Beendeter Strasicnbahnerstreik in Bremen. Eine am Freitagmorgen abgehaltene Versammlung der Streikenden, die von Rahtmann- Berlin geleitet wurde, beschloß wie schon telegraphisch gemeldet, den Streik abzubrechen und die Arbeit bedingungslos wieder aufzunehmen. Der Streik hat also nur drei Tage gedauert. Die Ursachen für das Scheitern der Beendigung sind zum großen Teil in der Lauheit der Angestellten selbst zu suchen. Bereits am ersten Tage gingen Leute, die den Streik gewollt hatten, wieder in den Betrieb. Mit jedem weiteren Tage wiederholte sich dieses Schausviel. Am Donnerstag beschloß eine von 279 Srreikendcn besuchte Ver- sammlung, die Bewegung fortzuführen. Trotzdem ging gleich darauf ein großer Teil wieder in den Dienst. Aber diese Ursache des Mißerfolges war schließlich nur die Folge einer UnterlassungS- sünde der Ortsvcrwaltung. Sie hätte eS nicht zum Streik kommen lassen dürfen. Sie hat allerdings in ihrer entscheidenden Versamm- lung erklärt, daß die Situation ungünstig sei und der Haupt- vorstand die Genehmigung versage; aber wenn sie das wußte Tb. Glocke. Berün. Druck u. Mr lag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsaustast und die Einsicht hatte, daß ein Erfolg nicht zu erwarten stand. wäre es doch besser gewesen, gegen den Willen der Mrtglwder einen Streikbeschluß zu verhindern. Es wurde jetzt den Mitgliedern empfohlen, möglichst zuzusehen, daß alle wieder in den Betrieb kommen. Es steht aber zu befürchten, daß zirka 79—199 Mann auf der Strecke bleiben. Die Straßenbahn, welche seit Dienslag nur bis abends 8 Uhr fuhr, wird spätestens Sonnabend den Betrieb m vollem Umfange wieder aufnehmen. Ausland. Eine internationale Kartellkommission der Bauunternehmer tagte dieser Tage in Wien. Vertreten waren die„Arbeitgeber"ver!- bände Oesterreichs, Deutschlands, Ungarns und der Schweiz. Die Einigkeit zur Abwehr unberechtigter Ansprüche der Arbeiter- organisationen war vollständig. Im Oktober ist internationaler Bauarbeitgeberkongreß in Rom, die Kartellkommission sitzt im März 1912 in Zürich.- Der Tarifkamps der Lithographen, Stcindrucker und deren Hilfsarbeiter in Böhmen dauert bereits seit Ansang Dezember. Die tschechische separatistische Gehilfenorganisation„LuHograficka Be-- seda", Sitz Prag, die dem internationalen Bund der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe nicht angehört, hat zwar mit den Unternehmern für das tschechische Gebiet einen Tarif ab- geschlossen, aber bei den deutsch-böhmischen Gehilfen, die im Oester- reichischen Verband der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe(Senefelderbund) organisiert sind, dauert der Streik fort. Ein großer Teil der Druckereibetricbe ist dadurch vollständig brach- gelegt worden und ein sehr großer Teil laufender Aufträge sind für immer verloren, die Arbeiten werden teils in Buchdruck, teils im Ausland hergestellt. Jetzt hat die Leitung des österreichischen Gehilfenverbandes be- schlössen, eine tariflose Zeit eintreten zu lassen und ihren Mit- gliedern freigestellt, die Arbeit auf Grundlage der Arbeitsbedingun- gen des Prager Tarifes aufzunehmen, ohne aber daß diescr Tarif für sie Rechtskraft haben soll. Bei Antritt der Arbeit soll aber jeder Gehilfe sowie auch das Hilfspersonal eine Erhöhung des Wochenlohnes vereinbaren; bei den gelernten Gehilfen soll die Zulage mindestens 2 Kronen wöchentlich be- tragen. Ferner soll die Zeit der Aussperrung in die frühere Kon- ditionsdauer eingerechnet werden, damit die Gehilfen des Urlaubs nicht verlustig gehen. Streikarbeit für andere Betriebe sollen aber die wieder in Arbeit tretenden Gehilfen unter keinen Umständen machen. Auf Grund dieser Bestimmungen wurde bereits in einigen Betrieben die Arbeit aufgenommen, während in jenen Firmen, die diese Bestimmungen nicht anerkennen wollen, der Kampf mit aller Schärfe weitergeführt werden soll. Das veranlatzte den Verein der Steindruckereibesitzer von Böh- men, Mähren und Schlesien zu folgendem Beschluß, der an samt- liehe Druckereibesitzer versandt wurde: „Nachdem wir im Interesse der Solidarität nicht zulassen können, daß einzelne Betriebe von der Wiederaufnahme der Ar- bcit durch die Zentrale, bezw. Ortsgruppenleitung des„Sene- felderbundes" ausgeschlossen werden, hat die Tarifkonimission einmütig nachstehenden Beschlutz gefaßt: Wenn nicht bis läng- stens zum 15. Mai d. I. in sämtlichen dem Vereine der Steindruckereibesitzer in Böhmen, Mähren und Schlesien ange- hörigen Betrieben die Arbeit zum Beseda-Tarif angetreten wird, müßten jene Mitglieder des„Senefelderoundes", welchen seitens desselben freigestellt wurde, unverbindlich auf Grund des mit der„Litograficka Beseda" abgeschlossenen Tarifes die Arbeit auf- zunehmen, wiederum gekündigt werden." Hierauf bezugnehmend fordert die Leitung des Gehilfcnver- bandes„Oesterreichischer Senefelderbund" die Gehilfen auf, sich durch diese Drohung nicht irre machen zu lassen, sondern nur genau ihten Weisungen zu folgen. Nur unter den oben skizzierten Be- dingungen dürfe die Arbeit aufgenommen werden, und wenn die Steindruckereibesitzer ihre Drohung zur Tat werden lassen und eine abermalige Aussperrung versuchen würden, so würde der Oester- reichische Senefelderbund die Antwort nicht schuldig bleiben» Ter Maurerstrcik in Madrid. Aus Madrid wird uns vom 10. d. Mts. geschrieben: Bis jetzt haben nur drei Unternehmer die neuen Bedingungen der Maurer angenommen. Die Unternehmer suchen Arbeitswillige in den Pro« vinzen und weigern sich, das Maurersyndikat anzuerkennen. Sie wollen nur mit den Arbeitern persönlich verhandeln. Die Regierung hat erlauht, daß der Untersekreiär des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten als Rechtsbeiftand die Sache der Unternehmer vertritt. Unter diesen Umständen hat das Maurersvndikat einstimmig mit den anderen Gewerkschaften des Baufaches beschlossen, in den General» streik einzutreten, sobald Zeit und Umstände hierfür günstig er« scheinen. Alle anderen Gewerkschaften sollen verpflichtet sein. in. der Weise zu helfen, die sie für geeignet erachten. Von allen spanischen Maurern wird wöchentlich ein außergewöhnlicher Beitrag von 1 Peseta erhoben._ Letzte JVachricbten. Maderos Armee meutert.->- Juarez, 13. Mai.(W. T. B.) Eine Empörung in MädcroS Armee brach bei den Streitkräften OrozcoS' aus. Orozcos über- nahm selbst die Führung. Madero wurde für verhaftet erklärt. Die Forderung der Meuterer, daß das provisorische Kabinett zurück- trete, wurde angenommen. Zwei Stunden lang drohte eine völlige Auflösung der Armee in Juarez und heute vormittag war große Aufregung im Hauptquartier Maderos bemerkbar. General Orozcos und andere verhandelten lebhaft mit Madero. Es wird gemeldet, die Rebellen verlangten das Leben Na- varros, welcher bei vielen Aufständischen wegen angeblicher Grau- samkeiten in früheren Schlachten verhaßt ist. Außerdem wurde Madero um Geld und Nahrungsmittel für die völlig zerlumpten und hungrigen Soldaten angegangen. Madero war nicht imstande, die Forderungen sofort zu erfüllen. Die Sache wurde aber später beigelegt, da Madero versprach, den dringendsten Bedürfnissen der Soldaten abzuhelfen._ Von der Höhe unserer Kultur. Bayreuth, 13. Mai 1911. Das oberfränkische Schwurgericht verurteilte den Schwellenhauer Dremel aus Lauf wegen Raub- mordes, den er am 31. Mai 1919 an den Mühlenbesitzer Neubauer in Rodenkirchen verübt hatte, zum Tode. 12 Bergarbeiter verunglückt. Möns(Belgien), 13. Mai.(W. T. B.) Auf einer Grube in Flenu bei St. Ghislain sind 12 Bergleute mit einem Förderkorb ver- unglückt und zum Teil schwer verletzt worden. Strasicnbahnerstreik in Südwcstafrika. Johanntöbueg, 13. Mai.(W. T. B.) Infolge des Straßen- bahnerausftandes sind große Vorsichtsmaßregeln getroffen worden, insbesondere mit Rücksicht auf die Bergarbeiter, die Sonnabend nachmittags von den Goldfeldern hereinströmen und von denen die Ausständigen Unterstützung erwarten. Die Ausständigen versuchten. die Kraftstation heute vormittag zu stürmen, wurden aber von einem Polizeikordon abgehalten, bis Verstärkungen eintrafen. Die Polizei zerstreute hierauf die Ausständigen und nahm einige Vcrhaf- tungen vor. Eine weitere Meldung derselben Quelle besagt: Die Ausständigen machten am Nachmittag einen zweiten Versuch, die Kraftstation zn überfallen, wurden aber von der Polizei, die von ihnen mit Steinen und anderen Gegenständen beworfen wurde, zerstreut. Es wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Das Stadt- gefängnis ist überstüllt. Eine Anzahl Gefangene wurde nach dem Fort gebracht. Die Behörden haben eine Bekanntmachung erlassen. in welcher Versammlungen unter freiem Himryel bei Straß: verboten werden._ PmU Singer�rEo.« Berlin LVV. Hierzu 5 Beilagen. I Nr. 112. 28. Jahrgang. 1. ßdlnje hks Lmiick" Kerlim WsblM §Mtag, iL Mai 1911. Reichstag. 174. Sitzung. Sonnabend, den 13. Mai, vormittags 10 II Hr. Am Bundesratstisch: Dr. Delbrück. Die zweite Beratung der Reichsversicherungsordnung wird fortgesetzt bei§ 313. der bestimmt, daß bei den Landkranken- lassen die Vertretung des Gemeindeverbandes den Vor- sitzenden und die anderen Mitglieder des Vorstandes wählt; die oberste Verwaltungsbehörde kann bestimmen, das; der Vorsitzende und die anderen Mitglieder des Vorstandes gewählt werden wie die Vertreter im AuSschus; sJ 313. Abs. 1 und 2). Verbunden wird die Diskussion nnt der über§ 319, worin be- stimmt wird, daß die Vertreter der beteiligte» Arbeitgeber und der bei der Kasse Versicherten je aus deren Mitte zu wählen sind; die Landesregierung kann, wo keine selbständigen Gutsbezirke und Gemarkungen oder ausmärkische Bezirke vorhanden sind, das Wahl- recht den Vertretungen der einzelnen Gemeinden an Stelle der des Gemcindeverbandes übertragen; durch Landesgesetz kann angeordnet werden, dasi zum Vorstand und Ausschuß Jbei der Ortskrankenkasse gewählt wird. Seitens der Sozialdemokraten, der Volkspartei und der Polen liegen die Anträge vor, beide Paragraphen zu streichen; im Falle det Ablehnung der Streichung des Z 313 be- antragen die Polen, dem Ausschuß an Stelle der Vertretung des Ge- meindeverbandes die Wahl des Vorsitzenden und der anderen Mit- gliedcr des Vorstandes zu übertragen. Abg. Fegter wendet sich gegen die in den ZZ 313 und 319 liegende Entrechtung der bei den Landkrankenkassen Versicherten. Im Zusammenhang bleiben seine Ausführungen unverständlich, da die Abgeordneten der Rechten und des Zentrums sich ungeniert sehr laut unterhalten; der Redner bittet den Präsidenten, doch etwas Rnhe zn schaffen. Präsident Graf Schwerin bittet mehrfach um Ruhe, aber ver- geblich. Abg. Fegter(fortfahrend): Mit der Entrechtung der Landarbeiter will man die Ausbreitung der Sozialdemokratie hindern. Das er- reicht man aber nicht mit Ausnahmegesetzen. Die Er- bitterung über die Ungerechtigkeit Ihrer Gesetzgebung(zur Rechten und zum Zentrum) ebnet vielmehr der Partei, die Sie bekämpfen wollen, die Wege.(Sehr richtig! bei der Volkspartei.) Abg. Stücklcu(Soz.): Die Landkrankenkaffen in der beschlossenen Form sind an sich schon ein Hoho auf eine Krankenversicherung. Sie stellen sich als eine Art schlechter Armenpflege dar. Man will den Landarbeitern eine Wohltat bieten, aber keinen Ein- fluß einräumen; der§ 313 ist ein Ausnahmegesetz gegen die Landarbeiter in des Wortes allerverwegenster Bedeutung; drei Millionen deutscher Staatsbürger wollen Sie die Möglichkeit nehmen zu einer Institution zu wählen, an der sie wesentlich beteiligt sind. Es kommen Landarbeiter. Dien st boten und auch Heimarbeiter in Frage. In der Begründung findet sich der Satz:.die ländlichen Arbeiter sind vielfach mit der Aus- Übung der Selbstverwaltung nicht vertraut". Bisher hatten die Landarbeiter keine Gelegenheit zur Selbstverwaltung, wie kann man da diese Behauptung aufstellen. Wenn eS aber auch so wäre. wer trägt denn die Schuld daran? Doch die Leute, welche dafür gesorgt haben, daß die Volksbildung auf dem Lande möglichst niedrig gehalten wird.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten). jene Leute, die im Schullehrer noch heute den Paria der Gesellschaft sehen, und dafür, daß man den Leuten eine bessere Bildung vor- enthalten hat, will man sie jetzt noch mit der Vorenthaltung der Selbstverwaltung bestrafen. Als vor wenigen Tagen das 10 jährige Bestehen des Reiches gefeiert wurde, sprach man in hochtönenden Worten von der erreichten Kulturhöhe, und jetzt sagt die Regierung, die Landarbeiter sind mit der Selbstverwaltung nicht vertraut, was doch nur bedeutet, sie find so rückständig, daß von Kultur überhaupt nicht gesprochen werden kann.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Man trifft aber auch die geistig zum Teil viel höher stehenden Heimarbeiter, die vielfache Berührung mit gewerblichen Arbeitern haben, welche in der OrtLkranken- laste versichert sind und dort das Wahlrecht haben. Eine solche unterschiedliche Behandlung muß notwendigerweise auf- reizend wirken.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Auch die gewerblichen Arbeiter haben in der Selbstverwaltung erst lernen müssen und es kann nicht bestritten werden, daß sie in den Ortskrankenkasten Mustergültiges geleistet haben.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Geben Sie also den Landarbeitern die Selbstverwaltung und warten Sie erst mal ab. ob die Leute nichts leisten können; sie werden sich der Selbswerwnltung genau so ge- wachsen zeigen, wie die gewerblichen Arbeiter.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Bisher ist in der sozialpolitischen Gesetzgebung Grundsatz gewesen, daß der, der zu den Lasten einer Institution beiträgt, auch das Recht hat, an ihrer Verwaltung milzuwirken, und mit diesem Grundsatz brechen Sie hier vollständig. Man hätte aus dem Gesetz das Wort.wählen" streichen und dafür einfach .ernennen" sagen können, denn in Preußen wird der Kreisausschuß, in Bayern der DistriktSrat, in anderen Bundesstaaten andere Korporationen die Vertreter einfach ernennen, und solche ernannten Vertreter sind keine wirklichen Ver- treter der Versicherten, es können nur Statisten sein, die nie den Mut haben werden, gegen die Vertreter der Arbeitgeber aufzutreten.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Nach dem Vorschlage deS Landrats werden die Vertreter einfach ernannt werden. Welches Verständnis kann man bei vorwiegend agrarischen Körperschaften wohl für die Lage der Arbeiter voraussetzen. In einigen Teilen Deutsch- landS ist auch die Großindustrie in den Kreistagen vertreten, aber gerade die Versicherten sind nirgends vertreten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn Sie die Vertreter einfach durch de» Landrat ernennen ließen, wäre die Bestimmung ivcnigsteus nicht auf eine Irreführung der breiten Massen berechnet. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Daß ein preußischer Kreistag einen Sozialdemokraten wählt, oder einen Polen, oder einen Arbeiter, der welsischer Gesinnung ver- dächtig ist, ist wohl ausgeschlossen.(Sehr richtig!) Und wenn eS freisinnige Landarbeiter geben sollte, wird in Pommern sicher ein solcher nicht gewählt werden.(Sehr wahr I links.) Der Paragraph gibt die Möglichkeit, die Vertreter willkürlich nach politischen Rücksichten auszusuchen, und was solch ein Kauschukparagraph bei der preußi- lchen VcrwaltungSproxis besagt, wissen wir ja.(Zustimmung links) In Sachsen ist heute ein großer Teil der Landarbeiter in den Ortskrankenkassen versichert, auch diesen soll das Wahlrecht ge- nomme» werden. Im§ 319 ist der Landesgesetzgebung freilich das Recht gegeben, zu bestimmen, daß die Wahl so vorgenommen wird, wie in den Ortskrankenkassen. Aber daS ist keine Mußvorschrift und eS wird wohl kaum ein Bundesstaat davon Gebrauch machen. Daher ist der§ 319 n i ch t S weiter als eine Dekoration.)Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Glauben Sie ja nicht, daß die sächsischen Landarbeiter die Emrechtung nicht merken werden. In den Kreisen Sachsens, die heut« hier konservativ und nationalliberal vertreten sind, werden die Landarbeiter Ihnen bei den nächsten Wahlen die Quittung geben. In der Begründung ist gesagt, NINN befürchte, dje Kohlen könntest politisch ausgeschlachtet werden. Natürlich muß man den Leuten bei den Wahlen sagen, um was es sich handelt, dann könnten auch Leute gewählt werden, die eine unabhängige Meinung haben, und da fürchten Sie den Ausbau der Kassen und deshalb wollen Sie den Arbeitern das Wahlrecht nicht geben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Landkrankenkassen haben auch Vertreter zun, Versicherungsamt und zum Oberversicherungsamt zu wählen und deshalb stellt der§ 313 einen nackten WahlrechtSraub dar. DaS mag dem Interesse der Konservativen entsprechen, aber das Zentrum und die Nationalliberalen sollten sich doch überlegen, ob sie den Konservativen hierbei Helfershelferdienste leisten.(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Sollten Sie de» Z 313 nicht streichen, so wäre das nichts weiter, als ein Bekenntnis zur Absicht der VolkSentrcchtung, die Sie so vielfach schon geäußert haben, es wäre nichts, als ein neuer Akt politischer Heuchelei. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Präsident Graf Schwerin: Der Ausdruck politische Heuchelei, den Antragstellern gegenüber, ist u n z u l ä s s i g. Geheimrat Spiclhagcn: Gegenüber Herrn Fegter bemerke ich, daß mit der Vertretung des Gemeindevcrbandes nicht die repräsentative, sondern die verwaltende gemeint ist; es handelt sich also nicht um den Kreisausschuß, sondern um den Kreistag. Abg. Kulcrski(Pole): Die vorgeschlagenen Bestimmungen sind das schliinmste Ausnahmegesetz gegen die Polen. ES wendet sich nicht nur gegen die polnischen Arbeiter, sondern auch gegen die polnischen Unternehiner. Das sollte sich das Zentrum überlegen. Sie binden uns an Händen und Füßen und werfen uns dem Moloch der hakatistischcn Bureaukratie zu»» Fräße vor. ES wird ein Ausnahmegesetz gegen das ganze katholische Element in unseren LandcSteilen. Fast 90 Proz. der katholischen Kreise haben einen katholischen Kreistag. Von Ihnen, meine Herren im Zentrum, hängt es jetzt ab. Berufen Sie sich nicht auf die Freund- schaft mit den Konservativen, die eS nicht wollen. Das fft nicht Freundschaft, sondern Ab hängigkeit. Als beim Vereinsgesetz die Freisinnigen seinerzeit erklärten,' wegen des Sprachenparagraphen könnten sie das große Werk des Bülow-Blocks nicht fallen lassen, da konnte das Zentrum nicht harr genug darüber urteilen. Hier handelt es sich um etwas Aehnliches. Sie haben eben nur Worte, aber keine Taten für uns. Ueberlegen Sie es sich in letzter Stunde: wenn Sie fest bleiben, die Regierung gibt nach.(Beifall bei den Polen.) Geheimrat CaSpar: Es handelt sich hier um kein Ausnahme- gesetz, sondern um eine Verbesserung.(Lachen links.) Im Auftrage des Staatssekretärs des Innern habe ich zu erklären, daß die Annahme dieser Bestimmung für die Regierung die unerläßliche Boraussetzung für die Einrichtung der landwirtschaftlichen Arbeiter- Versicherung ist. Redner bestreitel dem Abg. Stücklen gegenüber, daß der ß 319 nichts als eine Dekoration wäre. Abg. Arnstadt(k.): Die eben gehörte Erklärung deS Regierungsvertreters erübrigt längere Ausführungen. Aus rein praktischen Gründen ist es unmöglich, den ländlichen Versicherten das Wahlrecht zu geben. Sie würden es nur in einer beschränkten Anzahl von Fällen ausüben können. ES liegt in der Natur des land- wirtschaftlichen Gewerbes, daß die Dienstboten und Ar- beitcr zu diesen Wahlen nicht abkommen können.(Lachen links.) Die landwirtschaftlichen Arbeiter legen auch wenig Wert auf dieses Wahlrecht.(Widerspruch links.) Ich kann nicht anerkennen, Herr Fegter, daß Sie der richtige Vertreter der landwirtschafilichen Interessen sind. Wir vertreten sie mindestens ebensogut.(Bravo I rechts.) Die Landwirtschaft muß für die soziale Versicherung erhebliche Opfer bringen und sie vermag die Kosten nicht, wie die Industrie, auf die Konsumenten abzuwälzen. Sie hat kein Milbestinimungsrccht bei der Preisbildung.(Sehr richtig! rechts.) Direkt und indirekt trägt sie die ganzen Kosten dieser Gesetzgebung, wenn das Gesetz auch vorschreibt, daß bei der Krankenversicherung zwei Drittel der Kosten von dem Ver sicherten getragen werden. Längere Kontrakte und eine Art Gewohnheitsrecht verhindern doch, daß danach verfahren wird. Es ist nicht richtig, daß die landwirtschaftlichen Arbeiter zu Arbeitern zweite Klasse degradiert werden. Was nützt denn den Landarbeitern ein Wahlrecht(Große Heiterkeit links), das sie doch nicht aus üben können. Es würden nur ein paar Leute wählen, und zwar politisch Interessierte. Wir wollen aber die Landkrankenkassen nicht zum Tummelplatz politischer Leidenschaften machen. Die Sozial demokratie hat auf dem Lande nicht Fuß fassen können und will daS nun durch die Krankenkassen versuchen. Das wollen wir nicht, nicht etwa weil wir uns fürchten und an VerfolgungS- Wahnsinn leiden, sondern weil die Landarbeiter von der Sozialdemokratie nichts wissen wollen. Sie wissen eben, wo ihre Freunde sitzen(Große Heiterkeit! links) ja wohl in meinem Kreise haben alle Arbeiter mich gewählt, auch die sozialdemokratischen(Schallende Heiterkeit und Zurufe links), aber zu den Kraukenkassen wollen und sollen sie nicht wählen. Abg. Korsanty(Pole): Das Zentrum sollte sich doch hüten für Vorschriften zu stimmen, die in den gemischtsprachigen Provinzen die Landkrankeukasscn an Händen und Füßen gebunden den Hakalisten überliefern.