Nr. 117. nbonncmentS'ßedingungen: Abonnements< Preis pränumerando i Lierlcljährl. 3P0 Mb, monatl, 1,10 Mb, wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Ewjelne tliummer k Psg. Sonntags- Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post, Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monab Poftabonncments nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Buniänicn, Schweden und die Schweiz, S8. Jahrg. CiWDt lzglich auScr tnontagi, Vevlinev Volksblclkt. Zcntralorgan dcv rozialdcmokratifchcn Partei Dcutfcblands. Die TnfertlonS'GebQffr Beträgt für die sechsgespaltene Kolonel« geile oder deren Raum 00 Pfg„ für politische und gewerlschastbiche Vereins- und Versaminlungs-Anzeigen 80 Psg. „steine Zllnrelgen", das fettgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2seUgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg.. jedes weitere Worts Pfg. Worte über lö Buch- paben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition tjt bis 7 Uhr abends geösjnet, Telegramm-Adresse: „Sozlaiddntkrat BerUi". Rcdahtton: 8 Cd. 68. Linden Strasse 69, Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Sonnabend, den 20. Mai 1911. expedition: 8 Cd. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. Die wahren Terroristen. Im Reichstage bemühen sich die„christlichnationalen Arbeitervertreter", es den Kostgängern des Reichslügenver- bandes gleichzutun in der Scharfmacherei gegen sozialdemo- kratische Versichertenvertreter. Wo nur eine Sudelei über „angeblichen sozialdemokratischen Terrorismus gegen christ- liche Arbeiter" auftauchte, sie kam in das Arsenal des Reichs- lügenverbandes und hat als„Beweis" für die Notwendigkeit ausnahmegesetzlicher Bestimmungen gegen die freiorgani- sierten Arbeiter dienen müssen. Wohl haben die Genossen Eichhorn, Schmidt und Heine das ganze Lügen- gebäude in Fetzen zerschlagen, aber der Block gegen die Sozialreform hat seine bösartigen Beschlüsse doch durchgesetzt. Wie bei asten volksfeindlichen parlamentarischen Aktionen in den letzten Jahren, so hat auch bei der hinterlistigen Aus- nahmegesetzgebung gegen die Ortskrankenkassen das Z e n- trum die bedeutendste Rolle gespielt. Just zur selben Zeit, wo es im Reichstag die Geschäfte der Scharsmacher besorgt, werden die Zentrumsanhänger draußen im Lande durch ihre Presse mit„demokratischen" Entrüstungsartikeln über die Terrorisierung katholischer Arbeiter und Bürger durch die großkapitalistischen Scharfmacher traktiert. Gerade jetzt liest man in der westdeutschen Zentrumspresse folgendes über den alles Maß übersteigenden Terrorismus der Beherrscher Saarabiens: „Es war im November 1319, als die in der Presse vielfach besprochenen Stummschen Wah.oriefe, anläßlich der Gemeinde- ratswahlen in Neunkirchen, großes Aufsehen erregten und selbst auf liberaler Seite scharfe Verurteilung fanden. Damals hatte sich die Firma Gebr. Stumm mit nachstehender Aufforderung, die in persönlich adressierten Briefen enthalten waren, an ihre Arbeiter gewandt:„Wir erwarten von Ihnen, daß Sie zur Wahl erscheinen und den von uns mit anderen Körperschaften vereinbarten Kandidaten der anliegenden Liste Ihre Stimme ' geben. Gebrüder Stumm Gesellschaft mit beschränkter Haftung." Die„anderen Körperschaften" waren die nationalliberale Partei sowie Vertreter königlicher Gruben; die„anliegende Liste" ent- hielt die Namen vier protestantischer Kandidaten und eines nicht mehr paktizierenden Katholiken, während die Gemeinde Neun- kirchen unter 35(XXI Einwohnern mehr als die Hälfte Katholiken zählt welche damals im Gemeinderat nicht einmal mit einem Drittel der Vertreter vertreten waren. Der Höhepunkt der Wahlveeinflussung wurde erreicht, als die von der Firma Gebr. Stumm abkommandierten Hüttenbeamten und sonstige national»- liberale Parteifunktionäre das Wahllokal und sogar den Wahl- tisch belagerten und durch Listcnführung die Wahl jedes ein- zelnen Wählers kontrollierten. Diese Wahlbeeinflussungen l>attcn dann auch den Erfolg, daß zahlreiche abhängige Arbeiter und Bürger gegen ihre Ucberzeugung wählten, daß andere wie- derum der Wahl überhaupt fernblieben, um niD durch eine nach ihrer Ueberzeugung getätigte Wahl schließlich Gefahr zu laufen, wirtschaftlichen Schaden zu erleiden. Lobend muß an- erkannt werden, daß trotzdem auch mehrere Hundert Hütten- arbeiter, meist katholischer Konfession, sich nicht beirren ließen und für die Kandidaten der in ihren Rechten bedrohten Katho- liken stimmten. Diese Arbeiter sind eS, über die sich nunmehr der Zorn ihrer„Brotherren" zu rrgicßeu scheint. Die Frau eines Hüttenarbeiters, deren Ehemann, infolge eines sich bei der Arbeit zugezogenen scksweren Herzleidens und einer sonstigen chronischen Erkrankung, bereits seit elf Jahren von Zeit zu Zeit krank feiern muß und sich seit mehreren Wochen wiederum im Lazarett befindet, wurde bei dem zuständigen Beamten der Firma Gebrüder Stumm wegen Gewährung einer Unterstützung vor- stellig. Der Beamte teilte der Frau mit, daß sie keine Unter- stützung erhalten könne, da ihr Mann nicht mit der Firma halte, indem er bei der Gemeinderatswahl Koßmann gewählt habe und solche Leute bekämen nichts. Mit dem Namen Arbeiter- sckrctär Koßmann begann in der dritten Wählerabteilung die Kandidatenliste der Katholiken, die von den Nationalliberalen als die Liste des Zentrums bezeichnet wurde. Es ist soweit ge- kommen, daß man sich nicht scheut, offen heraus zu bekennen, daß die bei der Wahl nicht gefügigen Arbeiter durch Entziehung von Beihilfen und Untcrjtützungen geschädigt werden sollen. Dieses hat anläßlich der Verhandlung über einen Wahleinspruch vor dem KreisauSschuß zu Ottweiler in öffentlicher Sitzung am 3. März 1911 ein Direktor �es Stummschen Werkes zugestanden. In dem betreffenden Urteil des Kreisausschusjes ist wörtlich zu lesen:„Nur sind die Anträge solcher Arbeiter auf Gewäh- rung außerordentlicher Unterstützungen und Beihilfen von der Firma regelmäßig zurückgewiesen worden." Festgestellt zu werden verdient, daß dein Schlvicgersohne des verstorbenen „Königs Stumm", dem Reichs- und LandtagSabgeordneten Generalleutnant v. Schubert, der Teilhaber des Neunkirchener Eisenwerkes ist. die Maßnahn, en der Firma Gebr. Stumm wieder- holt bekannt gegeben worden sind, ohne daß dieser etwas da- gegen getan hätte. Herr v. Schubert ist Hospitant der national- liberalen Partei." Allerdings ist Herr v. Schubert der Hospitant der natio- nallibcralen Reichstagsfraktion. a b e r m i t d e m He r r n v. Schubert zusammen arbeitet die Zentrums- iraktion gegen die Verbesserung der Reichs- Versicherungsordnung! �m Lande draußen schreit die Zentrumspresse über die nationalliberal-großkapitalisti- srt)en Terroristen, im Reichstage hilft die Zentrumsfraktion durch die Ablehnung der sozialdemokratischen Verbesserungs- antröge denselben Terroristen ihre Machtstellung verstärken. Ein anderer Fall aus neuester Zeit. Tie ober schle- fische Zentrumsprefse schreibt folgendes: Aus Hilgers Reich.— Der Steiger Machnid auf FicinuS-Schacht stellte an einen Bergmann seiner Abteilung, der Mitglied des Gcwerkvereins christlicher Bergarbeiter ist, das Ansinnen, aus dem Gewerkverein auszuscheiden, andernfalls er gekündigt«erde» würde. Damit bringt es ein einfacher Steiger in Oberschlesiens Gefilden fertig, Recht und Gesetz außer Kurs zu setzen. Das Vereinsgesetz gewährleistet den Deutschen das Recht, sich in Vereinen zusammenzuschließen. Herr Steiger Machnid hebt dies Recht ganz einfach auf. Fraglos nicht aus eigener Machtvoll- kommenheit und eigenem Gelüst, sondern um einem Größeren zu gefallen, dem Herrn Königlichen Geheimen Bergrat und Geneoaldirektor Hilger selbst. Ist doch Herr Hilger ein„Feind jeder Organisation" und hat noch unlängst an seine Beamten das Verbot erlassen, mit Arbeitersekretären in Verbindung zu treten. Da dürfen solche Akte gesetzwidriger Willkür nicht wunder- nehmen. Vielleicht nimmt ein Jurist Gelegenheit, zu untersuchen, ob nicht mit solchem Unterfangen das Delikt der Nötigung ge- geben sei. Wir unsererseits möchten diese Frage bejahen." Natürlich nimmt keiner der„christlichnationalen Arbeiter- Vertreter" iin Reichstag, die sich nicht genug tun können in der Ausmalung eines— nur iu ihrer Phantasie bestehenden — fürchterlichen„sozialdemokratischen Terrorismus", sich den typischen Fall des Steigers Machnid vor. Solche Akte der Nötigung sind in den Herrschaftsgebieten der Zechen- und Hüttenbarone an der Tagesordnung. Davon reden die Herren Becker, Behrens, Giesberts und Genossen aber nicht, obsck>on ihnen die Dinge bekannt sind. Sie haben alle Hände voE zu tun, um zur Befriedigung der Scharfmachergelüste Reichsverbaudsmaterial gegen die Kassenverwaltungsrechte der Arbeiter zusammenzutragen. Ein weiterer Fall. Ter„Bergknappe". Organ des Jen- trumsgewerkvereins der Bergleute, teilt in seiner neuesten Nummer mit: „5tn Klerikale Minierarbeit im französische» Proletariat. Paris, 17. Mai.(Eig. Ber.) So wertvoll die Trennung dou Kirche und Staat für die soziale Entwicfelung Frankreichs unleugbar ist, so wäre es doch ein gefährlicher Irrtum. zu glauben, daß die politische Macht der Kirche dein not- wendigen Untergang verfallen sei. Wenn der Klerikalismus in vigleii ländlichen Gegenden zurückgeht, so ist unverkennbar, daß er sich in den industriellen Gebieten mit Erfolg zur Wehr setzt und mit wechselnden Methoden versucht, die politische Indifferenz der von der bürgerlichen Republik vernachlässigten Polksmasien sich zunutze zu machen. So haben katholische Sozialpolitiker die Organlsation der Heimarbeiterinnen mit viel Geschick in die Hand genommen. Während die Zahl der in den auf dem Boden des Klai'eukampfes stehenden Gewerk- schaften organisierten Frauen ganz geringfügig ist, haben die klerikalen Organisatoren rn ihren Vereinen, die freilich Patronagen ähnlicher sehen als Gewerkschaften, Zehntausende zusammengebracht. Diese Arbeit ist darum nicht weniger bedeutungsvoll, weil sie im Gegensatz zur Aktion der Anarcho- Syndikalisten von jedem Bluff absieht und geradezu danach strebt, sich unsichtbar zu machen. Bezeichnend für ibre Mittel ist ei» Artikel, den der Vorsitzende des Lokomotivfülirer» und Geizerverbandes, Tos sin, heute im„Math," über die „grünen Gewerkschaften" der Eisenbahner veröffentlicht. Die in einem Verband, der unter der Leitung des Pariser Vkorrvikars N e g m a n n stehenden„katholischen Eisenbahn-Uräon", organisierten Eisenbahner tretten öffent- lich fast gar nicht hervor. Toffin war nicht einmal imstande, sich ihre Statuten im Original zu verschaffen. Ein für Laien bestimmter Auszug gibt nur den Artikel II wieder. Er besteht aus sechs Paragraphen. Die Mitglieder der Union verpflichten sich darin: 1. Gute Christen zu sein und soweit als möglich der Messe beizuwohnen. 2. Möglichst korrekt, hilfsbereit, diszipliniert und gewissenhaft in dem von ihrer Gesellschaft ihnen anvertrauten Amt zu sein. 3. Keiner Vereinigung beizutreten, die der Religion und der Autorität feindlich ist. 4. Kein „schlechtes Blatt" regelmäßig z u l e s e n. 5. So oft wie möglich der Monatsversommlung der bei- zuwohnen. 6. Wenn möglich dem jährlichen Umon-wn�aiis dem Montmartie(Zaciö Loem). öeizMohuen. Tie Zugehöngkeik zur Um'ou tff ßön fetnsr Beitragszahlung abhängig. Troh dieser offiziellen „Armut" ist sie imstande, ihren Mitgliedern Vergnügungen aller Art sowie Pilgerfahrten nach Lourdes und Rom unter außerordentlich günstigen Bedingungen zu bieten. Die Leitung obliegt der G e i st l i'ch k e i t. In einem Rundschreiben des Abbss Regmann, der selbst als Direktor vom Pariser Erzbischof bestellt worden ist, heißt es:„Der Priester gibt unserer Vereinigung erst die Eristenzberechtigung. Er ist ihre Seele, ihr Grundstein. Die Laien, Vorsitzenden und andere Funktionäre sollen nur seine ergebenen Helfer. seine Leutnants und Emissärs sein." Es ist also eine völlig unter geistliches Kommando ge- stellte Organisation. Und sie ist, wie Toffin glaubt, er- heblich stärker als die Gewerkschaft! 1908 haben 1999 Beamte der Paris-Lyoner Bahn in Nimes. mit dem Abzeichen der Union geschmückt, einem vom Bischof abgehaltenen Gottesdienst beigewohnt und her- nach einen Umzug mit Fahnen veranstaltet. Charakteristisch ist, daß die Unionsmitglieder am Streik teil- genommen haben. Hernach aber wurden sie alle wieder ei»gestellt. Die klerikalen Führer wollen offenbar vermeiden, daß ihre Organisation als Streikbrecher- bund in den Augen der Gewerkschaften kompromittiert werde. Sie wollen ihrer Truppe nicht von vornherein das Brandmal der„Gelben" aufdrücken. Denn ihre Blicke gehen weiter als die der Kapitalistensöldlinge, die nur zur Zerstörung der Ge- werkschaften bestellt sind. Was sie wollen, ist die Organisation eines neuen Kampfes gegen die Republik, die dann nicht mehr von den Proletariern gerettet werden soll. Es ist sicher nicht das Verdienst der regierenden Bourgeoisie, wenn es nicht so weit kommen wird.- England. Diäten für Parlamentsmitglieder. London, 17. Mai.(Eig. Ber.) Als vor etwa 40 Jahren Herr Taylor, Parlamentsmitglied für Leicester, eine Vorlage einbrachte, nach der den Parlamentsmitgliedern Diäten aus der Staatskasse gezahlt werden sollten, widersetzte sich der damalige Premierminister Gladstone diesem Vorschlage aufs heftigste. Er führte gegen die Vorlage nicht allein die Sparsamkeit ins Feld, sondern auch die Würde und das Ansehen des Parlaments, die durch Diäten beein- trächtigt werden würden. Gladstone führte damals aus, daß es ein Unglück für England bedeute» würde, wenn sich das Unterhaus aus Leuten zusammensetzen wurde, die nur eine spärliche Er- ziehung genossen hätten und sich in abhängigen Verhältnissen be- fänden. Das Land besitze eine große Klasse von Leuten, die Muße hätten, denen der Reichtum nichts sei, die aber nach Macht, Ehre, Auszeichnung, dem Vertrauen ihrer Mitbürger und der Gunst der Krone strebten. Weshalb sollte man daher die Steuerlast des Landes vermehren, da man doch eine so große Zahl Personen habe, die das Amt des Volksvertreters auch ohne Bezahlung an- nähmen? Diese Gladstoneschen Anschauungen, die dem bornierten Bour- geois als unwiderleglich vorkommen, werden auch heute noch von den englischen Konservativen und vielen Liberalen gehegt. Das englische Bürgertum hat sich so sehr daran gewöhnt, seine Jnter- essen mit den Interessen der Nation zu identifizieren, daß es nicht einsehen kann, weshalb ein Mitglied der bemittelten Klassen nicht die Interessen der großen unbemittelten Volksmasse vertreten tonnte. Man hat sich hinter diesen AusflüHten so lange derschanzt, bis es nicht mehr ging und man der DemoYräiie, der man täglich Lippendienste erweist, a� ein materielles Opfer bringen mußte. Zwar hat man auch noch in den letzten Jahren versucht, das fürchtete Eindringen„unbemittelter Volksvertreter" m'stÄs linier- haus zu verhindern; das Osborneurteil legt davon beredtes Zeug- nis ab. Wollte man aber auch den dümmsten Arbeiter nicht ge- waltsam mit der Nase auf das Unrecht stoßen, das seiner Klasse unter den bestehenden Verhältnissen zugefügt wird, so mußte man sich entschließen, der Aröeiterklasse wenigstens etwas entgegen- zukommen. In Zukunft werden die Volksvertreter jährlich 400 Pfund Sterling(8000 M.) Diäten beziehen. Das wird immerhin dazu beitragen, der Arbeiterklasse die Entsendung ihrer Vertreter ins Parlament zu erleichtern. Beseitigen wird diese Maßnahme jedoch die Schwierigkeiten nicht, mit denen die englische Arbeiterklasse seit dem Fällen des Osborneurteils zu kämpfen hat. Vor allen Dingen müssen nach wie vor die großen Wahlkosten auf- gebracht werden, die in den großen Arbtiterkreisen oft eine schwindelhafte Höhe erreichen. Wahrscheinlich hofft die Regierung, durch die Gewährung von Diäten der Agitation zugunsten der Be- seitigung deS durch das Osborneurteil geschaffenen gesetz- liche» ZustandeS Abbruch zu tun. Die Arbeiterpartei ist aber nicht Willens, ihre Forderung in bezug auf das Osborneurteil fallen zu lassen; sie betrachtet die Gewährung von Diäten und die Aufhebung des Osborneurteils, d. h. die Wiederherstellung der alten gewerkschaftlichen Rechte, als zwei ganz verschiedene Dinge. Die Engländer in Aegypten. Aus London wird uns geschrieben: i&ir Edward Grey sagte am 13. Juni 1919 in einer Rede im Unterhause:„Es kann von einer Entwicklung der Ein- richtungen zur S e l b st r e g i e r u n g in Aegypten nicht mehr die Rede sein, solange jene Agitation gegen die britische Okkupation andauert." In dem soeben veröffent- lichten Jahresbericht über die Lage in Aegypten zeigt Sir Eldon Gorst, der britische Agent, daß er die Worte seines Vorgesetzten beherzigt hat. Denn der langen Rede kurzer Sinn ist der, daß der Versuch der englischen Machthaber, das ägyptische Volk allmählich zur Selbstregierung zu erziehen, fehlgeschlagen hat. Der Umschwung in der Gorstschen Politik ist wohl Haupt- sächlich ans den mächtigen Einfluß der in Aegypten inter- essierten europäischen Kapitalisten zurückzuführen, die die leiseste Sclbstänbigkeitsregung des ägyptischen Volkes mit Angst und Schrecken erfüllt. Der britische Agent will diese Beeinflussung allerdings nicht gelten lassen; denn an einer Stelle schreibt er:„Das bestehende System aufzugeben, weil ein kleiner Teil der Bevölkerung voin heftiger Feindseligkeit gegen die Besetzung erfüllt ist, und die Aegypter mit eisernen Ruten zu züchtigen, wie von einigen geraten tvorden ist, deren Kenntnis des Landes und der Schwierigkeiten der Lage � um mich milde auszudrücken äußerst oberflächlich war, würde ein trauriges Zugeständnis des Mißerfolges sein." Dieser Passus scheint für das Album Roosevelts be- stimmt zu sein, der sich, wie erinnerlich sein wird, nach seiner Afrikareise zum Kämpen jener Kreise aufwarf, denen die Gorstsche Politik der äußerlichen Reformen ein Greuel war. Ter vorliegende Bericht beweist, daß diese Leute in Wirk- lichkeit wenig Grund hatten, sich zu fürchten. Sir Eldon Gorst ist ihnen nach kurzer Agitation bereitwilligst entgegen- fchkoimnen. Er ist um eine Aitsrede keiueswegö verlegen. Ws Mfeie Nefyxnlbestrebungc». so meint er,«zerseo vsn de». Ueghpket'lt nur als cm Zeichen de? Schwäche ang'ese?Skk; ändern wir deshalb einmal das Programm und zeigen Wik unseren rebellischen unfreiwilligen Pfleglingen, was'die Glocke geschlagen hat. In der Zukunft müsse die englische Regierunf, den Aegyptern zu verstehen geben, /.daß sie keineswegs ge« neigt ist, sich dazu treiben zu lassen, weiter oder schneller ins der Richtung der Selbstregierung zu gehen, als es nach ihrer Ansicht die Interessen des ganzen ägyptischen Volkes erfor« dern." Im übrigen unterschreibt Sir Eldon Gorst jede Silbe des oben angeführten Ausspruchs des Ministers des Aeußeren. Die„liberale" englische Regierung wird also fortfahren, in Aegypten die Rolle des willkürlichen Polizeimeisiers für die Kapitalisten zu spielen, der nach echt preußischer Art jeds Nachgiebigkeit gegenüber den Forderungen des Volkes als eine Tat ansieht, die man als Schwäche auslegen könnte« Diese Politik steht so sehr- im Widerspruch mit der Politik, die englische Regierungen zu Hause betreiben, wo sie-es in kluger Weise verstehen, die zeitgemäßen Forderungen des Volkes wenigstens einigermaßen zu erfüllen, daß nur der Ein« fluß der Finanzmagnaten als Erklärung des Rätsels heran« gezogen werden kann. Den schon erlassenen Knebelgesetzer» werden in Zukunft neue folgxn und England wird es dev „Kulturarbeit" der Rothschild und Konsorten zuzuschreiben haben, wenn ihm eines Tages in einem auswärtigen Konflikt das Pulverfaß am Nil, das ihm jetzt schyp fc> viel Angst Mi* ursacht, in die Luft fliegt. � ESrkel. Unterdrückuna der Preßfreiheit, Konstantinopel, 19. Mai. Tanin, Tanzimak, da? Orga« der Gemäßigtliberalen, das griechische Blatt ReologoZ und daS Organ des Ulemavereins sind gestern kriegsgerichtlich wegen einer Polemik über persönliche Fragen und wegen ausreizender Artikel s uspendiert worden. Heute ist der Tanin als Dschenin uutee verantwortlicher Leitung des früheren Finanzministers Dfchaviv B e y erschienen. Auch die anderen verbotenen Zeitungen jjödl unter anderen Namen erschienen. �'»• Marokko. Der französische Vormarsch.\ Das Gefecht an der M u l u j a, in dem ein Hauptmann und 19 Fremdenlegionäre fielen, läßt darauf schließen, daß der Vormarsch der Mulujakolonne noch auf große«Schwierig« keilen treffen wird. Bis jetzt besteht aber immer noch keine Klarheit darüber, ob der Befehlshaber des Mulujakorps, General Tout6e. schon dep Befehl erhalten hat, die Muluia zu überschreiten. Die„Liberte" meldet, der Kriegsminister habe infolgS der Ueberrumpelung von Debdu dem General Toutee tele« graphisch aufgetragen, alle für die Sicherheit seiner Truppen nötigen Maßnahmen zu treffen. Doch sei das Verbot, den Muluyafluß zu überschreiten, noch immer nicht aufgehoben worden. Die verschiedenen Kolgnnen, die vom Schaujagebirge nach Fes vordringen, liegen heute keine zuverlässigen Meldungen vor. Ueber die gegenwärtige Stellung der ersten dieser Ko« lonnen, der des Obersten Brulard, wird überhaupt nichts gemeldet. Es läßt sich also nicht sagen, ob diese Kolonne am 29. oder 21. Mai vor Fes eintreffen kann. Daß die Regierung damit rechnet, daß das marokkanische Abenteu� ypch eine große Vermehrung der Expeditions« truppen erfordert, beweist die Tatsache, daß fünfweiter« große Dämpfer für den Trnppentranspart von Schiff« fahrtsgesellschasteii� gemietet worden sjnd-.. Außerdem wird auch Pas Wulüjakorps durch Truppennachschübe aus Algerien weiter vermehrt.,■»,»-«•Hj Die Spanier sind auch nicht müßig und haben, der« anlaßt durch die Vorgänge an der Muluja, eine Anzahl Punkte außerhalb ihres eigentlichen Interessengebietes mili« tärisch besetzt. Amerika. Berger im Kongreß. Auf seinen, auf eine Petition mit 90 000 Unterschriften ge« stützten Antrag auf Zurückziehung der Truppen von der mexik« nischen Grenze hat Genosse Berger einen Zusatz zur Bundesver« fassung beantragt, der die Abschaffung des Senats vor« schlägt. Er betont darin, daß, im Gegensatz zu den überall ausf Erweiterung der Volksrechte gerichteten politischen Bestredungetr. in den Vereinigten Staaten durch die den ösfentlichen Interesse», feindlichen Mächte eine Erweiterung der Macht der Exekutiv« gewalt, der Gerichte und des Senats herbeigeführt worden ist, wo, durch die außerordentliche Rückständigkeit der Vereinigten Staaten bezüglich jeder Art von sozialer Schutzgesetzgebung und Einrich, tungen sozialer Hilfe mit verursacht worden sei.' Ganz besonderG sei der Senat hinderlich und zwecklos und bedrohlich für die Frei« heit des Volkes geworden. Seien doch viele seiner Mitglieder nicht Vertreter des Volkes, sondern raffgieriger Vereinigungen. Unh die Korruption, die mit der Wahl seiner Mitglieder häufig ver« knüpft ist. habe die schlimmsten Skandale in der Geschichte dev Nation geliefert.— An Stelle des Senats wird die Einführung des Referendums vorgeschlagen, das auf Verlangen von 5 Proz. der Stiinmberechtigten in drei Viertel der Staaten inner« hals drei Monaten nach Amiahme eines Gesetzes angewandt wer« den und endgültig entscheiden soll. Darin liege eine ausreichende Bürgschaft für konservative Jntoressen. da das Referendum, wie das Schweizer Beispiel beweise, tatsächlich die konservativste Macht sei, die eS gibt.— Aussicht hat der Antrag natürlich nicht. Er ist aber ein treffliches erstes Geschoß gegen de»» in den Bcreiiiigteg Staaten mehr als irgendwo betriebenen lächerlichen Kultus einer als unfehlbar angeschenen, in Wahrheit großenteils veralteten und dielfach' verr�jteten Verfassung. Berger ist dein Komitee zugewiesen worden, dem die Ver» waltnng.deS Bundesdistrikts Columbia mit der Hauptstadt Washington untersteht. DaS ist zwar kein hochpolitisches Amt. Aber es gibt ihm die Möglichkeit, seine in Milwaukee seit langen» erprobte Fähigkeit praktischer Verwaltung zu beloähren und bte mit Schuld des Präsidenten und des Kongresses in der Bundes, Hauptstadt herrschende Mißwirtschaft nach sozialdemokratischen Rezepten zu bekämpfen. Mxiko. Die Abdankung Diaz'. Mexiko, 19. Mai. Halbamtlich wird erklärt, daß Diaz am 24. oder 23. Mai' die Präsidentschaft Niederlegen wird. Die einzelnen Bestimmungen des neuen W a h I g e« s e tz e s sind entworfen worden, und zwar nach den Grund« zügen des französischen Wahlgesetzes. Trotz Wasfeii stillstand* und Friedensverhandlungen. New Vor?, 19. Mai.