Nr- tat. HbonnemcntS'Bedingungen: H JJL.\ MI Die TnlcrtlonS'Gebflbf � Abonnements. PreiZ pränumerando: KM �KK/�K/�K ttäS ifsä �Wl tHsT/�.. beträgt für die fechSgespaltene Kolonel- Biertcljährl. 330 Mk, monatl. 1,10 Mk,, �R| f/ W— UW BB| f Wff I geile oder deren Raum 00 Pfg„ für wöchentlich 28 Pfg, frei ins HauS. MpD HS( A WW HB KB» HB HH f/ BH p-1 politische und gewertschaftiiche Vereins- Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags- ggSfA| r�BH WM �W MM W) �M BW BW BW MW WB tf Hfl---J/ und Vcrfammlungs-Anzcigen 30 Pfg. nunimer mit illustrierter Sonntags- 1 1 MB IWi DM BH— MM MM KU WM%A\ MM MB //„Kleine Hnzelgen", das fettgedruckte Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- HBSH ff H BW WB HB H8 B» WB____/ BW MB j&L Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. �»fei I WSl MM BW KB MM KB �B �B BW MM Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Emgctragen in die Post-Zcitungs--*— I WM BW BK\. IW* MW BMI ifl MW HBmVWHI/ Stellengesuche und Schlafstellenan- Preisliste. 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Ende dieser Woche soll die dritte Beratung der Reichs- Versicherungsordnung beginnen.„Beratung", wenn man so die Komödie bezeichnen darf, die die bürgerlichen Parteien bei der Durchpeitschung der Reichsversicherungsordnung in zweiter Lesung aufführten. Gegengriinde gegen die etwa 200 Verbesserungsanträge, die die Sozialdemokraten gestellt hatten, um aus dem Gesetzentwurf gegen die Arbeiter ein wirklich sozialpolitisches Gesetz f ü r die Arbeiter zu gestalten, kennt die zur Entrechtung der Arbeiter entschlossene Kartell- Mehrheit des Reichstages nicht. Sie hat die Mehrheit und mißbrauchte diese in der unerhörtesten Weise, um durch Niederstimmen aller Verbesserungsanträge statt Sozialpolitik infame Jnteressenpolitik zu treiben. Sozialpolitik ist ihr ein Greuel. War für die bürgerlichen Parteien bei Einführung der Versicherungsgesetzgebung die Entlastung der wohlhaben- deren Schichten von der Armenlast und die stärkere B e- lastung der Arbeiter das treibende Motiv, so offen- harte die zweite Beratung der Paragraphenmasse der Reichs- Versicherungsordnung klar das Bestreben der jetzigen Mehr- heit des Reichstages, die Arbeiter auf dem Gebiete der Ver- sicherung zu entrechten und die auf Kosten der Arbeiter- groschen aufgebaute Arbeiterversicherungsgesetzgebjing zu einer Versorgung einer bureaukrat'i scheu Unternehmerschutztruppe auf Kosten der Arbeiter mißzuge st alten. Ja, darüber hinaus zeigte sich als treibendes Motiv für die Beschlüsse der Kon- servativen, des Zentrums und der Nationalliberalen klar ihr H a ß g e g e n d i e A r b e i t e r k I a s s e. Es ist für das Zentrum bezeichnend, daß gerade dieses überall mit- stimmte oder gar die Führung übernahm, wo es sich um die Entrechtung der Arbeiter oder wo es sich darum han- delte, die Entscheidung über die schmalen Rechte der Arbeiter in die Hand parteiischer Verwaltungsbehörden zu legen, oder wo es gar darauf ankam, die wirksamste Sozial- Politik, die vorbeugende, zu hintertreiben. Wir erinnern daran, wie das Zentrum alle Anträge niederstimmte, die die Unselbständigkeit der Behörden, welche über die Ansprüche der Arbeiter entscheiden� beseitigen sollten. Verficherungsämter, das heißt von der unteren Verwalwngs- behörde, also vom Landrat und in den kreisfreien Städten vom Magistrat abhängige, durch nichts in ihrer Unab- hängigkeit geschützte BeHorden, sollen den Unterbau für die Organisation des Versicherungswesens bilden. Diese Polizei- behörden sollen verbrämt werden mit Beisitzern aus den Kreisen der Arbeitgeber und der Versicherten. Aber die Ver- snherten-Vertreter sollen nicht auf Grunddes allge- meinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts gewählt werden: gegen dies Wahl- recht hat das Zentrum ge st immt. Ein ganz kom- pliziertes Wahlverfahren wurde von der Mehrheit beliebt. Durch ein solches glaubt diese Mehrheit auch den Rest einer Unabhängigkeit und eines Einflusses der Arbeiter aus der Behördenorganisation entfernen zu könneni. Das k 0 m p l i- zierte Wahlverfahren geht dahin: die in den Krankenkassen Versicherten wählen Vertreter zum Ausschuß der Krankenkasse: der Ausschuß wählt einen Vorstand, der nach den verschiedensten Richtungen! hin bureaukratischer Drangsalierung ausgesetzt ist. Die Vorstandsmitglieder der Krankenkasse wählen die Beisitzer für das Versicherungsamt. Diese Beisitzer bei dem Versicherungsamt wählen dann die Mitglieder der Ausschüsse bei den Jnvalidenversicherungs- anstalten: diese Ausschußmitglieder wiederum haben dann die Vertreter bei den Oberversicherungsämtern zu wählen. Die Vertreter bei den Oberversicherungsämtern endlich wählen die Vertreter für die Landesversicherungsämter und für das Reichsversicherungsamt. jEin kompliziertes indirektes Ver- fahren, das noch dadurch zuungunsten der Arbeiter ver- schlechtert ist, daß die Vorstandsnritglieder der Land- arbeiterkrankenkassen nicht einmal von den Ar- beitern gewählt, sondern von den Kreisausschüssen und son- stigen Gemeindeverbänden ernannt werden. Für diese außer- ordentliche Verschlechterung der Organisation trat auch das Zentrum ein. Es trat für die weitere Verschlechte- rung des Verfahrens in Unfallsachen ein, ja, es stimmte sogar dagegen, daß Arbeitersekretäre die Ver- sicherten in allen Lagen vertreten dürfen, und es stimmte dagegen, daß die Arbeitervertreter in der von den Sozialdemo- kraten beantragten Weise zur Minderung der Un- älle bei den Berufsgenossenschaften zugezogen werden zllten..... Der Haß gegen die Arbeiter tritt außer in der Entrechtung der Landarbeiter am klarsten in jenen Bestimmungen zutage, die die Vorbeugung von Erkrankungen, Erwerbsunfähigkeiten und Unfällen ver- hindern. Welch sozialpolitischer Tiefstand drückt sich in der Vorschrift aus. die dem Rcichsversicherungsamt ver- bietet. Unfallverhütungsvorschriften für landwirtschaftliche Benifsgenossenschaften, die selbst Unfall- Verhütungsvorschriften nicht erlassen, ins Leben zu rufen. Welch infernalischen Haß gegen leidende Arbeiter atmet der K 1341, der den Versicherungsangestellten das selbständige Recht Donnerstag, den 2F. Mai IttH. auf Errichtung von Heilanstalten aus der Hand schlägt. Bezeichnend war es, wie der Zentrumsabgeordnete Hitze gar noch diese Bestimmung rechtfertigte. In kurzen Worten ging seine Argumentation dahin: ostelbische und nieder- bayerische Versicherungsanstalten, die keine Heilanstalten er- richtet haben, konnten ihre gesetzlichen Leistungen nicht erfüllen. Dieser— in der Tat durch die Luderhaftigkeit der Verwaltung dieser Versicherungsanstalten bewirkte— Mißstand hatte imJahre 1899 dazu geführt, eine Gesamtlast und eine Sonderlast bei den Versicherungsanstalten einzuführen, und durch diese Ein- Achtung die besser situierten Versicherungsanstalten wie Ham- bürg und Berlin zur Mitunterhaltung der schlecht verwalteten ostelbischen und n i e d e r b a y e ri s ch en An st alten zu zwingen. Nun, meinte der Ab- geordnete Hitze, haben lediglich die gutsituierten Versicherungsanstalten Heilanstalten errichtet. Damit sie aber, die stets leistungsfähig gewesen sind, nicht etwa in die Lage kämen, ihren gesetzlichen Ver- pflichtungen nicht nachzukommen, müßten s i e unter behörd- liche Kontrolle bei der Errichtung von Heilanstalten gestellt werden. Ein Gesetzgeber, dem nicht der letzte Funken sozialen Empfindens geschwunden ist, würde umgekehrt erklärt haben: weil jene ostelbischen und niederbayerischcu Anstalten bis jetzt Heilanstalten noch nicht errichtet haben, müssen sie durch das Gesetz zur Errichtung solcher gezwungen oder aber auf- gehoben und mit anderen Anstalten verschmolzen werden, nicht aber die Anstalten, die ihrer sozialen Pflicht genügt haben, gehindert werden, ihr weiter nachzukommen. Unentgeltlichkeit der Hebammendienste, Hilfe für schwangere Frauen, für Mütter und Säuglinge ist eins der dringendsten Bedürfnisse. Aber diese Mutterschaftsversicherung, deren Mangel alljährlich Tausende vonFrauen und Kindern hinwegrafft, soll nach dem Beschluß der Mehrheit unterbleiben— und das, wiewohl die Mittel für eine Mutterschaftsversicherung durch eine Zentralisierung der Krankenkassen zehnfach aufgebracht würden. Aber die bürger- liche Mehrheit ist für eine Zersplitterung der Organisa- tion der Krankenkassen, weil diese Zersplitterung es ihr ermöglicht, st ellen hungrige Militär- an Wärter, Offiziere a. D. und verkrachte Existenzen der bürgerlichen Gesellschaftals Beamte und Angestellte in reichlicherer Anzahl in den Krankenkassen unterzu- bringen. Die Selbstverwaltung ist den Arbeitern in den Krankenkassen geraubt, weil das vorwärts- drängende Element in der Arbeiterschaft, wie in der Beratung trefflich dargelegt wurde, die Leistungen der Kassen im Interesse der Arbeiter und der Allgemeinheit erhöht hatte. Die Er- höhung der Leistungen an die Kranken, die Einführung von Familienunterstützungen, die Errichtung von Genesungsheimen und Heilanstalten, die Bekämpfung der Tuberkulose, der Geschlechtskrankheiten, der Trunksucht durch Wort und Schrift sind Ruhmesblätter der Arbeiterklasse. Aber gerade weil auf diesem Gebiete die Arbeiterklasse Erfolge errungen hat, bekämpfte die Mehrheit des Reichstages die Selbstverwaltung der Arbeiter in den Krankenkassen. Das hat sehr gegen seinen Willen Graf v. Westarp beiviesen, als er zur Rechtfertigung der Entrechtung der Arbeiterverwaltung in den Krankenkassen auf jenen Artikel im„Vorwärts" vom 30. Mai 1899 hinwies, in der die Hoffnung ausgesprochen war, daß die Teilnahme der Krankenkassen an dem Tuberkulose- k 0 n g r e ß und ihre Beschlüsse auf ihrem ersten Kranken- kaffcnkongreß zur gemeinsamen Einwirkung auf die Gesetzgebung zwecks Bekämpfung der Tuberkulose führen und so die Krankenkassen sich zu einer neuen Waffe im Befreiungskämpfe des Proletariats cnt- wickeln mögen. Die Verhöhnung derArbeiterklasse durch die sogenannte Hinterbliedenenfürsorge ist unver- ändert geblieben. Nur die invalide gewordene Witwe soll eine„Rente" erhalten. Und diese Rente soll, wenn der verstorbene Ehegatte zehn Jahre lang geklebt hatte, beinahe 20 Pfennig täglich für die Mutter, die Kinder- r e n t e. wenn e i n Kind vorhanden ist, ganze zehn Pfennig, bei zwei Kindern neun Pfennig, bei drei Kindern acht Pfennig betragen. Aufreizenderes kann es kaum geben, als dieser schamlose Betrug, der gegen die Witwen und Kinder der Arbeiter unter dem Namen einer Hinterbliebenenversiche- rung von der Regierung und den Mehrheitsparteien hier ge- plant ist. Damit ja nicht etwa zu viel wirklich invalide Arbeiter die schmale Invalidenrente erhalten können, ist die Möglichkeit der Rentenquetscherei mit Hilfe des Zentrums vergrößert, der Begriff einer Erwerbs- Unfähigkeit noch mehr verschlechtert. Die Anträge auf Verbesserung hat das Zentrum abgelehnt, wiewohl selbst die Regiening jetzt im Privatversicherungsgesetz eine ähnliche Feststellung des Begriffs der Erwerbsunfähigkeit für die Privat- angestellten vorschlägt, wie sie die Sozialdemokraten für alle Arbeiter verlaugten. Das köstlichste Stück sozialpolitischer Heuchelei offenbart die Stellung der bürgerlichen Parteien zu dem Antrag auf Herabsetzung der Altersgrenze bei der Altersrente. Die Altersrente wird heute bekanntlich erst von Vollendung des 70. Lebensjahres an gewährt. Es war beantragt, sie ivenigstens von vollendetem 65. Lebens- Cxpedttlonk 8M. 68» Lindcnstrasec 69* Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. jähre an zu gewähren. Unmittelbar nach den Wahlen im Februar 1907 hatten die Freikonservativen und Konservativen den Initiativantrag eingebracht, die Altersgrenze von 70 auf 65 Jahre herabzusetzen. Als jetzt die Sozialdemokraten aber verlangten, diesen An- trag in die Wirklichkeit zu übersetzen, da stimmten die Herren Freikonservativen und Konservativen Mann für Mann gegen den Antrag. Auch die Zentrumsabgeordneten, darunter die sogenannren Arbeitervertreter Becker- Arnsberg, Fleischer, Giesberts, Piepe r.Schiff er. Schirm er und Wiedeberg stimmten Mann für Mann dagegen. Um dies empörende Verhalten zu rechtfertigen, hatte wohl auf Be- stellung, die Regierung zu erklären: Wenn die Herabsetzung der Altersgrenze angenommen wird, lehnt die Regierung die ganze Reichsversicherungsordnung ab; denn es würde eine Mehr- belastung nicht nur von 29 Millionen, sondern von 43 Millionen eintreten. Selbst wenn eine solche Mehrbelastung eintreten würdv wäre die Annahme des gestellten Antrages ja unbedingt ge- boten gewesen. Aber an einen solchen Ausfall ist gar nicht zu denken. Um ihn aber wahrscheinlich zu machen, mußte der Ministerialdirektor Caspar dem Gesetz Zwang antun. Er be- hauptete schlankweg, die fünf Jahrcsklassen der Versicherten von 63 bis 70 Jahren würden mit ihren Beiträgen ausfallen. Auf Zwischenrufe der Sozialdemokraten, daß das nicht wahr sei,„ivo denn so etwas stehe?" behauptete dieser Re- gierungsvertreter: Im Z 1222. Der Genosse Molkcnbuhr belehrte den gesetzesuukundigen Ministerialdirektor dann dahin, daß die Bcitragspflicht nach diesem Paragraph nur für Empfänger der Invaliden- odcrHinterbliebcnrente aufhört, n i ch t aber für Altersrentner aufhöre. Der Ministeraldirektor hat seine Empfängnisfähigkeit für die ihm zuteil gewordene Belehrung dadurch quittiert, daß er— aus seiner Rede seinen Hinweis auf§ 1222 gestrichen hat.(Seite 6923 des stenographischen Berichts.) Zu derartigen Mitteln mußte die Regierung und der schwarzblaue Block greifen, um eine Forderung, die er noch vor vier Jahren als not- wendig und dringlich bezeichnet hatte, abzulehnen. Und glaubt wirklich dieser Block durch das„unannehmbar" der Negierung sich salvieren zu können— derselbe Block, der dem Un- annehmbar der Regierung bei der Finanzreform, denn„ohne Erbschaftssteuer keine Finanzreform", seine Finanzreform ohne Erbschaftssteuer durchsetzte? Möglich, daß bei der Frage der Herabsetzung der Altersrente, nachdem die Beratung hier- über die Regierung und den schivarzblauen Block bis auf die Knochen blamiert hat, die Mehrheit in der dritten Lesung einlenkt. Die Regierung würde die Reichsversicherungs- ordnung auch mit der Herabsetzung der Altersgrenze bei einer Altersrente von 70 auf 63 Jahre annehmen. Weiß sie doch genau, eine so schlechte, den Mittelstand und die Arbeiterklasse aufs schmählichste entrechtende Reichsversichcrungsordnung wie die Vorlage auch mit solcher kleinen Besserung darstellen würde, würde sie in keinem Reichstag je wieder durchbringen. Dzz AahIgeieE für Cllaß-Cothringcn. Die zweite Lesung des Wahlgesetzes für Elsaß-Lothringen nahm im Reichstag nur verhältnismäßig kurze Zeit in Anspruch, da sich die Debatte fast ausschließlich um den Kern der Frage drehte, wie das Wahlrecht gestaltet sein soll. In der Kommission war bereits das ursprünglich von der Regierung vorgeschlagene Alters- Privilegium von ein und zwei Zuschlagsstimmen beseitigt worden. Aber auch in der Kommissions fassung weist das Gesetz noch erhebliche Mängel auf. Um diese Mängel zu beseitigen, war von den Sozialdemokraten eine Anzahl von Anträgen ein- gebracht worden. Es wurde darin unserem Programm gemäß vev- langt, daß auch den Frauen das Wahlrecht erteilt werde und daß das Wahlrecht vom LS. auf das LS. Lebensjahr herabgesetzt werde.! Außerdem kam es noch darauf an, zwei rein vexatorische zur Schädigung der Arbeiter in das Gesetz hineingebrachte Einschrän- kungen des Wahlrechts zu beseitigen. Nach der einen Bestimmung darf ein sonst berechtigter Wähler das Wahlrecht nur dann aus- üben, wenn er seinen Wohnsitz seit drei Jahren in Elsaß-Lothringen gehabt hat. Dagegen genügt der Wohn- sitz von einjähriger Dauer für diejenigen Einwohner, die in Elsaß-Lothringen ein öffentliches Amt ausüben, Re- ligionsdiener oder Lehrer an öffentlichen Schulen sind. In der ursprünglichen Vorlage der Regierung war diese letztere Vergünstigung auch alleg Gewerbetreibenden und Grundbesitzern zugebilligt, so daß der dreijährige Wohnsitz nur eine Ausnahme- bestimmung gegen die Arbeiter bildete. In der neuen Fassung ist die Vorbedingung des einjährigen Wohnsitzes zu einem Beamten- Vorrecht geworden. Beide Fassungen werden natürlich von der Sozialdemokratie auf das entschiedenste bekämpft. Da die ganze Bestimmung ausgegeben wird als Ersatz für den sonst in den Einzelstaaten verlangten Erwerb der Staatsangehörigkeit, forderte die Sozialdemokratie, daß mindestens doch alle Bevölkerungsklassen gleichmäßig betroffen werden müßten durch die Wohnsitzklauftl und daß ei» Wohnsitz von einem Jahre im Lande überhaupt genüge. Außer dem Landeswohnsitz wird ober auch noch ein Orts- wohnsitzvonmindestenseinemJahrevon dem Wähler verlangt. Auch diese Bestimmung trifft besonders hart die ar- beitcnde Bevölkerung, von der ein großer Teil infolge der un- günstigen Erwerbsverhältnisse von Ort zu Ort beständig hin. und herfließt. Die Sozialdemokratie verlangt« deshalb, daß die Vsv, bcdmgimz J« eii-Zahrigek Ansässigkeit in einem best! minien Orte überhaupt gestrichen werde in dem Gesetz. In der Debatte begründete Genosst Emmel ausführlich die sozialdemokratischen Fordcrungeir des Frauenwahlrcchts und der Herabsetzung des Wahlalters und legte eretschiedcn Verwahrung dagegen ein, daß durch die beiden Wohusitzbestimimingen noch ein besonderes Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter in das Gesetz hinein- gebracht werde. Von der Gestaltung des Wahlrechts werde die Zustimmung der Sozialdemokraten zum ganzen Gesetz abhängig sein. Eine andere Forderung, die von der Sozialdemotratie in der Kommission geltend gemacht wurde, das Proportionalwahl- verfahren, sei nicht wieder eingebracht worden, da nach den bisherigen Ergebnissen der Verhandlungen ein Erfolg hierbei in keiner Weise zu erwarten sei. Hätten doch gerade die Mitglieder der elsässischen Zentrumspartei, die früher sich für dieses Verfahren begeistert hatten, als die Frage zur Entscheidung stand, ihre eigenen Forderungen fallen lassen. Dieser Hinweis gab Emmel Anlaß, mit der Wankelmiitigkeit der Nationalisten überhaupt ab- zurechnen. Seine Ausführungen riefen wieder den Elsässer Hauß auf die Tribüne. Er bemühte sich indes vergeblich, die Schwanlungen seiner Gruppe zu rechtfertigen. Der fortschrittliche Abgeordnete Haußmann sprach sich für die KommissionSfass-ung aus, wobei er indes vorsichtig die Erorte rung der gegen die Arbeiter gerichteten Wohnsitzbestimmungen um ging. Eindruck machte er nur mit einer Polemik gegen den kon- servatiden„Reichsboten", der aus der Tiefe seines christlichen Gc müts zu dem Schluß gekommen war, eine Verfassung für Elsaß- Lothringen sei erst dann möglich, wenn erst wieder ein großer Krieg über die Reichslanbe hinweggegangen sei. Haußmann schloß daraus, daß in solchen barbarischen Wünschen der Bankerott der konser- vativen Partei klar zutage trete. Man hätte erwarten sollen, daß ein Regierungsver- t r e t e r Stellung zu den sozialdemokratischen Anträgen nehmen würde. Die Herren benutzten aber auch hier wieder die Sicherheit, die ihnen die Gegnerschaft der bürgerlichen Parteien gegen unsere Wahlrechtsforderungen verbürgte, um ihrer Nichtachtung für die Sozialdemokratie durch Schweigen Ausdruck zu geben. Der Reichs- kanzler von Bethmann Hollweg hatte sich wiederum, wie am Tage vorher, wenn Sozialdemokraten sprachen, aus dem Hause entfernt. Aber auch die konservative Partei hatte offenbar ein Haar in den Debatten gefunden. Die Blamage des Herrn von Oldenburg reizte nicht zur Nacheiferung. Kein einziger Konservativer ergriff das Wort. Dagegen nahm sich der freikonservative Herr v. O e r tz e n in nachbarlicher Freundschaft der Konservativen an, indem er zu ihrer Entschuldigung bemerkte, seines Wissens billige kein Konservativer die Ausführungen des„ReichSboten". Für die Nationalliberalen gab der Abgeordnete Beck- Heidelberg die Ev klärung ab, daß sie dem Wahlgesetz zustimmen würden. Bei der Abstimmung wurden sämtliche sozialdemo- kratischen Anträge gegen unsere Partei von der Gesamtheit der bürgerlichen Parteien abgelehnt. Ueber den Paragraphen 3, der nach Beseitigung des Pluralwohlrechts in der KommissionS fassung nur noch lautete:„Jeder Wahlberechtigte hat eine Stimme", fand eine namentliche Abstimmung statt. Der Paragraph wurde mit 2K2 gegen 47 Stimmen(meist Konservative) angenommen. Die übrigen Bestimmungen des Gesetzes fanden dann gleichfalls unverändert Annahme. Damit war die zweite Lesung erledigt. Die dritte Lesung soll am Freitag, den 86. Mai, vorgenommen werden. llnIverssMe» alz Büttel des Polizeittaats. Den größten Teil der Mittwochfitzung des Abgeordnetenhauses füllte die Besprechung der fteisinnigen Interpellation über die Grundsätze aus, nach denen die politische Zuverlässigkeit und der Besitz der erforderlichen Subsistenzmittel bei ausländischen, ins- besondere russischen Studierenden geprüft wird. Anlaß zu der Interpellation bot der tragische Fall des russischen Studenten Demetrius Dubrowskh, der, nachdem ihm die Genehmigung zur Immatrikulation an der Berliner Universität verweigert war, seinem Leben gewaltsam ein Ende gemacht hatte. Wie erinnerlich, hatten ursprünglich die Sozialdemokraten die Absicht, die Regie- rung zu interpellieren; sie konnten aber ihren Plan nicht aus- führen, weil sie nicht über die erforderliche Anzahl von Unter- schriften verfügten. Statt dessen brachten die Fortschrittler eine Interpellation ein, die von dem Abgeordneten Dr. v. Liszt fast noch lendenlahmer begründet wurde, als sie abgefaßt war. Der Redner der Fortschrittlichen Volkspartei gab eine Darstellung des Falles, die in mancher Hinsicht von dem, was offiziös darüber verbreitet ist, erheblich abweicht; er führte mit warmherzigen Worten das Tragische des Geschickes des jungen Studenten dem Hause vor Augen, aber geflissentlich vevmied er es, der Regierung Borwürfe zu machen oder gar sie zur Rechenschast zu ziehen. Aller- Vings bezeichnete er die Bestimmungen über die Aufnahnie von ausländischen Studenten als„etwas unzureichend" und forderte, wie schon bei früheren Gelegenheiten, die baldige Einbringung eines Universitätsgesetzes: aber das war auch alles; man merkte es ihm deutlich an, daß er sich ängstlich hütete, irgendeiner Institution des Polizeistaats Preußen zu nahe zu treten. Kein Wunder, daß die Ressortminister Herr Trott»zu Solz und Herr v. Dallwitz sich ihre Antwort leicht machten. Der Kultusminister sprach etwas von der Gastfreundschaft, die Preußen den ausländischen Studierenden erweist, und setzte die Praxis auseinander, die russischen Studenten gegenüber geübt wird --- eine echte Polizeipraxis. Die Polizei muß der Universitäts- behörde mitteilen, ob in materieller oder politischer Hinsicht gegen die Immatrikulation eines Studenten Bedenken vorliegen. Nun sind die Universitäten, wie der Minister hervorhob, zwar nicht ver- pflichtet, der Auskunft des Polizeipräsidiums unbedingt Folge zu leisten. Unseres Erachtens ist das nur ein Spiel mit Worten. An- genommen, eine Universität würde einen Studenten entgegen dem Einspruch der Polizei als Hörer zulassen, so würde die Polizei, um ihren Zweck zu erreichen, zweifellos zur Ausweisung des Betreffenden schreiten. Für den Fall DubrowSky selbst bestritt der Minister jeden inneren Zusammenhang zwischen dem Selbstmord und der polizeilichen Auskunft. Noch toller trieb es sein Kollege vom Mini» sterium des Innern, der die Polizei von jeder Schuld reinzuwaschen sich bemühte und zu ihrer Rechtfertigung dom Hause die unglaub- lichsten Märchen zu erzählen wagte. Aber die Herren Minister wissen, was sie dem Junkerparla- ment bieten können. Die Herren von der äußersten Rechten bis zu der bürgerlichen Linken erklärten sich durch die Ausführungen der RegierungSvertreter für befriedigt; sie alle sind davon durch- drungen, daß weder die Polizei, noch die Universität auch nur die geringste Schuld trifft. Ja, der konservative Redner, Abgeordneter v. d. Osten, benutzte sogar die Gelegenheit zu einer Attacke auf die Sozialdemokratie, und der Freikonserbative v. Kardorff vollends sprach sein Bedauern darüber aus, daß das Haus seine kostbare Zeit mit solchen Debatten vertrödelt. Für diese Sippschaft haben bekanntlich nur die Debatten Wert, die ihnen selbst Vorteile auf wirtfchaftliHem odxr�olitifcheW Kejnx.tx brinM. Doch«(cht genug damit, daß die Redner der bürgerlichen Pav teien sich nur auf kurze Erklärungen beschränkten, die den Kern der Sache gar nicht berührten, stellten sie auch an den von der Sozialdemokratie als Redner ansersehenen Genossen Liebknecht das dreiste Ansinnen, er solle sich verpflichten, nicht länger als 16 Minuten zu reden, und als Liebknecht diese Zumutung zurück- wies, beantragte die Rechte, unmittelbar bevor er zu Worte kommen sollte, Schluß der Debatte. Aber die Herren hatten sich verrechnet, der Schlutzantrag wurde abgelehnt, und nun nahm Liebknecht die Gelegenheit wahr, nicht nur den skandalösen Persuch der Mund- totmachung der Sozialdemokratie in gebührender Schärfe zu braud- marken, sondern auch eine flammende Anklagerede gegen das Spstem der Abhängigkeit Preußens von Rußland zu halten, eine Rede, die endlich einmal hineinleuchtet in die fortgesetzten Manöver der russischen Regierung, mit Hilfe der preußischen Polizei die Studenten zu bespitzeln und Tausende von Existenzen alljährlich auf Grund falscher Denunziationen ins Unglück zu stürzen.„Die Polizei pfeift, und die Universität mutz tanzen." In diesen Worten des sozialdemokratischen Redners kommt die Allmacht der Polizei zum Ausdruck, die in Wirklichkeit die Universitäten beherrscht, ohne daß Studierende oder akademische Lehrer ein Gefühl für das Be- schämende eines solchen Zustandes haben. An die Liebknechtsche Rede, während der die Minister de- monstrativ den Saal verließen, schloß sich eine scharfe Geschäfts- ordnungSdebatte, weil die Mehrheit die Angriffe unseres Redners gegen ihre Geschäftsführung nicht als begründet ansehen wollte. WaS natürlich nicht beweist, daß nicht Liebknecht trotzdem im Recht war. Am Freitag stehen neben der zweiten und dritten Beratung des Ausführungsgesetzes zum Reichswertzuwachssteuergesetz Jni- tiativanträge und Petitionen auf der Tagesordnung. vom Albanischen flufftand. S kutan, 17. Mai.(Eig. Bor.) Mit dem albanischen Aufstand ist es wie mit den meisten Dingen: sitzt man ganz in ihrer Nähe, so sieht man in der Regel weniger als der, der aus der Entfernung eine bessere Perspektive hat. Die türkischen Offiziere schweigen sich aus oder schneiden gewaltig auf, die albanischen Führer, soweit man mit ihnen Fühlung gewinnen kann, stellen die Ereignisse natürlich ebenfalls nach ihrer sehr subjektiven Lesart dar, und so ist man gezwungen, die Nachrichten, Meldungen und Ge- rüchte, die hier durcheinanderschwirren, gehörig zu filtrieren, wenn man einigermaßen zur Klarheit gelangen will. Auf jeden Fall ist man hier imstande, die oft wahnwitzigen Reportererfindungen auf ihr rechtes Maß zurückzuführen. So stand in einem italienischen Blatt recht erbaulich zu lesen, wie die aufständischen Albaner zu irgend einem Feiertag ihrer Madonna einen zweitägigen Waffenstillstand erbeten und auch erhalten hätten, wie sie dann zur Anbetung besagter Madonna nach Skutari gekommen und nachher wieder, zu neuem Kampf gestärkt, in die Berge zurückgekehrt seien. In Skutari selbst erinnerte sich der bekannte älteste Mann weder dieser noch einer ähnlichen Begebenheit. Bon dem Berichterstatter einer sehr großen deutschen Zeitung erzählt man sich sogar, er habe sofort jtadh seiner Ankunft in Skutari seinem Blatt fteude- strahlend mitgeteilt, die neueingestellten christlichen Soldaten sehe man zahlreich, den Rosenkranz abhaspelnd, herumlaufen, in vollkommener Unkenntnis dessen, daß auch der Mohammedaner seinen Rosenkranz, seinen Tesbih, hat und ihn fast als Ersatz eines Spazierstockes ständig mit herumträgt. Tatsache ist, daß heute noch der Aufstand lokalisiert ist. Heute noch, denn ob nicht morgen schon das wilde und zer klüftete Bergland östlich von Skutari in hellen Flammen aus lodern und ob nicht dann auch der Ausstand noch weiter greifen wird, in die Gegenden von Diakova und Jpek, wo er im ver- gangenen Jahre wütete, darüber sind die Meinungen hier sehr geteilt. Die Zahl der Ausständischen, die bis jetzt im Felde stehen, schätzt man auf drei-, vier-, allerhöchstens auf fünftausend. Sechs bisacht Pferdestunden von Skutari schießt man ich, im Gebiet der Kastrat!, tagtäglich herum. Von einer plan- mäßigen Anlage und Leitung des Aufstandes ist aber recht Weng zu verspüren. Es handelt sich auch hier um halb- oder ganz- wilde Bergbewohner, die unter dem Drucke der wirtschaftlichen Not zum Mauser gegriffen haben und die nichts von der jungtürkischen„Freiheit" wissen wollen, die sich für sie mit den beiden verhaßten Begriffen: Steuernzahlen und Soldat- werden erschöpft. Sie denken dabei nicht an einen Abfall vom osmanischen Reich, denn sie betrachten sich als die wahren Vertreter des Osmanentums, dessen Tradiftonen sie gegen die jungtürkischen Umstürzler schützen zu müssen glauben. Es heißt sogar, daß sie unter dem Ruf: PacUsdrast tgchok jascha! (Lang lebe der Sultan l) in den Kampf ziehen, womit sie aller- dings nicht den Protegö des Komitees Einheit und Forsschritt, 'andern den Gefangenen der Billa Allatini meinen. Unter einheitlicher Leitung hätte es jedenfalls im Anfang des Aufstandes gelingen müssen, Skutari mit Sturm zu nehmen, wenn anders Bergbewohner vom Schlage der Schkipetaren zu einer anderen Kampfmethode, als sie der Guerillakrieg zwischen den Felsen bedingt, gebracht werden können. Die Einnahme von Skutari durch die Albaner wäre auf jeden Fall nicht nur ein strategischer, sondern mehr noch ein bedeutender moralischer Erfolg gewesen und hätte mit Bestimmtheit den allgemeinen albanesischen Ausstand nach 'ich gezogen, den die Jungtürken heute nur fürchten. Denn anders läßt sich die merkwürdige Untättgkeit nicht erklären, in der Torghut Pascha, der Oberkommandierende der Operationsarmee, verharrt. Zwar behauptet er, längst ge- nügend Truppen zur Hand zu haben— eS sind beiläufig 25 000 Mann— und weiteren Nachschubs gar nicht mehr zu bedürfen. Wenn er trotzdem ruhig in seinem Konak sitzt und einen ensscheidenden Schlag scheut, so, weil er eine Niederlage selbst und ihre sehr bedenklichen Folgen fürchtet. Seine Soldaten, in der Hauptsache kleinasiatische Bataillone, halten sich vorläufig durch Sengen, Brennen, Morden, Schänden und Plündern schadlos. Aufs neue läßt sich hier durch die Schandtaten seiner versierten Soldateska Torghut Pascha bestätigen, daß er den Namen eines Bluthundes nicht zu Unrecht führt. Das„zivilisierte" Europa müßte in einen Schrei des Abscheus und der Empörung ausbrechen über das, was hier von den erst so gefeierten Jungtürken verübt wird und was so ziemlich alle Greuelszenen deS Abdul Hamid- scheu Regimes wenn nicht übertrifft, so doch sicher erreicht. Aber das„zivilisierte" Europa schweigt. Zu sehr buhlen die einzelnen Großmächte um die Gunst der hohen Pforte, als daß eine es wagte, zuerst ihre Stimme zu erheben und so der Konkurrenz einen Vorsprung in der türkischen Gunst zu lassen. Aus dem gleichen Grunde deckt die gleich- älls unterrichtete große europäische Presse den Mantel christ- icher Barmherzigkeit über die zügellose Blutwirsschast der Jungtürken in Albanien. Und auch nnier diesem GesichiZivinkel bckrachtei, ist der albanische Aufstand lehrreich. Eine ruffilcke Vroknote. Aus Petersburg meldet ein offizielles Telegramm: Der russische Botschafter in Konstantinopel ist beauf- tragt worden, der türkischen Regierung nachstehende Mit- teilung