Zlr. 133. HbonncmentS'Bedingungen: >bonnemcnti- PreiZ pränumerando; vicrtcljährl. S�o Mk. monatd t.lv Ml. wöchentlich iS Pfg. trei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nunniier mit illustrierter Sonntags« Beilage»Die Neue Welt' 10 Psg. Post- tldonncmcnt: 1,10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige ilusland S Marl pro Monat. PostabonnemenIS nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Nutitältien. Schweben und die Schweiz. 38. Jahrg. vlchclst tZglich zitZer lllslltZZ«. Vevlinev Volksblakt. �entralorgan der rozialdcmokratifchcn Partei Dcutfcblands. Die TnkrtlonS'GebQbr Beträgt für die sechsgespaltenc Kolonel- zeile oder deren Raum 00 Psg,, für politische und gewcrllchaftlichc Vereins- »nid Versammlungs-Anzeigen 30 Psg. „Kleln« Hntclgen", das fettgedruckte «ort 20 Psg. szulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Cchlafstellcna» zeigen das erste Wort 10 Psg,, jedcS weitere Wort ö Psg, Worte über 15 Buch- staben zählen sür zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis t» Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Erpcoittoit ist bis 7 Uhr abends gcvfsuet. Telegramm- Adresse: «Zulsllliwslilzl Kirim". Redaktion: SM. 68. Ltndenstrasee 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr« 1S8Z. Sonnabend, den 10» Jnni 1911, Expedition: SM. 68» Lindenstraasc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. LemMchastzbemMg und„Hrbeitspartei" in Italien. Aus Rom wird uns geschrieben: Hat der Gewerkschaftskongreß von Padua in irgendeiner Weise die Tendenz, eine von den politischen Parteien unab- hängige Arbeitspartei zu gründen, zum Ausdruck gebracht oder nicht? Diese Frage drängt sich einem deshalb.auf, weil in den letzten Jahren wiederholt die Drohung einer Arbeits- Partei gerade im gewerkschaftlichen Lager formuliert worden war, und weil von verschiedenen Seite erwartet wurde, daß in Padua ein entscheidendes Wort in dieser Frage gesprochen werden würde. Zunächst muß man sich darüber verständigen, was man überhaupt unter dieser Arbeitspartei, diesem„Partito del Lavoro". verstehen soll. Von einer„Labour Party" nach englischem Vorbild kann in Italien vernünftigerweise nicht gesprochen werden, da hier die industrielle und gewerkschaft- liche Grundlage sowie die Vorbedingungen im Volkscharakter völlig fehlen. Was ist also diese ersehnte Arbeitspartei in Italien, und welches sind die Elemente, die sie herbei- wünschen? Offenbar sind es zwei ganz verschiedene Richtungen in der demokratischen Bewegung, die die Arbeitspartei erstreben, und dementsprechend sind es zwei ganz verschiedene Arbeits- Parteien, die erstrebt werden. Einmal will man die vor Jahr und Tag in der„Critica Sociale" als Ziel hin gestellte„Regierungspartei der Arbeiter", nämlich eine Reformpartei, die es darauf abgesehen hat, die Lage der arbeitenden Klassen zu verbessern, im Bunde mit der bürger liehen Regierung, frei von jedem anderen Ideal als dem der augenblicklichen wirtschaftlichen und moralisckjen Vesser stellung. Von dieser Partei kann man sagen, daß sie bereits in der äußersten Rechten des Reformismus ihre Führer hat, und daß ihr zu ihrer historischen Existenz nur eine Klcinig keit fehlt, nämlich die Gefolgschaft in den Massen. Diese „Regierungspartei der Arbeiter", die sich einst der wärmsten Sympathien Turatis erfreute, ist wohl als eine Art Ober Vormundschaft der proletarischen Bewegung zu verstehen, als ein Schutzinstiwi der proletarischen Massen, von dem Turati heute sicher nicht mehr begeistert ist. Im schroffen Gegensatz zu ihr steht die Arbeitspartei, die die Syndikalisten wollen. Soweit diele überhaupt etwas wie eine Theorie aus gearbeitet haben, erstreben sie eine Reihe autonomer Arbeiter syndikate, die in freiem Spiel der Kräfte untereinander soziale Arbeit und sozialen Reichtum verteilen. Den Syndikalisten widerstrebt der Gedanke der bewußten und systematischen Einordnung in ein soziales Ganze: sie wollen den Individualismus der bürgerlichen� Aera auf einer höheren Stufe, auf der das Einzelindividuum durch das Syndikat verdrängt ist, erhalten wissen. Sie sind politisch aus Prinzip, weil sie in dem Streit der Interessen nur wirb schiftliche Faktoren gelten lassen, als deren einzige berufene Vertreter sie die Arbeiterorganisation anerkennen. Ihrem Grundsatze nach sollten allerdings die Arbeiter selbst ihre eigene Sache führen, aber da die italienischen Arbeiter bis auf sehr wenige Ausnahmen für den Syndikalismus noch nicht„reis" sind, so führen sie einstweilen Professoren und Advokaten. Von dieser syndikalistischen Arbeitspartei ist bis jetzt noch nichts verwirklicht: ihr erstes Element, das un- politische, ausschließlich von Arbeiten für Arbeiterinteressen geleitete Syndikat, fehlt noch. Was ist nun die Arbeitspartei, die nach einem Artikel des Genossen Govi im„Avanti" vom 1. Juni in Padua zu- tage getreten wäre? R i g 0 l a hat in seinem Reckienschafts- bericht geschrieben, daß es„Zeit wäre, die Verhältnisse umzukehren und von den Parteien zu fordern, daß sie den Zwecken der Arbeiterklassen dienen, anstatt die Arbeiter den Parteizwccken dienen zu lassen". Weiter sagt er. daß sich „die Arbeiter von der politischen Vormundschaft, welcher Art sie immer sei. befreien müssen, wenn diese allzu anmaßend zu werden droht". Und an anderer Stelle ist zu lesen, daß die direkte Vertretung der Gewerkschaften in den öffentlichen Kör»vrschaftcn eine unausbleibliche Folge der Gewerkschafts- fvwCfliing sei, und daß„eine allmähliche Ucbertragung der politischen Aktion aus den Parteien in die zuständigen Klassen unvermeidlich ist". Um die zitierten Sätze richtig zu würdigen, muß man sich fragen, welchen Maßitab der Kongreß von Padua bei seinen Verhandlungen zugrunde gelegt hat. Hat er den engen utilitarijchen ArbcitersUindpunkt ohne geschichtliche Verspektide vertreten, die Besserstellung der organisierten Massen als höchstes Ziel hingestellt, den Druck der Gewcrk- lchaften nur auf die Erreichung einer VorziigSstellung ihrer Mitglieder zu richten gesucht, oder hat er nickst viclniehr in allein die Erreichung deA sozialistischen Endziels,»ämlich die Uebernahme der Produktionsinittel durch die Gesamtheit, als Kompaß und Richtschnur aufgestellt? Am deutlichsten kdm dies bei der Diskussion über das Genossenschaftswesen und über die Frage der Romagna zum Ausdruck. Es wider» streitet durchaus nicht den Interessen einer organisierten Kategorie, Arbeiter anzustellen, auszubeuten, und den von ihnen geschaffenen Mehrwert zugunsten der organisierten Kategorie zu monopolisieren. Wenn der Kongreß bei all seinen Aeußerungen und vor jeder Diskussion ein solches Vorgehen verwarf, so zeigte er dadurch, daß er nicht Kategorieinteressen, nicht Interessen der Gewerkschaften, sondern die geschichtlichen Interessen des gesamten Prolc- tariats und die sozialistischen Ideale zum Leitstern nahm. Es ist sehr bedeutungsvoll, daß die Syndikalisten gegen die Tagesordnung über das Genossenschaftswesen Stellung nahmen. In der Tat widerstrebt es ihrer Auffassung der sozialen Entwickeluug durchaus nicht, daß die stärkere Arbeiterkategorie die sckiwächere ausbeutet, und es liegt für sie deshalb gar kein Grund vor, irgendeine Kontrolle über das Genossenschaftswesen auszuüben. Mag sich im fteien Spiel der Kräfte die eine Kategorie mit der anderen messen! Auch die Frage der Romagna ist sür die Syndikalisten eine bloße Machtfrage, während sie für die Sozialisten eine Prinzipienfrage ist. Und wenn C h i e s a von den zwei Seelen sprach, die er in dem Kongreß erkannte, von der die eine den Trieb und den instinktiven Hang zur Besserstellung personifizierte, während die andere ihr Streben bewußt und systematisch darauf richtete, diesem Triebe und Instinkt ein höhere� Ziel der Selbstzucht und Einordnung überzuordnen, so gab er darin einem tief sozialistischen Gedanken Ausdruck. Was an der Arbeiterbewegung mehr ist als Ausdruck und Folge des Triebes, die Lage des Jndivibuums zu heben, was durch Arbeit an sich selbst und an anderen darauf hinausgeht, die Arbeiterklasse zur Leukerin ihrer eignen Geschicke zu er» ziehen und zur Wahrerin der Kulturgüter der Gesellschaft, was das heutige Wohlsein den künftigen Zielen, was das Individuum und die Kategorie der Klasse und ihren Idealen unterordnet, das ist ja eben der Sozialismus. In allem, was in Padua in Worten zum Ausdruck kam, hat sich die Gewerkschaftsbewegung als durchaus von sozialistischer Idealität getragen bewährt. An dieser Tatsache gemessen, gewinnen die Bemerkungen Rigolas eine ganz neue Bcdeu- tung. Sie vertreten nicht eine engherzige Arbeiterpolitik im Gegensatz zum Sozialismus, sondern sie tadeln im Grunde die sozialistische Partei gerade ob ihres geringen Sozialismus. Daß man die Arbeiter von politischer wie von jeder anderen Vormundschaft befreie, ist eine durchaus sozialistische Forde- rung, und wenn die Konföderation die direkte Vertretung der Gewerkschaften in den öffentlichen Körpcrsck)aften fordert, so tut sie das offenbar, weil sie in der sozialistischen Partei einen unzulänglichen Vertreter des proletarischen Klassen- interesses sieht. Es wird also nicht die sozialistische Partei wegen ihrer sozialistischen Ideale abgelehnt, sondern sie wird vielmehr als zur Erreichung dieser Ideale unzulänglich an- gesehen. Das ist also etwas ganz anderes als die Gründung einer unpolitischen Arbeitspartei im Gegensatz zur sozia- listischen: das ist ein verkapptes Mißtrauens- Votum, das aus reformistischem Lager gegen die reformistischen Methoden formuliert wird. Die Partei, die man kritisiert und ablehnt, ist ja die reformistische, und man lehnt sie gerade deshalb ab und spricht von ihrer möglichen Verdrängung, weil man das sozia listische Endziel will und es durch sie nicht der Verwirklichung entgegengeführt sieht. Dieser Schluß ist durchaus nicht durch dialektische Verrenkungen erzielt worden, sondern ergibt sich klar und einfach aus der unleugbaren Tatsache, daß der Gewerkschaftskongreß von Padua in allen Fällen nach einer sozialistischen Richtschnur das gewerksckjaftliche Handeln gerichtet sehen wollte. Wenn diese Richtschnur nicht an- gezweifcl werden kann, so muß man in den Forderungen, die auf eine Ersetzung der sozialistischen Partei durch die Gewerk- schaffen hinauslaufen, eine Kritik der Partei sehen, die vom sczialistischen Standpunkt ausgeht, von sozialistischer Idealität getrogen ist und an der Partei nicht das Sozialistische, sondern gerade das dem Sozialismus nicht gemäße und nicht entsprechende verwirft. Es ist das ein nicht gering anzuschlagendes Ergebnis des Kongresses von Padua, daß er gevade das reformistische Axiom der unpolitischen Gewerkschaftsbewegung Lügen ge- straft hat. Es ist keine unpolitische, sondern eine durch und durch sozialpolitische Bewegung, die die Stellung einnimmt, die in Padua in Sachen der Romagna und in Sachen der Genossenschaftsbewegung eingenommen wurde. Genügt dieser Bewegung die sozialistische Partei nicht, so spreche man nicht von der Tendenz, eine Arbeitspartei zu gründen, denn damit belügt man sich selbst, sondern man spreche von einer Kritik im reformistischen Lager, von einem noch unau's- getragenen und sich selbst nicht klar zum Bewußtsein ge- kommenen Irrewerden des Reformismus an sich selbst. Für die Arbeitspartei mag der reformiMkck>e Abgeordnete Graziadei, der den Sozialismus für eine Force hält, Propaganda machen, und die Syndikalisten mögen sich � um ihre Erweckung bemühen. Was in der Sie schwarze tzerkuindcrsippe am Pranger. Unsere ehrenwerten Gegner von der schwarzen Partei lügen. daß sich die Balken biegen, bloß um dem nichtswürdigen Raub der Selbstverwaltung der Krankenkassen den Schein einer Berechtigung zu geben. Daß den Herrschaften der Schwindel von Fall zu Fall nachgewiesen wird, macht ihnen weiter keine Sorgen, ist der Schwindel erst in die Welt gesetzt, dann macht er die Runde und taucht auf in den entlegensten Winkelblättchen. Der Zweck ist erreicht, der Sozialdemokratie hat man wieder etwas angehängt, denn von der Wiederlegung des Schwindels und dem Nachweis der Ver« leumdung bekonimen die Leser solcher Wische nie etwas zu sehen. Als bei Beratung der RcichSversichcrungSordnung die Paragraphenhetze ihren Höhepunkt erreicht hatte und Graf W e st a r p und Becker- Arnsberg Arm in Arm bundesbriiderlich die grob- klötzigsten Behauptungen über angebliche sozialdemokratische Miß- Wirtschaft in den Krankenkassen erhoben, ohne die Verpflichtung zu fühlen, ihre Beschuldigungen auch beweisen zu müssen, da passierte den schwarzen Volksverrätern das Malheur, daß ihnen nach getoiesen tvurde, daß in vom Zentrum b e h e r r s ch t e n K r a n k e n k a s s e n, z. B. in Essen, in erhöhtem Maße alle jene Mißwirtschaft zu finden i st, die sie andcrenKrankenkassen an« gedichtet hatten. Als Retterin in der Not erschien die Dortmunder„T r e m 0 n i a" auf dem Plan, jenes Zentrumsblatt, das in seiner gemeinen Kampfes- weise und unwiderstehlichen Abneigung gegen die Wahrheit von keinem anderen klerikalen Blatte Deutschlands auch nur annähernd erreicht wird. In höchst auffälligen Lettern brachte sie einen Artikel. der heute noch in folgender Form durch alle klerikale und reichs- verbändlerische Blätter die Runde macht: „Laßt sie betteln gehen, wenn sie hungrig sind l Vom Vor- stand der Allgemeinen Ortskrankenkasse zu Witten geht daS nach- folgende, mehr als bezeichnende Schriftstück aus. Im voraus sei bemerkt, daß sowohl die sämtlichen Vertreter, wie auch Vorstands- mitgliederstellen der Arbeitnehmer sozialdeinokratischerseitö besetzt sind. DaS Klillurdukliment tautet: Allgemeine OrtSkrankenkasse Witten. J.-Rr. 73?. Witten, den 11. Mai 1911. An die Herren Arbeitgeber! Im abgelaufenen Rechnungsjahr mußten" dem Reservefonds zur Deckung der Ausgaben wiederum 8009 M. entnommen werden, so daß derselbe nunmehr noch 28 022,11 M. beträgt, während er für das lauscndc Rechnungsjahr 118 228,16 M. betragen müßte. Dieses ungünstige Ergebnis ist.zmn größten Teil darauf zurückzuführen, daß der Kasse eine große.Anzahl Reichs- und Bcrginvaliden, sowie sonstige, nur teilweise erwerbs- fähige Personen angehören, die naturgemäß ganz erhebliche Kosten verursache». Um diesem Nebel zu steuern, ist es daher eine un- bedingte Notwendigkeit, daß seitens der Arbeitgeber' unter den zur Einstellung kommenden Arbeitern eine bessere AuS- wähl getroffen wird. Invaliden und an» scheinend kränkliche Personen sind möglich st zurückzuweisen. Sollte sich aber die Annahme derartiger Leute nicht vermeiden lassen, dann bitten lvir, denselben aufzugeben, zunächst von dem ihnen auf Grund deö§3it deö KrankenvcrstchcrungSgesctzes zustehenden Rechte der Befrei u n g von der Kraiiken- Versicherungspflicht Gebrauch zu machen und dieselben erst dann einzustellen, wenn sie eine von uns ausgestellte Be- schcinigung erbringen, daß die Befreiung erfolgt ist. Diese Per« sonen brauchen alsdann nicht zur Kasse angemeldet werden. Sollten sie erkranken, so hat nötigenfalls der zuständige Armen- verband einzutreten. Die Anträge auf Befreiung sind seitens der in Frage kommenden Leute entweder mündlich oder schriftlich mittels besonderer Formulare, die von uns auf Wunsch unentgelt- lich geliefert werden, auf der diesseitige» Kasse anzubringen. Die Herren Arbeitgeber werden dringend gebeten, in Zukunft genau hiernach zu verfahren»nd auch im übrigen die Kasse zu schützen. wo sich immer Gelegenheit dazu bietet. Wir sind trotz der bereits beschlossenen Beitragserhöhung nicht in der Lage, eine Sanierung der Kassenverhältnisse herbeizusühren. Der Vorstand der All- gemeinen OrtSkrankenkasse.(Folgt Unterschrift.) Dieses Schriftstück kommt zur rechten Zeit, um der Sozial- demokratie die heuchlerische Maske vom Gesicht zu reißen. Im Reichstag werden zurzeit bei der Beratung der ReichSvcrsicherungS- reform jeitens der sozialdemokratischen Abgeordneten Anträge auf Anträge gestellt, die.Verbesserungeil" darstellen sollen und mrer- füllbar sind. In der Praxis aber läßt sich eine sozialdemokratische Mehrheil dazu herbei, armen Arbeitern die Arbeitsgelegenheit zu unterbinden. Was braucht ihr kranken lind invaliden Arbeiter Rechte— für euch ist die Armcimnlerstützung gut genug. So handeln sozialdemokratische Vertreter. Arbeiter, die Auge» auf!" DaS Schriftstück wird in der gegnerischen Hctzpresse„Ein sozialdemokratischeSKulturdokument" bezeichnet und eS sollte in der gehässigen Aufmachung den doppelten Zweck ver- folgen, der Sozialdemokratie wieder eins anzuhängen und die Aufmerksamkeit der Oesfentlichkeit von der kleri- kalen Mißwirtschaft in Essen und anderen Orten abzulenken. Wahr ist. daß das obige Schriftstück versandt ist, wahr ist daß die Kasse sich in ungünstigen Verhältnissen befindet und endlich ist auch wahr, daß unsere Genossen die Mehrheit in der Vertretung Wahr, st aber auch ferner, daß das Schriftstück von der erwaltung versandt worden ist.° h n d a* n?. r- e no s f e n von diesem Schritt Kenntnis halten. heutigen reformistischen GewerrschaftSbewegii'iig nomtnetr auf/ Das haben der vorfit-c.ide, ein SraOnMefilier'unb bcJ -ine Ablösung der politischen Partei durch die Arbeitspartet Uffe bestätigt Wahr ist. dab u� blnarveitet. ist nur, wenn uns nicht alles trügt, der/nicht billigen, vielmehr ein an dor es Rundschreiben an die sozialistlsche Geist der sich gegen feine Verzerrung zum Arbeitgeber erlassen haben, daß da» obige Schreibender Reformtsmus auflehnt. Verwaltung nicht beachtet werden solle, also �'außer Wirkung gesetzt ist, Die ungünstige Sage der Kasse fft beider Tatsache, asser auch nicht von unsere» Genossen verschulden. Unsere Genossen haben seit ISOS die Mehrheit, vorher regierten dre Christen. Daß aber unter den Christen schon die Lage der Kasse die denkbar ungünstigste war. werden wir nachher noch stachweisen. Zunächst sei hier erklärt, nicf)t entschuldigt, wie die Kassenverwaltung dazu kcun. ein solches Schreiben zu er- lassen, von dem, wie schon gesagt, unsere Genossen nicht die geringste Kenntnüs hatten. In Witten, einer Stadt von 30 000 Einwohnern, bestehen awgcr der Allgemeinen Orts- krankenkasse und der in Zentruirishänden befindlichen Orts- kranlenkasse für Handwerh-gesellen no ch neun Fabrikkranken- lassen. DaS Abschieben invalider und kranker Arbeiter wird von diesen Kassen feit jeher geür't, zum großen Nachteil der Allgemeinen Ortskrankenkasse. Die unerhörte Ausbeutung in der Berg- und Hüttenindustrie bringt es mit sich, daß die Arbeiter massenhaft er- kranken und zu einem erheblichen!reil ganz oder teilweise arbeits- unfähig werden. In Betrieben, die eine eigene Krankenkasse haben, werden solche Leute nur beschäftigt, wenn sie sich von der Kranken- Versicherungspflicht befreien lasse?,. Um nun in solche Betriebe hineinzukommen, arbeiten düeje Leute ganz kurze Zeit in einem städtischen Betriebe, werden nun bei der Ortskrankenkasse angemeldet, scheiden dann ans dem städtisasen Betriebe Wieoer aus, bleiben aber freiwillige Mitglieder der Allgemeinen Ortskrankenkasse. Im letzten Jahre haben lne von der Stadt angemeldeten Ar- beiter der Kasse eine Einnahme von 3000 M. gebracht, aber eine Ausgabe von 7000 M. verursacht. Die Sachlage ist also in Wirk- lichkeit die, daß das sozial absolut nicht zu billigende Borgehe» der Verwaltung eine Art Notwehr war. Schuld daran sind die Negierung und die bürgerlichen Parteien, weil sie der Zersplitterung der Kassen nicht ein Ende«nachen, sondern sie noch geradezu be- g ü n st i g e n. Die„Tremonia" setzt asser ihren Verkcumdungsfeldzug fort und die übrige gegnerische Presse wird ihr wohl darin folgen. So hat sie wieder einen Artikel gebracht, in dem sie sagt, daß noch vor einigen Jahren bei allen Ortskrankenkassen in Witten die Reservefonds in der gesetzlich vorschriebenen Höhe vorhanden waren, seitdem aber die Allgemeine Ortskrankenkasse unter„der Fuchtel der Genossen" stehe, seien die Beiträge immer in die Höhe und die Leistungen zurückgegangen. Wie das christliche Blatt es versteht. die Wahrheit ans den Kopf zu stellen, ergiht sich aus folgender Aufrechnung: Wie schon erwähnt, befand sich die Kasse bis zum Jahre 1908 in den Händen der Zentrums- christen. Unter deren Herrschaft mußten im Jahre 1903 bei dreizehnwöchigen Unterstützung dem Reservefonds 3000 M. entnommen werdeir. 1904, seitdem die llkiwochige Unterstützung eingeführt wurde, konnten die geschworenen Nichtsozialdemokraten nicht verhüten, daß dem Reservefonds 11000 M. entnommen werden mußten. Im Jahre 190ö waren es 6000 M., 1906 noch 7500 M. und 1907 sogar 11 750 M. Das war gewiß ein unmöglicher Zustand, den wir aber nicht auf Mißwirtschaft der Christen, sondern auf die mißlichen Ver- Hältnisse in Witten und die Zersplitterung der Kassen zurückführen wollen. Soviel st eht aber fe st, daß die Chri st enden freien Gewerkschaften eine sehr schlecht bestellte Kasse übergeben haben. Und die ultramontanen Ber- lcumder stehen am Pranger, die behaupten, die schlechte Finanzlage datiere erst seit der Zeit, wo die Kasse»unter die Fuchtel der Ge- Nossen" gekommen sei. Unter den freien Gewerkschaften ist der Reservefonds nicht in dem Maße angegriffen worden. Im Jahre 1908 verzeichneten die verhaßten Roten sogar einen Ueberschuß von 2000 M., was unter den Christen seit langer Zeit unmöglich gewesen war. 1909 mußten dem Reservefonds 5400 und 1910 8000 M. entnommen werden. In diesen zwei Jahren ging es aber fast allen deutschen Ortslranken- lassen nicht besser. Nun wird auch den freien Gewerkschaften noch zum Vorwurf gemacht, daß sie die B e i t r ä g e erhöht haben. Ja, wer trägt denn die Schuld hieran? Jene christlichen Schützlinge der Zentrums- presse, die Jahr für Jahr den Reservefonds angriffen, ohne die Finanzen der Kasse in Ordnung zu bringen. » Im vorigen Jahre, bei der Vertreterwahl zur Ortskrankenkasse in D o r t m u n d. riß die„Tremonia" da? christliche Lästermaul auch sehr weit auf und schwindelte frech von sozialdemokratischer Mißwirtschaft. Die Verleumdung hat den Christen nichts genützt, aber der„Tremonia" hat sie eine Klage eingetragen. Der Vorstand, sowohl Arbeitnehmer- wieArbeitgebervertreter haben Stcafantrag gestellt. Seit sieben Monaten schon schwebt die Klage. Mau sollte meinen, die„Tremonia" hätte darauf gebrannt, die Sache schnell zur Verhandlung zu bringen, um dem Zentrum im Reichstag das fehlende Material gegen die Sozialdeinokratie zu liefern. Aber nein, sie hat keine Eile. Als nach sieben Monaten dor erste Termin nahte, mußte biejer wieder ver- tagt werden, weil eS jetzt erst dem Beklagten ein- gefallen war. einen„Beweis" antrag zu stellen. Aber man darf sich nicht wundern über die in der Reichs- Verbands- und Zentrumspresse immer wieder entdeckte„Mißwirtschaft der Sozialdemokraten" in Krankenkassen. Gehört es doch einmal zu dem Beruf derartiger Blätter, die Sozialdemokratie zu verleumden und ist eS zum andern auch ihre Pflicht, noch nachträglich nach Gründen zu suchen, die den Bolksverrat der Kompromißparteien bei Beratung derReichSversicherungZorduung in milderem Lichte erscheinen lasseir._ Die Barbarei auf Cilis Island. New Aork, 25. Mai.