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Polen und Sozial- demokraten.) Das Klaffcnwahlrecht verbunden mit der ö f f e n t- lichen Stimmabgabe bedeutet die Herrschaft einer kleinen Minderheit in den Kommunalverbänden, denen das Gesetz das Wahl recht zu den Landkrankenkaffen überträgt. Will das Zentrum die polnischen Arbeiter schutzlos ihren hakatistischen Bedrängern auL- liefern?(Beifall bei den Polen und Sozialdemokraten.) Ministerialdirektor Caspar erklärt nochmals, daß die Annahme der im§ 313 vorgesehenen Organisation der Landkrankenkassen für die Verbündeten Regierungen die unerläßlichen Voraussetzungen für dir Einführung der landwirtschaftlichen Krankenversicherung sei. (Hört! hört!) Abg. Hoch(Soz.): Ganz abgesehen von der prinzipiellen Bedeutung der ganzen Frage muß ich darauf hinweisen, daß aus der Fassung nicht un- zweifelhaft hervorgeht, ob Kreisausschuß oder Kreistag als Ver- lretung des GeineindeverbandcS im Sinne des Gesetzes auf- zufassen sind.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Vertreter der Regierung haben die Stirn, vor uns hinzu- treten und zu sagen: Wir nehnien zwar den Landarbeitern ihre Rechte, aber es ist doch kein Ausnahmegesetz. DaS ist eine Vergewaltigung der deutschen Sprache und des gesunden Menschen- Verstandes. (Lärm, Zwischen- und Zurufe bei der Mehrheit.) Wir reden nicht, um Ihre(zu der Mehrheit) Zustimmung zu erlangen, sondern um vor dem Lande die ungeheuerliche Entrechtung von 5 Millionen Arbeitern zu konstatieren, die man in die Laudkranken- lassen stecken will. Man will daS rechtfertigen damit. daß die Wanderarbeiter ja doch nicht wählen könnten. Voraus- gesetzt, daß das wahr ist, so will man also um 40 000 Wanderarbeiter 5 Millionen andere Arbeiter entrechten! DaS ist Ihre Logik, das ist Ihre Gerechtigkeit.(Lebhaftes Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Und um diese Verhöhnung der Landarbeiter zu vervollständigen, kommt der konservative Herr Arnstadt und sagt: es sind ja im Grunde die Arbeitgeber, die daS Krankengeld für die Landarbeiter bezahlen!(Heiterkeit bei den Sozialdemo- kraten.) Derselbe Herr erzählt uns, daß ihn sogar die sozial- d e in o k r a t i s ch e n Arbeiter gewählt haben. Merkwürdige Sozialdemokraten müssen das sein!(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.) Wenn aber wirklich die Arbeiter Herrn Arnstadt ge- wählt haben, so ist es um so schlimmer, daß er seinen Wählern das Wahlrecht zur Landkrankeniasse nehmen will. Und dipser Wohlrechtsraub ist ja der ganze Zweck der Ukbung k Die Lltndarbcitcr sollen kein Wahlrecht haben, weil ma« Angst vor der Sozialdemokratie hat. Darum stellt sich Herr Arnstadt hier hin und sagt: wir wissen besser, was den Landarbeitern frommt, als sie selbst(Große Heitev keit bei den Sozialdemokraten), darum wollen wir für sie wählen. Das sagt derselbe Herr Arnstadt, der seine Rede mit der Erklärung anfing, er sehe die Landarbeiter nicht als Staatsbürger zweiter Klasse an. O, wir kennen die Sorge der Konservativen für die Landarbeiter I Die Schutzzölle wurden mit der Notwendigkeit begründet, die Landarbeiterlöhne zu erhöhen; statt zu steigen, sind aber die Landarbeiterlöhne gesunken, wie Herr v. G a in p in der Kommission selbst zugestanden hat I(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Und jetzt fertigt man die Landarbeiter mit ei» paar Bettelpfennigen ab und verhindert sie daran, ihre eigenen Angelegenheiten zu verwalten. Diese Pars« graphen sind wieder einmal bezeichnend für den Geist der Unehrlichkeit, der das ganze Gesetz durchzieht. Die Arbeitervertreter in den Land- krankenkassen werden von den Unternehmern gewählt— denn nur folche sitzen in den Kreistagen und Kreisausschüssen und diese von Arbeitgebern gewählten Arbeiter wählen dann die Arbeiter- Vertreter in den Versicherungs- und Obervcrsicherungsämtern und im Reichsversicherungsamt. Und diese Leute, deren Wahl in letzter Instanz auf Arbeitgeberwahlen zurückgeht, sollen dann als Arbeitervertreter gelten I— Das ist ja deS ganzen Pudels Kern. Die Konservativen wollen lein Selbst- verwaltungsrecht der Landarbeiter. Sie befürchten, daß der nächste Reichstag sich nicht zu dieser Entrechtung der Land- arbeiter hergeben wird und darum soll dieser Reichs- t a g noch dies Gesetz machen. Wir aber werden vor dem Lande daS Spiel aufdecken, das die Schuldigen und Mitschuldigen. Kons er- v a t i v e und Zentrum, treiben I(Lebhafter Beifall vei den Sozialdemokraten.) Abg. Lehmann-Wiesbaden(Soz.): Das Zentrum, die stärkste Partei, schweigt sich auS, obwohl die Abgg. Kulcrski und Korfany daS Zentrum geradezu mit auf« gehobenen Händen gebeten haben, diese Entrechtung der Land- arbeiter nicht mitziunachen. DaS Zentrum schweigt, weil eS eben durch Reden seine Lage nur verschlechtern kann, denn Gründe für diese Ausnahmebestimmungen kann eS nicht angeben. Ebenso schweigen die Nationalliberalen und die Wirt» schastliche Vereinigung. Daß es Gründe nicht gibt, sah man an Herrn Arnstadt, der ja ein Bild vollkommener Hilflosigkeit bot. Sie tun sich ans die Witwen- und Waisenversicherung so viel zn gute; aber Sie sind be- reit, sie vollständig fallen und das Gesetz scheitern zu lassen, wenn die Landarbeiter das Wahlrechl erhalten.(Hört! hört l bei den Sozialdemokraten.) Die Landarbeiter würden nämlich sehr bald lernen, von dem Wahlrecht Gebrauch zu machen, und danck würden die Krankenkassen ausgebaut werden; das aber wollen Sie nicht. Sie wollen den Landarbeiter auf möglichst niedriger Stufe halten. Und dann beklagen Sie sich über die Landflucht! Wie können Sie sich über die Landflucht wundern, da die Landarbeiter kein Koalitionsrecht haben. Und jetzt wollen Sie die Land- arbeiter noch weiter entrechten! Aber wenn wir anch mit Engelszungen redeten, Sie wollen eben die Entrechtung durchführen; die Folgen werden Sie zu tragen haben.(Bravo! bei den Sozial- demokraten.) Abg. Molkenbnhr(Soz.): Die Bestimmung des§ 342 richtet sich nicht nur gegen die Land« arbeiter, sondern gegen die Arbeiter überhaupt; denn die Absicht ist. den Unternehmern unter allen Umständen in den Ausschüssen der Versicherungsäniter, der OberversicherungSämter und des Reichsverstcherungsamts die Mehrheit zu sichern, und das soll dadurch geschehen, daß in den Landkrankenkassen das Wahlrecht für die Arbeitcrvertreter den Unternehmern gegeben wird, und diese sogenannten Arbeitervertreter dann die Arbeitervertreter in jenen Ausschüssen wählen. Und dazu will das Zentrum seine Zustimmung geben I(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Mugdan(Bp.): Nicht bloß die Landarbeiter werden entrechtet, sondern auch die kleinen landwirtschaftlichen Unternehmer; die kleinen und mittleren Bauern sind ja eben- falls auf den Kreistagen nicht vertreten, und ihnen wird das Recht genommen, das in der Stadt der kleinste Handwerksmeister hat. (Sehr richtig! bei der Volkspartei.) Damit schließt die Debatte. Abg. Fegter(Vp.) will eine persönliche Bemerkung machen; doch die Rechte und das Zentrum vollführen einen derartigen Lärm, daß es dem Redner nicht möglich ist, sich verständlich zu machen. Der Eventualantrag der Polen wird zurückgezogen. In namentlicher Abstimmung wird der§ 313 in der Fassung der Kommission mit 170 gegen 103 Stimmen bei 4 Stimmenthal« tunge» angenommen, ebenso Z 319 mit 179 gegen 96 Stimmen bei 1 Stimmenlhaltunge». § 315 bestimmt in seinem dritten Absatz, daß das Stimmrecht der einzelnen Arbeitgeber bei der Ortskrankenkasse nach der Zahl ihrer versicherungspflichtigen Beschäfligung zu bemessen ist. Ein Antrag A l b r c ch t(Soz.) will diesen Absatz st r e i ch e n. Abg. Busold(Soz.): Diese Bestimmung ist eine schmachvolle Entrechtung der Kleingewerbetreibenden. Vizepräsident Dr. Spahn: Wegen dieser Aeußerung rufe ich Sie zur O r d n u n g. Abg. Bnsold(fortfahrend): Die Bestimmung gibt den Großindustriellen das Ucbergewicht über die kleinen Handwerksmeister, Was hoben denn die Groß» industriellen für ein Verständnis von der Lage des Handwerkers? Nur solche Großunternehmer werden der Ortskrankenkasse beitreten, in deren Betrieben eine überdurchschnittliche Krankenziffer vorkommt. die andere» werden sick BetricbSkrankenkasscn einrichten. Bei solider Gesetzgebung reden Sie von Ihrer Mittel st andSfreund- lichkcit. In einer Ihrer Zeitungen steht am Kopfe: Mittelstand in Stadt und Land Macht groß und stark das Vaterland. Das ist nur� hohle Phrase, durch Ihre Gesetzgebung drücken Sie den Mittelstand zur Bedeutungslosigkeit herab und treten ihn mit Füßen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Unter Ablehnung deS sozialdemokratischen Antrages wird§ 345 angenommen. I»§ 351 ist für Betriebs- und JnnungSkrankenkassen bestimmt: »Der Arbeitgeber oder sein Vertreter führt den Vorsitz". Abg. Molkenbnhr(Soz.): Wir beantragen, diesen Satz zu streichen; Sie würden dadurch ja selbst die Unternehmer, die es gar nicht wollen, die viel- mehr ihren Arbeitern größere Freiheit geben wolle«, zwingen, in der Generalversammlung anwesend zu sein. Der sozialdemokratische Antrag wird abgelehnt. Z 353 lautet:„Wer die Mitgliedschaft bei einer Betriebskranken- kasse freiwillig fortsetzt, ist weder wählbar noch Wahl» berechtigt." Abg. Sachse(Soz.): Wir beantragen diesen Paragraphen zu streichen. Er ist entstanden aus der Furcht vor den freiwilligen, also unabhängigen Mitgliedern. Wer nur% oder Vs der Beiträge zahlt, hat Wahlrecht, wer aber die gesamten Beiträge selbst zahlt, soll das Wahlrecht ver» listen. Ist das logisch? ES sind Maßregelungen von Arbeiter« bertretÄn in dm Knappschaftskassen an der Tagesordnung, ein Ter- rorismus herrscht dort, gegen den alles» was etwa wirklich bei Krankenkassen vorgekommen sein könnte, das reine Kinderspiel ist. Auch christliche Arbeiter sind von solchen Magregelungen betroffen. Deshalb sollte Herr B e ck e r mit uns dafür sorgen, daß durch Streichung des Z 3S3 diesem Terrorismus vorgebeugt wird. (Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Der sozialdemokratische Antrag wird abgelehnt. § 354 bestimmt, dag bei Jm,ungslrankenkassen die Innung den Vorsitzenden bestimmt. Abg. Schmidt-Berlin(Soz.): Auch in der Jnnungskrankenkasse müssen die Versicherten zwei Drittel der Beiträge zahlen, und doch soll der Vorsitzende gewählt werden, ohne daß sie auch nur gefragt werden. Man sieht hier wieder, wie einseitig dieses Gesetz die Interessen der Unternehmer wahrnimmt und die der Arbeiter beiseite stellt.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Wir beantragen, den 8 354 zu st r e i ch e n. § 354 wird angenommen. Ein Antrag Albrecht(Soz.) will einen 8 SM* einschieben „Einem Arbeitervertreter im Ausschuß oder Vorstand einer Betriebs Irankenkasse kann zu einem früheren Zeitpunkt als zum Ablau seiner Wahlperiode das Arbeitsverhältnis durch den Arbeitgeber nur aus einem wichtigen Grunde gekündigt werden." Abg. Emme!(Soz.): Ich habe schon früher eine ganze Zahl von Fällen angeführt, in denen Arbeitervertreter entlassen wurden, weil fie in der Betriebs krankenkasse mit dem Vorsitzenden kollidierten. Dem Versuch. dagegen die Arbeiter zu schützen, müßte der Reichstag ohne weiteres zustimmen, der für seine eigenen Mitglieder sogar die Immunität für notwendig hält. Als wir in der Kommission denselben Antrag stellten, antwortete ein Vertreter der Regierung, die Versicherten brauchten ja eine Wahl nicht anzunehmen.(Hört! hört l bei den Sozialdemokraten.) Es können also nur Kreaturen des Unternehmers eS wagen, die Wahl anzunehmen. Das aber ist keine Vertretun<> der Arbeiter.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Man sagt zwar, an einer anderen Stelle des Gesetzes steht, kein Arbeiter dürfe wegen seiner ehrenamtlichen Tätigkeit geschädigt werden. Aber das reicht nicht aus, es wird natürlich kein Unternehmer den wirk lichen Grund der Entlassung angeben.(Sehr wahr l bei den Sozial demokraten.) Abg. Dr. Potthoff(Vp.) tritt ebenfalls für den Antrag ein und weist darauf hin, daß sogar das preußische Berggesetz eine ähnliche Bestimmung zum Schutz der Sicherheitsmänner vorsehe. Der sozialdemokratische Antrag wird abgelehnt. Ein weiterer Antrag A l b r e ch t und Genossen(Soz.) will einen 8 355» einfügen:„Der Vorstand ist verpflichtet, den Gewerbe- auffichtsbeamtcn auf Verlangen Auskunft über Zahl und Art der Erkrankungen zu erteilen." Hierzu beantragen die Abgg. Schultz und Genoffen, hinzu» zufügen:„Die oberste Verwaltungsbehörde kann hierüber näheres bestimmen." Abg. Severing(Soz.): Wer Krankheiten verhüten will, muß vor allem für eine gute Statistik der Krankheiten sorgen, namentlich der Berufskrankheiten. An keiner Stelle der Reichsversicherungsordnung ist aber über die Statistik etwas enthalten. Unser Antrag stellt einen bescheidenen Versuch dazu dar. Seine Annahme ist umso notwendiger, als im§ 414 den Kassenvorständen das Recht gegeben ist. für einzelne besonders ge- jährdete Berufsarten die Beitragsteile des Arbeitgebers zu erhöhen. Auch dem Eventualantrag des Abg. Schultz werden wir zustimmen. Abg. Schitkert(k.) erklärt sich ebenfalls für den Antrag. Der Antrag Albrecht mit dem Antrag Schultz wird an- genommen. 8 358 gibt dem Ausschuß das Recht, über alles zu beschließen, was nicht dem Vorstand besonders zugewiesen ist; unter den dem Ausschuß vorbehaltcnen Dingen wird unter anderen genannt: die Satzung zu ändern und die Kasse aufzulösen oder mit anderen Krankenkassen zu vereinigen. Die Beschlüsse zu diesen beiden Punkten bedürfen der Mehrheit sowohl der Arbeitgeber wie der Versicherten. Abg. Kunhe(Soz.): Den letzten Satz beantragen wir zu streichen. Gegen die Be- fugnis des Ausschuffes an sich haben wir nichts einzuwenden. Aber durch die getrennte Abstimmung soll der Einfluß der Arbeiter wieder herabgedrückt werden.(Sehr richtig l bei den Sozial- demokraten.) Der sozialdemokratische Antrag wird abgelehnt. § 372 erklärt es„nach Bestimmung der obersten VerwalhmgS- behörde" für zulässig, Kassenmittel für den Besuch von Versamm lungen zu verwenden, die den gesetzlichen Zwecken der Krankem Versicherung dienen sollen. Abg. Büchner(Soz.): Wir beantragen, die Worte„nach Bestimmung der obersten Verwaltungsbehörde" zu streichen. Wir meinen, es braucht nicht erst die oberste Verwaltungsbehörde zuzustimmen, wenn zum Ben sprel Flugblätter oder Broschüren von Aerzten, die im Interesse der Versicherten liegen, in einer Versammlung verteilt werden. Der Vorstand wird durch diese Bestimmung zu einem Spielball der obersten Verwaltungsbehörde hcrabgedrückt,' wir wollen ihn aber nicht unter Kuratel stellen.(Sehr richtig I bei den Soz,) Wenn Kongresse stattfinden, die von allen Krankenkassen beschickt werden, auch von den Betriebs- und Jnnungskrankenkasscn, Kongresse, auf denen auch ärztliche und verwaltungstechnische Referate gehalten werden, hat die Verwaltungsbehörde zuweilen die Bezahlung der Delegationskosten aus Kassenmitteln verweigert. In anderen Fällen hat die Ver waltungsbehörde unseren Wünschen zugestimmt. Wir wollen aber nicht mit zweierlei Maß gemessen werden und verlangen daher die Streichung jener Worte. Die Arbeitgeber und Arbeit- nehmer haben sich gemeinsam an diesen Kongressen beteiligt; ein- berufen waren sie von der deutschen Zentrale des Krankeiikassen- wesens, von meinen Freunden Stmanowski und Ftäßdorf, die Bedeutendes für die Invaliden- und Krankenversicherung geschaffen haben.(Zustimmung bei den Sozialdemo- kraten.) Jenen Leuten haben wir es zu verdanken, daß die Lungenheilstätten geschaffen wurden. sie waren die treibende Kraft.(Sehr richtig I bei den Sozialdemo- kraten.) Auf dem letzte» Kongreß im Jahre 1009 hatte ein Arbeiter- Vertreter ein Referat übernommen, Herr GieSberts, und allem, was er dort gesagt bat, kann jeder meiner Parteifreunde zustimmen. Er führte ans:„Wir müssen mit aller Entschiedenheit versuchen, den Arbeitereinfluß in der Verwaltung dieser Versichcrungs- institutionen zu verstärken.(Hört! hörtl bei den Sozial- demokraten.) Man sagt, es liege die Gefahr bor. die Beamten werden ihre Stellungen zu politischen Zwecken mißbrauchen. Wer das behauptet, hat die Verpflichtung, es zu beweisen."(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Das sagt der Herr GiesbertS, aber niemand hat hier einen Beweis auch nur ver- sucht. Was Graf Westarp vorgebracht hat, hat Heine gestern lediglich als nicht der Wahrheit entsprechend zerstückelt. Weiter sagte GieSbcrtS:„Ich habe bereits offen im Reichstag erklärt, wenn man befürchtet, daß die Kranlenkassen zu politischen Zwecken benutzt werden, so lege man daS Material im Reichstage nieder".(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Wo ist das Material? Hier hat Herr GiesbertS geschwiegen und ebenso daS Zentrum, bis auf Herrn Becker, dessen Material ebenfalls nichts wert war. Ich habe bis zu meinem 40. Lebensjahre am Schraubstock gestanden, ich habe mich 20 Jahre lang um die Krankenkassen gekümmert; wir haben versucht, im Interesse der Versicherten als Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammen zu arbeiten und waren uns st e t S einig. MeinuntzS- Verschiedenheiten traten natürlich zuweilen auf und mußten beseitigt werden, aber McinungSverschiedenheitm aus»«Mische» Gründe» gab ts»ie. Seit 1W hatten vir einest Lsksitzenden in du SranleMse. der polltlich Herrn Helnze nahe stand. Wer diesen Raub der Selbst- Verwaltung hätte er nie mitgemacht. Als der Erlaß des Reg.-Rals Hoffinann erschien, sagte unser Borfitzender:„Sie können sich daraus verlassen, daß ich bis zu meiner letzten Stunde kämpfen werde, um das Selbstverwaltungsrecht zu erhalten." Wir haben diesen Mann, unseren politischen Gegner, bis zu seinem Tode als ersten Vor- sitzenden belassen. Einen schlimmeren Verrat als mit der Ver- nichtung der Selbstverwaltung konnten die Arbeitervertreter im Zentrum nicht begehen. Vizepräsident Schultz rügt den Ausdruck„Verrat".' Abg. Büchner(fortfahrend): Was Sie hier beschlossen haben, wird weit hinaus getragen werden ins Land, und jene Landarbeiter, die Sie in so schnöder Weise entrechten, werden auch zur Erkenntnis ihrer Klassen- läge kommen. Vizepräsident Schultz: Der Ausdruck„in schnöder Weise" ist gegenüber den Beschlüssen des Reichstages nicht zu gebrauchen. Mg. Büchner: Aus allen diesen Gründen fordern wir die Annahme unseres Antrages, wir wünschen nicht, daß die Beschickung solcher Versamm- lungen nach Willkür und Laune einer Verwaltungsbehörde verboten werden kann.(Lebhaftes Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Der sozialdemokratische Antrag wird abgelehnt. Beim Abschnitt„Verhältnis zu den Aerzten, Zahnärzten, Kranken- Häusern und Apothekern" wird eine Diskussion über die Paragraphen, die das Verhältnis zu den Aerzten betreffen, eröffnet. Abg. Hoch(Soz.): Die wichtigste Bestiinniung der Regierungsvorlage in bezug aus die Aerzle war, daß ein förmliches Schiedsverfahren eingerichtet werden sollte. Das besondere Vorrecht der ärztlichen Organisation muß in Wegfall kommen; aber die Borschläge des Entwurfs waren durchaus ungenügend. Aus den verschiedenen Debatten, die über diese Frage hier im Hause stattgefunden haben, ging hervor, daß Sie alle, wie sehr auch die Meinungen im einzelnen auseinander- gingen, doch darin einig waren, daß der jetzige Zustand un- hallbar ist. Es handelt sich darum. gewisse Vorrechte der ärztlichen Organisationen zu beseitigen. Die Kassenvorstände sagten, wir können den ärztlichen Vereinen gegenüber nicht aufkommen, weil ihre Organisationen staatliche Machtbefugnisse haben. Unsere Freunde haben stets scharf betont, daß wir die Koalitionsfreiheit der AerZte voll anerkennen und nicht einschränken wollen.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Aber staatliche Machtbefugnis dürfen die Vereine nicht haben. Die Herren haben nun durch ihre Regelung die Schwierig« keil von den Kassenverwaltungen genommen und auf die Schultern der Versicherten geladen. Wenn die Aerzte erklären, wir behandeln euch nicht(Zuruf aus der Volkspartei)... Nun wohl, Herr Kollege, wenn Sie erklären: wir behandeln- euch, wo haben wir denn dann die Garantie, daß die Arbeiter zur Bezahlung dieser ärztlichen Behandlung mit ihrem Arztgelde auskommen? Ein gewisienhafter Arzt wird bei einem schwer erkrankten Kassen- Mitglieds doch so viele Besuche machen, als er für nötig hält, ohne Rückficht darauf, ob das Arztgeld auslangt. Wie die Aerzte über die neuen Bestimmungen denken, wonach das Oberversicherungsamt bestimmen soll, wie im Falle der Verweiaerung ärztlicher Hilfe für die Kassen der Beweis der Arbeitsunfähigkeit anders als durch ärztliches Zeugnis zu erbringen ist, zeigt ein Artikel im ärztlichen Vereins- blatt. Darin schreibt ein Arzt:„Ich wüßte nicht, was mich als Arzt veranlassen könnte, solche Krankheitsbescheinigung gegen gute, gleich bare Bezahlung nicht auSzu- stellen. Mit Vergnügen werden die Aerzte dazu bereit sein. Wir werden die Krankenkassenmitglieder, die mit der Barleistung versehen zu unS kommen, besonders freundlich und sorgfältig be- handeln, denn bei ihnen ist der Zustand der PrivatprariS wieder hergestellt, wie er vor dem Erlaß de» Krankenversicherungsgesetze» gewesen ist und uns allen als Ideal vorsteht. Dann drängt sich keine Kasse mehr zwischen Arzt und Patienten. Man soll ja nicht prophezeien; aber daS glaube ich voraussagen zu dürfen: wenn eine Krankenkasse sich vom Oberversicherungsamt das Recht der Bar- entschädigung verfügen zu lassen den kühnen Mut hat, dann wird sie einen Denkzettel erhalten, den fie sobald nicht vergißt.