Ur. 139. Nbonnemenk-keöinaungen: Nbonnemenls- Preis pränrimerando i Licrteijährl. SP0 Mk., monall. 1,10 Mk., wöchentlich W Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags« Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt" 10 Psm Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Prcisliitc. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal. Ruuiänieu, Schweden und die Schweiz. 38. Jahrg. Crfdidnt täaiicö außer tnontaas, Vevlinev VolksblÄkk. Zcntralorgan der fozialdcmokrati fcken Partei Deutfcblands. Die TnlertionS' Gebühr Betragt für die sechsgespaltene Kalenel- geile oder deren Raum W Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereinslind Versammlungs-Anzcigen 30 Pfg. „KUint Anreizen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstcllenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über tSBuch- ftaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis k» Uhr nachmittags in der Expeditton abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adreff«: ,,SHlaItleiD»!lkat licrllu". Redahtion: 8 öd. 68. Linden Strasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonntag, den 4. Jnni 1911. Expedition: 8Al. 68. Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Lilie Nahibetrachtung.') Von August Bebel. Seit der ersten Auflage dieser Schrift— Frühjahr 1895 — als eben das Geschrei nach neuen Zwangsmaßregeln gegen die Sozialdemokratie laut gewordeil war— hat die innere !Entwickluug Deutschlands große Veränderungen erfahren. Nur geringfügige politischer aber um so wichtigere ökonomischer Natur. Die kapitalistische Entwicklung, gipfelnd in der Konzen- tration des Kapitals, repräsentiert vornehmlich durch die großen Banken, und die Zentralisation der Industrie, repräsentiert vornehmlich durch die Syndikate und Trusts, hat seitdem ungeahnte Fortschritte ge- macht. Aber diesen Fortschritten gegenüber wuchs auch auf dem Gegenpol die Zahl und die Macht des Proletariats. Der zahlenmäßige Ausdruck dieser beiderseitigen Fortschritte tritt in den Resultaten der Gewerbezählungen der Jahre 1895 und 1997 und in dem Wachstum der sozialdemokratischen Wähler- schar bei den verschiedenen Reichstagswahlen seit 1893 zutage. Die Resultate dieser beiden Vorgänge müssen miteinander verglichen werden, um klar zu erkennen, daß mit der Ver- änderuug der ökonomischen Struktur der Gesellschaft im kapitalistischen Sinne, auch das politische Fühlen und Denken weiter Volkskreise, auf denen diese kapitalistische Entwicklung in erster Linie lastet, sich verändert und zwar zugunsten der Sozialdemokratie. Kapitalistische Entwicklung und Wachs- tum der Sozialdemokratie bedingen sich also gegenseitig, sie ergänzen sich. Das ist eine so unleugbare Tatsache, daß Staatsmänner, Wirtschaftspolitiker und Volksvertreter, die diese übersehen, ihren Beruf verfehlten und für die Ausfüllung ihrer Stellung untauglich sind. Auf die ökonomischen Umgestaltungen, die sich aus den Resultaten der Gewerbezählungen ergeben, hier einzugehen, würde mich zu weit führen. Niemand, der sie kennt, bestreitet sie. Dagegen will man an den verschiedensten maßgebenden Stellen noch immer nicht einsehen, daß zwischen der ökono- mischen Entwicklung der Gesellschaft und der politischen Ent- Wicklung der Sozialdemokratie ein ursächlicher Zusammen- hang besteht, der keinem Denkenden und Prüfenden entgehen kann. Gewiß hängt das Wachstum der Sozialdemokratie nicht nur von der kapitalistischen Entwicklung der Gesellschaft ab, aber nur insofern nicht, als eine Reihe anderer untergeord- uetcr Ursachen mitwirkt, dieses Wachstum zu steigern oder auch seine Steigerung zu verlangsamen, aber das Wachstum lbleibt. Wenn die Sozialdemokratie im Jahre 1893: 1 787 000 Stimmen. 1898: 2 100 000, 1903: 3 000 000, 11907: 3 260 000 Stimmen musterte, so zeigt schon ein ober- slächlicher Blick, wie grundverschieden das Wachstum der Stimmen von einer Wahlperiode zur anderen ist. Daß dieses Wachstum von 1903 bis 1907 nur ein geringes war, ver- schuldet der ungeheure Druck Und die Einschüchterung, die 1907 Reichs-, Staats- und Gemeindebehörden in Verbindung mit den herrschenden Klassen zu einer kompakten Gegner- schaft gegen die Sozialdemokratie vereinigte, als gelte es, den bevorstehenden Umsturz der Gesellschaft zu verhüten. Der Kampf war einer der heroischsten, den die Partei zu führen gehabt hat, und daß sie den vereinigten Feinden zum Trotz dennoch au Stimmen zunahm, war ein großer Erfolg. Denn nicht in der Zahl der Mandate, die von großen Zufällig- leiten abhängt, sondern in der Zahl der Stimmen, die zeigen, welchen Boden die Partei im Volke hat und wohin sich ihre Anhängerschaft verbreitete, liegt der Schwerpunkt für ihre Machtschätzung. Es ist nicht zu verwundern, daß das gleich einem uuent- rinnbaren Fatum vor sich gehende Wachstum der Sozial- demokratie ihre Gegner, die an der Aufrechterhaltung der bürgerlichen Ordnung interessiert sind, erschreckt. Es ist eine unheimliche Wahrnehmung, daß die Gesellschaft in dem Maße, wie sie zu ihrer Vervollkommnung fortschreitet, in ihrem Schoß auch die Elemente zeugt, die die Todfeinde eben dieser Gesellschaft werden müssen. Aber wenn schon im ver- faulenden römischen Kaiserreich die herrschenden Klassen sich mit den Christen nicht abzufinden bereit waren, um so weniger ftie herrschenden Klassen in der bürgerlichen Welt des 20. Jahrhunderts mit der Sozialdemokratie. Die Christen gaben schließlich ihre sozialen Forderungen zugunsten ihrer religiösen Glaubenssätze preis, die Sozialdemokratie, die keine religiösen Glaubenssätze zu vertreten hat, wohl aber politische und soziale Forderungen, kann diese nicht aufgeben, ohne sich selbst aufzugeben. Die Ursachen, die die Partei ins Leben riefen, machen es aber auch unmöglich, die Partei zu unterdrücken, denn die Ursachen ihrer Existenz aufheben, hieße die kapitalistische Produktionsweise, die kapitalissische Gesellschaftsordnung auf- heben, hieße die Selbstvernichtung aussprechen, was die Ge- sellschaft nicht kann. So mußte das Sozialistengesetz versagen, und so würde die Umsturzvorlage haben versagen müssen, wenn ihre An- *) Demnächst erscheint im Verlag der Buchhandlung„Vor- wärts" die Schrift von Marx„Die Klassenkämpfe in Frankreich" in «euer Auflage. Nachstehende Ausführungen hat Bebel als Vor- «de der berühmten Schrift vorausgeschickt. Hänger sich im Jahre 1895 über die Grundsätze, die in ihr zum Ausdruck kommen sollten, hätten verständigen können. Aber diese Verfolgungsinstinkte gegen die verhaßte sozia- listische Bewegung wurzeln tief in dem Wesen der herrschenden Klassen. Allen geschichtlichen Erfahrungen zum Trotz, die die heute herrschenden Klassen selbst im Laufe ihrer eigenen Ent- Wickelung machten, rufen sie immer wieder nach Gewaltmaß- regeln, sobald sie sich bedrängt fühlen oder gewisse Vorgänge ihnen Erfolg zu versprechen scheinen. Im Bewußtsein ihrer Ohnmacht ist die Gewalt der einzige Faktor, zu dem sie Ver- trauen haben. Wie tief diese Verfolgungsinstinkte wurzeln, dafür lieferten wieder die Krawalle, die Ende September und im Oktober 1910 aus Anlaß von Arbeitseinstellungen im Berliner Stadtteil Moabit ausbrachen, den schlagendsten Beweis. Diese Krawalle sollten für die Scharfmacher und Angstmeier in der herrschenden Klasse den Vortvand abgeben zu verschärften gesetzgeberischen Maßregeln gegen die Sozial- demokratie, um die von ihr bedrohte Gesellschaft zu retten. Freilich, der vermutete und frech behauptete Zusammenhang der Sozialdemokratie mit diesen Kratvallen konyte nicht nachgewiesen werden, es wurde sogar gerichtlich festgestellt, daß ein solcher nicht vorhanden war. Aber den um ihre Herrschaft besorgten Klassen genügt auch der Schein, um ihrer Sehn- sucht nach Gewaltmaßregeln gegen eine gehaßte und ge- fürchtete Partei Ausdruck zu geben. Das zeigte sich schon 1891. An dem damaligen Attentat auf der. Präsideuten der französischen Republik, Carnot, war die deutsche Sozialdemo- kratie ebenso unschuldig wie jene, die damals die Umsturz- Vorlage gegen sie verlangten. Genau so 1910 in Moabit. Aber denen, die Gott Mammon dienen, müssen alle Vorgänge zum besten dienen. Einstweilen hat der Ausgang jener Prozesse das Ge- schrei nach Ausnahmemaßregeln gegen die Sozialdemokratie ge- dämpft, denn nicht diese, sondern das System, dessen Haupt- stütze die Polizei ist, wurde in jenen Prozessen in einer Weise an den Pranger gestellt, wie ähnliches nie in einem zivilisierten Staate vorgekommen ist. Aber das verhindert nicht, daß bei einer nächsten Gelegenheit das Verlangen nach verschärfter Gesetzgebung sich wieder erhebt, denn das böse Gewissen läßt dem Unterdrücker keine Ruhe. Er sieht, wie gegen seine Usurpation sich eine immer stärker werdende Macht erhebt, deren Sieg er fürchtet. Es ist eben eine alte geschichtliche Erfahrung: In Zeiten einer in der Umwälzung aller wirtschaftlichen und kulturellen Zustände begriffenen Geschichts- Periode, in der überall Neues zur Geltung drängt, verlieren die herrschenden Klassen leicht den Kopf und begehen Hand- lungen, die das Gegenteil dessen hervorrufen, was sie be- zwecken sollen. Statt zu beruhigen regen sie auf, statt die Bewegung zu unterdrücken, was sie möchten, geben sie ihr neuen Nährstoff und beschleunigen den Sieg, den sie ver- hindern wollen.— In einem täuschte sich Friedrich Engels in seiner Auf- fassung. Die Partei hat aus den Kreisen der Kleinbürger und Kleinbauern nicht den Zuwachs erhalten, den er glaubte annehmen zu müssen. Er sah nicht die intensive Agitation, die das Agrariertum und die an der ökonomischen Rückstän- digkeit Deutschlands interessierten Schichten in den Klein- dauern- und Kleinbürgerkreisen entfalteten. Diese Klein- bürger und Kleinbauern, selbst Produkte eines rückständigen, unentwickelten ökonomischen Zusiandes, ließen sich vielmehr von dem Sirenengesang der Agrarier undRückwärtslermit der Parole, die Bauern und Kleinbürger zu retten, einfangen und leisteten ihnen gehorsam Wahlhilfe. Die Enttäuschung wird nicht ausbleiben und sie hat, täuschen nicht die Zeichen der Zeit, bereits begonnen. Die kapitalistische Entwickelung macht in Deutschland Jahr für Jahr so riesenhafte Fort- schritte, daß der eisenstirnigste Kleinbürger und Kleinbauer sich dieser Erscheinung und ihren Wirkungen nicht verschließen kann. Er spürt sie am cigenen�Leibe. Die hier in Betracht konkmcnden Schichten denken langsam und müssen sich erst ous vielen Vorurteilen befreien, aber sie denken. Blieb aus diesen Gründen der raschere Fortschritt der sozialdemokratischen Partei hinter den Erwartungen, die Engels und mit ihm andere hegten, zurück, die Zukunft wird nachholen, was die Vergangenheit noch nicht brachte. Voraussichtlich werden die nächsten Reichstagswahlen der Partei, im Vergleich zu den vorhergehenden Wahlen, einen erheblichen Stimmenzuivachs einbringen. Aber als wirk- licher Gewinn kann nur angesehen werden, was über drei- undeinhalb Millionen Stimmen hinausgeht, da die ungünstige Situation der Wahlen im Jahre 1907 uns mindestens eine Viertelmillion Stimmen kostete, die wir bei normalen Wahlen hätten mehr haben müssen. Es wird sich also fragen, w:e weit bis zu den nächsten Wahlen der Stimmungs- und Ge- sinnnngswechsel in den kleinbürgerlichen und kleinbäuerlichen Schichten eingetreten ist. Alsdann könnte im Verein mit den i vermehrten Arbeiterstimmen eine sehr erhebliche Steigerung der sozialdemokratischen Stimmenzahl eintreten, die alsdann Regierungen und herrschende Klassen veranlassen könnte, die Frage zu stellen: Was nun? Uns über die Antwort auf diese Frage den Kopf zu zer- brechen, ist nicht unsere Aufgabe. Es kann alsdann möglicher- weise einer jener welthistorischen Momente eintreten, die der � Entwickelung eines großen, zahlreichen und intelligenten i Volkes, wie es das deutsche ist, neue Wege aufzwingen, mögen t die herrschenden Klassen wollen oder nicht. Für die Sozialdemokratie ist die Richtschnur gegeben; sie wird sich nicht, komme was wolle, von ihrem bisherigen Boden abdrängen, oder verleiten lassen, ibr bedenklich scheinende Wege zu betreten; sie hat keinen Grund, ihren Feinden gegenüber sich zu Unbesonnenheiten und gewünschten Gewaltstreichen verleiten zu lassen. Stark in dem Bewußt- sein, daß die ganze geschichtliche Entwickelung ihr in die Hände arbeitet, und sie durch die Macht der Gründe und die Ge- rechtigkeit und Selbswerständlichkeit ihrer Forderungen der Kristallisationskern für alle wird, die an einer neuen gesell- schaftlichen Ordnung auf sozialistischer Grundlage interessiert sind, und das ist schließlich die sehr große Mehrheit, kann sie festen Fußes und heiteren Auges das Kommende erwarten. Aus den Lehren unserer großen wissenschaftlichen Vor- kämpfer schöpfen wir die Zuversicht, daß die geschichtliche Mission der modernen Arbeiterklasse, die das Produkt der kapitalistischen Produktionsweise ist, ihr die Zukunft sichert, die erst für alle Menschen das Leben lebenswert macht. trau, schau, wem! Die„Hamburger Nachrichten" begrüßen in zistei Leit- artikeln den Vorstoß des Flottenvereins. Das rechtsnationallibcrale Blatt weist u. a. auf ein Moment hin, das später bei der Flotten- agitation sicherlich eine erhebliche Rolle spielen wird. Es sagt: „Man müsse es sogar als h ö ch st unvorteilhaft für die Werften und für die ganze einschlägige Industrie ansehen, wenn das Bautempo jetzt plötzlich von vier großen Schiffen auf nur zwei fiele und dann erst im Jahre 1918 wieder auf drei stiege. Maßgebend dürfen solche Rücksichten allein natürlich nicht sein, aber ebenso u n r i ch t �g wäre, sie außer acht zu lassen." Die Interessen des Panzerplattenkapitals, die hier einstweilen nur schüchtern angedeutet werden, werden zweifellos nach der Reichstagswahl mit ganz anderem Nachdruck in den Vordergrund gerückt werden! Und welchen Einfluß diese Kapitalistenkategorie ausübt, ist ja hinlänglich bekannt. Während die„Hamburger Nachrichten" ihre Begeisterung für neue Flottenrüstungen offen bekunden, hält es die„Kreuz» zeitung" gleich der„Deutschen Tageszeitung" und Herrn Erz» berger für zweckmäßiger, einstweilen das Nüstungsprojekt als un- diskutabel aus dem Bereiche ernsthafter Erörterung auszuscheiden. Das führende konservative Organ hat sogar eine leise Rüge für die Resolution der Flottentreiber. Es sei doch„eigentlich die Auf- gäbe der verantwortlichen Stellen der Reichs- leitung selb st, das erforderliche Maß der Rüstungen zu be- stimmen". Es sollte deshalb„mit Ruhe abgewartet werden, ob die verantwortlichen Stellen eine weitere Vermehrung der Rüstungen für erforderlich" hielten. Dabei dürfe aber die ReichSleitung unter keinen Umständen von den Grundsätzen einer gesunden Finanz- Politik abgehen. Sollten sich wirklich neue Flottenbauten als not- wendig erweisen, so müsse unbedingt auch die Deckungsfrage entschieden werden. Es sei aber bedauerlich, wenn wirklich wiederum neue Einnahmequellen erschlossen werden müßten, da doch in den Jahren 1906 bis 1999 die Reichscinnahmen um nicht weniger als 699 Millionen pro Jahr erhöht worden seien. Solche Vertuschungsversuche, die lediglich der Absicht ent- springen, die Oeffentlichkeit vor den Reichstagswahlen nicht zu beunruhigen, vermögen nur den zu täuschen, der die früheren Vor- kommnisse auf dem gleichen Gebiete völlig vergessen hat! Wer sich aber beispielsweise der Vorgänge aus den Jahren 1899 und 1999 erinnert, der vermag über den durchsichtigen Schwindel nur zu lächeln! Als im Dezember 1898 Bebel die Regierung wegen der umschwirrenden Flottenrüstungsgerüchte interpellierte, schwieg sich Herr v. T i r p i tz zunächst aus. Als dann im Januar 1899 in der Budgetkommission der Abgeordnete Lieber diese Anfrage Bebels wiederholte, erklärte Herr v. Tirpitz namens der Verbündeten Regierungen: daß an keiner Stelle der Plan bestehe, mit einer neuen Flottcn4 Vorlage zu kommen." Aber ehe noch Pas Jahr zu Ende ging, wurde die durch den Staatssekretär des Reichsmarineamts feierlich abgeleug- n e t e Flottenvorlage in ebenso feierlicher Weise durch nicht weniger als vier Minister im Reichstage angekündigt! Besonders grotesk aber war die Haltung des Z e n t r u m s zu der Flottcnvorlage. Im November 1899 hatte die„Ger- mania". wie übrigens die gesamte Zcntrumspressc, emphatisch erklärt, daß jede weitere Erörterung über die Flottenvorlage „einem Bauen von Luftschlössern vergleichbar" wäre, wenn nicht vorher die Teckungsfrage gelöst werde. Der Gedanke aber,„die Kosten einer Verdoppelung der Kriegsflotte durch eine Brotver- t e u e r u n g gerade den ärmeren Klassen der Bevölke- rung abzunehmen", müsse„einem deutschen Gcmüte die Scham ins Gesicht treiben". Als dann ein paar Monate später die Flottenvorlage zur Abstimmung stand, hat das Zentrum nicht nur dafür gestimmt, sondern auch durch die Brot- und Fleisch- Verteuerung dafür gesorgt, daß die ärmeren Klassen der Bevölke- rung die Kosten für die Flottenmilliarden zu tragen hatten! Wer sich das vergegenwärtigt, kann sich auch nicht eine Sekunde lang darüber täuschen, daß die Bedenken der konservativen Presse und das eifernde Schelten des Herrn Erzberger nichts anderes be- zwecken, als den Wählern Sand in die Augen zu streuen! Diese Wähler sind aber das letztemal mit ihrer Gutgläubigkeit so gründ- lich hereingefallen, daß sie diesmal doppelt vorsichtig sein werden! Partciifclje Siebter. London, 1. Juni.(Gig. Der.) Die wachsende Parteilichkeit englischer Nichter bildet seit dem Taff- Vale- Entscheid eine der lautesten Klagen der Ge- werkschastler. So lange aber die Arbeiterklasse allein unter den Vorurteilen konservativer und liberaler Richter zu leiden hatte, hatte die bürgerliche Presse sür derartige Klagen nur ein Achselzucken übrig. Ja, das Sprachorgan der liberalen Negierung, die„Weftminstcr Gazette", hielt noch nach dem letzten Gewerkschaftsvongretz. der die offenkundige Klassenjustiz der letzten Jahre scharf verurteilt hatte, den Arbeiter- führern eine tiefsinnige Predigt über die Verwerflichkeit der Praxis. cinei»! Richterstande Parteilichkeit vorzu- werfen, der doch in der ganzen Welt als der Ausbund aller Tugenden betrachtet werde. Heute schreibt dasselbe Blatt und mit ihm die ganze liberale Presse über die Parteilichkeit der Nichter. O quae mutatio rerum! Und in welch kurzer Zeit! Des Rätsels Lösung ist in dem Umstände zu suchen, daß die Liberalen seit den letzten Wahlen selbst das Gefühl der Empörung, das eine parteiiiche Justiz auslöst, enipfunden haben. In Großbritannien werden Wahlprotcste nicht von Ausschüssen des Parlaments, sondern von besonders ernannten Richtern geprüft. Die letzten Wahlen, in denen eine ganze Reihe Kandidaten mit Mehrheiten von nur 5, 4 oder gar noch weniger Stimmen gewählt wurden, hatten eine lange Reihe Wahlprotcste im Gefolge. Das Sonderbare ist nun, daß alle Proteste, die von konservativen Wählern gegen die Wahl liberaler Kandidaten eingelegt wurden, sjon den Richtern an- erkannt wurden, während alle liberalen Wahlproteste abgewiesen wurden. Dieses Mißgeschick der Liberalen ist nicht etwa dem Umstände zuzuschreiben, daß sie bei den Wahlen bedenklichere Methoden angewendet haben als die Konservativen. Im Gegenteil, das Material, das die Verhandlungen zutage ge- fördert haben, zeigt die Liberalen im allgenieinen in einem besseren Lichte als ihre Gegner. Aber diese hatten den Vor- teil, daß die Mehrheit.der Richter hiebfeste konservative Parteigänger waren, die das Wahlglück zu korrigieren ver- standen. Stimmzettel, die bei dem konservativen Kandidaten galten, wurden bei dem liberalen Kandidaten zurückgewiesen und die Bestecherei armer Wähler durch die Konservativen wurde als harnilose und lobenswerte Gutmütigkeit ausgelegt. Manche der Verhandlungen lesen sich lvie eine Farce, die der soeben gestorbene Verfasser des„Mikado" hätte schreiben können. Das solche Dinge heute in Großbritannien möglich sind, erklärt sich aus dem Vor- handcnsein einer erdrückenden Zahl konservativer Richter, die während der letzten langen Regierungsperiode der konservativen Partei ernannt wurden. Der Lordkanzler, der sie ernannte, Lord H a l s b u r y, ist ein zynischer alter verknöcherter Tory, wie er in den liberalen Agitationsschriften steht, der zuerst nach dem Grade der Parteitreue und dann erst nach den Fähigkeiten der zu befördernden Juristen fragte. Nun die konservative Partei in Nöten ist, glauben die Schützlinge des ehemaligen Lordkanzlers, daß sie eine Schuld zurückbezahlen müssen. Man muß diese Dinge berücksichtigen, wenn man den plötzlichen heftigen Ausfall des Ministers Churchill gegen die Richter verstehen will. Herr Churchill gebrauchte bei der zweiten Lesung der OSbornebill folgende Worte."„Es ist un- möglich zu behaupten, daß die Gerichtshöfe, wenn es sich um Klasseninteressen und Partciinteressen handelt, denselben Grad des allgemeinen Vertrauens(wie im gewöhnlichen Zivil- und Kriminalverfahren) besitzen. Im Gegenteil, sie besitzen es nicht und eine große Menge unserer Bevölkerung ist zur Ansicht gelangt, daß sie— Zweifels- ohne unbewußt— parteiisch sind." Die Konservativen waren über diese Worte deS Ministers sehr erregt und wollten den Redner nicht weiter anhören. Auch in der Presse ist es zu lebhaften Diskussionen gekommen, die möglicheriveise dazu führen werden, daß man den Richtern die Untersuchung der Wahlproteste entzieht. Die Gründe, die den Minister bewogen haben, eine der- artig scharfe Sprache im Parlament zu führen, waren wohl gemischter Natur. Erstens wollte er den Arbeitcrparteilern die gänzlich unzulängliche Osbornebill durch eine radikale Rede mehr mundgerecht machen; dann aber wollte er auch dem ge- quälten liberalen Herzen Luft machen. Doch der vielseitige Herr Churchill ist nicht damit zufrieden, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Es kann unmöglich Zufall sein, daß die Richter in Hull zwei Tage nach der Churchillschen Keifebriefe vom Baihan. Durch die Miridita. Puka, 14. Mai IStl. Mein Plan war, die Ljuma und die Miridita, die so ziemlich wildesten und unzugänglichsten Gebtete Albaniens, von Prlzren bis Skutari zu durchqueren. Als man in UeSlilb von meiner Absicht erfuhr, verscheuchie für eine halbe Stunde«in Sturm von Leiden- schafteii das orientalische Phlegma an unserem Ti'ch. Die einen schwuren Stein und Lein, datz mich örstenS die türkischen Behörden gar nicht in das Land lassen würden und wenn ja, daß mich die Miriditen unbedingt zur Strecke bringen würden, die anderen er- hitzten sich dafür, daß ein Ritt durch diese Schluchten harmlos sei wie ein Spaziergang im Wiener Prater. Um der einen Partei, die Empfehlungsschreiben von den Be- Hörden für unerläßlich hielt, Rechnung zu tragen, sprach ich auf dem österreichischen Konsulat vor. dem auch die Reichsdeutschen zugeteilt sind. Ich legte meinen Plan dar. Der eine Attachü verschwand zu einer kurzen Konferenz im Zimmer des Konsuls. Als er zurück- kehrte, bot er mir eine Zigarette an, was ich gleich sür ein schlimmes Vorzeichen hielt. Ich harte mich nicht getäuscht, denn folgende Er- Öffnung ward mir zuteil:.Wenn Sie österreichischer Untertan wären, würden wir Ihnen direkt die Reise verbieten; so müssen wir uns daraus beschränken, Ihnen dringend abzuraten und jede Ver- antwortung abzulehnen". Ich erklärte in etwas höflicherer Form. daß mir dieser wohlmeinende Rat verzweifelt schnuppe sei und empfahl mich. Daß der Bürger... kitsch, der sich mir als willkommener Begleiter angetragen, alle Wideriprücbe gegen meine Absiwr mit einem Phlegma aufnahm, das ein westeuropäischer Optimist auch als entschlossene Zähigkeit auslegen konnte, war mir ein Trost. In Belgrad hatte man mir seine Zuverlässigkeit gerühmt und er selbst ließ bescheiden manch Wort in die Unterhaltung einfließen, daß er dort oben gut beschlagen und bewandert sei und daß er im besonderen— wegen der Pserdebeschaffnng und dergleichen— in Prizren mit einfluß- reichen»kreisen Fühlung habe.' Aber Schreck der Schrecken! Eine halbe Stunde nach unserer Ankunft schon entpuppten sich die ein- flußreichen Kreise als«in Nähmaschiiienagent. der mich voriges Jahr durch seine abgrundtiese Unzuverlässigkeil zur Verzweiflung getrieben hatte. Auch diesmal hatte er sein Pulver auf der Pfanne, denn nach einigen Worte» der Verständigung redeten drei Mann hoch in einem Gemisch von Türkisch, Serbisch, Italienisch und Deutsch auf mich ein, um mir plausibel zu machen, daß 1. in Prizren Pferde vis Rede den ersten liberalen Wahlprotest als berechtig! an- erkannten und das konservative Parlamentsmitglied sür Hull seines Mandats für verlustig erklärten. politiscke CTeberlicbt. Berlin, den 3. Juni 1911, Die Stuttgarter Parteigenossen über die Bnrgermeistcrwahl. Die Parteiorganisation Stuttgarts beschäftigte sich am 26. Mai und 2. Juni in zwei riesigen Mitgliederversammlungen mit der stattgefundenen Bürgermeisterwahl. Die Ver sammlung am 2. Juni hatte über zwei Resolutionen zu ent scheiden. Eine von den Genossen Hildenbrand und Mattutat eingebrachte Resolution lautete: „Die Versammlung spricht ihre Befriedigung über den abgeschlossenen Wahlkampf um das Amt des Stuttgarter Stadt« Vorstehers aus und dankt dem Kandidaten Dr. Lindemann für seine wirksame Vertretung der kommunalpolstischen Forde- rungen der Sozialdemokratie während dieser ganzen Wahlbewegung. Deren Führung entsprach den Absichten und Parteibeschlüssen vom 4. Mai. Die Versammlung spricht ihr Bedauern darüber aus, daß einige auswärtige Parteiblätter infolge von Berichten, die ihnen aus Stuttgarter Parteikreiscn zugingen, der Führung des Wahlkampfes durch heftige unsachliche An griffe Schwierigkeiten bereitet und den Gegnern dadurch Waffen gegen die Stuttgarter Parteiorganisation wie gegen die Person des Kandidaten geliefert hat. Nachdem die zur Stellungnahme in der Frage der Stadtvorsteherwahl berufene Partei Versammlung ihre Entschlüsse mit so erdrückender Mehrheit gefaßt und damit einen der schwierigsten und politisch bedeutungsvollsten Wahlkampf, der je in Stuttgart stattfand, eingeleitet hatte, war eS die Pflicht aller Parteigenossen und Parteiorgane, diesen Beschluß zu respektieren und alles dazu beizutragen. waS einer wirksame» Durchführung dieses Beschlusses förderlich war. Die Versammlung mißbilligt daher daS Verhalten der Parteigcnoflen, die jenem Beschluß Schwierigkeiten bereiteten und dadurch den geschloffen«! Aufmarsch der Partei in diesem Wahlkampf verhindert haben." Diese Resolution wurde jedoch abgelehnt und eS gelangte dafür eine von der Stuttgarter Partei- leitung eingebrachte Resolution zur Annahme, die folgenden Wortlaut hat:. „Die Versammlung anerkennt die Geschloffenheit, mit der das organisierte Proletariat der Stadt seinen letzten Wahlkampf ge- führt hat und begrüßt das ansehnliche Anwachsen der sozialdemo- kratischen Stimmen. Die Versammlung erklärt aber, der pro- letarische Klassenkampf ist und bleibt der uner- schütterliche Boden für den Kampf, für die Tätigkeit der Parteiorganisation und der sozialdemokratischen Vertreter auf allen Posten. Die Versammlung betont daher, daß eS die selbstverständliche Pflicht aller Genossen ist, Arbeit und Kampf in strenger ll eberein st imniung mit den Grundsätzen der Sozialdemokratie zu halten und die Beschlüsse der Parteitage und der Organisation unver- brüchlich zu beachten." Diese Erklärung gelangte mit der starken Majorität von 620 gegen 415 Stimmen zur Annahme. Reinlichkeit und Sauberkeit unseres öffeutltchen Lebens. Wir werden um Aufnahme nachstehender Erklärung gebeten: Von Herrn Kreth erhielt ich gestern nachstehenden Brief: „In der Reichstagssitzung vom 27. Mai d. I. äußerten Sie, wie ich dem amtlichen Stenogramm cntnehinc. u. 0., daß „kurz vor der Publikation des MonopoleiitlmirseS die Gehälter der Direktoren der SpintuS-Zentralr um je 20 OOO M. erhöht wurden" und daß auch ich „von dieser Erhöhung profsiiert hätte". Ich war während Ihrer Rede leider nicht im Hause, soust hätte ich nicht unterlassen, Sie alsbald um eine Berichtigung Ihrer Mitteilungen anzugehen. Anbei erlaube ich mir, Ihnen einen Abdruck der„Zeitschrift für SpintuSindustrie" vom S. Mai 1W9 zu überreichen, in der durch eine Erklärung der beiden Vorsitzenden des Brenner- auSschusses und deS AufsichtSrateS der Spiritus- Zentrale die damals auftretenden Behauptungen von einer Gehaltserhöhung der Vorstandsmitglieder als„unwahr und erfunden" bc- zeichnet worden sind. Was für die am 6. Mai 1909 im Amte gewesenen Direktoren der Spiritus- Zentrale festgestellt wurde, gilt— wie sich von selbst ergibt— auch für mich, der ich— mit dem gleichen Gehalt wie meine Kollegen— erst am 1. Oktober 1909 das Amt als Direktor übernahm. Skutari überhaupt nicht zu haben seien und daß 2. der Weg durch die Miridita unzugänglich sei und daß wir deshalb über Djaiowa den Weg wählen müßten, der etwa eine Tagereise weiter»ördlick an den Skutarisee führt. Auf weine sehr deutliche Entgegnung hin wollte man sich liebevoll in Einzelheiten vertiefen, aber ich war diesmal mit dem Entschluß ins Land gekommen, mir durch keine orientalische Bummelei einen Strich durch die Rechnung machen zu lassen. So dankte ich sür Details, lehrte den verdutzten Brüdem den Rücken und ging aufs österreichische Konsulat. Die Zigarette, die man mir hier sofort anbot, war kein schliinnie-Z Vorzeichen, denn der Vizekonsul. Herr v. Rudnoy, verwies die Ge- schichte mit den Pferden und dem Weg« in das Reich der Märchen, und als der Dragoman des Konsulat» dazu kam. bezeich- nele dieser Mann mit Lokalkenntnis den Nähmaschinenjüngling just als den ungeeignetsten Menschen im Umkreis von drei Meilen für irgendwelche wie immer geartete Aufgabe. Bei dem Konsul traf ich einen FranziSkancrpoter, dessen Bekanntschast ich schon auf dem Wege zwischen Vesioriwitsch und Prizren gemacht, sund mit dem ich mich in einem selbstgeschaffenen Elperantogemengsel auS Italienisch und Lateinisch verständigt hatte. Av die Geistlichen der katholische» «rnauten haben ihre Ausbildung in Oesterreich. Kroatien oder Steiermark oder in Italien gcnosien. Da außerdem der Kaiser von Oesterreich daS Protektorat über die albanischen Katholiken hat, versteht sich am Rande. daß diese Diener des Herrn in der Regel die Schrittmacher des österreichischen Einflusses in Albanien sind. Im übrigen haben sie, unter denen mehrere dichterisch und schriflstellerisch«inen Namen errungen, allein einen Begriff von einem albanischen Vaterland. Ihnen wird dieser Begriff eben durch die gemeinsame Sprache und Liieratur vermittelt, während er mangeis jedes wirtschaftlichen und politischen Zusammenhangs den Massen vollkommen fremd ist. Dem Aufstand etwa die Tendenz einer allgemein albanischen Autonomiebewegung unterzuschieben, hieße das Land und die Trieb- kräfte seiner Bewohner sehr verkennen. Als der Pater gegangen, befaßte sich Herr v. Rudnay in llebenS« würdigster Weise mit meinem Plan, wie sich überhaupt, trotzdem ich ans meiner politiichen Meinung kein Hehl machte, die Herren des österreichischen Konsulats und auch der iialienische Vertreter Dr. Jucnlin, bemühten, mich über die melancholische Einsamkeit eines abgeschiedenen türkischen ProvinznesteS hinwegzuhelfen. ES setzt den Wert dieses Entgegenkommens nicht herab, daß dabei die Geber auch zugleich Empfänger sind, denn in Pruren, wo sich die europäische Gesellschaft mit dem Personal der drei Konsulate— außer den zwei genannten existiert noch ein russisches— erschöpft, bietet jeder An« kömmling willkommene Unterbrechung in einem trostlosen Einerlei. Ich bin Vollkommen davon überzeugt, daß Sie bei Ihren AuSsiihrungen am 27. Mai d. I. von jener Erklärung keine Kennt- nis hatten. Um so zuversichtlicher darf ich aber danach auch die Erwartung aussprechen, daß Sie— obwohl durch Ihre Immunität als Mitglied des Reichstages geschützt— im Bedürfnis nach ob- jektiver Wahrheit meinen Kollegen und mir mittels öffentlichen Widerrufs Ihrer Behauptungen Genugtuung geben werden. Mit ausgezeichneter Hochachtung Kreth. Mitglied des Reichstags und des Abgeordnetenhauses." Ich stehe nicht an, nach dieser Erklärung, die ich jetzt zum ersten Male zu Gesicht bekomme, meine Behauptung bezüglich der Gehaltserhöhung für die Direktoren der Spirituszentralc zu widerrufen und ebenso selbstverständlich die Schlußfolgerung in bezug auf Herrn Kreth,„daß er selber diese 20000 Mark profiliert habe", da nach dieser Erklärung auch anzunehmen ist, daß die übrigen Direktoren schon vor dem 1. Oktober 1909 ihre 50000 M. Gehälter gehabt haben. Damit aber kein Mißverständnis entsteht, möchte ich hervorheben, daß unter den verschiedenen Vorwürfen gegen den Herrn Grafen v. Westarp und seine Partei derjenige bc- züglich des Herrn Kreth nicht wegen dieser Gehalts- erhöhung erhoben wurde— das war nur eine Art be- lehrender Jllustrationsbeigabe—. sondern mein Vorwurf gegen Herrn Kreth wie gegen seine Frakttonskollegen unter den Schnaps- ticbesgabenenipsängcrn ging dahin, daß diese Herren trotz ihrer eigenen finanziellen persönlichen Interessiertheit an Fragen der Gesetzgebung gleichivohl bei solchen mitratcnund mittaten. Schon während der ersten Beratung des Lranntweinsteuergesetzes war bc- kannt geworden, daß sich die Spirituszentrale den Abgeordneten Kreth als Mitdircktor anzumieten gedenke. Mein Fraktions- kollege Dr. S ü d e k u m hat in offener Reichstagssitzung die Abhängigkeit des Herrn Kreth von der Spirituszentrale fest- gestellt und die Frage aufgeworfen, ob es mit der