zu unterbreiten: Seit Ausbruch der albanesischen Unruhen hat die türkische Regierung unaufhörlich der kaiserlich russischen Regierung ihren unerschütterlichen Wunsch kundgegeben� daß der internationale Friede nicht gestört werde. Aus den letzten Nachrichten geht hervor, daß die Truppen besonders in der unmittelbaren Nähe der m o n t e n eg r i n i s ch e n Grenze zusammengezogen sind. Hieraus ergibt sich eine ernste Gefahr für den Frieden, weil der geringste Zwischenfall einen Grenzkonflikt hervorrufen kann, dessen Folgen zurzeit schwer vorauszusehen sein würden. Gleichzeitig hält die russische Regierung für notwendig, hinzuzufügen, daß die militäri« scheu Maßregeln, welche von der montenegrinischen Regierung zum Schutze der montenegrinischen Grenze ergriffen worden sind, nach ihrer(der russischen Regierung) Ansicht nicht als eine Drohung gegen das Nachbarland aufgefaßt werden können, und daß sie ledig, lich natürliche Matznahmen darstellen zum Zwecke der eigenen Ver- teidigung und der Aufrechterhaltung der Ordnung auf dem eigenen Gebiete. In der Ueberzeugung, daß die Pforte diese Anschauung teilt, drückt die russische Regierung die Hoffnung aus, daß die türkische Regierung zur Erhaltung der Ruhe und des Friedens es als möglich anerkennen wird, unverzüglich und in kategorischer Form ihre durchaus friedlichen Gesinnungen gegen Montenegro zu erklären und daß sie dadurch beitragen wird zur Beschränkung des Kriegszustandes und damit zu der Möglichkeit, die außerordentlichen militärischen Maßnahmen rückgängig zu machen, welche bereits von Montenegro ergriffen worden sind. Die kaiserlich russische Regierung ihrerseits, ausschließlich besorgt um die Erhaltung des Friedens, wird nicht verfehlen, der königlich montenegrinischen Regierung andauernd Mäßigung und Ruhe anzuraten. Damit nimmt Rußland seine alte Rolle als Beschützer der christlichen Balkanstaaten gegen die Türkei wieder auf. Die Note wendet sich in der alten brüsken und befehlenden Weise an die türkische Regierung, ganz als ob es nie eine jungtürkische Revolu- tion gegeben hätte. Ebenso wie zu Zeiten Abdul Hamids mischt sich Rußland in die inneren Angelegenheiten der Türkei. Ob sich die nationalistischen Jungtürken eine solche Sprache gefallen lassen wollen und können, ohne im eigene» Lande ihre Stellung unrett- bar zu kompromittieren, ist freilich sehr die Frage. Auf der anderen Seite ist aber Rußland kaum in der Lage, hinter seine drohenden Worte Taten zu setzen. Und so darf man annehmen, daß nach einigen diplomatischen Gefechten das heraufziehende Balkqnungewitter wieder vorübergehen wird. poUtifchc Qebcrficht. Berlin, den 24. Mai 1911. Konservativer Grimm. Die Tatsache, daß das gleiche Wahlrecht für Elsaß-Lothringen gegen die konservattven Wahlrechts- feinde dank der Mitwirkung der Sozialdemo» k r a t i e durchgesetzt worden ist, hat die ganze rechtsstehende Presse in nicht geringe Aufregung versetzt. Herr v. Beth- mann Hollweg wird fast schon so schlecht behandelt wie einstmals C a p r i v i, der ja auch die Durchsetzung der Handelsverträge nur der sozialdemokratischen Hilfe- leistung zu danken hatte. So schreibt der„Reichsbote" unter dem Titel:„Die Kapitulatton der Reichsregierung": „Nun hofft die Reichsregierung einen durchgreifenden Wandel zum Besseren erzielen zu können, wenn sie die Volkskammer nach dem Muster des Reichstags zusammensetzt, auf Grund eines Wahlrechts, welches noch radikaler gestaltet ist wie das für den letzteren. Den Elsaß-Lothringern bewilligt man all» gemeine, geheime, direkte und gleiche Wahlen, die auch noch an einem Sonntag abzuhalten sind I Heißt da? nicht wirklich den Teufel durch Beelzebub austreiben? Nach allen B e r« heerungen des Reich stagSwahlshstem» auf politi« schem und sittlichein Gebiet?" Und die„D. Tagesztg." meint: „Tatsächlich ist die Aufgabe der Pluralstimmen— der nach den heutige» Regierungserklärungen trotz allem die Regierung auch und doch noch zustimmt I— das Zugeständnis, das der Sozialdemokratie die Brücke zur Mehrheit baute und die Majorität erst sicherte; und die weitere Tatsache, daß die Sozialdemokratie hinzugezogen wurde unter der Aegide de» Vertreters des Kanzlers, nimmt unseres Erachtens dem Herrn Reichskanzler da» Recht zu sagen, er habe der Sozialdemokratie nur nicht verwehren können und wollen, zur Mehrheitsbildung beizutragen. Unter diesen Umständen wird der Herr Reichskanzler es verstehen, wenn wir nochmals unser Bedauern darüber unterstreichen. daß diese Hinzuziehung der republikanischen Partei erfolgt ist bei einer Vorlage, in der es sich um eine Erweiterung und Festigung der Rechte deS deutschen Kaisertums handelt. Denn ww glauben nicht, daß die Sozialdemokratie irgend etwas tun wird, wovon sie einen nationalen Gewinn oder gar eine Förderung der Monarchie erwartet. Und darum glauben wir, daß mit ihr kein ouftichtiges Kompromiß auf diesem Gebiete möglich ist und daß deshalb mit ihr gar nicht erst verhandelt werden darf in Ver» fassnilgsfragen. in den großen Fragen von Kaiser und Reich!" Daß unsere Zustimmung nicht der Förderung der Man- archie gilt, sondern der Verankerung der Demo- m o k r a t i e in Elsaß-Lothringen und darüber hinaus dient. ist durchaus richtig. Auch buchen wir mit Vergnügen das Eingeständnis, daß es wesentlich das Verdien st der �Sozialdemokratie ist, wenn das gleiche Wahl» recht für diesen neuen Bundesstaat gelvonnen wird. Im übrigen aber wird sich das Junkertum schon daran gewöhnen müssen, wenn sich die Vertreter der deutschen Arbeiterklasse die Geltung verschaffen, die dem Gewicht ihrer polittschen Macht entspricht. Und wir hoffen, daß die Junker und Scharf- macher im neuenReichstage dank dem erhöhten Einfluß einer verstärkten Fraktion noch viel unangenehmere Erfahrungeu machen werden._ Die Herbstsession. Die Regierung hat dem Reichstag das Gesetz zugehen lassen. da« die Ermächtigung zur Vertagung des Reichstage» bis zum 10. Oktober enthält. Gleichzeitig legt die Regierung ein Diäten» a e s e tz vor, dos für die Monate Oktober und November eine Tut« schädigunz von insgesamt 760 SR. vorsieht. Ginen Tobsuchtsanfall hat das Blatt der Panzerplatten- Patrioten, die„Rheinischs- Westfälische Zeitung", bekommen, weil eS Leute ü» Deutschland gibt, die vernünftig genug sind, i» der WaroLa? Affäre keinen Anlaß zn einer KriegZhede gegen Frankreich zu erblicken. Tie uniniktelbare Beranlaisuug zu den gemein- gefährlichen Wniauebrüchen des Organs der deutschen Schwer- Industrie ist eine Umfrage, die der Berliner Berichterstatter des Pariser„ M a t i n" bei verschiedenen deutschen Parla- mentariern über das Verhalten Deutschlands in der Marokko- Angelegenheit vorgenommen hat. Unter anderen haben sich der Prinz von Löwenstein, die Abgeordneten Pausche, Rimpau und auch Genosse Dr. Frank nach dem „Matin" dahin geäußert, dag Deutschland sich um Marokkos »villen nicht in einen Konflikt mit Frankreich stürzen werde. Diese ganz vernünftige Meinung bringt aber die „Rheinisch-Westfälische Ztg." so aus dem Häuschen, daß sie die Richtigkeit der ,.Matin"-Meldung anzweifelt. Sollte der „Matin" aber recht haben, so sei es„die gewissenlose st e Niederträchtigkeit" und Verrat am deutschen Volke und den Lebensinteressen des Deutschen Reiches, wenn sich deutsche Reichs- und Landtagsabgeordnete so geäußert hätten. Aber damit nicht genug, das edle Blatt, das angeblich so sehr auf Wahrung der„nationalen Ehre" bedacht ist. verlangt von der Regierung, daß sie den„Matin"-Korrespondenten »vegen„nichtswürdigster Brunnenvergiftung" sofort aus- w e i st. Derartige Kolleranfälle sind nur noch pathologisch zu bewerten. Der kalte Wasserstrahl, den die„Rheinisch-West- fälische Ztg." kürzlich wegen ihrer rüpelhaften Anrempelung Oesterreichs von der„Nordd. Allgem. Ztg." erhalten hat. ist wirkungslos geblieben.' Die Kriegstollheit des rheinisch-west- fälischen Blattes ist eben unheilbar. Eine Landtagsnachwahl in Württemberg. Dienstag fand im württembergischen Oberamt Leon- berg der zweite Wahlgang statt. Da die Volkspartei sich zu einer offenen Unterstützung des sozialdemokratischen Kandidaten nicht entschließen konnte, weil sie behauptete, ihrer Anhänger nicht durchaus sicher zu sein, standen sich wiederum drei Kandidaten gegenüber. Es erhielten der Bauernbündler Reichstagsabgeordneter Roth 2809, der sozialdemokratische Kandidat Schumacher 2564 und der Volksparteiler Hartmann 1423 Stimmen. Roth ist somit gewählt.— Im ersten Wahlgang erhielt Roth 2425, Schumacher 2106 und Hartmann 1799 Stimmen. Während also der Volksparteiler 356 Stimmen»veniger erhielt, hat die bünd- lerische Kandidatur eine Steigerung um 384 und die sozial- demokratische Kandidatur eine solche um 458 Stimmen erfahren. Die letztere Steigerung ist auf Reserven der Sozialdemokratie und zum kleinen Teil auf den Zufluß volksparteilicher Stimmen zurückzuführen. Tie Volkspartei trägt Schuld an der Auslieferung des Wahlkreises an den Bauernbund. Zwar ist die Aufrecht- «Haltung der volksparteilichen Kandidatur in diesem Falle an sich»licht zu beanstanden; die Volkspartei hätte aber zeigen müssen, daß die Aufrechterhaltung lediglich den Zlveck hat, den Uebergang von Stimmen auf den Bündler zu verhüten. Ihre Agitation ließ jedoch diesen Zweck vollständig vermissen. Eine Niederwerfung des Bauernbundes wäre, wie das Ergebnis zeigt, verhältnismäßig leicht zu bewerkstelligen geivelen. Das Sncie des marokhamfcben Vorspieles. Der Vormarsch des Generals Moinier ist mit dem un° blutigen Einzüge in Fes abgeschlossen. Die„Belagerung" der Stadt und die„Notlage" der Europäer ist tatsächlich nur eine Erfindung der von den Marokkotreibern ausgehaltenen Presse gewesen. Die aufständischen Stämme, die vielleicht an ein- zelnen Stellen vor den Mauern der Hauptstadt ihre Zelte aufgeschlagen hatten, haben sich, wie das in Marokko sehr häufig der Fall ist. nicht auf eine gemeinsame Attion einigen -können und haben es vorgezogen, in ihre Heimat abzuziehen. Dainit hätte die französische Entsatzkolonne ihren Ztveck erfüllt. Aber man darf nicht etwa darauf rechnen, daß sie bald »vieder FeS den Rücken kehren wird. Im Gegenteil. Der Vormarsch auf Fes war erst das Vorspiel der Okkupation. Die Presse der kapitalistischen und militaristischen Marokkointcressenten. die die Lage erst nicht schivarz genug schildern konnte, sucht jetzt nachzuweisen, daß eine Besetzung Marokkos ohne große Opfer und Kosten möglich sei. Es»Verden sich genug Vor- ivände finden, die Kolonne Moinier mit ihren Etappenstationen, die die Verbindung mit den atlantischen Häfen decken, im Innern des Landes zu lassen und ebenso das Mulujakorps stets konzei»triert und»narschbereit zu halten. Die nächsten Aufgaben, die die Franzosen für sich in Anspruch nehmen, bestehen in der Organisatton des Sultanhceres, das mit französischen Offizieren und Unteroffizieren versehen »verde»» soll, in der Sanierung der Finanzen, in der Regelung der Steuereintreibung usw. Alles Maßnahmen, die nur dazu dienen»verde». Zeit zu geivinnen und sich in den besetzten Gebieten häuslich«»»zurichten. Nebenher werden ganz sicher verschiedene„Strafexpeditionen" gegen Stämme gehen, die den Vormarsch Moiniers„beunruhigt" oder sonst etwas auf de,n Kerbholze haben,»vodurch»viederuin die schönsten Vorwände zum Verweilen der französischen Truppen gegeben werden. Ob diese Pläne den Marokkotreibern gelingen iverden, läßt sich jetzt»ücht sagen, da das französische Mi- nisterium durch die Katastrophe von Jssy-les-Moulineaux noch etwas desorganisiert ist. Die deutschen Marokkohetzer suchen natürlich auS der neuen Lage für ihre gemeingefährlichen Sondertnteressen Münze zu schlagen. So schreibt die Schärfmacher-.. Post": „... Wir Hollen eS für selbstverständlich, daß unser Staats- sekreiär des Auswärtigen Amtes von seinem Urlaub miiiliticlbar zurückkehrt. Die AlgeciraSakte_ wurde seinerzeit beschlossen in der Annahme, daß aus diesem Wege die Integrität und Souveränilät Marokkos aufrechtzuerhalten sei. Die Eiitwickelnng hat gezeigt, daß diese Hoffnung falsch ist. Ein Unterzeichner der AlgeciraSakie, Frankreich, hat die Akte selbst durchbrochen und ihre Grundbestimmnngen beseitigt. Das Deutsche Reich hat also heut« wieder volle Aktiv nSsreihett. S« bieten sich'bin zwei Wege, um seine Stellung zu wahren: Entweder unterstübt eS den Sultan Mnla») Hastd, damit er seine Selbständigkeit oder sein Land unversehrt erhalten lann, oder e» tritt mit Frankreich in neue Verhandlungen über die Zukunft Marokkos ein. Jeder dieser Wege kann zu einem Erfolge führen. Eine neue Konferenz oder neue Verhandlungen mit all den Mächten, die durch die Konferenz Gelegenheit erhielten, sich in den marokkanischen Handel hineinzumischen,»vären durchaus zwecklos. Aber notwendig erscheint eS»ms, daß jetzt sosort gehandelt»vird. Wir können demgegegenüber nur von neliem betonen. daß das deutsche Volk, vor allein die deutsche Arbeiterschaft nicht die geringste Ursache hat, es um Marokkos willen ans einen Konflikt mtt Frankreich ankommen zu lassen. Fraazöfislhe PrcWuvue«. Paris, 24. Mai. Die Blätter erörtern die Nachricht von dem Einmarsch der srauzösischeu Truppen in Fes mit großer Befriedi- gnng. Sie äußern insbesondere darüber ihre Freude, daß das Er- gebnis ohne allzu g.roße Opfer erzielt worden ist. Die Zeitungen, die stets eine energische Marolkopolitik befürwortet habe», erklären, es zeige sich, daß das sogenairnte marrollanische Wespennest und der heilige Krieg, lvomit zaghafte Politiker das fr»» zv fische Volk hätten schrecken wollen, dmchmrs nicht so gefährlich sei. Frankreich müsse ohne S ch w ä ch s die Aufgabe v o, l l c» d e n. die eS so glücklich begonnen habe. Ei»«euer Prätendent. Paris, 24. Mai. Nach einer Meldung aus Agibuzeri vom 22. d. Mts. hat die Mahalla O m r a n i s ihren Marsch unterbrochen, da in der Gegend von Aur ein neuer Rogi auftritt und den Heiligen Krieg verkündet. Dieser neue Kronprätendent ver- fügt über 1200 Krieger, die den Diebbailaftämmen angehören. Die Kaids im Gharb-Gebiet treffen Borbereit ungen, um der Bewegung Einhalt zn tun._ franhmcb. Kein Ministerwechfikl. Paris, 24. Mai. Nach einer halbamtlirhen Note wird der Mi- nisterpräfident die vo»»hm zum Nachsdlger Berteaux aus>- ersehcne Persönlichkeit am Sonnabend im Ministerrat bekannt- geben,' so daß das Kabinett bei der für Montag anberaurwen Wiedemufnahme der Kammerverhandlungen vollzählig sein wind. Das Miiristerimn wird von der Kavnmer eine Abänderung ihrer vor den Osterferien gefaßten Beschttifse verlangen, wonach gleich zu Beginn der gegenwärtigen Tagung die Beratung der Wahkrefo'rm in Angriff genommen merden sollt«. Marine- minister D e l c a s s e wird beantragen, daß dem Gesetzentwurf über das Flottenprogramm der Vorrang gelassen werden möge, da hierdurch der Bau der geplanten Kriegsschiffe beschleunigt werde. Die Besserung im Befinden Monis hält an. Verurteilung eines Maifeicrdemonstranten. Paris, 24. Mai. Das Zuchtpolizeigericht verurteilte gestern den Bankangestellten Ma�arette, der gelegentlich der Ma,feier«Nif die Kürassiere geschossen hatte, zu 6 M o n a t e n Gefängnis» Belgien. Gegen de» KlerikaliSumS. Brüssel, 22. Mai.(Eig. Ber.) Dem ununterbrochene» Reigen von Protestversammtüngen gegen da» Schulgesetz schloß sich gestern die gewaltige Genter Manifestation an. Gut 20000 Menschen schritten im Zug, darunter hunderte von Teilnehmern aus den Ort- schaften und Dörfern der vlä, irischen Provinz. Auf den Hüten der Manifestanten, aus Tafeln und Standarten stand in allen Variationen der Protest gegen das klerikale Schulgesetz zu lesen. Ebenso kehrte die Forderung nach allgemeinem Wahlrecht immer wieder. Auf Bildern mit entsprechenden Allegorien la« man: 20 Millionen für die Klöster! Und:„Nieder miit dem Schulschein— die Klöster beugen Millionen." An die Versammlung im Casino sprachen neben liberalen Deputierten fstr die Sozialisten Genosse H u y S- m a n S(vlämisch) und Bandervelde. Die Manifestation war eine gemeinsame Veranstaltung v«>n Sozialisten und Liberalen— doch überwiegte natürlich bei weitim das Arbeiterelement.-- Herr Schollaert wird auch nach dieser Manifestation behaupten, daß das Land flir das Schulgesetz begeistert»st. Das«eue Schulgesetz. Brüssel, 24. Mai. In der heutigen Kammersttzung wurde die Debatte über die Entgegennahme de«.» neuen Schulgesetz- entwurfs eröffnet, welcher vor einigen Tagen von einer Gruppe Abgeordneten der Rechten eingebracht Word«,, ist. Die iviitglieder der Linken und der Rechten sind vollzählig erschienen und man ist auf eine erregte Debatte gefaßt. Ms jetzt ist kein nennens- werter Zwischenfall zu verzeichnen. Der katholische Abgeordnete Limburg-Styrum verteidigt den Entwurf und»vird bei seinen Aus- sührungen fortgesetzt von Mitgliedern der Linken beider Gruppen unterbrochen. Die Sozialisten»mV Liberalen sind«iiischlossen, die Debatte zu verzögern, um zn verhindern, daß vor 5 Uhr nachmittags irgend eine Abstimmung erfolgt, damit die Beratungen auf die lange Bank geschoben werden. Portugal. Die kontrerevolutionöre Bewegung. Lissabon, 24. Mai. Die Gerüchte von einem monarchisti- schen Komplott gegen das rwue Regime nehmen immer ernstere Formen an. Die BlÄter veröffentlichen jetzt ciiie Liste der Namen von 31 Personen, darunter S Priester, die m Oporto verhaftet»vorben sind. Die Zivilgouverncure haben viele Exemplare des Protestschreibens der Bischöfe gegen die Trennung von Kirche und Staat mit Beschlag belegt. Der Ministerrat hat be- schlössen, gegen die Bischöfe vorzugehen. Eine Kundgebung des Papstes. Rom, 24. Mai. Der„Osservatore romaiw" bringt folgende Note: Wir erfahren, daß demnächst eine Enzyklika des Papstes an die Bischöfe der ganzen Welt erscheinen wird, in der der Papst entschieden gegen die Verfolgung protestiert, denen die kcrtho- lisch« Kirche von feiten der portugiesischen Regieruiig ausgesetzt ist. besonders aber gegen das ungerechte Trennungsgesctz. Rußland» Menschenschlächterei. Perm. 23. Mai. Neunzehn Gefangene, die zu den Bauten fiir die Aniurbahn bestimmt»varen, hoben a»! 10. d. M. in der Nähe von Tjumen im Bahnzuge die Wachsoldaten überfallen und einen Fluchtversuch unternommen. V» e r von den Gefangenen»ourden t o t in dein Waggon ausgefunden, sechs bei der Verfolgung getötet und acht schwerperivundet»vieder er- grisfen. Von den neun sie begleitenden Wachsoldaten sind acht tödlich verwundet worden. Amerika. Tie Schiedsverträge. Re»v?1«rk, 24. Mai. Wie aus Tokio gemeldet»vird, wird in offiziellen Kreisen erklärt, Japan sei bereit, Unterhandlungen über einen allgemeine» Schiedsgericktsvertrag mit Ainerika anzuknüpfen und Borschläge für«inen solchen Vertrag zu unterbreiten, falls es dazu eingeladen»vürde. Die Regieruna»»teressiere sich lebhast für Vertragsentwurf. Bus der parte!* Die englische S. D. P. und die gliistlingSfrase. Man schreibt uns aus London: Manche Anzeichen deute» darauf hin, daß eS bei der militaristischen Resolution der Coven- tryer Konferenz der englischen„Sozialdcinokratischen Partei", die für die iinperialistischen Hetzer hüben wie drüben ein gefundenes Fressen war, nicht ssin Beivenden haben wird. ES zeigt sich, daß der„Pozisißmus" umephglh d» Z. S- A dpch noch e�e Wacht% fltii der gerechnet iverden muß. Iivei der �erkiorrägstidsien«ftss verdientesten Mitglieder der S. D. P., die Genossen I. F. G r c e und Herbert Burroivs, der erstere ein langjähriger Kassierer der Partei, der letztere der frühere sozialdemokratische Parlamentskandidat für Haggerston, haben bekanntlich wegen der Eovcntrher Resolution öffentlich ihren Austritt aus der S. D. P. erklärt. Andere einflußreiche Mitglieder der Partei halten mit diesem letzten Schritt nur deshalb noch zurück, weil sie der Eoveutryer Resolution den Charakter eines rechtsgültigen Parteibeschlusses absprechen. Sie stehen auf dem Standpunkt, daß die Annahm« der R-solntion regelwidrig erfolgt, daß sie vom Vorstand plötzlich cingevracht worden»st, ohne daß die Ortsgruppen vorher Gelegenheit gehabt hatten, zu ihr Stellung zu nehmen, daß die Debatte nicht in billiger Wxise geleitet worden ist, usw. Sie fordern deshalb, daß beide sich gegenüberstehende Resolutionen noch einmal der Gesamtpartei zur klaren Entscheidung vorgelegt werden und von dieser Entscheidung»vollen sie ihre Stellung zur Partei dann abhängig machen. Im allgemeinen kann man ohne lieber- treibung sagen, daß der Beschluß von Coventrh eine förmliche Ne- volte gerade der besonncren Elemente der Partei nach sich gezogen hat und die Partei geradezu»nit dem Zerfall bedroht. Es ist des- halb sehr erfreulich, daß der Partcivorstand, dem auch die Genossen H h n d m a n und Queich angehören, sich veranlaßt gesehe»» hat, der herrschenden Stimmung Rechnung zu tragen und den Beschluß gefaßt hat. die beiden Resolutionen den Ortsgruppen der Partei noch einmal zur Entscheidung zu unter- breiten. Hoffentlich zeitigt diese Abstiinmung ein Ergebnis, das den inneren Frieden der S. D. P. und ihr Prestige in der inter- nationalen Bewegung wieder herstellt. Gemeindetvahlersolg. In Neuenhagen(Neumark) waren vor l'A Jahren unsere Genossen mit großer Mehrheit in die Gc- meindevertretung gewählt worden. Diese Wahl»var aber kassiert worden. Ain Mittwoch fand wiederum Wahl statt, bei der für die sozialdeinokratischen Kandidaten 89 Stimmen gegen eine einzige gegnerische abgegeben wurden. poUreilicbes, Oertcbttiches ufto. Eine Juftizaktiin in der Bochumer Spitzelafsäre. Das„Bochum er Volksblatt" druckte unlängst einige Briefe ab, die der Polizeispitzel Stephan Miele an die dortige Polizei gerichtet hatte. In diesen Briefen berichtete Wiele über seine Tätigkeit und wie er sich Ei»igang in den polnischen Vereinen zu verschaffen suchte. Nunmehr ist gegen den verant- »vortlichen Redakteur Genossen Pierenkämper ein Verfahre»! gegen Unbekannt eröffnet worden. Gegen den verantlvortlichen Redakteur des polnischen Organs„W i a r u s P o l S k i" ist das gleiche Verfahren eingeleitet. )?us Industrie und Kandel. Victoria. Mit der von uns angeschnitteilen Frage der PliiSmachere» bei der Viktoria und dem schönen Verhältnis zwischen den Geschenken an die Hauptmacher und den Löhnen der Angestellteu beschäftigt sich eine bürgerliche Korrespondenz. Sie bemerkt dazu u. a.: „Ein ähnliches ungünstiges Verhältnis Mischen den Tantieinen und den Einkünflen der Aktionäre besteht auch bei den meisten der großen deutschen Banken. Doch ist hier der Unterschied bei weitem nicht so groß wie bei der Viktoria. Die Aktionäre haben voll- kominen recht, wenn sie eine Erhöhung der Dividende verlarigen. Nur ist eS etwas zweifcibast, ob sie in der Lage sein werden, eine Llendenmg der Gewinnverteilung durchzusetzen. Die Verwaltung dürfte die Majorität der Aktien, die im übrigen einen Kurs von fast 10000 M. haben, besitzen. Jminerhin ist es schon erfreulich, wenn derartige Mißstände zur Diskussion in der Generalversamm- lung und in der Oeffentlichkeit gebracht»Verden. Ein anderer Punkt aus der Gewinnverteilung erscheint jedoch für die Allgemeinheit noch weit wichtiger als die Sparsanrkeit in der Dividendenverteiülng, die später wieder den Aktiv- • nären zugute kommen mug. ES ist in Berlin allgemein bekannt, daß die Victoria ihre Angestellten sehr schlecht bezahlt und ihnen— etwa mit Ausnahm« der Agenten— so niedrige Löhne gibt, die sie eben überhaupt zahlen kann. Da- gegen hält sie ihre Angestellten unter großem Druck, indem sie ihn«» einen HeiratSkonsens auferlegt. Wer sich ohne Ein- willigung des Generaldirektors eine Frau nimmt, wird sofort gekündigt. Die Ei»willig»»ig wird aber nur nach Erreichrmg einer bestimmten Gehaltsstufe gewährt, einer Stufe, in die die meisten der Angestellten erst nach langer Dienstzeit hinaufrücken. Ein Verfahren, die Heiratserlaubnis von einem hohen Gehalt abhängig zu inachen, gleichzeitig aber die Gehälter so niedrig»vie möglich zu halten, kann um so weniger als mit den guten Sitten vereinbar betrachtet werden, wenn gleichzeitig an die Verwaltung Riesentantienien gezahlt werden, die dem Generaldireltor zum Man» mit dem größten Einkommen in Berlin machen." Der Ansicht, daß die Altionäre einen berechtigten Anspruch auf noch höhere Bezüge hätten, sind»vir nicht. Nach unserer Meiilung werden die Versicherten in ganz ungehöriger Weise geschröpft. Die Profitmacheres bei der Privatversicherung ist ein unerhörter Skandal; auf diesem Gebiete vernachlässigt der Staat seine Pflicht in der allergröblichstcn Weise. Im Interesse des Allgemeinwohles muß er da» Versicherungswesen der kapitalistischen AnSbentung entziehe»,«S als staatliche Srnrichtung organisieren und ausbauen. Höhere Umlage«ud grössere ProduktivuStinschränkmig. In der BeiratSsitzung des ÄohlensyndikatS am 24. Mai er. wurde die nachträglich für das Jahr 1910 erhobene Umlage genehmigt, und die Umlagen für das ziveite Bierteljahr 19lt fiir Kohlen auf 12 Proz., für KokS auf 7 Proz. und sür Briketis auf 12 Proz. festgesetzt. Die sich anschließende Zechenbesitzerversammluiig genehmigte nach- träglich die vom Vorstand sür Mai in Anspruch genoauuenen Be- teiligungSauteile und setzte diese sür dje beiden folgenden Monate. Im»» und Juli, sür Kohlen auf 87 Proz. wie bisher, für Koks auf öö Proz.(bisher 70 Proz.) und für Briketts auf 80 Proz.(wie bis- her) fest. Der Antrag der Rheinischen Stablivecke, belreffeud die HIittenzechei»frage, wurde zurückgezogen, da es sich ergebcir hatte, daß die Einstimmigkeit, die zur Annahme erforderlich war, nicht erzielt werden konnte. � Der rechnungsmäßige Absatz betrug im April 1911 bei 23(im gleichen Monat deS Vorjahres 25i/s) Arbeitstagen 5 460 767(Vorjahr 5 051864) Tonne» oder arbcitStäglich 237 425(Vorjahr 324950) Tonnen. Die Förderung stellte sich insgesamt auf 6 738 190(Vorjahr 6 999 016) Tonnen oder arbeitstäglich auf 292965(Vorjahr 27Sj568> Tonnen und im Monat Mai 1911 auf 7 SIS 486 oder arbeitstäglich auf 237 483-Tonnei». Der Saatenstaud im Reiche. Vergleicht man die letzten Saatenstandsnotizen mit dem überaus g ü n st i g e n Jahre 1909, so findet man, daß sie bei Winterweizen, bei Winterroggen und Sommerrogge»», bei Gerste und bei Hafer günstiger stehen als damals, daß der Stand bei Sominerweizen gleich und nur bei Spelz etivas günstiger ist. Gegen April ist fast durchlveg«ine Verbesserung der Saat-nnands- noten zu beobachten, die in manchen Landesteilen sehr erheblich ist. ES stellt sich auch nach dem Maibericht heraus, daß die Angaben über die II>n pflüg ungen stark übertrieben Ware»». Freilich hat zu diesen Uebertreibungen der aintliche Aprilbericht insofern Veranlassung gegeben, als darin gesagt»vorden war, Unipflüguiigen dürften infolge des MänsefraßeS und der scharfe»» Aprilfiöste ivohl in ziemlich erheblichem Ilmsange nötig werden. Die Unipflüguiigen beiveglen sich aber»»»r in sehr bescheidenen Grenzen, was»ich» ailS- schließt, daß sie in einzelnen Landesleilei», narnenllich in Süd- und Mttldsgtfchlqssd, stark über das Mittel hinausgingen. GcwerkfcbaftUchca. Die Lohnbewegung der Bäcker. Die Situation hat sich so zugespitzt, daß die Bäckerei- arbeiter Grotz-Berlins jetzt vor der Frage stehen: Sollen wir in den Kampf eintreten, um die Anerkennung unserer be- rechtigten Forderungen zu erzwingen?— Die Forderungen, Weiche die Vertrauensmännerversammlung des Bäcker- Verbandes am Montag aufstellte, sind den einzelnen Meistern zugesandt mit dem Ersuchen, der Lohnkommission bis morgen, Freitag, mittags 12 Uhr, mitzuteilen, ob die Forderungen anerkannt werden. Von denjenigen Meistern, welche der Lohnkommission eine solche Mitteilung bis zum genannten Zeitpunkt nicht zugehen lassen, wird angenommen, daß sie die Forderungen ablehnen. Zu morgen(Freitag), nachmittags und abends, hat die Lohnkommission vier Versammlungen der Bäcker und Kon- ditoreu einberufen. Dieselben haben zu beschließen, ob ge- streikt werden soll oder nicht. Wer die Stimmung in den Kreisen der Bäckereiarbeiter kennt, kann mit Sicherheit an- nehmen, daß der Streik beschlossen wird. Selbstverständlich trifft der Streik nur diejenigen Meister, welche die Forderungen nicht bewilligt haben. Diesen gegenüber wird der Kampf aber mit dem größten Nachdruck geführt werden. Der Kampf, den die organisierten Bäckereiarbeiter im Interesse des Gewerbes und im Interesse des konsumierenden Publikums gern vermieden hätten, ist heraufbeschworen worden durch die Mehrheit der Innungen, welche den Schieds- spruch des Eiriigungsamtes, die Grundlage eines ehrlichen Friedens, ablehnten. Wenn die im Westen Berlins und ln den westlichen Vororten sitzenden Jnnungsscharfmacher glauben, sie könnten jede Forderung auf Verbesserung der Lage der Bäckereiarbeiter ohne Widerstand zurückweisen, so haben sie sich geirrt. Selbst in ihren eigenen Reihen finden jene Herren nicht die unbedingte Gefolgschaft, die zum Nieder- zwingen der Arbeiter erforderlich wäre. Eine erhebliche Zahl von Meistern, auch solche im Westen, haben die neuen Forde- rungen der Arbeiter durch Vertrag anerkannt. Das wird den Kampf der Arbeiter wesentlich erleichtern, weil ja infolge der zahlreichen Bewilligungen die Front des Gegners von vorn- herein eine kleinere geworden ist. Wenn die Bäckereiarbeiter morgen den Streik beschließen — was mit Sicherheit angenommen werden kann—, dann können sie auf die Sympathie der gesamten Arbeiterschaft und auf deren Unterstübung im Kampfe rechnen. Die kampflustigen Bäckermeister werden es sich zu überlegen haben. ob es nicht für sie das beste ist, von vornherein zu bewilligen, was ihnen sonst mit aller Energie abgerungen werden müßte. Alle in Bäckereien Beschäftigte werden ersucht, das Inserat in der heutigen Nummer des„Vorwärts" auf- merksam zu lesen und die ihnen darin erteilten Weisungen zu befolgen._ ßerUn und Umgegend. Der Streik in den Eisenkonftruktionsbetrieben. Die Unternehmer machen die größten Anstrengungen, Ar- beitswillige heranzuziehen oder ihre Arbeiten auf Umwegen fertig- stellen zu lassen. Interessant war in letzterer Beziehung eine Unterhandlung zwischen dem Eisenbahnbauamt in Spandau und der Streikleitung. Der Eisenbahnbaurat K i e s e l e r trat mit dem Streikleiter Maus in Verbindung und machte das Anerbieten, 100 Mann für die Arbeiten von Drucken- müller, die der Baurat als Ganzes gekauft und in eigene Regie genommen habe, anzustellen, und zwar zu den Bedingungen, die die Streikenden aufgestellt haben. Ferner der- langte er, die unfertigen Arbeiten, die noch in den Werkstätten liegen, sollten in anderen Betrieben, wo nicht gestreikt werde, fertiggestellt werden. Er versprach noch, daß die jetzt anzustellenden hundert Mann bei Druckenmüller auch fernerhin beschäftigt werden sollten. Das schien ein recht günstiges Anerbieten zu sein, und der Baurat Kieseler wünschte sofort Bescheid, denn er hatte es eilig, die bestimmte Bahnstrecke soll durchaus bis zum 1. Juni fertig sein. Maus konnte selbständig die Angelegenheit nicht ent- scheiden, aber er rief sofort die Arbeiter von Druckenmüller zu- sammen. Diese zollten den Bemühungen des Eisenbahnrats alle Anerkennung, aber sie sahen sofort ein, daß sie die gesamte Be- wegung schädigen würden, wenn sie einseitig ihren Vorteil wahr- nehmen, und sie bedauerten, den Wünschen des Herrn nicht nach- kommen zu können. Zugleich aber erörterten sie sehr lebhaft die Möglichkeit, daß durch den Einfluß des Eisenbahnbaurats auf die Unternehmer vielleicht ein Entgegenkommen von feiten der be- streikten Firmen herbeigeführt werden könnte. Nicht nur bei Druckenmüller, sondern auch bei anderen Firmen drängt die Arbeit sehr, und alle Mühe, Arbeitskräfte heranzuziehen, nützt nicht viel, denn es fehlt an geeigneten Leuten. Hein, Lehmann u. Co. haben versucht, Leute an- zuwerben durch andere Firmen, die nicht bestreikt werden; aber die Arbeiter sind wachsam. Sie lassen sich auch nicht durch Massentransporte von Arbeitswilligen Schrecken einjagen. Bei Thyssen ist ein Transport von 72 Mann angekommen; aber die Streikenden fürchten diese Konkurrenz nicht, sie sind überzeugt, daß es sich um unfähige Leute handelt. Bei Druckenmüller sollten die Techniker die Arbeits- willigen im Betriebe anlernen. Das lehnten die Techniker ab und protestierten gegen diese Zumutung. Der Gewerkschaftssekretär der Gelben, Paul Stein aus Frohnau in Mecklenburg, stand am Montagmorgen vor dem Ein- gang der Firma Hein, Lehmann u. Co., bewaffnet mit Messer und Beil, und versuchte, die Streikenden zu provozieren. Diese aber nahmen ihm die Mordwaffen ab und brachten ihn zur Polizeiwache. In den Kreisen der Unternehmer nimmt man an. daß Mißhelligkeiten zwischen den Arbeitern der Eisenkonstruktion und den Bauarbeitern ausbrechen werden, wenn die Bauarbeiter in- folge des Streiks zur Untätigkeit auf manchen großen Bauten ge- zwungen sind. Diese Annahme ist durchaus unbegründet. Die Bauarbeiter denken nicht daran, deswegen den Eisenbauarbeitern zu grollen. Sie beobachten den Verlauf des Kampfes mit dem- selben gespannten Interesse, als wenn es sich um ihre eigene Sache handelt.