(Gig. Ber.) Ließen die Zustände in der EiiUvanderiingsstation Ellis Island und die Be- Handlung und Abfertigung der Europamüden schon seit Jahren viel zu wünschen übrig, so sind sie neuerdings unter dem Regime des Einwanderungskommissars Willi- ams völlig unerträglich geworden. Was sich auf Ellis Island tagtäglich abspielt, spottet jeder Beschreibung. Em geordnetes'Rechtsverfahren oder Rechtsgrundsätze kennt man auf dem als Träneninsel bekannten Ellis Island nicht, auS- schlaggebend für das Schicksal der Einwanderer sind Laune und Äillkür unfähiger Aerzte, bornierter Inspektoren und des ausländerfeindlichen Kommissars Williams, dieses all- Mächtigen Zaren der Eiiiwauderungsinsel. Schon vor nahezu zwei Jahren wurde in der sozialistischen Presse Deutschlands und Oesterreichs der schmachvolle Ukas Williams gebrandmarkt, demzufolge jeder Ankömmling 25 Dollar Bargeld befitzen muß, andernfalls er nach seiner Heimat zurückbefördcrt wird.„Lieber springeil wir ins Meer, als daß wir heimkehren", lautete damals der VerziveislungSschrei, welchen von dem Ukas betroffene russische politische Flüchtlinge an die Presse und an Freunde richteten. Aber Williams war unerbittlich. Ihn scherten weder die Berzweifluiig der Aermsten noch die heftigen Proteste, die allcnthalbeii gegen die Barbareien seines Regimes laut wurden. Und seitdem ist es immer schlimmer geworden. Dem ersten Utas folgten andere, die Verhöre der Einwanderer werden jetzt geheim geführt und damit ist jede Garantie einer gerechten Erledigung strittiger Fälle aufgehoben. Demgemäß schnellte die Zahl der am Landen verhinderten Personen trotz des merklichen Rückganges der Einwanderung ganz bedeutend in die Höhe. So wurden im Jahre 1907, das ist vor der Amtszeit Williams, in den Monaten Januar, Fe- bruar, März und April von insgesamt 398870 im Zwischen- deck angekommenen Personen 2083 deportiert beziehungs- weise am Landen verhindert, in den vier ersten Monaten des Jahres 1911 hingegen von 225 855 Ankömmlingen deren 5690. Dieweil treffen auf die „Einwanderer- Elemente von heute", um einen landes- üblichen Ausdruck zu gebrauchen, viele der Einwände nicht mehr zu, die vor zwei Jahren vielleicht noch geltend gemacht werden konnten. Infolge der nach Europa gedrungenen Schilderungen über die Verhältnisse auf Ellis Island wagen Leute ohne die bewußten 25 Dollars Bargeld schon gar nicht die Reise nach Amerika. Auch ist die ärztliche Unter- suchung in den Einschiffungshäfen eine strengere denn je, wozu noch die größere Vorsicht der Dampfergesellschaften kommt, die das Risiko der freien Rückbeförderung Deportierter tragen. Trotz alledem die erschreckende Zunahme der Depor- tierungen I Ja, dunkel und unerforschlich sind die Wege des Kom- missars Williams. Jener erscheint ihm oder seinen Inspektoren zu alt, dieser zu jung, bei jenem mißfällt ihm der Körperwuchs, bei diesem besürchtet er, daß er seiner Füße wegen„einem Gemeinwesen zur Last fallen" könnte. Ueberhanpt diese Phrase des Zurlastfallens l So durfte kürz- lich ein Deutschrusse nicht landen, weil er eine ungewöhnliche Körpergröße hat, die ihn hindern könnte, sich zu ernähren. Heute sind es Bauernburschen, bei denen der Konmiissar die gleiche Befürchtung hegt, morgen Handwerker. Besonders streng sind die Herren auf Ellis Island gegenüber jungen Mädchen. Hat solch ein junges Ding das Unglück, eine hübsche Larve zu besitzen, so wird es von vornherein als Halbverworfene betrachtet. Auf Herz und Nieren wird es geprüft, und wurde ihm während der Ozeanreise von einem jungen Manne Aufmerksanikeiten erwiesen, so wittern die auf jedem Dampfer anwesenden Spitzel gewöhnlich das Allerschlimmste. Wie eine Verfemte wird solch' ein Mädchen behandelt. Begeht es gar die Unvorsichtigkeit, dew forschenden Einwanderungsinspcktor treuherzig zu erzählen, daß ihr Schatz in Amerika weilt, so darf es den geheiligten Boden„des Landes der Freien" erst betreten, nachdem es dem Schatze angetraut ist, mag es diesen auch nur aus den Schilderungen der Basen oder Vettern oder durch einen flüchtigen Briefwechsel kennen und noch so sehr bitten, den Liebsten nachher kennen lernen zu dürfen. An solche Kleinig- leiten kehren sich die Sittenrichter auf Ellis Island nicht. „Heiraten oder zurück" lautet ihr Befehl, mag damit auch Ellis Island zum Markte schamlosester Kuppelei herab- gewürdigt werden. Man treibt die Barbarei noch weiter. Brüder werden von den Schwestern gerissen, Kinder von den Eltern. Kleine Kinder die an einer nur den Aerzten der Einwandernngsbehördcn bekannten Krankheit leiden, schleppt man nach Hospital- barocken, dieweil die Mutter in den von Ungeziefer wimmelnden Käfigen— Detentionsräume genannt— auf Ellis Island schmachten. Entsetzlich sind die Seelenqualen, welche die Gefangenen in der Ungewißheit um das Schicksal der Ihren zu erdulden haben. Keine Nachricht dringt zu ihnen, und oft erst nach vielen Wochen erfahren die Mütter, daß ihr Liebling gestorben und schon beerdigt ist. Kein Wunder, daß in der Einwanderungsstation, in der beispielsweise letzte Woche 1100 Menschen in engen, schlecht ventilierten und noch schlechter gereinigten Räumen zusammengepfercht der Willkür der Wächter preisgegeben waren, Selbstmordversuche und Wahnsinnsausbrüche an der Tagesordnung sind. Wie lange noch sollen diese unhaltbaren Zustände währen? Zwar wurde dieser Tage im Kongreß eine Resolution ein- gereicht, die eine Untersuchung der Amtsverwaltung auf Ellis Island bezweckt. Da aber Williams das volle Vertrauen des Handelssekretärs Nagel besitzt, dem das Einwandernngs-Deparement untersteht, und sich deS be- sonderen Wohlwollens des Präsidenten Taft erfreut, dürfte das Ergebnis der Untersuchung, selbst wenn es zu einer solchen kommen sollte, ein negatives sein. Und von unseren diplomatischen Vertretern in Washington ist ein Eingreifen ob der aller Menschlichkeit hohnsprechenden Behandlung kaum zu erivarten. Sie erblicken ihre bessere Aufgabe in der Teil- nähme an Banketten, welche ihnen„Prominente" zweifel- haftester Güte geben.____ poUtifcbc öeberlicbt Berlin, den 9. Juni 1911. Auftakt und Musik. Herr v. Oldenburg- Januschau bereist jetzt seinen Wahlkreis, um die stutzig gewordenen Wähler aufs neue für indirekte Steuern, Abschaffung des gleichen Wahlrechts und Ausnahmegesetze gegen die Arbeiterklasse einzufangen. Biel Neues hat der Junker ja nicht zu verkünden, aber da er gewöhnlich ausspricht, was die diplomatischen Konservativen denken, lohnt es sich schon einige Aeußerungen aus seinen Agitationsreden wiederzugeben. Herr v. Oldenburg betonte zunächst wieder das Portemonnaie-Jnkeresse, das die Junker zu Feinden direkter Reichssteuern macht. Er meinte: „Direkte Steuern im Reich einzuführen, mache ich nicht mit. Denn, wenn wir direkte Steuern in einem Staat einführen, der das allgemeine Wahlrecht hat, so liefern wir daS Portemonnaie des Besitzende» der Sozial- d e m o k r a t i e a n S. Tie Erbschaftssteuer ist die aller- gefährlichste." Das ist nun zwar ein wenig geschwindelt, denn selbst Herr v. Oldenburg muß wissen, daß die Sozialdemokratie zur Erreichung ihrer Ziele nicht den Weg der Besteuerung gehen wird. Es handelt sich vielmehr nur darum, ob in der nn- mittelbaren Gegenwart die Junker zu den Lasten des Staates, dessen privilegierte Nutznießer sie sind, gleichfalls im Verhältnis zu ihrem Vermögen beitragen, oder ob all diese Lasten der arbeitenden Masse durch indirekte Steuern aufgebürdet bleiben sollen, damit die großen Ver- mögen für das Reich st e u e r f r e i bleiben können. Aber die Angst um das Portemonnaie erklärt allerdings zur Genüge die fanatische Feindschaft unseres Junkers gegen die Partei der Arbeit, deren Bekämpfung der Rest der Rede hauptsächlich gewidmet War. Herrn v. B c t h m a n n. wirklich denselben Herrn v. Bethmann, der auf Befehl HeydebrandS sich so bereitwillig zu Ausnahmebestimmungen bereit gezeigt hat, warf er Liebäugeln mit der Sozialdemo- k r a t i e vor und prophezeite ihm, daß er. der die Sozial« demokraten zur Mitarbeit heranziehen wolle, damit hereinfallen werde. Also schimpfte er: „Und jetzt noch die verzweifelten Versuche, die Sache zu er- reichen durch Mitwirkung der Sozialdemokratie gegen die Rechte. Die Sozialdemokratie nicht mehr als inneren Feind, sondern als gleichberechtigte Partei des Vaterlandes, die gleichberechtigt mitarbeitet in der Ausübung kaiserlicher Rechte, zu sehen—— das ist ein Anblick, an den man fich erst gewöhnen muß. Wer Bebel gehört und seine Reden gelesen, der weiß, daß die Sozialdemokraten R e p u b l i- k a n e r sind, denen Gott, Vaterland und Ehe nichts ist. Wenn die Sozialdeniokraten nun sehen, daß sie Regierungspartei ge- worden— drin sind sie im Bundesrat, ivie sie herauskommen, wird Bethmann Holllveg seinem Nachfolger überlassen müssen. Es kann im Vaterlande in absehbarer Zeit zu Erscheinungen kommen, die überrasche n werden." Zwar weiß Herr v. Oldenburg noch einen Trost: „Noch ist Preußen fest. Auf dem Lande und den kleinen Städten, auf den selbständigen Existenzen, ruht auch heute noch sicher und stark Preußens Macht. Und wenn einst mal die Stunde kommt, daß die Sozialdemokraten raus- fliegen aus dem Parlameut, dann wollen wir dabei feiu!" Nun, wenn Herr v. Oldenburg dabei sein wird, so wird er ja auch noch erleben, wer zuletzt„rausfliegt". Und ganz sicher scheint er ja der Sache nicht zu sein. Denn er sagt ja selbst:„Das alles ist in Etsaß-Lothringen nur der Auftakt, die Musik kommt in Preußen hinterher." Und diese Prophezeiung, denken wir, ist die einzige, die in Erfüllung gehen wird. Ja, die Musik wird noch ge- macht werden und den Oldenburgs soll es ganz verteufelt unangenehm in die Ohren klingen, wenn die preußischen Arbeiter ihnen bell Marsch blasen werden. Nationalliberale Unterstüüung des Zentrums. Der gemeinsame Haß gegen die Sozialdemokratie treibt in Rheinlaiid-Wcstfaleu Zentrum, und Nationalliberale, die sich sonst wie zwei bissige Köter anbelfern, zusammen. Es sind schon manche Unterhandlungen zwischen beiden Parteien im Gange gewesen, die Vereinbarungen in bezug auf die kommenden Neichstagswahlen herbeiführen sollten. Wie weit diese politischen Schachergeschäfte gediehen sind, läßt sich nicht sagen. Etwas kompliziert wird die Sache aber durch die Reichstagsersatzwabl, die im Wahlkreise Düsseldorf not- wendig geworden ist. Dort erhielten bei der Wahl 1907 das Zentrum 29 259, die Sozialdemokratie 25 389, die liberale Vereinigung 11 661, die freisinnige Vereinigung 598 und die Polen 268 Stimmen. In der Stichwahl erhielt das Zentrum 33 317, die Sozialdemokratie 25 233 Stimmen. Ans einer ziemlich gewundenen Aeußerung der„Kölnischen Z e i- t u n g" läßt sich nun schließen, daß die Nationalliberalen bei der Ersatzwahl überhaupt keinen Kandidaten aufstellen Wollen, in der stillen Hoffnung, daß der den liberalen Wählern eingeimpfte Notkoller diese gegen die Sozialdemokratie stim- men läßt. Wodurch das Zentrum indirekt unterstützt und für den Kuhhandel bei den Hanptwahlen bei guter Laune ge- halten wird.— Ter feine Plan macht den nationalliberalen Pfaffeilfressern alle Ehre._ � �—>---------------- Zum Füll Heim. Der Zentrumsassgeordnete Dr. Heim läßt erklären, daß er seinen Frieden mit der Zentrumsfraktion bezw. mit dem Vorstand der Partei gemacht habe: nur einen will er von diesem Frieden ansgeschlosse» wissen, den Abg. Dr. Jäger, den Verfasser der Angriffsartikel gegen ihn. Dr. Heim habe bei der Aussprache zwischen den Vorstandsmitgliedern der Fraktion aus- drücklich erklärt, daß sich der Ausgleich auf Dr. Jäger nicht er» strecke._ Eine Zentrumss churkerei. Der empörende Vorwurf der Meincidsförderung, den devNssessor W a r m b r u n n als Borsitzender des Danziger Schöffengerichts am 1. Juni gegen die Sozialdemokratie erhob, wurde von der gesamten bürgerlichen Lokalpreffe totgeschwiegen. Hauptsächlich aus Feigheit, teilweise wohl auch aus Scham über eine solche Aeußerung vom Richterstuhle auS. Nur ein Blatt nahm am 3. Juni zu dem An- griff des Richters Stellung, das Organ der schwarzen Partei kür Wahrheit, Freiheit und Recht, daS zentrnmSjesuitische„Westpreußische VolkSblatt". Die Toleranz der ZentrumSunchristen ist ja längst be- rühmt, und deshalb ist eS auch gar kein Wunder, wenn daS klerikale Blatt zu dem Angriff des Richters erklärt: „Die Bedenken des Richters sind für einen Christen sehr der- ständlich." Die Zentrumsjesuiten haben die Wahrheit schon so häufig mit Füßen getreten, daß auch diese frömmelnde Heinitücke nicht weiter verwunderlich ist. BesondtrS niederträchtig wird sie jedoch dadurch, baß sie sogar die politische Parteilichkeit auf dem Richterstuhle heilig spricht. Preusten in Bayern. Wir berichteten vor kurzer Zeit, daß das Bezirksamt Kaisers- l a u t e r n die öffentliche Verteilung des Flugblattes:„Nicht Arbeiterschutz, sondern ArbeUertrutz", anläßlich der Beratung der NeichSversicherungsordnung, untersagte. Gegen diesen Bescheid deS Bezirksamtes wurde bei der Regierung Beschwerde erhoben. Die königliche Regierung in Speyer machte aber die Entscheidung des Bezirksamts Kaiserslautern zu der ihrigen und wies die Beschwerde ab. Run wird sich noch das Ministerium mit der Sache zu be- schäftigen haben.. Die Flugblätter wurden trotz des Verbots des Bezirksamts ver- teilt. Der Genoffe Z„ der bei der Verteilung von der Polizei er- wischt wurde, bekam jetzt ein Strafmandat zugestellt. Mit einen: Tage Haft und 30 M. Geldstrafe soll die verbotene Flugblatt- Verteilung gesühnt werden. Die bayerischen SkaatSrettcr scheinen ihren preußischen Kollegen den Rang ablaufen wollen. Tie Neichsversicherun.qsordnnitg und die italienischen Arbeiter. Nachdem die RcichSversicherungsordnung Gesetz geworden ist, werden im Herbst d. I. gemäß Art. 2 deS deutsch-italienischen Handelsvertrags neue Verhandlungen über die B e h a n d- lung der beiderseitigen Arbeiter auf dem Gebiete der Arbcircrversichcriiiig zwischen der deutschen und der italieniscben Rc- gierung staltfinde». Frühere Verhandlungen hatten bereits einen befriedigenden Verlauf genoniincn, so daß der vertragsmäßigen Regelung der Angelegenheit nichts mehr im Wege steht. Kriegervereine und Militärbehörden. Daß Krieger- und Militärvercine von den Militärbehörden begünstigt und gefördert Werden, ist schon längst bekannt. Daß sich aber Militärbehörden direkt in innere VemnSangelegen- heiten dieser„Garde im Zylii�derhut" einmischen, durste immerhin neu und interessant sein, umsomchr als diese Einmischung auf eine regelrechte politische Gesinnungs- schnüffelei hinausläuft. Wie der„Liegnitzer Anzeiger" berichtet. hat nälnIichdaS BezirkSIommaudo tu Licguifc dem dortigen Militarderein einen Fragebogen zur Beantwortung zugesandt, der folgende Fragen enthält: 1. Gehört der Verein dem preußische» LandeZlriegerVerbande an? 2. Namen der dem Verein als Mitglieder angehörenden Offiziere z. D. oder a. D. oder des BeurlauStenstandes? S. Zahl der Mitglieder?(Sollte die Zahl gegen das Vorjahr zurückgegangen fein, so wird um eingehende Begründung ge- beten.) 4. Versuchen Oppositionsparteien Einfluß auf den Verein zu ge- Winnen? 5. Namen und Stand des Vorsitzenden? Eine nähere Erläuterung, was unter„Oppositions- Parteien" zu verstehen sei, hat das Bezirlskommando nicht ge- geben. Die nicht immer leichte Entscheidung darüber hat es dem Vorsitzenden überlassen. Die Sozialdemokratie kann es damit nicht gemeint haben, denn diese versucht keinen Einfluß in den Kriegervereinen zu erlangen, sie fordert im Gegenteil die Arbeiter auf, diese Schutztruppe der Reaktion zu meiden. Die Kriegervereine sind für Leute da, die den Kasernendrill auch in ihrem Zivilleben nicht missen wollen. Das Vorgehen des Liegnitzer Bezirkskommandos, das sicher nicht vereinzelt dasteht, beweist, daß der Einfluß der Kaserne auf die Militär- vereine noch viel größer ist, als man bisher annahm. Die Krife in Belgien. * Nach Coorcinan hat auch der frühere Minister L i b a c r t die Bildung des neueil Kabinetts abgelehnt. Tarauf berief der König den bisherigen Eisenbahnminister de Broque- v i l l e, der die Kabinettsbildung übernommen hat. Das M a n i f e st, das die sozialdemokratischen und libc- ralen Kammermitglieder erlassen haben, hat folgenden Wort- jsaut: An das Land? Das Ministerium Schollaert ist zurückgetreten. Daö gegen die Verfassung gerichtete und parteiliche Gesetz, dem es sein Geschick anvertraut hatte, ist verurteilt. Das ist ein großer Sieg für uns. Die Ehre dafür kommt allen zu, Ad- beitern und Bürgern, die in öffentlichen Versammlungen und in der Presse die Anstrengungen der Linken unterstützt haben, um die Verfassung und den staatlichen Unterricht zu verteid'igen. Aber man muß in der Bresche stehen bleiben. Der Ur- teilSspruch der öffentlichen Meinung muß bestätigt werden, wenn nach Vermehrung der Abgeordnetensitze daS Land berufen ist, sich endgültig bei den Wahlen zu entscheiden. e» Der Generalrat der Arbeiterparte! beschloß in einer gestern im Volkshause abgehaltenen Sitzung, im Einvernehmen mit der parlamentarischen Sozialistenfrak- tion, zusammen mit der liberalen Linken den K a m p f zur Erlangung des agegent einen, gleichen Stimmrechtes energisch fortzusetzen. Gleich- zeitig wird die Auflösung des Parlaments ver- langt. Die liberale Presse feiert den Sturz des Ministe- riums als einen Sieg der geeinigtcn liberalen und sozia- listischen Parteien. Die klerikale Presse ist nieder- geschlagen. XX. Sidcle sagt, ein vom König in voller Frei- heit gebilligter Gesetzentwurf falle einer Politik der Vor- zimmer zum Opfer und den Drohungen der Opposition. Fest steht, daß das Schulgesetz gefallen und daß ein neues klerikales Ministerium die Regierungsgeschästtz bitz zu den Wahle» im Mai 1312 fortführen wird., � �' franhrelcb. .■ Die Kosten der Winzerunruhe». Paris, 3. Juni. Der Winzerausschuß in Bar-sur- Nabe hat nach Prüfung des Beschlusses des Ministerrats eine Resolution angenommen, worin er sein Bedauern darüber aus- spricht, daß Ministerpräsident Monis, dem der Ausschuß bisher das größte Vertrauen entgegengebracht habe, die Weine aus dem Aubegebiet durch die neuen Bestimmungen in Mißkredit bringe. Dem„Petit Journal" zufolge belaufen sich die Kosten der durch die Winzerunruhen hervorgerufenen militärischen Besetzung des Champagnegebiets auf 420000 Frank täglich. Die Gesamtkosten belaufen sich bisher auf annähernd 2 2 Mil- lionen Frank. CUrheu Der albanische Aufstand und die Mächte. � Es heißt, daß Rußland die Absicht habe, eine K o n- ferenz der Großmächte vorzuschlagen, die der Türkei den Weg zur Beendigung des albanischen Aufstandes weisen solle. Auch England habe die Absichl, den Mächten eine gemeinsame Aktion zur Beendigung des Blutvergießens vor- zuschlagen. Mag auch die Nachricht den Ereignissen voran- eilen, so zeigt sie deutlich, wie das Prinzip der Nichtinter- vention in die inneren türkischen Angelegenheiten, das nach der Revolution verkündet wurde, bereits in Vergessenheit gerät. Die Pforte sucht sich natürlich gegen diese Ein- Mischungen in ihre inneren Angelegenheiten zu wehren. Sie hat den türkischen Botschafter in Wien beauftragt, dem Mi- nister des Aeußeren Grafen Aehrenthal mitzuteilen, daß die publizistischen Auslassungen der offiziösen„Wiener Presse" betreffs Albanien von falschen Voraussetzungen ausgehen und deshalb bei der türkischen Regierung großes Befremden hervorgerufen haben. Die österreichisch- ungarische Regierung müsse wissen, daß die Behauptung, die Albanicr würden mit übergroßer Härte behandelt, falsch fei und daß die türkische Regierung gewillt sei. im ganzen Reich Reformen durchzuführen. Die türkische Presse führt natürlich noch eine schärfere Sprache. Die Frage ist nur. ob das der Türkei viel helfen wird. Ihv europäisches Gebiet wird von Rußland, Italien und Oesterreich, ganz zu schweigen von den kleineren Balkan- staaten, als künftige Beute betrachtet. Gelingt es der tiir- kischen Regierung nicht, in kurzer Zeit, sei es durch Waffen- gewalt, sei es durch Nachaiebigkeii, Ruhe in Albanien zu schaffen, so wird die Intervention der Mächte wahrscheinlich eintreten, es sei denn, daß ihre Rivalität ein gemeinsames Vorgehen hindert._ Ausbreitung des Ausstandes. Wien, 8. Juni. Wie der Neuen Freien Presse aus Bel- grab gemeldet wird, ist in Djakova ein Aufstand ausgebrochen; in der Umgebung wüte zwischen Militär und Albancfen ein heftiger Kampf. IMarokko. Ter spanisch-französische Marokkokonflikt in der spanischen Kammer. . Madrid, 8. Juni. In der Kammer interpellierte der der liberalen Partei angchörige frühere Minister Villanueva über Marokko. Er verlangte klare und bestimmte Erklärungen über die Grenzen der spanischen Einflußzone, deren kein Bertrag Erwähnung NküikLmg iMe tea frgssöiijKefxsB'Men Geheim vertragvon 1904 zur Kekntnis bringen. CanalejaS unterbrach Villanueva und erklärte, die Stunde fei noch nicht ge- kommen. Villanueva drückte fein Bedauern darüber aus, denn Spanien hätte ein Recht, diesen Vertrag zu kennen. Der Vertrag setze die Einflutzzoue fest, die begrenzt sei von dem Maluja, von Janncm und Lukku. Er bestimme außerdem, daß während der nächsten fünfzehn Jahre Frankreich in dieser Zone eine Aktion durchführen solle, die der Spaniens entspreche mit der Einschrän- kung, daß es Spanien Neckenschast über seine Pläne gebe und daß nach Ablauf dieser Frist Frankreich immer mit dem Vorgehen in Marokko betraut werden solle mit der Verpflichtung, sich die Ein- willigung Spauiens zu verschaffen. Die Spanier könnten also nach Tewan, Larrasch oder anderen Orten, wo es das Leben von Landsleuten zu verteidigen gelte, gehen, aber sie hätten nicht das Recht, von dem Gebiet Besitz zu ergreifen. Villanueva wiederholte, die spanische Grenzzone sei durch den letzten Vertrag klar festgelegt. Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten erklärte dies für unrichtig. Villanueva erklärte weiter, daß es jetzt zu spät sei, sich nach Deutschland hinzuwenden. Spanien habe den günstigen Augen)- blick, der sich IMS geboten, vorübergehen lassen und sei jetzt von keinem Interesse für Deutschland. Zu wem solle es also seine Blicke wenden? Spanien müsse gewissenhaft die Verträge be- obachten. Seine finanzielle und innere Lage untersagten ihm ge- wisse Unternehmungen, auch könne eine Verständigung mit Frank- reich nicht schwer sein. Ministerpräsident Canalejas erwiderte, er rönne nicht in voller Freiheit antworten, weil die Verhandlungen zwischen Frankreich und Spanien noch an-- dauerten. Keine Regierung könne man weniger beschuldigen, sich in kriegerische Unternehmungen zu stürzen sowie in Akte der Ge- Walttätigkeit zum Schaden der Rechte anderer Nationen. Die Un- ruhen in Marokko, fuhr der Ministerpräsident fort, haben uns dazu geführt, gegenüber den Stämmen Sicherheitsmaßregeln zu er- greifen. Man wundert sich, daß wir nicht gegen die französisch« Expedition nach Fes protestiert haben-. Was hätten wir tun können? Frankreich hat in Fes eine von den Mächten anerkannte Mission. Die spanische Einflußzone bei Larrasch ist nicht durch Verträge fest- gesetzt, sondern durch die Geschichte begründet. Wir werden uns weder von den abgeschlossenen Verträgen entfernen noch von denen, die sich aus den Verhandlungen mit Frankreich ergeben. Ohne Einzelheiten hierüber mitzuteilen, versicherte Canalejas, daß es sich keineswegs darum handle, den bestehenden Rechtszustand zu ändern. „Unsere historischen Rechte sind gut festgelegt und definiert; wir gehen auf keine Eroberung aus, es gibt keine internationale Ge- fahr." Darauf wurde die Sitzung aufgehoben. General Moiniers Strafexpeditionen. Tanger, 0. Juni. General Moinier hat am S. Juni Fes mit 2 Bataillonen Fußsoldaten und 600 Mann der Sultans-Mahalla verlassen. Nach einem äußerst schwierigen Marsch, bei dem»r vielfach von einheimischen Stämmen angegriffen wurde, erreichte er gestern M e k i n e s. Er wird sich dort nur kurze Zeit auf- halten, da er sich an den Sebufluh begeben will, um dort mit einer Truppe von 8000 Mann ein Strafgericht über den Stamm der Abega zu halten. Eine amtliche Bestätigung über den Einmarsch der Franzosen in Melines(eine Stadt» ungefähr 50 Kilometer südwestlich von Fes) ist in Paris noch nicht eingegangen, Eine Mannesmann-Ente. Paris, 9. Juni. Mehrere Berliner Blätter hatten ssor einigen Tagen gemeldet, die deutsche Regierung habe eine Untersuchung über die Ausweisung eines Ingenieurs der Firma Mannesmann aus Debdu eingeleitet. Nach den von französischer amtlicher Stelle eingezogenen Erkundigungen liegen dieser Meldung folgende Tat- fachen zugrunde: Die französischen Behörden hatten bei der Be- setzung von Debdu vorsichtshalber alle Europäer ersucht, die Gegend vorläufig zu verlassen. Sämtliche Europäer unterwarfen sich auch dieser Aufforderung, ohne Einspruch zu erheben. Auch der in Rede stehende deutsche Ingenieur folgte dem Beispiel der übrigen. Es handelt sich daher nur um eine ausgehguschte Nach- richt, welcher leine Wichtigkeit beizulegen ist, �—">< Hub der parte!* Der nächste Parteitag. Der Magdeburger Parteitag hat die Festsetzung des Ortes für den nächsten Parteitag ausnahmsweise dem Parteivorstand überlassen, der nun als Tagungsort Jena gewählt hat. Der Parteitag wird in dem dazu besonders geeigneten Volks- Haus in der Zeit vom 10.— 17. September tagen. Die provisorische Tagesordnung lautet: 1. Geschäftsbericht des Parteivorstandos. Berichterstatter: H. Müller und Fr. Ebert. 2. Bericht der Kontrollkommission. Berichterstatter: A. Kaden. 3. Parlamentarischer Bericht. Berichterstatter: A. Geck. 4. Die Neichsversicherungsordnung. Berichterstatter: H. Molkenbuhr. 5. Die Reichstagswahlen. Berichterstatter: A. Bebel. Vor dem Parteitag, am 3. und 9. September, wird die Frauenkonferenz tagen. Die vorläufige Tagesordnung lautet: 1. Geschäftsbericht des Frauenbureaus. Berichterstatterinnen: O. B a a b e r und L. Zieh. 2. Die Frauen und die Reichstagswahlen. Berichterstatterin: Klara Zetkin. 3. Die Frauen und dieGemcinbepolitik. Berichterstatterin: Klara Wehl. Die Behandlung des Genossen Mehlich im Gefängnis. Soeben wird bekannt, daß dem Genossen Mehlich nach wie vor die Selbstbeköstigung und Selbstbeschäftigung versagt bleibt. Er geht auch noch immer in Sträflingskleidern. Dagegen sind ihm in den letzten Tagen doch einige Vergünstigungen gewährt worden. und zwar ist ihm gestattet loordcii, die.Rhcinisch-Wcstfäiischc Ztg." zu lesen mid französische Sprachstudien zu treiben. Das ist zwar schon etwa?, aber doch noch völlig ungenügend. Aus verschiedenen Uniftänden ergibt sich, daß die Strafvollstreckungsbebörde die an- acbliche Strastüt Mehlichs als eine solche ansieht, die eine besonders schwere Sühne erfordert. Er bat einen Kaplan gekränkt und das ist das schlimmste, was in Rhelnland-Westfalcn ein Prcßsünder sich zuschulden kommen lassen kann. Hoffentlich wird unserem Genossen »un bald volle Selbsibesckäftigung gewährt, so daß er von der An- fertigung von Papierhülsen für Sprengstoffe gänzlich befreit ist. Wie ivir hören, befindet sich Mehlich gesundheitlich wohl. LaudtagSwahIsieg. Im ersten städtischen LandtagSwohltkeiS des Fürstentums R e u ß j. L. fand am Donnerstag Ersatzwahl für den verstorbenen Genossen Fiedler statt. Der Kreis wurde der Partei erhalten; Genosse F i> ch e r siegte mit 636 Stimmen Übtr den bürgerlichen Gegner, der 538 Stimmen erhielt. Verhaftung türkischer Sozialisten. In Saloniki, wo zur- zeit der türkisch« Sultan weilt, sind nach einer Meldung der „Humanite" drei der tätigsten Sozialisten, die Genossen Benaroga, Savetarh Loloi und Jona verhastet worden. Für die Verhaftung liegt nicht der geringste Grund vor. Es handelt sich offenbar um einen albernen Akt von„Anarchistcn"-Riecherei. den die Polizei des„fortschrittlichen" jungtürkischLn Systems yog per Polizei per rpesteuropäischm„Kulturländer� gÄMl Mi./* � Y' r poUze(l(dus, OerlehtKchea ufw. Vom ostelbischcn Versammlungsrecht. In R a g n i t(Ostpreußen) stehen der Sozialdemokratie keine Lokale zu Versammlungszwecken zur Verfügung. Einer Wirtin, die ihren Saal hergeben wollte, wurde sofort mit Herabsetzung der Polizeistunde gedroht, und einem anderein Lokalinhaber wurde an- gekündigt, daß er bauliche Veränderungen vornehmen müsse, wenn er das Lokal den Arbeitern gebe. Endlich war es gelungen, ein Geländs zu einer Versammlung unter freiem Himmel zu mieten. Die Polizei aber stellte folgende Bedingungen für die Benutzung: Der Abort sollte innerhalb fünf Tagen geleert, ein größerer Müllhaufen. der schon recht lange auf dem Platz sein stilles Dasein gefristet hatte, entfernt, der Schornstein ausgebessert, eine massive Dunggrube angelegt und schließlich noch ein Graben gereinigt werden, in den die Abwässer der Gas- anstatt fließen. Und all das, weil eine öffentliche sozialdemokratische Versammlung geplant war. Bisher hatte die Polizei Nicht daran gedacht, auf Beseitigung der Mißstände zu dringen. Nunmehr wird die Polizeibehörde sicherlich auch von den anderen Hausbesitzern verlangen, daß sie de» Unrat beseitigen, die Gräben reinigen, die Schornsteine ausbessern und massive Dunggruben anlegen. Dann werden für die Stadt Ragnit herrliche Zeiten komnien. Und die besseren hygienischen Zustände haben die Bürger dann der Sozial- deinolratie zu verdanken._ Jugendbewegung. Die Lehrerschaft auf dem Jugendfang. Der ostpreußische Lebrertag hat einstimmig beschlossen, sich an der„nationalen Jugendpflege" zu beteiligen. Diese sei, wie der Referent anführte, aus„nationalen Rücksichten notwendig geworden". Besondere Aufgabe des Lehrers werde es sein, dabin zu wirken, daß bereits die Schüler der oberen Klassen für die Beranstallungen der Jugendpflege gewonnen werden. Aus dem Lande klaffe eine breite Kluft zwischen Be- sitzenden und Besitzlosen, und da wäre es wohl des Schweißes der Edlen wert, die Kluft zu überbrücken.... Die Folge davon dürfte mehr Heimatliebe, weniger Landesflucht sein. Das sind die richtigen Schulmeister, die im Dienste der Ost- elbier die Aufklärung der Jugend verhindern, um sie der agrarischen Ausbeutung zu erhalten. Und dieselben Schulmeister klagen mit Recht über elende Bezahlung und Behandlung in Ostelbien und verlangen, daß man sie in ihrem Kampfe unterstütze. Was ihnen unwürdig dünkt, für den Arbeiter wollen sie es erhalten und festigen. Sozialdemokratischer Jugendkongrcß in Norwegen. An den beiden Pfingsttaaen fand zu Lilleström der erste Kongreß deS norwegischen sozialdemokratischen Jugendverbandes statt. Daran nahmen teil 29 Delegierte und Vorstandsmitglieder sowie als Gäste ein Vertreter der norwegischen Arbeiterpartei und»in Vertreter der schwedischen Jugendorganisation. Der Verband zählt jetzt zirka 650 Mitglieder und entfaltet eine eifrige Agitation im Sinne des Parteiprogramms. Dem dient auch daS Verbandsorgan„Klasse- kampen'(„Der Klassenkampf"), daS bisher monatlich erscheint, aber, so bald genügend Mittel vorhanden sind, alle 14 Tage herauskommen soll. Im übrigen faßte der Kongreß verschiedene Beschliiffe, die weitere Förderung der AgitationS- und Aufklärungsarbeit zum Ziele haben und dafür zeugen, daß der Verband eine gründliche Durchbildung der Jugend und des Volkes in sozialistischem Geiste anstrebt. Dazu hält man auch, wie in einer besonderen Reso- lution ausgesprochen wurde, den Kampf gegen die Alkoholgetränke und kräftige Förderung der Abstincnzbewegung für notwendig. Ebenso wendet sich der Verband scharf gegen den Militarismus wie auch gegen die religiöse Verdummung. In einer ziemlich langen Resolution wurde die Taktik des JugendverbandeS dar- gelegt und zwar in einer radikal-sozialdcmokratischen Weise und in einem gewissen Gegensatz zu der Auffassung, die jetzt, wie man an- nimmt, die Oberhand in der Norwegischen Arbeiterpartei zu ge- Winnen scheinl. Soweit in der Resolution der zu Ostern dieses Jahre« ab- gehaltene Parteitag der norwegischen Sozialdemokratie erwähnt ist, handelt es sich offenbar hauptsächlich um den auch im„Vorwärts" Nr. 98 mitgeteilten Beschluß, wonach sozialdemokratische Gemeinde« Vertreter unter gewissen Voraussetzungen für einen bürgerlichen Vorsitzenden des Gemeinderats stimmen können. Aus Industrie und Kandel. Ein Bankkrach in England. Aus London wird der Zusammenbruch der Birckbeck- Bank gemeldet. Durch den Zusammenbruch der Bank sind viele kleine Leute ruiniert. Gestern in den späten Abendstunden hatten sich taufende Personen bor dem Gebäude der Bank im Holborn- distrikt eingefunden, die in das Gebäude einzudringen versuchten; sie wurden jedoch von der Polizei zurückgehalten. Vor dem Bank- gebäude spielten sich bewegte Szenen ab. Eine Frau hat ihre ge- samten Ersparnisse in Höhe von 1000 M. verloren, mit denen sie in wenigen Tagen mit ihrer Familie nach Amerika abreisen wollte. Einer der Polizeibeamten, die bor der Bank die Ordnung auf- rechterhalten, ivar ebenfalls Kunde der falliten Bank und be- fürchtet den Verlust seines Vermögens. Der Gesamtverlust wird von einzelnen aus 775 000 Pfund berechnet, während die Bank selbst erklärt, daß er sich höchstens auf 250 000 Pfund belaufen werde. Die Direktion der Bank erklärt in einem Rundschreiben, daß der Zusammenbruch auf die Finanzpolitik des gegenwärtigen Schatzkanzlers Lloyd George zurückzuführen sei, namentlich auf den Rückgang des Kurses der englischen Staatspapiere, in denen die Bank einen großen Teil der Depositen angelegt habe. In Wirklichkeit scheint jedoch daS Fallissement eine Nachwehe des An- stürme» auf die Bank zu sein, der im vorigen Jahre gelegentlich des Zusammenbruchs deS kleinen DarlehnSinstitutS Sharing Croß- Bank erfolgte. Damals soll die Bank in wenigen Tagen 60 Mil- lionen Mark Depositen zurückgezahlt haben; das Institut wurde damals von der Bank von England unterstützt. Die Bank hatte schon zweimal seit ihrem sechzigjährigen Be- stehen einen Run auszuhalten. Zuerst im Jahre 1892 während des berüchtigten Kraches der Liberator-Baugesellschaft. Das zweitemal im November des Jahres 1910, als ein Darlehnsinstitut, das sich Charing Eroß-Bank nannte, zum Schaden bieler kleiner Leute zusammenbrach. Damals lieh die Bank bon England der Birckbeck-Bank ihre Unterstützung, indem sie ihr binnen zwei Tagen zwei Millionen Pfund zur Befriedigung von Depositengläubigern zur Verfügung stellte. Die Birckbeck-Bank hatte das kleine Publi- kum dadurch an sich gezogen, daß sie auf Depositen eine feste ZtnS- Vergütung bon Proz. gab, während die Großbanken einen ver- ändcrlichcn und niedrigeren Zinsfuß gewähren. Diö Jahresbilanz per Ende 1910 fehlt noch. Nach der letzten Bilanz per 31. März betrugen die Depositen 10� Millionen Pfund. (Britische Staatspapiero und andere erstklassige britische Anlage- Papiere sind in der Bilanz mit 3 Millionen Pfund, andere Effekten mit 59L Millionen Pfund angegeben.) Die Bank fungierte auch alS Baugesellschaft und besitzt 36 Grundstücke in Londoner Vor- orten. Die Hypotheken sind aber in der letzten Bilanz bloß mit 715000 Pfund ausgewiesen, fallen also nicht ins Gewicht. Der Posten„Andere Effekten" enthält fast 2 Millionen englische Kolonialpapierc, während fast 3 Millionen Pfund aus sremdL Staatsanleihe«, ameufonflchg und andere KisendqhnschMvex, schreibungen etitMei�.....• GewerkfcbaftUcbca. Der Bund der tecknikck- industriellen Beamten und der GtreiKbrucK. Bei dem Streik der Maschinisten auf der Deutsch-Luxem burgischen Bergwerks- und Hütten-A.°G., Abteilung Union in D o r t m u n d, haben sich bekanntlich die Zentrumschristen mit ihrem Streikbruch offen gebrüstet und sie haben ckffen zu ihm ausgefordert. Die„Christen" hatten aber kaum ein halbes Dutzend Mitglieder, die in die verlassenen Stellen ihrer streikenden Arbeitsbrüder eingeschoben werden konnten. Das konnte S t i n n e s nicht retten. So wurden denn, um den Betrieb notdürftig aufrechterhalten zu können, auch I n- g e n i e u r e und Techniker zur Streikarbeit heran- gezogen. Diese Beamten mußten Maschinen und Krane fahren. Die Dortmunder„Arbeiter-Zeitung" fragte damals, bei der Erwähnung dieser Tatsachen, wie sich der Bund der technisch-industriellen Beamten zur Verrichtung dieser Streik- arbeit stelle. Der vor kurzem abgehaltene Gautag des Gaues Rhein- land-Westfalen vom Bund der technisch-industriellen Beamten hat nun zu der Frage Stellung genommen. In der Debatte über den Jahresbericht wurde der Streik auf der Dortmunder Union und der Streikbruch durch Techniker erwähnt. Es wurde dazu eine Resolution angenommen, wonach der in Duisburg abgehaltene Gautag des Bundes technisch- industrieller Beamten seine Mitglieder' dringlichst auffordert. jedes Ansinnen auf Verrichtung von Streikarbcit als mit der Standesehre unvereinbar auf das allerschärfste zurückzu- weisen und die strikteste Neutralität in wirtschaftlichen Kämp- fen der Arbeiterschaft zu beachten. Der Gautag erklärte, baß technische Angestellte, die Streikarbeit verrichten, nicht als Bundesmitglieder angesehen werden können. Ob nun die Scham die Streikbruch predigenden Zen- trumschristen überkommen wird? Wir bezweifeln es. Der Fachabteilungstcufel mit seiner Knechtscligkeitsmoral hat die Leute zu fest beim Kragen. Die„christlichen" Ageure spüren diesen Teufel auch gut genug; sie dürfen es aber nicht zu- geben, weil ihnen außerhalb der geistigen Sphäre vom„Sitz Berlin" keine Luft mehr zum Atmen bleibt. BcrUn und llmgegend. Der Streik der Parkettbodenleger. In der gestrigen Versammlung der Streikenden wurde berichtet, daß zu den fünf Firmen, die bewilligt haben, eine sechste hinzu- gekommen ist. Im übrigen sind noch keine Aenderungen der Situation eingetreten. Die Fabrikanten wollten gestern(Freitag) zur Beratung über die Forderungen der Streikenden zusammen- trete». Die Folge der Beratungen wird eine Aendenmg der Lage zugunsten der Arbeiter sein, denn die Situation ist für den Streit so günstig, daß die Arbeiter über den Erfolg desselben nicht im Zweifel sind.— Bon den Arbeitswilligen der Firma Kampf« meier haben sich einige dem Streik angeschlosien. Als besonders auffällig wurde bemerkt, daß sich unter denen, die jetzt noch bei Kampfmeier Arbcitswilligendienste leisten, ein Mann mit Namen Ehren fort befindet, der unter dem Sozialistengesetz für die Partei gekämpft, im Königsberger Prozeß eine Rolle gespielt hat. in letzter Zeit zu den Lokalisten übergetreten ist und nun als Arbeitswilliger die Interessen seiner Kollegen schädigt. Auch ein Bohner L e u ck w i tz wurde als hervorragender Arbeitswilliger bei der Firma Becker bezeichnet._ Die Lohnbewegung der Schmiede. In der Versammlung der Jniiungsgesellen, die am Donnerstage abend bei Boeker in der Weberstraße stattfand, berichtete der Alt- geselle Engelhardt über Verhandlungen zwischen dem Gesellen� ausschuß und dem Vorstand der Berliner Schmiedeinnung. EinVer treter deS ZentralverbandcS wurde nicht zu den Verhandlungen zu- gelassen, aber im Interesse der Sache sahen die Arbeiter davon ab, sie wollten endlich einmal die Angebote der Meister hören. Mit der Charlottenburger Innung kam es überhaupt noch nicht zu VerHand hingen, von der Rixdorfer ist noch keinerlei Antwott erfolgt. Bei den Verhandlungen mit der Berliner Innung lagen diejenigen Forderungen der Arbeiter zugrunde, die bereits den Innungen eingereicht worden find. Die Arbeitszeit von neun � Stunden betreffend, einigte man sich, aber die Arbeiter verlangen an den Sonnabenden eine Stunde früher Feier abend, wenn die Stunde auch nicht bezahlt wird. In bezug auf die Mindeftlöhne wurden vom JnnungSvorstande die folgenden Bor- schlüge gemacht: jetzt pro Stunde künftig Für Schirrmeistcr...... 60 Pf. 70 Pf. „ Feuer- und Beschlagschmiede öS, 65, , Beschlagschmiede..... 50, 60„ , Stock- und Beschlagschmiede. 46. 55. „ Stockgesellen...... 42, 50, Nach einer lebhaften Diskussion in der Versammlung der JnnungS- gesellen, an der sich auch einige Meister beteiligten, erklärten sich schließlich die Gesellen damit einverstanden.(Die anwesenden Meister, die dem JnnungSvorstande angehören, wohnten der Ver- sammlung als Gäste, nicht als Beauftragte der Innung bei.) Die allgemeine Lohnzulage von 3 Pf., die von den Meistern abgelehnt wurde, hielten die Gesellen als Forderung aufrecht, insoweit aber nur, daß die Forderung auf 2 Pf. Lohn- zulage ermäßigt wurde. Dieser Punkt wie andere Differenzen werden noch Gegenstand weiterer Verhandlungen zwischen Gesellen- ansschuß und Jimungsvorstand sein.— Den Aufschlag von 20 Pf. für die Ueberstunden bewilligten die Meister. Die Forderung, daß an Sonntagen auf dem Arbeitsnachweis keine Arbeit vermittelt werden darf, haben die Meister abgelehnt, aber die Gesellen be« stehen auf Erfüllung dieser Forderung. In bezug auf die Dauer des Tarifs wünschen die Gesellen, daß auf drei Jahre abgeschlossen werden sollte, wenn nach zwei Jahren die Minimallöhne um 3 Pf. erhöht werden. Die nächste Versammlung der Gesellen soll dann zu den weiteren Verhandlungen über die noch nicht erledigten Punkte Stellung nehmen._ Mühlenarbeiter! In der Dampfmühle von E. Goldacker, Bc- sitzcr Großbäckcreibesitzer Eduard Goldackor, Brunnenstr. 129/130, bestehen noch die unglaublichsten Zustände in bezug auf Arbeitszeit. Die Arbeitszeit beträgt an manchen Tagen 16— 18 Stunden, welche am Tage durch einige Stunden Pause unterbrochen wird. Von einer Befolgung der Bundesratsbestimmung vom 26. 4. 1899, wonach den Mühlenarbeitern eine ununterbrochene Nachtruhe von mindestens 10 Stunden gewährt werden muß, ist in der Dampfmühlc Goldackcr keine Rede. Oft kani es vor, daß ein Müller nachts 12 Uhr Feier- abend hatte und um 5 Uhr früh wieder die Arbeit beginnen mußte. Um diese unhaltbaren Zustände zu beseitigen, ließen die Arbeiter der Goldackermühle durch den Verband der Brauerei- und Mühlen- arbeiter einen Tarifvertrag einreichen, der die Lohn- und Arbeits- verhältniffe in diesem Betriebe regeln sollte. Zur Durchführung dieser Forderungen mußte zum Streik gegriffen werden. Am 27. Mai legten sämtliche Arbeiter der Dampfmühle von Goldacker� die Arbeit nieder. Am 29. Mai unterzeichnete Herr Goldacker den Tarifvertrag. Eingehalten hat Herr Goldackcr den Tarifvcr- trag der Müller aber n i e. Vielmehr wurden die Müller am Sonn- abend, den 3. Juni, sämtlich wegen Beteiligung am Streik ausge- sperrt. Herr Goldackcr nannte dies„Aussetzen wegen Mangel an Arbeit". Tatsächlich hat er aber zwei andere Arbeiter einge- stellt und wurstelt mit diesen in der Mühle so gut wie es geht fort Dem Vertrauensmann der Mühlenarbeiter sagte Herr G o l d a ck e r frei heraus:„Warum seid Ihr bei dem Streik herausgegangen". Für die Vertreter der Organisation ist Herr Goldackcr über- Haupt nicht zu sprechen. Mit den Bäckern hat Herr Goldacker Frieden geschlossen. Nachdem seine Bäckerei als bewilligte„Bäckerei" veröffentlicht ist, und er sich durch.seine Inserate beim kaufenden Publikum als Arbeiterfreund eingeführt betrachtet, glaubt Herr G o l d a ck e r die Müller auf die Straße werfen und den Tarif brechen zu können. Darin sollte sich Herr G o l d a ck e r doch ge- täuscht haben. Die Dampfmühle von E. Goldacker, Besitzer Großbäckerei bescher Eduard G o I d a ck e r, Brunnenstr. 129/130, ist für organi- sterte Mühlenarbeiter gesperrt. Verband der Brauerei- und Mühlenarbeiter, Verwaltung Berlin. Fernspr.: Amt 3, 4518. Achtung, Töpfer! Die Sperre über die Firma Gustav Brun n e r in Königs-Wustcrhauscn hat sich erledigt, da die Firma nun- mehr den in Betracht kommenden Tarif unterschriftlich anerkannt hat, Die Verbandsleitung. Oeutrches Reich., Eine angenehme Betriebspensionskasse. Die Magdeburger Straßenbahngesellschaft hat für ihren Be- trieb eine sogenannte Ruhegehaltskasse eingerichtet, mit der, wie mit allen ähnlichen Einrichtungen, der Zweck verfolgt wird, die An- gestellten an den Betrieb zu fesseln und sie zu hindern, an eine Ver- besserung ihrer Arbeitsverhältnisse zu denken, indem ihnen vorge- gaukelt wird, daß ihre Arbeitgeberin für sie im hohen Alter sorge. Daß die Pensionssätze niedrig sind und daß nur selten ein Ange- stellter zu dem Bezug des Ruhegeldes kommt, fällt natürlich allen, die nicht nachdenken, nicht weiter auf. Glücklicherweise sorgt die Organisation der Transportarbeiter dafür, daß möglichst wenige Angestellte sich jeglichen Nachdenkens enthalten. Neuerdings hat nun auch die Direktion der Straßenbahn- gesellschaft selbst dafür gesorgt, daß sich die Zahl der Freunde dieser Ruhegehaltskasse nicht vermehrt. Sie hat nämlich ihren Ange- stellten mitgeteilt, daß sich bei Nachprüfung der Ruhegehaltskasse ein Fehlbetrag von nicht weniger als 59 228 M. herausgestellt habe und daß jeder Angestellte zur Deckung dieses Mankos einen von dem Mathematiker Dr. R ö h d e ausgerechneten Betrag bei- zusteuern habe! Auf die einzelnen Angestellten entfallen dabei recht erhebliche Beiträge, die mit einer, ja selbst mit zwei Doppel- krönen nicht immer zu begleichen sind. Die Direktion ist zwar so gnädig, ratenweise Zahlung zu gewähren, aber damit wird sie die Anhängerschaft der Pensionskasse keineswegs vermehren. Warum die Direktion übrigens wohl nicht daran denkt, den Fehlbetrag aus dem alljährlich weit über 1 Million Mark betragenden Betriebs- Überschuß zu decken oder die eine halbe Million Mark jährlich über- steigenden Aufsichtsratsdividcnden um den Fehlbetrag zu kürzen? Schichankampf und kaiserliche Werft. Von der kaiserlichen Werft in Danzig sind bereits 400 Ar- beiter wegen des üblichen Mangels an Akbeit entlassen. Es folgen auch noch weitere Kündigungen, obwohl im Unterseebootbau sogar Ueberstunden gearbeitet werden müssen! Allgemein fiel auf, daß die Entlassungen gerade während des nun schon acht Wochen dauernden Kampfes der Arbeiter der Schichauwerft vorgenommen wurden. Es behauptete sich das Gerücht, daß die staatliche Werft- leitung den Gekündigten die Aufnahme der Arbeit als Rausreißer auf der Schichauwerft empfohlen habe. Die Bestätigung dieser eigentümlichen Sozialpolitik, die schon in den Massenentlassungen deutlich genug hervortrat, hat nicht lange auf sich warten lassen. Die gesinnungslosen„Danziger Neuesten Nachrichten" bestätigen in der Form einer Ableugnung, gestützt auf amtliche Informationen der Direktion der StaatSwerft, daß diese tatsächlich die Eni- lassenen auf die.Arbeitsgelegenheit" bei der Schichauwerft hin- gewiesen hat! Diese intime Verbindung zwischen Staatsbetrieb und groß- kapitalistischem Herrendünkel beleuchtet die vielberufene Arbeiter- freundlichkeit der Flottenpolitik wieder von einer neuen Seite. Die Leipziger Bäckergehilfen beschlossen in einer außerordentlich stark besuchten Versammlung- in eine Lohnbewegung einzutreten. Di« Forderungen sind am 8. Mai der Bäckcrzwangsinnung zugestellt worden. Es wird in erster Linie Beseitigung des in der überaus größten Zahl der Leipziger Väcke- reien bestehenden Kost- und Logiswesens im Hause des Arbeit- gebers gefordert. An dessen Stell« soll die Barentlohnung treten und wird für bisher gewährte Kost und Wohnung als Zuschlag zum bisherigen Lohne 12 M. verlangt. Der Mindestlohn soll in Zukunft 23 M. betragen. Des weiteren wird die Bezahlung der Heber- stunden mit 50 Pf. gefordert. Die Arbeitszeit soll in Zukunft 12 Stunden betragen und hat in dieselbe eine Pause von einer Stunde zu fallen. In größeren, mit elementarer Kraft arbeitenden Betrieben soll die Arbeitszeit 11 Stunden mit einer Stunde Pause betragen. Hinsichtlich eines Ruhetages in der Woche wird gefor- dert, was das Einigungsamt des Berliner Gewerbegerichts anlätz- lich der dortigen Bäckerbcwegung als Schiedsspruch verkündet hatte. Des ferneren ist den Gehilfen an den hohen Festen Ostern, Pfing- sten und Weihnachten vom 1. bis 2. Festtage eine freie Nacht zu ge» währen. Die Forderungen enthalten dann noch Bestimmungen über die Regelung des Lehrlingsivcscns, über die sanitären Per- Hältnisse in den Bäckereien und über die Uebcrwachung des zu schließenden Tarifvertrages. Gleichzeitig wird ein Kontrollrecht über den Arbeitsnachweis der Innung durch die Gehilsenschaft ge- fordert. Zuzug nach Leipzig ist fernzuhalten. Schiedsspruch des Gewerbegerichts im Lohnkampf der Bäcker. Die Einigungsderhandlungen in Mannheim hatten über die Beibehaltung oder Abschaffung des Logis beim Arbeitgeber zu keiner Einigung geführt, und wurde von Unternehmern und Ar- beitern der Schiedsspruch des Vorsitzenden gewünscht. Rechtsrat Dr. E r de l hat nun einen Spruch gefällt, der im wesentlichen da» Folgende besagt: In den ersten zwei Jahren nach Beendigung der Lehrzeit haben die Gehilfen neben den im Tarif festgelegten Barlohn als Natural- Vergütung freie Wohnung beim Arbeitgeber; sie sind auf dessen Per- langen verpflichtet, bei ihm zu wohnen. Bei älteren Gehilfen ist diese Naturalverpflegung nur dann zulässig, wenn der Gehilfe selber durch untcrsckriftlichen Antrag beim Tarifamt dieselbe ausdrücklich wünscht. Gehilfen, welche nicht beim Arbeitgeber wohnen, erhalten neben ihrem Wochenlohn 3 M. Wohnungsgeld pro Woche. Wenn Gehilfen beim Arbeitgeber mieten, so ist der Mictsvertrag unab- hängig vom Arbeitsvertrag abzuschließen. Auch darf der Micts- zinS nicht mit dem Wohnnugsgeld verrechnet werden.