Würde einer Volksvertretung vereinbar sei, in einer solchen Stellung an der Schaffung dieses Gesetzes mitzuwirken. Und unter diefemGesichtspunkt habe ich am 27. Mai im Reichs- tage erklärt: „Nicht einmal Herr Kreth hat es für notwendig gehalten sich dabei zurückzuziehen, sondern gotteSsürchtig und fromm hat' er mitgeratet und mitgetatet." Berlin, 3. Juni 1911. Richard Fischer, M. d. N. Wie in Preuften-Deutschland der Amtsmißbrauch eines hohen Beamten prämiiert wird. In der letzten DienStagnummer des„Vorwärts" wurde aus Elberfeld über die drastische Affäre des Beigeordneten Pfeiffer berichtet, der«inen ganzen Rattenkönig von amtlichen Vergehen durch Mißbrauch seiner Dienstgewalt und persönlichen Skandal- geschichten verursacht hat. Es wurde mitgeteilt, wie großspurig Herr Pfeiffer unseren Genossen im Stadtratskollegium, die die Sache zur Sprache brachten. gegenüber auftrat und wie dann mit einein Male die Katastrophe über den ehemaligen Polizeigewaltigen hereinbrach, so daß dem Ober- bürgermeister nichts weiteres übrig blieb, als im Stadtparla- ment zu erklären, daß er gegen Herrn Pfeiffer daS Disziplinar- verfahren einleiten wollte. Soweit war die Affäre bis zum Donners- tagabend gediehen. Trotz der Erklärung des Oberbürgermeisters büllie sich daS städtische Amtsblatt, welches nicht eilig genug die Injurien deS angegriffenen Hertn Pfeiffer und feiner bürgerlichen Freunde gegen unseren Genoffen Hoffmann au» der geheimen Sitzung deS Stadtrats mitteilen konnte, jetzt, nachdem die ganze Schmiere aufgedeckt war, in eisiges Schweigen. Selbst die wiederholten Versuche unseres Elberfelder ParteiblatteS das städtische Sprachrohr zum Reden zu bewegen, mindestens doch die ErfläruNg des Oberbürgermeisters bekanntzugeben, blieben erfolglos. Da es aber nun gar nicht mehr anders ging, berief dann zum Donnerstag abend der Oberbürgermeister zur Beschlußfassung über die Pfeiffer-Affäre eine geheime Stadtverordneten- s i tz u n g ein. Kurz vorher hatte die Finanzkommission getagt, die die Vorbereitungen zu befummeln hatte. Oberbürgermeister gunck als Berichterstatter bemerkte einleitend, daß die Pfeiffer-Affäre weit über Elberfeld hinaus peinliches Aufsehen erregt habe, es im Interesse der Stadt liege, wenn die Sache bald end- gültige Erledigung fände. Das einzuleitende Disziplinar- verfahren dürfte, abhängig von anderen Prozessen, sich noch Jahre hinziehen, noch recht lange die Bürgerschaft beunruhigen. Dann wüßte man noch nicht, wie daS Urteil des Disziplinargerichts aus- fallen würde. Es lönne wohl als sicher angenommen werden, daß man schon einen Weg finden würde gegenüber einem so tüchtigen Beamten, der 13 Jahre der Stadt Elberfeld hervorragend gedient, daß er, wenn auch ein weiteres Verbleiben im Allerdings meinte auch Herr v. Rudnay. indem er bedenklich dem Rauch seiner Zigarette nachsah: eS heißt, die Miriditen sind in den Bergen. Der Fachansdruck erklärt sich auS der Sache selbst: Die Miriditen find natürlich immer in den Bergen, denn flaches Land leiinen nur die unter ihnen, die der Hunger zur AuSwande- rung nach Italien, Serbien und den Vereinigte» Staaten treibt. Aber in diesem Zusammenhang steht„in den Bergen" im Gegensatz zu„in den Dörfern". Sitzen die Miriditen in den Dörfern, den Acker bestellend, die Swafe weidend und die Ziegen melkend, wie eS braven Baucrölenten zukommt, so herrscht Ruhe im Lande. Geht aber der Alannrus: die Miriditen sind in den Bergen, so bat jeder sein Mausergewchr umgehängt und Banden klettern die Hänge auf und nieder. Dann ist schlecht Wetter, und wer den Pfeifenqualm mehr liebt alS den Pulverrauch, tut besser, er bleibt zu Hause. Um sich und mich zu beruhigen, schlug Herr von Rudnay vor. er wolle an da« österreichische Konsulat in Elutari telegraphieren, um Erkundigungen einzuziehen. Die Antwort abwarten, bedeutete aber vier Tage Verzögerung, denn die Telegramme machen den ge- waltigen Umweg überKonstantinopel. und so erklärte ich für meinen Teil auf ein beruhigende» Telegramm um so eher verzichten zu können, alS ich gar nicht beunruhigt fei. Eine Benachrichtigung der türkischen Behörden war indes unerläßlich und so saß ich bald, den üblichen Fingerhut Kaffee und die ebenso übliche Zigarette empfangend, im SrbeilSzimmer des MulesiarrifS, de» RegierungSpräfidenlen von Prizren. Ein recht freundlicher Herr, der ein breites, ganz deutsche« Lachen an sich halte, übrigen« Militär, aber die Verantwortung für die Reise wollte er doch nicht übernehmen. Gewiß, die Post gehe. und in seinem Bezirk sei alles ruhig, und er glaube auch nicht an Widrigkeiten, aber wer weiß? In der Miridita lönne eö von heute aus morgen losgehen und dann komme eben alles auf meine Kappe. Aber um seiner Pflicht zu genügen, wolle er mir zwei Zuwart, bc- rittene Gendarmen, mitgeben. Ich protestierte nach Kräften, denn einmal wollte ich für meine Fahrt jeden offiziellen Anstrich vermeiden und zum zweiten mußten, wenn die Miriditen in den Bergen weilten. sie durch die Gendarmeriebedeckung magnetisch angelockt werden. Aber was half'S I Am anderen Tage salutierten im Hofe der Bretterbude, die sich das erste Hotel von Prizren nennt, Hairi- Beg und Sorahim, zwei Arnouten übrigens, und der Miridit Frok Pielr. der als Begleiter mitgehen sollte, hielt mein Reitpferd und ein Packpferd am Zügel. Noch einen Abschicdsgruß den Herren de» Konsulats— aufgesessen l und hinein ging ei in den blauen und kühlen Maimorgen... H. W. Ämte nicht möglich, der Pension doch sicher nicht verlustig erllärt werden würde. Darum schlage er im Ein- Verständnis mit dem Beig. Pfeiffer vor. ihn sofort in den Ruhestand zu versetzen, bis 1. Oktober cr. ihm das bisherige Gehalt fortzuzahlen und dann eine lebenslängliche Pension von 5000 Mark zu gewähren. Der gemütvolle Oberbürger- meister fand eS sogar für angebracht, zu behaupten, daß auf diesem Wege auch finanziell die beste Lösung der Frage herbei- geführt werde. Namens unserer Parteigenossen wandte sich Genosse Rechts- tmwalt L a n d ü mit Entschiedenheit gegen solche Zumutung. Die sozialdemokratische Fraktion würde dagegen stimmen und überlasse den bürgerlichen Stadtverordneten die Verantwortung. Und dann kam das Schönste. Oberbürger m ei st er Fun ck versuchte den Ausführungen unseres Genossen gegenüber darzulegen, datz Herr Pfeiffer sehr wohl die Pension in derHöhe gebrauche, da er allerlei Iveitgehende Verpflichtungen habe. So sei bereits ein Aufgebot gekommen von einem Mädchen mit drei unche- lichen Kindern, für die cr zu sorgen hätte. Die Angelegenheit sei in jeder Beziehung geprüft und die vorgeschlagene Lösung die beste. Wenn man jetzt nicht die Sache so regele, so könne man schließlich später, wenn Herr Pfeiffer sich verheiratet, auch noch für seine Frau und Kinder aufkommen.(!) Diese Begründung genügte den bürgerlichen Stadtverordneten, Herrn Pfeiffer die lebenslängliche Pension von 5000 M. pro Jahr ohne weiteres zu bewilligen. Dagegen stimmte nur geschlossen die sozialdemokratische Fraktion und ein Zentrumsarbeiter. dessen Parteigenossen Mann für Mann die Pension bewilligtem Welche Gefühle dieser Stadtratsbeschluß in der Bevölkerung los- gelöst hat, kann man sich denken. Ohne dieses rücksichtslosen Ein- greifcnS der sozialdemokratischen Fraktion wäre Herr Pfeiffer heute noch„oben auf" als der schneidige Bändiger des Umsturzes. Im November finden wieder die Stadlverordnetenwahlen statt, wo dem Kartellklüngel dann sicher die Quittung dieses Verhaltens ausgestellt wird. Uebrigens kann Herr Pfeiffer der Stadt Elberfeld noch aller- Hand Geld kosten. Er befindet sich in den besten Jahren, ist ein Vierziger. Nach seiner gesunden Konstitution zu rechnen, lebt er wohl noch 30 Jahre. Macht 150000 M. Pension für einen als unfähig und unwürdig erklärten Beamten. Dafür werden in Elber- seid auch 215 Proz. Gemeindenmlagen erhoben. Die elsässische» Zentrumsrebelleu. Die Fronde der Zentrumsbanncrträger im oberen Elsaß läßt jetzt klar erkennen, um was eS ihr bei der Aufbauschung der VcrfassungSschmerzen unter Zuspitzung der Polemik gegen Zentrum und Sozialdemokratie zu tun ist: um die Führimg der Landtags- und ReichStagsivahlkämpfe unter einer radikaleren Flagge, als es die Zugehörigkeit zum deutschen Zentrum erlaubt hätte. Auf heute, Sonnabend, dem Borabend von Pfingsten, sind nicht nur die bisher dem Zentrum angehören- den rcichsländischen Landcsausschutzabgeordneten nach Straß- iburg zur genleinschaftlichen Beratung berufen,„um Stellung zu nehmen zu dem Gedanken eines gemeinsamen Lorgehens bei der Wahlbewcgung", sondem auch die andern Abgeordneten dcS Landesausschuffes, mit Ausnahme der Liberalen, das heißt auch die Abgeordneten vom Block der Lothringer, der Ex- dcmokrat Blumcnthal und die sogenannten Nnäbhängigeu von Großkapitals Gnaden, die Köchlin, Ostermeyer und Ge- uoffen sind mit eingeladen, das ganze abgehalfterte eigentliche P o tabclnparlament. Blumenthals Organ, das sich von altersher noch„Els.-Lothr. Lvlkspartet" nennt, kündigte dazu vor einigen Tagen geheimnisvoll an:„Eine neue Lage erfordert«eue Maßnahmen. Wir haben Grund anzunehmen, daß die für ein gemeinschaftliches Vorgehen er- forderliche Organisation binnen kurzem auf den Plan treten wird." Der sensationelle Eifer des Straßburger Nationalisten- blattcs„Journal d'Alface-Lorraine" ging einen Schritt weiter in den Enthüllungen. Es veröffentlichte gleich ein„Mindest- Programm". daL bereits die Zustimmung der„hervor- ragendstcn Persönlichkeiten des Landes" gefunden habe und das auch sofort vom lautesten Organ der Zentrumsfronde, vom„Elsässer Kurier" in Kolmar, mit kräftiger Unterstreichung gebilligt worden ist. Dieses Mindestprogramm lautet: 1. Für eine wirkliche Autonomie lSelbstregicrung des Volkes). 2. Für eine kategorische, gegen denMilitaris- M u s und den MariniSmuS gerichtete Politik. 3. Für den Abschluß von SchiedSgerichtSverträgcn und Minderung der Steuerlasten. 4. Für eine Verteidigung unsere« intellektuellen und moralischen Erbes und namentlich für dre zweisprachige Kultur. Auf daß dieses noch etwas sehr rohe und unbehilfliche Minimalprogramm ja nicht falsch verstanden werde, bemerkt der„Elsässer Kurier" dazu: „Diese Punlte sind wohl für die Mehrheit unserer Bevölkerung Selbstverständlichkeiten. Namentlich tst eine schärfer betonte Oppo- sltioasstcllung gegen MariniSmuS, Militarismus und die dadurch verursachte Bluck-Tchuldenmache und Steucrafabritation ein un- bedingtes Erfordernis jeder Partei, die sich auf die Gesimmngen unseres elfaß-lothringiichcn Volkes stützen will." In der Tat, daS ist die Stolle, wo der Hund begraben liegt! ES gilt vom Zentrum, das die famose Reichs- finanzreform mit den Junkern gemacht hat. möglichst rasch und gründlich noch vor den Wahlen ab- zurücke n— später kann man sich ja schon wieder finden. Ein populäres, antimilitaristisches und stcuerfeindlicheS Pro- gramm, und zur besseren Glaubwürdigkeit jetzt vor den Wahlen der Krach und die scheinbare Trennung vom Zentrum, das einen beim Volke in Mißkredit bringt, dann wird die Sache schon gehen. „War' der Gedank' nicht so verwünscht gescheit, man wär' versucht. ihn herzlich dumm zu nennen!" Man merkt Blumenthals Witz dahinter. Glücklicherweise gibt es in Elsaß- Lothringen noch eine sozialdemokratische Partei, welche über das, was die Herren Blumenthal, Wetterlö, Preiß, Ricklin. Hauß usw. auf dem Gebiete der„kategorischen, gegen den Militarismus und Martnismus gerichteten Politik" und auf dem der Steuerpolitik als Neichstagsabgeordnete getan und nicht getan haben, genau Register führt und den Herr- lichen Volksmännern die neue Maske vom alten Gesichte reißen wird. Die sparsame Heeresverwaltung. Eine militärische Korrespondenz stimmt ein Loblied an auf die Sparsamkeit der deutschen Heeresverwaltung, die gegenwärtig zu Uniformen nicht graues, sondern wieder blaueS Tuch verarbeiten läßt. In Wirklichkeit liegt zu einem solchen Lob nicht der mindeste Anlaß vor. denn die Heeresverwaltung hat Tuchvorräte im Werte von 20 Millionen Mark aufgestapelt. Daß diese Unmengen blauen lucheS erst verarbeitet und dann abgetragen werden müssen, ehe man an die Verwendung des grauen Tuches gehen kann, ist doch eine Selbstverständlichkeit. Gegenüber der bürgerlichen Presse, die in dieses Loblied sofort einstimmen wird, ist eS nötig, die wahren Tatsachen festzustellen, schon damit sich die Heeresverwaltung nicht etwa einbildet, sie sei ganz außergewöhnlich sparsam. Die Zwcckverbandskommission des Herrenhauses hat in der zweiten Lesung des Zweckverbandsgesetzes für Groß- Berlin eine Reihe der Abänderungen, die sie in der ersten Lesung vorgenommen hatte, wieder nach der Fassung des Abgeordneten- Hauses in zweiter Lesung hergestellt. So ist im§ 1 von den dort bezeichneten komniunalen Aufgaben des Zweckverbandes nur die Erwerbung von Flächen für den Bau von Kleinwohnungen ge- strichen worden. Dem Zweckverband sollen also� folgende Aufgaben obliegen: Regelung des Verhältnisses zu öffentlichen, auf Schienen betriebenen Transportanstolten, Beteiligung an der Feststellung der Fluchtlinien und Bebauungspläne für das Verbands- gebiet und Mitwirkung an dem Erlaß von Baupolizeiordnungen, Erwerbung und Erhaltung größerer, von der Bebauung frei- zuhaltender Flächen, wie Wälder, Parks, Wiesen, Seen, Schmuck-, Spiel- und Sportplätzen. Die Abänderungen an den übrigen Be- stimmungeil des Gesetzes sind im allgemeinen nicht durchgreifender Art. Auf die einzelnen Abänderungen kann indes erst zurück- gekommen werden, wenn der schriftliche Bericht der Kommission vorliegt, da durch die Abänderungsanträge der Kommission eine vollständige Umwälzung des Textes an einigen Stellen statt- gefunden hat. Die Kommission tritt zur Berichtfeststellung und zur Beratung des allgemeinen ZweckverbandSgesetzrs am 12. d. Mls. zusammen._ Wirkung des Schnapsboykotts. In der„Tägl. Rundschau" finden wir folgende Kon- statierung der Wirkung des Boykottbeschlusses: „Tatsächlich ist der Beschluß des Leipziger Parteitages nicht ohne Wirkung geblieben: Die neueren Veröffentlichungen über den Branntweinkonsum und den Alkohol im Arbeiterhaushalt geben niedrigere Ziffern an als die bis dahin bekannten. Früher galten 10 Prozent der durchschnittlichen Ausgaben des Arbeiterhaushaltes als auf den Alloholkonsum entfallend: neuere Einzclerhcbungen haben den Satz auf etwa 5 Prozent zu ber- mindern gesucht. Dabei sind aber teilweise die Alkoholausgaben außer dem Hause nicht mit erfaßt, und die Erhebungen beschränken sich ferner nur aus einzelne Haushalte mit genauen An- schreibungen, die erfahrungsgemäß durchschnittlich die solideren sind, als solche, in denen man ein solches Berechnungsmaterial nicht aufzutreiben vermag.... Daß aber nach dem Leipziger Parteitagsbeschluß der Alkohol- Mißbrauch tatsächlich eine Verringerung erfahren hat. geht hervor auö den Berichten der Krankenhäuser über die Ein- lieferungsursachen sowie aus den Berichten der Gewerbe- aufsichtsbeamten." Es wird die Aufgabe der organisierten Arbeiterschaft sein, unermüdlich dahin zu wirken, daßderSchnapskonsum weiter sinkt. Die Liebesgabe an die Junker muß fallen und dieser Kampf um ihre Beseitigung durch den Boykott des Fusels ist zugleich eine kulturelle und hygienische Großtat. Darum: Meidet den Schnaps! Die Stralsunder WahlbestcchungSaffäre ist den Konservativen natürlich höchst peinlich. Die„Deutsche Tageszeitung" veröffentlicht eine Zuschrift des Generalsekretärs der konservativen Parteien von Vorpommern, Sachße, in der der Gastwirt Jcpke als Kronzeuge angeführt lvird, der den BcsiechungSversuch stets abgeleugnet habe. Da Jepke aber tot ist, ist mit einem solchen Zeuge» nicht viel anzufangen, umsomehr als dieser Unterhändler zu seinen Lebzeiten sich gewiß gern an die ihm von den Sozialdemokraten er« teilte Abfuhr erinnert haben wird. Und da die Zuschrift die Möglichkeit zugibt, datz der Bestechungsversuch„von privater Seite' unternommen sein könne, so täten die Stralsunder Kon- servativen schon besser, auf alle gequälten AblcugnungSversuche zu verzichten._ f�euleelanä als Rdebo-JMurterfann. In einem Artikel der„Daily News" gibt der Unterrichts- minister von Neuseeland, George F o w l d S. eine Uebersicht über die seit 21 Jahren in diesem australischen, aber dem Bundesstaat nicht angeschlossenen Inselstaat durchgeführten Reformen, die viel- fach als Muster für andere Kolonien und das Mutterland gedient haben. Zuerst wurde im Jahre 1890 unter Beseitigung der Besitz- klausel und der Mehrstimmenrechte das allgemeine, gleiche Wahlrecht für Männer eingeführt In diesem Jahre erlitten die Seeleute in einem großen Streik eine Niederlage, und die Arbeiter sahen sich dadurch veranlaßt. Einfluß auf die Politik zu suchen. Mit Hilfe des neuen Wahlrechts wählten sie eine fott- fchrlttliche Mehrheit. Seitdem hat das Negicrungk-fystem nicht gewechselt. Zunächst wurde die Hcbuktg der Landwirtschaft vorge- nommen. Durch Errichtung einer staatlichen DarlehnSkassc gelang es, den Zinsfuß, der 7 bis 8 Proz. betragen hatte, auf V/j Proz. hcrabzudrückcn. Der Staat hat so etwa eine Viertel Milliarde Mark ausgeliehen. Seitdem hat sich die landwirtfchaft- liche Produltion fortwährend gehoben. Diesem Zwecke diente auch die anfangs mit Spott aufgenommene, aber sehr nützlich gewordene Einführung staatlicher Prüfung und Klassifizierung der land- wirtschaftlichen Produlte, die der Ausfuhr sehr zustatten gekommen ist. Dadurch wie durch die Herabsetzung des Zinsfußes erhielt auch die Industrie erhebliche Förderung. Zur Regelung der Beziehungen zwischen Arbeitern und Unternehnrern wurde 1300 das Schiedsgerichts- und E i n i» gungSamtSgesetz gegeben. In erster Instanz entscheidet daS Einigungsamt, gegen dessen Spruch ein Schiedsgericht angerufen werden kann. Der Verfasser gibt zu, daß in den lebten Jahren dieses System Anfechtungen erfahren hat namentlich die Arbeiter sind mit der damit verbundenen Beschränkung der Lohn- bewcgungen durchaus nicht zufrieden—. feinen Vorteil findet er in der Vermeidung von Arbcitskämpfcn und der allgemeinen Hebung der Arbeitsbedingungen.„Durch seine Wirkungen wurden die schlechtesten Unternehmer genötigt, in eine Linie mit den übrigen zu treten. So wurde da» schlimmste Stück des Konkurrenz- systems beseitigt, daß ein schlechter Arbeitgeber durch niedrige Be» zahlung und ungehörige Behandlung seiner Arbeiter instand gesetzt wird, den bessere» Unternehmer zu unterbieten." Also Beseitigung der Schmutzkonkurrenz. Der Staatsbetrieb, der für die Eisenbahnen von Anfang an bestanden hatte, wurde auf andere Zweig« ausgedehnt. Neben den fortbestehenden Privatgesellschaften wurden staatliche Versicherungseinrichtungen geschaffen: Lebens-, Unfall» und Feuerversicherung. Man begann mit einer Verbilligung der Versicherungsprämie um 10 Proz. Die Gesellschaften folgten mit einer Herabsetzung um ein volles Drittel. Der Staat schloß sich natürlich an. Er hat so nicht nur die Bedingungen wesentlich ver- billigt, sondern auch, trotz anfänglich schwerer Konkurrenz und einiger schlimmer Jahre, dabei noch ein ganz gute» Geschäft ge- macht. Weiter wurden zwei Kohlenbergwerke in Betrieb genschpup. Awher öpjjrcp durch ein.Syndikat sehr hohe Preise. scstgesctzk. Dcr Skaal hak Lu'ch hier ste�cukenL verbilligend gewirlt und trotzdem, auch trotz der schlechten Bcschaffcnbcit der einen Mine, durch die Borzüglichlcit der anderen finanziell gut abgeschnitten. Zur Bekämpfung des vorher beherrschenden Bode»mono- Pols wurden L a n d st e u e r n eingeführt, die, unter Abzug der Verbesserungen durch Bauten usw., mit Vt Proz. bei einem Wert über 10 000 M. beginnen und bis auf 1% Proz. steigen. Auch hat der Staat das Recht der Enteignung großer Güter. Dafür würden 120 bis 140 Millwncn Mark ausgegeben. Das Land wird in Pacht gegeben. So leben auf einem Gute, das vorher nur 00 Menschen ernährte, jetzt fast 2000. Seit 1890 haben die Lokalbehörden/ das Recht der Land-Zuschlags besteuerung. Dadurch wurde(da Bauten nicht besteuert werden) daS Baugewerbe stark gefördert. Seit 1893 bestehen die Alterspen sionen. Sie wurden von anfangs IVa M. wöchentlich, auf 10 M. erhöht. Rente erhält, ohne Beitragslcistung, wer 05 Jahre alt ist, 25 Jahre im Lande gelebt hat und nicht mehr als 700 M. Vermögen hat. Weitere Ausdehnung ist zu erwarten. �, Der Minister ist sehr. befriedigt von den Ergebnissen� des Systems.„Wir haben weder Millionäre noch Bettler, noch die übrigen Extreme von Reichtum und Armut, wie sie in der Heimat und in Amerika bestehen. Es gibt Leute, die in Verlegenheit sind, für die wir sorgen müssen. Aber man findet keinen kräftigen Menschen, der genötigt ist, aus Mangel an Arbeit sein Brot zu betteln. Viele Alten verbringen ihren Lebensabend in staatlich eingerichteten Heimen."— Immerhin herrscht auch.dort der Kapi- talismus mit vielen seiner Schrecken. Daher das Bestehen und Wachstum einer Partei des revolutionären Sozialismus» von der der Minister freilich nichts erzählt. OeltareicK. Der Wahlrcformminister gewählt. Budapest, 3. Juni. Der gewesene Minister E h r i st o f f i wurde gestern in BakeS-Esaba an Stelle des erschossenen „Baucnlkönigs" Ll ch i m mit 80 Stimmen Majorität g c- wählt. Italien. Das«eucste Blutbad. Jn Lesina in Apulim ist schon wieder einmal auf wehr« lose Arbeiter geschossen worden, und zwar scheint es, daß der erste Schuß von dem Bürgermeister des Ortes abgegeben wurde. Eine Fabrik in Lcsina hatte seit fünf Tagen ihre Arveiter ausgesperrt, und diese wendeten sich an den Bürgermeister mit dein Ersuchen, zu vermitteln. Als der Bürgermeister ablehnte, organi- sierten sie eine Demonstration gegen ihn und fanden das Rathaus von 10 Carabinieri bewacht. Als die erbitterte Menge sich diesen näherte, soll der Bürgermeister seinen Revolver entladen und damit daS Signal zum Schießen für die Carabinieri gegeben haben.-Zuerst wurde ein alter Mann verwundet, und als sein Sohn sich über' ihn beugte, wurde er von einer Rcvolverkugel, die nicht aus einem Dicnstrevolver stammt, tödlich getroffen. Der Arzt gibt an, daß dir Verwundeten aus nächster Nähe getroffen wurden. Die Erbitterung in ganz Apulien ist ungeheuer._ Verstaatlichung der Lebensversicherung. Rom, 8. Juni. HaudelSMinistcr Nitti hat der Kammer ein Projelt zur Durchführung der Lebensversicherungen durch ein nationales Institut vorgelegt. DaS VersicherungSprojelt setzt fest, daß mit Inkrafttreten des Gesetzes Lebensversicherungen unter dem Monopol dcö nattönalcn Instituts durchgeführt werdet» sollen, das mit' dem Sitz in Rom begründet werden soll. » Cnglanck. Ein Arbeitcrschutzantrag. Genosse L a n s b u r y hat einen Gesetzetttwurs eingereicht, der verlangt: Sicherung eines allwöchentlichen Ruhetags für alle Beschäftigten. Anerkenrnrng, des 1. Mat als öffentlichen Feiertag, Sicherung eines bezahlten Jahres- Urlaubs von einer Woche» Bezahlung der öffentliche» Feiertage. Marokko. Strafexpeditionrn. Tanger. 3. Juni. Ein Brief aus Fez vom 20. Mai meldet, daß am 28. eine französische Kolonne von 2500 Mann nach Kid Jusji, ungefähr 90 Kilometer südlich der Hauptstadt, abgegangen ist/ Tie Truppen haben auf dem Marsche dorthin das Dorf Bablil be- schössen, in dem sich eine beträchtliche Anzahl aufständischer Berber verbarrikadiert hatte. Am 29. Mai ist eine die Hälfte der französischen Gesamtkolonne umfassende Truppcnabteilung mit Lebensmitteln für nenn Tage nach Westen ausgezogen. Das Ziel der Expedition wird geheim gehalten, doch nimmt man an, daß es sich um MekincS handelt. Berber«iib Spanier. Madrid, 3. Juni. Die im Heiligtum von Abb es Elam bei Tciuan versammelten Führer der nördlichen Bcrberstämme haben beschlossen, auf das Entschiedenste gegen das Vordringen der spani- ichen Truppen Einspruch zu erheben, und sich der Besetzung von Ceuta und Tetuan durch immer größere Truppenmassen zu wider- setzen. General Sllfau hat, um kriegerische Zusammenstöße vorläufig zu vermeiden, daher Befehl gegebeu, daß die spanischen Truppen keine weiteren Stellungen besetzen. Er hat erklärt, daß er nur dann weiter vorrücken werde, wenn ihn die Umstände dazu zwingen sollten. In nichtspanlschen Kreisen glaubt man. daß der- artige„Umstände" bald vorhanden fein werden und befürchtet heftige Zusammenstöße mit den äußerst erregten Berbern. Eine Brüskicrnng Marokkos durch Englaad Paris, 3. Juni. Mehreren Blättern zufolge hat die englische Regierung dem hier weilenden marokkanischen Minister des Aeußc- rcn El Mokti, der als Vertreter des Sultans den Londoner Krönungsfeicrlichkeiten beiwohnen sollte, durch ihren hiesigen Bei- schafler mitteilen lassen, daß ihr die Anwesenheit einer marokkani- scheu Abordnung bei den Londoner Festlichkeiten nicht erwünscht sei. Der Schritt wird damit begründet, daß die Grausamkeiten, die die schcrifische Mahnlla— namentlich bei den letzten Ausfällen-f: gegen Weiber und Kinder begangen haben soll, als entehrend für die Regierung des Sultans angesehen würden. Es sei zu befürchten. daß die öffentliche Meinung Englands de» Vertretern Mulay SafidS einen unfreundlichen Empfang bereite, was man aus Courtoisie vermeiden möchte. Da die betreffende marokkanische Mahalla unier dem Kom» mando französischer Instrukteure stand, ist diese Absage an El Mokrt auch zugleich ein Nasenstüber für Frankreich. Im übrigen mutet die Sache ziemlich puritanisch-pharisäisch an, denn England hat von seinen Kolonialkriegen her noch genug auf dem Kerbholz«. jVlexiko. » Neuwahl des Präsidenten. New N»rk, 8. Juni. Wie aus Mexiko gemeldet wird, ist dort ein Dekret veröffentlicht worden, daß die Wahl des neuen Präsidenten anordnet. Am 1. Oktober sollen in jedem Staat sechs Wähler gewShtt werden und diese ihrerseits am 15. Oktober den Nachfolger von D i a z wählen. GewerkfcbaftUcbes. Der„Zimmerer", das Organ des Zentralverbandes der Zimmerer, hat mit seiner Nummer 22 dieses Jahres die bisher höchste Auflage erreicht. Das 66. Tauseng ist überschritten. Schon einmal im Jahre 1967 waren die 66 Tausend nahezu erreicht, aber die damals einsetzende Ungunst am Wirtschaftsmartt, von der auch das Zimmerergewerbe berührt wurde, ließ die Mit- gliederzahl des Verbandes einen geringen Rückgang erleiden. womit naturgemäß auch die Auflage des„Zimmerer" sich verringerte. Die Nr. 22 des„Zimmerer" konnte in einer Auflage von 66 200 erscheinen. Vor 10 Jahren(1901) betrug die Auflage des„Zimmerer" im Jahresdurchschnitt rund 29 500. Fünf Jahre später war sie auf reichlich 57 000 emporgeschnellt, hatte sich also fast verdoppelt. Die Höhe der Auflage in dem folgenden Jahrfünft spiegelt die Kon- junktur im Bau- bezw. Zimmerergewerbe Wider. Sie stellte sich 1907 auf rund 63000, 1908 auf 62000, 1909 auf 60500, 1910 auf 63 000. Die Steigerung der Auflage in diesem Jahre ist besonders erfreulich insofern, als der Verband gegenwärtig eine erhebliche Belastungsprobe durchmacht. Bekanntlich hat die jüngste Generalversammlung des Zentralverbandes der Zimmerer, die Anfang April dieses Jahres in Leipzig tagte, zur Stärkung des Kampffonds für die beiden nächsten Jahre die Erhebung von Extrabeiträgen in Höhe von 15 bis 35 Pf. pro Woche beschlossen. Obivohl sämtliche Teilnehmer der Generalversammlung rückhaltlos die Notwendigkeit einer Stärkung des Kampffonds anerkannten, wurden doch auch Stimmen laut, die von einer allzu starken materiellen Spannung der Mitglieder warnten, von der sie einen Rückgang der Mitgliederzahl befürchteten. Diese Bedenken, die auch schon früher bei ähnlichen Anlässen erhoben wurden, haben sich als unbegründet erwiesen, wie die anhaltende Auf- wärtsbewegnng der Auflage des„Zimmerer" und die damit in Verbindung stehende Steigerung der Mitgliederzahl be- stätigt. Diese erfreuliche Tatsache ist im Hinblick auf die organisationszersetzende Tätigkeit der„christlichen" und anarcho-syndikatistischen Quertreibereien besonders von Be- deutung. Die Zimmerer Deutschlands erkennen in wachsendem Maße, daß ihre Interessen allein im Zentralverband gewahrt werden. Diese Einsicht macht alle Bemühungen der Antipoden des Zentralverbandes zu Nichte. Lerlin und Umgegend. Der Streik in den Eisenkonstruktionsbetrieben. In der Versammlung der Streikenden, die am Sonnabend bor- mittag in den Pharussälen stattfand, berichtete der Streikleiter Maus, daß am Freitag Verhandlungen zum Zwecke der Schlich- tung der bestehenden Differenzen stattgefunden haben. Die Ver- treter der bestreikten Firmen traten mit den Vertretern der Ar- beiter zu einer Beratung zusainmen, in der Direktor Gebauer den Vorsitz führte. Die Parteien hatten zuerst eine Auseinander- setzung darüber, warum wohl die Verhandlungen, die vor dem Streik begonnen waren, abgebrochen tvorden sind. Zum Teil sollten Miß- Verständnisse daran die Schuld tragen. Man begann dann von neuem, die Forderungen der Arbeiter eingehend zu beraten, wobei sich mehrmals eine große Erregung der Parteien bemächtigte. In keinem Punkte gelangte man zu einer Einigung, doch wurden immerhin eine Reihe Vermittlungsvorschläge gemacht, die noch weiterer Erwägung bedürfen. Viele Schwierigkeiten bot die Rege- lung der Akkordarbeit, und zwar in bezug aus eine Garantie des Stundenlohnes, aus die Verteilung der Ueberschüsse und die Auf- rechnung der Ueberschüsse von einem Akkord auf den andern. Gerade in letzterer Beziehung erkannten die Unternehmer selbst an, daß bei manchen Firmen ein durchaus ungerechtes System besteht. — Von der Einführung von Mindest- oder Einstellungslöhnen wollten die Unternehmer ebensowenig hören, wie bei der ersten Beratung. Sie bezweifelten, daß gelernte Arbeiter mit einem Stundenlohn von 42Z4 Pfg., 40 Psg. und noch weniger zufrieden sein müßten, wie von den Arbeitern behauptet worden ist.— Die Arbeitszeit wollten die Unternehmer nur auf Stunden herab- setzen und dafür einen fünfprozentigen Lohnzuschlag gewähren. Die Beratungen hatten bisher kein bestimmtes Resultat und sollen am Mittwoch fortgesetzt werden. Die Versammelten, denen Maus die Verhandlungen schil- derte, drangen darauf, daß ihre Vertreter an der Forderung der neunstündigen Arbeitszeit sowie an der Einführung von Mindest- oder Einstellungslöhnen festhalten; ferner müßte unbedingt eine Regelung der Akkordarbeit vor- genommen werden. Unter anderem wurde noch auf die schlechten Löhne der Hilfsarbeiter hingewiesen, die pro Stunde mit 36, 37 und 38 Pfg. zufrieden sein müßten. F r o m k e vom Deutschen Transportarbeitcr-Verband wies darauf hin, wie notwendig hier eine Lohnerhöhung ist. Die von uns bereits besprochene Veröffentlichung der Firmen in der Eisenkonstruktion wurde dann von Maus noch als Beweis angeführt, daß die angeworbenen Arbeitswilligen keinen Ersatz für die Streikenden bieten konnten. Zwei Firmen, bei denen nicht gestreikt wird, die aber die Erklärung an die Kundschaft mit unter- zeichnet haben, sperrten am Sonnabend morgen etwa 120 Arbeiter aus, die nun die Reihen der Streikenden verstärken. Diese Firmen heißen Karl Spaeter und Deutscher Eisenhandel, Abteilung Raven e. Die Streikleitung macht darauf aufmerksam, daß Zuzug nachBcrlinnachwievorzumeidenist, und ersucht die arbeiterfreundliche Presse, davon Notiz zu nehmen. Eine Forderung der Arbeiter in der chemischen Industrie. Die Fabrikarbeiter in der chemischen Industrie Deutschlands haben jüngst im ganzen Reiche Versammlungen abgehalten, um ihre Forderung nach einer Verkürzung der Arbeitszeit laut und vernehmlich erschallen zu lassen. In Berlin fanden gut- besuchte Betriebsversammlungen der folgenden Fabriken statt: Schering(Berlin und Charlottenburg), Riedel, Kunheim, Kahlbaum und Anilinfabriken Treptow und Rummelsburg. Der Reichstagsabgeordnete Brey und Bruns vom Verband der Fabrikarbeiter referierten. Anläßlich der Resolution, die auf der ersten Konferenz der Arbeiter der chemischen Industrie in Frank- furt a. M. im Jahre 1909 beschlossen wurde, ertönt immer wieder der Ruf nach einer kürzeren Arbeitszeit, um die furchtbaren Unfall- gefahren in dieser Industrie zu bekämpfen. In der chemischen Industrie, eine der reichsten und einträglichsten, ist die Arbeit ge- sundheitsschädlicher als in den übrigen Industriezweigen. Als Opfer einer gewerblichen Vergiftung fallen jährlich Tausende von Ar- beitern, und die Unfälle sind nicht gleich erkennbar; die gewerbliche Vergiftung bringt langsam, man möchte sagen heimtückisch schlvere Schädigungen im Körper hervor, und nicht selten ist dauerndes Siechtum die Folge. Von 1899 bis 1909 kamen in der chemischen Industrie 113 379 Unfälle zur Anmeldung, aber nur in 16 3.10 Fällen oder 15,5 Proz. wurde eine Entschädigung gezahlt. Zu ihrem Schutze bedürfen die Arbeiter dringend einer Verkürzung der Arbeitszeit, um den Gefahren ihrer Tätigkeit wirksam ent- gegentreten zu können. Durch die eifrige unausgesetzte Agitation, die gerade die organisierten Arbeiter in dieser Beziehung entfaltet haben, ist schon manches gebessert worden in einer Reihe von alriken. Man hat den Neunstundentag, vereinzelt auch den Acht- undentag eingeführt, die langen Wechselschichten, bis zu 24 Stun- den, sind vielfach beseitigt worden. Es sind aber durchgreifende Aenderungen notwendig, die sich auf oie gesamte Industrie er- strecken müssen, wenn die Masse der Arbeiter geschützt werden soll. Berantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. In /eratcnteil verantwl� In besonders gefährlichen Betrieben muß die Arbeitszeit bedeutend herabgesetzt werden, soll die furchtbare Schädigung der Gesundheit der Arbeiter verhindert werden. Sache aller Arbeiter, die so schwer von Gefahren bedroht sind wie in diesem Industriezweige, ist es natürlich in erster Linie selbst, daß sie Forderungen zu ihrem Schutze erheben und energisch vertreten. Die folgende Resolution gelangte in allen Versammlungen zur Annahme: Die versammelten Arbeiter der chemischen Fabriken erklären sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden. Sie erachten im Interesse der Arbeiter chemischer Fabriken eine er- hebliche Arbeitszeitverkürzung für dringend notwendig. Sie fordern zunächst: 1. Für Arbeiter, die nur im Tagbetrieb beschäftigt werden:„Einführung eines Arbeitstages von höchstens 9 Stunde n." 2. Für Arbeiter, die in ununterbrochenen Betrieben, also abwechselnd in Tag- und Nachtschicht beschäftigt werden: „Einführung des achtstündigen Arbeitstages und Beseitigung der 24stündigen Wechselschichten. An Stelle der letzteren sollen solche von höchstens zwölfstündiger Tauer gesetzt werden." 