Nr. 119« Nbonnemenk-WSikglmgen: Abonnements- Preis pränumerando i Biertcljährl. 3J0 Mb, monatl. 1,10 Mb, wöchentlich 28 Pig. frei ins Haus. Einzelne Nunimer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post» ilbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz, 28. Iichrg. VI« Inlettionz-Gebtths tekägt für die sechsgespaltenc Kolonel» geile oder deren Raum 00 Psg„ für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Bersanimlungs-Anzcigcn 00 Psg, „Uleine Knieigen", das fettgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruclle Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuchs und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über löBuch- Itaben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müffen bis i Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Vlchtlnl isglich suLil montags. Berliner Volksblnlk. Zentralorgan der rozialdemokrati leben parte! Deutfcbtands. Telegramm- Adresse: »SoÄalileliiolirat ltillin". Redaktion: 8M. 68, �.indensruasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 23, Mai 1911. Expedition: 8M. 68, �.indenstrssse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Line Tragödie. Von einem tragischen Unglücksfall dringt die Kunde aus Paris. Zwei der leitenden Staatsmänner sind dort das Opfer des neuesten technischen Wunders, des Aeroplans ge worden. Der Kriegsminister B e r t e am x wurde von dem Propeller eines unvermutet heransausenden Fahrzeuges gräßlich verstümmelt und auf der Stelle getötet, während der Ministerpräsident Monis zwar gleichfalls von dem unheilbringenden Flugdrachen schwer verletzt wurde, aber trotz mehrfacher Beinbrüche anscheinend mit dem Leben davonkommen wird. Am Sonntag sollte der Start zu dem großen Ueber landflug Paris-Madrid beginnen, von dem man neue Glanz leistungen der in Frankreich ja besonders entwickelten und populären Flugtechnik erwartete. Der Enthusiasmus für den Flugsport hatte Hunderttausende nach dem Flugfeld Jssy-les-Moulineaur geführt, um dem aufregenden Schau- spiel der Abreise des Fliegerschwarms beizuwohnen. Zwei der Teilnehmer tvaren bereits aufgestiegen und in der Ferne entschwunden, als jählings die furchtbare Katastrophe hereiw brach. Der Apparat des dritten Startenden, des Fliegers Train, wollte nicht recht funktionieren, so daß der Lenker sich wieder zum Niedergehen gezwungen sah. Gerade aber als der Apparat sich mit rasender Geschwindigkeit der Erde näherte, kreuzte die Gruppe der Minister die Flugbahn. Train, der bereits einem Trupp Kürassiere ausgewichen war, vermochte den Zusammenprall nicht mehr zu verhindern: die Maschine fuhr mit furchtbarer Wucht mitten unter die Ehrengäste hinein. Dem Kriegsminister Berteaux wurde von der mit ungestümer Geschwindigkeit rotierenden Flugschraube der Arm ausgerissen und der Schädel zer schmettert. Und neben ihm blyeb mit zerbrochenen Gliedmaßen der Ministerpräsident liegen. Der konsternierte Lenker der Unglücksmaschine dagegen kam ohne Verletzung davon. Die Aviatik, der jüngere Zweig der Aeronautik, hat in den zwei, drei Jahren ihres jungen Daseins bereits eine schwere Menge Opfer gekostet. So zweifellos es ist, daß die Eroberung der Luft gerade in Hinsicht auf die Erfolge der Flugmaschine keine Phrase mehr ist, so offenbar ist es doch auch, daß die schvere Aufgabe, den verwegenen Luftfegler, die Flugmaschine, zu einem einigermaßen betriebs- und ab- sturzsicheren Fahrzeug zu machen, von der Technik erst noch zu lösen ist. Denn die bittere Wahrheit des Dichterwortes, daß die Elemente das Gebild von Menschenhand hassen, haben die modernen Jkariden nur zu oft und zu tragisch empfinden müssen. Bei der Katastrophe von Jssy-les-Mouli- neaux freilich handelt es sich nicht um einen Streich des Schicksals, der unabwendbar gewesen wäre. Dieser furcht- bare Unglücksfall wäre nicht passiert, wenn die Arrangeure der Veranstaltung die dringend gebotenen Vorsichtsmaß- regeln nicht in unbegreiflicher Weise unberücksichtigt gelassen hätten. Denn wenn schon bei dem jetzigen Stand der Flug- technik jedes Ueberfliegen der Zuschauer wegen der Abstur urz- Möglichkeit die Gefahr einer Katastrophe in sich birgt, so bedeutet der Aufenthalt von Zuschauern innerhalb der eigent- lichen Flugbahn geradezu ein Spielen mit der Lebensgefahr. Und am Sonntag bewegte sich die Ministergruppe guer über d i e F l u g b a h n, als das Verhängnis nahte! Der tödlich verunglückte Kriegsminister voar sich der Gefahr auch selbst durchaus bewußt— er war mit seinem Kollegen gerade im Begriff, die Gefahrzone zu verlassen, als ihn die Katastrophe ereilte. Und am Tage vor dem Wettflug hat er noch einem Deputierten gegenüber die Besorgnis geäußert, daß sich bei der riesigen Zuschauermengr nur zu leicht durch Absturz eines Flugzeuges schweres Unheil ereignen könne. Besonders tragisch ist es auch, daß gerade Berteaux einer der überzeugtesten Anhänger des militärischen Flugwesens war, dem er denn auch in seiner amtlichen Eigenschaft die größte Förderung zuteil werden ließ. Noch im März d. I. tat er den Ausspruch, daß er den Aeroplan als ein wunder- bares Kriegswerkzeug betrachte, nicht nur für den Auf- klärungsdienst, sondern auch für den Angriff. Frankreich müsse bestrebt sein, durch Entwickelung seiner militärischen Aviatik die stärkste Luftmacht der Welt zu werden. Nun ist Berteaux. und obendrein durch einen plumpen Zufall, durch eine gröbliche Unvorsichfigkeit, das Opfer seiner Lieblings- Waffe geworden. Kein Zweifel, daß der fieberhafte Kampf um die Er- oberung der Luft, namentlich zu militärischen Zwecken, trotz der neuen Katastrophe weiter gehen wird. Der französische Kriegsminister wird lainge nicht sein letztes Opfer sein. Denn gerade die kavitalistische Art der Entwickelung der Flug- technik, die wilde Sucht militaristischer Ueberflügelung. und der rivalisierende Eiher der Flugzeugfabrikanten, durch der- blüffende und wagehalsige Rekords Reklame für ihre Fa- brikate zu machen, verführt zu Experimenten und Parforcc- leistungen, mit denea im Grunde weder der zielsicheren Ausgestaltung der Flugmaschine noch deren Popularisierung ge- dient ist. Ohne utilitaristische Hintergedanken, ohne sport- liche Sensationen, ohne klingenden Untcrnehmerprofit sind aber heutzutage keine materiellen und ideellen Mittel für; eine technische Erfindung flüssig zu machen, und wenn sie noch, so lockende Zukunftsperspektiven eröffnete. So wird auch j hier wieder die Kulturwidrigkeit unseres kapitalistischen Systems offenbar, Berteaux. Paris, 21 Mai.(Gig. 59er.) In Berteaux verliert die bürgerliche Demokratie Frankreichs einen ihrer energischesten, fortgeschrittensten und unleugbar auch anständigsten Politiker. Sicherlich, die Honorigkeit forderte von dem schwerreichen Manne keinen Verzicht und sein stark ausgebil- deter Ehrgeiz war davor behütet, die materiellen Mittel zur Macht auf unlauteren Wegen zu suchen. Berteaux hat sich mit geschäfts- mähiger Umsicht und mit ebenso viel Fleiß als berechnender Klug heit in der republikanischen Politik bis in die allererste Reihe durch- gearbeitet. Der Schlohherr und Bürgermeister von Chatoux, einem Pariser Villenort. wo er sich durch seine Freigebigkeit eine große Popularität und mit ihr eine ergebene politische Klientel errang, kam verhältnismäßig spät— als 41jähriger— im Jahre 1893 in die Kammer, wo er sich bald in den Kommissionen als arbeits- tüchtiges Mitglied erwies. Sein Einfluß war rasch im Steigen. 1992 wurde er Berichterstatter über das Kriegsbudget, 1993 General berichterstatter der Budgetkommission. 1994 Berichterstatter über die zweijährige Dienstzeit. Seine so erlangte Kompetenz in Militär fragen verschaffte ihm dann die Berufung ins Kriegsministerium unter dem Kabinett Rouvier von 1994 bis 1995. 1999 wurde er Vizepräsident der Kammer und war seither auch Präsident der Armeekommisiion und des Budgetausschusses, bis er dann unter Monis neuerdings das Portefeuille des Krieges erhielt. So durfte er nicht ohne Hoffnung nach dem höchsten Amt der Republik aus- blicken und seine Kandidatur für die nächste Präsidenten- wähl in der Stille vorbereiten. Man hat es an wohlfeilem Spott über den Wechselagenten als Armeechef nicht fehlen lassen. Gar am preußisch-militärischen Horizont müßte sich die Gestalt des zum Leiter der nationalen Verteidigung bestellten Zivilisten und Geschäftsmannes seltsam aus nehmen. Die französischen Militärkreise, für die die Erscheinung des bürgerlichen Kriegsministers nichts Neues mehr ist, fanden sich schließlich mit Berteaux gar nicht übel ab. besonders weil sich dieser „Radikalsozialist- gerade in den militärischen Fragen durchaus nicht als Vorwärtsstürmer und Reformfanatiker erwies und dem Traditionalismus der Kaste weit weniger nahetrat, als z. B. sein Vorgänger General Andre. Dem vorsichtigen Opportunismus. den Berteaux hier an den Tag legte, entsprach allerdings auch seine allgemeine politische Ideologie, die sich durchaus in den Bahnen des republikanisch-bourgeoisen Patriotismus bewegte. In seiner sonstigen parlamentarischen Tätigkeit vertrat Berteaux vls einer der Entschiedensten die Politik der„republika nischen Linken", mit Einbeziehung der Sozialisten. So wurde er nach CombeS der eigentliche Chef des Linksradikalismus. Er war es auch, der den entscheidenden Stoß gegen Briand vorbereitete. In seinen sozialpolitischen Anschauungen repräsentierte er den fort- geschrittenen Flügel der radikalen Partei. Die Eisenbahner ver- danken nicht zum wenigsten seinem Eifer ihr PensionSgesetz. Und im jetzigen Konflikt der Regierung mit den Kompagnien wegen der Gemaßregelten galt seine Ministerschaft den Eisenbahnern als beste Bürgschaft. Ohne einen eigentlichen Glanz der Persönlichkeit. zu dem ihm neben anderem wohl auch die Tiefe der Bildung abging, hat er doch zu den ansehnlichsten und den achtenswertesten Gestalten des republikanischen Parlamentarismus gehört. Das Schicksal des Kabinetts. Der mitverunglückte Ministerpräsident Monis scheint außer Lebensgefahr zu sein. Ob er neben seinen Beinbrüchen noch innere Verletzungen davon getragen hat, ist noch nicht sestgellt. Monis selbst sucht vom Krankenlager aus den dringendsten Regierungsgeschäften zu genügen. Er hat alle Negierungsdekrete selbst unterschrieben und unter anderem auch die Fortsetzung des unterbrochenen Fluges angeordnet. Ob die Kammer in die immerhin lange Beurlaubung Monis willigen wird, werden die nächsten Tage zeigen. Die Stimmung der Kammer ist geteilt: während die Sozialistisch- Radikalen entschieden'gegen eine Aenderung des Kabinetts sind, neigt ein bedeutender Teil der übrigen Deputierten, die Rechte, die Radikalen und auch Jaurös mit seinen Partei- freunden, der Ansicht zu, daß die wichtigen Entscheidungen über Marokko, die Arbeiterversicherung, die Wahlreform usw. nicht von einem stellvertretenden Ministerpräsidenten gelöst werden können. Paris, 22. Mai.(W. T. B.) In politischen Kreisen beschäftigt man sich mit der durch die Katastrophe von Jssy-leS-Moulineauxge- schaffenen Lage d e S Kabinetts. In Monis nahestehenden Kreisen glaubt man, daß dieser imstande lein werde, die Geschäfte weiter zu führen. Dagegen sind eine Reihe von Parlamentariern und einige Minister der Ansicht, daß die Anwesenheit des Ministerpräsidenten im Parlament unbedingt notwendig sei, besonders bei der Beratung der Wahlreform, und daß das gegenwärtige Kabinett demissionieren müsse. Vor der Beerdigung Berteaux' wird eine Entscheidung nicht getraffen werden. Paris, 22. Mai.(W. T. B.) Die Beerdigung Berteaux' ist für Freitag angesetzt worden. Das körperliche und seelische Befinden deS Ministerpräsidenten ist zufriedenstellend, er ist fieberfrei und hat mehrere Stunden geschlafen. Monis unter- hielt sich heute vormittag bei großer Geistesklarheit mit dem Unter- staatssekretär Constant über die marokkanischen Angelegenheiten und erkundigte sich nach dem Befinden Berteaux', den er schwer ver- wundet glaubt. Man wird Monis den Tod Berteaux' am Abend mitteilen. Obwohl die Besserung im Zustand des Ministerpräsidenten die Besorgnis seiner Umgebung zerstreut hat, wird versichert, Pro- fessor Lannelongue werde sich er st in drei Tagen endgültig über den Zu st and des Verletzten äußern können. kergfislluz und ßerghemn. Der erzreaktionäre scharfmacherische Charakter des Dreiklassen« Parlaments offenbarte sich mit seltener Deutlichkeit in der Art, wie die Kommission sich zur Frage des staatlichen Bergbaues gestellt hatte und wie das Plenum am Sonnabend und Montag über den Kommissionsbericht verhandelte. Der Kommissionsbericht atmete nichts als die ausgesprochenste Arbeiterfeindschaft und die Sucht der Bergherren und der ihnen politisch nahestehenden Parteien, die Staatsbetriebe vollends der krassen Jnteressenpolitik des'Gruben- kapitals zu unterwerfen. Und zu diesen Freunden des Gruben- kapitals gehören nicht nur die Nationalliberalen und Freikonser- vativen, sondern, wie der sozialdemokratische Fraktionsredner, Ge- nasse Leinert, hervorhob, auch die Konservativen, die ja immer mit- machen, wenn es antisoziale Tendenzen zu unterstützen gilt. Herr v. Pappenheim hatte ja auch deutlich genug darauf hingewiesen, weshalb es auch den Konservativen am Herzen liegt, in den Staats- betrieben nach scharfmacherischem Rezept zu Verfahren. Der preußische Staat existiert ja hauptsächlich von Ueberschüssen der Staatsbetriebe. Die Steuererträgnisse bilden nur den kleinsten Teil seines Einkommens. Je mehr also die Staatsbetriebe aus Kosten der Arbeiterlöhne zur milchenden Kuh für den Junkerstaat gemacht werden, desto geringerer Zwang besteht, zu einer Erhöhung der direkten Steuern zu greifen, durch die ja die besitzende Klasse getroffen würde. Deshalb empfahl der konservative Redner eine „pflegliche Behandlung" der Staatsbetriebe, ein Sichverschließen gegen humanitäre Erwägungen; kurz, die ausgesprochenste Plusmacherpolitik. Und die freikonservativen und national- liberalen Redner hieben erst recht in die gleiche Kerbe. Und noch ein zweites verlangten die Scharfmacher des Geld- sackparlaments: die Beteiligung' des Staates an dem Kohlensyndikat, natürlich nur zu dem Zwecke, jegliche Kon- kurrenz des Staates auf dem Gebiete der Preis- und Sozialpolitik von vornherein auszuschalten. Der sozialdemokratische Redner kennzeichnete mit gebührender Schärfe die scharfmache- rischen Pläne der Dreiklassenmehrheit. Er stellte der dreisten Forderung, die staatlichen Musterbetriebe vollends zu antisozialen Ausbeutungsinstituten herabzudrücken, das ohnehin so traurige Bild der fiskalischen Arbeiterverhältnisse gegenüber, das ja selbst vom Oberberghauptmanen Velsen nicht hatte beschönigt werden können. Genosse Leinert nagelte die unerhörte Tatsache fest, daß die Kommissionsverhandlungen sich lediglich darum drehten, wie die Rentabilität der staatlichen Bergbetriebe erhöht werden könne, daß man zu diesem Zwecke für die Beamten ein Prämien- s h st e m empfohlen hatte, das notwendigerweise zu einem u n- erhörten Treibersystem den Arbeitern gegen- über führen müßte, daß aber von der N»twendigleit. die StaatS- arbeiter zu schützen und ihnen eine menschenwürdige Existenz zu garantieren, in den langwierigen Verhandlungen kaum einmal die Rede gewesen sei. Ebenso wenig habe sich in der Kommission jemand gefunden, der für die Arbeiter daS freie Koalition s- recht gefordert habe. So begreiflich es war, daß der Zentrums- redner Herr Jmbusch diese schweren Anklagen nicht auf dem „arbeiterfreundlichen" Zentrum sitzen lassen mochte, so wenig war er doch imstande, irgend etwas Erhebliches' zu dessen Entschuldigung vorzubringen. Daß das Zentrum es längst aufgegeben hat, für die Staatsarbeiter ein wirklich freies Koalitionsrecht zu fordern, hat sich ja nicht erst bei dieser Gelegenheit gezeigt. Aber selbst der Beweis mußte Herrn Jmbusch mißglücken, daß die ZentrumSmit- glieder der Kommission sich auch nur mit einigem Nachdruck der so dringend notwendigen materiellen Besserstellung der Bergarbeiter angenommen hätten. Leinert charakterisierte auch treffend das Drängen der Bergherren, den Fiskus zum Mitglied des Kohlenshndikats zu pressen. Er verkenne nicht, daß Syndikate auch dem sozialen Fort- schritt zu dienen vermöchten, sosern sie zu einer Verständigung mit der organisierten Arbeiterschaft neigten. Menn bet Staat seinen Eintritt in das Kohlensyndikat von dem Abschluß eines vernünfti- gen Tarifvertrages mit der Arbeiterschaft abhängig mache, lasse sich über die Wünsche der Bergherren sprechen. Aber diese Bedin- gung werde der Staat wohl kaum stellen, während umgekehrt das Privatunternehmertum durch seine gerissenen Vertreter den FiskuS seinen Zwecken jederzeit dienstbar machen würde. Unser Genosse predigte natürlich tauben Ohren. In seinem Schlußwort pointierte der nationalliberale Abgeordnete Hirsch« Essen noch einmal das Programm des Grubenkapitals. Und dann— bedauerten die ultramontanen und sonstigen Redner, die noch in stattlicher Zahl auf der Rednerliste standen, den vorzeitigen Schluß der De- batte, der doch von ihren eigenen Parteifreunden erst herbeigeführt worden war! Nach diesem Vorstoß des ScharfmachertumS wird man gut tun, die Haltung der Regierung mit doppeltem Mißtrauen zu über« wachen,,.- Steinlelrergetverbe und deullch-lchtvedilchei' Handelsvertrag. Man schreibt uns: Außer in der deutschen Eisenindustrie hat man wohl im Steinsetzergewerbe am meisten erleichtert aufgeatmet, al» die wichtigsten Bestimmungen des neuen deutsch-schlvedischen Handelsvertrages bekannt wurden. Hat die deutsche Gsen� industrie ein vitales Interesse daran, daß die Einfuhr schwedischer Eisenerze nach Deutschland von Schweden aus nicht erschwert wird, so hat das gesamte deutsche Steinsetzergewerbe ein ungemein hohes Interesse daran daß die schwedischen Pflastersteine ungehindert, das heißt unverzollt nach Deutschland hereingelangen. Die Provinzen Ost- und Westpreußen, Posen, Pommern, ferner Mecklenburgs Oldenburg und � die Hansastädte sind vollständig auf den Bezug schwedischer Pflastersteine angewiesen; aber auch die Provinzen Brandenburg(einschließlich Berlin), Schlesien, Hannover und Westfalen haben zum erheblichen Teile ein ungemein hohes wirtschaftliches Interesse an der zollfreien Einfuhr schwedischer Pflastersteine. Jede Unterbindung der Einfuhr durch einen Zoll, und sei er auch noch io geringfügig, wirkt bei der Natur des in Frage koinmenden Materials geradezu prohibitiv. Das haben die Arbeiter des Steinsetzergewerbes sofort erkannt und deshalb auch schon bei Beratung des Zolltarifgesetzes im Jahre 1902 eine lebhafte Agitation gegen den Zoll entfaltet. Da es sich um eine Lebensfrage für den ganzen Beru handelte, so suchten die Arbeiter damals auch die Unternehmer zu einem geschlossenen Vorgehen zu veranlassen. Das gelang damals nicht. Nur eine Anzahl von Firmen, allerdings die größten der Branche, nahmen ebenfalls gegen den Zoll Stellung. Diesmal, während der Vorberatungen des Handels Vertrages mit Schweden, haben nun auch die bedeutendsten Untemehmerorganisationen des Berufes erkannt, was für sie auf dem Spiele steht, und haben gleichzeitig mit den Arbeitern gegen den Pflastersteinzoll Stellung genommen Es war das um so nötiger, als die Hochschutzzöllnerischen Steinindustriellen eine ganz intensive Agitation zugunsten des Zolles hinter den Kulissen entfalteten. Wie dieselben ge arbeitet haben, davon erhielt man eine Probe im Dezember vorigen Jahres bei Beratung des Etatstitels„Zölle". Nachdem nun bekannt geworden ist, daß die Reichsregierung trotz dieser Agitation die Zollfreiheit fi'ir Pflastersteine aufrechterhalten hat— richtiger wohl: notgedrungen hat aufrechterhalten müssen—, hat sich diese Agitation in geradezu ungeheuerlicher Weise verschärst. Jedenfalls ist die Gefahr, daß der Vertrag abgelehnt wird, noch nicht vorbei' Sollte dieser Fall eintreten, dann geraten zwei deutsche Produktionszweige in eine ganz prekäre Lage: die deutsche Eisenindustrie und das Steinsetzergewerbe. Bei den guten Beziehungen, die zwischen den Eisen-Groß industriellen und der Reichsregierung bestehen, wird die letztere ja wohl für jene schnell einen Ausweg finden. Bei dem Stein sctzergewerbe, das sich als typisches Kleingewerbe nicht so guter Beziehungen rühmen kann, gestaltet sich jedoch die Sache erheblich schwieriger; hier muß die Ablehnung des Vertrages und der damit wohl eintretende Zoll auf Pflastersteine zu einer Katastrophe führen, die ihren Ausdruck in einer vollständigen Lahmlegung des Berufes in den angeführten Landesteilen und in weiterer Folge in einem durch allgemeine Arbeitslosigkeit hervorgerufenen Massenelend finden dürste. Die Schutzzöllner argumentieren mit der allgemein schlechten Lage der deutschen Steinindustrie und den„hohen sozialen Lasten", die dieselbe zu tragen hat. Was die„schlechte Lage anbetrifft, so wird dieselbe trefflich illustriert durch die erst in den letzten Wochen erschienenen Geschäftsberichte der größten deutschen Steinbruch-Gesellschaften:„Basalt-Aktien- gesellschaft Linz am Rhein" und„Odenwälder Granit-Jn- dnstrie-A.-G.". Beide konstatteren ein sehr ergiebiges Ge- schästsjahr gerade in Pflastersteinen und teilen mit, daß weiterhin befriedigende Abschlüffe vorliegen oder in Aus- ficht stehen; ferner verteilen sie— nebst erheblichen Abschreibungen— 5 bezw. 6 Proz. Dividende. Dabei läßt es sich also immer noch als Aktionär leben. Einen geradezu gemeingefährlichen Unfug aber betreiben die Schutzzöllner mit den Zahlen über die„sozialen Lasten". In einer Zuschrift an eine Berliner Zeitung heißt es: ,,Was besagt diesen Mehrausgaben(der Städte für den Pflastersteinzoll. Red) von einigen tausend Mark gegenüber aber die Tatsache, daß einzelne Steinbruchbetriebe 20, 30, üv, 100000 M. jährlich für soziale Lasten zu tragen haben.. Klingt das nicht gerade so, als ob nur diejenigen Stein- bruchbetriebe, für die die schwedische Konkurrenz in Betracht kommt, diese Lasten zu tragen haben? Das ist gerade der große Schwindel, der mit diesen Zahlen getrieben wird. Man spekuliert auf die Unkenntnis der großen Masse, die die Tinge nicht kennt. Wer von den Leuten. die das lesen, weiß denn, daß im Deutschen Reiche in Granitpflasterstein läufen und in Brüchen, die gleich- wertiges Pflasterstein material erzeugen, im ganzen nur zirka 12 000 Arbeiter beschäftigt sind! Wer von den Leuten, die das lesen, weiß denn, daß Basalt, Grauwacke, Sandstein. Porphyr und Syenit als Ersatz für Granit so gut wie gar nicht in Frage kommen können?! Wo Granit technisch not- wendig ist, kann er durch anderes deutsches Plastermaterial, aus- genommen Granit, so gut wie nicht ersetzt werden. Und selbst der deutsche Granit kann cS infolge seiner Struktur nicht allenthalben mit dem schwedischen aufnehmen. Es gehört zu einem guten Granitpflasterstein nicht bloß die nötige Wetter- und Frostbeständigkeit. Druckfestigkeit, sondern auch eine außer- ordentlich gute Spaltbarkeit. Ist letztere nicht vorhanden, so verursacht die Nachbearbeitung unverhältnismäßig Hohe Kosten. Außerdem— das wissen auch die Schutzzöllner— ist es wegen der hohen Transportkosten so gut wie aus- geschlossen, daß die deutschen Pflastersteine jemals das Gebiet erobern könnten, das jetzt die schwedische Konkurrenz be- herrscht. Wunderbar ist es auch und mit der Logik schwer in Einklang zu bringen, daß man um der„paar tausend Mark", die die Städte an Zoll zu zahlen hätten, eine so riesige Agitation entfaltet. Die„paar tausend Mark" stehen doch wirklich nicht in Einklang mit den„Hunderttausenden", die man für„soziale Lasten" aufwenden muß! Sehen wir uns die„paar tausend Mark" näher an. Der KönigSberger Magistrat hatte berechnet, daß ihm die Mehr- ausgaben infolge des Zolles in einem einzigen Jahre auf 40 000 M. zu stehen kommen würden. Stralsund berechnete 25 000 M.. Kolbcrg 15- bis 20000 M. Die„paar tausend Mark" steigern sich also aus etliche Millionen in jedem Jahre— wenn der Pflastersteinzoll gezahlt werden müßte. Aber da ist eben der Haken. Die deutschen Kommunal- Verwaltungen müßten aus lauter Eseln bestehen, wenn sie den Steinindustriellen einfach ihre Kassen ausliefern würden. Es gibt ja schließlich noch andere Materialien, aus denen sich Straßen bauen lassen! Die Zahl der Erfindungen auf dein Gebiete des Straßenbaues bat sich Jahren geradezu überstürzt. Und wenn läßt, daß bisher die Stadtverwaltungen in den letzten zehn sich auch verstehen nicht sonderlich ge- neigt waren, auf diesem Gebiete kostspielige Experimente zu machen, so würde sich das sofort ändern, wenn der Versuch gemacht werden sollte, die kommunalen Kassen w dieser Weise zu schröpfen. Und daS ist es, was Arbeiter und Unternehmer des Steinsetzergewerbes mit Recht befürchten, was sie neuerdings im höchsten Maße beunruhigt. Hat es doch einer der rührigsten Agitatoren für den Pstastersteinzoll offen ausgesprochen: „Daß es sich nicht sowohl darum handelt, neue Absatzgebiete zu eröffnen, als— selbst bei geringerem Absatz— höhere Preise zu erzielen." Die Angehörigen des Steinsetzergewerbes haben keine Lust, sich auf dem Altar der„nationalen Arbeit" schlachten zu lassen zugunsten eines.Schutzzolles, der vielleicht vorüber- gehend ein paar hundert Unternehmern die Taschen füllt, am letzten Ende aber niemand nützt, wohl aber ein ganzes Gewerbe zugrunde richten würde. poUtifchc Gcbcrficbt* Berlin, den 22. Mai 1911. Beendung der zweiten Lesung der Reichsversicherungs- ordnung und schwedischer Handelsvertrag. Atls dem Reichstag, 22. Mai. Ihre Absicht, die zweite Lesung der Relchsversicherungsordnung am Sonnabend zu Ende zu bringen, hatte die Mehrheit nicht durchsetzen können. Es blieb noch das s e ch st e Buch über das„B e r- fahren" zurück. Dieser Abschnitt wurde jedoch heute in drei Stunden erledigt. Zunächst kam es den Sozialdemokraten darauf an, das Verfahren bei der Untersuchung des Unfalls im Interesse der Verletzten oder ihrer Hinterbstebenen besser auszugestalten. So waren denn Anträge eingebracht, die darauf abzielten, den Arbeiter sekretären oder anderen sachverständigen Personen die Vertretung der Unter st ützungsberechtigten zu ermöglichen. Die Genossen Busold, Schmidt und Molkenbuhr be- mühten sich vergeblich, die Mehrheit zu überzeugen, daß bei dem jetzt im Gesetz vorgeschriebenen Verfahren die Unter- nehmer einen unberechtigten Vorteil gegenüber den Arbeitern hätten, da sie immer über eine sachverständige Vertretung verfügen könnten, während dem einfachen Arbeiter es gar nicht möglich sei, sich in den Unklarheiten des verwickelten Ge- setzes zurechtzufinden. Der Ausschluß der Arbeitersekretäre von der Vertretung sei eine schwere Benachteiligung. Wenn man den Versicherungsamtnmnn als den natürlichen Anwalt der Verletzten hinstelle, so trete der Widersinn dieser Be- hanptung darin klar zutage, daß auf dem Lande der Äersiche- rungsamtmann derLandrat sei. Es hals aber alles nichts! Alle Anträge wurden abgelehnt. Die Abstimmung für den ausgesehen§ 1341 wurde nachträglich nachgeholt. Auch da fiel der'sozialdemokratische Antrag gegen die Stimmem der Sozialdemokraten, Freisinnigen und Polen. Damit war die zweite Lesung der Reichsver- icher ungsordnung, auf deren Bedeutung wir noch in einer besonderen Besprechung zurückkommen werden, e r- l e d i g t. Das Haus trat dann in die e r st e Beratung des Handelsvertrags mit Schweden ein. Auch bei diesem Handelsvertrag zeigte es sich wieder, daß das deutsche Schutzzollsystem ein zweischneidiges Schwert ist, da es kaum noch günstige Handelsverträge mit anderen taaten ermöglicht. Je mehr die fremden Staaten Rohpro- dukte ausführen, auf deren Einfuhr Teutschland angewiesen ist, um so wehrloser ist ihnen gegenüber Deutschland, da es in wachsendem Maße suchen muß, seine Jndustrieprodukte unter günstigen Bedingungen auf den fremden Markt zu bringen. So hatte denn auch Schweden bei den VerHand- Zungen über einen Handelsvertrag Deutschland gegenüber die günstigere Position und hat diese Position auszunutzen der- landen. Der Staatssekretär Delbrück suchte natürlich das Re- gierungswerk nach Möglichkeit aufzuschminken; doch merkte man an seiner gequälten Rede, daß ihm nicht ganz behaglich oabei zumute war. Große Freude war bei keiner Partei im Hause vorhanden. Aber auch die Schutzzöllner vermochten ich nicht zu der Forderung der Ablehnung aufzuraffen; sie verlangten Kommissionsberatung, während Sozialdemo- traten, Freisinnige und Nationalliberale aussprachen, daß bei allen Mängeln des Vertrages seine Annahme noch immer besser sei, als das Risiko eines Zollkrieges mit Schweden. Der Abgeordnete Speck, der namens deS Zentrums seine übliche Schutzzollrede hielt, jammerte zum soundso dielten Male nach dem Pflastersteinzoll, wobei er sich fälsch- ich auch auf die Wünsche der Steinarbeiter berief. Genoffc v. V o l l m a r trat allen diesen schutzzöllneri- chen Unersättlichkeiten entgegen, übte aber an dem Re- gierungsinachwerk selbst scharfe Kritik, indem er an Tatsachen nachwies, daß unsere Diplomatie wieder einmal hinter ihrer Aufgabe zurückgeblieben sei. Sie hatte zwar Sachverständige zugezogen, da sie aber diese Sachverständigen ausschließlich aus Schutzzollkreisen gewählt habe, sei sie in ein falsches Fahrwasser gedrängt worden. Den entscheidenden Einfluß habe der Vertreter der Schwereisenindustrie ausgeübt, dem an dem Bezug der schwedischen Erze das meiste gelegen sei. Die Möglichkeit, die Herabsetzung der Einfuhrzölle in Schweden zu erreichen, sei darüber vernachlässigt worden. Vollmar erklärte, daß die geplante Kommissionssitzung eigentlich ganz zwecklos sei. da ja an dem Handelsvertrage selbst doch nichts geändert werden könne. In der weiteren Diskussion erregte noch der Freiherr G a m p großes Erstaunen, als er für die Aufrechterhaltung eines Preißelbeerenzolles in Teutschland im an- geblichen Interesse der armen Beerensucher sich ins Zeug legte. Mit Recht wurde ihm aus dem Hause sofort zugerufen, daß er selbst und seine Freunde mit dazu beigetragen haben, die armen Beerensucher durch die Auferlegung kostspieliger Beerenscheine zu drangsalieren. Der freisinnige Ab- geordnete O e s e r verbreitete sich noch über den Widersinn des Pslastersteinzolles, durch den der Straßenbau in den Städten schwer gefährdet werde. Nachdem noch der antl- semitische Abgeordnete Werner- Gießen bei dem Versuch, an dieser Stelle eine ReichsverbandSrede gegen die Sozial- demokratie zu verlesen, schwer verunglückt war, wurde die Debatte geschlossen und der Vertrag einer Kommission über- wiesen. Morgen steht die zweite Lesung des Gesetzentwurfs über Verfassung und Wahlrecht von Elsaß- Lothringen auf der Tagesordnung. Verhandlungen hervorgegangen, nur ein Abschnitt über die Befugnisse der privaten VerstcherungSkassen als der Reichsversicherung gleich- wertige Einrichtungen ist neu aufgenommen worden. Die Geschäftsordnung des preußischen Treiklassenhauses soll derart zurechtgedrecbselt werden, daß die Sozialdemokraten möglichst ausgeschaltet werden können. Nach dem Bericht der GoschäftSordnungskommission soll daS folgendermaßen gemacht werden: Fraktionen müssen mindestens 15 Mitglieder stark sein. Der Seniorenkonvent wird obligatorisch, er bestimmt die Stärke der Kommissionen und die Anteile der Fraktionen bei der Kommüsions- besetzung und regelt die Geschäfte des Hauses. Jede Fraklion ist mindestens mit einem Vertreter vertreten. auf je weitere 23 Fraktionsmitglieder entfällt ein neuer Vertreter im Senioren- korivcnt. Die Mitglieder der Kommissionen werden von den Fraktionen nach einem vom Seniorenkonvent bestimmten Anteil- plane gewählt. Eine Aenderung der Reihenfolge der Gegenstände der Tagesordnung ist während der Sitzung unzulässig, wenn 50 Mitglieder widersprechen. Die Reihenfolge der Redner im Plenum bestimmt der Präsident, wenn eine anderweitige Regelung nicht erzielt werden kann. Ncnürlich werden sich unsere Genossen im Dreiklassenhause durch solche Geschäftsordnungskniffe nicht mundtot machen lassen. Die Mitschuldigen. In ihrer Wochenrundschau spricht die„Kreuz- Ztg.