— Gehilfen. welche unpünktlich zur Arbeit kommen, können mit einer Geldstrafe belegt und im Wiederholungsfälle zum Wohnen beim Meister ver- pflichtet werden. Die Gehilfenvertreter haben den Schiedsspruch akzeptiert, wäh- rend ihn die Backerinnung abgelehnt hat. Derselbe tritt aber trotz- dem in Kraft und wird der Tarifvertrag entsprechend ergänzt. Bus der Frauenbewegung. „Erwerbslose" Frauen. Solange dos Privateigentum besteht, find die Frauen rechtlos. sowohl dem Staate als auch dem Manne gegenüber. Mit dem Verlieren der Rechte sind die Pflichten der Frauen nur zeitweise und nur für Vereinzelte geringere gelSorden. In Zeilen, die lättgst hinter uns liegen, hat sich die Frau die Unterwerfung unter die Herrschast des Mannes gefallen lassen; in mancher Beziehung hing damit ein bequemeres Leben für sie zusammen. Jahrhunderte hindurch hatte der Mann alle Pflichten für das Auskommen seiner Familie auf seinen Schultern ruhen. Die Frau hatte nur mit dem, was der Mann von seinem Einkommen für den Unterhalt der Fa- milie bestimmte, hauszuhalten. Ausnahmen von dieser Regel sind freilich jederzeit zu verzeichnen. Wo es sich z. B. um kleine Acker- bauer handelte, haben die Frauen neben den Arbeiten, die sie außer den rein häuslichen zu bewältigen hatten, auch zum großen Teil an den Sorgen um die Existenz teilgenommen. Aber immerhin, bei den patriarchalischen Familienverhältnissen vergangener Jahrhun- derte, und diese herrschten besonders in den ländlichen Bevölke- rungskreisen, hatte der Mann die Hauptverantwortung und die Hauptsorgen um alles zu tragen. Wie in diesen Schichten, so haben aber nach und nach in allen anderen die Sorgen und nicht/zuletzt die Arbeitslast der Frauen gewaltig zugenommen. Das schließt natür- lich nicht aus, daß bis in unsere Zeit hinein Ehestauen genug vor- handen sind, die mühe- und sorgenlos durchs Leben gehen. Neben diesen, die, wie jeder weiß, fast ausschließlich der besitzenden Klasse angehören, gibt es Millionen, die das Gegenteil von sich behaupten können. An den Rechten der Frauen im allgemeinen hat sich blut- wenig geändert, höchstens, daß durch das Miterwerben und Miter- halten der Familie manche Frauen energischer und selbstbewußter dem eigenen Manne gegenüber geworden sind. Nach und nach sind auch viele Männer sich dessen bewußt geworden, daß die Frauen, die neben ihrer häuslichen Arbeit noch irgendwelche Erwerbsarbeit zu verrichten gezwungen sind, äußerst geplagt werden. Gleich den mit ihrer Lage unzufriedenen Frauen selbst sind eS nicht wenig Männer, die das Los der Frauen verbessern möchten.� Dieses Be- streben hat sich ja die sozialdemokratische Partei zur Pflicht gemacht Um so unbegreiflicher ist es nun, und es tritt häufig in die Er- scheinung, daß von manchen dieser Männer die Arbeit der Frauen im Haushalte— eine Arbeit, die selbst in kleinen Familien einen ganzen Menschen fortwährend in Anspruch nimmt— als überhaupt keine Arbeit oder als sehr geringfügige angesehen wird. Könnte man sonst von erwerbslosen Ehefrauen reden? Wir haben uns eben so sehr daran gewöhnt, nur das als wirkliche Arbeits- leistung anzusehen, wofür eine Bezahlung gegeben wird. Nun. in diesem Sinne ist die Arbeit der Frauen im Haushalte nicht zu be- trachten; als Bezahlung ist das, was der Mann semer Ehefrau gibt— die Ernährung, Kleidung usw.— nicht anzusehen. Das würde ja auch dem ganzen Wesen des Ehelebens widersprechen. Aber immerhin bleibt die Arbeit der Hausfrauen Arbeit, die an- dernfalls, wenn sie nicht von der Ehefrau verrichtet würde, sondern von einer fremden Person, bezahlt werden müßte. Dabei darf auch nicht vergessen werden, mit welcher Sorgfalt und Aufopferung die Hausstau in der Haushaltung schaltet und waltet; es darf vor allem nicht vergessen werden, wie groß die Umsicht und'Kalkulations- fähigkeit der Hausfrau sein muß, um das Haushaltungsschiff über Wasser halten zu können. Der Ehemann so gut als Staat und Gesellschaft verdanken diesen„erwerbslosen Ehestauen" so unend? lich viel. Vom Verdienen, vom Geldcrlverb hängt in unserer augenblick- lichen Wirtschaftsweise alles ab; es ist traurig, daß sich dieses kalte rechnerische Problem bis in die intimsten Familienkreise hinein- drängen konnte. Die Gleichberechtigung in den Familien läßt oft noch viel zu wünschen übrig. Hier tut Aufklärung dringend not. Sie scheitert aber noch gar zu oft an dem Starrsinn und an dem angeborenen und anerzogenen Herrschcrstandpunkt des Mannes. Doch die sozialistische Lehre wird auch hier bahnbrechend wirken. Wie mancher hat schon durch ihr Einwirken manche seiner früheren üblen Eigenschaften abgelegt; noch viele werden durch den Sozialis- mus sich ganz von den althergebrachten Anschauungen und Hand- lungswcisen loslösen. Durch die neuen wirtschaftlichen Umwälzun» gen ist mancher neue Zwiespalt hervorgerufen worden, der in un- klaren Köpfen viel Unheil anrichtet; doch auch das wird beseitigt werden, wenn Männer und Frauen sich die Mühe geben, die Welt mit offenen Augen zu betrachten und auS den gewonnenen Ein» drücken ihre Schlüsse zu ziehen. Verantw. Redakteur: Albert Wachs. Berlin. In /eratenteil verautw.: Th.Gl«cke.Berlin.Trucku.Berlag:VorwärtSBuchdr.u LerlagSanstalt Letzte Nachrichten* Das Urteil im Backamargarineprozeß. Der Angeklagte Johann Hinrich Mohr wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 7V0 Mark Geldstrafe und Tragung sämtlicher Kosten verurteilt._ Vom marokkanischen Kriegsschauplatz. Paris, 9. Juni. Die Agence HavaS meldet auS FeS vom 5. Juni: Die Marokkaner griffen in der vergangenen Nacht das Lager an, wurden aber durch Artilleriefeuer, das ihnen gruhe Verluste bei- brachte, zurückgetriebrn. Die Kolonnen Brulard, Gouraud und Dalbiez rückten in der Frühe aus dem Lager, um die Beni Mter zu zersprengen. Sechstausend Verber griffen die Kolonnen überaus erbittert an, wurden aber unter starken Verlusten von der Artillerie auseinander getrieben. Da die Bewohner von Bhalil ihre Unter- werstng verweigerten, beschoß Artillerie ihre Stadtmauern, und eine Kompagnie der Fremdenlegion zerstörte die Bewohnungen der Häupter des Aufruhrs. Auf französischer Seite fielen fünf Mann, zwanzig wurden verwundet. Nach einer Meldung der Agence HavaS aus FeS vom 6. Juni hat ein Kurier die Nachricht überbracht, die Bewohner von MekincS öffneten weder den Berbern noch den Franzosen ihre Tore. Mu- lah Zu» soll den Heiligen jttieg proklamiert haben. Ein anderer Kurier, der mittags eingetroffen ist, meldete, die Franzosen seien in Am Sestu angekommen. Tie albanische Frage in der italienischen Kammer. ... R-m. 9. Juni. In der Deputicrtenkammer erklärte der Mi- N'stcr de» Aeußern Marquis di San Giuliano. daß die Auf- rechterhaltung des territorialen Statusquo und des g-genwärtigen Gleichgewichts im Adriatischen Meere im Interesse Italiens ge- legen sei. Er glaube, der beste Weg. dieses Ziel zu erreichen, sc» gegenieitiges Vertrauen und ein gefestigtes Bündnis zwischen Italien und Oesterreich-Ungarn Der Minister äußerte seine Be- friedigung darüber, daß die Beziehungen zwischen den beiden Re- gierungen»ntime und herzliche seien und daß der bestandige Ge- dankcnauStausch über die großen Balkanstagen Italien täglich eine Bestätigung der Ucbcreinstimmung der Ansichten und Ziele der beiden Regierung«» gebe. Italien will an der Sicherung des Friedens mitarbeiten und wird keine gefahrvollen Schritte unter« nehmen, wie die Befolgung eines der Vorschläge EhicsaS einer wäre. Der Minister wies darauf hin, wie Ehicsa in bezug auf die Anwendbarkeit des Artikels 23 deS Berliner Vertrages auf die gegenwärtige Lage in Albanien im Irrtum sei, und versicherte, Italien wie die anderen Mächt« hätten, ohne sich in die inneren Fragen des ottomanischrn Reiches zu mischen, dessen hohes Prestige und ststS«' fugte Integrität sie zu erhalten wünschten, stets steundschastliche Rat- fchtage zur Mäßigung und Klugheit gegeben. Italiens Politik habe ebenfo wie die der anderen Großmächte die Integrität des manischen Reiches zur Grundlage. Der Minister glaubt, daß das deutfch- französische Abkommen über Marokko vom 9. Februar 1909 kein ltal.enislbcs Interesse verletzt, vielmehr von neuem den Grund- satz der wirtschaftlichen Gleichberechtigung befcstmt. Er wird guck- lich sein, wenn die Frage der Begrenzung der Rüstungen pmktisch wird, ohne die militärische Verteidigung Italiens zu beemtrachtigcn. Er schloß mit der Feststellung, daß sieben SchiedSgerichtsvcrtrag« laufen, während die Verhandlungen für neun weitere un Gange finb.(Lebhafte allgemeine Zustimmung.) Eine weitere Hiobspost aus der Aviatik. Tokio, 9. Juni.(W. T. B.) Die Militärflieger Hauptmann Tokusowa und Leutnant Jto haben bei emem Sturz auS vroher Höhe den Tod gefunden.______ KaulSingertCo.BcrilnL�. Hierzu 3 Beilegen».Noterhaltungsbl. Nr. 133. 28. Jahrgang. 1. Keilme des Jotmirts" SonNbtlld, 10. Inni 1911. ?eche Radbod auf der Mlagebanh. Nach dem großen Grubenunglück vom 12. November 1303 führte man auf Radbod elektrische Grubenlampen ein. Später führte auch die Nachbarzeche Werne diese Lampen ein. Auf letzterer Zeche hat man bereits ein verbessertes System dieser Lampen ein- geführt, wogegen Radbod trotz der vielen Klagen über diese Lam- Pen an dem alten System bis heute festhält. Die Lampen sunktio- nieren so schlecht, daß sich der Arbeiterausschuß im letzten Jahre dreimal gezwungen fühlte, diese in den(Sitzungen zur Sprache zu bringen, damit Remedur geschaffen würde. Es ist früher bereits von den Arbeitern sestgstcllt worden, daß 23 Proz. der Lampen überhaupt nicht funktionieren. Die Folge hiervon war: da man doch in der Grube ohne Licht überhaupt nichts sehen kann, die einge- führten Reservelampen schon in den ersten Stunden der Schicht verbraucht waren, zum Teil ebenfalls nicht funktionierten, aber Arbeit verlangt wurde und auch geleistet werden mußte, damit ein Lohn heraus kam. so kann man es verstehen, wenn es auch nicht zu billigen ist, daß einzelne die Lampen in der Grube selber zu öffnen und sie wieder in Ordnung zu bringen suchten. Dabei waren die Verschlüsse so mangelhaft, daß einzelne Leute die Schlösser schon auf dem Wege von der Lampenbude bis zum Schacht und bei der Einfahrt verloren haben. Da man es auf Radbod gewöhnt ist, alle Schäden und Krank- Herten mit Radikalmitteln zu heilen, so ging man auch hier radikal vor, um die Beschwerden aus der Welt zu schaffen. Obschon die cmzelnen Leute oft wochenlang die ihnen angeschriebene Lampe nicht bekamen, ordnete die Verwaltung für den 11. Februar d. I. nach Beendigung der Schichten eine Revision sämtlicher Lampen an. Am 13., 14. und 15. Februar prangten daher zirka 53 Mann je mit drei Mark im Schaukasten, weil bei der Lampenrevision an ihrer Lampe das Schloß gefehlt haben follte. Außerdem aber wurden mehr als 43 Mann bei der Staatsanwaltschaft dieserhalb angezeigt. Ein Verfahren, das man bisher nicht gekannt hat. Man beabsichtigte hiermit, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Erstens wollte man die Beschwerden aus der Welt schaffen, zweitens wäre es doch zu schön, wenn, nachdem das Ge richt in Münster das Verfahren gegen Radbod wegen der Schuldt gen von der Katastrophe von 1938 eingestellt hat, man jetzt den Nachweis führen könnte, daß die bösen Bergarbeiter das Gruben- Unglück absichtlich herbeigeführt hätten, darauf angespielt hat man ja schon wiederholt. Die erste Gerichtsverhandlung, die am 7. Juni vor dem Schöffengericht zu Werne a. d. Lippe stattfand, wo 18 Mann die Anklagebank zierten, brachte jedoch im Laufe der Verhandlung die Verwaltung von Radbod auf die Anklagebank. Bei der Feststellung der Personalien, vor Eintritt in die Veo Handlung, ergab sich folgendes: Zwei der Angeklagten waren 13 Jahre alt, zwei waren 17 Jahre, einer 18 Jahre, drei 13 Jahre und einer 23 Jahre alt. Also acht Mann, die nicht einmal 21 Jahre alt waren. Hierzu kamen noch eine Anzahl Ausländer, die man sich als Versuchsobjekt ausgesucht hatte. � Als Zeugen waren der Betriebssührer Berg, die Fahrsteiger Thiemann, Scheuch, Earrier und der Lampenmeister Echterhoff von der Staatsanwaltschaft bestellt, wovon letzteren die Ladung nicht zugegangen war und in letzter Stunde per Auto herbeigeschafft werden mußte. Die Schilderungen der Angeklagten, wie es komme, daß Lam Pen ohne Schlösser abgegeben würden, können wir nicht im ein zelnen wiedergeben, sie waren zusammengefaßt folgende: Die Strecken sind sehr eng, so daß die Wagen öfter an den Stempel stoßen. Tie Schienenwege sind ungeheuer holperig, wodurch die Wagen hin und her schlagen, die Schlösser sind so locker, daß sie hierdurch schon verloren gehen. Auch beim Hantieren mit der Arbeit, sogar auf dem Wege zur Arbeit gehen die Schlösser vcr- loren. Auch wollten sie die Lampen wiederholt ohne Schloß emp- fangen haben. Die Lampen waren bis zum 1. April in einem ganz miserablen Zustand. Die Lampen halten die vorgeschriebe- nen 8 Stunden nicht aus. An einem inzigen Aufbruch kamen beim Schichtwechsel 23 Mann herauf, die im Dunklen waren, da ihre Lampen erloschen waren. Alle Angeklagten, mit Ausnahme deS 16jährigen G., beteuerten, die Lampe nicht geöffnet zu haben. Wenn bei der Revision, die ja in ihrer Abwesenheit vorgenommen fei. das Schloß gefehlt habe, dann könne es nur aus den erwähn- ten Ursachen verloren gegangen sein. Der Amtsanwalt ließ fest- stellen, wie lange die Angeklagten schon auf der Grube beschäftigt feien. Hierbei ergab sich, daß ein erheblicher Teil erst ganz kurze Zeit auf der Zeche arbeitet. Als erster Zeuge bekundet der Vc- triebsfiihrer Berg folgendes: Wir haben die Lampen nicht in eigener Regie, sie werden von einem Unternehmer geliefert und unterhalten. Anfang Februar kam der Lampenmeister Echtcrhoff zu nur und sagte: Es fehlen in letzter Zeit soviel Schlösser an den Lampen, Sie wollen mal Anordnungen treffen, daß das anders wird. Hierauf habe ich den drei Fahrsteigern Anweisung gegeben, an einem bestimmten Tage sämtliche Lampen nach der Schicht zu revidieren und die Lampcnnummer, wo sie etwas aus- zusehen finden, zur Bestrafung zu melden. Es sind dann zirka 53 Mann dieserhalb mit 3 M. bestraft worden. Auf Veranlassung der Bergbehörde sind diese Leute dann noch der Staatsanwaltfchafl kleines feiälletou. Holz kn der modernen Technik. ES gehört zu den eigentüm- lichsten Erscheinungen der modernen Kulturentwickelimg, daß eben dieselben Materialien und Kräfte, die der technische Fortschritt ver« drängt, ihrerseits mit Hilfe der weiteren technischen Eroberungen den Kampf um die Existenz ausS neue aufnehmen und nicht selten mit schönem Erfolg. In diese» Kapitel gehört der Kampf zwischen Dampfmotor und Dynamomaschine, zwstchen GaS und Elektrizität und neuerdings, Wie eS den Anschein hat. zwischen Holz, als Bau« Material, und Stein und Eisen. Ll» Baumaterial hat Holz viele nicht zu unteriwätzende Vorzüge. Sein geringes Gewicht, feine Elastizität und Festigkeit, die derselben anderer Baumaterialien nicht"viel nachgeben, und nicht zuletzt seine' Billigkeit, sind Eigenschaften, die vom Standpunkte der Bautechnil besonders wertvoll erscheinen. Und wenn das Holz, namentlich� im Hochbau, durch Eisen und Stein so schnell und gründlich verdrängt worden ist, so haben da» in erster Linie seine leichte Brennbarkeit und geringe Widerstandsfähigkeit gegen Fäulniserreger und schädliche Insekten verschuldet. Der Bekämpfung dieser beiden Mißstände galten die Auslrengungen der modernen Technik, die besonders im letzten Jahrzehnt von manchem Erfolge gekrönt worden sind. Wa» zunächst den Schutz d-s Hölzes gegen Fäulnis sowie gegen die Angriffe der Bohrtiere, tnSbesondere des BohrwnrmS anbetrifft, so haben wir jetzt auf diesem Gebiete verschiedene Jmpräanre« rungsmet h o den, die sich, soweit die Versuchsergebnisse vor- liegen, auf» beste bewahren. Hier ist vor allem die Teerölimprägnie« rung zu nennen, die in den letzten Jahren ein« bedeutende Berbillignng und Vervollkommnung erfahren, wa» nicht wenig dazu beigetragen hat, die Position des Holzes im Eisenbahnbau und beim Bau von Telegraphenlinien zu retten und dem Vordringen der eisernen UmerlägSschwellen einen Dämpfer aufzusetzen. Tie gleichen Dienste hat daS Teerölverfahren im Wasserbau erwiesen, denn daS Teeröl zeigte sich als ein anSgezeichiieteS Mittel, nicht nur den'Fäul- niSerregern, sondern auch den Angristen des Bohrwurms mit Erfolg Si begegnen. Während daS nicht imprägnierte Eichenbolz bester uoliiät in zwei bis drei Jahren derart von den, Bohrwurm an- gegriffen wird, daß eS sogar bei geringem Seegang in sich zusammen- bricht, zeigten die mit Teeröl bearbeiteten Kiefernpfähle nach der fünfjährigen Lersuchszeit keine Spuren von Bohrwurm. Auch im angezeigt worden. Auf Befragen gibt er noch an. Ich selber habe keine Lampe ohne Schloß gesehen. Daß Lampen ohne Schloß zur Ausgabe gelangen, darüber läßt sich schwer etwas sagen. Es kommt oft vor, daß eine Lampe nicht funktioniert. Es kommt oft daher, daß sich der Mechanismus versetzt hat, man braucht dann nur an die Lampe zu schlagen und sie funktioniert wieder; dies ist auch gestattet. Amisanwalt: Dadurch kann aber die Lympe ucbst Schloß leicht beschädigt werden. Betriebssührer Berg: schweigt. Ueber die Bergpolizeivorschriften und die Handhabung der Lampen werden die Leute nicht belehrt. Fahrsteiger Srnzel: Ich habe auf Anweisung am 11. Februar morgens mit zwei Steigern die abgegebenen Lampen revidiert und mehrere beschädigt und ohne Schloß gefunden. Es wurde mir vom Lampenmeister gesagt, die Lampen seien so abgegeben worden. Diese Leute sind dann bestraft worden. Amtsanwalt: Von wem erhalten die neu angelegten Leute eine Belehrung über die bergpolizeilichen Vorschriften und die Handhabung der Lampen? Betriebsführer Berg: Die bergpolizeilichen Vorschriften. hängen auf der Zeche aus, wer will, kann diese lesen. Amtsanwalt: Ist die Liste noch vorhanden, wonach die Leute damals bestraft worden sind?, Berg: DaS bezweifle ich. Fabrsteiger Thiemann: Da ich an dem dazu bestimmten Tage selber keine Zeit hatte, so habe ich zwei Steiger mit der Re- Vision betraut. Wen diese gemeldet haben, der ist bestraft wor- den. Ich bin der Meinung, wenn mal eine Lampe geöffnet wird. so geschieht das nicht aus Böswilligkeit, sondern aus Neugierde. Diese Lampen sind jetzt noch etwas neues und da möchten die Leute den Mechanismus mal kennen lernen. Amtsanwalt: Wer belehrt die Leute über die bergpolizeili- chen Vorschriften und die Handhabung der Lampen. Thiemann: Aon den Beamten geschieht dies im allgemeinen nicht. Die neu anfangen, erhalten ihre Belehrung durch ihre Mit- arbeiter. Ter Amtsanwalt schüttelt mit dem Kopf. Fahrsteiger Earrier: Ich habe eigentlich die Aufsicht über die Lampen. Ich habe wiederholt Lampen ohne Schloß gesehen. Daß die Schlösser so leicht von den Lampen fallen können, bezweifle ich. Es ist eine bequeme Ausrede, wenn man das Schloß zertrümmert, zu sagen, ich habe es verloren. Es sind viele Beschwerden gckom- men, daß die Lampen nicht funktionieren. Wenn solche Beschwer- den kamen, habe ich immer auf Abhilfe gedrungen. Zu Unrecht wird bei uns niemand bestraft. Borsitzendcr: Haben Sie gesehen oder einer der Beamten Beweise dafür, daß einer dieser Angeklagten das Schloß entfernt oder gar die Lampe geöffnet hat? Bemerken will ich noch, daß selbst wenn jemand das Schloß entfernt hat, damit noch lange kein Oeffnen der Lampe verbunden sein braucht, nach Ihrer eigenen Erklärung. Alle Beamte antworten auf diese Frage mit nein. Es ist ihnen nicht bekannt, daß ein Arbeiter diS Lampe geöffnet hat. Vorsitzender: Dann sind Ihre Aussagen ja nur Hypothesen. Dir genügen aber nicht, um eine solche Anklage zu rechtfertigen. Zwischen dem Zeugen Earrier und den Angeklagten entspinnt sich ein längeres Frage- und Antwortspiel, aus dem wir kurz sol- gendcs wiedergeben wollen: Ist dem Zeugen bekannt, daß am Tage vor Pfingsten noch Lampen ohne Schloß zur Ausgabe gelangt sind? Ist dem Zeugen weiter bekannt, daß vor 14 Tagen der Matcrialicnansgcber von der zweiten Sohle deS Morgens bei der Abfahrt ein Schloß auf dem Korb gesunden und in der Lampe» bude abgegeben hat? Ist dem Zeugen ferner bekannt, daß ein sehr bekannter Mann auf Radbod sein Schloß ebenfalls auf dem Wege von der Lampen- bude bis zum Schacht verloren hat? Ein?lngcklagtcr überreicht einen Schein, der von einem Fahr- Hauer und Fahrsteiger Scheuch unterzeichnet ist, wodurch ihm be- stätigt fmrd, daß seine Lampe am 11. Februar beim Lnschcnab- schlagen beschädigt wurde und das