3. Für alle Arbeiter besonders gesundheitsschäd- licher Betriebe:„Die Einführung eines nach dem Grade der Gefahren abgestuften sanitären Arbeitstages." Die Versammelten beauftragen die Versammlungsleitung, dafür zu sorgen, daß den Herren Unternehmern oder Direktoren chemischer Betriebe der Versammlungsbeschluß mit dem höflichen Ersuchen um baldige Rückäutzerung zur Kenntnis gebracht wird. Die Versammelten erklären, daß zur Verwirklichung dieser Forderung und zur Hebung der Lage der Arbeiter der chemischen Industrie eine geschlossene Organisation die erste Vorbedingung ist. Sie erachten den Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands als die für sie zuständige und geeignete Organisation. Die Ver- sammelten verpflichten sich, dem Verband der Fabrikarbeiter beizutreten und mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß auch die noch fernstehenden Arbeiter der chemischen Industrie für den Verband gewonnen werden._ Achtung, Bretterträger und alle am Wasser beschäftigten Arbeiter! In einer am Donnerstag stattfindenden Versammlung haben die Bretterträger von den Holzplätzen Groß-Berlins, welche im Deutschen Transportarbeiterverband organisiert sind, beschlossen, in eine Lohnbewegung zu treten, und sind die Forderungen den Unternehmern zugestellt. Wir ersuchen nunmehr, darauf zu achten, daß LadungennurunterdenimTarifenthaltenen Bedingungen mit den Unterne h�n e r n abgeschlos- s e n werden. Da bis Donnerstag, den 8. Juni, die Antwort der Unternehmer abgewartet wird, soll in einer Versammlung an diesem Abend zu den weiteren Beschlüssen Stellung genommen werden. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Schuhmacher. Die Sperre über die Firma Hamann u. Co.. Michaelkirchstraße 15. dauert unverändert fort. Wir ersuchen die Kollegen und Kolleginnen für strengste Durchführung derselben Sorge zu tragen. Ebenso ist die Gamaschenfabrik von Schübe!, Kochstraße 3, zu meiden, worauf wir besonders Vorrichter auf- merkiam machen. Bei dieser Firma wurde wegen Maßregelung des Vertrauensmannes der Sattler die Arbeit niedergelegt. Zentralverband der Schuhmacher, Ortsverwaltung Berlin. Deutlchcs Reich. Streik der Wäschearbeiterinnen in Bremen. Die organisierten Wäschearbeiterinnen reichten am 24. Mai bei den Unternehmern Lohnforderungen ein. Eine Antwort der Unter- nehmer erfolgte nicht. Montag, den 29. Mai, wurden 21 Arbeite- rinnen in einem Betriebe ausgesperrt, am darauffolgenden Tage legten die Arbeiterinnen in einem anderen Betriebe die Arbeit nieder. Mittwoch, den 31. Mai, ist in einem weiteren Betriebe von etwa 50 Arbeiterinnen die Arbeit eingestellt worden. Die Lohn- Verhältnisse sind geradezu klägliche. Der durchschnittliche Tagelohn beträgt bei lOstündigcr Arbeitszeit 1,80—2.00 M. Einzelne Unter- nehmer verlangten von den Arbeiterinnen eine schriftliche Erklärung. daß sie aus dem Verbände der Schneider austreten sollten. Den Arbeiterinnen, die diese Erklärung unterzeichnen wollten, wurde eine einmalige Gratifikation von 1 M. zugesagt. Achtung. Metallardeiter! Bei der Firma Ludolf, Werkstatt für nautische Instrumente in Bremerhaven, sind Differenzen aus- gebrochen, da die Firma sich weigert, die äußerst schlechten Lohn- und Arbeitsverhältnisse aufzubessern. Zuzug von Mechanikern ist streng fern zu halten. Arbeiterfreundliche Blätter werden um Ab- druck gebeten. Die Ortsverwaltung Bremerhaven des Deutscheu Metallarbeiterverbandes. Richttgstellung. Der Verband der Maler. Lackierer. Anstreicher. Tüncher und Weißbinder Deutschlands verbreitet durch das Pressebureau folgende Mitteilung: „In Nr. 127 des„Vorwärts" befindet sich unter der Spitz- marke:„Ein bedauerliches Vorkommnis im Verband der Maler" die Mitteilung, daß der Verbandsvorstand in Hamburg in der „Leipziger Volkszeitung" eine Erklärung abgegeben habe". Dies ist ein Irrtum, da diese Erklärung nicht vom Verbandsvorstande, sondern von der Verwaltung der Filiale Leipzig erfolgte." Wir beeilen uns, diese Richtigstellung wiederzugeben. Die Form der Erklärung in der„Leipziger VolkSzeitung" macht allerdings den Irrtum verzeihlich._ Zum Kampf im Hamburger Holzgewerbe. Vor gut 8 Tagen war in den Kreisen der Unteruehmer eine be- geisterte Kampfesslinimung vorhanden, und Herr Gurlitt glaubte schon prophezeien zu können:„Der Holzarbeiterverband ist am Ende seines Lateins angekommen." Und der Grund hierfür? Aus die in ganz Deutschland erschienenen Inserate der Unternehmer hatten sich hunderte und aberhunderte von ArbcitSkiäften gemeldet, und die Arbeitgeber haben diese ganzen Meldungen als bare Münze genommen. In Wirklichkeit lag eS aber so, daß Hunderle von Mitgliedern des Holzarbeiterverbandes auf die Fuserate Offerten eingereicht hatten, um die Unternehmer an der Nase herumzuführen. Als Beweis dafür mag dienen, daß innerhalb sieben Tegen bei der Streiklciiung des Holzarbeiterver- bandes nicht weniger als 117 Briefe der Unternehmer, gerichtet an vermeintliche Arbeitswillige, übersandt wurden, während nur eine ganz geringe Zahl Streikbrecher auf die Inserate nach Hainburg kamen, die dann auch noch zum größten Teil wieder abgeschoben werden konnten. Wenn die Kollegen der einzelnen Orte eS ohne Zweifel gut ge- meint haben, um die Schliche der Unternehmer aufzudecken, so richtet die Streikleitung nun die Bitte an die Verbandsmitglieder, solche „Bewerbungen" nicht»nehr einzureichen. Im Lager der Unternehmer ist die Stimmung— weil die Hunderte von erwarteten Streikbrechern ausgeblieben sind— nun recht dcprcmiert, und wird diese noch dadurch erhöht, daß von den bisher vorhandenen Arbeitswilligen in den letzten Tagen über 80 wieder abgeschoben wurden und weitere werden in den nächsten Tagen abgehen. Die notorischen Streikbrecher sind fast sämtlich mit Revolvern versehen und werden von den Unternehmern direkt auf die Streikposten gehetzt. Die Uebersälle mehren sich demzufolge, Revolverschießereien und Messerstechereien sind an der Tkigesordnung, und vor einigen Bordellen, den Liebliiigsvergnügungsorten der„nützlichen Elemente" ist es in den letzten Nächten zu turbulenten Szenen gekommen, so daß die Polizei nicht mehr anders konnte, als ganze Scharen der gefährlichen Burschen zu verhaften und ihnen die Schußwaffe ab- zunehmen, weil— beim Streik nicht beteiligte Leute von den RowdieS bedroht und mißhandelt Ivurden. Weil die Inserate der Unternehmer nicht genügend Arbeit?- willige heranbringen, versucht man es jetzt ans einem anderen Wege. Vom Arbeitgeberschutzverband ist eine gelbe Organisation ins Leben gerufen, unter dem Namen:„Holzarbeiterverb an d H am- bürg 1911". Vor gut einer Woche gab Herr Gurlitt in einer Unternehmerversammlung bekannt, daß dieser Verband„bereits 62 Mitglieder zählt". Jetzt erscheinen Inserate in anderen Städten, worin es heißt: »Tischler, Maschinenarbeiter, nach Hamburg gesucht. Holzarbeitervcrband Hamburg, Bergstr. 26, II." Man erweckt hier den Anschein, als ob der Deutsche Holzarbeiter« verband für Haniburg Arbeitskräfte sucht. Einige Tischler sind nun wirklich auf dieses Inserat hineingefallen. Es wird darum dringend ersucht, für nötige Aufklärung zu sorgen. Ein Tarifabschlutz im Porteuillergetverbe zu Freiberg. In einer der ältesten Lederwarenfabriken Deutschlands in Freiberg in Sachsen ist es bereits zum Abschluß des Tarif- Vertrages mit dem Sattler- und Portefcuillerverband gekommen. Die Arbeitszeit wurde auf 53 Stunden festgesetzt. Sonnabend tritt um 4>/z Uhr, an den Vorabenden hoher Feiertage um 2 Uhr Arbeitsschluß ein. Die Mindestlöhne wurden um 5 Pf. erhöht. Werden durch die Zentraltarifverbandlungen noch weitere Lohn- erhöhungen erreicht, so sollen diese auch in Freiberg eingeführt werden. Für Ueberstunden bis 8 Uhr abends werden 10 Pf., für Sonntags- und Nachtarbeit 15 Pf. Zuschlag gezahlt. Die gesetz- lichen Feiertage werden bezahlt, ebenfalls die Zeitversäumnisse bei Kontrollversammtungen. Die Akkordlöhne werden einer Revision unterzogen und in Gemeinschaft mit dem Arbeiterausschutz geregelt. Für Anfertigung von Einzelarbeiten wird ein Aufschlag bis zu 100 Proz. gezahlt. Im übrigen gelten alle Bestimmungen, wie sie in den Tariforten Offe'nbach, Stuttgart und Berlin ein- geführt werden._ Soziales. Der schlagfertige Seifenhändler. Eine Ohrfcigenaffäre, die sich in einer der hundert Filialen de? Seifenhändlers Wasservogel zutrug. fand vor der 5. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts ein Nachspiel. Es trat die Verkäuferin Marie N. gegen W. als Klägerin auf und erhob Anspruch auf zwei Monate Gehalt. Sie hatte ihre Stellung sofort verlassen, weil nach ihrer Behauptung der Chef im Verlaufe eines Disputes ihr eine derartige Ohrfeige gegeben habe, daß sie auf dem betreffenden Ohr einen Teil ihres Gehörs eingebüßt habe. Der beklagte Seifenhändler stellt den Fall so dar, daß ihm die Klägerin auf eine berechtigte Zurechtweisung über ihr unangemessenes Betragen in der Filiale geantwortet habe, er solle lieber darauf achten, wie es in anderen Filialen zuginge, da passierten noch ganz andere Dinge. Diese Antwort habe ihn derart in Erregung versetzt, daß er dem jungen Mädchen eine Ohrfeige bauen wollte. Er habe sich aber noch rechtzeitig besonnen, so daß es zum eigentlichen Schlage gar nicht gekommen sei. Im übrigen sei er 75 M. zu verrechnen berechtigt, da er der im März krank gewesenen Klägerin diese Summe nur unter dem Vorbehalt gegeben habe, daß sie sich in der Folge gut führt. Das Kaufmannsgericht verurteilte den Beklagten nach dem Klageantrage. Es unterläge gar keinem Zweifel, daß Klägerin b e- r e ch t i g t war, die Stellung sofort zu verlassen, denn der Prinzipal darf unter keinen Umständen einen Angestellten schlagen. In bezug auf die vom Beklagten reklamierten 75 M. stehe diesem kein Verrechnungsrecht zu, das Gericht ist aber auch der Ansicht, daß diese Summe vom Beklagten überhaupt nicht mehr zurückgefordert werden kann. Ein langwieriger Prozeßwez. Unter obiger Spitzmarke schilderten wir in unserer gestrigen Nummer die Schwierigkeiten, die eine Anzahl Töpfer überwinden müssen, um mit Hilfe des Gewerbegerichts zu ihrem bei dem Töpfer- meister C. Müller, Steglitz, erarbeiteten Lohn zu kommen. Dazu teilt der Zentralverband der Töpfer Deutsch- l a u d s uns mit, daß es sich um eine von ihm gesperrte Firma handelt. Der Töpfermeister C. Müller. Steglitz, Mausen- ftraße, mußte gesperrt werden, weil er den L o h n t a r i f nicht zahlt und schon öfter mit den Lohnzahlungen in Schwierigkeiten geraten sei. Von ihm werden unorganisierte Arbeiter be» Ichäfligt, die sich mit untariflichen Lohnsätzen abspeisen lassen und manch- mal auch diese— wie in dem geschilderten Falle— nicht einmal aus» (jezahlt erhalten. Hätten die betreffenden Arbeiter ihrer organi» atorischen Pflicht genügt, wären sie vor Schaden bewahrt gebliebeu. Letzte JVachrichten* Feuer auf der Karlshorstcr Rennbahn. Auf dem Gelände der Karlshorstec Rennbahn kam gestern nachmittag gegen 4 Uhr ein größerer Waldbrand zum Ausbruch, der etwa zwei Morgen von einer niederen Waldung ver- nichtete. Die Löschung des Brandes dauerte fast zwei Stunden, bis die Gefahr für die übrigen Waldungen beseitigt war. Während des Brandes stockte in der Straße am Bahnhof der Straßenbahn- verkehr, da die Schläuche über die Gleise gelegt waren. Die Renn- bahn selbst hat durch den Brand keinen Schaden erlitten. Uebcr Nacht blieb auf der Brandstelle eine Brandwache der Lbarls- horster Feuerwehr zurück._ Bormarsch der Spanier im Rifgebiet. Paris, 3. Juni. Der., Temps" erhält von seinem Korrespondenten aus Tanger die Meldung, daß die Spanier be- reits 14 Kilometer über Tetuan hinaus bis zu dem Orte Michnoa vorgedrungen seien. Der spanische Konsul in Tetuan soll an die Armen der Stadt eine bedeutende Geldsumme verteilt haben, welche angeblich von einem Stifter, der nicht genannt sein will, stamme. (Siehe auch Politische Uebersicht.) Ausstand im Pariser Verkehrswesen. Paris, 3. Juni. Der Ausstand der Lenker der Auto- mobildroschken ist nahezu vollständig. Auf der nördlichen Tram- bahnlinie konnte der Verkehr teilweise aufrecht erhalten werden. Die Wagenschuppen werden militärisch bewacht, die verkehrenden Wagen von Polizeibeamten beschützt. Die Sachsen-Flngwoche. Cbcmniü, 3. Juni. Die Preisrichter für die Sachjen-Fkugwoche haben in einer heute nachmittag abgehaltenen Sitzung die Preiie für den Sachsen-Rnndflug wie folgt verteilt: Erster Preis: Loitsch, 30 000 M.; außerdem Preis des preußischen Kriegsiniuifteriuins, be- stehend in 5000 M. und Auftragserteilung auf ein Flugzeug nach dem System des vom Sieger benutzten(Albatros-Topprldecker) in Höhe von 28 000 M.; zweiter Preis: Büchner. 15 000 M.; dritter Preis: Lindpaintner, 10000 M. Letzterem wurden außerdem 11 500 M. Teilstreckeupreise zuerkannt. Wcttflug Paris-Rom. Rom, 3. Juni.(W. T. B.) Ter Flieger Frey ist heute um 6?� Uhr hier eingetroffen._ Schlammrcgen in Neapel. Neapel, 3. Juni.(„P.-C.") Seit einigen Tagen gehen in der hiesigen Gegend furchtbare Regengüsse nieder. Dadurch, daß die Wasscrmasscn sich mit der vom Vesuv ausgestoßenen Asche ver- mischen, wird die ganze Gegend weithin von einer grauschwarzen schlammigen Masse überzogen. Der Schaden ist ungeheuer.__ Hierzu 4 Beilagen. Th Glockr.Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. n Verlagsanstalt Paul Singer Sc Co.« Berlin S\V. 8t 129. 28.IchrMg. I Jtiljjf i>tg Joraitls" Ktrlim Sinnt«!!, 4. Inni 1911. öebemeutralilät. Von Paul G ö h r e. Auf dem internationalen Kongreß in Kopenhagen und dem Parteitag in Magdeburg hat die Sozialdemokratie i h r Verhältnis zur Konsumgenosse nschafts- bewegung auf längere Zeit hinaus geregelt. Die Zeiten der Unklarheit und des Experimentierens sind damit auch auf diesem wichtigen Gebiete endgültig vorüber die Organi- sation der Konsumgenossenschaften ist eingestellt in den großen Rahmen der intemationalen proletarischen Bewe- gimg: jeder Parteigenosse, der dazu imstande ist, ist ver- pflichtet, wie einer Gewerkschaft, so auch einem Konsumverein als kaufendes Mitglied anzugehören. Die Grundgedanken der beiden Genossenschaftsresolutionen von Kopenhagen und Magdeburg decken sich durchaus miteinander. Sie erklären, daß die Konsumvereine nicht nur ihren Mitgliedern unmittel- bare materielle Vorteile bieten können, sondern daß sie berufen sind, die Arbeiterklasse durch Ausschaltung des Zwischenhandels und durch Eigenproduktion für den organisierten Konsum Wirt- schaftlich zu stärken und ihre Lebenshaltung zu verbessern, die Arbeiter zur selbständigen Leitung ihrer Angelegenheiten zu er- ziehen und dadurch die Demokratisierung und Sozialisierung der Produktion und des Aus- tauschs vorbereiten zu helfen;.. daß sie. wenn sie auch niemals allein die Befreiung der Arbeit herbeizuführen ver- mögen, doch eine wirksame Waffe im Klassenkampf, eine wirksame Ergänzung des politischen und gewerkschaftlichen Kampfes flür die Hebung der Lage der Arbeiterklasse sein können. Seit den beiden Kongressen im Herbst 191» sind nun inzwischen zwei Broschüren erschienen, die gleichsam das Fazit und die Nutzanwendung aus jenen Resolutionen und den ihnen vorangegangenen Debatten ziehen. Die eine stammt aus der Feder des Dresdener Parteigenossen. Landtagsabge- ordneten H. Fleißner:„Genossenschaften und Arbeiterbewegung"(Dresden 1911, Kaden u. Comp., Preis 1 M.), die andere vom Generalsekretär des Zentral- Verbandes Deutscher Konsumvereine in Hamburg, H. Kauf- mann:„Die Stellungnahme der Sozial- demokratie zur K o n s u m g e n o s s e n sch a f t s- bewegung"(Hamburg 1911, Verlagsanstalt des Zentral- Verbandes, Preis 1,59 M.). lieber die erstere von ihnen haben wir nur Weniges. weil nur Zustimmendes zu sagen. Die Broschüre führt auf ibren zi'ka 99 Seiten knapp und klar in alle wichtigeren koniMligenossenschaftlichen Fragen ein und gibt das aller- nötigste Tatfachen- und Zahlenmaterial über die Bewegung der deutschen Arbeiterkonsumvereine in übersichtlicher Dar- stellt ng. In Verbindung mit der im Herbst vorigen Jahres erschienenen Broschüre der Genossin G. David:„Sozia- lismus und Genossenschaftsbewegung"(Vor- wärtsverlag, 59 Pf.) ist sie ausreichend, alle Genossen schnell und ordentlich zu informieren, die sich in das für viele immerhin noch neue Gebiet der Arbeilerkonsum- genossenschaftsbewegung einarbeiten wollen, ohne direkt wissenschaftliche Studien zu machen. Unter anderem er- örtert Fleißner auch das Verhältnis zwischen Partei und Konsumvereinen genauer, u.id stellt sich dabei ohne Ein- schränkung auf den Boden der Kopenhagener und Magde- burger Beschlüsse. Er erklärt, warum die Partei erst jetzt zu einer klaren Stellung in dieser Angelegenheit gekommen ist: die frühere deutsche Konsumgenosscnschaftsbewegung war kleinbürgerlich und freisinnig: erst verhältnismäßig spät, in Wahrheit erst seit 1899 hat sich eine reine Arbeiterkonsum- genossenschaftsbewegung stärker und immer stärker entwickelt: die Zeit des Sozialistengesetzes war einer Beschäftigung mit solch praktisch wirtschaftlichen Organisationen wie es Kon- sumvereine sind, überaus hinderlich: andere praktische Auf- gaben waren vorher zu lösen. Andererseits hat sich doch auch der wissenschaftliche Sozialismus schon frühzeitig mit den Genossenschaftsproblemen beschäftigt und sie der Arbeiter- bewegung dienstbar zu machen gesucht; bekannt ist die Bro- schüre Kautskys über die Konsumvereine, die 1897 er- schien und eine für die damalige Zeit überaus entgegen- kommende Stellung gegen die Konsumvereine einnahm. Seit- dem hat das Drängen auf Regelung des Verhältnisses zwischen Konsumvereinen und Arbeiterbewegung auch in Deutschland nie mehr recht geruht, bis eben im vergangenen Jahre diese Regelung wirklich eingetreten ist. In Konse- ouenz derselben verlangt auch Fleißner ein engeres freundnachbarliches Bündnisverhältnis zwischen Partei und Konsumvereinen, etwa rn derselben Weise, wie es heute schon zum Heil der gesamten proletarischen Bewegung in Oesterreich besteht, wo ja die ein-' schlägigen allgemeinen, insbesondere auch politisch-rechtlichen Verhältnisse ganz die gleichen sind wie bei uns in Deutschland. Daher muß auch und erst recht in Deutschland möglich sein, was in Oesterreich schon wirklich ist. Dabei will selbstvcr- ständlich auch Fleißner dije Selbständigkeit der Konsumvereine nicht im g e r i n g st e n a n g e° t a st e t w i s s e n. Er lehnt es ab. zu verlangen, daß sie in den Dienst der Partei treten, gleichsam deren Milchkühe wie in Belgien und Frankreich werden sollen. Aber der genossen- schaftliche Geist, der sie erfüllt, muß ein p r o l e t a r i s ch e r, sozialdemokratischer sein. Der Klassen- charakter der Konsumvereine dürfe nicht mehr geleugnet werden, wenn selbverständlich auch jedermann der Eintritt in sie freistehe. Erst Partei und Gewerkschaften seien berufen, die Konsumvereine ganz zu dem zu machen, was sie sein tollen und können. Das gerade Gegenteil von dem, was die Fleißnersche Broschüre vom Boden der beiden sozialistischen Kongresse aus für die Arbcitcrkonsumvereine anstrebt, vertritt nun die K a u f m a n n s ch e. Und das ist u m so bedeutsamer, als, wie schon erwähnt wurde, Kaufmann der Generalsekretär des Zentralverbandes Deutscher Konsumvereine und als solcher deren organisatorischer und theoretischer Kopf ist. Der Einfluß, den dieser Mann innerhalb der konsumgenossen- schaftlichen Organisationen namentlich auf alle Verwaltungs- Mitglieder aller Grade und deren Angestellten ausübt, ist um so bedeutender, als auch die Leitung der konsumgenossen- fchaftlichen Presse und Literatur in seiner Hand vereinigt ist: so dringt sein Geist und sein Wille bis an das einzelne Konsumvereinsmitglied heran und bringt ihm Gedanken und Auffassungen nahe, die mit irgendwelchen sozialistischen oft in direktem Gegensatze stehen. Wie tief sein Einfluß schon gedrungen sein muß. beweist die eine Tatsache, daß auf den feWteriKB.GeMenschaWsg�, faß Senimtvu&dnfaß dmh ganz selten einmal und ganz schüchtern ein Protest gegen diesen Geist aus den Reihen der Delegierten laut ge- worden ist. Auch Kaufmann ist es in der Hauptsache um eine Auseinandersetzung mit den Kopen- Hagener und Magdeburger Genossenschaft s- rcsolutionen, natürlich von seinem Stand- punkte aus, zutun. Er kommt, um das gleich vorweg zu nehmen, zu folgendem für jeden Parteigenossen geradezu ungeheuerlichen Ergebnis: Das ganz« Genossvnschaftsproblem ist sowohl auf dem Kon- grcß in Kopenhagen wie auf dem Parteitag in Magdeburg schief angefaßt worden, und daher die Erkenntnisausbcute wenig befriedigend..., daß die Resolutionen einstimmig oder nahezu einstimmig gefaßt wurden, ist ein magerer Trost... Die Stellung der sozialdemokratischen Partei zu der... Konsum- genossenschaftsbewegung hat sich im Laufe der Zeit ge- wandelt. Sie befindet sich, wie die sozialdemokratischen Grundanschauungen, in einem beständigen Fluß der Entwicke- lung. Auch ihre gegenwärtige Stellungnahme ist keine einheitliche! Der Kongreß in Kopenhagen be- kündet eine andere(!) Auffassung als der Parteitag in Magde- bürg... Die politische Ueberzeugung der Per- s o n e n, die Träger der Konsumgenossenschaftsbetvegung sind, ist für eine konsequente EntWickelung der Konsumgenotsenschafts- bewegung nicht entscheidend... Letztere ist kein Teil des Klassenkampfes, noch dient sie zur wirtschaftlichen Kräftigung der Angehörigen einer bestimmten Klasse. Sie ist auch keine Waffe im Klassenkampfe, die direkt zu verwenden ist, noch macht sie indirekt die Kampfesmittel für eine Klasse allein wirksam. Was sie als Vertreterin der organisierten Konsumenten gibt, das gibt sie gleichmäßig den Angehörigen aller(!) Klassen, die sich ihrer be- dienen, und in den Maße, in dem sie sich ihrer bedienen... Ihre Dienste leistet die Konsumgenossenschaft nicht einer Klasse, sondern allen Klassen... Sie leistet sie nicht nur den Arbeitern, sondern auch den Be- amten, den Kleinbürgern und den Bauern, ja sie leistet sie sogar den Kapitalisten und Groß- grundbesitzern, nur daß bei diesen auch die erfolgreichste Wahrnehmung ihres KonsumenteninteresseS gegenüber dem Produzenteninteresse nicht ins Gewicht fällt... Hier(in der Konsumgenossenschaftsbewegung) hat keine Klasse etwas vor der anderen voraus. Man greift sich an den Kopf, wenn man diese Sätze liest, und daran denkt, daß sie der Generalsekretär einer Organi- sation geschrieben hat, die in der Hauptsache das mühselige, opferreiche Werk moderner Proletarier und Sozialdemo- kratcn ist. Sie sind auch nur möglich geworden, indem die Wirklichkeit der EntWickelung und der nüchternen Erkenntnis völlig verdreht und auf den Kopf gestellt wurde. Es ist daher auch nicht verwunderlich, daß. um sie wenigstens einiger- maßen plausibel erscheinen zu lassen, Kaufmann in seiner Broschüre ein ganzes großes Gewebe künstlicher Konstruktionen vorlegt, ein Gemisch aus Theorie und Geschichte des Sozialismus, von wenig Nichtigem und vielem Falschen, von Kleinigkeiten und Nebensachen, in die er dann gelegentlich Teilzugeständnisse an die sozialistische Auffassung über Konsumgenossenschaften einwebt und so den Anschein er- weckt, als sei sein Beweisverfahren ebenso objektiv wie wissen- schaftlich. In Wahrheit ist das meiste von dem, was er dar- legt, das Gegenteil von wissenschaftlich begründeter Objek- tivität, rein subjektiv gesehen und lediglich zu dem Zwecke zugeschnitten, um als richtig und unanfechtbar erscheinen zu lassen, was in Wirklichkeit nur zur Verhinderung einer beginnenden größeren Annäherung zwischen Partei und Genossenschaft dient. Zu diesem Zwecke untersucht Kaufmann zuerst die„kon- sumgenossenschaftlichen Entwickelungsnotwendigkeiten". Er charakterisiert diese, wenigstens soweit sie praktischer und or- ganisatorischer Art sind, durchaus richtig; aber schon hier vergißt er wohlweislich die Wurzeln und die richtunggebenden Kräfte dieser Entwicke- lungsnotwendigkeiten, nämlich die gleichartigen Konsumbedürfnisse d> proletarischen Massen und die ur- demokratische Verfassungsgrundlage der modernen Ar- beiterkonsumvereine zu erörtern, um schon aus diesen„Ent- Wickelungsnotwendigkeiten" heraus, so wie er sie sieht, fol- gern lassen zu können, daß die Kon su in vereine mit der sozialdemokratischen Partei so gut wie nichts gemein und jedenfalls keine innige Annäherung an die letztere nötig haben. Er wärmt ferner das alte, von ihm schon früher gern erzählte Märchen auf, daß auch die Sozialdemokratie„wie alle poli- tischen Parteien", eine reine„Produzentenpartei" sei, ohne auch nur mit einem Worte anzudeuten, daß die Sozialdemo- kratie seit Jahrzehnten im Reichstag wie auch in den Land- tagen in erster Linie Konsunienteninteressen ver- treten hat. Man denke nur an ihre Haltung in den Zoll- tarifkämpfen und zu den Handelsverträgen! Sodann unter- sucht er auch die programmatischen Forderungen der Kon- sumgenossenschaftsbewegung. Und obwohl er selber das erste große Programm der Pioniere von Rochdale, das mit hochfliegenden Plänen ausgestattete Statut der Hamburger Produktion sowie schließlich die auf dem Internationalen Genossenschaftskongreß 1919 in Hamburg beschlossene Kon- sumentengenossenschaftsresolution abzudrucken sich genötigt sieht, hat er doch den Mut zu erklären: ein eigenes Pro- gramm der Konsumgenossenschaftsbewegung ist durchaus nicht vorhanden! Dabei gleicht jenes der Rochdalcr Pioniere einem utopistisch-sozialistischen Programm aus der Zeit der An- sänge des internationalen Sozialismus, wie ein Ei dem anderen: nur daß es eben vom konsumgenossenschaftlichen Boden aus gesehen und formuliert ist. Derselbe weitaus- schauende Geist, nur geschäftsmännisch ernüchtert und der heutigen sozialistischen Praxis angepaßt, atmet auch noch in dem Statut der Hamburger Produktion, und in der oben er- wähnten internationalen Resolution finden sich Sätze wie die:„Die Konsumgenossenschaften... haben in den kapita- listisch entwickelten Ländern... die größte Bedeutung für die Wahrnehmung der Interessen der Arbeßt.... insbesondere auch wegen der ihnen zugrunde liegenden Wirt- schaftsprinzipien, durch deren allgemeine Ausbreitung und Anwendung die Umbildung des k a p i t a l i st i s ch e n Wirtschaftssystems befördert wir d." Und: „In dem Maße, als wie die Konsumenten sich zu Konsum- genossenschaften zusammenschließen, wird eine Organi- sation der Kaufkraft des Arbeitseinkom- m e ns geschasseu. die die arbeitenden Massen in den Stand setzt, in weitem Umfange auch ihre Arbeit seihst gesipssejischgftW zu orgayisisreg sich ig eigenen Produktionsbetrieben zu beschäftigen.- Tiese zwei Sätze klingen also auf das deutlichste an ent- scheidende Sätze der Kopenhagener und Magdeburger Reso- lution an— tut aber alles nichts. Alle diese ausfälligen Gemeinsaiiikeiten koiisumgenossenschaftlicher und sozialdeino- kratischer Auffassungen hindern Herrn Kaufmann nicht, das Vorhandensein irgendwelcher progranimatischer Kundgebun- gen auf konsumgenossenschaftlicher Seite zu leugnen. Das alles ist ihm nur der Ausdruck„heutigen genossenschaftlichen Tuns; nicht etwas, was vielleicht im Laufe der Zeit einmal werden soll und kann, sondern etwas, was heute schon in jeder systematischen(!) Konsumgenossenschaftsbewegung vorhanden ist". Mit diesem Saltomortale gelangt er dann eben zu dem überraschenden Schluß, daß die Konsumgcnossenschaftsbewe- gung kein Programm und eben daniit schlechter- dings auch programmatisch keine Verwandt- schaft mit Sozialismus undSozialdemo« kratiehabe. Aber auch diese Beweisführung genügt ihm noch nicht. Um seine kühle Ablehnung alles dessen, waMuach Sozialismus und Sozialdemokratie riecht, noch fester WK erhärten, kon- struiert er neben der„materialistisch-revolutionären" und der „revisionistischen" Grundanschauung im heutigen Sozialismus noch eine„materialistisch-cvolutionäre". Sie ist zwar nichts weiter wie halbierter materialistischer Radikalismus und halbierter Revisionismus, noch dazu beide Halbierungen künstlich miteinander verschmolzen; aber das geniert Herrn Kaufmann nicht. Denn nun hat er sogar eine neue„Theorie", der er seine konsumgenossenschaftlichen Auffassungen ein- ordnen kann, und die ihrerseits nach seiner Meinung die Ueberwindung der beiden anderen bedeutet. Also, so ist sein tapferer Schluß, hat auch theoretisch die Konsum- genossenschaftsbewegung niit Sozialismus und Sozialdemokratie nicht das mindeste zu tun! Auf gleicher Höhe folgen dann auch noch neue Offenbarungen über die Einteilung der Klassen und über Klassenkampf, wieder mit dem Endergebnis: die Ge- nossenschaftsbewegung ist ein Teil der wirtschaftlichen E n t w i ck e l u n g s e l b st und hat deshalb mit Klassenkampf und der den Klassenkampf führenden Sozialdemokratie schlechterdings nichts zu schaffen! Aber auch damit noch nicht genug. Auch die Stellung der Sozialdemo- kratie zu den Produktivgenossenfchastcn wird ausführlicher erörtert, doch wohl nur, um von hinten her den Anschein zu erwecken, daß die Partei seit je größere Vorliebe und tieferes Interesse für diese und nicht für die Konsumvereine gehabt habe. Es werden die Wandlungen in den Anschauungen der Sozialdemokratie über die Konsumgenossenschaftsbewegung dargelegt lediglich, um daran den Schluß nahezulegen, daß auch die neue Stellungnahme der Partei in Kopenhagen und Magdcbung eine„vorübergehende Erscheinung" und darum am besten seitens der Konsumvereine zu ignorieren sei. Gegen Ende seines Buches aber hat Herr Kaufmann, um seinen Zweck ganz zu erreichen, sogar den zweifelhaften Mut, seine eigenen früheren unanfechtbaren statistischen Angaben über die Mitgliederzusammcnsetzung der Konsumvereins des Zentralvcrbandes ins Unrecht zu setzen. Aus seinen jährlich erscheinenden Jahrbüchern ist festzustellen, daßannähernd 85 Proz. aller Mitglieder der Konsum- vereine der Arbeiterklasse direkt oder in- direkt zuzurechnen sind. Hier aber, in seiner Broschüre, sucht er zwei Beispiele heraus, die er„typische" nennt und deren Ziffern nach ihm„Bände" reden. Das eine ist der Stuttgarter Spar- und Konsumverein, der 1999 an Mitgliedern 46,3 Proz. Arbeiter und Angestellte. 31,1 Proz. Angehörige der freien Berufe und 16,3 Proz. selbständige Ge- werbetreibende hatte. Was will also die liebe sozialdemo- kratische Seele mehr? Sie muß schweigen: Stuttgart be- weist danach, daß die modernen Konsumvereine schlechterdings keine Arbeitert'onsumvereine zu nennen sind und also auch mit der sozialdemokratischen Partei nichts zu schaffen haben dürfen. Dabei verschweigt der Mann, daß der Stuttgarter Verein noch aus der Schulze-Delitzschen Aera stammt und von dort der ausnahmsweise treu seine Traditionen gewahrt hat, und daß Stuttgart in Süddeutschland liegt, wo die Industrie erst in der letzten Zeit erheblichere Fortschritte macht: anderer- seits muß er aber selbst in demselben Atemzuge doch auch zu- gestehen, daß sich in der Zeit von 1994 die Arbeitermitglieder auch im Stuttgarter Verein um rund 3 Proz. vermehrt, die anderen zwei Gruppen aber um 9,5 Proz. und 1,3 Proz. ver- ringert haben! Noch toller ist die Beweisführung mit Hilfe des Verbandes der Konsum- und Produktivgenossenschaften in Rheinland und Westfalen, einem der jüngsten Konsum- genossenschaftsgebiete in Deutschland. Danach entfielen 1993 91,1 Proz. auf Arbeiter und Angestellt, 1,1 Proz. aus Angehörige freier Berufe und 3,4 Proz. auf Gewerbetreibende, � Sechs Jahre später aber waren die Zahlen 83,8 Proz., 2,1 Proz. und 3,8 Proz. Herr Kaufmann jubelt: der Beweis ist erbracht, daß die Entwickelungstendenz dahin geht, daß immer mehr Nichtarbeiter sich den Konsumvereinen an- schließen. Schlägt man seine eigenen jährlichen Gesamt- ftatistiken nach, so ist für die Allgemeinheit der Vereine gerade das Gegenteil richtig. Tut nichts: hier scheint's aus- nahnisweise anders, daruni wird hier nur dieses Beispiel an- geführt. Aber auch dies Beispiel redet für den, der Ohren hat zu hören, eine ganz andere Sprache. Es besagt nichts anderes. als daß gerade die rheinisch-westfälischen Konsumvereine des Zentralverbandes fast reineArbeiterschöpfungen sind und daß erst in neuester Zeit, wo kein Risiko mehr vor- Händen ist, Angehörige anderer, aber der Arbeiterklasse nahe- stehender Berufe etwas zahlreicher in sie einströmen, s o d a ß jetzt etwa dasselbe Mitgliederanteil- Verhältnis der einzelnen Berufe auch für Rheinland-Westfalen eingetreten ist, wie es schon länger für ganz Deutschland gilt. Schließlich aber geht Herr Kaufmann gar noch einen Schritt weiter. Er denunziert alle diejenigen Parteigenossen, insbesondere alle die- jenigen sozialdemokratischen Schriftsteller, die es sich angelegen sein lassen, die Grundsätze der Resolu- tionen von Kopenhagen und Magdeburg durch Wort. Schrift und Tat auch verwirklichen zu helfen, als Störenfriede der Konsunr vereine und der Arbeiter- bewegung! Zu diesem Zweck läßt er den bekannten Auwalt des alten Schulze-Delitzschen Allgemeinen Verbandes deutscher Erwerbsgenossenschaften, Dr. Crüger, als Popanz auf- lllariÄlkkW M iügt öSW wörtlich JtjiuzUi„Die Soziel. d e m o k r a t i e als Mlndecheiksparker wird aus eigener Kraft nicht in der Lage sein, die Konsum- genossenschaftsvewegung zu schützen und das zu verhindern, was ein Teil ihrer unverantwort- lichen Schrift st eller mitverschuldet hat. Es wirdZeit.daßdiesemTreiben.durchdasdie Arbeiterschaft in schlimmster Weise ge- schädigt werden kann, ein Ende bereitet wird." Das alles bedeutet nichts anderes, als daß die Ab- Weisung der Kopenhagener und Magde- burger Genossen schaftsresolution durch den geistigen Leiter des Zentralverbandes aus- läuft in eine nur leicht verhüllte Kriegs- erklärung an diePartei. Anstatt der Partei freund- nachbarlich die Hand zu bieten, wie es längst in Oesterreich ge- schehen ist, droht der Herr der Partei mit Krieg und Entzweiung. Es wird demnach höchste Zeit, daß sowohl die Partei als Ganzes als erst recht auch die Parteigenossen, die Mit- glieder der Konsumvereine sind, sich ernstlich damit beschäftigen, was dagegen zu tun tst. Da die Verfassung der Konsunivereine eine rein demokratische ist, so haben die Mit- glieder es schließlich allein in der Hand, die Leiter ihres Zentralverbandes zu zwingen, das anzuerkennen und zu be- folgen, was die maßvollen Kopenhagener und Magdeburger Resolutionen festgelegt haben, und was, noch einmal sei es ge- sagt, in Oesterreich längst bewährte Praxis ist. nun Theater und Vergnügungen Schiller�bealerO.lÄ Sonntag, abends 8 Uhr: Lvvolwtivosdovll-vlt. Wontag. abnidj 8 Uhr: Aevolatlonghoclizelt. Dienstag, abends 8 Uhr: _ Per groBe Ufaiiic. Schiller-Theatp Chabr«rBtten ntWl-- Sonntag, vachmitWU 3 Uhr: K»nlV Heinrich. Sonntag, abends 8 Uhr: HuHarenfleber. Montag, nachm. 