Nr. 122. 28. Jahrg. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monati. 1,10 r., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage, Die Neue Welt" 10 Bfg. Post Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Sort 20 Pfg.( zulässig 2 fettgedruckte Borte), jedes weitere Wort 10 Bfg. Schlafstellenan Etellengesuche und zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonnabend, den 27. Mai 1911. Der Sieg des gleichen Wahlrechts. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. massen, das ist es, was die Junker fürchten. Das Wahlgesez enthält Bestimmungen, deren Uebertragung auf das Reich jetzt schwer zu weigern sein wird. Der Sonntag als Wahltag und die Sicherung des Wahl. geheimnisses sind im Reiche nicht mehr zu verhindern, Der Reichstag hat in einer Gesamtabstimmung über die Landesausschuß machte jeden kulturellen Fortschritt un- da sie im Elsaß Gesetz geworden. Was wird aber aus den Verfassung und das Wahlgesetz für Elsaß- Lothringen die Ge- möglich, unterwarf das Land der Willkürherrschaft einer fonservativen Mandaten des Ostens, wenn der Tonservative fege mit 211 gegen 93 Stimmen, bei sieben Enthaltungen an- eigensüchtigen Clique. Die Regierung mußte dies selbst an- Wahlterrorismus unmöglich wird? genommen. Dagegen stimmten die Konservativen, die wirt- erkennen und den Landesausschuß nach Hause schicken. Der fchaftliche Vereinigung, ein kleinerer Teil der Reichspartei, die Kaiser hatte sich zudem in Straßburg für das Zustandeflerifalen Elsässer mit Ausnahme des Abg. Dr. Vonderscheer, kommen der Verfassung verbürgt. sowie die Polen. Die sozialdemokratische Fraktion stimmte für das Gesetz. Aber auch die bürgerlichen Parteien konnten nicht zurück. Sollten sie sich unter das Joch der Konservativen beugen, vor aller Welt bezeugen, daß gegen das Machtgebot der Konfervativen kein Gesetz zustande kommen dürfe? Vor allem aber: Was ist's mit Preußen? Die Elsaß- Lothringer, hat Herr v. Bethmann erklärt, sollen nicht länger Deutsche zweiter Klasse sein. Und die Preußen? Die Frage wird nicht mehr aus der politischen Diskussion verschwinden, bis sie beantwortet ist, beantwortet zur Zufriedenheit des preußischen, des deutschen Volkes. Wenn unsere Fraktion für die Gesetze gestimmt hat, So wandten fie fich an die Sozialdemokratie. Deren so nicht zuletzt deshalb, um gegen die preußische Festigkeit trug jezt ihre Früchte: Denn wer fest auf dem Wahlrechtsinfamie zu ftimmen. In ganz Sinne beharrt, dem bildet die Welt sich". Und von Anfang an Deutschland darf es Staatsbürger zweiter hatte die Sozialdemokratie ihre Kraft nach der bewährten lasse nicht mehr geben, daß ist der Sinn der AbRegel der politischen Taktik auf den einen Bunft fon- ftimmung des Reichstags. Herr v. Oldenburg hat mit Recht zentriert: auf die Sicherung des gleichen Wahl- von Olmük gesprochen. Ein Olmüz des Wahlun rechts für die Zweite Kammer. Jezt sahen die rechts ist diese Abstimmung gewesen und an den EntrechLiberalen ein, daß sie unverzeihlich gehandelt hatten, als sie teten ist es zu sorgen, daß der moralischen Wirkung bald der das gleiche Recht so borschnell aufgegeben hatten, jetzt erkannte volle Sieg folge. Herr v. Bethmann Hollweg mag derdas Zentrum, daß es der Widerstände in den eigenen Reihen selbe geblieben sein, der er war, als er voll Haß und Hohn nur Herr werden könnte, wenn es die Durchschlagskraft des gegen unsere Wahlrechtsforderung auftrat. Dieselben Reden gleichen Wahlrechts wirken ließe, und jetzt durfte Herr wird er nicht mehr halten können, ohne das Hohngelächter b. Bethmann Hollweg, der so verächtlich und gehässig gegen der Welt herauszufordern. das Volk gesprochen hatte, das Unannehmbar nicht mehr sprechen, auf das bis zuletzt die preußischen Junker so sicher gebaut hatten. Der Wille des Volkes hatte sie alle unter seiner Autorität gebeugt. Wir wissen, noch sind die Widerstände gewaltig, die zu besiegen sind, um in Preußen- Deutschland des Volkes Willen zum obersten Geset werden zu lassen. Aber eine Position des Feindes ist genommen und die Kampfeslust neu belebt worden. Ein Schritt vorwärts ist getan- ob klein oder groß, ihm müssen weitere folgen! Das gleiche Wahlrecht hat den neuen Bundesstaat erobert und mit stolzer Befriedigung darf die Sozialdemokratie diesen bedeutsamen Erfolg für sich in Anspruch nehmen. Wenn die Demokratie einen Schritt vorwärts gekommen ist, so ist es der klaren und festen Haltung zu danken, die unsere Vertretung von Anfang an eingenommen hat, während das Schwanken der anderen Parteien nahe daran war, alles zu verderben. Die ursprüngliche Vorlage der Regierung hatte nicht nur die Autonomie Elsaß- Lothringens als selbständigen Bundesstaat allzu sehr beschränkt, sie hatte in dem Wahlgesetz ihre Feindschaft gegen das gleiche Wahlrecht aufs neue zum Ausdruck gebracht. Es war ihre Absicht, dem infamen Prinzip des Pluralwahlrechts ein neues Geltungsbereich zu erobern. Obwohl das Pluralwahlrecht den von jeher an demokratische Gleichberechtigung gewöhnten Elsaß- Lothringern ein Greuel war, obwohl die beiden Altersstimmen, wie die Regierung fehr gut wußte, ganz unsinnig und für den politischen Zwed der Vorlage, der moralischen Eroberung des Gewiß, alle Forderungen, die das elsässische Volk stellen Reichslandes für das Reich, geradezu verderblich waren, be- mußte, sind nicht erfüllt worden; wir begreifen es wohl, daß stand die Regierung auf der Pluralität. Sie handelte aus unsere elsässischen Freunde, die unter schwierigsten VerhältPrinzip, aus dem Prinzip der Feindschaft gegen das gleiche nissen ihren Kampf führen, nicht voll zufriedengestellt sind. Recht. Ihre nationalistischen Gegner find strupellose Demagogen, Der angefchwindelte Kultusminifter. Es ist nicht das Verdienst der Regierung und nicht das und sind sie auch reaktionäre flerifale Seleinbürger, so schrecken In der Debatte über den russischen Studenten Dubrowski, der Verdienst der bürgerlichen Parteien, wenn es anders ge- fie doch keinen Moment vor den radikalsten Ziraden zurück, sich aus Verzweiflung über seine Nichtimmatrikulation an der Ber kommen, wenn der Pfeil, der gegen das gleiche Wahl- wenn sie auf Gimpelfang gehen. Aber wir zweifeln feinen liner Universität und die Bereitelung seines ganzen Studienplans recht abgeschossen war, auf die Schützen zurück- Moment daran, daß gerade das gleiche Wahlrecht die poli- das Leben genommen, ist der preußische Kultusminister Trott zu schnellte. Den preußischen Junkern war die Re- tische Atmosphäre sehr schnell reinigen wird. Das Gesetz Solz das Opfer plumper Mystifikationen der ihn informierenden gierung schon zu weit gegangen. Sie wissen, das schafft uns einen Sampfboden, auf dem die nationa- Polizeiorgane geworden. Daß der Kultusminister dem Hause zu schmähliche Dreitlassenwahlrecht, auf das sie ihre Herrschaft listische Demagogie sehr bald den ernsten und großen Klassen- erzählen wagte, Dubrowski habe sich selbst bei einem Berliner stützen, berträgt es nicht mehr, daß die deutschen Staats- fämpfen der Gegenwart wird weichen müssen. Polizeibeamten nach einem revolutionären russischen Studentenbürger außerhalb Preußens ein besseres Wahlrecht er- Wir sind auch die letzten, die die schweren Schäden des verein erkundigt, da er ihm beizutreten beabsichtige, war eine so halten, ohne daß der Zorn über die Schmach Preußens Gesetzes leugner mögen. Sind sie doch ebensoviele Auffor- beispiellose Naivität, daß sie Genosse Liebknecht sofort als eine von neuem aufflammt. Sie meinten, Preußens Entrechtung derungen zu neuen Kämpfen. Aber mit ungleich besseren Beleidigung des dadurch geradezu für unzurechnungsfähig erklärim Elsaß verteidigen zu müssen und verweigerten ihre Mit- Waffen gehen jetzt unsere Freunde in den Kampf, und Pflicht ten Hauses zu brandmarken genötigt war. Dann aber hatte Herr wirkung an diesen Gesezen, die in Elsaß- Lothringen erträg war es, ihnen diese Waffen zu liefern. Die Republik und das Trott zu Solzimmer auf Grund polizeilicher Informationen liche politische Zustände schaffen und sein Volt mit dem Einkammersystem sind nicht erreicht worden. Aber wer, der ähnlichen Kalibers erzählt, daß Dubrowski selbst, nach Angabe Deutschen Reich durch das Band der Demokratie zu einer nicht von den nächsten Wahlen geradezu Wunder erwartet, des Krankenpflegers, diesem auf seinem Totenbett ausdrücklich ver Einheit verschmelzen sollten. wird mit Sicherheit behaupten wollen, daß, wenn die Gefeße sichert habe, Die anderen bürgerlichen Parteien aber, das Zentrum gescheitert, fünftighin mehr zur erreichen gewesen? Den und die Liberalen, waren bereit, das gleiche Wahlrecht preis- größten Macht zu wachs dem Proletariat herauszuholen, zugeben und dem gefährlichen Präjudiz der Pluralität zum der bei den bestehenden Machtverhältnissen zu erreichen ist, Durchbruch zu verhelfen. Die Liberalen waren wieder einmal das ist die Aufgabe sozialdemokratischer Politik, und diese von der Positivitis" befallen, jener, so scheint es, unheil- Aufgabe hat unsere Fraktion mit Geschick erfüllt. Und diesen baren Krankheit, die das dauernde Siechtum des deutschen Machtzuwachs bedeutet das gleiche Wahlrecht trop KaiserLiberalismus verschuldet. Positive Arbeit nennen es die gewalt und erster Kammer. Gerade wir, die wir wissen, daß Zoren, wenn sie sich zu ihren eigenen Grundsägen negativ in den Parlamenten nicht alle Entscheidung liegt, daß es die verhalten und positiv die Arbeit ihrer Gegner fördern! Ob- reale Macht der großen Volksbewegungen außerhalb des Parwohl die Liberalen wußten, daß die Regierung die Vorlage laments ist, die in letter Instanz entscheidet, wir können zustande bringen mußte, wagten sie nicht, in dem wichtigsten darauf vertrauen- und die Erklärung unserer Fraktion weist und entscheidensten Bunft, in der Frage des gleichen Wahl- mit Recht darauf hin, daß der Wille des Volkes, zum Ausrechts, fest zu bleiben. Sie gaben es preis, die Regierung druck gebracht durch das gleiche Wahlrecht, sich durchsetzen schien ihren Willen durchsetzen zu können. werde, trotz der Hindernisse, die ihm in der Verfassung noch entgegengesetzt werden. Noch immer hat die Geschichte gelehrt, daß, wenn die Massen in Bewegung sind, wenn ihr Wille zusammenfällt mit dem der demokratischen Zweiten Kammer, alle anderen Paragraphen einer Verfassung bloß beschriebenes Papier sind. Das gleiche Wahlrecht ist das Wesentliche, und es bewährt sich als solches, wenn dahinter die Macht der Massen draußen steht. Deshalb mußte die Fraktion bei der Gesamtabstimmung für die Annahme votieren. " ,, daß seine Tat nicht in Verbindung stände mit der abgewiesenen Immatrikulation, er habe sowieso schon den Entschluß gefaßt gehabt, seinem Leben ein Ende zu bereiten." Auch diese Erzählung des Kultusministers ist völlig un wahr. Denn der Krantenwärter Kunze teilt dem Berliner Tageblatt" mit: " Ich habe Dubrowski bis zu seinem Tode gepflegt. Als ich am ersten Morgen nach seiner Einlieferung im jüdischen Krankenhause um Uhr Dubrowski sich in großen Schmerzen winden sah, fragte ich ihn, was ihn zu der Tat veranlaßt habe. Dubrowsti antwortete mir, er hätte den Gelbstmordversuch begangen, weil ihm die Immatrikulation an der hiesigen Universität verweigert worden sei. Einen anderen Grund hat er mir für die Tat niemals angegeben. Als Grund für die Verweigerung der Immatrikulation gab er an, daß man ihn für politisch verdächtig hielte. Wenn behauptet worden ist, ich sei in der Angelegenheit vernommen worden und habe gesagt, Dubrowski habe mir gegenüber geäußert, seine Tat stände nicht in Verbindung mit der abgewiesenen Immatrikulation, so ist diese Behauptung unrichtig. Ich bin überhaupt von niemandem über die Affäre gehört worden. In der Unterhaltung mit Dubrowski sagte dieser noch weiter zu mir, daß er bedauere, so schlecht gezielt zu haben. Er fragte mich aber auch, ob vielleicht durch eine Operation eine Besserung erreicht werden könne. " Jedoch dem Zentrum war es nicht so leicht ,, das gleiche Wahlrecht für Elsaß- Lothringen zu verraten, wie es das gleiche Recht in Preußen verraten hatte. Es mußte fürchten, seinen durch die Nationalisten ohnedies geschwächten Einfluß im Reichslande vollends zu verlieren. Dazu kamen noch die Treibereien jener urreaktionären Bentrumsgruppe, die sich um feinen Breis von den Konservativen trennen wollte. Und als noch die freikonservative Gruppe, die dem Gesetz zu stimmte, die Einfügung des Sprachenparagraphen als BeAber die Bedeutung des Kampfes, den unsere Genossen bingung ihrer Mitwirkung stellte, da war es um das Gesetz im Parlament zum guten Ende geführt haben, geht recht geschehen; es gab keine Majorität mehr für die Vorlage der weit über die Grenzen Elsaß- Lothringens hinaus. Wir hoffen Regierung. vor allem, daß die demokratische Verfassung des neuen BundesDa stellte man das Ansinnen an die Sozialdemokratie, staates auch in Frankreich günstig wirken wird. Nichts das Zustandekommen des Gesetzes durch ihre Enthaltung hat nationalistische Stimmungen in unserem Nachbarreiche zu ermöglichen; die zweite Altersstimme sollte dafür beseitigt mehr gefördert als der Hinweis auf die politische Unter- den ihn informierenden Organen in der gröblichsten Weise getäuscht werden. Kühl wurde den Herren bedeutet, daß für die drückung Elsaß- Lothringens. Solchen Agitationen ist jetzt worden ist, denn daß er die Information so böllig misverstanden Sozialdemokratie ein Verhandeln nur möglich sei auf dem die Unterlage entzogen. Mir, die wir ein freundschaft haben sollte, ist doch wohl ausgeschlossen. Es ist ja freilich, wie Boden des völlig gleichen Wahlrechts. Nochmals schaftliches Verhältnis mit dem französischen schon Liebknecht in seiner Rede bemerkte, nicht das erstemal, daß machten die allzu Arbeitswilligen den Versuch, das Gesetz ohne BoIfe als wichtigste Forderung unserer auswärtigen Politik eine polizeiliche Angabe den Tatsachen ins Gesicht schlägt. Auch die Sozialdemokratie fertigzubekommen. Der Erfolg war die betrachten, haben durch unsere Mitarbeit die Verwirklichung die preußischen Minister werden also fünftig dergleichen„ Informationen" mit dem notwendigen Mißtrauen entgegennehmen Ablehnung in der Kommission. dieser Forderung gefördert. Auch ein russischer Student, der mit Dubrowski zu sammen in dem Krantensaal lag, bestätigt dem Blatte vollinhaltlich die Angaben des Krantenwärters Kunze. Auch ihm hat Dubrowski erklärt, daß der Grund für den Selbstmord in der Verweigerung der mmatrikulation zu suchen sei. Es unterliegt also keinem Zweifel, daß der Kultusminister von Da mußten sie uns kommen. Noch bedeutungsvoller aber ist das Zustandekommen müssen. Die Oeffentlichkeit vollends wird sich fragen, was man Die Regierung war in einer Zwangslage. Das Gesetz, dieser Gesetze auf unsere innere Politik. Die Konservativen bon polizeioffiziösen Darstellungen fünftig überhaupt noch das nach 40 Jahren aus den neugewonnenen Volksgenossen mußten, was sie taten, als sie fich zum äußersten Widerstand glauben soll, wenn die betreffenden Organe sich nicht scheuen, deutsche Staatsbürger machen sollte, konnte nicht fallen ge- entschlossen. Nicht der Gegensatz zwischen Konservativen und durch solche Entstellungen der Wahrheit die höchsten Staatsbeamten lassen werden, ohne das Ansehen Deutschlands, das sich un- Regierung oder zwischen Konservativen und Zentrum ist das der peinlichsten Blamage auszusehen! fähig gezeigt hätte, nach so langer Zeit eine so wichtige Auf- Entscheidende. Was sich gestern getrennt, wird sich morgen gabe zu lösen, im Auslande aufs empfindlichste zu schädigen. vielleicht wiederfinden, und der Gegensatz gegen das ProleAber auch die Verhältnisse im Elsaß selbst waren unerträglich tariat ist groß genug, um die Hadernden wieder zu einen. Die Norddeutsche Allgemeine Seitung geworden. Die Wirtschaft der nationalistischen Notabeln im Aber die moralische Wirkung des Gesetzes auf die Volks- schreibt an der Spitze des Blattes: Zarte Fürsorge. JJrt Ser MlkWoHsi�un� Sei preußischen MgsorpneketchauseZ PnS bon einem sozialdemokratischen?lbgeordneten schwex der- letzende Ausfälle gegen ein Mitglied einer aus- wärtige n Botschaft gemacht worden. Der Vizepräsident deZ Abgeordnetenhauses ist diesem Mißbrauch der Tribüne ent- gegengetreten, indem er dem betreffenden Abgeordneten einen Ordnungsruf erteilt hat. Es widerspricht den internationalen Gepflogenheiten, auswärtige Diplomaten überhaupt in die parla- mentarischen Debatten zu ziehen. Im vorliegenden Fall handelt es sich um einen sehr schweren und besonders bedauerlichen Bruch des internationalen Herkommens. Die Bemerkung würde daher regierungsseitig mit derselben Schärfe, mit der es hier geschieht, sofort zurückgewiesen worden sein, wenn ein Vertreter der Ne- gicrung im Hause anwesend gewesen wäre." Es versteht sich von selbst, daß wir einen derartigen internationalen Brauch nie und nimmer anerkennen können. Wenn russische Diplomaten in Deutschland ihr Amt dazu mißbrauchen, um in der Hauptstadt des Landes einen poli- tischen Spitzeldienst zu organisieren, so wird sie die Sozial- demokratie jederzeit gebührend an den Pranger stellen. Die öffentliche Kritik, die vor fremden Potentaten nicht Halt macht, hat wahrhaftig nicht die geringste Ursache, ihre Hand- langer für tabu zu erklären! Es war einmal! Eine Blatte wird aus akademischen Kreisen geschrieben: „Während meiner Studienzeit in den 7l1er Jahren, unter dem Rektorat von Gneist, kam ein ganz ähnlicher Fall vor, daß ein ausländischer Student nach Berlin kam mit der Befürchtung, daß die Polizei seines Heimatstaates bemüht sein werde, ihn un- gerechtfertigte Unannehmlichkeiten zu bereiten. Er vertraute sich dem Rektor an, zeigte ihm die Auskunftserteilung auswär- tiger Dozenten, und Gneist erwiderte ihm:„Seien Sie un- besorgt, gegen etwaige Polizeischikan'en wer- den wir Sie zu schützen wissen." Nun ist es ja seit längerer Zeit bekannt, daß die Rektoren von heutzutage diesen Schutz nicht mehr für ihre Aufgabe halten, daß sie sogar vonder Polizeisich vorschreiben lassen, wen sie immatrikulieren dürfen und wen nicht. In dem neuesten tragischen Falle aber soll der gegenwärtige Rektor Rubner dem Mitarbeiter eines hiesigen Blattes gesagt haben: wenn ein Ausländer„politisch verdächtig" ist, so halte sich der akademische Senat für verpflichtet— falls er sich nicht mit dem Minister in Konflikt setzen wolle—, diese Tatsache der Kriminalpolizei mitzuteilen. Das würde heißen, daß die Universität jetzt nicht mehr bloß Anwei- sungen der Polizei entgegennimmt, sondern sogar auf einen bloßen Verdacht hin sich verpflichtet fühlt, der Polizei in gewissen Fällen A n g e b e r d i e n st e z.u leisten. ' Man darf gespannt sein, ob der Rektor diese ihm zugeschriebene Aeußerung unwidersprochen lassen wird!" Ja ja, es ist weit gekommen in unserer Gelehrtenrepublik. Der Sinn für politisches Ehrgefühl ist total verkümmert. Das bewies ja auch die unglaublich schwächliche und selbst einem Teil der frei- sinnigen Presse überaus peinliche Rede des fortschrittlichen Redners, des Professors v. LiSztt politische debersiebt. Berlin, den&t. Mai 1911. Diätengesetz und Neichsversicherungsordnung. Aus d e in R e i ch t a g e, 26. Mai. In dem Drange möglichst bald mit den ausstehenden Vorlagen fertig zu werden, hatte die Regierung den Präsidenten veranlaßt, eine ganze Reihe an sich wichtiger und eigentlich eine umfassende Erörte- rung erfordernde Vorlagen auf die Tagesordnung zu stellen. Zu einer eingehenden sachlichen Diskussion kam es auch nur bei der dritten Lesung der Reichsversicherungsordnung. Beschlverden über die gesamte Geschäftsführung des Hauses brachte Genosse Bebel bei der Erörterung des Nachtrags zum Diätengesetz vor, das zur Ermöglichung der Herbst- tagung eine Zahlung von 766 M. für die Monate Oktober und November vorsieht. Da die Zeit und Lage es. nicht erlaubt, verzichtete Bebel auf die Er- örterung der vielfachen Mängel des DiätengesetzeS, betonte aber, daß es eine der dringendsten Aufgaben dieses oder doch des neuen Reichstags sein werde, eine gründliche Reform des Gesetzes durchzuführen. Jetzt schon bringe der Geschäftsgang des Reichstags eine unverantwortliche Zer- störung der Gesundheit der wirklich dauernd im Reichstag tätigen Abgeordneten mit sich. Die Hauptschuld daran trägt aber das Diätengesetz. Herr B a s s e r m a n n für die nationalliberale Partei sowie Herr Müller- Meiningen für die fortschrittliche Volks- Partei schlössen sich diesen Ausführungen an. Die anderen Parteien schwiegen sich aus; ebenso machte es die Regierung. Einige Geheimräte, die auf der Reichstagstribüne umher- standen, grinsten nur fidel darüber, daß die Abgeordneten sich ärgerten. Schließlich ist aber der Reichstag selbst schuld daran, daß die Mnister und ihre bureaukratischen Hand- langer ihnen so wenig Respekt entgegenbringen. Die dritte Lesung der Verfassung und des Wahl- gesetzes für Elsaß-Loth ringen, in die das Haus eintrat, wird von anderer Seite besprochen. In der dritten Lesung der Reich sversiche- rungsordnung kam zunächst Herr T r i ni b o r n vom Zentrum zum Wort. Seine Aufgabe war, die Ergebnisse der Kommissions- und Reichstagsarbeiten so aufzuschminken, daß die katholischen Arbeiter nur die finanziellen Vorteile sehen und darüber die Rechtsentziehungen nicht merken. Ihm schloß sich der Konservative Herr S ch i ck e r t mit einer selbst bei diesem wandelnden Aktenbündel auffällig trockenen Rede an. Herr M u g d a n von der Volkspartei übte zunächst sehr scharfe Kritik an dem Machwerk, wobei er besonders für die Rechtsentziehungen und für die grobe Jrrefiihrung bei der Witwen- und Waisenversicherung zutreffende Worte fand. Er überraschte aber durch die Schlußerklärung, daß er mit einem Teil seiner Freunde dennoch für das Gesetz stimmen würde. Dann wurde die Debatte auf Sonnabend vertagt. Parlamentarische Kleinarbeit. Die preußische Gesetzgebungsmaschine arbeitet jetzt mit einer Unheimlichen Geschwindigkeit. Das Abgeordnetenhaus beeilt sich, möglichst alle Gesetzentwürfe noch vor Pfingsten aufzuarbeiten. damit die edlen und erlauchten Herren der Ersten Kammer Ge- legenheit zur Betätigung bekommen. So wurde am Freitag zunächst ein Entwurf über die Schul- Versäumnisse in dem ehemaligen Kurfürstentum Hessen und in den zum Regierungsbezirke Kassel gehörenden ehemaligen bayerischen Gebietsteilen in dritter Lesung ohne Debatte angenommen. Auf Schwierigkeiten stieß der Entwurf eines Ausführungsgesetzes zum Reichswertzuwachssteuergesetz. Diese Borlage, die eigentlich schon am k. April hätte Gesetzeskraft erlangen müssen, sollte in zweiter und dritter Lesung verabschiedet werden, aber es liefen noch soviel Abänderungsanträge dazu ein, daß das HauS Zurückverweisung all die Komiziisjion für gergten hielt._____ l?inen ffalionalliheralen Anlrag belk. Schülpflichk und Schulversäumnis wollten die Konservativen debattelos in der llnterrichtskommission begraben. Dieser Plan scheiterte an dem Einspruch der Antragsteller, die von den Sozialdemokraten unterstützt wurden. So fand dann die Besprechung des Antrags statt, die unserem Genossen H o f f m a n n Gelegenheit gab, die unglaublichsten Zustände auf dem Gebiete der Schulpflicht zu geißeln und eine gesetzliche Regelung dieser Materie mit allem Nachdruck zp fordern. Ob und wann diese Forderung in Erfüllung geht, ist fraglich, denn wenn der Antrag auch an die Kommission ging, so ist doch sein schließliches Schicksal noch recht ungewiß, zumal da das Zentrum bei dieser Gelegenheit wieder im trüben zu fischen bemüht ist. Endlich begann das Haus noch die Beratung des Gesetz- entwurfs über die Beschulung blinder und taub- st ummer Kinder, eines Entwurfs, mit dessen Grundtendenz sich die Sozialdemokraten zwar einverstanden erklärten, gegen dessen einzelne Bestimmungen jedoch ihr Redner, Genosse Liebknecht, schwere Bedenken vorbrachte. Die weitere Beratung wurde auf Sonnabend vertagt. abend vertagt. Außerdem stehen am Sonnabend Petitionen und Jnitiasiv- antrüge auf der Tagesordnung. Schlechterstelluug der Wöchnerinnen. Wie uns mitgeteilt wird, hat das Zentrum im Verein mit den Konservativen und den Nationalliberalen beschlossen, in der dritten Lesung der Reichsversicherungsordnung die Wöchne- rinnen noch schlechter, als die Regierungsvorlage und die Kommission es vorschlug, zustellen. Bekanntlich sollen die Wöchne- rinnen der Gewerbeordnungsnovelle entsprechend ein Kranken- geld für acht Wochen erhalten, von denen mindestens sechs in die Zeit nach der Niederkunft fallen sollen. Die Kartell- Mehrheit fürchtet, daß durch diese Maßregel noch zu viel Ehe- frauen und Säuglinge vor Tod, Krankheit und Siechtum be- wahrt bleiben. Sie will deshalb vorschlagen, das Wöchnerinnen- krankengeld nur für 4 Wochen zu zahlen und den Statuten überlassen, eine Erhöhung bis zu 8 Wochen zu be- schließen: Ms Kompensation für diese in wirklichem Sinne des Wortes menschenmörderifche Verschlechterung soll Herabsetzung der Altersgrenze bei der Invalidenrente für die Zeit von 1915 ab von 76 auf 65 Jahre und Heraufsetzung der oberen Grenze bei der Krankenversicherung von 2666 auf 2566 M. beantragt werden. Tie Reichsverficheruugsordnung. Für die dritte Lesung hat die Entrechtungsmehrheit zwei Anträge gestellt: der eine setzt die obere Grenze bei der Krankenversicherung von 2666 auf 2566 M. hinauf; der andere bestimmt, daß der Bundesrat dem Reichstag die gesetzlichen Vorschriften über die A l t e r s r e n t e im Jahre 1915 zur erneuten Beschlußfassung vorzu- legen habe. Ursprünglich war beabsichtigt, eine Bestimmung einzufügen, daß vom Jahre 1915 die Altersgrenze von 76 auf 65 Jahre herabgesetzt werden solle. Aber nicht einmal zu dieser minimalen Verbesserung konnte sich der Ent- rechtungsblock entschließen; er speist die Armen mit einem leeren Versprechen ab. Das heißt wirklich zum Schaden noch den Spott fügen. Der schwedische Handelsvertrag. Die Reichstagskommission für den schivedischen Handelsvertrag hat dem Vertrag mit 11 gegen 5 Stimmen z u- gestimmt. Dagegen waren 3 Zentrumsabgeordnete, ein Ratio- nalliberaler und der Vertreter der Wirtschaftlichen Vereinigung. Ebenso wurde der Handelsvertrag mit Japan an- genommen._ Ucvergeschnappt. Narre» sagen die Wahrheit und so enthüllt der„Reichsbote' das geheime Wahlrechtsideal der Konservativen, wenn er schreibt: „Die Regierung scheint Wunderdinge von dem mildernden Einfluß des Alters-Mehrstimmrechts zu erwarten. Pluralstiminen können ja auch ganz zweckmäßig sein, wenn sie je nach der Be- deutung des einzelnen innerhalb des Staates und der Gesell» schaft verteilt werden. Wenn ein Großfabrikant, welcher 20 000 Arbeitern Beschäftigung und Brot gibt und alljährlich vielleicht eine Million an persönlichen Steuern zu entrichten hat. mit 500 Stimmen, ein R e i ch S k a n z l e r als höchste staatliche Autorität mit 1000 Stimmen und jeder andere je nach seiner Stellung innerhalb der StaatSgeineinschaft mit einer entsprechenden Zahl von Stimmen ausgestattet wird, so er- scheint dies vor der politischen Vernunft nur als ein Akt der Ge- rechtigkeit. Aber wenn unter denselben VoraiiSsetzungen an alle die gleichen M e h r st i m m e n uberlasieii werden, so ist dies nur als ein Versuch mit selbsttäuschenden Mitteln zu bewerten. In der Sache wird an dem Charakter der gleichen Wahlen nichts geändert, und gleiche Wahlen sind und bleiben Vernunft- w ibrig.' Der„ReichsLote' sollte doch in so heiklen Fragen vorsichtiger sein. Denn wenn Pluralstimmen gemäß der politischen Intelligenz eingeführt würden, seine Redakteure erhielten dann sicher: minus 5000 Stimmen._ Regisseure der patriotischen Begeisterung. Der Kaiser ist während seines fünfstündigen Aufenthalts in Köln mit dem bei solchen Gelegenheiten üblichen Pomp, Lärm und Flitter gefeiert worden, und natürlich hat die bürgerliche Presse, die liberale wie die ultramontane und parteilose, mit gebührendem Nachdruck die Maskerade, die bei dieser Gelegenheit entfaltet wurde, herausgestrichen als den Ausweis monarchischer Gesinnung und aufrichtigster Begeisterung einer königstreuen Bevölkerung. Der Kanonendonner, das Trompetengeschmetter, das Feuerwerks- gcprassel, das Hurra- und Hochgeschrei— alles unverfälschte Aus- brüche der patriotischen Volksseele, und der Knlissenzauber mit Tannengrün und Papicrblumen, die einstudierten Reden und kommandierten Bücklinge— alles das lauterste Bekenntnis eines frohen und glücklichen Volkes zur Anhänglichkeit am Königshause. Und namentlich tut sich in der Kriecherei das Zentrum hervor. Seine Presse hat vergessen, was sie im November 1903 schrieb, als der Männerstolz vor Königsthronen zum guten Ton gehörte. Da- mals las man in der„Kölnischen Volkszeitung": „Haben sich nicht auch weite Kreise des Volkes mit schuldig gemacht an der EntWickelung des Kaisers, die wir hcuth beklagen? Die Künstler, die Literaten, die den kaiserlichen Dilettantismus auf den verschiedensten Gebieten gefördert und ihn m der Auf- fassung bestärkt haben, daß kein Gebiet der Betätigung ihm ver- schlössen sei? Und wie hat man der Neigung des Kaisers zum Prunk, seiner Vorliebe für das Repräsen- tative und Dekorative immer wieder Rechnung ge- tragen? Noch in den letzten Wochen ist der Kaiser in manchen Städten mit dem Gepränge eines Tri- umphatorö empfangen worden. Wie viele Organe der deutschen Presse, auch von denen, die jetzt die schärfste Kritik üben, können sich sagen, daß sie bei all den früheren Anlässen mit ernstem Freimut ihre Meinung ausgesprochen hätten." Heute findet das Zentrum es ganz in der Ordnung, wenn eine Stadt für fünf Stunden kaiserlicher Anwesenheit Hunderttausende ■ verputzt, Najürsich wissest die KurgerWest Zeitungsschreiber ganz genÄlk, MZ eZ msi her FufriMgkelk her hegelskerlen Volksseele su� sich hat; sie wissen, daß hier ein großer Schwindel verübt, daß hier Begeisterung vorgetäuscht wird, wo nichts als Theatermache auf der einen und Schau- und Lärmlust auf der anderen Seite. Aber die bürgerlichen Zeitungslcute müssen so schreiben, wie es die Ritcksicht ans das Geschäft des Verlegers erfordert. Gelegentlich einmal« wenn es sich um Dinge in anderen Ländern handelt, dürfen sie aufrichtig sein, und so konnte man denn vor einiger Zeit in der „Kölnischen Zeitun g", die jetzt auch wieder von patriotischer Begeisterung trieft, aus Anlaß der italienischen Jubiläumsfeste allerhand Erbauliches darüber lesen, wie bei Fürstenempfängen die Volksseele zur Begeisterung animiert wird. Zunächst komme es auf gutes Wetter an; dann sei von Nutzen, wenn der Fürst seine Frau mitbringe, dann werde ihm viel wärmer zugewinkt und zu- gejubelt, als wenn er allein erscheine. Weiter heißt es: „Das Entscheidende aber bleibt immer der szenische A p« parat, das Hof- und Staatszeremoniell. Die große Gala, die beim Empfang gekrönter Häupter entfaltet tvird, erweckt ohne weiteres die Begeistern n g der Massen. Truppen spalier längs der ganzen Feststraßa mit M u s i k k o r p s, die die Skationalhymne spielen, große Uniformen, Hofwagen mit Vorreitern und Kutschern in großer Livree, Leibgarde zu Pferde hsn- tcn und vorn usw. Das gibt der Sache Kraft und löst ohne weiteres den Volksjubel aus."