Ur. 144. RbonnementS'ßedindQnaen: Abonnements. Preis prSnnmerando i Sicrtcljährl. 3�0 Mb, vwnatb l.lv Mb, wöchentlich 2S Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags. numnicr mit illustrierter Sonntags» Vellage»Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post. Zcitungs» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostabonnementS lichmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxenlburg. Portugal, zumiänien, Schweden und die Schweiz, 28. Jahrg. vi« TnftrflenS'GebOljr leträgt für die fcchsgespaltene Kolonek» »eile oder deren Raum K0 Pfg.. für politische und gewerkschastliche Vereins« und Versammlungs-Anzeigen 30 Psg. „AUhu Hnxelgen", das settgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 scttgcdrulkte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenan- -eigen das erste Wort 10 Psg.. icdcs weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- stoben zählen für zwei Worte. 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Auch derjenige, der den Vorgängen in Wien nur von außen, als kühler Beobachter, gefolgt ist, mutz von der zerschmettern den Niederlage, die die Christlichsozialen in Wien gestern er litten, aufs stärkste überrascht sein. Denn es wird nicht oft vorkommen, datz eine Partei so restlos besiegt wird, wie es gestern den Wiener Christlichsozialen gesdhah. Von den 33 Abgeordneten, die Wien in den Neichsrat entsendet, waren bisher zwanzig C h r i st l i ch s 0 z i a l e: das war nicht nur die grotze Mehrlieit, das war in dem ganzen bürgerlichen Wien sogar die absolute Herrschaft. Und gestern ist ihr „Besitzstand" in Wien auf drei Mandate gesunken: nur drei von. ihnen, und zwar die Unbedeutendsten und Unbekann testen, haben sich vor der Wut der entfesselten Elemente ge rettet, wogegen siebzehn in der Flut rettungslos unter gegangen sind— einer hatte sich schon vor der Wahl von ihnen getrennt, und nur so das Mandat bewahren können— wogegen diesmal alle ihre Führer auf �der Walstatt ge blieben sind! Schon das ist eine Niederläge, die ohne Bei' spiel ist. Aber nur wer die politischen Verhältnisse in Wien kennt, nur der ermitzt diese zerschmetternde Niederlage ganz. Denn die Christlichsozialen waren in Wien nicht eine klotze Partei, die Flut und Ebbe kennt, manchmal siegt, manchmal unterliegt: sie erschienen als die Stadt selbst, als unerschiitter bar und unbesiegbar. Seit 1895, da Lueger die Mehrheit im Gemeinderat eroberte, war es bei den Christlichsozialen ein fast unaufhaltsamer Siegeszug. der das ganze Wien ver schlang und demgegenüber sich nur. das klassenbeivutzte Prole tariot behauptete: war es ein umuiiterbrochencs Erobern, dem die Stadt, das Land und schließlich der Staat in die Fänge geriet: war es eine schrankenlose Herrschaft, die in alle Poren eindrang und die alle Lebensverhältnisse der Menschen sich unterwerfen konnte. Jeder dieser Führer schien unent wurzelbar, jeder gebürdete sich aus seineni Gebiete als ein Despot, dem alle Willen zu gehorchen haben. Und gestern sind sie alle weggefegt worden, ist die christlichsoziale Tyran-nei zertrünimert, mit der Wurzel ausgerottet worden! Alle sind sie gefallen, die vor kurzem noch übermächtig erschienen: der Landmarschall von Niederösterreich, der Bürgermeister Wiens, der Präsident des Abgeordnetenhauses, zwei gewesene und eine aktive Ministerexzellcnz, die Landesausschüsse, Vize bürgermeister, Stadträte, die Gemeinderäte und Bezirksvor steher, alle liegen sie geknickt am Boden, und ihr Fall ist so sie gefallen sind, wie sie geschlagen wurden! Und wie sind gefallen sind, wie sie geschlagen wurden! Das war keine Zufallsabslimmu'ng, keine knappen Mehrheiten: jeder Sieg, der gestern in Wien über die Christlichen erkämpft wurde, erfolgte mit überwältigender Mehrheit. Es war geradezu, als ob die Wähler zu den Urnen laufen würden, als ob sie die Wahllokale gestürmt hätten und die Christlich. sozialen mit Begeisterung zu' Tode gestimmt haben! Eine solche Ausrottung einer Partei, wie sie gestern in Wien ins Werk gesetzt wurde, ist selten. Aber der Fall einer Partei von der glänzendsten Höhe in den> tiefsten Abgrund, der lückenlose Fall einer vor Jahr und Tag allmächtigen Partei ist wohl noch nie erschaut worden. Von diesem gewaltigen Siege über die Christlichsozialen in Wien und Niederöstcrreich, der hier ja vor dein Wahltag angekündigt wurde und dessen Ursachen wir schon dargelegt haben, ist der Löwenanteil natürlich an die Sozialdemo- traten gefallen, wenngleich auch zugegeben werden mutz, datz nicht minder die Freiheitlichen profitieren. Haben sie doch in Wien, wo man sie eigentlich ausgestorben wähnte, gestern zehn Mandate erobert: was kein geringer Erfolg ist, wenn auch die Freihcitlichkcit ihrer Gewählten bei Tageslicht ein recht buntscheckiges Bild zeigt. Für unsere Partei bildet der Ausgang der Wahl in Niederösterreich den großen Erfolg. der die empfindlichen Verluste, die uns sonst auf allen Punkten und insbesondere in den Sudetenländern beschicden waren, wenigstens zum Teile mildert. Wir haben in Wien zehn Mandate gewonnen, haben nun in der Hauptstadt neunzehn Mandate, und haben auch in den niederöstcr- reichischen Provinzstädten zwei neue Wahlbezirke in unseren Besitz gebracht. Nebst diesen Siegen waren uns nur zwei Erfolge erreichbar: das Mandat von Asch in Böhmen und der Bezirk Würbental in Schlesien sind erobert worden. Das sind vierzehn Gewinne, die den zwanzig Ver- l u st e n entgegenstehen, die wir in den übrigen Bezirken zu verzeichnen haben. Und von diesen Verlusten entfallen nicht weist ger als dreizehn auf die eigentlichen Industrieländer (sieben auf Böhmen, drei auf Mähren, drei auf Schlesien), so daß wir gegenüber der Eroberung von 1997(21 Mandaten) nun mit den diesmaligen zehn Mandaten mehr als schlecht ab- schneiden und recht kümmerlich dastehen. Ueber die mannig- fachen Gründe dieser Zurückdrängung wird noch zu reden sein: in der Hauptsache besteht sie darin, datz sich gegen uns überall der absolut geschlossene Heerbann des gesamten Bürgertums gesammelt hat. Wie lückenlos, zeigt wohl er- schöpfend die Tatsache, daß von den 42 Stichwahlen, an denen wir außerhalb Niederösterreichs beteiligt waren, nicht mehr als zwei zu unseren Gunsten abgeschlossen haben ein Beweis, wie wir überall, außerhalb Wiens, auf die eigene Kraft angewiesen waren und sind! Das Gesamtergebnis betrach- tet, geht die deutsche Partei aus dem schweren Wahlkampf mit 44 Mandaten heraus, verzeichnet also einen Schlußverlust von sechs Mandaten. Das ist bitter, aber als Fazit der Zerschmetterungsabsicht ist es blutwenig. Die t s ch e ch i- sche Partei schließt den Kampf mit einem Gewinn ab sie hat diesmal zwei Mandate mehr heimgebracht und zählt nun 26 Abgeordnete. Der Erfolg ist in M ä h r e n zu suchen wo es ihr gelang, mit den Bürgerlichen ein Kompromiß der Klerikalen auf der ganzen Linie zu schließen, das ihr so etwa sechs bis acht Mandate verschafft hat: nun gleichen die mährischen Gewinne ihre Verluste in Böhmen und in Schle sien aus. Die polnischen Genossen, die noch zwei Stichwahlen haben, haben schon jetzt ihren früheren Besitzstand erreicht. Die ruthenische Partei hat ihre zwei Man date noch zu suchen: die Wahlen sind in Galizien noch nicht abgeschlossen. Die italienischen Genossen haben nun drei Mandate statt der ursprünglichen fünf und späteren viea Gewählt sind bis jetzt 79 Sozialdemokraten(gegen 87 im Jahre 1997), was wahrlich nicht nach Schwäche oder Entmutigung aussieht! So hat die Sozialdemokratie in allen Nationen die An stürme der Gegner gut überstanden und kann frohen Mutes in die Zukunft sehen. Wenn wir den Bruderparteien im Ausland auch nicht melden können, datz wir eine Million Stimmen gewonnen haben— das ist bei der Rückständigkcit unserer Verhältnisse auch nicht möglich—, so haben wir doch Stimmen gewonnen und besitzen die Sicherheit, daß die Ar beitermasscn in unserem, Lager stehen. Und neunzehn Mandate in der Haupt st adt sind auch kein gewöhn licher Erfolg! Die Oesterreicher haben sich auch diesmal tapfer geschlagen und die Internationale darf mit ihnen zu frieden sein._ Die nationaliitiiche Ihetze in eifaß- Lothringen schlägt angesichts der kommenden Landtagswahlen schon jetzt recht hohe Wellen. Da steht in Strasburg an der Spitze des bis- lang antiklerikalen Spietzbürgerblattes„Journal d'Alsace-Lorraine" der alte Freimaurer und Schwärmer für bürgerlich-republilanische Klasscnpolitik nach französischem Muster, Herr Lson Boll, ein Held der Phrase und der Konfusion, wie er ausgeprägter nur schwer irgendwo zu finden sein dürfte. Seine Heiligen sind nacheinander Waldeck Nousseau, CombeS und Briand gewesen, und entsprechend dem politischen und sozialen Niedergang, der sich in der schwärmerischen Verehrung des letztgenannten Vorbildes aller jener Streber und Komödianten ausspricht, die man in Fankreich unter der Sanimel bezeichnung„arrivistes" versteht, ist er jetzt glücklich bei den gleich- gerichteten Nationalhelden der engeren Heimat, den Blumenthal und Wetterlö, gelandet. Der durch die Parteigruppierung des Hotel de France in Stratzburg hervorgerufene nationalistische Rausch läßt für ihn auch den letzten Schimmer von parteipolitischen Gegensätzen und Unterschieden des Klassenstandpunktes im Nebel untergehen. Jetzt schwelgt er im Uebermatz des nationalistischen PhrasengebinmielS und— des politischen Unverstandes. So stellte er u. a. die Frage:„Hat der alte Bebel in seiner Eigenschaft als S 0 z i a I i st oder in der als Deutscher für die neue elsatz- lothringische Verfassung gestimmt?— Und Konrad Hauhmann, Naumann, Müller-Meiniugen haben sie als Demokraten oder als Deutsche gestimmt?— Und Dr. Zehnder, Dr. Schädler, haben sie als Zentrumsleute für die Verfassung gestimmt oder als Deutsche?'— Recht gut antwortet ihm auf diesen Versuch der Stempelung unseres Bebel als Pangermanen ein b ü r g e r li ch- demolratisches Blatt, die„Stratzburger Neue Zeitung": „Die Schamröte steigt einem ins Gesicht angesichts dieser S t i m m n n g s m a ch e r ei, die hier versucht wird. Und wir würden, wenn wir uns des Wortschatzes des Herrn Boll bedienen wollten, sagen, datz es eine„rars insolenca" sei, solche Fragen zu stellen. War es in seiner Eigenschaft als Deutscher, datz der Abgeordnete Bebel nach 70 gegen die Annexion Elf atz- Lothringens protestiert hat, oder hat er lediglich nach seiner in»ersten Ueberzeugung gehandelt, in- dem er gegen einen Akt protestierte, den er als eine Ungerechtigkeit auffatzte: Ist es nicht eine Schmach, datz ein elsässi scher Politiker so schnell vergessen konnte, datz Bebel wegen dieser muligen Stellungnahme s i ch einem Sturm der Entpüstung in Deutschland aussetzte, und datz er deshalb des Hochverrates an- geklagt wurde und für die elsässische Sache, zu deren Verteidiger er sich aufgeworfen hatte, zwei Jahre im Gefängnis schmachten mutzte? I Ist es in seiner Eigenschaft als Deutscher, datz Bebel vor Jahre» von Stratzb'urg in den Reichstag geschickt wurde, oder hat die Stratzburger Bevölkerung ihm damals das Vertrauen deshalb geschenkt, weil sie wutzte, datz sie in Bebel einen warmen Fürsprecher ihrer Interessen finden werde?! Er- innert sich Herr Boll nicht mehr daran, mit welcher Energie Bebel gegen den Patzzwang und gegen den Diktatur- Paragraphen angekämpft hat. Es entspricht den ele- nientarsten Regeln des An st an des, in diesem Falle auch dem politischen Gegner gerecht zu werden, und Ivir hoffen. datzHcrrBoll in der Beivertung Bebels in Elsatz-Lothringen allein dasteht, und datz man mit Entrüstung auch in nichtsozialistischen Kreisen die Insinuationen Bolls verurteilen wird." Ist es schon Tollheit, was die Boll und Wetterlö hier beharrlich zusammenschmieren, so hat eS doch Methode. Mit Recht kann ihnen geantwortet werden, daß die preutzischen Junker, die Heydebrand und Oldenbnrg-Januschau, Mann für Mann für die neue clsatz- lothringische Verfassung hätten stimmen müssen, wenn diese elsässisch- nationalistische Argumentation richtig wäre. Sie sind doch, mit der Presse von der„Kreuz-Zeitung" bis zu der„Rheinisch-West- fälischen", die echten und berufenen Stützen des„Deutschtums" I Leider haben die reichsländischen Behörden aus der Vergangen- heit nicht das geringste gelernt, wie wieder die am letzten Freitag erfolgte Auflösung der einheimischen Studenten- Vereinigung„Esrcls des ötudiants alsaciens- lorrains" in Stratzburg gezeigt hat. Zugleich ist die Ver« Weisung des aktiven Mitgliedes der Vereinigung, des stud. xllil. Stephan M ü n ck von der Universität als Verfasser eines angeblich „deutsch-feindlichen" und das„sittliche Gefühl schwerverletzenden", ferner „die katholische," evangelische und jüdische Konfession in frivoler Weise verhöhnenden" BierulkeS im offiziellen Semesterbericht für das Wintersemester 1910/11 erfolgt. Endlich ist den jetzt noch immatriku- lierten Mitgliedern des Vorstandes.des Wintersemesters 1810/11 die Verweisung von der Universität angedroht worden,„weil sie ihre Pflicht in grober Weise vernachlässigten, indem sie die Drucklegung des Berichts zulietzen, ohne sich vorher seinen Inhalt zur Prüfung unterbreiten zu lassen". Es ist charakteristisch, datz von allen Blättern im Lande nur die nationalliberale„Stratzburger Post" und die direkt deutsch- chauvinistische„Mctzer Zeitung" die harte Matzregel, die im Lande wieder viel böse§ Blut macht, billigen, und auch diese erst auf die nachhaltige wüste Hetze der„Rheinisch-Westfälischen Zeitung" hin. Matzregeln solch reaktionären Charakters sind treibende Wasserstiirze auf die nationalistischen Mühlen, und eS ist begreiflich, wenn mit Bezug auf die intellektuelle Urheberin derartiger Großtaten der N 0 u v e l l i st e" WetterleS neulich schrieb: Wenn die„Rheinisch- Westfälische Zeitung" eines TagS aus Mangel an Mitteln eingehen sollte, so wäre es nationalistische Pflicht im Eisatz, sie durch ein eigenes Finanzkonsortium unter Wahrung ihres bis- herigen Programms und Charakters weitererscheinen zu lassen. Ihre Hetze rentiert sich im Interesse der nationalistischen Bewegung in Elsatz-Lothringen, die ohne solche Förderung bald auf dem Trockenen liegen würde. Unterdessen suchen die eliässischen Klerikalen nach echter Jesuitenart sich durch die steigende nationalistische Welle emportragcn zu lassen, ohne die Fühlung mit dem Militär- und marinefrommen Reichszentrum, dessen AusgabenbewilligungSpolilik die Nationalisten offiziell bekämpfen, ganz zu verlieren. Der Beschlutz auf dem Delegierten tag des elsatz- lothringischen Zentrums vom 11. Juni, wonach die Kreisorganisationen der„unabhängigen" elsatz« lothringischen Zentrnmspartei auch in Zukunft s e l b st ä n d i g darüber zu befinden haben, ob der Elsatz-Lothringischen Zentrums- Partei angehö rende Abgeordnete gleichzeitig derZentrums- raktion deS Reichstages angehören sollen, zeigt, datz die im gleichen Atemzug beschlossene Trennung von dem neu zu gründenden RcichSausschutz der deutschen Zentrumspartei eine leere Komödie ist, bestimmt, die durch die Steuerpolitik der Schnapsblöckler im Reichstag erbosten Wähler auf dem Umwege über die nationalistische Brücke wieder für den Block der Junker und Pfaffen einzufangen. Es ist eine dankenswerte Aufgabe, ein Gebot der politischen Moral, dieses Doppelspiel zu entlarven. Dazu werden unseren Genossen im Lande noch vor den ReichstagSwahlen die ellatz-lothringischen Landtags Wahlen Gelegenheit bieten, bei denen es heißen wird: Farbe bekennen! Sie Reform der illterzveriicherung. Aus Paris schreibt man uns: Die in der letzten Woche abgeschlossene Diskussion des Parlaments über die Durch- ührung des AlterSvcrsichcrungsgcsctzes ist nicht fruchtlos ge- Wesen. Es ist unseren Genossen gelungen, die Regierung und die bürgerliche Mehrheit auf ein umfassendes Verbcsserungs- irogranim zu verpflichten, nach dessen Ausführung sich die ranzösische Altersversicherung neben den ausländischen Ge- ctzen tvird wohl sehen lassen können, Das Gesetz hat sowohl den Senat als die Deputierten- kamnier beschäftigt. Im Senat handelte es sich hauptsächlich um die Sicherung des Versichcrungszwangs, den die groß- kapitalistischen Vertreter vermittelst der Ausnützung der von den revolutionären und den guesdistischen Sozialisten enip- 'ohlenen Obstruktionstaktik durchbrechen möchten. Sic wehren ich gegen die Zumutung, den Beitrag der Arbeiter, die ihre Anmeldung unterlassen haben und dem Gesetz Widerstand leisten, abzuziehen. Die Angelegenheit ist in der Tat juristisch nicht ganz klar gestellt und politisch keineswegs leichr zu nchnien. So hat sich denn der Arbcitsministcr entschlossen, die Frage den Gerichten zur Entscheidung zu überlassen. Im übrigen ließ er sich das Mandat geben, das Gesetz mit„Klug- heit und Entschiedenheit" durchzuführen, was freilich nicht all- zuviel besagt. Die Verhandlung der Deputiertenkammer hatte einen weitaus größeren Zug. Es handelte sich darum, angesichts der Obstruktion, die das Gesetz gefährdet, dieses den Massen annehmbarer zu machen. Noch einmal legten die So- z i a l i st e n seine schweren Mängel dar. Das ging nun allerdings nicht ab, ohne die Meinungsgegensätze'innerhalb der geeinigten Partei in nicht gerade erfreulicher Weife deutlich i machen. Genosse B r i z o n besMlibelte das Gesck im Jargon der C. G- T. und seiner engeren Freunde um des Arbeiterbeitrags willen.als„Gaunerei". Vailla nt sprach sich gegen den Arbeiterbcitrag aus, erklärte dagegen ikn Gegensatz zu den Syndikalisten und Jules Gucsde den Unter- Nehmerbeitrag für unentbehrlich und gorecht und forderte schließlich, damit das Gesetz annehmbar werde, die Herab- setzung des Bezilgsalters auf 60 Jahre und die Ausdehnung der Versicherung auf die I n v a l i d i t ä t. Betoulle legte insbesondere dar. daß die Beitragsansetzung mit der Arbeitslosigkeit zu wenig rechne, Coinpirc-Morel, daß die kleinen Halbpächter durch die Versicherung ihrer Arbeiter unerträglich belastet würden, während die Grund- eigcntümer befreit seien. In einer zwei Sitzungen beanspruchenden Rede vertrat I a u r e s seine Anschauungen. Er verteidigte das Kapitasisationsvcrfahren gegen den Verdacht des„Diebstahls", forderte aber die Erhöhung des Staatszuschusses auf 100 Fr. Weiter bekannte er sich, mit Berufung auf die Stellung der deutschen or- ganisierten Arbeiterschaft, als prinzipieller Anhänger des Arbeiterbeitrages und bestritt die von Brizon behauptete Gefährlichkeit der Versicherungskarte für den Arbeiter, da die wirtschaftlichen Kämpfe immer mehr im Licht der vollen Oeffentlichkeit geführt würden. Weiter verlangte er gleich Vaillant die Herabsetzung des Bezngsalters auf W Jahre, wie es schon der seinerzeit von der Deputierten- kammer beschlossene Entwurf vor seiner Entstellung im Senat bestimmt hat und die Aufhebung der in verdienstvoller Weise vom Genossen R e b o u l beleuchteten Bestimmung, daß die eine Altersunterstützun g beziehenden Greise von der Versicherung ausgenomnien werden sollen. Die Kosten der drei Verbesserungen berechnete er auf 60—70 Millionen. Der Finanzminister C a i l l a u x gab hierauf ini Namen der Regierung eine sehr bedeutsame Erklärung ab, deren Hauptpunkte dann in folgender, auch von Janres akzeptierten Tagesordnung, die der Radikalsozialist D a l i m i e r beantragte, zusammengefaßt wurden: „Die Kammer bleibt dem Prinzip des dreifachen Bei- trags sArbeiter, Unternehmer. Staat) treu, vertraut auf die Rc- gierung, daß sie das Gesetz mit ebensoviel Entsckiiedenheit als Klugheit zur Ausführung bringen wird, nimmt ihre Erklärungen in bezug auf die Invalidenversicherung zur Kenntiris und ist überzeugt, daß das ivirksamste Mittel, um daS Gesetz anzuwenden. seine Verbesserung in möglichst kurzer Frist ist. Sie erwartet von der Regierung die Einbringung eines Gesetzes im Rahmen des Finanzgesetzes von 1312, das die Herabsetzung d eS Alters auf 60 Jahre. die Festsetzung des StaatSbeitragS auf 100 Fr. und die Umwand« lung der AlterSunter st ützung in eine Altersrente von IM F r. für alle,. die das BezugSalter erreicht haben, zum Inhalt haben wird." Ucber jeden Satz dieser Resolution wurde besonders ab- gestiinmt— mit wechselnden Stimmenverhältnissen. Für die „Verbesserung in möglichst kurzer Frist" wurden 542 gegen eine Stimme abgegeben, die gesamte Resolution mit 359 gegen 69 Stimmen angenommen. Die großkapitalistische Presse ist wütend. Ihr bleiben allerdings zwei große Hofsnungen: der Senat und der S t U r z' der nichts weniger" als"festsitzenden R e g l erun g. Auch die„Bataille Syndicaliste" rüstet nicht ab uitd erklärt, nach ivie vor das auf die Kapitalisation auf- gebaute Gesetz bekämpfen zu wollen. Indes ist vorauszusehen, daß das Mißtrauen und der Widerstand der Massen, sobald erst einmal die Verbesserungen beschlossen sind, erschüttert werden wird. Besonders die Herabsetzung des Bezngsalters wird das Gesetz sicher populärer machen. Es mag richtig sein, daß ohne die Agitation der C. G- T. die Konzcssionen, die das Gesetz den Massen mundgerecht machen sollen, nicht erreicht worden wären. In der Bourgeoisrepublik ist nun einmal alles— darum auch die Arbciterpolitik— auf Demagogie eingestellt. Aber nun wäre es an der Zeit, daß die Arbeiter- schaft, statt den leichten Obstruktionsmechanismus weiter zu handhaben, sich damit befassen sollte, die bürgerlichen Parteien zur Einhaltung der übernommenen Verpflichtungen zu zwingen und den bisher viel zu wenig beachteten Widerstand der Unternehmer gegen die Versicherungspflicht zu brechew politische(lederlicht. Verlin. den 22. Juni 1911, Abgeordnete«ha»ls. Das Abgeordnetenhaus arbeitet im Autotempo; eS bemüht sich, möglichst viel Gesetze zu erledigen, wobei es weniger auf die Oualität als auf die Ouantität ankommt. Sogar der frcikonscrvative Abgeordnete Freiherr v. G a m p beschwert sich über die Art. ivie heute in Preußen Gesetze fabriziert werden, was ihn freilich nicht abhält, allen reak- tionärcn Gesetzen zuzustimmen. Am Donnerstag wurde zunächst der vom Herrenhaus in abgeänderter Form zurückgelangte Gesetzentwurf eines Zweck- Verbandes für Groß-Berlin ohne Debatte an- die Kommission zurückverwiesen, die ihn bereits am Freitag bc- raten will. Ferner gelangte in zweiter Lesung der Gesetz- entwurf über die Reinigung öffentlicher Wege zur Annahme. Das V n I l e n h a l t u n g S g e f c tz für die Rheinprovinz, das daS Haus hierauf beriet. konnte nicht verabschiedet werden. Da es sich hier um eine Frage handelt, die der Mehrheit besonders am Herzen liegt, hielt man seine Zurückverweisung an die Kommission zwecks ein- gehender Prüfung für erforderlich. Freitag: Interpellation über die Maul- und Klauen- seuche und dritte Lesung der rheinischen Gemeindeordnung. Finanzdebatte im Hcrrenhause. Die Beratung des KleinbahngesctzcS im Herrenhause gab gestern, Donnerstag, Anlaß zu einer Auseinandersetzung über Steuer- und Finanzpolitik. Der Herr Graf Mirbach war es wieder, der nach Hervorhebung seiner angeblichen Verdienste um die Einführung des elektrischen Eisenbahnbetriebes und ausgiebiger Vermöbelung des HanfabundeS Herr Rietzer ist noch nicht HerrenhanSmitglied und von den Hanfabündlern der Ersten Kammer scheint niemand ein Tänzchen mit dem Grafen anS Sorquitten zu wagen I— gegen jede stärkere Heranziehung der notleidenden Junker zu den Staatseinnahmen zu protestieren. Finanzminister Dr. L e n tz e erklärte, daß an eine Aufliebung der Steiierznschläge und die Deckung des Aussalls durch die Eisenbahiiüberschüsse gar nicht zu denken sei. Sechzig Millionen mehr müssen auf- gebracht werden und Lentzes Tage und Nächte sind der Arbeit an der neuen Stencrtqbelle gewidmet. Auf ihr sozialpolitisches Gesicht darf man füglich neugierig fein. Wird es holder sein oder ebenso gorgonenhaft als sonst das Antlitz der Kinder der preußischen Staatsvorsehung? Herrn v. Buchs ganze Fmanzpolitik ist beherrscht von dem Gedanken künftiger Kriege. Ist der Wunsch der Vater? . Bankdircktor v. Gw inner entwickelte dapn.abermals, wie beim Etat, sein' Programm: höhere Reute aus den Eisenbahnen und ün- geniertes Borgen, aber auf die Eisenbahnen und nicht auf das Budget. Dem Herrn v. Buch, der den Banken zum Vorwurf gemocht hatte, daß sie 1870 zu wenig Anleihe gezeichnet, antwortete der Leiter der Deutschen Bank, daß die Großfinanzmänner genug getan hätten und daß die Banken zu Zeiten einer Kriegserklärung vollauf zu tun haben, um ihr Publikum zu befriedigen. Mit Steuern und dem unter Zwangskurs laufenden Papiergeld sind Kriege zu führen, nicht mit Anleihen. Herrliches, jede patriotische Brust erhebendes Zukunftsbild: Die Industrie feiert, waS Waffen tragen kann, steht im Feld, wird zu Tauseudcn täglich niedergemäht, zum Krüppel gemacht und der daheim hungernden Familie schleppen die Sleucrexe kuiorcn die Betten und Schränke fort auf den Altar des Vaterlandes.... Der Rest der Sitzung des Herrenhauses brachte noch eine Rede des Herrn v. VurgSdorff, der nicht will, daß soviel„Oeltalg" — so nennt er die Margarine— gegessen wird, von der man im Altonaer Mobrprozeß genug bekommen hat. Von den Wucherzöllcn, die die Butter zum Luxusgegenstand machen, redet der BurgSdorffer natürlich nicht. Recht wenig imposant war Herrn Plates Auftreten bei einer Bauhandwerkerpetition. DaS preußische Bürgertum wird schon gut daran tun, eine wirksame- Betretung niehr von der Landtagswahl- reform, als von der Ernennung eineS Obermeisters ins Herrenhaus zu erwarten. Am 27. Juni versammelt man sich wieder. Die Tagesordnung ist noch unbestimmt. Wahlrechtsanträge gibts hier nicht. Zentralverband und Hansabund. Der Zentralverband deutscher Industrieller, in dem die rheinisch- westfälische Eisen- und Stahlindustrie den Ton angibt, hat den Hansabund ostentativ die Freundschaft gekündigt. Schon seit längerer Zeit sind die Leiter des Zentralvcrbandes mit der polnischen Richtung nicht einverstanden, sn welcher der Hansabund marschiert; denn nicht in den sogen.