- Die„Associated Preß* meldet aus Euer» uavaca(Mexiko): Hier«ingetrosfeno Flüchtlinge berichten von einer blutige», Schlacht, die bei Huautla, zwanzig � Meikei» sädostirärtS, tu» Gange sein soll. Di« Stroßc,» seien Uli» Gesaltrücn nutz Ber» vtMetc» bedeckt.,. GewerkfchaftUcbea. Die JMaifderftlagfe der Ramburgcr Rolz- {ndurtriellen gegen den Rolzarbeiter-Verband Beinahe fünf Jahre lancz hat dieser bekannte, aus der Beteiligung an der Maifeier 1906 resultierende Prozeß die Ge- richte aller Instanzen in Bewegung gehalten. Am 16. Mai 1995 schloffen der Arbeitgeberschutzverband der Hamburger Holzindustrie und die Hamburger Verwaltungsstelle einen Tarifvertrag ab. Wegen ihrer Beteiligung an der Maifeier 1996 wurden die Arbeiter von 13 dem Schutzverbande angehörenden Firmen auf 3 Tage ausgesperrt, was diese Arbeiter mit einer Forderung von 5 Pf. Lohn erhöhung pro Stunde beantworteten. Ueberdiedrei zehn Betriebe wurde die Sperre verhängt Hierin erblickten die Unternehmer einen T a r i f b r u ch Sie erhielten aus der Schutzverbandskasse eine Entschädigung von 7965 M. Als Zessionar der dreizehn Firmen strengte der Schutzverband gegen 1. den Holzarbeiterverband, 2. die Ortsverwaltung Hamburg dieses Verbandes und 3. den damaligen Vorsitzenden der Ortsverwaltung Hamburg, Neu> mann, eine Entschädigungsklage in Höhe von 6599 M. an Durch Urteil des Landgerichts Hamburg vom 2. Februar 1997 wurde die Klage gegen 1 und 3 dem Grunde nach für berechtigt erklärt und der weitergehende Teil zurück- gewiesen. Durch Urteil vom 5. November 1998 hat das hanseatische Oberlandesgericht als Berufungsinstanz das Urteil gegen den Gesamtverband aufgehoben, da die Ortsverwaltung bezw. deren Bevollmächtigter Neu mann den Tarifvertrag abgeschlossen hätte.(Die Verwal tungsftelle Hamburg schied aus, da gegen das Urteil des Landgerichts, soweit diese in Frage kam, keine Berufung ein- gelegt war.) Bezüglich des Beklagten Neumann wurdedemKlageanspruchstattgegeben. Gegen dieses Urteil wurde von beiden Seiten Revision beim Reichs gericht eingelegt. Der Beklagte wendete ein, daß der abge schlosfene Tarifvertrag unter die Bestimmungen des Z 152 der Gewerbeordnung falle, wonach jedem Beteiligten der Rücktritt von den getroffenen Vereinbarungen freistaird und daher weder Klage noch Einrede stattfinden könnte. Im Gegensatz zum Oberlandesgericht entschied das Reichsgericht, daß nicht nur der Schutzverband als Organisation, sondern auch jede einzelne Firma den entstandenen Schaden geltend machen und von Neumann einfordern könne. Die Klage wurde dann an die erste Instanz zurückverwiesen. Das Landgericht hat in der Sitzung vom 21. Februar 1911 dem Klageanspruch in vollem Umfange statt- gegeben, welches Urteil das Oberlandesgericht am Donnerstag bestätigt hat. Der Beklagte soll also an die Kläger einen Betrag von 6599 M. nebst Zinsen und einen erheblichen Teil der fetten Prozeßkosten sowie 4 Proz. Zinsen vom Klagetage ab zahlen. Daß die Kläger den ihnen angeblich erwachsenen Schaden durch die Maiaussperrung s e l b st provoziert haben, ficht die Gerichte nicht an: diese halten den Herrenstandpunkt des Unternehmertums für selbstverständlich, wie wir seinerzeit bei der Kritik des rcichsgerichtlichen Urteils dargelegt haben. Berlin und Umgegend. Der Streik der Bauklempner Groß-BerlinS dauert unverändert fort. Die Streikenden hatten sich gestern vormittag wiederum vollzählig im Gewerkschaftshause versammelt. Der Referent Cohen teilte mit, daß sich besonders Wichtiges seit der vorigen Stneikversammlung nicht ereignet hatte. Eine Erscheinung, die man früher nicht beobachten konnte, ist es, daß jetzt versucht wird, die Arbeit dadurch fertiggestellt zu erhalten, daß neue Kleinmeister im Klempnergewerbe gemacht werden sollen, und zwar in der Weises daß diese Leute die Arbeit angeblich direkt vom Bauunter- nehmea übernehmen sollen, um sie als selbständige Meister eigen- händig auszuführen. Es ist selbstverständlich, daß solche Arbeit nichts omderes als Streikarbeit ist, und daß die Streikenden sich auf keinen Fall auf dergleichen Machenschaften einlassen. Im übrigen erscheinen in der„Bolkszeitung" tagtäglich Annoncen, tmrch die auf einem oder anderem Umwege nach Streikbrechern gesucht wird. Da verlangt z. B. die„D a ch s ch u tz- G e s e l l- fchaft" nach„Klempnern für Gas uno Wasser", und andere Firmen suchen, ohne ihren Namen zu nennen, unter Chiffre nach Wertstattklempnern für Gießkannen und der- gleichen, während es sich in Wirklichkeit um Bauarbeit handelt. Auf diesen Schleichwegen werden die Unternehmer aber auch nicht dazu kommen, ihre Arbeit fertiggestellt zu erhalten. Die Klempner- meister haben am Donnerstag abend eine Versammlung abgehalten, wo über den Streik gesprochen wurde. Es ist hier und da auch die Rode davon, daß die Absicht bestehen sollte, den Klempnerstreik ipit einer allgemeinen Aussperrung im Baugewerbe zu beand- Worten. Aür die meisten Banberufe bestehen aber bekanntlich Tarifverträge. Es gehört eine Verletzung eingegangener Verpflich- tungen dazu, wenn wirklich dergleichen geplant sein sollte. Uebri- gens würde ja auch eine solche Maßnahme die Bauklempner keines. wegs abhalten, ihren Kampf durchzuführen. Der Redner teilte ferner mit. daß die Firma Bischofs u. Heinrich, die mit einer Klage wegen Vertragsbruch droht, dem Metallarbeiterverband geschrieben hat, daß sie ihren Streikenden bis zum 18. Mai Frist lassen wollte, die Arbeit wieder aufzunehmen, und daß sie sich keines Vertragsbruches bewußt sei und deshalb auch vom Metall- arbeiterverband die Jonehaltung des Tarifvertrages fordern müsie. Der Firma ist daraus geantwortet worden, daß, wenn es sich wirk- lich so verhielte, wie sie sichreibt, die Bauklempner gar keine Ursache gehabt hätten, die Arbeit dort niederzulegen. Aber es seien eben tatsächlich Tarifverletzungen vorgekommen. Eine Antwort der Firma war bis gestern auf dieses Schreiben noch nicht eingegangen. — An die Ausführungen des Referenten schloß sich eine kurze Diskussion, die wieder einmal zeigte, daß die Einmütigkeit der Streikenden und ihr ernster Wille, den Kampf mit aller Kraft durchzuführen, so lange es sein muß, nichts zu wünschen übrig lassen._ Die Lohnbewegung der Berliner Bäcker. Wenn man nichts weiß und sich doch als gut unterrichtet zeigen möchte, dann werden der gespannt aufhorchenden Mitwelt in der Regel die größten Dummheiten unterbreitet. In dieser Lage befinden sich jetzt verschiedene bürgerliche Blätter. Niemand kann zurzeit wissen, welchen Verl-yif die Lohnbewegung der Wicker nehmen wird. Das hindert einige Blätter aber nicht, mit größter Bestimmtheit zu erzählen, waS der Bäckerverband in den nächsten Tagen hinsichtlich der Lohnbewegung tun werde. Alle derartige Mitteilungen sind natürlich nichts als Vermutungen gewisser Be- richterstatter, wenn sie auch der Welt als feststehende Tatsache mitgeteilt werden. Die„Verl. Morgenpost" geht bei ihrem be- kannten SensationSbedürsniS am weitesten in der Irreführung ihrer Leser. Das Blatt behauptet, es stehe nun fest, daß am nächsten Mittwoch überall dort, wo die Arbeitgeber den ihnen vorgelegten Tarif nicht anerkenner. dje Arbeit niedergelegt werde. Wie wir schon gestern bemerkten, werden die Vertrauens- männer deS Bäckerverbandes erst am Dienstag beschließen, welche Taktik eingeschlagen werden soll. Was für den Mittwoch feststeht, kann also auch noch niemand wissen, am allerwenigsten die '„Morgenpost" oder sonst ein bürgerliches Blatt. Man darf natüt lich als feststehend voraussetzen, daß der Bäckerverband angesichts dieser Situation nicht in Untätigkeit verharren, sondern den Weg finden wird, auf dem er zur Anerkennung seiner Forderungen ge- langen kann. Die Stimmen aus Meisterkreisen, die ein Vertragsverhältnis mit dem Verbände eingehen möchten, mehren sich. Gestern hat auch der Ortsverein der Bäckermeister in Treptow-Baumschulenweg dem Verbände mitgeteilt, daß er den Schiedsspruch anerkennt obgleich die zuständige Innung, der die Ortsvercinsmitglieder an- gehören, denselben abgelehnt hat. In unserem gestrigen Artikel ist ein Fehler enthalten, den die Leser wohl sogleich als einen solchen erkannt haben werden. Die Innungen haben nicht 1409 Stimmen für und 600 gegen den Schiedsspruch abgegeben, sondern umgekehrt ist es: 1400 Stimmen wurden für Ablehnung und 600 für Annahme des Schiedsspruchs abgegeben. Die Freie Bereinigung der Bäckermeister von Berlin und Nixdorf hielt gestern eine Versammlung ab, welche Stellung nahm zu der Ablehnung des Schiedsspruches durch die Innungen. Die Redner, welche zu dieser Sache sprachen, drückten ihr Verlangen aus nach einer tariflichen Vereinbarung mit den Arbeitnehmern. Der Schiedsspruch wurde als durchaus annehmbar und seine Au nähme durch die Gesellenversammlung als erfreulich bezeichnet. Das Ergebnis der Erörterungen war die Annahme der folgenden Resolution: „Die Versammlung bedauert, daß die Innungen in ihrer Mehrheit dem Schiedsspruch des Einigungsamtes nicht zugestimmt haben. Da die Frei« Vereinigung infolge de? Widerspruchs der Innungen an den bisherigen Verhandlungen nicht teilnehmen konnte, trägt sie auch keine Verantwortung an der hisher für die Bäckermeister recht unliebsamen Situation. Die Versammlung beauftragt die Vorstände der Freien Vereinigungen von Berlin und Rixdorf, sofort das Einigungsamt des Berliner Gewerbe- gerichts anzurufen zwecks Beilegung der Differenzen. Die Ver- sanrmlung überläßt es den Vorständen, wieweit diese mit den- jenigen Innungen in Verbindung treten wollen, welche dem Schiedsspruch zugestimmt haben. Die Versammlung übernimmt aber für das Verhalten der Innungen, welche vor das Einigungs- amt mitgehen, keine Garantie." « Ein Tarif der Innungen mit den Gelben ist gestern abend vereinbart worden. Er kam so zustande: Die Gelben hatten den Schiedsspruch abgelehnt, wie es heißt, weil er ihnen zu weit ging. Darauf suchte die Lohnkommission der Gelben bei den Innungen erneute Verhandlungen nach. Die Innungen gaben dem statt und luden auch die Gesellenausschüsse ein. So- weit wir feststellen konnten, waren aber diejenigen Gesellenaus- chußmitglieder, die dem Verbände der Bäcker angehören, nicht er- schienen. Die Gesellen waren also lediglich durch Gelbe und Indifferente vertreten. Ihr Wdrtführer war Wischnöwski. Die Arbeitgeber waren durch die Obermeister vertreten. Herr Rahardt leitete dip Verhandlungen als Unparteiischer.— Das Ergebnis der Verhandlungen war, daß der Schiedsspruch des Einigungs- amtes nach den Vorschlägen Wischnöwskis, die er stets entsprechend abänderte, wenn die Meister Einwendungen machten, so umge- ändert wurde, wie es die Innungen wünschen. Vor allem wurde der paritätische Arbeitsnachweis des Schiedsspruches in einen Jen- tralinnungsarbeitsnachweis umgewandelt. In der RuhetagSfräge begnügte man sich mit der Zusicherung deS Obermeisters Schmidt. daß eine Polizeiverordnung, welche die Sonntagsruhe in den Bäckereien einführt, in nächster Zeit Hejßmmt zu erwarten sei. Auch in allen übrigen Punkten verständigten sich die Parteien sehr leicht, da die hier anwesenden Arbeitervertrcter überhaupt keine eigene Meinung hatten.— Nachdem die Verhandlungen beendet waren, sagte Obermeister Schmidt, wenn der Bäckerverband, WaS vielleicht möglich sei, ebenfalls um Verhandlungen nachsuchen sollte, dann würden die Innungen auch mit dem Verbände verhandeln. Deutschen Reich. Zur Tagesordnung des Gewerkschaftskongresses. Für die einzelnen Tagesordnungspunkte des 8. Gewerkschafts- longresseS sind nunmehr die Referenten festgesetzt. Den Rechen» chaftSbericht der Generalkommission wird der Borfitzende Legten erstatten. Ueber das Koalitionsrecht in Deutschland und den Bor- entwurf zu einem deutschen Strafgesetzbuch wird Rechtsanwalt Dr. Heinemann referieren, über Heimarbeiterschutz und HauS- arbeitSgesetz C. Deichmann lVorsitzender des Zigarrenarbeiter- verbandeS), über Arbeiterschutz und Srbeiterversicherung Robert Schmidt fMitglied der Generalkommisston), über Arbeitsnachweis und Arbeitslosenunterstützung Paul Umbreit(Redakteur des .Korrespondenzblattes"), über die Stellung der Privatangestellten im Wirtschaftsleben P. Lange(Redakteur des.Handlungsgehilfen") und über Bildungsbestrebungen und Bibliothekwesen in den Gewerk- chaften S a s s e n b a ch(Mitglied der Generalkommission). Zum Streik im Mitteldeutschen Brannkohlenrevier. Die von den Agenten herangeschlcppten fremden Arbeiter haben das Revier wieder meist verlassen. Die Werksverwaltungen ind in arger Verzweiflung. In Teuchern drangen in der Nacht vom 16. zum 17. Mai der Werbeagent Krause in Be- gleitung des Ingenieurs Berg er und des Obersteigers Leopold von der Grube„Voß" in die Behausung der Nestau- ration„Zum grünen Baum" ein, um die von Streikenden dort untergebrachten fremden Arbeiter, die im Tagebau dieser Grube tätig sein sollten, abzuholen. Ihren Zweck, die Leute mit zur Grube zu bekommen, erreichten sie nicht. Da» Eindringen dieser Herren in die Behausung war nn Augenblick in der kleinen Land- ladt bekannt geworden. Die streikenden Bergleute kamen zu Dutzenden zum Streiklokal. Das rettete die Eindringlinge übrigens vor Tätlichkeiten, die ihnen die hergelockten Arbeits« willigen angedeihen lassen wollten. Mit allen Mitteln wird versucht, die Leute zu halten. Ihre Papiere herauszugeben, wird ihnen verweigert. Als sie auf die Grube kamen, um ihre Papiere zu fordern, wurden sie zum Bleiben aufgefordert und mit Zigaretten traktiert. Doch alles umsonst. In Theissen hat die Verwaltung der Grube„Gottlob" nach einem obsiegenden Urteil des Schöffengerichts in Zeitz einige Werkswohnungen räumen lassen. Andere Bergleute, die auch ver- urteilt worden sind, ließ die Verwaltung einstweilen in den Werkswohnungen, sicher in der Hoffnung, sie noch zur Arbeit be- kehren zu können. Diese Hoffnung wird vergeblich sein. Einige Streikende hatten beim Bahnbau, andere bei Hoch- und Tiefbauunternehmern Arbeit erhalten. Sie sind zum Teil wieder entlassen worden, weil, wie ein Unternehmer erklärte, eine Liste der Streikenden vom Bergbauverein versandt worden sei. Am 17. Mai fanden im Revier sechs Versammlungen der Frauen statt. Diese gelobten, im Kampfe ihren Männern zur Seite zu stehen. Am 18. Mai fanden drei überfüllte Versamm- lungen der Streikenden statt. Am 19. Mai sollten zwei weitere Versammlungen folgen. Die Stimmung der Streikenden ist gut; mit Ruhe und Ernst führen die Arbeiter den Kampf. Bäckerstreik in Breslau. Nachdem die Versuchs, mkk den Meistern zu einer Verständigung zu gelangen, gescheitert sind, haben die Bäcker gestern den Streik beschlossen. Einige dreißig Meister haben gleich darauf die Forderungen bewilligt. Die Dresdener Bäckergehilfen beschlossen ebenfalls in eine Tarifbewegung einzutreten. In der Hauptsache wird die Beseiti- gung des Kost- und Logiszwanges im Hause des Arbeitgebers ge- fordert. An dessen Stelle soll ein Lohnaufschlag von 12 M. treten, so daß der Mindestlohn in der Folgezeit 23 M. betragen soll. Des weiteren wird die Errichtung eines paritätischen Arbeitsnachweises angestrebt und die Einführung eines 36stündigcn Ruhetage» in der Woche. Die aufgestellten Forderungen sind der zuständigen Zwangs. innung zu Dresden bereits unterbreitet und es mutz abgewartet werden, ob sich dieselbe zu Verhandlungen über die eingereichten Forderungen verstehen wird. Zuzug nach Dresden ist fernzuhalten. Keine Textilarbeiteraussperrung im Münsterlande. Die christlichen Führer haben die drohende Aussperrung von 14 000 Textilarbeitern zu verhindern gesucht, indem sie die streikenden Textilarbeiter der Firma Kalck in Warendorf zur Wiederauf- nähme der Arbeit bewegten. Die Streikenden faßten auch den Be- schlutz, am Mittwoch die Arbeit wieder aufzunehmen. Die frommen katholischen Textilbarone verlangen aber, daß die Streikenden er- klären sollen, die Arbeit bedingungslos wieder aufzunehmen. Es ist wohl anzunehmen, daß die christlichen Führer den Arbeitern auch das zumuten werden,_ Zum Streik auf Zeche„Glückauf-Segen". In der vorletzten Versammlung der Belegschaft war beschlossen worden, daß der Versuch unternommen werden solle, daß die Organisationsleitungen direkt mit der Zeche verhandelten. Der Vor- schlag war von den Hirsch-Dunckerschen gemacht worden; sie er- klärten, daß auf diese Weise � der Streik im Sauerlande zum be- friedigenden Abschluß gebracht worden sei. Aber auch dieser letzte Versuch zur Verständigung ist gescheitert, die Zechenverwaltung zeigt sich unversöhnlich. Die Belegschaft, die sich nun schon acht Wochen im Streik befindet, will aber ausharren. Die Belegschaft ist einig, und Streikbrecher haben sich weiter nicht gefunden. Erst nächste Woche, Mittwoch, soll die nächste Versammlung stattfinden. Der Streik auf Zeche„Bergmann" bei Witten ist gc- scheitert. Als sich plötzlich 30 Arbeitswillige gefunden hatten und ein größerer Abfall in den nächsten Tagen noch zu befürchten war, beschloß die Belegschaft, die Arbeit wieder aufzunehmen. Der Streik hat hier etwa neun Wochen gedauert. Der Ausstand der Schuhmacher in Groß-Stuttgart fcmett unverändert fort. Ein vor kurzem gemachter Versuch, Untcrhand- lungen anzubahnen, scheiterte an dem unerfüllbaren Verlangen der Meister und der Christlichen, es müßte in der Kommission der Ausständigen unbedingt ein Vertreter der christlichen Organisation sein. Wie unberechtigt dieses Verlangen ist, geht daraus hervor, öaß die Christlichen mit den Meistern einen Tarif vereinbarten, den sie als„großen Erfolg" feiern, daß die Christlichen als Arbeits- willige weiter arbeiten und mit allen Mitteln versuchen, von aus- wärts Streikbrecher heranzuziehen, mit einem Worte, daß sie alles tun, um die Lohnbewegung zunichte zu machen. In ihrer Presse chreiben sie, daß für die Christlichen in Stuttgart kein Recht bestehe. Trotz alledem aber verlangen sie, daß bei den Unterhandlungen zur Beilegung des Streiks, der doch für sie gar nicht besteht, ein Ver- treter der Christlichen dabei sein muß. Nehmen wir an, es käme im Beisein des christlichen Vertreters zu Unterhandlungen und sie ührten zu keiner Einigung. Was dann? Die Christlichen würden ruhig weiterarbeiten, weiter versuchen. Streikbrecher heranzuziehen, weiter behaupten, in Stuttgart bestehe kein Streik, während die Schuhmacher vom Zentralvcrband weiter kämpfen müßten. Dayrc ist ihr Verlangen blühender Unsinn. Zuzug von Schuhmachern nach Stuttgart ist nach wie vor streng 'ern zu halten. Die Lohnbewegung der Maschinisten«nfc Heizer vet»et KLkw- Düsseldorfer Dampfschiffahrtsges ellschaft konnte mit Erfolg be- endet werden. In Verhandlungen mit der Direktion der Düffel- dorfer Gesellschaft wurde eine Einigung für daS Personal der Düsseldorfer Boote erzielt. Es kam ein dreijähriger Tarifvertrag zustande. Die zweiten Maschinisten bekommen eine Lohnerhöhung von 3 M. pro Woche, die Heizer 4 M., in den nächsten zwei Jahren abermals je 50 Pf. Die bisher gezahlten Sommerzulagen von 2 M. bleiben bestehen. Die Arbeitszeit im Hafen ist auf Stunden festgelegt, Sonnabends auf 8K Stunden. Der Arbeitsnachweis des Zentralverbandes der Maschinisten»rnd Heizer ist anerkannt. HusUnd. Holzarbeiter! In Wlinterthur(Schweiz) Haffen Ke er- ganisierten Tischlermeister den erst kürzlich mit dem freien und christlichen Holzarbeiterverband geschlossenen Arbeitsvertrag wieder gebrochen. Seit dem 15. Mai find sämtliche Bau-, Möbeltischler und Anschläger ausgesperrt. Die Tischlermeister sind zum Teil sehr hitzige Chauvinisten, suchen aber trotzdem gegenwärtig im Auslände Streikbrecher anzuwerben. Zuzug von Holzarbeitern aller Branchen ist strengstens fernzuhalten., « Das Aussperrungskomitee.! Hetzte Nacbricbtcn. «• Weitere Schwierigkeiten in Marokko. Tanger, 19. Mai.(Meldung der P. C.) Ein WWWW.»mhtkoses Telegramm au» Cosa Bianca besagt, daß die Zemmur, die Ben Sasfer und die Zuja-Stämme sich eifrig bemühen, den noch ruhigen Stamm der Tadla zu bewegen, daß er sich dem Aufstand« anschließe. Doch erklärt dieser Stamm, daß er erst die Ernte abwarten wolle, bevor er sich entschließe, mit den anderen Stämmen gemeinsame Sache zu machen._ Eine Fremdenlegion in Spanien. Madrid, 19. Mai.(Meldung der P. C.) Die gemischte Kam» Mission, welche sich mit der Abfassung des Gesetzes für die all- gemeine Wehrpflicht beschäftigt, beriet heute den Vorschlag über die Schaffung von freiwilligen Kolonialarmren. Sie setzte fest, daß es zulässig sei, diesen Truppenteilen in Nordafrika und Guinea Fremde zu attachieren._ Steucrverweigerung in China. Honkou, 19. Mai.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Von vielen Tausenden besuchte Versammlungen in Tschang-scho in der Provinz Honan protestierten gegen die lieber» gäbe der Eisenbahnen an dir Staatsverwaltung. Es wurde be- schlössen, keine Steuern mehr zu bezahlen. Der Gouverneur war nicht imstande, die Zusammenrottungen zu verhindern. Der Generalgouverneur erließ Anordnungen zum Schutze der Aus- länder. Gegen Tuberkulose und Pest. M-Skau, 19. Mai.(W. T. B.) Der Direktor des Instituts Pasteur, Metschnikow, ist mit seinen Assistenten Burnicr, Salinbcli und Damatuha hier eingetroffen. Die Herren werden sich nach dem Gouvernement Astrachan begeben, um die Tuberkulose und die Pest zu studieren und sich der russischen Expedition anzu- schließen. ________ 'fttran ttP- Redakteur: Albert Wach». Berlin. I» seratenteil verantw.; Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u, VerlaaSanstalt PaukSinge'rkt Co.. Berlin S W. Hierzu 4 Beilagen u. llnterhaltuaasbl. Nr. 117. 28. Jahrgang. 