— Verschiedene Firmen erwarten Kahn- und Wagen- ladungen mit Eisenbaumaterial, woraus zu schließen ist,� daß Arbeit genügend vorliegt. Um so mehr ist die Hoffnung begründet, daß der Kampf zu einem guten Ende geführt werden kann. Erfolgreicher Abschluß des Streiks der Gasmesser- klempner. Zwecks Beilegung des Streiks der Gasmesserklempner haben in den letzten Tagen Verhandlungen stattgefunden und es sind dabei Vereinbarungen zustande gekommen. Die tägliche Arbeits- zeit beträgt nach diesen 9 Stunden, Sonnabends 8 Stunden ohne Vesperpause. Der Stundenlohn beträgt für die in Gasmesser- betrieben beschäftigten Klempner 65 Pf. Klempner, die noch nicht auf Gasmesser gearbeitet haben, erhalten die ersten 4 Wochen 60 Pf., für die folgenden 8 Wochen 62)4 Pf. und danach 65 Pf. Stundenlohn. Klempner, die 13 Wochen lang im Akkord mindestens 70 Pf. verdient baben, erhalten, wenn sie in Zeitlohn beschäftigt werden, 70 Pf. Stundenlohn. Neue Akkorde werden auf Grund des Stundenlohnes von 65 Pf. kalkuliert. Die alten Akkorde wer- den revidiert. Streitigkeiten aus den Vereinbarungen werden zwischen dem Arbeitgeber und einer aus Arbeitern des Betriebes gewählten Kommission geregelt. Der Verbandsvertreter Dietrich verantw. Redakteurl Albert Wachs, Berlin. In jeratenteil vergntw.l berichkele in einer Persajnmiung 5er Sireiiekiüen übet 5en Verlauf der Verhandlungen und ihr Ergebnis und verlas die zwischen den Vertretern beider Parteien getroffenen Vereinbarungen. Die Ar- beitgeber hatten die Vereinigung der Metallwarenfabrikanten mit der Führung der Verhandlungen betraut, an denen im übrigen auch ein Vertreter der Firma P i n t s ch sowie die Herren Bessin und Jahn teilnahmen. Für den Abschluß eines formgerechten Tarifvertrages waren die Unternehmer nicht zu haben, weil es den Grundsätzen ihrer Vereinigung widerspricht, wie sie erklärten. Es handelt sich um Abmachungen, die mit den einzelnen Firmen unterschriftlich festgelegt werden, und zwar auf unbestimmte Zeit. Nach den gemeinsamen Verhandlungen hat noch eine besondere Aus- spräche mit der Firma Elster stattgefunden, bei der es sich um die vor zwei Jahren gemachten Abzüge an den Akkordpreisen han- delte. Herr E l st e r erklärte sich bereit, die Abzüge größtenteils zurückzunehmen sowie einige andere Zugeständnisse zu machen, so daß wohl auch bei dieser Firma die Beilegung des Kampfes möglich fein wird.— Der Referent empfahl im Namen der Kom- Mission oer Versammlung, den Vereinbarungen zuzustimmen, die zwar nicht alles bieten, was gefordert wurde, aber immerhin an- nehmbare Zugeständnisse enthalten. Die Versammlung erklärte sich dann auch nach längerer Diskussion mit den Vereinbarungen einverstanden und zwar mit allen gegen drei Stimmen. Eine Lohnbewegung der Schmiede. Die JnnungSmeister sind seit einiger Zeit sehr besorgk, daß die Gesellen in einen Streik treten werden. In einem Rund- schreiben an die Mitglieder der Innung teilte der Obermeister Warncke das Folgende mit: „Wie wir erfahren haben, plant die Gesellenschaft, ohne vorher mit dem Vorstand der Meisterschaft in Verhandlung zu treten, unverhofft die Arbeit niederzulegen; wir er- suchen die Kollegen dringend, sich auf nichts einzulassen und ge- fälligst auf die Anweisung des Vorstandes zu warten.— Wir lassen uns nicht überrumpeln, wir wollen auch fernerhin zeigen, daß wir Herren im Hause sind." Das Schreiben ist datiert vom 12. Mai. Die„Deutsche Arbeit- geberzeitung" glaubte sogar, den Ausbruch des Streiks für Montag, den 14. Mai, ankündigen zu können. In den Gruppenversammlungen, die die Meister in der vorigen Woche abhielten, waren viele Jnnungsmeister sehr verstimmt über die Aussicht auf einen Streik, und sie erklärten, daß sie von den 6)4 Wochen des Kampfes im letzten Jahre noch genug hätten und in der gleichen Weise nicht wieder mittun würden. Man verlangte auch, daß die Gesellen der Innung ihre Wünsche vortragen sollten; freilich möchte man nicht mit dem Verbände verhandeln. An allen Streiknachrichten, die in den Kreisen der Meister um- liefen, war nur soviel wahr, daß die Gesellen mit den bestehenden Verhältnissen in den Jnnungsbctrieben sehr unzufrieden sind; sie haben ihre Forderungen von der letzten Lohnbewegung her noch nicht vergessen, aber für eine neue Lohnbewegung oder gar für einen plötzlichen Streik hatte man noch keinerlei Vorbereitungen getroffen, als die Meister schon allerlei Gespenster sahen. Die ersten Vorbereitungen zu einer Lohnbewegung traf man erst am Dienstag abend in einer Versammlung der Jnnungsgesellen, die der Zentralverband der Schmiede nach Boekers Lokal in der Weber- straße einberufen hatte. Nach einer ausgiebigen Diskussion wurde die Verwaltung beauftragt, geeignete Schritte zur Einleitung der Lohnbewegung zu unternehmen. In der Versammlung wurde noch die Frage des Arbeitsnachweises besprochen, die in bczug auf Vermittelung von Arbeit an den Sonntagen besteht. In keinem anderen Gewerbe besteht diese Gepflogenheit, und die Gesellen wünschen, daß hier eine Aenderung eintrete. Achtung� GastwirtSgehilfen! Das Lokal von Mtzinicke, Ecke Warschauer- und Romintener Straße,— Warschauer Bierhallcn— ist für organisierte Gastwirtsgehilfen gesperrt. Verband deutscher Gastwirtsgehilfen. Sattler, Schuhmacher, Stepperinnen! In der Gamaschenfabrik von Jgnaz Schübe!, Kochstr. 3, haben die Arbeiter infolge Diffe- renzen die Arbeit eingestellt. Wir ersuchen, jeden Zuzug nach dieser Werkstelle fernzuhalten. Verband der Sattler und Portefeuiller, OrtSverivaltung Berlin. Deutfestes Reich. Lohnbewegung des Bauarbeiierverbandes. In Spandau sind die Bauhilfsarbeiter in den Streik ge- treten. Die Arbeitseinstellung erfolgte fast einmütig. Die Zahl der Streikenden beträgt 200 und schon am ersten Tage waren zirka 100 Maurer in Mitleidenschaft gezogen. Die Bauhilfsarbeiter waren bisher von dem für Maurer und Zimmerer bestehenden Vertragsverhältnis ausgeschlossen, weil der Arbeitgeberverhand mit der Organisation ein Vartragsverhältnis nicht eingehen wollte. Der Lohn ist besonders niedrig und beträgt 45 Pf. Der Unter- schied zwischen diesen und dem Maurerlohn beträgt 31 Pf. die Stunde, das ist die größte Differenz, die im Reiche vorhanden sein wird. In Berlin beträgt sie 25 Pf. und im Reiche beträgt sie im Durchschnitt nur 10 Pf. Die Bauhilfsarbeiter fordern eine Lohnerhöhung von 10 Pf. und Abschluß eines Vertrages. � Der Arbeitgeberverband lehnte aber jede Verhandlung ab. Drei Ar- beitgeber haben bereits bewilligt. Wegen VerMechterung der bisherigen Arbeitsbedingungen legten die Maurer und Bauhilfsarbeiter in Fürstenwalde a. Spree bei den Arbeitgebern Utikal, Badey und Kirschner die Arbeit nieder. Die bisher übliche Vergünstigung an den Sonnabenden wurde den Arbeitern entzogen. Diesen Eingriff in alterworbene Rechte wollen sich die Arbeiter nicht gefallen lassen und sind deshalb in die Abwehrbewegung eingetreten. In Zäckerick im Oderbruch sind die Maurer in Streik ge- treten; sie fordern eine Lohnerhöhung von 5 Pf. die Stunde. Da die Arbeitgeber im Wege der Verhandlung nicht bewegt werden konnten, den Lohn zu erhöhen, so erfolgte die Arbeitseinstellung. Zum Kampfe im Hamburger Holzgewerbe. In der vorigen Woche wimmelte die ganze Hamburger bürger- liche Presse von Terrorismusgeschichten der streikenden Holzarbeiter. Der„Arbeitgeberschutzverband" tischte den Lesern gar schaurige Erzählungen von Mißhandlungen Arbeitswilliger im Bureau des Holzarbeiterverbandes, halb abgerissenen Ohren, blutigen Köpfen usw. auf. Der Holzarbeiterverband konnte nun in jedem Falle sofort nachweisen, daß diese Berichte erlogen waren, trotzdem die„Ham- burger Nachrichten" behaupteten, daß die Kriminalpolizei die«in- zelnen Fälle nachgeprüft habe. Da die Parteipresse der schmutzigen Gesellschaft kräftig auf die Finger klopfte, war es einige Tage merkwürdig still in der bürgerlichen Presse, bis jetzt in fast allen Hamburger Blättern folgendes Inserat erscheint: „Zum Schutze der Arbeitswilligen des Holz- gewerbes. Infolge der wiederholt vorgekommenen Mißhand- lungen von Arbeitswilligen durch Streikposten oder andere Ar- beiter ersuchen wir das gesamte Publikum, uns derartige Fälle mitzuteilen. Jeder, der hinreichendes Material bringt, so daß die gerichtliche Bestrafung des Schuldigen erfolgen kann, erhält eine Belohnung von fünfzig Mark. Arbeitgeberschutzvcrband der Holzindustrie von Hamburg und Nachbarftädten(E. V.), Bohnenstr. 12— 14." Der Schutzverband braucht„Material", und weil er anders zu solchem nicht kommen kann, wird dieser Weg gewählt, um an- ständige, ehrliche Familienväter ins Unglück zu stürzen. ES brauchen sich nur Lumpen zu finden, die für 50 M. das Blaue vom Himmel herunterschwören. Die Verhandlungen vor dem Einigungsamt sind bisher er- gcbnislos verlaufen. Der Vorschlag, welchen dasselbe den Parteien unterbreitete, liegt nunmehr im Wortlaut vor und lautet: „Die Parteien einigen sich dahin, daß beiderseits ein pari- tätischer Arbeitsnachweis anerkannt wird. Auch ein Obligatorium Ach. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanstalt soll ttt eingeschränkter Form stattfinden, insofern, daß die Arbeit- geber auch berechtigt sind, selbständig Arbeiter anzunehmen, doch sind die auf diese Weise angenommenen Arbeiter vor Antritt der Arbeit am paritätischen Arbeitsnachweis anzumelden. Die Annahme dieses Vorschlages gilt als Vorbedingung der Einsetzung einer sechsgliedrigen Kommission für den Abschluß der weiteren Einigungsverhandlungen. Das Einigungsamt wird so lange vertagt, bis die Kommission ihre Beratung beendet und die nachbleibenden Differenzen vor- legen kann." Die Kommission der Arbeiter war nicht in der Lage, diesen Vorschlag zu akzeptieren, weil dadurch das Obligatorium in der Praxis vollständig aufgehoben wäre. Man erklärte sich aber bereit, in einer gemeinsamen Kommission die Fälle, in welchen die Ein- stellung ohne Arbeitsnachweis statthaft sein sollte, festzulegen, und auch die Arbeitgeberbeisitzer im Einigungsamt erklärten, daß nur dann, wenn Arbeiter wegen Arbeitsmangel aussetzen oder wegen Krankheit die Arbeit unterbrechen müßten, diese wieder ohne Nach- weis angenommen werden dürften. Für alle anderen Arbeiter sollte der Arbeitsnachweis obligatorisch sein. Die Arbeitervertreter erklärten darauf, daß man diese Ausnahmen zulassen würde, wäh- rend die Arbeitgebervertreter nunmehr erklärten, daß mit dieser Auslegung für sie der Vorschlag unannehmbar sei. Der Vorsitzende des Einigungsamts, Herr Amtsrichter Dr. Bohsen, erklärte darauf» hin die Verhandlungen als gescheitert und verkündete, daß das Einigungsamt am 23. Mai zusammentreten würde, um«inen Schiedsspruch zu fällen. Der Schiedsspruch liegt nun vor. Er ent- spricht ganz dem, was die Arbeiter befürchtet haben. Juristisch dehnbar und unklar, kommt er den berechtigten Wünschen der Ar- beiter nicht im geringsten entgegen, sondern trägt nur den Wün- schen der Unternehmer Rechnung. Während bisher das Obligato- rium für den Arbeitsnachweis bestand, ist es jetzt durch den Schieds- spruch praktisch vollständig beseitigt. Die Holzarbeiter werden in den nächsten Tagen zu dem Schiedsspruch Stellung nehmen; das Resultat der Abstimmung ist kaum zweifelhaft. An die Holzarbeiter ergeht daher nach wie vor die dringende Bitte, den Zuzug nach Hamburg fernzuhalten._ Soziales* Ein geradezu trostloses Resultat ergab eine amtliche Wohnung?» zählung in Würzburg. Von 19 195 Wohnungen stehen nur 120 leer (0,63 Proz.). Noch schlimmer wird das Verhältnis, wenn die Klein- Wohnungen ausgeschieden werden. So stehen von Zweizimmer» Wohnungen nur 0,39, von Dreizimmerwohnungen 0,46 Proz. leer. Aehuliche Mißstände bestehen noch in verschiedenen anderen nord- bayerischen Städten, wo sich in den letzten Jahren die Industrie kräftig entwickelt hat. Die Stadtverwaltungen stehen dem Ejend meist gleichgültig gegenüber und wollen sich nicht zu wirksamen wohnungspolitischen Maßnahmen verstehen. Ganz ungeheuerlich sind die Zustände in Schweinfurt. Kinderreichen Familien ist es oft nicht möglich, eine Wohnung zu finden. Sie müssen in Not- quartieren Unterkunft suchen. So kann man häufig ihre Möbel in Scheunen usw. aufbewahrt sehen, während die Familien selbst in Wirtschastsräumcn, Kegelbahnen und ähnlichen Schlupfwinkeln kampieren. Tabakarbeiterelend. „Der Tabakarbeiter" veröffentlicht in seiner Nummer vom 21. Mai 2 Briefe, die in einfach entsetzlicher Weise das Elend illustrieren, das die Raubpolitik der Schwarz-Blauen über die Tabakarbeiter gebracht hat. Ein Tabakarbeiter wendet sich in einer Eingabe an das Reichsschatzamt und teilt mit, daß er zunächst im Jahre 1910 infolge des neuen Tabakzolles arbeitslos geworden sei. Seine zweite Arbeitslosigkeit datiere nun schon seit dem 24. Scp- tember 1910, sie sei auch, wie der Entlassungsschein beweise, auf die neue Tabaksteuer zurückzuführen. 13 Wochen sei er schon in der Lungenheilstätte gewesen. Sieben Kinder sind vorhanden, so- daß die Frau auch in ihrem Berufe als Tabakarbeiterin nicht mehr tätig sein könne. Von der Oberzolldirektion erhielt der Mann folgenden Bescheid: „Auf Ihre erneute Eingabe um Gewährung einer Unter« stützung aus den nachträglich für unterstützungsbedürftige Ta» bakarbeiter gewährten Mitteln erwidere ich Ihnen, daß auch nach erneuter Prüfung ich mich außerstande sehe, Ihnen die be- antragte Unterstützung zu bewilligen. Die Mittel sind nach den vom Bundesrat aufgestellten Grundsätzen nur für solche Tabak» arbeiter bestimmt, die, wie Ihnen bereits durch meine Ver- fügung vom 4. April ds. IS. mitgeteilt ist, schon bisher unter» stützungsberechtigt waren und außerdem selbst durch Krankheit oder körperliche Gebrechen z. B. Taubstummheit, Altersschwäche, Verkrüppelung der Gliedmaßen usw. eine andere Arbeitsgelegen- heit sich nicht verschaffen konnten und sich in besonderer außer» gewöhnlicher Not befinden. Da diese Voraussetzungen auch nach den erneut angestellten Ermittlungen bei Ihnen nicht zutreffen, bin ich auck jetzt nicht m der Lage Ihrem Antrage entsprechen zu können." Brotwucher ist schlimm, aber noch entsetzlicher ist daS Wirken dieser Hungerpeitsche, die wir vorwiegend dem Zentrum verdanken. letzte ffochriehtcn« Die Reform des englischen Oberhauses. London, 24. Mai.(W. T. B.) Im Verlauf der Debatte über die Vetobill im Oberhause empfahl der Erzbischof von Canterbury in dringender Weise, einen Kompromiß zu schließen. Der Lord- kanzler erklärte, die Regierung werde in dem gegenwärtigen Stadium der konstitutionellen Krists die Vetobill nicht aufgeben. Er deutete jedoch an, daß es möglicherweise zu einem Abkommen über das Problem der Reform des Oberhauses kommen werde, aber ein solches Abkommen werde nur dann möglich sein, wenn die Not- wendigkeit einer wirklichen Gleichheit zwischen beiden Parteien im Oberhause anerkannt würde. Wenn eine wirkliche Gleichheit ge- zeben sei, so könnten vielleicht nachher neue Beziehungen zwischen ten beiden Häusern des Parlaments geschaffen werden. Der albanische Aufstand. Saloniki, 24. Mai.(W.T.B.) Die von Muhaddin Bey gs- führten Truppen griffen den Berg Schechtappe besetzthaltende Auf. tändische an und vertrieben sie nach siebenstllndigem Kampfe wobei die Aufständischen zwanzig Mann, die Truppen vier Mann und einige Verwundete verloren. Bei Mojkowatz wurde ein türkischer Grenzposten von Aufständischen angegriffen, hierbei wurden drei Soldaten erschossen. Die Rebellen flüchteten ohne Verlust. Neuer Fliegerabsturz. Karlsruhe, 24. Mai. Heute abend 5,45 Uhr ist hier ein neuer Unfall bei der Oberrheinischen Zuverlässigkeitsprüfung vorge- kommen. Leutnant Mackenthun, der mit seinem Begleiter Leutnant Bahrends auf einem Aviatikzweidecker den ersten Aufstieg unter- nehmen wollte, flog bis in die Nordecke des etwas kleinen Flug. geländes, das ringsum von Wald umsäumt wird. Plötzlich sah man, wie der Apparat sich neigte und auf die Kiefern stürzte. Der Apparat blieb in den Aesten hängen, die beiden Flieger erlitten keinerlei Verletzungen._ Eine Fliegerschule in China.. Peking, 24. Mai.(P.-C.) Der Flugsport, dem erst kürzlich der wanzösische Flieger Rene Ballon in China zum Opfer gefallen ist, beginnt jetzt auch im„Reich der Mitte" seinen siegreichen Ein- zug zu halten. Der ckinesische Flugtechniker Foug-you. der mehrere Jahre in den Vereinigten Staaten gelebt hat, wird auf Wunsch des Vizekönigs von Kuang tung in Kanton eine Flieger» chule einrichten.___ aulSingerZ!Co..BrrlivLVV. Hierzu 4 Btilage« Nr. 121. 28. Jahrgang. 1 KeilW des Jotmiitts" Knlim Wlksblck. Donnerstag, 23. Mai 1911. Reichstag. 183. Sitzung. Mittwoch, den 24. Mai, mittags 12 Uhr. Am BundesratStisch: Delbrück. Auf der Tagesordnung steht zunächst daS Gesetz über die Wahlen zur Zweiten Kammer des Landtages für Elsah-Lothringen. Die Beratung der ersten Paragraphen wird verbunden. Zum§ 1 beantragen die Abgg. Dr. Ricklin(Elf.) u. eine andere Wahlkreiseinteilung. Zum Z 2, der von der Wahlberechtigung handelt, liegt ein An- trag Albrecht(Soz.) u. Gen. vor, der Einführung des Frauen- Wahlrechts und Herabsetzung des Wahlberechtigungsalters von 2ä auf 2V Jahre verlangt. Ferner sollen alle Wähler Wahl- berechtigt sein, die seit mindestens einem Jahre(Kommission: drei Jahre mit Ausnahmen für Beamte, Religionsdiener und Lehrer) ihren Wohnsitz in Elsatz-Lothringen haben. Ferner will der Antrag die vorgesehene Gemeindewohnsitzklausel von einem Jahre ersetzen durch die Bestimmung, daß das Wahlrecht ausgeübt werden soll in der Gemeinde, wo der Betreffende am Tage der Aufstellung der Wählerliste seipen Sitz hat. Abg. Emme!(Soz.): Da« Wahlgesetz ist für uns die Hauptsache. Von der Gestaltung dieses Paragraphen hängt unsereZustimmung zur ganzen Vorlage ab. Die Kommissionsbeschlüsse genügen uns nicht ganz. Man halte ursprünglich gehofft, daß der Proporz in Elsaß- Lothringen eingeführt werden würde. Ein solcher Antrag war im Landesausschuß von den Herren Blumenthal, Preiß, Rick- lin, Wetterlv eingebracht worden. Aber als die Verfassung»- reform der Regierung kam, änderte sich die Haltung dieser Herren. Diese Aenderung trat zutage auf dem sogenannten Delbrück-Diner. Die wirklichen Wünsche des elsaß-lothringischcn Volkes kamen damals nicht zum Ausdruck. Die Herren fürchteten für die Stellung, die sie jetzt noch infolge des ungerechten Wahlsystems im LandeSausschnß einnehmen. Erklärte doch Herr Ricklin sogar jetzt, dasVolk sei noch nicht reif für den Proporz. Das sagt derselbe Herr, der im Jahr vorher selbst für den Proporz eingetreten war. sHörtl hörtl bei den Sozialdemokraten.) Er ist also offenbar der Meinung, daß das elsaß-lothringische Volk in dem einen Jahr um so viel dümmer geworden ist. Ebenso sind die e l s ä s s i s ch e n N a t i o n a l i st e n in der Frage des Plural- Wahlrechts umgefallen. Für die Doppelzüngigkeit dieser Herren ist auch bezeichnend, daß sie zu derselben Zeit, wo sie hier mit An- trägen vorgingen, die die Autonomie für Elsaß-Lothringen verlangen, hinter den Kuliffen mit dem preußischen Junker v. Köster sich dahin einigten, aus Elsaß-Lothringen ein Großherzoztum zu machen und einen Landtag zu schaffen, der aus drei Gruppen von Abgeord- neten zusammengesetzt sein sollte und wonach nur der dritte Teil der Abgeordneten auf Grund des allgemeinen Wahlrechts gewählt werden sollte.(Hörtl hörtl b. d. Soz., Zuruf des Abg. Wetterls). Da« hat im Blatte des Abg. W e t t e r l s gestanden und ist nicht dementiert worden.(Hörtl hörtl bei den Sozialdemokraten.) Alles das zeigt, daß die Herren nur nach außen aus d e m a g o g i« s ch e n Gründen für das allgemeine Wahlrecht eingetreten sind, daß eS ihnen damit aber nicht ernst war.» Die Regierung kannte natürlich die« Doppelspiel, war es doch ihr Mitglied, Herr V. Köller, mit dem diese Gespräche geführt wurden. Daraus erklärt eS sich auch, daß die Regierung nicht weitere Konzessionen machen wollte. Dazu wurde sie erst gezwungen, als sich zeigte, daß mit dem Landesausschuß nicht weiter auszukommen ivar. Auch gegen- über der jetzigen Borlage lassen sich die elsässischen Nationalisten lediglich von dem Gesichtspunkt leiten, wie sie ihre Macht austecht erhalten können. Das beweist am besten der WahlkreiseinteilungS- antrag dieser Herren. Man will Colmar Land und Stadt trennen und sich durch die Listenwahl beide Abgeordnete des Landkreises sichern. Die jetzt beantragte Listenwahl ist daS gerade Gegen- teil des früher von denselben Herren beantragten Proporzes.(Hörtl hörtl bei den Sozialdemokraten� Wir müssen das entschieden ablehnen. Wir hätten den Proporz am liebsten gehabt, da er aber nicht durchgegangen ist. werden wir für die Kommissionsbeschlüsse im§ 1 stimmen. Zum§ 2 be- antragen wir dann aus grundsätzlichen und Zweckmäßigkeitsgründen das Frauenwahlrecht. Wir haben in Elsaß-Lothringen 325000 weibliche Erwerbs- tätige, rund ein Drittel aller Erwerbstätigen. Diese Frauen kleines fcmlleton Mensch und Mücke. Es klingt paradox, ist aber doch nur die einfache Wahrheit, daß der Mensch auf seinem Wege zur Eroberung der Erde mit den größten und stärksten Lebewesen am schnellsten fertig geworden ist. Die beste Waffe gegen den Menschen bietet für Lebewesen die Kleinheit, und bei den Bakterien ist feine Macht ganz oder teilweise gebrochen. Aber auch die Ausrottung der Stuben- fliege wird wohl niemand für möglich halten, und mit anderem lin- geziefer steht eS ebenso. Neuerdings haben wir unser Augenmerk der Mücke zugewandt. Die Erkenntnis, daß gewisse Stechmückenarten die Träger der Malaria und anderer Krankheiten sind, ist zu der Pein ihrer blutsaugenden Tätigkeit hinzugekommen, um unsere Abwehrmaßregeln anzufachen. Der Kampf gegen die Mückenplage ist nahezu zu einer stehenden Rubrik in der Tagespresse geworden. Er hat Viel zoologische Ankklärung verbreilen helfen, und heute weiß jedermann, was früher viele Gebildete nicht wußten, daß die Mücke aus Larven entsteht, die in Pfützen und Gräben ein schwärzliches Gewimmel entfalten. Mit Schaudern denkt er daran, daß alle drei Wochen eine neue Mückengeneration fix und fertig ist und daß aus einem einzigen Mücklein in einem warmen Sommer sechs Gene- ralionen mit t>4 Millionen(!) Blutsaugern entstehen können. Die Waffen, die uns gegen die Mücken zu Gebote stehen, hat Professor Claus Schilling in Westend bei Berlin zusammengestellt in der Broschüre»Die Bekämpfung der Mückenplage" (Verlag von B. G. Teubner, Leipzig). Man hat vor Jahren in Breslau zuerst den Kampf in umfassender Weise aus- genommen, indem man Gräben und �ähnliche Ansamm- lungen stehenden Wassers mit Petroleum übergoß. Anfangs schienen die Erfolge bedeutend, später ließen sie nach und jeyt ist man von dieser Art der Bekämpfung ziemlich ab- gekommen. Erfreulicherweise wendet sich auch Schilling gegen diele Methode. Abgesehen von ihren widerwärtigen Begleit- umständen werden dabei auch Fische und eine Unzahl anderer Lebewesen getötet. Schilling bekämpft die Mücken in erster Linie an ihren Brutplätzen. Die zahllosen kleinen Wasieransammlungen auf Höfen, in Gärten usw. müssen beseitigt werden. Er zeigt unter anderem, wie man in Laubenkolonien die zum Begießen der Pflanzen erforderlichen Wasservorräte gegen da« Eindringen d« Mückcnbrut schützt. In zweiter Linie lehrr Schilling die Bekämpfung der Mücken in, Winter in den geschlossenen Räumen, in denen sie ersahrungsmäßig überwintern. DaS Ausräuchern mit Insektenpulver hat sich hier bewährt, und Schilling gibt ausführliche Anweisungen dazu. Bemerkenswert sind seine Mitteilungen über den von ihm in Westend organisierten MückenvertilgungSdienst, der vielleicht den Magistrat von Berlin zur Nacheifcrung anreizt. In der Einleitung lehrt Schilling übrigens auch die gewöhnlichen Stechmücken von' sind an der Gesetzgebung natürlich besonders interessiert; ebenso aber auch die in der Hauswirtschaft tätigen Frauen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Eine alte Forderung ist auch die Wahlberechtigung vom 20. Lebensjahre an. Das Erfordernis einer Ansässigkeit im Lande von drei Jahren er- scheint uns zu weitgehend. Auch die Kommission hat ja schon für Beamte, Religionsdiener und Lehrer ein Jahr für genügend erachtet, um sich mit den Verhältnissen vertraut zu machen. Gar keine Be- rechtigung hat aber im Gesetz die Gemeindewohnsitzklausel.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Nur für den Zeitpunkt, wo die Wählerliste aufgestellt wird, hat die Gemeindewohnsitzklausel einen Sinn. Durch die von der Kommission bescklossene einjährige Gemeindewohnsitzerfordernis werden nur die betroffen, die gezwungen sind, häufiger umzuziehen, es ist eine rein schikanöse Bestimmung.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Sogar die Beamten sollen unter diese unsinnige und schikanöse Bestimmung fallen und dadurch zeitweise ihres Wahl- rechts verlustig gehen. Ich ersnche Sie dringend, diese Bestimmung zu beseitigen und uns damit die Möglichkeit zu geben, weiter ein Interesse an der Gesamtgestaltung des Gesetzes zu haben und daran weiter mitzuarbeiten wie bisher.(Bravo I bei den Sozial- demokraten.) Abg. Haußmann(Vp.): Wir begrüßen die Einführung der Sonntagswahl und ehrlicher Wahlurnen durch die Kommission, so- wie die Ablehnung des Pluralwahlrechts. Ein Antrag auf Bei- beHaltung dieses innerlich ganz unbegründeten Alters-Pluralwahl- rechts wurde schließlich von keiner Seite in der Kommission mehr gestellt. Die Folge der einen Stimme mehr bei Erreichung des Schwabenalters von 40 Jahren wäre gewesen, daß die unter der französischen Herrschaft geborenen Elsaß-Lothringer eine Stimme mehr gehabt hätten als die unter der deutschen Herrschaft Geborenen. Das wäre ein richtiger Schwabenstreich gewesen.(Sehr gut I und Heiterkeit.) Den Konservativen können wir für ihre Haltung nur dankbar sein, sie haben die Regierung förmlich auf die linke Seite hinübergedrängt, wostte sie nicht das ganze Gesetz scheitern lassen. Es hat sich hier wieder einnial bewährt: Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Sehr bezeich- nend ist, daß ein konservatives Blatt geschrieben bat, man solle die Reform verschieben, bis einmal ein Krieg neu über Elsaß-Lothringen entschieden habe. Das ist der Bankrott der konservativen Staats- kunst.(Sehr wahr I links.) Die Gruppierung von gestern ist vielleicht eine Perspektive für den nächsten Reichstag, der dann fruchtbare Arbeit leisten würde, wenn sich die Wahlen voll- ziehen unter der neuen Wahlparole des Reichskanzlers: nicht Still- stand, sondern Fortschritt!(Bravo I links.) Abg. v. Oertzen(Rp.): Wir werden den Kommissionsbeschlüssen z u st i m m e n. wollen aber, indem wir hier für das allgemeine Wahlrecht stimmen, keinen Präzedenzfall schaffen sür unsere Haltung in anderen Bundesstaaten. Die Anträge Albrecht lehnen wir ab. Dem Vorredner erwidere ich,'daß kein konservativer Deutscher einen Krieg herbeiwünscht. Abg. Beck-Heidelberg(natl.): Wir geben zu, daß die Forderung eines längeren Aufenthaltes manche Härten in sich birgt, wir bestreiten aber, daß es sich dabei um eine schikanöse Beeinträchtigung einer einzigen Bevölkerungsklasse handelt. Es werden doch nicht nur die Arbeiter von dieser Wohnsitzklausel getroffen.— Wir sind gewiß keine prinzipiellen Gegner eines vernünftigen Pluralwahlrechts, der Verzicht auf die Alterspluralstimmen ist uns aber durchaus nicht schwer gefallen. Wir lehnen den elsässischen Antrag auf Einführung des Listenwahlsystems und ebenfo die sozialdemokratischen Anträge ab und halten an den Kommissionsvorschlägen fest.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Abg. Hauß(els. Z.): Wir halten das Wahlgesetz für rech un- vollkommen, aber wir ziehen es dem jetzigen Zustand vor und stimmen daher dafür.— Es ist nicht wahr, wie der Abg. E m m e l behauptet, daß wir gegen das allgemeine Wahlrecht und gegen das Proportioualwahlrecht Stellung genommen haben. Die Debatte schließt. Persönlich erklärt Abg. Wettcrls(Elf.), daß Staatssekretär Köller allerdings den Vorschlag einer einzigen, aus Standes- und Volks- Vertretern gemischten Kammer gemacht habe, daß dieser Vorschlag aber von ihm und seinen Freunden abgelehnt worden sei. Abg. Emmcl(Soz., spersönlichj): Herr Hauß hat sich allerdings in der Kommission gegen das Proportionalverfahren ausgesprochen. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Sämtliche Abänderungsanträge werden abgelehnt. Für die Streichung der Wohnsitzklausel stimmen außer den Sozialdemokraten auch ein Teil der Fortschrittler. Ueber§3, der das allgemeine Wahlrecht ohne Altersplural st immen enthält, wird namentlich ab- g e st i m m t. den nahe verwandten Anopheles-Arten, die die Malaria übertrage». unterscheiden. Im allgemeinen kann man glücklicherweise sagen, daß die Lästigkeit der Stechmücken bei uns ungleich größer ist als ihre Ge- fährlichkeit. Aber auch diese Lästigkeit, die im Sommer ungezählten Ausflüglern die Freude verdirbt, ist groß genug, um dem Kampfe gegen die Stechmücken Erfolg zu wünschen. Ein Bergwerk zu Studienzwecken. Die Regierung der Ver- einigten Staaten hat in der Nähe von P i t t s b u r g eine Kohlen- mine erworben, nicht, um Gewinn daraus zu erzielen, sondern zu Versuchszwecken. Theoretisch und praktisch gebildete Männer sollen darin Erfahrungen sammeln unter Anwendung der besten Arbeits- Methoden, Erprobung neuer Erfindungen, um die Ursachen der Kohlenstaubexplosionen und der sonstigen Grubenunfälle festzustellen, damit sie in Zukunft möglichst vermieden Iverden können. In den letzten drei Jahren sind von der Regierung(Arbeitsamt) 6000 Berg- leute im Retlungswerk ausgebildet worden. Eine amerikanische Ge- sellschaft stellt seit etwa 1>/z Jahren»Sauerstoffhelme" her. die schon vielfach zur Verwendung gelangen. Diese Helme gestatten dem Träger, ,n einer Grube, die mit Gasen angefüllt ist, dennoch etwa zwei Stunden ohne Schaden zu verweilen. Im März d. I. nahmen über 10 000 Bergleute an den UnterrichtSkurscn, die von Berg- ingenieuren geleitet werden, teil. Hier werden Vorträge über Vor- sichlsinaßnahmen und Rettungswesen in den Kohlenminen gehalten. Das hört sich gewiß alles sehr schön an. Leider läßt es die Profitwut der Kapitalisten aber nicht zu, daß die Vorsichtsmaßregeln auch voll zur Anwendung kommen. Andernfalls wären schon heute die Mehrzahl der Unfälle wohl vermeidbar. Auf wieviele verschiedene Arten kann ein Taler gewechselt werden? So lautet die Aufgabe, auf deren Lösung ein Liebhaber der Mathematik einen Preis von 100 M. ausgesetzt hatte. In der „Zeitschrist für mathematischen und naturwissenschaftlichen Unter- richt"(3. Heft) erschien nun der eingehende Bericht über dieses Preisausschreiben. Er bietet für uns insofern ein besonderes Interesse, als dadurch aufs neue bezeugt wird, wieviel ungestillter Wissensdrang in der Arbeiterschaft lebt und nach Betätigung lechzt. Unter den 185 richtigen Lösungen(im ganzen sind bis zum Schluß- termin 068 Zuschriften eingelaufen) befanden sich mehrere, die aus Arbeiterkreisen stammten. Der Zufall wollte, daß der aus- gesetzte Preis, der ausgelost werden mutzte, einem schlichten Ar- beiter. Max Lange in Augustusburg, zufiel. Die Lösung des Preisträgers, der. wie der Preisrichter bemerkt, in seiner Jugend offenbar eine sehr bescheidene Schulbildung erhalten hat, wird von dem letzteren als geschickt und scharfsinnig bezeichnet. Von der Lösung der Aufgabe selbst können wir unseren Lesern leider nichts mitteilen, da sie jedenfalls zu umständlich und ohne mathematische Vorkcnntniffc auch unverständlich bleiben muß. Die Leser, die für die Sache ein besonderes Interesse empfinden, müssen schon die er- wähnte Zeitschrift selbst zur Hand nehmen. Soviel sei nur mit- geteilt, dgß die gesuchte Zahl der Umpzechselungen jux einen Tglex Der Paragraph wird mit 262 gegen 47 Stimmen angenommen. (Lebhaftes Bravo! links und im Zentrum.) Mit der Minderheit stimmen einige ReichSparteiler, darunter b. L i e b e r t und Schultz. Die übrigen Paragraphen werden debattelos an« genommen. Die zweite Lesung der clsaß-kothringischen Verfassungsvorlage einschließlich des Wahlgesetzes ist damit erledigt. Eine große Anzahl Licchnungssachen werden in dritter Lesung debattelos erledigt. Es folgt die erste Lesung des Gesetzes über die vorläufige Regelung der Handelsbeziehungen zu Japan. Nach kurzer Debatte wird die Vorlage derselben Kommission überwiefen. wie der schwedische Handelsvertrag. Es folgt die erste Lesung des Niederlassungsvertrages mit der Schweiz. Abg. Dr. Müller- Meiningen(Vp.): Der Vertrag enthält Bestimmungen, die geeignet sind, Bedenken zu erwecken. Er ent« hält trotz einiger unleugbarer und anerkennenswerter Fortschritte noch sehr viele Spuren des alten Polizeigeistes. Abg. Stadthagen(Soz.): Der neue Niederlassungsvertrag enthält Bestimmungen, die dem Interesse der schweizerischen wie der deutschen Staatsbürger zu- widerlaufen. Sogar direkte Verschlechterungen sind in dem Vortrag enthalten, über die sich die Begründung sehr vielsagend ausschweigt. Wir müssen von der Regierung Aufklärung verlangen. warum diese�Verschlechterung internationaler Beziehungen in den Ver- trag gebracht worden ist. Wir beantragen daher Kommissions- beratung. Wir werden dabei auch den Nachweis führen, daß der Vertrag gegen die Reichstagsresolution verstößt, die auf unsere An- regung gegen den wider ReichSgesetze und internationale Verträge verstoßenden L e g i t i m a t i o n s k arten zw a ng der preußischen Regierung beschlossen worden ist. Von auswärtigen Regierungen ist lebhafte Klage geführt worden über die offenbare Verhöhnung internationaler Verträge durch die preußische Regierung. (Glocke des Präsidenten.) Vizepräsident Schultz: Diese Ausführungen sind doch wohl nicht angemessen.(Zuruf bei den Sozialdemokraten.) Abg. Stndthagc»: Meine Ausführungen sind durchaus der Sache angemessen. Es handelt sich hier um einen inter- nationalen Vertrag. Da muß ich erwähnen, daß die preußische Re- gierung gegen internationale Verträge verstößt. Rufen Sie doch die preußische Regierung zur Ordnung.(Sehr gut I bei den Sozialdemakraten.) Vizepräsident Schultz: Ich habe Sie ja nicht zur Ordnung gerufen, sondern Sie nur gebeten, weniger starke Ausdrücke zu bryuchcn. Abg. Stadthagen(Soz.): Tatsächlich hat die Schweiz wiederholt Rekrinnnationen erhoben wegen Verletzung des Vertrages durch Preußen. Das Vorgehen.der preußischen Regierung mit den Legitimationskarten, das wir ja hier schon oft genug kritisiert haben, bedeutet eine AuLnahmemaßrcgcl gegen solche Ausländer, die nach Preußen kommen, um zu arbeiten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Dies Verlangen einer Legitimationskarte, dir Forderung, daß die Betreffenden 2 oder 5 M. an die Feld- arbeiterzentrale zahlen müssen, und nun gar die Androhung der Ausweisung, falls das nicht geschieht, bedeutet eine Verletzung des Rcichsrrchts und der Rcichsvcrfassung. Nach dieser stehen die Bestimmungen über Niederlassung ausschließlich dem Reiche zu. Ebenso verstößt diese Ausstellung von LegitimationS- papieren gegen das Paßgesetz. Ganz unerhört ist das Ver- langen von Gebühren durch das private Institut der Feldarbeiterzentrale. Was würden die Herren Minister sagen, wenn man ihnen in der Schweiz eine Legitimationskarte für 5 Fr. aufnötigen wollte unter Androhung der Ausweisung. Sie würden mit Recht wegen Erpressung und Nötigung klagen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Aber in einem„Kulturstaat" wie Preußen ver« langt man Ausnahmemaßregeln gegen die Arbeiter! Wenn wir dies Recht Prenßen zugestehen wollen, hat dieser Vertrag gar keinen Wert.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Das AuSweisungs- recht der Landespolizei besteht nur gegen Landstreicher Prostituierte usw. in den Grenzen, wie es durch Reichsgesetz geregelt ist. Einem Professor, einem Kommerzienrat, einem Geheinirat gegenüber würden solche Maßnahmen als Schmach empfunden iv erden, nran würde sich über Verletzung des Gastrechts beklagen. Sind denn das keine Arbeiter? I(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich kann uuter diesen Umständen dem Vertrage nicht zustimmen. Zwei bis drei Millionen nimmt diese Privatgesellschaft, Menschen- 391 550 beträgt, während ein Fiinfmarkstück auf 5 229 221 ver- schiedene Arten, Lin Zehnmarkstück auf 300 504 127 und ein Zwanzigntarkstück sogar auf 33 230248752 verschiedene Arten ge, wechselt werden kann. Humor und Satire. Dringliche Frage an Herrn von Jagow. Die Lerchen trillern,'s Mailllfterl weht, Schon ebbt das politische Leben. Aus Stoffinangel bringt man da gern aufs Tapet, Was früher sich hat begeben. Drum, Herr von Jagow, bin ich so frei,' Mal wieder bescheiden zu fragen: Blühn immer noch im Verborgnen die Zwei, Die den Arbeiter Herrmann erschlagen! Befinden sie in Berlin sich jetzt, Oder wurden auf amtliche Kosten Sie etwa versehentlich.strafversetzt" Und befördert zu höheren Posten? Sie sind allmächtig, Sie wissen so viel, Sie wissen. Herr Präsidente, Gcwiß auch den richtigen Weg zum Ziel, Wie man die Kerle erkennte! Vielleicht beehren zur Badekur Die Zwei einen Schwefel- und Moorort? Oder kneipen als Sommerfrischler Natur Gemütlich im nächsten Vorort? Verzeih'» Sie, doch nieine Neugier ist groß, So groß, wie des Staatsanwalts Stille. Auch würde der„Vorwärts" mit Wonne loS Die Belohnung von Mark zwei Mille. Sie liegt bereit, denn der Staat braucht Geld Zu Orden für Schutzmannsbrüste. Hat wirklich noch immer sich keiner gemeld't, Der was Gewisses wüßte? _ Michel. Notizen. — Die ältesten Runensteine. In dem kleinen Kirch- dorfe V e h l e in Dänemark hat man kürzlich zwei Steine mit Nuneninschriften gesunden, die nach vorgenommenen genauen Unter» suchungen auf das Jahr 700 zurückreichen. Diese Runensteine sind die ältesten, die man bisher gefunden hat. da die bis jetzt ältesten Exemplare dieser nordischen Altertümer aus dem Anfang des neunten Lahrhunderts stammen. Handler-Jn st itut, genannt Fe! darb ei terzbiUrale dafür ein, day sie gesetzwidrig ausländische Arbeiter mißhandelt, um Streikbrecher gegen die deutschen Arbeiter heranzuziehen. Das ist ja des Pudels Kern(Sehr richtig I bei den Sozraldemo- traten), man will eine Hintzegarde, diese Siebenmonatskinder gegen die deutschen Arbeiter zur Verfügung haben. Ich bitte die Negierung um Auskunft darüber, ob sie endlich zu der Ueberzeugung gekommen ist, daß der LegitimationZkartenzwang wie er in Preußen und einigen anderen Staaten ausgeübt wird, gesetzwidrig ist und was sie getan hat, inn dem mit großer Mehr« heit am 31. März 1909 vom Reichstag ausgesprochenen Verlangen auf Aufhebung solch widersetzlicher Ministerial« Verfügungen stachzukommen. Um diese Fragen zu klären, be- antrage ich die Ueberweisung des Vertrages au dieselbe Kom- Mission, der der Vertrag mit Japan überwiesen worden ist. (Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Geheimrat v. Franzius: Es ist richtig, daß die Schweiz sich durch die Anwendung der Bestimmungen über die Legitimations- karten nicht gerade angenehm berührt gefunden hat. Sie hat darüber freundschaftliche Vorstellungen erhoben. Wir haben diese Vorstellungen der preußischen Regiermrg übermittelt und haben die von ihr erteilte Aufklärung der schweizerischen Re- gierung mitgeteilt. Ich kann nur konstatieren, daß die schweizerische Regierung sich damit beruhigt hat und daß bei Abschluß dieses Vertrages diese Frage nicht erörtert worden ist.— Was die Gebühren der Feldarbeiterzentrale anlangt, so ist in dem Vertrage fest« gelegt, daß Ausländer befugt sein sollen, jede Art von Gewerbe und Handel auszuüben ohne höheren Gebühren unterworfen zu sein wie die Inländer. Damit ist diese Beschwerde wohl erledigt. Damit schließt die erste Beratung. Der Antrag auf Kommissions- veratung wird abgelehnt. ES folgt die zweite Beratung. Abg. Stadthagen(Soz.): Man könnte die Fassung des Vertrages so auslegen, daß unter Leuten die„Gewerbe uiid Handel ausüben" Arbeiter nicht zu der- stehen seien. Die Fassung des bisherigen Vertrages war klarer.— Ferner möchte ich der Auffassung ividersprecheu, als ob die Schweiz, weil sie nicht weiter Widerspruch gegen die LegilimatiouSkarten er« hoben hat, sich damit einverstanden erklärt habe. Jedenfalls hat ein solcher Niederlassungsvertrag keinen Wert, wenn er von irgend einem Partikularstaat durchbrochen werden kann.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Vertrag wird hierauf genehmigt. Debattelos angenommen wird ein Uebereinkommen über das Seerecht, das Gesetz betr. die Beseitigung von Tierkadavern in zweiter Lesung. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzes betr. den PatentausführungSzwang. Abg. Erzberger lg.) nimmt das Patentamt gegen Angriffe von Patentanwälten in Schutz. Staatssekretär Dr. Delbrück: Die Industrie hat stets die Zu- verlässigkeit der Arbeit des Patentamts und die Brauchbarkeit des jetzigen Verfahrens anerkannt. Wir werden die Beamten des Patent- amts gegen unberechtigte Angriffe schützen.(Bravo I) Abg. Do»e(Vp.): Diese Sache hat mit der Vorlage gar nichts zu tun. Jedenfalls haben die betreffenden Patentanwälte wie jeder Preuße das Recht, ihre Meinung frei zu sagen. Abg. Geck(Soz.): Die Ausführungen deö Herrn Erzberger, die mit der Vorlage in keinem Zusammenhang stehen, waren jedenfalls bei ihm a l s Vertreter derRegrerungSpartei be st ellte Arbeit. (Heiterkeit.) Wir behalte» uns vor, auf die Zustände innerhalb der Patentanwaltschaft bei Gelegenheit der Novelle zum Patentgesetz, die ja bestimmt dem nächsten Reichstag vorgelegt werden wird, ein- zugehen. Wir werden trotz einzelner Bedenken der Vorlage in der Kommissionsfassung zustimmen, da aus Kreisen der Industriellen und zum Teil auch aus Arbeiterkreisen uns Stimmen zugegangen sind, die Wert legen auf die Verabschiedung der Vorlage.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Das Gesetz wird hierauf angenommen, und auf Antrag des Abg. Junck(natl.) auch in dritter Lesung der- abschiedet. Ein Gesetz betr. Ausgabe kleiner Aktien in den KonfulargerichtSbezirken wird von der Tagesordnung abgesetzt. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung Freitag 11 Uhr.(Dritte Lesung der elsaß-lothringischen Verfassung und der ReichSversicherungSordnung.) Schluß 3-/, Uhr.__ Mgeoränetendaus. 83. Sitzung vom 24. Mai, vorm. 11 Uhr. Am Ministertische: v. Trott zu Solz, v. Dallwitz. Auf der Tagesordnung steht die Interpellation der Wgg. Aronsohn(Vp.) u. Gen., betreffend die Ausschließung des russischen Studenten Dubrowsky von der Universität Berlin. Die Interpellation lautet: Ist der Kgl. StaalsregierUng bekannt, daß dem russischen Stu- denten Demetrius Dubrowsky das Studium an der hiesigen Uni- versität versagt worden ist? Durch welche Organe und nach welchen Grundsätzen wurden in diesem Falle und werden im all- gemeinen die politische Zuverlässigkeit und der Besitz der erfor- derlichen Subsistetlzmittel bei ausländischen, insbesondere bei russischen Studierenden geprüft? Abg. v. Liszt(Vp.) begründet die Interpellation. Er schildert zunächst den schon in der Presse eingehend erörterten Fall des russischen Studenten Dubrowskp, der Selbstmord beging, weil er auf Grund einer polizeilichen Anweisung von der Berliner Universität als politisch unzuverllässig vom Studium ausgeschlossen wurde. Unter Berufung aus zahlreiche Auskünfte uitd Zuschriften von russischen Behörden und Universitätsmit- gliedern führt der Redner aus, es stehe fest, daß die polizeiliche Auskunft über Dubrowsky durchaus falsch gewesen und der junge Manu keinesfalls politisch unzuverlässig gewesen sei. Dubrowsky, der Sohn eines höheren Beamten, habe sich um Politik überhaupt nicht gekümmert.— In der sozialdemokratischen Presse ist anläßlich dieses traurigen Falles gegen die Universitätsbehövde der harte Vorwurf gemacht worden, sie hätte sich auflehnen müssen gegen das Verlangen der Polizeibehörde. Diesen Vorwurf halte ich nicht für berechtigt. Die Universitätsbehörde kann sich doch jetzt nicht auf- lehnen gegen einen Erlaß, der schon seit Jahren von allen deutschen Universitätsbehörden beobachtet wird. Es ist durchaus notwendig, daß die Universitäten bei der Immatrikulation ausländischer Studenten sehr vorsichtig sind. Die polizeiliche Unter- suchung muß aber sorgfältiger erfolgen und von dazu geeigneten Beamten ausgeübt werden, die etwas vom akademischen Leben verstehen. Wenn in der polizeilichen Auskunst die politische Zu- verlässigkeit eines Studenten und das Vorhandensein von Sub- sistenzmitteln bestritten wird, so müßte das auch substantiiert werden. Der Fall zeigt, datz die« ch a s f u N g e i n e s U u: v e r- sitätsgesetzes für Deutschland eine dringende Not- wendigkeit ist. An die Regierung möchte ich die Frage richten: Gibt es einen Geheim erlaß, durch welchen die Unwersitäts- behörde» angewiesen werden, die Immatrikulation ohne wei- tere Begründung abzulehnen, wenn seitens der Po- lizei die unsubstantiierte Behauptung vorliegt, daß politische Unzuverlässigkeit vorliegt und nicht genügende Subsistenz- mittel vorbände» sind. Wenn durch einen solenn Äeheimerlaß die Universitälsbehörden gehalten sind, ohne weiteres solchen polr- geilichen Auskünfle» zu folgen, dann wäre«» Zeit, den Erlaß filifdnMlll-(B�lsüll m dxr Vpllspgrtci.) Kultusminister v. Trott zu Solz: Ich habe schon früher darauf hingewiesen, daß eS einer alten Tradition entspricht, wenn unsere Universitäten den Ausländern Gastrecht in weitestem Maße gewähren. �Diese Gastfreundschaft kann aber nicht ohne jeden Vor- behalt gewährt werden. � Wir sind nicht soweit gegangen, daß wir die Zahl der ausländischen Studierenden begrenzen, wie es in Bayern geschehen ist, sondern wir haben uns damit begnügt, bei der Immatrikulation der russischen Studenten etwas stren- aer zu verfahren. Unter diesen russischen Studenten befindet sich eine nicht geringe Zahl von Elementen, die man nicht so günstig beurteilen kann und die man am besten von unseren Universitäten zurückweist. Die deutschfeindlichen Demonstrationen russisch-pol- nischer Studenten, die im Jahre 1991 in unseren Hörsälen statt- fanden, gaben den Anlaß zu einer strengeren Prüfung auslän- bischer Studierender vor der Immatrikulation. Es ist aber dabei keineswegs in engherziger, kleinlicher Weise verfahren worden. was schon daraus hervorgeht, daß im letzten Winterhalbjahr 489, im Sommerhalbjahr 429 russische Studenten an der Berliner Universität immatrikuliert waren, also fast ein Drittel aller aus- ländischen Studenten. Diese Zahl ist so erheblich, daß bei noch weiterer Ausdehnung die Frage auftauchen würde, ob dagegen nicht andere Maßregeln zu ergreifen sind. Das Verfahren bei der Immatrikulation russischer Studierender basiert keines- wegs auf einem G e h e i m e r l a ß, der die Universitätsbehörden anweist, der Auskunft d«S Polizeipräsidiums unbedingt zu folgen. Dubrowsky hat nicht gleich zum Revolver gegriffen, als ihm mitgeteilt wurde, daß die polizeiliche Auskunft für ihn ungünstig sei. Er hat aber auch nicht den Rat befolgt, der ihm von der Universitätsbehörde gegeben wurde, sich an eine be- stimmte Stelle im Polizeipräsidium zu wen- den. Der Selbstmord kann schlechterdings nicht in Verbindung gebracht werden mit der verweigerten Immatrikulation. Es muß angenommen werden, daß der unglückliche Student von vornherein Selbstmordabsichten hatte, er hat ja auch auf dem Krankenlager vor seinem Tode erklärt, daß seine Tat nichts mit der abgelehnten Immatrikulation zu tun habe. So bedauerlich die Tat ist. sie kann in keiner Weise einen Vorwurf bilden gegen die UnterrichtSver- waltung und sie kann nicht dazu führen, an den bestehenden Zu- ständen etwas zu ändern.(Beifall rechts. Lachen links.) Minister v. Dallwitz: Die Polizei ist bei ihrer Auskunft auf die von dem Ausländer beigebrachten Unterlagen und die allge- meinen polizeilichen Akten angewiesen. Eine Rückfrage bei son- stigen ausländischen Behörden findet nicht statt. Du- browsky hat den recherchierenden Polizeibeamten gefragt, ob es in Berlin einen politischen Verein russischer Studenten gäbe? Auf die Antwort des Beamten, daß es zurzeit nur eine russische Landsmannschaft gäbe, der auch Mitglieder der russischen Botschaft als Ehrenbürger angehörten, äußerte Dubrowsky an- fheinend erregt, das fei eine konservative Gesellschaft, ie von Politik keine Ahnung habe, es müßten doch in Berlin politische Vereine vorhanden sein, wie sie an den russischen Hoch- schulen trotz aller polizeilichen Verfolgungen immer noch beständen. (Hört! hörtl rechts.) Es ist nicht sestzustÄlen, welchen Grund Dubrowsky für feine bedauerliche Tat hatte. ES wäre ihm ein leichtes gewesen, nach den Ausführungen deS Abgeordneten v. Liszt feine politische Zuverlässigkeit und den Besitz von Subsistenz- Mitteln nachzuweisen, er hat da? aber nicht getan.(Beifall rechts.) Auf Antrag ves Abg. gischbrck findet eine Besprechung der Interpellation statt. Abg. v. d. Osten(k.): Der vorliegende Einzelfall bietet eigcnt- lich keinen genügenden Anlaß, die Zeit und die Arbeitskraft deS HaufcS in Anspruch zu nehmen.(Widerspruch links, Zustimmung rechtS.) Bei Dubrowsky lag eine Nervenzerrüttung vor, die wohl auch den Grund für die Tat bildet. Die Selbstmorde bei unserer Fugend sind auf gewisse geistige und politische Strömungen unserer Zeit zurückzuführen. Utopistische politische Irrlehren kommen dabei in Frage, die nur von Rechten, aber nicht von Pflichten reden.(Lebhafter Beifall rechts. Abg. Hoffmann:„Bonner Studenten.") Ihr Zuruf zeigt, daß sie von den Bonner Studenten keine Ahnung haben, denn deren erste Regel ist dir Selbstzucht, wie überhaupt bei den Korpsstudenten.(Zurufe bei den Sozial» demokraten: Selbstzucht beim Eisenbahnzer stören!) Meine Freunde wünschen, daß die Regierung mit allem Nachdruck solchen Bestrebungen entgegentritt, und wir werden die Regierung unterstützen bei allen Maßnahmen zur Gesundung unseres Volkes.(Lachen links, lebhafter Beifall rechts.) Abg. v. Kardorff(fk.): Die Erklärungen der Minister be» friedigen uns. Die Frage, ob ein russischer Student immatrikuliert wird oder nicht, ist von untergeordneter Bedeutung. Wir vertrauen der Regierung, daß sie die Be- stimmungen über Ausländer an den Hochschulen nicht engherzig handhaben wird.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. König(Z.): Die Aufklärungen der Minister haben er- geben, daß der bedauerliche Selbstmord des russischen Studenten mit der Verweigerung der Immatrikulation in keiner Be- ziehung steht. Universität und Polizei sind schuldlos. Abg. Dr. Friedberg(natl.): Es scheint, daß weder die Universität noch die Polizei ein Verschulden trifft. Man sollte aber bei der Handhabung der polizeilichen Maßnahmen geeignetere Persönlichkeiten mit der Untersuchung betrauen, und man sollte auch die russischen Studenten darauf hinweisen, welche Ausweise sie nötig haben. Abg. skorfanty(Pole): ES ist unwahr, daß Dubrowsky auf dem Totenbette erklärt habe, sein Selbstmord stehe mit der Immatrikulation in keinem Zusammenhang:. Warum hat man denn dem Vertreter der hiesigen russischen Kolonie den Zutritt zu dem Krankenhause, in dem Dubrowsky lag, verweigert?(Hört! hört! links.) Es ist auch von einwand- freien Zeugen festgestellt, daß Dubrowsky auf den Rat des Polizei» beamten, in den Verband der echtrussischen Leute einzutreten, geantwortet habe, er habe keine Zeit, Politik zu treiben. DaS Verfahren der Polizei gegenüber ausländischen Studenten ist überhaupt sehr wenig liberal.(Sehr richtig! bei den Polen.) Ein Schlußantrag wird gegen tzje Konser» vativen abgelehnt. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Die vorliegende Interpellation ist ganz wesentlich mit ver» anlaßt durch meine Partei. Wir haben uns mit den Herren von der Fortschrittlichen Volkspartei in Verbindung gesetzt und hatten die Absicht, eine weitergehende Interpellation einzubringen. Wir haben die fortschrittliche Unterstützung nicht erhalten, und die Herren haben nun selbst eine abgeschwächte Interpellation ein- gebracht. Trotz alledem ist man an mich vorhin mit dem Ersuchen herangetreten, ich solle mich verpflichte», nur 19 Minuten zu reden. (Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Ich habe keine Ver« pflichtung zur Diskretion und nagele das vor aller Oeffentlichkeit fest als einen Skandal ohnegleichen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Es ist ein Skandal, wenn man in einer so wichtigen Angelegenheit einem Abgeordneten Handschellen anlegen will, ihn hindern will, das zu sagen, was er pflichtgemäß sagen muß.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) ES ist mir das allerdings nicht unvorbereitet gekommen. Ich weiß aus bester Quelle, daß zwischen den leitenden Personen der bürgerlichen Fraktionen dieses Hauses bereits Verhandlungen in der Richtung gepflogen worden sind, daß eS mit Rücksicht auf die engen Be- Ziehungen zwischen Deutschland und Rußland vermieden werden soll, daß russische Angelegenheiten hier zur Sprache kommen.(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten; Zuruf rechts: Unwahr!). Das weiß ich positiv. Es ist ja nicht da« erstemal, daß Angelegenheiten dieser Art den Landtag oder den Reichstag befchäftPen. Schon seit 1993 kamen immer wieder Klagen und letdenschastliche Vorwürfe über dje Ätt. ffiifi unsexe UMeksMttvciwgllWg bei dep ZiZgMvü VW Ausländern öerfährk. Am 22. Januar 1904 saü? fiFer ahnliche Dinge eine ausführliche Erörterung statt. Diese Erörterung glaubte der Minister des Innern, den man ja in Preußen nicht Polizei mini st er nennen darf, damit abschließen zu können, daß er sagte, die preußische Polizei geht aus dieser Verhandlung mit blankem Schilde hervor. Auf diese kühne Krokla- mation des Ministers folgte bekanntlich die betrübliche Blamage des Königsberger Prozesses. Auch später haben wir uns mit Prozessen beschäftigen müssen, itt denen nachgewiesen wurde, daß russische Studenten von der preu- ßischen Polizei zu Spitzeldien st en gepreßt werden sollten« Dann hatten wir jene Ausweisung der 14 russischen Studenten. deren Angelegenheit durch die Namen Mandelstamm und Silber- färb allgemein bekannt geworden sind in Anlehnung an die be- rühmte..Schnorrer- und Verschwörerrede" des Fürsten Bülow. Es wurde in einem Prozeß weiter darauf hin« gewiesen und vom Universitätsrichter Dauoe bestätigt, daß jeder russijche Student, der von der Berliner Polizei aus Berlin aus« gewiesen wird, auch wenn er sich selbst exmatrikuliert hat, trotzdem als ausgewiesen gekennzeichnet und gewissermaßen auf eine schwarze Liste von der Universität gesetzt wird. Ferner wurde ein Fall erörtert, wo ein Polizeibeamter einem russischen Studenten sagte, wenn er der Polizei Spitzeldienste leiste, so würde seiner Jmmatri« kulation keine Schwierigkeit bereitet werden. Am L2. Sep- tember 1997 hat der Minister des Innern v. Hammerstein hier im Hause ausdrücklich erklärt, er halte eine solche leise Anfrage seitens eines Polizeibeamten bei einem Studenten, in dessen Wohnung „erfolgreich" Haussuchung abgehalten wurde, für nicht ungehörig. Es ist also von dem hohen preußischen Minister erklärt worden, daß er solche Versuche, unter erpresserischer Absicht Aus- länder zur Leistung von ehrlosen Denunziationen und Spitzel- diensten zu zwingen, nicht für ungehörig hält.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wiederholt ist von der Polizei und Staatsanwaltschaft erklärt worden, daß die Ausländer in Preußen nicht die gleichen Garantien besitzen, wie sie den preu- ßischen Staatsbürgern zukommen. Es ist bekannt, in wie unglaub- sicher Weise die Polizei immer und immer wieder ihr angebliches Recht auf beliebige Durchsuchung, Verhaftung und Be- schlagnahme bei ausländischen Studenten ausübt, wie sie ge- legentlich unter den russischen Studenten ganze Razzien veranstaltet und alle möglichen Leute auf 14 Tage und länger in Haft steckt. So wurde auch 1997 verfahren, als man die russische Lesehalle in ähnlicher Weise durchsuchte wie einen Verbrecherkcller und viele Studenten in unwürdiger Weise auf die Polizei schleppte. Die Lesehalle wurde damals auch ausgelöst. In dieser Zeit war es. wo der sogenannte Botschafterverein»n Aktion trat und nun die eingeschüchter russischen Studenten zu sammein versuchte. Der Fall, der uns hier beschäftigt, ist eine Tragödie, der nie- mand sein menschliches Mitleid wird versagen können. Ich be- daure es, daß gerade aus den Verhandlungen dieses Hauses Töne herausklangen, die man nicht erwarten sollte vom Standpunkt des einfachsten menschlichen Gefühles aus. Ich will die Einzelheiten des Falles nicht näher erörtern. AuS den Aussagen der WirtSleute des Dubrowsky und aller seiner Freunde ergibt sich, daß er ein wahrer Fanatiker der Wissenschaft war. Gr studierte über die normale Grenze hinaus, die man bei deutschen Studenten findet. Das hat ihn vielleicht der Polizei bereits verdächtig ge- macht, die sich sagte,„er denkt zuviel, d t e Leute sind gefährlich". (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Es ist auch nachgewiesen. daß er nicht mittellos war. Was seine politische„Ver» dächtigkett" betrifft, so liegt mir natürlich nicht viel daran, diesen Mann als ein harmloses Schäfchen zu schildern, ich halte das nicht für einen Vorzug. Aber es ist nun mal so gewesen, daß Du- browsky für nichts Sinn hatte als für seine Wissenschaft. Er ging der russischen Gesellschaft auS dem Wege. Die Stellung seines Vater» ist ja fast so, daß man ihn einen Kollegen des preu» ßischen Kultusministers nennen könnte. Der preußische Kultusminister hat seinem Kollegen im Heiligen Synod zu Ruß, land einen Stoß ins Herz verseht durch seine kleinliche Universi- tätSformel. Dubrowsky hatte sich seinen Lebensplan zurecht- gezimmert. Er wollte zunächst in Berlin studieren, dann in Breslau seinen Doktor machen und in Rußland das Staats- examen bestehen. Die Darstellung de» Ministers deS Innern wer» den wir nicht als Anlaß zu einer Revision unserer Ansichten b:« nutzen können. Diese Darstellung weicht ab von der Darstellung, die das„Berliner Tageblatt", als vom Berliner Polizeipräsidium her- rührend, mitgeteilt hat. Da hieß eS nur, daß der junge Mann sich geweigert habe, dem ihm von dem Polizeibeamten empfohlenen russischen Botschafterverein beizutreten. Daß der junge Mann, der aller Politik so abhold war, sich bei dem recherchierenden Polizeibeamten nach einem oppositionellen Studentenverein er- kundigt haben sollte, ist eine Behauptung, die s« den Stempel der Unmöglichkeit an sich trägt, daß man sie nur als einen unfrei- willigen blutigen Scherz ansehen kann.