Schloß abgesprungen sei. Fahr- striger Scheuch bestätigt dies. Vorsitzender: Warum steht der Mann denn hier unter An- klage? Alles schweigt. Es wird ferner festgestellt, daß dieser Mann auch mit 3 M. von der Zeche bestraft ist, trotzdem er vom Fahrstciger einen Schein hatte, dah die Lampe auf Kosten der Zeche repariert werden solle. Earrier antwortete auf die ihm gestellten Fragen wie folgt: Ich halte es für unmöglich, daß ein Schloß so leicht verloren gehen kann, ihm seien solche Fälle nicht bekannt. Daß Schlösser gefunden und in d'c Lampenbude getragen sind, sei ihm ebenfalls unbe- kannt. Die bequemste Ausrede ist ja die, man habe das Schloß verloren. Lampenmeister Echterhoff trägt drei Lampen von je 8 bis 13 Pfund in den Saal und will hieran beweisen, daß die Lampen und Schlösser ausgezeichnet ssunktiomeren. Es wird von den An- geklagten sofort darauf hingewiesen, daß Herr Echterhoff als Ber treter der Lampenfirma selbstverständlich das beste Material hier vorlegt. Aber auch hier wird durch Inaugenscheinnahme festge> stellt, daß, wenn es erlaubt ist, wie Herr Betriebssührer Berg sagte, an die Lampe zu schlagen, wenn sie nicht funktioniert, diese bald arg beschädigt und das Schloß locker wird. Auf Befragen des Vorsitzenden gibt er weiter zu, daß täglich 173 bis 183 Lampen in Reparatur gegeben werden müssen, das wären 13 Proz. sämtlicher Lampen. Somit komme jede Lampe jeden zehnten Tag in die Re- paraturwerkstatt. Hiermit war die Beweisaufnahme erschöpft. Der?lmtsanwalt bemerkte, es kämen hier die§8 45 bis 43 der Bergpolizeiverordnung vom Jahre 1933 in Frage, wonach eine beschädigte Lampe in der Grube nicht länger gebraucht werden darf und das Oeffnen der Lampe in der Grube bei Strafe ver- boten ist. Alles dies sei keinem der Angeklagten bewiesen, nur der Angeklagte Pferdetreibcr G. habe zugegeben, daß er das Schloß von der Lampe entfernt habe, um diese wieder in Ordnung zu bringen, was er auch fertig gebracht habe. Er beantrage daher für alle anderen Angeklagten die Freisprechung, für G. eine Geld- strafe von 3 M. Das Urteil ging dahin: 11 Angeklagte werden freigesprochen. Gegen 6 wird ncner Termin angesetzt, um zu prüfen, ob die An- geklagten ihre Lampe, nachdem sie im Betrieb beschädigt war, noch länger im Gebrauch gehalten haben. G. wird mit 3 M. bestraft. Bergbau— um noch ein wichtiges Gebiet, wo daS Holz»lassen- weise zur Verwendung kommt, zu streifen— erlaubte die Jinprägiiierung, diesmal mit sog� Wicscsalz sresp. Kieselfluornatrinm), der Pilzbitdung vorzubeugen und so die Nutzungsdauer des Holzes bedeutend zu erhöhen. Kommt eS in allen diesen Verwendungsgebieten hauptsächlich auf die Dauerhastigkeit deS Holzes an, so ist es für den Hochbau vor allem wichtig, die Widerstandsfähigkeit de» Holzes gegen Feuers- gefahr zu steigern. Wenn es sich auch nicht mehr darum handeln kann, die alte Position deS Holzes im Hochbau zurückzuerobern, denn vielen Ansprüchen der modernen Teckmit würde auch daS feucr- sichere Hol, nicht genügen, so zeigt doch schon ein Blick in die Stalistit der Dachstuhlbrände, welch' ein großer Fonschritt für den Hochbautcchnik in Herabminderung der Eulflammbarkcit des Holzes liegt. Dieser Fortschritt ist schon tatjäckilich vollzogen, indem eS durch Jmprngnieruilg des Holzes mit verschiedenen Salzlösimgen gelungen ist, das Holzmaterial herzustellen, das. wie Brandversuche in Tegel im August vorigen Jahres erwiesen haben, sogar bei 1333 Grad Hitze noch intakt bleibt. Da die Kosten dieses JmpräguierungS- Verfahrens nur etwa 13 bis 15 M. pro 1 Kubikmeter betragen, so dürfte auch im Hochbau das Sterbeglöcklein des Holzes nicht so bald schlagen, wie eS zuerst nach den Siiesenfortschrilten des Eisen- und Eisknbetonbaues den Anschein halte. Humor und Satire. Die Bilanz des Arbeiterpensionsgesetzes. Der Bourgeois:.Der Vorteil deS neuen Gesetzes ist. daß es keine Bettler mehr geben wird. Wenn Sie wirklich einen sehen, können Sie sich mit Genugtuung sagen, daß eS ein arincS Luder von Gelehrten oder Künstler ist.' B.:.«ch ja. von jenem Lumpengefinbel, für die das Gesetz nicht gemacht ist.' Schlau. Wir, gnädige Frau, leben von jetzt ab im Hotel. Wir werden da von einem Personal bedient, demgegenüber wir nach dem Gesetz keine Beitragspflichlen haben. » D e r S ch l a ch t e r: Um die Beiträge für meine Angestellten wieder einzubringen, werden wir die Fleischpreise noch mehr steigern... Sie Matnargarine-veroMuugeti vor Gericht. Altona, den 9. Juni 191T. t Im weiteren Verlauf der Verhandlungen stellte Verteidiger Justizrat Waldstein den BewciSantrag, den Betriebsleiter Klasen als Zeugen über folgenden Umstand zu hören: Die Firma Mohr u. Co. hat Margarine der Marken„Frischer Mohr" und „Luisa" in genau der gleichen Zlifammensetznng wie die angeblich gesundheitsschädliche, also mit 5 Proz. Cardamonöl, 71 Personen, Beamten und. Arbeitern ihrer Fabrik, sowie des Gaswerkes der- abrcicht, und obgleich Mengen bis zu 9 Pfund konsumiert wurden, haben sie doch niemandem geschadet. Außerdem ist dieser Konsum unter Kontrolle geschehen, was wir von den Zeugen für Gesund- heitsschädigungen nicht wissen. Wir haben diesen Beweis selbst durchführen müssen, da ihn uns die Behörde abgelehnt hat.— Gerichtsarzt Dr. Lrukhardt: Mir schienen solche Pcrsuche nicht vot- wendig, da ja so viele Fälle von GcsundheitSschädigungen erwiesen waren. Ucbrigens sind die Proben mit später angefertigter Marga- rinc gemacht worden, statt mit der gleichen, an der die Leute er- krankten.— Staatsanwalt Dr. Schulenburg: Ich bin deshalb gegen den Antrag, weil doch nachgewiesen werden mühte, was un- möglich ist, daß diese Proben gänzlich unbeeinflußt waren, daß nicht etwa Gegengifte gereicht worden sind und daß das Probe- Material die gleiche Zusammensetzung hatte wie die ursprünglichen Marken„Luisa" und„Frischer Möhr".— Bert.: Selbstverständlich soll Klasen auch die Identität des Materials bekunden.— Der Gerichtshof verkündet zwar keinen Beschluß, tritt aber in die neuerliche Vernehmung des Betriebsleiters Klasen ein.— Zeugs Betriebsleiter Klasen: Die im März zu den genau kontrollierten Proben verwendete Margarine entsprach in ihrer Zusammensetzung genau den Lltjarken„Luisa" und„Frischer Mohr" vom Ende No- vember des Vorjahres. Es waren 71 Leute, die die Margarine genossen hatten; sie hat keinem auch nur im mindesten geschadet. — Ueber die Art der Kontrolle der Zusammensetzung und die Mengen der einzelnen Bestandteile in den zwei Zeitpunkten cnt» spinnen sich langwierige und rein betriebstechnische Auseinander- setzungen.— Ein Sachverständiger: Wir haben verschiedentlich gehört, daß die mit Cardomonöl bereitete„Bocka" viel schöner war als diese Ware sonst. Ist es da ganz ausgeschlossen, daß diese so außerordentlich schöne„Backa" als„Frischer Mohr" verkaust wurde? Tann würde es sich bei den 6 Proz. Cardomonöl in der „Backa" gleich erklären, warum am„Frischen Mohr" im November Leute erkrankten, am„Frischen Mohr" im März aber nicht!—? Zeuge Klasen: Es bestünde schließlich die Möglichkeit einer solchen Verwechselung; aber ich weiß nichts davon und glaube nicht daran. — Slngekl. Blohr: Von Cardamonöl sind insgesamt 633 333 Pfund erzeugt worden.— Es entspinnt sich eine längere Aussprache über innerbctriebstechnische Fragen, wobei der. Angekl. Mohr erklärt: Ich sehe erst jetzt miS der Aussage des Chemiker Peltzer, daß unsere Verabredung, Cardamonöl nicht mehr zu verwenden, noch vier Tage lang nicht befolgt worden ist.— Vert. Waldstcin: Also, Herr Peltzer, Mohr hat es Ihnen ülvrlasscn, diese Llnordnung durchzu- führen.— Zeuge Altenborn, Vertreter in Berlin: Ich habe täglich etwa 33 bis 43 Zentner Margarine von Mohr bezogen. Von der angeblich verdorbenen Margarine bekam ich 54 Pfund. Mir ist nur ein einziger Erkrankungsfall bekannt geworden, von einem, der 3 Pfund bezogen hatte. Es war also die übrige Ware gut. � Staatsnnw.: Das können Sic nur annehmen. Tatsache ist, daß in Berlin mehr Erkrankungsfälle vorgekommen sin».— Sodann werden die Protokolle über die Versuche vorgelesen, die Dr. Ascher in Hamm(Wests.) nach den dort vorgekommenen Er- Der Schankwirt:... und wir den Preis der Getränke. Alle Beide: Der gute dumme Konsument ist ja immer noch zum Gerupstwerden da. �, Die Statistik..Aber lieber Freimd, die Statistik liefert doch unwiderlegliche Beweise: Mehr als 51 Proz. der arbeitenden Bevölkerung wird mehr als 35 Jahre alt.' „Mag schon sein.— Aber da liegt-der Hund begraben: ich ge» höre zu den 49 Proz., die vorher krepieren. Ich arbeite in einer staatlichen Strcichholzfabrik.' Aus der Sondernummer der„�ssiotto au beurre". Notizen. — Nrveiterkarten zur.Orestie'. Diezur.Orestie� („Das Opfer am Grabe') im Zirkus Busch am Sonnabend, den 17. Juni, abends 8 Uhr, für Gewerkschaften und Mitglieder der Freien Volksbühne und der Neuen Freien Volksbühne reservierten, ermäßigten Billetts sind nur erhältlich bei Horsch, im GelverkschaftS« Hanfe, Engelufer 15. — Ein Rassenkongreß wird zum ersten Male am 23. Juli in London zusammentreten, für den Vertreter von 53 Ländern oder Staaten miS allen Erdteilen ihre Teilnahme zu- gesagt haben. Olfizielle Sprachen des Kongresse« werden sein: Englisch, Deutsch. Französisch. Italienisch; für die anderen Sprachen. auch die oricntalienischen, werden Dolmetscher gestellt. Die Refe- rate werden bereits im Juni in englischer und französischer Sprache erscheinen. � � �Unberechtigte Vorwürfe gegen einen deut- schen Archäologen. In der griechischen Kammer zu Athen .nterpellierte der Abg. CaropanaS den Kultusminister über die griechischen ZettniigSbenchte. welche den Leiter des deutschen archäo- log.,-Yen Institut». Pn>f-»or Dörpfeld. beschuldigen. Altertümer unterich lagen zu haben. Der Kultusminister antwortete, eine ofstz.elle Anschuld, gung se, von keiner griechischen Behörde erfolgt. «"s s-'nen Befehl habe stch der archäologische Rat des Ministeriums mit der Sache befaßt. Dieser habe sich einstimmig dahin geäußert. ? ifc 1�?".'"r At mner solchen Verdächtigung vorhanden •m UebrigenS fei Herr Dorpfeld nach der Meinung des Ministeriums über isden solchen Verdacht erhaben. JtänlifitgHI unletnommen 5ne cheünsche Malhse Hai keitt Vorhandensein von metallischen Giften oder Alkaloiden ergeben. Tarauf wurden Tierversuche an ZKmschwcinchcn unternommen. Tie Tiere siird nach dem Genuß aller drei Sorten erkrankt. Diejenigen, die mit»Backa"margarine gefüttert waren, sind nach 24 Stunden zugrunde gegangen. Sie waren sehr abgemagert, so bfffe sie ihres Gewichtes verloren haben. Sie sind an Tarm- katarrh eingegangen, und es wurde eine starke Eiweibausscheidung tonstatiert. Diejenigen, die Jßuisa" und.Frischer Mohr" be- kommen hatten, sind auch erkrankt, aber nach einigen Tagen wieder genesen; dagegen sind diejenigen, denen Cardamonfett direkt ge- geben wurde, zugrunde gegangen. Andererseits aber hat sich die I-Margarine als gänzlich unschädlich erwiesen.— Es wird dann eine Anzahl von Zeugen aus Westfalen und auS der Gegend von Wolfenbüttel vernommen, in deren Familien Erkrankungsfälle vorgekommen sind. Dr. Herrmann in Groh-Denkte bei Wolfen» büttel hat zwei erkrankte Familien behandelt.— Bert.: Herr Doktor, halten Sie es nicht für möglich, daß die Erkrankungen in der einen Familie eine Folgeerscheinung der Suggestion durch die Erkrankungen in der anderen Familie gewesen sind?— Zeuge Dr. Herrmann: Das halte ich für ganz ausgeschlossen, wenn ich die Schwere der Erscheinungen, die einem KollabZ glichen, ins Auge faffe. Ich halte eine' Suggestion für gänzlich ausgeschlossen.— Zeugin Irau Brauer aus Wittmar sagt aus, dah sie stets Margarine vön Mohr bezogen, habe, auch zu der Zeit, als die Er- kranküngen erfolgten, und daß sie die Margarine sofort an ihre Mitbezieher abgegeben habe, ohne dag irgend jemand erkrankt wäre.— Hierauf trat die Mittagspause ein. Zu Beginn der RachmittagSfitzung wird daS Deweisverfahren geschlossen und zur Bernchmung der Sachverständigen geschritten.— Fabrikant Bornheim, Vorsitzender des Verbandes deutscher Margarinefabriken, Köln, erklärt: Tierversuche wurden vor den zur Anklage stehenden Fällen niemals vorgenommen./, Uhr.) ALalhaNa. Prinz und Bettlerin. (Ansang S'lt Uhr.) Noigt. Goldene Jugend. Noack. Sommerlcst. Karl Hnverland. SvezsaNtäten. Kaiser- Panorama. Reise nach Ceylon und Indien. Im Lande der Mitternachtssonne. Urania. Taudenftrafte 48/4S. 4 Uhr: Lebende Tierbilder von nah und lern. 6 Uhr: Lebende Tierbilder von nah und sern. Sternwarte. Jiwalidenttr. 57—62. Friddricti-Wiltielnistädtisches Sciiauspieliiaus. Sonnabend, den 10. Juni er., abends 8 Uhr, zum ersten Male: Im irnkbarell Lnstsihiff. Puffe w 2 Akten von E. Normt und Ernst Baum. Sonntag: Im lenkbaren Luftschiff. I0SE=THEATE| Grotze Franksurl et Str. 132.| Änfang 8 Uhr. »lAtrSklbstmördtrKliid! Auf der Gartenbühne täglich «s gibt uur ein Berlin. Groff Revue. Konzert, Spezialitäten. An sang 4'/, Uhr. Metrnpol-Tlieater. Operette in 3 Httcn von I. Freund. Musit von Rudolf Nelson. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Ansang 3 Uhr. Rauchen gestaltet. 1 Sranerei Triedriehshain am KOnlgstor. Sonntag, den II. Juni 1911: Berliner Komponisten-Revue Berliner-Sinfonie-Orchester l,1[ÄnÄ7! Sarottt-Schokoladen-Rhelnlündcr mit Gratlsverteilung. Mitwirkuug der Rudolph Hertzogschen Liedertafel. Außerdem 3 Radrennen— 10 Rennfahrer unter persönlicher Teilnahme von: Pawke, Tadewald, Techmer, Vinzelberg usw. Anfang 4 Uhr. Entree 30 Pf. Urania. Wissenschaftliches Theater- Tanbonetraße 48/49. 4 Uhr und 8 Uhr: Lebende Tierbilder von nah und fern. Seülller-TbealerOÄ Sonnabend, abends 8 Uhr: Im Klnbaeeuiel. Sonntag, abends 8 Uhr:, Im KlDbacssel. Montag, abends 8 Uhr: Im Klnbnesse1. Schiller-Tlieater Chbu?r Sonnabend, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Her l'robehnndidnt. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Hnftarenflebcr. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Probekandidat. Montag, abends 8 Uhr: Rcvolatlonshochzolt. Berliner Theater. lllbeuds 8 Uhr: nnmmeltitndentcn, Morgen: Bummelftudenien. Wim Theater. Täglich- Ansang 8 Uhr. Tr i an o n-T h cat« r. Heute und folgende Tag«! Das Prinnchen. Litbetlchwant in 8 Sitten v. R. Misch. Ansang 8'/, Uhr. Ansang 8'/, Uhr. Die neuen Juni- Tpezialitaten DeS sensattonellcn Erfolges wegen prolongiert: Der zerbrochene Spiegel. Letzte Neuheit d. popul. Kebr. Schwarz Um ein Weib. Trohes amerikanisches AuSstalttingj- - SensatwnSstück in sieben Bildern. NIM Die auserlesenen Attraktionen! LA TORTAJADA. 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Kaffcneröffnung 2, ilnfang 5 Uhr. ZftmsUs Theater. Direktion; Rebort Olli. Billin N.. Brunnenstrasie 16, Gr. Extra>Borstellung S Ans. 6 Uhr. Konzert, Theater, Spezialitäten. IlttUvr-ItOmvr in seinen urtouiischen Typen. �vrt s�lechlem Detter: Vorstellung l Am BcücJs&J 5iic�«jbiii3öÄsc J 1.Eis- Arena. Allabendlioh:| Dae prunkvolle Eisballett Ilontrcal Die Stadt auf Scblitischnhen. IOO Mitrrirkende 100 Apachen-Tünze auf dem Eise. [Die Eisb.istv. 10U. frühgeöfln. | Anork. vorziiglicho Rostauration, j Bier- und Weinabteilung. Bis 7 Uhr und von fO'/.Uhi abends: halbe Kaasenpreise. Max Mitems' Sommer-Theater Rudolf Krllger, Hasenheibe 13—15. Täglich: Erstklassige Theater» und Speztalieüten.Tiorstellungcn. Zellbcdachtcr Thcatergarten, bei ungünstiger Witterung Schutz bietend. Donnerstag: EIU«ta?c. LP Seite. Rummel&burg am See. ■' Inh.: 0. Tempel.■■■ Jeden Donnerstag und Sonnabend: sor koklmAnus SZllgsr. Jeden Sonntag: 8plZi!sIilslgu?orzle!Illllg und Garton-Iionsort. Künigstadt-Kasino. Holzmarltstr. 73. Jrrnnaen. Posse In 1 Akt. The Öderes. Neubort und Rät. Rosa Horst. Otto Rümer. Ans.'/,S Uhr, Sonntags'/,5Uhr. >----------—N— Mi Für den Jutialt der Inierat« üderniiumt die Redaktion dem Publikum gegeultber keiuertei Verantwortung. Todes-Ameigen lIlEj�Ü wnnubt».■jy,����-.-»sr�r't«nirafrnr winaJ Am 7. Jlini verschied nach I ! kurzem, schweren Leiden mein I lieber Mann, unser treu sorgen- der Vater, Schwieger- und Gros;- oatci: im 71. Lebensjahre, der s j Gclbgießer SCsH Sachse Dies zeigen, um stille Teil- I nähme biticnd, an Zlari« Sachse geb. Thiele nebst Kinder». Die Beerdigung findet Sonn- s tag, den 11. Juni, nachmittags I 1 S1/, Uhr, von der Leichenhalle des i | Steglitzer Fricdhoses aus statt. SomISeWvst. VMereiil Sieghix. Am 7. d. Mts. starb Im Mter von 70 Jahren unser Mitglied, der Former Sachse. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Sonntag, den 11. Juni, nach- mittags 3>/z Uhr, von der Leichen- Halle des Steglitzer FricdhosS aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 202/17 Der Vorstand. Melw Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung Groll-Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Lager- ardeiter Otto Toll lam 2. d. MlS. im Alter vonl 1 29 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken 1 68/11 Die BezirkSleitun Am 7. Juni Kollege verstarb unser 4602« üllgemeloe Kranken- ond iSterbekasse der Metallarbeiter i (E. H. Nr. 29, Hamburg). I'kltale Si t e s i! t Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser langjähriges Mitglied und Kollege, der Former k�aH Sachse am 7. d. Mts. im Alter vonl 70 Jahren an Schlagansall ver- 1 starben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 11. Juni, nach- mittags'3'/, Uhr, von der Leichen- balle deS Steglitzer Friedhoss aus statt. 21656 Um rege Beteiligung bittet Die Ortsverwaltung. August NMer Lankwitz, Biktoriastraße 6. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 11. Juni, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Kirchhofes Kroß-Lichter- selbe(Ost), Langcsttaße, aus statt. Die Kollegen der Ztzirma Goccs& Kallmann. OeffenfMe politische Versammlungen. Allen Freunden und Bekannten I die traurige Nachricht, daß mein! lieber Sohn, Bruder und Schwager, I der Schmied 2161b I Eteftkold Kohn am 7. Juni 1911 verstorben ist. Die trauernden Sintciblicbenen Witwe I4oh» nebst Geschwister und Schwägerin. I Die Beerdigung findet am i Sonntag, den 11. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Luiscn-Kirchhofcs| am Fürstenbrunner Weg aus statt. itchtung! Taubstumme! Achtung! Sonntag, den 11. Juni, vormittags 1Ä Uhr. m der Neuen Philharmonie. Köpenicker Straße 96/97: WllMchmlmz fir Mildta«. Th-m.-„Die Reichstagswahlen". Referent: Genosse Siegfried Meyer. Daranschließend: Freie Diskussion. Taubstumme! Arbeiter! Parteigenossen! Erscheint und sorgt für Massenbesuch! Der Einberufer: Siegfried Meyer. Huttenstr. SS. Mlenllrdeiier. Der Besitzer der Dampfmiihle LiolÄneher» der Großbäckcrcibefihcr HÄnarck tZvINaekor, Brunnenstratze 129/130, hat den von ihm unterzeichneten Tarifvertrag für die Mühlenarbeitcr vollständig gebrochen und sämtliche Mühlenarbeiter wegen Beteiligung am Streik gcmaßregelt. Die Dampfmiihle Besitzer Grotzbiickerei- besiyer Brunnenstraße 129/130, ist für organisierte Mühlenarbeiter wegen Maßregelung und Tarifbruchs gesperrt. Dte Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Brauerei» und Mühlenarbeiter* 43/1 Fernsprecher Amt III Nr. 4518. Danksagung. Allen Freunden, Verwandten und Bekannten sage ick hiermit meinen besten Dank für die herzliche Teil- nähme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau Hartda Üabka geb. Brauns. Die trauernden Hinterbliebenen. Hans Ilabka. 21605 Cierda Babka. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Freunden, Bekannten, .Kollegen und der Firma Beka Rekord sowie dem Metallarbeiter« Verbände meinen herzlichsten Dank. Wwe. Panllne Ktfnltx. Allen Freunden, Verwandten und Bekannten die traurige Nach- richt,' daß mein lieber Mann, unser guter Vater 2164b Wilkelm Rusch am Mittwoch früh 3'lf Uhr am Herzschlag verschieden ist. DieS zeigen ticjbctrübt an Raroline Rusch n. Kindern. Eduard Rusch. Beerdigung Sonnabend nachm. 6 Uhr vom Trauerbause Muskauer Straße 65 aus nach dem EmmauS- Kirchhof in Rixdors, Hcrmannstt. Danksagung. Allen Freunden, Verwandten und Bckannlcn, insbesondere dem Chef Herrn Julius Schwarzer sowie den Kollegen und Parteigenossen sage für die herzliche Teilnahme und Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes herzlichsten Dank. Monis Räbiger„Ä. Treptow, Grätzstr. 57. �€€€€€6€€6€€€e€€e« SÄSSSSSSSSSSSSSS� f OrlSYerwaltung Berlin des Zentralverbandes I der Glaser Dentsclilands. '1 Unserem treuen Mitgliede 72/1 Stanislaus Fiegil t j? die hor�li chsten O 1 Ii c k w(l n s c h e zu seinem A ÄSjUhrigcn Dienst- Jabilänm.$ fö. Der Vorstand. » SSSSSSSSSSSSSSSSE� �ur-.r,»der mög- I n VD 11 1 IIT.V 01*1, 9llf nmfMsand die gesamtea liebst rolUtändiger«II IUI sCIflaUl ungeheuren Bcsliod« der Frühjahrs- und Sommer-Saison!! Mus Mäntel 25.-, 50.- K Seid. Bast-Kostüme 40.-, 68.- Leinen-Kostüme-..v. 10.— ,22.— Kanimgnrn-Kostünie�r.Ä.rM: 15.-, 36.- Staubmäntel imp�iert...m. 12.—, 19.— Polret- Mäntel(PopeHne. Kammgarn), M. 1 9.— ScbwarzeTuch-u. liammgarn-Paletols m. 15.—, 23.—�"/?/' Blusen- u. Kammgarnröcke u. 4.—, 10.— lw Westmann Mohrenstrasse 37a(nahe Jerusalemer Str.) Gr. Frankfurter Str. IIS(nahe Andreasetr.) Sonntag ceOlfnol 8—10, il—2. 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GklltralvtrsMmlung des Deutschea MetMarbeiter- Uerbaudts. Mannheim. 