(Hörtl hört!) Ob sie später, wenn ihr vor lauter Barentschädigung— die Aerzte haben dann gar kein Interesse mehr an der Kasse—(Hörtl hört I) der Atem ausgegangen ist, den Aerzten gegenüber in einer besonders angenehmen Lage sein wird, ist sehr zu bezweifeln. Ob dann, wenn st« wieder einen Vertrag mit Pauschale haben muß, die Aerzt« noch einmal so gut- müttg sind, sich darauf«inzulassen, ist nicht anzunehmen. Die ganze Bestimmung wird nicht nur ein Schlag ins Wasser sein, sie wird auch die Position der Aerzte stärken. Die Aerzte werden schon dafür zu sorgen wissen, daß die Beträge nicht in die un« rechte Kehle kommen."(Hört I hört I bei den Soz.) Wir be« trachten diese Bestimmung für völlig nutzlos als vereinzelre Be- stimmung. Jedenfalls wird durch sie die Stellung der Krankenkassen zu den Aerzten nicht erleichtert. Vor allem zeigt sich wieder der Zug zur unglaublichen Bevormundung der Krankenkassen, der durch die ganzen Kommissionsberhandluugen gegangen ist. Den Krankenkassen wird di« Möglichkeit, sich durch ein höheres Arztgeld abzulösen, nicht bedingungslos gegeben, sondern sie werden darin von der Genehmigung des Oberversicheruntzs- amts abhängig gemacht. Dieses Amt entscheidet, was als angemessen zu betrachten ist. Dabei haben wir bis jetzt doch nur die traurigsten Erfahrungen mit den Eingriffen der Behörden in das Verhältnis zwischen Krankenkassen und Aerzten gemacht. Auf welchem Stand- punkt man auch in der Arztfrage stehen mag, auf jeden Fall steht fest, daß die Behörden sich als unfähig erwiesen haben, etwas zu leisten. Entweder griffen sie zu früh oder zu spät ein, nie aber hatten sie eine glückliche Hand. Auf die Frage der freien Arztwahl gehe ich hier nicht ein. Wir haben immer betont, daß es für unS keine Parteifrage ist. Die Frage, wie der ärztliche Dienst organisiert werden soll, muß von Fall zu Fall und für jede Kasse entschieden werden. Jedenfalls hängt die Frage aber sehr eng zusammen mit der Frage der Selb st Verwaltung. Wird die Selbstverwaltung der Per- sicherten so beschränkt, wie es jetzt geschieht, dann ist die freie Arztwahl nach meiner Auffassung unentbehrlich. Soweit Sie das Selbstverwaltungsrecht zerstören, zwingen Sic die Arbeiter, den Kampf für die freie Arztwahl aufzunehmen. Auf der einen Seite führen Sie die Kassen zum Bankrott, auf der anderen Seite treiben Sie die Versicherten mit den Aerzten zusammen zu dem Kampf für die freie Arztwahl. Sie werden sehen, welche Früchte das trägt. Zu dem System der Entrechtung der Arbeiterschaft und der Vernichtung der Krankcnfttrsorge passen die Bestimmungen über die Aerzte, die Sie getroffen haben. Wo es galt, die Ar- beiter zu entrechten, da waren Sie am Platze, aber den Konflikt mit den Aerzten auszufechten, hatten Sie nicht den Mut. Uns soll es gleich sein, wir beschränken uns deshalb mit unseren Anträgen nur darauf, unnötige Unvollkommenheitcn zu beseitigen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Korfanty(Pole): Die Zwangsorganisation der Ver- icherung hat es vielen Aerzten unmöglich gemacht, ihr Brot zu ver- dienen. In bcstimmteki Landcsteilcn werden aus nationalen Rücksichten eine Anzahl Aerzte zun, Sckjaden der Versicherten von der Behandlung ausgeschieden. So sind in Oberschlesien die lolnischen Aerzte von einer Tätigkeit in den Krankenkassen voll- 'tättdig ausgeschlossen. Kranke, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, werden gezwungen, zu Aerzten zu gehen, die kein Polnisch verstehen. Das Eintreten der Sozialdemokratie gegen die freie Arztwahl ist arbeiterfeindlich. Sie nehmen nur Rücksicht auf die Kassen, für die Arbeiter paßt Nur das System der freien Arztwahl. Das Kassenarztshstcm läßt sich nicht verteidigen; die Arbeiter sollen nur zu dem Arzt gehen, zu dem sie Vertrauen haben. Sie aber wollen, daß sie zu bestigulltllN Aerzten gehen, die im Interesse der Kasse billig arbeite»,■- v DiS Z'MlW iÄltLbt. z I' Die 88 373 bis 380 werden unier Ablessnuttg dsser M« ändern ngsanträge in der Kommisjionsfassung angenommen. Als 381» beantragen die Sozialdemokraten einzn- fügen:„Die Krankenhäuser dürfen die Aufnahme von Kassen- Patienten nur aus einem wichtigen Grunde ablehnen. Ein Streit der Kasse mit Aerzten wegen Regelung des ärztlichen Dienstes gilt nicht als wichtiger Grund."" Abg. Binder(Soz.)': r| Daß die Aufnahme in die Krankenhäuser nicht aus unwich- tigen oder gar aus nichtigen Gründen verweigert werden darf, ist nicht bloß ein Gebot der Menschlichkeit, sondern liegt auch im finanziellen Interesse, und zwar nicht bloß der Krankenkassen, sondern auch der Unfall- und Jnvalidenver- jicherung. Durch die Zurückweisung werden oftmals leichte Krankheiten verschlimmert und führen zu dauerndem Siechtum. Selbst im Kriege fragt man nicht nach Freund und Feind, und da kann doch wohl verlangt werden, daß im Frieden nicht leicht- fertige Zurückweisungen von Patienten vorkommen. (Bravol bei den Sozialdemokraten.) Der Antrag Albrecht wird abgelehnt. 8 385 lautet in der Kommisfionsfassung:„Die Satzung kann den Borstand der Kasse ermächtigen, wegen Lieferung der Arznei mit einzelnen Apothekenbesitzern oder-Verwaltern oder, soweit es sich um die freigegebenen Arzneimittel handelt, auch mit einzelnen anderen Arzneimittelhändlern Vorzugsbedingungen zu vereinbaren. Alle Apothekenbesitzer oder-Verwalter im Bereiche der Kasse können solchen Vereinbarungen beitreten. Der Vorstand kann dann, von besonderen Fällen abgesehen, die Bezahlung der von anderer Seite gelieferten Arznei ablehnen." Ein Antrag der Kompromißparteien beantragt eine andere Fassung, dahingehend, daß die Vereinbarungen nur mit Apo- theken innerhalb des Kassen bereichS zu treffen sind, darüber hinaus nur mit Genehmigung des Versicherungs« amts. Abg. Schickert(kons.) begründet diesen Antrag. Abg. Geck(Soz.):" Wir beantragen, aus dem§ 385 den Satz zu streicken, der be« stimmt, daß alle Apothekenbesitzer im Bereiche der Kasse den Ver- einbarungen beitreten können. Wir haben gar keine Veranlassung. die Neigung zur Ring- und Trustbildung zu verstärken, die in Apokhekerkreisen sowieso schon stark genug ist. «Sehr wahr! b. d. Soz.) Wenn gesagt worden ist, es gebe auch arme Apotheker, so mag das in Ausnahmefällen zutreffen, aber im allge- meinen hat der Apothckerbcruf nicht gerade unter der Un- gunst der Zeiten zu leiden.(Sahr wahr! b. d. Soz.) Im Gegenteil. Durch die VerstcherungSgefetzgebung ist das Einkom- mcn der Apotheker gesteigert und namentlich gesichert worden. Die Landarberterversicherung bedeutet eine neue Einnahme- quell«. Da liegt kein Grund vor, den Apothekern neue Zuge- ständnisse zu machen.(Sehr wahrt b. d. Soz.) Solche Zugestand- nisse liegen aber im 8 385. wie die Kommission ihn gefaßt hat, und mehr noch im letzten Absatz des 8 386. der von der Preisermäßigung handelt, die die Äpotheler den Kassen zu gewähren haben. Diesen dritten und letzten Absatz des 8 386. den wir dringend zu streichen bitten, lautet in der Kommissionsfassung:„Bezichen die Berechtig- ten die Arzneimittel zu einem Preise, der die(von der höheren Verwaltungsbehörde getroffene) Festsetzung nicht übersteigt, aus einer Apotheke, so kann die höhere Verwaltungsbehörde anordneu, daß die Kasse die Bezahlung nicht deshalb ablehnen kann, weil sie mit Arzneimittelhändlern anderer Art niedrigere Preise vereinbart hat." Die Tendenz dieses Paragraphen ist die Befreiung der Ap,» theker von unbequemer Konkurrenz.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Weiß man, daß die Apotheker unter sich Verträge abgeschlossen! haben, die durch immens hohe Konventionalstrafen die Durch- vrechung ihrer Monopolpreise verhindern sollen? O ja, man sollte diese Verträge und ihren Inhalt kennen. Wir haben in der Kommisston darauf aufmerksam ge- macht, wir haben die Verträge vorgelegt und wtr haben uns auf wahrhaftig doch nicht fozioldemokvatischer Gesinnung verdächtige Vertreter von Betriebskassen berufen können, die mit allem Nach» druck erklären: diese Monopolverträge schädigen schwer die Kassen. (Hört! hörtl b. d. Soz.) Hilft alle» nicht. Regierung und Mchv- heit kümmern sich nur um die Verträge der Krankenkassen.— Mi« bitten um Annahme unserer Anträge.(Bravol b. d. Soz.) Di« 88 385 und 386 werden in der Fassung des Kompr«» mißantrages angenommen, wovaus daz HgUS die Wei, terberatung auf Montag, 12 Uhr vertagt�- Schluß: 4� Uhr. Hbflfcordnetenbauö» 74. Sitzung. Sonnabend, den 13, Ma? MI. vormi t tags 11 Uhr.. � Am Ministertisch: V.Dallwitz. Der Gesetzentwurf, betr. die Erweiterung de» Stadtkreise» Elberfeld wird auf Antrag des Abg. v. Äraud enfjgip, der vtr, stärkten Genreindekommission überwiesen. Es folgt die' zweite Lesung des Zweckverbandsgesetzes für Groft-Berlin. Berichterstatter Abg. Dr. v. krieS(k.) betont, der SiegierungK« entwurf sei mannigfach verändert worden, aber nicht in seinen wesentlichen Grundgedanken. Das BerbandSgebiet fei unverändert geblieben, auch die Stadt Spandau fei«ingeschlossen. Die Frag« des Ausgleichs der Schullasten werde am besten nicht in der zweiten, sondern erst am Schluß der dritten Lesung erörtert. Auf Antrag des Abg. Frhr. v. Zedlitz(fk.) wird die Frags des Ausgleichs der Schullasten zunächst ausgeschieden.»»» Bei§ 1 kritisiert Abg. Cassel(Vp0 das Gesetz ausführlich. Das BerbandSgebiet sei willkürlich; durch die Wahl von VerbandSvcrtretern aus dem Kreistag wird die Bureaukratie hier mit hereingezogen, sogar der Regierungspräsident, dem Berlin gar nicht untersteht l Der sozial- demokratische Antrag auf Uebernahm« der Schul-, Armen-, Waisen-, Krankenpflege und der Steuerlasten sei undurchführbar, ebenso dio direkt« Wahl der BerbandSvertreter. Wir werden trotz allen Bedenken dem Verband unvoreingenommen entgegen, treten. Abg. Frhr. v. Zedlitz(fl.): Wenn die Ankündigung des Bor- redners befolgt wird, dann wird der Zweckverband auch gewiß ein Segen für Berlin werden. Die sozialdemokratischen Anträge hat schon Abg. Cassel mit aller Ausführlichkeit und Gründlichkeit totgeschlagen.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten, Heiter» keit rechts.) j 4 Minister bcS Innern v. Dallwitz: Den freikonservativen Antrag auf Ausschaltung von Spandau aus dem Verbandsgebiet bitte ich abzulehnen. Das Groß-Berliner Bahnnetz wird bald nach Spandau ausgedehnt werden, die Beziehungen zu dem räumlich bereits so angrenzenden Spandau werden sich immer enger ge» stalten. Die Möglichkeit der Einbeziehung des Kreises Ost» Havelland muß offen bleiben; jetzt ist sein« industrielle Eni» Wickelung noch nicht so weit vorgeschritten, dürfte es aber nack» der schon in einem Jahre zu erwartenden Fertigstellung de» Groß- schiffahrtswcges werden. Da dem Zweckverband nur inter- kommunale Aufgaben überwiesen werden sollen, die einzeln« Ge- meindcn nicht lösen können, ist der sozialdemokratische Antrag auf Uewertragung des VolksschulwcsenS abzulehnen. Er ist wohl au« der Ansicht pekuniärer Ausgleichung entstanden. Man könnt« auch nicht daS VolkSschul- von dem mittleren und höheren Schullvesen reihen. Armen-, Waisen« und Krankcichflege sind ebenfalls An» gelegenheiten der Einzclgemeinden. Tie Ärciskrankcnhäuser und die der Vororte entsprechen allen Anssorderungen. DaS Steuerwesen ist nur Mittel zum Zweck; seine Regelung den Gemeinden zu nehmen, bedeutet, ihre Selbständigkeit vollständig zu M&üSÄfcB. Sie Mji tea SenZipaiiM(Mrna v. ßsasto&is) «fotäwrlc Ueberiveisung be§ Kleinwohnungsbaues an hie Gemeinden statt an den Zweckverband, bitte ich abzulehnen. Die Ge- meinden Groß-BerlinS haben gewitz schon alle ihnen gehörenden Flächen bebaut, es handelt sich um eine interkommunalc Aufgabe im sanitären Interesse. Abg. Dr. Keil758® [759 SO Bettet Zhalbbd. 2 heiter 2 heiter 1 heiter 1 heiter 2 wolkig «Setterprognoie für Sonntag, den 14. Mal Warm und vielfach heiter, aber veränderlich bei meist östlichen Winden und sorldauernder Gewitterneigung. LerlinerWetter »«i ä* *11 i? I' II l| Bf Hoparanba 766910 Petersburg 764 ONO Scillh 753 ONO Äberv»« 758 N Paris 755 SO Bettet 2 heiter 1 Dunst 1 Nebel 8b«dcckt 1 wollen! ** fc 5 10 12 10 19 1911. schwachen süd» durea«. WasserstandS-Stachrtchte» der LandeSanstali für Gewässerkunde, milgeiellt vom Berliner Wetlerburea« Wasserstand M« m e l. Till» P r e g e l. Jnsterburg Weichsel, Thor« Oder, Natibor , Ztrossen , Frankwrt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Lelnneritz , DreSde» , Barby , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochkitz Havel, Spandaus , Rathenow') Spree, Svretnberg') , B-eSkow Weser, Münden , Minden Rhein. MapiinManSau , Kaub Köln Neckar, Heilbroem Main, Werlhetm Mosel. Trier am 12. 5. cm 86 76 136 86 98 -70 4 4Ö0 194 ISS 81 130 69 fett 11.5. cm1) 0 —4 -1 •ftO ~0 -4 +4 +l0 + 10 »)+ bedeutet Wuch«,— stall.—•) Unierveael. beherrschen die diesjährige IRode. Unsere fluswahf in farbigen£ffafbschuhen und cftiefefn ist in diesem ffahre eine ganz enorm grosse, ßie prachtvoUsten jllodeffe des Jn= und Auslandes, von der chihen französischen bis zur modernen spig* amerikanischen Torrn sind in wunderbaren Torben» tönen bei uns vertreten, so dass selbst dem verwöhntesienö eschmach Rechnung getragen werden dann, dpeziaf' Treislage in Halbschuhen und Stiefeln i 790 /QSO(250 1550 4CmenfpenstT.20 gCönigstrasse 3k Oraniensir. Via Cranientfrastt 5k 9tfxdorf,1!ergttr.t4 Qftällerstrass« Sa Zentrale und Versand; Cranien�oftrasse 3k Q leipziger cftrasse 65 bedeutend vergrössert A. WERTHEIM LEIPZIGER STR.132"137 Q. M. B. H. ROSENTHALER STR. 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Die Gesellschaft für Soziale Reform, eine Gründung des früheren preußischen Handelsministers Dr. Freiherrn v. Berlepsch und des früheren Chefredakteurs des ehemaligen kathedcrsoziali- stischen„Hamburgischen Correspondenten", Professors Dr. Ernst Francke, hielt im Bürgersaale des Rathauses die fünfte Generalversammlung ab. Es waren„Sozialreformer" beiderlei Geschlechts und aller Richtungen in großer Zahl erschienen. Evangelische, katholische, antisemitische und fortschrittliche Ver- bände, selbst die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine, die christlichen Gewerkschaften und der antisemitische Deutschnationale Handlung?- gehilfenverband waren vertreten. Kardinal-Fürstbischof Dr. Kopp hatte einen Pfarrer als Vertreter entsandt. Daß für eine solche Generalversammlung die Vertreter der Regierungen Zeit haben und sich nicht wie bei Arbeiterkongressen(Krankenkassentagen) ent- schuldigen ließen, ist selbstverständlich. Es waren folgerichtig mehrere Reichsämter, preußische Ministerien, das Kaiserliche Ge- sundheitSamt, der SandcSgewerberat, das Oberpräsidium der Pro- vinz Brandenburg, dje württembergischen und badischen Ministerien, eine Anzahl Magistrate, die Deutsche Zentrale für Jugendfürsorge, die Soziale Geschäftsstelle für das evangelische Deutschland, der Verband fortschrittlicher Frauenvereine und der bei keiner bürger- lichen Veranstaltung nicht mehr zu entbehrende— Deutsche Hansa- bund vertreten. Nachdem der Vorsitzende, StaatSminister Dr. v. Berlepsch, in der Begrüßungsrede mitgeteilt hatte, es werde von der Gesellschaft eine Erhebung vorgenommen über den Stand der Sittlichkeit und Leistungsfähigkeit der gewerblichen Jugend und deren sittliche Einflüsse, sprach Obermedizinalrat Professor Dr. b. Gruber-München über:„Berufsschutz der fugend- lichenArbeite r". Der Redner wies an der Hand der Statistik nach, daß die Fähigkeit des Kinderstillens, die Militärtauglichkeit, ganz besonders aber die körperliche EntWickelung der Arbeiter» fugend wesentlich zurückgegangen sei. Auch die Sterblichkeit habe gerade im entwickelungsfähigen Alter der Arbeiterjugend, vom 15. bis 20. Lebensjahre, zugenommen. Während die Sterblich» keit an Tuberkulose im allgemeinen im Abnehmen begriffen sei, sei sie im entwickelungsfähigen Alter der Arbeiterjugend gestiegen. Selbst die Militärtauglichkeit der Einjährig-Freiwilligen habe sich vermindert. Letzterer Umstand dürfte auf die immer mehr um sich greifende Syphilis zurückzuführen sein. Um ein kräftigeres und gesünderes Geschlecht der arbeitenden Klassen zu erzielen, sei es notwendig, die Jugend vor dem Alkoholmißbrauch und dem Nacht» leben in den Großstädten zu warnen, die Jugend zu körperlichen Uebungen anzuhalten und für bessere Wohnungen und bessere Er- nährung soweit als möglich Sorge zu tragen. Außerdem fei es erforderlich, das jugendliche Schutzalter mindestens bis auf das achtzehnte Lebensjahr auszudehnen und bei der zehnstündigen Ar- beitszeit den Fach- und Fortbildungsschulunterricht einzubeziehen, denn geistige Anstrengung sei zum mindesten der körperlichen gleich- zuachten. Ganz besonders müsse aber die Arbeiterjugend über die Notwendigkeit hygienischer Maßnahmen aufgeklärt werden, denn ohne den Willen der Betreffenden selbst seien alle Bemühungen erfolglos. Eine Hauptsache sei aber die Pflege des Familien« l e b e n s, das die Grundlage aller Kultur bilde.(Stürmischer, langanhaltender Beifall.)— Es schloß sich hieran eine sehr lange, lebhafte Diskussion, in der alle möglichen Vorschläge zur Verbesse» rung der erwähnten mißlichen Verhältnisse gemacht wurden. Selbstverständlich wurde mit keinem Worte der agrarischen Gesetz- gebung erwähnt, die in der Hauptsackie die schlechte Ernährung der besitzlosen Klassen verursacht. Das durfte beileibe auch nicht ge- fchehen; die Regierungsvertreter und auch die anwesenden frommen Brüder beider Konfessionen hätten das jedenfalls übel genommen. Im übrigen waren die vorgeschlagenen Mittel so zahlreich wie der Sand am Meere. Es fehlte nur noch der Ausspruch:„Die Armut kommt von der Pauvrete." Schularzt Dr. Förster-Hamburg war der Meinung, daß der Schularzt gleichzeitig SchulursachSarzt sein müsse.— Redakteur Schaub entwarf ein traurige? Bild von der ungeheuerlichen Ausbeutung der Musikerlehrlinge, da diese eigen- tümlicherweise durch die Gewerbeordnung in leiner Weise geschützt seien.— Fräulein Schmidt-Berlin. Vertreterin des Verbandes katholischer erwerbstätiger Frauen und Mädchen empfahl die Er» Weiterung der Elternabende und Aufklärung über die Notwendig- keit de» Zimmerlüftens.— Professor Dr. Lennhoff-Berlin empfahl kleines feuilleton. Der Ursprung der roten Fahne. Die rote Fahne wird heute in allen Ländern als das Banner der sozialen Revolution angesehen. In ihrem Zeichen stehen die Kundgebungen der sozialistischen Jnter- nationale, aber auch die revoltierenden Bauern der Canwagne. die sich eigentlich nur für die Aufrechterhaltung eines für sie geichastenen Privilegiums innerhalb der heutigen Wirtschaftsordnung erhoben, haben sie aufgepflanzt. ES ist nun von Interesse zu erfahren, wann und wie die rote Fahne ihre revolutionäre Bedeutung erlangt hat. In der Zeit der französischen Revolution hatte sie diese Bedeutung keineswegs— im Gegenteil, sie war die Fahne der Ordnung Tie konstituierende Bersammlung dekretierte, daß die Gemeinde- behörde im Falle der Rebellion die rote Fahne hissen sollte, ali Zeichen, daß das Stan brecht proklamiert sei. Wie Pierre N o l a h in der.Petit« Republique" ausführt. erschien die rote Fahne als revolutionäres Abzeichen zum erstenmal im Jahre 1832, beim Leichenbegängnis des Generals Lamarque, als die Proletarier zum Ausdruck bringen wollten, daß Ludwig Philipp die dreifarbige Nationalfahne entehrt habe. Aber in den Straßeiikänipfcn der Februarrevolution von 1348 war die rote Fahne kaum auf einigen Barrikaden zu sehen. Erst am Nachmittag des 25. Februar erschien sie plötzlich im Bordergrund der Begebenheiten. Es gibt darüber verschiedene Versionen. So berichtete Corbon in einem Brief an den.Siöclc" folgendes: Im großen Saal desStadthauses verband ein junger Chirurg von der Nationalgarde einen Ver- wundeten. Er hatte die seltene Idee, ein Stück roten SammetS auS einem der beiden Kanapees, die im Saale standen, herauszuschneiden, den Kopf des Verwundeten damit zu bedecken und es hernach in die Menge zu werfen. Man rief:„Wir müssen Fahnen daraus machen!" Mit Hilfe von Besenstielen wurde die» ausgeführt. DaS war der Anlaß, daß der Regierung gemeldet wurde, daß die„rote Partei" vor den Toren steht. Als sich die Menge dann vor dem neuen Re- genten befand, hielt Lamartine die berühmte Rede, worin er sagte:.Die dreifarbige Fahne hat mit der Republik und mit dem Kaiserreich, mit Euren Freiheiten und Eurem Ruhm die Reise um die Welt gemacht— die rote Fahne ist nur, im Blute deS Volkes geschleift, um da» MarSfeld gereift.« Am nächsten Morgen begann auf den Rat BlanquiS die Manifestation von neuem, diesmal mit wirklichen roten Fahnen. E» kam zu einer mehr als dreistündigen Diskussion unter den Mit- gliedern der provisorischen Regierung. LouiS B l a n e verteidigte die rote Fahne mit dem Argument, daß ein neues Regime ein neues Emblem brauche, ihm widersetzte sich Ledru Roll in im Namen der revolutionären Tradition. Der Finanzmiinster Goudchaur, von Beruf Bankier, unterstützte ihn in entscheidender Weise. indem er erklärte, daß die Anerkennung der roten Fahne„ v. �.