Nr. ISS. flbonncmentS'Bedingungcn: Ubonnemenls- Preis pränumeranda i Liciteljährl. 3&) SKt., monall. 1,10 Mk,, wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer K Psg, Sonntags- nunimer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Well" 10 Psg, Post- tlbonnemenl: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste, Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Mark, sür das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarch Holland, Italien, Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz- 28. Jahrg. Olditlgt lsglich auBtr montags. Berliner Volksblntt. Zentralorgan der fozialdemokratifcben parte» Deutfchlands. Die TnfertlonS'Gcbiiljr beträgt sür die sechsgespaltenc Kolonel« zeile oder deren Raunt 00 Pfg„ sür Politische und gewerlichaftliche Bereins- und Persainmiungs-Anzeigen 30 Psg. „ixleine Anreizen", das settgedruikle Wort 20 Psg,(zulässig 2 scttgedruitte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort 5 Psg, Worte über 15 Buch- Stäben zählen sür zwei Worte, Inserate ür die nächste Nummer ulüsien bis i Uhr nachmittags in der Expedition »dgcgeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „SozialiUmoKrat Rcrlic'4. Scftönfärbml. IT. Nun handelt es sfch aber keineswegs nur um die Deckung der etatmäßigen Ausgaben, sondern auch um die S ch u l d e n- t t l g u n g. Die Reichsfinanzreform vom Jahre 1909 wollte ja nicht nur die Defizitwirtschaft beseitigen, sondern auch eine wirkliche, wenn auch langsame Tilgung der alten Schulden ermöglichen. In den Verhandlungen über die Reichsfinanz- reform, namentlich in den Konimissionsverhandlungen, spielte ja diese auch in der Denkschrift der Regierung mit besonderem Nachdruck hervorgehobene Aufgabe eine außerordentlich große Rolle. Die beabsichtigte Schuldentilgung war zweierlei Art. Zunächst waren mehrere 100 Millionen Fehlbeträge aus den letzten Jahren zu decken. Man hatte in den Jahren 1906 und 1909 den Etat einfach dadurch zu balancieren versucht, daß man die Fehlbeträge durch enorm hohe Matriknlarbeiträge deckte. Diese Deckung bestand natürlich nur auf dem Papier. In Wirklich- keit wurden diese riesigen Matrikularbeiträge nicht geleistet, sondern an ihrer Stelle Anleihen aufgenommen. Diese Anleihen sollten aber nicht in eine konsolidierte Anleihe ver- wandelt, sondern besonders behandelt und so rasch als mög- lich abgetragen werden. Der Reichstag beschloß denn auch demgemäß. Er bestimmte durch das Gesetz vom 15. Juli 1909, daß die diversen Hundert Millionen Mark ungedeckter Matri- kularbeiträgc und sonstiger Fehlbeträge aus den Jahren 1906 bis 1908 mit 1,9 Proz. zu tilgen und die Fehlbeträge aus den Jahren 1909 gar in den Jahren 1911 bis 1913 aus den bereiten Mitteln gedeckt werden sollten. Für das Jahr 1911 hätten danach 45,6 Millionen Schulden getilgt werden müssen. Weiter aber bestimmte das Gesetz vom 15. Juli 1909, daß die älteren Schulden Mit 1 Proz. zu tilgen seien, was für das Jahr 1911 einen weiteren Schuldentilaungsbetrag von 44 Millionen ausmachte. Diese zusWimen M.u Millionen sind aber nach dem Etat nicht zur Schuldentilgung, sondern zur Deckung der ganz anderen Aus- gaben des außerordentlichen Etats verwandt worden. Nach dem Voranschlage des Etats konnte von den 89,6 Millionen, die nach dem Gesetz zur Schuldentilgung hätten verwendet werden niüssen, nicht ein Pfennig seinen wirklichen Zwecken zugeführt werden. Die Schuldentilgungsparagraphen standen also lediglich auf dem Papier— es wurde kein Pfennig Schulden getilgt, wohl aber ging die alte Pumpwirtschaft munterweiterl Wenn wir also auch annehmen, daß im Jahre 1911 und in späteren Jahren die Einnahmen aus den neuen Steuern der letzten Reichssinanzrcform eine weitere erhebliche Steigerung aufweisen werden, so steht demgegenüber doch fest, daß diese Eilinahmen nicht einmal dazu ausreichen werden, um die durch die ge steigerten Ansprüche des Militarismus und Marinismus erwachsenden Mehr ausgaben zu decken. Vollends aber kann gar nicht daran gedacht werden, den Absichten des Gesetzes vom 15. Juli 1909 gemäß eine wirkliche Schuldentilgung eintreten zu lassen. Das Fiasko der Reichsfii anzreform bleibt also ein evidentes I Selbst wenn die neuen Steuern die volle Höhe des Ertrages erreichen sollten, den der Schnapsblock von ihnen erwartete, selbst wenn das Volk die 450 Millionen voll an den Staat zu zahlen hat und daneben noch die verschiedenen Hundert Millionen an die Produzenten und den Zwischenhandel, so wird die Absicht, endlich einmal den Etat ins Gleichgewicht zu bringen und die ja schon so oft geplante Schuldentilgung wenigstens in bescheidenem Umfange zu realisieren, Nimmermehr erreicht werden! Aber nicht nur mit den vermehrten Flotten- ausgaben, sondern auch mU gesteigerten Ausgaben für unsere Kolonien hat der einsichtige Politiker zu rechnen. Selbst die Kolonialpresse hat ja zugegeben, daß die Farmer ir. Südwestafrika vor der Pleite stehen. Der ganze, lediglich -uik den großen südwestafrikanischen Krieg zurückzuführende rünstliche Aufschwung in Südwestafrika steht ja trotz der Dianiantenfunde vor dem Zusammenbruch. Als einziges Rettungsmittel gilt weiten Kreisen ein neues Kriegs- abenteuer, die Annexion des Ovambolandes. In der kolonialen Presse wird denn auch niit leidenschaftlichem Eifer die Erschließung dieses nördlichen Landgebietes der südwestafrikanischen Kolonie gefordert. Nun ist es aber bekannt, daß die Ovambo nicht nur sehr zahlreich. sondern auch vorzüglich bewaffnet sind. Und selbst wenn man die gegenwärtige Hungersnot der Ovambo dazu benutzen wollte, diese kriegerischen und selbstbewußten Stämnie zu entwaffnen, so würde das schwerlich o h n e die verhängnisvoll st en Reibungen abgehen. Käme es aber zu einem Kriege mit den Ovambo, so würde ein solcher Krieg trotz der bis an die Grenzen ihres Gebietes ge- führten Bahnlinien wahrscheinlich n o ch l a n g w i e r i g e r und schwieriger lv erden, als das letzte blutige Abenteuer gegen die H er e r o und Hottentotten Denn das Ovamboland besitzt ein Klima, das europäische Truppen mit den schwersten Gefahren bedroht. Da nun aber unsere Südwestafrikaner in eincni solchen Kriege ihr einziges Heil erblicken, ist nur zu sehr zu befurchten, daß & über kurz oder lang zu dem ja lange vorher� prophezeiten schweren Konflikte kommen wird. Ein Ovambvkrieg würde uns natürlich wiederum etliche hundert Millionen Mark kosten. Und wie die finanzielle Wirrnis der Jahre 1906 bis 1909 zum guten Teil auf die Riesenausgaben für das südwest- afrikanische Kriegsabenteuer zurückzuführen waren, so wird uns auch ein neuer Krieg in dem famos afrikanischen Neu- Deutschland in die größten finanziellen Kalamitäten zurück- werfen. Schon jetzt ja würde unsere famose Kolonialpolitik sich im Reichsetat in recht unangenehmer Weise bemerkbar machen, wenn nicht das famose System besonderer Kolonialanleihen eingeführt worden wäre. Dank dieser pfiffigen Bilanzverschleierung, die man Frankreich abgeguckt hat und die ja auch Herr Dernburg sofort nach seinem Antritt empfahl, findet die Steigerung unserer Anleihen durch die Kolonialpumpwirtschaft im Reichs- etat ja keinen Ausdruck. Das ändert aber nichts an der Tat- fache, daß diese Kolonialanleihen schließlich nichts anderes sind als riskante F i n a n z m a n ö v e r, für die das Reich aufzukommen hat. Die offiziösen Finanzkünstler, die durch ihre begeisterte Feststellung des Mehrertrages der Steuern über die Anschläge der beiden letzten Jahre hinaus eine optimistische Auffassung unserer Reichsfinanzlage zu verbreiten versuchen, täten also besser, einmal einen nüchternen Finanzanschlag für die nächsten Jahre vorzunehinen, wobei sie natürlich die u n- a us b le i b li ch e n Mehrausgaben gleich uns mit in Rechnung zu stellen hätten. Das wird ihnen natürlich nicht einfallen, denn dann würden sie ja für den Schnapsblock keine Wahlmacher und Nothelfer, sondern im Gegenteil sehr pessimistisch stimmende„Mießmacher" sein. Die Wahrheit taugt eben nicht zur reaktionären Stimmungs- mache. Der politische Gimpelfang bei den bevorstehenden Reichstagswahlen kann nur durch möglichst plumpen Schwindel betrieben werden. Die Sozialdemokratie wird freilich dafür sorgen, daß die Masse über diese Schwindelmanöver gründlich aufgeklärt wird._ Das Zentrum und die Beicbsverikberungsordnung. Etwas beklommen ist es dem Jentrum doch bei der Annahme der Reichsversicherungsordnung geworden. Wenigstens die Kreise des Zentrums, die sonst für Fortführung der Sozialpolitik ein- traten, suchen Entschuldigungen für das Verhalten der Partei. Die Sache ist um so bedenklicher, weil das Zentrum in fast allen Fragen geschloffen stimmte und nun jeder einzelne Zentrumsabgeordnete für alle Bestimmungen� des Gesetzes verantwortlich gemacht werden kann. In einem sehr langen Artikel sucht die„Köln. V o l k s- Z t g." die Haltung des Zentrums zu rechtfertigen. Dabei wird dann ein Angriff auf unser« Genossen unternommen, für den die sachlichen Unterlagen fehlen und wobei das fromme Blatt einen hinterlistigen Streich der Reaktionäre als gar nicht geschehen hinstellt. Das Zentrumsorgan schreibt: „Am Schlüsse lief die Sache sogar auf eine gründliche Blamage für die Sozialdemokratie hinaus. Gerade in dem Punkt, der eine„Entrechtung" der Arbeiter sein soll, bezüglich der Neuordnung der iBemntenverhältnisse in den Krankenkassen, hat die Sozialdemokratie sich kleinlaut zurückziehen müssen. Im Einführungsgesctz sind noch in letzter Stunde Bestimmungen eingefügt worden, welche die neuen Vorschriften über die Kran- kenkassenbeamten sofort in Kraft setzen, um den etwaigen Be- strebungen der Kassenvorstände vorzubeugen, diese Bestimmungen zu umgehen. Wegen der diesbezüglichen Anträge verlangten die Sozialdemokraten erneute Kommissionsberatung. Das ist ihnen gewährt worden. Aber in der Kommission haben sie schließlich ohne erheblichen Widerspruch die Anträge passieren lassen, weil eben das von der Regierung vorgelegte Material so erdrückend war und so beschämend für bestimmte Kassenleitungen, daß ein sozialdemokratischer Abgeordneter sich zu dem Ausspruch verstieg: es gehöre eine ganz gemeine niederträchtige Gesinnung dazu, um solche Manipulationen durchzuführen, wie sie die Vertreter der Regierung gekennzeichnet haben." Wie verhielt es sich nun in Wirklichkeit? Die Regierungen hal>cn gar kein Material gebracht, sondern vorgeführt, was möglich wäre. Bei der Debatte über diese angeführten Möglichkeiten fiel die zitierte Aeußerung, wobei hinzugefügt wurde, daß man deshalb keine Bestimmung im Einführungsgesetz gebrauche, weil solche Verträge schon auf Grund des Bür- gerlichen Gesetzbuches als gegen die guten. Sitten v e r st o ß e n d für nichtig erklärt werden würden. Und worum handelte es sich? Die Herren Schultz, Behrens, Horn, Tri m dorn und Graf Westarp wollten eine Periode schaffen, in der die Kassenangcstcllten der Willkür der Verwaltungs- behörden ausgesetzt werden sollten. Die Bestimmungen über die Angestellten sollten in Kraft treten, aber an Stelle des Rechtsweges an die Versicherungsämter und Oberversicherungsämter sollte das freie Ermessen der Verwaltungsbehörden treten. Die Verwaltungs- behörden hätten also die Stellen freimachen können für die Milit äranwärter, und weder die gemaßregelten Be- amten noch die Vorstände hätten einen Rechtsweg gegen dieses Ver- fahren gehabt. Dieses Ziel suchten die genannten Herren durch folgenden Antrag zu erreichen. Hinter Artikel 32 folgenden Artikel einzuschalten: „Artikel 320. Die 8Z 361a. 3615, 363b Abs. 2 bis 5. 6 Satz 2. § 368 der Reichsversicherungsordnung treten sofort in Kraft. Sie gelten entsprechend für alle Angestellte, die nach Artikel 36 künftig der Dienstordnung unterstehen sollen. Dabei treten, solange die Versicherungsämter und die Oberversiche- rungSämter noch nicht errichtet find, an ihre Expedition: SM. 63» Lindcnötraaec 69« Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Stell e hie unteren und die höheren Verwal- tun gs behörden." Nach dem frommen Blatt haben unsere Genossen„diesen An- trag ohne erheblichen Widerspruch passieren lassen". Wie sah aber der Artikel aus, als er aus der Kommission ans Plenum kam? Er erhielt in der Kommission d i e Fassung, in der er vom Reichstag angenommen ist. Er lautet jetzt: „Artikel 32z. Die ZZ 361», 361b, 363b Abs. 2 bis 6 Z 368 der Reichsversicherungsordnung treten sofort in Kraft für alle Ange- stellte, die künftig der Dienstordnung unterstehen sollen. Dabei treten, solange die Versicherungsämter und die Oberversicherungsämter noch nicht errichtet sind, an Stelle der Versicherungsämter die Schiedsgerichte für Arbeiterversichorung, an die Stelle der Oberversicherungsämter das Reichsversicherungsamt (Landesversicherungsamt). Für das Verfahren und die Fristen gelten entsprechend die Vorschriften der Reichsvcr- sicherungsordnung über das Spruchverfahren. Der Reichskanzler kann hierüber näheres bestimmen." Also die Absicht der Antragsteller, für die Verwaltungs- behörden eine Zeit zu schaffen, in der ihr Treiben jeder Kontrolle durch die Rechtsprechung entzogen werden sollte, ist gründlich vereitelt worden! Weshalb verschweigt das Zentrumsblatt den wahren Sachverhalt? Will es seinen Lesern glauben machen, daß das Zentrum an dem ursprünglich beabsichtigten hinterlistigen Streich nicht beteiligt war? Oder will es die Sache s 0 darstellen, als habe der Antrag gar nichts anderes enthalten, als schließlich angenommen wurde?! Bezeichnend für das Zentrum sind ferner die folgenden Aus- führungen des Artikels: „Die Zentrumspartei war der Reichsversicherungsordnung gegenüber wie bei so vielen anderen Gelegenheiten in die Not- wendigkeit versetzt, zuerst i n d e n eigenen Reihen den Boden der Ei n i g u n g z u finden. Sie ist nicht in der Lage, wie die Sozialdemokratie, einseitige Interessen vertreten zu rönnen, in ihr sind nicht nur Leute vertreten, die aus der Reichsver- sicherungsordnung möglichst viel haben wollen, sondern auch die Kreise, welche die Zeche mit bezahlen müssen." Eine Partei, die aus Personen besteht, die nicht mit bezahlen müssen, gibt es überhaupt nicht im Reiche! Bei der Krankenversicherung müssen die Arbeiter zwei Drittel und bei der Invalidenversicherung müssen sie die Hälfte bezahlen. Das Zentrum denkt aber an die Unternehmer. Um den Unternehmern bei der Krankenversicherung eine Mark zu sparen, muß man dem Kranken drei Mark entziehen. Bei der Alters- und Invalidenversicherung kostet jede Mark Ersparnis für den Unternehmer den Invaliden zwei Mark! Um für die Unternehmer zu sparen hat das Zentrum so viel Recht der Arbeiter vernichtet! Das Zentrum war gleich mit dabei, die Selbständigkeit der Versichcrungsämter zu vernichten! Denn jener Antrag, der am vierten Sitzungstage in der Kommission eingebracht wurde, der an Stelle der geplanten Versicherungsämter die untere Verwaltungsbehörde, also in Preußen den Landrat, setzte, war von Schickert, Erzberger, b. Gamp und Horn(Reuß) unterzeichnet. Die Annahme dieses Antrages war der erste Schritt zur Entrechtung der Landarbeiterl Ein reiner Zentrumsantrag war der Antrag Nr. 179. der die Unterschrift sämtlicher Zentrumsmitglieder der Kommission trug, er verschlechterte die Regierungsvorlage be- züglich der Zersplitterung der Krankenkassen. Während die Ne- gierungsvorlage die Nengründung von Betriebskrankenkassen nur zulassen wollte, wenn mindestens 669 Versicherte in dem Betrieb arbeiten, beantragte das Zentrum für gewerbliche Betriebe 199 und für landwirtschaftliche Betriebe 29 Versicherte zu setzen, d. h. jeden größeren Bauer die Gelegenheit zu geben, mit seinen Arbeitern aus der Krankenversicherung herauszubleiben. Stellt man so alle Verschlechterungen, die das Zentrum aus eigener Entschließung in das Gesetz hineingebracht hat, zusammen, so sieht man, wie wenig das Zentrum das Vierteldutzend Arbeiter- Vertreter gegenüber den vier Dutzend Grundbesitzern in seinen „eigenen Reihen" beachtet! Die Grundbesitzer und Kapitalisten sind stärker im Zentrum vertreten als die Arbeiter, und darum finden die Unternehmerintercssen viel mehr Berücksichtigung als die Arbeiterinteressen. Zum Schlüsse rechnet das Zentrumsblatt aus, daß zirka 299 Millionen Mark Mehrleistungen durch die AuSdehniung der Kranken- Versicherung, durch die Witwen- und Waisenversicherung und durch die Einführung der Kinderrenten für die Invaliden entstehen. Unter den 6 864 999 Personen, die das Zentrumsblatt als neu in die Krankenversicherung einbezogen anführt, sind 1 199 999 Dienst- boten. Für diese hat nach§ 617 des Bürgerlichen Gesetzbuches die Dienstherrschaft für sechs Wochen Krankenhilfe zu gewähren. Da nach der Krankenversicherungsstatistik jede Krankheit durchschnittlich nur 29 Tage dauert, so kann man annehmen, daß die Dienstherr- schaft bisher mehr als neun Zehntel der Unkosten der Krankheiten des Gesindes zu tragen hatte, während nach der Reichsversicherungs- ordnung die Dienstherrschaft ein Drittel und das Gesinde zwei Drittel der Kosten zu tragen hat. Sind die Mehrlasten um 299 Millionen gestiegen, dann entfallen hiervon 69 Millionen auf die Invalidenversicherung. Hiervon haben die Arbeiter 2gi/. Millionen Mark und die Unternehmer 29(h Millionen Mark zu tragen Von dem verbleibenden Rest würden 47 Millionen Mark auf die Wer- "ehmer und 94 Millionen auf die Arbeiter entfallen Von den Unternehmerbeiträgen sind die Unkosten abzuziehen, die die Dienst. herrjchaften für die Krankheiten der Dienstboten mehr aufzuwenden hatte, als in Zukunft.' _ Das Zentrum bekämpft die Mehrleistungen, weil angeblich die Kiembauern und Handwerker nicht zahlen können. Oft sind aber die Kranken, die Verletzten und Invaliden Kinder der Klei«« kauern und Handwerkers diö nun dadurch belastet werdsn, dah sie die Opfer der Industrie, weil sie die Kinder der Kleinbauern sind, nicht verhungern lassen können. Die Kleinbauern und Hand- werker sind das Aushängeschild. Aber der weitaus größte Teil der Arbeiter arbeitet nicht bei Kleinbauern und Handwerkern, sondern bei Großgrundbesitzern und in der G r o ß i n d u st r i e. Um den Kleinbauern eine Mark Krankenkassenbeitrag zu sparen, spart wanden Groß grundbesitzern und Groß industriellen 2 an., und um 3 M. Unternehmerbeitrag zu sparen, m uß man dem Kranken S M. vorenthalten. Die Mehrheit des Zentrums läßt lieber kranke Arbeiter verhungern, als daß eS sich entschließt, den Unternehmern höhere Beiträge für die Kranken- Versicherung abzunehmen! Diese Tendenz trat in der ganzen Haltung deS Zentrums zutage. Sie Wahlreform. so AuS Paris wird uns geschrieben: In der Deputiertenkammer hat die Diskussion über die Wahlreform begonnen und wenn man der radikalen „Lanterne" glauben will, wäre der Proporz schon tot und begraben. So arg stehts nun aber nicht um ihn, aber man braucht kein Pessimist zu sein, um einzugestehen, daß die Siegesaussichten der Proporzanhänger keineswegs so sicher sind, als diese im Feuer der Agitation annahmen. Wenn die Vorlage fällt oder in einer Versenkung verschwindet, ist das freilich nicht das Werk der überzeugenden Bered samkeit ihrer Gegner und auch nicht das ihrer mehr oder minder anständigen parlamentarischen Finten, sondern in erster Linie das der Wahlreformkommission selbst, die einen erstaun lichen Wechselbalg herausgebracht hat. Ein Proporz mit der Klausel der„Apparements", die die korrumpierenden Koalitionen aus dem zweiten Wahlgang gleich vor den ersten verlegt und der Zulassung der Stimmenkumulierung� die den Intrigen der einzelnen Kandidaten innerhalb ihrer Partei selbst Vorschub leistet, schlägt der Idee der Verhältnis mäßigen Vertretung dermaßen ins Gesicht, daß Genosse A l l a r d, ein entschiedener Anhänger des Proporzes, in der „HumanitS" erklären konnte, daß ihm das bestehende Bezirks Wahlrecht noch lieber sei als eine solche„Reform". Aus der Debatte verdient zuerst vor allem die Rede V a i l l a n t s Beachtung. Vaillant, der sich selbst als ehemaliger Anhänger der Bezirkswahl bekannte, legte dar, daß diese im Interesse der festeren Konstituierung der sozialistischen Partei und ihrer Propaganda und im Interesse des ganzen Landes und seiner republikanischen Einrichtungen verschivinden müsse. Er zeigte den grundlegenden Unterschied zwischen der Abstimmung für die Zusammensetzung einer Repräsentantenversammlung in der jeder Bürger vertreten zu sein beanspruchen darf, und der Abstimmung in der beratenden Versammlung selbst, wo das Mehrheitsprinzip unvermeidlich zur Geltung kommen niuß. Vaillant wies aber auch darauf hin, daß die Wahlreform durch das vom Senat abgelehnte Gesetz über die Wahlfreiheit und den Schutz vor Mißbrauch ergänzt werden müsse. Das Wahl gesetz selbst aber könne die Demokratie noch nicht zur Wirklich keit machen. Diese