3 Uhr: Wilhelm Teil. Montag, abends 8 Uhr: Im Kliih»et4Bel. Dienstag, abends 8 Uhr: __ Kit nig lleinrlch. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Bammelstiidenten. Morgen: Bummelftudenten. Neues Tlieater. Täglich: Ansang 8 Uhr. Friedridi-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Pfingstsonntag und Pfingstmontag abends 8 Uhr: Kasernenluft. Dienstag bis Freitag: Kasernenlnst. Eonnabend zum erstenmal: gm lentbaren Lustschiss Große Frantsurter Str. 133. Ansang 8 Uhr. Der5klbstmördtrlilub Sensal. Drama in 3 Akten v. Morton und Guniver. Bei ungünstiger Witterung nachm. 8 Uhr: Muttersegen. Wontag nachm. 3 Uhr: Robert und Bertram. Abends 8 Uhr: Der Selbst- wirderklub. Dienstag nachm. 3 Uhr: Mutter- seyen. Abends 8 Uhr: Der Selbst- morderklub. Aus der Gartcnbiihne täglich: Es gibt nur ein Berlin. Große Revue. Konzert, Spezialitäten. Trianon-Theater. Heute und folgende Tage: Dem Prinzchen. Llebetschlvank in 3 Allen v. R. Misch. _ Ansang 8'/, Uhr._ KCetropol- Theater. Heute nachmittag 3 Uhr: Mamsell Ritouchc. Abends 8 Uhr: Rauchen geftattei. Kiheit miisikrt filh! Operelte in 3 Alten von I. Freund. Musik von Rudolf Nelson. Vitt Szene geschl vom Dir. R. Zchulh. 0I< auserlesenen Attraktionen! LA TORTAJADA. Die 7 liorlnnas, klassische Tanzatudien. 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UN0 Tanz. im SaÄe: Äorstellung i Konzert- Etablissement Friedrichsliain j Bontag, 5. Juni(ä. Pfingatfelertag): Grosses Ooppel-Konzert des 61/1* Gesangvereins„Liberte" So�uäf�johoph w und des Philharmonischen Blasorchesters(SO Künstler)| Dirigent: Herr Fran» v. Plön. Absehleds-Konzert vor seiner Abreist nach Schottland. Beginn des Konzerts nachmittags 4 libr. ===== Im Saale von 6 Uhr ab: Tans.= Bei ungünstiger Witterung findet das Konzert im Saale statt.] Einlallkarten im Vorverkauf ink}. Programm 80 Pf. sind in allen mit Plakaten belegten Geschäften zu haben, im| Gewerkschaftshaus Engelufer 15, Zimmer 39/40. Brauerei Friedriehshain 1., 8. und 3. Pflnestfelertage: Große Fest-Konzerte. Philharmonisches Blas-Orchester DirStio0nfüF7a«rv.lion, > Mitwirkung: 100 hülngcr.——— Außerdem; Gr. intern. Radrennen. 3 spannende Rennen auf der amerik. Home Train Rennbahn. 10 Rennfahrer. Es starten; Tadewaldl, Techroer, Pawke, Tetzlaff, Theiss, Ehler«, Vinzelberg. 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Jwu bestellt sein müssen. 17/7 Der Vorstand. � Excelsior-Lichtspieihaus,»W. ÄK WM' Das glänzende Pfingstprogramm I!'MlZ Wie die Alten sungen. □ □ □ □ Der kleine Reitersmann. Der Langschläfer.| Die Kunst zu gefallen I illustrierte wochenabersicht, ■" l Ringkampf mit einem Bären. Tonbild. Neue Welt. imerikanischer Tergniigungspark, Hasenheide. Pfingstfeiertage Frühkonzerts 5 Uhr. Große Spezialitäten-Vorstellung Pflogst- Programm; Ermakow, tatarische Kriegsspiele. timcerlape mit seinen dressierten Schweinen. Hatre, erster Tenor der Jiletropolitan-Oper Nfew York. Tenfelsrad, neueste ßelustigung. ——— Großes Promenaden-Konzert. 2 Diez' Seeterrasse,£iclltenlier8 Rödersfr. 1 1— 13(zwischen Landsberger Allee und Röderplatz). Größtes und schönstes Elablissenient Grost-Berlws. SO 000 Pees, sassend. gnmitlen des berrlichen ParfS. 11000 großer See. Ob schön! M 1. Psingstfeiertag täglich:«h Ikcxca! (Zr. 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Während im Jahre 1909 alle der Kommission angeschlossenen Gewerkschaften 233 060 Mitglieder hatten, stieg diese Zahl im Jahre 1910 auf 2 6508 9 freigewerkschaftlich organisierte Arbeiter und Arbeiterinnen in Berlin. Das ist gegen das Vorjahr eine Zunahme von 32 029 Mitgliedern oder 12,4 Prozent. Bisher wies das Jahr 1906 die höchste Mitgliederzahl auf. Sie ist nun durch den Bestand des Jahres 1910 um 13 020 überholt.— Der Mit- gliederrückgang von 16 189 und 12 174, den die Krisenjahre 1907 und 1903 brachten, ist also reichlich wettgemacht, und es geht weiter vorwärts. Die Mitgliederzunahme ist nicht bei allen Gewerkschaften in gleichem Maße erfolgt, ja, einige haben trotz des erfreulichen all: gemeinen Fortschritts eine Abnahme von Mitgliedern zu verzeich nen. Besonders macht sich dies im Baugewerbe bemerkbar, wo ja im Berichtsjahre keine gute Konjunktur herrschte. Der Mitglieder- Verlust betrug bei den Maurern 1339, den Zimmerern 968, den Malern 514, den Bauhilfsarbeitern 429. Außerdem verzeichnen fünf Organisationen verschiedener Berufszweige geringe Verlust- zahlen(14 bis 40). Bei drei kleinen Gewerkschaften blieb die Mit- gliederzahl unverändert. Alle übrigen haben eine manchmal nur geringe, manchmal aber sehr erhebliche Zunahme von Mitgliedern zu verzeichnen. Die verhältnismäßig stärkste Zunahme, nämlich 39,3 Prozent, hatte der Verband der Buch- und Steindruckereihilfs- arbciter. Dann folgt der Kürschnerverband mit 36.9 Proz., der Metallarbeiterverband mit 19,7 Proz.. der Transportarbeiterver- band mit 13,1 Proz., der Verband der Bäcker und Konditoren mit 17,7 Proz. Eine unerfreuliche Erscheinung im Organisationsleben bildet immer noch die Fluktuation, die Unbeständigkeit eines großen Teils der Mitglieder. Im Berichtsjahre wurden insgesamt 85 454 männ- liche, 19 636 weibliche, 3066 jugendliche, zusammen also 109156 Mitglieder neu aufgenommen. Die wirkliche Zunahme beträgt aber nur 32 029, demnach sind 77 127 Mitglieder wieder ausge- treten bezw. gestrichen. Am günstigsten stellt sich das Verhältnis bei den Jugendlichen. Hier steht einer Aufnahme von 3066 ein Abgang von 1137 gegenüber. Es sind also 1929 oder 63 Proz. der llteuaufgenommenen in der Organisation geblieben. Von den 83 454 neu aufgenommenen männlichen Mitgliedern blieben nur 24 580, das sind nicht ganz 29 Proz., und von den neu aufgenom- menen 19 636 weiblichen Mitgliedern nur 5445 oder 28 Proz. der Organisation treu. Hinsichtlich der Unbeständigkeit in der Organisation haben sich also Männer und Frauen nichts vorzu werfen. Vergleicht man die alten Mitgliederbestände mit den Zahlen der Zu- und Abgänge, dann sieht das Bild wesentlich anders aus. So betrachtet, erscheint die Fluktuation der weiblichen Mit- glieder geradezu enorm, während bei den männlichen Mitgliedern eine viel größere Beständigkeit in der Organisation herrscht. Ver- gleiche in dieser Hinsicht lassen sich in bezug auf die Jugendlichen nicht anstellen, weil sie im vorliegenden Bericht zum erstenmal auf- treten. 3706 Jugendliche verteilen sich auf 13 Gewerkschaften. Der De> richt sagt aber, sicher sei die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Jugendlichen noch etwa? höher.— Die Zahl der weiblichen Mit- glieder beläuft sich auf 23 527. Im Vorjahre betrug sie 17 966, ist also um 23,2 Proz. gestiegen. Männliche Mitglieder sind 237 703 vorhanden. Nach dem Stärkeverhältnis geordnet, verteilen sich die Mit jzkieder auf die einzelnen Gewerkschaften so: Metallarbeiter 79 854(im Vorjahr 64 081), Transportarbeiter 39 400(32 264), Holzarbeiter 26 064(24 017), Buchdrucker 11225 (10 237), Schneider und Wäschearbciter 8914(7603), Maurer 8373 (9712), Staats- und Gemeindearbeiter 7465(6636), Fabrikarbeiter 7255(6674), Buchbinder 6924(6348), Buch- und Steindruckereihilfs- arbeiter 5073(4802), Maler 4890(5404), Brauereiarbeiter 4601 (2976), Lithographen und Steindrucker 3789(3570), Bäcker und Konditoren 3746(3082), Sattler und Portefeuiller 3348(2843), Textilarbeiter 3237(3006), Schuhmacher 2686(2504), Zimmerer 2634(3602), Schmiede 2554(2362), Bauhilfsarbeiter 2547(2976), Töpfer 2103(2095), Steinsetzer 2059(1308), Tapezierer 1970 kleines f cuUlcton. DaS Biktor-Emannel-Denkmal in Rom. Am 4. Juni wird in Rom daS Viktor-Emanual-Denkmal eingeweiht werden, das größte Monument, das das dritte Italien zur Feier seiuer Einigung und Befreiung errichtet hat. Das Denkmal liegt zwischen der Piazza Benezia und dem Forum Romanum, und seine Achse wird durch die Linie gebildet, die von der Piazza del Popolo au« den Korso in zwei gleiche Hälften teilt. Eine 114 Meter lange Säulenhalle, deren Säulen 14,8 Meter hoch sind, bildet den Abschluß des Denkmals nach Süden und ist mit den Statuen der italienischen Regionen geziert. Die Reiterstatue Viktor Emanuels IL, die nach der ursprünglichen Absicht das Ganze überragen sollte, wird in der heutigen Aus- führung ganz durch die riesige Säulenhalle überwältigt: auS dem Denkmal für einen König ist immer mehr ein Nationaldenkmal teworden. ein italienisches Fonim, anstatt eines Biktor-Emanuel- ZenkmalS, Der Bau ist in zwei Sandsteinsorten, in Botticino und Mazzana ausgeführt. Der Entwurf des Denkmals, der in seinen korinthischen Gäulen und seiner ganzen Anordnung sich an klassische Muster hält, stammt von dein Architekten G. Sacconi. die Reiterstatue in Bronze von E h i a r a d i a. Der erste Wettbewerb für daS Denkmal wurde im Jahre 1880 ausgeschrieben: da er international war, wurden 392 Entwürfe eingereicht, von denen ober keiner brauchbar war. Zwei Jahre später blieb Sacconi Sieger in einem nationalen Wett- bewcrb, der den kapitolinischen Hügel als Standort festsetzte und die Ausgabe auf 8 Millionen angab. Im März 1886 er- folgte die Grundsteinlegung und mau ging dann gleich an die Expropriierungen und Demolierungen, die bis 1888 allein beinahe 4 Millionen Lire kosteten. Die größten Schwierigkeiten stellten sich aber bei dem Bau der Fundamente heraus. Man hatte geglaubt, der kapitolinische Hügel sei niassiv und fand statt dessen, daß er zum großen Teil hohl war, von Galerien durchzogen, oder aus dem Schutt gebildet, der bei der von Trojan vorgenommenen Durchschneidung zwischen dem Kapitol und dem Ouirinal hierher gebracht worden war. Man mußte Grabungen bis zu 25 Meter Tiefe anstellen, so daß die Fundameute 10 Meter unter dem Niveau der Piazza Vcnezia liegen. Auf der Südseite stieß man auf ein vollständiges Elephantcnskelett, von dessen Bergung man aber absehen inußte wegen der ungeheueren Kosten: das Skelett ist in die Fundamente eingemauert. Die riesigen Arbeiten des Untergrundes, für den eiserne Senkkasten verwendet wurden, führten zu einer Erhöhung des Voranschlages auf 26'/, Millionen. Geldmangel verzögerte dann den Bau, den der Staat in eigener Regie ausführte. Der Architekt Graf Sacconi erkrankte und starb im Jahre 1905 an pro- gresjiver Paralyse. Eine Kommission von Künstlern hat dann den Bau im Sinne deS ursprünglichen Entwurfs und mit den Modifikationen, die sich aus den Ueberraschungen des Untergrundes ergaben, zu Ende geführt. DaS ganze Werl wird nahezu 40 Millionen Lire kosten. In seiner Gesamtwirkung, wie in vielen seiner Einzelheiten, wird es als großartig und würdig bezeichnet. Daß man den kapitolinischen Hügel zu seinem Standort gewählt (1695), Handlungsgehilfen 1796(1504), Maschinisten und Heizer 1721(1738), Gastwirtsgehilfen 1555(1310), Kürschner 1503(947), Bureauangestellte 1473(1380), Gärtner 1352(923), Hutmacher 1180 (1006), Glasarbeiter 1996(803), Cafcangestellte 978(567), Bild- Hauer 910(872). Dachdecker 876(691), Tabakarbeiter 808(909), Steinarbeiter 855(732), Fleischer 823(609), Stukkateure 710(709), Kupferschmiede 632(575), Glaser 631(593), Böttcher 597(576), Weißgerber 594(579), Barbiere und Friseure 576(502), Haus- angestellte 575(302), Hoteldiencr 461(502), Musiker 367(367), Porzellanarbeiter 334(283), Mühlenarbeiter 330(310), Lohgerber 327(230), Asphalteure 320(240), Isolierer 310(350), Xylographen 170(170), Bühnenarbeiter 150(150), Blumenarbeiter KW(68), Lagerhalter 100(86), Zigarrensortierer 70(56), Schiffszimmerer 53(67). Da die wirtschaftliche Konjunktur im Berichtsjahre günstiger war als im Vorjahre, so stieg auch die Zahl der Lohnbewegungen von 305 auf 539. Davon waren 328 Angriffstreiks(im Vorjahre 100) und 211 Abwehrstreiks(im Vorjahre 205). Die Angriffftreiks erstreckten sich auf 812 Betriebe. An ihnen waren 12 362 Personen, darunter 616 weibliche beteiligt. An den Abwehrstreiks, die sich auf 243 Betriebe erstreckten, beteiligten sich 7910 Personen, darunter 956 weibliche.— Die Ursache der Angriffftreiks war in 21 Fällen Verkürzung der Arbeitszeit, in 197 Fällen Lohnerhöhung, in 65 Fällen Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit, in 71 Fällen Einführung eines Tarifs, in 9 Fällen Erfüllung tariflicher Verein- barungen, in 50 Fällen handelte es sich um andere Forderungen.— Die Abwehrftreiks wurden geführt in 3 Fällen wegen Verlangen des Austritts aus der Organisation, in 93 Fällen wegen Lohn» Herabsetzung, in 18 Fällen wegen Verlängerung der Arbeitszeit, in 36 Fällen wegen Verstoßes gegen die allgemeinen Lohn» und Ar« beitsbedingungen, in 5 Fällen wegen Einführung einer Fabrik- ordnung. in 27 Fällen wegen schlechter Behandlung und in 45 Fällen wegen anderer Ursachen.— Die Resultate der Streiks waren: Bei den Angriffftreiks in 172 Fällen voller, in 22 Fällen tetlweiser, in 28 Fällen kein Erfolg. Die Abwchrstreiks brachten in 59 Fällen vollen, in 26 Fällen teilweisen, in 28 Fällen keinen Erfolg. 9 Ab- Wehrstreiks waren am Schluß des Berichtsjahres noch nicht beendet. Obgleich die Streiks zahlreicher waren wie im Vorjahre, so ist doch die Gesamtsumme der Streikunterstützung von 551 633 M. auf 470 921 M. zurückgegangen. Wohl deshalb, iveil in Zeiten guter Geschäftslage die Lohnkämpfe schneller erledigt werden wie in Zeiten ungünstiger Konjunktur. Der Schutz, den Polizei und Justiz bei Lohnkämpfen den Arbeitswilligen und den Unternehmerinteressen angedeihen lassen, fordert bei jedem Streik Opfer an Geld- und Freiheitsstrafen. Ins- gesamt wurden 100 männliche und 3 weibliche Personen wegen ihrer Tätigkeit bei Streiks verurteilt und zwar in 62 Fällen zu Geld- strafen im Gesamtbeträge von 1239 M. und in 41 Fällen zu Ge- fängnisstrafen. 19 Personen wurden allein aus Anlaß des Schmiedestrciks bestraft. Nachdem wir hierdurch daS wesentlichste über die Ausbreitung der Organisationen und ihre Lohnkämpfe mitgeteilt haben, werfen wir noch einen Blick auf die Finanzverhältnisse der Gewerkschaften. Der Kassenbestand am Jahresschluß belief sich insgesamt auf 3 174 023 M. Das sind 458 248 M. mehr als im Vorjahre. Von den Gesamtausgaben, die 9 366 996 M. betragen, entfallen auf Streikunterstützung 470 921 M., Maßregelungsunterstützung 127 181 Mark, Reiseunterstützung 50 442 M., Arbeitslosenunterstützung 1 615 013 M., Krankenunterstützung 1 414 380 M., Sterbegeld 126 859 M., Jnvalidenunterstützung 143 224 M., Rechstschutz 52 891 Mark, besonder« Unterstützung 383 924 M.— Sehen wir ab von der Streik- und Gemaßregeltenunterstützung, die ja im Interesse des gewerkschaftlichen Kampfes geleistet werden, und lassen wir auch noch die Ausgaben für Rechtsschutz außer Betracht, weil auch sie zum Teil zu den Kriegskosten der Gewerkschaften gehören, dann ergibt sich, daß für reine Unterstützungszwecke die Summe von 3 739 345 M. ausgegeben wurde. Eine Summe, aus Arbeiter- groschcn zusammengetragen, und verwendet, um Not und Elend der Arbeitsbrüder zu lindern, Wunden zu heilen, die der brutale Kapitalismus den Arbeitern geschlagen hat.— Doch das ist ja nur die eine Seite der gewerkschaftlichen Tätigkeit. Von größerer Be- deutung ist die andere Seite der gewerkschaftlichen Aufgaben: Die Verbesserung der Lohn- und Arbeitszeit.— Daß die Berliner Ge- werkschaften durch Lohnbewegungen mit und ohne Streik, sowie durch Tarifabschlüsse wesentliche Vorteile für die Arbeiter erreicht haben, ist zweifellos. Die errungenen Vorteile zahlenmäßig fest- zustellen ist ja schwer, aber doch nicht unmöglich Einige Gewerk- bat und eS so zwischen die antiken Kaiserfora: das Forum Romanum, das Trojansforum und daS Kapitol gestellt hat, ist von verschiedener Seite getadelt worden. Ein Instrument deS Herrn als Instrument des Hochverrats. Im letzterichienenen Band— dem 14.— seines Werkes über das .Liberale Kaisertum" berichtet der letzte Minister Napoleons HI., Emile Ollivier folgendes: General Ducrot hat mir erzählt, daß er sich zur Zeit, da er in Straßburg kommandierte, heimlich zum Großherzog von Hessen nach Darmstadt begeben habe. Dieser Fürst gab ihm seinen Abscheu gegen Preußen und seine herzlichen Gefühle für Frankreich kund:.Sagen Sie dem Kaiser. daß ich aufseiner Seite bin. Ich werde ihm Mainz und das linke Ufer(des Rheins) abtreten. Er wird mir dafür eine Entschädigung auf Kosten meines verabscheuten Nachbars (deS Großherzogs von Baden) geben. Nur muß er zu Beginn des Krieges auf das rechte Ufer herüberkommen und uns hindern, uns mit den Preußen zu vereinigen. Läßt er uns die Zeit, uns zu engagieren, wird'S zu spät sein." Dieses patriotische Heldenepos des glorreichen Krieges von 1870/71 wird ja immrr erbaulicher, je mehr Details daraus bekannt werden. Allerdings durften sich die mittel- und süddeutschen Legitimen, die dem Dezembermann deutsches Land in die Hände zu spielen bereit waren und mit dem Auslände hochverräterische Umtriebe gegen die Gemcinintcressen Deutschlands pflogen, auf das erhabene Vorbild der größten Heroen der Hohen- zollernlegende— vom g oßen Kurfürsten bis zum großen Friedrich — berufen. Der deutsche Oberlehrer aber wird sich nach wie vor über die Mainzer Demokralen entrüsten, die. von der französischen Revolution begeistert, den freundschaftlichen Anschluß an die Republik beschlossen. Theater. Lessing-Theater. Gastspiel des HamburgerThalia- Ensembles.„Sommerspuk". Ein fröhliches Spiel von Kurt Kühler. Der in seiner Grundidee nickt üble, aber allzu breit auSgesponnene und mit geschmacklosen Entgleisungen behaftete Sckivank brachte eS bei dem temperamentvoll frischen Spiel der Hamburger zu einem Lacherfolg. Die geschickte Servierung des Gerichtes entschädigte zu einem Teil für seine Magerkeit. Eine jugendlich-abenteuerlustige Artistin, die der Zufall für ein paar Tage in eine kleine Universitätsstadt unter Professoren und Studenten ver- schlägt, vergnügt sich, von ihrem Liebsten, einem krassen Fuchs, dabei assistiert, als angebliche Studentin die Herrschaften am Narrenseil herumzuziehen. Ihr hübsches Lärvchen weckt mehr Bewunderung als alle nock so glänzend bestandenen Examina eS könnten. Der Hüter philosophischer Weisheit, dem sie mit Augenaufschlag Elogen über sein .berühmtes Werk" versetzt, schwört, daß er kaum je bei einem Wesen weiblichen Geschlechts so viel Verstand gefunden, und das feudale Korps der Marcomannen läßt sie gar— eine Ehre, die noch keiner Evatochter zu teil ward— bei der offiziellen Kneiptafel präsidieren. Indessen, die paar Trümpfe sind bald ausgespielt. Im dritten Akte muß ein Gewaltcoup herhalten. Das Fräulein revanchiert sich für die Einladung zum Sommerfest des Herrn Professors, indem sie vor den entrüsteten Dame» in dekolletiertestem Kostüm Kankan tanzt und nimmt am Morgen nach der Tat dann schaften pflegen in ihren Jahresberichten anzugeben: Wir haben für so und so viele Arbeiter so und so viele Lohnerhöhung, so und so viele Arbeitszeitverkürzung, die und die sonstigen Vorteile erreicht. Im Bericht der Gewerkschastskommission werden die Summen der Streikunterstützung, die durch Streiks verlorene Arbeitszeit und der Lohnverlust angeftihrt, also nur die Opfer der Lohnkämpfe. Es wäre ein verdienstliches Werk, wenn daneben auch gezeigt werden könnte, welche Vorteile durch diese Opfer erreicht worden sind. Vielleicht läßt sich diese Lücke beim nächstenmal ausfüllen. Der schon jetzt recht wertvolle Bericht der Gewerkschaftskommission würde dadurch noch an Wert gewinnen und das Material für bis Agitation vermehren. Außer dem hier Angeführten enthält der Bericht noch manche lesenswerten Angaben über das Berliner Gewerkschaftsleben und die Gebiete, auf denen Partei und Gewerkschaft gemeinsam arbeiten. Die soziale Seite der Arbeiterbewegung: Arbeiterversicherung und Arbeiterschutz würdigt der Bericht des Berliner ArbeitersekvetariatS, der mit dem Bericht der Gewerkschastskommission zu einem Bande vereinigt ist.— Das Sekretariat wurde im Berichtsjahre von 23 780 um Rat und Auskunst cn> gegangen. Außerdem nahmen es 200 selbständige Gewerbetreibende sowie 53 Vereine nnd Behörden in Anspruch. Insgesamt wurde in 25 328 Fällen Auskunst erteilt. 95,86 Prozent der Auskunst suchenden Personen waren gewerkschaft- lich organisiert. 4629 Schriftsätze wurden augefertigt. Persönliche Vertretung in Klagesachen erfolgte in 452 Fällen mit 620 Terminen. Von 657 dem Sekretariat bekannt gewordenen RechtSfalleil endeten 489 mit Erfolg für die klagenden Arbeiter, rartelllteratnr. Die bürgerlichen Parteien. Im Verlage von D i e tz in Stuttgart hat soeben Genosse Dr. Ludwig Franck eine kurze historische Skizze über»die bürgerlichen Parteien des Deutschen Reichs- tag es" erscheinen lassen.(Kleine Bibliothek Nr. 13. Vereins- ausgäbe 50 Pf.) Schon seit Jahren hat sich das Bedürfnis nach einen: solchen Much immer dringender fühlbar gemacht. Denn es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Kenntnis der Programme und Grundanschauungen der bürgerlichen Parteien bei uns noch viel zu wenig verbreitet ist. Und doch liegt es auf der Hand, daß wir solche Kenntnis zur wirksamen Bc- kämpfung unserer Gvgner dringend brauchen. So kommt das Buch zum bevorstehenden Wahlkampf gerade zur rechten Zeit. Allerdings ist zu bedauern, daß es sich einer übergroßen Kürze befleißigt. Die Schuld hieran scheint den Verlag zu treffen: er hat nicht genug Papier spendiert. Auf nicht ganz 100 Seiten be- handelt Genosse Frank die Konservativen, die Antisemiten, das Zentrum, die Polen, Dänen, Elsaß-Lothringer, Welsen, den bahe- rischen Bauernbund und den gesamten Liberalismus in seinen verschiedenen Richtungen. Daß da auf jede einzelne Partei nicht viel kommt, versteht sich von selbst, zumal der Verfasser mit Recht an der Geschichte und den T a t e n der Parteien ihr Wesen auf. zuzeigen unternimmt. So bekommen wir keine abstrakte Erörte» rung ihrer Theorien, die dbn meisten Lesern langweilig geworben wäre, sondern eine lebendige Darstellung ihres geschichtlichen Werdens, die— und das ist die Hauptsache— den Lesern instand» setzt, sich ein eigenes Urteil über den Charakter der ver- schiedenen Parteien zu bilden. Aber freilich, eine Geschichte de» Parteien erfordert noch viel mehr Raum, als etwa ein paar kritische Glossen zu ihren Programmen, und so ist denn leider bei weitem kein so vollständiges Gesamtbild herausgekommen, wie es zur Bildung eines klaren politischen Urteils notwendig wäre. Trotzdem begrüßen wir die Schrift mit Freuden, und zwar nicht nur miS den bisher angeführten Gründen, sondern besonder» auch deshalb, weil die Genossen in ihr ein zutreffendes Bild vomdeutschenLiberalismus finden. Aus dem zutreffen. den Bild ergibt sich die zutreffende Kritik von selbst, und so predigt denn Franks Schrift auf jeder derjenigen Seiten, die dem Liberalis- muS gewidmet sind, die eindringliche Lehre: nichts ist in der unter bengalischer GefühlSbeleuchtung und schönen Reden auf die Jugend von dem Liebsten Abschied. Centa Brü gab daS Per- sönchen höchst munter mit einem Air natürlich-liebenSwürdiger Un« Verschämtheit. Herr Möller, ihr Partner in der Liebe, war ein flotter Bursch, Albert Bozenhard. ein total alkoholisiertes ältestes Semester von stark satirischer SimplicissimuSlomU. ät. Humor und Sattre. SäuglingSfllrsorge und Reichstag. Wieder hat daS.Christentum" gesprochen, Das die blau- und schwarzen Herzen schwellt: „Gebt den armen Frauen nicht acht Wochen Nein, vier Wochen Wöchnerinnengeld l" Geht'S den armen Frau'n auch miserabel, 's fällt kein Brosam von deS Blocke» Tisch! Allerchristlichst ist ja nur der Schnabel, Doch das Portemonnaie ist ketzerisch. Mag die Säuglingssterblichkeit sich mehren, Unseren Junkern ist das ziemlich gleich. Darf'S der Zentrumsmann dem Säugling wchreu, Daß er zeitig kommt inS Himmelreich? Wahrlich, wahrlich, sie sind Christi Erven, Der einherging in der Armut Rock, Der da sagte:.Laßt die Kindlein sterben" — Oder sprach er anders, frommer Block? Karlchen in der.Jugend". Notizen. -Ein Reinfall Jagows. Daß die Polizei, wenn sie ihre Allgewalt m der Kunstzensur betätigt, meist die Rolle deS Ochsen ,m Porzellanladen spielt, ist bekannt. Sie hat für ihre Zensurtapsigkeiten schon oft Prügel bekommen, ohne dadurch klüger geworden zu sein. So wird auch die derbe Lektion, die jetzt die Berliner Polizeizensur erhalten hat, kaum zu ihrer Besserung bei- tragen. In Gerbart Hauptmanns„Natten" war eine Stell- 2ie das Mißfallen des Herrn v. Jagow erregt hatte. Es war da die Rede von einem Theaterdirektor, der sich seiner Bekanntschaft mit dem früheren Berliner Polizeipräsidenten v. Madai rühmte. Herr v. Jagow erhob gegen die Stelle Einspruch, weil er eS für einen Polizeipräsidenten höchst„vernnglimpfend" hielt, wenn er Bekaunischaft mit einem„Schmierendireftor" habe. Der Direktor des LessingtheaterS. Dr. Brahm, hatte gegen das Verbot des in Theater- fragen so sonderbarlich empfindenden Polizeipräsidenten Klage beim Bezirksausschuß erhoben, der sich dieser Tage mit der Angelegenheit befaßt hat. Der Bezirksausschuß hob nach ganz kurzer Beratung d,e Verfügung des Polizeipräsidenten auf. Herr v. Jagow hat eben bei allen Aktionen, die er in die Welt der Kulissen hinein unternimmt, kein Glück. » neue Oper MaScagniS.Jsabeau" hat am Freitag m BuenoS Aires unter Leitung deS Komponisten ihre Urauffnhrung erlebt. Dir Telegraphenbureaus melden einen.sen- sativnellen Erfolg' deS Werkes. Politik so falsch wie Halbheit, wie sogStiatlnke »M ä tz i g u n g". Hierfür ein paar Beispiele. Auf Seite 59 wird erzählt, daß die deutsche Fortschrittspartei, die 1SC1 eigens zu dem Zweck gegründet wurde, den Liberalismus von der Leitung der Leisetreter zu befreien, dennoch der Wahl- rechtsfrage in ihrem Programm ausgewichen ist.„Um die Absplitterung gemäßigter Elemente zu verhindern, wurde die Frage offen gelassen", sagt Frank. Aber er fügt gleich hinzu: „was durch diese Lauheit rechts gewonnen wurde, ging tausendfach links verloren: die Arbeiterschaft wurde zurückgestoßen". Die Abschaffung der Todesstrafe ist eine alte liberale Forderung. Da das Deutsche Reich, wie seine Vorgänger, der Norddeutsche Bund, liberale Gründungen waren und im Reichstag von 1867 bis 1877 die Nationalliberalen d?» ausschlaggebende Stärke besahen, überdies auch in mehreren Bundesstaaten die Todesstrafe bereits aufgehoben war, so wurde am 2. März 1870 ihre Beseitigung im Reichstag beschlossen. Alle Liberalen stimmten für ihre Aufhebung, mit einziger Ausnahme Miguels. Aber Bismarck wollte es anders. Er drohte, das ganze Strafgesetz scheitern zu lassen, wenn er seinen Willen nicht durchsetzte. In- folgedessen bekamen es 24 Nationalliberale mit der Angst, sie stimmten bei der dritten Lesung am 23. Mai 1879 für die Todes- strafe, und diese blieb uns erhalten. Offenbar richteten sich die 24 Mauserungspolitikev nach der bekannten„staatsmännischen" Regel, man müsse sich mit dem Erreichbaren begnügen und einige reaktionäre Bestimmungen mit in Kauf nehmen, um nicht das ganze Gesetz mit seinen sonstigen Fortschritten zu gefährden. Ihnen er- widert Genosse Frank mit vollem Recht sS. 66):„Ohne die klägliche Haltung der 24 Liberalen wäre es sicher möglich gewesen, sofort oder in den nächsten Jahren ein von fortschrittlichem Geist erfülltes Strafrecht zu bekommen." Nach Franks Meinung, der wir durch- aus zustimmen, haben also die 24 durch ihre„Rücksicht auf die gegebene politische Situation" den Fortschritt dauernd unter- bunden und gelähmt. Ende der siebziger Jahre hat Bismarck bekanntlich mit den Nationalliberalen gebrochen und sich mit dem Zentrum angefreundet. Nun war aber das Zentrum 1871 gegründet worden zu dem Zweck, die Politik Bismarcks zu bekämpfen, und es hatte das auch 8 Jahre lang in der schärfsten und rücksichtslosesten Weise getan. Jetzt wurde der Friede geschlossen, und bei dieser Gelegenheit be- merkt Genosse Frank(S. 73):„Am 3. Mai 1879 nahm zum ersten- mal die kleine Exzellenz Windthorst(der damalige Führer des Zentrums) an einem parlamentarischen Abend des Reichskanzlers teil. Der Kampf zwischen Bismarck und der katholischen Kirche war beendet." Nach Franks Meinung, die wir wiederum durchaus für richtig halten, bekundet also ein Politiker, der gesellig mit den Vertretern der Regierung zusammenkommt, dadurch, daß er die Politik der Regierungen nicht bekämpfen will. Daß der Liberalismus in allen seinen Richtungen, auch in den sogenannten„entschiedenen", sich im Laufe der Jahrzehnte immer mehr den reaktionären Bestrebungen anpaßt und zu ihrem Handlanger macht, wird ebenfalls von Genossen Frank gebührend hervorgehoben. So auf Seite 8S:„In Wehrfragen haben die Fortschrittler ihre liberalen Grundsätze aufgegeben. Bei Beratung der Verfassung für den Nordeutschen Bund hatten sie verlangt, daß die Heeresstärke j ä h r l i ch im Budget festgestellt werde— an dieser Gruudforderung des Parlamentarismus hielten sie noch 1874 fest— 1887 waren sie schon bereit, die Präsenzstärke der Armee für drei Jahre gesetzlich zu binden— und 1910 bewilligten sie die fünfjährige Bindung, ohne auch nur den geringsten Widerstand zu versuchen." . Wie in Militärfragen, so auch in Behandlung der Polen(Seite 85):„Mit den Konservativen stimmten 1998 die Freisinnigen für den Sprachenparagraphen des Vereinsgesetzcs, während sie bisher jahrzehntelang die gegen die Polen gerichtete Gewaltpolitik be- kämpft hatten." Desgleichen in Sachen der indirekten Steuern:„Obwohl die Freisinnigen gegen indirekte Steuern immer redeten, waren sie bereit, dem Fürsten Bülow neben einer Erbschaftssteuer gegen 499 Millionen Mark indirekte Steuern auf den Massenverbrauch zu bewilligen. Die Nationalliberalen hatten schon 1996 die söge- nannte„kleine Finanzreform" mitgemacht. Die berüchtigte Fahr- kartensteuer entstammte einem Vorschlag des Nationalliberalcn Becker." Und endlich:„Den Angriffen gegen die„Schwarzblauen" wird immer die unwiderlegliche Tatsache entgegenhalten, daß die meisten jetzt so scharf kritisierten Abgaben auf notwendige Bedarfs- artikel von den vereinigten Liberalen bewilligt worden wären, wenn gleichzeitig zur Entschuldigung vor der Wählerschaft die kläglich verkleinerte Erbschaftssteuer eine Mehrheit gefunden hätte." Aus so zutreffender Schilderung kommt denn auch Genosse Frank(S. 86) logischerweiser zu dem durchaus zutreffenden EN- urteil:„Die deutschen Liberalen haben sich seit Jahrzehnten durch die Angst vor der Arbeiterbewegung davon abhalten lassen, liberale Politik zu machen. Von so schwachmütigen Gegnern haben die Junker nichts zu fürchten." Einen wertvollen Anhang des Buches bildet dann noch eine Anzahl Programme der verschiedenen Parteien, die bei der großen Masse unserer Genossen, auch bei den in der Agitation tätigen, bisher so gut wie unbekannt sind. Aus oll diesen Gründen wünschen wir der kleinen Schrift möglichst viele und möglichst fleißige Leser. Julian Borchardt. 