� u. a. auch von der Haltung der Freisinnigen bei der Beratung der Reichsversicherungsordnung. Sie schreibt: .... Aber dieser Umschwung(in der Erbschaftssteuerstage. D. Ret», d.„V.") reicht kaum an den Wandel heran, den die Fortschrittliche Volkspartei in ihrer Stellung zur Krankenkassen- frage vorgenommen hat. Kein bürgerliches Blatt hat lauter und entschiedener auf Maßnahmen gedrängt, um dem Mißbrauch der Krankenkassen zu sozialdemokratischen Parteizwecken ein Ende zu machen, als die.Freisinnige Zeitung". Und kaum ein anderer Parlamentarier hat soviel vortreffliches Material zusammengebracht, um daraus die Notwendigkeit für solche Maßnahmen zu begründen, wie der fortschrittliche Abg. Dr. Miigdan. Nicht die„Kreuz-Ztg." ist es gewesen, wie der„Vorwärts" fälschlich behauptet, die auf seinen Wtllkommensgrutz an den Krankenkassenkongreß vor zwölf Jahren als einer neuen Waffe im proletarischen Befreiungskampfe zuerst aufmerksam gemacht hat, sondern das war die„Freisinnige Zeitung", die jenes Zitat warnend sofort abdruckte und auf die Gefahr der sozialdemokratischen Herrschast über die Krankenkassen sorgenvoll hinwies. Heute liest man es anders." Diese Feststellung des Junkerblattes ist nur zu berechtigt. Die Hetze gegen die„sozialdemokratischen" Krankenkassen, die wir in der letzten Zeit erlebt haben, hat eine ihrer Haupt- quellen in den gehässigen Angriffen, die besonders zur Zeit der Bülowblockherrlichkeit von Dr. Mugdan und der„Frei- sinnigen Zeitung" gegen die Krankenkassen gerichtet wurden. Wer dieses Organ der Epigonen Eugen Richters in jener Zeit verfolgt hat, der wird wissen, daß ihm kein Reichs- Verbandsschwindel zu schäbig war, um ihn nicht gegen die Sozialdemokratie zu verwenden. Der Freisinn hat also kein Recht, über die Entrechtung der Kassen zu klagen, hat er doch das Feld mit vorbereiten helfen, auf dem sie in die Halme geschossen ist. Die Arbeiterfeinde können sich mit vollem Recht auf das vom Freisinn gelieferte Material berufen. Neichötagsarbeit. DaS Privatbeamten- Per sicherungsge setz geht dem Reichstage voraussichtlich am Dienstag zu. Der stüher ver- öffevUichte Entwurf ist fast unverändert aus des BuudeSratS» IKeligion und Geschäft. Mit Lötvenmut kämpften die Klerikalen gegen daS Feuer- bestattungSgesetz. Jacht, da sie die Schlacht verloren haben, machen sie ihrem gepreßten Herzen in allerhand Kapriolen Luft. Die „Germania" hebt de» Finger auf und warnt wie ein pfäffisches Schulmeisterlein bor der Sünde des Verbrennens. Ein Papst mar- schiert auf, um die Gläubigen zu schrecken. Die„Kölnische Volks- zeitung" kokettiert wieder mal mit dem Toleranzprinzip, das sie immer hervorhebt, wenn sie für eine ultramontane Intoleranz sich ins Zeug wirft. Daß man Gegner der Verbrennung zwingen wolle, für die Errichtung von Verbrennungsöfen zu steuern, das sei ein Unrecht. Umgekehrt natürlich nicht. DaS ist schwarze Logik.' Doch lassen wir die Herrschaften toben und salbadern: wir verstehen ihren Schmerz. Er hat einen sehr materiellen Hintergrund. Die Friedhöfe befinden sich in noch großer Zahl im Besitz der ReligionS- gemeinschasien. Die machen mit dem Begraben ein feines Geschäft. Noch schwerwiegender ist die Sache für die Herren Geistlichen. Ihre offene Hand bei den Beerdigungen macht das Sterben zu einem recht teueren Vergnügen. Und diese lukrative Quelle droht das Leichenverbrennungsgesetz z« verstopfen. Schrecklich, wenn nun die Menschen auf die teueren Friedhöfe der Kirche verzichten und die Staffeltarife für Predigten und sonstiges Beiwerk außer Kurs kommen. Das ist eine Gefahr, der man im Namen Gottes und der Kirche nach Möglichkeit begegnen muß. Wir verstehen den Schmerz der Schwarzen, darum unsere verzeihende Milde. Ein Krankenkassenverleumder am Pranger. Die der OrtSkrankcnkasse in R e m s ch e i d angeschlossenen Arbeit- geber besprachen im Juni vorigen Jahres den Teil der Reichs- versicherungöordnung, der sich auf die Krankenkassen bezieht. Bei dieser Gelegenbeit auperte der bürgerliche Stadtverordnete Krumm: Ich wohne gegenüber unterer Ortskrankenkasse und habe be- obachtet. ww dieselbe d,e Zentrale der gaiizen Partei am Orte ist. H,er kommt alles zusammen, hier laufe» die Depesche» ein. von hier auS wird alles geleiiet. Wie oft habe ich beobachtet, daß vi« spat in die Nacht hinein Beamte die Parteiarbeiten erledigt haben. Die Beamten werden vor ihrer«iistellung auf ihre politiiche TaNgkeit hin geprüft, dann erst werden sie eingestellt." «uigefordcrt. diele Beschuldignngei, zu beweisen, erklärte der wackere Mann, daß er erst Material sammeln müsse. Schließlich wurde er vor Gericht zur Vcraniwociung gezogen, und hier fiel der angetretene Wahrheitsbeweis jämmerlich ins Wasser. Seine Be» schuldigungen muß dieser Kämpfer gegen die„sozialdemokratische Mißwirtschaft" nur mit 50 M. Geldh'rase büßen. Mandatsmüde Reichstagsabgeordnete. Recht viele Abgeordnete haben bisher schon den Wunsch ge- äußert, nicht wieder zu kandidieren, darunter auch solche, die schon aufgestellt sind. Von den Konservativen werden al» mandatS- müde bezeichnet die Lbgg. Eue». Dr. Dröscher. Feldmann. v. Elen,. v. Byern, Nchbel. Die Reichspartei stellt zu den Scheidenden die Abgg. Erbprinz Hohenlohe, v. Diclsen, Doerlsen. Dr. Kolbe, Schlüter. Pauli-Oberbarnim und wahrscheinlich den Herzog zu Trachcnberg. Von den Nati onakliberalen kommen in Betracht die Abgg. Trautmann, Dr. Weber, vuchsieb, Hagen, Dr. Goerke; vom Zentrum wollen nicht wieder kandidieren Fritzen(Rees), Schirmcr, Beck-Aichach. Dr. Martin Spahn. Freiherr v. Freyberg, Herzog v. Urenberg, Uebel, Dr. Pichler. Dr. Schädler. Dr. Bitter. Dr. Heim. v. Strom- beck. Vom Freisinn die Lbgg. Schröder. Stengel. Hoff- mann. Enders. Dr. Potthoff. Buddeberg. Gras v. Bothmer. Wieland, Starz, Mommien. Dr. Pfundmer. Dr. Dohrn. Von den Polen wollen nicht wiederkommen Fürst Radziwill, v. Grabski, Napieralski, Korfanth. Weiter kommen noch in Frage Götz v. Olenhusen (Welse), Haussen(Däne) und LeHinattn-Jena(parteilos). Mancher ist unter dihjen Abgeordneten, dessen Mandatsmüdigkeit nicht ganz freiwillig ist; und zu all den Genvnnten wird noch eine große Zahl kommen, die zwar wiederkommen möchten, denen aber die Wähl« einen Strich durch die Nechnung«gche«, Nur der Reaktion nicht wehe tun. Ein Parteitag der rheinischen Fortschrittler wurde am Sonntag in Solingen abgehalten. Der Bericht über den Stand der Parteibewegung behauptet, dak die Fortschrittler seit der Ver- schmelzung der linksliberalen Parteien im Rheinlande starke Fort- schritte gemacht hätten. Die Zunahme der Organisierten betrage seit vorigem Jahre 72 Proz. Nur im Wahlkreise Eickhoffs, Remscheid, ist ein Rückgang zu verzeichnen, was daraus zurück- zuführen ist, dast Eickhoff dem Parteisekretär verbot, in seinem Wahlkreise zu agitieren. Er rechtfertigte dies Ver- bot damit, daß wegen der rücksichtslos auftretenden Sozialdemokratie die Fortschrittler es in seinem Kreise nicht mit den rechtsstehenden Parteien ver- derben dürften. Die offiziellen Parteivertreter und der Abg. K o p s ch verteidigten die Haltung Eickhoffs, während ein anderer Teil ihn scharf angriff. Eigentlich ist es nicht recht zu verstehen, weshalb der Abg. Eick Holl nicht längst sich seine» Platz in den Reihen der Konservativen gesucht hat, mit denen er schon vielfach, im Gegensatz zu seinen Parteifreunden, gestimmt hat. Der Wahlkreis Remscheid war be reits im Besitz der Sozialdemokratie; Herr Eickhoff hat nur dann Aussicht, wiedergewählt zu werden, wenn die Christlichsozialen und da? Zentrum für ihn stimmen. Um den Preis des Mandats ist diese Zierde des Liberalismus schließlich auch bereit, einen Religions Wechsel zu vollziehen. Das ganze Vorgehen ist aber kennzeichnend für die Ueberzeugungstreue der Kopsch und Wiemsr, die diese Eickhoffsche Mandatspolitik ausdrücklich billigen. Wer begnadigt wird. Der Polizeiinspektor E n gler in LandShut(Schiesten) war wegen Vergehens im Amte, von der Strafkammer in Hirschberg zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden. Der Herr Gesetzeswächter hatte ein Mädchen auf der Polizeiwoche mißhandelt. um ein Geständnis zu erzwingen. Daß der Polizeiinspektor auch ein tapferer Kämpe gegen die Mächte des„Umsturzes" war, versteht sich von selbst. Jetzt wird nun bekannt, daß die vier Monate Ge fängniS im Gnadenwege in zweiMonate Festung um- gewandelt worden find.— Die zwei Monate.Ehrenhast" werden dem Herrn fichec nicht allzu beschwerlich werden. Militärisches Schreckensurteil. Wegen Fahnenflucht im Rückfalle wurden die Mlitär-Straf- gefangenen Tänzler und Grün vom jkricgSgericht zu Neiße zu schweren Strafen verurteilt. Tänzler erhielt 6 Jahre Zucht- haus, Grün 2 Jahre Gefängnis. Beide gaben als Motiv ihrer Flucht aus dem Militärgefängnis an, daß sie dort ungerecht behandelt worden seien._ Marohho. Bor Fes. Das für Sonntag oder Montag angekündigte Eintreffen der Kolonne Brulard in Fes scheint noch nicht erfolgt zu sein, wenigstens liegt heute keine Meldung darüber vor. Die einzige Nachricht über diese Ersatzkolonne besagt, daß sich Oberst Brulard mit dem Konsul Boisset vereinigt habe, der von El Ksar mit 50 Kamelreitern nach Fes marschiert war. Daß diese kleine Schar ohne Schwierigkeiten zu der fran- zöstschen Kolonne stoßen konnte, beweist, wie unwahr die Nachrichten waren, die über die bedrohliche Lage in und um Fes in die Welt gesandt wurden. Muß man doch schon zw geben, daß seit dem 11. Mai kein Angriff mehr auf Fes er folgt sei und daß ein großer Teil der belagernden Stämme in ihre Heimat abgerückt sei. Bei Taurirt wurde am Sonntag morgen ein französischer Posten angegriffen; die Marokkaner wurden zurückgeschlagen, sie verloren fünf Tote. Die spanischen Truppen bei Ceuta sollen ihre Stellung weiter vorgeschoben haben, obgleich der Generalgouverneur den Duars der Umgebung erklärt hatte, daß er nur soweit vorrücken werde, als es der Mit dem Machsen abgeschlossene Vertrag gestatte. Hmeriha. Tie Wahrheit über Miltvaukee. 5!ach bewährten Mustern hat sich in der Kapitalistenpreffe ein ganzes Lügenshstcm über die rote Stadtverwaltung eingenistet. Man beschuldigt sie der Vergeudung öffentlicher Gelder, der An- stellung unfähiger Beamter. Man hat ihr die Steuererhöhung, die doch noch von der früheren bürgerlichen Vertretung festgesetzt ivar, aufs Konto gesetzt, die Fabel von einer unerhörten Arbeits- losigkeit verbreitet usw. Unsere Genossen sind dabei, die nötixstn 100 OVO Dollar in Anteilen aufzubringen, die zur sofortigen und ständigen Widerlegung solcher Lügen durch ein Tageblatt er- forderlich sind. Erfreulicherweise aber gibt es auch jetzt schon bürgerliche Blätter, die sich die Mühe nehmen, die Wahr- heit zu ermitteln, und auch ehrlich genug sind, sie zu schreiben. So berichtete die Redaktion des republikanischen„Evening Wisconsin" auf Anfrage eines kalifornischen Blattes: Vor allem habe Mil- waukee jetzt eine ehrliche Verwaltung. Viele Mißstände feien beseitigt, unfähige Beamte entfernt, die Einnahmen durch Heranziehung der Steuerhinterzieher verbessert. Die Arbeitslosen seien eher weniger als anderswo. Und der„Star" in Indiana- polis, der jede Sympathie für den Sozialismus ablehnt, hat einen Fachmann eigens nach Miltvaukee gesandt. Sr ist auch Antisozialist, hat aber die Dinge unbefangen geprüft. Zuerst wandte er sich an die Ankläger, die bürgerlichen Redaktionen, erhielt aber dort nur allgemeine Redensarten al Auskunst. Ein Zeuge für die Mißwirtschaft, der ihm genannt wurde, war nicht aufzufinden. Dann ging er zu dem Stadtkontrolleur, einem Genoffen, der ihm die Bücher— die jedem offenstehen— zur Prüfung vorlegte und die Vorwürfe als Lügen nachwies. Von seinem Svstem der Rechnungsführung sagt ein anderer bürgerlicher Sachverständiger: danach fei jede Art„Graft" unmöglich. Milwaukee schulde dafür den Sozialisten ewige Dankbarkeit.„In diesem Stadthaus schaut euch jeder gerade in die Augen. Niemand scheint etwas verheimlichen zu wollen.... Man hat den Sozialisten nie die Praxis zugetraut, eine große Stadt zu verwalten. Aber diese scheinen es zu können. Sie haben eine vernünftige, befriedigende Antwort auf jede vernünftige Frage."— So bricht sich die Wahr- heit, allen Verleumdungen zum Trotz, doch Bahn. Und dutzende amerikanischer Gemeinden haben gezeigt, daß sie nach der jähr- hundertlangen Täuschung und Ausplünderung durch die alten Par- teien den Sozialisten die Ehrlichkeit und die Einsicht zutrauen, die zu gründlicher Befferung führen können. Bald werden es hunderte und bald werden es ganze Staaten der Union sein. Das Eis ist gebrochen 1 j�lexiko. Die Uuterzcichniing des Friedens. New Kork, 22. Mai. Nach einem Telegramm aus Zuarez ist das Friedensuberelnkommen gestern abend unterzeichnet worden. i Madero nahm auf dem Schlachtfelde von dem Heere Abschied und erklärte dabei, er gehe nach der Stadt Mexiko, um die Verwaltung zu modernisieren und ein neues Mexiko aufzubauen. Die aufrührerischen Mexikaner im Norden zerstreuen sich, in Juarez bleiben fünfhundert zurück. Wie aus Mexiko gemeldet wird, haben die Bundes- truppen Manzanillo ohne Kampf übergeben. Eben- so hat sich Colima-City beim Erscheinen der Rebellen ergeben. Klus der Partei. Zum Kampfe gegen die Reichsverstcherungsordnung gibt soeben der Verlag von Landgraf u. Co.(„Chemnitzer Volrsstimme") eine neue Broschüre aus der Feder des Genossen Hermann Molkenbuhr heraus. Molkenbuhr hat eine Fülle von schlag- kräftigem Material zusammengestellt, das im Interesse des Kampfes gegen die Verschlechterung der Arbeiterbersicherung sehr viel zur Aufklärung der Arbeiter beitragen kann. Die 40 Seiten starke, gut ausgestattete Broschüre kostet im Einzelderkauf 15 Pf. Sie eignet sich vorzüglich zur Massenverbreitung unter den Parteigenossen, Polizeiliches, Gerichtliches ufw» Zurückgewiesene Reichsverbandsklage. Vor dem Schöffengericht in Buttstädt war der Landtags- abgerordnete Genosse B a u d e r t- Weimar wegen Beleidigung des Gutsbesitzers Julius Hesse, der sich als„Vertrauens- mann des R ei ch s v e r h a n d e s zur Bekämpfung der Sozialdemokratie" präsentierte, angeklagt. Die Be- leidigung sollte in einem Artikel des Volkskalenders,„T h ü- ringerLandbotefür 1911", enthalten sein. In dem frag- lichen Artikel wird, ohne ten Ort und den Namen des Guts- besitzers anzuführen, geschildert, wie eine russisch-polnische Land- arbeiterin im Dienste deutscher Landwirtschaft einen Arm verliert. Sie erhält Rente, im Winterhalbjahr mutzte sie aber Deutschland verlassen, sie ging während dieser Zeit ihrer Rente verlustig. Als sie später nach Deutschland zurückkam, wurde sie von dem Guts- bcsitzer nicht wieder aufgenommen und schließlich als„lästige AuS- länderin" ausgewiesen. Ganz nebensächlich wird in dem Artikel angeführt, daß der Gutsbesitzer sich vordem recht zutraulich der schonen Polin genähert habe, aber das Mädchen sei den Lockungen nicht gefolgt. In dieser Darstellung erblickte der Gutsbesitzer einen Angriff auf seine Familienehre. Der Angeklagte habe als Sozial- demokrat die Tatsachen bewußt entstellt, um ihn als Vertrauens- mann des ReichsverbandcS herabzusetzen und die landwirtschaftlichen Arbeiter der Sozialdemokratie zuzuführen. Als es dem Anwalt des Klägers nicht gelungen war, die Glaubwürdigkeit der Zeugin und eines Zeugen, die nicht nur das vollauf bestätigten, was in dem Artikel nur lose angedeutet war, sondern den Guts- bcsitzer noch viel stärker belasteten, zu erschüttern, ver- suchte er, die„Vernichtung der Familie und des Staates durch die Sozialdemokratie" mit Reichsverbandsmaterial nachzuweisen. Nach mehr denn vierstündiger Verhandlung erfolgte Freisprechung; die Kosten hat der Privatkläger zu tragen. Das Gericht nahm die in dem Artikel angeführten Tatsachen als erwiesen an und er- kannte dem Angeklagten zu, daß er berechtigt gewesen sei, die Interessen der Arbeiter zu wahren. Wofür ein bayerischer Bürgermeister keine Zeit hat. In Schauerheim(Mittelfranken) wollten die Sozialdemo- kraten eine Versammlung abhalten. Der Vertrauensmann ging zum Bürgermeister, um die Versammlung anzumelden und auch gleich die VersammlungSplalate abstempeln zu lassen. Der Bürgermeister er- klärte, dazu habe er keine Zeit, und aui die Frage, wann er denn Zeit habe, erwiderte er, für Sozialdemokraten habe er überhaupt keine Zeit. Auf die Bemerkung, daß dann die Anmeldung schriftlich erfolgen werde, drohte er mit HinauSwurf. Die Genossen haben sich beschwerdeführend an das Bezirksamt ge wandt. Soziales. Prinzipielles von den StaatSbeitrstgcn zur Lehrerbesoldung. Das Lchrerbesoldungsgesetz vom 20. Mai 190S, das den Staat hinsichtlich leistungsfähiger Gemeinden von den Staatsbeiträgcn und AlterSkassenzuschüssen befreien will, bestimmt in der Be- Ziehung im§ 50: „Die StaatSbeiträge und Staatszuschüsse(Z 43— 46,49) fallen vom 1. April 1909 ab in Gemeinden endgültig weg, wo sie den Betrag von 2 vom 100 desjenigen Veranlagungssolls nicht über- steigen, das nach den Vorschriften des Kommunalabgabengesetzes der Gemeindebesteuerung der Einkommen von mehr als 900 M. für das Rechnungsjahr 1908 zugrunde zu legen war. Matzgebend ist einerseits das Veranlagungssoll nach dem Stande des 1. Ja- nuar 1901, andererseits der Betrag an StaatSbciträgen und Zu- schüffen, wie er am 1. Januar 1909 zuzüglich der nach§ 45 etwa gekürzten Summe zu zahlen war." Nun bestimmt aber§ 47 Absatz 1: „Wenn innerhalb mehrerer Gemeinden die Grenzen ge- ändert werden, so wird der Betrag, um den sich der für samt- liche beteiligte Gemeinden zu gewährende Staatsbeitrag ver- ringern� würde, auch fernerhin fortgezahlt." Die Stadt Düsseldorf, die unzweifelhaft zu den leistungsfähigen Gemeinden im Sinne des§ 50 gehörte, der an sich also nach dem Gesetz keine Beiträge mehr zustanden, der aber vom 1. April 1909 ab sieben leistungs u n f ä h i g e Gemeinden eingemeindet worden waren, verlangte die diesen Gemeinden zustehenden Beiträge und Zuschüsse nunmehr für sich, indem sie sich auf den zitierten 8 47 Absatz 1 berief. Die Regierung verhielt sich ablehnend. Der Bezirksausschuß beschloß jedoch im Sinne der Stadt und der Provinztalausschuß der Rheinprovinz bestätigte diesen Beschluß, wonach der Stadt Dussel- dorf als Beiträge und Zuschüsse zusammen 65 000 M. zukommen sollten, nämlich der Betrag, den die eingemeindeten nichtleistungs- fähigen Gemeinden sonst bekommen hätten. Der Oberpräsident beanstandete den Beschluß des Provinzial- rats als gesetzwidrig und nunmehr hatte das Oberverwaltung?- gericht auf Antrag des Provinzialrats darüber zu befinden. Der Kultusminister und der Finanzminister ließen sich durch je einen Staatskommissar verkreten. Diese suchten aus der Eni- stehungsgeschichte deS Gesetzes herzuleiten, daß solche Gemeinden, die, wie Düsseldorf, vom 1. April 1909 an überhaupt keine Staats- beitrage und Zuschüsse erhalten, auch dann solche nicht erhalte» dürfen, wenn ihnen Gemeinden einverleibt werden, die an sich Ansprüche hätten. Das Obervcrwaltungsgericht entschied zu U n g u n st e n deS Oberpräsidenten und der Minister. Es sprach aus: Der 1. Januar 1909(siehe§ 50) sei insofern ein Stichtag, als diejenigen Zuschüsse, die nach der an diesem Tage festgestellten Relation einer Gemeinde zukommen, ihr auf alle Fälle verbleiben, ganz gleichgültig, ob sie d e m n ä ch st eingemeindet wird oder nicht, also auch dann, wenn sie in eine leistungsfähige Gemeinde ein- gemeindet wird. Ihre Ansprüche gingen dann auf die leistungsfähige Gemeinde über, in die sie eingemeindet worden seien. So sei es auch hier mit Düsseldorf. Düsseldorf habe auf die jraslicheg Zlsstsbeiträge Anspruch.§smi es M W die staatlichen Zuschüsse ißt MerS-ZuIckMtckasse hättbele(33000 M.)', fei Eüf Beschlutz des Provinzialrats insofern nicht richtig, als diese Zu- schüsse der Alters-Zulagenkasse selber und nicht der Stadt als solcher hätten zugesprochen werden müssen. Insoweit könne deshalb die Beanstandung des Beschlusses des Provinzialrats nicht aufgehoben werden. Im übrigen(betreffend die Staatsbeiträge zur direkten Lehrerbesoldung) sei aber die Beanstandung des Oberpräsidenten aufzuheben und der Beschluß des Provinzialrats zu bestätigen. Im Prinzip ist also die Stadt Düsseldorf Mit ihrem An- spruche völlig durchgedrungen. Die Arbeitsordnung ans den stäbtischen Gaswerken spielte eine Rolle gelegentlich eines am Sonnabend vor dem Ge- werbegcricht verhandelten Rechtsstreits. Der Retortenarbeiter B. klagte gegen die Verwaltung auf Zahlung einer Entschädigung in Höhe von 10,35 M., weil er für beide Osterfeiertage zur Arbeit be- stellt und an beiden Tagen, ohne beschäftigt zu werden, wieder nach Hause geschickt worden war. Der Vertreter der Beklagten wendete unter Berufung auf die Arbeitsordnung ein, daß es der Verwaltung freistehe, jederzeit Aenderungen an der Arbeitszeit vorzunehmen. Der Vertreter des Klägers hielt dem entgegen, die Arbeitsordnung sei erst kürzlich von der Verwaltung erlassen worden, ohne daß der Vorschrift des§ 1346 der Gewerbeordnung, den Arbeiterausschuß darüber zu hören, genügt worden sei; darum sei sie ungesetzlich. Zwar sei dem ArbeiterauSschuß eine neue Arbeitsordnung vorgelegt worden, die aber nicht die Fassung hatte, wie die jetzt erlassene. Es sind einige den Arbeitern ungünstige Bestimmungen darin aufge- nommen worden, nachdem der ursprüngliche Entwurf bereits den Arbeiterausschuß passiert hatte. UeberdieS könne auch die ange- zogene Bestimmung der Arbeitsordnung auf den vorliegenden Fall nicht angewandt werden. Der Vertreter der Beklagten meinte, es müßte erst die untere Verwaltungsbehörde eingreifen, solange das nicht geschehe, bestehe die Arbeitsordnung zu Recht. Das Gericht erklärte, die Arbeitsordnung sei rechtswirksam, aber auf den vorliegenden Fall nicht anwendbar, weil eS sich nicht um eine Aenderung der Arbeitszeit, sondern um den Ausfall zweier angesagter Arbeitstage handele. Die beklagte Verwaltung wurde verurteilt, an den Kläger 8,28 M. zü zahlen. Die Mehr- forderung für die Extraentschädigung für Sonntagsarbeit erkannte das Gericht nicht an._ Hus Induftrie und Kandel. Victoria. Die Versicherungsgesellschaft Victoria zeichnet sich auS durch die Zahlung hoher Dividenden— im letzten Jahre 60 Prozent— und niedriger Löhne. Kürzlich brachte es die Verwaltung sogar fertig, ihren Angestellten die Beantwortung von gewerkschaftlichen Frage- bogen, die dem Zwecke der Ermittelung der Arbeitsverhältnisse dienen sollten, zu verbieten. Bei Gefahr des Hinauswurfes l So greift man in die privaten Angelegenheiten der Angestellten ein. Die Verwaltung mutz ja wissen, ob sie das Licht der Oeffentlichkeit zu scheuen hat. Nun sind aber aber auch die Aktionäre unzufrieden. Sie bekommen zwar nette Batzen, aber sie wollen mehr haben. So fordert jetzt ein Aktionär durch Inserat im„Börsen-Courier"(Nr. 226) seine Leidensgenossen von der Kuponschere auf, in der nächsten Generalversammlung gegen die Praxis der Verwaltung, die wieder mehr Tantieme als Dividende verteilen Ivolle, zu pro- testieren. Der Gramgebeugte schreibt: „Für die Generalversammlung am 27. Mai schlagen Vorstand und Aujsichtsrat wieder mehr Tantieme als Dividende zu verteilen vor. Die Abtragung auf Altionärweck>sel soll nur 500000 M. be- tragen gegen 800 000 im Borjahre, obschon man allgemein an- nahm, daß der ganze Rest von 900 000 M. abgetragen würde, wodurch die Aktien jetzt börsenfähig geworden wären. Ferner erklärte der Generaldirektor dem Unterzeichneten jüngst, daß er auch nach Tilgung der Wechsel die Dividende nur um 25 M. pro Jahr und Akne steigen lassen wolle, obschon man glaubte, wie die Statuten annehmen lassen, daß dann die bisher für Abtragung der Wechsel benutzten Summen zur Dividende geschlagen werden sollten. Diese und andere Benachteiligungen der Aktionäre müssen ein Ende haben. Sie waren nur dadurch möglich, daß z. B. in der letzten Generalversammlung außer Vorstand und AufsichtSrat nur der Unterzeichnete erschien. Nach dem Verteilungsmodus anderer, solider Konkurrenzgesellschaften könnte die Victoria die 10— lafache Dividende verteilen, wenn man auch nicht so weit zu gehen braucht. Mögen Borstand und AufsichtSrat ihre hohen Dividenden ruhig weiter beziehen, aber auch den Aktionären endlich das zu- kommen lassen, was ihnen gebührt." Wer das Kreuz hat, segnet sich zuerst und oftmals: Die Haupt- macher heimsen an Tantiemen und sonstigen Tiinkgeldern Hundert- tausende ein. Daraus kann man ermessen, welche Riesensummen bei dem Versichcrungsgeschäft„verdient" werden. Aus dem letzten Geschäftsbericht macht das ,T. B." folgende Angaben: Der Gesamtüberschuß auS allen Abteilungen beziffert sich auf 34 286 636 M.(32 896 795). Hiervon eefordert die Auszahlung der von unS bereits bekanntgegebenen Dividende von 375 M.(360) 750 000 M.(720 000); 500 000 M.(800 000) werden zur Tilgung der Wechsel der Aktionäre verwendet. Die Tantieme deS Vorstandes hat sich von 580 579 M. auf 634 244 M., also um nahezu 10 Proz. erhöht. Da sich der Vorstand der Victoria aus vier Personen zu- sammensetzt, entfallen auf jedes Mitglied durchschnittlich 158 560 M. Der AufsichtSrat erhält wie im Vorjahre 150 000 M. Tantieme. Insgesamt empfängt demnach die Verwaltung aus dem Erträgnis 784 244 M. Sonach kommt auf jede Person im Durchschnitt an- nähernd 200 000 M. Und die Beamte» werden mit Gehältern bis zu 700 M. abwärts— entlohnt. Bvm Krach im Hefcsyndikat. Herr Sinner hat feinen Antrag auf Herabsetzung der Hefepretse vorläufig zurückgezogen. Er will sich in der bevorstehenden Generalversammlung die Vollmacht geben lassen, im Falle der Ablehnung seines Antrages von seinem Veto- rechte Gebrauch zu machen. Der Konflikt im Hefesyndikat ist also durch einen Waffenstillstand unterbrochen. Die Bcrwertnng der Gicht- und Hochofengase. In den letzten Jahren hat man im rheinisch-wesifälischen In- dustriegcbiet der Verwendung der Gicht- und Hochofengase größere Aufmerksamkeit geschenkt. Zum Teil werden die Abgase in elektrische Energie umgewandelt, zum Teil dienen sie der Beleuchtung mittels Fernleitung. In Amerika ist man uns in dieser Beziehung voraus. In welchem Umiange die Gicht- und Hochofengase in den einzelnen Ländern verwendet werden, zeigt folgende Tabelle, die die»Jron Coal Tr. Rev." vor kurzem veröffentlicht hat. Pferdekräfte Land ver- aus- sügbar genutzt Deutschland und Luxemburg 2 075 000 481428 Vereinigte Staaten.... 2 620 000 Ig? 4go Frankreich....... 448 000 66 050 Belgien........ 225 000 46 714 Oesterreich-Ungarn.... 260 000 25 500 Großbritannien..... 1720000 24 986 klebrige Länder..... 815 Ovo 64 541 AuS- Nutzung Proz. 23.2 12,9 12,3 20,8 9.8 1.5 7,9 Insgesamt 8 163 000 1 035 7ü9 12,6 Die Tabelle ist berechnet auf Grund der Ziffern für 1908. In Deutschland wird nnttlerweile eine nicht unbeträchtliche Steigerung der Verwendung eingetreten sein. GewerfefcbaftUcbcs. Ein Schlag für die ßlffd�-Dunckcrfche« Gcwcrlmmne. Der Verein deutscher Kaufleute beschloß auf seinem am Sonntag abgehaltenen Delegiertentag den Austritt des Ver- eins aus dem Verbände der Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine. Der von 30 Ortsvereinen gestellte Antrag wurde von dem Führer der Gewerkvereine G o l d s ch m i d t entschieden be- kämpft, doch er vermochte den Austrittsbeschluß nicht zu ver- hindern. Für das Ausscheiden aus dem Gewerkvereinsverband Wurde zwar geltend gemacht, daß Goldschmidt in der Arbeits- kammerfrage nicht den Standpunkt des Vereins deutscher Kaufleute, sondern den des antisemitischen deutsch-nationalen Handlungsgehilfenvcrbandcs vertreten habe; die eigentlichen Gründe sind wohl aber noch wo anders zu suchen. Im Verein deutscher Kaufleute ist die Meinung sehr stark vertreten, daß der Gewerkvereinsverband dem Verein der Kaufleute wenig nützen könne und die Mitgliedschaft des Vereins beim Ver- band nur den Verein unnötig belastet. Der Austritt des Vereins mit seinen 18 000 Mitgliedern aus dem angeblich rund 120 000 Mitglieder zählenden Verband der GeWerk- vereine bedeutet eine erhebliche Schwächung der Hirsch- Dunckerschen Gewerkvereine, die in dem letzten Jahre schon über zunehmende Bedeutung sich nicht freuen konnten. Berlin und Ctmgcgend. Die Eisenformer und Bcrufsgenossen haben im Monat April eine Statistik über die Zahl der beschäftigten und der organisierten Arbeiter in den Eisengießereien von Grotz-Berlin aufgenommen. Ueber das Resultat dieser Aufnahme berichtete Sellrich in einer Branchenversammluug, die am Donnerstag abend in den„Bo- russia"-Sälen, Ackerstraße, stattfand. Unter den Beschäftigten stehen die Former in der Zahl von 1170 an der Spitze, davon sind 1072 organisiert, fast sämtlich im Deutschen Metallarbeiterverband. Neben den Formern werden noch 80 Handformcr und 663 Maschinen- former angeführt. Ferner sind beschäftigt 007 Kernmacher, 03 Kernmacherinnen, 012 Schleifer und Putzer, 777 Schmelzer und Hilfsarbeiter, 177 Schmiede und Schlosser, 82 Tischler und Zimmer- lcute. In den 33 Betrieben in Groß-Berlin sind 4080 Personen be- schäftigt, dazu kommen noch 186 Lehrlinge. Das Organisations- Verhältnis hat sich stetig gebessert, die Zahl der Gelben ist stark zurückgegangen. Unter etwa 1000 Unorganisierten befinden sich noch nicht 200 Gelbe. Von den 4080 Beschäftigten sind 3042 orga- nisiert, davon die übergroße Mehrzahl im Deutschen Metallarbeiter- verband. Nur 92 waren Mitglieder im Hirsch-Dunckerschen Ge- tverkverein, und christlich organisiert waren gar nur 7. Den allgemeinen Geschäftsgang bezeichnete der Referent als glänzend. soweit gegenwärtig die Berliner Eisengießereien in Betracht kommen. An, letzten Sonnabend meldeten sich nur 21 arbeits- lose Berufsgenossen. Außerhalb Berlins ist es vielfach gelungen, die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in den Eisengießereien etwas zu verbessern und eine bestimmte Ordnung einzuführen. In 306 Betrieben sind feste Einstellungslöhne vereinbart worden; in 228 Betrieben wird der Stundenlohn bei Mordarbeiten garantiert. F e h l g u ß wird in 383 Betrieben ganz, in 300 Betrieben teilweise bezahlt; in 382 Betrieben wird für Fehlguß keine Bezahlung geleistet. In den Berliner Gießereien sind die Arbeiter, wie sich aus der Diskussion über Sellrichs Referat ergab, mit den bestehenden Verhältnissen durchaus nicht zufrieden. Sie verlangen eine be- stimmte Festsetzung der Stundenlöhne, eine Garantie des Stunden- lohnes bei den Akkordarbeiten und eine bessere Regelung der Fehl- gußfrage. Die jetzige Regelung dieser Frage ist unzulänglich und führt fortgesetzt zu Differenzen.