habe die Organisation der Demo kratie im Lande zur Voraussetzung. Ohne diese Organi fation seien die Uebergrifie der exekutiven Gewalt nicht zu vermeiden. Der Redner entwickelte hierauf in großen Zügen die Elemente einer wahrhaft demokratischen Verfaffung. Das Mandat, das die Wähler ihren Repräsentanten gebe», ist sehr wenig bestimmt. In der Wahlpropaganda können kaunl einige aktuelle Fragen diskutiert werden. Nach der Wahl tauchen neue Fragen auf, die oft in den Wähler Versammlungen nicht diskutiert werden konnten, die trage: Krieg oder Frieden?, die auswärtige Politik, soziale und wirtschaftliche Probleme heischen ihre Lösung. Heute sind es die Erwählten allein, die direkt gewählten Abgeordneten und die indirekt gewählte, der Parlamentsmehrheit entsprechende Regierung, die entscheiden. Oft repräsentieren sie jedoch gar nicht die Mehrheit der Wähler. Das ist aber keine Dema kratie. Die direkte Gesetzgebung durch das Volk, wie sie die Schüler Fouriers gefordert haben, ist wohl das Ziel, dem die Demokratie zustreben muß. Aber der Redner ist der Ansicht, daß das Volk für sie erst erzogen werden müsse. Wenn die Wähler schon heute über manche Fragen, wie Krieg und Frieden, die jedermann begreift und in ihrer Be deutung empfindet, entscheiden könnten, gibt es viele andere Gegenstände, über die man derzeit das Volk nicht gut bt fragen könnte. Indes braucht die notwendige Erziehung gar nicht viel Zeit. Man muß nur dem Volk Gelegenheit geben. sich zu versammeln und über alle Tagesfragen zu beraten Das Mittel dazu sind organisierte Wählersektionen. die regelmäßig und in außerordentlichen Zeitläuften besonders einberufen»verden. um über die Fragen, die nicht nur das Parlament, sondern die ganze Nation bewegen, zu diskutieren Jeder Sektion sind Säle und Kommissionszimmer zur Verfügung zu stellen. Die Kommissionen der verschiedenen Parteien wählen auf Grundlage des Proporzes eine Verwaltungskom- Mission für die Sektion. Diese Beratung in den Sektionen ist die notwendige Voraussetzung für die Volksinitiative und das Refe- rendum, die sonst zum Plebiszit desKaiserreichs ausarten würden. Derart wird das Volk selbst die politische Szene besteigen und die delegierten Gesetzgeber und ihre Regierungen aus ihre wirklichen Funktionen beschränken. Wir fordern dieses Regime im Namen der Arbeiterklasse, weil wir wissen, daß diese in den Beratungen des Volks der lebendige und organisierte Teil ist und, vom Sozialismus geleitet in diesen Einrichtungenden besten Boden zur Eroberung der politischen Macht und zur Durchsetzung ihrer Forderungen finden wird. Die Gegner des Proporzes hielten sich namentlich an die tatsächlichen Mängel des Entwurfs, gegen den sie die Kritiken der konsequenten"Proportionalisten wiederholten. Auch der- suchten sie, unter den Anhängern der Reform Verwirrung zu stiften, indenr sie die Frage ihrer Ausdehnung aus den Senat auswarfen. Ueber diesen Punkt sind allerdings die Meinungen in den reformfreundlichen Kreisen geteilt. So spielt der Deputierte B e n o i st mit der aussichtslosen Idee der Um» Wandlung des Senats in eine auf Grund des allgemeinen Wahlrechts zu konstituierende Berufsvertretung. Das schönste ist, daß die Herren Radikalen total vergessen haben, daß sie einst die Abschaffung des Senats gc- fordert haben. Die Schwierigleiten, denen die Durchsetzung des ProporzeS begegnet, haben die Zuversicht der Radikalen derart gesteigert, daß die Heißsporne.der Vulgärdemokratie jetzt mit dreister Hintansetzung des Willens der Wählerschaft die Wiederherstellung des Listcnskrutiniums fordern. Sie erklären nun selbst, daß die Fortdauer der Bezirkswahl � wie dtcS erst kürzlich auch C o m b e s derkündete— unmöglich sei, aber an seine Stelle wollen sie das allerschlechteste aller Wahlshsteme setzen, das allerdings für sie den Vorteil hätte, die starken sozia- listischen Minoritäten in den Departements zu unterdrücken und den blockhörigen„unabhängigen" Sozialismus aufzu- züchten. Indes— mag die Durchsetzung der Verhältniswahl unsicher geworden sein, die Einführung der Listenwahl ist einfach ausgeschlossen. Schon darum, weil auch die nicht ganz kurzsichtigen unter den Radikalen einsehen, daß eine solche Vergewaltigung die bedrohten Opposifionsparteien in der Tat zur Koalition zwingen würde, die dann der herrschenden Partei sehr übel bekäme. poUtifchc Clcberlicbt Berlin, den 13. Juni 1911. Den schwarzen Kuhhändlern, die in der„Köln. Volksztg." anläßlich der Ersatzwahl in Düsseldorf die Nationalliberalen davor bewahren wollen, daß ihre Wahltaktik auf eine„Förderung der Sozialdemo- kratie" hinauslaufe, reibt unser Elberfelder Parteiblatt unter die Nase, daß das Zentrum selbst sozialdemokratische Wahlhilfe nicht verschmäht hat, wenn es solche für seine Schacher- Pläne für nützlich hielt. Unser Elberfelder Parteiblatt schreibt: „Hat das Zentrum nicht des öfteren die„breite Kluft, die jedes Wahlbündnis ausschließt", sorgsam ausgefüllt? Hat eS nicht oft genug Wahlbündnisse mit Sozialdemokraten abge- schlössen, obwohl solche nach den Ausführungen der„Köln. Volkszeitung" mit dem Wesen einer stoatserhaltenden Partei unvereinbar sind? Herr Vartscher in Bochum ging vor der letzten Landtagswahl schriftliche Verpflichtungen gegenüber den Sozialdemokraten ein. Herr Sauermann in Duisburg dankte schriftlich den Sozialdemokraten dafür, daß sie bei der letzten Landtagswahl ihn gegen den Scharsmacher heraus hieben, das Wahlkomitee der Zentrumspartei in Hagen er- klärte 1307 in seiner Stichwahlpnrole den Sozialdeniokraten für das kleinere Uebel, nachdem in bezug auf die Wahlkreise Hagen und Hamm-Soest formelle Abmachungen zwischen den beiden Parteien getroffen worden waren. In Duisburg wurde der Sozialdemokrat mit Hilfe des Zentrums gewählt und in vielen anderen Wahlkreisen war es ebenso." Und wie war es denn in Bayern? Die Zentrums- jestliten sind wirklich die letzten, die anderen über die Wahl- taktik gute Lehren geben können. Immerhin schadet es nichts, wenn sie ihre innere Feindschaft gegen die Sozialdemokratie jetzt klar zum Ausdruck bringen, um so weniger, als dabei ihre eigene Pharisäermoral grell beleuchtet wird. Die nationalliberale Wahltaktik in konservativer Beleuchtung. Zu dem Vorschlage der„Kölnischen Zeitung", die National- liberalen sollten bei der Ersatzwahl für den verstorbenen Zentrumsabgeordneten K i r s ch- D ü s s e l d o r f auf die Aufstellung eines eigenen Kandidaten verzichten, bemerkt die „Deutsche Tageszeitung", nach ihrem Empfinden bedeute ein solcher Vorschlag ein sehr eigenarfiges Wahl Manöver. Die Nationalliberalen hätten das letzte Mal in Düsseldorf fast 15 000 Stimmen aufgebracht, und wenn sie auch schwerlich hoffen könnten, selbst in die Stichwahl zu kommen, sei es doch bisher wohl noch kaum jemals vor- gekommen, daß eine Partei, die über rund 20 Proz. der Stimmen eines Wahlkreises verfügte, von Anfang an einfach die Flinte ins Korn geworfen und darauf verzichtet hätte, eine so große Anhänger- zahl in die Erscheinung treten zu lassen. Der Grund für den Vorschlag der„Kölnischen Zeitung" sei allerdings keinen Augenblick unklar, zumal das Blatt selbst ihn recht deutlich angebe: es sei den Nationalliberalen äußerst unbequem, jetzt vor den allgemeinen Wahlen in einem Einzelfalle überhaupt eine Parole auszugeben, die ihr für die allgemeine Wahl eine Fessel werden oder doch als Präzedenz aufgefaßt werden könnte. Erst in zweiter Linie erscheint es der„Deutschen Tageszeitung" interessant, ob die Freunde der„Köln. Ztg." es lieber vermeiden wollen, jetzt bereits in einem Einzelfalle für das Zentrum oder für die Sozialdemokratie direkt oder indirekt sich zu engagieren. Das wichtigste ist vielmehr, daß diese National liberalen überhaupt darüber im Zweifel sein können, daß es ihre unbedingte Pflicht wäre, gegen die Sozialdemokratie einzutreten! Das Zögern, „gegenüber der Umstnrzpartei die nationale Pflicht zu tun, wie ihre Scheu, überhaupt offen Farbe zu bekennen", seien ebenso bezeichnend, wie sie im Zeichen der Bassermannschen Parteiführung nationalliberal seien. Aus dem Zürnen der„Deutschen Tageszeitung" spricht in erster Linie die laute Besorgnis, daß dem schwarzen Block- bruder in Düsseldorf eine empfindliche Niederlage drohe. Die neue Freisinnskandidatnr im Kieler Reichstag?- Wahlkreis. Seit der Kieler Wahlkreis der Sozialdemokratie gehört, wird der Freisinn, der vordem das Mandat jahrzehntelang ununterbrochen im Besitz Jhatte, die Sorge um einen geeigneten Kandidaten nicht los. Hat sich bei einer Wahl ein Kandidat gefunden, so will er bei der nächsten Wahl schon nicht mehr als Durchfallskandidat dienen. Die freisinnige Organisation geht dann wieder auf die Suche nach einem neuen Kandidaten. Bedingung ist nun für den Kandidaten, daß er nicht etwa ein ausgesprochener linksliberaler Parteimann ist, sondern daß er als Person möglichst überall beliebt ist, nirgends anzuecken versteht. Man muß ja Rücksicht nehmen auf die Freunde von rechts, die Nationalliheralen, auf deren Hilfe man rechnet und mit deren Hilfe man immer noch hofft, der Sozial- demokratle das Mandat wieder abzunehmen. Für die kommende Wahl hatten die Freisinnigen in dem Kieler Branddirektor Freiherrn v. M o l t k e den ihnen ge- eignet erscheinenden Mann gefunden. Er nahm die Kan'di- >atur auch an, obwohl er sich vorher nie um Politik be- kümmert hatte und erst nach seiner Aufstellung als Kandidat Mitglied der freisinnigen Parteiorganisation wurde. Herr Moltke erlitt aber einen schweren Unfall, der seine Gesund- sieit vorübergehend schwer schädigte. Dieser menschlich be- bäuerliche Umstand veranlaßte Herrn v. Moltke, die Kandi- datur niederzulegen. Für den Freisinn begann wieder die kandidatenlyse Zeit. Endlich hat der Freisinn wieder einen Kandidaten gefunden und zwar einen, von dem er annimmt, daß ihm dieKielcrWählerschaft vomArbeiter biszumUniversitäts- wofessor und prinzlichen Oberhofmeister zujubeln wird. Es ist der rühere Kieler, jetzige Göttinger Theologieprofessor TitiuS. Dieser Herr gehörte ftüher der nationalsozialen Gruppe an. Dieser Tage hat nun der Herr Professor in Kiel seine Kandidatenrede gehalten. Die Rede zeigt, daß der Freisinn ich in den» Kandidaten nicht geirrt hat und daß auch die Nationalliberalen mit ihm zufrieden sein können. Nach einer ehr an die auf dem evangelisch-sozialen Kongreß gehaltenen Reden erinnernden Einleitung über die Bedeutung deS Libe- ralismuS ging der Redner,' ohne sich ö!e Mühe zu nehmen� seine Stellung zu den wuchtigsten politischen Tagesfragen zu präzisieren, auf die Gründe seiner Gegnerschaft zur Sozial- demokratte über. Die Sozialdemokratie handelt gegen die Interessen des Vaterlandes, weil sie in Flotten- und Militärfragen nie einen anderen als ablehnenden Stand- Punkt einnimmt, das Budget ablehnt, und das Ausland ständig gegenüber dem Saterlands lobend hervorhebt, sie ist antisozial, weil alle svKialen Gesetze gegen die Stimmen der Sozialdemokratie angenommen worden sind, sie will nichts von der Freiheit wissen, denn wer nicht Pariert, der fliegt hinaus.— Besser hätten das die Kopsch, Wiemer, Mugdan und die Agitatoren des Reichsverbandes auch nicht sagen können. Die„Kieler Zeitung" sucht die Anerkennung für ihren Kandidaten aus aller Welt zusammen. Hat da kürzlich der „Vorwärts" den evangelisch-sozialen Kongreß besprochen und dabei Herrn Titius einen sympathischen, persönlich acht- baren Theologieprofessor genannt, von seiner Rede aber ge- sagt:„Eine schöne, gutgemeinte Rede, die nicht gerade an einem Ueberschuß von Klarheit litt, aber gerade deshalb so erbaulich ethisch und christlich-sozial klang." Das hielt die „Kieler Zeitung" für eine so schöne Empfehlung ihres Kan- didaten, daß sie es ihrem Leserkreise brühwarm in ent- sprechender Aufniachung servierte. Sie sind sehr bescheiden mit ihren Ansprüchen an den Kandidaten, die Kieler Frei- sinnigen._ Das Ende des Reichsinvalidenfonds. Im Haushalt für 1911 ist als Restbestand des ReichSinbaliden- fonds ein Betrag von 7,5 Millionen Mark vorgesehen. Nach den Ausgaben, die für das Jahr 1910— nach dem soeben erfolgten Abschluß— erwachsen sind, und nach dem Ergebnis der für Rechnung deS Reichsinvalidenfonds stattgehabten Verkäufe an Effekten stellt sich der für 1911 verbleibende Nest tat- sächlich auf 8,8 Millionen Mark. Dqs bedeutet also ein Mehr von 1,3 Millionen. Nach dem Haushialtansotz für 1911 belaufen sich die Ausgaben sür Pensionen der Kriegsinvaliden auf 32,5 Millionen. Unter der Voraussetzung, daß dieser Haushalts- ansah durch die Ausgaben nicht überschritten wird, werden die zur Ergänzung aus den allgemeinen Reichsmitteln zur Verfügung gestellten 25 Millionen Mark nicht voll in Anspruch genommen werden. Da die Pensionen aus dem Jnvalidenfonds bekanntlich monatlich im voraus be- zahlt werden, so ist gegenwärtig durch die bereits für 3 Monate erfolgten Zahlungen der Reichsinvalidenfonds, dessen einstige Höhe sich auf 561 Millionen Mark belief, nunmehr endgültig aufgezehrt. Infolge- dessen werden sich die Beträge, die sür die Kriegsinvaliden aus all- gemeinen Reichsmitteln bereitgestellt werden müssen, für das nächste Haushaltsjahr voraussichtlich auf rund 32 Millionen Mark belaufen._ Landwirtschaftliche Unternehmerverbände. Während den Landarbeitern hartnäckig immer noch daS Koalitionsrecht verweigert wird, breiten sich die ländlichen Unter- nehmerverbände immer mehr auS. Nach einem Vortrage des Direktors teins vom Deutschen Arbeitgeberverband für Landwirtschaft in önigsberg will der ländliche Unternehmerverband in erster Linie nicht eine KampfeSorgamsation sein, sondern„am sozialen Werk mit- arbeiten". Der deutsche Arbeitgeberverband für Landwirtschaft wurde im Oktober 1908 in Schleswig-Holstein, gegründet und zählt heute reichlich 11 600 Mitglieder. An 12 verschiedenen Orten hat er eigene Nachweise eingerichtet. Er steht mit den industriellen Unternehmer- verbänden in einem festen Kartellverhältnis, um die Ueber- Weisung von Arbeit und Arbeitern zu erleichtern. Der deutsche Arbeitgeberverband für Landwirtschaft bekämpft vor allem den Kontraktbruch; die„kontraltfesten Leute' werden vom Verbände in jeder Weise bevorzugt, u. a. erholten fis auch unentgeltliche Rechtsauskunft.-— Auch dann, wenn Arbeiter gegen ihrm„Herrn" klagen wollen? Der Verein ostpreußischer Landwirte beschloß nach dem Vor- trage Heins seinen Beitritt zum Arbeitgeberverbande für Land- Wirtschaft._ Ueber den Militärboykott wurden auf dem in Braunschwetg abgehaltenen 38. Deutschen Gast wirtStage interessante Mit- teilungen gemacht. Stadtverordneter Froherz-Magdeburg er- zählte, daß ihm eine Geheimverfügung des Kriegs- Ministeriums in Sachen Boykott der Wirtschaften bekannt geworden sei, von der er wünschen möchte, daß sie offiziell wäre. Er bedauerte, daß von feiten des Kriegsministeriums diese Verfügung vertraulich behandelt wurde. Es gibt hier- nach ein dauerndes und ein tageweises Verbot. Ein dauerndes Verbot 4ft zu erlassen für Wirtschaften, deren Wirt und Besucher derart sind, daß eine Myral und Manneszucht gefährdende Beeinflussung des Militärs nicht aus- bleiben kann. Das tageweise Verbot wird erlassen für Wirt- schaften, von deren ständigen Besuchen im allgemeinen kein schlechter Einfluß auf die Mannschaften zu erwarten ist und deren Besitzer an sich zwar anständige Leute sind, die aber mit Rücksicht auf ihre Existenz ihre Räume allen Parteien zur Verfügung stellen müssen. Das teilweise Verbot wird erlassen unter der Bedingung, daß der Wirt sich verpflichtet: 1. die Militärbehörde von einer stattfindenden bevorstehenden sozial- demokrattschen Versammlung rechtzeitig zu verständigen. 2. an dem betreffenden Tage am Eingang zu seinen Räumen ein Plakat auszuhängen:„Politische Versammlung. Für Militär verboten I" Das preußische Kriegsininisterium hat sich noch nicht einmal zu einem solchen Erlaß entschließen können, der wenigstens einigermaßen den Militärboykott mildert. Die Hauptleidtragenden bei dieser militaristischen Boykottpraxis sind natürlich die Gastwirte. Wenn die Herren, die den Rilitärboykott verhängen, eine blaße Ahnung von der Ent» wickclungsgeschichte der Sozialdemokratie hätten, müßten sie ich sagen, daß mit solchen Nadelstichen die Arbeiterbewegung nicht aufzuhalten ist. Von der Mißstimmung, die unter den Gastwirten herrscht, zeugt folgende Resolution, die in Braun- 'chweig einstimmig angenommen wurde: „Der in Braunschweig versammelte Achtunddreißigste deutsche Gastwirtetag spricht seine volle Befriedigung über den Geschäfts- bcricht aus, soweit der Inhalt die Tätigleit der leitenden Personen betrifft. Leider kann dieser Ausdruck der Befriedigung nicht auch auf den Teil des Berichts ausgedehnt werden, welcher die A n t- Worten aus die an die Behörden eingereichten An- träge und Petitionen enthält. Hierzu gehört die Einschätzung unseres Gewerbe» in persönlicher und sachlicher Beziehung. Die Ablehnung der Fähigkeit, ein ö f f« n t l i ch e«« m t zu bekleiden. die Verweigerung der Zahlung von Z e u g e n g e b ü h r e n an unsere Berufsgenossen zeigt eine so geringe Einschätzung der deutschen Gastwirte, daß es eigentlich unverständlich ist. wie schnell sich die Behörden und Körperschaften der von ihnen so minderwertig eingeschätzten Personen und Gewerbe wieder erinnern. wenn sür allgemeine Bedürfnisse neue Steuern aufzubringen sind. Gegen diese unser Gewerbe herabwürdigenden Zustände erhebt die Versammlung energisch«« Protest. Eine Aenderung dieler Zustände ist nur von einer anderweitigen Zu- sammensetzung des Reichstages zu erwarten, es muß deshalb dringend gefordert werden, daß sich die G a st w i r t e einmütig an den bevor st ehe n den Reichstags- Wahlen beteiligen, damit endlich ein Reichstag zusammen- kommt, der seine Beschlüsse nach dem Grundsatz: Gleiche Rechte, gleiche Pflichten faßt."_ Die Neuwahlen zum neuen elsah-lothringischen Landtage werden voraussichtlich im Oktober d. I. stattfinden. Nachdem das neue VerfassungS- und Wahlrechtsgesetz für Elsaß-Lothringen am 31. Mai in Kraft getreten ist, sind die Arbeiten für die Ausarbeitung der neuen Wahlordnung für den elsaß-lothringischen Landtag von der Straßburger Regierung unverzüglich in Angriff genommen, so daß sie in nächster Zeit veröffentlicht werden können. Im ganzen handelt es sich um nenn verschiedene Wahlordnungen für die erste und für die zweite Kammer. Der elsaß-lothringische Landtag wird im Herbst zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen werden, um die Steuergesetze zu verabschieden. Zur Etatsberatung wird der Landtag alsdann erst nach den ReichstagSwahlen im Februar ein- berufen werden._ Hohe Einquartierung auf der Kaiserjacht„Hohenzollern". Man schreibt unS aus Kiel: ES ist sonst zwar streng verboten, Arbeiter von Privatunter- nehmern, die auf Kriegsschiffen Arbeit verrichten, dort zu verpflegen. Auf der Kaiserjacht.Hohenzollern" wird davon jetzt jedoch eine Aus- nähme gemacht. Es handelt sich allerdings um eine Person, die zu den Menschenkindern gehört, über deren Ehre Polizei, Staatsanwälte und Richter fast genau so eifrig wachen, wie über die Ehre der Majestät. Die.Hohenzollern" wird nämlich renoviert. Die Arbeiten führt die Hoflieferautenfirma Nebendahl-Kiel aus. In Kiel streiken aber die Tapezierer und die Firma Nebendahl arbeitet mit Streik- blechern. Um nun dem Arbeitswilligen, der die Tapezierarbeiten auf der.Hohenzollern' ausführt, den nötigen Schutz zu gewähren, logiert er auf der Kaiserjacht in der Kammer, die sonst für die Kammerjungfer der Kaiserin reserviert ist und wird auch auf dem Schiffe verpflegt. Es wäre interesiant zu erfahren, ob die Ver- pflegung auf Kosten der Steuerzahler erfolgt. Die Min-erunruken. Aus Paris wird uns geschrieben: Die Schwierigkeiten in der Champagne sind noch nicht beseitigt. Die Bewohner des Aube geben sich begreif- licherweise damit nicht zufrieden, daß sie. weil sie im Vergleich mit der Marne die Schwächeren sind und weniger groß- kapitalistische Interessen für sie wirken, die Opfer der Staats- raison sein sollen. Daß sich in ihrer Revolte Züge der modernen revolutionären Arbeiterbewegung mit stockreaktionären Elementen mischen, darf nicht wundernehmen. Eine Vendee sieht einer Jacquerie immer ähnlich. Aber die roten Fahnen, die„Internationale", der„Antimilitarismus", der bis zur Weigerung geht, an Soldaten Lebensmittel zu verkaufen, werden außer bei den oberflächlichen Beurteilern. die hier- zulande selbst die türkische Revolution als„antimilitaristisch" bejubelt haben, schwerlich Illusionen wecken. Im Grunde beweisen diese Erscheinungen nur, wie recht diejenigen hatten, die seinerzeit in den Erfolgen der hervsistischen Agitation— des älteren antimilitaristischen Stils— in der Ionne nur eine Aeußerung des alten, lokalbornierten und dem modernen Nationalstaat noch verständnislos gegenüber stehenden Bauernegoismus gesehen haben. Dazu gehören denn auch die„antipatriotischen" Albernheiten der Anbe-Bauem, die ja wohl zum großen Teil überhaupt nur dem Wunsch, die Behörden möglichst zu ärgern, entsprungen sind. Man wird also gut tun, ihren roten Fahnen auf den Rathaustürmen und Kirchen nicht mehr Bedeutung zu geben als ihrer Widmung der Champagne an Wilhelm II. Entrüstete Worte. Paris, 18. Juni. Die Deputierten des Aube-Departements er- ließen einen Aufruf an die republikanischen Winzer. in dem sie ihre Entrüstung über die baterlandsfeindlichen Kundgebungen ausdrücken und erklären, daß deren Urheber die ärgsten Feinde der Sache der Winzer feien. Oesterreich. Genosse Liebknecht in Asch. Deutsche bürgerliche Blätter verbreiten über Zusammenstöße im Anschluß an die Versammlungen, die Genosse Liebknecht in Böhmen abhielt, die abenteuerlichsten Meldungen. Diese sind frei erfunden. Liebknecht sprach am Sonnabendabend in Asch, am Sonntag, morgens, mittags und abends in drei anderen Orten des Ascher Wahlkreises in öffentlichen politischen Versammlungen über das Thema:„Die Sozialdemokratie und ihre Gegner". Trotz aller Hetze wurden diese Versammlungen gestattet, die überall einen ganz vortrefflichen Besuch und eine glänzende Stimmung aufwiesen. Sie wurden von dem Adjunkten Dr. Schwarz als Regierungsvertreter überwacht. Die Bersammlung in Asch verfiel der Auslösung, als Liebknecht den letzten Satz einer eineinhalbstündigcn Rede aussprach; diejenige in Neuberg brachte zwar mehrere Unter- brechungen durch den Regierungsvertreter, die Auflösung erfolgte jedoch erst, als nach Liebknecht der Kandidat Genosse Hillebrand die Regierung heftig angriff. Die anderen Versammlungen verliefen völlig ungestört. Bon gewaltsamen Zusammenstößen unserer Genossen mit der Gendarmerie, die aller- dingS in Asch mit große m Aufgebote angerückt war. ist keine Rede. UebrigenS konnten die Auflösungen unsere Genossen nicht hindern, b Minuten nach Räumung der Säle die auf den Straßen harrende Menge zur Abhaltung einer W ä h l e r Versammlung wieder hineinzuberufen.tund so ganz auss Haar all-sjdaS zu Ende zu führen. was geplant war. Solche Wählerversammlungen bedürfen in Oesterreich keiner Anmeldung, sie dürfen nicht überwacht und nicht aufgelöst werden. Schwe»?. Die Krankenversicherung« Bern, 13. Juni. Das Gesetz betreffend dieKranken-und Unfallversicherung der Arbeiter ist vom Nationalrat mit 13« gegen lg Stimmen, vom Ständerat«instimmig angenommen worden. Frankreich. Ein gewonnenes Mandat. PanS, 12. Juni.