� Mit diesen Sätzen, die Ende April in der„Kölnischen Zeitung' zu lesen waren, hat das Blatt die Kritik des Theaterspukes, der Ende Mai beim Empfang des Kaisers sich in Köln breit machte, vorweggenommen. Diese Sätze klingen weniger bvzantinisch als das jetzige Geschwafel dcS Blattes, aber sie sind dasiir um so zw- treffender._ i Die„elsaß-lothringische christlich-demokratische Partei". Der Abgeordnete Pfarrer D e l s o r. Vertreter von Erstem« Mölsheim im Deutschen Reichstag, proklamiert sie in seinem Organ. dem„Elsässer Volksboten", indem er Blumenthal mit seinem Vor- schlage auf Gründung einer elsatz-lothringischen Let« fassungSpartei ausdrücklich eine Absage erteilt. Er schreibt: .Auch wir wollen keinen Kampf gegen daS Zen« t r u m. Wir wollen auch nickls wissen von der über den Parteien stehenden Verfasiiingspartei Vlumenthals, da offenkundig wir die Leidtragenden wären. Ein anderes aber ist es, wenn wir sogen: Kein Aufgehen in der deutschen ZcntriimS- partei und soweit es geschehen ist, Lösung von derselben. Bleiben und seien wir, waS wir sind: eine elsaß-lothringische christlich-demokratische Partei. Unter dieser Fahne kann und wird sich unser Volk sammeln und besser sammeln als bisher.' Die„Kölnische Volkszeitung' bemerkt dazu mit leisem Spott: „Der Gedanke ist nicht neu. In der zweiten Hälfte der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts spukte die christliche Demokratie ganz gewaltig, und einer ihrer Vorkämpfer war auch damals der Abg. Delsor. Die Idee wurde aber wieder aus- gegeben. Die Feststellung der»Kölnischen Volkszeitung', daß der Ab» geordnete Delsor„nun zur Opposition(gegen die deutsche Zentrumspartei) übergegangen ist', verdient aber Beachtung, denn Delsor ist im politischen Leben Elsaß-Lothringcns eine weit ernsthaftere Figur, als etwa Wetterls oder Dr. Ricklin. Der letztere spricht eS in einem Artikel der„Oberelsässischen Landes« zeitung"(Mülhausen) über„Zentrum und Verfassung' ebenfalls direkt aus, daß es nicht mehr angängig sei, die Ver» teidigung deS deutschen Zentrums in Elfaß-Lothringen zu fuhren, man werde im Gegenteil„die Bande noch lösen müssen,- die unS mit der deutschen Zentrumsorganisation verbinden, so schwer uns dieS auch ankommt' Indessen ist bemerkenswert und muß für die kommende Aus« einandersetzung mit der neuen klerikalen Parteiorganisation in Elsaß-Lothringen, mit diesen Herrschaften, die sich„ ch r i st l i ch e Demokraten" schimpfen wollen, festgehalten werden, daß der Bruch der reichsländischen Ultramontanen mit den Zentrum einzig erfolgt, weil ihnen das Wahlgesetz für die Zweite elsaß-lothringische Kammer zn— demokratisch ist! Wörtlich heißt eS in dem bereits angezogenen Artikel„von einem Mitgliede des Reichstages in Nr. 117 der„Oberels. LandeSztg." vom 20. d. M.: „Was wir dem Zentrum vorwerfen und waS niemand in unserer Partei begreifen wird, ist, daß die Zentrums« frattion mithilft, und zwar an ausschlaggebender Stelle. daß ein Gesetz in einer Form zustande kommen soll, von welchem unsere politischen Gegner— Liberale und Sozialdemokraten— nur Vorteile haben, wir aber, die elsaß-lothringische gentrumspartei, die schwerste Schädigung erleiden werden— und daß alles zugunsten der Re- gierung, welche schon am Tage»ach der Annahme des Gesetzes gemeinichaftliche Sache mit der liberalen und sozialdemokratischen Presse machen wird in der Verdächtigung der Zen t rums« Partei als derjenigen Partei, welche die ungenügende VerfassungS- und Wahlrechtsreform verschuldet � � 5?�. ,oäre /war ein unehrliches Spiel. Aber daß 5??!. S versucht wird, darüber kann man sich keinem Zweifel hingeben..." Wie w e n i g unehrlich dieses.Spiel' ist. ergibt sich schon aus der einen Tatsache, daß der der„Oberels. LandeS-Ztg." ebenfalls nahestehende elsässische Abgeordnete Hauß in der Reichs- tagskommisiion für die VerfassungSvorlage stimmte, obwohl er schließlich gegen das ganze Gesetz gestimmt hat. doch mit den Abgeordneten deS deutschen Zentrum« denAntragder Freikonservativen zur Annahme bringen half. der als Voraussetzung für die Wahlberechtigung zur Zweiten Kammer einen einjährigen Wohnsitz in der Gemeinde(!) ver- langt. Nach solchen Leistungen ist eS schwer, an den demokratischen Radikalismus dieser„christlichen Demokraten' auS dem Elsaß zu glaube». Denn diese Bestimmung entrechtet auch im Wahlkreise deS Abg. Hauß, in den das neuerschlossene Kaligebiet übergreift, Massen von Arbeitern, die das kapitalistische Wirtschaftsleben unausgesetzt auS einer Gemeinde in die andere wirft. Der Abbruch der Beziehungen zur deutschen Zentrumöfraklion. welcher von dem Reichstagsabgeordneten der„Oberels. LandeSztg." gefordert wird, erfolgte also trotz alles radikaldemokratischen Gebärdenspiels dieser allerncuesten christlichen Demokratie einzig und allein, weil das mitregierende Zentrum im Deutschen Reiche den bisherigen elsässischen Mitläufern noch zuviel Wahlgerechtigkeit übt. DaS ist das köstliche dieser schwarzen Revolte in der äußersten Südwestecke des SchnapSblock-ReicheS der Junker und Pfaffen. Ein deutsch-französischeS Marokko-Abkommen? Ter Berliner Korrespondent dcS Pariser„Excelsior" meldet seinem Blatte: Ich höre im Augenblick, daß zwischen Frankreich und Deutschland in bczug auf die marokkanische Frage schon vor vier- zehn Tagen ein Hebe reinkommen abgeschlossen ist. Frankreich hat Deutschland wichtige ökonomische VorteUe ver- sprachen und dafür von Teutschland die Zusicherung völliger; AktionSfreiheit in Marokko erhalten, G« war zu schön, um wahr zu sein. Bustritt anS der ZentrumSfraktio». Infolge der Haltung des Zentrums in der elsässischen Verfassungsfrage erklärten die clsässi- scheu Rcichstagöabgeordncten Delsor. Wetterl» Hiluß iSreg Austritt nuiä fe««-v- Eine Blamage Rußlands. Die russische Energie gegenüber der Türkei hat nicht Tange vorgehalten. Die Jungtürken haben auf den plumpen Einschüchterungsversuch sehr deutlich geantwortet, daß sie sich eine Einmischung in ihre Angelegenheiten nicht ge= fallen lassen wollen und Rußland, das bei seinem Vorstoß auch von keiner anderen Macht unterstützt wurde, hat sich schleunigst zurückgezogen. Nunmehr wird alles abgeleugnet; die Note soll keine Drohung gewesen, sie soll überhaupt nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt gewesen sein. Nur ganz freundschaftlich habe sich der russische Botschafter in Konstantinopel Tich a rykoff erkundigt, ob die Türkei feindselige Absichten gegen Montenegro hege. Da ihm natürlich gesagt worden, daß solche Absichten nicht bestehen, so fühle sich Rußland durchaus zufrieden. In Wirklichkeit ist eine fomischere diplomatische BIamage einer Großmacht schon lange nicht dagewesen als dieses schnelle Berpuffen eines dummen Bluffs. Das Ende eines Gegenfultans. Paris, 26. Mai. Aus Tanger wird berichtet, daß bei Sidi Rogani zwischen dem Kaid der Beni Malet und dem Scherifen der Djebbala, der sich kürzlich zum Sultan ausrief, ein Stampf stattgefunden habe, der mit der Niederlage und der Flucht der Djebbala endete. Ginem Gerücht zufolge soll der neue Rogi schwer verwundet, nach anderen Meldungen sogar im Kampfe gefallen sein. Flucht. Der Feind ließ 120 Zofe jolie Waffen und Munition auf[ Tag Bergeht, wo nicht Sie Behörden irgendein Gefeß auf den Stop dem Kampfplas zurück. Die Kolonne Gouraud setzte ihren Marsch stellen, wenn Arbeiter auf ihre gefeßlichen Rechte Anspruch machen. nach dem Gefecht fort. Freie Unterstüßung finden die Behörden bei der Geistlichkeit beider Sonfessionen, den Sekretären der Fachabteiler und bei der ge= famten bürgerlichen Presse. Alle geben sich die verzweifelte Mühe, die Arbeiterbewegung tot zu machen, müssen es aber immer wieder erleben, daß das Gegenteil eintritt. So wurde in Bismardals eine öffentliche politische Versammlung angesehen. Der Vorhütte eine Mitgliederversammlung des Arbeiten Bildungsvereins sigende und der Referent wurden angeklagt, später freis gesprochen. Weil der Vorstand des Arbeiter- Bildungsvereins angeblich nicht der Polizei angemeltet war, erfolgte Anklage. In der Verhandlung wurde die polizeiliche Bescheinigung über die er erfolgte Anmeldung vorgelegt. Resultat: Freisprechung. Wegen angeblich unbefugten Ausschänkens von Getränken im Ge werkschaftslokal wurde der Verwalter desselben, seine Frau und nech ein dritter Genosse angetlagt. Resultat: Freisprechung. Das Lokal wurde, wie sich später herausstellte, ungefeslich berriegelt und mit schweren Schlössern und Eisenstangen durch die Polizei versehen. Alles mußte später entfernt werden. Wegen Entfernung von Siegels wurde auf Grund der Aussage eines Schuljungen der Verwalter des Gewerkschaftslokals zu 14 Tagen Gefängnis berurteilt, später freigesprochen. Eine Mitgliederversammlung des Sozial öffentliche. Anklage und Freisprechung. demokratischen Vereins war nach Ansicht der Polizei natürlich eine Rußland. Für Abrüstung. Petersburg, 24. Mai. Der Führer der Progreffisten und Präsident der Interparlamentarischen Gruppe gab in der teichsduma im Namen von 118 Mitgliedern des Hauses eine Erklärung ab, worin auf das Anwachsen der Rüstun gen der Mächte hingewiesen und an den Vorschlag des Kaisers vom Die offizielle Ableugnung. 24. August 1898, den Rüstungen Einhalt zu tun, erinnert wird. Petersburg, 25. Mai. Einige ausländische Zeitungen haben Sowohl die erste wie die zweite Haager Konferenz hätten nicht tem in der Preffe erschienenen Communiqué über die Instruktionen aur Lösung der Frage geführt, doch hätten die Vertreter für den russischen Botschafter in Konstantinopel den Charakter Europas den Gedanken der Abrüstung nicht fallen lassen. Die der gesetzgebenden Bersammlungen der fortschrittlichen Staaten einer Drohung, sogar eines Ultimatums an die Türkei Mitglieder der Duma, heißt es in der Erklärung weiter, find über- Fünf große Staatsattionen mit negativem Erfolg. Das sind beigelegt. In Wirklichkeit trägt es einen vollständig zeugt, daß die dem Abrüstungsgedanken günstige nur fünt Fälle aus ganz kurzer Zeit und aus einem Orte. Aehnanderen Charakter. Das Communiqué ist nicht der Tert Stimmung der gefeßgebenden Kammern den Regierungen die lich so geht es in ganz Oberschlesien zu. Ein ungeheurer Apparat emer schriftlichen Note, sondern enthält nur den allgemeinen Lösung dieser großen dringenden Aufgabe erleichtern wird. Des- von Beamten ist fortwährend auf den Beinen, um die ArbeiterGedankengang, in dessen Grenzen Botschafter Tschary- halb vereinigen sie ihre Stimme mit der Stimme anderer Parla- fchaft zu verfolgen. Dabei muß es die Behörde tagtäglich erleben, toff der Pforte eine mündliche Mitteilung machte. Diese erfolgte mente und sprechen den Wunsch aus, die Regierung möge im Ein- daß die verfolgte und gehekte Arbeiterschaft in Oberschlesien troz in freundlichster Weise unter Hinweis auf die Friedens- berständnis mit anderen Mächten Maßregeln ergreifen, damit dem dem gute Fortschritte macht. In Beuthen, O.-S., follte vorige Woche Genossin liebe der türkischen Regierung, die diese wiederholt ausgedrückt Programm der dritten Haager Konferenz die Frage einer gleichin einer Mitgliederversammlung hat. Der friedliche Charakter des Communiqués wird auch burch seitigen Einschränkung der Rüstungen eingefügt Greiffenberg- Berlin werde. reden. Bereits lange vor Eröffnung der Versammlung glich die Türkei. Straße einem Heerlager von Polizisten, daß selbst die Spießer ganz erstaunt die Köpfe schüttelten. Der Verkehr stodte und allgemein war die Meinung in der Bürgerschaft verbreitet, daß die Konstantinopel, 26. Mai. Die jungtürfifdhe Rammer Relizci wieder einmal einen der aus den sozialen Verhältnissers parte i beriet über die Stellung, die sie zu einem etwa vom Groß geborenen Verbrecher festnehmen wollte. Die Versammlung selbst wesir berlangten Vertrauensvotum einzunehmen habe. wurde trok energischen Protestes des Ginberufers polizeilich überMehrere Deputierte, besonders die Dissidenten, griffen, wie verwacht Gelbstverständlich wird gegen diese ungesetzliche Maßnahme lautet, den Großwejir an, welcher, trop wiederholter Vertrauens- protestiert werden. boten, teine Erfolge aufzuweisen habe. Andere Deputierte So geht es in Cberschlesien Tag für Tag, und die Nadelstich schlugen den Senatspräsidenten Said als fünftigen Großwefir politit feiert geradezu Orgien. bor unter der Bedingung, daß Hatti das Aeußere übernehme. In unterrichteten Parteitreisen heißt es, daß man Hatti doch das Vertrauen botieren werde. feine Schlußworte unterstrichen, die auf die analoge Mitteilung Hinweisen, die der montenegrinischen Regierung ge= macht wurde. 3 Gegen den Großwesir. Die türkische Zurückweisung. Konstantinopel, 26. Mai. Nach Informationen aus dem Ministerium des Aeußern hat der Minister des Aeußeren Rifaat Bascha auf den hauptsächlichsten Punkt der russischen Mitteilung, wonach eine kategorische Erklärung über die Haltung der Türkei gegenüber Montenegro berlangt wird, nicht geantwortet. Der Minister erklärte, daß die Pforte ihre Angelegenheiten unabhängig regele. Sie habe sich bisher nie geweigert, über schwebende Fragen mit befreundeten Mächten freundschaftlich zu reden. Sie hege teine friegerischen Absichten Montenegro gegenüber, verlange aber von Montenegro forrettes Handeln. Von Montenegro hänge es ab, ob die beiderseitigen Beziehungen in normale Bahnen Mukden, 25. Mai. Der Verband der Wohlfahrtszurückkehrten, doch müsse Montenegro die völkerrechtlichen Regeln organisationen beschloß, nachdem die Regierung die Bildung achten und die Aufständischen nicht unterstüben. Ratschläge fänden einer Reichswehr verboten hat, ein Breßorgan zu gründen, um einzig in Cetinje wirksame Berwendung. Schließlich erklärte für Militarismus und nationale Selbstbetäti. der Minister, tie Pforte werde des Umstandes gedenken, daß gung unter den Chinesen zu wirken. von allen Großmächten nur Rußland einen solchen Schritt unternommen habe. Schweiz. Sozialdemokratische Wahlerfolge. China. Die nationale Bewegung. Afrika. Soziales. Affordlohnverlust. Der Maurer. flagte für seine Kolonne beim Gewerbegericht gegen die Firma Boswau u. Knauer. Die Beklagte hatte sich das Recht aubedungen, von dem vereinbarten Affordlohn für tausend bermauerte Steine je 25 Pf. als Kaution zur Sicherung gegen Kontrattbruchsschaden einzubehalten und den angesammelten Betrag erst nach ordnungsmäßiger Beendigung der Arbeit zu zahlen, Nun geriet die Kolonne inmitten der Arbeit mit dem Polier über die Anzahl der vermauerten Steine in Differenzen. Die Arbeit wurde für einige Stunden unterbrochen. Der Bolier meldete die Arbeitsstockung nach dem Bureau. MY Die Beklagte bewarb sidj eiligst um andere Arbeiter für den nächsten Tag. Die Kläger wurden als vertragsbrüchig betrachtet und nicht weiter beschäftigt. Sie fordern nun die sich angesammelte Kautionssumme von 228 M. Die Beklagte wendet ein, der Betrag sei nach dem Vertrage verfallen und auch durch Mehrkosten der zur Fertigstellung erforderlichen Lohnarbeit aufgebraucht worden. Das Gewerbegericht empfahl, die Klage zurückzunehmen. Dens wurde entsprochen. Ein Gefecht im französischen Senegalgebiet. Paris, 24. Mai. Das Kolonial- Ministerium hat die Nachricht bon einem kürzlichen Gefecht an den Grenzen des Oberen Senegal Zürich, 22. Mai.( Eig. Ver.) In Chur wurden im dritten erhalten. Ein Detachement von Eingeborenen, das am 12. b. mts. Wahlgang und ohne Gegenkandidaten drei Sozialdemo- von Rifa in östlicher Richtung entfendet worden war, ist von Räuberfraten und zwei Konservativen, die alle auf einer gemeinsamen banden bei Zirafiet, 75 Kilometer südöstlich von Kifa, überfallen Allianceliste der beiden Parteien standen, in den Kantonsrat geworden. Die Verluste auf französischer Seite betrugen an Toten In Herisau wurden unsrer Genosse Märti im zweiten 1 Leutnant, 9 senegalesische Schüßen, an Verwundeten 1 Sergeant Wahlgang mit 1365 und der Demokrat Steller mit 1785 Stimmen und 5 Schüben. Der Angriff wird als vereinzelter Zwischenfall in den Kantonsrat gewählt gegen nur 878 und angesehen. 869 Stimmen, die auf die freifinnigen Gegenkandidaten entfielen. wählt. Serif au wurde Ein schöner Erfolg wurde von unserer Partei gestern im Kanton Solothurn erzielt, wo im Bezirk Kriegstetten unser Genosse Dr. Affolter mit 2296 gegen 1864 Stimmen des freisinnigen Gegners zum Gerichtspräsidenten gewählt wurde. abstimmung die Gesetzesvorlage, betreffend die Erhöhung der Leider ist in der gleichzeitig ftattgefundenen fantonalen BoltsBeamtenbesoldungen und die Förderung der all gemeinen Alters- und Invalidenversicherung mit 10 972 gegen 8218 Stimmen verworfen worden. Eine Tat fozialer Rückständigkeit. Frankreich. Die Besetzung des Kriegsministeriums. Mexiko. Diaz Ende. New York, 26. Mai. Ein Telegramm aus der Stadt Merito meldet, daß die Deputierten den Rüdtritt Diaz In dem Schreiben, worin Diaz seinen Berzicht fundgibt, er und Corrals einstimmig zur Kenntnis genommen haben. flärt er, er fei sich keiner Handlung bewußt, die die Nevolution verursachen fonnte. Er sei zurückgetreten, um weiteres Blutvergießen zu verhindern und das Land zu rehabilitieren. Auch das ganze Kabinett ist zurückgetreten. Die letten Blutkaten. London, 25. Mai. Wie das Neutersche Bureau aus Paris, 26. Mai. Der Ministerpräsident hat nach ein gehenden Unterhandlungen mit Delcassé, Cruppi und Caillaug bea Merito meldet, kam es in der Stadt zu Unruhen inschloffen, die llebernahme des Kriegsministeriums folge der Weigerung des Präsidenten Diaz und des Vizeim Hinblick auf die marokkanischen Ereignisse einem General präsidenten Corral, vor Donnerstag abzudanken. Truppen anzubieten und zwar dem Kommandeur des sechsten Armeekorps und Polizei eröffneten das Feuer auf die Menge und in Chalons sur Marne, General Goiran. Dieser hat das töteten und verwundeten viele. Die Angaben über die Bahl Portefeuille angenommen. der Toten schwanken zwischen 7 und 18. Aus Tehuantepec, Guadalajara und Zacatecas werden gleichfalls Unruhen gemeldet. Marokko. Die Franzosen in Fez. Der neue Präsident. Hus der Partei. Die Pariser Blätter bringen bombastische Verichte Som Einzug der Franzosen in Fez. Wichtig ist an Merito, 26. Mai. De la Barra hat den Eid auf die der phantastischen Schilderungen nur, daß in ihnen offer Verfassung geleistet. Er wird die Präsidentschaft bis oder stillschweigend zugegeben wird, daß von einer Be- zu den nächsten allgemeinen Wahlen führen. lagerung und einer Notlage der Europäer keine Rede sein fonnte. Wichtiger als das alles ist aber jetzt die Frage nach den weiteren Maßnahmen der Franzosen. Die Regierung hüllt sich hierüber noch in Stillschweigen. Wo die Fahrt aber Nichtigstellung. Die gemeldete Aufstellung des Genossen hingehen soll, läßt sich aus einigen Aeußerungen des g. Scheibe zum Landtagstandidaten für den Wahlkreis emps", eines der Haupttreiber in der Maroffoaffäre, mitten Hattingen beruht auf einem Irrtum. Es handelt schließen. Das Blatt, das offenbar hohen afrikanischen Offi- fich zunächst um einen Vorschlag des engeren Vorstandes der KreisBieren als Sprachrohr dient, schreibt: organisation, der einer Besprechung von Funktionären unterbreitet worden ist und von diesen in den einzelnen Mitgliedschaften zur Debatte gestellt werden soll. Die endgültige Aufstellung des Kan bidaten soll einer demnächst stattfindenden Delegiertenversamm lung des Wahlkreises Witten- Hattingen vorbehalten bleiben. D. " Die Anwesenheit der französischen Truppe wird vorüber gehend und zugleich wirksam( 1) sein müssen. Das wird nur durch ein Zusammenwirken mit dem Sultan auf Grund der Integrität, Souveränität und offenen Tür ermöglicht werden, und zu diesem Zwed muß man der französischen Militärmiffion Eine Geschichte der Revolutionen wird vom Verlag Buchdie nötigen Hilfsmittel an Geld und Beuten zur Verfügung handlung Vorwärts als bierter Teil der Kulturstellen. Die französische Truppe aber, welche mit der bilder" herausgegeben. Von diesem Werk liegt der erste Band Rettung der Europäer und mit der Verproviantierung der Stadt jest abgeschlossen vor. Der Verfasser Dr. A. Conrady behandelt ihre erste Aufgabe erfüllt hat, wird auf dem Nüdmarsche ein in ihm vom Standpunkt materialistischer Geschichtsauffassung aus anderes Wer zu bollbringen haben, die Züchtigung zwei wichtige und interessante Epochen der Weltgeschichte: den des Baerstammes." Freiheitskampf der Niederländer gegen die spanische GewaltherrOb das alles so borübergehend" erledigt wird, ist eme fchaft und die große englische Revolution. Wir behalten uns eine andere Frage. Neue Gefechte. eingehende Besprechung des Werks noch vor, können aber schon jest feine Anschaffung bestens empfehlen, um so mehr als der instrukParis, 25. Mai. Wie die Agence Havas" aus Casablanca tive Tegt durch eine Fülle zeitgenössischer Jllustrationen belebt und bon gestern meldet, wurde General Ditte, der sich mit einer anschaulicher gemacht wird. Vor allem sei das Werk den Biblio Estabron Chasseurs d'Afrique auf dem Marsche nach Rabat befand, the ten aur Anschaffung empfohlen. Der Band kostet in Leinen bei Dar el Araussi von einer beträchtlichen Anzahl Marokkaner an- gebunden 7 M., in Halbfranz 8 M. Das Wert wird auch in gegriffen. Er hatte fünf Tote, unter ihnen ein Leutnant, und vier möchentlichen Lieferungen zu 20 Pfennig abgegeben. Die ersten Berwundete, unter ihnen ein Hauptmann. Aus dem Reichsversicherungsamt. Manche Verhandlung vor dem Reichsversicherungsamt nötigt Bewunderung vor der hervorragenden Leistungsfähigkeit des Vora figenden und des Spruchfollegiums ab. In einer Zusammenfassung, die den Lajen nicht einmal den Tatbestand erraten läßt, hört man die Tompliziertesten Fälle in wenigen Minuten vortragen. Aber bie Rider müssen die Sache verstehen, und zwar ganz einwandfrei finer solchen Verhandlung wird uns berichtet: Bera, sonst könnten sie nicht so oft, mit unfehlbarer Sicherheit, gegen die Verleßten entscheiden, wie das leider zu konstatieren ist. Aus 18. Juni 1902 innere Verlegungen, Bruch des rechten Schlüffelbeins Ein Arbeiter H. hatte infolge eines schweren Unfalles am und Kopfwunden erlitten. Seit dem 1. März 1908 bezog er von der Nordöstlichen Baugewerksberufsgenossenschaft eine Rente bon 40 Proz. Auf Antrag der Berufsgenossenschaft sollte sie von April 1910 ab aufgehoben werden, weil nach einem Gutachten des Vera trauensarztes der Berufsgenossenschaft, Profeffor Dr. Neuhaus, eve werbsstörende Unfallfolgen nicht mehr bestehen. ein ärztliches Gutachten des Nervenarztes Dr. P. beigebracht. Der Verlegte widersprach der Aufhebung der Rente und hatte Dieser fonstatierte zwar eine Besserung, nahm jedoch immer noch eine Erwerbsbehinderung in Höhe von 20 Proz. an. Das Schiedss gericht fortorte ein ärztliches Gutachten von dem Professor Dr. W. ein, ber den Berlebten von früheren Untersuchungen her tannte. gelangte zu dem Ergebnis, daß H. noch um 20 Broz. durch die UnAuch dieser Gutachter stellte noch objektive Unfallfolgen fest und fallfolgen in seiner Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt sei. Daraufhin enfchied das Schiedsgericht, dem Verletzten sei vom 1. April 1910 b noch eine Rente von 20 Proz. zu zahlen, Gegen dieses Urteil legte die Nordöstliche Baugelverksberufsgenossenschaft beim Reichsversicherungsamt Refurs ein. Sie hatte ein zweites Gutachten des Professor Dr. Neuhaus beigebracht, das wiederum fonstatierte, es lägen feine erwerbsstörenden Unfallfolgen mehr vor". Die Sache tam bor dem 14. Refurssenat, unter Borsiz des Geh. Regierungsrats Dr. Ludewig, zur Verhandlung. Tas Urteil des Schiedsgerichts wurde aufgehoben; der Verlepie erhält seit dem 1. April 1910 feine Rente mehr. Die Begründung des Urteils lautete finngemäß wie folgt: Auch die in den Gutachten des Dr. Bl. und des Professor Dr. B. niedergelegten Befunde lassen zweifelsfrei erkennen, daß die Folgen des Unfalles vom 18. Juni 1902 bis auf ganz geringe frankhafte Veränderungen beseitigt sind. Die beiden Sachverständigen haben nur noch Zeichen einer leichten Nerven schwäche und Herabsehung des Gehörs, Professor Dr. W. audy noch eine Störung in der rechten Schulter feststellen können. Ju Gegensatz zu Dr. Pl. und Professor Dr. W., und dem ihnen fol genden Schiedsgericht hat der Senat mit Professor Dr. Neuhaus nicht anerkennen fönnen, daß die noch vorhandenen Unfallfolgen die Erwerbsfähigkeit des Verleiten in einem meßbaren Grade, geschweige denn noch um 20 roz. beeinträchtigen. Dem von Professor Dr. W. beobachteten Senaden in der rechten Schulter fann eine objektive Bedeutung nicht beigemessen werden. Die nervösen Erscheinungen sind so außerordentlich gering, daß sie wenn sie überhaupt als Unfallfolgen anzusehen And feinen nennenswerten Einfluß auf die Erwerbsfähigkeit ausüben fönnen. Auch unter Berücksichtigung der Erfahringstatsache, daß bisweilen eine Anzahl unbedeutender. Störungen, von denen die einzelnen für sich keine Einbuße der Erwerbsfähigkeit bewirken, in ihrer Gesamtfumme doch eine Beschränkung der Grwerbsfähig feit darstellen, hat der erkennende Senat si nicht davon über zeugt, daß im borliegenden Falle eine folde Wirkung vorliegt. Es handelt sich hier um die Beurteilung einer Frage, die auf dem Gebiete der Nervenheilkunde liegt. Wenn zwei erfahrene Nervenärzte auf Grund des Untersuchungsbefundes den Verletzten Paris, 26. Mai. Wie aus Suf- el- Arba unter dem 24. 