— Auf einige Vorkommnisse in hiesigen Gießereien wurde die Aufmerksamkeit der Versammelten gelenkt. Unter anderem wurde dringend gewarnt vor dem Eintritt in gelbe Vereine. In einigen Fabriken, wie bei Locwe, sucht man die Arbeiter durch eine Unterschrift, die von ihuen verlangt wird, zur Mitgliedschaft zu pressen. Mancher Arbeiter glaubt, eine ..Fabrikordnung" zu unterschreiben oder in eine Unterstützungskasse einzutreten; es handelt sich aber gewöhnlich um den gelben Verein. Gegen ein Gerücht, daß streikende Former von Härtung in Moabit die Polizei zur Beilegung des Streiks angerufen hätten, wandte sich Sellrich, indem er erklärte, daß bei dem Streik, der Anfang April stattfand, Leutnant Folte(Moabiter Angedenkens) und ein anderer Leutnant ihre Vermittelung selbst angeboten hatten. Die Streikkommission hatte nichts dagegen einzuwenden und es kam bald darauf zu Verhandlungen mit der Firma, die einen befriedigenden Abschluß fanden. Die Verhandlungen wurden nicht in Gegenwart eines Polizeileutnants geführt. Um seine Beweggründe befragt, antwortete Leutnant Folte, daß es ihm darum zu tun war, einer Neuauflage von Moablter Krawallen vorzubeugen._ Die Lohnbewegung der Bäcker. Etwa 60— 70 Meister hatten bis gestern beim Bäckerverbande den Abschluß eines Vertrages nachgesucht. Diesen Meistern ist im Laufe des gestrigen TageS ein Vertragsformular zur Unterschrift vorgelegt worden. Der Vertrag deckt sich bezüglich der Arbeitszeit, der Löhne, der Abschaffung des Kost- und LogiSzwangeS sowie der sanitären Bestimmungen vollkommen mit dem vom EinigungSamt gefällten Schiedsspruch. Doch weicht er von diesem ab in der Festsetzung des Ruhetages, der Lehrlings ftala und der Arbeits- vermittelung. Der Schiedsspruch wollte eine 3Kstündige Ruhe- pause gewähren: Jede Woche in Betrieben mit 0 und mehr An- beitnehmern, alle zwei Wochen in Betrieben mit 3—4 Arbeitnehmern, all 4 Wochen(vom 1. April 1913 ab alle 3 Wochen) in Betrieben von 1—2 Arbeitnehmern. Diese Bestimmung des Schiedsspruchs hat bei den Mitgliedern des Bäckerverbandes besonders lebhafte Unzufriedenheit hervorge- rufen, weil sie keinen Fortschritt bedeutet, denn was der Schieds- spruch über den Ruhetag festsetzt, das besteht schon seit Jahren in allen Bäckereien, die mit dem Verbände im Vertragsverhältnis standen. Der jetzt zur Unterschrift vorgelegte Vertrag geht einen Schritt weiter zur schließlichen Verwirklichung des wöchentlichen Ruhetages. Der Vertrag bestimmt, daß der 36stündige Ruhetag gewährt werde jede Woche in Betrieben mit 3 und mehr Arbeitern, alle zwei Wochen in Betrieben mit 1—2 Arbeitern. Vom 1. April 1913 ab sollen auch diese Betriebe den Ruhetag jede Woche ge- währen. Die Lehrlingsskala des Vertrages bestimmt, daß in Betrieben ohne Gesellen nicht mehr als ein Lehrling, bei mindestens zwei Gesellen höchstens zwei Lehrlinge, mehr wie zwei Lehrlinge aber in keinem Betriebe beschäftigt werden dürftn.— Nach der Lehrlings- skala des Schiedsspruchs war die Höchstzahl der in einem Betriebe zugelassenen Lehrlinge drei und zwar bei zwei und mehr Gesellen. während schon in Betrieben mit einem Gesellen zwei Lehrlinge gestattet wurden. Die Bestimmung des Schiedsspruches, welche die Errichtung eines zentralen paritätischen Arbeitsnachweises vorsieht, ist ja durch die Ablehnung des Spruches seitens der Meister von selbst hinfällig geworden. Anstelle dieser Bestimmung ist im Vertrage die nachstehende getreten: „Die Einstellung von Arbeitskräften erfolgt, soweit nicht Sonderverträge mit dem Zentralvorbande der Bäcker und Kon- diwren dem entgegenstehen, durch den paritätischen Arbeits- Nachweis, Rückerstratze 9. Das Bureau des Bäcker- und Kon- diwrenverbandes nimmt Arbeitsbestellungen Tag und Nacht ent- gegen."__ SSerantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil vergntw.z Wie man sieht, halten sich die Forderungen, welche der Bäcker- verband den zum Vertragsabschluß geneigten Meistern borlegt, in bescheidenen Grenzen. Selbst in dieser Situation, wo die Innungen im Bunde mit den Gelben und unter dem Vorsitz des Herrn R a h a r d t den Schiedsspruch des Einigungsamts umge- stoßen haben, hält sich der Bäckerverband noch in allen wesentlichen Punkten— mit Ausnahme des Ruhetages— an den Schiedsspruch. Die Erweiterung der Ruhetagsforderung ist in der Tat die einzige wesentliche Abweichung. Daß der Verband in dieser Hinsicht seinem Ziele, den Bäckereiarbeitcrn jede Woche einen vollen Ruhetag zu verschaffen, bei dieser Gelegenheit näherzukommen sucht, kann ihm gewiß niemand.verdenken. Eisenplatzarbeiter und Kutscher! Durch den mit großer Einmütigkeit geführten Streik der Arboiler von den Konstruktionswerkstätten befinden sich die Herren Arbeit- geber sehr in der Klemme. Täglich kommen Eisenbahnwaggons und Kähne mit Eisen beladen an, die eine sofortige Entladung erfordern. Die notwendigen Arbeitskräfte, die diese Arbeiten verrichten können, fehlen. Es wird nun versucht, die Entladungen von den Arbeitern der- jenigen Firmen ausführen zu lassen, die am Streik nicht beteiligt sind. Die Firma D e l l s ch a u läßt ihre ankommenden Ladungen nach dem Eisenplatz von I. E. D e g n e r, Sickingenstraße, dirigieren. Wie gemeldet, sollen heute ebenfalls wieder einige Ladungen, der Firma D e l l f ch a u gehörig, bei I. E. D e g n e r ankommen. Es ist daher nicht ausgeschlossen, daß bei anderen Firmen derselbe Ver- such unternommen wird. Wir ersuchen unsere Kollegen Platzarbeiter und Kutscher, auf die ankommenden Ladungen genau zu achten und in Fällen, wo Ladungen von bestreikten Firmen eintreffen, dem Bureau des Verbandes sofort Mitteilung zu machen. Jede Art von Stceikarbeit ist streng zu vermeiden. Deutscher Transportarbeiterverband. Sektion 0. Industriearbeiter. Der Streik bei den Vereinigten Berliner Mörtelwerke» dauert fort. Die lieben Arbeitswilligen bereiten der Betriebsleitung recht unangenehme Stunden. Viel Geld, gut essen und wenig arbeiten ist bei ihnen die Losung. Die ganze Ueberredungskunst wird an- gewandt, um die Streikenden wankelmütig zu machen und sie zur Aufnahme der Arbeit zu bewegen, jedoch vergebens. Da auch die Werkleitung einsieht, daß mit den Hintzemännern nicht zu arbeiten ist, bemüht man sich, aus der Provinz Arbeiter heranzuziehen. Bis jetzt ohne Erfolg. Die bürgerlichen Zeitungen, besonders der „Lokal-Anzeiger", verbreiten Nachrichten über Streikunruhen und Exzesse, die von Anfang bis Ende erfunden sind. Die Arbeiter der Kalksandsteinfabrik von Guthmann haben sich dem Streik an- geschlossen, weil man ihnen zumutete. Streikarbeit zu verrichten und mit Arbeitswilligen zu arbeiten. Die Haltung der Streikenden ist mustergültig. Niemand wüßte, daß hier Streik ist, wenn nicht durch die Anwesenheit einer ganzen Anzahl berittener Gendarmen das Straßenbild verändert würde. Die in der Kolonie wohnenden Streikenden erhielten eine Zustellung vom Gericht, worin sie aufgefordert werden, die Woh- nungen zu räumen. Zuzug nach Niederlehme ist streng fernzuhalten. Alle arbeiter- freundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. OeuvkcKes Reich. Ein Ausstand der Porzcllanarbeiter ist wegen einer Lohn- reduzierung von 4 bis 00 Proz. in Vordamm ausgebroiben. Die Firma Steingutfabrik Bordamm sucht in bürgerlichen Blättern bei hohem Lohn Streikbrecher. Als Anfangslohn für dieselben zahlt sie 3 bis 3,00 M., später, wenn sie eingearbeitet wären, würden sie im Akkord bis 45 M. verdienen. Der höchste Lohn bei den nicht reduzierten Akkordsätzen betrug wöchentlich 30 M., bei täglich zehnstündiger Arbeitszeit durchschnittlich 32 M. Zuzug ist fernzuhalte». Besondere Anstrengungen sind an- scheinend gemacht worden, die bei dem Bau der Berliner Unter- grundbahn Beschäftigten als Arbeitswillige zu gewinnen, von denen bereits einige nach Vordamm kamen, welche die Streikenden aber abschieben konnten._ Eine neue Heldentat der Gelben, In Melsungen bei Kassel hat kürzlich ein Bezirkstag der Bäckerinnungen von Kurhesien stattgefunden, an dem auch die Leiter der gelben Bäckergesellcnorganisation. Wisch newski- Berlin und Drewitz- Frankfurt a. M., teilnahmen. Diese unternehmerfrommen Leutchen haben einem Bericht der.Marburger Landeszeitung" zu- folge dort alle bisherigen gelben Heldentaten übertrumpft. Als nämlich ein Antrag der Bäckerinnung von Marburg zur Beratung stand, der die Herbeiführung eine« ReichsbackverboteS von Sonn- abendabend bis Sonntagabend für das gesamte Bäckergewerbe forderte, nahmen auch die beiden Gelben da« Wort, um sich ent» schieden gegen den Antrag zu erklären. Diese sonder» baren Arbeitervertreter haben durch ihre den Arbeiterforderungen und dem sozialen Fortschritt inS Geficht schlagenden Auslassungen denn auch erwirkt, daß der Antrag Marburg mit 60 gegen 02 Stimmen abgelehnt worden ist, Höher geht'S selbst bei den Gelben wohl nimmer l Zeigen die Unternehmer wirklich einmal einiges soziale Verständnis für die Verbesserung im Gewerbe und etwas Entgegenkommen den Arbeiter- forderungen gegenüber, dann kommen diese gelben Biedermänner daher und schlagen diese loyale Gesinnung zu Boden. Zu der Lohnbewegung auf den Rheindampfern. Die Lohnbewegung der Maschinisten und Heizer bei der Preußisch-Rheiniscken DampfschiffahrtSgesellschast in Köln ist mit Erfolg beendet. Bei der Verhandlung am Sonnabend, den 20. Mai, kam ein dreijähriger Tarif zustande, der den Maschinisten und Heizern eine Lohnerhöhung von 3—5 M. pro Woche bringt. Die bisher ge- zahlte wöchentliche Sommerzulage von 2 M. für die Monate Mai, Juni, Juli, August und September bleibt bestehen. Die Arbeitszeit im Hafen ist aus b'/z Stunden festgelegt. Der Arbeitsnachweis des Zentralverbandes der Maschinisten und Heizer ist anerkannt.— Mit diesem Vertragsabschluß sind die Lohnbewegungen auf den Personen- dampfen, beendet. Die Erfolge für die Arbeiter sind in jeder Be- ziehung ganz beachtenswert._ Die Differenzen auf der Sceschiffswerft Blohm u. Boß in Hamburg sind erledigt. Die Arbeiter nehmen am Mittwoch, den 20. MKi, die Arbeit wieder auf. Der Kampf wird abgebrochen, um die schwebenden Verhandlungen über die Einstellungslöhne zwischen dem Vorstande des Deutschen Metallarbeiterverbandes und dem Vorstande des Mctallindustriellenverbandes Hamburg nicht zu unterbinden. Achtung, Optiker und Mechaniker! Bei der Aktiengesellschaft .ahn für Optik und Mechanik in Jhringshansen bestehen unhaltbare Arbeitsverhältnisse. Die Firma, die früher selbständig war, aber seil dem 1. Januar d. I. der Berliner Aktiengesellschaft Goertz angegliedert ist, hat früher ein einigermaßen erträg- liches Verhältnis mit den Arbeitern gepflegt. In allen die Arbeitcrangelegenheiten betreffenden Fragen wurde der Arbeiter- ausschuß gehört. Seitdem Herr Wagner, früher bei Goertz, Obermeister ist und der Betrieb nach seinen Maximen geleitet wird. ist das anders geworden. Statt den Wünschen der Arbeiter ent- gegen zu kommen, brüskiert Herr Wagner diese in unerhörter Weise. Bei Einführung der Akkordarbeit wurden die Akkordpreise so niedrig angesetzt, daß ein Verdienen über den Stundenlohn ausgeschlossen ist. Arbeiter, die auf die marktschreierischen Inserate der Firma von weit hergekommen sind, erhallen nach kurzer Zeit, wenn sie Herrn Wagner nicht passen, den Stuhl vor die Tür gesetzt. In einer Versammlung haben die beschäftigten Arbeiter zu diesen Zuständen Stellung genommen und, um besonders die von aus- wärts zureisenden Kollegen vor Schädigungen zu schützen, beschlossen, Zh.Glocke. Berlin. Druck y. Verlag: BorwärtsBuchdr. u Verlagsanstalt' über den Betrieb die Sperre zu verhängen. Kein Metallarbeiter irgend einer Branche darf bis auf weiteres bei der Firma Aktien- gesellschaft Hahn für Optik und Mechanik wegen Arbeit anfragen ndch welche annehmen. Der Betrieb ist unter allen Umständen streng zu meiden. Metallarbeiter aller Branchen? Im Osnabrücker Stahlwerk sind wegen schlechter Entlohnung Differenzen ausgebrochen. Der Betrieb ist bis auf weiteres gesperrt. Die Ortsverwaltung Osnabrück des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Einigungsversuche im Hamburger Holzgewerbe. Am 20. d. Mts. trat das Einigungsamt des Hamburger Ge« Werbegerichts zusammen, um den Versuch einer Einigung zu unter- nehme». Es wurde zunächst nur die Frage des paritätischen Ar- beitsnachweiseS verbandelt. Der Arbeitgeberschutzverband ließ er- klären, daß er den paritätischen Arbeitsnachweis anerkennen würde, wenn die Unternehmer berechtigt seien, sich auch anderweitig Arbeitskräfte zu beschaffen, während die Arbeitervertreter betonten, daß der Nachweis ohne Obligatorium wertlos sei. Der Vorsitzende Dr. B o y s e n machte den Parteien den Vorschlag, einen pari- täuschen Arbeitsnachweis einzurichten, doch sollten die Unter- nehmer die Berechtigung haben. auch außer dem Nach- weis Arbeitskräfte einzustellen. Die Arbeitervertreter erklärten, den Vorschlag in dieser Form nicht akzeptieren zu können, weil in der Praxis nach dem Wortlaut des Vorschlages das Obligatorium des Nachweises vollständig beseitigt sei. Im weiteren Verlaufe der Verhandlungen stellte sich heraus, daß sowohl die Arbeitgeber- wie Arbeiterbeisitzer nur in wenigen bestimmten Fällen Einstellungen außer durch den Arbeitsnachweis zulassen wollten; die Arbeiter- Vertreter verlangten, daß diese Fälle genau umschrieben werden sollten. Der Vorsitzende des Einigungsamtes verkündete darauf, daß das Einigungsamt beschlossen habe, am Dienstag, den 23. Mai, in dieser Frage einen Schiedsspruch zu fällen, der den Parteien dann schriftlich zugestellt werden sollte. Zum Streik bei den Hafenbauten in Wilhelmshaven. Etwa 400 Arbeiter der Firma P. Holzmann u. Co. haben die Arbeit eingestellt, weil die Firma nur 39— 42 Pf. Stundenlohn zahlt. Der Tariflohn für das Tiefbougewerbe am Ort beträgt 02 Pf. für für Arbeiter und 08 Pf. für Rammer und Einbauer die Stunde. Die Arbeiter sind zur Hälfte Deutsche, die übrigen sind Polen und Ruthencn. Am 18. d. Mts. fanden Verhandlungen statt. Die Forderung der Streikenden lautete auf Anerkennung des Vertrages. Das An- gebot der Firma war: den Stundenlohn für die Nachtschicht von 42 Pf. auf 40 Pf. zu erhöhen. Die Arbeiter der Tagschicht sollen nach Schichtwechsel abends noch 2 bis 3 Stunden mit anderer Arbeit beschäftigt werden, damit auch für diese der Schichtlohn steigt. Die übrigen Arbeiter, die beim Schichtwechsel nicht in Frage kommen. sollen täglich 13 Stunden arbeiten, damit auch für diese der TageS- verdienst steigt. Dieses Angebot war eine Verhöhnung der Arbeiter, es wurde in der Versammlung denn auch einstimmig abgelehnt. Hierauf stellte die Firma den Arbeitern eine Bedenkzeit bis zum 19. d. Mts., wer bis dahin nicht die Arbeit wieder aufgenommen hätte, sei als entlassen zu betrachten. Dieser Schreckschuß ließ jedoch die Streikenden kalt. Die Firma Holzmann u. Co. führt fast in allen größeren Städten Deutschlands sowie des Auslandes Arbeit aus. Ihre Aus- beutnngspraxis geht dahin, daß sie 10 Pf. pro Stunde und darüber weniger zahlt wie die übrigen Firmen in den betreffenden Orten. Um aber einen Lohnausgleich zu schaffen, läßt die Firma Pf. Holz- mann u. Co. täglich 12. 13 und 14 Stunden arbeiten, auch an Sonntagen läßt sie arbeiten. Einen lOstündigen Arbeitstag erkennt die Firma grundsätzlich nicht an, auch dann nicht, wenn am Orte mit der Organisation der Unternehmer für den Tiefbau ein Tarifvertrag abgeschloffen ist. Zuzug ist streng fernzuhalten l Die Lohnbewegung der Bäcker in Südwestdeutschland. Mit der Bäcker-Zwangsinnung in F e u e r b a ch bei Stuttgart und dem Zentralverband der Bäcker wurde ein Tarifvertrag ab- geschlossen, der die Kost im Hauke des Meisters beseitigt und einen Mindestlohn von 20 M. pro Woche festsetzt. Außerdem find die Ferien tariflich geregelt. Während vor den Toren Stuttgarts das Unternehmertum im Bäckergewerbe eine Refomiierung der veralteten Lohn- und Arbeitsbedingungen mit der Gesellenorganisation durchführte, sträuben sich die Bäckermeister in Stuttgart mit Händen und Füßen, von den bestehenden Zuständen abzulassen. Hier hat die Innung jede Unterhandlung abgelehnt und mit dem gelben Gesellenausschusie einen Tarifvertrag vereinbart, in dem das Bestehende sankioniert wurde. Von einer Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen ist überhaupt keine Rede. Mit diesem Schachzug wird aber die Innung nicht auf ihre Rechnung kommen; jetzt hat sich das Gewerkschaftskartell der Lache angenommen. In K a r l« r u h e hat die Innung jede Unterhandlung mit der Lohnkommission abgelehnt, auch die Vennittelungsversuche des Ge- werbegenchtSvorsitzenden sind an dem ablehnenden Verhalten der Unternehmervertreter gescheitert. In Mannheim finden zurzeit Unterhandlungen mit den Unternehmer und Arbeitervertretern vor dem Gewerbegericht statt. Zu einer Einigung ist eS dort noch nicht gekommen. letzte Nachrichten. Der französische Ministerpräsident außer Gefahr. Paris, 22. Mai.(W. T. B.) Dr. Lannelongue erklärte über den Zustand des Ministerpräsidenten Monis, daß jede Furcht vor einer Komplikation infolge innerer Verletzungen zerstreut sei. Die Reform des englischen Oberhauses. London, 22. Mai.(W. T. B.) Die zweite Lesung deS Gesetz» entwurfs des Lord Lansdowne für die Reform des Oberhauses ist heute nach dreitägiger Debatte im Oberhause einstimmig ange- nommen worden. Mehrere unionistische Peers sprachen sich gegen einzelne Punkte der Vorlage aus, aber die Mehrheit bracht« ihre Billigung der Vorlage zum Ausdruck. Der Kriegsminister Lord Haldane erklärte, die Regierung erkenne an, daß die Vorlage einen Fortschritt bedeute. Die allgemeine Debatte über die Veto-Bill wird im Oberhause morgen beginnen. Aus der österreichischen Wahlagitation. Lemberg, 22. Mai.(W. T. B.) In einer Wählerversammlung des Paters Senyk, der wegen ruffophiler Agitation von seinem geistlichen Amte enthoben worden ist, kam es gestern in Lipica Dolna zu blutigen Ausschreitungen, bei denen ein Bauer getötet wurde._ Weitere Hiobsnachrichten aus dem Reiche der Aviatik. Dessau, 22. Mai 1911.(B. H.) Der Maler Theile aus Bern- bürg unternahm einen Aufstieg mit einem selbstkonstruierten Flugapparat. In einer Höhe von etwa 10 Metern überschlug sich der Apparat. Theile stürzte auf die Erde und wurde schwer ver- wundet. Reims, 22. Mai 1911.(Meldung der„P.-C.") Ein neuer Flugunfall hat sich schon wieder auf dem Flugplatz von Betheny ereignet. Der bekannte Flieger B a r d e a u stürzte heute aus beträchtlicher Höhe mit seinem Apparat herab. Sofort herbei- geeilte Hilfsmannschaften zogen den Verunglückten vorsichtig unter zen Trümmern seines Apparates hervor. Bardeau, der eine Schulter gebrochen hatte, war ohne Bewußtsein und mußte in die Klinik von Reims übergeführt werden. Etampes, 22. Mai.(W. T. B.) Der Flieger Frey ist heute auf dem Flug Paris— Madrid bei Lardh abgestürzt, sein Flugzeug wurde zertrümmert. Frey selbst blieb unverletzt._ BMlSingeraCo.,BerlinLW. Hierzu 3 Beilage««.Uaterhalwngsbl. 8t. 119. 28. t KtilM ilkü Jotniirts" Kerlim WlUIM. Dienslllg, 23. Mai 1911. Sie lüeichsveriichei'un gzorönung im Plenum des Reichstages. Zur Invaliden, und Hinterbliebenenversicherung haben die Aompromitzparteien ebenfalls eine lange Reihe sozialdemokratischer Verbesserungsanträge, in fast allen Fällen ohne Debatte, nieder- gestimmt. Versicherungspflichtig sind in der Invaliden- und Hinter- bliebenenversicherung die versicherungspflichtigen Personen erst vom vollendeten 16. Lebensjahre ab. Die So» zialdemokraten beantragten, daß die versicherungspflichtigen Personen von dem Zeitpunkt ab versicherungspflichtig werden, in dem sie in die versicherungspflichtige Beschäftigung eintreten. Abgelehnt von den Kompromiszparteien. Ferner ist die Versichernngspflicht der Handlungsgehilfen und sonstigen Angestellten auf die Personen beschränkt, deren Jahres arbeitsverdienst nicht mehr als 2 0 6 6 M. beträgt. Die Sozial demokraten beantragten, daß alle Angestellten mit einem Jahresarbeitsverdienst bis zu SOCK) M. versicherungspflichtig fein sollten. Abgelehnt von den Kompromißpartrie». Ganz von der Versicherungspflicht ausgeschlossen sind die Hausgewerbetreibenden. Die Sozialdemokraten beantragten, die Versicherungspflicht auch auf diese Personen aus zudehnen: Abgelehnt von den Kompromißparteien. Eine Beschäftigung, für die als Entgelt nur freier Unterhalt gewährt wird, ist versicherungsfrei. Die Soziale demokraten wollten diese Beschränkung der Versicherten ge strichen haben: Abgelehnt von allen bürgerlichen Parteien. Der Bundesrat bestimmt, wieweit vorübergehende Dienstleistungen versicherungspflichtig bleiben. Diese schwere Schädigung namentlich ausländischer Arbeiter sollte nach dem Antrage der Sozialdemokraten gestrichen werden: Abgelehnt von den Kompromißparteien. Nach der Höhe des Jahresarbeitsverdienstes werden für die Versicherten fünf Lohnklassen gebildet, von denen die höchste die Versicherten mit einem Lohne von mehr als 1156 M pro Jahr umfaßt. Die Sozialdemokraten beantragten. daß noch drei weitere Lohnklassen bis zu einem JahreSarbeitLver- dienst von 2550 M. und mehr gebildet werden, weil sich danach auch die Beiträge und Leistungen abstufen: Abgelehnt von den Kompromißparteien. Für die Zugehörigkeit zur Lohnklasse sollte bei einem Teil der Arbeiter der Ortslohn maßgebend sein. Die So zialdemokraten beantragten, daß in allen Fällen, in denen der tatsächliche Verdienst höher ist als der Ortslohn, auch der tat sächliche Verdienst maßgebend sein soll: Abgelehnt von den Kompromißparteien. Gegenstand der Versicherung sind Invaliden- oder Alters renten sowie Renten, Witwengeld und Waisenaussteuer für Hinter- bliebene. Die Sozialdemokraten beantragten, chaß den In- validenempfängern im Falle der Krankheit auch der A r z t g e stellt und die Arzneimittel geliefert werden: Abgelehnt von allen bürgerlichen Parteien. Invalidenrente erhält der invalide Versicherte. Al invalid gilt der. der nicht mehr ein Drittel des Verdienstes körper- lich und geistig gesunder Personen derselben Art, mit derselben Ausbildung in derselben Gegend verdienen kann. Die Sozial demokraten beantragten, daß bereits der als invalid gelten kleines femUeton. Die Zukunft des Dachgartens. Es wäre wirklich eine Tat aus gleichender Gerewtigleit, wenn die Gärten, die dem Großstädter zu ebener Erde immer rnebr beschnitten werden, sich wenigstens in luftiger Höhe, wo db Verhältnisse in klimatischer Hinsicht noch besser sind, eine Ergänzung fände». Eigentlich ist doch gar nicht einzusehen, warum sich nicht mit der Zeit über die Dächer der Großstädte hinweg ein einziger Garten verbreiten sollte. Diese Entwickelung hat endlich begonnen, aber sie ist noch weit von dem entfernt, was aus ihr werden könnte und sollte. So lange es noch viele Häuser gibt, die auf ihren Dächern gar keinen oder einen nur kleinen ebenen Raum besitzen, wird die Einrichtung von Dachgärten beschränkt bleiben. Aber zunächst sollten alle flachen Dächer dazu ausgenutzt werden, und dann würde Wohl das Beispiel dazu führen, daß' neue Häuser schon mit Rücksicht darauf gebaut werden. Mit einem Wort: die Dachgärten müssen Mode werden. Ganz besonders in den Hänsern, wo das Vor- handensein eine-5 Aufzugs auch die Mühe des Treppensteigens über» flüssig macht, muß ein Dachgarten jedem Hausbewohner hoch will- kommen sein. Die Proben, die in letzter Zeit gelegentlich in Wort und Bild von Berliner Dachgärte» gegeben ivorden sind, konnte» wohl zur Nachahmung anreizen. Mit gutem Willen und dem Aufwand von verhältnismäßig wenig Arbeit und Kosten läßt sich auf dem Dach eines Mietshauses ein Garten von gar nicht geringer Ausdehnung hervorzaubern. selbstverständlich wird sich eine solche An- läge nicht beliebig auf einem Hause gestalten lassen, bei dessen Bau von vornherein daraus nicht gerechnet ivorden ist. Abgesehen von dem vielleicht arg beschränkten ebenen Ramn, muß darauf Bedacht genommen werden, doß eine reichliche Be- Wässerung des Gartens zu keinen Unzuträglichkeiten führt und namentlich werden Sicherungen nötig lein, die der Gefahr eilies Absturzes auf alle Fälle vorbeuge». Die Frage ist freilich, wie weit man i» solchen Dachgärten auch Räume ziehen und damit für nalür- liche» Schallen sorgen kann. Einmal ist das jedoch nicht die Haichliache, und ferner lehrt die Beobochiung. daß sich sogar im Maueriverk Bäume und Sträucher aiisiedeln und zu stattlicher Größe aufwachsen können. Allerdings wird das mit Recht lein Hansbesitzer dulden wollen, aber es beweist die Möglichkeit, in verhältnismäßig wenig Erde in eiliem Dachgarten das gleiche zu erzielen. Das Wesentliche ist. daß ein Dachgarten die Gelegenheit zuni Aufenthalt in Licht und Luft bietet, die beide kräftiger wiike» als in der stauberfüllten Atmosphäre in unmittelbarer Nähe des Erdboden und des Straßen- Pflasters. Theater. Modernes Theater tVorstellung der Gesellschaft„Pan"): „Die Büchse der Pandora", Tragödie von Frank W e d e k i n d. Das Stück, das seinerzeit den, Verfasser eine Anklage eintrug und nirgends die Genehmigung der Zensur für öffentliche Aufführungen fand, ist mehr als anderthalb Jahrzehnte alt— eine Fortsetzung des.Erdgeistes", der in der glänzenden Darstellung des Kleinen Theaters später Wedekinds Theaterruhm begründet hat. Er kam in Mode, man hob ihn als Pfadfinder auf den Schild, die soll, welcher nicht mehr die Hälfte jenes Verdienstes verdienen kann: Abgelehnt von den Kompromißparteien. Altersrente erhält der Versicherte vom vollendeten 70. Lebensjahre an. Die Sozialdemokraten beantragten, daß die Altersrente vom vollendeten 65. Lebensjahre an gewährt werde: Abgelehnt von den Kompromißparteien, (mit Ausnahme einiger Zentrumsabgeordneter und mehrerer Nationalliberaler.) Witwenrente erhält die dauernd invalide Witwe des Versicherten. Die Sozialdemokraten beantragten, daß die Witwenrente allen Witwen der Versicherten, also auch den noch nicht invaliden Witwen gewährt werde: Abgelehnt von den Kompromißparteien. Ferner beantragten die Sozialdemokraten, daß die noch nicht dauernd invalide Witwe wenigstens nach zurückgelegtem 70. Lebensjahre die Witwenrente erhalte: Abgelehnt von den Kompromißparteien. Waisenrente erhalten nur eheliche Kinder. Die So- zialdemokraten wollten Waisenrente auch für die unehe- lichen Kinder bewilligt haben, denen der Verstorbene nach gesetz- licher Pflicht Unterhalt gewährt hat: Abgelehnt von den Kompromißpartcien. Der Anspruch der Hinterbliebenen eines Ausländers, die sich zur Zeit feines Todes gewöhnlich nicht im Jnlande aufhalten, bc- schränkt sich auf die Hälfte der Bezüge ohne Reichszuschuß. Die Sozialdemokraten beantragten, daß diesen Hinterbliebenen der ganze Betrag der Bezüge ohne Reichszuschutz gewährt werde: Abgelehnt von den Kompromißparteiev. Um die infolge einer Erkrankung drohende Invalidität eines Versicherten oder einer Witwe abzuwenden, kann die Versicherungs- anstalt ein Heilverfahren einleiten. Die Sozialdemo- k raten beantragten dazu den Zusatz, daß die Versicherungs- anstalt ein Heilverfahren einleiten mutz, wenn es zur Abwendung einer infolge einer Erkrankung drohenden Invalidität erforderlich erscheint und der Versicherte eS beantragt: Abgelehnt von allen bürgerlichen Parteien. Angehörige des Erkrankten, deren Unterhalt er ganz oder über wiegend aus seinem Arbeitsverdienst bestritten hat, erhalten während des Heilverfahrens ein Hausgeld; es beträgt, wenn ihm nach der Krankenversicherung nicht mehr zustand, ein Viertel des OrtskohneS für erwachsene Tagearbeiter.— Die Sozialdemo- kraten beantragten, daß das Hausgeld diesen Betrag mindestens erreichen muß. aber je nach den Verhältnissen auch erhöht werden kann: Abgelehnt von den Komvromißparteicn. Ferner beantragten die Sozialdemokraten, daß, wenn der Versicherte mehrere Kinder unter 15 Jahren hat, die Frau und jedes Kind unter 15 Jahren mindestens je 20 Proz. des Ortslohnes, höchstens aber zusammen den vollen Betrag des Ortslohnes er- halten sollen: Abgelehnt von den Kompromißparteien. Eine entsprechende Erhöhung des Hausgeldes beantragten die Sozialdemokraten auch für diejenigen Versicherten, die einer Krankenkasse angehören und in einer Heilanstalt unter- gebracht werden: Abgelehnt von den Kompromißparteien. Die Anwartschaft auf die Leistungen der Invaliden- und Hintorbliebenenversichcrung erlischt, wenn während zweier Jahre weniger als 20 Wochen Beiträge entrichtet worden sind. Jedoch lebt die Anwartschaft wieder auf, wenn der Versicherte in die Versiche- krausen, launischen Absonderlichkeiten wurden als Ausdruck einer in neuen Stilarten sich auslebenden originalen Künstler individualität gedeutet. Die Macht, die er symbolisch.Erd> geist" nennt, ist die Macht einer von jeder tieferen Seelen- rcgung losgelösten. rein animalischen Instinkten hingegebenen. ringsum Verderben stiftenden Weibnatur. Aeußerlich und unvermittelt, ohne Zusammenhang und Steigerung reihen sich die Begebenheiten wie ein buntes Puppenspiel aneinander. Das ganze Werk hindurch führt Lulu im Grunde immer dieselbe Bersührungsszene auf. Die Handlung arbeitet mit einem weitläufige» Apparate von gewalt- samkeiten, der hart an das Gebiet des Melodramatischen streift. Nur in den Streiflichtern burlesk und schmerzlich schillernder Ironie blitzt eS lebendig auf. In der.Büchse der Pandora' tritt dieser Spötterzng fast völlig zurück. Die Häufung des Häßlichen und Grausigen erstickt die Lust zu einem solchen Spiel der Phantasie. Da« Drum und Dran der Handlung aber ist noch um vieles umständlicher und komplizierter geworden. Lulus Befreiung— sie schoß am Schluß des ersten Stückes ihren Gatten nieder und ist von dem Gericht in der Zwischenzeit zu vieljährigem Gefängnis verurteilt worden, gemahnt an einen grellen, sensationell verstiegenen Kriminalroman. Die Gräfin Geichwitz ein bedauernswürdiges Zwittergeschöpf, das in wohnfinniger LiebeSleideuschafl an Lulu hängt, verhilft ihr zu einer kleinen Choleraerkranlung und dann, nachdem sie in daS Lazarett gesckiafft ist, im Bund mit einen, Artisten und dem jungen Doktor Schön, den, Sohne des Gemordeten, zur Flucht. Im zweiten Akt findet man die Gesellschaft in einem Pariser Demimonde-Salon unter aufgeputzten Glücksrittern, Gaunern und Dirnen. Luln hat ihren Doktor, der im ersten Akt noch Gewisiensskrupel äußerte, be- reit« vollkommen ausgeplündert und vergnügt sich damit, ihn. wie zuvor den Bater, mit aiideren Männer» zu betrügen. Der Haupt- liebhaber, Spitzel und Mädchenhändler im Nebenamt, will sie an ein ägyptisches Bordell verhandeln und droht ihr, wenn sie sich widersetze. mit der Anzeige bei der Polizei. Auch der Artist entpuppt sich als Erpresser. Sie schiebt ihn ab, indem sie ihre blind ergebene Sklavin, die Geschwitz, aus ihn hetzt und die beiden, die sich innerlich ver- abscheuen, iiiiler phantastischen Lügen aneinander kuppelt. Es sind das Szenen von krasser Unwahiheit, die ihren Zweck: Mitleid und Jnicreise für das arme, sich in perversem Sehnen hoffnungslos ver- zehrende, zu jedem Opfer bereite Wesen zu errege», gründlich verfehlen. Eine schneidend qualvolle Vision menschlichen Jammers ziehen die letzten Bilder, deren Wirkung durch straffere« Zusammenziehen noch sehr gesteigert werden könnte, vorüber. Lulu haust mit ihrem kranken, durch sie krank gewordenen Doktor und ihrem alten Ver- trauten, dem grauhaarigen Sünder Schigolch, in einem dunklen Londoner Bodenraum, und holt sich, ein paar Schillinge zu verdienen, Gäste von der Straße herauf. So findet die Geschwitz ihr be- wunderles Idol und legt sich mit schrillem Fluche auf das Leben, die Schlinge um den Hals. Lulu, die Verderberin, endet unter dem Messer eines vertierten Scheusals. Jack, der Aufschlitzer, hat sich zu ihr geschlichen. In der Aufführung wirkten zum Teil dieselben Künstler mit. die das Stück neulich in einer Münchener Vereinsvorstellung gespielt hatten. Albert Steinrück, der den Schigolch höchst prägnant charakterisierte, führte die Regie. Sehr gut war auch Maria Mayer in der schweren Rolle der Geschwitz und Johanna rung wieder eintritt und danach eine Wartezeit von 200 Beitrags- Wochen zurücklegt. Für diejenigen Personen aber, die bei dem Wiedereintritt in die Versicherung das 40. Lebensjahr bereits voll- endet hatten, ist das Wiederaufleben der Anwartschaft sehr er- schwert worden.