Nr. 197. Cfrfdjcint läglich außer MontazZ. PreiZ pranun'.srandc! Biiriil- jährlich 3,30 Marl, monatlich 1,10 Ml, wöchentlich 28 Via frei ln'S Hau». Sinjtslns Nummer s Psg. SonnlaaZ- Nummer mit illuiir. Sonniaas- Beilage„Neue Welt" 10 Pfg. Posi-Abonnemeni: 6,30 Mi. pro Quartal. Unter ftreu»» banv: Deutschlanv u. Oeiierreich» Ungarn 2 Ml., für da» übrige Ausland 3 Ml. vr. Monat, liingetr. tn der Voii-ZeilungS-iSreiSIifte für 1833 unier Nr.«708. 10. Jahrg. JnlertionZ-SebSdr beträgt für die iünsgsfpallene Beritzsile ober deren Naum 40 Vsg., für Vereins- und BeriammlungS- Anzeigen 20 Pfg Jnieraie für die nächüe Nummer münen dlS 4 Uhr Nachmittags in der Srneditio» abgegeoen werden. Die Ervedilion iii an Wochen- tagen dio 7 Unr Abends, an Sonn- und iiefliager. dl» 9 Uhr Bor- »inlag'Z geofiner. Lernlprechee: Amt I. 4lb>K. Tel r gf amm. Adresse: „Kofialdemoltrnt Kerlin!' Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Wedaktion: 8V. 19. Aeuth-Strake 2. Mittwoch, den 23. August 1893. Kilpedition: 8W. 19, ZZenW»Straße 3. Innungen, Fachgenostenschasten» Handwerkskammern. Die neue bricht mit den Politik, indem Handwerkerpolitik der preußischen Regierung Ueberlieferungen der Bismarck'schen Gewerbe- die von ihr gezüchteten Innungen in den Hintergrund gedrängt werden und ihnen in den neuen Fcichgeilosseuschafteii ein todtbringeuder Wettbewerb ge- schaffen wird. Nur die reichsten Innungen werden, wenn der Reichstag sich den preußischen Vorschlägen anschließt, auf die Dauer , veiter bestehen können, weil all das, ivas bis jetzt Aufgabe der Innungen war, den Fachgenofsenschaften als Verpflich- tung auferlegt wird, und weil sämmtliche Handwerksmeister demnach auch die Jnnungsmcister zum Beitritt und zur Bcitragsleiftung zu den Fachgenofsenschaften gezwungen werden sollen. Nicht allzu viele Handwerker werden wirthschaftlich in der Lage und willens sein, Beiträge soivohl au die Innung wie an die Fachgenossenschaft zu leisten, so daß die Folge der Errichtung der Fachgenossenschaften der Massenaustritt ans den Innungen sein wird. Diese werden hierdurch zum gleichen Scheinleben herabsinken wie die auf grund der ISSSer Gewerbe- Ordnung gestatteten Innungen. Wir sind die letzten, die das Absterben der Innungen bedauern. Dagegen erhebt sich in ultramon- tanen, konservativen und antisemitischen Organen Heller Jammer, ob dem Gilden des Jnnungsrummels, und dem Aerger wird offen Ausdruck gegeben, daß zum Beitritt zu den Fachgeuossenschaften jeder Handwerksmeister gezwungen werden soll. Der Aerger ist begreiflich, denn die Innungen, die sich zu politischen Organisationen herausgeivachsen hatten, werden nun ihren Sondercharakter verlieren, ihre Mitglieder werden aufhören, ihren Klasscngenossen gegenüber bevor- rechtet zu sein. Dies paßt natürlich nicht Leuten, die nicht für das gleiche Recht für alle, sondern für Erhaltung der alten und Schaffung neuer Vorrechte im Interesse ihrer Anhänger im Handwerke kämpfen. W i r haben aber deshalb noch keinen Anlaß, mit der geplanten Organisation im Handwerke zufrieden zu sein, denn man schafft wohl Vorrechte im Handwerke ab, schafft aber Vorrechte des Handwerkes. Während die Reich regierung den sozialdemokratischen Bestrebungen aus Schaffung von Arbeiterkammern entschiedenen Widerstand entgegensetzt, in der Kommission zur Erhebung der Arbeiterverhältnisse den Arbeitern blos ein Dreizehntel der Sitze zugesteht, schafft sie obligatorische Fachgcnossenschaftcu und Handwerkskammern für das Kleingewerbe. Man kann über den Werth der von Staatswegen eingerichteten Organisationen verschiedener Meinung sein, man kann aber einer Regierung den Vorwurf ungleichen Maßes nicht ersparen, wenn sie den Handwerkern fast gegen deren Willen das schafft, was sie den Arbeitern, die es fordern, stets verweigerte. Was nun die Fachgenossenschaften selbst anlangt, bei Fctulletcm. NaihdruS»etdolex.I (49 Dir Leiiehrung Andrö Saue, im,'s. Soziali st i scher Roman von G eorgcs Renard. Autorisirte Uebersctzung von Marie Kunert. Aber jetzt kann ich es Dir wohl sagen, nieiu Sohn, der fGcvanke, daß Ihr durch meine Schuld in Roth kommen mußtet, ist eine beständige Qual für mich und meine eigentliche Krankheit gewesen. Wenn Du wüßtest, wie ich gelitten habe, wenn ich sah, wie Du wie ein Tage- löhner für uns arbeiten mußtest! Darum bitie ich Dich, genau das auszuführen, um was ich Dich bitten will, selbst wenn es Dir sonderbar und nicht schicklich scheinen sollte. Mir ist, als sollte ich noch mehr leiden, wenn ich Dir nach meinem Tode noch große Lkosten verursachte, da ich Dich, als ich lebte, schon so viel gekostet habe. Tu wirst mich also sehr einfach begraben lassen. Ich habe mich nach dem Preise einer Beerdigung in der achten Klasse erkundigt. Son für Eon habe ich dann die nöthige Summe zujamincngesparl. Du wirst sie in einem Kouvert in der linken Schublade meines Schreibtisches finden. Du wirst ferner nur die wenigen intimen Freunde, die uns nach unser», Unglück treu geblieben sind, einladen. Den andern kannst Tu eine Anzeige schicken: das genügt. Johanna Teschamps gieb den altsilbernen Schmuck, denen die gerade auf diesem Gebiete nicht gerade glückliche österreichische Gewerbegesetzgebung nachgeahmt wurde, so können wir ihnen schon deshalb von unserem Standpunkte keinen Beifall schenken, weil sie die Meister zu ihren alleinigen Herren machen, während die Arbeiter blos als Staffage dienen sollen, die höchstens dann etwas verhindern können, wenn die Rcichsrcgierung, was wohl nicht häufig vorkommen wird, den Standpunkt der Arbeiter und nicht den der Meister theilt. Den Fachgenossenschasten sollen alle Unternehmer an- gehören, die regelmäßig nicht mehr«ls 20 Arbeiter be- schäftigen. Während bei den Gcwerbezählnngen von 1875 und 1882 die obere Grenze des handwerksmäßigen Bc- triebe» bei Beschäftigung von 5 Gehilfen festgesetzt wurde. sollen jetzt zahlreiche Betriebe, die unzweifelhaft als Fabrik- betriebe zu betrachten sind, unter ein Gesetz gestellt werden. das den Handwerksmeistern weitgehende Rechte einräumt Bei der psychologisch erklärlichen Feindschaft der Klein meister gegen die Fabrikbetriebe kann diese Scheidung zwischen Handwerk und Fabrikindnstrie zahlreiche Un zukömmlichkeiten hervorrufen. Als Aufgaben werden den Fachgenossenschaften im preußischen Regierungsentwurfe die folgenden zugewiesen a.) Obligatorische. 1. die Pflege des Geineingeistes sowie die Anfrechterhaltung und Stärkung der Standesehre unter den Genossen, 2. die Forderung eines gedeihlichen Verhältnisses zwischen Meistern und Gesellen, sowie die Fürsorge für das Herbergs wesen der Gesellen und für die Nach Weisung von G e s e l l e n a r b e i t, 3. die nähere Regelung des Lehrlings wesens und die Fürsorge für die technische, gewerbliche und sittlicheAusbildung derLehr- ling e, der Erlaß von Vorschristen über das Verhalten der Lehrlinge, die Art und den Gang ihrer Ausbildung, die Form und Inhalt der Lehrverträge, sowie über die Verwendung von Lehrlingen außerhalb des Gewerbes, 4. die Entscheidung über die zwischen den Mitgliedern der Fachgenossenschast und ihren Lehrlingen enlsiehenden Streitigkeiten, welche sich ans den Antritt, die Festsetzung oder Aus- Hebung des Lehrvcrhältnisscs, aus die gegenseiiigen Leistungen aus demselben. auf die Ertheilung oder den Inhalt der Arbeitsbücher oder Zeugnisse beziehen, 5. Die Bildung von P r ü s u g s- A u s s ch ü s s e n für einzelne Gewerbegruppen zu dem Zwecke, Lehrlinge und Ge- sellen auf ihren Antrag einer Prüjung zu unterziehen und über den Erfolg derselben ein Zeugniß ausziistellen. b) F a k u l r a, i v e. l. Veranstaltungen zur Förderung der gewerblichen, tech- uischen und sittlichen Ausbildung der Gesellen, Gehilfen und Lehrlinge zu treffen und Fachschulen zn errichten und zu leilen, 2. über den Besuch der von ihnen errichteten Fortbildungs- und Fachschulen Vorschristen zu erlassen, soweit dieser Besuch nicht durch Statut oder Gesetz geregell ist. Man ersieht hieraus, daß den Fachgenossenschasten große Rechte eingeräumt werden. Rechte, die anffs tiefste die Interessen der im Handwerke beschäftigten Arbeiter bc- rühren. den Germaine so gern trug. Ich bitte sie, ihn zum An- denken an meine thcure Tochter und mich zu tragen. Gieb auch der kleinen Magdalene mein blaßblaues Plüschtäschchen, damit sie sich der Mutter ihres großen Freundes erinnere. Dir, mein Andre, empfehle ich unsere alte Norine. Ich weiß, daß sie Dich nicht aus freien Stücken verlassen wird. Behalte sie immer bei Dir, damit Du zuweilen niit ihr von uns und den Zeiten, in denen wir glücklich waren, sprechen kannst. Ach! Ich sollte Dir wohl eigentlich ein Vermögen hinterlassen, mein armer Sohn, und Du wirst nun kein anderes Erbtheil haben, als die Reste unseres früheren Ueberflusses. Ich habe daran gedacht, daß Du vielleicht gern die alten Möbel, die Dich an Deine Kindheit er- mnern, behalten würdest. Damit Du dies ausführen kannst, ohne in Verlegenheiten zn gerathen, habe ich einige Werth- gegenstände und Kleinigkeiten, die nur für mich Interesse hatten, verkauft. Den Erlös habe ich auf der Sparkasse eingezahlt. Du wirst also einige hundert Franks vorfinden, die Dich in den Stand setze», zn warten, bis Du eine Deinen Fähigkeiten entsprechende Stellung gefunden hast. Geh mit diesem dürftigen Nothpfennig, den ich mit so viel Mühe, aber auch mit ebenso viel Befriedigung für Dich gespart habe, recht sparsam um. Mein innigster Wunsch ist, daß er Dir helfen möchte, das Gl ick zu finden, das Du so sehr verdienst! Und nun, mein geliebter Sohn, leb wohl auf ewig! Ich küsse und segne Dich von ganzem Herzen. Deine Dich liebende Mutter: Therese Savcnay. Bis dahin war Andrs's Schmerz stnmm gewesen. Trostlos, regungslos, niedergedrückt hatte er in seinem leeren Man will zwar die Fachgenossenschasten unter Aufsicht der Hanwerkerkammern stellen und diese wieder von einem Regiernngskommissar überwachen lasten. Dies wird aber den Arbeitern wenig nützen, denn die Handwerkerkammern werden von den Fachgenossenschasten gewählt, und diese werden deshalb kaum Anlaß nehmen, sich in Konflikte mit ihren Wählern einzulassen, am allerwenigsten dann, wenn es sich um die Interessen der Arbeiter handelt. Ebenso- wenig können sich die Arbeiter ans die Einwendungen des Regierungskommissars verlassen, der sich immer mehr zn den konservativen Handwerksmeistern als zu den unzu- friedenen Arbeitern hingezogen fühlen wird. Auch wird bei zahlreichen Verwaltnngsakten der Fachgenossenschast die Kontrolle überhaupt nicht eintreten. Nun sollen freilich die Arbeiter im Handwerke nickst mit ganz geknebelten Händen den Meistern über- antwortet werden, man räumt ihnen das Recht ein, einen Gehilfenausschuß zu wählen, dieser wird aber, wenn die Arbeiter sich überhaupt entschließen sollten, von ihrem Wahlrechte Gebrauch zn machen ein Messer ohne Schneide sein. Viel Lust werden die Arbeiter an ihrer Thätigkeit im Gehilfenausschnsse nicht haben, denn man gicbt nicht jedem Arbeiter das Wahlrecht zn demselben, sondern blos denen, die länger als ein halbes Jahr im Bezirke der Fachgenossenschaft beschäftigt sind, und während mindestens der Hälfte dieses Zeitraumes bei Mitgliedern derselben in Arbeit stehen. Das passive Muhlrecht ist weit mehr eingeschränkt, als die Wählbarkeit zum Reichstage. Während jeder 25 Jahre alte Deutsche für gescheit genug gehalten wird, das Gesetz über die Organisation des Hand- werks als Reichstagsabgeordneter zu beschlichen, sollen für die sicherlich viel einfachere und weniger verantwortungs- volle Thätigleit im Gehilfenausschnsse blos diejenigen für befähigt gelten, die 30 Jahre alt sind und seit mindestens 2 Jahren im Bezirke der Fachgenossenschaft und während dieser Zeit länger als ein Jahr bei Mitgliedern der Fachgenossenschast in Arbeit gestanden haben. lieber die Befugnisse der Gehilfenansschüsse giebt der folgende Absatz Aufschluß: Der Gehilfenausschuß ist berechtigt zur Mitwirkung bei Regelung der Lehrlingsverhältniffe, der Abnahme der Gesellen- Prüfungen, der Enlscheidung von Streitigkeiten zwischen Mit- gliedern der Fachgenossenschaft und ihren Lehrlingen, sowie bei der Begründung und Verwaltung aller Einrichtungen, die die Interessen der Gehilsenschaft berühren. Seine Mitglieder nehmen an der Beralhung und Beschlußfassung der Fachge- »ossenschast über die vorstehend bezeichneten Angelegenheiten mit vollein Stimmrechte theil. Kommt ein Beschluß gegen die Stimmen seiner sämmtliche» Mitglieder zn stände, so kann der Gehilfenausschuß mit aujschiebender Wirkung die Entscheidung der Handwerkskamnier beantragen. Bei der Abnahme der Ge- fellenprüfungen, bei der Entscheidung von Streitigleiten zwischen Angehörigen der Fachgenossenschast und ihren Lehr- lingen, und bei der Verwaltung von Einrichtungen, für welche die Gehilfen Aufwendungen zu machen haben, sind die Mit- gliedcr des Gehilfenausschusscs, abgesehen von der Person des V o r s i tz e n 0 e n. in dem gleichen Maße zu Hirn immer nur den einen, schnierzlichen Gedanken gewälzt: meine Mutter todt! Eine schivere Last preßte ihm die Brust zusammen. Seine starren, trockenen Augen brannten wie Feuer. Aber als der Brief seiner Mutter ihm wie in einer Liebkosung von jenseits des Grabes noch einmal gezeigt hatte, welche Zärtlichkeit und Hingebung er in dieser sanften Seele besessen, drangen ihm die Thräncn in die Augen. Erst rannen sie einzeln, Tropfen um Trvpsen, dann ergossen sie sich in Finthen. Er weinte und weinte wie ein Kind und fand eine Erleichterung, eine Art bitterer Wonne darin, wie er die lebendige Quelle, die seinem übervollen Herzen entströmte, über seine Wangen rieseln fühlte. Johanna und ihr Vater, die durch Norine benachrichtigt worden waren, fanden ihn so weinend und drückten ihm die Hand, ohne einen Versuch zu machen, ihn zu trösten. Vater Deschamps stellte sich ihm zur Verfügung, um ihm all die grausamen Besorgungen zu ersparen, die ihm bei Germaines Tod so schwer geworden waren. Andre nahm seine Dienste an und theilte ihm die Wünsche seiner Mutter mit. „Ihre Mutter hat sehr Recht darin," rief der Alte, ,daß sie keine gleichgiltigen Menschen bei ihrem Begräbnis wünscht." Dann ging er fort, um alles Nöthige so zu ordnen, wie sie es bestimmt hatte. Johanna blieb in der Wohnung, um Norine bei den tausend kleinen Anordnungen behilflich zn sein, die eine Frauenhand erfordern. Andrä, der sah, wie sie in seiner Nähe leise auftrat, empfand dabei den einzigen Trost, der seinen Kummer lindern konnte, den Trost, sich von aufrichtiger, mitfühlender Freundschaft um- geben zn wissen. Onkel Theodor, der im Laufe des Tages kam, war so entrüstet, als er von den letzten Wünschen seine Schwägerin hörte, daß er darüber fast die Betrübniß über ihren Tod betheiligen, tote die Mitglieder der Fachgenossenschaft. Der Ge- hilfenausschnß ist ferner berechtigt, Anträge bezüglich aller seiner Zugehörigkeit angehörenden Gegenstände bei der Fach- genossenschafb und der Handwerkskammer zu stellen, welche über dieselbe!» zu beschließen haben. Hiernach werden in der Regel Beschlüsse der Fach- genossenschaft, die gegen sämmtliche Stimmen der Gehilfen gefaßt sind, im Wirksamkeit treten, dies wird st e t s der Fall sein, weirn anch nur e i n Gehilfe anderer Meinung ist wie seine Kollegen. Bei den Fachkommissionen wird der Vorsitzende wcchl stets Beschlüsse im Geiste der Meister herbeiführen, so daß wir wohl behaupten können, daß der Gehilfenausschriß inachtlos sein wird, daß er lediglich als Staffage dienen wird. So sucht die Reichsregierung den Vorwurf zu vermeiden, daß sie die Gehilfen den Meistern ausliefert, sie thut dies aber thatsächlich, trotz Schaffung der Gehilfenausschüsse. Die Macht der Meister über ihre Gehilfen und Lehr- linge wird vergrößert, die Möglichkeit der freien Organisation t>er Arbeiter wird verhindert, da man diesen ihr"Arbeitsgebiet so durch Uebernahme des Arbeitsnachweises und des Herbergswesens einengt. Die Abhängigkeit der Gesellen wird vergrößert, da die organisirten Meister sich in ihre Angelegenheiten weit mehr als bisher einmengen dürfen, der geschaffene, feste Zus ammenhalt der Meister wird die Verrufserllärung nicht ganz gefügiger Gehilsen sehr er- leichtern. Aus den Fachgenosscnschaften sollen die Meister Hand- Werkskammern wählen, deren künftige Aufgaben folgendermaßen umschrieben werden: a) Obligatorische. Die Handw-erkskammern haben: I. Tie Aufsicht über die Fachgenoffenschaften und Innungen ihres Bezirks zu führen. 2. Die Durchführung der für das Lehrlingswesen geltenden Vorschrifteu in den Betrieben der zu den Fachgenossensckzaften gehörenden Gewerbetreibenden zu beaussichngen. g. Die durch das Gesetz auf dem Gebiet des Lehrlings- wesens ihnen sonst übertragenen Obliegenheiten und Befugnisse «ahrzunehmen. 