Nr. 145. ülionnementS'Bedfngungcn: Nbonnenicnls- Preis pränumerando i Lierteljährl. 3£0 Mü, nionall. 1,10 Mk.. wöchentlich 2a Psg, frei ins Hauö. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags» nunimcr mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pia. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitunas- Preislisle. Unter Kreuzband jür Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostabonnementS «chmen an: Belgien. Dänemark, Aolland, Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweig, Ä8. Jahrg. täglich auBtr Blontaa». Verlinev Volksblait. Zentralorgan der foztaldemokrati rchen Partei Deutfchtands. Die Intertions-Gebflltr Petrigt für die scchsgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum«0 Pfg., für politische und gewerkschaftliche PcreinS- und Versamnilungs-Angeigen 30 Pfg. „Kleine Hnieigen", das seltgedruckle Wort 20 Psg. szulasfit S scttgedruille Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. 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Ein Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion erhebt sich und beantragt, den Antrag der Fort- schrittspartei auf Einführung des Reichstags- Wahlrechts auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu stellen. Die Fortschrittspartei und die Nationalliberalen, obgleich diese Gegner des gleichen Wahlrechts sind, ssimmen dem Antrag zu. Sie können sich darauf berufen, daß Kon- servative und Zentrum sogar ausdrücklich zugesagt hatten, nach Erledigung der Budgetberatungen den Beratungen der Anträge keinen Widerstand zu leisten. Die Konservativen widersprechen energisch. Sie sind prinzipiell in der Wahl- rechtsfrage für den Bruch aller Zusagen, von dem Versprechen der Thronrede angefangen. Dagegen versichert Herr von Z e.d l i tz, wohl der verbissenste Feind des gleichen Wahlrechts,� im Namen der Freikonservatioen, gerne b e- reit zu sein, den Antrag zu diskutieren. Nur gerade am nächsten Sitzungstage sei keine Z e it dazu. Und Herr Dr. P 0 r s ch, der Führer des Zentrums, ist ganz derselben Meinung. Er hat durchaus keine Scheu davor, den Wahl» rechtsantrag zu verhandeln. Ist doch das Zentrum durchaus für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht. Nur leider, die Zeit ist zu weit vorgeschritten, und Zentrumsabgeordnete sind nur Menschen, die neben ihren öffentlichen auch noch zu Hause dringende private Pflichten zu erfüllen haben. Aber trotzdem, Herr Dr. Porsch läßt die Hoffnung nicht sinken, daß noch vor Schluß der Session end- lich der Tag gefunden werde, an dem ein paar Stunden der Besprechung des Wahlrechtsantrages gewidmet werden können. Kann man mehr verlangen? Und ist es nicht rührend, daß nicht nur Herr Dr. Porsch, der Anhänger, sondern auch Herr von Zedlitz, der erbitterte Gegner des Reichstagswahlrechts für Preußen, mit ganz gleicher Bereitwillig- ke i t für die Beratung des freisinnigen Antrages eintreten? Sind sie daran schuld, daß sich bisher immer wieder gezeigt hat, daß gerade für diesen Antrag keine Zeit ist, weil so viel wichtigere Angelegenheiten vorliegen, wie zum Beispiel die Beratung der konservativen Interpellation über die Maul- und Klauenseuche oder die„zweite und dritte Beratung des Gesetzenttvurfes über die Umlegung von Grundstücken in der Residenzstadt Posen" oder die„erste und zweite Beratung des Gesetzentwurfes betr. die bUnlegung von Grundstücken in Köln" oder die Besprechung des„dritten Verzeichnisses der von den Kommissionen für nicht zur Erörterung im Plenum erachteten Petitionen", die am Donnerstag als e r st e r Punkt auf der Tagesordnung stand? Man sieht, dem preußischen Volk geht es so wie dem Ar- beitsmann Dehmels: Und uns fehlt nur eine Kleinigkeit. Um so frei zu sein wie die Vögel sind: Nur ZeitI Können die Herren von Zedlitz und Dr. Porsch verantwortlich gemacht werden für die Kürze der Zeit? Ge- wiß nicht, und so wurde am Mittwoch der Antrag unserer Genossen ebenso abgelehnt wie an den Tagen vorher. Aber das preußische Abgeordnetenhaus ist fleißig und nach dem Verlauf der Freitagsitzung mußte man die Hoff- nung hegen, daß sich die nötige Zeit endlich finden würde, um am Montag den freisinnigen Antrag zur Beratung zu stellen. Selbst ein so skrupulöser Freund des Wahlrechts wie Herr Dr. Porsch und ein so skrupelloser Gegner wie Herr von Zedlitz konnten nicht mehr behaupten, daß es am Montag an der nötigen Zeit mangeln werde. Da geschah etwas ganz Merkwürdiges. Es war bekannt, daß am Schluß der Sitzung die Linke den Antrag auf Beratung der Wahlrechtsforderung stellen werde, trotz des Vetos König Heydobrands. Herr Dr. Porsch hätte natürlich mit Begeisterung diesmal für den Antrag gestimmt. Das Zentrum ist ja für das gleiche Wahlrecht. Mit der Linken zusammen hätte es die Mehrheit hergestellt. Freilich, die Kon- servativen hätten ein Niederlage erlitten. Aber die Konser- vativen sind ja Wahlrechtsfeinde und was hätte dem Zentrum lieber sein können, als den Wahlrechtsfeinden zu zeigen, daß sie selbst im Dreiklassendnlatag nur eine Minorität seien. Dock es kam ganz anders. Eben noch waren Zentrum und Konservative sehr stark im Hause vertreten gewesen. Da beantragte das Zentrum eine namentliche Abstimmung. Die Zentrumsmitglieder verließen größten- teilsdenSaal und diesen trefflichen Wahlrechtsfreunden schlössen sich die meisten konservativen Wahlrechtsseinde im trauten Verein an. Nachdem der Auszug der Heiligen und Unheiligen erfolgt war. konnte Herr von K r ö ch e r mit be- fricdigtem Schmünzeln die Beschluß unfähigkeitdes Hauses konstatieren. Seine„infamigten Jesuwiter" hatten sich wieder einmal trefflich bewährt. Die Geschäfts- ordnungsdebatte über die Behandlung des Wahlrechtsantrages war verhindert. Aber noch mehr: die Herbeiführung der Beschlußunfähigkeit ermög- lichte es auch, daß der Präsident eigenmächtig die Tagesordnung der nächsten Sitzung be- stimmt. Und bei Herrn von Kröcher kann man sich ja darauf verlassen, daß er nicht den Wahlrechtsantrag als ersten Punkt auf die Tagesordnung setzt. Tie Taktik des Zentrums hat also bewirkt, daß es wieder fraglich geworden ist, ob die Beratung des Wahlrechtsantrages in dieser Session noch statt- finden wird. Diese Taktik verdient es, genau dargestellt und wohl be- achtet zu werden. Der Vorwand zu seinem Vorgehen bor dem Zentrum die dritte Beratung der Novelle zur r h e i n i- schenLandgemeindeordnung. Hierzu hatte es eine große Reihe von Anträgen gestellt, die teils eine Einschrän- kung des Einflusses der Großindustrie zugunsten der Land- Wirtschaft, teils wirkliche Verbesserungen bedeuten. Hierzu gehört vor allem der Antrag auf Einführung der g e- Heimen Wahl, den u. a. Genosse Leinert mit guten Argumenten befürwortete. Die Nationalliberalen, die im Prinzip für die geheime Abstimmung zu sein vor- geben, stimmten aber dagegen, und so wurde der Antrag gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Polen, Fort- schrittler und des Zentrums abgelehnt. Ein weiterer Antrag des Zentrums, der die Aufhebung der Arreststrafen für Unterbeainte im Geltungsbereich der rheinischen Ge- meindeordnung bezweckt, wurde in namentlicher Abstimmung mit der gleichen Mehrheit abgelehnt. Hierbei zeigte es sich, daß das Haus reichlich beschlußfähig war. Was tat nun das Zentrum? Es brachte schnell einen Antrag ein. auch über die Frage der Wählbarkeit der Landbürgermeister nament- lich abzustimmen, und nun fehlten plötzlich etwa ein halbes Hundert Zentrumsleute und Konservative, d i e eben noch dagewesen waren. Nur die Führer blieben im Saal. Das Haus war be- schlußunfähig! Die Perfidie dieser Jefuitentaktik bildet fürwahr ein würdiges Gegenstück zu dem niederträchtigen Verrat, den das Zentrum beging, als es im Vorjahr im Bunde mit den Konservativen jede Reform des Wahlrechts vereitelte. Jetzt geht es sogar schon so weit, um— unrettbar der Knechtschaft der Junker verfallen— sogar jede Erörterung des Wahl- rechts, die bloße Aussprache zu vereiteln. Ob der blau- schwarze Block mit dieser hinterlisttgen Taktik viel Glück haben wird, bleibt freilich abzuwarten. Wir meinen, daß wir heute schon mit dem vorläufigen Erfolg des sozialdemokratischen Eingreifens ganz zufrieden sein können. Das Drängen unserer Genossen hat das Zentrum entlarvt. Es gibt keinen denkenden Menschen, der nicht verstehen wird, daß das Zentrum die Beschlußunfähigkeit mit Absicht und nur aus dem Grunde herbeigeführt hat, um der Beratung des Wahlrechtsantrages Steine in tren Weg zu rollen. Ob diese parlamentarischen Künste ihm selbst aus dem parlamentarischen Felde etwas nützen werden, wollen wir in aller Ruhe abwarten. Schließlich kann ja die Wahlrechtsfrage auch in Form einer Interpellation zur Besprechung kommen und auch die Abstimmung, der das Zentrum heute entgangen ist, wird es auf die Dauer nicht vermeiden können. Auch vor dem Eingehen in die Tages- ordnung der Montagssitzung kann ja die Frage gestellt werden, ob nicht das Haus statt der von Herrn v. Kröcher vorgeschlagenen Punkte den Wahlrechtsantrag zur Beratung ziehen wolle. Aber wie immer das parlamentarische Geplänkel jetzt ausgehen mag, der Verantwortung vor den Massen werden sich die klerikalen» Volksverräter nicht entziehen können. Sie haben den Junkern zuliebe die Besprechung der dringendsten polittschen Forderung des preußischen Volkes in schmählicher und hinterhältiger Weise verhindert. Sie haben es verhindert in einem Moment, wo auch nicht der Schatten einer ernst zu nehmenden Nötigung für sie vorlag; ver- hindert, obwohl das Abgeordnetenhaus künstlich seine Zeit vertrödelt, um nicht Zeit für die Beratung des Wahlrechts- antrages zu finden. Die Antwort dafür wird ihnen das preußische Volk erteilen: Nur Zeit, wir wittern Gcwitterwinb, Wir Volk!_ GewerWchaftsichule und Parteischule. Als im Jahre 1906 die Vorbereitungen zur Schaffung der Ge- werkscklaftsschule und der Parteischule getroffen wurden, bestand zwischen den leitenden Organen der Partei und der Gcwerkschafts- bewcgung noch nicht die enge Fühlung, wie sie sich in den letzten Jahren erfreulicherweise je länger je besser angebahnt hat. Würde schon damals so wie heute jede wichtige Angelegenheit, die die Partei- und die Gewerlschaftsintereffen in gleichem Maße angeht, rechtzeitig von ihren Anfangsstadien an gemeinsam besprochen und gefördert worden sein, so würde sicherlich auch daS Bedürfnis nack Errichtung zentraler Bildungsanstalten zu diesen wichtigen gemeinsamen An- gclcgenheiten gerechnet und in gemeinsamer Arbeit erledigt worden sein. Denn an sich betrachtet erscheint eS als der natürliche und zweckmäßige Zustand, wenn nur eine„Hochschule"— wenn man diesen Ausdruck gebrauchen darf— für die organisierten Arbeiter in Berlin besteht, als wenn zwei derartige Institute nebeneinander wirken. Expedition: 8M. 68, Oindenstrasse 69, Fernsprecher: Amt IV» Nr. 1981. Aber die Dinge gehen nicht immer ihren natürlichen Gang; eS wirken mannigfache Umstände auf die EntWickelung mit ein, durch die der gerade Weg, wie ihn die abstrakte Erwägung vorschreibt, sehr oft verlassen und auf Umwegen und Nebenwegen umgangen wird. Gerade die Entstehung, Einrichtung und Elitwickelung der beiden Schulen zeigt, wie verschieden eine im Kerne gleichartige Idee verwirklicht werden kann. Die Notwendigkeit besserer Bildungseinrichtungen bemächtigte sich in den ersten Jahren des vorigen Jahrzehnts immer größerer Kreise: auch der Plan zentraler Schulinstitute wurde in Zeitschriften und Zeitungen erörtert. Ueber die äußere Form solcher Schulen und über ihr Ziel und ihren Unter- richtsstoff gingen allerdings die Ansichten weit auseinander. Selbst über den Plan der gewerkschaftlichen Unterrichtskurse herrschten innerhalb der führenden Gcwckrkschaftsgenossen zu Anfang große Meinungsverschiedenheiten. Daß die Funktionäre der modernen Arbeiterbewegung eine bessere Schulung haben mutzten, darüber herrschte zwar allgemeines Einverständnis. Sollte aber diese bessere Schulung eine Verbesserung des Allgemeinwissens der Volksschule' sein? Oder sollte sie ein besonderes Beruss- und Kampfwissen etwa im Sinne der jetzigen Gewerkschaftsschule be- zwecken? Oder müßte die Schulung noch spezieller auf die prak- tischen Bedürfnisse der einzelnen Gewerkschaftsfunktionen zuge- schnitten sein?„Ein Kursus, der alle Arten von Gewerkschafts- angestellten, Verbandsleiter, Kassierer, Statistiker, Redakteure, Arbcitersekretäre, Bureaubeamte, Gau-, Bezirks- und FiliMciter usw. nach den gleichen Grundsätzen und mit den gleichen(ÄPffen unterrichtet will, wird vielen wenig Neues und anderen weniA un- mittelbar Brauchbares bieten, und er wird trotz seiner längeren Dauer über ein allgemeines Durchschnittsinatz nicht hinauskommen. Was uns aber vor allem fehlt, sind Spezialkurse, die sich ein höheres Ziel setzen und die daran unmittelbar interessierten Teilnehmer auch intensiver bearbeiten können." So schrieb im Februar 1003 das„Correspondenzblatt der Generallommission". Diese Auffassung hat sich aber in der Praxis zunächst nicht durchgesetzt. Die Gewerkschaftsschule kam in der Form zustande, daß alle Arten von Gewerkschaftsbeamtcn nach den gleichen Grund- sätzen und mit den gleichen Stoffen unterrichtet wurden. Kurz danach wurde die Parteischule geschaffen, die noch weit über den Plan der Gewerkschaftsschule hinausging. Nicht nur, daß sie eine viel längere Dauer vorsah, sie beschränkte ihren Stoff auch nicht nur auf ein besonderes Wissen für Parteibeamte, sondern sie lehrte alle Teilnehmer, ganz gleich, ob sie vorwiegend politisch oder vor- wiegend gewerkschaftlich tätig waren, ganz gleich auch, ob sie sich in Stellung befanden oder nicht, dasselbe allgemeine Wissen, das nötig ist, um den wissenschaftlichen Sozialismus zu begreifen, die historisch-materialistische Denkmethode anzuwenden und die politische und gesellschaftliche EntWickelung in ihren Ursachen und Wirkungen zu begreifen. Welche Form ist die richtige? Nach den fünf Jahren der Praxis mutz es möglich sein, die kritische Sonde an die Institute zu legen, um zu prüfen, wo gebessert werden kann. Man wird ohne weiteres zugeben, daß eine ersprießliche und wirkungsvolle Betätigung an irgendeiner Sonderaufgabe der modernen Arbeiterbewegung nur dann möglich ist, wenn man die Bedeutung und den Umfang der Gesamt aufgäbe erkannt hat. Wer als Spezialfunktionär nur seine nächste Aufgabe kennt, wird im günstigsten Falle ein gewissenhafter Bureaukrat und Hand- langer sein, also kein selbstbewußter und klardenkender Klassen- kämpfer. Darum hat die deutsche Arbeiterbewegung von ihrem Anbeginn an den höchsten Wert darauf gelegt, daß jeder einzelne Arbeiter sich über die Historische Aufgabe der Arbeiterklasse, über ihr Endziel und über die Grundsätze ihre? Kämpfens durch fleißiges Studium nach Möglichkeit klar werde. Wenn man das anerkennt, kann man auch nicht bestreite??, datz eine solide theoretische Grundlage die nächste und unentbehrliche Voraussetzung für jedwede praktische Arbeit im Dien st e der Ar- beiterklasse ist. Ein solche Grundlage bemüht sich die Parteischule ihren Schülern zu geben. Sie setzt dafür sechs volle Monate an, und Lehrer wie Schüler sind sich darüber klar, daß diese Zeit eher viel zu knapp als zu lang bemessen ist. Die Gewerkschaftsschule sieht für ihren Unterricht nur sechs Wochen vor; anfänglich waren es sogar nur vier Wochen. Ferner beschränkt sie sich in dieser kurzen Zeit nicht auf wenige wichtige theoretische Grundfächer, sondern sie läßt über eine große Reihe praktischer Spezialfächer vortragen. Immerhin gibt sie keine Spezialbildung, wie sie das„Corresondenzblatt" in dem oben zitierten Artikel für notwendig hält. Sie ist eine Art Zwittcrding zwischen dem damaligen Ziel des„Eorrespondenzblattes" und der Parteischule. Ob sie in dieser Form für die Gewerkschaftsbewegung eine große Bedeutung gewonnen hat, darüber gibt der Bericht und die Debatte auf dem Gewerkschaftskongreß vielleicht näheren Aufschluß. Ein Antrag, der dem Kongreß vorliegt, verlangt eine Ver- einignng der beiden Schulen. Dieser Antrag wird sicherlich abge- lehnt werden. Und das vorläufig mit Recht. Denn die Zeit für eine solche Vereinigung ist noch nicht gekommen. Ob sie einmal kommen wird, ist eine Frage, die sich nicht ohne weiteres mit Ja oder Nein beantworten läßt. Wir halten es für wahrscheinlich. Doch können wir einer Vereinigung nur das Wort reden, wenn sie auf der Grundlage der pädagogischen Prinzipien der Parteischule möglich ist. Aber diese Bedingung ist erfüllbar. Es ist eine Kombination! der Parteischule mit dem erwähnten Plane des„Correspondenz- blattes" aus dem Jahre 1905 denkbar, die darin besteht, daß an den allgemeinen theoretis�eo Unterricht der Parteischule Sonder» futfe für die Theorie uiiS Praxis einzelner SpezialfunllionM, so für Arbeitersekretäre, Redakteure, Gewerkschaftsbeamte,. angegliedert werden. Ob dadurch der jetzige Lehrplan der Parteischule von dem einen oder anderen Spezialfach entlastet werden könnte, wäre eine Frage praktischer Erwägung. Wenn die verschiedenen Arten von Partei- und Gcwerkschaftsangestellten in den Fächern, die für alle gleich sein müssen, nicht zuletzt im Interesse der festeren inneren Einigung von Partei und Gewerkschaften, gemeinsam unterrichtet worden sind und sich die nötige theoretische Grundlage erworben haben, dann— aber auch nur dann— haben Spezialkurse ihre Bedeutung und unter Umständen einen ganz hervorragenden Wert. Es versteht sich ganz von selbst, daß durch die Zusammen- arbeit von Partei und Gewerkschaften auf diesem Gebiete auch die finanzielle Basis der parteigenössischen Hochschule so ver- breitert und befestigt werden würde, daß ihre quantitative Leistungsfähigkeit erheblich erhöht werden könnte. Aber eine solche Entwickelung der beiden Schulen muß abge- wartet werden. Jeder vorzeitige und gewaltsam? Eingriff kann der Entsvickclung mehr schaden als nützen.