— Die Sozialdemokraten wollten diese schwere Schädigung der Versicherten in den Fällen ausschließen, in denen der Versicherte wieder in eine versicherungspflichtige Be- schäftigung eingetreten und dadurch nach dem Gesetz gezwungen ist, die Versicherung wieder zu beginnen: Abgelehnt von den Kompromißparteiell. Die Sozialdemokraten wollten den ganz ungenügenden Betrag der Invaliden-, Alters-, Witwen- und Waisenrente ganz bedeutend erhöhen: Abgelehnt von den Kompromiszparteien. Fabrik-, Seemanns- und ähnliche Kassen können die Inda- liden-, Alters- oder Hinterbliebencnunterstützung, die sie ihren ver- sicherten Mitgliedern geben, um einen Teil der Bezüge nach der Reichsversicherungsordnung kürzen.— Die Sozialdemokraten beantragten, daß diese schwere Schädigung der Versicher- ten beseitigt werde: Abgelehnt von den Kompromißparteien. Ebenso ermäßigen sich die Unterstützungen, die Knapp- schaftsvereine oder K n a pp scha fts ka s se» den Hinterbliebenen ihrer rcichsgesetzlich versicherten Mitglieder geben, um den halben Wert der reichsgesetzlichen Bezüge der gleichen Art. Auch diese Schädigungen der Bergarbeiter wollten die Sozialdemo- kraten gestrichen haben: Abgelehnt von den Kompromißparteien. Der Voranschlag der JnvalidenversicherungSanstalten muß der Aufsichtsbehörde vorgelegt werden. Die Aufsichtsbehörde kann ihn beanstanden nicht nur. wenn er gegen Gesetz oder Satzung verstößt. sondern auch, wenn er nach der Meinung der Aufsichtsbehörde die Leistungsfähigkeit der Versicherungsanstalt gefährdet. Dies ist die Bestimmung, durch die das Heilverfahren der Versicherungs- anstalten eingeschränkt werden soll.— Die Sozialdemokraten beantragten, daß die Beanstandung nur dann zulässig sein soll, wenn der Voranschlag gegen Gesetz oder Satzung ver- stößt: � i Abgelehnt von allen bürgerlichen Parteien. Die Sozialdemokraten beantragten ferner, daß die Versicherungsanstalten insbesondere auch das ArbeiterwohnungZ- Wesen fördern können: Abgelehnt von den Kompromißparteien. Die Sozialdemokraten wollten Sonderanstalten nur noch zulassen, wenn sie bei Inkrafttreten dieses Gesetzes bereits bestehen: Abgelehnt von allen bürgerlichen Parteien. Ferner beantragten die Sozialdemokraten: Solchen Versicherten, die bisher in einer Sonderanstalt versichert waren, soll für den Fall, daß sie anderweitig versicherungspflichtig werden. die Anwartschaft auf Leistungen an die Witwen und Waisen gegen Zahlung eines Beitrags erhalten bleiben: Abgelehnt von allen bürgerlichen Parteien. Die Steigerung der Renten für die Wochen der Mlitärdienst- zeit muß nach dem geltenden Gesetz das Reich bezahlen. Diese Last ist jetzt der Versicherungsanstalt auferlegt worden und muh daher durch die Beiträge der Arbeitgeber und der Arbeiter gedeckt werden. — Die Sozialdemokraten beantragten, diese Neuerung wieder zu streichen: Abgelehnt von den Kompromißparteien. Die Satzung der Krankenkasse kann bestimmen, daß bei einer Krankheit, die Folge eines entschädigungspflichtigen Unfalls ist, Termin als schmiegsam verführerische, sieggewohnte Lulu in den ersten Alten. ft. Humor und Satire. Ein deutscher Mann. BürgerSmenschen, seht, wen ich hier habe, Salutiert und ruft: Das Ganze halt! Dieser deutsche Mann heißt Doktor Schwabe, Und ist Rechtsanwalt. Mild betraust vom Paragraphensege» Im Gebührenordnungsparadies Siieß er eines Tags auf den Kollegen, Welcher Liebknecht hieß. »Wie?* sprach Schwabe mit erregten Nerven, „Ist nicht dieser Name schon fatal! Und wozu— wenn die's auch machen derfen— Ist man national?" Als er solches noch mit Schmerz bedachte. Kam's, daß Liebknecht eine Rede schwang, Wo er Nikolausen madig machte Und mit Schimpfe mang. Dieser Vorgang goß dem deutschen Manne, Welcher immer noch Herr Schwabe hieß, Das ersehnte Wasser auf die Pfanne; Und er kochte dieS. Mit den Händen, die er oftmals reckte Gegen Ungerechtigkeit(und gegen bar l), Schrieb er: Dieser L. ist ein Subjekte, Wie sein Bater war. Dieser Schuß aus dem Kollegenköcher Traf nun sonderbarerweise nicht, Was zur Folge hat, daß Jordan Kröcher Fast die Platze kriegt. Aber einer wankt einher am Stabe, Und man grüßt ihn zwar und etwa? kalt. Dieser deutsche Manu heißt Doktor Schwabe Und ist Rechtsanwalt. (P. Scher im„SimplicissimuS"? Notizen. — Schiller-Manuskripte, die der Berliner Theater« ansstellung aus Weimar geliehen waren, gelangten an eine falsche Adresse zurück, wurden vermißt, reklamiert— und jetzt glücklich wiedergefunden. Von den vielen Instanzen, die dabei in Frage kommen, ist natürlich keine schuld daran. — Mahlers Nachlaß enthält u. a. eine neunte Sinfonie, die bereits im Druck ist, sowie außer Liederkompositionen den Chor Das klagende Lied". — Der erste Kongreß für Luftschifferrecht. In Jans wird am 31. Mai unter dcni Vorsitz von Millerand der erste Kongreß des Internationalen juristischen Komitees für Luft- Ichiffahrt abgehalten werden. DaS Komitee vereinigt in sich die Juristen aller Länder, die sich besonders mit der Luftschiffahrt be« schaftigen. für 6fe Feik, für Sie effte Nnfallrtkki»Fft Ve?«>startKpflege ge»| währt wird, nicht das volle Krankengeld gewährt wird. Von bemj Krankengeld kann nur der Betrag gewährt werden, der den Betrag der Uufallrente übersteigt. Tiefe ganz unberechtigte Schädigung eines Verunglückten wollten die Sozialdemokraten gestrichen Haie«! Abgelehnt von den Kompromisiparteien, Reichstag. der 181. Sitzung. Montag. den 22. Mai, mittags 12 Uhr. Am BundeSratZtisch: Regierungskommissare, Die zweite Beratung der Neichsversicherungsordnung wird fortgesetzt beim S. Buch: Berfnhre«. ß Ibtö bestimmt, daß der Verletzte oder seine Hinterbliebenen beim Verfahren zur Untersuchung de« Unfalls erwachsene Angehörige oder andere geeignete Personen als Beistand zu den Verhandlungen zuziehen können. Die Kommission hat hier eingefügt, daß als Bei» stand keine Personen zugelassen werden, die das Verhandeln vor Behörden geschäftsmäßig betreiben. Abg. Busold(Soz.) begründet hierzu einen sozialdemokratischen Antrag, die von Kommission eingefügte Bestimmung wieder aufzuheben, da sie nur dazu dienen würde, dem Verletzten den Beistand von Arbeiter sekretären zu entziehe». Der Antrag wird abgelehnt mit allen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten. Beim§ 1547 hat die Kominission bestimmt, daß die Kosten für die Hinzuziehung von Sachverständigen zur Feststellung des Unfalls der Antragsteller zu tragen hat. Abg. Brühne kraten.) Dieser Zustand kann auf die Dauer nicht in der ReichSversichernngSordnung bestehen bleiben. ES muß zu dem alten Aufbau deS Verfahrens zurückgegriffen werden oder das Ver ficherungSamt muß eine unabhängige Instanz sein, die selbständig zu entscheiden hat. Die Kritik an der Art des Verfahrens konnte leider nach den Beschlüssen der zweiten Lesung nicht genügend zum Worte kommen, sie wäre sonst von sachverständiger Seite per« nichtend ausgefallen.(Beifall bei den Sozialdemokralen.) Abg. Dr. Fleischer(A.): Der Vorredner hat an dem Verfahren außerordentlich herbe Kritik geübt, die von ihm geäußerten Befürchtungen werden sich in der Praxis aber nicht verwirklichen Auch wir halten das Verfahren nicht für ein ideales, wir bewegen uns dabei eben auf dem Boden des Kompro- Misses. Immerhin hat das jetzt vorgeschlagene Versahren de» sonders durch seine Regelung der Arztfrage sehr erhebliche Vorzüge für die Arbeiter. Die Kritik deS Vorredners war einseitig. DaS Verfahren bedeutet einen bemerkenswerten Fortschritt für die Ar heiter.(Beifall beim Zentrum.) Abg. Dr. Mugdan(Lp.): Der Vorredner hat ganz übersehen, daß man dem Versicherten in etwa 65 Proz. aller Fälle den Rekurs genommen hat und daß nur für diese Fälle daS Einspruchsverfahren gilt, das nicht im mindesten einen Ersatz bieten kann. Tatsächlich bedeutet das Verfahren eine große Schädi- gung für die Arbeiter. Es wird von.Dauerrenten* ge sprachen, obwohl es keine Dauerrenten sind, vom.Verl sichemilgSamt", obwohl es sich nur nm eine vernehmende Person handelt. Abgeordneter Schmidt hat völlig recht mit der Meinung. daß dieses Verfahren nur zu einer Verschleppung der Sache führen kann und es den Verletzten erschwert, ihr Recht zu finden. Bei der Kompliziertheit des Ver fahrens ist die Zulasiung von Arbeitersekretären sehr notwendig, sie wird sogar von den Berufsgenossenschaften selbst gewünscht. Dr. Fleischer ist also berussgenossenschaftlicher als die Berufs genoffenschaften selbst.(Beifall links.) Abg. Behrens(wirlsch. Vg.): So ganz unzweckmäßig, wie eS die Gegner von der linken Seite darstellen, ist das hier vorgeschlagene Verfahren doch nicht. Das gegenwärtige Verfahren ist doch durchaus nicht ideal. Ich habe während der Osterferien mit den Arbeiter- sekretären und Rechtsschntzbeamten meiner Gewerkvereine verhandelt und alle haben mir gesagt. daS vorgeschlagene Verfahren sei dem bisher üblichen vorzuziehen. Abg. Molkcnbuhr(Soz.): Wenn die Sachen immer so einfach lägen, wie Dr. Fleischer ve- hanptete, ja, dann brauchten wir eigentlich gar kein Ver- fahren. Mein Freund Schmidt hat aber nachgewiesen und keiner hat die Darstellung entkräften können, was für komplizierte Fälle nicht nur möglich find, sondern auch tatsächlich vor» kommen und vorgekommen sind. DaS verwickelte Ver- fahren nun, das§ 1569 in der KommiisionSsitziing vorschlägt, macht es dem Verletzten schwer, zu jeder Zeit einen sachverständige» Ver- tceter zu haben, während die Berufsgenossenschaften naturgemäß stets über sachverständige Ver- t r e t n» g v e r fü g e n. Der Vertrauensmann der BerufSgenossen- schaft hat unumschränkten Zutritt; dir Zuziehung gewerkschaftlicher usw. Bertrauensmänuer kann verhindert werden. Wieder werden also Arbeiter und Unternehmer� mit verschiedenem Maße gemessen. Selbst die Berufsgenossenschaften erheben Einwendungen gegen die vorgeschlagene Fassung des§ 1569. Man fogr uns: der Versicherungsaintmann ist der natürliche Anwalt der Berletzlen. Auf dem Lande ist der Versichenmgsanilmaun durchweg — der L a n d r a t. Der Verlrauensmann der landwirtschastlichen Unternehmer soll also der Aechtsbeistand der Uagenden Arbeiter seinl (Hört! hörtl bei den Soz.)— Man spricht von der Notweiidigkeit, das Reichsversicherungsamt zu entlasten. Dann hätte man nicht eine derart schlechte untere Instanz schaffen sollen.(Lebhafte Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Abg. Becker-SrnSberg(Z.) sucht die KommisfionSfaffung zu rechtfertigen. Mg. Schmidt-Berlin(Soz.): Bei der Krankenversicherung hat man das VersicherungSamt mit den Befugnissen einer Spruchkammer ausgestattet: bei der Unfall- Versicherung aber nicht. Das macht: im ersten Lall handelt es sich um Krankenkassen, im zweiten um Berufsgenosse n- schaften.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Die Diskussion schließt. Unter Ablehnung aller Ab- ändernngSanträge(gegen Sozialdemokraten und einen Teil der Fort- schrittler) wird§ 1569 in der Kommissionsfassung angenommen. § 1619 bestimmt, daß der Borsitzende der Spruchkommission in allen Sachen ohne mündliche Verhandlung eine Vorentscheidung treffen kann. Abg. Molkenbuhr(Soz.) begründet einen sozialdemokratischen Antrag auf Streichung dieses Paragraphen. Der Antrag wird abgelehnt. § 1620g. überläßt dem Vorsitzenden in öffentlicher mündlicher Verhandlung allein die Enlscheidung über Leistungen der Kranken- verficherung, wenn es sich um Leistungen im Gesamtwerte von weniger als 50 M. handelt. Abg. Molkcnbuhr(Soz.) empfiehlt'kurz einen sozialdemokratischen Antrag auf Streichung dieser Bestimmung. Der Antrag wird abgelehnt. Die§§ 1639 und 1639a behandeln daS Verfahren vor dem Oberverstcheruilgöamt. Ein sozialdemokratischer Antrag verlangt die Streichung des Absatz 2 im§ 1689a, wonach in Sachen der Seeunfallversicherung für die Zuständigkeit des OberversicherungSamteS der Heimathafen desjenigen Fahrzeuges oder der Sitz desjenigen Betriebes maßgebend sein soll, in welchem sich der Unfall ereignet hat., Abg. Schwartz-Lübeck(Soz.): Der Absatz 2, den wir zu streichen beantragen, bedeutet f ü r die Seeleute eine Ausnahmebestimmung. Sie werden durch diese Bestimmung außerhalb des geltenden Rechts ge- stellt.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Die Schulschiffs- jungen kommen meist ans Mittel- und Süddenffchland. Sie werden später, auch wenn sie sich verheiraten, nicht in de» Küsten- städten ansässig, sondern lassen häufig ihre Familie in der Heimat. Will man für diese Seeleule Ausnahmebestimmungen schaffen, dann wird eS bei einer event. Renteiiherabsetzung dem im Inland« wohnenden Schiffsmann geradezu unmöglich sein, wegen der hohen Reisekosten, seine Rentenansprüche bei dem an der Küste sitzenden Oberversicherungsamt zu vertreten. Diesen Stand- Punkt hat bisher auch die Regierung eingenommen. Ich bitte Sie im Jiltereffe der vielen Seeleute, die Ausnahmebestimmung für sie zu streichen und unserem Antrag zuzustimmen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Der Antrag wird abgelehnt. K 1645 bestimmt, daß die Spruchkammer nicht dadurch beschlnß- unfähig wird, wenn außer dem Vorsitzenden nur je ein Beisitzer aus den Arbeitgebern und Versicherten erscbienen ist. Wenn drei Beisitzer erschienen sind, scheidet aus der doppelt besetzten Gruppe der jüngere Beisitzer aus. Mg. Schmidt(Soz.) empfiehlt einen sozialdemolratischen Antrag ans Streichung dieses Paragraphen. Der sozialdemokratische Antrag wird abgelehnt. W Der Rest der Vorlage wird unter Ablehnung aller Aenderungs anträge ohne wesentstche Debatte angenommen.(Bravo rechts.) Die am Sonnabend vertagte namentliche Abstimmung über § 1341 wird auf 6 Uhr verschoben. ES folgt die erste Beratung des Handelsvertrages mit Schweden. Staatssekretär Delbrück(zunächst schwer verständlich) gibt einen Ueberblick über die Vorverhandlungen. 1910 betrug die deutsche Ausfuhr nach Schweden 190, die Einfuhr aus Schweden 164 Millionen: das ergibt eine aktive Handelsbilanz im Betrage von 26 Millionen. Jedoch spielt im Gesamthandel Schwedens der Handel mit Deutschland eine bei weitem größere Rolle als der Handel mit Schweden im deutschen Gesamthandel. Jw dessen geht das deutsche Interesse über die ziffernmäßige Beteiligung des Handels heraus; die Einfuhr aus Schweden umfaßt ganz überwiegend Rohstoffe und Halbfabrikate, die in Deutschland bearbeitet bezw. weiter bearbeitet werden. Die deutsche Industrie ist also sehr stark am Handelsvertrage mit Schweden interessiert. Trotz aller Bemühungen ist eS nur teilweise gelungen, eine Er höhung der schloediichen Zollsätze auf deutsche Waren über den jetzigen Betrag zu verhindern, nur in ganz besonderen Fällen ist eine Herabsetzung erzielt. AIS wertvolles Zugeständnis darf der Ver- i icht Schwedens auf Eisenerzausfuhrzölle während der Dauer des Handelsvertrages betrachtet werden.— Wichiiger als die erlangte Herabsetzung der bisherigen Zölle auf Perlmulter- und Steingulwaren, emaillierte Geschirre usw. ist es, daß uns eine be trächlliche Herabdrückung der hohen Sätze deS autonomen schwedischen Zolltarifs geluiigen ist: wenn auch trotzdem bei manchen Waren die neuen Verlragszölle höher sind als die bisherigen. In«inigei, Fällen, in denen es nicht möglich war, eine Bindung zu erlangen, ist weiligstens eine Maximalgrenze festgesetzt worden, über die hinan» Schweden leinen Zoll auf die betreffende deulsche Ware nichl erhöhen darf. Um diese Konzessionen zu erhalten, mußten wir Zugeständnisse in bezug auf Pflastersteine und grobe T i s ch l e r w a r e n machen. Wir haben uns sehr gestränbl gegen diese Zugeständnisse, aber aus wohlerwogenen Gründen gelanglen wir zu der Ueberzeugung, daß wir an dieser Frage nicht den Handelsvertrag scheitern lassen konnten. Auch haben wir immerhin zugunsten der deutschen Hnrlsteinindustriz eine Erhöhung deS Zolles auf schwedische Bordsteine durchgesetzt.— Im allgemeinen kann ich sagen, daß es unS— übrigens unter Zuziehung und Anhörung von Mitgliedern des wirtschaftlichen Ausschusses und Jnleressenvertrelern in allen Stadien der Verhandlung— gelungen ist, zu erreiche», was überhaupt erreichbar ist. und ich bitte daher um Zustimmung des Reichstages zu dem neuen Vertrage. Abg. Speck(Z.): Es läßt sich nicht bestreiten, daß der alte Handelsvertrag mit Schwede» dem deutschen Handel im allgemeinen von Nutzen gewesen ist: es kann aber nicht geleugnet werden, daß die Handelsbilanz, wenn sie auch aktiv geblieben ist. sich für uns ngünstiger gestaltet hat.— Der neu« Handelsvertrag hat unsere Position nickt verbessert, sondern verschlechtert! DaS ist die allgemeine Buffassmig und zwar ohne Unterschied der wirtichaflspolitischen Stellung. Wichtige Jnter- essen sind preisgegeben worden. Allerdings befanden sich unsere Unterhändler in einer schwierigen Lage: denn wenn in einem Lande ein hochschutzzöllnerischer Tarif eingeftihrl wird, be- indet sich stets der erste Staat, der mit diesem Lande einen Handelsvertrag abschließt, in besonders ungünstiger Lage.— Be- dauerlich ist, daß kein Vertreter der deutschen Pftaftersteiniildustrie zu den Halidelsuirtragsverhandlungen ziigezogen worden ist.(Hörtl hört!) Die Meistbegünstiglmg bedeutet für Schweden sehr erhebliche Vorteile, während sie sür Deutichland gleich Null ist.(Sehr richng!) Es lauckt die Frage auf, ob es richtig ist. die Meist- begünstigungstlausel in alle Verträge aufzunehme». Es scheint mir richtiger, Tarifverträge abzuschließen, bei denen jeder Leistung eine Gegenleistung gegenübersteht.(Sehr richtig!) Als ich hier im Reichstag zurzeit meine Auskühriingeil über die Pfiasterstemiildustrie machte, da rief mir Abg. Scheiden, ann zu, liteine Ausführungen stimmten nicht mit den Wünschen der Steinarbeiter überein. Inzwischen haben mir viele dieser Arbeiter gesagt, daß tälsäcktich die schwedische Pflaster- 'teinkonlurrenz die Ursache für die schlechten Beschäftigungöverhält- nisie in der Pflastersteinilidustrie sei.(Widerspruch bei den Sozial- demolraten.) Ja. es ist merkwürdig, daß die Herren von der äußersten Linken nicht« dagegen hm. wenn durch die Zollfreit der schwedischen Pflastersteine deutsche Arbeiter arbeitslos werde».(Sehr richtig! i. Z., Unruhe b. d. Soz.) Wir beantragen die Einsetzung einer Kommission von 21 Mitgliedern. I» der Kommission werden wir die Einzelheiten des Vertrages und auch die Frage prüfen, ob der schwedische oder der deutsche Text bei Differenzen maßgebend sein soll. Sie werden aus meinen Ausführungen entnommen haben, daß wir dem Vertrag nicht sehr freundlich gegenüber- stehen. Die endgültige Stellungnahme meiner Freunde wird ab- hängig sein von dem Ergebnis der Kommissionsverhandlungen. (Beifall im Zentrum, Lachen bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. Vellmar(Soz.j: Ueber den allgemeinen Charakter des Vertrages ist nicht viel zu sagen. Die Sache steht einfach so, daß, während der schwedischen Regierung im großen und ganzen die gleichbcgünstigte Stellung zu- gebilligt wird, wir überall erhöhten Zöllen begegnen, wenn diese Zölle auch gegenüber den autonomen schwedischen Zöllen herabgesetzt worden sind. Der Vertrag ist zweifellos ein anSgesProcheu schlechter Bertrag. (Hörtl hörtl) Wenn wir nach den Gründen deS Mißerfolgs unserer Unterhändler fragen, so liegt für jeden Denkenden die Hanptursache auf der Hand. Als man seinerzeit bei uns den bekannten lücken- losen Hochschutzzolltaris machte, wurde immer' erklärt, man müsse einen solchen genau spezialisierten Tarif haben, ohne den könne mau in Zukunft gute Handelsverträge nicht abschließen. Meine Herren, da haben Sie jetzt einen solchen Vertrag, wie er durch Sie hervorgebracht worden ist.(Sehr gut! bei den Sozial- deniokraten.) Sie haben eben damals gedacht, wir könnten allein derartige Kunststücke machen und andere Leute, z. B. die Schweden, seien dazu nicht fähig. Aber sie haben es uns doch nachgemacht, ja, sie haben uns dabei durch ihren Tarif noch übertrumpft. Wir haben das seinerzeit voransgesehen, aber Sie haben über unsere Hin- weise nur gelacht. Ich leugne nun nicht, daß diese nicht angenehme Lage für unsere Unterhändler noch dadurch verschlechtert worden ist, daß wir in der Hauptsache Fertigfabrikate ausführen, die zum Teil von Schweden entbehrt oder aus anderen Ländern belogen werden können, während wir aus Schweden zum größten Teil Rohstoffe oder leichtbearbeitete R o h« stoffe, Halbfabrikate beziehen, die wir notwendig brauchen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Trotzdem glaube ich, daß wenn die Verhandlungen anders geführt worden wären, wir in einer Reihe von Punkten zu einem besseren Er- gebnis gekommen wären. Daß die Stegierung sich die größte Mühe gegeben hat, glaube ich dem Staatsselretär aufs Wort. Man ficht dem ganzen Vertrag schon die Mühe aus allen Knopf- löchern an.(Heiterkeit.) Aber mit der Mühe allein ist eS nicht getan, es kommt auf die Auswahl der Unterhändler an.(Sehr richtig! links.) Früher hat man immer gemeint, unsere steifen Bureaukraten ermangelten einer Reihe von Voraussetzungen, die zu diesem Amte notwendig sind. Diesmal hat man nun auf Wunsch des Reichstags den Wirtschaftsausschuß herbeigezogen,� vier seiner Mitglieder sind nach Stockholm geschickt und sollen den Gang der Verhandlungen fortgesetzt überwacht haben Aber der Erfolg zeigt, daß die Sache dadurch auch nicht besser geworden ist. Ja ein Teil der Böcke wäre, wenn nur Bureaukraten da gewesen wären, sogar wahrscheinlich nicht geschossen� worden. (Heiterkeit.) Unter diesen vier Vertretern hat sich nämlich als- bald eine sehr einseitige Interessenvertretung gezeigt, und die Schweden sind sofort darauf gekommen, wer die erste Geige dabei spielte. DaS waren die Vertreter der großen rheinischen Eisenindustrie.(Hört I hört l bei den Sozialdemokraten. Nachdem die Herren das erkannten, war eS für so geschickte Unterhändler, wie eS die Schweden gewesen sind, nicht schwer, sich von vornherein zu Herren der Situation zu machen. Ich muß bei dieser Gelegenheit einige Worte über die Einfuhr von Eisenerzen reden. Ueber die Wichtigkeit dieser Einfuhr besteht kein Zweifel. Aber eS war offenbar ganz verkehrt, gleich von vornherein diese Frage zum Schwerpunkt zu machen und dadurch zu zeigen, daß, wenn die Wünsche der Eisenerzindustrie er- füllt find, die anderen Dinge von untergeordneter Bedeutung seien. Dadurch ist es den Schweden gelungen, das Ucbrrgcwicht zu de» kommen. Wie sehr übrigen« unsere Unterhändler und unsere Ne« gierung sich über den Wert des Eisenerzes sür den Vertrag getäusch haben, dafür will ich Ihnen einen amtlichen Beweis führen. Aus dem Protokoll des schlvedischen Staatsrat« vom 24. April 1911 ist ersichtlich, daß als Ersatz für die sonsligetl Mißerfolge der deutschen Regierung nicht nur die Zollsreiheit für die Erze gefordert wurde, sondern selbst eine Einmengung in den Vertrag zwischen der schwedischen Regierung und der schwedischen Eisenerz« gesellschaft. Das Protokoll meint, dies Verlangen sei zwar grundsätzlich bedenklich, wiege aber nicht schwer, wenn man die Borteile deS Vertrages für Schweden betrachte und weiter erwäge, daß nach jenem Vertrage die event. einzu- führenden Ausfuhrzölle, mit denetl man uns so graulich gemacht hat, von der schwedischen Regierung der Eisenerzgesellschast wiederum znrückbezahlt werde» müssen.(Hört! hört!) Und daß weiter jener Berlrog nienlals im Auge gehabt habe, die Ausfuhr der schwedischen Eisenerzgesellschasten irgendwie zu beschränken. Also all das, womit mau unS und unsere Vertretung in Schweden bei den Verhandlungen graulich gemacht hat, stellt sich als nicht richtig heraus, während unsere Unterhändler zweifellos glaubten, sehr klug zu handeln. Ich meine, es ist unverzeihlich, daß man nichl von selbst auf den Ge- danken kam. daß nicht nur wir ein Interesse daran haben, das schwedische Erz zu bekommen, sondern daß Schweden ein Interesse hat. da« Erz auszuführen.(Sehr wahr! links.) Die Menge an schlvedischen Erzen ist so groß, daß sie schwerlich eine Verwendung im eigenen Lande finden kann. Von einer Verhüttung im großen Maßstabe ist keine Rede. Der größte Abnehmer ist Deutschland gewesen.(Sehr richtig I links.) Herrn Speck möchte ich nur das eine erwidern, wenn er sagt, seine Freunde würden sich die Abstimmung vorbehalten je nach AuS- fall der KoinmissioliSverhandlnngen, so weiß ich nicht, ob er be- anspruchl, daß wir daS mit einem traurigeii oder ernsten Gesicht an- hören sollen.(Heiterleit.) In der Konimisfion wird gar nichts verhandelt werden. ES wird einiges hin- und hergeredet werden, eS wird sogar vielleicht eine amtliche geheüne Auskunft gegeben werden,(Hesterteil) damit gewisse Leute etwas in der Hand haben, womit sie sich decken könne«. Aber im übrigen wird genau daS geschehen, was jetzt schon geschehen würde, wenn wir sofort zur Abstimmung kämen, was zweifellos das beste wäre. Doch der Deutsche Reichstag bekommt ja an Reden offenbar niemals genug. Heiterkeit.)— Es ist auch voil der Behandlung der Hand» l u n g s r e i s e n d e n in dem Vertrage gesprochen worden. In den meisten europSlstt»n Ländern sind diele Hilfsorgane der Ausfithr von Steuern frsi. Eine kleine Gruppe erhebt noch unerhörte Steuern und dazu gehört auch Schweden. Für 30 Tage muß im voraus der Betrag von 100 Kronen bezahlt werden.(Hörtl bört!) Dazu kommt, daß, wenn der deulsche HandtungSreisende in Schweden sich irgendwelche Strafe zuzieht, dann der Denunzftmt die Hälfte von der Strafe bckomint.(Hört! hört!> Ich weiß nicht, ob die Schweden, die ja sonst sehr freiheitlich gesiiuite Leute sind, schon einmal daran gedacht haben, wie jämmerlich sich eine solche Bestilnmuilg ausmacht. Unbegreiflich ist eS mir. daß nicht einmal darin unsere Regierung hat eingreisen können. In welcher Stellung sich die schwedische Regierung gefühlt bat, beweilt ein Satz aus dem schwedischen Slaatsratsprotokoll: Weitere Erleichterungen der in bezug auf die Handlungsreisenden gerichteten Bestrebungen wurden bestimmt abgewiesen.(Hort I hört I) Dann ist über die P s l a st e r st« i n e gesprochen worden. Wir haben mrs wiederholt für Zollfteiheit der Pflasterstriur ausgesprochen. Wenn Herr Speck darauf hinweist, welcher Schaden dadurch den Werkbefitzern und Arbeitern entstehe, so bemerke ich ihm folgendes: Wir haben im bayerischen Walde einen sehr wert- vollen Graust. Es gab dort früher eine blühende Industrie mit 3000 Arbeitern, wo die erzeugten Pflastersteine die Donau hinunter nach Wien usw. geschickt wurden. Da wurde in den 90et Jahren gegenüber Oesterreich ein Zoll auf Stein- metz arbeiten bei uns durchgesetzt. Oesterreich hat dann seiner- seits ebenfalls einen solchen Zoll eingeführt, und die Folge ist ge- Wesen, daß heute die ganze dortige Industrie ruiniert ist.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Nach Wien sind damals 200 Zentner zu 2ö M. gefahren, heute kosten fie nach Leipzig 90 M. und nach Berlin 100 M. Unsere bayerischen Landsleute haben die Sache aufgeben muffen und find dort, wo die Industrie neu entstanden ist, größtenteils als Lehr- meister hingegangen, denn wir hatten dort eine prächfige Schule für Steinmetzen, deren Schüler überall gesucht waren.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Herr Speck verwies auf eine Zuschrift, die ihm geworden ist. Nun, wir haben wohl alle Zu- schristen von Steinbruchbcfitzern bekommen, aber wer fie sich ansieht. wird sich darüber klar sein, daß man ihnen nicht ohne weiteres glauben kann.(Sehr richtig! iinks.) Wer die Dinge kennt, wird wissen, daß, wenn eine Konkurrenz für unseren Handel auf diesem Gebiete schädlich ist, es vielmehr die schmutzige Jnnenkonkurrenz ist. Der Zorn, die Aufschneiderei, die Phantasie der Steinwerks- bcsitzer treibt die sonderbarsten Blüten. In dem Orte Mayen gibt es eine sehr blühende Steinindustrie, fie liefert nach allen Seiten ihre Hartsteine. Aber sobald nun irgend ein anderer Steinbezirk Deutschlands nach Mayen Steine liefert, fangen diese Herren ein furchtbares Geschrei an. Es sollte dort eine neue katholische Kirche gebaut werden, deren Pfeiler aus Sandstein hergestellt werden sollten. Da erschien nun ein Flugblatt, in dem es heißt:„Die Volksseele wird aufgeregt, wenn irgend eine Nichtberückfichtigung sich zeigt... mögen darum diejenigen, die dazu berufen sind, doch auch hier mit dem Menschenherzen rechnen, vorbeugen der Unzufrieden- heit, dem Unwillen gerade am heiligen Orte, damit nicht statt Gebete— der Gedankenstrich soll wohl bedeuten Flüche oder so etwas ähnliches,„emporsteigen."(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Alles das bloß, weil die Leute ihre H a r t st e i n e nicht verkaufen. Und nun kommt das beste:„Und im stille» Golteshause, stimmt da nicht der dunkle Ton des Steines gleichsam mit zur Andacht? Die ewige Haltbarkeit unserer Steine, ist fie nicht ein Bild der ewigen Wahr- heiten?(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Sandstein und Lava— Modernismus und alte Wahrheit, fo möchten wir rufen: Was wollt Ihr?"(Erneute große Heiterkeit links.) Der Mann ist zweifeUos Geschäftskatholik, der Zentrumschrist, der das geschrieben hat.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten. Unruh« im Zentrum.) Leuten, die im Geschäft so viel Phantasie ausbringen, sollte man doch nicht ohne weiteres glauben. Was die Arbeiter der Steinindustrie betrifft, so denken fie ganz wesentlich anders als die Unternehmer. Gewiß mag es noch Arbeiter geben, namentlich solche, die nichts von einer Organisation wissen, die ein lokale s_St äseblatt lesen, die da meinen, die Einfuhr der schwedischen Steine verschulde ihre Lage. Wenn einem solchen Arbeiter, dessen Horizont noch eng ist, der Arbeit- geber sagt, hier find Petitionen, die gegen die freie Einfuhr der schwedischen Pflastersteine gerichtet sind; wenn diese Petition nicht Erfolg hat. muß ich noch weniger Lohn zahlen als ftüher— dann ist es erklärlich, daß der Arbeiter, der nicht viel davon versteht, d i e Petition unterschreiben wird.(Sehr richtig l bei den Sozialdemokraten.) Aber die Organisation der Steinarbeiter, die große ausgebreitete Organisation, welche die Arbeiter der größten und besten Werke in sich schließt, stellt sich auf einen absolut anderen Stand- punkt, der fich vollkommen mit dem unsrigen deckt. Diese Arbeiter verlangen in allererster Linie, daß niedrige Eisenbahn- frachten eingeführt, daß keine Schiffahrtsabgaben geschaffen werden.(Hört! hört!) Sodann verlangen fie. daß ein befferer rationeller Betrieb eingeführt wird. Endlich fordern fie einen Tarifvertrag. Gegenwärtig find die Löhne der Ardeiter in der Steinindustrie so gedrückt, wie kaum irgend wo anders. Das find die wirklichen Forderungen der Steinarbeiter. Der uns vorgelegte Bertraa ist schlecht. Lb« ei» Zollkrieg wäre auf alle Fälle noch viel schlechter. Wir wollen den Zollkrieg nicht «nd suchen ihn auf jede Weise zu vermeiden feiner wirtschaftlichen und politischen Folgen für beide Teile wegen. Die Fortsetzung des fteundlichen Verhältnisses zu dem schwedischen Brudervolk wolle» wir miter keinen Umständen stören laffen. Deswegen kann ich schon jetzt ganz unabhängig von den Kommissions- Verhandlungen sagen, daß wir trotzdem und alledem dem Bertrage unsere Zustimmung geben werden. Wir fordern aber, daß wir aus ähnlichen unerhörten Lagen, wie der beim Abschluß des schwedischen Vertrages, endlich herauskommen. Wir wollen in eine solch« schädliche und unwürdige Zwangslage nicht mehr kommen. Nordamerika hat bereits den ersten Schritt getan zum Abbau deS Hochschutzzollsystems.