4. bei der tleberwachung der auf den Arbeiterschutz bezüg- lichen Bestimmungen der Gewerbe-Orduung mitzuwirken, S. für Arbeitsnachweis und Herbergswesen zu sorgen, K. aus Ansuchen der Behörden Berichte und Gutachten über gewerbliche Fragen zu erstatten. b) Fakultative. Die Handwerkskammern sind befugt: 1. die zur Förderung des Kleingewerbes geeigneten Ein- richtungen und Maßnahmen zu berathen und bei de» Behörden anzuregen, 2. Veranstaltungen zur Förderung der gewerblichen, tech- nischen und sittlichen Ausbildung der Gesellen, Gehilsen und Lehrlinge zu treffen und Fachschulen zu errichten. c) Erlaß von Vorschriften. Die Handwerkskammern sind serner befugt, Vorschriften zu erlassen: 1. über d«n Besuch der von ihnen errichteten Fach- und Fortbildungsschulen, soweit dieser Besuch nicht durch Statut oder Gesetz geregelt ist, 2. über die Anmeldung und Abmeldung der Gesellen, Ge- Hilfen, Lehrlinge und Arbeiter bei den Fachgenoffenschaften. Die Vorschriften können auch für bestimmte Gewerbe er- lassen werden und bedürfen der Genehmigung der höheren Ver- waltungsbehörde. Diese Aufgaben sind im wesentlichen die gleichen wie die der Fachgenoffenschaften und unterliegen der gleichen Kritik. Hinzu kommt aber noch, daß die Handwerks- kammern als Gewerbeinspektions- Organe sungiren sotten. Nichts ist bezeichnender für den Geist unserer Sozialpolitik. Die Gewerbe- und Fabrikinspektion muß, soll sie wirksam sein, von neutralen und nnabhängigen Personen ausgeübt werden. Hier will man aber den Bock zum Gärtner, die siebenfach gesieibten Jnteresseuvertretcr des Haudiverks zu Inspektoren über die Gesetzesübertretungen ihrer Wähler machen. Wäre die Sache nicht zu ernst, man würde zum Lachen gereizt. Selbst in einem so zurückgebliebcieen Laude, wie es Ungarn ist, hat man dieses von unserem„Sozialmiuister" Berlepsch empfohlene System als nicht zum Ziele führend verlassen und der Staat, der an der Spitze der Sozial- reform zu marschiren vorgiebt, will es einführen! Von dem weiteren Anhalte des umfangreichen Gesetzentwurses, auf den zurückzukommen sich noch vielfach Ge- legenheit bieten dürfte, seien blas zwei Punkte hervor- gehoben. Ein Zugeständniß wird den Fanatikern des vergaß. Er suchte Andre einzureden, daß man der Laune einer Kranken keine so große Bedeutung beilegen brauche. Er erklärte sich auch diesmal bereit, die Ehre der Familie mittels seiner Börse aufrecht zu erhalten. Aber Andre antwortete ihm in bestimmtem Tone, daß die Wünsche seiner sterbenden Mutter für ihn heilige Befehle wären. Der Onkel wagte nun nicht mehr darauf zu bestehen, und, wüthend, unter lautem Murren gegen Mutter und Sohn, ging er fast augenblicklich wieder fort, da er in dem Moment, wo er seinen Schmerz nicht durch eine große Eeldausgabe für unnützen Prunk zeigen konnte, nichts mehr zu thun oder zu sagen hatte. Als Andrö am Abend in seinem einsamen Zimmer allein war, nur durch eine leichte Wand von der starren Gestalt getrennt, die schon durch den Tod entstellt dort auf dem weißen Linnen lag, hatte er die Empfindung, daß er an einer kritischen Stunde, einem für sein ganzes Leben entscheiden- den Wendepunkt angekommen war. Mit düsterem Auge maß er den Weg, den er seit einem Jahre durchlaufen, und er war erstaunt darüber, was alles um ihn und in ihm während dieses kurzen Zeitraunis verschwunden war. Wo waren Mutter und Schwester, deren Existenz Lebensbedingung für ihn war wie das Athmen? Er liebte sie aus einem so starken Instinkt, einer so alten Gewohnheit, daß sie mit seinen intimsten Hoffnungen ebenso sehr wie mit seinen fernsten Erinnerungen verknüpft waren, daß die Empfindung für sie in Wahrheit das Herz seines Herzens geworden war. Sie waren fort! ach, ans der großen Reise, von der es keine Heimkehr giebt. Fort auch sein Vermögen, seine Freunde, seine 5ka>neraden ans früheren Tagen! Jetzt war er allein und so weit entfernt von der Welt, in der er früher gelebt hatte! Sollte er es versuchen, sich ihr wieder zu nähern, Zutritt zu suchen, sich mit der Kraft seiner Intelligenz in ihr eine Stellung schaffen? Aber ivie konnte er ohne schmähliche Kapitulation seines Geivissens dahin gelangen? Und dann, würde er sich fnicht fremd in ihr fühlen? Er hatte längst nicht mehr die Gewohnheiten, die Anschauungen, die Ncigimgen dieser harten, egoistischen Welt, deren Treulosigkeit seine beiden armen Tobten so tief verwundet hatte. (Fortsetzung folgt.) Befähigungsnachweises gemacht, indem fakultative Gesellen- Prüfungen eingeführt werden sollen. Während jedermann, hat er nur Geld im Beutel, Meister werden kann, soll den Gesellen nahe gelegt werden, Gesellen- Prüfungen zu machen. Die Arbeiter haben hierzu keinen Anlaß, sie haben sich hiervon keinen Vorthcil zu ver- sprechen, aber ist die Gesellenprüfung eingeführt, so werden durch sanften Zwang manche hierzu veranlaßt werden. Der Bundesrath endlich, soll das Recht erhalten, Vorschriften über die zulässige Zahl von Lehrlingen im Verhältnisse zu den in einem Betriebe beschäftigten Gesellen zu erlassen. Wir halten die Festsetzung der Lehrlinge für diskutabel, weil wir die Lehrligsausbenterei bekämpfen, wir sind aber entschieden dafür, daß diese allgemeinen Grundregeln über das Vcrhältniß von Lehrlingen und Gesellen nur mit Zu- stimmung des Reichstags festzusetzen sind. Aus all diesen Gründen hat die Sozialdemokratie nicht den mindesten Anlaß, sich für die Pläne des Herrn von Berlepsch zu erwärmen. Aber auch in den anderen Parteien findet die Vorlage der preußischen Regierung, wenn auch aus ganz anderen Gründen keinen Beifall, so daß die Möglichkeit vorliegt, daß die Regierung vielleicht von der Einbringung eines Gesetzentwurfes vollkommen ab- sehen wird, da auch sie kaum viel Hoffnung haben wird, daß sich für eine Vorlage dieser Art im Reichstage eine Majorität findet. PoUkisisie lleticvnrfit. Berlin, den 22. August. Wann kommtdie nächste Militärvorlagc? Wie der in solchen Dingen vortrefflich unterrichtete„Standard" niit- theilt, beschäftigen sich die Regierungen in Frankreich und Rußland mit der Frage der durch die letzte deutsche Mi li tär v o rl a g e nothwendig ge- wordeneu Heeresvermehrung. Es war das mit Bestimmtheit zu erwarten. Ebenso wie es mit Be- stinimtheit zu erwarten ist, daß Herr von Caprivi als logischer Mann schleunigst eine neue Militärvorlage ans- arbeiten muß. Für die nöthigen Mittel sorgt Herr Miguel, der deutsche Rcichs-Biviscktor, bereits im voraus.— Der Fall Schröder. Tie„Allgemeine Militärische Korrespondenz" schickt folgende Beschwichtigungsnotiz in die Welt: „Ueber den Fall des Grenadiers Schröder vom l. Garde- regimeiit zu Fuß, der zur Zeit die gesammte deutsche Presse beschäftigt, hat sich der Kaiser, wie der„?lllg. Milit. Korresp." von unterrichteter Seite mitgetheilt ist, eingehend Bericht er- statten lassen. Eine Klarstellung dieser Angelegenheit ist also mit Sicherheit zu erwarten. Tie Schuldigen werden der ver- dienten Strafe nicht entgehen. Obgleich nun krasse Fälle von Soldalenmißhandlungen vorgekommen sind, so steht es doch nicht so schlimm, wie man sich im Publikum allgemein vorstellt. Es ist viel besser geworden, und die Erlasse deS Kaisers haben nach dieser Richtung ihre Wirkung nicht verfehlt. Unsere Militär- Slrafgesetzgebuna verlangt bekanntlich für jede absichtliche körperliche Ansassung, für jeden Schlag und Stoß gerichtliche Ahndung, und sowie der Begriff der Mißhandlung festgestellt ist, muß der Aorsall gerichtliche Behandlung erfahren. Ter Vorgesetzte, der in einer ihm gemeldeten Mißhandlung nicht die nöthigen Schritte thut, damit die Angelegenheit gerichtlich untersucht werde, ladet auf alle Fälle ein hohes Maß von Verantwortung auf seine Schulter», was für ihn die verhäng- nißvollslen Folgen haben könnte. Wir kennen Fälle, wo Vor- gesetzte, die eine Mißhandlung disziplinarisch, nicht aber gerichtlich behandelt hatte», wie es erjorderlich war, de» Abschied erhalten haben. So giebt es beispielsweise Regimenter, in denen es verboten ist, daß die Unteroffiziere beim Kominandire» den Säbel ziehen oder beim Reitunterricht die Peitsche ge- brauchen, weil man von der Ansicht ausgeht, daß sich der Vor- gesetzte in der Erregung zu einer Mißhandlung des Unter- gebenen hinreißen lassen könnte. ES ist leider nur zu richtig, daß die Militärgerichte oft zu recht merkwürdigen Er- gebnissc» in Fällen von Toldateumißhandluugen kouimcn und daß die Vorgesetzte»« manches vertuschen, was nach Lage der Sache gerichtlich behandelt»verde» sollte; doch diese Fälle sind in Wirklichkeit nicht so häufig, wie man vielfach annimmt, und das Vertuschen steht heute nicht mehr in der Blüthe, wie in vergangenen Tagen. In ganz Deutschland müssen die Regimenter jedes Jahr Verzeichnisse über Miß- Handlung Untergebener beim Kriegsministeriuin einreichen,>vo diese auf das eingehendste geprüir werden, und die Slrasbiicher der Kompagnien u. s. w. bezüglich der angemessenen Strafe »Verden sehr gelvissenhast konlrollirt. Fälle, die nicht klar liegen, müssen in» übrigen durch eingehende Berichte Er- läuterung erfahren. In militärischen Kreisen aber bricht sich immer»nehr und mehr die Ueberzeugung Bahn, daß unser Heer die öffentliche Gerichtsbarkeit nicht zu scheuen brauchte und daß sie nur segensreicher»virken könnte." Was nützen die schönen Redensarten des Beschwichtigungshofraths, der übrigens eine Reihe bemerkeusiverther Zugeständnisse macht, gegenüber der erdrückenden Wucht der Thatsachcn? Wir verweisen nur auf die bayerische Mißhandluugs- Statistik, die ivir gestern veröffentlicht haben. Was bei amtlichen Uütersuchuugeu, wo dem klassischen Zeugen, dem Tobten, für immer der Mund ge- schlössen ist, herauskommt? Das„Berliner Tageblatt", das wir weiterhin zitiren, giebt daraus eine nicht uuzu- treffende Antlvort. Tie Verlegcnheitsphrase am Schluß nimmt uiemaud ernst, der weiß, w i e die Machthaber sich gegen eilte Reform der Militärgerichtsbarkeit und des Be- schiverdeweseus sperren. Daß der„Vorwärts" auch im Falle Schröder den Militarismus m seines Wesens Nacktheit entlarven konnte, wird, so hoffen ivir, dazu beitragen, die Frage der Reform immer volksthümlicher zu machen. Bis die Reaktion nachgiebt... Der„Reichsbote" veröffentlicht eine Zuschrift, die den geniißhandelten Soldaten„Hartnäckigkeit beim Be- schiverdeführcn" empfiehlt. Es heißt darin u. a.: „Man zeige nur Behorrlichleil, und die Beschwerde wird durchdringen. Ist man feige, so ivird der der Mißhandlung Schuldige natürlich seine Nnthalen nicht einstellen. Hingegen dem hartnäckigen Beschwerdeführer,»venu er sonst bestrebt ist. seine dienstlichen Pflichten zu erfüllen, kommt man schließlich bald»nit Abbitten und dergleichen. 1874»var es in, Heere, obschon der damalige Kaiser Wilhelm die Soldatenmißhand- lungen strengstens verurtheilte. bei Ivetten» nicht so günstig uin die Beschwerdeführung bestellt wie heute. Trotzdem kam der Soldat zu seinem Rechte, wenn er sich nicht zu feige zeigte; trotzdem gab es verhältnißmäßig iveniger Selbstmorde in der Armee als heutzutage. Beharrlichkeit führt zum Ziel; dasiir ein Beispiel von 1S7V: Bei der Batterie,>vo Schreiber dieses stand, wüthete sozusagen ein Sergeant, der den Futter- »iieisterposten hatte.„Himmelhund" ,var sein gelindestes Echimpswort, einen Mann die schlüpfrige Stallgasse auf- und abjagen, bis er stürzte, seine kleinste Strafe. Aber er verstand es, durch außerordentliche Manipulationen in der Pflege des Lederzeuges, durch krachendes t-porenzusammen- schlagen u. s. ,v. vor allen anderen Unteroffizieren die Gunst des Batteriechefs zu erwerben. Selbst der Umstand, daß er Schulden machte und sogar seine Untergebenen anpumpte, wurde ihm nickt»achlheilig, zumal er den Hauptmann zum Gönner hatte. Da kam er eines Tages mit einer sonst aar nicht bei ihm üblichen geringfügigen Mißhandlung, einem Backenstreich, den er einein Kanonier versetzte, an den Unrechten— oder besser an den Rechten. Dieser erstaltete vorschriftsmäßig Mel- dung beim Geschützführer und beim Wachtmeister. Beide riethen dem Beschwerdeführer ab und sagten ihm, er bereite sich nur schlechte Tage. Der Futtermeister, dem von der Meldung Mit- theilung geworden war, trat im Dienst an den Kanonier heran, trat ihm auf die Zehenspitzen und sagte:„Sie wollen mich melden? Das»verde ich Ihnen verleiden. Ich nehme Sie hoch, daß Sie von selbst in die Spree gehen. In Posen, wo ich früher diente, habe ich so'»»en Burschen so weit gebracht, daß er sich ohne Hilse ersäuft hat!" Dennoch verfolgte der Kanonier den Beschwerde- weg. Als er zum Hauptmann kam und den Sergeanten meldete, hörte dieser zwar mit unwilliger Miene zu, sagte dann zum Kanonier:„Also Sie haben sich überlegt,»vas daraus entstehen kann?" Der Kanonier antwortete:„Herr Hauptmann, ich müßte doch«in ganz feiger Kerl sein, wen» ich mich widerrechtlich schlagen ließe." Und:„Gut, ich nehme Ihre Meldung an. Das weitere folgt," lautete die Gegen- äußerung des Hauptmanns. Bier Wochen später saß der Sergeant auf 14 Tage in Arrest. Dann folgten andere Be- schwerden über denselben. Und binnen Jahresfrist war der Sergeant gänzlich entlassen. Dem Kanonier hatte seinerzeit der Abtheilungskommandeur während des Verfahre»»» Versetzung in eine andere Batterie angeboten, doch er hat sie ab- gelehnt, und nie ist ihm wieder ein Haar gekrümmt worden. Darum nicht feige, wer Anlaß zur Beschwerde hat. Nur muchig gemeldet! Dann wird den Soldatenschinder n am ehesten das Handiverk gelegt werden." Gerade die Schilderung des„Reichsboten" zeigt, wie schwer es dem Gequälten wird, Abhilfe zu finden, so daß derartige Vorkommnisse getrost als Ausnahmen zu be- zeichnen sind. Wie Schröder, so fürchten sich Hunderte vor de» Fährnissen eines Beschwerde„rechts", wo für den Ge- mißhandelten Schritt auf Schritt Selbstschüsse und Fußangeln gelegt sind. Das„Berliner Tageblatt' schreibt: „Der Fall des durch Selbstmord aus dein Leben geschiede- neu Gardisten Schröder ist so recht geeignet, die Aufmerksam- keit des Volkes»vieder einmal auf die großen Mängel des Strafverfahrens und des Beschwerderechts beim Militär hin- zulenkcm Die tiefe Abiieigung gegen den Militarismus, von der weite Kreise des Volkes erfüllt sind, hat ihre Hauptursache in dem Mißtrauen, welches ihnen das beutige Strafverfahren bei der Armee einflößt, und dieses Mißtrauen wird durch die Mililärverwaltung, fast möchte man sage», künstlich genährt»md großgezogen. Man stelle sich nur einmal vor, wie der Gang der Dinge in der hier in Frage kommenden Angelegenheit sein wird, die schon viel böses Blut gemacht hat. Es wird eine Untersuchung unter sorgfältigstem Ausschluß der Oeffentlichkeit veranstaltet werden: dann»vird voraussichtlich irgendwo eine Erklärung erlassen werden, daß der velbstmoro des Schröder»nit angeblich erlittenen Miß- Handlungen und Quälereien in keine!» Zusammenhang stehe. Diejenigen, für welche eine solche Versicherung ganz überflüssig war, weil sie überzeugt sind, daß bei unserer Armee alles untadelig bestellt ist, werden darüber hoch befriedigt sein; auf alle anderen»vird die Versicherung nur sehr wenig oder gar leinen Eindruck machen."— Der Zollkrieg. In der„Kölnischen Zeitung", dem Blatte der Millionäre, der Grubeuherren und Eisenbarone, liest man in einer Beleuchtung über den Zollkrieg»nit Rußland:„Kurz, wir können'S und wüssen's aushalten. Unser Gegner drüben hat freilich einige Vortheile vor uns voraus." Die reichen Auftraggeber der„Kölnischen Ztg." können den Zollkrieg freilich aushalten, da sie auf Kosten des werklhätigen Volkes einen„Entbehrungslohn" auf- geschätzt haben, der sie vor der Aushungerung schützt. Der- weil mögen die breiten Massen des Volkes darben und leiden,„»vir könilen's und müssen's auLhalte»»." Der Bieu' muß.— Ter Gesetzentwurf über das Lluswanderungs- Wesen soll dem Reichstage wieder vorgelegt werden. Im vorigen Reichstage ist er nicht mehr berathen worden.— Tie Tabakfabrikatsteuer. Als im Jahre 1879, so schreibt der„Berliner Ätorgenzeitung" ein Sachverständiger, die Steuer und der Zoll auf Tabak um 41 resp. 61 M. pro 100 Kgr. erhöht wurde», ging der Verbrauch von 1,8 Kgr, pro Kopf auf 1.4 Kgr., also um 22 pCt. zurück und hat sich von diesem Rückgallg noch nicht erholt, da er jetzt nur 1.5 Kgr. pro Kopf beträgt. Da»nan diesmal eine viel bedeutendere Steigerung der Belastung beabsichtigt, so wird der Rückgang im Verbrauch noch viel größer sein, uild die Mehreinnahme der Staatskasse aus der neuen Steuer»vird deshalb»veit hinter den Erivartimgen zurückbleibe»». Außer- den» aber muß»nan mit einein sehr bedeutenden Rück- gang der Arbeiterzahl rechnen. Er»vird that- sächlich größer sein, als den» Rückgang im Verbrauch eut- spricht, da mit der starken Vertheuerung des Fabrikats«rnch eine Verschiebung im Verbrauch in der Weise eintreten wird, daß cm stelle der billigen Zigarren»vieder die Pfeife tritt. Da nun aber die Herstellung der Zigarren bedeutend»»»ehr?lr- bester erfordert, als die des Pfeifentabaks, so»vird man nicht zu niedrig greife»», wein» man annimmt, daß von den in der Tabakilidustrie beschäftigten Personen rund 60 000 arbeitslos werden. Dazu konimcn die durch den verplindertei» Ge- schästSbetrieb überflüssig»verdeudeu kaufmännischen Augestellten. Das giebt eine bedeutende Abnahme an stener» zahlenden Bürgern; rechnet»iian dazu den Ausfall an Steuerkraft der in ihrem Eriverb geschädigten Fabrikanteil und Tetailbändler, so»vird dies zusammen eii»e ganz bc- trächtliche Summe ausmache»»,»velche man von dem Er- trägniß der Tabaksteuer in Abrechnilng bringen inuß, wem» man die reine Mehreinnahme der Staatskaffe fiilden will. Wir ziveiseln, ob alsdami genug übrig bleibt,»in» die De- zimirung einer blüheilden Industrie,»velche IV,— iVt Mill. Menschen ihren Lebensunterhalt giebt, zu rechtfertigen.— Tie Vcgeisternug für die Ferieilkoloniell. Aus Bonn meldet die„Frankfurter Zeitung": Nicht ohne einen geiviffen Heroismus, aber in unglai»blich dummer Weise liattc ein Tagelöhner aus Endeuich versucht, durch S e l b st v e r st ü m m e l u n g sich der drohenden Aus- Hebung zun» M i l i t ä r d» e u st e zu entziehen. Kurz vor der militärischen Gestellimg nahm er ein Beil und hieb s ü n f»n a l auf den Zeigefinger der linken Hano ein. Ter Knochen»vurde dreimal durchschlagen und das Glied mußte amputirt werden. Da ein Unglücksfall völlig ausgeschlossen war, wurde der Bursche alsbald in Haft ge- nommen. In der heutigen Strafkammer wurde gegen ihn auf iVs Jahr Gefängniß erkannt.— Wegen Soldatenmifzhandkttngcn ist der Würz- k> u r g e r Sekonde-Lieutenaut Ties in Untersuchung ge- zogen worden. Unser wackeres Bruderblatt, die„Unter- fränkische Volkstribüne", hatte den schlagfertigen Lieutenant öfsenllich gebrandmarkt.— Tie Kriegsmarine. Die„Kölnische Volkszeitung" Meldet, daß der preußische Fiuanzminister Miquel bei seiner Steuerreform vierzig Millionen Mark über das gegenwärtig vorliegende Bedürfnis hinaus verlange; und zwar geschehe dies, weil eine starke Vermehrung der Marine beabsichtigt werde. Die Marine soll so„stark" gemacht werden, daß sie die Ostsee beherrschen und auf der Nordsee die Offensive gegen die französischen Schiffe ergreisen könne. Freut Euch, Steuerzahler!— Eine vollständige Umgestaltung des Jrrentvesens soll nach der„Vossischen Zeitung" von Rcichswegen erfolgen, und zwar soll vor allem bestimmt werden, daß auf jeden Fall eine Vernehmung der angeblichen Geisteskranken vor der Entmündigung zu erfolgen habe, damit sich der Richter unter der Beihilfe gerichtlicher Sachverständigen auch auf grund eigener Wahrnehmungen ein Urtheil bilden könne. Ferner soll das Rechtsmittel der Revision im Entmündignngs- verfahren«ingeführt- werden.