-.... ,, einen schlechten Einfluß auf die Geschäfte haben würbe. Die\ setzung der.Komischen", die Charlottenburger als Rcchnungsobjckt die Errichtung von Walderholungsstätten, in denen der weiblichen Arbeiterjugend Gelegenheit gegeben werden müsse, ohne Wirtschaft- lichen Nachteil die Nächte dort zuzubringen. Im weiteren seien Haushaltungsschulen zu errichten, in denen die Mädchen als Haus- frauen und Mütter auszubilden seien.— Abgeordneter Gold- schmidt-Berlin: Die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine haben schon vor Jahren die Ausdehnung des gewerblichen Schutzalters bis zum 18. Lebensjahre gefordert. Es müssen alle Maßnahmen getroffen werden, eine kräftige und gesunde Arbeiterjugend zu schaffen; nur dadurch könne die deutsche Industrie ihre Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt behalten.— Roth-Hamburg, Vertreter des Deutsch- nationalen Handlungsgehilfenverbandes, wünschte die gewerblichen Schutzbestimmungen auf die in kaufmännischen Betrieben An- gestellten auszudehnen, und die Anstellung von Handelsinspektoren, die über die Einhaltung der Schutzvorschriften in den kaufmänni- schen Betrieben zu wachen haben. Im weiteren beklagte Roth, daß die Frauen den Männern in den kaufmännischen Betrieben Kon- kurrenz machen.— Arbeitersekretär StegerNxild-Köln vom Ver- bände christlicher Gewerkschaften, empfahl Wiedereinführung des alten Brauchs, daß die Handwerkslehrlinge im Hause des Meisters essen und schlafen.— Fräulein Agnes Hermann-Berlin, vom Ver- bände weiblicher kaufmännischer Angestellter: Die Frauen können aus wirtschaftlichen Gründen auf die kaufmännischen Betriebe nicht verzichten. Die männliche Bevölkerung sei im letzten Jahrzehnt um 18 Proz., in den kaufmännischen Betrieben um 78 Proz. ge- stiegen; von einer Verdrängung der Männer durch die Frauen in den kaufmännischen Betrieben könne mithin keine Rede sein. — Fräulein Lüders: Das Wirken der Frau in den kaufmännischen Betrieben stähle ihre Selbständigkeit und erziehe die Berufstreue und Berufsfreudigkeit.— Arbeitersekretär Becker-Berlin, vom Ver- band christlicher Geloerkschaften, sah alles Uebel in der„Simplicissi- mus'Aiteratur.— Privatdozent Dr. Kaup-Berlin empfahl, für bessere Wohnungsverhältnisse und bessere Löhne zu wirken. Was an höheren Löhnen gezahlt werde, werde man an der Invaliden- rente sparen.— Lithograph Tischendörfer-Berlin wandte sich gegen die Verweichlichung der Jugenderziehung.— Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten wurde die Verhandlung auf Sonnabend vertagt. �' Berlin, den'13. Mai. In der zweiten Sitzung der„G e s e l l s ch a f t f ü r soziale Re f o r m" sprach Reichstagsabgeordneter C u n o über die Fort- bildungsschule. Er führte aus: In dem Lande des allgemeinen Wahlrechts, in dem jeder Arbeiter Einfluß auf die Gestaltung im öffentlichen Leben habe, sei es ein Gebot der Pflicht, gute Fach- und Fortbildungsschulen zu haben. Ohne diese würde das Hand- werk, an das immer größere Anforderungen gestellt werden, ver- kümmern. Auch die Großindustrie müßte ein lebhaftes Interesse an leistungsfähigen Fach- und Fortbildungsschulen haben. Leider sei in den Kreisen der Großindustrie wenig oder gar kein Interesse für daS Fortbildungsschulwesen vorhanden. Es komme hinzu, daß der Bergbau der Gewerbeordnung nicht unterstehe. Aus diesem Anlaß gebe cz in Rheinland-Westsalcn die wenigsten Fortbildungs- schulen. Seit 1885 habe sich die Zahl der Fortbildungsschüler von 48 000 auf 400 000 erhöht. Es werde nun die Einführung des Religionsunterrichts in der Fortbildungsschule gefordert. Er müsse dieser Forderung mit größter Entschiedenheit entgegen» treten. Er gebe zu, daß die katholische Kirche das ganze Leben ihrer Anhänger beeinflusse, es sei aber kein Zweifel, der Religions- Unterricht würde das bisherige friedliche Einvernehmen zwischen den Schülern aufs empfindlichste stören. Angesichts des Um- standeS, daß im letzten Jahrzehnt die weiblichen Industriearbeiter um eine halbe Million sich vermehrten, die männlichen dagegen zurückgegangen seien, sei die Forderung nur gerecht, die Fort- bildungsschule auf daS weibliche Geschlecht auszudehnen. Aller- dings müßte eine gute HaushaltungSschule damit ver» Hunden sein. Außerdem sei eS eine dringende Forderung, die Fortbildungsschule für Knaben und Mädchen vom 14. bis 17. Lebensjahre als Pflichtfortbildungsschule einzuführen.(Lebhafter Beifall.) Pastor C la ss e n° Hamburg: Er könne sich den Aus- führungen des Vorredners nur vollständig anschließen. ES sei nun einmal Tatsache, daß die weitaus große Mehrheit der Industriearbeiter Sozialdemokraten seien, und daß die Kinder dieser Leute, insbesondere Knaben im Alter vom 14. bis 17. Lebensjahre, die politischen Anschauungen ihrer Väter teilen. Es sei deshalb erforderlich, darauf Rücksicht zu nehmen. Schon deS- halb könne von einem Religionsunterricht in der Fortbildungs- schule keine Rede sein. Er habe die Beobachtung gemacht, daß seine Fortbildungsschüler vom Staatsbegriff mehr Verständnis haben als mancher Gymnasiast und Student. Er übe auch die Methode, als führende Männer nicht bloß Bismarck und Moltke, sondern auch Bebel anzuführen. Er habe erreicht, daß seine Schüler die Notwendigkeit erkennen, sich der einheitlichen Ordnung für alle Zwecke des Lebens unterzuordnen und von der Achtung der sitt- lichen Unverletzlichkeit jedes einzelnen erfüllt seien.(Stürmischer Beifall.) Erster Bürgermeister Dominicus-Schöneberg-Berlin: Er stimme den Vorrednern im allgemeinen bei. Man müsse aber auch das Augenmerk auf den Rückgang der Militärtauglichkeit richten. Es sei erforderlich, den Turnunterricht in den Fortbildungs- schulen obligatorisch einzuführen.— Frl. Magarete H e n s ch k c„ Berlin betonte es als erforderlich, die Fortbildungsschule ethisch zu heben.— Gerichtsassessor Willigmann- Charlottenburg: Auch er halte eine sittliche Hebung der Fortbildungsschule für not- wendig. Er unterrichte an einer Fortbildungsschule, in der zu- meist Arbeitsburschen sitzen, er müsse aber sagen, daß dies der Abschaum der Menschheit sei.(Lebhafter Widerspruch.)— Frl Margaret« Böhm-Berlin: Sie sei seit 25 Jahren Leiterin einer Berliner Volksschule, ihre Schule- rinnen seien aber nicht der Abschaum der Menschheit.(Beifall.) Viel« ihrer Schülerinnen seien Heimarbeiterinnen geworden. Tie>e befinden sich infolge der miserablen Entlohnung in einer sehr traurigen Lage. Sie sei daher bemüht, ihre Schülerinnen zu Kameradinnen dieser Arbeiterinnen zu erziehen, damit sie nicht Lohndrückerinnen ihrer Arbeitsschlvestern werden. An der großen Not der Heimarbeiterinnen sei die bürgerliche Gesellschaft, nicht zum mindesten die „Herren Männer" schuld.(Stürmische Heiterkeit und Beifall.)— Hartmann(vom Verbände der Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine): Der Religions- Unterricht gehöre nicht in die Fortbildungsschule.— Redakteur Schaub-Berlin bezeichnete es als notwendig, die Pflichtfortbildungs- schule auf die Musikerlehrlinge auszudehnen.— Frl. Agnes Herr- mann-Berlin wünscht die Ausdehnung der Pflichtfortbildungsschule auf die weiblichen Angestellten in den kaufmännischen Berufen.— Dr. Rundscheid-Berlin: Den Turnunterricht als obligatorischen Lehrgegenstand könne er nicht empfehlen.— Marr-Hamburg, Leiter des Hamburger Volksheims: Der Nachwuchs in Hamburg, ins- besondere der akademische, sei«ganz verflucht preußisch".(Stür- mische Heiterkeit.)— Obermcdizinalrat Dr. v. Gruber-München: Ein gesundes Geschlecht lasse sich nur durch Rassenhygiene schaffen. Daß selbst verheiratete Frauen in die Fabrik gehen müssen, finde er für ungeheuerlich. Es sei dringend notwendig, die wirtschaftlichen Verhältnisse so zu gestalten, daß die verheiratete Frau im Hause bleiben könne.— Pfarrer Beyer-Gr.-Lichterfelde, Vertreter des Kardinals Fürstbischofs Dr. Kopp: Auch er halte es für erforderlich, die Fortbildungsschule sittlich zu heben. Dies könne aber nur mit Erfolg erreicht werden, wenn es auf Grundlage einer religiösen Weltanschauung erfolge. Es lasse sich die Ethik nur auf religiöser Grundlage schaffen.(Teilwciser Beifall.)— Fovtbildungsschul- lehrer Barth-Rixdorf-Bcrlin: Er warne dringend bor Einführung des Religionsunterrichts in den Fortbildungsschulen. Dadurch würde das gute Einvernehmen zwischen den Fortbildungsschülern zweifellos eine arge Gefährdung erfahren.— Noch mehrere Redner und Rednerinnen, unter diesen die beiden Referenten, Oberbürger» meister Cuno und Pastor Classe, äußerten sich in demselben Sinne. — Der Vorsitzende, Staatsminister Dr. Freiherr v. Berlepsch dankte zum Schluß allen Rednern und Rednerinnen für die gegebenen lehrreichen Anregungen. Die Gesellschaft für soziale Reform, die zur internationalen Vereintguiig für gesetzlichen Arbetterschutz alz Mitglied gebäre, habe bei dieser Vereinigung angeregt, in allen Kulturstaaten den zehnstündigen Normalarbeitstag, das Verbot der Nachtarbeit für Jugendliche und Frauen und die Ausdehnung des gewerblichen SchutzaltcrS vom IS. bis zum 18. Lebensjahr« gesetzlich einzuführen. Die beiden ersten Forderungen seien in Deutschland bereits Gesetz, die dritte Forderung werde zweifellos sehr bald erfüllt werden. Damit schloß die Generalversammlung. 13. Gevtralversammlung der Maler, lackierer, Anstreicher, Uucher und Meißbinder Deutschlands. München, 12. Mai 1011. Am fünften VerhandlmigStage referierte Tobler»Ham> bürg über die Durchführung bcS RcichStarifvertrageS und die Lohnbewegungen, Der Redner meinte, daß nun nach einjährigem Bestehen eine andere Auffassung über den Reichstarif unter der Kollegenschaft Platz gegriffen habe als bei seiner Einführung. Auf einen provisorische Regierung erließ in diesem Sinn ein Dekret, das die Trikolore als Nationalfahne erklärte. Die rote Fabne blieb auch weiter offiziell geächtet. Selbst unter der dritten Republik bat man sie nur ein einziges Mal— beim„Triumph der Republik" am Ausgang!der DreyfuSkrife— in einem Umzug zugelassen. Sie hat sich allerdings..iaegalen" Ein- gang verschafft. Zuletzt noch flatterte sie wochenlang auf dem Stadthaus von Bar-sur«Aube. Und nicht weniger als 2500 Soldaten unter dem Kommando eine» Generals wurden im Morgengrauen aufgeboten, um in Gegenwart eines Unterpräfekten und sonstiger „Spitzen der Bebörden" in einer stundenlangen Operation dieses fürchterliche Abzeichen zu entfernen. Mustk. „Hört die grause Moritat, die der Sohn am Vater kal: Mächt ihn— armes Publikum!— durch den Wurf ins Wasser stumm." Und dann wird an seiner Seite die Maada(eine, der man zu viel Ehre antut, wenn man sie„dämonisch nennt) die Bäuerin auf dem reichen Hof und will ihren Danin ganz für sich niit ihrem weißen Leib haben, stürzt sich aber, da ihn das Gewissen beißt, in den Abgrund. „Der T e u f e l S w e g" ist die Schlucht, in der die Tat geschehen war; und so heißt die Oper, die am Freitag in der „Komischen Oper" ihre Uraufführung bekam. Die Hand- lung spielt am Ndrdfuße der Hohen Tatra, die aber ein Pseudonym für den Kreuzberg zu sein scheint; und der Verfasser, polnischen Namens, kleidet die breiten Auseinandersetzungen seiner Personen in leidliche deutsche Verse. Der Komponist kleidet sie in daS musikalische Gewand, daS heutzutage sozusagen als Konfektion vorrätig ist. Ignatz Wag- Halter, derzeit Kapellmeister an dem genannten Theater, kommt von seinem Orchester und von den üppig zusammengerafften Klangfarben der Instrumente nicht los; fortwährend fährt er mit ihnen heftig in die Höbe und unterbricht dann von Zeit zu Zeit die Aufregung durch lyrische Süße oder auch durch einen marschartigen Erzählerton. An einigen Stellen wird die Tragik durch vor- schriftmäßigen Kontrast unterbrochen; Chöre mit hübschen Rhythmen und die verräterischen Heiterkeiten eines Duffotenors deuten an, daß der Komponist wohl daS Zeug hat, auf heiterem Gebiet etwas wirklich Musikdramatisches zu leisten. Die Sllnger, im allgemeinen tüchtig an Stimme und Spiel, vor allem Annie Gura-Hummel in der Hauptrolle, gaben dem Abend einen Erfolg, den der Freundschaftserfolg des Kam- ponisten nur wenig verstärken konnte. Und die szenische Leitung von Direktor H. G u r a lieferte eine Ausstattung, in der die Originalitäten der Direktion Gregor noch wie ein in der Ferne verschwindender Chor nachklangen. Binnen kurzem werden wir 2 oder gar 8 neue Opernhäuser haben: die Kurfürsten-Oper von M. Moris als vermutliche Fort eines Konsortiums und etwa auch noch das Theater deS Westens, das vielleicht von der Operette zur Oper zurückkehren wird. Hoffent- lich wirdS dann nicht an guter Gelegenheit für neue Kompositionon und nicht an guten Kompositionen für die neue Gelegenheit fehlen. er. Humor und Satire. Metzer Komment. lieber die Behandlung amtlicher Angelegenheiten ergeht folgende Bekanntmachung des Polizeipräsidiums zu Metz: 1. Im allgemeinen genießen alle polizeilichen Maßnahmen in dieser Stadt den Schutz des§ 05(Majestätsbeleidigung Betr.) und dürfen nicht zum Gegenstand von Angriffen gemacht werden. 2. Besitzt jemand dennoch die Frechheit, solche Maßnahmen zu kritisieren, so kann ihm zunächst auf dem Gnadenwege die p a r- lam entarische Form der Behandlung zugestonden werden (Diskussion), aber nur insolange, als dem Polizeipräsidium zur Erwiderung sachliche Gründe zur Verfügung stehen. 8. Endet der gesunde Menschenverstand, so beginnt die kam» mentmäßigeBehandlung des Falles(Disperkusfio n). und zwar nach folgenden Bestimmungen: a) Alle in das Ressort der Polizeiassessoren,»Räte und akademisch gebildeten sonstigen Polizeibeamten zuständigei, Fälle werden aus» g e f o ch t« n. b) Alle dem Polizeidirektorium oder»Präsidium rcssortierenden Fälle werden a u S g e s ch o s s e n. Die Durchschlagskraft der Ge» schösse ist umgekehrt proportional der Durchschlagskraft der polizeilichen Gegengründe zu wählen. Als Bureauraum für die Er- ledigung dieser Akten gilt vorläufig— bis zur Errichtung eines eigenen Schießsaales im Polizeigebäude— die k. Militär» scküeßschule. AlS Kartellträger haben sich die k. Kreisdirektoren so- wie die übrigen höhereen Regierungsbeamten zur Verfügung zu halten. Gegeben zu Metz. 6. Mai 1911. K.. Polizeipräsident. _(„Jugend"). Notizen. — Don Manuel in Marmor. Die ungalanten Portu» gtefen, die so kurzerhand sich ihres angestammten König» von Gottes Gnaden zu entledigen wußten, haben den Manuel nicht nur um Thron. Zivilliste und Geliebte gebracht, auch seinen Ruhm der Zukunft haben sie geschmälert. Als Manuel noch mit.Krone Zepter und Stern" spielte, plagte ihn eines Tages der Ehrgeiz, sich gleich anderen gekrönten Kollegen— auShauen zu lassen. Natürlich nur in Mannor. Der nicht unbekannte portugiesische Bildhauer Moreira Rato bekam den Auftrag, ein Denkmal deS Königs zu meißeln. Der Künstler hat nun den Auftrag ausgeführt, weiß aber mcht, was er mit dem steinernen König in Generalsuniform an» fangen soll. Die Lissaboner. für die daS Denkmal bestimmt war. sind unhöflich genug, dem marmornen Manuel wie dem leiblichen den Eintritt zu verwehren. Artikel in Set„Neuen Zeit" eingeben?, In 5em d'er Gauleller kies Zimmererverbandes, Kremser- Frankfurt a. M., behauptet, daß durch Lokaltarife bei Ausnutzung der wirtschaftlichen Konjunktur niehr erreicht werden könne als durch den Reichstarif, behauptet Redner, daß für die Malerorganisation das Gegenteil zu- treffe. Nach einer Aufstellung über die Erfolge und Kosten der Jahre 1906 bis 1969 und des Jahres 1916 ergab sich, daß im Jahre 1916 nach Abschluß des Reichstarifs größere Vorteile erzielt wurden. In dem Jahre 1966 bis 1969 wurde eine Steigerung des Lohnes erzielt: für 37 386 Beteiligte um insgesamt 3 773 396 Mk. und im Jahre 1916 durch den Reichstarif— der bis zum Jahre 1913 läuft— eine solche für 69 772 Beteiligte um insgesamt 3 787 926 Mk. Die Unkosten betrugen 1966 bis 1969 für Streik- Unterstützung 771631 Mk. und an Lohnverlust 1656 416 Mk., ins- gesamt 2 327 961 Mk. Im Jahre 1916 betrugen die Unkosten der Bewegung nur insgesamt 16� 361 Mk.(Streikunterstützung 66 284 Mk. und Lohnverlust 94113 Mk.). Der Ueberschuß des Erreichten über die Aufwendungen an Unkosten beträgt 1966 bis 1969 1446 429 Mk.. 1916 aber 3 633 569 Mk., also 2 188 136 Mk. mehr. Eine Arbeitszeitverkürzung wurde erzielt 1966 bis 1969 von 1 681 966 Stunden und im Jahre 1916 von 1666 926 Stunden. Dazu kommt noch in Betracht, daß mit dem Abschluß des Reichstarifs die Erfolge bis 1913 noch nicht beendet sind, es werden noch eine Reihe von Verbesserungen erzielt werden. Es sind also durch unsere Tarifpolitik schöne Erfolge erzielt worden. Durch einen Kampf wäre auch nicht mehr erreicht worden. Redner begründet zum Schluß seiner Ausführungen die vom Vor- stand vorgeschlagenen Maßnahmen zur Durchführung der Lohn- bewegung bei Ablauf des Reichstarifs. Danach soll die Aufstellung der Forderungen in den Filialen durch die Mit- gliedschaft geschehen und sind dann diese Forderungen den Agitationskommissionen zum Zwecke der zentralen Regelung zu- zustellen. Die Bezirkskonferenzen wählen dann einen Ausschuß, der in Verbindung mit den Bezirksleitern und den Vertretern des Vorstandes und Ausschusses des Verbandes über alle vor und nach den Tarifverhandlungen zu beobachtenden Maßnahmen be- schließt. Diese Körperschaften haben darüber Beschluß zu fassen, ob die Resultate der zentralen Verhandlungen einer Urabstim- mung oder den Bezirkskonferenzen eventuell einer außerordent- liehen Generalversammlung zur Abstimmung zu unterbreiten sind. Für den nächsten Abschluß des Reichstarifs ist aber vor allem Ein- mütigkcit in der Organisation notwendig. Absplitterungen, wie in Hamburg, dürfen nicht mehr vorkommen. Es gibt nur ein Ziel: Geschlossenheit. Dann können wir den Kampf mit den Arbeitgebern mit Zuversicht aufnehmen.(Großer Beifall.)— In der Diskussion wird von mehreren Rednern verlangt, bei der nächsten Tarifberatung vor allem ein Augenmerk auf die Erhöhung des Lohnes und die Verkürzung der Arbeitszeit zu richten; ebenso müsse ein Augenmerk auf den Arbeitsnachweis tind die Vergütung bei auswärtigen Arbeiten gerichtet werden. Eine Reihe notwendiger Statutenänderungen wurden ange- nommen. Abgelehnt wurde in namentlicher Abstim- mung ein Antrag von Hamburg, daß sich die Lokalbeamten alle zwei Jahre zur Wahl zu stellen haben; ebenso wurde Ziffer? der Hamburger Vereinbarungen abgelehnt. Uns Induftne und ftandel Vertrustung. Innerhalb des Arbeitsgebietes der europäischen Pe- iroleumunion, die aus den Petrolcumunternehmungen der Deutschen Bank, des Hauses Rothschild u. Freres in Paris und der Naphthaproduktionsgesellschaft Gebrüder Nobel in St. Petersburg besteht, vollziehen sich jetzt entscheidende Umwälzungen. Die europäische Union arbeitet darauf hin, die Verkaufsgesellschaften der drei großen Gruppen zu je einer Ge- sellschaft für jeden Markt zusammenzufassen, so daß immer nur eine Gesellschaft den jeweiligen Landesgesetzen untersteht. Für den deutschen Markt ist dies Ziel in der Deutschen Pe- troleum- Gesellschaft erreicht. Die Transaktionen der Deutschen Tiefbohrgesell- schaft bezwecken die Zusammenfassung der deutschen Erdölinter- essen. Der deutsche Erdöl trust ist in Vorbereitung. Die große Gruppe der Deutschen Tiefbohrgesellschaft umfaßte Ende 1916 die Erdölunternehmungen im Elsaß, und zwar die Elsässische Petroleumgesellschaft zu Amsterdam und Wal- bürg, Gewerkschaft Gute Hoffnung bei Dürrenbach und die Pechel- broner Oelbergwerke. Die Gruppe der Vereinigten deutschen Mine- ralölwerke A.-G. beherrscht durch nahezu völligen Aktienbesitz die Celle-Wietze A.-G., die Deutschen Erdölwerke Wilhelmsburg, die Hannoversche Erdölraffinerie, die Mineralraffinerie Rheinau und die Bohrgesellschaft Oldau-Südwinsen; auch die Deutsche Schachtbau-Gesellschafft m. b. H. gehört zu ihrem Macht- bereich. Hinzu kommen noch erhebliche Kali- und Erdöl- gerecht same, eine Beteiligung bei der ersten Rumänischen Bohrgesellschaft A.-G., Bukarest, und das Interesse an der Austria, Petroleumindustrie A.-G., die wieder galizische Engagements hat. Die jetzt geplanten Transaktionen werden voraussichtlich folgende Verschiebungen bringen: Dis V e r e i n/i g t e n Deutschen Mineralölwerke A.-G. Berlin werden aufgelöst, ihre Raffinerien gehen an die Deutsche Tiefbohrgesellschaft über, den Erdölbetrieb übernimmt die Deutsche Mineralöl- i n d u st r i e A.-G., Köln. Damit kommen die gesamten n o r d*/, Uhr.) Köntgl. Schauspielhaus. Sonntag: Die Welt w der man sich langweilt. Montag: Dr. Klaus. Dienstag: Goldfiischc, Mittwoch: Köuig Richard II. Donnerstag: Wie die Alten sungen. Freitag: Aus Stras» Urlaub. Sonnabend: König Heinrich IV. I. Teil Sonntag: FlachSmann als Erzieher. Montag: König Heinrich lV. II. Teil.(Ansang 71/, Uhr). Neues fgl. Opern-Theater. Sonntag, 14. Mai: Ein Winternacht. fest.(Ansang 7-/, Uhr.) � DrutlcheS Theater. Sonntag: Faust 2. Teil.(Ansang 6 Uhr.) Moniag: Ein Sommcrnachtstraum.(Ansang 7'/, Ubr.) Dienstag und Mittwoch: Failst 2. Teil.«Ansaiig 6 Uhr.) DonncrSiag: Faust 1. Teil (Ansang TU Uhr.) Freitag Faust 2. Teil.(Aiisaug 6 Uhr.) Sonnabend: Othello.(Ansang 71/, Uhr.) Sonntag: Faust 2. Teil(Ansang 6 Uyr.) Montag; Hamlet.(Ansang 7'/, Uhr.) Deutsches Theater(K a m m e r s p i e l e). Sonntag: Sumurün. Montag: Frühlings Erwachen. Dienstag: Sumurün. Mittwoch: Die Kömgin. Donnerstag: Der verwundete Vogel. Freitag: Die Köntgia. Sonnabend: Sumurün. Sonntag und Montag: Die Königin.(Ansang 8 Uhr.) Lcsfing-Theater. Sonntag nachm. 3 Uhr: Hedda Gabler. Abend«: Glaube und Heimat. Montag bis Sonnabend: Glaube und Heimast Sonntag, Li. Mai, nachm. 