(Eig. Ber.) Im Wahlkreise von N i o m iDep. Puy de Donie) wurde gestern im zweiten Wahlgange Genosse Dr. C l a u s s a t mit 12 345 Stimmen zum Deputierten gewählt. Der Bezirk war ehedem von einem Radikalen ver- treten. Claussat hatte im ersten Wahlgang 9166 Stimmen erhalten. Seine beiden Gegenkandidaten— ein Radikaler und ein unabhängiger Sozialist— traten wegen ihrer Aussichts- losigkcit zurück. ßelgieii. Das neue Ministerium. Brüssel, 13. Juni. DoS neue Kabinett wird sich morgen AjjijixS lpnstitjtijjrW Es bchcht gul jolge�ev RitgliMs*51 alten Kabinctis: Präsidium und Ministerium ScS Innern d e Broqueville, Justiz B e r r y e r, Auswärtige Angelegen- heilen D a v i g n o n, Kolonien R e n k i n, Industrie und Arbeit Hubert, Krieg General Hellebaut, und aus folgenden neuen Mitgliedern: Finanzen Levie, Kunst und Unterricht Poullet, Verkehr Carton de ZFiartj Ackerbau und öffentliche Arbeite!! vavdeVyoere, �~ Cürkeu Der Aufstand in Albanien. Konstantiuopel, 12. Juni. Zuständige Stellen im Ministerium des Aeußern erklärten, die Pforte habe von Anfang an nicht die Vernichtung, sondern die Unschädlichmachung der Aufständischen geplant. Nachdem dies erreicht sei, werde sie einen letzten Versuch machen, mit Milde vorzugehen. Wahrschein- lich werde der Oberkommandant von Albanien morgen einen Aufruf erlassen, in welchem den Ausständischen eine zehntägige Frist zur endgültigen Unterwerfung gegen das Versprechen der Amnestie zugestanden werde. Nach Informationen der Pforte ist ein montenegrinischer General an der Grenze eingetroffen, um die flüchtigen M a- l i s s o r e n aufzufordern, sich den türkischen Behörden zu unter- werfen._ Reformen statt Kanonen. T o r g h u t Pascha soll den Befehl erhalten haben, die B e- kämpfung der Aufständischen einzustellen und die Häupter der verschiedenen Stämme zu sich zu laden, um über ihre Forderungen zu verhandeln. Gegenwärtig finden rege Vec- Handlungen zwischen der Regierung und Torghut jtqtt, um sofort Reformen im Vilajet Skutari einzuführen. MroKKo. Deutsche Marokkohetze. Angesichts des Konflikts zwischen Frankreich und Spanien kann natürlich die„Rheinisch-We st sälische Zeitung" ihr Hetzbedürfnis nicht verkneifen. Sie versucht die deutsche Regierung scharf zu machen und schreibt in dem ihr eigenen Naturburschenstil, der Algecirasvertrag bestehe, wie guter Schweizerkäse, überhaupt nur noch aus Löchern. In Berlin aber sehe man noch immer das schöne Blatt Papier. Man habe ein- mal erklärt, e i n Loch würde genügen, um für Deutschland die völlige AktionSfreiheit wieder gewinnen zu lassen. Aber vor dieser Aktionsfreiheit fürchte man sich offenbar. Für die Herren in der Berliner Wilhelmstraße lasse sich kaum eine größere Qual denken. Spanien, das in der Reihe der Großmächte schon lange nicht mehr zähle, habe den Mut, den Franzosen einfach durch die Tat zu beweisen, daß man ebenso gewandt wie sie sei, Löcher in den Fetzen Papier zu machen. Und dann schwingt sich die„Rheinisch- Westfälische Zeitung" zu folgenden pathetischen Wendungen auf: „Mut, ihr Herren in der Berliner Wilhelmstraße! Frankreich wird Spanien, dem kleinen Spanien, gewiß nicht den Krieg er- klären, weil es seine„völlige Aktionsfreiheit" auszunutzen weiß! Ihr erzittert feststellen zu müssen, daß Ihr die Aktionsfreiheit wiedergewonnen habt. Wird in Zukunft noch ein deutsches Wort als ein Wort hingenommen werden? Die Politik ver- langt auch einmal eine Tat!" Die französischen Zelte vor den Mauern von Fez würden zum traurigen Symbol werden, für die Art,„wie die deutsche Regierung deutsche Volks belange (deutsch-national verderbtes Wort für Volksangelegenheiten d. Red. d. V.) vertritt, wie die deutsche Regierung die mufige Tat, den Entschluß zur Tat flieht!"> Eine diplomatische Aktion Frankreichs. Paris, 12. Juni. Nach einer als offiziös angesehenen Meldung hat die französische Regierung die Signatarmächte der Algeciras- alt» davon verständigt, daß sie den Maßnahmen Spaniens in der Gegend von Elksar ihre Zustimmung ver- weigere._ Das Verhalten Spaniens. Madrid, 12. Juni. Deputiertenkammer. Auf Anfrage erkläre Ministerpräsident Canalejas, von den zurzeit über Marokko verbreiteten Nachrichten widersprächen sich die einen, während die anderen unrichtig seien. Mit Ausnahme der in Tanger erhobenen Reklaination, auf die bereits eine Antwort gegeben sei, sei alles andere unrichtig. Der Ministerpräsident fügte hinzu, Spanien ver- folge den geraden Weg der Verträge und erfülle genau seine Pflichten. Die Haltung Spaniens könne seiner Meinung nach keinen ernstlichen Konflikt motivieren, sie sei nur die natürliche An- Wendung der Verträge.— Der Finanzminister hat einen Gesetzent- Wurf eingebracht, in dem 14 Millionen für den Ankauf von Material für die Armee und Marine gefordert werden. Paris, 13. Juni. Die Agenee Havas meldet aus Larrasch vom 12. Juni: Infolge des Protestes RäisuliS, der versicherte, daß die Stadt und ihre Umgebung ruhig sei, haben die Spanier auf eine Landung in Arzila verzichtet.— Aus Elksar wird vom 11. Juni gemeldet: Als die Spanier in die Stadt einziehen wollten, machte ihnen der Pascha den Vorhalt, daß er über eine genügende Garnison verfüge, um den Polizeidienst versehen zu können. Pari», 13. Juni. AuS Tanger wird gemeldet, daß der von El Gebba» gegen die Besetzung von Larrasch durch Spanten erhobene Einspruch zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Spanien und Marokko führen würde, falls die Madrider Regierung die gleiche unversöhnliche Haltung beobachten sollte Wie ihr Ge- sandter in Tanger. Einnahme pon Mekincs durch die Franzosen. Pari«, 13. Juni. Aus Mekines wird der Agence Havas unter dem 8. Juni gemeldet: Die Truppen langten um 1 Uhr 30 Minuten nachts nach einem Tagemarich, der durch Gelände- schwierigkeiten und unaufhörliche heftige Angriffe der Feinde sehr erschwert worden war, unter den Mauern von Mekines an. Der Kampf begann früh ß'/i Uhr und dauerte bis gegen 1 Uhr. Nachdem die Truppen den Fluh passiert hatten, marschierten sis gegen Agedal. In der Nähe dieses Ortes zerstreuten sie die letzten feind- licheu Gruppen und betraten endlich die Gärten deS Sultans. Kurz darauf trafen eine Abordnung von Natabeln und der Machsen des Prätendenten Mulay Zin ein, um ihre Unterwerfung anzu- bieten. Ter General versprach, daß das Leben Mulay ZinS ge- schont werden solle. Am Abend erschien Mulay Zin zu einer Ae- sprechung mit General Mo inier.— Bei dem Kampfe fiel auf Seite der Franzosen ein Mann, fürs Mann Wurden verwundet. Die Feinde sollen fünfzig Tote haben. Hm der partel* Macdonald und Wilhelm II. Die Begegnung MacdonaldS. de« Sekretärs der englischen Ar- beiterpartei, mit Wilhelm II. hat sicher beiden Persönlichkeiten eine gewisse Befriedigung gewährt. Denn beide scheinen eS nicht un- gern zu sehen, wenn in der Oeffentlichkeit manchmal von ihnen die Rede ist. Und für Macdonald wurde die Pikanterie noch dadurch er- höht, daß ihm ja vor einiger Zeit von der deutschen Polizei das Reden in Kiel verboten worden war. Und jetzt konnte er mit Wilhelm II. reden ganz ohne polizeiliche Ueberwachung! Während aber die nüchternen Deutschen mit einem Lächeln über diese Begegnung hinweggegangen sind, beschäftigen sich die Engländer die eine Schwäche für jeden höfischen Schnickschnack haben, damit ziemlich eingehend. Unsere Genossen von der Unabhängigen Lr» beiterpartei finden eS etwas abgeschmackt, daß Macdonald sich gerade mit dem Monarchen zu schaffen gemacht hat, der gegen das organi- sserte und klassenbewußte deutsche Proletariat so harte Reden zu führen gewohnt ist, und verschiedene Mitgliedschaften der I. L. P. haben deswegen in Resolutionen gegen Macdonald Stellung ge- nommen. Der„Labour Leader' veröffentlicht nun einen etwas mysteriösen Brief eines Eingeweihten(1), den man in Deutschland nicht ohne ungetrübte Heiterkeit genießen wird. So heißt es: „Aber er(Macdonald) ist nicht einmal in der Lage, sich zu verteidigen, denn er kann nicht in Anbetracht der Natur der Sache(I) vor der Oeffentlichkeit diskutieren, wie er das Für und Gegen erwog, auch kann er nicht erklären, ob ihn die Neugierde, die hohe Politik oder sonst etwas hingehen hieß. Man braucht einem Menschen. der die Etikette dieser Zusammenkünfte kennt, nicht zu sagen, daß die Einladung nicht von Lord Haldane kam; der K a i s e r muß es selbst kund gegeben haben(und wenn schon?), daß er Herrn Macdonald zu sehen wünschte. Als die Arbeiterparteiler vor einigen Jahren in Deutschland waren, machte eine Rede über den Frieden und die englisch-deutschen Be- z i e h u n g e n, die Herr Macdonald im Reichstage hielt, auk den damaligen Minister des Innern einen großen Eindruck. Dieser Minister ist jetzt Reichskanzler. Man muß(?) annehmen, daß diese Tatsache etwas mit dem Essen und der Zusammenkunft zu tun hatte.... Natürlich muß Herr Macdonald außer im Privatgespräch schweigen, aber da ich zufälligerweise etwas über die Umstände weiß, glaubte ich, daß etwas gesagt werden müsse, um anzudeuten, daß die Tatsachen nicht alle an ber Oberfläche liegen.' Man wird zugeben, der Eingeweihte versteht sich auf Reklame. Er meint zwar zunächst bescheiden, daß es„Neugierde" gewesen sein kann. Aber diese Bescheidenheit hält nicht lange vor. Da war eine FriedenSrede, von der wir jetzt auf einem Umwege und mit einiger Verspätung erfahren, daß sie großen Eindruck gemacht habe, wenigstens auf Herrn v. Bethmann. Hoffen wir nur, daß nicht gerade diese Rede den Herrn Reichskanzler zu seiner brüsken Ablehnung der Schiedsgerichts- und Abrüstungsvorschläge veranlaßt hat. Und dann gibt eS noch allerhand Unsagbares,— alles natürlich„hohe Politik'—, die Wilhelm II. und Herr Macdonald miteinander traltiert haben. Wir fürchten nur, auch die mysteriösen Andeutungen von Dingen, die nicht an der Oberfläche liegen, wird in Deutschland und namein- lich bei den deutschen Arbeitern ein unehrerbietiges Gelächter wecken. Denn die deutschen Arbeiter verlassen sich lieber auf ihre politische und gewerschaftliche Organisation und glauben nicht, daß auch nur die kleinste Entscheidung im Klassenkampf durch UeberredungS- künste bei monarchichen Festessen beeinflußt werden kann. Macdonald ist kein Marquis Posa und Wilhelm II. kein Philipp, und was bei Schiller noch Stoff eines Trauerspiels war, wirkt im 20. Jahrhundert nur noch als Burleske. Da ist's doch für alle Teile am besten, wir bleiben bei der Annahme der»Reu» g i e r d e_ Oldenburgische Landeskonferenz.* Am Sonntag fand im Oldenburger Gewerkschaftshause eine Landeskonferenz der sozialdemokratischen Partei Oldenburgs statt, aus der zu den im Herbst stattfindenden Landtagswahlen Stellung genommen wurde. Vertreten waren 20 Orte, die Bezirks- und Kreisvorstände und die sozialdemokratische Landtagsfrakticm. In seinem Refemie wies Parteisekretär S ch u l z- Rüstringen darauf hin, daß die bevorstehende Wahl die erste nach dem neuen Wahl- gesetz mit direkter Wahl sei. Die Aussichten unserer Partei seien, abgesehen von Rüstringen, wo die Wiederwahl der vier sozialdemo- kratischen Vertreter sicher sei, schwer im voraus abzuschätzen, erst recht, da durch die Bestimmungen des neuen Wahlgesetzes jeder Ver- gleich mit früheren Wahlen ausgeschlossen sei.— Beschlossen wurde, Möglichst in allen 22 Wahlkreisen, die im ganzen 36 Abgeordnete zu wählen haben, Kandidaten aufzustellen und den Wahlkainpf mit voller Kraftcntfaltung aufzunehmen. Bon ber Parteipresse. An Stelle des Genossen S t r o i n s k i, der am 1. Juli die politische Redaktion deS Zeitzer„Volksboten" übernimmt, wurde Genosse Mitzkat aus Mägdebtzrg zum Redakteur der„Brandenburger Zeitung" gewählt. Jugendbewegung. Di«„aufgelöste" Kölner Jugendbewegung hat durch eine äußerst imposante Protestkundgebung, die Saal und Galerien des Kölner Volkshause» vollständig füllte, dem Kölner Polizeipräsidenten, der den„Verein Freie Jugendbewegung Köln" auflöste und dem RegiernngSpräfidenten, der die Auflösung bestätigte, bewiesen, daß sie trotz der bebördlichen Maßnahmen weiter zu existieren sich erlaubt. Der Borsitzende des Kölner Jugend- ausschusseS, Redakteur W. S o l l m a n n, nahm sich das in der Sonntagsnummer deS„Vorwärts" bereits skizzierte Schreiben des Regierungspräsidenten vor. Er bezeichnete eS als ein starkes Stück, aus den Verhandlungen des Nürnberger Parteitages den politischen Charakter der Jugendbewegung herleiten zu wollen; denn dort sei ebenso wie aus dem Hamburger Gewerkschaftskongreß die Jugendfrage gerade deshalb behandelt worden, um die Entstehung politischer Jugendorganisationen zu verhindern. Der BereinScharalter der Jugendbewegung sei auf das entschiedenste zu bestreiten. Die Be» hauptung des Polizeipräsidenten, daß die freie Jugend mit polt» tischen Kundgebungen hervorgetreten sei. habe der RegierungS- Präsident fallen lassen müssen, weil ihm dafür jeder Beweis fehlt. Um diese beiden Herren zur Vorlegung ihrer„Beweise" zu zwingen. habe der Jugendausschuß Klageveim OberverwaltungS- e r i ch t gegen die AuflösungSverfügung erhoben. Wie auch iese« entscheiden werde: keinen Augenblick lasse der Jugendausschuß sich in der Arbeit hindern- denn durch einen etwaigen gerichtlichen Fehlspruch könne daS RetchSveroinSgesetz nicht außer Kraft gesetzt werden. Der Redner unterbreitete ein auSgiebiges Material, wonach daS, was der freien Jugend fälschlich nachgesagt wird, in den bürgerlichen Jugendorganisationen tatsächlich in großem Umfange ge- schieht: sie treiben in Wirklichkeit Politik; ohne aufgelöst zu werden. Statt der unberechtigten Bekämpfung der freien Jugend sollte die Polizei sich um eine energische Durchführung der vunr Unternehmertum mit Füßen getretenen Jugendschutzgesctze bemühen. Nach der Versammlung bewegten sich die jungen Teilnehmer in endlosem Spaziergange außerhalb der Stadt. Sie erregten in den stark belebten Straßen allgemein sympathische Aufmerksamkeit. ES kam zu keinerlei Zwischenfällen, da die Polizei sich reserviert verhielt. Soziales* Ueberstundenverweigerufts als Entlassungsursache. Der Arbeiter Sch. war von der Firma Wagner u. Co., Buch- druckerei, fristlos entlassen worden, weil er sich eines Abends, an dem«r das Theater besuchen wollte, weigerte, Ueberstunden zu leisten. Da achttägige Kündigungsfrist vereinbart worden war, klagte er beim Gewerbegericht auf Zahlung einer Entschädigung pon 22 M. Die Beklagte ist der Ansicht, daß das Verhatten des Klägers einer beharrlichen Arbeitsverweigerung gleichkomme und somit zur fristlosen Entlassung berechtige, denn der Kläger sei am fraglichen Abend extra aufgefordert worden, die Ueberstunden zu leiste». Auch sei ihm beim Engagement gleich gesagt worden, daß er fast täglich Neberstunden leiste» müsse. Das Gericht vermochte jedoch in der einmaligen Verweigerung der Ueberstunden keinen Grund zur so- sortigen Entlassung zu erblicken und verurteilte die Firma ent. sprechen� dem Klageantrage.,- GewevkrcbaftUchea. Der„Gruncl stein", üaS Organ des Deutschen Bauarbeiterverbandes, hat mit der soeben erschiene»� Nummer 24 eine Auflage von 301 000 erreicht. Das Blatt erschien am 15. September 1877, also vor fast 36 Jahren, zum erstenmal als kleines Blättchen in einer Auflage von etwa 2000 Exemplaren. Sein Bc- gründer war Paul G r o t t k a u, der damalige Präsident des Deutschen Maurer- und Steinhauerbundes, dessen wirklicher Name nach einer Mitteilung seines Freundes Albert Paul Paul Handt war. Im Dezember 1878 fiel das Blatt dem Sozialistengesetz zum Opfer. Sein Nachfolger war der voni Regierungsbaumeister Keßler redigierte„Bauhandwerker", der am 1. Juni 1884 zum erstenmal herauskam und ini Juni 1886 gleichfalls verboten wurde.' Inzwischen hatten bau- gewerbliche Arbeiter in Hamburg(der erste„Grundstein" und der„Bauhandwerker" waren in Berlin erschienen) den„Neuen Bauhandwerker" herausgegeben: aber auch er wurde im Juni 1888 wieder verboten. Ihm folgte der neue „Grundstein", der von da an ununterbrochen das Blatt der deutschen Maurer war, aus dem Fuße. Bei der Verschmelzung der Verbände der Maurer und Bauhilfsarbeiter zum Deul- schen Bauarbeiterverband wurde der„Grundstein" als Organ des neuen Verbandes beibehalten, während der 1889 ge- gründete„Bauarbeiter", der später in„Der Arbeiter" und „Ter Bauhilfsarbeiter" umgetauft wurde, sein Erscheinen einstellte. Der„Grundstein" war seit seinem Bestehen in sozio- listischem Geiste redigiert: er hat in der Zeit seines Bestehens manches Samenkorn ausgestreut und manchen Kämpfer für die Sache des Proletariats gewonnen. In manchem dunklen, von der Geistlichkeit beherrschten Dorfe, wo vor 10 oder 15 Jahren noch kein sozialistischer Agitator erfolgreich wirken konnte, hat er langsam und systematisch den Boden für spätere Erfolge geebnet. Er konnte das vielleicht besser als alle ande- reu Göwerkschaftsblätter, weil ein sehr großer Prozentsatz seiner Leser auf dem Lande wohnt.