— Ter Hitzschlag. Es wird immer schöner unter der Fuchtel des kriegerischen Drills. Aus U l m meldet die „Frankfurter Zeitung" unterm 21. August: Aus dem Manövergelände des 12. b a y e r i s ch e n I n s a n t e r i e- Regiments traf in dessen Garnison Neu-Ulm die Nachricht ein, L5 Mann seien am Sonnabend vom Hitzschlag betroffen, drei an dessen Folgen g e- starben.— Ter Zerfall der konservativen Parteien vollzieht sich in Teutschland mit einer Promptheit, die bei ihrer Gleichförmigkeit langweilig wäre, wenn man sich nicht darob freuen müßte. Es ist eine einfache Spaltung wie bei den Spaltpilzen, eine Spaltung in eine aristokratische und in eine demokratische Hälfte. Beim Zentrum und der kon- servativen Partei pur oxcelleaco vollzieht sich der Prozeß seit Jahresfrist. Und jetzt geht er auch bei der verwandten Polenpartei vor sich, die sich plötzlich, gleich dem Biola- scheu Komet in zwei Parteien gethcilt hat— eine Re� gicrnngspartei und eine„Volkspartci". So wühlt in den Stützen des Throns und Altars der demokratische Tobten- wurm.— Eine Professur sdes Antisemitismus fordert die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung".„Eine Professur," so schreibt sie,„d. h. eme unbefangene und sachkundige, im Geiste der Wissenschaft durchgeführte Unter- suchung". Daß unsere Turchschnittsprofessoren, die vom Freihandel zum Hochschutzzoll, vom Hochschutzzoll zur Handelsvertrags-Politik im Handumdrehen sich bekehren. die nach des Gneist von Schierstädt Muster alles beweisen, die heute mit dem Sozialismus kokettiren um morgen die Verschickung der Sozialdemokraten nach Kamerun zu empfehlen, dazu berufen seien, eine soziale Streitfrage un- befangen und sachkundig zu erforschen, das ist eine Gut- deckung, würdig des Blattes, das Livree und Gesinnung mit jedem Kauzlerwcchscl tauscht. Die famose Professur sei, so führt die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" aus, um zu untersuchen für's Eine„die Zerreibung des Mittelstandes", fürs andere„die wirthschaflliche Konkurrenz der Fremden oder aber nicht vollständig Afsimilirten in den Kulturländern, deren soziale und politische Folgen." Weshalb Herr Schmoller, so fragt die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", nichts Derartiges schaffe? Weil, so antwortet sie, die Professoren„Lehrer" sind und in dieser Eigenschaft Zuhörer brauchen, die„lernen wollen". Ein unbefangener Sozialpolitiker ist sachkundig genug, um auf die Fragen der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" tief- grüudige Auskunft zu erthcilen. Die Fragen sind vom demokratischen Sozialismus bereits beanlivortet. Aber was die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" braucht, das können wir ihr freilich nicht liefern, eine Hofausgabc des Antisemitismus iu usum äolxbini zur Unter- Weisung der Herrschenden. Oben verschnupft der rasche Fortschritt des Anti- semilismus, der die Junkcrschaft aus ihren ältesten Wahl- kreisen ohne Gnade abmeiert, der den verzweifelnden Klein- bauer und Kleinmeister unter seine Fahne ruft. Oben ver- schnupft auch der auffällige Aufschwung des Gcldjudenthums, dieser Blüthe des Kapitalismus. Auf den Grund der Er- scheinungen gehen, hieße den Zerfall der bürgerlichen Gesell- fchaft feststellen. Eine Salonphilosopbie, die im Stande wäre, das Problem nicht ctiva zu erfassen, sondern zu ver- wässern, böte Trost und Scheingründe. Weshalb ist die„Nvrddeulsche Allgemeine Zeitung" so verzweifelt? Möge sie ruhig sein! Ihre Preisfragen wird der Professor vulgsris mit ergebener Verbeugung freudig bcanlworlen. Sie versuche es nur. Süß ist's für das Vaterland Geheimer Regierungsrath zu werden.— Ter ähnliche Käfer. Von der Einfuhr nieder- ländischer Kartoffeln ist, so schreibt man dem„Vorwärts" aus A m st e r d a m, jüngst in Teulschlaudvon Amtswegen ge- warnt wordeil und zwar deshalb, weil in der Gemeinde Ambt-Delden sich auf dem Kartoffelkraut ein Insekt gezeigt habe, das„viel Aehnlichkeit mit dem Koloradokäfer" habe. Don diesem Thicrchen hat der Bürgermeister von Ambt- Teldcn dem Minister einige Exemplare geschickt und darauf sofort die Antwort erhalten, daß die eingesandten Insekten nichts anderes seien, als das gewöhnliche„Lievenhecrsbcestje", d. h. Herrgottskäferchen. Tie deutschen Junker, denen die holländische Kartosfeleinfuhr ein Dorn im Auge ist, werden an der Verwechselung des harmlosen Käferchens mit dem bösartiaen Kartoffclseind aus Kolorado ihre helle Freude gehabt haben.— Die internationale Arbeitermetzele! in Süd- f rankreich wird, wie wir gestern schon andeuteten, von den italienischen und deutschen Chauvinisten nach Kräften ausgenützt, um böses Blut zwischen Frankreich und Italien zu erzeugen. Die französischen Chauvinisten, die bisher durch die Wahlen an der Hetzarbcit gehindert waren, werden, so- bald sie die Hände frei haben, gewiß nicht ermangeln, ihren deutschen und itallemschen Kollegen kräftigen Beistand zu leisten. Hoffentlich ist bis dahin aber schon jede Möglich- keit chauvinistischer Ausnutzung beseitigt. Unsere Ansicht über die traurigen Vorgänge haben wir schon ausgesprochen. Die Schuld trägt die Profitwuth des Kapitalismus, der trotz aller„nationalen" Phrasen die vorhandenen einheimischen Arbeitskräfte aufs Pflaster wirft, sobald er fremde um ein paar Pfennige billiger haben kann. Daß die zum Hunger- tod Verurtheilten sich das nicht gefallen lassen, ist natürlich; daß sie ihren Zorn an den Konkurrenten auslassen, die, gleich ihnen, nur Opfer des Kapitalismus sind, zeugt von mangelhafter sozialpolitischer Bildung. S o z i a l i st i s ch e Arbeiter hätten nie so gehandelt, wie die Arbeiter von Aignes- Morles gehandelt haben. Sie hätten dieselbe Taktik befolgt, die unsere deutschen Arbeiter den polnischen, böh- in i s ch e n ze. Konkurrenten gegenüber befolgen: sie hätten sie a u s g e k l ä r t und in die Organisation hineingezogen. Man wird sich erinnern, daß ini vorigen Winter ähnliche Reibungen zwischen französischen und belgischen Arbeitern stattfanden. Diese Vorkommnisse in Frankreich sind aber Kleinigkeiten verglichen mit dem Ausrottungskrieg, den die amerikanischen Arbeiter den imporlirten Chinesen gegenüber viele Jahre lang geführt haben, bis die Gesetzgebung sich ins Mittel legen mußte. Zur Verhütung solcher Gräuel giebt es nur ein Mittel: Die internationale Organisation der Arbeiter zum Sturze des Kapitalis, in u s.— Nach den neusten telegraphischen Nachrichten thut die französische Regierung ihr möglichstes, um die j u r i st i s ch e n Urheber und Schuldigen der Metzeleien von Aigues Morles zu ermitteln, und den Opfern oder wenigstens deren Hinter- bliebenen Sühne und Gcnugthuung zu verschaffen. Die moralischen Schuldigen sind für die Bourgeoisjustiz unerreichbar, weil sie unter dem Schutz der Bourgeoisgesetze stehen.— Die französische» Wahlen haben eine starke Re- gierungsmajorität ergeben— das heißt eine augenblickliche Majorität für das Ministerium Dupuy, das die Wahlen geleitet hat. Wie lange die Majorität vorhalten wird, das ist freilich eine andere Frage, denn die neue Majorität ist, wenn auch zahlreicher, doch wesentlich dieselbe, welche in der vorigen Kammer seit dem Auftauchen des Panamaskandals ein Ministerium nach dem anderen gestürzt hat. Die Bon- langisten, Antisemiten und Monarchisten sind fast ganz verschwunden— was als ein großer Fortschritt bezeichnet werden könnte, wenn die republikanische Majorität nicht so ziemlich alle Laster jener Parteisragmente, wenn auch in abgeschwächter Form, in sich enthielte. Die Sozialisten haben verhältnlßmäßig nur wenig Erfolg gehabt. Bis jetzt sind nur neun gewählt und ungefähr eben so viel sind in der Stichwahl. Diese Zahlen sind jedoch mit Vorsicht aus- zunehmen, denn mir dem Wort„Sozialist" wird in Frank- reich eben so melMißbrauch getrieben wie mit dem Wort„revo- lutionär". Lafargue ist nach einer Meldung in der Stichwahl, nach einer anderen durchgefallen. Vaillant ist in der Stichwahl; Milleraud gewählt. Die Nachrichten sind noch sehr unvoll- ständig. Zweifellos haben die sozialistischen Stimmen bedeutend zugenommen, wie von der Presse aller Parteien anerkannt wird, das ändert jedoch nichts an der Tyatsache, daß die sozialistische Bewegung der Massen sich nicht so stark gezeigt hat, als die französischen Sozialisten erhofft hatten. Den bisherigen Vertretern des revolutionären So- zialismus iu der Kammer ist es offenbar nicht gelungen, durch ihre Thätigkcil das Vorurtheil zu beseitigen, welches im einem großen Thcil der französischen Arbeiterbevölkerung noch gegen die parlamentarische'Aktion vorhanden ist. Die Benutzung des G e m e i n d e w a h l r e ch t s scheint sich auch heute noch größerer Popularität zu erfreuen, als die Be- nntznng des' Wahlrechts für den gesetzgebenden Körper— eine Verirruug, die wir bedauern, die wir aber, angesichts der Geschichte Frankreichs in dem letzten Jahrhundert, sehr wohl begreifen.— Spitzel und Anarchist. Vorigen März wurde in Paris ein Spitzbube Namens Panigol verhaftet, als er gerade im Begriff war einen Laden auszuräumen. Panigol konnte nicht leugnen, allein er hatte Grund zu glauben, daß sein Kamerad Chenal, einer der eifrigsten Anarchisten Frankreichs, ihn vcrrathen habe. Und er demmzirte Ehenal, durch den er zur That angestiftet worden sei. lind siehe da, es stimmte. Chenal war nicht nur eifriger Anarchist im Stile Ravachol's sondern auch Lockspitzel un regulären Polizeidicnst und veranstaltete geschäftsmäßig Verschwörungen und Einbrüche. Am Sonnabend stand er mit dem ebenfalls anarchistisch angehauchten Panigol vor Gericht. Er hielt eine große anarchistische Rede, allein leugnen konnte er ebensowenig wie sein verrathcner Kamerad. Die Polizei konnte ihn nicht von ihren Rockschößen abschütteln. Und so verurtheilte denn das Schwurgericht ihn zu 8 Jahren Zwangsarbeit, während Panogol mit 3 Jahren Gefängniß davonkam. Das Urtheil richtet sich auch gegen die Polizei, deren Verfabreu von dem Präsidenten des Gerichts aufs rücksichtsloseste gcbrandmarkt ward. Natürlich ohne Erfolg. Die Herren Lockspitzel werden nach wie vor die modische Anarchcn-Unisorm tragen, welche für Gimpel einstweilen die meiste Anziehungskraft hat.— Uebcr die englische» Sozialisten schreibt ein kapitalistischer Klügmeier; „Die englischen Sozialdemokraten sind weit schlechtere Theoretiker als beispielsweise die dentschen, praktisch aber sind, wie überhaupt jeder Engländer, anch die englischen Sozialdemokraten und in dieser Beziehung ihren Genossen auf dem europäischen Kontinent iveit überlegen. Sie haben daher auch, wie es scheint, die Wahrheit begrisfeu, da» nur langsam und vorsichtig ausgesührle wirthschaslliche Veränderungen und nicht legislaiive Revolutionen sie ihrem Ideale näher dringei» können. Sie werden mit der Zeit herausfinden, was für nalürliche Schranken der Ans- sührnng der von ihnen beabsichtigten großen Veränderungen im Wege stehen., Die deutschen und holländischen Sozialdemokraten stimmen unlereinander darin überein. daß politische Macht erworben werden milsse, um eine vollständige wirthschastliche Emanzipation ins Leben zu rufen. Indem sie das glaube», spannen sie— wie das Sprichwort sagt— da» Pferd hinter den Wagen. In dieser Welt giebt es kenie politische Macht, die im stände wäre, das zu be- werkstelligen. Politische Bewegungen sind nicht die Ursache, sondern nur das sichlbare Anzeichen und der Ausdruck wirtb- schastlicher Bewegungen. Wollen die Sozialisten wirklich elwas Gutes vollbringen, so müssen sie sich bequemen, zuerst die bescheidenen Verhältnisse des täglichen Lebens verstehen zu lernen, und sich nicht mit vagen Theorien beschästigen. Je niehr Kapital es in der Welt giebt, desto besser ist es für jeden, und je mehr dem Wachsthnm desselben Hindernisse in den Weg gelegt werden, desto schlimmer ist es ganz besonders für den Arbeiter. Der Sozialresormer sollte dahin streben, aus Jenen Kapitalisten zu machen, die heute nichts haben, und er kann dieS nur thun.in- dem er das Privateigenthum für Jeden sicher macht und indem er lehrt, daß derFleiß.die Tüchtigkeit. Arbeitsamkeit und Nüchternheit zur Erwerbung v o n K a p i t a l führen. Tie eng- tischen Sozialdemokraten haben dies eingesehen oder sind doch auf dem besten Wege dazu." Nun— ganz„unpraktisch" sind die deutschen Sozial- demokraten doch auch nicht, die unser Pfifsikns sonderbarer- weise mit den Holländern zusammenkoppelt. Freilich s o praktisch sind sie nicht, daß sie es für möglich hielten, ans „alle», die heute nichts haben, Kapitalisten zu machen". Wenn das möglich wäre, dann wäre die soziale Frage längst gelöst, und es gäbe keine Sozialdemokraten.— Rußland. Das Depeschenbureau Herold meldet aus Petersburg: Tie Regierung entsandte Beauftragte nach Oestereich, Italien und Frankreich mit dem Auftrage, in diesen Staaten Handelsbeziehungen anzuknüpfen, damit russisches Getreide mit Umgehung der deutschen Grenze aus- geführt werden könne.— Pnflcimuftftdifeu. Aus Havelbcrq wird uns berichtet: Am letzten Sonntag ertrank hier beim Baden her Genosse Gustav Felsche in dem blühenden Alter von 21 Jahren. Trotz seiner jungen Jahre war der Verstorbene ein treuer und befähigler Anhänger unserer Partei, der mit dem ganzen Feuer seiner Jugend für unsere Ziele und Ideale eintrat. Da ihm noch seine Militärzcit bevor- stand, konnte er nur im Stillen wirken, die Genossen mrseres Kreises wußten aber, daß sie in ihm für spätere Zeiten«inen talentvollen und aufopferungsfähigen Vorkämpfer haben würden. Die Genossen in Hamburg, Altona und Ottensen, wo sich der Verunglückte von seinem 16.— 21. Jahre aushielt, wissen von seinem Eifer und seiner unermüdlichen Thatkrast, wo es sich uni unsere Sache handelte, gewiß zu erzählen. Der so jäh aus dem Leben Geschiedene hinterläßt eine alle Mutter in den dürftigsten Verhältnissen. Wir Genossen aus Havelberg werden unserem wackeren Freunde stets ein ehrendes Andenken bewahren. Der Bettelparaaraph. Die Lorbeeren, die die preußische und sächsische Polizei im Kampf gegen die Stärkung der sozial- demokratischen Parteifinanzen errungen haben, wecken zur Zeit die Polizei des Großherzogthums Hessen zu reger Nacheiferung. So schreibt unser Mainzer Parteiblatt: Ter§ 99 des Strafgesetzbuchs, der sogenannte Bettel- oder Kollckte-Paragraph, hat in den letzten Jahren eine nicht unbedeutende Rolle gespielt und es ist speziell gegen Sozialdemokraten eine Interpretation beliebt worden, die manchen zum Kopfschütteln veranlaßte. In unserem Großherzogthum wurde nach verschiedener Praxis verfahren. Im Falle Kirchmann hat das Oberlandes-Gericht das un- erlaubte Sammeln in einer Versammlung als eine straf- bare Kollekte bezeichnet. Nach einem solchen Urtheil liegt es auf der Hand, daß man solche Sammlungen unterläßt. Die Polizei scheint jedoch die Absicht zu haben, uns die Adern vollständig zu unterbinden, denn in einer Wähler- Versammlung in Bischojsheiin sahen die Besucher von einer Kollekte ab, gründeten auf grund des Z 17 des Wahlgesetzes einen Wahlverein und erhoben von jedem, der beitrat, sogleich 16 Psg. Auch das fand in de» Augen der Polizei keine Guade, und es wurden zwei Vischossheuner Genossen und der Landtags- Abgeordnete Philipp Müller wegen Vergehen ivider den Z 09 des Polizei-Strafgesetzbuchs mit je einein Strafmandat in Höhe von 30 M. überrascht. Es ist selbstverständlich gegen diese Ver- sügung das ordentliche Gericht angerufen und sind wir gespannt. wie hier die Entscheidung ausfällt. Wie leicht daS Ehristenthum von heutzutage in Gefcchr gerathen kann, das sollten kürzlich die Mitglieder des„Arbeiter- vercins für Falkenstein und Umgegend" erfahren. Diese hasten beschlossen, ihrem verstorbenen Vorsteher Ernst Taubner eine Widmung an seinem Grabsteine anbringen zu lassen, die, von Hans Ktziuzel verfaßt, folgenden Wortlaut hat: In voller Lebenskraft bist Du gefallen, mitten im Kanipfe sür Deine Brüder! Hab Dank, thenrer Freund! Wenn einst das Morgenroth der Befreiung aufsteigt, wird auch Dein Bild uns entgegenleuchten l D. A.-V. Herr Pastor Schneider weigert sich nun, diese Inschrift an- bringen zu laffen. Unsere Genossen Kaden ihn aber schriftlich aufgefordert, die Anbringung der Grabschrist zuzulassen, andernfalls sie die Angelegenheit bis zur höchsten Instanz treiben würden. «•„ Polizeiliches, Gerichtliches te. — Bei der im 6. schleswig-holsteinische» Wahlkreis statt- gefundenen Reichslags-Siichwahl wurden die Genossen, welche »i E l l e r h o p der Wahlhandlung beiwohnen wollten, trotzdem sie Legiliniationen bei sich führten, in der gröblichsten Weise von, dortigen Wahlvorstand hinausbefördert. Den Genossen wurde vielfach ins Gesicht geschleudert, die Papiere könnte» gesunden oder geliehen sein. Wegen dieser Handlungsweise des Wahl- vorstände» wurde bei der königliche»-Ätaatsanivallschaft in Alloua strafrechtliche Verfolgung beantragt, Folgender Bescheid wurde den Belheiligten von der Staajsanwallschast zu Theil: Altona, 7. August 189». Auf Ihre Anzeige vom 6. Juni d. F. wird Ihnen eröffnet, daß ich nach stattgehabten Ermittelungen des Verfahren gegen die Mitglieder des Wahlvorstandes zu Ellerhop eiiigestellt habe. Es mag dabingestellc bleiben, ob die von Ihnen Beschuldigten sich eiiies Mipbrauchs der Amtsgewalt, Vergehens gegen 8 339 des Str.-G.-B., insofern schuldig gemacht haben, als Sic sich als Wahlberechtigter hinlänglich legiiimirt hatten, den Ausenthalt im Wahllokal zu untersagen, denn zur Erfüllung des ThatbestandeS des ß 339 des Str.-G.