— Heinrich Zchulz. Gefängnisfolter. Wir konnten gestern melden, daß dem Genossen D a h I von der Erfurter„Tribüne", der zurzeit eine dreimonatliche Gefängnisstrafe zu verbüßen hat, nach einigen Schwierigkeiten Selbstbeschäftigung gewährt worden ist. Heute können wir mitteilen, daß auch dem Genossen Heilmann von der Chemnitzer„Volksstimme", der in Zwickau eine sechsmonatliche Gefängnisstrafe verbüßt, Selbstbe- schäftigung, das Tragen eigener Kleidung und Selbstbeköstigung ge- stattet wurde. Bei dieser Gelegenheit muß aber daran erinnert werden, daß unserem Genossen M e h l i ch von der Dortmunder„Arbeiterzeitung" im Gefängnis zu L i n g e n nach wie vor alle Vergünstigungen vor- enthalten werden, die Gesetz und Gefängnisordnung gewähren. Ueber einen Monat schon muß Genosse Mehlich im Gefängnis Sprengstoff» hülsen anfertigen. Wir haben schon darauf hingewiesen, daß das keine Beschäftigung für einen geistigen Arbeiter ist und welch' unnötige Härte darin liegt, einen Redakteur sechs Monate von jeder Kenntnis dessen, was in der Welt vorgeht, fernzuhalten. Von den körperlichen und seelischen Qualen, die mit einer so monotonen und geistlosen Arbeit wie das Hülsenmachen verbunden find, wollen wir gar nicht reden. Festgenagelt werden muß, daß die bürgerliche Presse, mit ganz verschwindenden Ausnahmen— und auch diese nur mit ein paar Zeilen— von der skandalösen Behandlung unseres Ge- nassen Mehlich gar keine Notiz genommen hat. Immerhin hat wenigstens der Verband deutscher Journalisten- und Schriftsteller- vereine in dieser Woche auf seiner Tagung eine Resolution an- genommen, die für Journalisten, die bei Ausübung ihres Berufes in die Fußangeln des Paragraphenrechtes geraten sind, Selbstbeschäfti- gung, Selbstbeköstigung und das Tragen eigener Kleidung verlangt. Der Fall des Genossen Mehlich gibt den Herren Gelegenheit, durch die Tat und in ihren Blättern zu beweisen, daß es ihnen mit ihrer Forderung ernst ist, und daß ihre Courage weiter reicht, als bis zur Zustimmung zu einer platonischen Resolution. Als seinerzeit Genosse Markwald in Königsberg im Gefängnis mit Netzestricken beschäftigt wurde, erhob auch die anständige bürger- liche Presse ihre Stimme neben der sozialdemokratischen, und der öffentliche Unwillen veranlaßt« die Behörden, die moderne Ge- fängnisfolter gegen den Preßsiinder fallen zu lassen. Der Fall Mehlich ist aber genau so empörend, wie der Fall des Genossen Markwald. Es kei denn, daß das„Verbrechen" Mehlichs— Beleidigung eines Kaplans— viel härter gesühnt werden muß, als ein Konflikt mit dem Z 85(Majestätsbeleidigung). Man möchte fast meinen, daß die hartnäckige Härte gegen Mehlich eine Konzession an die dunklen Zentrumsmächte ist, die ihr Mütchen an einem unerschrockenen Kritiker kühlen wollen. Die Gefängnisbehörde in Lingen und ihre borgesetzten In- stanzen müssen sich mit ihrem rigorosen Vorgehen gegen Mehlich recht sicher fühlen. Sie scheinen der bei der preußischen Bureaukratie weit verbreiteten Meinung zu sein, daß man sich gegen Sozial- demokraten alles erlauben darf. Wir machen den Justizminister darauf aufmerksam, daß die gegen Mehlich angewandte Gefängnis- folter in Widerspruch steht mit ministeriellen Aeußerungen über den Strafvollzug. Sollen wir ihn weiter daran erinnern, daß die Justiz in anderen Fällen die weitgehendste Milde üben kann? Wir denken da an die Annehmlichkeiten, die einst Prinz Arenberg im Gefängnis geboten wurden und an die geradezu übermenschliche Rücksicht- nähme der Justiz auf die zarte Gesundheit des Fürsten Eulenburg. Wir verlangen gar keine besonderen Gnadenerweise für inhaftierte Redakteure; wir fordern nur, daß ihnen als politische Gefangene die Vergünstigungen zuteil werden, die die Gefängnisordnung zuläßt. Von der Parteipresse und auch von der anständigen bürger- lichen Presse erwarten wir, daß sie die skandalöse Behandlung des Genossen Mehlich noch nachdrücklicher als bisher der Oeffentlich- keit unterbreitet. Wenn die preußische Justizbehörde dann weiter bei ihrer Hartnäckigkeit beharrt, so beweist sie, daß sie im Jahre 1S11 nicht um ein Haar besser ist als ihre Vorgängerin im Amte, die vor hundert Jahren den heute so gefeierten Turnvater Jahn im Gefängnis schikanierte. Sei' Poilzelpräfeltt und Oerwaltungsrat. Paris, 21. Juni.(Eig. Set.) Der geschätzte Hüter der bürgerlichen Ordnung, der vieles wissende und darum so mächtige Polizcipräfckt L S p i n e. dessen moralische Stellung durch die Rochette-Affäre und dessen professionelles Ansehen durch die Katastrophe von Jssy-les- Moulineaux allerdings beträchtlich erschüttert worden ist, hat gestern in der Kammer die Ehre— wenn auch nicht das Vergnügen— einer speziellen Würdigung gehabt. Lupine, der ein schwerreicher Mann ist— dieser Umstand erklärt vielleicht seinen besonderen Eifer bei der Unterdrückung von Arbeiterdemonstrationen und beim„Schutz" von„Arbeits- willigen"— ist im Nebenamt Verwaltungsrat der Suezkanalgesellschaft. Die Stellung hat zwei Annehmlichkeiten: Sie gibt nichts zu tun und sie bringt jährlich mindestens 50(XX) Frank ein. Es gibt nun Leute, die meinen, ein Beamter dürfe nicht interessierter Funktionär eines Unternehmens sein, das bei Gelegenheit in einen Konflikt mit den Staatsbehörden kommen könnte. Zu ihren Wortführern machten sie die Deputierten Perrissoud, ein Radikaler, und Genossen R o u a n e t, die in Resolutionen die Regierung aufforderten, die Jnkom- patibilität gewisser staatlicher Verwaltungsfunktioncn mit denen bei industriellen oder Finanzgesellschaften— Rouanet nannte das Kind beim Namen und sprach in seinem Antrag direkt vom Polizeipräfekten— gesetzlich festzustellen.— Die Diskussion war für Herrn Lüpine keineswegs angenehm. Perrissoud erzählte die charakteristische Anekdote, daß der ge- strenge Polizeipräfekt im Namen der Inkompatibilität einen Schutzmann aus dem Hallenviertel, der eine Marktfrau heiratet hatte, ausgefordert hak. zwischen seinem Amt und dem Handel seiner Frau zu wählen. Er wies auch auf die Affäre Durand hin, die damit endete, daß der mit einer Börsen- sirma assoziierte Untergebene des Herrn LSpine in. Unter- suchung gezogen wurde. Gen. Rouanet erinnerte daran, daß 1890, zur Zeit der Panama-Affäre, Strafanzeigen gegen den Präsidenten und den Generalsekretär der Suezkanalgesell- schaft erstattet wurden. Wie hätte sich Herr Lepine in einer solchen Situation verhalten? In dieser unangenehmen Situation entstand dem Polizei- präfekten ein Helfer in der Person eines weiter unbe- kannten Deputierten Maginvt, der Herrn Löpine als„guten Bürger, mutigen Mann, gewissenhaften, mustergültigen Beamten" usw. feierte. Zugleich aber wies er darauf hin, daß im Prinzip die Inkompatibilität eines öffentlichen Amts mit einer Verwaltungsratstelle auch für ihn feststehe und die Kommission auch einen diesbezüglichen Entwurf angenommen habe. Er beantragte darum Vertagung. Damit erklärte sich auch der Staatssekretär C o n st a n t, der Sprecher der Re- gierung, da Herr LSpine vorher, ivie es heißt, tüchtig ein- geheizt hat, einverstanden. Die deutliche Absicht war also, hinter dem großen Schild des �Prinzips" Lspine entschlüpfen zu lassen. Genosse M h r e n s beantragte nun, dieses Prinzip sofort in einer Resolution auszudrücken. Das aber war nicht die Absicht der Schützer Löpines, die vielmehr auf der Ver- Weisung an die Kommission bestanden. Diese wurde dann auch mit 423 gegen 145 Stimmen angenommen und Herr Löpine war gerettet._ politifcbc Gcberficbt. Berlin, den 23. Juni 1911. Sydow und die Fortbildungsschule. DaS Wolffsche Telegr.-Bureau verbreitet folgende, allem Anschein nach direkt aus dem Handelsministerium stammende Mitteilung: HandekSminister Dr. Sydow hat seine Stellung zu den Kommissionsbeschlüssen über den Entwurf betreffend die Er- richtung und den Besuch von Pflichtfortbildungsschulen folgendermaßen präzisiert: Er habe zu Anfang der zweiten Beratung gesagt, daß eS sein Wunsch und seine Hoffnung wäre, durch die zweite Lesung in der Kommisfion noch zu einem Einvernehmen über die Gestaltung des Gesetzentwurfs zu kommen. Er habe damals die Punkte bezeichnet, um die eS sich gehandelt hätte; nämlich Fortfall des obligatorischen Religionsunterrichts, das heißt keine Bestrafung für die Versäumnis desselben, die Geistlichen nicht als geborene Mitglieder des Schul- Vorstandes und drittens die Ausführung des Gesetzes durch ihn, den Handelsminister, allein, ohne Hinzunahm« eines anderen Ministers, in diesem Falle des Kultusministers. Nun habe die Kommssivn zwar im Punkte der Gestaltung des Religionsunterrichts als fakultativer Einrichtung scheinbar Entgegenkommen geübt. Tatsächlich habe sie dieses Entgegenkommen wieder rückgängig gemacht durch die Gestalt, die sie der Strafvorschrift gegeben habe, indem die Ver- säumnis des Religionsunterrichts zwar nicht strafbar sein sollte, durch einen Zusatz aber doch ein Zwang zum Besuch des ReligionS- Unterrichts für die jungen Leute herauskäme. Dies sei der eine Punkt, der für ihn unannehmbar sei. Der andere Punkt sei die Beteiligung des Kultusministers. Von allen Seiten wäre anerkannt worden, daß sich die Fortbildungsschulen in den 26 Jahren, die sie unter dem Handelsministerium ständen, ausgezeichnet entwickelt hätten. Handel und Gewerbe wie die Kommunalverwaltungen, die Vertretungen des Handwerks und des Handels wären darin ein« verstanden und hätten wiederholt auf das lebhafteste anerkannt, wie gut die Fortbildungsschulen sich entwickelt hätten. Durch die Vorlage würde an der grundsätzlichen Gestaltung der Fortbildungsschulen nichts Wesentliches geändert. Infolgedessen könne er auch keinen Anlaß anerkennen und wäre es für ihn unannehmbar, daß neben ihn der Kultusminister als aus- führendes Organ bezeichnet würde, und dies um so weniger, als die Bestimmung über die Verteilung der Geschäfte auf die verschiedenen RessortS ein Vorrecht der Krone fei. Er bedauere, daß wegen dieser sachlichen Meinungsverschiedenheiten der Gesetzentwurf, so wie er sich jetzt gestaltet habe, für die StaatSregierung unannehmbar sei, müsse aber die Verantwortung für diesen Verlauf deS gesetzgeberischen Unternehmens den Mehrheitsparteien überlassen, die im Widerspruch zur Staatsregierung dem Gesetz eine Form gegeben hätten, die un- annehmbar sei._ Eine preußische Kulturtat. Die Zwangspolitik der preußischen Regierung in Nordschleswig hak eine Frucht gezeitigt, die an unsozialem Geiste alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. In Lendemark, einem Dorfe Nordschleswigs, wohnte der Arbeiter Jens Jensen, der dänischer Staatsangehöriger ist, und der von allen Seiten, selbst vom Ge- meindevorstand und dem Pastor des Kirchspiels, als ein fleißiger und tüchtiger Arbeiter geschildert wird. Im August 190S hatte der Arbeiter Jensen daS Unglück, bei seiner Arbeit einen Unfall zu erleiden, dessen Folge ein langes Krankenlager und die Ampu- tation eines Beines oberhalb des Knies war. DaS Schicksal fast aller im Dienste des Kapitals zum Krüppel gewordenen Arbeiter wurde auch Jensen nicht erspart, er mußte lange um seine Rente kämpfen. Erst durch Schiedsgerichtsurteil vom 11. Februar 1816 wurde ihm eine Rente zugesprochen und zwar für die Zeit vom 1.' Juli 1963 bis 1. Juli 1816 eine Rente von 866 M., von da an jährlich 466 M. Als Jensen aus dem Krankenhause entlassen war, veranstaltete der Geistliche des Kirchspiels eine Sammlung für den Krüppel, für deren Ertrag dem Krüppel ein Holzbein beschafft wurde. Das sollte sowohl dem menschenfreundlichen Geistlichen als auch dem armen Krüppel verhängnisvoll werden. Der Geist- liche wurde bestraft, weil er ohne Erlaubnis eine Kollekte veranstaltet hatte. Schlimmer aber erging es dem Krüppel. Bisher hatte er eine sogenannte widerrufliche Niederlassungserlaubnis gehabt, das heißt, sie mußte jedes Jahr erneuert werden, was bisher auch gc- schehen war. In einem Schreiben vom 3. Februar dieses JahreS teilte der Landrat dem Jensen mit, daß seine Nieder- lassungSerlaubniS nicht erneuert werdenkönne. Die deutsche Hetzpressc in Nordschlcswig erklärte dazu, der Grund dafür sei, daß die Gefahr vorliege, Jensen könne der Armenpflege zur Last fallen. Eine eigenartige Logik. Ein fleißiger, tüchtiger Arbeiter wird bei der Arbeit zum Krüppel, eine amtliche Behörde, die Berufsgenossenschaft, sorgt durch ihren bureaukratischen und von antisozialem Geist beseelten Geschäftsgang dafür, daß der Krüppel möglichst lange auf eine Rente warten muß, und nachdem sie ihn dadurch erst recht in Not gebracht hat, kommt sine andere amtliche Behörde, der Landrat, und nimmt diese Not zum Anlaß. die Erneuerung der Niederlassungserlaubnis zu verweigern. In einem weiteren landrätlichen Schreiben vom 2. Juni d. I. wurde daraus dem Krüppel Jensen mitgeteilt, weil cc sich ohne Erlaubnis in Lendemark niedergelassen_ habe, habe er illser.hald ä&d WöSes des Qst Sit vllllajiell, kvidrlgenfalls er'ättsgelvieserk tvurd'?. Ziigfsuy wurde in dem Schreiben an den Krüppel gemeldet, daß sich die Hamburgische Baugcwerks-Berufsgenossenschaft bereit erklärt habe, die Rente, mit dem dreifachen Jahrcsbetrage abzulösen. Bereits durch Bescheid vom 13. Juni d. I. dekretierte denn auch schon die Bcrufsgenossenschaft, oatz sie dem Jensen als Ausländer einen dreifachen Betrag der Jahresrente zuerkannt habe, weil er im Laufe kurzer Zeit das Gebiet des Deutschen Reiches verlassen müsse. Sie verlangte von Jensen, er solle sich unterschriftlich verpflichten, daß er auf weitere Forde- rungen verzichte. In»§ 05 des Unfallversicherungsgesetzes heißt es nämlich:„Ist der Beschädigte ein Ausländer, so kann er, sobald er seinen Wohnsitz in dem Deutschen Reiche aufgibt, auf seinen Antrag mit dem dreifachen Betrag der Rente abgefunden werden." Jensen hatte aber weder einen Antrag an die Bcrufsgenossenschaft gestellt, noch ihr irgendwelche Mitteilung gemacht. Landrat und Berufs- genossenschaft haben also Hand in Hand gearbeitet. Jensen verweigerte aber die Unterschrift und richtete ein Gesuch an den Landrat, er möge ihm die Erlaubnis geben, daß er bis zum Inkrafttreten der neuen Reichsversicherungsordnung in Deutschland bleiben könne. Die Reichsversichernngsordnung enthält nämlich eine Bestimmung, nach der Ausländer, die gegen ihren Willen gezwungen werden, das Land zu verlassen, die ihnen zuerkannte Unfallrente weiter beziehen können. Dienstag, den 20. Juni, erhielt Jensen eine Verfügung vom Landrat, daß er des Landes ver- wiesen sei und unverzüglich das Deutsche Reich zu verlassen habe, widrigenfalls er in eine Geldstrafe von 156 M. eventuell zwei Wochen Gefängnis genommen werde. Auf dem Landratsamt in Tondern, wo der Ausgewiesen? eine schrift- liche Beschwerde abgeben wollte, wurde ihm mitgeteilt, er werde zwangsweise von der Polizei über die Grenze transportiertwerden, wenn er bis Tonnerstag(22. Juni) das Land nicht verlassen habe. Jensen hat sofort tclegraphisch Beschwerde bei der Regierung erhoben und will es auf die gewaltsame Ausweisung ankommen lassen. Wie die Sache abgelaufen ist, ist bis zuin Niederschreiben dieser Zeilen nicht bekannt.— Ob das Kesseltreiben gegen den Krüppel Jensen ein Stück der preußischen Gewaltpolitik in Nord- schleswig ist, ob es von sozialpolitischer Sparsainkeit diktiert wird, oder ob beides zutrifft, kann im Augenblick nicht festgestellt werden. Dem Ansehen des preußischen„Kulturstaates" wird dadurch jeden- falls ein schwerer Schlag versetzt. Konservative und Minister. In einer liberalen Wählervcrsammlung in Bieberstein im Wahlkreise Rastenburg-Gerdauen hat am letzten Sonntag, wie die „Königsb. Hart. Ztg." berichtet, der konservative Rittergutsbesitzer v. Egan-Krieger das interessante Geständnis gemacht: Die konser- vative Partei habe den Kanzler Bülow gestürzt, wie eben ein Besitzer seinen Knecht wegjage, der nicht daS leiste, was man von ihm verlange!