8. Juni. Vierter Bcrhandlungstag. Die Debatte über die Anträge zur Maifeier wird fortgesetzt. B ö l I e r- Remscheid meint, die Anträge seien überflüssig, da auf der letzten Generalversammlung die Stellung des Verbandes zu dieser Frage präzisiert worden sei. Wenn Generalkommission und Parteivorstand Vereinbarungen getroffen haben, wäre es nicht richtig, noch besondere Beschlüsie zu fassen. Garbe- Kiel spricht auch gegen die Anträge. Die Unter- stützungsfraae sei noch nicht geregelt. Fragt einmal, wieviel Geld in den verschiedenen Städten im Maifeierfonds vorhanden ist! Man mutz sich auch bei der Maifeier nach den vorhandenen Mitteln richten. Hofsmann-Hanau meint, man solle kein« Aenderung der bisherigen Beschlüsse vornehmen. Die Ortsverwaltungen mutzten aber dafür sorgen, datz der Gedanke des 1. Mai mehr propagiert wird. Auch mützte eine bessere Form der Einkassierung der Mai- fondsbeiträge gefunden werden. L o o s- Berlin spricht warm für die Maifeier. Durch Schlutzantrag wird nun die Debatte beendet. Zu dem Maifeier-Antrag Barmen: »In Anbetracht dchsen, datz die Unterstützungsfrage für die Opfer der Maifeier durch die Beschlüsse des Parteitages und des Gewerkschafts.ongresses erlevigt ist. wolle die Generalversamm- lung beschliesien, daß die Arbeitsruhe am 1. Mai von den zu- ständigen Verbandsinstar�eri intensiver als bisher propagiert wird." wurde ein Amendement Zernicke- Berlin, daS ein Redner als.Verwäsierungsantrag" bezeichnete, eingebracht. Dem Antrag Barmen soll angefugt werden: „... soweit die übrigen Aufgaben des Verbandes nicht zurückgestellt werden brauchen." Zur Abstimmung kommt zunächst daS Amendement. ES wird mit 101 gegen 84 Stimmen angenommen. Der so nun erweiterte Antrag Barmen wird dann in namentlicher Abstimmung mit 124 gegen 82 Stimmen abgelehnt. Ein An- trag Halle, der erklärt, datz die Arbeitsruhe die würdigste Form der Maifeier ist und nähere Bestimmungen geschaffen haben will, .um die praktische Durchführung der ArbeitSruhe am 1. Mai zu beschleunigen," wird mit allen gegen wenige Stimmen abge» lehnt. Damit ist dieser Punkt erledigt. Ohne Debatte werden mit weit überwiegender Mehrheit fol- gende Anträge abgelehnt: Stuttgart..Die zehnte Generalversammlung beauftragt den Vorstand, bis in zwei Jahren zur Generalversammlung eine Vorlage auszuarbeiten zur Einführung einer Alters- und Jnva- lidenverstcherung innerhalb unseres Verbandes." Koch- Saalfeld.»Der Vorstand wird beauftragt, mit der Generalkommission der Gewerkschaften wegen Einführung einer Volks-, Lebens- oder Arbeiterversicherung in Verbindung zu treten." Annahme findet gegen wenige Stimmen ein Antrag, der den Vorstand beauftragt, die Geschichte des Metallarbeiter-Verbandes herauszugeben. Zur Beratung und Abstimmung kommen hierauf die An- träge zum Verbandsorgan. Annahme finden nur diese zwei Anträge:.Um den sich immer mehr ausbreitenden Volks- Versicherungen und Schwindelkrankenkassen wirksam entgegentreten zu können, sind im Verbandsorgan von Zeit zu Zeit aufklärende Artikel zu bringen." Ferner:„Die Redaktion des Verbands- organS wird ermächtigt, den Redaktionsschlutz bis zum Montag mittag zu verschieben." Abgelehnt werden Anträge, die der„Metallarbeiter- Zeitung" eine zweite, wöchentlich erscheinende Beilage beizugeben wünschen, in der fachtechnische Artikel über die neuesten Erfindun- gen auf den verschiedensten Gebieten der Metallindustrie gebracht werden. Der Ablehnung verfällt aber auch ein Antrag der Re- daktion, datz das Verbandsorgan der Verpflichtung enthoben wird, technische Rundschauen zu bringen. Ferner werden noch diese Anträge abgelehnt: „In kürzeren Zwischenräumen sind Artikel über die schäd- lichen Wirkungen des Alkoholgenusses aufzunehmen." „Bei den Berichten über die Verhandlungen der sozialdemo» kratischen Parteitage ist lediglich der Bericht über den Gang der Verhandlungen zu bringen." „Wenn sich an einen in der modernen Arbeiterbewegung prinzipiellen Aufsatz eine Diskussion in der„Metallarbeiter- Leitung" entfaltet, so ist das betreffende Original zu veröffent- Zur Beratung kommt nun der Punkt: Revision des BerbandsstatutS. Die Statutenberatungskommission. die schon die vorige Woche ihre Arbeiten erledigte, hat einen ausfuhrlichen schriftlichen Bericht erstattet. Den mündlichen Bericht gibt Pawlowitsch- Berlin. Die Kommission hat einstimmig dem Vorschlage des Vorstandes auf Erhöhung der Beiträge von 60 auf 70 Pf. für männliche Mit- glieder und von 25 auf 30 Pf. für weibliche und jugendliche Mit- glieder zugestimmt. Die Kommission schloß sich der Begründung des Vorstandes an. Sie ist der Meinung, datz die heutigen Bei- träge durchaus nicht im Verhältnis zu den Leistungen des Ver- bandeS stehen. Die Einführung von Staffelbeiträ- gen. die von zahlreichen Verwaltungsstellen verlangt wird, lehnte die Kommission mit 7 gegen 2 Stimmen(2 Mitglieder fehlten) ab. Die Bildung eine? besonderen Kampffonds hat die Kommission einstimmig abgelehnt. träge solle den Verbandsai' Die Erhöhung der Beb >ufgaben im allgemeinen zugute kommen. Eine'Erweiterung oder Verkürzung der Unter- st ü tz u n,g e n hat die Kommission ebenfalls abgelehnt. Sie ist der Ansicht, datz eine Verkürzung der Unterstützungen zweifellos die Werbe- und Bindekraft des Verbandes beeinträchti- gen. während eine Erweiterung der Unterstützungen die beabstch- tigte Stärkung der Verbandsfinanzen in Frage stellen würde. Zu Beginn der Generaldebatte lassen sich über 50 Delegierte in die Rednerliste einzeichnen. Von diesen begründet Stricker- Berlin folgenden neu ein- gereichten Berliner Antrag: „Für Mitglieder, welche sich in schwieriger wirtschaftlicher Lage befinden, kann der Beitrag auf 60 Pf. festgesetzt werden, jedoch nur auf Beschlutz der Bezirksleitung bezw. des Vor- standes." K ü r b i S- Hamburg geht auf den 8 38 des Statuts über Arbeitsein st ellungen ein und plädiert für die Annahme dieses Hamburger Antrages: „Bei Aussperrungen und Streiks, welche einen größeren Umfang anzunehmen drohen, ist der Vorstand verpflichtet: s) Wenn sich Aussperrungen oder Streiks größeren UmfangeS über bestimmte Distrikte erstrecken, sofort ein« Konferenz ein- zuberufen. Diese Konferenz setzt sich zusammen aus Delegierten der in Betracht kommenden Mitgliedschaften, welche nach den Bestimmungen der Wahlen zur Generalversammlung zu wählen sind, b) Droht eine Aussperrung oder Streik über da» ganze Gebiet des Verbandes, ist eine Generalversammlung einzuberufen. Die so zusammengesetzten Mitgliedervertretungen haben über alle Fragen der Taktik zu entscheiden und gleichfalls Bestimmun- gen zu treffen, ob eine Einschränkung der Unterstützung er- folgen soll." Cohen-Berlin betont, daß die Berliner im Prinzip für die Staffelung sind. Er bittet um Zustimmung zu dem Antrag Berlin. Eine Staffelung in anderer Form würden die Berliner nicht mit- machen. Machen wir mit dem Berliner Vorschlag einen Versuch. Ist er gut, dann können wir eventuell später einen Schritt weiter gehen. » Mannheim, S. Juni.(Privatdepesche deS„Vorwärts".)'' Die Metallarbeiter-Generalversammlung lehnte die Einfüh« rung der Staffelbeiträge mit 115 gegen 03 Stimmen ab. Versammlungen. Deutscher Bauarbeiterverband. In der am Donnerstag abge« haltenen Generalversammlung deS der Kassierer Wartenberg die Abr> tag( igvereinS Berlin erstattete ung für da» erste Quartal. Dieselbe schließt für die Sauptkaffe in Einnahme und Ausgabe mit 58 012 M. Die Lokalkasse hatte einschließlich der Bestände eine Einnahme von 217 299 M., eine Ausgabe von 35 636 M. und einen Bestand von 181 683 M.— Die Mitgliederzahl betrug am Ouar- talsschluß 9604 und dürfte gegenwärtig 10000 überschritten haben. — Wulf berichtete über die Tätigkeit der GewerkjchaftSkommission. Darauf wurden als Delegierte gewählt Wulf, Kracht. Winzler, Teuergart. Außerdem stellt der Zweigvereinsvorftand einen Dele- gierten auS feiner Mitte. Zwei weitere Delegierte sind von den Sektionen der Putzer sowie der Gips- und Zementbranche zu wühlen. Hierauf folgte die Neuwahl der Schiedskommission. Heber die Unterstützung der Maiausgesperrten teilte Metzke mit: Es erhielten 992 Arbeitslose für 1734 Tage 5205,05 M.. 176 Gemaßregelte für 1134 Tage 3412,70 M. Das sind zusammen für 2863 Tage 8614/75 W.— Das Ortsstatut d«S Zweigvereins ist mit 723 gegen 660 Stimmen angenommen. Deutscher Transportarbeiterverband. Die Fortsetzung der ordentlichen Generalversammlung, die am 17. Mai begann, fand am Mittwochabend in Kellers Lolal. Köpenicker Straße, statt. Auf der Tagesordnung stand der Antrag der Funktionärversammlung auf Einführung des Delegiertensystems für die örtliche Generalversammlung. In der Diskussion wurde das Dele- giertenshstem von manchem Redner heftig angegriffen, von anderen Rednern aber warm verteidigt und schließlich nach sehr lebhast ge- führtem Streit mit großer Majorität angenommen. Die Versamm, lung trat dann in die Beratung des aus 14 Paragraphen bestehen« den Reglements ein. Ein Antrag, das Reglement als Ganzes an- zunehmen, fand die Zustimmung der Versammelten. Andere An» träge, den Arbeitsnachweis nnd die Bibliothek betreffend, wurden an oie nächste Generalversammlung verwiesen. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auslage.)) Marktpreise von Berlin am 8. Juni»911, nach Ermittelung deS Könialichen Polizeipräfidiums. Markthallenpreise. lKIembandel.) 100 KUogramin Erbsen, gelbe, zum Kochen»0.00—50,00. Spcisebobnen, weihe 30,00—50.00. Linien 20,00—60,00. Kartoffeln 6,00—0,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1.60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1.20 bis 1,80. Schw-tn-sleisch 1,20—1,80. Kalbfleisch 1,50-2,50. Hammelfleisch 1,40—2,20. Butter 2,20—2,80. 60 Stück Eier 2.80-4,40. 1 Kilogramm Karpfen 1,40-2,20. Aale 1,20—3,00. Zander 1.40—3,60. Hechte 1,20 bis 3,80. Barsche 0,80— 2M Schleie 1,20-3,40. Bleie 0,60-1,80. 60 Stück Krebse 3,00-36,00. 2.15 4.35 5.90 7.60 Dauer vom 10. bis 18..Juni Außergewöhnlich billige Serien erheblich unter unseren regulären Preisen HCs Serie 6. Herren-Waschhosen o« v Moderne Streifen, haltbare Waschstoffe H. vT V Serie 7 Knaben-Waschhosen sf\ für 3—8 Jahre......... durchweg 0\J M« Serie 8 Knaben- Waschhosen � für 9—12 lahre........ durchweg H. X.10 Serie y. Knaben-Stoff-Hosen-• für 3—8 Jahre......... durchweg H.*.50 Serie i. Herren-Stoff- Hosen in vielen Mustern............. i.H, Serie i. 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Z>ru Uhr der Kanonenschuß zum Zeichen der Beendigung der heutigen Flüge ertönte, befand sich Schendel noch in Höhe von etwa zweitausend Meter. Vermutlich wollte er im Gleit- fluge landen, als sich das Flugzeug plötzlich senkrecht stellte. Es ge- lang dem Flieger wieder, daS- Flugzeug ins Gleichgewicht zu brin- gen, doch stellte es sich bald wiederum senkrecht und stürzte herab und kam in einer Laubenkolonie hinter Adlershof nieder. Sosort fuhr ein Automobil der Flugplatzgesellschaft an die Unfallstelle und brachte den Flieger samt seinem Passagier als Leichen zurück. Die P. C. schildert den Absturz folgendermaßen:„Um 8 Uhr 3S Minuten bemerkte man plötzlich, wie Schendel im schnellen Gleitflug niederging. Als der Apparat aus ungefähr 1500 Meter Höhe niedergekommen war. wurden die entsetzten Zuschauer ge- wahr, daß irgend etwas an dem Apparat in Unordnung geraten war. Von seitlichen Böen geschüttelt, flog der Apparat hin und her. doch sah eS so aus, als ob der geübte Führer doch noch die Herr- schast über die Steuerung hätte. Je weiter der Apparat jedoch sank, desto mehr mußte man erkennen, daß es ein Kamps aus Leben und Tod war. den Schendel in den Lüften führte. Ein endlicher seitlicher Windstoß brachte den Apparat zum Umkippen, und im furchtbaren Sturz fauste das Flugzeug mit seinen beiden Paffa- gieren aus ungefähr 1000 Meter Höhe in die Tiefe. Vollständig zertrümmert wurde der Apparat einige Minuten später in einer Laubenkolonie bei AdlerShos von den sofort herbeigeeilten Beamten der Flugplatzgesellschaft gefunden. Schendel und sein Passagier wurden entsetzlich verstümmelt unter den Trümmern hervor- gezogen._ Ein leichtes Gilben der Blätter, wie es sich sonst erst ge- wohnlich Ende Juli bemerkbar macht, kann man jetzt schon vereinzelt beobachten. Namentlich solche Strauchartcn weisen gelbliche Blattönungen aus, die verhältnismäßig zeitig im Frühjahr Laub bekommen. Die hohe Temperatur des Maien- monats, besonders aber die anhaltende Trockenheit der letzten Wochen dürften die Schuld an diesem allzu zeitigen Welken tragen. Und dort gerade, wo Büsche und Hecken der prallen Sonne ausgesetzt sind, wie z. B. an Waldrändern und Feld- rainen, zeigt sich unsere Beobachtung am häufigsten und deut- lichsten denn dort fehlt der Schatten gänzlich, der immerhin einige Kühlung und Erfrischung bringt. Kämen einige mit Niederschlägen gesegnete Tage, dann würde dieser vereinzelt austretende gelbliche Hauch bald verschwinden und wieder einem kräftigen sommerlichen Grün Platz machen. Die Königliche Porzellanmannfaktur kann in diesem Jahre ein Jubiläum feiern. Es sind jetzt 150 Jahre verstrichen, seit Gotzkowsky die Porzellanfabrikation in Berlin einrichtete und damit den Grund zur Königlichen Porzcllannianufaktur legte. Allerdings war das Unternehmen Gotzkowskys nicht das erste der Branche in Berlin gewesen. Die'Versuche, in der Mark Porzellan herzustellen, gehen sogar bis 1713 zurück, in welchem Jahre der Minister v. Görne in Plaue- eine Porzellanfabrik nach Meißener Muster anlegte, die aber 1730 wieder einging. Im Jahre 1741 wollte Hunger, der früher in Meißen tätig gewesen war, eine Fabrik in Berlin einrichten, jedoch kam der Plan nicht zustande und erst 1750 wurde die Frage wieder aktuell. Die Glasschneider. Gebr. Schackcrt und kurz darauf der Wollenzeugfabrikant Wegely bewarben sich beim Könige um das Privileg zur Errichtung einer Porzellanfabrik. Wegely, der weißes Hartporzellan herstellen konnte, erhielt die Kon- tzession zuerst, die Schackerts, die nur weißes Glas fertig- 'brachten, wurden nach Stennewitz gewiesen, siedelten sich in- dessen später bei Basdorf an. Die Fabrik von Wegely trat 1751 in Tätigkeit, hatte aber von Anfang an mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Es fehlte an dem nötigen Material, an geübten Arbeitern und die scharfe Konkurrenz Meißens, sowie schließlich der siebenjährige Krieg brachten die Fabrik vollends zum Ruin. Wegely, der sich alle er- denkliche Mühe gegeben hatte, sein Unternehmen zu halten, löste die Fabrik im Herbst 1757 auf und leistete Verzicht auf die Konzession. Das ziemlich reichhaltige Porzellanlager wurde versteigert und ein großer Teil davon sowie von den Fabrik- geräten wurde von Reichhard, dem Techniker der Wegelyschen Fabrik erworben, der es später an Gotzkowsky veräußerte. Gotzkowsky war bereits 1760 vom König angeregt worden, das Meißener Porzellan in Berlin nachzuahmen. Er trat des- halb mit Reichhard, der das Geheimnis der Fabrikation kannte, in Verbindung, schloß mit ihm einen Konttakt und er- richtete 1761 eine Porzellanmanufaktur in Beyjin, die aller- dings nicht von Gotzkowsky, sondern von dem sächsischen Kommissionsrat Grieninger geleitet wurde. Bis zum Ende des Krieges war die Fabrik mit 2 Brennöfen und 150 Ar- bcitern im Betrieb; sie ging indessen schon am 24. August 1763 für 225000 Taler in den Besitz des Königs über und wurde die Grundlage der heutigen Königlichen Porzellanmanusaktur. Kornblumentage finden am nächsten Sonntage, am 11. Juni, in den Gemeinden Köpenick. AdlerShos, Grünau, Johannisthal und Nieder-Schöneweide statt. Dieser Tag ist in Aussicht genommen in Rücksicht darauf, weil die Ruderregatta in Grünau und der Beginn des Wcttfluges auf dem Flugplatze Johannisthal stattfinden. Man hofft, am 11. Juni ein besonders günstiges Ergebeis zu erzielen. Am gleichen Tage hat Wilhelmsruh seinen Kornblumentag. während in Tegel der 16. Juni hierfür in Aussicht genommen ist. Die Kornblumentage werden vom Zenttalkomitee des Preußischen Landesvereins vom Roten Kreuz veranlaßt und sollen Mittel herbei schaffen zum Besten der Veteranen zur Benutzung freier Brunnen- und Badekuren, Ausbau von Veteranenheimen usw. Oeffentlich werden Frauen und Mädchen ausgefordert, sich in den Dienst des Roten Kreuzes zu stellen zum Verkauf von Korn- blumen und Postkarten; in einer amtlichen Bekanntmachung des Amtsvorstehers in Tegel werden.junge Damen aus dem Amts gerichtsbezirk Tegel' ersucht, sich zu melden. Es sind Kornblumen gewählt, weil man glaubt, damit besonders patriotische Herzen zu rühren. Die Margaretentage, die den Kornblumentagen folgen, sollen bekanntlich anderen Zwecken dienen als die Kornblumcntage. Schlimmer als durch diese Kornblumentage kann die Pflicht Vernachlässigung der Veteranen durch das Reich nicht gegeißelt werden. AuS Tempelhof wird uns geschrieben: DaS sonst so rückständige Tempelhof geht jetzt mit der Neuzeit mit. Vorläufig wird es sich am Sonntag, den 18. Juni, aus dem Gebiete der modern gewordenen Engrosschnorrerei, genannt«Blumen tag", betätigen. 600 Frauen und junge Mädchen werden an diesem Tage den Einwohnern, Spaziergängern und Fahrgästen Blumen an» bieten. Da bei dem Vaterländischen Frauenverein die Mitglieder� zahl ebenso gering ist, wie ihre Einnahmen, so geben vierzehn hiesige Bereine dem Rummel den nötigen Nachdruck. ES gibt hier eine Anzahl schwer reicher Leute, sollte eS diesen nicht möglich sein, die lumpigen paar tausend Mark aufzubringen? Die königliche Bestätigung der Wiederwahl des Oberbürgermeisters Kirschncr ist nach Mitteilung des Magistrats noch nicht im Rathause eingetroffen. Zur Verbreiterung der Dresdener Straße. Zur Durchführung der von den Gemeindebehörden beschlossenen Verbreiterung der Dresdener Straße muß die Stadt die Häuser Dresdener Str. 66, 67, 63 erwerben. Der Magistrat hat beschlossen, vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung daS Hau« Nr. 66 zum Preise von 285 000 M. käuflich zu erwerben und die Häuser 67 und 68 zu enteignen, weil die Verhandlungen an den Forderungen der Hauseigentümer gescheitert sind. Eine Volksversammlung für Taubstumme findet am Sonntag, den 11. Juni, mittags 12 Uhr, in der„Neuest Phil- Harmonie", Köpenicker Straße 96/97, statt. Genosse Siegfried Meyer wird das Thema:„Die Neichstagswahlen" behandeln. Daranschließend: Freie Diskussion. Zu dieser Versammlung wollen die Parteigenossen eine rege Propaganda entfalten. Eine verspätete Todesnachricht wurde dieser Tage von der Armendirektion an die Mutter eines unehelichen Kindes ge- stindt. Die Mutter hatte im Jahre 1008 das Kind bald nach der Geburt den in der Provinz wohnenden Angehörigen des unehelichen Vaters übergeben, weil sie selber nach Berlin zurückkehren und dort Arbeit suchen wollte. Die Großeltern gaben dann das Kind in Privatpflege zu einer Familie, die nach einer an die Mutter gelangte» Mitteilung des VormundschaftsgerichlS in einem Ort bei Wittenberg wohnte. Zu einem Wiedersehen zwischen Mutter und Kind kam es die ganzen Jahre hindurch nicht. Die Pflegeeltern schrieben einige Male nach Berlin, die Mutter solle Geld schicken, aber diese meinte. hierzu nicht in der Lage zu fein. Dann scheint für daS Kind die Hilfe der dottigen Gemeinde in Anspruch genommen worden zu sein. DaS mutz geschlossen werden daraus, daß in Berlin die Armen- direktion, die wohl der auswärtigen Gemeinde die Kosten ersetzen mußte, einige Male bei der Muller anfragte, ob sie nicht etwas zahlen wolle. Inzwischen heiratete in Berlin die Mutter, und im Frühjahr 1911 dachte sie daran, im Einverständnis mit ihrem Mann das Kind in nächster Zeit zurückzufordern. Da kam plötzlich Ende Mai von der Armendirektion ein Schreiben, durch das sie benachrichtigt wurde, das Kind sei vor vier Wochen gestorben und in einem Ort bei Magdeburg beerdigt worden. Wann und �wie daS Kind nach der Gegend von Magdeburg gelangt ist, darüber hat kein Mensch— behauptet die Mutter— ihr etwas mitgeteilt. Sie wundert sich auch, warum ihr die Todesnachricht erst vier Wochen nach dem Ableben des Kindes zugegangen ist. Wen die Schuld an der Verzögerung trifft, ist dieSmai schwer zu sagen. Wir kennen die Art von.Fixigkeit", mit der aus den Bureaus unserer Berliner Stadtverwallung manchmal solche Nachrichten abgeschickt werden. Möglich ist es aber, daß diesmal die Armendirektion selber zu spät den Tod des Kindes erfahren hat. Bon den städtischen Arbeitern wird uns geschrieben: Schlechte Erfahrungen machen die Arbeiter der Kanalisationsbauverwaltung mit ihrelw endlich erhaltenen Arbciteransschutz. Nicht, daß die Ausschußmitglieder ihre Pflicht verabsäumten; im Gegenteil. Die Arbeitervcrtretcr haben in einer Sitzung des Ausschusses, freilich schon am 22. November 1910, energisch die Durchführung der neun- stündigen Arbeitszeit auch in den Wintermonaten und die Liefe- rung von Wasserstiefeln verlangt. Bis heute ist aber ein defini- tiver Bescheid über das Schicksal dieser Anträge nicht zu erlangen gewesen. Die Arbeiter delegierten dann vor längerer Zeit drei Mitglieder des Arbeiterausschusses zum Vorsitzenden desselben. Ihre Bemühungen waren hier jedoch ergebnislos; denn dieser schickte sie wieder zu dem den Betrieb leitenden Baumeister. Dieser Herr sagte, die Sache liege bei der Deputation. Eine Nachfrage bei Mitgliedern der Deputation ergab aber, daß bis jetzt bei der- selben keine Anträge der Arbeiter eingegangen sind. Die Arbeiter fragen sich, was denn der ganze Arbeiterausschuß für einen Wert hat, wenn die Anträge, die sie durch denselben stellen lassen, doch einfach irgendwo verschwinden und die zuständige Stelle, das ist in diesem Falle die Deputation für die Kanalisationswerke und Güter Berlins, gar nicht erreichen. Es herrscht unter den Ar- beitern allgemein die Befürchtung, daß der Winter herankommen wird, ohne daß Remedur geschaffen ist, und sie ihren Schwächt- riemen daher schon jetzt enger schnallen müssen; denn bei einem täglichen Lohn für sieben Stunden im Winter ist an Sattessen nicht zu denken. Rückständig ist unsere Eisenbahnverwaltung in der Beförderung von Kranken und Verwundeten. DaS zeigte sich gestern vormittag wieder einmal bei einem Selbstmordversuch ans dem Bahnhos Friedlichstraße. Dort warf sich kurz nach 10 Uhr ein noch unbe« kannter Mann in den vierziger Jahren in selbstmörderischer Absicht vor einen Stadtbahnzug und wurde überfahren und schwer verletzt- Der Zug wurde zurückgedrückt und der Unglückliche unter dem Wagen hervorgeholt. Der Bahnarzt war gleich zur Stelle und legte dem schwer Verwundeten einen Notverband an. Dann wurde der Mann in einen Tragekorb gelegt, der auf jedem Bahnhofe steht. Vier Arbeiter faßten an, hoben den Korb auf die Schtiltern und trugen den Ver« letzten durch die sehr belebte Friedrichstratze nach der königlichen Klinik. Es waren kräftige Leute, aber sie hatten an dem ziemlich beleibten Verivundeten doch so schwer zu tragen, daß sie etwa alle 150 Meter absetzen mußten. Das gab nun jedesmal in dem starken Ver« kehr einen Auflauf. Die Neugierigen eilten herbei, drängten sich heran und gaben sich alle Mühe, auch einen Einblick in den Korb zu be» kommen. Für den Verwundeten mutz jede Unterbrechung des Weges sehr schmerzvoll gewesen sein. Das können die Träger auch beim besten Willen nicht vermeiden. Sie sind nicht geschult in solchen Dingen, besonders nicht im Ausheben des Tragekorbes. So kommt der Verunglückte in schiefe und schräge Lagen, bald so. bald so. die ihm jedesmal Schmerzen bereiten müssen. Diese Art des Transportes ist veraltet und beruht wahrscheinlich noch auf einem alten.Reglement". Andere Verwaltungen, zum Beispiel die Garnisonverwaltung, haben sie längst abgeschafft und sind von den fahrbaren Körben auch schon zu eigenen Transportwagen über» gegangen. Wer das nicht will, der kann sich wenigstens der zeit- gemäßen Mittel bedienen, die die Stadt und die Krankentransport- anstalten zur Verfügung stellen. In diesem Falle besonder» wäre es möglich gewesen, durch einen einfachen Fernruf in der kürzesten Zeit vom Verband für erste Hilfe am Schiffbauerdamm einen Wagen zu bekommen. Er hätte schon da sein können, bevor noch der Arzt mit dem ersten Verbände fertig war. Gerade die Eisenbahn» Verwaltung sollte doch mit Veraltungen auf diesem Gebiete am ersten auftäumen, weil sie ja in ihrem Betriebe zu jeder Stunde auf Erkrankungen und Unglücksfälle gesaßt sein muß. Krankenpfleger Griehl aus der Untersuchungshaft entlassen. Der seit dem 3. März d. I. in Untersuchungshaft befindliche Krankenpfleger Edmund Griehl ist gestern nachmittag gegen 2 Uhr aus der Hast entlassen und das Verfahren gegen ihn eingestellt worden. Griehl war bekanntlich wegen dringenden Verdachts des Mordes an der 68 Jahre alten Rentiere Margarete Hoffmann, geb. Schiller, in Haft genommen worden. Wiederholt waren die Anträge der Verteidiger des Verhafteten auf Haftentlassung vom Gericht abgelehnt worden. Vor mehreren Tagen stellten die Verteidiger einen erneuten Antrag, dem nun» mehr Folge gegeben wurde, und nach einer längeren Konferenz, die der Erste Staatsanwalt Hagemann mit dem Untersuchungs- richter Rudolf hatte, wurde die Haftentlassung GriehlS beschlossen. Nach Erfüllung der erforderlichen Formalitäten konnte Griehl gestern gegen 2 Uhr mittags nach über dreimonatlicher Haft das Gefängnis verlassen und nach Haufe zurückkehren. In der Be- gründung wird betont, daß wohl eine ganze Reihe Verdachtsgründe gegen Griehl vorliege, diese aber nicht ausreichen, eine längere Untersuchungshaft zu rechtfertigen, da bei dem jetzigen Stadium der Untersuchung vor» der Erhebung einer Anklage Abstand ge- nommen werden müsse. Das Verfahren fei deshalb einzustellen und der Beschuldigte aus der Haft zu entlassen. Ein merkwürdiger Fund. Im Drehgestell des Waggons Nr. 1321 eines zwischen Berlin und Odcrberg verkehrenden O-Zuge» wurde bei der Reinigung des Wagens in der Potsdamer Eifenbahn-Haupt- iverkstätte ein weiblicher Fuß gefunden, der schon nach den Ver« wesungSanzeichen längere Zeit dort gelegen haben mußte. ES ist möglich, daß daS Bein von einer Frau stammt, die vom Zuge über- fahren worden ist; bei dem starken Luftdruck kann der Fuß im Moment deS UeberfahrenwerdenS in das Drehgestell geschleudert worden sein. Sonderbar ist es nm. daß der Fuß vollständig nackt war. Der Häuptlingssohn als BerfichcrungSkandidat. Einen heiteren Abschluß fand gestern ein Prozeß, den der Versicherungsagent Frei» Herr v. Schirp gegen die Gesellsck>aft«Wilhelm«" um die Person- lichkeit des als„Prinz Aqua" auftretenden Häuptlingssohncs Aqua Bonambonela Bonaku, eines Neffen des alten«King Bell", vor der 5. Kammer deS Berliner Kaufmannsgerichts führte. Der„schwarze Prinz" hatte beim Kläger sein Leben in Höhe von 25 000 M. versichert; die beklagte Gesellschaft verweigerte aber die Aufnahme des Prinzen und ebenso eine ProvisionSzahlung an den Kläger, da die Auskunft über den HäuptlingSsohn sehr ungünstig ausfiel und u. a. auch die Bank, bei der Prinz Aqua seine 5wp>talien auf-' gespeichert haben wollte, von einem solchen Depot nichts wußte. Freiherr v. Sch., der mit seltener Zähigkeit an seinem Kandidaten festhielt, wollte einen umfangreichen Wahrheitsbeweis dafür antreten. daß sein Prinz ein tadelloser Gentleman sei. Er wollte diesen zum Termine auch persönlich mitbringen,„Hoheit" zog es jedoch vor, dem Gerichte fernzubleiben. Eine um so deutlichere Sprache redeten die Auskünfte, die das Kaufmannsgcricht vom Polizeipräsidium von Berlin und vom Gouverneur von Kamerrm eingezogen hat.