3 Uhr: Di« versunkene Glocke. Abend» Glaube und Heimat.(Ansang 8 Ubr.) Kleines Theater. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Nur ein Tramn. Abends: Der Lcibgardist. Montag bis Sonnabend: Der Leibgardist. Sonntag, 21. Mai, nachmittags 3 Uhr: Nur ein Traum. Abends und Montag: Der Leibaaldist.(Ansang 8 Uhr.) NeueS Schauipielhaus. Sonntag bis Freitag: Eine Millio». Sonnabendnachmittag 3 Uhr: SternschcS Konservatorium. Abends: Eint Million. Sonntag und Montag: Ein« Million.(Ansang 8 Uhr.) Neue» Ueater. TSgNch: Mein erlauchter OMcnt.(Anfang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachmitlag 3 Uhr: Taifun. Abends: Lummelswdentcn. Montag bis Sonnabend: Bummclsludenten. Sonntag, LI. Mai, nachmittags 3 Uhr: Einer von unfere Leut'. Abends und Mon- tag: Bummeistudentsn.(Anfang 8 Uhr.) Neues Volks-Theatcr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Viel» teprüfte. Abends: Kater Lampe. Montag und Dienstag: Kater Lampe. Kittwoch und Donnerstag: Der Vielgeprüfte. Freitag und Sonnabend: Kater Lampe. Sonntag, 21. Mai, nachmittags 3 Uhr: Der Vielgeprüfte. Abends»nd Montag: Der Vielgeprüfte.(Ansang 8'/, Uhr.) Modernes(Hebbel-) Theater. Sonntag bis Freitag: Wienerinnen. Sonnabend: Die Büchse der Pandora. Abends und Montag: Wienerinnen. (Anfang 8J/. Uhr.) Komiiche Lp er. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Orpheus in der Unter« weit. Abends: Der Teujelsweg. Montag: HoffmannS Erzählungen. DienStag: Der Teufelswcg. Mittwoch: Ein Maskenball. Donnerstag: OcpheuS in der Untcnvelt. Freitag: Zum erstenmal: Rigoletto. Sonn- abend: Tosca. Sonntag, 2l. Mai, nachmittags 3 Uhr: Die Fledermaus. Abends: Der Teufelsweg. Montag: Ein Maskenball.(Ansang 8 Uhr.) Thalia-Thcater. Allabendlich: Polniiche Wirtschaft.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Theater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Ehre. Abends: Der große Name. Montag: Liebelei. Literatur. Dienstag: Der große Name. Mittwoch: Ter Traum ein Leben. Donnerstag und Freitag: Der große Name. Sonnabend: Nathan der Weise. Sonntag, 2l. Mai, nachm. 8 Uhr: Die Ehre. Abends: Husarenfieber. Montag: Liebelei..Literatur. (Anfang 8 Uhr.) Schiller- Theater Charlottenbnrg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Zapfenstreich. Abends: König Heinrich. Montag: Im Klubfessel. Diens- tag: König Heinrich. Mittwoch: Liebelei. Literatur. Donnerstag und Freitag: König Heinrich. Sonnabend: Der große Name. Sonntag, den 21. Mai, nachmittags 3 Uhr: Zapfenstreich. Abends: Der große Name. Montag: König Heinrich.(Anfang 8 Uhr.) Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntag: Der Hüttenbesitzer. Montag bis Montag: Kasernenlust.(Ansang 8 Uhr.) Neues Lverettcn- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Glückselig cl. Abends: Der Gras von Luxemburg. Montag bis Sonn» abend: Der Graf von Lurenburg. Sonntag, 21. Mai, nachmittag 3 Uhr: Der Glücksengel. Abends ulid Montag: Der Gras von Luxemburg. (Anfang 8 Uhr.) Theater deS Westen». Sonntagnachmittag 3'/« Uhr: Der fidele Lauer. Abends und Montag: Die geschiedene Frau. Dienstag bis Frei- tag: Ein Walzertraum. Sonnabend: Die lustige Witwe. Sonntag, den LI. Mai, nachmittags 3llt Uhr: Die lustigen Nibelungen. Abends und Montag: Die lustige Witwe.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Bolks-Oper. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Der Waffen- fchmied. Abends: Der Troubadour. Montag: Jasmin. Hieraus: Das lustige Felleisen.(Ansang 8»/, Uhr.) Geschloffen. Triauon-Theater. Allabendlich: DaS Prinzchen.(Anfang 8 Uhr.) Luisen- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: AuS erster Ehe. LbendS: Ohne Mutter. Montag bis Freitag: Ohne Mutter. Sonnabend: Der Irittsche Tag. Sonntag, den 21. Mai, nachmittags 3 Uhr: AuS erster Ehe. Abends und Montag: Ohne Mutter.(Ansang 8 Uhr.) Lustspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Meyers. AbendS: Der Feldherrnhüget. Montag bis Sonnabend: Der Feldherrnhügel. Sonntag, Mai, nachmittags 3 Uhr: Der Herr Senator. Abends und Montag: en. Abends: ienStag: Aus nach New Jork. Mittivoch: Muttersegen. Donnerstag: Aus nach New tork. Freitag: Robert und Bertram. Sonnabend: Aus nach New Jork. onntag, 21. Mai, nachmittags 3 Uhr: Auf nach New Jork. Abends und Montag: Der fremde Blick. Die Verlobung im Bett,(Ansang 8 Uhr.) Casino- Theater. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Marianne, ein Weib aus dem Bolle. Abends: Zwei Wappen. Montag bis Sonnabend: Zwei Wappen. Sonntag. 21. Mm, nachmittag 3>/, Uhr: Marianne, ein Weib aus dem Volke. Abends und Montag: Zwei Wappen.(Ansang 3 Uhr.) Metropol> Theater. Allabendlich: Hoheit amüsiert sich. Ansang 8 Uhr. Falles Gaprice. Allabendlich bis aus weiteres: Wertheim wird platzen. III. Klaffe. Ansang 8'/. Uhr. Slpollo-Tbeater. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Passage- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. M- abendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Reichshalleu< Theater. Täglich: Stetttner Sänger. Ansang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Walhalla> Theater. Allabendlich: Prinz und Bettlerin.(Ansang 6llt Uhr.) Herrnfeld-Theater. Täglich: ScheidungS-Souper. Ein LerlobungS- gefchäst. Die Bar-Schwefter.(Ansang 8 Uhr.) Carl-Haverland-Theatcr. Täglich: Spezialitäten. Ansang Tl, Uhr. Kaiser-Pauorama. Täglich: Besuch von Wiesbaden und der Saal- bürg. Marokko während des Krieges. Boigt-Theater. Montag: Der Störensried. Mittwoch und Freitag: Der Postillon von Müncheberg. tlrauia-Thearer. Taubenstr 48M Lebende Tierbilder von nah und lern.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte, Jnvalidenslr. 57—82. BHefhaften der Redahtfon. Sit httiftliae epttchstilnde findet Liad�nftrage KS. vor» vier Treppe» Fahrstuhl—,«ocheittögiich von bis>z> Uhr avendS,«ouuavend» von iis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Briefkasten bestlmmfen Anstchf» ist et» Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Bricfllche Antwort wird«tcht erteilt. Eilige Frage» trage man tu der Sprech, lundc vor. E. B. 100. 1. und 2. Das Verfahren der Steuerbehörde entspricht dem Gesetz,(fj 62 und§ 19 Einkommensteuergesetzes.) Reklamation ist daher in beiden Fällen aussichtslos.— W. K. 103. 1. 3 Wochen. Ge« burrsurkunden und Militärpapiere. 2. Namensänderung erfolgt durch Er« klärung dem Standesbeamten gegenüber. Im übrigen enischerdet das Vormundschastsgcricht aus Antrag. 3. Die Absicht ist dem Amisgericht mit- zuteilen. Es erfolgt demnächst Vorladung, der Folge zu geben iit. Kosten: 3,60 M. Wegen der Angelegenheit der Kostenvergütung befragen Sie Ad. Hoffmann, Blnmenstr. 21.- A. Z. 100. 1. Mit der Auslassung. 2. Wenn der Käuser von der bezeichneten Absicht Kenntnis hatte und die Behaup« tungen bewiesen werden lönnen, ja. 3. Die Mietsverträge behalten Gültig« keil. 4. 130 M. rund; wird der Rcichsstempel erlassen, 10 M. weniger. Die Gesamttosten erhebt der Notar.— M. 335. Wiederholen Sie Ihre»Anfrage und teilen Sie noch mit, wann Ihre Braut in Dienst getreten ist.-Krause. Pasewalk. Die Verpflichtung besteht nur nach Matzgabe der Leistungs« sähigkeit. Der zum eigenen Unterhalt nötige Betrag muß dem Mann verbleiben. — 15. Mai. 1. und 2. Unseres Erachteiis: nein. 3. Ja.— K. F. 33. Notar oder Gericht.— F. P. 38. Die Frage läßt sich nur beantworten, wenn wir wissen, wieviel Marten und welcher Kasse geklebt worden find. In der Regel ist die Invalidenrente höher; diese können Sie weiter be- ziehen, ohne die Altersrente zu beantragen.— W. O. 10. Die Nach« Veranlagung ist zulässig. Beantragen Sie Stundung oder Bewilligung von Ratenzahlungen.— K. 5035. Der Ehemann hat nur den etwaigen Zinsgenuß. Der Zinsanspruch ist pfändbar.— W. W. 30. DaS Gesetz bestimmt darüber nichts. Das ist Sache der Vereinbarung unter den Parteien.— I. D. 150. 1. Nein. 2. Ja.— G. S. 30. 1. Nach dem Einkommen des Kalenderjahres 1910. 2. Leider nicht. 3. Wenn der Nach« weis erbracht wird, muß die Klage abgewiesen worden sein. Alle ernsthaslen Ansragen werden hcanlwortet; es wird daher auch Ihre frühere Anscage beaniwortet sein..— H. 100. Sie sind hastbar, Ihre Eltern nicht. — A. B. 10O. Mittel zur kostenlosen Bestellung eines Rechtsanwalts stehen uns leider nicht zur Bcrsügung.— H. 100. Eine Klage gegen den Vater ist aussichtslos.— H. F. 100. Die Vermögensverwaltung steht dem Vormund zu.— I. I. 34. Zwischen 10 und 6 Uhr, wenn im Per« trage nichts anderes bestimmt ist, muß die Besichtigung möglich sein. Sie sind also zur Abgabe des Schlüssels verpflichtet.— S. Oi. 3. Das geliehen« Geld kann voll herausverlangt werden. Außerdem kann der Varer ein Achtel des Nachlasses als gesetzlichen Pflichtteil fordern.— G. M. III. 1. Ja. 2. 11 Tage. 3. Alltäglich.— H. B. 50. 1. Beim Patentamt. 2. 50 M., ausschließlch Kosten des Patentanwalts, den Sie etwa zu Rate ziehen.— H. P. 10Ö. 1. und 2. Ja. 3. Soweit der Lohn 28,85 M. wöchentlich ubersteigt.— W. K. A. I. 1. und 2. Nein. 3. Ja. Ebenso, daß Sie in einem früheren Falle 5 M. und Essen erhalten haben. 4. u. 5. Ja „Hin warmes liest" Gartenstadt FoMiiiseii-(ilesl direkt am Bahnhok Seegefeld »•Sf Charlottenburg ÄiÄal 80 Mtmrten ab Lehrter Bahnhof(H«mDur»er Bahn) WunderaebSaea Laadaehefiebili] mit bewaldetea RShemUgen am Brleeeleng, aa den ichöneten u. grSesten Laub- o. Madelwald anscbliessend. Direkter StadthehnTerkehr eteht In»eher Aue- aicbi. Die DAborlUer Deerstraase liaflt in nflctaater Nahe. Daher grosee Wertsteigerungl □Rute von 10 Mk. an Klelaate Aniehlong. Am0rtl.at-H7p.bU IMO. Fertige Sommerbftuscben 700.—, 1100.—, 1500.— M. ::;; schlüaaelfertig,»ofort beziehbar n n Nieschalke Jt Nrtsohe Berlin MO, Heae Eönlgitreeie 16 Fern.pr.: AmtVU, 6376. Charlottenburg, Wilmcradorter Strafie 1■- Ecke Sohulstraße— 1» S. Hoff mann, empfiehlt sein reichhaltiges Lager von Sommer-Änzögeo Paletols für Herren und KüBben � med? aollden Preisen. Maß-Anzüge aus den modernsten Stoffen von 45 M. an in eigener Itetriebswcrkatiitte. 4251L* j Bureau: Amt III, 1474. Serlill B. 24, Gr. Hamburger Str. 18/19. Arbeitsnachweis: Amt III. 1313. Ortsverwalwng l sür Kellner» Köche, Köchinnen» Kitfettiers usw. Ortsverwalwng II Slhteilung sür daS Hilfspersonal: Zapfer, Hausdiener, Kupferputzer ufw. Ortsverwaltung III Adteilnng fnr Kierabzieher. Die Mitglieder des Verbandes find mit einer Mitgliedskarte zur Legitimation versehen, die jedes Quartal erneuert wird und die Farbe wechselt. 291/6 Die sür das laufende Quartal gültige Karte ist von branner Farbe mit schwarzem Aufdruck und lag dieselbe am letzten Zahlabend zur Ansicht aus.— WahlveremSbücher gelten nicht als Ausweis sür die Zugehörigkeit zur gewerkschaftlichen Organisation. Gleichzeitig machen wir daraus aufmerksam, daß der»verband deutscher GastwirtSgehilsen' und der »Gastronomische GehUsenverband» Ntttzt identisch sind. Der Vorstand» HopdhäusBP Routabali von Grimm STpiepel.Hopdhausen. Man verlange stets ausdrücklich unser Fabrikat—„Marke Grimm& Triepel"— und weise die vielfach mlssbräuchlich -- angebotenen geringwertigen Nachahmungen zurück.-- Zum Zeichen der Echtheit befindet sich in jedem unserer Röllchen ein Zettel mit unserer Firma in Rotdruck, was wir - beim Einkauf besonders zu beachten bitten.- Sbe Heinrich Pranck Tel: Amt III. 4352. Brnnnonstr. 33. 8— 7 Uhr geöffnet. Java-Umblatt bedeutend billigen No. 1639. Bczockl-Art, Vollblatt, 3 Länge, zart, reif,.. U Wrftj . sehr blattig M-• 11' 'jänge, Bohtabak Sumatra-Decke, 2. Länge, Vollbl., schneew. Br. 3 m. Max Jacoby, Strelitzer Str. 62. No. 1654. Liocmadjnng, Vollblatt, 2. Lä reif, leicht..-g sehr Messier zum Sclbstaufstellcii für 3 m Tiefe schon d. 13 M. an: Hospumpen, Garten« und Druckpumpen usw» 5 Jahre Garantie. Jllustr. Preislisten gratts, Koblank<20», Pump.-Fb. 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Mai, abends 8 Uhr: Neues Schauspielhaus. 15.(II.) Abend- abteilung: Eine Million. Neue Freie Vollöbühne. Sonntag, den 14. Mai, nachm. ä'/a Uhr: Deutsches Theater: Simloa und Dclila. Kammerspiele: Vawiin. Nachm. 3 Uhr: Neues Volks» Theater: Der viel- geprüste. Schiller-Theater 0.: Die Ehre. Schiller- Theater Charlottenburg: Zapseustreich. Mclropol-Theater: Mamsell Nitouche. Kleines Theater. Nur ein Traum. Neues Operetten» Theater: Der Glücksengel. Neues Theater: Tartüff.— Die Geschwister. SlbendS 8'/, Uhr: Neues Volks- Theater: Sonntag, Montag, Dienstag, Freitag, Sonn» abend: Kater Lampe. Mittwoch, Donnerstag: Der Bielgeprusle. Volks- Oper. Montag: Jasmin.— DaS lustige Felleisen._. Schiller-Theater Sonntag, nachmittags 3 Uhr: »le Ehre. Sonntag, abends 8 Uhr: Der grolle Name. Montag, abend? 8 Uhr: Idehclel. Hieraus: Elteratar. Dienstag, abends 8 Uhr: Der grolle Name. Schiller-Thealer Sonntag, nach»..ttaaS 8 UHt:i Zapfenstreich. Sonntag, abends 8 Uhr: KUnlg Heinrich. Montag, abends 8 Uhr: Km Klabsceael. Dienstag, abend» 8 Uhr: _ KOnig Heinrich._ Berliner Theater. Abend» 8 Uhr: Bnnimelatndenten. Morgen: Bummelstudeuteu. Wim Theater. Täglich: Ansang 8 Uhr. Theater des Westens Abends 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Sonnt. 3'/, Uhr: vor klilelo Bauer Luisen= Theater. Sonntag, den 14, Mai, nachm. 3 Uhr ■ Zum 50. Mal: Aus erster Ehe. Abends 8 Uhr: Ohne Mutter. PreiSgelrönteS SensationS-SchausPiel in 5 Alien von Benjamin Dcpaire. Montag: Ohne Mutter. frieltrtch-WIhsUiMes Schauspielhaus. Sonntag, den 14. Mal, 8 Uhr: > Zum ersten Male: Der Hüttenbesitzer« Montag und solgende Tage: Ka- sernenlust. OSE=THEATE Große Franksurter Str. 132. Nachmittags 3 Uhr: Muttersegen. Abends 8 Uhr: Auf«ach Nkw Nord. Montag: Robert und Bertram. Lusispiviksu». Nachm. 3 Uhr: Meyer«. Abends 8 Uhr: Der Folies Caprice. Täglich 81/, ühr: Werthetm _ wird platzen! BBT Bnntcr Solo-Teil."W III. Klasse. Urania. Wissenschaftlichea Theater Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Lebende Tierbilder von nah und fern. Mpotag 8 Uhr: Lebende Tierbilder von nah und lern. CeöflhcllO-Ä6 Eintritt IHK LoolealH M•• «ARTEN ttr—iopf. Kinder unter 10 Jahren die Halste. Ab nachmittags 4 Uhr: lir. /VUIitäTkoiuert. Morgen sowie täglich: ' Clrofie« Konzert.* Eebend! i Hede Kosch das Rädchen � Steinzeit! Oas Urbild der Mensch- | werdung, und die anderen Sohauattraktionen. Ohne Rxtra-Entree! 87« Uhr: Das neu- Programm der Attraktionen. 97- Uhr: verlins Sensation: Olm ein Meid. ar xit itmm amt.-wa Kammerspiele der Hunde. Ota Gygi, Violinvirtuose. Alt-Bonner Stodenten und das große Mai-Programm! Trinnon-Tlicatcr. Gastspiel des Neuen Schauspielhauses. Täglich abends 8 Uhr: Dm« Prlnsschen. LIcbeSschwank w 3 Akten v. R. Misch. '6� Nene« Programm! Li TORTiJADi. The surf Bathers •ine Idyll« am Meereigestade. De Dio in ihren neuesten Schöpfungen von Fhantaiietänzon und der von Publikum und Presse glänzend beurteilte MaisSpielplan. — R a u c h e n g es�attet.— Koachs Theater. Direktion: Robert Dill. Berlin N., Brunnenstraße 16. Die Hochzeitsreise. Lustspiel in 3 Akten von R. Benedix. Vorher: Ein bengalischer Tiger. Ansang 8 Uhr. Der Garten ist eröffnet! Zteutralverhaud der Hausangestellten. Sonntag, den 14. Mai, im„Deutschen Hof", Ludauer Str. 15: = Stiftungsfest.= Programm: Frau Luise Zletz: Festrede.— Herr Ferd. Kaiweit, Kammersänger (Lieder für Tenor).— Frau Lisa Kardetz und Herr Emil Kühne vom Residenztbcater(Rezitation und dramatische Aufführung).— Herr Rudoli Tobias(Klavier).■- Ball.■ 1■- Neue Welt. Große Spezialitäten-Vorstellung Auftreten der spanisch. Nationaltänzerin Sennorlta Dolina und der indischen Schönheit Miß Laiu-lea. Im Kinema ausgewähltes Programm. Heute Elntrittsprei« 10 Pf. Tiiglich uachmittag« Großes Promenaden-Konzert. Wasserrutschbahn— Liebesmühle— Lachkabinett. 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Tel. Amt IV, 11443. KeÄrk5- Versammlungen Sonntag, den 14. Mai, vormittags v>/, Uhr: Für idlershof bei Kanl, Bismarck»!. 19. Mittwoch, den 17. Mai, abends S'/a Uhr: Für Südost Q. Süden bei Visoh. Forstet Str. 9. m Scliönhauser Yorstadl gl.Ä*'- Für RlXdOrf bei Geliert, Steinmetzstr. 93. Für Spandau Baue. Havelstr. 30. Im RofeniHaler BereinShauS, Rofenthalerstr. S7 llrupp« äsr Lekallpwttsnsrdeitsr (?rsssvr, Sedlsijsr und Stoffarbeiter) Donnerstag, den 18. Mai, abends 8'/, Uhr: Für Norden in Baabe. Festsülen, Stoiber«« Str. 33. Für Nordwest bei Birsehhonshi, veuffelstr. 9. Für OSten bei Zlet«, Warschauer Ttraste Ol. Für Cbarlottenbnrg•— mtgllcdsbach legitimiert.■■"t- Beiträge werden im Saal entgegengenommen. 187/9*' In Anbetracht der Wichligen TageSordnuna ist zahlreiches Erscheine» geboicn.____ ldie Ortsveewaltuug. Charlottenburg! Mittwoch, den 17. Mai, abds. S'/s Uhr, im Volkshaufe, Rosinenstraße 3(kleiner Saal): Oeffknililhe Kehnrbtiter- Ntrsnmliilliiiß. TageS-Ordnung: »Die neuere Entwlckelung der Arbeitsverhältnisse und det Lohn- bewegungen im Holzgewerbe. Reserent: Kollege AlbertGorgast. Magdeburg. StF" DaS Erscheinen sämtlicher Holzarbeiter ist dringend erforderlich t 83/11___ Im Austrage! O 1 1 o S t o r ch. neitlseder Arbeiter-Sstiigerdullä «an Berlin und vmgegend. S« NR tag. de» 31. Mai, vormittags 10 Uhr, im Ctawerk« setaaftshanne(Taal 1): Anssclinß- Sitzung. TageS-Ordnung: 1. Ausnahme von Vereinen. 2. BundeSangclegonheiien. 17/5 Der Vorstand. Ausgabe der BillettS zum Sommrrfest. Szfpk ilis- Uachmis in slien trisvh. u. veeallet. zveiteldatt. hall, durch wissenschasil. Uiliersilchlnig. sofort; desgl. Harn«(spez. aus Gv- norrhoe-Fäden) u. Sputnm-Analysen. llr. liome/ev& Co., Spezial-Laborat., �riedrichstr. 189, zw. Kronen- und iobrenstratze), I. 8724. P-rs. Rückspr. diskr. u. kosten!. Geöffnet von S—S Sonntag« von 12—1.» Oenlseher Kolzarbeiier-Verband. Zahlstello Berlin. Verband der Stukkateure, Gipser und verw. Berufsgen. Filiale Berlin. Montag, den 15. Mai 1911, abends 8 Uhr: iJM- Versammlung-WW bei Wide, Sebastianstraste 39. Tagesordnung: 1. Der Berbandstag in Dresden. Aagliederung an den Bauarbeiierverband. Et» «erbSloi-nunterltützung. 2. Wahl der Delegierten. 3. Gewerkschaftliches.— Mitgliedsbuch legiiimiert. Um vollzähliges Erscheinen bittet_'___ Tie Ortsvcrwaltung. Deutlcljer llietallarbeiter--Verband. Verwaltnngss teile Berlin.= Arbeitsnachweis: Hos I. Amt m. 1239. CharitHftratze 3. Hauptbureau: Hos Iii. Amt III. 1937. Dienstag, den 19. Mai, abends 8'/z Uhr: vrauckeu- Versammlung im in dr» fifcitlionßtüklinnsnittliftiitten dtschMiglt» Ardkiicr im grosten Saale der Brauerei Friedrichshain, Am Friedrichöhain 19/23. TageS-Ordnung: 1. Bericht über die mit den Unternehmern gepflogenen Verhandlungen und unsere nähme dazu. 2. Diskussion. ---------- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt!-------- Pflicht all« Kollegen ist es. ia dieser Ansammlung zu erscheinen. > Die vettrautnSleutc werden ersucht um 7 Uhr anwesend ,u sein.—— Die Ortsverwaltnng -telluna- 117/2 Donnerstag, den 18. Mai 1911: Merordentlicbe Versammlungen in jolgenben Lokalen: „Covclirdia", Andreasstr. 64 (um 5'/, Uhr, gleich nach Feierabend). „Nrnchtslile des Ostens". Frankfurter Allee 151 „Koekers Festsäle". Weberstr. 17 (um S'/z Uhr, gleich nach Feierabend). TageS-Ordnung: Die neuere Entwickeluug der Arbeitsverhältnisse und der Lohnbewegungen im Holzgewerbe. Diskussion. R e i c v ent« n: Ehrllch-SreSIou, eorgas-OTanbeburg, Bewemann Bremerhaven, Koo- nzann-Grotz-Raschen, Seblelcber-Stuttgart, Werner-Fianlfmt a. M. SHSr Dtc Kollegen sSmtttch« Branchen mttfien au dtesrn Versammlungen teilnehme«,-pms 83/9*______________ Die Ortsverivnltnng. „Slviveluünder Gtsestschaftshans", Swinemünder Straße 42 (um g>/, Uhr, gleich nach Feierabend). „Hufjägkl", Hasenheide 52 (um 5'/, Uhr, gleich nach Feierabend). „Gtivtrhschllstöliaus", Engeluftr 15 (Saal 1, pünktlich um B1/. Uhr). Dcutlcbcr transportarbeiter-Verband Bezirk Oroß'Berlin. Bureau: Engelufer 14/15. Fernsprecher: Amt IV, 2382, 4747. Arbeitsnachweis: Engelufer 13. IV. 3348, 1996. » Alte Leipziger Str. 1. 1. 2632, 9390. Milgliedtr nus aßen Krenchen mib DiMcn Greß-Kkrlins! Mittwoch, den 17. Mai 1911, abends 8% Uhr: Ordentllehe General-Versammlung in Kellers Feslsälen, Köpenicker Str. 96. TageS-Ordnung: 1. Mitteilungen. 2. GeschästSbericht pro erste« Quartal a) b:S Vottitzende»: b) deS Kassierer»; o) bei ArbeitSoermstilerS. 3. Diskussion. 4. Anträge der guniiionär-Lersammluiig aus Einsührung deS Delegierten» sysiems für die Äencraioersammlmtgen und andere Anträge. 5. Geschäftliches. Da« Mitgliedsbuch ist mitzubringen und als Legitimation vorzuzeigen. Ohne Mitgliedsbuch kein Zu» tritt. Su länge» alS 10»pchen mit seinen Beiträgen im Rückstände ist. hat ebenfalls keinen Zutritt. SS/S Dl« Beslrksverwaltwiff Groß-Bcrlln. L.%: Aug. D-rncr. Wundervoll gestlekte IPortj�rcn für Fensterj und Türen] in Qualität: M. pro Fenster: MM.... 3,35 bis 10, so Hatnrleinen.. 8,3s„ 29, 00 . 6,85. Persisch� 10, so Empire 10,85 . 13.50 in hell. seidenart. Pa.reinw.!ueli 16,50„150, 00 Nach Künstler-Entwürfen! Nach auswärtsper Nachnahme. Teppich- Spezialhaus Lwr Emil ef�Tre Berlins. Seit 1882 nur Oranienstr. 158. Unterhalte nirgends Filialen! SpezialrKatalog mit etwa 600 ibbildungen in künstleriscber Ausstattung auiwonschyratis und franko. Spezi al- Arzt für Haut- und Harnleiden flu Pnnlro Rosenthaler Str. 1 Iii. rUpHC, Spr.9-2, 6-9, Sonnt. 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Co, Berlin SVL fit. 112. 28.141» 4. KeilM Ks.Amörls" Kcrlim WllisM S«l-s. 14. W1S11. Todes-Anzeigen Qzsrlottenbtirx. 