-B. ist serner dag Bewußtsein des Thäters erforderlich, daß er einen Mißbrauch der Amtsgewalt begehe und daü er zu der gewollte» Nöthignng im vorliegenden Falle nicht das Recht habe. Der Beweis nun, daß den Beschuldigten dieses Bewußtsein beiwohnte, ist nach Lage der Sache nicht zu erbringt». Uebrigens habe ich die Sache dein Herrn königlichen Landräth zu Pinneberg, als oberster Verwaltungsbehörde, zur ikenntNiß- nähme und eventuellen weiteren Veranlassung mitgethcilt. Der Erste Staatsanwalt. Uhde. An den Schneidermeister H. Prenß zu Pinneberg. Gegen dieses Schrisistück ist Beschwerde bei der Ober-Staats- auwaltschast eingereicht worden. DriefKaskett vor Vedaliktan. O. H., Kastliiuruatter. Kommen Sie gefälligst dieser Tage Vormittags von II bis 12 Uhr oder Nachmittags von ö bis 6 Uhr auf die Redaktion. Apotheker Vogel in Charlottcnburg. Haben Sic die Güte. mich morgen oder übermorgen zwischen 10 und 11 Uhr in meiner Wohnung zu besuchen. W. L. H. R., Rummelsburg. Von Ihrer Einsendung ist uns nichts bekannt. Wiederholm Sie dieselbe oder kommen Sie aus die Redaktion. Für den Inhalt der Inserate über- nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Mittwoch, den 24. August. KroU's Theater. La Traviata. Lesstng- Theater. Menschen. Lriedrich-Wilhelmstädt.Theater. Nanon. Adolph Ernst-Theater. Goldlotte. HiKtoria-Theater. Frau Venus. Aleranderplatz- Theater. Das Damenbad. Vorher: Madame Farkas, oder: Meine Tante, deine Tante. National- Theater. Lehmann auf der Weltausstellung in Chicago. Apollo- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Kaufmann's N arists. Spezialitäten- Vorstellung. NstM'TMr. Große Frankfurterstraße 132. Gastspiel der badischen Kammer- sängerin Frl. Adolphine Grimminger. Sensationelle Novität! Lehmann auf der Weltaus- stellung in Chicago. Große Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in ö Aufzügen von E u g e n P r u d e n s. Kouplets v. L i n d e r e r. Musik von Adolph Wie decke. Regie: Max Samst. Kassenöffnung b'/e Uhr.— Anfang der Abend-Vorstellung 7l/z Uhr. Im Garten auf der Sommerbühne: Novität: Virllliches Wasser! Wirklicher Begen! Berlin unter Wasser oder:„Kneipp'» Masferkur". Posse mit Gesang und Tanz in 2 Akten von Mylius. Regie: Hugo H u m ni e l. Musik von Meyer. Vorher: Novität! CK» n s onetten» Liebe. Pofse mit Gesang in 1 Akt von Eugen Prudens. Regie: Fritz Schäfer. Vor, nach und zwischen den Possen. Austreten von Spezialitäten 1. Ranges. Neue» Programm. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Adolph Ernst- Theater. Zum 67. Male: Goldlotte. Gesangsposse in 8 Akten v. Bd..Jacobson u. W. Mannstädt. Kouplets theilweise von G. Görss. Musik von W. Steffens. In Szene gesetzt von Adolph Brnsf. Ans. 71/, Uhr. Fautruit 3,50 M. NM- Der Sommergarten ist geöffnet. Morgen; Dieselbe Vorstellung. Castan's Fanopticum. Riesen Sehlangen- Familie aus Carl Hagenbeck's Thierpark. Ohne Extra-Entree. Passage- Panopticnm. Grösstes Scban-n.Tergntignngs- Btablissement der Welt. Eutrer 50 Pf. Schweizer Garten Am Königsthor. Am Friedrichshain. Mittwoch: Familirn- nni) Mersch verbunden mit Vräfrntvrrtheiluug. Große Fackel-Polonaise und Kinder- belustigungen. Gr.Extta-Vorstellung. Mm 30 Ps. Ä: KaU. Mctorik-Brtlilerei, snWi3.fte Garten refp. Saal Azlich 8t«tti»er Sänger Stets wechselndes Programm. Anfang Sonnt. 7 Uhr, WochentSUhr. Entree 50 PI. . Voroerkaus- Villets Sonntags keine Giftigkeit.. völlig!, italtellisedkr Lirells Lrnesto EimseM. Stadtbahn-Station: Zoolog. Garten. Heute, Mittwoch, de» SS. August, Abends 8 Ahr: j Wra-VchMng. Austreten des gesammteu Herren- und Damen-Personals. Krfonder» hervoreuhebe« t Zum 46. Male: Die Erschaffung des Weibes oder: Das Weib im Laufe der Jahrhnnderta Gr. Ausstattungspantomime mit Ballet Zum 17. Male: Die irische Dank, Sprungszene, aus- geführt v. Springpferden 1. Klasse unter Sattel. 506 M. Prämie demjenigen, welcher mit eigenem Pferde die in dieser Pike ausgeführten Sprünge nachmacht. Offene Konkurrenz. Ferner Auftreten der vorzüglichsten Kunstreiter und Kunstreiterinnen, vstdakn-psrlK am Küstriner Platz, Hermann Jmbs. Rüdersdorf ers tr. 71, am Ostbahnhof Täglich: Neu u. sensationell: Little Alfons, der phänomenale Lawinensturzkünstler. The Horas, musikalische Excentrics, 1 Dame, 1 Herr. Tronpe Metzetti, Parterre-Akrob., 2 Herren, 2 Knaben, 1 Mädchen. Bmmv u. Reinhold Hintsche, Gesangs- u. Charakter-Duettisten:c. Volksbelustig. jeder Art. 4 Kegel- bahnen z. Verfügung. Kaffeeküche geöffnet an Wochentagen von 2 bis 6 Uhr, Sonntags von 2—5 Uhr. Moritz- Etablissement OTori� w Buggenhagen. � Täglich: Gr. Garten-Konzert. Gr. Frühstücks- tt. Mittagstisch. Spezial- Ausschank von Patzcnhofer Lagerbier, hell und dunkel. Bei ungünstiger Witterung findet das Konzert in den unteren Restaurations- räumen statt.-WG Entree Wochent. 16 Pf. Sonnt. 25 Pf. Säle für Versammlungen, Kommerse, Festlichkeiten:c. Moabit er kesellsckaflsksus. Alt- Moabit S0 u. 81. Täglich i Theater- ml Spezialitatetl- Vorstellung sowie Concert. Anfang 4 Uhr. Entree 30 Pf., reservirter Platz 50 Pf. 41271-* Helmuth Peters. ratweil'sehe Bierhallen Kommandantenstr.77— 70. Täglich von 5 Uhr ab: Gi-oaaes Frei-Concert. Soireen der Leipziger Sänger vom Krystall-palast. Ans. Wochent. 7'/, Uhr. Entree 15 Pf.. reservirt 25 Pf. Auf. Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf., reservirt 50 Pf. Aneebannt gute KUche. Säle für Festlichkeiten u. Versamml. Programm unentgeltlich. Carl Koch. Neues Club-Hans 72. KmiimhllilttHr. 7L Empfehle meine 4 den p. p. Vereinen u. Gesellschaften zu Festlichkeiten» Commersen, Vrr- sammlunge» etc. 1244d Unserem Muskelkraftbruder Fritz Schröder zu seinem 38. Geburts- tage ein donnerndes Hoch! Na, Fritze, wir bammeln die Labbe in't Weißbierglas.s 1530b Am 21. August entschlief sanft nach schweren Leiden unsere innigst geliebte Mutter und Großmutter Friederike Selchow im 73. Lebensjahre. Die Beerdigung findet statt vom Kranken» haus am Urban am Donnerstag, den 24. August, Nachmittags 4 Uhr, nach dem Kirchhof der Hl. Kreuz-Gemeinde, Mariendorf. 15395 Paul Selchow, Georg Selchow nebst Frau und Kindern. Für die vielen Beweise der Theil- nähme beim Tode meines unvergeß- lichen Gatten, unseres guten Vaters, sowie allen denen, die dem theueren Entschlafenen die letzte Ehre erwiesen, hiermit herzlichsten Dank. 1536b Wwe. Winter nebst Kindern, Pappel-Allee 15/17. Sozillliimskr. Arbeiter-Vereill für Weiheilsee unli UnWeni!. Mittwoch, den LZ. Anggst 1803. _ Abends S'/a Uhr, MW in Abel's Vereinshaus, HMK Eharlottenburgerstr. 150: Lesselltl. VereiHsversailliillmg. Tagesordnung: 1. Vortrag über:„Direkte Gesetz- gebung durch das Volk". Referent: Genosse Wagner-Berlin. 2. Diskussion. Mitglieder werden anfgenommr». Der wichtigen Tagesordnung wegen werden die Genossen aufgefordert, zahl- reich zu erscheinen. 114/3 Der Vorstand. Etablissement I-Ost Inhaber: Carl Ulrich, Waldemarstrasse 75. Jeden Sonntag: Tanzkränschen. Anfang 5 Uhr. Saal für Vereine u. Gewerkschaften zu Versammlungen und jeder Art Fest» lichkeit steht zur Verfügung. 46491-' Einige Sonnaben de find noch frei L. Niett's kestsäle, Wcberstr. 17, empfiehlt sich zur bevorst. Saison den Vereinen zu Festlichkeilen u. Versamm- lungen. Saal gratis u. sonstige koulante Bedingungen._ 34412' Schmieders Festsäle, Alte Jakobstrasse 32, empfehle meine hocheleganten Säle zur Abhaltung jeder Art Festlichkeiten. Wiwe» E. Schmiedel. Buss' Ballsäle, Gr. Frankfurter- straße 85, Sonnabend im Sept. u. Nov. an Vereine z. verg._ 1483b Osang's Restaurant, trautes Familienheim, Berlin 80., Reichenbergerstraße Nr. 47. Allen Genossen von Nah und Fern zu empfehlen. 145öb Vereinszimm. z. vergeb., üb. 30Pers. fassend. Köpnickerstr. 157, Prien. Altes Schützenhaus, Linienstraße 5, empfiehlt seine Festsäle (560 Personen fassend) zu allen Gelegen- hciten. 733b Empfehle den Genossen und Ver- einen meine großartige Saal-Dekoratio», bestehend in Fahnen, Bannern, großer Marx- und Lassalle-Büste von 5 M. an, sowie Ausstellung lebender Bilder. Otts Arendt, Friedrichsbergerstraße 17, 3 Treppen. Kinderwagen Größtes Lager im Norden Berlins. Thcilzahlung gestattet. A. W. Schulz, Srunnenstraste 115, Ecke Rheinsbergerstraße. Musterbücher gratis und franko. Th. Keller's Hofjäger, Hasenhaide, Bergmannstrassen- Ecke. 60/9 Kentc. Mittwoch, den SS. August 1803: Grosses Brnte-Danklest � Grostcs Garten- Concert(Kapellmeister Herr kose) und Marionetten-Ttzeater. Volksbeluft. Fackelzug. Beng. Beleucht. Anf. d. Conc. 4 Ohr. Entree 15 Pf., vorh. 10 Pf., Kinderbill, k 15 Pf. nur a. d. Kasse. Morgen, Donnerstag: Großes Extra-Garten-Eoncert. A. Froelich. Npiip WpU BcrMq-Bmmi, Wchidt. 11CIIC VT die Heute Mittwoch: llS36bj LehtesKmder-Crntefest mt groher kratis-VerlöosNg. Puppentheater, Konbonregeu, Preishlettern und Laufen, Ernte- und Fackelzug. Nachm. ab: Finsferbnsch-Konzert u. Vorstellung. Eutree: Erw. 15 Pf., Kinder 10 Pf., die Mütze, ein Geschenk u. Loos gratis erhalten.— Donnerstag: Doppel-Monstre- und GIoria-Fenerwerk. Welmmm's Nolksgarten, 1538b Badstrasse SS. Heute, Mittwoch: Pankstrasse 25. Letztes Ernte-Dankfest mit humoristischem Festzug. Gpiü-Konzert.— Spezialitäten-PorfteUung.— 0aU. Eintritt 20 Pf., Kinder 10 Pf. Anfang 4 Uhr. Mar Weimann. Große Koßolle-Feier des Sozialdemokratischen Wahlvereins für den dritten Berliner Reichstags-Wahlkreis am Sonntag, den 27, A u g u ft 1893, im SchUtzenhause zu Schmargendorff bestehend in Konzert und Ball W» ausgeführt von Mitgliedern der„Freien Vereinigung der Zivil-Berufsmusiker* unter Mitwirkung von Vereinen des Arbeiter-Sängerblindes. DUM" Laut Verfügung des Amtsvorstehers darf ein Entree und Tanz- geld nicht erhoben werden. Der Tanz ist frei und findet keinerlei Nach- zahlung statt. Wir ersuchen alle Genossen, mehr als bisher für den Vertrieb der Billets zu sorgen und dieselben zeitig resp. schon jetzt zu entnehmen. Billets a 10 Pf. sind in den Zahlstellen, sowie in den mit Plakaten versehenen Handlungen zu haben. 374/14 Es bittet um zahlreiche Betheiligung Das Komitee. IVIobel|iolErer! Alle Kollegen, welche 1892 Mitglieder des Verbandes waren und an den früheren Kassirer Mendt Beiträge in Versammlungen oder sonst wo gezahlt haben, werden ersucht, die Mitgliedsbücher von 1892 so schnell wie möglich, wenn es geht noch heute, an Unterzeichneten einzusenden. Porto wird gern erstattet. Alle Möbelpolirer, die Verbandsmitglieder sind oder waren, bitten wir auf dieses Inserat aufmerksam zu machen. 266/6 Der Verstand. I. A.: Bohert Weber, Fliederstr. 6, Hof-3 Tr. Charlokksnbuvg. Donnerstag, den 24. August, Ab. 8l/-l Uhr, im Gambrinn», Wallstraße 46: Ach Deutliche VM-VersaimliW für Frauen und Männer. Tagesordnung: 1. Vorträg der Genossin Frau Rohrlack. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Ginberufcr. Verleg de»„Verwärls" berliner Volksblali m Q_ 2. Leuth-Straße. Berlin SW. Leuth- Straße 2. 3 \W 1 Wir empfehlen den Parteigenossen zur Anschaffung: Ferd. Kassalle's Reden und Schriften. Neue Gesammtausgabe. Herausgegeben im Austrage des Vorstandes der Sozialdemokratischen Partei Deutsch- lands von Ed. Bernstein. Vollständig in 3 Bänden. Erscheint in ca. 3«(14täg.) Lieferungen a 30 Pf. Bereits erschienen: Band I.: in Leinen gebunden Mk. S,— — in Halbfranz gebunden(Liebhabereinband)„ 4,— Band II.: in Leinen gebunden„ 4, SO —>— in Halbsranz gebunden(Liebhabereinband)„ S,30 Der Herausgeber schtilt bem Werte eine interessante kritisch-biographische Einleitung voraus:„Lassalle und seine Bedeutung sur die Sozialdemolratte", die auch eine Fülle neuen Quellenmaterials enthält. In Form von Bor- bemertungen oder britischen Randnoten zu den einzelnen Broschüren prä- ztstrt der Herausgeber den heutigen prinzipiellen Standpunkt der Partei, wo dieser verändert ist, oder erleichtert das historische und politische Ver- ständniß der Materie. Die einzelnen Broschüren solgen nicht in chrono- logischer Rethensolge sondern nach ihrer inneren Zusammengehörigkeit ge- ordnet. Zur Beurtheilung der geschichtliche» Entwicklung und des Wesens der deutschen Sozialdemokratie ist diese GesammtauSgabe unentbehrlich. Ter erste Band ist mit etnein Stahlstichportratt Lafsalle'S geschmückt. Brandes, Georg, Ferdinand Lassalle. Ein lite- rarisches Charakterbild. Aus dem Dänischen übersetzt. Mit Lassalle's Portrait. 2. Aufl. Brosch. Mk. 2,50 Gebd... 3,50 Wir können diese unstreitig beste Biographie Lassalle's dringend zum Studium empfehlen. Kegel, Max, Ferdinand Lassalle. Gedenkschrift zu seinem 25jährigen Todestag. Mit Portrait Lassalles. Mk.-,30 Becker, Bernh., Enthüllungen über das tragische Lebensende Ferdinand Lassalle's und seine Be- ziehungen zu Helene von Dönniges. Neue Be- arbeitung. In 6 Heften k 545 Pf. Gebd. Mk. 58,— Eine Sammlung aller aus das Eretgniß bezüglichen Cchrislstücke und Origtnalbrtese. Mit einer interessanten Borredc. lvicdervcrkäufer erhalten Rabatt. Bei Austragen von Außerhalb ersuchen wir höflichst um gleichzeitige Einsendung des dafür cntsallendcn Betrages.(Porto extra.) I'" Es giebt für Kauhandwerker, Fabrikarbeiter, fparfame Familien kein Getränk, welches so d u r st stillend und so billig ist wie Vnvn-Nteptains Sofort herzustellen mit jedem beliebigen Wasser, auch wenn es nicht frisch, abgekocht oder abgestanden ist. Coeomasser sieht wie Rothwein resp. Weißwein aus, und stellt sich auf I Pfennig das Uter. 4797L Coco-Nepftun ist käuflich als gelbes oder rothes Pulver in Blechdosen z» 10, 25, 50 und 125 Ps. in den Drognen- und Eolonialwaaren-Handlungen. letzner's Korhwaaren-Fabrik, Berlin, Andreasstr. 23, Hof pari., vis-ä-vis d. Andreasplatz. irinilßr-iv'in'oii größtes Lager Berlins,«lustsrhüchur IVIUUf'l« Ii, gratis. Theiliahlung gestattet. 500 Mark zahle ich Jedem, der mir nachweist, daß ich nicht das größte Kinderwagrn-Lager Kerlina habe. F. Metzner. Berantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin, SW, Beurhstraße 2. Hierzu ein« Beilage. Beilage zum„Vomiirts" Berliner VolNlatt. Zlr. 197. Mittwoch, den A3. August 1893. 10. Jahrg. Die Kehre des großen Kergardeiter-Streiks. Unser englischer Berichterstatter schreibt uns unterm 18. August: Der große Kohlenarbeiter-Ausstand. der sich länger hinzu- ziehen scheint, als man ursprünglich annahm, bietet Gelegenheit zu sehr interessanten und lehrreichen Beobachtungen über die verschiedenen Methoden der Geiverkschaftspolitik. Ich habe schon in einer früheren Korrespondenz daranf hingeiviesen, daß die Bergarbeiter-Föderation,' die vornehmlich den Ausstand führt, eine durchaus verschiedene Politik von der der Bergarbeiter- Verbände in den nordöstlichen Distrikten(Durham und Northumberland) und im südlichen Wales befolgt. Ich kenn- zeichnete vor allem den Gegensatz der Föderationspolitik gegen das System der gleitenden Lohntarife, und, wie ich aus einer mir sreundlichst übersandten Nummer des„Leipziger Tageblatts" vom 31. Juli ersehe, hat dieses Organ der sächsischen Bourgeoisie meinen Brief zu einer erneuerten Abthuung des Sozialismus auegeschlachtet. Da nichts für die Gesundheit zuträg- lecher ist, als zu lesen, daß man nun aber wirklich todtgeschlagen worden, so glaube ich den Lesern des„Vorwärts" die Mittherlung des siegreichen Arguments des Tageblatts nicht vorenthalten zu dürfen. Anknüpfend an meine Bemerkung, daß bei den gleitende» Lohntarisen, die die Lohnsätze völlig von den Preisschwankungen des Produkts abhängig machen, der Arbeiter statt die Person des Unternehmers den unpersönlichen Markt sich gegenüber sieht. und daß dieser Tausch ihm den Widerstand gegen den Druck aus den Lohn erschwert, schreibt der Leitartikler des besagten Blattes: „Darin birgt sich denn doch ein überaus werthvolles Eingeständniß. Die künftige, sozialistische Produktion will ja den Unternehmer gänzlich verschwinden lassen und die Arbeiterschaft insgesamml jener„unpersönlichen, objektiven Macht", jenem„unvermittelten Einfluß des Marktes" aus- setzen, ohne bis zur Stunde auch nur im Eni- serntesten den Ansatzpunkt für die Entfaltung des nöthigen„Gegendruckes" entdeckt zu haben. Wenn schon die, wenigstens nach unten sestgelegte„gleitende Lohnskala" den Arbeiter in schwierigere Lagen bringt, als wenn der Unternehmer, beziehungsweise dessen Kapstalkrast, die Folgen der schwankenden Marktver- Hältnisse aus sich nimmt und in der Fortwirkung auf den Lohn möglichst zu mildern und auszugleichen strebt— welche Zerrüttung aller ivirthschastlichen und Lebens- Verhältnisse müßte entstehen, wenn der Unternehmer nicht nur hinter dem, den Markschwankungen angepaßten Lohn- tarif, sondern überhaupt aus der Weltwirthschastsordnung verschwunden wäre? Nun sind wir allerdings darauf gefaßt, daß uns erwidert wird: im Zukunftsstaat giebt es ja gar keine Schwankungen auf dem Weltmarkt. Worauf aber zur Duplit genügt, daß ein solcher Zukunstsstaat eivig nur in den Wolken möglich bleibt, niemals auf dieser Erde, wo unmöglich die„vernunftgemäßen Bedürfnisse" der Chinesen und Europäer, der Hottentotten und der Iankees, geschweige denn der deutschen Arbeiter und ihrer sozialistischen Parteihäupter nach dem Pendelschlag eines Regulators gleichförmig bestimnit werden könnten! Nein! Diese Gründe, die jetzt gegen das Verschwinden der Unter- nehmer hinter der Marktschwankung gelten, sie würden im Zukunstsstaat mit elementarer Macht zum Umsturz der dann geschaffenen Wirthschaftsordnung führen. Der ersten Umwälzung, die den jetzigen Zustand beseitigt hätte, würde sehr rasch die zweite folgen. Wir wissen es dem Londoner Korrespondenten des„Vorwärts" dank, daß er selbst uns diese Beweissührung ermöglicht hat." Sehr liebenswürdig, Herr Kollege. Wenn es Ihnen Ver- gnüge» bereitet, sich unendlich lächerlich zu machen, so werde ich Ihnen gern noch oft Gelegenheit dazu geben. Der Trugschluß des biederen Leipzigers liegt auf der Hand. Er klammert sich an das von mir gebrauchte Bild, daß der Unternehmer bei dem hier in Frage kommenden System hinter dem, den Marktschwankungen angepaßten Lohntarif verschwindet, ignorirt aber geflissentlich, daß dieses Verschwinden eben nur so lauge dauert, als es sich um die Bestimmung des Lohnsatzes hau- dclt. Ist diese geschehen, so taucht der Unternehmer sofort wieder aus; beim Fetlabschöpsen fehlt er nie, und die Verfügung über die Produkte läßt er nicht aus der Hand. Er wirst sie auf den Markt, wie es seinen Interessen paßt, und wenn er durch mahn- sinnige Verschleuderung die Preise immer mehr herunterdrückt— was verschlägt es ihm? Gemäß der gleitenden Lohnliste muß der Arbeiter dann mit geringeren Löhnen sürlieb nehmen, für sich selbst ober statuirt er ein„ehernes" Unternehmerprofil-Minimum. Die .künftige sozialistische Produktion" dagegen, Herr Weisheitsmund für Leipziger Gosenbrüder, will den Unternehmer als Fett- abschöpfer und unverantivortlichcn Produktionsleiter abschaffen, rras keineswegs die Ersetzung desselben durch die„unpersönliche, objektive Macht des Marktes" bedeutet, sondern so ungefähr das Gegentheil. Denken Sie ein wenig darüber nach, und vielleicht wird Ihnen dann klar werden, welch horrenden Unsinn Ihre„Beweisführung" in sich schließt. Den Dank dafür aber „begehre ich nicht."