10. ErntrgloersMlnlllng des Deutschen Uetullarbeittr- Derbandes. Mannheim, 1. Juni. Die größte Organisation der deutschen Gewerkschaften, der Deutsche'Metallarbeiterverband, beginnt am Pfingstmontag im hiesigen Ballhaussaale ihre zehnte ordentliche Generalversammlung. Zum zehnten Male kommen diesmal die berufenen Vertreter der deutschen Metallarbeiter zusammen, um einen Rückblick zu halten und die Waffen zu neuen Kämpfen zu schärfen. Es sind nun genau zwanzig Jahre seit der Gründung des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes verflossen. Am 4. Juni 1891 nahm der vom 1. bis 6. Juni zu Frankfurt a. M. tagende Allgemeine Deutsche Metall- arbeiterkongreß in namentlicher Abstimmung mit 191 gegen 29 Stimmen bei 4 Enthaltungen folgenden Antrag Sckierm an: „Ter zu Frankfurt a. M. tagende Kongreß der Metallarbelter Deutschlands beschließt die Gründung einer allgemeinen Metall- arbeiter-llnion mit nach Lage der Verhältnisse zu errichtenden örtlichen Fachsektioncn."'. Damit war die Gründung des. Deutschen Mctallarbeiter-Ver- bandcs, für die sich vorher die Branchenkongresse der Schlosser, Klempner, Former. Fcilenhauer und Mechaniker erklärt hatten, be- schlössen. Am 1. August 1891, so wurde bestimmt, sollte der neue Verband in Kraft treten, der Zusammenschluß der Branchenver- bände perfekt sein. Der Uebertritt der einzelnen Mitgliedschaften vollzog sich aber, wie der Verbandsvorsitzende Junge auf der ersten Generalversammlung des MetallarbeiterverbandcS(Anfang April 1893 zu Altenburg) erklärte, nicht sehr glatt. Bei den Formerv entstand eine Bewegung für die Schaffung einer Branchenzentralisation der Former und verwandter Berufe, und trotz Protest des Metallarbeitervorstandes kam es zu der Errichtung einer besonderen Zentralorganisation für die Former. Dazu kamen «och Bestrebungen, die Lokalvereine beizubehalten. Trotz all dieser Einrichtungen konstitutiertek» sich bi» Ende September 1891 aus überkrekenben Lokalverbänden im ganzen 189 DerwaltungS- stellen, die Ende 1891 23 295 Mitglieder zählten. Das war 1891. In seinem nun zwanzigjährigen Bestehen hat der Verband seine Mitglicderzahl mehr als verzwanzigfacht! Ende 1919 zählte der Verband rund 464 000 Mitglieder. Unterdessen hat der Verband weiter neue Mitglieder gewonnen, und bei Beginn der Generalversammlung kann der Verbandsvorstand den Delegierten die erfreuliche Mitteilung machen, daß der Verband nun 500 909 Mitglieder in sich. schließt. Eine halbe Million Mitglieder nach zwanzig Jahren! Wahrlich, der Metallarbeiterverband kann mit Stolz auf seine EntWickelung zurückblicken. Und die Kollegen, die vor zwanzig Jahren an der Wiege des Verbandes standen, werden an dem Tage der zwanzigjährigen Wiederkehr der Gründung deS Verbandes mit besondere Freude und Genugtuung erfüllt sein. Wie die Mitgliedcrzahl, so ist auch das Vermögen des Ver- bandes gewaltig gewachsen. Ende 1891 betrug es im neugegrün- beten Verbände 19 891,29 M. Am Jahresschluß 1895 war schon ein Vermögen von 38 943,19 M. vorhanden. 1999 betrug es 571 692,71 M. und 1993 911 635,24 M. Von hier ab nahm die Vermehrung des Vermögens ganz rapid zu. Im Jahre 1994 stieg es um fast eine Million, auf 1 822 191,16 M. Dann kommen die Jahre 1995 mit 2693 972.56 M. 1996, 3 441415,95„ 1997. 5 606 996,36, 1998. 5 883 291,39. 1999. 6 248 251,29, 1910. 7 7l0ZIZ.6S. Der Vermögenszuwachs im Jahre 1919 belrägt also 1 462 962,49 M. Es kam Ende 1919 auf ein Mitglied ein Vermögen von 16,61 M., gegen 9,46 M. Ende 1891 nach dem Zusammenschluß der verschiedenen Branchen zum Metallarbeiterverband. Mit der Entwickelung der Mitgliederzahl ging also die Vermehrung des Vermögens konform. Mit der Ausbreitung des Verbandes stieg fein Einfluß auf die Gestaltung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Metall- arbeiter. Dem Metallarbeiterverband steht das hartnäckigste und kapitalkräftigste Unternehmertum gegenüber, mit dem er schon man- chen Strauß zum Vorteil der Arbeiter ausgefochten hat. In den zwanzig Jahren seines Bestehens hat der Verband schon ganz ge- waltige Verbesserungen der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Metallarbeiter errungen und damit ein großes Stück Kulturarbeit geleistet. In der Geschäftsperiode 1999/19, für die der Vorstand an die Generalversammlung berichtet, war es besonders das Jahr 1919, in dem schwere Kämpfe— Werftarbeiterbewegung!— geführt. aber auch große Erfolge erzielt wurden. Dieses Jahr war für den Verband sowohl hinsichtlich der Zahl der Bewegungen als der an den Bewegungen Beteiligten und der erzielten Erfolge ein Rekordjahr. In keinem der vorhergegangenen Jahre sind so viel Bewegungen durchgeführt und so große Erfolge erzielt worden, wie im Jahre 1919. Das verdankt der Verband in allererster Linie seiner Größe und seiner Macht, ohne die die Erfolge nicht er- reicht worden wären, die der Vorstand mit Genugtuung registriert. Das um seinen Profit besorgte Unternehmertum blieb nämlich gegenüber den Bestrebungen auf Verbesserung der Lohn- und Ar- beitsbedingungen nicht untätig. Trotz des wütendsten Konkurrenz- kampfes auf dem Absatzmärkte fanden sich die Unternehmer überall da zusammen, wo es die Wahrung ihrer nackten Unternehmerinter- essen gegen die nach Recht und Luft ringenden Arbeitermassen galt. Aber weder Streikentschädigungskassen, noch Ausspecrungen, noch schwarze Listen, noch Zersplitterungsversuche der Arbeiter durch Gründung gelber Gewerkschaften, noch der ausgeprägteste Terra- rismus der Unternehmer vermochten den steigenden Einfluß der Organisation zu brechen. Das Resultat der Gesamterfolge bei den Lohnbewegun- gen, Streiks und Aussperrungen ist: Im Jahre 1919 trat eine Verkürzung der Arbeitszeit für 99 865 Personen um 136 373 Stunden pro Woche ein. Auf den einzelnen kam eine wöchentliche Arbeitszeitverkürzung um rund 1)4 Stunden. Eine Lohnerhöhung erzielten 196 849 an den Bewegungen beteiligte Personen. Für 91 385 Beteiligte konnten die Lohnerhöhungen in Gcldeswert genau festgestellt werden; sie beliefen sich auf 145 117 M. pro Woche— 1,58 M. für den einzelnen. Tariflich festgelegt wurden die Arbeitsbedingungen und Verbesserungen in 279 Fällen für 32 973 Beteiligte. Die Beseitigung von Mißständen erfolgte in 42 Fällen für 17 486 Personen. In 233 Fällen mit 49 359 Be- teiligten wurde eine bessere Bezahlung der Ueberstunden erreicht, in 179 Fällen für 43 499 Kollegen eine bessere Bezahlung bei Nacht- und Sonntagsarbeit und in 343 Fällen für 82 914 Beteiligte wurden sonstige Verbesserungen erzielt. Außerdem wurden noch eine Reih« beabsichtigte Verschlechterungen abgewehrt. Die Erfolge im Krisenjahr 1999 sind natürlich weit geringer als die von 1919. Es muß hier die wirtschaftliche Konstellation in Betracht gezogen werden. Eine Verkürzung der Arbeitszeit wurde 1999 erzielt für 4119 Personen um wöchentlich 11 399 Stun- den; auf den einzelnen kommen 2,8 Stunden. Lohnerhöhungen er- zielten 12 944 Personen um 22 993 M. pro Woche, für den einzelnen um 1,83 M. Durch Tarife und Verträge wurde das Erreichte in 112 Fällen für 13995 Personen festgelegt. Für 4678 Kollegen konnte eine Regelung der Akkordarbeit erzielt werden. Mißstände der verschiedensten Art wurden für 1859 Personen beseitigt. Eine bessere Bezahlung für Ueberstunden erreichten 3883 und für Nacht- und Sonntagsarbcit 3112 Koll-gen. Andere Verbesserungen im Arbeits- Verhältnis traten für 9945 Kollegen ein. Die beabsichtigten Ver- schlechterungen der Lohn- und Arbeitsverhältnisse sind be- deutend größer als die für 1919 und folglich auch die Zahl der Abwehrungcn höher. Eine Arbeitszeitverlängcrung wurde 1999 für 715 Beteiligte um 4693 Stunden pro Woche und eine Lohnver- kürzung um 18 279 M. wöchentlich für 19 334 51ollcgen abgcivehrt. Tarifverträge bestanden Ende 1919 557 für 11289 Betriebe mit 115 642 Personen gegen 376 Tarife für 11172 Betriebe mit 91588 Personen zu Beginn der GeschäftSperiod«. Betrachten wir nun die materiellen Aufwendungen deS Verbandes für Lohnbewegungen und Unterstützungen, die den Mit- gliedern direkt zugute kamen. Die Gcsamtkosten der Lohnbcwe- gungcn, Streiks und Aussperrungen betrugen 1999 769 682 M.(darunter allein für Streikunterstützung 577 429,91 M.). 1910 aber 3 763 022 M.(Streikunterstützung allein 2 893 476,49 M.). Ganz enorm sind die Summen, die für sonstige Unterstützungen an die Mitglieder aufgewendet wurden. Sie betrugen in dem Krisenjahr 1999 7 982 538.79 M. und 1919 5 911 415,24 M. Im einzelnen verteilen sich diese Unterstützungen folgendermaßen: Reisegeld UmzugSttiiterstützung Erwerbslosenuittersliitzung: a) bei Krankheit b) bei Arbeitslosigkeit Unterstützung nach I 2o Maßregelung Sterbegeld Rechtsschutz Hua der Partei. Hierzu kommen noch die Unterstützungen durch die Lokalkassen. Wieviel Not und Elend wird durch diese gewaltigen Summen ge- lindert worden sein! Und wie viele Lasten wurden durch diese Unterstützungen den Kommunen abgenommen! Die reguläre Beitragsleistung der Mitglieder betrug 1699 19121677,55 Mk. und 11889 886.89 Mk. im Jahre 1919. Eine Gegenüberstellung der Ausgaben für sämtliche Unterstützungen mit den Mitgliederbeiträgen zeigt, daß ein sehr hoher Prozentsatz der Beiträge an die Mitglieder direkt wieder zurückfließt. Die Generalversammlung wird reiche Arbeit zu erledigen und sehr wichtige und einschneidende Beschlüsse zu fassen haben. Mögen diese zum Wohle der Metallarbeiter und der gesamten Arbeiter- bewegung ausfallen« Zusammenkunft sozialistischer Bürgermeister in Jtalie». Der italienische Parteisekretär hat zum 5. Juni die sozialistischen Bürger- meister der italienischen Gemeinden, die zum Kongreß der Kommunen nach Rom kommen, zu einer Zusammenkunft in das hiesige Volks- haus berufen. Es handelt sich darum, ein Einvernehmen über die Haltung der Sozialisten bei dem Kongreß der Kommunen herbeizu« führen. Die Natioual-Exekutive der Socialist Party der Bereinigten Staaten hielt ihre letzte Sitzung in B o st o n ab. Der Kassierer be« richtete über eine Einnahme von 11 854 Dollar(49 899 M.) im ersten Vierteljahr, das find 43 Proz. mehr als in der gleichen Zeit 1919. Er berechnet danach rund 19 9 9 9 9„giitstehende" Mitglieder. Ueber eine Million Flugblätter wurden verbreitet, die deutsche, jüdische, italienische, polnische und südstavische Organisation unter- stützt. ES wurde beschlossen, einen Berichterstatter für den Mc Namara-Prozeß zu bestellen und über dieses neue sensationelle Justizverbreche» eine Broschüre zu verbreiten, ebenso über die Civic Federation. Die Gründung eines Unter- suchungsbureauS soll vorbereitet werden.— Gen. Legten hat seine schon früher geplante AgitationSreise für Frühjahr 1912 zugesagt. B e r g e r berichtete über den Kongreß. Bisher sei noch kein Versuch gemacht worden, seine Redefreiheit zu beeinträchtigen. Geschehe dos, so werde er die Verhandlungen zum Stillstand bringen. Er hat bisher vier Resolutionen eingereicht betreffend Zurückziehung der Truppen von der mexikanischen Grenze, das gesetzwidrige Vorgehen im Mc Namara-Prozeß, Be- seitigung des Senats und Einführung einer Alters« Versicherung. Er wird weiter die Nationalisierung der Bahnen. Telegraphen- und Telephonlinien und der Bergwerke fordern. Der Bericht wurde mit Befriedigung zur Kenntnis ge- nommen, nur gefordert, daß der Beginn der Alterspension mit 69 (statt 65) Jahren eintrete.— Die nächste Sitzung soll im August in M i l w a u l e e stattfinden und mit einer Konserenz sämtlicher sozialistischen Gemeindebeamten verbunden werden. Für ein Buch von G. MverS über die amerikanische I u st i z wurde ein Beitrag bewilligt._ Huö Industrie und Kandel. DaS Geld wird teurer! Die Notwendigkeit des Geldes entspringt aus dem Wesen der warenproduzierenden Gesellschaft. Der Tauschwert aller Waren wird durch die Geldware allgemein und gesellschaftlich gültig ausge» drückt. Der befondere Verkehr, der Verkauf und die Ausleihung von Geldware, ist die Arbeit der Börse und der Banken. Die Kapitalkonzentration der Geldbanken, die durch sie hervorgerufene Beeinflussung des Geld- und Börsenmarktes, wird von Jahr zu Jahr größer. Die Industrie, der Handel, kurz alle gesellschaftliche Warenproduktion, für die Geldware das Tauschobjekt ist, in der sich der Wert der von ihr hergestellten Produkte widerspiegelt, sind damit mehr oder weniger von dem Markte des Geldes und den dort tätigen Banken abhängig. Besonders starkjmrd dies immer in solchen Zeiten bemerkbar, wo die Geldvedürfnisse stark hervortreten. Die Ouartalstermine jedes Jahres sind, zumal in Zeiten, wo durch aufwärtsstrebende Konjunktur und ihre Folgen viel Geldware ge- braucht wird und festgelegt ist, so besonders fühlbar. Die Reichs- dank, die Zentralstelle des deutschen Geldmarktes, macht dies in ihren Zwischenausweisen stets deutlich erkenntlich. Die Großbanken decken zu solchen Zeiten der Anspannung des Geldmarktes ihre Geldbedürfnisse auch durch kurzfristige Wechsel, welche sie der Reichsbank in Zahlung geben. Von dort, wo die Sammelftelle des baren Geldes ist, holen sie sich die für sie notwendigen Mengen der Ware Geld. Reicht eS dort für sie nicht aus, so geht eS ins Ausland, besonders Frankreich gilt als williger Geldverleiher: das Land der Rentiers hat fast zu jeder Zeit Geldware übrig. Der kleinere Bankier, der ebenfalls Ouartalsbedürsnisse zu befriedigen hat, beleiht in solchen Zeiten die in seinem Besitze befindlichen Staatspapiere, er lombardiert sie bei der Reichsbank. Die jüngst vergangenen Monate haben unter einer dauernden Anspannung des Geldmarktes zu leiden gehabt. Dies bedeutet im besonderen für eine Zeit aufwärtsstrebender Konjunktur starke Hemmung: denn bei Geldknappheit steigern sich die Zinssätze, die für ausgeliehenes Geld verlangt werden und gegeben werden müssen. Die Quartalstermine sind gesürchtete Tage im Leben deS Geldwarengeschäftcs. Der jüngst vorüber gegangene Quartals- Wechsel zeigte dies besonders, von allen Seiten kamen die Ansprüche an die Reichsbank, ihre Posten an kurzfristigen Wechseln und lom- barbierten Wertpapieren stiegen um Hunderte von Millionen. Nun besteht die gesetzliche Vorschrift, wonach die Reichsbant immer mindestens ein Drittel der von ihr ausgegebenen Noten durch Gold und bares Geld gedeckt haben muß. Im Falle ernster Wirt- schaftlicher und auch politischer Situationen hat ja kein Papier, fondern nur noch das bare Geld vollgültigen Wert. Jedes Papier. ob dies auch Kommunal- oder Staatsanleihe sei, und mag eS in normalen Zeiten noch so vollgültig sein, hängt in seinem Werte doch immer vo» der Kreditfähigkeit dieser Kreditfordernden ab. Das Geldgeschäft mit dem privaten Geldbesitzer hat sich heut« schon immer deutlicher in den Händen der Großbanken konzentriert; sie sind da mächtiger als die Reichsbank. Der jüngste Quartals- termin stellte nun wieder solche starke Geldforderungcn an die Reichsbank, daß man an Ende 1997 erinnert wurde, also an eine' Zeit der stärksten Hochkonjunktur, welche die Krise schon in sich trug. Die Reichsbank hat nun beschlossen, um nicht Gefahr zu Kufen, bei kommenden OuartalStermincn zu wenig Geld zu haben Wechsel» und Lombardwünsche zu befriedigen, die Beleihung von Wertpapieren in den Tagen des Ouartalwcchsels zu ver- t e u e r n. Verständlich wird dieser Beschluß mit dadurch, daß man sich überlegt: im Zentralausschuß der Reichsbank sitzt die Großfinanz, welche vorwiegend an den Riefenbanken interessiert ist! Der Effekt dieser Maßnahme, von jeder Lombardierung am Ouartalswcchsel für zehn Tage Zinsen mehr zu nehmen, ist nun der, daß der Klein, und Mittelbetrieb des Gekdwarenverkehrs die Beschaffung des von ihm durch Industrie und Handel verlangten Geldes erschwert, verteuert bekommt. Di« Großbanken werden jetzt noch mehr als sonst sich in jenen Zeiten mit Geldern von Sparkassen und ähnlichen Instituten, ausländischen Banken und durP Wechsel- diskontierung bei der Reichsbank versehen. Die anderen müssen sich ihre Mittel dann von ihnen besorgen, wo es immer noch etlvas billiger kommt, als wenn bei der Wcrtpapierlombardierung von der Reichsbank für zehn Tage Imsen Extrazuschiag verlangt wird. Der Beschluß des Reick>sbankdirektoriums ist in seinem Resuk- tat nichts weiter als eine Stärkung der Macht der Großbanken. Tie Ware Geld wird für sie immer wieder leicht zu erreichen sein, als für die große Masse der anderen Geldunternchmer. Und außer- dem werden sie nun n o ch m e h r verdienen. Der gesetzliche Drittel» mctallbestand der Reichsbank wird so vielleicht etwas weniger ge- fährdet, aber eine Besserung der finanziellen Verhältnisse auf dem deutschen Geldmarkte wird damit nicht erreicht sein. Auch für die Arbeiter haben diese Dinge die außerordentlichste Bedeutung. Eine Anspannung des Geldmarktes, verteuerte Gtldzinsfätze werden die Unternehmer noch weniger geneigt machen, Forderungen der Ar, beiter zu bewilligen als sie es sonst zu tun für richtig befinde�, Starke Kohlenversorgung deutscher Städte. Der Kohlenbedarf in deutschen Städten ist im laufenden Jahre »ach der vorjährigen Zurückhaltung wieder in starkem Anwachsen begriffen. Die Answärtsbewegung, über die im ersten Quartal zu berichten war. hielt in ungeschwächtem Grade auch im April weiter an. Die Kohlenversorgung von zwanzig deutschen Großstädten belief sich nämlich im Monat April d. I. auf 1523 935 Tonnen gegen 1 447 349 Tonnen im April 1919. Die Mehrzufuhr stellt sich auf 75 695 Tonneu. sie macht immerhin 5 Proz. aus. Für die ersten vier Monat«, znsamm«, er�wt eine VersorgnngSmenge von S 825 247 Tonnen gegen 5 410 362 Tonnen in der Vergleichszelt 1910. Auch die Menge vom Jabre 1909 ist wieder überschritten worden; damals betrug die Zufuhr im April 1395 433 Tonnen, in den Monaten Januar bis April 5 585 621 Tonnen. Noch vollzieht sich aber die Ausdehnung der Kohlenbezüge nicht gleichmäßig, sondern ein Teil der Städte hält immer noch mit den Bezügen zurück. Im April waren es Stettin, Dresden, Nürnberg. Barmen und Lübeck. von denen namentlich die beiden letztgenannten noch eine relativ starke Einschränkung gegenüber dem vorigen Jahre aufweisen. In den Städten, in denen die Zufuhren stark über die vorjährigen hinausgehen, gestalteten sich die Bezüge im Monat April der letzten drei Jahre in Tonnen wie folgt: 1909 1910 1911 Berlin.... 511981 549208 572968 Leipzig.... 121 430 142 312 150 251 München... 63184 63733 69241 Königsberg i. Pr. 53 995 35 954 44 810 Altona.... 73 465 78 506 94 822 Bremen.... 31 623 31 769 33 743 Hus der Frauenbewegung. Fraue« heraus! Frauen heraus! Die Reichstagsmehrheit hat das weiblich! Proletariat in unerhörter Weise provoziert. Mit den Beschlüsien der NeichSversicherungsordnung ist die Mutter, ist die Trägerin der zu- künsligen Generationen mißhandelt, getreten, unwürdig als ein Stück Vieh behandelt worden. Frauen. Mütter, Töchter des Volkes! Der Staat, der zirka 20 Millionen Mark für die Zivilliste opfert, der Millionen für Polizeilumpereien bezahlt, der Unsummrn für Pferde« sport und OrdenSkram wegwirft, dieser Staat hat kein Geld für ausreichenden Mutter- und Säuglingsschutz I Dieser Staat, der Milliarden für den Moloch Militarismus aufwendet, er hat kein Geld für eine anständige Witwen- und Waisenverficherung. Dieser Staat, der den feiste» Junkern Milliarden an Liebesgaben zuschanzt, der den Pastoren glänzende Gehälter zahlt, er beraubte die Witwen und Waisen sogar früherer Vorteile aus der Invaliden- Versicherung. Nach den bisherigen Bestimmungen werden die ge- leisteten Beiträge zurückgezahlt, wenn eine verwitwete Arbeiterin sich verheiratete, oder wenn der Mann starb, ohne daß er eine Rente bezog. Zollräuber und LiebeSgabenempfänger haben den Armen diese Vergünstigung nun geraubt. Für die Zukunft erfolgen solche Rückzahlungen nicht mehr. Frauen in heiligem Zorn über solche Verruchtheit, schwört Rache der kaltherzigen, erbarmungslosen Schnapsblockmehrheit, die so Euch zu mißhandeln wagte. Nun ist eS Zeit, die indifferenten und unwiffenden GeschlechtSgenosfinnen aufzupeitschen. Appelliert an das Muttergefühl, hetzt die Getretenen und Geknechteten auf, reißt sie hinein in die politische Bewegung, zeigt ihnen den Weg, der zur Befreiung von der Sippe der Volksfeinde führt. Bringt das Blut der verratenen und ver« kauften Frauen in Wallung, reißt die Schwangeren zur Empörung fegen das herrschende System auf, sorgt dafür, daß die Witwen, von iebe zu ihren Kindern gedrängt, gegen die Schmach und Schande rebellieren, macht den Töchtern de? Volkes klar, daß ein glühender Haß gegen die herrschende Gesellschaft st« beseelen muß. Ein ent- schiedeneS Wollen, diese Herrschaft zu beseitigen, muß alles Tun der Frauen bestnnmen. Wie der ehrliche Mensch zede Sünde. jede Schand- tat haßt und verachtet, dagegen mit dem Aufgebot aller Kräfte kämpft, so muß die Frau diese Verhöhner deS Weibes, die Kinder- und Muttermörder hassen, die im Reichstage den Mütter-, Schwangeren-, Witwen« und Waisenschutz brutal mit Füßen traten. DaS nächste Mittel dazu ist Anschluß an die Partei, Eintritt in die Organisation. Hinein in die Reihen deS kämpfenden Proletariats, nieder mit den Volksfeinden!___ «Versammlungen—«Veranstaltungen. verein für Frauen nak Mädchen der Arbeiterklasse. Mittwoch, den 7. Juni, 8'/, Uhr, im.Englischen Garten", Alexanderstr. 27o; Vortrag:.Die französische FreiheilSdichwng". Referent: Eduard Bernstein. Gäste willkommen.— Montag, den 12. Juni: Besichtigung deS Säuglingsheims in Westend-Charlottenburg, Rüsternallee. Treffpunkt 3 Uhr im Heim. Lchönrberg. Die Frauen und Mädchen deS sechsten Frauenbezirks veranstalten am dritten Pfingstfeiertag einen AuSflug nach Sichkamp. Kinderbelustigungen aller Art finden statt. _ Der Vorstand. Gerichts- Zeitung. Eine vielfach bei Ausflügler» verbreitete Unsitte, überall Blumen abzureißen, ist dem Kaufmann Alexander Behrend recht übel bekommen, der sich unter der Anklage der Sachbeschädi- gung vor dem Schöffengericht zu verantworten hatte. Der An- geklagte hatte mit mehreren Bekannten einen Ausflug nach dem Grunewald unternommen. Als er unterwegs an einem Vorgarten vorbeikam, in welchem ein Tulpcnbaum stand, dessen Aeste bis dicht an den Drahtzaun heranreichten, kam er auf die Idee, sich einige Blumen abzureißen. Er zog den Baum mit dem Spazier- stock bis dicht an den Zaun heran und brach sich mehrere Aeste ab. Hierbei knickte er den Stamm um, so daß der ganze Baum später einging. Als wenige Minuten später der Besitzer den angerichteten Schaden entdeckte, nahm er per Rad die Verfolgung des Uebel- täters auf und veranlaßte seine Feststellung. Tie Angabe des An- geklagten, daß er die Blumen gekauft habe, wurde sofort dadurch widerlegt, daß die abgerissenen Aeste genau in die Bruchstellen an dem Baume hineinpaßten.— Für den Angeklagten hatte dieser Vandalismus sehr üble Folgen, denn das Schöffengericht ver- urteilte ihn mit Rücksicht darauf, daß der Zerstörungswut einer gewissen Sorte von Ausflüglern ganz energisch gesteuert werden «lüsse. zu 60 M. Geldstrafe, event. 20 Tagen Gefängnis. Eine gewerbsmäßige Taschendirbin, die trotz aller Vorstrafen immer wieder rückfällig wird, wurde gestern wieder einmal auf einige Zeit unschädlich gemacht. Wegen Diebstahls im strafschärfenden Rückfalle hatte sich die aus der Untersuchungshast vorgeführte Witwe Luise Schröder vor der 8. Strafkammer des Landgerichts II zu verantworten.— Tie Angeklagte ist eine mehrfach vorbestrafte Taschendiebin, die zuletzt zu einer Zuchthausstrafe von zwei Jahren verurteilt worden war. Auch diese Strafe schien auf sie keinerlei abschreckende Wirkung gehabt zu haben, denn am 15� Dezember v. I. wurde sie schon wieder auf dem Wochenmarkt in Rixdorf von einem Kriminalbeamten bei der VerÜbung.ines Taschendiebstahls abgefaßt. Der Beamte beob- achtete die Angeklagte längere Zeit, wie sie sich an Frauen heran- drängte und in sehr geschickter Weise ihre Hände in die Markt- laschen gleiten ließ. Als er sah. daß die Diebin einer Frau Klae- ding das Portemonnaie aus der Tasche gezogen hatte, nahm er sie fest. Trotz aller Durchsuchungen war es jedoch nicht möglich, das einige Minuten vorher gestohlene Portemonnaie wieder- zufinden.' Schließlich sah der Beamte, daß die Schröder den linken Arm in auffälliger Weise herunterhängen ließ. Als er mit schnellem Ruck den Arm emporhob, fiel daS gestohlene Portemonnaie, welches ca. 2 M. enthielt, zur Erde.— Das Gericht nahm mit Rücksicht auf das geringe Objekt noch einmal von der Verhängung einer Zuchthausstrafe Abstand und erkannte auf 1 Jahr Gefängnis. Küttig!. GchansPiekhanS. Sonntag: Der Stürenfrieb. Montag: Die Karolinger. Dienstag: König Heinrich IV. I. Teil. Mittwoch: Die OuitzowS. Donnerstag: König Heinrich IV. II. Teil. Freitag: Die Raben steinerin. Sonnabend: König Heinrich V. Sonntag: König Heinrich VI. Montag: Die Lieder des Enripides.(Ansang �l|� Uhr). Neues kgl. Opern- Theater. Sonntag: Die Rabensteinerw. Monlag: Mignon. Die übrigen Tage geschlossen.(Ansang 7'/, Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: Don Carlos. Montag: Ein Sommer- nachtstraum. Dienstag: Othello. Mittwoch: Judith. Donnerstag: Faust. 2. Teil.(Ansang 6 Uhr.) Freitag: Ein SommernachtStraum. Sonnahend: Faust. 1. Teil.(Ansang 6 Uyr.) Sonntag: Faust. 2. Teil.(Ansang 6 Uhr.) Montag: Geschlossen.> Deutsches Theater( K a m m e r f p i e l e). Sonntag: Der gute König Dagobert. Montag: Frühlings Erwachen. Dienstag: Die Königin. Mittwoch: Simson uud Delila. Donnerstag: Frühlings Erwachen. Freitag: Gawün. Sonnabend: Frühlings Erwachen. Sonntag: Simson und Delila. (Ansang 8 Ubr.) Montag: Geschlossen. Lessing.Thcater. Täglich: Sommerspuk.(Ansang 8'/, Uhr.) Kleines Theater. Allabendlich: Der Leibgardist.(Ansang 8 Uhr.) Sonntag und Montag nachmittags 3 Uhr: Nur ein Traum. Neues Schauspielhaus. Allabendlich: Die keusche Susarme.(An sang 8 Uhr.) Berliner Theater. Allabendlich: Bummelstudenten.(Ansang 8 Uhr.) Neues Theater. Täglich: Mein erlauchter Ahnherr.(Ansang 8 Uhr.) Komische Oper. Sonntag: Die Fledermaus. Montag: La Traviata. Dienstag: Orpheus in der Unterwelt. Mittwoch: Tiefland. Donnerstag: Orpheus in der Unterwelt. Freitag: Hofsmanns Erzählungen. Sonnabend: Rigoletto. Sonntag: Orpheus m der Unterweid. Montag: Rigoletto. (Ansang 8 Uhr.) Neues volkS- Theater. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Der viel geprüste. Abends: Kater Lampe. Montagnachmittag 3 Uhr: Kater Lampe. Abends: PastorS Rieke. Dienstag: Kater Lampe. Mittwoch: Der Bielgeprüste. Donnerstag: DeS PastorS Rieke. Freitag und Sonnabend Kater Lampe. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Kater Lampe. Abends: Der Bielgeprüste.(Ansang 8>/, Uhr.) Thalia-Theaeer. Allabendlich: Polnische Wirtschast.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Theater O. Sonntag und Montaj: RcvoluttonShochzett. Dienstag: Der große Name. Mittwoch: Im Klubsessel. Donnerstag: Revolutionshochzeil. Freitag: Der Traum ein Leben. Sonnabend: Im Klubsessel. Sonntag: Revolutionshochzeit. Montag: Im Klubsessel. (Ansang 8 Uhr.) Schiller< Theater Eharlottenbnrg. Sonntagnachmittag 3 Uhr König Heinrich. Abends: Husarenfieber. Montagnachmittag 3 Uhr: Wilhelm Tell. Abend»: Im Klubsessel. Dienstag: König Heinrich. Mittwoch: RevolulionShochzeit. Donnerstag: Im Klubsessel. Frertag: Der Himmel aus Erden. Sonnabend: Der Probekandidat. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Husarenfieber. AbendS: Der Probekandidat. Montag: Revolutionshochzeit. (Ansang 8 Uhr.) Friedrich-WilhelmsttidtifcheS Tchanfpielhaus. Bon Sonntag bis Freitag: Kasernenwst Sonnabend, Sonntag und Montag: Im lenkbaren Lustschiss.(Ansang 8 Uhr.) Neues Operetten-Theater. Sonntagnachmittag Z Uhr: Der Glücks- ettgel. Abends: Eine Million. Moniagnachmiltag 3 Uhr: Der GlückZengel. AbendS: Eine Mllion. Bon Dienstag bis Montag: Eine Million.(Ansang 8»/, Ubr.) Sonntag, ll.kJunt, nachmittags 3 Uhr: Der GlückSengek. AbendS: Eine Million. Triauon-Theater. Allabendlich: Da» Prwzchen.(Ansang 8>/, Uhr.) Luisen-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Gras von Monte- Christo. AbendS: Reue Heimat.(Ansang 8 Uhr.) Montagnachmittag 3 Uhr: Der Gras von Monte-Chttsto. Mends: Reue Heimat. Dienstag nachmittag 3 Uhr; Der Gras von Monte-Christo. Dienstag bls Montag; Neu« Heimat.(Ansang 8 Uhr.) Luftspielbaus. Allabendlich: Unsere Pepi.(Anfang 8 Uhr.) Rose- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Muttersegen. AbendS Der Selbstmörderklub. MontagnachmittagS 3 Uhr: Robert und Bertram. AbendS: Der Selbstmörderllub. DienStagnachmittaa 3 Uhr: Muttersegen Abend» und bis auf weiteres täglich: Der SelbstmörderNub. Ansang 3 Uhr.) Metropol- Theater. Allabendlich: Hoheit amüstert sich.(Anfang 8 Uhr.) Falles Saprice. Allabendlich bi» auf wettere»: Die letzte Nacht. Die Hochzeitsreise.(Anfang 8'/, Ubr.) Berliner Prater-Tbeatcr. Bis aus weiteres täglich: Die 3 Grazien. (Ansang lll, Uhr.) Sonntagnachmittag 5 Uhr: Immer fidel. Montag nachmittag 5 Uhr: Im falschen Verdacht. Voigt-Theater. Sonntag, 4. Juni: Goldene Jugend.(Anfang 4 Uhr.) Apollo-Tbeaeer. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Passage- Tlicater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. All- abendlich: Spezialitäten.(Ansang 3 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Reichshallen-Theater. Täglich: Stettiner Sanger.(Ansang 8 Uhr, Sonntag» 7 Uhr.) Walhalla> Theater. Allabendlich: Prinz und Bettlerin.(Ansang 8'/. Uhr.) Sarl-Haverland-Theater. Täglich: Spezialitäten.(Ansang VI, Uhr.) Kaiser-Panorama. Täglich: Reise nach Ceylon und Indien. Im Lande der Mitternachtssonne. llranta. Theater. Taubenstr«8/4». Lebende Tierbilder von nah und scrn.(Anfang 8 Uhr.) Sternwarte, Jnvalidenstr. 67—<52. Hub aller Melt. Komblumcnpatrioten. Die an den verschiedensten Orten arrangierten Blumentage haben sich zu einer wahren Landplage ausgebildet. Manche der weißgekleideten jungen Damen der sogenannten besseren Gesell- schaft schnorren, als hätten sie vorher einen Kursus bei einem aus- getragenen Fechtbruder genommen. Auch viele Arbeiter opfern in Anbetracht deS angeblichen guten Zweckes ihre Groschen, ohne daß für sie eine Kontrolle über die Verwendung der Gelder ge- geben ist. Wie wenig im Interesse der Arbeiterschaft gelegen manchmal die Mildtätigkeit bei Blumentagen ist, zeigt der Beschluß des Ausschusses eines KornblumentageS in Biebrich am Rhein. Der bei dem dortigen Blumentage erzielte Heber- schütz in Höhe von 4115,80 M. soll an alle in Biebrich wohnenden würdige n Veteranen, Witwen und unter 14 Jahre alte Waisen gleichmäßig verteilt werden. Aber— Personen, die daS Militär- und Kriegervereinswesen bekämpfen sowie Sozialdemokraten werden bei der Verteilung nicht berücksichtigt. Diese Patrioten nahmen wohl die Groschen der angebettelten Arbeiter, benutzten die gesammelten Gelder jedoch, um ihre ein- seitigen politischen Sonderinteressen zu propagieren. Hoffentlich merken sich die Arbeiter für die Zukunft, wie sie sich zu der Blumentagsbettelei zu stellen haben. DaS Ganttssisdepartement des Ssterreichischen Ministeriums des Innern ordnete denn auch bereits alle not- wendigen Vorkehrungen an, um die Eiuschleppung der Cholera aus Italien zu verhüten. Auch die deutsche Gesund- heitsbehörde sollte an Fürsorglichkeit hinter der Oester- reichs nicht zurückstehen, sondern beizeiten alle Vorkehrungen gegen die Einschleppung der Seuche und nicht nur aus Venedig treffen. Auch sollten die deutschen Behörden darauf dringen, daß die internationalen Vereinbarungen zur Minderung der Seuchengefahr von den beteiligten Staaten auch gewissenhast innegehalten werden!_ Gegen die Hutspieste. Die Damenmode liebt die kraffesten Gegensätze. Während man vor einigen Jahren anS einem Faltenrock bequem zwei andere machen konnte, ist jetzt das Gegenteil der Fall. Eine.todchicke" Dame von heute steckt in einem Rockfutteral, das den Vorüber- gehenden die weiblichen Reize nicht nur ahnen läßt. Der Kopf ist gekrönt durch ein Monstrum von Bedachung, befestigt durch wahre Spieße von Hutnadeln. Von weitem gesehen erinnert die ganze«Erscheinung an einen wandelnden Giftpilz. Gefähr« lich wird die Mode der unförmigen Hüte und Hutnadeln aber, wenn eine so gekleidete Schöne in einen Straßen- oder Eisenbahnwagen steigt und es ihr glücklich gelungen ist. die für den Hut etwas enge Wagentür zu passieren. Mit den ungeschützten Spitzen bilden die langen Nadeln eine erhebliche Gefahr für Leben und Gesundheit der Mitfahrenden. Die daraus resultierenden verschiedenen Unglücksfälle haben nun die Eisenbahn- direktion Saarbrücken zu einer Bekanntmachung veranlaßt, wonach die Bahnbeamten angewiesen sind,' ohne besondere Beschwerden der Mitteisenden abzuwarten, zur Entfernung solcher Nadeln aufzu» fordern. Kommen die Damen der Aufforderung nicht nach, so können sie von der Mitfahrt ausgeschlossen werden. Hoffentlich Hilsts I_ Die HauspaschaS als Beichtzettelkontrolleure. DaS„Sttanbinger Tagblatt' enthielt in Nr. 105 diese ZAuS- fchreibung: Seelenbeschreibung. Kommenden Montag und die folgenden Tage wird die herkömmliche Seelenbeschreibung mit Beichtzettelkontrolle vorgenommen. Zwecks rascher und sicherer Abwickelung dieses Geschäftes werden die titl. H a u s- b e s i tz e r hiemit freundlichst gebeten, die Beichtzettel ihrer MietSleute zu sammeln und dem kontrollieren- den Priester gemeinsam zu übergeben, demselben auch die nöttgen Angaben über die Seelenzahl im Hause zu machen. Es sei eigens bemerkt, daß selbstverständlich auch die kleinen(noch nicht beichtenden) Kinder gezählt werden müssen. Für gütige Bemühung im voraus besten Dank. Zu ersehen ist aus der Ausschreibung leider nicht, ob die armen Seelen, die keinen Beichtzettel aufweisen, exmittiert werden müssen oder ob als Verwarnung entsprechende Mietssteigerung genügt. Kleine Notkzen. Schwere Explosion. In der chemischen Fabrik von GruSmer u. Grimberg in Essen ereignete sich gestern früh eine Explosion, bei der eine Arbeiterin getöter, eine schwer verletzt und zwei Arbeiterinnen leichter verletzt wurden. Die Eholcra in der Türkei. Nach einem Telegramm anS Konslantinopel sind in Stambul zwei neue Cholerafälle vorgekommen, von denen einer tödlich verlaufen ist. In Samsun sind 15 neue Choleraerkrankungen und fünf Todesfälle vorgekommen. Der umgestürzte Omnibus. Infolge eines AchsenvrucheS stürzte gestern auf dem Mepublilplatze in Paris ein Omnibus um. 22.Fahrg äste erlitten hierbei mehr oder minder schwere Verletzungen. Russische Lynchjustiz. In dem Kirchdorfe Poleshny im Gouvernement Poltawa wurden drei Räuber, die das Haus des Geistlichen überfallen uud mehrere Bauern ver« w u n d e t hatten, von den ergrimmten Dorfbewohuem in einem Sumpf gejagt und erschlagen. Mocheti- Spielplan der Berliner Cbcatcr. lamgl. Cpcrnhaud. Sonntag: Da» Rheingold. Montag: Die ... crflöte. Dienstag: Die Walküre.