„Uebcragrariern", den Führern des Bundes der Landwirte, sehen die rhcinisch-wcsisälischen Hüttenniagnaten und Stahlkönige ihren politischen Feind, sondern in der sozialdemo- kratischcn Arbeiterschaft, weshalb sie auch den Ausbau deS HansabundeS zu einem zweiten ReichSverband gegen die Sozialdemokratie nach dem Muster des Liebertschen Verbandes erstrebten. Schon im Herbst vergangenen Jahres erließ bekanntlich der damalige Generalsekretär des Zentralvcrbandes, der bekannte Herr B u e ck, im Austrage der Zenlralverbandsleiter eine an den Haiisabund gerichtete Verwarnung, in der er erklärte, eS werde der im Zentralverband organisierten Industrie aus die Dauer unmöglich sein, mit dem Hansabnnd zu- sainmenzuarbeiten, wenn dieser nicht seine Stellung» nähme zur Sozialdemokratie ändere. Da diese Aendernng nicht erfolgt ist, vielmehr der Leiter deS HansabundeS, der Geh. Juslizrat Dr. R i e ß e r auf der jüngst ab- gehaltenen Tagung des Hansabundes den Kampf gegen die. Ucber- agrarier" als daS nächste Ziel des HansabundeS bezeichnete, hat der Vorsitzende deS Zenlralverbandes deutscher Industrieller, der frühere Landrat Nötger, der bisher zugleich dem Präsidium des HansabundeS angehörte, in einem der Presse zugesandten gespreizten Schreiben an Dr. Richer, leinen Austritt aus dem Hansabnnd angezeigt. In dem Schreiben des Herrn RötgerS heißt eS: Ich gehe über die in diesem Borgrhen enthaltene Nichk- achlung der Rechte des Präsidiums dcS'HanlabundeS hinweg; es kann jetzt nur noch darauf ankommen, iestzustellen, daß der von Ihnen persönlich ohne Vorwissen Ihrer Kollegen int Präsidium geforderte p q ljti sch e Kampf gegen rechts als satzungs- gemäßes Ziel des Hansabnndes nun auch, wiederum ohne vor- herige Beratung, zur Losung des HansabuildeS gemacht worden ist. Das widerspricht nach meiner pflichtinäßigen Ueberzeugung, wie ich wiederholt zu erkennen gegeben habe, dem Geiste der Satzungen und der Richtlinien des HansabundeS und meiner Stellung als Vorsitzender des Zenlralverbandes deutscher Industrieller, eines wirtschaftlichen Verbandes, in dem alle bürger- liche» politischen Parteien, sowohl linls- wie rcchlistchende, vertreten sind. Ucber die zwischen Ihne» und Ihrer Gefolgschaft einerseits und mir und meinen Freunden andererseits in diesem ausschlaggebenden Punkte bestehende» MeinungSverschiedeiiheiten eine Verständigung etwa durch Aussprache im Tircklorium des Hansabundes zu versuchen. erachte ich für zwecklos. Nach langer reiflicher Ucberlegung finde ich iür eine solche Verständigung keinen Weg. Unter diesen Umständen sebe ich mich genötigt, auf die Mit- arbeil am Ham'abnnde zu verzichten. Ich lege demgemäß und i n U e b e r e i n st i m m u n g mit der Anschauung des heute versammelten D i r e k l o r i n m S des Zcntralver- b a n d e s mein Mandat als Mitglied deS DirckloriuinS und Prä- stdinmZ im Hansabunde nieder. Tarauf hat Dr. Nieher in einem an Herrn Rötger gerichteten ebenfalls der Presse mitgeteilten Schreiben geantwortet: „Demgegenüber stelle ich zunächst formell fest, daß mir seitens des verstärkten Präsidiums ausdrücklich die Genehmigung zu derartigen Werbe- und WahlsondS-Aufrufen generell erteilt worden ist. Sachlich aber fordert jener Aufruf in Gemäßheit der Richtlinien des Hansabundes lediglich den„Kamps gegen die Ueberagraricr", also speziell gegen den Bund der Landloirte. einen Kampf, den auch Sie st ets als das Ziel des HansabundeS bezeichnet und bisher immer auch Ihrerseits mit Entschiedenheit vertre- ten hatten. Hiernach kann Jbr Austritt nur den Sinn haben, daß Sie jetzt aus Gründen politischer Taktik wünschen, daß der Hansa- bund nicht mehr den satzungsmäßigen wirtschaftspoliiischen Kampf gegen die Ucbergriffe des Bunde? der Landwirte führe, sondern einen satzungswidrigen Kamps gegen alles, was links st cht, aufnehme. Ein solches 9kr- fahren widerspricht nach meiner Ikberzengung in hohem Maße den dauernden LcbcnSintereffen des gesamten deutschen Ge- Werbestandes. Der Hansabund wird, gestützt auf die begeisterte Zustimmung weiter Kreise des deutschen Gcwcrbestandcs, sein Pro- gramm unbeirrt fortsetzen und durchführen; seine Aktionskraft und Geschlossenheit wird durch Ihren Schritt nicht gemindert." Die Presse des schwarzblauen Blocks ist über diese Absage des Zentralverbandes höchst entzückt und feiert ihn als eine hoch- patriotische, von den hehrsten vaterländischen Bestrebungen ge- leitete Vereinigung. Ganz begreiflich I Denn die Folge wird sein, daß der Zentralverband Anschluß nach rechts sucht und mit dem von gleich edlen vaterländischen Motiven geleiteten Bund der Landwirte bei den nächsten ReichStagSwahlcn eine Koalition gegen links bildet zum Schutz der„nationalen Arbeit", das heißt des Zollwuchers. Verwandte Seelen finden sich zu Wasser und zu Lände— manchmal auch im Treck. Berlin, 22. Juni. sT c l e g r. Meldung.) Der Vorstand des Bundes der Industriellen richtete an den Hansabund anläßlich des Ausscheidens des Landrates a. D. Rötger eine Kundgebung, in der erneut die Notwendigkeit betont wird, daß die deutsche Industrie geschlossen an dem vom Hansabund erstrebten Zu- jammcnwirken von Handel, Industrie und Gewerbe zur Errin- guffg größeren Einflusses auf die Gesetzgebung teilnimist?, Und worin ferner dem Präsidium des HansabundeS das Vertrauen der im Bunde der Industriellen vereinigten Industrie ausgesprochen und die jetzt erfolgte Störung der notwendigen Einigkeit be- dauert wird._ � Konservative Stichlvahlparole. Die Konservativen" rechnen noch immer darauf, öie Fort- schrittler durch die Trohung, bei den Reichstagsstichwahlcn keinen Unterschied zwischen fortschrittlichen und sozialdemokratischen Kandidaten machen zu wollen, zu einer Aenderung ihrer Taktik bewegen zu können. In einer Rede, die der Graf v. Schwerin kürz- lich in Treptow a. d. Toll, gehalten hat, erklärte er: „Sollte ich also, was ich allerdings nicht hoffe, jemals in die Lage kommens in dieser Hinsicht(bei Stichwahlen) etwa in unserem Kreise eine Parole ausgeben zu müssen, so werde ich immer und unter allen Umständen auch den schlimmsten bürgerlichen Demokraten doch noch mit aller Entschiedenheit(als das kleinere Uebel) gegep jeden Sozialdemokraten zu unterstützen bitten." Darauf antwortet die„Deutsche Tageszeitung" in gesperrter Schrift: „Wir sind in der Lage mitzuteilen, daß die Mehrzahl der bei der Leitung der konservativen Partei beteiligten Herren in diesem Punkte vom Grafen Schwerin-Löwitz abweichen und der Ansicht sind, man müsse von Fall zu Fall entscheiden und direkte Bundesgenossen der Sozial- demokratie genauwiedieseselbst auch bei den Stichwahlen behandeln."_ Zu einfältig! Die Offiziösen sind doch noch plumper als selbst wir ge- dacht haben. Nachdem die„Nordd. Allg. Ztg." zunächst im tall Macdonald geschwiegen, wurde schließlich die„Köln. eitung" offiziös zur Helfershelferschaft herangezogen. Sie bringt ein Berliner Telegramm, in dem es heißt:„Der Vor- schlag zu der Einladung ging nicht von der deutschen Botschaft, sondern von englischer Seite ans, was auch nicht wundernehmen kann, da Macdonald Führer eines Teiles der Regierungsmehrheit im Unterhause ist." Sol Und warum war denn Macdonald just der einzige Par- lamentarier, während alle anderen Führer der Regierungs- Partei und sämtliche Ober- und Untcrhausinitgliedcr nicht eingeladen waren? Die„Köln. Ztg." ist diesmal nur insofern vorsichtiger, als sie nicht mehr Herrn Haldane als Urheber der Einladung nennt. Jetzt ist's nur mehr der„große U n b e k a u n t e Sonst aber ist dieses Dementi nur die Wiederholung der Not- lüge der„Nordd. Allgcm.". Und was macht nun die? Sie druckt die Wiederholung ihrer ersten Unwahrheit nochmals ab und sagt:„Diese Angaben sind richtig."„Du mußt es dreimal sagen," heißt's im„Faust". Aber daß da- durch eine Lüge zur Wahrheit wird, hat auch Mephistophclcs nie behauptet; der war allerdings ein kluger Teyfel, aber kein deutscher Offtziosus. Die Sache war so: Auf Veranlassung der beut- s ch e n Botschaft wurde(natürlich von englischer Seite) bei Macdonald sondiert, ob er einer Einladung Folge leisten wolle. Macdonald befragte zuerst die Arbeiterpartei. Da diese ihre Zustimmung gab(was nach unserer Auffassung besser nute�- blieben wäre), nahm er die Einlndnna an. Daß diese n u n-- mehr formell von Haldane als Gastgeber ausgeben mußte, ist sclbswerständlich, ändert aber nichts daran, daß sie' aus Initiative Wilhelms II. erfolgt ist. Macdonald be- fand sich unter den Ersten, die Wilhelm II. vorgestellt wurden, und dieser zog sich mit ihm zu einem längeren Gespräch über alle möglichen Fragen der Arbciterpolitik zurück. Das ist der Hergang der Sache, und die osfiziöscn Ab- leugnungen sind falsch._ Klerikale Bolkserziehungöresultate. DaS bayerische Zentrum hat bekanntlich gegen den Bayerischen Lchrervercin wegen leinet angeblich kirchenfeindlichen Gesinnung eine sidcle.Sauhatz" unternommen, die zu München mit einer„Kalho- liken'-Versanmilnng im Kindlkeller ihren Anfang nabm. Die .Bayer. Lebrcrzrg." veröffentlicht jetzt einigt Stimmungsbilder aus dieser Versammlung, die so recht zeigen, welche Früchle die plan- mäßige Heöarbeil schon gezeitigt hat.'So schreibt ein Lehrer, dcr an der Versammlung teilnahm: Die anwesenden Lehrer wurden in empörendster Weise be- lästigt.„Werst sie nanö, die G'i'eNschaft, die Schulmeister!" waren noch die gelindesten LiedenSwürdigkeiien. Intensiver äußerte sich der Erfolg der.Friedeiis'wortc(des Referenten) am Schluß der Ver- sammlung. Die Kollegen konnten sich vor der unmittelbar an- schließenden Abstimmung nicht mehr entfernen und enthielten sich daher der A b st i in m u n g. Und da kamen sie denn Wut- schnaubend gelaufen, die Herren vom„katholischen Volk", schlugen mit der Faust auf den Tiich und schrien:„Ihr Feiglinge! Pfui Teufel! Schämt Euch, Ihr Lausbuben; alle miteinander seid's Lausbuben! Psui Teufel! Ihr wollt In gendbildner sein; LauSbubcn seid Ihr, Feiglingel Euch sollen wirunsereKinder anvertrauen?" usw. Die tvnrttembcrgische Zweite Kammer hat in fünf Sitzungen daS schwierige Werk der BeamtenbesoldungS- reform erledigt. Die Reform bedeutet für das kleine Land eine außerordentlich starke finanzielle Belastung. Für 1011 verursacht die Vorlage nach den endgültigen Beschlüssen einen Ueberaufwand von 8 106 183 M.. für 1012 einen solchen von 0 801 132 M. Die sozialdemokratische Fraktion, die sich dcr Not- wendigkeit einer Vcamtenaufbesserung nicht von vornherein ver- schloß, machte ihre schließliche Zustimmung von einer stärkeren Auf- besserung der staatlichen Arbeiter abhängig. Die Regierung und die bürgerlichen Parteien zeigten sich diesen Forderungen gegen- über in der Kommission zunächst sehr abgeneigt und stimmten in der ersten Lesung alle Vcrbcsscrungsanträge unserer Genossen nieder. Da den bürgerlichen Parteien und der Regierung aber offenbar daran lag. die Zustimmung unserer Fraktion zum Be- soldungSgesctz zu erlangen, zeigte man sich in der zweiten Lesung geneigter, auf die sozialdemokratischen Vorschläge einzugehen. So gelang unseren Genossen der von dcr württcmbergischen Ar- bciterschaft freudig begrüßte Erfolg, eine Erhöhung des Aufwandes für die Löhne der Hütten-, Forst- und Verkehrsarbeiter für 1911 von 811900 M. auf 1259 000 M. und für 1912 von 811000 M. auf 1339 300 M. durchzusetzen. Für die Forstarbeiter kommen für 1912 noch 110 000 M. aus den Erträgnissen des Forstctatö hinzu. Diese von dcr Kommission angenommenen sozialdemokratischen Vorschläge haben nunmehr die Billigung des Plenums gefunden. Unser Fraktionscedner hat bei den Plenarberatungen selbswcr- ständlich die Gelegenheit wahrgenommen, in der verkehrten Wirt- schaftspolitik und der ungerechten Steuerpolitik des Reiches die Ursachen dieser neuen finanziellen Belastung des Staates aufzu- decken. Unbeschadet dcr vorurteilsvollen Haltung, erklärte unser Redner, die ein Teil der Beamten, namentlich die Bezirksbeamten, dcr politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung gegen- über einnehmen, stimme die Sozialdemokratie für die Ausbesserung aller Beamten, sie hoffe aber, dah in der gesamten Beamtenschaft eine objektivere Würdigung der modernen Arbeiterbewegung und ihrer Bestrebungen Platz greise. Die Reichstagsersatzwahl in Tiisseldorf. Als Termin der Reichstagsnachwahl in Düsseldorf, die durch den Tod des Zentrumsabgeordneten Kirsch notwendig geworden ist, ist der 15. September in Aussicht genommen. Tie Hamburger Konsumvereinssteuer. Bei der Beratung der angeblich die Vermehrung der Staats- einnahmen bezweckenden KoiisiimvereinSsteiier, die Weiler nichts als eine Konzession an die verärgerten„Miltclstaiidslelite* darstellt, platzten am Mittwochabend in Hamburgs LandcSparlament nochmals heftig die Geister aufeinander. In der criten Lesung war die Vorlage zum Leidwesen der Kämpen für die Erhaltung eines„ge- sunden Mittelstandes", dieses«festen Bollwerks gegen die Sozial- demokratie", nur mit einer Stimme Mehrbett zur Annahme gelangt, so dast eine zweite Lesung erforderlich war. Bis ans die Kranken und Invaliden hatte man alles herangeschleppti so daß eine sonst nur bei ganz grostcn Anlässen zu verzeichnende Präsenz- zisfcr vorhanden war. Von 160 Abgeordneten fehlte nur ein Dutzend. Der Vizepräsident B l i n ck m a n n, seines Zeichens notleidender Bäckermeister, der durch seine hervorragenden Verdienste um daS Zustandekommen de® Wahlrechtsraubes ins Präsidium hinein- gewatschelt ist, fand den Standpunkt der Sozialdemokratie und deren «maszlose Agitation" gegen die Konsnmvereiiissteuer verstündlich, da sie ja den Mittelstand erdrosseln wolle. Genosse S t o l t e n knöpfte sich den Herrn gehörig vor und kritisierte daraus die in der vorigen Sitzung gefallene, von keinerlei natioiialökonomischer Sachkenntnis getragene Aentzerung des Senators Dr. S ch a e f e r, dag Akliengesellschaslen und Konsumvereine eigent- lich dasselbe seien, denn beide Kapitalgebilde machten Profite. Während Aktiengesellschaften doch reine Profimiachcrorganisationen seien, handele es sich bei letzleren um eine rationelle Distribution ohne kapitalistische Priuzipieu. Der Grosibmilier W a r b u r g warnte ebenfalls eiiidringlichsl vor der Annahme der Steuer, die nicht ein Einkommen, sondern die Ersparnisse treffe. Wolle man die Konsumvereine treffen, dann müsse man die allgemeine G e- w e r b e st e u e r einführen. sJn Hamburg existiert eine solche nicht.) Besonders lehne er die Steuer ab, weil sie der Anfang zur Umsatzsteuer sei. Politische Wirkungen ausüben zu wollen, sei ebenso lächerlich, als die Annahme, durch diese geringe Steuer den Mittelstand retten zu können. Alle diese Argumente verschlugen jedoch nichts bei den ver- bisienen KonsmnsvcreinSgegnern. In namentlicher Abstimmung wurde die Konsumvereins st euer nach der Kommissionsfassung mit 89 gegen 67 Stimmen endgültig a n g e ii o in in e n. Klassenjustiz. Das Schwurgericht in Detmold verurteilte gestern den �Ge- Nossen Holzbildhauer Maurer aus Lage in Lippe wegen Mein- eids zu 2 Jahren Zuchthaus und dreijährigem Ehrverlust. Der Gerichtshof ging noch über den Antrag der Staatsanwaltschaft hin- aus, in dem es die..b ü r g e r l i ch cn Ehrenrechte" für drei Jahre lstott zwei) aberkannte. Es handelt sich bei dieser auf- fälligen Entscheidung um folgende Vorgänge: An dem im November vorigen JahreS auSgebrochenen Streik der Näherinnen Bielefelds hatten sich auch die in Lippe von den Llabriken beschäftigten Arbeiterinnen beteiligt. Am 4. November Tmen zwei Arbeitswillige aus Lage nach Bielefeld gefahren, um wegen Arbeit nachzufragen. Als sie zurückkamen, folgte ihnen ilALage eine Anzahl, vpn W— 36 Arbeiterinnen und Arbeitern. Zwei von diesen, der Angeklagte Maurer und der Tischler Marlmann, .sprachen auf die Arbeitswilligen ein. Markmann wurde einige Wochen darauf vor das Schöffengericht Lage zitiert, weil ihm die Staatsanwaltschaft vorivarf, gegen den Z 153 der G..O. verstohen zu haben. Die beide» arbeitswilligen Näherinnen bekundeten vor dem Gericht denn auch, Markmann habe ihnen gegenüber die Worte ge- sagt:„Fahrt Ihr nochmal nach Bielefeld, wistt Ihr, was Euch passiert. Ihr Bären; wenn Ihr kein Brot mehr habt, wollen wir Euch tvas kaufen." Markmann bestritt zwar, diese Wendungen gebraucht zu haben, und Maurer sagte unter seinem Eide aus, er habe davon nichts gehört, aber da? Gericht verurteilte Markmann trotzdem auf Grund der Aussage der beiden Belastungszeugen zu einer Woche Gefängnis. Damit lieh es die Staatsanwaltschaft aber nicht genug sein, sie wertete die Aussagen der beiden Arbeitswilligen so, dah sie nun gegen Maurer wegen Eidesverletzung vorging. Obgleich die samt- lirsicn sonst noch geladenen Arbeiter und Arbeiterinnen bekundeten, nichts von den erwähnten Drohungen gehört zu haben(sie waren etwa 15— 20 Schritt von den anderen entfernt) kamen die Ge- schworenen doch zu einem„Schuldi g", und zwar unter Verneinung aller Nebenfragen nach mil- dernden Umständen.' Als StaaiSanivalt fungierte ein ju> gcndlicher Assessor, der seine Rede mit der Wendung einleitete, die Meineide häuften sich, weil die Achtung vor der Religion und vor „uizscrn Staatscinrichtungen" immer mehr schwinde, und der zum Schluß mit mehr oder weniger bestimmten Wendungen den Zeugen, die für Maurer günstig ausgesagt hatten, vorwarf, sie nähmen es mit ihren EideSpflichten nicht so genau. In den UrteilSgründen ist ausgeführt, daß straferschwerend in Betracht gezogen sei. daß der Angeklagte den Meineid infri- p o l st e r Weise geleistet habe. Worin diese„Frivolität" bestan- den haben soll, wird angedeutet durch die Wendung, Maurer sei durch„politische Irreleitung" verrannt gewesen und er habe seine Aussage bis zuletzt aufrecht erhalten. Sicherlich eine merkwürdige Begründung. Wer glaubt angesichts solcher Urteile noch an die über den Klaffen thronende Justiz?_ Tie Privatangestcklke» gegen Dr. Mugdan. In Görlitz dem Hauptort des Wahlkreises Görlitz-Lauban, den zurzci' der Fortschrittler Tr. Mngdan im llieichStage vertritt, tagte ani Tienstägabend eine stark besuchte Protestversammlung der Privataugestellien gegen die SieichsversicherungSordnung. Dr. Mug- dan war dazu eingeladen, aber nicht erschienen. Ter Referent. Ingenieur Granzin-Berlin, verurteilte auf das schärfste die ab- lehnende Haltung Dr. MugdanS gegenüber den Forderungen der Angestellten. Er fand mit seinen Ausführungen, besonders mit der Aufforderung, daß kein Angestellter bei der nach- sten Sieichstagswahl Dr. Mugdan seine Stimnic geben soll, stürmischen Beifall. Bon den anwesenden Fort- schrittlcrn wagte es keiner, für Tr. Mugdan einzutreten. Ein- st i m m i g beschloffen die Privatangestellten eine Resolution, in der es zum Schluß heißt: „Vor allem verurteilen die Versammelten die unerhörte Haltung ihres Rcichstagsabgeordneten Dr. Mugdan»uis schärfste, der sich sogar dem besÄcidenen Kompromißantrag Schultz und Genossen: Die Hcraufsetzung der Gchaltsgrcnze in der Kranken- Versicherung von 2666 auf 2506 M. ablehnend gegenüberstellte. Herr Dr. Mugdan hat somit die Interessen der Bedürftigsten unter den Angestellten mit Füßen getreten. Tie Versammlung erklärt, daß ihr Vertrauen zu Regierung und Reichstag, vor allem zu Herrn Dr. Mugdan, vollkommen verloren gegangen ist." Zur Affäre Biilolv-Brandt. In der Anfechtungsklage des Reichsgraien Günther von der Schulenburg um Aushebung des Beschlusses des. Amtsgerichts. Vel- bcrt. in dem seine Entmündigung wegen Geistesschwäche ausge- sprachen war, beschloß die 7. Zivilkammer des Elberfeldcr Land- gerichts nach streng geheimer Verhandlung, nochmals ein Gutachten des Medizinakkollegiums der Rheinprobinz in Koblenz herbeizu- führen, nachdem eines der früheren Mitglieder des Kollegiums sein Amt niedergelegt hatte._ franhmcb. Die Unterschleife an Kirchcngeldern. Paris, 22. Juni. Das Schwurgericht fällte heute das Urteil gegen D u e z, den ehemaligen Liquidator der Kongregationen. Duez wurde wegen Unterschlagung von Kirche ngütern und Fälschung zu zwölf Jahren Zwangsarbeit und 166 Fr. Geldstrafe vcrui teilt. Nach der Verkündigung des Urteils beschloffen die Geschworenen unter Hinweis auf die im Prozeß zutage getretenen Tatsachen, an den Justizminister eine Resolution zu richten, in der sie ihrem Bedauern darüber Ausdruck geben, daß die I n t e r e s s c n der Armen und Bedürftigen ohne jede wirksame U e b e r w a ch ii n g den gerichtlichen Liquidatoren preisgegeben seien und daß die Notare ebenfalls ohne jede wirksame Kontrolle Unregel- Mäßigkeiten, Fälschungen oder Veruntreuungen begehen könnten. Schließlich drücken die Geschworenen den Wunsch aus, es möchten entschiedene Maßliahmen getroffen werden, um die gerichtlichen Liquidatoren. Notare und ähnlichen Funktionäre einer strengen u e b e r w a ch u II g durch den Staat zu unterwerfen. Portugal. Ein Vertralieilsvotum. Lissabon, 21. Juni.(Konstituierende Versammlung.) Der Minister- Präsident Theophil Braga verlas unter lautloser Stille die Bot- s chaft. Die Deputierten erhoben sich von ihren Plätzen, Beifall und Rufe: Es lebe die Republik! ertönten. Alexander Braga beantragte, der Regierung unbegrenztes Vertrauen auszusprechen und deren Voll ni achten endgültigzu be- st ä t i g e n.