— Nun heißt es jedoch in dem Artikel des Bruder Leipziger, die Lohnskala gewähre dem Arbeiter wenigstens ein Lohnminimum, da sie meist nach unten„festgelegt" sei. Aber dieses Lohnminimum ist erstens durchaus nicht unbedingt garantirt, zweitens aber, wo überhaupt, gewöhnlich s« niedrig angesetzt, daß dersVortheil derselben für den Arbeiter allerdings im buchstäblichen Sinne des Wortes ein minimaler ist. Tie gleitende Lohnliste hat in Durham, Northumberland und Süt-Wales die Löhne auf einen weit niederen Satz gebracht, als der in den Föderationsdistrilten herrschende, und in den letzten Tagen haben in Südwalcs buchstäbliche Revolten der Arbeiter stattgesunden, nicht sowohl gegen das Unternehmerthu», gerichtet, als namentlich gegen diejenigen ihrer Führer, die ihre» das System anempfohlen hatten und sie zum Festhalten an tcniselben veranlassen wollten. Der bis vor kurzem in jenem Distrilt fast vergötterte Führer Abraham, der auch einen Wahl- kreis von Südwalcs im Parlament vertritt, konnte auf großen, von Tausenden von Bergleuten besuchten Meetings nicht einmal Gehör erlangen. Desgleichen andere Beanne der dortigen Berg- arbeilerschasl, namentlich die Vertreter der Arbeiter im gemischten, aus Unternehmern und Arbeitern zusammengesetzten ständigen Tarijkomilee. Letzten Montag(14. August) fand bei Pontyprrdd (Glamorganshire) ein solches Meeting statt. Es war aus der Mitte der Arbeiter selbst einberufen worden, und von sOlXX» bis 60 000 Bergarbeitern aus allen Distrikten des weiten Kohlen- gebieteS von Südwales und dem benachbarten Monmouthshire besucht. Manche der Arbeiter waren von zwei Uhr Nachts unterwegs, uin dem bei brennender Mittagssonne abgehaltenen Meeting beiwohnen zu können. Namentlich das Rhondda Thal, das Abraham im Parlament vertritt, halte ganze schaaren von Theilnehmern geliefert. Die Stimmung war eine überaus erregte, und schließlich wurde mit alle» gegen 2 Stimmen folgende bezeichnende Resolution angenommen: „Wir, die Arbeiter der verschiedenen Kohlengruben von Monmouthshire und Südwales, zu einem Massenmeeting versammelt, denunziren hiermit den d e m o r a l i s i r e n- den Einfluß, den die gleitende Lohnliste ans uns als Körperschaft ausgeübt hat, und fühlen es gerechtfertigt, eine zwanzigprozentige Lohn« erhöhung zu verlangen, die außerhalb des Einflusses der- selben(der Liste) bleiben soll. Wir erklären, die Aktion der Schlepper von Südwales und Monmouthshire, komme, was wolle, zu unterstützen, und fordern die wenigen noch arbeitenden Leute auf, sich dem gemeinsamen Kampf für die Sache der Freiheit anzuschließen." Die Schlepper haben nämlich in Südwales mit dem Aus- stand begonnen. Jetzt sind ihnen nun fast überall die Häuer gefolgt, während im Norden und in den Midlands die Häuer das führende Element bildeten. Die Schlepper spielen, scheint es, überhaupt in Wales eine größere Rolle als in den genannten Distrikten, was vor allem auf die der Förderung günstigere Be- schaffenheit der Kohlenflötze zurückzuführen ist. Dieselben liegen in Wales ziemlich breit, die Gänge sind daher hoch, und erwachsene Männer besorgen die Arbeit, die im Norden halb- wüchsige Jungen verrichten. Was meinen aber die Arbeiter, wenn sie von einer d e m o- ralisir enden Wirkung der gleitenden Lohnliste sprechen? Nun, die Sache ist sehr einfach. Dank dieser Erfindung ist die Organisation der Arbeiter von Süd-Wales so lose wie nur irgend möglich. Sie beschränkt sich auf die Wahl der elf Mitglieder, die aus die Arbeiter entfallen, in die Tariskommission, während die Diäten für diese eben einfach am Zahltag vom Lohn ab- gezogen werden. Ueber einen Fonds zur Förderung ihrer gewerkschaftlichen Zwecke verfügen die Arbeiter dagegen nicht. Während die Föderation mit wohlgesüllter Kriegskasse den Kampf mit dem Unternehmer-Verband aufnahm, ihre Mit- glieder so gut auf denselben vorbereitet waren, daß sie fast überall die ersten Wochen auf Streikunterstützung freiwillig ver- zichteten, haben die Bergleute in Süd-Wales und Monmouthshire nichts in der Hand, außer was der eine oder andere zufällig erspart hat. Die Föderationsmitglieder haben vor Beginn des Ausslands regelrecht ihre Kündigungen eingereicht, in fast allen Föderalionsdistrikten ist der Ausstand ohne jede Rückwirkung auf den Stand der öffentlichen Ruhe, man könnte sagen ohne jedes Zeichen außergewöhnlicher Ausregung geblieben; in Wales hat es Unruhen, gewaltsame Einschüchterung gesetzt, und der Anfang des Streiks war ein allgemeiner llontraktbruch, denn die Arbeiter werden auch dort auf monatliche Kündigung eingestellt. Es wird sogar, wie die Zeitungen melden, verschiedentlich von den Arbeitern Einschüchterung vorgeschützt, um den Kontrakt- bruch zu verdecken, und als Kriegslist entbehrt dieses Manöver sicher nicht des humoristischen Beigeschmacks. Aber es ist ein recht zweischneidiges Manöver, da aus diese Weise die Arbeiter selbst den Vorwand zur Verstärkung der Polizei- gewalt geliefert haben. Kurz, die gleitende Lohnliste scheint die Leute lange eingeschläfert zu haben. Jetzt plötzlich erwacht, schlagen sie um sich, aber wenn dabei auch mehr Lärm vollführt wird, so läßt sich der Kamps an Entfaltung wirklicher Kraft nicht entfernt mit dem sicheren, zielbewußten, wohl- disziplinirten Vorgehen der Föderation vergleichen. Ohne die Deckung, die er durch diese erfährt, wäre er nach meiner Ansicht geradezu aussichtslos. Man kann in der That, wenn man die Berichte aus den Distrikten der Föderation liest, nur Bewunderung für die Art der Kriegsführung dieser gewaltigen Verbindung empfinden. Hier wird nach einem wohlberechnelen, wohlvorbereiteten Plane ge- handelt, mit ebenso großer Ruhe wie Entschlossenheit— die starken Spiele können nicht blos offen, sie können auch ohne Er- hitzung gespielt werden. Ich will damit nicht sagen, daß die Föderation alle Chancen des Sieges auf ihrer Seite hat, aber sie hat das Ihrige gethan, so viel als möglich sich zu sichern. Im Bewußtsein der guten Organisation, über die sie verfügen, halten ihre Mitglieder vorzügliche Disziplin. Nicht unter ihnen befinden sich Blacklegs, sondern in den Reihen der Unternehmer— jeden Tag lausen neue Offerlen von solchen ein, zu den alten Lohnsätzen fortarbeiten zu lassen. Aber die Föderation hat sie bisher abgewiesen, weil solche Ausnahmen nur die schließliche Entscheidung hinausschieben würden. Sollte sie trotz der vortrefflichen Organisation und brillanten Leitung doch unterliegen, so wird die Schwäche der unter„gleitenden Lohnlisten" stehenden Distrikte nicht geringe Schuld daran tragen. Bis jetzt wurde von Durham. Northumberland und Wales der Ausstand der Föderation zur fieberhaften Steigerung der dortigen Produktion ausgenutzt. Wales hat sich endlich eines besseren besonnen, aber ob es wird aushalten könne», bleibt erst abzuwarten. Northumberland und, wie es scheint, auch Durham dagegen haben in Urabstimmung beschlossen, sich dem Vorgehen der Föderation nicht anzuschließen — nicht weil sie mit ihren Lohubedingungen zufrieden sind, ihre Löhne stehen unter denen der Föderation, sondern theils aus kleinlicher Ranküne und lokaler Elsersucht, theils weil sie sich vor dem Kampf fürchten und von der Föderation die Kastanien sür sich aus dem Feuer holen lassen wollen. Die Mehrheit, die so beschloß— denn eine starke Minderheit ist für die Föderalion— ist dieselbe, die sich der Einführung des gesetzlichen Achlstunden- tages widersetzt, unter dem Aorwande, die gesetzliche Regelung der Arbeitszeit sei„freier Männer unwürdig". Die Föderation aber, die einen so energischen Kampf führt, ist zugleich ent- schiedene Kämpferin für den gesetzlichen Achtstundentag— ein gutes Beispiel, daß politische Aktion und kräftige Führung des rein ökonomischen.Kampfes sehr wohl Hand in Hand gehen können. Durham und Northumberland sind das Ideal der Anarchisten und der Harmonieapostel, die Föderation kämpft im Geiste der Sozialdemokratie. Vom Genossen Meqner geht uns folgendes zu: Von befreundeter Seile ist mir mitgetheilt, daß ich durch an die Säulen geheftete Plakate zu dem Besuch einer Versammlung der Anarchisten und Sozialisten am Mittwoch ausgefordert werde, mit der Bemerkung, die Herren Metzner und Timm sind hierzu besonders eingeladen. Euie diesbezügliche Einladung ist mir bis jetzt nicht zugegangen, sollt es dennoch geschehen, würde sie ebenso unbeachtet bleiben, als wenn mir eine solche bereits ge- worden wäre, da ich mit diesen Leuten nicht das Geringste zu thun habe und nicht Lust habe, ihre Versammlung interessant zu machen. Theodor M e tz n e r. Vom städtischen Obdach.— HJ. Das Obdach für nächtliche Obdachlose wurde im Jahre 1802/93 von 33S43L Personen in Anspruch genommen. Gegen das Jahr 1891/92 mit 334 670 Personen hat zwar nur eine geringe Zu- nähme des Besuches stattgefunden. Aber 1391/92 wurde bereits als ein außerordentlich ungünstiges Jahr bezeichnet, dessen normale Besuchsziffer nur durch anormale Verhältnisse(strenger Winter, lange Arbeitslosigkeit, Theuernng u. f. w.) hervor» gerufen sei.„Anormal" war das Jahr 1391/92 aller- dings. Gegen 1890/91(275 777 Personen) wies es eine Zu- nähme der Frequenz von über 21 pCt., gegen 1339/90 (203 039 Personen) eine Zunahme von beinahe 65 Prozent auf. Aber die versprochene Besserung ist auch im Jahre 1892/93 noch nicht eingetreten; man kann noch nicht einmal von einem Stillstand, geschweige denn von einer Abnahme sprechen. Thatsächlich ergiebt sich sür 1392/93 gegen 1339/90 immer noch eine Zunahme von über 60 Prozent, während die Beoölkerungs- ziffer Berlins in denselben Jahren um noch nicht 12 Prozent zugenonime» hat, oder mit anderen Worten: die Obdachlosigkeit hat in den letzten 3 Jahren in Berlin um das Fünffache stärker zugenommen, als man nach der Zunahme der Bevölkerungsziffer hätte erwarten dürfen. Wenn das so weiter geht, dürste die „anormale" Besuchsziffer im städtischen Obdach schließlich zur Regel werden, was ja auch nicht zu verwundern wäre, da die „anormalen Verhältnisse", wenigstens die lange Arbeitslosigkeit und die hohen Lebensmittelpreise, auch zur Regel geworden sind. Daß die Strenge des Winters nicht die Ursache, sondern nur der äußere Anlaß zu dem Ausbruch eines allgemeinen Nothstandes ist, wurde bereits bemerkt. Die Wirkung dieses äußeren Anlasses ist aber leider unverkennbar. Von den 335 436 nächtlich Obdachlosen kamen auf die 8 Monate April bis November 1892 113 742 Personen, dagegen auf die 4 Monate Dezember 1392 bis März 1893 221 694 Personen. Am schwächsten war der Besuch im September 1392 mit 3375, insbesondere am 28. September mit 226 Personen, am stärksten im Januar 1393 mit 67 637, insbesondere am 29. Januar mit 2524 Personen. Unter der Gesammtzahl von 335 436 waren 320 764 Männer und unter diesen 106 746„Handwerker" und 214 013„Arbeiter." Daß wir auch die„Handwerker" getrost fast sämmtlich zu den„Arbeitern" rechnen dürfen, haben wir eben- falls bereits bemerkt. Viele Handwerks- M e i st e r �werden unter den Obdachlosen nicht zu finden sein. Zum ersten Male im Obdach anwesend waren nur 14 041, zu wieder» holten Malen anwesend 321395 Personen. Die Zahl der zum ersten Male Anwesenden erreicht bereits im Dezember 1892 ihr Maximum(1698) und sinkt dann bis zum März 1893 sehr merklich(auf 1090). Das erklärt sich daraus, daß die, welche in dem harten Januar 1893 das Obdach aussuchten, ihren ersten Besuch zum allergrößten Theil bereits hinter sich hatten, weil sie eben bereits im November und Dezember obdachlos geworden waren. Thatsächlich schwillt dieZahl der zu wiederholtenMalen Anwesenden im Januar kolossal an. Sie beträgt 98 pCt. der Gesammtzahl gegen 90 pCt. im September. Die Bourgeoisie erblickt in den Be- suchern dieser Abtheilung des städtischen Obdachs vollends nichts anderes als„arbeitsscheues, verkommenes Gesindel". Es wurden jedoch unter den 335 436 Besuchern des Obdachs nur 6650, d. h. noch nicht 2 unter 100 Personen dem Amtsanwalt zur Bestrafung vorgeführt. Und diese Vorführung erfolge be- kanntlich nicht blos wegen Arbeitsscheu, sondern auch wegen des Verbrechens der Nichtbeschaffung eines Unterkommens. Die Verpflegung der Obdachlosen bestand nur in Schwarzbrot und Roggenmehlsuppe und erforderte 9>/4Ps. pro Kopf. Wenn wir noch hinzufügen, daß unter den Frauen, die sich, vonHunger und Kälte ge- trieben, in das Obdach flüchteten, 22 waren, die sich bereits un letzten Stadium der Schwangerschaft befanden, dann wird man uns zugeben, daß das städtische Obdach in der That eine Stätte furchtbarster Roth und entsetzlichsten Elends ist. Und zu all diesem sagen die Männer der städtischen Verwaltung stolz und mit Genugthuung:„Seht, soviel Elend lindern wir!" statt zu bekennen:„Soviel Elend schafft die Gesellschaftsordnung, die wir, die Bourgeoisie, hochhallen und vertheidigen." Der Vorstaud der Arbeitcr-BilduagSschnle giebt be- kannt, daß die Abrechnungen nunmehr mit dem neugewählteu Kassirer, Genossen Königs, Dieffenbachstr. 30, vorzunehmen sind, der Rcferentennachweis sich aber nach wie vor beim Genossen Gumpel, Barnimstr. 42, befindet. Die Inhaber von Bous der Arbeiter- Bildungsschule werden aufgciorcerl. umgehend mit Genosse» Königs abzurechnen, da die Bous zum 1. Oktober kassirt werden. Die Abrechnung vom Sommerfest findet der Kürze wegen bei Genossen Gumpel statt. Schon jetzt mache» wir die Genossen darauf aufmerksam, daß Ansang Oktober im Unterrichtsfach der Nationalökonomie ein Kursus über„Steuerwesen und Finanzpolitik in Gemeinde und Staat" beginnt, der gerade jetzt aktuelle Bedeutung gewinnt. weil in der folgenden Reichstagssession die Dcckungsfrnge und Steuervorlage zur Verhandlung kommen. Die außergewöhnliche Hitze scheint auch in diesem Jahre von längerer Dauer sein zu wollen. Seit mehr als acht Tagen herrscht bei uns eine Wärme, die weil über die Durchschnitts- Temperatur hinausgeht, die kleinen Federn an den Thermometern der Uraniasäulen zeigen wieder eine bedenkliche Neigung bis über den Rand des Papierstreisens- hinauszuklettern und selbst die Nächte bringen nur eine geringe Abkühlung. An den Nach- mittagen besonders ist es in den Straßen kaum ausznhalten und auch in den Wohnräumen herrscht eine erdrückende Gluth. Die ganze Natur, Menschen, Thiere und Pflanzen, Alles lechzt nach einem ordentlichen Regen und jedes schwärzliche Wölkchen am Himmel wird jetzt mit freudiger Hoffnung begrüßt. Am größten war die Hitze am Sonnabend. Von 30 Grad um 12 Uhr Mittags stieg sie bis um 4 Uhr Nachmittags auf 36 Grad und noch um 12 Uhr Nachts waren 25 Grad. Der Sonntag zeigte um 6 Uhr Morgens 21, um Mittag 29, um 4 Uhr Nachmittags 33 und um 12 Uhr Nachts 24 Grad. Am Montag schien der Regen am Vormittag eine kleine Abkühlung bringen zu wollen. Die Thermometer standen um 12 Uhr Mittags erst auf 24 Grad. Aber schon nach wenigen Stunden herrschte wieder die frühere Gluth. Um 4 Uhr waren es wieder 34 Grad und in der Nacht um 12 Uhr hatte es sich erst bi» auf 25 Grad abgekühlt, eine Temperatur, die man sonst sclwn in der Mittagsstunde unerträglich zu finden pflegt. Gestern Morgen um 6 Uhr waren 20 Grad, aber um 12 Uhr Mittags schon wieder der 30. Gradstrich erreicht. Das Barometer, das schon seit Tagen um mehrere Grade unter dem mittleren Stande zurückgeblieben ist, bekundet übrigens seit gestern Vormittag eine weitere, ziemlich energische Neigung nach unten. Allerdings ist der Feuchtigkeitsgehall der Lust sehr gering, so daß mau aus größere Regenmengen fürs erste kaum wird rechnen dürfen. Die Feuchtigkeit, die am Sonnabend mit 33 pCt. und gestern mit 65 pCr. an den Uraniasäulen verzeichnet steht, betrug gestern 50 pCt. Die Blutthat in der Fricdenstraße ist auch heute noch nicht vollständig aufgeklärt. Je einfacher die Sache ursprünglich zu liegen schien, um so verivickelter erscheint sie nachträglich. Nach einander erschienen der Kutscher Helbing und Emma Trappe des versuchten Mordes und Selbstmordes schuldig. Nach der augenblicklichen Sachlage muß jedoch angenommen werden, daß der fünfzigjährige Hospitalit Karl Rombach, der mit Helbing zusammen bei der Wiltive Trappe in Schlafstelle lag. einen Mordversuch gegen Helbing verübt hat. Die Annahme, daß Helbing sich selbst die Kopfverletzungen beigebracht habe— diese sind übrigens mit der stumpfen Seite des Beiles. nicht mit der Schneide ausgeführt worden— kann gegenüber dem Gutachten der Aerzte des Krankenhauses mcht ausrecht erhalten werden. Sie gründete sich darauf, daß Helbing kurz vor der Thal mit Bleislift einen Zettel an seinen Vater geschneben hatte, worin er diesen wegen der Sünde, die er begehen werde, um Verzeihung bat. Den Rombach, der, als die Wohnung aufgebrochen wurde, in der Küche beim Kartoffel- schälen gefunden wurde und der von dem Streite zwischen der Trappe und Helbing nichts gehört haben will, belastet Haupt- sächlich der Umstand, daß auf der Küchenschwelle Blutstropfen gefunden worden sind, die weder von der Trappe, noch von Helbing herrühren können, da diese beiden, nachdem Helbing die Verletzungen erhalten hatte. die Küche nicht mehr betreten haben, während Ronibach gerade nach der That in der Küche_ betroffen wurde. Das Motiv wäre bei Nombach, der mehrfach bestraft und auch wegen Vcr- brechens gegen die Sittlichkeil in Untersuchung gewesen ist. darin zu finden, daß auch er sich um die Gunst der Emma Trappe be- worden hat und daher ans Helbing. nüt dem er vielfach in Streit lebte, eifersüchtig war. Hiernach müßte man sich den Vorgang so denke», daß Rombach in der Küche gehört