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) ES ist eine Beleidigung des Hauses, wenn der Minister des Innern uns zumutet, dergleichen zu glauben. Vizepräsident Dr. Krause: Ich bitte Sie, sich in Ihren AuS- drücken etwas zu mäßigen; der Minister hat das Haus nicht be- leidigt. Tbg. Dr. Liebknecht(Soz.)'l Daß der Student an den Polizeibeamten eine solche Frage gerichtet haben soll, ist ein Ding der Unmöglichkeit, wenn man Dubrowsky nicht geradezu für geistesgestört halten will. Au» welcher Quelle hat denn der Minister feine Information? Doch nur von Geheimagenten, deren Unzuverlässigkeit schon nach- gewiesen ist. ES ist nicht das erste Mal, daß Polizeibcamte unwahre Berichte erstatten oder daß sie noch ganz andere Verbrechen begehen. Urkunden« fälschung usw. Wir haben letzt nur die Aussage desjenigen Beamten vor uns, der seinerzeit die Schuld an dem unglückseligen Ausgang der Sache trägt. Wenn man aber die innere Wahrschein- lichkcit der Darstellung zu prüfen hat, so wird man zu dem Er- gebnis kommen, daß der Vorgang sich anders abgespielt haben m u ß, als ihn der Minister auf Grund seiner Jnforma» tionen dargestellt hat. Man kann auch durchaus nicht der Mieinung des Kultusministers zustimmen, daß der Selbstmord nichts mit der Vcrweigeruna der Immatrikulation zu tun hat. Die Wirtsleute bezeugen, daß Dubrowskv immer auf das Blatt Papier, das die Abweisung enthielt, verwiesen und gesagt habe, das sei sein Unglück, das mache seinen Lebensplan zunichte. Der Minister sagte, eS wäre Dubrowsky leicht gewesen, den ausgesprochenen Ver- dacht zu entkräften. Das ist nicht richtig Es gibt nicht» Schwereres, als den Verdacht politischer Unzuverlässigkeit zu beseitigen, den die Polizei auf Grund ihrer Gcheimakten ausgesprochen hat, be, sonders, wenn man erwägt, wer in Rußland schon als politisch verdächtig gilt. Die angebliche Aeußerung des Dubrowsky auf dem Totenbette kann man nicht als Beweis für die Darstellung des Ministers anführen. Besonders auffällig ist, daß der Polizei» beamte sich bemüht hat, den Studenten in den Botschafter» verein hereinzubringe». Der Versuch ist wahrscheinlich unter. Nammen worden im Sinne einer Falle: Tritt er ein, ist er uns recht, im anderen Falle hat er damit bewiesen, daß er politisch verdächtig ist. Dieser Botschafterverein zählt zu seinen Mit- begründern den Sohn jenes Mentschikoff, des Deutschen- Hetzers der„Nowoje Wremja". Ter Verein wird subventioniert von der russischen Botschaft. Er nimmt keine Juden auf, aber es ist ein Beweis für das Reinlichkeitögefühl der ruffi- fchen Studenten, daß sich ihm bisher nur 13 bis 17 Mit- gliedcr angeschlossen haben. Was der Sache die allgemeine Bedeutung gibt, ist die Methode. mit der russische Studenten hier bei der Universität aufgenommen werden. Die Ausführungen des Geheimrat R u b n e r» in seinem Jst&lut» M in öitf« iWfting VW Mgrischu LeheutMg..St« ©StScTt emst in Ltt Gesck>ichte der deutschen Unibersitäleii auf d'iiti unrühmlichsten Blättern stehen, denn sie sind ein glattes Eingeständnis der Mißslände an den Universitäten» die bisher immer in Abrede gestellt worden sind. Die Universitäts- behörde fragt vorher bei der Polizei an. ob der Ausländer immatri- kuliert werden kann, und sie richtet sich nach dem Bescheid der Polizei, den sie nicht nachprüfen kann. Daß da» in der Tat ein unerhörter Skandal ist, bedarf wohl keiner weiteren Erörterung. Daß ein Geheimerlaß in dieser Sache nicht existieren soll, ist für uns noch keine Beruhigung. Ich möchte den Minister um Auskunft darüber bitten, ob nicht gleichlautende Anweisungen von ver- schiedenett Einzelministern oder von untergeordneten Behörden an die Universitäten ergangen sind. Gegenüber den unerhörten Be- schimpfungen, die sich die reaktionäre Presse,„Deutsche Tages- zeitung" usw. aus diesem Anlaß gegen den„Vorwärts" ge- leistet haben, möchte ich darauf hinweisen, daß es Tradition in der Sozialdemokratie und beim„Vorwärts" ist, die unerhörten Miß- stände an der Universität zu bekämpfen. Das geschieht nicht aus kleinlichem Varteiinteress«, sondern von dem Standpunkt des Zu- Vertrauens heraus, daß die Wissenschaft selbst in der Zwangsjacke unserer Universitäten ihre hohe Bedeutung hat und nicht durch rückständige barbarische Polizeimaßnahmen gehemmt werden darf, wie sie sich beispielsweise in der Lex Arons zeigen. Leider haben wir von den Vertretern der bürgerlichen Parteien und auch von der f r e i s i n n i g e n Presse keinen Protest dagegen gehört, daß man überhaupt die ausländischen Studenten auf ihre politische Zuverlässigkeit hin prüft. Die Herren haben nur eine sorgfältig»re Prüfung verlangt. Das ist ein Standpunkt, den wir auf das Schroffste zurückweisen. Die frei- sinnige Interpellation nimmt es gewissermaßen als gottgewollte Tatsache hin, daß die Universitäten die politische Zuverlässigkeit der aus- ländischen Studenten nachprüfen. Wir sind Gegner dieser heim- lichen Feme, dieser diskretionären Gewalt, die man der Polizei gibt. Alle die Bedingungen, die für die Zulassung der Ausländer an unsere Universitäten gestellt werden, sind im höchsten Grade blamabel, und die ganze Art des Verhältnisses von Universität zur Polizei ist durchaus unwürdig. Die Universität ordnet sich der Polizei unter. (Zurufe bei den Sozialdemokraten: Echt preußisch I) Der Polizei- gewaltige kommandiert oder er pfeift und die Universität mutz tanzen. Es ist noch immer unklar, ob die Universitäts- bchörden verpflichtet find, Auskünfte von der Polizei einzuziehend WaS soll man dazu sagen, daß sich die preußische Universität nur noch alS Dependance der Polizei fühlt auf diesem Gebiete. Wir wissen doch, welcher Elemente sich die Polizei be- dient. Wir wissen, daß auch die russische Polizei hier Geheim- agenten in Berlin unterhält. Der eine, W e i ß m a n t e l. ist ja jetzt in Rußland wegen schwerer Verbrechen zu Gefängnis verurteilt worden. Wir haben auch jetzt einen solchen Herrn in Berlin. Der Herr, der jetzt die amtliche Befugnis hat, sich hier für die hiesigen Russen zu interessieren, ist der Attache an der russischen Botschaft, SakzewSki. ch nenne diesen Namen hier in aller Oeffentlichkeit, damit die in erlin lebenden Russen vor dem Herrn gewarnt sind. Das unwürdige Verhältnis zwischen Polizei und Universität wird leider jetzt von den Professoren und Studenten ruhig hingenommen. Es wird damit motiviert, daß>oir in Preußen kein Universitätsgesetz haben. Ich muß diesen Standpunkt auf das entschiedenste be- kämpfen. Das ist so ein preuhisch-subalterner Zustand, der hier zum Ausdruck kommt. Haben denn die Göttinger Sieben etwa ein besseres Gesetz gehabt, als sie einst mannhaft auftraten und eine Verbesserung der Zustände herbeiführten. Selbst aus den Ausführungen des von mir so ungemein hochgeschätzten Professor? v. Liszt klang dieser Geist der Duldung und Abhängigkeit heraus, den ich auf da? allertiefste beklage. Die preußischen Uni- versitäten werden genau so behandelt, wie sie«» verdienen, solange sie sich ihrer Haut nicht wehren. Ich möchte bei dieser Gelegenheit den Minister fragen, ob ihm von einer Abmachung bekannt ist, die bei Gelegenheit der letzten Studentenunruhe in Rußland getroffen wurde, wonach keiner der daran beteiligten Studenten an d e u t- scheu Hochschulen mehr zugelassen werden soll? Dieser Vorfall fällt gerade in den richtigen Moment, denn 100 Sahre ist es jetzt her, daß jener Fichte Retwr der Berliner niversität war, der seine Reden an die deutsche Nation hielt, in der er Deutschland aufforderte, sich von der Fremdherrschaft der französischen Nation zu befreien, die immerhin die deutsche Kultur vorangetrieben hat. Sollte es nicht auch in diesen Tagen irgend- «inen Fichte geben an der Berliner Universität, der auch Reden i hält an die deutsche Nation, um Deutschland von der Fremdherrschast der russischen Polizei, von der Zarendienerei und der Speichelleckerei Rußland gegenüber zu befreien. Diese Reden sollten gleichzeitig gerichtet werden an die studierende Jugend und an die deutschen UntversitätSdozenten. Vielleicht wird Herr V. Ligzt sie halten. Uns bleibt die geststellung, daß es wiederum die Sozialdemokratie Sewesen ist, die eS gewagt hat. hier und in der Presse aus dem >all DubrowSky die Konsequenzen zu ziehen im Interesse der deutsch-n Kultur, der deutschen Universitäten, im Interesse de» An- sehenS de» deutschen Namen« im Inland und Ausland.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Die Besprechung schließt. Abg. v. Dewitz iff.): Dr. Liebknecht hat meine Zumutung, ich würde gegen den Schluß stimmen, wenn er kurz spricht, als S k a n- d a l bezeichnet. Möge er sich nie eines größeren Skandals schuldig machen. �„ Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Ein derartiges Ansinnen ist und bleibt ein politischer Skandal. Die Abgg. v. Heydebrand(k.), Dr. Friebberg(Natl.), Dr. Dietrich(Z.). v. Kardorsf(fk.) und Gvßling(Vp.) erklären, daß ihnen von Verhandlungen, die Besprechung dieser Angelegenheit zu verhindern, nicht daS geringste bekannt ist. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Dann nehme ich meine Behauptung zurück..„ Vizepräsident Dr. Porsch ruft den Abg. Dr. Liebknecht zur Ordnun», weil er dem Mitglied der russischen Botschaft v. Sak- zewbki unwürdiges Verhalten und Korruption vorgeworfen hat. Der Entwurf eines Gesetzes zur Abänderung der V o r s ch r i f. tcn über die Abnahme und Prüfung der Rech- nungen geht an die verstärkte Rechnungskom- Mission. Nächste Sitzung Freitag 12 Uhr. Ausführungsgesctz zur Reichs- ipertzuwachssteuer. Schluß 4/, Uhr._ Gerichte-Zeitung. Einen Schuhmann zum„Erzieher des Publikum»" zu erziehen hat ein Drechsler Pleß versuchen zu sollen geglaubt. In der Nacht vom 8. April zum S. April gegen Vj2 Uhr wurde Pleß. mit Kol- legen von der Arbeit heimkehrend, auf dem Schlesischcn Bahnhof zufällig Zeuge eine« Streites Mischen zwei Männern. Der eine der Streitenden, ein Fahrradhändler Klopsch. der ein künstliches Bein hat. wollte die Persönlichkeit des andern feststellen lassen und begab sich zu diesem Zweck nach der Polizeiwache am Schlesi. schen Bahnhof. Ein Schutzmann Winter, der herauSgeMngelt wurde, benahm sich auf der Straße gegenüber dem Krüppel in einer Weise, die Pleß für durchaus ungehörig hielt. Als Pl. dem Schutz- mann deshalb Vorhaltungen machte, wurde er aufgefordert, selber Vit zur Wachs! zu üamo. Acht Tage Wtt KÄts tano N' M Strafmandat weg, das ihm eine Geldstrafe von 8 M. auferlegte. Warum? Er wurde beschuldigt, vor der Wache gestanden zu haben und der Aufforderung des Schutzmann» zum Trotz nicht weiter- gegangen zu sein, sondern laut flandaliert zu haben, so daß man eS straßenweit habe hören können. Da Pleß gegen dieses Strafmandat der Polizei die Sntschei- dung eines Gerichts beantragte, so kam die Sache vor das Amts- gericht Berlin-Mitte, dessen Abteilung 144 unter dem Vorsitz des Amtsgerichtsrats Wagler gestern darüber zu entscheiden hatte. Der Angeklagte erklärte, der herausgeklingelte Schutzmann Winter sei sogleich sehr erregt auf Klopsch zugegangen und habe diesen an- geschrien und gepufft. Obwohl Kl. darauf aufmerksam gemacht habe, daß er Krüppel sei, habe Winter ihm schließlich noch einen Stoß gegeben, so daß er hinflog. Das Publikum sei in große Er- regung geraten, und man habe den Ruf gehört:„An einem Krüppel kann er sich vergreifen!" Nunmehr habe Pl. dem Schutzmann in Ruhe darauf hingewiesen, daß er einen Fehler gemacht und seine Amtsbesugnisse überschritten habe.„Sie sollen doch erzieherisch auf das Publikum einwirken!" habe er, Pleß, hinzugefügt. Danach sei er selber sistiert worden. Der Vorsitzende brachte zur Sprache, daß Klopsch inzwischen Strafantrag gegen den Schutzmann Winter gestellt hat. Winter, der als Zeuge gegen Pleß auftrat, erklärte, daß er hiervon noch nichts wisse. Der Strafantrag ist, wie vor Gericht festgestellt wurde, am 12. Mai eingereicht worden. Daß Kl. erst so spät sich zu einem Strafantrag entschlossen habe, fand der Vorsitzende„auffällig". Schutzmann Winter bekundete, vor der Tür der Polizeiwache habe„ein Herr mit einem steifen Fuß" ihm ge- klagt, daß ihm ein Rad gestohlen sei. Der habe, als Winter ihm zu einer Anzeige bei der Kriminalpolizei riet, darüber geschimpft, daß die Polizei ihm nicht daS Rad sofort herbeischaffen konnte. Auch Pleß habe laut räsonnierend es als unerhört bezeichnet, daß dem Mann nicht zu seinem Recht verholfen werde. Nun habe Winter den Klopsch„weitergeführt", um abseits mit ihm zu verhandeln. Da Pl. noch immer nicht weggegangen sei, habe er ihn sistiert. Ob er Kl. gestoßen habe, so daß er Hinsiel, wurde Winter vor Gericht nicht gefragt. Unterstützt wurde diese Behauptung des Angeklagten von dem Zeugen Poenicke, der in jener Nacht mit Pl. zusammen gewesen war. Winter habe sogleich Kl. angeschrien:„Scheren Sie sich weg!" und habe ihn dann hingeswßen, so daß da» Publikum sich darüber entrüstete. Pl. habe ihm das ruhig vorgehalten und ihn an die Pflicht der Schutzleute,„aus das Publikum erzieherisch ein- zuwirken", erinnert. Hiernach beantragte der Bmtsnnwalt selber die Freisprechung. Beide Zeugen seien glaubwürdig, doch könne man nicht entscheiden, wer mehr Glauben verdiene. DaS Gericht fällte das Urteil, daß Pl. freizusprechen sei, weil der Sachverhalt sich nicht habe aufklären lassen. Ob auch nach Meinung des Gerichts der Schutzmann ein„Er- zieher des Publikums" sein soll und ob ein Zivilist ihn dazu erziehen kann, darüber schwieg die Urteilsbegründung. Ein umfangreicher Beleidigungsprozeß, den die Aerzte der Charlottenburger Krankenhäuser Westend und Kirchstraße angestrengt hatten, begann gestern mittag vor der Strafkammer de« Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichts- rats Bogel. Angeklagt sind die Schriftstellerin Elisabeth Bonneß (Ruth Brö) und die Schriftstellerin Dr. phil. Helene Stöcker, welche von Rechtsanwalt Hollander und Dr. Kurt Rosenfeld verteidigt werden.— Der Anklage liegt im einzelnen folgendes zugrunde: Fräulein Stöcker ist verantwortliche Herausgeberin der Zeitschrift „Die neue Generation", des PublikationsorganS des„Bundes für Mutterschutz". Am 14. Januar 1009 erschien in dieser Zeitschrift ein Artikel, welcher von der Angeklagten Bonneß ver- faßt worden war und schwere Vorwürfe gegen die Leitung der Krankenhäuser Westend und Kirchstraße enthielt. Die Verfasserin führt darin aus, daß,„so traurig die Lage deS im Stall geborenen Christkindes gewesen sei, es doch noch zu beneiden sei gegenüber der Lage eines anderen jüngst geborenen KindeS. Kurz bor dem Weihnachtsabend sei, so hieß eS in dem Artikel, ein Mädchen, bei dem sich schon die ersten Anzeichen der beginnenden Geburt bemerk- bar machten, in daS Bureau des Bundes für Mutterschutz ge- kommen sind habe erzählt, daß sie ihre Dienstherrschaft, eine Arzt- familie in Lankwitz, erst jetzt habe gehen lassen, trotzdem sie gebeten habe, früher entlassen zu werden. Die Leiterin des Mutterhauses Sabe das Mädchen schleunigst in einer Automobildroschke nach dem wanken�ause Kirchstraße schaffen lassen. Dort habe man jedoch ohne weiteres die Aufnahme abgelehnt. Das sich vor Schmerzen windende Mädchen sei dann nach dem Krankenhaus Westend ge- fahren worden, wo es schon auf einer Tragbahre in das HauS ge- tragen werden muhte. Als das Mädchen schon auf dem Operations- tisch lag, sei best Oberarzt gekommen und habe geäußert:„Wir haben hier keine Entbindungsanstalt!" Auf seinen Befehl sei daS Mädchen, ein Dienstmädchen Stenzel, abermals in daS Auto zurück- getragen worden. DaS Krankenhaus Kirchstraße habe auch wiederum die St. abgewiesen, die dann schließlich nach einer Unfallstation geschafft wurde, wo sie einige Minuten nach ihrer Einlieferung entbunden wurde. Der Ehauffeur, ein alter graubärtiger Mann, habe auf der ganzen Fahrt fortwährend gejammert:„Das arme, arme Mädchen."— Der Artikel schließt mit den Worten:„Schlagt an Euer Herz, Ihr Christen, wenn Ihr hört, daß so etwas in einem christlichen Staate möglich ist! Stellt Euren Staat zur Rede, daß er so etwas duldet!"— Der Vorfall selbst wurde in dem Artikel als„eine zum Himmel schreiende Episode" bezeichnet. Dieser Artikel, der auch in die TagcSpresse übergegangen war, ver» anlaßte den Magistrat der Stadt Charlottenburg, sofort Er- Hebungen anzustellen, die zu einer amtlichen Erklärung in der Presse führten. Von dem Magistrat wurde behauptet, daß die Angaben des Artikels völlig unzutreffend seien. Die Stenzel sei vielmehr ohne weiteres in dem Krankcnhause Kirchstraße gegen 8 Uhr abends aufgenommen und erst am nächsten Tage gegen 10 Uhr vormittags entbunden worden. Nachdem diese Erklärung deS Magistrats bekannt geworden war, erschien am 14. Februar in der„Neuen Generation" ein zweiter Artikel, in welchem die Angeklagte Bonneß mitteilte, daß sie bei ihren Angaben bestehen bleibe und ferner, daß für den nächsten Tag in der„Viktoria- Brauerei" eine Volksversammlung einberufen worden sei, welche sich mit den Mißständen in den Charlottenburger Krankenhäusern befassen würde. Diese Versammlung fand dann auch statt und zwar wiederholte die Angeklagte Bonneß in dieser die Vorwürfe gegen die KrankenhauSleitung.— Die Folge war die jetzige An- klage wegen Beleidigung. In der gestrigen Vernehmung erklärte die Angeklagte Bonneß, daß ihr die zu dem Artikel verwendeten Tatsachen von der Leiterin des Mutterhauses, welche die Stenzel auf jener Automobilfahrt begleitet hatte, mitgeteilt worden seien. Die Angeklagte Dr. phil. Helene Stöcker, welche lediglich als ver- antwortlich zeichnende Redakteurin angeklagt ist, erklärte, daß es Pflicht des Bundes für Mutterschutz gewesen sei, ein derartiges Vorkommnis mit allen zu Gebote stehenden Mitteln aufzuklären und der öffentlichen Kritik zu unterziehen. Irgendwelche Persön- lichkeitcn sollten mit dem Artikel nicht getroffen werden, sondern lediglich die vorhandenen Mißstände.— Zu der Verhandlung sind außer dem als Sachverständigen geladenen Gerichtsarzt Dr. Marx zirka 30 Zeugen geladen, da die Angeklagten den Wahrheitsbeweis für die Angaben des Artikels antreten wollen. Nach der verantwortlichen Vernehmung der Angeklagten be- gann die Beweisaufnahme. Als erste Zeugin wird da! junge Mädchen vernommen, da» damals in den beiden Krankenhäusern keine Aufnahme fand. Da ihre Angaben sehr unsicher sind und sich die Zeugin auf Einzelheiten überhaupt nicht besinnen kann, beschließt de» Gericht, die Sache zu vertagen und das nicht er- schienene Fräulein Schulz, das die Zeugin Stenzel auf ihren Fahr- ten nach den beiden Krankenhäusern begleitete, als Zeugin zu -* Müssen Eltekkk ihre Kinder an sonntäglichen Schnlseietck teilnehmen lassen? Am Sonntag, den 26. März, wurde in Mühlcnbeck eine Schuld feicr anberaumt, an welcher die Eltern ihre Kinder teilnehmen lassen sollten. Der Gastwirt Bärsch hielt seinen von der Feier zurück, er wurde deshalb auf Grund einer Regierungsverordnung vom Jahre 1899 in eine Geldstrafe wegen Schulversäumnis ge- nommen. Hiergegen beantragte B. richterliche Entscheidung. Vor einigen Tagen hatte sich B. vor dem Pankower Schöffengericht zu verantworten. Der Vertreter der Anklage beantragte Aufrecht- crhaltung der Strafe, da Schulfeiern ebenfalls zum Schulunter- richt gehören. B. dagegen berief sich auf Grund einer Kammer- gerichtsentscheidung auf den Z 45 II 12 des Allgemeinen Land- rechts, wonach an Sonntagen nur in Notfällen Unterricht abge- halten werden soll. Von einem Notfall könne hier nicht die Rede sein. Hierauf wurde B. freigesprochen. Wegen öffentlicher Aufforderung vor einer Menschenmenge zur Begehung einer strafbaren Handlung hatte sich vor döm Schöffengericht Berlin-Mitte der Genosse Maus, Mitglied der OrtS- verwaltung deS Metallarbeiter-Verbandes, zu verantworten. Ende Januar d. I. fand in der Jranklinstraße ein Streik statt. Maus sollte dabei einen vom Schutzmann fortgewiesenen Streikposten er- klärt haben,„Sie stehen weiter Streikposten. Ich will sehen, wer uns daran hindern kann." Maus bestritt, eine solche Äeußerung getan zu haben, erklärte vielmehr, lediglich gesagt zu haben, als ein Schutzmann den Streikposten stieß und sich tätlich an ihm ver- griff, daß er ein solches Verhalten nicht für zulässig halten könne. Der betreffende Streikposten sei Mitglied des Metallarbeiterver- bandes, er wünsche den Namen des Beamten zu wissen, um Be- schwerde zu führen. In der Verhandlung vor dem Schöffengericht blieb der Schutzmann dabei, daß Maus den Streikposten auf- gefordert habe, seinen Platz nicht zu verlassen. Auf der anderen Seite mußte aber der Schutzmann zugeben, daß Maus zu dem Streikposten, der zur Wacke genommen wurde, auch gesagt habe, er solle ruhig mitgehen. Der Schutzmann sagte ferner aus, daß er daß Streikpostenstehen untersagt habe, weil auf eine Anzeige der bestreikten Firma der Reviervorstand das Streikpostenstehen verboten habe. Maus habe leise gesprochen, es hätten etwa 6 Per- sonen um Maus herum gestanden, als dieser die inkriminierten Worte sprach DaS Verfahren wegen Mißhandlung des Streikpostens durch den Schutzmann scbwebt noch. Ein vernommener Entlastungszeuge bekundete, daß Maus sich lediglich dagegen ge- wendet habe, daß der Schutzmann den Streikpasten zweimal stieß; eine Aufforderung zum Ungehorsam habe Maus nicht erlassen. Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Dr. Heine- Mann, wies darauf hin, daß die Aufforderung des Schutzmanns keine berechtigte gewesen sei, denn eine so ungünstige Rechts- auffassung auch dos Kammergericht vertrete, daran habe es doch immer festgehalten, daß der Schutzmann selbst prüfen müsss, ob die Ordnung gefährdet sei. Eine generelle Aniveisung des Re- Viervorstandes, das Streikpostenstehen sei nicht zu dulden, habe auch das Kammergericht stets für unzulässig erachtet. Vor allem aber fehle eS, wie der Verteidiger eingehend nachwies, an der rechtlichen Voraussetzung, daß Maus öffentlich vor einer Menschen- menge die angebliche Aufforderung erlassen habe. ES seien nur einige wenige übersehbare Personen da gewesen. Letzteren Aus- führungen schloß sich das Gericht an und sprachMauSfrei. Urteil im Bandendiebstahlsprozeß. DaS Urteil wurde erst in vorgerückter Abendstunde gesprochen. Das Gericht verurteilte: Stehling wegen schweren Diebstahl» in 31 Fällen zu 5 Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Ehrverluft und Poli« zeiaufficht, Damerow zu 2 Jahren 1 Monat Zuchthaus unter An- rechnung von 6 Monaten der Untersuchungshaft, Kub« zu 3 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust, Lorenz zu 2)4 Jahren Ge- fängniS, Sicgmund zu 2)4 Jahren Zuchthaus, Riefe, istahl wegen Hehlerei zu 9 Monaten Gefängnis und 3 Jahren Ehrverlust.— Die Angeklagten Dettler, Frau Riefenstahl und Szhlinski wurden freigesprochen.— DaS Verfahren gegen Böttcher» PieSke und Lichte wurde abgetrennt._ Totschlag wegen verschmähter Liebe. Ein Liebcsdrama hat vor dem Leipziger Schwurgericht seinen Abschluß gesunden. Unter der Anklage, ihren Geliebten, den Kauf- mann Habedank, erschossen zu haben, hatte sich die 31 Jahre alte Schneiderin Scharf zu verantworten. Die Angeklagte unterhielt mit Habedank längere Zeit ein Verhältnis, das nach ihrer Mei» nung zur Ehe führe» sollte. Als Habedank aber keine Anstalten zur Verlobung machte, schrieb sie an dessen Bater einen Brief und bat um seine Einwilligung zur Verlobung mit dem Sohne. Der alte Herr schrieb ihr aber zurück, daß aus einer Heirat nichts werden könne, er sei aber bereit, ihr eine Abfindungssumme zu zahlen. Bei einem Rechtsanwalt kam auch ein Vertrag zustande. wonach die Angeklagte gegen Zahlung von 4000 M. sich bereit erklärte, ihre Ansprüche auf den jungen Habedank aufzugeben. Kurz nach Unterzeichnung des Vertrages holte sie aber ein« Pistole aus ihrer Wohnung, lauerte ihrem Geliebten auf und schoß ihn nieder. Als Habedank blutend am Boden lag, nahm sie seinen Kopf in ihren Schoß und streichelte ihn; dann versuchte sie, sich selbst zu erschießen, was ihr aber infolge VersagenS der Pistole nicht gelang. Sie wurde von der Stelle weg verhaftet. Die Ver- Handlung gegen sie sollte bereits in voriger Woche stattfinden, mußte aber aufgeschoben werden, weil sie in der Zelle einen er» neuten Selbstmordversuch gemacht hatte. Die Geschworenen sahen die Tat der Angeklagten, der ihr Geliebter nach wenigen Stunden erlegen war, als Totschlag an; daS Urteil des Gerichtshofes lautete auf fünf Jahre Gefängnis. Bon der Anklage der Beleidigung der preußischen Regierung und der Polizei ist am 19. Dezember v. I. der Arbeitersekretär Albert Weber freigesprochen worden. In einer Rede über die Reichsversicherung sprach er von Polizeibeamten als von Lumpen, da die Polizei, wie der Polizeiminister gesagt habe, nicht bloß Gentlemen anstellen könne. Da! Gericht hielt es nicht für wider- legt, daß er nur Spitzel gemeint habe.— Auf die Revision deS Staatsanwalts hob gestern das Reichsgericht das Urteil auf, soweit die Regierung beleidigt sein soll. ES wurde auf Einstellung er- kannt, damit der Regierung noch die Möglichkeit offen bleibt, nach- träglich Strafantrag zu stellen. Im übrigen wurde die Revisio» des Staatsanwalts verworfen. Der Görlitzer Stadthallenprozeß. In der erneuten Verhandlung deS vom Reichsgericht auf, gehobenen und an die Görlitzer Strafkammer zurückverwiesenen Stadthallenprozesses wurde gestern der Lieferant der Dach, konstruktion, Ingenieur Paul Martiny aus Dresden, der am 1. März vorigen Jahres von. der Gorlitzer Strafkammer wegen Ver- stoßes gegen die allgemeinen Bauregeln in Verbindung mit fahr, lässiger Tötung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden war, von der Anklage des Vergehens gegen§ 830 St.-G.-B. freigesprochen, Die Kosten wurden der Staatskasse auferlegt. Hus aller Melt. JSIeu-Byzanz. Die Art. wie man in Köln Wilhelm II. und seine Gemahlin empfangen hat, ist eine kecke Herausforderung der nicht byzantinisch versimpelten Bürgerschaft. Man hat auf städtische Kosten acht Kilometer Straßen mi't Pflanzen-, Flaggen- und figürlichen Schmuck und mit zahlreichen Triumph» bogen versehen. Man hat unerhörte Aufwendungen für Be- l« u ch t u n g S k ü n st e gemacht und ans dem Rhein ein Feuer- werk von nie gesehener Pracht und von mehr als«instüudiger Dauer veranstaltet. Dazu kam ein Festmahl auf den eigens renodierien GürzeniH. an dem sechshundert Personen teilgenommen' haben sollen. Von Kennern werden die Ausgaben aus dem Stadt säckel auf mindestens 200 000 Mark geschätzt. Was der Prunk tatsächlich kostet, wird die Oeffentlichkeit wohl nie erfahren. Wie man das Geld hinausgeworfen hat, das mag man daran ermessen, daß man eigens zwei k o st b a r e M a r m o r t l o f e t t s für den kaiserlichen Besuch im Gürzenich errichtete, die TagS darauf wieder entfernt wurden. Die Kosten der beiden Klosetts sollen gegen 40 000 Mark betragen. Diese Wahnwitze Vergeudung städtischer Mittel hat die Stadt Köln begangen, obwohl die Schul- und Badeverhältnisse dort alles zu wünschen übrig lassen, obwohl man die Kinder der Armen dort zum Spott Böswilliger mit klappernden Holzpantinen statt Lederschuhen laufen lägt und obwohl die städtische Fürsorge- stelle für Lungenkranke im verflossenen Winter mehrere Monate lang die Abgabe von Milch einstellte, weil keine Mittel da seien. Für den fünfstündigen Kaiser- besuch warf man Hunderttausende hinaus. Empörend waren die Absperrungen. Der nämliche Polizei- Präsident, der der Arbeiterschaft die Demonstration für die Kultur- forderungen des Maiprograinms verwehrt und der den Wahlrechts- demonstranten eine bewaffnete Macht von Polizeibeamten zu Fug und zu Pferde entgegenstellte, lieg eine Unzahl von Strogen stundenlang sperren und trennte gar durch mehrstündige Sperrung sämtlicher Nheinbrücken und das Verbot der Schiff- fahrt das linke Rheinufer völlig vom rechten. Selbst vor dem Eisenbahnverkehr hat man nicht Halt ge- macht. Zahlreiche Züge wurden umgeleitet, sodatz eine große Störung im Betriebe und eine Verhinderung vieler fahrplan- mäßiger Anschlüsse zu verzeichnen war. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dag durch die Kölner Kaiserstunden eine große Menge unfreiwilliger politischer Aufklärungsarbeit in der rheinischen Haupt- stadt geleistet worden ist. Die Flugwettbewerbe. Vom Sachsenrundflug ist zu melden, daß außer Lindpointner auch noch Loitsch und Büchner die erste Etappenstation Dresden erreicht haben. Büchner war am Dienstag 14 Kilometer vor Dresden gelandet und traf erst am Mittwoch am Ziele ein. Im rheinischen ZuverläsfigkeitSflug legte H i r t h(Etrich-Rumpler) am Mittwoch auch die vierte Etappe Straßburg-Karlsruhe zurück. Brunhuber ist gleichfalls gestartet, aber noch nicht am Ziele ge- meldet. Auch I e a n n i n und der Militärflieger Leutnant M a e k e n- t h u m legten die Strecke außer der Konkurrenz zurück. Am Fernflug Paris-Madrid ist jetzt außer Vedrine und G a r r o S auch noch der Blsriotpilot Gibert beteiligt, der in- zwischen gleichfalls in San Sebastian angekommen ist. Die letzte und schwierigste Etappe San Sebastian-Madrid dürste am Donnerstag in Angriff genommen werden. Teuflische Rache. In der ungarischen Gemeinde Gr�ß-Tikvany wurde am Dienstag gegen den Landwirt Me lt ont> ein Dhnamitattentat verübt. Eine Dynamitpatrone wurde auf das Fensterbrett des Landwirtes geschleudert und zertrümmerte das ganze Gebäude. Meltony wurde buchstäblich in Stücke ge- rissen. Die Gendarmerie verhaftete noch nachts den b e st e n Freund des Ermordeten, einen gewissen Beklean, und dessen Vater. Ersterer war der Liebhaber der Frau Meltonys und scheint das Attentat aus Rache gegen den Landwirt begangen zu haben, weil dieser ihn ia flagranti beim Ehebruch mit seiner Frau betroffen und gezüchtigt hatte. Eine Schreckensfahrt. Auf unsteiwillige Weise machte in I n g o l st a d t ein mit der Luftschiffahrt nur wenig vertrauter Offizier eine Ballonreise, die ihn bis 6000 Meter hoch führte. Ein Feffelballon, mit dem de« Offizier aufgestiegen war. riß sich infolge heftigen Winde? loS. Da der Insasse mit der Reißleine nicht Bescheid wußte, versuchte er i m Tauwerk in die Höhe zu klettern, um die Hülle mit dem Messer aufzuschlitzen. Das mißlang ihm jedoch und der Ballon lvurde bis zu 5000 Meter hinaufgetrieben. Schließlich fiel der Ballon bei F r e i s i n g; der Offizier sprang aus der Gondel auf einen Baum, ohne Schaden zu nehmen. Der seiner Last ent- ledigte Ballon entschwand in den Lüften. Kleine Notizen. Doppelmord. In dem Dorfe Boragk in der Provinz Sachsen ermordete der Dienstknecht Müller eine 25 Jahre alte Witwe sowie deren Tochter. Verschmähte Liebe soll der Beweggrund der unseligen Tat sein. Folgenschwere Geschoßexplosiouen. Auf dem nahe der französi- schen Grenze gelegenen Truppenübungsplatz Elsenborn fand ein Dragoner einen Artilleriezünder. Beim Hantieren damit explo- vierte das Geschoß und verletzte drei Soldaten sehr schwer.— Beim Kölner Artillerieregiment Nr. 59 explodierte eine Granate im Geschützrohr. Eine Vizewacktmeister wurde durch ein Sprengstück tödlick verletzt, mehrere Soldaten erlitten erheblicheVerwundungen. g Eiu Ballonflng über die Alpen. Ein am Dienstag in Inns« brück unter Führung des Oberleutnants S a I l a y aufgestiegener Ballon überflog die Zentralalpen und landete glücklich in Norditalien. Absturz eines Flieger?. Der französische Flieger S l e g i K r e blieb während eines Fluges auf dem Petersburger Flugplatz mit einem Flügel seines Apparates an einer Stange hängen. Der Flieger stürzte herab und verletzte sich schwer, das Flugzeug wurde zertrümmert. Smgegangene DnicKlcKnfren. Im gefährlichen Rlter. Satiren und Humoresken. Von A. Delh 30 Pf. Verlag Satyr. Duy in Böhmen. Sözialdeäiokrat Mm für den 3. Berl. RgicMapaüreis. Den Mitgliedern biermit zur Kenntnis, daß unser Genosse, der Maurer Msmies Schulze (Bezirk 160) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den S6. Mai. nachmittags j 5 Uhr, von der Leichenhalle des I Thomas- Kirchhoses in Rixdors, I Hermannstraße, aus statt Um recht zahlreiche Beteiligung! ersucht Der Vorstand. tue den |4. Berliner Reielislags-Walilkreis. Petersburger Viertel. (Bezirk 302 I.) Den Mitgliedern zur Nachricht, j daß unser Genosse, der Zimmerer krsi» Ulrich 1(Weidenweg 41) gestorben ist. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet am ! Freitag, den 26. Mai, nach- I mittags 21/, Uhr. von der Leichen- halle des Zentral-Friedhojes in Friedrichsseldc aus statt. Um rege Beteiligung ersucht ! 217/6 Der Vorstand. SozialilemokratischerWalilverelD für den iBerlinerReiclistapaliftreis. Görlitzer Viertel. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Ardeiter Adolf Bormann Reichenberger Str. 107 gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am> Freitag, den 26. Mai, n«h- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Friedhofes in Ahrens- scide aus statt. 219/7 Der Vorstand. Zentral-Verband jder Zimmerer Deutschlands. I Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk I. Den Bcrussgenossen zur Nach- j licht, daß unser Mitglied kränz Ulrich i am 20. d. Mts. infolge eines s Schlagansalles verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am ! Freitag, den 26. d. Mts., nachm. 21/i Ubr, von der Leichenhalle ; des städtischen Zentral-FriedhoseS j in FriedrichSsclde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht >251/9 Wer Vorstand. OeDtseher Eaiiarheitempbaiid. JCwelgverelu Berlin. Am 23. Mai verstarb unser Mitglied Adolf Bormann. (Bezirk Süd-Ost.) Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Freitag, den 26. Mal, nachmittags t Uhr. aus dem Friedhof in Ahrensselde statt. 133/17 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Am Dienstag verschied nach kurzen, schweren Leiden unser herzensguter Sohn, Bruder und Schwager, der Goldschmied Wilhelm Knauer im 26. Lebensjahre. Dies zeigt tiefbetrübt an Familie Barl Knauer. Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhoses in Friedrichsseide aus statt. 195Sb Am Dienstag, den 23. Mai, verschied nach langem schweren Leiden meine liebe Frau fitarllm Yallenün geb. Müller im 40. Lebensjahre. Dies zeigen tiesbetrübt an der trauernde Gatte iierrrnann Vallentin nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 27. Mai, nach- mittags i'l, Uhr, von der Leichenhalle des Philipp-Apostel- Kirchhofes, Müllerstr. 44/45, aus statt. 43952 Dlmksagnng. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines geliebten Mannes, unseres guten Vaters, des Gastwirts Wllielm Hentschel sagen wir allen Verwandten und Bekannten, insbesondere dem Ber- bände der Freien Gastwirte. Zahlstelle Adlershos, dcni Wahivcrein, dem Ar- beitcr-Gesangverciu. dem BelvegungS- Spiclklub„Freiheit" und dem Skat- klub.Ramsch", unseren herzlichsten Dank. Witwe iientsehei nebst Kindern. j" Sozialileiniikratisebireiswabl- itereiD UiederbarDiiii Bez. Friedrichsfelde. Am Dienstag verstarb nach kurzem, schwerem Krankenlager unser Mitglied Will! Knauer. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. Mal, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Gemeinde- Friedhoses aus statt. 