Ar. 118. flbonnenuntS'Redlngunsen! HtonnementS> Preis pränumerando: «iertcljährl. 3£0 m., Mona«. 1,10 Ml. »vöchenllich 28 Psg. frei inS HauS. Einzelne Nummer S Pfg. SonnIaxS- nummer mit Mustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Vbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, sür das übrige Ausland Z Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 28. Ia!srg. Crf4(l«t Wich auStr tnontags. Berliner Volksblatt. Zentralorgan der fozSaldemokrat» feben Partei Deutfcblands, Die TnIertions-Gebül)f ieträgt für die sechsgefpaltene Kolonel« geile oder deren Raum 00 Psg,, sür politische und gewerlschaftliche Vereins- und BersammlungS-Anzeigen 30 Psg. „A leine �nieigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. szulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstcllenan- zeigen das erste Bort 10 Pfg.. jedes weitere Worts Pfg. Worte über löBuch- staben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse! „Sozlaldtmokrat Berlin". Redaktion: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 19S3. Sonntag, den 21. Mai 1911. Expedition: SM. 68, Lindenetraasc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Blinder Lärm. Im preußischen Dreiklassenparlament passieren seltsame Dinge; in einer Sitzung setzte sich die Regierungsmehrheit aus den verschiedenartigsten Bestandteilen zusammen. Bei dem Feuerbestattungsgesetz wurde die Mehrheit, die die Regierungs- Vorlage mit knapper Not vor kläglichem Durchfall rettete, ge- bildet von einer Minderheit der Konservativen, den Frei- konservativen und der Linken. Die unterliegende Minorität setzte sich zusammen aus dem Zentrum und dem größten Teil der Konservativen. Unmittelbar darauf folgte die Aus- einandersetzung über die Ostmarkenpolitik, und da waren es umgekehrt die Konservativen und das Zentrum, die den Schutzwall der Regierung gegenüber den freikonservativen und nationaUiberalen Angriffen formierten. Eine originelle Situation, die auf die Dauer kaum haltbar�wäre, wenn es sich wirklich um einen Aufeinandcrprall tiefer und scharfer Gegensätze gehandelt hätte. Davon kann aber keine Rede sein. Die führenden konservativen Blätter,„Kreuzzeitung" und „Deutsche Tagesztg.", haben erst allzu spät entdeckt, daß das Fcuerbestattungsgesetz im Grunde doch gegen das konservative Prinzip verstoße, weil es an einer heiligen Tradition rüttele und eine bedenkliche Konzession an den Geist der Neuerungs- sucht und des Unglaubens darstelle. Diese Entdeckung kam zu spät, um die konservative Sezession zu verhindern, die die Annahme des Gesetzes sicherte. Auch scheint es, daß die Tempelwächter des konservativen Prinzips geflissentlich die rechte Zeit zur Warnung verschlafen haben, da auch ihnen das ganze Streitobjekt wohl zu geringfügig erschien, um der Regierung deswegen ärgerliche Ungelegenheiten zu bereiten. Dem Zentrum dagegen war der Kampf gegen das Gesetz offen- bar bitter ernst, da es sich sonst nicht bis zur förmlichen Obstruktion hätte hinreißen lassen. Das Zentrum entwickelte ja einen Feuereifer in der Bekämpfung des verhaßten Gesetzes, der sogar vor einer Terrorisierung seiner FraktionSniitglieder nicht zurückschreckte, denen es sonst bei politisch ungleich wichtigeren Anlässen den weitesten Spielraum zu lassen pflegt — man denke nur an die Gegner des Wahlrechtsantrags der Fraktion I Diese Geschlossenheit des Zentrums, die durch das Schreckmittel der Beröffentlichung der Namen sämtlicher säumigen Fraktionsmitglieder rücksichtslos erzwungen wurde, beweist schlagend den konfessionellen Charakter dieser Partei. Das Zentrum weiß ganz genau, daß das konfessionelle Moment seinen stärksten Kitt bildet. Es ist sich nur zu wohl dessen bewußt, daß die heterogenen sozialen Elemente, die ihm angehören, rettungslos auseinanderfallen würden, wenn nicht der Konfessionalismus und Zclotismus mit allem Eifer konserviert und stets von neuem geschürt würde. Nichts ist dem Zentrum willkommener, nichts kann ihm besser über die ihm aus seiner reaktionären Polisik er- wachsenden Schwierigkeiten hinweghelfen, als religiöse Hetze und Kulturkampfpaukerei. Durch Kulturkampfpaukerei sucht es sich gegen die Abrechnung wegen seiner schmählichen Wahl- rechtsverräterei zu schützen. Und Kulturkampfpaukerei soll ihm auch bei den Ncichstagswahlen als Retwngsmittel dienen. Nur so erklärt sich der sonst unbegreifliche Aufwand an zäher Energie und wüster Demagogie gegenüber einem Gesetz, das selbst einer erklecklichen Anzahl unverfälschter Junker völlig harmlos erschien. Daß das so erbittert befehdete Gesetz nun schließlich doch mit zwei Stimmen Mehrheit, mit 157 gegen 155 Stimmen, in dritter Lesung angenommen worden ist, braucht das Zentrum weniger zu schmerzen, wenn es auch so tut, als erwarte es mit Bestimmtheit die rettende Tat von den Konservativen des Herrenhauses. Sicherlich würde es den schwarzen Demagogen famos passen, wenn sie mit einem direkten Erfolg ihrer Anstrengungen im Lande hausieren gehen könnten. Aber für ihre Zwecke genügt es schließlich auch, eine so glorreiche Glaubensrcttungsaktion überhaupt unternommen zu haben. Auch glauben wir nicht, daß die Haltung der konservativen Minderheit zu einer ernstlichen Störung des schwarzblaucn Zweckverbandes zur Bolkskncbelung und Volksausplünderung führen könnte. Dazu fühlen sich diese schönen Seelen durch innerste Herzensbande allzu sehr solidarisch verbunden. Statt die Spaltung der Konservativen für das Scheitern ihres Glaubenskreuzzugs verantwortlich zu machen, werden sich die biederen Zentrumsstrategen denn wohl auch mit der liebens- würdigen Feststellung begnügen, daß die Regierung die An- nähme ihrer Vorlage als Geschenk der Sozialdemokratie habe entgegennehmen müssen. Auch der Krieg um die Ostmarkenpolltlk. der in der Presse so stürmisch einsetzte, um im Abgeordnetenhause so national- miserabel zu versumpfen, wird keine Opfer heischen. Die Regie- rung, die sich schon durch die große konservativ-klerikale Mehrheit völlig gedeckt fühlte, ließ sich durch den Theaterdonner der Ostmarkenvereinler nicht einschüchtern, Gegenteil, sie gab den Beamten, die einen so großen Prozentsatz des Vereins bilden, hinlänglich deutlich zu verstehen, daß es sich für sie nicht schicke, einen Vereinövorstand zu dulden, der der Re- gierung so scharfe Opposition zu machen wage. Den National- liberalen aber war inzwischen das Herz so sehr in die Hosen gerutscht, daß sie am Sonnabend durch Herrn Dr. Friedberg den fraglichen Artikel deL Ostmarkenvereins desavouieren und dem Landwirtschaftsminister und der Rechten flehentlich die Ver- föhnung anbieten ließen. Daß trotzdem die Rechte in eisiger Ablehnung verharrte, beweist nicht minder deutlich als die Rede Heydebrands, daß die Junker von den unbequemen Hakatisten nun einmal nichts mehr wissen wollen. Das Ergebnis der vernuglückten Hakatistenattacke aber wird, um uns der Worte der„Frankfurter Zeitung" zu be- dienen, sein:„Man wird auch weiterhin national- politisch reden, statt agrarpolitisch zu han- dein. Und der 0 st elbische Großgrundbesitz mag sich als Sieger fühlen." Dieser Sieg der Junker und des Zentrums aber wird der blauschwarzen Reaktion über den Rest des Unbehagens hinweghelfen, den etwa die Annahme des Feuerbestattungs- gesetzes bei ihnen noch hinterlassen sollte. Der eliMische Kill im Zentrumstunn. Aus dem Elsaß wird uns geschrieben: Die Zuspitzung der elsaß-lothringischen Verfaffungssrage, die herankommende Stunde der Entscheidung, hat die nationalistische Gärung in Elsatz-Lothringen ans Ziel geführt: das Land steht vor der Gründung der nach der Ablehnung der Autonomie vor einigen Monaten von B l u m e n t h a l, dem General ohne Soldaten, im Landesausschutz angekündigten sogenannten elsatz-lothrin- gischen Verfassungspartei. Mit anderen Worten: Es ist dem nach seinem Durchfall bei den Reichstagsstichwahlen von 1997 in die Arme der Klerikalen geflüchteten Streber Blumenthal gelungen, die mit den französischen Nationalisten kokettierenden reichsländischen Zentrumsmitläufer, die Wetterle, Preitz, R i ck l i n, H a u tz usw., davon zu überzeugen, daß sie im eigenen Interesse gut daran tun, das seit der Schnapsblockblüte der Reichs- finanzreform in Not geratene Zentrumsschiff noch vor den Neu- wählen des Reichstages zu verlassen und unter neuer, wie man glaubt, volkstümlicherer Flagge den Wahlstürmen entgegenzugehen. Diese Flagge ist die der elsatz-lothringischen Bcrfassungspartci: einziger Punkt des Programms die volle Autonomie(Selbstregie- rung) für Elsaß-Lothringen. In der Zukunft der lockende Schein einer klerikalen Republik nach südamerikanischem M u st e r— im Gegensatz zur französischen Freimaurer-Repu- blik—, mit Daniel Blumenthal als Präsident, Hautz als Staats- sekretär, Preitz als Unterstaatssekretär der Justiz, Ricklin als Unter- staatssekretär für die Landwirtschaft, Wetterle als Kultusminister usw. Es versteht sich am Rande, daß jeder der kommandierenden Generäle der heutigen aufständischen Armee später ein Minister- Portefeuille erhält! Wer will unter solchen Umständen der Ver- suchung widerstehen, wenn in Colmar die Werbetrommel gerührt wird?... In welch lieblicher Weise aber auch, abgesehen von lockenden Mandatshoffnungen, diese Werbung betrieben wird, zeigt anschcnr lich der von dem Zentrumsabbe und Bezirkstagsmitglied Dr. Haegy in Colmar redigierte„Elsässer Kurier", der dem zur Mäßigung und Besonnenheit mahnenden Stratzburger Zentrumsblatte„Der El- süsser"(in Nr. 116 vom 18. d. Mts.) in nicht mehr mitzzuverstehender Sprache antwortet: „Der„Elsässer" sucht Mut einzuflößen zu den kommenden Kämpfen! Er kann nicht veraessen, daß man im Volke sagen wird, das altdeutsche Zentrum habe uns diese Kämpfe aufgezwungen, habe diese Kampfesnot ver- schuldet. Die Befürchtung liegt nahe, daß aus solcher Ver- ärgerung heraus viele mutlos sich zurückziehen, andere sich weigern, unter der Zentrumsflagge weiter zu kämpfen, andere (viel e!) in einer Oppositionslust, wie man sie seit Jahr- zehnten nicht mehr kannte, unter der Fahne des„El- s ä s s e r t u m s"(vielleicht heißt man es Nationalismus) gegen ein verhaßtes Regime in den Kampf ziehen werden. Darüber ist kein Zweifel, wer heute die Fahne der radikalsten Opposition auf- pflanzt und erbarmungslos draufschlägt auf die Regierung in Strasburg und in Verlin, der ist des jubelnden Beifalls des elsaß-lothringischen Volkes sicher." Die Mandatsniederlegung des Abgeordneten Delsor in der Reichstagskommission für die Verfassungsvorlage, wo er von allen klerikalen Elsässern am ehrlichsten die Verständigung mit der Re- gierung suchte, und die in der elsässischen Zentrumspresse veröffent- lichte Aufforderung sämtlicher in Elsaß-Loth- ringen weilenden klerikalen Abgeordneten, mit Ausnahme von Vonderscheer und Hoen. an die Zen- trümler in der Verfassungskommission, die Vorlage ohne weitere Konzcssionen abzulehnen, wie die mit jedem Tage an Heftigkeit zu- nehmende Sprache der gesamten oberelsässischen kleri- kalen Presse und des.Lorrain" in Metz gegen das Zentrum zeigen zur Genüge, daß es sich hierbei um ein wohl- vorbereitetes, planmäßiges Vorgehen handelt, welches wenig- stens für einige Zeit— vielleicht bis nach der Reichstags- wähl— die reichsländischen Klerikalen jn zwei Lager spalten dürfte. Das führende Zentrumsorgan in Elsaß-Lothringen, der„El- süsser" in Straßburg, der mit der„Lothr. Volksstimme" in Metz treu zum deutschen Zentrum steht, hat den die Fahne der Revolte erhebenden Colmarern entgegengehalten, auf die Dauer werde sich bald herausstellen, wie wenig Halt einer Partei im Lande ge- geben wäre, die zwischen die schon bestehenden treten und etwa eine aggressive Haltung gegen das Zentrbm einnehmen möchte:„Aus einem versuchten Scherbengericht über das Zentrum könnte leicht alles zu Scherben werden. Ilnd wer hätte zuletzt den Schaden davon? Diese Frage wolle man sich einmal ruhig überlegen; wer für d.en Selbstmord ist, der trete fcorr Das schwarze Blatt malt hier z u schwarz— aus naheliegenden Gründen. Die feindlichen Brüder von heute werden sich sofort wieder zusammenfinden, nachdem sie ihre Kräfte gegeneinander gemessen haben, ohne sich allzu wehe zu tun. Die Sozialdemokratie insbesondere wird sich hüten, in dieser Spaltung etwas anderes zu sehen als einen Theatercoup politischer Seiltänzer, die am kritischen Vorabend großer Wahlen die Aufmerksamkeit der Wähler von alten Zentrumssünden ablenken wollen, um sie auf neuen klerikalen Leim zu locken. Sie Lage in Belgien. Brüssel, 18. Mai.(Eig. Ber.)' Die politische Luft Belgiens ist gewitterschwanger.... Während im ganzen Lande eine kräftig einsetzende Agitation in einer ununterbrochenen Serie von Protestversammlungen die öffentliche Meinung zum Kampfe gegen das klerikale Schulgesetz aufruft und vorbereitet, kommt es in der Kammer bereits zu den ersten Waffengängen. Am Mittwoch gab es eine regelrechte Obstruktionsszene mit Sitzungssuspendierung und Räumung der Tribüne. Der Liberale H a m b u r s i n, der Vertreter von Namur, hatte das Wort, angeblich zum „Etat des Ministeriums des Innern" und— ließ es nicht wieder los, bis die Sitzung— in der man die Ankündigung wegen der Diskussion des nunmehr von sechs Klerikalen als Initiativantrag eingebrachten Schulgesetzes erwartete— geschlossen wurde. Der Klerikale Verhaegen, einer der kühnsten Vorstreiter für das Schulgesetz, wurde unter tosendem Lärm am Sprechen verhindert und nach Wiederaufnahme der Sitzung mußte der Vorsitzende erklären, daß der Deputierte Hambursin„noch das Wort habe".... Dieser erklärte dann, daß er zu„müde" sei und die Sitzung mußte, was die Opposition beabsichtigt hatte, geschlossen werden. Am Donnerstag verlangte der klerikale Deputierte Limb u r g» S t i r u m, daß sich die Kammer am n ä ch st e n M i t t- w 0 ch über die Diskutier» ng des Schulgesetzes ausspreche. Der Vorschlag wurde mit den 83 klerikalen Stimmen gegen 73 oppositionelle— die liberale Opposition hatte wieder einmal Lücken— angenommen. Die liberal-sozialistische Opposition wird einen Ver- tagungsantrag stellen. Am Mittwoch wird demnach das erste Gefecht im Kampf der Schulfrage geliefert werden. Die Parteien der Linken haben bereits Kriegsrat ge- halten.... Die Klerikalen haben es, wie man sieht, sehr eilig, ihr Schulgesetz unter Dach und Fach zu bringen. Die Taktik der liberal-sozialistischen Opposition in den Ausschüssen, die Bc- ratung des Schulgesetzes hinauszuschieben, haben sie mit dem Trick beantwortet, das von der Regierung eingebrachte Schulgesetz nun mit etlichen unwesentlichen Aendcrungen und Ver- ballhornungen als selbständigen Initiativantrag einzubringen, den sechs Nullen der klerikalen Partei unterschrieben. Warum die Klerikalen es nun so eilig haben? In einer Broschüre, die sie eben verteilen, wird als hauptsächliefzer Grund für die Dringlichkeit angegeben, die Sorge der Re- gierung, die Bevölkerung so rasch als möglich die Wohltaten des Schollaertschci„Klostergesetzes", wie das Schulgesetz von den Gegnern wegen seiner generösen Millionenspenden für die kirchlichen Schulen getauft wurde, teilhaftig werden zu lassen! Sonderbar! 27 Jahre hat die Regierung aus das Gesetz warten lassen und nun soll jeder Tag ohne die be- glückende Wirksamkeit des Gesetzes„verloren" sein! Etwa 233 Gesetzvorschläge und Projekte schlummern in den Pulten. darunter einige, die allerdings weniger die Klöster und Pfaffen als die arbeitende Masse der Bevölkerung inter- essieren— aber für die Regierung gibt es augenblicklich nichts Dringlicheres als die Durchsetzung und Durchpeitschung ihres Schulgesetzes. Und dies, trotzdem, oder vielmehr eigentlich weil sie sieht, daß sich die öffentliche Meinung überall im Lande, wo sie nicht eben von Pfaffen und Pfaffendicnern ge- macht wird, einmütig und mit seltenem Schwung gegen das klerikale Attentat richtet. In der Tat: die klerikale Partei kann nicht warten, wie die Liberalen und Sozialisten es ver- langen, bis sich die Bevölkerung bei den Wahlen— und zwar Wahlen für das ganze Land— über Güte und Schädlichkeit des Schulgesetzes ausgesprochen haben würde. So begeistert sie nämlich für das Gesetz sind, so haben die Klerikalen ficht- lich vor dieser allgemeinen Konsultation doch genugsam Angst, Um ihr Projekt lieber nicht dem Volksurteil auszusetzen, so- weit es außerhalb der Klostermauern spricht. Wenig per- schlägt es der Regierung, daß ihr, die erwiesenermaßen nach den letzten Wahlziffern nicht mehr die Majorität der Wähler vertritt, jede moralische und politische Berechtigung fehlt, ein so einschneidendes und grundlegendes Gesetz dem Lande aufzuzwingen, angesichts e i n c r Q p p 0- sition innerhalb und außerhalb des Parla- iie Meinung mindestens der Hälfte der Bevölkerung repräsentiert. Aber alles, was die Gegner des Gesetze» von einer' Auflösung des Hauses und allgemeinen Wahlen e r h 0 f f e n, muß die Regierung nach der Stimmung im Lande und nach den letzten Wahlerfabrungen b e f u r cht e n Ware ihnen der„Wille der Majorität" so sicher, wie sie Grund haben, seine ziffernmäßige Tokumentierung öst umgehen und zu befürchten— wer bezweifelt, daß sich die Klenkalen mit allem Pathos um das Volksurteil bewerben wurden?. So oher werden sie, und wäre es mit Hilfe eines StaaWrelHs, alles bafanlcffit, ihr Gesetz in den Zasen zu bringen� ehe sie dieses Volksurteil hinwegschwemmt. Immerhin, bei allem Zynismus und aller Entschlossenheit zur bösen Tat, werden sich die Klerikalen nicht im unklaren sein, welchen sturmvollen Tagen sie. entgegengehen, ehe noch das wirkliche Ende naht. Denn innerhalb und außerhalb der Kammer ist ein zäher und kraftvoller Wille lebendig, dem kühnsten Parteistreich, zu dem die katholische Partei nun aus- holen will, zu begegnen, und zwar mit allen verfügbaren Mütelm die die Not gebietet. K politische Qeberficbt. Berlin, den 20. Mai 1911. Hinterbliebenenfürsorge. Aus dem Reichstag, 20. Mai. In Fortsetzung der Verhandlungen über die Invalidenversicherung kam es heute hauptsächlich zu Auseinandersetzungen- über die Hinter bliebenenfürsorge. Auch da blieben die Kommissions- beschlüsse hinter den berechtigten Anforderungen zurück, und auch da wieder mißlangen die Verbesserungsversuche. Wäh rend die Kommission bestimmt hat, daß nur solche Witwen Rente erhalten sollen, die dauernd invalide sind, der .langen die Sozialdemokraten, diese einschränkenden Worte zu streichen. Dem Einwand, daß dadurch wieder die Kosten zu sehr anschwellen würden, hielt Genosse Leber entgegen, daß diese geringfügige Erhöhung gegenüber dem Notstande der ins Elend versetzten Witwen nicht in Betracht kommen könne. Ohne Erwiderung lehnte die Mehrheit den Antrag ab. Waisenrente will die Kommission nur den ehe» l i ch e n Kindern zukommen lassen. Die Sozialdemokraten verlangen, daß auch die unehelichen Kinder berücksichtigt werden, sofern der Verstorbene ihnen den Unterhalt gewährt hat. Molkenbuhr wies vergeblich darauf hin, daß die Menschlichkeit verlange, die unehelichen mit den ehelichen Kindern gleich zu behandeln. Die Mehrheit ließ sich durch ihr mittelalterliches Vorurteil leiten. Sie lehnte den Antrag ab. Fruchtlos waren auch die Versuche, ein Heilverfahren zur Verhütung drohender Invalidität durch die Versicherungs- anstalten einleiten zu lassen, wofür die Genossen F a b e r, Stolle und Binder eintraten. Eine ausgiebigere Debatte entwickelte sich dann über die rage, ob die Versicherungsanstalten bei der Aufwendung von itteln zur vorbeugenden Krankenfürsorge, an die Genehmigung der Aufsichtsbehörde ge- Kunden sein sollten oder nicht. Ein freisinniger Antrag, den Dr. M u g d a n und P o t t h o f f begründen, will die G e- nehmigung beseitigen, da die Gefahr der Einschränkung der VorbeugungSmittel dadurch herbeigeführt werde. Als der Ministerialdirektor Caspar die Genehmigung durch das Reichsversicherungsamt als völlig unbedenklich hinstellt, führte Genosse Hoch an, daß der nämliche Herr in der Kommission die Leiter der Versicherungsanstalten bezichtigt hatte, sie suchten aus Prahlsucht die Heilbehandlung anzuwenden. Daraus könne man ermessen, wozu jene skandalöse Bestimmung führen werde, durch die tatsächlich die Versicherungsanstalten unter Polizeiaufsicht gestellt würden. Der Renommierarbeiter des Zentrums. Giesberts. stellte sich dumm, indem er behauptete, durch die angefochtene Bestimmung solle das Heilverfahren nicht eingeschränkt, sondern nur„gesetzlich geregelt" werden. Als Hoch und Dr. M u g dan diesen Mnwand zerpflückt hatten, erschien der frühere leitende Soztalpolitikor des Zentrums, Professor Hitze, der seit Jahren nicht das Wort ergriffen hat, auf dem Plan, um seinen Kollegen Giesberts herauszupauken. Aber selbst dieser gewandte Parlamentarier entgleiste in Verteidigung einer schlechten Sache, denn es entschlüpfte ihm das Ein- geständnis, daß das Zentrum seine Hand zu der Genehmigungs- bestimmung geboten habe, weil es solchem„Luxus", wie er in Beelitz getrieben werde, entgegenwirken wolle. Hoch nagelte den geistlichen Würdenträger sofort darauf fest, daß aus seinen Worten die Abneigung gegen die trefflichen Leistungen der großstädtischen Anstalten ja deutlich hervortrete. Dann brachten die christlich-sozialen Gewerkschaftssekretäre Becker und Behrens noch einige klägliche Ausreden für ihre Be teiligung an den Genehmigungsparagraphen vor und schließ lich wurde er gegen die Linke von dem Entrcchtungsblock angenommen. Im Zusammenhang damit steht auch der§ 1341. der der Aufsichtsbehörde da» Recht gibt, den Voranschlag der Versicherungsanstalt zu beanstanden. Gegen diese Kautschuck- bestimmung führte Genosse Büchner inS Feld, daß durch seine Anwendung die Anwendung des Heilverfahrens schwer gefährdet werde. Am Tage vorher habe das Zentrum aber noch erklären lassen, eS lege auf ein gutes Heilverfahren den höchsten Wert. Jetzt sei Gelegenheit, durch Annahme des sozialdemokratischen Antrags aus Streichung des Beanstandungs- rechts der Aufsichtsbehörde dies zu beweisen. Da der Antrag ein namentlicher ist, soll er erst am Montag vorgenommen werden. Nach der Ablehnung aller weiteren Versuche die Befug- nisse der Versicherungsanstalten zu erweitern, tritt das Haus noch in die Beratung des 5. Buchs ein, das die B e- zichungen der Versicherungsträger unter einander und zu anderen Verpflichteten regelt. Die Beratungen nehmen hier nur kurze Zeit in Anspruch. da dieses Buch, wie Genosse Schmidt erklärte, auch nach sozialdemokratischer Auffassung einwandsftei ausgearbeitet ist und nur zu einer erheblichen Ausstellung Anlaß gibt. Das ist der§ 1491a. der erst auf Antrag des Grasen Westarp in das Gesetz hineingekommen ist und bezweckt, einen Mann, der unter einem entschädigungspflichtigen Unfall leidet, alles Krankengeld abzuzwacken, bis auf die paar Pfennige, die über den Betrag der Unfallrente hinausgehen. Auch hierbei war indes Widerspruch vergeblich. Die Mehrheit nahm diese kleinliche lex Westarp an. Am Montag soll versucht werden die zweite Lesung der ReichSversicherungSordnung zu Ende zu bringen. Es ist noch ein Haufen anderer Vorlagen auf der Tagesordnung gesetzt. Di« fiskalische Bergpolitik. «aS vbge»rdnetenbaus befatzte sich nach Erledigung de? Feuerbestattungsgesetze» und der Ostmarkenfrage mit dem Bericht der Budgetkommisston über die Lage der staatlichen Berg- werke. Der Berichterstatter Hirsch. Essen legte in auS- sührlicher Weise die in der Ludgetkommisfion zutage getretenen An- sichte» dar. Die fiskalische Vergpolitil kranke an den verschiedensten Mängeln. welche den Rückgang der Förderziffer verursachten: an einer niangelhasten Beamtenorganisatio», einer veralteten Lohn- Politik, die sich den Bedürfnissen der Konjunktur nicht anpasse, und der unzulänglichen Autorität der Verwaltung gegenüber den Lrbeiteru. Dieser Laden wurde dann von dem konservativen Abgeordneten Pap.penheim weiter gesponnen, der vor„über- triebenen Humanitären Rücksichten" warnte und die Regierung aufforderte, sich an der N e ü b i l d u n g d e S Kohlen- shndikats zu beteiligen. Der Handelsminister S y d o w. namentlich aber der Oberberghauptmann v. Belsen, sahen sich in die eigentümliche Lage versetzt, ihre Beamten- und Arbeiter Politik gegen das scharfmacherische Ansinnen des nationalliberalen und konservativen Redners zu verteidigen. Der Zentrumsabgeordnete Brust meinte, daß es sich hier um einen Kampf deS privaten Berg- unternehmertumS gegen den fiskalischen Bergbau handele. An der Besoldungsordnung dürfe nicht gerüttelt werden. Auch sei es nötig, ein gutes Verhältnis zwischen Arbeitern Und Beamten herzustellen. Das Haus wird am Montag den Vorstoß des fcharfniacherischen Grubenkapitals weiter erörtern, wobei der Redner der Sozialdemo- krati? nicht verfehlen wird, die Interessen der Arbeiter in energischer Weise wahrzunehmen._ Schwarz-blaue Treibereien gegen die Elsah-Lothringische Verfassung. Die Konservasiven suchen noch in letzter Stunde alles aufzubieten, um die verhaßte Verfassungsvorlage, die das gleiche Wahlrecht den Elsaß-Lothringern bringen soll, zu Fall zu bringen. Elsaß-Lothringen, das vor 40 Jahren mit der Gewalt der Waffen dem Reiche einverleibt worden war. endlich durch die Demokratie dem Reiche wirklich anzn gliedern, ist sicher ein nationales Werk, das Wort einmal in seinem richtigen Sinne angewandt. Aber das hält unsere Junker natürlich keinen Moment lang ab, den Versuch zu machen, die Klasseninstinkte ihrer polnischen Klassengenossen gegen die demokratischen Bestimmungen der Vorlage wachzurufen. Der Patentpatriot. Ueber- royalist und Radaudeutsche Oldenburg-Januschau gibt sich besondere Mühe, die polnischen Junker mobil zu � machen. Er findet warme Unterstützung bei dem reaktionären Zentrumsgrafen Oppersdorfs. Die Intriganten hoffen von den Polen und dem Zentrum so viel eute zu sich hinüberzuziehen, um den Sprachenparagraphen oder sonst eine Bestimmung zu Fall zu bringen und so das ganze Werk zu vereiteln. Ob die Geschichte Erfolg haben wird, wird sich ja bald zeigen. Aber schon jetzt mutz fest- gestellt werden, daß dann die Schuld, das allgemeine und gleiche Wahlrecht verraten zu haben, auf Befehl der kon- servativen Junker und Wahlrechtsfeinde, vor allem auf das Zentrum fallen würde. Denn wenn es dem Zentrum e r n st ist, so würde es die nötige Parteidisziplin spielend anstecht erhalten können. Im übrigen suchen die Junker die Regierung scharf zu machen. Die„Deutsche Tageszeitung" schreibt unwirsch: „Bei dem wiederholten Zurückweichen der Regie- rung auch bei Punkten der Versastungsvorlage, in denen sie zuerst ein entschiedenes„Nein" ausgesprochen hatte, kann man ja manches für möglich holten: daß aber der Reichskanzler sich mit der Ausmerzung der Pluralstimmen auS dem Gesetze abfinden könnte, darf doch wohl noch entschieden be» zweifelt werden." Aber der Zweifel wird nicht viel nützen. Die offiziöse »Köln. Ztg." teilt mit, daß der Reichskanzler die Verfassung auch mit dem gleichen Wahlrecht akzeptieren wird, und die„Nordd. Allg. Ztg." schließt ihre Darstellung der Kommisstonsvorgänge mit dem Satz: „Die besonders wichtigen Fragen, welche die Stellung de» Kaisers, die Zusammensetzung de« Oberhauses und da« Budget recht betreffen, find«ack den Wünschen der Regierung von der Kommission erledigt worden." Der Ausmerzung der PluralitätSstimmen wird also still schweigend zugestimmt._ Stimmungsmache für ein neues Zuchthausgesetz. Nach dem Bericht einer offiziösen Korrespondenz hat die PetitionSkommission deS Reichstages Petitionen von Arbeitgeberverbänden mit der Bitte um Erlaß von Bestimmungen zum Schutze der Arbeitswilligen gegen Bedrohung und Mißhandlung und der Gewerbetreibenden gegen Verrufserklärungen, Boykott usw. der Regierung als Material überwiesen. Die Petenten führen in ihren Eingaben übcreinstim- mend auS, daß für die Arbeitswilligen ein größerer gesetzlicher Schutz vonnöten sei gegen Belästigungen durch Streikposten, gegen Bedrohung und Mißhandlungen Arbeitswilliger. Bereits früher habe Graf PosadowSky erklärt, daß diese Fragen bei der Be- ratung des neuen Strafgesetzbuch» geregelt werden sollten. Es wurde aus der Kommission angefragt, ob die Kommission zur Vorberatung des neuen Strafgesetzbuches sich mit diesen Fragen bereits beschäftigt habe und ob die Verbündeten Regierungen Maß» nahmen zur Abstellung hervorgetretener Mißstände auf diesem Ge- biete treffen würden. Von der Regierung wurde erklärt, die Frage, ob die Vorschriften des Strafgesetzbuches und die bestehenden gewerberechtlichen Bestimmungen ausreichen, bedürfe einer ein- gehenden Prüfung. Die Kommission zur Vorbereitung de» neuen Strafgesetzbuchs werde sicherlich die in den Petitionen be- rührten strafrechtlichen Fragen erörtern. Da» weiter ausgedrückte Verlangen, eine Schadenersatzpflicht der Gewerk- schaften und Verbände, auch soweit sie nicht eingetragene Vereine seien, für unerlaubte Handlungen ihrer Organe gesetzlich festzulegen, stehe in engem Zusammenhange mit der Frage der Rechtsfähigkeit der Berufsvereine. Ueber diese Frage könne vorläufig noch keine Erklärung abgegeben werden. Daß das neue Strafgesetz neue Ausnahmebestim- mungen gegen die Arbeiterklasse bringen soll, ist ja bekannt. Aber es schadet nichts, wenn die ununterbrochene Hetz- arbeit der Unternehmerverbänd« gegen das KoalitionSrecht von Zeit zu Zeit in Erinnerung gebracht wird. Die Westarp-Rede als Reichsverbandsmaterial. Der ReichSvcrband hat die Rede, die der konservative Graf Westarp im ReickiStag gegen die Krankenkassen gehalten hat, zun, Zwecke der Massenverbreitung als Flugblatt herstellen lassen. Für die Kampfesweise der Reichsverbändler ist eS wieder einmal reckt bezeichnend, daß sie zwar die unerhörten Angriffe de» Grafen Westarp verbreiten, aber natürlich mit keinem Worte merken lasten, daß die Genossen Eichhorn. Schmidt und H e i n e die Aus- führungcn des Grafen gründlich widerlegt haben. Das.Material" deS Grafen Westarp stammte vom RcichSverband, seine Rede scheint der Graf also für den Reichsverband gehalten zu haben. damit dieser die skrupellosen Angriffe auf die Krankenkassen ver- breiten kann, ohne der Gefahr ausgesetzt zu sei», sirafrechilich zur Verantwortung gezogen zu werden. Die Verbreitung von voll- ständigen ReichStagSreden ist bekanntlich straffrei. Diese Art der Agitation scheint dir neueste Methode des Reichsverbandes zu sein, der dadurch die Spitze abgebrochen werden muß. daß nun unsererseits die Reden der Abgeordneten Eickhorn, Schmidt und Heine als Flugschrift gedruckt und in Massen verbreitet werden. „Lastervcrwnlter" Kreth. Im Wahlkreise des ReichStagSabgcordneten Kreth, deS Direktors der Spirituszentrale, entfalten seit Monaten die Nationalliberalen eine fieberhafte Tätigkeit, um diesen rückfichtskosen Vertreter des feudalen ostelbischen AgrariertumS aus dem Sattel zu heben. In diesem Wahlkreise spielt auch die mit 50000 M. Gehalt bezahlte Stellung des Herrn Kreth als Direktor der SpiriwSzentrale eine große Rolle. Die Nationalliberalen weisen nach, daß da-Z Privat» Monopol der SpirituSzentrate eine schwere Schädigung der Land- Wirtschaft bedeutet, da e? das Entstehen neuer Brennereien fast un- möglich macht. Ilm die Bauern zu beruhigen, hat Herr Kreth in einem Orte seines Wahlkreises in einer Versammlung erklärt, daß er als Direktor der Spirituszentrale nichts mit der Geschäflssührung zu tun hätte, sondern nur gewiss erma ß e n L a g e r v e r w a l t e r wäre und auch bei dieser bescheidenen Tätigkeit keinerlei Initiative zu entfalten brauchte, weil ihm natürlich bei einem so großen Be- triebe technisch geschulte Beamte in erforderlicher Anzahl zur Ver- fügung ständen._ Die diesjährige Zentrumsparade. Die große Heerschau der deutschen Klerikalen über ihre Schäslein, die 53.