5. M. Hefte( 26 und folgende) des zweiten Bandes sind bereits erschienen. noch um 20 Broz. als geschädigt ansehen, dann wird man als Laie gemeldet wird, wurde die Kolonne des Obersten Gouraud, welcher der Kolonne des Generals Moinier in einem Abstande von drei Tagesmärschen folgt, nach dem Ueberschreiten des Red Baht von ben Maroflanern angegriffen. Die Kolonne Gouraud schlug ben Beind mit einem Berlust von 5 Toten und 20 Verwundeten in die Lestellungen entgegen, Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Nabelftichpolitik in Oberschlesien. Nirgends werden ter Arbeiterbewegung so viel Schwierig teiten in den Wege gelegt, als gerade in Oberschlejien saft tein und auch der 14. Senat des Reichsversicherungsamtes ist in einem solchen Falle Laie- den Nervenärzten in der Beurteilung folgen müssen. Die Einforderung von ärztlichen Gutachten wäre ja sonst überflüffig. Una will scheixen, als ob bie Spruchpraris manchmal der erforderlichen individuellen Behandlung der Sach entbehre, Bäckerstreik in Groß- Berlin. die Sie 200 Goffnlagstaffierer beschäftigen. Zu dieser Tätigkeit bevorzugt man in lezter Zeit Magistrats- und Staatsbeamte, und werden. Was wir in der vorigen Nummer als ein bestimmt zu er-| Der günstige Anfang beltveist, daß die Bädermeister einsichtiger ge. Meister aus größeren Betrieben( A. E. G.) sollen schon beschäftigt wartendes Ereignis voraussagten, das ist jetzt eingetreten. So worden sind als sie früher waren und daß sie den gut wie einstimmig haben die Bäckergesellen von Groß- Berlin gestern den Streit beschlossen. Nachdem sich die Vertrauensmännerkonferenz schon am Diensfag für den Streit entschieden, aber den Tag für den Beginn des Kampfes noch nicht festgesetzt hatte, traf die Verbandsleitung in aller Eile die notwendigen Vorbereitungen für den unabwendbaren Kampf. Am Freitag in aller Frühe wurden durch Verbandsmitglieder in allen Bäckereien Einladungen für die für gestern nachmittag in der Neuen Welt" abgehaltene Versammlung verteilt. Der Erfolg dieser Agitationsarbeit zeigte sich in dem starken Versammlungsbesuch. Ueber die Stimmung der Versammlungsteilnehmer konnte kein Zweifel sein. Noch vor einer Woche hatten die Bädereiarbeiter ihre Unzufriedenheit mit dem, was ihnen der Schiedsspruch zugestand, soweit unterdrückt, daß es ihnen möglich war, den Schiedsspruch im Interesse des Friedens anzunehmen. Nachdem aber die Meister in ihrer Mehrheit den Spruch abgelehnt und den Arbeitern dadurch den Krieg erklärt hatten, mußte die Stimmung der letzteren natürlich umschlagen. Jetzt mußte die Friedensliebe, die auf einen Teil ihrer berechtigten Forderungen verzichtet, dem Wunsche weichen, den angebotenen Kampf aufzunehmen und durch Streit zu erlangen, was auf anderem Wege nicht zu erreichen ist. Angesichts dieser Stimmung, die man auf allen Gesichtern lefen konnte, bedurfte es nicht vieler Worte. Jeder war entschloffen zu handeln, wie es die Situation erfordert. Kurz und treffend schilderte et schold die Lage der Bewegung. Er verwies darauf, daß den streikenden Bäckern die tatkräftige Unterstüßung der gesamten organisierten Arbeiterschaft sicher sei. Und weil für uns das Volk ist so schloß der Redner- deshalb wird auch mit uns der Sieg sein. Stürmischer Beifall folgte dieser Rede. Hierauf gab der Verbandsvorsitzende Allmann bekannt, daß bis zum Beginn der Versammlung( 3 Uhr) bereits 782 Meister die Forderungen bewilligt haben. Bei diesen sind beschäftigt 1291 Gesellen, 122 Lehrlinge, 98 Konditoren und 27 Tageskonditoren. Dazu kommen noch 700 Bäckergesellen, welche in den Großbetrieben arbeiten, die schon vorher einen Vertrag mit dem Verbande abgeschloffen hatten. Es arbeiten also schon mehr als 2000 Bäcker zu den neuen Forderungen. Das ist, wie Allmann fagte, etwa der dritte Teil aller für das Streikgebiet in Frage kommenden Arbeitnehmer. Es kann erwartet werden, daß bis zum Abend noch 1000 weitere Bewilligungen einlaufen. Das ist für den Anfang des Kampfes ein so gutes Resultat, wie es noch bei teiner der früheren Lohnbewegungen verzeichnet werden konnte. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Die französischen Gewerkschaftler in Berlin. Paris, 24. Mai.( Eig. Ber.) Der Vorstand der Arbeits fonföderation hat gestern in einer gemeinsamen Sigung der beiden Sektionen( Berufsverbände und Arbeitsbörsen) die Einladung der Generalkommission der deutschen Gewerkschaften zu einer Fahrt nach Berlin vom 24. bis 29. Juli akzeptiert. Die Delegierten werden später gewählt werden. scharfmacherischen Jnnungsführern nicht mehr unbedingt folgen. Die Abstimmung erfolgte durch Zettel. Mit großem Beifall wurde das Resultat entgegengenommen. Von 2155 abgegebenen Stimmen sind 2090 für und 65 gegen den Streit. Hierzu bemerkte Schneider, daß etwa 200 Mitglieder, die im Interesse des Streiks tätig sind und 700 in Großbetrieben zu den neuen Bedingungen Arbeitende nicht anwesend sind, aber ebenfalls für den Streit gestimmt haben würden, so daß derselbe mit wenigstens 2800 Stimmen als beschlossen gelten könne. Hierauf beschloß die Versammlung, daß die zu den neuen Bedingungen Arbeitenden, wenn sie weniger als 30 M. Wochenlohn erhalten, 4 M., bei 30-35 M. Lohn 4,50 M. und bei mehr als 35 M. 5 M. wöchentlichen Streitbeitrag zu zahlen haben. Damit war die Mitgliederversammlung beendet. Kurz darauf wurde eine öffentliche Versammlung in demselben Sale abgehalten, zu der sich außer den Verbandsmitgliedern noch einige Hundert Unorganisierte eingefunden hatten. Auch diese Versammlung erklär te fich einstim mig für den Streik und beschloß ebenso einstimmig, daß bei allen Meistern, die noch nicht bewilligt haben, die Arbeit sofort niedergelegt, das heißt, am Freitagabend nicht wieder aufgenommen wird. Während der Versammlung liefen fortgesetzt neue Bewilli gungen ein. Um 6 Uhr teilte II mann mit, daß die Zahl der Meister, die bewilligt haben, bereits auf 985 gestiegen sei. Bald darauf traf aus dem Verbandsbureau ein neues Bündel von 112 Bewilligungen ein. Raum waren die Namen dieser Meister verlesen, da meldete das Verbandsbureau schon wieder den Eingang von 25 Bewilli gungen. Hiernach hatten also bis zum Schluß der Versammlung bereits 1122 Bädermeiffer bewilligt. Die Großbädereien, die schon vorher einen Vertrag mit dem Verbande abgeschlossen hatten, sind in diese Zahl nicht eingerechnet. Nach diesem sehr günstigen Ergebnis zu schließen, kann es gar nicht zweifelhaft sein, daß der den Bäckereiarbeitern aufgezwungene Kampf in furzer Zeit mit einem Siege auf der ganzen Linie enden muß. Das ist um so sicherer zu erwarten, da die Bevölkerung durch das gestern abend durch unsere Parteiorganisationen verbreitete Flugblatt über den Streit der Bäder eingehend unterrichtet und zur Unterstüßung desselben aufgefordert worden ist und diese Unterstüßung wird die Klassenbewußte Arbeiterschaft den Bäckereiarbeitern in gewohnter Weise zuteil werden lassen. Die Versammlung nahm gegen 1 Stimme folgende Resolut tion an. " Die Versammlung der Einfassierer aus den Ab. Automatenzahlungs-, Nähmaschinen- und Geschäften protestiert auf das entschiedenste gegen die seit 19 Jahren geübte Ausnutzung und Ausbeutung der Einkassierer an den Sonn- und Feiertagen. Die Versammlung stellt fest, daß in keinem anderen Berufe die von der Reichsregierung erlassenen Geseze derartig miß achtet und übertreten werden, wie in der Abzahlungs-, Näh maschinen- und Automatenbranche. Des weiteren protestieren die Versammelten gegen die von bie Rentenzahlungen nur durch sogenannte Sonntagskassierer den Inhabern der Kreditgeschäfte immer mehr geübte Pragis, resp. Rassiererinnen einholen zu lassen, ein Verfahren, welches die Existenz der festangestellten Gintassierer auf das äußerste gefährbet resp. den ganzen Beruf der Einkassierer vernichtet. Von der Polizeibehörde erwartet die Versammlung, daß sie an den Sonn und Feiertagen ihr Augenmerk ganz besonders auf die Einkassierer richtet und jeden Unternehmer genannter Branchen unnachfichtlich zur Verantwortung zieht, der die Bes stimmungen des§ 105 b, Abfah 11, der Reichsgewerbeordnung nicht innehält. Des weiteren erwarten die Versammelten von der Polizeibehörde, daß dieselbe ihren Organen dahin Jnstruk tion erteilt, daß wenn diesbezügliche Feststellungen gemacht werden sollen, die betreffenden Beamten den eingesetzten Kons trollfommissionen feine Schwierigkeiten bereiten. Die Versammelten erkennen an, daß die diesbezüglichen Forderungen nur erreicht werden können, wenn eine festgefügte, starte Organisation hinter den Berufsangehörigen steht; die Vers Sammelten verpflichten sich, Mann für Mann ihrer Berufsorga nisation, dem" Deutschen Transportarbeiterverband", Branche der Einkassierer und Kaffenboten, anzuschließen und beauftragen die Leitung der heutigen Versammlung, durch eine Eingabe das Polizeipräsidium, den Reichstag und das Ministerium des Innern auf die bestehenden Zustände aufmerksam zu machen und dringende Abhilfe zu verlangen. An das auf Kredit taufende Publikum, besonders aber an die organisierte Arbeiterschaft richten die Versammelten das bringende Ersuchen, ihre Zahlungen nur an Wochentagen zu leisten. Die organisierten Einkassierer, Einnehmer und Kassenboten find im Besitze einer rosa Legitimationsfarte" und bitten, nur Diese bei Neu- Geschäften zu unterstützen. Die Wagenladierer, welche bei Kleinmeistern beschäftigt sind, arbeiten unter sehr ungünstigen Verhältnissen. Infolge der groß industriellen Entwickelung, besonders auch der Verbreitung von Automobilfahrzeugen find den Wagenladierermeistern nur minder wertige Arbeiten verblieben. Lebhafte Konkurrenz, Unterbietung in den Preisen und Herabdrückung der Arbeitslöhne, das ist die Signatur in den Kleinbetrieben der Wagenladiererei. Um den Anstoß zu einer Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse in den Wagenlackierereien zu geben, hatte der Verband der Maler die Arbeiter dieser Branche am Mittwoch zu einer Versammlung vor fünf Jahren, dem Wunsch der Unternehmer entsprechend, auf eingeladen, die aber gerade von den Wagenladierern nicht so zahl reich besucht war, wie es im Interesse der Sache zu wünschen ge vier Monate festgesetzt, so daß die Kündigung bis zum 1. Juni er- wesen wäre. Aus den in der Versammlung gegebenen Schilde folgen muß. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Geschäftsbuch- rungen der Verhältnisse ist zu entnehmen, daß Stundenlöhne von Schreibheft, Beichen-, Kalender- und Kaffenblodfabriken sowie der 50, 55, höchstens 60 Pf. an der Tagesordnung sind, daß SonntagsLiniieranstalten hatten sich am Dienstag außerordentlich zahlreich und Ueberstundenarbeit in der Saison in großem Maße betrieben in den Arminhallen versammelt, um zur Kündigung des wird und nachher eine längere Zeit der Arbeitslosigkeit folgt. Eine Tarifvertrag Stellung zu nehmen und über die einzu- Aufbesserung der unzureichenden Löhne wurde als bringend not. reichenden Forderungen zu beschließen. Ein von der Branchen- wendig bezeichnet. Der Verband wird die Agitation in diesem kommission ausgearbeiteter Entwurf zum neuen Tarifvertrag lag Sinne fortsetzen, damit die als notwendig empfundenen Verbesse Im Titel des Entwurfs find rungen durchgeführt werden können. der Versammlung gedrudt vor. außer den Geschäftsbuchfabriken auch alle oben bereits angeführten Spezialbetriebe genannt, ebenso wie die Liniieranstalten, für die der alte Tarifvertrag keine Geltung hatte. Die Arbeitszeit soll wie bisher 9 Stunden betragen, für die Sonnabende jedoch auf 6 Stun den verkürzt werden, ebenso an den Vorabenden der hohen Festtage. Hinsichtlich der Löhne werden für die verschiedenen Gruppen Grhöhungen um 6 bis 10 Pf. die Stunde verlangt sowie Festworan es bisher im Tarifvertrag fehlte. Ferner wird eine allge setzung von Mindestlöhnen ebenfalls für die Liniieranstalten, meine Lohnerhöhung um 10 Proz. für alle die Arbeiter und Arbeiterinnen gefordert, die von der Erhöhung der Mindestlöhne feinen Vorteil haben. Eine Erhöhung der Affordlöhne wird eben falls gefordert. Außerdem enthält der Entwurf noch eine Reihe allgemeiner Bestimmungen sowie solche über das Tarifschiedsgericht und über die Gültigkeitsdauer des Vertrages, die danach drei Jahre betragen soll mit dem bisherigen Ablaufstermin auf dem 30. September. Der Streik der Bauklempner Groß- Berlins. dauert unverändert fort. Die Anfang dieser Woche angebahnten Verhandlungen haben zu annehmbaren Vorschlägen nicht geführt. Cohen teilte in der gestrigen Streifversammlung folgendes mit: Verschiedene Arbeitgeber erklärten, es sei vielleicht möglich, bom 1. April 1912 ab noch einen Pfennig zuzulegen, während im übrigen der Schiedsspruch Geltung haben müsse. Die Vertrauens männer haben zu diesem Zugeständnis Stellung genommen und es einstimmig als unzureichend erklärt. Die Arbeitgeber glaubten, daß die Streikenden aus Rücksicht auf Pfingsten und auf den Monatsersten sich mit dem geringen Zugeständnis zufrieden geben werden. Die Arbeitgeber müssen erst durch weitere Erfahrungen sehen, daß sie sich in ihren Erwartungen täuschen. Daß sie jetzt noch nicht so weit gekommen sind, liegt zum Teil auch daran, daß bei ihnen neue Leute an der Leitung sind und drei Organisationen bestehen, die ebenfalls noch ziemlich neu sind. Die Arbeitgeber rühmen sich, daß sie die dringenden Arbeiten fertiggestellt erhalten, denen, die darauf dringen, daß mit den Streitenden verhandelt wird, versprechen sie Arbeitskräfte. Die Streitenden müssen alles aufbieten, die Ausführung von Streitarbeit zu verhindern. Es ist möglich, daß Klempnermeister, die sonst eigentlich keine Bauarbeit ausführen, ihre Gesellen alle die andere Arbeit weitermachen lassen, aber selbst auf den Bauten als Arbeitswillige tätig sind. Es wird notwendig sein, solchen Meistern ebenfalls die Arbeitsfräfte zu entziehen. Im übrigen hatte die Versammlung zu entscheiden, ob sie die in unverbindlicher Weise in Aussicht gestellte Grhöhung des im Schiedsspruche angeführten Lohnes für 1912 um 1 Pf. als annehmbare Grundlage für die Verhandlungen Die Lohnbewegung der Lithographen und Steindruder in anjah. Lübeck ist beendet. In einer größeren Firma wurde für SteinIn der Diskussion sprachen fich sämtliche Redner dahin aus, bruder die 8½stündige tägliche Arbeitszeit tariflich festgelegt und daß ein derartiges Angebot als gänzlich unzureichend anzusehen den eine Extraentschädigung von 50 Pf. täglich. Ferner erhielten der Mindestlohn erhöht. Alle Firmen bewilligten für Bronzearbeisei. Einmütig erklärten die Versammelten sich für die Fort- 15 Lithographen insgesamt 28 Mt. und 54 Steindruder im ganzen sei. Einmütig erklärten die Bersammelten sich für die Fort- ten fehung des Kampfes. 100,50 Mt. Lohnzulage pro Woche. Nur in einer Firma( Rathgens) fam es zum Konflikt. Dort wurde den Lithographen gefündigt mit dem Hinweise, daß sie die lithographische Abteilung aufheben und ihre Arbeiten bei einer Privatlithographie herstellen lassen wolle. Als aber die Lithographen die Anstalt verlassen hatten, suchte die Firma billigere Arbeitskräfte. Für Verbandsmitglieder wurde diese Firma gesperrt. Der Abschluß des Streiks der Gasmefferklempner. Bu gleicher Zeit wie die streifenden Gasmessertlempner hielten auch die Arbeitgeber der Branche eine Versammlung ab, und sie erflärten sich ebenfalls mit den zwischen den Vertretern der beiden Parteien getroffenen Abmachungen einverstanden. Demgemäß ist denn auch die Wiedereinstellung der Streifenden bei allen Firmen mit Ausnahme der Firma Pintsch ohne Schwierigkeiten vonstatten gegangen. Bei Pintsch ist der Direktor verreist, die Erledigung aus diesem Grunde bis Montag hinausgeschoben. Man darf aber wohl erwarten, daß auch diese Firma den allgemein anerfannten Abmachungen teinen weiteren Widerstand entgegensetzen wird. Letzte Nachrichten. Das deutsch- französische Marokko- Abkommen offiziös dementiert. " Köln, 26. Mai. Ein Berliner Telegramm der Kölnischen roffoabfommen zwischen Deutschland und Frankreich. Richtig sei Beitung dementiert die Meldung des Excelsior" über ein Ma nur, daß Staatssekretär von Riderlen- Wächter von der französischen Republik ein Geschenk von Sevresporzellan überreicht wurde, aber vor zwei Jahren aus Anlaß des bekannten deutsch- französischen Marokkoabkommens.( Siehe auch Politische Uebersicht.) Passagierflüge. Leipzig, 26. Mai.( W. T. B.) Flieger Lindpaintner, der um Bassagier um 7 Uhr 40 Minuten, und Laitsch, der um 6 Uhr 6 Uhr 32 Minuten nachmittags in Dresden startete, ist mit seinem 50 Minuten mit Passagier in Dresden aufgestiegen war, um 8 Uhr 1 Minute auf dem Lindenthaler Flugs.Ide glatt gelandet. Wie der Referent Iar unter anderem ausführte, haben sich die Arbeitgeber auch bereits mit der Frage der Tariffündigung befaßt, und der Vorsitzende ihrer Vereinigung, Herr Ashelm, hat in einem Schreiben den Arbeitnehmern den Vorschlag unterbreitet, die Dauer des alten Tarifvertrages bis zum 31. Dezember zu ver- 8% Uhr auf dem hiesigen Flugplatz gelandet. Leutnant Förster, Frankfurt a. Main, 26. Mai. Jeannin ist heute abend längern, damit er gleichzeitig mit dem der Buchdrucker ablaufe. Der um 8 Uhr 10 Minuten in Darmstadt eine Zwischenlandung vorDas sei aus praktischen Gründen wünschenswert, meinen die Arbeitgeber. Die Branchenkommission hat jedoch diesen Vorschlag ein- genommen hatte und um 8 Uhr 20 Minuten zum Weiterflug nach stimmig abgelehnt, und ebenso einstimmig sprach sich nun die Ver- rankfurt aufgestiegen war, ist mit seinem Passagier 9 Uhr 20 Min. hier gelandet. Sammlung dagegen aus, den Ablaufstermin des Vertrages zu Gatschina, 26. Mai. Der Luftschiffer Scharzky, der mit ändern. Im übrigen wurden in der regen Diskussion noch einige einem Passagier von Gatschina nach Petersburg fliegen wollte, Abänderungen und Ergänzungen zu der gedruckten Vorlage be- stürzte infolge Motorbruchs in einen Wald. Der Apparat wurde schlossen. Ein Antrag, statt der neunstündigen, die achteinhalb- zertrümmert. Scharzth erlitt einen Beinbruch und andere Ver stündige, für die Sonnabende die achtstündige Arbeitszeit zu verlegungen, der Passagier eine Fußberrenkung. langen, wurde der Kommision zur Berücksichtigung überwiesen. Metallarbeiter! Bei der Firma Fr. Wilh. Beckhaus in Boizenburg, Elbe, sind in der Eisengießerei Differenzen entstanden, Wir ersuchen um Fernhalten des Zuzuges von Formern. Deutscher Metallarbeiterverband. Erster Bezirk. Verfammlungen. Völlige Sonntagsruhe. Verhängnisvolles Großfener. Stettin, 26. Mai.( H. B.) In Mescherin a. D. brach in ver gangener Nacht ein Großfeuer aus, das sich auf acht Bauerngehöfte der gesamte Viehbestand um, auf einem andern wurde er teilweise übertrug. Bier Gehöfte wurden eingeäfchert. Auf einem tam 56jährige Hofinspektor der Meschenriner Zuckerfabrik Goll durch in Mitleidenschaft gezogen. Bei den Löscharbeiten wurde der eine einstürzende Wand erschlagen. Blutiger Konflikt mit der Polizei. richkeit in Felsoeratos forderte die Gendarmerie die Leute auf, Budapest, 26. Mai.( W. T. B.) Bei einer ländlichen Festihr Tanzfest nicht auf der Straße, sondern auf dem Hofe des Wirtshauses abzuhalten. Ein Unteroffizier, der sich dem wider fette, wurde festgenommen. Darauf bewarf die Menge die Gen darmerie mit Steinen und verlegte einen Gendarmen schwer. In folgedessen gab die Gendarmerie Feuer; zwei Personen wurden getötet, ein Mädchen leicht verlegt. Zwei Arbeiter erstict. Duisburg, 26. Mai.( H. B.) Heute vormittag gegen 7 Uhr flieg ein Arbeiter in eine Gentgrube, um diese zu reinigen. Er wurde bon giftigen Gasen betäubt. Ein anderer Arbeiter, der ihn retten wollte, erlitt das gleiche Schidfal. Die Feuerwehr mußte beide aus der Grube herausholen; doch waren alle Wiederbelebungsvers suche erfolglos. Arbeiterkämpfe in Spanien. Tarifbifferenzen sind zwischen dem Verband deutscher Gastwirtsgehilfen und dem Besizer des Wendenschlosses" bei Köpenick( vis- a- vis Grünau), Herrn Friedrich, ausgebrochen. Der Wirt hat erklärt, daß er das im Tarif der Gastwirtsgehilfen forderten die Gintassierer und Rassenboten in einer vorgesehene Fahrgeld für die Aushilfefellner nicht mehr zahlen Branchenversammlung des Transportarbeiterverbandes, in der werde, worauf von seiten des Arbeitsnachweises die Entfendung Friedrich Ludow referierte. Bei der Eintassierung liegt die Sache von Arbeitsträften für den Himmelfahrtstag und bis auf weiteres so, daß die Abzahlungsgeschäfte möglichst den Sonntag zum Einabgelehnt worden ist. holen der Raten ausnüßen, da die Arbeiter am Sonnabend Geld bekommen. So müssen die Einlassierer am Sonntag 100-120 Madrid, 26. Mai.( H. B.) Der Ausstand der Arbeiter des Bau Kunden besuchen. Nur ein Teil der Firmen gibt ihrer festgewerbes dauert unverändert an. In Santander, Sevilla, angestellten Kassierern als Ersatz für den Sonntag in der Woche Malaga und Jerez ist die Ausstandsbewegung beendet, dagegen einen freien Tag. Besonders in der Automatenbranche werden dauert der Streit in Bilbao noch fort. Die Hochofenwerte verdie Geldeinsammler bis aufs äußerste ausgenügt. Das größte spüren bereits Mangel an Kohle, da die Kohlendampfer ihre Uebel in Rassiererberuf seien die Sonntagskassierer, dadurch Ladung nicht löschen können. Man befürchtet ein lebergreifen des werden die festangestellten Stassierer verdrängt. Es gibt Firmen, Ausstandes auf die Grubenbezirke. Deutfches Reich.. Tarifbewegung in der Geschäftsbuchbranche des Buchbindergewerbes. Wie der Tarifvertrag der Buchbinderbranche, so läuft auch der der Geschäftsbuchbranche in diesem Jahre ab, allerdings erst mit bem 30. September Die Kündigungfrist ist bei dem Tarifabschluß Berantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. In jeratenteil verantw.: Th. Gløde, Berlin. Drudu. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Hierzu 4 Beilagen u. Unterhaltungsbl Ar. 122. 28. Iahrgasg. t Stilajt des Jotrairts" Soltvllbtltd, 27. MIM Keickstag. 1S4. Sitzung. Freitag, den 2S. Mai, vormittags 11 Uhr. Äm Bundesratstisch: v. Bethmann Hollweg, Dr. Del« brück. Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste und zweite Be« ratung des Diätengesetzes für die Herbsttagung. Abg. Bebel(Soz.): Die Regierung hat es für notwendig gehalten, dieser Vorlage noch eine lange Begründung beizugeben in einer Weise, die mich und wohl Sie alle außerordentlich unangenehm be- rührt hat. sSehr wahr! links.) Nachdem es einmal Rechtens geworden ist, daß der Reichstag Diäten bezieht, so hätte man sich eine nähere Begründung für diese Vorlage überhaupt er- sparen können. sSehr wahr! links.) Die Regierung entschuldigt sich in dieser Begründung förmlich, wozu sie gar keine Ver- a n l a s s u n g hat, sie hält eS sogar noch für nötig, auseinanderzu- setzen, daß der Reichselat durch dies Gesetz in seinen Grundlagen nicht erscbüttert werde< Heiterkeit), da ja die betr. Summen sonst im Dezember und Januar hätten gezahlt werden müssen. Die ganze Sache macht einen außerordentlich kleinlichen Eindruck. (Sehr wahr! links.) Ueberhaupt ist die ganze Art und Weise, wie der Reichstag behandelt wird, seiner unwürdig. Man müßte ihn frühzeitiger einberufen.(Sehr wahr! links.) So wie gegenwärtig im Reichstag gearbeitet wird, kann es unmöglich weiter gehen; es werden viel zu hohe Anforderungen an die Arbeits- kraft der Abgeordneten gestellt. Auch auf die Beamten des Hauses muß mehr Rücksicht genommen werden. Wir beschäftigen uns hier mit sozialen Gesetzen, aber an den Schutz des Reichstags denkt kein Mensch.(Sehr wahr! links.) Die Vorlage beweist wieder, wie unhaltbar das Diätengesetz ist und daß es einer gründlichen Revision bedarf.(Lebhafte Zustimmung links.) Abg. Bassermann(natl.): Auch bei uns hat die Art der Regelung dieser Materie starke Antipathie erregt; sie hätte in würdigerer Weise erfolgen können.(Bravo I links.) Abg. Dr. Müller-Meiningen(Vp.) schließt sich den Vorrednern an. Die Vorlage wird angenommen. ES folgt die erste Beratung der Novelle zum Znndwareusteuergesetz. Abg. Euders(Vp.): Wir verurteilen daS ganze Gesetz und lehnen daher auch diese Novelle ab. Die Aufhebung der Steuer kann allein zur Gesundung des Gewerbes führen.(Bravo I links.) Abg. Brey(Soz): Wir sehen in der Vorlage das Eingeständnis der Regierung, daß die Zündwarensteuer sich als absolut uubrauchbar nach kaum zweijährigem Bestehen erwiesen hat.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es stellt sich heraus, daß der Zweck der Kontingentierung nach keiner Richtung erreicht worden i st. Es wird jetzt von der Regierung zugegeben, was wir zurzeit vorausgesagt haben. Es ist zurückgegangen der Absatz und mit ihm die Arbeitsgelegenheit für die Arbeiter der Zündwarenindustrie. DaS einzige Mittel zur Gesundung der Verhältnisse ist die Aufhebung der Steuer. Durch die Abänderung der Kontingentierung werden die Kon- sumenten weiter geschröpft und die Arbeitsgelegenheit für die Arbeiter wird noch weiter verschlechtert werden. Diesen Weg gehen wir nicht. Wir bedauern vor allem, daß die Regierung taub ge- blieben ist gegenüber den Klagen und Hilferufen der arbeitslos gewordenen Arbeiter der Zündwarenindustrie.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.)