2. Gruppe. Den Genossen zur Nnchricht, daß unser ll>!itglied, der Äunst- zeichner widert 8edmiät am 12. Mai, vormittags 11 Uhr, an Herzschlag gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung sindet am Montag, den 15 Mai, nadkm. 6 Uhr, von der Leichenhalle des Südwest-klirchhoses in Stahns- dors aus statt. Die Genossen treffen sich um 'Li Uhr im Restaurant Mersch, Kantstr. 106.— Abfahrt des Zuges vom Charlottenburger Bahnhos 5.07 Uhr. Rege Beteiligung erwartet 250/11 I>e»- Am II. Mai verschied nach I längeren Leiden mein lieber Mann, I unser guter Vater, der Putzer �ickgrä Baltz im 51. Lebensjahre. Dies zeigen liesbetrübt an Linlsv lialta nebst Kindern, i Die Beerdigung sindet h e u 1 1,| Sonntag, den 14. Mai. nachmittags l'/s Uhr. vom Trauer, i Hause, Boxhagen, Grünberger| Str. 13, aus nach dem Rummels- burger Gemeindejriedhos, Lück- straße statt. 1760b j Zv!is>tatotMb.MIvrä Kreis Kieder-M Bezirk Rummelsburg. Am II. Mai verstarb unser Mitglied, der Putzer kieksnci BaBfz Grünberger Str. 13(21. Bezirk). Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung sindet heute Sonntag, den 14 Mai, nachmit- tags l'l, Uhr, vom Trauerhause, Boxhagcn, Grünberger Str. 13, aus nach dem RummelSburgcr Gemeinde-Friedhos, Lückstrage, statt. Um reg« Beteiligung ersucht 8/5 Die Bezirksleitung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, datz meine liebe Frau. Schwester, Schwägerin und Tante L-inse Schmidt geb. Heinrich im 81. Lebensjahre am 9. Mai, Tl. Uhr, plötzlich verstorben ist. R i x d o r s. Im Namen ckertrauerncken Uiaterdlledeuell Max Schmidt. Die Beerdigung sindet statt am Montag, den 15. Mai nach- mittags 4 Uhr. von der Leichen- Halle des Gemeinde- Friedhofes (Mariendorser Weg). c>ür die vielen Beweise herzlicher U Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau �taxtlslsiis Swenn sage ich allen Bekannten und Ver- wandten, insbesondere der Frau Fahrenwald für die trostreichen Worte am Sarge incineu herzlichsten Dank. 1171b friettrich Swenn. ............. 1 Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todcs-Anzcigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former Hennalm Faerke am 11. d. Mts. an Nervenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Montag, den 15. Mai, nach- mittags 3 Uhr, in Landsberg aus dem Friedhos der dorttgen Irrenanstalt statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Den Kollegen und Kolleginnen > zur Nachricht, dag unser Mitgsted, I die Arbeiterin Uiise Schmidt ' am 9. d. Mts. freiwillig aus I j dem Leben geschieden ist. Ehre ihrem Andenken: Die Beerdigung findet am I l Montag, den 15. Mai, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- I Halle des neuen Rixdorser Ge- meinde-Friedhoses, Mariendorser l | Weg, aus statt. Rege Beteiligung erwartet ! 117/1. Die Ortsverwaltung. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Filiale Groß-Berlln. Durch den Tod ist uns einer unserer Mitkämpfer, der Kollege Bau! Schulz (von der Gasanstalt Gitschiner Straße) entrissen worden. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet am Montag, den 15. Mai, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des MichaeliS-Kirchhoses, Mariendorser Weg, auS statt. 36/8 Die Ortsverwaltung. Heute morgen 10 Uhr verschied nach langem� schweren Leiden mem lieber Sohn, Bruder, Onkel und Schwager Knri Schiebler im 30. Lebensjahre. 97596 Dies zeigen tiesbetrübt an Alwine Lcdiebler nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Montag, den 15. Mai, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des alten Elisabeth-KirchhoseS, Acker- straße, auS stall. Am Freitag morgen starb nach schwerer Krankheit unser lieber Kollege, der Schrisffetzer Wilhelm Binder im 42. Lebensjahre. Sein lauterer Charakter und kollegialisches Wesen sichern ihm dauerndes Gedenken. Berbandömitglieder von Liiehheit«V Tlilescn. Beerdigung: Montag, nach« mittags 3>/z Uhr in Staaken. Verband der Gemeinde- u.j Staatsarbeiter. Filiale Grofi-Berlln. Durch den Tod ist unS einer unserer Mtkämpser, der Kollege J. Patzwahl von der Sektion VII, Vieh- und Schlachthos, entriffen worden. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet am Montag, nachmittags>/z4 Uhr, von der Halle des Gcorgenkirch- hoses, Landsberger Allee, aus statt. 36/7 Die Ortsverwaltung. Verbsnd der Blieb- und SteindruekErei-Hilfsarheiter u. irbeiterinnen Deutschlands. Ortsvcrwaltnng Berlin. Am 10. d. Mts. starb nach kurzem, schwerem Leiden unser Mitglied, die Anlcgerin Martha Krelschmer im Alter von 29 Jahren. Ehre ihrem Andeuten: Die Beerdigung findet am Sonntag. den 14. Mai, nach- mittags'/t3 Uhr, von der Leichen- Halle des Rcinickendorscr Kirch- hoses inRcinickcndorj, Humboldt- straße, aus statt. 27/9 Oie Ortsvorwaltung Berlin. Am 12. d. Mts., vormittags 5 Uhr, verschied nach kurzem Leiden der Buchdrucker Karl PatzeL Dies zeigen tiefbetrübt an 8eln Neffe Martin Sakowtki nebst Familie. Frau Wegener geb. Brunnert. Die Beerdigung findet am Montag, den 15. Mai, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des St. Rlichael-KirchbojeS, Rixdors, Hermannstraße, aus statt. 1781b Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter und Schwiegermutter Anna Herrmann geb. WUike am Dienstag, den 9. d. M., durch einen Blitzschlag getötet wurde. Die Beerdigung findet heute nachmittag 1'/, Uhr aus dem Luisen-Kirchhos, Fürstcnbrunner Weg, statt. Um stilles Beileid bitten Bodenleger stöbert»errinann 17456 nebst Kindern. D/e Harnleiden Ihre Gefahren, Verhütung und Beseitigung von J)r. med. SchaPer' BERLIN- Preis 1 Mark. ■ 7t<* Tausend. W Verlag Max Richter�Än; 95 oÄrt Leuco 2 Pf Dux Cato Leo 4pf Mazeppa 5 pp »Ä J�uoer© /vösu Engelhanfrfigaretfen leopold£ngel hard L g m bH.Chfro-Bremea Dr. Simmel Die Hausfrau praktisch, rSÄ Spezial-Arzt» für Haut- und Harnleiden. Priiizenstr. 41,„Ä. 10— 2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2—4 die ganze Familie Florians Zahnpflege-Kasten, Zahnpulver, Zahnbürste, Mundwasser. Preis zus. nur M. 1.—. Zu haben in Konsumvereinen, Genossenschaften und einschlägigen Geschäften sowie direkt 10 Stück M. 8,50, 24 Stück M. 18,— franko Nachnahme durch Arthur Wasscrvogel, G. m. b. H., Berlin W. 50, oder durch die Chemischen Werke Florian& Co., Britz-Berlin. Der Verkauf der Abonnements- Garderoben des größten Abonnementshauses Berlins J. Stock& Co. erfolgt direkt an Private Chausseestraße l, Eingang Elsasser Straße. Anzüge und Paletots von 10 Mk. an. cn! xeoi Kolonie DlchklUl!« Bicsdorf— Stadtb. 10 Pf.-Tour— offer. billige Grundslücke, hcrrl. Lage, vorzüglicher Boden, kleine Anzahlg. I'rvÄvrsÄOi'L. 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Manufaktur künstlicher Blumen und Straussfederhandlung Hermann Hesse, Dresden Scheffelstr. 10/12.[33 73 Ecke Dresdener Str Alte Jakobstrasse Modernstes und vornehmstes Möbel- und Waren-Credit-Haus In Deutschland— Neue Geschäftsleitung Freundlichste Enorme Grösste : Bedienung: Auswahl Couianz Zentrale: Berlin Rathenow Fürsten- walde Luxemburg Lucken walde Frankfurt a. M. Gelsen- klrchen Wittenberge 7. Ziehung 5. Kl. 22-1. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 13. Mai 1911, vormiiiag«. Nur die Gewiune Uber 240 Mark sind den belrefleoden Nummern in Klammern beigefügt. Die Gewinne fallen auf die bezeichneten Losa beider Abteilungen. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 403 42 64 578 644 1017 210 90 327 403 53 570[500] 99 «59 823[50] 2102 Qd'lOO 511 074 924[3000] 3014 134 Sff5 30 42 413 39 046 723 894 4124 260 334 688 747 5170 814 50 506 30 38 772 901 30 49 79 6024 383 562 614 43 [500] 725 836 930 59 7043 1500] 386 422 549 612 62 78 91 703 824[500] 84 8027 133 333 452 94[1000] 739 977 9166 m. 571 85 830 50 51 74 83 19030 273 85 405 636 69 633 93 765 948 11535 41 68 810 70 432[1000] 500 689 1 2053 116 23 81 föOO] 63 223 58 332[509000] 457 90 700 37 821 28 80 924 48 13048 170 80 90 227 66 549[3000] 637 778 889[1000] 14032 53 112 372 423 76 79 605 719 27 886 15204 671 741 16071 316 98 263 67 30t 30 4 6 95 96 595 713 23 48(1000] 838 17165 233 IllwOs 363 401 629 93 811 45 18019 139 315 [500] 41 430 514 92 649 831 973 19024 351 73[3000) 433 813 60 81 050 734 913 2O000 43 72 127 02 99 281 80 585 788[509] 833[500] »49 21334 89 422 619 70 840 900 31[501] 22123 220 303 462 530 650 03 2 3039 417 83 9 4 59 t 652 795[lOOO] 959 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CO[500] IIS[3000] 285 317 543(V12 32 782 811 2« 1080 172 03 281 433 511 37 712 902[500] 2170 490 500 13 46[1000] 827 69[500] 3068 275 760 73 817 995 4117 339 409 601 87 5046[500] 182 361 810 902 34 6162 241 500 23 694 946 7472 506 600 58 785 96 849 8 016 53 178 291 405 73 602 750 839»22 0043[500] 162 73 74 314 84 97 419(10001 681 707[ 500] 8 809 12 937 1O003 04 118 431 541 730 813[500] 11074 105 15 39 40 94 383 554 841 46 92 931 12015[500] 23 208[1000] 70 412 51 59 630 899[500] 945 1 3204 85 419 747 815 65 930 14030 293 318 37 91 459 556 87 88 971 15041 49 74 447 855 912 26 16004 170 426 97 670, 844 999 1 7001 [500] 109 209 97 494 542 63 793 803 995[500] 18027 140 50 248 337 39 585 10133 225 47? 621 914 2O062 118 283% 343 450 80 650 91 92[3000] 836 [1000] 59 64 2 1 046 11/, 77 94 306 407 582[500] 835 940 43 2 2 412 578 089 775 898 2 3 101[lOOO] 317 415 682 96 779 842 2 4050 TO 223[500] 48 55 79[500] 335[ 3000] 53[500] 431 875 2 5 021 276 413 5*1[3000] 44[3000] 614 2 6210 91 408 533 030 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596 804 914 57 1 23 048 SO 94 97 163 210 81[500] 355 447[ 500] 630 57 771 85 1 2 4071 205 390 83 460 81 515 69 79 856 1 2 5391 434 25 503 774 922[5000) 12 6401 851 54 025 1 2 7039 101 53 263 332 51 650 80 746 815 928 1 28049 83 102 400 99 540 610 1 20044 95 158 322 497[500] 642 725 91 835 948 13O017 176 522 885 1 3 1 005 142 214 29 81 480 505 893 993 1 3 2 434 40 530 708 801 975 1 33175 247 85 [500] 394 403[500] 36 84 620[500] 35 42 737[1000] 81 134020 175 300 419 4 4 622 707 883 84 96 979 1 3 5601 15 132 409[1000] 641 745 90 812 984[500] 136267[lOOO] 391 720 897 1 3 7002 81[500] 136 209 70 656 731 885 138010 IIS 291 334 55 93 425 34 543 642 939 1 3 0031 127 [500] 32 277 314 29 483[3000] 764[1000] 140036 365 400 62 685 972 86 1 4 1 038 77 169 203 315 82 665 721 900 1 4 2026 82 218 72 381 414 53[500] 622 764 80,7 1 4 3 441 512 63 679 703 53 81 847[ 500] 52 74 1 44901 58 92 129 457 83 629 874 1 4 5000[lOOO] 55 185 356 61 433 536 785 865 67 903 51 58 1 4 6032 62 370 89 559 97 636 784 1 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Berlin. Zür den Znieraienteil oerantw.� Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Kuchdruckerei g. Verlagsanstalt Pajil Singer g. Co.. Berlin SW.~ Nr. 112. 28. IahrMg. 5. Keilye i>cs ,Ar«s° Scrlim WIKsM Zonulllg, iL Mai 19U. Partei- Hngclcgenbeitcn, " Wilmerödorf-Halensee. Dienstag, abends 8� Uhr, findek im Gesellschaftshause, Wilhelmsaue 112, eine Volksversammlung statt. in der der bürgerliche Kampf gegen die kommunaleSozial- Politik im Wilmersdorfer Rathause beleuchtet wird. Es re- fericren die sozialdemokratischen Stadtverordneten Riedel und Schröder. Die Parteigenossen wollen für Massenbesuch agi- ticren. Lichtenberg. Dienstag, den 16. Mai, abends 1�9 Uhr: Mitgliederversammlung im Lokal des Herrn Arnold, Frankfurter Chaussee?— 6. Tagesordnung: 1. Vortrag des Parteisekretärs Gen. Max G r o g e r- Rixdorf. 2. Diskussion. 3. Anträge und Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Friedenau. Am Dienstag, den 16. Mai, abends 8� Uhr, im Lokal von Mcchelke. Handjerystr. 66/61: Mitgliederversammlung des Wahlvcreins. Der Vorstand. Stegliü(Südender Ortsteil). Dienstag, den 16. Mai, abends 8�- Uhr, im Restaurant Bredereck, Südend, Lichterfeldcr Str. 13 «Ecke Langestr.), öffentliche Volksversammlung. Tagesordnung: Vortrag des Genossen W. Ulm über:„Der Aufmarsch der Pav- teien zum Wahlkampf". Diskussion. Parteigenossen, sorgt für einen guten Besuch. Der Vorstand. Treptow. Am Dionstag, den 16. d. M., abends 8% Uhr, im„Sportrestaurant", Elsenstr. 115/116: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Vortrag, Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Baumschulenweg. Dienstag, den 16. Mai, abends pünktlich 8� Uhr: Mitgliederversammlung des Wahlvereins bei Speer, Baum. schulenstr. 78. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Kitzner:„Die Feuerbestattung und das preußische Abgeordnetenhaus. Verschic- dencS. Brih-Buckow. DienStag, den 16. Mai, abends 8� Uhr, öffentliche Versammlung im GescllschaftshauS, Chausseestr. 97. Tages- ordnung: 1. Vortrag des Gen. Düwell über:„Die freie Jugend- bewcgung". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Der Einberufer. NiederschSneweibe. Am Dienstag, den 16. d. M., abcndS 8� Uhr, Mitgliederversammlung des Wahlvereins, beim Genossen Kienast, Grünauer Str. 8. Vortrag des Genossen R. Nürnberg über:„Die Reichsversicherungsordnung". Der Vorstand. Ober-SchSneweide. Dienstag, den 16. Mai, in Wilhelminen» Hof, abends 8 Uhr, öffentliche Versammlung. Thema: Die Wahr- heitsliebe des Zentrums. Referent: Genosse Rudolf Bühl er. Montag abend: Flugblattverbreitung. Der Vorstand. Reinickendorf-West. Dienstag, d. 16. d. M., abends 8� Uhr, im Lokal des Genossen Wohlfahrt, Eichbornstr. 18, Mitaliederver- fammlung des Bezirks-Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Vortrag des Genossen E. Dittmer. 3. Ver- einSangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Borsigwalde. Zur Beerdigung der Genossin Sucht versammelt sich nachmittags SVj Uhr der 1. Bezirk bei Züleke, der 2. Bezirk bei Schulze. Die Bezirksleitung. Tegel. Am Dienstag, den 16. Mai, abends 8� Uhr, im Lokal von Jul. Klippenstein, Spandauer Str. 4: Mitgliederversammlung. Vortrag des Genossen Piek über: Steuerpolitik und Militarismus. Vercinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Bezirksleitung. Falkenhagen-Eeegefeld. Mittwoch, den 17. Mai, abends 8 Uhr, Mitgliederversammlung im Lokale des Herrn Nicolai. Es ist eine wichtige Tagesordnung zu erledigen. Der Vorstand. Sozialdemokratischer Zentralwahlverein für den Reichstags-, Wahlkreis Zllllichau-SchwiebuS-Krossen-Sommerfeld(OrtSverein Berlin). Dienstag, den 16. Mai, abendS 8Va Uhr, Versammlung hei Böhm, Koppenstr. 47._ Berliner J�acbrlcbteno Echildhorn. Von dem Menschenstrome, der sich allsonntäglich Zug imf Zug aus dem Bahnhof Grunewald wälzt, wählt ein bc- jrächtlicher Teil regelmäßig den Schildhornweg. Er ist nicht zu verfehlen, auch wenn die Wegweiser an den Bäumen nicht wären, denn Butterbrotpapiere säumen ihn ein und führen den Wanderer mit mildem, weißlichem Scheine dem Ziele entgegen. Vorausgesetzt, daß er über diese Dinge und die Papierkörbe an den Bäumen nicht in einen gelinden Zorn gerät, wovon ihm aber entschieden abzuraten ist. Ausflügler einer Dreimillionenstadt werden immer Spuren ihrer leib- lichen Versorgung hinterlassen, und wenn von Hunderten auch nur immer einer sündigt, so ergibt der spärliche Niederschlag mit der Zeit doch eine ausgiebige Sammlung von Papier- setzen. Uebrigcns hat der Weg seine Schönheiten trotz alledem. Wo rechts nach zwanzig Minuten der Teufelssee in einer Sen- kung erscheint, lohnt' es sich, ihm einen Besuch zu machen. Neben dem prosaischen Wasserwerk der Stadt Eharlottenburg liegt eine idyllische Försterei, und auf deren Einfluß ist es zu- rückzuführen, wenn um den See herum manche hübsckie Baum- gruppe den Blick anzieht. Wir finden hier Fichten und Ahorne, alte Weiden und Birken und selbst ein paar schöne Lärchenbäume im frischen Grün der jungen Nadeln. Vom See aus zieht sich ein Moor in den Wald hinein, dessen Ränder neue Blicke erschließen. Kehrt man wieder auf den Schildhornweg zurück, so erreicht mau bald eine steile Stufe, die man durch Sand und Wurzeln erklimmt. Dann hat man die Spandau-Potsdamer Hügelregion erreicht, die sich auf den Karten stolz als„Havelberge",„Karlsberge" usw. bezeichnet, und deren steile Hänge das Bett der Havel begrenzen. Solche Hänge schließen auch die Halbinsel ein, die den Namen Schild- fiorn führt. Tie Neugier führt wohl manchen zu dem kuriosen Denkmal des sagenhaften Weiidenfürsten, das durch einen neuen Sockel vor den handgreiflichen Kalauern der fpottlustigen Berliner geschützt worden ist. Aber nicht dieses Denkmal, sondern die Schönheit der Havelufer führt die meisten nach Schildhorn. Sie entschädigt reichlich für den Butterbrotpapierweg. Man wendet sich südlich am Ufer gen Wannsee hin und wird immer neue Bilder finden, die das Auge fesseln. Hier fehlt alles das, was südlichen Landschaften den Reiz verleiht. Nur aus Wasser. Sand und Kiefern sind diese Landschaften geformt. Sie peitschen nicht zu Ekstasen der Bewunderung auf, aber, was vielleicht mehr ist, sie lassen eine ruhevolle Stimmung im Beschauer entstehen. Man kann bis Wannsee wandern oder lange vorher wenden und mit Hilfe der Karte über Saubucht oder Pauls- dorn mit seinen blühenden Kastanienbäumen heimkehren. Ter Nasen des Grunewaldes bietet jetzt an Kindern Floras allerhand, was zu einem kleinen Stränßchen reicht, besonders blaue Veilchen, weiße Erdbecrblüten und andere anspruchs- kose Blunien. Man muß es mir verstehen, sie zu würdigen, wie die märNschen Landschaften. Eine Arbeiterwohnung im Gcwerkschaftshause. In den Ausstellungsräumen des Berliner Gewcrkschaftshauses hat sich eine Arbeiterwohnung aufgetan. Der Raum ist durch provisorische Wände aufgeteilt und hat so eine für Berliner Ver- Hältnisse recht geräumige Zweizimmerwohnung erstehen lassen. Was uns dort gezeigt wird, ist eine Wohnungseinrichtung, einfach und schlicht und doch so ganz anders als wir es gewohnt sind. „Vorbildlich" soll die Einrichtung sein, sie soll uns zeigen, daß es auch möglich ist. die Grundsätze der modernen Wohnungskunst auf die Arbeiterwohnung anzuwenden. Freilich eine Einrichtung, die echt, wahr und vor allem zweckmäßig sein soll, kann nicht mit den billigen Mitteln landläufiger Aeutzerlichkeiten arbeiten. Die Aus- steller haben deshalb von vornherein darauf verzichtet, durch auf- gemalte Holzmaserung wertvolle Hölzer>— wenn auch vergeblich — vorzutäuschen oder Furnierung mit ausländischen Hölzern an- zuwenden, die ob der nun einmal gegebenen Preisgrenze zwingt, dafür die Qualitätsansprüche herabzusetzen, sie haben sich durch- weg deutscher Hölzer bedient, und zwar der Kiefer und bei den Stühlen der Birke. Auf den ersten Blick erscheint uns das unwohnlich, weil ungewohnt, aber schon ein Betreten des Wohnzimmers verscheucht etwaige schwarze Gedanken. Ins Auge fällt zunächst die Farben- freudigkeit, welche unbewußt den Sinn aufheitert. Zu dem mit grünen, gerippten Velvet bezogenen Sofa harmonieren die bunten Fcnstervorhänge vortrefflich. Hermann Münchhausen, der dieser Wohnungseinrichtung die Form gab, hat mit diesen Fenstervor- hängen aus bedrucktem Baumwollstoff einen Versuch gemacht, einen billigen Erscch für die bekannten englischen Kretonne zu schaffen. Schon die Raumwirkung im Berliner Jugendheim II, das ebenfalls Münchhausen zum Schöpfer hat, hat bewiesen, daß dieser Versuch gelungen ist. Das Wohnzimmer ist ferner aus- gestattet mit einem runden Tisch, einem Schrank mit vier Türen, deren obere zwischen Sprossenwerk Glas zeigen, einem starken Bücherständer und mit Stühlen, deren grünes Flachpolster herausnehmbar ist. Am Fenster steht vor einem bequemen Arm- sessel ein Arbeitstischchcn für die Hausfrau, das im Schubkasten Nähtischeinrichtung und darunter einen ausziehbaren Rahmen mit Arbeitsbeutcl enthält. Den Boden des Zimmers bedeckt ein Haargarnteppich. Das sauber ausgewählte Holz ist hier wie im anstoßenden Schlafzimmer durch ein eigenes Räucherverfahren ge- bräunt, gewachst und durch eine dünne, matte Politurschicht ge- härtet. Tie Tischlerarbeit ist durchweg sauber. Das Schlafzimmer enthält zwei Bettstellen in schlichten, glatten Formen mit Stahldrahtmatratzen, Nachttischchen, einen Waschtisch, dessen Platte mit grünem Linoleum bezogen ist, ein Tischchen am Fenster, einige Stühle und einen zweitürigen Kleiderschrank, tief genug, um alle Kleider bequem unterbringen zu können. Die jtzüchenmöbel sind»hellblau gestrichen und lackiert. Im Wohn- und im Schlafzimmer sind die Wände durch einige wenige Künstlersteinzeichnungen belebt. Küchen- und Waschgeschirr passen sich den Forderungen der Zweckmäßigkeit und leichten Handhabung durchaus an. In einem freigebliebenen Teile des Ausstellungsraumes sind einige empfehlenswerte Wandbilder sowie Porzellan und Stoff- muster untergebracht. Die Möbeleinrichtung der Zweizimmerwohnung erfordert einen Betrag von rund 966 M., eine Summe, die auf den ersten Augenblick für Arbeitervcrhaltnisse hoch erschemt, die aber vielfach beim Einkauf in den Abzahlungsgeschäften überschritten werden dürfte. Dafür werden hier aber Waren geboten, deren Herstellung zu tarifmäßigen Löhnen garantiert und deren Aus- führung technisch einwandsfrci ist. Ein kleiner Führer, der den Besuchern für 16 Pf. an die Hand gegeben wird, erläutert die Grundsätze, die zu dieser Zusammen- stellung führten, und gibt Auskunft über die Preise der einzelnen Stücke. Der Einführung des Publikums in die Absichten der Ver- anstalter diente auch ein Lichtbildervortrag über:„Vorbildliche Arbeiterwohnungen", den Kunstsckwiftstellcr Breuer am Freitag- abend im Gewertschaftshause hielt. Der Besuch zeigte das rege Interesse der Arbeiterschaft an diesen Fragen. Schon lange vor Eröffnung der Versaminlung war der Saal überfüllt, und viele mußten umkehren. Trotz der drückenden Hitze folgten die Besucher bis zuletzt mit Interesse den packenden Ausführungen deS Redners, der wiederholt darauf hinwies, daß die moderne Arbeiterschaft Einrichtungen brauche, die ihren eigenen Bedürfnissen entsprechen und nicht ein gedankenloser Abklatsch aus den Palästen der Renaissancezeit seien. Die Arbeitcrwohnung im Gewerkschaftshause ist ein Versuch, die Arbeiterschaft auf diesem Gebiete auf eigene Füße zu stellen. Als Versuch kann die Wohnung noch nicht in allen Punkten end- gültige Resultate zeitigen, sie dürfte aber weiten Kreisen will- kommene Anregung bieten, so daß ein Besuch dringend zu empfehlen ist. Die Musterwohnung bleibt bis Mitte Oktober im Gewerkschaftshause und ist jeden Mittwoch und Sonnabend von 6 bis 9 Uhr und Sonntags von 12 bis 2 Uhr zu unentgeltlicher Besichtigung geöffnet._ Aus dem Arbeitsnachweis der Metallindustriellen. Von allen Rachweisen, die die Innungen und Unternehmer- verbände aller Art eingerichtet haben, steht der Nachweis der Kühnemänner, des Verbandes der Metallindustriellen. in dem schlecht testen Geruch bei den Arbeitern. Wer bei einer Firma, die diesem Verbände angehört, in Arbeit treten will, muß den Nachweis der Kühnemänner benutzen, und ist er durch einen Meister direkt ein- gestellt worden, so muß er noch nachträglich sich einen Zettel, einen Erlaubnisschein von dem Arbeitsnachweis holen. In der Wuster- hausener Straße Nr. 15 stden die Arbeiter resp. die Arbeitslosen zu Hunderten jeden Tag und warten drei, vier und sünf Stunden lang auf gefällige Abfertigung, die dann in einer Form vor sich geht, über die sich schon mancher Arbeiter beschwert hat.