„Generalversammlung der Katholiken Deutschlands", findet vom 6.— 10. August in Mainz statt. Dieses Schau- und Spektakel- stück wird von den Zentrumsmanagern natürlich schon jetzt ein- sprechend vorbereitet. Daß dabei auch die Berichterstattung für die Zentrumspresse nach bewährtem Muster monopolisiert wird, versteht sich von selbst. Die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" veröffentlicht in ihrer Abendausgabe vom 13. Mai Mitteilungen aus einein Zirkular der C. P. C., der parteiamtlichen Zentrumskorrespondenz, in welchem diese mitteilt, daß„eS durch das Zentralkomitee des Katholikentages sowie durch den«ugustinusverein mit der offiziellen Berichterstattung für. die Zentrumspreffe beauftragt sei und daß dieses Verhältnis zwischen dem AugustinuZverein und der Zentrums- korrespondenz vertraglich festgelegt sei". Sehr interessant ist dann, waS die C. P. C. weiter verrät über die einzig dastehende Komödie, die mit den Reden der Katholiken- tagSredner getrieben wird. Die»Rheinisch-Westfälische Zeitung" teilt darüber mit, „daß die Manuskripte der sämtlichen Reden der Katholiken- tagStriumphatoren dem Bureau der»Zentrumskorrespondenz" zu- gängig gemacht werden, ehe sie gehalten werden, und daß das Bureau seinerseits mehr oder minder lange Auszüge aus diesen Reden eine volle Woche vor dem Beginn der Katholikenversammlungen an die Zentrunis- presse versendet. Die Einleitung sowie der Verbindungs- text für die einzelnen Versammlungen können sowohl telephonisch wie durch Depesche oder brieflich bezogen werden." Diese Art der Zentrumsberichterstattung ist nichts Neue», so wurde es schon immer gemacht. Die Reden wurden mit dem „jubelnden, brausenden, nicht endenwollenden Beifall" schon vorher gesetzt, selbst ans die Gefahr hin, daß dieser„jubelnde Beifall" manchmal an einer falschen Stelle stand, weil die von einem nicht allzu geschickten Claqueur dirigierte beifallswütige Menge an einer ganz anderen Stelle„Bravo" brüllte, wie es vorgeschrieben war. Wie sagte doch daS reformkatholische.XX. Jahrhundert" über die Katholikentage: „Die ganze Tagung ist ein vorzüglich arrangiertes Schauspiel mit einem Dutzend Darstellern und einem riesigen Publikum." Nebenbei verstehen die ZentrumSmacher ihre Parade auch ge- schäftlich auszunutzen. An eine große Anzahl von nichtkatholischen Geschäftsleuten in Berlin und jedenfalls auch an anderen Orten sind Zirkulare versandt worden, in denen zur Aufgabe von Inseraten für das»Festblatt" aufgefordert wird. Der Kopf deS Zirkulars entspricht dem deS„FestblatteS", er zeigt den heiligen Martin, wie er seinen Mantel mit dem Schwert zerteilt und einem Armen die Hälfte davon abgibt. Die ZentrumSentrepreneure halten eS aber weniger mit dem Geben als mit dem Nehmen. Zur höheren Ehre des Zentrums nehmen sie auch das Jnferatengeld von Ketzern und Juden, wobei ausdrücklich vermerkt wird, daß AuSnahmepreife nicht gemacht werden können, weil das katholische Lokalkomttt« feste Preise verttaglich vorgeschrieben hat._ Der Zentrumsgeneral. Als 1907 bei der Reichstagswahl das Zentrum mit einem keib- haftigen General als Kandidaten aufwarten konnte, da war eitel Freude in ultramontanen Kreisen und die Zentrumsblätter konnten sich nicht genug tun im Lobpreisen ihrer Partei, die mit diesem glücklichen Griff dem Vaterlande einen unschätzbaren Dienst geleistet haben sollte. So schrieb damals der»Bayerische Courier": ..Das Zentrum hat einen hohen Militär aufgestellt. CS ist der �yerische General HmiSler, ein ganzhervorragendes Talen t. Di�er Offizier spricht zehn Sprachen und gilt als e.ne Autor, tat im A r t i l l e ri ew ef e n. Seine Wabl w.rd deshalb e.n großer Gewinn für uns fein und er kann dem Reiche Millionen ersparen. Dabei verfügt er über eme a u s gezeichnete Rednergabe. Durch diese ® Geschrei von der„unnationaletl" Zentrumspartet wrdcrlegt. Mr freuen uns jetzt schon, wenn dieser Abgeovdnete ,n Ge n c ra l S un i for m erscheint » �£.rttlll?t. V latz nimmt; besonder» bei der ReichStagSeroffnung wird diese Erscheinung viel Auf- mertjamkelterregen. SentrumSgenerals hat nicht lange ge- däuert. Der-�ann wurde seiner Partei unbequem, als das Zentrum sich den Konservativen zugesellte und wieder zur Re- gwrungspartel wurde. Herr HäuSler wurde kaltgestellt, weil er sich m den Wcch,el der Dinge nicht schnell genug zu finden wußte, und der Herr General, der gewählt war. um„dem Reiche Millionen zu ersparen, mußte abtreten, als er nicht begreifen konnte, daß daS Zentrum als Regierungspartei keine Leute brauchen kann. die dem MilitariSinuS gegenüber mit Millionen knausern. Zehn �sprachen spricht der Herr General; seine Partei hat ihn ver- urteilt,»n zehn Sprachen zu schweigen, und wie man sich damals auf den Augenblick freute, wenn der Mann in der Gcnerntsuiiirorm tui Zentrum Platz nahm, so freut man sich jetzt schon darauf, wenn der Mann mit der Autorität im Artillerie- Wesen, mit den zehn Sprachen und der ausgezeichneten Rednergabe ivieder aus dem Zentrum verschwindet. Herr Erzberger, der weder ein ganz hervorragendes Talent, noch Inhaber. einer Generals- zu'halteit-! � � anders in der Gunst dcz Zentrums Ganz wie in 91vcuficnJ TORhm.!. Post' in Ludwigshafen bringt folgende 91» ♦«.,*"i' ministerielle Aktion gegen die Veamtenverelnigung in Bayern". Vo» besonders m- Seite wird un« da? Nachfolgende geschrieben: Vor m-hrern, Wochen fand beim Minister de« Inner»-ine Konferenz �" bayerischen Regierungspräsidenten statt. Den Vo.sty führte StaalSminister v. Brettreich Unter anderen Dingen stand zur Be- sprechung du Frage, wie man weiteren Grllndnng«» von Beamten- Vereinigungen entgegentreten könne. Minister v. Brettreich legte den KreiSchefS ans Herz, die Bildung neuer Beomtenveremc möglichst hintanzuhalten, da diese doch durchweg trotz ihrer schonen Satzungen M"ft politischen Charakter annehmen, verbieten, meinte der Herr Minister, könne man die Bildung solcher Vereine nicht. aber es gebe schon Mittel, um sie zu verhindern. Insbesondere sollten die Kreischefs auf die vorstände solcher vereine em besonderes Augenmerk lenken. Moabit vor dem Ttrafiburger Kriegsgericht. «tatvbem Strahburger Gouvernementsgericht hatte sich am TAwcksWM-tzeeMWt ejrld�KJiiAa Ungehorsams zu Betanlworlen. Nach der Anklage wurde dem Beschuldigten der Vorwurf gemacht, daß er am 5. Dezember 1910 gegen einen Befehl des Generalkommandos insofern verstoßen habe, als er an einem öffentlichen Orte Tritten gegenüber erkenn- bar gemachte Aeußerungen fallen ließ, die als„Kundgebung revolutionärer Gesinnung" aufgefaßt werden müßten. KS handelte sich dabei um folgenden Tatbestand: An dem genannten Winterabend fanden sich in der Wirtschaft ..Zur Krone" zu Neumühl bei Straßburg einige Landleute ein, denen sich bald der Angeklagte, der damals zum Fort bei Neumühl abkommandiert war. zugesellte. Im Laufe des Gesprächs kam man auch auf die M o a b i t e r Vorgänge. Als Wortführer dieser anscheinend recht lebhaften Debatten spielte sich Sergeant Luchterhand als geborener Berliner auf. Er sprach, wie zeim-n- mäßig festgestellt wurde, dem begreiflichen und auch berechtigten Streik der organisierten Arbeiter das Wort, verurteilte das Vor- gehen des Mobs bei den Moabiter Krawallen und stellte sich dabei auf den Standpunkt, daß die Sozialdemokraten keineswegs für die bedauerlichen Vorkommniffe im Nordwesten Berlins verantwortlich gemacht werden können. Der Sergeant dachte also ganz so, wie andere vernünftige Menschen auch. Die Zeugenaussagen, namentlich diejenigen der Landwirte Geier und Blitz sowie dcS sächsischen Unteroffiziers Petzold, waren ebenso unklar und verworren, wie die Bekundungen der Wirts- eheleute Kamüller, die übrigens den Stein des Anstoßes durch die Anzeige der an sich harmlosen Begebenheit gegeben hatten. Der Kriegsgerichtshof �vermochte nur in einem Punkte den Wahrheitsbeweis als erbracht zu erachten, worauf der Vertreter der Anklage eine Strafe von vier Woöhen Mittelarrest beantragte. Dank der geschickten Verteidigung des Rechtsanwalts Gustav Weber kam Luchterhand mit fünf Tagen Mittelarrest davon. Allerdings will man nicht mehr mit ihm kapitulieren, so daß er aus dem Heere ausscheiden mutz. Schwierigkeiten mit dem Zweckverbandsgesetz. Die Kommission de§ Herrenhauses hat auf Beranlasiung einiger Bürgenneister beschlossen, die Weiterberatung des Zweckverbandsgesetzes auszusetzen und von der Regierung weiteres Material einzufordern. Die Erledigung der Berlage noch vor Pfingsten im Plenum des Herren- hauseS ist damit unmöglich gemacht. Die Tagung der beiden preußischen Parlamente wird dadurch über den vorgesehenen Zeit» puolt hinaus verlängert._ Italien. Eine Niederlage GiolittiS. Rom, IS. Mai. fEig. Ber.) Die unklare Situation, aus der das heutige Ministerium hervor« gegangen ist, nämlich aus einem Kammervotum gegen die radikale Hälfte der Kammer, was Giolitti nicht abhielt, gerade die radikalen Elemente seine» Kabinetts zu verstärken, diese unklare Situation trägt heute ihre Früchte: bei der heutigen Vizepräfidentenwabl in der Kammer ist der Radikale A l e f s i o mit 122 Stimmen dem Kandidaten der konservativen Opposition Gripps mir 213 Stimmen erlegen. Das bedeutet, daß GiolittiS Mehrheit sich die erste geheime Abstimmung zunutze macht, um gegen das Bündnis GiolittiS mit der äußersten Linken zu protestieren. Bei der namentlichen Abstimmung hat da« Kabinett gleich nach seiner Borstellung bekanntlich eine ungeheure Mehrheit davongetragen. Sobald aber GiolittiS Dittatorenblick nicht über die Abstimmung wacht, so bekommt seine Mehrheit plötzlich Courage und stimntt gegen die radikalen Freunde GiolittiS. Wohl verstanden wird die Regierung diesen Ausgang der Vize- präfidentenwahl keineswegs als Niederlage ansehen wollen. Hat fie doch von Anfang an erklärt, sich der Auft'tellnng eine» eigenen Kandi« baten zu enthalten, da der freigewordene Sitz ohnehin der Oppo- sition zutmne. Aber nichtsdestoweniger zeigt die Abstimmung, daß Giolitti, soweit er Freund der Radikalen sein will, keine Mehr« heit in der Kammer hat. Und wenn diese Mehrheit dem radikalen Techtelmechtel GiolittiS gegenüber so völlig abfällt, wieviel mehr wird fie einer radikalen Politik des Ministeriums gegenüber versagen. Was hat denn Giolitti die Freundschaft der Radikalen zind sogar die der sozialistischen Fraktion gesichert. wenn nicht gerade das Versprechen einer Maßnahme radikaler Art, nämlich der WahlrechtSerweiterung? Die Herren, die heute dem Geheimnis der Urne ihre Abneigung gegen die äußerste Linke an- vertrauten, werden flcher nicht anstehen, ihrer Abneigung gegen die Wahlrechtserweiterung seinerzeit den gleichen Ausdruck zu geben. Das bedeutet, daß mit der heutigen Kammer die Wahl- reform nicht durchzuführen ist. weil die Giolittische Mehr- heit von ihr nichts wissen will. Wie wird Giolitti die Konsequenz anZ dieser Totsache ziehen: wird er die Kammer der Wahlreform. oder die Wahlreforn, der Kammer opfern? Unser Parteiblatt.Jl Lavoro" stellt« am Tage vor der Abstimmung die Auflösung der Kannner im Falle der Niederlage des Radikalen als unvermeidlich dar. Wir glauben nicht, daß Giolitti auch nur im entferntesten daran denkt, die Kammer aufzulösen. Da mit dieser Kammer, wie daS heutige Votum zeigt, an radikale Reformen nicht zu denken ist, da in ihm die konservativen Kandidaten die Mehrheit über den ministeriellen Radikalen davontragen, so bedeutet das, daß wir GiolittiS Versprechen der Wahlrechts- erweitenmg nicht ernst nehmen. Giolitti hat eS sehr im Griff. Bersprechungen zu geben und sich vmtn ans die Kammer zu berufen, die seinen freiheitlichen Tendenzen kein Verständnis entgegen bringe. So hat er eS bei einem vor Fahr und Tag gemachlcn Versprechen eineö EhescheidungsgesetzcS geHalle». Wer weiß, ob er nicht bei der Wahlrechtsreform eine zweit« Auflag« dieses Falles vorbereitet. Mrokko. Spanische Proteste. Madrid, 20. Mai. Die spanische Presse protestiert fort- gesetzt gegen die französische Intervention in Marokko. Den schärfsten Ton schlägt„Abc" on. Da, klerikale Blatt erklärt. Fwnkreich kümmere sich nicht um die Verträge, säe Krieg, wie jemand, der mit kalter Berechnung ein Experiment vorilunrnt, und schaffe Anarchie unter den Muselmanen. Die Franzosen schafften für Muley Hafid e,nc unmögliche Lage und benutzten seine Furcht, um ihn zu unterwerfen. Frankreich, das sich auf die Zivili- falion berufe, um die politische Moral zu verhöhnen, schüre nur den Haß der Muselman«« gegen die Europäer und reize die Rifstämme C«gen Spanien auf._ Eiu«euer Angriff. El Knilra, 20. Mai. Gestern wurde da« Lager von veni Hassen angegriffen. Die Besatzung macht« eine»«ussall, um den Feind zu vertreiben. Hierbei wurde em Hauptmann der KoloniaUnsanterie getötet._ FranjSsische Lcrlnste. Pari», SO. Mai. Im M i n i st e r r a r verlas KriegSminisier Berteaux eine Dcpekchc de? GeNtralS Toiliäc üvcr bat Gefecht bei El Aliiana von, IV. b. MtS.. in welcher milgeteilt wird, daß die Verluste u, diesem Gefecht größer gewesen seien als ursprüng- lich gemeldet. Außer eineni Hauptmann seien 27 Man» gofallen und«in Leutnant und sechs Mann verwundet worden, p.7väf(f:\ yicxihol Neue Kämpfe. Mexiko, 20. Mai. Wie die„Associated Preß' auS Cuernabaca meldet, räumten die RegierungStruppen nach vier- tägigem Kampfe Huautla, die Ausständlschen sollen über 100 Tote und Verwundete gehabt haben. Ein Amnestiegesetz. London, 20. Mai. Wie der„Daily Mail" auS Mexiko ge- meldet wird, ist dort gestern nachmittag ein Amnestie g es etz in der Deputiertenkammer vorgelegt worden, nach dem auch die wenigen noch in Haft befindlichen politischen Gefangenen freigelassen werden sollen. pariamentarifcbes. Das Einführungsgesctz zur Reichsversicherungsordnung wurde in der Sonnabend-Sitzung der Kommission in zweiter Lesung bis zum Artikel 32 mit einigen unbedeutenden Aenderungen an- genomnien. Hervorzuheben ist die Einfügung eines Artikels 23a, der tolgenden Wortlaut hat: „Für Angestellte einer Kasse, die infolge der Neuordnung auf- gelöst oder geschloffen wird, verlängert sich die Sblaufsfrist des BertragSverhältniffes abweichend von K 31S Abs. 1 der Reichs- Versicherungsordnung aus 12 Monate. Die VersicherungS- träger sollen geeignete Angestellte, die infolge der Neuordnung bei einer Kratikenkasse entbehrlich werden, bei Annahme von Hilss- kräften möglichst berücksichtigen." Bus der Partei. Tic Gründung einer„tschechischen sozialdemokratischen Arbeiter- Partei in Oesterreich". Vor einer Woche tagte in Brünn der konstituierende Partei- tag der„Tschechischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Oester- reich". 131 Delegierte vertraten 4000 männliche, 866 weibliche Par- teimitglieder und 600 organisierte Jugendliche. Die neue Partei ist bekanntlich hervorgegangen aus der Ausschließung vieler Ge- »offen und ganzer Organisationen aus der alten tschechischen So- zialdemokratie wegen Eintretens für die einheitliche und inter- nationale Gewerkschaftsorganisation. Aus dem Parteitage, der in- mitten des Wahlkampfes des geeinten Burgertums gegen die Ar- beiterklaffe eine noch nicht dagewesene Erscheinung ist, wurde eine Prinzipienerklärnng beschloffen, die das Festhalten an der inter- nationalen Gewerkschaftsorganisation energisch betont, die öfter- reichen Gesamtparteitage als die höchste Instanz anerkennt, die nationale Frage im heutigen Staat in erster Reihe als eine Ver- waltungsfragc erklärt, an deren Lösung vor allem die besitzenden Klaffen interessiert sind, und die Regelung der Frage der natio- nalen Minderheitsschulen gemäß einem Antrag der sozialdemo- kratischen Reichsratsabgeordneten durch Unterstützung privater Minderheitsschulcn aus einem staatlichen Fonds verlangt. Der Parteitag beschloß, in einer großen Anzahl tschechischer Wahlbezirke eigene Kandidaten aufzustellen. DaS bedeutet, daß in diesen Kreisen Sozialdemokraten gegeneinander kämpfen werden, denn wenn sich auch die alte tschechische Sozialdemokratie zweifellos zu einer natio- nalistischcn Partei gewandelt hat, so gehört sie doch noch der öfter- reichischen und der gesamten Internationale an. Aus der Partei ausgcschloffcn wurde in Vaihingen(Würt temberg) der Schreinermeister Karl Mezger. Mezger ließ sich im Dezember 1910 von dem Sozialdemokratischen Verein als Kan- didat zur Bürgerausschußwahl aufstellen und wählen; im April 1911 aber wechselte er seine politische Ueberzeugung, wie man das Hemd wechselt, und trat den ärgsten Feinden der Sozialdemokratie, dem Bürgerbund, bei. pollreilicke», Seriebelicke» ukw. �---- Eine Berhöhnung de? Vorstandes der Leipziger Ortskranken- kosse bezweckte ein Inserat in den„Leipziger Neuesten Rachrichten". Darin wurde auf die im Juni v. I. bewilligte Teuerungszulage für die Beamten angespielt, die aber erst im Januar d. I. ausgezahlt werden sollte. Es wurde ein Bankhaus gesucht, das die 35 000 M. beleihen wolle. Wegen dieses Inserates war es zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen dem Organ des gelben Beamten- Vereins und den, Organ des Verbandes der Bureauangestellten Deutschlands gekommen, in deren Verlauf das Bureauangestcllten. Organ die intellektuelle Urheberschaft für das Inserat den Vor- standsniitgliedern des gelben Verbandes zuschrieb. Diese klagten hierauf wegen Beleidigung und erzielten die Verurteilung des Redakteurs des Blattes„Der Burcauan gestellt e", H. L e h- mann-Berlin. zu 200 M. Geldstrafe. Der Urheber des Jnsc ratS ist leider nicht zu ermitteln gewesen. Bus Industrie und Kandel. Auch«ine agrarische Fürsorgeanstalt. Alö staatliche DarlchnSkasse ist in Baden die LandcSkredit-Ab- teilung der Mannheinwr Rhein-Kreditbank eingerichtet Seit 18 Jahren stieg die Zahl der Bcliehenen von 853 auf 2122 und der Betrag der Kreditsumme zur Jahresivende von 4 auf 10 Millionen. Die politischen und kirchlichen Gemein- den, die seit dein Bestehen der Kasten in wachsender Zahl(von 145 auf 333) an dieser staatlich beaufsichtigten Darlehnsquelle sich einfanden, haben ihren Empfang in Giesen 18 Jahren von 2'/b auf 11 Millioneü erhöht. Nimmt man sämtliche Beleihungen zu- sammen— auch die zur Pfandbriesdeckung verwendeten Gemeinde- darlehen mit hypothekarischen Versatz—, so ergibt sich für die Jahreswenden folgendes Bild: 1893 für 1003 Kredite 6 637 47« Mark 1910.. 2455.. 21 417 419.. Der Zinsfuß war mäßig, er betrug z. B. im Jahrs 1906 zeil weife nur 39* Prozent n»d stieg 1900 auf 4.1 Prozent(ohne Beitrag zu den Kosten des Psandbncfaeschnftcs), lvährcnd z. ffl. die hessische LandcShhpothekcnbanr 4,25 Prozent nebst cmprozenti- gem GcschäftSkostcnzuschuß forderte. ES wird in dein soeben erschienenen Geschäftsbericht für 1910 behauptet, daß infolge diese» entgegenkommenden Verhaltens der agrarischen Landeskreditbank auch die anderen Kasten des Lande« genötigt gewesen seien, in der Zinsberechnung Konzefsionci, zu machen, wenn sie ihre Hypothekenschuldner nicht verlieren wollten. Bei den im Jahre 1910 ausbezahlten AmortisationS-Darlchen be- trug die Höhe der jährlichen Annuität A% bi» 10 Prozent. Zwischen der ländlichen Kreditbank und der Karlsruher Lebensversicherung a. G. besteht eine Verbindung zwecks Abschluß der Lebensver- sichcrungen solcker DarlchnSschuldncr. welche die Tilgung ihrer Hypoiheken ganz oder teilweise gegen die Folgen eineS frühen Tode» sicher stellen wollen. Es ist insbesondere der kleine und mittlere Grundbesitz, der von diesen Vorteilen cincS staatlich subventionierten DarlehnswcsenS Gebrauch macht. Unter ländlichen Darlehen versteht daS Ministerium solche, bei denen mindestens zwei Drittel des Versatzes aus fruchttragenden Grundstücken besteht; die Bank be- willigle aber auch solche, die zwei Drittel nicht erreichen, wenn der /Mehrversatz durch Gebäultchkciten ausgeglichen werden konnte. In 25 Fällen erfolgte eine Beleihuirg über 50 Prozent der Taxe. Auch dieser Bankbcricht beweist wieder die Richtigkeit der Be- haupwng, daß die größte Fürsorge des Staates auf die Unter- stä-tzung de» agrarischen Testes dxr Bevölkerung gerichtet ist. Hgich- werker und Arbeiter können neidisch auf diese bauerliche Darlehn?� fürsorge blicken._ ■ Maffeneutlassungcn in der westfälischen Tabakiirdnstrie. Die Firma Engelhardt u. Biermann-Bremen entläßt jür die gesamten Fabriken dieser Firma rund 1000 Arbeiter. Die Firma hat schon seit einigen Monaten die Produltion um 20 Prozent ein- geschränkt.__ Soziales. ' Der vorsichtige christliche Verwaltungsdirektok. Der Krankenkassenrcndant Meyer in Essen, der sich don seinem Vorstand eine Sicherung von 32 000 M. spendieren liest für den Fall, daß sein außerordentlich günstiger, lebenS- länglicher Vertrag infolge der Neichsversicherungsordnung revidiert würde, gehörte zu jener Kommission von bürger- lichen Krankcnkasscnbeamten, die seinerzeit von der Regierung zur Aussprache über die Anstellungsbcdingungen der Kranken- kassenbeaintcn zugezogen wurden. Ter Herr lernte bei dieser Gelegenheit die Gefahr kennen, die seinem Vertrag eventuell drohte. Daß er dann auf eine Abfindung in der Höhe von 32 000 M. drängte, zeigt, wie gewissenhaft dieser Herr seinen Vorteil wahrnahm. Die Affäre zeigt weiter in bengalischer Beleuchtung die in der Essener Lrtskrankenkassc dominierenden Christlichen, die in Abwesenheit des erkrankten freigewerk- schastlich organisierten Vorstandsmitgliedes diesen ungeheuer- liche» Beschluß faßten. Und es zeigt sich, wie— weitherzig die christlichen Arbeitervcrtreter tm Reichstage sein können. Das stimmt nicht. Wir erhalten folgende Berichtigung: In Ihrer Nummer 109 vom Donnerstag, den 11. Mai 1911 bringen Sie in der zweiten Beilage des„Vorwärts", 1. Seile 3. Spalte unten rechts einen Artikel unter der Ueberschrift„Wozu katholische Rrankenschivestern gut genug sind", der unwahre Be- Häuptlingen über die christlichen Gewerkschaften enthält. � Ich fordere Sie daher auf, unter Berufung auf§ 11 des Preßgesetzes, nachstehende Berichtigung zu bringen: „Die christlichen Gewerkschaften i» Gelsenkirchen besitzen bis heute noch kein eigenes GewerkschaflshaklS, können deshalb auch keine katholischen Krankenschwestern in ihren Dienst stellen. Alle in dem betreffenden Artikel aufgestellten Behauptungen fallen somit in sich zusammen." Ludwlg Nick Kartellsekretär deS christlichen GewerkschaftskartellS für Gelsenkirchen und Umgebung. In dieser Berichtigung ist die Betonung wohl auf„eigenes" zu legen. UebrigenS haben wir von einem„GesellschaftShauS" ge- schrieben. Unter welcher juristisch-rechtlichen Firma daS Ding segelt, ist ganz nebensächlich. Die Hauptsache sind die katholischen Kranken- schlvestern in einer frommen Festgesellschaft. Buq der frauenbewegung. Die schlauen Jnnuugskrauter. Handlverksmeister fordern die Gleichberechtigung dcß weiblichen Geschlechts in den Innungen! DaS ist jedenfalls erwähnenswert. Der Deutsche Handwerks- und Gewcrbekammertag in Hannover hat dem Reichstag eine Petition überreicht, in der er die volle Gleichberechtigung der weiblichen Jnnungsmitglieder fordert. Diese sollen nicht bloß das aktive Wahlrecht haben, auch daS passive wird für sie verlangt. Da erkennt man doch den modernen Zug der Zeil— werden unsere Leserinnen denken. Nicht so hastig! Bei näherem Lusehen zeigt sich, daß Sie an sich fortschrittliche For- derung in Wirklichkeit recht reaktionären Zwecken dienen soll. Man will hie materielle Grundlage der Innungen aufbessern. Das ist deS Pudels Kern! Die Kleidermacherinnen und andere mehr oder weniger selbständige Schneiderinnen sollen für die Ztvangsiiinungcn gekapert werden. Die Mittelständler haben bisher mit solchem Liebcswerben noch nicht viel Glück gehabt. Sie mußten sogar den Schmerz erleben, daß Bestrebungen/ die Schneiderinnen zwängs- weise der Zwangstributpflicht zu unterwerfen, nicht da? gewünschte Verständnis der Behörden fanden. Tie Petition teilt darüber unter anderem folgendes mit: „Der Regierungsvräsident von Liegnitz hatte eine Entschei- dung erlassen� nach der die Schneiderinnen einer � bestehenden Zwangsinnung für das Sneiderhandwcrk nicht ohne weiteres anzugehören haben/weil sie bei der Gründung nicht befragt worden seien. Diese Entscheidung veranlaßt� eine ganze Reibe von Schneiderinnen in Frankfurt a. M.7 sich von der dort be- stehenden Zwangsinnung loszusagen und ihre Freistellung zu fordern. Die zur Sache gehörte Handwerkskammer zu Wies- baden hatte einen anderen Standpunkt eingenommen als der Regierungspräsident zu Liegnitz. Die genannte Kammer führte folgendes aus: Der Zwangsinnung haben anzugehören alle die- jenigcn, welche selbständig und handwerksmäßig das betreffende Gewerbe innerhalb des JnnungsbezirkS betreiben. Das Ge- schlecht macht dabei keinen Unterschied. Folglich gehören auch die Schneiderinnen, sofern sie das Gelverbc selbständig und Hand- werksmäßig betreiben, ohne weiteres der Zwangsinnung für das Schneiderhandlverk stn. Der Magistrat zu Frankfurt a. M. hat sich dieser Auf- faffung der Handwerkskammer Wiesbaden angeschtoffen und die Anträge auf Befreiung von der Innung abgelehnt.... J»n prinzipiellen Gegensatz zu den hier im letzten Absatz ausgeführten Gründen, betr. die Anhörung der Damenschneide- rinnen bei der Gründung der Innung, steht dagegen eine Per- sügung des preußischen Herrn Ministers für Handel und Ge- werbe vorn 28. September 1910. Es heißt hieritt: ..... Ich kann daher dem Herrn RcgierungSpräsidentcrr daselbst nur beistimmen, daß die Einbeziehung der Damen- schneiderinnnen in die dort bestehende Schneidcrzwangsinnung nur im Wega eine» weiteren AbstimmungSverfahrenS erfolgen kann." Wollen nun die weiblichen Handwerker, weil ihnen Schwierig- keftsn wie die eben erwähnten, den bestehenden ZwangSinnungcn beizutreten, gemacht werden, eigene Jnnungeir gründen— wie das aus vielen Kmnmcrbezirken gemeldet wird—, so stehen dem die§9 93a Abs. 2 und 95a Abs. 2 entgegen. Erwähnt sei hierzu die versuchte Gründung einer Damenschneiderinncninnung in Kempten im Allgäu, deren Statut die Königliche Kreisregierung und dann auch auf erfolgten Rekurs daS Königlich Bayerische StaatSministerium die Genclhnigung versagte." ES wird nun. wie bemerkt, für die weiblichen JnnungSmit- glieder die volle Gleichberechtigung verlangt. Der Zweck ist durch- sichtig! Man hofft, indem man die ReichStagStribüne als Reklame benutzt, die Schneiderinnen für die Innungen zu begeistern Gegen die Gleichberechtigung an sich haben wir selbstverständlich nichts einzulvc irden. Aber eine praktische Bedeutung meffen wir ihr in diesem Falle nicht bei. denn die Schneiderinnen wenden nicht. töricht fem. sich mit den Jnnungsschlingen fangen zu lasten Tie Innungen sind fsir sie vollständig wertlos. S? nütz?» dem Hand! werkcritand uherhaupt nichts; sie sind eine kostspielige Ei.irichtung, die keinerlei wirychaftSpolltyche Bedeutung hat. höchstens dadurch, daß.m kouservativen Fahrwasser segelt uud die Interesse., der pi odiizicrendcn Claude dainit schädigt. Die Schneideriiiiioii finden die bcpe Pciretung ihrer wirtschaftlichen Interessen im Vcrbandg der SAn.erdN md Schneidcxmmrr,' GewerkfcbaftUcbeö. Koalitionsfreiheit in Dresdener städtischen Betrieben. Der Dresdener Stadtrat Hat in seiner übrigens schon oft niedriger gehängten Arbeitsordnung einen§ 17, der bei Strafe der Entlassung jede Agitation usw. verbietet. In letzterer Zeit wurden nun in fast allen Baubuden und Bauplätzen usw. der städtischen Arbeiter große Plakate des sächsischen Militär- Vereinsbundes aufgehängt, in denen zum Beitritt aufgefordert wird. Da das nach landläufigen Begriffen„Agitation treiben" heißt, so ersuchte die Gauleitung des Gemeinde- arbeiterverbandes den Rat um die Genehmigung zum Aushang der Plakate des Gemcindearbeiterverbandes, um die städtischen Arbeiter, ebenso wie das der Militärvereinsbund getan hatte, auf die Einrichtungen hinzuweisen. Das Gesuch wurde aber vom Rate abgelehnt. Ein deutliches Beispiel, wie mit zweierlei Maß gemessen wird. Viel nützen wird ja dem Rat das nicht, denn die Orga- nisation wächst unter den städtischen Arbeitern trotzdem und der Militärvereinsbund leidet an Mitgliederschwund. Lerlln und Umgegend. Achtung, Klempner! Durch den Streik der Bauklempner ist auch der Bau der Firma Siemens-Schuckert in Mitleidenschaft gezogen. Die Firma sucht nun selbst Klempner einzustellen und beschäftigt diese dann auf ihrem Bau. Wir sind deshalb genötigt, die gesamten Betriebe dieser Firma für die Dauer der Lohnbewegung für sämtliche Klempner zu sperren. Deutscher Metallarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin. Der Streit i« de« Eisenkonstruktionsbetrieben. Die zweite Streikversammlung fand am Sonnabendvormittag im„Gewertschaftshaus" statt. Wie Maus als Streikleiter be- kanntgab, ruht die Arbeit in allen zehn Betrieben vollständig. Mehr als 2000 Personen stehen im«treik. Den bedrängten Unternehmern hat sich sofort der bekannte gelbe Kaczmarek, der Pankstr. 