1. Mm des Jotiuärts" Kerlim Wksdlsll Sonnabend, 20. Mai 1911. vis Keichsveriicherungzoränuvg im Plenum des Reichstages. Auf dem gewaltigen Gebiete der Unfallversicherung deren Mängel die Arbeiter im Laufe der Jahre so schwer haben empfinden müssen, sind ebenfalls fast alle sozialdemokratischen An träge ohne Debatte von den Kompromitzparteien abgelehnt worden. Aus dem letzten Teil der Unfallversicherung ist noch anzuführen: Der Arbeitgeber soll berechtigt sein, seine Pflichten in Sachen der Unfallverhütung in seinem Betriebe seinem Betriebsleiter zu über tragen und sich damit von jeder Verantwortung für den Mangel von Unfallverhütungsvorschriften freizumachen. Die Sozial- demokraten beantragten» daß diese Bestimmung gestrichen werde und der Arbeitgeber selbst in allen Fällen für mangelhafte Schutzeinrichtungen verantwortlich sein soll: Abgelehnt von den Kompromißparteien. Kleine Haus- und Ziergärten, die nicht regelmäßig und in er- heblichem Umfange mit besonderen Arbeitskräften bewirtschaftet werden und deren Erzeugnisse hauptsächlich dem eigenen Haushalt dienen, gelten nicht als landwirtschaftlicher Betrieb. Unfälle, die sich bei der Arbeit in diesen Gärten ereignen, sollen demnach von der Unfallversicherung nicht entschädigt werden. Die Sozial- demokraten beantragten, daß unter allen Umständen dann wenn Lohnarbeiter in diesen Gärten beschäftigt werden und dabei verunglücken, die Unfallentschädigung nach den Grundsätzen der Reichsversicherungsordnung gewährt werden müsse: Abgelehnt von den Kompromißparteien. In der landwirtschaftlichen Unfallversicherung werden nur die sogenannten Facharbeiter nach ihrem wirklichen Arbeitsverdienst entschädigt. Für die anderen Arbeiter wird die Unsallrente nach dem sogenannten Ortslohn berechnet, auch wenn dieser weit hinter dem wirklichen Arbeitsverdienst des Verunglückten zurückbleibt Die Sozialdemokraten beantragten, daß diese Unterschei- dung zwischen den Facharbeitern und den andern Arbeitern ge strichen und für alle Arbeiter die Unfallentschädigung nach dem tatsächlichen Verdienst berechnet wird: Abgelehnt von den Kompromißparteien. Die Sozialdemokraten beantragten dann ferner, daß auch diejenigen Arbeiter, die gewöhnlich in der Industrie, Bau gewerbe z. B., als Tagelöhner beschäftigt sind und hier erheblich mehr als die Tagelöhner in der Landwirtschaft verdienen, ebenfalls als Facharbeiter behandelt werden, wenn sie vorübergehend in der Landwirtschaft bei kleineren Bauten und ähnlichen Arbeiten be schäftigt werden. Für sie müßte dann auch die Unfallentschädigung nach ihrem wirklichen Arbeitsverdienst und nicht nach dem söge- nannten OrtSlohn berechnet werden: Abgelehnt von den Kompromißparteien. Die landwirtschaftlichen Arbeiter bekommen nicht den söge- nannten Unfallzuschuß zum Krankengeld. Dies ist bekanntlich eine Erhöhung des Krankengeldes von dem Beginn der fünften Woche ab und tritt für die anderen Arbeiter bei allen Krankheiten ein, die die Folge eines Unfalles sind. Die Sozialdemokraten beantragten, diese Ausnahmebestimmung gegen die landwirtschafti- lichcn Arbeiter zu streichen: Abgelehnt von den Kompromißparteien. Dem ReichSversicherungsamt ist es ausdrücklich verboten, an Stelle der Genossenschaften, die ihre Pflicht in bezug auf die Un fallverhütung gröblich vernachlässigen, Unfallverhütungsvorschriften zu erlassen und technische Aufsichtsbeamte anzustellen. Die So zialdemokraten beantragten, diese unerhörte Begünstigung gewissenloser Agrarier zu streichen: Abgelehnt von den Kompromißparteien. Die Sozialdemokraten beantragten, daß die Sce-Un fallverficherung auf die Personen ausgedehnt werde, die von in ländischen Schiffen, ohne zur Schiffbesatzung zu gehören, in in- ländischen Häfe: auf Kanälen und Flüssen beim Löschen und Laden, kleines Feuilleton. Gustav Mahler f. Wie beim Tode KainzenS erlebten wir die letzten Wochen wieder das abstoßende Schauspiel, daß ein Künstler nicht in Ruhe sterben konnte. Die bürgerliche Presse überbot sich in telegraphiichen Bulletin? und Diagnosen von geschätzter Seite. Sie machte ein Wesen, als ob ein Fürst sterben wolle und glaubte wohl noch, damit dem Künstler die Größe zu verleihen. Mahler war krank von Amerika zurückgekommen. Die kolossalen Preise, die man ihm drüben bot, hatten ihn verlockt. Der Mann, der immer im schmächtigen Körper eine ungeheure Energie ent- flammt hielt und unter Ueberdruck arbeitete. glaubte auch diese überstürzte Fülle von Konzerten noch seinem schon ge- schwächten Herzen zumuten zu können. Der große Goldklumpen sollte schnell errungen werden. Und dann... Ja, und dann kani das Sterben. Mühsam konnte der Totiranke noch Wien erreichen, wohin ihn die letzte Sehnsucht von Paris aus trieb. Donnerstag abend hatte er auSgerungen in der Stadt, die seine Kämpfe und Triumphe gesehen hatte. Es ist etwas Tragisches in dem Schicksal dieses WillenSmenschen, der alles dem verzehrenden Drange nach Herrschaft durch Arbeit dankte. In ihm war das Tempo de« kapitalistischen Zeitalters. AuS kleinen jüdischen Verhältnissen(geb. am 7. Juli t8S0 in Kalischt in Böhmens swwingt er sich zum NniversitatS- und Konservatoriums- beiuw auf. Mir 20 Jahren ist er Kapellmeister, mit 28 Jahren Direktor der Königlichen Oper in Budapest, dann in Hamburg tätig und 1897 am Ziel: Direktor der Wiener Hofoper. Als Dirigent ist er ein unerbittlicher Tyrann, ein Diktator des Taktstockes, der nichts kennt als seine» Willen, die Partitur mittels«ine» disziplinierten Orchesters zu gestalten. Er kann alle«, wa» er will. Aber lein nervöser Machtdünkel entlädt sich auch nach oben. Die Wiener Hof« oper verdankt ihm viel, aber eineS TageS ist der Krach mit den Hoichargen irreparabel: 1909 geht Möhler. DaS aufreibende anieri- kaniichc Experi,ne»t bringt ihm viele Enttäuschungen und die An- warlschafl aus de» Tod. Leider wird er nicht der letzte Künstler sein, der dem Fluche de« lockenden Goldes erliegt. Die Presse hat den reproduzierenden Künstlern, den Schauspielern. Dirigenten und Sängern, heute eine Bedeutung verliehen, die nur o»S dein ganze» Kunstreklomebetricbe und der lächerlichen herangezüchletcn Pcrsonaliennengier des Publikums zu erklären ist. Auch Mahler hat daran partizipiert. Er wäre als Kapellmeister edcm'o berühmt geworden, wie er cS wurde, auch wenn er kein schaffender Künstler gewesen wäre. MahlerS künstle, ischcS Werk umfaßt die Bearbeitung der nach- gelassenen Oper.Die drei Pinto»' von Weber, einige Lieder- konipostlionen und acht Sinfonien. Die achte Sinfonie wurde vorige» v�dr von ihm selber unter einem ungeheuren Aufgebot äußerer Mittel w München aufgeführt. Unter den drei modernen Sinfonikern rv Strauß, Reger und Mahler— ist Mahler der um- nrutenste. Er ist ein eminenter Techniker, ein Kenner aller Klangeffckte, ein ungemem farbiger Jnstrumentalist. Er hat große bei der Beauffichtigung, Reinigung und dergleichen Arbeiten bc- schäftigt werden: Abgelehnt von den Kompromißparteien. Die Sozialdemokraten beantragten weiter, die See- Unfallversicherung auf die Folgen der klimatischen Krankheiten bei den Seeleuten auszudehnen: Abgelehnt von den Kompromißparteien. In der See-Unfallversicherung sind auch die Unternehmer der gewerblichen Betriebe der See-Schiffahrt versichert, wenn das See- fahrzeug nicht mehr als fünfzig Raummeter Gcsamtraum hält und weder Zubehör eines größeren Fahrzeugs noch zur Fortbewegung durch Dampf oder ander Mcschinenkräste eingerichtet ist. Die Sozialdemokraten beantragten, die Versicherung auf die Unternehmer dieser Art auszudehnen, auch wenn das Fahrzeug bis zu 100 Raummeter Gesamtraum hält: Abgelehnt von den Kompromißparteien. Die Versicherungspflicht besteht in den oben angeführten Fällen nur dann, wenn der Unternehmer zur Besetzung des Fahrzeugs gehört und bei dem Betriebe regelmäßig keine oder höchstens zwei Versicherungspflichtige gegen Entgelt beschäftigt werden. Die Sozialdemokraten beantragten, daß die letztere Be- schränkung, daß nur höchstens zwei Versicherungspflichtige gegen Entgelt beschäftigt werden dürfen, zu streichen: Abgelehnt von den Kompromißparteien. Ferner beantragten die Sozialdemokraten, daß für Personen der Schiffsbesatzung, für die kein besonderer durchschnitt- licher Jahreslohn festgesetzt ist, bei der Berechnung der Unfallent- schädigung die durchschnittlichen Lohnsätze der Personen zugrunde gelegt werden, die ihnen im Range und in der Höhe gleich oder am nächsten stehen: Abgelehnt von den Kompromißparteien. Die Sozialdemokraten beantragten weiter, daß den Seeleuten während der ersten dreizehn Wochen nach dem Unfall unter allen Umständen von ihrem Arbeitgeber mindestens das ge- währt werden muß. was nach den Bestimmungen der Gewerbe- Unfallversicherung dem Verunglückten gewährt werden muß, wobei aber als Grundlohn der Heuer gilt: Abgelehnt von den Kompromißparteien»> Reickstag. 17S. Sitzung. Freitag, den 19. Mai, mittags 12 Uhr. Am BundeSratStisch: Dr. Delbrück. Die Beratung der ReichSverfichernngSordnung wird fortgesetzt beim Abschnitt Invaliden- und Hiuterbliebenenverfichernng. § 1212 bestimmt den KreiS der Verficherungspflichtigen; Vor- auSsetzung für die Vcrsicherungspflicht der Betriebsbeamten. Werk- meist«, Handlungsgehilfen, Bühnen« und Orchestermitglieder. Lehrer und Schiffer ist, daß ihr regelmäßiger Jahresarbeitsverdienst 2000 M. nicht übersteigt. Abg. Dr. P»tth»ff(Bp.) begründet einen Antrag, die Gehalts« grenze von 2000 M. ganz zu streichen oder doch mindestens auf 5000 Mark zu erhöhen; es entspreche dies einem dringenden Wunsch der Privatbeamten. Abg. Hoch(Soz.): Den Antrag, die Gehaltsgrenze zu streichen, haben wir als aussichtslos hier nicht wiederholt— in der Kommisston hatten wir ihn gestellt—; natürlich werden wir für ihn stimmen. Wiedereingebracht haben wir den Antrag, die GehaltSgrenze auf 5000 M. zu erhöhen. Die Berechtigung dieses Antrages erkennen alle Beteiligten an; aber erreichen werden wir auch das nicht, denn es geht eben hier nicht nach Recht und Billigkeit. (Zustimnumg bei den Soz.) Man weist die Privatbeamten auf den Entwurf«meS besonderen Gesetze« hin; daS ist nur Komödie, Momente. Aber er ergreift nicht, reißt nicht mit fort. ES bleibt der Eindruck de« Gewollten, des bloß Virtuosen. Die innere Schöpferkraft versagt zu oft. Das Suggestive. daS ihn als Dirigenten auszeichnet, läßt ihn als Komponisten ün Stich. Mahler ist der Schüler Brückners und als solcher kein Programm- musiker(wenigstens gesteht er kein Programm zu). Seit dem Jahre 1895 sind sieben von MahlerS Sinsonien in Berlin auf« geführt worden. Mit Zähigkeit hat er hier um Erfolg gerungen, aber populär ist er auch in den engeren Musikkreisen nie geworden. - Die Körpergröße bei Männer» und Frauen. In einer Unter- suchung über den Wuchs der Französinnen war der Pariser Arzt Mac-Auliffe zu dem Ergebnis gelangt, daß sie im Durchschnitt auf 1.57 Meter kommt, während der Mann 1,65 erreicht. Diese« Er- gebni« zweifelt der Professor an der Schule für Anthropologie G. Gopillault auf Grund seiner eigenen Forschungen und der Be- obachtungen anderer Gelehrten an; er hat«inen durchschnittlichen Unterschied der Körpergröße bei den beiden Geschlechtern von 11 Zentimeter, also 3 Zentimeter mehr als der genannte Gelehrte gefunden. Um den Unterschied genau auszudrücken, kau» man an- nehmen, daß die Größe de» Manne« 100 beträgt; dann würde die Frau nach seinen Messungen nur 93,4. nach den Meffungen Mac- Auliffe« 95,1 betragen. Pfitzner. der hervorragende Anatom, hat an der Straßburger Universität gleichkalls Messungen angestellt und ist auf 93,4, also dieselbe Zahl wie Papillault gekommen. Seit etwa 30 Jahren in Europa angestellte Messungen bestätigen dieses Ergebnis durchaus; so gelangte Dr. Manouvrier bei einer Reihe von Messungen im Dienst der Polizeipräfektur auf die Per- hältniSzahl 94, in England Galton auf 92,5, und sehr genaue Messungen an Negern und Negerinnen in Jnnerafrika ergaben 92,1. Wi-litig bei allen diesen Untersuchungen ist natürlich, daß Personen desselben Ursprungs, derselben Rasse und auch derselben sozialen Schicht zum Vergleich gewählt werden. Bei Personen der reichen und der annen Klasse, deren Körpergröße man miteinairder ver- glichen hat, wurden Unterschiede von über 4 Zentimeter festgestellt. Hnmor und Satire. Gastfreundschaft. Bist Du Pole, bist Du Däne: Mensch, so zeig« nicht die Zähne! Sonst bringt Preußen» Amancls aation Dich gehöng zur Raison. Präsident und Landrat eifern. Dich erst schriftlich zu begeifern, Eh' der Schutzmann, wild ergrimmt, Forsch Dich beim Schlafittchen nimmt. «Rau» aus dem Bornffenlande!* Brüllt gleich Schleswigs Schwefelbaudi» Wenn ein Ackerknecht verrucht Dänisch auf da» Weller flucht. selbst wenn der Entwurf kommt, kaun er in der kurzen Oktober- tagung nicht erledigt werden. Unsere Sozialpolitik wird treffend dadurch gekennzeichnet, daß nach allen Versprechungen, die den Privatbeamten gemacht sind, alles mit dieser Komödie endet. Wollte man für die Privatbeamten etwas tun, so wäre hier, im§ 1212, die Gelegenheit dazu gegeben.— Weiter beantragen wir. die Be- stimmung zu streichen, daß die Versicherung vom vollendeten 16. Lebensjahr beginnt. Die Krankenversicherung beginnt mit der Lehrzeit, also im allgemeinen mit dein 14. Lebensjahr. Wenn man eine Grenze feststellen will, wäre es logisch, das 14. Lebens- jähr auch hier einzusetzen. Aber richtig wäre es, von jeder Grenze abzusehe», genau wie bei der Unsallversichcrung. Eine iveitere Lücke des Gesetzes ist, daß die Hausgewerbetreibenden nicht in die Versicherung einbegriffen sind. Dabei hat man ihnen bestimmt versprochen, bei der nächsten Gelegenheit etwas für sie zu tun. Wie recht hatte doch Graf�P o s a d o w s lh, olS er sagte, in unserer Sozialpolitik stecke ein großes Stück Komödie und Heuchelei: (Sehr richtig bei den Sozialdemokraten.) Wir beantragen, die HauS- gewerbetreibenden m den Z 1212 aufzunehmen.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Stresemann(natl.): Die Privatversichernng wird besser in einem besonderen Gesetz geregelt, als hier; aber die Stellungnahme vieler wird davon abhängen, ob dieses Gesetz noch in dieser Legislaturperiode zu erwarten ist. Staatssekretär Dr. Delbrück: Das Privatbeamtenversicherungs- gesetz hat den Bundesrat passiert; es liegt mir zur Vollziehung vor und wird Ihnen in den allemächsten Tagen zugehen. Unter Ablehnung aller Abänderungsanträge wird§ 1212 angenommen. § 1213 lautet:„Eine Beschäftigung, für die als Entgelt nur freier Unterhalt gewährt wird, ist versicherungsfrei.' Ein Antrag L l b r e ch t(Soz.) will diesen Paragraphen streichen. Abg. Busold(Soz.): Nach dem Wortlaut dieser Bestimmung würden alle Kellner, die keinen festen Lohn beziehen, sondern auf Trinkgeld nngelviesen sind, nicht versicherungspflichtig sein. Auch viele geistig etwas zurückgebliebene Menschen, die nur gegen Unterhalt beschäftigt werden, würden die gerade für sie sehr notwendige Wohltat der Versicherung verlieren. Daher bitte ich um Annahme unseres An« träges.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) § 1213 wird beibehalte n.| § 1218 lautet:„Der Bundesrat bestimmt, wie weit vorüber- gehende Dienstleistungen versicherungsfrei bleiben." Ein Antrag 81 l b r e ch t(Soz.) will diesen Paragraphen streichen. Abg. Molkenbuhr(Soz.): Auf Grund dieser Bestimmung hat der Bundesrat die auf Schiffen beschäftigten Heizer und K o h l e n z i e h e r für ver- sicherungsfrei erklärt. Derartige Ausdehnungen der VersicherungS- freiheit wollen wir verhindern. § 12l8 wird angenommen. 8 1220 läßt versicheriingSfrei die Reichs-, Staats- und Gemeinde- beamlen, die Aiiwarlschafl auf Ruhegeld im Mindcstbeirage der Invalidenrente nach den Sätzen der ersten Lohnklasse haben. Abg. Dr. Potthoff(Vp.) begründet den Antrag, statt„nach den Sätzen der ersten Lohnklasse" zu setzen:„nach den Vorschriften dieses Gesetzes". Die erste Lohnklasse entspricht einem Jahreseinkommen von nur 350 M. Dazu kommt, daß die Angestellten, welche ent- lassen werden oder selbst zu einem privaten Arbeitgeber gehen, ihre Ansprüche verlieren. Prinzipiell richtig wäre eS, diese Versichcrungs- sreiheit ganz auszuheben; wir begnügen uns aber mit dem be» scheidenercn Antrage. Abg. Molkenbuhr(Soz.): Es würden auS der Versicherung nach dieser Bestimmung auch herausfallen z. B. die Straßenbahner, denen eine Gemeinde vielleicht einen Anspruch aus Ruhegeld gibt, und die doch nur mit vierwöchentlicher Kündigung angestellt sind. Der Antrag Potthosf wird abgelehnt. 8 1223a läßt versicherungsfrei solche, die nach dem Hoch« s ch u l u n t e r r i ch t in einer Stellung beschäftigt werden, die nur den Uebergang zu einer späteren versichcrungSfreien Beschäftigung bilden. Abg. Dr. Potthoff(Vp.) befürwortet den Antrag, diesen Para- graphen zu streichen; er entspricht den zünstlcrischen Wünschen der Diplomingenieure, welche diese Versicherung für standeS- unwürdig halten. Solchen unsozialen Anschauungen sollte der Wenn die Polin so verstockt is. Daß sie frech jus primae nootis Pommerns Junkcrichaft versagt, Wird sie schleunigst weggejagt. Ja, die preußische famose Schutzwehr gegen Heimatlose Funktioniert korrekt und prompt, Bis eö— auch mal anders kommt! Michel. Notizen. — B ü h n e n ch r o n i k. Harry Waiden hat mit seiner Klage gegen die polizeiliche Verfügmig. die ihm die Konzesfion als stellvertretenden Direktor des L u st s p i e l h a u s e S versagte. Recht bekommen. Der Bezirksausschuß war der Meinung, daß das nötige Maß von Unzuverlässigkeit iroch nicht erreicht sei. Die sachvcrstän» dlgen Aerzte hatten das Gutachten abgegeben, daß Walden zurzeit von setnen Anfällen(verbunden mit der Neigung zu alkoholischen Exzessen und krankhaftem Wandertrieb) geheilt sei. Sobald Herr» Zickel das Schicksal der Konzessionsentzichung(lvegen zureichender moraltscher Unzuverlässigkeit) ereilt haben wird, kann also Harry Walden sein Nachfolger werden. — Gerhart Hauptmann hat einen neuen, in unserer Zert spielenden Roman vollendet. DaS Werk führt den Titel„Er- keuch tun gen und Verfinsterungen" und erscheint noch in dreiem Jahr. — Ein Triumph der Technik. Einen schönen Erfolg erzielten französische Offiziere, denen es gelang, mit verstärkte» Apparaten direkte Funkeusprüche vom Eiffelturm»lach Canada zu senden. — Ein Neandertal-Fund in England. Während bisher Reste de« ältesten MenschcntypuS, der Europa bewohnte in Deutschland. Oesterreich, Belgien, Frankreich und in Gibraltar ge- fundeii wnrden, war in England kein Beispiel dafür bekannt AUS- grabniigen, die in einer Höhle an der Südküste von Jersey vor- genonniien wurden, ergaben eine reiche prähistorische Fundstätte Außer Rhinozeros- und Renntierknochen fanden sich»»ch väyne öie einem Menschen der Neandertalrasse angehören und noch vrimi'tiver L». s°°°n°ls die des berühmten Heidelberger Fundes Wah! schemlich hing England damals noch mit den, Festlande zusammen. als der Neandertalmensch in den Höhlen von Jerseh Zuflucht suchte. Menschen ohne Magen. Eine mit gutem Erfolg vorgenommene MagenberauSnahme veranlaßt die Mailänder Presse sich wieder emmal m.t der Frage zu beschäftige,,, ob ein Mensch ohne Magen leiit>i»gsfahlg fem könne, llnter de» verschiedenen Zu- schnsteu ,st eme von Profelsor Tanzini von Interesse, der in semer Kliink'ff Pavta vor drei Jahren einer Frau, die eine boSarttge Neiibildung am Mayen hatte, den ganzen Magen heraus- "adw und seine Patientin in diesem Jahre völlig gesund und glbettSsahlg vorstelle» lonut«. Reichstag nicht Rechnung tragen. Es liegt gar keine Veranlassung vor, den Nkademikerdünkel zu begünstigen. Abg. Dr. Mugdim(®p.): Der mahgevende Grund der Konr Mission war: die Leute wollen nicht versichert sein, also soll man ilsnen die Bersicherung nicht ausdrängen. Von einer Begünstigung akademischen Standesdünkels kann leine Rede sein. lBeisall bei der Mehrheit.) Der Antrag Potthoff wird abgelehnt. Die große Majorität der Freisinnigen stimmt mit der Mehrheit. § 1230 enthält die L o h n k l a s s e n. Klasse I reicht bis zu 360 Mark .. II„„ S60. „ III„„„ 850„ „ IV.„. 1160.. „ V umsaht die Versicherieu mit einem Jahres arbeitsverdienst von mehr als 1160 M. Abg. M-lkenbuhr lSoz.): Wir beantragen, zwar die vier ersten Lohnklassen zu lassen, wie RegierungZcntwurs und Konimissionsfassung sie vorschlagen, aber statt fünf a ch t L o h n k l a s s e n zu schaffen. Nach unserem Vor- schlag soll Klasse V reichen von 1160 bis zu 1650 M. „ VI„„ 1550.,„ 1950„ „ VH„„ 1950.. 2550.. „ VIII die Versicherten mit einem Jahresarbeitsverdienst v.über 2550, umfassen. Allgemein ist der Wunsch verbreitet, höhere Lohnklassen zu schaffen, deren Angehörige für höhere Beiträge höhere Leistungen empfangen. Eben erst ist uns eine Petition in diesem Sinne zu gegangen. Die finanziellen Schwierigkeiten sind keineswegs unüber- windlich. fLebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. P o t t h o s f sBp.) beantragt namens eines Teils seiner Fraktion lHört 1 hört I) zwei neue Lohnklassen zu schaffen. Nach dem Antrag soll Klasse V von 1150—1500, die VI. von 1500—2000 reichen, die VIL die Versicherten über 2000 M. umfassen. Beide Anträge werden abgelehnt, der Antrag Albrecht gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, der Autrag Potthoff gegen Sozialdemokraten und einige Freisinnige. § 1231 bestimmt u. a., dah als Jahresverdienst der 300fache Betrag des Ortslohns zu gelten hat, soweit da» Oberversicherungs amt für einzelne Berufszweige nichts anderes bestinimt. Abg. BufoldeS Abg. Stresemann— der Ansicht, daß, wenn Herabsetzung der Altersgrenze und KindeSrente nicht gleichzeitig zu erreichen sind, die KindeSrente vorzuziehen sei. Wenn gleichzeitig beiden Hasen nach» gelaufen wird, besteht Gefahr, daß man keinen Hasen in die Küche iringt. Es ist weit dringender. Invaliden in den mittleren Jahren. die vielleicht eine große Kiuderschar haben, durch Kinderzuschußreuten zu unterstützen, als den 65jährigeli, die noch nicht Invaliden sind. eine Altersrente zu gewähre».— Herr Dr. S t r e s e m a n n hat neue Steuern in Anregung gebracht. Wie steht es mit der Dividenden st euer»(Sehr gut! im Zentrum.)— Der Bund der Industriellen, dem Herr Dr. Stresemann sehr nahe steht, hat ich lehr entschieden gegen jede weiter« Belastung der Industrie ausgesprochen. Warum macht Herr Dr. Stresemann nicht dort Stimmung für die Herabsetzung der Altersgrenze? Die indct dort gewiß jubelnde» Beifall.(Stürmisch« Heiterkeit.) Und dann locrden ja auch die Verbündctcn Regierungen»ichls mehr dagegen haben, denn fie werden nicht industriefeindlicher fe;n wollen, als die Industrie selbst.— In der Kommission hat nur ein einziger Freisinniger für die Herabsetzung der Altersgrenze gestimmt.(Hörtl hört!) Wen'» wtereffiert, der erkundigt sich vielleicht bei Herrn Horm an n privatim nach dem Namen.(Große Heiterkeit.)— Man mutz politisches Augenmaß besitzen und nicht um des Unerreichbaren halber das Erreichbare gefährden. So hält man eS auch im gewerkschaftlichen Kampfe.(Präsident Graf Schwerin bittet den Redner, nicht zuweit abzuschweifen.) Angesichts des unbedingten Nein I der Verbündeten Regierungen ist die Herabsetzung der Altersgrenze unerreichbar. Darum stimmen wir für die Kvmmissionsbeschlüffe.(Ironisches Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Diejeniger aber, die trotzdem auf dieser Herab« setzung bestehen, setzen sich dem Verdacht aus, unsachliche, parteipolitische Tendenzen damit zu verfolgen.(Lebh. anhaltender Beifall bei Konservativen und Zentruni.) Abg. Molkenbuhr(Soz.): Wenn ich der Rede des Abg. Becker bedeutenden Wert beilegen würde, so würde ich die Gelegenheit benutzen, die widerspruchsvolle Haltung des Zentrums zu beleuchten.(Sehr gut! bei den Sozial« demokraten.) Ich ziehe es aber vor, mich mit der Haltung der Verbündeten Regierungen zu beschäftigen. Die Re- gierungsvertretsr haben für ihre Ablehnung Gründe angeführt, die mit dem Inhalt der ganzen Vorlage in Widerspruch liehen, und erwecken damit den Verdacht, daß fie die Vorlage in ihren Einzel- beiten nicht kennen.(Sehr gutl bei den Sozialdemokraten.) Ganz eigenartig und ja auch schon von anderen Rednern zerpflückt ist das Verfahren mit der Kapitalisation der erwachsenden Mehr- kosten. Ich persönlich bin durchaus der Meinung, daß die Frage der Altersgrenze von verhältnismäßig geringer Bedeutung wäre, wenn wirklich jeder Invalide eine Invalidenrente bezöge. Das ist aber keineswegs der Fall.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Durch bürgerliche Blätter ging neulich eine Notiz, wonach ein Blinder irgendwo in einer Gemeinde mit allerlei Dienstleistungen beschäftigt würde. U. a. auch als Nachtwächter. Da er aber als Blinder den Ausbruch eines Feuers nicht bemerken kann, so begleitet ihn seine Tochter; er besorgt nur das Blasen.(Lebhaftes Hört! hört! und Heiterkeit.) Insgesamt bezieht nun der Mann aus allen seinen.Aemtern" über 860 Mark. Also, so erklärt man, ist er nicht invalide; man hütet sich natürlich sehr wohl, den Lohn, den eigentlich die Tochter beziehen müßte, in Abrechnung zu bringen, obwohl der Mann ohne Hilfe der Tochter ja gar nicht sein Nachtwächteramt versehen könnte. E« kann also gar keine Rede davon sein, daß jeder Invalide wirk« lich Invalidenrente erhält. Unter diesen Umständen ist allerdings die Herabsetzung der Altersgrenze dringend notwendig.(Lebhaftes Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Das 65. Jahr ist auch anderswo, in Frankreich und England, als Altersgrenze vorgesehen.— Der Kollege Becker meint: Die christlich« nationale Arbeiterschaft legt gar keinen so hohen Wert auf die Herabsetzung der Altersgrenze oder stellt mindestens diese Forderung nicht in den Vordergrund. Er mache doch einmal die Probe. Er lasse abstimmen in der Arbeiterschaft. Die große Mehrheit, die überwältigende Mehrheit nicht bloß der gesamten Arbeiterschaft, sondern auch d« christlich- nationalen Arbeiterschaft, ja auch der katholischen Arbeiterschaft allein wird sich für die Herabsetzung der Altersgrenze und für de» hohen Wert er- klären, der wir dieser Forderung leihen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Frhr. v. Gamp-Massaunen(Rp): Die Rede deS Kollegen Becker war augenscheinlich den Sozialdemokraten sehr unangenehm. (Widerspruch beiden Sozialdemokraten und Zuruf: Ganz im Gegen- teil!) Wir aber haben uns über diese Kundgebung eines verständige« Ardeiterführer» gefreut und daher haben wir dies« Rede besonderen Beifal ge- zollt.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Den hat Beck« verdient!) — Redner wendet sich gegen den Antrag auf Herabsetzung d« Altersgrenze. Früher find wir für diese Herabsetzung ein- getreten; aber seitdem sind die anderweitigen sozialen Lasten so sehr gestiegen, daß sich zurzeit diese Forderung nicht durchführen läßt. Mit dem Herzen sind wir für die Herabsetzung der Altersgrenze; aber die harte Notwendigkeit verbietet un», der Stimme des Herzens zu folgen.(Bravo I recht«.) Abg. Dr. Potthoff(Vp.): He« Beck« stellt sich un» al» Der- treter von Millionen christlicher Arbeiter vor und bescheinigt sich selbst den Besitz staalSmännischer Einsicht(Heiterkeit links); der Wert seiner Rede wird ab« genügend charakterisiert durch die freudige Zustimmung, die sie bei Herrn v. Gamp als dem Vertreter der Srbeitgeberinteressen gefunden hat. Die Rede de» Herrn Becker zeigt wieder einmal, daß auf die christlichen Arbeiterführer vom Schlage de» Herrn Becker kein Verlaß ist.