238/12 VerM der Sattler und Portefeniller. Ortsverwallung Berlin. Den Kollegen hiermit zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Treibriemensattler Alax Volmcrt Werkstatt.Concordia" verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am onntag. den 23. d. Mts., nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- �ille des Treptower� Gcmeiiide> Friedhoses, aus statt. Neue Krug- Allee, Zahlreiche Beteiligung erwartet 157/2 Die Ortsverwaltung. MdemelMtiseherMm für den 1. Reil. Reiehstags-Iahlbm Görliyer Viertel. Bezirk 226 I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Zigarren- Händler Uranz Fehlow (Glogauer Str. 27) 1 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 26. Mai, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus-KirchhoseS, Hermann- straße, aus statt. Um rege Beteiligung erfiichi 219/5 Der Vorstaad. Zentral-Kranken- nvd SterbekassederZinmerer. Filiale Berlin IK. Am 20. d. Mts. verstarb Plötz- llch unser Mitglied Franz Ulrich am Schia gansall. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freiiag, den 26. Mai, nad)mittagS 2>/, Uhr, von der Leichenballe deS Zentrai-FriedhoseS in Friedrichs- seide statt. Rege Betelligimg erwartet 253/5 0er Vorstand. YeM der Steinsetzer, I Pflasterer Q.BeniIsg.DeDtscliIands 1 Filiale GroB-Berlin. Bez. Berlin I. Den Mitgliedern zur Nachricht, | daß unser Kollege Otto Knuth am 23. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 26. d. M., von der Leichenhalle des Friedhofes der Nazareth-Gemeinde in Reinicketi- dors aus statt. Rege Beteiligung erwartet A 175/6 Der Vorstand. Allen Verwandten und Be- kannten zur Nachricht, daß am 22. Mai, früh ö Uhr, unser sorg- samer Vater, Bruder und Schwager lg57b Frit? LcWickrt im Alter von 43 Jahren nach langem Leiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 25. Mai, nach. mittags 31/, Uhr, von der Leichen- balle des Neuen Luisen-Kirchboss, Rixdors. Hermannstraße. aus statt. Um herzliche Teilnahme bitten Die trauernden Kinder, Schwester und Schwager. Danksagung. Für idie vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kranz. spenden bei der Beerdigung meines lieben unvergeßlichen Manne», des Zimmermanns HeZarZcf, Juhls sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie dem Beerdigungsverein Berliner Zimmererund dem Verein Treuen- brietze» meinen iimigsteu Dank. Berta Juhls » mty J.(SolÖfart ptcnss. jftmtzflA «•aaa gegründet 1839.«•«■•o i n Tabac nisse a priser. gout de Kowuü. □•[>D�3�KK>o-n«n-n*0'CK>CK>a«o i■■■■■ i■-»—■-■ 09| Prawdziwa tabaka do' zazywania �Kowooe"" □'D*0*D,C3*D*0*D,D*D,0*0*0,0,0'l Oeschäfteerö jfuung! :::: Sonnabend, den 27. Mai eröffne in der SIRemickendorferStr.Sl ein verkaufe ich Ohne jede Anzahlung Pianos erstklassige» Fabrikat (9mal prämiiert Stnats- medaille) in allen Holz- und Stilarten von /nn w v■ i t wunderbarer Tonfülle. (FItigcIton)-fCsonliloincntonnlllcheTcilzalilunK. „... J ohne Jeden Preisanfschlas. 64/3' lur jedes Instrument gewähre ich 20jähr. schriftl. Garantie. Cmuad Krause HcUg., c. iä,«. 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Charlottenburg. Gustav S-tiarnberg.«esenbeimer Str. 1. Friedrlchshagcn. Ernst Mertmanu. Köpenicker CK. 18. Grttnan. Franz Klein, Friedrichstr. 10. Johannisthal. Pielicke, Kaiser-Dilbelm-Platz 6. Barlshorst. Richard Küter. Rädelstr. 9, II. Khpealelt. Emil Mistler, Kietzerstr. 6. Laden. Liichtcnbere. Otto Seitel. fkronprinzenitr. 4, 1. Xleder-iSohiinen elde. Mar Pricbte, Britzcr Str. 14 II. Xorvaves. Wilhelm Jappe, Friedrichstr. 7. Oher-SSehiSnetveide. Alfred Bader, Wilhelminenhosstr. 17 II. I-anIroH,'. Otto Ristmann, Mühlenftr. 30. Belnlohendork. P. Gursch. Provmzstr. 56, Labm. BlatdorO Sit. zöcinrich, Neckarstr. 2. Cvurad, H ermann str 50 E. Rohr, Ei-gsriedstr. 28,29.' Bnmnielshnrx. A. Rosenkranz. Mt-Roxhagen 56. «ohitneherzr. Wilhelm Baumler, Martiu-Lulher-Slr. 51 im"aten Spandau. Köpfen, Brcitestr. 64. Stejglltis. H. Bcrusee, Schloßstr. 119. letnpelhok. Albert Thiel. Berliner Str. 41/42. Treptotr. Robert Grauienz, Kiesbolzstr. 412. Laden. Fuhrmann. Sedanilr. 105. Schillert. 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Kilqe des Jotmirts" Keelim WslilR Dovverstilg, 33. Mai lSll. so. StMveroröneten-verismmIuog. (außerordentliche) Sitzung vom Mittwoch, den 24. Mai. nachmittags 5 Uhr. Der Vorsteher-Stellvertreter Cassel eröffnet die Sitzung nach 5)4 Uhr. Für die Vorbereitung der Vorlage wegen Ankaufs eines der Mtiengesellschast Friedrich Krupp-Esstn gehörigen Terrains in Tegel für Zwecke d>.r dortigen städtischen Wasser- werke ist ein Ausschuß gewählt worden, dem von der sozialdemo- kratischen Fraktion die Stadtvv. Bruns, Ewald, Manasse, Sasfenbach angehören. Zur Beratung steht zunächst die Vorlage betreffend die Aufhebung der Jahrmärkte. Der hierfür eingesetzte Ausschuß hat bekanntlich die Vorlage ab- gelehnt, ebenso einen Antrag, die Aufhebung erst mit dem 1. Ja- nuar ISIS eintreten zu lassen. Referent ist Stadtv. Bamberg(A. L.). Dieser verweist auf die zahlreichen Bittschriften und Vorstellungen, die gegen die geplante Maßnahme eingegangen sind, während der Magistrat der Meinung sei, daß die Jahrmärkte sich überlebt hätten und den Verkehr störten. Aus der Mitte des Ausschusses sei auf die Ladenbesitzer verwiesen worden. die unter der Konkurrenz der Jahrmarktsware, die vielfach Schund sei, schwer zu leiden hätten. Auch handle es sich keineswegs nur um arme Händler, sondern auch um Unternehmer mit größerem Kapital. Die Mehrheit habe schließlich die Vorlage abgelehnt. � Stadtv. Goeroldt(Fr. Fr.) plädiert für Aufhebung der Märkte am 1. Januar ISIS. Auf Märkte, die nur wenige Tage im Jahre abgehalten würden, lasse sich doch keine Existenz gründen, es könne also auch keine durch die Aufhebung ruiniert werden. Aus der Aufhebung der Jahrmärkte folge noch keineswegs die Beseiti- gung des Weihnachtsmarktes. Der solle im Interesse der ärmeren Bevölkerung beibehalten werden. Stadtv. Mann(Soz.): Wir können unsererseits nur dem Ausschußantrage� zustimmen. Die Gründe für den Magistrats- antrag reichen für� uns nicht aus, um einen so folgenschweren Be- schluß zu rechtfertigen. Ter Rückgang der Zahl der Händler, die Verminderung der Bedeutung der Märkte kann für uns kein Grund sein, dieses Absterben zu beschleunigen, da doch Tausende von kleinen Leuten stark an den Märkten interessiert sind. Wir können also unmöglich die Hand dazu bieten, die Märkte aufzuheben. Die Aufhebung der Märkte in Berlin würde die Händler nicht so schwer treffen als die daraus folgenden Konsequenzen, da die Mittelstädte der Provinz dem Berliner Beispiel sehr rasch folgen würden. Wenn weiter gesagt wird, die Jahrmärkte bildeten ein Verkehrs- Hindernis, so würde das doch nur zutreffen, wenn sie im Zentrum abgehalten würden. DaS ist aber schon längst nicht mehr der Fall. Die Jahrmärkte find immer weiter nach der Peripherie hinaus- gedrängt worden und finden jetzt auf sehr breiten Straßen.statt, die einen größeren Verkehr nicht aufzuweisen haben. Wenn man auf die Beschädigung der Anlagen hinweist, so sind auch die 1000 Marl, die die Wiederherstellung der Anlagen in der Warschauer Straße gekostet hat, noch lange nicht so viel wert wie die Existenz der kleinen Leute, die durch die Aufhebung geschädigt wurden. Sehr viele Personesi sind gezwungen, diese Märkte zu besuchen, sich ausschließlich diesem Handel zu widmen, weil sie infolge unserer ganzen Staats- und Gesellschaftsordnung eine andere Existenz überhaupt nicht mehr finden, vielmehr in diesem Handel eine» letzte» Rettungsanker sehen müssen, an dem sie sich langsam wieder aufrichten können. Reichen die bis jetzt benutzten Straßen und Plätze nicht aus oder wäre der Schaden der Anlagen nachweislich zu groß, so ließen sich die Märkte immer noch verlegen. ES sind tatsächlich nicht nur kleine Leute, die diese Märkte beziehen, sondern auch eine Reihe großer Fabriken und Geschäfte ist daran interessiert wegen der Zubereitung der Waren, die doch aus Vorrat gearbeitet werden müssen. Es kommt auch nicht etwa hauptsächlich Ramsch in Frage. sondern Massen von Böttcher-, Töpfer-, Klempnerwaren usw. Wenn daS AuSschreicrwesen auf den Märkten auf das Publikum, besonders auf die Kinder, verrohend wirken soll, so würden unsere Rummelplätze für diese Beschwerden empfindsamer Naturen ein viel geeigneteres Feld bieten; die Polizei hat wenigstens bisher noch nicht Anstoß daran genommen. Sie lassen den WeihnachtZ- markt bestehen, lassen Sie auch die Jahrmärkte bestehen I(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Rosrnow(N. L.) bittet, den Antrag Goeroldt abzu- lehnen und die Jahrmärkte im Interesse der kleinen Existenzen be- stehen zu lassen. Die Märkte würden, wenn sie kein Existenzrecht mehr hätten, von selbst eingehen. Stadtrat Namslau: Die Jahrmärkte passen nicht mehr für Berlin, sie ragen nur noch wie eine Ruine in die Gegenwart hinein. DaS seßhafte Gewerbe wird durch sie schwer geschädigt. Maßgebend für den Magistrat war aber die Rücksicht auf den Verkehr. Die 1000 M. Kosten störten unS nicht, wohl aber der Umstand, daß die Wiederherstellung der devaftierten Anlagen lange Zeit braucht und eben solange ihr Anblick ein trostloser ist. Man spricht von kleinen Existenzen, die erhalten werden müßten; das ist eine eingebildete Fürsorge, die den tatsächlichen Verhältnissen nicht entspricht. Nehmen Sie wenigstens den Antrag Goeroldt an! Stadtv. Giefe(A. L.): Es geht doch manchem sehr an die Nieren, wenn so plötzlich die Aufhebung ausgesprochen wird. Nach vier Jahren würde das Verhältnis genau dasselbe sein wie beute. Wenn auch nicht die ganze Existenz, so hängt doch ein Teil der Existenz vieler dieser kleinen Händler an den Berliner Jahr- markten. JÄ bitte auch um Ablehnung des Antrags Goeroldt. Nachdem der R e f e r e n t noch hervorgehoben hat, daß in anderen europäischen Großstädten die Märkte nach wie vor be- stehen, wird bei der Abstimmung der Antrag Goeroldt und die Borlage abgelehnt. Ueber die neuerlichen Ausschußverhandlungen betr. die Mietsentschädigung für daS Lehrpersonal der Gemeindeschulen �"'latadtv. Dr. Glatzel(Fr. Fr.): Der Ausschuß empfiehlt, nachdem eine Erböhuna über 80Ü M. für die Lehrer sich als unerreichbar er- wiesen, den Magistrat zu ersuchen, mit Rücksicht darauf, daß 1. nach der Erklärung des Magistrats ein« Erhöhung beim Lberpräsidcnten nicht zu erlangen sein wird, 2. bei den städtischen Beamten und Oberlehrern die Erhöhung des staatlichen Wohnungsgeldzuschusses bei der Festsetzung der Gehälter berücksichtigt worden ist, eine entsprechende Erhöhung der Ortszulagen der Lehr- kräste an den Volksschulen eintreten zu lassen. Stadtv. Cassel(A. L.) geht auf die Geschichte dieser Frage ausführlich ein. Es sei ungerecht, rn Berlin nur da» gesetzliche Minimum zu gewähren, nachdem die Versammlung 100g sich füv die Erhöhung ausgesprochen habe. Die Konsequenz müsse gezogen werden; gehe es nicht mit der Erhöhung der Mietsentschädigung, so müsse der Ausgleich bei den Ortszulagen erfolgen. Bei den Be- omten und den höheren Lehrern habe der Magistrat ja aus der Er- höhung des staatlichen WvhnungSgeldzuschusses die Konsequenz ge- zogen, obwohl dazu ein Zwang nicht vorgelegen habe. Es komme auf die tatsächlichen MietSpreise gar nicht an. sondern auf die Er- böhung des staatlichen Minimums auf 800 M. Der Ausschußantrag sei daher wohlberechtigt. �, Stadtv. Tr. Ritter(Fr. Fr.) und Stadtv. Rosrnow schließen sich diesen Ausführungen an, es wäre ein schreiendes Unrecht, wenn man gerade bei den Lehrern halt machte, nachdem auch die Lehrerinnen berücksichtigt worden seien. Stadtv. Pfannkuch(Soz.): Wir werden nicht„m,t einigen wenigen Ausnahmen", wie Herr Cassel für die.Alte Linke er. klärt, sondern geschlossen für den AuSschußantrag stimmen, weil wir die Maßregel für notwendig halten. WaS die Wohnungsver. hältnisie in Berlin betrifft, so muh doch bemerkt werden, daß für den einen ausreichen mag. was für den anderen nicht genügt. In gewissem Alter können sich ja die Lehrer mit einer Wohnung für 800 M. begnügen; mit der fortschreitenden EntWickelung der Familie und mit zunehmendem Alter kommt in 800 M. nur das äußerste Minimum zum Ausdruck. Kann also mehr nicht gegeben werden infolge der gesetzlichen Bestimmungen und des Wider- standes der Staatsorgane, so ist nur auf dem Wege der Ortszulage Abhilfe möglich. Im Ausschutz ist auch auf die prekäre Lage der städtischen Finanzen hingewiesen worden; da rächt sich eben, was die Versammlung bei der Etatsberatung getan hat, indem sie unsere Anträge auf bessere Fundierung der Finanzen ablehnte. Ich kann nur empfehlen, den Ausschußantrag möglichst einmütig anzunehmen.... Die Ausschußanträge werden hierauf fast einstimmig an- g e n o nl»« e n. Zur Einrichtung eines stenographischen Unterrichtskursus für städtische Beamte sollen 150 M. aufgewendet werden. Die Teil- nehmerzahl soll 30 betragen. Die Versammlung stimmt zu. Von der sozialdemokratischen Fraktion ist am 13. Mai folgen- der Antrag eingebracht: � „Die Versammlung ersucht den Magistrat, das am 16. Fe- bruar beschlossene Ortsstatut über die SonntagSarbeit im Handelsgewerbe uuv>!r»u»..u, zur Einführung zu bringen." Stadtv. Hintze(S.j: Tie fragliche Angelegenheit ist hier am 22. Dezember 1910 zuerst beraten und dann einem Ausschusse überwiesen worden. Der Magistrat hatte mitgeteilt, daß er auch mit den Vororten in Verhandlung getreten sei und daß die maß- gebenden Vororte sich zustimmend geäußert hätten. Der Ausschutz hat einstimmig die Vorlage angenommen. Dann kam aber im Plenum der Antrag S o n n e n f e l d, der eine verschiedene Arbeitszeit für den Winter und für den Sommer festsetzen wollte, und zwar im Sommer von 8 bis 10 Uhr, im Winter von 12� bis 2 Uhr. Der Ausschuß wurde wiederholt mit der Sache befaßt, blieb aber bei seinem Beschlüsse stehen, der dem Magistratsvor- schlag entsprach; das Plenum nahm dann aber den Antrag Sonnen- feld an. Weder im Ausschuß nach im Plenum ist damals gesagt worden, daß die Durchführung dieses Vorschlages davon abhängig fei, daß die Vororte ihre Zustimmung erteilen.(Sehr richng!) Wir haben ja bedauerlicherweise noch nicht den Zweckverband, der ja vielleicht vasch in dieser Frage zu einem einheitlichen Beschluß gekommen wäre. Einzelne Gemeinten haben sich nun, nachdem der Magistrat den Versammlungsbeschlutz angenommen hat, dem an- geschlossen, andere nicht. Nachdem der Magistrat zugestimmt hat, bätte er doch auch für die Durchführung Sorge tragen und daS Statut dem Oberpräsidenten zur Genehmigung vorlegen müssen. E» sind mehr als drei Monate seit der ersten Beschlußfassung ver- flössen; alle Interessenten haben sich auf die Durchfuhrung ge- freut, aber wir haben schon drei Maisonntage hinter uns und man weiß nicht, ob das Ortsstatut in diesem Sommer überhaupt noch in Kraft treten kann. Ein Stadtrat hat mir mitgeteilt, daß der Magistrat von Wilmersdorf zwar dasselbe Ortsstatut annehmen, aber erst die beteiligten Gewerbetreibenden hören will; Weißensee will erst folgen, wenn die anderen vorangegangen sind; Char- lottenburg hat die Vorlage in der Form angenommen, daß Winter und Sommer die Arbeitszeit von 8 bis 10 Uhr sein soll. Pankow soll beschlossen haben. 8 bis 10 und 12 bis 2 Uhr Winter und Sommer gleichmäßig festzuhalten. Ich kann meinerseits mitteilen, daß schon Ende Februar Rixdorf das Berliner Ortsstatut ange- nommen hat, ebenso Lichtenberg Ende vorigen Monats, des gleichen Boxhagen-Rummelsburg. Auch Schöneberg hat Ende vorigen Monats die Berliner Regelung angenommen. In der Tat haben also die massgebenden Bororte dem Ortsstatut ihre Zustimmung gegeben, und e« liegt kein Anlaß vor, noch weiter eine abwartende Stellung einzunehmen. Wir richten daher an den Magistrat das dringende Ersuchen, nunmehr dem Ortsstatut unverzüglich Geltung zu verschaffen. In dem Augenblick, wo die Genehmigung für Berlin erteilt ist, werden die anderen Vorort« sofort folgen, es muß aber einer mit dem guten Beispiel vorangehen, und das kann nur die größte Gemeinde, das kann nur Berlin fein. Ein Anfang muß gemacht werden, und das geht auch bei gutem Willen. Wir stehen jetzt vor den Pfingstfeiertagen; schon im Dezember sprach der Kollege Kollokowsky von dem den Angestellten zu machenden Weihnachtsgeschenk. Jetzt aber ist schon ein halbes Jahr vorbei; vielleicht ist es noch möglich, den Interessenten ein Pfingstgeschenk zu machen. ES handelt sich um 60 000 Angestellte und 20 000 Gewerbetreibende.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtrat ManS: Bisher konnten wir die Genehmigung nicht nachsuchen, weil die maßgebenden Vororte zuvor zugestimmt haben sollten, wie wir es in der Vorlage und im Ausschüsse als Voraus- setzung hingestellt haben. Von Seiten des Magistrats ist nichts ver- säumt worden. Die Vororte sind zum Teil noch nicht so weit; wir erwarten die definitiven Entschließungen in allernächster Zeit. Pankow allein hat abgelehnt. Wir können nicht einseitig vorgehen, damit unsere an der Grenze des Weichbildes wohnenden Mitbürger nicht geschädiHt werden. Stadtv Bamberg: Wir bitten, den Antrag AronS abzulehnen. Auch wir bedauern die Verzögerung. Es geht aber doch nicht an, daß in der Kursürstenstraße auf der einen Seite der Geschäftsmann schließen muß, auf der anderen Seite aber der Konkurrent offen halten darf. Ich beantrage, den Magistrat zu ersuchen, schleunigst nochmals mit den Vororten dieserhalb in Verbindung zu treten. Stadtv. Mommfen(Fr. Fr.): Ich bitte die Antragsteller, nicht unnötig die Verhandlungen des Magistrats, die doch Erfolg zu versprechen scheinen, dadurch zu stören, daß man ihn zu ein- fettigem Vorgehen zwingt; sie sollten lieber ihren Antrag zurück- ziehen. Auch der Antrag Bamberg ist nach den Erklärungen des Stadtrats überflüssig. Stadtv. Goldschmidt(N. 2.): Nach den Mitteilungen des Magistratsvertreters ist also ein Rundschreiben ergangen und am 11. Mai nochmals eine Mahnung zur Stellungnahme nachgesandt worden. Der Haken scheint mir bei Charlottenburg zu liegen; Pankow kann nicht ausschlaggebend sein. Mit der Besprechung scheinen mir beide Anträge ihren Zweck erfüllt zu haben. Stadtv. Bamberg hält an seinem Antrage fest. Stadtv. Ullstein(soz.-fortschr.) muß anerkennen, daß die Stellungnahme der Vororte Voraussetzung für die Inkraftsetzung des Ortsstatuts ist, bedauert aber, daß sich die Sache so sehr ver- zögert. Stadtv. Mommsen: Wir allein haben ja drei Monate für unseren Beschluß gebraucht; über Verzögerung zu klagen oder gar dem Magistrat Vorwürfe zu machen, ist kein Anlaß. Stadtv. Hintze(Schlußworts: An der Verzögerung sind nicht wir Schuld, auch nicht der Magistrat, sondern die Vorortgemeinden um Berlin, die sehr langsam gearbeitet haben in einer so be- deutenden sozialpolitischen Frage, die längst geklärt ist und keiner langen Erwägung mehr bedurfte. Die Vororte konnten längst mit ihren Entschließungen fertig sein. Immerhin hätte der Magistrat früher die Mahnung ergehen lassen können. Die maßgebenden Por- orte Charlottenburg, Nixdarf, Schöncberg, Wilmersdorf, Stralau haben sich doch bereit erklärt, das CrtSstatut einzuführen; daß Charlottenburg noch etwas weiter geht, kann doch für uns kein Hindernis sein. Warum will also der Magistrat die Genehmigung nicht beantragen? Meine Parteigenossen in den Vororten werden dann sofort an die Gemeindevorstände mit der Aufforderung heran- treten, ebenfalls die Genehmigung nachzusuchen. Berlin aber mutz bahnbrechend vorgehen. Der Antrag AronS wird abgelehnt, der Antrag Bamberg an- genommen. Im Anschluß an die Vorlage wegen Abschlusses eines Nachtrags- Vertrages mit der Juipcrial Continental Gas Association kommt Stadtv. Jacobi(A. L.) auf den Beschluß des Gaskuratoriums zurück, mit der Einführung mehr kaufmännischer Prinzipien in der Gaswerksverwaltung vorzugchen und legt den Antrag vor, den Magistrat zu ersuchen, in der 3. Revierinspektion mit dieser Dezentralisation einen Versuch zu machen. Nach längerer Aussprache, in welcher Bürgenneister Reicke mitteilt, daß die Erörterung über die Anregung deS Kuratoriums im Magistrat direkt vor ihrem Abschluß stehe, wird der Gegenstand späterer Verhandlung vorbehalten. Die Vorlage betreffend den Berkaus des Grundstücks Köpenicker Straße 83/85, Rungestr. 8 und Am Kölluischeu Park geht auf An- trag Mann(Soz.), der vom Stadtv. Tolksdors(Soz.) kurz begründet wird, a« einen Ausschuß. Anläßlich der Vorlage wegen Einstellung eines vierten Assistenz« arztes bei der Kranken st ation für geschlechtskranke Frauen im städtischen Obdach und Bewilligung der dazu be- stimmten Mehrausgaben fragt Stadtv. Dr. Ritter an, wie es mit dem Neubau des Geschlechts- krankenhaufes steht. Von, Magistratstisch erfolgt zunächst keine Antwort. Stadtv. Mommsen wiederholt die Anfrage; man höre immer nur von Personalvermehrung und nichts von der längst verlangten Ausführung des Neubaus einer besonderen Anstalt. Stadtrat Benzky vermag keine Auskunft zu geben. Stadtv. Dr. Wehl: Die KrankenhauSverwaltung hat sich darüber geeinigt, daß die Errichtung dieses Geschlechtskrankenhauses in aller- erster Reihe zu stehen hat, jetzt liegt die Sache beim Magistrat. Stadtv. Mommsen beantragt, da keine Auskunft gegeben sei, Vertagung der Beratung dieser Vorlage. Stadtv. Zucht(Soz.): Ich bitte dringend, diesen Antrag ab- zulehnen. Der vierte Arzt arbeitet dort schon lange und wird dringend gebraucht. WaS soll bei einer Vertagung herauskommen? Vorsteher-Stellvertreter Cassel: Es handelt sich hier nicht um eine Anstellung, sondern um die Genehmigung einer Einstellung. Bürgermeister Reicke: Die Frage ist bei uns sachlich so gut wie erledigt; eS handelt sich nur noch um die Wahl deS Grundstücks. Der Antrag Mommsen auf Vertagung wird angenommen. Die Vorlage wegen Bewilligung von 10 000 M. für einen festlichen Empfang des Internationalen HotelbesitzerkongrcsscS im Oktober in den Festräumen des Rathauses wird ohne Debatte abgelehnt. Die Vorlage wegen Ankaufs eines Gchulgnmdstücks an der Straße 28b, nördlich der Seestraße, westlich der Müllerstraße, für 252 000 M. wird genehmigt. Dem geschästSsührenden Ausschüsse des Deutschen DauerflugcS 1911/12 soll nach einem Antrage des Magistrats für 1S11 und 1912 je ein Betrag von 25 000 M., insgesamt 50 000 M., dem Organisationsausschüsse deS Deutsche» Rundfluges 1911 um den„B. Z.'.Prei» der Lüfte zur Beschaffung von drei städtischen Ehrenpreisen ein Betrag von 5000 M. bewilligt werden. Stadtv. Dr. Wehl: Wenn eS gilt, Kunst und Wiffenschaft zu fördern und die Technil auszubauen, ist es Ehrenpflicht der Stadt, Beiträge zu geben, aber sie muß auch die kritische Sonde anlegen, da wir nicht nur die finanzielle, sondern auch die moralische Verantwortung mittragen. Soweit eS sich um deutschen Dauerflug handelt, sollten wir schon bei der Etatsberatung 80 000 M, bewilligen. Der Ausschuß batte ge- wisse Bedenken, und die Forderung wurde abgelehnt. Zum Dank sollen wir jetzt mit 66% Prozent bestraft werden und 50 000 Mark geben I Es fehlt an jeder Aufklärung über diese Differenz. In erster Reihe haben doch Reich und Staat ein Interesse an der Forderung einer leistungS- fähigen Flugzeugindustrie; wir erfahren aber darüber nicht ein Wort; wir hören bloß von einem OrganisationL- komitee, daS 125 000 Mark von drei Großstädten haben mjll._ Die Aviatik wird in letzter Zeit von auffallend zahlreichen Unglücksfällen heimgesucht. In Frankreich hat anläßlich der letzten großen Katastrophe sich herausgestellt, daß die Organisation des Sicherheitsdienstes versagte. Magistrat und städtische Verwaltung gehören, wenn sie so hohe Beiträge leisten, in das Organisationskomitee; mindens muß verbürgt werden, daß die Ordnung bei den Flügen aufrecht erhalten, der Aufenthalt von Zuschauern innerhalb deS Flugplatzes verboten wird. Ohne sport- liche Sensation und ohne militärische Hintergedanken geht eS ja nun einmal bei solchen Dingen nicht; daS müssen wir ja mit in den Kauf nehmen. Stadtrat Namslau: Die Versammlung hat im März grund- sätzlich der Unterstützung zugestimmt. Jede sportliche Rücksicht scheidet hier aus; es kommt aus die Förderung unserer heimische» Industrie und die Interessen der Landesverteidigung an. Es sollen jetzt zwei Jahre zusammengenommen und pro Jahr 25 000 M. ge- geben werden. In daS Komitee sind wir nicht eingetreten, weil wir doch noch nichts für die Sache geleistet haben; wir würden mit offenen Armen empfangen werden. Stadw. Körte befürwortet AuSschußberatung. um alle Bedenken gegen den von seinen Freunden sehr sympathisch aufgenommenen Antrag des Magistrats aus dem Wege zu räumen. Der Antrag ans AuSschußberatung wird angenommen. Der Ausschuß soll sofort vom Vorstand ernannt werden. Schluß e/49 Uhr._ 10. GtlleralvttsammlWg der Glaslnbeiter lttld -Arbeiterillnen Deutschlands. Ilmenau, 23. Mai 1911. Zweiter Verbandstag. In der festgesetzten Debatte über die Geschäftsberichte, die sich noch sehr lange hinzog, regte Müller- Wirges die Herausgabe besonderer AgitationSnummern des Verbandsorgans für die Frauen an. Weitere Redner gaben Schilderungen deS örtlichen Verhältnisses. Sie zeigten, welch erbärmliche Zustände in der Glasindustrie noch vorhanden sind, wie die Arbeiter bei geringer Entlohnung und langer Arbeitszeit kargen, und mit welchem rück- sichtslosen Unternehmertum sie kämpfen müssen. Zum Ausdruck gekommene Befürchtungen über die Einführung der Flaschen- Maschine weist R ö s l e r- Nienburg als nicht zutreffend zurück. Die von den Industriellen auf die Einführung der Flaschen» Maschine gesetzten Hoffnungen hätten sich nickst erfüllt In Deutschland stelle sich die Produktion der Flaschen(obne Maschine» durch die niedrigen Löhne bedeutend� billiger als in Amerika bei den hohen Löhnen. Auch sei die Glasmasse in Teutschland iirfolae der schlechteren Zutaten bei der Flaschenmaschine schwieriger zu bearbeiten me in Amerika, wo die Maschine in größerem Umtanae einaesührt ist. In Deutschland sei daher zu ZeUchtun�n kchn großer Anlaß vorhanden, wenn ja noch zugegeben werden müsse, daß m der Flaschenindnstrie eine Umwälzung vor(ich aebe .. den �hlußworten gingen d,e Referenten ansfühllich auf "i"L. u' Iwn erhobenen Einwände ein und rechtfertigte» stand Ärd Entlastung"-r?estt. 5)cm �amtcn*ot' GünzebBerlin. � er' � m c 1 3"" 92 f r ag c referierte sodann Redner unterbreitete folgende Resolution: ��"�ber�mmluns bestätigt die Beschlüsse der Generalversammlung in Hannover betreffend Verschmelzung zu einem Keramarüeiterverband." „Um die Verschmelzung zu fördern, schlieft die Genemi- Versammlung sich der Resolution der Töpfer an, und beauftragt die Vorstände, ein gemeinsames Statut auszuarbeiten und dieses den Mitgliedern zur U r a b st i m m u n g vorzulegen, die inner- halb der nächsten 2 Jahre stattzufinden hat. Zur Annahme dieses Statuts ist eine JS Majorität der abgegebenen Stimmen erforderlich." In der sich an das Referat schließende Debatte nahmen zunächst die Vertreter der beiden Verbände das Wort. Drunsel- Berlin(Töpfer) erklärte, daß prinzipiell die Frage bereits ent- schieden ist und es sich nur noch um die Zusammenstellung des Sta- tutS handelt. Sein Verband habe in Berücksichtigung der Ver- schmelzung die Arbeitslosenunterstützung eingeführt, deren Er- fahrungcn man ja auf Verlangen der Porzellanarbeiter zuerst ab- warten müsse. Wir brauchen uns ja nicht zu verschmelzen» wir treten aber entschieden für den Zusammenschluß ein. Schneider- Berlin vom Porzella na rbeiterver- band betont, daß die Porzellanarbeiter ihre Unterstützungszweige (Arbeitslosen- und Krankenunterftützung) nicht aufgeben würden, selbst wenn es darum nicht zur Verschmelzung komme. Einer Ab- änderung der Unterstützungssätze usw. seien sie aber ev. nicht abgeneigt. Die praktischen Erfahrungen, die die Glasarbeiter und Töpfer bei der Arbeitslosen- und Krankenunterstützung machen, müßten zuerst abgewartet werden, um die nötigen Unterlagen zu haben. Die Mitglieder seines Verbandes seien sich darüber einig, daß, wenn eine Verschmelzung stattfinde, dann nur ein Zu- sammenschluß zu einem keramischen Verbände in Betracht komme. In der weiteren Debatte wird zum Teil sehr scharf kritisiert, daß der Vorstand in der Verschmeizungsfrage nicht mehr getan habe. Für die Gründung eines Jndustrieverbandes erklären sich sämtliche Redner. Für eine Verschmelzung mit den Fabrik- arbeitern oder Metallarbeitern erwärmt sich niemand. Die obige Resolution wird gegen 2 Stimmen an- genommen. Ferner wurde einem Antrag zugestimmt, der den Verband beauftragt, alle zur Verfügung stehenden agitatorischen Kräfte zu veranlassen, die Verschmelzungsfrage mehr wie bisher in den Kreisen der Mitglieder zu behandeln. Hu9 der fraucnbewegung. Witwen- und Waisenbetrug. Das Einführungsgesetz zur Reichsversicherungsordnung bringt für die Witwen und Waisen eine schlimme Enttäuschung. Wieder- holt ist auf die geradezu jämmerlichen Beträge hingewiesen worden, die den Witwen und Waisen zugedacht sind. Neben dem Reichszuschusie von 60 M. zur Witwenrente, 25 M. zur Waisenrente und 16% M. zur Waisenaussteuer, soll den Witwen und Waisen für den Verlust der Beitragserstattung und der Erhöhung der Wochenbeiträge von 2, 4, 8, 10 und 12 Pf. nach K 1277 von der Versicherungsanstalt: den Witwen ein Zuschuß von drei Zehnteln, den Waisen— wenn ein Kind vorhanden ist— von drei Zwanzigstel des Grundbetrages und für jedes weitere Kind ein Vierzigstel des Grundbetrages und der SteigerungSsätze der Invalidenrente, die der Ernährer zur Zeit seine? Tode» bezog oder bei seiner Invalidität bezogen hätte, gezahlt werden. Nun zeigt aber das Einführungsgesetz, daß diese Bestimmungen nichts anderes als eine Vorspiegelung falscher Tatsachen bedeutet. Man hatte ausgerechnet, daß schon 1912 Witwenrenten von 119,30 M. möglich wären. Nun heißt aber Artikel b9 des EinführungS- gesetzes: »Für die Hinterbliebenenrente, das Witwengeld und die WaisenauSsteuer sind nur die Beiträge anzurechnen, die für die Zeit nach dem 1. Januar 1912 geleistet worden sind." Die Witwenrente beträgt daher nicht, wie man auf Grund des § 1277 der Reichsversicherungsordnung berechnet hatte, 119,30 M., sondern nur 50 M. Die Witwe verliert also den Anspruch auf Beitragserstattung im Betrage von 100 M. und erhält dafür gar nichts; die Versicherungsanstalt, die den Betrag für Beitrags- erstattung behält, braucht keinen Pfennig Zuschuß zur Witwen- und Waisenrente zu zahlen. Es wird Witwen geben, die 1912 durch die Witwen- und Waisenversorgung 190 M. an Beitragserstattung verlieren. Dieser Verlust tritt ein, wenn der verstorbene Mann vom 1. Januar 1891 bis zum 31. Dezember Beiträge zur Lohn- klaffe 4 und seitdem Beiträge zur Lohnklasse 5 gezahlt hat. Dieser Raubzug auf die Taschen der Witwen und Waisen ist das Glanzstück der Sozialreform des Herrn v. Bethmann Holltoeg unter hervorragender Mitwirkung des Zentrums! Carola Die Marke der klugen Mütter o Ges. gescb. 0 UnverwüstBd» Kinder-Schnürstiefel„Carola" Vorrüjflicheo Sohlen- u. Oberledermeterial ♦ Che- vreau, Bozcalf ♦ Lackkappe, Derbyschnitt etc. ♦ Auch la braun Zie�enledcr ♦ Ellegant u. strapazkräftig ♦ Einheitlicher Preis für alle Ausführungen. &K4%.So5805�»680SMo7,,0 Braun(für den Sommer): --.«5°° 6°°-..«7«° �8°° Kinderstiefel«Carola extra- Sohlen- und Oberleder- Material garantiert aas dem Kern geschnitten Zum Schnüren od. Knöpf. ♦ Feinste Verarbeitung Chevreau, Bozcalf, auch mit Ladekappe, Derbyschnitt etc. Sehr elegant und unverwüstlich. ♦ Einheitlicher Preis für alle Ausführungen. 