bat. daß Helbing zu der Emma Trappe in das Zimmer ging. Er hat dann das Beil. das sich in der Küche befand, ergriffen, ist dem Helbing nachgeschlichen und hat ihm in dem Augenblicke, als er sich nach dem zu Boden gefallenen Thürschlüssel bückte, durch die halb geöfjmete Thür, die sich„ach innen öffnete, einen Schlag über den vorgebeugten Kopf versetzt. Daß die Emma Trappe die Thäterin gewesen sein sollte, er- scheint nicht wahrscheinlich. Abgesehen davon, daß das Beil nicht in ihrem Zimmer, sondern in der Küche aufbewahrt wurde. muß berücksichtigt werden. daß sie ganz kopflos zuin Fenster hinausgesprungen ist, also schwerlich kurz vorher soviel Ueber- legung gehabt haben wird, um das blutige Beil zwischen Wäsche- stücke versleckt unter das Bett zu legen. Rombach ist von der Kriminalpolizei festgenommen worden. Er behauptet jetzt, daß die Thür, als sie von einem Schlosser aufgebrochen wurde, von innen verriegelt gewesen sei. Daher könne er der Thäter nicht sein, sondern nur entweder Helbing oder Emma Trappe. Be- züglich dieser Behauptung sind sofort Recherchen eingeleitet war» den, von deren Ausfall es abhängt, was mit Rombach, veiter geschehen wird. ..GemiithlicheS" a»S Charlottenburg. Neber eine Szene, die sich am Montag in den frühesten Morgenstunden in resp. vor dem„Ease Wilhelmsplatz" am Wilhelmsplatz zu Charlotlenburg abgespielt und die das Gerücht sehr übertrieben hat, theilt die „Reue Zeit" folgendes mit: Kurz nach 2 Uhr war ein bereits nicht mehr nüchterner Gast in dem genannten Cass erschiene». der mit den Gästen des Preises von Kognak wegen in Streit gerieth. Man war schließlich genöthigt, den unbequemen Gast an die frische Morgenluft zu befördern. Nunmehr poslirte sich der Herr mit einem geladenen Revolver, den er bisher verborgen gehalten hatte, vor die Thür, so daß Niemand dieselbe passiren konnte. Geschah dies dennoch, so begleitete er den das Haus Verlassenden mit gespanntem Revolver bis an die nächste La- terne, um zu sehen, od der Betreffende bei dem Streit mit ihm betheiligt gewesen. Bei dem Bemühen, ihm den Revolver zu entreißen, kam es zu einem Handgemenge, das in eine Schlägerei ausartete, bei der der Gast den Kürzeren zog. Der Revolver wurde ihm abgenonimen und gestern Nachmittag dem zweiten Polizeirevier überliefert. Durch eine blutige Schlägerei und den sich daran knüpfenden Sturm auf einen Bäckerladen wurde Montag Abend die Bevölkerung von Spandau in große Aufregung versetzt. Eine bürgerliche Korrespondenz berichtet hierüber: In einer Destillation in der Eharloltenslraße war der Bursche des Direktors der Artillericwerkftatt um 8 Uhr Abends mit mehreren Arbeitern wegen militärischer Dinge in Streit gerathen; plötzlich schlug der Soldat mit seinem Bierglas auf den Kopf eines seiner Gegner ein. In demselben Augenblick sielen aber auch alle in der Schankstube anwesenden Zivilisten über den Burschen her und mißhandelten ihn entsetzlich. Nachdem sie ihm zahlreiche Messerstiche beigebracht, schleuderten sie ihn aus dem mehrere Stufen hoch belegenen Lokal auf die Straße, wobei der Unglückliche beide Beme brach. Zwei gerade des Weges kommende Soldaten hoben den anscheinend Leblosen auf und trugen ihn in einen nahen Bäckerlade». Die noch mehr in Wuth geralhenen Zivilisten folgten, es sammelte sich bald eine nach Hunderten zählende erregte Menge, die unter den Rufe»:.Der muß kalt gemacht werden, schlagt ihn todt" in den Bäckerladen einzudringen versuchte. Derselbe wurde geschlossen, worauf die Menge Gewalt anwendete. Der Verkehr stockte; die Pferdebahn mußte ihren Betrieb an dieser Stelle unterbrechen. Bevor das Aeußerste geschah, rückte jedoch eine Militärpatrouille heran, welche das Haus vor dem Angriff schützte. Später hat die Polizei mehrere Verhaftungen vorgenommen. Der Osfizierbursche befindet sich in hoffnungslosem Zustande. Durch einen Bootöunfall sind bei Grünau in der Nacht zum Montag drei Personen ums Leben gekommen. Es wird darüber berichtet: Bei dem in Grünau auf Sommerfrische wohnenden unverheiratheten Kaufmann Caro aus Berlin waren am Sonntag Vormittag zwei Freunde, die Handlungsgehilfen Hirsch und Boas, sowie zwei Damen im Alter von 18 bis §0 Jahren aus Berlin zu Besuch eingetroffen. Die kleine Gesell- schasl unternahm i» einem Ruderboot einen Ausflug auf der Dahme nach Schmöckwitz. Gegen Abend wurde die Rückfahrt angetreten und gegen 1l Uhr Nachts befand sich das Boot an der sogenannten„Bammelecke" bei Grünau. Bei der großen Dunkelheit sahen die jungen Leute nicht. daß ihnen ein großer Dampfer von Köpenick aus entgegenkam, dessen Schiffs- führer alsbald, als er des Bootes ansichtig wurde, durch Läuten der Glocke, sowie durch Zurufe Warnungs- zeichen gab, die aber nicht beachtet wurden. Als der Dampfer stoppte, war es zu spät, das Ruderboot wurde durch den Anprall mit dem größeren Fahrzeug in zwei Theile geschnitten und die Insassen stürzten ins Wasser. Der Kommis Hirsch gerieth unter den Dampfer und der rechte Oberschenkel wurde ihm aufge- schnitten; trotzdem rettete er sich durch Schwimmen ans Land, nachdem er noch eine längere Zeit hindurch vergeblich versucht hatte, die eine Dame, die sich an ihn geklammert, über Wasser zu halten. Plötzlich ließ das Mädchen den Arm des Retters los und ging in den Finthen unter; auch die zweite Dame scheint ebenso wie der Lgjährige Kaufmann Boas ihren Tod bald nach dem Zusammenstoß gefunden zu haben. Caro schwamm sofort ans Land und leistele dem schwer verletzten Hirsch Hilfe, der dann nach Grünau geschafft wurde. Gestern früh wurde die Leiche des Bons ans Ufer geschwemmt und wenige Stunden später auch der Körper der einen Dame. Wegen eines nnerhörten Verbrechens wider die Sitt- llchkeit, das sie in ihrem Atelier an zwei Knaben verübt haben sollen, sind«in hiesiger Photograph und sein Gehilse verhastet worden. Zahlreiche Leidtragende fanden sich gestern vor einem Uhrmacherladen in der W straße ein, nachdem dort der Gerichts- Vollzieher seines Amtes gewaltet halte. Der Geschäftsinhaber ist .aus Reisen" gegangen, ohne dem stellvertretenden Gehilfen zu sagen, wo die ihm zur Reparatur übergebenen, zum Theil sehr werthvollen Uhren zu finden seien. Mit den Flnthen kämpfend wurde gestern Morgen innerhalb des Bezirk des zweiten Polizeireviers ein Knabe in der Spree entdeckt, der anscheinend in das Wasser gefallen war. Er wurde noch lebend aus dem Wasser gezogen und nach der Charitee gebracht. Das Kind gab auf keine Frage Antwort, und schließlich stellte sich heraus, daß es wahrscheinlich vor Schrecken die Sprache verloren hat. Aus Büchern, die der Knabe in einer Schulmappe mit sich führt, geht hervor, daß er Eugen Mackstein heißt. Die Wohnung der Eltern oder An- gehörigen ist aber noch nicht bekannt. Der Taschendieb Götz, von dessen Festnahme auf dem Bahnhose Slralau-Rummelsburg wir neulich berichleten, scheint sämmtliche Uhren, die er erbeutet hat, entweder selbst oder durch Mittelspersonen veräußert zu haben. Die Kriminalpolizei hat bisher vier der gestohlene» Uhren ermittelt, und zwar eine silberne Remontoiruhr niit Doppelkapsel und Goldrand. Nr. 300 und 247 ö27— die Kapseln sollen vergoldet gewesen sein—, eine silberne Remontoiruhr mit einfacher Kapsel, gepreßtem Goldrand und goldenen Zeigern. Nr. 7490, eine silberne Remontoiruhr mit ein- facher Kapsel und Goldrand, Nr. 386, und eine Nickel-Remontoir- nhr mit einfacher Kapsel, Nr. 69 666. Geschädigte wollen sich in den Vormittagsstunden von 8—12 Uhr im Zimmer Nr. 97 des Polizei-Präsidialgebäudes melden. Vom Hitzschlage getroffen sank gestern Abend ans dem Halteplatz am Stetliner Bahnhofe ein Droschkenpserd zusammen und verendete auf der Stelle. Verfallene Pfandscheine des königlichen Leihamts, so wird dem„Jnlelligenz-Bialt" geschrieben, sind in großer Zahl vor- handen, ohne daß die Inhaber derselben von ihrem Rechte, den Ueberschnß ans dem Verkauf des betreffenden Pfandgegenstandes abzuheben. Gebrauch machen. Obwohl die amtliche» Bekannt- machuugen hierzu auffordern, ist es dennoch nur ein kleiner Bruchtheil derjenigen, welche die Hilfe des Leihamts in Anspruch nehmen, die ihre verfallenen Pfandscheine an der Kasse zur Abhebung des elwaigen Ueberschusses vorlegen. Es liegt wohl hauptsächlich daran, daß die Wenigsten die Bekanntmachung zu Gesicht bekommen und es auch nichi der Mühe werth halte», die Rückseite des Pfandscheines durchzulesen, da in den dort abge- druckten Bestimmungen ausdrücklich darauf hingewiesen wird, daß dem Inhaber des Scheines das Recht zusteht, innerhalb eines Jahres, vom Tage des Verkaufs des Pfandes an gerechnet, den etwaigen Ueberschuß in Empfang zu nehmen. Es ist be klagenswerth, daß so wenige von ihrem Rechte Gebrauch machen, da sicherlich in vielen Haushaltungen derarlige Scheine in der irrthümlichen Meinung, sie seien werthlos, in den Schubfächern liegen. Strastenspcrrnngen. Die Brunncnstraße, von der Usedom straße(exkl. Kreuzdamm) bis zur Slraße 87, Abtheilung XI (inkl. Kreuzdamm), wird behufs definitiver Umpflasterung vom 21. d. M. ab bis aus Weiteres sür Fuhrwerke und Reiter gesperrt.— Tie Taubenstraße, von der Markgrafen- bis zur Charlottenpraße, wird ebenfalls behufs Asphaltirung vom 21. d. M. ab bis aus Weiteres sür Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Marktpreise in Berlin am 21. August, nach Ermittelungen des königlichen Polizeiprästdiums. Weizen per 100 Kg. guter von 16,50—16,10 M., mittlerer von I5,90—1v,50 M., geringer von 15,40—15,00 M., Roggen per 100 Kg. guter von 13,00 bis 13,60 M.. mittlerer von 13,50—13,30 M., geringerer von 13,20 bis 13,00 M. Gerste per 100 Kg. gute von 17,00—16,00 M., mittlere von 15,90—15,00 M., geringe von 14,90—14,00 M. Haser per 100 Kg. guter von 19,00—18,10 M., mittlerer von 18,00—17,20 M., geringer von 17,10 bis 16.20 M. Stroh. Richt- per 100 Kilogramm von— M. Heu per 100 Kilogramm von— ,— M. Erbsen, gelbe zum Kochen per 100 Kg. von 40,00—24,00 M. Speisebohnen, weiße per 100 Kg. von 50,00—20,00 M. Linsen per 100 Kg. von 80,00 bis 30,00 M. Kartoffeln, neue per 100 Kg. von 10,00—6,00 M. Rind fleisch von der Keule per 1 Kg. von 1,60—1,20 M. Bauchfleisch per 1 Kg. von 1,30—0,90 M. Schweinefleisch per 1 Kg. von 1,50—1,10 M. Kalbfleisch per 1 Kg. von 1.60—0.90 M. Hammelfleisch per 1 5tg. von 1,50—0,90 M. Butter per 1 Kg. von 2,80—1,80 M. Eier per 60 Stück von 4,00— 2,40 M. Fische per 1 Kg.: Karpfen von 2,40—1,30 M. Aale von 3,00 bis 1,20 M. Zander von 2,40—1,20 M. Hechte von 2,00—1,20 M. Barsche von 1,60—0,80 M. Schleie von 2,40—1,10 M. Bleie von 1,40 bis 0,60 M. Krebse per 60 Stück von 12,00-1,25 M. Polizcibericht. Am 21. d. M. Morgens wurde ein Schneidermeister in seiner in der Kolbergerstraße belegenen Wohnung erhängt vorgefunden.— Im Spandauer Schifffahrts- kanal, an der Fennbrücke, wurde Mittags die Leiche eines etwa 50 Jahre alten Mannes angeschwemmt.— Beim Spielen auf der Treppe des Hauses Beuffelstr. 41 stürzte Nachmittags ein zweijähriges Mädchen durch das Geländer im vierten Stock auf den Hausflur hinab und starb auf der Stelle.— An der Ecke der Birken- und Baudelstraße fiel ein neunjähriger Knabe von einem in der Fahrt befindlichen Eiswagen, wurde überfahren und erlitt«ine bedeutende Quetschung des Kniegelenks, so daß seine Uebersührung nach dem lkrankenhause Moabit erforderlich wurde. — In seiner Wohnung, Vor dem Stralauer Thor 35, versuchte ein Metallhändler sich mittels eines Teschings zu erschießen. Er verletzie sich schwer am Kopfe und mußte nach den, Kranken- Hause Bethanien gebracht werden.— Nachmittags und Abends wurden zwei Männer vom Hitzschlage getroffen und nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebrachr.— In der Nach: zum 22. d. M. wurde bei der Kirche zum Heiligen Kreuz«in Photo- graph todt ausgefnnden. Er Halle sich mittels Cyanlal, ver- giftet.— Im Laufe des Tages sanden sieben kleine Brände statt. Das Reichsgericht hat aber die Ablehnung der beantrag- ten Sachverständigen- Vernehmung als einen prozessualen Mangel erachter, das erste Erkenntniß aufgehoben und die ganze Sache zur anderweitigen Verhandlung vor das Landgericht II verwiesen. In dem gestern anstehenden Termin wurden die Gutachten des Medizinalraths Dr. Long, des Dr. I u l i u s- b u r g e r und des Professor Dr. Mendel entgegen genommen. Auf prund der letzteren beschloß der Gerichtshof, den Angeklagten zur Beobachtung seines Geisteszustandes aus 6 Wochen der Jrrenabtheilung der Charitee zu überweisen und vom Gesängniß- arzt Geh. Rath Dr. Lewin Auskunft darüber einzuholen, ob der Angeklagte im Untersuchungsgesängniß an epileptischen Ansällen gelitten hat. Sozicile ZUelrerstrhk; Gertckks Leitung. Freigesprochen. Gestern wurde der Redakteur des„Volks- blatte- sür Teltow:c.", Genosse Keßler, von der IV. Straf- kammcr des hiesige» Landgerichts I von der Anklage, durch die zum 13. März d. I. ausgegebenen zwei rolhen Nummern in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedene Klaffen der Bevölkerung zu Gewaltthätigkeiten gegen einander öffentlich angereizt zu haben,(Z 130 des Strafgesetzbuches) kostenlos freigesprochen. Der Staatsanwalt halte 6 Wochen Gesängniß beantragt. Ter FondSmnkler Leo Friedländer war am 13. Fe- bruar d. Js. von der 1. Strafkammer hiesigen Landgerichts I. wegen Untreue und Unterschlagung zu einem Jahr und 3 Monaten Gesängniß vcrurtheill worden. Der Angeklagte war im Jahre 1883 der Irrenanstalt des Dr. Edel in Charlottenburg überwiesen worden, nachdem er seinem damaligen Chef, einem hiesigen Bankier, durch ganz wahnsinnige Spekulationen ziemlich beträchtliche Verluste verursacht hatte. Nachdem er als geheilt entlassen worden war, beschäftigte er sich zunächst damit, daß er einer auswärtigen Bank Kunden zuführte, außerdem oersuchte er sich in Maklergeschäften und machte nebenbei Börsengeschäfte für Privatpersonen. Hierbei hat er sich geständlich Unterschlagungen von über 3000 M. zu schulden kommen lassen. Der Ver- theidiger des Angeklagten hatte aus grund verschiedener Vorkommnisse im Untersuchungs- Gefängnisse die Behaup- tung aufgestellt, daß sich Friedländer bei Begebung der Unterschlagungen in einer krankhaflen Störung seiner Geistes- träste befunden habe. Medizinalrath Dr. Long, welcher diese Behauptung nicht bestätigt, wurde von dem Vertheidiger für be- fangen erklärt und dagegen die Vernehmung der Professoren Dr. Mendel und Dr. I u l i u s b u r g e r als Sachverständige beantragt. Der Gerichtshof lehnte damals diesen Antrag ab; er hielt das Gutachten des Dr. Long für ausschlaggebend und war der Meinung, daß die unsinnigen Spekulationen des Angeklagten weniger auf einen gestörten Geist, als auf eine Zer- sahrenheit seines Wesens, Ueberhebung gegen Andere und Abneignnz gegen Nachdenken und Arbeiten hindeute.— Achtung! Alle diejenigen, welche noch in, Besitze von Sammellisten oder Geldern für die gemoßregelten Pfervebahn- bediensteten sind, werden hiermit zun, letzten Male aufgefordert bis z u m 25. A u g u st bei dem Unterzeich- neten abzurechnen oder die Listen, gleichviel ob leer oder ge- zeichnet, abzullefern. Im Auftrage: Hermann Faber. 80., Grünauerstr. 6, H. park. Deutscher Holzarbeiter-Verbaud(Zahlstelle Berlin)' Kollegen! Seit Anfang August ds. Js. befinden sich eine An- zahl Mitglieder des Verbandes im Slreik. In Barmen streiken 32 Drechsler der Fritz Heuser'schei, Thürdrückerfabrik, weil eine bedeutende Reduzirung der Akkordlöhne seitens des Fabrikanten vorgenommen wurde, so daß Wochenlöhne von höchstens 12 bis 15 M. verdient werden konnten. Ferner streiken in Hirsch- berg i. Schl. 22 Tischler der Kallinich'scben Bau- und Möbelfabrik. weil der llnternehmer den bisherigen durchschnittlichen Stunden- lohn von 21 Pf. auf 19 Ps. reduziren wollte. Bei zehnstündiger Arbeitszeit würde dies einem durchschnitt- lichen Tagesverdienst von 1.00 M. gleichkommen. Der Verbandsvorstand hat beide Abivehrstreiks gutgeheißen, deshalb muß jetzt sür genügende Unterstützung der Streikenden gesorgt werden. Wir ersuchen die Kollegen, sich mit den Streikenden solidarisch zu erklären, und freiwillige Sammlunge» zum Streikfonds vorzunehmen. Die gesammelten Beiträge können aus dem Arbeitsnachweis. Wallstr. 7—8. sowie Sonn- abend Abend auf allen Zahlstellen des Verbandes gegen Ver- abfolgung von Streik-Quiltungsmarken abgeliefert werden. Kollegen! thul Eure Pflicht, schnelle Hilfe ist doppelte Hilfe. Die Ortsverwaltung. Ortö-Krankenkasse der Mechaniker und verwandter Gewerbe. Bei der am Sonntag, den 20. August vorgenommenen Wahl der Tclegirten zur Generalversammlung siegle die L.ste organisirten Arbeiter mit 215 von 246 Stimmen. D,e gegnmsche Liste erhielt demnach nur 31 Stimmen. Ein umfassender Streik ist in einer Wiener Petroleum- rasfinerie ausgebrochen. Ueber dabei vorgekommene Anssch,e> tungen berichtet ein stark kapitalistisch gefärbtes Heroldtelegramm voin Dienstag:„Anläßlich der Auszahlung von Löhnen an streikende Arbeiter in der Petroleumrasfinerie von Wagemann kam es vor der Fabrik zu Ausschreitungen. Beinah- 2000 Arbeits- lose versuchten die Fabrik zu demoliren und vergriffen sich auch an der einschreitende» Polizei. Letztere mußte mit der blanken Waffe vorgehen, wobei viele Verletzungen vorgekommen sind. Erst nachdem die Haupträdclsführer verhaftet, konnte die Ruhe wiederhergestellt werden. Die Streikenden hatten sich an den Ausschreitungen nicht betheiligt." Wie sich in der That die An« gelegenheit zugetragen, wird wohl erst beim Eintreffen öfter- reichischer Arbeiterblätter zu ersehen sein. Theilerei im Gegenwartöstaat. Der Sparkassenrechner Wilms in Olpe hat die städtische Kasse um rund 1 Million Mark erleichtert. Die Bürger habe» bereits die Folgen des riesigen Verlustes folgendermaßen zu spüren. Statt früher 150 pCt. Koinimmalstenerznschlag müssen jetzt 220 pCt. bezahlt werde,,. während aus die Gewerbe-, Grund- und Gebäude, teuer. d,e früher gänzlich frei war, jetzt III pCt. erhoben werden. Gegenwärtig wird die Frage erörlert, ob die Stadtverordneten nicht mit ihrem Vermögen haftbar gemacht werden können. Zu diesem Zweck ist ein Rechtsgutachten von Justizrath Schulz in Hagen eingeholt worden. Es würde gar nichts schade», wenn man die Spieß- bürgergesellschast, die jahrelang zu faul war. die städtische Sparkasse zu visitiren, verantwortlich machte für das unbegrenzte Vertrauen.