..... � Abg. Thoma(natl.) erklärt daS Einverständnis seiner Freunde mit der Vorlage. Das Gesetz wird ebenfalls gleich in zweiterLesung an« genommen. Es folgt die d r i t t e B e r a t u n g der Verfassung für Elsah-Lothringen. Abg. WinNer(f.): DaS Schicksal der Vorlage ist ja entschieden, aber wir legen Wert darauf, noch einmal vor dem Lande und vor der Zukunft die Gründe für unser ablehnendes Votum klar« zulegen. Es liegt mir fern, durch einen Ton der Ver- ärgerung oder der Schärfe dem Jubel der Linken über die kleines faiilleton. Gleichheit. In dem geistigen Haushalt unserer Zeit ist das logische Denken verkümmert. Auf diese Schwäche unserer kulturellen Verfassung weist K. O. Erdmann in einem belehrsamen Aufsatz des„K u n st w a r t" hin. Fast scheint es, als ob mit groben logischen Fehlern heute mehr erreicht wird als mit strenger Folge- richtigkeit. Unter den Beispielen, die Erdmann darbietet, ist eines politisch interessant: »In seiner Abhandlung von den sophistischen Trugschlüssen spricht Aristoteles einmal von jener unsinnigen Art der Wider- lcgung, die aus der absoluten Deutung einer nur relativen Aussage beruht. Sagt A:„der Neger ist schwarz", so entgegnet B: „der Neger ist doch weiß hinsichtlich seiner Zähne, er ist also schwarz und nicht schwarz", und damit ist also A widerlegt. Wie läppisch! werden viele sagen. Welcher Mensch kann im Ernst solche Schlüsse ziehen oder durch sie genasführt werden? Ich möchte dagegen be- baupten, daß kaum ein Trugschluß beliebter ist als einer dieser Art. Man beachte nur, wie im politischen Tagcskamps mit den Begriffen „Gleichheit" oder„Freiheit" umgesprungen wird... Da stellte zum Beispiel jemand als Ideal die Forderung der.Gleichheit" auf. ,n der Voraussetzung, daß sie jedermann aus dem Zusammenhang als Forderung politischer und sozialer Gleichberechtigung deuten werde. Daß niemals Gleichheit in jeder Hinsicht er- strebt wird, daß auch der blödeste Gleichheitsfanatiker nicht ver- langt, allen Menschen sollten gleiche Fähigkeiten angezüchtet werden, sie alle sollten die gleiche Ausbildung erlangen und die gleiche Lebenshaltung führen— das müßte eigentlich ebenso selbst- verständlich sein, wie baß in der Behauptung:„der Neger ist schwarz" die Schwärze sich nicht aus Auge und Zähne oder auf Blut und Knochen bezieht. Aber wer will und kann denn seinen Gegner richtig verstehen? Es ist so viel einfacher, ihn zum Dummkopf zu stempeln und dann durch die schönsten„Schlüsse" zu widerlegen." Diese Widerlegung der„Gleichheit" ist aber alles, was die Gegner dcS Sozialismus an geistigen Waffen besitzen! Theater. Deutsches Theater. Bankban, Tragödie von JosephKatona. Das Stück, das mehr als hundert Jahre alt ist. soll es in Ungarn zum Rufe eines klassischen Werkes gebracht haben. Daraus mag sich erklären, daß Reinhardt es auf einer Gastspielreise in Budapest spielte. Indes zur Wiederholung vor einem deutschen Publikum lag nicht der Schatten eines Anlasses vor. Stünde nicht der ungarische Autornamen auf dem Zettel und wäre die böse Königin, gegen deren Tyrannei so heftig deklamiert wird, nicht eine deutsche Fürstin, so würde jedermann Vereinsamung der Konservativen bei dieser Vorlage neue Nahrung zu geben. Wir haben immer betont, daß wir es mit Freuden begrüßen würden, wenn die Verhältnisse in Elsaß-Lothringen so konsolidiert wären, daß man den, Lande die Autonomie geben könnte. Aber unsere Ueberzeugung, daß der Zeitpunkt dazu noch nicht gekommen ist, hat sich im Laufe der Verhandlungen über diese Vorlage nur verstärkt. Ich verweise auf die Auflösung des Landes- ausschusseS. Bundesrat und Reichstag geben große Rechte durch diese Vorlage a u f und damit auch die entsprechenden Pflichten. Dagegen haben wir schwere Bedenken. Wir sind nicht sicher, daß das Sctiiff, das jetzt seinen Weg antritt, die Fahrt immer so nehmen wird, wie es im deutschen Sinne gewünscht werden muß. Allein von diesem deutschen Standpunkt aus betrachten wir die Vorlage nicht vom engherzig preußisch-partikularistischen Standpunkte aus. (Sehr richtig! rechts.) Daß eine gewisse Selbständigkeit Elsaß- Lothringens auch jetzt schon besteht, wissen wir, aber staatsrechtlich bestand bisher die Möglichkeit für die Regierung, wenn sie mit den dortigen Organen nicht auskommen kann, die Waffe der Reichsgesetz- gebung zu ergreifen. Diese Waffe wollen wir auch für die Zukunft nicht aus der Hand geben. Sehr verstärkt werden unsere Bedenken natürlich durch die Bundesratsstimmen und die Radikalisierung des Wahlrechts. Für die EntWickelung Elsaß-Lothringens im nationalen Sinne war sehr bezeichnend eine Aeußerung des Herrn Delbrück, ein nach Besitz, Bildung und Einkommen abgestuftes Wahlrecht empfehle sich nicht, weil dadurch die Kreise des Landes gestärkt würden, deren Einfluß uns bei unserer politischen Arbeit im Lande entgegensteht. (Hört! hört! rechts.) Für die Besorgnisse, die unter den Beamten in Elsaß-Lothringen wegen der neuen Gestaltung der Verhältnisse herrschen, sind bezeichnend Zuschriften, die an uns gelangt sind, in denen sie die Befürchtung äußern, daß in Zukunft die im Lande ge- borenen Beamten bevorzugt werden würden und daß sie das Land würden verlassen müssen.(Lachen links.) Wenn unsere Besorgnisse über die Wirkungen der Vorlage sich in Zukunft nicht als berechtigt erweisen, so werden wir das am bereitwilligsten anerkennen und werden uns dann mit denen zusammenfinden, die hier einen so großen Optimismus beweisen. Wenn der Herr Reichskanzler sagte, wir sollten nicht stille stehen, sondern vorwärts schreiten, so ist es auch für meine Freunde eine Freude, vorwärts schreiten zu können(Lautes Lachen links); eS kommt nur auf den Weg an. Wir können die Verantwortung für den Weg, den der Herr Reichskanzler hier betritt, nicht übernehmen, und um dies ausdrücklich festzulegen, beantragen wir eine namentliche Gesamtabstimmung über das Gesetz.(Bravo! rechts.) Abg. Zehnter(Z.): Herr Winkler hat mit Recht betont, daß, wenn loir auch bei dieser Vorlage nicht zusammengehen können, doch keine Veranlassung vorliegt, daß wir nicht bei anderen Gelegenheiten wieder zusammenarbeiten.(Sehr richtig! im Zentrum.) Wir haben die Wünsche der Elsaß-Lothringer nach größerer Selbständigkeit stets als berechtigt anerkannt und stimmen der Vorlage zu, weil wir in ihr einen Fortschritt in dieser Richtung sehen. Wir erwarten, daß die Wahlkreiseinteilung gerecht ausfallen wird. DaS Wahlrecht ist sehr viel besser als in anderen Bundesstaaten, auch ganz abgesehen von Preußen. Den Sprachenparagraphen hätten wir lieber aus dem Gesetz heraus gehabt, aber da an diesem Para- graphen schließlich das Schicksal der Vorlage hing, haben wir ihm zugestimmt, zumal nach der authentischen Erklärung des Regierungsvertreters eine Beschränkung des französisch sprechenden Teils der Bevölkerung nicht erfolgen soll. Wir sind überzeugt, daß sich die Erregung im Lande nach Verabschiedung der Vorlage legen wird. So wird die Vorlage dem Lande und auch dem Reiche Nutzen bringen.(Bravo l im Zentrmn.) Abg. Frank(Soz.): Herr Zehnter hat in das blutende Herz des Herrn Winkler Balsam geträufelt durch daS Versprechen, daß das Zentrum später mit den Konservativen wieder zusammen arbeiten wird. ES war also keine Scheidung, sondenr nur eine vorübergehende Eheirrung.(Heiterkeit.) Herr Winkler hat die Gründe seiner Freunde aus der ersten und zweiten Lesung noch einmal wiederholt, aber sie sind durch die Wiederholung nicht besser geworden.(Sehr ricbtig I) Neu war nur seine Befürchtung, daß durch die Neu- gestaltung der Verfassung vielleicht später nur Beamte in Elsaß Lothringen bevorzugt würden, die im Lande gekoren sind. Ich weiß nicht, ob diese Befürchtung zutrifft. Wenn sie aber zutreffen würde, dann wären die Elsaß-Lothringer immer noch besser daran, als die Preußen, denn dort werden nicht die bevorzugt, dir im Lande geboren sind, sondern die, die auf dem Lande geboren sind (Sehr gut! und große Heiterkeit links.) Ich habe im Namen meiner Fraktion folgende Erklärung über unsere Stellung zu den beiden Gesetzen abzugeben: das Opus für ein deutsches, nach dem landläufigen Epigonen- schema fabrizertcs Oberlehrerdrama halten. Die Sprache, wenig- stens in der Uebersetzung, und die Charakteristik hat keine Spur von eigener Phvsignomie. Historisch kostümierte Drahtpuppen führen harmlose Verrenkungen und Gesten in wirrem Durch- einander auf. Di« dramatische Technik bleibt im Primitivsten stecken. Es ist kaum möglich, sich in dem Haufen unverarbeiteter Motive noch zurecht zu finden. Das Stück spielt in dem Ungarn des dreizehnten Jahrhunderts und handelt wie Grillparzers Drama:„Ein treuer Diener seines Herrn" vom Aufstande gegen die Königin Gertrud und der Rache, die der Reichsverweser Bank für die Verführung seines Weibes Melinde durch der bösen Königin bösen Bruder nimmt. Melinde trumpft mit aller wünschenswerten Sinneshoheit den Wüstling ab, jedoch ein schurkischer deutscher Rittersmann verschafft dem Prinzen einen Liebestrank, mit dessen Hilfe er sein Ziel erreicht. Der Kuppler hinterbringt— man weiß nicht warum dem heimkehrenden Bankban, der— Gott weiß warum>— plötzlich in einer Versammlung der zum Sturz der Königin verschworenen Adels- Häupter auftaucht und dort königstreue Reden hält, dorthin die Kunde, daß ihn sein Weib betrog. Bank äußert seinen Kummer in Monologen volle Liebe und Gemüt, waS ihn aber nicht hindert, den Jungen, den ihm sein Weib gebar, dann kurzerhand zu töten. Melinde ist schon vorher wahnsinnig geworden. Es folgt ein Wcttgesang der Klage: Ein Bauer, als Repräsentant des Volkes, ergeht sich in endloser Schilderung über das blutsaugerische Treiben der Königin, wobei Bank die Pausen mit Betrachtungen über sein und seiner Gattin Elend ausfüllt. Statt nun vorerst einmal den Prinzen umzubringen, ersticht er die Königin. Trompeten melden die Ankunft des Königgemahls. Es ist ein weiser Fürst; er über- zeugt sich, daß der Dolchstich wohl verdient war. Bank bleibt am Leben. Und da die Königin nun tot ist, darf Ungarn und sein Bauernvolk, das nach dem Dichter ja nur von jener, nicht etwa von den eingeborenen Magnaten ausgeplündert wurde, nunmehr ver- trauensvoll in die Zukunft sehen. Die Schauspieler mühten sich in den undankbaren Rollen ab. Sehr gut in Maske, Haltung und in dem Ausdruck schwermütig brütenden Leidens war W i n t e r st e i n. der den Bankban gab. Einheit und Leben in die Gestalt zu bringen, war natürlich unmöglich 6t. Humor und Satire« Grab oder Flamme? Wohltätig wirkt des Feuers Macht Auf Leichen in: Verbremmngsschacht. Die Prozedur ist eine rasche: Im Handumdrehen sind sie Asche. Kein Würmerfraß vier Jahre lang, Kein erdverpestender Gestank. Die sozialdemokratische Fraktion bedauert lebhaft, daß eS ihr nicht gelungen ist, für Elsaß-Lothringen eine ihren Forde- rungen entsprechende demokratische Verfassung zu erringen. Die Uebertragung der Staatsgewalt auf den Kaiser und die Errich- tung einer Ersten Kammer stehen im Widerspruch mit den Wünschen der Mehrheit der Elsaß-Lothringer, deren Interessen wir hier vertreten haben. Auch die Aufenthalts- und Wohnsitz- bedingungen, an welche die Ausübung des an sich d e m o- kratischen Wahlrechts geknüpft wurde, sind Rückständig- leiten, deren energische Bekämpfung und deren Beseitigung unser Ziel bleiben wird, wir haben aber das Vertrauen, daß das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahl« r e chst. daß die verbündeten Regierungen nicht mehr ver- sagen konnten, die Kraft haben wird, den Willen des elsaßlothringischen Volkes auch gegen Erste Kammer und Kaisergewalt durchzusetzen, und wir sind überzeugt, daß die Rückwirkung der Einführung dieses Wahlrechts auch a»f die anderen in dieser Be- zichung zurückgeblicbencu Bundesstaaten, nicht wird aufgehalten werden können. Dies sind in Kürze die Gründe, die unS bestimmen, trotz aller Bedenken für die Verfassung und für das Wahlgesetz zu stimmen. (Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Müller- Meiningen(Vp.): Wir stimmen der Vorlage zu. Gewiß haben wir zahlreiche Bedenken im einzelnen; die Zu« sammensetzung der Ersten Kammer, die Wohnsitzklausel, die Wahl- kreiseisteilung, das Fehlen des Proportionalrechts und manche? andere gefällt uns nicht. Wir stimmen aber trotzdem der Verfassung wie dem Wahlgesetz zu, in der festen Erwartung, daß die Zukunft denen recht geben wird, die mit dem Kanzler den Fortschritt dem Stillstand vorziehen. Mögen Verfassung und Wahlgesetz dazu bei- tragen, daß Elsaß-Lothringen aufhört, ein bloßes Festungsglacis des Reiches zu sein, und sich organisch mit dem Reiche verschmilzt. (Lebhaftes Bravo! links.) Abg. Bcck-Hcidclberg(Natl.) schließt sich den letzten Aus- führungen des Vorredners an. Man hat von einem„gewagten Sprunge" gesprochen. Aber es sind Kautelen geschaffen, die das Wagnis der Gefährlichkeit entkleiden. So glauben wir diese Ver- antwortung tragen zu können; während wir andererseits nicht die Verantwortung dafür tragen wollen, daß eine neue Enttäuschung erneute Unzufriedenheit im Reichslande hervorruft. Wir stellen also alle Bedenken gegen Einzelheiten zurück und stimmen der Verfassung und dem Wahlgesetz zu.(Bravo! links.) Abg. Schultz(Rp.): Ich spreche im Namen des Teiles meine? Fraktion, der der Vorlage nicht zustimmen kann. Wir sehen in der Vorlage einmal eine Abbröckelung der Kaiscrmacht, die bedenk- lich erinnert an Vorgänge in der Geschichte des Heiligen Itömischcn Reichs.(Heiterkeit links.) Ferner ist für uns unannehmbar das Wahlrecht, das so demokratisch gestaltet ist, daß es sogar der So- zialdemokratie annehmbar ist.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Was haben wir im Landesausschuß erlebt, den Abg. B e» bel einstmals das Muster eines gefügigen Parlamentes nannte! Wenn solche Dinge in einem aus indirekten Wahlen hervor- gegangenen Parlament passiert sind, was kann man da erst von dem demokratisch gewählten Landtag erwarten? Als Deutscher der Ostmarken mutz ich auch die böse Rückwirkung auf den Osten fürchten.(Sehr wahr! rechts.) Und ganz besonders gefährlich erscheint mir die schwankende Haltung der Regierung. Welchen Wert wird in Zukunft ein„Unannehmbar" der Regierung haben? (Sehr gut! rechts, Zuruf bei den Sozialdemokraten: Den Wert hat es schon bei der Erbschaftssteuer verloren!) Aus allen diesen Gründen stimmen wir gegen die Vorlage.(Lebhaftes Bravo! rechts.) Abg. Graf Brüdzewo-Mielzynski(Pole): Auch ich mutz mich gegen die Vorlage erklären.(Zuruf links: Nach dem Hakatisten der Pole! Heiterkeit.) Mir kommt bei dieser Sache alles ver- dächtig oder doch sonderbar vor. Die Konservativen gegen die Regierung! Der Kanzler gegen die Konservativen! Das Zentrum gegen verfassungsmäßige Festlegung der konfessionellen Volksschule! Die Sozialdemokraten für den Sprachenparagraphen I Eine un- widerstehliche Kompromißsucht hat am Ende dieses Sessions- abschnitts fast den ganzen Reichstag ergriffen. Uns macht schon der Sprachenparagraph die Vorlage unannehmbar; außerdem ist für uns ausschlaggebend die Haltung der Elsaß-Lothringer, die in der Mehrheit die Vorlage ablehnen. Man soll keinem Volk eine Ver- fassung aufzwingen.(Sehr wahr! bei den Polen und rechts.) Wir lehnen also die Vorlage ab; da sie ober doch wohl angenommen werden wird, so wünschen und hoffen wir. daß sie Elsaß-Lothringen zum Segen gereichen möge.(Bravo! bei den Polen.) Für Christen, die hygienisch peinlich, Schemt dies Verfahren äußerst reinlich. Agrarierhirne, eng und klein, Sehn freilich nicht den Vorzug ein. Auch was ein Zentrumsmann, ein braver, Zieht vor der Asche den Kadaver. Auch nimmt der Pfaffe den Profit Von Mutter Erde gerne mit. Verfliegt der Leib im Feuer schnelle, Wo bleibt vom Grab die Stcuerquelle? Wer nie war Freund vom Kirchengehn, Mag drum, verfemt, in Dunst verwehn l Wer forsch die Bibel hat gelesen, Darf, bar beglichen, fromm verwehen..« Der Philosoph zustimmend spricht: „So, Kinder, sei'S; drum zetert nicht. Den Freigeist soll die Flamme laben. Der Gläub'ge— lasse sich begraben I' _ Michel. Notizen. — Theaterchronik. Die zur Aufführung der Orestie des Aeschhlos(im Zirkus Busch am 31. Mai) für die G e w e r k» schaften reservierten ermäßigten Billetts(zu 2 M. und 70 Pf.) find erhältlich im Gewerkschaftshause bei Harsch, Engelufer 15. Die Billettausgabe ist seit Freitag eröffnet. — Kunstchronik. Hermione von P reuschen stellt ihr« Kunstbeute aus fernen Ländern in ihrer neuen eigenen Gemälde- halle„Tempio Hermione" in Lichtenrade aus. —„Der unvergeßliche Augenblick", der im Leben so vieler Untertanenseelen seine weltgeschichtliche Rolle spielt, ist jetzt auch für die Lokomotivführer angebrochen. Sie haben— Achsel- stücke verliehen bekommen(wo ihnen mehr Zeit und Geld not täte). In der„Deutschen Eiftnbohnzeitung" wird das Eintreffen dieser Nachricht in einer Versammlung also geschildert:„Dieser unver- geßliche Augenblick wuvde durch treffliche Worte des Bor» sitzenden, durch ein begeistert aufgenommenes Hoch auf Se. Ex- zellcnz den Herrn Minister und durch Anstimmen der National- Hymne gekennzeichnet." — Neues au s der Statt st ik. Nach dem vorläufigen Volkszählungsergebnisse haben England und Wales 36 075 260 Einwohner gegen 32 527 843 im Jahre 1901. Die Bevölkerung von Groß-London beträgt 7 252 963 gegen 6 581 402 im Jahre 1901. � — Frankreich�satte im Jahre 1910 774 358 Geburten und 703 777 Todesfälle, so daß der Ueberschuß der Geburten 70 581 be, trägt. Im Jahre 1W betrug dieser Ueberschuß nur 13 424, «?!?. De. Höffe! sNß.s! Die Me�r�ei!«ein» eUgeren Poll- tischen Fr�uade wird in voller Würdigung der— namentlich von der Rechten erhobenen Bedenken der Verfassung und dem Wahl- gesetz zustiuemen. Abg. in(Elf.): Wir lehnen die Vorlage ab, weil sie nach unserer Ueber»eugung Elsatz-Lothringen in staatsrechtlicher Be- Ziehung keine wesentliche Verbesserung seiner gegenwärtigen Stellung bringt. Nicht ohne Einfluß auf unsere ablehnende Hal- tung ist die WahlVreiseinteilung und die Ablehnung unseres An- trags auf Einführung der Listenwahl. Abg. Preis? sEls.).gibt im Namen der Mehrheit seiner Freunde die Erklärung ab, daß su? gegen die Vorlage stimmen würden. Die Gerechtigkeit erfordert es, daß das Reich Elsaß-Lothringen volle Gleichberechtigung mit allen anderen Bundesstaaten ge- währt. Die erwartete Beruhigung der Gemüter wird die Vorlage nicht zur Folge haben, sonderu sie wird umgekehrt das Signal zu neuen leidenschaftlichen Kämpfen fern. Wir haben getan, was wir tun konnten, aber es trifft hier das Wort zu: Macht geht vor Recht. (Bravo l bei den Elsässern.) Abg. Vonderscheer(Elf.) erklärt, daß er mit der Mehrheit des Zentrums für die Vorlage stimmen werde. Abg. Dr. Gregoixe(Eist) schließt sich dem Vorredner an. Die elsaß-lothringische Bevölkerung wünscht sehnlichst eine Verbesserung des bisherigen Zustandes. Sie steht durchaus nicht auf dem Stand- Punkt der absoluten Negation wie Herr Preist. Die Zugeständnisse der Kommissionsbeschlüsse für uns sind so fundamentaler Natur, daß ich es für unverantwortlich halten würde, sie zurückzuweisen, lediglich weil die volle Autonomie nicht erreicht ist, die doch nicht so bald zu erlangen sein wird.(Bravo! im Zentrum.) Damit schließt die Generaldiskussioei. In der Spezialdebatte wird das Verfassungsgesetz angenommen und ebenso das Wahlgesetz. Vizepräsident Dr. Spahn teilt mit, daß ein Antrag auf namentliche Abstimmung über beide Gesetze vorliegt und fragt den Abg. W i n l l e r, ob er seinen Antrag auf namentliche Abstimmung über das VcrfassungSgesetz allein danach zurückziehe. Abg. Winkler(kons.): Unser Antrag war gestellt, weit drei meiner Freunde, die Abgg. Hufnagel, Niederlöhn er und R u p p zwar gegen das Verfassungsgesetz, aber für daS Wahlgefey stimmen wollten. Nachdem nun durch meine Erklärung ihre Stel- lung klargelegt ist, schließe ich mich dem Antrage auf namentliche Gesamtabstimmung über beide Gesetze an. Die drei genannten Abgeordneten werben den Mittelweg wählen und blau stimmen. Wroße Heiterkeit.) ' Die � j namentliche Gesamtabstimmungj per beide Gesetze geht vor sich und ergibt die Annahme der Gesetze mit 211 gegen 93 Stimmen bei 7 Stimm- enthaltunge». DaS Resultat wird' mit lebhaftem Braöo Kegrüßst Es folgt die Dritte Lesung der Reichsversicheruugsordnung. Abg. Trimborn(Z.): Wir haben uns bei der zweiten Lesung tzroße Beschränkung auferlegt, wenn es uns auch gegenüber mancher Angriffe recht schwer wurde. Hätten aber alle Parteien so ausgiebig von der Redefreiheit Gebrauch gemacht, wie die Herren Sozialdemokraten, so wäre an eine Verabschiedung der Vorlage nicht zu denken gewesen.(Sehr richtig! im Zentrum.) Der Kampf um die Reichsversicherungsordnung wird im übrigen weitergehen, er wird erst ausgefochten werden bei den Wahlen. (Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir werden dann wie immer unseren Mann stehen.— Die Haupterrungenschaft der ReichsbersicherungSordnung ist die Ausdehnung der Kranren- Versicherung auf weitere Kreise und die Errichtung der Witwen- und Waisenversicherung. Leider werden die Hinterblie- benenrenten nicht allzu hoch sein— um mich euphe- nüstisch auszudrücken. Für die Uebergan�Szeit werden sie infolge des Einführungsgesetzes sogar sehrgerrngsein. Zu unserem lebhaften Bedauern sind alle Versuche, sie zu erhöhen, an dem Widerspruch der Regierung gescheitert; insbesondere stand das Reichsschatzamt als unerschütterlicher Fels da. Zu begrüßen ist ferner die Beseitigung der bisherigen Zersplitterung des Rechts- weges und eine Reihe organisatorischer Verbesserungen. Für die Werkmeister, Handlungsgehilfen usw. soll noch eine Erhöhung der Versicherungsgrenze von 2000 auf 2500 M. Einkommen in dritter Lesung durchgesetzt werden.— Bei den Krankenkassen ist nicht eine Entrechtung der Angestellten, sondern ihre Neutra- l i s i e r u n g erreicht worden. Die Zustimmung zu den Land- krankenkassen wird mir besonders schwer, aber auch hier sind einige Verbesserungen gegen die Vorlage durchgesetzt worden. Die Leistungen der Krankenkassen sind in mancher Beziehung aus- gestaltet worden. Den Knappschaftsinvaliden ist daS Wahlrecht gegeben; das geheime Wahlrecht zu den KnappschaftS- lassen ist reichsgesetzlich festgelegt worden. In der A e r z t e- frage war es leider nicht möglich, zu einem befriedigenden Re- sultat zu gelangen. ES scheint noch nicht der Zeitpunkt gekommen zu sein, in dem man regelnd in die wirtschaftlichen Kämpfe zwischen Aerzten und Kassen eingreifen kann. Ganz ungangbar war der Weg, den hier die Regierungsvorlage einschlug.— Der Kreis der Unfallversicherten wird um 80 000 Personen ausgedehnt, die Leistungen der Unfallversicherung, auch der landwirtschaftlichen, sind in manchen Punkten verbessert und erhöht worden; die Bestim- mungen über die Unfallverhütungsvorschriften sind vervollkommnet worden; für die Beamten der Berufsgenossenschaften sind mancherlei Vorteile erreicht.— Von großem Wert ist die Ein- fügung der Kinderrente in die Invalidenversicherung; jeder Invalide erhält für jedes unerwachsene Kind ein Zehntel seiner Rente bis zum anderthalbfachen Betrag der Rente. Das bedeutet eine Mehrausgabe von 3 bis 4, nach anderen Berechnungen von 10 Millionen.— Bedeutende Verbesserungen beim Rentenverfahren bringt das sechste Buch.— Vieles, was wir gern in der Vorlage gehabt hätten, ist an dem Widerstand der Regierung oder an der harten Notwendigkeit des praktischen Lebens gescheitert. Aber die Vorlage bietet doch so viele Vorteile und Fortschritte, daß wir ihr Scheitern nicht verantworten können und daß wir mit einiger Befriedigung für sie stimmen. Möge die Vorlage dem deutschen Volke zum Segen gereichen!(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Abg. Schickert(kons.): Der Embryo, als dessen Vater sich der Vorredner seit Jahren bekennt, hat sich nunmehr zu einem wahren'Monstrum von Gliederreichtum ent- wickelt(Lachen links) und sich dem mütterlichen Schoß entwunden(stürmische Heiterkeit), wobei Herr Trimborn wert- volle Geburtshelferdienste geleistet hat.(Erneute stürmische Heiter- keit.) Wer nach der Rede des Vorredners nicht die Vorzüge der Reichsversicherungsordnung einsieht, dem i st n i ch t z u helfen, der verstockt sein Herz.(Lautes Lachen bei den Sozml- dcmokraten.) Leider hat die soziale Versicherung nicht die Unzu- friedenheit zu beseitigen vermocht. Wir unsererseits haben nie- malS diese Illusion geteilt; aber wir arbeiten an der Sozialgesetzgebung aus Pflichtgefühl mit. Die soziale Versiche- rungSgesetzgebung hat auch ihre Schattenseiten. Sie be- fördert die Simulation. Es ist ein übler Zug unserer Zeit, daß so viele sich auf Kosten der Allgemeinheit Vorteile zu verschaffen suchen.(Zuruf links: z. B. die Agrarier! Heiterkeit und Zustim- mung links.) Durch ihre unausführbaren Anträge befördern die Sozialdemokraten die Simulation und die Begehr» l i ch k e i t. Manchmal ist auch die Kommission zu nachgiebig ge- wesen. Manche Versicherungsanstalten kommen zu sehr der Weh- leidigkeit entgegen.— Selbständige Versicherungsämter hätten nicht nur sehr viel gekostet, sie wären auch sonst nicht empfehlenS- wert gewesen, denn sie hätten zur Vcreinseitigung ihrer Leiter ge- führt. Es ist besser, daß Behörden mit diesen Angelegenbeiten be. werden, die durch ihre anderweitigen Geschäfte eine viel- traut seitige Kenntnis der menschlichen Dinge gewonnen haben.(Zu. giffljauVg rechts. Heiterkeit iinii/l---- LMex berxZaet io M aus« gedchnlen Ausführungen Sie Kosten, Sie Sei Annahme See sozial demokratischen Anträge erwachsen würden. Nach der Rechnung des Redners bewegen sich diese Mehrkosten zwischen 2 und 2la Milliarden Mark jährlich.(Hört, hört! links.)— Es wird immer be- hauptet, daß die sogenannten Agrarier Sondervorteile heraus- zuschlagen suchen. Aber die Verhältnisse in der Landwirtschaft liegen nun einmal anders als in der Industrie. Das kann man ebensowenig ändern, wie man es ändern kann, daß nur in den schneefreien Monaten geerntet werden kann. Die Landwirtschaft nimmt mit der Zwangsversicherung der Landarbeiter gegen Krank? heit eine schwere Belastung auf sich. Ueber die Naturalver- pflegung sind ganz falsche Vorstellunge» verbreitet. Der Zw sammenhang zwischen Landkrankenkassen und Kommunalver- bänden hätte enger gestaltet werden müssen. Ein Sperling in der Hand ist den Landavbeitern lieber als eine mit sozial- demokratischen Anträgen gemästete Taube.(Heiter- keit rechts. Lachen bei den Sozialdemokraten.) Vorausgesetzt, dost in der dritten Lesung keine neuen Verschlechterungen(Lachen bei den Sozialdemokraten) eingeführt werden, stimmen wir der Vor läge zu.(Bravo! rechts.) � Abg. Dr. Mugdan lVp.): Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten. Nachdem die beiden Vorredner soviel Vorteilhaftes Per die Vorlage gesagt haben, sei es mix gestattet, die S t i m m e d e r Kritik zu erheben. Man sagt: die Arbeiter behalten den bv- stimmenden Einfluß auf die Leistungen der Krankenkassen. Man verschiveigt aber, daß ein gewisses Mehrmaß auch der Leistungen von nun an der doppelten Abstimmung unterworfen sein soll.(Hört! hört! links.) Am schlimmsten aber uP der wundeste Punkt ist die Neugestaltung der inneren Verfassung der O rtsk ranken kaffsen.(Sehr wahr! links.) Gerade in meinem Munde möchte es seltsam klingen, wenn ich das Vorhanden. sein zahlreicher Mißstände in den Kassen leugnen wollte. Auch die Sozialdemokratie sollte das nicht leugnen und denken: wo viel Rauch ist, da ist auch Feuer. Es war notwendig, Maßnahmen gegen diese Mißbräuche zu treffen, Per Kommission und Plenum sind viel zu weit gegangen und haben durch Einführung der getrennten Abstimmung den Einfluß der Arbeiter weit über das Nötige hinaus eingeschränkt. Ich fürchte, das wird zu einer gewissen Lethargie in den Krankenkassenvcrwaltungca führen.� Auch die organisatorischen Veränderungen, die Herr Trimborn rühmt, haben ihre Mängel. So kann man die Vertreter der Landkrankenkassen nicht als Arbeitervertreter bezeichnen.(Sehr richtig links.) Es werden in den meisten Fällen sogenannte gelbe Vertreter sein, die noch nie gegen den Stachel gelöckt haben. Im Beschlußausschuß des Overversicherungsamtes wird der Direktor des Oberverstcherungsamtes immer ausschlaggebend sein.(Hört! hörtl links.) Bei dem Verfahren zur Feststellung der Unfälle ist ein direkter Rückschritt zu verzeichnen.(Hört! hört! links.) Bei 65 Proz. aller Fälle ist der Rekurs an das Reichsver- sicherungsamt ausgeschlossen worden. DaS zum Ersatz für den Rekurs geschaffene Einspruchverfahren bietet den Versicherten nicht die genügenden Garantien. Die Landkrankenkassen sind auch für meine Freunde e,n außerordentlich schwer verdaw licher Bissen. Di« Beschlüsse erster Lesung waren hier viel gün. stiger. Aber all das, was damit erreicht loar, ist in der zweiten Lesung verworfen worden. Indessen trifft nicht allein die Konservativen, sondern vor allem das Zentrum die Schuld.(Sehr wahr! links.) Das hat das Zentrum nur seinen konservativen freunden zu Liebe getan, denn es wäre für die Beschlüsse erster esung einer Mehrbeit in diesem Hause sicher gewesen.(Sehr wahr! links.) Gewiß bestehen viele der jetzt geschaffenen Bestim- mungen schon, Per ist denn eine große Reform, wie es die Reichs- Versicherungsordnung sein soll, nur dazu da, um jedes Unrecht zu konservieren?(Sehr gut!) Die Bestimmungen sind auch nicht etwa landwirtschaftSfteuPlich, sie nützen lediglich dem ostpreußischen Großgrundbesitzer und schädigen gerPe den kleinen und mittleren Landwirt.(Lebhafte Zustimmung links.) Sie(nach recht») haben durch diese Bestimmungen über die Landkrankenkassen bewiesen, daß Sie den Bauern nicht für gleichberechtigt an- sehen mit dem kleinen Handwerker in der Stadt.(Sehr richtig! links.) Besonlders bedanre ich, daß auch das Zentrum der un- sozialen Bestimmung zugestimmt hat, wonach die Unfallverhütung in der Landwirtschast viel schlechter gehaPhabt werden wird, als in der Industrie.(Sehr wahr! links.) Auch das ist wieder eine Bevorzugung der Großgrundbesitzer vor den mitt- leren nP kleinen Landwirten. Sehr bedenklich ist weiter, daß die vorbeugePe Krankensürsorge der Landesversicherungsanstalten außerordentlich gefährdet worden ist. Gerade diese vorbeugende Tätigkeit machte die Arbeiterversicherung bisher volkstümlich und war ihr RpmeStitel vor allem auch im Ausland.