— Herr v. Egan-Krieger hat damit die Auffassung drr Konservativen von ihrem Verhältnis zu den Ministern richtig charakteri- siert. Tatsächlich sehen die Junker in den Ministern nur ihre „Knechte", die alle ihnen von der konservativen Parteilung übertragenen Dienstverrichtungen ohne Widerspruch zu erfüllen haben, auch die Hinwegräumung des konservativen Mistes. Sonderlich hoch ist diese Wertschätzung des Ministeramtes ja nicht, sie entspricht aber den politischen Tatsachen,__ „Eine Werkstätte praktischer Sozialpolitik" nennt die„Kölnische Zeitung" die rheinisch-westfälische Hütten- und WalzwerkS-BerufSgenossenschaft. Warum? Weil in der Hütten- und Walzwerksindustrie die Arbeiter am ärgsten ausgebeutet werden, weil dort die längsten Arbeits- zeiten, die meisten Unfälle und die traurigsten Gesundheitszustände unter den Arbeitern herrschen? Nein, der„Kölnischen Zeitung" imponieren die Namen der großen Herren, die auf der jüngsten Ge- nossenschaftSversammlung anwesend waren, jeder Name eine Wirt» schastliche Macht; ihr imponieren die großen Zahlen, mit denen der Jahresbericht aufwartet; vor allen Dingen aber imponieren ihr die schmeichelhaften Worte, womit der auf der GenossenschaftSversammlung anwesende Präsident Kaufmann vom Reichsversicherungsamt das soziale Pflichtgefühl der Herren von der schweren Industrie pries. Der Herr Präsident sagte: Es war mein Wunsch, Ihnen heute den aufrichtigen Dank der AufsichtSbebörde für das auszusprechen, was Sie in den ver- flossenen 25 Jahren im Dienste der Unfallversicherung geleistet haben. DaS warme Lob, das ich bei der eindrucksvollen Gedenk- frier im verflossenen Herbst in Berlin den gesamten Berufsgenosscn- schaften spenden konnte, darf auch Ihre Berufsgcnossenschaft für sich in Anspruch nehmen. Auch bei Ihnen hat die b e r u f S- genossenschaftliche Selb st Verwaltung den hoch- gespannten Erwartungen des Gefetzgebers voll- auf entsprochen. Auch bei Ihnen haben die ehrenamt- lichen Organe selbstlos und opferwillig sich als dienende Glieder einem großen Ganzen angeschlossen. Die oft mühevolle ehrenamtliche Tätigkeit ist auch bei Ihnen zu einer freudig gc- übten Pflicht geworden. Die Unternehmer sind auch bei Ihnen hochherzig darauf bedacht gewesen, die Arbeiterfür- sorg» weit über die Grenzen des Gesetzes aus» zudehnen. Vor allem war Ihrer BeruiSgenossenschast das Glück beschieden, an ihrer Spitze stets Männer mit Hellem Kopf und warmem Herzen zu haben. Diese Rede nimmt sich höchst auffällig auS gegenüber den Reden, die jüngst von der Regierung und den bürgerlichen Parteien gegen die Selbstverwallung der Arbeiter in den Krankenkassen gehalten wurden. Lob und Preis den Unternehmern, die in den Berufs- genossenschasten ihr selbstherrliches Regiment führen I Himveg mit den Arbeitern, die in den Krankenkassen einen ihren Beiträgen ent- sprechenden Einfluß beanspruchen und für diesen Anspruch mindestens soviel Einsicht, Erfahrung und Selbstlosigkeit ins Feld zu führen haben, wie die Herren Unternehmer in ihren Berufsgenossenschafteil I Präsident Kaufmann wünschte zum Schluß, daß die Arbeit der BerufSgenossenschast auch in Zukunft getragen sein möge von „dem Gedanken, daß in dem Wirken für das Wohl der Gesamtheit die höchste Betätigung, das reinste Glück, in der Sorge für den Schutz und das Wohl des wirtschaftlich Schwachen die vornehmste Pflicht des tätigen Mannes erkannt werden muß. Damit dienen Sie a»ld den höchsten Interessen des Vaterlandes. Denn demjenigen Volke wird in dem heißen Wettringen der Nationen die SiegrSpalme zuteil werden, das im Kampfe gegen menschliches Elend die größten Erfolge, das den Schutz der wirt» schaftlichSchwachen am wirksamsten durchzuführen vermag. Es ist Ihnen gelungen, durch die Arbeiterversicherung die wirtschaftliche Lage der Arbeiter, die Qualität und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Arbeit zu heben und zu befestigen. Möge es unseren Nachfahren vergönnt sein, durch die Arbeiterversicherung auch die Seelen der Arbeiter zu gewinnen und eine Versöhnung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu schauen." In daS glänzende Bild„von der hochherzigen Arbeitersürsorge" und der„gehobenen" und„gefestigten" Lage der Arbeiter brachte der Lorttag, den der Borfitzeude über die Elttlvickelung der Genossen» fchaft feit 25 Jahren hielt, doch einige recht störende Flecken. Der Vorsitzende konnte nicht verschweigen, daß»die glänzende Eni- Wickelung, bei der eine gewaltige Vermehrung der Produktion Hand in Hand ging mit einer höchst erfreulichen wirtschaftlichen Hebung der Arbeiterschaft, auch eine dunkle Kehrseite gehabt hat in der großen Zunahme der Unfälle und der dadurch ent- standenen Belastung. In unserer Berufsgenossenschaft stieg die Zahl der entschädigungspflichtigen Unfälle von 368 im ganzen und 5 auf je 1000 Bersicherte im Jahre 1836 auf 2531 und 15 auf je 1000 Versicherte im Jahre 1910, es hat sich also die Zahl der Unfälle im Verhältnis zur Arbeiterschaft in diesen 25 Jahren verdreifacht. Der Betrag der gezahlten Unfallentschädigung war im Jahre 1886 pro Kopf der Versicherten 95 Pf. und auf 1000 M. Lohn 80 Pf.. dagegen im Jahre 1910 rund 271/s M. pro Kops und 17>/g M. auf 1000 M. Lohn. Im ganzen mußten an die Verletzten und ihre An- gehörigen 52'/, Millionen Mark Entschädigungen gezahlt werden, während die gesamte Unfallversicherungsumlage die Werke mit mehr als 65 Millionen Mark belastete." Als Erklärung und Entschuldigung dieses»trüben Ergebnisses" gab der Vortragende die Natur der zu verrichtenden Arbeit an, das Hantieren mit schweren Massen und elementaren Kräften, den häufigen Arbeitswechsel usw. Nur eines vergaß er: die überlange Arbeitszeit in der Hütten- und Walzwerksindustrie, die g e- ringe Entlohnung und die sonstigen Mißstände im Dasein der Arbeiter, die die Unfallgefahr geradezu herausfordern. Freilich, hätten die Herren von der schweren Industrie diese Dinge in der Ehrlichkeit und der Vollständigkeit aufgeführt, wie eS von feiten der davon betroffenen Arbeiter geschehen ist, was bliebe dann von der „Werkstätte praktischer Sozialpolitik?" Und wenn die»Nachfahren" der heutigen Unternehmer in den Bahnen ihrer Väter wandeln, wird es ihnen auch kaum gelingen, die»Seelen der Arbeiter", wie Prä- sident Kaufmann es wünscht, zu„gewinnen". Kaiserdank und Jnnkerhatz. � Nachdem der Kaiser dem Reichskanzler seinen Dank für die Durchsetzung des clsaß-lothringischen Verfaffungsgesetzes abgestattet hat, hat nun auch der Staatssekretär des Innern, Dr. Delbrück, die kaiserliche Anerkennung für seine Bemühungen gefunden. Es wurde ihm nämlich das Großkreuz des Roten Adlerordens mit Eichenlaub in Brillanten, dem Direktor im ReichSamt des Innern, Franz Caspar, der Wilhelm-Orden und dem Direktor im vieichsamt des Innern, Dr. Theodor Lewald. der Stern zum königlichen Kronenorden zweiter Klasse verliehen. Der Haß der Kraut- und Schlotjunker gegen den Staats- sekretär wird dadurch schwerlich besänftigt. Sie werden gegen ihn intrigieren, bis er aus den bekannten Gesundheitsrücksichten seinen Abschied nehmen muß._ Die Steigerung der Getreide- und Brotpreise. Im Auftrage des Königsberger Magistrats hat das Statistische Amt der Stadt Königsberg eine Schrift über die monatliche Be- wegung des Gewichts und der Preise für Roggenbrot und Weiß- brot, die Großhandelspreise von Roggen und Weizen und über die Kleinhandelspreise von Weizenmehl und Roggenmehl 1902 bis 1910 herausgegeben. Die Schrift zeigt, wie außerordentlich die höheren Zölle von 1902, die im Jahre 1906 in Kraft traten, das Brot und Mehl verteuert haben. So wog ein Roggenbrot für 50 Pf. im Jahre 1904 noch 2509 Gramm, im Jahre 1908 aber nur 1724 Gramm, macht einen Unterschied von 7 85 Gramm. Das Gewicht eines Franzbrotes(Weißbrötchen) betrug im Jahre 1903 72 Gramm; im Jahre 1909 sank das Ge- wicht auf 51 Gramm. Eine Semmel wog im Jahre 1903 66 Gramm, tin'Jahre 1909 nur 48 Gramm. Ein Zwieback wog im Jahre 1904 L9, im Jahre 1903 nur 29 Gramm. Ein Brötchen wog im Jahre 1904 33 Gramm, im Jahre 1909 25 Gramm. Im Jahre 1904 kostete das Kilogramm Roggenbrot 20,050 Pf.. im Jahre 1903 29,310 Pf. Das Kilogramm Weißbrot stellte sich im September 1905 auf 38,833 Pf., im Juni 1909 auf 54,973 Pf. Der Großhandelspreis für Weizen stellte sich im Jahre 1902 auf 14,37 M. für 100 Kilogramm, im Jahre 1909 aber auf 25 M., was eine Spannung von 10,63 M. ausmacht. Im Jahre 1903 betrug der Roggenpreis für 100 Kilogramm 12,03 M., im Jahre 1907 aber 20,35 M., also mehr 8,32 M.I Im Kleinhandelspreis kostete im Jahre 1903 ein Kilogramm Weizenmehl 32 Pf., im Jahre 1908 aber 42 Pf. Roggenmehl kostete im Jahre 1903 das Kilogramm 25 Pf., im Jahre 1909 aber 39 Pf., macht eine Steigerung von 14 Pf. Von Mitte 1909 macht sich wohl ein Abflauen der Preise bemerkbar, doch erreichen die Preise lange nicht den Stand von 1903 und 1904, und in diesem Jahre sind die Gctreidepreise und Brotpreise wieder gestiegen, so daß sie den Stand von 1908 erreicht haben. Das Statistische Amt stellt weiter fest, daß die Bewegung des RoggcnbrotpreiseS ziemlich gleichmäßig mit der des Roggenpreises verläuft. Allerdings macht ersterer nicht alle großen und schnellen Sprünge mit, die Bewegung des Roggenbrotpreises ist gemäßigter; sie geht einerseits nie so tief hinab wie der Roggenpreis, steigt aber auch nie so hoch wie dieser. Die Bewegung des Weizenbrot- Preises und des Weizenpreises zeigt aber außerordentliche Ler» fchiedenheiten. Zwar folgt der Weizenbrotpreis einer Aufwärts- bewegung des Weizenpreises in der Regel recht schnell; dagegen hielt sich der Weizenbrotpreis von Dezember 1907 bis Juli 1908 andauernd recht hoch, trotzdem der Weizenpreis in dieser Zeit bedeutend sank. Vielfach folgte der Weizenbrotpreis Mhr der Be- wegung des Roggen- als des Wcizenpreises.• Die konservatie Stichwahlparole. " Die parteiamtliche..Konservative Korrespondenz" bestätigt die gestern von uns mitgeteilte Erklärung der»Deutschen Tagesztg.". daß die»Mehrzahl der bei der Leitung der konservativen Partei beteiligten Herren" die Sozialdemokraten und Freisinnigen bei den Reichstagsstichwahlen als gleichwertig behandeln wollen. Das Heydebr-mdtsche Amtsblatt druckt nämlich die Acußerung der .Deutschen Tagesztg." ab und fügt ihr hinzu: „Wir können diese, dem Standpunkt des Herrn Grafen Schwerin entgegenstehende Auffassung namens unserer Partei- lcitung nur bestätigen. Wir vermögen einen Unterschied zwischen Sozialdemokraten und deren Helfern nicht gelten zu lassen und müssen im übrigen die Entscheidung über die�in den einzelnen Wahlkreisen zu beobachtende Stellung zur Stichwahl lediglich von taktischen Münden unseres Parteiinteresses abhängig Machen."_ Immer wieder Bespitzelungsversuche. Ein Schlosser Odemar war vom Schöffengericht Magdeburg- Buckau wegen Diebstahls eines Rucksackes zu 2 Wochen Gefängnis verurteilk worden. Er legte Berufung ein und behauptete in der Verhandlung vor dem Magdeburger Landgericht(21. Juni), die ibn belastenden Angaben des Kriminalschutzmanns Horn stimmten mcht. Dieser habe ihn aufgefordert, der Polizei Spitzeldienste zu leisten zu diesem Zwecke Mltglred deS Soz,aldemo- kra tischen Vereins zu werden und ihm Berichte über die Verhandlungen und Beschlüsse dieses Vereins zu bringen. Für jeden Bericht solle er 10 M. bekommen. Er habe es aber ab- gelehnt, Verrat zu üben und sich dadurch mißliebig geinacht. Das Landgericht hob wegen ungenügenden Beweises das Up. teil des Schöiwiguichts auj uui lpraS den ÄLgellagtev frei. Zwei Urteile der Militärjustiz. Das Obcrkriegsgericht der Hochseeflotte in Kiel halle itm Mittwoch über die Berufung eines Heizers vom Linienschiff„West- falcn" zu befinden, der vom Kriegsgericht des ersten Geschwaders in Wilhelmshaven wegen tätlichen Angriffs auf Vorgesetzte zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Er hatte im starken Rausch verschiedentlich Vorgesetzten den Gehorsam verweigert, hatte einem Obermaaten ein Bein gestellt und auf den Fuß getreten, gegen einen anderen Obermaaten war er mit dem Kopf angerannt. In der psychiatrischen Abteilung des Marinelazaretts, der der Ange- klagte zur Beobachtung überwiesen worden war, tvurde festgestellt, daß sein Großvater im Delirium gestorben, sein Vater ein Trinker und im Armenhause untergebracht und er selbst teils im Waisen- hause, teils von seinem Onkel erzogen worden sei. Die Zeugen- aussagen des Onkels und andere Feststellungen ergaben, daß der Angeklagte, wenn er betrunken ist, vollständig bewußtlos handelt. Der Sachverständige, Oberstaabsarzt Dr. Schmidt, bekundet, daß die Wahrscheinlichkeit vorliegt, daß der Angeklagte in einem krank- haften Rauschzustande gehandelt hat. Das Gericht aber entschied, daß weder die Wahrscheinlichkeit, noch die Möglichkeit bestehe, daß der Angeklagte im pathologischen Zustande gehandelt habe, er sei für seine Tat voll verantwortlich. Das Urteil lautete auf ein Jahr neun Monate Gefängnis.— An demselben Tage hakte das Kriegsgericht der ersten Marineinspcktion über einen Torpedobootsmaaten vom Schulschiff„Friedrich Karl" obzu- urteilen, der einen Matrosen mit dem Fuß in das Gesäß getreten hatte, daß der Getretene starke Schmerzen verspürte, und hatte ihn Schwein genannt. Das Urteil lautete auf zwei Tage gelin- den Arrest.— Da wird der Sozialdemokratie immer von den Patrioten antimilitaristische Agitation vorgeworfen, und sie hat es bei solchen Urteilen der Militärjustiz wirklich nicht nötig, anti- militaristische Agitation zu betreiben. vemiftton«les fpanzönfcben Ministeriums. Paris, 23. Juni. Die gestrige Abstimmung in der Kammer über das Proportionalwahlrccht hat gezeigt, daß der größte Teil der Radikalen, die den Kern der Regierungsmajorität bilden, gegen den Proporz, für den die Regierung sich aus- gesprochen, Stellung genommen hat. Heute blieb das Mi- nisterium bei einer an sich unwichtigen Frage über den Ober- besehl der Armee im Kriegsfall in der Minorität. Wir erhalten hierzu folgendes Privattelegramm: Unter patriotischer Maske haben die über den gestrigen Sieg des Proporzes wütenden Radikalen, wie auch die Heu- tige„Lanterne" ankündigt, der Regierung erbarmungslosen Brieg bereitet. Sie heucheln Entrüstung, weil für den Pro- porz auch die Progressisten eingetreten. In Verbindung mit den Monarchisten haben die Radikalen die Ministerkrisis her- aufbeschworen. Anscheinend arbeitete auch Delcasss(?) auf die Krise hin, weil er auf das Vertrauensvotum bestand, während die anderen Minister auch Monis einfache Tages- ordnung akzeptiert hätten. Die Krisis ist für die Sieger ohne Gewinn, da nur Proporzministerium möglich, wahrscheinlich C a i l l a u x« Ucber die Kammersitzung berichtet„W. T. B.": Da die Kammer in der Jnterpallatiousdebatte über die Senats- rede des Kriegsministers die vom Justizminister im Namen der Re- gierung abgelehnte einfache Tagesordnung mit 248 gegen 224 Stim- men angenommen hat, wird das Ministerium als gestürzt ange- sehen. In der Kammer rief, das Abstimmungsergebnis große Auf- regung hervor, gleichwohl blieben die Minister ruhig auf ihren Plätzen, und ein sozialistischer Deputierter bestieg die Rednertribüne, um eine Interpellation über die Ländereikonzessionen in Tunis zu begründen, doch wurde von der Opposition ein solch anhaltender Lärm verursacht, daß der Vizepräsident Etienne sich genötigt sah, die Sitzung zu unterbrechen. Nach Wiederaufnahme derselben ver- tagte sich die Kammer bis Dienstag. In den Wandelgängen der Kammer verlautet, daß mehrere Minister gegen den Justizminister Pevrier lebhafte Vorwürfe erhoben, weil er sich nicht mit der ein- fachen Tagesordnung begnügt habe. Es heißt, daß Ministerpräsident Monis ielepLoilisch erklärt habe, paß ex die einfache TageMMupg angchige,/ h> � �>> Ocltemicb. Folgen der ReichSratswahleu. Es sind alle Aussichten vorhanden, daß der Ausfall der Wahl dem Ministerium B i e n e r t h den Garaus machen wird. Herr Dr. W e i ß k i r ch n e r hat ja schon demissioniert, und wenn auch diese Demission noch nicht er- ledigt ist, so nur deshalb, weil man noch nicht weiß, ob nur einzelne seiner bisherigen Ministerkollegen oder gleich das g e s a m t e Ministerium sein Schicksal teilen soll. Die Demission des Ministeriums Bienerth, das stets bemüht war, den Absolutismus der Krone gegen das Parlament des gleichen Wahlrechts zu stärken, würde für die Gesundung der politischen Verhältnisse Oesterreichs von großer Bedeutung sein. Freilich zögert Herr Bienerth noch und möchte sich gerne von seinen Regierungsparteien ein Vertrauensvotum ausstellen lassen. Der „freiheitliche" deutsche Nationalverband ist natürlich dazu bereit. Aber den C h r i st l i ch s o z i a l e n brennen die Prügel noch zu sehr auf den Rücken. Sie haben keine Lust, sich sofort wieder der unpopulären Regierung zur Verfügung zu stellen und haben heute in einer Konferenz beschlossen, sich sowohl den anderen Parteien als der Regierung gegenüber völlig freie Hand vorzubehalten. Das sieht einer Absage an Herm von Bienerth so ähnlich, wie ein Ei dem andern. Fallen aber die Christlichsozialen von der RegierungS- Majorität ab, so ist Herr von Bienerth geliefert und dem politischen Tod verfallen. Und dem politischen Tod verfallen ist bereits der schlimmste und gefährlichste Reaktionär unter den österreichischen Politikern, der Dr. Albert G e tz m a n n. Etz hat sein Wiener Gemeinde- ratsmandat. ebenso wie Herr Dr. Weißkirchner, und seine Stelle im LandeSschulrat, Ivo er der unermüdliche Vorkämpfer der Klerikalisterung der Schule gewesen ist, niedergelegt. Das Landtagsmandat hat er freilich noch behalten und ebenso das einträgliche Landesausschußmandat. Wo es Diäten zu der- dienen gibt, da verzichtet ein Geßmann nicht so schnell. Daß er aber nochmals seine unheilvolle politische Tätigkeit in vollem Umfange aufnehmen kann, ist wohl ausgeschlossen. Das gleiche Wahlrecht ist ein gerechter Richter. In Krakau wurde gestern in der Stichwahl Genosse Merek gewählt. Die sozialdemokratische Fraktion zählt jetzt 80 Mandate. fpankpeicb. Die Wahlreform. Paris, 22. Juni. Die Kammer hat heute bei Berahmg der Wahlreform mit gegen 223 Stimmen einen Zu- satzankrag verworfen, der die Wah! der Kammermitgkieder auf Grund von Majoritätswahlen festsetzen will. Dieses Ab» stimmungsergebnis bedeutet einen einen großen Erfolz der Anhänger der Proportionalwahlen. Studcnteupolitik. _ Paris, 23. Juni. Heule vormittag tvurde ein von a II c U hiesigen Studentenvereinigungen unterzeichneter Aus« ruf angeschlagen, in dem in überaus heftigen Worten gegen eineit aus Anlaß der Auflösung des elsässischen Studentenzirkels in einen« Straßburger Blatte erschienenen Artikel Einspruch erhoben und zu« Teilnahme an einem Pro testmeeting aufgefordert wird, daS am Sonntagabend stattfinden soll.