780 OSO Q80 1/ 31-35 ö 36-40!7 25-26 680 Braun(für den Sommer): 27-30 25-26 i rso 27-30 8 80 31-35 180 36-40 1080 ixtra-Sreise IPfingsUn Carl Stiller Jimior W. Leipziger Str. 29 W. Königgrätzer Str. 124 Ecke Friedrichstr.(Midierhaus) Hotel Fürstenhof -129 S. Oranienstr. 155-156 Scbutxmarka Ecke Prinzessinnenstra&e 16. Ziehung 5. KI. 224. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 24. Mai 1911, vormittag». ffnr die Gewinne üher 240 Mark eind den betreflenden Nummern in Klammern beigefügt. Die Gewinne fallen auf die beteiebneten Lose beider Abteilongen. (Ohne Gewlhr.)(Nachdruck verboten.) 491[3000] 638 56 siOo] 86(500] 812 945[3000] 4« 1033 178 274 377 50Ö 772 808 75 900 2388[500] 94 3125 49 251 517 62 8« 834 941 53 4012 38 130 40 270 493[500] «15 72 73[500] 80[500] 822 5 236 32« 63 433[1000] 563 «47 802 20 84 6021 40 53 340 56[ 500] 420 29 45«47 827 29 85 7011 Ol 391 462[500] 850 8269 333 523 37 62 9017 SO[500] 156 78 303 408 38 695 10518 630 789 890 110(17 181 388 447 90[1000] 582 «41 63 75 829 1 2006 7 6 97 157 331[3000] 61 435 394«78 701 833 918 96 1 3019 337 447[ 3000] 579 659 781 85? 14027 63 165[500] 229 408 13 72 617[3000] 796 1 5220 29 84 384 153 91 873 98 977 96 1 6155 238 344 52» 72 92 733 904 1 7061 100 90 270»11 44[500] 515 29[ 500] 51 «3 92 829 48 962 1 8218 41[SOO] 76 376 427 544 82 98 ,53 828 42 959 67 1S037«8 252 72 345 469 598 722 878 2 0 733 916 2 1 039 278 752 890 2 2223 400 47 88 558 850 2 3 073 91 385 443 645 725 66 76[1000] 828 51 963«4 24063 290[500] 396[500] 440 50 512 14 45 654[1000] 58 916 25041 161 289 372 88 400 606[ 500) 39 77 823 902 26051 128 246 57 323 95 591 93 820 4 7 2 7014 38 163 201 2 12 26[1000] 319 93 416 90 92 693 719 899[500] 998 28062 88 10" 25 60 277 343 419 746 57 89 934 43 2 9 010 86 103 87 346 52 510 608 26 734 69 877 3O001 48 177 356 761 933 31127 65[500] 209»72 601 78 606 69 708 43 3 2048 90 102 61 262[500] 369 463 «99 765[500] 96 872 3 3 064 122 281 606 897 34115 472 «59 902 5 3 5131[1000] 339 99 440 81 83«10 66 77 749 73 810 905 32 7 9 3 6327 559 86 685 818 944 67 97 3 7 403 567[500] 656[500] 715[500] 42 48[ 3000] 90«95 38062 122 210 98[ 500] 330 510 51 639 756 831[500] 945 39094 150 303 18 401[WO] 18 608 854[500] 79[ 3000] 85 40291 739 872 4 1 011[3000] 113 234 560 93 675 812 27 73 42170[1000] 78 703"2 67 81[500] 876 921 43 53 74 4 3 099 1.92 252 412 630 667 4 4 299 551«37 770 833 61 82[500] 959 45081 110 228 367 99 421 71[1000] 95 612 48 74 32 895 99 951 4 6 248 91 374 431 53 530 4 7137 284 435 94 572 835 83 947[3000] 48117 5« 484 563 632 6» 773 [5900] 856 48 912 44 49115 237 82 307 83[500] 585 600 18[lOOO] 709 881 914 99 5O024[501] 102 323 99[3000] 423 48 556 819 914 [1000] 5 1 047 155 554 90 670 730 34 53« 67 83 900[500] 5 2 021 62 220 29 97 300 495 579 733 51 833 38 45[lOOO] 977[501] 5 3292 335 553 706 91 841 954[500] 5 4425 657 787[1000] 803 32 51 55037 113 83 212 403 4 WS 665 814 923 6 6 91 560IS 20[500] 95 842 71 5 7057 146 50 250 309 529 89[1000] 813 58030 95[500] 143 83»71 82 87 507 678 723 5 0 224[500] 364 582[500] 832 6O079[lOOOj 118 42 81 231 77 626 90[1000] 61009 108 88 342 68 630 42[ 3000] 51[1000] 843 904 16 97 6 2030 103 45 W 84 95 269 434 527 676 754 60 6 3022 58 192[500] 323 669 754 64[1000] 81 980[500] 82 64018 19 25 26 191 94 325 86 556 604 95[500] 6 5077 148[500] 273 97 366 403 610 42[500] 833[lOOO] 79 86[3000] 905 [1000] 75 66105[500] 607 797 988 6 7338 402 663 784 829[ 500] 68139 240 406 512 ,46 879 933 6 9 013 32 72 623 92 703 621[lOOO] 47 70029 147 239 90 412 673«14 23 743 808 7 1 568 952 «3 7 2151 241 46 61 80 733 58 988 7 3059 61 81 140 224 344 649 53 867 941 74109 28 254 364[500] 465 637 76 «38 902 97[1000] 75082[ 3000] 140 58 77 83 470 83 910 BS«03 964 91 7 6013[lOOO] 173 780 634 609 705 961 74 92 [5000] 77062 240 399 714 878 949[ 500] 78412 587 620 783 981 79052 75 77[500] 261«11 594 632 8O013 300 409 66 93 551 55 712«7 849 952 8 1 023 •35 549 602 813 90 95 933 8 2291 358 623 726 831 83�88 203 64 321 417[500] 78 82 502 608 42 75! 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IM] zu M» 16. Ziehung 5. Kl 224. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 24. Mai 1911, nachmittags, Jhr 41« Gewinne Ober 240 Mark sind den betreUeadea Nummern in Klammem beigefügt. DU Gewinne fallen auf die beieiebnecea Losa beider AbteUnngen. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verbot eaj , ,79 98»78[500] 487 570 80 815 969 1 354 440«5««0 •87 2092 215 9« 328[ 3000] 96 75 428 616[500] 759 66 881 86 922 3004(lOOO) 2» 104 99[1000] 201 7 436 38 91 609 713 4081 169 306 433 98 515 9 4 5003 43 64 175 279 «09 24 455 58 78 5«9 78 737 57[500] 898 6205 1« 57 »84 539 75 98«30 932[500] 7050 195 242 67 455 515«13 97 729 8044 149 55 362 403 630 943 73 0102 57[1000] 80 204<1 92 95 46 1 652 80 858 915 10113 66 93[1000] 307[500) 57 565 8»[3000]«72 712 29 813 914 94 11273 311 465 854 939 84 87 1 2035 410 82 704 47 831 89 13,158 644 47 745 1 4107 278 79 88 600 965 1 5252 436 41 45 728 79 890 925 1 6053 138 337 50 72 548 780 90» 41 17067 84 93 204 57 585 600 758 802 971 180» 179 252 306 52 09 403 14 75« 834 37 10034 123 38 64 325 49 410 35 39 4 3 543 943 20099 340 51 70 51» 694 725[3000] 840»5 915[1000] *1 57 21159 67 314 45[500] 51 497 541 633 746 97« 22200 3 546«16[1000] 24 31 907 58 2 3008[500] 127 «8 277[3000] 807 603 650[3000] 731 24062 170 350 422 34 700 805 35 2 5037 47 364 83 403«82 2 6177 298 482 530 603 74« 857[ 3000]«4 070 2 7:32 268 427«05 710 95 979 2 8 26» 339 704 86 821[50"] 917»6 20045 112 53 75 377 442 9« 726 29 36[1000] 48 3 0347 70 587 858 986 3 1 614 71 835 3 2041 132»79 [500] 470 762[500] 865[500] 937 3 3107 66 202 411«61 90 810 908[5001 34132 86 248[100O] 84 88 374 437 93 618 7«[500] 932 3 5045 5« 7» 96[ 500] 188 365[ 500] «7 423 35 72 650 717 890 3 6033 210 13»42 520 55 63 «82 84 93 827 46 951 37170 27» 310 25[lOOO] 54 78 «20 982[1000] 3 8035 120 48 23«[500] 311«4 69 87 5«« «87[ 500] 719 71 76 30115 297 464 555 91 875 91 4017« 81[3000]»97 476 532 032 769 4 1 031 105[500] 85[ 500] 314 459 612 849 76 947 4 2111 297[1000] 98 360 780 956 43021[500] 165 278 396 497 583«8« 744 868 67 4 4002 208 398 459 579 644 70 826 80 4 5 018 121 I50O] 56 80 240 78 83 89 344 481 527 726 927 4 6 400 24 576 811 4713« 383 86 496 553 769 880 4 8091 93 102 1« 29 57 83 230 300 598«46 73 809 81 990 4 0017 35 41 165 »7» 429 557 84 637 78 831 951 50259 71«I 699 803 59 5 1 037 118[500] 97 215 468 «10 63 73 749 7« 88« 912 52131 325 46 471 700 14 75 839 53057 22« 34 885 439[3000] 43 633 767 75 84« 85 54029 103 8 234 36 315 52[ 500] 53 8« 532«05[500] 728[1000] 5 5067 237 50 84 326 411 42 57 517 77 721 80 817 955 6 6030 282 457 562 89[500] 663 850 93 5 702, 143 47 79 [1000]»19 619 745«6 806 78 58r>07 59 207 414 24 48 «77 725 34 48 63 99 5 0076 190 424 504 23[500] 99 (1000] Sil 60098 18» 237«7 76 450 525[500]««4 725 5«»33 ,1 90 61133 401 75 57» 685[3000] 762[ICOO] 62047 54 379 417 515 6 3007 75 93 353 40« 526[1009] 674[3000] 770 991 64205 310 593 652 6 5188 221 45 51»9 799 889 922[1000] 66003 128 29 33 255 76 421«45 82 9 87 67105 207 410( 500) 651 754 79 932 58«4 72 75 84 68005 3» 142 210 SO 314 425 68« 893 902 4 6 0303 19 54[500] 451 52 567[500] 78[500] 770»99 70081 153 275»55 79 430 42 48[1000]«67 71 97 «18 44 53 74 7 1 088 327 437 97 616 4 4 855 7 2084 94 HO 22 71 417 70004 50 107 73 80 233 71 399 554 97 724 74 87 884[1000] 904 34[500] 7 4 257 395 511 624 90 717 800 62 923 50 7 5205 332 88[1000] 400 41 503 22 35 93«44 753 84 857 81 7 6074 130 67 322 38 428 35 997 7 7068 [500] 177 87 304 84 634 93 683 726«5 800 12 78033 «7 195 615 868 70121[1000] 47[1000] 22? 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Bttrtou: Sngeluser 15, Zimmer 53. Telephon: Ami 4, Sir. 4093 Sonntag, den 28. Mai, vonnittags 10 Ahr: Mitglieder-VersammluDgen in denen die Delegierten-Aahlen zum SernerNschattsNougreS vorgenommen werden. Wahlzkit von vormittags 10 bis nachmittags 3 Uhr. Sldlcrshof» bei Baschin, Metzer Str. 1. Alt-Glienicke, bei Dürre, Köpenicker Str. 6. Charlottcnburg, im Volkshaus, Rosinenstr. 3: Vortrag des Kollegen Goldsbach. Cöpenick, bei Stippekohl, Schönerlinder Straße. Z�riedrichshagen, bei Lerche, Friedrichstr. 112. Friedrichöfclde» bei Sommerfeld, Miquelstr. 70: Vortrag des Kollegen Heinrich Metzle. Friedenau, bei Schöneseld, Nheinftr. 81: Vortrag des Kollegen Gustav B u d r a ß. Lichtenberg, bei Piekenhaacu, Scharnweberstr. 60: Vortrag des Kollegen Paul R ö s e r. Lichtenrade, bei Jahnske, Hohenzollernstraße. Lankwitz, bei Schulze, Mühlenstr. 21. Gr.-Lichterfelde, bei Wahrcndorf, Bäkestr. 22. Johannisthal und Ober-Ichöneweide» bei Berger, Wil- helminenhofstr. 79. Mahlsdorf, bei Obst, Berliner Str. 21. Mariendorf, bei Löwenhagen, Chauffeeftr. 27. Marienfeldc» bei Schuster, Kirchstraße. Pankow» im Aeldschlöftcheu, �Berliner Str. 27: Dortrag des Kollegen Otto Hanke. Reinickendorf, bei Anders, Hanptstr. 51. Rixdorf, bei Hoppe, Hermannstr. 49. Schmargendorf, im Lindeubaum, Spandauer Str. 49. Steglitz, bei Hcizmann, Floraftr. 2s. Tegel, bei Kicnzlcr. Schlieperftr. 64. Teltow, bei Bonow, Berliner Str. 16. Tempelhof, bei Thiel, Berliner Str. 41. Wannsee, im Fürstenhof, Königstr. 46: Vortrag deS Kollegen Emil Lehmann. Wei�enfee, bei Peukert, Berliner Allee 251. Wilmersdorf, bei Rietsche, Gasteinerstr. 6. Zehlendorf, bei Miekley, Potsdamer Str. 25. Schönebcrg, in den Neuen NathauSsälen, Meininger Str. 8. Westen, bei Wicmers, Bulowstr. 58. Moabit» in der Patzenhofer Brauerei, Turmstr. 25—26. Oranienburger Vorstadt, in den Borussiasäle», Ackerstr. 6: Vortrag des Kollegen Otto H a e s e. Wedding, bei Prepperuau, Pasewalker Str. 3. Norden 1 und ii, bei Obiglo, Schwedter Str. 23—24. Nord-Osten, in den Lunasälen, Neue Königstr. 7. Osten 1, in den AndreaS-Festsälen, Andreasstr. 21: Bortrag des Kollegen Albert Wulff. Osten 2, in der Germania-Brauerei, Frankfurter Allee: Vor- trag des Genossen Waldeck M a n a s s e. Süd-Ostcn, bei Wollenbcrger, Naunynstr. 6. Süden, bei Pfeffer, Kottbuser Ufer 61. Süd-Westen, bei Maaß, Bergmannstr. 97. In den Bezirken Adlershof, Köpenick, Marienfelde, Lichtenrade, Tempelhof, Wannsee, Oranienburger Borstadt und Nordoste» steht outzerdem noch die Abstimmung über das OrtSstatut auf der Tages ordnung. OtF' Die HauSkasfierer ersuchen wir dringend, i» dieser Woche den„Grundstein" gleich am Freitag und Sonnabend abend» zu verbreiten, damit alle Kollegen tu den Besitz des Handzettels kommen und hierdurch ebenfalls auf den Besuch der Bcrsammlung hingewiesen werde». I Mitgliedsbuch ist zwecks Kontrolle u. Abstempelung mitzubringen. vor Zweigvereinsvorstand. Wir weisen hierdurch ausdrücklich darauf hin, daß am DienStag, den 6. Juni, also am dritten Pfingstfeiertage, die BureauS der Organisation' geschlossen bleiben, wie auch auf de« Baute« an diesem Tage die Arbeit noch allgemei« ruht. D. O. Achtnn-,! Gruppe der Isaliem. �»ng! Donnerstag, den 1. Juni 1911, abends S'/a Uhr: Mitglieder-Versammlung bei Hoffl�ann, Dragoncrstr. 15. T a g e S. O r d ,i n n g: Ersahwahl für die Gruppeuleitnug. ——— Mitgliedsbuch legitimiert. Vollzähliges Erscheinen aller Kollegen erwartet ISS/lS Die Gmppenleltang. Verwaltung Serlin. Freitag, den 26. Mai, von 6'/,— 8Va Uhr abends: Wahl eines Delegierten zum Gewerkschuftskongretz 0 in folgenden Lokalen: 1. in den„Naunyn-Festsälen", Naunqnstr. 6. 2. in den„Prachtsälen des Ostens", Frankfurter Allee 151. 3. bei Günther, Brunnetistr. 96. 4. im„Prälaten" in Wcißensce, Lehderstr. 122. 5. bei Krölnke» Nixdorf, Weichselstr. 8 iFdealkasino). 6. in den„Neuen Rathaussälcn" in Schönebcrg, Mciuinger Straße 8(Tunnel). ■ MItgliedsbnch legitimiert!—— 88/19 Die Ortsverwaltwng. Achtung! Achtung! Berlins und der Vororte! Auf zur Streikversammwug! Freitag, d. 26. Mai, nachmittags 2 Uhr, in der Neuen Welt, Hasenheide 168-114, Qr. außerordentliche Mitgliederversammlung. TageS-Ordnung: 40/7 1. Sind die Verbandsmitglieder gewillt, sofort in den Streik zu treten? 2. Abstimmung ob Streik oder nicht Streik, sowie Beschlußfassung über weitere Maßnahmen. S0tr Zu diel er Versammlung haben nur Mitglieder des ZentralverbandeS der Bäcker und Konditoren Zutritt. Nitglieiliduod oilsi' Mitgliaoaksrla ist unter allen Umständen mitzubringen I— Ohne'Legitimation kein Zutritt zu dieser Versammlung.— Am Eingang zum Lokal werden Mitglieder aufgenommen. Nachmittags 4'/, Uhr» in der Neuen Welt, Hasenheide 168-114: Gr. öffentliche Versammlung."WD Streik oder nicht Streik. TageS-Ordnung Beschlußfassung und Abstimmung.— Zu dieser Versammlung haben alle Bäcker und in Bäckereien beschäftigte Konditoren Zutritt. Uonüttoren unü 7agesbäeker! Abends 7 Vi Uhr in den Arminhallen, Kommandantenstr. 88-69: Gr. öffentliche Versammlung. Streik oder nicht Streik. bestimmt zu erscheinen._ TageS-Ordnung: Abstimmung und Beschlußfaffung.— In Anbetracht der zu fällenden folgenschweren Entscheidung ist es Pflicht jedes ehrlichen Kollegen, An die Funktionäre des Verbandes sowie alle Verbandsmitglieder, die bereit find pnd eS irgend Ich mache» können, richten wir das dringende Ersuchen, am Freitag, de« 26. Mai, morgens 5'/, Uhr, sich im Restaurant„ F e i f a r a Engelufer 21. Ecke Michaelskirchplatz, zu ausserordentlich wichtigen Arbeiten einzufinden. Da wir gegen ISO Kollegen brauchen, ist eS dringende Pflicht aller Kollegen, die eS nur irgend möglich machen können, pünktlich zur Stelle zu fein. Wir erwarten von unseren Kollegen, dass sie sofort bereit und schlagfertig sind. Allen Kollegen sowie allen Bäckermeistern hiermit zur Mitteilung, dass da» Bureau bei LerbandtS, Engelufer 14 III, Zimmer 6S, Fernsprecher Amt IV 2396, am Freitag, den 26. Mai, ununterbrochen bis abendS 16 Uhr geöffnet bleibt. Das Streikbureau befindet sich im Saal 1 und 2 des Berliner GewrrkschaftshauseS, Engelufer 15, Quergrbäude parterre. Die AgitationSkommiffion. Jerlfner Irteüff* Haiilalirer-lfereir Mitglied de« Arbeit«» Radfahrer-Bunde» .Solidarität-. Tonren zum 28. und 28. Ma!. Am 25. l. AüL: 6 Uhr: Teupitz. 1 Uhr: Neudabendorf. Start: Bülow- st rage 53. 2. Abt.: 5 Uhr: Streifzitge durch den Blumental. 12 Uhr: Straus- berg(Hungriger Wols). Start: Schönleinstrasse S. 3. Abt.: 7 Uhr: Woltersdorf (DampibooU. 12 Uhr: Rahnsdorf (Klemm). Start: Laufitzer Platz 12. 4. Abt.: 5 Uhr: Tour wird am: Start bekanntgegeben. 1 Uhr: Zwiebusch(Gärtner). Start: Rüders» dorser Str. 50. 5.'Abt.: 6 Uhr(Herventour): Streiszüge durch den Diten. Nachm.: Schmöckwitz(Woldtdyll). Start Elysium. 6. Abt.: 6'/, und 12 Uhr: Neue Spitzmühle. Start: Oderberger Strasse 23. 7. Abt.: 6 Uhr: Nauen(Volks. garten). 1 Uhr: Saatwinkel. Start: Kösliner Str. 8. 8. Abt.: K Uhr: ZüISdorf(Zur Eisenbahn). Nachm.: Famslientour nach Glienicke(Attermann). Start: Beusselstr. 22. Am 88.(VeretnStour). Die un- geraden Abteilungen S Uhr: Zwie- buich(Gärtner). 12'/, Uhr: Wenden- schlafe- Dt« geraden Abteilungen S Uhr: Rüdersdorf(Roll). 1 Uhr: KaulS- dorf-Süd(Sanssouci). Lichtenberg und Umgegend. Am 85.(Vereinstour). 4 Uhr: Scharmützels«(Herrentour). 12'/, Uhr: Erkner bei Degebrot(Damentour). Sammelstart: Psarrstr. 74. Am 88. Abteilung Lichtenberg und Jugendabteilung: 5 Uhr: Buckow. t2'/, Uhr: Strausberg(Neue Spitz- mühte). Start: Psarrstr. 74. Abteilung FrtedrtchSselde: 1 Uhr: Grünau(Zur Grünen Ecke). Start: Berliner Str. 88. Abteilung Boxhagen u. Rummels- bürg: 5 Uhr: Hoppegarten(Zum wilden Mann). Start: Grünberaer Strasse 5. 11/3 Idestoa P(lnc*tee«chenli! Parzellen 2000,— an, 300,— Anzahl. 10 Ps.-Tour. Elekr. Bahn. Eigene Scholle statt Pachtland. M.I,«lirl£, Rlxdort, RentcratraBe 17. Arbeitsnachweis: Hos i. Amt 3. 1238. Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbnreau: CharitSstraBe 3. Hos IN. Amt 3. 1837 flchtiina! Mo! legen SchlllNss! der GelbmetalMnduftrie! Montag, de« 29. Mai 1911, abends 6 Uhr: ■ Versammlung aller in der Gelb- u. Kleißinetall-Induftrie Berlins belchäft. Arbeiter u. Arbeiterinnen im großen Saale der„Neuen Welt", Hasenheide 198/114. TageS-Ordnung: Wie die Vereinigung der Metallwarenfabrikanten versucht, sich eine gelbe Streikbrechertruppe zu schassen. Referent: Adolf Cohen. Kollegen und Kolleginnen k In letzter Zeit haben wir e« in verichiedenen Betrieben der Metall- industne ermöglichen können, die Lohn- und Arbeitsbedingungen ein wenig auszubessern. Trotz alledem sind in der Gelbmetallindustrie immer noch die Löhne und Verdienite niedriger als in anderen Zweigen der Metallindustrie. Anstatt dass nun die Fabrikanten sich mit der Tatsache absinden. dass ein Ausgleich stattflnden miiss, suchen sie sich gegen diese Strömung zu wehren und glauben mit Schaffung einer gelben Unternehmerschutztruppe(Couleur LebiuS) einen schutzdamm errichte» zu können. Zu vielem arbeiterseindlichen Tun gilt eS Stellung zu nehmen und ist deshalb das Ericheinen aller Kollegen und Kollegmnen in der oben an- gezeigten Versammlung notwendig. 117/15 Die OrtSTerwaltnng. Itnfraluttliniiii d-- MWiiistkli«»d Hcher slnilie fmifsgritoflcn Dettlslhlliiids ===== Tersvaltungsstclle Berlin.===== Sonnabend, den 87. Mai. abends 8'/, Nbr. in den»Armin- hallen«, Kommandantenstr. 58/59: General-Versammlung. Tagesordnung: Berichte der Verwaltung und des KaisicrcrS: Bericht der Revisoren und der Delegierten der Gewerlschaitskoinmiisto»; Anträge; Beschwcrdejache. Erscheinen aller Kollege» ist dringend notwendig l 145/16 Mitgliedsbuch legitimiert. Die Verwaltung. IT An diesem Schild sind die Läden erkennbar, in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden, Rnatergllltlg In Konntrnktion nnd AnnfUhrnng, gleich vorzüglich für Hansgcbranch n. Indnistric. Singer Co. Nähmaschinen Act. Qes. □ BERT, IV, I-clpclgor Straße SS. j— Lüden in den verschlsdcnen Stadtteilen. 1 ♦ Freitag, 26. Mai, abends 9 Uhr, im Gewerkschaftshaus, ,, Saal 5: Öffentliche Versammlung. Die ökovomischell n. suMlellKemguiigkn d.l9. Jahrhunderts Referent: W. Zimmermann. «ein Vetrünkeausschank I Eintritt 10 Pf. 281/18 Panl Frenze!, Lichtenberg. Bärgerheimstr. Qt. Gardinenhau» Bernhard Schwartz Gardinen- Fabrik Wallstr. IS. Gardinen. 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N., Brunnenslrasse nur 37 N., Danziger Strasse 1 0., Andreasstrasse 50 0., Frankfurter Allee 185 SO., Orqnienstrasso 38 SO., Oranienstrasse 8a (UocbbabiismlonOraoleastb) SO., Wrangelstrasse 49 SW., Friedrichstraase Nr. 840-841 Charlottenburg! nur Wil. mersdorfer Str. 132-183 Rixdorf: Bergstrasse 30-31 Potsdam: Brandenburger Strasse 54. M Coburger |QeId' M Lotterie :ioo 000, so 000, 10 000, :SOOO,2OOO.)xt000lISI. L Es wäre ganz leicht, die Löhne in einen Tarifvertrag hineinzuarbeiten, wenn die Bergherren nur den Willen dazu hätten. Aber diese Unternehmer sagen es ganz offen heraus, datz sie weniger aus praktischen als aus prin- zipiellen Gründen jeden Tarifvertrag ablehnen, da sie damit die Organisation der Arbeiter anerkennen würden. Den Kohlenprotzen wird also der Tarifvertrag abgetrotzt werden müssen. Selbstver- ständlich mutz bei dem Tarifvertrag zugleich eine Lohnerhöhung erstrebt werden. Man hat das Leben des Arbeiters und seiner Familie künstlich verteuert; das mutz selbstverständlich durch höhere Löhne wieder wett gemacht werden. Das Traurigste ist, datz an den Lebensmittelverteuerungen sogar Bergarbeitervertreter in den Parlamenten mitgewirkt haben. Redner ging dann die Bestrebungen des Verbandes durch beim Kaligesetz, bei der Reichsversicherungsordnung und der Knappschaftsreform. Im Königreich Sachsen wütet gegenwärtig noch der Kampf um das Knappschaftsstatut. Der Verband führte neben dem wirtschaftlichen Kampf mit dem Unter- nehmertum eine ganze Reihe parlamentarischer Aktionen, um durch Eingaben und Anträge im Interesse der Arbeiter etwas zu schaffen. Der Referent äußerte sich dann eingehend über das Verhält- nis zu den anderen Organisationen. Kleine Grenz- streitigkeiten mit dem Maschinisten- und Heizerverband haben zum Abschluß eines Kartellvertrages geführt. Dieselbe Verständigung wird hoffentlich auch mit dem Fabrikarbeiterverband erzielt. In bezug auf die gegnerischen Verbände ist der Verband mit der polnischen und der Hirsch-Dunckerschen Organisation immer leidlich ausgekommen. Es haben zwar kleine Reibereien stattgeftinden, aber diese verhinderten doch nicht, datz die Verbände bei verschiedenen Aktionen gemeinsame Sache machten. Das Ver- hältnis zu den Gelben und Reichstreuen ist immer schlechter geworden. Sie sind Schutztruppen des Kapitals und mit ihnen kann es kein Paktieren und Vertragen geben. Dann hat der Verband noch mit einer anderen SpezieS, den Anarchosozialtsten zu schaffen. Sie kämpfen gegen die Zcntralorganisation und schimpfen gegen alle Beamte und ihre Gehälter usw. Sie wollen keinen Zentralvorstand und keine einheit- liche Leitung, sondern jedes kleine Verbändchen in jedem Orte soll seine eigene Leitung haben. Redner setzte diesen Bestrebungen gegen- über sehr wirkungsvoll auseinander, wie solche lokale Zersplitte- rung im Bergbau mit seinen stark syndizierten und zentralisierten Berggewaltigen ein doppelter Unsinn ist. Dem Bergbaukapital gegenüber kann die Arbeiterschaft gar nichts mehr ausrichten, wenn sie nicht eine geschlossene Organisation, einheitliche Leitung, Be- amte, die vor unternehmerliche Matzregelung geschützt sind, mög- lichst hohe Beiträge und eine starke Kasse besitzen. Es liegen An- träge aus Scharnhorst vor, die schon etwas stark nach Anarcho- stimmung riechen. Sachse wies nach, wenn diesen Anträgen nach- gegeben würde, so datz der Vorstand bei Streiks nichts mehr zu ent- scheiden hätte, sondern die Kameraden der Belegschaften oder der Reviere bestimmen, wann gestreikt werden soll, wann aufgehört werden soll usw., datz dann in ganz kurzer Zeit die größte Anarchie einreitzen würde. Das denkbar Traurigste, was es gibt, ist das Verhältnis des Verbandes zu den„Christen". Der Kampf, der von dieser Seite mit den elendesten Mitteln gegen den Verband geführt wird, ge- schieht weniger aus gewerkschaftlichen Gründen, sondern aus politischen. In den Versammlungen stellen diese„Christen" oft noch radikalere Forderungen auf als wie die Freien. Aber trotz dieser Taktik, trotz Hilse von Kanzel und Beichtstuhl, trotz Hilfe durch die skrupelloseste Zentrumspresse, ja man kann ruhig sagen, trotz Hilfe von Polizeiorganen, kann diese Bewegung nicht die Stärke erreichen, die sie erhoffte, und deshalb auch die ohnmächtige Wut gegen die freien Gewerkschaften. Auf Zentrumsgcheitz stimmen heute die christlichen Arbeiterführer, die vor Jahren noch mit dem Bergarbeitcrverband gemeinsam gegen die indirekten Steuern pro- testierten, die gemeinsam mit ihm eine Eingabe an die Regierung für Aufhebung der Grenzsperren machten, für alle Steuern, die sie früher bekämpft haben. Bei den Lohnbewegungen haben sie auf Zeche Lukas im Ruhrgebiet direkt den Streikbruch proklamiert; in Hausham in Bayern ganz dasselbe Bild. Auf Glückauf» Segen, wo sie einige 20 Mitglieder haben, haben sie auch den Streik nicht anerkannt; sie streiken nur mit,„weil das Leben ihrer Kameraden sonst in Gefahr sein würde". Das sieht ganz so aus. als ob die christlichen Getverkschaften den Auftrag haben, Material für Ausnahmegesetze zu beschaffen. Ein„christlicher" Sekretär aus Bielefeld hat in seinem fanatischen Haß kürzlich in öffentlicher Versammlung erklärt, sie seien für ein Ausnahme- gesetz, damit der„Terrorismus" der freien Gewerkschaften ge- brachen werde. Gegen die Krankenkassenangestelltcn ist ja schon daS Ausnahmegesetz fertig, und der„christliche" Arbeitersekretär Becker brachte im Reichstage das Hauptmaterial zum Raub an den Rechten der Kassenangestellten. Behrens, der Sekretär der christlichen Bergarbeiter war es, der im Reichstage alle Berg- arbeiterforderungen niederstimmte. Der freikonservative Herr G a m p und der nationalliberale Herr S e m l e r haben im Reicks- tage den christlichen Arbeitersekretären das größte Lob ausgestellt. Und sie haben es verdient, denn sie sind ja die Hausknechte dieser Scharfmacher. Vor zwei Jahren, als der Verband den Kampf führte gegen die Finanzrcform, da gruben die Christen das anonyme 30 000 Mark-Flugblatt aus dem Jahre 1904 aus. mit dem sie dann in einem gerichtlichen Nachspiel ein glänzendes Fiasko machten. Bei der Knappschaftswahl im vorigen Jahre heckten sie wieder einen neuen Trick aus: der sogenannte Hein» rich-Brief wurde veröffentlicht. Auch damit werden sie vov Gericht wiederum Fiasko machen. Jetzt haben die Christlichen einen Aufruf erlassen, worin sie ihre Mitglieder warnen, mit den Freien auch nur gemeinsame Belegschaftsversammlungen abzu- halten. Datz der Bergarbeiterverband zu solchen Verrätereien nicht schweigt, ist verständlich. Er ist eine Kampfesorganisation, die gegen das Unternehmertum und seine Hilfstruppcn gleichermaßen kämpft. Und er rät den Kameraden außerdem, datz sie sich auch politisch organisieren sollen, denn beide Waffen sind notwendig zur Befreiung der Arbeiterschaft.(Lebhafter anhaltender Beifall.). Die beiden Kassierer Horn und S ch r e i t e r geben den, Kassenbericht. Da wir die Hauptzahlen aus der Kassengebarung bereits im Vor« bericht brachten, erübrigt sich ein weiteres Eingehen äuf dieselben. — Becker- Essen berichtete als Obmann der Kontrollkommission, datz alle Behauptungen des christlichen„Bergknappen" in bezug auf Unregelmäßigkeiten bei der Kasiengebarung und das Verhalten deS Vorstandes vollständig wahrheitswidrig sind. Bei jeder Kontrolle wurden Kasse und Geschäftsführung in tadeUoser Ordnung be» funden. Namens der Kontrollkommission beantragte der Redner die Entlastung des Vorstandes. In der Diskussion, die den ganzen Nachmittag währte, traten keinerlei erhebliche Differenzen mit dem Vorstande zutage. Seiner Taktik wurde fast allgemein zugestimmt. Uhseie Kleideruwke Ä BAEBSOHN«El® TVnffrhlrtndft gpßte f nhrik dieser Art dl«-ich 1s lobend«!«- Uber nn-cr« Klcidcrwcrk««r ludert hat. werden wir dem- nlcfast rerdlfcDtUchen. Polf«nd« Zeitungen haben In llngcrca Ausführungen nnd«achver« •findigster Welse über unsere Klcidcrwcrk« Bericht«rslaltat I Vosdsch« Zeltnng Berliner Ixtkal-Anseigeg Berliner Margenpoet Der Vorwlrta Berliner Tageblatt Di« Pont Der Confektlonalf Di« Tcztll-Woehe Berliner BArsen-Cenfler Berliner Allgemein« Zeltaac Berliner Volk«-Z«ltnn( Dl« Well am Montag usw. 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Donnerstag, nachmittags 1'/« Uhr stattfindenden Beerdigung des Genossen Seeland wollen sich die Parteigenossen pünktlich und zahlreich um 12>/, Uhr mittags beim Genossen Schubert einfinden, um gemeinsam voin Trauerhause. Lutherstratze 7. nach dem Friedhofe zu gehen. Der Vorstand. Falkenhagen-Seegeseld. Freitagabend 7 Uhr von den Wohnungen der Bczirksführer aus: Wichtige Flugblattverbreitung. _ Der Vorstand. Berliner J�acbncbtem 91uS der Stadtverordneten-Versammlung. Der Plan einer Aufhebung der Jahrmärkte in B e r 1 1 n, die der Magistrat wünscht, hat in der Stadt- verordnetenversammlung keine Mehrheit gefunden. Der Aus- schuß, dem die Vorlage zur Prüfung überwiesen worden war, hatte sich gegen die Uuchebiing ausgesprochen. In Ueber- einstimmung Hiermit fatzte gestern auch die Versammlung den Beschluß, die Vorlage abzulehnen. In der Debatte wurde noch einmal die Gesahr einer Schädigung der Interessen zahlreicher kleiner Gewerbetreibender, die auf den Jahr- markten ihrem Erwerb nachgehen, besonders von dem Redner der sozialdemokratischen Fraktion überzeugend dargetan. Unser Genosse Mann widerlegte schlagend alle die Schein- gründe, die für die Beseitigung der Jahrmärkte angeführt worden sind und auch gestern wieder vorgetragen wurden. Von einer Gruppe der Versammlung wurde der Versuch ge- macht, die Aufhebung wenigstens mit der Bedingung einer bis 1915 zu gewährenden Galgenfrist durchzudrücken. Er- freulicherweise wurde in der Abstimmung auch dieser Vor- schlag abgelehnt,.so daß Berlin die Jahrmärkte behält, bis sie sich einmal wirklich uberlebt haben werden. Tie Erweiterun g d e r S o n n t a g s ru h e im Kleinhandel, die langst beschlossen worden ist, kann immer noch nicht in Kraft treten. Ter Magistrat hat daS Ortsstatut, das die Stadtverordneten angenommen haben, noch nicht dem Oberprafidenten zur Genehmigung eingereicht. Er glaubt, auf die Vororte warten zu sollen, ohne deren Zustimmung Berlin nicht vorgehen dürfe. Gestern wurde der Antrag der sozialdemokratischen Fraktion verhandelt, der den Magistrat auffordert, schleunigst die nötigen Schritte zu tun, um die Ausführuilg des gefaßten Beschlusses zu erwirken. Genosse Hintzc geißelte die Lässigkeit, die der Magistrat rn dieser Frage ge- zeigt hat. Uninögüch dürfe Berlin auf die Vororte warten. vielmehr müsse den Vororten durch Berlins selbständiges Vorgehen die Möglichkeit gegepen werden, sich anzuschließen. Unser Redner hob hervor, daß das Heer der Handels- angestellten und auch die meisten der in Frage kommenden Gewerbetreibenden mit Ungeduld dem Zeitpunkt entgegen- sehen, wo endlich das Ortsstatut in Kraft treten kann. Für den Magistrat erklärte Stadtrat Maas, daß nichts ver- säumt worden sei. Man stehe bereits mit den Vorortm in Unterhandlung, sagte er. Dem Antrag unserer Genossen wurde ein Antrag der Freisinnigen entgegengestellt, der den Magistrat nur mahnte, mit den Vororten. zu verhandeln, was ja nach der Versicherung des Magistratsvertreters bereits geschieht. Diesen Verschleppungsantrag empfahl eifrig der Stadtverordnete Bamberg, und es fand sich für ihn eine Mehrheit, nachdem der Antrag unserer Genossen abgelehnt worden war. Für diesen hatte außer der sozialdemokratischen Fraktion niemand gestimmt. Man wird also nun weiter— warten! Patriotische Wettrennen. Ueber mangelnden Patriotismus in Deutschland kann man sich zurzeit wahrhaftig nicht beklagen. Wo die Stimmung zum Festefeiern nicht angetan ist, wird von den Verantwort- lichen und Unverantwortlichen, die um den Thron herum- kriechen, kräftig nachgeholfen. Landräte, Bürgermeister, Stadträte, Geschichtsprofessoren, Kommerzienräte, Hofliefe- ranten, Künstler, Dichter veranstalten patriotische Wettrennen um die Aufmerksamkeit und Gunst allerhöchster Kreise. „National" ist Schlagwort geworden, und ein Knopfloch- bändchen, ein klingender Titel ist dem einen oder anderen an der Patriotenspritze sicher. Das rückgratlose Bürgertunl reißt sich darum, bei solchen Veranstaltungen einen möglichst vorteilhaften Platz an der Vaterlandssonne zu ergattern. Um Volksstaffage, die schon die Neugier herbeilockt, sobald Fahnen wehen, Militär Spalier bildet, frischgewaschene Ehren- jungfrauen antanzen und befrackte Stadthonorige dem Katzen- buckel Konkurrenz machen, ist keine Sorge. „Nationale Festspiele" heißen die allermodernsten Lock- mittel, die auf sogenannten Freilichtbühnen in Szene gehen, unter dem Deckmantel des Hcimatschutzes weiter nichts als Hohenzollernvergötterung bezwecken. Der Gedanke ist keines- wegs neu. Wilhelm II. hat seit Jahren seiner mystischen Vor- liebe für Gewesenes, längst Verklungenes in ganz ähnlicher Form gehuldigt und die Schatten seiner Vorfahren aus den Gräbern an das freie Licht befördert. Die unterschiedlichen Prunkfeste dieser Art, die auf restaurierten Raubritterburgen in intimsten Hof- und Gesellschaftszirkeln inszeniert wurden, sind uns noch in guter Erinnerung. DieOeffentlichkeitwarselbst- verständlich ausgeschlossen, was kein Hindernis bildete, den seufzenden deutschen Simpel abermals blechen zu lassen. Jetzt wird die kostspielige Passion dem Volke schmackhaft genlacht, das heißt auch nur denjenigen, die bei den Pichelswerder Fest- spielen auf der Freilichtbühne an der Döberitzer Heerstraße. arrangiert von der„Brandenburgia", Gesellschaft für Heimat- künde der Provinz Brandenburg, das ziemlich teure Eintritts- geld zum