33 ein Bureau unterhält, zur Hilfeleistung angeboten und er hat auch bereits verschiedene Transporte von Arbeitswilligen abgeliefert. Einige Firmen haben ihre Werkstätten zu Logierhäusern für die zu erwartenden uwd die schon eingetroffenen Gäste umgewandelt, sie zahlen den Arbeitswilligen auch einen höheren Stundenlohn. Trotz- dem rücken viele wieder aus, und von den übrigen sind die wenigsten brauchbare Kräfte. Bei Steffens u. Nölle, einer der größten Firmen, haben auch einige Kolonnenführer sich den Streikenden angeschlossen. Von den Staatsbetrieben in Spandau wurden den Firmen Dellschau und Druckenmüller Leute zum Brückenbau zur Verfügung gestellt, aber die Monteure haben sich geweigert, die Kontrolle über die Arbeiten dieser Leute zu führen und die Vevantwortung zu übernehmen. Von B e l t e r und Schneevogel wurden Arbeiten nach den Werkstätten der Gas- anstalt Tegel gesandt; aber die Schlosser und andere Arbeiter dieser Werkstätten waren nicht damit einverstanden, daß sie S-treikarbeit leisten sollten. Bon allen Finnen kamen Nachrichten, die zeigten, daß überall die Verlegenheit groß ist, daß die Arbeit drängt und viele Aufträge der Erledigung harren. Zugleich legte auch das Verhalten der Arbeiterschaft rn anderen Berufen und Betrieben Zeugnis dafür ab. daß die Solidarität unter den Arbeitern kein leeres Wort ist. Manchem, der sich für eine Arbeit für die Firmen anwerben ließ, war von dem Streik nichts bekannt, es kommt den Streikenden nun aber sehr viel darauf an, daß die Bauarbeiter über die Sachlage sich unterrichten, damit auf den zahlreichen in Betracht kommenden Bauten von den Bauarbeitern keine Streik- arbeit übernommen wird. Die Streikleitung richtete an die Streikenden die Aufforde- rung. die bisherige musterhafte Ruhe und Ordnung in diesem Kampfe aufrechtzuerhalten und sich auf keinerlei Abmachungen mit den Unternehmern einzulassen. Werden Verhandlungen gewünscht, so find dieselben mit den Vertretern der Organisation zu führen. Ferner sollten sich die Arbeiter nicht durch Drohungen mir der Ent- lassung schrecken lassen. Die Firma Thyssen u. Co. sandte an die streikenden Ar- bester Postkarten mit folgendem Inhalt:„Wir ersuchen Sie hier- durch, die Arbeit bei uns bis morgen, Sonnabend, den 20. d. M., mittags 1 Uhr, wieder aufzunehmen, anderenfalls Sie sich als ent- lassen zu betrachten und Ihre Papiere nebst Restlohn.... abzu- holen haben. Wir behalten uns jedoch auch eine Entlassung für den Fall vor, daß eine zur Durchführung deS Betriebes geeignete Angahl die Arbeit nicht aufnimmt." Die Firma Steffens u. Nolle schrieb ihren Arbeitern folgendes:„Wir teilen Ihnen hierdurch mit. daß Sie entlassen sind, wenn Sie die Arbeit nicht spätestens am Freitag, den 19. d. M., wieder aufnehmen." Zu einer anderen Firma kamen Arbeiter, um sich ihren Lohn und ihre Papiere zu holen, weil diese Arbeiter Berlin verlassen wollten. Da wehrte die Firma die Arbeiter ab und sagte ihnen: „Lassen Sie nur, die Geschichte kann ja nicht lange dauern, dann sangen Sie wieder an, wir entlassen Sie nicht." Die Unternehmer hielten eine Sitzung ab, um die Sachlage zu beraten; sie sind sich darin einig, daß sie zu der gegenwärtigen Zeit 2000 tüchtige, ein- gearbeitete Leute nicht entbehren und auch nicht ersetzen können, am wenigsten durch die Arbeitskräfte, die Agenten wie Kacz- marek liefern. Man will aber erst mal abwarten, wie fest die Arbeiter zusammenstehen werden. Fleischergesellen! Die Wahlen zum GesellenauSschuß finden am Dienstag, den 23. Mai, abends H8 Uhr, in der„Neuen Phil- Harmonie", Köpenicker Straße 96/97, statt. Die Berliner Fleischer- innung hat entgegen dem üblichen Modus die Wahl recht frühzeitig angesetzt, wohl in der Hoffnung, dadurch einem großen Teil der Gesellen das Wahlrecht zu nehmen bezw. dieselben von der Wahl fernzuhalten. Wir ersuchen alle unsere Mitglieder, möglichst frühzeitig zu erscheinen und die nötigen Legitimationen mitzubringen. An die Parteigenossen richten wir ebenfalls die Bitte, überall, wo sie mit Fleischergesellen zusammenkommen, diese auf die Wahl äufmerk- sam zu machen. Zentralverband der Fleischer. Die Gelben«nd Herr Rahardt. Wie wir gestern bereits mitteilten, haben die Innungen mit den Gelben und einem Teil der Gesellenausschüsse einen Tarif ver- einbart, der in. materieller Hinsicht hinter den Bestimmungen des Schiedsspruches zurückbleibt und die grundsätzlichen, also die wesent- lichsten Punkte des Schiedsspruches völlig beseitigt. An die Stelle des paritätischen Arbeitsnachweises setzt der Tarif den Jnnungs- arbeitsnachweis. der im Hause der Innung eingerichtet wird, dessen Sprechmeister die Innung ernennt und in dessen Kuratorium keine Gewerkschaftsangestellten gewählt werden dürfen. Anstatt der im Schiedsspruch vorgesehenen gänzlichen Beseitigung von Kost und Logis läßt der Tarif Ausnahmen zu,„wenn die Gesellen es wünschen". Der Ruhetag ist aus dem Tarif völlig beseitigt, weil sich die..Arbeitervertreter" mit der Verheißung begnügten, es »verde in nächster Zeit eine Polizeiverordnung erlassen werden, welche die 22stündige Sonntagsruhe einführt. Nachdem Obermeister Schmidt diese Verheißung ausgesprochen hatte, äußerten selbst zwei Meistervertteter Zweifel über die Möglichkeit einer solchen Verordnung. Der„Arbeitervertreter"„W i s ch n ö w s k i aber er- klarte, nach Einführung der Sonntagsruhe würden ins Gesellen natürlich am Montag vormittag von 6 bis 12 Uhr arbeiten. Es soll also bei 7 Arbeitsschichten bleiben. Nun haben die Innungen also einen Tarif, wie sie ihn sich wünschen, und dieser Tarif ist zustande gekommen in vollem Ein- Verständnis mit den allewege meistertreuen Gesellen. Es fragt sich nur, welche Bedeutung dies Ding für die gegenwärtige Bewegung und für das Bäckergewerbe überhaupt hat. Wer die Verhältnisse kennt, wird ohne»veiteres antworten: Dieser Tarif hat gar keine Bedeutung. Er ist nichts als eine Komödie, bestimmt, den Repräsentanten der öffentlichen Meinung, soweit sie die Verhättnisse nicht kennen, Sand in die Augen zu streuen.— Wer sind denn die Tarifkontra- henten auf der Arbeiterseite. Der Bund der Gelben, der nur eine Handvoll Mitglieder hat, und di« Gesellenausschüsse der kleineren Vorortsinnungen, wo der Bäckerverband noch keinen Einfluß hat. Die von Verbandsmitgliedern besetzten Gesellenausschüsse der beiden Berliner Jnungen und der Rixdorfer Innung haben die Komödie nicht mitgemacht. Von den»vettaus stärksten Innungen Grvß-Berlins waren also gar keine Arbeitervertreter zugegen Diese Innungen können demnach nicht sagen, daß sie mit den Ar- beitern einen Tarifvertrag abgeschlossen hätten. Ja, kann man denn überhautü von einem Tarifvertrage reden, tvenn keine Arbeiterorganisation hinter demselben steht? Dieser Vertragsabschluß ist und bleibt demnach ein Manöver, womit die Oeffentlichkeit über die wirkliche Situation der Bäcker bewegung getäuscht werden soll. Das eigenartigste an dieser Erscheinung ist der Umstand, daß ein Mitglied des Einigungsamtes an dieser Komödie— wir wollen nicht behaupten, daß er sie als solche erkannt hat— mitwirken konnte. Herr Rahardt hat als Arbeitgebervertreter im Einigungsamt dem Schiedsspruch zugestimmt. Das konnte er als gewissenhafter Schiedsrichter doch nur in der Ueberzeugung tun, daß die Bäckermeister die Bedingungen des Schiedsspruches zu erfüllen in der Lage sind und daß der Schiedsspruch die Grundlage bildet, auf der eine friedliche Verein- barung geschlossen werden kann. Nach den Verhandlungen des Einigungsamtes mit dem Bäckerverbande hat ein etwas anders zusammengesetztes Einigungsamt, dem aber auch Herr Rahardt angehörte, mit den Gelben verhandelt und hier denselben Schiedsspruch gefällt, der das Ergebnis der Verhandlungen mit dem Verbände war. Als dann die Meister und auch die Gelben den Schiedsspruch abgelehnt hatten,»vandten sie sich an Herrn Rahardt und dieser hielt es mit seiner Pflicht als Schiedsrichter nicht für unvereinbar, mitzuwirken bei der Schaffung eines Tarifes, der den von ihm mitbeschlossenen Schiedsspruch um- stößt. Herr Rahardt scheint auch selber empfunden zu haben, daß er sich in eine heikle Situatton begab, als er die Rolle des „Unparteiischen" bei den Verhandlungen am Freitag übernahm. Eine Aeutzerung. die er am Schlüsse der Verhandlung machte, läßt darauf schließen. Aber Herr Rahatrdt glaubt sein Verhalten damit rechtfertigen zu können, daß er sagte, er habe seine Mit- Wirkung im Interesse des Friedens nicht versagen wollen.— Das ist denn doch eine Verschiebung der tatsächlichen Verhältnisse. Im Interesse des Friedens ist der Spruch des Einigungsamtes des Ge- »verbegerichts unter Mitwirkung des Herrn Rahardt zustande gekommen. Im Interesse des Friedens hat der Bäckerverband trotz schwerwiegender Bedenken dem Schiedssprüche zugestimmt. Als Störer des Friedens haben sich die Meister und die Gelben erwiesen, welche den Schiedsspruch ablehnten. Nun kommt der Schiedsrichter Rahardt her und bietet den friendensfeindlichen Elementen die Hand zur Zerstörung der unter seiner Mitwirkung vom Eini- gungSamt geschaffenen Friedensbedingungen. Jeder Schiedsrichter müßte doch bestrebt sein, für die Anerkennung des von ihm nach bestem Ermessen gefällten Spruches zu wirken. Herr Rahardt aber hat den Bäckermeistern in der Situation, die sie durch Ab- lehnung des Spruches schufen, hilfreiche Hand geleistet und sie dadurch— vielleicht unbewußt— im Widerstande gegen den Spruch des Einigungsamtes unterstützt und bestärkt. Wahrlich. eine sonderbare Rollo für einen Schiedsrichter. Sollten die Bäckermeister auf die Komödie des Tarifabschlusses mit den Gelben wirklich Hoffnungen setzen, so haben sie sich bitter getäuscht. Durch dies Manöver werden die Gegner des Schiedsspruches nicht zum Ziel kommen. Das erkennen auch die einsichtigen Elemente unter den Bäckermeistern. Seit einigen Tagen gehen dem Bäckerverbande fortgesetzt Anerbietungen von Meistern zu, welche sich bereit erklären, Verträge auf Grund der ursprünglichen, über den Schiedsspruch hinausgehenden Forde- rungen des Verbandes abzuschließen. Unter diesen Umständen wird wohl Herr Obermeister Schmidt vergebens darauf warten können. daß sich der Verband zu Verhandlungen nach Art der Gelben her- beilassen sollte. » Gestern haben die Vorstände der Freien Vereinigungen der Bäckermeister von Berlin und Rixdorf das EinigungSamt ange- rufen. Diese Vereinigungen waren an den ersten Verhandlungen beim Einigungsamt nicht beteiligt. Abgewiesen! Am Freitag fand eine VertrauenSmännerkonferenz der An- gestellten mit der Direktion der Großen Berliner Straßenbahn im Direktionsgebäude Leipziger Platz statt. In vorangegangenen Bahnhofsversammlungen waren die Wünsche der Fahrer und Schaffner durch die Vertrauensmänner entgegengenommen, formuliert und, soweit die organisierten Vertrauensmänner in Frage kommen, durch ein Begleitschreiben an die Direktion ge- sandt. Man forderte für Schaffner einen Anfangslohn von 195 M. pro Monat, jedes Jahr steigend um 5 M., bis zum Höchst- lohn von 150 M. pro Monat.— Für Fahrer Anfangslohn 125 Mark pro Monat, in derselben Weise steigend bis zum Höchstlohn von 179 M. pro Monat. Das Kilometergeld fällt fort.— Von feiten des Ersatzpersonals wurden folgende Wünsche zum Ausdruck gebracht: 1. In den ersten 6 Monaten Lohn pro Tag 4 M. und zwei bezahlte freie Tage im Monat. 2. Anstellung nach sechsmonatlichcm Ersatzverhältnis. 3. Ueberstunden sind mit 59 Pf. zu bezahlen. 4. Lohnzettel. 5. Wahlrecht zur Wahl der Ver- trauensmänner. Ferner wird die Regelung des Urlaubes wie folgt gewünscht: Nach einjähriger Tätigkeit 5 Tage, steigend jedes Jahr um einen Tag bis zu dem im vorigen Jahre festgelegten Endsatz. — Die Schaffner wünschen, daß die H ö ch st d i e n st l e i stu n g 11 Stunden nicht überschreiten soll.— Das Personal wünscht außerdem die bereits zugesagte Veröffentlichung der zurzeit be- stehenden Dienstverträge in den„Amtlichen Mitteilungen".— Die Direktion ließ über diese Wünsche gar nicht diskutieren, sondern erklärte, daß es„unmöglich" sei, diese zu erfüllen, weil die An- gestellten erst im Januar 1919 eine Aufbesserung erhalten hätten. Recht eigentümlich, das, was den Herren nicht in den Kram paßt. wird ausgeschaltet, darüber wird eben nicht gesprochen und damit basta. Aber obgleich die Betriebsleitung die Wünsche ihrer An- gestellten als„unerfüllbar" bezeichnete, wird sie doch nicht be- haupten, daß die für das jüngere Personal bezahlten Löhne von täglich 3.29 M. als ausreichend für die bestehenden Verhälf- nisse bezeichnet werden können. Die Erwartung ist bescheiden, daß wenigstens der ortsübliche Tagelohn gezahlt werde. Militärsattler! Der Streik bei der Firma Carl Bill ep in Spandau, Charlottenstraße 29, dauert unverändert fort, da Herr Billep sich noch immer weigert, den Tarifvertrag für die Militär- branche anzuerkennen. Der Versuch, mit Herrn Billep vor dem Einigungsamt des Spandauer Gewerbegerichts eine Verständigung herbeizuführen, scheiterte an der Starrköpfigkeit des Herrn. Ilm nur die allerdringendsten Aufträge fertigzustellen, müssen die „Arbeitswilligen" täglich 11 Stunden arbeiten. Da diese Arbeits- zeit aber anscheinend auch noch nicht genügt, so nehmen diese „Rausreißer" noch ganz beträchtliche Posten Arbeit mit nach Hause, um ihren Verdienst durch Nachtarbeit noch etwas aufzubessern. Da wir annehmen, daß auch Herr Billep der Kgl. Artillerie-Werkstatt gegenüber verpflichtet ist, seine Arbeit zu ortsüblichen Be- dingungen anfertigen zu lassen, so sind wir recht begierig, zu er- fahren, ob die Direktion der Kgl. Werkstatt die Billep schen Arbeitsverhältnisse als ortsübliche betrachtet. Wir sind jedenfalls anderer Meinung. An die Kollegensckaft richten wir die Bitte. jeden Zuzug von der Billep schen Werkstatt auch in Zukunft fernzuhalten. Die Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Sattler und Portefeyiller. Dcuttches Reich. Zum Streik der BreSlauer Bäcker ist zu melden, daß der Streik am Freitag in vollem Umfange ausgebrochen ist. Von den etwa 559 Gesellen haben 357 die Arbeit niedergelegt, 55 arbeiten be- reits zu den neuen Bedingungen in 27 Betrieben. Neue Bewilli- gungen folgen fortwährend. Die Bäcker-Zwangsinnung. der alle Bäckermeister angehören müssen, hat ihren Mitgliedern bei 29 M. Strafe für jeden einzelnen Fall verboten, die Biwilligungsplakate in ihren Läden auszuhängen._ Zum Streik auf der Schichan-Werst in Danzig. Die Exmissionsklagen der Werft auf Räumung der Wohnungen in der„Wohlfahrts"-Schichau-Kolonie hatten zunächst das Ergebnis, daß vier Streikende verurteilt wurden, Montag mittag 12 Uhr die Wohnungen zu räumen. 76 Streikende sind verurteilt, am 1. Juni die Wohnungen zu verlassen. Der Rest, 195 Ausgesperrte, ist bis- her noch nicht verklagt. Die Streikenden hatten Rechtsanwalt Rosenbaum- Danzig zum Anwalt bestellt, der auf einen Ver» gleich nach der Richtung hinarbeitete, daß die Wohnungen erst zu räumen seien, wenn andere Wohnungen für die Beklagten be- schafft sind. Dieses Bestreben veranlaßte den Anwalt der klagenden Firma, Rechtsanwalt Hunrath, zu dem überaus bezeichnenden Ausspruch, daß die Errichtung der Arbeiterwohnhäuser doch nicht im Interesse der Arbeiter geschehen sei, sondern im Interesse der Firma Schichau. Für uns rennt der Herr mit dieser Binsen- Wahrheit offene Türen ein, aber den Danziger Arbeitern wird es doch verschiedentlich neu sein. Die Streikleitung blieb natürlich nicht untätig. Für die ersten vier Familien, die ausziehen müssen, sind Wohnungen vorhanden. Sodann hat sich ein Komitee gebildet, das leere Wohnungen aus- findig macht und vermittelt. Auch wurde bei der„Reichskolonie" wegen Wohnungen angefragt. Das ist eine„Wohlfahrtseinrichtung" für die Danziger Staatsarbeiter /Kaiserliche Werft, Gewehrfabril usw.). In dieser Kolonie stehen 12 bis 15 Wohnungen leer. Aber der Herr Korvettenkapitän Simon will diese Wohnungen nicht für die streikenden Schichau-Arbeiter geben. Das Wohnungskomitee wandte sich auch an den Herrn Ober« bürgermeister Scholz. Dieser versprach, wegen der„Reichs- kolonie" mit den Herren von der Kaiserlichen Werft nochmals zn sprechen und auch sonst sein Bestes zu tun. Zur Beilegung des Streiks werden von außenstehenden Per« sonen vielfach Versuche gemacht. In Einsendungen an die Danziger Lokalpresse verlangen die Geschäftsleute, daß daS Gewerbegericht eingreifen soll. Nach Danziger Verhältnissen ist das freilich ein ganz aussichtsloses Beginnen. Der Herr Direktor C a r l s o n er- scheint vor keinem Gewerbegericht oder verhandelt nicht, wenn er erscheinen muß. Die Arbeiter haben keine Veranlassung, das Ge- Werbegericht anzurufen. Die Sache steht so günstig»vie nur mög- lich. ES ist bisher in den ganzen sechs Wochen noch nicht ein ein, ziger Streikbrecher zu verzeichnen. Auch in der Stadtverordnetenversammlung wurde Oberbürger- meister Scholz von bürgerlicher Seite über den Streik inter- pelliert.(Die Sozialdemokratie hat noch keinen Vertreter.) Der Oberbürgermeister versprach zu tun, was möglich sei. Bei der Hartnäckigkeit der Firma ist aber auf keinen Erfolg seiner Ver« mittelungsbemühungen zu rechnen. Aussperrung der Textilarbeiter im Münsterlande. Da es heute noch nicht zu einer Einigung zwischen der Firma Kolb und den streikenden Arbeitern gekommen ist, so tritt mit dem heutigen Tage die seitens der Arbeitgeber der Textilindustrie deS Münsterlandes angedrohte Aussperrung in Kraft. Von der Aus- sperrung werden etwa 8999 Arbeiter betroffen; darunter befinden sich 5999 christlich-organisierte. Die von anderer Seite verbreitete Meldung, daß 12 990—13 999 Arbeiter in Frage kommen, ist un- zutreffend., Verantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. In /eratenteil vergntw.: Th. Glocke, Berlin. Druck ü. Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Lerlagsanstalt Paul Sing« k$0, Berlin SW, Hetzte Nachrichten* In Marokko gefallene Deutsche. Paris, 29. Mai.(W. T. B.) Unter den am 15. Mai in dem Kampf bei Aluana Gefallenen, die alle dem ersten Regiment der Fremdenlegion angehörten, befinden sich acht aus Teutschland stammende Soldaten, von denen zwei Elsaß-Lothringer sind. Von den Verwundeten stammen gleichfalls drei aus Deutschland. Glücklich davongekommen. Augsburg, 29. Mai.(W. T. B.) Der Flieger Ingenieur Schtvandt aus München, der aus Anlaß einer stadtischen Feier mit einem Eindecker um sechs Uhr abends aufgesttegen tvar, stürzte bei dem Rundflug um die Stadt aus vierzig Meter Höhe ab, blieb aber unverletzt. Das Flugzeug wurde stark beschädigt. Ueberschwemmungen in Tirol. Innsbruck, 29. Mai.(W. T. B.) Meldungen aus Nord- und Westtirol berichten über neue Unwetterschädcn. Infolge andauern- der Regengüsse sind alle Flüsse hoch angeschwollen und teilweise aus den Ufern getreten. Viele Brücken wurden weggerissen und viele Straßen überflutet. Das regnerische Wetter dauert an. Nach Sibirien Verbannte ans der Flacht. Perm, 29. Mai.(W. T. B.) Zwischen T j u m e n und K a» m y s ch l o w überfielen 29 auf dem Transport befindliche Arrestanten in einem Eisenbahnwagen die aus neun Mann bestehende Begleit« mannschaft. von der acht Mann verwundet wurden. Auch mehrer» Arrestanten wurden verwundet. Elf Gefangene find entflohen. «« Hierzu 5 Beilagen. Nr. 118. 28. ZahrMg. i des.Fmiick" Knlim WsdlÄ. Zomtaz, 21 Uai 1911. Die Altersrente der Arbeiter vor dem ßelcbstag. (Theorie und Praxis bei dem EntrechiungSblock.)' Zu Beginn der laufenden Legislaturperiode, als der Reichstag Nach den Blockwahlen wieder zu feinen Arbeiten zusammen- trat, gingen ihm diese Anträge zu: Drucksache SS: Der Reichstag wolle beschließen: Die Zeitgrenze, von welcher ab die Altersrente gewährt wird, von 70 auf KS Jahre herabzusetzen und zur Deckung der dadurch erforderlich werdenden Mehrbeträge in erster Reihe die durch die Vereinfachung der ReichSversicherungSgesetze zu er- zielenden Ersparnisse an Vcrwaltungskosten zu verwenden. Berlin, den 21. Februar 1907. Gamp. Dr. Arendt-Mansfeld. Bauermeister. Dr. Brunstermann. v. Dirksen. Doerksen. Dr. Hoeffel. Dr. Kolbe, v. Liebert. Linz. Löscher. Nauck. v. Oertzen. Pauli(Oberbarnim). Scherre. Schtüter. Schmidt-Altenburg. Schultz. Stubbendorff. Dr. Baren- Horst, v. d. Wense. Witt-Marienwerder. Drucksache KS: Der Reichstag wolle beschließen: Die Verbündeten Regierungen zu ersuchen, spätestens bei Ge- legenhcit der in Aussicht gestellten Vorlage, betreffend die Ver- einfachung und organische Verbindung der sozialpolitischen Ver« sicherungSgesetze, die Gewährung der Altersrente gemäß 8 IS Abs. 3 des JnvalidenversicherungSgesetzeS schon bei Voll- endung des KS. Lebensjahres in die Gesetzgebung einzu- führen. Berlin, den 21. Februar 1907. Dietrich. Mplkewitz. Arnold. Beuchelt. Rogalla v. Bieberstein. Böning. v. Brockhausen, v. Bhern. Graf v. Carmer-Ostcn. Graf v. Carmer-Zieserwitz. Dr. Dröscher. v. Ekern. Euen. Feldmann. v. GerSdorff. Dr. Giese. Glüer. Henning. Hilpert. Hufnagel. d. Kaphengst, v. Maltzan. Freiherr zu Wartenberg und Penzlin. Mentz. Nehbel. Nißler. v. Normann. v. Oldenburg. Pauli- Potsdam. GanS Edler Herr zu Putlitz. v. Rautter. Freiherr v. Richthofen-DamSdorf. Dr. Roesicke. Rupp. Siebenbürger. Sielermann, v. Staudy. Freiherr v. Steinaecker, v. Treuenfels. Dr. Wagner(Sachsen). Wilckens. Will-Stolp. Die Versicherungsordnung bot die einfachste und beste Ge- legenheit, diesen beiden konservativen Anträgen zu prak- tischer Wirksamkeit zu verhelfen. In der zweiten Lesung der Ver- sicherungSordnung beantragte die sozialdemokratische Fraktion(Drucksache 1009): � In§ 1242, der nach der Vorlage lautet: .Altersrenten erhält der Versicherte vom vollendeten 7 0. Lebensjahre an, auch wenn er nicht invalid ist, statt vom vollendeten siebzigsten, zu setzen vom vollendeten fünfundsechzig st en Lebensjahre am" Dieser Antrag wurde am 19. Mai 1909 in namentlicher Abstimmung mit 160 gegen 146 Stimmen abgelehnt. Bier Abgeordnete enthielten sich der Abstimmung. > Gegen die Herabsetzung des Rentenbezugs» alters vom 7 0. auf das 65. Lebensjahr stimmten: 1. Sämtliche anwesende Mitglieder der kon« fervativen Fraktion— dieselben, die 1907 den Antrag auf Drucksache 65 unterzeichneten. 18 Konservative fehlten bei der Abstimmung. 2. Sämtliche anwesende Mitglieder der Reichspartei— dieselben, die 1907 den Antrag auf Druck- fache 59 unterzeichneten. Nur der Abg. Varenhorst enthielt sich der Abstimmung: dagegen stimmten die Hospitanten Langerfeld und Nauck gegen die Herabsetzung des Rentenalters. kleines feirilleton. Die Augenärzte über die Frage der Lateinschrift. Der Streit um die deutsche oder lateinische Schrift hat in der letzten Zeit einen erbitterten Kampf der Meinungen herbeigeführt, in dem sich Pädagogen. Historiker, Künstler und andere Beteiligte aller Art von ihrem Standpunkt aus zu der Frage geäußert haben. Eine maßgebende Frage ist aber dabei ganz zurückgetreten, nämlich die der hygienischen Wertung beider Schriftarten.(Im„Vorwärts" wurde gerad' auch diese Seite der Frag« behandelt. Die Red.) Die„Umschau" hat sich daher au 32 der hervorragendsten Augen- ärzte Deutschlands. Oesterreichs und der Schweiz gewandt, um von ihnen Auskunft zu erhalten, welche Schrift dem Auge zuträg- licher ist. Von den 17 bisher eingelaufenen Antworten treten 15 für die Einführung der lateinischen Schrift ein, während zivei sich als Anhänger der deutschen Schrift bekeiwen. Unl�dingt für die Einführung der Lateinschrist erklärt sich der Freiburger Professor Axenfcld...Aus schulhygienischen Gründen," schreibt er.„muß ge- fordert werden, daß die Belastung mit den doppelten Alphabeten, die«ine große Zahl von Schulstunden in Anspruch nimmt, be- seitigt tverde. Zweifellos ist die Erlernung der geschriebenen spitzen Frakturschrift anstrengender als die der Altschrist (lateinischen); auch in der Frakturdruckschrift sind manche Typen schwieriger zu unterscheiden als in der lateinischen..." Für die lateinische Schrift tritt auch der Münchcner Professor Schloeßcr mit Entschiedenheit ein:„Sie ist in Druck und Schrift der deutschen vorzuziehen, denn ihre Formen sind einfacher und klarer, und es ist sicherlich bei gleich schlechter Schrift das Lesen der lateinischen weniger ermüdend für die Augen als das der deutschen." In der Abschaffung ver deutschen Schrift würde der Direktor der Kieler Universitäts-Augenklinii, Prof. Heine, ein Glück für die Schul- kinde' sehen.„T>a die Kurzsichtigkeit notorisch in der Schulzeit entsteht, so würde die allmähliche Beseitigung der„deutschen" Schrift— zunächst der Schreibschrift, denn die Druckschrift ist wohl erst mit der Zeit abzuschaffen— eine dringend erwünschte Ent- lastung der Augen bedeuten." Im Gegensatz dazu sind einige andere Augenärzte von der be- sonderen Schädlichkeit der deutschen Schrift durchaus nicht über- zeugt.