(In dem Artikel der„Straßburge« Post" wuroen die Pariser Studenten in geschmacklosester Weis« wegen ihres angeblichen unsittlichen Levens wandelO angeflegelt und ihnen die deutschen Studenten als edles Muster vor» geführt. Deutsche und französische Nationalisten sind schon wiede« einmal bemüht, sich gegenseitig in die schmutzigen Hände zu ao« bellen.) Cürkcu Eine Niederlage in Arabien.* London, 23. Juni. Wie dem Reuterschen Bureau aus Ho« deidah vom 17. Juni gemeldet wird, überraschte eine stark» Abteilung A u s st ä n d i s ch e r die Vorhut Mohamed Alt Paschas, die aus vier Bataillonen mit vier Kanonen bestand und drei Meilen von Djisan entfernt lagerte, tötete tausend und verwundete 500 Soldaten. Die Truppen flohen, von den Rebellen verfolgt, in Unordnung nach Djisan. In der Verwirrung bom« barbierte ein türkisches Kanonenboot Djisan und tötete und verwundete einige hundert Soldaten. Die Arabc« erbeuteten vier Kanonen, zwei Maschinengewehre, zweitausend Ge« wehre, eine große Menge Munition und Vorräte und zogen sich dann zurück. Der Befehlshaber der Truppen war oW anwesend» Marohho. i Die spanische Kammer über das Marokko-Abcnteuer. Madrid, 23. Juni. Kammer. Der Republikaner Soriand interpellierte gestern die Regierung über das Vorgehen Spaniens in Marokko.„Warum gehen wir nach Marokko?" fragte er,„da wir nicht wissen, welche Rechte wir in Afrika haben?" Der Repu« blikaner R o d e s erklärte, die Ausschiffung der Truppen in Lar« rasch, zu der Spanien durch keinen Vertrag ermächtigt sei, bedeute in den Augen Europas den ersten Schritt zur politischen Isolierung Der Republikaner Azcarate sprach sich gegen jeden Gedankei» einer Eroberung in Marokko aus. Spanien dürfe seine vertraglich eingegangenen Verpflichtungen nicht verletzen. Ein Krieg würd« den Ruin Spaniens bedeuten. Der Sozialist Jglesias ver» trat die Ansicht, daß die Lage jetzt viel schlimmer sei als zur Zeit der Kämpfe bei Melilla, da die Mauren jetzt von den Franzosci» getrieben würden. Der Deputierte Amado, Direktor der„Cor« respondencia Militär", betonte, das marokkanische Problem sei auch das Problem der nationalen Integrität Spaniens. Der früher« Minister Villanueva erklärte, bevor Spanien den Teil de« Küste Marokkos erobere, in dem Larrasch liege, sollte es sich de« Besitz desjenigen Teiles sichern, in dem es sich bereits befinde. Mal» müsse jedenfalls daraus bedacht sein, daß aus der zwischen Maroktg Spanien und Frankreich schwebenden Frage nicht eine europäisch» Frage werde. Ministerpräsident Canelejas erklärte, es gcb« weder einen Konflikt noch selbst eine Schwierigkeit zwischen Frank» reich und Spanien. Setzen wir eine Politik intimer Herzlichkeit! mit Frankreich fort!(Beifall.) � Bevor wir nach Larrasch gingen, haben wir es den Mächten mitgeteilt. Der Ministerpräsident ver» las hierauf die betreffende Mitteilung. Eine hohe französische Per« sönlichkeit habe gesagt, wenn ein von einem spanischen oder fran« zösijchen Offizier befehligter Tabor angegriffen wird, so muß vo» derjenigen Macht, der der Offizier angehört, eine Landung vor« genommen werden. Wenn man also in Tetüän landen mußte, s« konnten es nur die Spanier tun. In Melilla müssen wir zum Schutze gegen Angriste kriegerischer Stämme kleine Vertcidigungei« anlegen an Stellen, die dazu geeignet sind, deren Besetzung äbe» sonst keine Bedeutung hat. Gerade das geht auch in Larrasch vo« sich. Die Regierung wird die Alaecirasakte achten. Eanalejas be» tonte des weiteren die Redlichkeit der Absichten Spaniens. De» Sozialist Jglesias erwiderte dem Minister, indem er noch« mals behauptete, eS handle sich um eine Teilung Marokkos. Cana« lejas erklärte aber, weder darum noch um etwas Aehnlichcs hgndl» es sich. Darauf wurde die Sitzung geschlossen.„ �-- Huö der Partei* An die örtlichen BilbungZauSschüffe! � Die Fragebogen über die Bildungsarbeit des letzten JahreStz die bis zum 16. Juni an die Geschäftsstelle des Bildungsausschusse» (Berlin SW. 68. Lindenstraße 3) zurückgeliefert werden sollten sind erst zum Teil bei uns eingegangen. Wir ersuchen die Bil« dungsausschüsse, die Fragebogen nunmehr sofort auszufüllen un* an uns einzusenden. Bildungsausschiisse, die bis jetzt keinen Fragebogen erhalte» haben, sind bei uns nicht gemeldet. Wir bitten sie um sofortig» Anmeldung, damit wir ihnen noch einen Fragebogen senden könnciz« Bei Orten, in denen noch kein Bildungsausschuh besteht, ersuche« wir die Partei- und Gewerkschaftsorganisationcn, den Fragebogc» von uns einzufordern. Der Bildungsausschuß. I. A.: Heinrich Schulz. Sozialreform und Arbeiterfrenndlichkeit. Eine Abrechnung. Rede dcS ReichStagsabgeordneten R. F i s ch e r zur dritten Be« ratung der Reichsversicherungsordnung. Unter obigem Titel ist die wirkungsvolle Rede des Genossen Fischer als Broschüre er« schienen.(Verlag Buchhandlung Vorwärts.) In ihr ist nicht nun alles zusammengefaßt, was die sozialdemokratische Partei veraio- lassen mußte, gegen die Reichsversicherungsordnung zu stimmen, sondern sie bildet zugleich eine flammende Anklage gegen die Ar« beiterfreundlichkeit der Mehrheitsparteien im allgemeinen und di« politische„Sauberkeit" der Konservativen im besonderen. Die Broschüre ist eine ausgezeichnete Bereicherung unsere» Agitationsmatermls ,m bevorstehenden Wahlkainvf.— Der Pres» der Broschüre ,st 15 Pf.,„, ,, w � v- polizeiliches, Omchtlichca ulrv« PreßprozeH. In einem Artikel des„Thüringer Volksfreundes� der sich mit der Kandidatur des freisinnigen Rcichstagsabgeordncte« E nd er S- Sonneberg für Weimar-Apalda beschäftigte, war ge» sagt, die Fortschrittler in Wcimar-Apolda hätten es schon einmal mit einem Sonneberger Produkt versucht. 1890 sei der Spiel» warcnfabrikant Sa m Hammer durch sozialdemokratische Stich« Wahlhilfe in den Reichstag gekommen. Aber das einmal go» Wesen; denn wie die Kinder, wenn sie reifer und verständiger wur» den, ihr Spielzeug— eine Sonneberger Puppe oder einen HanL« Wurst— in die Ecke würfen, machten eS auch die politischen Kindes Die kommenden ReichstagSwahlen würden zeigen, daß der G» schmvck an Sonncberger Spielzeug verloren gegangen sei. Sam» Hammer klagte, und das Sonneberger Schöffengericht verurteilt» den Genossen Schnetter zu 150 M. Geldstrafe. Di- Straskam» mer ,n Koburg ermäßigte die Geldstrafe aus 100 M. In bei Verhandlung bat Samhammer um besonderen Schutz; er könne [ich m Sonneberg nicht mehr auf der Straße blicken lasse», ohne Mb ihm«HaaSimr nachgerufen werde.... GewerkfcbaftUchea. Der Verband der Lithographen, öteindrucher und verwandten Berufe im Jahre 1910. Das lithographische Gewerbe dient in erster Linie der Her- stcllung von Reklame- und Luxusartikeln und ist im besonderen auf den Weltmarkt angewiesen. Durch die Zoll- und Handelspolitik ist aber das amerikanische Absatzgebiet beinahe völlig unterbunden und auch nach den anderen Ländern ist die Ausfuhr jetzt sehr erschwert, beinahe unmöglich. Daneben ist auch in Deutschland dprch die Einführung der Tabaksteuer eine große Verringerung der Bedarfs an lithographischen Tabakpackungen eingetreten, so daß dadurch die Arbeitslosigkeit im lithographischen Gewerbe schon seit langer Zeit außerordentlich groß ist. Eine Hebung ist auch kaum mehr zu erwarten, eher kann noch eine weitere Einschränkung des Gewerbes durch die Lage des Weltmarktes eintreten. Diese große Arbeitslosigkeit veranlaßte viele Mitglieder des Verbandes, dem Berufe den Rücken zu kehren oder ins Ausland auszuwandern, wodurch ein Mitgliederrückgang eingetreten ist. Am Anfang des Berichtsjahres hatte der Verband 17 505 Gehilsenmit- glieder und 3277 Lehrlingsmitglieder und am Ende des Jahres 1910 waren nur noch 10 723 Gehilfenmitglieder und 3025 Lehr- lingsmitglieder in 153 örtlichen Zahlstellen vorhanden, wobei beachtet werden muß, daß dem Verbände zirka 90 Proz. aller Berufsangehörigen als Mitglieder angehören.— Der Verband gewährt seinen Mitgliedern bei einem Wochenbeitrag von 1,30 M� Unterstützungen in fast allen Lebenslagen, was aus nachstehenden Ausgabeposten hervorgeht. Es wurde im Jahre 1910 verausgabt für: Maßregelungsunterstützung(drei Viertel des verdienten Lohnes und für jedes Kind 1 M. extra) 10 222,35 M., Rechtsschutz 1511,94 Mark, Umzugsunterstützung(bis 180 M.) 15 315,88 M., Reiseunter- stützung(3 Pf. pro Kilometer Luftlinie) 29 351,05 M., Arbeitslosen Unterstützung(pro Woche 9 bis 15 M.) 158 158,75 M. Außerdem wurde an die statutgemäß ausgesteuerten Arbeitslosen für die fernere Dauer ihrer Arbeitslosigkeit eine kleine wöchentliche Extra- Unterstützung ausgezahlt(die Lcdigen erhielten wöchentlich 3 M., die Verheirateten 5 M.), die Gesamtausgabe hierfür betrug im Jahre 43 424 M. An Krankenunterstützung für Gehilfenmitglieder (pro Woche 10,80 M. auf die Dauer von 52 Wochen) wurden 202 112,40 M. und an Lehrlingsmitglieder(bei einem Wochenbeitrag von 10 Ps.— 3 M. Krankengeld) 17 573 M. ausgezahlt. Für der Mitgliedschaft, auf die Dauer der Invalidität) wurden an 304 Invaliden 104 954 M. verausgabt und für Witwenunter- stützung(die Hinterbliebenen Witwen verstorbener Mitglieder erhalten aus Lebenszeit 2,50 bis 3,50 M. wöchentlich) wurde im Jahre an 300 Witwen 53 901,53 M. ausgezahlt. Für Sterbegelder wurden insgesamt 10 133,80 M. verausgabt (für Gchilfenmitglieder je 50 bis 100 M., deren Frauen 50 M. und für verstorbene Lehrlingsmitglieder 25 bis 5s) M.). Trotz dieser hohen Ausgaben sind die Kassenverhältnisse des Ver- bandes günstig. Die Gesamteinnahmen betrugen im Jahre 1910 1 178 750,09 M. und die Gesamtausgaben 1 049 511,38 M., so daß ein Reinüberschuß von 129 244,71 M. zu verzeichnen ist. Das Gesamtvermögen aller Kassen des Verbandes(einschließlich des Kassenbestandes der vorhandenen Jnvalidenkasse in Liquidation) beträgt am Schlüsse des Berichtsjahres 943 547,59 M. Ferner ist hervorzuheben, daß im Jahre 1910 trotz der un- günstigen Wirtschaftslage im Gewerbe eine ganze Reihe erfolg- reicher Lohnbewegungen geführt wurden, die für die Mitglieder wesentliche Verbesserungen der Lohn- und Arbeitsverhältnisse brach- ten.— Insgesamt fanden im Jahre 1910 in 121 Orten 104 Lohn- bewegungen. Streiks und Aussperrungen statt, die sich über 408 Betriebe mit 5714 Beschäftigten erstreckten. Von diesen Bewegungen endeten 145 mit 5221 Beteiligten erfolgreich, 5 mit 258 Beteiligten teilweise erfolgreich und 14 mit 235 Beteiligten erfolglos. Durch die Gesamtzahl der Bewegungen wurde für 1979 Personen Arbeits- zeitverkürzungen von 3009 Stunden wöchentlich, für 2131 Personen Lohnerhöhungen von 3020 M. wöchentlich und für 2227 Personen sonstige Verbesserungen erreicht. Die Gesamtaufwendungen für diese geführten Bewegungen betrugen 83 317 M. Alles in allem hat sonach der Verband der Lithographen, Stein- drucker und verwandten Berufe auch im Jahre 1910 trotz der außer- ordentlich ungünstigen Lage des Gewerbes und trotz des dadurch hervorgerufenen Mitgliederrückganges seinem Zwecke und seinen Aufgaben tatkräftig gedient. Er gab den Mitgliedern in allen Rot- lagen des Lebens einen festen Rückenhalt und wirkte unablässig für die Hebung der Lage des Berufes. Berlin unci llmgegencl« Tarifbewegung der Portefeuille- und Reiseartikel- Sattler. Nachdem die Ergebnisse der zentralen Tarifverhandlungen von den Arbeitern als zu gering und deshalb unannehmbar er- klärt worden waren, fanden in den in Frage kommenden Städten örtliche Verhandlungen statt. In Berlin wurde am 19. d. M. ver- handelt und dabei in der Hauptsache die folgenden Ergebnisse er- zielt: Die jetzt 54 Stunden wöchentlich betragende Arbeitszeit wird auf 53 Stunden gekürzt, und zwar so, daß täglich 9, Sonn- abends 8 Stunden gearbeitet wird. Vom 1. Juli 1914 ab soll Sonnabends nur noch 7 Stunden gearbeitet werden, so daß die wöchentliche Arbeitszeit 52 Stunden beträgt. Einen Lohnabzug bringt die Verkürzung der Arbeitszeit nicht mit sich. Vom Unter- nehmer angeordnete Feiertage müssen bezahlt werden. Die MindestshmdenlöHne betrugen bisher im ersten Gesellenjahre für Sattler 40. für Portefeuiller 37 Pf., im zweiten Gesellenjahre 42, bezw. 39 Pf., im dritten Gesellenjahrc 44, bezw. 41 Pf. Jetzt sollen beide. Arbeiterkategorien gleichmäßig entlohnt werden, und zwar mit 43 Pf. im ersten, 47 Pf. im zweiten. 50 Pf. im dritten Gesellenjahre. Anstatt des bisherigen allgemeinen Durch- fchnittslohnes von 50 Pf. wurde ein Mindestlohn von 55 Pf. festgesetzt. Die Stanzer sind den gelernten Arbeitern hin- sichtlich der tariflichen Entlohnung gleichzustellen, wenn sie mindestens zwei J-ahre im Beruf tätig und mindestens 20 Jahre alt sind oder 3 Jahre im Beruf und 19 Jahre alt sind. Ten Akkord- arbeitcrn wird bei noch nicht kalkulierten Artikeln ihr Durch- schnittsverdienst der letzten acht Wochen garantiert. Auf keinen Fall dürfen sie weniger als den vertraglichen Mindestlohn erhalten. Alle gelernten Zeitlohnarbeiter, sowie die beruflich tätigen Hilfs- arbeiter erhalten vom 1. Juli d. I. ab eine Lohnerhöhung von 5 Proz. Diejenigen, welche am 1. Juli 1913 weniger als 34 M. pro Woche verdienen, erhalten wieder eine Lohnerhöhung von 5 Proz.— Tie Mindestlöhnc der Arbeiterinnen unter 10 Jahren betragen 17 Pf. im ersten, 20 Pf. im zweiten, 23 Pf. im dritten, 25 Pf. im vierten Halbjahr. Ungeübte Arbeiterinnen über 10 Jahr erhalten 23 Pf. in den ersten sechs, 25 Pf. in den folgenden drei, 28 Pf. in den weiter folgenden drei Monaten. Nach Ablauf dieser Zeit erhalten sie die Löhne der folgenden Kategorien: Geübte Hilssarbeiterinnen 30 Pf., Zuschneiderinnen und Stepperinnen 32 Pf. im dritten, 35 Pf. im vierten Halbjahr ihrer Beschäftigung. Perfekte Stepperinnen erhalten 38, perfekte Pasplerinnen 40 Pf. — Die Akkordlöhne aller bis zum 30. Juni 1911 eingeführten Ar- tikel werden durchschnittlich um 5 Proz. erhöht.— Die Entschädi- guNij für den Arbeitsraum der Heimarbeiter soll in derselben Weise wie in Osfenbach geregelt werden.