— Ueber eine andere Theilerei wird aus Leipzig berichret: Zum zweiten Male um ihr« Zkautionen geprellt wurden die Angestellten der dortigen Privat- post„Konner". Nachdem der erste Unternehmer, Schmalsuß. flüchtig geworden war, wurde der Betrieb von Herzberg und Bayer aufgenommen. Bayer, welcher übrigens schon in Berlin wegen Urkundenfälschung mit 9 Monaten Gesängniß bestraft worden war, wurde verhaftet, weil er die Kantionen der Ange- stellten nicht bei einem Bankhause deponirt. sondern im eigenen Nutzen verwendet hat. Wir dürfen nur nebenber daran erinnern, daß diese Theiler nicht der Sozialdemokratie ange- hören. Und noch ein Theiler. Durch die gegnerische Presse, so schreibt die„Berg. Arbeiterstimme", laufen periodisch Notizen, wonach dieser oder jener sozialdemokratische„Agitator" Gelder s. w. veruntreut haben soll. In den meisten Fällen entpuppen sich dergleichen Schreibereien als erbärmliche Mache, lediglich mfzenirt, um die Arbeiterbewegung zu verdächtigen. Nun ist unser Bruderblatl in der Lage, von einem Klingelbeutelmarder an einer katholischen Kirche in München-Gladbach berichlen zu können. Der Schuhmacher S. war von dem betreffenden Kirchenvorstande mit dem Einsammeln der„Opferpfennige" beauftragt worden. Obschon der Mann nun ein wüthcnder Sozialistenseind ist(bei der Reichstagswahl kühlte er sein Müthchen an unser», Ver- ammlungsanzeigen) hatte er doch eine ganz besondere Vorliebe sür die„Theilerei", d. h. nicht sür die sozialistische, sondern sür die des Inhalts des Klingelbeutels, eine Praxis, die der gute Mann srüher auch schon an der Hauptpsarrkirche ausgeübt haben soll. Doch die Nemesis wachte, und der Er-Kö„ig der Sankt Martinus-Bruderschast wurde bei seiner Mauserei abgefaßt. Wie gesagt, wenn irgendwo in Hinterpommern ein sozialistischer Arbeiter aus Noch ein Brod wegnimmt, so wird von unseren Gegnern sofort die Allarmtrommel gegen die Sozialistenbrul ge- schlagen, aber was im eigenen Lager geschieht, muß hübsch todt- geschwiegen werden. Abgelehnte Arbeiterfreundlichkeit. Vor einigen Jahren wollte die Porzellanfabrik in Königszelt jedenfalls ihre Arbeiter- freundlichkeit so recht bekunden, indem sie„Wohlsahrts'-Einrich- tungen wie eine Volksküche, eine Speiseanstalt und eine Bäckerei ins Leben rief. Tie Arbeiter waren indes nicht den Erwartungen des Besitzers entsprechend über diese„Wohlsahrts"- Emrichtungen ersreut, sondern die Arbeiter schenklen denselben nicht die genügende Beachtung. Wie jetzt gemeldet wird, hat die Verwaltung Speiseanstalt und Bäckerei aufgehoben und die Gebäude zu Lagerräumen benutzt. Es muß die Schönfärber vom Schlage eines Viktor Böhnert tief betrüben, daß die Arbeiter bei derartigen Wohlthaten gar zu leicht den ausbeuterischen Pferdefuß gewahr werden. Die Einkommens- Verhältnisse in Sachsen. Im ver- fiangenen Jahre wurden in Sachsen 950 090 steuerpflichtige Per- onen aus ein Einkommen unter 800 M. abgeschätzt, weiter« rSTSl P-rs-nen hatten bis 3300 M. Einkommen, darunter aber osr n'eitaus größere Theil nur bis 1250 Stf.• 38 796 Personen nehme» 3300 bis 8600 M. ein und 10 537 über 9600 M Sie Stnlifn! ergiebt auch in Sachsen, daß der Reichthum der Reichen ,n viel»arkerei» Maße wächst als das Einkommen der mittleren Bermögensklaise«. Und immer größere Schaaren von Steuer- psuchtlge» werden ins Proletariat hinabgcdrnckt. So gelangt auch hierbei das kapitalistische Eiitivullnugsgesetz klar zum Aus- druck. VerlienttnUimsen. Sie im graphische» Gewerbe beschäftigten Arbeiter »uv Arbeiteriuneu halten sich am 21. August im große» Äonkordia-Saale ziemlich zahlreich versammelt, um Stellung zum Streik bei der Finna A. und E. Kauffmann in Brandenburg zu nehmen. Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärte Wietrisch. daß die Buchbinder bedauerten, von dieser Versammlung nicht so zeitig erfahren zu haben, daß sie von der Anberaumung der Buchbinderversamuilniig für heute Abstand nehmen konnten. Ztollege S i l l i e r berichtete, daß die Firma Kauffmann noch keinen Ersatz für die Streikenden gefunden habe/ In einer Reihe von Städten, wohin die Firma ihre Steine geschickt hat, haben sich die Kollegen geweigert, Kauffmann'sche Ar« beilen zu machen, und die betreffende» Prinzipale wagen es daher nicht, die Steine in ihre Arbeitslokale zu nehmen. Die Drucker, die bei Kauffmann weiter arbeiten, find Vogt, Suprand, Trews und Atzbach. Redner erklärte es für wahrscheinlich, daß die Firma in Berlin versuchen werde, ihre Arbeiten anfertigen zu lassen, und hielt einzelnen hiesigen Kollegen, die sich bereits wankelmülhig gezeigt haben, das Beispiel der Kollegen in den von ihm vorher genannten Städten wie Magdeburg. Gera, Hamburg u. s. w. zur Stach- ahmung vor; wenn die Kollegen hier sich nicht zur Her- stellung der Arbeiten hergäben, dann werde den Kollegen der Sieg znsallen. � Die Firma habe eine Menge Aufträge. Buch- drucker Schmidt verlas einige der drakonischen Bestimmungen der Arbeitsordnung jener Firma und fordorte sämmtliche im graphischen Gewerde beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen auf, die Steindrucker Brandenburgs in ihrem Kampfe zu unter- stützen und die Mittel dazu aufzudringen. Buchbinder Neide! stimmte den Ausführungen des Vorredners voll und ganz zu und meinte, es wäre nicht nur eine Schmach für die Arbeiter und Arbeiterinnen des graphischen Gewerbes, wenn sie die 200 Kollegen nicht über Wasser halten könnten, sondern es wäre geradezu eine Aufforderung an die Unternehmerschaft, noch mehr derartige Fabrikordnungen zu erlasse». Buchbinder Wietrisch theiite mit, daß die Firma A. und C. Kanffmann Buch- bin der wm sofortigen Eintritt bei eine», Anfangslohn von — 13 Marl sucht. Steindrucker Hölzer theilte mit, daß die Kollegen bei der hiesigen Firma' Kaplan«! die Arbeit nieder« gelegt haben, weil sie Kauffmann'sche Arbeit ausführen sollten. Aus zwei anderen hiesigen Sleindruckereien würde Gleiches in Aussicht gestellt. Buchdrucker F a b e r versicherte, daß die Buch- drucker Berlins auch bei dieser Angelegenheit den anderen Ar- bcitcr» die Solidarität zu wahren wissen werden. Nachdem noch mehrere Kollegen gesprochen, wurde folgende Resolution an- genommen: „Tie Versammlung beschließt: in Erwägung, daß der Streik der Brandenburger Kollegen(infolge der Manipulationen der Firma A. und C. Kanffmann, ihre Arbeiten in an- deren Druckereien verschiedener Städte fertigstellen zu lassen) immer größere Auedehinuig gewinnt, und um zum Siege zu gelangen, es der größten Anstrengung bedarf, erklären die heute versammelten Arbeiter und Arbeiterinnen der graphischen Fächer, da die Interessen aller Arbeiter und Ar- beilerinnen des graphischen Gewerbes dieselbe» sind, daß sie mit aller Energie und Kraft die Ausständigen materiell unterstützen werden, um so de» Sieg der Arbeiter herbeizusühren." Sillier bemerkte, daß die Streikbrecher in der nächsten Nummer der„Graphischen Presse" in Plakatschrist veröffentlicht werden sollen. Von den Kollegen bei der vorher erwähnten hiesigen Firma Kaplnnek sei trog des gefaßten Beschlusses einer, namens Paul K n o l l, in Zlrbcil geblieben. Zur Unterstützung haben sich die auswärtigen Ort« in iveilcftem!Maße bereit erklärt, desgleichen die österreichischen Kollegen. Die englischen haben angefragt, ob genug Geldmittel zur Verfügung stehen. Daher dürsten auch die Berliner Kollege» nicht nachstehen. Die Firma Kanffmann biete zur Zeit für ihre Arbeiten einen hohen Preis und daher seien die Prinzipale bereit, sie zu übcrnehinen. Sie könnten sie aber nicht ausführen, wenn die Kollegen sich weigern. Mit einem Hoch auf die Arbeiterdewegung schloß darauf der Vorsitzende die Versammlung. Eine recht gut besuchte Versammlung der Mäntel- Näherinnen. Bügler. Stepper. T r i k o t t a i l l e n- Arbeiterinnen und H e r r e n k o n f e k l i o n s-A rbe iter und Arbeiterinnen fand am 21. August bei Kuhlmey statt. Dicht gedrängt sitzend und stehend folgten die Versammelten mit größler Aufmerksamkeit dem Vortrag der Genossin Frau Schulz, welche an stelle von Frl. Wabnitz in drastischen Zügen den Irassen Gegensatz des Familienlebens der Arbeiterfrauen zu dem der Bourgeoisfranen schilderte, und enischieden verurtheilte, daß die Beamlenfrauen und-Töchter in so rücksichtsloser Weise zu Lohndrückern würden und die ohnehin traurige Lage der Mäntelnäherinnen noch verschlechtern helfen. Ferner geißelte Rednerin scharf das verwerfliche Zwischenmeistersystem, hob den Nutzen einer starken Organisation hervor, und machte eS allen Anwesenden zur un- bedingten Pflicht, sich dem Verbände der Schneider und Schneiderinnen und verwandter Berufsgenossen anzu« schließen. Hierauf trat eine Pause von 15 Minuten zin. nach derstlben konstatirte Kollege Ad. Schulz, daß eirka 40 Personen der Organisation beigetreten seien. Zwischen- meister Neukranz versucht klarzumachen, daß ein Zwischen- meister derselbe geplagte, ausgebeutete Arbeiter sei. wie die eigentlichen Arbeiter und Arbeiterinnen, auch daß eS nur in Händen der Arbeilerinnen liege, bessere Löhne zu schaffen, und bedauert, daß die besseren Arbeiterinnen seltener werden, während nnr»och schlechte Arbeit hergestellt würde. Mit treffenden Worten weist Ad. Schulz die Behauptungen des Vorredners unter stürmischen Beisallsbezeugungen zurück, giebt zu, daß die Zwischenmeisler als Produkt der gegenwärtigen Verhältnisse zu betrachten seien, daß hingegen die Stnsorderungen an die Arbeiterinnen alljährlich größere, die Preise dagegen geringer werden, somit unter solchen Verhältnissen gering- iverthigere Arbeit nothwendig hergestellt werden müsse. Kollege G u n k e l vcrurtheilt ganz entschieden das Lehrlingsunweftn und giebt ein Beispiel der schlechten Verhältnisse der Mäntel- Näherinnen. Hiernach arbeitel die Frau eineS Gelbgießers, da der Mann bereits 14 Wochen krank ist, Mäntel. Der Verdienst ist so gering, daß die Kinder Nachts in Lokalen mit Blumen handeln müssen. Frau Krause bringt Zustände bei einem Zwischemneincr zur Sprache, derselbe ist in feiner Wohnung nicht polizeilich an- gemeldet, läßt die Arbeiterinnen die Sachen anfertigen, giebt ihnen jedoch weder am Zahltage, noch überhaupt je Geld, wirft diese einfach bei Anfrage darum hinaus. Ein anderer Zwischenmeister versucht einen Artikel aus den,„Konsek- tionär" vorzulesen, bringt's jedoch nicht recht zustande, und behauptet schließlich, die schlechte Behandlung der Arbeiterinnen liege an den sozialen Verhältnissen, welche Behauptung vom Kollegen Ad. Schulz gebührend unter allgemeiner Zustimmung zurückgewiesen wurde. Kollege Pfeiffer verauschaulicht die immensen Fortschritte, die die Damenkonfektion durch Jnlelligenz und Fleiß der Arbeiterinnen namentlich in den letzten Jahren gemacht habe, und wie diesen Leistungen ganz entgegengesetzt die Arbeitslöhne stets heruntergegangen seien. fügt Beispiele zum Lehrlingsunwesen hinzu, und plädirt für festen Anschluß an die Organisation, um als organisirte Arbeiter dahin zu wirke», daß das Zwischenmeistersystem falle, die Fabrik inspektion auf die Hausindustrie ausgedehnt werde und, von den größeren Geschäften hauptsächlich, Betriebswerkstätten errichtet iverden. Nach dem Schlußivort der Referentin fordert Kollege Ad. Schulz die Anwesenden auf, sämmtliche Mißstände nach dem Bureau, Schützenstraße 13/19, zu melden, sowie für einen zahlreichen Besuch der nächsten öffentliche» Versammlung nächsten Montag in der„Berliner Ressource", Kommandantenslr. 57, zu agitiren. Hier werde Bericht erstattet vom Züricher Kongreß und finde die Abrechnung vom Streik statt. Eine Bolköversammlung beschäftigte sich am LI. d. M. mit den Arbeitsverhältnissen' in der Brauerei von Oswald Berkiner. Referent war der aus der Brauerei entlassene Stell- macher B r ü ß. Derselbe schilderte i» eingehender Weise die Konflikte, welche er mit dem Maschinenmeister H ä b rin g er und dem Braumeister Kannegießer wegen seiner sozial- demokratischen Gesinnung gehabt hätte, die ein grelles Streiflicht auf die„Arbeiterfreundlichkeil" der dortigen Angestellten werfen. Ein Streit mit einem Schmied gab einen willkommenen Vor- ivand zu seiner Entlassung. Eine neue Arbeitsstelle auf der Berliner Bockbranerei wurde ihm nicht zu theil, nachdem man sich nach ihm bei Berliner erkundigt hatte. Soweit seine persön- liehen Verhältnisse. Die allgemeinen SlrbeitSverhältnisse betreffend, theilte er mit: die ans Akkord beschäftigten Flaschenspüler wurden vielfach zu anderen Arbeiten herangezogen, wofür sie nichts be- kämen. Während der Ernte mußten etliche ans seinem Gute in Reinickendors für 3 M. pro Tag arbeiten. Böttcher G ö d i ck e nahm Berliner in Schutz und niaß Briiß alle Schuld bei, ebenso H ä b r i n g e r. Von anderer Seile wurde hervorgehoben, daß Hikfsarbeiter, die sich bei Berliner organisirt haben, ent- lassen worden sind. Frau Franz tadelte, daß Herr Berliner ans die Aussage eines Maschinenmeisters hin den Brüß entlassen habe, ohne die Sache genau zu untersuchen. Bicrfahrer G e i ß l e r war mit seinen Arbeitsverhältnissen durch- aus zufrieden. H e i n z e stellte entgegen der Darstellung des Referenten die Sache so dar, daß Brüß seine Mitarbeiier habe anschwärzen wollen, daß aber der Spieß umgedreht worden sei. Z a ch a u(Stellmacher) bekundete, daß Brüß bei der Stadt- verordneten-Wahl, als Berliner aufgestellt war, nicht zur Wahl gegangen sei, um nicht gegen Berliner zu stimmen. Zur Mai- seier 1690 habe er gearbeitet, obgleich er anderen von der Arbeit abgeredet hatte. Röhn bezeichnete Brüß als„Unabhängigen" und stellt Oswald Berliner'als durchaus humanen Arbeitgeber dar. Die Erwartung des Brüß, daß seinetwegen die Brauerei boykottirt werden würde, sei hinfällig. Das Resultat der weiteren langen und meist persönlichen Debatten war, nachdem Brüß alle seine Person betreffenden Angriffe zurückgewiesen hatte, der Beschluß, die Angelegenheit Brüß contra Oswald Berliner der Gewerkschaslskommissivn zu überweisen. Eine mäßig besuchte öffentliche Arbelterversammlung für de» Norde» tagte an» 21. August in Pape's Salon, Kol- bergerstraße, um über den Ueberfall des Gasanstaltsarbeiter- Fachveretus zu diSkutiren. Genosse Schwartze vom Agitations- kountee obiger Gewerkschaft legte den Lorfall dar wie folgt: Oben benannter Fachverein habe am 12. August»n Pape's Salon ein Fest gefeiert. Des Nachts gegen 12 Ubr habe eine Anzahl junger Leute zweifelhaften Aussehens Einlaß begehrt, was ihnen verweigert worden sei. Sosort sei von jener«-eile geschlagen worden, gegen 20 ihrer Helfershelfer, die bis jetzt aus dem Hof verblieben, seien nunmehr, bewaffnet mit Mauersteinen, in den Saal eingedrungen und hätten dort eine gefährliche Ranserei veranstaltet. Einer der Gasarbeiter, Schulz, sei dermaßen schwer verletzt, daß er ins Krankenhaus überführt werden mußte. Der Grund dieses Uebersalls könne wohl»ur in dem Vorgehen des jetzigen Wirthes Pape gesucht werden. Derselbe suche nämlich sein Lokal von diesen„Strolchen" möglichst zu säubern. Es sei also ein Racheakt. Die Arbeiter des Nordens inöchten sich mit den Gasarbeilern solidarisch erklären und suchen die Schuldige» zu ermitteln. Der ganz« Norden Berlins sei überfüllt mit allerlei Gesindel, und niemand sicher, des Abends nicht übersallcn zu iverden; anständige Frauen könnten sich des Abends nicht aus die Straße wagen. EL müsse daher für mehr Polizei gesorgt werden; es sei eben Mangel an Schutzleuten, die Stadt solle inehr anstellen, damit der Arbeiter gegen das„Vagabouden- chum" geschützt sei. Redner spricht sich dann noch tadelnd über den Lokalredakteur des„Vorwärts" aus, der seinem wahrheits- gelreuen Bericht die Ausnahme verweigert habe.— Im gleichen Sinne sprechen Müller, Thie und Sonntag. Genosse Fischer hält das Vorgehen der Azirations-Koininisston der Gasarbeiter, die, ohne dem Vertrauensmann Miltheitung zu machen, eine Volksversammlung einberufe», für ein unschickliches; im übrigen sei an dem Strolchenthum � die heutige Gesellschaftsordnung schuld. Der Gen. P ö tz s ch führt aus, daß, wenn der eingesandte Bericht im„Vorwärts" keine Ausnahme fand, jedenfalls Grund vorhanden gewesen sei, an der Wahrheit oder Richtigkeit desselben zu zweifeln. Zur Sache selbst müsse er bemerken: Der Bourgeois würde in diesem Falle einen ungleich leichteren Entscheid treffen können, als ein sozialistisch gesinnter Proletarier. Die Bourgeoisie würde einfach, wie Genosse Schwartze ebenfalls fälschlicher Weise gethan, nach„mehr Polizei und Soldaten" schreien. Diese aber würden niemals in der Lage sein, das Strolchen- und Vagabondenthum beseitigen zu können, dieses sei vielmehr, wie die Prostitution, soivie das ganze Schwindler- und Verdrecherthum überhaupt eine Frucht des heutigen Systems und erst mit dem Fallen des letzteren werden auch seine Begleiterscheinungen verschwinden. Soziales Elend und Roth sei durch Polizeigewalt nicht zu unterdrücken. Daß nun gerade die Arbeiter durch ihre eigenen Brüder,.die allerdings noch unter ihr Niveau gesunkenen, fast versumpsten Opfer der heurigen„Ordnung" gerade am meiste» zu leiden haben, sei gewiß bedauerlich, aber auch erklärlich. Gerade hier in den Arbeitervierteln und nicht in den elegante» Straßen und Wohnungen des Westens, fänden jene Elemente ihre Schlupswinkel; dort seien es die eleganten Hochstapler, die ihr Wesen treiben.— R o d r i a n (Anarchist) wundert sich, daß aufgeklärte Leute in solcher Weise gegen die Strolche sprechen könnten, er bemitleide sie; man müsse suchen, sie aufzuklaren und zu sich heran zu ziehen. Ein Flug- blatt müsse unter ihnen verbreitet iverden; dann empsiehtl er aber auch eine allgemeine Bewaffnung. Der Vertrauensmann des VI. Wahlkreises verweist den Genossen Schwartze an die Preßkonnnission, wenn er meine, sich über den„Vorwärts" be- schweren zu müssen; übrigens sei zu bedenken, daß in solchen Fällen Vorsicht geboten sei,»m nicht überflüssige Prozesse den Redakteuren aiffzuladen. Nachdem noch mehrere Redner ge- sprachen, gelangte folgende Resolution zur Aunahme:„In An- betracht der Aorkommiiisse in der Stacht zum 13. August in dem Pape'schen Lokale erklärt sich die Arbeiterschaft des Nordens mit den Gasanstalts-Arbeitern solidarisch und verpflichtet sich, alles aufznbiete», um die bei dem„Ueberfall" Bcrheiiigten zu er- Mitteln unS zur Rechenschast zu ziehe». Ferner spricht die Versammlung ihre Verwunderung darüber ans, daß der„Vor- wärts", nachdem der Vorsitzende des Fachvereins der Gasanstalts- Arbeiter demselben die Vorkommnisse schriftlich, beglaubigt� durch den Vereinsstempel, mitgetheilt, diesen Artikel im Interesse des betreffenden Vereins nicht gebracht hat.") Die Anwesenden verpflichten sich ferner, unter den Gasanstalts-Arbeitern ausklärend ") Wir ersuchen die Genossen, uns derartige Berichte persön- lich zu überbringe», damit wir uns näher informiren können über derartige Fälle. Hoffentlich legt sich die Erregung der Ge- Nossen, nachven, wir die Sache im Versammlungsbericht aus- jährlich gebracht haben. Red. d.„Vorwärts". zu wirken und für den Fachverein derselben zu agitiren." Hieran erfolgte Schluß der Versammlung. Landsmannschaft d-r Schleswig- galfteiner Herl»». Mittwoch, den 28. August, ZlbendS 8� Uhr, Zufamineukunst der LaudSleule liebst Damen im Kommandanten-iSarten, tkommandantenstr. 10— II. SchleSwtg-Hotfteintsche Zeitungen liegen aus. SoiialdemsKratischer Zigitatisnso-r,!» für Mittenberg Schweiniiz. Mittwoch, de» i3. August, Abends 8£ Uhr, Versammlung Neue Sruustr. i« bei Lehmann. ell-at-rvereln..|(nl>»»it". Sitzung Mittwoch, Abends a Uhr, bei Lehmann, Kaiser granz-Brenadier-Platz 7. 4>«rr>» für Technik und Geiuerdr, Jeden Mittwoch, Abends 8 Uhr, Vorlrag im Lokale Chausseestr. iOZ, Barten l. 2 Dr. Frauen- und Niädchrn- Sildungsverein des ardritenden KolKro für Äcrltn und iuingrgrttd. Mittwoch, den 28. August, Abends«'s Uhr, iin kleinen Saale der„Konkordia", Andreasstrahe at, Wander-Vcrsammlung. Tagesordnung: Vortrag der Genossin Iran Schulz. tirbritrr- Oilduiigafchule. Mittwoch, Abends sss— iozuhr: Nord» Schule, Müllerstr. I7!>ai Unterricht tu Deutsch suiiU. O st- S ch u l e« Marlusslr.«I: Nnterricht in Logik. Süd-Schule, sBiartcndocfecflr. 6: Unterricht tu Beschichte smittl.). Südost-Schule, Reichenbergerstr. 133: Unterricht in Rechnen, Deutsch soberes). In allen Unterrichtsfücheru, mit Ausnahme Mathematik undVuchfllhrung, können noch Schüler und Schülerinnen auch jetzt im Lause des Semeilers, eintreten. Lrst-»»d OisKutirKIud». Mittwoch. I o h a n n I a c o b y, bei Fritz Lictzte, Echwedterstr. 88.— Heine, jeden Mittwoch vor dem»». und IS. j-d. Monals, Ab.«z; Uhr, im Restaur. Brubs, Mariendorserftr. 1v.—Gesund- brunnen, Abends 8?; Uhr, bei Haserland, Äollermannstr. 87.— Bleich- h e i t, AbendS 8� Ubr bei Stramm, Ritterstrabe»28.— Heine, Riidorf Abends sr Uhr, bei Schmidt, früher Albreckir. Knessbertstr. 83.—Otto Reimer, bei A. Brosch, Wilhelmshavenerstr. 28.— Btntgrett, Abends 8»! Uhr, bei Zeige, Trsslstraßc l. Arbritcv-Knngcrbnnd Kertins und Zlmggearitd. Alls Aenderungen im VereinSlalender sind zu richten an Friedrich Kortnm, Manteufselstr. 70. Avb»itrr-Häng«r-»?>>»d Berlins und Umgegend, ztltttwoch.»lebungS- stunde Abends s Ubr, Ausnahme von Mitgliedern.— LiedeSfrei heil i, AndrcaSstr. 20, bei Wille.— Freya,(Gemischter llhor). Alle Schönhauser- strabe 22-28, Bötzow'S Brauerei.— HilariraS, Hochstrabe 82a, bei Wille.— Deutschest che, Blumenstr. 48 bei Wenk.— Echo» Pankow, Schulzsstr. 27.— Besangverein der E t e i n m e tz e n, Flemmingstr.« bei Mann. — Lyra 1, Ranpachstr. 0, bei Siachel.— Hand in Hand», Reichenberger- strab- 18 bei Pätzoldt.— Schneeglöckchen 2, Poisdam. Brandenburger- »onimnntkatton»8, bei Blaser.— Unverdrossen, Abends 8-; Uhr, bei Sachs, Lindowersir. 28.— Rüt lt, Friedenau im Kurhaus.— Vor w arts ii, Friedrichshagen, Rundihetl. b. Lerche.— Lorbeerkranz, Lichtenbergerstr, 21 b. Heise. Eüdo st>. KöpntckcrNr. 191, Restaurant.— Rothe Nelke, Schöneberg, Bolz- strabe 48, bei Siegeler.— Besangverein der Kupferschmiede. Wein- strabe 1» bei Feind.—„Loncordta", Diesteizbachstrabe 8» de» Haitz.—„Deutscher Männerfang", Belsorterstraße Nr.»6, bei Schneider.— �Gesangverein Fretheitsklänge, Alle Jakobstrabe ss. — Unverzagt Langestr. 65 bei Tempel.— Gesangverein L orbeer kran» 2. Oraiiienstrabe»da bei Kalsch.— Gesangverein L ied eSlu si in Fürstenwalde bei Haupi, Münäsebcrger Dhaufsce.— Sä n g« r ch 0 r der Maler, Stall- schreibersirabe 2g zum eichene» Stab.— Freiheiis-Brilb, Schönhauser Allee 48 bei Busse.— Gesangverein„Hos in u»g s", Brandenburg a. H. Kamps Salon.— Gesang-Verein„Tilanta", kuvrystrabe 4« be» Seidler.— Gesangverein Sangesblülh en Blumenstr. 88 bei Henke.— Gesangverein Moabit, Waldstrab- 53 bei Gohr.- Männer- Besang- verein Liederlust, Ftchtcstr. 28 bei R. Krösche.— Besangverein „B l- i ch h e i I", Pappel- Allee 8-4 bei A. Meinhardt.— Besangverein Lyra 8, Britz. Bergstr. 00 in Rtxdors.— Besangverein FrethettSklängea tiberSwalderstrabe 8.— Ka t ser'scher Quarteltverein, Krautstr. 8 bei Rudvl». — Arbeilergesangverein von Britz in Britz. Rosenseeierrasse.— Gesang- verein Sängerfreiheit, Naunynstr. 43 bei Fritz Fröhlich.— E in ig- ke it 8, Brob-Llchterselde, bei Gries.- Jung- E ich e, Reinickendorf. Gesell- schastSslrabe l> bei Harimann.— Georginia, Manteufselstraße 45 bei Liewald.— Einig, Slrautzbergerstr. 8 bei Birk.—„B 0 r w ä r t S 7 RummelSburg, Rummslsburgerstr. 1» bei Borchmaun.— Seeger scher Männerchor, graukfurterstr. 18 bei Kaprolalts.— Besangverein E d e l- weiß, Potsdam, Waisenstrabe 4 bei Ludley.— Däminerl icht, Doppel- Quänett, Landsberger Allee 152 bei Krause. K„„d der tzefellitzen Ardr!ter»«r-i»» Kerlin« und Zlingegend.(Zu- christe» sind zu richien an P. H e n k e l, Bergmannstrasie 3», Hof 8 Tr.) ztlittwoch! Pollack-Klub Lust ige Brüder, Manleüffelstr. 48 bei Liewald. — Beielltzer Berein Fridolin, Brunnenstr. 85 bei Wolfs.— Privat- Thealcr-Berein Durch Nachl zum Licht, DreSdenerstr.»»« bei»rundel. — Tonristenllub Nachtfalle r, Frantfurier Alte- 58 bei Burmann.— Tainbourverein Vorwärts(Rirdory, Hermann- und Wanzlickstraben- Eck- bei«ober.- Rauchklub Eiserne P feise, Triststr.» bei Hossinann. - H u m 0 r i st i s ch« r R a u ch t l u b, Görlttzerstr. 42 bei Pichl.- B°!elliz«Y Verein B rüd er lt ch ke i t Bcoraenkirchstrabe 85 bei Muller.— Mustkvereln P aulen s ch we n g e I Annensträße 18 bei Ehrcnberg.— Berein R h e t or ik Naunynstr. 8° bei gubeil Abends»% Uhr.— Geselliger Berein Hoffnung Leduserstr. 5 bei Nemitz(alle»4 Tage)._.. «Zesonv-, Sur»- und setellige Ncrrine. Mittwoch. Gesangverein Knospe. Abends 8 Uhr, iin Restaurant Wahlstall, Belle-Alliancestrabe.— Musikverei» Vorwärts. Abends 8jj bis lotf Uhr, Langeilrabe 10s bei Nebeltn.— Männer-Bcsangverein Waidkapelle 2, Abends 3»Ihr, R-slaniaur Kayser, Skalitzerstr. 22.— Mustl-Dilellanlenveretn Pr e C t 0 sa. Abend» 8';-ii Uhr UebungSstunde in GeiSler'S Restaurant, genn- und Tegelerstraben-Ecke. �__ Turnverein Hoffnung, Abends 9 Uhr, im Restaurant Schröder, Man- teustelstr. 8.— Krasuurnverein Jugendkraft, Jeden Mittwoch und Sonnabend 9—11 Uhr Abends bei Lade. Z-ughofstr. 8.- Turnverein Gesun»- br n nn c n. Die 2, Männer-Abiheilung lurnl heute von 8!(—iiR Uhr Abends in der Turnhalle, Freienwalderstrabc 88.— Krafttnrnverein Berolina, Abends 8 Uhr Uebungsstunde bei Fanstmann, Reichcuv-rg-rsirabe 7Sa.— Al hieten verein Alias, Abend» 8 Uhr, Uebungsstunde, Brunnen- strabe»54, Lokal Konkordia. Theater- und Bergnügungs- Verein HumanitaS Abends 8� Uhr bei Recck, Loihringerstr.»4,— Theatervcrein„Vulkania 2", AbeiidS Sij Uhr. bei Schulz, Beteranenstr, 18.— Aühuenverband Ot hell 0, Abends 8 Uhr, Restanrani Lothringerstrabc»vi,— Thealer- und Lescklub Morgenroth, s-d-n Mittwoch. Abends 8 Uhr, im Reslauranl Dick-, Loihringerstr. 67. Geselliger VergnügungLverei» Regia, AbendS 8 Uhr, im Restaurant Sommer, Brünstrabe 2t.— Kreuzsidel, bei Snmlich, Reichenverger- straße 119.- Fidel- Brüder, bei H. Mrose, Lachmannstr. 5.- Touristen- verein„Frei Weg" Abend 8 Uhr bei Siedlnkad, Manieusselstr. 88.- «ergnügungsverein Lustig-Froh, Abend« j Uhr, Märkischer Hof, Admiralstr.»8c. Sitzung.— Arbeiler- Zilherklub Fr eih c i tSI länge. Abends von 8— ll Uhr, bei R. Poimncrenke,»ahnstrabo 33, am Bahnhof Grobgörschenstrabe.— Zitherllub Alpenglöckchen Edelweiß. Uebnnasabend BipLstr.»» bei Gollmann. Rauchklub R 0 0 ch l 0 ch, Abends 0 Uhr. bei Kterstein, Admiralstr.»».- Rauchklub R 0 t h e R e l l 0. bei Steuer, Wewstr. 22.-Humor ist i s ch e r Rauchklub, Abends 8 Uhr, bei«.«liemann, Görlitz-rlir.43.— Rauchklub Sans f 0 n c i, Boeckhstrabe 01.— Rauchlluv Ohne Zwang, Abend« s Uhr bei Späth, Weinstr. 2«.— RauchNlib W V ü 11 c Quaste, Abend« 8 Uhr, bei Schluler. Kletne MarkuSstr. 10. Nauchklub Vulkan, Abend» 8 Uhr be» Gittler, Mariannenstr. 4«.— Rauchltub., G 0 ldenc Quaste", Abends 8 Uhr bei Muß, Jostystr. 8.— lliauchllnvgulgestnnierFrelind e. Abend- 8 Uhr bei Renmann, Höchllestr. 28.— Rauchklub S ch m 0 ke S- Werke, köpenickerstrabe»2»» bei Schöbol.— Rauchklub„Vorwärts SO.. Wald-uiarstraßs 74 bei George.— Humoristische Pfeifen b rüder AbendS 8 Uhr, Klosterstrabe 88, beim Genossen W. Saljwcdel.— Ranchllud Deulsche Eiche, Abenb« 8 Ubr bei John, Maldemarstr. 52,— Rauchklub Lustige Brüder Abends a1; Uhr Manieusselstr. 85 bei Möbius.— Rauchllub A r c 0 n a AbendS von 0—»» Uhr bei Bernhard, Skalitzerstr. 41.— Ranch-Klub Einfach, Abends 8 Uhr, Maitteusfelstr. Rr, 5 bei Bogt.— l r d e n i s ck> e r Rauchklub bei Gädecke, Mllnchebergersir. 5. Ekattlub Tress, Abends 8i; Ul», bei Otto Zabel, Frankfurter Alleeso. Lei»««»« Amvi'iasn Llud Unolv Ssm. 0 o'clock, Restaurant 62, Königstrasse. Guests aie welcome, Engiish IConversational Club Shakespeape» Meeting every Wednesday of 9 o'clock atNeumann's Restaurant, Rosenthalerstr, 36. Guests are welcome. Vevtnisrhkes. Ueber das Gr»ben»nglült auf Zeche Kaiserstuhl erfährt unser Dortinundcr Parteiorgan noch folgendes: An» Sonntag Morgen 10�/2 Nhr kam auf Flötz Stull der ersten Soole eine Erplosion schlagender Wetter vor. In ge»a>»ntem Flötz waren, ivie»vir erfahren konnten, 76 Mann angefahren, von denen bis Nachmittag 4 Uhr 14 Mann als Verwundete und 23 Mann als Tobte herausgebracht wurden. Zirka 30 Mann sollten Nach- mittag 5 Uhr noch darin sein, man meldete auch, daß viele Leute der Morgenschicht bei den Rettungsarbeite» geblieben sein sollen. Fest steht»vohl, daß ungefähr 60 brave Bergleute ihren Tod im Dienste des.Kapitals gefunden haben. Den Ver- unglückten, die herauskamen, waren Haare und Bart gänzlich verbrai»nt, einzelnen hing die Haut in Fetzen vom Gesicht her- unter. Die Todten, die Nachmittags heraufgebracht wurde», waren zum Theil gänzlich verkohlt. Eine grauenvolle Zerstörung ist durch die Erplosion erfolgt, die beiden Bremsen, die sich iin Flötz befinden, sind gänzlich zerstört. Gewaltige Steine sind los- gerissen. Fördenvagen stehen ans dem Kopf, Grubenschienei» sind losgerissen, und unter diesen Trümmern liegen die verunglückten Bergleute, die nun infolge des Nachschwadens noch gar nicht heraufgeholt werden können. Auf den» Zechenplatz wartete eine zahllose Menge Frauen, Mütter, Kinder in banger Erwartung auf ihre Angehörigeu. Erfahren konnten sie nichts, die Berichte waren»vidersprechend, daß niemand so recht Klarheit erhielt: sind meine Angehörigen gerettet, ober sind sie noch in der Grube. Nun kommen hinterher die Untersuchnngen, wer die Schuld an dem Unglück trägt, ist es«in Bergiygun gewesen, der die Lnnipe offen gcmndjt hat, hat einer ein Streichholz angezündet? Aber ein Bergmann mich es gewesen sein, die hoch- r othpeinliche Untersuchung wird schon etwas Aehnliches ergeben, Schnld an dem Unglück ist, mag der direkte Anstoß dazu fein, welcher es will, die kapitalistische Produktionsweise, die den Berg- mann zwingt, ungeachtet der Gefahren, weil ihm das Gedinge so heruntergedrückt worden ist, um seine Familie zu ernähren, die ihm zur Verfügung stehende Zeit voll auszunutzen. Wurde dem Bergmann ein anständiger Lohn gezahlt, so käme er nicht in Versuchung, gegen die Vorschriften des Oberbergamts zu ver- stoßen. Die privatkapitalistische Wirthschajl mit ihrem Ausbeutungssystem trägt allein die Schuld an diesen schrecklichen Un- glücken, sie ist schuld an dem namenlosen Weh, welches über die Familien der Verunglückten gekommen ist. Nur eine geregelte Produktionsweise kann annähernd eine Garantie für die Abwehr derartiger Katastrophen bieten. Ueber die Beerdigung der verunglückten Bergleute meldet ein Wölpsches Telegramm: Dortmund, 22. August. Dienstag Nachmittag wurden die Leichen der bei der Explosion schlagender Wetter auf Zeche„Kaiserstuhl" Verunglückten feierlich beerdigt. Die Regierung, das Ober-Bergamt, die Behörden, sowie sämmt» liche Zechen des Nuhrbezirkes waren vertreten, die Belegschaften der Zechen aus der Umgegend vollzählig erschienen. Auf 20 Leichen- wagen wurden die Särge nach dem Kirchhofe gefahren. Die ganze Stadt hatte Trauer angelegt. Der Dom von Ratzenburg, ein romanischer Bau ans dem 12, Jahrhundert ist am Sonnabend Nachmittag während eines heftigen Gewitters durch einen Blitzstrahl getroffen worden. Der verhängnisvolle Blitzstrahl fuhr in die Dachreiter über dem Mittel- schiff der Kirche und sprang von hier auf den Hauptthurm über, sodaß bald die hellen Fiammen emporloderten. Die Feuerwehr stand dem Element vollkommen machtlos gegenüber; im Verlauf weniger Stunden war das prächtige Bauwerk vollkommen ein- geäschert, sodaß nur die Umfassungsmauern stehen geblieben sind, Doch sollen die mannigfachen prächtigen Kunstschätze, wegen derer der Dom von Hamburger Ausflüglern vielfach aufgesucht wurde, gerettet worden seien. Der Dom war eine der ältesten Kirchen im Nordwesten Deutschlands. Eine Hundötagögcschichte berichtet aus Karlsruhe ein badisches Vlatt:„Am Montag, den 14,'d, M., Vormittags, sollen im sogenannten lutherischen Wäldchen zwischen dem Stadttheil Mühlburg und Daxlauden zwei Herren, der eine im Alter von LS bis 42 Jahren, der andere etwas älter, elegant gekleidet, anarchistische Pläne berathen haben und dabei von einer Frau, die aber nicht näher beschrieben ist, belauscht worden sein. Auf Veranlassung des andern schoß danach der eine aus einem scharf- geladenen Revolver aus die Frau, die aber offenbar nicht ge- troffen wurde. Ob diese Angaben, welche in glaubwürdiger Weise auf der Kriminalpolizei gemacht wurden, den Thatsachen ganz entsprechen, entzieht sich vorerst der genauen Kontrolle. Doch hat die Staatsanwaltschaft bereits auf die Ergreifung der beiden Anarchisten eine Belohnung von 500 M. ausgesetzt." Die große, große Hitze! Unsere Vermuthung hat sich bestätigt. Die Änarchistengeschlchte, die die Staatsanwaltschaft veranlaßt hat, eine Belohnung von öOO M. auszusetzen, scheint sich als Schwindelgeschichte entpuppen zu sollen. War schon für eine Holzsrau die Beschreibung der angeblichen Anarchisten eine weit über ihr Begriffsvermögen hinausgehende, so erscheint es noch räthselhafter, daß die Frau so viel politisches Verständniß besitzt, um sofort aus dem Gespräch zu erkennen, daß man es hier mit anarchistischen Plänen zu thun habe. Die Polizei ist äugen- scheinlich derselben Ansicht, doch forscht sie noch nach den Gründen, welche die Holzfrau zu ihrem anarchistischen Märchen veranlaßt hat, das in Verbindung mit dem Donaueschinger Cholerafall das Gespräch an säwmtlichen Bier- und Weintischen bildet. Die Cholera. Der Budapester Korrespondenz zufolge ist es dem Eingreifen des ungarischen Minister des Innern gelungen, die während der letzten Wochen in den nordöstlichen Theilen Ungarns in kleinecin oder größerm Umfange aufgetauchten ver- dächtiqen Erkrankungen einzudämmen, namentlich in dem Rar- marosfer Komitate. wo Tausende von Bahnarbeitern durch eine Dysenter ie-Epidemie bedroht sind. Dagegen ist es bei den während der letzten 24 Stunden im Szolnoker Komitate, nament- lich längs der Theiß vorgekommenen Erkrankungen(in Szolnok selbst 8, an verschiedenen anderen Orten 16) noch nicht aus- geschlossen, daß hier Cholerafälle vorliegen, da das Ergebiiiß der bakteriologischen Untersuchung noch aussteht. Der Staats- sekretär Jozsika hat sich nach Szolnok begeben, um eine Kontrolle und die energischsten Maßregeln anzuordnen.— In den letzten 24 Stunden(seit Freitag) wurden aus Neapel 10 Erkrankungen an Cholera und 6 Todesfälle gemeldet. In der Provinz Campobasso ist die Epidemie auf Fossalto beschränkt, und auch dort zeigt sie einen leichteren Charakter.— In den ungarischen G r e n z k o m i t a t e n breitet sich die Epidemie immer mehr aus. Die ungarischen Behörden sehen aber gleichgiltig dem Ueberhandnehmeu der Krankheit zu, ohne irgend welche Maßregeln zu treffen. Ein Telegramm über die Ausdehnung der Cholera, das in Körösmezö von einem galizischen Arzte an die galizische Statthalterei gerichtet wurde, hat das ungarische Telegraphenamt inhibirt.— C z e r n o w i tz, 22. August. Bisher sind drei verdächtige Erkrankungen hier festgestellt worden. Zwei von den Erkrankten Isind bereits gestorben. Die Aerzte glauben asiatische Cholera konstatiren zu müssen.— Wien, 21. August. Nach amtlicher Meldung sind im Bezirke Nadworna am 19. und 20. August 14 Cholera-Erkrankungen und 8 Todes- fälle, in der Stadt Kolomea 2 Erkrankungen und 3 Todesfälle, in Czerniatyn 3 choleraverdächtige Erkrankungen und 1 Todes- fall vorgekommen. Bei einem in Czernowitz am 19. d. M. stattgehabten Todesfall wurde als Ursache Cholera usiatiea konstatirt. Nach amtlicher Meldung sind im Gouvernement Kalisch vom IL. bis zum 16. August 97 Personen an Cholera erkrankt und 33 gestorben.— H e l f i n g f o r s. 22. Aug. Hier sind bereits 40 Erkrankungssülle an Typhus vorgekommen, außer mehreren verdächtigen Fällen; einige Cholcrabaracken sollen zur Ausnahme von Typhuspatienten eingerichtet werden. Dep»el'ckie»r. » n d a n t e n st v a ß e, Ecke Kinde u strafe. 8pi6Ae!- u. Polsterwaaren-Magazin. Ganze Ausstattungen Küchonmöbel In grosser in Mahagoni u. Nussbaum. 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