Naturtheater von 3 M. bis zu 1 M. für den Stehplatz herunter erschwingen können. Am Sonnabend, den 3. Juni, wird der Patriotenrummel losgehen und an weiteren 13 Junitagen wiederholt werden. Für welchen byzantinischen Zweck der Reingewinn, wenn es zu einem solchen überhaupt kommt, bestimmt ist, wird in dem uns vorliegenden Fest- Programm nicht gesagt. Doch schon die Namen des Ehren- ausschusses. darunter der philosophische Bethmann Hollweg, der geharnischte Jagow und eine ganze Kompottschüssel voll märkischer Stadtoberhäupter, bürgen dafür, daß es viel weniger auf Heimatschutz als auf patriotische Mache abgesehen ist. Dabei hat das zur Aufführung gelangende historische Festspiel„Albrecht der Bär" von Eberhard König für Volks- kreise so gut wie gar keine Bedeutung. Die allbekannte. sogar ziemlich überflüssigerwcise im Geschichtsunterricht ein- gebläute Geschichte von Jaczo, dem Wendenfürsten, der auf der Flucht vor den Brandenburgern sich mit seinem Gaul rn die Fluten der Havel stürzt, glücklich das jenseitige Ufer bei Schildhorn erreicht und hier an einem Baum Schild und Horn aufhängt, wird nach geschichtlichen Quellen breitgetreten. Hoch Brandenburg und seine Fürsten... hurra, hurra, hurra! In ganz gleicher Aufmachung sah die alte märkische Stadt Bernau am vergangenen Sonntag zum ersten Male auf einer Freilichtbühne seine bisher nur platonisch gefeierte Befreiung von der Hussitenbelagerung durch einen Hohen- zollernfürsten. Die Wiedergabe eines historischen Volks- schauspiels sollte es sein. Manche haben es für einen Masken- ball im Freien gehalten. Für derartigen Mummenschanz ist ja der sagenhaft gewordene„Bürgerstolz vor Königsthronen" so leicht cinzufangen. Die nebe Historikermode wird also sicherlich Schule machen, und bald werden alle inärkischen Nester, an denen mal ein leibhaftiger Prinz vorbeigefahren ist, ihr Hohenzollcrn-Natnrtheater haben. Muß es denn aus- gerechnet inimer ein Schauspiel zur Fürstenverherrlichung sein? Der erste bunte Eindruck niag ja empfängliche Naturen blenden, ein tieferes Interesse bleibt nicht zurück. Festspiele, die die Befreiung des Volkes von Herrscherwillkür verkörpern, würden besser in unsere politisch bewegte Zeit passen. Die seit Jahren schwebende Enteignung des Insel- speichers scheint nun endlich etwas vom Fleck kommen zu sollen. Das Verfahren ist in ein Stadium getreten, aus dein sich heute schon erkennen läßt, daß die von den Besitzern des Jnselspeichers gestellten Forderungen an die Stadt viel zu hohe sind und von den Sachverständigen erheblich niedriger bemessen werden. Die Tiefbaudeputation hat beschlossen, in dem jetzigen Stadium die Dringlichkeit der Enteignung zu beantragen. Die Turchlegung der Brachvogclstraße beschäftigt seit Jahren die städtischen Behörden. Beschlossen ist dieser Durch- bruch schon lange, die Durchführung aber scheiterte an dem Verhalten der Stadtniission, deren Gelände und- Baulich- leiten bei der Durchlegung in Frage kommen. Die Stadt ist nun wiederholt mit den Vertretern der Stadtmission in Ver- binöung getreten, um zu einer Verstgndignyg über den Preis für die Grundstücke zu gelangen. Wiederholte Angebote der Stadt wurden aber von der Stadtmission abgelehnt. Das tollste an der Sache ist, daß die Stadtmission selber bestimmte Forderungen nicht stellte, sondern fortgesetzt zu erkennen gab, daß die Angebote der Stadt zu gering seien. Jetzt wird ver- langt, Tiefbaudeputation und Magistrat sollen erklären, bis zu welcher Grenze sie zu gehen gedächten. Die Tiefbau- deputation schlägt dem Magistrat vor, ein letztes Angebot zu machen, welches erheblich über das letztgemachte hinausgeht. Wir halten dieses Verfahren der Stadt nicht für würdig. Unseres Erachtens ist bisher schon von der Stadt der Stadt» Mission in einer Weise entgegengekommen worden, die kaum zu verantworten ist: auch die Angebote bewegten sich in einer Höhe, die zu überschreiten sich gar nicht mehr rechtfertigen läßt. Schließlich sind die Gelder der Steuerzahler auch nicht für die Stadtmission da. Die Stadt soll, wenn sie durchaus glaubt, die Durchlegüng der genannten Straße nicht länger hinausschieben zu können, wie in anderen Fällen das Ent- eignungsverfahren einleiten, auch auf die Gefahr hin, daß sie bei der Enteignung die ganzen Grundstücke erwerben müßte. Vom Kinderschutz sagt die Echuldeputation der Stadt Berlin in ihrem letzten Jahres» Bericht, daß er trotz allen Bestimmungen des KinderfchutzgesetzeS noch immer unzureichend sei. Das Gesetz werde noch zu wenig Beachtet, doch könne Besonders die Schule ohne große Mühe feststellen, ob und wie weit Bei ihren gewerBlich Beschäftigten Schulkindern das Kinderschutzgesetz Befolgt werde. Um die notwendige Kontrolle gleichmäßig und konsequent durchzuführen, habe die Schuldeputation den Rektoren eine Zusammenstellung der Vorschriften des Gesetzes zugehen lassen. Wenn UeBertretungen ermittelt werden und Beseitigung sich nichts erreichen lasse, solle dem Schulinspektor Be- richt erstattet und dieser an das Polizeipräsidium weitergegeben werden. Im HinBlick auf diese Ausführungen sind wir höchst erstaunt üBer eine Feststellung, die kürzlich von der Kinderschutz» k o m m i s s i o n der Berliner Arbeiterschaft gemacht worden ist. Wird einer es für möglich halten wollen, daß ein noch schul- pflichtigeS Kind, das man wegen Krankheit vom Schulbesuch dispensiert hatte, vom Morgen bis zum Abend in einem fremden Geschäft erwerbs» tätig sein konnte? Ein zwölfjähriges Mädchen, Gertrud Kl., das die 192. Gemeindeschule(Dieffenbachstraße) Besuchte und in der 4. Klasse saß, wurde wegen Krämpfe der Anstalt Wuhlgarten überwiesen. Nachdem Gertrud von dort wieder entlassen worden war, Bekam sie einige Zeit hindurch Privatunterricht in der Wohnung ihrer Eltern, offenbar auf Kosten der Stadt. Dann aber nahm sie eine Stellung in dem Haargeschäft von Päse» d a h l(Gilschiner Straße) an, und obwohl sie noch schulpflichtig war, arbeitete sie dort Tag für Tag von früh Bis spät, um ihren Eltern einen Wochevl»B« von 4,60 Mark zu verdienen. Eine Rechercheurm oer Kinder» schutzkommission setzte den Rektor der 192. Gemeindeschule, Herrn TrinkauS, von diesen Dingen in KeuntmS. Doch der Herr Rektor erklärte, da könne er nichts tun. Die Rechercheurin Berichtete dann am S. April d. I. an die S ch u l d e p u t a t i o n. und diese antwortete ihr unter dem 8. Mai(also nach 4'/, Wochen), daß die Angelegenheit«diesseits weiter verfolgt werden wird". Inzwischen ist daS Kind, das am 26. April das 13. Lebensjahr vollendet hat, aus dem Betreffenden Geschäft ausgeschieden. Es muß dahingestellt Bleiben, ob daS einer freien Entschließung der Eltern oder deS Geschäftsinhabers zu danken ist oder ob die Schul- deputation Bereits die von der Rechercheurin der Kinderschutzkommission gegebene Anregung Befolgt und die nötigen Schritte getan hat. Auch entzieht sich unserer Kenntnis, ob Gertrud Kl. jetzt wieder eine Schule besucht. Die ganze Angelegenheit ist so sonderbar, daß die Schul- deputation es sich nicht wird ersparen können, sich öffentlich darüber zu äußern. DaS Kind soll mehrere Monate hindurch in dieser Weise Beschäftigt worden sein. Es erscheint unbegreiflich, daß dieser Zu st and nicht rechtzeitig Beendet oder seine Ungesetzlichkeit nicht erkannt worden ist. Präparierte Palmenwedel. Der Polizeipräsident gibt Bekannt: Nach einem Urteile des hiesigen Landgerichts II vom 8. März d. I. sind Trauerkränze mit präparierten Palmenwedeln— sogmannte Cykaswedeln— sowie Blumenarrangements mit derartigen Wedeln zu den Wochenmarktsartikeln im Sinne der Gewerbeordnung nicht zu rechnen und dürfen daher in den hiesigen Markthallen nicht feilgehalten werden. Zuwiderhandlungen sind nach§§ 3, 6 und 19 der Polizeiverordnung vom 14. März 1896 und ß 149 Abs. 1 Ziff. 6 der Gewerbeordnung strafbar. Die Angeklagte ist in dem frag- lichen Falle zwar freigesprochen worden, aber nur, weil sie sich im Irrtum über Tatsachen befand, der gemäß ß 59 des Strafgesetz- buchs zu ihrer Freisprechung führte. Der 8 9 des Kolilinunalabgabengesetzes berechtigt die Ge- meinden, bei Straßenverbrciterungen, durch welche den an- wohnenden Besitzern erhöhte Werte erwachsen, indem sie ihre Grundstücke besser ausnützen können, insbesondere bei Um- bauten, einen gewissen Betrag dieser Wertsteigerung von den Anliegern zurückzuverlangen. In der Praxis ergeben sich bei Anwendung dieses Paragraphen manche Schwierigkeiten. Und so ist es gekommen,, daß die Gemeinde Berlin bisher noch selten diese der Gemeinde günstige Bestimmung an- gewendet hat. zunial die Hausbesitzer sich gegen diese An- Wendung sehr sträuben. In der gestrigen Sitzung der Tief- baudeputation wurde beschlossen, den 8 9 des Kommunal- abgabengesetzes bei der Verbreiterung der Jnvalidenstraße und auch der Dresdener Straße in Anwendung zu bringen. .«"»"'«"""ß4»°u.f dem Görlitz« Bahnhof wird mit» geteilt, daß d.e Fahrkartenverkäufer, n Margarete Michaelis ihren Vorsatz, aus dem Leben zu scheiden, ausgeführt hat. Wie wir mit- teilten, ging sie am irreitagmorgen, als sie zur Revision erscheinen sollte,.n schwarzer Kle.dung von Hause weg. Ihre Schtoester glaub« daß W s'ch zum Dienst begeben habe, fand aber später e,nen Zettel des Inhalts, daß sie sich das Leben nehmen wolle. .lach einem Privattelegramm aus Thale hat sie sich dort in einem Hotel vergiftet. Nachdem sie schon hier einen mißlungenen Selbst, Mordversuch gemacht hatte, fMr sie nach dem Harz und kehrte osi FressaSa?enö ln Thals ein. Am nächsten Tage fand man sie do:k im Hotel tot auf. Jäie hatte Gift genommen. Zunächst wußte man nicht, wer die Selbstmörderin war. Gestern jedoch erschienen Angehörige der Vermißten Michaelis und erkannten in der Leiche diese wieder. Probearbeiten in de» Berliner Bolksschulen. Gestern mußten die Schüler der ersten Klassen der Berliner Volksschulen ohne jede Vor- bereitung folgende Probcarbeiten anfertigen. 1. Einen Aufsatz über das Thema: Wie ich den Sonntag verlebte? 2. Folgende i Rechen aufgaben: Eine Kiste Ware wog 26� Kilogramm und kostete 58.15 M. Wieviel Mark kostete 1 Kilogramm der Ware, wenn die Kiste 3>/« Kilogramm wog und mit 1,75 M. berechnet wurde? b. 4 kreisrunde Blumenbeete von 1,75 Meter Halbmessersvurden mit Bandeisen eingefaßt. Wieviel lostet die Einfassung, wenn das Meter Bandeisen 25 Pf. kostet(pi�S1/?)- c- Ein Kaufmann erhält 4 Fässer Petroleum, die der Reihe nach wiegen: 170'/, Kilogramm, 176�/, Kilogramm, 178 Kilogramm und 1743/4 Kilogramm; die Tara be trägt 20 Proz. Wieviel ist bar zu zahlen, wenn 100 Kilogramm Petroleum 25 M. kosten und 2'/, Proz. Rabatt berechnet werden? ct. Eine Beamtenwitwe mit einer' Pension von 648 M. besitzt ein Vermögen von 27 000 M. Wieviel darf sie ohne das Vermögen an» zugreifen monatlich ausgeben, wenn sich dasselbe zu S'/, Proz. verzinst? Für Aufsatz sowohl wie für Rechenarbeit war eine Stunde Zeit gegeben.� Die Probearbeil steht in Zusammenhang mit den Angriffen der Presse auf die Leistungen der Volksschule. Der Untcrsuchungsgcfangene als»Rechtsanwalt". Die Passier kontrolle im Untersuchungsgefängnis ist kürzlich verschärft worden infolge eines Vorkommnisses, das einer gewissen Originalität nicht entbehrt. Unter mehreren zu gleicher Zeit eingelieferten Unter- suchungsgefangenen befand sich auch ein mit äußerster Eleganz ge� kleideter Herr. Dieser benutzte nun einen günstigen Augenblick. um eine zufällig herumliegende Passierkarte zu eskamotieren und sich über die Korridore nach dem Hauptausgange zu schlängeln Dabei kam ihm seine elegante Kleidung und ein gewandtes Auf- treten, das den Anwalt markierte, sehr zu statten. Inzwischen war aber der Flüchtling bereits vermißt worden und eS gelang ihn zu ergreifen, ehe er noch den rettenden Ausgang erreicht hatte. Seitdem wittern die mißtrauischen Kontrollbeamten in jedem ihnen nicht genau bekannten Rechtsanwalt, auch wenn er eine Passier- karte vorweist, einen Untersuchungsgefangenen. Eine große Anzahl Bücher masochistischen und sadistischen In- Halts hat die Kriminalpolizei auf Verfügung der Staatsanwalt- schaft in einer Buchhandlung in der Friedrichstraße beschlagnahmt. Die Bücher, die im Laden und im Schaukasten öffentlich auslagen, sollen nach Ansicht des zuständigen Gerichts bei normalen Menschen zwab Abscheu erregen, seien aber geeignet, anormal Veranlagte anzureizen. Zu einem Zusammenstoß znirier Straßenbahnwagen, bei den, glücklicherweise Personen nicht verletzt wurden, kam eS am gestrigen Mittwoch am Brandenburger Tor. Dort fuhr gegen'/zl Uhr mittags ein Straßenbahnwagen 2258 der Linie 51 lRichtung Prager Platz) gegen den Hinterperron des die Kreuzung passierenden Motor- Waggons 2061 der Linie L(Richtung Kupsergraben). Infolge des Zusammenstoßes sprang der fahrende Wagen mit der Hinterachse aus den Schienen; er wurde durch Rückwärtsfahren wieder ein» gegleist. Am Wagen 2253 wurde eine Seitenscheibe eingedrückt, der Perron eingebeult, der Stromabnehmer eingebrochen und die Schutz- Weste beschädigt. An dem angefahrenen Wagen wurde die Seiten- wand geschrammt. Eine Betriebsstörung wurde durch den Unfall nicht verursacht. Kautionsschwindlerinnen. Den weiblichen Wettbewerb be- kommen nun auch schon die Kautionsschwindler zu fühlen. Schon seit geraumer Zeit macht eine Schwindlerin dieser Art Berlin und die Vororte unsicher. Sie mietet einen leeren Laden, sucht durch Zeitungsanzeigen Damen mit kleiner Kaution als„Filial leiterin", bestellt die Bewerberinnen nach dem� Laden und schwin delt ihnen vor, daß sie hier ein Zweiggeschäft einer chemischen Waschanstalt und Färberei aufmachen wolle. Von den Damen, die sie als Filialleiterin annimmt, verlangt sie eine sofort zu zahlende Bürgschaft von mehreren hundert Mark. Sie verspricht das Geld bei der Deutschen Bank hinterlegen zu wollen, verschwindet aber mit der Beute, sobald es ihr gelungen ist, durch irgendeinen Kniff die neue Filialleiterin auf einen Augenblick wegzuschicken. Die gefährliche Gaunerin, die sich in einem Falle Witwe Lina Bade geborene Groth aus Königswusterhausen nannte, ist etwa 30 Jahre alt, 1.60 Meter groß und schlank, aber nicht schwächlich, hat ein schön geformtes etwas, rötliches Gesicht und trug damals Trauer- kleidung mit schwarzem Hut. Im Krankcnhause gestorben ist der Kaufmann Willi Friedrich. der in der Friedrichstratze ein Herrensachengeschäft betrieb und wegen betrügerischen Bankrotts und Beiseiteschaffung von Ver- mögensstücken verhaftet wurde. Im Polizeigewahrsam machte er einen Selbstmordversuch durch Erhängen, wurde aber noch lebend abgeschnitten und als Polizeigefangener nach der Charit- gebracht. Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete siib gestern nachmlztcig vor dem Hause Skalitzer Straße 34. Gegen 3 Uhr sprang dort ei» Fräulein Ella Rodel aus der Friedelsrroße 34 in Ripdorf vom Hinterperron des Motorwaggons 1576 der Linie 60 während der Fahrt ab. Die R. kam zu Fall und geriet mit beiden Beine» unter den Schutzrahmen des Beiwagens. Mit Hilfe von Passanten wurde der Wagen angehoben und die Verunglückte in kurzer Zeit befreit. Fräulein R. erlitt Quetschungen beider Oberschenkel, eine Wunde an der rechten Wange und Verletzungen an den Ellenbogen. Die Verunglückte erhielt auf der Rettungswache am Görlitzer Bahnhof Notverbände und wurde dann nach ihrer Wohnung übergeführt. Als Monteur und Elektrotechniker tritt ein Schwindler auf, der zuletzt die Universitäts-Frauenklinik in der Artilleriestratze heim- gesucht hat. Dort werden mehrere Aenderungen in den Anlagen der elektrischen Beleuchtung ausgeführt. Bei den Arbeitern er- schien nun eineS Tages ein Mann, der nach einem Monteur der A. E. G. aussah. Er unterhielt sich mit ihnen, spielte den Fach- mann und erfuhr unter der Hand, bei welcher Jnstallationsfirma sie beschäftigt waren. Nach einigen Tagen, als die Arbeiter fertig waren, kam er wieder, stellte sich als Elektrotechniker des Geschäftes vor, das die Aenderungen ausgeführt hat, und verschaffte sich unter der Vorspiegelung, die Arbeiten einmal nachseben zu wollen. Zu- tritt auch zu den Privaträumen. Nachdem er sich empfohlen hatte, ergab sich, daß er in den Mädchenzimmern die Behältnisse erbrochen und allerhand Sachen gestohlen hatte. Der Schwindler und Dieb ist 85 Jahre alt und mittelgroß, hat dunkles Haar und Schnurrbart und trug einen Strohhut mit blauem oder schwarzem Band. Eine Betriebsstörnng im Straßenbahnverkehr ereignete sich am Dienstag gegen 11 Uhr abends an der Ecke der Landsberger und Kleinen Frankfurter Straße. Dort war einem mit Kohlen beladenen Waaen der Firma G. A. Gerlach, Greifswalder Straße 80a, das reckte Hinterrad gebrochen, so daß daö Gefährt die beiden Straßen- bahngleif« sperrte. Durch Maiinschaften des herbeigerufenen Rettungswagens der Straßenbahn wurde das Hindernis befeingt. Während der Dauer der Störung, die von 11,05 bis 11,23 Uhr währte, hatten die Linien 58, 64, 65, 75 und 81 in der Richtung nach dem Alexanderplatz Aufenthalt; in der Richtung nach dem Viehhof wurden die Wagen dieser Linien durch die Kailerstraße ab- gelenkt. Als der Kohlenwagen durch den Rettungswagen in die stürzte er nochmals blaue Augen, im Oberkiefer rechts an den Vorderzahnen eine Lücke. kleine Hände und trug schwarzen Rock, weiße Kattunbluse mit schmalen lila Streiken mir großen Besatzknöpfen, weißer Rüsche und weißem durchbrochenen Einsatz und Bandschleife, halblanges, schwarz-weiß und rot-grün gemustertes Jackett, dunkelbraunen Strohhut mit hell« brauner Schleife und Mohnblumen und Perlmulter-Hutnadeln, blaue Strumpfbänder, weiß und lila gestreiften Kattununterrock. rorwollenen Unterrock mit schwarzer, gestreifter Kante und hell- braunem Besatz und gelblich-wollene Beinkleider. Bei der Leiche fand man außerdem ein braunes Handtäschchen mit Kugelbügel- Verschluß, ein Paar graue Zwirnhandschuhe, ein Portemonnaie mit 87 Pfennig und eine kleine Ungarweinsiasche, die einen Rest des Giftes einhielt. Es wird gebeten, zweckdienliche mündliche oder schriftliche Mitteilungen zu 1381 IV/12 11 der Kriminalpolizei in Berlin zukommen zu lassen. Am 12. d. M. wurde in AdlerShof an der Rudower Brücke aus dem Teltow-Kanal die Leiche einer 30—35 Jahre alten Frauens- Person gelandet. Sie war bekleidet mit halblangem, dunkelbraun gestreiflein Jackett, grauem Rock mit mehrfach durchsteppler unlerer Kante, schwarzen Strümpfen und Schnürstiefeln. Bei der Leiche wurden 10,03 M. in ein Tuch gewickelt sowie eine Weißblechmarke, anscheinend eine Kontrollmarke einer Fabrik mit der Nummer 559 vorgefunden. Die Leiche befindet sich in der Leichenhalle zu Alt- Glienicke. Personen, welche über die Aufgefundene nähere Angaben machen können, wollen dem Polizeipräsidium zu 2202 IV. 1, 11 Mitteilung machen. Bei dem Waldfest, welches Genossen der 10. Abteilung des sechsten Wahlkreises am Sonntag, den 21. d. M. in der Jungfern- Heide abhielten, wurden ein Damenschirm und ein Spazierstock gefunden; verloren hat eine arme Frau ihr Portemonnaie mit zirka 10 Mk. Inhalt. Die Verlierer sowie der ehrliche Finder wer den gebeten, die Gegenstände bei Heinrich Fiebiger, Kameruner Straße 7, abzugeben respektive abzuholen. Am Sonntag, den 14. Mai, sind bei Baumgartenbrück von Werder nach Potsdam zwei junge Burschen in den Besitz eines Tourenrades»Voran II" Nr. 112 711 gekommen. Dasselbe hat schwarzen Rahmen, Patent- Kapselgetriebe- Tretlager. Holzfelge Errtee, Doppelübersetzung, Torpedo- Freilauf, Schienensattel. Solidaritätsglocke und Freilaufschloß. Beim Rahmen ist der obere und der schräg« Teil vorn oben eingeknickt, die Vordergabel nach hinten gebogen. Personen, die Angaben über den Verbleib des Fahrrades machen können, werden gebeten, ihre Adresse an Otto Decker. Chgrlottenburg, Potsdamer Str. 35, Vorderhaus Hl, gelangen zu lassen. Ein bedauerlicher Straßenunfall ereignete sich am Dienstag am Werderschen Markt. Als dort gegen 6 Uhr nachmittags der 79jährige Kaufmann Isidor Bock aus der Grenadierstr. 15 den Fahrdamm überschreiten wollte, geriet er, offenbar durch eigene Schuld, gegen ein vorbeifahrendes Privatautomobil und wurde umgestoßen. Der Verunglückte, der eine schwere Kopfwunde erlitten hatte, wurde mit demselben Automobil nach der Unfallstation am Spittelmarkt gebracht. wo ihm ein Verband angelegt wurde und von wo er nach seiner Wohnung übergeführt wurde. Chansseesperrung. Der Landrat von Teltow macht bekannt Wegen Neuschüttung wird die Steinbahn der Kreischaussee Groß- beeren— Ahrensdorf zwischen den Stationen 6.3 und 7.9(Nordost- ausgang von Ahrensdorf) in der Zeit vom 26. Mai bis 3. Juni d. I. gesperrt. Fuhrwerke, die den Sommerweg nicht benutzen können, werden als Ersatzverbindung auf die Chaussee Großbeeren— Schenken- dorf— Nudow— Ahrensdorf verwiesen. Desgleichen wird wegen Neu- schüttung die Steinbahn der Kreischaussee Rudow— Schönefeld in der eit vom 27. Mai bis 14. Juni d. I. gesperrt. Fuhrwerke, die den Sommerweg nicht benutzen können, werden als Ersatzverbindung auf die Kreischausseen Berlin— KönigS-Wusterhausen oder Rudow- Waßmannsdorf verwiesen. Kleine Frankfurter Straße hineinaeschleppt war, stürzte er nochm um und sperrte dort das Straßenvabnglei». Infolgedessen hatten an jener Stelle die Wagen der Linien 3, 22, 46, 66, 67, 69, 70 und 71 einen Aufenthalt bis'/412 Uhr nachts. Wer kennt die Toten?$n der EggerSdorker Forst an der Ost- bahn wurde am 5. d. M. die Leiche einer Frau aufgefunden, die wahrscheinlich schon mehrere Tage dort gelegen hat. Die Persönlich- keil der Toten konnte bisher nicht ermittelt werden. Die Tote, dl« anscheinend durch Gift geendet hat, war etwa 23 biS 23 Jahre alt, ft 1,63 Meter groß, hat schwächliche, schlanke Figur, blondes Haar, Vorort- l�acbrickten. Wilmersdorf-Halensee. Was der„Borwärts" von unserer SchulzahnNinik weiß. Unter dieser Ueberschrift bringt die„Wilmersdorfer Zeitung" ihren Schmerz darüber zum Busdruck, daß wir den Eröffnungstag der Schulzahn- klinik im Hause Wilhelmsaue 23 mit zwei Zeilen registriert haben Während sonst das sozialdemokratische Zentralorgan nicht müde werde, in seinen Spalten die soziale Rückständigkeit und sin st er st e Reaktion im WilmerSdorser Rathause zu ibeweisen, orientiere es über diese„aus der Sorge um die heranwachsende Jugend der minderbemittelten und bemittelten Stände geborene Einrichtung" in solcher Weis«. Zum Schluß tobt das Blättchen und es klagt uns zugleich in etwas demagogischer Weise bei der„genas führten Menge", für die diese Einrichtung geschaffen sei, an; letztere werde bald einsehen, daß sie in den Händen dieser Leute verraten und verkauft sei. Unsere Leser werden eS verstehen, wenn wir aus der Tatsache, daß in Wilmersdorf eine Schulzahnklinik eröffnet worden ist, keine Weltbegebenheit machen. Wir halten eine solche Einrichtung für etwa? Selbstverständliches, und die grenzenlose, in geradezu orts- patriotischer Schwärmerei sich ergehende Beweihräucherung dieser Schulzahnklinik durch das genannte Blatt bestätigt nur die auf allen anderen Gebieten in Wilmersdors anzutreffende soziale Rückständig lest. Sollen wir vielleicht die Tatsache, daß die reiche Stadt Wilmersdorf eine solche Klinik mit 2000 M. jährlich subventioniert, in alle Welt hinausschreien? I Diese Rolle mag die die Rückständig- keit Wilmersdorf» verteidigende»Wilmersdorf« Zeitung' über- nehmen. Ueber die Einrichtung der Klinik selbst waren wir schon deshalb nicht in der Lage zu berichten, weil wir nicht einmal eine Einladung erhalten hatten. Gewervegnichtswähler! Sonntag, den 28. Mai, vormittags 10 Uhr bis nach- mittags 2 Uhr, finden in den nachstehenden Wahllokalen die Neu« wählen der Gewerbegerichtsbeisitzer statt. Es wählt der 1. Wahl- bezirk, der dem 8. Polizeirevier entspricht, im Restaurant»Bik- toria-Garten", WilhelmSaue Il4tll5; 2. Wahlbezirk, der dem 10. Polizeirevier entspricht, im Restaurant Kaiser- Wilhelm-Garten", Kurfürstendamm 121/122; 3. Wahlbezirk, der dem 9. und 11. Polizeirevier entspricht, im Restaurant„Gebell", Uhlandstr. 138/139; 4. W a h l b e z i r k, der dem 7. Polizeirevier entspricht, im Nestau- rant, Stadtpark', Kaiserallee 61/52. Wahlberechtigt sind alle Arbeiter, die das 25. Lebensjahr er- reicht haben und im Bezirk des GewerbegerichtS beschäftigt sind oder hier wohnen. Jeder Wähler hat sich durch eine Bescheinigung des Arbeitgebers oder des Polizeireviers zu legitimieren. An den nachfolgenden Stellen sind Formulare hierfür zu haben: F. P i e p e r, Zigarren- geschäft, Berliner Str. 46, E. Reiche, Prinzregenteirstr. 62, M. Richter, Zigarrengeschäft, Mannheimer Str. 53, Gras so w. Halensee, Friedrichsruher Str. 3. O. Poggensee, Uhlandstr. 107, Kolba, Kaiserallee 209. Die angegebenen Personen erklären sich auch zur Einholung der zolizeilichen Beglaubigung bereit. Wir ersuchen deshalb alle Wahlberechtigten, auch bor allen Dingen die außerhalb Wilmersdorfs Wohnenden, aber hier Ae- chäftigteu. sich rechtzeitig die Legitimation zu beschaffen und am Tage der Wahl von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Die Gewerkschasrsunterkommission Wilmersdorf. DaS Spiele« der Kind« mit Streichhölzern hat wiederum einen Unglücksfall herbeigeführt, der leicht verhängnisvoll hätte werden können. Vorgestern nachmittag waren in der Wohnung des Maler- meisters R., Augustastraße 15, die beiden vier und fünf Jahre alten Söhne des R. allein zurückgeblieben, während die Mutter sich auf einige Minuten entfernt halte, um einen notwendigen Einkauf zu machen. Während ihrer Abwesenheit machte sich der älrere Knabe niit Streichhölzern zu schaffen, die sich entzündeten. Beim Fort- werfen des Zündholzes geriet ein Posten Wäsche in Brand, der sich schließlich auf den Teppich und andere Gegenstände ausdehnte. Als Frau R. zurückkehrte, fand fie die Wohnung vollständig verqualmt vor, die beiden Kinder lagen bewußtlas am Fußboden. Die sofort alarmierte Feuerwehr brachte zunächst die beiden Knaben in Sicher- heit, die sich unter den sachkundigen Bemühungen der Samariter in kurzer Zeit wieder völlig erholten. Der Sttwenbrand konnte mit Leichtigkeit gelöscht werden. Rixdorf. Zu einem Znsammenstoß zwischen einem Straßendahn-«nd einem Steinwagcn kam es am Dienstagabend gegen V«9 Uhr an der Ecke der Steinmetz- und Lessingstraße. Dort fuhr ein Wagen der Firma Rudolf Werner, Treptow, Elsenstr. 53, gegen die Seitenwand des Straßenbahnwagens 1352 der Linie 94. Bei dem Anprall gingen drei Seitenscheiben dsS Waggons in Trümmer. Der im Innern des Wagens sitzende Töpfer Karl Kell aus der Nogafftr. 23 erlitt durch umherfliegende Glassplitter Verletzungen am Kopfe, derselbe konnte jedoch seinen Weg fortsetzen. Rummelsburg. Die Gew«bigerichtswahleit für die Arbeitnehmer finden am Montag, den 29. Mai, in der Zeit von 5 Uhr nachmittags bis 3 Uhr abends statt. Alle Wähler mit dem Anfangsbuchstaben A bis G wählen im Restaurant Kern, Türr- schmidtstraße 45, von H bis P im Lokal Knapke(früher Carlin), Hauptstraße 83, von<2 bis Z im Lokal Beyer(früher Rostock), Haupt- straße 83. Wahlberechtigt sind alle Arbeiter, welche das 25. Lebensjahr n- reicht haben und in dem Bezirk des Gewerbegerichts beschäftigt sind oder, falls sie außerhalb in Arbeit stehen, am Ort wohnen. Wir«suchen die Parteigenossen und Gewerkschaftskollegen, in eine rege Agitation für diese Wahl einzutreten. Jeder in Betracht kommende Arbeiter hat von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Nicht darauf kommt es allein an, daß die Kandidaten der Gewerk- schasten gewählt werden, sondern hinter denselben muß auch die übergroße Mehrzahl der Wähler stehen. Versäume daher niemand die Wahl. Die Gewerkschaftsunterkommission. Karlshorst. Ju der Mitgliederversammlung deS hiesigen BezirkS-WahlvereinS referierte Genosse Fritz Düvell über:.Arbeiterdichtung'. Sodann gab Genosse Förster den Kassenbericht vom letzten Quartal. Einer Einnahme von 471,43 M. steht eine Ausgabe von 270,43 M. gegen« über. Der Vorsitzende Genosse Spliedt teilte mit, daß Sonntag, den 23. Mai. eine öffentliche Versammlung bei Bartels stattfindet, in welcher Genosse Reichstags-Abgeordneter Adolf Geck sprechen wird, Redner«sticht um rege Propaganda dafür. Ein leidiger Um- stand sei jedoch die Lokalfrage, die es uns nicht möglich macht, größere Versammlungen zu veranstalten. Bei günstigem Wetter wird die Versammlung daher«m Garten stattfinden. Tempelhof. Eine Kolonne des Ardeiter-SamariterbundeZ soll nun auch für Tempelhof-Mariendorf und Umgegend gegründet werden. Der Gründung toll«in vorbereitender Kursus vorangehen, derselbe be« ginnt Anfang Juni. Alles nähere wird in der am Montag, den 29. Mai, abends 8'/, Uhr, bei Thiel, Berliner Straße 40/41, statt- findenden Versammlung bekanntgegeben, in welcher der Bundes« Vorsitzende einen Vortrag über„DaS Samarilerwesen in der modernen Arbeiterbewegung' halten wird. Alle Arbeiter und Arbeiterinnen, welche sich an dem Kursus beteiligen wollen und an der Errichtung der Arbeiter-Samariterlolonne Interesse haben, sind zu dies« Versammlung eingeladen. Alle Anfragen oder Meldungen sind an F. Schlicht, Mariendorf, Kurfürstenstr. 17, zu richten. �riedrichsfelde. Die„Freie Turnerschaft" veranstaltet von Sonntag, den 28. d. M., an jeden Sonntag Kinderspiele. Treffpunkt 8'/, Uhr vormittag« an folgenden Sammelstellen: Prinzen-, Ecke Caprivi-Allee, und an der Kirche, von dort Abmarsch nach dem Schloßpark. Spielzeit von 9 bis 11 Uhr. Die Eltern werden gebeten, die Kinder nach den Sammelstellen zu schicken, von dort werden die Kinder abgeholt und wieder hingebracht. Es wird«wartet, daß recht viele Elkern ihre Kind« teilnehmen lassen. Spandan. 30 000 Postkarten mit dem Bilde der Kronprinzessin und 3000 Gros Margueritenblumen, also 432 000 Stück, sollen am 27. Mai an das kauflustige Publikum im Ort losgeschlagen werden. Eine Karte sowie eine Blume kosten je 10 Pf. So hat also auch Spandau sich dem jetzt mode gewordenen Massenbettel angeschlossen. Marktpreise von Berlin am 23. Mai 1911, nach Ermittelung de« Königlichen Polizeipräsidiums. M a r t t b a l l e n v r e i s e.(Kleinhandel.) Ivo Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 80.00—50,!». Speifebobnen, weiße 30,00- 50,00. Linien 20,00- 60,00. Kartoffeln 6,00-9,00. 1 Kilo- ranim Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfl-isch I»0 iS 1,70. Schweinefleisch 1,20—1,90. Kalbfleisch 1,40-2,40. Hammelfleisch 1,40-2.20. Butter 2,20-2.80. 60 Stück Eier 2,60-4,40. 1 Kilogramm Karpfen 1,20—2,00. Aale 1,20-3,00. Zander 1.40—3,80, Hechte 1,20 bis 2,80. Barsche 0,80—2,00. Schleie 1,20—3,40. Viele 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 2,00—30,00._ _«vitter,, nasiioer«!«vi vom 24. Mai 1911. •taflonen -dff -- S ef «taNonen E ÜhUl Havarmid» 7626 I Petersburg 764 NW nettct Scilly -Lderree» BarrS i 766 WSW 757 O !767B 2 bedeckt 1 bedeckt 4 wolfig 1 bedeckt 1 bedeckt 9 8 12 13 10 SwMemdr 1 764 SO i)am0u>g 1 762 SSW ?-rlir'763®D Aranti.a IX. 764 NW Nünchen|765 9J Wien 176231) evcttrrvrogiioie tttr Donnerstag, den 25. Mai 1911. Ein wenig wärmer, zeitweise heiter bei meist schwachen südwestlichen Wmden: keme erheblichen Niederschlage. Berliner Wetterbureau. Wafleritnnds.stlilt, richte» der LandeSanstalt für Gewästerlunde, mitgeteilt vom Berlin« Wetteriurean Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Svremberg') , BeeStow Weser, Münden , Rinden Rhein, MapmilianSau » Kaub . Köln Neckar, Heilbron» Main, Werlbeim Mosel, Tri« >)+ bedeutet Such»,— Kall.—«) Unlervegel. vFranttvortlickstr Redaktkuri vlbrrt Wachs, Kerlili. Lür den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drucku-Perlag: Vorwärts Vvchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer U.Co.. Berlin LW."