— Die Arbeitgeber können um so mehr die Mehrbelastung wagen, al« sie ja 56 Millionen dadurch sparen, daß bei der Krankenversicherung nicht die Hälftelung der Beiträge beschlossen worden ist. Die Arbeiter ihrerseits sind bereit, die Mehrbelastung zu tragen, um die Herab- setzung der Altersgrenze zu ermöglichen.— Wäre die Reichsvcrfiche> rnngSordnung in der Gestalt auS der Kommission herausgekommen, die sie in der zweiten Kommissionslesung erhalten hatte. als das Zentrum noch nicht auf Wunsch der Regierung und d« Rechten die scheußlichste» Bestimmungen akzeptiert hatte(Lebhaftes Sehr wahr! links), so brauchte man vielleicht diesem einen Punkte nicht solche Bedeutung beizulegen. An da».Unannehmbar" de« Bundesrate» braucht man sich nicht zu stoßen. Der Bundesrat hat schon manch- mal nachgegeben; z. B. auch, was ja nur zu billigen ist. in Sachen der Heizerzulage. Lasse sich der Reichstag also nicht ab- schrecken, unserem Antrag zuzustimmen!(Lebh. Bravo! links.) Präs. Graf Schwerin rügt eine Redewendung de» Abg. Potthoff gegen den Abg. Becker-ArnSberg. Abg. Bruhn(Antif.) spricht sich für die Herabsetzung der Altersgrenze aus. So gut. wie man 65jährige Beamte pensioniert, muß man auch 65jährigen Arbeitern die Altersrente gewähren. Abg. Gothein(Vp.): Der Bezug der Altersrente befreit nicht. wie der der Invalidenrente, von der Beitragspflicht: also ist die Behaupwng falsch, daß die Herabsetzung der Altersgrenze außer dem Plus an Ausgaben auch ein Minu» an Einnahmen bedeute. Gegenüber der famoien Kapitalisierungsrechiiung des SchatzfekretärS will ick doch feststellen, daß die Militär- und MarincauSgabe» kapitalisiert 48 Milliarden ausmachen. Da sieht man erst, wie ver- schwindend die Ausgaben für die Sozialpolitik sind.(Sehr richtig! link«.) Durch den Bundesrat sollten wir uns nicht einschüchtern lassen, nur dem Mutigen gehört die Welt. Wir müssen Rückgrat zeigen auch gegenüber dem Bundesrat.(Bravo I links.) Abg. Dr. Arniug(natl) erklärt sich als Arzt für die Herabsetzung der Altersgrenze. Abg. Dr. Südrkum(Soz.): Die Verlegenheit des Zentrums ist gewiß nicht gering. In der Kommission wurde unser Antrag von keiner bürgerlichen Partei unter st ützt; jetzt aber ist er von anderen Parteien aufgenommen, und da ist die Situation de» Zentrums ander» wie »n der Kommission. DaS Zentrum kann sich jetzt nur noch auf da» .Unannehmbar" der Regierung berufen.(Sehr richtig I im Zentrum.) Dies.Uuannehmbar' ist lediglich ein Bluff, daß die Regierung daran wirklich die Vorlage scheitern läßt, glanbt doch niemand.(Sehr richtig! link«) Was will die Reg.ernng denn tun. Mag sie doch den Reichstag auflösen.(Sehr gutl l'nkS.) Herr Becker zweifelte an dem guten Herzen der Herren, für welche der Abg. Stresemann sprach. Auch wir haben Zweifel daran, aber üb« Motive stimmen wir nicht ab. Uebrigen» habe ,ch hier einen An- wag auf Herabsetzung der Altersgrenze auf da» 65. Jahr vor mir. unterzeichnet von Herren Gfamp, Arendt. Höfel(lebhaftes Hört! hörtl link«) und noch mehr Herren, die heute gegen den Antrag stimmen wollen. Sie wollen also die ernzige Gelegenheit. die Forderung zu verwirklichen, vorüber lassen. Das wirft doch auf die Motive, aus denen diese He«en Anträge stellen, ein eigen» tümlicheS Licht.(Sehr gutl links.) Herr Arnina wie» mit Recht auf die ärztliche Seite der Frage Hrn. Auch heute müsse» dief« Leute unterstützt w«den. teilwetfe durch ihre Familie. teilweise durch die Armenpflege. Die Lasten werden also so wie so aufgebracht, und eS handelt sich also nur um eine Verschiebung der Lasten, und zwar sollen sie von wenig leistungsfähigen Schultern auf leistungsfähigere über- tragen werden, und diese Gelegenheit verhindert da« Zentrum unter Führung des Abg. B e tk e r, der sich als A r b e i t e r v e r t r e t e r ausgibt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Herr Becker er- innert mich an den Helden, der sagt:.Ich flieh, um öfter noch zu sterben!', der in Wirklichkeit aber floh, um öfter noch zu fliehen.(Heiterkeit und Sehr gut bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Strescmann(natl.) verwahrt sich dagegen, dah der Abg. Becker seinen Berus in die Debatte gezogen habe, als Ab- geordneter vertrete er das gesamte deutsche Volk.(Lebhafte Zustim- mung bei den Nationalliberalen.) Staatssekretär Delbrück: Ich muh die vorhin abgegebene Er- klärung, dag der Antrag für die Verbündeten Regierungen unan- nehmbar ist. wiederholen. Es ist das kein Bluff, sondern eine auf wohl erworgenen Erwägungen beruhende Erklärung. Schon deshalb kann die Regierung nicht nachgebe»«, weil n»an sonst auch ein Nachgeben in anderen Punkten verlangen würde.(Zurufe bei der Volkspartei und den Nationalliberalen: Nein, nein!) Abg. GieSbertS(Z.): Wenn die Regierung keine triftigeren Gründe für ein Unannehmbar hätte, wäre eS nicht verständlich. (Lebhaste Zustimmung links.) Aber wir halten die Forderung der Herabsetzung der Altersgrenze nicht für die dringendste Forderung und wollen an dieser Frage das große Reformwerk nicht scheitern lassen.(Bravo I im Zentrum.) Staatssekretär Dr. Delbrück spricht zum dritten Male sein Un- annehmbar aus. Abg. Dr. Mugdan(vp.)(schwer verständlich) wendet sich gegen den Staatssekretär und den Abg. GieSbertS. Die Debatte schließt. Persönlich erflärt Abg. Dr. Südekum(Soz.),' paß er die Bezeichnung deS.Unannehmbar' der Regierung als Bluff durchaus aufrecht erhalte. In namentlicher Abstimmung werden die Anträge auf Herab- setzung der Altersgrenze mit ILO gegen 146 Stimmen bei 4 Stimm- enthaltuugen abgelehnt. Ein großer Test der Nationalliberalen hat mit der Mehrheit gestimmt. Das Resultat wird von der Linken mit lebhaften Rufen: Die Nationalliberalen sind schuld! aufgenommen. Z 1242 wird angenommen. � �Hieraus vertagt das Haus die Weiterberatung auf Sonnabend Schluß 7 Uhr._ Hbgeordiietenbaud. 8 0. Sitzung vom 19. Mai. vormittags 11 Uhr. Am Ministertische: v. Dallwitz, Dr. B eseler, v. Schor- lemer-Lieser. Dritte Lesung de» Gesetzentwurfs betr. die Feuerbestattung. Abg. Müller-Koblenz(Z�): In letzter Stund« noch einige Be- Wirkungen. Abg. Dr. Hackenberg sagte gestern, daß eirrzelne Redner gestern witzige und spöttelnde Bemerkungen geinacht hätten. Wenn bei der Propaganda der Feuerbestattungsfreunde die Gegner dieser BestattungSart als rückständige Dunkelmänner bezeichnet weichen, dann ist»nan wohl berechtigt, dem mit den Waffen der bitteren Satire entgegenzutreten. Der Redner führt noch einmal die juristischen Bedenken seiner Freunde gegen die Feuerbestattung an und begründet einen Antrag seiner Freunde zum§ 3, wonach die Genehmigung zur Einrichtung von Feuerbestattungsanlogen versagt werden soll, wenn das Unternehmen nicht die Gewähr bietet, daß«s dauernd und in würdiger Weise geführt wird. Dieser An- trag wolle eine Vergewaltigung der Minderheiten verhindern und dafür sorgen, daß nicht die Gemeindemitglieder die Kosten der Feuerbestattung tragen, die innerlich nicht damit einverstanden sind.(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Abg. v. Goßler(k.): Den Antrag deS Zentrums werden meine engeren Freunde ablehnen, weil sie darin ein« Verschlechte. rung deS Gesetzes sehen. Der Antrag würde nur die Agitation in dieser Frag«, besonders in den kleinen Gemeinden, verstärken. Wir können nicht Anträgen zustimmen, die darauf hinauslaufen, die praktische Anwendung des Gesetzes zu erschweren oder zu verhindern.(Beifall.) Minister v. Dallwitz: Der Abg. Müller-Koblenz meint«, die Re- gierung trage die volle Verantwortung für das Gesetz und seine Folgen. Ich habe daraus zu erklären, daß die Kgl. StaatSregie- rung sich dieser Verantwortung voll bewußt ist und bereit ist. sie zu übernehmen, weil sie der Ansicht ist, daß durch dieses Gesetz die alte christliche Sitte nicht nur nicht gefährdet, sondern sicher- gestellt wird.(Lärm im Zentrum, Beifall links.) Der Antrag des Zentrums ist für die Regierung unannehmbar; in der Vor- läge sind schon Garantien für die dauernde würdige Fortführung der BesdattungSonlagen gefordert.(Beifall.) Abg. Dr. Schröck(fk.) spricht sich namens seiner Freunde gegen den Zentrumsantrag aus. Abg. Dr. Flesch(Vp.) spricht sich gegen den ZentrumSantvag auS, da it sich gegen die Anwendung des Gesetzes richtet. Abg. Graf v. WartenSleben-Rogasen(k.) vertritt noch einmal den ablehnenden Standpunkt der Nlehrheit seiner Freunde zur Borlage. Ein konservativer Antrag auf Schluß der Debatte wird angenommen. Zur Abstimmung kommt zunächst ein Antrag des Zentrums zum Z 2:..Die Genehmigung der Anlagen zur Feuerbestattung darf nur Privatpersonen und privaten Bereinigungen erteilt werden." Die Abstimmung ist auf Antrag Porsch(Z.) na- m e n t l i ch. Der Antrag wird mit 167 gegen 157 Stimmen abgelehnt. (Lebhafter Beifall links.) Der erste Antrag des Zentrums zum§ 3 ist zurückgezogen. Abg. Dr. Bell(Z.) begründet zum 8 3 einen neuen Antrag seiner Freund«, der dahin geht, daß die Anlage von Kremawrien nur genehmigt werden soll, wenn die beschljxsteirden Körperschaften diesen Beschluß mit Dreivier tel.Mehxhxjt fassen. Abg. Hoffmann(Soz.): Ich möchte den Vorredner bitten, die An- Wendung diese» Abstimmungsmodus auch zu verlangen, wenn«S sich um Zuwendungen für Kirchen bauten, Hergabe von Plätzen usw. handelt.(Bestall links.) Minister v. Dallwitz: Ich möchte Sie bitten, den Antrag abzu- lehnen.(Stürmischer Beifall links.) Der Antrag würde die An- Wendung Ses Gesetze» unbillig erschiveren. Abg. v. Richthiifen(k.>: Fch kann mich dem Antrag Bell nur «mschließen. Wenn das Bedürfnis nach einem Krematorium ick einer Gemeinde wirklich so groß ist, dann wird auch die Drei- Viertel-Mehrheit zusiandekoimnen. Abg. Friedberg(natl.): Die Grundlage der Toleranz ist in dem Satz enthalten: WaS Du nicht willst, daß man Dir tu, das füg auch keinem andern zu! Es ist«in außerordentlicher Bor- gang, daß jetzt erst dieser Antrag de» Zentrums kommt. So wichtige Anträge werden sonst in der zweiten Lesung gestellt. Ihnen (zim, Zentrum) kommt es aber jetzt nur darauf an. die Majorität für das Gesetz zu erschüttern. Wenn bei anderen Gelegenheiten von anderer«eite so vorgegangen würde, dann würden Sie die ersten sein, die da? verurteilen.(Sehr richtig! links.) Wir lehnen den Antrag ab.(Beifall link».) Wg. Dr. Bell(Z.): Die schöne Rede des Abg. Friedberg über Toleranz erinnert mich an die Rede, die der Fuchs den Enten hielt.(Zuruf: Oberfaul!) Die Anhänger der Erdbestattung müssen davor geschützt werden, daß ihre Gefühle durch eine liberale Gemeindevertretung verletzt werde». Für den vorliegenden Fall bietet uns di« Aufsichtsbehörde nicht die genügende Sicherheit. Abg. Hoffmann'Soz.s: Ich bitte sestztihalten, daß der Vor- tedner meinte, nur im vorliegenden Falle lönn« cr sichTnicht aus die Aufsichtsbehörde verlassen. Der Autvag des ZsttrumS b«. Migt aofj kvas ich icheg itbtt die Wicht der Gegntk faste. Nöch Ihrem Wunsch müßte das Gesetz einfach lauten: Die Lelchenver- brennung ist in Preußen zulässig, die Genehmigung dazu aber von der Ortsbehörde stets zu versagen.(Sehr gut!) Vielleicht beantragen Sie(zum Zentrum) schließlich, daß die Errichtung von Krematorien mit Neunzehntel-Mehrhett oder einstimmig beschlossen werden muß. Aendern Sie doch einfach das Gemeinde- Wahlrecht, wenn Sie eine Vergewaltigung der Mehrheit der Ge- meinde durch die Minderheit verhindern wollen. Ihre ganzen An- träge laufen darauf hinaus, das Gesetz, das Sie nicht mehr ver- hindern können, unmöglich zu machen. Das ist eine Art der Gesetzgeberei. die die Mehrheit, vor allem das Zentrum, vor dem Bolle kennzeichnet.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Bell(Z.): Wir ändern unseren Antrag dahin ab, daß nur eine Zweidrittelmehrheit erforderlich sein soll. (Heiterkeit. Zuruf: Er läßt mit sich handeln!) Abg. v. Goßt«(f.): Wir lehnen auch diesen Antrag ab. Minister v. Dallwitz spricht sich nochmals gegen den Antrag auS. Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Waldstein(Vp.), Herold (Z.) und Bell(Z.) schließt die Debatte. Da die Abstimmung über den Antrag zweifelhaft bleibt, wird ein Hammelsprung vorgenommen. Er ergibt die Annahme des Antrages mit 169 gegen 143 Stimmen. Präsident v. Kröcher: Nach der Geschäftsordnung muß die Ab- stimmung über den Antrag morgen wiederholt werden, weil der Antrag nicht gedruckt vorlag. Deshalb muß auch die Abstimmung über den§ 3 und die Gesamtabstimmung erst morgen vorge- noimnen werden. Abg. Dr. Krause(natl.): Der Präsident hat ja recht, aber vielleicht ließe sich die Einberufung einer neuen Sitzung vermeiden, wenn kein Mitglied der Gültigkeit der eben vorgenommenen Ab- stimmung widerspricht. Präsident v. Kröcher: Ich Maure, widersprechen zu müssen. — Es liegt ein Widerspruch vor!(Große Heiterkeit.) Die Ab- stimmung mutz also morgen wiederholt werden. Zum§ 4 begründet Abg. Frhr. v. Richthofen(k.) einen An- trag:„Die Gebühren sind so zu bemessen, daß sie die Kosten der Einrichtung und Erhaltung der Anlage decken." Der§ 4 wird mit dem Antrag Richthofen angenommen. Die übrigen Paragraphen der Vorlage werden unverändert an- genommen. ES folgt die Fortsetzung der Beratung über die Denkschrift zur Ausführung deS Ansiedlungsgefetzes. Abg. Dr. Pachnicke(Vp,): Alle die Angriffe und Drohungen, die gestern von Vertretern der Rechten gegen die Regierung ge- richtet wurden, erklären sich auS dem Satz: Erfolg verbündet, Miß- erfolg entzweit! In der Polenpolitik liegen Mißerfolge vor. Wir machen hier zum dritten Mal die Erfahrung, daß Ausnahme- gesetze ihren Zweck verfehlen. An die Polen möchte ich die Auf- forderung richten, sie möchten sich als Angehörige deS deutschen und preußischen Volkes fühlen und sich abfinden mit den geschieht- lichen Tatsachen, die unabänderlich sind, und sich der Pflichten be- wüßt sein, die aus der Zugehörigkeit zum preußischen und beut- schen Staat erwachsen. Abg. v. Trampczynski(Pole): Die letzten Ausführungen des Vorredners decken sich mit denen des Ministers. Das darin zum Ausdruck gekommene Verlangen verstehen wir nicht. Wir haben uns schon seit Generationen in den preußischen Staat eingefügt, aber das verpflichtet uns durchaus nicht, unseren Charakter als besondere Nationalität aufzugeben oder gar irgend- welche Minderwertigkeit unserer Nationalität der deutschen gegen- über zuzugeben.(Beifall bei den Polen.) Die ganze Polenpolitik widerspricht volltommen jedem gesunden RechtS- empfinden. Das Enteignungsgesetz»st ein Verbrechen gegen das Eigentum, eine Versündigung gegen das 7. Gebot, und es widerspricht auch der Reichsvcrfassung. Man kann sich nicht darüber wundern, daß der Ostmarkenverein, der solange von der Regierung verhätschelt wurde, jetzt empört darüber ist, daß ihm tneheaetan wird. Die meisten Mitglieder dieses Verein» benutzen den Verein ja nur als Sprungbrett für ihre Beamtenkarriere. Diese Streber wehren sich nun natürlich dagegen, daß diese» Sprungbrett wegfallen soll und sie schmieren nun anonyme Ar« tikel, in denen sie der Regierung Mangel an Patriotismus vor- werfen, ein Vorwurf, mit dem in der Politik schon immer der größte Unsinn getrieben worden ist. Mit der EnteignungSpolitil werden Sie erreichen, daß sich vielleicht die Kopfzahl der polnischen Bevölkerung in Preußen vermindert, daß aber nach Jahrzehnten diese Bevölkerung mit tiefstem Haß gegen alle Einrich. tungen des preußischen Staates erfüllt sein wird. Die ruhige Haltung der polnischen Bevölkerung allen Drangsalierungen gegenüber ist daraus zurückzuführen, daß wir dieser Bevölkerung den Glauben beigebracht haben an eine ewige ausgleichende Gerechtigkeit, die alle Verbrechen sühnt. Sorgen Sie dafür, daß dieser Glaube nicht zum Aberglauben wird. (Beifall bei den Polen.) Abg. Ströbel(Soz.): Wir haben in der Presse und gestern auch hier im Parlament eine Erörterung darüber erlebt, ob in der Polenpolitik der Re» gierung eine Wandlung sich vollzogen hat. Die Rede des Land- wirtschaftsministerS konnte ja äußerlich den Eindruck erwecken, als sei das nicht der Fall. Ich glaube indessen, daß der Ostmarken- verein doch eine richtige Witterung hatte, wenn er meinte, daß die Wandlung in der Ostmarkenpolitik doch eingetreten ist. Von der Regierung wird ja jetzt erklärt, man müsse das Tempo der Ansiedelungen verlangsamen, man solle auch nicht glauben, daß man durch die Enteignung Wunder erreicht. Wenn man diese durchaus nüchternen Aasführungen vergleicht mit den früheren Kundgebungen der Regierung, so sieht man. daß die Regierung endlich zur Einsicht gekommen zu sein scheint, daß sich tatsächlich bei ihr ein Wandel der Ansichten vollzogen hat.(Sehr wahr! bel den Sozialdemokraten.) AIS ich den wunderbaren rhetorischen Eiertanz de» Abg. V. Heydebrand miterlebte, sagte ich mir: so sieht eine diplomatisch« Leistung aus! In der Diplomatie soll ja nach einem bekanaten Wort die Sprache dazu dienen, die Gedanken zu verbergen. Der Diplomat v. Heydebrand hat seine Gedanken allzu geflissentlich verborgen, wir haben aber dennoch keinen Zweifel darüber, daß er sein« volle Zufriedenheit mit der jetzigen Haltung der Regierung auS- gesprochen hat. Der Minister hätte deutlicher sagen sollen, wann eigentlich die Voraussetzungen für die Enteignung eintreten, cr hat sich auf allgemeine Redewendungen beschränkt. E» ist eigent- sich wunderbar, daß die Hakatisten erst so spät den Wandel in der Regierungspolitik bemerkt haben. In der rechtSnationalliberalen, konservativen und freikonservativen Presse konnte man schon viel früher Hinweise auf diese Wandlung finden. Die sreikonfer- vativc..Post' brachte sogar die originelle Mitteilung, daß die königliche Hofhaltung in Posen die polnischen Gesellschaftskreise begünstige, so daß also daS viele Geld, was wir für das Schloß in Posen angeblich zu Germanisierungszwecken ausgeben mußten, tatsächlich das Gegenteil des gewollten Zweckes herbeiführt. ES ist vergeblich, einen persönlichen Sündenbock für die Schwenkung in der Ostmarkenpolitik zu suchen. Diese©chivenlung ist die notwendige Folge der ganzen EntWickelung der Ostmarleirpolitik und der Stellungnahme der großen Parteien. Die konservative Begeisterung für die Germanisierungspolitik im Osten ist längst ver>logen. Der Grund dafür liegt darin, daß die Ansiedler jetzt müde geworden sind, der konservativen Partei Vorspanndienste zu leisten. Darüber dürfen sich auch die National» liberalen nicht täuschen, daß die Regierung niemals die jetzige Haltung eingenommen hätte, daß sie niemals von dem Kurpfuscher- tum der Hakatisten gesprochen hätte, wenn sie nicht des Einverständnisses der konservativen Junker sicher ge- wcsenwäre. Hinzukommt, daß die Konservativen jetzt mit dem Zentrum noch enger verbündet sind und daß das Zentrum natür- sich die Polenpolitik mit Rücksicht auf seine klerikalen Interessen vemitft. güfü Litlaw kdüäüüs SLÜ wschresid feister Wstijt� ßräsidenlentätigkeit die Ostmarkenfrage alz die Frage, vön bei bis EntWickelung Preußens in der Zukunft abhänge. Jetzt wird die- selbe Ansicht, die nun von den Hakatisten geäußert wird, vom preußischen Landwirtschaftsminister als politisches Kur« psuschertum bezeichnet. Die Hakatisten haben ausgerechnet, daß die jetzige Schwenkung in der Polenpolitik bereits die elfte sei. Sie mögen sich beruhigen, es wird die letzte sein, denn die Konser- vativen wollen die jetzige Haltung der Regierung, und wenn die Herren v. Heydebrand und Richt hosen komman- d i e r e n und wenn sich das Zentrum diesem Kommando an- schließt, dann fügt sich die Regierung ohne Rücksicht auf die sanften Drohungen der Nationalliberalcn. Die Nationallibc- ralen stehen mit ihrer rücksichtslosen Anwendung des Enteignungs- Paragraphen in diesem Hause fast ganz allein. Wir haben den Nationalliberalen so viele Ausgaben für Rüstungszwecke und Welt- Politik zu danken, wir haben ihnen auch zu danken, daß so viele Millionen nutzlos verschleudert worden sind für diese Ostmarkenpolitik. Sie führen dabei die nationale Phrase tönend im Munde. In Wirklichkeit handelt es sich aber für sie bei dem Germanisierungsrummel um kleinliche parteipolitische Interessen, sie wollen von den Ansiedlern im Osten einige Mandate ergattern. Dafür sind uns aber die Millionen zu schade. Die Konservativen kümmern sich jetzt den Teufel um die Ansiedelung deutscher Bauern, seitdem diese Bauern ihnen nicht mehr folgen, wollen sie nur noch Tagelöhner und Ar- beiter ansiedeln. Wir sind bei diesem Schauspiel die lachenden Dritten. Es ist ja gar zu schön anzusehen, wie die nationalen Seifenblase� geplatzt sind und wie die Herren Polen eine so feine politische Witterung in letzter Zeit gehabt haben. Die Polen haben die Finanzreform mitgemacht, sicher nicht ohne Hintergedanken. Sie wollten sich ein Anrecht auf Dank erwerben. Sie haben ja auch für die Erhöhung der Krondotation gestimmt; sie sind sicher der Ansicht gewesen, daß auch auf dem Gebiet der inneren Politik das Schmiergelderwesen eingeführt werden kann. (Heiterkeit. Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wir beglück- wünschen ja die Polen zu dieser Wandlung. Wir wünschen, daß mit der ganzen kindischen Polenverfolgungspolitik aufgeräumt wird. Wir wünschen den Polen auch, daß sie wieder so Liebkind bei der Regierung werden, wie anfangs der neunziger Jahre. Wir Sozialdemokraten sind die entschiedensten Gegner jeder Zwangspolitik. Wir anerkennen durchaus das Recht der nationalen Eigenart. ES ist viel vernünftiger, die Polen durch Toleranz und Entgegenkommen für das Deutschtum zu gewinnen, als durch diese kleinliche Verfolgungspolitik, die die polnische Bewegung erst groß gemacht hat. Wie die Zwangspolitik, so bekämpfen wir auch die künstliche Ansiedclungspolitik, für die der Freisinn so geschwärmt hat, weil er glaubte, daß damit das Junkertum im Osten geschwächt werde. Meine Herren Liberalen, wenn Sie daS Junkertum tatsächlich bekämpfen wollen, dann brauchen Sie nur mit uns ganz energisch für eine Acnderung des preußischen Wahlrecht? einzutreten und nicht erst auf die angekündigte neue Wahlrechts- vorläge warten, sondern jetzt schon mit uns im Volke eine kräftige Wahlrechtsbewegung entfesseln. Die Nationalliberalen denken ja in Wirklichkeit gar nicht daran, die Macht des Junkertums zu brechen, sie wollen nur ein paar Mandate mehr erobern und dazu soll ihnen das preußische Volk die Millionen geben. Die Regierung wird ja noch eine Weile fortwursteln, damit' die durch die AnsiedelungSkommission künstlich gesteigerten Bodenpreise nicht zum Schaden der Junker zu plötzlich sinken. Millionen sind für die Ostmarkenpolitik verschleudert worden. Heute noch rächt sich das Vorgehen Friedrich Wilhelms II., der für feine Maitress?. die Gräfin Lichtenau, dort im Osten große Güter einfach) verschenkt hat. Für diese Lotterwirtschaft eines preußischen Königs haben wir jetzt noch die Kosten zu zahlen. Präs. v. Krvcher: Für den Ausdruck:„Lotterwirtschaft eine! preußischen Königs" rufe ich Sie zur Ordnung. Abg. Ströbel(Soz.): Die tatsächlich vorhandene Not der kleinen Bauern kann nur gemildert werden, wenn Sie unS bei der Verminderung der HeereSlasten und der vernünftigen Verteilung der Steuern unterstützen. Statt über die kaninchenhaste Ver- mehrung der Polen zu klagen, sollte man lieber eine Vermehrung der preußischen Bevölkerung dadurch unterstützen, daß man Maßnahmen gegen die Säuglingssterblichkeit ergreift. Unsere dahingehenden Anträge bei der ReichSversiche» rungreform sind aber von den Parteien niedergestimmt worden, die sich sonst so patriotisch gebärden. Ich möchte nur wünschen, daß wir die unfähige Polenpolitik nicht der lang- samen Verwesung überlassen, sondern, daß wir ihr ein rasches Ende bereiten durch Feuerbestattung.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Minister v. Schorlemer: Dem Vorredner gegenüber möchte ich darauf aufmerksam machen, daß gerade in den letzten Jahren von allen und gewiß auch von Seiten, die der Sozialdemokratie sonst nicht nahe stehen, große Summen und Mittel für die Säuglinas, fürsorae aufgewendet worden sind. Die große Kinderzahl be, schränkt sich in den östlichen Provinzen nicht bloß auf die Polen. sondern auch in den deutschen Ansiedlerfamilien ist eine Kinder, zahl von 6— 0 durchaus keine Seltenheit. Von Geldverschleude- rung kann keine Rede sein, denn die Aufwendungen des Staate» für die Ansiedlung verzinsen sich besser als die Domänen. Die Regierung steht nach wie vor auf dem Boden des Gesetzes von 1883. Die Tätigkeit der Bauernbank und Mittelstandskasse ist für die Polen sehr wenig erfreulich, sie befreit aber viele Deutsche von mitunter sehr unangenehmen Gläubigern. Diese müssen sich dep Klausel unterwerfen, ihr Besitztum nicht an die Polen zu ver, kaufen. Es ist unrichtig, daß der Ausschuß aus dem ganze,, Reiche angesiedelt wird, wenn auch manche unerfreuliöbe Elemente darunter sind. In Westfalen, Hessen und Süddeutschlauti klagt man, daß die besten Elemente nach der Ostmark ziehen. Das HauS vertagt sich. Abg. Glatzel(natl.) persönlich— will gegen den Abgeordnete,, v. TrampczynSki polemisieren, was ihm der Präsident untersagt. Sonnabend. 