(Sehr wahr! links.) Das kann auch auf uns nicht ohne Einfluß bleiben. ES ist die höchste Zeit, daß auch Deutschland fich von dem Wege de» sich gegenseitigen Absperren» der Nationen abkehrt und dahin wirk», daß Europa wieder zu einem vernünftigen Systen, des Güteraustausches gelangt.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Die Beratung des schwedischen Handelsvertrages wird hierauf zunächst unterbrochen und die letzte noch ausstehende namentliche Abstimmung zurReichSversicherungsordnung vorgenommen. § 1341 wird in der KommisfionSfaffung entgegen dem sozialdemokratischen Antrag auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage mit 134 gegen Sä Stimmen bei einer Stimmenthaltung an- genommen. Damit ist das Einspruchsrecht derAuffichtSbehörde gegen- über den Aufwendungen der Landesversicherungsanstalten für das Heilverfahren beträchtlich ausgedehnt. Präsident Graf Schwerin-Löwitz: Wir alle haben von dem fiirchtbaren Unglück, das die französische Regierung betroffen bat. gebört(die Abgeordneten erheben sich von den Plätzen). Durch den Absturz eines Aeroplans ist der französische Herr Kriegs- minister getötet find der ftanzösische Herr Minister- Präsident schwer verwundet worden. Ich bin über- zeugt, in Ihrer aller Sinne zu handeln, wenn ich unsere innigste Teilnahme und zugleich unsere herzlichsten Wünsche auf Wieder- Herstellung des Ministerpräsidenten zum Ausdruck bringe.(Lebhafte allseitige Zustimmung.) Die Beratung des schwedischenHandelsvertrags Wird fortgesetzt. Abg. Dr. Rösicke(k.): Wir fragen uns: was kostet uns der Vertrag? und richten danach unsere Stellungnahme ein. Die Bestimmung, daß unsere HandlungSreisenden in Schweden mit gewissen Abgaben belastet werden, ist eine indirekte Zoll- e r b ö b u n g. Ich würde empfehlen, daß wir gleiche Abgaben auch den scbwedischen Handluiigsreiieuden in Deutschland auferlegen. Die Schädigung unserer Pflasiersteinindustrie durch die Zollfreideit der schwedischen Steine sollte ausgeglichen werde» durch eine Erhöhung d e r E i n b a h n f r a ch t e u f ü r s ch w e d i s ch e Steine. Ich meine, es hätte bei den Vertragsverhandlungen doch mehr für uns erreicht werden können. Der erste Fehler war. daß unsere Regierung wartete, bis Schweden seine Waffen in zollpolitischer Hinficht geschliffen hatte. Die deutschen Unterhändler trugen von vornherein dem neuen schwedischen Zolltarif Rechnung, anstatt zu verlangen, daß Schweden aus unseren Zolltarif Rückficht nehme. Es ist nicht zu billigen, wenn in solchen Dingen von vornherein der Staudpunkt des Gegners als richtig anerkannt wird. Die Absicht Schwedens ist ja, seine Industrie zu fördern. Wir halten es aber für die wichtigste Aufgabe der Gesetzgebung, unserer Industrie auch den Markt im Jnlande zu erhalten. Meine Freunde halten es für wünschenswert, über verschiedene Punkte noch Aufklärung in der Kommission zu erlangen. Wir werden dem Antrag auf Einsetzung«wer Kommission zustimmen.(Beifall rechts.) Mg. Dr. Stresemann(natl.): Meifie Frsunde stimmen der Einsetzung einer Kommission zu. Dürt Werder: wir auf Einzel- heiten näher eingehen. Mit großer Biefriedsgung können wir konstatieren, daß bei der Vorbsreitinig dieses HiandelSbertrages die Regierung eine inlenstve Fühlung mit allen beteiligten Kreisen ge- nommen hat, wie sie früher nicht zu verzeichnen war. Die scharfe, aber berechtigte Krink an der Vorbereitung des portugiesische» Handelsvertrages hat hier wohl bessernd gewirkt. Es wäre Wünschens- wert, wenn wir näheres Über die Verhandlungen erfahren könnten. Wir im Reichstag sind ja eigentlich viel weniger ausschlaggebend für die AuSgesnaltung eines Handels- Vertrages als der Wirtschaftliche Ausschuß.(Sehr richtig!) Es gehl eine Schutzzollwelle durch die ganze Welt. Wir sehen im Ausland, daß, je kleiner ein Land und je geringer seine Produktion ist, eS um fo mehr mit dem Schutzzoll- gedanken experimentiert und mit so exorbitanten Schutz- zollen kommt, wie es Schweden uns gegenüber mit seinem Zolltarif getan hat. Wenn mau sieht, daß ein solches Schutzzollsystem aufgebaut wird zu dem ganz bestimmten Zweck, dem Ausland gegenüber etwas zu erreichen, dann sollte man sich da- durch nicht bluffen lassen, dann sollte man sich auch den vom Ab- geordneten v. Volkmar mit Recht hervorgehobenen Gesichtspunkt vor Augen halten, daß wir nicht nur Produktionsland, sondern Konsumtionsland find. Ich halte es ftir ausgeschlossen, daß Schweden die Drohung mit dem Aussuhrzoll für seine Eisenerze jemals verwirklicht hätte, denn es ist auf deren Ausfuhr angewiesen. Der große Bedarf unserer Industrie an Eisenerzen sollte den Staatssekretär aber veranlassen, darauf Bedacht zu nehmen, daß die Interessen unserer Industrie an den Eisenerzen Marokkos gewahrt werden. Als Ausgleich für die Schädigung unserer Pflasiersteinindustrie sollte ihr ein billigerer E i s e n b a h n ta r i s gewährt werden. Ein Teil meiner Freunde macht davon die Zustimmung zum Vertrage abhängig. Wir werden erst in der zweiten Lesung unsere Entscheidung treffen.(Beifall bei den Nationalliberaleu.) Abg. Leser(Vp.): Der Vertrag wird eingeleitet durch die Be- merkung. er solle die Beziehungen zwischen Schweden und Deutsch- land erleichtern und vermehren. Es ist eine melancholische und freudlose Beschäftigung, nach diesem Leitmotiv den Vertrag zu studieren, demr er hat nur die Wirkung, die Beziehungen zu erschweren und zu vermindern.(Sehr richtig! links.) Dieses beklagenswerte Ergebnis ist nicht verwunder- lich. Es ist die logische und notwendige Konsequenz des Zolltarifs von 1902.(Lebhafte Zustimmung links.) Die Wer- antworlung für den Mißerfolg tragen also die Parteien, die diesem Zolltarif zugestimmt haben.(Sehr richtig! links.) Bei Handelsverträgen wird jetzt so verfahren, daß keiner der Unterhändler Konzessionen machen will. Wer eine großzügige Handelspolitik macheu wollte, würde fürchten, daß er nachher mit ungenießbaren Viltnalien oder schwedischen Vflaster- steinen beworfen würde.(Heiterkeit.) Der vorliegende Pertrag zeigt die ungünstigen Wirkungen dieser Art des Verhondelns. Charakteristisch ist, daß man das Zugeständnis in bezug auf die Preißelbeeren so besonders im Interesse der minderbemittelten Be- völkerung preist. Wenn eS sich um die Erschwerung der Einfuhr von Fleisch handelt, kümmert man sich nicht um die Jntereffeu der Konsumenten, da ist eS doch er- freulich, daß die Regierung wenigstens für die g e- füllte Kompottschüssel der Konsui.uenten sorgt.(Heiterkeit.) Zum mindesten sollte bei der ZollauSlegung die Regierung unsere Interessen wahren. Seine Freude hat nieinamd an dem Vertrag; das ist die logische Folge der Ueberspannung des Zoll- s ch u tz e S. Die Ablehnung des Vertrags wärce ja das einfachste, aber die Verantwortung für einen Zollkrieg wollen wir nicht über- nehmen. Wir werden für den Vertrag, stimmen, weil er immerhin besser ist als der autonome Tarif. Und unter der Herr- schaft unseres Zolltarifs von 1902 wird nach unserer Ueberzeugung ein besserer Vertrag auch nachher nicht abgeschlossen werden können. Wir hoffen, daß das deutsche Volk mit diesem Zolltarif von 1902 auch einmal aufräumen wird.(Bravo! links.) Abg. Frhr. v. Gamp(Rp.): Gegen die grobe Verdächtigung deS Abg. v. Bollmar gegenüber unfern Unterhändlern in Stockholm, daß einer derselben nur die Interessen der Großeisenindustrie wahr- genommen habe, muß ich protestieren.(Präsident Gras Schwerin- Lölvitz: Eine grobe Verdächtigung der deutschen Unterhändler hätte ich gerügt.) Es ist überhaupt kein Vertret« der Großeisenindustrie bei den Unterhandlungen zugegen gewesen. Auch bei unS hat der Bertrag keine Begeisterung erregt, tß ist aber anzuerkennen, daß die Verhandlungen in loyaler und fveundnachbarlicher Weise geführt worden find. Auch der Zolltarif von 1902 trägt nicht die Schuld an dem ungünstigen Ergebnis, sondorn einfach der Wunsch Schwedens, seine junge Industrie zu fördern. Wir werden in der Kommission prüfen müssen, ob wir in der Lage sind, der Zollfreiheit schwedischer Pflastersteine zuzustimmen.(Beilall! rechts.) Abg. Dr. Werner(w irisch. Bg.): Den schwedischen Diplomaten ist e» bei den Vertragsverhandlungen gelungen, für ihre Industrie große Vorteile herauSzuichlaaen. Die deutsch«! Unterhändler haben solche Erfolge nicht erreicht. Redner verliest uirter wachsender Unruhe des Hauses mit eintöniger Stimme eine längere Rede. Präsident Gras Schwerin-Löwitz: Herr Abgeordneter, das Verlesen von Reden ist nur Abgeordnete« gestattet, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind.(Heiterkeit und Sehr richtig! links.) Abg. Dr. Werner: Ich habe durchaus ntzcht abgelesen. Präs. Graf Schwerin-Löwitz: Ich verbitte mir eine derartige Kritik meiner Geschäftsführung. Abg. Dr. Werner polemisierr gegen die Freisinnigen und Sozial- demokraten, die inkonsequent handelten, wenn sie für den Bertrag stimmten. Seine Freunde würden den Vertrag ablehnen.(Ironisches Bravo! links.) Hierauf wird ein S ch l u ß a n t r a g angenommen. Abg. Molkcubshr(Soz.): Der Verfasser der Rede, die Herr Dr. Werner vorgelesen hat(Sehr gut I und große Heiterkeit links.), hat behauptet, ich hätte einen Brief von Siein. arbeiten, erhalten mit der Aufforderung, wir sollten gegen den Vertrag stimmen.— Ich habe einen Brief solchen Inhalts nicht erhalten. Abg. Dr. Werner: Dann gehörte der Brief zu denen,„die Sie nicht erreichten".(Heiterkeit.) Der Vertrag wird an eins Kommission überwiesen. Nächste Sitzung: Dienstag 12 Uhr.(Zweite Lesung der elsaß-lotbriirgischen Versa sfungsvorlage.). Schluß 7% Uhr._ Hbgeordmtenbaud* 82. Sitzung. Montag, den 22. Mai« vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: S y d o w. Die Beratung des Antrags der Budgetkommission betreffend die Lage der staatlichen Bergwerke wird fortgesetzt. Abg. Dr. Röchling(natl.): Der Rückgang in den Erträgnissen der staatlichen Bergwerie im Saarrevier ist vor allem auf o r- ganisatorische Mängel zurückzuführen. Die mittleren Be- amten, die Steiger vor allem, sollten nicht mehr als Beamte, wo sie dann auch bei mangelhaften Leistungen unkündbar sind, sondern im Vertragsverhältnis angestellt werden. Wenn eine all- g e m e i n e L o h n e r h ö h u n g für die Arbeiter nicht möglich ist, sollten wenigstens die tüchtigen Arbeiter Zulagen erhalten; das wird wesentlich zur Zufriedenheit der Bergleute bei- tragen. Heute wird in dieser Beziehung vielfach ungerecht und willkürlich verfahren. Wenn die Erträgnisse der Bergwerksverwaltung sich bessern sollen, muß der kaufmännische Geist in die Verwaltung einziehen, von dem der Ministerpräsident in Heidelberg sprach..(Bravo!). Wg. Gyßllng'(Vp.)': Wir dürfen die Schuld an den mangek- haften Erträgnissen der fiskalischen Bergwerke nicht der Regierung allein zuschieben: das Parlament trägt mit Schuld daran, denn cs hat die Maßnähmet«, die dazu geführt haben, g eb i ll i g t und hätte selbst frühzeitiger die Initiative zur Abhilfe ergreifen müssen. Die Sozialpolitik der Negierung, die mit Schuld an den Mindererträgnissen hat, billigen wir durchaus. Nur wäre vielleicht eine Erhöhung der Löhne im allgemeinen angebracht; eine ge« wisse Rücksicht auf die Privatindustrie ist aller- dings nötig. In der Sorge für die nötigen Sicherheitsmaßnahmen sollte die Verwaltung nach wie bor bahnbrechend vorangehen. Auf- fallend ist die veränderte Haltung der Konservativen dem Kohlen- shndikat gegenüber, das früher Graf Könitz nicht scharf genug angreifen konnte. Die Regierung scheint dem Kohlensyndikat gegen- über die Rolle der spröden Schönen spielen zu wollen. Ob das angebracht ist, lasse ich dahingestellt. Jedenfalls warne ich die Re- gierung vor der Rolle des stürmischen Liebhabers(Heiterkeit); Vor- ficht ist dem Kohlensyndikat gegenüber sehr am Platze.(Bravo I links.)_,.,' Abg. Korfanty(Pole): Es ist klar, daß der Staat sozio.» politisch eine ganz andere Stellung einnehmen mutz wie die Privat- industrie; er muß insbesondere in bezug auf die Höhe der Löhne vorangehen und seinen Arbeitern eine stetige Be- schäftigung sichern. Das Tantiemensystem für die Heizer usw. trägt nur zur Vermehrung der Unfallzifser bei. Abg. Leinert(Soz.): Die Prüfung der Lage der Bergwerke durch die Kommission hat auf mich den Eindruck gemacht, als ob Scharfmacher zu- samme/tgewesen wären, um gegen die Arbeiter Stellung zu nehmen. Die Tendenz hat dabei offenbar auch mitgespielt, die staatliche» Bergwerke lieber der Privatindustrie zur Ausbeutung zu überlassen ober sie so zu gestalten, daß die Privatindustrie ihre Freude darani haben kann.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Man spricht immer davon, daß die Staatsbetriebe Musterbetriebe sein sollen. Aber nach Ansicht des Ministers gehört dabei nicht, daß die Arbeiter höhere Löhne bekommen als in den privaten Berg- werken. Wir halten es, trotzdem also die Staatsbergwerke noch weit davon entfernt sind, Musterbetriebe zu sein, doch nicht für angebracht, die Verwaltung durch ien Staat aufzugeben. Es ist notwendig, einmal den Wert der staatlichen Bergwerke festzustellen, damit die Bevölkerung weiß, welch großer nationaler Reichtum in diesen Werken liegt. Bezeichnend war die Aeußerung des Herrn v. Papppenhcim, der Staat dürfe sich nicht von Humanitären Sonderbestrebungen leiten lassen. Davon ist auch gar keine Rede. Was der Staat an Sozialpolitik geleistet hat, ist geschehen, um sich die nötigen Arbeiter zu erhalten. Die freiwilligen Leistungen zugunsten der Arbeiter betragen 1909 nur 6,2 Proz. der gesetzlichen Leistungen. Davon ist also wirklich kein Rühmens zu machen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Im Saargebiet hat die Erhöhung der Löhne nicht Schritt ge- halten mit der Belastung der Bergarbeiter bei den Knappschaftskassen. Man vermißt die sozialpolitische Einsicht des Staates auf die frühere Einführung von Arbeiterausschüssen und Sicherheitsmännern im Saarrevier. Demgegenüber erinnere ich an die bekannten Ausführungen des Herrn H i lg er auf der Konferenz im Palasthotel, der selbst diese Sicherheitsmänner als „weiße Salbe" bezeichnete.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Auf die Rentabilität der Staatsbergwerke haben diese Ein- richtungen keinerlei Einfluß gehabt.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Die Lage dieser staatlichen Bergarbeiter wird mir in Zuschriften aus dem Saargebiete als sehr traurig geschildert. Es zeigen sich bereits Spuren von Degeneration in dieser Arbeiterbevölkeruna. Die Wohlfahrtseinrichtungen, die Gewährung von Land und Wohnung werben für die Arbeiter zur Wohl sah rtsplage, sie dienen lediglich dazu, den Arbeitern ihre Selbständigkeit zu nehmen. Wer von einer staatlichen Grube entlassen ist, findet in der ganzen Gegend keine Arbeit. Ich frage den Minister, ob in der Tat noch immer ein dahingehendes Ab- kommen der staatlichen Verwaltung mit der Privatindustrie besteht; das wäre ein mit modernen Grundsätzen ganz unvereinbarer barbarischer Zustand.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Auch die Behandlung der staatlichen Bergarbeiter läßt viel zu wünschen übrig, sie werden bielfach wie Rekruten be- handelt. Ein Arbeiter, der einen Vorgesetzten nicht gegrüßt hatte, durfte eine ganze Woche nicht arbeiten. Die Löhne sind im Saar- revier in den staatlichen Bergwerken seit Jahrzehnten die ge- ringsten. Auch von einer Stetigkeit der Löhne ist keine Rede. 1891 waren die Löhne eine Mark hoher als 1999. Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ganz unerhört ist auch, loenn man die mittleren Beamten für die mangelnde Rentabilität der staatlichen verantwortlich macht. Hier behauptet man, sie leisten weniger in- folge des niedrigen Gehalts. Warum zieht man dann nicht bei den Arbeitern die Konsequenz, sie durch höheren Lohn zur Steigerung der Leistung anzureizen. Nein, diese Konsequenz zieht man nur bei den Vorgesetzten der Arbeiter, die man durch Prämien- gewährung dazu veranlassen will, die Arbeiter noch immer mehr anzutreiben und zu schikanieren. Das führt dann zu solchen Katastrophen Ivie dem Radbodunglück.(Sehr loahr! bei den Sozia!- demokraten.) Die höheren Beamten sollten etwas länger gehalten werden heute gehen sie vielfach, tvenn sie einen Titel erlangt haben, in hie P r i v a t i n d u st r r e über.— Man spricht von der Locke- 'enng der Disziplin und findet cs unerhört, daß ein gewöhnlicher Arbeiter das Recht hat, sich beim Mimstcr zu beschtveren. Wir sind im Gegenteil der Meinung, daß dies Beschwerderecht dem Arbeiter belassen werden muß.(Sehr richtig! bei den Sozia?- demokraten.) Ihnen dies Recht nehmen, heißt der brutalen Be- Handlung der Arbeiter, ihrer Rechtlosmachung nach dem Wunsche der Ä i r d o r f und S t l n n e s das Wort reden. Darin war sich die Kommission einig. In der Verdächtigung und Be- schimpfung der Arbeiter als faule und unbotmäßige Elemente hat mau Großes geleistet, aber von der Notwendigkeit, den staatlichen Bergleuten das K o a l i ti o n s r e ch t zu geben, ist in der Kommission leine Rede gewesen. Ich gebe zu, daß aus den Ausführungen des Oberberghauptmanns ein gewisses soziales Ge- fühl sprach, aber dies Verständnis an der Zentralstelle reicht nicht hinein in die untere Verwaltung. Wenn in der Kommission wieder behauptet worden ist, daß die Leistungen der Bergarbeiter zurückgegangen seien, so haben schon dio Herren von der Regierung dargelegt, daß die Ursachen dafür, daß pro Kopf der Belegschaft die Förderung steigt oder fällt, so mannigfach sind, daß dies Steigen oder Fallen absol u t unabhängig ist von dem Fleiß der Arbeiter.(Sehr wahr! bei den Sozialdemolraten.) Einer der wichtigsten Beschlüsse der Äomnilssion ist dann die Forderung, daß der Staat in das Kohlensyndckat eintreten solle. Die Erfolge des Zlvangskalisyndikats scheinen das Kohlensyndikat neidisch gemacht zu haben. Daß sich das Kohlensyndiiat augenblicklich in einer sehr unangenehmen Lage befindet, ist ja zweifellos. Wir sind nicht prinzipielle Gegner von Syndikaten, sie können unter Umständon sehr segensreich wirken. Es wäre gewiß auch möglich, daß durch den Zusammenschluß der Großindustrie in Kartelle eine Erhöhung der Arbeiterlöhne herbeigeführt würde, sowie der Abschluß von Tarif- Verträgen mit den beteiligten Gewerkschaften. Aber zu diesem Zweck will man ja den Eintritt des Fiskus in das Kohlensyndikat nicht. Der Fiskus selbst steht bekanntlich auf dem Standpunkt, daß er mit den Arbeiterorganisationen nicht verhandelt und auch bei dem Kohlensyndikat sind Autokratie und Despotie die herrschenden Grundsätze. Wir würden einem Eintritt des Staates in das Syndikat nur dann zustimmen können, wenn uns Garantien gegeben werden, daß das Syndikat dann für Tarifverträge eintritt. Das Syndikat ist insofern eine interessante Erscheinung. als es beweist, daß die Kapitalisten in der kapitalistischen Gesell- schaft eigentlich ganz überflüssig sind. Es würde genau dasselbe erzeugt werden, ob nun der Ueberschuß, den das Syndikat erzielt. als Dividende an die Kapitalisten verteilt wird oder den Ar» Liters und Bea&feQ PiMd löBWt. 2n{of&a ig&& Syndikat gewissermaßen eine EtappeaufdemWegezumZukunftS- staat und zeigt, wie eine Expropriation der Kapitalisten möglich wäre. Die EntWickelung zur Bildung von Syndikaten ist in der kapitalistischen Gesellschaft nicht aufzuhalten, es wäre sinnlos, sich dagegen zu wehren. Wir müssen aber verlangen, daß die Aus- schreitungen solcher Syndikate den Arbeitern gegenüber verhindert werden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Eintritt des Staates bietet uns dafür keine Garantie. Der Staat hätte dann nicht das Syndikat in Händen, sondern die geriebenen Ge- schäftsleute, die an der Spitze des Syndikats stehen, würden mit der Bureaukratie in kurzer Zeit fertig werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Das Ziel, das der Landtag der Re- gierung zuweist, muß vielmehr eine Emanzipation von den Scharfmachera sein, ein Abrücken von den Leuten, die heute die Arbeiter in der Montanindustrie so unwürdig beherrschen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Machen Sie aus Knechten im Staatsbetriebe freie Arbeiter, dann wird sich, wenn auch nicht die materielle Rentabilität so doch das moralische Ansehen der staat- Jichcn Bergwerke heben. Und das ist uns vielmehr wert als einige Millionen Ueberschuß.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Bei den ganzen Untersuchungen der Kommission sind am Ende wohl politische Motive ausschlaggebend gewesen. Sehr bemerkenswert ist ja da der plötzliche Umschwung der Konservativen in ihrer Haltung zum Syndikat. Man hat diese veränderte Hal- tung in Verbindung gebracht mit dem Einrücken der Konservativen in die Rheinprovinz, mit dem Ritt nach Köln. Die Großindustrie hat sich ja allmählich aus de.r nationalliberalen Partei hinüber- gezogen in die freikonservative, die allerdings nur im Hause und nicht im Lande besteht.(Zuruf bei den Freikonservativen.) Herr S p i n z i g, Sie sind in einer nationalliberalen Ver- fammlung aufgestellt.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Konservativen gehen nun darauf aus, den großen Geld- beute! der Großindustrie für ihre Zwecke dienstbar zu machen und darauf ist offenbar auch ihr Umschwung in der Be- urteilung der Syndikatspolitik zurückzuführen. Ebenso ist es auf politische Gründe zurückzuführen, daß Herr B r u st in der Kom- Mission gegen die mittleren Beamten auftrat, hier im Plenum aber für sie. Es ist natürlich für das Zentrum in Saarabien, wo bisher die Nationalliberalen tonangebend gewesen und wo das Zentrum ebenso behandelt wurde, wie wir ander- wärts, sehr wertvoll, sagen zu können, daß es im Gegensatz zu den Nationalliberalen für die Arbeiter und mittleren Beamten einge- treten sei. DaS ganze läuft also auf Wahlpolitik hinaus. Wir werden den Arbeitern klar machen, daß das Zentrum wie immer, weil es hinter verschlossenen Türen tätig ist, sich arbeiter- feindlich zeigt in der Oeffentlichkeit aber arbeiterfreundlich redet. Die ganze Untersuchung der Kommission hat zum Resultat gehabt, daß die Unrentabilität der staatlichen Bergwerke auf den Arbeitern sitzen bleibt. Dagegen protestieren wir energisch und verlangen, daß auch den staatlichen Bergarbeitern gegenüber Gerechtigkeit und Menschlichkeit geübt wird.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Spinzig(fk.): Ich habe schon bevor ich von den National- liberalen aufgestellt wurde, erklärt, daß ich mich den Freikonser« vativen anschließen würde. Im übrigen sind wir in der Unter- kommission nachdrücklich für die Arbeiter eingetreten. Den Ab- geordneten Leinert möchte ich darauf hinweisen, daß Deutschland in der praktischen Fürsorge für die Arbeiter von keinem Lande der Welt übertroffen wird. 810 Millionen werden jährlich vom Reiche für sozialpolitische Zwecke verausgabt. Die Sozialdemo- kraten kritisieren alles, tragen aber nicht zurBesserungbei.(Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Eine unparteiische Kommission der Bergarbeiter sollte eingesetzt werden, um alle Beschwerden über die Sicherheitsmänner zu prüfen. Abg. Jmbusch(Z.) bestreitet, daß der Abg. Brust aus Partei- politischen Gründen seine Haltung in der Frage der Vertrags- steiger geändert habe und polemisiert gegen den Abg. Leinert. Hierauf wird ein Schlußantrag angenommen. Abg. Leinert(Soz.): Herr Jmbusch hat gesagt, ich hätte den Kommissionsbericht nicht gelesen oder wissentlich die Unwahrheit gesagt, wenn ich ausgeführt hätte, daß niemand für das Koalitions- recht und für höhere Löhne in der Kommission eingetreten sei. Das habe ich gar nicht gesagt. Herr Jmbusch hat sich etwas zurecht- gelegt, um gegen mich polemisieren zu können. Ich protestiere gegen diese ungeheuerliche Unterstellung. Präsident v. Kröcher: Herr Jmbusch hat Ihnen ja gar nicht wissentliche Unwahrheit vorgeworfen. Er hat von einem Ent- weder-Oder gesprochen. Es bleibt also immer noch die Möglichkeit, daß Sie den Bericht nicht gelesen haben.(Heiterkeit.) Die Denkschrift wird durch Kenntnisnahme für er- ledigt erklärt. Entschließungen der Budgetkommission, die die Regierung beauftragen, in eine Prüfung der Frage einzutreten, wie die Erträgnisse der staatlichen Bergwerke günstiger gestaltet Werden können, werden angenommen. Das Bullenhaltungsgesetz für die Rheinpro- dinz wird einer besonderen Kommission überwiesen. Nächste Sitzung: Mittwoch 11 Uhr. Interpellation DubrowSki ttnd kleinere Vorlagen. Schluß 5% Uhr._ 14. Geiitraloersammlung dtsIenttalüttbandts derFeder- Ardeiter und-Arbeitkrinntn DkuWands. München, 20. Mai 1911. Die Beratung der StatntenSnderungsantriige nahm auch noch den letzten Verhandlungstag in Anspruch. Neugeregelt wurden die Streikunterstützung. Erwerbslosen- und Sterbeunter st ützung. Die Gemaßregeltenunterstützung wird in der Höhe der Streikunterstützung inklusive der Kinderunter- stützung derjenigen Veitragsklasse gewährt, der das Mitglied ange- hört und darf nur unter Zustimmung des Zentralvorstandes ge- zahlt werden.— Wöchnerinnen erhalten vom Tage nach der Ent- bindung bis zu 6 Wochen die Krankenunterstützung. Die Anstellung eines fünften besoldeten Beamten im Jen- tralvorstanv tvtrd in namentlicher Abstimmung mit 35 gegen 17 Stimmen beschlossen.— Der Sitz des Zentralvorstandcs bleibt wie bisher in Berlin und wurden die diesbezüglichen Anträge ab- gelebnt. Nach einer l�tägigen Debatte wurde die Spezialdebatte über die Statutenänderungen geschlossen. Das neue Statut tritt am 1. Juli in Kraft. Den Mitgliedern des Zentralvorstandes wird rückwirkend zum 1. Januar ein jähr- licher Wohnungsgeldzuschuß von 120 M. gewährt. Der Zentralvorstand wurde in seiner bisherigen Zusammen- setzung ein st immig wiedergewählt. Als fünfter besol- deter Beamter wurde durch Stimmzettel Knappe-Berlin ge- wählt. Der Sitz des Ausschusses bleibt wie bisher in München. Die nächste Generalversammlung findet in Berlin statt. 19. GevtralversMUllung der Kerglltbeiter Aeutschlands. Bochum. 19. Mai 1911. In der Woche vom 21. bis 27. Mai wird im hiesigen Viktoria- Hotel die 19. Generalversammlung des Verbandes der Bergarbeiter tagen. Der Geschäftsbericht deS Vorstandes für die Jahre 1909/10 enthält ein reiches Agitationsmaterial auch für die Allgemeinheit der Arbeiter. Mit der Entwickelung des Verbandes in den beiden Berichts- fahren, so schreibt der Vorstand, kann man nicht voll zufrieden sein, wenn auch immerhin ein Fortschritt zu verzeichnen ist. Am verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs,' Berlin. Lür den Schlüsse der börlgen Berichtszeik, Ende 1908, hatte dör Verband 112 513 Mitglieder, am Schlüsse 1909 waren es 120 280 und am Schlüsse 1910: 123 437 Mitglieder. Relativ viel stärker haben sich die vorhandenen Zahlstellen in den beiden Berichtsjahren vermehrt. Im Jahre 1903 waren 737 Zahlstellen vorhanden, im Jahre 1909 756 und im Jahre 1910: 821.— Daß die Steigerung der Mit- gliederzahl hinter den Wünschen und Erwartungen zurückbleibt, ist nicht im Mangel an Agitation zu suchen. Agitation ist in der Berichtszeit genügend getrieben worden. Zuerst setzte sie Anfang 1909 aus Anlaß des großen Grubenunglücks auf Zeche Radbod ein. Die Forderung war eine bessere Grubenkontrolle. Im Herbst 1909 wurde der Plan der rheinisch-westfälischen Grubenbesitzer bekannt, einen Zwangsarbeitsnachweis einzuführen. Auch diese Tatsache war geeignet, die Gemüter der Bergarbeiter in Rheinland- Westfalen aufs äußerste zu erregen. Die Erregung kam auch in einer großen Zahl von Versammlungen zum Ausdruck, aber die Bergarbeiter waren viel zu schwach organisiert, um die Unter- nehmer von ihrem Vorhaben abzuhalten. Der Zwangsarbeitsnach- weis kam mit dem 1. Januar 1910 zur Einführung. Der Agitation war weiter dienlich das Inkrafttreten der Sicherheitsmänner- Novellen zu den Berggesetzen Preußens und Sachsens sowie die infolgedessen stattgefundenen Wahlen der Sicherheitsmänner, und im Ruhrgebiet endlich die Wahlen der Knappfchaftsältesten. Diese Wahlen brachten dem Verbände allenthalben große Erfolge, die be- wiesen, daß er das größte Vertrauen bei den Bergarbeitern genießt. Aber sie vermochten die Masse der Bergarbeiter nicht derart auf- zurütteln, daß sie in genügenden Scharen die Notwendigkeit des festen Anschlusses an die Organisation erkennen. Ein Hemmschuh für die Entwickelung des Verbandes ist die große Fluktuation. Im Jahre 1910 z. B. sind 37 217 Mit- glieder neu aufgenommen worden, durch Uebertritte aus anderen Organisationen, Zuzug, Rückkunft vom Militär entstand noch ein weiterer Zuwachs von 13 768 Mitgliedern, trotzdem war nur ein wirklicher Gewinn von 3157 Mitgliedern zu verzeichnen. Sieht man von der Entwickelung des Verbandes nach der Mit- gliederstärke ab und betrachtet seine Entwickelung nach den Kassen- Verhältnissen, so ist das Resultat durchaus zufriedenstellend. Die Einnahme an reinen Mitgliederbeiträgen betrug im Jahre 1908: 1792 068,75 M.. im Jahre 1909: 1817 551,30 M. und im Jahre 1910: 2 122 877,66 M. Die Einnahmen aus reinen Mitglieder- beitrügen haben sich also um 18,4 Proz. gesteigert, während die Steigerung der Mitgliederziffer nur 9,7 Proz. ausmacht. DaS be- weist, daß der Nestanten weniger werden, die Stabilität und innere Festigung der einmal dauernd Gewonnenen Fortschritte macht.— Die Gesamteinnahmen der Hauptkasse betrugen 5 573 508,23 Mark. Das Gesamtvermögen betrug am 31. Januar 1909: 2 816 944,04 M.. am 31. Januar 1911: 4 228 937,22 M. Unter den Ausgaben nennen wir 471 134,40 M. für Streik- u n t e r st ütz u n g, 73 900 M. Streikunterstützung an andere Verbände, 176 594,28 M. für Gemaßregeltenunter- st ü tz u n g, 63 758,30 M. für Arbeitslosenunter st ützung. 624 956,95 M. für Krankenunter st ützung. 164642,50 M. für Sterbegeld. Abgesehen von dem Streik der Mansfelder Bergleute fanden große Kämpfe nicht statt. Es fanden insgesamt statt: 22 Streiks und Aussperrungen, daran waren 13 736 Personen beteiligt. Er- reicht wurde für 2657 Personen eine Lohnerhöhung von wöchentlich 1413 M., eine wöchentliche Arbeitszeitverkürzung für 155 Personen von 930 Stunden. Die Bergarbeiter haben noch ein großes Stück Arbeit vor sich. ES gibt in Deutschland mindestens 750 000 organisationSfähigc Bergarbeiter, davon gehören nur 16,5 Proz. dem freien Verbände an. Die anderen drei Bergarbeiterorganisationcn haben zusammen noch nicht 16,5 Proz. der deutschen Bergarbeiter als Mitglieder. Möge die Generalversammlung dem Verbände neue Waffen liefern, um seinen erstrebten Zielen näher zu kommen. Bochum. 