— Unter den vorstehenden Bedingungen soll der Vertrag auf fünf Jahre abgeschlossen werden. Unter außerordentlich starkem Andrang fand am Donnerstag «ine Branchenversammlung der Portefeuille- und Reiseartikel sattler stalk, tvelche zu den Ergebnissen der Tarifverhandlung Stellung zu nehmen hatte. Der Referent Schulze trug die Ver Handlungsergebnisse vor und empfahl namens der Kommission die Annahme derselben. Die geforderte 52stündige Arbeitszeit werde zwar nicht sofort, aber doch während der Vertragsdauer erreicht. Ebeirjo sei es mit der Forderung einer Lohnerhöhung von 10 Proz. Auch diese trete für die Zeitlohnarbeiter während der Dauer des Vertrages in Kraft. Den Akkordarbeitern sei zwar nur eine Zu- läge von 5 Proz. bewilligt, doch sei es ein nicht geringer Fort- schritt, daß die Kommission bei den Preisfestsetzungen neuer Ar- tikel mitzureden habe. Die Löhne der Arbeiterinnen sei so wie ge fordert bewilligt worden. Der einzige Punkt, der wesentlich hinter den Wünschen der Arbeiter zurückbleibe, sei die fünfjährige Ver- tragsdauer. Im übrigen seien die Forderungen so weit erfüllt, daß es sich nicht lohne, deswegen in einen Kampf einzutreten. Die Kommission empfehle die Annahme deS Vertrages. Trotz aller Bemühungen habe die Kommission nicht mehr für die Kollegen erreichen In der sehr ausgedehnten Diskussion machte sich eine scharfe Opposition gegen den Vorschlag der Kommission bemerkbar. Unter anderem wurde gesagt, die Verhandlungen hätten für die Koffer- arbeiter so gut wie nichts gebracht. Besonders scharf wurde die fünfjährige Vertragsdauer bekämpft und der Tarif mit dieser Bestimmung für unannehmbar erklärt Nachdem Schulze nochmals die Gründe dargelegt hatte, welche für die Annahme des Tarifs sprechen, wurde derselbe in geheimer Abstimmung mit 880 gegen 271 Stimmen angenommen. Der Streik bei den Bereinigten Berliner Mörtelwerken und in der Kalksandsteinfabrik von Robert G u t h m a n n in Niederlehme dauert fort. Die Hoffnung der Arbeitgeber, daß die Organisa- tionen nur sechs Wochen Unterstützung zahlen, ist ja nun schon zu- schänden geworden und haben sie jetzt ihre Erwartungen darauf ge- setzt, daß die Streikenden wankelmütig werden und angelaufen kommen. Mit den anspruchsvollen Hintzemännern scheint man es jetzt doch überdrüssig zu haben. Diese Elemente verstehen es aus- gezeichnet, die Notlage der Arbeitgeber auszunützen; haben sie doch in den fünf Wochen ihrer Naüsreißertätigkeit den Lohn von 13 auf 24 M. bei freier Verpflegung gebracht. In den letzten Tagen hat nun auch die Kalksandsteinfabrik ihre Agenten, Meister, Nachtwächter usw. auf die Streikbrechersuche ge schickt. Unter welchen Vorspiegelungen die Leute angeworben wer den, schildern dieselben folgendermaßen: Es wurde ihnen gesagt, sie wären für eine neue Fabrik bestimmt, und da die Berliner doch keine Lust zum Arbeiten hätten, wolle man sich von Schweidnitz Leute holen; als Lohn wurde ihnen die Stunde 40 Pf. versprochen Bei ihrem Eintreffen wurde ihnen erst klar, daß sie als Streik brecher verwendet werden sollen, und wurde es ihnen auch offenbart, daß der Lohn nur 30— 32 Pf. die Stunde beträgt. Als nun ein- zelne dieser Opfer ihr Fahrgeld zur Rückfahrt verlangten, und einige in etwas derhcn Worten ihrem Unwillen Lust machten, wurden sie von der Polizei in das Spritzenhaus gebracht, statt daß den Leuten zu ihrem Rechte verholfen wurde. Die Streikleitung hat sich dieser Leute angenommen und dürfte es der Firma klar gemacht werden, daß— wenn man Arbeiter unter Vorspiegelung falscher Tatsachen anwirbt— dieselben Anspruch nicht nur auf Fahrgeld, sondern auch auf Entschädigung haben; hat man doch einen Teil dieser Leute direkt aus der Arbeit gerissen. Wenn auch in Niederlehme augenblicklich für die Streikenden sowie für die ehrlichen Opfer des Schwindels Ausnahmegesetze bestehen, und sie hier bei niemanden Recht erhalten, so dürfte doch an anderer Stelle das Verhalten der Polizei sowie der Werklcitungen eine andere Be urteilung erfahren. Zuzug nach Niederlehme ist streng fernzuhalten. Alle arbeiter- freundlichen Blätter, besonders die polnischen, werden um Abdruck gebeten. Oeutkcstes Reich. Ter Bcickerstreik in Mannheim mit einem vollen Siege beendet. Auf Ansuchen der Innung fanden am Montag, den 19. Juni, Unterhandlungen mit den Organisationsvertretern der Gehilfen vor dem Gewerbegericht unter Vorsitz des Rechtsrats Dr. Erdel statt. Beide Parteien einigten sich zur Abschließung des Tarifver träges, der bis zum Eintritt in die Unterhandlungen mit 109 Unter nehmern, bei denen 238 Gesellen beschäftigt sind, anerkannt wurde. Der Tarif gilt auf 3 Jahre; in Betracht kommen 308 Betriebe mit 355 Gesellen. Erreicht wurde die vollständige Beseitigung des Kost und Logiszwanges im Hause des Arbeitgebers, llstündige Arbeits� zeit; im ersten Beschästigungsjahr 5 Tage, im zweiten Jahr 7 Tage Ferien. Ueberstundcn werden mit 50 Pf. bezahlt. In die Arbeits Nachweiskommission, in der von Gesellen bis jetzt die Gesellenaus� schußmitglieder vertreten waren, wird nach dem Vertrag ein Orga nisationsvertreter der Gehilsen mit beratender Stimme zugezogen. Die Kontrollinstanz des Arbeitsnachweises ist das Tarifamt.— Dieser Erfolg konnte nur errungen werden durch das einmütige Zusammenhalten der Streikenden und durch den Boykott der orga- nisierten Arbeiterschaft; die Ankündigung des Allgemeinen Arbeit- geberverbandes zum Gegenboykott kam nicht zur Ausführung. Erfolgreicher Brennereiarbeiterkampf. Der Anfang März in der Brennerei Hackert in Wester. holt entstandene Kampf um das Koalitionsrecht ist jetzt zugunsten der Arbeiter beendet. Herr Hackert hatte den Vertrauensmann der Organisation entlassen und von den anderen Arbeitern den Aus- tritt aus dem Brauereiarbeitervcrband verlangt. Deshalb traten die Arbeiter in den Streik, dem der Boykott des Hackertschcn Schnapses folgte. Um den Boykott unwirksam zu machen, hatte Hackert gegen eine Anz»hl Personen. Kartelle und Zeitungen den Erlaß einstweiliger Verfügungen beim Landgericht Esten beantragt, wonach es bei Strafe von je 1000 M. für den Fall verboten sein sollte, gegen den Hackertscken schnaps Stimmung zu machen. Der Antrag auf wrlaß der einstweiligen Verfügung wurde am 23. Mai vom Landgericht Essen zurückgewiesen, und nun war Hackert auch zum Frieden geneigter. Er verpflichtete sich zur Respektierung des Koalitionsrecktes seiner Arbeiter, zur sofortigen Einstellung von fünf der Ausständigen und der noch weiter vorhandenen bis zum 1. Juni 1911._ Eine Fahne für die Gelben! Der gelbe Bund der Bäcker- und Konditorgehilfen ist bekanntlich auch bei der verflossencn Lohnbewegiing der Bäcker seiner Lebens- aufgäbe treu geblieben, indem er die Arbeitgeber im Kampfe gegen die Arbeiterinteressen unterstützt hat. Da-Z konnte den Meistern aller- dingS nickt Helsen und den Sieg des Bäckerverbandes nicht aushalten. gcschiveige denn verhindern. Dock, das liegt nur daran, daß dem gelben Bnnde noch eine« fehlt. Wenn er das erst bat, dann mag sich der Verband vorsehe». Um welches Zauber», ittel es sich bandelt, das verrät ein Schrewen. ivelches die sechs Berliner Mit- gliedswaften(zusammen etwa 100 Mitglieder) des gelben VnndeS der Bäcker- und Konditorgehilfen an Berliner Mehlhändler versandt haben. Das kuriose Schreiben lautet: Verehrt. Firma I Nach sehr langer reiflicher Ueberlegung kamen die hiesigen sechs Mitgliedschaften zu der Ansicht, daß ihnen in ihrem schweren Kampfe gegen den sozialdemokratischen Bäckerverband ein Synibol fehlt, lim welches sie sich scharen wollen. Daher haben alle Mit- gliedsckaftcn beschlossen, eine gemeinsame Fahne zu stiften. Da es denselben nun nicht möglich ist, neben der so großen Agitation aus eigenen Mitteln die Fahne anzuschaffen, so treten wir an Sie mit der Bitte heran, ebenfalls einen Beitrag zum FahnenfondS zu stiften. Wir fügen unserem Schreiben zu diesen, Zwecke eine An- Weisung bei und ivir danken schon im voraus für die so freund- liche Unterstützung. Wohl haben wir dabei erwogen, daß eine Fahne mehr LiixuS sei, jedoch heute in der politisch wie gewerkschaftlich so zerrüttellen Zeit ist auch eine Fahne geeignet, das nationale Gefühl sowie auch die Treue zu Kaiser und Reich immer mehr za«toeden. Schon aus diesen, Grunde bitten wir Sie, unserem höflichen Gesuch Gehör zu scheukeu. Hochachtungsvoll Das Fahnenkomitee. P. Seidel, Vorsitzender. Na also. Wenn die Gelben erst die erbettelte Fahne haben und Schmiegert, von dem wir die ekelhafte Schmutzerei berichteten, eventuell das.Symbol im Kampfe gegen den sozialdemokratischen Bäckerverband" voranträgt, dann kann ja der Erfolg nicht aus- bleiben. ZZuslanck. Vom Seemannsstreik. England. Am 14. zum 15. Juni wurde bekanntlich der Streik in allen englischen Häfen erklärt. In den darauf folgenden Tagen konnte der Streik noch nicht mit voller Wucht wirken, weil die Mehrzahl der Schiffe ihre Besatzung angemustert hatte, bevor der Streik erklärt war. Diese Mannschaften waren gezwungen, den unterzeichneten Heuervertrag einzuhalten. Deshalb waren am 10. und 17. d. M. erst wenige Schiffe von der Bewegung ergriffen, am 18. Juni begann jedoch der Streik richtig einzusetzen. Aus 200 Küstendampsern bewilligten die Reeder die volle Forderung von 35 M. pro Woche. Das bedeutet in vielen Fällen eine wöchentliche Erhöhung von 7 M. Die Mannschaften von über 200 Wochen- danipfern reichten am Sonnabend ihre Kündigung ein. Sobald diese Dampfer einlaufen, müssen sie liegen bleiben. Bis zum 19. Juni gelang es den Reedern, aus sämtlichen Häsen nur 10 Schiffe mit Streikbrechern besetzt auslaufen zu lassen. Einige von diesen Schiffen hatten unvollständige Besatzung an Bord und noch dazu unkundige Leute. Im Hafen von Southampton ist die Lage unverändert. Eine große Zahl Hafenarbeiter erklärten sich mit den Seeleuten solidarisch. In Dublin, wo die Seemanns- union keine Abteilung hat, übernehmen die Hafenarbeiter die Führung. Die großen Dampfer, die Wochendainpfer, auf denen der Mannschaft die geforderten 35 M. pro Woche noch nicht bewilligt waren, wurden blockiert. Dadurch wird der ganze Verkehr zwischen Dublin und Liverpool, Glasgow und Dublin in Mit- leidenschaft gezogen. An der Nordostküste von England ist die volle Heuererhöhung bewilligt worden. Schiffe, die nicht bewilligten» verblieben im Hafen. In Liverpool steht die Bewegung sehr gut. Die dortigen Gesellschaften verhandelten mit der Union und be- willigten eine Heuererhöhung von 10 M. pro Monat. In Bristol Channel warten viele Schiffe auf Besatzung. Gesiegt wurde in vielen Fällen, aber es zögern auch Schiffe mit der Abfahrt in der Erwartung, daß der Streik bald zusammenbrechen werde. Tie Hafenarbeiter in Hull sind nicht organisiert, die Seeleute jedoch haben eine lokale Organisation, die etwa 800 Mitglieder zählt. Diese lokale Organisation stand dem Streik bisher ablehnend gegen- über. Die Mitglieder beschlossen, sich ebenfalls zu beteiligen, nach- dem ein Vertreter der Union in diesem Sinne zu ihnen gesprochen hatte. In Manchester liegt ein Dutzend Schiffe still. Tie Hafen- arbeiter sind an der Bewegung stark beteiligt. In Southampton blockieren die Hafenarbeiter die Schiffe der nichtbcwilligten Reeder. In London ist die Position sehr gut. Die Seeleute weigern sich, unter Livre 5,10 anzumustern. So war die Situation bis zum 19. Juni. Nach neueren Mitteilungen der englischen Organi- sationsleitung macht der Streik überall Fortschritte. Tie Schip- ping Fcderation ist in arger Verlegenheit. Ueber 2000 Hafen- arbeiter in Glasgow haben sich dem Streik angeschlossen. Tie Eisenbahnarbeiter und die Mannschaften der großen Dampfer in Greenock, einem Hafen bei Glasgow, von wo die Reeder bisher Streikbrecher erhielten, sind ebenfalls ausständig. In Hull streiken alle Hafenarbeiter und Seeleute; in Goole desgleichen. In Sout- hampton ist alles stillgelegt und jede Branche im Hafen ist am Kampf beteiligt. Etwa 1000 Hafenarbeiter in Liverpool, die auf den Küstendampsern beschäftigt find, blockieren die Schiffe mit Strcikbrecherbesatzung. Am Sonnabend haben die Fuhrleute und Hafenarbeiter dort eine Konferenz, um, wenn der Kampf dann noch nicht beendet sein sollte, über eine Teilnahme ihrerseits zu be- schließen. In London ist jetzt jede Schiffahrtslinie vom Streik'be- rührt und die Shipping Fcderation ist machtlos; sie kann ihre Leute nicht zurückhalten trotz ihres schändlichen Kncbelungssystems. Zum Sonnabend erwartet man die Krisis, da es unmöglich er- scheint, daß die englische Schiffahrt den gegenwärtigen Zustand länger ertragen kann. Holland. In Amsterdam macht die Besetzung der Dampfer mit Streikbrechern große Schwierigkeiten. Trotzdem gelingt es einigen Dampfern, mit zweifelhaften Elementen notdürftig besetzt, den Hafen zu verlassen. Von den 27 deutschen Streikbrechern, die am Montag in Amsterdam von Hamburg aus ankamen, haben sich 12 geweigert, anzumustern. Die holländischen Mannschaften von den einlaufenden Schiffen schließen sich alle den Streikenden an. Die Zahl der Streikenden ist von einigen Hunderten bei Beginn des Streiks auf jetzt 500 gestiegen. Ein Solidaritätsstreik der Hafenarbeiter scheint unvermeidlich zu sein, doch hält der Hafen- arbeiterverein„Recht en Plicht" jetzt noch nicht den Augenblick für gekommen, den Streik zu proklamieren. In Rotterdam finden sich Streikbrecher von den Nord-Holländischen Eilanden an; auch werden Chinesen als Streikbrecher verwandt. Streikbrecheragenten sollen nach der Rheingegend unterwegs sein. Viele der Streikenden mustern auf englischen Schiffen, welche die Forderungen bewilligt haben, an und entlasten so die Organisation. Die Reeder hatten eine Konferenz und beschlossen,„die gestellten Forderungen nicht zu bewilligen und sich besonders gegen die Annahme des Arbeiter- reglements zu wehren, wodurch die Autorität an Bord, nach Mei- nung der Reeder, von dem Kapitän auf die Vereinigung„Volhar- ding" übergehen würde". Demnach sckeinen gegen eine Heuer- erhöhung keine großen prinzipiellen Beschwerden zu bestehen. Belgien. Die Situation in Antwerpen ist nicht allzu günstig. da es den Shippingmastcrn in vielen Fällen gelingt, für die Strci- kenden Ersatz zu schaffen. Augenblicklich streiken 000 Mann, wovon 400 dem belgischen Verband angehören, die übrigen den deutschen, englischen und dänischen Organisationen. Tie Organisation rechnet nach Verlauf von zwei Wochen mit 1000 Streikenden, Hetzte Nachrichten. Zur Krisis in Frankreich. Paris, 23. Juni.(W. T. B.) In den Wandelgängen der Kammer wird die politische Lage als besonders verwickelt bezeichnet Wenn das nächste Kabinett für die Proportionalwahl sei. so werde es die zweihundert Republikaner gegen sich haben, die sich gestern gegen die Proportionalwahl ausgesprochen haben. Sei es gegen die Proportionalwahl, so werde es überhaupt keine Mehrheit in der Kammer finden. Die Politiker, die für die Nachfolger Monis in rxrage kommen können, müssen dementsprechend als ProPortio. naliftcn und Antiproportionalisten unterschieden werden. Unter diesen wird Clemenceau, unter jenen werden Caillaux, Briand und Delcasse genannt.(Siehe auch Politische Ucbersicht.) Andere Lander andere Sitten. London, 23. Juni.(P.-C.) Die ausständigen Seeleute, die dem Konig Georg V. anläßlich der Krönungsfcierlichkciten ein Glück- Wunschtelegramm gesandt hatten, haben heute eine Antwort er- halten. ,n der der König den Seeleuten seinen herzlichsten Dank ausspricht. Ein Todesurteil. Gleiwitz, 23. Juni.(W. T. 23.) Das hiesige Schwurgericht hat nach zweitägiger Verhandlung den Schneider Joseph Kupka- Zabrze wegen Mordes zum Tode verurteilt. Kupka hatte die Handclsfrau Gustel Träger aus Galizicn am 15. Februar mit Hammerschlägcn betäubt, beraubt, mit Petroleum begossen, ange- zündet und in einen Schornstein gezwängt. Seine Ehefrau wurde ------------___,. wegen Begünstigung zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Verantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. In jeratenteil verantw.; Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u.«eriagsanjtast Uaul Singers Co.. Berlin LVV. Hierzu 3 Beilagen u.UuterhaItungSb5 Kr. 145. 28. ZahrMg. t Knl«ze des.Jotiätts" Kerlim WlksdlM. Mgeoränetenkaus. V4. Sitzung vom Freitag, den 23. Juni, mittags 12 Uhr. Am Ministerttsch: Frhr. v. Schorlemer. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Interpellation der Konservativen wegen der Gefahr der Weiterverbreitung der Maul- und Klauenseuche durch Abhaltung von Manövern. Nach kurzer Begründung der Interpellation durch den Abg. Busse(!.) erwidert Minister Frhr. v. Schorlemer, daß die Regierung der Frage große Aufmerksamkeit zuwende. Er habe sich mit dem Kriegsminister in Verbindung gesetzt und es werde das möglichste getan werden, um eine Verschleppung der Maul- und Klauenseuche durch Manöver zu verhindern. Eine Besprechung der Interpellation wird nicht beantragt. Das allgemeine Zweckvcrbandsgesetz wird aus Antrag des Abg. v. Heydebrand an die Kommission verwiesen. Es folgt die dritte Lesung der Gemcindeordnung für die Rheinprovinz. Dazu liegen u. a. auch wieder Anträge aus Einführung der g e« Heimen Wahl vor. In der G e n e r a l l�e b a t t e erhält zunächst das Wort Abg. Lrinert(Soz.): In der Fassung der zweiten Lesung ist der Entwurf für uns unannehmbar. Er bringt nur Flickwerk und hilft den bestehen- den Ungerechtigkeiten nicht ab. lSehr richtig! bei den Sozialdemokr.) Die Ernennung der Landbürgermeister soll die ostelbische reaktionäre Gesinnung auch nach dem Rheinland verpflanzen. Wir ver- langen Beseitigung dieser Bevormundung der ländlichen Bevölkerung und Wahl der Landbürger nkei st er. Unerhört ist, daß das Abgeordnetenhaus nicht die volle Oeffentlichkeit der Sitzungen der Gcmeinderäte bewilligt hat. Die Steuerzahler haben ein Recht darauf, zu erfahren, wie ihre Steuergroschen verwandt werden.(Sehr richtig I b. d. Soziald.) Bei dem Streit, ob die Interessen der Industriellen oder der Großgrundbesitzer mehr zu be- Vorzügen seien, hat man die Arbeiter ganz vergessen. Das empfinden wir als weiteres Unrecht und verlangen gleiches Recht im Gcmeinderat auch für die Arbeiter. Schon deshalb fordern wir Beseitigung der Vorrechte der Meist begüterten.