10 Uhr vormittags: Neu.erbes;att»t»gs« gesetz und Rest der heutigen Tagesordnung. Schluß 4>j Uhr.__ e j parwmentarilcbes. Da» Einfuhrungsgesetz zur Rnchsversicherungsordnung wurde am Fre'tag in der ReichStagskommission weiter beraten. Eine längere Debatte entwickelte sich über die Behandlung der älteren Verträge der Kassenange st eilten. Unsere Genossen beantragten, daß die Ansprüche aus den Verträgen durch die Dienstordnung nicht aufgehoben werden können. Für diesen Antrag stimmten nur unsere Genossen. Angenomnien wurde ein konservativer Antrag, der bestimmt, daß die vor den, 1. Juli 1910 vereinbarten Vertragsbestimmungen über Kündigung und Entlassung nicht aufgehoben werden dürfen. ES bleibt jedoch bei den Bestimmungen der Reichsversicherungsordnuna daß dem Vorstande gestattet wird, durch übereinstimmenden Bs-' schloß der Gruppe der Unternehmer und der Arbeiter den Ange- stellten zu entlassen. Nach zehnjähriger Dienststellung ist die Kündigung nur aus einem wichtigen Grunde zulässig. In der weiteren Verhandlung wurde vom Genossen Hoch auf ttie hohen Bezüge des Rendanten der Essener Ortc-lrankcnkasse hingewiesen. In dieser Kass« besteht keine Einwirkung der sozial- demokratischen Arbeiter. Abg. Becker(Z.) gab bekannt, daß der flsnfrUU VLÄ einer ihgt übermittelten Jnsoanatum LM bis 9000 M. erhalte. Der Nedner hielt salchc Gehälter für zu hoch. Wenn es weiter richtig sei, datz dem Angestellten mit Rück- ficht darauf, dah ihm durch die Neuregelung der Anstellungsver- Hältnisse Schaden erwachsen könnte, einige Sparkassenbücher der Kasse als Sicherheit übergeben wurden, müsse hiergegen die Auf- sichtsbehörde einschreiten. Angenommen wurde ein Antrag der Konservativen, in dem einige Anregungen unserer Genossen Aufnahme gefunden hatten. Der Antrag sagt: „Das Versicherungsamt(BeschlussauSschutzZ kann binnen zwei Jahren nach dem Inkrafttreten der Dienstordnung anordnen, dass einem Angestellten, dessen Fachkenntnisse und Leistungen für seine Stelle offenbar nicht ausreichen, im Dienste der Kasse eine andere Stelle zugewiesen wird, die seinen Fachkenntnissen und Leistungen entspricht. Voraussetzung ist, daß nicht der Ange- stellte in seiner oder einer ähnlichen Stelle bei der Kasse bereits seit länger als 3 Jahren tätig ist. Auf einen Mangel an Fach- kenntnissen darf nicht aus dem Umstand geschlossen werden, daß der Angestellte keinen bestimmten Bildungsgang zurückgelegt hat. Dos Bersicherungsamt kann zugleich bestimmen, daß dem An�e- stellten seine höheren Bezüge zu belassen sind, soweit sie nicht in auffälligem Missverhältnis zu den Sätzen stehen, die der Besol- dungsplan für die neu zugewiesene Stelle vorsieht. Vor Erlaß der Anordnung sind der Kasscnvorstand und der Angestellte zu hören; sie ist beiden zuzustellen. Auf Beschwerde entscheidet das Oberversicherungsamt(Beschlusskammer) und auf weitere Beschwerde das Reichsversicherungsamt(Beschlutzsenat)." Die zweite Lesung der Vorlage wird am Sonnabend erledigt werden. Em der Partei. Eine Wendung in der italienischen Partei? In der„Humanitö" veröffentlicht der französische Genosse Hubert Lagardelle Mitteilungen über seine Erfahrungen in Mailand. Er leitet sie damit ein, daß sich in dieser Stavt die Klassenscheidung vielfach im täglichen Leben aufdränge. Schwere Revolten, riesige Streiks kommen von Zeit zu Zeit, um die Wirk- lichkeit klar hervorzuheben und alle Konfusion zu zerstören. Aber die Wohltätigkeits-, SolidaritätS-, BolkserziehungSeinrichtungen usw. die hier so zahlreich und so verschiedenartig sind, bilden trotz alledem zwischen den verschiedensten ökonomischen Ele- menten feste Bänder. Die Politik des„demokratischen Blocks" stand seit langem in Mailand in Blüte. Der R e f o r- m i S m u S hat hier seine Feste gehabt. Er hat hier in T u r a t i seinen hervorragendsten Führer gefunden, und das Einverständnis der Sozialisten mit den Parteien der Linken ist weitgehend praktiziert worden. Lagardelle erzählt nun seine Besprechung mit S ch i a V i, dessen Person bedeutsam sei. Er war lange Zeit ein In- transigenter des Reformismus. Als Stadtrat ver- dankte er dem Block feine Wahl. Lebhast für die städtischen Einrichtungen interessiert, arbeitete er regelmässig mit den Demokraten zusammen— und heute ist er einer derjenigen, die die Schwenkung nach der Linken der Partei angeregt haben. Schiavis Haltung ist nicht vereinzelt; sie drückt nur scharf diesen Widerstand gegen das Degenerieren des Re- formismus aus, wodurch zurzeit die italienische Parteibewegung charakterisiert wird. Für diese linksstehenden Reformisten ist die Tätigkeit der Partei durch die Berührung mit dem vulgären De- mokratiSmuS korrnnipiert worden. Sie wollten wohl positive Aktionen, nicht aber k o n s u s i o n i st i s ch e G e- schäftig keit. Seinem Besucher sagte Schiavi:»Wir in Mailand sind emschlossen. gegen das Strebertum zu arbeiten, das sich eines Irrtums von Bissolati als Schild bediente. Wir haben hier begonnen, das Beispiel zu geben; wir haben den Block an- gegriffen, dessen betrogene Opfer wir gewesen sind. Unsere Be- wegung hatte sich unter ihm entfärbt, die Demokraten zogen Nutzen aus uns, mehr als wir von ihnen. Darum sind wir nach links ab- geschwenkt. Dabei habe ich zwar meinen Sitz eingebüsst, und nicht ich allein! Es gibt jetzt nur noch vierzehn Sozialisten unter den achzig Stadträten Mailands. Aber das will wenig besagen. Man muss stets das Ziel des Sozialismus predigen, wenn man nicht will, dass die Masse sich mit dem seichten Korporativismus begnügt. Seit den Revolten von 1898 hat Mailand nichts gekannt, als die beschränkteste reformistische Propaganda. Der Misserfolg der tumultuarischen Bewegungen, die OrganisationSlosigkeit der Arbeiterklasse, ihr Ungeschick, praklische Erfolge zu erlangen, das alles hatte die berühmte Bekehrung TuratiS und seiner Freunde herbeigeführt. Jetzt erfolgt die Rückkehr. Bon Mailand aus war der Reformismus in die ganze Partei übergegangen. Er hatte schliesslich gesiegt, nach der plötzlichen Schwenkung Ferris und der letzten Kongresse. Turati, sagt Schiavi, hat nun aber die Gefahr erkannt: den verhängnisvollen Lauf zur demokratischen Fusion, den Abfall der Masse, das Ende der sozialistischen Partei. Er hat sich wieder zurechtfinden wollen." Schiavi verbreitet sich dann noch über verschiedene Einzelheiten, die hierstveniger interessieren. Bemerkenswert und wichtig ist sein Zugeständnis, dass die gei st igen Leiter des Resorinismus dessen Bankrott eingesehen haben und sich deswegen wieder dem reinen Sozialismus zu- wenden. Die Erwartung Schiavis und Lagardelles auf eine entschiedene Schwenkung des Reformismus nach links scheint unS vorderhand noch sehr optimistisch zu sein._ Die Verlegung deS„Avanti". Die seit langer Zeit geplante Verlegung deS»Avanti' nach Mailand ist nunmehr eine beschlossene Sache. DaS Blatt geht auS dem Besitz der Partei in den einer Aktiengesellschaft über, wo- bei sich der Parteivorstand aber auf alle Fälle die Mehrheit der Aktien sichert. Die übrigen Aktionäre sind die Genossenschaften und Gewerkschaften Mittel- und Oberitaliens. Die Aktiengesellschaft führt den Namen„Sooietä Eäitrics Socialista". In dem Statut ist fest- gesetzt, dass der Chefredakteur des„Avanti" vom Parteitag ernannt wird. Die Verlegung erfolgt vor allem auS finanziellen Rücksichten. Man hofft, dass das Zentralorgan, wenn es in einem Zentrum der italienischen Arbeiterbewegung erscheint, einen stärkeren Absatz finden werde. Viele Sektionen in Süd- und Mittelitalien haben gegen die Ueberführung Stellung genommen. Totenliste der Partei. Einen schweren Verlust haben die Partei- genossen des 17. sächsischen Reichstagswahlkreises und hat mit ihnen die ganze Partei erlitten: Mittwoch nachmittag setzte der im 71. Lebensjahre stehende Parteigenosse Musikdirektor Heinrich Stolle in M e e r a n e in einem Anfalle von Schwermut seinem Leben selber ein Ziel. Die Partei schuldet dem Verstorbenen viel, besonders für seine Tätigkeit unter dem Sozialistengesetz, wo er. ungleich den meisten anderen Künstlern, allen Gefahren trotzend, auf der Seite der Unterdrückten ausgehakten und tapfer mitgekämpfl hat. Durch seine Aufstellung als Reichstagskandidat erwies ihm seinerzeit die Partei ihr Vertrauen und ihre Anerkennung, tvelcher Ehrung sich in neuerer Zeit die Aufstellung als Kandidat für den Landtag anschloß. Die Partei wird das Andenken deS alten Kämpfers in Ehren halten._ Kommunalwahlerfolg. Bei der Stadtverordnetenwahl in Bibrich a. Rh. wurden am Donnerstag drei Sozialdemokraten mit zehn Stimmen Mehrheit gewählt._ Eine neue Arbeiterbildungsschule in Belgien. Man schreibt uns aus Brüssel: Mit der weiteren Gründung einer Arbeiterbildungsschule im industriereichen B o r i- nage, in Boussu-Centre. hat die belgische Arbeiterbildung wieder einen Fortschritt zu verzeichnen. Die Arbeiterschule ist mit Hilfe der einheimischen sozialistischen Jugendorganisationen und der»Centrale d'Education", der seit kurzem funktionierenden Bildungszentrale der Arbeiterpartei, zustande gekommen. Die Schule wurde am Sonntag eröffnet. Das Programm umfaßt 18 Leklionen: secks über all- genieine Geschichte des Klassenkampfes, sechs über Gewerkschafls- bewegung, drei über Gemeindesozialismus und drei über Geschichte der Arbeiterbewegung. Für die Kosten wird die Jugendorganisation der Region aufkommen, die Lehrkräfte wird die Bildungszentrale anstellen. polfeelllches» GerfcbtllcJica ufw. Halltfche Polizeimethoden. Die Mitgliederversammlung deS sozialdemokratischen Vereins in Halle wurde am Donnerstagabend wieder polizeilich überwacht und schliesslich aufgelöst. Genosse H e n n i g benutzte aber die Gelegenheit, in einer Erklärung gründ- liche Abrechnung mit der Polizei zu halten. Er wies darauf hin. daß die Polizei, obwohl der Oberpräsident ihre Ansicht, die Ver« sammlungen seien öffentlich, bestätigt habe, noch niemanden wegen Einberufung einer Versammlung belangt habe. Er fordere sie auf, gegen die Einberufer Strafmandate zu erlassen, damit gerichtliche Schritte unternommen werden könnten. Arbeitswillige Musterknaben. Welcher Art mitunter die nützlichen Elemente sind, die bei Streiks den Arbeitern in den Rücken fallen, davon lieferte eine Verhandlung vor der Strafkammer in Elb er- feld eine nette Probe. Angeklagt waren zivei Parteigenossen aus Solingen, denen zur Last gelegt ivar, dass sie die Arbeitswilligen G ö b e l und Strauß mit Totschlag bedroht hätten. Das Schöffen- gericht in Solingen hatte die beiden Genossen zu 8 bezw. 14 Tagen Gefängnis verurteilt, wogegen diese Berufung einlegten. In seinem Urteil hatte das Schöffengericht ganz besonderes Gewicht darauf ge« legt, dass der Arbeitswillige Göbel den Eindruck eine?»sehr gewissenhaften Mannes gemacht habe". Vor der Strafkammer in Elberfeld als Berufungsinstanz wurde festgestellt, dass dieser»sehr gewissenhafte Mann" nicht weniger als 13 mal vorbestraft ist, darunter mit 6 Jahren Zuchthaus wegen Sittlichkeitsverbrechens, begangen an seiner eigenen Tochter. Der andere Arbeitswillige ist vorbestraft wegen Diebstahl usw., war eine eine Zeit hindurch im Irrenhaus und wurde dann entmündigt. Bei solch zweifelhafter Qualität der Zeugen hielt es das Gericht doch für bedenklich, zwei ehrliche Arbeiter zu verurteilen und erkannte auf Freisprechung. Oöutzcligs Metallarbeiter-Verband Verwaltungistelle Berlin. Todes- Anxeiee* Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Ziseleur �rtdur Broege am 17. Mai an Wassersucht ge- starben ist. 117/S Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 20. Mai. nachmittags 6 Uhr, von der Leichen- balle des Gemeinde-FriedhoseS in Friedrichshagen aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, dass unser Kollege, der Tischler Hermann KnuÜi am 18. Mai gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2t. Mai, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Jerusalems- Kirchhofes in Nixdorf, Hermannstrasse, aus statt. 83/14 Die Ortsverwaltung. Todes- Aitweix«. Hiermit zur traurigen Nachricht, dass unser langjähnger Kollege H. Knuth plötzlich verstorben ist. vis KoUexen der Firma Hegelmann. Amntu. und ürtiinbiubrrri von Roberl Meyer,. nur Wiimmirn-Ktraßt 2. ZentralveM derDaebdeeker Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dass unser Kollege Andreas Albrecht am Dienstag, den 16. Mai, verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heule, Sonnabend, den 20. d. Mts., nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle de» HedwigS-Kirchhoscs in Neinickendors- West, Berliner Strasse 20, aus statt. Recht rege Beteiligung erwartet 54/7 Her Vorstanil. ZentralTerbandderDaehdeeker Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dass unser Kollege Karl kentfiin am 18. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhausc, Choriner St. 50, aus nach dem Zions-Kirchhos in Nordend statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 54/8 Der Borstand. Danksagung. Für die vielen Beweise ausrichttger Teilnahm« sowie die reichen Kranz. spenden bei der Beerdigung unseres lieben Onkels und Schwagers EEmil Tapper sagen wir allen Beteiligten nnseren herzlichsten Dank. Die trauernden Berwaudten Arbeitsnachweis: Hos l. Amt 3. 123?. Berwaltiingssielle Berlin. Hanptbnrea«: Charltestraee 3. Hos HI. Amt 3. 1987. Montag, den ÄÄ. Mai A&U: Bezirks- Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin in folgenden Lokalen: Horden I k'danis. SMe, Mullerstraste 142. abends 8'/, Uhr. Horden' Schwcdter Strasse 23. abends Horden' FcstslUc, Badstr. 19, abends 3'/, Uhr: �VoI>Ik»hrta Festettle, Reinickendorf-Weit. Eichborn- strasse 18, abends K Uhr. Wahl deS 1. BeztrkSleiterS. Danksagung. Für die liebevoll- Zlnteilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau Emmis Patonirael geb. Paul sage ich allen Freunden und Be- kannten sowie dem Spnrverein»Gut- ZinS" nicincn herzlichen Dank. Fritz Patommel nebst Tochter. 42932 JPrachtvoller JBlnmen- JB lor wird erzielt dar» Tünnen mit echte» lln. Landmann's Blumen-Dungera Anchmänuisa, Inunjährln erprobt. P-li»>0 und 25 Pf.-»Icchdose 25 und 5« PI. _ VatlfSiUt I Vi.- 2'/rSt(».t'0te 3 M. «t« l« Ortatnol.BertKidunji in dven ein- Wiläfliflen 9e((liäfitn tu Huden. I. Lnndminn, ttrlln-PinSaw. ParMtr. SA. Tegel: Moabit* 1>rac',tstt*e Kord-West, Wiclefstr. 24, abends Westen und Sehöneberg: Osten und Lichtenberg: s.',. fe6"61" Stralau u. Rummelsburg: fbÄ'/, CiirlonliaTipIra• GewerkHchurtHhans, Engel> Ufer 48, SUUVllUvchIrKv. Saal 4. abends 8>/, Uhr. WelßeilSee* I�e"kt':,'t!,,*lcstanrant' Berliner Allee 234, RlXdOrf: Hoppes Fcstsüle, Hermaunstr. 49, abends 8'/, Uhr. CharlOttenbUrg: Tolkshans, Ronucnstr. 3, abends 8'/, Uhr. Restaurant Wahrendort, Gr.Lichterfelde, Bäke» äicyillch. fernste 22, abends 81/, Uhr. Bortrag de? Kollegen Horn. Köpenick u. Friedriclisliajen: SÄ.'ÄÄ't abends 8'/, Uhr. Ober-Sehönewelde: Spandau: Bestaarant Bühle, Havelstr. 20, abend» 8'/, Uhr. Tagesordnung in allen Berfammlungen: Bericht von der Generalversammlung. Hitgllcdsbiich Icgitiuilcrt. 117/10 Zahlreichen Besuch erwartet Ble Ortsverwaltnng. Verband der Brauerei- und Mühlenarbeiter und verwandter Berufsgenossen. zbXT GeschästSstell«: C. 54, Mulackstr. 10 I. Fernsprecher: Amt 3. 4518 Tonntag, den 21. Mai, nachmittags 2 Uhr: Mitglied er- Vers am mlnng im GewrrkschaftShauS, Engeiuser 15(grosser saal). � TageS-Ordnuna: Vortrag deS Genossen Ucko:»Des BolkcS Entrechtung.� VerbaudSangelegenheiten. 42/15 Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet Die �rtsverwaliung. Voigts Xrsmpendurg. ueeim-i' t»>°n. Einpsehle de» geehrten Vereinen, Fabriken und Schulen bei Vcroir staliiingrn von Dainpsei Partien inei» iniiiitlc» von Kald, Wasser und Bergen gelegenes AusflugSetablifsrment.— Plakate und Prospclte gratis. Noll f Tterndampser> Berbiiidnng zwischen Grüna» 6""•----- und Rrampciiburg �=i Jaden Sonntagvormittag 10 Uhr ab Jannowi'z- und Oberbaumbrflcka Extradampfer. Fahrpreis 50 Pf. Hochachtungsvoll Robert Voigt. nur 20 Pf. €€€€€!««» Unserem Genossen I Wilhelm Sehorradt I w \l/ die nebst Braut herzlichsten Glückwünsche I vl> zur Bermählung. 0/ Die Genossen d.miSO.Bezirks 4. Kreis. Böhm. Branhans Landsberger Allee 11—13. Jeden Sonnabend Gr. Militär-Konzert. Garde-JUeer(Potsdam} Lbcrmusikmeister LBttich. Cbarlottcnburg. N 500 Jackell-Anzilge für Herren und Jtingllnge sind mir zum schleunigen, sehr dillixen Verkauf zu Daxpreiien übergeben und werden bis Pfingsten im Einzelnen vertäust. IVIe wiederkehrend. Eharlottenburg, Krummcstr. 92 Laden(?. Haus v. d. Berliner Strate), Rosenthal. äß* Vorjährige feinste r and elegante Anzüge jetzt 20—50 Mark. TUglicher Verkauf. Kavalier-Klub, Unter den Linden 61>>• (früher Berlin) 74/13" praktiziert als Badearzt Bad KudOWa(Schlesien) im Winter: Aseona- Locarno(Lage Maggiore) Eigene Scholle stall Pachiland. Parzelle v. 2ii00,— an, 300— An» Idthrig, Rixdorf. 31 cm erste. 17. Dresdener Str. 19, I zwischen Kottb. Tor u. Oranienplatz. Vornehme Herren- Moden nach Matt auf Wiig In vornehm. Geschmack, ged. Ausführung. RsShaar- Verarbeitung adellos. Sitz Fem. empfehle: Eleg. tortlse Herren- in d. neuest Stoff. u.Fasa. gegen wöchentl. Raten von S M. an, Zwecks Mafibcstellung wird a. Wunsch Vertreter ins Haus geschickt Verband der Staker Groß-Berlins. T'enstag, den 23. Mai 1911, abends«», Uhr: :: Mitglieder-Versahttmlttttg:: - im„ÜnxUschen tüartcn", Alexanderstr. 27c. TageS-Ordnung: i. Tie Bcdentnnu des Zusammenhanges der Branchen IN grossen Berbändcn. Rrsercnt: Gcilossc A. Kfirsten. 2. Diskussion. 3. Berbandsangelegenheiten. 291/12* Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. «Sleglei'.Zclitoir- itonkels Ablage Bahlistatio« Zeuthen. Sclitzcc: W. Heinrich. Zur bevorstehenden Sommersalson halte ich mich werten Vereinen, Fabriken, Schulen uiw. bei Zusicherung ausinerksamsler Bedienung britens emvsohlen.— Drei neue Säle und.uauc».— Schöne Spielpläne. Boote und Briuftigungen aller Art. 34902' Extradamprcr. Fahrpreis 50 Pf. yochnchtungSvoll Lerantwortlichcr Redakteur: Albert Vachs, Berlig, Für den Inseratenteil vergnttv.: Th. Glocke, Berlin. Druck u7Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanjtalt Paul Singer u.Co., Berlin SW. Kr. 117. 28. Iahrgauz. 2. Kkiligc des Jurmitls" Serlim WsdlÄ ZoMltbttld, 20. Mai 1911. £liis Induftrie und FtandeL Rückgang der Biehschlachtnngen, Steigerung der Preise. Die Statistil über die Schlachtungen im ersten Vierteljahr in Deutschland ergibt, dag die Zahl der Rinderschlachtungen gegenüber dem ersten Vierteljahr 1910 von 1 007 500 auf 882 600, also um rund 125 000 oder 12 Proz. zurückgegangen sind. Die Kälber- schlachtungen gingen von 1 316 000 auf 1 061 600, also um 251 400 Stück zurück. Es ist dies ein MinuS von annähernd 20 Proz. Auch bei den Schafen sind die Schlachtungen von 510700 auf 465 000 Stück zurückgegangen, mithin um 45 700 oder 9 Proz. Nur bei den Schweinen liegt eine Mehrschlachtung vor und zwar um 456 600 Stück. Diese Mehrschlachtung ist indes kaum hinreichend, um quantitativ die Wenigerschlachtung in den anderen Viehgattungen auszugleichen. Für die Bevölkerungszunahme ist absolut nicht? übrig geblieben. Die Gesanitfleischmenge stellte sich auf 597,85 Mil- lionen Kilogramni, gegenüber 596,1 und 575,1 Millionen Kilogramm in den beiden Vorjahren. Die Durchschnittspreise für die einzelnen Fleischgattungen betrugen im Einkauf im ersten Vierteljahr für Rindvieh Kälber Schafe Schweine 1911... 152,2 191,0 152,1 114,1 1910... 132,9 187,3 143.5 133,4 1909... 128,0 161,6 126,6 130,0 Wir sehen mithin bei'den Rindern, Kälbern und Schafen ein ständiges Anziehen der Preise, während bei den Schweinen ein kaum die Steigerung der Rindcrpreise ausgleichender Rückgang ein- getreten ist. Der Mehrwert der geschlachteten Tiere belief sich im ersten Vierteljahr auf 732,5 Millionen Mark gegenüber 820 und 756 Millionen Marl in den beiden Vorjahren. Die Rentabilität der Straßenbahnen. Bis zum Jahre 1907 blieb die durchschnittliche Dividende des in Straßenbahnen werbenden Aktienkapitals noch unter 7 Proz., im letzten Jahre hat sie 8 Proz. nahezu erreicht. Bei 31 Straßenbahnen, die ihre Dividendenergebnisie in den ersten vier Monaten dieses Jahres so veröffentlicht haben, daß sie sich mit denen der Vorjahre vergleichen ließen, stellte sich da« Aktienkapital insgesamt aus 234,11 Millionen Mark. Es hatte im Jahre 1909 230,56 und im Jahre 1903 227,63 Millionen Mark betragen. Auf das letztjährige Aktienkapital kamen im ganzen 18,60 Millionen Mark als D i V i d e n d e zur Verteilung, was einer durchschnittlichen Verzinsung des Nominal kapitals von 7,95 Pr»z. entspricht. Die Dividendensumme für das Jahr 1909 hatte sich auf 17,75 Millionen Mark oder 7.70 Proz. ge stellt, und im Jahre 1908 waren 17,45 Millionen Mark oder auf daS damalige Aktienkapital 7,66 Proz. verteilt worden. Bringt man die Verluste von den Gewinnen in Abzug, so bleibt für 84 Straßenbahnen im Jahre 1910 bei einem gesamten Aktienkapital von 238,40 Millionen Mark ein Ueberschuß von 21706 706 M., während er im Jahre 1909 bei dem Aktienkapital von 234,85 Millionen Mark nur 20 160 254 M. betragen hatte. Der Reingewinn ist demnach von 1909 auf 1910 um 1,55 Millionen Mark gestiegen. Auch die Abschreibungen sind gewachsen: sie find bei 33 Gesellschaften mit einem von 234,73 auf 238,28 Millionen Mark erhöhten Sktienkapital von 13,73 auf 15,23 Millionen Mark heraufgegangen._ Di« LerkehrSeiunahwe» auf de» deutschen Eisenbahnen betrugen im April 1911 aus dem Personenverkehr 71 208 499 M. sgegen das "Vorjahr-j- 12 SSI 116 M.), und auS dem Güterverkehr 143 633 575 Mark s-j. 3011506 M.). Eine neu« Montanfuflon. Wie gemeldet wird, haben die Rhei- nischen Stahlwerke mit der Jlsenburger Hütte in Jlsenburg im Harz «ine Interessengemeinschaft geschlossen. Das Werk fabriziert Stab» eisen und Gruvenschienen; sie gehört dem Fürstlich Stolbergischen Hüttenamt._ TrustbckämpsungSrummel. Der Trust ist verurteilt, eS lebe der Trust! So Hingt es jetzt von Amerika aus durch die ganze Welt, soweit sie Profiiinteressen hat. Der Oiltrust ist mit seinen 150 amerikanischen und europäischen Untergesellschasten. die 1320 Millionen Mark Aktien» kapital vertreten und ebenso viele Reserven bilden, nicht nur für den Petroleummartt, sondern auch für den Geldmarkt eine der gefährlichsten Mächte. Die amerikanischen Demokraten mit ihrem Taft an der Spitze sind mit der Entscheidung ganz zufrieden, kann doch damit den Wählern.nochgewiesen' werden, daß man .ernstlich gewillt ist' usw. In Wirklichkeit konnten sich die großen Finanzmagnaten einen besieren Rummel als der. den jetzt diese Trustverurteilung ermöglichte, gar nicht wünschen. Jetzt will man gegen den Z u ck e r t r u st vorgehen. Er beherrscht die Preise für Rohzucker und Raffinade. Die wenigen sogenannten unabhängigen Raffinerien stehen mit ihm in geheimer Verbindung. Dann soll die American W o o l e n Company an die Reihe kommen. Sie .macht' diePreise für Rohwolle und wirkt damitnatürlich auch bis auf den Markt der Wollerzeugnisse. Ein anderer Trust, der hingerichtet werden soll, ist die United S ho e Machine Company. Sie besitzt alle Patente auf SchuhherstellungLniaschinen und nutzr diese Macht amerikanisch gründlich aus. Die Vereinigung der Tennessee Coal and Iran Company mit der United StateS Steel Corps» ratio« soll ebenfalls genau untersucht werden. Diese Bereinigung erfolgte, nachdem der Trustsresier Roosevelt dem Kapitalheros Morgan und semen Leuten versprochen hatte, sie deswegen nicht auf Grund de? SherinangesetzeS anzuklagen. Auch eine sehr kitzlige Sache, die sich politisch bei den kommenden Wahlen ausbeuten lassen wird. Die demokratische Regierung will auch untersuchen, woher die Steigerung der K a f f e e p r e> s e kommt und weshalb der ameri» kanische Staat alle Kriegs» und Marinelieferungen so teuer bezahlen muß. Das ist ja eine Wonne für die Konsumenten. ES wird natürlich genau so bleiben, wie e« bisher war. Die Völker werden immer den Mächligen des Geldes Tribute zahle» müssen, bis sie sich von ihnen befreit haben. Jetzt kommt eS für die Tiustbckäiiipfer nur darauf an. Wahlen zu machen die Wähler gründlich über den Löffel zu barbieren.' Soziales. Die Schulbnerlisten(schwarze Listen) der Orts-Krankenkassen kein Verstoß gegen die guten Sitten. Wie sehr viele Krankenkassen in allen möglichen deutschen Städten, gibt auch die Vereinigte OrtS-Krankenkasse der Hand- werker zu Köln alljährlich eine Liste(gedruckt) heraus, die ein Verzeichnis der rückständigen Beiträge mit Angabe der Schuldner (Arbeitgeber) enthält. Hinter den Namen und Beträge steht meist „unvsändbar"; in den andern Fällen:„Unbekannt verzogen' usw. Diese gedruckte Liste wurde den Jahresberichten beigelegt, welche in Zahl von etwa 400 hergestellt wurden. Davon kamen etwa 250 an die Delegierten zur Generalversammlung, 80 an die Aerzte und etwa 80 an andere OrtS-Krankcnkassen. Der Oberbürgermeister von Köln als Aufsichtsbehörde unter- sagte dem Kasscnvorstand. noch ferner derartige gedruckte Listen der ii. Rückstand befindlichen Arbeitgeber herstellen- und verbreiten zu lassen. Für den Fall der Zuwiderhandlung wurden Ordnungs- pNfrs von 20 Mark angedroht. Auch wollte der Oberbürgermeister die Vorstandsmitglieder für jeden Schaden hastbar machen, den die Kasse erleide.