„Bei gutem Druck und deutlicher gute� Schrift," schreibt der Leipziger Prof. Sattler,„dürste in bezug auf die Zuträglich- keit für das Aug« kein Unterschied bestehen. Bei schlechterem Druck oder Papier scheint mir die lateinisch« zuträglicher." Der Ber- liner Professor für Augenheilkunde Michel erklärt:„Die Frage- stellung. ob deutsche oder lateinische Schrift für das menschliche Auge zuträglicher sei, ist insofern eine ganz müßige, als der Be- weis nicht zu führen ist. daß die eine oder andere Schrift vor- zuziehen ist." Aus sozialen Gründen aber ist Michel für die lateinische Schrift. Für die deutsche Schrift treten der Leipziger Professor Schoen und der Direktor der Frankfurter Städtischen Augenklinik, Schnaudigel. ein.(Die Anhänger der„deutschen" Schrift scheineu gar nicht zu wissen, daß über die Lesbarkeit der beiden Schriften exqlte ezpepiWytelfL UMlsilchungeg ft&tirgen. — a&i 4 Reichsparteiler und 2 Hospitanten fehlten. 3. Sämtliche anwesende Mitglieder der Jen- krumspartei— darunter die sogenannten Ar- ibeitervertreter Becker(Arnsberg), Fleischer, Giesberts, Pieper, Schiffer, Schirmer und Wiedeberg. 24 Zentrumsleute fehlten. Die Abgg. Müller-Fulda, Oppersdorf und Sittard werden als„fehlend" bezeichnet; sie befanden sich aber im Hause, drückten sich nur von der namentlichen Abstimmung. 4. Von Antisemiten und Wirtschaftlicher Vereinigung der Antisemit Gäbel(7. sächsischer Kreis); der Abstimmung enthielten sich die Abgeordneten Gräf, Kölle und Vogt(Crailsheim). S. Die FraktiionSlosen: Danneberg(Weife), Hilpert(Bauernbündler), Lehmann- Jena(Bund der Landwirte) und der Reichstagspräsident Graf Schwerin- Läwitz. 6. Die Nationalliberalen: Berwinkel, Boltz, Fehlhauer, Görcke(Brandenburg). Hagemann, Hagen, HauSmann(Hannover), Heinze, Horn(Reuß), Neuner. Ortel, Rimpau, Semler, Wetzel, Wom- melsdorf und die beiden Hospitanten Schubert und Wölzel. Acht Nationalliberale fehlten. Die Haltung der Nationalliberalen war um so jammervoller, als der nationalliberale Abg. Stresemann— wie jetzt klar ist, nur auS wahltaktischen Gründen— zweimal lebhaft für eine Herab- setzung deS Rentenalters auf KS Jahre eintrat. Hätten die National- liberalen gestimmt, wie ihr Vertreter Stresemann redete, wäre die Altersherabsetzung mit 163 gegen 143 Stimmen angenommen worden. Aber: Theorie und Praxis! Reickstag. 180. Sitzung. Sonnabend, den 20. Mai, vormittags 11 Uhr. Am BundeSratStisch: Dr. Delbrück. Die Beratung der• ReichsverfichenmgSordnung wird fortgesetzt beim Abschnitt Bezüge der Hinterbliebenen. 8 1243 bestimmt, daß Witwenrente erhält die.dauernd invalide' Witwe. Ein Antrag Albrecht(Soz.) will die Worte„dauernd invalide" streichen, eventuell die Worte hinzufügen:„oder über 70 Jahre alte". Außerdem will der Antrag Albrecht die weiteren Absätze des Paragraphen streichen, in denen die Invalidität näher bestimmt isü Ein Antrag Ablaß(Vp.) will jeder Witwe, die das 65. Jahr überschritten hat. Witwenrente zubilligen. Abg. Leber(Soz.): In der Kommission ist unser Antrag abgelehnt mit der Be- gründung, er würde zu viel Kosten verursachen, das Reich müsse seine Ausgaben in Einklang mit den Einnahmen bringen. Beim Militäretat hat man diesen Grundsatz niemals festgehalten. (Lebhaftes Sehr richtig! links.) Wenn Sie wirklich eine Witwen« rente bewilligen wollen, müssen Sie sie jeder Witwe zu- billigen und nicht nur einer invaliden Wrtwe.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Potthoff(Vp.): 1902 hat das Zentrum die Hinter- bliebenenversicherung versprochen, um den unsozialen Zolltarif dem Volke schmackhaft zu machen. Verzögert wurde sie dann wegen des großen ReionnwerkeS der Reichsversicherung, die den Köder bildete für die Entrechtung der Arbeiter in de» Krankenkassen und andere unsoziale Bestimmungen. Vielleicht soll sie noch ein drittes Mal als Köder dienen, damit das Zentrum einer Verschlechterung des Wahlrechts zustimmt. Die Htnterbliebenenversicherung nach den Beschlüssen der Kommission ist gar zu dürftig; eine völlig invalide Witwe mit zwei kleinen Kindern erhält nach zehnjähriger Versicherung 135 Mark jährlich oder 11 M. monatlich, ist sie halbinvalide, so bekommt sie 63 Mark jährlich, ganze 5 M. monatlich. Ich bitte Münchener Theater. Die Hofoper brachte deS in München lebenden böhmischen Komponisten Viktor G l u t h lhrisch-roman- tische Oper„Z l a t o r o g" in einem Vorspiel und zwei Akten mit äußerlich sehr starkem Erfolg zur ersten Ausführung. Gluth kommt von Wagner her und hat vor Jahren mit dem ebenfalls hier ge- spielten Musikdrama„Horand und Hilde" auf Tristan-Altären ebenso erfolglos wie alle pathetischen Wagner-Wiederkäuer geopfert. In„Zlatorog". der die von R. Baumbach in süßliche Butzenscheiben- Verse gegossene bekannte mährische VolkSsage vom„Alpenkönig und Menschenfeind"(Raimunds Zauberoper, neuerdings von Leo Blech komponiert) behandelt, besinnt er sich auf die Wurzeln seiner Kraft und greift auf die Keime aller lyrischen Musik: das Volkslied, den Tanz, die nationaleWeise, zurück. Nicht in den sentimentalen Liebes- szencn, nicht in de» Liedertafel-Chören. aber in den mit reifem Kunstverstand in die Partitur gefügten Kirchweihtänzen, Volks. liedern und Rundgcsängen liegt„ZlatorogS" Wert, ein schlichter, in der Zeit deS musikalischen Snobismus fast reaktionärer Wert, der aber doch der anspruchslosen, ohne Orchesterlärm zartsinnig instrumentierenden Oper den Weg überall da öffnen sollte, wo man noch Sinn hat für gesunde, ursprüngliche Melodie. Die Münchener Aufführung unter Mottls liebevoller Leitung war in allen Teilen sehr gut. m. Die Anklagen gegen den Spargel. Jede» Nahrungsmittel, das durch einen besonders eigentümlichen und stark hervortretenden Ge- ruch und Geschmack ausgezeichnet ist, hat seine begeisterten Ver- ehrcr und seine ebenso leidenschaftlichen Gegner. Das beste Bei- spiel dafür sind solche Pflanzcnstoffe, wie Sellerie und Dill. Kommt dann noch hinzu, daß die Wissenschaft einen für sich allein nicht ganz unbedenklichen Bestandteil in einer solchen Pflanze entdeckt, so haben die Verächter gewonnenes Spiel. So zerrt der Parteien Haß und Gunst auch an einem Gewächs, das im Frühjahr in großen Mengen auf den Markt kommt, am Spargel. Der deutlich aus- gesprochene Geruch und Geschmack dieser merkwürdigen Pflanze ist so eigenartig, daß die Verdächtigung, es könnten damit gesund- hcitsschädliche Wirkungen verbunden sein, immer aufs neue aus- gesät wird. Insbesondere stimmt der bekannte Geruch, den die Ausscheidung der Nieren nach dem Genuß von Spargel annimmt, die Leute nachdenklich. Die Chemie hat gelehrt, daß seine Ent- ftehung auf der Bildung einer organischen Schwcfelverbindung be- ruht, die während der Verdauung im Darm erzeugt wird. Ein Mit- arbeiter des„Lancet" wendet sich gegen die Behauptung, daß dieser Stoff und die Vorgänge im Körper, die seiner EntWickelung vor- ausgehen, irgendwie schädlich sein können. Es ist sogar nachgewiesen worden, daß der Genuß von Spargel, wenn er jung und zart ist, auch für Kranke durchaus bekömmlich ist. Viel Nährstoff enthält der Spargel freilich nicht, aber er ist ein reichlich ebenso wertvoller Bestandteil einer Mahlzeit, wie andere Gemüse, indem er Ab- wcchselung und Gleichgewicht in die Speisenfolge hineinbringt, ein Vorzug, der nicht gering zu veranschlagen ist. Das A s p a r a g i n. das den eigentlichen Geruch und Geschmack des Spargels hervor- bringt und nach ihm auch benannt worden ist, besitzt einen sehr großen Stickstofsgehalt. Es ist übrigens auch in anderen Ge- müsen. wie namentlich in der Kartoffel vorhanden, wenn auch w geringere» Wenge». Die Befürchtung, daß der Spargel für Sie. die VerbesserungSantröge, die von den Sozialdemokraten und uns gestellt sind, anzunehmen, eS ist wirklich das bescheidenste, was man verlangen kann.(Zustimmung links.) 8 1243 wird unter Ablehnung der gestellten Anträge in der Kommissionsfassung angenommen. Zu§ 1244 begründet Abg. Molkenbuhr(Soz) den Antrag, auch den unehelichen Kindern Waisenrente zu ge« währen, wenn der Verstorbene ihnen nach gesetzlicher Pflicht Unter- halt gewährt hat. Diese Gleichartigkeit zwischen ehelichen und un- ehelichen Kindern, die ihren Ernährer verlieren, mutz hergestellt werden; es ist nicht einzusehen, weshalb die unehelichen Kinder hier hinter den ehelichen zurückstehen sollen.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Der Antrag wird abgelehnt. Der Präsident teilt mit, daß zu einem späteren Paragraphen (8 1341) ein Antrag auf namentliche Abstimmung vorliegt. Sie würde wohl gegen Uhr stattfinden. Sollten nach 1 Uhr noch Anträge auf namentliche Abstimmungen einlaufen, so tverde er vor- schlagen, sie erst am Montag vorzunehmen. Abg. Dr. Mugdan(Vp.)(zur Geschäftsordnung): Dem können wir nur zustimmen, wenn hier spätestens um 5 Uhr Schluß gemacht wird, damit die Herren, die nicht fortfahren, nicht gezwungen sind, bis 8 Uhr oder länger hier zir sitzen. Abg. Becker-Arnsberg sZ.)(zur Geschäftsordnung): Der Wunsch nach Verschiebung der eventuellen namentlichen Abstimmungen ist ja von der Linken ausgegangen. Abg. Dr. Müller-Meiningen(Vp.)(zur Geschäftsordnung): Wir glaubten, Ihnen damit entgegen zu kommen. Abg. Hoch(Soz.)(zur Geschäftsordnung): Wir haben einen solchen Wunsch nicht geäußert. Präsident Graf Schwerin: Ich wiederhole, wenn nach 1 Uhr Anträge auf namentliche Abstimmung konimen, werde ich dem Hause die Verschiebung der Abstimmung vorschlagen, das HauS hat dann ja darüber zu entscheiden. Zu 8 1252a, der die Ansprüche der Hinterbliebenen eine» AuS- länders auf die Hälfte beschränkt, befürwortet Abg. Schmidt-Berlin(Soz.) einen Antrag, diese Beschränkung fallen zu lassen. Der Antrag wird abgelehnt. Zu 8 1253(Heilverfahren) begründet Abg. Faber(Soz.) den Antrag, die Versicherungsanstalt zur Einleitung eine» Heil- Verfahrens zu nötigen, wenn eS zur Abwendung einer infolge einer Erkrankung drohenden Invalidität erforderlich erscheint. Abg. Stolle(Soz.) unterstützt den Antrag, der im Interesse der BolkSwohlfahrt und Volksgesundheit dringend nötig sei. Der Antrag wird abgelehnt. Zu 8 1255 begründet Abg. Binder(Soz.) den Antrag, die Bezüge der Angehörigen des Versicherten während des Heilverfahrens etwas zu erhöhen. Der Antrag gibt dem Zentrum Gelegenheit, feine theoretischen Ausführungen über die Notwendigkeit der sozialen Fürsorge in die Tat umzusetzen. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Antrag wird abgelehnt. 8 1257a bindet die Aufwendung von Mitteln zur vorbeugenden Krankensürsorge seitens der Versicherungsanstalten an die Genehmi- gung der Aussichtsbehörde. Ein Antrag Ablaß(Vp.) will die Genehmigung der Aufsicht»- behörde streichen. Abg. Dr. Mugdan(Vp.)(bleibtZbci der Unruhe, die auf der Rechten und im Zentrum herrscht, zunäcktst ganz unverständlich). Wenn die Herren bei der Beratung dieser wichtigen An- gelegcnheit sich nicht beteiligen wollen, mögen sie spazieren geben, hier aber nicht durch andauernden Lärm den Redner stören. (Lebhafte Zustimmung links.) Vizepräsident Dr. Spahn: Das Geräusch war jetzt nicht stärker wie in der ganzen Zeit.(Sehr richtig l recht» und im Zentrum.) Abg. Dr. Mugdan(Vp.): Ja wohl, sehr richtig! In der ganzen Zeit verursachen die Herren ein solches Geräusch und st ö r e n die Redner; sie sollten dann eben lieber spazieren gehen.(Zustimmung links.) Die Genehmigung der Aufsichtsbehörde gichtige und rheumatische Leute unzuträglich sei. kann gleichfalls als unbegründet betrachtet werden. Die leicht anregende Wirkung des Spargelgenusses auf die Nieren ist sogar als ein Vorzug a»ch in dieser Hinsicht zu schätzen. Humor und Satire. Lied deS preußischen FortbildungSschükerl- Lassen wir unö noch so gründlich bilden In der preußischen FortvildungSschul', Ach, wie leicht wird man zu einen» wilden Burschen und versinkt im Sündenpfuhl l Diese„Bildring" ist ja nur ein starrer Geistesdrill, der ohne Seelenschatz. Eine Schule aber ohne Pfarrer Ist und war von jeher für die Katz'l Drum war dieses Hebel zu entfernen Auf der Scknvarzen und der Junker Zwan� Und»vir müssen„Religion" erlernen Jeweils eine halbe Stunde lang. Zwar der Unterricht ist wenig labend Und fällt manchem unteriveilen schwer. Doch wir werden sicherlich pro Abend 1—2 Prozente frömmerer II Zweifelt ja nicht dran I Denn in der Schul« Sagt sich jeder Jüngling: Gut. ich muß! Und erzwung'ne heilige Gefühle Waren immer noch ein Hochgenuß! Seh4i wir einst der Freiheit Tage glänzen, Und wir sind vom froinmen Lernen klug: Ei. wie wollen wir die Kirche— schwänzen, Denn wir haben--.Religion' genug 1 _(Beda in der.Jugend'.) Notizen. — Theaterchronik. Das Märkische Wander- t h e a t e r geht im konunenden Herbst wieder mit zwei Truppen aus seine Kunstreise. ES hat in den Spielplan u. a.„Sophokles", „Elektro",„Sappho"„Die Räuber",„Der Prinz von Hoinburg". „Glaube und Heimat".„Was ihr wollt".„Der Geizige",„Nora", „FriedenZfest",„Rose Bernd",„Der G'wissenswurm",„Liebelei". „Helden" von Shaw,„Ueber die Krast",»Don CarloS",»Maria Stuart" aufgenommen. — Im Kunstgewerbemuseum wurde eine Ausstellung für„Neue Deutsche B u ch k u n st" eröffnet, die die neue knnst- gewerbliche EntWickelung der Buchausstattung(im weitesten Sinne) in charalterischen Beispielen veranschaulicht. — Der menschliche Körper radioaktiv? Im Heidelberger Institut für Krebsforschung unternommene Unter- suchungen haben eine Radioaktivität menschlicher Organe ergeben, die nie mit Radium in Berührung gckonimen waren. Es ist eine Substanz darin vorhanden, die die Luft für Elektrizität leitend»nacht. Einige Organe übten mich eine Beeinflussung der photographischen Platte aus. Die radioaktive Substanz kann aus der Luft oder durch die flüssige, feste Nahrung in den Körper gelangt sei». kann sehr wohl entbehrt werden wir können volles Vertrauen zu l festen Grund betrag von achtzig Mark, statt den nach 600 Landesversicherwigsanstalten habe».(Sehr richtig I bei der'" den Bolkspartci.) Ministerialdirektor Caöpar hält die Genehmigung der Aufsichtsbehörde für rmbedenklich. Abg. Dr. Potthoff lVp.): Der Zweck der Bestimmung ist lediglich. die vorbeugende Ärankensiirsorge einzuschränken. Ministerialdirektor Caspar bestreitet das. Abg. Hoch lSoz.): Dieser Behauptung gegenüber muß ich doch die Sache richtig stellen. Man har in der'Kommission gesagt, die Versicherungs anstalten geben zu viel aus für die Heilbehandlung, der Ministerial- direktor Caspar sagte sogar, die Leiter der Versicherungsanstalten lassen sich nicht ans sachlichen Gründen leiten, sondern wollen eine Nolle spielen und mit den Ausgaben für die Heilbehandlung prunken. sLebhaftes Hörtl hört! links.) Deshalb wurde in'Z 1841 auf Betreiben der Konser- vativen, hinter denen die Regierung sich versteckte, die Bestimmung angenommen, daß die Versicherungsanstalten nur 7 Prozent der Eiimahmen für die Heilbehandlung ausgeben dürften, bei Ueberschreitung bedürfen sie der Genehmigung. Und bei dieser slaitdirlöje» Bestimmung, welche die Versicherungsanstalten unter Polizeiaufsicht stellen sollte, hat daS Zentrum mitgewirkt.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Da diese Bestimmung sehr viel Unwillen erregte. wurde sie schließlich fallen gelasien, dafür aber bestimmt, daß die Aufsichtsbehörde den Voranschlag beanstandet, wenn er»die Leistungs« fähigkeit der Versicherungsanstalt zur Erfüllung der ihr obliegenden gesetzlichen Verpflichtungen gefährdet". Mit dieser Bestimmung will man eben auch wieder mustergültig geleitete Anstalten unter Polizeiaufsicht stellen und auf das Niveau herabdrücken, da» die unter dem Einfluß der Junker stehenden ostprpußischen An- stalten haben.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokrat�.) Ministerialdirektor CaSpar: Das Beanstandungsrecht, daS im §1341 schließlich angenommen ist, ist doch etwas anderes, als daS Genehmigungsrecht, um das eS sich hier bei§ 1267«. handelt. Abg. Dr. Mugdan(Vp.): Hier handelt eS sich um vor» beugende Krankenfürsorge, um Errichtung von Lungen» Heilstätten, Genesungsheimen usw., und da ist die Genehmigung der Aussichtsbehörde überflüssig. Abg. Hoch(Soz.): Das Recht der Beanstandung ist so gut wie Genehmigungsrecht. denn die beanstandeten Summen werden nicht zgenehmigt und dürfen nickt ausgegeben werden. Abg. Girsierts(Z.): Das Zentrum hat seine Hand nicht geboten zu einer Einschränkung des Heilverfahrens, es handelt sich auch nicht um eine solche, sondern lediglich um eine gesetzliche Regelung derselbe».(Lache» links.) Abg. Hoch(Soz.): Herr G i e s b e r t S wird uns nicht einreden können, daß eS sich um eine unschuldige Regelung handelt; denn den Anlaß gaben die Reden der Herren von der Rechten, daß für die Heilbehandlung zu viel ausgegeben werde, und als der Antrag kam. eS. dürften nur 7 Proz. der Einnahmen für die Heilbehandlung aus- gegeben werden, hat das Zentrum dafür de» Ausschlag gegeben. tHört! hört! links, Widerspruch im Zentrum.) Abg. Giesberts(Z.) sucht die Haltung des Zentrums in der Kommission zu rechtfertigen. Abg. Dr. Mugdan(Vp.): Der§ 1341, welcher der AufsichtS behörde das Beanstandungsrecht deS VeranschlagS der Versicherung gibt, wird wohl bestehen bleiben. Um so überflüssiger ist das Ge nehmigungsrecht der Aufsichtsbehörde in§ 1267».(Sehr richtig I bei der Voltspartei.) Abg. Dr. Hitze(Z.): Auch der schließlich fallen gelasiene Antrag zu§ 1341 sagte nicht, daß nur 7 Prozent für die Heilbehandlung ausgegeben werden dürfen, sondern nur das Mehr war an eine Genehinigung gebunden. Abg. Hoch(Soz.): Auch die Ausführungen des Borredners haben den Vorwurf, den wir gegen die Haltung des Zentrums gerichtet haben, nicht entkräften können. Wir zweifeln durchaus nicht an den guten Willen der einzelnen Kollegen, etwa der Kollegen Hitze und GiesbertS; aber nicht auf diesen guten Willen kommt eS an, sondern auf den Wortlaut der Vorlage.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Abg. Becker-ArnSberg Beziehungen der Versicherungsträger zu einanöer ttnL zll anverkn Verpflichtete». Die Kommission hat einen neuen§ 1491» beschlossen, der der Kasse das Recht gibt, daß bei einer Krankheit, die die Folge eines Unfalles ist, Krankengeld nux soweit zu gewähren ist, als es den Betrag der Unfallrente übersteigt. Abg. Schmidt-Berlin(Soz.): Wir beantragen, diese Verschlechterung zu streichen. Ter Begriff der Erwerbsfähigkeit in der Unfallversicherung deckt sich mit dem gleichen Begriff in der Krankenversicherung. ES würde also zu Unzuträglichkeiten und unbilligen Härten bei der Aus- rechnung der Renten kommen. Das 6. Buch, das gerade die klarste und beste Fassung ist, würde durch diesen Antrag nur komplizier:. Ter Paragraph verdankt seine Entstehung dem Grafen Westarp, der ängstlich darüber wacht, daß nur ja der Arbeiter eine möglichst niedrige Rente bekommt. Der Kranke hat sür beide Bersicherungs- zwrige seine Beiträge bezahlt. Wenn er das Pech hat, infolge eines Unfalles zu erkranken, dann hat er erhöhte Äufwen- düngen zu �machen und kann die kärglichen Renten gut brauchen. Streichen Sie den reaktionären Paragraphen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Die Streichung wird abgelehnt. Der Rest des 6. Buches wird debatteloZ erledigt. ?lus Antrag Bebel(Soz.) tritt Vertagung ein. Nächste Sitzung: Montag, 12 Uhr.(Fortsetzung. Handels- vertrag mit Schweden, kleinere Vorlagen.) Schluß 4 Uhr. �lbgeoränetenbaus. 81. Sitzung vom 20, Mai, vormittags 10 Uhr. Am Ministertische: v. Dallwitz, v. Schorlemer. Die gestern abgesetzten Abstimmungen über das Feuerbestattungsgesetz werden zunächst vorgenommen. Der Antrag Müller- Koblenz(Z.) zum§ 3(Zweidrittel- Mehrheit der Gemeindelörperschaften bei Genehmigung der Feuer- bestattung) wird mit den Stimmen des Zentrums, der Polen und der Mehrheit der Konservativen angenommen. Der so ab- geänderte§ 3 wird angenommen. Präs. v. Kröcher: Wir müßten jetzt eine kleine Pause zur Verteilung der Beschlüsse machen, wenn nicht allseitig auf die Ler- teilung verzichtet wird..> Abg. Hoffman»(Soz.): Wir verzichten nicht auf die Ver- teilung.(Heiterkeit.) Zur Gesamtabstimmung zieht Abg. Porsch(Z.) seinen An- trag auf namentliche Abstimmung zurück. Abg. Fischbeck (Vp.) nimmt den Antrag wieder auf. In namentlicher Abstimmung wirb die Vorlage mit 156 gegen 165 Stimmen angenommen. Gegen die Vorlage stimmen das Zentrum, die Polen, der größteTeilderKouserva, t i v e n und einigeFreikonservativen.. Das Ergebnis der Abstimmung wird von der Linken mit leb- haftem Beifall aufgenommen. Die Unruhe legt sich erst nach wiederholten Mahnungen des Präsidenten v. Kröcher zur Ruhe.> Die Beratung der Denkschrift üter die Ausführung des AnsiedelungSgesetze» wird fortgesetzt. Abg. v. Wentzel(k.) polemisiert gegen die Ausführungen des Abg. v. Trampczynski. Der preußische Staat würde sich selbst auf- geben, wenn er die von dem polnischen Redner gestellten Bedin- gungen erfüllen wollte. An die deutschen Besitzer werden für Ar- beiteransiedlungen von den Behörden sehr hohe Anforderungen ge- stellt. Trotzdem geschieht hier noch zu wenig. Wir müßten dahin kommen, daß prinzipiell nur deutsche Arbeiter beschäftigt werden; aber alle diese Maßregeln werden nur dann von Erfolg sein, wenn es der Landwirtschaft gut geht. Helfen Sie uns, den polnischen Boykott zu brechen.(Lebhafter Beifall rechts.). ?lbg. v. Dewitz(fk.): Die Kolonisierung der Arbeiter muß im großen betrieben werden. Mindesten? 6V Arbeiter sollten immer auf einem Fleck angesiedelt werden. Auch großstädtische Arbeiteo würden gern zur Ostmark gehen, wenn sie dort nur Besitz erhielten, (Beifall rechts.) Abg. Dr. Friedberg(natl.): Die scharfe persönliche Art, in der sich der Minister gegen meinen Freund Glatzel wandte, beweist« daß er während seiner kurzen Ministertätigkeit schon gelernt hat, daß hier die Rechte anders behandelt wird al» die Linke, denn Abgeordneter v. Heydebrand hat doch auch rech» scharfe Wendungen gebraucht, ohne daß ihm so entgegengetreten wurde.(Sehr richtig! bei den Nationalliberalen.) Herr v. H e h d e b r a n d hat in den Ausführungen des Ministers ebenso den warmen Ton vermißt wie wir. Wir haben den Eindruck, daß der Minister sich in der Rolle eines Mannes befindet, der die ihm übertragene Arbeit zwar pflichtgemäß erledigt, aber doch mit innerem Widerstreben. Wir hätten auch ge, wünscht, daß bei der Erörterung der so wichtigen Wandlung in der Polenpolitik der Ministerpräsident anwesend ist.(Beifall bei dea Nationalliberalen.) Minister v. Schorlemer: Wenn auch der Vorredner wieder von einer Wandlung in der Polenpolitik gesprochen und im Anschluß daran die Abwesenheit des Ministerpräsidenten bedauert hat, so kann ich ihn beruhigen. Der Ministerpräsident ist lediglich deshalb nicht erschienen, weil er der Ansicht war, daß bei dem Festhalten am alten Kurse eS auch völlig genügt, wenn der zunächst beteiligte Ressortminister die Denkschrift hier im Hause vertritt. Was meine Bemerkung über- die Beamtenmitglieder bei Ostmarken. vereinS betrifft, so bin ich der letzte, der den Beamten die Freiheit ihrer politischen Tätigkeit nehmen wollte; aber ich gehe von der Voraussetzung au», daß in der preußischen Beamtenschaft ein Geist herrscht, der c« unangenehm empfindet, wenn die den Beamten vorgesetzte Behörde in unschöner und verleumderischer Weise angegriffen wird. Man kann der Regierung nicht ein Abweichen von dem bewährten Kurs« des Fürsten Bülow vor- werfen. Die„Leipz. Neuesten Nachrichten" haben sich in letzter Zeit als Organ des Ostmarkenverein» aufgespielt und sich Ue ber- treibungen geleistet, denen gegenüber man wieder auf die realen Tatsachen verweisen mußte. In meinen Ausführungen ist der warme Ton vermißt worden. Wenn ich sachlicher sprach als sonst, so war ich dazu veranlaßt, weil ich aus den vielen Preß- äußerungen und Zuschriften sah, daß der Pulsschlag vielfach auf 42 heraufgegangen war. Da wollte ich ihn durch kühle, sachliche Ausführungen wieder auf 37.5 herabsetzen.(Beifall.! Ein Antrag v. Pappenheim(k.) auf Schluß der Debatte wird angenommen. Nach einer Reihe persönlicher Bemerkungen wird die Denk» schrist durch Kenntnisnahme erledigt. Es folgt die Beratung des Antrages der Bugetkommisston, betr. die Lage der staatlichen Bergwerke. Abg. Hirsch-Esscn(natl.) empfiehlt als Berichterstatter namens der Kommission die Annahme einer Entschließung, in der die Re- gierung ersucht wird. Maßnahmen zu treffen, um den Mängeln in den Verhältnissen der höheren und mittleren Beamten und der Arbeiter abzuhelfen. Hierbei soll besonders ge- prüft werden, ob dio von der Bergverwaltung im Saarrevier befolgte Lohnpolitik aufrechterhalten werden kann, ob eine Betriebs» verbilligung durch Herabsehung der Materialkosten und Hebung der durchschnittlichen Förderleistungen herbeigeführt werden kann und ob die StaatSbcrgwerke sich am Rheinisch-Westsälischen Kohlen- syndikat beteiligen können. Ferner soll die Regierung für eine übersichtlichere Aufstellung des Etats Sorge tragen und dem Landtag jeweilig einen Einblick in die Lage des staatlichen Bergbaues ermöglichen. Abg.». Pavpenheim(k.): Die Denkschrift ist eine fleißige Ar, beit. Unser« Vorschläge wollen nup die Finanzen auf gesunde Grundlag« stellen. Die dollöwirtschaftlichen und sozialpolitischen Aufgaben haben die Betriebsergebnisse der staatlichen Bergwerke wesentlich herabgesetzt. Auch die Privatindustrie hat für die sozial- politischen Zwecke weit über ihre gesetzlichen Aufgaben hinaus Aus- gaben gemacht und Einrichtungen getroffen. Aber all das be- gründet nicht das Herabgehen der Erträgnisse. Die Einzelleistung geht herunter.(Hort! rechts.) An den Mißständen ist das hohe Haus selbst mitschuldig.(Sehr richtig!) Wir haben z u V i e l e B e- am tenjt eilen geschaffen, zu viele nur vertragsmäßig be- schäftigte mittlere Beamte dauerich angestellt. Wir haben auch manchmal zu sehr die Regierung in Arbeiterfragen gedrängt, namentlich zur Gleichmacherei von Löhnen ohne Rücksicht auf Leistungen im Saarrevier.(Hört! hört!) Wir müssen von der Privatindustrie lernen, uns nicht von theoretischen oder gar übertriebenen humanitären Rücksichten leiten zu lassen. So werden wir zu der nötigen Ruhe �kommen. (Zuruf des Abg. Hoffmann(Soz.): Ruhe?) Natürlich, Sie leben ja von der Unruhe!(Beifall rechts.— Zurufe der Soz.: Und Sie von der K i r chho fs r u h e!) sie wollen nicht das Wohl des Staates, sondern den U m st u r z. Sie wollen nicht Ruhe, sondern Unruhe, von der Sie leben.(Sehr gut! rechts. Lachen b. d. Soz.). Wir erhalten eine Erneuerung des Kohlcnshndikats für sehr wünschenswert.(Beifall rechts.) Minister Sydow: Die Resolution verlangt eine stetige Preispolitik der staatlichen Bergwerke, die sich den jeweiligen Verhält- nissen anpaßt. Damit bin ich einverstanden: nach diesem Grundsatz ist auch bisher verfahren worden. In Oberschlesien hat der Fiskus der Ä o h l e n k o n v e n t i o n sich angeschlossen mit dem Vorbehalt, daß er austreten könne, wenn er mit der Preispolitik der�Kon- vention nicht mehr übereinstimme. Im Saargebiet hat der Fiskus schon Fühler ausgestreckt, um sich einer Konven- t i o n anzuschließen. Es ist nicht gelungen, zur Liebe kann man niemand zwingen. Im Ruhrrevier bestand schon das Kohlen- syndikat; der Fiskus mutzte zunächst freie Hand haben, um sich ein Absatzgebiet zu schaffen. Ueber die Frage des Anschlusses der staat- lichen Werke an das 5kohlenshndikat habe ich mit dem Finanz- minister erst Rücksprache genommen, und ich kann nun im Auftrage des Staatsministeriums folgende Erklärung abgeben: Das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat, dessen Erneuerung von 1915 ab in Frage steht, ist seinerzeit geschaffen worden, um den schlimm- ften Mißständen ein Ende zu bereiten, die sich Ende der siebziger und achtziger Jahre ergeben haben. Es steht zu befürchten, daß ein Zusammenbruch des Kohlensyndikats einen Kampf aller gegen alle herbeiführt und dadurch Verhältnisse schafft, die nicht nur die Wirtschaftlichkeit der Werke, sondern auch die Lohn- und Beschäfti- gungsverhältnisse der Arbeiter nachteilig beeinflussen und zu schweren wirtschaftlichen und sozialen Erschütterungen führen würde. Di« Regierung muß aus diesen Gründen die Erneuerung des Syndikats im allgemein-wirtschaftlichen Interesse für wünschenswert erachten, doch nur mit der Maßgabe, daß dabei die Verbraucher gegen eine zu starke Ausnutzung der einer so starken Organisation beiwohnenden Macht gesichert werden. Sollte der Regierung von den Beteiligten der Wunsch unterbreitet werden, mit ihren westfälischen Zechen sich dem Syndikat anzuschließen, so wird sie bereit sein, dem näher zu treten. Dabei wird von Bedeutung sein, ob das Syndikat gewillt und in der Lage ist, dem Staat nicht nur angemessene Bedingungen für seine Beteiligung zu gewähren, sondern ihm auch eine Gewähr für eine hinreichende Sicherstellung der Interessen der Allgemeinheit zu bieten.