(Sehr richtig! links.) Die Hinterbliebenenversicherung endlich be- deutet eine allgemeine Enttäuschung. Wenn tatsächlich der K 59 des Einführungsgesetze» angenommen wird, muß man sagen, daß das Volk seit acht Jahren in grober Weise irregeführt worden ist. Das Zentrum hat die heilige Pflicht, dafür zu sorgen, daß die große Ungerechtigkeit des Z 59 zum mindesten gemildert wird. Der § 59 ist mir in seiner ganzen Wirkung erst in den letzten Wochen klar geworden, und ich glaube, daß im Jahre 1912 die Hinterblie- benenrente in der Höhe, von der immer die Rede gewesen ist. in Kraft tritt, habe mich aber dann überzeugen lassen, daß die Rente im Jpre 1912 nur 50 Mk. beträgt, in den nächsten Jahren dann immer um wenige Pfennige steigt und erst nach 18 Jahren, also im Jahre 1930 die Höhe erreicht, von der immer gesprochen worden ist.(Hört, hört! links.) DaS ist in der Tat eine große Irreführung de» deutschen Volkes, und der Reichstag und die Verbündeten Regierungen haben die Pflicht, hier eine gerechtere Regelung noch im letzten Moment zu treffen.(Lebhaste Zustimmung links.) Wenn man von feiten der Regierung immer darauf hinweist, wir hätten kein Geld, so verweise ich auf die geplante englische Krankenversiche» r u n g. S>e hat gewiß große Fehler, so die lange Karenzzeit und die Herabsetzung des Krankengeldes nach 13wöchiger Krankheit auf die Hälfte. Aber dafür ist von vornherein vorgesehen eine B e- lastung des Reiches mit mehreren Hundert Millionen.(Hörtl hört! links) Und wahrend sich da» eng- tische Gesetz in großzügiger Weise die Bekämpsunq von gewissen konstitutionellen Krankheiten vornimmt, erinnere ich daran, wie unsere Regierung vollständig hart dabei steht, wenn eine Ver» besserung der Säuglingspflege und des Mutter« schütze s von allen Schichten der Bevölkerung verlangt wird. isehr wahrl links.) Bei dieser Sachlage, wo große Mängel vielen Verbesserungen gegenüberstehen, fällt meinen FreuPen die Entscheidung für die Schlußabstimmung sehr schwer. Ein Teil meiner freunde wird jm Hinblick auf die Bestimmungen über die innere Verfassung der Krankenkassen und über die LaPkrankcn- kasscn gegen die Reichsversicherungsordnung st i m m e n. Ich selbst und der größere Teil meiner Freunde werden dafür stimmen. In kühler Abwägung der Mangel und Ver- besserungen, nicht etwa in dem Gefühl etwas Großes getan zu haben, sondern in einer sehr, sehr großen Resignation. Wir haben dabei die Hoffnung, daß uns in der dritten Lesung noch die Durch- setzung einiger Verbesserungen gelingt. Jm übrigen wird es unsere Aufgabe in der Zukunft sein, in zäher sozialpolitischer Arbeit an? diesem schlechten Anfang allmählich ein besseres Gesetz zu schaffen. (Bravo! links.) Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Sonnabend 11 Uhr. Schluß 6 Uhr. Hbgeordmtcnbaiiö. 84. Sitzung vom 26. Mai 1910, mittags 12 Uhr. Am Ministertische: Finanzminister Dr. Leutzc. Ter Gesetzentwurf betr. die Schulversäumnisse in dem ehemaligen Kurfürstentum Hessen und in den älffil AsglllMigSdxzixke Csslßl gehörenden ehemaligen bahe- tischen Gebietsteilen wird in drilker Lesung debaReloS astgs, n o m m e n. Es folgt die zweite und dritte Beratuno des Entwurfs eines Ausführungsgesetzes zur Neichswertzuwachssteuer vom 14. Februar 1911. Auf Wunsch der verschiedenen Fraktionen wird die Vorlage nach kurzer Debatte an die Kommission zurückverwiesen. Auf der Tagesordnung steht dann die Beratung deS Antrages Dr. Gottschalk-Solingen(natl.) betr. Schulpflicht und Schulversäumnis. Abg. Clairon d'Haussonville(kons.) beantragt die debatte, lose Üeberweisung des Antrages an die Unterrichtskommission. Da Abg. Hirsch(Soz.) diesem Vorschlag widerspricht, wirb in die Beratung des Antrages eingetreten. Abg. Gottschalk(natl.) begründet seinen Antrag, der dahin geht, die Regierung um die Vorlegung eines GesetzenPurses zu ersuchen, durch den für den Umfang der Monarchie a) die Tauer der Schulpflicht nach einheitlichen Gesichts- punkten, jedoch unter Berücksichtigung berechtigter SoPerverhalt, nisse der einzelnen Landesteile, geregelt wird, d) einheitliche Bestimmungen Per die Folgen der ungerecht- fertigten Schulversäumnis, die Voraussetzungen ihrer Strafbarkeit, den Kreis der verantwortlichen Personen, die Art uP Höhe der Strafen und das Strafverfahren getroffen werden. Abg. Dr. Kaufmann(Z.): Der Antrag behandelt eine Materie, die außerordentlich schwierig und außerordentlich wichtig ist. Na- mens meiner Freunde muß ich erklaren, daß wir gegen eine einheitliche gesetzliche Regelung dieser Frage erheb- liche Bedenken haben, weil Beginn und Abschluß der Schulpflicht doch angepaßt werden müssen den verschiedenen Verhältnissen in verschiedenen Landesteilen, den Unterschieden zwischen Knaben uP Mädchen und anderen Verhältnissen, die einer Schematisierung ent- gegenstehen. Die Sache kann nur in einem allgemeinen Schulgesetz geregelt werden. Wir stimmen für die Üeberweisung de» Antrages an die Unterrichtskommission. Abg. Hofsmann(Soz.): Die Sache, die der Antrag Gottschalk behandelt, ist schon so spruchreis, daß sie keiner KommissionSbercrtung bedarf. Die Herren vom Zentrum würden auch für eine gesetzliche Regelung zu haben sein, wenn sie dp« ein allgemeines Schulgesetz bekämen, das ihren Wünschen entspricht. Jetzt bestimmt nach einer KabinettSorder von 1825— sie ist ja noch keine hundert Jahre Pt— der Seelsorger über die Schulpflicht. DaS kann ja dem Zentrum passen, aber uns paßt es nicht. In dieser Frage ist Preußen in Deutschland wirklich nicht voran. Jm Jahre 1908 erklärte der da- malige Kultusminister Holle in der Unterrichtskommission, die Per- waltung habe kein dringendes Interesse an einer ge- setzlichen Regelung dieser Fragen. Aus dieser Erklärung kann man schon seine Schlüsse ziehen. In der Frage der Schulpflicht herrschen in Deutschland die wirrsten Verhältnisse. ES besteht eine Bestimmung, wonach die Schulentlassung der Kinder mit der Kon- firmatwn erfolgen soll. Da sip nun einige Schulvorsteher, be- sonders wo die Geistlichkeit ihre Hand im Spiele hatte, zu dar Auffassung gekommen, wenn das Kind überhaupt nicht konsirmiert wird, weil es einer freireligiösen Gemeinde angehört, so könne es gezwungen werden, ein Jahr länger die Schule zu besuchen. Das ze,gt schon, wie dringep notwendig eine gesetzliche Regelung der Frage ist. Ebenso liegt es mit den Schulversäumnissen. Oft werden jetzt in der Stadt arme Eltern zu hohen Strafen verurteilt. weil ihre Kinder die Sck>ule versäumt hpen, während auf den» L a n d e die Kinder durch die berüchtigten Rübenfcriei, dem Unterricht entzogen werden, damit der Gutsbesitzer au» ihrem Schweiße Profit herausschlagen kann. In Weißenfels wurde den Schülern Prügel angedroht, wenn sie ihre Hefte aus der Buchhandlung kaufen, wo der sozialdemokratifcho ..Volksbote" verlegt wird. Da sind natürlich die Kinder aus Furcht vor der ungerechten Bestrafung der Schule ferngeblie- ben. Einer aesetzlichen Regelung bedarf auch die Frage, was eigent- lich als Schulversäumnis anzusehen ist. Mein Sohn wurde von der Realschule verwiesen, weil er an der K a i s e r g e b u r t s- t a g S f e i e r der Schule nicht teilgenommen hatte. Das galt also auch als SchulversäumniS. Wie kann man den Eltern zumuten. ihre Kinder zu einer Feier für den Mann zu schicken, der die Eltern als Leute bezeichnet hat, die nicht wert sind, den Namen„Deutsche" zu tragen? Es ist eine Schmach für unsere preußischen Zustände, daß unsere Gesetz, gebung nicht einmal in der Lage ist, das dringende Bedürfnis, ein derartiges Schulgesetz zu schaffen, eplich zu erfüllen.(Beifall' bei den Sozialdemokraten.) Abg. Waldstein(Rp.) tritt für den Antrag Gottschalk ein unij polemisiert gegen den Abg. Kaufmann. Nach einem kurzem Schlußwort des Abg. Gottscha» wird sein Antrag der Unterrichtskommission zur Vor, beratung überwiesen.» Der EnPurf einer Wegeordnung für die Provinz Ostpreußen wird hierauf ohne wesentliche Debatte in zweiter und dritter Lesung angenommen. Es folgt die zweite und dritte Beratung des Gesetzentwurfs über die �' Beschulung blinder und taubstummer Kinder. Abg. StyczynSki(Pole) begründet mehrere Anträge seiner Fraktion. Solange die polnische Sprache nicht wenigstens fakultativ von den unteren Klassen an zugelassen wird, sehen wir den Ent. wurf als ein Ausnahmegesetz gegen die polnische Bevölkerung an und müssen dwse Schulen als ZwangSgermanisierungsansralten betrachten. Wir werden unsere Abstimmung danach einrichten. Abg. v. Köliche»(k.): Wir werden für das Gesetz stimmen und alle hierzu gestellten Anträge plehnen. Abg. o. Kardorff(fk.) bedauert, daß da» Herrenhau» der Resolution der Kommission nicht beigetreten ist. wonach die den "Zrovinzial-(Bezirk»-) Verbänden getoährte staatliche Dotation er- öht werden soll. Seine Freunde würden dem Gesetz zustimmen. Abg. BreSler(Z.) empfiehlt Anträge seiner Freunde, die konfessionelle Anstalten fordern. Die Unterrichtsmethode in den verschiedenen Anstalten müsse vereinheitlicht werden. Abg. Ernst(Vp.) wendet sich gegen die Zentrumsanträge. Schon jetzt sei dafür gesorgt, taß den taubstummen und blinden Kindern der Religionsunterricht in ihrer Konfession gesichert sei. Abg. Dr. Schröder-Kassel(natl.): Meine Freunde werden dem Gesetz zustimmen, wenn es uns auch sehr schwer fällt, angesichts des geringen Entgegenkommens der Regierung gegenüber der Reso» lutton bcr_ Unterrichtskammern. Die Annahme der Zentrums- antrage wurde uns die Zustimmung zu dem Gesetz unmöglich machen. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.); Ich bebaute, daß die Kommission von all den Hoffnungen, die 1?�. �" l ch t k i n e einzige erfüllt hat. Die UnterrichtSanstalten für Taubstumme und Blinde haben größere Ausgaben als die Volksschulen, denn sie sollen doch auch die Fort- bildungSschule ersetzen. Trotzdem trägt das Gesetz diesen hohen Aufgaben wenig Rechnung, eS ist von einem zu engherzigen We'Ite beseelt. Der§ 6 schränkt doS Bestimmungsrecht der Eltern ehr ein. Ten§ 4 wünschen wir gestrichen zu sehen, denn er schafft konfeflronelle Anstalten, während wir die Verfüg�g über den Religionsunterricht den Eltern überlassen wollen. D,e Zentrums. antrage volleps tragen den Stempel des konfessionellen Fanatis. nuS, gegen den wir uns mit aller Schärfe wenden.§11 ist in einer jetzigen Fassung für unS unannehmbar, weil er die Kosten für die Ucbcrführung de« Kindes, seine Ausstattung usw. den Orts- armenverbänden auserlegen wollen. Dadurch bringt man auch in dieses Gesetz die A r ,n e n f ü r s o r g e hinein mit all ihren nieder. drückenden, inhumanen Wirkungen, mit der politischei, Entrechtung derjenigen, die sie in Anspruch nehmen müssen. Wir beantragen dagegen, däß die Kosten au» Staatsmitteln gedeckt werdeu. Zorges Sit durch Annahm« unseyS AMggez tzMr, dsß die W sich schon unglücklichen Elkerft blinder unS laubstummer Kinder nicht durch die jetzt im Gesetz enthaltenen inhumanen Bestimmungen noch schlechter behandelt werden, als wenn sie gesunde Kinder in die Volksschule schicken könnten.(Beifall bei den Sozialdemo- kraten.) Abg. Burcharb(k.) erklärt für einen Teil seiner Freunde, daß sie dem Gesetz nicht zustimmen könnten, wenn die Regie- rung nicht die Zusicherung gebe, daß sie eine Neuregelung der Do- tationen im Sinne der Resolution der Unterrichtskommission vor- nehmen wolle. Minister v. Trott zu Solz: Nach den Ausführungen der der- schiedenen Redner ist zu hoffen, daß das Gesetz in der Fassung des Herrenhauses angenommen wird mit Ausnahme des Z 6, zu dem Äenderungsanträge gestellt und angenommen worden sind. Die Regierung hat auch gegen die in der Kommission beschlossene Fassung des§ 6 nichts einzuwenden, denn die Regierung wollte an sich in dieser Weise verfahren. Bedenken hat die Regierung da- gegen gegen den Antrag, daß ein Kind in eine konfesstonelle An- ftalt untergebracht werden muß, wenn eine solche in der Provinz nicht besteht. Ich möchte Sie bitten, das Gesetz in der Fassung des Herrenhauses anzunehmen. Nach weiterer, unwesentlicher Debatte werden die ZZ 1 bis 6 der Vorlage unverändert angenommen. Die Beratung der Vorlag« wird hierauf abgebrochen. Eine Reihe von Petitionen werden debattelos nach den Anträgen der Petitionskommission erledigt. Das HauS vertagt sich. Nächste Sitzung: Sonnabend, 11 Uhr(Rest der heutigen Tages- ordnung, Antrag Vendt: Bekämpfung der Animierkneipen)« Schluß der Sitzung 5 Uhr. 19. Generalversmmlung der Kergarbeiter Delltschlauds. Bochum» 24. Mai 1911. Dritter BerhandlungStag. Nach Eröffnung der Sitzung erhielten die Referenten Kassierer Horn und Vorsitzender Sachse nacheinander da? Schlußwort. Beide traten eindringlich für die Annahme der eingereichten neuen Gehaltsskala für die Beamten ein. Sie erfüllt im Höchstmaß erst die Forderungen, die der Stuttgarter Gewerkschaftskongreß schon vor 9 Jahren aufstellte. Wenn man mit der EntWickelung der Mitgliederzahl auch nicht zufrieden sein könne, so habe man bet den Sicherheitsmännerwahlen und den Knappschaftsältestenwahlen um so größere Erfolge erzielt. Bei den beiden großen Bewegungen der Berichtszeit, der Be- wegung gegen den ZwangsarbeitSnachweiS und der großen Lohnbewegung der Ruhrbergleute, habe der Vorstand sehr innige Fühlung mit den Mitgliedern gehabt, und er hätte mit Freuden seine Zustimmung zum Kampfe gegeben, wenn damals die Situation derart gewesen wäre, daß man den Kampf hätte auf- nehmen können. Aber fast einmütig haben die Mitglieder bei beiden Bewegungen von der Aufnahme des Kampfes abgeraten. Die Lohnbewegung der Ruhrbergleute war verloren, nachdem der „christliche" Verband die Beteiligung ablehnte. Für die Kameraden des Bergarbeiterverbandes konnten danach höchstens noch Militär und Ausnahmegesetze dabei herauskommen. — Tie Verbitterung gegen die Verleumdungen der Christen gab sich in dem Antrage kund, bei Klagen gegen Angestellte des christ- lichen Verbandes keinerlei Vergleiche mehr einzugehen, sondern nur noch auf gerichtliche Entscheidung zu drängen. Sachse bat drin- gend, diesen Antrag abzulehnen, dem auch stattgegeben wurde. Es könne sich nicht um Bestrafung, sondern nur um die Bloß- st e l l u n g von Verleumdern handeln, und es genüge, wenn sie ge- zwungen werden, ihre lügenhaften Behauptungen zurückzunehmen. Ein Teil der Delegierten verlangte, daß die Angestellten des Verbandes, genau wie die Beamten des Bauarbeiterverbandes, bei großen Streiks die Hälfte ihres Monatslohnes opfern sollten. Sachse erwiderte, daß der Vorstand dies bei einer allgemeinen Bewegung für selbstverständlich halte, er hatte dies bei der großen Ruhrbergmannsbewegung in einer Vorstandssitzung schon in Be- tracht gezogen.— Franz. Gottesberg führte lebenoig und ein- drucksvoll vor, in welch pöbelhaften Ausdrücken sich viele Gruben- beamte in Niederschlesien, sogar höhere Beamte, gegen die Berg- arbeiter ergehen. Ein anderer Delegierter, der einen Antrag auf in polnischer Sprache gedrucktes Agitationsmaterial begründete, zeigte, wie neben den Agitatoren vierten Ranges selbst der Abgeordnete Korfanty, statt das Volk aufzuklaren und aus den Sklaven Menschen zu machen, mit den blödesten und allcrgewöhn- lichsten Mätzchen Sozialistenfresserei unter den polnischen Arbeitern betreibt.— Auch gegen den Alkohol, den tückischen Feind der Arbeiterklasse, wurde zum Kampf gerufen: weiter verlangte man mehr Bildungsgelegenheiten, die Einrichtung von Unterrichts- kursen an den einzelnen Orten, die Lieferung der-Arbeiterjugend" an die jungen Arbeiter. In der Abstimmung wurden u. a. die folgenden Anträge an- genommen: „Der Verbandsvorstand hat dahin zu wirken, daß sämtliche Arbeiter, die den Berggesetzen unterstehen, unserem Verbände an- zugehören haben. Die Zersplitterung in mehrere freigewerk- schaftliche Organisationen ist ein Fehler." „Die Ortsverwaltungen haben bei Beginn jeder Versamm- lung auf die Schädlichkeit des Alkohols hinzuweisen." .„Jugendlichen Mitgliedern ist. falls ibr Vater oder ihre Brüder dem Verband angehören, auf ihren Wunsch die„Arbeiter- Jugend" zu liefern." „Der Vorstand soll unverzüglich Mahnahmen ergreifen zur Beseitigunh des ZwangSarbeitSnachweiseS oder zu dessen Um- Wandlung m einen paritätischen." „Der Vorstand wird beauftragt, gemeinschaftlich mit den anderen Bergarbeiterorganisationen an den bergbaulichen Verein des OberbergaintSbezirks Dortmund die Forderung um Beseiti- gung der Lohnabzüge für Grubenlicht einzureichen." ..Grenzstreitigkeiten und Einteilungen neuer Zahlstellen werden von den Ortsverwaltungen unter Zuziehung des Bezirks- leiterS geregelt" „Der Vorstand soll gemeinsam mit den Kartellen die Bil- dungskurse weiter Pflegen. Er soll jedes Jahr einen Berg- orbeiter-Taschenkalender herausgeben." In namentlicher Ab st immung wurde die G e h a I t S- skala für die Beamten angenommen. 76 Delegierte stimmten mit Ja, 47 mit Nein, 2 enthielten sich der Abstimmung. Die wichtigsten Bestimmungen der Sklala lauten: Da« Gehalt beträgt für die in der Z e n t r a l v e r w a l t u n g, £ 011 un� den Arbeitersekretariaten an- ?«/(■ ��tenz�AnfangSgehalt 1920 M., steigend jährlich um 100 M. bis zum Höchstsatz von 2700 M. Für B e z i r k s l e i t e r und Hilfsbeamte im Jen- kralbureau: Anfangsgehalt 1800 M.. steigend um 100 M. pro Jahr bis zum vochltgebalt von 2420 M. , Sur. die Lokalai.gestellten: Anfangsgehalt 1680 M. pro Jahr. steigend zahrlich um 100 M. bis zum Höchstgehalt von 2200 M. In den Revieren und Orten mit teuren Wohnungsmieten und teurer Lebenshaltung wird bis 20 M. pro Monat mehr bezahlt. Die Entscheidung darüber trifft der Vorstand. Erleidet ein Angestellter im Dienste des Verbandes FreiheitS- strafen, so hat er Anspruch auf Sclbstbeschäftigung und Belöstiguiig aus Verbandsmitteln.— Nach Erledigung der Antrage erstattete Redakteur Wagner den Pressebericht. Nachmittags wird ein gemeinsamer Ausflug ins Lkuhrtal unternommen. Bierter BerhandlungStag. Alle Diskussionsredner waren im allgemeinen mit der Haltung der„Bergarbeiter-Zeitung" zufrieden, aber große Anfechtung er- fuhr der von ihr gebrachte diesjährige Maiartikel. Der R-dalteur Wagner hatte in dem Arlilel ausdrücklich auf den Beschluß der Ber. tiner Generalversammlung des Verbandes hingewiesen,»vonach vstcrjtützungen fgr fje wegen der SMMet MWßregejM um Verband nicht gezahlt werden. Sachse sagte zu der Angelegenheik, 1 daß es im Vorstand niemand eingefallen sei, gegen die Maifeier zu operieren und die Kameraden vom Feiern abzuhalten. Er persön- üch stehe auf dem Standpunkte, daß die Demonstration am 1. Mai von außerordentlicher Bedeutung und von Nutzen für die Arbeiter- schaft fei. Aber der Stein des Anstoßes ist im Laufe der Zeit die leidige Unterstützungsfrage geworden. Opfer nach Hunderttausenden Mark können die Gewerkschaften für diese eine Frage nicht bringen. Deshalb habe Partei und Gewerkschaft gemeinsam den Beschluß auf Gründung der Maifonds gefaßt. So wie bis jetzt aber die Dinge mit diesest Fonds in den meisten Kreisen noch stehen, muß dort, wo die dringende Gefahr der Aussperrung vorliegt, der 1. Mai durch andere Demonstrationen begangen werden, und der Redakteur Wagner war verpflichtet, auf den Beschluß der Berliner General- Versammlung aufmerksam zu machen.— Werner- Wattenscheid und P a tz e l t- Gelsenkirchen verurteilten aber auch nach diesen Ausführungen Sächses noch die Tendenz des Maiartikels.— Viel Anklang fand der Vorschlag auf sortlaufende Veröffentlichung der Urteile der Berggewerbcgerichte in der.Bergarbeiterzeitung", weil diese Urteile in ihrer durchgehends arbeiterfeindlichen Tendenz eine große agitatorische Wirkung ausüben.— Zu einem von der Zahl- stelle Mörs gestellten Antrage: Die„Bergarbeiterzeitung" solle keine die autonomen österreichischen Organisationen angreifenden Artikel mehr veröffentlichen, nehmen auch Hue und Umbreit lGeneralkommission) das Wort. Diesem Antrage dürfe unter keinen Umständen stattgegeben werden. Die deutschen Gewerk- schaften haben aus ihren Erfahrungen heraus die Pflicht, den öfter- reichischen Separatisten zuzurufen: Wir werden Eure Separation in keiner Weise unterstützen! Es ist geradezu eine Frivolität, den Arbeitern die einzige Waffe, die sie in ihrem Kampfe gegen das übermächtige Kapital haben, die Zentralisation, zu zer- schlagen und der Widerstandskraft der Arbeiter den Todesstoß zu versetzen.— Der frühere Redakteur P o k o r n h, der an Stelle Wagners daS Schlußwort nahm, ging noch einmal ausführlich auf die Maifeier ein. So sehr er stets ein Freund der Maifeier ge- Wesen, so muß er doch sagen, der Streit über die Maifeier hört nicht auf. und die Massen lassen die Arbeit nicht ruhen. Die Mai- feier ist keine glänzende, obwohl es immer und immer wieder be- hauptet wird, und wenn nicht bald eine grundlegende Aenderung eintritt, wird man sich allen Ernstes mit der Frage befassen müssen, die Maifeier auf den ersten Sonntag im Mai zu verlegen. Wenn Demonstrationen gemacht werden sollen, dann hätten die Arbeiter alle Ursache, es bei anderen Gelegenheiten, z. B. bei drohenden arbeiterfeindlichen Gesetzen zu tun.— Dem Borstande wurde einstimmig Decharge erteilt. In der Abstimmung wurden zwei Resolutionen aus Lütgendort- m u n d, die der Redaktion ein Mißtrauensvotum wegen der Mai- feierfache aussprachen, abgelehnt; ebenfalls ein Antrag der Zahl- stelle Scharnhorst, daß die Maifeier-AuSgesperrten in Zukunft Gematzregeltenunterstützung erhalten sollen. Danach referierte das Vorstandsmitglied Waldhecker über: „Der Stand des gesetzlichen Bergarbeiterschutzes und wie muß derselbe abgeändert werden." Die Schutzmaßregeln, die der Referent forderte, sind in fol- gender Resolution niedergelegt: „Die Generalversammlung hält den Erlaß eines Reichsberg- gesetzeS für dringend erforderlich, schon weil die Erfahrung lehrt, daß von den gesetzgebenden Körperschaften der einzelnen deutschen Bundesstaaten, besonders von dem preußischen Landtag, eine wirksame Reform der Berggesetzgebung nicht zu erwarten ist. In dem Reichsberggesetz muß vorgeschrieben werden: 1. Die Höchstdauer der Schichtzeit für alle Arbeiter in der Bergwerlsindustrie darf nicht mehr wie acht Stunden be- tragen. 2. Ueber- und Nebenschichten sind nur zur Rettung von Menschenleben oder zur Vermeidung außerordentlicher Be- triebSstörungen zulässig. 3. Vor nassen Arbeitsorten und solchen, die mehr als 28 Grad Celsius Wärme aufweisen, ist die Arbeitszeit auf höchstens sechs Stunden zu bemessen. 4. Ueberwachung der strengen Durchführung der zum Schutze der Belegschaften erlassenen Vorschriften durch von der Arbeiterschaft in einem allgemeinen, direkten, gleichen und geheimen Verfahren gewählten Werlskontrolleuren. Dieselben sind, um sie wirtscbaftlich unabhängig zu machen, aus öffentlichen Mitteln ausreichend zu besolden. Die Kon- trolltätigkeit dieser Personen muß eine fortgesetzte sein. 5. Gleiches, direktes und geheimes Wahlrecht für die Knappschaftsmitglieder bei allen knappschaftlichen Vertreter- wählen. ÄnappschastSinvaliden und freiwillig fortsteuernde Kassenmitglieder dürfen vom Wahlrecht nicht ausgeschlossen werden." Dann referierte Pokorny über:„Sanitäre Zustände auf den Gruben" und begründete folgende Resolution: „Die von den deutschen Knappschaftskassen gemeldeten hohen Krankheitsziffern, die den Durchschnitt der Erkrankungszahlen in den anderen Krankenkassen weit übersteigen, sowie der tiefe Stand der Lebensdauer der Bergleute und ihre frühzeitige Jnvali- dität beweisen, wie gesundheitsvernichtend die Arbeitsmethode im Bergbau ist. Wenn auch anerkannt werden mutz, daß infolge der Kritik der Vertreter des Bergarbeiterverbandes und seiner Presse sich im Laufe der letzten Jahre manches hinsichtlich der sanitären WrkSeinrichtungen gebessert hat, so existieren doch auf vielen Gruben noch Zustände, die empörend genannt werden müssen. Dort liegen die sanitären Verhältnisse noch sehr im argen; traurig sieht es auch noch mit der Behandlung der kranken und verletzten Arbeiter aus. Die 19. Generalversammlung deS Verbandes der Berg- arbeiter Deutschlands erhebt gegen diese gemeinschädlichen Miß- stände energischen Protest und fordert die Erfüllung der längst erhobenen Bergarbeiterforderungen betr. die Einfuhrung von, bezw. Verbesserung der sanitären Werkseinrichtungen. Diese Refom ist imstande, den Gesundheitszustand der Bergleute zu heben." Sodann ging Reichstagsabgeordneter Hue in längeren Aus- führungen auf die Reichsversicherungsordnuna ein. Er zeigte, wie alles, auch das, was die polnische, christliche, Hirsch- Dunckersche Organisation gemeinsam mit dem freien Verband ge- fordert haben, verworfen wurde. Dann befaßte er sich mit der Be- hauptung des famosen Behrens: Sachse und Hue hätten sich nicht in der Kommission sehen lassen, wie mit der Behauptung von der Alles- oder Nichtspolitik, die man jetzt wieder mit Vorliebe der sozialdemokratischen Fraktion, besonders aber Sachse und Hue, zum Vorwurf macht. Die sozialdemokratische Fraktion hat bei der Reichsversicherungsordnung positive Arbeit geleistet vom ersten bis zum heutigen Tage, und wenn man anderes behauptet, so ist das entweder Blödsinn oder Niedertracht. Hue legte dann Wert darauf, vor aller Oeffentlichkeit einen ganz groben Be schwinde» lungSversuch festzunageln, der jetzt im letzten christlichen „Bergknappen" getrieben wird. Die Behauptung geht dabin, unsere Fraktion hätte einen Antrag gestellt, der daS geheime Wahl- recht aus den KnappschaftSkassen heraushaben wollte. Hue wies nacki, daß die„ehrlichen" Christenbrüder dabei einen demagogischen Trick verüben. In Wirklichkeit sei durch einen sozialdemokratischen Antrag daS geheime Wahlrecbt wirklich durchgeführt und zugleich auch den Invaliden das Wahlrecht gegeben worden, wodurch es erst möglich geworden wäre, unabhängige Vertreter in die KnappschaftSkassen hineinzubekommen. Aber dieser Antrag wurde niederg est immt, auch von den sogenannten Arbeitervertretern Wiedeberg. GieSberts. Schiffer. Behrens. Becker und so weiter, während der von ihnen angenommene Antrag Schulz den jetzigen Zustand und die Rechtlosigkeit der Invaliden gerade für die großen Knappschaftsvereine aufrechterhalte. Die Ausführungen de« Referenten über die Zustände auf den Gruben wurden in der Diskussion noch scharf unterstrichen. In der Debatte über die RcichSversickerungsordnung stellten vornehmlich die Arbeitersekretäre das Verhalten der christlichen Aucharbeiter- Vertreter lll»Äige LiM. gl riMjmllUlZ eine 2teiclus Hort angenommen, die das Verhallen Sott Hue und Sachse del der Reichsversicherungsordnung nicht nur billigt, sondern ihnen und der sozialdemokratischen Fraktion auch aufgibt, falls nicht nenn e n s- werte Verbesserungen bei der dritten Lesung in dm Rcichsverstche- rungsordnung hineinkommen, gegen dieselbe zu stimmen. Zwei andere Beschlüsse beauftragen den Vorstand, dahin zu wirken, daß sämtliche Unfall-, Invaliden-, Kranken- und KnappschaftSkassen vereinheitlicht werden, serner. daß die Beschafsung der Wurmatteste beim Wechsel der Arbeitsstelle in Wegfall kommt. Eue aller Welt. Dampferkatastrophe im Golf von Panama. Nach einer Meldung aus Panama ist der Dampfer „Taboga" der amerikanischen National Steamship Line am 23. d. M. in der Höhe von Punta Mala auf einen Felsen aufgelaufen und gesunken. Soweit bisher bekannt, sind von hundert Passagieren, die sich an Bord befanden, yux vierzig gerettet._ Die Flngwettbewerbe. Beim rheinischen Zuvcrlässigkeitsflug legte H i r t h am Donners« tag und Freitag die b. und 0. Etappe Karlsruhe— Mannheim und Mannheim— Frankfurt a. M. vorschriftsmäßig zurück. Hir'.h ist der einzige Bewerber, der am Ziele eintraf, da Brunhuber, wie er au« gab. infolge nervöser Ueberreizung auf die weitere Konkurrenz ver« zichtete und Witterstätter bei Mainz einen Unfall erlitt, bei dem er sich selbst verletzte. Der Sieger Hirth steuerte einen Etrich-Rumpler-Apparat. dessen elegante vogelähnliche Form überall Aufsehen erregte. Hirth selbst legte erst Ende März sein Pilotenexamen ab, zeigte sich aber bereits in Johannisthal in zahllosen Höhenflügen als Flieger aller» erster Klasse. Im Fluge Paris— Madrid gelangte gleichfalls nur ein Flieger ans Ziel: der MoraneSpilot B e d r i n e. Die beiden anderen Be« werber mutzten auf der letzten Etappe wegen Beschädigung ihrer Apparate den Weiterflug aufgeben. VedrineS Flug stellt die bis jetzt bedeutend st e aviatische Leistung dar, da die in drei Etappen zurück« gelegte Strecke nicht weniger als 1200 Kilometer beträgt. Außerdem war auf der letzten Strecke außerordentlich sehr schwieriges Terrain zu überwinden, das den Piloten zwang, die Gebirgszüge in einer Höhe von 2000 Metern zu überfliegen. Todessturz eines euglischen Fliegers. Der Aviatiker B e n s o n stürzte am Mittwoch bei einem Flug» versuch in London auS einer Höhe von 30 Meter herab. Er war sofort tot; die herbeigeeilten Aerzte stellten einen Bruch der Schädelbasis fest. Der bedauerliche Unfall ereignete sich da« durch, daß Benson zu stark an dem SteuerungShebel riß, so daß der Apparat umkippte._ Erdbeben. Nach einer Meldung auS Athen hak auf der Insel Leukos ein heftiges Erdbeben stattgefunden. Einige Häuser sind eingestürzt. Mehrere Personen wurden verletzt. Am Hosen ist ein großer E r d r i ß entstanden. Nach einer Meldung des Chefs des Pamir-Detachemenis aus Skobelew im Ferghan-Gebiet ist die Ortschaft O r o s ch o r auf dem Pamir-Plateau in Zentralasien während eines Erdbebens im Februar dieses Jahres durch einen Bergsturz vollkommen verschüttet worden. In vier anderen Dörfern wurden viele Häuser zerstört. Hundert» achtundzwanzig Menschen sind umgekommeu. Es geschehen noch Wunder! In einem Artikel über den großen Brand, der vorige Woche daS oberfräiikische Städtchen T e u s ch n i tz zum großen Teil in Asche legte, schreibt die ultrain ontane.Forchheimer Zeiwng": „... Und wahrhaft erbauend war eS, als eine große Menge Volles in der Nähe deS Brandplatzes zum Gebete vor dem Aller- Heiligsien, das Hochw. Herr Pmizer. Dechantpfarrer, herbeigetragen hatte, niederkniete. An dieser Stelle wurde denn auch dem Feuer Einhalt geboten." Nach dieser wunderbaren Wirkung de? Gebetes auf daS Feuer ist e§ eigentlich unverständlich, zu was die Behörden kostspielige Feuerlöschvorkehrungen treffen. Man zitiere beim Ausbruch eineS Brandes einfach einen katholischen Priester, der mit den Um« stehenden niederkniet und betet, dann wird das Feuer wie auf Kom« mando erlöschen, während eS den Wchrleiite» oft hartnäckigen Wider« stand entgegensetzt._ Kleine Notizen. Schweres Automobilunglück. Auf der Landstraße GoSlav, HilbeSheim fuhr gleich hinter dem Dorfe Jerstedt das Auto- mobil deS Fabrikbesitzers Otto Blume nberg aus Schöne» berg-Berlin in einen Langholzwagen hinein. Das Auto- mobil, da» von dem Besitzer selbst gesteuert wurde, ging dabei in Trümmer. Die drei Insassen wurden herausgeschleudert. Der Besitzer Otto Blumenberg wurde sofort getötet, während der Mitfahrer Dr. Alfred Bink sowie der Chauffeur nur leich, tere Verletzungen davontrugen. Massenerkrankungen nach einer Landwchrübung. Von einer Htägigen Lanidwehrübung in Büsch zurückgekehrt, sind mehr als 70 Mann aus der Gegend von A n d l a u im Elsaß an V e r g i f» tungscrscheinnngen erkrankt. Ein 32 Jahre alter Bergarbeiter starb unter schrecklichen Schmerzen. Dig übrigen liegen noch krank danieder. Die Vergiftung scheint von der Uebungszeit herzurühren. Die Behörde ist bemüht, den mysteriösen Fall aufzuklären. Folgenschwerer Mauereinsturz. Eine große Menschenmenge hatte sich am Donnerstag in Mailand am Ziel der Nadfahrt rund um Italien angesammelt, um die eintreffenden Radfahrer zu be» grüßen. Fünfzehn Personen waren aus eine in der Nähe befind- liche Mauer gestiegen; diese stürzte plötzlich ein und begrub unter ihren Trümmern eine Anzahl Menschen. Ein Ibjähriger Knabe wurde tot hervorgezogen, zwei andere Personen wurden sterbend nach dem Hospital gebracht, außerdem erlitten 20 Per- sonen schwere Verletzungen, während bO mit leichteren Verwundungen davonkamen. Tie Pest auf Java. In der Zeit vom 19. bis 24. Mai sind auf der Insel Java 10S P e st f ä l l e vorgekommen. 