21. Mai 1911. Die Eröffnung und Konstitutierung der Generalversammlung g-staltete sich zu einer imposanten Kundgebung. Mehrere tausend Männer und Frauen saßen und standen im Riesensaale des Schützenhofs, in ihrer Mitte der Vorstand, die Delegierten und Gäste, 7 Kameraden aus Belgien, Elfers, der Vorsitzende der holländischen Bergarbeiterorganisation, U m b r e i t von der Generalkommission, zusammen etwa 150 Personen. Reichstags- abgeordneter H u e hielt, oft von lebhaften Zustimmungen unter- brachen, eine� packende Begrüßungsrede. Dann begrüßte Arbeiter- Sekretär Thören aus Bochum im Namen des Bochumer Gewerk- chaftskartells die Delegierten. Verbandsvorsitzender Sachse teilte mit, daß unter Berufung auf den famosen Sprachenpara- graphen des Reichsvereinsgcfctzes die Behörde das Reden in einer remden Sprache nicht gestattet. Aber wie immer wurde der Be- Hörde ein glänzendes Schnippchen geschlagen. Der bekannte Genosse Henri de Man ergriff im Namen seiner sechs Freunde in deut- ch e r Sprache das Wort. Die belgischen Genossen befinden sich n Deutschland auf einer Studienreise, um das Wesen und die Ein- richtungen der Zentralgewerkschaften zu studieren. Die belgischen Organisationen, die sich hauptsächlich auf lokaler Grundlage auf- bauen, machen nicht mehr die Fortschritte, die der wirtschaftlichen Entwickelung entsprechen. In Belgien ist keine Stabilität in den Organisationen. Zur Kampfzeit schwellen sie mächtig an, nach erledigten Kämpfen schrumpfen sie wieder zusammen. Deshalb macht sich jetzt immer stärker die Bewegung zur Zentralisation be- merkbar, damit die Arbeiter nicht mehr ihre Kräfte aufreiben in Putschen, sondern in planmäßiger, stabiler Organisationsarbeit das Errungene halten können.— Der Redner schloß seine Aus- führungen mit den Worten: Französisch zu reden ist meinen Freun- den verboten, deshalb wollen sie französisch singen. Und unter dem brausenden Beifall der ganzen Versammlung brachten die Sieben in französischer Sprache die Internationale zum Vortrag. Ebenso großen Beifall löste es aus, als der Vorsitzende der hollän- dischen Bergarbeiter seine Rede in streng westfälisch-holländischem Plattdeutsch hielt. Nachdem noch U m b r e i t, der Vertreter der Generalkommission, gesprochen« konstituierte sich die Generalver- sammlung. 19. GevkraiverteNhttlg der Gksiulieiter md -Arbeitemnen Deutschlands. Im thüringischen Glasindustriegebiet, in dem kleinen Städtchen Ilmenau, tagt vom 22.— 27. Mai die zehnte Generalvcrsamm- lung deS Zentralverbandes der Glasarbeiter. Der Tagung vor- aus gehen Branchenkonferenzen, in denen die Verhältnisse der einzelnen Berufe eingehend besprochen und entsprechende Maß- nahmen ergriffen w?rden sollen. Auf der Tagesordnung der Generalversammlung stehen 7 Punkte. Neben dem Geschäftsbericht sind davon die wichtigsten:„Die Verschmelzungsfrage":„Arbeiter- schutz in der Glasindustrie" und„Beratung der Anträge". Bei der Verschmelzungsfrage handelt cS sich um die Schaffung einer Jen- tralorganisation der drei keramischen Arbeiterverbände, der Töpfer, Porzellan- und Glasarbeiter. Einzelne Mitglieder des Glas- arbeiterverbandes sprachen sich zwar für die Verschmelzung mit den Metallarbeitern oder Fabrikarbeitern aus, aber diese Wünsche dürften keinen allzugrotzen Widerhall bei der Generalversammlung finden. Bei Beratung des Punktes„Arbeiterschutz in der Glas- industrie" werden erneut die Forderungen der Glasarbeiter an die Gesetzgebung energisch erhoben werden. Die Glasarbeiter ver- langen vor allem eine Begrenzung der Arbeitszeit. Die Arbeitsschicht soll auf 8 Stunden beschränkt und in der Glas- Hütten das Arbeiten an Sonn- und Festtagen, mit Ausnahme der erforderlichen Unterhaltung des Feuers an den Oefcn. verboten werden. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat schon wiederholt die Wünsche der Glasarbeiter in Anträgen dem Reichstag unterbreitet, diefer nahm auch schon entsprechende Reso- Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts lutkonen Skk, aber bis heule ist noch nichts gekaff, Wa9 Z>«l st berechtigten Fordsrungen der Glasarbeiter entspricht. Insbesondere fehlt es auch noch an genügendem Arbeiterinnen- und Kinderschutz. Geschäftsbericht. Die Jahre 1909 und 1910, über die sich die Geschäftsperiode er« streckt, waren auch für die Glasindustrie wirtschaftlich ungünstig. Be- fonders dürfte die Flaschen industrie in keiner vorausgegangenen Wirtschaftsepoche so stark in Mitleidenschaft gezogen worden sein wie in diesen Jahren. Die Arbeitslosigkeit war ganz bedeutend und die Furcht vor der Entlassung hielt die im Betrieb stehenden Kollegen ab. sich ernstlich mit der Verbesserung der Lebenshaltung zu beschäftigen. Fast alle Kämpfe, die der Verband führte,-i*.»- beten sich gegen beabsichtigte Verschlechterungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen, oder aber gegen fortgesetzte Entlassungen. In dem Krisenjahr 1909 konnten über die Hälfte der beabsichtigten Verschlechterungen nicht abgewehrt werden. Erreicht wurde in diesem Jahre lediglich für 24 Personen eine Lohnerhöhung um 105 M. pro Woche. Abgewehrt wurde eine Verlängerung der Arbeitszeit für 67 Personen um 201 Stunden wöchentlich und eine Lohnkürzung für 358 Personen um 393 M. pro Woche. Nicht abgewehrt konnten aber werden eine Lohnkürzung für 473 Per- souen um 727 M. pro Woche und eine Verlängerung der Arbeits, zeit für 20 Personen um 160 Stunden wöchentlich. DaS Ergeb- nis der Lohnkämpfe im Jahre 1910 ist bedeutend besser. ES wurde erreicht: eine Verkürzung der Arbeitszeit für 132 Per- sonen um 534 Stunden und eine Lohnerhöhung für 1454 Personen um 2217 M. pro Woche. Abgewehrt wurde eine Arbeitszeit- Verlängerung für 79 Personen um 366 Stunden und eine Lohn- kürzung für 58 Personen um 156 M. wöchentlich. Nicht abge- wehrt konnte eine Lohnkürzung für 36 Personen um 19 M. pro Woche werden. Tarifverträge wurden 1909 in 3 Fällen für 169 Personen und 1910 in 14 Fällen für 1242 Personen abge- fchlossen. All diese Zahlen zeigen zur Genüge, mit welch hart» näckigem Gegner die Glasarbeiter zu tun haben und wie schwer ihre wirtschaftlichen Kämpfe in den beiden Berichtsjahren waren. Unter der wirtfchaftlichen Depression hatte auch die Mit« gliederbewegung zu leiden. Am Schlüsse der vorigen Ge- schäftsperiode betrug die Zahl der Mitglieder 17 218, Ende 1909 aber nur noch 14 625. 1910 ging es wieder aufwärts, dieses Jahr schloß mit einer Mitgliederzahl von 15 742 ab. In der Glas- industrie sind aber noch weitere 18 214 organisationsfähige Arbeiter tätig, so daß der Verband noch ein sehr großes Arbeitsfeld vor sich liegen hat. Nach dem Kassenbericht balanzieren bei einem KassenbestanL von 130 920,12 M. die Einnahmen und Ausgaben mit 701 930, 63i Mark. An Beiträgen wurden in der Bcrichtszeit 590 298,30 M. ein- genommen. Für die Arbeitslosenunterstützung wurden 215 740,92 Mark, für die Streikunterstützung 58 392,39 M. und für die Gemäß« regeltcnunterstützung 2204,61 M. ausgegeben. Hiia der Frauenbewegung. Christliches Massenmorden. Die Beschlüsse des Reichstages in der Frage der Mtwen- und Waisenversicherung sichern einen Fortbcstand grausigen Mütter» und Kindermordes. Mas den Witwen und Waisen geboten wird, rechtfertigt kaum die Bezeichnung„Versicherung"; ist es doch nur ein schlechter Ersatz für die Armenunterstützung. Nach wie vor bleibt die Mutterschaft für Prolctarierinnen ein Zustand erhöhter Sorge um die Existenz. Die ungenügende Fürsorge wird auch in Zukunft viele tausende Mütter und Säuglinge ins Grab reißen. Der christliche Staat hat kein Geld für Mutter- und Säuglings- schütz. Milliarden opfert er den Junkern an Liebesgaben, Mil» liarden dem Moloch Militarismus, ungezählte Millionen erraffen die Getreideexporteure durch das unverschämte Ausfuhrprämien» shstcm, Millionen verschlingt der Pferdesport, im Handumdrehest erhöhte man das Gehalt Wtilhelms ll. um 3 Vi Millionen Mark,— Millionen wirft man für Spitzel und sonstiges Lumpengesindel zum Fenster hinaus— aber für unsere Mütter und Säuglinge hat der Vater Staat kein Geld. Wahrlich ein nettes christliche? Bildchen. Und der Hauptträger dieser Politik ist die politische Ver- tretung der katholischen Kirche, das Zentrum, in dem Tiener der Kirche und der christlichen Religion dominieren. Muß man da nicht schaudern? Mit der Christlichkeit und den Frommen kennt mar» sich nie recht aus— nur das findet man stets: die Armen werden geprügelt! Die vor Frömmigkeit triefenden christlichen Organe bringen es sogar noch fertig, ihren Sieg über die Witwen, Waisen- Mütter und Säuglinge jubelnd in die Welt hinauszuschreien, bis Betrogenen und Betrübten zu verhöhnen. Eines der widerlichste-, dieser Sorte katholischer Ehristenblättcr, die„Arbeiterin", ein Organ, das angeblich speziell die Interessen der Proletarierinnen vertritt, verführt sein Entzücken über die Beschlüsse des Reichstag? zu folgenden, Scham und Empörung auslosenden höhnischen Aus« lassungen:. .. Das wichtigste im nenen Gesetze wird aber wohl die Witwen- und Waisenverücherung. Hier werden ja die Herren Sozialdemokraten wahrscheinlich wieder ein wahres Jndiancrgeheul anschlagen, weil nicht gleich jede Witwe eine Rente von so und soviel tausend Mark bekommt." Daß jede Witwe„so und soviel tausend Mark bekommt", hat kein Mensch verlangt. Die Sozialdemokratie verlangte weiter nichts, als daß die Witwen vor dem Verhungern, vor der aller- schlimmsten Not gesichert werden sollen, lind darüber höhnt ein katholisches Arbciterinncnorgan, das selbstverständlich die Frömmig- keit hektoliterweise schluckt und verzapft, das die Leserinnen immer auf den Himmel verweist und ihnen das Stückchen Brot aus der Hand schlägt. So brutal, so gcmütsroh wie dieses augcnvcrdrchende Christentum kann das wildeste Heidentum nicht gewesen sein. Was brauchen arme Witwen und Waisen Unterstützung, wenn nur die Kirche mit Reichtümern sich den Magen überladen darf, und die Herren Geistlichen in fetten Pfründen sich gütlich tun können. Die Rache der Aufklärung und Erkenntnis über diese Gesellschaft! Versamuilungen— Verauftaltnngen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Donnerstag. den 25. Mai(Himmelfahrt): Ausflug nach WilhelmShagen(Be- such des Grabes von Ktara Müller),«bkahrt früh 9,23 Uhr Schlesischcr Bahnhof bis Rabnsdorf; dann Fußwanderung. Nachzügler fahren bis WilhelmShagen. Treffpunkt 12'/„ Uhr am Kirchhof. Nachmittags geselliges Beisammensein im Restaurant Neuer Krug in WilhelmShagen. evitternngsüberttcki« vom SS. Mai ISH. eSettrrvrognole für Dienstag, den 23. Mai 1911. ©n wenig warmer, aber veränderlich, mit etwas Regen und zlemltlb frischen westlichen Winden. _ Berliner Wetterbureau. Luchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer u.(Ja, Berlin SW. Nr. 119. 28. Zahrgallg. 2. Stilip Ks Jorniätls" Sttliict Wksdlck. SMig, 2B. P«i 1911. partci- Hngelcgcnbcitcn. Verband sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins und Umgegend. Am Freitag, den 26. Mai, abends, findet eine Flugblattverbreitung in Berlin und den größeren Vororten statt. Das Nähere wird morgen bekannt ge° geben. _ Der Zentralvorstand. Boxhagen-Rummelslurg. Am Donnerstag, den 2S. d. M. tHimmelfavrtStag) veranstalten die Mitglieder des Wahlvereins einen Ausflug nach RiiderSdorfer Kalkberge. Die Teilnehmer benutzen die Bahn ab Bahnhos Stralau-Rummelsburg 8.153, 7.09, 7.20 Uhr, Kietz. Rummelsburg 6.60, 7.12, 7.23 bis Wilhelmshagen, hier Treffpunkt, dann über Schönbltck nach Kalkberge. Freitag, den 28. Mai, abends 7 Uhr: Flugblattverbreiwng. Die Genossen treffen sich in den bekannten Lokalen. Wilhelmsruh, Niederschönhausen» West. Mittwoch, den 24. Mai, abends S Uhr: Oeffeutliche Volksversammlung im Lokal von Mühlburg, Kronprinzenstratze. Die Handzettelverteilung zu dieser Versammlung findet heute abend 7'/, Uhr von den Bezirks- lokalen aus statt. Der Vorstand. Nieder-Schönhausea-Rordend. Am Donnerstag IHimmelfahrtS« tag) findet eine Herrenpartie statt. Treffpunkt früh V,7 Uhr am Straßenbahnhof. Abmarsch 7 Uhr. Die Bezirksleitung. Berliner JVachncbten. Mißstände im polizeilichen Leichentransport. ES bestehen genaue ministerielle Vorschriften, tvio sich die Polizei in Selbstmordfällen und in Unglücksfällen mit tödlichem Ausgang zu verhalten hat. Diese Vorschriften beziehen sich eben» sowohl auf die Behandlung der Leichen wie der Verwandten oder sonst nächstbeteiligter Personen. Sie werden aber nicht immer so befolgt, wie es die Oeftentlichkeit verlangen muß. Sobald das nächste Polizeibureau von einem Selbstmord oder einem tödlich verlaufenen Unglücksfall benachrichtigt ist, wird allerdings sofort ein Schutzmann beordert, um die Leiche, die aus verständlichen kriminellen oder vermögensrechtlichen Gründen zunächst am Fund- orte liegen bleibt, mit einem Sackleinenwch zu verhüllen und Wache zu hallen, daß nicht Unberufene aus Neugier oder sonstigen Interessen sich an der Leiche zu schaffen machen. Ueber das zu langsame Verfahren bei Fortschaffung der Leiche vom Fundorte nach dem Leichenschauhause ist wiederholt geklagt worden. ES sind vier und mehr Stunden vergangen, ehe der ObduktionSwagen zur Stelle war. Im Bureau des Königlichen Leichen. kommissariats in der Hannoverschenstraße ist folgende Aus. kunft erteilt worden: Es ist für ganz Berlin nur ein einziger ObduktionSwagen mit Pferdebetrieb vorhanden, der aber nicht, wie fast allgemein ange» nommen wird, seinen Standort auf dem Grundstück des Leichen- schauhauseS, sondern eine reichliche halbe Wegstunde entfernt in der Georgenkirchstraße auf dem Fuhrhof deS Fuhrherrn Scharfenberg hat, an den al» Unternehmer der polizeiliche Leichentransport vergeben ist. Das Fuhrgeschäst stellt auch die Kutscher, die also keine Beamte sind. Sobald nun beim Leichenkommissariat die Polizeimeldung über eine abzuholende Leiche eingeht, ganz gleich. ob eS sich um Selbstmord oder Unglücksfall handelt, wird unver- züglich das Fuhrgeschäft telephonisch benachrichtigt. Während dort der Kutscher anspannt, fährt ein beamteter Leichendiener nach dem Fuhrhof oder, wenn eine WegerfparniS möglich ist, direkt nach dem AbholungSorte. Muß der ObduktionSwagen das Leichenschauhaus kreuze», also beispielsweise von der Georgenkirchstraße nach Moabit fahren, so fährt er in der Hannoverschen Straße vor, um hier den Leichenhausdiener mitzunehmen. Geht nun, während der Wagen auf der Tour ist, eine zweite Abholungsmeldung ein, so wird dies« unter Umständen sofort an da? für den ersten AbholungSort zu- stündige Polizeibnreau weitergegeben, damit der Wagen, der technisch entsprechend eingerichtet ist, möglichst auf demselben Wege auch die zweite Leiche aufnehmen und somit Zeit sparen kann. Nicht selten trifft aber die weitergegebene Depesche erst ein, wenn der Wagen mit der ersten Leiche schon unterwegs ist, so daß er dann hinterher zimlich denselben Weg noch einmal zurücklegen muß Richtig ist eS, daß die Abholungsmeldungen seitens des RevierbureauS nicht sofort nach dem Auffinden der Leiche einlaufen, sondern oft erst eine Stunde hinterher und noch später. Darauf hat aber das Leichenkommissariat keinen Einfluß Der Wagen wird mit zwei Kutschern, die sich ablösen, stets gebrauchsfähig geHallen. Ebenso sind stets Leichendiener zum Transport bereit. Mitunter geht in 24 Stunden nicht eine einzige Meldung ein. Dann wieder häufen sich die Meldungen zu gleicher Zeit, und nun entstehen allerdings, wenn die AbholungSorte weit auseinanderliegen, Schwierigkeiten mit erheblichem Zeitverlust. Um diese nach Möglichkeit auSzu- gleichen, wird in solchen Fällen das Transportinstitut für erste Hilfe mit in Anspruch genommen. Diese Wagen sind aber fast immer so begehrt, daß sie nicht in jedem Falle mit der gewünschten Schnelligkeit zur Verfügung stehen. Grundsatz ist es, in erster Linie für schnelle Fortschaffung der von öffentlichen Orten, also von Flußläufen, Straßen, Restaurants, Badeanstalten usw. ab- zuholenden Leichen Sorge zu tragen. Wenn auch zugegeben werden muß, daß hierbei zuweilen vier und mehr Stunden vergehen, so kann doch das Leichenkommissariat mit den gegenwärtigen Einrichtungen beim besten Willen nicht schneller arbeiten. Nach dieser erfreulich deutlichen Auskunft, die das Leichen- kommissariat entlastet, liegt ein dreifacher Mißstand vor. Erstens muß die Abholungsmeldung seitens des Polizeibureaus schneller erstattet werden. In der Regel ist doch auf dem ersten Blick zu übersehen, ob irgendwelche kriminelle Bedenken vorliegen oder nicht. Zweitens muß der ObduktionSwagen auf dem Grundstück des Leichenschauhauses stationiert sein. Wie uns weiter erklärt wurde, ist für Stallung. Remise usw. genügend Platz vorhanden. Drittens ist die Umwandlung des Pferdebetriebes in Auto. mobilbetrieb unbedingt notwendig. ES haben nach dieser Richtung auch mehrfach Verhandlungen stattgefunden, doch bisher ohne Erfolg. Mcm scheut vor den Kosten zurück und bedenkt nicht, daß der«utomobilbetrieb sehr bald daS Anlagekapital rentieren würde. Recht bedenttich erscheint die Benutzung von Kranken- wagen für den offiziellen Leichentransport auS ästhetischen wie aus hygienischen Gründen. Viel zu langsam geschieht ferner die Ermittelung und Be- nachrichtigung der Verwandten von Selbstmördern, wenn aus den bei der Leiche gefundenen Papieren nicht sofort alles Nähere ersichtlich ist. Uns sind aus neuerer Zeit Fälle bekannt, in denen «jt 19 Stunden mich der Anzeige bei dxx Pplizei die erst? Nachfrage; an beteiligter Stelle erfolgte, obwohl genau bekannt war, wohin sich die Polizei zu wenden hatte. Ebenso sind die dann ermittelten An- gehörigen amtlich erst von dem Selbstmorde benachrichtigt worden, als bereits die Beerdigung vollzogen war, zu der nun selbstverständ- lich die Angehörigen, besonders wenn sie auswärts wohnen, nicht rechtzeitig erscheinen können. Nach unserer Ansicht sollte eS sehr wohl möglich sein, daß alles in spätestens 24 Stunden zu erledigen, sobald mal erst bekannt ist, wie der Selbstmörder heißt und wo er zuletzt gewohnt hat. Ein schnelleres Verfahren ist schon deshalb zu verlangen, weil sonst die Gefahr besteht, daß der Selbstmörder, ehe noch die Angehörigen die nötigen Schritte tun können, als „Armenleiche" verscharrt wird. DaS Berliner Polizeipräsidium befolgt jetzt die Praxis, diejenigen Personen, die Mitteilungen zur Sache machen können, schriftlich vorzuladen. Das ist bureau- kratisch und verkehrt. Eine sofort ins Haus geschickte Ordonnanz kann in einer halben Stunde das Erforderliche feststellen, und noch innerhalb 24 Stunden nach Auffindung der Leiche können dann selbst entfernt wohnende Angehörige schonend telegraphisch be nachrichtigt sein. LolkSbibliothek für Musik. AuS dem Rathause wird geschrieben Erfreulicherweise werden neuerdings, einem lebhasten Bedürfnis der Zeit entsprechend, in verichiedenen Städten Volksbibliotheken stir Musik eröffnet, wodurch der Allgemeinheit Gelegenheit geboten wird. unentgeltlich Musikalien und Musikliteratur zu entleihen. In Berlin ist eine derartige Einrichtung bereits feit 1903 vorhanden. Damals beschloß der seit 1844 bestehende Berlmer Tonkünstlerverein seine reichhaltige Bibliothek, die über 6000 Bände umfaßt, als eine öffentliche Musik-Volksbibliothek der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Die Stadt Berlin gewährt seit 1909 dem Verein zur Deckung der hauptsächlich durch Abnützung und Neubeschaffunz von Musikalien entstehenden Unkosten eine jährliche Unterstützung, die in den ersten Jahren 600 M. betrug und in diesen, Jahre auf 760 M. erhöht wurde. Die Bibliothek erfreut sich großer Beliebtheit und außerordentlichen Zuspruchs von selten des Publikums. Sie befindet sich im Bureau des Tonkanstler-Bereins, Bülowstr. 81, Hof links 1 Treppe, und ist täglich von 11—12 geöffnet. Wieder eine Bespitzelung? Vor mehreren Wochen teilten wir mit sin Nr. 78), daß ein Schlosser T. in seiner Wohnung von einem fremden Menschen auf gesucht worden war, der sich ihm als.Kollege" vorstellte. Der angebliche Kollege meldete ihm, auf dem Verbandsbureau sei ein Mit- gliedsbuch gefunden worden, daß dem T. zu gehören scheine. Da T. gar kein Mitgliedsbuch verloren hatte und der„Kollege" bei einem mit ihm angestellten Verhör sich in arge Widersprüche verwickelte, so schöpfte T. Verdacht. Er nahm an, daß eS nur darauf abgesehen sei, auS ihm herauszukriegen, ob er überhaupt Mitglied deS Ver- bandeS fei. Dem Besucher, der sich als„Kollege" eingeführt hatte, sagte er inS Gesicht, er sei wohl ein.Kollege vom Alexanderplatz". Inzwischen hat nun T. erfahren, daß wenige Tage nach jenem sonderbaren Erlebnis, daS er für ein plumpes B e s p i tz e l u n g s- manöver hält, auch Bekannte von ihm durch einen höchst ver- dächtigen Besucher über ihn ausgefragt und dabei beschwindelt worden sind. In einer Familie, bei der T. vor einigen Jahren längere Zeit in Chambregarnte gewohnt hatte, erschien ein Mann, der sich als Sohn des Inhabers einer Mechanikerwerkstatt vorstellte. Er wolle, erzählte er, über T. Erkundigungen einziehen, weil er die Absicht habe, diesen als Betriebsleiter aufzunehmen oder ihn vielleicht auch zu seinem Sozius zu machen. Auch über T.s politische Ge- sinnung wünschte er Auskunft; daß werde man, sagte er, nach Lage der Sache wohl begreiflich finden. T. hörte erst nach Wochen ganz zufällig, welches Jnteresie für ihn jener wißbegierige Fremde gezeigt und mit welchen Angaben er cS begründet hatte. Er konnte nun die Familie darüber aufklären, daß er von alledem absolut nicht» wisse. Weder habe er in einer derartigen Werkstatt sich um eine Stellung beworben, noch kenne er irgendeinen Unternehmer, dessen Sohn Lust hätte, ihn zu seinem Kompagnon zu machen. T. nimmt an, daß auch hier wieder nur ein Be- spitzelungSmanöver versucht worden sei.„Spitzel u. Co." sei die Firma des Kompagniegeschäfts, von dem der angebliche Unternehmer- lohn geschwindelt habe. Merkwürdig bleibt nach wie vor, weshalb ein der Polizei dienender Spitzel sich so sehr für T. interessiert haben sollte. T. hat bisher nur einmal einen Anlaß gegeben, sich mit ihr zu beschäftigen. Er hat von ihr die Ausfertigung eines Führungs- attestes gefordert, das er für ein Stellungsgesuch brauchte. „Die Zeit am Montag" glaubt Gelegenheit nehmen zu sollen, dem„Vorwärts" gute Lehren zu erteilen. Anlaß dazu gibt ihr eine — an anderer Stelle unseres Blattes wiedergegebene— Gerichtsverhandlung gegen zwei Jnseratenacquistteure, die in Zittau für ein BezugSguellenvcrzeichniS der Firma Ulbricht in Dresden Inserate gesammelt, dabei aber in der skandalösesten Weise Geschäftsleute zur Ausgabe von Inseraten genötigt haben..Die Zeit am Montag" meint nun, daß die Parteiblätler, die das BezugSqnellenverzeichniS der Firma Ulbricht in Dresden gebracht hätten, feststellen möchten, ob auch bei ihren Inserenten durch Jnseratenacquistteure unlautere Mittel angewendet worden seien, und daß sie dann, wenn daS fest- gestellt würde, dazu kommen werden, ihre Verpflichtungen zu der Firma Ulbricht zu lösen. Wörtlich heißt eS dann in der Notiz: .Der„Vorwärts", der gerade in jüngster Zeit allerlei Schwin- deleien von Hausierern ausgedeckt hat, die arme Arbeiter unter Berustmg aus die Partei zu neppen versuchen, wird sicher diese moralische Verpflichtung anerkennen und danach handeln. DaS sozialdemokratische Zentralorgan veröffentlicht nämlich gleichfalls ein BezugSqnellenverzeichniS, welches die Dresdener Firma bei ihm aufgegeben hat." Hierzu möchten wir bemerken, daß das im„Vorwärts" er- scheinende BezugSquellenverzeichnis mit der Dresdener Firma nicht das geringste zu tun hat. Für daS BezugSquellenverzeichnis im „Vorwärts" kommt der Zentralverlag von Wichterich in Leipzig in Frage, der seinen stlequisiteuren zur Pflicht gemacht hat, nach jeder Richtung hin mir einwandfreie Geschäfte abzuschließen, und eS wäre von der.Zeit am Montag" zu erwarten gewesen, daß sie sich erst ge- wiffenhafter informierte, bevor sie unbegründete Behauptungen auf- stellt und daraufhin uns anrempelte. Abgesehen davon, daß eine Zeittmg für daS Verhalten von Lcquifiteuren— wenigstens nicht für die Nichlangestellten— verantwortlich gemacht werden kann, so glauben wir sagen zu können, daß in jeder sozialdemokratischen Zeitung der Schwindel bekämpft wird, auch wenn er bei Erlangung von Inseraten für die Zeitung betrieben werden sollte. So weit das Bezugsquellen- Verzeichnis von Ulbricht-DreSden in Frage kommt, sind unseres Wissens die bestehenden Verträge von Parteiblättern mit dieser In- seratenfirma teils gekündigt, teils gelöst. Ueber ein Bootöunzlück anf der Obcr-Spree berichteten gestern morgen die meisten MontagSblättcr. Am.Neuen EierHänschen" in Treptow, heißt eS, kenterte ein mit drei Personen, zwei Herren und einer Dame besetztes Ruderboot, weil die Insassen während der Fahrt die Plätze wcchielten. Alle drei Personen fielen in das insolgo böigen Windes bewegte Wasser, Hilfe wurde ihnen von den Insassen eines vorüberfahrendcn Motorbootes, die den mit den Wellen kämpfenden Verunglückten ein Rettungskissen zuwarfen, an dem sie sich so lan�e anklammerten, bis sie in das Boot gezogen werden konnten. Wie berichtet wird, handelte es sich um eine wohlvorbereitete kinemato- graphische Aufnahme. Der Aufnahmcapparat stand und arbeitete so offensichtig, daß ein Irrtum über das Unglück nicht leicht mög- lich war. Warum die Anschlußstrecke Wannsee— Stahnsdorf nicht gelaut werden kann. Als die Berliner Sradtsvnode das Terrain für den Südwest-Zentralfriedhof dort draußen in Stahnsdorf ankaufle und dasselbe für den Beerdigungszweck einrichtete, war ihr bereits von den Aufsichtsbehörden dte Genehmigung zum Bau eines Anschluß- gleises an die SiaatSbahn von Wannsee aus erteilt. Dieser Bau ist unumgänglich notwendig, damit wenigstens den Angehörigen der auf dem Zentralfriedhof Begrabenen die Möglichkeit gegeben werden kann, den immerhin schon recht weiten Weg von Berlin wenigstens per Bahn zu erreichen. Um den Bahnbau ansführen zu können, muß aber von dem Prinzen Friedrich Leopold der für diesen Zweck notwendige Waldstreifen in der Nähe des Jagdschlosses Dreilmden erworben werden. Alle Verhandlungen mit dem Besitzer resp. der prinzlichen Hofkammer sind bisher gescheitert. Es bleibt also nichts weiter übrig, den Weg von Wannsee nach Stahnsdorf auch für die Zukunft zu Fuß zurückzulegen oder den von der Stadtsynode ein- gerichteten AutomobilomnibuSverkehr zu benutzen. Recht kostspielige und dabei zeitraubende Erschwernisse, um die Ruhestätte verstorbener Angehöriger zu besuchen. Erhebliche Veruntreuungen sind auf dem GSrlitzer Bahnhof entdeckt worden. Ein Assistent Hcinze und eine Assistentin Margarete Michaelis, die dort im Fahrkartenverkouf beschäftigt waren, haben jeder 7000 bis LOOO M. amtliche Gelder unterschlagen. Die 41 Jahre alte Assistentin hatte kürzlich einen Erholungsurlaub von 10 Tagen. In dieser Zeit kamen Unregelmäßigkeiten ans Licht. Nachdem man die Assistenttn bei ihrer Rückkehr zur Rede ge- stellt hatte, sah sie wohl ein, daß jetzt ihre ganzen Verfehlungen aufgedeckt werden würden, und kam am nächsten Tage nicht mehr zum Dienst. Nur einen Tag hatte sie nach dem Urlaub wieder Dienst getan. Seit Donnerstag voriger Woche ist sie spurlos ver- schwanden. Zu gleicher Zeit blieb auch Heinze dein Dienste fern. Er kam auch ebenso wie Margarete Michaelis nicht wieder nach der Wohnung in der Frankfurter Chaussee. Die Aufdeckung der Unregelmäßigkeiten und das Verschwinden der beiden Beamten gab nun Vemnlassung zu einer größeren Revision, und hierbei kam heraus, daß beide in den letzten Jahren Unterschlagungen begangen haben, die nach den bisherigen Ermittelungen nach und nach die genannte Höhe erreichten. Vielleichtz�sind sie aber noch höher. Die von den Veruntreuungen in Kenntnis gefetzte Kriminalpolizei begann alsbald mit Nachforschungen und Beobachtungen. Lichten- berger Beamten gelang es Sonniagmorgen, Heinze festzunehmen, als er nach seiner Wohnung kam, um seine Frau und seine beiden Kinder zu besuchen. Er wurde dem Polizeipräsidium zugeführt. Heinzu behauptet, daß er von den Unterschlagungen der Assistenttn Michaelis ebensowenig gewußt habe, wie diese von den seinigen. Die Assistentin Michaelis ist noch nicht ermittelt. Sie hat hinter- lassen, daß sie sich das Leben nehmen müsse, und war als vermißt gemeldet worden. Beim Rangieren schwer verunglückt ist Sonntag auf dem Tegeler Güterbahnhof der Hilfsweichensteller Karl Schafte aus der Schlieper- strahe 76 zu Tegel. Der Mann kam in die Gefahr, zwischen den Puffern zweier Wagen erdrückt zu werden. ES gelang ihm im letzten Augenblick noch auf die Seite zu springen. Hierbei stolperte er jedoch und fiel so unglücklich hin, daß ihm ein Rad über den rechten Fuß ging und ihm die Zehen abquetschte. Der Verunglückte wurde nach der Charits gebracht. Ertrunken find am Sonnabend nachmittag bei dem herrschenden Sturme zwei Ruderer, Söhne eines Potsdamer RegierungSrates, auf einer Ruderpartie zwischen Sakrow und Pfaueninsel. Die Leichen konnten bis Montag mittag noch nicht geborgen werden. Da» Boot wurde führerlos aufgefunden. Ein Revolverheld feuerte am Sonntag nach einem Streit in einem Lokal in der Korsörcrstraße plötzlich auf einen Gast einen Schuß ab, der glücklicherweise fehl ging. Der Rowdy, ein auf der Durch- reise befindlicher Maler Hippel, wurde von den erbitterten Arbeitern gehörig verprügelt und schließlich in Polizeigelvahrsam genommen. Heinrich Heine hat au« dem Olymp einen giftigen Pfeil auf uns abgeschossen. Er protestiert gegen unsere SonntagSnotiz, in welcher ihm nachgeredet wird, daß er bei seinem Berliner Aufenthalt sich auf den Terrassen des Jostyschen Cafäs am Potsdamer Platz aufgehalten habe. Die Jostysche Konditorei, von der er in seinen Briefen erzählt habe, habe damals.an der Stechbahn" in der Nähe des Schlosses sich befunden, ungefähr an der Stelle, wo heute ein Kaiserdenkinal erstanden ist. Daß diese Wandlung ein Gewinn gegen stüher zu nennen sei, könne er heute noch nicht einsehen. In einer Laube erschossen hat sich am Sonnabend nachmittag der 20 Jahre alte Schrauoendreher Ernst Lcistert. Finowstraße 19. Seit sechs Wochen war er Lungenkrank und arbeitsunfähig. Rndfahrunfälle. Zwei schwere Unglücksfälle trugen fich am Sonntagnachmitlag fast zu gleicher Zeit a»f und in der Nähe der Olympia-Radrennbahn in Plötzensee zu. Während deS gtennenS kam der 35 Jahre alte Kaufmann Fritz Semmrau aus der Brüsseler Straße 37 versehentlich den Drahtgittern der in der Rennbahn be- findlichen Spielplätze zu nahe und wurde von einem ihn über- holenden anderen Fahrer mit seinem Rade so unglücklich zur Seite mid gegen die Gilter geschleudert, daß er schwere Verletzungen an den Augen, den Wangen und den Händen erlitt. Er wurde von den anwesenden Samaritern der freiwilligen Sanitätskolonne verbunden und nach seiner Wohnung geschafft.— Auf dem Wege zur Rennbahn erlitt der 16 Jahre alte Kiirschnerlehrling Paul Günther aus der Waldstr. 89 durch Sturz mit seinem Fahrrade einen schweren Unglücksfall. Er geriet, nachdem er fich»och vorn überschlagen halte, so unglücklich unter eine hinter ihm in schneller Gangart herfahrende Taxameter- droschke, daß er von dieser überfahren und an allen Teilen des Körpers durch Ouctschwunden und Knochenbriiche schwer verletzt wurde. Nach Anlegung von Notverbänden auf der Unfallstation in der EraSmuSstraße wurde er dem Rudolf Birchow-Krankenhause zu- geführt. Weil er In Berlin keine Stellung gefunden, hat sich der 21 Jahre alte Kaufmann Willi Schröder aus Posen erschossen. Der junge Mensch war voller Hoffnungen nach Berlin gekommen. Er glaubte, hier eine günstige Stellung zu bekommen, doch sollte er sich bitter getäuscht haben. Vergeblich lief er von morgens bis abends von einem Bureau zum anderen. Gestern jagte sich der Verzweifelte im Plänterwald, dicht an der Eichbnsch-Allee, eine Revolverkugel in die Brust. Spaziergänger nahmen sich des Lebensmüden an n»d brachten ihn zu einem Arzt, der aber nur noch den Tod bei ihm feststellen konnte. Straßensperrung. Der Landrat von Teltow macht bekannt: Wegen starker Reparatur wird die Steinbahn der Chaussee Wannsee— Kohlhasenbrück vom 24. bis 31. d. M. gesperrt. Fuhr- werke, die den Sommerweg nicht benutzen können, werden auf die Provinzialchaussee Berlin— Potsdam bezw. Neubabelsberg— Kaiser- straße— Klein-Glicnicke verwiesen. Einen erheblichen Berlnst hat am Sonntagabend ein junger Arbeiter erlitten, der in dem VergiiügungSpark tu der Gleimstraße ein schwarzes Lederportemonnaie mit 16 M. Inhalt und ein Lotterie- los verlor. Der Finder wird um Abgabe an Cornelius bei Schulz. Ollitzolvstr. 