— Was die Ablehnung der geheimen Wahl in der zweiten Lesung anlangt, so verstehen wir ja die Haltung der Konservativen in dieser Frage. Sie sagen sich ganz richtig: Was man dem Westen gibt, kann man dem Osten nicht ver- sagen und sie_ fürchten mit Recht eine Verminderung der Junkerherrschaft im Osten, wenn auch dort die geheime Wahl eingeführt würde. Es ist aber unerhört, daß der reaktionäre Osten in dieser Frage dem bedeutend fortgeschrittenen Westen seinen Willen aufdrängen will. Das ist ein Grund mehr, zu fordern, daß das Dreiklassenwahlrccht für den preußischen Land' tag endlich abgeschafft werde. sSehr wahr I bei den Sozialdemo kraten.) Charakteristisch war wieder die Haltung der National liberalen. Das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht ist ja nach Aeußerungen von Nationalliberalen nur zeitgemäß für Hottentotten und Papuaneger oder zur Zeit der alten Germanen. Für das geheime Wahlrecht in diesem Falle zu stimmen haben sie abgelehnt, mit der Begründung: weil sie es nicht für alle Gemeinden erhalten könnte», müßten sie es auch hier ab- lehnen. Das ist ein ganz verkehrter Standpunkt. Wer wirklich das geheime Wahlrecht will, muß jede sich ihm bietende Gelegenheit er- greifen, um dies Prinzip zur Verwirklichung zu bringen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Die Nationalliveralen hätten hier die Re- gierung zwingen müssen, die Regierung vor die Alternative zu stellen, eine Forderung des Zentrums für unannehmbar zu er- klären. DaS hat die Regierung noch nie getan, wenn es dem Zentrum darauf ankam, volksfeindliche Gesetze durchzusetzeu. Aber die Nationalliberalen wollen die geheime Wahl gar nicht ernstlich. Sie fürchten im Rheinland für ihre Parteiinteressen und darum haben sie hier genau dieselben Argumente gebraucht, wie das Zentrum gegen die direkte Wahl bei Gelegenheit der Wahlreform. Es sind nur I verteilte Rollen, hier wie dort kommen Parteiinteressen in Frage. sSehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Nationalliberalen, die seinerzeit auf s�deM Standpunkt standen, daß eine Wahlrechtsvorlage gegen die Konservativen gemacht werden müsse, verbinden sich hier mit den Konservativen und beweisen somit wieder ihre absolute Unzuverlässigkeit, wenn es sich um Volksrechte handelt. Die Nationalliberalen haben bei diesem Gesetz eine Resolution ein- gebracht, die Arreststrafen für die Unterbeamten der ganzen Mon- archie zu beseitigen. Ebenso hätten sie ja auch eine Resolution einbringen können, daß nack Annahme der geheimen Wahl in diesem Gesetz die geheime Wahl für alle Gemeinden in Preuße» eingeführt werden solle. sSehr gut I bei den Soz.) Wir werden für die vorliegenden Anträge, soweit sie Verbesserungen im einzelnen betreffen, stimmen. Wir werden alles tun, um die nach unserer Meinung gemeingefährlichen Be- schlüffe der zweiten Lesung abzuschwächen in der Richtung einer größeren Demokratisierung der Gemeinden. Deshalb stimmen wir auch der konservativen Resolution zu, die die Regierung auffordert, mit tunlichster Beschleunigimg ein Gesetz vor- zulegen, das die noch bestehenden Mängel der Gemeinde- ordnung, die in weiten Kreisen der Bevölkerung Unzufriedenheit erregen, beseitigen soll. Wir erwarten, daß die Regierung dann auch die sozialdemokratischen Anregungen erfüllr. Zu diesen Mängeln, die in weiten Kreisen der dortigen Bevölkerung Unzufriedenheit er- regen, gehört auch die Oeffentlichkeit der Wahl. Wir werden nur dann in der Gesamtabstimmung für das Gesetz stimmen, wenn die geheime Wahl angenommen werden sollte. Wenn es auch im übrigen äußerst reaktionär gestaltet ist, so werden wir ihm unter dieser Bedingung doch zustimmen, weil durch die Einführung der geheimen Wahl in diesem Gesetz der Anfang gemacht würde zur Herbeiführung der geheimen Stimmabgabe für die Gemeinden über- Haupt.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. Gcscher(k.): Der Vorredner hat unsere Resolution merk- würdig ausgelegt. Natürlich liegt uns die Absicht fern, etwa auch die sozialdemokratischen Anregungen, wie die Einführung des ge- Heimen Wahlrechts oder die Wahl der Bürgermeister zu be- fürworten. Abg. Fleuster(Z.) spricht für die Zentrumsanträge. Abg. Dr. Gottschalk(natl.): Wenn wir bei dieser Vorlage der geheimen Wahl zustimmen würden, wäre der Erfolg nur, daß wir gar keine Reform der Gemeindeordnung bekommen. Wenn Herr Le inert der konservativen Resolution zustimmt, so verrät er damit ein großes Vertrauen zur Regierung.(Lachen bei den Sozial- demokraten.) Abg. Frhr. v. Zedlitz(fk.): Wir lehnen die Wählbarkeit der Bürgermeister sowie die geheime Wahl nach wie vor ab. Abg. Eickhoff(Vp.): Wir werden dem Gesetz zustimmen, weil es zwar keine wirkliche Reform, aber doch einen kleinen Fortschritt be- deutet insofern als der Industrie wenigstens etwas Einfluß auf die Gemeinderäte eingeräumt worden ist. Von einer Reform kann schon deshalb keine Rede sein, weil die Verhandlungen der Gemeinde« räte nichtöffentlich sein sollen und weil die Landbürger- meister nicht gewählt, sondern ernannt werden sollen, vor allem aber weil die Einführung der geheimen Wahl nicht erfolgt ist, die wir jetzt erneut beantragen. Abg. Leinert(Soz.) polemisiert gegen einzelne Bemerkungen der Vorredner. Herr Gottschalk meint, durch unsere Zustimmung zu der Resolution der Konservativen zeigten wir, daß wir Vertrauen zur Regierung haben. Gewiß würde eine Regierung, zu der wir Vertrauen haben könnten, Herrn Gottschall wohl wenig gefallen. Daß wir aber zu der jetzigen preußischen Regierung kein Vertrauen haben, brauchen ivir wohl wirklich nicht noch besonders zu betonen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Generaldebatte. In der Spezialberatung werden eine Reihe Paragraphen in der Fassung der zweiten Lesung angenommen.' Bei der Abstimmung über die Einsührung der geheimen Wahl zu den Gemeinderatswahlen stimmen Zentrum, Freisinnige, Polen und Sozialdemokraten gegen Konservative und Nationalliberale. Da das Resultat sehr zweifelhaft erscheint, ertönen von der Linken Die Arbeiter genieren ficb! Wilhelm II. will in der Jungfernheide zu Berlin einen Tier- garten schaffen helfen. Hagenbecks Eisbären und vielleicht sogar die Rindviehkreuzungen von Cadinen sollen dem Volk die Freude an der heutigen Gesellschaftsordnung zurückbringen. Es ist auch zu er- warten, daß die zur Volkserziehung bestimmten Bestien sorgfältiger und vernünftiger gehalten werden, als in den engen Käfigen der großen Strafvollzugsfabrik am Rande der Jungfernheide die Men- scheu behandelt werden. Gegen diesen Tiergarten des Volkes sträuben sich nun die Aktio- näre des Zoologischen Gartens im Berliner Westen. Aber der Kaiser, so hat er zu Hagenbeck gesagt, wird diesen Plan durchsetzen; er weiß, Ivos dem Volke fehlt; das Volk aber geht nicht in den anderen zoo- logischen Garten, der Berliner Arbeiter geniere sich vielmehr, dort- hin zu gehen, weil er ihm zu vornehm sei. Das Publikum des zoologischen Gartens ist tatsächlich nicht er- freulich, gerade weil es so ganz und gar nicht vornehm ist. Es wirkt schon ein wenig abschreckend. Aber wie wir den Berliner Arbeiter kennen, ist er duldsam genug, um selbst jenen Protzen ihr Vergnügen und ihre Art zu gönnen; und er ginge trotz ihnen in den zoologischen Garten, des nicht menschlichen Getiers wegen, wenn's ihm nicht zu teuer wäre. Daß er sich wegen des zahlungsfähigen Stammpubli- lums zu genieren brauchte, ist nicht recht einzusehen, denn er ist ja nicht für deren Sitten verantwortlich. Er lacht vielleicht ein wenig über diese Gäste, aber nicht zu laut, als überlegener Weltstädter, der vieles ficht, was ihm nicht behagt, und noch mehr dulden muß, was ihn quält. Diese Begründung der Notlvendigkeit eines zweiten zoologischen Gartens wegen der genierlichen Vornehmheit des alten beruht also auf mißverständlichen Informationen über die Empfindungen der Berliner Arbeiterschaft. Sie hat durchrns kein Verlangen danach, daß nun auch das preußische Klassensystcm auf die zoologischen Gär- ten ausgedehnt wird, wobei dann noch das Problem zu lösen wäre, ob die allzu vornehmen Tiere des westlichen zoologischen Gartens, die Königstiger und die Silberfasane, wegen der Gcnierlichkeit von der Verschleppung in den Volkstiergartcn ausgeschlossen werden müßten, und auch etwa Hirsche nur in mindervornehmen, das heißt geringer gezackten Gcweihcxemplaren vorgeführt werden sollen. Ist in diesem Falle die Voraussetzung falsch, so ist die Rücksicht auf die Gefühle der breiten Masse immerhin ein liebenswürdiger Zug, der auf anderen Gebieten eine recht zweckmäßige Betätigung fände. Der Berliner und nicht nur der Berliner Arbeiter fühlt sich in der Tat sehr oft aufs höchste durch vielfältige Erscheinungen unseres öffentlichen Lebens geniert. Die Monarchie in ihrer heutigen deutschen Art ist ihm durchaus genant, nicht nur wegen der Kniehosen, Galawagen, Orden und des ganzen höfischen Pomps und Ritus, sondern wegen ihrer staatsrechtlichen Vorrechte, die ihm recht unbehaglich sind. Wie wärs, wenn man ihn nicht fürdechin nötigte, in diesem monarchischen Garten zu leben, wenn man ihm gestattete, für sich und seine Klasse ein Staatswesen zu schaffen. das ihm nicht zu vornehm scheint, in dem er sich wohl fühlte; eine proletarische Republik. Die besseren Leute mögen dann immerhin ihr« vornehmere Staatsform behalten. Es läßt sich wirklich ganz gut ausdenken, daß man zunächst einmal die breite Masse für sich eine Art Jungfernheide des politischen Lehens herstellen läßt,.. Wir wissen auch genau, daß sich die breite Masse der Berliner Arbeiter durch das vornehme Dreiklassenhaus und das noch vornehmere Herrenhaus geniert fühlt. Dennoch ist der Arbeiter als Staatsbürger verpflichtet, in diesen genierlichen Kreisen zu ver kehren. Es wäre wirklich sehr verdienstlich, wenn er so rasch wie möglich von diesem lästigen Umgange befreit würde und in einem rechtschaffenen parlamentarischen Volkshause seine Angelegenheiten unter sich mit seinesgleichen erledigen könnte. Auch die nahen Beziehungen der breiten Masse der Berliner Arbeiter während ihrer militärischen Dienstzeit zu den vornehmen Gardeoffizieren genieren sie längst. Auch auf diesem Ge- biete iväre es sehr willkommen, wenn die Proletarier in einer de- mokratischcn Volkswehr sich selbst zur Verteidigung erziehen dürften. Nicht minder genieren ihn die aus ganz anderen vornehmeren Kreisen stammenden Richter, Staatsanwälte, zu deren Umgang er nicht selten genötigt wird. Abermals wäre ihm damit gedient, wenn er sich nur der Rechtsprechung von Klassengenossen zu stellen brauchte. Die breite Masse der Berliner Arbeiter er- innert sich ferner, daß sie sich bei der bisherigen Selbstverwaltung der Krankenkassen recht wohl gefühlt hat. Erst jüngst aber hat die Regierung Wilhelm II. im Verein mit einer Reichstagsmehrheit, die den Berliner Arbeiter ebenfalls geniert, diese Selbstverwaltung genommen und ihn genötigt, sich mit Kreisen zu mischen, in denen er nicht gern verkehrt. Im zoologischen Garten erwirbt schließlich der Berliner Ar- beiter genau wie jeder andere für dasselbe Geld die gleichen Rechte wie das Publikum, da? der Kaiser vornehm nennt. Als Staats- bürger aber trägt er weit höhere Lasten und hat dafür mindere Rechte. Das geniert ihn. Einst wurde den Arbeitern geraten, wenn sie sich in Deutschland geniert füllten, den deutschen Staub von den Pantoffeln zu schütteln. Heute werden solche Schlüsse nicht mehr gezogen. Heute ist offenbar das Bewußtsein durchgedrungen: daß die breite Masse das Recht auf ein anderes Deutschland hat, sofern sie das jetzige geniert. Heute weiß man, was uns fehlt. WaS die englische Krönung kostet. Während in den Straßen Londons..das Volk", das heißt die Müßiggänger und Flaneurs, den fremden Fürsten zujubelt und neugierig auf das große Schauspiel des Krönungszuges wartet, sitzen im Finanzministerium die Be- amten eifrig über lange Zahlenreihen gebeugt und rechnen; sie rechnen an der hübschen Zahl von Millionen, die die Staatskasse wird be- zahlen müssen, wenn die schönen Tage des Festrausches verklungen sind. Bisher stehen nur die Ziffern, für einen kleinen Teil der Ausgaben fest, aber sie genügen, um die Menge der Millionen ahnen zu lassen, die der Staatssäckel für das Fest opfern muß. Die Konzentrierung der zur Krönungsfcicr nach London befohlenen englischen Truppen wird rund löWZOOll M. kosten, und die große Flottenparade verschlingt wiederum eine halbe Million. 720(XX) M. sind vom Staate für den Transport der indischen Delegierten und Truppen nach London ausgeworfen worden, 200(XX) M. trägt der Staat bei den Empfängen der fremden Würdenträger. Dazu kommen noch Dutzende von anderen, nicht weniger stattlichen Posten, die der Staat trägt, während die Stadt London ihrerseits auch Millionen opfern muß. Dabei sind die Ausgaben des könig- lichen HauscS für die Zeremonien, die Kosten der großen Banketts und Bälle gar nicht in Berücksichtigung gezogen. Man wird weit vielfache Rufe: Hammelsprung! Trotzdem erklärt das Bureau diesen Antrag für abgelehnt..... Im Artikel 8 sind in der zweiten Lesung die Arrest strafen für Unterbeamte in der Rheinprovinz beseitigt. Abg. Fritsch(natl.) befürwortet einen Antrag seiner Fraktion, diesen Artikel zu streichen und die Regierung zu ersuchen. spätestens in der nächsten Session ein Gesetz vorzulegen, durch welche» die Arreststrafen gegen alle Unterbeamten in der ganzen Monarchie aufgehoben werden. Abg. Eckert(fk.) spricht für die Beseitigung der Arreststrafen für Unterbeamte im allgemeinen. Beim Militär würden Arreftsirasen nicht als Ehrenstrafen empfunden, wohl aber von den Beamten. Abg. Kopsch(Vp.): Trotz wiederholter, einmütiger Beschlüsse dieses Hauses auf Beseitigung der Arreststrafen für Unterbeamte. kommt die Regierung dieser Forderung nicht noch. Man begründet diese Haltung mit der Noiwendigkeit der Aufrechterhaltung von Autorität und Ordnung. Dabei hat z. B. der Eisenbahnminister in dessen Ressort doch vor allem die Aufrechterhaltung der Ordnung im Interesse des Publikums notwendig ist. ausdrücklich erklärt, daß bei den Unterbeamten der Eisenbahnen die Arrest- strafen nicht mehr angewandt werde. Nur das Ministerium des Innern hält an dieser Strafart noch fest, trotzdem im Reich zum Beispiel die Arrcststrafe für Unterbeainte nicht existiert und trotzdem der neue Minister des Innern von seinem bisherigen Wirkungskreise in Anhalt her wissen könnte, daß es auch ohne Arreststrafe sehr gut geht. Im vorigen Jahre wollte man den Schutzleuten und Gendarmen als.Kulturträger" ein höheres Wahl- recht geben, heute will man ihnen nicht einmal die Lrreststrafe nehmen.(Sehr gut I links.) Wir werden für«ufrechterhaltung des Artikels stimmen. Ein Schlußantrag wird angenommen, Abg. Bartsch«(Z.) beantragt namentliche Abstimmung über den Artikel. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Es ist bezeichnend, daß die Mehrheit dieses Hauses eS gerade der Sozialdemokratie unmöglich gemacht hat. ihre Meinung zu dieser die Unterbeamten lebhaftf interessierenden Frage zu äußern. Es wird dies einmal dahin verstanden werden, daß in diesem Hause nicht genügend Zeit und Interesse für diese so wichtige Frage vorhanden ist, sodann aber, auch daß die Herren A n g st davor haben, daß die Sozialdemokratie durch ihr energisches Eintreten gegen dies Stück mittelalterliches Preußen die Sympathie der Unterbeamten noch weiter erwirbt, als sie sie gegen- wärtig bereits besitzt.(Sehr wahr! b. d. Soz.) In der namentlichen Abstimmung wird der Art. 8 mit 132 gegen IIS Stimmen bei einer Stimmenthaltung abgelehnt. Die Resolution auf Abschaffung der Arreststrafen für die Unterbeamten der ganzen Monarchie wird angenommen. Ferner wird auf Antrag des Zentrums namentlich ab- gestimmt über einen Zentrumsantrag auf Wahl der Land« b ü r g e r m e i st e r. Es beteiligen sich an der Abstimmung 179 Ab- geordnete.(Die Zentrumsabgeordurten haben zum Teil den Saal verlassen. Präs. v. Kroch«: DaS HauS ist also beschlußunfähig. (Bewegung.) Die nächste Sitzung setze ich an auf Montag 1 Uhr. Die Tagesordnung werde ich den Herren bekannt geben. Schluß 6 Uhr._ 17. General-Verlamrolung der Groß- eiDkaufs-Gefelltchaft Deutscher Muni- vereine. > Leipzig, 22. Jilnk. H Im Anschluß an den Genosscnschaftstag, der gestern nach« mittag beendet, tagte heute vormittag die 17. ordentliche General- Versammlung der Großeinkaufsgescllschaft, an der fast sämtliche Delegierte des Genossenschaftstages teilnahmen. Jen Vorsitz führte P o st e l t- Hamburg. Zunächst erstattete die Geschäftsleitung den hinter der wirklichen Zahl zurückbleiben, wenn man annimmt, daß die königliche Kasse, der Staat und die Stadtkasse ein Viertel« hundert Millionen für die Krönungstage ausgeben, Elend und-Armut existieren offenbar nicht in England.,-'— Notizen. — Ein Milliontel Millimeter dem Auge tvahr- nehmbar zu machen, ist eine Leistung, die auf den ersten Blick un« möglich scheint. Durch die stete Perbesserung der Mikroskope unter Zuhilfenahme starker Lichtquellen ist das jedoch, wie wir im „Mikrokosmos" lesen, trotzdem möglich geworden. Auf dem vor- jährigen Chemikertag wurde im Ultramikroskop nach Siedentopf die Molekularbewegung in kolloidalen Goldlösungen gezeigt. Es wirbelten entzückend anzusehende, farbig leuchtende Kügelchen durch- einander, die aller Wahrscheinlichkeit nach die ultramikroskopischen Metallmoleküle der betreffenden Flüssigkeit darstellen. Sie sind annähernd ein Milliontel Millimeter groß und werden nur durch den Lichtreflex überhaupt sichtbar. — D i e cheniische Internationale. In Paris kamen vor kurzem Vertreter der angesehensten chemischen Gesell- schaften der Erde, nämlich der französischen„Societe Chimique", der englischen„Chemical Society" und der„Deutschen Chemischen Gesellschaft" zusammen. Zum Präsidenten der Association wurde Wilhelm O st w a l d- Leipzig und zum Generalsekretär Professor I a c o b s o n- Berlin gewählt. Wilhelm Ostwald ist weiteren Kreisen nicht nur als berühmter Chemiker, sondern auch als Vor- kämpfer der Friedensbewegung und als Förderer des Esperanto (Ida) bekannt. In jüngster Zeit schlug er die Bildung einer Lido zu nennenden chemischen Weltsprache vor. Professor Jacobson ist de' Redakteur der„Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft" (Berlin) und der Hauptredaktcur des Beilstcin-Lexikons, das alle organisch chemischen Verbindungen(zirka 299 999) enthält, die überhaupt bekannt sind. Die Wahl beweist aufs neue das hohe An- sehen, dessen sich die deutsche Wissenschaft in der Chemie zu erfreuen hat. '— Eine Gesellschaft für Reform der Männer- k l e i d u n g ist soeben in Berlin gegründet worden. Sie erklärt die heutige Männerkleidung für unpraktisch, unschön und un« hygienisch und hat sich zum Ziel gesetzt, deren Reformbcdürftigkeit in der Oeffentlichkeit zu vertreten. Die Gesellschaft erblickt Ansätze zur Reform, die als Richtlinien dienen können, in der Sportkleidung und zum Teil in der Knabenkleidung. Sie sieht daher ins- besondere im Ersatz der langen Beinkleider durch die Kniehose und in einer einfachen, blusen- oder joppenähnlichcn Bekleidung deS Oberkörpers die Grundlagen künftiger Reformkleidung. Zuschriften sind an Herrn Jahn, Berlin W. 15, Württembergische Str. 27/28, zu richten. — DerKampfum 896. Ein nettes Gcschichtchen wird aus Odessa gemeldet. Hier haben die im städtischen Krankcnhause untergebrachten Syphiliskrankcn einen richtigen Streik proklamiert, weil die dortigen Aerzte der Salvasanbehandlung etwas skeptisch gegenüberstehen und sie nur in einem sehr beschränkten Umfange anwenden. Als die Kollektivproteste der Kranken keinen Erfolg zeitigten, beschlossen sie einfach, jeder anderen Behandlungsweise Widerstand zu leisten. Die Sache kam vor die Medizinalverwaltung, die ihrerseits die Krankenhausärzte angewiefen hat, auf keine Pro- teste zu achten und die BeHandlungsweise nach freiem Ermesse» jedesmal zu bestimmen. GeMSftSvericht (für 1910, und zwar den allgemeinen Bericht Herr Seberling- Hamburg. Die Zahl der Gesellschafter der G.