— In den ersten Jahren seines Bestehens stieg die Auflage des„Grundstein" nur lang- sam. Erst gegen Ende der neunziger Jahre des vorigen und Anfang dieses Jahrhunderts, als die Besserung der Kon- junktur und die Stärke der Kassen den Gewerkschaften die Möglichkeit zu erfolgreichen Kämpfen und dadurch zur Ge- Winnung neuer Mitglieder gab, stieg die Auflage rascher. Am 2. Mai 1903 waren es 100 000, am 8. Oktober 1904 150 000 und am 30. Juni 1906 200 000 Exemplare. Die höchste vor der Verschmelzung erreichte Auflage hatte der„Grundstein" im Sommer 1906 mit 208 000 Exemplaren. Im Herbst und Winter 1906 trat dann, wie alljährlich, wenn viele baugewerb- liche Arbeiter von ihren Arbeitsorten nach Hause reisen, ein ziemlich starker Rückgang ein. 1907 machten dann der un- glückliche Berliner Kampf und die abflauende Konjunktur der weiteren Steigerung ein Ende, ja, die Auflage sank während der schlechten Konjunktur sogar auf 175 000. Als sich aber 1909 die Konjunktur wieder besserte, stieg auch die Auflage des„Grundstein" wieder, so daß das Blatt 1910 zeitweilig in mehr als 200 000 Exemplaren erschien. Nach der Ver- fchmelzung mit dem Bauhilfsarbeiterverband kam es zunächst in über 280 000 Exemplaren heraus: als sich aber die Zweig- vereine richtig eingerichtet hatten, stellte sich heraus, daß diele Auflage viel zu hoch war, weshalb sie kräftig zusammen- gestrichen wurde. Aber dann gingen die baugewerblichcn Ar- beiter energisch an die Agitation: in wenigen Monaten wurden viele Tausend neue Mitglieder aufgenommen. Der Erfolg ist die Steigerung der Auflage auf 301 000. Es steht zu erwarten, daß die Steigerung in den nächsten Wochen noch anhalten wird, da ja die Konjunktur zurzeit sehr gut ist und die baugewerblichen Arbeiter diesen Umstand auch ferner gründlich zur Agitation ausnützen dürften. Beriln und Umgegend« Der Streik im Bauklempnergewerbe Groß-BerlinS dauert jetzt sechs Wochen, aber Aussicht auf Beilegung des Kampfes scheint gegenwärtig nicht vorhanden zu sein. Die Unternehmer, oder wohl vielmehr ihre Führer, glauben offenbar, sie könnten die Strei- kenden zu bedingungsloser Wiederaufnahme der Arbeit zwingen, was jedoch bei der unverbrüchlichen Einmütigkeit und Ausdauer in den Reihen der Arbeiter nicht gelingen wird. Es haben am Montag wieder einmal Verhandlungen zwischen den Vertretern der beiden Parteien stattgefunden. Sie haben 2% Stunden gedauert. sind aber ganz ergebnislos verlaufen. Ein Teil der Arbeit- gebervertreter hatte offenbar das Bestreben, auf Grund weiterer Zugeständnisse eine Einigung anzubahnen, traute sich aber wohl nicht damit hervorzutreten, da Herr Thom, der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes für das Bauklempnergewerbe, nichts davon wissen wollte. Herr Thom erklärte von vornherein, daß von dem Schiedsspruch nun nicht mehr die Rede sein könne. Die Arbeit- geber hätten dem Schiedsspruch nur unter der Bedingung zu- gestimmt, daß er auch von den Arbeitnehmern anerkannt werde, und hatten ihn schließlich abgelehnt, nachdeni Herr von Schulz ihnen gesagt habe, daß eine derartig bedingte An- erkennung nicht statthaft sei. Sollte wirklich eine Einigung zu- stände kommen, so müßten die Arbeitnehmer noch weitere Koy- zessionen machen und zwar hinsichtlich der Jungausgelernten. Die Arbeitgeber verlangten dabei 3 bis 4 Staffelungen des Lohnes und wollten weiter darauf Rücksicht genommen wissen, daß die Lehr- zeit in Süddeutschland nur drei Jahre dauert, gegenüber den vier Jahren, die in Norddeutschland üblich sind. Die Vertreter der Arbeitnehmer erklärten sich bereit, um die Verhandlungen nicht scheitern zu lassen, über diese Frage nochmals in ihrer Kommission zu beraten, wenn es dadurch möglich werde, die Arbeitgeber zur Bewilligung des Minimallohnes von 71 Vi und 79 Pf. zu veranlassen. Das erklärte jedoch Herr Thom für gänzlich aus- geschlossen, und um seinen gänzlich ablehnenden Standpunkt weiter zu demonstrieren, legte er den Vorsitz, den er bis dahin bei den Verhandlungen geführt hatte, nieder. Wenn nochmals ver- handelt werden sollte, so sei das Kartell der Arbeitgeber des Bau- gewerbes dafür zuständig und zwar unter Vorsitz des„unpartei- tschen" Herrn Heuer. Sie, die Arbeitgeber wollten kämpfen bis aufs Messer, meinte Herr Thom schließlich, und selbst wenn die Arbeiter den allgemeinen Streik ausheben und partiell vorgehen wollten, seien sie auch daraus gerüstet.— Daß Herr Heuer von den Arbeitgebern für zukünftige Verhandlungen als„unpartei- ischer" Vorsitzender gewünscht wird, mußte den Bauklempnern um so mehr wie eine Verhöhnung erscheinen, als er es war, der bei ihrem Streik im vorigen Jahre erklärte, daß, selbst wenn die Meister die Einigungsvorschläge annehmen würden, er dagegen sein werde. Die Streikenden haben sich gestern wiederum vollzählig in den Andreas-Festsälen versammelt. Dietrich berichtete über die Lage und die Verhandlungen mit den Arbeitgebern, und seine Ausführungen wurden noch von Diesner ergänzt. Eine Sitzung der Kommission und der Vertrauensinänncr hatte bereits vorher Stellung genommen und einstimmig beschlossen, der Versammlung zu empfehlen, den Streik mit unverminderter Kraft fortzusetzen. In der Versammlung zeigte sich dann auch, daß die Bauklempner alle ohne Ausnahme gewillt sind, im Kampfe auszuharren, bis der Verantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. In /eratenteil verantw.: Sieg errungen ist, und bei der Abstimmung wurde der Vorschlag der Kommission und Vertrauensleute einstimmig gutgeheißen. veittlckes Reich. Achtung! HeizungSmonteure, Rohrleger und Helfer. Bei der Firma Ernst Simon- Stettin, Fabrik für Heizungs-, Wasser- leitungs- und Aufzugsankagen haben die Heizungsmonteure, Rohr- leger und Helfer wegen Lohndiffereuzen die Arbeit eingestellt. Zu- ziig ist seruzuhalten._ Erfolgreich beendeter Kampf. Der Streik in der Stablbergschen Oelmühle in Stettin ist nach einer Dauer von neun Wochen zugunsten der Arbeiter beendet worden. Der Kamps brach aus. als ein Arbeiter aus einer Ab- teilung des Betriebes strasweise versetzt wurde und die Belriebs- leitung sich weigerte, die Versetzung zurückzunehmen. Die Arbeiter dieser Abteilung verließen den Betrieb; die andern Abteilungen wurden enllassen, weil sie sich weigerten, die Arbeit ihrer ausständigen Kollegen zu verrichten. Die eingeleiteten Verhandlungen schlugen fehl, da die Betriebsleitung verschiedene Arbeiter nicht wieder einstellen sollte und anßerdein eine solche Reduktion der Akkordsätze plante, daß sich der Tagesverdienst einzelner um 75 Pf. verringert hätte. Die Verbandsleitung wollte eingreifen, aber die Betriebsleitung durfte nicht mit dem Verbände verhandeln, da der Arbeitgeberverband es verboten hatte, der außerdem befahl, auf den Akkordabzügen zu be- stehe». Die Betriebsleitung versorgte sich aus Hamburg Hintze- brüder, mit denen sie aber nur trübe Erfahrungen machte. Die Bc- triebsleitung sah sich gezwungen, von den Akkordabzügen Abstand zu nehmen und auch alle ihre alten Arbeiter wieder einzustellen. Zigarettenarbciterstreik. In Hag en(Westfalen) haben die Zigarettenarbeiter der Firma W. Bauer die Arbeit niedergelegt. Die Zigaretten-Kompagnie Kestler-Hagen schloß mit ihren Arbeitern einen Tarifvertrag ab, der die neunstündige Arbeitszeit und Lohnerhöhungen festsetzt. Zuzug von Zigarettenärbeitern nach Hagen ist fernzuhalten. Tarifabschlnft im Brauereigewerbe z« Neumiinster. Nach langwierigen Verhandlungen ist ein Tarifabschlnß zustande gekommen. Die Arbeitszeit für das Winterhalbjahr wurde um eine halbe Stunde verkürzt. Als Lohnznlagen erfolgen sofort 1 M., im zweiten und dritten je weitere 75 Pf., so daß die effektive Lohn- zulage 2,50 M. bewägt.— Charakteristisch ist bei dieser Lohnbewegung, daß der gelbe Brauergesellenverein sich berufen fühlte, obwohl er, wie eine Anfrage ergeben hat, gar keine Mitglieder in der Brauerei hatte, einen Tarif abzuschließen. Nach Angabe der Brauerei wurde hierbei für die Brauer ein Wochcnlohn von 39 M. vereinbart. In dem mit dem Verband der Branereiarbeitcr ab- geschlossenen Tarif wurde dagegen ein Lohn von 39,59 M. vor- gesehen und will die Brauerei diesen erhöhten Lohnsatz auch im Vundestarif einfügen._ Auf Zeche„Glückauf-Segen" bei Dortmund wird nun schon ein Vierteljahr gestreiktl Am Freitag sollte die Ent- scheidung fallen, ob der Streik abgebrochen oder weiter geführt werden soll. Alle Mittel, den Streik aus dem Wege von Ver- Handlungen zu erledigen, sind erschöpft. Die Zeche wird gestützt und schadlos gehalten durch den Zechenverband. Die Herren be- trachten diesen Streik als eine Machtfrage. Deshalb legten die Organisationsvcrtreter den Streikenden die Frage nahe, ob es unter den Uinständen nicht geraten erscheine, den Streik abzu- brechen. Die Belegschaftsversammlung beschloß jedoch mit über- großer Mehrheit, den Streik weiter zu führen. Die Belegschaft ist standhaft und der Streik steht noch auf voller Höhe. Streik- brecher haben sich bisher so gut wie gar nicht gefunden. Leider fehlte es in der stürmischen Versammlung nicht an ungerechten Angriffen gegen die Streikleitung. Erfolgreiche Lohnbewegung der Frankfurter Gasarbcitcr. Die Frankfurter GaSarbeiter hatten Anfang Mai den im vorigen Jahre anläßlich eines Streiks abgeschlossenen Bertrag gekündigt und neue Forderungen eingereicht. Sie verlangten die neunstündige Arbeitszeit und entsprechende Lohnerhöhung. Es fanden nun zwischen der Verbandsleitung des Gemeinde- und Staatsarbeiterverbandes und der Direktion Verhandlungen statt, die zum Abschluß eines neuen Vertrages führten. Erreicht wurde eine Verkürzung der Arbeitszeit von 19 auf 3 Stunden für etwa 659 Arbeiter und eine Lohnerhöhung für zirka 899 Arbeiter von durchschnittlich 29, 39, 49 Pf. pro Tag, in einzelnen Fällen noch höher. Der vereinbarte Vertrag bedurfte aber noch der Zustimmung der Arbeiter wie de« Alissichlsrats der Gesellschaft. Die Arbeiter haben nun bereits in einer Versammlung Stellung genommen und dem Vertrage zu- gestimmt unter dem Vorbehalt, daß auch der Aufsichtsrat seine Zu- stimmung dazu erteilt. Voraussichtlich wird auch der Auffichtsrat, der am Montag, den 12. Juni, Sitzung hatte, den Vereinbarungen beitreten. Damit dürfte dann auch der Friede in diesen, für die Oeffentlichkeit so wichtigen Betrieben gesichert sein. Die im Zentralverband der Maschinisten und Heizer organi- sscrtcn Kranführer im Straßburger Hafengebiet können auf eine glücklich durchgeführte Lohnbewegung zurückblicken, durch die mit den niedrigen Löhnen gründlich aufgeräumt werden konnte. Bei den hauptsächlich in Betracht kommenden Speditionsfirmen betrug der Wochenlohn bisher etwa 26 M. Durch den abgeschlossenen Tarifvertrag wurde ein Mindestlohn von 39 M. für Kranführer und Elevatorführer, für Silomaschinisten und Reparaturschlosser ein solcher von 28,59 M. vereinbart. Die Sommerarbeitszeit wird im nächsten Jahre um eine halbe Stunde verkürzt. Die Arbeits- zeit beträgt dann im Sommer 19 und im Winter 854 Stunde. Der Tarifvertrag gilt für 4 Jahre. Für Ueberstunden werden 79 Pf., für Nachtarbeit 99 Pf. und für Sonntagsarbeiten 1 M. vergütet. ZZuslsrnd. Beginnender Lohnkampf im Baugewerbe Schwedens. Unter Führung des Zentralen Arbeitgeberverbandes hatten die Arbeitgeber der Bauberufe in Schweden zu Anfang dieses Jahres die lokalen Tarifverträge gekündigt, um teilweise Verschlechterungen der Lohn- und Arbeitsverhältnisse durchzuführen. Die Tarife waren am 1. April abgelaufen und neue waren nicht zustande gekommen, trotz aller Verhandlungen und Bemühungen der SchlichtungSbeaintcn. Vor einer allgemeinen Aussperrung scheuten die Unternehmer sich, und überdies wäre eine solche Maßregel auch ohne Bruch noch be- stehender zentraler Verträge nicht möglich. Sie suchten aber gleichivohl die geplanten Verschlechterungen durch- zusetzen. Die Arbeiterschaft der Bauberufe ist nicht gewillt, sich das bieten zn lassen, und ist jetzt bereits in mehreren Orten in den Streik getreten. Jn Oerebro streiken die Maurer, in S k ö f d e haben die Maurer und die Bautischler die Arbeit eingestellt und in D st a d die Arbeiter sämtlicher Vau- berufe. In Stockholm haben die Maler an die Unternehiner die Forderung gestellt, daß der alte Tarifvertrag wieder zur Geltriug gebracht wird, und für den Fall, daß das abgelehnt wird, den Streik in Aussicht gestellt. Die Stundenlöhne sind in diesem Vernf seit dem 1. April um 19 Oere herabgesetzt worden. Kunstformer und Ziseleure, Achtung! Da die Kunst- und Metall- gießerei von E. Poleszynski in Kristiania schon seil Jahren durch Inserate deutsche Ziseleure und Kunstformer her engagiert, um dieselben später wieder unter den gesuchtesten und willkürlichsten Gründen zu entlassen, warnen wir hiermit unsere Laudsleute und ersuchen sie, bei eventuellen Angeboten recht vorsichtig zu sein, da außer diesem Betriebe keine weiteren passenden Arbeitsgelegenheiten am Orte vorhanden sind, so daß die Betreffenden auf eigene Kosten wieder abreisen müssen.— Nähere AuSkiintte erteilt auf spezielle Anfragen(nur mit O r g a n i s a t i o n st e m p e l) gern und um- gehend der Vorsitzende deS„Deutschen Soz.-Klub„Vor- w ä r t s", Kristiania, Möllergarten 3.— Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten._ Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanstalt Her Wahltag in Oeltemich. Privattclegramme des„Vorwärts". Wien, 13. Juni 1911. Die heute stattfindenden Wahlen gehen unter starker Beteiligung vor sich, die aller- dings schon durch die in vielen Kronländern, darunter Niederösterreich mit Wien, bestehende Wahlpflicht bedingt ist. Die Wahlen finden im ganzen Lande mit Ausnahme von Ostgalizien und Talmatien statt. Um die 516 Mandate be- werben sich an die 2500 Kandidaten, um die 130 böhmischen allein über 400. Ini ganzen wird heute um 446 Sitze ge- kämpft. Es werden sehr viele Stichlvahlen erwartet. In Wien beginnt die Wahl uni 6 Uhr früh und dauert bis 5 Uhr nachmittags. � Zusammenbruch der Christlichsozialen. Das wichtigste Ereignis ist der völlige Zusammenbruch der Christlich-sozialen, der über alles Erwarten vollständig ist. Ein einziger Christlich-sozialer wurde heute in Wien gewählt, während sie 1907 im ersten Wahlgang 18 Mandate davontrugen. Die christlich-sozialen Führer, Handelsminister Weißkirchner, der Präsident des Abgeordnetenhauses Dr. Pattai, Dr. Heilinger, Kienboeck, Sturm. Kunschack, der christlich-soziale Arbeiterverräter, und Steiner kommen mit den Sozialdemokraten, der Führer der Partei, Prinz L i ch t e n st e i n, Dr. G etzmann und Kuhn mit Freisinnigen in die S t i ch w a h l. Einer der brutalsten und unangenehmsten Antisemiten, Bielohlaweck ist durch- gefallen. Von Sozialdemokraten sind in Wien, von deren Mandaten sie 1907 in der Hauptwahl acht und in der Stichwahl zwei gewannen, bisher gewählt die Genossen Adler. Seitz, Ellenbogen, Skaret, David und S ch u h m e i e r. Die Genossen Widholz, Wutschel und F o r st n e r stehen in sicherer Stichwahl. In der Provinz wurden bisher gewählt in Nieder- österreich die Genossen Renner in Neunkirchen, S m i t k a in Ebreichsdorf, in Böhmen Low in Karlsbad(Land), H a n u s ch in Kratzau, R i e g e r in Tetschen(Land). Ferner stehen unsere Genossen fast überall, wo sie das letztemal in die Stichwahl gelangten, wiederum zur Stichwahl. Dagegen sind bisher zwei Mandate in Linz, der Hauptstadt von Oberösterreich, verloren gegangen, ebenso wie das Mandat des Genossen Freundlich in Mährisch-Schönberg, wo die Hausweber dem Terrorismus der Fabrikanten erlegen sind. Das im vorigen Herbst verlorene Mandat von Gablonz- Land konnte nicht wiedergewonnen werden. Genosse Bös- müller wurde in Gablonz-Stadt nicht wiedergewählt. Teilresultate. Wien, 13. Juni.(W. T. B.) Reichsratswahlen. Bis 19 Uhr abends waren fünfzig Wahlergebnisse bekannt, darunter 27 Stichwahlen. Gewählt sind sieben Christlichsoziale, sechs Sozialdemokraten, darunter ein tschechisch-autono- mistischer, vier Mitglieder des einheitlichen Tschechenklubs, zwei Deutschfreiheitliche, ein Mitglied der deutschen Arbeiterpartei, drei klerikale Italiener. In Wien wurde der dcutsch-freiheitliche Friedmann gewählt gegen den christlichsozialcn Bielohlawck, und mehrere Führer der Christlichsozialen kamen in die Stichwahl, darunter Handelsminister Weihkirchner in zwei Bezirken mit dem deutschfreiheitlichen Hock und dem Sozialdemokraten Winter, ferner der frühere Präsi- dent des Abgeordnetenhauses Pattai mit dem Sozialdemokraten Leuthner, der frühere Minister und christlichsoziale Wittel mit dem deutschfreiheitlichen Neumann, der Obmann der Christlich- sozialen Prinz Lichtenstein mit dem deutschfreiheitlichen Waber, der christlichsoziale Vizebürgermeister Hierhammer mit dem deutsch- freiheitlichen Denk, ferner findet Stichwahl statt zwischen dem selbständigen christlichsozialen Heilinger und dem Sozial- demokraten Hartmann. Weitere Resultate. Um ein Uhr nachts wird uns aus Wien telegraphiert: Die Christlichsozialen haben in Wien nur zwei Man- date behauptet, ihr Rückgang ist kolossal. In Böhmen ist ein enormer Fortschritt der Deutschbürger- l i ch e n zu verzeichnen. Die Sozialdemokraten haben die wichtigsten Mandate behauptet, so Teplitz-Land (Seeliger), einzelne Bezirke, wie Aussig. Stadt, ver- l o r e n. In den t s ch e ch i s ch e n Bezirken scheint die So- zialdemokratie gut abgeschnitten zu haben. Genosse D a s z y n s k i ist in Krakau, Perner st orfer in Wiener Neustadt gewählt. In Asch steht'Genosse Hillebrandt in Stichwahl, in Graz haben wir drei Mandate er- o b e r t, darunter das des Genossen R e s e l. eines steht in Stichwahl. Marburg haben unsere Genossen verloren. Die übrigen steiermärkischen Mandate sind erhalten, Genosse Dr. S ch a ch e r l steht im Eisenerzbezirk in Stichwahl. In S ü d t i r o l steht Genosse P i e s c e l in Stichwahl, serner unsere Genossen P r e u ß l e r in Salzburg, E l d e r s ch in Schlesien, Müller und C z e ch in Schlesien, wo Genosse I o k e l ein Mandat erobert hat. In Wien ist auch Genosse R e u m a n n wiedergewählt. In dem Bergwerksbezirk Mäh- risch-Ostrau siegte der Scharfmacher Licht unter ungeheurem Terrorismus über Genossen Exner. In dem Nordwest- böhmischen Städtebezirk steht Genosie Heinrich Beer in Stichwahl gegen den deutschnationalen„Arbeiterführer" Knirsch. In Prag ist Genosse Dr. Soukup unter- legen, Genosse N i e m e z steht dort und in Königinhof in Stichwahl. Mehr läßt sich zur Stunde über die Situa- tion noch nicht sagen, da noch viele Ergebnisse ausstehen. Hetzte ffoefmehten* Der Flieger Frey abgestürzt. Rom, 13. Juni. Der Aviatiker Frey, der den bereits aufgegebenen Fernflug Paris— Rom— Turin von Rom aus weiter fortsetzte, ist einem Telegramm zufolge bei der Ort- schaft Macchia Grossa de Ronciglione in Italien mit seinem Apparat abgestürzt. Er trug hierbei schwere Arm- und Bein- brüche davon. Holzfäller fanden ihn bewußtlos auf und brachten ihn in einer Tragbahre nach dem Hospital. Der Zu- stand Freys soll sehr besorgniserregend sein. Frey war der erste Aviatiker, der mit seinem Apparat das Häusermeer Berlins überflog._ Zum SeemannSstreik. Brüssel, 13. Juni.(W. T. B.) Das Syndikat der Seeleute verbreitet ein Manifest, worin der Ausstand auf den belgischen Schiffen erklärt wird. Amsterdam, 13.� Juni.(W. T. B.) Die Versammlung der See- leute hat heute einstimmig die Verkündigung des allgemeinen AuS- standcs bei sämtlichen Schiffahrtsgesellschaften beschlossen. Der Ausstand wird Mittwoch morgen beginnen. Paul Singer&£o.,S3erlin S W. Hierzu 2 Beilagen u.Unterhaltungsbl. |tr.lB6. 28. Jahrgang t. KilU des.Zmiirls" Kerlim WksblM. WtwH, tt-ZliilllM � ver zweite cieutlche AohnuMkongreK. Der WohnungSkongreh führte am Dienstag, dem zweiten Be- rawngstage, feine Geschäfte zu Ende. Die Verhandlungen begannen mit einer Rede des Landgerichtsrat Kuhlemann- Bremen, der betonte, daß die Volksvertretung günstiger zusammengesetzt und daß auch den Arbeitern größere Macht zu- gestanden werden müsse. Ein Eingriff des Staates in die Wohnungsverhältnisse sei unvermeidlich; die Frage lasse sich nur lösen, wenn man an die letzte Grundlage der jetzigen Boden« Wirtschaft rühre. Prof. Dr. Wuttke behandelte in einem Referat die Finan- zierung der Bautätigkeit. Die Beschaffung der zweiten Hypotheken müsse durch die Gemeinden organisiert werden. Die wohlhabenden Schichten der Bevölkerung könnten die gesteigerten Mieten zahlen und tun dies auch ohne Widerstreben, weil sie wiffen, daß da§ Geld wieder dem Kapital zufließt; im übrigen charakterisierte der Redner den Baugelderschwindel und teilte mit, daß zweite Hypotheken häufig nur mit 12 bis Itprozentiger Vergütung zu haben seien. R e u s ch- Wiesbaden hielt ein Referat über die Realisierung der Wohnungsfrage durch die Gemeinden und Justizrat Prof. Dr. Hermann- Münster sprach über das Erbbaurecht und verwandte Besitzformen. Er verlangt, die Gemeinden möchten das Erbbaurecht als das unentbehrliche Werkzeug für die Bodenpolitik der Gemeinden anwenden, denn die bisherigen Erfahrungen seien durchaus gut. Bis der Boden frei gemacht werden könne, soll wenigstens das Erb- baurecht Anwendung fijiden. Nach einer ziemlich umfangreichen Diskussion über diese Referate wurde der WohnungSkongreß ge- schloffen._ Arbelttt-Radfahrer-Sulld„Freiheit". Voni Vorsitzenden des Bundestages des Arbeiter-Radkabrer- bundes„Freiheit" erhalten wir folgende Zuschrift: „Wir bedauern sehr, daß die Sportgenossen P. und K.(Mit- glieder des Bundes„Solidarität") zu einer derartigen Berichtigung im„Vorwärts" das Wort ergriffen haben. Nachdem dieses aber ge- schehen, halte ich mich für verpflichtet, zur Wahrheit jener Worte einige Erklärungen abgeben zu müssen. Genosse Liehr hatte in seinem Schlußworte nochmals die Eini- gungsbestrebungen gestreift und dabei hervorgehoben, daß der Bund „Solidarität" sich noch im Kartell deutsch-österreichischcr Rad- und Motorfahrer befindet, an dessen Spitze sich Prinzen und Fürsten be- finden und dessen leitende Personen als Hauptstützen des Reichsver- bandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie fungieren, und im Zusammenhang seiner weiteren Ausführungen die Worte gebraucht, sie sollten sich als klassenbewußte Arbeiter aus diesem Kartell hin- ausscheren. Da sich Genosse Liehr bei diesen Worten nach den Genossen von „Solidarität" umwendete, so konnte das Bureau diese Worte nicht genau verstehen und glaubte, Liehr hätte die betreffenden Sport- genossen persönlich gemeint, weshalb ich als Leiter der Versamm- lung glaubte, dieselben in Schutz nehmen zu müssen. Daß dieses sich so und nicht anders zugetragen hat, haben sämt- liche Delegierte in Gegenwart jener beiden Genossen bestätigt. Wenn diese Genossen trotzdem im«Vorwärts" eine derartige Be- richtigung brachten, so ist dieses nur zu bedauern. Th. Greetz, Ritterstraße 113._ Hus der Frauenbewegung. Bewertung der weiblichen Arbeitskraft. Die Provinzial-Jrrenanstalt zu Obra Walde bei Meseritz (Provinz Posen) sucht in den Posener Zeitungen Pflegerinnen bei einem Anfangslohn» nebst freier Station und Dienstkleidung, von monatlich 18 Mark, also pro Tag60 Pfennig. Dabei müssen noch Zeugnisse beigebracht werden. Bei der verantwortlichen und schweren Stellung einer Irren- Pflegerin ist eine solche Bezahlung jedenfalls ein sehr bedauerlicher Tiefstand._ Die Zulassung der Frauen zum Predigtamt ist in einer Resolution der sogenannten Pfarrkolloquien von Chur- Schanfigg in Graubünden und Oberengadin im Prinzip gut« geheißen worden, einfach aus dem Grunde, weil in diesen ent- legenen Alpentälern ein fühlbarer Mangel an Pfarrern herrscht. Und da der Schweizerbauer ein sehr praktisch denkender Mensch ist, sagte er sich: Mir kann eS gleich sein, ob ein Mann oder eine Frau den Bibcltext vorliest, wenn er nur über- Haupt gelesen wird. Dieser Resolution ist im Auslande eine große fortschrittliche Bedeutung beigemessen worden. Doch mit Unrecht. Ein Kolloquialvotum ist noch kein Synodalbeschluß und entspricht im günstigsten Falle nur der Erheblicherklärung einer Motion. Nach dem bündnerischen Kirchengesetz müßte das Traktandum der Zulassung der Frauen zum Predigtamt nochmals an die Kolloquien ausgeschrieben werden und ein abermals zustimmender Beschlutz hätte alsdann bis zur Rechtskrast noch nicht weniger als vier Instanzen zu passieren. Bis die letzte Instanz, in diesem Falle das evangelische Volk von Graubünden gesprochen hätte, würden annähernd zwei Jahre ver- streichen. Das ist aber eine Zeit, lang genug, um über wichtige Dinge anderer Meinung zu werden. Vorläufig ist in Graubünden noch nicht einmal die Frage entschieden, ob die Frauen das aktive Wahlrecht, das Stimmrecht in kirchlichen Dingen erhalten sollen. Wie man sieht, wachsen auch in der Schweiz die Bäume der Frauen« bewegung nicht in den Himmel. kleines Feuilleton. Wilbrandt und„König OedipuS". Adolf Wilbrandt hat sich während seiner Direktorzeit am Wiener Burgtheater das Verdienst erlvorben, eine Reihe von Meisterwerken der Weltliteratur der deutschen Bühne zu erobern, die vorher nur zu flüchtigem kurzem Dasein erweckt worden waren. Seine dramatische Begabung kam ihm bei seinen Regiearbeiten zustatten, denn er wußte die Werke durch eine geschickte Bearbeitung bühnenwirksam zu machen, ohne ihnen doch etwas von ihrer dichterischen Schönheit zu rauben. So hat er den ganzen„Faust" zur Aufführung gebracht, hat Aristopha- Nische Werke bearbeitet und den„Richter von Zalamea" übersetzt. Am erfolgreichsten aber war seine Einrichtung von Werken des Sophokles und Euripides, und unter diesen ragt wieder die Einrich- tung und Inszenierung des„König Oedipus" hervor, die einen der größten Siege seiner Direktion bedeutete. In seinen„Erinne- rungen" hat er selbst erzählt, wie wenig die Bühnenkrast dieses Wunderwerkes damals, 1888, bekannt war. Wie wenig man von einer Aufführung des Sophokleischen Dramas erwartete, zeigt ihm nicht nur die ablehnende Haltung vieler Bühnenkünstler, sondern be- sonders schlagend ein Erlebnis mit dem damaligen Generalinten- danten der Burg, dem Herrn von Bezecny. Dieser nahm die Mit- teilung von der Aufführung mit bedenklichem Kopfschütteln hin. Ihm scheint ein starker packender Erfolg notwendig mit einem kräf- tigen modernen Stück.„Da will er nun mit dem„Oedipus" kommen!" meinte er benvundert zu anderen,„was nutzt uns der Oedipus?"„Ich glaube," erzählt Wilbrandt,„an feiner Stelle hätten von hundert neunundneunzig ebenso gedacht. Wer kannte denn den Sophokles? Die gelehrten Uebersetzter hatten ihn nur scheinlebendig, zum Teil mausetot gemacht. Als nun aber die Tra- gödie am Abend erschien— für die lebendige Bühne von mir über- setzt— und nun die Handlung mit ehernen Schritten auf die ver- nichtende Enthüllung eines dunklen Rätsels unaufhaltsam zu- schreitend, bis das Schicksalstor aufspringt— als das alles sich vollendet hatte und der Vorhang fiel, da brach wieder«in Sturm des Beifalls los wie in Goethes„Faust". Auf der Bühne traf Wil- brandt den Generalintendanten, ganz allein, während vor dem Vor- hang der Beifall toste,„mit so erregten, bewegten, erschütterten Zügen, wie ich nicht oft einen Menschen gesehen.„Herr Direktor!" stieß er hervor.„So einen Eindruck Hab' ich noch nie im Theater erlebt!"... Eine schwarze Schulstabk. Tuskegee in Alabama ist eine Schulstadt, eine ganze Stadt, die nur der Erziehung gewidmet ist, der Erziehung einer Rasse. Der Neger Booker-Washington ist ihr Begründer, und hier wird die verachtete schwarze Rasse zum Menschentum erzogen. In einem aljeo Ktgll uaJ) Hühnerhau» Gerichts-Zeitung. Ungültige Polizeiverorbnung über das Erteile» von Tanzunterricht. Eine Polizeiverordnung vom IS. März 1876 verbietet eS, Tanz- Unterricht in Wirtschaften oder in Häusern, wo sich Wirtschaften be- finden, zu erteilen. Gegen bie Verordnung sollte sich der Tanzlehrer Schröder in Elberfeld vergangen haben. Die Strafkammer sprach ihn jedoch frei, indem sie die Polizeiverordnung für ungültig er- klärte, die übrigens neben dem Tanzlehrer auch den Gastwirt und Wirt verantwortlich macht.— Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein und machte folgendes geltend. Es käme§ 6k des Polizeiverwal- tungsgesetzes in Frage, wonach zu den Gegenständen polizeilicher Vorschriften die Sorge für Leben und Gesundheit gehöre. Mit Rück- ficht auf diese Bestimmung habe schon das Kammergericht Polizei- Verordnungen für gültig erklärt, durch die es den Wirten verboten wird, jugendliche Personen unter 16 Jahren bei öffentlichen Tanz- lustbarkeiten in ihren Lokalen zuzulassen, weil gerade für jugendliche Personen der Alkoholgenuß besonders schädlich sei und sie beim Tanzen in Wirtschaften leicht zu übermäßigem Genuß von Alkohol verleitet würden. Dasselbe müsse auch zutreffen, wo es sich um Tanzuntericht handele, denn notorisch seien es Jugendliche, die Tanzunterricht nähmen. Das Kammergericht verwarf aber die Revision der Staats- anwaltschaft mit folgender Begründung: Die Verordnung vom 15. März 1876 sei rechtsungültig. Sie könne ihre Rechtsstütze nicht im§ 6k des Polizeiverwaltungsgesetzes finden. Sie beschränke sich nicht darauf, den Tanzunterricht in Schankwirtschaften an jugend- liche Personen unter 16 Jahren zu verbieten, was vielleicht zulässig wäre, sondern sie laute ganz allgemein. Wenn nun auch zugegeben sei, daß die Erteilung von Tanzunterricht in der Regel an Jugend- liche erfolge, so komme es doch häufig vor, daß auch Personen im Alter von über 16 Jahren, von 17, 18 Jahren und noch ältere Tanz- Unterricht nehmen, bei denen eine nahe bevorstehende Gefährdung nicht vorliege. Da die Verordnung nicht unterscheide in der Be- ziehung, so sei sie schon deshalb ungültig, und zwar auch mit Bezug auf den Tanzunterricht in Wirtschaften. Im übrigen sei aber auf jeden Fall ungültig die Bestimmung, wonach Tanzunterricht, auch wenn er nicht in Schankwirtschaften, fondern nur„in Häusern" stattfinde, worin sich Schankwirtschaften befinden, verboten sein solle. Aus der Ungültigkeit der Verordnung folge die Freisprechung. Ein Nachspiel zur Explosionskatastrophe in Hamburg. Am Nachmittag des 7. Dezember 1909 ereignete sich bekannt- lich in Hamburg eine Explosion eines neuen Gasometers, der zwanzig Menschen zum Opfer fielen. Die Explosion erregte um- somehr Aufsehen, als es sich um einen neuen Riesengasometer, den größten der Welt, handelte, der zum ersten Male mit Gas gefüllt worden war. Die Arbeit— der Oberbau— war von der Berlin- Augsburger Maschinenhau-Aktiengesellschaft ausgeführt, deren Projekt von den Hamburger Technikern empfohlen worden war und das dann von der Deputation für das Beleuchtungswesen zur Annahme gelangte. Während die Realisierung dieses Entwurfs („Bamag") 1911599 M. erforderte, verlangte die Weltfirma Vereinigte Maschinenfabriken Nürnberg-Augsburg-Gustavsburg nur 966 566 M. und die Dampfkessel- und Gasometerhaugesell- schaft Wilke-Braunschweig 1 179 699 M. Von diesem Projekt wurde gesagt,- daß es vorzüglich sei, daß aber die Differenz zu groß sei, während bei dem billigsten Projekt der Einwand er- hoben wurde, daß die neue Methode— um eine solche neue Form handelte es sich— zu wenig Sicherheit biete. Zwei Tage nach der Katastrophe veröffentlichte der jetzige Oberingenieur der Eisenbetonfirma Baumhold-Berlin, Regierungs- baumeister a. D. Szarbinowskp, in der„Rhein- und Ruhrzeitung" einen die Ursachen der Explosion behandelnden Artikel, durch den sich die bürgerlichen Mitglieder der Beleuchtungsdeputation zu Hamburg, die Herren Hauptmann, Gutknecht und Beit(Mit- hatte Booker seine Erziehertätigkeit begonnen, heute erheben sich hier 125 Gebäude: Schul- und Wohnhäuser, Versammungslokale, Bibliothek und Museum, Werkstätten und Laboratorien, Fabriken und Bauernhöfe, umgeben von Gärten und Sportplätzen, Feldern und Plantagen. Alles ist, so schreibt Prof. Edv. Lehmann in der „Deutschen Rundschau", ein Werk der Schüler, die in wechselnden Generationen fünfundzwanzig Jahre hindurch diese Anstalt besucht haben und heute in einer Anzahl von 1599 Jünglingen und Mäd- chen ihre Schulzeit hier verbringen. Sie haben den Boden aus- gehoben und zu jedem Bau die Ziegel gestrichen, haben ihn bis an den Schornstein aufgeführt und das Innere ausgestattet bis zu den Heizungsavparaten, den elektrischen Klingeln und den Fern- fpröchern< Die /Bauernhöfe mit ihren 1599 üKüHqn iund.2P9 Pferden, ihren Herden von Schafen und Schweinen werden von ihnen bewirtschaftet, wie sie von ihnen gebaut wurden. Die zur Landwirtschaft gehörigen Werkzeuge und Maschinen, die Wagen und das Pferdegeschirr sind von ihnen gemacht und werden von ihnen ausgebessert. In dem Programm dieser Arbeitsschule heißt eS:„Der Schulunterricht verleiht dem Schüler einen weiteren geistigen Ga sichtskreis. Am Ende ist ja doch die Arbeit da, um des Lebens willen; und wenn es für Hof und Feld gut ist, daß der Bauer etwelche Kenntnisse von den Naturkräften hat, mit denen er arbeitet, so ist es um soviel besser für den Bauern selbst." Der unglückliche Pestalozzi hat einst für weiße Europäer Vev gebenS erträumt, was hier dem amerikanischen Neger für Schwarze gelang. Die sozialen Utopien beginnen Wirklichkeit zu werden— freilich nicht in Deutschland. Russische Satrapen. Südrussische Blätter erzählen zwei Ge- schichtchen, di« eine sehr deutliche Sprache reden und nicht kommen- tiert zu werden brauchen. Geschichte Nr. 1: Der Herr Jsprawnik von Ismail, Chadshi Kossa, benutzt regelmäßig die Landschaftspost- Pferde, um sich die Lebensmittel, die er einkaufen läßt, per Extra- post zuführen zu lassen. Die Pristaws machen es natürlich ebenso, da es bequem ist und nichts wstet. Ein Pristaw benutzt die Post- Pferde sogar, um eine Dame, die ihm lieb und teuer ist, spazieren fahren zu lassen. Zum Ucberfluß kommandiert er noch einen Strashnik ab, der als Leibwächter der Schönen hinterherzureiten hat. Kommt man irgendwo angefahren, so jagt der Strashnik vor- aus und ruft:„Platz da! Die Dame des Herrn Pristaw!" Die Landpostmeister verlangen natürlich von der Semstwo Bezahlung für diese Fahrten, zu welchen die Postpferde doch eigentlich nicht ver- pflichtet sind. Geschichte Nr. 2: In dem Dorfe Gelescht in Bessarabien wurde eine Kirche eingeweiht und es hatte sich eine große Menschenmenge eingefunden. Ein junger Pristaw, der soeben erst angetreten war, beschloß seine Energie zu zeigen. Er tlät vgx ynd schnallt«:.Aus,. glieder der Hamburger Bürgerschaft), beleidigt fühlten. Die An« gelegenheit ist auch Gegenstand einer Interpellation in Hamburg? Landesparlament gewesen und hat in Hamburg großes Aufsehen erregt, weil die im Artikel(dieser ist vom Verfasser Senator Strack und der Staatsanwaltschaft zugesandt worden) enthaltenen Be- hauptungen von einem hervorragenden Fachmann herrühren. Die inkriminierten Stellen lauten: „Von den technischen Mitglieder» der Kommission i» HaM« bürg war seinerzeit eine andere Konstruktion einstimmig empfohlen, jedoch hätten die kaufmännischen Mitglieder die Ma« jorität und hätten erklärt: Die Konstruktion ist gleichgültig, die Garantie der Firma genügt. Es wurde eine Konstruktion aus- geführt gegen den Willen der technischen Mitglieder, trotzdem unter anderm eine Autorität ersten Ranges, Geheimrat Professor Haeseler in Braunschweig, dringend vor einer solchen statisch unsicheren Form gewarnt hatte. Diese Warnung muß sich in den Kommissionsakten befinden. Die Berliner Firma, die vermöge ihrer vorzsigliche» Ver« bindung in Hamburg den Zuschlag erhielt, scheint wirklich nichts gelernt und nichts vergessen zu haben, denn dieses Pech passiert ihr nicht zum ersten Male. In Waldenburg in Schlesien hat sie die gleiche Erfahrung schon einmal gemacht, dort sind allerdings nur zwei Menschen zu Tode gekommen." Der Artikel schließt: „Der Schreiber dieser Zeilen kenn! die Baustelle» auf das genaueste, ebenso aber auch die eigenartigen geheimen Verhältnisse, die bei dem Bau und bei der Vergebung desselben obgewaltet haben und in sehr vielen Städten Deutschlands und der um- liegenden Länder ohwalten." Die Angelegenheit gelangte am Montag und Dienstag vor der Strafkammer IX zu Hamburg zur Verhandlung. Der Angeklagte war bis vor etwa Jahresfrist bei der Firma Wilke-Braunschweig als Ingenieur tätig und hat an dem zur engeren Wahl gestellten Projekt hervorragend mitgewirkt. Von einem anderen Ingenieur will er in Erfahrung gebracht haben, daß die technischen Mitglieder der Deputation nichts zu sagen hätten. Die in den beiden letzten Absätzen enthaltenen Behaup« tungen sollen sich nur auf die„Herren vom Syndikat" beziehen.— Der Borsitzende schlägt vor, nicht auf die Konstruktion des ver- unglückten Gasometers einzugehen, da sonst Gutachten erforderlich sein würden, die Tausende erforderten und die voraussichtlich der Angeklagte tragen müßte. Es handelt sich hier in der Haupt- fache um die bei der Vergebung der Arbeiten behaupteten Dinge. — Der Angeklagte erklärt weiter, in nationalem Interesse ge« handelt zu haben; durch seinen Artikel habe er die Staatsanwalt- schaft veranlassen wollen, Ermittelungen anzustellen, ob Konstruk- tionsfehler vorlägen. Er beruft sich auf ein von dem inzwischen verstorbenen Hofbaurat Professor Haeseler-Braunschweig ver- faßten Gutachten, das sich lobend über das Wilkesche Projekt und minder anerkennend über das Bamag-Projekt äußern soll. Mehrere Hamburger Gasdirektoren, Bauräte, Baumeister ustv. erklären übereinstimmend, daß die bürgerschaftlichen Mitglieder der Deputation gerade ihrem, den Technikern, einstimmig gefaßten Antrage gefolgt wären. Das Wilkesche Projekt war gut durchdacht gewesen, ebenso das zur Ausführung gelangte. Der eine Bau- meister sagte aus, er selbst würde das Wilkesche Projekt verfolgt haben, wenn die Preise annähernd die gleichen gewesen wären. Die seinerzeit von der Finanzdeputation eingezogenen Guk« achten über die Bonität des zur Ausführung gelangten Entwurfs, erstattet von Geheimrat Professor Dr. Krohn von der Technische» Hochschule zu Danzig und Gaswerksdirektor Schilling-Berlin, äußern sich dahin, daß die zur Anwendung gelangte Eulersche Knickformel, die nach den Ministerialvorschriften in Preußen zu- lässig wäre, nicht ganz einwandfrei sei, zumal die Berechnung in bezug auf die Stabilität des Oberbaues das Minimum an Ma- terial vorsah. In ähnlichem Sinne äußert sich ein Professor in Breslau über besagte Formel. Die Sachverständigen erklären aber weiter, daß ein Verstoß gegen die anerkannten Regeln der Baukunst nicht vorliege. Der Angeklagte bemerkt hierzu, daß bei seinem Projekt, das unter Mitwirkung des Ingenieurs von Feld zustande gekommen wäre, mit allen Möglichkeiten gerechnet worden sei. Der Anklagevertreter beantragte gegen Szarbinowsky 1299 M. Geldstrafe, das Urteil lautet auf 699 M. Geldstrafe. Marktpreise von Berlin am 18. Juni 1911, nach Ermittelung dcS Königlichen Polizeipräsidiums. Markthallenpreise.(Kleinhandel' 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Epeiscbohnen, weitze 30,00-50,00. Linsen 20,00-60,00. Kartoffeln 6,00—9,00. 1 Kilo- gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,20 bis 1,80. Schweinefleisch 1,10— 1,80. Kalbfleisch 1,50—2,50. Hammelfleisch 1,40— 2,20. Butter 2,20— 2,80. 60 Stück Eier 2,80— 4,40. 1 Kilogramm Karpfen 1,40-2,20. Aal- 1,60-3,00. Zander 1,50—3,60. Hecht« 1,20 bis 2,80. Barsch- 0,80—2,00. Schleie 1,20—3,40. Bleie 0,80—1,80. 60 Stück Krebse 3,00—36,00. einandergehen!" Das Publikum rührte sich nicht.„Warum denn?" murmelten einige,„wir sind doch gerade zur Feier hergekommen." „Auseinander!" schrie der grasgrüne Pristaw noch einmal. Aber niemand„ging auseinander".„Strashniks," brüllte nun der wild- gewordene junge Mann,„gebt Feuer!" Die Strashniks mußte» zwar gehorchen, bewiesen aber mehr Vernunft als ihr kollernder Vor- gesetzter: sie schössen— aber in die Luft. Die Volksmenge geriet über das unerhörte Vorgehen des schneidigen Jünglings in solche Wut, daß sie ihn zu Boden warf und ihm Revolver und Säbel fort- nahm, damit er keinen Unfug stifte. Solcher Provinzsatrapen, die sich für gottähnlich halten, gibt es in Rußland eine große Anzahl. Kenner der russischen Verhältnisse behaupten aber, und wohl mit Recht, daß jene übermütigen Männer nicht so schuldig seien wie da» „System", nach dem in Rußland trotz aller Revolutionen ugd aller Dumas»och heute regiert wird. � � Humor und Satire. Preußische Justiz. llnsre Justiz steht jetzt auf dem ersten Platz in der Welt: es ist erreicht!: Die kompliziertesten und die schwersten Rechtsfälle lösen wir spielend leicht! Wir haben die allerdicksten Bände. voll von Gesetzen und Ministerial- berordnungshestimmungen ohne Ende. Wir haben Verbote ohne Zahl! Wir haben tausend und abertausend Verordnungen unserer Polizei— auf weiße Tafeln gemalt— und grausend gehen die Fremden daran vorbei... Wir haben in Heften, Broschüren und Banden Entscheidungen unseres Reichsgerichts— ich will nicht behaupten, daß wir sie verständen, doch klingen sie hübsch, und da macht da» nichts. Wir haben weitzbärtige Professoren, von denen der eine den andern auszischt. Wir haben unzählige Kommentatoren— na also!,». wie?... was?... Ist das immer noch nijcht? Wir haben mannigfaltige Strafen, voll schneidiger Schärfe, nach altem Branche Gesetze, Vorschriften, Paragraphen——— — Richter? 1—•. Ja 1 Richter haben vir auch.« Auri AbzailiungageschBfte Credit-Haus LellealliÄve� BeileallUBce-Str. 100, I. Etage. Waren«. Hobel». kulant Beding Berliner Credit-Haus WW- Kommandantenatr. 67.'WG Mit-Bans iatit Tnrmstraße 55, Ecke Waldstr. gewShrt Jede» spielend leichter An- n. Abzahlung mahpJihHder. Kredit auf Waren und MBbel. ii»feErIS« Auf Abzahlung gibt WIUl. Neumaan. PappelaDee 83 Waren, M�hel, Garderobe. WM Weinmeister- StraBe 141. f AlkoheHreh. BetrBnfce� SinalcolBilzbrausej Cn-Vartr.*. QÜO Stafick KO, Landsberrer Allee 6/7. - Fernruf VI]: 16«6 n. 1564.- Franz A braham Huik. Messin«. u.Röraertrank-Kell. N 4, Sohlegelat. 9, Fernep. III, 7727. Dete Braose""SÄrÄ f.nterh Selter-u. Limonad.-Fabrik UQISlll, Thaeretr. 44. T.A.7,8176. >& Bettet alkobel- %|bM freiet«etrJnk. V�VI BerlUiO.guMfM | Arbelter-Bekleldiing) wr* Zossmeralr. 38 IT.IT Barsraian«.«« Hamburger Laden, Charl.,WalUt.t9 Höhnen Släring SÄ Landab. Allee 148. Rlxd.. Berget. 66. KoteirLade«j3chöneb�H� �jBficliw�B�JIlondltop/l Biottnep's GroBbäckerei GeichUte in Barlin. Charlottenburg, Schineberg, Wilmersdorf. Adlenbofer Bäckerei, U. ZogviinL ürnald Bouater's I Landbratfabrik■ AIt-GI!eaicke bei Berlin II«l«r»izlr»lll»�L«rIi»avarH, Max Backer, Itamlerstr. 36. Wllh. Behrend, Manteuf felstr. 99. Großbäckerei Max Bocke Berlin W., Schönoberg, Friedenau, Steglitz. ackeret um (1 konJjuTrei Wllh. Toerllß, Mariannenstr. 5. Emil Beyer, Thornerstr. 6. Brotfabrik K. zum Broch, Tegel, Scbulatr. 1 Buehl& Sohn, fcSJf Willy Delor. Prenzlauer Allee 42. Hermann Carl, Rlidf., neriBMBStr. 231 Herrn. 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Herb«rg, Paul, Amsterd.-Str. 29. ütrechterstr. 17. Burgdorf atr. 14. Oscar Hfldcbrandt, Lange8tr.25 - ßadstr.13, Schwod.- 1 St.ia,Soldinerst.30, !, Roinickend.-St. 1 18. Angnst ICämmel, Pankstr. 46. liNLss. UdnreL KöpeDldr Geschäfte in allen Stadtteilen. L. Kienkewskl, Wlchertatr. 5 Kilica-OreSbäckcrei, BoBestr. 8. H. Krause, Teielenir. 32 1. Triftatr. 43. Carl Laudahn, Weberstr. 30. I H Lamlbrot-GralibSckerei O. Senf, Nchl. Krug, Waldstr. 4 ermann Lebelt, TTuasttteuatr� Alfred Ller, Wielefstr. 36. l\Mmi Brotttrik Srs; �kh. Liebenow Aixdorf, Bergstr. 143 Brotfabrik. Filialen w allen Stadtteilen. Albert Llppert, Gubeneratr. 26. Mache, Carl, W Samariterat., Ecke Frankf. Allee Proskauaratr. 81. Voigtstr. 30.. WzMer erat. 1. Grflnbergeret. 15, •trälbg�fit. W. FranaeÄyat. lt. | �«Zehen'ue?."| BezugsqueHeifVergeichnis.| Untenstehende Geschäfte empfehlen sich bei Einkäufen. Albert Man they, Falkeustoinstr. 37. E. Martin, Gloimstr. 55. MoltwoMe's bew. Bädceref Ziosakirelipl.I.BrnsaeutT.3LolIU'At34i35 OnsiavMühlateph, Rhinoweratr. 2. Marienburgerst. 2. Fransekist. 53 ÖTNichtfgälf, Rlx3«rt,Miigenitr.70/7 1. F. Vencwiii n, Rcinickrnif.,.�»asntr.Sl Das gi. Brat*. Berlin, Köpeniek, Kirlshors n. Scliäaeweid«. R. Noak, f riedricluliagei Kirlaharat Th.Noumann,Öldenburgerstr.21. Bäckerei Oststcm, Schaniwekertl.23 Albin Quandt, Tilaiterstr, 68. Bäckerei„Nordstern" Inh.: Gast. Müller Filialen i. verschied. Stadtteilen Peter8Grofsbackerei in allen Stadtteilen u. östlichen Vorerten; üb. 60 eig. Geschäfte. Albert Pfenxlg, Gratzstr. 10. Paul Rißmann, Tnrinerstr. 86. Max Bowplftitch, Memelerstr. 65. Conrad Richter Brotfabrik Nied..Schönhansen Niederbin all. Stadtteil. Berlins Hex Sander, Dunkerstr. 23. 8 Otto Scilla! Gustav Schulz, Georgaakirekatr. 67 Schäpe, IL, Rixdorf, Bergstr. 84. Sehütt,«.ÄIeo�no. SikoHkl.Weileiiaee,S eiBen4orfatatr.il Max Spillmann, Görlitzeratr. 63. P. Springer Ci?mAueeee«. flaataT Tanplt«, Prinzen- Allee 61. Thoma'a bew. Bächerei Ackerstr. III. Gericbtstr. 84. Ernst firötz, Reichenbergerstr.lll. FercL Tzachetzach, Wrangelat. 45 Ulbricht;*;;;;'"" [C. Vogt, Weißensee 3Filiai.Hauptgeach.9edan3t.li Jos. Wagenknecbt, Giagmerst. 17. Albert Wiese, Kolonleatr. 34. Heinrich Wittler Pnmpeniifkel-. Sthwzrtbnt-B. Sinone- biet-Kateik. T. ll, 2212. Uaiatr. 7. Vertufaslell I. alLGegeBd. Grel-Berliai c Badeanstalten Arkona-Bad, Anklamer-Str. 34. Angnatm-Bad, Köpenick.-Str, 60/61 C> ea*-3 Lanösbergentr. 107 K3CKKM Gollnowslr. 41. Bürger- Bad r�ani+T Bad, MOnzstraße 2. V/dl II LA- Kassenlieferant. [entral-Bad auzÄÄ 25. Centralbad Pankow, Berliaerst.4 Helena Bad, Culmstr. 20 a. Erstes Lohtannin-Bad UgL fr. Abkeelaig, teil btrakt Wall- ifr.70/71.Lief.xKaaz.NeB-Cella».W.6/8 Bad Frankfurt, Or.Frkft.Str. 138. Lieferant sämtl. Krankenkassen BadFriedricbshain,Leiidsb.Alleel53 Gönzela Bade- Anstalt, Bnuueuir. 129. Badeanstalt, Haasnheide 18. Hohenetaufen-Bad.GoItut.4lla Am Nollendorf-Wintcrieldplatz. 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Str.96 IT riktoi-la- Bad Kottbuser Damm 75 FptedrlchWIlholmsbad Chausseestr. 87. VlklorIs.Bad,Iloiinelsb.�i.-AIbertstr.6. f Bade-Elnrtchtungan) Das gesündeste und billigste Bad Ist du Idul-Rieselbad Mzrke Z. 4 Ce. gssie Bidsaisricbtiizgei m M 12.50 aa. 'SoHJon Kaaden Teililg. gestatt.). illastr. misbriscb. 160 Ssilea gratis a. frsate. J.Zaruba& Co., Hamburg C. f Baadogen, Bumtnlw."� R. Eauke, Stralauer Str. 56. Lange, A. E., Brunuenstr. 187. Liepe, Schöneberg, GraaewsldstrlO. Meyer, F., Ei., Berünerstr. 49—60. Pelzmann, v, Neue Königstr. 30. Wende. A., Ä«"1 Dntphn A BeydelstraSe 15. I�CIUIC, rt. Uef. aller Kassen Max Schönfeld, O. MQggelstr. 3. � Beerdlg.-Anat,, Sargm.) Bemdt,W.,l'llliaerstr.7,EckeJleDeisL A. Butti, Zorndorfer Str. 23. U„ Cnfhe Oppelners tr. 1 Mal rillü» Frankfurter-AUee 170 Galster, M.. Badstr. 62,83. Georg HeroIdt,Oderbergerstr.S3. Hiekel, Fr� Gr. Hamburgerst. 37 Koch, Emil, Weißenaee.BerUurA.45 C.UbaiBD.l'uewsllerttr.l E. Gericbtstr. Otto Löwenstein, Fruchtstr. 45 Misdi, 0. 17, Münchobergerstr, 1. Holdt, Fritz, Rixd., Renterplats. Gast, Nabert, Potsdarnerstr. 115a H. Petermeier, Strelitserstr. 8. Peter-Schley, WUb., Zssseientr. 1 1. Rommeck,€., RL, Hermannst 22. Frft* Settekem, Elbingerat». IL Riinva I R v Rlxd«»rf v DUUAb I, n. Kai3.Friedr.-St.49. Kronen-Grossmann B lsasser Str. 92 Leser des„Vorwärts" 5% Rabatt. Büttner, A., Danzigerstr. 96. E.Leischnor, Kottbusserdamm 69 llBiefl(lßrf,Ö.P.,U.iiCpa-Nori Schrararaar, B., BicbÄha A. iarecn�JääSäärffiselsörTor Keiner, Otto, GericbtstraBe 86. Schuch.M�S�.s Schwalbe, Wllh., Wolliner-Str.12. UlarlfOli A Mühlendamm 3, VeCuKüi j o. Kottbuserdamm98 Wilh. Schülern Kottbnserdamm 94, Kelhr. > 1 1_> Blerbraueroien,Biarh. Aktieabrauerei Potsdam. Eigene Niederlagen: Berlin SW, Tempclhofcr Ufer 15, Brandenburg a. H., Fbhrdet Str. 3. Spezialität; Potsdamer Stangenbler in Flaachen und Gebinden. iergbrauerei: Berg- iL 23 Feinstes Doppelbier Tel. III. 1412. Berliner Bock-Brauerei. 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Jahrgang. 2. SkilU des Jimiirls" ßtiiintt NslKsdlM. Mwoch. 14. Iiiui 1911. heute Mitwoch. den% Juni: Zablabend In den Bezirken GroB--Bgrlln$. Zur StadtverordnetcD'Crtatzwal)) in Berlin!> Die Stadtverordneten'Ersatzwahl. die der 37. Kommunal' Wahlbezirk zu vollziehen hat, findet heute Mittwoch, 14. Juni, statt. Für die Stimmabgabe ist die Zeit von morgens 10 Uhr bis 8 Uhr abends festgesetzt. Der Stadtverordneten-Kandidat der Sozial- demokratie ist Schriftsteller Max Grunwald, Landgrafenstr. 3s. Der 37. Kommunalwahlbezirk liegt im sechsten Reichstagswahlkreis, besteht aus Teilen der Rosenthaler und Oranien- burger Vorstadt und schließt die Stadtbezirke 227, 228, 257. 258, 259, 265, 266, 267 ein. Wir veröffentlichen noch einmal die Zusamnienstellung der Straßen und Grundstücke, die zu dem Wahlbezirk gehören. Er ist wegen seiner Größe in drei Teile zerlegt und hat drei Wahllokale. 1. Teil. Stadtbezirke 227, 228, 257: Ackerstr. Ib. 27—36, 143. Anklamer Str. 1—9, 49—60, Bergstr. 2«. Brunnenstr. 1—31, 161—197, Elisabethkirchstraße ganz, Elsasser Str. 1— 10a. Jnvalidenstr. 1—5, 148—157, 159—164. Pappelplatz, Strelitzcr Str. 1— 8, 68— 74, Veteranenstr. 1— 14, 16-28. Wahllokal: Brunnenstr. 184, Fehs GesellschaftshauS. 2. Teil, Stadtbezirke 258, 259: Bernauer Str. 1—24, 84 bis 109, Hussitenstr. 1—12, 64—79, Rheinsberger Str. 1, Strelitzer Str. 9— 36, 39—67. Wahllokal: Bernauer Str. 89/90, Gemeindeschnle. 3. Teil. Stadtbezirke 265, 266, 267: Ackerstr. 37—70, 117—142, Bergstr. 29—64, Bernauer Str. 110— 121 und die Strecke von Gartenstraße bis Bergstraße, Feldstr. 1—9, Garten straße 33— 54. Wahllokal: Ackerstr. 67, Gemeindeschnle. Noch einmal erinnern wir alle Wahlberechtigten des 37. Kommunalwahlbezirks an ihre Pflicht, an der heutigen Stadtverordnetenersatzwahl teil zunehmen. Die werktätige Bevölkerung muß durch mög lichst zahlreiche Stimmabgabe für den Kandidaten der Sozialdemokratie, den Schriftsteller Max G r u n Wald, aufs neue bekunden, daß sie d i e K o m m u n a l- Politik der Sozialdemokratie billigt und nur von ihr eine Gesundung der Zustände in der Kommunal Verwaltung Berlins erwartet. Auch das wollen wir hier nochmals betonen, daß für diese Ersatzwahl noch die Wählerliste von 1910 benutzt werden muß. An der Wahl nehmen also alle diejenigen teil, die im Sommer 1910 als wahlberechtigte Einwohner des 3?. Kommunalwahlbezirks in die Wählerliste aufgenommen worden sind. Auch wer seitdem aus dem Wahlbezirk weggezogen ist, w L h l t j c tz t n o ch mit. Es ist ganz selbstverständlich, daß auch die weggezogenen Wahlberechtigten des 37. Wahl bezirkes ihre Wahlpflicht erfüllen muffen. Jeder Wähler versehe sich mit einer Legitimation. durch die er sich als den in der Wählerliste von 1910 ver- zeichneten Wahlberechtigten ausweisen kann. Als Legitimation dient am besten die vom Magistrat übersandte Wählerkarte. Falls einem Wahlberechtigten eine solche nicht zugegangen ist (was oft vorkommt, besonders bei weggezogenen, so legitimiert er sich mit der Steuerquittung oder dem Mietskontrakt, der Jnvalidcnkarte, den Militärpapieren. Sorge jeder unserer Genossen dafür, daß alle Wähler ihre Pflicht tun. Keiner soll glauben, daß es auf ihn nicht ankomme, Wahlen, über deren Ausgang die werktätige Be völkerung entscheidet, bedeuten immer wieder eine Ver» trauenskundgcbung für die Sozialdemo.- k r a t i e. Je zahlreicher die Wähler für unseren Stadt- Vcrordneten-Kandidaten Schriftsteller Max Grun- w a l d ihre Stimme abgeben, desto eindrucks- und wirkungs- voller wird diese Kundgebung sein. Auf zur Wahl! Diese Mahnung wurde gestern, amAbcndvorderStadt» verordneten-Ersatzwahl, noch einmal in einer öffent- lichen Kommunalwählerversammlung(in den„Bo- russiasälen", Ackerstraße) an alle Wahlberechtigten deS 37. Kom- munalwahlbezirks gerichtet. Der Kandidat der Sozial- demokratie, Schriftsteller Max Grunwald, erörterte in seinem Referat die Bedeutung der Wahl. Sie liegt, so führte Genosse Grunwald aus, gewiß nicht allein darin, daß das Mandat des 37. Wahlbezirks im Besitz der Sozialdemokratie ven- bleibt. Sie liegt vor allem darin, daß wir für die Sozial- deinokratie und für den Sozialismus demon- st r i e r e n. Die Grundsätze unserer Gegner sind es, denen bei jeder Wahl unser Kampf gilt, auch wenn etwa die Gegner in Person nicht in den Wahlkampf eingreifen. Wenn wir Mann für Mann für unsere Grundsätze demonstrieren, so wirkt unsere Demon- stration als Agitation. Es ist, so beendete Genosse Grunwald seine Ausführungen, die Pflicht aller im 37. Wahlbezirk wahlbercch- tigten Genossen, für die Sozialdemokratie am Wahltage durch die Tat einzutreten, durch regste Beteiligung an der Wahl. Das Wahlergebnis soll sein ein wuchtiger Protest gegen die herrschende Klasse.— Die Versammlung bekundete durch stürmischen Beifall ihre Zustimmung. Eine Diskussion fand nicht statt. Ter Vorsitzende, Genosse Baumann, schloß mit dem noch- maligen Hinweis auf die Wahlpflicht aller Wahlberech- 1 i g t e n und mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie. Auf zur Wahl! Stimmt für den Kandidaten der Sozialdemokratie, den Schriftsteller Max Grunwald. Partei- jfttigdegenkeiten. Zweiter Wahlkreis, Friedrichstadt. Heute abend 11 Va llhr, bei Jul. Meyer. Oranienstr. 103:ZahlnachtfürBuchdrucker. Stereotypeure, Kino-Operateure usw. Tagesordnung: 1. Geschäftliche Angelegenheiten. 2. Genosse Dr. W. Pleßner:»Die musikalische Romantik." Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Zehlendorf(Wannseebahn). Heute, Mittwoch, den 14., abends 8'/.z Uhr: Zahlabend in allen Bezirken. Es liegen sehr wichtige An- gewgenheiten zur Beratung vor. Der Vorstand. Adlershof. Heute, Mittwoch, den 14. Juni: Gemeinsamer Zahl- abend im Lokal des Genossen R. Kaul, Bismarckjtr. 16. Tages- ordnung:.Auf zur Reichstagswahl I" Grüna». Heute, Mittwoch, abends S'/a Uhr: Mitgliederversammlung im Lokal„Zur grünen Ecke". Tagesordnung: Ans- nähme neuer Mitglieder. Allgemeine Diskussion. Vereinsangelegen- heilen. Verschiedenes. Der Vorstand. Eichwalde. Der heutige Zahlabend findet im Lokal„Sans- souci" statt. Königs-Wusterhanscn. Heute, Mittwoch, abends 8 Uhr: Zahl- abend in den bekannten Vezirkslokalen. Der Vorstand. Dabendorf bei Zossen. Am Sonnabend, den 17. d. Mts., bei Wiese: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Wichtige Tages- ordnung. Der Vorstand. Potsdam. Heute, Mittwoch: Extrazahlabend in allen Bezirken. Wichtige Besprechung.— Sonntag nachmittag 2 Uhr; Große Volksversammlung im Restaurant Wilhelm, Kaiser-Wilhelm- straße. Tagesordnung:„Was haben Mittelstand und Arbeiterschaft von den herrschenden Parteien zu erwarten!" Referent: Reichstags- kandidat Dr. Karl Liebknecht- Berlin. Ter Wahlvereinsvorstand. ßcrllrnr JNachncbtcn. Zentrum und Blumentage. Wo unsere Genossen sich gegen den Bettel der Blumen- tage wandten, da fiel wie aus Kommando die gesamte bürger- liche Presse über die bösen Sozialdemokraten her. Gewichtige Stimmen aus bürgerlichem Lager, die sich gegen den Unfug der Blumentage wandten, wurden von der Zentrumspresse meist verschwiegen, wie sie auch fast durchweg verschwieg, daß der katholische Charitasverband in Berlin sich ebenfalls offen als Gegner dieser Blumentage erklärte. Diesen Pharisäern sticht jetzt die„Augsburger Postzeitung" den Star. Sie bringt in ihrer Nummer vom 8. Juni einen Artikel:„Talmi", in dem es heißt: „Die Aera der Blumentage ist wohl so ziemlich zu Ende. Jedenfalls liest man nur noch seilen von ihnen und die Zeit- schriften August Scherls bringen keine Bilder niehr. Das finanzielle Ergebnis tropfte auf einen heißen Stein. Die Reklame- trommel konnte nichts dafür, wenn nicht jedermann ihr auf« dringliches Tamtain vernommen, aber dos Hauptziel ist erreicht: Die Kreise, die bei den Veranstaltungen die erste Rolle spielten, haben sich wieder einnial im Schweiße ihres Angesichts ans- gezeichnet amüsiert. Für manche, die schon rasende Auto- fahrten kühl lassen bis ans Herz hinan, die sich in Monte Carlo langweilen und nur mehr wie der philosophische Narr Heinrich Heines in die Wellen der Niviera starren können, war der Blumentag doch endlich etwas Neues nach langer Zeit, etwas Interessantes, Pikantes. Man machte einen netten Eindruck, wenn man in duftender Frühjahrstoilette, mit dem bekannten Lächeln, um eine Gabe für die armen Armen bat und eS bereitete dem alten oder jungen Parforcelrotter einen nie gekannten Prickel, wenn er bei dieser mehr körperliche als geistige An- strengung verlangenden Unterbrechung der langweiligen guten Tage ooram publica wo h tun konnte. Und dann die schönen Stimmungsbilder, die glänzende» Kritiken, das Renommee. Es liegt uns fern, denen, die mit anderen Empfindungen sich in den Trubel mischten, nahe zu treten und die Frauen, die sich bona üclv des Verkaufes annahmeii, nach getaner Arbeit kränken zu wollen. Wir konnten mit vielen anderen aus allen Lagern den groben Unfug nicht verhindern, aber wir mußten uns vorbehalten das Recht, zu gegebener Stunde zy sagen, was uns ein zweites Mal vor der Resignation und dem Fügen in Unvermeidliches bewahren soll. Schier sang- und klanglos verhallte eine sehr beachtenswerte Erklärung angesehener Vertreter der beiden Geschlechter, in der vor einer derartigen Wohltätigkeit gewarnt wurde. Solche Ver anstaltungen hieß es, schwächten den Sinn für wohlüberlegte Wohl fahrtsarbeit, sie verletzten die Bedürftigen, deren man sich doch an- .nehmen solle, ohne diese Hilfe von derartigen öffentlichen Festen abhängig zu machen. Das war ein ehrliches, mutiges Wort, eine Mahnung allerdings, die wie ein Läuten der Aschermittwochs- glocken in die Bacchanalien des inodernen Faschings hineinklingt. Die Blumentage sind nur ein Zeichen unserer Tage mehr: einer Zeit, in der die Oberflächlichkeit und der Zynismus im Gcivande der alten guten Sitte auf öffentlichen Märkten sich breit machen und mit erhabenen Begriffen auf den Handel gehen... Es ist das alte Lied, doch bleibt es ewig neu: die Kapitalien wuchsen und wachsen, die Systeme der Statistiker be- rechnen, daß Reichtum und Wohlstand summasummarum gestiegen sind, und das stimmt auch. Aber die Massen der Notleidenden vermehren sich gleichfalls, und nur mühsam entstehen die Dämme, die Unglück und Armut bekämpfen.... Die Gesetzgebung soll den wirtschaftlich Schwachen schützen, ihm einen größeren Anteil sichern an den allgemeinen Gewinnen, soll ihn sozial und kulturell fördern, die Rechte eines jedes Standes gegen« über der Vormacht des Kapitals in Schutz nehmen. Es soll mit den Menschen nicht verfahren werden, als seien sie nur auto- matische Fäuste, Maschinenteile, die man einölt und laufen läßt und die man zum großen Kehricht wirft, wenn sie ausgedient und ausgeleiert sind.... Man frage einmal alle, die am Tage der Wohltäterei ihr Blümlein ins Knopfloch steckte», wie der eitele Famulus des Sakrales die Löcher seines Gewandes sehen ließ, um mit seiner plötzlich erwachten Bedürfnislosigkeit das Staune» der Menschheit und die Anerkennung seines Meisters zu ernten— man frage sie alle, ob sie von dieser heilsamen Wirkung der sozialen Gesetzgebung sehr viel oder nur etwas hören wollen. Und man frage sie, ob sie sich frei ivissen von der Infektion durch die reaktionäre Welle, die da spricht vom sozialen Dusel, dem Humanitätsschwindel und der wohltätigen Wirkung der Peitsche für alle, die der Ansicht sind, daß es neben den Herren- menschen des Polizeistaates auch noch fremde, bessere Götter gibt. Man frage, und der Rest wird Schweigen sein.... Der Sekt, der auf sogenannten Wohltäligkeitsbazaren getrunken wird, der Kuß, der bei ausgewählten Preisen 2V M. kostet und plötzlich nicht mehr wider die gute Sitte verstößt— das alles paßt schlecht zu dem Elend, das sich nicht Hinweglanzen, nicht hinwegküssen. nicht hinweg- flirten und hinweglachen läßt. Es mag schön sein, in Gewändern, die so einige Hunderter oder Tausender verschlangen, für die Armen zu betteln. Aber all das schlägt neue Wunden, anstatt alte zu heilen, all daS erbittert, anstatt zu versöhnen, all das wirft sich der wahren, heiligen Charitas nur hindernd in den Weg, all das tut lediglich den Schritt vom Erhabenen zum Lächerlichen, wandelt den Pfennig der Liebe in blecherne Münzen um auch dann, wenn sie Gold sind und dem feudalsten Tresor der Neuzeit entstammen. ... Die Wohltätigkeit soll nicht Sport, sondern Herzenssache sein, und die Kreise, die für eine gesunde soziale~'' gebung uud eine gesunde Charitas eintreten, müssen ohne Unterschied des Glaubens und der Parteinng die Aftercharilas und Pseudowohltäligkeit mit aller Entschiedenheit bekämpfen. Was bei Blumentagen und ähnlichen Gelegenheiten geleistet wird, ist mehr gemeingefährlicher als nützlicher Natur. Und die meisten dieser Eisrigen Iverden versagen, wenn einmal in der verschwiegenen Dämmerstunde die Bitte des verschämten Armen an die Tür pocht, wenn eine Familie, gedrückt von Kummer, Scham und Angst, die Rechte sehen will, von deren Taten die Linke nichts weiß, und wenn es darauf ankommt, im Interesse einer schlvachen Gesellschastsklaffe den Egoismus deS eigenen Instinkts zu überwinden." Das sind Peitschenhiebe für die Frommen, die den Humbug der Blumentage verteidigten und die Sozialdemokraten wegen ihrer ablehnenden Haltung verunglimpften. Trotz alledem wird der Bettel, wie er bei den Kornblumentagen der nächsten Tage wieder vor sich geht, auch den Segen der meisten Zentrumsblätter finden. Sind doch die Ausführungen des Angsburger Blattes auch Peitschenhiebe für das Zentrum, das systematisch die Not der Armen vergrößert durch seine elende Raub- und Wucherpolitik, die den Agrariern Reichtümer in die Kassen schafft und nichts übrig läßt für die Veteranen der Arbeit und des Krieges!_ Schulpflichtige Kinder wurden am Sonntag in der Nähe deS Flugplatzes mit Kornblumen handelnd gesehen. Die Schießplätze in der Jungfernheide sowie die Schießstände der Garde-Jnfanterie in der Jungfernheide bleiben von der Ein- gemeinduNg nach Berlin unberührt: Das Kriegsministerium hat seine Zustimmung verweigert. Das große Gebiet � des Tegeler Schießplatzes wird auf absehbare Zeit seiner bisherigen Bestimmung erhalten bleiben und zur Eingemeindung nicht gelangen. Die Be- mühungen Berlins, wenigstens bis zum Tegeler und Spandauer Weg die Weichbildgrenze von Berlin vorzurücken, sind an dem durch den Regierungspräsidenten und den Lanbrat des Kreises Nieder- barnim unterstützten Widerstande der Zdachbargemeinde Charlotten- bürg gescheitert. Der Tierpark von Hagenbeck wird auf der östlichen Seite der Jungfernheide nahe der Müller- und Seestraße errichtet und zur Entwickelung des„afrikanischen Viertels" gewiß nicht an» wesentlich beitragen. Für diesen Park sind 286 Morgen vorgesehen. Der Fiskus hat Herrn Hagenbeck schon gewisse Zusicherungen ge- geben, chz die Berlin gebunden sein soll. Zum Schutz des Publikums gegen verdorbene Milch hat der Regierungspräsident von Potsdam eine Verschärfung der landes- polizeilichen Anordnung betreffend das Verbot der Weggabe von Magermilch, Buttermilch und Molken erlassen. In der ersten Ver» ordnung, die wegen der Gefahr der Weiterverbreitung der Maul» und Klauenseuche erlassen wurde, tvar nur das Weggeben unab, gekochter Magerimlch, Buttermilch und Molken aus Genossenschafts- und Sammelmolkereien an die Milchlieferanten verboten. Jetzt wird durch Nachtrag bestimmt, daß die Worte„An die Milchliefe- ranten" in Fortfall kommen. Damit ist das Verbot allgemein aus- gesprochen und man darf hoffen, daß diese Bestimmungen genügen werden, um die Weitervcrbreitung der Maul- und Klauenseuche und die Gefährdung der Mllchkonsumenten hintanzuhalten. Der Grund zu dieser Verschärfung ist in einer Gerichtsverhandlung zu suchen, in der der Leiter der Interessengemeinschaft Märkischer Milchprodu- zcnten die auffällige Tatsache bekundete, daß in Berlin unabgekochte Milch von verseuchten Kühen verkauft worden sei. Um die Um- gehung der landcspolizeilichen Verordnung unmöglich zu machen, ist die Weggabe unabgekochter Milch nun ohne Einschränkung ver- boten. Die Markthalle in der Grünthalrr Straße auf dem Gesund» brnnnen, die jahrelang leer steht und in der in den letzten Jahren Nachlaßsachen von Obdachlosen aufbewahrt wurden, soll in eine Fortbildungsschule umgewandelt werden. Ten Fcrirnvcrkehr betreffend, macht die Staatsbahnverwalwng folgendes bekannt: Während der Reisezeit, namentlich beim Beginn der Schulserien, wird auf den Berliner Bahnhöfen erfahrungsgemäß kurz vor der Abfahrt der Züge Reisegepäck in so großen Mengen aufgeliefert, daß trotz aller Vorkehrungen die pünktliche Beförderung in Frage gestellt wird. Um auch den Reisenden, die nicht von der Einrichtung des achttägigen Vorverkaufs von Fahrkarten bei dem amtlichen Reisebureau Potsdamer Bahnhof und den Fahrkarten- ausgaben Friedrichstraße und Stettiner Bahnhof Gebrauch machen können, Gelegenheit zu möglichst frühzeitiger Be« sorgung von Fahrkarten und Gepäck zu geben, hat deS- halb die Eisenbahnverwaltung für die Zeit vom 25. Juni bis zum 14. August(einschließlich) angeordnet, daß von allen Berliner Fernbahnhöfen Fahrkarten bereits am Tage vor dem be- absichtigten Reiseantritt mit dem Tagesstempel des Reisetages ver- kaust werden; auch ist die Auflieferung von Reisegepäck zu den fahrplanmäßigen Zügen bereits am Tage vor der Reise zu- lässig. Für die Aufgabe deS Gepäcks zu den Feriensonderzügen gelrcn die Bestimmungen der besonders herausgegebenen Ferien- sonderzugübersichten. Die Fahrkartenschalter und Gepäckabfertigungen sind in der obengenannten Zeit von 8 Uhr vormittags bis 16 Uhr nachmittags ununterbrochen geöffnet. Wir empfehlen dringend, möglichst frühzeitig vor dem Reiseantritt die Fahrkarten zu lösen und das Gepäck aufzuliefern. Die erschütternde Familientragödie, die sich am Sonntag, den 12. März, in der Waldemarstraße 67 abspielte, wird kein gerichtliches Nachspiel haben. Die 36 Jahre alte Kutscherfrau Mathilde Rung� hatte, wie erinnerlich, ihre drei Kinder im Alter von drei, vier und sechs Jahren mit Zyankali vergiftet und sich dann selbst der Polizei gestellt. Bei ihrer Vernehmung auf dem Polizeipräsidium zeigte Frau Runge nicht die geringste Spur von Reue, erst später kam ihr das Entsetzliche ihrer Tat zum Bewußtsei», und sie fing bitterlich zu weinen an. Der Grund für die furchtbare Tat waren dauernde Zwistigkeiten in der Familie. Frau Runge beschloß daher, sich und ihre Kinder mit Gift zu töten. Sie stellte sich aus Zyankali einen Gifttrank her, indem sie Kaffee mit Zyankali mischte. Dann holte sie ihre drei Kinder ins Zimmer, um sie der Reihe nach umS Leben zu bringen. Während die beiden jüngsten Kinder das Gift freiwillig tranken, weigerte sich. daS älteste Mädchen unter lautem Schreien, von dem Gift zu trinken, und lief davon. Die Mutter holte es aber zurück und flößte dem Kinde gewaltsam den Gifttrank ein. Bald nach der iVerhaftung waren Bedenken an der Zurcchnungsfähigleit der Frau Runge auf- gekommen. Die ärztliche Untersuchung ergab, daß Frau Runge die Tat in einem Zustande krankhafter Störung der Geistestätigkeit be- gangen hat. Frau Runge wurde /gestern auf Antrag ihres Ver- teidigers Dr. Paul Posener auS der Haft entlassen. Der Sprertunnel unter Wasser. Wer in diesen Tagen die Ufer- straße Ncu-Cölln a. W. passiert, dem wird eine auffallende Vcr- änderung der Untergrundbahnbanstelle nicht entgehen. Der Spree» tunnel, dessen obere mit einer Steinschicht versehene Decke noch vor kurzem sichtbar war, ist verschwunden. Man hat bis zum Spree- bett den Boden aus den Fangdämmen ausgehoben und damit das Spreewasser in die ganze Baugrube eingelassen. Ueber dem Tunnel schwimmt jetzt ein Chaos von Pfählen, Bohlen und Leitern. Run gNt e8, die SpuudtvZnds zu veseltigsn. Dazu iuüssen lvieder die grotzen Dampfkräne herbeigeschafft werden, welche die mächtigen Baumstämme mittels Greifers herausziehen. Das wird einige Wochen in Anspruch nehmen. Zugleich werden die Fischlästen der Fischerinnung nach dem anderen Ufer verlegt und die südliche Hälfte deS Flusses für die Schiffahrt freigemacht. So dürfte die Wasser straste über den Spreetunnel in etwa vier Wochen passierbar sein Durch einen Schusi in die Schläfe versuchte sich gestern abend der 58 Jahre alte Magistratsbeamte Hermann Schön aus der Sene- fclderstraße 29 ums Leben zu bringen. S. tvar nach Tegel hinaus- gefahren und in der Nähe des Humboldtschlosses jagte er sich aus einein sechsläufigen Revolver eine Kugel gegen die Stirn. Das Geschoß streifte den Kopf und drang sodann in einen Baum ein Nach Anlegung eines Notverbandes wurde S. nach dem Paul-Ger hardt-Stift gebracht, lieber das Motiv zur Tat vermochte er noch keine Angaben zu machen. Auf der Herberge vom Tode überrascht wurde ein 33 Jahre alter Malergehilfe Alois Bauch. Der lungenkranke Mann hielt sich seit einigen Tagen in der Herberge in der Auguststraße auf. Dort fand man ihn gqstern nachmittag um 4 Uhr tot an einem Tische sitzen. Ein Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Die Leiche eines juugen Mädchens wurde am Montag an der Unterschleuse aus dem Wasser gezogen. Verletzungen, die am Arme festgestellt wurden, gaben Anlaß zu alarmierenden Gerüchten; die gerichtliche Obduktion stellte aber fest, daß dieselben von Boots- haken herrührten. Die Kriminalpolizei hat inzwischen festgestellt daß es sich um das 19 Jahre alte Dienstmädchen Hedwig Grätz aus Hettstadt handelt, daS bei einer Herrschaft in der Lietzenburger Straße in Charlottenburg im Dienst stand. Dort soll das Mädchen fälschlich verdächtigt worden sein, etwas entwendet zu haben. Diese Beschuldigung hat sich die G. sehr zu Herzen genommen. Vor acht Tagen hat sie sich einer in der Steinmetzstraße wohnenden Tante gegenüber bitter über die üblen Nachreden beklagt, die ihr das Leben verbitterten. Nachdem sie an ihren Vater einen Abschieds- brief geschrieben, ist die G. ins Wasser gegangen. Es wäre er- wünscht, näheres über die Herrschaft zu erfahren und ferner darüber, inwieweit die dem Mädchen zu teil gewordene Behandlung mit dem Entschluß deS Mädchens, in den Tod zu gehen, in Ver- bindung steht. ' Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich am Montagabend gegen 8H Uhr an der Endhaltestelle am Görlitzer Bahnhof. Dort versuchte der Schlosser Max Stüwel, Friedenau, Wilhelmstraße 5 wohnhaft, den haltenden Straßenbahnwagen 1289 der Linie 32 zu besteigen, stürzte jedoch rücklings auf das Straßenpflaster und zog sich eine schwere Gehirnerschütterung sowie innere Verletzungen zu Der Verunglückte wurde nach dem Krankenhause Bethanien ge� schafft. Selbstmord im Krankeuhause. In der Nacht zum Montag gegen 11 Uhr hat sich der 39 Jahre alte Kutscher August Werner im Krankenhause Bethanien am Mariannenplatz, wo er sich seit dem 39. März als Patient aufhielt, erhängt. Werner litt an Rücken- marksschwindsucht und war, da er in letzter Zeit große Unruhe zeigte, allein in einem Zimmer untergebracht worden. Als der ihn beauf- sichtigende Wärter um die genannte Zeit das Zimmer auf kurze Zeit verließ, riß Werner einen Leinwandstreifen von seinem Bettlaken ab und erhängte sich am Kleiderriegel. Verzweiflung über seine un- heilbare Krankheit hatte ihn zu dem Schritt getrieben.— Gleichfalls wegen unheilbarer Krankheit hat sich gestern abend der 39 Jahre alte Schirrmeister Max Klose in seiner Wohnung in der Tegeler Straße am Bettpfosten erhängt. Als seine Ehefrau bald darauf heimkehrte, rief sie einen Schutzmann und Hausbewohner herbei, die ihn losschnitten, doch blieben Wiederbelebungsversuche erfolglos. Einen Extrazug nach Dresden zur Besichtigung der auf ge- nossenschaftlicher Grundlage erbauten Gartenstadt H e l l e ra u ver- anstaltet die Rixdorfer Baugenossenschaft„Ideal" am Sonntag, den 25. Juni. Abfahrt etwa 5— Z�ö Uhr, Ankunft in Berlin etwa abends 12 Uhr. Die Fahrt kostet hin und zurück 6,69 M. Auch Nichtmit- glieder können daran teilnehmen. Am Sonntag, den 18. Juni, vor- mittags 19—12 Uhr im Bureau, Weichselstx. 8, ist der letzte Termin der Einzahlung des Fahrpreises. Als der katholische Lehrer Baensch aus Spandau ist der Mann festgestellt wovden, der sich in der Nähe des Restaurants Wilhelms- ruhe erschossen hat und über dessen eigenartigen Transport im Wasser durch Spandauer Polizeibeamte wir gestern Mitteilung machten. B. soll infolge hochgradiger Nervosität den Tod gesucht haben. Feuer bei Keller in der Koppenstraße. Gestern morgen kurz nach 4 Uhr wurde die Feuerloehr nach dem bekannten Versamm- lungSlokal„Kellers Festsäle" in der Koppenstraße 29 gerufen. Bei Ankunft der Löschgüge brannte dort im großen Saal der Fußboden und die Balkenlage in erheblicher Ausdehnung. Die Löscharbeiten nahmen längere Zeit in Anspruch, da die Balkenlage teilweise auf- gerissen werden niutzte, um Neuentzündungen zu vermeiden. Ueber die Ursache des Feuers ist nichts ermittelt.— Fast gleichzeitig erfolgte auf den Berliner Fenerlvachen auch Feueralarm nach dem Bahnhof Prenzlauer Allee. Als die Züge dort anrückten, stellte sich aber heraus, daß keinerlei Feuersgefahr vorlag. Die Züge konnten daher sofort wieder umkehren. Ein gefährlicher Wohnungsbrand brach gestern nachmittag im ersten Stock des Hauses Krausnickstr. 22 aus. Dort waren Möbel- stücke in Brand gerate». Die Gefahr wurde erst bemerkt, als aus den Fenstern nach der Straße hin helle Flammen herausschlugen. DaS Feuer dehnte sich in wenigen Minuten auf drei Vorderzimmer aus und führte eine solche Berqnalmung herbei, daß die Mieter des Vorderhauses in ernste Lebensgefahr gerieten. Als die Feuerwehr anrückte, zeigten sich im vierten Stock vier Frauen am Fenster, die schon Anstalten trafen, auf die Straße hinabzuspringen. Die Frauen im vierten Stock wurden durch Feuerwehrleute beruhigt und von übereilten Schritten zurückgehalten. Im ersten Stock hatten sich glücklicher- weise bei Ausbruch de« Brandes die Bewohner nach den, Seiten- -flllgel geflüchtet, so daß niemand zu Schaden gekommen ist. Die Ablöschung des Brande? erfolgte mit drei Rohren. Im ersten Stock sind drei Äorderzimmer vollständig ausgebrannt; im zweiten Stock wurden gleichfalls mehrer« Möbelstücke vernichtet, da daS Feuer von außen durch die Fenster eingeschlagen war. Vorort- JVaebnebtem Rixdorf. Der Antrag auf Aufhebung de» OrtSflatutS vom 17. Dezember 1998 steht u. a. auf der Tagesordnung der am Donnerstag, den IS. Juni stattfindenden Stadtverordnetenversammlung. Der Magistrat hat sich dem von der sozialdemokratischen Stadtverordneten-Fraktion gestellten Antrag mit folgender Motivirung angeschlossen:„Durch Urteil des OberverwaltungSgerichtS vom 3. März ist die bisherige Anwendung des Ortsstaturs vom 17. Dezxmber 1903 als unzu» treffend erklärt worden, weil die Voraussetzungen der 8s 2 und 3 des Gesetzes vom 39. Juni 1999 in Rixdorf nicht gegeben sind. Nachdem der Stadtverordneten-Versammlung der Antrag ans Auf- Hebung des OrtsftatutS unterbreitet worden ist, hat der Magistrat beschlossen, der Stadtverordneten-Versammlung zur Vereinfachung der geschäftlichen Behandlung dieser Sache die formelle Aufhebung des Ortsstaturs zu empfehlen." Von den weiteren Beratungsgegenständen ist zu erwähnen der Antrag auf Einrichtung eines Dezernats für Presse- a n g e l c g e>i h e i t e n. der bekanntlich in der letzten geheimen Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung behandelt werden sollte, wegen Beschlutzunfähigkeit der Versammlung aber vertagt werden mußte. Von Bedeutung ist noch der Punkt: Vertrag wegen Her- stellung des Personenbahnhofs o» der Kaiser-Jriedrichstraße. Ein Zusammenstoß Zwischen einem städtischen Omnibus und einem Plattenwagen der Firma Otto Jwann, Wescrftr. 136, fand an der Ecke der Berg- und Saalestraße statt. Dabei wurde der Arbeiter Wilhelm Noack aus Groß-Lichterfelde, der eben im Begriff war. den Omnibus zu besteigen, zur Seite geschleudert und am Kopf verletzt. Tchöneberg. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Zunächst wurden Stadtbaurat Roemer und Stadtrat Kob in ihr Amt eingeführt. Ter Vorsteher-Stellvertreter, Genosse Molke nbuhr, er- innerte die Herren daran, daß man in einer Großstadt stets die Interessen des Gemeinwesens im Auge behalten müsse.— Bei den Volksunterhaltungsabenden, die sich eines außerordentlichen Zuspruchs erfreuen und auch viel von den Ar- beitern besucht werden, soll nicht mehr wie bisher ein bestimmtes Eintrittsgeld erhoben werden. Man hält ez für nötig, die Preise für die Abende noch herabzusetzen. Wenn zwingende Gründe vor- handen sind, müsse man auch über den bisherigen Satz hinaus- gehen können, um auch Orchesterabende zu veranstalten.— Genosse H o f f m a n n ersuchte, den Antrag abzulehnen und jede Abweichung von dem bisherigen Satz zurückzuweisen, wenn Gewicht daraus gelegt werde, daß Arbeiter an diesen Veranstaltungen fernerhin teilnehmen sollen.— Bester sLib. Frkt.) hält es unbedingt für erforderlich, den 39-Pf.-Beitrag aufzuheben, da er nur eine Fessel bedeute. Zu einem Orchesterabend reicht der Satz nicht aus. Eine Erhöhung ist unbedingt erforderlich.— Genosse Bernstein hält die Absicht, höher zu gehen, für keine gute. Wenn etwas anderes geschehen soll, dann müsse man das Unternehmen ganz anders gestalten. Jetzt habe das Ganze einen demokratischen Charakter. Wenn Größeres veranstaltet werden soll, dann könne der Ueberschutz dazu verwendet werden.— Die Abstimmung ergab, daß nur die sozialdemokratische Fraktion für den Einheitspreis von 3 9 P f. war.— Genehmigt wurde die Errichtung einer Be- dürfnisanstalt für Männer und Frauen auf dem Dürerplatz. Die Kosten, einschließlich Bauzinsen, schließen ab mit 8399 M.— Hier- auf gelangte folgender Antrag der sozialdemokratischen Fraktion zur Debatte: „Der Magistrat wird ersucht, eine gemischte soziale Deputation zu schaffen, die aus Vertretern des Magistrats und städtischen Arbeitern besteht." Stadtv. Schneider(kons.) beantragte, die Verhandlung über den Antrag zu vertagen, da als Unterschrift nur B ä u m l e r und Genossen angegeben sei.— Der Herr mußte sich vom Vorsteher sagen lassen, daß ein schriftlicher Antrag mit den er- forderlichen Unterschriften vorliegt. Die Vcrtqgung wurde hierauf einstimmig abgelehnt.— Auch Herr Schneider lehnte seinen Antrag ab. Genosse K ü t e r betonte, daß diese Deputation eine ständige Einrichtung sein soll. Von denen, die bei der Stadt beschäftigt sind, seien es immer die städtischen Arbeiter und Arbeiterinnen, die von allem am schwersten und nachteiligsten betroffen werden, ohne daß sich dieselben dagegen genügend schützen können. Die Lohnverhältnisse seien in anderen Gemeinden viel auskömmlichere und geordnetere. Die willkürliche Aenderung der Grundsätze, die Umgehung der Ueberstundenzahlung, die Einführung einer Krankenkontrolle, ebenso die Verlängerung der Arbeitszeit und die Nichtbeachtung des Arbeiterausschnsses machten es erforderlich, daß eine Deputation eingesetzt werde, die ihr Augenmerk auf die sozialen Schaden und Wirkungen, die den städtischen Arbeitern und Arbeiterinnen daraus erwachsen, zu richten habe und beizeiten auf Abhilfe dringen müsse. Nur Fragen sozialer Natur, die aus den Kreisen der städtischen Arbeiter kommen, sollen dieser Deputation, der auch unbedingt städtische Arbeiter angehören müssen, überwiesen werden. Bei den Liberalen schien dieser Antrag eine große Ber- wirrung hervorgerufen zu haben, denn der Redner, Direktor etekamp, der Austrag hatte, den Antrag der Sozialdemo- kraten zu bekämpfen, versuchte den Antrag mit Gründen zu be- kämpfen, die mit dein Antrage selbst nichts gemein hatten. Der Herr meinte, der Antrag bedeute weiter nichts, als eine Erweite- rung der Wohlfahrtspflege, und dafür sei bereits eine Deputation vorhanden. Zum Schluß beantragte die Liberale Fraktion:„Der Magistrat möge erwägen, ob eine soziale Deputation zweckmäßig wäre."— Außer der sozialdemokratischen Fraktion stimmte nur Knorr(Lib. Vereinig.) für den sozialdemokratischen Antrag, während die Liberalen sämtlich dagegen stimmten. Der Antrag der Liberalen wurde angenommen. Ferner beantragte die sozialdemokratische Fraktion: „Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat, die Frage zu prüfen, ob nicht an Stelle der bestehenden Mittel- schule eine schultechnische Mittelanstalt errichtet werden kann, die das vermittelnde Glied zwischen den Elementarschulen und den höheren Lehranstalten bilden würde, und der Stadt- verordnetenversammlung darüber sobald-als möglich Bericht zu erstatten." Genosse Bernstein begründet den Antrag mit dem Hin- weis, es möge begabten Volksschülern Gelegenheit gegeben werden, vor Besuch einer Lehranstalt in einer Mittelschule sich hierfür vorbereiten zu können. Bester(Lib. Frkt.) bekämpft auch diesen Antrag und be- ruft sich auf ministerielle Verfügungen, die es nicht zulassen, daß die Mittelschule nur eine technische Anstalt bildet. Der Redner beantragt:«Der Magistrat wird ersucht, die Mittelschule derartig auszubauen, daß begabte Kinder in ihr Aufnahme finden." Genosse B e r n st e i n wendet sich gegen die Darlegungen des Vorredners. Die Liberalen verlangten eine Standesschule und wir nur eine technische Schule. Wir Wollen die Gemeindeschule ausbauen und da soll der Magistrat prüfen, wie weit die jetzigen Bestimmungen dies für Volksschüler zulassen. Redner ver- mißt ferner die Bibliothek, in der Verfügungen, Ortsstatuten vorhanden, um jeden Stadtverordneten sofort Gelegenheit zu geben, nachschlagen zu können. Gegen den sozialdemokratischen Antrag stimmten wiederum ämtliche Liberalen und Konservativen. Hierauf gelangte die neue Steuerordnung zur Debatte. Stadtv. Engel(Lib. Frkt.) befürwortete die Rennplatzsteuer, will dagegen die Kinematographensteuer erst einem Ausschuß überwiesen haben. ES handelt sich weder um eine Ertrags- noch Lustbarkeitssteuer, sondern um eine Abwehrsteuer, und dafür sind die Liberalen zu haben.— Genosse B e r n st e i n wendet sich gegen die Steuer. Solche„moralischen Steuern", wie man sie bezeichne, brauchten wir nicht. Es liege kein Grund zur Besteuerung vor. ES möge dafür gesorgt werden, daß die vorhandenen Theater besser entwickelt werden.— Kämmerer M a ch o w i c z erklärt, die Steuer solle eine Abwehrsteuer sein; eine LnstbarleitSsteuer will der Magistrat gar nicht erst begründen. Im Etatsausschuß hätte die sozialdemokratische Fraktion nichts gegen die Steuer ein- zuwenden gehabt.— Genosse K ü t e r weist diesen Vorwurf sofort zurück und meint, diese Steuern hätten gar nicht zur Besprechung gestanden, da die 119 Proz. erwartet wurden. Der Magistrat hätte eine derartige Vorlage nicht gebracht, wenn die erhöhte Ein. kommensteuer angenommen wäre.— Die Vorlage wurde einem Ausschuß überwiesen, dem die Genossen Bäum lex. Küter, Obst angehören. Einstimmig angenommen wurden einige Schenkungen. Dar- aus sollen, soweit nicht bestimmte Bodingungen vorliegen, 19 999 Mark für in Not geratene, besonders älteren in Schöneberg an- ässigen Kaufleuten zum Zweck der Unterstützung verwendet verde». Ferner sollen 69 999 M. für die Errichtung eines großen tädtischen Hallen-Schwimmbades mit je einer Schimmhalle für Männer und für Frauen Verwendung finden. Außerdem sollen Räume gcschasfcu werden für VolkSbildungS- und Erholungszwecke. Das Obdach im Südostgclände soll einem Umbau unterzogen werden und sollen wesentliche Acnderungcn statt- inden. Frauen und Kinder werden nicht in gemeinsamen Räumen, ielldzin laffiiücnffieijs getkkWt)ß SiMlZtMMr Wtergcbrscht. Die Insassen haben sich selbst zu beköstigen. Von der Einrichtung eines Entbindungs-, Wöchnerinnen- und Krankenzimmers wird Abstand genommen. Tie Männer werden ausnahmslos von der Aufnahme ins Obdach ausgeschlossen.— Als die sozialdemokratische Fraktion vor kurzem auf verschiedene Umänderungen im Obdach hinwies, da waren es die Liberalen, die dem ganz ent- schieden entgegentraten. In der letzten Sitzung verlas Zobel iLib. Frkt.) einen Bericht, in dem von liberaler Seite auf diese Aenderungcn hingewiesen wurde.— Die Vorlage wurde einem Ausschuß überwiesen, dem die Genossen Däumig und Hoff- mann angehören. Ohne Debatte wurde beschlossen, dem Verein zur Bekämpfung der Tuberkulose betreffs Erweiterung des Frauenpavillons der Heimstätte in Sternberg 89 999 M. zu über- weisen, die mit 4 Proz. zu verzinsen und 2 Proz. zu tilgen sind. Der Verein selbst gibt aus einer ihm zugefallenen Erbschaft 59 999 M. her, da die Gesamtkosten sich auf 139 999 M. stellen. Von dem Stadtv. Lulay wurde die Beschlußfähigkeit angezweifelt und mußte die Versammlung geschlossen werden. Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich gestern vormittag in der Helmstraße. Der 21 Jahre alte Schlosser Friedrich Gärtner, Wartburgstraße 49 wohnhaft, hatte in dem Fahrswhlgehäuse auf dem Grundstück Helmstraße 5 Reparaturarbeiten verrichtet. Er wollte sich nach beendeter Arbeit aus der Höhe des fünften Stockwerks in den Schacht hinablassen und ergriff zu diesem Zweck den eisernen Förderstrick. G. rutschte mit den Händen an dem Strick herunter und durch die Reibungen wurde eine derartige Hitze hervorgerufen, daß dem G. die Hände verbrannten. In seinem Schmerz ließ der junge Mensch loS und stürzte nun vom vierten Stockwerl in den Schachtteller hinab. Der Verunglückte erlitt innere Verletzungen. sowie Schenkelbrüche und wurde nach dem Schöneberger Kranken- hause gebracht. Weisxensee. Ans der Gemeindevertretung. Bevor in die Tagesordnung ein- getreten wurde, gab der Bürgermeister die Verfügung des Re- gierungspräsidenten bekannt, wonach der besoldete Schöffe Dr. Pape seines Amtes enthoben wird.— Der Vertrag über den Nachtdienst der Aerzte wird auf ein balbeS Jahr verlängert. AIS Zuschuß zu den Unkosten der Industriebahn Tegel— Friedrichsfelde hat die Ge- meinde für daS Jahr 1919 die Summe von 2499 M. zu trage». Für das Jahr 1909 betrug diese Summe 8417 M. Es wird damit gerechnet, daß für die nächste Zeit Zuschüsse nicht mehr erforderlich werden. Die Verpachtung der RepauralionSräume der Gemeinde- turnhalle erfolgte an die Brauerei Patzenhofer bis zum Jahre 1919. Die Pachtsumme steigt in zwei Jahren um je 1990 M. bis zu 19 909 M. Genosse Frentz wünschte bei dieser Gelegenheit, daß man den Pächtern vorschreiben müsse, welche Quanten Bier für ein bestimmtes Geld zu liefern seien, jedoch lvollte die Mehrheit hiervon nichts wissen, um eine Konkurrenz den übrigen Gastwirten gegenüber zu vermeiden. Der vom Bauverein gestellte Antrag, die Anbau- sähigkeit der Feldtmannstraße zu beschließen, wurde abgelehnt. Die Gesellschaft soll erst eine Regulierung der Straße nach den Be- stimmungen des Bauamtes vornehmen. Nowawes. Die elektrische Straßenbahn wird dem Bernehmen nach ihren Betrieb auf längere Zeit einstellen müssen, da wegen der bereits in Angriff genommenen Höherlegung der Eisenbahn mit der Nieder- legung der Bergstraße in einigen Wochen begonnen werden soll. Von vielen Einwohnern dürste diese Maßnahme sehr unangenehm empfunden werden, bildet doch die Elektrische in ihrer jetzigen Linien- führung bis zur Plantagenstraße für viele. namentlich für die im nördlichen und östlichen Ortsteil Wohnenden die einzige bequeme Verbindung mit Potsdam. Die interessierten Hausbefitzer, die durch die geplante Betriebseinstelluiig wohl einen ungünstigen Einfluß auf die Wohnungsnachfrage be- fürchten, wollen daher an die Gemeindevertretung das Ersuchen richten, den Betrieb nicht gänzlich einzustellen, sondern die Straßen- bahn während deS Eisenbahnbaues durch die Schulstraße zu führen, vielleicht bis zum Uebergang im Zuge der Kirchstraße. Obwohl der Vorschlag im Interesse des Verkehrs einer Erwägung wert wäre, ist doch kaum anzunehmen, daß er Berücksichtigung findet. Die finanzielle Lage des Ortes dürfte die Schaffung emes so kostspieligen Prodi« soriumS kaum ermöglichen lassen. Der Blumentag hat nicht das erwartete günstige Ergebnis ge- bracht. Der Inhalt der 341 Sammelbüchsen soll 3862 M. betragen haben. In diese Summe sollen sich fünf Vereine teilen, darunter die beiden christlichen JllnglingSvereine, die unter dem Schutz der Kirche nunmehr den Kampf gegen die freie Jugendbewegung in verstärktem Maße fortsetzen können. Hub aller Melt. Ter deutsche Rundflug. Die zweite Etappe Magdeburg-Schwerin(176 Kilometer) ist am Dienstag von fünf Fliegern zurückgelegt worden, und zwar von Wiencziers. Lindpainter. König. Wittenstein und Büchner. Die drei Erst- genannten konnten die Strecke glatt durchfliegen, während Wittenstein und Büchner Zwischenlandungen vornehmen mußten.(ES gebrauchten zum Fluge Magdeburg-Schwerin Wiencziers 1 Stunde 54 Min., Lindpainter 1 Stunde 59 Min., König 1 Stunde 38 Min.) Der sechste Flieger, der morgens in Magdeburg gestartet war, Loitsch, war bereits bis Ludwigslust gekommen, hatte also bereits vier Fünftel der Strecke zurückgelegt, als er sich verirrte und schließlich in Braunschweig landete. Trotzdem Loitsch also wohl 250 Kilo- meter zurückgelegt hat, ist er noch ebenso weit vom Ziel ent- sernt, als bei seinem Abflug. Ein grandioses Pech! In Magdeburg gelandet sind inzwischen noch Schauenburg, Thelen und Müller. Leider erlitt Müller am Ziel durch Absturz aus 20 Meter Söhe eine Gehirnerschütterung, die aber, wie ärztlicherseits festgestellt wurde, zu Besorgnissen um sein Leben keinen Anlaß gibt. B o l l m ö l l e r, der wegen Motordcfckts von Potsdam nach Berlin hatte zurückkehren muffen, startete am Dienstag- vormittag abermals zum Flug nach Magdeburg. Er mußte wegen BcnzinmangelS wenige Kilometer vor Magdeburg niedergehen.___ Folgenschwere Einsturzkatastrophe. Ein schweres Bauunglück hat sich gestern vormittag in Schweinfurt ereignet. Die bereits seit längerer Zeit bc» stehende Schuhfabrik von H e i m a n n wurde gegenwärtig durch den Anbau eines dritten Stockwerkes vergrößert. Aus noch nicht aufgeklärter Ursache stürzte während der Arbeit plötzlich ein Teil der Front in auer deS Fabrik- g c b ä u d e s e i n. Bei dem Einsturz sind zwei Arbeiter auf der Stelle getötet worden, ein dritter wurde l e b e n S- gefährlich, fünf bis sechs Arbeiter mehr oder minder schwer verletzt. Zwei Mann liegen noch unter den Trümmern und konnten bisher nicht geborgen werden, so daß sie zwciscl- loS ebenfalls tot sind. Vom Wahlkampf in Wien. Einige Genossen vom Aisergrund find gegen den christlich- sozialen Kandidaten dieses Bezirke« so zuvorkommend, daß sie seine Visitenkarte verteilen, dazu noch mit der Anführung aller Titel und Würden dieses Kandidaten. Die Visitenkarte ist auf zwei Seiten if druckt. Auf der ersten Seite heißt es: Exz. Richard Wciskirchner J. Dr., Geheimer Rat, l. k. Handelsminister, Magistrats« direktor in Pension, Landtagsabgeordneter und Gemeinde« rat der Stadt Wien, Grotzkreuz des Franz-Josephs« Ordens. Ritter des Ordens der Eisernen Krone. Besitzer des preußischen Roten Adlerordens erster Klasse, Ritter des russischen AnnenordenS. Kommandeur des spanischen KronenordenS. Kommandeur des Sternes von Rumänien. Offizier des belgischen Leopoldordens. Besitzer des päpstlichen Ehrenkreuzes pro Ecclosia et Pontifice bittet Euer Hochwohlgeboren Die Fortsetzung findet nun der Text der Visitenkarte auf der zweiten Seite, auf der es heißt: zu bedenken, ob auf einen Mann mit so viel Aemtern, Geschäften und Orden nicht das Wort des Prälaten Sckeicher paßt, der sich seiner reinen Knopflöcher rühmt, weil einer, dessen Knopflöcher nicht mehr leer sind, „nicht mehr so männlich austritt, als eS manchmal wünschenswert wäre'. Wer diese Meinung teilt, der wählt am IS. Juni den Sozialdemokraten Max Winter, Schriftsteller, XHl. Bezirk, Bowitschgasse Nr. 3. Höflicher als mit Visitenkarten kann man doch den Wahlkampf nicht führen._ Kleine Notizen. Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich gestern mittag in der Nähe der pfälzischen Bahnftatton Schwarzenacker. Dort entgleiste ein Güterzug, wobei der Lokomotivführer H a ch und der Heizer Weber getötet, der Zugführer Kiefer schwer der- letzt wurde. Schreckenstat eines geisteskranken Arztes. In einem Anfall von Geistesgestörtheit erschoß in B o p p a r d a. Rh. der Arzt Dr. S ch m oll einen Patienten Sülz er. den er in seiner Wohnung besucht hatte. Durch«inen zweiten Schutz machte Schmoll seinem eigenen Leben ein Ende. Hinrichtung eines Raubmörders. Gestern früh wurde in Posen der Raubmörder DudzynSki hingerichtet, der durch rechts- kräftiges Urteil des dortigen Schwurgerichts vom 12. Januar unter dem falschen Namen Jakob Kinzle zum Tode verurteilt worden war. Er hatte vor seiner Hinrichtung einen Selbstmord- versuch unternommen. DudzynSki hatte am 11. August v.J. den Flsischermeister K o S c i e l S k i aus Äurnik ermordet und beraubt. Maskierte Räuber. In der am Schwarzen Meer gelegene» russischen Stadt Noworossijsk überfielen gestern nachmittag zehn maskierte Räuber die Filiale der russischen Bank für aus- wärtigen Handel. Ein Schutzmann wurde getötet, mehrere Ange st eilte verwundet. Die Räuber raubten vierzigtausend Rubel und entflohen damit ins Gebirge. Unwetter in Nordamrrika. Ein schweres Gewitter mit heftigem Sturm und starken Regengüssen ging Montag abend über die öst- lichen Distrikte nieder. Zahlreiche Unglücksfälle werden gemeldet. In Newport News sollen 1b, in der Umgebung von Philadelphia drei Personen umgekommen sein. Die Telegraphen- und Telephonleitungen find an vielen Stellen zerstört. Bnefhaftcn der Redaktion. F. M. 24 c. Die Klage erscheint aussichtslos, weshalb auch die An- srage an das Gericht überflüssig ist.— F. L. 21. Richten Sie ein Mahnschreiben an den Vorsitzenden der Veranlagungskominission.— W. Ä. 100. 1. Ein Monat«ach Zustellung. 2. Ja, innerhalb der einmonailichen Be- rusungssrist.— A. Z. Rixdorf. 1. Nein, sosern der Verkehr mit mehreren Männern in die gesetzliche Empsängniszeit fällt. 2. Ja, sosern nicht Verkehr mit mehreren Mannern innerhalb der Empsängniszeit nachweisbar ist. UebrigenS steht der Anspruch nicht der Kindesmutter, sondern dem Kinde persönlich— vertreten durch den Vormund— zu.— O. B. 14. Ihre sivau soll schriftlich erinnern.— B. 100. Wir raten, die Anfrage an Herrn I. Körtgen, London bt. LS, Fuwrock Road Tusnell Park zu richten. Sie tonnen sich aus uns berufen.— W. I., Carmen-Sylvastraße. Ja. Versammlungen. Zentralverband der Zimmerer. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung der Zahlstelle Berlin und Umgegend fand am Donnerstag in der„Alhambra". Wallnertheaterstraße, statt. Die Genossin Luise Zietz hielt dort einen sehr fesselnden und lehrreichen Vortrag über:..Die Ar- beiterbewegung als größte Kulturbewegung", der lebhaften Bei- fall fand. Im Anschluß daran schilderte der Vorsitzende die gegen- wältige gewerkschaftliche Lage und machte namentlich aus die Streiks der Bauklempner und der Eisenkonstruktionsarbeitcr auf, mertsam sowie auf die Pflicht der Solidarität, die es der übrigen Bauarbeiterschaft vor allem gebietet, sich vor irgendwelcher Streik- arbeit zu hüten und keine Arbeit zu verrichten, die bisher Sache der Streikenden war. �Wiederholt, weil nur in ciuem Teil der Aufläge,) WitterungSübrr««» vom 13. J«mi ISU. % Ii te-- Zwtnemde erlt« jjtanfl.a vi München Wien II Bf 757 WNW 757©SB 757 NW 756 SO 757 D 758 O B Btttn l Lhalbbd. 2 bedeckt Lhalb bd. 1 wolkig 2 heiter 1 Dunst »II i; CtatUnn i avaranda 756 ND eterSburg,75ZW LS WS i? Seilly «lberdee» Paris 760 N 762 WNW 756 DSD Wetter 2halS bd.! 2Halbbds 2 wolkig 4 heiter lhalbbd. B« tt G 6 7 13 9 W «Setterproguose für Mittwoch, de« 14. Juni lSIl. Ein wenig wärmer, zeitweise heiter, aber sehr veränderlich bei meist schwachen südwestlichen Wmden, etwas Regen und Eewitteriieiguug. Berliner W e tt er b ur eau. EjjjjggT Todes-Anzeigen IWM SozialdemokrasischerWalilvereiD Britz. Nachruf. Sonnabend, den 11. Juni, verstarb der Genosse �uxust ksckberxer Thausfeestr. 51 an der Berusslrankheit. 202/19 Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung hat am DienS- tag stattgejunden. Der Borstand. Zentral-Verband der Steinarbeiter. Zahlstelle Berti«. Llm 10. Jlmi starb unser Kollege Theodar Geier 52 Jahren an 172/2 im Alter von Asthma. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heut«, nachmittags 4'/, Uhr, von der Lcichenballe des Friedcnauer Kirchhofes aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah insolge eines Unfalls unser Kollege, der Kranführer Nermsmi Verdens am 1. b. M. im Alter von 47 Jahren verstorben ist. Ferner verstarb unser Kollege, der Droschtensührer (justev Rodis am 7. d. M. im Alter von 65 Jahren. 68/13 Ehre ihrem Andenken! Dle BezirkSverwaltung. zikrdand der Maler, Fackltrkr,Außrtichkrusw. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege voong Krllgvr (Lichtenberg) am 6. Juni beim Baden er. trunken ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle deS ZiummelS- burger Kirchhofes in der Lück- ftratze aus statt. 129/11 Die OrtSverwaltung. Für die so überaus reiche und herz. licke Teilnahme und die Kranzspenden beim Heimgange mein« lieben Frau und Mutter sage ich allen aus diesem Wege meinen innigsten Dank. 0. I�lKiiL nebst Kindern. Ertstr. 7. /tilg. Kranken- v. Lterdekaese der deutschen Drechsler and deren Berufsgenoss. E. II. 86. Verwaltung Berlin B. Am 11. Juni verstarb unser Mitglied VViikelm Carius. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 14. Juni, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Halle des Hcilia-Areuz-Kirchhoses in Mariendors, Eisenacher Stvasie, aus statt. 292/10 Allen Freunden und Belannten die traurige Nachricht, dah meine inniggeliebte Frau wid Mutter Elisabeth Rapp geb. Krö sing, Waldstratze 6, im Alter von 38 Jahre» nach langem schweren Leiden sanft ent- schlaseu ist. Die Beeidigung findet am Donnerstag, den 15. Juni, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle der Heilandsgememde, Plötzenlee, auS statt. 46372 Danksagung. Für die reichen Kranzspenden beim Hinscheiden meines lieben Bruders sage ich dem Personal der Finna Rudolf Masse, dem Verband der Druckerei-Hilssarbeit«, dem Wahl« verein Rixdors(18. Bezirk), sowie allen Verwandten und Bekannten meinen innigsten Dank. Sebninde, Steinmetzstr. 85 in. Hildegard Ripdorf. Stell Danksagung. Für die zahlreiche Bclciliguug und die schönen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Manne? und unseres guten VaterS sagen wir der gesamten Arbeiterschast der Brauerei Patzenhofer(Abt. I und U) erzlichsten T' S sag« Ichast :. I ui unseren herzlichsten Dank. Wwe. Michaelis nebst Kindern. 87/5 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die vielm Kranz- wenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guien Vater« sagen wir allen Verwandten, V«> kannten und Genossen, insbesondere den Genossen deS 6. Berliner Reichs- tagSwahllreiles, den Genossen de« 524. Bezirk«, dem verband der freien Gast- und Schankwirte, Bezirk 8. dem Sparverei».Ohne Geld-, den Tischlern der Firma Schneider, den Kutschern und Arbeitern der Firma Franz Montag, der Familie Goldltz, der ersten Genossenschastsbrauerei Friedrichshagen, dem Verein Berliner Weigbierwirte, der Berliner Bock- brauerei und dem Redner Waldcck Manaste für seine trostreichen Worte am Grabe unseren innigsten Dank. Wwe. Johanna Schmidt 23186 nebst Söhnen. Für die un» bewiesen« herzliche Teilnahme bei der Beerdigung unseres unvergeßlichen liehen Sohne» und Bruders 2S17b Lwaid Boderke sagen wir aus diesem Wege allen Teilnehmern unseren herzlichsten Dank. Wilhetm Boderke nM s-mme. |(ufe<€ Nirvonagend bewährH Nahrung. DieKinder�edeihen -Kindernahrung wie mnMv jl iKranken- uJe'dsnnlcM in VshQ«t� wWe-Mw sSEEHS«» Unserem Abteilungssührer Ernst Philipp 1 zum heutigen Wiegenfeste die herzlichsten Glückwünsche I Die BezirksfUhrer der V. Abt. Wahlverein Weifiensee, Kreit Niederbarnim, dSZSSSASSOEKßßS« 8peziaI-Arzt für Haut* nnd Harnleiden Dp Pnnlro Rotenthaler Str. 70 ur. rU|IRC, Spr.9-2, 6-9, Sonnt. 9-3 Haben 8ie Stoff? � Ich fertig» davon Anzug od, PMtotoi nach AlaSM, schick, aaaerh. Zutaten von 2S Mark an. Moritz Laband, Nene Promenade 8, II.(Stadth. BSrs.) Reparaturen. Gpez.: Unerläßlich saubere Mensur für Schüler. Tonverbesse- rung, aus Wunsch auch solche, die dem alt-italienischen Tone täuschend ähnlich ist. 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VM- Kollegen erscheint ohne Ausnahme!-WW 172/1*___ UEDECI iaa—••••* �oirc-Äouh 3 Jfg. «Nofre-Force SÄrdattapal n ist der schönste Ausflugsort? ? Immer noch Vichelswerder» beim Alte« Fre««d. vknv jviiv �naskiung verkauks ieh kisnos erstklaseipes Fabrikat (9inal prämiiert Staats- medaüle) in allen Holsund Stilarton von wunderbarer Tonfälle. P,__..._______ mar, ohne Jeden Pi'olaaufMchlag. 82/4* Für jedes Instrument gewähre ich 20jähr. schriftl. Garantie. Conrad Krause Nchffl., xok?kur«ü"ü�,"��Tei�Oha/h i(»ia. Hwch Sonntag« geaffhet. flnnahmettelleD für„Kleine Anzeigen" Berlin C. 91. Hahniich, Auguffflv. 50, Eingang Loachwistrake. Schmidt, Kirchbochstr. 14. Petersburger Platz 4. tvnstav Bogel, Koppen» N. Wengels, Gr. Fransiurtcr Str. 120. w. 0. R. Hackelbusch. streß« 88.~~_ IVO. L..'sucht. Jmmanueltirchstr. 12. I. llteul, Barnimstr. 42. dl. W. Baumann, Bernauer Str. 9. F. Trapp. Stcttiner Str. 10. Karl M nrs, Lychener Str. 123. Karl Wethe Rachf., Nazaretbtirchstr. 49. t>. Bogel. 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Eintritt X Mark, von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälste. Jahres-Abonnements an allen drei Schallerlassen. die Tänzerin klass. Kunst. Nina Bitowey kaukas. Volkssängerin, und das neue groBe Programm! 14 erstklass. Attraktionen. AdmiafeisDakhst AnPahobof Hflcdrittiltewc Eiss Arena. Geöflnet von 10 Uhr vorm. In der heißen Jahreszeit angenehm kühler Aufenthalt. Allabendlich; Das prunkvolle Eisballett Rontreal Die Stadt auf Schlittschuhen. Zahlreiche Kunstlaufproduktionen. Exquisite Restauration bis 1 Uhr nachts. Bis 7 Uhr und von 10'/. Uhr abends: halbe Kassenpreise. Berliner Prater-Theater Jlaftanicnallce 7— 9. MF" Täglich:"TJSQ Die drei Grazien. Posse in 4 Akten von Treptow. SpezialitSten und Konzert. Ansang 41/, Uhr. Eintritt 30 Ps. Königstadt-Kasino. Holzmarktstr. 72. Jrrnngen. Poffe in 1 Akt. The Oderos. Neubert und R6e. Rosa Horst. Otto Römer. Ans.'/,8 Uhr, Sonntags'/,5 Uhr. verantwortlicher Siedattearx Albert Wachs. Berlin. Ur he» Programm zu dem am 17., 18. und 19. Jnni stattfindenden Provinzial-Sängerfest des Deutschen Arbeiter-Sänger-Bundes (Gau Berlin und Umgegend). Sonnabend, den 17..Toni, abends 8 Uhr: Eintreffen der auswärtigen Sänger; Abholung derselben; Durchmarsch dur ch die Stadt nach dem Paradeplatz; dort Ausgabe der Quartierkarten. Von 9—12 Uhr: Kommers in der„Germania"(bei Krasemann), Bech- liner Chaussee. Sonntag, den 18. Jnni, morgens 8 Uhr: Eintreffen der Berliner Vereine mittelst Extrazugos; Abholung der Sänger; Durchmarsch durch die Stadt nach dem See; Ueberfahrt zum Festlokal„Cafe Alsen" zur Generalprobe. Mittags I Uhr: Antreten der gesamten Vereine mit Fahnen auf dem Paradeplatz; Ummarsch durch die Stadt bis zum See; Ueberfahrt nach„Cafe Alsen"; dortselbst: Großes Instrumental- und Gesangskonzert; nach dem Konzert: Tanz. Die Ueberfahrt beträgt pro erwachsene Person Pf fiu— 9. Jnni:. Der lahi 10 Pf., schulpfl. Kinder 5 Rontag, den 19. jnni: Ausflug p Erholung nach der berühmten Kuppiner Schweiz. ibrpreis beträgt: Für Envaclisene 50 Pf., für Hin- u. Rückfahrt. Ausflug per Dampfer zur Kinder 25 Abfahrt:'/,10 Uhr. Um recht rege Beteiligung bittet 17/8 Der FcstansschnO. »»»gggxxxxKDzngannxgzxszsgsxxsctxa li-Mr ftiil Alt-ffloabit 47/48. Donnerstag, den 15. Juni 1911; Theater nub Spepalltiitev. Ansang deS Konzerts 6 Uhr, der Vor- stellung 7 Uhr. Nach der Vorstellung: Van». VorzugSkarten haben Gültigkeit. Jeden Montag u. Sonnabend: Lnatige 8lliiger._ Passage-Panoptikum. Di- Keger- Riesin Abomali, die größte] Frau, die je gelebt. Alles ohne Extra-Entree 1 Carl Haverlantl-Tlieaier «ommandautenstr. 77/79. Kölner Blatzheim-Burlesken. Zum ersten Male in Berlin. Ein Göttereatte! Der R oralprttisideiit! Ansang präzise 8'/. Uhr. Reiehshallen-Tlieater. Stettiner Singer. Uritton! Mietze im Hosenrock. Ansang wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Lnferstenteil verantw.i T�. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlaghsnstglt Kaul Singer u. Co., Berlin SW. Toigt-Tlieater Gesimdbnmnen, Badstrage 58. Heute sowie täglich: (fklknt Jugend. Großes Lebensbild mit Ges. u. Tanz u. daS grosie Speziatitätenprogramm. Passeneröffnung 2, Ansang 4 Uhr. MsüZsien-TIrts Mittwoch, den 14. Juni: Konzert, Theater- u. Spezialitäten- Borstellimg. Leopold Rosser. Ada Willb, Ballettgesellschaft Melani. S. Sonder- Vorstellung: Der Goldbauer. IVlanon-Tbeatoi-. Heute und solgende Tage: Da» K'i-inxcben. LiebeSschwank in 3 Akten v. R. Misch. Anfang 81;, Uhr. Max Kliems Sommer-Theater Rudolf Kröger, Hasenheide 13—15. Täglich: Erstklassige Dlieater- und Spezialifäten-Vorstellnngen. Zeltbedachter Theatergarfen, bei un- günstiger Witterung Schutz bietend. Donnerstag: fllitota«. Betae. ummelsbnrg am See. Inh.; Q. Tempel.== Jeden Donnerstag und Sonnabend: Lsinvvn äer Hoffmaniis Sänger. Jeden Sonntag: Spezialitätenvorstellong und Garten-Konzert.