— Dulden wollte der Oberbürgermeister nur die handschriftliche Anfertigung einer Anzahl Listen für Auskunftz- zwecke.— Der Oberbürgermeister ging davon aus, daß die Her- stellung einer größeren Anzahl schwarzer Listen im Druck und ihre weitere Berbroitung durch Beilegung zum gedruckten Jahres- bericht einen Verstoß gegen die guten Sitten darstelle. Der Bezirksausschuß wies die vom Kassenvorstand gegen den Oberbürgermeister erhobene Klage ab, indem«er sich auf den Standpunkt des Bürgermeisters stellte, namentlich aus>der Er- wägung heraus, daß mancher der Arbeitgeber nur vorübergehend in Zahlungsschwierigkeiten geraten sein könnte und ihnen durch die schwarze Listen der Kredit ganz entzogen werden könne. Der Kassenvorstand legte Revision beim Ober-BerwaltungSgericht ein. Ihr Vertreter, Rendant Küppen, machte vor dem dritten Senat am 13. Mai geltend, daß die Ausgabe dieser Schuldnerlisten in dem geübten Umfange im Bermögensinteresse der Kassen durchaus not- wendig sei. Hunderttausende gingen den Kassen verloren durch zahlungs- und pfändungsunfähige Arbeitgeber. Uebrigens kehrten meist Jahr für Jahr dieselben Namen wieder. Die Wirkung der Liste zeigte sich 1906 und 1907 besonders. Unter der Zwangsver- Wallung des Oberbürgermeisters im Jahre 1906 schnellte der Ver- lust auf 20 000 Mar! hinauf, weil es damals keine Schuldnerliste gab. Im nächsten Jahr senkte der Vorstand mittels der Liste den Verlust auf 14 000 Mark. Im übrigen sei der Kassenvorstand der Generalversammlung zu genauer Abrechnung verpflichtet. Auch hätten die Mitglieder und die zahlungsfähigen Arbeitgeber das größte Interesse daran, zu sehen, wo die Verluste herkämen, um dann aufzupassen, daß die Kasse zu ihrem Gelde komme, sowie sich irgend die Möglichkeit biete. Das Ober-Berwaltungsgericht hob am 13. Mai die Vorrat- scheidung auf und setzte mit folgender Begründung die Verfügung deS Oberbürgermeisters außer Kraft: Zu den gesetzlichen Vor- schriften, über deren Befolgung die Aufsichtsbehörde zu wachen habe, gehörten alle Gesetze, die für die Krankenkassen in ihrem Verhalten maßgebend seien. Es frage sich deshalb hier, ob eine Verletzung der guten Sitten vorliege. Da käme zunächst§ 138 des Bürgerlichen Gesetzbuchs in Betracht, wonach Ziechtsgeschnfte nicht gegen die guten Sitten verstoßen dürfen. Der Paragraph scheide aber aus, denn hier handele es sich überhaupt nicht um ein„Rechtsgeschäft". Es bleibe§ 826 des BGB., wonach zum Ersätze des Schadens ver- pflichtet sei, wer in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weise einem andern vorsätzlich Schaden zufüge. Das Reichsgericht habe aber immer daran festgehalten, daß für die Anwendung dieser Bestimmung nur maßgebend sein könne eine illoyale Handlung, eine Handlung, wo das Bewußtsein vorliege, daß dem durch die Aktion Betroffenen Schaden zugefügt werde. Davon könne hier keine Rede sein, denn bei der ganzen Aktion sei zweifellos nur die Absicht der Kasse gewesen, sich vor Schaden zu bewahren, nicht aber, den genannten Personen Schaden zuzufügen. Der§ 826 des BGB. könne also hier auch nicht angewendet werden. Auch sonst lägen keine Bestimmungen vor, wonach die Aktion der Kasse, die sich in unanfechtbarer Form bewegte, verboten werden könne. Deshalb müsse unter Aufhebung der Vorentscheidung die Verfügung des Oberbürgermeisters außer Kraft gesetzt werden. Rechtsunwirksame VcrbandsvertragSformulare. Vor der fünften Kammer deS Berliner KaufmannsgerichtS erhob die Verkäuferin F. Klage gegen den Kaufmann S., weil ihr dieser Gehalt für die KrankhciiSzcit verweigerte. Der Beklagte berief sich auf das von seinem Verbände herausgegebene Vertrags- formular, das auch von der Klägerin unterschrieben wurde, und in welchem es unter anderem heißt: a) Krankheit. Erkrankt der Angestellte, so hat er dies sofort anzuzeigen, auch muß er sich vom Vertrauensarzt der Firma unter- suchen lassen. Zuwiderhandlungen ziehen die sofortige Entlassung nach sich. b) Versäumnis. Versäumnisse in der Tätigkeit, gleichviel welcher Art, werden in Abzug gebracht. Der Beklagte steht auf dem Standpunkt, daß mit diesem Ver- tragstext der 8 63 des Handelsgesetzbuches(Gchaltsausschluß im Krankheitsfälle) ausgeschlossen sei, was er für zulässig halte. Das Kaurmannsgcricht verurteilte den Beklagten zur Zahlung des beanspruchten Gehalts. Die Frage, ob Z 63 des HGB. vertraglich ausgeschlossen werden dürfe oder nicht, war hier gar nicht zu prüfen. Die in Betracht kommenden Vertragsbestimmungen sind von dem Rechtskundigen des Verbandes, offenbar absichtlich, so gefaßt, daß der rechtsunkundige Angestellte sich im unklaren darüber sein muhte, was eigentlich gemeint war. Wenn auch Krankheit unter die Bestimmung über Versäumnis fallen sollte, so sei nicht einzusehen, warum der Gehilfe, wenn er doch kein Gehalt für die Zeit der Erkrankung erhalte, sich noch von einem Ver- trauensarzt der Firma untersuchen lassen sollte. Vertragsverletzung durch den Arbeitgeber. Zwei Arbeiter klagten beim Gewcrbegericht in Berlin gegen die irma Bernhard. Sie waren für Tiesbauarbeiten nach der unteren heingcgend als Verdichter bei Rohrlegerarbeiten engagiert worden. Di« Reisekosten sollten ihnen zur Hälfte von der Beklagten erstattet werden. Nach etwa einer Woche haben sie jedoch die Arbeit wieder eingestellt und sind zurückgereist, weil sie nickt als Verdichter, sondern mit Erdarbeiten beschäftigt worden sind. Sie verlangten nunmehr Zahlung einer Lohndifferenz mit je 3.05 M. und Erstattung der gesamten Reisekosten mit je 43 M. Die Beweisaufnahme ergab, daß die Kläger als Verdichter mit zunächst 45 Pf. Stundenlohn, später 50 Pf., engagiert worden sind. Sie mußten jedoch Erd- arbeiten ausführen. DaS Gericht vertrat die Ansicht, daß die Kläger mit Recht verlangen konnten, als Verdichter beschäftigt zu werden. Die Firma sei daher auch zur Erstattung der anderen Hälfte der Reisekosten als Schadensersatz verpflichtet. Die Firma wurde verurteilt, an jeden der Kläger 43 M. zu zahlen und die einem Kläger überdies erwachsenen Auslagen von 16,40 M. Der Anspruch auf Zahlung einer Lohndiffcrenz wurde nicht anerkannt. Hus der f rauenbewegung. Vorwärts! Wer aus dem gewaltigen Ringen der organisierten Arbeiter- schaft mit dem Kapital den Schluß zieht, daß eS sich dabei nur um ein Messen der beiderseitigen Kräfte handle, dem nach längerer oder kürzerer Tauer eine Zeit deS..Sichverstehens' folgen müsse, bleibt ein Illusionist. Klassenkämpfe werden da auSgefochten, die aus den bestehenden Klassengegensätzen resultieren, die in dem Vor- handensein der Besitzenden und der Besitzlosen wurzeln. Es hängt hierbei nicht von dem Wohlwollen und der Einsicht einzelner verständiger Arbeitgeber ab. auch nicht von der„Vernunft" der Arbeiter, die UnVersöhnlichkeit entspringt der wirtschaftlichen Entwickelung. Der Kapitalismus hat das Kleinhandwerk zurückgedrängt, auch den Lebensnerv des Kleinbauerntums schon zu einem großen Teil zerstört. Tausende und Abertausende selbständiger Existenzen sanken ins Lohnprole- tariat hinab oder fristen als Angestellte ihr Dasein. Der noch vorhandene Mittelstand kämpft verzweifelt um sein Fortbestehen und Wird doch allmählich wie zwischen zwei Mühlstewen m Kflfiis talismus und Proletariat zerrieben. Wir stehen in einer Zeit gewaltiger wirtschaftlicher, sozialer und geistiger Umwälzungen. In den Schichten der Enterbten und Arbeitenden gärt und brodelt es. Den Arbeitenden sind die Augen aufgegangen, nachdem sie vom Baume der Erkenntnis gekostet, und sie wollen sich nun nicht länger mehr mit den Brosamen begnügen, die ihnen großmütig von der reichbesetzten Tafel der Herren Besitzenden zugeschoben werden. Nicht allein Männer schlössen die kampfesfreudigen Reihen. nein, mächtig gärte es unter den Scharen des Jahrtausende lang zurückgedrängten unterdrückten weiblichen Geschlechts. In Scharen folg» tcn die Frauen dem Rufe ihrer männlichen Leidensgenossen. Waren sie es doch, die unter dem Druck der kapitalistischen Wirtschaftsordnung doppelt und dreifach zu leiden hatten. Zwar waren ihnen im Lande der Dichter und Denker politisch die Hände gebunden, indem ihnc» die politischen Organisationen verschlossen waren, von Gesetzes- wegen, aber der Geist, der stärker ist als Paragraphen, überwand alle Schwierigkeiten und als die politische Fessel unter dem Zwange der Verhältnisse fiel, stand vor der erstaunten bürgerlichen Welt ein geschlossenes, geschultes und schlagfertiges Heer von tapferen, intelligenten Proletarierinnen. Wie notwendig und nützlich die Ausklärung und Erziehung der arbeitenden Frau ist, hatten die Gewerkschaften schon frühzeitig erkannt und hier kräftig die Hebel der Agitation angesetzt. Und heute gibt es Berufsgruppen, wo die Zahl der weiblichen Arbeiter die der männlichen erreicht oder auch weit übersteigt und manche Gewerkschaften wären heute bei Lohn- bewegungen völlig lahmgelegt, könnten sie sich nicht auf ihre diszi- plinierten und organisierten Mitkämpferinnen verlassen. Aber nicht allein das: überall hat ein frischfröhlicher Wirbelwind alte, ver- staubte Traditionen hinweggefegt und der sozialen Befähigung der Frau sind Gebiete erschlossen, die noch vor kurzer Zeit ausschlicß- lich dem starken Geschlecht reserviert waren. Im Schul-, Gerichts- und Gefängniswesen, in der Armen- und Waiscnpflege, im Mutter» und Kinderschutz, allerwege fühlen wir das Wirken der sozial cmp.» findenden und arbeitenden Frau. Mag in den bürgerlichen Reihen der Kampf der Frau gegen den Mann weitertoben, im klaycnbewußten Proletariat kämpft die Frau als Kameradin und Genossin vollberechtigt Schulter an Schul» ter mit dem Manne gemeinsam für das große Ziel der Mensch- heitsbefreiung! Nicht hie Mann— hie Frau! Nein, hie Kapital — hie Arbeit! Das ist das Losungswort des ringenden Prole« tariats. Aus dieser Erkenntnis heraus wächst die Zahl der Streiter, wächst aber vor allem die Zahl der Streiterinnen von Tag zu Tag. Es geht ein großer Zug durch das Land, ein Hauch von Befreiung und Erlösung! Ein Raunen und Klingen von Glück und Frieden! Wir, die wir den Menschheitskamps mitkämpfen, wir sind die Zeu- gen einer gigantischen Verwandlung, einer kulturgewaltigen Zeit- epoche. Wir sind die Kraft, die eine neue, vernünftige Gesellschasts- ordnung errichtet. Vorwärts!_ Assistentinnen in der Gcwerbeinspektion. Den Geiverbe» inspektionsassistentinnen Schlösser in M.-Gladbach, Reichert in Berlin C., Kümmert in Berlin SO. und Conradt in Berlin N. ist eine etatsmätzige Gewerbeinspcktionsasfistentinnenstelle bei den bezeichneten.Gewcrbeinspektioncn verliehen worden. Lescabeude. Lichtenberg. Montag, den 22. Mai, 3Vz Uhr, bei Schulz. Kronprinzen» straße 47, und bei Münich, Neu-Lichtenberg, Friedrich» Ecke Jrenenftraße. Genebtö- Zeitung. Die Revision des Rektors Bock verworfen. Das Reichsgericht hatte sich gestern vormittag mit der Revision des Rektors Bock zu beschäftigen. Nach der Verlesung des Tat- bestandes wurde der Einwand der Unzurechnungsfähigkeit durch die Gutachten der Sachverständigen zurückgewiesen. Bei der Beur- tcilung einiger Zeugenaussagen kam der Reichsanwalt auf das Verhältnis des Rektors mit der Schülerin Todt zu sprechen. Er führte aus, daß es darauf ankomme, daß der Lehrer seine Auto- rität dazu benutzt habe, das SittlichkeitSgcfühl der Schülerin zu verletzen. Dagegen spreche durchauA nicht der Einwand, daß die Schülerin Todt keine eigentliche Schülerin der Anstalt, sondern nur eine Hospitantin gewesen sei. Daß Rektor Bock nicht als Lehrer fungiert habe, sei ein neuer Einwand der Verteidigung, der aber als nicht wesentlich in Betracht komme. Am Schluß seiner Rede beantragte der Reichsanwalt Verwerfung der Berufung» Das Reichsgericht beschloß dem Antrage gemäß. Die revolutionöre rote Farbe. Am 25. September 1910 fand in Gelsenkirchen ein GeWerk- schaftsfcst mit polizeilich genehmigtem össcntlichen Festzug statt. An die Genehmigung hatte der Polizeipräsident die Bedingung gc- knüpft, daß„rote Fahnen oder sonstige revolutionäre Abzeichen" nicht getragen werden dürften. In dem Zuge befand sich nun auch der Gesangverein„Gemischter Chor Sangeslust". Dieser führte seine Fahne mit der Lyra mit. Wie bei früheren Aufzügen hatten der Fahnenträger dieses Vereins und die beiden zu seinen Seiten gehenden weißgekleideten jungen Mädchen 20 Zentimeter breite rote Schärpen um. Der überwachende Kommissar nahm ihnen die Schärpen ab, da er sie im Gegensatz zu dem Verein für rcvolutio» näre Abzeichen hielt. Arbeitersekretär Mais beschwerte sich vergeblich beim Polizei» Präsidenten und beim Regierungspräsidenten. Der Regierungs» Präsident führte aus: Ermittelungen hätten ergeben, daß eine ganze Anzahl Personen rote Schlipse und rote Blumen getragen hätten. Es sei kein Zweifel, daß das demonstrativ habe wirken sollen. In einem solchen Aufzuge hätten die roten Schärpen im Verein mit den roten Abzeichen(Schlipse und Blumen) auffallen und bei dem anders gesinnten Teile der Bevölkerung Aergernis erregen müssen. Schon weniger rote Farbe im Vorjahre habe Unwillen erregt. Der Oberpräsident von Westfalen wies die weitere Beschwerde ebenfalls ab. Mais klagte nun beim Oberverwaltungsgericht und machte unter anderem geltend, daß der Verein die roten Schärpen gar nicht als revolutionäre Abzeichen angeschafft habe. Sie sollten, was früher öfter unbeanstandet geschehen sei, lediglich zieren. Im übri- gen gebe es aber keinerlei gesetzliche Verbote, rote Schärpen zu tragen. Eine Gegenerklärung reichte der Oberpräsident nicht ein. DaS Obcrverwaltungsgericht kam nach kehr langer Beratung noch zu keinem Urteil. Es„setzte die Entscheidung aus", das heißr, eS wird die Sache ein andermal weiter beraten und nach Urteils- fällung das Urteil lediglich durch schriftliche Zustellung an die Par» teien verkünden. Das Ansetzen von Publikationsterminen kennt das Oberverwal» tungSger.cht nicht, obwohl sich das leicht einführen ließe. Dieses „Aussetzen der Entscheidungen, durch das sie den Pressevertreteril gänzlich verloren gehen ist ein Zopf, mit dem ein Ende gemacht angeregt"� Genosse Liebknecht hat dies bereits im Landtage Ein krepiertes Ferkel als Nahrungsmittel für die Knechte. Landgericht I in München hat am 17. März den Bauer Jakob Lechncr wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesctz zu -'n°m-t-onat Gefängnis verurteilt. Im Oktober war ihm ein zehn Wochen alteS Aex.kej vkrzni�t, Er bischte degi Kadaver noch einen großen Stich am Halse k>e«, so daß es auKsah, als ob das Tier geschlachtet sei. Erst am nächsten Tage wurde der Kadaver»us- genommen. In den nächsten Tagen ließ der Angeklagte zweimal das sehr stinkende Fleisch mit anderem Fleisch zusammen zubereiten und seinen Knechten vorsetzen. Diese ekelten sich aber vor dem das ganze Haus durchziehenden Gestank und verweigerten den Genuß des Fleisches. Durch das Zubereiten und das Vorsetzen des Fleisches hat der Angeklagte vorsätzlich ein, wie er wußte, gesund- heitsschädliches Nahrungsmittel in Verkehr gebracht.— Seine Revision mit der Begründung, es könne höchstens Versuch ange- nommen werden, wurde gestern vom Reichsgericht verworfen. Ein unter eigenartigen Umständen erfolgter Unglücksfall, welcher den Tod eines jungen Mädchens zur Folge hatte, be- schäftigte gestern unter Vorsitz des Landgerichtsdlrektors Zimmer- mann die 2. Strafkammer des Landgerichts II. Wegen fahr- lässiger Tötung war der Werkmeister Otto Hasche an- geklagt.— Der Angeklagte war in der Luxuspapierfabrik von Prager u. Lodja in der Hagelberger Straße als Werkmeister an- gestellt. Am 21. März v. I. gab er der Arbeiterin Hedwig Brandt den Auftrag, ein mit 25 Litern Chankalilösung gefülltes Gefäß in ein anderes Stockwerk zu tragen. Die B. glitt auf der Treppe aus, stürzte zu Boden und fiel direkt in die ausgeschüttete Cyankalt- lösung. Sie wurde bewußtlos aufgefunden und sofort nach dem Krankenhause am Urban geschafft, wo sie jedoch eine Viertelstunde nach der Einlieferung an einer Cyankalivergiftung verstarb.— Gegen den Angeklagten wurde von der Staatsanwaltschaft An- klage wegen fahrlässiger Tötung erhoben, weil er einmal geduldet hatte, daß eine so gefährliche Flüssigkeit in einem offenen Gefäß transportiert wurde, und dann auch, weil er die Verstorbene nicht auf die Gefährlichkeit der Flüssigkeit besonders aufmerksam gemacht hatte.— Das Gericht schloß sich dem Gutachten der Sachverständigen an und nahm eine grobe Fahrlässigkeit als erwiesen an. Dem Antrage des Staatsanwalts gemäß wurde der Angeklagte zu einer Woche Gefängnis verurteilt._ Ein nächtlicher Krawall beschäftigte gestern unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Lieber die 3. Strafkammer des Landgerichts I. Wegen Aufruhrs gemäß § 116,1 des Strafgesetzbuchs und ferner wegen Beleidigung und Widerstandes gegen die Staatsgewalt waren angeklagt: Der Kutscher Eugen Schmerling, der Kutscher Walter Schmerling, der . Arbeiter Paul Scholz und der Revolverdreher Max Gorgol.-» Am 2. Juli v. I. erschienen die beiden Angeklagten Schmerling in dem Lokal des Restaurateurs Quappe in der Huttenstraße. Da sie sich hier unanständig benahmen, wurden sie von dem Wirt hinausgewiesen. Sie entfernten sich auch mit der Drohung, bei passender Gelegenheit wiederzukommen und sich zu rächen. Am 12. August machten die beiden dann diese Drohung wahr und er- schienen mit mehreren anderen jungen Bur,chen in dem Quappe- scheu Lokal. Als sie wieder hinausgewiesen wurden, verübten sie einen Mordsskandal und griffen schließlich auch den Wirt tätlich an. Erst als die übrigen Gäste für den Wirt Partei nahmen, zogen sie es vor, das Lokal zu verlassen. Quappe holte zwei Schutz- leute, um die Namen der beiden Schmerling feststellen zu lassen, die ihn tätlich angegriffen hatten. Als die Schutzleute Ertel und Zwarg eine in der Nähe gelegene Schankwirtschaft betraten, welche die Schmerlings aufgesucht hatten, kam es schon hier zu einer recht erregten Szene. Nach der Feststellung der Personalien verließen die Schutzleute, gefolgt von den Gästen und einer größeren Menschenmenge, die sich inzwischen angesammelt hatte, das Lokal. Auf der Straße wurden sie mit Johlen und Pfeifen empfangen. Die beiden Schutzleute flüchteten in einen Hausflur, wo sie sich mit ihren Browningpistolen verteidigten. Erst durch das Hinzu- kommen der berittenen Schutzleute Schulz und Schenk wurden die beiden aus ihrer gefährlichen Situation befreit. Als Haupt- krakeeler wurden die vier jetzigen Angeklagten seinerzeit fest- genommen. Sie bestritten vor Gericht, sich überhaupt strafbar g£- macht zu haben.— Staatsanwalt Dr. Ludwig hielt die Angeklagten nicht nur durch das Zeugnis der Schutzleute, sondern auch durch die Aussagen völlig unbeteiligter Personen für überführt und be- antragte mit Rücksicht auf die Schwere der Ausschreitungen gegen Eugen Schmerling und Gorgol je S Monate, gegen Walter Schmer- ling 8 Monate und gegen Scholz 1 Jahr Gefängnis. Da? Gericht erkannte gegen Eugen Schmerling auf 111 Monate, gegen Walter Schmerling auf 9 Monate, gegen Scholz auf 1 Jahr und gegen Gorgol auf S Monate Gefängnis. Sdn ReichSberbandswitzen und' Redensarten an den ManN zu bringen. Natürlich war es dem Referenten ein leichtes, dem Herrn die gebührende Antwort zu geben. Beifall und Zustimmung erntete der Referent, als er dem Herrn den Rat gab, seine Witze und Redensarten in Hinterpommern anzubringen, aber Berliner Ar- bester damit zu verschonen. Mit der Aufforderung, der Sozial- demokratie beizutreten, den„Vorwärts" zu abonnieren und mit einem brausenden Hoch auf die internationale Sozialdemokratie schloß Genosse Schwemke die Versammlung, welche Zeugnis da für ablegte, daß in bezug auf die kommenden Wahlen die Stim mung der Genossen und der Bevölkerung des Westens die denkbar beste ist. Verband der Maler, Lackierer usw. In der am Donnerstag abgehaltenen Generalversammlung der Filiale Berlin erstatteten die Delegierten ihren Bericht vom Verbandstage. ES folgte eine längere Diskussion, in der verschiedene Redner teils zustimmende, teils kritische Bemerkungen zu den Beschlüssen des VerbandstageS machten. Schließlich wurde eine Resolution angenommen, welche sagt:„Die Generalversammlung erklärt sich mit den vom Verbands- tage gefaßten Beschlüssen einverstanden. Die Kollegen verpflichten sich, für die Durchführung derselben einzutreten." Hierauf wurde der Versammlung die Kassenabrechnung vom ersten Quartal borgelegt. Sie zeigt eine Einnahme von 126 396,33 Mark, eine Ausgabe von 23 564,55 M. und einen Bestand von 102 831,78 M. Für Unterstützungen wurden 12 462 M. ausgegeben. Die Versammlung nahm die Abrechnung ohne Debatte entgegen Eue aller Melt. Versammlungen. Zweiter Wahlkreis. Am»DienStag fand in NißleS Festsälen, Dennewitzstratze 13, eine von den Genossen deS Westens einbe- rufene öffentliche, überfüllte Volksversammlung statt, in welcher Genosse Landtagsabgeordneter Adolf Hoffmann über das zeitgemäße Thema:„Junker, Pfaffen und der Tag der Abrechnung" referierte. Minutenlanger Beifall zeigte, daß Genosse Hoff- mann der auch von Gegnern besuchten Versammlung auS dem Herzen gesprochen hatte. In der Diskussion meldete sich Herr„Par- lamentsreoakteur" Paguin zum Wort und suchte eine Anzahl Unwetter und Ueberschwemmungen. Die anhaltenden schweren Regengüsse der letzten Tage haben in Bayern erneute Hochwassergefahr mit sich ge- bracht. Die Isar und L o i s a ch steigen rapid, so daß bedeutendes Hochwasser zu befürchten ist. Nach einer Meldung aus Tölz steigt die Isar stündlich 10 Zentimeter. Bei O h l st a d t wurde durch das Hochwasser der Eisenbahndamm überflutet, so daß der gesamte Bahnverkehr Murnau— Garmisch— Partenkirchen eingestellt werden mußte. Ferner wird auS Landsberg und Augsburg ein bedeutendes Anschwellen des L e ch gemeldet. Das königliche wassertechnische Bureau veröffentlicht eine Hochwasser- Warnung. In Südböhmen, das schon während der letzten Tage wiederholt von schweren Unwettern heimgesucht wurde, haben sich am Donnerstag fast den ganzen Nachmittag, bis spät in die Nacht hinein, außergewöhnlich heftige Gewitter, verbunden mit furcht- barem Hagelschlag, entladen. Bei einem über P i e s e k niedergegangenen Unwetter wollte der Leutnant Machatschek und der Fähnrich Dranka mit einem Boot die hochan- geschwollene Wottawa übersetzen. In der Mitte des Flusses kippte das Boot um und der Leutnant ertrank. Dem Fähnrich gelang eS, sich an dem umgekippten Boot festzuhalten und später hineinzusteigen, so daß er gerettet werden konnte. Ein Gewitter, verbunden mit Sturmwind und Platzregen, hat in vielen Ortschaften im russischen Gouvernement Kiew und an den Saaten großen Schaden angerichtet. In einigen Dörfern ist infolge Blitzschlags Feuer ausgebrochen. Bisher wurden vier Menschenopfer gemeldet. Feudale Falschspieler. Der römischen Polizei ist eS gelungen, eine vorzüglich organisierte Bande von Falschspielern zu entlarven, welcher be- kannte Lebemänner der römischen Gesellschaft und, wie verlautet, auch zwei Abgeordnete angehören. Die Bande hat in den letzten Tägen einem Mitglieds der hohen italieni- schen Aristokratie, einem Herzoge, den Betrag von 40000 Lire und den auch zum ConcurS Hippique nach Rom gekommenen zahlreichen fremden Offizieren bedeutende Geldbeträge abgenommen. Die Entlarvung der Falschspieler erfolgte