-.E.-G stieg im Jahre 1910 auf 675 gegen 633 im Jahre 1909. Der Warenumsatz stieg von 74 915 813,39 M. im Jahre 1909 auf 88 669 649,27 Mark, das Mehr beträgt also über 13Vj Millionen Mark. Die L ä g e r der Gesellschaft in Hamburg, Erfurt, Chemnitz» Berlin, Düsseldorf und Mannheim zeigt ein Bild stetig fortschreitender EntWickelung und Inanspruchnahme. chatte einen Mehr u m s a tz voin 144 027 Kilogramm zu verzeichnen, Die Kaffeerösterei hatte erfreulicherweise im Berichts- jähre einen Mehrum satz von 144 027 Kilogramm zu verzeichnen, der Gesamtumsatz betrug 1 698 161 Kilogramm. Der Warenbezug der G.-.E.-G. von genossenschaftlichen Organisationen des In- und Auslandes beziffert sich auf 3599 915 M. Alle diese Angaben sind Beweise des prächtigen Aufschlvungs der G.-.E.-G., die ein mäch- tiger Faktor im WirtschaftslebeÄ geworden ist. Geschäftsführer Lorenz-Haanburg berichtete nun über die Pro- duktionsbetriebe der Gesellschaft. Die genossenschaftliche Eigenproduktion für den organisierten Konsum in die Wege zu leiten, sei eine der wichtigsten Aufgaben der G.-.E.-G. Gelöst könne diese Aufgabe nur werden, wenn die Voraussetzungen für die Eigenproduktion: genügender zentralorganisierter Umsatz, die erforderlichen Betriebsmittel filr die Errichtung von durchaus modern eingerichteten Betriebsstätten, sowie die genossenschaftliche Einsicht und Treue der Konsumvereine vorhanden sind. Diese Voraussetzungen herbeizuführen, müsse deshalb das Bestreben aller fortschrittlich gesinnten Genossenschafter sein. In diesem Jahre fei die Gesellschaft zum ersten Male in der Lage, über die eigenen Produktionsbetriebe zu berichten. Die Zigarrenfabriken in Frankenberg, Hamburg und Hockenheim litten in der ersten Hälfte des Jahres noch stark unter den Wirkungen de? Tabakz olles. Der Umfatz betrug 30 113 Mille Zigarren, gegen 27 807 Mille bei der Tabakarbeitergenossenschaft, deren Fabriken die G.-.E.-G. übernahm. Der Mebrumsatz beschränkt sich aber fast ausschließlich auf die unteren Preislagen, der Umsatz bei den besseren Qualitäten ist zurückgegangen. Das ist die Wirkung des Tabakwertzolles. Die Leidtragenden dieses ZÄles find diejenigen Arbeiter, die bisher die besseren Sorten Zigarren angefertigt haben, und diejenigen Konsumenten, die ihren Erwerbs- Verhältnissen entsprechend nicht mehr in der Lage sind, die höheren Preise für die besseren Sorten zu zahlen.— Die Zahl der in den Zigarrenfabriken beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen beträgt 565 gegen 438 bei Beginn des Berichtsjahres, und die Ge- samtzahl der überhaupt von der G.-.E.-G. beschäftigten Personen stieg im Berichtsjahre von 334 auf 1155.— Die Seifenfabrik in Riesa hat ihren Betrieb im Juni aufgenommen. Im Juli betrug der Umsatz 59 336 Kilggramm oder 27 151 M., im Dezember aber 670 827 Kilogramm oder 325 744 M. An die Berichte schloß sich eine Debatte, in der auf die Not» wendigkeit hingewiesen wurde, daß alle Vereine ihre Wjaren von der G.-.E.-.G. beziehen. Nach dem Revisionsbericht des Herrn G a u ß- Stutt- gart ist bei der Revision alle? in bester Ordnung befunden worden. Er beantragt Entlastung der Geschäftsführer und des AufsichtsrateS. Diesem wird entsprochen; ebenso wird die Jahres- rechnung genehmigt. Der Revisor, Herr G a u ß, wurde wieder- gewählt. Der 1910 erzielte Reingewinn von 1 015 757,46 M.(gegen 852 681,92 M. im Vorjahre) wurde nach dem Vorschlage der Ge» ischäftsführer und des Aufsichtsrates verteilt. Dem Reservefonds wurden 46 852,55 M. und dem Dispositionsfonds 327 967,87 M. überwiesen. Der Reservefonds hat nun eine Höhe von über drei Millionen Mark erreicht, das sind über 150 Proz. der Anteile der Gesellschafter, also ein überaus günstiges Ergebnis. Die Generalversammlung stimmte ferner einem Antrag der Geschäftsführer und des Aufsichtsrates zu, nach dem die zum Zwecke der Errichtung neuer Produktiv nsbetriebe sich nötig machenden Neubauten— die auf dem Gelände der G.-E.°G. -in Riesa erstellt werden sollen— von der Generalversammlung bewilligt werden. Die Geschäftsführung und der Aufsichts- rat werden ermächtigt, die weiteren Maßnahmen zu treffen.— Die jetzt ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder Junger- Berlin, Koch- Leipzig, Hübner- Gersdorf, Marius» Remscheid und B e r n ha r d- Frankfurt a. M. wurden wiedergewählt. Hoff mann- Magdeburg neugewählt. Der lang- jährige Vorsitzende Kaltofen- Dresden hatte eine Wiederwahl wegen Krankheit abgelehnt. Nachmittag? 2 Uhr waren die Arbeiten der Generalversammlung beendet. pariamentarilcbes. Zweckvcrbandsgesetz Gro�-Berlin. Die Kommission deö Abgeordnetenhauses hat am Freitag früh zu den vom Herrenhause an dem Entwurf eines Zweckverbands- gesetzes für Groß-Berlin vorgenommenen Abänderungen Stellung genommen. An den Z 1 knüpfte sich eine Generaldebatte. Das Herren- haus hat hier einmal die Ziffer 4 gestrichen, wonach zu den Auf- gaben des Verbandes auch die Erwerbung von Flächen für den Bau vonKleinwohnungen gehört, und zweitens hat es den letzten Absatz gestrichen, wonach der Landkreis Ost- Havelland oder Teile desselben mit Zustimmung des Kreises durch Beschluß der VcrbandSversammlung mit dem Verbände ver- einigt werden können. Der Vertreter der Sozialdemokratie beantragt in beiden Teilen die Wiederherstellung der Beschlüsse des Abgeordnetenhauses, während die Vertreter des Zentrums nur insoweit die Wiederherstellung beantragten, als es sich um die Er- Werbung von Flächen für den Bau von Kleinwohnungen handelt. In der Debatte, die sich im wesentlichen um die W o h n u n g S- frage drehte, gaben die Redner der Konservativen, der Freikon- servativen und der Nationalliberalen zu, daß das Herrenhaus das Gesetz in mancher Hinsicht erheblich verschlechtert hat, sie erklärten sich aber im Interesse des Zustandekommens des Gesetze» mit den Beschlüssen des anderen Hauses einverstanden. Sämtliche Redner dieser Parteien vertraten die Ansicht, daß es nicht möglich sei, das Herrenhaus zu einer anderen Stellung zu bewegen, und oatz man deshalb am besten tue, mutig zurückzuweichen. Auch der Minister des Innern bat dringend, von Aenderungen Ab- stand zu nehmen; er bedauerte die Streichung der Ziffer 4, machte aber darauf aufmerksam, daß diese Streichung fast einstimmig er- folgt und dah auf eine Aenderung des Herrenhauses nicht zu rech- neu sei. Die Annahme des sozialdemokratischen An- träges würde mit dem Scheitern des Gesetzes identisch sein, die ganze Arbeit der Session wäre dann erfolglos. Auch möge man den Verband nicht von Anfang an mit Dingen belasten, die geeignet sind, seine Tätigkeit zu erschweren. Im übrigen werde die Regierung die Wohnungsfrage, deren Lösung sie für eine der dringendsten Aufgaben halte, nicht aus dem Auge lassen. Ein Red- ner der fortschrittlichen Volkspartei erklärte, daß seine Freunde grundsätzliche Gegner des Gesetzes seien, daß sie sich der Stellung von Anträgen zwar vorläufig enthalten, aber für Ver- besserungsanträge stimmen würden. Ein freikonservativer Redner wünsckte von der Regierung Auskunft darüber, ob ein Gesetz über die Wohnungsfürsorge für Groß-Berlin zu erwarten sei. Der. V e r t r et e r der Sozialdemokratie bedauerte die Verschlechterungen des Herrenhauses und wies darauf hin, daß die Erklärung der Regierung zur Wohnungsfrage n i ch t g e n ü g e. Die Lösung der Wohnungsfrage sei so wichtig, daß man die Ge> legenheit, wenigstens einen Anfang zu machen, nicht vorübergehen lassen dürfe. Ebenso notwendig sei die Einbeziehung von Teilen des Kreises Ost Havelland, der, soweit es sich z. B. um die Ufer der Havel handle, weit enger mit Berlin verbunden sei als die entfernteren Teile der Kreise Niederbarnim und Osthavelland. Nachdem der Minister nochmals erklärt hatte, daß die Regierung den Gedanken ihres Wohnungsgesetzentwurfs aus dem Jahre 1904 nicht fallen gelassen habe und bereit sei, den Gedanken weiter zu verfolgen, wies ein Redner des Zentrums auf die Bedeu- tung der Wohnungsfrage speziell für Groß-Berlin hin. Ein Mit- 8Iied der fortschrittlichen Volkspartei betonte, daß er 1t die sozialdemokratischen Anträge stimmen werde, namentlich auch für die Einbeziehung von Osthavelland. Sollte das abgelehnt werden, dann bitte er aber, daß die Regierung nicht erst dann ein Gesetz vorlegt, wenn der ganze Kreis Osthavclland einbezogen werden soll, sondern schon dann, wenn die Einbeziehung einzelner Orte unmittelbares Bedürfnis sei. Die Wohnungsfrage werde der Verband nicht lösen können. Gewiß seien in Berlin in hygieni- scher Beziehung Uebelstände auf dem Gebiet des Wohnungswesens vorhanden, aber es sei jetzt schon besser geworden, und vor allem sei es nicht schlimmer als in anderen Großstädten. Deshalb dürfe ein Wohnungsgesetz auf keineu Fall ein Ausnahmegesetz für Groß- Berlin sein. Ein Vertreter der Regierung bemerkte, so sehr die Regierung die Einfügung der Ziffer 4 begrüßt habe, so dürfe man doch diese Bestimmung nicht überschätzen. Weit wichtiger als der Bau von Wohnungen sei die Mitwirkung des Verbandes bei der Festsetzung von Baufluchtlinien, und in dieser Beziehung habe das Herren- haus Vorsorge getroffen. Das sozialdemokratische Mit- g l i e d erwiderte, daß auch er die Bestimmung nicht überschätze� ob der Verband etwas zur Linderung des WohnungSelends tun könne oder nicht, das hänge ganz von der Zusammensetzung der Ver- bandSversammlung al>. U eberwiege das hausagrarische Element, dann sei freilich nicht viel zu erwarten. Ein besonderes WohnungS- gesetz für Groß-Berlin sei nicht nötig, hier gelte eS, ganze Arbeit für den gesamten Ilmfang des Staates zu machen. Nachdem noch ein frcikonservatider Abgeordneter, um in der Wohnungsfrage prak- tisch vorzugehen, bei Groß-Berlin anzufangen empfohlen hatte, wurde die Generaldebatte geschlossen. Unter Ablehnung aller Anträge wurde 8 1 in der Fassung des Herrenhauses genehmigt. Auch der Rest des Gesetze? erfuhr gegenüber den Beschlüssen des Herren- Hauses keine Aenderung. ES lag nur noch ein einziger, von dem Vertreter der Sozialdemokratie ausgehender Antrag auf Wieder- Herstellung des 8$6 vor, der die Einsetzung eines sachverständigen Beirats aus Vertretern der Baukunst, des Verkehrswesens, der i(Nachdruck verboten.) Gornpm über die verhsltniiie In Europa und fluKrilia. Bon Fritz Kummer. l. Die Anwesenheit Samuel GomperS', des Präsidenten her American Federation of Labor, wird den deutschen Arbeitern noch in Erinnerung sein. Seinen zwölftvöchigen Aufenthalt in Europa hat, er dazu benutzt, die alte Welt wm Liderpool bis Neapel und vom Haag bis Budapest zu durchflügeln, und er hat dabei so tiefe Blicke in die politischen, wirtschaftlichen, sozialen, gewerkschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse der von ihm besuchten neun Länder getan, daß er damit ein Buch(S. Gompers: I-sdor in Europe and America) füllen konnte. Das Auffälligste am Buche Gompers' ist seine eherne Sicher- heit im Urteil. Neben den Eisenbahnfahrten und offiziellen Be- suchen blieb ihm doch kaum mehr als ein Dutzend ganzer Nach- «nittage zum eigentlichen Studium der vielgestaltigen, für den Landes- und Sprachfremden ungeheuer schwierigen Probleme, wie cS die politischen, wirtschaftlichen, gewerkschaftlichen und sozialen Verhältnisse von neun Ländern mit verschiedenen Rassen, anderen Gewohnheiten, mit tiefgehenden Unterschieden in Geschichte, Wirt- schaftlicher EntWickelung, Politik und Tradition sind. Aber da? hinderte den„großen alten Mann" nicht, über alles, was sich seinem Touristenauge zeigte, mit Autorität zu sprechen; seine Ten- lenzen sind apodiktisch, seine Schlußfolgerungen weder durch Zweifel noch durch Einschränkungen getrübt. Keckes Selbstbewußt- sein und Voreiligkeit im Urteil mag als Anmaßung buchstabiert, oder von einer Geistesbescljaffenheit, die jenseits von Gut und Böse liegt, hergeleitet werden. Allein, wer die„amerikanische Rasse", bekanntlich die„smarteste in der Welt" und den„größten Arbeiterführer, den die Welt jemals hervorgebracht hat", näher lennt, wird alles in Ordnung finden— oder auch nicht I Die Art der Darstellung GomperS' läßt es geboten erscheinen, einiges in Paranthes' einzuflechten: Der Amerikaner liebt sein Land allen anderen Ländern weit voran zu stellen. Bon der Güte und Ueberlegenheit seines Vater- Sandes ist er ehrlich überzeugt. Er glaubt Gründe genug dafür zu haben, Gründe, die der erfahrene Kenner allerdings auf eine mit Naivität gepaarte Unkenntnis zurückführt. Besonders dem„alten Land", seinen Einrichtungen und Leuten gegenüber tritt der amerikanische Patriot mit überlegener Miene, herablassenden Gesten, ranzigem Spott und Anmaßung auf.„Amerika erleuchtet die Welt!" Was kann von der alten Welt, wo es nur Untertanen und Herrscher, viel Dämlichkeit und keine Smaxjneß gibt, tvohl Beachtenswertes kommen? Der Aus- sprnch des biblischen Pharisäers rutscht unwillkürlich durch das Gehege seiner Speisetafel. Vom Auftreten des Fremdlings allem schon leitet der patriotische Schreihals seinen Glauben an die Berechtigung seiner und seines Landes Ueberlegenheit ab: Die Einwanderer kommen mittellos, ohne Kenntnis der Sprache und der Verhältnisse an. Dieser Mangel zeitigt bei ihnen eine Schwäche des moralischen Mutes, Unsicherheit im Auf- treten, und nimmt ihnen die Lust und die Möglichkeit, mit den patriotischen Prahlhänsen zu rechten. Der leere Geldbeutel und hohle Magen zwingen sie gebieterisch, willig, fügsam, nachgiebig und verträglich zu sein. Dies« Fügsamkeit, die Unlust zum Wider- tand toerdeu als Merkmale europäischer Rückständigkeit, als Pro- dukte einer im Untertanenverhaltnis gewordenen Entwickelung angesehen. Solchen armen Teufeln von Einwanderern gegenüber bleibt der zunaenbetvehrte Eingeborene natürlich Sieger. Das Großschnauzentum ist auf der Ostseite der Union noch stärker als auf der Westseite, in den(schnell emporgekommenen) Nittelschichten noch mehr als bei der Arbeiterklasse zu finden. Aber dieser Unterschied will nicht allzuviel besagen. Denn auch in den Fabriken und Unionstempeln zeigt es sich weit über das erträgliche Maß hinaus. So ziemlich alle Einwanderer wissen lavon ein gallenbitteres Lied zu singen. Ein aus der Art gc- chlagener Fremdling, d. i. einer, der Behauptungen Zweifel, leberhebungen Kritik, patriotischem Geschrei unpatriotischen Spott entgegensetzt, hat bald einen mit Spucksalven und noch saftigeren Goddams arbeitenden Feind mehr. Die Manie des Prahlens entbehrt ganz gewiß nicht der Komik. Wer Lust und das Zeug dazu hat, mit den Mnkees auf ihrem vielgeliebten Fcchtboden ein Sträußchen auszufechten, wird heitere Erinnerungen sammeln können. Am Ende überwältigt ihn die Unschuld oder Naivität einer Partner, und er kann ihnen nicht mehr gram sein. Der Psychologie des Uankeetums hätte auch unser öfter- reichischer Genosse H u e b e r Rechnung tragen sollen, als er auf der internationalen Konferenz der Gewerkschafts« ekretäre in Paris Gomper« an den Wagen fuhr. Wie komne er sich nur unterstehen, den amerikanischen Trade-UnionismuS zu kritisieren, seine Erfolge und Ueberlegenheit zu benörgeln, und die Nichtigkeit seiner Politik anzuzweifeln! Diese Vermessenheit wird prompt gerochen durch Aufzählung aller der ungalanten Be- merkungen, die einige Pariser Blätter, fast alle halb und ganz özialistenfeindlich. an seine, Huebers, Rede knüpften. Und dann wird auch noch, nachdem die Stärke der österreichischen Gewerk- chaften an der der amerikanischen gemessen worden ist— ein Ver- gleich, der, wie natürlich, in ein Lob der letzteren ausklingt— in )em Buche gesagt:„Für den amerikanischen Beobachter wird sich an diese statistische Aufstellung der österreichtschen Gewerkschaften insofern eine Bedeutung knüpfen, als auf der internationalen Ge- Werlschaftskonferenz zu Paris der österreichische Delegierte der Volkswirtschaft und des Gesundheitswesens vorsieht. Der Antrag fand vor den Augen der Mehrheit keine Gnade. Im Interesse der Besckleunigung der Verabschiedung des Ge- setzes, das am 1. April nächsten Jahres in Kraft treten soll, wird sogar von einer schriftlichen Berichterstattung abgesehen. Die Mehr- heit will, daß die Vorlage schon am Montag vom Plenum beraten wird._ Hus Induftrie und FfondeL Steigende Erträgnisse von Ban-«nd Terraingesellschafte«. 