74 Personeu sind der Epidemie erlegen. «zitterungSüderNckit vom SS. Mai 1S11. fur Soniiabend. de» 27. Mai Hill. iMCItadj heiter, nachtS ziemlich kühl, am Tage warm bei srischen östliche» lden; Gewitter nicht auKgelchlossen, sonst trocken. Berliner Sonntag bis 6 Uhr geöffnet. Achtung! Mühlenarbeiter! Achtung! Sonntag, den 28. Mat, nachmittags 2 Uhr, im Gewerkschafthaus. Engelufer 15, Saal I: Allgemeine Verfammlung aller in den Mühlen Groß- Berlins beschäftigten Arbeiter. Zages Drdnung: Sind die Mühlenarbeiter gewillt, in diesem Jahre in eine Lohnbewegung einzutreten? Wahl einer Lohnkommission. Kollegen! Die wichtige Tagesordnung macht es jedem Mühlenarbeiter gur strengsten Pflicht, in dieser Bersammlung zu erscheinen. Die Ortsverwaltung Berlin 42/18 des Verbandes der Brauerei: und Mühlenarbeiter. Deutscher Holzarbeiter- Verhand Verwaltung Berlin. Montag, den 29. Mai: Mitglieder- Versammlungen in fämtlichen Bezirken und Branchen. Beratung der Anträge für die Generalversammlung. Donnerstag, den 1. Juni, abends 8 Uhr: Ordentliche General- Versammlung im Gewerkschaftshause, Engelufer 14/15. Zages Ordnung: Berteht ber Drtsverwaltung. Kassenbericht. Wahl etnes undesoldeten Ditgliebes zum Hauptvorstand. Anträge. 84/1 Delegiertenfarte und Mitgliedsbuch legitimiert. Die Ortsverwaltung. M. Glogau Fordern Sie Ihren Wertbon gratis. Sonntag bis 6 Uhr geöffnet. ENDLICH WAS NEUES Jeder neue Kunde erhält ein passendes, geschmackvolles, nützlichoa Geschenk statt Norden- Marken 100% in bar von der Anzahlung Unerreicht ist unser heutiges Angebot In Herren-, Damen-, Kinder- Konfektion Wir bieten Ihnen eine Auswahl, die Sie an Geschmack und Preislage unbedingt befriedigen muss. Herren- Paletots Prele 18, 24, 30 Anz. v. 61. an Herren- Paletots Prele 85, 40, 45 Anz. v. 8 M. an Herren Gehrock Anzüge Prefs 45, 50,55 Anz. v. 10 M. an Herren- Sakko- Anzüge Prels 26, 30, 35 Anz. v. 6 M. an Herren- Sakko- Anzüge Prele 40, 45, 50 Anz. v. 8 M. an modern u. hochschick verarbeitet. 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Bele§ 3a Abs. 4, § 3b Abs. 2,§ 50,§ 57b Abs. 4,§ 57a Abs. 1 u. 2. Land.Unfall- u. Krantenberf.- Gesek v.5.Mai1886, §136 61.5,§ 137 Abs. 3 6. Ersatzleistungen von Be rufsgenossensch., Unternehmern, Berficherungs anstalten für gewährte Krantenfürsorge, Unfall renten, Zuschüsse zum Krankengeld nach: Unfallvers.- Ges. vom 6. Juli 1884,§ 5 Abs. 8 u. 9,§ 8 Landw. Unfalls u. Kr.Verf.- Gesez vom 5. Mai 1886,§ 10 Abf.4,§ 11.Un fallvers. Gesek b. 13. Juli 1887,§ 6 21bf. 1. Unfall berf.- Gesez vom 11. Juli 1887,§ 10 Abf, 1,§ 11 Abs.2. Gesez betr.die In baliditäts- und Altersbersicherungvom22.Juni 1889,§ 12 Abf. 2 7. Entnahme aus dem Reservefonds 8. Sonstige Einnahmen: a) im ganzen. 6 094,48 930,25 Summa 272 229,45 Summa der Einnahmen Summa der Ausgaben 276/12 Reinidendorf, im Mai 1911. 9. Für Kapitalanlagen, Buführungen zum Re ferbefonds 10. Verwaltungsausgaben a) persönliche b) sächliche . 34902 2 926,70 Fritz Wilke's Festsale, 500 Garten mit neuer Bühne bis 1000 Berf. Sebastianstr. 39, dicht a. d. Alten Jakobstr. Pfingsten, mehrere Sonnabende und Sonntage zu Versammlungen, Fest 47,518,73 lichkeiten usw. noch zu vergeben. Fernsprecher Amt 4 Nr. 11348.( 19365* 7 387,48 502,03 • 26 130,03 • • • 16 056,94 . 8 026,82 1147,89 11. Sonstige Ausgaben. Summa 253 763,70 272 229,45 C. Abschluß. · 253 763,70 Raffenbestand 18 465,75 M. Der Vorstand. Bensch, Borfizender. Neubecker, Schriftführer. 11242* ,, Silesia- Bad"= Schlesische Str. 31 Alle Arten medizinische Bäder. Lieferant aller Kassen. W. Zapel Hut- Fabrik, Skalitzerstr. 131 Größtes Spezial- Geschäft= für Seiden- und Filzhüte. Lager in Schirmen und Mützen. Eilen Sie zum enorm billigen Pfingstverkauf des Konfektionshaus Stein" 99 150 Frankfurter Allee 150. Herren- Anzüge von 8,50 M. an Knaben- Anzüge Wasch- Anzüge 1, Wasch- Blusen " 1,75, " 9 " 50 PL., Rezepte für Haus und Familie bon Dr. R. Gegen Handschweiß. 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Drudu. Verlag: Vorwärts Buchdruderei y. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. Nr. 122. 28. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sounabrud, 27. Mai 192. 10. Generalversammlung der Glasarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. JImenau, 24. Mai. Dritter Berhandlungstag. = Energie und Tattraft arbeiten, bis diese menschenunwürdigen Zu- sonen Frauenüberschuß über den Reichsdurchschnitt. Gebiete wie stände beseitigt sind.( Lebhafter Beifall.) In der Debatte gab Gauleiter Dirschel Fürth eine aus führliche Schilderung der Zustände in der Oberpfalz, wo eine 15bis 20stündige Arbeitszeit üblich sei. Damit war dieser Punkt erledigt. Die Verhandlungen wurden dann auf Freitag vertagt. Aus Induftrie und Bandel. Fleischnot. Westfalen, Hannover und Rheinland, ferner Elsaß- Lothringen weisen Männerüberschüsse auf, und zwar kommen auf 1000 Männer in Westfalen 937 Frauen, in Hannover 997 Frauen, im Rheinland 987 Frauen und in Elsaß- Lothringen 953 Frauen. Da ElsaßLothringen militärisch start besezt ist, so erklärt sich hier leicht der Männerüberschuß. Zieht man in dem Reichslande aber nur die Zivilbevölkerung in Betracht, so wird der Ueberschuß umgekehrt, nämlich 1047 Frauen auf 1000 Männer. Von den größeren deutschen Bundesstaaten weist das Großherzogtum Hessen mit 1006 weiblichen auf 1000 männliche Personen die größte Annäherung an die Gleichzahl der Geschlechter auf. Die Ursachen an dem abweichenden Reichsdurchschnitt lagen im östlichen Deutschland teils in der überseeischen Auswanderung oder dem Verzug nach der Reichsmetropole bezw. nach dem Westen. Für die anderen Staaten und preußischen Provinzen waren die Binnenwanderungen, alſo auch die Erwerbsverhältnisse, ausschlaggebend; kurz gesagt, der gende einfache Berechnung: Der Männerüberschuß tritt nur in Ortschaften von weniger als 1000 GEinwohnern hervor; in Städten von 5000 bis 20 000 Einwohnern ist der ziemliche Ausgleich der Geschlechter vorhanden; in Mittelstädten( 20 000-100 000) tritt aber der Frauenüberschuß schon hervor, nämlich 1004 Frauen auf 1000 Männer, der dann in den Großstädten bis auf 1092( Berlin) steigt.( In Wien ist der Ueberschuß 1070, in Hamburg 1060, in München 1051, in Dresden 1040, in Breslau 1036 und in Leipzig 1035.) Die Sigung beginnt mit der Statutenberatung. Für die Kommission berichtet Hoffmann- Oldenburg. Die Kommission hat sich von dem Prinzip leiten lassen, jede Erhöhung der Unterstügungen abzulehnen, da die Kasse nicht belastet werden dürfe. Einer Beitragserhöhung hat sie ebenfalls nicht zugestimmt, da diese vor nicht langer Zeit vorgenommen wurde. Es wird aber vorgeschlagen, daß der untersten Beitragsklasse nur jugendliche und Die Fleischpreise zeigen wieder eine bedenkliche Neigung, in die weibliche Mitglieder angehören können. Nach längerer Debatte Höhe zu gehen. Die Hoffnungen auf Verminderung der Haus wurde schließlich zur Beitragsfrage beschlossen: für weibliche Mit- haltungskosten müffen begraben werden. Die Löhne folgen der glieder und solche männliche Mitglieder, die ein Jahreseinkommen Zeuerung nicht; dafür sollen die Arbeiter durch neue Gesetze in der bis 700 M. haben, beträgt der Beitrag 40 Pf. pro Woche, für männliche Mitglieder über 700 M. bis 1000 M. Verdienst 50 Bf. und bei Bewegungsfreiheit gehemmt werden. Das find fchöne Aussichten! Verzug nach den Industriedistritten. Daraus ergibt sich die folüber 1000 Mt. 60 Bf. Hierzu fand folgender Antrag Annahme: Wie die Fleischpreise steigen, zeigt deutlich eine Zusammenstellung „ Kollegen, die den statutenmäßigen Beitrag nicht zahlen, fönnen der Statistischen Korrespondenz". Sie umfaßt 50 Städte und nicht Mitglieder der Organisation sein." Die Bahlstelle Berlin, die findet folgende Durchschnittspreise. Es kostete ein Kilogramm fast 1000 Mitglieder hat, beantragte, daß auf 250-300 Mitglieder Pfennig: zwei Delegierte und auf je weitere 250 Mitglieder noch ein wei1. Hälfte Mai 1. Hälfte April 1. Hälfte Mai terer Delegierter kommt. Der Antrag wird abgelehnt. Zum Streitreglement wird bestimmt, daß bei Streits und Aussperrungen die Unterstützung vom 4. Tage an bezahlt wird. Für Mitglieder, die der Organisation noch nicht 13 Wochen angehören, beträgt die Unterstüßung in allen Staffeln 3 Mt. weniger. # 1 1910 154,4 9> 175,5 Rindfleisch. Kalbfleisch Hammelfleisch. 162,8 Schweinefleisch 155,0 1911 164,7 186,9 175,3 148,0 1911 165,5 189,9 177,2 147,8 Nur das Schweinefleisch ist etwas billiger geworden; gegenüber Sammelfleisch um 14,4 Pf., Kalbfleisch um 14,4 Bf., Rindfleisch um dem Vorjahre macht die Preissenkung 7,2 Pf. aus. Dagegen wurde 11,1 Pf. teurer. Das ist der Segen der berühmten Politik der Ein Antrag, für Westdeutschland einen Gauleiter anzustellen, wird gegen 3 Stimmen angenommen. Ausschusses, eine Regulierung der Gehälter der Beamten Gine längere Debatte entspann sich über einen Antrag des vorzunehmen. Schließlich wurde beschlossen, die Gehaltsverhält. nisse nach der Stuttgarter Resolution zu regeln und die Dienst- Schnapsblodparteien. jahre anzurechnen. Die Beamten erhalten nun eine jährliche Steigerung um 100 M. auf die Dauer von fünf Jahren, und dann eine jährliche Steigerung um 50 M. bis zum Höchstgehalt von 3000 m. Bei Beratung der verschiedenen Anträge wird beschlossen, der Glasbläsergenossenschaft des Meininger Oberlandes in Steinau, die aus Verbandskollegen besteht, ein Darlehen von 2000 M. au gewähren, sofern die Genossenschaft imstande ist, die nötige Sicherheit für jederzeitige Rückzahlung zu geben. Aus dem Schiffahrtsgewerbe. Nun werden aber, und zwar nicht in Deutschland allein, sondern auch in anderen Ländern, mehr Knaben als Mädchen geboren. Das zeigt sich deutlich in den angegebenen Geburten, und ist hier schlägt aber bald nach der Geburt infolge der größeren Sterblichkeit das Ueberwiegen des männlichen Geschlechts fünf- bis sechsmal größer auf 100 weibliche Wesen. Dieses Geschlechtsverhältnis der Knaben in das Gegenteil um. Da das Geschlechtsverhältnis der Geborenen im allgemeinen tonstant ist, so liegt, abgesehen von den Wanderungen die Auswanderung aus Deutschland ist gegenwärtig mit ihren geringen Ziffern von keinem Einfluß auf - der bestimmte Einfluß auf das verschiedene unser Endresultat Es haben in den ersten vier Monaten d. J. insgesamt Geschlechtsverhältnis der Gesamtbevölkerung hauptsächlich auf 82 Schiffahrtsgesellschaften ihre Geschäftsergebnisse veröffentlicht; feiten der für beide Geschlechter verschiedenen Absterbeordnung. ihr Aktienkapital stellte sich im Jahre 1910 auf 448,19 Millionen feiten der für beide Geschlechter verschiedenen Absterbeordnung. Daraus folgt, daß man zu einer Minderung des weiblichen UeberMark gegen 449,04 Millionen im Jahre 1909 und 448,49 Millionen im schusses insonderheit dazu kommt, wenn man die Kindersterblichkeit Jahre 1908. Für den Vergleich der Dividendenergebnisse bekämpft; hierdurch würden relativ mehr Knaben am Leben mit den vorjährigen kommen im ganzen 75 Gesellschaften in Bes bleiben. Auch die Auswanderung hilft mit am Frauenüberschuß, tracht; sie hatten ein gesamtes Attient̃agital von 445,91 Millionen Berichtigung: Im gestrigen Bericht soll es nicht heißen, wart im Jahre 1908, 446,46 Millionen im Jahre 1909 und denn nach den Berechnungen Müllers ergibt sich, daß ungefähr 45 schmelzungsfrage als platonische Liebeserklärungen" bezeichnet 6 585 637 M. im Jahre 1908 auf 17 417 000 m. im Jahre 1909 daß die Ausführungen des Vertreters ber Töpfer zur Ver- 445,58 Millionen im Jahre 1910. Die Dividendensumme ging von weibliche auf 55 männliche Personen kommen. wurden, sondern die Ausführungen des Vertreters des Porhinauf, um im Jahre 1910 auf 26 283 000 m. zu steigen. Sie ist zellanarbeiterverbandes. JImenau, 25. Mai. Bierter Berhandlungstag. Die Sigung beginnt um 7 Uhr, da von der Polizei erklärt wurde, daß wegen des Feiertages während der Kirchzeit nicht getagt werden darf. Zur Beratung steht einer der wichtigsten Punkte der Tagesordnung: bon 1908 auf 1910 um das Dreifache gestiegen. Im Durchschnitt ergibt sich für das Jahr 1910 eine Dividende von 5,9 Proz. gegen 3,9 Proz. im Jahre 1909 und 1,5 Proz. im Jahre 1908. Die Dividende betrug bei den folgenden Gesellschaften, bei denen das Aktienkapital vom Jahre 1910 angegeben ist: Aktienkapital Dividende in Prozent in 1000 m. 1908 1909 125 000 125 000 Hamburg- Amerika- Linie Norddeutscher Lloyd, Bremen Deutsche Dampfschiffahrtsges. Hansa, Bremen Deutsch- Austral. Dampfsch. Gesellschaft, Hamburg Hamburg Südamerikanische Dampfsch.- Gei., Hamburg. Deutsche Dampfschiffsgefell schaft Rosmos, Hamburg. Ridmers Reismühl., Reederei u. Schiffbau, Bremen Deutsche Ostafrikalinie, Hamb. 8B 0 6 0 0 10 67 43 170 Gerichts- Zeitung. Arge Schwindeleien zum Schaden einer Juwelenfirma fielen dem Buchhalter Ernst Göße zur Last, der gestern unter der Anklage der Unterschlagung und des Diebstahls vor der 3. Straftammer des Landgerichts I stand. Dem schon erheblich vorbestraften Angeklagten war es gelungen, sich in das Vertrauen der Inhaber 1910 eines hiesigen Juwelengeschäfts zu schleichen. Er suchte im Geschäft eines Tages nach einem Brillantring, den er an einem bornehmen Herrn verkaufen könnte. Bei Vorlegung verschiedener Muster gelang es ihm, mit erstaunlicher Fingerfertigkeit einen Brillantring im Werte von 900 m. mit einem minderwertigen Similiring zu bertauschen. Er hat den erbeuteten Ring noch an demselben Tage unter dem Namen von Gothen auf dem königlichen Leihamt versetzt. Diese Straftat war noch nicht entdeckt, als er die Firmeninhaber bewog, ihm einige Goldsachen im Werte von 750 M. zum tommissionsweisen Vertrieb zu überlassen. Auch in diesem Falle hat er die Ware sofort verseht und den Erlös zu eigenem Nußen berwendet. Noch in einem dritten ähnlichen Falle hat er das in 71% ihn gesette Vertrauen arg gemißbraucht. Die Strafkammer ver urteilte ihn zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis. 11 9 00 8 25 000 16 000 15 000 14 000 5 13 000 10 0004 5 3 6 8 8 10 998 10 10 Die Gesellschaften lagen immer und immer über berlustbringende Geschäfte, die Aufstellung zeigt, was davon zu halten ist. Die Großeinkaufs- Gesellschaften. ,, Arbeiterschuh in der Glasindustrie". Der Referent, Verbandsvorsißender Emil Girbig- Berlin, hob einleitend hervor, das Deutsche Reich sei sehr stolz auf seine Sozialgesetzgebung, auf die überall hingewiesen werde. Der erste Herr im Staate" habe von der gefüllten Kompottschüssel" gesprochen und erklärt, daß die Stellung des Arbeiters gesichert sei. Da sei es angebracht, ab und zu ein Bild von den wirklichen Verhältnissen zu geben und zu zeigen, wie es mit der gesicherten Stellung" des Arbeiters aussieht. Mittel, die Arbeiter rechtlos zu machen, find die Einbehaltung des Lohnes und das Vorschußwesen. Durch den Vorschuß werden die Arbeiter den Unternehmern auf Gnade oder Ungnade überliefert. Wenn dann unser Ruf zum Kampfe ertönt, so können diese Kollegen ihm nicht folgen, weil sie gekettet sind. Die Unternehmer feßen sich über die gesetzlichen Vorschriften hinweg. Sie nehmen Bestimmungen in ihre Arbeitsordnungen auf, die die gefeßlichen aufheben. Der§ 616 des Bürgerlien Gesetzbuches wird ausgeschaltet. Nach dem§ 113 der Gewerbeordnung muß dem Arbeiter ein Entlassungszeugnis ausgestellt werden. Die Unternehmer stellen ja nun beim Austritt Entlassungsscheine aus, aber Welche Umfagsummen von den Großeinkaufs- Gesellschaften erzielt diese sind die Judasscheine. Die organisierten Arbeitgeber werden, zeigt die folgende Aufstellung, die wir einem Artikel von stellen nur solche Arbeiter ein, die den Verbandsentlassungsschein Dr. Müller in der K. Rundschau" entnehmen. haben. Diesen bekommen aber Arbeiter, die sich irgendwie mißliebig gemacht haben, nicht, diesen wird ihr Austritt auf einem gewöhnlichen Stüd Papier bescheinigt. Und damit sind sie gekenn- Englische Großeinkaufs- Gesellschaft, zeichnet. Im Reichstag haben unsere Vertreter schon wiederholt Schottische ausreichenden Schuß für die Arbeiter in der Glasindustrie gefor- Deutsche dert. Im Jahre 1909 nahm der Reichstag einen sozialdemokra- Dänische tischen Antrag an, der Bundesrat möge eine Verordnung erlaffen, Schweizerifche die u. a. in Glashütten geeignete Schußvorrichtungen an den Glas- Desterreichische und Feuerungsöfen trifft, die den Augenschädigungen bei den Ungarische Schmelzern und Bläsern entgegenwirken. Der Bundesrat stimmte Finnische dem zu. Das war 1909. Fragt aber nun einmal in den Glass Franzöfifche( Magasin de Gros) I Baris hütten herum, ob irgendwo im Süden oder Norden Schußvorrich- Holländische Großeinkaufs- Gesellschaft Rotterdam fungen getroffen wurden, durch die die Augen geschüßt werden. Schwedische Nein, die Schuhvorrichtungen werden umgangen. Rein Russische gar nichts geschieht zum Schuße der Arbeiter! Die Arbeitgeber Belgische feßen sich über Geseze, Anstand und Sitte hinweg, fie fragen nichts Franzöfifche( Coopérative de Gros) II Baris nach der Gefundheit der Arbeiter, wenn sich nur ihr Geldjad füllt. Norwegische Großeinkaufs- Gesellschaft, Christiania' Die Arbeitsräume und Wohnungen der Arbeiter find Stätten Tschechische Prag Es erzielten: W. 88 669 649 % Verfammlungen. Die Dachdeckerhilfsarbeiter versammelten sich am Mittwoch abend im Gewerkschaftshause, um zu hören, wie ihre Wünsche in bezug auf den paritätischen Arbeitsnachweis im Kuratorium des Nachweises aufgenommen worden sind. Die Hilfsarbeiter fühlen sich dadurch benachteiligt, daß man ihnen nicht dieselben Vergünsti gungen einräumt wie den Dachdeckern. Für Hilfsarbeiter werden Stellen zu jeder Zeit vermittelt; die Löhne gehen sehr häufig unter die mit den Unternehmern vertraglich festgelegten Löhne 16,0 herunter; die Art der Arbeitsvermittelung ist nicht die gleiche wie 9,8 bei den Dachdeckern. Im Kuratorium wollten die Vertreter der 5,7 Unternehmer in keiner Weise auf die Wünsche der Arbeiter ein2,4 gehen. Sie lehnten auch den Antrag der Vertreter der Arbeiter im 1,9 Kuratorium, daß Hilfsarbeiten nicht unter ein Minimum von 1,750 f. pro Stunde vergeben werden, ab. Der Lohn ist in der Regel 1,2 60 Pf. pro Stunde, und dieser Lohn ist von 31 Firmen bereits ver 0,7 traglich anerkannt. Althaus und Hensel, die den Bericht 0,6 über die Verhandlungen im Kuratorium erstatteten, empfahlen den 0,6 Silfsarbeitern eine straffere Organisation, die Abschließung wei0,4 terer Einzeltarife und stritte Durchführung der festgesetten Bedin0,4 gungen, um auf diesem Wege die Unternehmer zu zwingen, den 1 181 298 0,1 Forderungen in bezug auf den Arbeitsnachweis gerecht zu werden. Manchester 531 356 660= 58,4 Glasgow 145 763 160 Hamburg Kopenhagen 51 624 224 Basel 22 212 671 Wien 16 869 511 15 978 791 Budapest Helsingfors Stocholm Mostau Antwerpen 10 888 062 5 990 623 5 883 687 5 078 005 4 287 226 8 591 996 1 078 886 814 000 0,1 des Elends und des Jammers. Am traurigsten sind die Verhält- Deutschland steht demnach an dritter Stelle und hat sich schon niffe in der Oberpfalz. Für die dortigen Glasarbeiter wurde der einen beachtenswerten Platz erobert. Ein Vergleich mit England Name die ewigen Arbeiter geprägt. Würden unsere Kapitalisten und Schottland zeigt aber, wie weit wir noch zurüd sind und welch auch nur einen Funken von Gefühl für die Arbeiter haben, dann ungeheuer großes Brachfeld noch zu bearbeiten ist. Zielbewußte dürften die est höhlen in der Oberpfalz, in denen die Arbeiter Mitarbeit aller Genossen eröffnet da große Erfolgsaussichten. hausen, nicht bestehen. Die Arbeiter in der Glasschleiferei werden durch die Tuberkulose frühzeitig hinweggerafft. In dem herrlichen Thüringen ist das Elend der Schleifer genau so groß wie im Riesengebirge oder in der Oberpfalz. In den Glashütten ist die Kinderarbeit in erschredender Weise vorhanden. Kinderarbeit ist Aus der Frauenbewegung. Wie kann dem weiblichen Bevölkerungsüberschuß entgegen. gesteuert werden? Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 28. Mai, vormittags 9 Uhr, Pappel- Allee Nr. 15-17 und Nirdorf, Idealpassage: Freireligiöse Borlesung. Vormittags 11 Uhr: Kleine Frankfurter Str. 6: Vortrag von ein Prof. Dr. A. Gehrke:" Probleme". Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Arbeiter Wanderverein Berlin". Am Sonntag, den 28. Mai: Wanderfahrt nach 1. Schwante, Seilers Teerofen, Dranienburg. Abfahrt 6,46 Uhr Stettiner Hauptbahnhof; 2. Bahnhof Grunewald, Havelberge, Potsdam. Abfahrt 6,59 Uhr Bahnhof Alexanderplat. Arbeiter Wanderbund Die Naturfreunde". Wanderfahrten am Sonntag, den 28. Mai: 1. Ludwigsfelde- Rehbrücke. Abfahrt Anhalter Bahnhof 6,15 Uhr vorm. 2. Tegel- Belten. Treffpunkt Tegel, Endst. d. Straßenb., 8 Uhr. 3. Geologisch botanische Wanderung: Mühlenbeck Schönwalde. Bahnhof Grunewald 2 Uhr nachm. Für Pfingsten sind 12 Wanderfahrten angefeßt, 1-8 Tage umfassend. Ausführliche Programme bei Heyse, Bohenftraße 19, zu haben. Touristenverein" Die Naturfreunde". Drtsgruppe Berlin. Sonn tag, den 28. d. M.: Besichtigung des Steinbruchs der Rüdersdorfer Kaltberge. Abfahrt Schlesischer Bahnhof früh 8,33 nach Rüdersdorf. Abfahrt Stettiner Vorortbahnhof 7,25. 4. Grunewald- Weſtend. Treffpunkt Eingegangene Druckschriften. ja verboten. Aber wie die gefeßlichen Bestimmungen für die er: wachsenen Personen von den Unternehmern ausgeschaltet werden, so auch die Bestimmungen über den Kinderschutz. Mit dem Schuß für jugendliche Arbeiter fieht es gleichfalls sehr traurig Uns wird geschrieben: aus. Die Jugendlichen werden viel länger zur Arbeit angehalten, Daß das weibliche Geschlecht das männliche in der Zahl überals gefeßlich zulässig ist. Wird dies bei Revisionen durch den wiegt, ist eine durch die Statistit bewiesene Tatsache, die nicht allein Fabritinspettor festgestellt, bekommt der Unternehmer eine so ge- in Deutschland, sondern auch im Ausland( mit wenigen Ausringe Geldstrafe, daß diese fast noch als Ansporn betrachtet werden nahmen) zutrifft. Erst fürzlich wurde von dem Leiter des stakann, die Jugendlichen noch länger auszubeuten. Die Frauen- tistischen Seminars an der Universität München, Dr. Müller, dararbeit verbreitet sich in den Schleifereien immer mehr. Auch für getan, daß in der letzten Volkszählung in Deutschland auf 1000 diefe fehlt es an genügendem Schuß. Die Nachtarbeit ist in den Männer 1029 Frauen tamen. In anderen europäischen Staaten Glashütten ganz besonders vorhanden. Die Bedienungsmann- die Türkei mit ihrem überreichen Frauenüberschuß hierbei ausschaften an den Defen müssen beim Schichtwechsel 24 lange Stunden genommen, von der keine zuverlässige Statistik vorliegt ſtellta Frondienst leisten. Die Unfälle sind bei den geringen Schußvorrich- sich der weibliche Ueberschuß auf 1000 Männer wie folgt: Portugal tungen sehr groß. Die Heimarbeit ist besonders start bei 1090, England und Wales 1074, Schottland 1063, Dänemart 1053, den Thermometerarbeitern berbreitet. Die Arbeitsstätte ist viel Frankreich 1039, Desterreich 1035, Schweiz 1035, Niederlande 1025, fach zugleich Wohn- und Schlafraum. In der durch das Quecksilber Rußland 1025, Belgien 1013 und Italien 1010. Dagegen kommen vergifteten Atmosphäre haust die ganze Familie; Quecksilberver in Luxemburg 989 Frauen und in Griechenland 921 Frauen auf giftung und früher Tod find die Folgen davon. Noch kulturwidrigere je 1000 Männer. Jm Berlag von J. H. W. Diet Nachf. in Stuttgart ist soeben Bustände sind bei den Christbaumschmudarbeitern bor- Nun sind aber die oben angegebenen Ziffern, die das Ergebnis erschienen: Die bürgerlichen Parteien des Deutschen Reichstages Handen. Diese Heimarbeiter werden mit dem größten Raffine- aus der gesamten Reichszählung darstellen, auf die einzelnen Pro- Historische Stizzen von Dr. Ludwig Frant, Mitglied des Reichs. ment ausgebeutet. Grauenvollere Zustände, wie dort vorhanden, binzen des betreffenden Reiches nicht anzuwenden; denn Durch- tages. Mit einem Anhange: Die Programme der bürger fann man sich taum vorstellen. Auf der Hygieneausstellung in schnitte entsprechen niemals den tatsächlichen( Erwerbs-) Verhältlichen Parteien Deutschlands. Nr. 13 der Kleinen Bibliothet. Dresden wollten wir das Elend in der Glasindustrie zeigen. Den nissen eines Gebietsabschnittes; außerdem wechseln Gebiete mit 112 Seiten. Preis gebunden 1 Mart, broschiert 75 Pi., Vereinsausgabe Industriellen war dies sehr unangenehm, und sie haben es zu ver- Frauen- bezw. Männerüberschuß sehr oft, je mehr detail- Bei der beginnenden Wahlbewegung wird das Büchlein das Intereffe hindern gewußt. Wir aber werben weiter auf die erbärmlichen geographische Ziffern zutage treten. So haben in Deutschland die aller Wähler in Anspruch nehmen und als Ergänzung des Parteihandbuchs Verhältnisse in unserem Berufe hinweisen und unsere Forderungen Provinzen Ostpreußen mit 1077 und Bofen mit 1097, das Königbienen tönnen. Die Beigabe der Programme der bürgerlichen Parteien nach wirklichem Arbeiterschus laut erheben. Wir werden mit aller reich Württemberg mit 1061 weiblichen auf 1000 männliche Bere dürfte den Wert der Arbeit nicht unwesentlich steigern. Von der Neuen Zeit ist soeben das 34. Heft des 29. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Unglücksraben. Die Bagdadbahn. Bon Karl Radet. Bodenfragen. Von K. Kautsky. Die Social Democratic Party, Hyndman und die Rüstungs( Schluß.) Literarische Rundschau: Universitätsfrage. Von H. Duelch( London). professor Dr. Josef Schumpeter, Wie studiert man Sozialwissenschaft? Von G. Eckstein. Notizen: Die Leipziger Volkszeitung". Von K. Kautsky. Der sozialistische Augemeine Gewerkschaftsbund in Bulgarien.- Beitschriftenschau. 50 Pf. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 2. Berl. Reichstags- Wahlkreis. Bezirk 153. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Kolporteur Gustav Mallon am Mittwochabend gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 28. Mai, nachmittags 4 1hr, von der Leichen. halle des Heilig- Kreuz- Kirchhofs, Mariendorf, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht. Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Petersburger Viertel. ( Bezirt 373 II.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genoffe, der Stellmacher Wilhelm Murr ( Dolziger Str. 36) gestorben ist. Ehre seinem Audenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 27. Mai, nach mittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 219/8 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Stell macher Wilhelm Murr am 23. Mai gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 27. Mai, nach mittags 3, Uhr, von der Leichen balle des Zentral Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 83/20 Die Ortsverwaltung. Gestern abend starb nach turzem, schwerem Leiden mein innigft geliebter Mann, unser guter Bater, lieber Sohn und Schwiegersohn, der Bildhauer Otto Hiltmann im 42. Lebensjahre. 19705 Dies zeigen tiefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Schöneberg, 24. Mai 1911. Cranachstraße 56. Die Beerdigung findet Sonn. abend, den 27. Mat, nachmittags 4 Uhr, vom Gemeinde- Friedhof ( Südostgelände Blanke Hölle) aus statt. Zentral- Verein der Bildhauer Deutschlands. Verwaltung Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Modelleur Otto Hiltmann im 42. Lebensjahre verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 27. Mai, nachmittags 4 Uhr, auf dem GemeindeFriedhof in Schöneberg, Südost gelände, an der Blanken Hölle, statt. Um Beteiligung ersucht 20/9 Der Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Sozialdemokratisch. KreiswahlVerein Niederbarnim Bez. Friedrichsfelde. Am Dienstag verstarb nach furzem, schwerem Krantenlager unser Mitglied Willi Knauer. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 28. Mai, nachs mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. 238/12 9 Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied der Jugendabteilung, der Gürtlerlehrling Bruno Flanse im Alter von 17 Jahren gestorben ist. am Die Beerdigung findet Sonnabend, den 27. Mat, nachmittags 5, Uhr, auf dem Heilig freuz Kirchhof in Mariendorf, Eisenacher Straße, statt. Ferner starb unser Mitglied, der Goldarbeiter Wilhelm Knauer am 23. Mai an Blinddarmleiden. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 28. Mai, nach mittags 4 Uhr, von der Leichen halle des Gemeinde- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Former Gustav Mallon. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 28. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen. halle bes Heiligkreuz- Stirchhofes in Mariendorf, Eisenacher Straße, aus ftatt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schleifer Max Schwindl am 24. Mai an Dhrenleiden ge storben ist. Ehre ihrem Andenken! 117/16 Die Ortsverwaltung. Zentralverband der Böttcher, Weinküfer and Hilfsarbeiter Deutschlands ( Filiale Berlin). Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Hermann Offhaus am 24. d. Mts. im Alter von 42 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, nachmittags 5 Uhr, bon der Leichenballe des Nazareth Friedhofes in Neinidendorf West, Berliner Straße, aus ftatt. 39/3 Um zahlreiche Beteiligung ers fucht Der Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung unserer lieben, unvergeßlichen Lochter Martha sagen wir allen Berwandten, Freunden Teilnahme und die Kranzspenden bei und Bekannten, sowie dem Frauender Beerdigung meines lieben Reseabend der 21. Abteilung und Kranken- Unterstützungs- und Be- ,, Tivoli" Luckenwalde gräbnisverein für Bau- und gewerbliche Arbeiter Berlins und Umgegend. Nachruf! Am 23. Mai starb unser Mitglied Adolf Borman. Ehre seinem Andenken! 37/4 Der Vorstand. Allen Verwandten, Kollegen und Freunden die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unfer guter Vater, der Former Gustav Mallon nach langem, schwerem Leiden im Alter von 41 Jahren am Mitt19766 woch verstorben ist. Beerdigung Sonntagnachmittag 4 Uhr, von der Leichenhalle des Kreuz Kirchhof in Mariendorf aus. Die trauernde Witwe nebft Stindern. Am Donnerstag, den 25. Mai, verschied nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann Eduard Gawehns im 34. Lebensjahr. Dies zeigen tiefbetrübt um stille Teilnahme bittend an 19776 Helene Gawehns geb. Kirchner nebst Kindern, Eltern u. Bruder. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 28. Mai, nach mittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des Rummelsburger Ge meindefriedhofs, Lückstraße, aus statt. Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme, sowie die reichen Kranz spenden bei der Beerdigung meines lieben Bruders, des Klempners Paul Nieke fage ich allen Verwandten und BeInhaber Georg Back Fernspr. 58.- 5 Minuten v. Bahnhof. Gr. Theater u. Konzert- Etablissement Gr. u. II. Säle bon 50-3000 Pers. faff. 10 000 Meter großer Sportplay. Prachtvoller, schattiger Garten mit modern eingerichteter Sommerbühne. Warme Küche zu jeder Tageszeit. Für Ausflügler! Luckenwalde. Borzügliche Eintagestouren durch herrliche Laub- und Nadelwaldung en. Direkte Berbincang vom Anhalter Bahnhof, in zirka 40 Min. zu erreichen. Stündlich Züge. In näherer und weiterer Entfernung überall leicht erreichbare, der Neuzeit entsprechend eingerichtetete Lokalitäten mit anerkannt guten Küchen. In der Stadt selbst bieten große und fleine Lokale angenehmen Aufenthalt. 1 Mark wöchentliche Kredit an Jedermann. Denkbar günstigste Zahlungs- Bedingungen. 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Berliner Straße), Rosenthal. ohne August Nichter Fett Schwarte fage ich auf diesem Wege allen Be tannten und Freunden, insbesondere dem Bentralverband Deutscher Brauereis und Mühlenarbeiter, Drts. und ohne Mager- Fleisch 18795 vertaltung Berlin, meinen bera- 2 Pfd. 95 Pf., 6 Pfd. 2.80. lichsten Dank. Die trauernde Hinterbliebene Emilie Nichter, Danksagung. Bersand nach auswärts 55 Pf. franto. Kasseler 80 pr. ohne Knochen und Voluische Bratwurst 90 Bj., als Beigabe zum Rots u. Grünkohl. Borzügl. gewürzte Not- und Reber: wurst, Pfd. 50 Pf., 2 Pfd. 95 Pf. Friedrichstraße 245, Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Strangipenben F. Nietsch, Wilhelmstr. 109-110 bei der Beerdigung meins lieben, unvergeßlichen Mannes, unseres guten Baters, des Kassierers Karl Lange fagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere dem Borstand und den Beamten der Drts. frankenkaffe Schöneberg, dem Verband der Bureauangestellten, dem Chef und den ehemaligen Kollegen der Firma Boß u. Stange, dem Per sonal der Firma Claßen u. Co., den dorf unseren herzlichsten Dank. Sängern und dem Wahlverein Nig Marie Lange nebst Kindern. Mannes, unseres guten Baters, bem Gängerchor Südost" unseren Blumen- und Kranzbinderei Bruders, Schwagers und Onkels, des verbindlichsten Dant. Metallarbeiters Hermann Blumberg Familie Spreewit. vou Robert Meyer, Spezial- Arzt nur Mariannen- Straße 2. fagen wir allen daran Beteiligten für Haut- und Harnleiden Rosenthaler Str. 70. unferen innigsten Dant. 4423 Dr. Popke, Spr.9-2,6-9, Sonnt. 9-3 Die trauernden Hinterbliebenen. Sonntag geöffnet von 8-10, 12-6. 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( Ohne Gewähr.) 228[ 500] 480 529 50 61 69 697 1035 88 134 230 312 F95 898 905 2167 352 98 461[ 500] 97 565 640 846[ 5000] B4 980 3001 66 88 346 55[ 500] 426 56 640 811 85 937 4037 65 154 301 37 43 95 412 72 648 67 761 5006 61 98 366 522 52 700 95 98 989 6123 311 18 489 600 85[ 500] 746 869 7106 68 98 250 333 417 69 844 906 8006 203 15 [ 1000] 23 72 520 681 715, 53[ 500] 99 985 9468 614 718 814 56 62 99[ 500] 923 32 10074 183 305[ 500] 493 588 760 821 985 11017 93 190[ 3000] 206 446 505 670 752[ 500] 12020 224 336 634 793 901 13070[ 3000] 206 472 569 72 77 83 785 827 76 14015 37 207[ 500] 67 86 710 59 863 953 15140 74 365 400 724 68 849[ 500] 918 93 16086 297 99 500 636 788 828 17004 23 62 70 249 840 94 915 18261 324 415[ 10000] 869 19131 37 215 490 604 72 841 906 84 99 20239 300 44[ 500] 86 418 34 615 811 910 60 21176 ( 3000] 212 82 97 305[ 1000] 36 436 547 60 637 38 88 981 [ 1000] 85 22042 53 72 130 244 377 414 58 535 73 652 64 819 23027 36 140 91 290 370 739 885 903 24005 94 143 56 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Ziehung 5. Kl. 224. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 26. Mai 1911, nachmittags. Fur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. Die Gewinne fallen auf die bezeichneten Lose beider Abteilungen. ( Ohne Gewähr.) ( Nachdruck verboten.) 192 250 317 73 85 524 731 83 814 56[ 3000] 993[ 500] 1061 142 502 52 630 757[ 500] 94 820 73 935 2030 111 221 441 787 905 17 75 3101[ 500] 203 73[ 3000] 309 577 612 718 29 93 4075 77 192 311 13 457 61 509 30 87 776 BOO 953 5047 194 213[ 500] 467 590 829 38 936 6112 258 [ 500] 306 41 406 710 891 7172 94 305[ 3000] 460[ 1000] 504[ 1000] 67 692 787 813 53 934 8088 134 371 425 62 93 678[ 3000] 726 52 60 76 967 9050[ 500] 81 107[ 500] 821 58 92 443 58 60 88 558 743 10120 73 208 11058 253 444 98 504[ 500] 874 12057 BO 101 403 97[ 3000] 517 641 13056 214 331 604 64 723 833 921[ 500] 14227 44[ 1000] 61 355[ 500] 57[ 500] 407 650 757 76 15295 474 714 30 62 866 943 71 16052 118 24 298 432 621 68 87 840 949 17025 31 85 140 60 277 857 18001 254 305[ 500] 459 83 932 49[ 1000] 83 19108 02 51 574[ 3000] 612 43 78 710 38 20029 67 102 59 214 367 420 86[ 500] 610 95 751 21103 217 381 599 667 76 963 22121[ 1000] 270 622 81 861 23178 208 20 85 481 595 636 704[ 500] 42 24045 201 9 315 75 421 55 502 13 32 631 981 25008 132 295 486 802 978 26249 635 756 27026 107 257 590 738 28128 55 78 98 442 50 749 890 999 29126 94 357 475 533 686 140 826 67 905 30016 165 308 410 702 12 52 81 89 811 900 5 27 57 P3 31115[ 3000] 217 322 410 40 48 536 736 41 46 882 [ 500] 902 32234 457 510 64 766 91 848[ 3000] 59 83 33057 70 74 125 64 312 52 422 533 610 731 33 34 913 39 34120 31 236 675 747 841 913 26 35059[ 3000] 292 405 65 513 56 615 703 44 854 72 92 36184 97 380 674 868 37040 109 41 72[ 1000] 98 339 545 614 47 737 53 69 842 19 970[ 500] 38032 73[ 500] 85 171 208[ 500] 71 515 662 76 859 76 39049 95 299 313 416 60 61 703 47 54 70 824 17 32 904[ 1000] 40190 94[ 500] 268 74 395 441 520 772 41145 283 486 574 860 42533[ 500] 624[ 1000] 43 861 904 43231 831 61 585 681 771 44274[ 500] 550 661 717 24[ 500] 76 849[ 500] 999 45438 45 670 787 805 46256 97 365 554 734 844 973 47146 217 69 341 416 65 723 48055 108 338 505 [ 500] 69 747 833 47 49 49000 72 102 210 32 326 82[ 500] 524 69 712 834 912 20 38 50049 535 67 611 757 63 876 93 51060 122 33 205 29 880 84 680 777 82 878 52028 115 200 75 401 88 575 747 809 927 53058 67 90[ S000] 428 29 522 663 707 64 804 972[ 3000] 81 54064[ 500] 317 67 542 699[ 500] 712 59 847 86 55243 394 497 522 78 89 856[ 500] 56049 363 03 421 97 598 780 926 50 57076 81[ 3000] 83 159 62 238 595 647 739 49 823 68 902 44 85 58156 82 209[ 1000] 806[ 500] 568 733 835 59050 147 465[ 1000] 725 88 463[ 3000] 60012 41 55 93 163 303 54 572 84 672 79 710 46 74 61000 114 97 216 52 69 73[ 1000] 332 708 99 877 936 62059 326[ 3000] 447 72 703 845 907 63156[ 300] 94 205 372 503 602 742 69 822 87 918 65 64104 24 313 427 40 500[ 500] 48 631 44 85 887 970 84 65277 331 39 486 514 823 66212 329[ 5000] 777 861 95 905 9 67407 21 894 929 34 68298 492 682 721 835 985 69148 71 231 [ 500] 779 917 45 91[ 1000] 70069 191 258 82 319 47 59 92 463 621 75 95 903 34 71049 63 79 165 389 565 604 99[ 500) 72086 103 468 875 913 73205 26 469 99 670[ 3000] 717 74044 94 280 453 74 607 755[ 500] 877 80 90 925 87 93 75217 446 539 611 92 747 68 97 981 76064[ 500] 254 90[ 500] 318 470 98[ 500] 646 95 738 95 877 921 66 77002 24 203 43 63 309 803 911 78039 85 158 228 345 414 570 682 879 96[ 500] 990 79025 299[ 0] 334 603 34 985 80126 398 424 50[ 500] 52 834 85 81132 80[ 3000] 208 390 435 645 991 82164[ 1000] 95 211 352 441 582 84 675[ 500] 80 84 766 826 951 83014 16 190 227 348 70 710 855 84107 386 460 532 39 823 40 75 924[ 500] 56 79 85192 98 232 303 490 532 661 960 86172 485[ 3000] 506 47 607 78 827 88 917 87042 77 99 166 455 85 547[ 500] 691 785 898 958 88258 345 81 497 556 651 77 736 88 89116 252 302 405[ 15 0001 53 80 760 72 826[ 500] 28 Kein Laden! Bitte auf Hausnummer zu achten. Straßenbahn wird vergütet. 90029 224 481 505 40 93 835 92 976 91017 171 222 61 550 647 855 954 92111 27 79 337 78 498 623[ 1000] 896 93169 94 260 65 550 52 804 902[ 500] 70 94142 459 557 603 81 811 924 89 95056 202 337 414[ 500] 99 759 963 96116 277 629 47 992[ 500] 97006 26 447 540 92 719 98164[ 500] 95 209 28 69 329 48 58 413 58 508 691 [ 15 000] 944 99129 94 244 542 94 713 84 811 85 100086 204 35 320 503 704 50 101096 226 360 517 655 714 838 90 996 102022 81 153 61 90 204 556 103016 43 211 19 360 444 748 88[ 1000] 104004 45 253 314 19 51 656 77 716 61 824 36 96 901 17 43 92 105081 339[ 1000] 519 757 64 804 106025 76 161 204 404 16 670 715 48 107435 548 606 725 61 822 108043 279 366 82 464 70 836 83 93 988 109226 308 21 36 97 723 958 97 110002[ 50 000] 305 680 780 94 111409 668 754 827 901 16 112131 421 634 77 749 65 861 982 113036 160 81 255 353[ 500] 92 533 740 114015 45 334 44[ 1000] 85 685 737 828 115163 93 99 205 85 363 405 547 985 116172 247 395 546 73 86 702[ 1000] 24 38 878 940 83 117133 40 365 66 401 582 651 54 74[ 1000] 787 118114 25 76 222[ 1000] 327 59 84 508 645 712 78 844 92 929 47 65[ 1000] 119124 270 81 325[ 1000] 84 403 53 120052 79 121 64 68[ 3000] 74 316 98 450 56 515 678 709 64 860 921 46 95[ 1000] 121275 368 771 839 76 122017 55 138 256 329 561 63 636 775 899[ 500] 960 92 123019 245 456 624 37 719 124125 356 442 43 512 125075 182[ 500] 448[ 1000] 510[ 1000] 79 606 736 817 99 930 33 126085 148[ 500] 90 219 398 418 71 605 905 127025 36 230 352 454 62 670 992 128042 148[ 500] 599 809 27 56 988[ 500] 129129 274 311 423 45 798 130096 128 45[ 500] 285[ 3000] 318 612 900 131013 28 80 261[ 1000] 67 359 70 459 96 531 789[ 500] 132121 364 72 421 632 775 84 939 84 133082 114 42 84 219 35 454 526 67 624 60 702 834 993 134190 284 324[ 500] 434 68[ 500] 71 512 728 135064 103 275 354 93[ 1000] 471 531[ 500] 648 136106 34 207[ 500] 18 85 315 472 78 93 95 566 633 57 779 826 137188 304 613 138107 23 270 460 71 664 86 818 139015 104 18 258 89 345 85 92 502 77 93 611 38 785 942 140023 59 225 319 85 90 99 483 564 160 48 88 98 973[ 500] 75 141040 101 31 286 433 614 743 998 142126 94 607 77[ 500] 86 704 858 143226 51 436 64 [ 3000] 548 50 696 814 938 43 71 144046 371 780 841 47 902 55 145077 197 312 59 465 500 772 871 909 62 86 146059 106 81 422 987 147025 470[ 500] 641 742 77 894 912 148317 62 416 91[ 1000] 588 640 732 901 149028 54 65 254 311 43 525 64 729 53 839 69 71 150032 58[ 1000] 195 571 83 604 713 66 887 99 [ 1000] 906 151055 84 175 415 69 666 99 902 81 152223 29 352 438 67 593 869 153416[ 3000] 766 819 956 66 89 154063 100 17[ 500] 307 494 667 718 57 936 155088 218 380 493 533 47 55 682 731 49 823[ 500] 156096 113[ 500] 22 40 99 275 388 609 11 17 868 974 157028 44 106 210 324 559 671 875 913 49 158264 351 93 442 734 669 159094 113 33 95 202[ 5000] 364 471 558[ 500] 619 64 743 814 40995 160022 98 208 41 345 409 60 70 79 590[ 500] 709 41 345 409 60 [ 1000] 77 854 988 93 161038 200 4 36 61 98 460 776 815 162073 148 256 59[ 500] 367 74 426 55 163310 58 495 528 57 744 866 164010 18 53 226 76 675 767 964 165045 94 429[ 500] 82 694 751 972 166097 270[ 500] 613 39 73,723 37 167074 79 217 378 715 41 916 99[ 1000] 168035 164 394 413 21 615 865 72 169208 68 520 48 646 170126 43[ 500] 359 407 63 743 870[ 1000] 980 171030 128 229[ 3000] 92 391 625 36 66 92 870[ 3000] 811 172133 211 84 325 434 97 748 934 913 60 173123[ 3000] 37 599 754 174205 65 319 91 459 82[ 1000] 512 29 62 627 33 62 809 22 175039 102 46 73 241 764 97 976 176261 345 554[ 500] 747 77 177187 89 225 66 328 55 446 561 75 84[ 500] 89 871 88 900 178424 59 69 614 39 757 71 90 805 179053 97 107 53[ 500] 68 70 93[ 500] 332 573 74 605 783 812 96 180018 84 241 302[ 3000] 455 634 45 49 181099 122 237[ 1000] 72 817 182175 204[ 1000] 395 471 821[ 3000] 26 183067 245 496 791 881 83 86 904 184177 300 89 476 947 95 185007 21 224[ 500] 372 506 71 667 732 968 85 186035 134 202 52 473 882[ 500] 973 187327 477 562 741 800 188037 282 87 98 342 563 652 717 839 908 10 82 189048 255 61 419[ 500] 524 68 741 70 83[ 3000] Berantwortlicher Redakteur; Albert Wachs, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin SW ir. 122. 28. Aahrgaag. 4. ZtilW des Jonütls" Kttlim öolliüHiitt. Ssalladeud, 27. Mai lSU. Partei- Angelegenheiten. Groß-Lichterfelde. Sonntag, den 28. d. M., nachmittags 2 Uhr, findet in Groß-Beeren im Lokale von Heinze eine Volksversammlung statt. Referent Reichstagsabgeordneter Gen. B u s o l d über:.Die polittsche Lage*. Genossen, welche daran teilnehmen, treffen sich Sonntag mittag um 12 Uhr bei Junicki, Heinersdorfer Straße. Dienstag, den 30. d. M.. abends S'/z Uhr. bei Fr. Wahrendorf. Läkestr. 22: Milgliederverfammlung. Vortrag des Gen. Kurt Heinig. Der Vorstand. Mahlsdorf sOstbahn). Der sozialdemokratische Wahlverein hält heute abend 8'/, Uhr im Lokale des Herrn Eckler(früher Linke), Grunowstraße, seine Mitgliederversammlung mit folgender TageS- ordnung ab: 1. Die Reichsversicherungsordnung. Referent: Reichstags- abgeordneter Gcnoffe Büchner. 2. Bericht der Gemeindevertreter. Berichterstatter: Genosse Albert Schmidt. 3. Vereinsangelegen- Helten und Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Friedrich sfelde. Die Genoffen, die an der Beerdigung des Genossen Knauer teilnehmen wollen, versammeln sich am 28. Mai, nachmittags 3 Uhr, bei Sudbrink, Berliner Str. 08. Weißcnsee. Am Sonntag, den 28. d. MtS., nachmittags 8 Uhr, findet im Lokale des Herrn A. Wangerofsky, Malchow, Dorfftr. bv, die erste öffentliche Volksversammlung statt. Genosse Reichstags- abgeordneter Otto Büchner referiert über: Die politische Situation.. Nachdem eS nun endlich gelungen ist. auch in Malchow einen Saal zu Versammlungen zu bekommen, wollen die Genoffen für recht regen Besuch agitieren. Die Bezirksleitung. Zeuthen. Heute abend findet im Lokale Trill eine öffentliche Wählerversammlung statt. Miihlenbcck(Bezirk Nieder-Schönhausen). Sonntag, den 28. d. M., nachmittags 4 Uhr: Wahlvereinsversammlung im Lokale von A. Meyer(Buchhorst). Tagesordnung: Bericht aus der Gemeinde- Vertretung. Vereinsangelegenheiten. Verschiedenes. Die Listenführer werden dringend ersucht, anwesend zu sein. Pankow. Die Genossinnen und Genossen, welche an der Wandlitzer Versammlung teilnehmen wollen, treffen sich Sonntag mittags 12.30 Bahnhof Pankow-Schönhausen. Abfahrt 12.37 bis Bemau. Von da ab gemeinsamer Marsch nach Wandlitz. Die Agitationskommisfion. Spandan. Die Genoffen und Genossinnen, welche sich am Sonntag, den 28. Mai, an dem Ausflug nach Cladow beteiligen, treffen sich zum Abmarsch nachmittags 2 Uhr vor dem Hause des Genossen Scior, Gatower Str. 1. Der Vorstand. Berliner JVaebnebten. Der„Tag der Herrcnpartien", von der Kirche Himmel- fahrtstag genannt, hat diesmal seiner altgewohnten Regen- tradition Lügen gestraft. In den ersten Frühstunden sah es ja nicht allzu verlockend aus. Der Himmel hing voller Geigen. Dann gab es ein Spazierwetter, wie man es sich nicht besser wünschen konnte, und— Berlin bekam Flügel. Die letzte Probe zu dem imposanten Frühlingsauszug der Groststadtmillionen hatte begonnen, wurde bis zum späten Abend durch kein Tröpfen von oben gestört. Mit den Herren- Partien war das nicht so wörtlich zu nehmen, denn— kein Vergnügen ohne Damen! Die„Siebenmonatskinder" schleppten sich allenthalben mit weiblicher Fracht herum, und in vielen Fällen soll die liebe Ehefrau ein Machtwort ge- sprochcn haben. Der Kirche ist diese freudenreiche Anwen- dung des Himmelsfahrtstages längst ein Dorn im Auge. Am liebsten möchte sie auf jeden Waldweg einen Schwarzen und einen Blauen oder Grünen postieren. Sie kann aber nicht auch den Himmelfahrtstag, wie den Bußtag, kalender- mäßig verlegen, wenn nicht das ganze schöne Bibelmärchen aus dem Leim gehen soll. So wird man noch öfter beim großen Auftakt zum Frühlingsfest die ragenden, lockenden Kirchtürme links liegen lassen und den köstlichen, erquickenden 'Weg nach rechts wählen— in die lachende freie Natur. In unserem Bericht über die Ausstellung für KleinhauSbau und Eigenwohnung in Rixdorf war zu lesen:„Die Ausstellung birgt noch einige interessante Nebenabteilungen. Der Zusammen- hang von Wohnungselend und Alkoholismus wird in einer Reihe vom Guttempler orden ausgestellten Tabellen und Schriften erläutert." Mr werden gebeten, darauf aufmerksam zu machen, baß es sich um den von Prof. Forel begründeten Neutralen Guttemplerorden handelt. Auf Einladung der Städte Stockholm, Malmö und Göthe- bürg wird sich eine Vertretung der Stadt Berlin nach Schweden begeben, um dortige kommunale Einrichtungen zu besichttgen und zugleich an der in die Zeit der Reise fallenden Gustav- Adolf-Feier teilzunehmen. Die Deputatton besteht aus vier Magistratsmitgliedern und sechs Stadtverordneten. Es werden seitens des Magistrats Bürgermeister Rcicke und die Stadt- rate Masse, Düring und Sauße und seitens der Stadtverord- neten Geh. Justizrät Cassel und die Herren Modler, Giese, Rosenow, Kuhlmann und Körte an der Reise teilnehmen. Blumcntage haben am HimmelfahrtStage in Weißensce und Niedcrschöiihauscn und gestern in Schöneberg stattgefunden. Die Bettelei im Großen floriert. In einem Anfalle von GeisteSstärung warf sich Donnerstag- Ubend gegen 10 Uhr die 69jährige LandgcrichtSrätin Hellborn aus der Brandenburgischen Straße in Wilmersdorf auf dem Bahnhof Charlottenburg vor einen herannahenden Vorortzug. Sie wurde zur Seite geschleudert und erlitt eine schwere Gehirnerschütterung, Bruch des rechten Armes und anscheinend auch erhebliche innere Verletzungen. Frau H. hatte eines Nervenleidens wegen vor einigen Wochen ein Sanatorium in Schlachtensee aufsuchen müssen, aus dem sie am HimmelfahrtStage sich heimlich entfernte. Sie fuhr zunächst nach Berlin, wo sie Bekannte besuchte, und dann nach Bahnhof Charlottenburg, wo sie den Selbstmordversuch unternahm. Die Verunglückte liegt im Krankenhaus Westend in besinnungs- losem Zustande danieder. Der Vorfall konnte infolgedessen noch vjcht genügend aufgeklärt werden. Berhängung der Schaufenster während der Kirchzeit. Das Kammergericht ist jetzt der Auffassung beige» treten, die kürzlich der Berliner Polizeipräsident polizeioffiziös in der Presse hinsichtlich der für den Landespolizeibezirk Berlin erlassenen Verordnung vom 17. Mai 1010 kundgegeben hat. Da- nach ist durch§ 6 Absatz 1 dieser Verordnung nicht nur das Ausstellen von Waren in unvcrhängten Schaufenstern und Schaukästen an den Sonn- und Feiertagen während der Stunden des Hauptgottcsdienstes verboten, sondern überhaupt das Zurschau- stellen von„Gegenständen", auch von solchen zur Bcran- schaulichung künstlerischer oder gewerblicher Leistungen, sowie von Warenmustern.— Die Fassung der genannten itzerordnung vom 17. Mai 1910 ist auch der am 3. Mai 1910 für den übrigen Teil der Provinz Brandenburg neu erlassenen Ver- ordnung über die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feiertage gegeben worden. Das Kannnergericht verurteilte Koch, den Fn- hcrber einer chemischen Waschanstalt, der ein Schaufenster nicht verhängt hatte, worin gereinigte Kleidungsstücke von Privatper- fönen hingen. Nach der früheren alten Fassung, wo nur vom Ausstellen von Waren die Rede war, würde allerdings der Fall des Angeklagten, weil eS sich nicht um verkäufliche Gegen- stände, nicht um Waren handelte, nicht unter die Vorschrift ge- bracht werden können. Die neue allgemeine Fassung aber treffe auch auf alle derartigen Fälle, nämlich auf jedes Zurschaustellen von Gegenständen zu._ _ Strahenbahnunfölle. Ein Zusammenstoß ziveier Straßenbahn- wägen, bei dem zwei Personen verletzt wurden, ereignete sich am Mittwochnachmittag in der Schönhauser Allee. Dort fuhr gegen 5 Uhr an der Ecke der Danziger Straße ein Straßenbahnwagen der Linie 51 gegen den Vorderperron des Motorwagens Nr. 1S01 der Linie 10. Bei dem Anprall wurde der Kaufmann Jahn, Alt- Moabit 16 wohnhaft, durch umherfliegende Glassplitter an der linken Hand verletzt und der den angefahrenen Wagen bedienende Schaffner Pichl trug Schnittwunden im Gesicht und an den Händen davon. An dem Bahnwagen der Linie 10 wurde eine Scitenjcheibe zertrümmert und der Tritt verbogen. Schwer verunglückt ist Donnerstagnachmittag gegen �5 Uhr der Arbeiter Friedrich Joiche aus der Junker-Jörgstraße 11 in Karlshorst, als er in der Frankfurter Allee, Ecke der Wcichselstrahe, auf einen in der Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen der Linie 70 ausspringen wollte. I. stürzte und erlitt einen Schädslbruch und einen linksseitigen Schlüsselbeinbruch. Der Verunglückte erhielt auf der Unfallstation in der Warschauer Straße Notverbände und wurde von dort nach dem Krankenhause Friedrichshain übergeführt. Ein dritter schwerer Unfall trug sich gegen?�6 Uhr am Wittenbergplatz zu. Dort wollte die 2Sjährige Lehrerin Klara Dammberg vor einem Straßenbahnwagen der Linie.Ali das Gleis überschreiten, wurde jedoch umgestoßen und geriet mit dem rechten Arm unter den Schutzrahmen. Fräulein D., die eine Gehirnerschütte- rung, eine Wunde am rechten Arm und Hautabschürfungen an beiden Händen erlitten hatte, erhielt auf der Unfallstation am Zoologischen Garten Notverbände und wurde von dort nach der elterlichen Wohnung, Nürnberger Straße 63, übergeführt. Gegen 11 Uhr vormittags versuchte vor dem Hause Sedanstr. 9 in Schöneberg die 2�jährige Tochter Lotte de? Sedanstr. 2 wohnen- den Gastwirts Rüger vor einem Straßenbahnwagen der Linie 23 (Richtung Gesundbrunnen) über das Gleis zu laufen, wurde jedoch umgestoßen und geriet mit beiden Beinen unter den Schutzrahmen des Vorderperrons. Mit Hilfe von Passanten wurde der Waggon angehoben und die Kleine befreit. Das Mädchen, das einen Bruch des rechten Oberarmes und Hautabschürfungen an den Deinen erlitten hatte, wurde nach der elterlichen Wohnung übergeführt.