— In dem großen Saale herrscht eine bedrückende Stille; eS wird nicht viel gesprochen: jeder ist mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt und hat nur den einen Wunsch, wieder herauszukommen, um einen freien Atemzug tun zu können. Man sieht lauter mißmutige, verstimmte Gesichter. Einige Beamte überwachen die Menge und kommen sich anscheinend wie Unteroffiziere vor. Man hat den Eindruck einer Ausmusterung, und doch sitzt neben manchen:.Rekruten"' ein älterer bärtiger Arbeiter, der sicki von dieser ganzen Art der Behandlung um so peinlicher berührt fühlt. Bon Zeit zu Zeit wird eine Gruppe von zehn oder zwölf Mann in das Bureau gerufen, die anderen müssen warten, warten, warten. Wenn ein Arbeiter sich eifrig um Arbeit bemüht, will er nicht wie ein Bittender behandelt sein. Er bringt seine wertvolle Ware Arbeitskraft und bietet sie an, aber er kann es nicht als eine Gunst und Gnade ansehen, wenn der Unternehmer bereit ist, diese Arbeits« kraft in seinen Dienst zu stellen. Hier, auf dem Nachweis der Unternehmer, wird durch die den Arbeitsuchenden zuteil werdende Behandlung dem Arbeiter so recht die Unternchmermacht zu Gemüte geführt. DaS sollte manchen die Wichtigkeit und Notwendigkeit der Organisation einbläuen. VerhanMnngen zwischen Berlin und Treptow. Gestern fand im Nathans eine Sitzung von Vertretern des Magistrats von Berlin und des Gcincindcvorstandcs von Treptow statt. Es wurden die Vorschläge der Treptower Kommission wegen Ausschließung des Berliner Grundbesitzes m der Gemeinde Treptow, ein hierfür ausgearbeiteter Bebauungsplan, die Ver- besserungcn der Verkehrsverbindungcn zwischen beiden Gemeinden und die Frage eines Beitrages seitens Berlins zum Bau der von Treptow für wünschenswert erachteten zwei Bahnhöfe eingehend erörtert. Nach mehrstündiger Verhandlung wurde eine Einigung auf der Grundlage der Treptower Vorschläge erzielt. Die Angelegenheit wird demnächst die beiderseitigen Gemeindebehörden weiter beschäftigen. Der Bilderhausierer! AuS Anlaß unserer Mitteilungen über einen Bilderhausierer, der Bestellungen auf Bilder des Genossen Singer sammelte und dabei den Schwindel probierte, sich als B e a u f t r a g t e n d er sozialdemokratischen Partei einzuführen, sind neue Zuschriften an uns gelangt. Einen der Briefe, der nur mit „Frau B., Rixdorf" unterzeichnet ist, müssen wir leider beiseite legen, weil anonyme Angaben nicht benutzt werden können. Viel- leicht sieht die unbekannte Einsenderin sich durch diese Zeilen ver- anlaßt, uns nachträglich ihren vollen Namen und ihre Wohnung mitzuteilen. Gleichfalls aus R i x d o r f ist uns ein anderer Brief von der Frau eines Maurers T. zugegangen, die wir dann noch persönlich über den Sachverhalt befragt haben. Sie berichtet über Ersah- rungen, die sie schon Anfang Februar mit einem Bilderreisenden gemacht hat. Es muß dahingestellt bleiben, ob cs sich um den- selben Bilderreisenden handelt, dessen im Mai verübte Schivinde- leren wir kürzlich geschildert haben. Eine Uebereinstimmung be< steht insofern, als auch in diesem schon um drei Monate zurück- liegenden Fall der Reisende sich als Beauftragten der Partei gab. Er bot Bilder von Liebknecht und Bebel und sozial- demokratische„Haussegen" an.„Da mein Mann nun", schreibt uns Frau T.,„ein großer Verehrer unserer großen und tapferen Vorkämpfer der Arbeiterbewegung ist, so hätte ich ihm gern heim- lich ein Bild gekauft; aber mein Mann hatte keine Arbeit, und ich hatte kein Geld. Dann sagte der Mann:„Ja, wiederkommen kann ich nicht, wir sind von der Partei beauftragt worden, bei den Genossen nur einmal anzufragen." Ich bat ihn, doch noch einmal wiederzukommen, denn ich hätte gern so ein Bild. Er sagte aber mit Bestimmtheit, er darf es nicht, es ist ihm von der Partei verboten worden." Inzwischen kam Herr T. selber dazu, aber auch er merkte den Schwindel nicht. Weil der Reisende ihn mit„Genosse" anredete und ihm sagte, wann der Genosse die Bilder haben und bezahlen will, das solle er selber bestimmen, so faßte T. Vertrauen zu ihm und bestellte zwei Bilder. Jetzt aber rückte der Reisende mit der Mitteilung heraus, daß 2 M. anzu- zahlen seien. Nach einigem Hin und Her gab Frau T. 1 M..her, und es wurde verabredet, daß die Bilder zu Ende April geliefert werden sollten. Nach etwa einer Woche kam der Reisende wieder und verlangte als Rest des anzuzahlenden Betrages noch 1 M. Als ihm gesagt wurde, jetzt habe man kein Geld drüber, antwortete er der Frau grob, es sei doch heute Montag, da müsse sie doch noch Geld haben; sie solle sich was schämen. Auf eine Erwiderung, die die Frau wagte, schimpfte er sie ein f r e ch e s F r a u c n z i m m e r, und als sie ihm sagte, jetzt tue es ihr leid, bei einem Reisenden bestellt zu haben, ging er räsonnierend davon. Der Mensch scheint übrigens nebenbei noch das Gewerbe eines„Rechtskundigen" zu betreiben, der den von ihm aufgesuchten Frauen sich zur Anferti- gung von Eingaben, Steuerreklamationen, Klagen usw. empfiehlt. Er fragte Frau T-, wieviel ihr Mann verdiene und wieviel Steuern er zahle, und sagte dann, er wolle eine Reklamation schreiben, sei er doch nicht umsonst acht Jahre bei Herrn Amtsrichter beschäf» tigt gewesen. Hinterher erbot er sich, dem Mann Arbeit zu ver- schaffen; er sei ja selber früher Maurer gewesen und habe auch schon allein Bauten übernommen. In den Händen der Frau T. befindet sich ein von dem Reisenden hinterlassener Garantieschein der Firma„Erich Rumpf, Berlin NO., Büschingstr. 21." Es ist festgestellt, daß er tatsächlich für dieses Geschäft reiste. Tie Firma lieferte nachher auch die beiden Bilder, doch wurde die Annahme verweigert, weil die Lieferung nicht zum verabredeten Termin, einem Geburtstag, erfolgt war. Ein weiterer Fall, der offenbar demselben Reisenden aufs Konto zu setzen ist, wird uns von einer Frau K. aus V e r l i n» Südost gemeldet. Bei ihr fand sich Anfang April ein Reisender ein, der Bilder von Singer, Bebel, Liebknecht usw. anbot. Er machte daraus aufmerksam, daß die Probebilder schon angeschmutzt waren, und fügte die wohl witzig sein sollende Bemerkung hinzu. die zu liefernden Bilder würden sich von den Probebildern unter- scheiden, wie von einer schmutzigen Unterhose eine saubere. Da Frau K. nicht sogleich bestellen wollte und ihm sagte, sie dürfe das nicht ohne Wissen ihres Mannes tun, so fragte er, der Mann sei wohl nicht dafür, er sei wohl gar nicht organisiert. Als Frau K. das bejahte, fügte er hinzu, er käme im Auftrage der Partei; er selber sei ja im Vorstand; sie solle nur ruhig das Bild des Genossen Singer nehmen. Frau K. meinte jetzt, daß er tatsächlich von der Partei komme, und bdstellte ein Bild. Wäh- rend der ganzen Verhandlung benahm sich der Mann fast so. wie wenn er zu-Hause sei. Er war sehr gesprächig und redete von allem Möglichen, so daß Frau K. ihn für angeheitert hielt. Sie schildert sein Auftreten als ziemlich dreist, auch habe sie eS als sehr ungehörig empfunden, daß er sie fragte, wie lange sie denn schon verheiratet sei. AIS sie am Abend ihrem Gatten davon er- zählte, nahm der sofort an, daß der Mensch nicht ein Beauftragter der Partei gewesen sein könne. Frau K. sagt unS, das bestellte Bild sei dann von einer Firma Rumpf geliefert worden. In dem- selben Hause hat der freche Bursche noch bei einigen anderen Frauen, denen er Bilder anbot, durch sein Auftreten Verwunde- rung hervorgerufen. Hier erzählte er, welche Erfolge er bei manchen von ihm aufgesuchten Frauen gehabt habe, und was et sich zuweilen habe erlauben dürfen., Ueber ein geradezu tolles Stück, das er sich Ende März leistete, berichtet uns eine gleichfalls in Berlin-Südost wohnende Frau P. Als er hier seine Bilder vorlegen wollte, schnappte er zufällig auf, daß der Ehemann einen Rechtsstreit hatte. Sofort lieh er sich die Angelegenheit erzählen, stellte sich als Sachkenner vor und bot sich zur K l a g e a n f c r t i g u n g an. Frau P. sagte ihm, er solle hierüber mit ihrem Mann sprechen, wenn der da sei. Darauf legte er seine Bilder vor, sprach viel von„Genossen" und rühmte seine Teilnahme an der Arbeit zur Aufklärung des Volkes. Als Frau P. ablehnte, weil sie jetzt kein Geld habe, beruhigte er, sie brauche die Bilder erst liefern zu lassen, wenn sie Geld habe. Daraufhin erklärte sie sich zur Bestellung von zwei Bildern für zusammen 8 M. bereit, und nun erst erfuhr sie, daß sie 2 M. anzuzahlen hatte. Nach einigen Einwendungen, die er zurückwies, zahlte sie. Am Abend kam er wieder, verhandelte mit dem Mann über den Rechtsstreit, machte sich Zlotizen, äußerte Ver» ngeh ein» Söffc KsM. ließ sich dszu auch eine Schinken, stulle schmecken«TtS circhfoEjl sich ütn%TT Uhr. STm nächsten Lag gegen Abend, als die Frau allein zu Hause war, kam er wieder, um sich nochmals Notizen zu machen. Inzwischen mußte Frau P. zu einer in demselben Hause wohnenden jungen Frau laufen, die in die Wochen kam. Als Herr P. heimkehrte, beendete der„Rechts- kundige" seine Aufzeichnungen und spielte nunmehr darauf an, daß er klingende Münze wünsche. P. zögerte, aber der andere mahnte:„Na, nu man los, zählen Sie Geld aufl" P. gab 5 M., sagte aber seiner Gattin davon nichts, wie auch sie ihm nichts von der Mlderbestellung sagte. Am nächsten Morgen war der„Rechtskundige" schon wieder da. Nach einigen Verhand- lungen über den Rechtsstreit fragte er Frau P. plötzlich, ob sie warmes Wasser habe, er wolle die Strümpfe wechseln, sich aber zuvor die Füßewaschen. Frau P. wunderte sich nicht wenig, aber sie dachte, da er die Klage umsonst, wie sie annahm, an- fertigen wolle, so dürfe er schon als Gegenleistung eine Gefällige keit fordern. Sie ging zur Wöchnerin, um eine geeignete Wanne zu leihen. Als sie zurückkehrte, stand der nach einer Reinigung verlangende Besucher schon barfuß in den Pantoffeln der Frau P. bereit. Er bat sich auch etwas Faßseife aus, weil er, wie er treu- herzig eingestand, so sehr an Fußschweiß leide. Unten lag die Wöchnerin in Sorge, daß oben der Fremde, den sie für verrückt hielt, Frau P. abmurksen werde. Aber er tat's nicht, sondern genoß mit Behagen sein Fußbad und empfahl sich dankend. Als am Abend Herr P. von dem Fußbad erfuhr, sagte er, eigentlich habe er sich schon den ganzen Tag über den Menschen geärgert, besonders darüber, daß er ihm gestern 5 M. gegeben habe. Entsetzt schlug die Frau die Hände über dem jwpf zusammen. Aus dem über die Bilderbestellung ausgefertigten Schein ersah sie, daß der wunder liche Bildermann für die Firma„Erich Rumpf, Berlin NO., Büschingstr. 21" reiste. Sie lief zu Rumpf, aber hier wurde ihr gesagt, auf diese Bestellung hin würden die Bilder richtig geliefert werden, und das geschah dann auch nach Zahlung der Restsumme. Auch mit der Klageanfertigung hatte es seine Richtigkeit, das Schriftstück wurde besorgt und abgeschickt. Allerdings kam es später zurück mit dem Bemerken, daß die Klage zum größten Teil un- verständlich sei. Herr Rumpf hat uns erklärt, daß er von dem geschilderten Treiben dieses Reisenden selbswerständlich keine Ahnung gehabt habe, und daß er ebenso selbswerständlich es aufs schärfste miß- billige. Der Reisende— es handelt sich, wie Herr Rumpf uns mitteilt, um einen Mann namens R a e ck, der im Hause Schreiner- ftraße 42 wohnen soll— ist schon nicht mehr für die Firma tätig. Wir wundern uns nur darüber, daß unter den so belästigten Frauen nicht eine den Mut gefunden hat, den unverschämten Patron die Treppe hinab-zubefördern. Traktätchenverteilung vor der„Sitte". Gewisse Berfrommungs- gefellschaften haben jetzt auch schon jenen Teil der Dirksenstraße, wo daS Polizeipräsidium liegt und die Halbweltlerinnen ein« und ausgehen, zu ihrem Arbeitsfeld erkoren. Aeltere Damen machen sich hier an Prostituierte, die sich der Polizeikontrolle stellen und meist schon äußerlich ihr Gewerbe verraten, heran und übergeben ihnen gedruckte Traktätchen. Ein solches, daS in unsere Hände geraten ist, trägt die wunderliche Aufschrist„Du bist in einer betrogenen Gewalt" «Mb trieft von Frömmigkeit. Mit solchen Mittelchen wird man natürlich nicht eine einzige Gefallene wieder auf den rechten Weg bringen. Die daS Blatt nehmen, lesen eS wohl auch und denken einen Moment über ihre Ge- sunkenheit nach, aber für sie gibt es kaum mehr ein Zurück. Weniger durch Leichtsinn als öfter durch soziale Mißverhältnisse, durch bitterste Not find sie der Prostitution versallen. Wenn sie wirklich eig geordnetes Leben anfangen wollten, würde ihnen der Fluch deS jetzigen Ge« werbeS auf Schritt und Tritt nachfolgen. Die frommen alten Damen sollten sich lieber in Berlin WW zu schaffen machen, wo die Prostitution, mag sie auch ziemlich geheim gehalten werden, am üppigsten wuchert. Dieselben Gesellschaftskreise, die hier bessem wollen, tragen an dem Unglück der Gefallenen die HÄiptschuld und find die besten Kunden. S_ Aus der städtischen Berwaltung. Die erledigten Dezernate der Stadträte Dr. Münsterberg und Mugdan sind wie folgt verteilt worden: Den Vorsitz der Armen- direktion hat Stadtrat Kalisch definitiv übernommen. An seiner Stelle hat Stadtrat Hamburger den Vorsitz in der Steuerdeputation, Abteilung II sEinkommensteucr) erhalten. Der Vorsitz im Plenum der Steuerdeputation ist für den aus der Steuerdeputation aus- scheidende» Stadtrat Kalisch Stadtrat Sausse übertragen worden, sodaß letzterer jetzt den Vorsitz im Plenum Abteilung I und III (Realsteuer und Steuerkasse) der Steuerdeputation führt. Stadtrat Dr. Franz ist als Mitglied in die Armendirektion eingetreten und Mitglied der Tiefbaudeputation geblieben. Den Vorsitz des Stadt- auSschusses hat Stadtrat Hamburger an Stelle des Stadtrats Düring übernommen._ Eröffnung des Straßenbahnbetriebs auf dem Südwest-Korso. Südwest-Korso nennt sich ein neuer Straßenzug in Friedenau, der jetzt ausgebaut ist. Er erhält auch Stratzenbahnbetrieb. Die Große Berliner Straßenbahn wird diesen in Gemeinschaft mit der Berlin— Charlottenburger und der Westlichen Vorortbahn schon am nächsten Montag, den 15. Mai, eröffnen. Ueber die neue Strecke werden die beiden Linien 6g Fricdrichsfelde— Friedenau und O Kupfergraben— Friedenau verlängert. Beide Linien gehen dann bis zur Laubacher Straße durch. Die Linien 6g und 71 ergänzen sich zwischen der Möllendorff- und der Bülowstraße, 6g und 70 zwischen dem Berliner Rathaus und Friedrichsfelde zu einem Bc- trieb von 716 Minuten. Tie Linien O, S und G ergänzen sich zwischen dem Auguste Viktoriaplatz und dem Kupfergraben zu einem Fünfminutenbetrieb. Vom Südwest-Korso geht der erste Wagen nach dem Kupfergraben 6.24, nach Friedrichsfelde 7,01. Der letzte Wagen geht nach dem Kupfergraben 11,28, nach Friedrichsfelde 11,46, bis Hubertusstratze 1,31. Der Fahrpreis für die verlängerten Linien über die Strecken aller beteiligten Gesell- schaften beträgt 1b Pf. Teilstrecken zu 10 Pf. sind Friedrichsfelde— Alcxanderplatz, Hubertusstratze— Babelsberger Straße, Alexanderplatz— Südwest-Korso, Kupfergraben— Kaiserallee und Cornelius- brücke— Südwest-Korso. Mord und Geistcskrankenkontrolle. Wie wir nachträglich er- fahren, sind aus Anlaß des Mordes an der Schlächtermeistersfrau Nickel zahlreiche ehemalige Insassen von Irrenanstalten, selbst absolut harmlose Leute, durch die Kriminalpolizei kontrolliert worden. Am Tage»och dem Morde erschienen in der Wohnung der Betreffenden Kriminalbeamte oder uniformierte Schutzleute und verlangten einen Ausweis, wo der ehemalige Anstaltsinsasse die Mordnacht zugebracht habe. Vereinzelt waren die Beamten so anständig, sich zu ent- schuldigen, da sie nur einem Befehl von oben herab nachkänren. Die meisten in solchen Fällen kontrollierenden Beamten sind aber in ihrem Auftreten so plump, daß sie mit der Tür ins Haus fallen und die Auszuhorchenden empfindlich verletzen. Wenn in ganz bestimmten Mordsachen, wo als Täter mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Geisteskranker in Frage kommt, ehemalige An- sialtsinsassen, soweit man ihnen nach ihrer Vergangenheit die Tat zutrauen kann, unter Beobachtung genommen werden, so haben wir bierfür Verständnis. Das heißt, die Beobachtung muß so geschehen. daß für die Beobachteten daraus nicht der geringste Nachteil entsteht. ES geht aber zu weit, wegen jedes Mordes, wie es jetzt Mode ge- worden zu sein scheint, sämtliche oder fast sämtliche JrrenanstaltS- wsaffen. die m Berlin wohnen, aufs Korn zu nehmen und belästigen zu lassen. Man sieht auch daran wieder, wie ungeheuer ungeschickt unsere Kriminalpolizei arbeitet. Zur Nachahmung empfohlen. In weiten Kreisen der Einwohnerschaft wird immer wieder leb hast Klage geführt über die Behandlung, die dem Publikum durch die verschiedenen Behörden— seien es Polizei- oder städtische Be� amten— oft zuteil wird. Diesen Behörden möchten wir eine Be kanntmachung zur Beachtung empfehlen, die dieser Tage der neue Bürgermeister von Teltow in der.Teltower Zeitung" erlassen hat. Es heißt da: Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß ich in der Regel, von Not- und Eilfällen abgesehen, in denen ich stets zur Verfügung stehe, vormittags auf meinem Amtszimmer— Eingang durch Nr. 2— zu sprechen bin. Es wird mir angenehm sein und dient häufig dem Interesse der Sache, wenn sich ein recht reger persönlicher Verkehr zwischen den Stadteingesessenen und mir entwickelt, und ist«s mir nament- lich lieb, wenn die minder bemittelte Klasse der Bevölkerung mich mit ihren Sorgen und Nöten vertraut macht. Ich wies bereits in meiner Einführungsrede darauf hin, daß, je ärmer und geringer jemand in der Stadt ist, er desto mehr der Fürsorge, der Hilfe und de? Rats der Behörde bedarf, und daß er desto bereitwilliger mich finden wird, mit ihm durch- zusprechen, wo es ihm fehlt, wenn ich auch leider nicht immer und überall werde helfe» können. Auch bin ich gerne bereit, im Interesse einer ausreichenden Befriedigung des BegürfnisseS Unbemittelter nach Rechtsbelehrung diese zu erteilen. Die Beamten sind mit gleicher Anweisung versehen, auch streng unterrichtet, niemals Schwierigkeiten zu machen, wenn jemand mich persönlich sprechen will. Ein freundliches Entgegenkommen gegen jedermann ist fämt lichen städtischen Beamten zur Pflicht gemacht. Teltow, den 5. Mai 1911. Der Bürgermeister. PalleSke. Viele Beamte in Berlin und anderswo könnten sich diese Be- kanntmachung zu Herzen nehmen. Es tut dringend notl Der verunglückte Nothelfer. Ein schwerer Straßenvahnunfall hat sich, wie uns nachträglich gemeldet wird, am Freitagnachmittag in der Turmstratze zugetragen. Der Hausdiener Albert Mitschrich, Halensee, Lützenstr. 10 wohnhaft, führte aus Gefälligkeit einen Zweiradsahrer, an dessen Maschine die Kette gerissen war, den ge nannten Straßenzug entlaug. Als ihnen ein Straßenbahnwagen der Linie 9 entgegenkam, wollten die beiden Radfahrer nach rechts aus- biegen, gerieten aber dabei mit ihren Maschinen gegeneinander und stürzten beide zu Boden. Mitschrich geriet mit der rechten Hand unter daS Zweirad, auf dem dessen Führer lag. Dem bedauernswerten Nothelfer wurden dabei drei Finger der Hand vollständig abgequetscht. Der Verunglückte fand im Krankenhause Moabit Aufnahme. Die Arbeiter-Bilbungsschule veranstaltet heute einen Nach. mittagsausflug nach Ravensteiner Mühle. Abfahrt vom Alexander- platz 1,59, Schlesischen Bahnhof 2,05 UH: bis Hirschgarten. Nach zügler fahren bis Friedrichshagen. Zahlreiche Beteiligung der Mit glieder und Gäste wird erwartet. Eine unbekannte weibliche Leiche wurde vorgestern nachmittag im Jagen 280 der Friedrichshagener Forst aufgefunden. Es handelt sich um eine etwa 45jährlge gutgekleidete Frau, die zweifellos Selbstmord verübt hat. Die Unbekannte hatte sich zunächst mit einem Messer, das neben der Leiche lag, die Pulsadern zu durch schneiden versucht und sich dann an einem Baume erhängt. Bei der Verstorbenen wurden keinerlei Wertsachen, auch keine Legitima- tionspapiere t�rgefunden, so daß die Persönlichkeit der Toten noch nicht festgestellt werden konnte. Bekleidet ist die Lebensmüde mit einem dunklen Kostüm, schwarzem Strohhut mit Rosen, schwarzen Strümpfen und.Knöpfschuhen; die Unterwäsche ist mit dem Monogramm C. Z. versehen. Die Leiche wurde beschlagnahmt Selbstmord verübte am Sonnabendabend gegen 9 Uhr in einem Lokale in der Ställschreiberstraße die 21jährtge Aufwärterin Minna Wagner aus der Jüdenstraße 22. Aus einem Revolver schoß sie sich eine Kugel in die rechte Schläfe, so daß der Tod auf der Stelle ein- trat. Das Motiv der Tat soll Liebeskummer sein. Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zur unentgeltlichen Be Nutzung für jedermann, 80, Adalbertstraße 41. Geöffnet werktäglich von bVz— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr. In dem Lesesaal liegen zurzeit 549 Zeitungen und Zeit 'chriften jeder Art und Richtung aus. Der Zentral-Krankenpflege-NachweiS für Berlin und Umgebung Steglitzer Str. 57, Amt 6, 2849) ist bemüht, für alle Kreise der Berliner Bevölkerung unter ärztlicher Leitung gutes Pflegepersonal ür Krankenpflege und Wochenpflege zu beschaffen. Der Herr Minister des Innern, dessen Nessort dieser Teil der Krankenfürsorge jetzt zugebört, hat eine Beihilfe von 500 M. gewährt; ebenso haben die städlischen Behörden das Institut auch für das Jahr 1911 durch eine Subvention von 600 M. unterstützt. Diese Beihilfen sollen auch fernerhin dazu verwendet werden, die Beschaffung guter Kranken� pflege auch für minderbemittelte und arme Kranke in erhöhtem Unr fange zu ermöglichen. Mit diesen geringen Mitteln dürfte nur nicht allzuviel anzufangen sein. Arbeiter-Tamaritcrkolonne Groß-Berlin. In dieser Woche finden folgende Lehrabende abends 9 Uhr statt: Am Montag, Brunnenstr. 154, Restaurant Dase, am Tonnerstag, Lichtenberg, Scharnweberstr. 60. Neue Mitglieder werden jederzeit auf- genommen.— Am nächsten Sonntag, den 21. Mai, vormittags �11 Uhr, pünktlich, im Pathologischen Institut: Vortrag des Herrn Professor Dr. Kaiserlingk. Gäste willkommen. Verloren hat am Freitagabend in der Oderberger Straße gegen 10 Uhr ein stellungsloser Hausdiener sein erspartes Geld. Ent- halten war dasselbe in einem braunen Herrenportemonnaie; es bestand aus einem Zehn- und einem Zwanzigmarkstück und einigem Kleingeld. Außerdem befand sich darin noch eine Radfahrkarte, auf den Namen deS Inhabers lautend. Der ehrliche Finder wird höflichst gebeten, dasselbe abzugeben an Max Dumoulin, Oder- berger Str. 56 vorn im Keller beim Friseur. Vorort- ffaä) richte». Schöneberg. Die Grundsteinlegung des neuen Rathauses, das an der Martin» Luther-Slraße, Ecke Stadtpark, errichtet wird, soll am 26. d. M., dem Geburtstage des verstorbenen Oberbürgermeisters Wilde, vor sich gehen. Eingeladen sind über 1000 Personen. Nach einigen un- ausbleiblicken Ansprachen werden sich etwa 450 Teilnehmer in den Gesellschaflssälen des Westens, Hauptstraße, zusammenfinden, um sich an einem Festessen von den Strapazen zu erholen. Ferner findet an demselben Tage ein Margueritentag statt, an dem eine größere Anzahl junger Mädlben Blumen feilbieten werden. Die Hälfte der Bruttoeinnahme soll der Deputation für Wohlfahrtspflege überwiesen werden als Grundfonds zu einem Kinderheim, das un- bedingt errichtet werden muß. Das Protektorat hat der Erste Bürgermeister D o m i n i c u s übernommen. Wäre es nicht rat- samer. die Kosten für das Festessen dem Kinderheim zur Verfügung zu stellen und von demselben überhaupt Abstand zu nehmen. Da- mit wäre der Wohlfahrt und den Kindern ein viel größerer Dienst erwiesen. Ein Zusammenstoß zwischen einer Automodildroschke und einem Straßenbahnwagen, bei dem eine Person leicht verletzt wurde, er- eignele sich gestern vormittag gegen 11 Uhr in der Motzstraße. Als die Autodroschke 9314 die genannte Straße passierte, geriet sie an der Ecke der Martin-Lutherstraße ins Schleudern und stieß gegen den Hinterperron des Anhängewagens eines an der dortigen Haltestelle stehenden Straßenbahnzuges der Linie 91. Der in dem angefahrenen Waggon sitzende Kaufmann Abrahamsohn aus der Motzstraße 32 erlitt eine leichte Quetschung an der rechten Hand und begab sich nach seiner Wohnung. An dem Bahnwagen wurde der Perron ein« gebeult, an der Autodroschke das Spritzblech verbogen. Eine Störung trat infolge des Zusammenstoßes nicht ein. Ober-Schöneweide. Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich vorgestern mittag in der Edisonstratze. Als das Privatautomobil des Bankiers Pariser aus Berlin auf dem Wege nach Karlshorst den Straßenzug passierte, versuchte plötzlich der fünfjährige Sohn des Schlossers Bachmann aus der Edisonstraße 39 unmittelbar vor dem Kraft- wagen über die Straße zu laufen. Obwohl der Chauffeur mit aller Kraft bremste, konn-ie er das Unglück doch nicht verhüten. Der Knabe wurde umgerissen und geriet unter das Automobil, dessen Vorderräder über ihn hinweggingen. Der Junge erlitt eine schwere Gehirnerschütterung, einen Bruch des linken Unterschenkels und erhebliche Hautabschürfungen im Gesicht. Der Verunglückte wurde in bedenklichem Zustande in das Krankenhaus eingeliefert. Mariendorf. Aus der Gemeindevertretung. Die Vertretung verhandelte zunächst über einen von unseren Genossen eingebrachten Antrag, der den Beginn der Gemeindevertretersitzungen anstatt wie bisher auf 4 Uhr auf 6 Uhr abends festgesetzt wissen wollte. Vom Ge- nassen Günter wurde bei Begründung des Antrages ausdrücklich betont, daß dieser Antrag nicht etwa im Interesse der Vertreter der dritten Wählerklasse gestellt sei, sondern längere Beobachtungen hätten ergeben, daß gerade die bürgerlichen Herren vielfach nicht der ganzen Sitzung beiwohnen. Genosse Weber, der eine Statistik aufgenommen hatte, bewies, wie außerordentlich notwendig die Verlegung der Sitzungszeit sei. Von der Notwendigkeit der Ab- lehnung haben sich die Herren wohl durch die Ausführungen deS Herrn Noack überzeugen lassen, der da sagte, daß er ja den Herren Antragstellern gern entgegenkommen möchte, aber er wisse dann nicht, wenn et sein Abendbrot einnehmen soll. Nachdem unser Genosse gebührend geantwortet hatte, wurde der Antrag von der Mehrheit abgelehnt. Eine immer noch nicht erledigte Angelegenheit ist der Bau des Feuerwehrdienstgebäudes. Beinahe ein Jahr zieht sich jetzt diese Angelegenheit hin und immer ist dieselbe noch nicht soweit perfekt, daß endlich mit dem Bau begonnen werden kann. Dabei ist die Frage durch das vollständig unzureichende Feuerlöschwesen so dringend, daß jedes weitere Hinausschieben eine immer größere Gefahr für die Bewohner wird. Nachdem nun schon zwei Pro- jekte verworfen bezw. vom Landrat abgelehnt worden sind, hat jetzt die hierzu eingesetzte Kommission einen neuen Plan vorgelegt, in welchem die Errichtung des Gebäudes auf dem der Gemeinde ge- hörenden Grundstück neben dem Gymnasium gedacht ist. Der Platz würde ungefähr der Forderung des Landrats gerecht, da von dieser Stelle der Radius 2260 Meter beträgt. Wenn nun der Landrat hierzu seine Zustimmung gibt, so soll endlich die Zeichnung angefertigt und dann mit dem Bau schleunigst begonnen werden. Wie wenig sich die Gemeindeverwaltung um das Feuerlöschwesen kümmert, bewiesen die eingebrachten kleineren Anträge der jetzt bestehenden freiwilligen Feuerwehr. Bei der Bewilligung von neuen Schlauchleitungen prüften die bürgerlichen Herren, ob denn solche Schlauchleitungen jetzt noch notwendig seien, da wir doch bald(?) ein eigenes Gebäude mit neuem Inventar errichten. AIS ihnen zugesichert wurde, daß ja diese Schlauchleitungen nachher mit hinüber genommen werden können, gaben sie ihre Zustim» mung. Genau ebenso war es bei der Forderung von zwei Fahr» rädern für die jetzige Feuerwehr zu Dicnstzwecken. In der vorigen Sitzung wurde eine lebhafte Debatte geführt über die Nachsuchung eines Dispens beim Regierungspräsidenten, der das vorübergehende Beziehen von den sogen. Portierswohnungen in Südende für Ge» meindearbeiter forderte, die im dortigen Ortsteil Feuerwehrdienst verrichten. Beim Verlesen des Protokolls, wo nur noch unsere Genossen anwesend waren, stellte sich heraus, daß darüber gar nicht abgestimmt war. So mußte auf Antrag des Genossen Reichardt darüber in der letzten Sitzung nochmals verhandelt bezw. abge» stimmt werden. Mit Recht wurde von unserem Genossen betont, daß, wenn die Herren pflichtgemäß bis zum Schluß bleiben wsirtzen, die nochmalige Verhandlung nicht ysttv.endig wars, Trebbin(Kreis Teltow). Aus der Stadtverordnetcnfitzung. Zunächst wurde der als Ersatz« mann für Herrn Götze gewählte Stadtv. Schottmüller eingeführt. Alsdann beschloß die Versammlung einstimmig, der Witwe Wolter jeden nur mit Pferden beschickten Markttag das Standgeld um 20 M. zu erlassen. Der Anschluß der Zossener Straße an das städtische Wassernetz wurde einstimmig beschlossen und die Kosten in Höhe von etwa 3500 M. bewilligt Der Arbeiterturnverein„Vorwärts" hat den Antrag um Ueberlassung deS Turnplatzes zur Abhaltung eines Gruppenturnfestes am 8., 9. und 10. Juli d. I. gestellt. Der Magistrat gewährte diesen Antrag mit dem üblichen ModuS, daß die Stadt das Standgeld einzieht und daß keine politischen Zwecke und Demonstrationen dabei zutage treten dürfen. Gen. Richter meinte, die letzte Bemerkung hätte man doch wohl weglassen können. denn der Turnverein„Vorwärts" hätte den Platz doch schon öfter gehabt. Der Bürgermeister bestätigte, daß alle bisher von sozial« demokratischer Seite veranstalteten Festlichkeiten zu Klagen keinen Anlaß gegeben hätten, aber der Magistrat habe es so für richtig ge» halten Schcnkendorf bei Königs-Wusterhausen. Die Freie Turnerschaft von Schenkendorf veranstaltet von Sonn« tag ab jeden Sonniagnachmittag von 3—4 Uhr Kinderspiele. Sammelpunkt ist im Garten des Herrn Otto Päisch. Abmarsch von Otto Pätsch ll/3 Uhr nach dem Spielplatz. Heute, Sonntag, den 14. Mai, feiert die Freie Turncrschaft im genannten Lokale ihr sechstes Stiftungsfest. Da der Verein bei Arbeiterfesten mitwirkt, werden die Genossen gebeten, das Fest zu unterstützen. Cossenblatt(Kreis Beeskow). Zu einer öffentlichen Versammlung unter fteicm Himmel hatten sich, trotz verschiedentlich schwiriger Umstände, gegen 100 Personen auS den umliegenden Ortschaften eingefunden. Außerhalb des Dorfes. veisteckr zwischen Wald und Acker, war der Vcrsammlungsplatz, zu dem die Besucher, mancher von l'/z Sluudeu weit entfernt, ge- kommen waren, um einmal ihren Reichstagsabgeordiielen Fritz Z üb eil kennen zu lernen und seinen Vortrag über„Die Sünden des Reichstags und die bestehenden Wahlen" zu hören. Eine der- artige öffentlich freie Kritik über die bestehenden Verhältnisse war den meisten Landleuten etwas Neues und mancher hat daraus erst die Ursachen der hohen Steuern und der verteuerten Lebensmittel kennen gelernt. Starler Beisall belohnte den Gen. Zubcil ftir sein l'/zstündiges Referat. Weistensee. Strastenbahnunfall ereignete sich am Freitagabend gegen hi8 Uhr vor dem Hause Berliner Allee 26. Dort versuchte der ünfjahnge Sohn des in der Sedanstraße 108 wohnhaften Arbeiters (Sadotoa vor einem herannahenden Straßenbahnwagen der Linie 73 übet das Gleis zu laufen, wurde jedoch umgestoßen und geriet mit dem linken Arm unter den Schutzrahmcn. Der Wagen wurde mit Hilpe von Passanten angehoben und das verunglückte Kind in kurzer Zeit befreit. Der kleine S.. der Hautabschürfungen am linken Arm und tm Gesicht erlitten hatte, erhielt von einem in der Nabe wohnenden Arzt die erste Hilfe und wurde dann nach der elter« lichcn Wohnung gebracht. W D°s Anturnen des ArbeitcrturnvcreinS Weißeusec(Mitgl. d. A.-T.-B.) findet heute, nachmittags pünktlich 2 Uhr. auf dem an der istalienbergerstraße gelegenen Sportplatz statt. Der Platz ist der erste aus der linken Seite. Geturnt wird in folgender Ordnung: tfunflqjnps d« Maunerabteilung. Dreilampj der Lehrlwgsab. Iriluttg und Dreikampf der Damsnabteilung. Nach dem Turnen finden die verschiedensten Gesellschaftsspiele statt, woran sich auch die Gäste beteiligen können. Den Damen ist die Gelegenheit ge- boten. Kaffee zu kochen. ES ist auch für grotze Unterkunftsräume. versehen mit Tischen und Bänken, Sorge getragen. Sämtliche Arbeiterfamilien sind zu diesem Feste eingeladen. Tegel. Ein schwerer Baminfall ereignete sich vorgestern auf dem Grund« stück Treskowstr. 3. Dort wird ein Neubau aufgeführt, auf dem auch der 35jährige Zimmermann Gustav Köhler aus Spandau beschäfligt war. Als K. in der Höhe der 3. Elage auf dem Gerüst arbeitete, stürzte er plötzlich infolge eines Fehltrittes rücklings in die Tiefe und blieb besinnungslos auf dem Erdboden liegen. Der Verunglückte erlitt schwere innere Verletzungen, einen Bruch des rechten Unter- armes und eine Kopfwunde. Auf Veranlassung eines Arztes, der ihm Notverbände anlegte, wurde der Zimmermann nach dem Spandauer Kranlenhause übergeführt. Bernau. Soldaten sollen, wie man uns mitteilt, bei den Proben der Hussitenfe st spiele verwendet werden. Bekanntlich sollen in nächster Zeit die von dem Direktor Herrn Lorenz arrangierten Hussitenfestspiele vor sich gehen. Zur Aufführung dieser Spiele werden etwa 505 Personen gebraucht. Trotz aller Mühen, diese Personenzahl aus der hiesigen Bevölkerung zusammenzubringen, meldeten sich nur etwa 350 Einwohner. Die fehlenden Personen sollen jetzt in Soldaten des 2. Garderegiments gefunden worden sein. Ist dem so, daß über hundert Soldaten in den Dienst solcher Aufführungen gestellt werden, so mufj dagegen ganz entschieden Einspruch erhoben und von der Militärverwaltung verlangt werden, daß sie die Soldaten von solchen Veranstaltungen fernhält. Es wäre interessant, zu erfahren, welche Gründe das Kommando des Regiments zur Beurlaubung der Soldaten für solche, mit den eigentlichen militärischen Obliegenheiten keinerlei Gemeinschaft habenden Aufführungen geleitet haben. Notvawes. Aus der Gemeindevertretung. Zu Beginn der Sitzung teilte der Bürgermeister mit. datz zum hauptamtlichen Leiter der Fort- bildungsschule Herr Rektor Schenk gewählt worden ist und daß an seine Stelle, d. h. als Rektor der 3. Knabenschule, wahrscheinlich der Mittelschullehrer Klatt von der höhevcn Mädchenschule in Potsdam treten werde.— Scdann machte der Bürgermeister auf die im Beratungsziinmer ausgehängten Einzelpläne für den neuen Ge- samtbebauungsplm. aufmerksam, die Herr Ingenieur Härtel des näheren erläuterte.— Auf Vorschlag der Armendeputation erfolgte die Wahl des Armenpflegers Philipp zum Armenvorsteher des 10. Bezirks an Stelle des aus beruflichen Gründen zurücktretenden Armenpflegers Paufler, der jedoch der Armenkommission dieses Be- zirks weiter angehören soll.— Sodann genehmigte die Vertretung die Auflassung von Straßengelände an der Retzow- und Scharn- horststraszi� und beauftragte auf Vorschlag des iBürgermeisters generell für derartige Entgegennahmen den Gcmeindebaumeister Kuhnert.— Ferner beschlofz die Vertretung den Erlaß einer neuen Umsatz-, Lustbarkeits- und Hundesteuerordnung, da die bisherigen Ordnungen einesteils längst nicht mehr den veränderten Gemeinde- Verhältnissen entsprechen, andernteils neueren grundsätzlichen Ent- scheidungen des Oberverwaltungsgerichts Rechnung tragen müssen. EineAErhohung der Steuersätze ist mit der Aenderung nicht verbunden. Die alten Ordnungen der früheren Gemeinde Neuendorf werden durch den vorliegenden Beschluß aufgehoben.— Zum Schluß erfolgte die Wahl unseres Genossen Singer in die Ge- sundheits- und Grundwcrtsteuerkommission. Dachstuhlbrand. Am Freitagnachmittag brach in dem Haus Ecke Großbeeren- und Husarenstraße auf bisher unaufgeklärte Weise ein Brand aus, der in kurzer Zeit den gesamten Dachstuhl vernichtete. Nur dem energischen Eingreifen der Feuerwehr ist es zu verdanken, daß nicht das ganze Gebäude dem verheerezHen Element zum Opfer siel. Spandau. Stadtverordnetenversammlung. Vor Eintritt in die Beratung der Tagesordnung fand die übliche Beweihräucherung des zum Ge- Heimen Regierungsrat ernannten Oberbürgermeisters Költze durch den Stadtverordnetenvorsteher Lüdicke statt, welcher sich in aus- gedehntem Maße auch die waschccksten liberalen Stadtverordneten anschlössen. Die Ferien für die Stadtverordneten wurden für die Zeit vom 7. Juli bis zum 6. September festgesetzt. Die nächste Vorlage betraf die grundsätzliche Beschlußfassung über die Errichtung eines gemeinschaftlichen elektrischen Kraftwerkes für die Stadt Spandau und die Kreise Osthavelland, Westhavelland und Ruppin. Spandau bezieht jetzt seine eleftrische Energie von den Berliner Elektrizitätswerken und zwar für den Preis von 40 Pf. abzüglich 10 Proz. Rabatt für Kraft pro Kilowattstunde. Diese Gesellschaft hat nun der Stadt, wohl in der Befürchtung, daß sich Spandau ein eigenes Werk baut oder sich für die geplante Ueberlandzentralc entschließt, ein günstigeres Anerbieten gemacht: sie forde vi für das erste Vertragsjahr 7,84 Pf., für das zweite 7,68 Pf. und für das dritte 7,52 Pf. pro Kilowattswnde; sie wollte, falls der Vertrag auf 7 Jahre verlängert wird, sogar den Preis auf 6,68 Pf., ja bis auf 6,52 Pf. herabsetzen. Zweifellos hat die Offerte etwas Bestechendes. Die Versammlung entschied sich aber dafür, daß man mit den ge- nannten drei Kreisen gemeinschaftlich ein Werk baut. Man erhofft dadurch noch größere Vorteile zu erzielen. Das Werk selbst soll in Spandau errichtet werden.— Es ist beabsichtigt, seitens der Stadt und der hiesigen Nikolaikirchengemeinde eine Chronik von Spandau drucken zu lassen. Beiträge hierzu haben bereits die Stadt und auch die Kirchengemeinde geleistet. Die Chronik selbst ist Haupt- sächlich von dem Oberpfarrer Recke an der Hand einer älteren, in den Händen der Kirche befindlichen Chronik ausgearbeitet worden. Es wird nun gefordert, daß die Stadt aus den Ueberschüssen des Verkaufs des Werkes nur ein Drittel und die anderen zwei Drittel die Kirche erhält. Statt nun dieses Werk möglichst billig herzu- stellen, um es weiteren Kreisen zugänglich zu machen, beabsichtigte man, nur 150— 200 Exemplare drucken zu lassen und diese für 20 bis 25 M. pro Exemplar zu verkaufen. Die Druckkosten stellen sich allein auf etwa 6550 M. Die Stadtverordneten beschlossen, noch weiter mit der Kirche zu verhandeln und mindestens 1000 Exemplare drucken zu lassen, die dann bielleicht für 10 bis 15 M. pro Exemplar abgegeben werden könnten. Genosse Pieper trat hierbei für eine Halbierung des Uebcrschusses ein und beantragte dies, indem er darauf verwies, daß viele Einwohner von Spandau ja auch Kirchen. steuern bezahlen müßten und deshalb verlangen könnten, daß die Stadt auch die Hälfte des Ucberschusses erhält. Dies lehnte die Versammlung jedoch ab, sie erklärte sich mit einem Drittel zufrieden. Die Verpachtung des Ufer V des hiesigen HafenS an den Spediteur Thomas für 1 1 800 M. zeitigte eine längere Debatte. Thomas war bisher Pächter des Ufers 5 und zahlte dafür 50 000 M. pro Jahr, natürlich auch erst, nachdem seitens der Stadtverordneten energisch gegen den vom Magistrat vorgeschlagenen, lächerlich ge- ringen Preis von 5000 M. protestiert und die Sache noch einmal ausgeschrieben wurde. Jetzt hat derselbe Herr Thomas das Ufer 2 für 63 100 M. gepachtet, für das Ufer 5 bietet er nunmelzr den Preis von 11 800 M. Die Stadtverordnetenversammlung sträuble sich zivar erst etivas, namentlich als sie hörte, daß dem Spediteur Thomas durch Pachtung des Ufers 2 ein vollständiges Umschlags- monopol zugestanden war. Schließlich begnügte man sich mit einem Pachtpreis von 11 900 M. Auch schloß man den Pachtvertrag nicht auf 10 Jahre wie beantragt war, sondern nur auf 5 Jahre ab. Die einzigen, die gegen eine so billige Verpachtung protestierten und sich nicht rumkriegen ließen, waren die sozialdemokratischen Stadtverordneten. Wenn man bedenkt, daß die Stadt den Hafen mit einem Kostenaufwande von weit über IMt Millionen Mark errichtet hat, so wird die Verzinsung des Anlagekapitals kaum bei diesem niederen Preise herauskommen. Neugierig darf man bloß sein, wie sich bei einer solchen Geschäftspraktik die Finanzverhältnisse der Stadt gestalten werden. Welche Wege man zur Geld- bcschaffung einzuschlagen gedenkt, bewies eine andere Vorlage, nach welcher die Besteuerung der Kinematographen vorgenommen werden soll, und die von der Mehrheit der Versammlung genehmigt wurde. Zwei längere Roden hielten dann noch die Stadtverord- neten Dr. Kantorowicz(frei,.) und Dr. Baumert(kons.). Ersterer sprach beinahe eine Stunde über die hiesigen Eisenbahn- Verhältnisse, letzterer ebenso lange über das unzweckmäßige Fällen der Bäume in den Straßen und Plätzen der Stadt. Der Zuschuß der Stadt zu der Rechtsauskunftsstelle, die von dem bekannten Berliner Verein besorgt wird, soll von 1200 auf 1400 M. pro Jahr erhöht werden. Vernünftigerweise stimmte man der Vorlage nicht zu, sondern beschloß, in gemischter Kommission zu beraten, obi'. Fnnl, Monumrutenftr. 33. Jalousiefabrit Hc-In»-. k'e'eQLS, Berlin-Nicderschönhausen. Tischlerei Settiielder, Mau- teuffelstraste 5g und Lausiffer Straffe 10 v. p. Pianofabrik«püllie, Pots- damer Str. 30. 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