(Beifall.) Oberberghauptmann v. Bilsen sucht in längeren Darlegungen nachzuweisen, daß der Rückgang der Ueberschüsse nicht zurückzu- führen sei auf die Beamten- und Arbeiterverhältnisse, sondern in. der natürlichen allgemeinen EntWickelung der Verhältnisse im Bergbau begründet sei. Die Gleichmacherei der Löhne könne man am allerwenigsten für die EntWickelung der Verhältnisse verant- wortlich machen; eber sei eine Aufbesserung der Löhne und Gehälter am Platze. Unter Berücksichtigung der tatsächlich bestehenden Verhältnisse könne man die Erträge der Staatsbergwerke im Ruhrrevier nicht so ungünstig beurteilen. .(Beifall.) Abg. Brust(Z.): AuS dem Resultat der Kommissionsverhand- lungen geht für den Kenner der Verhältnisse hervor, daß ein ge- wisser Kampf von den Vertretern des Privatbergbaues gegen die Staatsbergwerke geführt worden ist, in dem die Bergverwaltung sich allerdings tüchtig zur Wehr gesetzt hat und vielfach auch mit gutem Erfolge. Die Resolution der Kommission ist sehr allgemein gehalten, sie geht aber von der Voraussetzung aus, daß der Rück- gang der Ueberschüsse auf die Arbeiter- und Beamtenverhältnisse zurückzuführen sei. Der Oberberghauptmann hat nun jedoch über- «engend nachgewiesen, daß diese Voraussetzung nicht zutrifft. Aus seinen Ausführungen geht rticht hervor, daß er den Wünschen der Kommission Rechnung tragen und wieder die vertragliche An- stellung der mittleren Beamten einführen will. Ich hege aber nach den mir aus dem Saarrevier gewordenen Mittet- lungen die Befürchtung, daß dort dennoch die Absicht besteht, solche Maßnahmen zu ergreifen. Namens meiner politischen Freunde muß ich erklären, daß wir ein solches Vorgehen der BergverwÄ- tung nicht billigen würden. Wir sind damit einverstanden, daß die höheren Grubenbeamten durch Gratifikationen mehr an den Betrieb gefesselt werden, wir müssen aber verlangen, daß diese Beamten auch ihre ganze Arbeitskraft nur den Staats- bergwerken widmen und nicht, wie daS jetzt oft geschieht,'auf tzje Ausarbeitung von Gutachten für Privackbergwerke und auf andere Privatarbeiten sehr viel Zeit verwenden. Wir wünschen auch, daß nicht mehr höhere Grubenbeamte angestellt werden alS nötig sind. ES sollte auch für ein besseres Verhältnis zwischen den höheren und mittleren Beamten gesorgt werden. Der sogenannte Assessorenton ist bei den heutigen Verhältnissen im Berg- bau nicht mehr am Platze.(Sehr richtigl) Es ist nicht angebracht. wenn ein alter mittlerer Bergbeamter vor einem jungen Assessor die Hacken zusammenschlagen muß. RirgendS mehr als im Bergbau ist ein kameradschaftliches Zusammenarbeiten«-er höheren mit den mittleren Beamten und Arbeitern notwendig. (Beifall.) Hinsichtlich der Preispolitik schließen wir uns der Resolution an. Wenn die Kommission den Beitritt zum Kohlen- syndikat eventuell empfiehlt, so unterstützen wir diesen Wunsch mit dem ausdrülichsn Vorbehalt, daß die Interessen der Allge- meinheit dabei ausreichend gewahrt werden.(Beifall im Zentrum.) Das Haus vertagt sich. Präsident v. Kröcher: Tie Berechnung der heutigen Abstmi- mung über das Feuerhestattungsgesetz hat der rechnerischen Nach- Prüfung nicht standgehalten(Bewegung.) Es wurden abgegeben 155 Stimmen gegen und 157(nicht 156) Stimmen für das Gesetz. Die Mehrheit für das Gesetz hat sich also um 100 Proz. vermehrt.(Große Heiterkeit.) Zur Geschäftsordnung empfiehlt Abg. Freih. v. Zedlitz(fk.) im Namen der Mehrheit, mit Rücksicht auf den Arbeitsplan des Herrenhauses den Dienstag für die Kommissionen freizulassen und für den Fall, daß die Sekundärbahnvorlage an einem Tage er- ledigt wird, die Ferien in die Zeit vom 5 1. M a i b i s 1 6. I v n i zu legen. Präsident v. Kröcher erklärt sich damit einverstanden. Nächste Sitzung: Montag, 11 Uhr.(Fortsetzung der Beratung über die Lage im Bergbau. Erste Lesung des Bullenhaltungs- gesetzes.) Schluß der Sitzung: 4� Uhr. Gerichte- Zeitung. Sittlichteitsverbrechen ans dem Bornstedter Feld. Vor der Poisdamer Strafkammer mußte sich gestern der am 20. Januar 1801 geborene Photograph Willi Giesebarth au» Pots- dam wegen Sittlichkeitsverbrechen verantworten. G. hielt sich im März und April in der Nähe des Bornstedter Feldes auf. Spielende Knaben lockte er durch Süßigkeiten an sich heran. Er entkleidete dann die Kinder und verging sich an ihnen im strafgesetzlichen Sinn der§§ 175 und 176. Die Anklage legt ihm drei Fälle an 5 bis 6 Jahre alten Knaben zur Last Die Verhandlung fand unter Aus- schlug der Oeffentlichkeit statt. In der Beweisaufnahme konnten durch das Geständnis des Angeklagten nur 2 Fälle für erwiesen er- achtet werden. G. wurde wegen Vergehens gegen§§ 175 und 176 III zu 7 Monaten Gefängnis verurteilt. Vier Wochen wurden als verbüßt auf die Untersuchungshaft angerechnet. Der seltene Fall einer Wiederaufnahme des Verfahrens in einer Privatklagesache beschäftigte das Schöffengericht Berlin-Schöneberg. Der Magistrats- beamte S. in Eharlottenburg und dessen Ehefrau hatten den Stadt- reisenden Leo Granth wegen Beleidigung verklagt. Der Angeklagte, der mit dem klägerischen Ehepaar bekannt war, hat in der Woh- nung des Klägers wiederholt Besuche abgestattet zu einer Zeit, wo er wußte, daß der Kläger im Bureau war. Die Klägerin tompli- mentierte ihn immer mit dem unverkennbaren Ausdruck ihres Mißbehagens hinaus, und der Ehemann nahm schließlich Veran- lassung, dem G. in aller Form solche Besuche in seiner Abwesenheit zu untersagen. Nun trieb sich der Angeklagte fast täglich auf den Treppen des Hauses herum und wartete auf einen günstigen Augenblick, wo er vielleicht die Gestalt der von ihm offenbar ver- ehrten Frau erblicken könnte. Einmal schlich er sich, als die Klägerin mit Reinigen ihrer Türschwelle beschäftigt war. in die Wohnung, beteuerte der Frau seine Liebe, wurde aber energisch hinausgewiesen. Nun schrieb der Angeklagte an die Klägerin einen Brief, der diese schwer beleidigte, da er behauptete, daß sie ge- schlechtlich mit ihm verkehrt habe. Die darauf angestrengte Be- leidigungsklage endete mit einem Vergleich, da der Angetlagte seine beleidigende Behauptung als unwahr zurücknahm, förmlich Abbitte leistete und versprach, sich in der Folge aller Belästigungen zu ent- halten. Trotzdem richtete der Angeklagte bald wieder einen von Beleidigungen strotzenden Brief an die Kläger, die von einer Straf- Verfolgung aber absahen, da Kosten von dem Beschuldigten nicht beizutreihen sind. Als aber dann noch ein Brief mit höchst be- leidigenden Behauptungen über das Leben und Treiben der Ehe- frau eintraf und dem Ehemann gedroht wurde, daß seiner vor- gesetzten Behörde entsprechende Mitteilungen gemacht werden würden, erhoben die S.'schen Eheleute abermals die Privatklage. Der Angeklagte wurde vom Schöffengericht zu 3 Monaten Gefäng- nis rechtskraftig verurteilt. Dem Verurteilten �wurde alsdann zweimal Strafaufschub wegen Erkrankung bewilligt. Das ganze ungewöhnliche Verhalten des Angeklagten gab inzwischen dem Rechtsanwalt Dr. Werthauer Veranlassung, den Spezialarzt Dr. Abraham in Charlottenburg zu ersuchen, sich mit dem Geisteszu- stand des Angeklagten zu beschäftigen, da dieser zweifellos zur Zeit, als er die beleidigenden Briefe schrieb, sich in einem Zustande der Geistesgeftörtheit befunden haben müsse. Die Untersuchung des Arzte? ergab dann, daß er infolge sexueller Triebe von einer fixe« Idee beherrscht war und all sein Denken und Handeln, welches mit dieser Sache in Verbindung steht, von einer krankhaften Wahnidee beeinflußt war. Auf Grund des Gutachtens des Dr. Abraham beantragte Rechtsanwalt Dr. Werthauer die Wiederaufnahme des Verfahrens, und diesem Antrage wurde auch stattgegeben. In der neuen Verhandlung gab Dr. Abraham sein Gutachten dahin ab, daß bei dem Angeklagten zur Zeit der inkriminierten Handlungen eine krankhafte Störung der Gcistestötigkeit im Sinne des 51 des Strafgesetzbuches bestanden habe. Medizinalrat Dr. Hoffmao» hatte Zweifel daran, ob man dies feststellen könne.— Das Gericht sprach den Angeklagten unter Anwendung des tj 51 des Strafgcsc�- buches frei._ Die für Automobilisten wichtige Frage der Geschwindigkcits» schützung durch Polizeibeamte wurde in einer Verhandlung vor der 8. Strafkammer des Land'- gerichts I in einer recht eigenartigen Weise beleuchtet. Angeklagt war ein Kaufmann Pollak wegen Uebcrtretung der Verordnung betreffend den Verkehr mit Kraftfahrzeugen. Gegen den Auge- schuldigten war von der Polizei ein Strafmaiü>at über 36 Mark erlassen worden, weil er eines Tages in der Straße Alt-Moadit mit seinem Automobil übermäßig schnell gefahren sein soll. Dies wurde in der ersten Verhandlung vor dem Schöffengericht von zwei Schutzleuten unter dem Zeugeneide bestätigt. Die beiden Beamten hatten sich in-einer Entfernung von 200 Metern aufgestellt und mit ihren Stoppuhren nach ihren Angaben festgestellt, daß der An- geschuldigte ein Tempo von 31 Kilometern pro Stunde gefahren war. Der Widerspruch gegen das Strafmandat wurde deshalb vom Schöffengericht verworfen. Gegen dieses Urteil legte P. Berüfuirg ein. Vor der Strafkammer blieben die beiden Schutzleute dabei, daß der Angeklagte ein Tempo von 31 Kilometern gefahren war. Eine kleine Ueberraschung gab es jedoch, als der vom Rechtsanwalt Fritz Loewe geladene gerichtliche Sachverständige erklärte, daß der von dem Angeklagten benutzte neun Jahre alte Clement-Bayard- Wagen allerhöchstens ein Stundentempo von 19 bis 21 Kilometern zu lausen imstande sei. Es sei völlig ausgeschlossen, daß dieser Wagen ein Tempo von 31 Kilometern laufen könne.— Das Gericht kam auf Grund dieses Gutachtens zu der Ueberzeugung, daß auf feiten der Schutzleute ein grober Irrtum vorliegen müsse. Der An- geschuldigte wurde deshalb auf Kosten der Staatskasse frcige- sprocheu. Tie Millionenwechsel des Prinzen von Bragauza. Das Reichsgericht hat die Revision des Bergwerksdirektors Leslic-Clarke verworfen, der am 7. Februar vom Landgericht I Berlin wegen Betrugsversuchs zu sechs Monaten Gefängnis ver- urteilt worden war, weil er versucht hatte, die wertlosen Millionen, Wechsel des Prinzen von Braganza unterzubringen. Syphilistropfen hatte der Drogist Artur Herrmann in Berlin in Flaschen zu 8 M>. verkauft und dabei den Glauben erweckt, sie könnten die Syphilis heilen. Die Tropfen bestanden nur aus ver- dünntem Wachholderbeersast, der in den Apotheken nur etwa 2,70 Mark kostet. Tie Tropfen Wirten nur barn- und schweißtreibend, also blutreinigend, und können nicht als Heilmittel, sondern nur als Linderungsmittel angesehen werden. Herrmann ist am 2. März vom Landgericht I in Berlin wegen unlauteren Wettbewerbs und Betruges zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Seine Revision wurde vom Reichsgerichte verworfen. /Zus der frauenbewegung» Leseabende. Erster Kreis. Montag, den 22. Mai, bei Weihnacht, Grünftr. LI. Vortrag:„Militarismus". Pankow. Montag, den 22. Mai, 8� Uhr, bei Großkurt Nachfolger, Berliner Straße 27. V o r t r a g des Genossen Hermann Lesscr. Rezitationen und Erläuterungen aus der neuen Gcdichtsamm- lung:„Von unten auf". Niederschöneweide. Dienstag, den 23. Mai. beim Genossen Bengsch, Britzer Straße 17. Stralau. Der Leseabend im Mai fällt umständehalber aus; im Monat Juni spricht Genosse Dr. Moses über„Fritz Reuter". Treptow. Montag, den 22. Mai. SVa Uhr. bei Karl Kaiser. Grätzstr. 28. Banmschulenweg. Montag, den 22. Mai. abends �9 Uhr, Ernst- straße 22, Stfl. p. Vortrag des Genossen Jahn über„Tie Frauen und der Militarismus". Friedenau. Montag, den 22. Mai, abends 8� Uhr. im Lokal von Mechclke, Handjerystr. 60/61. Diskussion über den Vortrag der Genossin Bohm-Schuch über„Sexuelle Aufklärung". Die Broschüre von Luise Zietz:„Mutter und Säuglingsfürsorge" gelangt zur Verteilung. Friedrichshagen. Montag, den 22. Mai, 8� Uhr, im Jugendheim, Wilhclmstr. 74, Hof P. rechts. Vortrag des Gen. A. Baumeister. Reinickendorf-West. Dienstag, den 23. Mai, 8% Uhr, bei Fellschow, Schillingstraße. Vortrag der Genossin Kiesel. Weisiense«. Montag, den 22. Mai, 9 Uhr, im Lokal des Genossen Peukert, Berliner Allee 251. 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Heute müßten wir die Strahlen der hochgestiegenen Konjunktursonnc ver- spüren, wäre der Staatssekretär ein richtiggehender Wetterprophet. Leider ist dem nicht so; im Wirtschaftsleben sieht es teilweis« recht frostig aus. Aber Herr Delbrück mag sich trösten, sein Widersacher, Herr v. Gwinner, der Stratege der Deutschen Bank, hat auch am Wirtschaftsbarometer falsch gelesen. Allerdings, sein Irrtum hatte eine erklärliche Ursache. Er forderte von der Eisenbahnverwaltung beschleunigte und umfangreiche Bestellungen, damit ihr und den Werken nicht die Wellen der Hochkonjunktur über dem Kopf zu- sammenschlügen. Solche Vorsicht mutz man loben! Im Prinzip sind wir auch mit der geforderten Praxis einver- standen. Staat und Gemeinden sollen die Zeit der wirtschaftlichen Ruhe dazu benützen, ihre Bedürfnisse in gewissem Umfange im voraus zu decken. Bisher befolgte die Eiscnbahnverwaltung leider die entgegengesetzte Geschäftspolitik. Sie gab ihre Aufträge für lange Zeit gerade dann heraus, wenn die"Preise auf dem Zenit standen. Das war für die Leute vom Kohlensyndikat und vom Stahlwerksverbande sehr angenehm, aber dem Volke kostete diese Praxis viele Millionen. Jetzt liegen die Verhältnisse so, daß um- fangreiche Bestellungen der Eisenbahnverwaltung für die Werke gute Konjunktur machen würden. Die Preise könnten hinauf gesetzt werden. Die innige Verbindung zwischen Banken und Großindustrie erklärt der elfteren Sorge für der letzteren Wohl- ergehen. Das Kohlensyndikat benutzte die gute Konjunktur vor 12 Jahren dazu, bestehende Verträge mit ihren Abnehmern zu brechen, diese zu zwingen, höhere Preise auf lange Zeit hinaus zu bewilligen. Aehnlich verfahren die Verbände mit der Eisenbahn- Verwaltung. Dieser die gleiche Praxis zu empfehlen liegt uns fern. Mit den Verbands- und Syndikatspatrioten ist nicht gut Kirschen essen. Hörte man doch kürzlich aus diesen Kreisen die Drohung, man werde das Vaterland im Falle eine? Krieges in Stich lassen, wenn der Staat ihr Portcmonnaieinteresse durch den Import billiger Kohlen aus England schädige. In Stich lassen würde man das Vaterland allerdings nicht, wenn es in einen Krieg verwickelt würde, aber sicher nützten diese Patrioten die Gelegenheit, sich durch wildes Hinaufschrauben der Preise für den„Schaden" doppelt und dreifach schadlos zu halten. Die Profitsucht ist ja das Motiv ihres Handelns. Aus vernunftgemäßem Eigeninteresse sollten sie dem Staate als dem größten Abnehmer die allerkulantesten Be- dingungen stellen, dann könnte er in der Zeit der wirtschaftlichen Flaue große Aufträge herausgeben und mit seinen Anforderungen zurücktreten, wenn der Begehr der übrigen Kundschaft die Lei- stiingsfähigkeit der Werke genügend in Anspruch nimmt. Auf größere Staatsaufträge liegt ein Bedürfnis der Werke jetzt jedenfalls vor. Die Hoffnungen, die der Herren Delbrück und Gwinner Weissagungen erweckt haben, mußten zum großen Teile in den Sarg der Enttäuschungen vergraben werden. Das mit allen Mitteln der Börsen- und Stimmungsmache errichtete Kurs- gebäude wackelt bedenklich; Unsicherheit und Unklarheit geben der Lage am Wirtschaftsmarkt das Gepräge. Am wenigsten hat der Baumarkt die auf ihm gesetzten Er- Wartungen entsprochen. Von einem Stürmen und Drängen in der Bautätigkeit ist nichts zu spüren; das Leben in den verschiede- nen Baugewerben ist matt und träge. Zum Teil mag das auf die Gesamtlage zurückzuführen sein, denn am gewerblichen Arbeits- markt hat im allgemeinen nicht die enorme Nachfrage sich bemerk- bar gemacht, die einen starken Zuzug nach den Städten und einen genügend großen Begehr nach neuen Wohnungen hervorrufen konnte, um die Unternehmungslust so anzureizen, daß sie alle Hemmungen überwinden konnte. In gewissem Umfange sind diese in den Gcldmarktverhältnissen begründet. Von größerer Bedeutung ist die Preisüberspannung am Terrainmarkt. Die Terraingesell- schaften, hinter denen wiederum die Banken stehen, haben den Bodcnpreis überall derart in die Höhe getrieben, daß spekulativen Bauunternehmern zu wenig Spielraum für Gewinnchancen bleibt, um sie zu großen Unternehmen anzufeuern. Die Bodenpreise sind heute so hoch, daß es schwer hält, mit Neubauten noch große Kon- kurrenz zu machen. Das Fehlen dieses Stachels lähmt. Man mag anerkennen, daß die Terraingesellschaften in gewisser Beziehung Pionierarbeit geleistet haben, heute bilden sie ein Hindernis der EntWickelung. Sie sind zu sehr das Objekt von Finanztransaktionen geworden; bei den Gründungen werden Millionen„verdient", die dann den Boden und natürlich auch den Wohnbau belasten. Eigenartig haben die Verhältnisse am Eisen- und Stahlmarkt sich gestaltet. Aus der Eisenindustrie mehren sich die Klagen über Mangel an Beschäftigung, die Hochofen und Stahlwerke aber warten mit Rekordproduktionsziffern auf. Für die deutsche Roh- eisenerzeugung ergeben sich die folgenden Mengen sin 1090 Tonnen): 1907 1908 1909 1910 1911 April... 1088 980 1047 1202 1285 Januar/April 4217 4032 4092 4721 5107 Also sowohl in der Moüatsleistung, als auch in dem Ergebnis der Periode Januar bis April ragt das Jahr 1911 mit der größten Ziffer hervor. Das Rekordjahr 1907 ist jetzt weit überholt. Und auch der Stahlwerksvcrband hat den Versand bedeutend gesteigert. Für die Produkte A zeigt das diese Aufstellung. Es betrug der Absatz in 1000 Tonnen: 1907 1903 1909 1910 1911 April... 482 372 365 415 440 Januar/April 1926 1662 1692 1769 1912 Zwar ist hier das Resultat des Jahres 1907 noch nicht wieder erreicht worden; es muh dabei jedoch berücksichtigt werden, daß der Versand der als U-Produkte klassifizierten Erzeugnisse ebenfalls stark zugenommen hat. Da gerade im April besonders hohe Leistun- gen erzielt worden sind, erscheinen die Klagen aus der Eisen- industrie eigentlich der Berechtigung zu entbehren. Zu einem anderen Urteil kann die Autzenhandelsstatistik veranlassen. Sie läßt bemerkenswerte Tatsachen konstatieren. Erstens ist die Ein- fuhr von Brennmaterialien zurückgegangen, bei gleichzeitiger Steigerung der Ausfuhr. Im Vergleich mit demselben Monat des Vorjahres ist im April 1911 die Einfuhr von Braunkohlen von 645 219 Tonnen auf 586 335 Tonnen gesunken; dagegen schnellte die Ausfuhr von Steinkohlen von 1889 680 Tonnen auf 2 019 201 Tonnen in die Höhe. Das läßt auf eine verschärfte Konkurrenz auf dem Außenmarkt, auf eine Uebersättigung desselben, sowie schließ- lich auch auf eine relative Verminderung des inländischen Ver- brauches schließen. Dabei spielt die Eisenindustrie eine Rolle. Das beweist die Zunahme bei der Roheisenausfuhr. Während z. B. für die ersten vier Monate des laufenden Jahres im Vergleich mit der gleichen Periode des Vorjahres eine Verminderung der Aus- fuhr von 253 931 Tonnen auf 249 187 Tonnen sich ergibt, brachte der Monat April allein eine Zunahme von 62 012 auf 63 793 Tonnen. Die Differenz ist absolut nicht groß; sie läßt aber er- kennen, daß die Aufnahmefähigkeit der deutschen Weiterverarbci- tung nachgelassen hat. Und da liegt auch die Befürchtung nahe, daß es sich bei dem starken Abstoß nach dem Auslande nur um Ver- schleuderungcn handelt. Jedenfalls versagte der Außenmarkt als Abnehmer der wciterverarbeiteten Produkte. Das zeigt die folgende Gegenüberstellung. Es wurden im April ausgeführt: Halbzeug Träger Dz. 1910..... 571225 1911..... 419 588 in 1911 weniger. 150 637 Eisenbahnschienen 424 329 374 034 50 295 Eisen und Eisenwaren insgesamt Dz. 4 366 866 3 631 515 735 351 Dz. 459 256 283 907 175 349 Der Rückgang ist ganz beträchtlich. Ob es sich dabei um eine entscheidende Wendung, um eine gründliche Uebersättigung des Auslandsmarktes handelt, das kann man natürlich noch nicht sagen. Wahrscheinlich bildet aber die Verstopfung dieses Abzugskanals eine der schwerwiegendsten Ursachen der verschlechterten Stimmung am deutschen Eisenmarkt. Eine recht unerfreuliche EntWickelung vollzieht sich am Leder- markt. Die Zahl der Schlachtungen ist wie in Teutschland, so auch teilweise im Auslande zurückgegangen. Dazu steigerte die Auto- mobilindustrie. die moderne Wohnungsansstattung und die Ausdehnung des Sports auf verschiedenen Gebieten den Verbrauch von Lcder und daher auch die Nachfrage. Schließlich wird auch noch über mangelndes Angebot von Wildhäuten geklagt. Diese Verhält- nissc blieben nicht ohne Einfluß auf die Preisgestaltung. Und wie das immer so geht: eine Preiserhöhung zieht die andere nach sichl Mit dem Steigen der Häutcpreise zogen die Preise für Leder an, und es wurden auch die Preise für Ledererzeugnisse hinaufgesetzt. Für die Preissteigerung am Rohmaterialmarkt wird der Konsu- nient mehrfach geschunden. Daß die Lederfabriken ihr Schäfchen zu scheren verstanden, das beweisen die Geschäftscrgcbnisse der Aktiengesellschaften. 15 Gesellschaften nämlich, die ihre Bilanzen bis Ende März im„Reichsanzeiger" veröffentlicht hatten, erzielten für das letzte Geschäftsjahr eine durchschnittliche Dividende von 18,6 Proz. gegen„nur" 17,4 Proz. im Vorjahre. Trotzdem wird über unzureichende Preise geklagt, und die Vorgänge am Häute- markt dienen als Vorwand für ein erneutes Anziehen der Preis- schraube. Auch die Schuhfabriken scheinen ans der Pürsche nach höheren Preisen zu sein. Kürzlich waren die Fabrikanten zu- sammen, um über Maßnahmen gegen daS Zuviel an Fassons zu beraten. Angeblich ioerden Fabrikanten und Händler durch einen allzu häufigen Modenwechsel geschädigt. Wer macht denn den Wechsel? Tie Fabriken schicken doch die neuen, neuesten und aller- neuesten Formen hinaus. Der Wcttlauf um die Kundschaft ver» anlaßt sie dazu. Daß die Produktionskosten durch den Moden» wechscl etwa? erhöht werden, mag fchon�richtig sein, aber für die Fabrikanten dürste doch wohl ein anderer Umstand zu ihrem Anti- modenvorstoß den Anlaß gegeben haben. Die Fassonverfchieden- heiten und der von den Fabrikanten gemachte Modcnwechscl ist ein starkes Hindernis für Prcisvereinbarungen. Glückt es den maß- gebenden Fabriken, die kleineren Konkurrenten für ihren Plan zu gewinnen, dann wird die Reform in der Hauptsache wohl in ein einheitliches Hinauftetzen der Preise bestehen. Wiie gesagt: Der Konsument ist immer der leidende Teil; aus seine Koste» mästen sich Händler und Fabrikanten. D. Dauer vom 18.-25. Mai Dauer vom 18.-25. Mai es. 20000 Wasch- Anzüge, Musen, Hosian usw. 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Neue Freie Volksbühne. Sonntag, den 2 I.Mai, nachm. 2'/, Uhr: Deutsches Theater: Simlon und Delila. Kammerspiele: GawKn. Nachm. 3 Uhr: NcueZ Volks» Theater: Der Viel- geprüste. Schiller-Theater O.: Die Ehre. Schiller- Theater Charlottenburg: Zapsenstreich. Metropol-Thcater: Mamsell Nitouche. Kleines Theater. Nur ein Traum. Neues Operetten» Theater: Der Glücksengel. Neues Theater: Tartüff.— Die Ge> Ichwister. Abends S'/, Uhr: NeucS Volks- Theater: Sonntag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Sonnabend: Der Vielgeprüfte. Montag, Freitag: Kater Lampe. 8cdiIIer-7desterlj.Tb?°7-r! Sonntag, nachmittags 3 Uhr: IMv Ehre. Sonntag, abends 8 Uhr: Hnsarcnrieber. Montag, abends 8 Uhr: Liebelei. Hieraus: Literator. Dienstag, abends 8 Uhr: Im KlnbseHsel. Scliiller-Tlieater Chabu?r Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Zapfentttrelch. Sonntag, abends 8 Uhr: Ein idealer Gatte. Montag, abends 8 Uhr: liitnitr Heinrich. Dienstag, abends 8 Uhr: Her grolle Xanie. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Bnninielstndenten. Morgen: Bummelstudenten. Neues Tiieater. Zum 100. Male: Mi MM iWerr. Ansang 8 Uhr. Montag und solgende Tage: Die- selbe Borstellung._ Theater des Westens. Heute 8 Uhr: Die lustige Witwe. Sonntag 3'/, Uhr: Die lustigen Nibelungen.____ Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonniag den 21. Mai, 8 Uhr: Kasernenluft. Montag und solg. Tage: Kaserncnlust. Btiisen° Theater. Nachm. 3 Uhr: Aus erster Ehe. Abends 8 Uhr: Ohne Mutter. Preisgekröntes Sensations-Schauspiel in 5 Alten von Benjamin Depaire. Montag. Mittwoch und Donnerstag 8 Uhr: Ohne Mutter._ Lustspielhaus. Nachm. 3 llhr: Der Herr Senator. Abends 8 Uhr: Her Eeldberrnbügel. 0SE=THEATE Giohc Franksurter Str. 132. NlichmitiagS 3 Uhr: D«, Mädchens Lebenswege. Ab. 8 Uhr: Oer leemde Blick. Vorher: Die Verlobung im Bett. Mont. u. solg. Tage: Der sremde Blick. Aus der Gartcnbühne täglich: Der Trompeter von Säkklngen. Konzert, Spezialitäten. Ans. 5 Uhr. fttetropol- Theater. Nachm. 3 Uhr: Mamsell Nitouche. Abends 8 Uhr: Rauchen gestattet. Opercite in 3 Akten von I Freund. Musik von Rudolt Nelson. L» Szene geseht vom Dir. R. Schultz. Uhr: Das neue Programm der Attraktionen. 9-', Uhr: Berlins Sensation: dm ein Melb. Großes amerikanisches AuSItattungS- Sensationsstück in acht Bildern. mmr Nie gesehene Effekte."W» Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Sonntag und Montag 8 Uhr: Lebende Tierbilder von nah und fern. REB SB Geoffnet:10-ÄUIir/Einfi'.ln Au6ßcllun4*looic öIm. lOCISCHEf�� GARTEN Heute Sonntag Est Pf i Eintritt....«U Tl. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Ab nachmittags 4 Uhr: lir. Militärkonzert. Morgen sowie täglich: ' Grolle«, Konsert.' Lebend!| Hede Kosch I das Mädchen � Steinzeit! Das Urbild der Mensch- [ werdung, und die anderen Schauattraktionen. Ohne Extra-Entree! 1 Haute 2 Vorslellungon! Nachm. 3—7 Uhr kl. Preise. Abends 8 Uhr. Kammerspiele der Hunde. Ota Gygi, Violinvirtuose. Hnner Studenten und das große Mai-Programm! Trlnnon-Theater. Heuie und solgende Tage: Ha«« Erinzchon. LiebeSschwank in 3 Akten v. R. Misch. Anfang 8'/, Uhr. 1 Sensationelle Attraktionen! Ben All Bey Klassische Zauberkunst des Orients. Tanagra-Theater. Lachhaus. Berg- u.Taibabn. Wasserrutschbabn. Tranalatcnr- und Hllltilr-Konzerte. Eintrlttaprci« 50 Pfennig. Reiehshallen-Theater. Stettioer Sänger. Ilrltton als Mtcüe im Hosenrock. Anfang wochentags S Uhr. Sonntags 7 Uhr. Neue Welt. imerlkanischer TergnOgangspark, Hasegleide. Große Spezialitäten-Vorstellung „Die gute alte Zeit" Komische Ballettpantom. v. Allred Appolino, kgL Ballettmeister a. D. Oroßes Promenaden-Konzert. Wasserrutschbahn— Liebesmühle— Lachkabinett, Gebirgsbahn, Cnke walk u. a.— Heute Eintrittspreis 25 Pf. V oigt-Theater Gesundbrunnen, Badsirahe 58. Sonntag, den 21. Mai 1911, bei günstiger Witterung in: Garten: DtrPoMonu.Münchkbkrg Vollsslück mit Gesang und Tanz in 3 Akten(5 Bildern). Kasseneiöffnung 6, Slnsang 7 Uhr. Billettvorvcrk. 10—1 Uhr Theaterkasse. Kastanien-Allee 7—3. 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Ersatzleistungen f. gewährt« Krankenunler- stützung..... 8. Zurückgezahlte Bei- träge uEintrittSgelder 9. Für Kapitalanlagen, Anlagen b, Sparkassen (Zuführungen zum Rcseroefonds)... 10, Durchlausende Posten 11. Verwaltungsausgaben a) persönliche... b) sächliche.... 12. Sonstige Ausgaben. Summe der Ausgaben (Ziffer 1—12)... M. 14530 11450 15578 747 1627 1101 8596 1190 214 10383 4772 2853 933 1030 15 75058 77636,49 M, 75058,98 M. Ergibt für den Schluß d, Rechnungsjahres einen Kasscnbcstand von 2577,51 M, II. Bermögensaiisweis für den Tchluss des Rechnungsjahres IStv. 2577 48520 51098 42845 8252 .&. DaS Gesamtvermögen der Kasse setzt sich wie solgt zusammen: 1. Aktiva: a) der Bestand für den Schluß des RcchnungS- jahreS 1910 laut vorstehendem Abschluß.. d) bar im Reservefonds, Sparkassenbuch... Summe 2, Passiva waren nicht vorhanden. Nach dem vorjährigen Abschluß betrug der Ueberschuß der Aktiva Ergibt gegen das Borjahr an Ueberschuß der Aktiva mehr.. D, Das verfügte Aktivvermögen(� 1, a und b) verteilt sich wie solgt: 1, Zum Reservefonds gehören nach den stattgesundenen Ucberwcisungcn(Eiitziebiingen)......... Nach dem vorjährigen Aoschluß betrug der Reservefonds Ergibt gegen das Votjahr an ReservesondS mehr.. 2, Als Betriebsfonds verbleiben der Kasse von dem Be- trage A 1, a u. b, nach Abzug d, Beträge unter S 1: an bar Ergibt einen Betriebsfonds von Im Laufe des FahrcS waren ErkraiiklingSsälle der männliche» Mit glieder 871 mit 15339 Tagen, der weiblichen Mitglieder 257 mit 6492 Tagen, Summe der Ärankheltstage 21831, Gestorben sind 13 männliche und 2 weibliche Mitglieder. Die höchste Mitgliederzahl war im August mit 4146 Personen, 276/8 KönigS-Wufferbausen, den 17, Mörz 1911. Ter Borstand. I. Austr,: H, G r i e b i n g, Vorsitzender. M. 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Feiertag: Großer Waldspaziergang durch die herrliche königliche Forst.