(Ansang 7 Uhr.) Mittwoch: Figaros Hochzeit. Donnerstag: Sicgstted. tAnsang 7 Uhr.) Freitag: cieklra.(Slnsang g jjhr.) Sonnabend: Götterdämmerung.(Ansang 'J,.Uhr.)� Sonntag: Die Hugenotten. Montag: Oavalleria rusticana. VI, Uhr.) sonnlag (Anfang?'/, Uhr.) Seuchengefahr. Nicht nur in Rußland ist bereits die Cholera wieder aufgetreten, sondern auch in Konstantinopel und Venedig. Auf Venedig wurde die Aufmerksamkeit durch eine Erkrankung in Graz gerichtet, die offenbar aus Venedig, wo der Erkrankte zu Besuch geweilt hatte, ein geschleppt worden war. Die Behörden in Venedig leugnen allerdings hartnäckig das Auftreten der Seuche, und auch die italienischen Staatsbehörden stellen jede Gefahr in Abrede. Allein aus Aerztekreisen in Venedig wird versichert, daß dort bereits eine erhebliche Anzahl von Erkrankungen und mehrere Todes- fälle zu verzeichnen gewesen sind. Daß die Behörden in Venedig, um die ausländischen Touristen nicht abzuschrecken, jede objektive Feststellung des wirklichen Sachverhaltes zu verhindern suchen, beweist die Tatsache, daß dem„Berliner Tageblatt" vom Telegraphenamt mitgeteilt worden ist, daß die Bestellung eines Telegramms, in dem die Redattion dieses Blattes ihren Korrespondenten in Venedig um zuverlässige Informationen über die Gesundheitsverhältnisse der Stadt ersucht hatte, vom Telegraphenamt in Venedig abgelehnt worden sei I Die Behörden in Venedig scheuen also die Wahr- hett. Ein Beweis, daß die Nachrichten von der Choleraepidemie der Wahrheit entsprechen. Briefkasten der kedaktlon. suriftlschc Sprtchstundc finbrt Lindeaftraye 69, vorn vier Treppen — Fahrstuhl—, wochentäglich von bis 7V4 Uhr abends, Sonnabends, von m bis 6 Uhr abends stall. Jeder für den Brtcsfastcn bcslimmlen Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als M-rfzctchcn bciznfügen. Briefliche An, Wort wirb nicht erteilt. Anfragen, denen feine AbonnemcntSqnittuna beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. 34. Eine Verpflichtung zur Angabe Ihrer Arbeitsstelle besteht nicht. Aus der Weigerung können aber ungünstige Folgerungen gezogen werden.— O. H. 6. Für die Dauer von sechs Wochen Wöchnerinnen» Unterstützung. Der Anspruch ist bei der Charlottenburger Kasse geltend zu machen.— C. T. 10. Sie können jederzeit den Eigentümer, unter Be- kanntgabe der Höhe Ihres Anspruchs, zur Einlösung aussordern unter Setzung emer Frist und unter der Androhung, daß nach fruchtlosem Abiaus der Frist Versteigerung-rsolgt. Nach erfolglosem Ablaus der Frist kann ein Gerichlsvollzicher mit der Versteigerung beauftragt werden. Von dem Vcrstcigerungstermin, der nicht früher als 1 Monat nach Aussordcruna stattflnden darf, soll der Schuldner Kenntnis erhalten.— B. 100. Die Kündigung ist verspätet.— Tchlcsteu 23. Der-schadensersatzanspruch gegen den Anwalt erscheint begründet, wenn sich nachweisen läßt dag der Schuldner zu der Zeit, als Sie Austrag zur Psänduna der Hhpothct erleilten, im Besitz de» Hypothekenbriefes war. WktterungSüderNcki« vom 3. Juni IS11. »K di all s? Mi «tatlonen 0�2 ss is »varnnda 769 NNO eterSburg 762 W Setüh elbereien Barr» 759 NNO 767 O 763 SO l« dettn 2 wolkig 1 heiter 1 wolkig 1 heiter 1 heiter ** Mä 15 13 14 16 17 Wettorprognofe für Sonntag, den 4. Juni 1911. Etwas wärmer, vorwiegend heiter bei mäßigen südöstlichen Winde»- Gewitter nicht ausgeschlossen, sonst trocken. 1 1'' Berliner Wetterbureaa. Wasserstand«. Nocklr« cktte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Weiterbureau Wasserstand M e m e l. Tilflt B r e g e l, Jnfterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , ltroflen , Frankfurt Warthe, Schrinmt , Landsberg Netz«, vordamm Elbe, Letlmerttz » Dresden » Bardo . Magdeburg Wasserstand Saal«. Grochlttz Havel, Spandau ß , Rathenow') Spree. Spremberg') , LeeSkow Weser, Münden , Minden R h e l n, MaximilianSau . Kaub , Köln Neckar, Hellbron» Main, Werthenv Mosel, Trier 0+ bedeute, Such»,- JJaB.-•) Unterpegel. Bettwäsche Damenwäsche " Strümpfe.. Waschstoffe Tischwäsche Kinderwäsche .... Schürzen.. Handarbelten Gartendecken Steppdecken Der am Dienstag, den 6. Juni beginnende INVENTUR-VERKAUF bietet In allen Lagerabtellungen ganz besonders * günstige Gelegenheitsangebote von solchen Artikeln, die gänzlich ausverkauft werden sollen oder welche in stiller Zeit durch Massenanfertigung angesammelt worden sind.— Oer stets streng befolgte Grundsatz: nur beste und gute Ware zu wesentlich ermäßigten Preisen zum Verkauf zu bringen, hat den Erfolg go* habt, daß mein jährlicher Inventur- Ausverkauf als willkommene Gelegenheit benutzt wird zur Ergänzung des Wäschebestandes und für Neuanschaffungen Morgenröcke Herrenwäsche .... Gardinen— Küchenwäsche Unterröcke ... Halbfertige... Kleider u. 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Für den Inseratenteil verantw.: Th-wlocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u.Co, Berlin LVV» Nr. 129. 28. Jahrgang. 3. Mp des Jormättö" öcrlintt lolbUitt. Sonntag. 4. Juni 1911. Der italienische GewerWcItaftskongreß. Padua, den 26. Mai.(Eig. Ber.) Am 24. Mai hat in Padua der Kongreß der italienischen Parteiföderation der Arbeit seine Verhandlungen eröffnet, die für die EntWickelung der Kampfstellung des Proletariats von Italien von außerordentlicher Bedeutung sind. Bis zur Stunde ist nur der erste Teil des Kongresses, nämlich der, in dem sich die verschiedenen politischen Strömungen maßen, zu Ende geführt worden. Die vorwiegend organisationstechnischen Arbeiten der beiden letzten Tage werden in einem zweiten Artikel Würdigung finden. Tie italienische Konföderation der Arbeit, die in allem wesent- lichen der deutschen Generalkommission entspricht, liegt bekanntlich ganz in Händen der Reformisten, woran vor allen Dingen der Um- stand schuld ist, daß die Syndikalisten, infolge ihrer anfänglichen revolutionären Richtung, einen Teil der revolutionären Sozialisten an sich gezogen, den anderen durch ihre Exzesse in das reformistisch- Lager gestoßen haben. Auf dem letzten. Gewerkschaftskongreß von Modena(1868) machten, sich nur zwei Strömungen geltend: die der Reformisten und die der Syndikalisten, wobei die letzteren sich in der entscheidenden Abstimmung der Stimme enthielten. Wesentlich anders war die Situation am Vorabend des heutigen Kongresses. Einmal haben dis Syndikalisten viel Wasser in ihren lokalistischen Wein gegossen und haben zum großen Teil ihren Anschluß an die Konföderation der Arbeit durchgeführt, wodurch sie ihr Gewicht auf dem Kongreß vermehrt haben, ohne entsprechend in der Organisation im ganzen Lande an Bedeutung gewachsen zu sein. Allein durch den Eintritt des Syndikats der Eisenbahner, die zwar nicht für den gesamten Bestand ihrer 66 006 Mitglieder, aber für einen beträchtlichen Teil Mitgliedskarten lösten, getvannen die Syndikalisten 25 000 Stimmen. Gleichzeitig erschienen aber auch die revolutionären oder intransigenten Sozialisten auf der Bildfläche, durch die fortschreitende Klärung der italienischen Parteiverhältnisse bewogen, auch auf gewerkschaftlichem Gebiet Stellung zu nehmen. Sie haben dies in dem klaren Bewußtsein getan, nur eine ganz kleine Minderheit zu sein, von dem Wunsche beseelt, durch scharfes Abrücken von den Syndikalisten auf der einen und von den Reformisten auf der anderen Seite das gewerkschaftlich organisierte Proletariat über ihre prinzipielle Haltung aufzuklären. Schließlich rechnete man auf diesem Kongreß auch mit der Mög- lichkeit einer republikanischen Opposition. In Modena hatten die Republikaner sich ganz zu den Reformisten gehalten, aber diesmal durfte man wohl annehmen, daß das ehemalige Einvernehmen durch die Ereignisse in der Romagna und de durch sie veranlasste Zuspitzung der Parteigegensätze getrübt worden wäre. Diese drei wesensverschiedenen Oppositionen wurden von den Reformisten zu Beginn des Kongresses in ihrer numerischen Be- dcutuna offenbar überschätzt. Wurde doch in einer sozialistischen Borveriammlung an die intrasigenten Genossen die Frage gerichtet, wie sie sich verhalten würden, falls ihren Stimmen die Entscheidung zwischen den Reformisten auf der einen und den Syndikalisten und Republikanern auf der anderen Seite zufallen sollte. Wie un�- begründet die in dieser Frage zum Ausdruck kommende Besorgnis war, zeigte das Ergebnis der Abstimmung über den Bericht des Sekretariats der Konföderation. Von 192 910 stimmberechtigten stimmten für die Reformisten(Vertrauens- Votum für die heutige Leitung) 117 344. Die Tagesordnung der Svndikalisten erhielt 53 091 Stimmen, die der Intransigenten 10017, während die Republikaner, die mit etwa 4000 Stimmen ver- treten waren, 2517 Stimmenthaltungen ergaben. Sie hatten durch einen ihrer Delegierten erklärt, die Haltung der Konföderation deshalb nicht zu billigen, weil ste die Gewerkschaftsorganisation in den Dienst einer Partei, nämlich der sozialistischen, gestellt hätte, sich aber der Abstimmung zu enthalten, um dem Verdacht zu ent- gehen, mit den Syndikalisten gemeinsam nach der Leitung der Konföderation zu streben. Wenn wir in dieser apolitischen Auffassung, der übrigens die republikanische Praxis in der ganzen Romagna widerspricht, den offiziellen Einwand der Republikaner gegen die reformistische Lei- tung haben, so haben wir hier in Wirklichkeit den einzigen ge- meinsamen Punkt, der Reformisten, Republikaner und Syn- dikalisten verbindet und den intransigenten Sozialisten gegenüber- stellt. In der Theorie wollen die ersten drei eine außerhalb und oberhalb aller politischen Parteien stehende Gewerkschaftsbewegung, während die Intransigenten dafür halten, daß jede Gewerkschafts- bewegung, die nicht mit sozialistischem Geiste und mit sozialistischen Idealen getränkt ist, unfehlbar verknöchern und zum Korporativis- mus entarten muß. So wichtig diese Frage theoretisch ist, so hat sie doch heute in Italien deshalb keine praktische Bedeutung, weil gerade hier der unpolitische Charakter der Gewerkschaftsbetvegung stets nur ein Wunsch und nie eine Tatsache war. Die Reformisten haben allezeit ihren ganzen Itecrmismus in die Gewerkschaftsbewegung getragen, ebenso wie�die Syndikalisten ihren ganzen Syndikalismus, der darum noch nicht apolitisch ist, weil er anti- parlamentarisch sein will. Was die Kritik der Haltung der Konföderation betrifft, so herrschte— von der Frage der Unabhängigkeit von jeder politischen Partei abgesehen— unter Intransigenten und Syndikalisten ziemliche Einhelligkeit. Man warf der Konföderation vor, nicht scharf und energisch genug vorgegangen zu sein, dem Proletariat in entscheidenden Momenten nicht Führer auf dem Wege des Klassenkampfes gewesen zu sein, seine revolutionären Energien geduckt und gedämpft zu haben. Im besonderen kritisierte man ihre Haltung bei Gelegenheit des Generalstreiks für Ferrer, des Zaren- besuch» und der Agitation gegen die Verurteilung Durands. Zu heftigen Kritiken, namentlich von syndikalistischer Seite, gab auch die Haltung gegenüber der Eisenbahnerbewegung Anlaß, bei der die Konföderation, der die Eisenbahner damal noch nicht an- gehörten, es an moralischer Unterstützung fehlen ließ. Erfreulich war, daß der Kongreß eine scharfe Scheidelinie zwischen intransigenten Sozialisten und Syndikalisten zog. Durch den Genossen M a st r a c ch i erklärten die Intransigenten, daß sie in allen technischen Fragen der Organisation vollständig mit den Reformisten einverstanden seien. Wie diese wollten sie die Zentrali- sierung, die hohen Beiträge und strenge Disziplin— im Gegensatz zu den Syndikalisten. Sie wollten die Produktionsmittel der Gc- samtheit und nicht dem Syndikat übergeben. Im Gegensatz zu Re- formistcn und Syndikalisten wollen die Intransigenten die prolc- tarische Bewegung mit sozialistischem Geiste durchdringen;„die Gc- wcrkschastsbewcgung wird sozialistisch sein oder sie wird nicht sein". Den Reformisten machen sie den Vorwurf, den Idealismus der Massen nicht zu wecken und zu stärken und durch Bündnisse mit der herrschenden Klasse den Klajsenkampfcharaktcr der Gewcrklchafts- bewegung abzuschwächen. Die Syndikalisten ihrerseits kehrten den Lokalismus heraus, zeigten aber im allgemeinen, daß sie immer mehr den Theorien Sorels den Rücken kehren, um sich ganz dem anarchistclnden Nur« gewcrkschaftlertuin zu nähern. Ein Teil der Syndikalisten steht übrigens dem intransigenten Sozialismus viel näher als dem ursprünglichen Syndikalismus, der auf einen Individualismus der einzelnen Produktionsgruppen, ein„freies Spiel der Kräfte" unter den Arbeitersyndikaten hinauslief. Es sei ausdrücklich hervorgcboben, daß alle Redner der Kon- föderation, namentlich die Genossen Chiesa, Reina und der Sekretär der Konföderation R i g o l a in ihren Reden eine rein sozialistische Auffassung der Gewerkschaftsbewegung vertreten, die eigentümlich mit der reformistischen Nichtachtung sozialistischer Propaganda und sozialistischen Idealismus kontrastiert. Rigola vor allem sprach von der Notwendigkeit, der Gewerkschaftsbewegung höhere Aufgaben zu stellen als die wirtschaftliche Hebung, den Egoismus der Kategorien durch sozialistische Solidarität und sozialistisches Verantwortungsgefühl zu bekämpfen. Man hat hier den Eindruck, als ob die italienischen Gewerkschaftsführer die„Ar- beiterpartei", von deren Gründung sie von Zeit zu Zeit sprechen, vor allem deshalb anstreben, w e i l i h n c n d c r m i n i st e r i c l l e Reformismus zu eng geworden ist. Sicher haben die in der Gewerkschaftsbewegung stehenden Reformisten in jener Ent- Wickelung nach rechts, die B i s s o l a t i, B o n o m i, C a b r i n i und so weiter in den letzten Jahren durchgemacht haben, nicht mit den Parlamentariern Schritt gehalten. Noch ein Wort über den Organisationsbestand der Konfödera- tion. Bekanntlich können nur die Gewerkschaften und nicht die einzelnen Arbeiter ihr beitreten, und zwar alle Gewerkschaften, für die ein Zentralverband besteht, nur, soweit sie diesem Verbände angehören. Im Jahre 1908 zählte die Konföderation 258 515 Mit- gliedcr, welche Zahl im Jahre 1910 auf 302 400 gestiegen ist. Sie umfaßt ungefähr die Hälfte aller auf dem Boden des Klassen- kampfes organisierten Arbeiter. Industrielle Arbeiter sind bei der Konföderation 180 608, Landarbeiter 121 792 organisiert, wobei, wohl verstanden, nur die gezählt sind, die ihre Beiträge entrichtet haben. Von allen Zentralverbänden ist der der Landarbeiter der stärkste. Es folgen in großem Abstand die Bauarbeiter mit rund 26 000, die Eisenbahner mit 25 000, die Metallarbeiter und Textil- arbeiter mit je 7500, die Buchdrucker mit 7000 konföderiertcn Mit- gliedern. Die Gewerkschaften Süditalicns, die insgesamt 60 000 Mitglieder zählen, stehen bis heute außerhalb der Konföderation der Arbeit, und die Verhandlungen, die in Padua eingeleitet wurden, um ihren Eintritt zustande zu bringen, sind gescheitert. I�ernci- und Wassersport- Kleidung Die Hausfrau praktisch, die ganze Familie Florians Zahnpflcso-Kasten. Zahnpulver, Zahnbürste, Mundwasser. Preis zus. nur M. 1.—. Zu haben in Konsumvereinen, Genossenschaften und einschlägigen Geschäften sowie direkt 10 Stück M. 8,50, 24 Stück M. 18,— franko Nachnahme durch Arthnr Wasservogel, G. m. b. H., Berlin W. 50, oder durch die Chemischen Werke Florian& Co.. Britz-Berlin. Beeilen Sie sich und besichtigen Sic die letzten 47 Par» zellen in Zepernick, die ich sehr billig vcrkause.— Pläne gratis.— I. Rieger, Berlin, Gontardstr. 5. Hochzoirnner- und Reise- Kleidung Der schönste Pfingst=Ausflug wird zur Qual, wenn bei Hitze sich Ermüdung und Durstgefühl einstellt. 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Juni, avetids 8V3 Uhr, im Englischen Torten, Lllexandeestrahe 27 0: „Die franDsche Freiheitsdichtnilg". �..�'«7-»»-!«. Väste willkomme»._ 53/13 Per VoratandU Verband der Sattler und Portefeuiller. Ortsvcrwaltuns Berlin. Die nächsten Branchkliv«1ammluvani stndcn an nachtolgenden Tagen statt: >tiilitsjnkl'snr>ri0' Mittwoch, den 7. Juni, abends« Uhr. im Hlllllnl UldUtüC• Englischen Garten. Silexauderftr.!S7o. leillolsumleger uU Teppichnäher: rS/VKll S'/a Uhr. bei Weihnacht. Grünstr. LI. MauanKl'SNt'Ko' Mittwoch, den 7. Juni, abend» 8'/, Uhr, uit{j»-lUlaUbll6. im(SewexischastShanse, ISngelufer ly. Zell!»» ctiiislillendiikg: Rosiuenstr. Zt. Zahlreichen Pesiich dieser yrancheiiversanzinlunaen erlvarten 157/i vi« Brnnodenleltnnsen. neiseertillel- und Portefeuillesbranche. Die regelmäßige Branchenversammlung fällt aus. ES findet dafür am TienStag, den IL. Inn«, abend» 8 Uhr. eine /lukerufdenlliclie Brandienversaminlung im grostc» Saal des Gewerkschastshanses statt. ____________ Die BrancbenlcUnny. Kleber*-Mm Mittwoch, de» 7. Jnni, abds. 8 Uhr, bei Msxer, Oranienstr. 103: Verkam uilaugr"HS Tages-Ordnung: Der abgeschlossene Tarifvertrag und seine Bedeutung für --"----...r. ,. t. die Kleber. 2.' TaiisäuSgabe. 3. Perjchiedenes. M.......... Beriräg dtirsen Älebcr nur durch Berniittrkling des Bio Terfcaiidaleitanff. Zu dieser Versammlung w u d jeder Aleber. ob organisierst oder nicht. ■MW»*" kling des erscheinen. ?lrbestsnachweiles Laut i» Arbeit treten. Aektung. VLrdsnltsmitgUsäsr! Di« zuni Donnerstag, den 8. Juni, sritgriehte lyliiglieher- berfamnilnug muh umständehalber schon Wil.Q* Mittwoch, den 7. Juni, nachm« 2*/� Uhr slattstnden. SS ist Psljcht aller VerbandSmitgiieder, in dieser Berjanimluug destimmt zu«rjckeine,!. Ferner worden u kiehon beschäiligt sind, daraus «NieiM die erste Streitwoche abgelaufe« maam und der Streikbeitrag für diese erste Woche sälltg ist. Wir ersuchen alle unsere Funktionäre, unoerzüglich diese fälligen Streilbeiträge einzukassieren und erwarten von allen unseren?.>!itgticdern, datz sie den Funktionären anstandslos die jälligcn Äciträge entrichten.— Mit kollegialem Gruß W'rnir« Schneider. tu» VerbandSmitgttedir, sofern sie tn geregeilen Bc. "'' anlnlerstam gemacht, höh Deutscher Kau ardeiterverband. Blireau: Engelufer IS. Ziiwn. 83. �WLi�VLeLlll öLfllll. Telephon: Amt IV. gvSs- Donuerstag, de» 8. Juni d. I.. abends 8'/, Uhr: teralversatmnlung des QesatnMweipereins im Saal 4 sgroßer Saal) de» Gewcrkschaftshauscs, Engelufer 15. TageS-vrdnung: l. Geschäsls-- und Kassenbericht für das 1. Quartal 1SU. 3. Bericht der Delegierten in der Berlin« Eewtrlschajtsloinmissio» und Neuwahl derselben. 3. Neuwahl der Schtedstommission. 4, PerschiedeneS. — Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Zutritt.------------- IZS/M Der SZtveigvvrelnsvvrstnnel. Achtung! Steinholzleser! Achtun8fr Mittwoch, de« 7, Jimi H.J., abends 8'/3 Uhr, in Haberlands FestsSken, stich, r Hahn, Linienftr.7z i AIttsli«iA«r- ¥ ersammlnns» Tagez-?rdnnuz: Bericht her Lohn komm isston zur Tarifrevisio». Bei der hochwichtigen Tagesordnung ist es Pflicht jedeS Kollegen, für guten Besuch her «ersamwluug zn agitieren und bestimmt selber zu erscheinen. Ble Sektionsleitnng. Deutscher Cransportarbeiter-Dcrband Bezirk Qroß>Berllnf Bureau: Engeluser 14/15� Fernsprecher: Amt lV. S383. M7, Arbeitsnachweis: Engeluser IS. lV. 1006, 3348. , Alte Leipziger Str. 1. J, 3639, 9390. Miiglitiitt«Iis tilllti Krniilhcn unb pidtilifm des Sezirks Mittwoch, de»?. Juni 1»1t. abends 8'/,«Hr. in Kellers Rene Philharmonie. Köpenicker Str. 80: Ordentliche General- Versammlung Fortsetzung Nx Tagesordnung vom 17. Mai. t. Bericht der AchtorElommilsiau. . Anträge der Funktionärversammlmig«Is Smsithrustg des Zelegierleusystems sür Versammlung und andere Anttage. . Geschästliches.- r i � es« dl, örtliche General- Das M ita liedsbnch ist mitzubringen und als Legitimation am Eingang des Taalps vorzuzeigen. Ohne Mitgliedsbuch kein Ztsiritst ZPxr mit feinen Beiträgen über 10 Wochen im Sluckstonde ist. hat ebenfalls keinen Zutritt. gg/ 3___ Die Bezirksleitung Groft-Berlius. I.«.: Kuguz« Vorn«,. Nach reperntneliv llsallBsizktsdzi/» tm W�W�WWWM�W alten Don girlren.l.ei'äer sNordb.), ttsuplztr. 99. Pracht, schalt. Garten. Kegelb.. Paslettsaa'l jed. Sonntag Tan,. Sammel- pmitt aller freien Sänger, Turner. Radsahrer, Fujiballspteler usw. Stets Anschl. an Gesinnungsgen. Für stsrroniiaelisn, fabrik-, Veroine-äuslliigs best, cinpsohten. AI. gut» voäi. Sommernoiivung. Ev ErmäBigung. Speziale Arzt für Haut- und Harnleiden n*) PnnUa Rosenthaler Str. 70. UF. rü|jRC,Spr 9-2,6-9,Soiinl.9-3 Vaelifras zur Bilanz«om 31. Dezember 1910 der Gesellschaft für Möbel, und Innen■ Architektur sEingelragene Genossenschast mit be» jchräukter Sastpslicht.) Die Zahl der Genossen betrug am 31. Dezember 1910 eis. Das Geschäftsguthaben be- trug am 31. Dezember 1910 330 28., die Hastsumm» 330 SS. GeschästS- gut haben sowie Haftsumme habe,, sich um je 30 M. vermindert. 2111b Der Borstand. K»rl Kniesche. G. J. Baei* BÄlIStr.?§prihte,?Allea Herren- und Knaben* kModen, Berufskleidung. s Elegante 1 Paletots u. Pelerinen, GroSee Stofllager:: zur Anfertigung n.MaB. Allefdilllgst«, etreng feeta Preise. MT Teppiche l> seltener echSn>"W> ntr beit u. PreiSwürdigleit.-MG Gardinenhau» Bernhard Schwach Gardinen« Fabrik Wallst«. Ist. Gardinen. Portiken Tüllbettdecken it, «wr F.ll,.väuf«rst°n».ri,ch.u.M, •BT Dldanveck., Södel, n« t«. ie.-MV zum Selbftausftellen sür 3 m Ties» schon».»p Pt, an: Hospmnpen, Garlcu« und Druckpumpen' usi». S Iah« SarMje, Jffustr. 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II: in den Nannyn-FcstsSlen. Naunhnstr. S. Osten l: bei Kluge, Langestr. 53. Osten II: bei Ziest, Warschauer Str. 60. Osten III: bei Bergmann, Boxhagener Str. 26. Oestllche Vororte: bei W. Schulz. Uehlenlierg, Kronprinzen- strafte 47, Ecke Scharnweberstrafte. Nordosten: bei Mcrkmann, Gr. granksurter Str. 16. Jede Sargtischlerei muh ciiien Vertrauensmann nach dieser Versamm- limg senden. Rosenthaler nnd Schönhanscr Vorstadt bei Lbiglo. Schwedtcr Strafte 23. Weddln» nnd Moabit: bei Kaczorawski, Ravcneslr. 6. Wejßensee: im Prälaten, Lchderstr.>22. Hlxdorl: bei Krämke, Neichselstr. 8(Jdeal-Passage.) Lzuiiscdler, vexirk I: Südwesten, Süden, Südosten bei Ärasthosf, Admiralstr. 18 e. Hexlrk t: Osten bei Ziest, Barschauer Straße 61. Bealrk 3: Worden nnd nbrdllchc Vororte bei Gliesche. Kopenhagener Str. 74. Bealrk ch: Gesnndbmnnen, Wcddins nnd llloablt bei Sachse, Lindower Strafte'26. Blxdorf: bei Schenk, Rosen str. 24. Sehüneberi;: Neue Rathaussäle. 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Juni(2 Feierlag), nachmittag» 3'/, Uhr, von der Halle des Hei« lanSs-Kirchhoses, Plötzensee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 228/2 Der Vorstand. SozialdeffloMtierWaliiverelii des 8. Berl, Reichslags-WaWkreises. Am 1. Juni, verstarb unser Se- noss«, der Rilchhändler Bi»,. Aose-k Gtrelitze» Str. 41. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Montag, den 5. Juni(Z- Feier« lag), nachmittags 5 Uhr. von der Leichenballe des Elisabeth-Kirch. hoses, Prinzen-Zlllee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 228/1 Oer Vomtnnd. Allen Freunden und Bekannten die traurig« Nachricht, daß mein lieber Mann, der Stukkateur MMm Noack am 1. Juni verstorben ist. Dies zeigen tiefbetrübt an Frau Wilhelmtne Noack nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Montag, den S. Juni, nach. mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle de» Elisabeth- Friedhojes, PrmzeN'Allee, aus statt. Am Freilug, den 2. Juni, nach- mittags 3>/, Uhr. verstarb nach kurzem, schwerem Leiden unsere liebe Mutter. Schwiegermutter und Srogmuttsc witve Marie Adler im 63 Lebensjahre. Dies zeigen tiejbelrWt an vis trauamden Hinterbliebenen. Berlin. Jslandstr. 3. Die Beerdigung findet am « Juni, nachmittag» 4Vi Uhr. von der Leichenhalle des Geth- semane» kirchhaje»»» Nordend allS statt. Am Donnerstag, Pen 1. Juni, verschied nach langem, schwerem Leiden unsere einzige Zpchter Miergerste IM Alter von 17 Jahren, Dies zeigen tiesbetrllbt an l.eonberil Paul und krau. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 6. Juni. Vach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Zenlral.Fnedhole», Fried rich». ieldr. auS statt. 2U5b Nerband der Maler, lackierer. Anstreicher asw. Filiale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht. dah unser Mitglied, der Maler >Vi!Ke!m Gundlach am?1 W«> orrstorden ist. Ehre seinem«nbenkenk 129/10 Die OrteverweHuag. eruianB Fialers f""«»«® Särge i-rlin. ltrbjt.fl'. III« EckeJahnstr.. ither Ziixdors Tel-. Amt IV. 154SS BKtre»-�l»tell»nx . Oeeob.! 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Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, basi mein guter Vater, unser Schwiege» vater, Bruder, Ccusin und vnlel. der Tischler mm üi im 46. Lebensjahre nach kurzem Leiden im Kranlenhauje Buchow verstorben ist. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebene». Die Beerdigung findet am Dienstag, den 6. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichen« halle des neuen JatobUKIrch- oses, Hermannstrahe, au» statt. Mciw Transportarbeiter-Verband. Bezlrkiverwaltung GroB-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Müllwtscher Lm» Felkei* am 31. Mai Im Alter von 46 Jahren verstorben ist. 68/9 Ehre seinem Anbenken! Di« Beerdigung findet am Montag, den b. d. Ml»., nach- mittag» r'/,Ubr. aus dem iimmaus- Kirchhos in Rixdaii slqtt. Die Bezirkevennaltnnq. Vefbüiil! iif Tapezierer. Filiale Berlin. Den Mitgliedern die traurige Mitt-ilunq. day unser Kollege. der Tapezierer Julius Knv am J. gunt gestorben ist. Wir werden seiu Andenken in Ehren hatten. Di» Beerdigung findet am eiten Feiertag, nachm. 3 phr, t dem Paul»« Kirchhos m der zwe! MN Seestiafie statt. Zahlreiche Beteiligung«rwartel 178/14 via Ortmrwaltung. Oeulscher Metallarbeiter-Verband Lertvaltungöstelle Berlin. Nachruf. De» Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitgiied, her Hohler Paul Klaus verstorben ist, Ehr» seinem Anbenken! tlß/3 Die ertSverwattung. Danksagung. Für die»ahlreiche Beteiligung und die herrlichen Kranispenden bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes, unseres Vaser» Priedricli iEunder sagen wir hierrnit allen Verwandten, Freunden und Bekannten sotvie dem Kutscher-Berein zu Berlin vom Jahre 1876 und dem Deutschen Transport arbetter-Berhand unseren innigsten Dank. 4 MDL Witwe Minna Ränder nebst Kindern. Bad Beinerz Dr. Stern. Beinkranke Strahl'' Institut. I Operation«, ose Bebend- 1 I iung ohne BerulSstörung. 1 Ueber 2500 Tank- J schreiben. Prospekt gratis. . SehrbilligeKur- . heelMi. 0ra)Nti,u»i ga) rrubu* ■uu... 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Dilhelminenhosstr. l, R. Herzog. Rixdorf. Smier Str. 115. P. Psefierkorn. Lesfingstr. 34. E. Arunert. Weistrnsee. Elsaßstr. 7D, Zühi. Heinersdoi-fer Str. 4/6. StuwC. Langhansstr. 142, Kafischk«. Die Bewilltgnng zurnckgezoge» haben in Steglitz: Birkbuschstr. 10, Dohms. 84, Giesemann. Düppelstr. 28a, Sarkowsli. HuberluSstr. 3, Prgom. Parteigenossen und Genosfinnr» i Beachtet wahrend der Pfingstseierlage neben der Lokal» liste auch dt» Liste der geregelten Bäckereien. Einzelne der schlimmsten Scharfmacher(wie daö recht kraß in LdlerShos und Steglitz von zwei Bäckermeistern zynisch ausgesprochen wurde), verlasse» fich nur auf die Berliner Ausflügler, die in ihrer großen Mehrzahl nur aus Arbeitern bestehen. Macht durch diese Euch beltidigrnde hinterhältige Scharfmacher-Rechnmig einen dicken Strich dadurch, daß mit schärfster» unermüdlicher Aufmerksamkeit in den Pfingstfeiertagrn(und natürlich auch nach diesen) aus die Lifte der geregelten Bäckereien geachtet wird. Fragt vor allen Dingen in den BcrgnügungS- und AuSflugS-Lokale« nach boykottfreier Ware. Hoch die SolidaritSt! Die Lohnkommlssiou. Achtung! Die Mitglitdtk-Vtrsaminliiilg des Verbaudes findet nicht Donnerstag, sondern Mittwoch, den 7. Juni, statt. � Aktivs. „IDUNA" zu Hatle a. S. Bilanzkonto ult. 1910. Paaalva Grundbesitz.»»««»«« Hypotheken ,«»»««»«« Wertpapiere ,,«.««»,« Darlehne aal VersicherungOH«, Guthaben bei 3»nkhäacern bei anderen VersichernDSlf unternehmungeri Gestandet« Prämien..... Rünkständige Zinsen und Mieten AuDeiuttänoe bei Agenten.,, Rare Rasse Inventar..«««»•■,« Sonstige Aktiva....... AinortisetiopekPBta des fHarob. Verbandes1*•.«««««« ] 339560,58 509682,61 3657752,04 90484981,20 2182284,- 7 138 961,22 1609223,19 4319844,90 916856,06 1089401,90 19073,37 93408,62 100789.61 600999,04 112202572,50 Prämienreserven..... 93 741 413,79 Prätnienüb ertrage..... 62 303,81 Reserven für schwebende Ver» eicliei-ungsfälle,,... 810 780,99 Gewinnreservend. Versicherten 10 354 976,61 Sonstige Reserven..... 2 164 804,50 Guthaben anderer Versieherungs- unternehrrmngea..... 178 580,04 Barkautionen Sonstige Passiva Gewinn,.. ÖIB 810,23 143 086,63 3 038, 736, Od 112 202 572,30 Halle a. S., den 13. Mai 1911. Die Direktion der„IIIDDA", Lebens-, Peesions- o. LeibrcDten-VersiebernngspeMaft ü. zu Dalie s.S. C. Oaterloh._ Wasser-far�elle« Neu!»on 2Q0 M« an. Neu! Ittel Kar) Reißhardts spezial-ärztlicha Isititute fflr CesehlechlskrankheUen Haut- und Harnleldeu. 1 Neanjerslra»! 12 PtMlwt SlrH« 117"'"'JffSl.i'-A?' 1 Für Frauen von 3 bis Ubr, Nonntags 11—12 Uhr. VollkammeRstes kembiniertes Heilverfahren. Maehweiallch unerreichte Dauererfolge in«erhältnlsmäSig kurzer Zeit. Um sieb vor zwecklosen evt. schädlichen Kuren zn schützen,| verlange man ausführl. Broschüre„R* in meinen Instituten oder durch die Pest(versehjoss. Kuvert) gratis und franko. EHRLICH'HATA- Behandlung ohne Berufsstörung. Der nächste Herren»Vortrag • an. »legen, ca. 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Freitag, den•. d. et»., statt, dann wieder regelmäßig Jeden Uienatag und Freitag(raittags l#1/, Uhr). Es kommt nur irische deutsche Butter zur VcrstejgoTUOg. Le- sichtisung 1 Stunde vor Begitm. 84/17 Bulier-Auklions-Yerband AlexanderplatzvPassege 39/40. Fernsprecher Amt 7, No. 10 521. Oeff entliche Anfrage! ? Weshalb? hat das Möbelmagazin Otto Piehl so große Erfolge? Ohne Zweifel o Sie o • nicht• um die Notwendigkeit herum, vor Beantwortung dieser Frage ZU Otto Piehl Brunneostraße 120 zu gehen, um sich durch eine Besichtigung davon zu überzeugen, daß die Reellität, Billigkeit und Kulanz die Erfolge ausmachen, Kein Kredithaus, trotzdem aber Teilzahlung bei Kassapreisen im Schaufenster der Zigarrengeschäftel IMe reellsten und billigsten Möbel nnd Pol ster war en auf Teilzahlung zu Kassenpreisen und Zinsvergütung erhält man in der seit 32 Jahren bestehenden Möbel- fabrik unter lOjäliriger Garantie J Rosenberger ii SS Berliner Schneiderei- Genossenschaft E. G. m. b. H. 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Wir weisen besonders darauf hin, daß wir nur für 3 eigenen Bedarf fabrizieren und unsere Waren in keinem mh anderen Geschäft zu haben sind. �)3riTI6, cd „Hymne" Folkenlmsen-Uest Walzerlied Text v*a Teil* Wollt,— Musik von Leopold Slaaos. Gewidmet den Besitzern, Herren Nieschalke& Nitsche, Berlin NO. 43, Neue Königsfr.lB . Wean ich der Weltstadt m.Ode bis Vom. Schaffen und vom Schauen, Dann will ich mit sufried'nem Simk Ein eigenes Heim mir bauen. So schaff' ich denn für künffgew Glück, Um baldigst ruh'n zu können, Auf eigner Scholle kleinem Stück, So■will ich'» bald mir gönnen, Und jüngst fand ich ein Fleckchen Erd*, Das schien dafür am meisten Treri. Refrain: - Im sehönen Falkenhageii-Westp Da-will ich ruhen und tiäumen, Hier hau ich mir ein warmes Nest, Wie'« Vöglein unter Bäumen, z Hier werde ich nun glücklich sohl, Hier werdfe ich nun bleiben. Ein Stückchen Welt nenn' Ich jetzt mein, Fernab rom Weltstadttreiben, Hier leb* ich, lieb' ich, ruh' Ich«na, Mit meinem Los zufrieden, Auf eignem Grund das eigne Haas Ist mir ja nun beschieden. Und glücklich bin ich, das« Ich faatf« Die Heimat nun im Heimatland. «ef rata: Im schönen Fallcenhagem-Weat nnr� 3, Ich will ja nicht Palast, nicht Schloea, Ein Landhaus soll genügen, Und wenn ich drinnen froh genosa Den Tag in vollen Zügen, Dann will ich danken dem Geschick, Das alles dies mir schenkte, Will danken stets dem Augenblick, Her meinen Schritt hinlenkte Nach jenem Ort, der mir nun gab', Was ich 00 lang ersehnt schon hab*t Refrain: Z Im stillen Falkenhagen-Weat, Da will ich ruhen und träumen. Hier ban ich mir ein warmea Nest. Wie'» Vöglein unter Bäumen, z 4 Ein Jungborn für die Städter tat Dies Waldidyll so traulich, Wo man die Weltstadt gern rergfaaf, In Stunden still erbaulich. Auf buntem Teppich steht mein Heim, Auf duft'gem Blumengarten, Und jede Blüte» jeden Keim, Will hegen ich und warten! Mit Recht man drum genannt WdH Sil Dies Eden eine Gartenstadto Refrain: Im stillen Falkenlrage •Waat nsw< Klaviernoten mit Singstimme werden jedermann auf Wunsch gratis nnd franko zugesandt. — Falkeniiagen-West— direkt um Bahnhof SMg.Md, Iii das Dorado einer Gartenstadt 20 Minuten von Char lottenbar g ab Bahnhof Jongfemheitfe, 30 Minuten ab Lehrter Bahnhof(Hamburger Bahn). P-lUite von 15 Mark an. Kletnnte Anzahinng. Amortisation s- Hypothek H« 1920.