durch einen Großindustriellen und einen Polizeikommissar, der sich gegen Entrichtung des fest- gesetzten Monatsbeitrages von 400 Lire die Mitgliedschaft in dem Klub erworben hatte. Man spricht von sensationellen Enthüllungen. Erhöhung der Schlngfertigkeit des deutschen HeereS. Dem Grenadierregiment Nr. 4 in R a st e n b u r g ist auf Grund einer Kabinettsorder die Ehre zuteil geworden, statt deS gewöhnlichen Provinzial-HelmadlerS den Gardeadler ohne Stern am Helm tragen zu dürfen. Außerdem haben die einfachen roten Rock- kragen der Offiziere g o l d e n e S t i ck e r e i, die der Mannschaften weiße Litzen erhalten. Und das alles, weil das Regiment am 1. Mai 285 Jahre alt war. Diese für die Kriegstüchtigkeit hochwichtige Uniformbereichernngen in Verbindung mit der Tatsache, daß das Regiment auch noch ein Helmband mit der Jahreszahl 1626 trägt, werde» Grenadiere und Offiziere für jeden Feind unüberwindlich machen. Verhaftung eines ZentrvmSredakteurS. Offenburg sBaden). Am Freitag wurde, wie man uns von dort meldet, der Redakteur des dortigen ZentrumSblatteS. P r e u ß, in Untersuchungshaft genommen unter der Anschuldigung, ein Sitt« lichleitSdelikt im Gerichtssaale begangen zu haben. Er ist verheiratet. In letzter Zeit hatte er sich vor Gericht in einem Preßprozeß zu der- antworten, well er gegen Sozialdemokraten moralisierende Artikel aufnahm. Die streikende Feuerwehr. Während eines Gewitters, das über dem HunSrück niederging, zündete ein Blitzstrahl an einem Anwesen der Ortschaft E l l e r n. Bei der Löschung des Brandes kam es zu schweren Ausschreitungen der Löschmannschaften. Die Mehrzahl der Pflichtfeuerwehr leistete der Aufforderung des Bürgermeisters von Rheinböllen, zu dessen Polizei- Verwaltungsbezirk der Ort gehört, keine Folge, sondern entfernte sich von der Brand st ätte. Danach wurden die Hydranten der Wasserleitung böswillig abgestellt und die Schläuche zerschnitten. Als der Bürgermeister einen der Beteiligetn verhaften wollte, wurde er von einer ganzen Rotte überfallen und schwer mißhandelt. Das Anwesen ist durch die Pflichtvergessenheit der Löschmannschaft vollständig niedergebrannt. Antisemitisch-christlicher Sauherdenton. Wegen Religionsschmähung wurde der Antisemit Th. F r i t s ch. der bereits zweimal wegen des gleichen Vergehens mit Gefängnis vorbestraft ist, vom Landgericht Leipzig wegen Beschimpfung der jüdischen Religion zu zehn Tagen Ge- f ä n g n i ö verurteilt. Er hatte in einem Artikel seiner HalbmonatS- schrift„Der Hammer" das Judentun, eine„heimlich ver» s ch w o r e n e Betrügergesellschaft" genannt und be- hauptet, die Hebräer seien„nur menschenähnliche Tiere/ Die Zeugin im Evaskostüm. Ein eigenartiger Vorgang spielte sich dieser Tage während einer Gerichtsverhandlung in Venedig ab. Eine Prostituierte sollte als Zeugin vernommen werden. Als man sie über ihr Nationale befragt hatte, löste sie plötzlich ihren Rock auf. so daß sie mit entblößtem Unterkörper im Saale stand. Sie erklärte, nachdem man sie gewaltsam abgeführt hatte, daß sie das getan, weil es zu ihrem Geschäft gehöre. Das Gericht ver- urteilte sie schimrrstrack-Z zu 6 M o n a t e n G« s ä n g n i s. Ist denn wirklich keinem der Richter der Gedanke gekommen, daß diese Frau irre ist? Denn anders ist die sonderbare Entblößung nicht zu ver« stehen._ Kleine Notizen. Drei Kinder verbrannt. In der»»ergangenen Nacht ist in elobtland im Erzgebirge ein kleines mit Schindeln gedecktes Gebäude durch Feuer zerstört worden. Dabei kamen die drei Söhne des Fabrikarbeiters P a n h a n S im Alter von 19, 10 und 3 Jahren in den Flammen um; die Mutter und eine siebenjährige Tochter erlitten schwere Brand» wund e n. Sträflicher Leichtsinn. Der Arzt Dr. Gammerschlag in hatte bei seiner Hochzeit am Donnerstag als Geschenk ein Automobil erhalten. Als er mit diesem nachmittags eine Versuchsfahrt machte, fuhr er in einen Haufen von Kindern hinein, wodurch ein Ivjähriger Knabe getötet und mehrere verletzt wurden. Ein Attentat. In der italienischen Ortschaft Camerata gab ein unbekanntes Individuum auf eine Gruppe von Personen, in der sich der Bürgermeister und der Vorsitzende der Arbeiterliga befanden, mehrere Revolverschüsse ab, wodurch der letztere sofort getötet, der Bürgermeister und zwei andere schwer verletzt wurden. ES gelang dem Mörder zu entkommen. Brand auf einem Viehhof. Der Zentralviehhof in CansaS City(B. St. V, N.-A.) brannte ab. Etwa 1000 Schafe kamen dabei um. 700 M a u l e f e l rissen sich los und stürmten durch die Straßen. Viele Menschen wurden durch sie verletzt. eSitterunasüberlich, vom IS. Mai ISII. Smwand», Hamburg verlw Franfi.aM. Münch«, Wien is 8| 758520 7605292® 757 52® 760 92D >756 NW 17509292® Oetttt 4 wolkig 3 bedeckt 4 halb bd. 4 bedeckt 4 bedeckt 3 Regen (•K d« »II L» •taflrara Havaranda 5 2 II ■? 760® Petersburg 762 SO Sctlly ilberde« ParrS 768 NW 769 NW 764 N Vetter — i »II I* 2 wolkig 1 wolkenl 2 halb bd. 4 bedeckt 5 Regen tNeteerprognole fit Sonnabend, den 20. Mai 1011. giemlich kühl und veränderlich, vielfach wollig mit etwas Regen frischen nördlichen Winden. d 5 11 9 0 und Braune Woche £rstKlassige braune Stiefel und Schuhe für Damen, Herren und Kinder Sxfrct Infolge des großen Andranges verlängert bis 24. Mai Mittwoch Verkaaifsstellen: W. ersfr. 29 Sek« Friedrichsir. Mädlerh&us W. Höfel Fürstenho/ S. Oranienslr. ,5%6 Ecke Prlnzessinnensfo Centrale u.Vemnd&Wellciij W. Fricdrichstr. 58 OliiOt'i Geldnot ist dav Uebel der jetzigen Zeit. Wösten Tie sparen, so sparen Sie am rechte» Fleck. I« dem«aufhaus für MonatS-Garderoben erhalten Tie von Millionären Reisende«, Kavalieren. 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Jahrgang. 3. KeilM des Jotiöärts" Sttlintt WlisdlM. Zonnabend. 20. Mai 1911. Siebkute Genkralversammlnug des Verbandes Ventscher Hannover, 18. Mai 1S11. Die heutige Sitzung ist wieder eine geschlossene, da die Tarif- debatte noch weitergeführt wird. Ebel begründet zunächst in länge- ren Ausführungen, daß abgeschlossene Tarife unter allen Umständen aufrechterhalten werden müßten. Die Funktionäre arbeiten nach besten Kräften in dieser Richtung. Kloth, der Vorsitzende des Buchbinderverbandes, gibt einige interessante Erfahrungen aus der Tarifbewegung seines Verbandes zum besten. D ö b l i n und S ch l i e b s gehen auf verschiedene der erhobenen Einwände und Folgerungen ein. S ch I i e b s führte aus, man solle Vertrauen zu den Vertretern haben. Wenn man deren Ratschläge befolge, würde die Tarifrevifion sicher einen gedeihlichen Ausgang nehmen. In gleichem Sinne äußerte sich R o t e n st e i n. der Vertreter des ungarischen Verbandes. Er sagte, der Standpunkt, den der Ver- bomdsvorstand einnehme, sei zwar nicht radikal, aber durchaus logisch und praktisch. In manchen Fällen tragen die Gehilfen selber zur Verschlechterung bestehender Verhältnisse bei. Ter Redner macht lehrreiche Ausführungen über die Taktik und die Erfahrungen bei der letzten ungarischen Tarifbewegung. Frau Thiede spricht über ihre Erfahr', ngen bei der Schaffung des Hilfsarbeitertarifes; dabei geht sie besonders auf das Verhalten der Dresdener Prin- zipalität ein. In verschiedenen Fällen hat das Tarifamt der Deut- schen Buchdrucker den Buchdruckereihilfsarbeiterverband wirksam unterstützt, was von der Rednerin lobend anerkannt wird. Es spricht noch P u ch e r, der Redakteur des Hilfsarbeiterorgans, und dann kommen die Spartenvertreter zum Wort. Quick spricht für die Maschinensetzer; T e i ch m a n n- Berlin geht auf die Statistik der Stereotypeure und Galvano- plastiker ein und bittet die Funktionäre um größere Berücksichtigung feiner Sparte. Oberüber spricht für die besonderen Forde- rungen der Korrektoren; Görner für die der Maschinenmeister. Danach geht D ö b l i n. nachdem er mitgeteilt, daß noch 36 Redner eingezeichnet sind, in großen Zügen auf den Verlauf der Debatte ein. Sie habe in allen Punkten die Meinungen der Delegierten zum Ausdruck gebracht und viel zur noch fehlenden Klärung bei- getragen. Ausgabe der Delegierten sei es, auch in den Mitglieder- kreisen für die Verbreitung der hier geäußerten Auffassung der Tinge Sorge zu tragen. Eine siebengliedrige Kommission habe eine Resolution ausgearbeitet, die durchaus der Meinung der General- Versammlung entspricht und nur zur Annahme empfohlen werden könne.— Diese Resolution wurde denn auch mit allen gegen eine Stimme angenommen. Sie lautet: .Nach eingehender Erörterung der gewerblichen Lage be- schließt die siebente Generalversammlung des Verbandes der Deutschen Buchdrucker, daß die Gehilfenschaft in den noch einzu- berufenden Tariftreisversammlungen eine Revision des Tarifs zu beantragen und daß sie als wesentliche Spezialanträge einzu- reichen hat: 1. Eine Revision der ZZ 4 und 16, die den verteuerten Lebens- bedingungen der Gehilfen Rechnung trägt und deren mate- rielle Lage aufbessert. 2. Eine Revision des§ 1. die eine den Verhältnissen unseres Gewerbes angepaßte Arbeitszeitverkürzung zum Ziele hat. 2. Eine Revision der§ 6, die einer weiteren Einschränkung der Ueberstunden in wirklich wirksamer Weise Rechnung trägt. 4. Eine der Prozentziffer der Arbeitslosen entsprechende Aenderung des§ 12. 6. Eine zweckmäßige Ausgestaltung der Arbeitsnachweise in bezug größerer Wirksamkeit derselben. Im übrigen erklärt sich die Generalversammlung ausdrück- lich bereit, die der Hebung des Gesamtgewerbes dienende Tarif- gemeinschaft weiter festigen und ausbauen zu helfen und da- durch den Prinzipalen die Möglichkeit zu sichern, den begründeten Anforderungen der Gehilfenschaft gerecht werden zu können." Im weiteren findet noch folgende Resolution einstimmige Annahme: „Die 7. Generalversammlung des Verbandes der Deutschen Buchdrucker nimmt Kenntnis von den in der laufenden, Tarif- Periode erfolgten Kontraktbrüchen sowie der Nichtanerkennung eines tarifamtlichen Urteils. Sie spricht ihre schärfste Miß- billigung über solche Vorkommnisse aus und verlangt unter allen Umständen von den Mitgliedern des Verbandes die vollste Auer- kennung der tariflichen Institutionen und Unterwerfung unter die Rechtsprechung derselben. Gegen Mitglieder, die sich solche Verstöße zuschulden kommen lassen, soll der Verbandsvorstand nach den statutarischen Bestimmungen vorgehen. Die Generalversammlung erwartet von der Prinzipalität, daß sie den zum Teil aus der technischen EntWickelung hervor- gehenden Schwierigkeiten für die Organisation und deren Leitung Rechnung trägt und sie entsprechend würdigt." Damit schließt die Sitzung. Die morgigen Verhandlungen werden in öffentlicher Sitzung geführt. 1:1. Generalversamulllmg dtsZeutralverbaudes derFtder- Arbeiter und-Arbeiterinnell Deutschlands. München, 13. Mai 1311. Nicht weniger als 40 Redner sind zur Generaldebatte zum Punkt Statutenänderung in die Rednerliste eingetragen. K u n tz s ch- Offenbach erklärte namens der Loh- und Chromgerber, daß diese der Einführung einer 4S-Pf.-Beitragsklasse zustimmen. Doch sei eine Klassifizierung nach den Löhnen in der Loh- und Chromgerberei nicht gut möglich, weil die Schwankungen zu groß, daher die Kontrolle erschwert wäre. Tie Unterstützungssätze dürften nicht beschränkt merden.•— Richter- Neumünster verlangt, daß die Unterstützungan auch in Zukunft vom ersten Tage ab bezahlt werden.— G ö b e l- Stuttgart erklärt sich für eine Beitragserhöhung von 10 Pf. für m ä n n- l i ch e Mitglieder, kann aber eine Beitragserhöhung für w e i b- liche Mitglieder nicht befürworten; ebenso sei er gegen eine Ver- längerung der Karenzzeit von 52 auf 78 Wochen. Die Sterbeunter- stützung soll den Wünschen der weiblichen Mitglie der ent- sprechend ausgedehnt werden. Ein Ausbau der Famillienunter- stützung bei Streiks sei notwendig.— Frau Hüttner- Arnstadt. Frau U n g e r- Johanngeorgenstadt und Fräulein Schmidt- Burg wenden sich entschieden gegen eine Beitragserhöhung für die weiblichen Mitglieder, da dadurch viele weibliche Mitglieder der Organisation den Rücken kehrend ürften.— Schnelle- Brandenburg plädiert für eine Beitragserhöhung für die männlichen Mitglieder, lehnt eine solche für die weiblichen Mitglieder aber ab. Ebenso verlangen de WeißgS�ber, daß eine Beschneidung der Unter- stützungssätze nicht eintrete. Dsr Anstellung eines weiteren(fünften) Beamten und der vorgeschlagenen.Gehaltserhöhung könnten ste eben- falls nicht zustimmen.— Aehnlich äußerte sich B u r k h a r d t- Ber- lin(Weißgerber).— Kassierer Bock- Berlin begründete die Not» wendigkeit der Anstellung eines weitere Beamten. Es folgen hierauf prinzipielle Abstimmungen, um der Statutenberatungskommission eine Richtschnur zu gebem. � Die Erhöhung der Beiträge für die weiblichen Mitglieder wird einst im- m i g abgelehnt. Der Einführung einer 45-Pf.-Klasse und einer Erhöhung der bisherigen Beitragssätze für männliche Mitglieder(50 und 65 Pf.) um 10 Pf. wurde mit allen gegen 2 Stimmen zuge- stimmt. Die Klassen nach der Höhe des Lohnes zu bestimmen- wurde abgelehnt. An Streikende, die während eines Streiks ilt einem fremden Berufe oder in einem anderen Orte arbeiten, soll ein Zu- schütz gewährt werden. Die Ausdehnung der Karenzzeit zum Bezug der Erwerbslosenunterstützung von 52 auf 78 Wochen wird i n- st i m m i g abgelehnt. Der Antrag auf Aufhebung der K-'an- kenunterstützung wird mit allen gegen zwei Stimmen abgelehi�t; ebenso der Antrag, daß die Krankenunterstützung erst acht Tm)p nach der Krankmeldung beginnen soll.— Wöchnerinnen erhalte» in Zukunft bis zu sechs Wochen vom Tage der Entbindung an Krankenunterstützung.— Die Einführung der I n v a l i d e n- Unterstützung wird mit allen gegen eine Stimme a b g e» lehnt.— Die übrigen Anträge werden der Statutenberatungs, kommission überwiesen. Brnfkaften der Redaktion. Die lurtfUfifie eiitfcfiftnnbt sind et Lindenftraße 69, vorn vier Stctmetf — gnStftafll—, wochenlaglich von 4% dts 7% Uhr-vends, SonnavenvS von bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Brieflasten deftimmtcn Änirage ist ein Bnchstabe nnd eine Zahl als Merkzeichen beizusügen. B riesliche Antwort wird nicht erteUt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstnade vor. Mg. H. 18. 1. Ja. 2. Wartezeit besteht nicht. Das Urteil, verschen mit RechtSkrastattest, muß mit vorgelegt werden. 3. Die Klage ist durch einen Anwalt bei dem Gericht des Vorprozesses zu erheben. Ob sie Erjolg hat oder nicht, hängt von der Höhe Ihres Einkommens ab.— K- P- 11 und M. H. Richten Sie ein Gesuch an den Landrat des Kroises Nieder- Barnim.— Bcrgiftmcinnicht 120. 1. Falls Selbstzahler, nicht ersorder- lich. 2. In der Regel ja. Nur dann, wenn der Verdienst ganz minimal ist, nein. 3. Die vertragliche Kündigungsfrist ist inne zu halten. 4. Halen- sce.— W. M. 100. Der Besitzer der Kraftdroschke hastet nach Ihrer Darstellung sür den tatsächlichen Schaden. Für die Klage ist das Aünts- gericht zuständig.— H. L. 8. Das ist zulässig; einige Gemeinden machen von dem„Recht" Gebrauch.— O. G. 510. Wenn Sie Ihre Behauptungen beweisen können, läßt sich der Vertrag anfechten. Schreiben Sie soforE an den Vermieter einen eingeschriebenen Brief, in dem Sie unter Mitteilung der Mängel erklären, daß Sie nicht zuziehen werden. — B. 1. 1. Das Gewerbe ist anmelde-, aber nicht steuerpflichtig. 2. DaS Kind ist zur Teilnahme am Religionsunterricht verpflichtet. Sie können iin Einverständnis mit Ihrer Frau auch bestimmen, daß daS Kind am evangelischen Religionsunterricht teilnimmt.— M. N. 1000. Eigentum der Frau.— LithoS. Legen Sie Berufung ein. Für ein Kind ist aller- dings nichts abzugssühig.— F. H. 88. Kommen Sie in die Sprechstunde.— F. 500. 1. Abwarten. 2. Die Frage läßt sich nur nach Kennt. nis der Einkommens, und Dermögensverhältnisse Ihrer Schwiegermutter beantworten.— W. G. 18. l. Wenn weiteres Vermögen nicht vorhanden ist: nein. 2. Bis einschließlich 6000 M.— Hoffmann, Rüdcrsdorfer» strafte. Nach Ihrer Darstellung sind Sie nicht zahlungspflichtig.— M. A. 51. Ein R e ch l aus Entbindung vom Vertrage hat Ihre Mutter leider nicht.— O. 01. 43. Berufung hat Aussicht aus Erfolg.— O. B. 17. Die Gcscllschast ist im Recht.— W. F. 48. Reklamation, sür den Fall der Ablehnung Antrag aus Extraunterstützung empfehlen sich.—<Ä. R. 100. 1. Der durchschnittliche Tagesverdienst, ersichtlich aus dem Statut der Krankenkasse, ist maßgebend. 2. Ja. 3. Nein. Die Kranlenkasse. frjrtzetomg u. Dauer bis 25. Mai 20,000 Wasch-Anzüge, Blusen, Hosen usw. ca. zu ungewöhnlich billigen Preisen An"Wiederverkäufer werden die obigen Artikel während der Knaben-Woche nicht abgegeben! Zur Vorbeugung des großen Andranges bitten wir möglichtl die Vormittags- Stunden zum Einkauf zu benutzen BaetvSohn Kleider-Werke □ Deutschlandi größte Fabrik dieser Art Chausseestraße 29-30 □ Gr. Frankfurter Straße 20 n 11 Brückenstraße 11 Schöneberg, Hauptstr. 10 ßtr aeutst» Haupt. Ktttlog Ho,« kostenfrei, m FLUGE bricht sich die Gbeizeugung Bahn, daß der OXO Bouillon-Würfel der Ci LIEBIG untTreichldaslehl! 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Biese liegt zum grösiten Teil an Könlglloben Forsten und grenzt unmittelbar an das Kaiserliche Hufjagdrerlor, das Z6,000 Ifon alter Waldungen umfasst, deren romantische Schönheiten (Briesetal. Hubertusquellc, Summt mit See, Damms- mühte usw.) und deren enormer Wildreiebtum leider noch wenigen Berlinern bekannt sind..__ Lnbehaute Grundatfleke Qo.-R. von 15 M. sus. 10% Anzahlung. 1« IBtiplge Reattanlgeldhynolhck. Parzellen mit luuj&hrigem Waldbeztand. Lasndhanaer, massiv, enthaltend 6 Zimmer und Kebengelass, von 650(1 HI. an. Ferien, und Sommerhflneer von 300 M. aufwarte. Verlangen Sie Plan nnd Prospekt tob der Garten zteät Hofjagdrevier sowie die BroiehUro.Zinsen statt Mlets*. Für Besichtigung: Auskunftsbureau am Bahnhof Stolpe— Nordbahn im PavUlon. C. Winkler M b. H. Berlin 0 25, Blrckseustr. 20..Telephon Amt VU 2524. 12. Ziehung 5. KL 224. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom U. Mal 1911, vormittags. NlBtAle Gewinne Aber 240 Mark sind den betieSen�W I Nummern In Klammem beigefügt. (SkAOevinoe fallen auf die bezeichneten LoM > b e 1 4 e z ,t Abteilungen. 75äM525M 283U ttj[600] 608 ObMäi.•« ' 3 9014 7» 103 59'361 840 BS» 08# 3106« TO 10* ,00 «0 034 3 2081 136 14 330 808 86 84 68» 813 18 807 014 «6 33108»1 334 403 63 Ol 603 710 880 04 006 3416» »1 838[603) 000 11 787 86 81 814 46 83 87 3 5007 77 «3 14» 53 38 87 340 87 891 08 431 87[600] 06 697 803 1» 3 6008 43 700 3 7066 120 838 40 73 436 68 88 606 744 •46 007[1000] 38 49 73 3 8079 127 388 337 37 466 08 08 646 731[10)00] 823 901 39063 106[3000] 383 90 673 M 04 006 t <49098 140 43 403 876 803 Ol« 6»[1000] 41086 110 383 377[600] 414 08 863 718[600] 084 42048 138 67 366 1600] 430 61t» 33 810 OOS[600] 43 368 767 886 001 18 06 44034 6, 108 3? 466 731[1000] 811 60 45306 33 426 11000] 64, 86 881 46133 SSO»4 333 410 85 741 71 84 83» 48 67 93[3000] 47333 38 487 614 811 991 48078 146 63«4 377 568 710 60 813[1000] M 63 70 868 4 9633 «64[600] 59009 IIS 37 390 464 80 683 708 866 90 51133 363 H» 71 660 88 113 878 987 52104 66[30 000] 306[600] 809 450 664 684 793 869 986 53114 340 91 413 740 836 69 088 91 54160 70 848 70 463 80[500] 00 633 887[600] 871 948 77 5 5160 82 203 79 430 93 818 68 916 80 5 6003 338 307 23 31 83 07 424 646 869 923 5 7012 55 172 339 «B 08 98 421 86 523[500] 621 61 94 5 8355[500] 412 617«03 3» 806 85 86 932 46[500] 59117[500] 33 67 200 WO 41 63 419 523 606 711 848 48 960 70[1000] 69040 191 270 307 19 44 441[3000] 615 SO«7[500] «1 26 61 6 1 013 297 664 43 729 808 6 2A49 70 293 480 068 63088[3000] 142 220 348 87 515 02«30 758 837«59 64065 11« 18 40 57 350 331 430[500] 70 532 658 65 953 «3 65003 13 Ol 301 374 536 4««08 44[600] 603 31 00» 84[500] Ol 66491«33 769 831[8000] 44 913[600] 67,31 38 77 873 473 576 788 877 926[1000] 68173 71 301 400 617 801 69103 31 83 203 369 436 762 80 828 79001 145 816 98 678 755 932 7 1 052 109 98 236«1 481 99 609 18 784 02? 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Ziehung 5. Kl. 224. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 19. Mal 1911, nachmittags. Sur die Gewinne Uber 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. Die Gewinne fallen auf die bezeichneten Lee» b e 1 d e i Abteilungen. (Ohne Oewähr.)(Nachdruck verboten.] 34» 584»23 729 881 105t IM 13[500] 4B WS 313 91 461«69 190 7» 953 201« 161 63 217 20 72 561 79» 824 3020 237[600] 440 61 89 667 137 63 4*41 210 38«[40000] 861 94 971 5060[600] 198[600] 653[ 500] 606 619 23 769 803 6018 29 208 9[500] 98 499[SOOO] 898 905 40«6[1000] 7176 82[1000] 223 525 541 79»5 744 937[1000] 8000 206 [1000] 377 443«9 89 636 656 706[600] 13»4 62 891 97« 902« 123 280 666 78 T6ö 821 901[500] lOOJO 72 86 132 263[1000] 66« 86 479 576 644 719 [3000] 9« 81« 11107[600] 413«38 49«6«[1000] 12131 34 324 36 40« 7M 83 92 846 932 8t 90 13002[1000] IM 3R 4M 686 608 768[3000] 813 1 4078 114 369 96[600] R 144 9» 613 26 980 15001[1000] 210 838 994 16057 128 491[600]«73 711 24 V» 894 1 7002 102 63 295 31« 3»[1000] 407 64«SO 97 738[lOOO] 897 917 18056 163[500] 471 658[500]«33 1900« 90 520«29 782 2O039 216 313 26 50 77 41,»0 5,8 210M R R ,88 447 55 601 7,4 34 887 953 2 2 289 561 783 910 2 3630[500] 65 695 73, 97 24/185[1000] 98[500] 102 221 379 510 63 608 15 7,4 44[500]«0«2 25049 83 615 99 701 9 98 26000 164 2«6 480 698 690 2 7044 74 336 69 83 778 805 989 28020 21 91 334 82 594 701 869 905 44 2 9274 482 523 606 44 86 727 804 39031 133 93 22« 51[500] 77 64« 67[600] 968 31450 644 619 704 984 3 2079 148 253 385 91[3900] 527 3308, (30001 133 691 748 59 61 812 61 936 3 4049 84 152 63 261 551 80 962 35002 80 61 8« 113 240( 500) 32« 600 85 741 63 OOS 36025 40[500] 73 86 113 224 84 372[500] 500«1 645 77 745 98 886 917[1900] 83[1000] 3 7036 96 188 22« 472 629«77[1000] 874 984 3 8018 3 4 37 194 476 582 836 3 9048 227 60(VS 560 659 74 700 48 56 858[500] 77 80«11 40345[500] 46[500] 406 50 6 41 700 21[60») 821[1000] SS 77 990 41 057 161 222 322 518 95 634 41 93 974 4 2112 4 6 289 359 97 567 646 77 889 4 3000 191 46 674 76« 7« 974 44003 30 133 40 69 206 737 4 5032 179 227 361 518 672 [1000] 84 712 31 855 46112 27 253 89 357 90 94 436[600] 48[1000] 52 680 760 845 52 4 7074 179 84 339[KfO] 60 400 9[1000] 559 739 822 95 48143 822 460 576 927[600] «1 49008 287 323 44 10 91 427 520 49 071 31 703 33[1000] 801 79 50110 66 66«6 301 27 80 SU 66 440 77»4 6R R 60 •82*3 96 51081 66 437 669 7M«2 62071 222 377[600] 53148 2.12 90 314 42«[1000] 87 518 37«66 89 78«[600] «45 942 54140 98 312 19 65 466 689 711[600] 82 85 94 55016 87 95 167[1000] 298 315 514 977 5 6178 92 211 853 472 741 87 812 83 910 57101[SOOO] 9 42 45 238 305 411 80«15 5« 69 753 905 25 5 8132 350 74*93 36 861«98 69180 94 231 321 496 777 89 897 908 60145 533 733 853 6 1 095 340 604 22 736 990 6 2 042 1500] 75 126 229 411 609 73[10001 947 6 3149 294 44 46 473 88 568 623 747 51 844 63 917 64151 71 82 359 408» 668«10«1 881 65117 349 424 678 819 69 91 92 919 6 6228 »30[1000] 79 91 432[500] 503 29«27 83 760[600] 67011 227[ 500] 34 49 817 427 48[500]«4 472 765 872[600] 6805« 223 30 37[1000] 427 65 707 91» 6927« 671«04 6» 842 934» 76061 298 534 80 647 TU 43 7» 71163 40»(500] 3 7», 72088[1000] 380 86 97 411 24 608 18 791 869[500] 73018 118 37 211 62 356 403 53 612 37 49 90[500] 91 661 728 987 74093 133 265 320 49 81 87 905 767[500] 804 20 53 68«18 «3 7 5063 614 873[ 500] 95 901 76066 174 ,49 591 M [3000] 61 77091 V>2 51 313 475 7 8057 257 334 509 98 «78 810 34 98 79144[500] 512 606 30«8[1000] 730[500] 05[500] 814[1000] 977 8 0010 280 368 438«97 829 84 964 8 1 00, 70 96 11« 828 55«7 618 75 871 976 8 2289 9? 