— Nachmittags von 4 Uhr ab: Großer Festball in zwei Lokalen. 8. Feiertag: Vormittags Ausflug nach Neu-Friedrichsdorf; daselbst Konzert und Belustigungen.— Nachmittags: Absohiedsball in beiden Lokalen. Zu reger Teilnahme ladet freundlichst ein 11/7* Der Ganvorstand. Der FestanasehnB. Die herrlichste Ferienzeit verlebt man in > West 5 direkt* Bahnhf.SeegefcId, da. IMo Ilm GiMailt 30 Min. von Charlotten* barg ab Balmbot Jung- fernbelde, 30 Minuten ab Lehrter Bahnhof(Hamburger Bahn) D Rute von IO Mark an. Kleinite Amahlunc. A mortisntions- Hypothek bis 1920.— Sommerh&UBCben ron 700, 1100, 1500 Mark, Schlüssel- :: fertig, eofort beziehbar:: Sie gew&hri mit Ihren bewaldeten Höhentügcn ein wunderschönes Landsebafts- bild und schliesst sieb an den schönslen und grbssten Laub- und Nadelwald, ea. 3 mal so gross wie der Grunewald. an..Der Brieselang*, einzig sebSn, wird ron Tausenden von AusQUglern besucht. 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Siebente Generalversammlung des Uerbandes Deutscher Knchdrucker. Hannover, 19. Mai 1911, Fünfter Berhandlungstag. Die Sitzung beginnt mit der Beratung der Statutenanträge. Döblin schlägt vor, von der Beratung der nur unwesentlichen statutarischen Anträge abzusehen, da der Vorstand ohnehin bereits den Auftrag erhielt, eine Revision der Bestimmungen und damit auch des Statuts vorzunehmen. Dem Döblinschen Vorschlage wird stattgegeben und es erfolgt nun die Beratung derjenigen Anträge, die prinzipieller Natur sind. In dieser Hinsicht liegen Anträge aus Flensburg, Schleswig, Kiel, Neumünster, Mülhausen und Heidelberg vor, welche alle dem Sinne nach einführen wollen, daß Mitglieder, die im Berufe selbständig werden und sich der P r i n z i pa l o r g a n i s a t i o n anschließen, aus dem Verbände ausscheiden müssen. Sobald sie jedoch ihre Selbständigieit auf- geben, soll ihnen unter bestimmten, in den Anträgen näher be- zeichneten Bedingungen der Eintritt in den Verband und in ihre früheren Rechte wieder ermöglicht werden. Döblin wandte sich gegen diese Anträge und ersuchte, sie alle abzulehnen. Die Redner aus den Reihen der Delegierten sind darüber geteilter Meinung. Ein Teil argumentiert, wenn die Prinzipalsmitglieder sich' gegen die Interessen des Verbandes vergehen, dann habe man Mittel und Wege genug, sie aus dem Verbände auszuschließen. Ter andere Teil sagt, schon der Um- stand, daß genau derselbe Antrag aus räumlich weit voneinander entfernt liegenden Orten gestellt ist, läßt darauf schließen, daß überall sich Vorkommnisse zeigten, die eine reinliche Scheidung zwischen Prinzipalen und Gehilfen notwendig mache. Döblin führt nochmals aus, daß es nicht angängig sei, wegen eines oder auch mehrerer Einzelvorkommnisse gleich generelle Ausschlutzbe- stimmungen zu treffen. Er kann nur den Rat geben, wenn ein Mitglied als Prinzipal gegen die Jnteregen des Verbandes sündigt, ihn dann ebenso zu behandeln, wie einen Gehilfen, der sich ver- geht. Aber keineswegs könne daraus, daß ein Prinzipalsmitglied die Prinzipalsversammlung besucht, schon eine Schädigung des Ver- bandes hergeleitet werden.— In einer prinzipiellen Abstimmung über die Frage, ob Mitglieder, die Prinzipale sind, nicht mehr Mitglieder des Verbandes sein können, wurde gegen eine Mino- rität von etwa 20 Stimmen beschlossen, daß es bei dem bisherigen Zustande bleibt. Es können also auch in Zukunft Prinzipale ebensowohl wie die Gehilfen dem Verbände angehören. Ein Antrag Braunschtveig lautet:„Die Gau-, Bezirks- und größeren Ortsvereine sind mit Zustimmung des Verbairdsvorstandes berechtigt, zur Unterstützung anderer Gewerkschaften bei Aussperrungen und Streiks oder zu sonstigen allgemeinen gewerkschaft- lichen Zwecken Ertrabeiträge zu erheben.— Der Antrag wurde dadurch erledigt, daß die Generalversammlung sich mit der Erklärung Döblins einverstanden erklärte: die Orte können zur Leistung solcher Extrabeiträge nicht verpflichtet werden, son- dern es bleibt ihnen selbst uberlassen, ob sie sie freiwillig be- zahlen wollen. Von Berlin lagen eine Reihe Anträge vor, bei der Wahl des Verbandsvorstandes die einzelnen Sparten zu berücksichtigen, ferner, den einzelnen Sparten eine besondere Vertretung auf den Gaukonferenzen und Generalversammlungen zu geben. Diese Anträge werden alle zurückgezogen und es gelangt nur ein Antrag zur Verhandlung:„Dem Verbandsvorstand ist ein Sekretär mit beratender Stimme anzugliedern."_ Auch dieser Antrag wurde dem Vorstande übergeben mit der Viaßgabe, daß die nächste Gauvor- steherkonferenz sich damit befassen soll. Danach wird dann Iber Vorstand Vorschläge machen. Weiter wurde dem Vorstand als Material überwiesen, eine Broschüre herauszugeben, welche kurz gefaßt Gründung, Geschichte, Zweck und Ziele des Verbandes be- handelt. Diese Broschüre soll an die jeweils zu Ostern oder Michaeli Auslernenden bezw. Eintretenden verteilt iverden. Ein Antrag Berlin will, daß zur Unterstützung des Verbondsvorstandes in wichtigen Fragen sämtliche Gauvorstände zugezogen werden sollen. Bei Abstimmungen sollen dabei die Gaue bis zu 1999 Mitglieder eine Stimme, bis zu 2999 Mitglieder zwei, bis zu 3999 Mitglieder drei Stimmen haben und so fort bis zu 1999 weitere Mitglieder eine weitere Stinune.— Die Freunde des Antrages begründen ihn damit, daß die Zuziehung der Gauvorstände sich aus demokra- tischen Gründen empfiehlt, der Abstimmungsmodus aber soll den großen Gauen dasjenige Vertretungsrecht zusichern, das sie der Zahl ihrer Mitglieder und ihrer wirtschaftlichen Bedeutung nach notwendig beanspruchen müssen. Die Gegner des Antrages sind der Meinung, daß die Berliner damit nur die Förderung lokaler Bezirksinteressen beabsichtigten. Döblin ersucht, schon der tech- nischen Durchführbarkeit halber es bei den jetzigen Gauvorsteher- konferenzen zu belassen. Diese Gauvorsteherwnferenzen müssen eine mitberatende Institution zur Unterstützung des Gesamtvor-, standes sein, aber keine Interessenvertretung. Die Teilnehmer an diesen Konferenzen dürfen sich nicht als Vertreter von Interessen- gruppen, sondern nur als Vertreter der Allgemeinheit betrachten. Ihm erwidern Engelbrecht und H e s s e Iba r t h- Leipzig so- wie noch andere Delegierte, daß die Gauvorsteherkonferenzen nicht nur gewissermaßen als Jnformations- und Beratungsstelle für den Vorstund, sondern auch dazu dienen, wichtige Beschlüsse zu fassen oder wichtige Beschlüsse des Vorstandes zu annullieren oder aufzu- schieben. Darum sei es nicht angängig, daß z. B. ein Vertreter von 699 Mitgliedern genau dasselbe Stimmrecht habe als der Ver- treter von 12 999 Mitgliedern. Der zweite Vorsitzende Graß- mann führte diesen Gründen gegenüber aus, sie hätten durchaus nicht die Bedeutung, die die Redner ihnen beilegen. Es ergäbe' sich ganz unbekümmert um die Zusammensetzung auf den Gau- konferenzen fast immer dasselbe Bild wie auf der gegenwärtigen Generalversammlung in bezug auf die Tarifrevision; nämlich nach gründlicher Klärung würden die Beschlüsse fast immer e i n st i m- m i g gefaßt.— Die Generalversammlung legt dem Antrag ein sehr großes Interesse bei, denn die Debatte ist sehr lang, außerdem geht ein Eventualantrag durch Knoblauch- Darmstadt ein, daß zu den Gauvorsteherkonfercnzen jeder Gau einen Tele- gierten, Gaue mit über 1999 Milgliedern dagegen zwei Dele- gierte entsenden können. Döblin erklärt, um die möglichste Ein- heitlichkeit auch in dieser Frage herbeizuführen, daß der Vorstand sich mit diesem Antrage'befreunden will, jedoch mit der Einschrän- kung, daß von den Gauen, welche zwei Delegierte entsenden, nur der Gauvorsteher das Stimmrecht hat. M a s s i n i- Berlin gab darauf die Erklärung ab, daß die Berliner ihren Antrag zurück- ziehen, wenn auch den zweiten Delegierten das Stimmrecht verliehen wird. Der Vorschlag Massinis wird danach mit großer Majorität zum Beschluß erhoben. Hof- Karlsruhe begründet einen von Karlsruhe gestellten Antrag auf Einsetzung einer Beschwerdekommission, die zugleich als Preßwmmifsion fungiert. Für den Antrag nimmt noch Schindelhauer- Halle das Wort. Nachdem jedoch Döblin, A lbr e cht- Essen, F ü I l e- Berlin, Knoblauch- Darmswdt sich dagegen gewandt, wird er gegen zwei Stimmen abgelehnt. Fülle-Berlin bezeichnete aus seinen Erfahrungen her- aus die Preßkommissionen nicht nur bei den Gewerkschaften für überflüssig, sondern auch bei der Parteipresse. Eine längere Debatte riefen die Anträge hervor, das Ver- b a n d s v e r m ö g e n statt in Staatspapieren oder kapitalistischen Werten in genossenschaftlichen Betrieben anzulegen, wobei in erster Linie die dem Zentralverband und der Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine angeschlossenen Genossenschaften in be- tracht kommen.— Zu der Frage nahm auch U m b r e i t, der Ver- treter der Generalkommission, das Wort. Er sagte, in erster Linie müsse die sichere Anlage der Gelder verbürgt sein. Diese Sicherheit biete aber die Bankabteilung der Großeinkaufsgesellschaft durchaus. Die Arbeiterbewegung müsse jetzt dazu übergehen, ihre Gelder, soweit als verfügbar, den Arbeiterunternehmungen zuzu- führen.— Mit diesen Prinzipien erklärte sich auch Döblin ein- verstanden, und in Rücksicht auf seine Erklärung sowie darauf» daß über die Gestaltung dieser Verhältnisse Mischen der General- kommission und der Großeinkaufsgesellschaft noch Verhandlungen schweben, wird von der Fassung bestimmter Beschlüsse abgesehen. Darauf werden noch zwei beantragt«, nicht sehr wesentliche Aenderungen an der Handhabung der Arbeitslosen- und der Jnvalidenunterstützung durch eine Erklärung Döblins als erledigt bezeichnet. Ferner wurde bestimmt, die nächste Gene- ralversammlung des Verbandes wie bisher in drei Jahren, die nächstfolgende aber wieder wie die gegenwärtige, vor der nächsten Tarifrevision, also von jetzt ab in fünf Jähren abzuhalten. Damit war dieser Teil der Tagesordnung erledigt. Dann gelangten noch die internationalen Beziehungen und der nächste Gewerkschaftskongreß zur Besprechung, Derbandstag des Verbandes der Krandenbnrger Konsumvereine. Der 47. Verbandstag des Verbandes der Konsumvereine der Provinz Brandenburg und der angrenzenden Provinzen und Staaten wurde am 14. und 16. Mai in E l b i n g abgehalten. 71 Delegierte von 37 Genossenschaften waren erschienen, ferner Vertreter des Zentralverbandes der Konsumvereine und der Groß- cinkaufsgesellschaft Hamburg, sowie des Handlungsgehilfen- und Lagerhaltervcrbandes. Die Zahl der dem Verbände angeschlossenen Vereine ist im letzten Jahre von 99 auf 197, die Mitgliederzahl von 98 199 auf 122 849 gestiegen. Der Gesamtumsatz dieser 197 Genossenschaften betrug über 26 Millionen Mark, die Beteiligung am genossenschaft- lichen Großeinkauf 8,6 Millionen Mark. Die Zunahme des Um- satzes in der Eigenproduktion betrug 174 922 M. Eine Steigerung der Spareinlagen ist entsprechend dem sonstigen wachsenden Jnter- esse an der Genossenschaftsbewegung ebenfalls zu verzeichnen. Die Tarifabschlüsse mit den Gewerkschaften sind bei den Verbandsvcr- einen durchgeführt. Nach einem Referat des Verbandsvorsitzenden Müller über:„Die Notwendigkeit des agitatorischen und organisa- torischen Ausbaues des Verbandsbezirkes" sollen zur Förderung der Konsumgenossenschaftsbewegung örtliche Propagandakommissionen gebildet werden, in welchen auch die Gewerkschaften und die Presse vertreten sein sollen. Die Kosten sollen durch eine zehnprozentige Beitragserhöhung aufgebracht werden. Ueber den Wert des Fort- bildungsunterrichts für die Genossenschaftsbewegung referierte Generalsekretär Kauffmann. Er befürwortete, bezirksweise Unter- richtskurfe für die in der Genossenschaftsbewegung tätigen Ge- nossenschafter einzurichten. An Stelle des bisherigen Verbands- sekretärs Neudeck, welcher wegen eines Augenleidens pensioniert wird, ist Hermann Hildebrandt, bisheriger Geschäftsführer der Genossenschaft in Adlershof, als Verbandssekretär gewählt worden. Der bisherige Vorstand: 1. Verbandsvorsitzender Müller-Berlin. 2. Verbandsvorsitzender Hübner-Forst und Schriftführer Buch, Brandenburg, wurde einstimmig wiedergewählt. Der nächstjährigS Verbandstag wird in Hirschberg i. Schl. abgehalten. i» !» )• I* I* |* !• 1' l* Gegründet 1867 Um Irrtümer und Verwechselungen zu vermeiden, bitten wir um die genaue Beachtung nebenstehender Strassennamen u. Hausnummern □ □ □ Der reichillustrierte Haupt-Katalog wird auf Wunsch gratis n. franko zugesandt Versand- Abteilung: JerusalemerStr, 38-39 Die alte Stiller-Firma eröffnet Dienstag, nachm. 4 Uhr, im eigenen Hause ihre 10. Verkaufsstelle Wilmersdorfer Str. 45, Ecke Schillerstr. in Charlottenburg. ■■■ Zentrale und Versand; Jerusalemer Strasse 38-39 am Donhoftplatz MMMMttllllllltMItiniliailMIttNtMllttlllllMIIIMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIiniUlllllUIHMIIIIIIIIIIIIIIIHIIimilllllltllllMa Friedrich-Straße 75, Ecke Jäger- Straße König-Straße 25-26, Ecke Kloster- Straße Schöneberg, Haupt-Straße 146 Potsdamer Straße 2, neben Rheingold TauentZien-Str* 19a, nahe Wittenbergplatz Rixdorf, Berg-Strasse 25 und 26 Neu eröffnet: Rosenthaier Straße 5 1250 Spezial-VerRauf: Tauentzien-Straße 7b Haupt-Preislagen für moderne Herren- und Damen-Stiefel 875 1050 1250 1550 18 00 tottr BoUMH Verwaltung Berlin. Dienstag, den 23. Mai, abends 6V4 Uhr lgleich nach Feierabend): fünf grolle Versammlungen. Nene Ratyaussäle. Mrinwger Strafte. Reserent! �azontlierg. GargaS-Magdebmg� � Hoppes Festsiile, Hrrmannstr. 4S. Referent: Schleicher- AMDUlj. itiiltanvf. Fichtkliberg, Friedrichsfelde und Knmmtlsbnrg: Frankfurter«hanffre S/V. Referent- Heinemann-Bremerbafeir ZU-iiians»«- Pritlatcn, Lehderftr. ISS. Referent- Richard Werner- Wrifirnirr. ftvanifurt a!R� � Ukddieg und{Mit: Ä Ä'SÄ®'«« TageZ-Ordnung! 1. Die nenere Entwickeln»« der SlrbeitSverhSltniff- und der Lohnbeiveauiigcn im Holzpewerbe, 2. DiStufston. Die Kollegen»ttmtlleher Draiioben münsea in diesen Versammlungen ersebeineu- Freitag, den 26. Mai, uon 6'/» bis 8'/- Nhr abends: Muhl eines Dklezierten zum Gciverli- schnstskongreß in sechs MshiloKnIen. Montag, den SS. Mai: Mitglieder- Versammlungen in sämtlichen Bezirken n»d Branchen. Beratung der Anträge für die Generaldersainntlung. Donnerstag» den 1, Juni: Ordentliche Generalversammlung. Anträge, die nach dem Statut in der Aeneralverfammlung zu er- ledigen sind, müssen 616 Donnerstag, den 25. Mal, ans Bureau eingesandt werden._ Achtung: Werkstatt- Uertrauenslrnte!«cht»««! Die Zahlstelle RS ist von Fiirstenivalder Str. 17 nach Gr. Frankfurter Str. 1« verlegt worden. Bezirk Westen und Südwesten. Sonntag, den Sl Mai» Kesnch der Ardeiter-WohlfahrtsaussteUnng in Charlottrndurg, Frannhoferstr. 11/12. Treffpunkt: Uvtergrundbahnhof Knie, pünktlich um 13'/, Uhr. Msten- und Koffermacher! Montag.«>. Mai, abends 8'/, Uhr. in de«„RndreaS-Festsälen«, Andreasstr. 21; Bratichcti-Terfammtuttg. TageS-Ordnung: 1. Vortrag. 2, Stellungnahme zur Kündigung des Tarifvertrages. ». Die Lohnbewegung der Koffermacher. 4. Ver bandsangelegenheiten. Haarsclunuck- Arbeiter und-Arbeiterinnen. Montag, den 23. Mai. abends pünktlich 8 Uhr: Braneken- Versammlung aller in der cMAgMeiiiiiMt'MdekiözekiÄlligleil ifdeitei' i irbeiterlDflea im Gewerkschaftshause sArdeitsloseu-Iaal), Engclufer 11. Tages» Ordnung: 1. Alte und neue Formen im Lohnkampf. Referent: Kollege König. 2. Diskussion. S. Bericht von der Generalderfammlung, 4. BerbandS» und Branchenangeleaenhettc». Montag, den»2. Mai. abend« 8'/. Nhr. bei WollschlSger. Adalbertstr. 21: Branchen-Berfammlung. VergnlNor. DienStag, de« SS. Mai, abends 8 llhr, im GewerkschaftShause (grofter Saal): Branchen»Versammlung. TageS» Ordnung: l Bericht vo» der Branchenversammlung. 2. BerbandS- ongrltgeoheiteu._ Jalonsiearlbeiter. Mittwoch, den 24. Mai» abdS. S'/j Uhr, bei Boeker. Weberftr. 47: Branchen» Versammlung. TageS»Ordnung: 1. Bortrag des Kollegen Bernau über: Ferdinand Lassall«. Branchen«ngelegeuHeite»n_ SSodenlegei*. Mittwoch, de» 24. Mai. abends S Uhr(gleich nach Feierabend), im Gewerkschaftshanse. Engelufer 14/1s, Saal A; Branchen- Verfcitintliltig. Stellmacher. Mittwoch, de» 24. Mai. abends 8'/- Md. im Rostttthaler Hof, Rvseuthalerstr. 41/12: Braneben-Vertammlunz. TageS-Ordnung: 1. Unsere Lohnbewegungen und welche Lehre ziehe» wir daranS. 2. Berbandsangelegenheiten. Lörstsil- umt kiilselmaetier. Mittwoch, den 24. Mai, abdS. 8',,Uhr. beiPreuft.Holzmarrtstr.SS: Aligemeine Branehen-Versammiunn. . TageS»Ordnung: I. Vortrag. Referent: RvchStagsgbgiochnctcr Georg Schopsli». 2. Bronchenangelegenheite«. � SS/iö Oenbeher Sanarbeiter-Verband. Zweigverein Berlin. Seillion itr Gips- und ZeDienibranehe. Mittwoch, den 24. Mai, abds. 8V- Uhr, in den Armitlhalien, Koinwandanteustr. 58 59: General- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Geschäftsbericht vom 1. Quartal. 2. Bericht von der Maiaussperrnng. 3. Stellung« «ahme zur Wiederaufnahme von Mitgliedern, welche 1910 ausgeschieden sind. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbiich legitimiert....... 188/16* Zahlreichen Besuch erwartet Der Settionsvorstand. � Zu der am Donnerstag, den 25. Mai(Himmelfahrtstage), von dem Gesang- verein der Putzer arrangierten Fuftpnrtie ist Treffpunkt vormittags 9 Uhr in Friedrichshagen, Friedrichstr.«1(Sängerhalle.) Alle Mitglieder der Pufter-Sektio» sind hierzu freundlichst eingeladen. VI««rtllebe Tcrnaltnng. Isar ii' Arbeitsnachweis: Hof I Amt 3. 1239. BerwaltungSiielle Berlin. Hauptbureau: CharitestraB* 3. Hof III. Amt 3. 198? Montag, den ÄA. Mai IMA: Bezirks- Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin in folgenden Lokalen: Norden! ciiarn«.«ttl«. Müllerstrafte 142. abends s-/, Uhr. Norden' b�uv108 Fe8tsale' �chwcdtee Strafte 23. abends HOrdeD* � ranke9 �V»t»b1e, Badstr. IS» abends 8>/, Uhr: Vonal• Wohlfalirts Fontsftle, Reinickendorf-Weit. Eichborn» IvUCl. strafte 18, abends 6 Uhr. Wahl des 1. Bezirksleiters. Nloakll' 1>rachtiläle Word-tVeat, Wielefftr. 24. abends 8'/, Uhr. Westen und Schöneberg: Osten und Lichlenberg: 8?,. Stralau u. Bummelsburg: fÄ®' W-v-thas-«»«. 8'/, Uhr. ClirlanhaTinba* Oewerkschartshaas, Engel- Ufer IS. SUUVllvvülbv. Saal 4, abend« 8',. Uhr. Waillaneaa* Peokcrts Uestaurant, Berliner Allee 251. n emensee. abend« 8',, Uhr. BlXdOrfl Hoppe* MeGtsttle, Hormanustr. 49. abend» 8'/, Uhr. Gbarlollenburg: Volksbans, Rostnenstr. z. abend» 8',. Uhr. CtonlikT* Restaurant Wahrendarf, Gr.-Lichterfelde. Bäte- QlCyiilli. straft« 22, abends 3'/, Uhr. Bortrag des Kollegen Horn. liipeulrt u.Friedriclisliagen: lfÄ'Ä.'fK": abend» 8'/, Uhr. nhor.Cahrinauiaifla* Hcstanrant Hnsselwcrdcr, UUCl'OUlUUCWClUC. Hasselwerderstr. 1«. abends 5>/, Uhr. Spandau: Hvntanrant Höhle, Havelstr. 20, abend» 8'/, Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: Bericht von der Generalversammlung. SHtgftledshaeh legfttlnilort. 117/11 Dienstag, den 23. Mai 101 1, abends St1/» Uhr: Versammlnngr der in Eisengiestereien beschäftigten Putzer und Schleifer in den Borussia-Sälen» Ackerstrabe 6/7. TageS-Ordnung: .1. Berussangeiegenheiten.— 2. Verschiedenes. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen erwartet Hie Ortsverwaltnng. l» iff-1 Kahlstelle Berlin. Kontobuchbranche! AV Dienstag, den 23. Mai, abends« Uhr,-M« in den„Arminhalle n", Kommandantenstr. 58/59; Branchen-Versammlung nllrr in den Kerliner GMliftsbLcher-, Schreibheft-, Zeichen-, Kalender* und Kassrnblodtfabriktn, fouiie in Lintjerailßalten befchlistigten Personen. TageS-Ordnung: 1. Stellungnahme zu den einznreichenden Forde- rungen und zur Kündigung des Tarifvertrages. 2. Branchenangelegenheiten. L4/t Zahlreichen Besuch evmnitpt Die Tariskommisston und Ortöberwaltung. Vßtbgltli liöl 8!gltös Groß-Bedins. Dienstag, den 23. Mai 1911, abends 8'/, Uhr: :: Mitglieder-Versaßnznlnng:: =a=ö im„Englischen Gnrtcn", Aleranderstr. 37c.<<- Tage». Ordnung: l. Die Bedeutung des Zusammenhanges der Branchen in grosten Verbänden. Referent: Genosse A. Hörsten. 3. Diskussion, 3 VerbandSangelegucheilen. 291/12? Zahireiche« Besuch erwartet vor Varvtamck, Baupn�ißetoll„sufBerbLiii!" (ß. G. m. b. H.) ck�aoerordeatllohe lZnnssni'VnsMliünng am Montag, den 29. Mai, ab. st, 9 Uhr, bei Hopp«, Hermannstr. 49. Tagesordnung: 1. Erneute Beschluftsafsung über Auflösung der Genossenschast.(Siehe Statut.) 105/13 2. Wahl der Liquidatoren. Der Vorstand. Max Schönberg. Otto Klein- Allgemeine Orts- Krankenkasse für Rixdors. Bekanntmachung. Wir bringen den Mitgliedern hierdurch zur Kenntnis, daft der Beichluft der Generalversammlung vom 7. April 19U aus Abänderung De«§ 14 des Statuts über die Erweiterung der Leistungen auf die Sonntage nicht die Genebmigung der oberen Ver- waliungsbehörde erlangt hat. weil der Retervefonds der Kaste die vor- geschriebene Höhe, noch nicht erlangt dat. Dagegen ist die in derselben tSeneralversnmmlung beschlossene Ab- änderung des§ 84 des Kaffenstalui» betreffend die anderweitige Besetzung des Vorstandes bei der Vornahme von Kaffenrevifionen durch Beichluft de» BezirksauSichuste» vom 9. Mai er. genehmigt worden. 278/9 Rixdori. den 19. Mai 1911. Her Kassenvorstand, Schulte, Walter, Vorsitzende. Schrisisührer. Orts- Krattkenkasse keimcksnckons. Bekanntmachung.. Di« statutenmaftige 276/10 General-Versainmlung der Orts-Krankenkasse Hierselbst findet am Dienstag, d. 30. Mai 1911, abends 8 Uhr, im Sadanschen Restaurant, Refidenzstr. 124 hierseldst statt. TageS-Ordnung: 1. Vorlage der LahreSrechnÜng von 1910, 2. n) Bericht der PrüfungZ- Kom- Mission. b) Abnahme derJahresrechNung. c) EnIIastung deS RechnungS- legers. Z. Wahl von drei Borstands« Mit- gliedern auS den Reihen der Arbeit- geber. 4. Bericht vom S. Kranlenkaffen- tongreft. 5. Slnlräge und Verschiedenes. U> der General-Versainmlung sind »Ur die gewählten Vertreter stimm» berechtigt und werden dieselben mit dem Ersuchen um recht zahlreiches und l'ünttlicheS Erscheinen hierdurch tilweladeN. Die Aassenvertreter haben zu ihrer Legitimation die Kasienbücher sowie die besonders ergehende» Einladungen vorzulegen. Mltgliedem, die nicht zur Kassen- Vertretung gehören, kann der Zutritt nicht gestattet werden. Aistragen und Beschwerden, zu deren Beantwortting Einsichwabme in die Bücher erforderlich ist. sind spätestens drei Tage vor Stattsinden der General- Versammlung an den Vorsitzenden einzureichen. Reinrckendors, den 17. Mal 1911. ver Voretans ser Orts-Krankenkasse. Benich, Vorsitzender, Berlin, Bornbolmer Str. 74. Neubecker, Schrislsührer. m» U»» Filiale Berlin 1, Sebaltlanstr. 27/38. Uchwng! Wg M Mag! Dienstag, den 23. Mai, abends?'/» Uhr, in den Armin hallen» Kommandantenstr. 58/59 j Oeff entliehe Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Weshalb©raanisleren wir uns? Referent: Kollegin stagelsiein. 3. Miiietlringen der Kommission und Verschiedenes. jp|r Es ist Pflicht sämtlicher Kollegen und Kolleginnen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Niemand darj sehlen. 183/13 Die Kommisston. ZentralYerbanduerSetmilede Zahlstelle Berlin. Bureau und Arbeitsnachweis: Linienftr. 73.— Telephon: Amt III. 0714. DtenStag. den 23. Mai. abdS. 8st, Uhr. bei Boeker. Weberftr. 17: Geffeutliche Versammlung der Innnngskollegen. � �.... Tagej-OrdnUNg: 1. Welche Schritte wollen die Kollege» zur Berbosferniig ihrer Lage unternehmen? 3. Arbeitsnachweis»nd JnnungSkraukeukasse. Xnr Innnnsskollexen sollen erseheinen I 178/11 Hie Hrtsversvaltnnx. -Q. eingelrageiie Senesseirschast thli bcschrSnIier Htslpsticht. Bilanz am 31. Hezeinber Iii IN.■ Aktiva Kassa-Konlo. Waren-Konto. Ulensilien-Konto KautionS-Konto Debitoren-Konto Verlust-Konto.. M. M. 1468,10 3415,53 . 1804,05 30,— 423,93 7134,61 .., 868,91 Summa 8003,53 Gewinn- und M. Passiva M. Kreditoren-Konto.. 273,70 Darledns-Konto.. 8043,— insen... 14,33 enosseiswujtS-Aiiteil- Konto..... 1672,50 8003.52 HandlungS-Unlosten- M. M. Konto..... 2534,75 Lohn-Konio.... 2483,88 Ulensilien-Konto.. 28,80 Zinsen-Koirlo... 30t.l4 5242,35 Gewinn, u. Verlust-Konto: � Verlust am 31. Dezemb. 1909 aofifl.os Verlii|it-Konto. Summa bUü3,53 Summa 9009,33 Ämen-Konto... 7219,16 M> Iftnifa-ftonto... 261,93 GenossenschaslS-Antkil- flonto..... 659�3 Verlust-Konto... 888.91 9009,33 -«umma 9009,33 Ter Gesamtbetrag der KeschäslSguthaben erhöhte sich um 2708,07 M Die Wilgliederzahl betrug am 1. Januar 1910: 10. Eingetreten: 0. Ausgeschieden:!. Mitgliederzahl am 31. Dezemb. 1S10: 9. au verminderte sich um 200,— W. und beträgt nun 1600/—!!». r Vorstand: lote« Mtilinor, Brus» Flsisehor. UOö'lO Dr. med. Karl Reinhardts spezial-ärztliche Institute fllr Geschlechtskrankheiten Haut- und Uarnleldpn. 1 Neaniierslralls 12"""sp Potsdauar Straße 117 �| Für Frauen von Z bis V-b Uhr, I Sonntag:« 11—13 Uhr. I Vollkommenstes kombiniertes Heilverfahren. Kachwelallcb unerreichte Dauererfolge In verhdltnlsmäBig kurzer Zeit ! Um sich vor zwecklosen evt. schädlichen Kuren zu schützen, i verlange man ausführliche Broschüre in meinen Instituten | oder durch die Post(verschluss. Kuvert) gratis und franko. EHRLICH-HATA- Behandlung ohne Berufsstörung. ; Der nächste HerrensVortrag | findet statt am Dienstag, den 23. Mal, abends'1,10 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59, über das ( neue Heilmittel I Ehrlich-Hata 606 v. 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Zfui die Gewinne Uber 240 Mark»ind den betreffenden Kümmern In Klammern beigefügt. Die Gewinne fallen auf die bexeicbneien Lose beider Abteilungen, (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 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Ziehung 5. Kl. 224. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 20. Mai 1911, nachmitMga. 'Nor die Gewinne Uber 240 Mark sind den betreSenden Nummern In Klammern beigefügt. Die Gewinne fallen auf die bezeichneten Losa beider Abteilungen. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.} ■>4 26 67 85 213[1000] 49 468 641[500] 798 1 523 41 (1000)«65 726 86? 2005 19[lOOO] 201 663»5 603 783 3084 186 235 337[500] 463»4 584 658 63 710 67 806 951 84 4042 178 201 347 641 612 724 96 5058 220 30 349 72 409 510 75 658»4 742 804 2 4 6267 336 595 784 7071 241 316 31 93 480«07 915 8125 60 506 86«32 92»6 94111 19 95 248 520 44[ 3000] 66 68 606 94 717 62 846 905 27 ; 10333 420 640 58 788 811 29 1 1040 88[5000] 328 87 438 560 703 76 809 1 2072 166 818 449(VOO) 961 80 18000] »13009 44»0 139[600] 203 407 698 63« 43 725 849 75 906 86 1 4147 202 901 441 15134 254[3000] 349[500] 537 751[500] 829 974 1O001 66[500] 87 15000] 110 874 422 580«37 858 67 81 02 988 1 7146(1000) 465 678 922 70 18043 133 117 344 57 557 787 854 1 9I9S[1000] 675 784 816 2O003 19 34[1000] 192 211 61 658 71 719 2 1 0»[500] 172 23] 374 474 529[50>1] 35 68 680 756 848 71»7 22143 624[ 2000] 637 738 912 2 3003 95 159 90 209 340 492 517 77 676 892 924 33 67 82 24160«64[ 500] 7» 723 84» 25027 «0 177 228[500] 314 87[1000] 864 2 6057 144 61 214[VOO] 62 5 605 639 6«»9 795 904 15 61 86 2 7057 69 77 345 81 433 923 80 2 8197[500] 330 508 707 93» 29219<11[500] 15 439 51 68 592«81[3000] 9« 758 933 30354 678 70« 869 980 3 1 025 118 285 812 23 737 840 32153 275[1000] 76 880 451[600] 76 514 605 87 732 33 909[ 500] 33 42 87 3 3018 35 42 251 342 425 611 72 742 (1000] 811 8« 972 3 4002 363 444 504 12 81 703[1000] 821 »61[1000] 35056 284 801[1000] 965 3657« 85 690 798 »05 50 3 7237 SIS 512 660 85 870 940 3 8071 91 106 540 «18 23 706(5001 3 9014[ 500] 75 188 261 876 505 3« 778 953 4O003 50[600] 477 86 4 1 009 194[1000] 311 30 41 (500] 509 661 743 62[500] 853 65 91 937 41 57 4 2012 88 171 323 25 55 72 453 651«7 785 4 3152 237 564 889 44026 83 171 276 91 343 53 628 708 945[ 500] 45058[ 500] 71 482 66« 680 914 93 46046[1000] 80[3000] 126 343 47« 97[3000] 687 737 55 870 4 702« 5« 144 211 476 633 4 8111 13[1000] 71 523 49[1000] 70 95«04[500] 6« 85 4 9315 485 587 62? 837 58 5O056 81« 52 60 91 600 41 702 17 31 32 5 1 008 56 145 [1000] 235 309 471[VO] 539 91 799 5 2 032 73 120 40 47 389 463 653 66 802 16[VO] 84 953[3000] 59 280[ 3000] 763 779 952 5 4207 498 571 703 14 70 814 5 5007 173 258 477 507 642 74« 801 06 909 15[500] 56025 105[1000] 42 62 20« 32 312 94 434 88 564 669 754 94 985 57022 49 95 138 261 74 853 V4 20[500] V 634 35 937 5 8000 125 V 73 86 304 466 31 859 904 5 9058 124 230[500] 610 6O043[500] 60 213 32 61 663 819 22[3000] 99 921 35 6 1 091 187 230 54 305 12 35 91[1000] 99 528 49 55 53 757 «38 6 2077 79 167 98 208 313 86 476 588«53 82 819 63087 »5 165 490 507 34[500] 663 768 915»9[500] 64�78 187 299[ 8000] 407 819 976 6 5028[3000] 106 41 82 42» 30 659 742 852 6 6128 89 222 731 877[8000] 67091 97 309 00 421 74« 860 6SOOO 2 129 79 246 519 872 39 939 56 6 0 248 63 365 441 523 714 57 801 70012 73 103 388 471 MO 701 77 91 7 1 0V 383 419 21 45 49 7 2071 IfO 45 53 92 203 13 60 555 75 050 833 959 7 3064 101 846 403 60 868 7 4225 43[500] 511 023 791 7 5010 46 53 233 447 793 811 7 6090 103 215 388 95 57« 651 731 90 937 7 7139 85 241 57(10V] 79 322 V 910 78068 276 98 327 531 625 40 700 28 819[1000] 32 99 79117[3000] 258 409 622 41 704 41 54 Sil 15 34 92 SOC?.', 462 516 23 34 46 816 913 60 81013 34 IM (500) 8 66 345[rOCO] 4M M4[5V] 790 SV 75 7? 