129, Seitenflügel I, gebeten. DaS hiesige stadtische Schulmuseum bemuht sich, in seitten Räumen eine Sammlung und Ausstellung zu schaffen, die in mög- lichst anschaulicher Weise ein Bild der EntWickelung des Berliner Schulwesens von den ältesten Zeiten bis in die Gegenwart gibt, um Zeugen schulgeschichtlicher Vergangenheit für die kommenden Geschlechter zu bewahren. Zur Aufstellung sollen gelangen: Bilder alter Berliner Schulen, Bilder und Schriftstücke von Berliner Schulmännern, Schulfreunden und von Pers»nen der Schulverwal. tung, ältere Schulzeugnisse, Prämien, Medaillen, ältere Lehr-, Hand- und Lesebücher, ältere Bilderbücher, Lehrer» und Kinder- albums. Hefte. Zeichnungen, Schularbeiten früherer Generationen, Geburtstags- und Festwünsche, zeitgenössische Urteile über das Berliner Schulwesen, �Zeitungsnachrichten usw. Darum wird nicht nur an die Berliner Schulen und Lehrer, sondern an die weitesten Kreise der Berliner Einwohnerschaft die Bitte gerichtet, die Samm. lung durch geschenkweisc Ueberlassung von Gegenständen dieser Art zu bereichern. Manches an sich wertlose Dokument, das nur aus Pietät aufbewahrt wird, würde im Rahmen einer schulgeschicht- lichen Sammlung großen Wert erhalten. Auf Wunsch werden die Namen der Geber an den Gaben bezeichnet. Auch die kleinsten Beiträge werden dankbar angenommen. Freundliche Angebote bittet man an die Verwaltung deS städtischen Schulmuseums, Stallschreiberstraße 54, zu richten. Der Zoologische Garten hat neuerdings einen im vollen Feder- schmuck prangenden männlichen Papua-ParadieSvogel er- worben, der einen der großen verglasten Flugkäfige des Neuen Vogelhauses bewohnt. Ein Paradiesvogel-Weibchen befindet sich mit anderen Vögeln zusammen im Nebenkäfig, und man hofft, daß es gelingen wird, aus den beiden zunächst unverträglichen Tieren ein Paar zu machen. Außerdem besitzt der Garten noch ein schönes Männchen des SechSfeder-Paradiesvogels und ein jungeS Stück des Königs-Paradiesvogels. Vorort- JVadmcbtah Charlottenburg. Ein neues Krankenhaus für Geburtshilfe soll auf dem Grund stuck Sophie-Charlotten-Straße 116 errichtet werden. Zunächst find zwei KrankenpavillonS nebst Entbindungsgebäuden mit 211 Betten für 113 Erwachsene und S8 Säuglinge vorgesehen worden. Für den zweiten Bauabschnitt sind weitere 207 Betten geplant. Die ge< samten Grundstückskosten belaufen sich auf 749 745 M., die Baw kosten für den Teilbau auf 820000 M. Die gesamten Bau- und Einrichtungskosten des ersten Bauabschnittes einschließlich Kosten des Grundstückes betragen 2 740000 M. Eine entsprechende Vorlage deS Magistrats ist der Stadtverordnetenversammlung zugegangen. Wilmersdorf-Halensee. Die Wilmersdorfer Schu�ahnklinik wurde am Sonntag im Bei- sein kommunaler und staatlicher Vertreter eröffnet. Friedenau. Aus der Gemeindevertretung. Der vom Gemeindevorsteher zu Beginn der Sitzung mitgeteilte Rechnungsabschluß für das Jahr 1910 kann wiederum als sehr günstig bezeichnet werden. Gegen- über dem Voranschlag belaufen sich die Mehreinnahmen, auf die einzelnen Posten verteilt, wie folgt: Gemeindeeinkommensteuer 52 000 M., Bctriebssteuer 400 M.. Gewerbesteuer 5400 M.. Grund- steuer 13 800 M., Umsatzsteuer 138 900 M., Entwässerung 24 000 M., Anliegerbeiträge 38 000 M. Der Rechnungsabschluß für das der- gangene Jahr stellt sich abzüglich des Uebcrschusses des Elettriziiäts» Werkes gegenüber dem Voranschlag um 272 000 M. günstiger. Das Elektrizitätswerk brachte einen Ueberschutz von 128 340,05 M. Im vergangenen Jahr betrug derselbe 72 000 M. Eine vom Regie- rungspräsidenten gewünschte Aenderung der Hundesteuerordnuug, wonach Wachhunde auf unbebauten Grundstücken oder Lagerplätzen steuerftei bleiben, wurde debatteloS angenommen. Beschlossen wurde noch, für das Realreformgymnasium zwei neue Oberlehrer- stellen auszuschreiben, außerdem soll ein weiterer Rektor in der Mädchenschule angestellt werden. Die Mitglieder des ArmenausschusscS beabsichtigen gemeinsam eine Besichtigung der Trinkerheilstätte„Waldfrieden" bei Fürstenwalde vorzunehmen. Die Mittel hierfür in Höhe von 400 M. wurden bewilligt. Des- gleichen bewilligte die Versammlung Mittel für Erweiterung deS Kabelnetzes und bessere Beleuchtung der Rheinstraße. Auf eine Anfrage des Gemcindeverordncten v. Wrochem über die Frage der Stadtwerdung erwiderte der Bürgermeister, daß er in dieser Ange- legenheit schon wiederholt beim Landrat angefragt habe, derselbe Howe ihm jedoch bisher noch nie Auskunft geben können. Weiter sei auch er nicht informiert. In einer Sitzung anfangs deS JahreS beschloß die Genwindevertretung, der am Orte bestehenden„freien Turnerschaft" eine Gemeindeschulturnhalle zur Verfügung zu stellen. Für diejenigen jedoch, die unsere Dorfgrößen infolge längerer Beobachtung bei ihren Beratungen genau taxierten, stand schon damals fest, daß der größte Teil der Herren dem Antrag des Genossen Richter damals zustimmten in der sicheren Voraussetzung, daß der Landrat doch die Genehmigung versage. Daß diese An- nähme richtig war, bewies so recht das Mienenspiel einiger sich liberal nennender Herren, als Genosse Richter gegen diesen unev- hörten Eingriff in die' Selbstverwaltung entschieden vrotestierte. Er sagte dem Gemeindevorstand auf den Kopf zu. daß Herselbe die Eingabe an den Landrat wohl so abgefaßt habe, daß die Nicht» genehmigung wohl oder übel erfolgen mußte. Bei dieser Gelegen» heit zeigte es sich wieder einmal drastisch, daß diese Vertreter, her» vorgegangen aus einem niederträchtigen Wahlsystem, den Schein von Selbstverwaltung gar nicht wert sind. Es fehlte hier bloß noch, daß dem Laodrat das ZüchtigungZreHt gegenüber nicht gesinnungS- tücksiigen Gemeindcvertrctcrn eingeräumt würde. Der immer als unfreiwilliger Spaßmacher fungierende Herr Gerken ergriff als einziger in dieser Angelegenheit daS Wort, natürlich nicht als Ver» teidiger der Selbstverwaltung, sondern er versuchte nur die Ver- treter der Arbeiterschaft durch ein paar geistlose Witze zu verhöhnen. Sonst war man allgemein mit dem Resultat der Komödie sehr zu- frieden. Karlshorst. UnS wird über einen Borfall Mitteilung gemacht, der sich am Sonnabend hier abgespielt haben soll. In der ftühen Morgenstunde bat ein Zeitungsausträger unmittelbar am Bahnhof einen Mann in schwerkranlem Zustande liegen sehen. Er will, so wird behauptet. sofort auf der Polizeiwache in der Dönhoffstraße hiervon Mitteilung gemacht haben. Als der Zeitungsausträger abends zwischen 5 und 6 Uhr an jener Stelle wieder seinem Beruf nachging, fand er den Mann noch dort liegend vor. Eine Untersuchung ergab, daß der Fremde tot war; die Todesursache soll Schlaganfall gewesen sein. Unter Mithilfe von zwei Polizeibeamten wurde nunmehr die Leiche mit einem Tuch aus Sackleinwand umhüllt und auf einem «infachen Kastenwagen davongefahren. Trifft diese Mitteilung in allen Teilen zu, so muß die Frage aufgeworfen werden, warum die Polizei nicht für die rechtzeitige Wegschaffung des kranken Mannes gesorgt hat. Die Gemeinde be- fitzt einen Krankenwagen, der, wie man uns versichert, befferen Herren, die auf der Rennbahn verunglückten, Dienste geleistet hat. Mit diesem Wagen hätte doch auch der Hilflose schleunigst weg» geschafft werden können. ES ist zunächst Pflicht der Gemeinde« behörde, diesen Fall einer eingehenden Untersuchung zu unterziehen und der Oeffentlichkett über das Ergebnis derselben Mitteilung zu machen. Wittenau-Borfigwalde. Die erste Gemeindevertreter-Sihung im neuen Rathaus wurde mit einer Ansprache des Gemeindevorstehers Witte eingeleitet. Als- dann wurden die neugewählten Vertreter, Direktor Haenisch und BetriebSdirigent Schoneberg eittge führt. Hierauf gelangten die Tätigkeitsberichte der Schulärzte zur Kenntnis der Geineindever- treter. Aus dem Bericht des Herrn Dr. Kassel für die Schulen in Wittenau geht hervor, daß jedes Kind im Jahre zweimal unter- sucht worden ist. Der Gesundheitszustand wird als befriedigend bezeichnet. Die ZabI der Lungenerkrankungen betrug wie im vorigen Jahre 9,8 Proz. Epidemisch traten Masern, Scharlach und Diphterie aus. Von der letzteren Krankheit wurden 20 Kinder in Mitleidenschaft gezogen. Aus dem Bericht des Herrn Dr. Misch, Borsigwalde, geht hervor, daß das Jahr 1910 leider ein recht un- günstigcS war. Bei der Scharlach- und Diphtericepidemie wurden 200 Fälle ärztlich behandelt; die Schulen waren 10 Wochen ge» schlössen. Untersucht wurden 870 Kinder an 16 Untersuchungstagen. Unter ständiger Kontrolle befinden sich 176 Kinder. Die Lungen- krankheiten sind von 9,65 auf 10,32 Prvz. gestiegen, Blutarmut von 8,19 auf 12,1 Prvz., Ohrenerkranttmgen von 4,4 auf ,6,72 Proz., Augenkrankheiten von 2,1 auf 2,99 Proz. Der Arzt hebt am Schluß hervor, daß ihm eine Wage und Meßgeräte noch nicht bewilligt seien. Der Gemeindevorsteher bemerkt hierzu, daß Herr Dr. 5!assel, mit welchem er Rücksprache genommen, die Anschaffungen für un- nötig halte. Die Verlegung eines Ammoniakdruckrohres der Stadt Berlin church Wittenauer Gebiet wurde unter folgenden Be- dingungen genehmigt. Die Stadt Berlin trägt, soweit sie An- lieger ist. ein Drittel zu den Kosten der Neupflasterung der Span. dcruer Straße bei. Für den laufenden Meter sind jährlich 5 Pf. Anerkennungsgebühren zu zahlen. Die Stadt übernimmt die In- standhaltung der Straßen, durch welche das Druckrohr geht, in einer Breite von 2,15 Meter. Ueber den Punkt, daß die Stadt Berlin sich verpflichtet, die in der Charlottenburger Straße durch Brand geschädigten Gebäude in der richtigen Baufluchtlinie neu zu er- richten, soll eine oberverwaltungSgerichtliche Entscheidung herbei. gefübrt werden. Dem Architekten Beter werden die Entwürfe für daS Feuerwehrdepot und den SchulhauSneubau in Borsigwalde für 2000 bezw. 3000 M. übertragen. Ueber den Ausbau der Straßen 81— 89 längs der Nordbahn wird ein Vertrag mit der Wittenauer Bodengesellschaft geschlossen, welcher die Fertigstellung der Straßen bis zum 1. Oktober 1912 vorsieht. Die Gesellschaft stellt eine Haf. tungskaution von 5000 M. für die Durchführung des Vertrages. Die von unseren Genossen beantragte Stellungnahme zu einer Av beitsordnung für die Gasanstalt m Wittenau rief eine längere Debatte hervor. Ursache zu diesem Antrage war eine seit dem 15. März in Kraft getretene Arbeitsordnung, welche die gerechten Forderungen der GaSarbeiter unlx: rücksichtigt ließ, z. B. die Ein. richtung eines Arbeiterausschuffes, Regelung der Arbeftszeit: a) für die Hofarbeiter und Handwerker auf neun Stunden, b) für die Feuerhausarbeiter auf acht Stunden iDreischichtsystemj, Ein- führung von Wochenlöhnen unter Zugrundelegung einer wöchentlichen Arbeftszeit von 6 Tagen. Die Wochenlohne sollen für Hof arbeiter 25 M., steigend von Jahr zu Jahr um 1 M. bis 27 M, für Handwerker 27 M., steigend von Jahr zu Jahr um 1,50 M. bis 36 M., für Feuerhausarbeiter 33 M. festgesetzt werden. Soweit höhere Löhne bezahlt werden, bleiben dieselben unberührt. Be- zablung der Ueberstunden mit 25 Proz., der Sonn- und Feiertags- arbeit mit 50 Proz. Zuschlag. Im Dreischichtsystem zählt, wenn sieben Schichten in eine Woche fallen, die siebente Schicht als Sonn togsarbeit mit entsprechendem Zuschlag. Auf die Forderungen: Krankengeldzuschuß. Sommerurlaub und Ruhegeld hatten die Ar- bester verzichtet. Vom Gemeindevorsteher Witte wurde Vertagung dieser Angelegenheit befürwortet. Genosse Adam übte an dieser in Kraft getretenen Arbeitsordnung berechtigte Kritik und beantvagte am Schluß seiner Ausführungen die Wahl einer Kommission, welche «ine neue Arbeitsordnung ausarbeiten soll. Betriebsdirigent Schöneberg wies darauf hm. daß in den Berliner Gasanstalten vor Jahren die 12-Stundenschicht für Feuerarbeiter eingeführt worden sei, dabei arbeiteten die Arbeiter% Stunde und machten 1V4 Stunden Pause. Bei Einführung der Achtswndenschicht hätten sich die Arbeiter verpflichtet, mehr zu arbeiten, also Ihi Stunden Arbeit und nur?! Sfttnde Pause. Sämtliche größeren Gas- werke haben die Achtstunde nschicht; ob dieselbe bei kleineren Gas» werken ohne Risiko eingeführt werden könne, müsse untersucht werden. Die Versammlung nahm am Schluß der Debatte unseren Antrag einstimmig an. Der Kommission gebort auch Genosse Adam an, aber mir solange, bis die strittigen Fragen ihre Erledigung gefunden haben. Nach einer Mitteflung des Gemeindevorstehers soll, voraus- sichtlich am 1. Juni, die verlängerte Strecke der Straßenbahn von der Irrenanstalt Dalldorf bis zum Bahnhof Wittenau eröffnet werden. Französisch, Vuchholz. Die Grundstücke von der einen Seite der Pasewalker Straße gehören zum Gebiet von Heinersdorf, das an diese Straße grenzt. Eines dieser Grundstücke gehört Herrn Krüger. Er wurde auf Grund der Ortspolizeiverordnung für Franz.-Buch holz vom 5. Mai 1894 angeklagt, weil er die Pasewalker Straße vor seinem Grundstück nicht gereinigt habe. Das Kammergericht als RevifionSinstanz sprach den Angeklagten mit folgender Begründung frei: ES handele sich um eine Straße und um eine Verordnung des Orts Franz.-Buchholz. Die Grund- stücke der einen Seite der Pasewalker Straße gehörten aber zum Orte HeinerSdorf und Angeklagter sei Bürger dieses OrteS. DeS- halb könne die Verordnung für Franz.-Buchholz auf ihn keine Anwendung finden. Die Besitzer der HeinerSdorfer Grenzgrnndstücke seien nicht verpflichtet, die zu Franz.-Buchholz gehörige Straße zu reinigen, da sie unter daS Ortsrecht von Franz.-Buchholz nicht fielen. Serickts-�eitung. Ein plumper Erpressungsversuch beschäftigke gestern die 1. Strafkammer>deS Landgerichts III. An- geklagt waren der neunzehnjährige Photographengehilfe Fritz Bernau, dessen siebzehnjähriger Bruder Helmuth B. und der Ar- beitsbursche Ernst Müller, sämtlich auS Spandau. Der Angeklagte Fritz Bernau ist trotz seiner 19 Jahre ein Knirps, der knapp über die Schranken der Anklagebank hinwegsehen konnte. Von ihm war die Idee ausgegangen, sich durch ein kleines Erpressungsinanöver in den Besitz einer größeren Summe zu setzen.— Am 11. März d. I. erhielt ein in Spandau ansässiger Kapellmeister einen von orthographischen Fehlern strotzenden Brief, welcher die geheimniS- volle Unterschrift„Die Nachtwandler" trug. In diesem Briefe wurde der Empfänger aufgefordert, umgehend 50 M. unter der Chiffre„555" an daS Hauptpostamt in Spandau einzusenden, andernfalls ihm eine große Blamage bevorstehe, die ihn in den Augen seiner Mitmenschen lächerlich machen würde und ihn vom Scheitel bis zur Sohl« kompromittieren würde. Der Kapellmeister setzte sich mit der Kriminalpolizei in Verbindung, die ihm riet, zum Schein auf die Sache einzugehen und einen mit Papier- schnitzeln gefüllt»» Brief abzusenden. Das Postamt wurde dann am nächsten Tage von einem Polizeisergeanten beobachtet. Als der Angeklagte Müller den Brief abholte und der auf der Straße wartende Helmuth Bernau gerade die Frage an ihn richtete:„Hat's geklappt?" wurden beide verhaftet. Später stellte es sich heraus, daß der Angeklagt« Fritz B. den Brief geschrieben hatte. Der Staatsanwalt beantragte 2 Monate bezw. 5 Wochen Gefängnis. DaS Gericht sprach die Angeklagten Helmuth B. und Müller frei, da der Nachweis, daß ihnen der Inhalt des Erpresserbriefes bekannt gewesen war, nicht als geführt anzusehen sei. Dagegen wurde Fritz Bernau mit Rücksicht auf die Gemeingefährlichkeit derartiger Erpressungen zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Ein Kautionsschwindler stand gestern in der Person des Kaufmanns Paul Bornack vor der 1. Strafkammer des Landgerichts I. Der Angeklagte ist schon mehrfach vorbestraft, weil er immer wieder als Beauftragter einer Versicherungsgesellschaft auftritt und in Zeitungen junge Leute crIS Vertreter und zur Einrichtung von Agenturen der Gesellschaft in verschiedenen Stadien Deutschlands suchte. Den jungen Leuten, die sich daraufhin bei ihm meldeten, nahm er kleinere und größere Summen als Kaution ab und überließ sie dann ihrem Schicksal. Er hat zuletzt eine Zuchthausstrafe von 16 Jahren erlitten, die er am 10. Februar d. I. verbüßt hatte. Schon am folgenden Tage mietete er sich in der Borsigstraße eine Stube und begann sofort wieder sein altes Gewerbe. Er suchte im„Arbeitsmarkt" einer hiesigen Zeitung als angeblicher Generalagent einer VersicherungS- gesellschaft einen geeigneten jungen Mann, der an einem bevor- zugten Platze die Vertretung der Gesellschaft übernehmen könne. Er hatte auch sofort wieder Glück, denn es meldete sich un, gehend ein Bewerber, der imstande und auch gewillt war, die verlangte Kaution von 1000 M. zu leisten. Zu seinem Glück wurde er vor Schaden durch die Vorsicht seines Vaters bewahrt, der noch in der letzten Stunde Erkundigungen über den Angeklagten einzog und er» fuhr, daß dessen Angaben nichts als Schwindel waren. Dagegen sind zwe, andere Bewerber dem Angeklagten zum Opfer gefallen. — Das Gericht verurteilte den betriebsamen Mann zu 2 Jahr« Zuchthaus,_ Einen empfehlenswerten Schutzmann nannte die Stadt Altona ihr eigen in der Person de? Magistrats- boten Wonnig, der sich vor dem Landgericht wegen Diebstahls zu verantworten hatte. Es hatte peinliches Auflehen erregt, als im Rathaus nach einer Sitzung entdeckt wurde, daß ein Pult erbrochen, und daraus ein Geldbetrag entwendet war. Der Verdacht lenkte sich sofort auf Wonnig, der dann auch unter Anklage gestellt, aber zumeist infolge seines sicheren Auftretens freigesprochen wurde. Wonnig trat dann beim Polizeikorps als Schutzmann ein. Ms er auf der Wachtstube einmal Nachtdienst hatte, meldete ein Nacht» schutzmann, daß eine Frau für ihren plötzlich schwer erkrankten Mann ärztliche Hilfe benötige. Wönnig, der früher Krankenwärter gewesen war, begab sich in die Wohnung des Betreffenden, der aber inzwischen beretts verstorben war. Er verließ die Wohnung zwar bald, kam aber am nächsten Morgen wieder. Während seiner damaligen Anwesenheit soll dem Verstorbenen eine Uhr gestohlen worden sein. Der Verdacht lenkte sich wieder auf Wönnig. der denn auch zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Gegen dieses Urteil legte er Berufung ein. Sein Einspruch wurde aber angesichts des vorliegenden Belastungsmaterials kostenpflichtig ver- worfen. ES wurde erwiesen, daß zu der fraglichen Zeit nicht nur kein anderer Fremder in der Wohnung anwesend gewesen war, sondern es fand sich auch die gestohlene Uhr bei Wönnig vor, die zudem noch Spuren zeigte, daß sie erst durch Abfeilen der inneren Wandung so hergerichtet wurde, daß sie in die dem Wönnig gehörende Uhrkapsel hineinpaßte. Diesem Beweismaterial gegenüber beschränkte sich die Verteidigung darauf, dem Gerichts- hos nahezulegen, die Frage noch etwaiger Kleptomanie zu prüfen. Das Gericht ging aber hierauf nicht ein, sondern er- kannte dem Antrag des Staatsanwalts entsprechend auf Ver- werfung der Berufung._ 5000 Mark für ein Wort. SSeniger zweifelhaft als im Lotteriespiel erscheint das Glück für den» der einem Makler ein« wisienwerte Auskunft geben kann und dab« feine Borteile zu wahren versteht. Hierzu ist der im nachsteheneen mitgeteilte Rechtsstreit von Interesse. Der Rentner 56, in Deutsch-Wilmersdorf bei Berlin war mit dem Verkauf eines Gkngcrt.— Die AuSschortung der ZuchlhauSvorlage. Von H. G. Jentzsch. — Witterung. Von Emil Erl.— Marianne« Marokkoabenteuer und die alldeutschen Hetzer. Von Erich Schilling. Usw. Text: Die Erlösung. Von Tobias.— Die RelchSversicherungS- ordnung. Von?. E.— v. Arnim-Echnodderheim an v. Below-Pleiten. bürg.— Der vergewaltigte Ratsherr. Von Tobias.— Deutschland» Heber- stutz. Von Kl. Usw. Von der..Gleichheit», Zeltschrist für die Interessen der Arbetterinnen ist unS soeben Nr. 17 de» LI. Jahrgang» zugegangen. AuS dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Feinde deS MutterschastS. und SaiiglingSschutzeS.— Die Erforschung der Vaterschaft. Von Otto Pohl.— Die wirlichaslliche Lage der Zigarettenarbeiterinnen. Von E. P.— Zum Kapitel der.übertriebenen.önmanilät» in der Arbeiteroersicherung. Von x. sch.— Ein bedeutungsvoller Kamps im Holzgewerbe. Von t-d.— Für Mutter- und SänglingSschutz. Fürunsere Mütter undHauSfrauen: Musterung. Von Ludwig Palagpi.— Von den Eingeborenen Jnner-Austratien». III— Ueber Tchrcibstörungen. Von xfl). «na Herwcghs Nachlaß. Von L. Fleurh.»t S. F. Rouge u. Cie Lausanne.________ ßrfefhaften der Rcdahtion. Tie l-rlftitibe SprechNunde findet Ltndeuftratze SS. vorn vier Iredde» — S» b r li- l>>—, w-aientögtta, von tl» J'/j«#» adrndS, Sonnadend» von di« 6 Utzr abend« statt. Jeder fflr den«rtettatien defttmmtcu«nlr-g» ist ein vnchstade nnd eine Zatzt als Mertjctaien bcizusugcn vrtcsliche Antwort wird vicht crieUt. Eilige Fragen trage man in der evrcchituude vor. K. R. 71. 1. und 2. Zur Rückgabe ist der Teil verpflichtet, der daS Verlöbnis ohne gesetzlichen Grund gelöit hat. D r Anspruch verjährt in zwei Jahren, von der Lösung de» Verlöbnisse» an gerechnet.— A. T. 8S. 1. Beim Patentamt. Näheres ersah, en Sie durch Ansrage. 2. Wenn ein Schuldtiiel vorliegt, ja. 3. Zeugen- oder Urkundenbeweis.— Jean H. Die Armcnverwaltung hat oarübcr kein Bestimmungsrecht. Die ent- sprechenden Vereinbarungen sind mit der sraglichen Frau, die sich etwa zu den Dienstleistungen findet, zu tressew— B. P. 72. Cosa, Küchenrahmen einige Stühle. eveiitueU auch da» Fahrrad und die Kommode.— P. IS. 1. Wird der Feldwebel bestrast, so erfolgt endgültige Einstellung de» gegen Sie aubängtaen BersahrenS, anderenfalls dessen Forssetzung. 2. Der Para- graph schreiot vor. datz die vorläufige Einstellung des VerlahrcnS wegen Beleidigung zu erfolgen hat.— Dbg. Sv. Nach der Rechtsprechung liegt ew Dauerdelilt vor, so datz bei Rücklehr Bestrafung elfolgen kann— W. W. IVO. Die Hälfte de» Krankengeldes auS der Ortskasse. der volle Betrag au» der HilsSlasse.— M. D.. Schönhausen. Die Heranziehung ist zulässig Ob die Hobe begründet ist. ergibt fich aus den Vodchristen der Bcrulsgenossenichatt.— W. M. Sie haben den Termin versäumt. — S. L. II. 1 Aus Ihren Fall bezieht fich ver Artikel nicht. 2. Magistrat. Steuerdepulation.— F. H. 4g. Der Mann kann binnen JahreSsnst aus AutzerehelichkeitSerklärung Nage». Tut er das nicht, so ist er unt-rhaltS. pflichlig.— R. 25. 1, Nein. 2. Die Kündigung ist, aber nicht mit srüherer Wirkung, schon jetzt, auch im Juli, zulässig.- M. H. 7. 1. Po- liMivräsidiuin- 2. Vollsschutbildung reicht aus. 3. DaS hängt vom Gut- achten de« Arzt-S ab. 4. S Monate. 5. 400 M. S. Nein.- R. H. 15. Der unterschriebene Vertrag ist rechtsverbindlich.— H. zzz. zg Mark.— 9t. K. 100. ver vertrag erscheint anfechtbar.— Vredawfw.>0« Dr. Reinhardt wohnt in Basel, wenden Sie sich an hiesige Aerzte. Marktpreise van Berlin am 20. Mai 1911. nach Ermittelung des Königlichen Polizeipräsidiums. Maritballenpreise.(Kleinhandel.) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50,00. Speisebohnen, weitze 30,00-50,00. Linsen 20,00-60,00. Kartossein 6,00-9,00. 1 Kilo. gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,20 bis 1,70. Schweinefleisch 1,20—1,90. Kalbfleisch 1,40-2,40. Hammelfleisch 1,40—2,20. Butter 2,20—2,80. 60 Stück Eier 2,80-4,40. 1 Kilogramm Karpsen 1,10-2,40. Aale 1,20-3,00. Zander 1.40-3,80. Hecht« 1,20 bis 2,80. Barsche 0,80-2.00. Schleie 1,20-3,40. Bleie 0,80—1,60. 00 Stuck Krebse 2,00-30,00._ Wasserstands-Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgetellt vom Berliner Wetterdureau Wasserstand Stemel, Tllstt Vregel. Jnsterburg Weichsel, Tboru. Oder, Ratibor » Krassen , Frankfurt Warthe, öchrimm » Landsberg Reh«, Vordamm Elbe, Lettmerch , Dresden , Barbp . Magdeburg 9+ bedeute» Wuchs,— Fall.—«) Unierpegei.•) höchster Wasser- Die Oder ist bei Rassbor bis heute früh auf 702 cm gesttegen, während der höchste dort beobachtete Wasserstand 737 cm betrug. Da» "fochwasser der oberen Oder gehört somit zu den öchsten seit 1813 überhaupt vorgekommen, wird jedoch urch di« Nebenflüsse unterhalb RatiborS nicht erheblich verstärkt; ins- besondere ist die G l a tz e r N e i s s e seit vorgestern abend wieder t m Fallen. ketitraMatill der Dachdecker Terwaltancs�tclle Berlin.(Telephon: III, 2583.) Mittwoch, den 24. Mai. abendS 8 Uhr, im GewerkschaftShauS, Engelnfer IS, Saal 5 t Tagesordnung: 1. Bericht über die Verhandlungen des Kuratorium« über den pari- tSttschen Arbeitsnachweis. S. BerbandSangelegenhetten. 54/9 Vollzähliges Erscheinen der Mitglieder erwartet _ Der Borstaud. w* 5»** i Nicht«an» genug avsemdm. für-ig... 3 - überall zu haben. in roter Packung ss* 'cht/€> Scholandts Gesellschaftshans(Schmöckwitz) an der GSrlitzer Bahn. Inh. B. Schmidt. Tel. Amt Zeuthen SB. Herrlich am Seddlnnee«celegcd. Säle, Hallen, Keffelbahn, Schießstand, Bampfersteg für Dampfergesellsohaften. Vorzügl. Küche. Gutgepflegte Biere. 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Mai mein herzensguter, treusoraender Sohn und Bruder, der Buchbinder Hermann l�abe im Wer von 31 Jabren nach schweren melden sonst entschlasen ist. Die Beerdigung findet Mist» woch, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Fried- hoseS in Fricdrichsselde auS statt. Dies zeigen tiesbetrübt an die trauernde Mutter 191 Ob SoziaitaMcberWalilyereln iür den l Berliner Reictistags-Vnlilkreis. Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, dag unser Nenoffe und langjähriger Bezirkssllhrer, der Buchbinder Hermann Rabe (Bezirk 170) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den St. Mai, nach. mittags 5 Uhr, von der Leichen» alle des Zentral-Friedhoses in edrichssclde aus statt. Um recht zahUeiche Beteiligung ersucht Der Borstand. 1 Deutscher Buchbinder- VerbaDd. (Zahlstelle Berlin.) flm Sonnabend, den 20. Mai, verstarb nach kurzem Leiden der Buchbinder Hermann l�abe. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 2t. Mai, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Zeulral-Friedhoses in Friedrichs» Zahlreiche Beteiligung erwartet 24(2 Die Ortsverwaltung. «P SozlaldemokratlselierWalilverelD (Qr den i Herl. Reieiistags-VatiH. Stralauer Bicrtel. Bezirk 340. Den Mitgliedern zur Rachricht, dafi unsere Genossin Frau Else Sydow (Rüdersdorfer Str. 11) gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 23. Mai, nachm. g>/, Uhr, von der Leichenhalle deS Zentral-FricdhoseS In Friedrichs« jelde auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 212/4 Der Vorstand. ßeerdigungsverein Berliner Zimmerleute. Am 19. d. M. starb am Schlag» ansall im Alter von 70 Jahren unser Mitglied, der Zimmerer HdrificK Fechler. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 23. Mai, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Zions» Kirchhofes in Nordend auS statt. Um rege Beteiligung ersucht lstl2b Der Borstand. Turnverein„Fichte" JH. d. A.-T.-B. Nachruf. Am Freitag, den 19. d. M., nachmittag» 1 Uhr, verstarb nach langem schweren Leiden unser eifriges Mitglied 291/14 �iax Guldemann. Die V. Männer-Abteilung. Wir werden feiner stets ge» denken I SozialdeniokratiselierWaliiyerein Bixdorf. Den Parteigenossen zur Nach richt, daß unser Mitglied, der Graveur Karl Lange Hermannstr. ISS(14. Bezirk) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mtt- woch, den 24. d. M., nachmittags S Uhr, von der Leichenhalle des Jakobi-KirchhofcS, Hermannstraße, aus statt. Um rege BeteMaung ersucht Der Borstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, der Krankenkassenkassierer, frühere Graveur Karl Lange am Sonnabend nach langem. qualvollem Leiden im 44. Lebensjahre verstorben ist. Dies zeigen tiesbetrübt an Marie Lange nebet Kinder». Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachmittag» 5 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Fakobi-KirchboseS, Rixdors, Her» maunstraße, aus statt. ISlSb Verband der Bureau angestellten Den Kollegen zur Kenntnis. daß unser Mitglied Xanl Lange (OrtS lasse Schöneberg) am 20. d. MtS. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 24. Mai, nach» mittags ü Uhr, von der Leichen- balle deS neuen Jakobi-Kirch» Hofe«, Rixdors, Hermannstr. 32/IOS. aus statt. 45/6 Zahlreiche Beteiligung erwartet Die OrtSverwaltung. SozIaldeinoHeiierWaliM Alt-Glienicke. Am 20. Mai verstarb unser Parteigenosse, der Gastwirt Viibeim Henlschel (Grünauer Str. 29.) Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Dienstag, den 23. Mai, nach- mittag» b Uhr, von der Leichen» hall« Rudower Straße au» statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 202/14 Der Borstand. OeMök Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anxelgen. Den Kollegen zur Nachricht, daß uns« Mitglied, der Schlosser Rudoll Möller am 20. d. MtS. an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken i Die Beerdigung findet am Dienstag, den 23. Mai, nach. mittags 4% Uhr, von der Leichen- halle de» Luiseii-KirchhoseS, Neuer Fürstendrunner Weg, auS statt. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser MUglted, der Metall- arbester Hermann Blumberg am 20. d. MtS. an Zuckerkrankheit gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 24. Mai, nach- mittags 6'/, Uhr. von der Leichenhalle des St. Elisabeth- Kirchhofes in der Wollankstraße aus statt. btedinik. Den Kollegen zur Rachricht, daß unser Mtglied, der Einrichter Max Güldmann gestorben ist. Ehre seinem Andenken: 117/13 Die Ortsverwaltung Verband dertrelen Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle AdlerShof. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß am 20. d. M. unser Kollege Wilhelm Hentschel Alt-Etienitke. verstorben ist. Ehr« seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 23. d. M., nachmittag» S Uhr statt. Trefipunkt 4'/, Uhr beim Kollegen Joch. Um rege velestigung ersucht 7S/1 Die Ortsverwaltung. Zentralverband der Backer und Konditoren. Vemalttang Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser alter Kollege Gttn Zarn am 18. Mai nach langem Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet beute DienStagnachmittng 4 Uhr aus dem Ostkirchhos in Ahrrnsselde statt. 40/6 Der Vertrauensmann. Deutseber Iransportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung illroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Thausseur Ulbert Flörlcke am 19. d. MtS. im Alter von 27 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 23. d. MtS., nach. mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle deS Moabitcr Krankenhauses, Birkenftraße, aus statt. 63/4 Die BezirkSverwaltung, total ler Bruerti- nl IHnaMer SSUÄr Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Brauer Xuxust I�idrtei- am 21. d. MtS. verstorben ist. Ehre feinem Andenken: Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 24. d. MI»., nachmittag» 3 Uhr, aus dem Südwestfricdhos in Stahnsdorf statt. Um rege Beteiligung ersucht Die OrtSverwaltung. (Fahrverbindnna: 12'° vom Wannseebahnhos Berlin oder 1" vom Äahnh. Charlottenburg nach Wannsee. Bon hier au« Krast- wagenverkehr nach dem Südwest- Iriedbos.