(Erneuter allseitiger Beifall.) Alexander Braga erklärte weiter: Wir müssen alle Meinungsverschiedenheiten vergessen und anerkennen, daß die Regierung einzig und allein bestrebt war. dem Vatertande zu nützen. Die Kammer faßte darauf durch Akklamation ein Vertrauensvotum für die Regierung und bestätigte die Boll- »lachten derselben. Italien. Der Kampf um das LebenSversichernngSmonoPol.. AuS Rom wird uns geschrieben: In ihrem Bestreben, dem Staate neue Eiiinabinequellen zu erschließen, ist die italienische Re- gierung darauf verfallen, ein Staatsmonopol der Lebcnsversichcriing zu schaffen. Ursprünglich war der Plan im Anschluß an die Schaffung der obligatorischen Alters- und Invalidenversicherung entstanden, aber inzwischen scheint man doch schon dahinter gekommen zu sein, daß auf keinen Fall ein Reinertrag zu erübrigen wäre, der in irgend einem Verhältnis zu den Bedürfnissen der Alters- und Invalidenversicherung stehen könnte. Trotzdem behält die Regierung den Monopolplan bei. Der Gesetzentwurf monopolisiert das Recht, Lebensversicherung zu gewähren, einem staatlichen Versicherungsinstitut. Die Gesellschaften, mit denen LebensversicherungSverträge ab- geschlossen wurden, müssen ihren Verpflichtungen weiter nach- kommen, haben aber kein Recht, eine Entschädigung von der Regierung für die Benachteiligung ihres Betriebes zu verlangen. Pensionskasscn, Hilfskassen(bei denen das versicherte Kapital 506 Lire nicht übersteigt, Versicherungskassen öffentlicher oder pripater Betriebe für das eigene Personal und Kaufverträge, bei denen die Kaufiumme in der Form von Leibrente entrichtet wird, werden durch das Gesetz nicht getroffen. Die Versicherung bei ausländi- ich e n G e s e l l s ch a f t.e n i st verboten, ebenso hie Tontmenver- sicherung. Bei Uebertretung des Gesetzes wird im Rücksalle Hast bis zu sechs Monaten verhängt. Alle Geiellschaslen müssen ihre LebensversidieningS- Verträge innerhalb 14 Tagen nach dem Inkrafttreten deS Gesetzes zur Registrierung vorlegen. Nicht registrierte Verträge sind nichtig. Bei der Auswahl deS Personals für das staatliche Bersicherungs- Institut ist dein bisherigen VerstchcrungSPersonal der Vorzug zu geben. DaS Personal des Instituts ist nicht den Staatsbeamten, sondern dem Personal der Privalunternehmungen gleichgestellt. Zur Einrichtung der StaatSversirtierungsanstalt eröffnet der Staatsschatz diesen einen Kredit von 5 Millionen Lire. Zugunsten des Monopols fällt ins Gewicht, daß eS sich um Unternehmen handelt, die hohen Profit abwerfen und deren Ge- schäftSgebarung erfahrungsgemäß nicht chie lauterste ist. DaS Staatsmonopol würde natürlich den kleinen Mann, der heute seine Ersparnisse oft in unehrliche Hände gibt, sicher stellen. Daß die Sache rentabel sein könnte, wenn sie der Staat nur zu handhaben versteht, geht übrigens dar- aus hervor, daß eine große Versicherungsgesellschaft mit ilalienischem Namen und vorwiegend österreichischen Kapitalien sich erboten hat, das Doppelte des vom Minister veranschlagten Reinertrages für Ueberlassung des Monopolbetriebes zu bezahlen. ES scheint nicht ausgeschlossen, daß der Entwurf, für dessen Be- ämpfung heute große Summen aufgewendet werden, noch vor den Kantmerferien durchgedrückt wird, Die ineisten Abgeordneten— nicht die sozialistischen— sind zwar gegen den Entwurf, aber Giolitti ist dasür. Cilrfcel Scheußliche Greueltaten an Ariiicniern. Konstantinopel, 22. Juni. Das armenische Blatt„Jamanak", welches über die wenig erfreulichen Verhältnisse der Armenier in den Provinzen Van und Erzerum fortlaufend berichtet, veröffentlicht jetzt einen Bericht über ein geradezu k a n n i- balisch es Massaker von acht Armeniern, worunter ein Priester, in Taghevank. Die Mörder waren es nicht zu- frieden, ihre Opfer niederzumetzeln, sondern blendeten ihnen vorher die Augen und zerschnitten sie buchstäblich. Die Pforte wird durch ein strenges Vorgehen verhindern müssen, daß die Ereignisse von 1896 eine Neiianflage finden. Bulgarien. Eine Demoiistratioil gcgcii den Köuig. Tirnowo, 22. Juni. König' Ferdinand eröffnete heute in feierlicher Weise die Session der großen S o b r a n j e. Beim Betreten des Saales wurde der König von den Abgeordneten der Regierungspartei stürmisch begrüßt. Nur die Bauern- bündler, die Sozialdemokraten und die radikalen Demokraten blieben ostentativ sitzen. Vor Ver- lesung der Eröffnungsrede durch den König versuchte der Führer der Bauernbüadler Stambolijski unter Hinweis auf den strittigen Artikel der Verfassung gegen bis Eröffnung der Sobranje durch den König zu protestieren, wurde jedoch durch stür- mische Hurrarufe der Majorität daran gehindert. Die Verlesung der Eröffnungsrede erfolgte sodann ungestört. In der Thronrede des Königs heißt es: Infolge der U n a b h ä n g i g k e i ts- erklär ung habe ich Sie, meine Herren Deputierten, in Gemäß- heit des Artikels 146 der Verfassung einberufen, damit Sie über den von der Sobranje genehmigten Antrag auf Abänderung der Verfassung beraten. Marokko. Die Spanier rich�n sich in Elksar häuslich ein. Paris, 22. Juni. Wie aus Tanger gemeldet wird, hat der in Elksar eingetroffene spanische Oberst Sylvestre dem Gouverneur mitgeteilt, er übernehme nunmehr die gesamte Verwaltung der Stadt, die Leitung des Gesundheitswesens und die Aufrechtcrhal- tung der Ordnung. Tieselbe Mitteilung, hat der Oberst dem fran- zösischen Hauptmann Moreau gemacht, der sich in Budena bei Elksar befindet. Dies alles beweist, daß die Spanier die Besetzung Elksars keineswegs als eine nur provisorische ansehen. kommunales. Die Stadtverordnetenversammlung war gestern in„Ferienstimmung". In den letzten Sitzungen vor ihren Sommerferjen muß sie nämlich regelmäßig sich mit den reichlichsten Tagesordnungen herumbalgen, weil der Ma- gistrat ihr noch im letzten Augenblick alle R e st e vorzu- legen pflegt. Nach Uhr war diesmal das Vergnügen zu Ende. Die Vorlage über die neue große Anleihe von 323 Millionen Mark wurde einem Ausschuß über- wiesen, den die sozialdemokratische Fraktion beantragt hatte. Wie sehr der Plan über die Verwendung dieser Anleihe noch hinter den Bedürfnissen der Gemeinde zurückbleibt, zeigte Genosse Wehl, der besonders die Unzulänglichkeit des Gesundheitswesens der Stadt hervorhob. Erfreuliche Uebcreinstimmung herrschte über den A n- trag der sozialdemokratischen Fraktion, der aufs neue den Magistrat aufforderte, künstig die Stadt- ver ordneten wählen am Sonntag vorzunehmen. Genosse Bruns führte zur Begründung aus, wie sehr die Rücksicht auf die erwerbtätige Bevölkerung diese Maßregel erfordert. Von ihr werde eine starke Förderung des Interesses für die Vorgänge in unserer Gemeindeverwaltung ausgehen. Zustimmend äußerten sich auch die Redner der anderen Gruppen der Ver- sammlung, aber der Magistrat schwieg. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Was wird jetzt der Magistrat tun? Eine sehr ausgedehnte Debatte entspann sich über den vom Magistrat vorgelegten Entwurf eines neuen Vertrages mit der Hoch- und Untergrundbahngesellschaft, die eine Unter- grundbahn durch die Frankfurter AI l e e bauen will. Genosse H e i m a n n warnte davor, diesen weite- ren Schritt auf einem unheilvollen Wege zu tun, der wieder nur zu völliger Knebelung der Stadtgemeinde durch eine private Verkehrsgesellschaft führen wird. In die Taktik dieser Gesellschaft, die ihre Jnter- essen sehr geschickt zu fördern versteht und leider jetzt auch bei der Verkehsdeputation weitgehendes Entgegenkommen gefun- den hat, leuchtete Heimann wirksam hinein. Seine Forderung, daß die Stadt Berlin selber, etwa zusammen mit Schöneberg, eine eigene Schnellbahn vom We st en nachdem Osten bauen solle, regte den Stadtverordneten I a c o b i so auf, daß er alle Schleusen seiner Beredsamkeit öffnete, um den Vertrag ohne Ausschußberatung durchzudrücken. Auch Stadtverordneter Cassel trat mit großem Eifer für die Gesellschaft ein. Stadtverordneter Rosenow machte eine Verbeugung vor seinen„Prinzipien" und— marschierte mit Jacobi und Cassel. Der Antrag unserer Genossen auf Heber- Weisung an einen Ausschuß wurde abgelehnt. Abgelehnt wurde auch ein Antrag auf Streichung der Abgabenfrei- heit. den Genosse Heimann begründete. Der Vertrag wurde dann ohne weiteres angenommen. Die Mehrheit hatte es eilig! Den Kampf um die Lustbarkeitssteuer scheint der Magistrat mit einem Eklat beenden zu wollen. Den Stadtverordneten legte er die Mitteilung vor, daß er dem Er- suchen des Ausschusses, wegen der Besteuerung auch der königlichen Theater zunächst mal beim. Hauch Ministerium anzufragen, nicht Folge leisten wird. Stadt- kämmerer Steiniger begleitete diese Vorlage Mit einer Erklärung, die als Abrüffelung der Stadtverordneten gedacht war. Auf diese drei st e Schulmeisteret wurde ihm aus der Versammlung so kräftig geantwortet, wie es der Herr Kämmerer schwerlich erwartet haben dürfte. Genosse Hei- ni a n n wies den Uebergriff, den Herr Steiniger sich da erlaubt hatte, nach Gebühr zurück. Grober im Ton war Herr Cassel. Mit einer lahmen Erwiderung suchte Herr S t e i- niger sich zu wehren. Vergeblich sprang Bürgermeister R e i ck e ihm bei. Die Stadtverordneten M a x S ch u l z und Nathan machten den Schluß bei diesem Strafgericht. Die zur Kenntnisnahme vorgelegte Mitteilung des Magistrats wurde dem Ausschuß überwiesen. Hoffentlich wird nun endlich der Lustbarkeitssteuer der Garaus gemacht. Serickts-Teitung. Im Wiederaufnahmeperfahren freigesprochen. Wegen versuchter Verleitung zum Meineide hatte die 10. Strafkammer des Landgerichts I gestern unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Krüger gegen den Möbelfabrikanten Schmidt zu verhandeln.— Der Angeklagte betreibt seit mehreren Jahren in der Bernauer Straße ein Möbelgeschäft. Im Januar 1668 er- schien während seiner Abwesenheit ein Käufer namens Sewert, der von der Ehefrau ein Vertiko zum Preise von 70 M. kaufte. Erst nach dem Weggange des S. entdeckte Frau Sch., daß sie diesem versehentlich ein Vertiko verkauft hatte, dessen Selbst, kostenpreis 70 M. betrug. Als der Angeklagte nach.Hause kam, soll er, wie seinerzeit behauptet wurde, die Schriftzüge des Sewert, der seinen Namen an die Rückwand des von ihm gekauften Ver- tiko geschrieben hatte, nachgeahmt und auf die Rückwand eines anderen dem gezahlten Preise entsprechenden Vertikos geschrieben haben. Diese Manipulation, die von Schmidt übrigens bestritten wird, führte zu einem Ermittelungsverfahren wegen Betruges und Urkundenfälschung. Wie die Anklage behauptet, soll der An? geklagte nun den damals bei ihm beschäftigten Lehrling Dönicke und einen Möbclpolierer veranlaßt haben, vor der Polizei auSzu- sagen, daß das an Sewert gelieferte Vertiko dasselbe sei, welches dieser zuerst gekauft hatte. Dies geschah auch, und das Verfahren wegen Betruges wurde eingestellt.— Einige Zeit darauf entdeckte Schmidt, daß er bon dem Lehrling Dönicke fortgesetzt bestohlen wurde. Er erstattete Anzeige, auf welche hin Dönicke zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt wurde. Vier Tage später ging von dem Vater des D. eine Anzeige wegen Verleitung zum Meineide ein, in welcher behauptet wurde, Schmidt habe vor jener polizeilichen Vernehmung geäußert, sein Söhn solle nicht nur vor der Polizei jene falschen Angaben machen, sondern auch, wenn die Sache nach Moabit kommen sollte, dabei bleiben. Die Folge war die Erhebung der Anklage gegen Schmidt wegen versuchter Verleitung zum Meineide, Betruges und Urkundenfälschung. Die 16. Strafkammer verurteilte ihn auf die Aussagen deS Lehrlings und jenes Möbel- Polierers hin zu 1 Jahr und 1 Monat Zuchthaus. Schmidt entging damals nur durch Stellung einer Kaution seiner Verhaftung. Auf die von Justizrat Wronker eingelegte Revision hin wurde das Ur- teil nur bezüglich des Betruges und der Urkundenfälschung auf- gehoben. In der zweiten Verhandlung wurde Schmidt wegen dcd Urkundenfälschung freigesprochen, dagegen wegen des Betruges zu 100 M. Geldstrafe verurteilt.— Inzwischen war von seineni Ver- teidiger wegen der Verleitung zum Meineide das Wiederaus- nahmeverfahrcn betrieben worden. Das Gericht gab dem Antrage auch schließlich statt, da inzwischen neue Tatsachen bekannt ge- worden waren, welche die Glaubwürdigkeit des Lehrlings Dönicke stark in Zweifel stellten.— In der gestrigen Verhandlung schränkten die vernommenen Zeugen ihre Angaben derartig ein, daß ihnen jede Glaubwürdigkeit vom Gericht abgesprochen wurde. Unter Aufhebung des auf 1 Jahr Zuchthaus lautenden Urteils er- kannte die Strafkammer auf Freisprechung des Angeklagten. GewerhfcbaftUcbea. Sdriectegcmbte und Vertrauensleute. Der„Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker" ist Mit unserer Auffassung über die Kompetenzen des Tarifamtes den Vertrauensmännern der Arbeiter gegenüber nicht einver- standen. Der„Korrespondent" geht mit dem Tarifamt durch Dick und Dünn. Er begnügt sich nicht damit, daß das Tarif- amt die höchste Instanz in der Tarifgemeinschaft ist, sondern ihm erscheint diese Instanz offenbar auch unfehlbar. Immer- hin ist der„Korrespondent" doch entgegenkommend genug, unser abfälliges Urteil über die Entscheidung des Tarifamtes im Falle Scherl contra Verbandsvertrauensleute mit unserer „großen Unkenntnis" des Tarifes zu entschuldigen und mahnt nur: �„Uber die Kompetenz oder Nichtkompetenz des Tarifamts in dieser Frage können nur Nichtfachleute streiten, und die täten besser, den Buchdruckern gerade in einem solchen Augenblicke das Urteil zu überlassen." Diese Zeilen hätten nicht geschrieben werden sollen in oeni Augenblicke, als Taufende von Buchdruckern sich gleich uns anschickten, gegen das Urteil des Tarifamts zu pro- testieren! Auch„Fachleute" können also über diese Frage streiten! Wir verzichten deswegen gern auf die mildernden Umstände der„Unkenntnis" und erklären, daß gerade unsere Kenntnis der Verhältnisse uns zu der für das Tarifamt aller- dings unbequemen Stellungnahme zwang. Wie liegen denn die Dinge? Jahrzehnte der Tarisgemeinschaft hatten nicht vermocht, die Buchdruckprinzipale zur Achtung der Institutionen zu erziehen, welche sich die mit ihnen im Vertragsverhältnis stehende Gehilfenschaft geschaffen hatte. Fortgesetzt kam� es zu Maßregelungen der Vertrauensleute der Arbeiterschaft. Und die Klagen darüber nahmen derart zu, daß man zum Schutze dieser Vertrauensleute besondere Maßnahmen er- greifen mußte. Fühlte ein Vertrauensmann sich durch die Entlassung gemaßregelt, so sollte er die Tarifinstanzen in feiner Sache anrufen können. Diese hatten dann zu entschei- den, nicht über die moralische Qualifikation der Betroffenen, auch nicht darüber, ob er für ein Vertrauensamt befähigt oder nicht befähigt sei, sondern über die Frage, ob er wegen mangelhafter Tüchtigkeit im Beruf, wegen beharrlicher Vcr nachlässigung seiner Arbeitspflicht, eventuell auch wegen tat fächlichen Arbeitsmangels entlassen sei, oder aber ob die Ent lassung die Antwort auf seine vielleicht etwas eifrige und deswegen dem Prinzipal unbequeme Tätigkeit für die Jnter- essen der Organisation, für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen seiner Kollegen, kurz für seine Tätigkeit als Vertrauensmann sei. In dem letzteren Falle war er als gemaßregclt zu erklären und der weitgehendsten Unterstützung der Tarifinstanzen sicher. Das Tarifamt aber hat im Falle der Maschinenmeister H u f und W a l l n i g die schöne Absicht der Tarifgesetzgeber ins strikte Gegenteil verkehrt. Es hat die beiden Maschinen- meister als zur Entlassung reif erklärt nicht aus Gründen, die in ihrem Arbeitsverhältnis liegen, sondern aus solchen, welche aus der Vertrauensmännertätigkeit erwuchsen. Statt die Vertrauensmänner für unverletzlich zu erklären, hat das Tarifamt sie der Maßregelung ausgesetzt, ja, hat sie dem Unternehmer zur Maßregelung noch ganz besonders emp- fohlen. Und der hat nicht gezögert, sein Nachrichteramt sofort auszuüben. Um aber diese Ungeheuerlichkeit begehen zu können, mußte das Tarifamt seine Kompetenzen auch nach anderen Richtungen hin überschreiten. Es hat Sandlungen oder Unterlassungen an dem Maßstab des Tarifes zu be werten, aber nicht Personen zu qualifizieren. Am allerwenig> sten aber hat das Tarifamt das Recht, den Parteien in der Auswahl ihrer Vertrauenspersonen irgendwelche Vorschriften zu machen, ihnen Winke über Qualifikation oder Nichtquali- fikation derselben zu geben oder gar die Entfernung aus dem Vertrauensverhältnis durch den Gegner der Partei durch führen zu lassen. Die Orgaanisation der Buchdrucker müßte einpacken, wenn dem so wäre. Das Tarifamt, in dem durch die Jnsti tution des„Unparteiischen" die Unternehmer die Mehrheit haben, könnte dann die Vertrauenspersonen der Arbeiter durch immerwährendes Sieben gewissermaßen selbst bestim- men. Eine solche Tariforganisation würde dann kein In- strument zum Ausgleich der Interessen von Unternehmern und Arbeitern sein, sondern ein Instrument zur bequemen Ausübung der Herrschaft seitens des Unternehmertums. Gegen einen solchen Ausbau der Tarifgemeinschaftsidee haben nicht nur die„Fachleute" ein Interesse sich zu sträuben, dagegen muß die gesamte Arbeiterschaft Front machen! Das wäre noch schöner, daß Schiedsgerichte herkommen dürfen und die Beauftragten der Arbeiterschaft zur Maßregelung emv- fehlen, weil ihnen oder irgendeknem Unternehmer vielleicht die Nase eines Vertrauensmannes nicht gefällt! Auch das Tarifamt der deutschen Buchdrucker wird derartige Gelüste unterdrücken müssen, will es nicht gerade durch seine Spruch- Praxis die Tarifgemeinschaftsidce aufs schlimmste gefährden. Nicht Preisgabe, sondern erhöhter Schutz ihrer Vcr- trauensleute hat die Arbeiterschaft von den Instanzen zu ver- langen, die sachlich in allen Streitfragen aus dem Zlrbcits- Verhältnis das letzte Wort zu sprechen haben. Sonst schwindet jedes Vertrauen zu derartigen Schiedsgerichten. Und ohne dieses Vertrauen können sie ihre vermittelnde Aufgabe nicht lösen. Berlin und Umgegend. Vcendiqnttg des Streiks der Eisenkonstrnktiousarbeiter. Es hatten am Mittwoch von neuem Verhandlungen zwischen der Kommission der streikenden Eisenkonstruktionsarbeiter und den Vertretern der Unternehmer stattgefunden. Darüber be- richtete Handle gestern nachmittag in der Versammlung der Streikenden, die, wie der überfüllte Saale deutlich erkennen ließ, noch immer einmütig im Kampf ausharrten. Es war außerordent- lich schwierig, bei den Verhandlungen auch nur eine Kleinigkeit mehr zu erreichen, als die Unternehmer bisher zugestanden hatten. Für die neunstündige Arbeitszeit waren sie auch jetzt noch durch- aus nicht zu haben und zunächst wollten sie überhaupt keine Ar- beitszeitverkürzung zugestehen. Aber endlich erklärten sie sich, nach- dem die Verhandlungen bereits ergebnislos zu verlaufen drohten, bereit, in eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit auf S6 Stunden zu willigen, die so verteilt werden sollen, daß an den ersten fünf Wochentagen 9%. Stunden, Sonnabends Stunden gearbeitet wird; jedoch bleibt den einzelnen Betrieben eine andere Verteilung der Arbeitszeit freigestellt. Da in den meisten Be- trieben bisher noch 69 Stunden die Woche gearbeitet wird, wäre das also eine Verkürzung um 4 Stunden. Im übrigen bleibt die schon vordem zugebilligte Bestimmung aufrechterhalten, daß Sonn- abends für Aufräumungsarbeiten und Umkleiden eine halbe Stunde früher Feierabend gemacht wird, ohne Lohnabzug. Hin- fichtlich der Löhne waren die Unternehmer nicht zu bewegen, mehr zu bewilligen als eine Erhöhung der bisherigen Stundenlöhne um 5 Proz. Die gegenwärtigen Lohn- und Akkordsätze werdest einet Revision unterzogen und da, wo notwendig, betriebswcise aufge- bessert. Was die weitere Verkürzung der Arbeitszeit betrifft, so hatten die Unternehmer nichts dawider, wenn die Arbeiter im nächsten Jahre von neuem hierüber Verhandlungen anknüpfen wollen. Im übrigen aber erklärten sie, daß sie, wenn es auf Grund- läge der jetzt gemachten Zugeständnisse nicht zum Friedensschluß komme, alles zurückziehen würden. Die Arbeit müßte bis Montag wieder aufgenommen werden. Die Arbeitnehmervertreter erklärten, daß sie dies den Streilcnden mitteilen wollten, und damit waren die Verhandlungen beendet. Wie der Redner weiter ausführte, hatten sich die Organisationsvertreter sowie die Kommission nach ein- gehender Beratung entschlossen, der Versammlung auf Grundlage des Ergebnisses der Verhandlungen die Wiederaufnahme der Arbeit zu empfehlen. Dagegen hatte die Vertrauensmännersitzung, die sich ebenfalls mit der Frage befaßte, in ihrer ZRehrheit die Zugeständnisse für gänzlich unzureichend erklärt und sich für Fort- sctzung des Streiks ausgesprochen. Die Versammlung hatte nun tue Entscheidung zu treffen. Nach mehrstündiger, teils erregter Debatte wurde die geheime Abstimmung vorgenommen. Sie führte zu dem Ergebnis, daß 691 Stimmen für Aufhebung des Streiks und 874 dagegen abgegeben waren. Da jedoch nach dem Statut des Verbandes für die Fortsetzung des Streikes eine Dreiviertel- Mehrheit erforderlich ist, wurde der Streik nun für beendet erklärt, was, wie es unter diesen Umständen vorauszusehen war, heftige Opposition hervorrief, ohne daß an den Tatsachen etwas zu ändern war._ Tarifbewegung der in der Album-, Mappen- und Galanteriewarenindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinne». In einer überfüllten Versammlung erstattete Brucks Bericht über den Verlauf und Stand der Tarifbewegung. Was die Arbeit- geber bewilligen wollten, war nicht ernst zu nehmen gewesen. Der Forderung, die Arbeitszeit von 54 Stunden auf 51 herabzusetzen stellten die Herren das Angebot entgegen, vom 1. Juli d. I. ab 53 und vom 1. Juli 1914 ab 52 Stunden arbeiten zu lassen. An der Ver tragszeit würden sie nicht rütteln lassen. Eine dreijährige Tarif dauer käme für sie überhaupt nicht mehr in Betracht. lieber würden sie eine vertragslose Zeit vorziehen. Redner erklärte, daß die Arbeiter sich durch die letztere Drohung nicht schrecken lassen würden. In der Lohnfrage hatten die Herren nach abermaliger Beratung Vorschläge unterbreitet, die dem entsprechen, was die Buchbindereibesitzer ihren Arbeitern bewilligt haben. Nach den Verhältnissen in der Buchbinderbranche könnten sich die Galanteriearbeitcr nicht richten, erklärte Brucks. Das Galanteriegewerbe ist ein Saisongewerbe, während die Arbeits Verhältnisse im Buchbinderberuf ziemlich stabile sind. Die Forderungen der Galanteriearbeiter betragen im Durchschnitt 15 Proz., angesichts der gesteigerten Lebensbedingungen gewiß eine bescheidene Forderung. Bei den hierauf stattgefundencn Beratungen traten die Arbeitgeber nun mit neuen Vorschlägen hervor, die etwas günstiger als die ersten Lohnsätze gehalten waren Doch konnten die Arbeitnehmer auch diesen neuen Zugeständnissen nicht zustimmen. Allem Anscheine nach sind die Unternehmer gewillt, den Kampf aufzunehmen und eine Machtprobe zu liefern. So sind diejenigen Arbeiter, die Kündigungsfrist hatten zum 1. Juli gekündigt worden, und zwar sind dies Leute, die 15—39 Jahre auf derselben Stelle waren. Der 1. Juli muß also demnach als AussperrungStermin angesehen werden. Die Arbeiter gingen nicht mutwillig in den Kampf, sie schreckten aber auch nicht davor zurück. Am Montag finden neue Verhandlungen mit den Arbsitgebern statt. Eine entsprechende Resolution wurde e i n st i m m i g angenommen._ Oeutkcbcs Reich. Tarifabschlust in der Lederwarenindustrie. Offenbach a. M., 22. Juni. sP r i v a t d e p e s ch e deS.Vor w ä r t S Der Tarifvertrag für die Lederwarenindustrie wurde mit 1979 gegen 39 Stimmen bei zirka 599 Stimmenthaltungen angeiiominen, ebenso in Stuttgart mit 189 gegen 36 Stimmen. Fortdauer des Lederarbeiterstreiks in Elmshorn. In dem kleinen holsteinischen Städtchen Elmshorn tobt seit 9 Wochen ein erbitterter Kampf zwischen den in den dortigen Loh- und Chromgerbereien beschäftigten Lederarbeitern und den vereinigten Lederfabrikanten. Zwei Lederfabrikanten, die dem Fabrikantcnvcrein nicht angehören, sind von dem Streik verschont geblieben. Der Kampf ist am 18. April ausgebrochen, weil die Lcderfabrikantcn eine Erhöhung der Stundenlöhne abgelehnt hatten. Von den Lederarbeitern wurde gefordert: Ein Mindest lohn von 44 Pf. für Hilfsarbeiter bei der nassen Arbeit und 42 Pf. Mindestlohn für die Hilfsarbeiter bei trockener Arbeit. Außerdem sollten sämtliche in Betracht kommende Arbeiter nach drei Mo naten eine Erhöhung des Stundenlohnes um weitere 2 Pf. erhalten. Die Fabrikanten haben sich während des Streiks die bekannte Müllrrgarde der Streikbrccher-Vcrmittclungsfirma Müller in Wandsbcck herangeholt. Während sie die Forderungen der streiken den Lederarbeiter angeblich nicht erfüllen können, lassen sie es sich Taufende kosten, diese Streikbrecher heranzuziehen und zu be schäftigen. Die Beschäftigung der Streikbrecher erfordert bei den einzelnen Akkordarbeitern oft den doppelten Lohn und noch mehr, als ihn die Streikenden früher bekommen haben. Vom Zentral- verband der Lederarbeiter sind mehrfach, so auch in voriger Woche, Versuche zur Beilegung des Kampfes gemacht werden, aber die Ledcrfabrikanten können ihren Herrenstandpunkt noch nicht preis- geben. Der Kampf wird deshalb mit aller Schärfe weitergeführt. Da die Elmshorner Ledcrfabrikanten im ganzen Deutschen Reiche nach Lederarbeitern annoncieren und den Eindruck zu erwecken versuchen, als wenn der Kampf schon zu ihren gunsten erledigt wäre, so weisen wir nochmals darauf hin, den Zuzug nach Elms- Horn aufs strengste fernzuhalten. Differenzen in der„Sächsischen Waggonfabrik" in Wcrda». Am 19. Juni haben in genanntem Betriebe 899 Arbeiter die Kündigung eingereicht. Zum Teil sind diese Kündigungen am 17. Juni abgelaufen, der Rest läuft am 24. d. M. ab. Die Kün- digungcn erfolgten, weil die Direktion die gestellten Forderungen ablehnte. Gefordert wurde Verkürzung der Arbeitszeit von 59 auf 57 Wochenstunden, 6 Pf. Aufschlag auf alle Stundenlöhne für Holzarbeiter, Festsetzung von Mindestlöhnen und geringe Aufbcssc- rungen der Akkordtarife. Mit den Vertretern der Gewerkschaften zu verhandeln, lehnte die Direktion strikte ab und die langwierigen Verhandlungen mit dein Arbeiterausschuß führten zu keinem be- �riedigcnden Ergebnis. Die geforderte Arbeitszeitverkürzung wurde schließlich zugestanden, aber alles weitere abgelehnt. Die Löhne in dieser Fabrik lassen sehr zu wünschen übrig. Die Hirsch- Dunckcrschcn Gcwcrkvercinc sind an der Bewegung beteiligt. Zuzug von Holzarbeitern, Metallarbeitern, Malern und Sattlern ist fern- zuhalten. Husland. Achtung, Holzarbeiter! In Winterthur und Umgebung sind die Bau-. Möbeltischler und Anschläger seit sechs Wochen ausgesperrt. Die Tischlermeister sind nun arg in Verlegenheit. Bis Dato ist es ihnen nicht gelungen,„Arbeitswillige", die etwas taugen, zu er- halten. Sie haben sich deshalb wieder einmal ins Ausland begeben, um dort Streikbrecher aufzutreiben, tpaS sie freilich nicht hi'ndcnt wird, nachher wieder über die verfluchten Ausländer, die Hetzer und Wühler zu schimpfen. Zuzug von Holzarbeitern aller Branchen ist von Winterthur und Umgebung strengstens fernzuhalten. Genossen, orgt überall für die nötige Aufklärung; beantwortet die Annoncen der Tischlermeister mit Gestenannoncen. Behufs weiterer Ausktinft wende man sich an das Arbeitersekretariat Winterthur sTelephon 999). ___ Das Ausspcrrungskomitee. Der Streik der Seeleute. London, 29. Junt. fEtg. 23«.?* Trotz der beständigen Versicherungen der Vertreter der SHip- ping Föderation, daß der Streik schon„praktisch" zu Ende tst. dehnt sich der Seemannsstreik von Tag zu Tag immer mehr aus.