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Ti(icl]l.üZerlag:Tsr]i>ärtS rei a. verlagSanftalt jgoul Singer u, To.. Setlin SW. Nr. 118. 38. Zahrgavs. i Ktilszc Ite.Jrairts" letliBtc Oolblilott. Srnmloj, 31. Mal>90. SyDdikatsfcloiKrzeD. Im rheinisch-westfälischenKohlensyndikak sind Mitzhelligkeiten ausgebrochen. Diese Streitigkeiten sind lehrreich für das Verständnis unserer wirtschaftlichen Zustände, denn sie sind nicht etwa zufällig entstanden, sondern aus den Versuchen, die Pra duktion zu regulieren, mit Notwendigkeit erwachsen. Das Kohlen- syndikat ist eine Verkaufs Vereinigung, das heitzt, die beteiligten Bergwerke haben sich verpflichtet, ihre gesamte Produktion an Kohlen. Koks und Briketts nur an das Syndikat zu liefern, das den Verkauf an die Kundschaft übernimmt. Hierdurch, sowie durch die Einschränkung der Produktion hat das Syndikat die Festsetzung der Preise in seiner Hand. Schon bei seiner Gründung im Jahre 1833 war es dem Syndikat jedoch nicht möglich, alle westfälischen Zechen in sich zu vereinigen, weil eine Anzahl davon sich im Besitz von Hüttenwerken befanden. Diese waren wohl geneigt, sich für die Kohlen, die sie v e r k a u f t e n, die Produktion einschränken zu lassen, aber nicht für die Kohlen, die sie im eigenen Hüttenbetriebe verbrauchten. So blieben sie zunächst drauhen. Es war aber nicht daran zu denken, datz bei der Existenz so zahlreicher und so mächti- ger„Auhenseiter" das Syndikat auf die Dauer hätte bestehen können. Deshalb bequemte es sich 1903 zu der Konzession, die die Hüttenzechen verlangt hatten. Seitdem ist nun der allergrößte Teil der westfälischen Kohlenindustrie im Syndikat vereinigt, die Hütten- zechen sind das nur für dasjenige Quantum Kohlen, das sie zum Verkauf bringen. Mit dieser Begindung ist der Vertrag bis Ende 1915 abgeschlossen worden. Nun spielt bei jeder Preisregulierung selbstverständlich die Einschränkung der Produktion die wichtigste Roll«. DaS ist bei allen Syndikaten(oder Kartellen, Konventionen oder wie man sie sonst nennen mag) so. Der Vorstand der Vereinigung setzt fest, wie- viel im kommenden Zeitraum(Monat, Quartal, Jahr) insgesamt produziert werden soll. Anders geht es ja auch nicht; denn stände es jedem Teilnehmer frei, beliebig viel zu produzieren, so wäre- förderung ist von 1 484 lXXI Tonnen im Jahre 1904 auf 5 468 OOV Tonnen im Jahre 1910, also um 210 Proz. gestiegen. Und gegen- wältig sind nicht weniger als 21 neue große Schachtanlagen im Abteufen begriffen oder stehen kurz vor dem Abteufen. Mit anderen Worten: Gerade durch die rücksichtslose Preissteigerung hat sich das Kohlensyndikat die Konkurrenz selbst herangezüchiet. Eine besondere Schwierigkeit erwächst aher dem Kohlensyndikat noch aus dem Gegensatz zwischen Hüttenzechen und reinen Zechen (d. h. solchen, die nur Kohlenbergbau betreiben und mit keinem Hüttenwerk verbunden sind). Generaldirektor Pieper, der eine reine Zeche vertritt, hat gerade heraus erklärt: Die reinen Zechen könnten in ein neues Syndikat nur eintreten, wenn die Vor- rechte der Hüttenzechcn in Fortfall kämen. Sehr natürlich, denn die Hüttenzechcn haben ja tatsächlich ein sehr viel größeres Kontingent als die reinen Zechen. Und so weit es ihnen gelingt, in ihren Hüttenwerten den Absah und damit den Verbrauch von Kohlen zu steigern, sind sie tatsächlich in ihrer Pro- duktion überhaupt nicht eingeschränkt. So sind ihnen gegenüber die reinen Zechen stark benachteiligt und beklagen sich nun bitter. daß der Syndikatsvertrag nicht richtig ausgelegt werde. Bei seinem Abschluß im Jahre 1903 sei die Meinung gewesen, die Be- frciung vom Kontingent solle nur für die damals im Besitz der Hütten befindlich gewesenen Zechen gelten. Nun hätten aber die Hüttenwerke sich inzwischen sehr viel mehr Zechen zugelegt und diese alle seien vom Kontingent ausgenommen. Dadurch sei die Eni- Wickelung der reinen Zechen so gut wie abgeschnitten, während den Hüttenzechen ungeheure Vorteile zufielen. Ob die Hüttcnzechen auf ihre Vorrechte verzichten werden, ist mehr als zweifelhaft, und somit ist die Erneuerung des Syndikats sehr in Frage gestellt. Viel hängt davon ab, ob der preußische Staat ihm wird beitreten wollen. Zwar hat er die Preisstcige- rungen des Syndikats redlich mitgemacht; er ist zwar bislang noch .Außenseiter", aber unterboten hat er das Syndikat nicht. Doch würde er durch-den Eindruck, den sein Beitritt machen müßte, so- wie durch die Beiträge, die er dann zu zahlen hätte, das Synditat nicht unwesentlich stärken. Ob es freilich im Interesse der Steuer- zah.'er liegt, wenn der Staat noch Beiträge leistet, damit die Kohlen dem Volke verteuert werden, ist eine andere Fragp. Doch darüber werden sich die Herren Kapitalist?« wohl keine grauen Haare wachsen lassen.?!ur sollen sie sich nicht einbilden, daß durch den Eintritt des Staates die inneren Schwierigkeiten des Syndikats behoben würden. Es sind gegenwärtig insbesondere die reinen Zechen, die seinen Beitritt betreiben, denn sie erwarten davon ein« Stärkung ihrer Position. Generaldirektor Pieper hat in seiner schon erwähnten Rede ausdrücklich darauf hingewiesen, daß mit demselben Recht, wie die Hüttenzcchen, dann auch der Staat die Kontingcntssreihcit für die Kohlen der Staatseiscnbahnen ver- langen könnte. Die Herren betrachten den Staat also vorläufig einfach als Besitzer reiner Zechen, der ohne wettereS auf ihre Seite treten müßte. Wie aber, nhib er das nicht tut. iondero wirklich die Kohlen für seine eigenen Betriebe von der Kontingentierung ausnähme? Doch auch im gegenteiligen Falle steht noch lange nicht fest, ob die Hüttenzechen sich durch die Drohung mit dem Staat«erden einschüchtern lassen._____. 14. StNttalvttslMlnlutlg dtsZelltralverbandes derFeder- Arbeiter und-Arbtttemnea Deutschlands. München, 19. Mai 1911. Zu Beginn des fünften Verhandlungstages nahm die General- Versammlung ein Referat des Kollegen E i t l i n g e r- Berlin über die Bekämpfung der Heimarbeit entgegen. Redner betonte, daß innerhalb des Lederarbeitervcr- bandes die Heimarbeit nur in der Handschuhbranche zu finden ist. Eine statistische Feststellung der Heimarbeiter und namentlich der Handschuhnäherinnen war bis jetzt un- möglich. Von etwa 3500 Handschuhmachern sollen ca. 425, d. i. 15 Proz., in Heimarbeit schaffen, während schätzungs- weise von 5— 6000 weiblichen Arbeiterinnen 70—80 Proz. zu Hause arbeiten. Die Ursache dieser Erscheinung liegt heute genau so wie früher an der überlangen Arbeitszeit, der unregelmäßigen oder Nichteinhaltung der Eß- und Ruhepausen usw. Zu der langen Arbeitszeit, die oft bis über Mitternacht ausgedehnt wird, kommt noch die äußerste Anstten- gung, um bei dem niederen Stücklohn einen möglichst hohen Ver- dienst herauszuschinden. Redner erwähnt, daß gerade in der Hausarbeit ein maßloses Strafsystem Platz gegriffen, daß der Verdienst noch durch Portokosten, Be st reitung der Arbeitsräume, Beleuchtung und Beheizung der- selben usw. verschmälert wird. Redner beleuchtet dann die Schattenseiten der Heimarbeit in sozialer, hygienischer und Volks- wirtschaftlicher Beziehung und kommt zu dem Schlüsse, daß durch intensive Agitation in Wort und Schrift die Heimarbeiter aufge- klärt werden müssen, um dann durch Heranziehung derselben in die Organisation bessere Zustände zu schaften. Nach umfassender Diskussion, in welcher die einzelnen Redner manche krasse Miß- Wirtschaft der Hausarbeit beleuchteten, faßte die Generalversamm- lung einstimmig folgende Resolution: Die 14. Generalversammlung erblickt in der HauS- und Ueberzeitarbeit in ihrer jetzigen Gestalt«ine Gefahr für die Verwirklichung der Bestrebungen nach Bessergestaltung der Lohn- und Arbeitsbedingungen in der betreffenden Branche. Sowohl in moralischer, wie wirtschaftlicher und hygienischer Beziehung ist dieses Arbeitsshstcm als verwerflich zu bezeichnen. In dieser Erkenntnis beaustragt die Generalversammlung die Verbandsleitung, alle ihr geeignet erscheinenden Maßnahmen zu ergreifen, welche zur Beseitigung oder Einschränkung der Haus- und Ueberzeitarbeit führen können. Als solche sind insbesondere zu bezeichnen: Aufklärung der Heimarbeiter in Wort und Schrift über die moralischen, wirtsckxrftlichen und hygienischen Schäden der Hau». und Ueberzeitarbeit: Agitation zur Gewinnung der Heimarbeiter für den Verband; Einbeziehung des Verbots der HauS- und Ueberzeitarbeit in die Tarifverträge: Teilnahme an den Veranstaltungen und Kundgebungen, dre auf die Gesetzgebung im Sinne einer durchgreifenden Reform der Heimarbeit einwirken. Die Generalversammlung faßte zu dieser Resolution noch fol- genden Zusatzantrag: In besonders gelagerten Fällen kann auf Ausschluß aus der Organisation erkannt werden. Bei dem Punkte Stellungnahme zum Gewerkschaftskongreß wird über die Maifeier, Gegenseitigkeitsverträge und JugendauS- bildung usw. debattiert und beschlossen, die internationalen Beziehungen aufrecht zu erhalten und weiter auszubauen. Hierauf wurden folgende drei Delegierte zum Gewerkschafts- kongreß gewählt: Möhler- Berlin. Beck- Breslau..K u n tz s ch- Offenbach. In bezug auf die jetzigen Lohnbewegungen sprrcht die Generalversammlung einstimmig den im Streik befindlichen Kollegen ihre vollste Sympathie aus und stellt die hierzu erforderlichen Mittel zur Verfügung, erwartet je- doch von den betreffenden Kollegen, die ge st eilten Forde- rungen hochzuhalten zur Fortentwicklung und zum Wohle des Verbandes._ (Serichtö- Zeitung. Die Leidensgeschichte eines unehelichen Kinde» wurde gestern wieder einmal vor dem Moabiter Strafgericht auf- gerollt. Wegen Körperverletzung mittels einer das Leben gcfähr- denden Behandlung hatte das Amtsgericht Berlin-Schöneberg unter Vorsitz des Amtsrichters Weßling gegen den Kutscher Martin Pritz- kow zu verhandeln.— Der schon wegen Roheitsvergehen vorbc- strafte Angeklagte lernte vor einiger Zeit eine Arbeiten« kennen. mit der er ein Liebesverhältnis einging und mit ihr eine Wohnung in der Bülowstraße 40 bezog, wo beide zusammen lebten. Seine damalige Geliebte, die er erst jetzt, nachdem das vorliegende Strafverfahren gegen ihn eingeleitet war, geheiratet hat, war Mutter eines jetzt drei Jahre alten Knaben Kurt. Das arme Kind war dem Angeklagten von Anfang an ein Dorn im Auge, es wurde von ihm bei zevcr Kleinigkeit geschlagen und gestoßen, so daß eS stets Striemen und blaue Flecke und Beulen hatte. Als sich dann noch ein jetzt acht Monate altes Kind einstellte, verwandelten sich die Gefühle des Angeklagten gegen den kleinen Kurt in blinden Haß. Die Nachbarn hörten oft aus der Wohnung deS Angeklagten klägliches Kindergeschrei ertönen. Sie wagten eS jedoch nicht. Anzeige zu erstatten. Die täglichen Mißhandlungen des Kindes nahmen derartig zu. daß es schließlich die eigene Mutter nicht mehr mit ansehen konnte. Als der Ange- klagte am zweiten Weihnachtsfeiertag den kleinen Kurt wiederholt mit dem Kopf gegen die Wand schlug, lief die Mutter des Kindes zu dem Portier, den sie um Hilse bat, da der Angeklagte ihr Kind totschlagen wolle. Der Portier begab sich nach der Wohnung hin- aus und vernahm ein dumpfes Geräusch, als wenn ein Mensch fort- während auf den Fußboden aufgeschlagen wurde. Als der Ange- klagte trotz wiederholter Aufforderung nicht öffnete, wurde die Polizei benachrichtigt. Da sich der Angeklagte auch jetzt noch weigerte, zu öffnen, wurden die Türfüllungen eingeschlagen. Das Kind befand sich, wie sich im Krankenhause herausstellte, in einem geradezu bejammernswürdigen Zustand, so datz der behandelnde Arzt Dr. Beide ernste Besorgnis für das Leben des Kindes hatte. Der ganze Kopf war mit blutunterlaufenen Beulen bedeckt, so daß es den Anschein hatte, als wenn der Ange- klagte das Kind an den Beinen gepackt und mit dem Kopfe auf den Fußboden aufgeschlagen hatte. Außerdem waren dem Kinde drei Zähne frisch ausgeschlagen. Vor Gericht behauptete der Angeklagte, daß sich das Kind' beim FqZeo fei/< Uhr: Die lustigen Nibelungen. Abends und Montag: Die lustige Witwe. Dienstag und Mittwoch: Ein Walzertrauni. Donnerstagnachmittag 3>/« Uhr: Die lustigen Nibelungen. Abends und Freitag: Die geschiedene Frau. Sonnabend: Der fidele Bauer. Sonntag, 28. Mai, nachmittags S'l, Uhr: Ein Walzer- iraum. Abends und Montag: Der sidele Bauer.(Ansang 3 Uhr.) Trianon-Theater. Allabendlich: Das Prinzchen.(Ansang 8 Uhr.) Luisen- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ans erster Ehe. Abends: Obn« Mutter. Montag bis Donnerstag: Ohne Mutter. Freitag: AuS erster Ehe. Sonnabend: Der kritische Tag. Sonntag, den 28. Mai, nachmittags 3 Uhr: Ans erster Ehe. Abends und Wontag: Ohne Mutter. (Ansang 8 Uhr.) Lnstspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Ubr: Der Herr Senator. ZlbendS: Der Feldherrnhllgel. Montag und Dienstag: Der Feldherrnhügel. Mittwoch bis Sonnabend: Meyers. Sonntag, 28. Mai, nachmittags 3 Uhr: Der Herr Senator. Abends und Montag: Meyers.(Ansang 8 Uhr.) Rose> Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: DeS Mädchens Lebens- wege. AbendS: Der fremde Blick. Vorder: Die Verlobung im Bett. Montag bis Sonnabend: Der fremde Blick. Vorher: Di« Verlobung im Bett. Sonntag. 28. Mai. nachmittags 3 Uhr: Auf nach New Dork. Mends und Montag: Der sremde Blick. Vorher? Die Verlobung im Bett.(An- fang 8 Mr) Cafino- Theater. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Marianne,«in Weib aus dem Volke. Abends: Zwei Wappen. Montag bis Sonnabend: Zw« i. Mai, nachmittag 31'.. Uhr: Marianne, ein Weib ouä M. Wappen. Sonntag. 28. dem Volke. Wends und Moniag: Zwei Wappen. o uge.i Metropol-Theater. Allabendlich: Hoheit amüsiert sich. Ansang 8 �FolieS Capricc. Allabendlich bis auf weiteres- Wertheim wird platzen. III. Klasse. Ansang 8-/. Uhr...... 0 Apollo-Tbeater. Allabendlich:«pezialltaten. Ansang 8 Uhr. Passage-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialttäte». abendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Reichshalle»-Theater. Täglich: Stettmer Sänger. Ansang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Walhalla- Theater. Allabendlich- Prinz und Bettlerin.(Ansang 8'/. Uhr.) Herrnfeld-Theater. Täglich: ScheidungS-Sauper. Ew BerlobungS- geschäst. Die Bar-Schwester.(Ansang 8 Uhr.) tkarl-Haverland-Theater. Täglich: Ep-zlalitaten. Ansang 71, Uhr. Kaiser-Panorama. Täglich: Wanderung im Spreewald. Reise m der holsteinischen Schwei,.___,____. Boigt-Theater. Montag: Der Postillon von Müncheberg. Mittwoch bis Freitag: Ein vorsichtiger Mann. Sonntag,.23. Mai: Ein vorsichtiger Mann.(Ansang 8 Uhr.) Urania-Tdeaeer. Taubenstr«S/SS. Lebende Tierbilder tum«ich und sern.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—62. WWIl! Todes�Anzeigen�WW Itlxdort*. Am 20. Mai verstarb unser Parteigenosie, der Schneidermeister 1'Keocloi' Buck Hobrechtftr. 18(2. Bez.). Ghre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 23. d. Mts., nach mittags i Uhr, von der Leichen balle des Rixdorser Gemeinde- FricdhoseS, Mariendorser Weg auS statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Borftand. Am Donnerstag, den 18. Mat, abends 8 Uhr, oerschied nach langen, qualvollen Leiden mein lieber Mann,-er Ofensetzer i�uxust ttenneberx im Alter von 3g Jahren. Dies zeigt mit der Bitte um stille Teilnahme schmerzersüllt an Mlsrtl»» Heuiivdvrx 43SsL geb. Schuckert. Die Beerdigung findet am Montag, den 22. Mai, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Rixdorser Gemeinde-Friedhoses. Mariendorser Weg, au» statt. SozlaldernokratiseherWalilyereiD Rixdorf. Den Parteigenossen zur Nach richt, daß unser Mitglied, der Töpfer �uxust Ueaneberx vkerstr. 12(16. Bezirk) im Alter von 39 Jahren an der Proleiariertrankheit verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Man- lag, den 22. d. M., nachmittags 3>/z Uhr, von der Leichenhalle des Rixdptser Gemeinde- Friedhofes, Mariendorser Weg, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 235/8 Der Borstand. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Filiale GroB-Berlln. Durch den Tod ist un» einer unserer Witkämpser, der pensio- nierte Kollege Heinrich Büchholz von der Parkverwaltung entrissen worden. Wir werden ihm ein ehrende» Andenken bewahren. Die Bestattung findet am Montag, den 22. Mai, nach- mittags 4 Udr, von der Leichen« Halle de» BartholomäuS-Kirch« Hofes in Weißensee, Faltenberger Straße 148/3. aus statt. 36/10 Die Ortsverwaltung. Zentral-Kranken- Untersiiitziiiigs- verein der Sebmlede u. verw. Gewerbe Deutscht. Zahlstelle Berlin 4. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Wilhelm Böhmer am 19. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag nachmittag 3 Uhr, aus dem Zentrat-Friedhose in Fried- richssetde statt. 176,12 Recht rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Zentralverband der iöpter Deutschlands. Filiale Berlin. Hierdurch die traurig» Mit- teilung, daß der Kollege Xuxust Benneherx (Bezirk Rixdorf) am 13. Mat>m Alter von 39 Jahren an Lungentuberkulose verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Di« Beerdigung sindek am Montag, den 22. Mal, nachmittag» 3'l, Uhr, von der Leichenhalle des Rixdorser Gemeindesricdhoses, Mariendorser Weg, aus statt. Um rege Beteiligung e: sucht 132/15 Der Borftand. msmammmmaamaam Danksagung. Für die Beteiligung bei der Be- erdigung meine« Sohnes Max Gammisch sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie dem 4. B»r- liner Reichstags-Wahltreis, dem 165. ReichStagS-Wahlbezirt, dem Spar. verein„Vorwärts", den Kollegen der Finna Eartenhänser u. Prasse, insbesondere den Herren Friedrich und Möhrike für ihren Beistand meinen innigsten Dank. Ww. Berta. Ganunlael». Oeiitseher BauarbeiMaiid. Sektion der Putzer. Unseren sowie den Mitgliedern deS Gesangverein» der Putzer hiermit zpr Nachricht, daß der Kolleg» tteinrlch Wandel (Bez. Weiching) am 19. Mai im 63. Lebensjahre verstorben ist. See seinem Andenken! Beerdigung findet am Montag, den 22. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Sie- phanus-FnedhoseS in der See- straße aus statt. 138/16 Um rege Beleitigmig ersucht Die örtliche Berwaltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß am Freitag, den 19. Mai, unsere liebe Mutter, die Witwe IjUsv Noack geb. Haasmanit sanft entschlafen ist. Die» zeigen ticsbetrübt an Die trauernden Kinder Hartha, Bioharö, Uatohan. Die Beerdigung findet am Montag, den 22. Mai, nach- mittags 5 Uhr, vom Trauerhause, Neue Jonasstr. 28. aus statt. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme beim Tode meines teuren Galten spreche ich allen seinen Kollegen, der Typs- graphia sowie Freunden and Bekannten innigen Dank aus. 77/13 Berlin, den 17. Mai 1911. Gelene Stegmann nebst Kindern. Die Hausfrau praktisch, wie immer, kauft zur Heisezeit für die ganze Familie Floriane Kahnpflcse-KaMtcn, Zahnpulver, Zahnbürste, Mundwasser. Preis zus. nur M. 1.—. 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Für den Inseratenteil vercmtw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckeret u. Verlagsanjtatt Paul Singer u. Co., Berlin HW* Nr. 118. 28. Jahrgang. 5. DeilM des„Nomiilts" Kerlllltt Ugldsdllllt. 2-°°"-. A Sl-i lM Leleabenä der stauen: Morgen Montag, den 22. Mal. Partei-?Zngelegenkeiten. Zur Lokalliste! Di« Partcigenossen Berlins und der Provinz Brandenburg werden nochmals daran erinnert, daß Anfang Juni eine neue Lokal- liste erscheint. Aenderungen und Neuausnahmen sind bis spätesten« Mittwoch, den 24. M a i, an die Mitglieder der Lokalkommission der einzelnen Kreise zu richten. In Marirndorf, Stcglili Titdende, Lankwitz und Trmpclhof be- mühten sich seit einiger Zeil der Borstand des dortigen Gastwirte- Vereins sowohl wie die Lokalkommission, die Lokalinhaber zu be- ivegen, sämtlich ihre Säle auch der Arbeiterschaft zur Verfügung zu stellen. Die Bemühungen sind nun an dem Widerstand einzelner Bast- wirte gescheitert und ist es daher Pflicht aller Parteigenossen, die Lokalliste genau zu beachten. Insbesondere sind in Südende die Lokale von Dahl und Schultheß und in Mariendorf GraßlS GesellschaftShauS streng zu meiden. Auch in Neue Mühlc-Nicderlehme ist das Riedelsche Lokal nach wie vor gesperrt. In KaulSdorf K-B. steht Hamanns Gesellschaftsbaus fJnhaber Knoetschke), Frankfurter Chaussee, der Partei und den Gewerkschaften zu allen Veranstaltungen zur Verfügung. Die Lokalkommission. Schoneberg. Am Donnerstag, den 2S. d. M.(HimmelfohrtStag), veranstalten die Mitglieder des WahlvereinS einen AuSflug nach Wannsee. Pfaueninsel, NikolSkoe, Moorlake, Potsdam. Die Teil- nehmer benutzen die Bahn ad Großgörschenstrahe früh 7,l4 Uhr bezw. 7,34 Uhr und vom Bahnhos Friedenau ab 7,19 Uhr bezw. 7,39 Uhr. Nachzügler werden nur bis 8,8 Uhr in Wannsee er- wartet. Von Wannsee ab wird die Strecke durch den Wald zu Fuß zurückgelegt. Der Vorstand. Wilmersdorf- Halensee. Dienstag abend 8 Uhr findet von den Bezirkslokalen au§ eine Handzettelverbreitung zu den Bewerbegerichtswahlen statt. Zchlrndorf(Wannseebahn). Dienstag, den 28. d. M., abend« 8'/, Uhr: Wahlvereinsversammlung bei Benno Mickley, Potsdamer Straße 25. 1. Vortrag des Genossen Ucko über.verfasiungswesen'. 2. Vereinsangelegenheiten. 8. Verschiedenes. Der Vorstand. Steglitz- Friedenau. Am HimmelfahrtStage: Familien» Partie. Treffpunkt morgens 8 Uhr Grunewald-, Ecke Kaiser- Wilhelm-Straße in Steglitz. 9—11 Uhr: Spiele am Grunewaldsee. gegenüber Jagdschloß. Nachzügler 3 Uhr in gehlendorf, Alsenstr. 12, Restaurant Schwarz, zum Kaffeekochen. Der BildungSauSschuß. Lichtenberg. Wegen Verlegung und Neuregulierung der Bibliothek bleibt dieselbe vom 24. Mai ab geschlossen. Sämtliche ausgeliehenen Bücher find bis zum 24. Mai zurückzugeben. Den Tag der Wieder- eröffnung geben wir später bekannt. Die Bezirksleitung. Stralau. Die Genossen treffen sich heute Sonntag, früh 8 Uhr, zwecks Gewinnung von Wahlvereiyjmitgltedem im 2. Bezirk im Lokal des Genosse» Gundlach.-"; Karlshorst. Am Dienstag, den 23. Mai, abends 8'/, Uhr, Mit- gliederversammlung bei Bartels, Fürstenbad. Vortrag deS Genoffen Fritz Düvell über.Arbeiterdichtung�. Rieder-Schonhausen-West. Montag, den 22. Mai, abend« 8 Uhr. im Lokale de« Genossen Juncker. Sachienstr. 13: Oeffentliche Ver- sammlung. Vortrag de» Genossen Redakteur Karl Mermuth über.Schulfragcn'."oiBitP Tegel. Heute Sonntaq, imchmiitagS 2 Uhr, in Heiligensee. Restaurant Waldschloß, öffentliche Versammlung. Vortrog des Genoffen B ü h l e r Über: Die Bescherung de« Volkes durch den Reichstag und die nächsten Wahlen. Die Genoffen und Genosfinnen, welche daran teilnehmen, treffen sich um>/«1 Uhr bei Drewitz. Schioßstr. 23. Am DonnertStag -. n. 15; Die Ueberwachung deS Entladens v«« Rindvieh auf den Bahn» Höfen der Berliner Vororte regelt eine soeben erlassene Verfügung des Regierungspräsidenten zu Potsdam. DkS�Stzsttzer des auf den Bahnhöfen der Kreise Nicderbarnim und Teltow zur Entladung kommenden Rindviehs sind verpflichtet, die Tier« bei der Ausladung durch den zuständigen KreiStierarzt oder dessen Stellvertreter auf ihren Gesundheitszustand untersuchen zu lassen. Von der Ankunft des Transports ist der Kreistierarzt mindestens 24 Stunden vorher zu benachrichtigen, damit er die Untersuchung so rechtzeitig vor- nehmen kann, daß die Ausladung ohne Verzögerung erfolgt. Beim Ausladen der Tiere muß der Kreistierarzt oder sein Vertreter zu- gegen sein. Er hat über das Ergebnis der Untersuchungen dem Besitzer auf Verlangen eine Bescheinigung auszufertigen. Die Untersuchung des zur Entladung kommenden Rindviehs darf unter- bleiben für das vom Zentralviehhofe in Berlin oder vom Mager- Viehhofe in FriedrichSfclde stammende, mit einer Bescheinigung über seinen Gesundheitszustand versehene oder daS zwecks sofortiger Abschlachtung, ohne Umladung, den Schlachthäusern zuge- führte Vieh. Die Kosten der Untersuchung fallen, sofern das zur Entladung kommende Rindvieh durch Händler(Schlächter) zu Zwecken deS öffentlichen Verkaufs oder der Abschlachtung eingeführt wird, dem Besitzer zur Last. Dagegen sind die Kosten auf die Staatskasse zu übernehmen, wo die Einführung durch oder für Landwirte zum eigenen Bedarf erfolgt. Die Höhe der von den Besitzern an die beamteten Tierärzte zu zahlenden UntersuchungS- gebühren richtet sich nach der Kaiserlichen Verordnung vom 25. Juni 1905. Bei Untersuchungen mehrerer Transporte verschiedener Händler an einem Orte sind die Kosten auf die einzelnen zahlungs- Pflichtigen Besitzer nach Verhältnis der Stückzahl der untersuchten Tiere zu verteilen. Die Maulkorbfrage im Kreise Teltow. Der erste Ort im Kreise Teltow, der den Maukorbzwang aufhebt und damit dem Berliner Beispiel folgt, ist die Stadt Köpenick, wo von heute ab die Hunde Maulkorbfreiheit genießen. Nachdem die Amtsvorsteher des Kreises Teltow sich im Prinzip sämtlich für die Aufhebung des MaulkorbzwangeS entschieden haben, werden die anderen Orte voraussichtlich bald nachfolgen. Heber den Termin der Aufhebung des MaulkorbzwangeS im Kreise Niederbarnim verlautet noch nichts. Eine Schiebung? Da» Restaurant.Zum EierhäuSchen' in Treptow gehört der Stadt Berlin und ist an einen Restaurateur verpachtet. Der Vertrag läuft am 1. April 1912 ab. Wie wir hören, will man diesmal von einer öffentlichen Ausschreibung, wie da» sonst in der städtischen Ver« waltung üblich ist. Abstand nehmen und ohne Sang und«lang dem bisherigen Pächter die Bewirtschaftung de« Lokal» auf weitere sechs Jahre überlassen. Die städtische CrundeigentumSdeputation soll in diesem Sinne bereit» entschieden haben. Diese» verfahren ist recht auffällig und muh die sonderbarsten Vermutungen auskommen lassen. Einmal muß darauf hingewiesen werden, daß öffentliche Au»« schreibung der Verpachtung zu erfolgen hat, damit auch andere Interessenten Pachtgebote abgeben können. Privilegien für einzelne Personen dürfen in der städtischen Verwaltung nicht bestehen. Ruch die Steuerzahler haben an einer öffentlichen Ausschreibung ern Interesse, denn e» ist ein öffentliche« Geheimnis, daß die gegen- wärttge Pachtsumme für da» Lolal eine außerordentlich geringe ist. Auf diese Tatsache ist bereits in den Verhandlungen de» Etat«- ausschusses hingewiesen worden. Dann aber muß darauf auf- merksam gemacht werden, daß weder die GrundeigentumSdepiitation noch der Magistrat selbständig mit dem jetzigen Pächter den Verlrag auf sechs Jahre schließen können. Dieser Vertrag muß. wenn er rechtsgültig sein soll, der Stadtverordnetenversammlung vorgelegt iverden, wie da« auch in früheren Fällen geschehen ist. Durch den bisherigen Gang der Verhandlungen in dieser Sache muß öffentlich die Frage aufgeworfen werden: Was geht hinler den Kulissen vor? SonntagS-SanftätS-Wachtdienst auf den Bahnhöfen. Die Un- fälle, die an Sonntagen durch den Massenandrang der Ausflügler auf den Bahnhöfen entstehen, haben in einer ganzen Anzahl an der Eisenbahn belegenen Vororte zur Einrichtung eines SanitätS- WachtdiensteS geführt. Die Mannschaft wird von den örtlichen Sanitätskolonnen gestellt. Den Dienst, der mittag» beginnt und bis in die spät« Nacht hinein dauert, verschen abwechselnd zwei oder drei Samariter, damit bei Unglücksfällen ohne ZeitvcrsäumntS sofort Oilfe geleistet Iverden kann. Teilweise ist sür die Dauer dieses WachtdiensteS in dem Bahlisteig-Dienstrcmm auch eine Trag- bahre untergebracht. Wie's gemacht wird. Im Handelsregister des Königlichen Amtsgerichts Berlin-Mitte ist folgende niedliche Eintragung zu lesen: Inhaber der Firma A. Brandt. Kaffee-Großrösterei und Versand. Berlin, sind jetzt der minderjährige HanS Eberl, Berlin, und der minderjährige Ulrich Eberl. Berlin, beide vertreten durch ihren Vater, den Kaufmann Gustav Eberl. Der Uebergang der in dem Betriebe des Geschäftes begründeten Verbind- lichkeiten ist bei dem Erwerbe deS Geschäftes durch die minder» jährigen HanS und Ulrich Eberl auegeschlossen. Subventionierung des Ueberlandwettfluges durch die Stadt Berlin. Für den deutschen Ueberlandwsitfliig 1911/12 zwischen Berlin- tamburg-Hannover wollen diese Städte dem gcschäitSführenden usschuß deS Tauerflugeö zusammen 125 000 M., die je zur Hälfte in diesem und nächsten Jahre gezahlt werden sollen, zur Verfügung stellen. Davon sollen Berlin und Hamburg je 50 000 M. und Han- nover 25 000 M. zahlen. Hamburg und Hannover haben die Summe bereits bewilligt. Der Magistrat Berlin hat gestern beschlossen, vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung, die Summe von 50 000 M. zu dewilligen. Ferner sollen sür den in der Zeit vom 11. Juni bis 7. Juli d. I. unter Leitung des Verein» Deutscher Flugzeugtechniker nach den Bestimmungen des Deutschen LuftschifferverbandeS veranstalteten deutschen Rundflug um den B.