— Fertige Sommerhäusehen 700.—. Ii«.—. 1500.- M., schlüsselfertig, sofort beziehbar. gewährt mit«einen bewaldete« Höhenzügen• ein wunderschöne« Landscbaftsbild und acbliesst sich an den schönsten und grössten Laub- und Nadelwald, ca. dreimal so gross wie der Grunewald, an. „Der Brieselang", einzig schön, wird von Tausenden von Aueflüg- lern besucht. Direkter Stadtbahnverkehr steht in naher Aussicht. 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Weiter machen wir daraus aufmerksam, daß in Neu-Zittau das Lokal von Wilh. Gärisch, Dampferstation, und in Neu-Mühle ausser Riedel auch das Klubhaus gesperrt ist. In T e m p e l h o f sind die Lokale Tivoli. Jnh. Hoffmann, und Birkenwäldchen, Jnh. Neumann, nach wie vor gesperrt. Gleichzeitig weisen wir noch auf„Cafs Ruhwald", Woltersdorser Schleuse, Oekonom W. Saeger, Jnh. Palni, hin, das Lokal steht der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung. In Heiligensee(Dorf) hat der Inhaber des Seeschlotz, Kühn, seine Unterschrist zurückgezogen. Das Lokal ist deshalb zu meiden. Wir bitten, die neue Lokalliste genau zu beachten. Die Lolallommission. 37. Kommunalwahlbezirk. Am Mittwoch, den 7. Juni, findet zur Stadtverordnetenwahl Flugblattverbreitung statt. Desgleichen wird im Anschluß hieran in den in Betracht kommenden Bezirken ein Extra-Zahlabend abgehalten. Die Genossen werden ersucht, vollzählig zu erscheinen. Spandau. Am dritten Pßngstfeiertag findet wie alljährlich der Ausflug der Frauen des hiesigen Wahlvereins nach Freunds Insel- garten, Pichelsberge, statt. Abmarsch nachmittags 2 Uhr von Böhle, Havelstrasse 20._ Der Vorstand. Berliner JVacbncbten» Psingsten. Nun liegt das Frühjahr hinter UNS. Vorbei ist das Ringen der erwachenden Natur, überwunden ist auch der Kälterückschlag im Wonnemonat Mai, und dem Kampfe ist der ungestörte Besitz der wiedereroberten Flächen gefolgt, die der Mensch teils mit teils gegen seinen Willen der Natur noch freigelassen hat. Vorüber ist das Quellende, Rieselnde und Sprudelnde, das den Reiz des Früh- lings ausmacht, und der Sturm- und Drangperiode des nun nicht mehr ganz jungen Jahres ist ruhevoll der Beginn des Sommers gefolgt, den der pedantische Kalendermann nach altem Brauch, aber darum noch nicht nach gutem Brauch, erst ein paar Wochen später anzeigt, nur weil es ihm so besser in den Kram paßt. Wer aber jetzt den Sommer nicht spürt, der spürt ihn auch nicht um die Zeit der Sommersonnenwende. Wie Ostern ein Fest des Frühlings, so ist Pfingsten ein Fest des jungen Sonimers, und als solches laßt es uns feiern. In den Anlagen und Gärten beherrschen die Rosen, Päonien und die hohen Stauden der Rhododendron mit den lederigen Blättern und den violetten und roten Blumen das Reich der Gewächse. In den Laubenkolonien brillieren die Schwertlilien.' Neben blauen, violetten und gelben auch solche mit überraschend zarten Farben in fesselnder Pracht. Aber auch der Hollunderbusch steht beladen mit �großen, dichten. weißen Dolden, über die die Hummeln und Bienen huschen. und mancher wird ihn in seiner bodenständigen Vertrautheit und Bescheidenheit prächtigeren Fremdlingen vorziehen. Aber Pfingsten in Garten und Park ist nicht das richtige Pfingsten. Heute zieht es den Menschen noch weiter hinaus, aus den Stätten und Werken seiner Kultur zu freieren Gelände», wo der Kuckuck ruft, die Drossel flötet und der Pirol aus hohen Wipfeln unermüdlich seinen volkstümlichen Ruf erklingen läßt. Wo der Kiefern Kronen sich mit zarten Verzweigungen gegen den weißen und blauen Himmel zeichnen und unter rhnen schimmernde Gräser hoch und höher sprießen, weiße Erdbeerblüten blinken und der See kühlende Luftwellen heraufsendet. Oder wo noch Buchen und Eichen stehen und tiefer Schatten winkt. Die Natur hat ihre Zelte aufgerichtet. Es ist wie ein einziges, riesiges Blätterdach, das sie, soweit ihre Macht nur reichte, über den Boden gespannt hat. Der ganze ungeheure Apparat ist dem Einfangen des Sonnenlichtes und seiner Wärme angepaßt. Durch Sonnenlicht und Sonnenwärme werden in jeder der unzähligen Zellen ebensoviele chemische Laboratorien betrieben, und auch das winzigste von ihnen ist doch der größten chemischen Fabrik aus Menschenhand unerreichbar überlegen. Geräuschlos wer- den unvorstellbar große Mengen von Sonnenenergie umgesetzt in Pflanzenstoff und Pflanzenfrucht, in Korn und Obst und in Knospen für das nächste Jahr. Wir hören nichts und sehen nichts davon, aber wir fühlen und genießen diese Tätigkeit der Natur, die uns erfrischt und erhebt, während sie unablässig wirkt und schafft. Mögen die Pfingsttagc zahllosen Scharen die Sommerfrcude bringen, die sie an Seen und in Wäldern suchen, fern von den Stätten des Alltags.__ Pfingsten in Alt-Berlin. Während sich um jedes Fest«ine Reihe von alt-n Sitten und Gebräuchen reihen, hat sich merkwürdigerweise für das Berliner Pfingstfest nichls ausser den..Maien" erhalten. Es scheint auch, dass in den märkischen Bezirken, die mehr für die Bewahrung aller Sitten sind, sich keine älteren Pfingstbräuche finden, als das Bekränzen der Türen und allenfalls das Aufrichten der Maistange. Um so mehr ist es in Berlin seit älterer Zeit Sitte geblieben, die Pfingsttage zu Landpartien zu benutzen, vorausgesetzt, daß das Wetter keinen Strich durch die Rechnung macht. Der heutige Ber- liner macht nämlich Reisen in die weitere Umgegend oder gar in die deutschen Gebirge, in den Sprecwald usw. Dagegen war man vor 50 Jahren, als das Eisenbahnfähren noch nicht allgemein Mode war und die Verkehrsmittel Berlins aus einer sehr niedrigen Stufe standen, viel bescheidener. Ausflüge nach dem Tiergarten, der damals noch einen ländlichen, nicht von Straßen umzogenen Charakter hatte, waren«ine beliebte Festzerstreuung der Berliner vor 50 Jahren. Der Georgesche Garten z. B. war speziell vom besseren Publikum bevorzugt, des Spargels wegen, den der Wirt in einer nahegelegenen, eigenen Plantage zog. Bei Kemver. dessen Garten an der jetzigen Viktoriastrasse lag. berkehrte ebenfalls ein ausgewähltes Publikum, und ferner war Teichmanns Blumen- garten in der Tiergartenstrasse, nahe der Luiseninsel, sowie der mjSg« an der heutigen Friedrich Wilhelmstrasse, beliebt. Der letztere hatte damals die grösste Gartenwirtschaft Berlins. Eine grosse Stammkundschaft hatte Zelt 4 wegen des vorzüglichen Weiß- biercs, und Zelt 2. Bei Zelt 1 lagen damals noch die Gondeln, mit denen man für einen Silbergroschen bis zur Moabiter Brücke fahren konnte ein recht primitives Vergnügen, das dem modernen Berliner jedenfalls nicht mehr genügen wurde. Ausser den Tier. «artenlokalen gab es für mittleres Publikum den Boucheschen Blumengarten in der Blumcnstrasse und den Liesenschen Garten « bft Panke, da wo jetzt die Liesenstrasse ist. Weitere Ausflüge, die zu Fuss oder mittels der Torwagen unternommen wurden, waren schon der Helm in Schöneberg, das Türkische Zelt in Char- lottenburg, die Gärten von Hartwig und Kufahl, Lemke in Lichten- herg, die Reue Welt vor dem Frankfurter Tore und allenfalls der Krug in Weißensee, zu dem aber kein Torwagen führte. Zu Wasser wurden Stralau, Treptow und das Eierhäuschcn besucht, während Ausflüge nach dem Grunewald, Potsdam usw. schon als Reisen galten. So bequem wie beute war eben vor 50 Jahren ein Pfingst- ausflug nicht._ lieber Mißstände in der CharitS macht die„Steglitzer Zeitung" folgende Mitteilungen: „Die königliche Charits in Berlin hat wie kein anderes Krankenhaus unter einem ständigen Mangel an Personal zu leiden. Die Zustände haben zum Teil ihren Grund in der karg- lichen Bezahlung des Schwestern- und Wärterpersonals. Vor allem werden die Schwestern derart schlecht bezahlt, dass man sich über den Mangel an geeigneten Kräften nicht zu wundern braucht. Eine ausgebildete Krankenschwester der königlichen Charitö erhält monatlich 30 Mark Gehalt bei freier Station. Dass hiervon noch manches für Wäsche usw. abgeht, ist selbstverständlich.(Der Kuriosität halber sei hier am Rande bemerkt, dass die Schwestern sich bei Antritt schriftlich zu regelmässigem Kirchgang verpflichten müssen.) — Dass die Schwestern in anstrengender Arbeit von früh um 6 bis spät in den Abend hinein sich ihrem aufopferungsreichen und undankbaren Beruf hingeben müssen, dass sie oft nur unter äusserster Anspannung aller Kräfte ihren aufreibenden Dienst versehen müssen. ist hinreichend bekannt.— Aehnliche Verhältnisse sind beim Wärter- personal anzutreffen. Hier ist ebenfalls für geprüfte Wärter 30 M. Monatsgehalt festgesetzt. Seit Jahr und Tag hat sich die Ver- waltung der Charits bemüht, hier Wandel zu schaffen. Aber das Ministerium hat anscheinend für diese nur allzu berechtigten Forderungen kein Verständnis. Das Ergebnis der Verhältnisse liegt jetzt vor. In der II. Medizinischen Klinik hat Herr Geheim- rat Kraus zwei Stationen wegen Schwestern- und Personal- mangel schließen müssen. Und auf der Kinderklinik des Herrn Geheimrat Heubner musste eine der wichtigsten Stationen, der Boxensaal, aus dem gleichen Grunde geschlossen werden. Aber hier war die Notwendigkeit gegeben, die Station wieder zu öffnen, und eS blieb nichts anderes übrig, als außenstehende Schtvestern für einen Monatsgehalt von-- 90 Mark einzustellen. Aber auf den Stationen der I. und II. Klinik ist jetzt ein derartiger Mangel an Platz, dass um jedes Bett geradezu gekämpft werden muß. Hier wäre dringende Hilfe Not. Zu diesen aufsehenerregenden Mitteilungen wird der.Vossischen Zeitung" von ärztlicher Seite berichtet, dass in der Tat mehrere Stationen geschlossen werden mutzten, bis das Kultusministerium die nötigen Mittel zur Verfügung gestellt hat. Im Parlament hat man bisher für diese Dinge nicht das genügende Interesse gezeigt, so dass der Finanzminister, denn nur bei diesem könne doch der Widerstand gegen die durch eine angemessene Bezahlung bedingten Ausgaben liegen, die Hand auf dem Beutel halten zu dürfen glaubte. Es mutzte wohl gelegentlich zu solch eindringlichen Ereignissen kommen, damit man in Preußen sieht, ob Kulturaufgaben leiden. Wenn in der Notiz auch noch als Kuriosum erwähnt wird, daß die Charitö- fwwestern sich beim Dienstantritt zu regelmässigem Kirchgang ver- pflichten müssen, so dürfte hier wohl nur ein Irrtum vorliegen. Von Verfügungen über den Kirchgang der Schwestern ist uns nur bekamtt dass die Äerzte gebeten wurden, den Dienst möglichst so zu legen. dass dem Pflegepersonal die Möglichkeit zun« Bestich des Gottesdienstes gewahrt bliebe." Vorstehende Aeusserungen bestätigem im wesentlichen nur die vorgebrack-ten Klagen. Aber trotzdem wird nach wie vor behauptet: „Kulturaufgaben leiden in Preussen nicht". Der königl. Botanische Garten wird am ersten Pfingst- feiertags dem Publikum nachmittags von 2— 7 Uhr zugänglich sein. Am zweiten Pfingstfeiertage bleibt der Garten ge- schlössen. Kinder unter zehn Jahren dürfen auch in Be- gleitung Erwachsener nicht eingeführt werden. Die hilflose Schuldeputation. Zu dem von uns in Nr. 121 mitgeteilten flandalöfen Vorkommnis, dass ein wegen Epilepsie vom Schulbesuch dispensiertes Kind längere Zeit hindurch täglich vom Morgen bis zum Abend für ein fremdes Geschäft erwerbstätig war. hat der Magistrat durch sein Nachrichtenamt �sich in einer für die Schuldeputation höchst blamablen Erklärung geäussert, die von UNS bereits(in Nr. 126) in ihrer ganzen Haltlosigkeir ge- kennzeichnet wurde. Bis heute hat. das wollen wir hier feststellen. kein einziges der bürgerlichen Blätter Einspruch erhoben gegen die durchaus irrige Ansicht der S ch u l d e p u t a t i o n. dass sie weder die Pflicht noch die Möglich- keit gehabt habe, die weitere Entwickelung des Kindeö im Auge zu behalten, nachdem das Kind vom Schul- Unterricht dispensiert worden war und der Vater aus den als Ersatz gewährten unentgeltlichen Privatunterricht„verzichtet" hatte. Jene Erklärung ist von der.Bossischen Zeitung" wiedergegeben worden als„Ein Schulbeispiel für elterlichen Unverstand", aber schlimmer noch als der Unverstand der Eltern, die den von der Stadt ge- währten Privatunterricht für ihr Kind ablehnten, ist, dass die Schul- depulation die Ablehnung hinnahm in der Meinung, es sei nicht möglich, den Unterricht zu erzwingen. Die.Vossische Zeitung' ver- öffentlicht jetzt eine ihr„von geschätzter Seite" übersandte Zuschrift, durch die sie belehrt wird, dass es nicht an gesetzlichen Mitteln fehlt, die Ueberweistiug des epileptischen KindeS an eine Heilanstalt zu erzwingen. Dass aber auch dem Verzicht auf Privat- Unterricht ein Zwana entgegengestellt werden konnte, darüber schweigt me„geschätzte Seite" ebenso, wie der Magistrat und die ihm dienende Presse. Wir glauben, dass der Magistrat doch wohl noch einmal sein Nachrichtenamt wird in Bewegung setzen müssen. Die Schul- depulation schuldet der Oeffentlichkeit eine klare Auskunft da- rüber, warum sie sich bei dem Verzicht de« Vaters beruhigt hat. Womit mag er eigentlich die Ablehnung des Privatunterrichts begründet haben? Jene Erklärung deS Magistrats sagte der Vater habe aus den Unterricht verzichtet angeblich in der Annahme, dass er zu den Kosten herangezogen werden könnte. Aber das wird er doch wohl nicht schon damals ais Grund angeführt haben, sonst hätte man ihn sicherlich sofort belehrt, dass von Heranziehung zu den Kosten gar keine Rede sein kanw Und noch eine andere Frage drängt sich uns auf. Die Erklärung des Magistrats be- zeichnete den Fall als„ein häufig wiederkehrendes Beispiel für die Beobachtung, daß sozialfürsorgerische Maßregeln der Verwaltung durch Unverstand der Eltern illusorisch ge- macht worden". Wenn das einen Sinn haben soll, so kann eS nur der sein, dass erfolgreicher Widerstand gegen das Angebot eines Privatunterrichts, eigenmächtiger Verzicht auf solchen Unterricht, „häufig wiederkehrt". Soll man wirklich glauben, schon öfter habe die Schuldeputation in vermeintlicher Machtlosigkeit eS sich gefallen lassen, dass in dieser Weise die Durchführung der gesetzlich festgelegten Unterrichtspflicht verhindert wurde! Einstweilen halten wir das für unmöglich. Aus Pastor Pfeiffers Kinderfürsorge. Pastor Wilhelm Pfeiffer, der Massenbormund', der mehr als tausend Kinder zu bevormunden hat und immer wieder neue Vormundschaften übernimmt, hat durch seine Kinder- fürsorge schon oft von sich reden gemacht. Im„Vorwärts" ist mehr- fach darüber berichtet worden, in welcher Weise er seine Macht- befugnisse gebraucht, wenn er ein Kind den Eltern oder Pflegeeltern abnehmen will. Der neueste Fall, von dem wir hören, betrifft eine Frau E., die mit vier Kindern getrennt von ihrem Ehemann lebt. Zwischen dem Ehepaar E. soll eS schon vor einer Reihe von Jahren zu Differenzen gekommen sein, die sich wiederholten, so daß Trennungen und Wiedervereinigungen miteinander abwechselten. Um den Anspruch der Kinder an die Unterhaltspflicht des Paters zu wahren, beantragte schließlich Frau E. bei dem Vormundschafts- gericht, daß ihr ein Pfleger gestellt werde. Sie unterließ es, selber eine Person vorzuschlagen, die ihr geeignet erschienen wäre. So kam über die Ahnungslose, was kommen mußte: als Pfleger wurde ihr der unvermeidliche Pastor Pfeiffer gestellt. Von ihrer Hoff- nung, dass durch dieses Pflegers Tätigkeit ihre äussere Lage ge- bessert werden könnte, hat sich wenig erfüllt. Fühlbarer wurde ihr die erzieherische Fürsorge, die Herr Pastor Pfeiffer über ihre Kinder auszuüben suchte. Er kann diese ihm obliegende Pflicht selbstverständlich nicht in eigener Person erfüllen, weil ja kein Mensch sich um mehr als tausend Mündel zu kümmern oder sie auch nur alle recht kennen zu lernen vermag. Hierzu hat er seinen„Kinderrettungsverei n". dessen Helferinnen von Zeit zu Zeit die bevormundeten Kinder aufsuchen. Wieviel Helferinnen für die mehr als tausend Kinder zur Perfügung stehen. wissen wir nicht, so daß wir kein Urteil darüber haben, wie ein- dringend ihre Fürsorgearbeit sein kann. Was über die bevor- mundeten Kinder und über deren Mütter die Helferinnen berichten, das dient mit als Material, wenn Herr Pfeiffer den Müttern die Kinder nehmen will. Auch zu der oben erwähnten Frau E. kam im Auftrage des Herrn Pastors eine Helferin, eine Frau Mann, die über die Kinder so etwas wie eine Aufsicht ausüben sollte. Durch diese Frau Mann hat Pastor Pfeiffer jetzt das eine Kind, ein im 12. Lebensjahr stehendes Mädchen, der Mutter abnehmen lassen. Vor einigen Tagen wurde Frau E. durch eine Postkarte der Helferin aufgefordert, am nächsten Vormittag zu bestimmter Stunde das Kind zu ihr nach dem Stift in der Elsenstrasse zu schicken. Nebenbei bemerkt: die Elsenstraße liegt in Treptow, wäh- rend Frau E. im äußeren Teil des Wcdding wohnt. Frau Mann hatte mit keiner Silbe angedeutet, warum das Kind zu ihr kommen sollte. Frau E. schickte es hinaus— und sah es nicht wieder. Am Nachmittag erhielt sie eine Postkarte, durch die die Frau Pkann sie benachrichtigte, soeben habe sie Auftrag erhalten, das Kind nach dem Potsdamer Bahnhof zu bringen. Die Postkarte war, wie der Stempel zeigte, aufgegeben worden nicht lange nach dem Zeitpunkt, wo das Kind in Treptow eingetroffen sein konnte. Frau E. lies bestürzt nach dem Bureau des Kinderrettungsvereins, um ihr Kind zurückzufordern. Aller alle ihre Klagen und Bitten waren vergeblich. Am nächsten Tage machte Frau E. einen Selb st Mordversuch, indem sie in ihrer Wohnung einen Gas- Hahn öffnete. Als ihr jüngstes Kind heimkehrte und sie auf Klopfen nicht öffnete, verschafften Nachbarn sich Zutritt zur Woh- nung. Sie drangen in das mit Gas angefüllte Zimmer ein und fanden Frau E. bewußtlos. Dank ihrem raschen Eingreifen ge- lang es, sie wieder ins Leben zurückzurufen. Wir empfehlen diesen Ausschnitt aus Pastor Pfeiffers Kinder- fürsorge allen Müttern zur Beachtung. Die Beteranenspende der Stadt Berlin wird in einiger Zeit zur Auszahlung gelangen. Die Bewerber, welche ihre Wohnung gewechselt haben, werden aufgefordert, dem städtischen Stiftungs- bureau, Poststrasse 16, Zimmer 25, ihre neue Wohnung mitzuteilen. Neue Gesuche können sür dieses Jahr keine Berücksichtigung mehr finden. Die Flugwoche Johannisthal beginnt am Pfingstsonntag um 5 Uhr nachmittags und endigt planmäßig am darauffolgenden Sonntag, an letzterem Tage findet voraussichtlich frühmorgens der Aufftieg zum Deutschen Rundflug statt. Zur Flugwoche wird der neuhinzugenommene zunächst dem Bahnhof Niederschöneweide ge- legene Teil eröffnet, dadurch verringert sich die Entfernung vom Bahnhof zum Flugplatz für die Zuschauer ganz erheblich. An dem neuem Haupteingang sind bereits die Zelte für die zur Flugwoche von ausserhalb kommenden Flieger errichtet und zum Teil schon mit Flugzeugen besetzt. Das Ende des Traveller-Clubs. Nachdem der Vorsitzende deS Traveller-Clubs, Graf Görtz, vor drei Tagen seinen Austritt aus dem Club erklärt hat und seinem Beispiel bis gestern abend etwa 35 Mitglieder gefolgt sind, ist nunmehr der Traveller-Club auf- gelöst worden. Sehr zum Schaden des Hauswirtes, eines in München lebenden Offiziers sowie der Lieferanten, die die Klub- räume mit fürstlicher Pracht ausgestattet haben. Im ganzen werden etwa 30 000 bis 40 000 M. Passiva zu verzeichnen sein, für die übrigens die Klubmitglieder haften dürften. Der Geschäftsmann des Klubs, Mr. Draper aus Chikago und Monsieur Balduet, haben Berlin verlassen und es den deutschen Kavalieren anheimgestellt, sich mit den Gläubigern abzufinden. Der Sekretär des Klubs, Herr Arbation, weilt gegenwärtig noch in Berlin, um zu retten, was zu retten ist. Aus der MagistratSsitzung.. Der Magistrat hat in feiner letzten Sitzung der endgültigen Einführung der vom Polizeipräsidenten vorgeschlagenen Verkehrsregelung in der Friedrich- und Charlotten- straße zwischen Behren- und Dorothcenstrasse grundsätzlich zuge- stimmt. Auch mit einer Verbreiterung der Bürgersteige, und zwar vorläufig in Holz, ist der Magistrat einverstanden. Jedoch kann diese nicht in dem Masse erfolgen, daß die Breite des FahrdammcS auf 6,5 Meter eingeschränkt wird, wie vom Polizeipräsidenten in Anregung gebracht war; denn die Breite des FahrdammcS muß danach bemessen werden, daß drei Fuhrwerke nebeneinander ge- migenden Platz haben. Nach der neuen Verkehrsordnung ist näm- lich das Halten von Fuhrwerken auf der fraglichen Strecke während des ganzen Tages gestattet; infolgedessen muß die Fahrdamm- breite so bemessen werden, daß sie für zwei haltende und ein be- wegtes Hahrzeug nebeneinander ausreiiit. Für drei Fuhrwerke ist aber eine Fahrdammbreite von 7.5, mindestens aber 7 Meter er- forderlich, da für ein Fahrzeug eine Verkehrsbreite von 2,5 Meter durchschnittlich angesetzt werden muß. Vom Dache abgestürzt ist gestern in ver Schröderstrasse 13 ein Mann, der als ein Schornsteinfegermeister bezeichnet wird. Auf dem Dache des Hauses war ein Schornstein zu reparieren; einige Arbeiter waren mit dieser Aufgabe betraut. Aus Interesse begab sich der Schornsteinfegermeister auf das Dach, um dv» Arbeit sich anzusehen. Dabei verlor er das Gleichgewicht, stürzte ab und brach sich das Genick. Es konnte nur der Tod festgestellt werde«. Erziehung durch Hiebe. Bon der bessernden Kraft der Prügelstrafe haben manche Pädagogen eme sehr hohe Meinung. Sie machen daraus kein Ge- heimnis. wenn Eltern zu ihnen kommen und sich darüber beklagen dass ihre Kinder in der Schule zu nachdrücklich geprügelt worden se«en. Eme solche Beschwerde wurde kürzlich in der 251. Knaben- Gemerndeschule am Gorlrtzer Ufer dem Rektor Herzog vorgetragen von der Mutter emeS Schülers H.. der in Klasse VH 0 fitzt. Der Le h r et 28 e nd l a n d t hatte dem Jungen, weil er eine häusliche Schreibarbett nicht zur Zufriedenheit geliefert hatte, einige Stockhiebe über das Gefäß gegebe«. Die Mutter Kesah sich die Spuren, die der Stock des Lehrers auf dem Körpers ihres Jungen zurückgelassen hatte. Herr Wendlandt ist ein oroszer und kräftiger Mann, der Junge aber ist nicht besonders kräftig entwickelt, auch war er an jenem Tage mit einer leichten Sommerhose bekleidet, so daß die Schläge uni so fühlbarer wurden. Da Frau H. meinte, daß die Stärke der Züchtigung nicht im rechten Verhältnis zu dem Veraehen de« Jungen uns zu seiner Körper- entwickclung stehe, so beschwerte sie sich bei Rektor Herzog. Und was tat der Herr Rektor? Er antwortete ihr: Tüchtig müsse der Junge seine Hiebe haben. Ein tödlicher Straßendahnunfall ereignete sich am Sonnabend- abend Uhr in der Raihenower Straße. Dort wurde die Nichte des in der Rathenower Straße 26 wohnhaften Schlächtermeisters DreSp von einem Straßenbahnwagen angefahren und ein kurzes Stück mitgeschleist. Ei» gleichfalls daherkommendes Automobil fuhr der Aermsteu dann über den Kopf, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. DaS Apollotheater hat in seinem Juniprogramm die beiden, bereits vom Mai her bekannten Zugstücke„Der zerbrochene Spiegel' und„Um ein Weib" beibehalten. Eine Novität von packender Eigenart war„V u b a n q u e", ein Mimodrama von R. B e- na tzk i, in welchem Ellen B a r g i eine große mimische Kunst und bewundernswerte Grazie zeigte. Den faden Inhalt der Panto- mime— ein Raubversuch, der mit dem Tode des Räubers aus- geht— vergißt man gern und leicht über die einschmeichelnde Musik und die fortreißende schauspielerische Kunst der Darstellerin der Hauptrolle. Auch sonst bringt das neue Programm manches Sehenswerte. Viel belacht wurde der humoristische Imitator Marzelli; die kleine Soubrette Lilli Walter-Schreiber gefiel mit ihren drollig-naiv vorgetragenen CoupletS; auch die komischen Reckturner Scamps und Scamps konnte» sich über mangelnden Beifall nicht beklagen. Im Thalia-Theater ging Freitag abend„Polnische Wirt- schaft" zum 366. Male in Szene; inzwischen haben verschiedene Schlager:„Wer kann dafür?" u. a. den Weg in weitere Kreise gefunden. Ein Blumcnregen ergoß sich über Autoren, Direktoren, Komponisten und Darsteller. Im Zoologischen Garten sind vor einem bczw. anderhalb Monaten zwei Affen geboren worden, die im Alten Affen- Hause von ihren Müttern treulich gepflegt und genährt werden. Die eine gehört der gelben Spielart des Rhesus-Affen an, die andere ist eine Java-Aeffin, ihr Kmd scheint aber nicht von einem artgleichen Vater herzustammen. Das ältere Beffchen, der kleine Rhesus, verlätzt sckwn ab und zu die Brust seiner Mutter und wagt eS, sich auf kurze Entfernung hin selbständig zu bewege«. Vorort- JVadmdrtcm Nixdorf. Stadtverordnetenversammlung. Der Magistrat schlägt den Er- laß eines Ortsstatuts vor, nach welchem künftig die Erlaubnis zum Betrieb« dcS Geschäfts eines Pfandleihers und Pfandver. Mittlers von dem Nachweis eines vorhandenen Bedürfnisses abhängig gemacht werden soll. Stadtverordneter Glase mann hält es für elgenartig, daß man hier beschränken will, während sonst immer von der freien Entfaltung aller Kräfte geredet wird. Das Ortsstatut scheint tatsächlich— wie die Rixdorfer Pfandlether behaupten— dazu bestimmt zu sein, das offenbar unrentable städtische Leihaint zu fördern. Stadtverortmeter D r. Silber- st c i n(Soz.) hat den Eindruck, als ob die bei dieser Vorlage wie in der heutigen Sitzung überhaupt zutage getretene merlwürdige Redseligkeit der Altbürgerlichen nur auf Wahlstimmungsmache zurückgeführt werden kann---- ein fraglos vergebliches Bemühen. Von freien Kräfteentfaltung könne hier nicht die Rede sein, wo es sich um Gewerbebetriebe handelt, die ein parasitäres Dasein führen und bei denen die Gefahr wucherischer Ausbeutung der Armen und Elenden so nahe liegt. Da ist es Pflicht, behördlich einzugreifen, weshalb auch die sozialdemokratische Fraktion durchaus damit ein- verstanden wäre, wenn überhaupt alle privaten Pfandleihen auf- geboten würden und nur das städtische Leihamt bestehen bliebe. In diesem Gewerbebetriebe ist eine Monopolisierung absolute Not- wendigkett. Stadtrat Dr. Mann bekämpft ebenfalls die er- hobenen Einwände und befürwortet lebhaft div Borlage. Die Borlage wird mit Mehrheit angenommen. Ein weiteres vom Magistrat vorgelegtes Ortsstatut bezweckt die Ausdehnung der Sonntagsruhe im Handels ae- werbe. Der§ 1 bestimmt, daß in offenen Verkaufsstellen Ge- Hilfen, Lehrlinge und Arbeiter an Sonn- und Festtagen— abgesehen vom ersten Weihnachts-, Ostev- und Pfingsttage. an Ivelchin überhaupt nicht gearbeitet lverden darf— vom 1. Mai bis zum 30. September nur von 6 bis 10 Uhr vormittags und vom 1. Oktober biS zum 30. April nur von 12 bis 2 Uhr mittags beschäftigt werden dürfen. Auegenommen bleiben davon die Nahrungs- und Genußmittel- und die Blumengeschäfte. Stadtverordneter Ja eck sSoz.) bemängelt« daS OrtSftatut als ungenügend und beantragt als daS Mindeste. waS verbessert werden mutz, die bereits von der Gewerbe- deputatton angenommene vollständige Schließung- der Engrosge- schüft, an Sonn- und Festtagen. Stadtverordneter Walz(Neue bürgerliche Fraktion) stimmt mit den, Vorredner völlig überein und übt Kritik an der kleinlichen Begründung der Vorlage stitens des Magistrats. Stadtrat D r. Mann bekämpft den Antrag Jaeck- Walz, um bei der Regelung der Sonntagsruhe Einheitlichkeit in Groß-Äerlin zu schaffen. Mehr als der Magistrat vorschlägt, ist insbesondere von Berlin selbst keinesfalls zu erwarten. Im Jnter- effe der Sache mutz auf Speziolwünsche hier und da Verzicht ge- leistet werden, umsomehr. da diese Materie nur schwer zu regeln ist, ohne Interesse» einzelner zu verletzen. Stadlverordneter Heinrich(Alte bürgerliche Fraktion) will die Detailgeschäfte während des ganze» Jahres allgemein von 8 bis 10 Uhr früh ge- öffnet wissen; Berlin muß eben gedrängt werden, bis es nachgibt. Stadtverordneter W U tz k y(Soz.) bezeichnet es als merkwürdig, daß hierbei von der sonst angeblich unmöglichen Grotz-Berliner Einheit- lichkeit gesprochen wird, wo ohne Gefahr vorbildlich gewirkt werden könnte. Wenn der Vertreter des Magistrats die gefährdeten Jnter- essen bei den EngroSgeschäflen ins Treffen führt, so scheint er die Interessen der Allgemeinheit nicht sonderlich zu schätzen; denn die zum Entwurf gehörten Beisitzer des KaufmannSgerichts habt» aus- drücklich vorgeschlagen: Erstens die Sonntagsarbeit in sämtlichen offenen Verkaufsstellen nur für die Vormittagsstunden von 8 bis 10 Uhr zuzulassen; ziveitens die Beschäftigung von Personal in Fabrik-, Eingros». Bank-, Versicherungs-, Agentur-, Speditious- und ähnlichen Geschäften gänzlich zu Untersage». Ein solches fach- männisches Urteil muß doch beachtet werden. Stadtverordneter K l o t h(Soz.) weist nach, daß schon vor Jahren in Leipzig völlige Sonntagsruhe durchgeführt war, während in dessen Vororten die Geschäfte geöffnet waren, und doch hat keiner dort von der vom Stadtrat Dr. Mann befürchteten Konkurrenz Aufhebens gemacht. Im übrigen müssen die, welche sich mit Vorliebe als Christen be- zeichnen, unbedingt für die Sonntagsruhe eintreten. Es bleibt aber, wie immer, gerade der Sozialdemokratie überlassen, für die Heiliaynltung des Sonntags zu kämpfen.(Heiterkeit.)— Der Antrag Jaeck-Walz lvird mit Mehrheit angenommen, ebenso das so geänderte Ortsstatut. Der Antrag der Altbürgerlichen, alle geeigneten städtischen Grundstücke als Spielplätze während de» Sommers zur Ver- fügung zu fallen und auch Besitzer unbenutzter Terrain« zur Her- gäbe derselben zu veranlassen, bezstchnet Stadtverordneter Heller (Soz.) als ei» Liebcswerben um die verscherzte Gunst der Wühler. Es mutet doch zu kurios an. daß die, welche bisher noch immer die Rechte und die Wohlfahrt der Allgemeinheit niedergetreten bezw. mißachtet hüben, plötzlich für diese ihr Herz entdecken. Dafür kann Mtt die Angst vor oe» Wahle« eine Erklärung fein; dem sonst hätten die Antragsteller sich nicht zu ihrem Antrags aufgeschwungen, gegen den an sich ja nichts einzuwenden ist. Stadtverordneter Hon fall(Alte bürgevliche Fraktion) weist mit gehobener Stimme die Vorwürfe des Vorredners zurück und versichert mit Emphase. daß die Altbürgcrlichen stets und immer nur aus edlen Motiven gehandelt haben.(Stürmische Zurufe der Sozialdemokraten: Siehe Wablrcchtsraub!) Nachdem Oterbürgermeister Kaiser eingehende Berücksichtigung des Antrages versprochen hatte, wurde er ein- stimmig angenommen. Der Antrag der Neuen bürgerlichen Fraktion auf Anstellung einer Reihe von Beamten auf Lebenszeit wird nach einer langen Jungfernrede des Stadtverordneten K a s ch o w auf Vorschlag de? OberbürgermeisterZ für die nächste Etatberatung zurückgestellt. In geheimer Sitzung genehmigte die Versammlung unter anderem die Regelung der Ruhegehaltsansprüche mehrerer Ange- stellten der Gasanstalt. Der hierauf unternommene Versuch, den bereits erwähnten Antrag der Altbürgerlichen auf Einrichtung eines Pressedezernats zur Verhandlung zu bringen, scheitert« jämmerlich Die Sozialdemokraten hatten sämtlich den Saal verlassen, und als Stadtverordneter Groger(Soz.), der zurückgeblieben war, die Beschlußfähigkeit anzweifelte, da ergab sich die Richtigkeit dieser Annahme. Die plötzlich um das„Ansehen der Stadt" so besorgten Stadtväter sahen sich so gezwungen, unverrichteter Sache abzuziehen. Eine Rettungswache unterhält der Aerztmreia für das Berliner RettungSwefen mit Unterstützung des hiesigen Magistrats im Hause Hermannstr. 