-iag die Berichte der kartellierten Unternehmer auf Unwahrhett beruhen, beweist schon allein die zunehmende Unruhe an der Börse, dte tn solchen Sachen einen ziemlich sicheren Gradmesser abzugeben Pflegt. Ein wichtiger Sieg für die Seeleute ist der heute zwischen den Vertretern der Seeleute, Heizer und Schiffskellner und der großen Cunard-Gesellschaft abgeschlossene Vertrag. Gleich nach dem Be- kanntwerden dieses Vertrages lief die Nachricht ein, daß auch die Booth-Gesellschaft, ein wichtiges Unternehmen, mit den Vertretern ihrer Schiffsmannschaften ein allgemein gültiges Abkommen gc- troffen hat. Die Herren Donald Currie u. Co., deren Angebot, die Löhne der Matrosen und Heizer um 19 Schilling den Monat und die der Schisfskellner und anderer Kategorien dementiprcchend zu erhöhen, nicht angenommen worden ist, geben bekannt, daß thre Dampfer, die zur Besichtigung der Flottenschau nach der Krönung bestimmt waren, nicht fahren werden. Einen wichtigen Zuwachs erfuhr die Bewegung ferner gestern durch den Beschluß der Seemannsorganisation in Hull, unmittelbar Forderungen zu stellen. Die Sonderorganisation in Hull, die 799 Mitglieder zählt, hat sich bisher abseits gehalten, was von der bürgerlichen Presse zu Anfang des Streiks sehr nachdrücklich betont wurde. In Bristol hatten die Streikenden gestern einen beachtenswerten Erfolg zu verzeichnen. Die Steam Navigation Company kam den Arbeitern so weit entgegen, daß diese sich bereiterklärten, sich an- mustern zu lassen. In South Shiclds sind 1999 Dockarbeiter tn den Streik getreten und verlangen eine Lohnerhöhung. Auch die zur Shipping Federation gehörigen Schiffe„Hurona" und-Plar- field", die augenblicklich in North Shields liegen, haben die ctorde- rungen der Streikenden bewilligt. In Glasgow und Leith sind die Dockarbeiter ebenfalls in den Ausstand getreten. In Leith können gegen 39 Dampfer keine Mannschaften bekommen. Höchst erfreulich ist das Verhalten der schwarzen Heizer rn Liverpool. Die Elder Tempster-Gesellschaft beschäftigt auf ihren Afrikadampfern, von denen augenblicklich 7 in Liverpool liegen, Neger als Heizer und Kohlentrimmer. Diese haben sich nun mit den Streikenden solidarisch erklärt und gehören den Berichten nach zu den begeistertsten Anhängern des Streiks. Schwarze Heizer er- hielten bisher einen monatlichen Lohn von 45 Schilling, die Trimmer einen solchen von 35 Schilling: sie wurden auch im Hafen von der Gesellschaft beköstigt oder empfingen Kostgeld. Diese Mannschaften verlangen nun 79 Schilling und 69 Schilling den Monat. Die Reeder drohen damit, in Zukunft nur weiße oder chinesische Heizer zu beschäftigen, welch letztere sich mit der Hälfte des Lohnes der Neger zufrieden geben. Der Streik ist bisher über alles Erwarten glücklich verlaufen. Zwar führen die Vertreter der Shipping Federation noch eine sehr herrische Sprache, aber die Stütze, auf die sie sich verlassen, dürfte sich bald als ein schwankendes Rohr erweisen. Mit ihren auf Schiffen eingesperrten„Blacklegs" werden sie nicht viel ausrichten. Wenigstens ein Schiff mit Streikbrecherbcsatzung ist wieder zurück- gekehrt, da die Leute nicht zu gebrauchen waren und der Kapitän sein Leben nicht riskieren wollte. In Cardiff und anderen Häfen ist es zu Reibereien mit Streikbrechern gekommen. Namentlich haben die Versuche, Chinesen als Streikbrecher zu benützen, wie von jedermann vorausgesehen wurde, zu großer Erbitterung ge- führt. In Cardiff sind ein englischer und zwei deutsche Matrosen des Mordversuches an Chinesen angeklagt. Höchstwahrscheinlich sind die Delikte weit weniger schlimm� als sie von der aukaeregten Kapitalistenpresse hingestellt werden. Hus Induftrie und ftandel. Ein internationaler Stahlrina. Die Vertreter der bedeutendsten Eisenwerke der Welt sind in Brüssel zusammengekommen, um eine gegenseitige Verständi- gung der Stahlindustriellen in die Wege zu leiten. Der Deutsche Stahlwerksverband, der allerdings nur noch ein Jahr lang un- bedingt mitzählt, ist durch seinen Direktor vertreten, � das Oester- reichische Eisenkartell durch den Zentraldirektor der Prager Eisen- industrie, der Stahltrust durch seinen Chairmann. Ferner haben sich die britischen Exportindustriellen beteiligt und die belgischen und französischen Kontore der Stahlwerke. Für genügende und namhafte Beteiligung ist also gesorgt. Auch an hohen Zielen fehlt es nicht, die der internationalen Tagung gesteckt sind. Nicht weniger als eine Verständigung über den Weltmarkt der Eisen- fabrikate soll erzielt werden. Ueber die Absatzgebiete will man sich ebenso einigen wie über die Preise, die auf dem Weltmarkt künftig Geltung haben sollen. Das ist sehr viel. Keinem der Beteiligten wird wohl auch nur entfernt der Gedanke gekommen sein, daß auf der Brüsseler Tagung die beiden Ziele auch wirklich erreicht werden. Wenn sich trotzdem so angesehene Vertreter der Eisenindustrie in der belgischen Hauptstadt zusammengefunden haben, so ist dies darauf zurückzuführen, daß sie sich von der internationalen Aufgabe sehr viel versprechen, auch wenn nicht gleich ein Welttrust das Licht erblickt, der schon als Vorahnung manche Gemüter in Schrecken gesetzt hat. Internationale Ab- machungen der Produzenten haben stets nur einen geringen Wert gehabt, ob sie nun in lose oder feste Formen gekleidet worden sind. Ein Kartell von internationaler Bedeutung ist in fester Form überhaupt nur als Trust denkbar. Jeder syndikalistischen Vereinigung steht die Verschiedcnartigkeit der Landesgesetze ein für allemal im Wege. Deshalb haben auch die bisherigen inter- nationalen Verbände der Eisenindustrie nur eine lose Form ge- habt. Solche lose Konventionen leiden aber nun wieder daran, daß sie keinerlei Kontrolle darüber ermöglichen, ob sie auch ge- halten werden._ So ist das Internationale Röhrenkartell nach sehr kurzem Bestehen wieder in die Brüche gegangen. Nur die ehrlichen Werke hatten sich durch seine Abmachungen für gebunden erachtet. Die übrigen mogelten eben, sobald ihnen die Mogelei vorteilhafter zu sein schien als die Erhrlichkeit. Der Inter- nationale Trägerverband hat überhaupt nie mehr als ein Schein- dasein geführt, und nicht viel anders ergeht es dem Inter- nationalen Schienenabkommen, das durch das Aufblühen der russischen Eisenindustrie fast überflüssig gemacht wurde. Die führenden Persönlichkeiten der Eisenindustrie kennen dieses Rr» sultat früherer internationaler Abmachungen selbst genau genug, um sich bezüglich dessen großen Hoffnungen hinzugeben, was in der Brüsseler Tagung zu erreichen sein wird. Wenn sie trotzdem erscheinen, so ist dies, wie schon gesagt, darauf zurückzuführen, daß eine Aussprache über die Lage des Eiscnmarktes auch ohne bindende Abmachungen von großem Vorteil für die Eisenwerke der verschiedenen Länder ist. Es kann sich daraus eine bestimmte Stellungnahme zu verschiedenen Fragen von internationaler Be- deutung entwickeln, die erst später aktuell zu werden brauchten, aber ohne die jetzt geschaffene persönliche Fühlungnahme sich doch nicht werden durchführen lassen. Die Brüsseler Tagung ist in erster Linie eine Vorbereitung für spätere Abmachungen. Wichtige Re- 'ultate dürfte sie dagegen kaum bringen. TvCtztc Nachrichten* Der europäische Rundflug. Utrecht, 22. Juni.(H. B.) Die Reihenfolge der hier gelandeten Teilnehmer an dem europäischen Rundfluge ist folgende: 1. Gibert. 2. Vidart, 3. Garros, 4. Bcaumont. 5. Wynmalen, 6. Kimmerling 7. Train. Die Flieger R e n o u x und L e v a s s e o r sind bei Benloh abgestürzt und sollen schwer verlebt sein. Bestimmte Nachrichten über den Zustand dieser beiden Aviatiker fehlen noch. Die Pest auf Java. Amsterdam, 22. Juni. iW. T. B.) In der vergangenen Woche ind auf Java 55 Pestfälle, darunter zwei an Lungenpest, und 44 Todesfälle vorgekommen. Socrebaha ist jetzt pestfrei. Lerantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. In scratentei! vergntw.j Th-Glacke, Berlin, Drucku.BerlagtBortvärtZBuchdr.i» Beriagsanstalt RzulSinacr�Co-.BcrlinLVV. Hierzu Z Beilagen u.UntcrhaltunaSSÜ Nr. 144. 28. Jahrgang« 1. KtW des Lmiirls" Kerlim Wldsdlsll. lreltag, 23. Inn! 1911. vs; lltteil der Berliner Buchdrucker über den Konfliht bei Scherl. Wir haben gestern bereits Stimmung und Verbauf der Buch- druckcrversammlung vom Mittwoch kurz mitgeteilt. Es seien hier nun noch verschiedene Einzelheiten aus der Versammlung hervor- geHoven. Während des Referats des Gauvorsitzcndcn A l b r e ch t 5vurdcn, wo der Redner das Vorgehen gegen die beiden gcmasz- regelten Maschincnm�ster erwähnte, heftige Pfuirufe laut, wo- gegen mit nicht minderer Kraft und Ausdauer„Bravol" gerufen wurde, als der Redner die Arbeitsniederlegung und Solidaritäts- erklärung der übrigen Maschinenmeister erwähnte. Der Redner verschwieg im weiteren Verlauf seines Referats nicht, dah das Vcr- halten der Gcschäftslcitung bei Scherl schon seit langem der- artig war. das; sich eine solche Erregung und ein sich immer mehr anhäufender Unwille schlich- I i ch einmal geltend machen muhte. Allerdings hätten «die Maschinenmeister dennoch die legalen Wege gehen müssen, und es sei zu bedauern, daß sie das nicht taten. Aber erklärlich sei es, weil die Firma Grund genug zu Unwillen gegeben habe. Die Ent- schcidung des Tarifamts niüsse in ihrem Absatz 3 als durchaus unverständlich bezeichnet werden. Auf keinen Fall sei ein Urteil zu billigen, durch das diese zwei Maschinenmeister als Geiseln herausgegriffen wurden. Kein Paragraph des Tarifvertrags er- laube cs,� Vertrauensmänner als unqualifiziert oder un- geeignet für diesen Post?» zu erklären. Die Vertrauensleute seien keine Tarifcinrichtung, sondern hätten den Schutz der Tarifgcmcinschaft zu gcniehen. Wollte das Tarifamt und damit die Prinzipale Einfluh darauf haben, welche Leute die Gehilfen zu ihren Vertrauensmännern erwählen, so könnte man ja mit demselben Recht von der Prinzipalität vcr- langen, dah sie den Gehilfen in den Betrieben Einfluh auf die Anstellung der Vorgesetzten und Vertreter der Prinzipale einräume. Wenn solche TarijamtSentscheidungen Geltung haben sollten, so würden sich die übrigen Gewerkschaften wohl fragen, ob es über- Haupt noch opportun sei. Tarifverträge abzuschliehcn. Der Redner verlas schlichlich das Urteil der„Holzarbcitcrzcitung" über die Angelegenheit, das darauf hinausläuft, dah dem Tarifvertrag kein schwererer Schlag versetzt werden konnte, als eben durch jene Ent- schcidung. l Zwischen ruf: Ter„Korrespondent"?) Nein, sagte der Redner, das schreibt die„Holzarbcitcrzcitung", nicht der„Korrc- fpondcnt". Nach Beendigung des Referats verlas der Vorsitzende Mass in i die eingelaufenen Anträge. Als die vom Gauvorstand vorgeschlagene Resolution verlesen wurde, rief inan bei den Worten „verurteilt die Atbeitsniederlegung" allgemein und heftig:„Nein, nein!" Je schärfer bei Verlesung der aus der Versammlung ge- stellten Resolutionen die Entscbeidung des Tarifamtes oder die Haltung der daran beteiligten Gchilfcnvcrtrctcr verurteilt wurde, Tim so stärker war der Beifall. Als erster Redner erhielt der gemahregeltc V v r- t r a u c n s m a n n Huf das Wort, mit stürmischem Beifall bc- grüht. Er führte unter anderen: aus, dah die den Maschinen- meistern aufgezwungene geteilte Arbeitszeit schlimmer sei als die der Bäcker, da die Maschinenmeister dabei keinen Tag, keinen Abend mehr für sich' hätten. TeS weiteren teilte er noch einiges mit von der Behandlung, die dem Personal bei Scherl zuteil wurde. Es war da z. B. in einem ArbcitSraum der Fuhbodcn beständig so �schmierig und schlüpfrig, dah stets die Gefahr vorlag, aus- zuglcitcn und dabei vielleicht gar in das Getriebe der Maschinen . zu geraten. Als man Abhilfe verlangte, antwortete der Faktor .Jensch:„I a, w c in das nicht p a h t, der kann sich ja eine andere Stellung suchen!" Aber weiterhin erklärte dieser Herr: „WaS schadet's denn, wenn sich ein paar Leute die Knochen brechen? Warum bezahlen wir die 10 VW M. Unfallprämie!" Dah der Mann diese unglaublich rohe Acuherung gctän hat, wird von anderen bestätigt. Der Redner führte ferner aus. dah er sowohl wie sein ebenfalls gemahregcltcr Kollege sich, nachdem sie schon entlassen waren, drauhea vors Tor stellten und die übrigen Maschincnnieistcr aufforderten, hineinzugehen in den Bc- trieb und ruhig abzuwarten, wag die masigcbendcn Instanzen in der Sache tun würden. Sie haben sich also redlich bemüht, die Em- pörung ihrer Kollegen über die Mahregclung zu dämpfen, aber es ist ihnen mit bestem Willen nicht gelungen. Tor zweite gcmah- regelte Vertrauensmann, Wallnig, der später im Verlauf der Diskussion, ebenfalls von demonstrativem Beifall bcgrüht, zu Worte kleines feuilleton. Die Berliner Arbciter-Bibliothcken im Jahre 1910. Dem Bei- spiel anderer Orte folgend, hatten wir im Vorjahre eine umfassende Zusammenstellung der in den Berliner Geiverlschaftöbüchcreien vor- handenen Werke und deren Benutzung gegeben. Die in Betracht kommenden 40 Bibliotheken sind nicht zeuirnlisiert, sondern werden jede für sich Verwalter. Die Zenrralisicrung ist zwar diskutiert ivorden— und auch zurzeit liegt wieder ein solcher Antrag von den Parteigenossen in Teltow-BccSkow vor— doch an ein befriedigendes Resultat ist vorläufig noch nicht zu denken. Allerdings soll zum Herbst die Frage von der Berliner Gewcrkschaslskommifsion weiter beraten werden. Wie immer auch die Zentralisierung angestrebt Iverden mag: es wird sich dabei wohl»nehr um eine allgemeine Leitung und besonders um die Finanzierung bandeln, als um eine Konzentriernng der Bücherschätze an einem Ort. Im Gegenteil wird es zwcckmähiger sein, die Ausleihestellen nach dem Vorbild dc-Z MetallarbeitcrvcrbandeS auf verschiedene Stadt- gebiete zu verteilen. Zu dem vorjährigen Bücherbestand sind im Laufe des letzten Jahres 3000 Bände hinzugekommen, so dah in 40 Büchereien jetzt rund 48 000 Bände vorbanden find. Die AuSlcihcziffer hat sich um die stattliche Zahl von 30 000 erhöht, bei den Metallarbeitern allein wurden gegen daS Jahr 1909 10 000 Bände mehr auSgelieben. Dem- nach sind im Berichtsjahre 1910 insgesamt zirka 157 000 Bände ausgeliehen wordcu. Die aufgewandten Gelder haben sich gegen 1909, wo sie 18898 M. betrugen, nicht vermehrt. Wohl aber planen einzelne Biblioiheksverwaltungen. so zum Beispiel die dcS Holzarbeiter- Verbandes, größere Umänderungen und Ergänzungen des Bücherbestandes für das lausende Jahr. Der Metall- orbeiterverband gab 3209 Mark, der Holzarbeiterverband 1553 M. für Neuanschaffungen aus. Einzelne Verbände verfahren jedoch auch anders. So will der Gärtnerverband in Zukunft nur noch die für seine Mitglieder in Frage kommende fachlvistcnschastliche Literatur pflegen und im übrigen seine Mitglieder an die Heymonnsche Bücherei verweisen. Die Bauhilfsarbeiter sind dadurch zum Genuß einer Bibliorbek gekommen, daß sie sich mit dem Verband der Maurer verschmolzen haben. Interessant dürste auch sein, daß der Mctallarbeitervcrband die Jugendlektnre stark pflegt; in seiner gntgelciteten Bibliothek befinden sich 028 Jugcndschriften. Besonders erfreulich ist es, daß im Buch- bindervcrba'nde die weiblichen Mitglieder ein starkes Kontingent stellen. Diese benutzten zusammen 1880 mal die Bücherei. Wer weiß, welch seichten Schund sonst vielleicht die Berliner jungen Mädchen lesen, wird diese lebhafte Anteilnahme begrüßen. Freilich haben in der Hinleitung der Leser zu besseren ästhetischen und sozialwissenschaftlichen Werken die Bibliothekare zuweilen noch einen schweren Stand, wie daS ja dank der Volksschulbildimg als selbstverständlich erscheint. Die freien Gewerkschaften müssen ein kam, fragte zunächst, ob Döblin da sei, und allgemein rief man aus der Versammlung nach dem Bcrbandsvorsitzcndcn. Aber er war nicht da. Ter Redner stellte dann den Antrag, die Versamm- lung möge beschließen, daß den beiden gemaßregelten Vertrauens- männern in weitestem Umfange Rechtsschutz zziteil werde, damit die vom Tarifamt ausgesprochene VerrufScrklärnug durch die bürgerlichen Gerichte zur Aufhebung gebracht werden könne. Ter Antrag wurde von der Versammlung mit lautem Beifall aufgenom- men, kam aber nicht zur Abstimmung. Ter Redner bemerkte ferner, daß Scherl zunächst erst 29 der Maschinenmeister wieder eingestellt habe, und erst am Mittwoch den dreißigsten, obwohl er doch ver- pflichtet war, alle 30 sofort wieder einzustellen. Es ist auch gleich wieder Ucberzeitarbcit von den Maschinenmei- stern verlangt worden, aber sie lehnten das ab mit der Begründung, daß man erst die anderen wieder einstellen solle. Im übrigen sprachen in der Diskussion noch mehr als ein Dutzend Redner aus dem Kreise der Veriammelten, und in allen ihren?lusführungen kam immer wieder die Entrüstung über die Entscheidung des Tarifamts und über das Verhalten derjenigen Bcrbandslciter zum Ausdruck, die dieses Urteil billigen und sich mit ihrer allzu scharfen Verurteilung der Arbeitsniederlegung nach Meinung der Redner auf der Seite der Prinzipale stellten. In der weiteren Diskussion wurde unter anderem ausgeführt: Wenn die, die das Urteil fällten, noch einen Funken Ehrgefühl be- säßen, hätten sie ihre?lemter niederlegen müssen. Der Jurist. der als Unparteiischer im Tarifamt sitze, sei tatsächlich parteiisch für die Unternehmer, und wenn die Parität gewahrt werden sollte, müßten die Gehilfen auch noch einen ebenso unparteiischen Juristen im Tarifamt haben. Es müsse dafür gesorgt werden, daß eine der- artig mittelalterliche Rechtsprechung, wie sie hier in dem Urteil des Tarifamts zutage getreten, in Zukunft nicht mehr möglich werde. Wohl hätten die Maschincnmcistcr bei Scherl eine Dumm- hcit gemacht, aber die Verbandsleitung habe schon viele andere Dummheiten begangen, und wenn man sich so dem Wunsche der Unternehmer fügen wolle, so käme der Verband dahin, statt seiner Mitglieder und Vertraucnsleute die Hintzcgarde z u schützen. Wenn die Prinzipale behaupteten, sie brauchen an den RotationSmaschincn keine gelernten Arbeitskräfte, so hätten sie nun wohl einschen müssen, daß die Maschinen im Dreck stecken bleiben, wenn die Maschinenmeister fehlen. Man könne bei dem ganzen Konflikt auf den Gedanken kommen, dah er vom Verlegerverein inszeniert worden sei. und um so bedauerlicher sei es, daß sich der Buchdrucker- verband gleichsam zur Hilfe für die Unternehmer hingegeben habe. Der Tarifvertrag werde von den Prinzipalen, bc- sonders hinsichtlich der Bestimmung, daß bessere Verhältnisse nicht verschlechtert werden dürfen, geradezu mit Füßen getreten. Das Schlimmste an den Vorgängen sei, daß man die Gemaßregelten noch offen durch Anschlag an den Säulen gleichsam an den Pranger stellte, wenn es auch in der Arbeiterschaft sonst als eine Ehre gälte, vom Unternehmertum gemaßrcgelt zu werden. Die Vcrbandslcitung sei jetzt schon dabei, die Gehilfen in der Provinz gegen die Berliner scharfzumachen. Am Sonntag bereits habe das VerbandSvorstandsmitglicd Eifler im Odcrgau versucht, eine Protestresolution gegen die Berliner zur?lnnahme zu bringen, allerdings vergeblich. Wie einer der Redner ausführte, sei die einzige gute Wirkung der ganzen?lngclcgenhcit, daß die Gehilfen schaft einmal wieder aufgerüttelt wurde. Der Kontraktbruch selbst könne nur vorübergehenden Schaden bringen, dauernden Schaden aber habe der Verband durch die Entscheidung des Tarifamts erlitten. Man habe es gar nicht glauben können, daß alle Vertreter der Gehilfen im Tarifamt sich auf Seite der Unter- nchincr stellten, f Zivischenruf: RauS aus dem Verband mit ihnen I) Disziplin sei gut und notwendig für jede Organisation, aber das Band, das die Organisation zusammenhalte und ihr ihren Wert gebe, sei die Solidarität. Die Behauptung, daß in der Vcrivcigerung der Strcikarbeit Tarifbrnch liege, sei bewußt unwahr. Unerhört sei es, daß Vertreter der Gehilsen sich dazu her- gäben, bestimmte Kollegen zu brandmarken und zu verfemen. Wiederholt wurde im Lause der Diskussion aus der Versamm- lung gerufen, man solle die Personen, die für jenes Urteil ein- treten, aus dem Verband ausschließen, sie aus der Organisation hinauswerfen und dergleichen mehr. Von verschiedenen Druckereien wurde in der Versammlung erklärt, daß die Vertrauensleute ihre Aemter niedergelegt hätten» weil sie ja doch auf keinen Schutz beim Verbände zu rechnen hätten. Demgegenüber forderte Mass in i auf, treu zum Verbände zu halten und betonte, daß cS doch im Interesse der gesamten Gc- Hilfenschaft notwendig und unerläßlich sei, auf dem Posten der gutes Stück Geld und Kraft opfern, um das von der Volksschule Versäumte nachzuholen. Einige Verbände, u. a. auch die Holz- arbeilcr, haben deshalb die geiviß empfehlenswerte Neuerung ein- geführt, die Kataloge mit Eiuleiiungen in die Litcraturgebiete zu versehen. Auch der Inhalt einzelner, besonders empfehlenswerter Werke wird kurz skizziert. Dieses eiilführcnd-verniittclude Verfahren dürfte der beste Weg sein zur Hebung der Leser. J. K. Der klerikale Ursprung der preußischen Verfassung. Die oktroyierte und revidierte preußische Verfassung ist zwar immer»och besser als die preußische Praxis— denn sie entstand doch in der bewegten Lust de» NevolutionSjahrcS—, aber sie ist doch nur eine Parodie der belgischen Verfassung und die traurige Urkunde eines Volles, daS bis zum heutigen Tage nicht die Kraft politischer Selbstbestimmung gefunden hat. Die preußische Verfassung ist die absurde Verkuppelung eines monarchischen AbsolutisinuS mit einen, fiktiven Parlame»- tariSmuS, der gerade wegen seiner inneren Ohnmacht radikale Worte konstitutioneller Färbung liebt. Neuere Veröffentlichungen haben festgestellt, welchen Anteil der deutsche KlerikaliSmuS an diesem ErzenguiS gehabt bat. Friedrich Wilhelm IV. wurde für die oktroyierte Verfassung vom 5. Dczcm- bcr 1848 wesentlich von den reaktionären Vorschlägen beeinflußt, die Pelcr Rcichenspcrger, der spätere ZentrumSführer. in der BerfassungS- koinmission deS JahrcS 1848 zu dem ursprünglichen RegierungS- entwurf vom 20. Mai 1848 gemacht hatte. Mit nickit»nbegniiidctcin Stolz wird deshalb in einer Abhandlung der Miiiichen-lAladbachcr Zeitschrift.Soziale Kultur" die preußische Versassung als die Charte- Reichensperger bezeichnet. Die Abschnitte der Verfassung„Vom König",„Von den Ministcril", „Bon den Kammern" sind im wesentliche» und zumeist wörtlich»ach den Anregmigen Reichcnspergcrö oktroyiert worden. Ihm„verdanken" wir nauientlich das absolute Vetorecht der Krone, daS jede Versassung verhöhnt, und das nicht iniiider absolutistische eutscheideude Miuistcr-EriieniiuiigS- und EiitlassmigSrecht des Königs. Die Wieder- Herstellung des GottcsgnadeiinnnS ist klerikales Gewächs. So geht das klerikale Gespenst von Anfang an in der preußisch- deutsche» Verfassung um. Ein Brief der Pomvadonr, den Aug. Pawlowski in der Brüsseler „Revue Gsuörale" initteilt, zeugt von einem incrkwiirdigcn Scharf- blick der Mätresse Ludwigs XV. für die politischen Wirkinigen des Aufstiegs der Bourgeoisie. Der Anlaß des Schreibens, das die Pompadour am 25. Juli 1750 an den Gcsandtci, im Haag de Saint Coutcst richtete, tvar die AdelSverleihung au ciiiei, reichen Kaufniann. Die Briesschreiberin sagt:„Diese Affäre de Valbure ist eine Eitel- kcitSäffäre, die in ihre» Konsequenzen gefährlich werde» kann, da man geneigt scheint, alle zu adeln, die sich in, Handel auszeichnen, was iiotlvendigcrwcise alle Rangordnungen dcS Staates in Verwirrung bringen muß und vielleicht eine Revolution in der Regie- rung herbeiführen wird. In einer Monarchie gibt der König seinem ersten Minister einen Fußtritt, dieser gibt' ihn den Groß- ossizieren der Krone, die ihn ihren Untergebenen lveitergeben. ES Vertrauensmänner auszuhalten.— Nachdem gegen 1 Uhr ein Antrag auf Schluß der Debatte angenommen war, suchte das Gauvo» standSmitglied Schlesfler nochmals den Standpunkt des Gau. Vorstandes darzulegen, wurde aber durch die steigende Unruhe der Versammlung am Reden gehindert. Bei der Abstimmung über die vorliegenden Resolutionen wurde zunächst die schon erwähnte Nc- solution gegen die Stellungnahme der Gehilfcnvertrcter des Tarif- amts mit starker Majorität angenommen. Für die Resolution des Gauvorstandes mit einigen Abänderungen trat dann noch der gc- maßregelte Vcrtraueiismann Huf ein. Und sie wurde schließlich in der Form angenommen, daß im ersten Absatz statt„und ver- urteilt deshalb" gesetzt wurde„und bedauert deshalb", und daß im letzten Absatz statt„Deshalb ersucht" gesetzt wurde„Deshalb verlangt die Versamiulung dringend, daß" usw., und, wie schon gestern erwähnt, mit dem Passus, der die Schreibweise des„Korrc- spondent" über die Angelegenheit verurteilt. Wie es in dem Zusatz heißt, sei die Haltung.des„Korr." gegenüber den Kollegen geeignet, die Buchdrucker in der Achtung der übrigen organisierten Arbeiter- schaft herabzusetzen. Sodann wurde noch beschlossen, daß die Re- solution durch Anschlag an die Säulen bekanntgegeben werden soll. 0•* Die Bnchdruckerci-HilsSarbciter hielten am Mittwoch ihre regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Nach dem Vorschlage des Vorstandes sollte als erster Punkt der Tagesordnung der Konflikt in den drei großen Zeitungsbetrieben besprochen werden� Auf An- trag der Arbeiter von Ullstein, den auch die Arbeiter von Scherl und Masse befürworteten, wurde beschlossen, die Angelegenheit in einer besonderen Versammlung zu besprechen, die, um auch den Nacht» arbeitern die Beteiligung zu ermöglichen, am nächsten Sonntag nachmittag abgehalten werden soll. lichter ordentlicher Genollcnlchaftstag. Leipzig. 21. Juni. Dritter Verhandln ngStag. Die Sitzung beginnt mit Entgegennahme des Referats von Professor Dr. S t a u d i n g e r- Darmstadt über „DaS konsumgcnosscnschaftliche FortbildimgSwcscn." Nachdem der Referent eingehend die Notwendigkeit genossenschaft- sicher Erziehung und Forthilduug begriindet halte, berichtete er über die Tätigkeit der eiiigeictzlcn Kommission zur Prüfung der Frage dcS koiisumgenoffenschafilichen FortbildiingSuntcrrichtS. Der Koni- nliisioi, standen bisher 23 000 M. zur Verfügung, von denen 3044 Mark aufgewandt wurden. Die Koininissioii gehe Schritt für Schritt in der Lösung ihrer Aufgabe vorwärts. Zunächst habe sie eine Anzahl von V o r t r a g s t h e m e n herausgestellt und tüchlige Referenten in allen Gauen des Landes geivoiiucii, um in BczirkSversammluugen geiiosienschaftlichcr Vcrwaltuugsiiiitgsieder Vorträge über gciiosieil- fchastliche Fragen und Aufgaben halten zu lassen, um zunächst hier bei den wichtigsten Trüger» der GciiosseuichastSbeweguiig ihre erzieherische Tätigkeit zu beginnen. Der nächste Schritt solle die Einrichtung bezirksweise abzu halte»derUnterrichts- k u r s e und die A n st e l l u n g einer t ü ch t i g c n L c h r k r a f t zur Orgaiilsicruug und Leitung dieser Kurse fem. Für die spätere Zukunft sei die Errichtung cincs zentralen Unterrichtskursus in Hain- bürg in Aussicht genommen. Redner legt folgende Nefolution vor: Der achte ordentliche GeiiosscuschafiStag des ZcntralvcrbaudcS deutscher Koiisimivercine vom 19. bis 21. Juni 1911 tu Leipzig nimmt mit Befriedigung von dem Bericht über die Tätigkeit der auf dem vorjährigen GeilossenschaflStag in Miinchen gewählten Kommission zur Prüfung der Frage des konsiimgenosscnschaft- liche» FortbildungSunterrichtS KenntiiiS und beschließt, diese Kommission unter dein Namen„FortbilduiigSkoiiimission deS ZentralvcrbaiideS deutscher Konsumvereine" mit der Aus- führnug der weiteren iiotivendigen Arbeiten zur Förderung und Pflege deS koiiimngcliosscnschaftlichcn FortbildungswesciiS zu betrauen. Insbesondere sind neben der Förderung des konsuingcnossen» schastlichen BezirkSversamnilmigStvesenS auch kousilmgenossenschaft- liche BezirkSuuterrichtskurse einzurichten. Die Besoldung der erforderlichen Lehrkräfte und die Lieferung der Lehrmittel hat auS den Mitteln dcS BildniigSfoudS zu geschehen, llebcr Ivcitcre Auf- Wendlingen aus diesem Fonds zwecks Uiiterstützung der Kursistcn entscheidet die Komniission selbständig. Der GeilossenschaflStag dankt allen denjenigen genossenschaft- kichen und anderen Organisationen und Personen, die zum BildungSfondö beigcsteucrr haben, für ihre Opserivilligkeit und ist die? eine fortgesetzte Rückwirkung zwischen den verschiedeiieu Rangstufen dcS Staates, die beim letzten der Untertanen endet. In den Republiken istS anders. Wer sich am letzten Platz befindet, kann an den ersten gelangen, und daher rührt immer eine Art von Gleich- heit, die zwischen den Mitglieder» der Gesellschaft bleibt. Sie sind alle Bürger. ES gibt von Verfassüng wegen keinen dauernden Unterschied zwischen ihnen. Sie sind alle Adelige und Gesetz- geber. Wenn man in Frankreich erst einmal die Rangstufen durcheinander bringt, wenn ein Kaufmann Edelmann werden und scincii Handel fortsetze» kann, werden alle Unterschiede abgeschafft und stufenweise wird sich die Monarchie in eine Republik verwandeln." Die Bedeutung dcS formalen Akts der AdelSverleihung wird natürlich von der Marquife— sie scheint übrigens die Adels- erlverbung durch fürstlichcn Beischlaf für weniger umsturzgefährlich gehalten zu haben— lvcitnns überschätzt. Die revosiitionäre Wirkung dcS gesellschaftlichen Ausstiegs des Bürgertums ist aber sehr richtig beurteilt. Auch mutet die migenierte realistische Fußtritt-Thcorie ihres Monarchismus entschiedeu augeiichiner an, als gewisse ab- geschmackte prcußisch-iuystische Auffassungen. Die ersten KiinstaiiSstclliiugcn. In der Zeitschrift„Graecia' plaudert Anatole France über die Eutstcbuiig unsercS modernen AuSstelluiigSwesrilS und über die ersten regelmäßigen KinistauS- stcllungcn. ES war Eolbert, der den Gedanken faßte, die Vor« führungen von Bildern, die man schon gelegeutlich veranstaltet hatte, zu einer festen, periodisch wiederkehrenden Einrichtung zu machen. Er erwirkte im Jahre 1003 die Erlaubnis dazu von Ludwig XIV., aber die Verwirklichung dcS Plans vollzog sich erst vier Jahre später. Vom 9. bis zum.23. April 1007 öffnete die erste öffeiltlichc Gemäldeausstellung dem Pubsikum ihre Pforten. Die Mitglieder der königlichen Akademie der Künste-waren verpflichtet, � diese Ausstellung zu beschicken. Aber eS fehlte noch ein Bilderkatalog; der ist zum ersten Male 1073 er» schienen. Es lvar ein kleines. nnauschulicheS, schlecht gedrucktes Heft. Aber für Sammler ist er heute eine kostbare Seltenheit. Die Ge» mäldeauSstellungen fanden ziiuachst nur alle zwei Jahre statt. Ja man veranstalicte sie überhaupt nur, tveun die Akademie genug Gelb hatte, um die Kosten zu tragen, waö nicht immer der Fall ivar. Unter Ludwig XV. wurden dam, zuerst die Bilder in dem großen viereckigen Saal des Louvre ausgestellt, jenem berühmicil Salon Carrü, der heute die Meisterwerke des Louvre» Museums vereinigt. Von diesem Ort erhielt die GemäldeauSstellimg den Naiiicu„Salon", den sie sich auch in den viel weiUSufligeren Räumlichfetten, die sie seitdem inne hat, bewahrte.„Der Salon Carrö braucht sich nicht zu beklagen, daß er heute nicht mehr der jungen Malerei dient. Er hat jetzt einen bestäiidigereil und besser ansgewählten Schmuck erhalten. UebrigeuS wäre er auch etwas klein, wollte er die Erzeugnisse unserer Kunst in sich aufiiehmen. Wir haben seit dem 18. Jahrhundert große Forischritte in der Malerei gemacht, ich meine nicht, in ihrem Wert, sonder» ich spreche nur von ihrer Menge." srdert inZvesondsre bte genossenschaftlichen Organisationen bei Zentralderbandes deutscher Konsumvereine auf. durch Zuwendungen tlw BildnngSfondS und andere geeignete Maßnahmen das für .je weitere Entwicklung des Konsumgenossenschaftswesens so über- aus bedeutungsvolle Fortbildungswesen nach beste» Kräften zu unterstützen. An das Referat schloß sich eine kurze Debatte, in der sich die Redner mit dem Grundgedanken der Ausführungen Staudingers, daß die genossenschaftlichen Bildungsbestrebungen notwendig sind, einverstanden erklären und zum Teil Vorschläge machen, wie sie die Ausführung des Gedankens wünschen. Die Rciolution des Referenten fand e i n sl i m»r i g e Annahme. Der Genossenschaftstag nahm dann ein Referat von Konrad Barth- München entgegen über Genossenschaftliche Erfahrnnge» aus der EntwickclungS- gcschichte des Verbandes süddeutscher Konsumvereine. Der Referent schilderte in großzügiger Weise die EntWickelung des süddeutschen Verbandes und hob besonders die Kulturarbeit, die die Konsunwereine geleistet, hervor. Trotz aller Widerstände hätten sich die süddeulfchen Konsumvereine mächtig entwickelt. Wann werden endlich, so schloß der Redner, die Regierung, die Parteien — Nationalliberale und Zentrum— objektiv genug sein, um an- zuerkennen, was die Genossenschaften geleistet haben und fortwährend leisten? Den Bericht über die Tätigkeit des TarifamteS f ibt hierauf v. E l m- Hamburg, der eingangs betont, daß auf Grund r ei er Vereinbarungen zwischen den Gewerkschaften und Genossen- schaften in verschiedenen Orten eine Erhöhung der OrtS zuschlüge eingetreten ist. b. Elm bespricht dann ausführlich die einzelnen Entscheidungen, die das Tarifamt gefaßt hat. Für die Orte Aachen, AdlerShof, Bielefeld, Bochum, Bremen, Düsseldorf, Erfurt, Greiz, Kameuz, München, Sendling und Stettin wurde eine Erhöhung der OrtSzuschläge festgesetzt. Die Zahl der Genossenschaften, die die Tarife der Gewerkschaften anerkannt haben, hat ein ständiges Wachstum erfahren. Insgesamt werden wohl etwa 95 Proz. aller technischen Arbeiter der Genossenschaften des ZcntralverbandeS zu den tariflich festgesetzten Lohn» und Arbeitsbedingungen arbeiten. Mit diesem Resultat könne man im Grunde genommen zufrieden sein. Immerhin sei eS sehr bedauerlich, daß doch noch eine Anzahl von Vereinen im Zentralverband vorhanden ist, die tarifuntreu sind. DaS Tarifamt hoffe, daß diese Vereine binnen kurzem ihren Standpunkt verlassen und ihre soziale Einsicht dadurch be- tätigen möchten, daß sie die Tarife anerkennen. Zum Schlüsse feiner Ausführungen wandte sich v. Elm gegen einen vorliegenden Antrag des Konsumvereins Leipzig- Plagwitz, daß zn den Sitzungen des Tarifamtes sowohl die klagende wie die verklagte Partei Vertreter abordnen kann. DaS Tarifanit habe sich mit dieser Anregung be- schäftigt und sie abgelehnt, da sie nur hohe Kosten verursache und die Vertretung allgemein nicht notwendig sei. Wenn in einzelnen Fällen die persönliche Vertretung nötig wäre, könne das Tarifamt diese anordnen. Arnold- Leipzig begründet den erwähnten Antrag Leipzig. D r e h e r- Berlin, gewerkschaftlicher Vorsitzender des Tarif- amtes, bestätigt, was v. Elm betont hatte, daß das Zusammen- arbeiten der Genossenschaften und Gewerkschaften ein sehr gutes sei. Es sei zu bedauern, daß Entscheidungen des Tarifamtes in einzelnen Fällen von Genossenschaften zunächst nicht anerkannt lv u r d e n. Den Entscheidungen müßte zugestimmt werden, auch wenn man mit ihnen nicht einverstanden ist. Redner klagt, daß vereinzelt der Arbeitsnachweis des Verbandes von Konsumvereinen nicht benutzt wurde, und wendet sich dann gegen den Antrag Leipzig. Der Antrag Leipzig wird hierauf gegen 6 Stimmen abgelehnt. Die bisherigen Mitglieder des TarifamteS werden wieder gewählt., Den Bericht des Ausschusses gibt v. Elm- Hamburg, er beantragt Genehmigung der Verbands- rechnuilg. Zimmer- Denken fragt, wie sich der Ausschuß zu den Artikeln beS Generalsekretärs Kaufmann in der„Rundschau" über die Stellung der Sozialdemokratie zur Geiiossen- schastSbewegung stellt. In den Artikeln sei eine U e b e r- Neutralität gepredigt worden, daß man diese geradezu zum Ekel bekomme. Im Schlußwort antwortete darauf v. Elm, der Ausschuß habe sich über diese Artikel unterhalten. Der Ausschuß ist der Anficht. daß er nicht das Recht hat, dem Generalsekretär zu ver- bieten, zu irgendeiner Frage seine Meinung zu� sagen. Das Recht der freien Meinungsäußerung müssen wir unseren Beamten zugestehen.(Zustimmung) Was Kaufmann sagte, war seine persönliche Meinung. Ich stimme mit dem Genossen 5k. nicht in jedem einzelnen Punkte nbcrcin. Wir lassen uns aber gegenseitig unsere Meinung. Was den Artikel selbst anbelangt, so kann ich' sagen, daß grundsätzlich im Ausschuß und Vorstand eine MeinungSdifferenz in bezug auf die Frage der Neu- tralität nicht besteht. Wir haben keine Ursache, den Standpunkt, den wir ans früheren Gewerkschaftstagen zu dieser Frage festgelegt haben, zu verlassen. Ich erblicke in der Genossenschaftsbewegung eine Ergänzung des po- litifchen und gewerkfchastlichen Kampfes für die Besserstellung der Arbeiter. Auch Kaufmann sagte ähnliches. WaS er betonte, ist, daß die Gcnvssenschaftsbcwegung an sich kein Klassenkampf ist, und das trifftzu.(Lebhafte Zu- stimmung.) Die GenossenschaftSbewegung ist kein Klassenkampf, daS müssen wir festhalten gegenüber den Angriffen der Gegner. AlleS, WaS wir sagen und schreiben, wird von den Gegnern verdreht, Unsere Einrichtungen werden dazu benutzt, zu sagen, daß wir nicht neutral, sondern sozialdemokratisch� seien. Wir verlangen, daß unsere Bewegung nach den Beschlüssen der GenossenschaftStage beurteilt wird. Nicht was der Ein- zelne sagt oder tut, ist maßgebend. Die„Leipziger� Volkszeitung" bezeichnet Kaufmann als einen Gegner des Wirtschaft- lichen Fortfchri'.tS. Sie wissen alle, daß, was wir unternommen haben, unter Leitung K.S getan wurde. Da soll nun einmal einer kommen und sagen, daS sei nicht wirtschaftlicher Fortschritt.(Sehr gut!) Dagegen müssen wir protestieren.(Zustimmung.) Daß wir im Ausschuß nicht immer alle einer Meinung sind, da§ ist klar. Im übrigen meine ich, es ist das beste, wir lassen den Theoretikern ihre Meinung, sie mögen sie aus- sprechen. Für uns kommt immer mir in Betracht, was wir praktisch leisten. Wenn der Generalsekretär in praktischen Fragen einen verkehrten Standpunkt�einnehmen würde, dann würden wir eingreifen. Der Ausschuß hat aber keine Veranlassung gehabt. dem Genossen K. seine Meinung zn unterbinden. Schon deshalb. weil nicht alle einer Meinung sein können. �(Lebhafte Zustimmung.) In einer persönlichen Bemerkung erklärt K a u f m a n n: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. Sofern ich es für notwendig halte, werde ich es wieder schreiben. Ich glaube in Ihrem Sinne zu handeln, wenn ich sage, es bleibt bei der Neu- tralität!(Stürmische Zustimmung.) Die vorgelegte Jahresrechnung wird anerkannt und der Ver- teilung des von der Großeinkaufsgesellschaft für allgemeine genossen- schaftliche Zwecke zur Verfügung gestellten Betrages von 12 000 M. nach dem Vorschlage des Vorstandes zugestimmt. Der Vorstand wird entlastet und das turnuSgcmäß ausscheidende Vorstandsmitglied R a d e st o ck einstimmig wiedergewählt. Ebenso einstimmig werden die ausscheidenden Ausschußmitglieder v. Elm, Professor Stau ding er und P o b b i g« Zwickau wiedergewählt. Die Voranschläge und Festsetzung der Beiträge zu den Kosten des Verbandes werden genehmigt. Damit waren die Arbeiten des GenosscnschaftstageS beendet. Borsitzender Rade stock schloß ihn mit einem Rückblick und einem Hoch auf die Genossenschaftsbewegung. Der nächstjährige Genossen- phaftStag findet in Berlin statt. Hus der partcl Kehrt die h lidischen Kommunalwahlen wirb uns noch geschrieben: In den Städten Pforzheim, Karlsruhe und Frei- bürg haben nun die dritten Wählerklassen, die nach dem neuen Gemeindewahlgesetz ein Drittel ihrer bisherigen Wählerzahl an die zweite Klasse abgegeben, die Prüfung auf die neue Ordnung hinter sich. Wie zu erwarten war, gehört wegen deS Proporzes dieses Gebiet mit seinen 32 Sitzen nicht mehr der Sozialdemokratie; sie hat davon in Pforzheim 21, in Karlsruhe 24 und in Freiburg 14 gegen den bürgerlichen Andrang erhalten. Die Hoffnung unserer badischen Genossen richtet sich auf das Jagdgebiet der zweiten Klasse, in welcher wegen des Wähleraufstieges sich noch ein Anteil an den 32 Mandaten dieser Serie erringen läßt. Pforzheim begann und erreichte bei einer sehr lebhaften Wahlbeteiligung in der zwei Sechstel der Berechtigten umfassenden Mittelklasse noch sechs Stadtverordneten-Mandate, besitzt also jetzt deren 27, während vorher 32 Sozialdemokraten im Stadtverordneten- Kollegium saßen. In Karlsruhe erwartet man in den beiden oberen Klassen noch einen sozialdemokratischen Stimmenzuwachs; ob die Zahl 32 erreicht wird. hängt von der Haltung der Beamten ab. In allen drei Städten ergab sich, daß in der dritten Wähler- klaffe die Begeisterung für das neue Wahlsystem viel zu wünschen übrig ließ— auch bei den Arbeitern. Wenn jetzt die kleinen Städte an die Reihe kommen, tritt ein anderer Ucbelstand des Gesetzes für die Arbeiterschaft in die Erscheinung: es hält schwer, für die geschlossenen Listen die genügende Anzahl Genossen als Kandidaten zum Ausschuß zu finden. Im„Volksfrcund" erklären heute die Genossen von Ober- kirch, daß sie für die 3. Wählerklasse eine Kompromitzliste mit den Nationalliberalen vereinbaren. Man sieht, daß dieses Dreiklassenwahlgesetz. daS einst von den badischen Genossen so herausgestrichen wurde und um deswillen sie den Minister Bodman als hervorragend liberalen Staatsmann feierten, in der Praxis große Schattenseiten aufznlveisen hat. Vom Strafvollzug gegen sozialdemokratische Redakteure. Unserem Genossen Dahl, Redakteur der Erfurter „Tribun e", war bei seiner letzten Gefängnisstrafe von 6 Wochen die wiederholt beantragte Selbstbeschäftigung verweigert worden; er wurde mit dem Stanzen von Etiketten beschäftigt. Am 13. Juni hatte Genosse Dahl eine Gefängnisstrafe von 3 Monaten anzutreten; vor Antritt der Strafe wurde ihm eröffnet, die Gefängnisverwal tung sei mit drei VerlagSxzeschäften in Verbindung getreten, die sich bercitcrklärt hätten, Arbeiten von schriftstellerisch beschäftigten Ge- sangencn anzunehmen. Auf besondere Anfrage erklärten aber die drei Geschäfte, für die von Dahl gewählten Arbeiten„keine Ver Wendung" zu haben. Am 20. Juni hat Dahl nun abeje doch noch die Erlaubnis zur Selbstbeschäftigung erhalten. Die Wandlung ist auf die Kritik des Strafvollzuges im preußischen Abgeordnetenhause zurückzuführen._ poHzeiltcbes, Oericbtlicbes ufo. Die Handhabung des liberalen RcichSvcrrinSgesctzcS. Unter der Anklage der Ucbertretung der Z§ 5, 6 und 18 Nr. 2 deS ReichSvereinsgesctzeS stand am Mittwoch der Arbcilersekretär, Genosse Christian S ch r a d e r. vor dem Schöffengericht Hannover. Am 29. April sollte im.Ballhofe" eine Mitgliederversammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins für den 8. hannoverschen Wahl kreis stattfinden. Als Genosse Schräder das Podium bestieg. folgten ihm zwei Polizeibeamte, die sich trotz des geschlossenen Charakters der Versammlung Zutritt in den Saal„verschafft" hatten. Die beiden Beamten forderten von dem Genossen Schräder für ihre UeberwachungSarbeit die Anweisung von Plätzen. Letztere wurden ihnen nicht vorenthalten; aber Genosse Schräder protestierte gegen die Anwesenheit der beiden Beamten, die er zum Verlassen des Saales aufforderte. Diese Aufforderung bildete für den Polizei kommissar daS Signal, die noch gar nicht eröffnete Versammlung,' als nicht ordnungsmäßig angenieldet oder angezeigt, aufzulösen. In der schöffengerichtlichen Verhandlung führte Genosse Schräder u. a. aus, daß jeder Beweis dafür fehle, daß er der Einberufer der Versammlung und bestimmt war, diese zu leiten. Genosse Schräder, der sich selbst verteidigte, bestritt serner noch die Charakterisierung der geschlossenen Mitglieder- Versammlungen des Wahlvereins als öffentliche politische Versamm- lungen. Ferner habe die Versammlung gar nicht stattgefunden; sie würde erst stattgefunden haben, wenn die Polizei ihre Eröffnung zugelassen hätte. Auch nach einer Entscheidung des Kammer- gerichts werde eine Versammlung eine solche erst nach ihrer Eröffnung. Das Urteil des Schöffengerichts ging dahin, daß eine Ueberttclung des K 18 Nr. 2 vorliege. Bezüglich des nicht ganz einwandsfrei festgestellten öffentlichen Charaltcrs der Versammlung habe sich da» Gericht den bekannten Standpunkt des Oberlandesgerichts Celle zu eigen gemacht, wonach die gleichzeitige Zugehörigkeit Vieler zu einer politischen Vereinigung nicht genüge, um deren Versammlungen als private ansehen zu können. Daß der Angeklagte als der Veranstalter der Versammlung anzusehen war, unterlag für daS Gericht keinem Zweifel. Ob die Versammlung stattgefunden haf, erschien dem Gericht nicht über allen Zweifel erhaben, indessen ist es schließlich doch zu der Ansicht ge- kommen, daß sie tatsächlich stattgefunden hat. Hierauf lautete das Urteil auf eine Geldstrafe von SO M., an deren Stelle im Un- Vermögensfalle 5 Tage Haft treten sollen! Berufungen gegen dieses Urteil erscheinen aussichtslos, da sie stets an der Klippe der Judikatur des Oberlandesgerichtes scheitern müssen und das angeführte KammergerichtSerkenntniS hier keine Be- rücksichtigung findet. So wird das Versammlungsrecht mit Hilfe des dielgerühmten „liberalen" Reichsvereinsgesetzes immer mehr zu einem Bersamm- lungS unrecht._ Die Altonaer Polizei am Pranger. Am Mittwoch gelangte vor der Strafkammer II des Landgerichts Hamburg ein Beleidigungsprozeß gegen Genossen Köpke vom „H a m b u r g e r E ch o>" zur Verhandlung, in der recht tief in gewisse Polizcipraktiken hineingeleuchtet wurde. Seit Jahresfrist hatten sich im Altonacr Polizeibetriebe Uebergriffe und Versehlungen seitens einer Anzahl von Polizeiorgancn gehäuft. Schon vorher hatte selbst der Polizeichef von Altona, Senator Dr. Rosenkran tz, auf dem schleswig-holsteinischen Städtetag bei Be- gründung seines Antrages auf Errichtung einer Altonaer Polizei- schule lebhafte Klagen über das minderwertige Angebot zum S ch u tz m a n n§ d i e n st geführt, ein Be- weis dafür, daß es recht faul damit bestellt sein muß. Am 3. November 1910 teilte das„Hamburger Echo" unter der Ueberschrift„ZeugenanS sagen von Polizisten" einen recht tollen P o li z i st e n st r ei ch aus Altona mit. Nach bekanntem Muster war ein Mann, der sich über einen Trans- port durch einen Polizeibeamten empört und deshalb eine B e- s ch w e r d e bei der Polizei eingereicht hatte, in den Anklage- z u st a n d versetzt worden auf Grund von Angaben deS— transportierenden SÄutznianns. Der Mann ist aber von beiden In- stanzen freigesprochen worden unter Belastung der Staatskasse mit sämtlichen Kosten, einschließlich der persönlichen Auslagen und der Kosten der Verteidigung, weil sogar ein anderer Polizei» beamter der Wahrheit die Ehre geben mußte. Diesen Vorgang schilderte die„Echo"-Notiz, in deren Einleitung von der„Unver- schämtheit unserer Polizei"(die Notiz stand im Altonaer Teil) gesprochen wurde. Ferner spricht die Notiz von dem.alten Kniff". unbequeme Beschwerdeführer mit einem Strafmandat zu beglücken. Durch diese Notiz fühlte sich daS Polizeiamt zu Altona aus Z 13S und der betreffende Polizeibeamte namens Ehrich ans K 180 beleidigt. Die Beweisaufnahme gestaltete sich vernichtend für unterschiedliche Polizeibeamte. Herr Ehrich wurde glatt fallen gelassen. Rechtsanwalt Dr. Jonas führte aus, man greife auf Grund von Angaben untergeordneter Polizeiorgane oft zu dem Mittel.' llnbegltMe Leute als Zeugen auSzu« schalten, indem man sie wegen Widerstandes usw. in Anklage« zustand versetze oder sie mit Strafmandaten beglücke. In letzter Zeit sei ein Altonacr Polizist wegen unglaublicher Leichenräuberei zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden, ein anderer sei wegen Zuhälterei geflüchtet, ein dritter habe einen jungen Mann, Sohn eines Kaufmanns, mißhandelt, habe zunächst alles abgestritten und als er, Zeuge, gegen ihn einen Zivilprozeß auf Zahlung eines Schmerzensgeldes anstrengte, habe er den ihm zu« geschobenen Eid verweigert. Der Staatsanwalt ließ den Verleumdungsparagraphen fallen und beantragte wegen des.Generalisierens" aus 8 5LS zwei Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte gegen Köpke wegen formaler Be- leidig ung auf eine Geldstrafe von 500 Mark oder 50 Tage Gefängnis. Wenn auch verschiedene Uebergriffe hier unter Beweis gestellt worden seien, so gebe doch aus der Form die Absicht der Beleidigung hervor. Ein solches Gcneralisicren fei unstatthaft. Stslltoeroi'Siieten-verssmmIung. 23. Sitzung vom Donnerstag, den 22. Juni« nachmittagsbUhr. Die Sitzung wird vom Vorsteher Michelet nach 555 Uhr ers öffnet. Den Verkauf des städtischen Grundstücke? Köpenicker Straße 83 85— Rnngestr. 8 und Am Köllnische» Park zum Preise von 250 M. pro Quadratmeter hat der eingesetzte Aus- schuß mit der Maßgabe gutgeheißen, daß dem Magistrat anhcim- gegeben werden soll, darauf hinzuwirken, daß die Fassade des aujj dem Grundstück zu errichtenden Gebäudes der Baudeputation des Magistrats zur Genehmigung vorgelegt wird. Die Versammlung beschließt demgemäß ohne Debatte. Der Magistratsantrag, die Besitzer von 21 Grundstücken in der Linien-, Kl. Alexander-, Grenadier- und Bartelstraße mit zusammen rund 160 000 M. auf Grund des 8 � des Kommunal« abgabcngesctzes zu den Kosten der Nicderlrgung des Schcunenvicrtcls heranzuziehen,, ist in der Ausschußbcratung mit allen gegen 2 Stimmen ab« gelehnt worden. Referent ist Stadtv. Kyllmann(Fr. Fr.). Man dürfe hier die Lex Sachs nicht nach dem starren Maßstabs des Wertzuwachses, sondern nur nach den den Besitzern erwachsenden Vorteilen, denen auch die erwachsenen Nachteile gegenübergestellt werden müßten, in Anwendung bringen. Stadtrat Rast: Ich werde keinen Versuch machen, die Mehr- heit umzustimmen, spreche aber für den Magistrat die Ausfassung aus, daß mit dem Ausschußantrage nicht die Lex Sachs prinzipiell aufgegeben sein soll, sondern daß spätere Magistratsanträge gleicher Art bei der Versammlung freundlicher werden auf« genommen werden. Stadtv. Manasse(Soz.): Der Stadtrat Rast hat mit bieler Resignation sein Kind verleugnet. Wir stehen auf dem Stand- Punkt der Lex Sachs. Weit über den Spezialfall hinaus war es interessant," im Ausschuß zu sehen, wie man am liebsten gegen das ganze Gesetz Sturm gelaufen hätte. Wenn man sieht, mit welcher Verängstigung in manchem Ausschusse Berlin verhandelt, wenn es etwas ankaufen will, dann könnte man beinahe eine Unlustbarkeitssteuer erheben; hier wieder soll das Mitleid über die Gerechtigkeit siegen. Gerade w i r wollten Coulanz beweisen, wir wollten die Steuer, so lange die Häuser stehen und inner- halb von 10 Jahren nicht einziehen. Erst dem Eingreifen des Arminius-Bcfreiers Kyllmann gelang es, die Mehrheit des Aus- schusses zu dieser Anschauung zu bekehren. Es ist gewiß an- gebracht, den- Leuten entgegenzukommen, aber zur Opferung dyß» Prinzips lag keine Veranlassung vor. Zwischen den verschiedenen Schätzungen des Magistrats und des erwähnten hervorragenden Mitgliedes des Ausschusses liegt die Wahrheit wahrscheinlich in der Mitte. Stadtv. Galland(A. L.): Das Prinzip der Lex Sachs haben wir keineswegs verleugnet und wollen es nicht verleugnen. D/z Uhr.) Luise». Neue Heimat.(Ansang S'U Uhr.) Rose Stessen Langer aus Glogau. (Ansang ä'lt Uhr.) FolirS Eaprice. Die letzte Nacht. Die HochzcilSreise.(Ansang 8'/, Uhr) Metropol. Hoheit amüsiert sich! Apollo. Svezialitälen. tvailage. Spezialitäten. Reichödalle». Stettiner Sänger. Sviutcrgartc». Spezialitäten. Start Havrrlaud. Spezialitäten. VSalhalla. Prinz und Bettlerin. (Ansang SV, Uhr.) Voigt. Goldene Jugend. Noack. Paulas Beichte. Kaiser- Panorama. II. ZhlluZ Indien. Besteigung des Grog- glockner. Urania. Taubenstrahe 48/40. 8 Uhr: Lebende Ticrbilder von nah und scr». Sternwarte. Jnvalidenftr. 57— 62. Schiller-Tlieater0.fC:: Heute abend 8 Uhr: Panne. Lustspiel in 3 Auszügen von Richard Skowronnek. Morgen und solgende Tage: PanncN_ Schiller-Theater"Cr Heute abend 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Lustspiel in 3 Akten v. G. Kadclburg und Zlobert PreSber. Morgen und solgende Tage: Khcr(lanklc Punkt. Neues Kgl. Opern-Theater(Kn.ii) Freitag, den 23. Juni, abends 7 Uhr: j Gastspiel Marg. Matzenaucr: Die Walküre. Sonnabend: Tannhliuser. Sonntag: liohengrin. f < OSE=THEATE! □□o 000 □DO Friednoh-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Freitag, de» 23. Juni er., abends 8 Uhr: „Kasernenluft". Sonnabend und folgende Tage: „I4»»ioi'»e»iuft�. Grotze Krantsurte» Str. 132 Ansang 8'/« Uhr. SleOeoliMWliIm. Morgen: Dieselbe Vorslelluns Aus der IT D ®ü aroge Zievue ein Berlin.___ Verantwortlicher Nedalteur ....----------- ung. ... Gartenbühne täglich: izert, Theatervorstellung. Epeziali- >,. Ans. 4:/i Uhr.— Um 8 Uhr: ZSs givc tttir Metropol-Theater. Haheit nmiisiftl sich! Operette in 3 Sitten von I. Freund. Musik von Rudols Nelson. In Szene gesetzt voni Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestaltet. Ansang 8'/, Uhr. Olo großen Weltstadt-Attraktionen. Lache» ohne Ende k Der lerbroeliene Spiegel Kom. Original der Kebr. Schwarz. Ilm ein Weib. 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Herren- Preiskegeln sowie Volksbelustigungen aller Art. 1++-(- Berliner Vlk-Trlo,+-f-|- je eine Süpczialitttten- Truppe und SUnscr• Gcacllachaft X und einige mtglleiler d. freien Turnerachaft + H-+ Lichtcnberge.+-|-+ Billett 20 Pf. Kinder frei. Der Fest- Aus schuB. ❖ : ♦ ♦ \5fn Heute: Sommerfest zum Besten der Ferienkolonien kixdorfs. Große Spezialituten- Toratcllung. Ganz neues Programm. Üienaatloncllo Attraktionen. Gebirgsbahn, Wasserrutschbahn, Liebesmühle, Teufelsrad u. a. Am 24. Juni; Berliner Buchdrucker und SchriftgieBer. Juni 1911. Die ausgeschnittene Anzeige gilt als Freikarte für den Eintritt in den Purk, jedoch nicht an Sonn-, Elite- und Voreinstagen. Scnaationclle Attraktionen. Jolinstowns Untergang. Der größte Erfolg der Keuzcit. Cairo. Unverwundbare Denvischo. Sudanneger, Harem, Straßonsänger, Handwerker, Kamel- und Eselritte. Hippodrom, Gebirgsbahn, Wasserrutsch- babn, Moulin rouge, Marionettentheater, Teufeisrad usw. Morgen, Sonnabend: Elitc-Tng. Rosenfest. Rosenspenden für dio ersten 5000 Besucher. Pracht-Illumination des Parks. 4 Kapellen. und Garten-Konzert. LOGISCHER CARTEN Täglich ab 4 Uhr: Großes Militarkoflzert. Eintritt 1 Bark, von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Äindcr unter 10 Jahren die Häljie. Morgen sowie täglich: Ulilltllr-Doppcl-Konzort. Jahrcs-Abonnemenis a« allen drei Schnltcrfaffeii.__ Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Lebende Tierbilder von nah und fern. Koacks Theater. Direktion: Robert Dill. Berlin N., Brunncnstrage 16. Zum letzten Male: Paulas Beichte. AusstattungsburleSke m. Ges. u.Tanz. Dazu: Die crstklnss. Spezialität. _ Ansang 6 Uhr._ Volgt-Theatej? Gesundbrunnen, Badstratze 58, Heute sowie täglich: Guliieilt Iiigeild. Gr. Lebensbild m. Ges. u. Tanz i. 3 Akt. u. Austreten erstklassiger Spezialitäten. Kassenelöfsiiung 2. Ansang 4 Uhr. VollizgMöii-Iliszchf Freitag, den 23. Juni: Konzert, Theater- u. Spezialitäten- Borstellung. Neues Programm. Leopold Rossee— Emm>t Lyon— Ewald Troller.— Grappo Brothers. „Goldener Boden." Moabiter Wintergarten Artus-Hof Porleberger Str. 26, Stendalor Str. 18. Direktion: Karl Pirnau.. Die Bummelstudenten. Borhcr: Spf{ifllitiitf ii 5|Iorßf Uiing. Das Riesen-Juni-Ppopm. Konzert 6 Uhr. Vorstellung 7'/, Uhr. Max Klicms Sommer-Theater Rudolf Krüger, Hasenbeidc 13—15. Täglich: Erstklaijigc Dlieatcr- »»d Spezialtiüteii-Porstcliuugen. Zcllbedachier Thcaicrgaric», bei un- günstiger Wittcrinig Schutz bietend. Donnerstag: Elitetag. Trianon-Theater. Heute und iolgcudc Tage: Bat, Prinzeben. LicbcSschwailk in 3 Akten o. 31. Misch. Anfang S'/s Uhr. Alt-Iloablt 47/18. Sonntag, den 25. Juni 1911: Thrater ntib KpeMlitiiteu. Zlnsang des Konzerts 5 Uhr, der Bor. stellung 6 Uhr. Nach der Vorjtclllmg: Tanz,= Jeden Montag: Luftige Sänger. Abends 8 Uhr: Die schöne Maroussia die Tänzerin klass. Kunst Nina Bitowey kaukas. Voikssüngerin, und das neue große Progrannn! 14 erstklass. Attraktionen. Folies Caprice. 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NursrühcSKomnien sicher! guicn Platz! kieieliZbaiien-Ibeater. Britton! Miepe im Hosenrock. Zlnsang wochentags My 8 Uhr. Sonntags ÄW. 7 Uhr- Für den Inhalt der Inserate tiberuimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keincriei Bcrantwortuug. Albert Wachs, Berlin, pr den Lnjkratenteilverantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Bpchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin LW. 28.?ahlMg. 2. Stilnje Ks Jotrtrlf Wm plbiilatf. Freitllg. 23. Initi 19Ü. partei- Hngelegenbeiten. Die Provinzialkonferenz für Brandenburg findet am Sonntag, den 27. August, vormittags lO'/z Uhr, im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Berlin, Engelufer IS statt. Tagesordnung: 1. Bericht deS Bezirksvorstandes. Referent: Otto Wels. 2. Die bevorstehende Rcichstagswahl. Referent: Wilh. Pfannkuch. 3. Jugendfürsorge und Sozialdemokratie. Referent: Hcinr. Schulz. 4. Anträge. Anträge zur Provinzialkonferenz müssen spätetenS bis zum 21. August bei dem BrandenburgerProvinzialsekretariat Berlin SW. 68, Lindenstr. 69, eingereicht sein. Gäste haben nur mit Gastkarte Zutritt. _ I. A.: Otto WelS. Zur Lokalliste! Herr v. KiedrowSki, Inhaber des Restaurants„Marienhöhe" in Mariendorf, wünscht sösort aus der Lokalliste für Sozialdemokraten gestrichen zu werden. Meine Erklärung, so schreibt Herr v. Kiedrowski, habe ich in dem Sinne abgegeben, daß mein Lokal jeder Partei, möge sie heißen wie sie will, ohne Unterschied zur Verfügung steht. Nochmals, so wiederholt er dann:„mein Lokal steht jeden, offen und mache zwischen den Parteien keinerlei Unterschied." Mit dieser Er- klärung waren wir vollständig einverstanden und haben noch nie von einem Gastwirt etwas anderes verlangt. Anderes besagt auch die Lokalliste nicht. 6. Kreis. Das Lokal Inhaber Herr Ladewig, Lehrter Str. 34, hat den Besitzer gewechselt. Der neue Inhaber verweigert uns sein Lokal, mithin ist es von der Liste zu streichen. Ferner weisen wir nochmals darauf hin, daß in der Seestraße die„Lehr- und Versuche Brauerei" der Arbeiterschaft verweigert wird; besonders die Kirchhofs besucher wollen dies beachten. In KonrndShöhe bei Tegel stehe:» der Arbeiterschaft alle Lokale zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung. In Sorau N./L. steht uns das Lokal„Lindenhos", Inhaber P. Kämpfe, Pförtnerstr. 3, das irrtümlich aus der Liste gestrichen worden ist, nach wie vor zu den bekannten Bedingungen zur Ver- sügung._ Die Lokalkommission. Dritter Wahlkreis. Am Sonntag, den 2S. Juni findet ein AuS- flug mit Familie nach Hirschgarten statt. Treffpunkt nachmittags von 1 Uhr ab im Lokal zum Aussichtsturm lJnhaber Teichmann). Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Steglih-Fricdenau. Am Sonntag, den 2S. Juni, nachmittags präzise 3 Uhr. findet eine Besichtigung des„Kinder- Eziehungsheims am Urban" in Zehlendorff Dorotheenstraße, statt. Die Teilnehmer treffen sich auf der West- seite der Bahnhöfe Steglitz und Friedenau um 2 Uhr. Abfahrt: 1li3 Uhr bis Zehlendorf. Die Genossen aus Nixdorf warten vor dem Erziehungsheim. Nach der Besichtigung: Spaziergang zu Schwarz' Bürgergarten, Zehlendorf, Alsenstr. 56. Dort Teil- nähme an den vom„Turnverein Friedenau" arrangierten Spielen. Der Bildungsausschuß. . Rudow. Sonnabend, den 21. Juni, abends 9 Uhr bei Palm Witgliederversammlung. Der Vorstand. Alt-Glienicke. Sonnabend, den 24. Juni, abends 8 Uhr, im Lokal des Herrn Jahn, Rudowerr Str. 54: Generalversammlung des hiesigen Wahlvereins. ES ist eine wichtige Tagesordnung zu erledigen.. Stralau. Sonntag, den 25. Juni, früh 9 Uhr: Generab Versammlung des Wahlvereins im Lokal von Steinicke, Alt-Stralau 6. Tagesordnung: Bericht und Neuwahl sämtlicher Funktionäre. Die Bezirksleitung. Schönwalde, Bezirk Pankow. Am Sonntag, den 2S. Juni, nach mittags 3'/z Uhr. findet auf dem Grundstück des Herrn Drcbert am Gorinsee eine öffentliche Versammlung unter freiem Himmel statt. Tagesordnung: Die Parteien deS Reichstags und die kommenden Wahlen. Referent: Reichstagsabgeordneter Genosse Büchner. Freie Aussprache. Wir ersuchen die Genossen, für guten Besuch dieser Versannnlung zu agitieren. Die Agitationskommisston. jßerliner JVacbncbten. Am Stienitz-See. Die Mehrzahl der naturhungrigen Berliner Einwohner wagen sich nicht weit genug aus den: dunstigen Häusermeer, um die Schönheiten der Mark in satten Zügen zu genießen. Wenige Berliner kennen den an Größe fast der Müggel gleich- kommenden Stienitz-See. Und doch führen zu seinen lang- gestreckten bewaldeten Ufern zahlreiche bequeme Wege zu Wasser und zu Lande, selbst auf der Eisonbahn. Allbekannt und vielbeliebt ist die Dampfertour nach Woltersdorfer Schleuse und von da am Kalksee vorbei zu Fuß durch die Rüdersdorfer Forst nach den Kalkbergen. Von diesem großartigen Pano- rama der einzigen Gebirgsformation der Mark können sich die meisten Ausflügler so schnell nicht trennen. Und ehe man es sich versieht, mahnt der Sonnenuntergang, der von der Höhe der Kalksteinbrüche oder noch besser vom Aussichtsturm auf Schulzenhöhe einen prachtvollen Anblick bietet, zum Aufbruch. Wer die Touristenkarte zu Hilfe nimmt, wird aber neugierig sein, den gar nicht weit von den Kalkbcrgen entfernten mächtigen blauen Klecks, der ziemlich in der Mitte zwischen Rüdersdorf. Herzfelde, Hennickendorf und Fredersdorf liegt. kennen zu lernen. Eine Viertelstunde hinter den die Luft mit dichtem Staub erfüllenden RüderSdorfcr Zementfabrikcn streckt sich das reizlose Tasdorf, und von da zur Spitze des Stienitz- sees ist nur ein Katzensprung. Wir lassen die Hcnnickendorfer Seite, die schon von weit her durch ragende Zicgelcischlote kenntlich ist, zur rechten Hand liegen und wandern am linken Ufer eine gute Stunde»viedcr durch Rüdersdorfer Forst an ausgedehnten Kiesgruben vorüber nach Nordosten, in der Richtung auf Strausberg. Der bei schönem Wetter von zahl- losen Seegelbooten belebte Stienitz kann, ähnlich wie die Müggel, zeitweise äußerst ungemütlich sein. Die Landleute erzählen von unergründlicher Tiefe und von mancher damit verknüpften Sage. Der flache Strand ist ein ideales Freibad, zu dem auch schon Ansätze geschaffen sind. Haben wir das nördliche, breit auslaufende Ende des Sticnitzsees erreicht, so grüßt vor dem Bahnhof Hennickendorf und dem Kleinen Stienitz von hoher Bergkuppe herab die einen brillanten Fernblick gewährende Wachtclburg. Ueber den Stranggraben oder die Chaussee gchts rüstig Hügel- auf hügelab durch die Rollberge und an Neue Mühle vorbei «ach dem Staatsbahnhof Strausberg. Gerade dieser letzte Teil der Waldtour, die von Woltersdorfer Schleuse ab für einen tüchtigen Fußgänger höchstens vier Stunden in An- spruch nimmt, ist ungemein lohnend. Weniger zeitraubend ist die gesamte Partie, wenn man den Wasserweg verschmäht, mit der Ostbahn nach Sirausberg fährt, also dem Stienitzsee auf umgekehrter Route zustrebt und von Erkner den Berliner Zug benutzt._ Wenn matt„Wohltaten" annimmt. Sonderbare Erfahrungen hat ein Arbeiter Sch. gemacht, dem der Volksheil statten verein vom Roten Kreuz ein krankes Kind in der Kinderheilstätte zu Hohenlychen verpflegt hatte. Die Anfänge dieser Affäre liegen schon um reichlich zwei Jahre zurück, aber ihre Folgen für die Eltern des Kindes zeigen sich erst jetzt in ihrer ganzen Schwere. Was ihnen passiert ist, verdient in weitesten Kreisen beachtet zu werden, vor allem von denen, die aus ähnlichem Anlaß die Hilfe des Roten Kreuzes zu genießen hoffen. Im Jahre 1909 wurde das Kind, ein damals 7 Jahre alter Knabe, nach mehrfacher Erkrankung an Lungenentzündung auf den Rat eines Schularztes zu einer ber Fürsorgestellen für Lungen- kranke gebracht, die in Berlin eingerichtet sind. Nachdem Hans Sch. dort untersucht worden war, wurde der Mutter die Entsendung des Jungen in eine Heilstätte als notwendig bezeichnet. Ueber die Kosten machte ihr eine Pflegeschwester eine Mitteilung, die sie so auffaßte, daß man von den Eltern höchstens einen Beitrag von 20 M. fordern werde. Frau Sch. glaubte, hiernach sich mit der Ent- sendung einverstanden erklären zu können. In der Wohnung des Ehepaares Sch. wurde dann im Frühjahr 1909 von der Pflege- schwester, die dem Jungen einige Fürsorgebesuche machte, ein Antrag auf Ueberweisung in eine Heilstätte aufgesetzt, den Sch. abzuschreiben und zu unterzeichnen hatte. Als er Bedenken äußerte, beschwichtigte ihn die Pflegeschwester, er habe da nichts mit der Armenpflege der Stadt Berlin, sondern mit einer Stiftung zu tun. Einige Zeit danach kam in die Wohnung der Eheleute Sch. ein Herr— sie nehmen an, es sei der Bezirksvorstcher gewesen— und forderte in der Angelegenheit ihres Kindes allerlei Auskünfte. Uebcrrascht war Sch., als aus der Kinderheilstätte zu Hohenlychen eine Zu- schrift des Chefarztes eintraf mit der Bitte um„Mitteilung, wer die Kosten übernimm t". Sch. selber meinte, hierzu nicht in der Lage zu sein. Mitte Juni schrieb die Berliner Armen- direktion an Sch., daß auch sie die Uebernahme der Kosten für eine Kur seines Kindes in der Kinderheilstätte zu Hohenlychen ablehnen müsse. Wer sich da an die Armendirektion gewendet hatte, ist nicht klar. Die Eheleute Sch. sagen, ihre Absicht sei es nicht gewesen, die Hilfe der Armenpflege anzurufen. Unklar ist auch, was nach dieser Ablehnung getan worden ist, um die Armen- direktion umzustimmen. Geschehen muß da irgend etwas sein; denn Ende Oktober 1909 schrieb die Berliner Armendirektion an Sch., daß das Kind auf acht Wochen zur Kur nach Hohen- lychen überwiesen werde. Inzwischen war Sch. von Berlin nach Niederschönhausen weggezogen, wo er schon vorher in Arbeit gestanden hatte. Von Niederschönhausen aus fuhr Hans Sch. gegen Ende November nach Hohenlychen. Drei Tage darauf fragte die Berliner Armendirektion bei Sch. an, wo er arbeite. Es handle sich, schrieb sie ihm. um die„Feststellung, ob und welcher Orts- armenverband genräß§ 29 der Novelle zum Unterstützungs- Wohnsitzgesetz zur E r st a t t u n g der K o st e n für die Verpflegung Ihres Kindes Hans in Hohenlychen verpflichtet ist". Für den Fall einer Verweigerung der Angabc werde Rückberufung des Kindes in Erwägung gezogen werden. Sch. war noch immer der Meinung, ihm selber sei Äostenfreiheit zugesichert worden. Er antwortete am 29. November der Armendirektion, daß er sein Kind, falls er Un- kosten haben solle, sofort zurückverlange. Darauf schickte ihm die Armendirektion am 7. Dezember folgende Zuschrift:„Auf das Schreiben vom 29. v. M. teilen wir Ihnen mit, daß Ihnen auf Grund der ange st eilten Ermittelungen Kur- kosten nicht in Rechnung gestellt werden." Falls er seinen Sohn, so schloß der Brief, sofort zurücknehmen wolle, werde ihm anheimgegeben, sich direkt an die Heilstätte zu wenden. Die Eltern nahmen Hans nicht zurück, weil sie jetzt die Kostenfrage für geregelt hielten. Als sie ihn zu Weihnachten 1909 in Hohenlychen besuchten, wurde ihnen dort gesagt, sie sollten ihn nur ruhig da- lassen, er sei schon sehr gebessert, in 6— 8 Wochen könne er gesund sein. So rasch ging es freilich doch nicht. Mitte März 1910 schrieb die A r m e n d i r e k t i o n an Sch., sie habe den Aufenthalt des Kindes in Hohenlychen um acht Wochen verlängert. Sch. und seine Frau versichern, ihnen sei nicht bewußt, selber die Armendirektion um Verlängerung gebeten zu haben. Noch vor Ablauf der acht Wochen nahm Sch. zu Ostern 1910 das Kind mit nach Haufe, weil ihm schien, daß es die Füße erfroren habe. Um die Kostenfräge glaubte er sich keine Sorge weiter machen zu sollen; er dachte da an die Zusage der Armendirektion, daß ihm„Kurkosten nicht in Rechnung gestellt" werden würden. Im Gegensatz hierzu schrieb ihm nun im Sep- tember 1910 der Gemeindevorstand von Niederschön- hause n, dem dortigen Ortsarmenverband seien durch jenen Kur- aufenthalt des Kindes 104,75 M. Kosten entstanden, zu deren E r- st a t t u n g Sch. verpflichtet sei. Sch. wurde aufgefordert, diese Summe an Nicderschönhauscn in Monatsraten abzuzahlen. Er meinte, mit Nicderschönhausen habe er in dieser Sache überhaupt nichts zu tun; im übrigen berief er sich auf die Kostenfreiheit, die ihm zugesichert sei. Im Oktober 1910 meldete sich bei ihm wieder die Berliner Armendirektion und wünschte den Brief mit ihrer eigenen Zusicherung der Kostensreihcit zu sehen. Sch. wollte das für ihn sehr wichtige Schriftstück nicht aus den Händen geben und schickte der Armendirektion nur eine Abschrift. Eine Antwort kam nicht, wohl aber fand sich in seiner Wohnung ein Beamter ein, der sich die Wirtschaftseinrichtung besah und in Gegenwart der Frau Sch. das eine und das andere Stück als entbehrlich bezeichnete. Nachdem dann einige Zeit alles still geblieben war, begann wieder der Gcmeindevorstand von Niederschönhausen zu drängen. Schließ- lich richtete er im Juni 1911 an Sch. eine sehr energische Zahl u.n gsaufsorderung. Sch.s Einwand, daß die Armen- direktion Berlin die Tragung der Gesamtkosten aus Stiftungs- Mitteln übernommen habe, sei durch Einsichtnahme in die Berliner Akten als hinfällig erwiesen worden. Niederschönhausen müsse hier- von 104,75 M. tragen, Sch. habe diese Summe zurückzuerstatten, eventuell werde der K l a g e w e g beschritten und Lohnbeschlag- nähme beantragt werden. Uns ist neben anderen Schriftstücken auch der an Sch. gerichtete Brief der A r m e n d i r e k t i o n mit ihrer Zusage, daß ihm„K u r- kosten nicht in Rechnung gestellt" werden würden, im Original vorgelegt worden. An der Echtheit ist nicht zu zweifeln. Es ist möglich, daß jene Zusage nur für die ersten acht Wochen der Kur gelten sollte; möglich auch, daß Sch. oder seine Frau durch mündliche oder schriftliche Aeußerung in irgend etwas gewilligt haben, dessen Tragweite sie nicht erkannten. Aber wichtiger als die Frage nach der Rechtslage ist für die Oeffentlichkeit die Tatsache, daß durch Inanspruchnahme einer Fürsorgcstclle für Lungenkranke, die eine Ueberweisung an die Kinderheilstätte vom Roten Kreuz vermittelt, einer schrittweise dahin gelangen kann, ein Objekt der Armenpflege zu werden und wegen Rücker st attung von Kurkosten sich eine Klage aufhalsen zu lassen, die vielleicht zu Lohnbeschlagnahme und Wirtschaftspfändung führen wird. Soll den Eltern des Kindes das wirklich widerfahren, weil sie vom Roten Kreuz eine Hilfe beansprucht haben, die ihnen damals als„W o h l t a t" galt? Die Berliner Armendircktion hat durch jene Erklärung vom 7. Dezember 1909 bei den Eltern die irrige Annahme hervorgerufen, daß ihnen für die gesamte Kur keinerlei Kosten in Rechnung gestellt werden könnten. Sollte eö den beteiligten Behörden und Vereinen im besonderen der Ber- liner Armendirektion— wirklich nicht möglich sein, jetzt von den Eltern die Folgen jener Irrung abzuwenden?- Zur Neueinteilung der Kommnnalwahlbezirke ist nachzutragen, daß in der Uebersicht über die neuen Wahlbezirke, die»vir am Donnerstag(in Nr. 143) veröffentlichten, der Stadtbezirk 2541) ausgefallen ist. Er gehört zu dem neuen Wahlbezirk 33, der hiernach die Stadtbezirke 254A, C, D, E und 321 umfaßt.(Auch in der Uebersicht, die der Magistrat den Stadtverordneten vorgelegt hat, tvar dieser Stadtbezirk ausgelassen worden.) Straßenbahnunfälle. Beim Verlassen eines fahrenden Straßen- bahnwagens ist vorgestern die 53jährige Witwe Anna Wernicke aus der Großen Frankfurter Straße 50 schwer zu Schaden gekommen. Frau W. hatte vormittags gegen Mll Uhr einen Wagen der Linie 3 zur Fahrt nach Hause benutzt und sprang am Andreasplatz von dem rn der Anfahrt zur Haltestelle befindlichen Waggon herab. Hier- bei kam sie zu Fall und erlitt einen komplizierten Bruch des linken Oberschenkels, sowie erhebliche Hautabschürfungen im Gesicht und an den Armen. Die Verunglückte wurde nach dem Krankenhause Am Urban übergeführt. Ein zweiter schwerer Unglücksfall trug sich gegen 7 Uhr abends in der Schönhauser Allee zu. Dort versuchte die 4jährige Tochter Frieda des Schönhauser Allee 68 wohnenden Kutschers Engelmann vor dem elterlichen Hause unmitetlbar vor einem herannahenden Straßenbahnwagen der Linie 44 über das Gleise zu laufen. Trotz- dem der Führer, der die Gefahr erst im letzten Augenblick erkennen konnte, sofort die ihm zur Verfügung stehenden Bremsmittel an- wandte, wurde die Kleine doch umgerissen und geriet unter den Vorderperron. Das Kind trug einen Bruch des linken Oberschenkels und Hautabschürfungen davon. Nach Anlegung von Notverbänden auf der Unfallstation in der Gaudystraße wurde das Mädchen nach der elterlichen Wohnung gebracht. Der angebliche Mörder der Witwe Hoffmann. Zu der Selbst- bezichtigung des Kellners Rumler, der sich vorgestern, wie be- richtet, bei der Polizei in Böhmisch-Leipa stellte und angab. der Mörder der Witive Hoffmann in Berlin zu sein,»vird»vciter gemeldet, daß die Berliner Kriminalpolizei der Sache noch immer sehr skeptisch gegenübersteht. Trotzdem ist die Polizeibehörde in Böhmisch-Leipa ersucht worden, den Mann eingehend zu vernehmen und das Protokoll dann nach Berlin zu senden. Nach den bisherigen Ermittelungen hat sich Rumler im Dezember v. I., wo der Mord in der Blumenthalstraße verübt wurde, gar nicht in Berlin, sondern in Leipzig aufgehalten. Vermutlich»vill Rumler sich nur freie Fahrt nach Berlin verschaffen. Auf dem Berliner Polizeipräsidium ist bis jetzt noch keine Antwort auf das Ersuchen uin genaue Vernehmung Rumlers eingelaufen. Eine Omnibnsvcrbindung zwischen dem Hansa- und Bcllevuc- Viertel und dem Potsdamer Platz durch den Tiergarten beabsichtigt die Allgemeine Berliner Omnibus-Gesellschaft am 1. Juli einzu- richten. Die neue Verbindung kommt dadurch zustande, daß die Pferdelinie 28 Hascnheide-Alt-Moabit, die durch den Tiergarten geht, in ihrem nördlichen Teil verlegt wird. Sie geht vom 1. Juli an von der Paulstraße durch die Liineburger Straße, über das Helgo- länder Ufer, die Moabiter Brücke, die Brücken-Allee nach der FlenS- burger Straße bis zum Borsigsteg. Die Linie erhält dann die Be« zeichnung 28 Hasenheide(Kaiser-Friedrich-Platz)— Fleusburger Straße (Moabit). Der Konkurs über die Lichtcnbergcr BereinSbank verhängt. Anfang Mai dieses Jahres geriet bekanntlich die Lichtenberger Vereinsbank, deren Vorsitzender der Kaufmann Horstmann war, in ZahlungS- schwierigkeiten. Horstmann, der Inhaber einer Leim- und Essenzen- fabrik war, hatte im Laufe eines Jahres 21 Reisende engagiert, denen er gegen Stellung einer Kaution von 800 bis 1000 M. die Alleinvertretung für seine Betriebe übergeben hatte. Mit den Kautionen unterhielt H. die Vereinsbank, die etwa 20 Mitglieder besaß und mit einem Stammkapital von 600 M. gegründet worden war. Eines Tages erfuhren dann die Reisenden, daß sie samt und sonders von Horstmann betrogen worden»varen und erstatteten bei der Kriminalpolizei in Lichtenberg Anzeige. Ehe der Bankdireltor verhaftet werden konnte, stellte er sich selbst und ver- sprach, daß sämtliche Forderungen durch seinen Bruder und durch mehrere Verwandte gedeckt»verden würden. Es fanden auch Ver- Handlungen ztvischen beiden Parteien statt, die jedoch zu keinem be- friedigenden Resultat führten. Nach Durchsicht der Bücher wurde fest- gestellt, daß den Passiven in Höhe von 25 000 M. gar keine Aktiven gegenüberstehen. Es ist deshalb der Konkurs über die Vereinsbank verhängt lvorden. Wie verlautet, ist gegen Horstmann von mehreren seiner früheren Angestellten Strafantrag gestellt worden. Unter Holzmassen begraben. In dem Hause der Kammerichschen Werke, Fennstraße 27,»varen gestern zwei Arbeiter auf einem in einer Durchfahrt aufgestellten Gerüst beschäftigt, als ein Wagen un- vorsichtig durch die Durchfahrt gelenkt wurde, und daS ganze Gerüst dabei umriß. Beide Arbeiter wurden unter den Holz- massen begraben. Einer von ihnen wurde schwer, der andere leichter verletzt. Ein seltsamer Vorfall beschäftigt die Kriminalpolizei. In der Jnvalidenstraße wurde am vergangenen Sonnabend vor dem Hause Nr. 28 eine unbekannte Frau bewußtlos aufgefunden. Im Virchow- Krankenhause kam sie wieder zu sich, nannte zunächst auch ihren Namen und gab an, daß sie Zimmcrvcrmietcrin sei. Nachträglich aber verweigert sie jede Angabe über ihre Persönlichkeit. Der Name, den sie erst nannte, klang wie Masche, Marsch oder Maasch. Die Unbekannte ist etwa 1,65 Meter groß und beleibt, hat ein rundes volles Gesicht und trug eine weihe Bluse, einen schwarzen Rock, einen großen schwarzen Hut mit roten Rosen und schwarze Schnür- schuh.— Ein Bienenschwarm belagerte am gestrigen Nachmittag vor dem Hause Kottbuser Damm 90 einen Kandelaber der elektrischen LeitungS» drähte. Wiederholte Versuche, die Bienen zunächst in eine Kiste und alsdann in einen Sack zu bringen, mißlangen. Abends>/, 7 Uhr behauptete der Schlvarm noch seinen Platz. Das für die Großstadt seltene Vorkommiris hatte zahlreiche Passanten angelockt. Von einem Lastfuhrwerk überfahren wurde gestern nachmittag >/z5 Uhr bor dem Hause Schulstraße 5 ein etwa vierjähriger Knabe. Der Kleine lief beim Spielen auf den Danrm und geriet dabei unter einen Wagen der Nutzholzhandlung D. Francke Söhne, dessen Hinterrad ihm über den Leib fuhr. Mit schweren inneren Ver- lctzungen wurde das Kind zunächst nach der Unfallstation in der Lindolverstraße gebracht. Folgenschwere Gewitter sind vorgestern abend in der Umgebung Berlins niedergegangen. Arg gehaust ha� das Unwetter in den nördlichen und südöstlichen Gegenden. Durch Blitzschlag wurden mehrfach Brände entzündet und dabei erhebliche Schäden herbei- geführt. So wurde ein dem Fuhrherrn Franz Schultz gehöriges Anwesen in der Nähe von Fllrstenlvalde von einem Blitzstrahl ge- troffen»lnd in Brand gesetzt. In Oranienburg schlug der Blitz mehrfach ein. Eine seltsame Wirkung hatte ein Blitzschlag auf dem Fabrikgrimdstück von Johannsen u. Ziegner. Dort schlug der Blitz in den Schornstein der Trockenkammer ein und verursachte von oben bis unten in demselben einen breiten Riß. Auf freiem Felde wurden mehrere Heuschober und Getreideschuppen durch Blitzstrahl in Brand gesetzt und total vernichtet. Menschenleben sind glücklicherweise bei ?em Unwetter nicht zu Schaden gekommen. Im Zoologischen Garten findet an diesem Sonnabend von i Uhr nachmittags ab das große S o m in e r f e st statt, das all» jährlich um diese Zeit zum Besten der PeusionSlasse der Beamte» des Gartens veranstaltet wird. Neben gutem Konzert wetden Lieder» Vorträge und Solovorträge des Virtuosen der Zugposaune, Professor Serafin Alschausly, das Festprogramm ausfüllen. Mit Eintritt der Dunkelheit beginn! die Illumination, die erste nach Eröffnung der neuen RestaurationSräume und Gartenterrassen. Kassenpreis auch abends nach 6 Uhr 1 M., für Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Abonnements und Freikarten haben nach 12 Uhr mittags keine Gültigkeit. Im neuen Hörsaal der Treptow- Sternwarte spricht Direktor Dr. F. S. Archenbold am Sonittag, den 25. Juni, abends 7 Uhr, über:„Das Geheimnis des lPeltenbmicS" und Montag, abends L Uhr, über:„Die Vielheit der Wellen". Beide Vorträge sind gemein- verstündlich und mit zahlreichen Lichtbildern ausgestattet. Mit dem großen Fernrohr wird schon von 2 Uhr nachmiltags an die Venus, die immer noch an Helligkeit zunimmt, und sofort nach Sonnen» Untergang der Jupiter abwechselnd mit dem Mond gezeigt. Für die erblindete Frau Anrich, die von ihrem Ehemann in so brutaler Weise mißhandelt worden war. dast der von uns vor- öffentlichte Gerichtsbericht allgemeines Mitleid wachrief, sind bei ver- schiedenen Zeitungsredaklioneii milde Gaben eingegangen. Diese haben leider an die unglückliche Frau nicht abgeführt werden können. da der augenblickliche Anfenlhaltsort der Frau trotz aller Recherchen nicht zu ermitteln ist. ES verlautet, datz Frau A. einer Blinden- anstatt zugeführt ist. Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei, daß der Ausenthalisort der Frau festgestellt wird, da sonst die Geld- betröge an die mildtätigen Spender zurückgegeben werden müßten. Gefuitden wurde am Mittwochabend ei» Paket in grauem Papier, enthaltend anscheinend Werkzeug für Elpktromouteure. Abzuholen bei Leute, Strelitzer Str. 13. Vorort- �acd richten. Charlottenburg. Stichtverordnetenversammlung. Ein von allen Parteien unier- stützter dringlicher Antrag, den Magistrat zu ersuchen, unverzüglich eine Vorlage betreffs Errichtung eines städtischen Kre.ma- toriums neb st Urnenhalle in Charlottenburg zu unter- breiten, wurde nach kurzer Begründung durch den Stadtv. Dr. Meyer CLib.) einstimmig angenommen. Die Vorlage, der Gesellschaft zur Bekämpfung der Arbeits- losigkcit(Deutsche Abteilung der Internationalen Vereinigung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit) mit einem Jahresbeitrag von 40 Mark beizutreten, wurde debattclos genehmigt. Zum Deutschen Städtetag, der vom 10. bis 12. September in Posen stattfigden wird, und der ebenfalls zur Frage der Arbeits- losenversicherung Stellung nehmen soll, wurden außer den beiden Vorstehern noch drei Mitglieder der Versammlung delegiert, die Stadtvv. Wöllmer(Lib.), Dr. Landsberger(Lib.) und Zietsch(Soz.) Eine Vorlage betreffs Erwerb von Straßenland der Klaus- Groth-Straße wurde nach kurzer Debatte einem Ausschuß über- wiesen, ebenso eine Vorlage betreffs Abänderung des Tarifs für die städtischen Lösch- und Ladestellen. Die Vorlage, welche den Bau von zwei Krankenpavillons für die Tuberkulosenanstalt in Beetz-Sommerfeld verlangt, wurde trotz ihrer hohen Kosten von fast einer Million Mark ohne Ausschuß- beratung genehmigt, um die sofortige Inangriffnahme zu ermög- lichen; dagegen wurde die Vorlage, welche 4,3 Millionen Mark zur Erweiterung des Rathauses verlangt, obwohl diese Erweiterung prinzipiell schon früher genehmigt war, wegen der hohen Kosten noch einmal einem� Ausschuß überwiesen. Zur Erweiterung der Volksbücherei wurden 12000 M. ver- . jffngt, um in dem neben der Volksbücherei gelegenen HauseRäume ' zu mieten, die nach Durchschlagen der Wände mit den Räumen der Volksbücherei in unmittelbare Verbindung gesetzt werden sollen. Stadtv. Dr. Bo r ch a r d t(Soz.) erkannte die Notwendigkeit einer Erweiterung der Volksbibliothek an und betonte sogar deren Dringlichkeit. Wenn in der Begründung der Vorlage gesagt ist, ein Neubau, für den die Mittel bereits zur Verfügung stehen, konnte noch nicht in Angriff genommen werden, weil ein geeignetes Grund- stück nicht zu ermitteln war, so stinimt das nur insofern, als die Platzfrage nur zusammen mjt der Platzfrage für die noch dring- lichsreN Neubauten für unserd Fortbildungsschulen geregelt. werden soll. Dadurch, daß man die Räume auf 5 Jahre mieten wolle, gebe man möglicherweise zu erkennen, daß die Regelung dieser Platz- frage und damit die überaus notwendigen Neubauten noch auf Jahre hinaus vertagt werden sollen. Er beantragte daher, die Anmietung der Räume nur auf drei �ahre zu bewilligen, damit die Stadtver- ordnetcnvcrsammlüng auf diese Weiss zu erkennen gebe, daß sie eine endgültige Regelung oer Platzfrage und Inangriffnahme der Neubauten sobald wie möglich erwarti. Stadtv. Otto(Lib.) schloß sich diesen Ausführungen an, worauf die Vorlage mit der von Dr. Borchardt beantragten Aenderung einstimmig angenommen wurde. In besinnungslosem Zustande wurde vorgestern der 22jährige Handlungsgehilfe Paul Köhler aus Berlin, Steglitzer Straße 9, m der Niebuhrstraße aufgefunden. Ein hinzugerufener Arzt stellte fest. daß sich der junge Mann mit Kleesalz zu vergiften versucht hatte. Erst nach längeren Bemühungen gelang es. den Lebensmüden wie- der zum Bewußtsein zu bringen, der in sehr bedenklichem Zustande Nach dem Krankenhause Westend übergeführt wurde. K. hatte vor sängerer Ieiv krankheitshalber seine Stellung aufgeben müssen und konnte trotz eifrigster Bemühungen keine anderweitige Beschäftigung finden. Als auch vorgestern seine Hoffnung, bei einer Charlotten- burger Firma angestellt zu werden, fehlschlug, beschloß er seinem Leben ein Ende zu machen» Rixdorf. Eine wichtige außerordentliche Sitzung der Stadtverordneten- versaiiimlnng findet morgen Sonnabend, den 24. Juni, nachmittags v'/z Uhr, im Rathaufe, Berliner Str. 63, statt. Auf der Tage»- ordnung steht u. a.: Bau einer Brücke über den Schiffahrts« kanal im Zuge der Kaiser-Friedrich-Straße; Wahl eines besoldeten MagistratsmitgliedcS; Weiterer Ausbau des Städtischen Kränken hauseö in Bnck'vw; Bau der Bade- und Sck> wimmanstaltZ' Begründung eines Ledigen- Heimes. Sturz aus dem fünften Stockwerk. Zu dieser in der gestrigen Nummer enlhalleiie» Notiz ersucht uns Genosse PiatkowSki, mitzu» teilen, daß sich der Vorfall nicht Nodenbergstraße 75. sondern 27 zu- getragen hat. Auch hat sich der verschmähte Liebhaber nicht nach der Straße aus dem Fenster gestürzt, sondern nach dem Hofe, wo er im Garten ans weiches Erdreich gefallen ist. so daß hoffentlich seine Verletzungen, nicht allzu schwere sein dürften. Schöneberg. Die Aincmatographciibcsitzcr hatten am Mittwoch im Gesell- schaftshauS des Westens eine Proteslversannnlung einberufe»' und gegen die von den städtischen Körperschaften geplante ErdrosselungS« stener Stellung genommen. Redakteur M e l l i n i legte in seinem Referat klar, daß die Besitzer nicht auf Rosen gebettet sind und schwer zu kämpfen haben. Ferner muß für die gelieferten FilmS ein ziemlich hoher Betrag gezahlt werden und sind die übrigen Auf- »vendungen ziemlich kostspielige, so daß nicht daran zu denken ist, daß auch diese ungerechte Steuer, die nur einen bestimmten Betrieb trifft und dazu. ausersehen ist. denselben zu ruinieren. von den Kinematographenbesitzern getragen werden kann. Die Be- sitzer müssen alles auswenden, um diese Steuer zu Fall zu bringen. Stadtverordneter Salinger(lib. Frkt.) memt, ihm sei die Steuer zwar nicht genau bekannt und er we,ß auch nicht, wie er stimmen wird, aber notwendig wäre die Steuer, denn die Beträge sollen für Wohlfahrtsangelegenheiten verwendet werden. Rektor Berndt wünscht, daß dafür gesorgt werden möge, daß in den Schulen selbst Lichtbildervorträge gehalten werden können, und dazu ist erforderlich, daß demeutsprechende Apparate beschäfft werden und jeder Schule zur Verfügung zu stellen sind. Ost ist es vorgekommen, daß Kinder nach dem Besuch der Kinematographen vollständig ver- wirrt waren und' die Aufmerksamkeit und Regsamkeit während der Schulstunden erheblich nachgelassen hatte. Die Schmutzfilms müssen beseitigt werden. Stadtv. Engel(lib. Fr.): Unter den hiesigen„Kinos" sind eS gerade drei. die einigermaßen aus der Höhe sind, während die anderen nicht« Sehenswertes und Empfehlenswerte« bieten. Der Ausschuß, der die Steuer durchberät, hat dieselbe verlagt, um Material zu sammeln, und es fragt sich, was für eine Wirkung die Steuer hervorrufen wird. Jedenfalls inüssen unter allen Umständen die SchmutzfilmS sowie die unschönen Plakate in Forlsall kommen. ES bangt auch ganz von dem Ver- ballen der Besitzer ab, ob die Steuer eiugeführl wird. Genosse K ü t e r meint, die sozialdemokratische Fraklion ist sich über die Wirkung der Steuer vollkommeu im klaveu. Die Kinobesitzer werden dieselbe ans die Besucher abwälzen und schließlich durch einen geringen Aufschlag noch einen kleinen Verdienst herausschlagen. Der Erfolg wird sein, einige kleine Gewerbetreibende werden ausgeschaltet und Kapitalisten werden sich der Sache bemächtigen und im großen betreibe», so daß dem kleinen Mann auch dieses Bergnügen verteuert wird. Allerdings muß gegen die ScbmutzfilmS ganz energisch vor- gegangen werden uud das ist' Sache der Besucher und der Behörden. Die Kinder können genügend-geschlitzt und vor Schmutz bewahrt werden. Eine un»roral>iche Sache wird jedoch nickt moralischer, wenn sie mit Steuern belegt und zu WohlfahrtSzwccken verwendet werden soll. Kinder, die kränklich, denen soll man nicht Gelegenheit geben, irgend ivelche unmoralische oder aufregende Bilder besichligen zu könneir. Derartige FilmS sind auszumerzen. Diese Steuer ist eine indirekte und muß unbedingt abgelehnt und bekämpft werden. Hieraus wurde eine im Sinne der Versammlung geballene Resolution angenommen und darauf die Versammlung geschlossen. Bon einem Privatautomobil überfahren und tödlich verletzt wurde gestern, Donnerstag, nachmittag der fünfjährige HanS Weilert, dessen Eltern in der Goltzstraße 47 wohnen. Der Kleine spielte vor dem Hause mit einigen Altersgefährten und wollte über den Straßcndamm rennen. Im Eifer des Spiels achtete er nicht auf die Warnungssignale eines herannahenden Privat- automobils, dessen Chauffeur auf die kurze Entfernung nicht mehr zu bremsen vermochte. Das Kind wurde von dem Schutzblech des Kraftlvagens ergriffen und so heftig gegen die Bordschwelle ge- schleudert, daß er eine Gehirnerschütterung und Schädelbruch erlitt. Der Besitzer des Automobils, Kommerzienrat Haberland, schaffte den Kleinen nach der Hilfswache in Schöneberg, von wo aus der Knabe nach dem Schöneberger Krankenhaus gebracht wurde. Dort verstarb er jedoch bald nach seiner Einlieferung. Weiszensee. Berzrblicher Kampf um die Sonntagsruhe. Die letzte Gemeinde- vertrciersitzung beichästigte sich mit einem Antrag unserer Fraktion, die Sonntagsruhe durch OrtSstatut festzulegen. Genosse Taub» in a ir n bcgrüiidete den Antrag und wies auf die verschiedenen Petitionen von Interessenten hin, die die Sonntagsruhe eingeführt wissen wollen. Nickt nur die Angestellten, sondern auch die Ge- werbetreibenden seien sich in dieser Frage einig. Der Berliner Magistrat scheine die Regelung der Sonntagsruhe verschleppen zu wollen, deshalb müssen die einzelnen Gemeinden setbständigvorgeben. Lange ge- nug haben die Angestelllen und Gewerbeireibenden die Wohltat der Sonn- wgSruhe vermißt. Der Beigeordnete Dr. K l a m r o l h glaubt, daß die Gewerbetreibenden, die an der Grenze des Ortes wohnen, geschädigt würden, wenn nicht in allen Orten die Soimtagsrnhe in gleicher Weise eingeführt sei. er empfehle daher, einer Anregung der Stadt Wilmersdorf zu folgen, eine Konferenz in dieser Augetegenheit ab» zuhatten, um geineinsam vorzugehen. Unsere Genossen betrachteten die WrlmerSdorfer Anregung als eine weitere Hinausschiebung der Einführung der Sonntagsruhe. Auch die Gewerbetreibenden Herren Teichert, Know und RäthMann(Herr Leß glänzte bei dieser wichtigen Angelegenheit wieder durch Abwesenheit) beteiligten sich lebhaft an der. Debatte und schlössen sich dem Antrage unserer Genossen an. Die Herren Mewes. Kohler, Schmiedecke und Könitz sprachen sich für die Beschickung der Wilmersdorfer Konserenz ans. ans der eine Verständigung herbeigeführt werden könne. Der Bürgermeister Dr. Woelck zog in Zweifel, daß die meisten Gewerbetreibenden sich der Tragweite ihrer Hand- lung bewußt gewesen seien, als diese die Petitionen ihrer eigenen Kollegen unterschrieben hatten: er wolle sich in dieser Frage nur dann entscheiden, wenn die Vorortgemeinden mit Berlin gemeinsam vorgehen. Di« Wilmersdorfer Konferenz biete Gelegenheit, Einheit- licheS zu schaffen. Nach zweistündiger Debatte kam dann der Be- schluß zustande, daß die WilmerSdorser Konferenz zu beschicken sei. Sollte aber bis zum 1. September die Frage der Sonntagsruhe auck von dieser Konferenz nicht geregelt sein, dann wird die Ge» meiiidevertcetung erneut die Borlage zur Besprechung bringen. Ebenfalls soll der Magistrat von Berlin Nachricht erhalten, daß die Gemeiude Weißensee den Wunsch auf Einführung der Sonntags» ruhe habe. Petershagen bei Fredersdorf. Aus der Gcmlindrvertretung. In der am 20. d. MiS. statt» gefundenen Sitzung wurden für den demnächst auszuführenden SchulhauSncubau zwei Drittel der Kosten übernommen. Für die bereits vorhandene Schreibhilfe des Gemeindevorstehers sind noch 200 M. jährlich bewilligt. Ein Antrag, die Umsatzsteuer von ein auf anderthalb Prozent zu erhöhen, wurde mit 8 gegen die 3 Stimmen unserer Genossen angenommen. Unsere Genossen betonten, daß die Mehreinuahnie im Verhältnis zu den Aufgaben, welche der Ge- meinde harren, nur ein Tropfen auf einen heißen Stein seien, eS sei dringend erforderlich, daß die Grundwertsteuer eingeführt wird. Ein Antrag, den nördlich der Oftbahn gelegenen Wiesenstreifen in einen Park zu verwandeln, wurde, lveil noch nicht spruchreif, abge- lehnt. Der auf dem Friedhof errichtete Brunnen wird deinnächst in Benutzung genommen werden können. Töpchin(Kreis Teltow). Am letzte» Sonntag war eS auch hier möglich, eine öffentliche Versammlung abzuhalten und zwar aus dem Grundstück des Dach- deckermeisters Franz Kübne. Die Saalbesitzer weigern sich beharrlich uns ihre Lokale zur Bersügung zu stellen.(Das ist bei Ausflügen nach Teupitz zu beachten. Das Referat über:„Die Kämpfe der arbeitenden Klasse in Teutschland" hielt Genosse Ernst Glehrke, Steglitz. Die zirka 200 Anwesenden zollten dem Redner große» Beifall. Gegner waren nicht anwesend. Neinickendorf« West. Sonntag, den 25. Juni feiert der Arbeiterradfahrberein Reinicken- dors(Mitglied des Arbeiter-RadfahrerbundeS 1) in GördeS Wald- schlvßcken, Eichborirstraße. Ecke Waldstraße, sein 6. Stiftungsfest. Die Genosse» werden gebeten, sich mit ihren Familien rege an dem Feste zu beteilige». Beim Jndianerspiel wurde gestern abend gegen 5 Uhr der 13jährige Hugo Karbstein aus der Residcnzstr. 7 von einem Spiel. geführten auf noch unaufgeklärte Weise mit einem Revolver in den linken Arm geschossen, und liegt der Verletzte ig der Wohnung seiner Eltern krank danieder. Bernau. Sein 50jSht'igeS Jubiläum begeht am kommenden Sonntag der hiesige Männer-Turnverein(seit 1906 Mitglied des Arbeiter-Tnnrer- brnideS). Am gleichen Tage soll der von dem Verein kürzlich neu- erworbene Turnplatz eingeweiht werden. Der Verein hat sich aus bescheidenen Anfängen heran«, er zählte bei der Gründung 64 Vercinsangehörige, zu einem der größten Arbeitcr-Tnrnvereine Groß-BerlinS entwickelt und zählt gegemvärtig zirkq 300 Vereins- angehörige. Da die Turngenossen nun durch einen großen Festzug sowohl wie auch durch alle übrigen Veranstaltungen am Tage eine recht eindrucksvolle Demonstration für die Arbeiter-Turnvereine be- absichtigen, der Verein aber auch bei allen Arbeiterfeflen mitwirkt. ersuchen dieselben alle auswärtigen und hiesigen Arbeiterturner, sich recht rege und zahlreich an dem Jubiläum, besonders aber an dem Festzuge nachmittags 3 Uhr zu beteiligen. Am Sonnabendabend findet bereits im Etablissement„SchützenhanZ" Hierselbst eine Vor- seier statt, zu welcher ebenfalls alle Turngenoffcn sowik Freunde und Gönner der freien Turnvereine eingeladen sind. Mühlenbeck. Eine imposante Volksversammlung, wie sie Mühlenbeck bisher noch nicht gesehen hatte, tagte am letzten Sonntag im Gasthof zur Sonne. Der Umstand, daß das Thema:„Schule, Kirche und Sozialdemokratie" zur Verhandlung stand und daß der hiesige Pastor sein Erscheinen in sichere Aussicht gestellt, hatte die Bevölkerung des Ortes und der umliegenden Ortschaften nach der Versammlung ge- bracht. Der Reserent Genosse Mermuth zeichnete in großen Zügen das Wesen und den Charakter des Urchristentums und stellte dasselbe in Parallele zur heutigen Staatskirche. Sowohl die Kenn- Zeichnung der heutigen Kirche als eine Kirche der Satten und Reichen wie auch des schädlichen bildungSfeindlichen Einflusses derselben auf unser ganzes Schulwesen entfesselten unter den Versammelten wieder- holte Beifallskundgebungen. Als erster Diskussionsredner nahm der Geistliche des Ortes das Wort. Das Christentum sei ein notwendiger Faktor im Geistesleben der Völker, es sei, so betonte der Redner, die Voraussetzung unserer heutigen Kultur. Auf die kulturfeindlichen Tendenzen des heutigen Christentums im Volksschulwesen wie auf den antisozialen Charakter desselben im volkswirtschaftlichen Leben ging der Herr Pastor nicht ein. Als ein besonderes Verdienst prieS er die MiisionStätigleit der Kirche unter den wilden Völkerschaften. Genosse Bühler, der hierauf zu Wort kam, unterzog die Aussührungen deS Herrn Pastors einer herben Kritik. Sein von einen, umfang- reichen Material unterstützter Nachweis, daß die Vertreter der hentigen Kirche im Verein mit den bürgerlichen Parteien die arbeitende Bevölkerung mit wirtschaftlichen Lasten überhäufe, brachte schließlich den Geistlichen in eine so fatale Situation, daß er sich entschloß, die Versammlung zu verlassen. Der Leiter der Ver- sammlung, Genosse Bruchwitz, ersuchte zwar den Herrn Pastor, doch wenigstens das Schlußwort des Referenten abzuwarten, doch diese Mahnung war fruchtlos. Erst erklärte der Geisttiche, daß er in einer so erregten Versammlung nicht länger bleiben könne, als ihm jedoch gesagt wurde, daß diese Erregung den elenden Zuständen unserer Zeit gelten und daß man auf ihn vertraut hätte, diese Er« regung zu beschwichtige», meinte er, daß ihn auch dringende Ge- schäfte abhielten, der Versammlung noch länger beizuwohnen. Sein Herzenswunsch sei, daß die zahlreich Versammelten sich allsonntäglich in seinen Brbclstundcn einfinden möchten, dort könnte er mit ihnen disputieren über all die Fragen, die sie bedrückten. Hierauf ver- schivand der Herr Pastor. Nachdem auch noch Genoffe Vieth in der Diskussion gesprochen und der Referent sein Schlußwort ge« halten hatte, ersuchte der Vorsitzende die Versammelte», reger denn je für die Bestrebungen der Sozialdemokratie tätig zu sein.— Unter begeisternden Hochrufen auf die Sozialdemokratie ging die imposante Versammlung auseinander.. /Zus cler Frauenbewegung. Weiße Sklavinnen. Die Nordseebäder zeichnen sich aus durch großen Luxus und dementsprechend teure Preise. Hier gibt sich die fashionable Welt Rendezvous, um sich von den Strapazen der winterlichen Ball- und Thcatersaison zu erholen. Ein Heer von Bediensteten ist stets bemüht, jene Laune der Herrschaft zu erfüllen. Den dienstbaren Geistern aber selbst blüht kein anderes Los, wie allen übrigen Proletrarievn, ja. sie leben zum Teil, ein Sklavendasein. das der Industriearbeiter als würdelos von sich weisen würde. Von der traurigen Lage der AngestcUen in den Badehotels erhält man einen Begriff beim Studium des �Mietskontrakts". den die Zimmermädchen in Köhlers Strandhotel im Nordsee. bad Borkum unterschreiben muffen. Dieser Vertrag ist in der Form eines Reverses gehalten, den die Mädchen, die sich zur An. nähme einer Stellung in dem genannten Hotel bereit erklären» vorher zu unterzeichnen haben: Nach K 3 des Vertrages muß das Mädchen erklären, daß eS weder Reisevergütung noch Salär erhält,„kann da- für aber alle selbsterhaltenen Trinkgelder für mich behalten und brauche auch hierüber keine Abrechnung zu geben". Die Großmut des Hoteliers geht aber noch weiter. Es wird den Mädchen auch erlaubt, vor dem Beginn der offiziellen Saison(1. Juni)„fleißig mit bei dem Hausputz zu helfen", und darf jedes derselben auch während dieser Zeit' sein„allerältestes Zeug übtragen". Vom 1. Juni ab beginnt die offizielle Badesaison, und nun hat daS Mädchen sich vorschriftsmäßig zu kleiden. Vorgeschrieben sind schwarze Waschsatinkleider; zwei davon liefert die„Herrschaft" und für das dritte muß jedes Mädchen bei Annahme der Stellung 11 M. einsenden. Hält das Mädchen etwa nicht die ganze Saison aus, dann hat sie wohl das Recht, sämtliche Kleider mitzunehmen (und seien auch nur noch Fetzen davon übrig), muß aber für jedcZ der beiden anderen auch noch 11 M. zahlen. Man höre weiter, um was sich die Herrschaft sonst noch kümmert. Tie Kleider haben hohe Kragen; durchsichtige Blusen und halbe Acrnrel sind verboten(sind hier sittliche Gründe maßgebend?). Es dürfen überhaupt andere Kleider als die vorgeschriebenen nicht getragen werden. Auch die Schürzen und die Häubchen müssen nach Vorschrift sein und werden nur zum kleineren Teil von der Hotelverwaltung geliefert. Die Vorsorge des Herrn Hotelbesitzers erstreckt sich sogax bis auf die Dessous: weiße Unterröcke sind ver- boten; die wöchentliche Wäsche muß der Verwalterin vorgelegt werden;„die Sauberkeit und Tüchtigkeit im Anzug soll mit einer gewissen Sparsamkeit verbunden sein". Selbst ein Blümchen an- zustecken, wird den Mädchen verboten. Durch den ß 23 müssen die Mädchen ausdrücklich sich verpflich- ten, daß ihr Gepäck nur die nötige Wäsche enthalten darf.„Mehr darf nicht mitgebracht werden wegen Mangel an Platz und zu vieler Klciderschränle".(Für das Deutsch sind wir nicht verant- wortlich I)„Die Reisekörbe werden in einem dunklen Raum auf- bewahrt während meiner Dienstzeit, und muß daS zu viel mit- gebrachte Kleidcrzcug im Korbe verbleiben bis zu meiner Abreise". Aus diesen Bestimmungen kann man recht deutlich erkennen. in welche Lage die Mädchen versetzt werden. Das sogenannte Zimmer ist zweifellos ein kleines Loch unter dem Dache; wahr- scheinlich sind darin viele Personen zusammengepfercht! Raum für Kleiderschränke oder sonst tvelches Möbel ist nicht vorhanden. Die eignen, in den meisten Fällen wahrscheinlich viel wertvolleren Kleider werden nun in einer dunklen, vielleicht feuchten Kabuse aufbewahrt. Sollten die Kleider durch Mottenfraß verdorben oder durch die Feuchtigkeit verstockt sein, so sind die armen Mäd- che» kaum in der Lage. Schadenersatz zu fordern, denn sie haben diese Bedingungen im Mietskontralt ja unterschrieben. Einige Paragraphen handeln von der Tätigkeit, zu der die Mädchen sich zu verpflichten haben. Danach hat jedes Zimmer- mädchen 10 bis 12 Zimmer rein zu halten, des Nachmittags in der HotelMstcherei zij helfen Ulli Aq�tju� Wö des MM «oH Putzärbeiken In Set Küche zü üfftchen. I>k h 22 fettS Se- stimmt, daß die Mädchen ohne vorherige Erlaubnis der Herrschaft das Hotel nicht verlassen dürfen.„Fehle ich hierin, so kann mir unter Umständen polizeiliche Strafe zuteil werden." Ferner kann die Verwaltung des Hotels sofort polizeiliche Hilfe in Anspruch nehmen, wenn das Zimmermädchen sich erlaubt. Fremden- Wäsche an fremde Wäscher des Dorfes abzugeben, anstatt in die Hotelwäscherei, besonders wenn sie hierfür„Bonifikation"(soll wohl heißen: ein Trinkgeld) nimmt. Aus diese Weise sollen die Hotelgäste der sicherlich sehr gepfefscrten Hotelwäschcrci tribut- pflichtig gemacht werden. Dem Kontrakt ist dann noch ein Schriftstück beigefügt, das Wörtlich wiedergegeben zu werden verdient: Erwähncnsbedürftige Punkte der Haus- o r d n u n g. Arbeitseinteilung lerne ich nach Angabe in Köhlers Strand- Hotel genauer kennen. Moraens 5 Uhr muß ich auf sein und zunächst meine Arbeitskraft den mir zugeteilten Hausarbeiten widmen.>— Voll und ganz in bester Ordnung zu halten habe ich täglich zehn, höchstens zwölf Fremdenzimmer. Welche Arbeiten die Instand- Haltung dieser Zimmer mit sich bringen, werde ich, bevor ich mein Amt übernehme, alles erklärt bekommen und muß ich mich gern jedweder Hausarbeit unterziehen..Uebcrhaupt muß ich zu- greifen, wo ich nur kann und soll es mir eine besondere Freude sein» mein? volle Pflicht und Schuldig- k e i t zu tun. Während der� Mittagszeit muß ich vielleicht in der Küche, vielleicht auch im Hause, auf den Zimmern, tätig sein. Allabendlich muß ich für das Schälen der Kar- t o f f e l n, die am nächsten Tage nötig sind, besorgt sein. Eventuell auch mal helfen Gemüse putzen. Alle diese Einzel- heiten jedoch lerne ich, wie sowohl meine ganze Kolleginnen, in Köhlers Strandhotel kennen und verspreche ich, mich in jeder Weise voll und ganz der Hausordnung anzupassen. Vorstehende Bedingungen habe ich alle gelesen und erkläre ich durch meine Unterschrift mein volles Einverständnis. Wenn die Mädchen die Stellung antreten, lernen sie also erst die r i ch t i g e Hausordnung kennen, und wie mag nun diese aus- sehen? Wohl nirgends sonstwo stoßen die sozialen Gegensätze so hart und unvermittelt aufeinander, wie in den Hotels, und zivar bc- sonders in denen der eleganten Badeplätze. Vorn die eleganten Salons mit kostbaren Möbeln, die behaglich durchwärmten Speise-, A>'«- und Gesellschaftszimmer, in denen dicke Teppiche jedes Ge- rausch diskret abdämpfen. Ueberall Lichtfülle, Behaglichkeit und Komfort— ein Heer von dienstbaren Geistern beiderlei Ge- schlcchts, jederzeit bereit, den Wünschen der Gäste zu dienen. Das Personal aber selbst entbehrt alles, was das Leben schön und angenehm macht. Keine Ruhepause, elende Kost' und ebenso schlechte Anfenthaltsräum«, die nicht die geringste Behaglichkeit bieten, In der Tat, ein wahres Sklavenlos l Lestabende. Zweiter Wahlkreis. Der F r a u e n- L e s e a b e n d für die Friedrichstadt findet von jetzt ab bei Löhrich, Markgrafen- straße 8ö, statt(nicht mehr in der Puttkamerstr. 0). Hus aller Welt. Einweihung einer genossenschaftlichen Schuhfabrik. Am Sonntag wurde in L i l l e r S(Departement PaS de Calais) eine große Fabrik der GroßeinkaufSgesellschast der Konsumvereine eingeweiht. DaS ganz aus Eisen und Ziegel- werk errichtete Gebäude, dessen Bau 250 000 Frank gekostet hat. bedeckt 800 Quadratmeter und beherrscht ein siebenmal so großes Grundstück. Alle Einrichtungen sind in technischer wie in sozialpolitischer Hinsicht mustergültig, der Kraftautrieb elektrisch aus eigener Anlage Die Leistungsfähigkeit ist ö00 000 Paar Schuhe im Jahre; für Vergrößerungen ist Raum genug vorhanden. Die Feier begann mit der Abholung der aus Paris im Sonderzug gekomurenen- Gäste: Vertreter der Genossenschaften, Gewerkschaften und der Partei. Die rote Fahne voran, unter den Klängen der von der sozialistischen Kapelle gespielten.JMcr nationalen" zog man zu dem Gebäude, dessen Besichtigung bc merkenswerte Ansprachen folgten. Der Direktor der Großeinkaufs� gesellschaft H ö l i ö S' begrüßte die Gäste als Vertreter der drei OrganisationSformew deS� Proletariats. Er feierte die Großeinkaufs gesellschaft. die mit einem Kapital von 23 000 Fr. gegründet wurde, 1010 mehr als 10 Millionen Umsatz erzielt hat.»Wir wollten gesundheitgemäße Einrichtungen schaffen, um die Rasse zu schützen. Wir wollten auch in diesem undisziplinierten Lande lateinischer Rasse dsn Sinn für tatsächliche Leistungen erzeugen." Ihn: antwortete I a u r d S. Er betonte, daß der Parlamentarismus gewiß ein notwendiges BefrciungSmittel sei, daß aber die Gewählten Manchmal das Ziel aus den Augen verlieren könnten.„Keine wirkliche Macht gibt eS außerhalb der organisierten proletarischen Masse. Die Organi- sation ist nötig, um die gewerkschaftliche, politisch-sozialistische und genossenschaftliche Aktion in Verbindung zu bringen. Die Arbeiter« klasie muß sich erheben zu den höchsten Eroberungen der Gesittung und Wissenschast durch die Organisation der vom Konsum gelenkten Produktion. DaS Proletariat befreit sich so zugleich vom Unter- nehmerlum und von der Herrschaft des wirtschaftlichen Zufalls. Das Werk ist verhältnismäßig'bescheiden, aber es birgt den Keim, aus dem der stolze Baum erwachsen wird, während der Wald des Kapitalismus niederbrcchen wird. Worte haben nur Wert durch die Tat. Wir haben hier das Werk aus Stein und Stahl, i» dem der Same der künftigen Gesellschaft ruht." Der begeistert auf- genommenen Ansprache folgte ein Fest, dam, wieder ein Zug und eine Massenversammlung von 5000—6000 Menschen im Freien mit zahlreichen Reden.___ In den Flammen umgekommen. Ein große« Schadepfeuer. dem leider auch ein Menschenleben zum Opfer fiel, wütete Mittwoch in der Ortschaft Neudörfel bei EberSwalde. Ein achtjähriger Knabe spielte in einer Scheune«fit Streichhölzern und setzte dabei das Gebäude in Brand. Infolge des herrschenden Windes sprang das Feuer. daS sehr schnell um sich griff, auf die nebrnltegenden Gebäude über und innerhalb einer Stunde standen die sämtlichen Banlichleiten dreier großer Gehöfte in Flammen. In einem der Wohnhäuser befanden sich, als das Feuer ausbrach, die 65jährige Mutter des Landwirts L o h a n n und feine fünf Kinhcr im Alter von zwei bis sechs Jahren. Während eS unter großer Gefahr gelang, die Kleinen zu retten. mußt« die alte Frau, die krank zu Bett lag, elendiglich ver- brennen. Auch mehrere Kühe und eine Menge Geflügel wurden ein Raub der Flammen._ Eine Straftendcmonstration der Abstinenten Die dänischen Abstinentenorganisationen veranstalteten am Sonntag in Kopenhagen einen mächtigen Demonstrationszug. In Löndermsrftn versqWNkltW sich die Massen M dxei Redner- bühuen. Die Demonstration richtete sich namentlich gegen das neue W i rt Sh a u s g es etz, das in der Gestalt, die es nach den Ve- schlllssen des LandSthingS(1. Kammer) erhalten hat, als Hindernis der Alloholbekämpfung erscheint. Die dänische Abstinenzbewegimg hat in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gemacht. Man zählt über 160000 organisierte Abstinenten bei 23/, Millionen Einwohnern, denen eine eigene Tageszeitung zur Verfügung steht. Kleine Notizen. Abgestürzte Flieger. Bei den Schanflügeu in Kiel ist der am deutschen Nündflng beteiligte Flieger Leutnant I a h n o w abgestürzt. Jahnow bat bei dem Unfall eine Sckiulter ausgerenkt und einen Oberarm gebrochen. In lLüt-tich ist der Flieger A r in i g o S, ein Teilnehmer des europäischen RnndflugeS, unmittelbar nach einem Aufstieg mit seinem Apparat abgestürzt. Er erlitt einen Beinbruch und schwere Verletzungen iii, Gesicht. Grubcmmfälle. Durch das vorzeitige Losgehen mehrerer Sprengjchüsse wurden auf der Zeche„Viktoria II" bei Dort mund zwei Bergleute getötet.— Auf einer Grube in M a r l c ö(Frankreich) stürzten zehn Arbeiter, die mit der Schachizinmicrung beschäftigt waren, infolge Reißens der Kette in die Tiefe. EM Arbeiter wurde getötet, die andern neun ver- wundet. In Stücke gerissen. Ein schweres Unglück ereignete sich gestern in den Werken von B c u z u. C o. in M a n n h e i m. Als der Schlosser Dürr n a n g einen TransmissionsraUm verlassen wollte, wurde er von einer TranSiniision erfaßt. In wenigen Sekunden war der Körper des Unglücklichen förmlich zerfleischt. Die beiden Unterschenkel des Unglücklichen wurden abgerissen und mit anderen Fleisibieilen zum F e n st e r hinauSgeschleudert. Cholcracrkrankimgcn aus einem Dampfer. Ans dem in New Dort angekommenen italienischen Dampfer.,vuoa dsgii abruzzi" sind vier Cholerafälle festgestellt worden, von denen zwei tödlich verlaufen sind. Wegen choleraverdächtiger Erkrankungen an Bord wird der Dampfer„Laura" auS Trieft im New Uorkcr Hafen in Quarantäne gehalten. Eingegangene Druckfchnften. Jahresbericht der Gemeinsamen Ortskrankenkasse sür Steglitz-Berlin über das Javr IStv. Druck: Emil Werner, Sieglitz, Am Markt 5.— „Juug-Uugnr»«, Monatsschrist für Ungarus politische, geistige und wlrt« schastliche Kultur. Herausgegeben von Joseph VeSzI. Vierteljährlich 4,50 M. Preis des einzelnen Hestes 1,50 M. Perlag von Paul Cassirer, Berlin._> Bmfkaften der Redaktion. Sie iuristische Sprechstunde findet L i» d r« st r a st e v», vor» vlrr Treppen — Fahrstuhl—, loochcntäglich von 4V, bis Uhr abends, Sonnabends. von 4V4 bis 6 Ujr abrnds stnt». Jeder für bc» Brirslastc» brstlmmtc»?l»fragr ist ein Buchstabe und cine Zahl als Merljcichen bcizuiüKe». Briefliche blimvort wirb nicht erteilt. Anfragen, denen keine AbonncinentSqnittung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Frngcn trnge mn» in der Sprcchstunde vor. R. P, KZ. Landwchrübungen zweimal 8 bis 14 Tage. Reklamieren Sie.— Sl. SS. 1000, Nixdorf. 1. Nein. 2. Wenn Erbrecht nach Bürgerlichem Gesetzbuch in Frage kommt— ob das der Fall ist oder nicht, ist auS Ihrem Schreiben nicht ersichtlich— Kinder Witwe 3. u. 4. In der Regel nichts. 5. Nein. 6. Nein.'?. Ja. 8. SluSkunslserteiimig, cvcutucll Leistung.de« Osfenbarungscides, von der Persönlichkeit, die im Besitz dcS Nachlasses ist. v. Ja. Dann aber nur bei freihändigem Verlaus. — L. M. 200. 1. Dafür ist keine Frist vorgeschrieben. Die Frist, inner- bald welcher bei Zahlungswcigernng die Klage eingereicht sein mutz, beträgt längstens drei Jahre, vom Zeitpunkt der Tat gerechnet. S. Ja. Dle Bc Messung der Höhe liegt im Ermessen dcS Richters.— K. I. 20 147. Ja, wenn Sie nicht beweisen können, daß die Kindesmutter in der gcsetz. lichen Empsängniszcit mit anderen Männern verkehrt hat. Die Vermutung genügt nicht.— Anslünder H. ES kann Ausweisung«rsolgen.— Marga. 1. u. 2. Ja.— B. F. 11. Solange das Kind von Ihnen ge- trennt lebt, sind Sic zur Unterhaltszahiung ocrpflichtet.— O. 55. 82. Sie müssen zunächst eine angemessene Nachlicscruiigssrist stellen unter der Androhung, daß nach jruchtlosem Ablauf der Frist Sie die Abnahme ab- lehnen und Rückzahlung fordern. Erfolgt Licscrung innerhalb der Nachfrist nicht, so können Sie aus Rückzahlung klagen.— B.<£z. 103. 1. Erst bei zwei Kindern. 2. Der Unternehmer ist zur Lohnzahlung verpflichtet. 3. In einem solchen Falle erfolgt Abweisung.— P. B. 09. Spätestens am 15. zum 1. folgenden MonaiS.— P. N. Unseres Erachtens ja. M. 80. Ungezählte Maie haben wir vom Beitritt zu solchen Kassen ab- geraten. Sehen Sie sich die Bedingungen genau an.— T. U. 100. Diese Stellen in der städtischen Verwaltung sind Pen Militäranwärtern vor- behalten,.Apex wenden Sie sich doch mal an den Trairsportarbcitcr- Verband, Sektion Portiers und Hausreiniger.— W. E. 170. 3 Rubel unh.73 Kopeken, gleich(Silberrvbel) 8,10.— SR. 51. Prüfung«. fommijsion sur Einjährig-Freiwillige Berlin, Heidestr. 1.— W. K. 23, Lühbgn bei Joachim, Berliner Straße 21. Lübbenau Herrn Hinz. Recklin- strasie.— R. I. 100. Etwas Nachteiliges ist uns nicht bekannt.— fi. B. 30. Der Ausgang eines Prozesses wäre sehr, fraglich. Leider besteht die Unsitte, daß die Besitzer der Prioatdadeanstalten ihren An- gestellten lcincu Lohn bezahlen, sondern das dem Publikum überlassen. — H. B. 3. Am 30 Juni oder früher.— L. K. 33. 1. und 2. Ja. — H, 31. 100. Wenden Sie sich an den.Rektor, eventuell an die Schul- deputation.— M. S. 20. 1. Ja. 2. Nein,— P. K. 1. Nein.— 40., UR�Kl. 1. Ja. 2. Beweisbare Tatsachen.— R. Z. 23. 1. Ja. 2. und 3. Nein.— 100 Tr. H. 1. Ja. 2. Dafür sind die oltspollzeilicken Vorschrijlen maßgebend. Wir raten zu einer Vejchwcrde.— B. F. 1� Be- schassen Sie sich von einem LottcriekoUektcur die amtliche Gewinnliste und sehen Siechitzsclbe ein.— E. F. 2. 1. Anmeldungen Rückerftr. 9. Kantine des Arbeitsnachweises. 2. DaS kann aus Antrag durch das Vormund- schgsthgericht aeschchen.— 3l. W. i» At. Wiederholen Sie.Jhr» Ansiage und geben Sie noch an, worin Ihre Tätigkeit besteht.— Gönner Tomvolhof. Die Wirtin erscheint ersatzpflichtig.— F. R. 2784. Soweit Ihre Darstellung erkennen läßt, ist die Firma nicht ersatzpflichtig.— Nr. 1980. Die Abbestellung ist jeder Zeit zulässig, wenn nicht für eine bestimmte Zeit- dauer abonniert ist. Die Abbestellung muß bei dem Verlag erjolgeu. — H. F. 75. a bis c. Nicht nur das Vermögen des Kranken, sondern auch der Rachlaß der Mutter kann wegen der alsdann nicht länger jalS 4 Jahre zurückliegenden Unterhaltsansprüche beschlagnahmt werden.— /, Fl. 10 FI. Apfelwein........ 35 Pf- 3.30 Apfelwein Export... 40 Pf. 3.70 Erdbeerwein...... 95 pf. 9.00 Johannisbeerwein wei?0rd 75 Pf- 7.00 Himbeersaft...... nasche 85 Pf. Gebirgs-Himbeersafl.. nasche 1.10 Kirschsaft........ nasche 85 Pf. Johannisbeersaft.. Literflasche 1.25 Erdbeersaft..... Literflasche 1.30 Zitronenmost.... nasche 1,60 [leii. ante ,J8.. 1.08 Aprikosen. Pfirsiche.. In Körben v. 5 Pfd.. Erooeeren truuo.. Pfund, Oder- brucher Gänse«64.82 Pf. ausgewog. FD ß? Pfund jSd Pf. . Pfund 29 PL . Pfund 56 Pf. 23, Kirschen......... �12, 19». Knupp�rkirschen italienische, Pfd. 21 � Kanarische Bananen Pfund 25 pl Stachelbeeren....... Pfund 1 8 pl Blumenkohl_______ Kopf 18, 26 pl Grüne Bohnen<...Pfund 1 7 pl Wirsingkohl_________ Kopf 13pl Puthennen Pfund 78 Pf. Unter vielem andern, so» weit der Vorrat reicht: Wurstwaren Holstein. Zervelat u. Salami Pfd. 1.20 Zervelatwurst in Fettdarm p». 1.30 Prima-Teewurst..... Pfund 1.10 Mettwurst Braunschwelger Art Pfund 90 Pf. Rollschinken e bis s pfd. schwer, Pfd. 1.25 Schinkenspeck...... Pfund 95 pl Knoblauchwurst..... Pfund 95 pl SÜlZWUrSt mit Zungeneinlage. Pfund 70 PL Landleberwurst..... Pfund 85 pl Leberrotwurst...... Pfund 95 pl Lammzungen.. vo« mit 2 stück 90 pl Fetter Speck....... Pfund 70 pl Rehwild_____ Rücken 5.00 bis 9.00 Keule 4.50«7.50, Blntt 1.35 bis 1.95 Junge Enten st 2.00,2.75,3.30 Junge«ühners 55 p 1.15, 1.45 Suppenhütiner s kl.65, 2.10, 2.50 Junge Tauben... stück 55, 75 pl Junge Schoten Pfund 22 pl Neue Kartoffeln....- Pfund 8 pl Leli. Schleie Salat....... Mohrrüben .6 Kopf 10 Pf. .. Bund 5 PL V— C— IB__ in ganzen M Im Ausschnitt B B t arenacns rächen pfd. 49 pf., Pfund od Pf. Rotzungen....... Pfund 12, 18 pl Große Scholien...... Pfund 13 pl I#_ k. A I■ n■■ Ohne Kopf, in gan-M Im Ausschnitt M W» Ka oeija U a-n Fischen Pfund| o Pf., Pfand TO Pf. Frische Makrelen____ stü--- 19 PL Kieler Flundern..... stück 19 pl Räucher-Aaie Bund 38 pl, Pfund 1.20 Räucherlachs m stücken, Pfund 65, 75 pl Einmachegläser Adler mit Glasdeckelu. Gummiring Inhalt ca. 1_ IV2_ 2 Liter 28 35 38 45 55 pl Einmachegläser Perfekt patent-verscwuß Inhalt ca.-/,-/. 1 1'/» 2 Liter 50 55 60 70 85 pl Pergamentpapier zum Zubinden der Gläser, Meter 9, 15 PL: Rolle von 3 Meter 22 PL Messingkessel zum Bnkochen 2.85, 3.35, 3.75 ElnlMdi-AmiinitE scs 8,95 Einmachegläser zum zubinden Inhalt ca.'/, 1 1-/, 2 2'/. 3 5 Liter 7 11 14 18 22 28 35 42 Pf. Einmachekrüge Krumeich Inhalt ca. 3.t 1 IV. 2 Liter 42 52 65 75 pf. * Zverantwortlichcr Nedakteur: Ulbert Wachs, Berlin. Ur den Lnscratcnteilverantw.: Th. Glocke, Berlin. Trucku.V.rl�z: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt.Paul Singer u. Co., Berlin SLl« ür. 144. 28. Iahrgllng. 3. Kcillize kä Joniärtü" Snlim Polbliliitt. kreitag. 23. fiitii 1911 eingegangene Druchrcbviftcn. Von der„Neuen Zeit- ist soeben daS 38. Hcst des 29. Jahrgangs erschienen. Ans dem Inhalt des Hestes heben wir hervor: Ein Muster.— Die Nevolution in Mexiko. Bon Paul Zicrold.— Zum Gcwcrkschastskongrcs! in Dresden. Von Emil iUollj.— Der Kleinbetrieb in der Landwirtschast. Von St. Kautskh.(Schluß.)— Stolypin und die Duma. Von A. WarSki.— Literarische Rundschau: Professor Dr. Nudoij Kobatsch, Die Volks« und slaatswirtschasilichc Bilanz der Rüstungen. Von K. K.— Äcitschristenschau. Von G. E. Tic Rot von Mutter und Kind und die Wege zur Linderung. Ein Führer durch die Wohlsahrtsarbcit und die Austasten für Mutter und Kind in Grob-Berlin. Preis Sl> Ps. Herausgegeben von der Hauptstclle für Mutter- und Sauglingssürsorge, Berlin\V. 9, Potsdamer Str. 131A. Schmied von Kochel. Tragödie in vier „Süddeutsche MoimtsHeste"®. m. b. H., Joseph Rncdcrcr. Der Akten. Preis 2,50 W. Verlag München. AuS der eigenen Werkstatt. Die Presse und ihre Leute. Von I. v. Winleruih. Preis 5g Pf.— Bolköbildnngsarbett in Lcfterrcich. fstcr ausgegeben vom Zcntralvcrband der dcutsch-östcrrcichischcn Bolls- ilduiigsvcrcine. Preis 1.50 M. Verlag von Hugo Heller u. Cic, Wien. Tourlstenvereln„Die Naturfreunde». Ortsgruppe Berlin. Sonn- tag. den 25. d. M.: Wanderung von Ludtvigsselde, Glaucr Berge, Trebbin. Abfahrt früh S,20, Anhalter Bahnhof. Arbcitcr-Wandcrvercin„Berlin». I. Sonntag, den 25. Juni: Wanderfahrt nach Krünau, Gosen, Rahnsdorf. Abfahrt 6,1g Uhr, Görlitzcr Bahnhof.— II. Nachtwandcrjahrt nach Bernau, Grabowsee, Fricdrichsthal. Absahrt Sonnabend, den 21. Juni. 7,53 Uhr, Stetliner Vorortbahnhof. Tourcnprograinme bei Fritz Kruse, Mariamicuslr. 11. Sozialdemokratischer Zentralwahlverci» für den Reichstags- »vahlkreis Zlrnöwalde-Friedebcrg. Ortsvercin Berlin. Sonntag, den 25. Juni, nachmittag-- 3 Uhr bei T h i m m, Tilsiter Str. 73: Mitglleder« Versammlung. Gäste willkommen._ ßriefharten der Expedition. Patienten in Beelitz, Buch und anderen Heilstätten. Dtefentgen unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der Ucberweisung von Frei« exemplarcn sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Ruimnern des neuen Monats von der Post nicht geliescrt werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werde», Sechster Wahlkreis. Die Stichwahl zwischen den Genossen I'ndrorv und rrnnlr findet am Sonntag, den 25, Inn», Obiglo, Schtvedter Strafe 23—24. Schirmcr, Wörthcr Straße ta. Tobrohlaw, Schliemannstraßc 39. Hönisch, Wichertstraße 3. Henkel, Stralsunder Straße 17» Möckcl, Anklamer Straße 51. Hetise, Boycnstraße 19. Köhler, Wittstocker Straße 19. in folgenden Lokale» statt: Pacrsch» Oldenburgcr Straße 19. Bachstci», Salzwedeler Straße 19. Melzer, 2Viescnstraße 29. Engler, Tegeler Straße 23. Doye, Müllerstraße 38. Glawe, Licbcnwalder Straße 4. Gritsch, Tronthciiner Straße 4. Frauke, Badstraße 19. Hofsinann, Stvinemündcr Straße 47. Gewählt wird in der Zeit von 5) bis 1 Nhr. — Mitgliedsbuch legitimiert.—— Wer länger als drei Monate mit seinen Beiträgen restiert, hat kein Wahlrecht. 228/20' Der Vorstand. Kliiineu- nnd Krkntbindrm von koderl iÄeser,' ll u r Moriomltn-Alrilße 3. I» Heute, Freitag, abends S\'2 Uhr, im Gewerkschnftshause, Engel- ufcr 14/15, Saal 4(ArbeitSloscnsaals: Sitzung der Ortsverwaltung. Teilzahlung Wöchenllich nur 1 Mark Herren- und Damen- Uhren, Ketten, Frelschwlnger, Gram- mophono. Mandolincn, Geigen, Tepplcho. Stepp- und Tischbecken, Bilder, Fahrräder ctc. JulireS König. VVtnchauer Stratss 68. R.lniükendorferStr. 101, G oben- Strasse 19. Von der Reise zurück Dr. mod. und jur. Max Gcldschmidt, Warschauer Str. 15. Kommen Sic od. Potstkarto. � E|| n 2 5= I i c 0 5' Ä-- « i � ö s 2 C J"«U- <_= s«3 i o•TösE- c S-s- x i='£ a» to SfcS 3 __ ö O 80O illuster lieferbar. 2000 Muster Tascbenubren desgl. 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Abt.: 7 Uhr: Freibad Wüggcl- scc. 1 Uhr: Fichtenau. Start: Elysium. 0. Abt.: 1 Uhr: Familienlour nach Waidmannslust. Start: Oderberger Str. 28. Bei schlechtem Wetter per Bahn. 7. Abt.: 7 Uhr: Tcgelort, von da aus Dampferfahrt nach. Wannsce. I Uhr: Tegclort(Zum Schwan). Stari: KöSliner Str. 8. 8. Abt.1'/, Uhr: Buckow(Schweizer- Haus). 1 Uhr: Gorinsee. Start: Bcussclstr. 22. 9. Abt.: 8 Ubr: Gorinsee. l'/z Ubr: Ncinickcndors. Start: Schillingstr. 22. 10. Abt.: 7 und 1 Uhr: Straus- bcrg. Start: Wcberstr. 0. Lichtenberg und Umgegend. I. und 6. Abt.: 1 Uhr: Freien- Walde(Schneider). Start: Psarr- slrastc 71. It/IO 2. Abt.: am 21., 10 Uhr abends: Frankfurt a. d. O. Start: Berliner S tratzc 98. 1. Abt.: am 21„ 9 Uhr abends: Frantlurt a. d. O. Start: Gtünbcrgcr trage 5._ Achtung! BundeSgcnosicit! Wir weise» noch cilimol ans die heute abend 81/-. Uhr in den Slndrcas-Fcstfälen(Borg mann). AndrcaSftr. 21, stattsiudciide öffentliche Radfahrcr-Aersamm- lnng hin. ES ist Pflicht jedes einzelnen, dort zu erscheinen. Ter Zcntralvorstand. Kolisiiiil-Gtiiosstnsljiost von Kölligs-Ulisttrhaustu und bingegend. (Eingetr. Gen. m. bcschr. Hastpflicht.) Freitag, den 7. Juli iSU, abends �l|t Uhr: AnOcrordcutllche General-Versammlung im Lokale der Wwe. Wcdhorn, Alles SchlltzenhauS. TagcS-Ordnung: 1. Vortrag über die Bedeutung der Genossenschastsbewegung. Rcse- rent: A. S t o e r ni e r« Berlin. 2. Eröffnung der zivciten Verkaufs- slclle in Wildau. 3. Gcnossenschajllichc Angelegenheiten und VerschiedencS. 106/3 Einiriit nur gegen Lcgitimatioiis- karte oder Mitgliedsbuch. Vier Vorstand. Willielm Pleikies. Otto Friedland. Wilhelm Buchwaldor. Or.Simmel Spezial-Arzl* für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, 10— 2. 5— 7. Sonntng-s 10— 12. 2— 1 Stoffe für Anzüge, Paletots usw. aus direkter Quelle kaufen, heigt Geld sparen! Tuchlager Koch& Seeland G. in. d H. Gertraudtenstr.20-21�dkl;3ch" Die Welträtsel. Gcmcinvcrständl. Studien über monistische Philosophie. 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Bortrag von Kollegen Hermann Heorlcin über: �j�ieSor« schmelzniig mit dein Bauarbcitcrvcrband.» 2. VcrbandSangelegciihcilen. bl/11 Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet_ Der Borstaud. Maseiisli. Heizer. Hoinarleilcr, üiseHerer, ilaloreiiwärler» der Zentralen u. Unterstationen der B. E.-W. Sonntag, den SS. Juni, vormittags O'l, Nhr. in de» Zlrminhallen» Koiiiiiiandaiitciistr. SSI50 1 Vcrtammlung. TageS-Ordnung: 115/19 Die Pflichten des ArbcitcraiiSschusscS, die Antwort der Direktion de« trcffs des Urlaubes. Betricbsangelcgrlthcit. Verschiedenes. Der Etnbcrufer. vorkauten wir in unsoror nou oröSnoton Itillal» Rosenthaler Str. 53 Ecke Wein- meisterstraße ganz aussergewöhnlich billigen Preisen. 1/_ L___ O 1_ Größtos Spezial-GosohiJt Können m jonno B6riins � nuimuii w junny Arbeit3.„ Berufskleidung Weitere Geschälte: Alexand#R�aJrL"B%TrBfc,,,# m 8 i W u % Jeder Herr« s K % frfflcher sclion and billig Rieh hloiden will. tmpfolil* •in on Postou gebrnuchter Horroa-Aaztigo, Palotots«to.» lilr jede Figur passoud, aolango dar Vorrot rslakh. Dio Salben •ind aus prima Moßatoßbn aogofortigt, teils voa orstea Firmen, eiazolne aas AbonDomoatsIiitusorn stammend, früher bis 100 Marie, jetxt zu folgondcn Proisou: J ackott- Ansügo.. M. 10, 14, 18, 20 eto. Hoiron-Palototß.. w 0, 12, 14# Roo'Ä-Mode-Ausllgo w 12, 10, 18, 20 n Oelirook-Auzügo..„ 18, 22, 20, 20# Horron-Hoscm... � 3, 4. 5, 7 w J.M m % oÄ: er.Franklurler Sir. 116, It. 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