-Z.-Preis der Lüste, der auf dem Flugplatz in Johannis- thal beginnt und endet, 5000 M. zur Beschaffung von Ehrenpreisen gestiftet werden. Den Stadtverordneten ist eine entsprechende Vor- läge gemacht worden._ Endlich erwischt wurde der„König der Pelzdiebe", der 55 Jahre alte Kaufmann Karl Göbel, dessen plötzliches Verschwinden in dem großen PelzdicbstahlSprozeß im vergangenen Monate Aufsehen er- regte. Göbel hatte seinerzeit sich unter der Vorspiegelung, daß er sich im Auslande aufhalte, während er tatsächlich im Inlands Hehlerei betrieb, mit Hilfe von Freunden sicheres Geleit verschafft und eine Bürgschaft von 20 000 Mark geleistet. Er wohnte auch der Haüptverhandlung biS zum vorletzten Tage bei. MS dann aber der Staatsanwalt ö Jahre Zuchthaus gegen ihn beantragte, blieb er am letzten Tage aus. Vergeblich suchte man ihn, er war nirgends zu finden. Das Urteil lautete nach dem Antrage des Staatsanwalts auf 6 Jahre Zuchthaus, nachdem das Verfahren jahrelang geschwebt hatte. Jetzt war Göbel natürlich erst recht darauf bedacht, sich der Verfolgung zu entziehen, und es gelang ihm auch wirklich, sich ver- borgen zu halten, bis er endlich nach wochenlangem Beobachten gestern früh erwischt wurde. Die Kriminalpolizei nahm von vorn- herein an, daß er auch jetzt nicht inS Ausland gegangen sei. De- aurte, die sich durch falsche Barte und alle möglichen Verkleidungen unkenntlich machten, beobachteten ohne Unterbrechung den ganzen Anhang Göbels. Diese Beobachtungen führten endlich zu der Per» Haftung des G. in einem Hause KönigSweg 21 zu Schöneberg. Reaktionäre Berliner Sprcchnraschinenhändler gegen den»Vor» wärts". Als wir im Herbst v. I. das Vorgehen der kleinen Zeit- schrift„Die Sprechmaschine" gegen die Erweiterung der Sonntags- ruhe als reaktionär bezeichneten, erboste sich diese über die zu- treffende Charakteristik so, daß sie deshalb zum Boykott deS„Vorwärts" seitens der Inserenten aufforderte. In dasselbe Horn stößt nun auch in seinem Jahresbericht der„Bund der Sprechmaschinen- Händler". Man braucht diese Anwandlung nach den Machtgelüsten und ungehörigen Kcnnpfmethoden des Bundes der Landwirte bei den Sprechmaschinenhändlern allerdings nicht allzu tragisch zu nehmen, denn dieser„Bund" hat nur 104 wirklich zahlende Mit- glieder in ganz Deutschland um seine Fahnen zu scharen gewußt, und auf Groh-Berlin entfallen davon noch nicht vier Dutzend. Die diese reaktionären Bestrebungen des Bundes nicht teilenden Sprechmaschinenhändler beginnen denn auch deutlich von ihm ab- zurücken, wie Jnjerate, In denen ausdrücklich„händlerbundfrei" vermerkt ist. bewerfen._ Der Bilderhauflertr, der für ein Bildcrgeschäft sozialdemokratische Haussegen vertrieb und in nachweislich mehreren Fällen sich als Beauftragten der s o- zialdemokratischen Partei gab, hat nichts mehr von sich hören lassen. Als wir die ersten Notizen über seine Schwindeleien veröffentlicht hatten und die Ankündigung hinzufügten, daß wir auch die Firma des Geschäfts und den Namen des Reisenden noch feststellen würden, meldete sich bei un» unaufgefordert Herr Erich Rumpf, Inhaber eine» Bildergeschäfts in der Düschingstraße. Uns wurde nicht klar, woher Herr Rumpf bereits wußte, daß eS sich um einen von seinen Reisenden handelte. Wir selber hatten daS in- zwischen einwandfrei ermittelt und wollten nunmehr das Nötige darüber veröffentlichen, aber jene Notizen hatten noch keinen dies- bezüglichen Hinweis enthalten. Herr Rumpf versicherte unS jetzt, daß er von dem geschilderten Treiben seine? Reisenden Raeck keine Ahnung gehabt habe und er aufs schärfste mißbillige und wir teilten daS unseren Lesern mit. Davon, daß der Reisende im Auf- trage seines Arbeitgebers geschwindelt haben könnte, war ja auch mit keiner Silbe die Rede gewesen. Nachträglich sind wir nun auf«inen Umstand aufmerksam gemacht worden, der der ganzen Affäre in wenigstens einem Punkte einen beinahe heiteren An» strich gibt. Ausgerechnet Hern» Rumpf muß da» Mißgeschick wider- fahren, daß sein Reisender bei dem Bertrteb sozialdemokratisch« Haussegen den Kniff probiert, sich als Beauftragten der sozial- demokratischen Partei einzuführen. Ausgerechnet dem Bilderfabri- kanten Erich Rumpf, der vor noch gar nicht langer Zeit demonstrativ von der Sozialdemokratie abgerückt war! Unsere Leser werden sich erinnern, daß im vorigen Jahre sich in einer Armenkommission ein großes Hallo gegen einen Sozialdemokraten erhob» der in sie hineingelangen sollte. ES handelte sich um die 120. Armenkommission, zu deren Bezirk ein Teil der Büschingstraße gehört. Von den bürgerlichen Herren, die in dieser Kommission bisher unter sich gewesen waren, erklarten die meisten, daß sie mit dem Sozialdemokraten nicht zusammenarbeiten würden. Ihr Wider- stand nützte ihnen nichts, und es blieb ihnen dann nur übrig, ihre Aemtcr niederzulegen. Unter ihnen war auch besagter Herr Rumpf. Und nun muß eS Herrn Rumpf passieren, daß sein. Reisender Raeck. sein Beauftragter, sich als Beauftragter der Sozialdemokratie aufspielt! Daß das ohne Wissen und Willen des Herrn Rumpf geschehen ist, ergibt sich schon au? seinem Widerwillen gegen die Sozialdemokratie» den er in jenem Armenkommissionsstreit bekundet hat. Eben deshalb wird es Herrn Rumpf erwünscht fein, daß wir jenen Umstand hier ausdrücklich hervorheben. Aber ein klein wenig hat er doch selber sein Miß- geschick verschuldet. Warum mußte er just mit jjozialdemo» l ra t i s ch en HauSsegen handeln? Auch sie empfehlen sich al»„Genossen". Nicht nur Bilder- reisende, sondern auch Versicherungsagenten, die bei ihren Hausiergängm sich als.Genossen" vorstellen, müssen mit Vor- ficht aufgenommen werden. In Rixdorf hat ein Parteigenosse B. ein sonderbares Erlebnis mit zwei Besuchern gehabt, die anscheinend Agenten einer Versicherungsgesellschaft waren und bei ihm ein Ge- schäft zu machen hofften. B.»st bernts bereits bei der.Viktoria" gegen Feuerschaden versichert, aber das braucht den Besuchern nicht bekannt gewesen zu sein. Wohl um sich darüber zu informieren, führte der Aeltere, der den Sprecher machte, sich ein mit den Worten:„Wir kommen von der.Viktoria". Haben Sie denn schon unsere neuen Statuten bekommen?" Als V. antwortete: „Die kriege ich doch dann zugesandt l' fuhr der Agent fort:„Der Inspektor war schon hier, er hat niemand angetroffen." Er fügte dann hinzu:„Könnte ich vielleicht mal Ihre Police sehen? Wir müssen nachsehen, ob der Stempel draufgeklebt ist." V. zeigte die Police, und nun fragte der Agent:„Wollen Sie sich nicht bei unS in die Lebensversicherung aufnehmen lassen?" AIS V. das als zu teuer ablehnte und sich auch für die ihm plS billiger angebotene VolkSversicheruny der„Viktoria" nicht begeistern wollte, erklärte der Agent:.Wir sind doch von der Parteil" Er redete dann allerlei von einem auf Bebels Standpunkt stehenden Verein, in dem er sei, und fragte:„Sie sind dock) auch in der Partei? Sie sind doch„VorwärtS"-Lcser?" Auch forschte er nach der Adresse des Bezirlsführers. weil er bei diesem sich die Adressen anderer Genossen geben lassen wolle, um auch fie auszu- suchen. Da B. mißtrauisch war, so warf er ein:»Na, dann haben Sie doch auch eme Legitimaiion öön Ihrer Organisation?" Wer jetzt korrigierte der Agent, er sei ja gar nicht von der „B i k t o r i a", er habe ja Klotz den Stempel nachsehen sollen. Er wollte nun plötzlich nicht mehr stören und empfahl sich samt seinem jüngeren Begleiter. V. fand das Benehmen der beiden so auf fällig, datz er zu zweifeln begann, ob sie überhaupt Versicherung� agenten und nicht etwa Polizeispitzel waren. Er weitz frei- lich nicht, weshalb ausgerechnet ihn ein paar Spitzel heimgesucht haben sollten. Inzwischen hat er bei der Nixdorfer Kasienstelle der ,,Viktoria"-Versicherungsgescllschaft den Vorfall gemeldet. Der Vor steher hat geantwortet, datz man zu V. weder einen Inspektor ge schickt habe, um neue Statuten zu überbringen, noch irgendjemand beauftragt habe, seine Police zu prüfen. Hiernach wird vielleicht mancher geneigt sein, doch anzunehmen, datz die Besucher nicht Ver sicherungsagenten, sondern Polizeispitzel waren. Haben die beiden Verdächtigen auch sonst noch„VorwärtS"-Lescr aufgesucht und sich ihnen als„Genossen" empfohlen, ohne sich als Genossen legiti. mieren zu können? Das Cafe Josty am Potsdamer Platz wird jetzt einem inneren Umbau unterzogen, der zum Herbst beendet sein soll. Proletarier werden allerdings an diesem Vorgang wenig interessiert sein, denn der Aufenthalt in den vornehmen Räumen ist für ein Publikum mit schmalen Taschen wenig geeignet. Doch ist dieses Lokal insofern interessant, als sich literargcschichtliche Erinnerungen unserer Besten an dasselbe knüpfen. Insbesondere Heinrich Heine hat von den Terrassen, die jetzt vergrötzert werden sollen, sehr oft das Treiben auf dem Platz beobachtet. In einem seiner„Briefe aus Berlin" vom Jahre 1822 ist er von den lukullischen Leckerbissen des Cafes fo entzückt, datz er in folgende Variation ausbricht: „Das Auge sieht die Türe offen, Es schwelgt das Herz in Seligkeit." Eine aufregende Szene bot sich gestern in der zehnten Abende stunde den Fahrgästen der Linie SchlefischeS Tor— Friedenau. Um mittelbar an der Endstation befindet sich ein sogenannter Rummel- platz. Kaum hatte der Wagen seine Fahrt angetreten, als ein junger Mann mit blutbeflecktem Gesicht und ohne Kopfbedeckung hereingestürzt kam, offenbar auf der Flucht vor einer johlenden Menge, die sich draußen versammelt hatte. Die Menge suchte den Wagen, trotz der Gegenwart von zwei mit Revolvern bewaffneten Schutzleuten am Weiterfahren zu behindern und wollte den Flücht- ling durchaus wieder herausholen. Als sich der Wagen dann in Bewegung setzte, begleitete ihn eine Menge von etwa hundert Per- sonen unter wüstem Geschrei, so datz nur langsam gefahren werden konnte. Mehrere junge Burschen hingen sich hinten und vorn an den Wagen, belästigten den Schaffner und den Fahrer, indem sie unausgesetzt an der Klingel zogen und den Mechanismus abzustellen suchten. Auch versuchten sie in das Innere des Wagens zu dringen, was ihnen indes vom Schaffner eine Zeitlang verwehrt wurde. An der fünften oder sechsten Haltestelle errxichte die Menge jedoch ihre Absicht, von vorn und hinten drangen mehrere Burschen in den Wagen, die mit einer entsetzlichen Wut jetzt über ihr Opfer her- fielen. Hageldicht fielen die Fausthiebe; einige der Angreifer hatten, da der Angegriffene sie durchweg um Kopfeslänge über- ragte, die Lehnen der Sitze erklettert, um besser an ihr Opfer her- anzukommen, und schlugen nun von oben auf dasselbe los, bis der Ueberfallene in einer Ecke blutüberströmt zusammenbrach. Schon machte sich die Menge daran, ihr Opfer durch eine der Fenster- scheiden auf die Straße zu befördern, als der Wagen ein schnelleres Fahrtempo annahm, was die Angreifer veranlatzte, schleunigst ab- zuspringen. An der nächsten Haltestelle wurde der Verletzte einem Schutzmann übergeben, der ihn nach einer Unfallstation brachte. Unter den Fahrgästen des Wagens, meist Damen, herrschte infolge des Vorfalles selbstverständlich eine ungeheure Aufregung. In welcher Art Steuerveranlagungen vorgenommen werben, sollte man kaum für möglich halten. Uns liegt eine von der Char- lottenburger Veranlagungskommission ergangene Steuerveran- lagung eines siebzehnjährigen Lehrlings V. vor, nach welcher der junge Mann 6 M. Einkommensteuer und 6 M. Gemeindesteuer zahlen soll. Nun ist der Veranlagte gar nicht steuerpflichtig, denn er hat ein wöchentliches Einkommen von 5 M. Man mutz sich fragen: wie ist es möglich, datz der junge Mensch zur Steuer veranlagt werden konnte, da doch die Veranlagung aus Grund der von dem Arbeitgeber eingeforderten Lohnlisten geschieht? Auf besondere Sorgfalt bei der Einschätzung lätzt dieser Fall nicht schließen. Ein schwerer Straßenbahnunfav ereignete sich gestern früh gegen?L8 Uhr in der Huttenstratze. Dort fuhr an der Ecke der Berlichingenstratze der 2Sjährige Radfahrer Gustav Geiner, Huttenstahe 2(5 wohnhaft, gegen den Vorderperron eines aus ent gegengesetzter Richtung kommenden Straßenbahnwagens der Linie 11 und wurde umgestoßen. G. wurde so heftig auf den Stratzendamm geschleudert, datz er mehrere Kopfwunden und eine Gehirnerschütterung erlitt. Der Verunglückte erhielt auf der Un- fallstation in der Erasmusstratze Notverbände und wurde von dort mittelst Krankenwagens nach dem Krankenhause Westend über- geführt. Bin einem hilfsbereiten Landsmann gefleddert wurde gestern der Werkmeister C., der aus seiner rheinischen Heimat nach Berlin gekommen war, um sich hier eine Stellung zu suchen. Auf dem Potsdamer Bahnhof gesellte sich ein gutgekleideter Mann zu dem Provinzler, der ihn bald in ein Gespräch verwickelte. Im Verlaufe desselben erfuhr er von dem biederen, offenherzigen Werkmeister dessen Absichten und wurde von diesem zu einem Glase Bier ein- geladen. Der angebliche Landsmann, der sich alS Geschäftsführer vorstellte, riet dem C., nicht in Berlin zu bleiben, da hier alle Be- rufe überfüllt seien. Er erbot sich aber, seinem neuen Freunde in Stettin, wo er zahlreiche einflußreiche Bekannte habe und wohin er auch gerade reisen wolle, eine gutbezahlte Stellung zu verschaffen. Der Provinzler, der sich durch das sichere Auftreten des angeblichen Geschäftsführers täuschen lietz, ging mit Freuden auf den Vorschlag ein. Vorher aber wollte man sich Berlin gründlich ansehen. Die beiden besuchten mehrere Lokale, und schließlich schleppte der .Bauernfänger" sein Opfer nach Weitzensee. Hier schlief der Werk- meister ermüdet auf einer Bank ein. Als er erwachte, war sein hilfsbereiter Begleiter verschwunden und mit ihm die gesamte Bar- schast des C. im Betrage von ISO M., sowie Jackett, Hut und Stiefel. Von dem Fledderer kann der Geschädigte leider keine ge- naue Beschreibung geben._ Einbrüche. In letzter Zeit haben es die Einbrecher auf das Uhren, und Goldwarengeschäft des Herrn Fliegenschmidt, Bergmannstr. 9, ab- gesehen. Erst vor ein paar Monaten hatten Einbrecher nachts die Schaufensterscheibe eingedrückt und das Fenster halb ausgeräumt; trotzdem das Fenster bis zur Höhe von fast zwei Meter mit einem ziemlich starken eisernen Drahtgitter versehen ist. In der letzten Nacht wurde abermals ein Einbruch verübt; diesmal wurde aus dem Gitter erst ein Loch herausgeschnitten und dann die Scheibe eingedrückt. Sehr groß ist jedoch die Beute nicht gewesen; mit einigen Uhren und Ketten mutzten die Spitzbuben sich begnügen. Sie sind wahrscheinlich bei ihrer Arbeit gestört worden. Man mutz sich nur wundern, mit welcher Dreistigkeit sie hierbei zu Werke ge- gangen sind, denn die Bergmannstratze ist an dieser Stelle die fianze Nacht hindurch belebt und zwanzig Schritt entfernt steht sonst ast immer ein Schutzmann, manchmal sogar zwei.— Betten, Wäsche und Bekleidungsstücke haben Spitzbuben dieser Tage aus der Wohnung des Schlossers Valentin in der Berlichingen- stratze 20 gestohlen, während die Frau zum Einholen fortgegangen war. Der eine der Spitzbuben trug einen dunklen Paletotanzug und eine helle Hose, der andere einen bräunlichen Anzug und gelbe Schuhe. Sie haben sich mit der Beute nach dem Bahnhof Beussel- stratze entfernt._ Die gestohlenen Medaillen. Durch einen dreisten Einbrecher ist der Rittmeister a. D. M. aus der Wöhlertftraße in große Verlegen- h«tt gebracht worden. M. war im Besitz einiger Auszeichnungen, fuhri'f Krone: Leiche den Kli patz für konsulat in unter denen sich auch eine Reihe von Medaillen befanden. Diese sind ihm nachts von einem Einbrecher gestohlen worden. Der Dieb entwendete u. a. eine österreichische Mililär-Berdienstmedaille, die Rettungsmedaille, eine österreichische JubiläumS-Erinnerungsmedaille sowie eine französische Auszeichnung. Betriebsunfall in der A. E. G. Gestern morgen um 3 Uhr ereignete sich in der A. E. G., Huttenstratze, ein bedauerlicher Unfall, Beim Arbeiten mit dem Laufkran brach auf unaufklärliche Weise ein etwa 39 Pfund schweres Gewicht ab und fiel dem am Kran arbeitenden Anbinder M. Milatz, Gotzkowskhstr. 5 wohnhaft, auf die Schulter. Bewußtlos wuri« der Verunglückte von Arbeits- kollegen aufgehoben und mittelst Droschke nach dem Krankenhause Moabit gebracht. Hätte das Gewicht den Kopf des Verunglückten getroffen, so wäre ohne weiteres der sofortige Tod die Folge ge Wesen. Selbstmord eines Engländers. Am Rolandbrunnen erschossen hat sich Freitag Abend ein englischer Geschäftsreisender, Fred Flanders, dessen Verhältnisse noch nicht näher bekannt sind. Der Mann nahm zwischen 9 und 9l4 Uhr an der Corncliusbrücke eine Kraftdroschke und beauftragte den Führer, ihn nach der Burggrafen stratze Ecke Kurfürstenstratze zu fahren. Dort stieg er aber nicht aus, gab vielmehr die Weisung, nach dem Tiergarten zu fahren. Am Rotzrndbrunnen hörte der Chauffeur in seinem Wagen plötzlich —: �""sse fallen und fand seinen Fahrgast blutüberströmt im N. Er hatte sich aus einem Revolver eine Kugel in die e und eine zweite in den Mund geschossen. Der Wagen ite den Schwerverletzten nach der Hilfswache in der ' er bald unter den Händen des ArzteS starb. Die ägnahmt und nach dem Schauhause gebracht. In S Toten fand man unter anderem einen Reise Amerika, den ihm das englische General ausgestellt hat. Bares Geld besatz er nicht. Ob Flanders hier in Berlin schon gewohnt hat oder eben erst an- gekommen ist, wÄtzk«Uin noch nicht. Selbstmord an d»r Schloßbrllcke. Aufsehen erregte vorgestern abend ein Vorfall an- her Schlotzbrücke. In der 11. Stunde sprang ein junges Mädchen, das seit längerer Zeit auf und ab gegangen war, plötzlich von der Brücke in den Stadischleusenkanal und ging unter. Es gelang, als sie nach einiger Zeit wieder empor kam, die Lebensmüde zu fassen und ans Land zu bringen. Es war aber schon zu spät. Das Mädchen war tot, und Wiederbelebungsversuche, die ein im Samariterdienst ausgebildeter Schutzmann machte, blieben erfolglos. Die junge Selbstmörderin, deren Leiche nach dem Schauhause gebracht wurde, konnte bald festgestellt werden als eine 17 Jahre alte Gertrud Prella aus Marienwerder, die seit längerer Zeit in Berlin diente. Ein alter Mann, der mit Kinder-Windmühlen handelte, wurde am borigen Sonntag(14. Mai), nachmittags zwischen 2 und 3 Uhr, in der Friedenstratze zwischen Prenzlauer Allee und der GreifSwalder Stratze durch einen Schutzmann si stiert. Was er be« gangen haben sollte, entzieht sich unserer Kenntnis; wahrscheinlich ist es eine ganz geringfügige Sache, etwa eine Uebertretung des Verbotes, beim Handeln eine feste Stelle einzunehmen Ueber die Art, wie dieser Mann von dem Polizeibeannen transportiert wurde, sind uns von einem Augenzeugen sehr befremdliche Mitteilungen gemacht worden. Wir glauben, daß es im Interesse de« Sistierten liegt, ihm den Zeugen zur Verfügung zu stellen. Wer kann zufällig uns sagen, wer der a l t e M a n n i st, wie er heißt, wo er wohnt? Wir würden diesem dann die Adresse des Zeugen übermitteln. Die Vorgänge sind übrigens auch noch von anderen Zeugen mit angesehen worden, die vielleicht gleichfalls bereit wären, hre Aussage zu machen. Wir bitten auch sie. sich bei uns zu melden, um sie den, alten Mann nennen zu können, falls uns feine Adresse bekannt wird. Unbekannte Leiche. Aus dem Wehr an der Charlottenburger Schleuse wurde vorgestern früh die Leiche einer etwa bvjährigen Frau gelandet, die ofsenbar Selbstmord verübt hat. Die Tote ist etwa Z,kö Meter groß, von schlanker Gestalt, sie hat graumeliertes Haar, braune Augen, im Oberkiefer ein künstliches Gebiß, während die unteren Zähne vollständig fehlen. Ter kleine Finger an der linken Hand fehlt; er ist anscheinend amputiert worden. Bekleidet ist die Verstorbene, die dem Ärbeiterstande angehören dürfte, mit schwarzem Rock, blauer Leinenbluse, schwarzer Schürze, grauge- streiftem Unterrock, grauem Korsett, blauen Beinkleidern, schwarzen Strümpfen und halben Schnürschuhen. An der rechten Hand trug die Tote einen Trauring mit dem Monogramm U. bl. und der Jahreszahl 1888. Die Persönlichkeit der Lebensmüden konnte bis- her mangels jeglicher Ausweispapiere nicht festgestellt werden. Die Leiche, die bereits einige Tage im Wasser gelegen haben mutz, wurde nach dem Schauhause gebracht. Zeugen gesucht. Am Ib. Mai, mittags 12 Uhr, wurde ein Radfahrer in Steglitz von einem Privatautomobik angefahren und vor die Pferde eines Lastfuhrwerkes geworfen. Er wurde eine Strecke mitgeschleist und erlitt Verletzungen. Zeugen, welche den Vorfall mit angesehen, werden gebeten, ihre Adresse bei Otto Ebe, Mittenwalderstr. 28, Hof III, abzugeben. Arbeiter-Samariter-Kolonne Groß-Beriin. Heute, �11 Uhr, Vortrag im Pathologischen Institut, Eingang Alexanderufer. Vor- tragender: Herr Prof. Dr. Kaiserlingk. Gäste willkommen.— Am Freitag findet abends 8 Uhr ein UebungSabend der aktiven Mannschaft statt im Dresdener Garten. Vorort- JNfodmebtens Wilmersdorf-Halcnsee. Die Gewerbegerichtswahlen finden am Sonntag, den 28. Mai, von vormittags 19 Uhr bis nachmittag» 2 Uhr statt. Wahlberechtigt sind alle Arbeiter, welche das 25. Lebensjahr erreicht haben und in dem Bezirk des Gewerbegerichts beschäftigt sind oder falls sie außerhalb in Arbeit stehen, am Ort wohnen. Für die Wahl der Arbeitnehmer sind durch Magistratsbeschluß vier�Wahlstellen eingerichtet und zwar: a) in dem 1. Wahlbezirk, der dem 8. Polizeirevier entspricht, im Restaurant„Viktoria-Garten", WilhelmSaue 114/115; b) in dem L.Wahlbezirk, der dem 19. Polizei» revier entspricht, im Restaurant.Kaiser-Wilhelm-Gartcn", Kurfürsten- dämm 121/122; o) in dem 3. Wahlbezirk, der dem 9. und 11. Polizeirevier entspricht, im Restaurant von.Gebell", Uhland- straße 138/139; 6j in dem 4. Wahlbezirk, der dem 7. Polizeirevier entspricht, im Restaurant„Stadtparl", Kaiserallee 51/52. Wir ersuchen die Parteigenossen und Gewerkschaftskollegen, in eine rege Agitation für diese Wahl einzutreten. Jeder in Betracht kommende Arbeiter hat von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Nicht darauf kommt eS allein an, daß die Kandidaten der Gewcrk- schaften gewählt werden, sondern hinter denselben muß auch die übergroße Mehrzahl der Wähler stehen. Versäume daher niemand die Wahl. Die Gewerkschaftsunterkommission. Rixdorf. Ein Straßenlahnunfall ereignete sich Sonnabend nachmittag mn 2 Uhr iu der Hermannstratze. Dort geriet der siebenjährige Schüler Siegfried Biehring, Wasserturmstraße 4 wohnhaft, unter den Schutz- rahmen eines in der Richtung nach der Seestraße fahrenden Straßen« bohnwageiis der Linie 29. Der Knabe konnte bald aus seiner Lage befreit werden. Der Verunglückte, der Hantabschürfungen am Kopf und am linken Bein erlitten hatte, erhielt aus der Unfallstatton in der Steinmetzstraße die erste Hilfe und wurde dann nach der elter» lichen Wohnung übergeführt. AdlerShof. Unter falschem Verdacht hat eine unschuldige Fraa noch immer schwer zu leiden. Am 19. März starb plötzlich, wie damals berichtet wurde, der hiesige Eigentümer NikolaS Fleck. ES entstand damals das Gerücht, daß sein Ende kein natürliches gewesen sei. Bald hieß es, daß Frau Fleck ihren Mann mit Gift umgebracht habe. Die Staatsanwaltschaft beim Landgericht II leirete auf diese Be- schuldigung hin ein Erniitielungsverfahren ein. Bei der Obduktion der Leiche konnten die Aerzte die Todesursache nicht bestimmt fest- stellen. Für eine Vergiftung fanden sie aber keinen Ankalt. Um nach dieser Richtung hin volle Gewißheit zu schaffen. ließ die Staatsanwaltschaft noch den Magen mit seinem Inhalt und andere Körperteile des Verstorbenen durch den Gerichtschemiker Dr. Jeserich genau untersuchen, ebenso auch noch die Speisereste, die in der Wohnung Flecks beschlagnahmt worden waren. Das Ergebnis dieser Untersuchungen liegt jetzt vor. Es hat auch nicht den ge- ringsten Anhalt für das Vorhandensein von Giftstoffen in dem Körper des Verstorbenen oder in den Speiseresten. Frau Fleck ist also vollkommen entlastet. Aber die falschen Ge« rüchte sind immer noch nicht verstummt. Im Gegenteil. Wo die un- schuldige Frau sich nur sehen lätzt, da brandmarkt man sie mehr oder weniger offen als Giftinörderin. Das geht so weit, daß sich die Frau bei der Staaisanwaltschaft brieflich beschwert und sie um ihren Schutz angerufen hat. Wirksamer wird aber zu ihrem Schutze wohl die Veröffentlichung des UntersuchungsergebniffeS sein, das auch nicht den geringsten Zweifel mehr übrig läßt. Der Plötz- liche Tod Flecks erNärt sich auch aus natürlichen Ursachen ganz leicht. Wir teilten damals bereits auf Ersuchen der Angehörigen mit, daß der Mann an epileptischen Krämpfen litt und nervenleidend war und daß er jedenfalls durch einen Schlaganfall vom Tode überrascht worden ist. Ober-Schönetveide. Die Unsicherheit in den Ortsstraßen, hervorgerufen durch über« mäßig schnelles Fahren der Kraftwagen, hat zu einer Aussprache in der Gemeindevertretung geführt. Genosse Muth fordert ein Ein- greifen der Behörde, was auch zugesagt wurde; bekanntlich sind kurz hintereinander zwei Kinder totgefahren worden. Der in der vorigen Woche an der Ecke der Helmholtzstraße passierte Unfall führte auch zu lebensgefährlicher Verletzung eines Kindes. Es wäre dringend notwendig, daß an den Renntagen an dieser gefährlichen Stelle ein Aufsichtsbcamter stationiert würde; auch die unbeaufsichtigten Eisen- bahiiglitertransporte durch die Ortsstraßen bilden die größte Gefahr; es ist höchst sonderbar, daß hier die Behörde versagt. Köpenick. Zwei gemeingefährliche Kinderftcunde hat die Polizei unschädlich gemacht. Sie nahm die Gelegenheilsarbeiter K. und F. fest. K. hat sich nichr nur an einem achtjährigen unzurechnungsfähigen Schulmädchen in der schwersten Weise vergangen, sondern auch sein eigenes Kind, einen neunjährigen Knaben, mißbraucht. F. steht unter dem dringenden Verdacht, auf der Heide zwei Schulkinder, ein sieben- und ein neunjähriges Mädchen, überfallen und vergcwalttgt zu haben. Beide Unholde wurden ins UntersuchungsgesängniS eingeliefert. Weistensee. Eine öffentliche Bettelei findet nun761 NNO Serliv j757 NW jjranft a vi 760 NO München i759 NW Wien 753 WNB «euer «heiter 3 bedeckt 4 bedeckt 7 wolkig 3 bedeckt 6 bedeckt B* »II 2? Wi Cteflonfn Haparanva 766 NO Petersburg 756 SO Sctlly 'lderdren PanS «Setterpr-anoke tnr Sonntag, den 21. Mai>911. Nachts etwas kühler, am Tage etivas wärmer, vielfach beitcr bei ziemlich frischen nordöstlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. WaflerstandS.Nawrtckiten der Landetanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburcau Waflerfland M e m e l. Tilsit P r e g e t, Jinterbirrg A e i ch s e l, Tb oru Oder, Ratibor , Kroflen . Franüurl Warthe, Schrinu» > Landsberg Netz«, Vordamm Elbe, LeiNnerrtz » Dresden » karbv » Magdeburg Waflerfland Saale, Grochlttz Havel, Spandau') , Rathenow') E p r»«, Sorcmberg') , BeeStow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub Köln Neckar, Heilbron» Rain. Wertheün M o f e l. Trier «) 4- bedentet Such».- ftzall.—•) Unterpeget.•) höchster stand: 180 cm am 18. nachmittags. Nach telegraphischer Meldung ist die O der bei Ratibor sehr gestiegen und steigt weiter. Der Waflerstand betrug heute I 72 cm und hatte die AuSujerungShöhe bereits um 29 cm überschritleu." DlC NEUE HARKE: J0SETTI/\I7MIRAL Beste �-Pfenniq- RETTE lA.A�JA-AV.AV./'.W.W.W.VAW.WAV-W.V/'.W-W-,vy»V/l.'s/-\y'V/-\'/-\-/-\-�\-/-\-/-V/\-A• A• A-�v/X-Z x/� VergessenSiemchl.echtekrWn-A°w.Mcsei Riba mit Malz Originaldose M. 2.50. Zu haben in Apotheken und Drogerien. WARNUNG! von ersten arztlidien Autoritäten dauernd verordnet und empfohlen, wirkt nach kürzester Zeit blutbildend, nervenstärkend, kräftigend, appetitanregend gibt dem Körper gesundes, blühendes Aussenen, sowohl Kindern wie Erwachsenen V. j.... �..... RIBA-WERKE G.m.b.H. BERLIN NWs? 0" über die Wirkung von Riba Ihr Präparat„Riba" hat mir die denkbar besten Dienste geleistet, um meine Kräfte in überraschend schneller Weise wieder zu heben. 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