„Prinz Aqua" ist nach der Auskunft des Polizei- Präsidenten ein Sohn des Häuptlings Bell, wohnte in der Wein- mcistcr- und Elsasser Straße in Cl>ambrcgarnis, für den Preis von 25 M. monatlich, macht bei Wirtinnen und Geschäftsleuten Schulden und führt einen leichtsinnigen Lebenswandel. Er„ver- lobte" sich mit der Tochter eines Zigarrenhändlers und verschwand dann, nachdem er ihr 600 M. abgenommen hatte. Bei der Amts- anwaltschaft Charlottenburg schwebt gegen ihn ein Verfahren wegen Betruges, bei der Berliner Staatsanwaltschaft schweben Verfahren wegen Gefangcnenbefreiung und Widerstandes gegen die Staatsgewalt. Nach der vom kaiserlichen Gouverneur in Kamerun ein- gegangenen Auskunft ist der Vater des Prinzen Häuptling eines Dualla-Stammes der Dorfschast Bonaku. Der Zufall wollte es, daß in diesem Falle das Veisitzerkollegium besonders sachverständig war, denn ein Beisitzer, mit dem der schwarze Prinz auch in„Ge- schäftsverbindung" treten wollte, erklärte dem Kläger, daß er als intelligenter Kaufmann in spätestens einer halben Stunde hätte eilennen müssen, tves Geistes Kind der„Prinz" sei. Ein anderer Beisitzer, der selbst mehrere Jahre in Afrika geioeilt und die Ber- Hältnisse aus eigener Anschauung kennt, betonte wiederum, dast unkultiviertes Land in der Tat nicht als Wertobjekt angesehen werden kann, auch würde die Dorfschast gar nicht daran denken. die laufende Prämie von IM) M. jährlich für den Sohn ihres Häuptlings zu bezahlen. Nach dieser gravierenden Beweisaufnahme liest Freiherr V. Schirp seinen prinzlichen Kandidaten auf Anraten des Vorsitzen den endlich fallen und verzichtete auf die Provision. Zu seiner persönlichen Rechtfertigung brachte er noch vor, dast sich der Prinz ihm gegenüber als Beamter der Kolonialverwaltung ausgegeben habe, und zwar unter Bestätigung zweier angeblicher„Kollegen". eines Weißen und eines Schwarzen. Trotz dieser Bestätigung «schwarz aus weist" hatte der edle Prinz vom Dualla-Stamme natürlich auch hierbei geflunkert. Verzweiflungstat eines Arbeitslosen. Ein aufregender Vorfall spielte sich am gestrigen Freitagvormittag gegen 10 llbr am Halle- scheu Tor ab. Dort sprang vor den Augen zahlreicher Passanten ein etwa SOjähriger Arbeiter von der Halleschen Brücke herab in den Kanal, in dessen Fluten er sofort unterging. Es gelang jedoch, mit dem Rettungstahu den Unglücklichen an« Ufer und von dort nach der Unfallstation am Tempelhofer Ufer zu bringen. Dort wurde festgestellt, dast der Mann der LOjährige Arbeiter Karl Schw mewa sei. Der Lebensmüde, der seit vier Tagen nichts mehr gel Nossen hatte und obdachlos in den Straßen umhergeirrt war, hatte aus Verzweiflung darüber, daß er keine Arbeit bekommen konnte, versucht, seinem Leben ein Ende zu machen. Tie Leiche eines neugeborene» Knaben wurde gestern auf dem Hinterlandc des Grundstückes Mühlenstr. Nr. bllc aus der Spree gelandet. Dem Knaben war ein dreieckiges Stück Leinewand mit einem Faden um den Hals gebunden. Zeugen gesucht. Personen, welche bei dem Unfall eines Mannes am 2. Pfingstfeiertag, vormittags 10'/« Uhr, zugegen gewesen sind und denselben nach der Unfallstation Bad st ratze gebracht haben, werden um Angabe ihrer Adressen an Frau Marie Groß, Etallschreiberstr. Ich gebeten. Einen schweren Verlust hat am dritten Feiertage, abends gegen 10 Uhr. eine Arbeiterfrau erlitten, die in der städtischen Strotzen- bahn vom Gvrlitzer vahnhos bis Dunckerstratze eine braune Hand- lasche mit gelbem Beschlag verlor, in der sich 117 Mark bares, in Porlemomiaies befindliches Geld befand. Da das Geld der Ber- liererin nicht gehört, es vielmehr ersetzen mutz, wird der Finder um Abgabe au P. Gerchow, Dunckerstratze 80, Hof 1 Treppen, gebeten. Vorort- JVacb ricbtem Charlottenburg. Ter städtische Arbeitsnachweis Charlottenburg beabsicbtigk am I. September d. I. eine zweite Zweigstelle für D i e n st b o t e n- vermittelung Kantstc. 69 zu errichten, da die bisher be- flehende Frauenabteilung auf den. Wittenbergplatz feit 1g0ö ihre Tätigkeit verdoppelt hat und weiteren Ansprüchen nicht mehr ge- nügt. Eiu entsprechender Antrag des Magistrats, 4500 M. für diesen Zweck zu bewilligen, liegt der Stadtverordnetenversamm- lung vor. Nixdorf. Straßenränbereie» werden seit einiger Zeit an Kindern verübt. Nach den übereinstwm, enden Beschreibungen ist die Täterin ein junges Mädchen von 16— IS Jahren, das schon seit geraumer Zeit ihr Unwesen treibt. Dieses Mädchen lauert den Kindern, die die Eltern mit Geld zum Einholen ausschicken, unterwegs aus und nimmt ihnen das Geld mit List und oft auch mit Gewalt ab. So sind erst in den jüngsten Tagen wieder zwei Kinder beraubt worden, beide in der Weisepratze. Die Räuberin hat«in blasses Gesicht, blondes Haar und graue Augen, und trug zuletzt ein rotgestreiftes langes Jackett, einen schwarzen Rock, einen schwarzen Hut mit rotem Land, gelbe Schuhe und eine Handtasche. Die neunjährige Schülerin Ida Ketzler, Skeinmetzstr. S7 wohn- hast, hatte für eine Frau in der Falkstraste einige kleine Einkäufe besorgt. Als die Kleine mit der Handtasche unter dem Arm und das Portemonnaie krampfhaft in der rechten Hand haltend zurück- lehrte und das Haus wieder betreten wollte, fiel plötzlich eine unbe- kannte, etwa 30 Jahre alte Frauensperson über sie her und der» setzte ihr einige kräftige Faustschläge und raubte ihr das Porte- monnaie, das 2 M. enthielt. Sie wandte sich dann zur Flucht und, obwohl die kleine K. sofort Hilferufe ausstieß und Passanten die Verfolgung ausnahmen, entkam die Diebin. Kchöueberg. Eiu gefährlicher Heiratsschwindler ist von der Schöneberger Kriminalpolizei unschädlich gemacht wordeu. Ein 33 Jahre alter Maler Heinrich Wißmaun liest seine Frau und fünf Kinder im Rheinland im Stich und kam hierher, um vom Schwindeln zu leben. Besonders in Schöneberg trieb er sein Unwesen. Mit vielen Mädchen, bei denen er etwas Geld witterte, knüpfte er Beziehungen an, die seinen Beteuerungen nach bald zur Heirat führen sollten. Unter allerhand Vorspiegelungen lockte er dann den Mädchen Er- sparnisse bis zu 250 M. ab. Für einige der Betörten sind die Schwindeleien noch um so schlimmer, als ihr Verhältnis zu Wist- mann auch noch Folgen hat. Nach den bisherigen Ermittelungen hat Wihmann wahrscheinlich noch mehr Bädchen betrogen, als bis- her Anzeige gemacht haben. Lichtenberg. Den Tod seiner Frau verschuldet zu haben, wird dem in Haft genommenen Schlosser Wilhelm Schilling zum Vorwurf gemacht. Sch. bestritt, wie bereits gemeldet wurde, anfänglich sede Miß- Handlung seiner Frau. Jetzt hat er sich zu einem teilweisen Ge- ständnis bequemt und zugegeben, die Frau am Pfingstsonnabend schwer geschlagen zu haben. Die Frau sei damals aus der Woh- nung zu ihrer Mutter geflüchtet, von wo er sie wieder zurückgeholt habe. Obwohl einige Zeugen mit voller Bestimmtheit dabei bleiben, daß Sch. die Frau auch in der Nacht, in der sie starb, ge, schlagen habe, bestreitet er dies ganz entschieden. Britz. Verschiedenerlei Klagen werden über den VerwaltungSinspektor Herrn Meine am hiesigen KreiskrankeuhauS laut. So liegt uns u. a. eine Beschwerde einer entlassenen Arbeiterin aus der Waschanstalt vor. Hier sind etwa zehn Mädchen beschäfligt, für die eine Arbeitszeit von früh 6 Uhr bis abends 7 Uhr kontraktlich vorgesehen ist. Falls erforderlich, sind von den Mädchen auch Ueberstunden zu leisten. Am 15. Mai d. I. wurden, wie man uns mitteilt, drei Mädchen vom Inspektor Meine ersucht, abends von 8— 10 Uhr Stachelbeeren abzuputzen, eine Arbeit, die eigentlich das Rüchen« personal zu leiste» hat. Die Mädchen weigerte» sich, diese ihnen gar nicht znstehende Nachfeierabendarbeit zu leisten. Hierauf ließ der Herr Inspektor dieselben zu sich kommen, uin sie zur Rede zu stellen, weshalb sie den Auftrag nicht ausgeführt hätten. Er bekam von den Mädchen den Bescheid, datz sie sroh seien, wenn sie nach schwerer Arbeit abends 7 Uhr Feierabend machen könnten. Am 20. Mai wurden einige Mädchen entlasten. Da einige der Eni- lassenen auch ein Zeugnis haben wollten» wandten sie sich an den Inspektor, der dann dem Mädchen Emma Kr. nach einigem Wider« streben folgendsS Zeugnis ausstellte: Britz, d. St. 5.«. Zeugnis. Emma Kr.... geboren 21. Februar 1SSS zu PursebkunSdorf, Kreis Schweinitz, war vom 18. Juni IVOS bis zum 20. Mai 1911 Kerantwortlicher Redaktppri in hiesiger Anstalt als Waschmädchen angestellt. Leistungen: gut Führung: desgl. Entlassung: Emma hat es trotz ihrer fünfjährigen Tätigkeit nicht vermocht, einen erzieherischen Einfluß auf die jüngeren Kolleginnen auszuüben, zumal ihr bekannt war, daß diese sich gegen die Disziplin und Ordnung auflehnten. Meine. VerwaltungSinspektor. Der mitentlassenen jüngeren Schwester Emmas wurde im Zeugnis nachgesagt, daß sie die ältere verführt habe. Herr Meine scheint nicht zu wissen, dast er gesetzwidrig handelte. alz er den Mädchen ein solches ihr späteres Fortkommen hinderndes Zeugnis ausstellte. Wenn Arbeiterinnen erkannt haben, daß sie durch eine über- mäßig lange Arbeitszeit tiefer und tiefer sinken und ihre körperliche und geistige Widerstandskraft verlieren, so berechtigt das Herrn Meine noch nicht, seine» Aerger hierüber im Zeugnis zum Ausdruck zu bringen. Stralau. Badrkarte«, zur Benutzung deS«Deutschen Bodes" in Treptow, sind im Rathause(Zimmer I) während der Dienststunden von 8 Uhr vorniiltags bis 3 Uhr nachmittags zum Preise von 10 Pf. erhältlich. Die Kartei» sind nur für den eigenen Bedarf bestimmt. Erkner. Ueier den«ufregenden Borfall, der sich am Miitwochnachmittag in Freienbrink bei», Baden abspielte, wird uns von einem Leser mit- geteilt, daß die in unserer gestrigen Notiz erwähnte Frau K. nicht bald daS Opfer eines ReltungSwerkes, sondern ihres Leicht- sinns geworden wäre. Schuld an dem Unfall, der Frau K. beinahe das Leben gekostet hätte, habe auch der Umstand,� daß sich der Ehemann der Frau in ziemlicher Eiitfernung von seiner Frau befunden habe; die Frau sei, obwohl des SchwimmenS unkundig, in eine sehr gefährliche Stelle geraten. Durch das Hinzu- kommen der in der Nähe befindlichen Metallarbeiter Klinz, Berlin, Metzer Str. IS, und Pfannkuch, Rixdorf, Neue Jonasstraße mohnhaft, sei die bereits bewußtlose Frau von den» Tode deS Ertrinkens ge- rettet worden. Glienick bei Zossen. Bon Erdmassen verschüttet. Am Mittwochnachmittag ereignete sich hier ein bedauerlicher Unglücksfall. Der beim Landwirt KoSwig beschäftigte 16 Jahre alte Arbeiter Schericke war beauflragt, aus einer Sandgrube Sand zu holen. Nach vollendeter Arbeit legte er sich in die Grube, um einen Mittagsschlaf zu halten. Plötzlich löste sich aber da» Erdreich»ind verschütlete Schericke. Als man den Per- unglückten ausgegraben hatte, war er bereits tot. Arn Donnerstag kam eine Gertchrskommission aus Zossen und gab die Leiche nach Aufnahme des Tatbestandes zur Beerdigung frei. Spandau. Ein Betriebsunfall ereignete sich gestern bei der Bodenbewegung an der Slreilstraße. Der aus Schlesien stammende Arbeiier Joseph Schieszka wollte Loren aneinanderloppekn; dabei geriet er zwischen zwei in der Fahrt befindliche Loren und erlitt eine Quetschung der Brust und brach zusammen. Er wurde nach den, städtischen Kranken- hause übergeführt. I» der männlichen Leiche, die vorgestern am Stabholzgarten aus der Havel gelondet wurde, ist der 22jährige Gärtner Wladislaus Nowyszewski festgestellt worden, der in Spandau geboren und hier in der Kurzenstr. 1a in Schlafstelle gewöhn» hat. N. arbeitete zuletzt in der Gewehrfabrik und war seit kurzem krank. Spurlos verschwunden ist seit Mittwoch der 10jährige Lehrling Gustav Henning, der bei einem Schuhmachermeister in der Schön- walder Straße beschäftigt war. Er verließ am 7. d. Mts. die Woh- nung seiner Mutter, be» der er Kost und Logi» hatte, mit der An- gäbe, sich zur Arbeit zu begeben. Er ist aber bei seinem Meister nicht eingetroffen und hat auch sonst kein Lebe»iSzeichen mehr von sich gegeben. Oranienburg. A»S der Stadtverordnetenversammlung. Der Vorsteher teilte zunächst mit, daß das Kanalisatidnsprojelt genehmigt worden ist. Für das besondere Regenlvasierprojekl fordert der Magistrat 1000 M. Beide Projekte verursachen zusammen 4000 M. Kosten. Da auf der inmitten des Bykschen TerrainS liegenden städtischen Bullenwiese an der Havel die Kläranlage für die Stadlkanalisation, eventuell auch eine Gasanstalt errichtet werden soll, hat der Magistrat einen Länder- auswusch mit der Bykscheu Fabrik herbeigeführt. Wie schon früher betonten unsere Genossen, daß derartig« Tinge besser in geschlossener Sitzung verhandelt würden, da die Bcteiliglen immer den Eindruck gewinnen müßten, als würden sie benachteiligt und die Adjazenten bei ähnlichen Anlässen zum Schaden der Sladt ihre Forderungen stellen würden. Die Vorsteherin deS Kindergartens ha» Schivierigleiten, Schulräume mit Spielplatz zu finden, auch die Stadl verfügt nicht über solche. Um aber das Unternehmen zu halten, beantragt der Magistrat die Subvention von 290 M. auf 360 M. zu erhöhe» und dafür zwei ganze und vier halbe Freistellen zu beanspruchen. Die Vorlage wurde vom 1. April genehmigt. Der Oberpfarrer Püschel a. D. hat während seiner Amtszeit im Pfarrhouse aus eigene Kosten bauliche Verbesserungen vorgenommen: u. a. hat er auch die eletlrische Leitung für die Beleuchtung des Hauses bezahlt. Da die Stadt baupflichtig ist, verlangt der Herr Oberpfarrer eine Pauschalabfindungssunime von 150 M., widrigen- falls er die eletlrische Leitung herausitehmen lassen würde. Da der Herr Püschel ein schwerreicher Mann ist, beantragten unsere Ge- »ossc» die Ablehnung de« Antrages. Nach längerer Debatte, in welcher besonders die rechtliche Froge erörtert wurde, nahm die Ver- sannnlung den Antrag mit 12 gegen 9 Stimmen an. Die im Be- bauungsplan projektierte Straße von der Liebigstraße nach der Mühlenstraße, wird aus Verkehrssicherheitsgründen kassiert. Für die Erbauung einer fahrbaren Eisenbetonbrncke über die regulier»« Havel im Zuge der Ringstraße fordert der Magistrot die Bewilligung von 15000 M., de» Rest soll Koinmerzienra» Ebell zahlen, Bauherr ist die Stadl. Die Kosten der Brücke inkl. AnrammungSarbetten werden auf 45 000 M. veranschlagt. Die Vorlage wurde angenommen. Für das ausgeschiedene MagistratSmitglied Bredereck wurde Herr Buch- druckereibesitzer Möller zum Stadtrat gewählt. Der Besitzer der Gasanstalt Sachsenhausen, Herr Hengstenberg, hat dieselbe der Stadt mit sämtlichen Monopolverträgen zum Preise von 250 000 M. zum Kauf angeboten. Der Magistrat beantragte, zunächst für ein Sach- verftändigeii-Gntachten einen Betrag bis zu 300 M. zu belvilligen. Der Antrag wurde angenommen. Nachdem eine Reihe von Etats- Überschreitungen für das Rechnungsjahr 1910 debatteloS bewilligt waren, folgte geheime Sitzung. Hud aller Alelt. Die Cholera in Venedig. Während bisher abgeleugnet worden ist, daß in Venedig Cholera- fälle vorgekommen find, hat jetzt auf eine offizielle Aufrage des österreichisch-ungarischen Botschafters in Rom die italienische Regie- rung die Erklärung abgegeben, daß in Venedig zwei Cholera- fälle vorgekommen seien, daß aber alle Vorsichtsmaßregeln ge- troffen wären, um eine Ausdehnung oder Verschleppung der Seuche zu verhindern. Im Gegensatz zu dieser Darstellung wird einem Budapest« Blatte auS Fiume gemeldet: Reisende, die aus Venedig zurückkehren, erzählen, daß ganze Stadtteile mit Bretterplanke» abgesperrt sind und daß in diesen abgesperrten Stadtteilen die Cholera gräßliche Verheerungen anrichtet. Es vergehe kein einziger Tag, an welchem nicht 10—15 Todesfälle vorgefallen wären. Selbst die offiziellen Meldungen des Konsulats geben zu, daß die die Cholera in Venedig in großem Maßstabe grassiert und dast Berichte über die Opfer nicht übertrieben sind. Das Unheil soll schon im vergangenen Jahre gewütet haben. ES sei aber den Be- Hörden gelungen, die Seuche zu unterdrücken und auch Nachrichten darüber zu verhindern. Auch jetzt setzen die Behörden alles daran, der Epidemie ein Ende zu bereiten und man ist bemüht, die Epidemie mit Rücksicht auf die Weltausstellung in T u r i n als gefahrlos zu bezeichnen. Geographie schwach! Vor einiger Zeit weilte die ainerikanische Flotte zu Besuch in» Hafen von Kopenhagen und selbstverständlich � wurde zu Ehrer» der atnerikaitischen Oisiziere von den dänischen Offizieren ein Fest- essen veranstaltet. Für die gefeierten amerikanischen Offiziere ergriff Ädmiral V a d g e r das Wort, seine Ttichrede klang zum unangenehmen Erstaunen der Festteilnehmer in ein Hoch auf die deutsche Flotte und die deutschen Ofsiziere� aus. Badger war des Glaubens, das Dänemark deutsches Gebiet sei. Am anderen Tage wollte er sein Un- geschtck wieder gutmachen und erklärte den Mannschaften seines Geschwaders, daß er einen skandalösen Mißgriff begangen habe. Weiter sagte er zu den in Front Stehenden: „Ich wünsche nicht, daß Sie einen ähnlichen Fehl« begehen, wodurch Sie dir Leute, welche uns Gasttreundschafl erweisen, verletzen würden. Das Land, in dem wir uns aushalten, heißt Dänentark. Hier wird eine besondere Sprache gesprochen, nämlich die dänische, und sowohl daS Land, wie das Volk, wte der König sind unabhängig und stehen ebensowenig unter deutscher Oberhoheit, wie die dänische Flotte unter dem Befehle deS deutschen Kaisers steht." Wenn auch anzuerkennen ist, daß Admiral V a d g e r mit seltenem Freimut seine Dummheit bekannt hat. so sollte man doch annehmen, daß ein Admiral, in dessen Fach ja auch Geographie schlägt, etwas mehr Lätlderkunde intus hat, als Badger in diesem Falle bewies. Zum Erdbeben in Mexiko. Das schwere Erdbeben, das am Mittwochmorgen die Stadt Mexiko heimsuchte, hat auch in der Provinz große Perheer ungen angerichtet»md zahlreiche Menschenopfer gefordert. Man schätzt die Gesamtzahl der Toten auf 1300; 500 Manschen sind allein in der Stadt Z a p o t l a n der Katastrophe zum Opfer gefallen. Auch itt facti Städten Zonila und San A n d r ö s»st durch das Beben schweres Unheil angerichtet worden. Viele Tausende Ein- wohner des Landes sind durch den Einsturz ihrer Häuser obdachlos geworden und müssen im Freien kampieren. Seit dem Erdbeben ist der Vulkan Eolima in Tätig- k e i t. Ein breiter Lavastrom ergießt sich aus der westlichen Seite des Vulkans über die Täler herab. Eiu brennender Dampfer. Auf dem Amur, der die Grenze zwischen dem östlichen Sibirien und der Mandschurei bildet, ist gestern der russische Dampf« .Murawjcw" abgebrannt. Als das Feuer ausbrach, wurde der Dampfer, der viele koreanische Arbeiter und Fracht führte, auf Strand gesetzt, tourde aber trotzdem mit allen Dokumenten ein Raub der Flammen. Da auch die elektrische Beleuchtung erlosch, war der wilde Schrecken der Passagiere um so größer. Viele von ihnen sprangen in die Fluten. Die Zahl der Ertrunkenen soll sehr groß sein._ Der Kommissar a. D. Einer der schneidigsten Polizeikouimiffare in Frankfurt a. M., ein gewisser H«r Walz, der bei den Frankfurt« Straßen« dentoiislrationen eine große Rolle spielte und in vielen Prozessen als Zeuge für die«Berechtigung" des polizeilichen Vorgehens auf- trat, ist Knall und Fall zur Disposilion gestellt worden. Freilich nicht wegen der Revolversckiüise, die von Schittzleuten seines Kommandos auf die Teilnehmer an der Demoiistration an der Konstablerwache abgegeben wurden, auch nicht wegen der Hiebe und Püffe, die«seine Leute" den Demonstranten verabfolgten, sondern Walz»vnrde von» Dienst enthoben, weil er� wiederholt an» getrunter» seine Frau und seine Schwiegermutter mit dem Revolver bedroht und die Nachtruhe sein« Nachbarn gestört hatte. Bei der letzten derartigen Szene rief ein int selben Hause mit Walz wohnender Chemiker das Polizeiprästdium des Nachts uin Hilfe an und feit dieser Zeit ist Herr Walz ,a. D.". Kleine Notizen. Ei» Beamter als Zuhälter. Auf Veranlaffung d« Staats- anwollschaften Mainz und Frankfurt ist in Worms der aus Mainz stammende Eisenbahn Praktikant Bönsel unter der Beschuldigung verhaftet worden, seine Frau auS Eigennutz durch Droh»l n gen und Gewalt gewohnheitsmäßig zu gewerbsmäßiger Unzucht verleitet zu haben. Begnadigt. Der wegen Ermordung deS Fabrikanten M a t t o n e t zum Tode verurteilte Rennfahrer Breuer ist zu lebens- länglichem Zuchthaus begnadigt worden. Breuer beteuert noch immer seine Uiiitbuld. Die Liebestragödie eines Gyumasiafien. Im Walde bei Königsborn760 ANW vtationeo Havaranda 759 NO Veter« bürg 749 RA Sei Hfl 761 O itbtv�ten Paris 765 NNO 760 NO t* *3 4woMg 3 2 halb bb. 6 2 halb bb. 1« 4 wolkig i 10 1 wollcnl 18 Wrttrrvrognoie fittr Sonnabend, de» 10. Juni 1011. Ziemlich kühl und veränderlich, vorherrschend wolkig mit Regenschauern »Md vieljach starlen nordwestlichen Winden. Berliner W« t ter b u r e a«. Albert Wachs. Berlm. Für deg Lnsergtenteil veravlL� Th, Glocke. Berlin. Drllck ii. Verlag l BorwgrlS Vuchdruckerc» u. Verlggsgnstglt Pgul Stttg« u. Co,, i&citß S\Y.