168(Eingang Schierkestraße). Die Wache ist in der Zeit von 10 Uhr abends biS 8 Uhr morgens geöffnet. Sie wurde wmerzeit eingerichtet, um auch den Bewohnern des oberen OrtSteileS es zu ermöglichen, jederzeit ärztliche Hilfe in der Nacht zu erhalten. In ganz dringenden Fällen find die Aerzte der Wache auch er- », ächtigt. Behandlungen von Patienten außerhalb der Wache vorzu- nehmen. Da die bisherige Inanspruchnahme der Wache daraus schließen läßt, daß ihre Existenz in der Einwohnerschaft noch nicht genügend bekannt ist, sei an dieser Stelle nochmals auf diese gemein- nützige Einrichtung aufmerksam gemacht. Charlottenburg. Bon der Feuerwehr festgenommen wurden in der gestrigen Nacht gegen 12 Uhr zwei„schwere Jungen", die soeben einen Einbruch verübt hatten. Sie hatten dem in der Spandauer Straße be- legenen Konfektionsgeschäft von Simon einen Besuch abgestattet, waren vom Hofe aus in den Ladenraum eingedrungen und halten sodann die Lodenkasse erbrochen, wobei ihnen zirka 200 M. Wechsel- gcld in die Hände fielen. Außerdem packten sie zwei große Bündel mit seidenen und reinwollenen Kleidern zusammen, zogen sich dann noch je einen eleganten Ueberzleher an und verließen um Mitternacht auf demselben Wege das HauS. Sin in der Nähe de« Straßen- bahnhofeS postierter Schutzmann erblickte die beiden Baffermannschen gestalten und eS fiel ihm auf, daß Herren mit so eleganten Paletots uitter der Last von großen Paketen einherkeuckiten. Da die Ber- däcbtige» in schnellster Gangart davoneilten, nahm der Beamte die Verfolgung auf. In diesem Bugenblick kam ein Löschzug der Char- lottenburger Feuerwehr von«mem kleinen Feuer zurück. Der Beamte verständigte sich mit dem Führer des MannschastwagenS, ihm zur Ergreisling der Einbrecher behilflich zu fein. Es gelang in wenigen Minuten den eine» der Diebe, der die Beute von sich ge- warfen, zu fassen, während der zweite Einbrecher in einen Neubau auf dem Kaiserdamm flüchtete. Hier hatte fich der Flüchtling in der zweiten Etage hinter einem Treppenpodest versteckt. Beide Ein- brecher wurden nach dem Charlottenburger Polizeipräsidium ein« geliefert. Ein Straßenbahnunfall, bei welchem eine Greisin schsver ber» letzt wurde, ereignete sich am Freitag nachmittag gegen%7 Uhr in der Spandauer Straße, am Friedrich-Karl-Platz. Dort lief die 81jährige Frau Christiane Eichstädt, Spandauer Straße 27 wohn- Haft, gegen die rechte Seitenwand eine« Motorwagen» der Linie dk. Die alte Dame kam dabei zu Fall und erlitt eine schwere Kopf- Verletzung, sowie eine Quetschung der Brust und der rechten Hand. Frau E. wurde in bedenklichem Zustand nach dem Krankenhaus Westend geschafft. Schöneberfl. In der letzte» Sitzung der Gewerkschaftskommissiin gab Genosse Henkel unter anderem den-Bericht vom städtischen Arbeitsnachweis und den im ersten Vierteljahr gezahlten Zuschüssen an Arbeits- lose. Die seit Jahren geforderte Erlociterung des Arbeitsnachweises soll nun endlich durch Mietung weiterer Räume verwirklicht werden. Durch die städtische Arbeitslosenversicherung sind in der Zeit vom 26. Januar 1011 bis 31. März 1011 an die BcrufSvereinIgungen an Zuschüssen 2640,07 M. erstaltet worden. Davon entfallen auf die an die Berliner Mwcrkschaftskommtsston angeschlossenen Ver- bände 2555.72 M.. auf die Christlichen Verbände 17,70 M., auf sonstige Berufsvereiniaunge»(Techniker, Handlungsgehilfen) 75,65 M. Di« Zuschüsse verteilen sich aus 205 Arbeitslose; ge- meldet hatten sich 317. Zur Empfangnahm« von Speisemarken hatten sich 69 gemeldet; unterstützt wurden 1b mit 204 Portionen 4 80 Pf. An die Gelben und Hirsch-Dunckerschen Verbände find Zuschüsse nicht geleistet worden. Steglitz. Aus ber Gemeindevertretung. Zu dem Antrag des Gemeinde- Vorstandes auf Verlust des Gemeinderechts des Genieindeverord- neten Genner wegen Aufgabe feines hiesigen Wohnsitze», nahm dieser Herr zunächst selbst da» Wort zu einer Erklärung, die aller- dings nichts erklärte oder klarstellte, sondern nur eine Beschwerde war über die Art und Wctsa, wie der Gemeindevorstand die Recherchen angestellt hatte darüber, ob er neben seiner eigentlichen Wilmersdorfer Wohnung noch eine zweite in Steglitz habe in Ge- stall eines möblierten Zimmers. Nachdem Herr Genner daS Sitzungszimmer verlassen hatte, referierte der Gemeindevorsteher über den Fall an Hand der Akten und kam zu dem Schluß, daß durch dle erfolgte polizeiliche Abmeldung des früheren Hauswirtes als festgestellt gelten müsse, daß G. tatsächlich seinen hiesigen Wohn- sitz aufgegeben habe und deshalb seines Mandate» verlustig ge- gangen sei. Wenn er nachträglich von einem Freunde, der vorher nie möbliert vermietet gehabt habe, als„möblierter Herr" gemeldet sei, so könne dadurch fem Mandat nicht wieder aufleben. Mit endlosen Reden und einem großen Aufwand von sittlicher Ent- rüstung suchten die Herren vom Mieterverein das gefährdete Man- bat des reichsverbändlerischen FraktionSgenossen zu retten. Sie stellten schließlich den Antrag, durch eine Kommisston die Sache nochmals zu untersuchen, der, auch von unseren Vertretern unter« stützt, angenommen wurde. Ob diese Kommission, der von unserer Seite Aßmann angehört, etwas anderes als der Gemeindevorstand wird ermitteln können, kann man billig bezweifeln. Aus der De- hatte erfuhr man übrigens, daß auch ein Mitglied der Rechten, Herr Glaubitz. seinen Wohnsitz verlegt haben soll und trotzdem noch sein Mandat ausübt. Der Bürgermeister gab zu, das gerüchtweis« vernommen zu haben, da aber keine polizeiliche Abmeldung erfolgt sei, so habe er keine Veranlassung zu Nachforschungen. Trotz direkter Aufforderung eines Gemeindeberordneten, sich selbst hierzu zu äußern, hüllte sich Herr Glaubitz in Schweigen.— Der Maulkorbzwang für Hunde wird mit Inkrafttreten einer neuen Polizeiverordnung, der die Gemeindevertretung zustimmte, dem- nächst auch in Steglitz aufgehoben.— Da» Geldbedürfnis der Gemeinde erheischt abermals die Aufnahme einer An- leihe von drei Millionen einhunderttausend Mark.— Unter ver- schiedenen Nachbewilligungen befand sich auch ein Betrog von 10 000 Mark für den ersten Vcrwaltungsbcricht der Ge- m e i n d e, dessen Kosten sich auf die schön« Summe von rund 15 000 M. stellen. Für die Nachprüfung der Rechnung über den Bau des Stadtbados durch einen Hochbautechniker wurden 1200 M. bewilligt. Da die kolossalen UeberschreibUngen de» Vor- anschlagcS in der Hauptsache durch die verfehlten maschinellen An- lagen entstanden sind, wird außer dem Gemeindevorstand niemand begreifen Iwineit. Weshalb man mit der Nachprüfung einen Hoch- bau fachmabn belrauk ha?. Eine Anfrage über bäs Bau ulk« glück auf dem Neubau der Steuer-Veranlagungskommission. bei dem durch Einsturz von trägerlosen Decken ein Familienvater ge- tötet wurde, wurde dahin beantwortet, daß unsere Bauverwaltung keine Schuld trifft, da diese Arbeiten nicht durch die Gemeinde aus- geführt werden. Die gerichtliche Untersuchung habe bis jetzt nicht ermitteln können, wodurch das Unglück entstanden sei. Auf An- trag unserer Genossen wurde den Hinterbliebenen die Summe von 500 M. bewilligt. Die Begräbniskosten wurden auch von der Ge- meinde getragen. Nachdem in voriger Sitzung auf Anfrage unserer Genoffen mitgeteilt wurde, daß der Antrag auf Ueberlassung einer Turnhalle an die Freie Turnerschaft von der Schuldeputation abgelehnt worden sei mit der Motivierung, daß eine ministerielle Verfügung dies untersage, stellte diesmal Herr Gemeindeverordneter Gädre einen Antrag betreffs Ueberlassung der Gemeindeturnhallen an alle hiesigen Vereine zu Turn- oder sonstigen sportlichen Uebungen. Der Antragsteller führte begrün- dend aus, daß die Regierung nach seiner Anjickt nicht über unsere Turnhallen zu verfügen habe, sondern nur die Gemeindevertretung. Didse habe aber kein Recht, danach zu fragen, wie dw Vereinsmitglieder politisch denken und welchen Stimmzettel sie bei Wahlen abgeben. Sämtliche Gemeindeglieder hätten gleiche Pflichten und mußten deshalb auch gleiche Rechte haben. Er halte es geradezu für eine Pflicht der Gemeindevertretung, das Turnen im Interesse des Staats- und Gemeindewohls nach jeder Richtung zu fördern. Bürgermeister Buhrow erwiderte, daß er den„Arbeitern" selbstverständlich Gleichberechtigung zugestehe. Die Freie Turner- schaft sei aber ein politischer Verein und die Mitglieder seien Anhänger einer Partei, die den Umsturz unserer Staats- ordnung anstrebe. Deshalb stehe er und mit ihm der gesamte Gemeindevorstand auf dem Standpunkt, daß diesen Staatsfeinden die Gemeindeturnhallen nicht überlassen werden dürften. Unsere Genossen betonten ihm gegenüber das gleiche Recht aller Steuer- zahler und wiesen darauf hin, daß, wenn schon die Freie Turner- schaft als politischer Verein bezeichnet würde, man dann doch nicht bestreiten könne, daß auch die anderen Turnvereine„politische" seien, allerdings in einem Sinn, der der poltischen Auffassung der bürgerlichen Mehrheit entspräche. Sonst beteiligte sich niemand an der Debatte; die„Helden" vom Mieterverein, des Gemeindevorstands allergetreueste Opposition, waren plötzlich taub und stumm geworden. Für den Antrag stimmten außer den Herren Gädke und Fischer nur noch unsere Genossen Aßmann und Hamburg. Die Mietervereinler brachten nicht soviel Courage auf. Zehlendorf(Wannfeebahn). Au» der Gemeindevertretung. Der Ortsverein hat den Antrag gestellt, ihm anläßlich seines 25jährigen Stiftungsfestes und der dabei stattfindenden Gartenbauausstellung 1000 M. zur Verfügung zu stellen, welchem Antrag nach längerer Debatte stattgegeben wurde. Wir halten die Zustimmung für falsch. Mit demselben Recht können natürlich auch die übrigen Vereine bei ähnlichen An- lassen Subventionen für sich herauszuschlagen suchen, und sie werden es sicher auch tun. Will man denn die Gemeinde unausgesetzt wegen solcher Privatangelegenheiten belasten? Für eine tn Zehlcndorf abzuhaltende Jahnfeier am 16. Juni wurden 200 M. bewilligt. Interessante Einblicke in das Gebaren unserer Gemeindever- Ivaltung gewährte die Prüfung, Feststellung und Entlastung dex Gemeinderechnung für 1009. Als Ueberschuß waren in den Etat 836533 M. eingesetzt und mit diesem und anderen Ueberschüssen wurde bisher bei allen Gemeindeivahlcn weidlich gekrebst. Dieser Ueberschuß hat sich aber bei der Prüfung wesentlich verringert. Allein 396 000 M. an Wertzuwachssteuer sind als uneintreiobar bezeichnet worden. Von dem verbleibenden Rest von 440000 M. ist der größte Teil noch im Prozeßverfahren befangen. Der Referent war so optimistisch, anzunehmen, daß davon die Hälfte gewonnen werden würde, welche Annahme nach den bisherigen Erfahrungen Zehlendorfs, bei Prozessen, als gänzlich verfehlt bezeichnet lverden muß. Von den nach seiner Annahme verbleibenden 220 000 M. sind schon im Jahre 1010 ganze 210 000 M. verwirtschaftet, so daß, immer vorausgesetzt, daß 220 000 M. zu retten sind, ganze 10 000 M. von dem mit so gewaltiger Lungenkraft seinerzeit ausgeposaunten Ueberschuß verbleiben. Werden aber nur 150 000 M. erzielt, dann müssen auf drr Rechnung für 1010 noch 60 000 M. draufgelegt wer- den. Ob die Wünsche des Referenten, daß in Zukunft eine bessere Iinanzgebarung Platz greifen möchte, in Erfüllung gehen, wagen «vir für Zehlendorf zu bezweifeln. Dazu hat man auch bei der Gemeindevertretung schon zu o�t den Eindruck gehabt, daß sie mithilft, die Einwohnerschaft zu düpieren. Uebcrschreitungen waren 43 854,00 M. vorgekommen, wovon 11425,08 M. ohne Gemeinde- beschluß verausgabt worden Ivaren. An diesen Ueberschreitungen hat sich auch z. B. der Gemeindevorstand mit 100 M. für die internationale Gartenbauausstellung beteiligt. Beanstandet wurden eine ganze Anzahl von Belägen. Obs nützen wird? Der Landrat des Kreise» Teltow hat die Gemeinden aufgefordert, infolge der Aufhebung de» Maulkorbzwang«» für Berlin, ebenfalls eine Aende» rung der Vorschriften über die Hundehaltung eintreten zu bissen. Nach längerer Debatte wurde dem Gemeindevorstand aufgetragen. eine neue Hundepollzeiverordnung vorzulegen. Die schon einige Jahre zurückliegende Festlegung der Lehrergehälter konnte noch nicht endgültig geregelt werden, weil sie in dem Teil über den Miets- zuschuß nicht die Genehmigung der Regierung gefunden hat. Die Sätze waren vorgesehen für die Ortsklasse A, während Zehlendorf inzwischen in die Ortsklasse L gesetzt worden ist, infolgedessen nur ein geringerer Mietszuschlag gezahlt werden darf. Entsprechend der Anregung des Gemeindevorstehers wurde beschlossen, daß der seinerzeit gefaßte Beschluß, 600 M. Zuschlag zu zahlen, nach dem vom Provinzialschulrat festgesetzten Satz abgeändert wird. Es wurde ferner beschlossen, den Mietszuschlag vom 1. 4. 1011 an zu zahlen. Der Blumcntagrummel wird bei uns am 2. und 3. Pfingst- seiertag abgehalten werden. Nach den angekündigten Veranstal- tunaen kann man sich eine ziemliche Belästigung der Auszügler versprecken. Kürzlich hat bereits jemand, der an der Arranaierung augenscheinlich beteiligt ist, es für nötig gehalten, denen, die evtl. durch die aufgebrachten Spenden cinstnials beglückt werden, ftbon jetzt eine Vorlesung über zweckmäßige Verwendung zu halt-n. Wie man es nicht tun soll, zeigte er an einer Erzählung, wonach ein über 70 Jahre alter Arbeiter die am MonatSersten empfangene Altersrente nach seinen eigenen Worten sofort in Schnaps umsetzen wollte. Dies« Erzählung in Verbindung mit der Empfehlung der Blumen- tage zeigt die Gemütsverfassung, mit der jene Leute Wohltaten— verüben. Die klassenbewußte Arbeiterschaft dankt für diese Wohl- taten. Sie braucht auch ihre Groschen nötiger als zu dem Zweck, die Knopflochschmerzen mancher Leute befriedigen zu helfen, Britz. Der letzten Grmeindrvertretersitzunn wurde zunächst mitgeteikt. daß die Kasseureviston am 20.«spnl in der JahreSreckmung eine Eiminhm« von 3 507311,26 M. und ein- Ausgabe von 3 190 034,10 M., mithin einen Bestand von 307 377,07 M. festgestellt bat. AlSdann wurde der zum Schöffen gewählte Herr Grau in sein Amt eingeführt.— Auf Antrag der Schuldeputation wurde be- schlössen, zum 1. Oktober d. I. drei neue Klassen zu errichten und zwei neue Lehrer einzustellen. Für die vom 30. Juni bis 2. Juli in Britz stattfindende Deutsche Rosenausstellung Hai die Gemeindevertretung ans Aiitrag des RolartumanSschusseS 500 M. für Preise bewilligt. Dagegen stimmten unsere Genossen, weil 200 M. von dieser Summe zur Beschaffung von Auszeichnungen in Form von bronzenen Plaketten verausgabt werden sollten. Anlaß zu längerer Debatte gab ein Antrag der Firma I. D. Riedel, die zwischen Sorgenweg und Saalburgstraße einen Ausgang nach dem Tempel- hofer Gebiete zu schaffen beabsichttgt und dazu eine Straße parallel der Rixdorf-Mittenwalder Bahn nach der Gottlieb-Duncker» Straße zu braucht. Sie beantragt Regulierung und Pflasterung dieser Straß««rnf Kosten der Gemeinde zur Kompensierung eine« Teile» der 15 000 M,. welche Vi« Firma zur Regulierung und Pflasterung b»« Sorgenweg«« bereitgestellt hat. Die Kosten der Pflasterung würden 5000 M. betragen; den Beitrag zur Herstellung der Regenwasserkanalisation in dieser einen Sttaße in Höhe von 6000 M. trägt die Firma. Außerdem würde sie zur späteren Ver- größerung des Westhofens eine Fläche von S81 Quadratmeter an die Gemeinde kostenlos abtreten. Genosse Kitzing wandte sich gegen die Bewilligung der 5000 Mark. Er könne nickt einsehen, weshalb man einer so großen Aktiengesellschaft soweit entgegenkommen soll. Derselben Ansicht waren auch ver- schiedene bürgerliche Vertreter: sie warnten davor, einen Präzedenz- fall zu schaffen. Da nach Meinung des Vorsitzenden eine weitere Aussprache zur Klärung der Sache nicht angebracht erschien, empfiehlt derselbe, diesen Punkt der Kommission zur Be- schlußfassung zu überweisen. Dem wurde zugestimmt. Der Vorsitzende teilte noch mit, daß geplant sei. am Britzerhafcn-Ost eine Müllabladestelle zu errichten. Die Gemetndevertretung erhob hiergegen entschieden Einspruch mit der Motivierung, daß keine Ver- anlassung vorliege, diese am Hafen für eine bessere Bebauung zu erschließende Gegend mit einer solchen Abladestelle zu ver- sehen, Aumal der Tempelhofer Bahnhof den Bedürfnissen und Ansorderungen der Nachbargemeindcn für die Müll- Verladung noch auf lange Zeit genügt. Zum Schluß wurde die Mitteilung gemackt, daß das neu zu errichtende Sckulgcbäude in der Chausieeftraße vis-a-vis des Kirchtciches Platz finden und zum Herbst dieses Jahres zunächst der Mittelbau in Angriff genommen werden soll, um am 1. Oktober 19l2 seinem Zweck übergeben zu werden. Das Projekt sieht einen Erweiterungsbau auch für eine höhere Schule vor. Treptow-Baumschulcnweg. Der Gesangverein„Liedesfreundschaft" veranstaltet am 2. Pfingst- feiertage im Lokal„Coiicordia"(früher Karpfenteich), Köpenicker Landstraße, ein großes Frühkönzert. Da der Berein bei Partei» festlichkciten bereitwilligst mitwirkt, werden die Genossen beider Orts- teile mit ihren Angehörigen gebeten, durch rege Beteiligung die Veranstaltung zu unterstützen.. Anfang früh 6 Uhr. Eintritt 20 Pf. Grünau. Die Gemeindevertretung beschloß in ihrer letzten Sitzung einen neuen Niederdruckdampfkessel für Heizzweckc in der Schule auf- stellen zu lassen. Der Wunsch einiger Reflektanten, die einzigen noch freien Ufcrstellen in der König- und Fricdrichstraße zu ver- pachten, wurde nach längerer Debatte abgelehnt, da die Zugänge zum Wasser für die Allgemeinheit freigelassen werden sollen; gleich- zeitig soll da» Ufer in der Königstraße befestigt werden. Zur Verteilung von Badekarten an die Gemeindcschüler sind wie im Vorjahr 60 M. bewilligt. Leider lag eine zustimmende Antwort nur vom Freibad vor, während sich der Pächter der Badeanstalt im Ort trotz mehrfacher Anfragen nicht geäußert hat. Die Offerte eines Unternehmers, 5 Anschlagsäulen aufzustellen, fand ein- stimmige Annahme. Von den Säulen sollen 3 in der Köpnicker- und je 1 in der Bahnhof- und Kurfürstenstraße aufgestellt werden. Die Jahresrechnung für 1009/10 tveist eine Einnahme von 460 654 M. und eine Ausgabe von 316 261 M. auf. Die Einnahmereste belaufen sich auf 41 351 M. Die AuSgabereste auf 57 764 M. Trebbin(Kreis Teltow). In der Stndtvcrordnctcnfifcung wurde der für den Genossen Morgenrot gewählte Genosse Franz Heintze durch den Bürger meifter als Stadtverordneter eingeführt. Sodann stimmte die Ver sammlung dem Darlchn von 3700 M. zur Bestreitung de» Siebbusch projekleS von der Provinz Brandenburg zu. Die Summe soll nach T�Freijahrcn mit 3 Proz. verzinst und ebenso hoch getilgt werden. Der festen Anstellung des Nachtwächter» und Schuldieners JaniowSky bei freier Wohnung und dem Anfangsgehalt von 1000 M., steigend von zwei zu zwei Jahren um 00 M. bis zum Höckstgehali von 1200 M.. wurde mit 10 Stimmen gegen die 6 Stimmen unserer Genossen, welche die beiden Posten getrennt wissen wollten, zu- gestimmt. Die Artillerie-Prüfungskommission hat den Antrag ge- stellt, die städtische Forst an verschiedenen Schußtagen absperren zu dürfen. Die darüber gepflogeneu Perhandlungen betreffs Eni« schädigungen usw. führte» zu einen Bertrag, welchen die Stadl- verordneten aber ablehnten, weil die Kommission der Stadt gegen- über keine Verpflichtungen bei vorkommenden Unfällen usw. über- nehmen will. Der Magistrat hat der von der Versammlung vor- ! genommenen Streichung der Betriebssteuer von 415 M. aus dem Etat eine Genehmigung versagt und sich beschwerdeführend an den Regie- rungSprSsidenten gewandt. Hierbei hat derselbe einen von der Versamm« lung allgemein empfundenen scharfen Ton angescklagen. Der Bürger- meister bestritt entschieden die Absicht der Schroffheit gehabt zu haben und ersuchte nochmals um Wiedereinsetzung der Betriebssteuer. Es fielen hierauf auch wirklich einige der Herren um und somit wurde der Magistratsvorschlag mit 3 gegen 8 Stimmen, wobei der Borsteher den Ausschlag gab, angenommen. Dem früher gestellten Antrag de« Genossen Rickter, zur Erledigung der Abschaffung des Bürgerrechtsgeldes, welches hier noch 18 M. beträgt, eine gemischte Kommiision beider Körperschaften zu wählen, stimmte der Magistrat iit. Der Kommission gehören auch unsere Genossen Richter und idntze an. Weitzensee. In den verschiedene» gemeindlichen Wohlfahrtseinrichtungen bat der Gemeindearzt nach seinem Bericht eine außerordentliche Tätigkeit entfaltet. Im Siechenhause ist eine neue Organisation eingeführt. An Stelle des bisherigen Verwalters sind drei Schwestern vom Roten Kreuz getreten. Es herrschten zuerst Be- denken, ob die Schwestern imstande sein würden, die erforderliche Disziplin aufrecht zu erhalten, doch hat sich das Gegenteil her- ausgestellt. Die Neueinrichtung hat zudem den großen Vorteil, daß stets eine geschulte Krankenpflege für die Insassen des Hauses «rhanden ist, und da die Schwcrleidenden neben den Zimmern .er Schwestern untergebracht sind, so konnte ihnen auch des Nachts Hilfe zuteil werden. Es wurden im Siechenhause verpflegt 38 Männer, 52 Frauen; entlassen wurden 12 Männer und 12 Frauen; gestorben sind 6 Männer und 14 Frauen. Die Speisung erfolgte aus der VoltSspciseanstalt, welche in abwechselnder Form verab- reicht wurde. Für besonders schwache Kranke wurden von den Schwestern leicht verdauliche Speisen selbst zubereitet. In der Fürsorgestell'! für Lungenkranke wurden untersucht 57 Familien, V9 Männer, 186 Frauen und 175 Kinder. Von den aufgenom- menen Patienten wurden gemeldet durch Aerzte 122, durch die Armenverwoltung der LandesversichcrunaSanstalt 6, durch die Krankenkasse 3, durch Privatpersonen 3. durch andere Fürsorge- stellen 3, selbstgemeldct 215. Wohnungsbcsuche der Gemeinde- fchwestern fanden 063 statt. Durch die Fürsorgestclle sind gewährt worden Stärkungsmittel in 23 Fällen, Geld- und Mietszuschüsse in t 62 Fällen, Bettstellen unb Betten in 5 Fällen, Spuckslaschen in 11 Fällen. Aufgenommen wurden in Heilstätten 15 Männer, 25 Frauen, 25 Kinder, in Erholungsstätten 16 Frauen, 0 Kinder, in Krankenhäuser 4 Männer, 5 Frauen, 7 Kinder, in Pflegeheime 5 Männer, 17 Frauen. Die Auskunftssielle für Alkoholkranke haben 56 Personen besucht. In der Säuglingsklinik wurden 117 Säuglinge aufgenommen, während 15 vom Jahre 1910 über- nommen sind. Als geheilt entlassen wurden 00 Säuglinge, als gebessert 8, als ungcheilt 8, gestorben sind 12. Insgesamt kamen 4386 Verpflegungstage in Frage. In der Säuglingsfürsorgestelle wurden neu aufgenommen 430 Mütter. Untersuchungen haben 3104 stattgefunden. Die Schwestern machten 1775 Wohnungsbesuche. Unterstüpungen an Mutler wurden gewährt an Vollmilchpor- tionen 327, an Kindermilch 82, an trinkfertige Portionen 250, an Nährmittel 161. Zur Jugendfürsorge ist zu bemerken, daß die Gemeinde in vier Kolonnen je 30 Kinder nach der Ferienkolonie in Birkholz schickte. Außerdem machte der Gemeindearzt 420 Be- suche, 800 Konsultationen, 56 Leichenschauen, gab 53 Gutachten über Geisteskranke ab und verrichtete 300 amtliche Untersuchungen. Unter letztere fallen vertrauensärztliche Berichte über Beamte, Lchrerpcrsonal, Anstellungen, Erwerbsfähigkeit, Wohnungsunter- suchungen, polizeiliche uno kriminalistische Untersuchungen. Auch bildete er die Samariter der freiwilligen Feuerwehr aus und wirkte in der Genossenschaft freiwilliger Krankenpfleger für das Rote Kreuz mit. Kläglich abgeschnitten hat der Margaretentag am HimmelfahrtS« tage. Ganze 2110 M. sollen an folgende Vereine verteilt werden: 60Ö M. an die Kiuderbewahranstalt des Vaterländiscken Frauen- vereinS, 600 M. an den Kinderhort der Frauenhilfe, 350 M. an den Jugendsürsorgcverband, 200 M. für die JugendgerichtSbilfe, 60 M. an die Kiinbcuveieinigung. Dem katholischen Kinderhort werdeil ebenfalls 300 M. zugewieien, trotzdem man vorher diese Gläubigen von den Beratungen fernhielt. Damit der geliebte Bruder in Christo sich für fernere Fälle aber ruhiger verhält, mußte man schon etwas entgegenkommen. Reinickendorf. Gegen einen Mädchenschullehrer werden in Reinickendorf-West Besckuldignngen erhoben, die die Behörde zu Ermittelungen über sein Verhalten gegenüber seinen Schülerinnen veranlaßt haben. Es handelt sich um den Lehrer L i e b i g, der bis zum letzten Winter in der Schule an der Augusta-Viktoria-Allee tätig war. Von einem Polizeibcamten sind ein paar seiner Schülerinnen vernommen worden, wohl infolge eines Briefes, der an den Rektor gelangt sein sog. Pankow. Ein eigenartiger Strasicnbahnunfall trug sich am Freitag bor- mittag in der Schloßstraße zu. Die Kontaktstange eines Motor- wagcnS der Linie 47 U klemmte sich in der dort befindlichen Luft- weiche fest. Dadurch löste sich der Federbock und fiel auf das Ver- deck des Anhängcwagcns. Herr Max Mickelmann in Nieder-Schön- hausen, Kaiscr-Wilhelmstraßc 51 wohnhaft, welcher auf dem Ver- deck des Anhängers saß, wurde von dem herabfallenden schweren Stück Eisen getroffen und erlitt eine blutende Wunde im Gesicht. M. erhielt die erste Hilfe von einem in der Nähe wohnenden Arzt und wurde dann auf seinen Wunsch nach der Wohnung geschafft. Spandau. Stadtverordnetenversammlung. Zunächst wurde eine dringe liche Vorlage erledigt, welche die Kosten für die Be- und Entwässe rungs- sowie Gasleitung, Regulierung und Pflasterung der Kon kordiastraße in Höhe von 24 050 M. fordert. Das Eigentümliche bei dieser Vorlage ist, daß, nachdem man die 12. Gcmcindeschule in dieser Straße fcrtiggebaut, dem Bauamt plötzlich einfiel, daß ja die Rohrlegung und die Regulierung der Straße vergessen war. Solche Dinge gehörten bisher in Spandau allerdings nicht zu den Seltenheiten. Eine längere Debattte setzte ein, in welcher das Bauamt derb abgerüffelt wurde. Die Versammlung genehmigte sodann die Kosten für die Rohrverlegung, lehnte aber die Pflaste- rung der ganzen Straße ab und beschloß nur, vorläufig einen Bllrgerstcig anzulegen. Dieser Beschluß bedeutet auch so ein kleines Schildbürgerstückchen, denn gepflastert muß die Straße doch werden.— Infolge der Wahl des Stadtverordneten der 3. Ab» teilung Simon zum Badeinspektor des städtischen Schwimmhallen- bades hatte dieser sein Stadtverordnetenmandat niedergelegt, wo- von die Versammlung Kenntnis nahm. Die Ersatzwahl soll im November diese? Jahres stattfinden.— Um eine bessere Absperrung bei Nohrbrüchen usw. vornehmen zu können, stimmte die Versamm- lung einer Vorlage zu, welche den Einbau von weiteren zehn Ab- spcrrschicbcrn mit einem Kostenaufwand von 1500 M. fordert.— Der Spandauer Hafen scheint ein richtiges Schmerzenskind für Spandau zu werden. Nicht allein, daß man einige, und zwar die wertvollsten Ufer an den Spediteur Thomas für einen wahren Spottpreis verpachtet hat, der bei weitem nicht die Zinsen auf- bringt, es sind auch immer»och Geldbewilligungen für neue An- lagen erforderlich. So bewilligte die Versammlung 2350 M. für Aufstellung von Schranken, 5000 M. anteilige Kosten für die lieber- führung der Grunewaldbahn über die Hafenbahn, 15 000 M. für Gleise und Fuhrwcrkswagen im Hafen, 6900 M. zur Herstellung eines Planums für den Anschlußbahnhof Ruhleben, 34 000 M. zur Herstellung der elektrischen Licht- und Kraftanlage im Hafen. Unsere Genossen sind von Anfang an dafür eingetreten, die Ver- waltung des Hafens in eigene Regie zu übernehmen. Es wird schließlich so kommen wie bei der Straßenbahn. Erst wenn große Summen verpulvert sind, wird man sich am letzten Ende doch für die eigene Regie entschließen. Dann dürfte daS Fett aber abge- schöpft sein.— Bei der Vorlage betreffs Eindeckung des Kohlen- bcdarfs der städtischen Gasanstalt, welche genehmigt wurde, knöpfte man sich die GaSanstaltsverwaltung wieder einmal vor, und wie es scheint, mit Recht, denn das Gas unserer Stadt brennt spottschlecht und kostet immer noch pro Kubikmeter 15 Pf. Man bemängelte, daß so wenig Ueberschiisse herausgewirtschaftet werden und anderes mehr. Der Gasanstaltsdirektor K ü tz u n g stellte sich auf den son- derbaren Standpunkt, daß er nur verpflichtet fei, gute? brauch- bares Gad bis in die Rohre zu liefern, wie e» nachher brenne, sei nicht seine Sache. Auch bezüglich der Koksvcrwcrtung hatte der Herr Direktor sonderbare Ansichten. Er will denselben lieber auf- speichern, als ihn unter einem gewissen Preis verkaufen. Hier trat ihm der Genosse Pieper aber ganz energisch entgegen. Die Sache hatte insofern einen Erfolg, als man jetzt eine gemischte Kommission mit der Prüfung der Angelegenheit betrauen will. Die übrigen. weniger wichtigen Borlagen fimrden teils genehmig?, teils fleriao? und an die Deputationen zurückverwiesen. Einen qualvollen Tod durch Verbrennen erlitt, wie wir dem „Spand. Anz." entnehmen, vorgestern nachmittag daS Hausmädchen der Frau Schamberg, Breite Straße 56 wohnhaft. Die zwanzig- jährige Wilhelmine Schotte aus Köthen in Anhalt hatte mit dein Plätten von Wäsche zu tun; sie verwendete hierzu einen durch Spiritusfeuer geheizten Apparat und beging die Unvorsichtigkeit, aus einer Flasche von neuem Spiritus in den Behälter des Plättapparats zu gießen, während die Flamme weiter brannte; diese griff nun mit einem Male auf den Spiritus in der Flasche über: die ganze Flüssigleit entzündete sich, sprengte die Flasche auseinander und ergoß sich über das junge Mädchen, dessen leichte Kleidimg im selben Augenblick lichterloh brannte. Die Aermste lief in ihrer Angst, einer Feuersäule gleich, mit gellenden Hilferufen die Treppe hinunter auf die Straße, wo unter den Augenzeugen des gräßlichen Vorgangs eine unbeickreibliche Aufregung entstand; eS fehlte nicht viel, so wäre die Unglückliche noch unter einen Straßen- bahnwagen geraten. Aus der Nachbarschaft eilten einige Männer hinzu und erstickten die Flammen der brennenden Kleider des Mädchens, das inzwischen schon zusammengebrochen war, mit ihren Jackett»; alsdann trugen sie die Unglückliche in den Hausflur zurück, wo ihr der erste ärztlich« Beistand geleistet wurde. Fast die ganze Kleidung des Mädchen« war vom Feuer vernichtet; da» Haar war verbrannt und der Körper mtt vielen Brandwunde» bedeckt. Die Unglücklich- wurde alsdann nach dem städtischen Krankenhause über- geführt, wo sie gestern morgen durch den Tod von ihren unsäglichen Schmerzen erlöst worden ist. Nowawes. Die Fortbildungsschule hat durch die Verlegung des Unterrichts für die im Schneider-, Schuhmacker-, Sattler-, Tapezierer« und Dekorateurgewerbe beschäftigten Lehrlinge auf die Nachmittags- stunde» der ersten drei Wochentage erfreulicherweise eine weitere Einschränkung deS Abendunterrichls vorgenommen. Hoffentlich läßt sich diese Regelung auch bald für die noch übrigbleibenden Abend- klaffen der Maler-, Holzarbeiter- und Bauhandwerkerlehrlinge durch- führen; einige der in Betracht kommenden Meister sollen sich bereits in zustimmendem Sinne geäußert hajpen. An den Vormittagen werden jetzt unterrichtet die Lehrlinge der Metallbranche, ferner die Bäcker, Schlächter, Barbiere und Musiker; am Nachmittag außer den Lehrlingen der obengenannten Gewerbe die Buchdrucker und am Sonntagvormitlag die Maler im Zeichnen. — Ilm unregelmäßigem Schulbesuch sowie lonstigen Verstößen gegen die Schulordnung wirksam begegnen zu können, beschloß der Schul- vorstand die Angliedernng der letzteren an das OrtSstatut für die Forlbitdungsschule, wodurch in Zukunft etwaige gegen die Lehrlinge oder Meister verhängte Strafen Rechtswirksamleit erlangen. Marktpreise von«erlin am 2. Juni 1911, nach Ermlttclimg de» Ksnialichcn Poitzeipräsidiums. M a r k t d a l l eiiv r- i s e.(Kletnbaiidel.) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, z»M Koche» 30.00—50,00. Speisebohne», welke 30,00—50,00. Linsen 20,00- 60,00. Kartossein 6,00—9,00. 1 Kilo. gramm Nindsleisch, von der Keule 1,60-2,40. Rindfleisch. Bauchfleisch 1.20 61« 1,80. Schwelneflcllch 1,20—1,90. Kalbfleisch 1,50-2,50. Hammelflella, 1 40—2 20 Butler 2,20—2,80. 60 Stück Eier 2,80— 4,40. 1 Kilogramm Karpsen 1,40-2,20. Aale 1,40-3,00, Zander 1,40-3,60. Hechte 1.20 bis 2,80. Barsche 0,80—2,00. Schleie 1,20—3,40. Bleie 0,60—1,80. 60 Stück Krebse 3,00-36,00._ eingegangene Druchfchnfteti. 22. Jahres» und Kassenbericht der Gewertschaftskomtnisslon Berlins n»v Umgegend und Bericht des NrbettersekrrtarlatS 1919. 104 S. Selbstverlag. Berlin, Engeluser 15. Rns meinen Grlnnernngen an Dr. K. Lncgcr. Von Marianne BcStlba. 144 s. E.«. I. Ebhosser, Wien IX. Warnt« eilten die Jünger nach EmmauS? Von Andrzej Nicmo- jewSlt. Steuer Fr a n ks u r I e r jb erla�q, Frankfurt a. M. 0,7 S M. ,Au« Statur und Technik. Von Dr. Wiesenthal. Preis 76 PI. Verlag LcbenSresorm(Rub. Leichter), Schöncberg-Berlin. I.a Sueur du Barnoos. Lea Crirnea Colonianx de la Troisiörne Kepublique. Von P. Vign6 d'Octon. Verlag der „Guerre Sociale", Pari«, Bue St. Joseph 8. 2 Fr. 50. Independcnt l.uboui- Forty, Beport ok the 1911 Annnal Conference, Birmingham. April 1911. Der Rasensport. IIb sf 2 M. Verlag: Berlin Bö/. 7. portzeitung. Erscheint wöchentlich. Viertelj. III. Bcarbettet von®. Slcgerist. M., geb. 7,50 SB.— Dl« We Via. Märkisches Wanderbuch. 1. M. Fr. LüderS, Wilmersdorf. Der Kaisee. Roman von Max Ludwig. 6 Kunst stirbt. Von B. Auburttn. 1,20 M.— Bom Weibliche» überall. Von M. Prsvost. Uebersctzung von F. Gräfin zu Steventlow. 3 M., geb. 4,50 M.— Kleine Bibliothek Lauge». Bd. 106. Die inhsteriiise Tänzerin. Novellen von A. Eastell.— Bd. 107. Anne Karine Eorvtn. Srzädlung von Barbra Ring.— Bd. 108. Die schöne Frau und andere Geschichten. Von B. Wolfgang.— Bd. 109. Der Garten der Dnlamtiy. Erzählung von C. Ewald.— Bd. 110. Aufzeichuungeu über eine Familie Klopfer— Da» Kind. Bon A. Zweig. Jeder Band 1 M., geb. 1,50 M. Verlag 81. Langen, München. Prenhischr Jahrbücher. Hesl 3. Herausgegeben von H. Delbrück. Monatlich ein Hell. Quart. 6 M, H. Stllfc, Berlin. Wissenschaft und Bildung. Bd. 94 Spinnen und Zwirnen. Von Geh. SlUg.-Ra» Diplomingenlcur H. Glasty.— Bd. 95. Dt» Haupt- throrien der Volkswirtschaftslehre auf doqmcugcfchtchtlichrr Ärund- läge. Von Professor Dr O. Spann.— Bd. 96. Das Märchea. Gin Bettuch von Profeffor Dr. F. v. d. Leye». Süizelb. 1,-M. Ottginalleitieti. band 1,25 M. Verlag von Quelle n. Meyer in Leipzig. 7. Jnteriiatloiialer Bericht über die Gewerkschaftsbewegung 1999. Herausgegeben von dem internationalen Sekrclär der gewerklchafl- Ilchen Landeszentralen. 1,50 M., für Kewerkfchastsmitglleder 0.70 M.— Verlag Aetiernlkommisston der Gewetlfchaslen Deutschlands. Berlin, Engel- nser 15. Haupttheorien der BolköwIrtschaftSlehre. Von Othmar Sbanit. lSammlung„Wlslenschalt und Bildung".) Berlag von Quelle u. Me! Leipzig. Geh. 1 M., geb. 1,25 M. II Celibato Kcclesluslico von Cennaro Avolio. leyet, von„Battaglie d'Oggi", Societh 1 Lire. Kunst und Künstler. Heft 9. Monatsschrift. B. Ealslrer, Berlin, Derfflinaerftr. 16. Bltershnuicn. Von W. Rande. ■ Verlag Oornrncrciale Libroria, Napoli. Bierteljahr 6 SB. Memoiren eines Idealisten. rufsischen übertragen von Hülfe Flachs. Zehiendors. DeiitscheS Blumcnversbnch. Von Leipzig. 3 M.. geb. 4 SB. O. Janke. Berlin. Von M. 83. Nolvonitzti. Aus dem 2,50 M., fleb. 3,50 M.«. Sehr, Cl. Ludwig. 1,— R.<5. Beck FurWald iMid Gebirge Stiefel u.Schuhe &n zweckmässigen Ibrmen Haxipl-Preislai�en. für modernste 7.22 tOPJr Grossle Kulanz B esic Quali taf Billigste Preise Herren- u.Bamen-Si iefel uSchnhc ZStÄZS Tcppiche tZarbensehIer)(Stiegen. heilskaus. Fabnllagcr Mnuerboss, Nur Große FranlsurterPraße 9, Flur- ringang> Gegründet 1874. Vorwärts- lesern 10 Prozent. Sonntags geösjnet. 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