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Die ganze©trecke vom Schlesischen Tor' bis zur Wilhelmshavener Stratze über die Netze aller beteiligten Gesell� schaften tostet 15 Pf. Teilstrecken zu 10 Pf. sind SchlestscheS Tor Bahnhof Zoologischer Garten und Prinzenstratze— Wilhelmshavener Stratze. Die Freigabe dcö BahnhofSbuchhandels an Sonntagen bezweckt ein gemeinsamer Erlatz deS Handels-, Unterrichts- und des Ministers des Innern an die Negierungspräsidenten. Im November vorigen JahreS wurde der Regierungspräsident in Wiesbaden ermächtigt, den Bahn- Hofsbuchhandel auf den Hauptbahnhöfen in Frankfurt und Wiesbaden autzerhalb der Bahnsteigsperre an Sonn- und Festtagen auch wäh rend der Stunden zuzulassen, die sonst für den Handel nicht frei gegeben sind. ES wurde aber zur Bedingung gemacht, datz den An gestellten die vorgeschriebenen Ruhezeiten gewährt werden. Die Frei gäbe wurde durch den autzenordentlich starken Fremdenverkehr begründet. Auch wäre dort eine erhebliche Schädigung der übrigen Buchhändler und Zeitungsverkäuscr nichtzubesürchten. Es istinzwischen für eineReihevon anderen Bahnhöfen dieselbe Vergünstigung erbeten und von einzelnen Regierungspräsidenten befürwortet worden. Die Minister erklären sich deshalb jetzt damit einverstanden, datz auf Bahnhöfen mit ähn- lichen Verhältnissen der sonntägliche Bahnhofsbuchhandel zugelassen wird. Voraussetzung soll stets ein besonders starker Fremdenverkehr fein und datz den übrigen Zeitungsverkäufern und Buchhändlern kein erheblicher Nachteil droh». Endlich find die Angestellten, die Sonntags autzerhalb der allgemein freigegebenen Verkaufsstunden beschäftigt werden, entweder an jedem dritten Sonntage volle 36 Stunden oder an jedem zweiten Sonntage mindestens in der Zeit von 6 Uhr morgens bis ö Uhr abends von der Arbeit frei« zulassen. Trinkgelegenheit auf Schulhöfen. In der langen Hitzeperiode des vorigen Sommers machte sich an einigen Gemeinde schulen das Fehlen ausreichender Trinkgeleaenheit auf den Schulhöfen recht unangenehm bemerkbar. Wenn die Schuldepu- tation der Sache einmal ihr Augenmerk zuwenden wollte, so würde sie Schulhöfe entdecken, die überhaupt keine Trinkgelegenheit auf- weisen. Ueberall, wo Erwachsene in großer Zahl verkehren, au' Bahnhöfen. Spielplätzen, in Parkanlagen und dergleichen hat man auf das hier in Frage kommende Bedürfnis Bedacht genommen. Wir meinen hier, was den Erwachsenen recht ist, sollte Kindern längst billig sein. UeberdicS dürften auch erziehliche Gründe da- für sprechen, die Jugend in den Pausen die Wohltat eine» frischen Trunkes uneingeschränkt kosten zu lassen. Darum hätten Rektoren und gut freisinnige Hauskuratoren diesen Mangel, wo er besteht, eigentlich längst empfinden sollen. Vielleicht reichen diese Zeilen hin, das Erforderliche für dies Jahr rechtzeitig zu veranlassen. Ein tödlicher Straßenbahnuufall ereignete sich am gestrigen Freitagmittag um 12 Uhr in der Beusselstratze. Dort geriet der dreijährige Sohn Willi deS in der Beuffelstr. 56 wohnenden Bäcker- meisterS Benthin vor dem elterlichen Haufe unmittelbar vor einen herannahenden Straßenbahnwagen der Linie 20, der nach Rixdorf fuhr, auf das Gleis und wurde umgestoßen. Der Knabe kam unter den Vorderperron und wurde mit dem Kopf unter den Schutzrahmen eingeklemmt. Mittel» mitgeführter Winden wurde der Waggon nach kurzer Zeit angehoben, doch konnte daS Kind nur noch tot hervor- gezogen werden. Die kleine Leiche wurde nach der elterlichen Wohnung gebracht. Sin LootSunfall, bei dem ein Insasse den Tod im Wasser ge funden hat. ereignete sich vorgestern gegen abend auf der Oberhavel in der Gegend zwischen Salzhof und Eitwerder. Der Ingenieur Werch au» Berlin hatte eine Fahrt mit seinem Segelboot unter« nommen, woran auch sein Bruder und seine Schwester teilnahmen. Als sie in der Nähe der Chemischen Fabrik Salzhof kreuzten, kam ein Motorboot heran, dem die Segler ausweichen wollten. Bei der scharfen Wendung, die zu diesem Zwecke gemacht wurde, legte sich das Boot stark aus die Seite, und dabei fiel der Ingenieur über Bord; das Boot füllte sich gleichzeitig auch mit Wasser und kenterte; während Bruder und Schwester sich an dem kieloben treibenden Fahrzeuge so lange festhielten, bis das Motorboot herbeikam und sie rettete, war der andere Bruder nicht mehr aus dem Wasser zum Vorschein gekommen. Ts ist anzunehmen, datz ihn ein Schlaganfall betrossen hat. Die Leiche de« Ertrunkenen, der 25 Jahre alt war, konnte noch nicht geborgen werden. Arbcitcr-BildungSschule. Der Unterricht in Natio» nalökonomie beginnt von diesem Sonntag ab regel- mäßig schon um 9 Uhr. Der Unterricht in Redeübun- gen fällt am nächsten Donnerstag des Festtages wegen aus und wird an, übernächsten Donnerstag, den 1. Juni, fort- gesetzt. Ei« Zusammenstoß zwischen einem Straßendahn- und einem Mörtelwagen ereignete sich gestern früh gegen V,8 Uhr am Stralauer Platz. Dort wollte ein Mörtelwagen der Firma Hoffmann. Wrangel» stratze 69. noch kurz vor dem Motorwagen 1713 der Stratzenbabn- linie 4 das Gleis kreuzen und wurde angefahren. Bei dem Zu- sammenstotz erlitten zwei auf dem Vorderperron deS Bahnwagen» stehende Fahrgäste geringfügige Verletzungen. An dem Motorwagen wurde der Vorderperron schwer beschädigt. Vorort- f�ackricktei». Charlotienburg. Der BerwaltungSllberschuß ans dem Rechnungsjahr 1919 be- trägt s 122 899,01 M. Ganz besonders günstig hat sich das städti- fche Elektrizitätswerk entwickelt, das einen Ueberschutz von 1 358 733,90 M.. d. s. 458 733,90 M. mehr als veranschlagt, erbracht hat. Auch die städtischen Gaswerke, bei denen mit einem Ueber. schütz von 2 114 700 M. gerechnet war. haben einen um 470116,74 Mark höheren Reingewinn erzielt. An Gemeindesteuern sind 406 560,56 M. mehr aufgekommen, wobei besonders bemerkenswert ist. datz an Umsatzsteuer trotz der Einführung der Wertzuwach». steuer gegen da» Soll von 1 450 000 M. ein Mehr von 50 273,88 M. zu verzeichnen ist. Die Wertzuwachssteuer ist bei dem Steuerauf. kommen nicht berücksichtigt; thr voller Ertrag, 880 757,44 M., fließt vielmehr in den Ausgleichsfonds. Vereinnahmt find bisher 580 953,99 M. An dem Ueberschutz sind im übrigen sonst die ver- schiedenen Verwaltungszweige teil« durch Mehreinnahmen, teil« durch Minderausgaben betcivgt; z. B. ist bei der elektrischen Straßenbeleuchtung eine Minderausgade von etwa 100 000 M. ein- getreten. Die Armenverwaltung hat 190 008,39 M. mehr erfordert. als veranschlagt. Ein« städtische SäugliugSkripp« wird heute, am 20. Mai. in der Nehringstratze 11 eröffnet werden. In der Krippe finden an jedem Morgen Kinder solcher lediger Mütter Aufnahme, die tag»- über einem Berufe nachgehen und ihr Kind selbst stillen wollen. Während der Arbeitszeit der Mütter werden die Kinder von vor- gebildeten Personen beaufsichtigt. Am Abend nehmen die Äutter ihre Kinder in ihr Haut zurück. Die Mütter brauchen daher ihre Kinder nicht in Pfleg« zu geben, sondern können-trotz der Beruft- cibpit Wt ihnen zuMBtMeibxn Wd fe« Kiydcr felbst nähren, Die Krippe bietet so einen Ersatz für die anderwärts bestehenden Stlllstuben in Fabriken. Für die Aufnahme in die Krippe wird ein Beitrag von 25 Pf. für dos Kind und den Tag erhoben. Die Aufnahme erfolgt ausschließlich durch die städtischen Säuglings- fürsorgestellen. Die Krippe selbst steht unter der Verwaltung und ärztlichen Aussicht der Säuglingsfürsorgestelle IV(Nehringstr. 11). Einen städtischen Park im Herzen der Stadt will Charlotten- bürg schaffen. Der Magistrat hat der Stadtverordnetenversamm- lung eine Vorlage zugehen lassen, dem Erwerb des bekannten Oppenheimschen Grundstückes in der Scharren-, Schloß- und Hebbel- stratze zuzustimmen. Ter 1939 Quadratruten umfassende Kom- plex besteht aus einer Villa, mehreren Nebengebäuden und einem herrlichen alten Park. Durch den geplanten Kauf wird beabsichtigt, den mit alten Bäumen bestandenen Park der öffentlichen Benutzung zum grotzen Teil zugänglich zu machen. Ein Teil von 957 Quadrat- ruten, der an Straßen grenzt, soll zur Bebauung wieder ver- äußert werden. Einen Teil des Terrains, wovon aber ein größerer Teil wiederum dauernd von der Bebauung ausgeschlossen ist, will der Kreis-Kriegervcrband Charlottenburg erstehen. Da bei der nach dem bisherigen Bebauungsplan in Aussicht genommenen Durchlegung der Fritschestratze ein erheblicher Teil des alten Baumbestandes fallen müßte, soll statt dessen eine neue, die ungefähre Verlängerung der Potsdamer Stratze bildende Siratze angelegt werden. Lichtenberg. DaS hiesige Tageblättchen stellt sich wieder einmal recht dumm. Die von uns gemachte Feststellung, datz das Ortsblatt seinen Lesern eine bereits vor 14 Tagen in der«Wilmersdorfer Zeitung- er- fchienene Notiz gegen die Einrichtung einer städtischen Druckerei in Rixdorf vorsetzt, nennt es ein„Anrüpeln der«Vorwärts"-Re- daktion". Gewiß, eS mag dem Blättchen unangenehm fein, wenn ihm nachgewiesen wird, datz es die gegen eine städtische Neuerung geübte und noch dazu verspätete Kritik einem andern Blatte ent- lehnt hat. Noch unverfrorener klingt es, wenn ein Miniaturblättchen vom Schlage des Lichtenberger Tageblatts, das, wie wir bereits betonten, seinen Text wahllos und zum Teil völlig falsch von einem anderen Unternehmer entnehmen mutz, über eine solche städtische Druckerei en ministure sich lustig macht. Datz das Blatt von dem. was e» der„WilmerS-dorfer Zeitung entnommen hat. keinen blassen Schimmer hat, beweist seine Be- hauptung, unsere Genossen in der Rixdorfer Stadtverordnetenver- sammlung seien in der Auffassung der Sache mit ihm durchaus einer Meinung. O nein. Nur durch unsere Genossen ist die Ein richtung der Druckerei beschloffen worden. Allerdings hätten sie es am liebsten gesehen, wenn die Druckerei gleich so eingerichtet worden wäre, daß die Stadt sämtlich« Drucksachen in eigener Regie hätten herstellen können. Dafür waren aber die bürgerlichen Herren vom Schlage des..Lichtenberger Tageblatts- und seiner Hintermänner au» Rücksicht auf die Druckereibesitzer am Ort nicht zu haben. Ober-Schöneweide. Eine am Dienstag im Wilhelminenhof stattgefunden« äußerst gut besuchte Volksversammlung nahm zu den Vorgängen im katholischen Arbeiterverein Stellung. Genosse Bühler beleuchtete in seinem Referat:.Die Wahrheitsliebe des Zentrums- die äußerst chäbige Agitationsweise dieser Partei, gestütztauf ein reiches Material au» Selbsterlebtem. Die ZentrumSleute mitsamt ihrem Pfarrer hatten es mit der Mottvierung abgelehnt, zu erscheinen, datz sie doch niedergebrüllt würden; in einer Erklärung, welche die Bersammlung mit verdienter Heiterkeit aufnahm, reden sie auch von dem unheil- baren Größenwahn der Sozialdemokratie. All de» Vortrag schloß sich eine längere Diskussion. Reinickendorf. L«S der Gemeindevertretunz. Daß der hiesige Gemeindebor- stand und die bürgerlichen Gemeindevertreter in sozialpolitischen Dingen noch recht rückschrittlich denken, bewies die Beratung der von unseren Genossen gestellten Anträge aus Einführung einer ArbeitSlosenverstcherung und Errichtung eines kommunalen paritätischen Arbeitsnachweise». Monatelang waren die Anträge im Schöße de» Gemeindevorstandes vergraben. Als unsere Genossen mahnten, wurden sie ber Finanz» kommission überwiesen, diese aber nicht einberufen. Endlich sollte ihnen wieder die Sonne scheinen, aber nur so lange, als gebraucht wurde, sie endgültig zu verscharren. Der Gemerndevorstand be- antragt«, die Wetterberatung der Anträge zu vertagen, bis auch die übrigen Grotz-Berliner Gemeinden, insbesondere Berlin, der Regelung dieser Fragen ernstlich näher treten. Daß Herr Becker, dem die im Antrag verlangte Subventionierung der Gcwerkjchnf- ten wieder feine Gewerkschaft»« und Sozialistentöterred« entlockte. ür sofortige glatte Ablehnung plädierte, versteht sich bei seinem leradezu typischen Unternehmerhorizont in sozialen Fragen von elbst. Ein Mann, der erklärt, daß Wirtschaftskrisen als Ruhe- pausen der Industrie und dem Handel nur sehr erwünscht sein können, wird sich auch nie zu einer gerechten Würdigung der Jnter- essen und Forderungen der ihm wirtschaftlich und politisch gegen» ätzlichen Klaffe aufschwingen können. Obgleich sich unsere Ge- Nossen lebhaft für die Anträge verwendeten, wurden sie schließlich nach dem Antrag de» GemelndevorstandeS vertagt. Von unseren Genossen war auch vor bereits mehreren Monaten der Antrag auf völlige Sonntagsruhe gestellt worden. Leider hat auch auf diesem Gebiet« Berlin in rückständigster Manier jeden energischen Fort- chritt verhindert. Es wurde daher auch unseren Rückschrittlern ,icht schwer, sich den Berliner Anträgen anzuschließen. Eine Frank- ürter Firma beabsichtigt die Aufstellung von 3 Telephonzellen auf öffentlichen Plätzen. Die Erlaubnis wurde ihr gegen eine Gebühr von 5 M. pro Jahr und Zelle gewährt. Das vorgelegte Projekt der im Schweizerviertel zu errichtenden Gemcindeschule wurde vorbehaltlich der Vorlegung spezieller Kostenanschläge genehmigt. Eine Aenderuna am Statut der Sparkasse soll zu dem Zweck vor« genommen werden, um die Aufsichtsbehörde zu veranlassen, der Gemeinde da» Recht zu gewähren, ein Drittel des jährlichen Ueberschusse» für Zwecke autzerordentlicher kommunaler Bedürf» nisse verwenden zu können. Die Statutenänderung wurde akzep- tiert. Der Magsstrat von Charlottenburg hatte dem Gemeinde« vorstand den Entwurf einer Petition üdersandt. die um Abände- rung einiger Paragraphen des Pflichtfortbildungsschulgesetzes er» ücht. Nachdem Herr Becker erklärt hatte, datz er gegen die Fest» etzung der Lehrpläne und der Ernennung eines Teils der Mit- «lieder der Schuldeputation für» Fortbildunasschulwesen und des Bestätigungsrechts für den übrigen Teil nichts einzuwenden habe, wurde der Antrag, der Petition beizutreten, einstimmig angenom- men. Datz bei der Austeilung der durch Schülerkonzerte und son- tige Bettelei aufgebrachten Fond» für» Schülerwandern große Unstimmigkeiten vorkommen und datz Entrepreneure und Schul- leitung unfähig sind, dem zu steuern, ergab am Schluß der Sitzung eine von Herrn Pohl provozierte Aussprache, an der sich alles be- teiliate. was glaubte, darüber mitreden zu dürfen, wieweit.die Begehrlichkeit- der Proletarierkinder gefördert werden darf. Man wurde sich aber auf alle Fälle einig, sie zu zügeln. Und da« ist auch etwa» wert für die Ausklärung der Proletarier, deren Kinder oeoen wieder vom Leiter einer SKuft im Oiti» für ei» solche» Dchülerkonzert trainiert verde». Nowawes. Der neue GesamtdebauuugSplau, der in Einzelplänen der letzten Gemeindcvertretersitzung zur Einsichtnahme vorlag und durch Herrn Ingenieur Hirtel eme eingehende Erläuterung erfuhr, gibt in groß« zügiger Weise eine Uebersicht über die zukünflige Gestaltnng de» OrtSbUdeS. Bei Ausstellung deS Plane» ist streng unterschieden zwischen Verkehrs« und WohnungSftratzen. weil be» erster«» aus berkehrStechmschen Gründen auf möglichst große Breite gesehen werden mutz, während bei Anlage der Wohnungsstratzen mehr ästhetische Gesichtspunkte mitsprechen sollen. Außer einigen Plätzen für öffentliche Gebäude, wie Schulen, Kirchen usw. sind auch ausreichende Spielplätze sowie eine große FlutzbadeanstaU vorgesehen. Der südliche Ortsteil soll der Industrie vorbehalten bleiben, weshalb die Ruthe als schiffbarer Kanal mit großem Lagerplatz und Hafen, der Gleisanschluß an die Wetzlarer Bahn erhält, gedacht ist. Eine mit der Ruthe parallel laufende breite Stratze soll später die Haupt- Verbindung nach Drewitz bilden. Da innerhalb der Gemarkung sich noch forstfiskalisches Gelände befindet, soll der FiSkuS veranlaßt werden, seinen Bebauungsplan dem Gemeindeplaa entsprechend zu gestalten. Wannsee. Ein Ardeiter-Turuverein, dem bereits dreißig akttve Mitglieder beigetreten sind, hat sich am Orte gebildet. Die Turnabende finden regelmäßig jeden Dienstag und Freitag im Restaurant.Fürstenhofstatt. Unterstützt wird diese gute Sache von den Nachbarvereinen NowaweS und PoiSdam. Leylerer Verein stellte Geräte zur Ver- fügung, da der Verein augenblicklich noch kein Lokal besitzt. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, datz der.Fürstenhof- als einziges unseren Genossen zur Verfügung stehendes Lokal an der Potsdamer Chaussee wegen seiner Lage noch mehr von Ausflüglern beachtet werden könnte._ Zur Bekämpfung der Schundliteratur und zur Förderung dcö Vertriebes guter UnterhaltungSlektüre hat da»..Gewerkschaftshaus- folgende Einrichtungen getroffen: 1. Anerkannt gute Jugendschriften zum Preise von 10—30 Pf. find in' größerer Anzahl angeschafft worden und werden leihweise gegen Deponierung des Preises zur Verfügung gestellt. 2. Jedermann erhält in den nachstehend angeführten Ausgabe» stellen ohne Legitimation so viele Bücher wie er will. Sr hat ent- weder den Wert der Bücher zu deponieren oder bereits früher entnommene Bücher zurückzugeben. Eure Leihgebühr wird nicht erhoben. S. Wer die Bücher beholten will, hat dazu da« Recht, er hat dann bei Entnahme neuer Bücher wiederum den entsprechende» Be« trckg zu deponieren. Zunächst sind folgende Ausgabestelle» eingerichtet: Antonstr. 34. Zlgarrengeschäst von KttegSmann. Von 8—6 Uhr. mit Ausnahme deS Sonnabends. Blankenfelde Str. 10. Verband der Schuhmacher. Dienstags und Mittwochs von 5— 7>/, Uhr. Brunn enstr. 115. Arbeiter-Jugendheim. Von 6—10 Uhr. Dänenstr. 10. Ziaarrenaeschäst von GoSciniak. Bon 8—6 Uhr, mit Ans- nähme des sonnabends. Elisaberhstr. 11. Verband der Ueischer. Vo» 10-1 Uhr und 5—7 Uhr. Emdenrr Str. SO bei WorbS. Montag» von S— S>/, Uhr. Eugclufcr 15 Zigarrengcschäst von Hossch, vou 8— 6 Uhr, mit AuS« von S— 6 Uhr, mit Ausnahme deS Sonnabends. Fehmarnftr. 8. Tabakarbeitergmossenschast. nähme deS Sonnabends. Gartenstr. 101. Verband der Kupserschmtede. Bon 10—11 Uhr und 6—7 Uhr. Gr. Arankfurter Str. 126. Arbeit er.Jugendheim. von 6-10 Uhr. Kopernikusftr. 11. Tabakarbcitergenossenschast. Von 8—6 Uhr, mit AuS- nähme deS Sonnabends. Liuienftr. 73. Verband der Schmiede, von O'/j— 12 Uhr und 61/, bis 8 Uhr, mit Ausnahme des«onnabend». Melchiorstr. S8. Verband der Maler. Bon S— 1 Uhr. Petersburger Str. 10. Tabakarbeilergenossenschast. Boa 8—6 Uhr, mit Ausnahme de« Sonnabend». Sedaftianftr. 37/38. Verband der Schneider. Von 0—1 Uhr. Welnftr. S, Part. Verband der Kürschner. Von 0-1 Uhr und 8— 7 Uhr. Berel» der Frauen und ivtädcheu der arbeitende» Klasse«. Vor und»ach jeder BereinSversammlung. Bororte: Stralau. Mt-Stralau 70, Seilcnfl. III. bei Rudolph. Montag und Donnerstag von 3'/,— 5 Uhr, Sonnabend» von 4—3 Uhr. »retreligiöse Gemeinde. Sonntag, den 21. Mai, vormittag« S Uur. Pappel-Allee Nr. 15—17 und Rixdors, Jdealpalsag«: Freireligiöse Vorlesung. Vormittag« 11 Uhr: Kleine Frantsurter Str. 6: Vortrag von Herrn Dr. Konrad Schmidt:.Moralsylleme". Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Allgemeine«ranken- und Sterbekaffe der Metallarbrtter (/, Uhr bei Tabbert, Eteinmetzstr. 114: Mit- licderversammlung.— Filiale RummelSburg. Heute abend S'/, Uhr ei Blume. All-Bochagen 66: Mitgliederversammlung.— Filiale Tegel. Heute abend 8'/, Uhr bei SakieS, Berliner Ew. 92: Mitglieder-Versammlung. eingegangene Druckschriften. von A. SchasheiMa. L M. DaS Mysterium de« TemiurgoS J. Rosenbaum. Berlin W. 63. 16. Jahresbericht vom«rbeiteriekretoriat in Nürnberg 1010. (Anhang: Dl« bayerische©leuerresorm von M. Segitz) 111 H. Selbst» vorlag. Mein« Käfersammlung. Humoristisch-satirische Bilderbogen von A. De Nora. Staackmann. Lerpzig. Wasserratten. Roman von Heijerman». gleischel u. Co., Berlin V. 3.50 M. Maria Marke««. Roman vo» H. Reifiger. Verlag S. Fischer. Berlin. 3 M. geb. 4 M. Mende» neueste BerkevrSkarte vo» Zentralvrandenvnrg 1VU» 3,50 M.— A. Mende. Berlin 80. 26. Wie hat der Schiedsmann fein Amt zu führen 7 von Seh. gustizr. C. Christwni. l.b0 M.— Da« Zuwachofteuergeiey vom 14. Februar 1911. Erläutert von RechtSanw. Zt. Becher und Dr. H. Henne- berg. 3.60 M.— Kommentar zum Rrtchsgesey betreffend die Ab- zahlnnaSgeschäft« vom 16. Mai 1894. von M. K. Samt«. 8 M.— H.«. Müller. Berlin W. 35. Arbeiter und Organisation.— Arbeiter und Politik. Beides von F. Vambolt.— Was heißt politisch« Arbeit? Von I. Fischer,— Slnzelh. 15 Ps. Nationawerew, München. «niverfal- Bibliothek. 5285— Tymbelin. Mirchendrama vou ». Shakespeare. 30 Ps.— PH. Reckam. Leipzig. Judustrteschlesten. da« Land einer Zukunft. Loa F. BrzoSL. 1,50 M.— Hcllmann, Klogau. Kardeift. Liebessage von V. Lurghauser. 8,50 M, geb. 4,50 M-— 5. Konegen, Wien I. Da« Lebe» der Biene», von Mamic, Maetnlwck. WO— A. Janssen, Hamburg. Wisserstands-Naibrtchten der LandeSanstalt ftlr Eewässerlunde. mitgetew vom verliner vetterdurea» vasserstand «emel, TUM B r» gel. Jnsterbmg A»ich Irl. Th-r» Oder, Rattbor } Krofsen _. Frankwrt Warth«, Schrinm» . Landsberg Reh«, Vordamm Elb», Leitmeritz Dresden Bardo Magdeburg I* Wasserstand Saal», Srochlttz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Soremberg') , BeeStow Weser, Münden , Minden Rhetn. Z�iaüliantau Köln Neckar, Heübron» Main, Verth eun Mosel. Tri« am 18.5. 0>n 110 62 118 90 76 --58 -1 420 206 209 95 127 SS seit 17.5. °m») +86 -! +18 +5 +1« +15 —1 chS 1 4- bedestet Wuchs.-Fall.- 1 Unterpegu. ;�.. � � a�/Q 0C� a � i<)� \« 'atist-fr, '«»>.�e, 47j'"''s "*>t£ � K.oo � v> '» Ä,5° . �oK r-* ft- 44 hast billig. Riesen-Fabrillager. Große Franksurterstraße 125, im Hause der Möbelsabrik; billiger wie überall. Vorwärtslcsern noch extra 10 Prozent Rabatt. Sonntags geöfsnet. Gardinen, 1.65. 2.35. 2.85, jabrilrcste, Fenster !.50. 4.50, 6.75 usw. 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Heute Sonnabend findet zugunsten des TurnhallenbaufondS für den Arbeiter- Turnverein Schöueberg eine Spezialitätenvorstellung im.Schmarzen Adler' statt. Anfang 8 Uhr. Eintritt 30 Pf. für alle Plätze. Alt-Glienicke. Die letzte Sitzung der Gemeindevertretung war zahlreich von Zuhörern besucht. Gemeindevertreter Schneider teilte mit, daß er den Landrat zu der Sitzung eingeladen habe, derselbe sei jedoch ver» hindert zu erscheinen. Weiter gab Redner bekannt, daß die zum Schiedsmann respektive Stellvertreter gewählten Schöffen Parten- heimer und Genosse Gitze uicht bestätigt worden sind. Eine beinahe zwei Stunden währende Debatte rief der Dringlichkeitsantrag der Ge- meindevertreter Herbrand, Partenheimer, Höst, Hannemann, den Beschluß der Gemeindevertretung vom 16. August 1S10 betreffend Benutzung des Schulgartens aufzuheben und einen sofortigen Beschluß herbeizuführen. den Schulkindern und der Schule den Schulgarten voll und ganz zu erhalten, hervor. Die Antragsteller erhoben gegen den Gemeindevorsteher den Vor- wurf, sich über den Beschluß der Vertretung hinweggesetzt zu haben; in den Händen der Vertretung liege es jetzt, ob man sich diese Machination des Vorstehers gefallen lassen, oder aber das Dis- ziplinarverfahren einleiten wolle. Den Kernpunkt der Debatte bildete eine Behauptung des Schuldieners der Mädchenschule, nach welcher der Rektor und ein Lehrer des Diebstahls im Schulgarten be- schuldigt werden. Diese Anzeige rief allseitige Entrüstung und Pfui- rufe hervor und veranlaßte den Gemeindevertreter Schneider zu be- tonen, daß die Denunziation gegen einen Mann, welcher im Dienste der Schule ergr ut, ein Schandfleck für den Kreis Teltow sei. Gegen diese Angriffe erwiderte der Gemeindevorsteher Weidmann, daß er als Leiter die Gemeinde vor Schaden bewahren müsse und die Schließung des Schulgartens mit Zustimmung der beiden Schöffen Thiele und Beuster sdie leider durch Abwesenheit glänzten) angeordnet habe. Nach erregter Debatte beantragte Genosse Barkel die sofortige Oeffnung'des Schulgartens; dieser Antrag wurde mit großer Majorität angenommen. Zur näheren Untersuchung darüber, von wem der Schuldiener zu der Anzeige veranlaßt worden sei, wird eine Kommission bestehend aus den Herren Weidmann, Schöffe Partenheimer und Genosse Winkelmann gewählt. Der Volkspark in der Köpenicker Straße soll auf Antrag unserer Genossen bis 9 Uhr abends geöffnet bleiben. Die Fußbodenverlegung in der Turnhalle wird dem Zimmermeister Schindler für den Preis von 2690 M., die Gerätelieferung der Firma BuszilowSki für den Preis von 3796 M. übertragen. Die Vorspanngestellung für den Sprengwagen erhält wiederum Meirich für eine Entschädigung von 8 M. pro Sprengtag. Während der Sitzung wurde wegen ungebührlichen LärmenS der Hauptmann a. D. Frickert aus dem Saale befördert. Steglitz(Südender Ortsteil.) Nach vielen Jahren gelang eS endlich wieber auch in diesem westlichen Vorort eine öffentliche politische Versammlung abzuhalten. Genosse U l m referierte über:„Der Aufmarsch der Parteien zum Wahlkamps'. Seine treffenden Ausführungen über das schamlose Verhalten der konservativen und besonders liberalen Parteien im Reichstage lösten bei der gut besuchten Versaminlung vielen Beifall aus. Gegner nahmen in der Diskussion nicht das Wort. Zum Schluß wurden noch einige Neuaufnahmen in den Wahlverein ge- macht. Mit einem nachdrücklichen Hinweis auf den in unserem Orte seit Jahren geführten Lokalkampf fand die Versammlung ihr Ende. A.NickM,M>m-cli°r. Prinzenstr.57,0re»,dneneerrstr. Fahrgeld wird vergütet. �uiruk! Die schönsten Herren Anzüge, Paletot*, Uliter, Geiellsohafti-Anzüge, einzelne Koten, wenig gebraucht, auch elegante neue Herren-Garderobe, bekommt man am billigsten und gut passend nur imSIonttta- Crardepobcnhana von I-nft& Bürger, 10, Marlannenatr. 10. Kein Laden. 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