- Nr. 133. 28. Jahrg. eilM Ks.Amiilts"> Amchc» fiir GKn, Säkii, illcllfii. iö. Zum 1911. Der Arbetter-Tvraerdllnd hak in den Tagen vom 3. bis 6. Juni in HanNode? seinen 10. Bundestag abgehalten. Trotz behördlicher Verfolgungen und Schikanen ist die Mitgliedschaft auf zirka 2000 Vereine mit 1S3 000 Angehörigen angewachsen. Ter Zuwachs seit 1908 beträgt 386 Ver- eine und 29 770 Lereinsangehörige. Der Bund verfügt über ein eigenes Geschäft, das den Mitgliedern neben anderen Requisiten vor allen Dingen die Turnkleidung vermittelt, und hat heute ein Vermögen von 115 791,85 M. Die Auflage des Bundesorganes, der„Arbeiterturnzeitung", beträgt zurzeit 107 000, die der „Turnerin" 11000. Das ist ein Mehr von 15 868 Turnzeitungen gegen 1903; der Leserkreis der„Turnerin" vermehrte sich in dieser Zeit um 3017. Zur Aufklärung der Funktionäre wurden im vergangenen Jahre drei Agitationsbroschüren herausgegeben. Merkblätter für das Frauenturnen wurden verbreitet, Flugblätter, die sich an die verschiedensten Arbeiterkreise wenden: an die Frauen und M ä d ch e n, an die Arbeiter in der„Deutschen Turner- s ch a f t", an die I u g e n d. an die E l t e r n der schulentlassenen Jugend, an die betagteren Arbeiter. Neben dieser Art Agita- tion wurde noch versucht, durch eine Reihe von Artikeln an die befreundete Presse agitatorisch und werbend zu wirken. Insgesamt sind 119 Personen anwesend; im einzelnen 12 Bundesvorstandsmitglieder und 1 Bundesausschusimitglied, 14 Kreisvertrctcr, 12 Äreisturnwarte, 102 Delegierte aus 17 Kreisen, die Referentin Frau Böhm aus Schöneberg; die be- freundeten Arbeitersportorganisationen sind vertreten durch Böhm und Potschapka- Aussig vom österreichischen Arbeiter- turnerbund. Knapp- Prag vom tschechischen Turnerbund, Zimmermann- Offenbach vom Arbeiterradsahrbund, Mass a- Tegel-Berlin vom Arbeiterschtvimmerbund, Strumpf- Magde- bürg vom Arbeiterathletenbund, Scholz- Berlin von der Zentral- stelle der„Arbeiterjugend". Den Vorsiandsbericht erstattete Harnisch. Er behandelte zunächst zwei im Vorstandsbericht nicht erwähnte Angelegenheiten der Vereine Lindenau- Leipzig und Chemnitz. In Lindenau Handelte es sich um aus dem Bau einer eigenen Turnhalle ent- standcne Geldschwierigkeiten, wobei der Vorstand durch sein finanzielles Eingreifen die Auftechterhaltung der Halle möglich machte. Ob es ihm auch gelingt, das Chemnitzer Objekt zu reali- steren, wo es sich um die Aufrechterhaltung eines eigenen Lokales mit Wirtschastsbetrieb handelt, in welchem gleich im ersten Jahre ein nach Tausenden zählendes Defizit gemacht wurde, steht noch dahin. Beide Fälle sind eine Warnung vor den oft leichtfertigen Inangriffnahme derartiger Projekte. Der Redner erläuterte dann, wie die Verhandlungen mit der Fugendorganisation zu einer erfreulichen Einheitlichkeit und zu dem Ergebnis geführt haben, daß beide Bewegungen sich gegenseitig -unterstützen sollen. Die Beteiligung an der Hygieneausstellung hat der Vorstand abgelehnt. Die Ausstellungsleitung verweigerte der Wundesverwaltung neben der graphischen Darstellung über die «Entwickelung des Bundes, zugleich auch die behördlichen Schikanen -und Schwierigkeiten darzustellen, die man von oben dieser Ent- Wickelung in den Wieg legte und legt.— Im weiteren beschäftigte Redner sich mit der hohen Zahl der Unfälle im Bereich des Wundes. Es muß alles getan werden, einesteils diese Unfälle zu verringern, anderenteils diejenigen Unfälle auszuscheiden, die nicht aus das Konto des Turnens gesetzt werden können. Der Redner jfiebt hervor, wie man dadurch, daß man Zufälligkeiten bei Land- Partien, beim Rodeln, Erkältungen usw. einfach als unterstützungs- berechtigte Unfälle behandelt, einen Zustand heraufbeschwört, der Veit über die finanziellen Kräfte des Bundes hinausgeht. Ein besonderes Kapitel bilden die behördlichen Ver- folgungen und Strafen gegen den Bund. Obwohl das Reichsgericht entschieden hat, daß das Turnen der schulentlassenen Jugend nicht verboten werden kann, kehrt die preußische Regierung sich den Teufel darum, sondern erläßt immer wieder neue Verbote und Strafandrohungen wegen der Teilnahme jugendlicher Per- sonen am Turnunterricht der Arbeiterturndereine. Die Liegnitzer Turngenossen sind bis zur Stunde mit Strafbcfehlen bis zur Höhe von 2250 M. bedacht worden. Sämtliche schlesischen Vereine haben das Zöglingsverbot erhalten. Trotzdem Beschwerde beim Minister erhoben und um Einhalt der Strafbefehle nachgesucht wurde. sendet man immer aufs neue Strafbefchle. Ter Redner erörterte demgegenüber, daß alles getan werden müsse, damit dieser scharfe Wind die Arbeiterturndereine noch kräftiger und schärfer aus- peitscht.(Lebhafter Beifall.) Die Diskussion brachte keinerlei Kritik am Vorstand und wurde, nachdem 6 Redner gesprochen, durch Schluhantrag zu Ende gebracht. Von Bedeutung waren nur die Meinungen über die Doppelmitgliedschaft im Arbeiterturnerbund und der Deutschen Turnerschaft. N i e m a n n-Mannheim. H e i m a nn-Gera, Rasch- Langendiebach und der Vorsitzende Harnisch verurteilten sie energisch, während G e o r g i- Markranstädt sie von Fall zu Fall beurteilt wissen wollte und Kindt- Hamburg sie hauptsächlich auS den Abhängigkeitsverhältnissen der betreffenden Mitglieder er- klärte und sich strikte gegen ein Verbot wandte. Es wurde jedoch gegen wenige Stimmen das Verbot der Doppelmit- g l i e d s ch a f t angenommen. Der Kassierer Backhaus gab den Kassenbericht. Auch er erwähnte die hohe Unfallziffer gegen das Vorjahr und die ge- steigerte Ausgabe für Rechtsschutz in den ersten vier Monaten dieses Jahres. Das Vundesvermögen ist seit dem Turntag 1909, Haupt- sächlich infolge der guten Entwickelung des Bundesgcschäfts, von 65 906 M. auf 115 791 M. gestiegen. Angenommen wurde der vom Bundesvorstand gestellte Antrag, eine Unter st ützungs- lasse für die Vereine des Bundes einzurichten. Dietrich- Leipzig erstattete Bericht über die EntWickelung des VundesgeschästeS. Im Jahre 1908/09 betrug der Jahresumsatz 44133 M.. 1909/10 dagegen 81374 M.. 1910/11 175 354 M. Und in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres erzielte es be- reits 101 418 M., gegenüber 59 037 M. in den gleichen Monaten des vorigen Jahres. Zu dem Punkt Bundesgeschäft liegen zwei weitgehende Anträge vor, erstens, zur Leitung des Geschäftes sind zwei Ge- schäftSführer anzustellen, welche Mitglieder des Bundesvorstandes sein müssen, und dem Gesamtvorstand gegenüber dem Bundes- geschäft die Stellung eines Aufticktsrates zu verleihen; zweitens, durch den Bundestag eine Kommission zu wählen, welche die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der im Bundcsgeschäft und im Bunde tätigen Personen regelt. Ein weiterer Antrag will das Bundes- geschäft von der Bundesverwaltung trennen; dieser Antrag wird von Wohlers-Bremen begründet.— Die beiden ersten Anträge werden angenommen und betont, daß in den Verlagssitzun- gen die Geschäftsführer nur beratende Stimme haben. In die Kommission zur Regelung der Gehälter wurden 7 Turn- genossen gewählt. Hierauf referierte Redakteur Wildung über die Presse. Die„Arbeiterturnzeitung" hatte den Kamps nach allen Seiten zu führen; nicht nur gegen die preußischen, sächsischen, sondern auch gegen die allerkleinsten Staatsbehörden. Dieser Kamps bewegte sich auf dem Gebiete der Jugendgewinnung; infolgedessen dürfe man die Zeitung nicht nach einzelnen Artikeln beurteilen, man müsse sie vielmehr danach bewerten, wie sie in der Gesamt- situation ihre Aufgabe erfüllt habe. In diesem aufgeztvungenen Kampfe hat es die Zeitung nicht an der nötigen Sachlichkeit noch an Schärfe fehlen lassen.— Zu den anderen Arbeitersportvereinen sticht sie in einem guten kollegialen Verhältnis, Uebergehend zur Besprechung der Anträge betont Redner, daß die Schaffung einer besonderen Jugendbeilage nicht nötig sei, da das richtige und maßgebende Organ für die Jugend die„Arbeiter- jugend" sei.— An das Referat knüpft sich eine längere Debatte. in der die verschiedensten Wünsche geäußert werden. Beschlossen wird: Vom 1. Juli 1911 an erhält die„Arbeiter- turnzeitung" eine achtseitige, auf Naturkunstdruckpapier hergestellte illustrierte Beilage. Dieselbe soll alle Zweige der Leihesübungen in instruktiven Artikeln und Bildern behandeln und damit die Fortentwickelung unseres Turnsystems fördern. Den Bericht des Turnwartes gibt K o p p i s ch, der in großen Zügen die mannigfache Arbeit des Turnwartes schilderte und die Anstellung eines zweiten Turnwartes begründete, die sich im Interesse des Bundes nötig mache.— Der Anstellung des zweiten Turnwartes wird zugestimmt und eine Kommission zur Vor- bcreitung der Wahl eingesetzt. Zum Punkt Agitation, Organisation und Jen- tralisation machte der Bundesvorsitzende Harnisch sehr instruktive Ausführungen über die Grundsätze, nach denen die Or- ganisationen der einzelnen Gruppen zu gestalten sind.— Die kurze Debatte bewegte sich im Nahmen des Referats und klingt aus in dem Wunsche, daß die Notwendigkeit der Körperpflege und Leibesübungen Mehr von der großen Masse erkannt werden möge im Interesse der Bolksgesundheit. Bei dieser Debatte wird von Hohn- Bremen getadelt, daß die Turngenosscn nicht alle auf gewerkschaftlichem wie politischem Gebiete ihre Pflicht erfüllen; die noch viel geübte Neutralität müsse über den Haufen geworfen und das Erstarken der Arbeiterbewegung gefördert werden; damit würde die Masse auch Zeit und Interesse für Körperpflege finden. R ei ch a r d t- Spandau schildert den Uebelstand, daß heute noch gewerkschaftlich organisierte Arbeiter im Fahrwasser der bürger- lichen Sportvereine schwimmen; besonders sind es Holzarbeiter, Metallarbeiter und Buchdrucker, die sich in diesem wohl fühlen. M a r x- Rheingönnheim bezeichnet es für die Buchdrucker be- schämend, daß auf ihrer Generalversammlung die Deutsche Turner- schaft zu den festlichen Veranstaltungen herangezogen worden ist. Nachstehende Resolution gelangte zur Annahme: „Der vom 3. bis 6. Juni 1911 zu Hannover tagende Bundestag des Arbeiterturnerbundes erwartet von den Vorständen der freien Gewerkschaften Deutschlands, daß sie nun endlich einmal dazu kommen, ihre Mitglieder energisch dazu anzuhalten, den bürger- lichen Sportvereinen den Rücken zu kehren. Es ist unter den schweren wirtschaftlichen Verhältnissen als unerhört zu bezeichnen, wenn organisierte Arbeiter, die gemeinsam für die Verbesserung ihrer Lebenslage kämpfen, heute noch Gegner der Arbeitervereini- gungen im geselligen Leben sind." "Diese Resolution soll dem Verbandstag der Metallarbeiter und auch dem im Juni tagenden Gewerkschaftskongreß übermittelt werden. Am dritten Vcrhandlungstage verbreitete sich Redakteur Wildung über„I u g e n d t u r n e n und Jugendturn- verböte". Redner schilderte die Schikanen, die dem Arbeiter- turnerbund seitens der Regierungen, von der preußischen, sächsi- schen, bayerischen bis hinab zu den kleinen und kleinsten Staaten, zugesügt werde. Heute seien die Verfolgungen schlimmer als je; sie dürsten wohl kaum schlimmer zu Zeiten des alten Turnvaters Jahn gewesen sein. Der Arbeiterturnerbund sei kein p o l i- tisch er Verein und treibe keine Politik; er pflege vielmehr den Spor.t und betreibe die Leibesübungen. Daß die politische Gesinnung der Mitglieder, soweit sie zu denken vermögen, s o z i a l i st i s ch sei, das sei erfreulich, habe aber nichts mit dem Turnerbund an sich zu tun. Der Deutschen Turnerschast führe man stellenweise die Schüler durch die Schule zu und zwinge sie, gegen 15 Pf. Beitrag dort zu turnen; dagegen belege man Fortbildungsschüler, die im Arbeitcrturnerbund turnen, mit Strafen, obgleich man genau weiß, daß das Jugendturnen nicht verboten werden kann, da nach dem Entscheid deS höchsten Gerichtshofes die Kabinettsorder von 1834 nicht mehr zu Recht besteht. Aber was kümmert dieser Entscheid den preußischen Minister? Man ist ihm endlich von Königsberg aus zu Hilse ge- kommen, indem man dort den Arbeiterturnerbund zu einem politi- schen Verein stempelte; man verlangte Einreichung der Statuten und der Mitgliederliste. Die hierauf erhobene Beschwerde lehnte das Oberverwaltungsgericht kurzerhand ab, weil der Arbeiter- turnerbund schon früher für politisch erklärt worden sei. Diesen Entscheid hat nun der Minister des Innern v. Dall- w i tz vervielfältigen und in ganz Preußen verbreiten lassen, und nun regnet es Verbote und Strafmandate aus ollen Ecken. Ueber das Frauenturnen sprach Turnschwester Böhm- Schöneberg. Ihre Ausführungen begründeten solgende Leitsätze. die nach einem Beschluß des Bundestages zu einem Flugblatt ver- arbeitet werden sollen: „1. Regelmäßig betriebene allseitige Leibesübungen, wie sie im deutschen Turnen gepflegt werden, sind für beide Geschlechter ein gleich wichtiger und unentbehrlicher Bestandteil der körperlichen Erziehung. 2. In gerechter Würdigung dieser Erkenntnis haben alle unsere Vereine die Pflicht, wo es irgend mit Aussicht auf Erfolg geht, durch Gründung und Erhaltung von Frauenabteilungen für die Ausbreitung des Frauenturnens mit gleichem Eifer Sorge zu tragen wie für das Männerturncn. 3. Ein jeder Turngenosse ist darüber aufzuklären, daß das für ihn körperlich und geistig höchst segensreiche Turnen auch für seine weiblichen Angehörigen von gleichem Nutzen ist. In dieser Erkenntnis ist jeder verpflichtet, seinen Einfluß aufzubieten, um immer mehr Frauen und Mädchen zum Turnen zu bewegen." Eine Debatte findet hierüber nicht statt. Koppisch(Turnlvart) behandelte die Wetturnfrage; er meinte, daß in dieser Frage wohl schwerlich eine Einigung zu er- zielen sei. In der einsetzenden Debatte platzten die Geister im heftigen Wettstreit aufeinander, wobei die Freunde des Wetturnens das Feld behaupteten, indem durch namentliche Abstimmung mit 80 gegen 64 Stimmen das W c t t u an v e r b o t aufgehoben wird; doch wird mit 115 gegen 23 Stimmen beschlossen, daß weder Kränze noch Diplome beim Wetturncn verabfolgt werden dürfen. Die Beratung der zum Statut gestellten Anträge zeitigte die Annahme einiger redaktioneller Aendcrungen und Bestimmungen. — Die Delegation zum Bundestag soll in Zukunft nach folgender Norm erfolgen: Jeder Kreis wählt auf 1500 Mitglieder einen Delegierten. Bruchteile über 750 einen weiteren. Kreise mit starken Turne- rinnenabteilungcn müssen auf je 1500 Turnerinnen eine Delegierte entsenden. Zum mindesten ist eine Turnerin zu entsenden, wenn mehr als 750 Turnerinnen in einem Kreise bor- handen sind.— Die unbesoldeten Vorstandsmitglieder haben in Zukunft nur das Recht, sich durch einen Delegierten aus ihrer Mitte auf dem Bundestag vertreten zu lassen. Alle Anträge auf Ausbau der Unterstützung werden abgelehnt. Die Regelung der Gehälter soll in Zukunft nach folgender Norm geschehen: Das Grundgehalt der Beamten beträgt 2100 M. und steigt bis zum Höchstgehalt von 2900 M., das der Hilfsbeamten 1900 M. und steigt auf 2700 M. Das Kontorpersonal soll mit 1500 M. anfangen und bis auf 2200 M. steigen. Für die Mvrkthelfer gelten die Tarife ihrer Gewerkschaften. Tie Ferienzeit der Beamten be- trägt 14 Tage, die aller übrigen Beschäftigten je nach Dauer ihrer Bcschäftigungszeit 6 bis 12 Arbeitstage. Bei Neueinstellungen sollen die Mitglieder des Bundes zunächst berücksichtigt werden. Als Geschäftsführer des Bundcsgeschäfts werden Backhaus und Dietrich wiedergewählt. Harnisch als Bundesvorsitzender wird eben-' falls wieder bestätigt; als Turnwarte fungieren Koppisch und Benedix und als Kassierer Schubert-Leizig. Bundesausschußvor- sitzender ist Klügel-Dresden. Der nächste Bundestag soll in Mannheim abgehalten werden- Der Vorstand wird beauftragt, Schritte zur Schaffung eines eigenen Heims zu unternehmen. Der Arbelter-Radfthrerbuud„lreiheit" hak in den Pfingsttagen im hiesigen Gewerkschaftshause seinett 4. Bundestag abgehalten. An den Geschäftsbericht, der von dem Bundesvorsitzcnden L i e h r gegeben wurde, schloß sich eine längere Debatte über die Stellung zum Bunde„Solidarität". Anlaß hierzu gaben einige Schreiben des Reichstagsabgeordneten Eich- Horn, in welchen auf die Notwendigkeit einer Vereinigung des Bundes„Freiheit" mit„Solidarität" hingewiesen wurde. Betont wurde in der Debatte, daß der entgegenkommende Ton des Eich- hornschen Schreibens im krassen Gegensatz stände zu dem Inhalt des Leitartikels des Organs„Solidarität" vom 1. Juni. Daraus und aus den provozierenden Zwischenrufen der als Gäste anwesen- den Mitglieder von„Solidarität", die von den Delegierten als fortgesetzte Verdächtigungen und Kränkungen ihrer Partei- genössischen Ehre empfunden wurden, schlössen die Vertreter der Vereine, daß für eine Verschmelzung noch nicht der nötige Ernst vorhanden sei. Obwohl von hiesigen Vertretern von„Freiheit" der Notwendigkeit einer Einigung das Wort geredet wurde, ge» langte folgende Resolution zur Annahme: „Die Delegierten des diesjährigen Bundestages des Arbeiter« Radfahrerbundes„Freiheit" sehen keine Veranlassung, zwecks Ver- schmelzung mit dem Bunde„Solidarität" in Verhandlungen zu treten, da sich das Benehmen der Leiter desselben nicht geändert hat und sich auch ferner keine Gewähr bietet, daß solches in Zukunft geschehen wird, und weil wir die Selbständigkeit der Vereins unseres Bundes sowie das Weiterbestehen des Arbeiter-Radfahrer- bundes„Freiheit" vorläufig nicht aufgeben wollen." Der Kassenbericht bilanzierte in Einnahmen, Ausgaben und Bestand mit 16 061,76 M.; der letztere betrug am Schlüsse der Berichtsperiode 5543,38 M. Während sich die Einnahmen fast aus- schließlich aus Eintrittsgeldern und Beiträgen zusammensetzen, er- scheinen als hervorragendste Posten der Ausgaben: Sterbegeld 1327,90 M., Unfalluntcrstützung 2256,35 M., Drucksachen(Bundes- organ) 3163,75 M. Die Verwaltung geschieht vollständig ehren- amtlich; den am stärksten in Anspruch genommenen Funktionären wird in Form von Mankogeldern eine kleine Vergütung gewährt. Vier Beschwerden haben den Ausschuß beschäftigt; die sachliche und gerechte Erledigung derselben fand die Billigung des Bundestages. Eine Reihe wichtiger Verbesserungen des Statuts wurden be- schlössen. Statt der bisherigen zweijährigen Rechnungslegung, auch diesmal lag ein gedruckter Bericht vor, soll fortan eine solche vierteljährlich in dem monatlich erscheinenden Bundesorgan„D e r freie R a d l e r" erfolgen. Die Unfallunterstützung ist von 9 auf 12 M. pro Woche erhöht worden. Die Abstufungen dieser Unterstützung betragen jetzt: nach 1 Beitragsjahr 6 M., nach 2 Bei- tragsjahren 7,50 M., nach 3 Beitragsjahren 9 M., nach 4 Beitrags- jähren 12 M. pro Woche. Auf Wunsch erfolgt wöchentliche Aus- zahlung. Das Sterbegeld steigt entsprechend den Beitragsjahren von 50 M. nach 1 Jahr bis auf 100 M. nach 5 Jahren. Der zu zahlende Bundesbeitrag beträgt 25 Pf. pro Monat. Den Kreisen werden hiervon 25Przz. zwecks Agitation zur Verfügung gestellt. Die vornehmste Art der Agitation sieht der Bund in der Zuführung neu gewonnener Mitglieder zur Partei- und Gewerkschaftsorganisation und im Anreiz zum Wetteifer in der Erfüllung parteigenössischcv Pflichten. Die bisherigen Funktionäre: Franz Liehr, Vor» sitzender, Berlin, Höchstestr. 47, Theophil G r e e tz, Redakteur, Berlin, und E. Schröder, Ausschuhvorsitzender, Ofsenbach a. M., wurden einstimmig wiedergewählt. Nach einem kräftigen Appell des Versammlungsleiters an die Delegierten, die Mitgliedschaft anzuhalten, sich jederzeit der Partei zur Verfügung zu stellen, ins- besondere bei der Agitation zu den bevorstehenden Reichstags» Wahlen und bei der Wahl selbst ihre vollste Pflicht zu tun, endeten die 2�tägigen Verhandlungen. Vertreten waren 84 Bundes, vereine mit 2374 Mitgliedern. Eingegangene DrueKfeKritten. Die RrbeitSlosigkeit, ihre statistische Erfassung nnd ihre Be» käinpfung. Statistisches Amt der Stadt Nürnberg. Hejt 1. IM. U. E. Sebald, Nürnberg. Interessante Kriminalprozesse. Von H. Frlcdländer. 350 Seiten. H. Barsdors, Berlin W. 30. 5. Jahresbericht deS Arbeitersckrctariats nnd II. Bericht deS Gewerkschaftskarl cvs in Offeubach a. M. 1S10. 72 Seiten.— Selbstverlag. Das literarische Echo. Hawmonatsschrist sür Literatursreunde. ver- lag: Egon Fleischet u. Co., Berlin IV. 9. 2. Junihest. Die Lese. Literarische Zeitung süc das deutsche Volt. Herausgegeben von Theodor Etzel und Georg Muschner. Nr. 23, Lese-Verlag. Zwei unveröffentlichte Briefe Richard Wagners an Robert Kornstrin, Herausgegeben von F. Freih. v. Hornstein. 50 Ps.— E. W BonselS u. Co., München. Gpiknrö Philosophie an die Lebensfreude. Herausgegeben von Dr. H. Schmidt. 1 M. A. Kröner, Leipzig. Internationale Hygieue-Zlnsstellung Dresden IS1I. Elnrich- tungcn aus dem Gebiete des Unterrichts, und MedizüialwesenS im König» reich Preutzcn. 275 S. K. Fischer, Jena. Simplicissiinns. SimplicissimuS-Verlag. München. 30 Pf. 12. Jahresbericht dcö ArbeitcrsekretariatS Altenbnra I.-A. 1910. 24 S. Selbstverlag. Nach dem dritten Kind. Roman von Helene v. Müblau. 3.— M. E. Fleischcl u, Co., Berlin. Der Sohn des Paters. Roman von A. Hottenrott. 371 S. R. Eckstein Nachs,, Zehlcndors. Wahlftaiidbiich der dcntschen Sozialdemokratie in Oesterreich. 191t. 295 S. Herausgegeben vom Partcisokretariat, I. Brand u. Co., Wien. Bom Teufel geholt. Schauspiel von K. Hamsun. 3,50 M,, geb. 5 M.— Gedämpftes Saitenspiel. Erzählung von K, Hamsun. 3,50 All, geb. 5 M. A. Langen, München, Die wirtschaftlichen und sozialen Berhältniffe in der fchweize» rtschen Heimarbeit. Schlußberichl zur Hcimarbeitsausstellung, Heraus- gegeben von Jal. Lorenz. 5 Fr. Kommissionsverlag der Grütltbuchhand- lung. Zürich. WasserftandS-Nachrlchten der LandeSanstalt sür Gewässeriunde, mitgeteilt vom Berliner Dettirkureau vass erstand M- m- 1. TUN» B r e g e l, Justerbnrg Weichsel, Tboru Oder, Ratibor » ftrofien , Frantinrt Warth«, Schrtmm , Landsberg Netz«, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Larby , Magdeburg Wasserstand Saal«, Grochlitz H a o« I, Spandau , Ratbenow') S p r««, Svrrmb«rg>) , BeeStow W«>« r, Münden , Minden Rhein, RaximilianSan , Kaub » Köln Neckar, Heilbronn Main, Wertheim Mosel, Trier am 8,6. om 90 29 30 72 72 —101 — 24 474 258 2p2 68 130 47 seit 7 6. orn') —4 +2 —9 —2 _ 2 0 0 —2 —3 —3 —7 -10 t-ä '}+ bedeutet Such», Satz.*) Untuptgel SflmUtairc„Amerika" 8lÄ.Ä«ift?|«!te PaWü IM Reise- Kleider aus welterlesten Lodenstoffen..» 1950 24 aus gedieeenen Stoffen engl. Art. 18 2850 aus feinen Geraer Kammgarnstoffen 27 38 vorzüsHdi sitzende Jackenkostüme aus prima blau Kamragam-Cheviot. 24 2850 82 M. 88 M. 46 M enorm bUttz 86 M. Bastseidenelackenkostüme von 45M.an Il@ise-Ninte9 aus dauerhatten imprägnierten Stoffen 550 750 iqso 1350 xeso 21 m. 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Protokoll über die Verhandlungen der Konferenz der sozlaldemobatlschen Stadtverordneten und Gcmeiadevertreter, den Zlvangszwelkverdand für Grost-Berlin brttcffcud. Abgehalten am 15. Januar 1011. Preis 75 Pf.«2/6» P»«vioPo«ai»oPa»os>«s»«»»»-» 'Verantwortlicher Redakteur: Klbert Wach«, löerlin. Jür den Jirjeratcnteil verantw.: Th. Glocke, Berim. Druck g. Verlag: Borwärtf Mchdruckerei u. Berlagsanftalt' Paul Singer u. Sa,«erlio SW. A 15 » ß 2 a s