__ 42(17 Herzlichsten Dank allen denen, die mir beim Dahin- scheiden meinessManncS, des Arbeiter» Irdlnond Sondram ihre Teilnahme bekundeten, besonder» auch für die schönen Kränze.(Knen besonderen Dank auch den Herren Sängern, welche am Grabe gesungen. Wittenau, den 22 Mai 1911. Frau Witwe Marie Bondram. Für die liebevolle Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes Aibant Lenz sagen wir allen Freunden und Ber- wandten, Kollegen und Kolleginnen der Firma Reiche, dem Deutschen Metallarbeiter- Verband, dem Wahl- verein sowie den SangeSbrüdern .Norddeutsche Schlcise- sür die letzte Ehre am Grabe unseren herzlichsten Dank. 1904b 0!» trauernde Familie G. Lenz. Von der Reise zurück[78/2* Dr. Leopold Lilienthal. wie immer, kauft Die H[flUSfl*3U praktisch� Tiur Reisezeit kür die xanze Familie Florlons Zahn pflojfp- Kasten, Zahnpulver, Zahnbürste, Mundwasser. Preis zus. nur M. 1.— Zu haben in Konsumvereinen, Genossenschaften und einschlägigen Geschäften sowie direkt 10 Stück M. 8,50, 24 Stück M. 18,— franko Nachnahme durch Arthur Wansorvogel, G. m. b. H., Berlin W. 80, oder durch die Chomtachen Werke Florian A Co., Britz-Berlin. » w www»« j Malchower Kautabake Wer echt, wenn mit Zettelelnlace Johann Oannehl, Malchow. Generalvertrieb durch Carl RÖckOPa """" 0*7, Grüner We* 11». -rirt-r-i vn 3861. Berlin Dr. Simmel Spezial-Arzt• ffir Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, Ä,;:» 10—2, 6—7, Sonntags 10—12, 2—4 MANOLI Cigarettes Belieble Specfalmaritcn Abbas Dandy Glbson GM Syphilis- Nachwols In allen frisch, n. veraltet, zweifelhaft. Fall, durch wistenschastl. Untersuchung. sofort; deSgl. Harn-(spez. aus Go- norrhoe-Fäden) u. Sputum-Analysen. Or. 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Döbli n gab einen kurzen Bericht über die internationale Bewegung. Er hat den Eindruck, dag die Erziehungsarbeit, die in so eingehender Weise im eigenen Verband und an den eigenen Mitgliedern ausgeübt wird, viel stärker verlangt werden mutz von allen dem Internationalen Sekretariat angeschlosienen Verbänden. Der deutsche Verband übt bei allen Lohnbewegungen die grötzte Vorsicht, wägt alles Für und Wider genau ab und ist in jeder Weise besorgt, datz nirgends eine Bewegung eingeleitet wird, die voraussichtlich zum Schaden der Mitglieder ausschlagen mutz. Ganz anders in anderen Ländern. Wir haben alle Ursache, unsere vorsichtige Taktik in ver ganzen internationalen Bewegung zum Durchbruch zu bringen. Jeder verlorene Streik, auch im Auslande, ist ein Anreiz für die Unter» nehmer aller Länder, aggressiver gegen die Kollegen vorzugehen. Döblin ist deshalb der Meinung, datz er nach besten Kräften in diesem»sinne innerhalb der internationalen Bewegung wirken will.— Er führte-dann aus, wie die Leitung der englischen Organisation, die um ihre Stellung zur Internationale befragt wurde und obwohl sie ihren Anschluß in sichere Aussicht stellte, aarnichts unternimmt, das Versprechen wahr zu machen. Ihr Ver- halten bei verschiedenen Anlässen lätzt darauf schlietzen, datz es in absehbarer Zeit nicht gelingt, die Engländer zum Anschlutz zu be- wegen.— liebet verschiedene Unstimmigkeiten innerhalb der inter- nationalen Bewegung hat kurz vor dem Verbandstage unter den Vorständen eine Aussprache stattgefunden, die zu einem befrie- digenden Ergebnis geführt hat.— Diese Unstimmigkeiten spielten aber trotzdem in der Debatte eine Rolle. S ch l u m p s- Schweiz brachte Fälle zur Sprache, in denen die aus dem Auslande erteilten Auskünfte einfach den Prinzipalen mitgeteilt wurden. Döblin sagte demgegenüber, wo ein der- artiger Auchkollege ertappt wird, sei mit ihm nach dem Grundsatz zu verfahren: er gehört nicht in unseren Verband. Dann wurden Klagen laut, datz die ausländischen Organisationen Anftagen viel» fach nicht beantworten u. a., Klagen, die die Vertreter der öfter- reichtschen und französischen Organisationen auf den Plan riefen. Döblin führte im Schlutzwort resümierend aus, datz auf beiden Seiten gesündigt worden sei.— Beschlüsse wurden nicht gefaht. Bei Festsetzung der Vertretung zum Gewerkschafts. kon gretz beantragt D r e y er- Hamburg, 21 Delegierte zu ent- senden, konform der Mitgliederzahl des Verbandes. Döblin hielt das für unnütz. Wenn jede Gewerkschaft ihr Beschickungs- recht voll ausnützt, würde das nur eine Erschwerung der Ver- Handlunge nbedeuten. Bei wichtigen, die Organisationen ver- pflichtenden Fragen, könne ja jeder Verband seine Meinung da- durch bei der Zlbstimmung voll zum Ausdruck bringen, datz die Ab- stimmung nach Mitgliederzahlen vorgenommen wird.— Beschlossen wird, 12 Delegierte zu senden; 1l) Gauleiter (aus den neun größten Gauen und dem Kongretzort), den Verbandsvorsitzenden oder dessen Stellvertreter, und den leitenden Redakteur.— Auf eine Aeutzerung von K r o m- m i n g o e- Leer, der ausdrücklich bedauerte, datz der Verband, ob- wohl er der Generalkommission angeschlossen ist, den letzten internationalen Kongretz in Kopenhagen nicht beschickte, wurde in der Diskussion von keiner Seite eingegangen. H a n n a ck- Stettin erörterte dann den Parteibeschlutz, datz jeder Genosse, der den Fragen der vernünftigere die diesen 1. Mai nicht durch Arbeitsruhe begeht, seinen Tagesverdienst an den Unter- stützungsfonds abzuführen hat. Die Kollegen des Redners weigern sich, und narb Ansicht des Redners mit guten Gründen, diesem Beschlüsse nachzukommen. Aus dieser Weigerung entstehen ihnen im Stettiner Gewerkschaftskartell überhaupt beim Zusammen- arbeiten mit den Genossen der anderen Berufe Schwierigkeiten, die Redner des näheren erörterte. Nach seiner Meinung mutz von den Verbandsdelegierten auf dem Gewerkschaftskongreß kräftig ausgesprochen werden, datz vom Verband, überhaupt von den Ge>- werkschaften,„derartigen einseitigen, nur von der politischen Ver- tretung der Arbeiterschaft gefaßten Beschlüssen ein entschiedenes Veto entgegengebracht wird."— Die Frage des Redners, wie der Verband bezw. der Vorstand sich solchen Mitgliedern gegenüber stellt, denen durch die Nichtbefolgung des Beschlusses materieller Schaden erwächst, beantwortete Döblin dahin: Wir betätigen in dieser Frage unsere politische Neutralität dadurch, datz wir sagen:„Wir hindern Euch nicht diesem Parteibeschlutz nachzu- kommen, wenn Ihr als Parteigenossen Euch dazu verpflichtet fühlt. Kommt Ihr ihm nicht nach und es erstehen Euch dadurch wirt- schaftliche Nachteile, so habt Ihr den Schutz der Organitation." Schweinitz- Hannover führte darauf aus, wie die Ab- führung des Verdienstes am 1. Mai nicht nur Bedeutung habe für alle Mitglieder, sondern vor allem auch für die Gewerkschafts- beamten. Früher habe der Redner freiwillig die Hälfte seines Verdienstes abgeführt, jetzt aber, nachdem der Zwang dazu gs- schaffen ist, weigere er sich. Er sieht in diesem Parteibeschlutz eine Strafe für die Gcwerkschaftsbeamten, wenn sie in den Maifeier eine nach Meinung des Redners Ansicht haben, als diejenigen Parteigenossen, Beschlutz gefaßt haben. Es mutz auf dem Gewerkschaftskongreß dahin gewirkt werden, datz dieser Beschlutz aufgehoben wird. Denn es ist selbswerständlich, datz, wenn Gowerkschaftsbeamte sich weigern, diesem Beschlutz nach- zukommen, datz es dann auch auf die Organisation überspringt.— Döblin faßte zum Schluß seine Ansichten dahin zusammen, er persönlich stehe auf dem Standpunkte, datz eine Feier zu Demon- ftrationszwecken mindestens dazu angetan sein müsse, die Arbeiter nicht zu schädigen. Durch die Begehung der Maifeier entstehen aber den Buchdruckern schwere Schäden; zahlreiche Kollegen würden ihre Kondition verlieren. Die Bestrebungen der Maifeier können den Buchdruckern in keiner Weise Nutzen bringen. Deshalb hat unser Verband auf dem Gewerkschaftskongresse dafür einzutreten, datz die Maifeier abgeschafft wird.— Die Generalversammlung bezeugte durch ihre Haltung, datz sie mit diesen Ansichten ein- verstanden ist. Die Verhandlungen am Sonnabend begannen mit der Stellung- nähme zu den Anträgen den „Korrespondent" betreffend. Es liegen Anträge vor auf obligatorische Ein- führung des„Korrespondenten", doch werden auf Vorschlag Döblins alle diese Anträge auf Obligatisierung bis zur nächsten General- Versammlung zurückgestellt. Dann kommen die Anträge an die Reihe, den Sitz der Re- daktion von Leipzig nach Berlin zu verlegen. Vorstand und Redak- tion empfehlen, den„Korrespondenten" in Leipzig zu lassen. Die Leipziger sind ebenfalls der Meinung. Döblin führt aus, wie die vorige Generalversammlung in Köln den Beschlutz der Verlegung der Redaktion infolge der Differenzen mit Rexhäuser faßte. Der Gesamtvorstand hat aber in einer Sitzung mit den Gauvorstehern einstimmig beschlossen, den Kölner Beschlutz nicht durchzuführen. Wegen der Oeffentlich- keit der Sitzung will Döblin die Gründe nicht nennen, die diesen Beschlutz herbeigeführt haben. Aber wenn der Gesamworstand, die Redaktion und die Gauvorsteher einstimmig einen solchen Be- schlutz faßten, dann dürsten die Delegierten wohl glauben, datz t r i f ti g e Gründe dafiir vorlagen. Auch heute noch würde der Verbandsvorstand eine schwere Schädigung des Verbandsinteresses in der Verlegung der Redaktion erblicken. Das jetzige Verhältnis zwischen Vorstand und Redaktion ist so gut, datz Redner nur seine Freude darüber ausdrücken kann. Auch das Verhältnis zur Leip- ziger Gauleitung und den Kollegen ist in jeder Hinsicht zufrieden- stellend. Dazu würde aber die jetzige Situation vor'der Tarif- bewegung die allerungiinstigste für die Verlegung sein. Döblin bittet die Delegierten, im Vertrauen auf Vorstand und Redaktion diesen Ansichten zuzustimmen und darauf zu verzichten, in dieser öffentlichen Sitzung irgendwelche persönlichen Fragen anzuschneiden. — Rodakteur Kräht sprach in demselben Sinne. Das Haupt- Moment, das den Kölner Beschlutz herbeiführte, tvar die Not- wendigkeit der innigeren Fühlungsnahme zwischen Vorstand und Redaktion. Diese Fühlung ist jetzt durchaus vorhanden. Gerade die schärferen Artikel, die in letzter Zeit im„Korrespondent" erschienen sind, sind im vollen Einverständnis mit dem Vorstand erschienen. Alle Verhältnisse liegen so, datz auch nach der Erledigung der Tarifrevision eine Verlegung nicht dienlich ist.— In der Diskussion plädieren S e i tz- München, Krasser- Zwickau, Thorhauer- Hamburg und Fülle- Berlin dafür, daß die Verlegung des„Korrespondenten" nach der Tarifrevision sofort durchgeführt wird. Doch wird gegen eine starke Minorität be- schlössen, auch davon abgesehen und den Sitz in Leipzig zu'belassen. Die bisherigen Redakteure Krahl, Schäffer, Helm- holz wurden per Akklamation gegen eine Stimme wiedergewählt. Die Wiederwahl der bisherigen Vorstandsmitglieder erfolgte eben- falls per Akklamation und gegen zwei Stimmen. An Stelle des verstorbenen Vorstandsmitgliedes Adolf Beyer wurde Robert Glaser gewählt, welcher schon seit fünf Jahren dem Vorstand als Beisitzer angehört.— Die Wahl der Beisitzer wird in Berlin vorgenommen. Die Redner der Beschwcrdekommission präzisieren dann den Standpunkt der Kommission zu einer langen Reihe von Beschwerde- fällen. In der Abstimmung über diese Fälle billigte die General- Versammlung gleich der Beschwerdekommission in jedem einzelnen Falle die Entscheidung, die der Vorstand getroffen hatte. Durch Hammelsprung wurde mit l)3 Stimmen beschlossen, die nächste Generalversammlung in D a n z i g abzuhalten. S9 Stimmen entfielen auf Nürnberg. Döblin ließ in einem Schlutzwort die Beschlüsse Revue passieren. Er hob als besonders erfreulich und bemerkenswert hervor, datz die Taktik des Vorstandes und seine Tätigkeit im großen und ganzen als eine beftiedigende anerkannt wurde, und datz in der Tariffrage, eine der schwierigsten und kompliziertesten, die der Verband jemals gehabt hat, eine fast vollständige Ein- mütigkeit erzielt worden sei.— Zur Behandlung der Maifeier» ftagen auf dem Gewerkschaftskongreß, so sagt er, habe eine erfteuliche Aussprache stattgefunden, eine Aussprache, die Wohl noch einen Nachhall im Lande wecken wird. Man wird die unverblümte Absage an die Maifeier, welche nach unserer Meinung nur Schwie- rigkeiten bereitet, als reaktionär und rückständig bezeichnen. Aber wir haben den Mut, offen auszusprechen, wie wir über diese Frage denken. UeberdieS befinden wir uns in guter Gesellschaft, da ja auch von anderen Gewerkschaftern die Maifeier so bewertet wird wie von uns, die wir uns offiziell nicht an der Maifeier beteUigen. Es wird mit der Maifeier gehen, wie mit unserem Standpunkt zur Tariftaktik. Auch der ist zu Anfang von allen Seiten an». gefochten worden, während man jetzt vielerseits froh sein würde, an unsere Erfolge heranzureichen. Es folgten dann noch Abschiedsreden von Reifmüller» Oesterreich, Rothenstein- Ungarn, Keufer- Frankreich, S ch l u m p f- Schweiz, M a s s i n i- Berlin, Rosenbruch» Haw, nover. Dann wurde die Generalversammlung mit einem de» geisterten Hoch auf den Verband geschlossen. gegründet: Die alle Siffler-Ffrma eröffnet Iieuie naefemAUhr �Ä�lmersdorferiir'45' * Charloifenbur� ihre neue lOA�erkaufsäelle "W- BÖVJ KARO Theaten Er- Nne Dienstag, den LS. Mai. Ansang?>/, Uhr. KSnigl. Opernhans. Die Zauber- flöte. Köiiigl. Schauspielhaus. Der Kramplls. Neues töingl. Operu-Theater. Geschlossen. DeulschrS. Hamlet. Komische Oper. ToSca. Ansang S Ubr. Kammerspiele. Frühlings wachen. Neues Schauspielhaus. Million. Lcssuifl. Klaube und Heimat. KleineS. Der Leibgardist. ltterliurr. Bummclstudenten. Weste». Ei» Walzertraum. NeneS. Mein ellauchter Ahnherr. Lustipielhan«. Der Feldherrnhügel. Trianon. Das Prinzche». Ansang «'s- Uhr. »halia. Polnische Wirtschaft. Schiller«t> Waüuer. Sheater.) Im Klubsessel. Sch iier./< Uhr: Die lustigen Nibelungen. Mrlvh-WIhMSlltisehöS Schauspielhaus. Diensiag, den 23. Mai, 8 Uhr: Kasernenluft. Morgen und folg. Tage: Kasernenluft. L.usispivIksiH». Abends 8 Uhr: Der Feldherrnhugel. Luisen- Theater. Abend» 8 Uhr: Ans erster Ehe. Schauspiel In 5 Akten v. E. Ritterfeldt nach einer Erzähl, v. Courth» Malher. Mittwoch, Donnerst.: Ohne Mutter. Sonntag 3 Uhr: Letzte Aussllhrung: Zlus erster Ehe. Ansang 8 Uhr. 0SE=TI1EATE Große Frankfurter Str>32. Ab. 8 Uhr: Oer fremde Blick. Vorher: Ole Verlobung Im Bett. Morg. u. folg. Tage: Der fremde Blick. Aus der Gartenbühne täglich 5 Uhr: »er Trompeter von Säkkingen. Konzert, Spezialitäten. Ansang KV- Uhr._ Eetaste Woche-MW des grandiosen Maiprogramms. S-,. Uhr- Berlins Sensation: Um dn Äleib. Große» amerilanischeS Ausstattung». EensationSstück in acht Bildirn. Heus iinerlkanisclier VerpOgungspark, Hasenhelde. Große Spezialatäteo-yorsteiEung „Die gute alte Zeit" Komische Ballettpantom. v. Alfred Appolino, kgl BaUettmeister a, D. Großes Promenaden-Konzert. Wasserrutschbahn— Liebesmühle— Lachkabinett, Ccblrgsbahn, Cake«alk u. a.— Heute Eintrittspreis TO Pf. Metropol-Theater. Hshkii iimlin! ßch! 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Schönhauser Allee 118. Abschieds-Borstellung: Aervostilllllnv.Wncheberg Kassenerössnimg 7, Ansang 8 Uhr. AdmiftklspaBasi Am Baladdod fflcarttfiflCfwc Geöffnet ununterbrochen von 10 Uhr vumüttags. ZahlrefeheKunstlaufproiluktli Allabendlich; Das feenhaft ausgest Eisballett Montreal Die Stadt auf Schlittsclmhon Bis 7 Uhr und von 10'/, Uhr abends: halbe Kassenpreise. Unterricht im Schlittschuh- und Kunstlaufen wird erteilt Urania. Wissenschaftiiches Theater- Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Lebende Tierbilder von nah und fern. r v ZWZ CSSCHER'SSJ Täglich ab 4 Uhr: GroSes Miiitär-KonzeH. Eintritt 1 Mark, von abends 6 Uhr ab 50$fv Kinder unter 10 Jahren die Hälste. JahreS-AbonnemeutS an allen drei Schallerlassen. I Selil Das Scheidungs. Souper. Die Bar-Schwester. Ein Verlobungs-G eschSft. Schluß diesjähriger Saison am 31. Mai a. c. Wiedereröffnung am I. August a. c. Lensstlouelle iUtrsktioueu! Ben Ali Bey Klassische Zauberkunst des Orients. Tanagra-Theater. Lachhaus. Berg- u-Talbabn. Wasserrntsctibam. Trannlatenr- and nillttlr-Koniserte. Elntritteprel» 50 Pfennig. Schluß der Saison am 80. Mai. Zirkus Busch Heute abend 8 Uhr: Groll er Gala-Abend! Herr(Äeorg Burkhardt-Foottit, «chnlreiter. JanS:y-Jansen, der urkomische. Die Frcdianis. Herr Ernst Schumann, FreihcitSdress. 3 Gebr. Fratellims. Ermakov, der Meister tatar. Kriegswassen. Um 9'/, Uhr zum 28. Male: 'Ein Jagdfent am Hofe KOnig Endsvlg XIV. Boranzeige. Donnerstag lHimmelsahrtstag): 2 große Gala-Vorstellungen 2, um 3'/- Uhr und abends 8 Uhr. Trlanon-Theater. Heute und folgende Tage: Da» Prinzchen. Liebesschwank in 3 Akten v. R. Misch. _ Ansang 8'/, Uhr._ Foiies Caprice. XSglioh S1/, Uhr: Wer theim wird platzen! Banter Solo-Teil."V III. Klasse. Max Kliems Sommer-Theater Rudolf KrSger, Hasenheide 13—15. Täglich: Erstklassige Theater- und Spezialitäten-Vorstellungen. Zcllbedachter THeatergarlen, bei mt- günstiger Witterung Schutz bietend. Donnerstag: Elitetag. Casino-Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr. Letzter«pielmonat vor den Ferien. Gastsp. d. berühmt. Tscherkessentruvpe: Leben und Treiben tm Kaukasus. Dazu d. gr. Lacherfolg in dieser Saison „Zwei Wappen", Sonntag 3'/, Uhr:»Martauue". l-ebend!| Hede Kosch das lädeheD Steinzelt! Das Urbild der Menschwerdung, und die anderen| Schauattraktianeu. Ohne Extra-Entree! I jtznt Ben Inhal»»er Juicrare uderniinmi die Redaktion dem vublikum gegenüber keinerlei Verannvorniug. t4. Ziehung 5. Kl. 224. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung; vom 32. Mal 1911, Tormltugs, Kur die Gewinne Uber 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. Die Gewinne fallen auf die bcieicbneten Lose beider Abteilungen. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 9 89 12« 41 46 290 362 475 671 730 821 917 1117 84 80 1 509[500] 92 700 2014 69[500] 347 754 881 936 3033 114 17[1000] 233 358 78 467 649 970 4024 29 213 488 675 788 928 99 6 004 234 415 528 601 B 702 85 828 31 6117 293 373 514 58 632 929 45 7070[500] 288 4W 717 40 90 SU 917 8183 92 818 434 743 805 9054 165 81 513 629 U0001 798 829 10095 537 61 95 860 11062 193 204 23 82 360 543 798 820 86 1 2003 49 108 219 474 568 721 45 78 1 3038 127 471[1000] 504 681 744 67 805 1 4003 144 88 231 95 484 575 608 761 64[500] 78 94 874 15075 21 70 271 88 448 73 653 79[500] 759 870[10001 903 75 81 16310 48 503 83 762 802 36 1 7118 310 451«75 85 98[500] 799 929 1 8032 4 6 258 73 326 410[500] 84 573[3000] 60« 53 825 992 1 9037 105 319 36 423 86 504[1000] 97 783 826 92 917., 20027 135 89 382 489 569 77 780 802 81[500] 904 19 65 66 2 1 087 115 214 340 63 569«31 69«07 50]500] 65 2 2 031 213 327 92 423 53 531«29 796 926 37 23157 287 320 56 466 599 630[1000] 69 783 805 949 2 4239 378 478 81 649 752 2 5103 203 401«32 83 831 42 46 2 6048 294 SOS 06 522 26 59 648 784 2 7109 80 220 570 77 569 796 974 28079 100 479»70 84 626 54 69 91 769 2 9 068 89 691 818 909 30132 46 206 44 164«37 70 3 1 359 71 493 531 45«91 99 717 d«5 99 3 2296 499 521 84 87 843 84 33. 04 40 92 901 48 97 532 97« 3 4219 50 40«[500] 56 684 87 717 941 46 3 5069 95[1000] 169 910 21 13006] 303 17 480 724 940 3 6250 868[1000] 437 687 712 9 7 866 3 7 025 167«5 235 44/1 503 650 723 979 3 8080 14« 448 816 28 3 8063 US �40291 Z 59«53 95«55 96 4 1 018 108»1«55[500] 55 955 4 2022 27 100 4 7 322 417 586 4 3 051 64 85 351 480 [500] 543 81[8000] 44189 488«02 35 701 09 450.V 60 (3000] 90 US«05 26 34 636 74« 81 62 80 849 96 4 6100 36 83 88 299 319»85 707 44 4 7519[1000]«62 78« 4823« 34. 46 61 487 504 705[lÖOO] 22 816 4 9046 187 205 317 187 5O0396 126*[1006] 67 215 312 59[500] 444«4[3000] 81 748 5110»»7 239 45?[3000] 743[1000] SO 98«18 52161 70 85 443 8*2[1000] 970 5 3 034 247 62 590«35 98 726 94 54051 192 233 9« 07 446 522 60 86 655 5 5047 108 858 454[500]»9 575 693 740 63 78 802 99 5 6045 50 975 829 705 897 078 5 7173 9 04 2 2 83 342 407 50«[500] 91 616 700[5000] 89 983 6 8 027 121 51 57 54? 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Ziehung 8. Kl. 224. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung Tom 22. Mal 1911. nacbmitlage. Jfttr dl» Gewinne Ober 240 Mark sind den betreffenden Nummern In Klammern beigefügt. Die Gewinne fallen auf die beselebneten Losa beider Abteilungen. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck Terbofeit.) II 205[W)0] 302 27 58 400 549 627 813 952 1 070 84 Ho»«7 615 31 39 871«38 2012 247 76 37« 79 610 80[500] 718 851 3002 279 383 84«15 79 819 4239 86[3000] 682 86 745 80 920 38 5050 163 380 631 775 819 39 988 6299 »1 55 437 501 73» 52[500] 92 812»13 76 7464 512 23 »»«2» 903 8145 182[3000] 79 80 90 288»52 627 48 17» 9X55 77 214 37 1 453[ 500] 637 95 873 10.168 477 530 669 912»3 11027[3000] 878 929 12140 248 50 436 52 607[500] 33 830[500] 79 13025 11000] 172 228 353[3001] 76 555 685 1 4209 72 511 12 17 32 BOT 893 968 89 1 5051 168 02 327 58 86 402 5» 49 813 720[ 500] 607 1 6091 197 308 580 631 877»51 17003(10000) 370 82 411 537 60 78 60« 782 1 809# 897 426 81 501 10 750 853 1 9007 90 7» 152 207 43 69 390 »78 811 901 15[10000] 20331(10001 443 770 76 81 819 67 930 21119 99 tlOOO] 262 413 59 532 627 2 2233«2 710 39 804 31 968 77 87 2 3077 256 508 40«13 880 2 4227 393 519 78«19 [500] 70« 954 2 5101 4*9 513«9»6[500] 792 93 837 921 98[ 3000] 99 26165«18 23[503] 736 79 831 913 2 7 430 [500] 620 ,53 2 8108 24 320 87 400[500] 554«2 606 48 808 42 2 9313 490 563 811 900 25 29 67 69 30179 418 561[500] 80 82 6 98 991[VOO] 31165 11000] 204 54 403 576 87 673 887 90 99 3 2019 221 309 65 475 547 800 95« 33004 539[ 3000] 643 54 34010 117 67 223 358 520 742 915 70 3 5 283 475 545 98 637 79 838 89 94 938 52 87 3 6125[3 00] 251[500] 402 29 43 70 »4(500] 596«14[500] 44 764 81»»26 63 37086»33 34« 7M 38025 578«43 57 727«4[500] 817 940 39013 21« 400 722 40099 158 948 615 78 750 997 87 41073 17* 281 85 49« 638[500] 77[3000] 721 Sn«04 1«[1000] 42004 15, SO» 350 435«47 63[ 500] 70 80 960[1000] 43019 84« 55 456 572[1000] 74 619 95 862[*010] 64 44042 25« SOS [3000] 82[500] 55« 855 4 5104 293[3000] 91 6, 139 55 161 93 611 917 84 40064 US 54 284 330 434 5<'9[3000] 47064[506] 371»0««3 415 6« 6.4 98 654 4 8011 210 83[3000] 36[ 3000]»17 IS 887 49163 64 2X8 57 32, 43 30 509 80 653 787 870 8O0I5[500] 368 470 574 634 784 800 81»13 51132 257 61 497 511 63 755 95 906 1« SS 86[I»»] 93 52093 121 97 405 11000] 84 8« 592 651 752 5 3138 108[8600] 98 213 403 523*6«34 057(500] 68[3000] 77 54054 85 845 568 999 5 5 283( 500) 9» 335 439[ 500] 80 5.>8 7« «00 32 44 804 5 6019 97[500] 11« 54 941 90[lOOO] 361 415 45 TS 769«35 946[3000] 5705« 198 Ml 5 i, 65 [500] 678 756«48[l"00) 939 58111 553 61 80 712 65 [3000] 917 65[500] 59026 110[3000] 299 437 60 83 521 43«37 43»1[1000] 03 60 6 linool 21« 90 1 59 422 99 57« 93 628 708 62 M« 20 9*6 61123 25 31« 550 787[50«) 831«6 938 62257[500] 386 421[1000] 594[500] 63010 84 378 91 ■405 28 645 912 41 6 4015 276(VOO) 468 536 80 636 821 27 49 6 5031 500 648 55 66 753 816 993 6 6054 252(500] «1 Sä« 533 6.10 869»29 6 7052 123 201 545 679 6S««2 52« 47 728 94 853 83[500] 973 6 9083 290 70231 334 87[ 500] 620 624 44 727 98 7 1 057 138 313 28 307 31 51 72 478 36«43 46 56 747 80« 57 77 72083 105 409 58 73014 38«2 237 594 702 31 33 963 74037 95 101 237 66 308 38 86 423 763 75 92 80Ö 980 7 5 216 37 702 803 925 85 7 6076[1000] 160 203 42 325 491 517 875 77005 200 305 19 661 097 71 7 8024 190 273 61 788 902 79162 373 77 47«[590] 564 841 72 012«1 80029 73 486 515 8 1 036 45 117[1000] 21» 71 41« 094[500] 615 33 700 27 820 989 92 8 2082 92 93(lOOO) 151 224 349 97 479 669«92 771 842[500] 905 83209 825 32[300] SO 467[600] 590 99 693 8 4003 13 150 2*2»54 59 633 923 8 518« 293 406«27 52 857 931 41 8 6078 11t 200 10 618 83 772 964 8 7074 145 294 393 663 700»25 7» 88068[300] 740 890 8O0M 457»5 71 73[500) 350«7» 328 83 900 13 90131 38 82 96 939 313 21 44 902 20 U104S 99 149 279 361 575 83 978 9 2191 96» 31«8 518 603 710 93068 969 80 80 807 689«05 787 0 4055 6« 2!8 364 665 648»06 '«5209 311 34 75 4Q1 6*1 8/» 3« 9» U«[6«» 284[l.67 495« 23 700 83 12 6075 77 181 391 419 70 59« 39«79 764 893[8000]«SO 12 7002 128 45 79 86 534 139 51[3000] 860 9*0 128C03 «6 132 34[500] 88 220[1000] 381 523 639 55 766 920 129009 178 215 31[1000]«15 815 165 130004 14 174 393 401 562[3000]«08 T«7 83»08 7» «62 131011«8 72 149 77 532«OS 47 73 774 800[500] 9« 56«5 1500] 971 132016 93« 301 9 457«3« M 74» 133011 27 126 linflO] 283 803 401 32[3000] 503 7g7 601 134323 [1000] ,23 81 03 514 664»6 302»78 13501« 27 75 369 477 8« 542[500] 603 970 1360G2 128[SOOO] 413 657 90 778»49$7 929«4 1 3 7072 478 740 887»41 138053 [10000] 76 89 104 27 205[500] 422 514 3» 54 61 766 139067 266 341 76 512 4 7 644 737[500] SM 50 140006 31 107 211 60 338 40(43 52 77(54 738 SlS 950 1 4 1 007 11«[500] 569 673 52 1 42603 70 258 305 «20»7 1500] 714 881 143043 137 25!«1« 77 TIS 55 «00 39 1 44094 313 444 04 589 620 38 709 23 M 78 910 (lOOO) 44 1 4 5 204 14 354 9* 457 7« 543[lOW] 609 9» 30 49 729 4« 810 77 964 1 4 6 203 42 403[500] 344 81 828 81» 90 981 147318 2«(SOOO) 28[1000] 49t[» 14 8062 103 81 205 443 758 58 1 4 9060»30[600] 613 44»4[SM] 828 90» IBOIOJ 15 381[500] 723[500] 89*09 68 18 151093 »29 57 359 443 553 89 671 9? 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Mittiooch, den 21. Mai, abds. 8'/- Ahr, i« den Amiahallell, Kommandantenßr. 58/39: General- Versammlung. TagrS-Ordnnng: 1. Geschäftsbericht vom 1. Quartal. 2. Bericht von der MaiauSsperruug. 3. Stellung- uahme zur Wiederaufnahme von Mitglieder», welche 1910 ausgeschieden sind. 4. Verschiedenes. -— Mitglledsbaeh legitimiert.———— 138/15* Zahlreichen Besuch erwartet Der Sektionsvorstand. Zu der am Donnerstag, den St». Mai(Himmelfahrtstage), von dem Gesang- verein der Putzer arrangierten Fustpartte ist Treffpunkt vormittags 9 Uhr in Friedrich hage«, Friedrichstr. 61(Sängerhalle.) «lle Mitglieder der Putzer-Sektion find hierzu freundlichst eingeladen. RH« ttrtllche VerwaltnnK. jgofastoffe Riesenauswahl aller Qualitlten. Wolle- Qacla? Mocqaetts. PlUsch-ICwlC. Satteltaschen. Master bei näherer Angabe franko. Emil Lelfivre, Glatt und blank roll. Sie Ihre Wasche mit meinen langj.be. kannten u. bewährten „prlnieU". Wäsche. mangeln. Sehrprakt. u. bequem. Volle La- rantles.Dauerhastig keit u. Leiftg. Tisch mangeln v.M. Iva» Gesiellmangelwie Abbild. M. 85. Preisliste gratis. WNWt'Ä'ÄSS?' Gisschränke, Waschmaschinen n. Wringmaschinen sehr billig. Arbeitsnachweis: verwaltnngSftelle Berlin. Hanptbnrea»: Hos l.«tnt 3. 1239. CharlttstraSe 3. Hos lll Amt 3. tSS? Mittwoch, den 24. Mai 1911, abends 8 Uhr: Allgemeine Versammlung sämtlicher Rohrleger und Helfer Berlins und Umgegend im Gewerkschaftshans, Engelufer 15. Saal 4. Tage». Ordnung: 1. Bortrag des Genossen Dr. Julius Moses über: „IM« bevorstehenden Itclcbstagswablen." 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. 4. VerbandSangeiegenheiteu. 5. Verschiedenes. Die Wichtigkeit der Dagesordnnng erfordert da» Erscheinen aller Kollegeu? auch find die Franeu unserer Kollege« de- sonders eingeladen._ Mittwoch, den 24. Mai 1911, abendS S'/z Uhr: W Tersamnilungs"Wf für alle in Gas-, Kaiser, und Dampfarmaturen< fowie Kronen- u. Baubefcblägebetrieben beschäftigten eilen-, Metall- und Kevolverdreber. in den Mnfiker-Festsälen(unter. Saal). Kaiser Wilhelmstr.löm. TageS-Ordnung: 1. Verbands, und BerusSangelegenheiten. 2. Verschiedenes. £9* Zahlreicher Besuch wird erwartet. �WE Mittwoch, de» 24. Mai 1911, abendS 8'/a Uhr: Kranchen-Uersammlung der Ofahtardeitei' und nrbeitei'Imiei» im GewerkschaftShans, Engelufer 15, Saal 11. Tage». Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Hilpert. 2. Dtswsston. 2. Branchenangelegenheiten und Verschiedene». UM* Zahlreicher Besuch wird erwartet."WU Mittwoch, den 24. Mai 1911, abends pünktlich 6'/, Uhr: W V ersammlung"VBi der Mcinllschlristr, Gnlnnnistnrt, Krntzn, Kilfsurbtiter und Albeittnnnen in den Arminhallen, Kommandantenstraße 58/50. Tage». Ordnung: 1. Jahresbericht der Kommission. 2. Diskussion. 8. Neuwahl de» vranchenvertreter» sowie der gesamten Kommission. Mitgliedsbuch legitimiert! Ohne dasselbe kein Zutritt 1 Kollegen und Kolleginnen k In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung erwarten wir zahlreichen Besuch. Mittwoch, den 24. Mai 1911, abends S1/« Uhr: Kranchen-Uersammlung der Cleittrornonteure u. Helfer Groß-ßerllns im Englischen Garten, Mexanderstr. 27 o, großer Saal. Tage». Ordnung: 1. Bortrag deS Kollegen Otto Handke. 2 Diskussion. 3. Branchen- angclegenbciten. 4. Vcrschiedene4. Pünktliche» und zahlreiche» Erscheinen wird erwartet. Mittwoch, den 24. Mai 1911, abends 8'/a Uhr: MgUeäer- Versammlung Gold- und Tillierarbeiter und verwandten Bernfsgenossen im Dresdener Garten, Dresdener Str. 45. Tage». Ordnung: 1. Bortrag des Genossen Kihing über: „StrclfaUffe dnreh Industrie und Handwerk". 2 lyerbandSangelegenhetlen und Verschiedene». 117/12 PiÄttllches und zahlreiche» Erscheinen erwartet Die Ortsverwaltnnf.{ Verwaltung Berlin. Dienstag, den 23. Mai, abends ß1/» Uhr (gleich nach Feierabend): filnf grolle verlammlungeii. Echanoii-ra- Nene RatbaussSle, Meintnger Str. 8. Referent: SUfollrorlg. GorgaS-Magdiburg. IZirdarl- Hoppes Feftsäle. Hrrmannstr. IS. Referent» Schleicher- Stilvoll» Stuttgart. Fichttnberg, Fnedrichsfeldk und Rummelsbllrg: Schwarzer Adler. Frankfurter Chaussee S/v. Reserent: Heineman»-Bremerhaven. Moill-nloo- Prälaten, Lehderftr. ISS. Reserent: Richard Werner- IvriMfijrt. Frankfurt a. M. Wrddwg mi»««Hf: SÜSS: KÄiÄÄr- � TageS-Ordnung: 1. Die neuere Entwickelung der ArbeitSverhSltniffe und der Lohnbewegungen im Hoizgewrrbe. 2. Diskussion. vle Hollesen sämtlicher Branchen mttssen In diesen Versammlungen erscheinen. Vergolder. Dienstag, den 23. Mai, abends 8 Uhr, im GewerkschastShanse (großer Saal): Branchen» Versammlung TageS-Ordnung: 1. Bericht von der Branchenversammlnng. 2. Bervands- angelegenheiteu._ Jalonsiiearlbeiter. Mittwoch, den 24. Mai, abdS. S'/j Uhr, bei Becker, Weberstr. 19: Branchen- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. vortrog de» Kollegen Bernau über: Ferdinand Lassalle. 2. Branchcnangelcgenheiten. Ztodenleger. Mittwoch, de« S4. Mai. abend» S Uhr(gleich nach Feierabend), im Gewerkschaftshause, Eugelufer 14/13. Saal 3: Lrsncken-Verkammlung. Stellmaeher. Mittwoch, de» 24. Mai, abendS 8'/, Uhr. im Rosenthaler Hof, Rosenthalerstr. 11/12: Branchen-Versammlung. Tage»»Ordnung: 1. Unsere Lohnbewegungen nnd welche Lehre ziehen wir darauv. g. verbandsangelegenheiten. Bürsten' und Pinselmacher. Mittwoch, den»4. Mai. abds. 8'/, Uhr. bei Breuft.Holzmarktstr.S3: lügemetue Zrsvedöll-Vei'LsmmItillg. TageS-Ordnung: 1. vortrog. Reserent: Reichstagsabgeordneter Georg Schöpstin. Iranchrnangelegenhelte«.__ 83/16 Verband der Maler» Lackierer, Anstreicher etc. Relchiorstratze 28, pari. Filiale Berlin. F-rnspr.: Amt 4, 4787. Sektion der Lackierer. Mittwoch, den 24. Mai 1911, abends S'/z Uhr: Lrolle Versammlung der in Nagenlacitimreiet) beichättigt. Kollegen im„Englischen Garten", Alexanderstrafte 27«. Tages. Ordnung: 1.»Die Lohn, nnd SlrdeitSverhältnisse in den Werkstellen der Lackierermeister.-' Referent: Kolleg- Fr. Klot». 2. Diskuision. 127/5 Die Sek'ionsleitnng. Zur Beachtung! Die SektionSverfammlung am 1. Juni fällt«m- ständehalber aus. 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