— Ein anderer Straßenbahnunfall ereignete sich zur selben Zeit in der Birkenstraße. Dort wollte vor dem Hause Nr. 44 der 22jährige Student Wilhelm Winkert aus der Drehsestraße 21 in stark angetrunkenem Zustande einen Straßenbahnwagen der Linie 13 während der Fahrt besteigen, kam zu Fall und geriet mit dem rechten Bein unter den Schutzrahmen. Mit Hilfe von Passanten wurde der Wagen angehoben und W. befreit. Der Student hatte eine Wunde am rechten Knie, sowie Hautabschürfungen am Ober- und Unterschenkel erlitten und mußte nach dem Krankenhause Moabit übergeführt werden. Aus dem Tegeler See gelandet wurde gestern die Leiche de? 24jährigen Technikers Fritz Hoffmann aus der Wilhelmshavener Straße 8 in Berlin. Der junge Mann hatte am ersten Osterfeier- tage mit mehreren Freunden auf dem Tegeler See eine Segel- Partie unternommen, bei der da« Boot kenterte. Während es den übrigen Insassen gelang, sich so lange über Wasser zu halten, bis Rettung nahte, verschwand H. sofort in den Fluten und ertrank vor den Augen seiner Begleiter. Die Leiche wurde vorläufig polizeilich beschlagnahmt und nach der Tegeler Leichenhalle gebracht. Unter den Rädern der Eisenbahn. Ein entsetzlicher Unglücks- fall trug sich am Mittwoch in Fürstenwalde zu. Dort hatte der ZirkuS Rcinfch längere Zeit Vorstellungen gegeben. Am Mittwoch war das Gastspiel beendet, um nach Crossen überzusiedeln. Un- mittelbar nach der letzten Vorstellung wurde die Arena abgebrochen und auf die Dahn verladen. AIS ein Eisenbahnwaggon von An- gestellten des Zirkus eine Strecke weit zurückgeschoben wurde, lief die fünfjährige Tochter des Artisten Reinsch neben dem Wagen her, stürzte und geriet unter den Eisenbahnwagen, dessen Räder über sie hinweg gingen. Das Mädchen, dem der Kopf und Oberkörper zermalmt wurde, war sofort tot. Ein Aufsehen erregender Vorgang bot sich Donnerstagabend 7 Uhu den Besuchern des ZentralfriedhofcS in Friedrichsfelde. Hart am Kirchhof fließt der sogenannte Rieselgraben vorüber. Hier hatte sich ein Hündchen in den Graben gewagt, um sich an dem Wasser zu laben, war dabei in den Strudel gekommen und ver- schwand unter der Brücke. Der Besitzer desselben wollte ihm zu Hilfe eilen. Er entledigte sich der Oberkleider und eilte ihm nach. Gleich darauf erschollen Hilferufe. Einige Meter unter der Brücke befindet sich ein sogenannter Gully, der 4 Meter tief ist. Darin waren Hund und Besitzer verschwunden. Es wurden nun Stricke, Leiter und Haken herbeigeholt. Leider reichten sie nicht zu und rissen auch mehrere Male, so daß der Mann wieder abstürzte. Die Lichtenberger Feuerwehr, die alamiert wurde, befreite dann den Unglücklichen samt seinem Hunde aus der qualvollen Lage. Wäre es nicht angebracht, an dieser gefährlichen Steve mindestens vor dem Rohr ein Gitter anzubringen, um derartige Fälle zu vermeiden? Der Graben oberhalb ist zwar einige Meter umzäunt. Schreiber dieser Zeilen hat schon des öfteren an dieser Stelle Kinder spielen sehen, auch vor zwei Jahren ein Kind, das beiyz Spielen hereingefallen war, herausgezogen, aber nichts davon gewußt, daß diese Stelle auch wirklich einem Menschen daS Leben kosten könnte. Hoffentlich wird der Brunnen nun zugedeckt, nachdem ein Menschenleben in Gefahr schwebte. Um sein Traugeld wieder zu bekommen, hat gestern«in Schlosser Hermann Stein einen Einbruch verübt. Der Küster der Sankt Josephkirche in der Müllerstraße fand eine sonst verschlossene Tür geöffnet und ertappte einen Mann, der gerade dabei war, aus einem Schrank, den er erbrochen hatte, das Geld herauszuholen, Er erkannte in ihm den Schlosser Stein wieder, �er am 16. vorigen Monats in der Sankt Josephkirche getraut worden war, und übergab ihn der Polizei. Gefragt, wie er. der doch ständige und lohnende Arbeit habe, zu dem Einbruch gekommen sei, erklärte Stein, er habe sich nur die 10,50 M. Traugeld vom vorigen Monat wiederholen wollen, denn es sei Unsinn, daß man so etwas bezahlen müsse. Im Zirkus Busch findet am Dienstag die letzte Vorstellung in dieser Saison statt._ Vorort- JVaebnebten* Tchötteberg. Die Grundsteinlegung zum neuen RathauS. Auf dem Rudolf- Wildc-Platz, der in dem im Einstehen begriffenen neuen Stadtteil am Stadtpark liegt, fand gestern mittag die Grundsteinlegung für das neue Schöncbcrgcr Rathaus statt. An der Feier nahmen staat- liche und eine Anzahl kommunaler Vertreter teil. Der erste Bürger- meister D o m i n i c u s, der bei dieser Gelegenheit vom Kaiser zum Oberbürgermeister ernannt worden ist. machte von folgenden Stiftungen Mitteilung: Von Stadrat Paul Eckelberg 10 000 M. für in Not geratene ältere Kauflente in Schöuebcrg; 30000 M. von Direktor Oliven namens der Gesellschaft für elektrische Unter- nehmungen; von cincin migenannten Schöncbcrgcr Bürger 20 000 M., von einer Dame, die ebenfalls nicht genannt werden will. 10 000 M.; endlich vom Berein zur Bekämpfung der Tuber- kulose in Schöneberg 50 000 M. Grost-Lichterfelde. Der Arbeiter-Turnverelu Groß-Lichterfelde hält am Sonntag, den 28. Mai, aus dem Spielplatz in der Zietenstraße(Lankwitz) sein Schauturnen ab. Beginn nachmittag 2 Uhr. Weißensee. Bon einer umstürzenden Mauer erschlagen. Ein schwerer Un« glückSfall hat sich, wie nachträglich gemeldet wird, am Mittwoch auf dem alten Ricselfelde zwischen der Rennbahn und Berliner Allee ereignet. Dort wird gegenwärtig die Verlängerung der Feldt- mannstraße reguliert. Zu diesem Zwecke mußte das alte Klärbassin beseitigt werden, das von zwei Meter hohen und einen halben Meter starken Betonmauern gebildet wird und dessen westliche Mauer bereits zum Teil niedergerissen war. AlS am Mittwoch früh gegen �7 Uhr die Abbruchsarbeiten fortgesetzt werden sollten und die Arbeiter unmittelbar vor dem Bassin standen, um ihre Tätigkeit aufzunehmen, geriet plötzlich das gewaltige Mauerwerk ins Schwanken. Auf den WarnungSruf des Schachtmeisters, der die drohende Gefahr zuerst erkannt hatte, gelang es den übrigen Ar- beitern, sich noch rechtzeitig in Sicherheit zu bringen, während der 35jährige Arbeiter Gustav Schulz aus Berlin von den nieder- stürzenden Steinmassen getroffen und völlig begraben wurde. Ob- wohl von den Augenzeugen des Vorfalls und mehreren hinzu- gerufenen Arbeitern sofort energisch mit den RettungSarbeitcn begonnen wurde, konnte der Verunglückte leider nur noch als Leiche hervorgezogen werden; der Bedauernswerte war von der zirka 80 Zentner schweren Steinmauer vollständig zerquetscht worden. Das Unglück ist wahrscheinlich dadurch entstanden, daß sich in der niederzulegenden Mauerwand ein Riß gebildet hatte, der von den Arbeitern nicht bemerkt worden war, Rummelsburg. «u» der Gemeindevertretmig. In der Sitzung am Dienstag fand vor Eintritt in die Tagesordnung vorerst die Einführung des neugewählten Schössen Apotheker Groß, wie de? neugewähllen Gcmeindeverordneten Eigentümer Robiczek statt. Ein Nachtrag zur bisherigen Umsatz- und Wertzuwachssteuerordnung fand einstimmige Annahme. Dieser Nachtrag bezweckt in der Hauptsache. Umgehungen der Steuer zu verhindern— die Aenderungen enthalten daher im wesentlichen die gleichen Bestimmungen wie sie da» Reichswert- zuwachssteuergesetz zur Verhinderung von Umgehungen getroffen hat. Eine Vorloge betreffs Erhebung einer Gebühr von 50 Pi. für von der Gemeinde zur Erteilung kommend« Auskünfte an Privat- Personen über hiesige Gewerbebetriebe wurde von der Mehrheit ge- nehmigt. Ferner wurde die Drucklegung deS Verwaltungsberichts 1905—1903 gutgeheißen. Die Kosten hierfür mit 3885 M. wurden bewilligt. Zu einer längeren Aussprache führt, die Beschickung der Jahresversammlung deS Verbandes der größeren preußischen Land- gemeinden, welche vom 22.-24. Juni d. I. in Kiel tagt. ES wurde die Entsendung von drei Vertretern und zwar zwei vom Gemeinde- vorstand und einen von der Gemeindevertretung beschlossen. Ge- wählt wurden Dr. Hahn. Schöffe Lange und unser Genosse I oh n. Die Errichtung einer neuen 3 O.-Klasse bei der IX. Gemeindeschule wurde debattelos genehmigt. Ebenso wurden die Mittel zur Er- Weiterung des Regen- und Schmutzwafferkanal» ist der Prinz-Alberi- straße bewilligt. In der anschließenden nicht öffentlichen Sitzung wurde einem Vertrage mit der Stadt Lichten- berg wegen Anlegung eine» Regenwaffersammellanal» durch die Schillerstraße nach dem Rummelsburger See die Zustimmung erteilt...„, m Eine Zuschrift de« Berliner Magistrats in Sachen der Ver- breiterung der Bahnüberführung im Zuge der Straße Alt-Boxhagen (genannt große Tonne), die fich wegen der Anlegung erneS besonderen Gleises für den Stralauer Hafen notwendig macht— führte zu einer eingehenden Aussprache über die Notwendigkeit des ErWette- rungSumoaueS der ganzen Brücke. Die Gemeindevertretung steht einmütig auf dem Standpunkt, daß eine Verbreiterung der Bahn- Überführung bei der jetzigen Brückenwette ein Unding ist, wogegen die Gemeinde mit allen Mitteln anzukämpfen habe. Petershagen bei Fredersdorf. In der letzten Gemeindevertreterfitzung wurde zunächst der De- richt der Prüfungskommisston für die Jahresrechnung 1910/11 ge« geben. Moniert wurde dabei, daß der Gemeindevertreter seine dienst- lichen Reisen liquidiere, obwohl der Betrag hierfür in seiner Eni- schädigung enthalten ist; des ferneren war ein Posten in der Ab- rechnung doppelt geführt. Weiter wurden Ausgaben, welche aus Anlaß der Kircheneinweihung, der Einführung eines neuen PredigskS sowie auS Anlaß des SedanrummelS gemacht wurden, von unseren Genossen beanstandet. Schließlich wurde die Rechnung gegen die 8 Stimmen unserer Genossen angenommen. Unsere Genossen beantragten als- dann die Einführung einer Geschäftsordnung; der Antrag wurde einer Kommission von drei Personen überwiesen. Ein Antrag auf Erbauung einer Leichenhalle wurde, obwohl die Notwendigkeit von allen Seiten betont wurde, bis auf weiteres zurückgestellt, da die Kosten des Schulneubaues von zirka 35 000 M. die Finanzen der Gemeinde schon stark in Angriff nehmen. Potsdam. Eine merkwürdige Aufklärung fand am Mittwö'ch eine Deser- tion beim Regiment Gardedukorps. Am Gründonnerstag verließ der 19 Jahre alte Gardedukorps von der 3. Eskadron, Wilhelm Wiechert, auS Westfalen gebürtig, seine Truppe. Er wurde am selben Tage um 3 Uhr aus dem Garnisonlazarett entlassen, wo er drei Wochen als Patient gelegen hat. Um 4 Uhr wurde seine Fahnenflucht bemerkt und hinter ihm ein Steckbrief erlassen, der mit genauer Beschreibung versehen war. Ueber den Deserteur hörte man bisher nichts. Am Mittwoch schössen Mannschaften des 1. Gardeulanenregiments auf dem Garnisonschießstand, der zwischen der Michendorfer und Templiner Chaussee im Walde liegt. Die am Zeigerstand beschäftigten Ulanen traten während einer Schieß- pause in die Schonung. Ein Ulan kam dabei einem Erdloch nahe, in dem er zu seinem Schrecken entblößte menschliche Füße sah. Er stieß die nackten Füße an. Sie blieben regungslos und der Eni- decker glaubte nun eine Leiche gefunden zu haben. Er war entsetzt und verständigte sofort Kameraden. Als sie herankamen, konnten sie nun deutlich in dem einen Meter tiefen Erdloch, das 1,70 Meter lang war, einen Menschen erkennen. Das Gesicht war geschwärzt, die Hände hatten lange Nägel und waren tief gebräunt, ein langer blonder Haarwuchs verriet die Dauer des Aufenthaltes. Ein blonder Vollbart umrahmte die entstellten Züge. Der Mann war zum Skelett abgemagert. Als sich die Soldaten entfernt hatten, um einen Offizier zu holen,'verschwand der Mann aus seinem Asyl. Offizier und Ulanen standen vor einem leeren, mit Moos ausge- betteten Loch, in dem sich nur zwei weiße Lappen befanden. Sosort vermutete man in dem Höhlenbewohner den Deserteur Wiechert. Gendarmerie und Militär suchten das Gelände ab und gegen 5 Uhr wurde W. hilflos aufgefunden. W. war so schwach, daß er alle 20 Schritte sich ausruhen mußte. Sofort sorgte man für Labung des Unglücklichen. Seine Uniform— die 5. blaue Garnitur— fiel ihm fast vom Leibe, so vermodert war sie. In einem Wagen transportierte man W. nach dem Garnisonlazarett, wo er ärztlich beobachtet wird. Ueber den Grund, weshalb W. desertiert jjt, konnte bisher noch nichts Genaueres ermittelt werden, � Jttgendveranstaltnngen. Eine Jugendkouferc«; deS KreiscS Niedcrbarnim findet am Sonntag, den 28. Mai, vormittags 0 Uhr, im Rummelsburgcr Jugendheim, Alt-Bcrhngen SS, statt. Zutritt haben alle jugendlichen Ausschußmitglieder nnd alle Vorstandsmitglieder freier Jugendvereinigunge». Der Einberufer. 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Das Berliner Arbeitswilligen bermittelungsbureau d. gelben „ Handwerkerschuhverbandes". Bewerbungen mit Gehaltsansprüchen und Angabe der bisherigen Tätigkeit sind unter der Aufschrift Bewerbung" bis spätestens tierenlager! Steppbedenlager! Gar Chaiselongue, nagelneu, 16,00. 3. Juni an die Geschäftsstelle der Freien Volkszeitung" in Göppingen Die Ortsverwaltung Berlin des nenverlauf! 2578erbit, Lothringerstraße 47. 19616* Boftstr. 42, zu richten. 291/ 17* Deutsch. Holzarbeiterverbandes Berantwortlicher Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Für den Inseratenteil berantm.: Th. Glode, Berlin. Drudu. Berlag; Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. Br. 122. 28. Jahrs. Beilage des„ Vorwärts" Anzeigen für Often, Süden, Weften. Vorort- Nachrichten. Köpenid. 0 27. Mai 1911. den ein Ertrahonorar zahlenden Patienten II. Klasse widmen als fernen lassen werde. Der Gemeindevorsteher kam der Verfügung denen der III. Klasse. Nachdem noch Stadtverordneter 3 ander nicht nach, und so wurde der Denkstein vom Amtsvorsteher ent( unpolitisch) im Interesse seiner Wähler, wie er selbst sagte, dafür fernt. Der Kreisausschuß nahm an, durch die Eröffnung des Die Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung eingetreten war, daß man den Mittelstand im Krankenhause nicht Amtsvorstehers an die Witwe Herrmann am 15. Dezember 1910 beschäftigte sich am Mittwoch zunächst mit der Magistratsvorlage be- wirtschaftlich ruinieren möge, wurde die Vorlage einem Ausschuß sei ihr seine Verfügung an den Gemeindevorsteher vom 21. Oftober 1910 zugestellt worden. Da ihre Klage nicht innerhalb der vor= treffend die Genehmigung zur Aufnahme einer Anleihe von 15 Mitgliedern überwiesen. Ohne Ausschußberatung genehmigte die Versammlung die Vor- geschriebenen zwei Wochen danach erhoben worden, sei sie verspätet. von 42% Millionen. Die Aufnahme dieser Anleihe ist bereits seit längerer Zeit beschlossen, doch knüpft der Bezirksausschuß an die lage betreffend den Bau von Pavillons zum Krankenhaus für Aber auch materiell sei sie unbegründet. Die Inschrift widerGenehmigung eine Reihe von Bedingungen. Er verlangt, daß die Geburtshilfe auf dem Grundstück Sophie- Charlottenstr. 116. spreche dem Charakter eines Friedhofs. Sie diene dazu, alle, die Tilgung mit 4 Prozent unter Butvachs der ersparten Binsen zu er- Namens unserer Fraktion trat Genoffe Bogel warm für die Vor- ein Interesse an der Aufrechterhaltung der staatlichen Ordnung und an dem Frieden der Bevölkerungsklassen untereinander haben, folgen und mit dem Rechnungsjahr zu beginnen hat, das auf das lage ein. Endlich gelangte noch ein Antrag Stadthagen einstimmig zur zu beunruhigen und in ihren Gefühlen zu verlegen. Die WegJahr folgt, in dem die Anleihe emittiert wird. Der Bezirksausschuß behält sich jedoch vor, für die Anleihe oder für Teilemissionen Annahme, der den Magistrat ersucht, die Errichtung weiterer nahme des Steins sei daher berechtigt gewesen zur Herstellung derselben die Begebung zu einem geringeren, mindestens aber 3 weigstellen der städtischen Voltsbibliothet ins eines Zustandes, der keine Gefahr für die öffentliche Ruhe und Ord2 Prozent betragenden Tilgungssaße zu genehmigen, wenn die Auge zu fassen, und zu erwägen, ob nicht an der einen oder anderen nung enthalte. Die Klägerin, vertreten durch den Rechtsanwalt Stadtgemeinde fich verpflichtet, die dadurch ersparten Jahresaus- städtischen Volksbibliothek auch Ausleihestellen für Musikalien ein- Dr. Herzfeld, machte dagegen in der auf ihren Antrag anberaumten mündlichen Verhandlung geltend, daß die Eröffnung des Amtsgaben zur Schaffung und Speisung von Sammelfonds für genau zurichten sind. borstehers an die Witwe Herrmann feine Zustellung der Verfügung zu bezeichnende kommunale Aufgaben zu verwenden. Zu Gunsten des Amtsvorstehers an den Gemeindevorsteher sei, daß die Witwe bon Schulbaufonds, Grundstücserwerbsfonds oder SteuerausAus der Stadtverordnetenversammlung. Am 28. April ging den Herrmann von dieser Verfügung in der Tat erst durch den angegleichsfonds soll eine Ermäßigung des Tilgungsfazes feinesfalls zugestanden werden, für solche Fonds werden wie es in dem für Stadtverordneten eine Petition der Bezirksvereine und des Gast- fochtenen Beschluß des Kreisausschusses Kenntnis erhalten hohe. alle Berliner Vororte wichtigen Schreiben des Bezirksausschusses wirtsvereins zu, in welcher Stadtverordnetenversammlung und und daß deshalb die Klage nicht verspätet sei. Materiell sei aber heißt fünftig Anleihen nicht mehr genehmigt werden. Nach Magistrat ersucht werden, beim Landtag vorstellig zu werden, den auch die Verfügung nicht begründet. Die Inschrift des Denksteins längerer Beratung, in der sich Redner aller Fraktionen trop diefes§ 25 der Städteordnung dabin abzuändern, daß bei Stadtverordneten unterscheide sich nicht von anderen Inschriften auf Grabdentneuen Eingriffs in das Selbstverwaltungsrecht für die Vorlage wahlen die öffentliche durch die geheime Stimmabgabe erfegt wird. mälern, in denen die tragische Todesursache eines Verstorbenen anaussprachen, wurde dieselbe mit großer Mehrheit angenommen. Da fich von den bürgerlichen Vertretern niemand fand, um die gegeben werde. Wie dort mitgeteilt sei, daß ein Verstorbener in Sollte die Regierung troh ihres Schreibens eine sofortige Tilgung Petition ihrer eigenen Wähler zum Antrag zu erheben, und die der Fabrik getötet, vom Blizz erschlagen, im Kriege gefallen, sei hier bon 4 Prozent verlangen, dann wird nichts anderes übrig bleiben, Beratung derselben zu ermöglichen, so beantragten unsere Genossen mitgeteilt, daß Herrmann erschossen sei. Es sei unerfindlich, wie die Erweiterung der Betition auf das allgemeine, gleiche und ge- dadurch diejenigen, welche ein Interesse an der Aufrechterhaltung als Beschwerde an den Provinzialrat einzulegen. In rascher Reihenfolge wurden hierauf eine Reihe fleinerer heime Wahlrecht und die Stellung des Antrages auf die Tages der staatlichen Ordnung und an dem Frieden der Bevölkerung untereinander haben, beunruhigt oder in ihren Gefühlen berlest Vorlagen, meist ohne Debatte, angenommen. Bei einer Vorlage ordnung der nächsten Stadtverordnetensitzung. des Magistrats, die der Charlottenburger Bäderinnung anläßlich In der letzten Sigung stand nunmehr der Antrag zur Beratung. werden können. Wenn das vorkommen sollte, so geschehe es nicht ihrer 200jährigen Jubelfeier eine Zuwendung von 1200 M. machen Eingehend begründete unser Redner die Einführung des all- durch die Worte der Inschrift, sondern durch unkontrollierbare Vorwill, benutte Genosse Richter die Gelegenheit, die Rüdständigkeit gemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts, auch für die Frauen. stellungen, die mit der Inschrift in Verbindung gebracht würden, des Bäckerhandwerks und den mangelnden Arbeiterschuh in diesem Bon den bürgerlichen Stadtvertretern erklärte Dr. Schulze, daß der vielleicht auch durch die Tat. Im übrigen sei die Polzei nicht Gewerbe zu schildern. Die verlangte Summe wurde troßdem be- Antrag zu weit gehe und er nicht dafür stimmen könne. Der An- Richterin und Fürsorgerin in Sachen des Geschmacks, der Religion willigt, und da man einmal in Hurrastimmung war, bewilligte man trag wurde auch gegen die Stimmen unserer Genossen, denen sich oder der Politik, sondern habe das gesetzliche Recht, einzugreifen, Dagegen wurde ein nur wenn die öffentliche Sicherheit, Ruhe und Ordnung gefährdet auch gleich 100 M. für einen Ehrenpreis an den Verband Berliner noch ein bürgerlicher zugeſellte, abgelehnt. Athletik- Vereine und weitere 3450 M. als Beitrag zu den Kosten Antrag, nur die geheime Stimmabgabe zu fordern, angenommen. sei. Das Vorhandensein der Gefährdung sei aber nicht Sache des der Hundertjahrfeier zur Eröffnung des Turnplates in der Hafen- Der Vertrag wegen der elektrischen Straßenbahnverbindung zwischen subjektiven Empfindens, sondern es müsse, wenn es, wie hier beheide. Den Standpunkt unserer Fraktion gegenüber dieser Vor- der Gemeinde Köpenick und Adlershof, der wegen nochmaliger stritten werde, durch Tatsachen glaubhaft gemacht werden. Trotz Tage vertrat Genosse Gebert. Prüfung der Bestimmungen über Einführung von Arbeiterwochen- Aufforderung habe aber der Beklagte solche Tatsachen nicht anDie Vorlage betreffend öffentliche Uhrenanlagen, beren Inhalt farten der Straßenbahnkommission nochmals zur Vorberatung geben können, sondern nur erklärt, daß sich zwei Beamte über die Da Inschrift geärgert hätten. Ein gesetzliches Recht der Polizei, diese wir bereits eingehend mitgeteilt haben und die darin gipfelt, daß überwiesen worden war, wurde nunmehr angenommen. der Betrieb und die Verwaltung der öfentlichen Uhrenanlage einer nach können Arbeiterwochenfarten in Zukunft an jedem be- Herren vor Aerger zu schüßen, bestehe nicht. Jedenfalls gehe die Deputation übertragen wird und daß der Anschluß von Privatuhren liebigen Wochentage gelöst werden, die Karten haben an sechs Verfügung zu weit; denn sie entziehe der Witwe Herrmann die nach bestimmten Grundsätzen erfolgt, wurde einem Ausschuß zur aufeinanderfolgenden Wochentagen Gültigkeit, statt wie bisher nur Mitbenutzung des Gemeindefriedhofs, insoweit dieselbe in der ErBorberatung überwiesen. für die Kalenderwoche. Der Antrag des Magistrats, entsprechend richtung eines Dentsteins über dem Grabe ihres Ehemannes beBu längeren Debatten führten die Vorlagen betreffend den der Zunahme der Bevölkerung die unbesoldeten Magistratsmitglieder stehe. Die Polizei habe höchstens die ordnungswidrige Benußung Bau eines Pavillons für Arante II. Klasse und be- um zwei und die Stadtverordneten um sechs zu vermehren, wurde berbieten, also höchstens die Inschrift entfernen lassen können, treffend die Neuregelung der Aufnahmebedingungen für angenommen. Die Vermehrung soll aber erst bei den nächsten nicht aber den Denkstein. Es sei gegenüber den Anführungen des Klaffenpatienten der städtischen Krankenhäuser. Die regelmäßigen Wahlen vorgenommen werden. Dem Antrage der Beschlusses, daß nach den Urteilen der Strafgerichte dem GenStadtverordnetenversammlung hatte am 9. März 1910 den Bau Gastommiffion auf Einführung von Gasautomaten wurde allseitig darmen Jude ein Verschulden an dem Tode des Herrmann nicht bon Pavillons für Krante I. und II. Klasse beschlossen, der Magistrat zugestimmt. An Stelle des verstorbenen Stadtrats Jenne wurde treffe, auch festzustellen, daß nach dem Urteil der Zivilkammer des will aber nur einen Pavillon für Krante II. Klaffe errichten der Stadtverordnete Otto Rühl in der Stichwahl mit 21 gegen Landgerichts auf Grund sehr eingehender Beweiserhebung erkannt Gleichzeitig damit beantragt er eine Neuregelung der Aufnahme- 13 Stimmen, welche auf den Direktor Theunert fielen, aum Stadt ist, daß Herrmann und seine Gefährten von den Gendarmen mit Stockhieben angegriffen worden, daß sie sich demgegenüber nur ge= bedingungen, und zwar sollen Krante II. Klasse und deren Be- rat gewählt. wehrt hätten, daß insbesondere der Erschossene den Gefährten gleitpersonen pro Tag, wenn fie in Charlottenburg einheimisch sind, Judes überhaupt nicht angegriffen, daß ihn deshalb Jude nicht in 8 Mt., andernfalls 10 M. bezahlen. Außerdem soll den leitenden Aerzten der städtischen Krankenhäuser das Recht zustehen, bon Notwehr erschossen habe, und der Anspruch seiner Witwe gegen ihn auf Zahlung einer Unterhaltsrente somit begründet sei. Klaffenpatienten neben den Kurkosten für die ärztliche Behandlung Der Grabstein eine Gefährdung der staatlichen Ordnung. ein Honorar innerhalb der Grenzen der Gebührenordnung zu erheben, und endlich soll den Oberärzten des Krankenhauses Westend Der Grabstein des vom Gendarmen Jude erschossenen Zimmerfür die Behandlung der Klassenpatienten neben ihren bisherigen poliers Adolf Herrmann beschäftigte am 24. 6. M. den KreisGebührnissen ein jährlicher, ruhegehaltsfähiger Buschuß von je ausschuß des Kreises Niederbarnim. Der Stein ist auf dem Ge1000 m. aus städtischen Mitteln gezahlt werden. Die Vorlage meindefriedhof zu Hohen- Neuendorf am 25. September 1909 mit begegnete auf allen Seiten lebhaften Bedenten. Stadtverordneter folgender Inschrift errichtet worden: Stadthagen( nationalliberal) wandte sich hauptsächlich dagegen, daß die leitenden Aerzte berechtigt sein sollen, von den Klassen Stadtverordneter patienten noch ein Honorar zu erheben. Jastrow( liberal) sprach sich in gleichem Sinne aus und tadelte die Höhe der Verpflegungskosten. Beide Redner taten so, als ob ihnen einzig und allein das Wohl des Mittelstandes am Herzen Tiege. An diese Aeußerungen Inüpfte Genosse Bietsch an, indem er die Herren darauf aufmerksam machte, wie schwer ihre Freunde fernung des Denksteins wegen der Inschrift angeordnet habe und im Reichstage fich erst jetzt wieder bei der Verabschiedung der Reichsversicherungsordnung an dem Mittelstand versündigt hätten. Schreiben mit. Die Frau Herrmann erhob innerhalb zwei Wochen Im übrigen wandte sich der sozialdemokratische Redner grundsätzlich gegen die Schaffung verschiedener Klassen von Batienten und forderte die gleiche Verpflegung und ärztliche Behandlung für alle Kranten. Ebenso wandte sich Genosse Bietsch gegen eine besondere Honorierung der Aerzte und gegen die hohen Preise, die es ausgeschlossen erscheinen lassen, daß Angehörige des Mittelstandes die Bavillons II. Klasse aufsuchen. Er riet, die Zahl der Aerzte zu vermehren, damit nicht die Gefahr entstehe, daß die Aerzte sich mehr Gerichts- Zeitung. Unserm unvergeßlichen Bezirksführer Adolf Herrmann, erschossen auf dem Heimweg vom Bahlabend in der Nacht bom 23. zum 24. September durch den Gendarmen Jude." Die Inschrift wurde alsbald durch Bretter verhüllt und am 12. Dezember 1910 wurde der Denkstein entfernt. Als die Witwe Herrmann sich beim Amtsvorsteher nach dem Täter erkundigte, erflärte ihr dieser am 15. Dezember 1910, daß er selbst die Entteilte ihr dies auch in einem ihr am 2. Januar 1911 zugestellten danach Klage gegen den Amtsvorsteher. Der Kreisausschuß beschloß ohne mündliche Verhandlung, die Klage abzuweisen. Aus der Begründung des Beschlusses ergab sich, daß der Amtsvorsteher schon im Oktober 1909 den Gemeindevorsteher in Hohen- Neuendorf angewiesen hatte, die Inschrift zu umhüllen, und daß er am 21. Oktober 1910, nachdem die Umhüllung wiederholt entfernt war, eine Verfügung an den Gemeindevorsteher erlassen hatte, den Denkstein zu entfernen, widrigenfalls er ihn auf dessen Kosten entNach Linke's Fleisch- Zentrale Hermannplatz 4. Rückenfett Brnstrippchen Schulterblatt, bei 5 Bid. Schinken Bauch Suppenfleisch Bauernschlackwurst Mettwurst Zwiebel und Sächsische Teewurst Prima Bratenschmals Bid. 45-50 B1. 40 60 " B 65 " " 55-60 " " 65-80 Pfd. 1,50 mt. # 65 Pf. bei 5 Bfd. 60 " 45 " " " 1.10-1,45 I. 65 Pf. 58, bet 5 Pfd. Täglich frische, prima Wiener und Breslauer. E Zum Pfingstfest große Auswahl in Hammelkeulen. :: BERLIN O.:: Gr. Frankfurter Str. 126 Eckhaus Koppen- Strasse S.WEISSENBERG Musseline, hell oder dunkel, auch mit Bordüren Wollmusseline, letzte Neuheiten Zephirstoffe für Hausblusen... Leinen für Kleider und Kostüme in vielen Farben fell610 Meter 35, 45, 60 PL. Meter 60, 75, 90 PL. Meter 40, 50, 60 PL. Meter 60, 90, 1.45 :: BERLIN O.:: Gr. 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Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW.