Ur. 148. nbonnemcntS'ßedingungen: Abonnements- Preis pränumerando i Biertcljährl. 3,30 Mb, ntonatl. 1,10 Mb. wöchentlich 2S Pfg, frei WS HauS. Einzelne Siummer 5 Pfg. SoiunagS- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monab Eingetragen in die Pofl-ZeilungS- Preistille, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PoftabonnemenlS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Lureniburg, Portugal. Uumünicii, Schweden und die Schweiz, 28. Jahrg. vlchelnt laglich auBcr montags. Vevlinev Volksblatt. Zcntralorgan der fozialdcmokratl fchen parte! Deutfchlands. Dfe Tnfcrllons-Gcbübf beträgt für die fechsgcfpalteue Kolonel- zeile oder deren Zlaitui 00 Pfg.. für politische und getverlfchaftliche Vereins- Nnd Berfauimlnngs. Anzeigen 30 Pfg, „Uleine Znocigcn", da» fcltgedruclte Wort AI Pfg, fznläffig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Sletlengeinche und Schlafftellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort ö Pfg, Worte über Ik-Äiuch- ftaven zählen für zwei Worte. Inserate fiir die nächste Nummer lnnjsen dis 5 Uhr nachnnltagS in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 1 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Sldreffe: „Sosialätmollkal RcrliD". Redaktion: SM. 68. Lindcnstraasc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die sortbilsungzichule. II. Der Religionsunterricht. Wie wir gestern' schon meldeten, hat die Kommission für das Fortbildungsschulgesetz ihren Beschluß aus erster Lesung, eine halbe Stunde Religionsunterricht wöchentlich obligatorisch zu niachen, in zweiter Lesung nicht aufrecht zu erhalten gc- wagt. Die Blauen haben sich in dieser Frage von den Sälwarzen getrennt, weil ihnen der Religionsunterricht nicht so sehr wie ihren schwarzen Brüdern Selbstzweck ist. Immer- hin ist die Gefahr, daß die Fortbildungsschulen durch die Ein- führung des Religionsunterrichts in außerordentlichem Maße entivertet werden, nicht vollkommen beseitigt. Man hat den Schwarzblauen das Kompromiß eingeräumt, daß der ReligionS- Unterricht durch Ortsstatut fakultativ eingeführt werden kann. Daneben beharrt das Zentrum auf seiner vollen Forderung, die es in der ersten Lesung durchgesetzt hatte. Es ist deshalb anzunehmen, daß die Frage des obligatorischen Religions- Unterrichts in der zweiten Lesung des Abgeordnetenhauses erneut zur Debatte und Abstimmung gestellt wird. Wir fassen deshalb noch einnial die Argumente gegen die Einführung des Religionsunterrichts zusammen. Das Religionskontingent von dreißig Minuten, ganz gleichgültig, ob es obligatorisch oder fakultativ, ob es landeS- gesetzliche oder ortsstatutarische Bestimmung ist, ist pädagogi- scher Unsinn. Wir wollen hiör nicht die Frage auf- rollen, inwieweit der Religionsunterricht in der Schule über- Haupt eine ans religiösen und pädagogischen Gründen gleich törichte und wertlose Belastung darstellt. Wir Sozialdemo- traten sind grundsätzlich Gegner des Religionsunterrichts aus staatsbürgerlichen und pädagogischen Gründen, und wir kämpfen daher sür die Abschaffung des Religionsunterrichts in allen öffentlichen Schul- und Erziehungsanstalten. Wir kämpsen besonders deshalb sür die Beseitigung, weil der Religionsunterricht durch die vielen Stunden, die ihm eingeräumt sind, den anderen Unterrichtsfächern Lust und Licht raubt, ferner aber auch deshalb, weil er in seinen vielen Stunden dem kindlichen Geiste und Gemüte die grausamsten Lergeivaltigungen zumutet. Der halbstündige Religionsunterricht der Fortbildungs- schule hätte weder die genügende Zeit zur Berfügung, noch ist das Schülermaterial so geduldig und fügsam wie das der Volksschule, um auch nur die äußerlichen Wirkungen des religiös-konfcssionellcn Religionsunterrichts der Volksschule zu erzielen. Wenn dieser Religionsunterricht in Ausnahmefällen eine innere Wirkung überhaupt ausübt, so liegt dies nur daran, daß besonders tüchtige und religiös veranlagte Lehrer durch ihre tägliche enge Fühlung mit den Schülern und durch die Anwendung ihrer religiösen Grundsätze auf ihr sonstiges Schulleben einen starken Einfluß auf die Kinder gewinnen. Diese Fälle sind aber schon in der Volksschule äußerst selten, in der Fortbildungsschule dagegen, in der der halbstündige Religionsunterricht von Geistlichen erteilt werden soll, die mit dem übrigen Schnlbetrieb nichts zu tun haben, kann diese seltene Wirkung niemals eintreten. Wohl aber würde sich aus der ganzen Sachlage fast überall und jederzeit ungeruscn die entgegengesetzte pädagogische Wirkung einstellen. Sehr lästige Komplikationen würde die Durchführung des Religionskoutingents in schnlorganisatorischcr Beziehung er- geben, auch dann, wenn der Religionsunterricht nach dem jetzigen Beschlüsse nur fakultativ durch Ortsstatut eingeführt wird, lind es ist zu befürchten, daß in allen Orten, selbst in großen Städten, in denen das Zmtnim maßgebend ist, das Recht der religiösen Vergewaltigungmer Fortbilduugsschüler durch OrtSstatut voll ausgenutzt wird. Wir folgen der überzeugenden Darstellung der Schwierig- leiten an einem praktischen Beispiel, das ein Praktiker, der Berliner Fortbildungsschnldirektor Fcchner, in der von ihm redigierten„Fortbildungsschule" gibt. Er macht darauf auf- merksam, daß die Fortbildungsschule in Rücksicht auf die Be- dürfnisse des Gewerbes, in Rücksicht auf die vielfach und nebenamtlich beschäftigten Lehrer und-in Rücksicht auf die anderweitige Besetzung der Schulräume gezivungcn ist, den Ilnterncht auf die verschiedensten Zeiten zu legen, und fährt dann fort:„Früh 7 Uhr beginnen drei Klassen des Metall- gcwcrbes und drei kaufmännische Klassen ihren Unterricht, die nun zunächst einmal 30 Minuten laug religiöse Unterweisungen zu erwarten hätten. In den Klassen des Metallgewerbes sind evangelische und katholische Schüler beisammen, in den»kauf- männischen Klassen sind außerdem noch jüdische Schüler vertreten. Sämtliche Klassen gehören verschiedenen Alters- stufen an, weil die Rücksicht auf � Handel und Gewerbe es fordert. Es müßte also schon ans diesem Grunde getrennter Religionsunterricht für jede Klasse besonders eingerichtet iverdcn; denn an einen MasscnreligionS- Unterricht für alle Altersstufen gleichzeitig etiva in einer Aula. die zudem hier auch nicht zur Verfügung steht, wird man ja Wohl seitens der Freunde des 30 Minutenunterrichts immerhin noch nicht denken. Es niüßten demnach sür den Religions- Unterricht am Morgen 6 evangelische, 6 katholische und drei jüdische Geistliche zur Verfügung stehen. Da aber 13 Klassen- zimmer im Hause nicht vorhanden sind, so stehen wir bereits vor einer argen Schwierigkeit. Man könnte nun versuchen, die eine Hälfte am Schluß mit Religionsunterricht zu ver- sorgen. Aber auch dazu reichen die sechs vorhandenen Räume Vicht aus; denn wir brauchen einmal 7 und einmal 8 Zimmer. Dazu kommt, daß die Kaufleute um 10 Uhr, die Metall- gewerbler aber um 1 Uhr schließen. Die Herren Geistlichen iverdcn sich also nochnials im Laufe eines Vormittags zur Schule bemühen müssen. Sie dürfen es auch nicht weiter übelnehmen, wenn der Dienst am Nachmittage noch ein wenig bunter wird. Am Nachmittage beginnen nämlich um 2 Uhr 5 kaufmännische Klassen und 1 Klasse des Metallgcwerbes. Das erfordert 6 Geistliche von jeder Konfession und 1 jüdischen Neligionslehrcr. Um 4 Uhr kommen 10 Klassen des Metallgcwerbes, die zum Teil uni 6, zum Teil um 7 und zum Teil auch erst um 8 Uhr schließen. Um 3 Uhr beginnen noch weitere 3 kaufmännische Klassen und 22 Klassen mit Metall- gewerblern und mit ungelernten Arbeitern und endlich um 6 Uhr erscheinen noch einige Arbeiterklassen. Es müßten kurz gesagt zur Verfügung stehen um 4 Uhr je 10 Geistliche für evangelischen und katholischen Religionsunterricht, um 5 Uhr 23 Herren für evangelischen, die gleiche Zahl für katholischen und 3 für jüdischen Religionsunterricht, um 0 Uhr je 3 für evangelischen bezw. katholischen Unterricht." Fechncr gibt zwar zu, daß in kleineren Orten die Schwierigkeiten sich nicht in solchem Ueberniaße einstellen würden; aber ohne die störendstcn Unbcquenilichkeiten in schul- technischer Beziehung wird es nirgends abgehen. Selbst dann nicht, wenn der Besuch der Religionsstunde sür den einzelnen Fortbildungsschüler freiwillig sein würde. Abgesehen davon, daß die Freiwilligkeit von mancherlei Autoritäten doch zu einem Zwange gemacht würde; abgesehen auch davon, daß bei wirklicher Freiwilligkeit die Bänke in den Religionsstundcn gähnend leer sein würden, so müßte der schulorganisatorische Apparat sich doch nach dem lästigen Eindringling, der Reli- gionshalbcnstunde, richten. Durch das Ausscheiden der Schüler, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, käme noch mehr Unruhe in den Schnlbetrieb als sonst. Sollte trotz alledem die Schulrcaktion in Preußen ihren Kopf durchsetzen und den jugendlichen Arbeitern und Ar- beiterinnen wöchentlich 30 Minuten Religionsunterricht fakultativ oder obligatorisch zumuten. so wird es die pro- letarische Jugend nicht sein, die den Schaden davon trägt. Den Proletarierkindcrn wird Religion schon durch den Schul- Unterricht derartig zum Verdruß nnd Schrecken, daß sie sich nur unter dem Schulzwange diese Quälerei gefallen lassen. Der Zwang, der offene gesetzliche wie der heimtückische durch Ortsstatut, kann auch den Fortbildungsschülern diese Quälerei weiter zumuten. Aber der Zwang vermag nicht mehr wie beim Kinde das eigene Denken zurückzuhalten, zumal es durch die Kollegen in der Werkstatt und in der Jugendbewegung, durch die Lektüre, durch das eigene Nachdenken, durch Vorträge und Dis kussioncn außerhalb der Schule von früh bis spät wach erhalten und angeregt wird. Da wird es denn ein munteres Fragen in den dreißig Minuten gebenl Wenn der wackere Geistliche sich und seine Sache nicht um den letzten Rest von Kredit bringen will, so muß er den Fragen Antwort stehen. Wir beneiden die helläugigen und schlagfertigen jugeiid- lichen Arbeiter und Arbeiterinnen geradezu um die anregenden Frage- und Antwortmauöver, die sie mit ihren Geistlichen in den halbstündigen Neligiousstunden durchmachen werden, besonders, wenn sie nicht verfehlen, sich in der Zwischenzeit, von Religions-Halber Stunde zu Rcligions-Halber Stunde, auf die zweckmüßigsten Fragen und Antworten und Antworten und Fragen bei Freund und Kollegen, durch Vortrag und Buch verständnisvoll vorzubereiten. Hei, mag da mancher arme Pfarrer Blut schwitzen, wenn ihm seine kritischen jungen Zu- Hörer recht gründlich einheizen! Und wie frisch und' munter iverdcn bei dieser Art Religionsunterricht den Geistlichen die letzten Felle der kirchlichen Ueberlieferung, die sie bis dahin bei den jungen Leuten noch voraussetzen dursten, von danneu schwimmen. Schließlich gibt cS gegen die klerikale Verdummung, die man gegen die Fortbildungsschüler plant, noch ein radikales Mittel, auf daS schon unsere Genossen im Landtage hin- gewiesen haben: den Austritt aus der Landeskirche. Bisher erfolgte dieser Austritt nur in recht bescheidenem Maße, weil sich die Agitation dafür vorzugsweise an die Erwachsenen wandte, die aus Ueberlieferung und Bequenilichkeit sehr häufig verabsäumen, forniell einen Schritt zu tun, den sie in Wirk- lichkeit selbst längst getan haben. Anders wird aber die Sachlage, wenn derAuS- tritt aus derLandeSkirche für die Jugend- lichen zu einer Art Kundgebung gegen die Unfreiheit der Jugendlichen in Preußen im allgemeinen, gegen ihre Glaubens- und G c- Wissensunterdrückung im besonderen wi r d. Die Jugendlichen in, Fortbildnngsschulaltcr befinden sich gerade in der kritischen Lebensperiode, die niit revolutionärem Feuereifer gegen die Götzen und Autoritäten des bisherigen Lebens Sturm läuft! Und wenn die junge Garde sich zu allem Ueberfluß durch den Austritt ans der Kirche noch von einer halben Stunde langweiligen Schulunterrichts befreien kann, so wird sie mit besonderem Vergnügen und in hellen Scharen der Aufforderung zum Austritt folgen. Tie schwarzblaue Reaktion will durch die Einführung des Religionsunterrichts in die Fortbildungsschule in letzter Linie und am empfindlichsten die Arbeiterklasse treffen. Wollen die Herren Grafen und Pfaffen Lies Tänzlein wagen � mögen sie's sagen, wir spielen ihnen auf I Expedition: SiH. 68, Lindcnstrasac 69« Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984» Die nicdcrlagc des KleriKalismus In Oclterrelci). „Ein Tag der Geschichte dämmert heran, wenn die Nacht entwichen und der Wahltag hernngevrochen ist I Am Morgen sind sie noch niächtig, die christlich-sozialen Bedrücker Wiens; aber wenn der Taß zu Ende geht, wenn der Abend kommt, da die Stimnicn in den Urnen gezählt werden, am Abend des Wahltages kann der Götze im Staube liegen, aar Abend des Wahltages köiitteil sie alle zu Boden gesteeckt sein, alle vom Grimme des Volkes ins Mark getroffen! Welche Aussicht eröffnet sich dem sehnenden Blicke! Ein Auf- atmen wird durch die Stadt gehen, wenn sich die Hoff- mingcn erfüllen, die der Wahltag erweckt; ein freudiges, glückliches Aufatmen, daß Wien befreit ist und gereinigt von der schwarzen Bcnteschar I An den Jubel denket, der am Abend die Stadt durchschancrn wird, wenn ihr am Tage fechten geht; denket an die Freude, die uns abends allen blüht, wenn ihr ani Tage kämpfet! Und dann wird uns alle Mut beleben und die Energie wird sich auspannen zur letzten Kraftanstrcngnng; wahrlich, der große Preis ist aller Opfer wert! Es wird gelingen, wenn alle zusammen- halten, und so muß es gelingen!" So schrieb die Wiener„Arbeitcr-Zeitnng" am Tage der Stichwahl: Es i st gelungen und heute kann unser Bruder- orgau unseren Genossen, deren jahrelange, zähe und geduldige Arbeit Oesterreich von dem Alpdruck der wüsten klerikalen Demagogen befreit hat, triumphierend verkünden:„Nicht etwa bloß besiegt, nein, zerrieben, zerstampft, ausgerottet sind die Christlichsozialen. Dieselben Christlichsozialen, die vor der Auslösung als unangreifbar, unerschütterbar dastanden. Diese Niederlage des K l c r i k a l i s m u 3 ist es, die den österreichischen Wahlen ihre internationale politische Bedeutung vornehmlich gibt. Es geht bergab mit der kleri- kalen Gcistcskncchtnng. In F r a n k r e i ch ist die Trennung von Kirche und Staat durchgeführt; in P 0 r t u g a l hat sich das Volk erhoben und die klerikalen Unterdrücker zugleich mit der Dynastie aus dem Lande gejagt; in Spanien selbst ist die herrschgewohnte Kirche in die Defensive gedrängt; in Belgien steht die klerikale Herrschaft vor ihrem Ende. Am wich» tigsten aber war für den KlerikalismnS doch seine Machtstellung in Oe st e r re ich. Und nirgends schien sie fester verankert; war es> doch hier gelungen, nicht nur die rückständigsten agrarischen Schichten des platten Landes aller Nationen, sondern sogar das Bürgertum der deutschen Städte den Machtgelüsten der Klerikalen dienstbar zu machen. Und gerade die Wiener schienen dem alten KlerikaliSmus neue und junge Kräfte, seine streitbarsten Vorkämpfer zu stellen. Nun ist das zu Ende. nun ist die Partei, die im früheren Ncichsrat stolz als Reichs- Partei auftrat, die� über das Reich hin die Herrschaft der Kirche auszubreiten gedachte, von ihrer Höhe herabgcstoßen und zählt weniger Abgeordnete als die Sozialdemokratie, die heute die einzig wirkliche Reichspartei ist, wie sie es in Oesterreich durch ihren internationalen Charakter von jeher allein ge» wesen ist. Aber nicht nur bei den Deutschen Oesterreichs, auch bei den Tschechen Mährens, wo die Klerikalen bisher die stärkste bürgerliche Partei waren, sind sie vollständig aufs Haupt ge- schlagen worden. Ist der Klerikalismus im katholischen Oesterreich auch heute eine immer noch gefährliche Macht, so ist er doch nicht mehr ausschlaggebend. Das ist er heute nur noch in ein e m Lande Europas— im„protestantischen" Deutschland. Es ist die Feigheit dcS deutschen Bürger- tnnis, das inimer wieder dem Zentrum zur einflußreichsten Stellung hilft, ans Furcht vor der Sozialdemokratie. Wäre es den deutschen Liberalen wirklich Ernst um die Befreiung vom Zentrninsjoch, das ö st e r r e i ch i s ch c Beispiel lehrte sie ja die Regel, den Feind zu schlagen. Die Ehristlichsozialcn sind erlegen, weil das Bürgertum Wiens und der Alpcnländcr immerhin wenigstens so viel Mut aufgebracht hat, die Sozialdemokratie bei den Stich- Wahlen als das kleinere Uebel zu wählen und sich nicht durch den österreichischen Bethniann— in die Sammlung für die Reaktion hmeintreiben zu lassen. Aber freilich, in den Sudetcnländern, in Böhmen, Mähren nnd Schlesien zeigt sich ein anderes Bild. Da tri u in- P h i c r t das bürgerliche K l a s s e n i n t c r c s s e über alle bürgerliche Ideologen. Hier sind die industriellen Verhältnisse entwickelter und die Arbeiterklasse erscheint der Bourgeoisie als größte Gefahr. Deshalb haben sie zusammengestanden als einige reaktionäre Masse und haben in Rumbnrg den Ehristlichsozialcn I e r ch e k gegen unseren Genossen Hannich zur Wahl verholfen. Es ist das erste Mal. daß Böhmen einen Christlich- sozialen wählt, und diese Schande verdankt cS den Deutsch- freiheitlichen, deren Führer bereit war. was sie in Böhmen getan, in ganz Oesterreich zur Durchführung zu bringen. Dieses Zusammengehen der Bürgerlichen im Verein mit dem Terrorisiiuls der Fabrikanten erklärt zur Genüge, daß wir diesmal in den Sndetcnländern alle Mandate, die wir nicht ganz aus eigener Kraft besessen hatten, verloren haben. Nun. das eröffnet günstige Aussichten für die Wieder- erobern ng. Und wenn es die Partei anspornt, die Arbeit an der Ausgestaltung der Organisation und vor allem der Presse noch mielisiver zu gesialten, so wird der vorüber- gehende Verlust sich in dauernden Geivinn verwandeln. Was wir in den Sudetenländern an Mandaten verloren, haben wir durch die Gewinne im übrigen Reich größtenteils wieder hereingebracht. An Mandaten nicht nennenslvert schwächer, aber ncugestärkt durch diesen schilleren Wahl- kämpf, als Besiegerin des klerikalen Todfeindes, so zieht die österreichische Sozialdemokratie in den neuen Reichsrat. Die Demission Weifjkirchners. Wie», 21. Juni.(Privattelegramm.) Der christlichsoziale H a n d« l S m i in st e r hat die Konsequenzen aus seinem doppelten Durchfall und der Niederlage seiner Partei gezogen und die Demission überreicht. Die Demission wird wahrscheinlich an- genommen und Herr Weihkirchner in da» Asyl für abgehauste Politiker, ins Herrenhaus, berufen werden. Auch wird Herr Weiß- kirchner wahrscheinlich reichbeioldeter Gouverneur einer Großbank werden. Um sich diesen fetten Posten nicht entgehen zu lassen, hat er ja seinerzeit die Nachfolgerschaft Luegers als Bürgermeister ab- gelehnt. Das Wahlresnltat. Wien, 21. Juni, 12 Uhr 40 Min. nachts. Von 516 Ab- geordneten sind bisher endgültig 446 gewählt und zwar: Deutsch-Freiheitliche 104 gegen 79 im alten Hause, Sozialdemokraten 80 gegen 87, bürgerliche Tschechen 82 gegen 84, C hr i st l i ch s o z i a l e 76 gegen 96, Bukowinaer Ruthenen ö gegen 5, Rumänen 3 gegen 3, Alldeutsche 4 gegen 6, Jüdischer Klub 1 gegen 3, Wilde 6 gegen 4. Beim Polen- klub, den Italienern, Südslawen und galizischen Ruthenen sind noch Wahlresultate ausständig. Die Bilanz der bisherigen Wahlen ergibt folgendes Resultat: Die Deutschfreiheitlichen gewinnen 31 und verlieren 6 Mandate. Die Christlich-Sozialen ge- Winnen 4 und verlieren 24. Die Sozialdemokraten geivinnen 23 und verlieren 27. Die bürgerlichen Tschechen ge- lvinnen 6 und verlieren 8. Di» Polen gewinnen 4 und ver- lieren 3. Beiden Südslawen ist keine Veränderung. Die galizischen Ruthenen verlieren ein Maitdat. Die Vnkowinaer Ruthenen und die Rumänen erhalten ihren früheren Besitzstand von»Mandaten. Die Italiener gewinnen ein Mandat. Die Alldeutschen ge- Winnen ein Mandat. Die Tschechtch-Nationalen verlieren zwei Mandate. Die Parteilosen gewinnen zwei Mandate. Ter Deutschnationale Verband, der früher 79 Ab- geordnete zählte, setzt sich jetzt ans 104 Mitgliedern zusammen. Diese teilen sich in 36 Deutschfreiheitliche, einschließlich des Abgeordneten Kuranda. 21 Radikale, 24 Agrarier und drei Mitglieder der neuen(gelben) Deutschen Arbeiter- Partei. Preßstimmen. Wien, 21. Juni. Die liberalen Blätter bezeichnen den Ausfall der gestrigen Wahlen in Wien als Nemesis für die Sünden der Christlichsozialen. Die Wirkung der K a t a st r o p h e werde weit über Wien und die Gegenwart hinauSreichen. Durch die Zer- schmetterung der Christlichsozialen sei eine Tatsache geschaffen, welche für die weitere Politik der Monarchie und für die Verwaltung deS Staates und des Landes grundlegend werden müsse. Gestern habe die wirtschaftliche Parole, das freisinnige Bürgertum, gesiegt. Das Organ der C h r i st l i ch- sozialen, dte„Reichspost", und das klerikale„Vaterland" geben die Hauptschuld den Deutschnationalen, die den Christlichsozialen mit den Sozialdemokraten verbunden in den Stücken gefallen seien. Die„Reichspost" gibt auch fernerhin die Sache der Christlichsozialen nicht verloren. Das' offiziöse . F r e m d e n b l a t t" verzeichnet die durch die Wahlen ein- getretene Verschiebung in den Parteien und sagt: Heute erübrigt sich nur. die Tatsache festzustellen, daß für den Ausgang der Wiener Wahlen nicht die allgemeinen politischen Gesichtspunkte entscheidend gewesen sind, von denen die ParlamentLpolitik geleitet wird, sondern die speziellen Wiener Verhältnisse, die sonst nur bei städtischen Wahlen die Em- scheidung herbeiführen und herbeiführen sollen. Das Blatt hofft. daß sich die st a a t s e r h a l t e n d e n Parteien nach der Hige des Wahlkampfes daran machen werde», das Problem der Arbeitsfähigkeit des Hauses zu lösen, was nur durch ihre» Zusammen- s ch l u ß zu erreichen sei._ Germanisierende Generäle In Glfaß- Lothringen.■ Man schreibt uns aus dem Elsaß: Eine eigenartige Eingabe ist dieser Tage dem kaiserlichen Statt- Halter in Straßburg zugegangen. ES ist ein feierlicher P r o t e st des Gemeinderats der Stadt Mülhausen i. E.„gegen die Brüskierung und Herausforderung der Stadtverwaltung und Bevölkerung Mülhausens, die sich die Militärbehörden der Garnison Mülhausen gelegentlich der letzten Flugvera n st altung ohne jeden auch nur im entferntesten berechtigten Anlaß zuschulden kommen ließen". Gemeint ist der Oberrheinische Zu- verlässigkeitsslug mit seiner Etappe Mülhausen voin Sonn- tag. den 21. Mai d. I., wo der Garnisonälteste Generalmajor S ch m ü n d t anscheinend aus Furcht, eS könnten einige der im Elsaß noch üblichen französischen Märsche dabei mit unterlaufen, das Konzertieren der städtischen Feuerwehrmusik und deS privaten MusilvereinS„Orpheon" auf dem Flugplatze Habsheim bei Mülhausen mit der kuriosen Begründung verboten hatte. der Flugplatz sei als Exerzierplay der Garnison„militär- fiskalisches Gelände". Zuvor noch hatte der Herr Generalmajor mit den ihm unterstellten Offizieren die Teil- nähme an einem Festessen abgelehnt, welche» die freigebigen Stadtväter von Mülhausen auf Kosten der Steuerzahler im dortigen Zentralhotel veranstalten wollten � dem Lokal, in welchem fich seinerzeit die franzosenfreundlichen Kundgebungen deS„besseren" SpießbürgerpublikumS nach dem Vortrage der Marseillaise durch eine deutsche Militärkapelle ereigneten: die sogenannte Affäre W egelin. Der elsässisch-schweizerische Lebemann Wegclin, welcher die konzertierende Militärkapelle in dem öffentlichen RestaurationS- faale des Zentralhotels durch eine besondere Geldspende zun. Vor- trag der vom Publikum demonstrativ applaudierten Marseillaise veranlaßt hatte, wurde damals ausgewiesen und über das Zentralhotel der Militärboykott verhängt, der erst nach Monaten mit der Ausweisung wieder zurückgenommen wurde. Jetzt, anläßlich deS Flugmeetings vom 21. Mai, zu welchem der ehemalige Seefahrer. spätere Automobil- und gegen- wältige Flugsport-Protektor Prinz Heinrich erwartet wurde, dachte der sozialistenreine Gemeinderat der Stadt Mülhausen durch ein solennes VerbrüderungSeffen zwischen Zivil und Militär gerade im Zentralhotel zur„Versöhnung der Gegensätze" die fatale Affäre Wegelin, welche viel böseS Blut gemacht hatte, auS dem Gedächtnis auszulöschen,— indes der Herr Generalmajor verstand den Spaß falsch. Das Anerbieten des mit der Militärbehörde namens der Stadt verhandelnden Lokalkomitees auf Veranstaltung dieses ge> meinschastlichen Diners im Zentralhotel wurde schroff abgelehnt, und dazu gesellte fich der Schimpf der Abweisung der beide» beliebten Ziyilkapelle» für den Flugtag unter Berufung darauf, daß das Flugfeld„ m i l i t K r f i s k a l i s ch e s Gelände" sei." Dabei hatte der Gemeinderat bereitwillig das eventuelle Defizit des Flug- Meetings auf Stadtkosten übernommen und zu diesem Zwecke, un- eingedenk des sonstigen stereotypen Gezeters über die städtische Finonznyt, die angeblich die notlvendigftcn Volksschulreparaturen verhindert, einen Kredjt von 20 000 M. bewilligt! Die Erregung unter den Stadlvätern, die durch die Lokalpresse ohne Unterschied der Parteirichung ob ihrer traurigen Rolle gegen- über dem wütenden Offiziersstiefel gehörig gefoppt Ivurden, kann man sich ohne Mühe vorstellen. In ihrer schon erwähnten Resolution, die in der Sitzung vom 1. Juni unter wjlden Ausfällen gegen die so unerklärlich konfliktslüstern« Militärbehörde einstimmig gefaßt wurde, heißt es weiter: „Dieses Verhalten der Militärbehörden ver- schärft die schon bestehenden Gegensätze leider nur noch mehr, ver- eiteli alle Versuche zur Herbeiführung eine» friedliche» Zusanimen- lebens der Zivilbcvölkeumg mit dein Militär und bildet eine große Gefahr für die Aufrechterhaltung des öffentlichen Friedens. Der Gemeinderat lenkt die Auf- merksamkeit der obersten Militärbehörde auf diese Mißstände und erwartet, daß die nötigen Borkehrungen getroffen werden,»in ähnliche Zivischensälle zu verhindern nnd ein gutes Eiiivernehineii zwischen Bevölkerung und Garnison zu ge- währleisten. Der Gciiieliidcrat erwartet, daß der Stadtverwaltliiig und Bevölkerung seitens der Mililm beHürden, welche die unlieb- saiiien Zwischenfälle verschuldet haben, in irgend einer amichm- bare» Form Genugtuung geleistet werde, widrigenfalls er sich leider gezivungen sehen würde, die entsprechenden Kon- s e q u e n z e ii für die Zukunft zu ziehen. Diese Bittschrift mit KriegSandrohung ist jetzt, nachdem man in der Aiifrcguiig bei der Beschlußsassmig vergessen hatte, über ihren Weg Bestimmung zu treffen, von dem dieserhalb in der Lokalpresse criieut angerempelten Bürgermeister nach fast dreiwöchigem Ueberlegen mit einem stenographischem Bericht über die einschlägige Debatte im Gemeinderat an den kaiserlichen Statthalter in Straßburg geschickt worden, der dadurch in eine nicht üble Verlegenheit gesetzt worden ist. Was soll er damit tun? Soll er vom General- kommando deS 14. Armeekorps in Karlsruhe, zu dessen Kommandogewalt die Garnison in Mülhausen i. E. gehört, Bericht einfordern? Soll er sich deshalb an den K ri e g s m i n i st e r in Berlin wenden? Was ist dabei anderes zu erwarten, als leere formelle Ausflüchte wie die erwähnte Redensart vom„militär- fiskalischen Gelände"? Wird er die Eingabe unter eigener Verschanznng hinter irgendwelche leere Formalität wieder zurücksenden, ohne sie weitergegeben zu haben?... Der Militärstaat wird sich wohl hüten, dem Militärabsolutismus auf die beim„Loch von Belfort" doppelt empfindlichen Hühneraugen zu treten. Und ein Landes- Parlament, in welchem die Regierung zu Erklärungen über ihre Stellung gegenüber dem provokatorischen Verhalten von GarnisonS- befehlshabern genötigt werden könnte, besitzt Elsaß-Lothringen in der Praxis noch nicht. ES soll erst im Spätjahr gewählt werden. Der Lanvcsausschliß aber ist heimgeschickt. Eine praktische Folge hat dieser für die hyperkoyale spieß- bürgerliche Stadtverwaltung wie fijr den aufreizenden Offiziersticfel gleich blamable Mülhauser Militärkonflikt immerhin gehabt: der nach dem Muster anderer Städte auf die Initiative der Frau Statthalter, der Gräfin von Wedel, zum Besten eines elsaß- lothringischen Krüppelheims— wie die offizielle Anlündigling lautet— für die Mitte dieses Monats in Mülhausen geplante Narzissentag ist elendiglich verkracht. Man mußte ihn, „besonderer Umstände halber" auf unbestimmte Zeit vertagen. Die Sozialdemokratie hatte unter Anführmrg ihrer grundsätzlichen Stellung gegenüber der Klassenheuchelei dies erBlumen- tage in Presse und Versammlung von vornherein dagegen Stellung genommen und die Arbeiter zur Nichtbeteiligung auf- gefordert. Dazu kam die Erbitterung des Spießbürgertums über die erwähnten Vorgänge beim Flugmeeting. Eine Anzabl größerer Vereine, deren Vorstände die Mitwirkmig in Ausficht gestellt hatten, zog die Zusage zurück. Und in dem sonst in dem Berkehr mit kaiserlichen Behörden außerordentlsch zahmen Organ der liberalen Großbourgeoisie, dem Mülhauser„Expreß" war— wir übersetzen wörtlich— zu lesen: „Unser guter Wille hat zu wenig Widerhall gefimden. Wir sind genötigt, die Hand, die wir zur AuSsöhnmig dargeboten hatten, wieder zurückzuziehen. Wir werden fortfahren, unsere Bürgerpflichten zu erfüllen, aber wir werden es den Generälen überlassen, Flug- Meetings zu organisieren und für denErtrag der Narzissen feste zu sorgen:� eS wird sich dann bald zeigen, welche Resultate sie erzielen. Vom K ri e g S in i ni st e r erioarten wir den Schritt, der unsere künftige Haltung fixiert." Der Kriegsminister? Er wird sich wohl in Acht nehmen, den germanisierenden Generälen in Elsaß-Lothringen in den Arm zu fallen. Sie sind Fleisch von seinem Fleische, sie sind Früchte vom gleichen Baum, sie sind Träger deS gleichen Systems— eines Systems, das zu dem kultivierten„Zivilpack" nicht nur in dem eroberten Lande Elsaß-Lothringen, sondern auch in Alt-Deutschland in schroffein Gegensatz steht. Wenn da? Zivilpack mit St. Milita- riSmuS einen Verkehr auf gleichem Fuße will,.so muß eS schon e r n st h a f t dazu übergehen, ihm die Kredite abzuschneiden I Ein Sturm im Glase Wasser wie die antimilitarislische Spießbürger- revolte in Mülhausen i. E., die so viel von sich reden macht, kann bei allem rabiaten Gebaren nur herzlich wenig helfen. politische Cleberlickt. Berlin, den 21. Juni 1911. Agrarische Jnteressenpolitik. Es gibt kaum ein einziges Gesetz in Preußen, das nicht den Stempel junkerlicher Unverfrorenheit an sich trägt. Mag der Grundgedanke einer Gesetzesvorlage auch an sich ein guter sein, die preußischen Junker verstehen es meisterlich, es so zu gestalten, daß für ihre Klasse etwas dabei abfällt. Wohl noch niemals hat es in irgendeiner gesetzgebenden Körperschaft eine Clique gegeben, die so rücksichtslos von ihrer Macht Ge- brauch niacht und so raffiniert ihre Geschäfte zu besorgen ver- steht, wie die ostelbischen Großgrundbesitzer. / Das zeigte sich wieder ani Mittwoch bei der Beratung des Ausfühurungsgesetzes zum Reichszuwachs- steuergesetz im Abgeordneten Hause. Stach mo- natelangen Verhandlungen im Plenum und in der Kommission hat die Mehrheit selbst aus dieser Vorlage ein Gesetz zu- gunstcn des Großgrundbesitzes gemacht. Der Sinn und Geist des Reichsgesetzes ist ihr völlig gleichgültig: sich zu bereichern, ist ihr einziges Ziel, und dies Ziel verfolgen sie mit einer Konsequenz, die einer besseren Sache würdig wäre. Hätten sie auch nur noch einen Funken von Schamgefühl, dann hätten sie bis ins Innerste ihres Herzens erröten müssen, als die Redner der Linken, insbesondere Genosse Dr. Liebknecht, ihnen ihr Sündenregister vorhielt. Aber jede Kritik läßt sie.kalt, mit einer Handbewegung setzen sie sich in dem Gefühl ihrer Mgcht. die dös DMlalleÄpÄÜM verMt. WT aöes hlnkveg, begierig, ihre Neuis so schlieft wie möglich näch Hause zu tragen. Wer die Junker nicht kennt, der könnte die Unverschämtheit, mit der sie den Gutsbesitzern wieder einmal Vorteile auf Kosten der Gesamtheit zuzuschanzen wußten, sur Naivität halten. So unschuldig geben sie sich, und für w selbstverständlich halten sie es. daß die Gesetzgebung in ihren Dienst gestellt wird. Unser Redner beschränkte sich natnrliä) nicht auf eine scharfe Kritik der agrarischen Begehrlichkeit, sondern er bemühte sich auch, positiv mitzuarbeiten und da? Gesetz zu verbessern, einmal in der Richtung der Wahrnehmung der Interessen der Gemeinden, und zweitens in der Richtung einer Beseitigung der landesfürstlichen Steuerfreiheit. Alle� dings ohne Erfolg, so daß den Sozialdemokraten schließlich nichts weiter übrig blieb, als das durch und durch agrarisc-ie Gesetz abzulehnen. � C, 1 Am Schluß gab es wieder eine Geschäftsordnnngsdebatte. Herr v. Branden st ein möchte durchaus seine Verschlechte- rung der Geschäftsordnung noch in dieser Session durchsetzen, während die Abgq. Dr. Friedberg. Fischbeck und Hirsch(Berlin) statt dessen lieber den Wahlrechtsantrag beraten wissen wollen. Zu einer Entscheidung kam es noch nicht. Vorläufig will man am Freitag das Groß-Berliner Zweckverbandsgesetz einer Kommission überweisen und dann kleinere Vorlagen beraten. Es ist nicht ausgeschlossen, das'. der Wahlrechtsantrag am Montag auf die Tagesordnung kommt._ Das Herrenhaus gegen die Zwangsverbände. Am Mittwoch hat das Herrenhaus das allgemeine Zweckver- öandsgesetz erledigt. Auch dieses Gesetz ist abgeändert worden und muß den Passionsweg durch die Kommission und das Plenum deS anderen JunkerhauseS»och einmal antreten. Die Debatte der Erst- klassigen beschäftigte fich fast nur mit der Bestimmung über die zwangsweise Vereinigung widerstrebender Gemeinden zu einem Zweckverbande. Die Oberbürgermeister erklärten sich durch ihren Aachener Kollegen. Herrn Veltmann, einmütig gegen diesen Zwang. Professor Löning- Halle machte darauf aufmerksam, daß nach der Landgemeindeordnung die steuer- kräftigste Stadt im Verbände stets da« Kommando haben müßte, und er wandte sich scharf gegen die Möglichkeit, daß die Polizei zur Herrin der Städteverwaltung eingesetzt werde. Der Polizei- m i n i st e r trachtete natürlich, das Gesetz recht harmlos als eine Art Landgemeindeordnung in verbesserter Auflage erscheinen zu lassen, Herr Veltmann erklärte aber rundheraus, daß auf die bloßen VersprcchungenZdcS Ministers nichts zu geben sei, und was er über die planmäßig« Städtefeindlichkeit der preußischen Gesetz- gebung sagte, kann jedermann nur vekräftigen. Wenn nur das Bürgertum endlich die Folgerungen aus der zügel- losen Agrarierherrschaft ziehen wollte, von der gleichzeitig iin anderen Hause bei der junterlich-ultramontan-nationalmiserabclii „Wahlreform" für den westfälischen Provinziallandtag wieder ein starkes Stück geleistet wurde. Herr Veltmann forcht sich nil und beschwor sogar— o Schreck 1— das Gespenst der Reform des höheren Hanse« herauf. Und Herr Rive. das Stadthaupt des Polizeiparadieses Halle, beantragte gar, das ganze Gesetz in den Orkus zu stoßen. Immerhin hatten die Anstrengungen der Herren den Erfolg, daß die zwangsweise Verbandsbildung dann auS- geschloffen wird, wenn ein Beteiligter die gemeinsamen Aufgaben fördert, indem er die Mitbenutzung einer kommunalen Anstalt durch die anderen ZwangSverbalidskandidaten gegen Eni- schädigung gestattet. Angenommen wurde auch ein Antrag Rive. daß die Städte und Landgemeinden des Groß-Berliner Verbandes nicht unter das Gesetz fallen. Sie bleiben also von weiteren Zweck- verbänden frei. In der namentlichen Gesamtabstimmung wurde da? Gesetz mit 5g gegen 45 Stimmen angenommen. Mit den Oberbürgenneisterii stimmte auch Graf Posado wsky dagegen, der übrigens ans dem Leipziger WohnungSkongreß zwar gegen die Streichung der Förde- rung des VollswohnungsbaueS UrS den Groß-Verlincr Verbandsaufgaben gesprochen, im Herrenhaus« aber der Verhandlung und Abstimmung über den Antrag Sdickes ferngeblieben war. Nach Erledigung von kleineren Vorlagei« und Petitionen ver- tagte sich das Herrenhaus auf heute Donnerstag. Größere Vorlagen stehen nicht mehr auf dem Programm. Zur Reichsfinanzlage. Der gestrige Jahresabschluß der Reichshauptkasse hak. wie die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" meldet, für das Rechnungsjahr 1910 cinonUeberschußvon 117,7 Millionen Mark ergeben. Hauptbestandteile des Ucberschnsses sind: ein Mehr an Zoll- und Steuereinnahinen von 37,3 und an Einnahmen aus dem Bankwesen von 3,6 Millionen Mark, ein Mehrüberschusi der Reichspost von 19,7 und der Reichseisenbahnen von 11,8 Millionen Mark, eine Minderausgabe bei der Reichsschuld von 9,9, beim Heer von 4,7 und bei der Marine von 1,6 Mil- lionen Mark. Dazu treten erhöhte Ausgleichnngsbeträge mit 3,9 Millionen Mark. Ungünstiger als der Voranschlag stellt sich nur der Abschluß der Reichsdruckerei mit einem Minder- Überschuß von 1,5 Millionen Mark. Aus dem Reiche des Herzogs von Arenberg. In L ü d i n g h a u s e n, dem Reiche deS Herzogs von Arenberg. herrscht große Freude. In einem Extrablatt der„Lüdinghatiscr Zeitung" wird dem Volke kund und zu wiffcn getan, daß Prinz Adalbert von Preußen und 2v KopitänleutnantS dem Herzog einen Besuch abstatten werden. Im Juli soll gar auch noch Prinz Heinrich eintreffen. AuS diesem Anlaß wird es im Reiche des Herzog? hoch hergehen. Das Extrablatt verkündet nämlich: „Für den Nordkirchener Ruhetag, wäbrcnd der Prinz Heinrich- Fahrt kjqMlMliti, i&a üvpaeu& fesMen äa&cn. Die Berliuer Buchdrucker> Die Vorgänge bei-er Firma Scherl beschäftigten gestern abend eine Mitgliederversammlung des Vereins Berliner Buchdrucker und Schriftgießer, für die der Riesensaal der „Neuen Welt" eigentlich noch lange nicht Raum genug bot. Schon lange vor der festgesetzten Zeit war der Saal samt den Galerien und der Bühne überfüllt. Die Vorgänge, nm die� es sich hier handelte, haben offenbar im höchsten Grade aufreizend auf die gesamte Gehilfenschaft des Buchdruck- gewcrbes gewirkt und eine Empörung hervorgerufen, wie sie mancher in diesem Beruf kaum für möglich gehalten hatte. Diese Erregung und Empörung richtete sich, wie leicht be- greiflich, nicht allein gegen das Verhalten der Geschäftsleitung der Firma Scherl, sondern vielleicht noch mehr gegen das Urteil des Tarifanits, gegen den Verbandsvorsitzenden Döblin und gegen die Redaktion des„Korrespondenten". Wenn das Verbandsorgan in seiner letzten Nummer nicht daran zweifelt, daß„die gesamte Kollegcnschaft ihr schärfstes Verdikt" gegen die Maschinenmeister der Firma Scherl aussprechen werde. so ließ die Versammlung von Anfang an keine Zweifel daran, daß das Verdikt der Berliner Blichdrucker sich in größerer Schärfe vielmehr nach der anderen Richtung wendet. Wurde doch der„Korrespondent" durch Zwischenrufe sogar als ..Unternehmerorgan" beschimpft, und es wirkte auch nicht gerade beruhigend, als der Vorsitzende Massini mit- teilte, daß der„Korrespondent" sich in seiner neuesten(heute erschienenen Nummer gegen den vorhin erwähnten Artikel „saldiert". Tie Versammlung schien vielmehr der Meinung, und. das wurde auch in der Diskussion gesagt, daß sich das Verbandsorgan„blamiert". Schon bei dein Referat des Gau- vorsitzendeir Albrecht, der sachlich über die Vorgänge berichtete, trat die Stimmung in entnisteten Zwischenrufen zutage, und als später in der Diskussion die gemaßregclten Vertrauens- leute Huf und Wallnig zu Wort kamen, wurden sie mit demonstrativem Beifall begrüßt. Die Diskussion, in der all- gemein zum Ausdruck kam, daß, wenn auch die Rotations- Maschinenmeister weder richtig noch zweckmäßig gehandelt haben, das Verhalten der Firma Scherl und das des Tarif- amtes sowie der obersten Instanzen des Verbandes doch noch viel verwerflicher sei, dauerte bis Mitteriwcht. Vom Gauvor- stand wurde folgende Resolution in Vorschlag gebracht: >»d der Konflikt bei Scherl. „Die Versammlung des Vereins der Berliner Buchdrucker und Schriftgicßer nimmt Kenntnis von den Ursachen des Kon- flikts vei der Firnia August Scherl. Sic erkennt die unbedingte Verpflichtung der Verbandsmitglicdcr zur Anerkennung der Eni- schcidungen des Tarifamtcs sowohl als auch zur Respektierung der Anordiiungeii des Verbands- und Gauvorstandcs ausdrück- lich an und verurteilt deshalb die entgegen den Weisungen des Vorstandes erfolgte Arbeitsniederlegung der Rotationsmaschincn- nieister auf das entschiedenste. Tie Versammlung erblickt in der von der Geschäftsleitung der F,irma Scherl seit längerer Zeit ge- übten unangemessenen Behandlung des Personals die Grund- Ursachen der durch den Ausstand zum Ausdruck gekommenen Er- regring; das Tarifamtsurteil bezw. dessen Punkt 3 aber be- trachtet sie als die unmittelbare Veranlassung zu dem Vorgehen der Rotationsmaschinenmeister. Die in dem TarifaMtsurteil ausgesprochene weitgehende Verantwortlichkeit der Vertrauensleute, insbesondere ihre Entlassung wegen Handlungen der gesamten Kollegen,� er- achtet die Versammlung als nicht durch das Tarifgcsetz begründet und in ihren Konsequenzen als außerordentlich gefahrvoll nicht nur für das Weiterbestehen der Vertrauensmänner-Jnstitution, sondern auch für die ganze, in erster Linie doch auf der Soli- öarität beruhende gewerkschaftliche Tätigkeit des Verbandes. Deshalb ersucht die Versammlung die maßgebenden In- stanzen dringend, für eine Revision des Punktes 3 des Urteils sowie dafiir zu wirken, daß derartige unhaltbare Entscheidungen künftig unterbleiben." Diese Resolution schien jedoch der Versammlung rxichk deutlich und scharf genug auszudrücken, was mian für not- wendig erachtete. Aus der Mitte der Versammlung wurden noch verschiedene Resolutionen eingebracht. Schließlich wurde in der Abstimmung, die sich bis nach Mitternacht hinzog, zunächst eine in scharfen Worten gehaltene Resolution angenommen, die die Stellungnahme der Ge- hilfenvertretcr des Tarifamts verurteilt und deren Amts- niedcrlegung fordert. Dann wurde die Vorstandsrcsolution, verschärft durch einen Passus gegen- die Haltung des„Korre- spondent", angenommen. Die Resolution soll an den Säulen dem Publikum ebenso bekannt gegeben werden, wie die Er- klärung Hes Tarifamts. Vor Schluß der Versammlung ermahnte der Gauvor- sitzende Massini die Anwesenden angesichts der ernsten Situation zur vollsten Einigkeit. GcwcrUkhzftlicbcQ. Berlin und Umgegend. Ter Streik der Banklempner Wrost-Berlins dauert unverändert fort. Eine Versammlung der Streikenden, die gestern vormittag den großen Andreas-Fesisaal füllte, bewies von neuem, daß die Arbeitnehmer nicht daran denken, den Kampf verloren zu geben, sondern fortdauernd einmütig ausharren. Tie Arbeitgeber suchen sich den Anschein zu geben, als ob sie nicht minder einmütig. entschlossen sind, den Kampf bis aufs äußerste fortzu- setzen. In ihrer Versammlung am vorigen Donnerstag erklärte Herr T h o m, daß von einer Anerkennung des Schiedsspruches auf feiten der Arbeitgeber nun nicht mehr die Rede sein könne. Ein Tarifvertrag könne nur zustandekommcn, wenn die Bestimmung über das Tragen des Werkzeugs, wie in der Arbeitgebcrvorlage, angenommen, und tür Junyaüsgelcrnte nach der dreijährigen Lehr- zeit, eine weitere Staffelung festgelegt werde. Wie ivciter in dem offiziellen Bericht gesagt wird, hat die Versammlung sich dann für eine fünffache Staffelung der Löhne erklärt.— Die Arbeitgeber haben,osfenbar gehofft, daß die Streikleitung nach den letzten gescheiterten Verhandlungen von neuem bei ihnen anklingeln würde, um Anknüpfungspunkte zu suchen, aber, wie Dietrich in der gestrigen Strcikversammlung ausführte, lag dazu für die Streik- lcitung keine Veranlassung vor. Die Klempnermeister kommen übrigens immer von neudm zusammen, um über die Lage zu be- raten oder sich von ihren Führern und Sckzarfmackern erzählen zu lassen, daß der Kampf für sie außerordentlich günstig steht und sie bloß noch eine kleine Weile aushalten sollen, um den Sieg davon- zutragen. Ans den heutigen Donnerstag sind sie wiederum, zu einer Versammlung eingeladen, und zwar durch ein Rundschreiben, in dem es heißt: „Wir bitten nunmehr alle Kollegen, Einzelunter- schriften für Tarifanerkennung in keiner Form zu geben, da solche nur die unangenehmsten Folgen für die Be- . tröffenen haben können. Es sind solche bei den Firmen, bei wcl- chen solche Sonderabmachungrn während des Streiks im Jahre 1909 vorgekommen, von den Arbeitnehmern willkürlich gebrochen Worden. Da in den letzten Wochen Einstellungen von Arbeits- willigen in erhöhter Zahl lins angemeldet wurden, so bitten wir dringend, doch die Beschlußfassung der Tonncrstagversammlung abwarten zu wollen." Die Leitung der Arbeitgeber behauptet immer von neuem, daß im„VoNvärts" und daß in den Strcikversammlungen nicht der Wahrheit gemäß berichtet werde. Es hat keinen Zweck, aus der- artige Vorwürfe nochmals näher einzugehen; die einzelnen Arbeit- geber werden es sicher am besten an ihrer eigenen Lage verspüren, ob„diesseits" oder„jenseits" wahrheiiswidrig berichtet wird, und ob sie sich unter der Führung ihrer Scharfmacher so wunderbar wohl befinden, daß ihnen eine Acndcrnng ihrer Taktik nicht zweck- mäßig erscheint. Was die erhöhte Zahl Arbeitswilliger anbetrifft. die den Arbeitgebern„angemeldet" wurde, so hat man noch nichts davon gemerkt, daß die erhöhte Zahl auch gearbeitet hat. Allem Anschein nach ist es bei der„Anmeldung" verblieben. Gewiß sind einzelne Arbeitswillige vorhanden. Leute, die, im Sinne der Ar. beiterbcwcgung gesprochen, gewissenlos genug sind, dem Unter- nehmertum dergleichen Handlangerdienste zu leisten, aber ihre Zahl und ihre Leistungen sind viel zu sHvach, um das Unterneh- mettum auS der Verlegenheit zu reißen. Wie ein Redner in der Diskussion erwähnte, ist die Knpferabdeckung über dem Parterre am Bau einer Gemeindeschule in der Antonstraße aus dem Wcd- ding so erbärmlich ausgeführt, daß selbst ein Laie sofort erkennen muß. daß hier unverantwortlich gepfuscht worden ist. Es handelt sich eben mn Streikbrecherarbeit; da nimmt man es nickt so genau, und die Behörden, wie die Bürgcrschcft Berlins sollen sich zu- friedengeben mit der Arbeit, wie schlecht sie auch ausfällt. Aufgehobenes Boykottnrteil. Der Zweigverein Berlin des Verbandes der Friseurgehilfen Deuischlands wehrt sich gegen Tarifbruch der mit ihm im Vertrags- Verhältnis stehenden Geschäftsinhaber durch Verhängung der Be- triebssperre für seine Mitglieder. Im„Vorwärts" werden diese Sperren unter der Aufschrift:„Achtung, Friseurgehilfcn! Für Mitglieder gesperrt", bekanntgegeben. Als gesperrt wurde in dieser Weise im Juni. Oktober und No- vember 1909 auch das Geschäft des Herrn Max Steinbock, zuletzt in Chärlottenburg, veröffentlicht. Dies vcranlaßte Herrn Stein- bock, gegen den Zweigverein Klage auf Zahlung von 500 M. Schaden- ersatz wegen Bopkottschädigung zu erheben. Der Zweigvercin wurde durch Urteil der 6. Zivilkammer des Landgerichts I Berlin dem Grunde nach verurteilt. Zur Begründung des Urteils wurde gesagt: „Der Beklagte habe durch die Sperrenotizen in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weise dem Kläger vorsätzlich Schaden zugefügt. Die weite Verbreitung des„Vorwärts", des zur Be. tanntmachuiig gewählten Organs, dem gelesensten Blatt der Ar- beiterbevölkerung Groß-Berlins. lasse darauf schließen, daß die Mitteilung nicht bloß unter den Interessenten, sondern unter dem verantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. In seratenteil vergntw.i Publikum überhaupt bekannt werden sollte. Die Bekanntmachung habe daher einen anderen Zweck verfolgt, als den vom Beklagten angegebenen, und zwar, wie Kläger mit Recht annehme, den Zweck, ihn geschäftlich lahmzulegen, ihn zu ruinieren. Der Be- klagte habe damit gerechnet, daß die Bekanntmachung auch von anderen organisierten Arbeitnehmern, dem fast ansschliehlichen Leserkreis des„Vorwärts", beachtet werde und bei dem festen Zusammenhalt derselben das Geschäft des mit dem Verbände in Differenzen geratenen Klägers gemieden würde. Der enge Zu- sanimeiischluß der organisierten Arbeiterschaft und deren allge- mein bekannte Disziplin gegenüber den Anweisungen im Partei- organ ließen nicht den geringsten Zweifel darüber bestehen, daß die Bekanntmachung und der dadurch herbeigeführte Bohkott die wirtschaftliche Existenz des Klägers völlig zu vernichten geeigner sei. Der Beklagte sei aber auch, wenn man bösliche Absicht als nicht vorliegend erachte, gemäß 8 823 Abs. 1 a. a. O. ersatzpflichtig. Bei seiner Bekanntmachung habe er die im Verkehr erforderliche Sorgfalt, wie sie von einem normalen, ordentlichen und gewissen- haften Menschen in dem betr. Verhältnisse des Verkehrs ange- wendet zu werden pflegt, nicht angewandt. Die Folgen der Be- kanntmachung, die eine Anfforderung zum Boykott enthalte, mutzte der Beklagte voraussehen. Eine derartige Ausforderung sei eine rechtswidrige und verpflichte zum Schadenersatz." Das Kammergericht, 9. Zivilsenat, hat das landgerichtliche Urteil am 10. Juni abgeändert und die Klage abgewiesen. Zur Lohnbewegung der Brettertrnger ist zu berichten, daß die Firma Welke u. E I b e die schriftlich gemachten Zugeständnisse am Sonnabend, den 17. Juni, wieder zurückgezogen hat. Die Firma befindet sich ohne weiteres in einer bedrängten Lage, denn Streikbrecher hat sie nicht gefunden, dafür arbeiten die Herren Firmeninhaber mit ihren Stehkragen-Proletariern selbst als Bretterträgcr. Hoffentlich lernen sie dabei einschen und wer- den gewahr, daß das Los eines Bretterträgers kein rosiges ist. Die Firma S ch ö n f e l d, Charlottenburg, hat, nachdem der Druck der drängenden Arbeit etwas nachgelassen hat, ihre alten Leute plötzlich entlassen und dafür unorganisierte neue Leute ein- gestellt. Tie Firma glaubt auf diese Weise die Abmachungen illusorisch zu machen. Ueber diese Firma ist die Sperre verhängt. Bei der Firma Schiffer u. Sohn haben sich der bekannte Herr Albert Vetter mit den Herren Gustav Sicbert, Herm. Sprok- hoff, Louis Hoppe und noch einigen Konsorten als Hintzemänner dem Unternehmer zur Verfügung gestellt. Es mußte, da die Firma in keiner Weise Zugeständnisse machte, ebenfalls die Sperre verhängt werden. Die Firmen Lorenz u. Zech und Beyer u. Erd- m e n g e r, Treptow, bchelfcn sich mit Hintzegardistcn und bleiben auch djese beiden Betriebe gesperrt. Obgleich sonst in fast allen Betrieben eine Verständigung erzielt worden ist, kursieren schwarze Listen. Das interessanteste ist aber, daß aus dieser Liste Namen von Firmen und Arbeitern sich befinden, welche bereits am ersten Tage zu den neuen Ve- dingungen arbeiteten. Daraus ist anzunehmen, daß diese Listen schon vor der Bewegung hergestellt wurden. Wir bitten dringend, daß kein ehrlich denkender Arbeiter in den gesperrten Betrieben Arbeit nimmt. Deutscher Transportarbeiterverband. Bezirk Groß-Berlin. Die Lohnkommission. Streikbrechcrvermittelung wurde dem Gastwirt Laboschinsky, Charlottenburger Ufer, in einer Notiz vorgeworfen, die wir über den Brcttcrträgerstreik brachten. Herr Laboschinsky schreibt uns und läßt sich dies durch Zeugen bestätigen, daß er keine„Streik- brecher" vermittelte, sondern daß er nur einer Firma, mit der er schon lange Verbindungen habe, Leute vermittelte, unter der aus- drücklichen Angabe, daß diese keine Streikarbeit verrichten. Solche wurde aber doch von ihnen verlangt und sie kehrten wieder um. Erst andere, nicht von ihm vermittelte Leute, hätten sich später zu Streikbrcchcrdicnstcn hergegeben. veutkcbes l?.cieb. Ter Streik der Werftarbeiter bei der Firma Pauckfch in Landsberg a. W. ist mit Erfolg beendet. Die Firma hat neben einer Reihe allgemeiner Zugeständnisse die Einstellungslöhne für ungelernte Arbeiter auf 30 Pf. pro Stunde erhöht und für alle übrigen Arbeiter eine Zulage von 3 Pf. pro Stunde bewilligt. Die Arbeiter können mit dem Erfolg um so mehr zufrieden sein, da der Fabrikaukschuß leine ganz eigenartige Vertretung der Pauckschen Arbeiter) versucht hat, die arbeitenden Kollegen gegen die Strei- kenden ausziispiclen. In einem Anschlag an das schwarze Brett forderte dieser„Fabrikaxsschiiß" die Arbeiter der Firma auf. die Streikenden in keiner Weise zu unterstützen. Nachklänge zur Lohnbewegung der Oderschiffcr. Bekanntlich hat am 3. April der Deutsche Transportarbeiter- verband mit dem Arbeitgebcrverband für Binnenschiffahrt einen Vertrag für die Oder-Reedereien abgeschlossen. Es gehören aber Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u öcrlagSanstalt nicht alle Firmen 5em Arbeikgeherberhanhs SN; hie OtMnisakionS- leitung der Binnenschiffer hat nun versucht, auch bei diesen Firmen die am 1. Juli eintretenden neuen Lohn- und Arbeitsbedingungen einzuführen. Bei einzelnen Firmen ist auch eine Verständigung erfolgt, bei einer Anzahl Firmen aber nicht, so daß es hier zum Streik kommen wird.— Der Vorsitzende der Binnenschiffer, Schü- ning, hat bereits am 15. Juni im Auftrage der Mannschaften die Kündigung eingereicht bei der Neuen Oder-Elbe-Neederci, Karl Krause und Lowack u. Lux. Bei diesen Firmen werden die Boots- leute am 1. Juli ausständig und die Steuerleute am 15. Juli. Weitere Kündigungen stehen bevor.— Bei der Privatschiffahrt wird es ebenfalls noch zu Arbeitseinstellungen kommen. Die Vcr- träge sind in allen Umschlagsplätzen ausgelegt und werden von den Ntannschasten den Privatschisscrn zur Unterzeichnung vorgelegt werden in der Zeit vom 15. Juni bis 15. Juli, da es der Organi- sationslcitung nicht möglich ist, bei gut 2000 Privatschiffern die Verhandlung mit jedem einzelnen zu führen. Nachdem dann am 15. Juli das Ergebnis bekanntgegeben ist, soll gegen die ablehnen- den Privatschiffcr vorgegangen werden. ES ist aber zu erwarten, daß es bei der privaten Schiffahrt nicht zu großen Disserenzeu kommen wird. Der Kampf im Hamburger Holzgcwerbe. Den Unternehmern und insbesondere ihren„verantwortlichen" Führern wird in der gegenwärtigen Situation unheimlich. Beson« ders die Bautischlermeistcr sehen immer mehr Austräge nach aus- wärts abgehen und wissen auch bestimmt, daß die auswärtigen Unternehmer so leicht aus Hamburg nicht wieder verdrängt wer- den können. In der letzten Woche haben darum auch wieder eine Anzahl Betriebe die Forderungen bewilligt, weshalb weitere� 150 Arbeiter die Arbeit wieder aufnehmen konnten, so daß gegenwärtig zirka 1800 Arbeiter zu den neuen Bedingungen arbeiten. Außer- dem hatte der Holzarbciterverband durch ein Flugblatt, das in 300 000 Exemplaren verbreitet wurde, die Hamburger Bevölkerung über die Ursachen des Kampfes aufgeklärt. Auch die Zahl der Ar- beitswilligcn ist erheblich zurückgegangen.� Das veranlaßt die Unternchmerleitung, der Oeffentlichkeit Märchen zu erzählen. Zu- nächst wurde der ganzen Hamburger Presse ein„Waschzettel" über- mittelt, in dem behauptet wird, daß gegenwärtig bereits 1000 Ar- bcitSwillige vorhanden seien. Mit Werkmeistern und inklusive der Leute, die der Holzarbciterverband in den Betrieben stehen ließ (Invaliden usw.), sind es rund 400. Der Schutzverband hat aber der Einfachheit halber die Arbeiter einer ganzen Anzahl bewilligter Betriebe als Arbeitswillige mitgezählt!—. um die Arbeitgeber weiter am Narrcnseil führen zu können, denn die Angst ist groß, daß noch eine größere Anzahl in den nächsten Tagen kippt!— Zum Ueberfluß haben die Unternehmer noch ein Flugblatt von riesigem Umfang an die Streikenden versandt, in dem mit der Wahrheit bös jongliert wird. Danach ist eS der Holzarbeiterver- band, der den Frieden nicht will, der Holzarbeiterverband hat die Verhandlungen zum Scheitern gebracht und darum werden die Streikenden ersucht, sich schleunigst an ihre alten Plätze zu be» mühen, sonst— werden sie von Arbeitswilligen besetzt— für Polizei- lichen Schutz ist gesorgt!— Ungeheure Heiterkeit hat das plumps Machwerk bei den Holzarbeitern hervorgerufen, ist ihnen doch be- kannt, daß erstens die Unternehmer den Schiedsspruch des Eini- gungsamtes abgelehnt haben und eine neue Verhandlung, die vom Amtsgerichtsrat Dr. Boysen angesetzt war, und zu der die Arbeiter sich bereit erklärt hatten, durch folgendes Schreiben des Gewerbe- gerichtS abgesagt wurde: „Gemäß richterlichen Auftrages wird Ihnen mitgeteilt, daß Ihr Erscheinen am Dienstag, den 30. Mai er., nachmittags 2'A Uhr, nicht mehr erforderlich ist, da die Arbeitgeber eine erneute Verhandlung abgelehnt haben." Eine Versammlung der Streikenden und Ausgesperrten, die nm 19. Juni stattfand, nahm zu der gegellwärtigen Situation Stellung und erklärte einmütig, daß zu einer Aenderung dex Taktik kein Anlaß vorliegt. Die lächerlichen Bemühungen der Unternehmer, Uneinigkeit in die Reihen der Arbeiter zu tragen. wurden gebührend gewürdigt und einstimmig beschlossen, der Kampf wird weiter geführt bis zum erfolgreichen Ende.� Immer wieder bitten aber die Hamburger Holzarbeiter die Arbeiterschaft Deutschlands, den Zuzug nach Hamburg fernzuhalten. Hetzte fforfmebten. Aus dem italienischen Senat. Rom, 21. Juni.(W. T. B.) Bei der Beratung des Bud- getS des Ministeriums deS Aeußeren erklärte Marquis di San G i u l i a n o. die großen Linien der auswärtigen Politik Italiens seien eine notwendige, logische Folge der Lage der Dinge und änderten sich nicht, wenn sich die Regierungen änderten. Italien bleibe bei seiner festen Politik der Bündnistreue, die vervollstän- digt werde durch seine Freundschaften mit anderen Mächten; in betreff der Behauptung Guieeiardinis in der Kammer. daß Italien tatsächlich isoliert sei, erkläre er im vollen Bewußt- sein seiner Verantwortlichkeit, er teile diese Ansicht nicht, Guicciardini könne keine einzige Tatsache zur Bekräftigung seiner Bebauptung anführen. In bczug auf die Tripolisfrage könnten seine Erklärungen nicht von denen seiner Vorgänger abweichen. Tie italienische Politik beruhe auf der Integrität des OSmanischcn Reiches, und die Interessen Italiens im Mittelmeer fänden in den bestehenden Abkommen mit den europäischen Mächten befriedigende Garantien. Lärm in der bclgischcn Kammer. Brüssel, 21. Juni. Bei Fortsetzung der Debatte über die mi- nistcrielle Erklärung kam cS heute zu großen S'andalszenen, als der Sozialist Auscelc von Priestern sprach, die sich an Kindern vergingen, und der Katholik Maenhaut entgegnete: Wir schließen sie aus, Ihr aber nehmt sie als Lehrer auf. Die Sozialisten drangen auf Maenhaut ein, einer warf ihm ein Buch an den Kopf, die Sitzung wurde unterbrochen; aber auch nach Wiederaufnahme trat erst allmählich Beruhigung ein. Gegen den Hansabund. Köln, 21. Juni. Wie der Zentralverband deutscher Industrieller der„Kölnischen Zeitung" mitteilt, hat sein Vorsitzender, Landrat a. D. Roctger, seinen Austritt aus dem.Hansabund erklärt. Folgenschwere Spiritnscxplosion. Dresden. 21. Jum.(23. T. B.) In dem Gebäude der sächst. sehen Spiritusgesellschaft entstand heute nachmittag auf bisher un- aufgeklärte Weise eine schwere Spiritusexplosion/ Tie sofort auf die Meldung„Großfeucr" herbeigeeilte Fcucrwehr fand an der Unfallstelle den 31 Jahre alten Absüllcr Schalm unter den Trüm- mern auf. Er gab nur noch schwache Lebenszeichen von sich, starb aber bald daraus. Ter Kontorist Wolf hatte erhebliche Verlctzun- gen davongetragen, so daß man an seinem Auskommen zweifelt. Schwere Brandwunden erlitten ferner der Direktor Schmidt, ein Steueraufsehcr und ein Feuerwehrmann, die sämtlich nach dem Krankenhans übergeführt wurden./ Mehrere Personen wurden außerdem leicht verletzt. Es sind mindestens 40 000 Liter Spiritus ausgelaufen, die in Brand gerieten und durch Verdüunuug mit Wasser gelöscht werden mußten. Wird'S nun der richtige sein? Böhmikch-Lcipa 21. Juni.(W. T. B.) Ter Kellner Joseph Rumler, geboren zu Gablonz an der Neiße, hat sich hier heute der Polizei gestellt mit der Selbstbezichtigung, im vorigen Herbst den Mord an der Frau Hoffmann in Berlin begangen zu haben. PaulSingertCo-.BcrlinSVl. Hierzu 2 Beilage»».NnterhaltungSbl. 8,113. 28.wtW i. Seilllge des„Nomilck" Kellim UolksdlÄ. Hbgeordnetenbauö» 92. Sitzung vom Mittwoch, den 21. Juni, v ormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Kommissare. Zunächst wird die zweite Lesung der vom Zentruni beantragten Novelle zur westfälischen Provinzialordnung vorgenommen. Nach dem Entwurf, der von der Kommission mit allen gegen eine Stimme angenommen worden ist, soll die Vertretung der bevölkerten Kreise beschränkt werden. Bisher fällt auf jeden Kreis bis zu 3S000 Einwobner 1, bis zu 70 000 Einwohner 2 Provinziallandtagsabgeordnete, für jede weitere b0 000 Einwohner ein weiterer Abgeordneter. Nach der Novelle soll jeder Kreis bis 00 000 Einwohner einen, bis 120 000 zwei Abgeordnete erhalten und darüber hinaus erst auf je 100 000 Einwohner ein Abgeordneter entfallen. Abg. Lippman«(Vp.): Wir lehnen die Novelle ab. Schon die Begründung ist sehr merkwürdig. Das Verwaltungsgebäude der Provinz Westfalen s o l l zu klein sein. Dann baue man es um.(Sehr wahr! links.) Aber die Kleinheit des Saales �ist nur Vorwand. Des Pudels Kern ist, dah man die Städte be- nachteiligen und die Dreiviertelmehrheit der ländlichen Kreise im Landtag der hochindustriellen Provinz Westfalen künstlich kon- servieren will.(Lebhaftes Sehr wahr! links.) Abg. Schulze-Pelkum(k.): Der Umbau des ProbinzialgebäudeS würde eine halbe Million kosten. Der Antrag der Verminde- rung der Abgeordnetenzahl ist gerade von der Stadt Dortmund ausgegangen. Von agrarischen Tendenzen kann keine Rede sein. Abg. Haußmann(natl.): Die Raumfrage ist schließlich neben- sächlich. Aber wenn die Zahl der Provinziallandtags-Abgeordneten zu sehr über 100 hinauswächst, dann leidet die Arbeit des Plenums darunter und die Arbeiten werden mehr in die Kommissionen verlegt. Auch kommt es bei Selbstverwaltungskörperschaften nicht so sehr daraus an, datz die Vertretung sich nach der Einwohnerzahl richtet. Abg. Lippmann(Vp.): Also mit ISO Abgeordneten soll der West- fälische Provinziallandtag arbeitsunfähig sein. Ist etwa das Ab- geordnetenhaus mit seiner dreifach größeren Mitglieder- zahl arbeitsunfähig?(Sehr gut I links.) Mit Ausnahme Dortmunds haben sich alle größeren Städte Westfalens gegen die Herabsetzung der Abgeordnetenziffer ausgesprochen. Die Novelle wird �hierauf mit großer Mehrheit an- genommen. Das vom Herrenhaus abgeänderte Gesetz über die Beschulung blinder und taubstummer Kinder wird nach unwesentlicher Debatte in der Fassung des Abgeordnetenhauses angenommen. Zwei Gesetzentwürfe über die Umlegung von Grund- stücken in Posen bezw. in Köln werden debatteloS in zweiter und dritter bezw. in erster und zweiter Lesung angenommen. Es folgt die dritte Beratung deS Ausführungsgesetzes zum Reichsviehseuchengesetz. Abg. Heine(natl.) tritt für Annahme deS Gesetzes ein und be« streitet, daß man sich von nationalliberaler Seite je gegen das Interesse der kleinen Leute ausgesprochen habe. Abg. Leinert(Soz.): Man lese im Protokoll des Kasseler Parteitages der National- liberalen, was der Reichstagsabgeordnete Findel-Einbeck über Ar« beiter und Angestellte sagt. Für ihn kommen nur die»selbständigen Ejistenzen" in Betracht.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Da« Ausführungsgesetz zum Reichsviehseuchengesetz wird un« Verändert nach den Beschlüssen zweiter Lesung angenommen. Es folgt die zweite Lesung des AusführungSgesetzeS zum ReichSzuwachSsteuergesetz. Abg. Braemer(kons.) begründet einen Antrag, wonach vom Anteil, der den Gemeinden und den Gemeindeverbänden verbleibt, die kreisangehörige Gemeinde, in der sich der Steuerfall ereignet, drei Viertel und der Kreis ein Viertel erhält. Abg. Westermann(natl.) beantragt. daß die Gemeinden bis zu 10000 Einwohnern zwei Drittel, die kreisangehörigen Ge- meinden über 10 000 Einwohner drei Viertel erhalten.(Die Kommission hat die Grenze auf 10 000 erweitert.)— Ferner beantragen die National- liberalen, datz in den Landgemeinden Rheinland-WestfalenS die Ber- anlagung einem Steuerausschuß, bestehend aus Amtmann bezw. Landbürgermeister, Gemeindevorsteher und einem von der Gemeinde- Vertretung gewählten Mitglied übertragen werde.— Redner wirft dem Zentrum vor. daß eS auch bei diesem Gesetz seine Abneigung gegen die rheinischen und westfälischen Gemeindevorsteher zum ÄuS- r-' Vie Erotik in fortltonngen oder Die Clnzucbt äes kleinen Mnnes. Ein Staatsanwalt ist soeben gestorben(was merkwürdig selten vorkommt) und aufgefahren gen Himmel(was noch seltener vor- kommt). Gleich an der ersten Ecke steht da oben ein älterer Herr mit koloffal starken Brillengläsern. AlS er den Staatsanwalt er- blickt, schießt er vor und nimmt ihn am Ohrwaschel. Es entspinnt sich folgendes Gespräch: �. Der Brillen engel: Sind Sie der Mann, der so eigen- tümliche Begriffe von Unzucht hat? Staatsanwalt: Das Delikt der Unzucht... Brillenengel: Ruhe I Sind Sie aus Bochum? Staatsanwalt: Nein, Euer Gnaden. Brillenengel: Haben Sie den Prozeßbericht gelesen? Staatsanwalt: Ja. Brillenengel: Billigen S,e die Ausführungen Ihres Kollegen über den Begriff der Unzucht in Fortsetzungen? Staatsanwalt: Vollkommen, Euer Gnaden. Das Reichs- �1» rilleneng el: Wir stehen hier über dem Reichsgericht. Staatsanwalt: Gerade drüber? Ach. da will ich'mal eben runtergucken-n�-ei: Hj�hlsiben!— Also die einzelne Fort- setzung eines Romancs wirkt auf Sie unzüchsig? Kriegen Sie vielleicht Qnh) aIt. auf � doch nicht l Auf das Publikum l Auf das Publikum gewisser Blätterl Brillenengel: So so. Sie sitzen wohl auf ElS. wenn Sie so'was zu lesen kriegen, was? Staatsanwalt: Aber, Euer Gnaden! Brillen engel: Das Buch als ganzes würden Sie nicht als unzüchtig bettachten?.,„ u Staatsanwalt: Nein, nur die einzelne Fortsetzung. Brillenengel: Wie soll das denn nun eine Zeitung machen? Soll sie diese Fortsetzung weglassen?.. � Staatsanwalt: Darüber habe ich nicht zu befinden. Brille„engel:. Oder soll sie an dem betreffe,, den Tage k>as ganze Blatt mit dem Roman füllen, so daß die unzuchlige Stelle in der züchtigen gleichsam verschwindet?.. Staatsanwalt: Dieser Fall ist noch nicht..» Brillenengel: Nehmen Sie an, es geschähe I Staatsanwalt: Dann bleibt immer noch zu bedenken. daß cm Tagesblatt auch in Familien und Wirtshäusern... Brillenengel: Auch Bücher geratsil in Familien. Sind «s Gegner der Familie? druck bringe und erklärt, daß seine Partei bei Aufrechterhaltung der Kommissionsbeschlüsse gegen das Gesetz stimmen werde. Abg. Waldstein(Vp.) spricht sich für den konservativen Antrag aus und beantragt für den Fall der Ablehnung dieses Antrages, datz alle kreisangehörigen Städte über 3000 Einwohner drei Viertel erhalten. Die Kommisfionsfasiung ist unannehmbar. Die Re- gierung hat wiederum gegenüber den in der Kommission beantragten und beschlossenen Verschlechterungen großen Mangel an Energie ge- zeigt; ihr»unannehmbar* macht immer weniger Eindruck.(Sehr wahrl links.) UebrigenS hatte auch schon die Regierung großes Entgegenkommen gegenüber agrarischen Wünschen bewiesen. Durch die Bestimmung, daß der Steueranteil des Kreises aus den Gutsbezirken sür öffentlich rechtliche Aufgaben eben dieser Gutsbezirk verwandt werden muß, gibt man den Groß- grundbesitzern mit der einen Hand wieder, was man ihnen mit der anderen nimmt.— Redner begründet weiter einen Anttag auf Bfe s e i ti g ung der l a n d e S s ü r st li ch en Steuer- freiheit in bezug auf den Gemeindeauteil der Zuwachssteuer. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Die Kommission hat auch hier wieder die Gelegenheit benutzt, um gegen Geist, Zweck und Sinn des Reichsgesetzes ein Gesetz zugunstett des Großgrundbesitzes zu machen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Man nimmt den Gemeinden, um den Kreisen zu geben. Den Kreisen soll ein möglichst großer Anteil am Ertrage der Steuer zugeschanzt werden. Vor allem sucht man auch die Veranlagung möglichst den Land- gemeinden zu entwinden und den Kreisen in die Hände zu spielen. Mit Energie und Konsequenz, das muß man anerlennen, sind die Herren von der Rechten auf ihr Ziel losgegangen. Schritt für Schritt haben sie die Regierungsvorlage, die schon keineswegs ideal war. weiter verschlechtert. Zwischendurch wurde dann einmal den Landgemeinden ein T r o st p f l ä st e r ch e n verabfolgt. DaS Ver- anlagungsrecht im allgemeinen hat man ihnen abgesprochen— in den Augen der Herren von der Rechten sind eben Land- gemeinden minderwertige Organe,— aber man hat dann doch zugelassen, daß Landgemeinden von über 5000 Einwohnern oder denen, in denen schon eine Wertznwachssteuer besteht, die Veranlagung durch den Kreisausschutz überwiesen werden kann. Aber das ist nur trügerisch. Wo der Gemeindevorstand die Ver- anlagung bornimmt, da handelt er nicht als der Beauftragte der Gemeinde, sondern als der Kommissar des Kreis- a u S s ch u s s e s. In der definitiven Kommissionslesung ist die Stellung der Landgemeinden dann noch weiter verschlechtert worden. (Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Immer und immer wieder tritt die zärtliche Liebe der herrschenden Parteien dieses Hauses für die Kreisorgane hervor. Der Kreis, das ist aber in Wirklichkeit der Landrat. Was man auf dem Lande Selbstverwaltung nennt, ist bloß Kulisse für die Landratsmacht. Der KreiSausschuß zumal vertritt nur eine schmale Schicht Privile- gierter und hat noch nie ein Tröpfchen demokratisches Oel gespürt. Diese Vorlage, namentlich noch wie sie in der Kommission gestaltet worden ist, läuft darauf hinaus, die VerwaltungSinacht des Landrats uoch über das bereits durchaus ungebührliche und gemeingefährliche bestehende Maß zu erweitern. Mit besonderer Zähigkeit ist der Kampf im ß 4, der Kampf um die Beute geführt worden. Die Herren von der Rechten haben mit großer Zähigkeit und Rücksichtslosigkeit den Kampf geführt und sie sind schließlich Sieger geblieben, soweit sie überhaupt Sieger bleiben konnten. Die Herren gingen von der ganz richtigen Ansicht aus, daß man, um viel zu erhalten, noch mehr fordern muß. Zu- nächst beantragten sie, wenn auch in verhüllter Form, blanke Rück- Vergütung deS Gemeindeanteils der Zuwachssteuer an den Gutsbezirl, das heißt an den Großgrundbesitzer. Durch allerhand Künste, wobei die Ersetzung deS WörtchenS»oder* durch.und* eine beträchtliche Rolle spielte, wurde dann auch erreicht, datz in Z 4 des Gesetzes eine obligatorische Bestimmung hineingelommen ist, wonach auf alle Fälle auf die Gutsbezirle ein bestimmter Anteil entfallen muß. Nach dem Geist de§ Reichsgesetzes sollten keines- wegS die Gutsbezirle, wenn sie überhaupt berücksichtigt werden sollten, zu obligatorischen Teilnehmern deS Ertrages der Wert- zuwachssteuer gemacht werden. Die Gutsbezirke zählen überhaupt nicht zu den kommunalen Körperschaften, von denen das Reichsgesetz spricht, sie haben bisher nicht das Recht gehabt, eine Wertznwachssteuer zu erheben. Wenn hier nun die Guts- bezirke nicht bloß neben die Gemeinden gesetzt werden, sondern ihnen ein Anteil am Steuerbettage zugebilligt wird, so ist das ein ganz krasser und grober Widerspruch gegen das Reichs- gesetz. Die Regierungsvorlage wollte als Regel Vs des Ertrages für den Kreis und'/e für die Gemeinde ansehen. DaS entsprach zur Staatsanwalt: Da mutz ich aber sehr bitten! Ich bin sogar Familienvater, das heißt ich war eS bis heute, und ich habe niemals mehr als eine Maitrcsie auf einmal gehabt. Sie Sache ist doch einfach die, daß der höhere Preis eines solchen Buches ver- hindert, daß es in die Kreise deS Volkes dringt. Brillenengel: Aha! Staatsanwalt: Außerdem bedenken Sie doch, was für eine Szene da geschildert wird. Ein Arbeiter notzüchtigt eine Unternehmersfrau, und es macht ihr Spaß! Es macht ihr Spaß! Brillenengel: Jaja, sehr möglich. Aber ich will Ihnen etwas sagen: Sie sind ein ganz infamer Schlingel, wissen Sie das? Staatsanwalt: Aber erlauben Sie'mal, wer sind Sie denn überhaupt, daß Sie hier so... Brillen engel: Ich heiße Zola. Soll ich mir vielleicht ge- fallen lassen, daß Sie mit Ihren dreckigen Fingern meine Bücher beschmutzen? Sie sind ein ganz naives Bürschchen, verstehen Sie I Und die Sache liegt einfach so: Was Sie verfolgen, das ist die Verabreichung solcher Kost, die Ihre Studierstubennerven unzüchtig anregt, an die breite Masse, der so'was höchst schnuppe ist. Die breite Masse hält sich an das Leben. Ihr Schweinigel, die Ihr Euch die herrschende Klasse nennt, Ihr selber seid doch die Abnehmer der teuren pornographischen Literatur. Wissen Sie, kleiner Staats- anwalt, datz es in Ihrem Baterland große Verlage gibt, die im Subskriptionswege zu teuren Preisen die obszönsten Werke der Welt- literatur herstellen und an die Gebildeten absetzen? Nein, davon wissen Sie natürlich nichts! Aber wenn sich irgendwo das Volk organisiert, um sich im Subskriptionswege Theater- Vorstellungen zu verschaffen, da sind Sie gleich hinterher mit der Zensur und wollen die harmlosesten Sachen von der Welt verbieten. Ihr sagt:.Es ist etwas ganz anderes, ob ein solcher Roman in großen Abschnitten in einer Zeitschrist ersckeint, oder ob er in einer Tageszeitung in Fortsetzungen von 100—120 Zeilen erscheint.* Wißt Ihr auch, daß fast alle meine Werke zuerst.in einer Tageszeitung in Fortsetzungen von 100—120 Zeilen* erschienen sind? Staatsanwalt: Ja, aber das konnte das Volk nicht ver- stehen. ES war doch französisch! Brillenengel: Dieser Logik beuge ich mich. Gegen Staats- anwälte kämpfen Engel selbst vergebens. Hausdiener I He, Concierge, Türmeister, Portier I Also nehmen Sie diesen Burschen und bringen Sie ihn nebenan. Einen schönen Gruß an Seine Satanität, und sagen Sie Höchstdemselben: Dies Rind, kein Engel ist so rein, laßt's Eurer Huld empfohlen sein. R.?. Sommersonnenwende. Seit dem 22. Dezember des verflossenen Jahres befindet sich die Sonne auf der Wanderung nach Norden und jetzt, am 22. Juni, hat sie ihren Höhepunkt erreicht. Damit hat astronomisch der Sommer begonnen und die Natur ist an einem Wendepunkt angelangt. Die lebende Natur aber hat diesen Hyhe- Not der Billigkeit gegenüber den Gemeinden, die geradezu die geborenen Erheber dieser Wertzuwachssteuer sind, wenn auch M gewissen Fällen die Kreise einen Anteil am Wertzuwachs tragen. � Wenn die maßgebenden Parteien dieses Hauses möglichst viel vom Ertrag den Kreisen in die Hände zu spielen suchen, so geschieht das, weil sie die ihnen so sympathischen, von ihnen beherrschte» Kreise mit Steuern füttern wollen, die eigentlich den Gemeinden zukommen.... Wie war nun das Verhalten der Negierung? Zunächst sperrten sich die Regierungsvertreter sehr gegen die agrarischen Anträge. Da übernahm das Zentrum das Maklergeschäft und siehe da: sofort bekehrte sich die Regierung. Wenn nicht alles, so haben doch die Herren von der Rechten das meiste durchgesetzt. Ganz be« sonders haben die Herren von der Rechten sich alle Beine aus- gerissen, um zu erreichen, daß die kleinen Gemeinden möglichst schlecht gestellt werden. Gerade die leistungsunfähigsten Gemein- den, die am besten Geld gebrauchen können, sollen den kleinsten An- teil erhalten. Die Herren, die diesem Gesetze die Zustimmung geben, begünstigen ein neues Unternehmen des preußischen Junkertums, sich rechtswidrige Sondervorteile zu verschaffen. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) UnS wird damit neues Agitationsmaterial gegeben. Nun ist allerdings von konservativer Seite ein Antrag eingelausen, der die Verteilung zugunsten der kleinen Gemeinden ändern will. Die Herren Sielermann, Sültemeyer, Wulfert usw.. daS sind, soviel ich weiß, kleinere Grundbesitzer, sind sozusagen die Nenommierbauern der konservativen Partei. Es ist nun sehr bezeichnend, datz diese Herren dieselben Ge« sichtSpunkte geltend machen, die in der Kommission von mir und dem Vertreter der freisinnigen Partei geltend gemacht worden sind. Mögen jetzt die anderen Konservativen, die sich doch auch immer als Vertreter des bäuerlichen Mittelstandes aufspielen, einmal zeigen, daß es ihnen mit der Vertretung kleinbäuerlicher Interessen ernst ist. Nicht einer der ständigen Wortführer der agrarischen Interessen hier im Hause hat den Antrag mitunterzeichnet.(Hört! hört I links.) Es handelt sich um einen Kleinbauernkrieg gegen das preußische Junkertum, freilich um einen nicht sehr ernst zu nehmenden Krieg, denn schwerlich werden die Herren Unterzeichner deS Antrages aufhören, sich auch fernerhin als getreue Schildknappen großagrarischer Interessen mißbrauchen zu lassen. Wir haben zwei Anträge gestellt. Ueber instimmend mit den Freisinnigen beantragen wir Beseitigung der landeS» fürstlichen Steuerfreiheit für den Gemeindeanteil der Wertzuwachssteuer. Gerade die Monarchisten sollten eigentlich gegen dieses gehässige Monarchenprivileg stimmen, das dazu beittägt, die Monarchie- im Lande unpopuIZr zu machen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Ferner beantragen wir, daß der Gemeinde durch daS Ausführungsgeictz das Recht gegeben wird, Zuschläge durch Gemeinde st atut einzuführen. Gerade bei der Beschränkung des Gemeindeanteils sollte eS daS Haus als Ehrenpflicht betrachten, den Gemeinden möglichste Be« wegungsfreiheit zu geben. Das Gesetz, wie es aus der Koni- Mission hervorgegangen ist, ist getragen von Feindschaft gegen die Gemeinden und besonders gegen die kleinen Genieinden, von Begeisterung für den Kreis und von besonders zärtlicher Zuneigung zu den Gutsbezirken. Das Zentrum hat den agrarischen Tendenzen wieder einmal allen Vorschub ge- leistet.(Sehr wahr I bei den Sozialdemolraten.) Ferner trägt daS Gesetz noch den Stempel ausgesprochener Verachtung der Reichs« gesetzgebung. Es atmet in jedem Satze die ganze ausbeuterische und Gesetz und Recht verachtende Art der preußischen Verwaltung, insbesondere der preußischen Junkerpolitik, die in diesem Dreiklasseit« hauS, das sobald wie möglich hinweggeschwemmt werden möchte, ihren prägnantesten Ausdruck gesunden hat. Selbstredend werden wir dies Gesetz ablehnen.(Lebhafter Beifall bei den Sozial» demokraten.) Finanzminister Dr. Lcnhe bestreitet, daß die Regierung um« gefallen sei und bittet um Ablehnung des nationalliberalen Antrages auf Schaffung von SteuerauSschüssen in Rheinland und Westfalen und des freisinnigen Antrages aus Beseitigung der landeSsllrstlichen Steuerfreiheit. Abg. Sielermann(k.) spricht für seinen Antrag zugunsten der kleineren Gemeinden. Abg. Dr. Marx(Z.) lehnt die AbäudenmgSanträge ab und er« sucht um Annahme der KommissionSsassung. Abg. v. Dewitz-Oldenburg(sk.) spricht sich in demselben Sinne aus. Punkt noch nicht erreicht, denn die Erde saugt noch immer gierig die Strahlen der hochstehenden Sonne ein und erst im Juli und August kommt ihre wärmespendende Kraft recht zur Geltung. obwohl unser Zentralgestirn dann schon nicht mehr so günstig für uns steht. Wir wollen nicht verfehlen, darauf hinzuweisen, datz es falsch ist, zu sagen, die Sonne wandert nach Norden, denn der Vorgang läuft in Wirklichkeit ganz anders ab. Wegen der zur Erdbahnebene schiefen, aber gleichbleibenden Stellung der Erdachse wendet der Nordpol im Verlause eines Jahres der Sonne sich für ein halbes Jahr zu, für ein zweites halbes Jahr ab. Und wenn die Erde den Punkt überschreitet, in dem der Nordpol sich der Sonne am meisten zuneigt, dann erfolgt das, was wir Sommersonnenwende nennen und von wann ab wir Nordwärtswanderung der Sonne rechnen. Umgekehrt ist es zur Wintersonnenwende. Für uns die nördliche Erdhemisphäre Bewohnenden geht an diesem Tage die Sonne zurück, nach Süden um, erreicht also den Wendekreis des KrebseS und be» zeichnet damit astronomisch wenigstens den Abstieg. Sommersonnenwende war in den gern, anischen Ländern früher ein Festtag. Und die wärmende Flamme, daS irdische Abbild und Zeichen der glühenden und licht- und wärmespendenden Soime, war daS Symbol des Tages. Ueberall flammten in den Tage» der Sonnenwende im Juni die rauchenden Feuersäulen empor. womit den Göttern geopfert und für den Opfernden Schutz und Schirm gegen alle möglichen Gefahren von ihnen erfleht und erzwungen wurde. Dieser alte heidnische germanische Brauch hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Die christliche Kirche hat natürlich auch hier versucht, die heidnischen Reminiszenzen zu vertilgen, sie hat es«ber nicht fertig gebracht. Sie erhielten sich der Kirche zum Trotz, und die Feuerfeiern, die im Mittelalter vielfach ganz offiziell waren, dehnten sich mehr und mehr aus. Die Kirche schloß also auf andere Weise mit der Sonnwendfeier ihren Frieden; sie legte ihr eine christliche Bedeutung unter und weihte sie dem Kirchenheiligen St. Johannis. In dieser Form besatz die Sonnwendfeier im Mittelalter dann grotze Allgemeinheit. Aber nicht der Scheiterhaufen allein war die Form des BrandopserS, im Eljatz rollte man brennende Räder von den Bergen, in Tirol u»d anderen Alpengegenden zündete man brennende Strohkränze an, di« an langen Stangen steckten, den„Johaiinisstangeil*. Wie bei allen symbolischen Handlungen und Feiern im Mittel« alter schob sich auch bei der Johannisfeier ein wüster Heren-, Teufels-, Spuk- und Aberglaube mit unter, der die merkwürdigsten Gebräuche im Gefolge hatte. Dabei bedeutete der Johanniszauber vorwiegend Gutes für den ausübenden Menschen— wie eS bei einem Sonnenfest eigentlich gar nicht anders sein kann. Sind doch auch die lebensfreundlichen und lebensbejahenden Eigenschaften der Sonne zu eindringlich, gjs daß sich ihnen der dqnkbare Mensch«nt- ziehen könvte t Stög. Dr. Liebknecht(Soz.) (toirb von der Rechten mit Murren empfangen. A5g. H o f f m a n n ruft der Rechten zu: Sie sind doch nicht in Jbreu heimatlichen Ge- filden![Sehe gut! lint».]): Alle Auslegungskünste vermögen ni-�t die Tatsache aus der Welt zu schaffen, daß hier wieder einmal ein Gesetz zugunsten der Großgrundbesitzer geschaffen wird. Nicht ohne Interesse, vielmehr mit Behagen, haben wir die Auseinandersetzung zwischen Nationalliberalen und Zentrum angehört. Da» rheinisch- westfälische Wahlkompromiß zwischen beide» Parteien scheint also noch nicht perfekt zu sein. Bei dem Kampse dachten wir an jenes bekannte Liebchen: Zwei Löwen gingen einst selbanb In einem Wald spazoren, Da haben sie, voll Wut entbrannt, Einander ausgezoreir. (Heiterkeit.) Wir wünschen den Nationalliberalen und dem Zentrum in Rheinland-Westfalen dasselbe Schiffsal. Die Prcwinz-n Rhein- l a n d und Westfalen werden einst von uns vertreten werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Herren vom Zentrum haben,' statt mit Energsi: und Rücksichtslosigkeit die Interessen ihrer rheinischen Wähler zu vortreten, diese Interessen auf dem Wege deS Kuhhandels preisgegeben.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Schlägt man einen Mittelweg ein. setzt man sich gewöhnlich ztvischcn zwei Stühle. Wir werden im Lande klarlegen, daß das Zentrum seiner, ganzen Natur nach das Kom- promiß so locnig lassen kann wie die Katze das Mausen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Wcstcrmann(natl.) wendet sich scharf gegen den Abg. Marx. Lbg. v. Maltzahn(f.) erklärt, daß die tkonservativen die An- träge der Freisinnigen ablehnen und daß der größte Teil der konfervativen Fraktion auch gegen den Antrag Sielermann stimmen werden.(Hört! hört! links.) Bon einer Bevorzugung des Groß- grundbesitzes im Gesetze kdmie nicht geredet werden. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Der Wertzuwachs Ihrer Güter wird der Arbeit der Allgemein- heit verdankt und erfolgt auf Kosten der Allgemeinheit. Da noch die Steuer zurückzufordern ist der Gipfel der Unverfroren- heit.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sämtliche Abänderungsanträge werden abgelehnt. Für den Antrag Sielermann zugunsten der kleinen Gemeinden stimmen mit der Linken 20 K o n s e r v a ti v e. In der dritten Lesung, die gleich darauf vorgenommen wird, wird daS Gesetz unverändert nach den Beschlüssen der zweiten Lesung gegen die Stimmen der Linken einschließlich der Nationalliberalen angenommen. lieber die Tagesordnung der nächsten Sitzung entspinnt sich eine längere Geschäftsordnungsdebatte, in deren Verlauf der konservative Antrag, bereits in der nächsten Sitzung das allgemeine Zweckverbandsgesetz zu beraten, zurückgezogen wird. Abg. v. Brandenstcin(k.) verlangt, daß noch in dteser Tagung sein Antrag auf Send erung derGeschäftSordnungbe- raten werde.(Beifall rechts.) Abg. Fischbeck(Vp.>: Ich denke, die Wahlrechtsfrage geht doch denn wahrhaftig der Aenderung der Geschäftsordnung vor. (Lebhafter Beifall links.) Abg. Hirsch(Soz.): Die Anträge, an denen da? Volk interessiert ist. gehen den Anträgen vor, an denen nur gewisse Herren dieses HauseS ein Interesse haben.(Lebhafter Beifall Abg. Friedbera(natl.): Ich verkenne nicht die Wichtigkeit der Geschäftsordnungsfrage, aber die Wahlrechtsfrage und die rheinische Gemeindeordnung sind doch wichtiger als persönliche Liebhabereien deS Herrn v. Brandenstein.(Lebhafter Beifall links.) Nächste Sitzung Donnerstag 11 Uhr.(Zweckverband Groß« Berlin; Wegereinigung; Bullenhaltung; rheinische Gemeinde- ordnung.) Schluß ö Uhr,____ Die lieuelntellung der Kommunalwal)!- bezirke in Berlin. kommt nun für die dritte Wählerklasse endlich zustande. Der vom Magistrat vorgelegte Einteilungsentwurf, den die Stadtverord-- netenversammlung in einer gutachtlichen Erklärung als annehmbar bezeichnet hatte, ist— wie wir bereits meldeten— vom Oberprasi- denten bestätigt worden. Die Genehmigung ist gerade noch recht» zeitig eingetroffen, so daß noch in diesem Jahr für die im Juli aufzustellenden Kommunalwählerlisten und für tne im Herbst zu vollziehenden Stadtverordnetenwahlen die neuen Bezirksgrenzen zugrunde gelegt werden können. Die erste Wirkung dieser Maß» regel wird schon in den nächsten Wochen, wenn die neuen Wahler- listen ausgelegt werden, sich den Kommunalwählern bemerkbar machen.. n, v Durch die Neueinteilung wird eme vollständige Arn de- rung der meisten Kommunalwahlbezirke herbei- geführt. Sie war notwendig geworden, weil in den älteren Stadt- teilen infolge fortschreitender Entvölkerung die Wählerzahlen sich immer iveiter verringert hatten und andererseits in den Wahlbe- zirken der neueren Stadtteile mit ihren andauernden Zuzug die Wähler sich bedeutend gemehrt hatten. Nach der letzten Wahlbe- zirkseinteilung. die erst seit 1893 galt, hatte in den Wählerlisten von 1910 der zur Innenstadt gehörende fftzt kleinste Bezirk nur noch 2751 Wähler, während in dem jetzt größten.Bezirk, der draußen am Friedrichshain liegt, die Wählerzahl bereits auf 23 860 ange- schwollen war., Um solche und ähnliche Ungleichheiten der Wahlerzahlen zu be- seitigen, hat man bei der Neueinteilung des ganzen Stadtgebietes in die 48 Wahlbezirke dritter Klasse au» den nur noch schwach be- völkerten älteren Stadtteilen weniger Wahlbezirks als bisher ge- macht und hier den einzelnen Bezirken ein« größere räumliche Ausdehnung gegeben, dagegen hat man die stark bevölkerten neueren Stadtteile in mehr Bezirke als bisher zerlegt und diese Bezirke räumlich kleiner bemessen. Die Verschiebung der Grenzen f a st a l le r B e z i r k e, zu der eS bci dieser Neueinteilung kommt (nur ein einziger der 48 Bezirke bleibt ganz unverändert), zeigt eine allgemeine Bewegung von der Innenstadt nach den Autzenvierteln h,n. Auch die Nummern der Wahlbezirke verschieben sich, weil durch die Neuabgrenzung zugleich Umnumerierung nötig geworden ist. Ein paar Beispiele mögen das klar machen. Aus Altstadt und Friedrichstadt zusammen waren bisher die drei Wahlbezirke 1, 2, 3 gebildet, jetzt aber reichen diese Sradtteile knapp für die beiden neuen Wahlbezirke 1 und 2, die noch Stücke benachbarter Teile mit hineinnehmen müssen. Die innere Luiftnstadt nebst Neukölln hatte bisher vier Wahlbezirke, die die Nummern 16, 17, 18, 19 führten, künftig aber wird es dort nur noch zwei Wahlbezirke geben, nach der neuen Numerierung den 13. und 14. Bezirk. Anders liegen die Dinge in den neueren Stadtteilen. Beispielsweise hatten Wedding und Gesundbrunnen bisher nur die drei Wahlbezirke 46, 47, 43(und kleine Teile der Bezirke 36 und 40). künftig aber werden aus diesen beiden Stadtteilen die sieben Wahlbezirke 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48 gebildet. In ähnlicher Wcise hat in anderen Außen- vierteln, z. B. in der Gegend vor dem Frankfurter Tor, im Vieh- Hofsviertel, im Königsviertel usw., die Zahl der Wahlbezirke sich erhöht. Auch die Vertreter der Wahlbezirke, die Stadtverord- neten, werden ein wenig hin und her geschoben. Im allgemeinen wird jedem Stadtverordneten derjenige Bezirk zugeeilt, der noch ein möglichst großes Stück seines bisherigen Bezirks mit einschließt. Da aber die älteren Stadtteile, wie schon gesagt, in weniger Bezirke als bisher zerlegt worden sind, so müssen einige der hier gewählten Stadtverordneten es sich gefallen lassen, daß ihnen in ihrem bisherigen Stadtteil kein Bezirk wieder zugecettt werden tann. Sie werden in treuere Stadtteile versetzt und mit den überzähligen Bezirken gstgesunden, die durch die Neueinteilung da draußen entstanden sind. In de? inneren Luisenstadt z. B., tvo bei der Neueinteilung zwei der alten Wahlbezirke«eingeschustert' worden sind, werden zwei Stadtverordnete obdachlos. Dieses Schick- sal hat unsere Genossen.Boerner und Kerfin getroffen, die hier bisher die Bezirke 17 und 18 vertreten. Sie werden der eine nach dem Stadtteil vor dem Frankfurter Tor, der andere nach dem Gesundbrunnen versetzt, wo es ihnen wahrscheinlich nicht schlechter behagen wird. Minder angenehm dürfte es z. B. dem freisinnigen Stadtverordneten Leis sein, daß er seinen zu der Dorotheenstadt und der Friedrichstadt gehörenden Bezirk 2 verlassen und«inen neuen Bezirk im äußersten Teil des proletarischen Wedding als Ersatz hinnehmen mutz. Für alle Kommunalwähler der dritten Klasse wird die folgende Gesamtübersicht der durch die N e u e i n t e i l u n g entstehenden Wahlbezirke von Interesse sein. Wir fügen die Stadtverordneten bch die den einzelnen Wahlbezirken zugeteilt worden sind. Wie man hier sieht, kommt es zu einer sehr weitgehenden Um- wälzung. Viele Stadtbezircke samt ihren wahlberechtigten Be- wohnern werden aus ihrem bisherigen Wahlbezirk herausgenommen und mit benachbarten Stadtbezirken, die aus anderen Wahlbezirken herausgenommen werden, zu neuen Wahlbezirken zusammengefaßt. Wie hierdurch zahlreiche Wähler von ihrem bisherigen Stadtverordneten getrennt und einem anderen Stadtverordneten zugewiesen werden, so werden andererseits mehrere Stadtverordnete von ihrem ganzen Wahlbezirk samt ollen Wählern vollständig losgelöst und nach anderen Stadtteilen hin- auSversetzt. Außer den schon oben erwähnten Stadtverordneten LeiS, Boerner, Kerftn sind hier noch zu nennen Sassenbach. Zubeil, Wilke, Zucht, Rosenfeld, Kollokowsky, Rettig. Auch die Umnume- rterung der Bezirke wird es den Wählern fürs erste etwas er- schweren, sich zurechtzufinden. Unter den 48 Stadtverordneten, die für die Zuteilung zu den 48 Wahlbezirken der dritten Klasse in Frage kommen, sehen wir 38 Sozialdemokraten und noch 10 Freisinnige. Freisinnig sind Giese. Rettig, Rosenow, Alt, Bitterhof, LeiS, Menzel, Marg- graff. Ullstein. KollokowSkh; die vier letztgenannten bezeichnen sich al»..Sozial-Fortschrittler-, Einige von ihnen werden von der Neueinteilung ganz und gar nicht erbaut fem. weil sie im voraus wissen, daß sie in den ihnen zugeteilten Bezirken nach Ablauf ihrer Mandate auf keine Wiederwahl zu rechnen haben. Hoffentlich wird der Tag nicht mehr allzufern sein, wo einmal sämtliche Bezirke der dritten Klasse unbestrittener Besitz der Sozialdemokratie sind._ Hebten ordentlicher Genoiienlebaftstag. Zweiter Bcrhandlungstag. Leipzig, 20. Juni. Der heutigen Sitzung wohnt als Vertreter der sächsischen StaatSregierung. Regierungsrat Dr. Dietrich bei. Zunächst wird de». Bericht des Vorstandes entgegengenommen, den der Vorsitzende Ra d est ock-Dreiden er- stattete. Nachdem Redner sich ausführlich über die von unS in einem besonderen Artikel gewürdigte EntWickelung deS Zentral- Verbandes verbreitet hat. bespricht er im einzelnen die Tätigkeit des Vorstandes. Der Ausbau der Feuerversicherung sei wiederum Gegenstand eingehender Beratungen gewesen. Nachdem das Ssthem der Feuerversicherung der Mitglieder auf Grund feststehender Policen durch Einspruch des ReichsversicherungSamteS sich als undurchführbar erwiesen hatte, habe ein anderer Weg zu diesem Ziele gesucht werden müssen. Mit der Besteuerung der Konsumvereine habe sich der Vorstand wiederholt be- faßt. Es sei geplant, sämtliche Revisionsverbände im Herbst dieses Jahrs zu einer Sondersitzung einzuladen, in der zur Steuerfrago Stellung genommen wird- Es wird nun der Bericht de» Generalsekretärs» Referent Heinrich Kaufmann. Hamburg, entgegengenommen. Die Tatsache, daß die Gründung des Zentralverbandes in Sachsen erfolgte und der GenossenschaftStag nun zum zweiten Male in diesem Lande tagt, veranlaßte Kaufmann zu einem längeren historischen Rückblick, ii\ dem er zahlenmäßig die Eni» Wickelung deS Zentralverbandes und seiner verschiedenen Sinrich- tungen schildert«.(Die wichtigsten Zahlen wurden bereits der» öffentlicht.) Mit großer Befriedigung wie» Kaufmann auf die enorme Ausdehnung de» Zentralverbandes hin. Der Gesamtumsatz sei von 176 Millionen Mark auf 433 Millionen Mark und die Zahl der beschäftigten Personen von 7000 auf 19 000 gestiegen. Mit dem äußeren Wachstum der Organisation sei der innere Ausbau Hand in Hand gegangen. Von größter Bedeutung für eine erfolgreiche Entwickelung sei eine friedlich« Gestaltung de» genossenschaftlichen Arbeitsverhältnisses. Schon auf dem konstituiereirden GenossenschaftStag sei man sich einig gewesen, daß Tsrifverträge mit den Kewerkschasten abgeschlossen werden müßtest. De» ersten TarifvetkrägSn tfttf den Transportarbeitern sei aus dem Genossenschaftstag in Stettin 1906 zugestimmt worden. Seit dieser Zeit— Redner bespricht die ein- zelnen Phasen sehr eingehend— sei die Zahl der abgeschlossenen Tarifverträge immer größer geworden. Für die Genossenschafte» sei es ja nicht immer leicht gewesen, zum Tarifabschluß zu kommen, es seien viele Widerwärtigkeiten zu überwinden gewesen. Die Be- Handlung der Tariffrage auf dem Düsseldorfer Genossenschaftstag Habe zu einer„kleinen Hetze" gegen die Genossenschaften geführt. Durch die Einsetzung des Tarifamtcs und der steten Verbindung mit der Generalkommission seien manche Differenzen aus dem Wege geschafft worden. In den letzten Jahren wurden neue Tarife! mit den Bäckern und den Transportarbeitern abge- schlössen. Dadurch blieb Zeit für die Festsetzung der Verein- barungen des Zentralverbandes mit der Generalkommission, denen der letzte Genossenschaftstag bereits zustimmte. Der Ge- Werkschaftskongreß hat sich mit diesen Vereinbarungen noch zu be- schäftigen, sie zu sanktionieren. Dann muß zur praktischen Durch- sührung der Vereinbarungen geschritten werden, und zwar zunächst der Vereinbarungen bezüglich der Heimarbeit und der S t r a f a n st a l t s e r z e u g n i s s e. Es wurde gewünscht, daß ich zu der dritten Vereinbarung,„Anerkennung der Gewer!- schaften und deren mit Unternehmern vereinbarten Tarife", eine» Kommentar gebe. Ich halte es für selbswerständlich, daß wir nur mit solchen Unternehmern Verbindungen eingehen, die erstens die gewerkschaftlichen Organisationen als berech- tigte Faktoren anerkennen, zweitens die geWerl- schaftlich üblichen Lohn- und Arbäitsverhält- nisse zugestehen und drittens, soweit allgemein« Tarife vorhanden sind, wie bei den Buchdruckern, Bauarbeitern usw.. diese voll an er kennen. Wir können also nur mit solchen Unternehmern zusammen arbeiten, die als anständige Arbeitgeber bezeichnet werden können. Das muß Grundsatz bleiben. Redner verbreitet sich im weiteren auch über die übrigen Wer- einbarungen mit der Generalkommission. Diese hätten aber auch ihre Kehrseite. Schundwaren gebe eS überall. Die Arbeiter- schaft muß darüber aufgeklärt werden, daß eine zu anständigen Bedingungen hergestellte Ware auch einen angemessenen Preis bedingt. Wir müssen den Konsumenten klarmachen, daß den billigen Preisen nachzulaufen, unmoralisch ist! In Ge- meinschaft mit der Generaltommission soll ein entsprechender Auf» ruf über die ganzen Vereinbarungen erlassen werden. Kaufmann verbreitet sich dann über die genossenschaftliche Bildungsfrage. Die Tätigkeit der auf dem letzten Genossenschaftstag angeregten und später eingesetzten Kommission für genossenschaftlichen Fort, bildungSunterricht habe sich hauptsächlich aus die Weiter- b i l d u n g der AuffichtSrats- und Vorstandsmitglieder der Konsum- vereine erstreckt. Von der Schaffung einer konsumgenossenschaft, lichen Hochschule sei man, daß wolle er zur Beruhigung allen Bildungsfeinde sagen, noch sehr weit entfernt. Die A u S. bildung von Lehrlingen in den Konsumvereinen dürfs nur in beschränkter Zahl vorgenommen werden. Höchstens ei» Viertel der beschäftigten ausgebildeten Personen. Die Lehrling« sollten aber nicht im Verkauf, sondern nur im Bureau beschäftigt werden. Deal BersicherungSwesen haben wir wiederholt unser Augenmerk geschenkt, wir haben uns aber noch nicht mit der Volksversicherung beschäftigt, dio «in ungeheuer wichtiger Zweig des Versicherungswesens ,ft. Eine große Zahl Arbeiter hat sich bei Bolksversicherungen versichert, die eine außerordentliche Verbreitung gefunden haben. Bei diese» Volksversicherungen haben sich aber schwere Auswüchse ge- zeigt, die eine ungeheure Schädigung der Versicherten, den Gesell» schaften aber große Gewinn« bringen. So hat ein Direktor eine« solchen Gesellschaft in einem Jahr eine Tantieme von 700 000 M- bekommen.(Hört! hörtl) Ganz raffiniert ist bei diesen Gesell* schaften daS System der Verfalluna der Versicherung. Bei den deutschen Gesellschaften verfielen in einem Jahre für 148 Millionen Mark Versicherungen, davon allein bei der„Viktoria" 57 Millionen Markl ES ist daher erklärlich, daß die Generalkommission sich mit dieser Materie beschäftigte und untersuchte, in welcher Weise dieses ausbeuterische Vorgehen der Gesellschaften unterbunden werden, kann. Die Generalkomwissio» trat an unS heran, um gemeinsam vorzugehen und Pläne auszu» arbeiten. Das Resultat ist, daß Grundzüge zur Errrch- tung einer Volksversicherung ausgearbeitet wurden. Wir haben unS dabei auf den Grundsatz gestellt, daß die Träger dieser Versicherung die bestehenden Organisationen, die G e w e r k- schaften und die Genossenschaften, sind. Von dem ge- leisteten Beitrag soll dem Versicherten kein Pfennig verloren gehen. auch wenn er nicht weiter Beiträge entrichtet. Ter eingezahlte Beitrag kann zurückgehoben werden, anderenfalls bleibt der An, spruch bestehen. Die Organisation soll den Namen„BolksfUrsorge, gewerkschaftliche und gcnossenschaftliche Fürsorgeversicherung"«r- halten und den Charakter einer freiwilligen Versicherung haben I Reder bittet zum Schluß seiner Ausfuhrungen um Zu- stimmung zu folgender Resolution: „Der achte ordentliche Genossenschaftstag beauftragt den Vorstand und Ausschuß des Zentralverbandes deutscher Konsum- verern«, der Frage der allgemeinen Volksversich e- rung ihr Augenmerk zuzuwenden und in Verbindung mit der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands Maßnahmen zu treffen, dce geeignet sind, denjenigen Mißständen, die sich aus der heutigen Handhabung des VolksvenkherungStoesenS durch gewisse Kapitalgesellschaften entwickelt haben, entgegenzutreten.� An die Berichte schließt sich eine ausführlich« Debatte. Zunächst begründet Müller- Schkeuditz eine von ihm und zahlreichen Delegierten eingebrachte Resolution, wonach der Genossenschaftstag„die auf dem Internationalen Sozialistenkongretz in Kopenhagen sowie die auf dem Parteitag der sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Magdeburg auft die konsumgenossenschaftliche Bewegung bezug- habenden Beschlüsse begrüßt. Der Genossenschaftstag erblickt darin eine wesentliche Förderung der konsumgenossenschaft- lichen Bewegung und ein Mittel zur Beseitigung der noch in Arbeiterkreisen herrschenden Vorurteile gegen die Genossen- schaften". Josephsohn- Hamburg, Vertreter des HandlungS- gehilfenverbandes, betont, daS Ziel der Erreichung eines Reichs- tarifs werde von seiner Gewerkschaft und wohl auch von anderen nicht aufgegeben werden. Aber zuerst gelte ihr Bestreben dem Abschluß ortlicher Tarif", Er bitte, diesen Bestrebungen entgegen» zukommen. Bezüglich der von Kaufmann vorgeschlagenen Aus- bildung von Lehrlingen macht Josephsohn auf die dabei entstehenden Schwierigkeiten aufmerksam. Dies Ausbildung dürfe nur mit größter Vorsicht ins Auge gesaßt werden, man habe dabei eine große moralische Verantwortung. G e i s e l- Frankfurt a. M. wünscht, daß die Veröffentlichung des Jabresberichts als abgeschlossenes Ganges vorgenommen wird und nicht in der bisherigen Form als Beilage in der„Rundschau". Schmidt- Elberfeld stimmt dieser Anregung zu. Bezüglich der Vereinbarung über Boykotterklärungen bemerkt Redner, es wäre angebracht, daß die Zentralinstanzen der Gewerkschaften Instruktionen herausgeben, wie sich die unteren Instanzen zu der- halten haben. Die Resolution Müller sei überflüssig, da der Internationale Genossenschaftstag eine entsprechende Resolution gefaßt habe. Bauer-Mainz: Wenn die Ausbildung der Lehrlinge plan- mäßig vorgenommen werden soll, sei die Herausgabe eines konsum- genossenschaftlichen Handbuchs, ähnlich wie dieses von Opperman» und Häntsche notwendig. M a i e r- Stettin meint, die Lehrlinge könnten auch im Ber- kauf ausgebildet werden. Es falle aber eine Reduzierung der Lehr, zeit vorgenommen verde»» u m b r e l t- Verlitt, Vetlreler Set GetteZalkomürission. Beloni gegenüber den Ausführungen Schmidts zur Boykottfrage, diese Vereinbarung sei bei den unteren Instanzen noch nicht genügend bekannt, da sie bisher als vertraulich behandelt wurde. Die öffent- liche Behandlung dieses Punktes hier und auf dem Gewcrkschafts- kcngretz mache die Herausgabe besonderer Instruktionen überflüssig. Umbreit empfiehlt die Einsetzung gewerkschaftlich-genossenschaftlicher Propagandakommissionen für das örtliche Wirken für die Ge- nossenschaften. Er tritt dann für die Resolution Kaufmann zur Versicherungsfrage ein. Es liege eben so sehr im Interesse der Ge- nossenschaften wie der Gewerkschaften, hier einzugreifen und ein gemeinsames grosses Werk zu schaffen, bei dessen Schaffung die Mitglieder an die Sicherung ihrer Zukunft denken können. Durch Schlussantrag wurde nun die Debatte geschlossen. Im Schlusswort empfiehlt Kaufmann die Resolution Müller zur Annahme. Er werde es auch begrüßen, wenn eine andere grosse Partei solch eine Haltung zur Genossenschaftsfrage einnehme wie Sie sozialdemokratische. Bei der Abstimmung werden die Resolutionen Kaufmann und Müller einstimmig angenommen. Ueber die EntWickelung der Unterstützungskasse des ZentralverbandcS deutscher Konsumvereine berichtet nun K r e t s ch m a r° Hamburg: Die Karenzzeit für die Gewährung von Unterstützungen sei nun verflossen, so daß nun die Mitglieder, die bei der Gründung der Kasse dieser gleich beitraten, eventuell Unterstützungen erheben können. Die Zahl der ange- lchlossenen Personen stieg im Berichtsjahre von 3803 auf 4825. Die Einnahmen 1910 betrugen 509 254,51 M., die Ausgaben 45 682,69 Mark. Das Vermögen der Kasse betrug Ende 1910 1533462,69 M. gegen 1 119 890,87 M. Ende 1909. / An den Bericht schloß sich keine Debatte £>ie Berhandlgngen wurden nun auf Mittwoch vertagt. » Soziales. Krankenkassentag der Provinz Brandenburg Laut Beschluß der 6. Konferenz der Krankenkassen der Pro- binz Brandenburg vom 3. Juli 1910 findet die diesjährige Kon- jerenz in Brandenburg a. H. statt. Der Unterzeichnete ladet daher zur 7. Konferenz der Freien Bereinigung der Krankenkassen der Provinz Brandenburg auf Sonntag, den 2. Juli, vormittags 10)� Uhr, nach Brandenburg a. H. im grossen Saale des Schwcizergartens, Grabenstr. 14, sämtliche Krankenkassenvorstände der Provinz Brandenburg hiermit er- gebenst ein. Da die Tagesordnung ziemlich reichhaltig ist, findet bereits äm Sonnabend, den 1. Juli, abends 7 Uhr, im kleinen Saal des SchweizergartenS eine Borversammlung statt. In derselben sollen verschiedene Angelegenheiten erledigt werden, wie z. B. die definitive Festsetzung der Tagesordnung, die Wahl des Bureaus, die Prüfung etwaiger eingegangener Anträge und anderes mehr. Am Sonnabend, den 1., und Sonntag, den 2. Juli 1911, wird «ein Empfangskomitee am Bahnhof anzutreffen sein. Als Er- kennungszeichen tragen die Mitglieder desselben xine weisse Rosette. Die vorläufige Tagesordnung lautet: 1. Geschäfts- und Kassenbericht der Verwaltung und Bericht der Revisoren. 2. Vortrag über: Die ReichsvcrsicherungSordnung nach den Verhandlungen des Reichstags. Referent: Herr C. Koblenzer. ?. Vortrag des Herrn Prof. Dr. R. Lennhoff über: BeHand- lung und Bekämpfung der Tuberkulose in den Kranken- kassen. A. Vortrag des Herrn Alb. Kohn über:. Verwaltungsfragen. unter Berücksichtigung der Reichsversicherungsordnung. 6. Wahl deS Tarifamtes der Krankenlassen. L. Neuwahl des geschästsführenden Ausschusses. J 7. Wahl des Ortes für die nächste Konferenz. 8. Verschiedenes. Wir ersuchen nun die geehrten Kassendorstände. gü dieser An- gelegenheit möglichst umgehend Stellung zu nehmen. Delegierte zu wählen und die Konferenz zu beschicken. r Alle Anfragen oder Zusendungen, die Konferenz betreffend, sind an den Unterzeichneten zu richten.— Anfragen wegen Wohnung sind an den Obmann des Wohnungskomitees, Herrn Otto Thielemann, Werderstr. 4, zu richten. Ter geschäftsführende Ausschuß der Freien Vereinigung der Krankenkassen der Provinz Brandenburg. I. A.� E. Simanowski, Vorsitzender. Berlin, Alexander- ftrasse 39/40. Ist bei Verrechnung von Teilbeträgen der Februar zu 30 Tagen zu rechnen? Diese Rechtsfrage, hie im gewerblichen Leben oft Anlaß zu Streitigkeiten bildet, entschied das Gewerbegericht Hamburg in verneinendem Sinne. Der die Klage erhebende Gehilfe war bei dem beklagten Meister bei einwöchiger Kündigungsfrist mit 120 M. Monatsgehalt angestellt. Als er nach erfolgter Kündigung fristgerecht am 25. Februar entlassen wurde, zahlte ihm Beklagter für 25 Tage a 4 M.— 100 M., indem er auf den Tag den 30. Teil des Monatsgehalts rechnete. Kläger dagegen rechnet mit der wirklichen Anzahl der Februartage, nämlich im laufenden Jahre 28 Tage, und erhebt Anspruch auf den daraus resultierenden Mehrbetrag. Das Gewerbegericht verurteilte auch demgemäß den Beklagten zur Zahlung von 7 M.— Es liege, so heißt es in der Begründung, gar keine Veranlassung dazu vor, bei Zahlungen von Teilbeträgen eines Monatsgehalts jeden Monat stets zu rund 30 Tagen zu rechnen. Hat sich ein solches Verfahren hier und dort eingebürgert, so müßte es jedenfalls bezüglich des Februar- monats als eine grobe Unsitte bezeichnet werden. Die Berechnung des Beklagten ist also eine unrichtige, der Februar ist pro 1911 zu 28 Tagen zu rechnen._ Ungültige Ausführungsbestimmungen zum Gesetz über de» unlauteren Wettbewerb. Das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb sagt im Z 7: „Durch die höhere Verwaltungsbehörde kann nach Anhörung der zuständigen Gewerbe- und Handelsvertretungen für die An- kündigung bestimmter Arten von Ausverkäufen angeordnet werden, daß zuvor bei der von ihr zu bezeichnenden Stelle Anzeige über Grund des Ausverkaufs und den Zeitpunkt des Beginnes zu er- statten sowie ein Verzeichnis der auszuverkaufenden Waren ein» zureichen ist." Der Regierungspräsident zu Hannover hat nun, wie andere Regierungspräsidenten auch, unter dem 15. August 1910 eine ent- sprechende Ausführungsverordnung ergehen lassen, in der es heißt: „Alle Warenverkäufe, die unter der Bezeichnung eines Aus- Verkaufs oder einer nach dem§ 9 des Gesetzes über den un- lauteren Wettbewerb gleichartigen Bezeichnung angekündigt werden, müssen spätestens zwei Wochen vor ihrem Beginn bei der zuständigen Stelle angezeigt werden."— Nach der Verordnung sind zuständige Stellen für die Anmeldung der Ausverkäufe in den Städten Hannover und Linden die Handelskammer in Hannover, in den übrigen Gemeinden die Ortspolizerbehörden, in deren Bezirk die Ausverkaufsorte belegen sind. Der Kaufmann M. in Hannover hatte nun eine solche An- zeige nicht gemacht, obwohl er als Inhaber deS Warenhauses M. u. Comp, in Hannover im„Hannoverschen Anzeiger" für be- stimmte sechs Tage einen„SpezialVerkauf zurückgesetzter Waren" zu herabgesetzten Preisen angekündigt und demgemäß vorgenommen hatte. Das Landgericht in Hannover verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 50 M., indem es die Verordnung des Regierungs- Präsidenten für rechtsgültig erachtete. Das Kammergericht gab jedoch der Revision des Angeklagten statt und sprach ihn wegen Ungültigkeit der Verordnung des Regierungspräsidenten frei. Es wurde ausgeführt: Entscheidend sei der§ 7 Absatz 2 des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb.(Oben zitiert.) Auf dessen Wortlaut komme es an. Da aber heiße eS, daß für bestimmte Ausverkäufe usw. durch die höhere Verwaltungsbehörde eine ent- sprechende Anzeigepflicht vorgeschrieben werden könne. Mit dem Wortlaut und Sinne dieser Vorschrift des Gesetzes fetze sich die Verordnung des Regierungspräsidenten in Widerspruch, wenn sie die Anzeigepflicht für„alle Warenverkäufe, die usw.". Das gehe nicht gegenüber der Beschränkung der gesetzlichen Befugnisse auf „bestimmte" Ausverkäufe. Deshalb sei die Verordnung des Rc- gierungspräsidenten ungültig. Sericdts- Leitung. Richard Wagner«18„Anarchist". Ein Anarchistenprozeß, der durch die Person SeS Verfassers- eines als staatgefährlich angeschenen Artikels das weitgehendste Interesse hervorrufen dürfte, beschäftigte gestern unter Vorsitz dcS Landgerichtsdirektors Splettstoßer die 7. Strafkammer des Land- gerichjs I. Wegen Vergehens gegen die§8 119 u. 139 St.-G.-B. (Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze und Aufreizung zum Klassenhass) war der verantwortliche Redakteur der anar- chistischen Zeitschrift„Der freie Arbeiter", der Schneider Johann Ray, angeklagt.— In der Nr. 18 des„Freien Arbeiters" vom 6. Mai dieses Jahres erschien unter der Spitzmarke„Die neue Revolution" ein Artikel, welcher sich mit der Verherrlichung der revolutionären Ideen beschäftigte. Als Verfasser des Artikels war einfach der Name„Richard Wagner" angegeben. Die Staats- anwaltschaft erblickte in dem Inhalt eine öffentliche Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze und ferner eine den öffentlichen Frieden gefährdende Anreizung verschiedener Klassen der Bevölke- rung zur Begehung von Gewalttätigkeiten gegen einander. Dieser Artikel stellt, wie sich ergab, eine wortgetreue Wiedergabe � eines von dem Komponisten Richard Wagner in feinen Jugendjahren verfaßten Aufsatzes dar. Der wortgleiche Artikel erschien im Jabre 1849 aus der Feder Richard WagnerS in den„Sächsischen Volks- blättern" in Dresden und führte dazu, daß Richard Wagner flüch- ten mußte und dann im Jahre 1352 als politischer Flüchtling in Zürich eine Zufluchtsstätte fand. Derselbe Artikel befindet sich auch in dem im vergangenen Jahre bei Schuster u. Löffler in Leipzig erschienenen Werke„Der junge Wagner" von Dr. Julius Kapp, welches bisher unbeanstandet geblieben ist.— In der gestrigen Verhandlung vertrat der Vertreter der Anklage den Standpunkt, daß in dem Artikel eine Aufforderung zum Ungehor- sam gegen die Gesetze zu erblicken sei und auch gegen Richard Wagner, wenn er sich im Geltungsbereich des heutigen Strafgeselies befunden hätte, die gleiche Anklage hätte erhoben werden müssen. Hinzu komme außerdem noch, daß der Artikel in einem Blatte er- schienen sei, welches die Anwendung von Gewalt predige und als staatsgefährlich zu bezeichnen sei. Mit Rücksicht auf die Gemein- gefährlichkeit derartiger Volksverhetzungen beantragte der Staats- anwalt gegen den Angeklagten Ray 4 Monate Gefängnis.— Rechtsanwalt Dr. Halpcrt beantragte die Freisprechung des Ange- klagten, da der Artikel ein philosophisch-spekulatives Gemälde dar- stelle, welches sich auf einem Untergrund sozialer Verhältnisse auf- baue und lediglich dichterische Phantasie zeige und dichterische Zwecke verfolge.— Das Gericht gelangte nach kurzer Beratung zu einer Freisprechung des Angeklagten, da der Artikel lediglich als eine Apotheose bezw. als eine poetische Verherrlichung der Revolution zu bezeichnen und so allgemein gehalten sei, daß von einer strafbaren Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze oder von einer Anreizung zum Klassenhaß keinesfalls die Rede sein könn� Die gefälschte Zeugenvorladung. Ein recht gewagtes Kunststückchen führte den Kaufmann Wilhelm F. unter der Anklage der Urkundenfälschung vor die 3. Strqs- kammer des Landgerichts III.— Der Angeklagte war in einer Strafsache zum 30. März vor das Landgericht III als Zeuge ge- laden. Anscheinend verlegte er die Vorladung, so daß er das Datum des Termins vergaß. Als er schließlich an dean Termins- tage die Vorladung fand, war es bereits zu spät. Da F. annehmen konnte, daß er wegen des unentschuldigten Ausbleibens in eine Ordnungsstrafe genommen worden war, kam er auf die recht ge» fährliche Idee, das Datum auf der Vorladung umzuändern. Am nächsten Tage erschien er mit dem harmlosesten Gesicht der Welt vor Gericht und tat sehr erstaunt, als ihm gesagt wurde, daß der Termin schon am vorherigen Tage gewesen und er in eine Ord- nungsstrafe genommen, worden sei. Hierbei wies er die Vorladung vor, auf welcher tatsächlich der 31. März als Tag des Termins angegeben war. In der Gerichtsschrciberei wurde jedoch bald fest- gestellt, daß das Datum,"welches ursprünglich auf der Vorladung gestanden hatte, wegradiert worden und dafür die Zahl„31" ge- schrieben worden war.— Diese Manipulation kam dem Ange- klagten sehr teuer zu stehen, denn die Strafkammer erkannte mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte versucht habe, die Gerichts- behörde in der gröblichsten Weise zu düpieren, aus eine Gefängnis, strafe von 3 Monaten. �scknif. SodaMemoMcherWabircrels für den i Herl Reiebstags-Walreli Görlider Viertel. Bezirk 225 II. Den Mitgliedern zur Nachricht, d-h unser Genosse, der Milch. Händler Robert Becker LIegnitzer Str. 21 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung fand am IS. Juni aus dem Emmaus-Kirchhos, Her- mannstrahe, statt. L1S/I4 Ne? Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, dah unser Mitglied, der Former Wilhelm Krüger «m 19. d. MtS. an Lungenleidcn gestorben ist. Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 22. Juni, nach« mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle de» Razareth-KirchhoseS w Reinickendors-West aus statt. Rege Beteiligung wird ermattet. �sckruk. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Wickler Willi Kusche am IS. d. AUS. au Lungenleiden gestorben ist. Ehre ihrem Andenken: 18116 Ole Ortsverwallurg ierdurch die traurige Nachricht, dag mein umiggeliebter I Mann, unser guter Vater und s Bruder, der Former Wilhelm Krüger nach langem schweren Leiden am i Montag, den 19. Juni, im Alter| von 38 Jahren sanft entschlafen ist. Die lieftrauernde Gattin nebst Kindern und Geschwister.! Die Beerdigung findet am j Donnerstag, den 22. Juni, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- 1 balle deS Nazaretb- Kirchhofes,� Reinickendott, aus statt. | Soziaideicokratischer Wablverein kür Treptow-Baumschulenweg. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag der Fräser, Genosse Heimtm Schleicher Beermannstr. 6(Bezirk 6) verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 22. Juni, nach- mittags 6 Uhr, von der Leichen- Halle deS Gemeinde< FriedhojeS, Neue Krug-Nllee, auS statt. Um rege Beteiligung bittet 203/1 I>«i> Vo»-«tan/, Uhr.) Ansang 8 Uhr. Komische Oper. OrpheuS in der Unterwelt. Lesfing. Sommerspuk.(Ansang «'/. Uhr.) Neuec- Schauspielhaus. Die keusche Susanne. Kleines. Die verwandelte Katze. 4 Tote der Fiametta. Karneval in Nizza.(Ans. 8>,, Uhr.) LustiPielhanS. Unsere Pepi. Triniton. DaS Prinzchen. Ansang 8'l, Uhr. Thalia. Polnische Wirtschaft. Schiller U.(Äaünet. Theater.) Panne. Schiller- Gbarlottenburg. Der dunkle Punkt. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Kasernenlust. Neues Operetten. Eine Million. ».SnSi' tiU(mm S'lt Uhr.) Note. Steffen Langer aus Glogau. (Ansang 8-/. Uhr.) KolieS Capricc. Die letzte Nacht. Die Hochzeitsreise.(Ansang 8'/, Uhr.) Metropol. Hoheit amüsiert sich! Apollo. Sveziulitäten. vaiiage. Spezialitäten. NeichSbaNeu. Stettiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. «arl Haverland. SvezialitSten. Walhalla. Prinz und Bettlerin. (Ansang 8'lt Uhr.) Voigt. Goldene Jugend. Noack. Der Vetter. Kaiser- Panorama. II. ZhkluS Indien. Besteigung des Grog- glockner. Urania. Taubenstrafte 48/4S. 8 Uhr: Lebende Tierbilder von nah und scrn. Sternwarte. Jnvalidenstr. 57— 62. Seliiller-TlieaterO.IÄ'i' Donnerstag, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: I'anne. Lustspiel in 3 Akten v. R. Skowronnek. Freitag, abends 8 Uhr und solgende Tage: ]i*anne. Sciiiller-Tbealer Donnerstag, abends 8 Uhr: Zum ersten Mal: vor ckiinlile Pnnlst. Lustspiel in 3 Akten v. G. Kadelburg und Rudolf Presber. Freitag, abends 8 Uhr und solgende Tage: Der diinlile Punkt. Neues Kgl. Opern-Theater(Krön) Donnerstag, 22. Juni, abds. 7'/, Uhr: Erstes Gastspiel Marg. Matzenauer, Lohengrin. Freitag, den 23. Juni, abends 7 Uhr: Gastspiel Marg. Matzenauer: Die Walküre. Sonnabend: Tannhänser. friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Donnerstag, den 22. Juni er., abends 8 Uhr: „Kasernenlust. Donnerstag mid solgende Tage: „JEatternenlnit". OSE=ThEATE Grojze Frankfurter Str. 132. Ansang 8'/, Uhr.. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Aus der Gartenbühne täglich: konzert, Theatervorstellung. Spcziali- äteu. Ans. 4'/, Uhr.— Um 8 Uhr: die große Revue: ES gibt«nr i erli». Urania. Wißsenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Lebende Tierbüder von nah und fern. r � [�* LOCISCHER GAHTEN Täglich ab 4 Uhr: GroSesMilitärkODzert Eintritt I ltlark, von abends 6 Uhr ab 50 Ps., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Morgen sowie täglich: Hilitdr-Doiipel-ITonnert. JahreS-Abonnements an allen drei Schalterkassen._ Metropol-Tlieater. Operette in 3 Akten von I. Freund. Mufik von Rudolf Nelson. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Ansang 8'/« Uhr. vio groben Weltstadt-Attraktionen. Lachen ohne Ende k Der zerbrochene Spiegel Rom. Original der Gebr. Schwarz. Um ein Weib. Großes amerikan. Ausstattungsstück. 01» auserlesenen Attraktionen I LA TORTAJADA. Die 7 Korinnan, klassische Tanzstudien. Karl ItcinHch nnd Enciu mit ihren Vollblutpferden und Hunden. De Dlo. Charten Uaronn Burleske- Henafrerio. XschluJIaas 8 heil. Chunguaen nnd eine Kette hervorragender Kunstkräfte! Uoabiter Wintergarten Artusstlof Perleberger Str. 26, Stendaler Str. 18. Direktion: Karl Pimau. Spezialitäten-Vorstellung. Nur noch wenige Tage: E«a Carba die einzige Dame der Welt, welche sich in einem Glassarge vor den Augen d. Publikums vollständ. eingraben läßt. Konzert 6 Uhr. Vorstellung 7>/, Uhr. Vorzeiger dieser Zlnnonre zahlt wochentags für Sperrsin 20 Pf. Volksgarten-Thealer Donnerstag, den 22. Juni: Konzert, Theater- u. Spczialitäten- Borstellnng. NcueS Programm. leopold Rosser— Emmy Lyon— Ewald Treffer.— Grappo Brothers. „ O oldener Kode n." Großes Brillant-Feuerwerk. r er Ortsverwaltung Berlin. Sonntag, den 25. Juni 1911, im Garten der Brauerei Friedrichshain, am Königstor: Großes Sommerfest « bestehend ans Konzert des Berliner Sinfonie-Orchesters Dirigent M. Fischer Gesangsvortragen des Berliner Man nerchors(iyi-S.-B.) Dirigent F. Kothe nnd Spezialitäten. Im hinteren Teüdes Gartens KaSperle-THeatef. Bei eintretender Dunkelheit: Großer Fachelzn�, wozu jedes Kind an der Kontrolle einen Bon gratis erhält. Von 5 Uhr ab: f«UlfS» Herren, die daran teilnehmen, zahlen 50 Pt nach. Die Kaffeeküche ist von 3—6 Uhr geöffnet. Programme an der Kontrolle frei. Bei ungünstiger Witterung findet das Konzert im grollen Saale statt. EröSnung 3 Uhr. Anfang 4 Uhr. Eintrittskarten im Vorverkauf 25 Pf. sind im Bureau sowie bei den Werkstattvertrauensleuten zu haben. An der Kasse 30 Pf. 157/7 Das Komitee. Heute Flltctug. Großes Parade-Gala-Feuerwcrk. Große Spezialltaten• Vorstellung. Ganz neues Programm. SenHationcIle Attraktionen. Doppel-Konzert. Gebirgsbahn, Wasserrutschbahn, Liebesmühle, Teufelsrad u. a. Am 23. Juni: Freiwilliger Erziehungsbeirat Rixdorf.— Am 24. Juni: Berliner Buchdrucker u. Schriftgießer.— Juni 1911. Dia ausgeschnittene Anzeige gilt als Freikarte für den Eintritt in den Park, jedoch nicht an Sonn-, Elite- und Vereinstagen._ Neueste Attraktionen. Johnstowns Untergang. Der größte Erfolg der Neuzeit. Straße von Cairo. Unverwundbare Derwische. Sudanneger, Harem, Straßensänger, Handwerker, Kamel- und Eselritte. Hippodrom, Gebirgsbabn, Wasserrntscb- babn, Moulin rouge, Marionettentheater, Teufelsrad usw. Sonnabend, den 24. Juni: Elltc-Tag. Rosenfest. Rosenspenden für die ersten 5000 Besucher. Pracht-Illumination des Parks. 4 Kapellen._ Alt-SIoublt 47/48. Freitag, den 23. Juni 1911: Thtlltrr und SpeMlitiiteu. Ansang dcS KonzcrIS 6 Uhr, derVor- stellung 7 Uhr. Norzugslilirteu habe« ' Gültigkeit. Jeden Montag: Luftige Sänger. tage-fznoptikum. Keger- Kiesin A boniah, die größte j Frau, die je gelebt. Alles ohne Extra-Entree! Donnerstag, den LS. Juui, abends 8>/, Uhr, im Gewe»kschaftSha«S General-Versammlung Der Eintritt ist nur Mitgliedern gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte gestattet. Tages-Ordnung: Jahresbericht für das Geschästsjahr 1910-1011. Neuwahlen des Vorstandes, Ausschusses, der Revisoren und Obleute. Laut Beschlust der vorigen Generalversammlung: Sflir Wahl eines Hilfskassierers."I&Q 241/2 Der Geschäftsbericht wird gedruckt verteilt. ■W Ordnersitzung pünktlich 8 Uhr, 1 Stunde vor der General« Versammlung. Zahlstellenverlegung. Zahlstelle 14 befindet sich nicht mehr bei Kalinau, Stralauer Straße, sondern bei R. Thiele, An der Stralauer Brücke 4. Der Vorntanck. Abends 8 Uhr: Die schöne Maroussia die Tänzerin klass. Kunst Nina Bitowey kaukas. Volkssängerin, und das neue große Programm! 14 erstklass. Attraktionen. Folies Caprice. Täglich 8'/, Uhr: Parisiana-Ensemble. Tie letzte Nacht. Ein Fenster zu vermiete». Die Hochzeitsreise. Das Strumpfband. Berliner Brsler-Idesler Kastanicnallce 7—9. gEF" Täglich: Die drei Grazien. Posse in 4 Akten von Treptow. LpezialitiUen und Konzert. Ansang 4'/, Uhr._ Eintritt 30 Vf. Königstadt-Kasino. Holzmarktstr. 72. Ecke Alexanderstr. Irrungen. Posse in 1 Akt. The Öderes. Neubert und Ria. Rosa Horst. Otto RSmer. Ans. 8116t, Sonntags Uhr. ari Haverland-Tiieater Kominandantenstr. 77/79. Kölner Blatzheim-Burlesken. Neu! Walaertriinme. Neu! Wenn der Vater mit dem Sohne! Ansang präzise S'l, Uhr. Nur frühes Kommen sichert guten Platz! Trianon-Theater. Heute und solgende Tage:I Da« l'rlnir.chen. LiebeSschwauk in 3 Akten v. R. Misch. _ Ansang H'j, Uhr. Reiehsliallen-TlieateF. Stettioep Sauger. Brltton Micke im Hosenrock. Ansang wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Koacks Theater. Direktion: Robert Dill. Berlin N., Brunnenstraste 19. Auf vielfachen Wunsch nur einmalige Wiederholung! Der Vetter. Borher: Die erstklass. Spezialit. _ Ansang 7 Uhr._ Voigt-Theater Gejundbrunnen, Badstraste 58. Heute sowie täglich: Goldene Jugend. Gr. Lebensbild m. Ges. u. Tanz i. 3 Akt. u. Austreten erstklassiger Spezialitäten. Kasseneröffnung 2, Ansang 4 Uhr» Mux Ml i eins Sommer-Theater Rudolf Krüger, Hasenheide 13—15. Täglich: Erstklassige Theater» und Spezialitäten-Vorstelluuge». Zeltbedachtcr Theatcrgarten, bei un« günstiger Witterung Schutz bietend. Donnerstag: Eiltet tag. Adxnifölspalast An Ik&obtf btotfkbäfeasc EissArena. Geöffnet von 10 Uhr vorm. In der heiBen Jahreszeit angenehm kühler Aufenthalt Allabendlich: Das prunkvolle Eisballett Montreal Die Stadt auf Scblittscbuhen. Zahlreiche Kunstlaufproduktionen. Exquisite ReNtanratlon bis 1 Uhr nachts. Bis 7 Uhr und von 1 0*/, Uhr abends: halbe Kassenpreise. Nißles Fest-Säle Dennewitzstraße 13a Der Garten ist eröffnet. Jeden Donnerstag; tanzhräDzcsten bei freiem Entrce. C. yiBI».. Für den Jubalt der Jnierate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. gilt_________„ L_____________________ �_______ '— LxrgsitMrtlicher NMktxLr� ßlttrt Wachs, Kxrliii. gilt den Lnseratenteil vergntw.: Th. Glocke, Berlin. Druck ll. Verlag t.Vsrwgrtz LMdruckerei a, BerlciüZaoitglt Miil Eiliger lt. Eh.. Beritfi sit.ua. 28.1�,, 2. Deilllje des.Hmarls" Kerlilltt Alksdlalt. Imi.su. Partei-?Zngelegenkeiten. Königs-Wiisterhituscn. Sonntag, den 25. d. M., nachmittags 2 Uhr, findet gemeinsam für die Ortschaften Königs- und Deutsch- Wusterhausen. Hoher- und Niederlehine, Wildau, Eichwalde, Zeuthen, Micrsdorf, Mitienwalde, Schenkcndorf, Senzig, Zernsdorf eine LffciU- liche Versammlung im Lokale von Wilhelm Thormann, Neue Mühle. statt. Tagesordnung: Koalitionsrecht— Polizeiwillkür. Referent: LaiidtagSabgcordneler Rechtsanwalt Dr. Karl L i e b k n e ch t-Bcrliit. Diskussion. Die Genossen des Wahlvereins Königs-Wusterhausen treffen sich zur Flugblattverbreitnng am Freitag, den 23. d. M., abends 7 Uhr, in den bekannten Vezirkslokalcn. Der Vorstand. Berliner JNaebriebten. Havelstrand. Von Wvnnsee nach Potsdam führen drei Wege. Eine schnurgerade Chaussee für Kiloineterfresser. Eine zweite, die in weitem Bogen sich nach Moorlake und von da zur Glie- nicker Brücke schlängelt. Sie gibt hübsche Waldbilder und man kann neben der Chaussee gehen, muff aber auster der Wald- luft auch das Benzin der Autos und an heißen Togen die Zyklone atmen, die �ie durch die Luft wirbeln. All dem Un- gemach entgeht man, wenn man den dritten Weg wählt und sich von dieser Chaussee gleich hinter ÜLannsee rechts ab so lange nach rechts in die Büsche schlägt, bis man das hohe Ufer der Havel erreicht hat. Dann hat man wieder die Wahl, ob man oben auf dem Steilufer unter den Kiefern das Ufer verfolgen will, oder ob man die Stufe herabsteigt zum schwarzen, stellenweise bisweiln etwas feuchten Fußpfad zwischen See und Sand. Bleibt nmn oben, so hat man die nrächtige Schilfzone unter sich, die bereits zwei bis drei Meter hoch in die Lüfte ragt, und kann ungehindert dos Leben auf dem Wasser ver- folgen. Das Spiel der Möven und Wasserhühner, das fahr- planmäßig geordnete Hin und Her der Dampfer und das regellose Dahinschießen der Ruderboote, in denen die treiben- i>en menschlichen Arme taktmäßig arbeitenden Automaten an- zugchören scheinen. In den verschiedensten Lichtern blitzt die Wasserfläche auf. der blauschwarze Saum des langgezogenen Grunewaldes gibt den Hintergrund und weißer Sand die malerischen Kontraste. Steigt man zum Ufer hinab, aus dem trocknen Nadel- Waldboden zum üppig grünenden Scerand, so empfindet man zunächst, was das Wasser auch aus dem Sande hervorzutreiben vermag. Wie eine Wand hat man bisweilen das Schilf zur rechten, und nur ab und zu öffnet sich eine Anlegestelle für Ruderboote, die aber immer wieder zuwachsen würde, wenn inan sie nicht ständig im Streit mit der Vegetation offen hielte. Hier treiben die Schalan der Schnecken und Muscheln über den Sand, und mancherlei läßt sich erbeuten für das Zimmer-Aquarium. An den feuchteren Stellen vor der Schilfzone blühen in Massen gelbe Ranunkeln und halb verborgen die blauen Ver- gißmeinnicht. Man hört das Wasser gegen die Schilfstengel plätschern, wenn ein Dampferkiel seine Furchen gezogen hat, und das unausgesetzte glucksende Rufen der Wasserhühner. Alles aber übertönt der knarrende Gesang des Rohrsperlings. den man bei einiger Aufmerksamkeit zwischen den Schilf- stengeln herumfliegen sehen kann, wo er sein gut gesichertes Nest hat. Seine Stimme vereinigt virtuos das Quaken eines heiseren Frosches mit lauten Pieptönen, die miteinander einen Gesang imitieren, der scksiver in Noten zu setzen sein dürfte, aber stets erheiternd wirkt. Die Natur hat für dieses Jahr ihren Höhepunkt er- reicht. Auch in der Stadt, auf dem Leipziger Platz, stehen die alten Linden im Schinuck der Blüten und senden aus weißen Dolden unter grünen Schirmen ihren Duft auf die hastenden Menschen herab. WaS wird aus der Lustbarkeitssteuer. Die Lustbarkeitssteuervorlage befindet sich zurzeit in einem Aus- schuffe, an dem sie zum zweiten Male von der Stadtverordneten- Versammlung verwiesen worden ist. Dieser Ausschutz hat getagt und beschlosien, vom Magistrat eine definitive Antwort zu verlangen über die Stellung zu den königlichen Theatern; der Magistrat solle eine authentische Erklärung de« HausministcriumS herbeiführen, wie es sich zur Zahlung der Lustbarkeitsstencr durch die königlichen Theater stelle. Da aber der Magistrat in dieser Sache nichts mehr von sich hören lietz, richtete die sozialdemokratische Fraktion der Stadt- verordnetenversammlung an den Magistrat eine Interpellation, in der um Auskunft in dieser Sache ersucht wurde. Die Interpellation konnte bisher noch nicht verhandelt werden, da der Magistrat sich nicht darüber äutzerte. ob und wann er dieselbe zu bcantworlen gedenke. Jetzt teilt der Magistrat der Stadtverordneten-Versammlung zur Kenntnisnahme mit. daß er beschlossen habe, von der ihm an- gesonnenen Verhandlung mit dem Königlichen HanZministerium ob- zusehen; der Magistrat habe noch nie einen Zweifel gelassen über die grundsätzlichen Erwägungen, aus denen er eine vorgüngige Ver- ständigung mit dem Königlichen HauSministcrium nicht für an- gemessen erachte. Jetzt wird der AuSschntz von neuem zusammentreten und cnd- gültig seine Entschließung fassen mästen. Unseres Erachtcns kann sie nur ablehnend lauten. Dieser Entschlutz sollte aber so schnell wie möglich gefaßt werden, sodatz noch vor Beginn der Ferien die Stadtverordneten-Versammlung die unglückselige Stenerordnung ver- schwinden lassen kann und weite Kreise von einem drückenden Alp befreit ivrrden._ Stadtvcrordnctenwahlcn am Sonntag. Zu dem Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, die Stadtvcrordnetcnwahlen der dritten Abteilung an einem Sonntag vorzunehmen, wird uns mitgeteilt, daß dieser An- trag bereits bei einer früheren Gelegenheit die Zustimmung der Mehrheit der Versammlung gefunden hat. daß aber der Magistrat diesem Beschlüsse nicht beigetreten ist. Umschulungen von Gcmeindeschulkindern sollen in Berlin künftig möglichst nicht mehr ohne Zu- stimmung der Eltern erfolgen. Auch wenn ein Kind bei einem Wohnungswechsel aus dem Bezirk der bisher besuchten Schule weggezogen ist, soll in der Regel eine Ucbcrweisung dcZ Kindes an eine andere Schule den Eltern nicht gegen ihren Willen aufgezwungen werden. Wir hatten diese erfreuliche Meldung wiedergegeben(in Nr. 131) mit dem Vorbehalt, daß die vernünftige Maßregel hoffentlich nicht bloß auf dem.Papier bestehen bleiben> werde. Wie zahlreich bisher die Umschulungen in Berlin gewesen sind, das zeigten wir an einer Umschulungsstatistik aus dem Schul- jähr 19l>g/1li, dem letzten, aus dem hierüber Angaben vorliegen. In einem einzigen Halbjahr hatte man nur aus Rücksicht auf die Frequenz 3643 Kinder umgeschult, teils zur Entlastung überfüllter Klassen und zur Füllung schwachbesctzter Klassen, teils wegen Auflösung schwachbesetzter Klassen und wegen Ucberweisung überzähliger Klassen an andere Schulen. Von den noch sehr viel zahlreicheren Umschulungen wegen Wohnungswechsels wollen wir hier mal ganz absehen. Zu jener Meldung über eine Reform des Umschulungsverfahrens wird uns jetzt von dem Vater eine» Gemeindeschülers die Klage vorgebracht, daß in der 4 4. K n a- ben-Gemeinde schule(Wilhelmstratze) noch zu Ostern dieses Jahres eine Massenumschulung verfügt worden sei. Aus Klasse II habe man 16 Schüler, für die in ihr kein Platz mehr vorhanden war, nach einer Nachbarschule(Tempclhofer Ufer) abge- schoben. Auch sein Sohn sei von diesem Schicksal getroffen worden, obwohl er bereits eine Reihe von Jahren hindurch die 44. Gemeinde- schule besucht hatte. Die Umschulung sei erfolgt ohne Wissen und Willen des Vaters. Dieser erklärt sie sich daraus, daß in der 44. Schule nur eine einzige Klasse II besteht, in der die Osterschüler und die Michaelisschüler gemeinsam unterrichtet werden. Darum sei jetzt für die Klasse eine Ueberfüllung entstanden, so daß 16 Schüler umgeschult werden mutzten. Die Annahme des Vaters wird zutreffen. An der 44. Ge- meindeschule werden nicht nur in Klasse I, sondern auch in Klasse II die Oster- und die Michaclisschüler gemeinsam unterrichtet. Und diese an Kleinstadt- und Dorfschulen erinnernde Unzulänglichkeit hat hier seit Einführung des Achtstufensystems, also seit jetzt mehr als acht Jahren, ununterbrochen bis aus den heutigen Tag bestan- den. In Berlin ist es leider die Regel, datz eine Gcmeindeschule die Klaffe I nur einmal hat. Datz aber auch die Klasse II nur einmal vorhanden ist, kommt doch nur als Ausnahme vor. Bei der 44. Schule mag der dauernde Fortbestand dieses Man- g e l s darauf zurückzuführen sein, datz das Schulhaus alt ist— es wurde im Jahre 1868 in Benutzung genommen— und entsprechend den damaligen Verhältnissen für kleinere Schulen berechnet war. 13 Klassen hatte die Schule früher, seit jetzt acht Jahren sind es 14, von denen die eine in der Aula einquartiert ist. Auch für die 2 7. Mädchen-Gemeindeschule, die in demselben Schul- Haus untergebracht ist, sind nicht mehr als 14 Klassen vorhanden. Sie leidet gleichfalls unter dem Mangel, datz sie nicht nur Klasse I, sondern auch Klasse II nur je einmal hat. Angesichts der Beengt- hcit dieses Doppel-Schulhauscs, das auf einem nur 3666 Quadrat- meter großen, heute gerade für eine einfache Schule ausreichenden Grundstück erbaut ist, macht iinmer dringender sich die Notwendig- keit fühlbar, in der Nähe auf einem anzukaufenden größeren Grundstück ein neues Schulhaus zu errichten. Aber die Schulverwaltung unserer Stadt wird wahrscheinlich aus Sparsam- keitserwägungcn wieder mal zu dem beliebten Mittel greisen, durch allmähliche Verteilung der Kinder auf die Nachbarschulen diese beiden älteren Schulen leer zu machen, so datz sie dann„über- flüssig" werden und dem Schicksal der Auflösung verfallen. Ob da die Eltern zustimmen oder nicht, danach fragt sie kein Mensch. Ein Krematorium für Berlin. Das Kuratorium des Berliner Magistrats für das BestattungSwesen beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung mit der Frage der Errichtung eine? Krematoriums durch die Stadt Berlin. Es wurde beschlossen, in dieser Hinsicht sofort nach dem Inkrafttreten des FeucrbcstattungSgcsetzcs den städtischen Bs- Hörden bestimmte Vorschläge wegen des Baues eines Krematoriums zu machen. Na endlich! DaS Kuratorium des städtischen Obdachs beschloß am Mittwoch einstitnmig, sofort auf den dem städtischen Ob- dach in der Fröbelstratze gegenüberliegenden freien Grundstücken Notbaracke» zu errichten, um die immer mehr zunehmenden ge- schlcchtskranken unter polizeilicher Kontrolle stehenden Mädchen bis zur Fertigstellung des besonderen Krankenhauses nnterzubiingen und den unhaltbaren Zuständen im Obdach wenigstens vorübergehend abzuhelfen.— Ebenso wurde e i n st i m m i g beschlossen, aus dem dem Siechenhause in der Fröbelstratze gegenüberliegenden, der Stadt Berlin gehörenden Grundstück für 756 Personen Notbarackcn für nächtliches Obdach zu errichten. Der Magistrat soll am Freitag er- sucht werden, die erforderlichen Flächen, die jetzt vermietet sind, am 1. Juli zu kündigen, und Magistrat und Stadtverordnetenversamm- lung sollen noch vor den Ferien um Bcivilligung einer Summe von 266 666 M. für die Herstellung dieser Baracken ersucht werden. Der einstimniige Beschlutz und die vom Magistrat und der Stadt- verordnetenversammlung anerkannte dringende Notwendigkeit dürfte die Zustimmung beider Körperschaften als selbstverständlich voraussetzen. Zahlung des FortbilbungSschnlgelbcS. Aus Lehrcrkreisen wird uns geschrieben: Für den Unterricht an den städtischen Pslichtfortbildungsschulen erhalten die Lehrer, die den Unterricht nebenamtlich erteilen, das Honorar postnumerando. Als Tag der Auszahlung ist nun schon das zwcitemal ein Datum angesetzt worden, das weit hinter dem Ersten des beginnenden Quartals liegt. Das Fortbildungsschulgeld wird den Lehrern wieder erst am S. Juli ausgezahlt. Zu verlangen Hätten sie es doch schon am I. Juli. Es ist nicht ersichtlich, warum dieser späte Termin ge- wählt wird. Eine pünktlichere Zahlung wäre erwünscht. Bc- dauerlich ist es auch, datz die Zahlung nicht durch Banküberweisung erfolgt. Tie Beträge in ihrer Gesamtheit sind doch so erheblich, datz es sich lohnen würde, zumal meist Lehrer in Betracht kommen, die schon ein Bankkonto haben. Charitö und Finanzministerium. Die kürzlich gerügten sozialen Mißstände des Krankenpflcgepersonals in der Eharite zu Berlin haben jetzt sogar von ärztlicher Seite einen Protest gezeitigt. In der letzten Numnier der„Deutschen Medizinischen Wochenschrift" wird für den Mangel an Personal die jäinnierliche Entlohnung Verantlvortlich ge- macht, die den Wärtern und Schwestern znleil wird. Der dadurch hervorgerufene Mangel an Zuzug bewirkt eine Ucherbürdung a» Arbeit, so datz diele nach kurzer Zeit iviedcr ausscheiden, weil sie den übermäßigen Anstrengungen, die man ihnen zumutet, nickt gewachsen sind. Wie arg die Zustände sein müssen, läßt sich daraus ersehen, daß— wie wir bereits initgeteilt haben,— auf der Zweiten Medizinischen Klinik ebenso tvie auf der Kinderklinik je eine Station geschlossen werden mußte, weil nicht genügend Personal vorhanden ist I Der Grund zu dieser„ungeheuerlichen Bcciii- trächtigung des KrankenhanSdienstcs" liegt, wie die„Deutsche Medizinische Wochenschrift" schreibt, einzig und allein im Verhalten des Finanzministeriums, das stets trotz wiederholter Vorstellungen der Charilödirektion hartnäckig die Bewilligung der nötigen Mittel zu einer anständigen Besoldung des Pflegepersonals einfach ver- verweigert hat. Sitzbarrieren will die Parkdeputation auch sin Humboldthain einrichten. Es ist häufig darüber geklagt worden, daß in den städtische» Parkanlagen zu wenig Sitzgelegenheiten vorhanden seien. Im Treptower Part haben sich die sogenannten Sitzbarrieren, das sind Sitzflächen, welche durch Auflegung von Eisenschienen auf den Eiscngitlern geschaffen werden, bewährt.— Ferner sollen auf den Kinderspielplätzen Berlins einfache Bänke aus Holzbohlen hergestellt werden, die gleichzeitig als Spieltische benutzt werden können.— Die Deputation hat außerdem beschlossen, die beiden Jnselsteige in der Wallner-Thcnter-Straße mit Bäumen versehen zu lassen.— Schließlich hat sich die Devutation mit der Verbesserung der Anlogen auf dem Koppenplatz befaßt. Zurzeit stehen Mittel für diesen Zweck nicht zur Verfügung, doch wird die Angelegenheit von der Deputation weiter verfolgt werden. Der Kaiser und der Berliner Zoologische Garten. Wie wir mit« teilten, ist der Kaiser der Ansicht, daß der Berliner Zoologische Garten mehr ein RendezvonSort der Neichen, als der Ort der Be- lebning und Erfrischnng der weniger bemittelten Schichten sei. Dieser Meinimg tritt der administrative Direktor des Zoologischen Gartens, Herr Meißner, entgegen, indem er zunächst ans die hohe Besucher- zahl des Gartens hinweist.„Die Ansicht des Kaisers,„der Arbeiter geniere sich, in den Berliner Zoologischen Garten zu gehen", beruhe ivohl auf einer irrigen Information seiner Berater. Der„kleine Mann" habe in Berlin die Möglichkeit, für 25 Pfennig die schönen Parkanlagen des Zoologischen Gartens, die reichste Tiersammlung der Welt zu besichtigen und ein gutes Konzert zu genießen. Dabei ist infolge der geschickten räumlichen Trennung der Nestaurationsteile am großen Konzertplatz selbst eine den kleinen Mann dielleicht„ge- nierende" Berührung— wenn von diesem Gesühl überhaupt die Rede sein kann— mit den obersten Kreise» nicht zu be- fürchten." In den wissenschastliche» Kreisen— so schloß Direktor Meißner— gilt es als ausgemacht, daß ein Tierpark tvie der von Stellingen mit seiner relativ kleinen Zahl von Tierarten und seinen Schau- stcllertricks selbst den kleinsten zoologischen Garten nicht ersetze» kann, weil zoologische Gärten mit ihren systematischen Vorführungen aller erreichbaren Tierarten allein Vildungswert für Erwachsene und Schüler haben. 224967 Schulkinder in Berlin. Im laufenden Sommerhalbsqhr sind in den städtischen Gcineindeschnlen Berlins 2466 Knabenklassen, 2494 Mädchenilasjen, 161 gemischte Klassen, 24 Vorklassen und 167 Nebenklassen vorbanden. Eingeschult sind 111366 Knaben und 114 661 Mädchen, zusammeik 224 967 Schulkinder. Davon befinden sich 3621 in Vorklassen und Ncbenklassen. Das Opfer eines entsetzlichen Unglücksfalles wurde der 26jährige Bootsmann Fritz Rung. R. war auf dem Lastkahn des Besitzers Rogge beschäftigt. Gegenwärtig liegt das Fahrzeug auf dem Müggelsee vor Anker. Als der Bootsmann beim All- koppeln des Kahnes tätig war, geriet er mit dem linken Bein in eine Schlinge des Drahtseiles. Durch den plötzlichen Ruck beim Anhalten wurde die Schlinge mit solcher Wucht zusammengezogen, daß dem jungen Menschen das Bein bis zum Knie abgerissen wurde. Ter Verunglückte fand im Krankenhause zu Friedrichs- Hagen Aufnahme. Ein Diebstahl aiif dem Hofe des Postpaketamts beschäftigt die Kriminalpolizei. Ein Hansdiener wollte vorgestern gegen 16% Uhr vormittags ans dem Paketamt in der Oranienburger Straße zwei Pakete mit Seide aufgeben. Als er auf einen Augenblick hinaustrat, legte er die Pakete, deren Inhalt 1566 Mark wert ist, in einem grünen Tragtuch auf einen leeren Handwagen, der auf dem Hofe stand. Bei seiner Rückkehr waren sie mit dem Tuche verschwunden. Vermißt. Die Tochter de» in Berlin, Carmen-Sylva-Straße 88, wohnhaflen Maurers Manthe, Marie Mnnthe, wurde Anfang dieses Jahres aus der Fürsorgepflcge entlassen, da sie großjährig geworden war. Nach Angabe der Eltern ist sie spurlos verschwunden. Die Vermißte ist ein Krüppel. Es mußten ihr vor etwa l'/a Jahren beide Unterschenkel abgenommen werden, die durch künstliche Beine ersetzt sind. Angesichts dieses Zustandes, der das plötzliche Verschwinden aus eigener Kraft unwahrscheinlich macht, wird befürchtet, daß die Manthe ver- schleppt worden ist. Da polizeiliche und private Nachforschungen zu keinem Ergebnis geführt haben, wird versucht, vielleicht durch An- rufnng der Oesfentlickkeit etwas über den Verbleib des Mädchens zu erfahren. Die städtische Waisendeputation nimmt ebenso wie die Polizeibehörden Nachrichten entgegen. Die Gesuchte ist am 27. Januar 1896 zu Hcgerniühle geboren. In der öffentliche» Bibliothek, Adalbcrtstr. 41, werden in der Zeit vom 22. Juni bis 1. Juli inkl. keine Bücher verliehen. Die in den Händen der Leser befindlichen Bücher müssen zum Zweck der Jnveiitnraufnahme bis zum 24. d. M. zurückgegeben werden. Der Lesesaal, in dem 641 Zeitungen und Zeitschriften aller Parteien und Richtungen auSlicgen, ist nach wie vor abends von 5% bis 16 Uhr geöffnet. In, Apollo-Thcatcr beginnt Harry Walden am 1. Juli ein längeres Gastspiel; zur Aufführung gelangt„Sein Herzcnsjunge", Baudeville mit Gesang und Tanz in zwei Akten. Auf dem Wege von der Wicsenstraße bis Ackerstraße Hat ein Arbeiter ein Portemonnaie mit Geld und einige» Loltcricloscn ver- loren. Der Finder wird gcbctenH'das Portemonnaie bei Thietz, Borncmannstr. 7, Oucrgcbäude III, abzugeben. Zeugen gesucht. Personen, die gesehen haben, wie am 17. Mai dieses Jahres nachmittags l'/o Uhr in der Oranienstraße neben Weriheim ein Kutscher von Schutzleuten arretiert nnd zur Polizei- ivache gebracht wurde, werden gebeten, ihre Adresse bei Urbanski, Josephstr. 5, Seitenflügel IV, abzugeben. Für den Berein Arbeiter-Jngendheim gingen bei dem Unter- zeichneten ein: 5,00 M. Kraiiziiberschutz vom Musik- und Tambourverei» „Norden", 45.95 M. aus der Wcrlstatlkasse der Firma Cohn u. Sohn. Köpenicker Str. 113a, 5,55 M. Uebeischuß einer amerik. Auktion ans der Hcrreiipartie des Musik- und Tambourvcreins„Norden", 2,55 M. Rest einer Sammlung von einigen Kollegen der Firma Vereinigte Fabriken für Laboratoriuiiisbcdarf, Scharnhorststr. 22, 17,95 M. Kiauzüberkchutz pon den Arbeitern der.Knorrbreinse", 10,00 M. von den Arbeitern der Tapezierer- Werkstatt Georg Jahn. K. R o s e n s c l d, An der Spandaucr Brücke la. Arveitcr-Wandcrbund„Tie Naturfreunde«. Sonnabend, den 24, und Sonntag, den 25. Juni: Sommcrsonnciiwcndfcicr am Teupitzer See, Tornows Idyll. Abf. l. Görl. Bahnh. Sonnabend nachm. 3,25 nach Gr.-Besten- II. Anh. Bahnh. Sonnabend abend 7,05 nach Wilnsdorf! III. Görl. Bahnh. Sonnabend abend 7,15 nach Gr-KöriS; IV. Görlitzer Bahnh. Sonnabend abend 9,40 nach Tcupitz-Gr.-KöriS, Bcrbaiid der Frisciirgehilfe» Teutschlands. Zweigvereln Berlin und Vororte. Donnerstag, abends 9'/, llhr, Rojenthalcr Straße 11112: Vortrag. Vorort- JNaebrkbtem Charlottenbnrg. Städtischer Wohmingsnachwcis. Im Hinblick aiif den bevor- stehenden Uniziigötermin weisen wir auf den von der Stadt Chor« lotteubnrg seil einiger Zeit in dem Hanse Lützolver Str. 8a ein- gerichteten kostenlosen Wohnungsnachweis hin. Bermiltelt werden Wohnungen von 1 und 2 Zimmern(außer der Küche). Der WohnmigönachweiS ist in der Lage, den Wohnungsuchenden ein- gehende Mitteilungen zu machen über die Größe, die �age, den Mietpreis und die BczugSzcit der zu vermietenden Wohnungen. In den meisten Fällen steht auch eine kleine Grundrißikizze zur Bersügung, ans der die Lage der Räume zu einander hervorgeht. Ans diese Weise wird dem Mieter das Wohnungsuchen bedeutend erleichtert; er braucht nicht mehr, wie bisher, Straße für Straße abzulaufen, um eine Unzahl von Woh« mmgen zu besichtigen, die nur zuni kleinen Teile für ihn passen' der WohnilngSnachwciS setzt ihn in die Lage, sich mit Hilfe des dort angestellten Beaunen drei oder vier für ihn passende Wohmmgen herauszusuchen, nntcr denen er sich dann ohne große Mühe die für ihn geeignetste auswählen kann. Er erspart also viel unnütze Lanferci nnd hat dazu die Gewißheit, auch eine möglichst für ihn passende Wohnung zu finde, i. Zu dem Schuppcnbrand am Montagnachmittag an der Ecke der Ikorie- und Hclmholtzstraße, worüber wir in der Dienstagnnmmer des Vorwärts" berichteten, teilt uns die Firma Müller. Inhaberin der Kistensabrik, mit, daß das Feyer auf einem Lagerplatz in ziem- sicher Entfernung bem, ikrei» Betrieb ausgebrochen sei. Eine Gefahr sür de» Betrieb habe nicht Vorgelege». Ii, de» Anlage» am IMcflcnsrc soll ein kiinstlerisch anSgostatteteS BogeliiilterhänSchen ans Mnscheltalkstein Aufstellung finden. DaS Häueche» ist ein Werk des Bildhauers Wilhelm Otto, daS nicht nur seinen praktischen Zivcck erjüllen. sondern auch den Anlagen zum Schmuck gereichen soll. Rixdorf. Sturz ouS dein fünften Stockwerk. Aus LiebcSgranr der- suchte sich Dienstagabend der LSjährig« Anstreicher Erich Kuttig aus der Einser«traszc 7b das Leben zu nehmen. K. lernte vor mehreren Monaten eine in der Rodcnbcrgstrahe 75 wohnende kgjahrigc Verkäuferin keiiucn. Seit einige» Wockren wollte das Mädchen nichts nichr von ihrem Verehrer wissen. Wiederholt vcr- suchte der junge Manu, die Geliebte auszusöhnen, wurde jedoch stets cntschiedcn abgcivicscn. Dicustagabciid gegen 1l) Ilhr suchte K. seine treulose Braut in ihrer Wohnung auf, um ihre Zuneigung zurückzugewinnen. Als all seine Bitten vergeblich waren, geriet der verschmähte Liebhaber in große Aufregung, rannte nach dem Boden des Hauses und stürzte sich kopfüber aus dem Fenster auf die«xtraße hinab, Ivo er blutüberströmt und besinnungslos liegen blieb. Der Schwerverletzte wurde nach der Unfallstation in der Gaudystraßc geschafft, wo schwere innere Verletzungen und Bruch beider Arme und beider Beine festgestellt wurde. Nach Anlegung von Notverbänden wurde der Lebensmüde nach dem Rudolf- Birchvw-Krankenhause übergeführt wo er in sehr bedenklichem Zu- stände daniederliegt. Wilmersdorf. Eine Nc»«ii,teilimg der Stadtbezirke ist insofern erfolgt, als statt der bisherigen 10 Bezirke 14 gebildet worden sind. Infolge der starken Bevölkerungszunahme im alten OrtSteil. im Haleiisee- OrtSieil imd am Kaiserplatzviertel, sind die Bezirke 1, 2, 7 und 3 geteilt worden. Friedenau. Ans der Genreindevertretung. Der stellvertretende AmtZ- und Kemcindcvorstcher Schöffe Bache wurde, da seine Wahlzeit abge- laufen war, gegen eine Stiurme, die auf den Gemeinde- Vertreter Franzelius fiel, wiedergewählt. Bei der Beratung des Ortsstatuts zum Gewerbegericht stellte Genosse Richter verschiedene Abänderungsanträge. Diesellien wurden bis auf einen, der die Erhöhung der Entschädigung der Beisitzer bei Arbeitszeitvcrlust von 4 auf 5 Mark vorsieht, abgelehnt. Das Statut ist im allgemeinen so wie das Berliner, nur ist an Stelle des von unseren Genossen beantragten Proportional. tvahlsystems die Mchrhcitswahl geblieben. Die Wahl der Beisitzer erfolgt auf vier Jahre, es scheiden alle zwei Jahre die Hälfte der- selben aus. Die während der ersten Wahlperiode nach zwei Jahren Ausscheidenden werden ausgelost. Das Statut tritt mit dem 1. Ol- lober 1911 in Kraft. Von den bürgerlichen Vertretern mcldeteii sich auher einem, der fragte, was das Proportiormlwahlshstem für ein Ding sei, niemand während der ganzen Beratung zum�Wort. Bon verschiedenen Seiten wurde sogar die Annahme des Statuts en bloc ohne jegliche Diskussion beantragt, dem aber durch den Ge- »offen Richter mit Erfolg entschieden widersprochen wurde. Einer Anregung unserer Genossen folgend, hat der Gemeindevorstand mit dem deutschen Secfischereiverein in Berlin die Errichtung von Seefischkockstursen vereinbart, dem zugestimmt wurde. Für die Einrichtung einer Wohnung sowie verschiedener Bureauräilme im Erdgeschost der„Höheren Mädchenschule" wurden 3367 M. bewilligt. Einer von der Elcktrizitätskoinmission vorgeschlagenen Acnderung der Slrombczugsbcdingungcn wurde zugestimmt. Dieselbe setzt die Bezugspreise für Gewerbetreibende erheblich herab. Die schon so heistumstrittene Frage: soll ein Hundefänger angestellt werden oder nicht, wurde endlich nach Heister Redeschlacht dahingehend er» ledigt. dast mit dem Steglitzer'Tierschutzverein ein Vertrag abge- sckilossen wurde, worin dieser Verein fich verpflichtet, gegen eine Summe von 1600 M. jährlich einen Hundefangbeamten zu stellen. Bei Beratung dieser Angelegenheit tvaren die Herrschaften viel gesprächiger, ivie beim Gewerbegerichtsstatut, bei dem cS sich nur um eine Ärbeiterangelegenheit handelte und nicht um das Ab- fangen herrschaftlicher Hunde. Ein Antrag des Äemeindevorstan- des, der Mittel für Einführung des orthopädischen Turnunterrichts in der vorhin genannten Schule verlangt, gab unferm Genossen Nichter Veranlassung, dasselbe auch für die Volksschulen zu fordern. Weiter ersuchte er den Gemeindevorstand, sich mit der Einführung der sogenannten Volksunterhaltungsabende am Ort zu befassen. Auch wünschte er Aufklärung über den tn der Dienstagnummer des„Vorwärts" bespöochcncn Fall in der von der Gemeinde jähr- lich mit 1800 M. unterstützten Krippe des Vaterländischen Frauen. Vereins, für die der Hauptantsil der am vorletzten Blumentagt ge- sammelten Gelder angeblich bestimmt ist. Bürgermeister Walger antwortete, dast ihm die Angelegenheit in seiner Eigenschaft als Amtsborstcher bekannt getvorden sei, nach seinen Ermittelungen sei tn der Krippe alles in bester Ordnung. Uebrigens sei von der Mutter des Kindes Strafantrag wegen fahrlässiger Tötung und von der Leitung der Krippe ein solcher wegen Beleidigung gegen die Mutter des Kindes gestellt worden. Lichtenberg. Bcrschwniiden ist seit einigen Tagen der 13 Jahre alte Schüler Albert Keil, bei seinen Eltern in der Röderstr. 42 wohnhaft. Der Knabe hatte sich mit noch einem Jungen zwei Luftgeivehre besorgt. «Lei», Hanttereii mit dem Gewehr iwost K. dem anderen Knaben snS Gesicht. Dieser Börsall kam zu Ohren deS Lehrers Klenike, der den Schüler unterrichtete und der nun den Knabe» für die Un- Vorsichtigkeit derb gezüchtigt haben soll. Nach einiger Zeit begab sich die Mutter mit den, Knaben zum Schularzt, um sich ein Attest über vic Züchtigung ausstellen zu lassen. Frau«. nimmt min an. dag ibr Sohn Albert aus Furcht vor weiterer Züchtigung die Schule ver- säumt hat und verschwunden ist. Der Knabe ist 1.50 Meter groh. untersetzt und auf dem linken Auge blind. Er loar bekleidet mit einen, grün gefärbten Sport- Hemd, grauen Kniehosen, schwarzen Strümpfen und schwarzen Schuhen. Er trug eine graue Klapp», iitze. Perlon«,, die über den Knaben Auskunft geben können, iverden gebeten, dies bei Rudolf Keil. Lichtenberg, Röderstr. 42 I zu melden. Britz. Die Verkaufsstelle des„Käuferderein Britz", Werderstrast«, Ecke Nuiiginsstraste, gehl am 3. Juli d.J. in das Eigentum der Konsuni. genossenschaft Grotz-Berlin über. ES wird von diesem Tage an nur noch an Mitglieder verkauft. Diejenigen Käufer, welche ferner Abnehmer bleiben wollen. müssen sich als Mitglieder der Konsumgenossenschaft eintragen lassen. Die Uebertrittsbedingungen sind folgende:„Für jeden bisheng«, Käufer, der gewillt ist, überzutreten, werden aus jede vollgeklebte Karle 2.50 M. gutgeschrieben. Mehr als zwölf Karten werden nilht verrechnet, weil die Haftsumme nur 30 M. beträgt. � Diese. von den Karten gutgeschriebene Summe, kann erst nach zwei Jahren abgehoben werden, das heistt nur, wenn jemand die Absicht hat. auszutreten. Neuein tretende können die 30 M. auch in Raten zahlen." Die organisierte Arbeiterschaft von Britz wird ersucht, ihren Bedarf nach Möglichkeit in dieser Verkaufsstelle zu decken. Epanva». Dürfen Soldaten gegen Lohn als Handwerker beschäftigt werden? lieber diese Frage, die schon so oft in der Oessentliebkeit behandelt worden ist, hatte gestern daö Kriegsgericht der kl. Garde-Divisson zu entscheiden. Vor einiger Zeit brachte der„Vorwärts" eine Notiz, ,» der mitgeteiil wurde, daß Mannschafte» vom fünften Garde« Regiment bei einem Hausbesitzer Schilling, Kilrstraste 3. Maler« arbeiten verrichtet hätten und dafür entlohnt worden seien. Andere Handwerker wurden dadurch benachteiligt. Es ge« langte eine entsprechende Beschwerde an da» Kriegsministerium und dies wiederum übergab die Angelegenheit zur weiteren Verfolgung den, Generalkommando. Die Untersuchung führte zur Aiitlageerhebniig gegen den Feldwebel Gerberig von der 3. Kom« pagnie deS 5. GarderegimentS z. F. Der Hausbesitzer Tch. hatte den Schwiegereltern des 61. früher Gefälliglciten erwiesen und als eines Tages in de», Hause des Sch. Malerarbeiten hergestellt weiden sollten, fragte er den Feldwebel, ob er ihm nicht Soldaten zur Verfügung stellen könne. Da gerade Ur- laubszeit war und die Mannschaften nur ans Kammer zu tun hatten, fragte der Angeklagte einen Grenadier, ob er die Malerarbeiten ausführen loolle. Der letztere erklärte sich auch be- reit und als er am anderen Tage seinen Kameraden erzählte, erarbeite im Hause des Sch.. meldeten sich noch zwei Grenadiere. Die Drei erhielten i», ganzen 20 M. für ihre Arbeiten. Für den Feld- ivebcl sollte die Sache nun noch ein Nachspiel vor dem Kriegsgericht haben. Man machte ihm zum Vorwurf, daß er sich der Anmaßung einer Dicnstbefugnis, in einein Falle in Verbindung mit Mißbrauch der Dienstgcwalt, schuldig gemacht habe. Er hatte an die Leute Forderungen gestellt, die in keiner Beziehung zim, Dienste siehe,, und sie infolgedessen zu Privakzwccken miß- braucht. Das Gericht war der Ansicht, daß er zu seinem Vorgehen keineStvegS befugt ivar. ES lag dem Kriegsgericht an der Fest- siellimg, daß durch daS Heranziehen der Soldaten als Maler andere Handwerker auf keinen Fall geschädigt worden sind. Der als Zeuge vernommene Hansbesitzer bekundete unter seinem Eid, daß er die Arbeiten, wem, sie nicht von den Soldaten au«- geführt worden wären, nur durch seinen Hausdiener hätte verrichten lassen. Der Angeklagte hatte damals, wie er in der Ver- Handlung angab, da? Gefühl, als tue er etwas Unrechtes. Es wurde gegen ihn auf fünf Tage gelinde» Arrest erkannt. Der Eimvalid des Herrn Schilling, daß er die Arbeiten durch einen Hausdiener hätte ausführe» lassen, wenn dieselben nicht durch die Soldaten verrichtet worden wäre», macht unsere damals ausge« sprochene» Bedenken nicht überflüssig. Hausbewohner haben uns damals mitgeteilt, daß die Soldaten tagelang in dem Hause ge- arbeitet hüben. Wir nehme» mit Geniigttinng davon Notiz, daß die Verwendung von Soldaten zu Privalarbeiten mistbilligt wird. Beim Segeln ertrunken. Gestern vormittag ertrank beim Segeln zwischen Gatow und Schildhorn der 32jähr>ge Kaufmann Albert Scholz aus Spandau, Bahnhofstr. 2. Sein Boot war gekentert. Trotzdem von mehreren Motorbooten sofort der Versuch gemacht wurde, den Erlrinlenden zu retten, versank er, ehe Hilfe gebracht wprden konnte. Motze»(Kreis Teltow). Unter allerlei behördlichen Schikanen hat nicht nur die sozial- demokratische Organisation, sondern auch der hiesige Arbeiter- Radfahrerverein zu leiden, der gleichfalls bei dem Amtsvorsteher wie auch bei den hiesigen Lokalinhabcrn in, Geruch sozialdcmo- kratischer Gesinnung steht. Zum Sonntag, den 25. Juni, hat der Verein eine Korsofahrt veranstaltet. Da der Arbeiterschaft in Motzen ein Lokal nicht zur Verfügung steht, blieb auch dem Ar- beiter-Radfahrerverein nichts anderes übrig, als das Arrangement auf dem Grundstück des Genossen Janizcwski stattfinden zu lassen. Der Amtsvorsteher hat nun trotzdem verlangt, daß dem Ver- gnügcn nur geladene Gäste beiwohnen dürfen, ein Verlangen, das sich schon deshalb nicht ausführen läßt, weil ja daß Korso« und Kunstfahren im Freien stattfindet. Ter Verein hofft viel- mehr, daß sich am Sonntag, den 25. Juni, nachmittags 3 Uhr, auch Vereine und Genossen aus Berlin und den umliegenden Ort« schaften auf dem Festplatz einfinden. Einige auswärtige Bereine haben bereits ihre Mitwirkung zugesagt.-• Neuenhagen(Ostbahn). Nach dem Abkommen mit dem Pächter der Badeanstalt ist die unentgeltliche Benutzung derselben allen Schulkindern gestattet, und zwar den Knaben in der Zeit von 1 bis 3 Uhr und den Mädchen von 3ib bis 6 Uhr nachmittags. Badckarten sind beim Rektor zu fordern. Die Cichenallee soll in einer Länge von 1316 Meter mit Kleinpflaster versehen werden. Tie hierzu ausge- schriebe»? Submission brachte ein allgemein überraschendes Resultat; während eine Firma 116,40 M. pro lausenden Meter forderte, ver- langte die Berliner Straßen- und Tiefbaugesellschaft 77,40?N., letztere erhielt auch den Zuschlag. Vorher soll noch ein Gutachten vom Materialprüfungsamt eingefordert werden. Die Chaussee vom Bahnhof nach dem Torf(Neuenhagencr Allee) soll vom Kreis Nieder-Barnim übernommen und bis 1. April 1913 straßenmäßig ausgebaut werden. Die Gemeinde erhält für die 1334 Meter lange Chaussee ein« Abfindung von 43 870 M. Der diese Bedingungen enthaltende Vertrag wurde zum Abschluß angenommen. Die ehe- malige Titelsckse Kunsttöpfcrei soll zu einer Kunstwollfabrik ein- gerichtet werden. Da eine solche Fabrik konzessionspflichtig ist, wurde von der Geineindcvertremng eine Kommission gewählt, welche die zur Zeit in Köpenick bestehende Fabrik besichtigen soll; hauptsächlich soll festgestellt werden, ob die Umgebung der Fabrik durch den Betrieb auch in hpgienischer Hinsicht zu leiden hat. Im Juli soll die erste Arbeit sloscnzählnng vorgenommen werden, wobei auf die Mitarbeit unserer Parteigenossen gerechnet wird. Potsdam. Todessturz vom Dach. Ein Opfer seines Berufes wurde gestern in Potsdam der Klempnermcister Heinrich Liesau. Liesau war mit der Nieparatur eines Balkons an dem Eckhause Hohenweg und Schlvertsegerstraße beschäftigt. Infolge eines Fehltritts stürzte er hinab und schlug ans den Asphaltbodcn auf. Er brach das Genick und war sofort tot. Ter Unfall ereignete sich in einem der be- lcbtcsten Geschäftsviertel Potsdams. Ter Toto war Familien» vatcr und hinterläßt mehrere Kinder. Wozu städtische Gelder bewilligt werden. Potsdam hat zu den Begrüßungen der verschiedensten Deputationen und Kom- Missionen, die gelegentlich ihres Empsanges bei Wilhelm II. auch die Stadt besuchen müssen, jederzeit Gelder für ein Frühstück und dergleichen zur Verfügung gehabt. In der jüngsten Zeit werden aber diese Mittel aus dem Steuerjäcket»ur noch in nicht« öffentlicher Sitzung von den Stadtverordneten bewilligt. Dieselben haben sich sogar so mannhaft gezeigt und jetzt die be- antragten 700 M. zum Empfang der türkischen Stndicnkommission abgelehnt. Ter Magistrat reichte die Vorlage der nächsten Sitzung erneut«in und die 700 M. wurden bewilligt, trotz»lebhafter Protest« der Minderheit", wie die offiziellen Nachrichten aus dem Rothause zu melden wissen.— Nunmehr werden sich Magistrat wie Stadtverordnetenversammlung wohl auch bald mit der Er- höbung des Lohne« für städtische Arbeiter, der für einen großen Teil 1,75 M. pro Tag betragt, beschäftigen. Wenn zu allen anderen Tingen Geld vorhanden ist, so sollten für die städtischen Arbeiter erst recht Mittel vorhanden sein. Zugenäbevpeguvg. Christliche Jugendverblödung. Di«„Christen" tun sich nicht wenig darauf zugute, daß auch sie die Jugend vor Roheiten bewahren und zu gutgearteten Menschen erziehen wollen. Hier eine Probe davon. Die letzte Nummer deS »Mindener Sonntagsblatt" enthielt solgendeS; Christlicher Verein jnnger Männer. (Bataillonsbefehl. Sonntag, 11. Juni: Große» Nriegsspiel. Minden und Todtenhausen gegen Lerbeck und Dankensen. Schlachtfeld: JakobSberg bei Lerbeck. Antreten sämtlicher Abteilungen nachm. 2,A Uhr am ev. Vereinshause. Rekruten werden noch eingestellt. Grohei Abkochen. Teller und Löffel mitbringen. Waffen und M u n r ti o n beim Vereinssekretär. Vollzähliges und pünktliches Erscheinen Ehrensache. Der Bataillonschef. Derartige Kriegsspielcreien wirken natürlich ungeheuer»bildend"- Hus der frauenbewegung. Bersamuilungen— Veranstallungen. Zentralvrrband der Hausangestellten. Donnerstag, den 22. Juni, abends 8 Uhr. im VolkShcmS, Eharlottenburg. Rosinenstraße 3: Versammlung. Vortrag von Frl. A. Arndt:„Warum müssen sich alle Hausangestellten dein Zontralverband anschließen? Jim aller Welt. Mafsenerkrankungcn an Typhus. Der Ausbruch einer Typhusepidemie in S ch n e i d e m ü h k hat die Behörde veranlaßt, die Schulen, die meisten Wirtschaften und andere öffentliche Gebäude des Orte? zu schließen. Geschlossen sind ferner die Molkereien und Milchwirtschaften, da sich mit Sicher- hcit feststellen ließ, daß die Seuche durch Genuß infizierter Milch entstanden ist, wodurch sich auch die rapide Ausbreitung in verhält- niSmäßig kurzer Zeit erklären dürfte. Bisher� sind mehr TyPhuSfälle bekannt geworden. Da im städtischen Kranken- Hause nicht genügend Räumlichkeiten sür die Unter- bringung der Kranken vorhanden sind, sollen Notbaracken er- richtet werden._ Ostelbische Knllurzustände. Daß auch heute noch der krasseste Aberglaube sein Unwesen treibt, zeigte eine Verhandlung vor dem T h o r n e r Schwurgericht. Der Pferdeknecht Johann M a l i n o w s k i aus Groß-Kruschin hatte sich wegen Körperverletzung zu veranttvorten. Er war zu der An- schaunng gekommen, daß die Witwe BorowSki, eine hocbbetagte Frau, f e i n K i n d.. v e r h e x t" h a b e. so daß es erkrankte. Er begab sich in der Absicht, die Frau zur Rede zu stellen, in deren Wohnung, geriet aber alsbald in solche Erregung, daß er mit seinem Stock ans die wegen Krankheit bettlägerige Frau einschlug und sie derart zurichtete, daß dieselbe an den Folgen der rohen Mißhandlung nach etwa achtTagen starb. Malinowsl, gab an, er hätte durch seine Frau erfahren, daß die Witwe BorowSki dem Kinde ein verhexte» Stück Fleisch gegeben habe; seinem Verlangen, die„Verhexung" wieder zurückzunehmen, sei die Frau nicht nachgekommen und deshalb sei er so aufgeregt gewesen, daß er blindlings zugeschlagen habe. Das Urteil lautete aus sechs Monate Gefängnis._ Gestrauchelte Ordnungsstiitzen. Wegen eines Sittlichkeitsverbrechen» wurde ein Oberlehrer ans Lütow in Stolpmünde, wo er als Badegast weilte, verhaftet. Der inS Gerichtsgefängnis eingelieferte Ober- lehrersoll mit Zöglingen des Seminars, an dem er toirkle, sittliche Verfehlungen begangen haben.— Von dem Schwur- gericht in B a r t e II st e i n wurde der Stadikassenrendant K i r ft e i n aus Domnau wegen Diebstahls an der Stadtkasse, Nr- künden fälsch» ng und Unterschlagung amtlicher Gelder zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Kleine Notizen. Totgequetscht. Ein Opfer seines Berufes wurde der Bahn- arbeiter Karl H ä» s ch ans F c e i e n tv a l d e. Beim Rangieren von Eisenbahnwagen geriet er zwischen die Puffer zloeier Personen- wagen, wobei ihm der Brustkasten vollständig zer« malmt wurde. Orkanvcrhceningen. In I a p a n hat ein Unwetter große Ver- heerungen angerichtet. In Tokio und J o k o h a m a wurden die Parkanlagen zerstört, im Hasen sind fünfzehn Personen er» trunken._ Marktpreise von Berlin am St». Juni ISN. nach Svmllielung deS Königlichen PolizetpräsiditM!«. M a r l l l> a l l e n v r e t i e.(Klcinhaiidel.) 100 Kilogramm«rbstii, gelbe, zum.Nochen ZV, 00— 60.00. Spcisebobncn, weiße 30,00-50.00. Linien 20.00-60,10 Kartoffeln 6,00-9,00. 1 Kilo. gramm Niildflelich, von der Keule 1,60— 9,10, Nindilcilch. Bauchfleilch 1,20 bis 1,80. Schwcineslcisch 1,10—1,80. Kalbfielich 1, 30— 2,40. yainmelfleisch 1,50—2,20. Butter 2,20—2,80. 60 Stück Eier 3,00—4,10. 1 Kilogramm Karpfen 1,40-2,20. Aolt 1,60-3,00. Zander 1,50—3,60. Hechte 1,20 bis 2,80. Barich e 0,80—2,40. Schleie 1,20-3,40. Bleie 0,80-1,80. 60 Stück Krebst 3,00-80,00._ SvitterungSübersicht vom Sl. Juni 101 1. Etatwuen ?lomeind« Hamburg tzerlw Frnntt a I>t Liünchen Wien L S ik Ii s er l"c 769 W 702 WSZ 702 K 706 TW| 708 W 704 W Ü Vetter 3 Regen 4 bedeckt 6 bedeckt 4 bald bd. 4 wollig 6 halb bd. »I! i» Äi «tattonen la 5 1 6 l! er— <&= Leu er »8 e« |- 5aJiatanCa;75291 4 heiter 9 Petersburg 768 SO 2wolktg 14 Seillo 705©352 gioolliq I 13 eii«v«Mi j750SSN l bedeckt! 12 Pari«>768 TsA i 2 bedeckt 13 Nlcttervroqnoie für Donnerstag, den LT. Juni liNt. Nachts kübl. am Tag« wieder eiwas wärmer, vielfach heiter bei mäßigen südwestliche« Winden; lein« erheblichen Niederschläge. Berllner Qettrrbureau. WasserslandS-rtiaetirtchtea der LandcSanstalt slir Ecwäfferlunde. inltaeteill vom Berliner Wellerbureau Wafferstcmd M- M- l. TUfft H r e g e l. Jniterburg S e> ch s e l, Thor» Oder, Ratibor , Krosien Frunkturl Warthe, Schrnim, , LanbSberg N e p e, Aordamt» Elbe, Leitmeritz , Dresden » Baroo Magdeburg ft+ bedeute! Wuchs,— Fall.— ft Unierpegel. Bnefftaften der Redaktion. Die kurilttsche S»rea>stundi findet Lindensteafie 69.»er» vker Dreddea — gahrftulil—, wochentliUictl r>»» 4>,!. dtS IV; Mir abend», SonnadendS, »an«>.!i diö 0 Uhr abrnd» stall, gtder slir den rvrlestasten»cftlmmlen«nsrage ist ei« Bulbftab« u»a etu« Zahl als Mertjellben»e>zusst<,en.«trtefitche ilniwor» wird«ich, erteil«. Zinsragen, denen»e>»e Ztdonncmentsovittnna dclgesugl ist, werden»ich« beantwartct. EUtge Frage» trage man in»er e»rtchslna«c dar. 91. Z. 12. An den TranSportnrbciter.Verband, Engcliistr 15, ober aus dem Wege der Annonce.— W. ZA. 1900. Hobeirzollen, eine preußische Provinz.— Ni. St. 2». Adressen finde« Sie im Berliner Adrcßbcich.— Sl. Z. 15101. Alcranderilr 39/40.— R. V. 13. Die (ÄeschästSflcHe ist im Raihaus, Zimmer 111 bis 114. dort ersahren Sie alles Näher«.— 9. 60. Ja! Eine der größere».— Welte 17. Ohne KeniiliiiS Ihrer VerbäINiisst nicht zn beantworten. Versuche» Sie es beim Bürger- AettuiigS-Jnstitnt. Groß« Präsideirlenstr. 7(von 4—6 Uhr).— Gtrrit- frage. Fronen Sl« dach direkt an.— Hesse» II. All« 6 Jahre.— — Russe 13. Neu». Sie haben aber Anspruch aus Ermüßlgung um»ine Stufe, wenn Sie Ihren Eltern überwiegend Unterhalt gewahren._ (9.«0, 4«, Die Ansrage ist unverständlich.— M. I. 52. Jlela — Luther. Maretchstr. 15. 1 im» 2. Neiu. CS toivb bann aber schätzungsweise ein, in der Regel höherer Betrag, angenommen, 3, Ja, Bei Richtangabe der geschätzte Betrag. 4. Ja. Stellen«ic noch anHeim. die Karte beim Arbeitgeber einzusehen,— A.$. 66. Ein angemessener Betrag, je nach Art und Dauer der Leistung, Ist der Anschlag lediglich zum Zwecke deS Bewerbcs eingereicht, so haben Sie leinen Anspruch,— G. tK. 106. 1. Soweit ersichtlich, erst vom 13, April ab. 2, Bei Bedürsligkcit spätestens zu dem Zeitpunkt zu dem daS Recht aus Krankengeld erlischt,— BS. BS. 7666. l. Nein, 2, bis 4. Wenn Sie die Abzahlungen aus Ihren, nicht aus Mitteln der Frau, geleistet haben, so kann darin ein Auerkennluis gesunden werden, audcrujallS glicht, 1. Degen des Restes kann neu gepsändet werden, 2 bis Ii. Die Sache ist, soweit Ihre AnsührUnaen erkenne» lassen, rechssskrästlg erledigt? Eine neue Klage ist daher unzulässig, deshalb erübrigt fisch ein Eingehen auf die einzelnen Fragen,— Wo und wie. Ja. An da-t Vormnndschastszcricht, — 2l. P. 122, Den Ehevertrag schllesten Sie bei einem beliebigen Notar, — P. L. 100. Anscheinend nicht, falls nicht die etwa vorhandenen Slaiuten etwas anderes bestimmen.— Ztzort. Durch Erklärung zu notariellem Protokoll. die dann dem Nachlaggesicht einzureichen ist. — H. 3. 33. Tosern nur ein eheliches Kind vorhanden ist: nein, —£>. 108, 1. Jnucrhalb eines Monats, 2. Nicht erforderlich. Wenden Sie sich an das Zcnlralarbeiterscirelnrinl, Berlin, lSrrgeluser 15. 3. Fragen Sie bei der Eharile, Berlin, an, 4. Zieichsvcrsichcrungsamt Berlin, Königin- Augusta-Str, 25/27.—?!. L. 1 37.'Aussichtslos, da die im Gesetz vor- steschetie zweijährsge Frist berstrlchell ist,»- U.©, SO. Durch den Kkufenth� tm AnSlaudc erlischt der Rentenanspruch nicht, Sie müssen aber unvilr» Z"glich der Berussgenossenichast Mitteilung von Ihrem istuscnibaltsort im rluslande oder einem Wechsel desselben machen, sich auch aus Ersordcrli der Bcrussgeuossriischaft bei dem zuständigen deutschen Konsul oder einer anderen deutschen Behörde stellen.- D. SÄ. 1, Vom 28, Juni ab. 2. u, 3. Wenn im Miclsvertrag nichts anderes vereinbart ist. alltäglich- rmschl.«onniagS— zwischen t0 und 6 Uhr, 4, Dazu ist der Mieter bc. rcchtigt. � 5, Ja,— A. N. 100 Nixdors. Wenn die Waschküche nicht bc. nutzbar ist— wofür Zeugen vorhanden sein müssen—, ist der Wirt zur Erstattung der Unkosten, die durch nndcrlveiles Waschen cirtstehen, verpflichtet. — O. W. Ihre Angaben reichen nicht aus. Kommen Sie in die Sprechstunde. Dresdner Banfe. Aktien- 200 000 000. kapital: �ond":" M. 61000000. 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Kathaus) Gpoß-Lichtcrfelde, Out: Jungfernstieg 3 (Ecke Bahnhofstr.) West: KarlstraBe 114 (Wannseebahnhof) TcmpelhoF, Berlin erstr, 8 (nahe Kingbahnhof) Rlxdopf. Kottbusordamm 79 (Hohenstnufenplatz) Berlinerstr. 56,57 (nahe Hauptpostamt) Pankow, SchönhoUerstr. 1 (am Kathaus) Tegel, Berlinerstr. 99 (nahe Hauptstr.) Kl» V II), gy aus Limonlidejinlii II. Grig.-Ktichel- Citrakt für 75» durch einfaches Aufkochen mit Zucker, von reinem Frucht- f eschmark und edlem Aroma, in Hlmbeor, Erdbeer, Kirsch, itronen, Grenadino, Orangen usw. Köstlich zu Nachspeisen und Limonaden. Der Kinder liebstes Getränk. Vollkommen haltbar. Unglaublich vorteilhaft, nur nach einem Versuche hat man den richtigen Begriff. In den Drogerien erhältlich. Alleiniger Fabrikant Otto Kclrlicl. Berlin SO.. Eisen bahnstr. 4. Forn- Bpreohor IV, 4751, 4752, 4753. Vor Nachahmungen schützt die Euhtheitsmarke Lichtherz. Manufaktufwären-SortlmehTs-Geschäft R.& S. Moses „gjrf Reinickendorfer Str. 9-10 an der Markthalle„Wedding". 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Juni, abends 8 Uhr, in den �rnilndnlle», Konimandantenstr. 38/39: NulZeeoröentliche Lenerslveeiamwlung. T ag es- O r d nu n g: Bericht lion der Konferenz der Gauleiter und Vorstände am 23. Mai. Stellungnahme der Verwaltungsstelle zu dieser. Mitgliedsbuch legitimiert! � X45/18 Die Verwaltung. Zahlstelle Berlin. Acht»»«: Bautischler! Achtung? TonnerSiag. de» 33. Juui. abends S'l, Uhr: 1 bei Boeker, Wcbcrstrafte Nr. 17. Tages» Ordnung! 1.„Ter Arbeitsnachweis". Referent Kollege Glocke. 2. Tiskufsion. 84/19 Die Kollegen der Vorort- vharlotienburg, Kr.-l.iodlerlellio und StegliU werden ersucht, an diei-r Verjaiumlung lcilzunehmen. Die Branchenkontmlsslon. H An diesem Schüd sind die Läden erkennbar, F in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. IHnsterg/UItls In Konstrnktlon nnd Ans! ührnne, gleich vorzüglich für llausgcbrauch n. Indnstric. ZI Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. BBRL.IX, Leipziger Straße 93. Läden in den verschiedenen Stadtteilen. 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