149 in der Form von Aktiengesellschaften bestehende Bau- und Terraingesellschatten haben in den ersten vier Monaten dieses Jahres ihre Gewinnergebnisse so veröffentlicht, daß sich die Gewinne resp. Verluste denen des Vorjahres gegenüberstellen lassen. Es schlössen im Jahre 1909 mit einem Reingewinn 118 Bau- und Terrain» gesellschaften ab, mit Verlust arbeiteten 31. Die Summe des Rein- gewinn« belief sich bei den 118 Gesellschaften auf ein gesamtes Aktienkapital von 204,74 Millionen M. am 24,12 Millionen M.. während die 31 Verlustgesellschaften auf ein Aktienkapital von 42,17 Millionen M. insgesamt 4,80 Millionen Mark Verlust zu verzeichnen hatten. Im Jahre 1910 hat sich das Bild sehr günstig verändert; die Zahl der gewinnbringenden Gesellschaften nahm von 118 auf 123 zu, die der verlustbringenden sank von 31 auf 26. Der Rein- gewinn betrug im Jahre 19!0 bei den 123 Gesellschaften mit 219,70 Millionen Mark Aktienkapital 27,13 Millionen Mark, der Verlust stellte sich bei den 26 Gesellschaften mit 34,40 Millionen Mark Aktien» kapital auf 5,24 Millionen. Bei den mit Gewinn arbeitenden Ge- sellschaften stellten sich für die beiden letzten Jahre die einschlägigen Ziffern wie folgt: SS ÄÄ" ,n m. 1900 1910 1909 1910 1909 1910 Baugesellschaften. 60 62 51420 52891 6706320 6 328635 Terraingesellschasten 58 61 153319 166821 18398461 20801853 Znsammen 118 123 204739 219712 24104781 27130483 Bei den mit Verlust abschließenden Gesellschaften gestalteten sich die Lbschlüffe folgendermaßen: W* ÄW««u»- w m. 1900 1910 1009 1910 1909 1910 Ballgesellschaften. 8 6 3 309 3 213 918506 1 207591 Terraingesellschasten 23 20 38867 31183 3881440 4035051 Zusammen 31 26 42166 34396 4799946 5242642 Insgesamt ergibt sich für 149 Geselltchasten mit einem von 246,91 auf 254,11 Millioneir Marl erhöyten Aktienkapital im Jahre 1910 ein Geivinniiberschiiß von 21,89 Millionen Mark gegen 19,30 Millionen im Jahre 1909. Er ist also von 1909 auf 1910 um 13>/z Proz. ge- stiegen. Trotz der Zunahme der Verlustsumme hat sich der lieber- schuß noch kräftig gehoben. Besonders günstig haben die Terrain- gesellschaften abgeschnitten, während bei den Ballgesellschaften die Gewinnsteigerung weniger kräftig war. Bei ersteren ging der lieber» schuß von 14,52 Millionen Mark im Jabre 1909 auf 16,77 Millionen im Jahre 1910 hinauf, bei letzteren stieg er von 4,79 auf 5,12 Millionen. Mit einer bemerkenswerten Gewinnsteigerung ragen unter den Terraingesellschasten die Terraingesellschaft Berlin und Vororte, die Zehlcndorf-West-Terrain-A.-G., die Heilmannsche Immobilien- ?esellschaft München, sowie die Hannoversche Jmmobiliengesellschaft ervor._ Gemischte Werke. Der Prozeß der Vereinigung von Hüttenwerken mit Kohlen» zechen nimmt seinen unaufhaltbaren Fortgang. Augenblicklich vev- handeln die Eisenwerke Buderus mit der Bergbaugesellschast Maße« über eine Vereinigung der Betriebe. Damit schwindet aus dem Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat wieder eine Zeche und dem Syndikat geht mit den Buderusschen Eisenwerken wieder ein Ab- nehmer verloren. Auf die Bedingungen der Fusion wird erst dann näher einzugehen sein, wenn sie genau festgestellt worden sind, waS gegenwärtig noch nicht der Fall ist. Augenblicklich verdienen nur die allgemeinen volkswirtschaftlichen Gesichtspunkte der Veveini» gung hervorgehoben zu werden: Die Buderusschen Eisenwerke stellen in erster Linie Roheisen her und verbrauchen dazu eine be- deutende Menge Koks. Sie haben alljährlich in ihrem Geschäfts- bericht schon darüber geklagt, daß sie bei den hohen Preisforderun- gen des Kohlensyndikats keinen Gewinn mehr erzielen können. Auf der anderen Seite hat die Bergbaugesellschaft Maßen unter der Ungunst der Verhältnisse der reinen Zechen sehr zu leiden gehabt. Daher war eine Fusion sofort gegeben, sobald sich nur die Ver- waltungen und Großaktionäre über das Umtauschverhältnis klar geworden waren. In der Regel verderben die Aktionäre und die Börsenspekulation solche technisch nützlichen Pläne dadurch, daß sie in übereiltem Optimismus die Kurse derart in die Höhe setzen, daß dann kein« Einigung mehr erzielt werden kann. Bei der in Rede stehenden Vereinigung ist zu bemerken, daß dem neuen ge- herbste und beharrlichste Kritiker der„konservativen" Politik der amerikanischen Unions war." Leider ist aus dem Buche nicht zu ersehen, wie GomperS über jene Arbetterversammlung in Berlin, wo er inter. pelliert wurde, denkt. Diese Veranstaltung zu seinem Empfang muß ohne jede Bedeutung gewesen sein, denn sonst hätte sie GomperS auf keinen Fall in seiner sonst sehr detaillierten Bericht- erstattung übersehen.— Amerika ist das am meisten entdeckte Land unter der Sonne. So ziemlich jeder Reisende llsaubt seine Pflicht nicht ganz erfüllt zu haben, wenn er die neue Welt nicht beschreibt. Die Zeit zwischen Tocqueville und James Bryce hat einen recht hohen Berg Bücher, zum Teil sehr gründliche Werke über die Vereinigten Staaten ge- bracht, von den ständigen Zeitungskarressondenzen gar nicht zu reden. Heber die allgemeinen Verhältinsse der Union ist daS lesende Publikum Europas gut unterrichtet, man möchte fast sagen, besser als die Amerikaner selbst. Umgekehrt liegen die Dinge viel ungünstiger, ein Zustand, der zum Teil in der größeren Schwierigkeit seine Erklärung hat. Ernste Werke über die vielgestaltigen Verhältnisse der europaischen Länder sind in Amerika relativ selten, und was davon vorhanden ist, wird wenig gelesen. Viele der billigen Tageszeitungen bringen in ihren Sonntagsausgaben zwar ständig eiv- Seite Mit„Ncuig- kciten aus dem alten Land". Aber diese Berichte sind, von spar- lichcn Ausnahmen abgesehen, derart verdrehte Stimmungsbilder, oberseichte Tarstellungen, dämlicher Hofklatsch, ekelhaste VerHerr- lichungen der Potentaten und ihres Geschmeißes, daß selbst die deutschen General- und Lokalanzeiger sie aufzunehmen nicht wagen könnten. Diese„Neuigkeiten" bilden für breite Schichten des arbeitenden Volkes die einzige Kenntnisquellc. Wenn man sie ständig liest, so muß man gezwungenermaßen zu der Ansicht kommen, daß es in Europa neben den gekrönten Häuptern und ihren Frauen kaum noch etwas gäbe, was der Beschreibung wert ei. Wie das arbeitende Volk lebt und streitet, wie es strebt, sich ulturell und wirtschaftlich zu heben, wie es gegen den feudalen Druck und die politische Reaktion und wirtschaftliche Knechtung ankämpft und darin Fortschritte macht, davon weiß der Durch- schnittSamerikaner herzlich wenig. Nun ist hierin allerdings in oer allerletzten Zeit eine merkliche Besserung eingetreten, dank dem regere» Verkehr und Meinungsaustausch mit der alten Welt. Zu- meist sind es wiederum Europäer, die sich an die schwierige Auf- gäbe machen, den Landsleuten ihrer Wahl die alte Heimat geistig näher zu bringen, die versuchen, die tiefeingcfressenen Vorurteile und falschen Meinungen zu beseitigen. Schade nur. daß ihre Werke dorthin den Weg am seltensten finden, wo sie am allernot- wendigsten sind, auf den Lcsetisch deS Arbeiters. To liegt Grund und Bedürfnis, Aufklärung über die Lage und Kämpfe der europäischen Arbeiter zu schaffen, in Amerika genug vor. Bor allem sind Berichte nötig von Arbeitern über die mischten Werk die Vorlelle der Hüttenzechen Im gegenKZrtigen Syndikat nicht zukommen, da Matzen bisher eine reine Zeche und Buderus ein reines Eisenwerk war. Die künftige Gesellschaft mutz also den Äoksbezug für die Hütten beim Syndikat versteuern, und zwar mit der hohen Umlage, die gegenwärtig erhoben wird. Doch genietzt die Gesellsrbaft bei einer Erneuerung des Syndikats dann alle Borteile der Hüttenzechen, die ihnen in einem eventuellen neuen Verträge zukommen werden. Soziales. Die Gewerbeinspektion für Mecklenburg-Schwerin hat ihren Bericht für das Jahr 1310 erscheinen lassen. Wie sich das für das Junkerland Mecklenburg versteht, verzichtet der Ge- Werbeinspektor darauf, Ausführungen allgemeiner Art zu machen. Er bietet in seinem Bericht eine reine Rechcnarbeit über Tat- sächlichkeiten. Tie„exakte Forschung" des hinreichend bekannten Rostocker Professors Ehrenbcrg kann also damit zufrieden sein. Soviel aber geht aus den Berichtszahlen doch hervor, daß die mecklenburgische Gewerbeinspektion völlig unzureichend ist. Denn von 8838 revisionspflichtigen Betrieben mit 27 OSS Arbeitern wurden nur 957 mit 17 758 Arbeitern kontrolliert. Die Sucht nach billigem Menschenfleisch teilen die mecklenburgischen Unter- nehmer mit ihren Kollegen in anderen Bundesstaaten. Der Be- richt des Gewerbeinspektors mutz konstatieren, datz die Zahl der Klrbcit«rinncn, die über 16 Jahre alt sind, sich um etwas über 5 Proz. vermehrt hat; die Zahl der jugendlichen Arbeiter hat gar eine Zunahme um 15 Proz. erfahren. Eine Besserung der Lebens- Haltung der mecklenburgischen Arbeiter kann der Gewerbeinspektor nicht konstatieren, vielmehr führt er aus, datz„die wirtschaftliche Lage der Arbeiterschaft sich gegen das Vorjahr wenig geändert hat". Die junkerliche Finanzreform quittiert der Bericht mit diesen Zeilen:«In der Zigarrenindustrie hat die neue Steuer in einigen Fällen zur Kürzung der Arbeitszeit, Entlassung oder völligen Aufgabe der meist wenig umfangreichen Betriebe bei- getragen." Versammlungen. Zum Lohnkampf im Bauklempnergewerbe Groh-Berlins nahm am Donnerstagabend eine allgemeine Mitgliederversamm- lung der Klempner Stellung, die in den Konkordia-Festsälen statt- fand. Der Referent Dietrich schilderte die Entstehung und den bisherigen Verlauf der Bewegung, die ja eine Fortsetzung des dreizehnwöchigen Kampfes vom Jahre 1909 ist. Damals brachte der Kampf den Arbeitern keinen Vorteil, aber auch die Unter- iiehmer erreichten ihre Absicht, den Arbeitern einen unannehm- baren Tarif aufzuzwingen, nicht. Die Arbeiter wollten die Be- wegung schon im vorigen Jahre von neuem aufnehmen, verschoben sie jedoch aus Rücksicht auf den Werftarbeiterstreik auf 1911. Ueber den Verlauf des diesjährigen Kampfes hat ja der„Vorwärts" seine Leser fortdauernd unterrichtet. Bezeichnend für die Absichten und Hoffnungen der Unternehmer ist ein Ausspruch, den der Ober- meister Mulack kurz nach Pfingsten dem Streikleiter Dietrich gegenüber getan hat. ES war bei einer Besprechung, die dadurch zustande gekommen war, datz Dietrich am zweiten Feiertag zu- fällig mit dem Schriftführer der Klempnerinnung, Herrn Grün- Wald, zusammengetroffen war und von diesem über den Streik befragt und veranlatzt wurde, Herrn Mulack aufzusuchen. Wenn aber der Schriftführer der Innung wirklich geglaubt hatte, datz nun eine Einigung möglich wäre, so zeigte es sich bei der Be- sprechung mit dem Obermeister sofort, datz man sich getäuscht hgtte. Herr Mulack sagte unter anderem ungefähr folgendes:„W i r sind fest überzeugt, datz wir die Kassen des Metallarbeiterverbandes nicht leermachen können; aber was wir wollen, da» ist, datz wir die einzelnen Streikenden in ihren Wirtschaft» lichen Verhältnissen so herunterbringen, �datz sie zur Arbeit kommen müssen." Die Streikenden sollen also gründlich ausgehungert werden, bis sie kommen und das Unternehmertum um Arbeit anbetteln und als Sklaven in daS Joch der Arbeit zurückkehren. Das möchten die Herren gar zu gern; aber es ist dafür gesorgt, datz der brutale Plan nicht gelingt. Wie die Streikenden fest im Kampfe aus- harren, so sind auch ihre arbeitenden Berufsgenossen bereit, alles aufzubieten, um ihnen den endlichen Sieg zu sichern. Das wurde auch in der Diskussion deutlich genug gesagt und überdies in einer einstimmig angenommenen Resolution zum Ausdruck gebracht. Um weiterhin auch für die Unterstützung der ausg est euer- ten Arbeitslosen im Bauklempnerberuf zu sorgen, wurde ein- stimmig beschlossen, freiwillige Beiträge zu leisten, wozu Marken im Werte von 59 Pf. herausgegeben werden unter der Lage ihrer europäischen Älassengenossen, da sie am besten wissen können, waS gebraucht wird und wie es interessant und dem Proletariat zugänglich zu machen ist. ES ist nur begreiflich, datz die Kund«, Gompcrs ginge studienhalber nach Europa, in weiten Kreisen des Trade-Unionismus Beifall und Hoffnungen auslöste. Ob sie aber in dem Buche Gompers' ihre Erwartungen erfüllt finden, mag füglich bezweifelt werden. Denn eS trägt— leider — zu sehr den Stempel der Voreingenommenheit. Bei der Lektüre leuchtet das Vorurteil durch alle Seiten. Und bei der Suche nach einem Versuch, die Verhältnisse der Länder der alten Welt als das Produkt Jahrhunderte alter Gewohnheiten. Sitten. Traditionen usw.. als das historisch Gewordene zu erklären, kommt man kaum auf seine Kosten. � Bei seiner vergleichenden Betrachtung der Arbeiterverhalt- nisse in Europa und Amerika lätzt Gompers erkennen, datz das halbe Jahrhundert, das er bald in den Gefilden des gankeetums sein mag, nicht spurlos an ihm vorübergegangen ist. Die Nei- gung, mit der Ueberlegenheit seines Landes zu prahlen, eine der hätzlichsten Eigenschaften der JankeeS, scheint bei ihm nicht schwächer entwickelt zu sein, wie beim erstbesten Festredner zum Nationalfeiertag. Auf vielen Seiten seines Buches zeigt sich die Tendenz, das„herrlichste Land auf Gottes weiter Erde", koste es, was es wolle, herauszustreichen. Und wenn jemand behaupten sollte, vah das ganze Buch nicht viel mehr als ein Versuch fei. den Schlutzsatz:„Amerika ist allen voranl" vorneweg zu beweisen, so würde es sehr schwierig sein, auf den 287 Seiten des Buches einen Gegenbeweis zu finden. Dies ist besonders wahr, wenn er die Gewerkichaftsbewegung dies- und jenseits des Ozeans vergleicht. Das Lob, das dem amerikanischen Trade-Unionismus»er- schwenderisch gespendet wird, kommt hier dem Selbstlob gleich. Aucb wenn man geneigt wäre, bei der Prüfung dieses Vergleiches die Selbstgefälligkeit als vollgültigen Milderungsgrund für die Ueberhebung des Eigenen gelten zu lassen, so bliebe immer noch ein Teil von Anmotzung— oder Ignoranz!—. an dem auch die größte Nachsicht nicht wortlos vorübergehen kann. Die deutsche Gewerkschaftsbewegung kommt dabei eigent- lich noch am besten weg. GomperS sagt:.... Die deutschen Ge- werkschaften von heute gceichen dem(amerikanischen) Trade- UnionismuS mehr als die irgendeines anderen Landes in Europa." Das soll nicht etwa eine Herabwürdigung, sondern es soll ein hohes Lob sein. Er glaubt allen Ernstes, damit die deutsche moderne Gewerkschaftsbewegung zu feiern. Ob wohl die klaffen- bewutzten Arbeiter Deutschlands ob dieser Auszeichnung sonderlich entzückt sein werden? Die Gewerkschaftsgenossen in anderen Landern werden wohl pie niedrige Einschätzung ihrer Organisation in Ergebenheit und ohne Gram zu tragen wissen. Eine nähere Betrachtung des amerikanischen Trade-UnioniSmuS wird ihnen ohne weltereS zeigen, datz sie sich, wie schwach an Zahl und Mitteln sie auch noch Voraussetzung, datz jeder arbeitende Kollege je nach seiner tvirk- schaftlichen Lage zwei oder mehr Marken wöchentlich nimmt. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Die Rohrleger und Helfer Berlins und Umgegend hielten am Donnerstag eine stark besuchte Branchenversammlung ab, die sich in der Hauptsache mit der Auge- legenheit K a m r a t h und Brandt bcfatzte. Bei den genannten Firmen haben die Mitglieder des Wiesenthalschen Verbandes die Arbeit niedergelegt. Der deutsche Metallarbeiterverband hat diese Arbeitsniederlegung nicht mitgemacht, da bei Brandt der Tarif des D. M.-V. seit November und bei Kamrath seit dem letzten Dienstag anerkannt und auch eingehalten wird. Die Veranlassung zur Ar- beitsniederlegung bei den beiden Firmen durch die Wiesenthaler ist, wie Hein als Berichterstatter kundtat, durchsichtig genug. Bei Kamrath verlangen die Wiesenthaler die Entlassung des Ver- trauensmannes vom D. M.-V., weil derselbe angeblich— Abfälle verkauft haben sollte. In Wirklichkeit ist der Grund darin zu suchen, datz der betreffende Vertrauensmann pflichtgemäß sein Amt ausübt. Bei Brandt wurde die Arbeit eingestellt, weil dort ein Mitglied des D. M.-V. den tarifmäßigen Lohn nicht erhalte. Für das ba- treffende Mitglied trifft dies nun allerdings insofern zu, als ddr Mann in einer Art Lehrlingsverhältnis steht, da er die Branche neu erlernt. Nun ist im Tarif des D. M.-V. eine Bestimmung über Lehrlinge überhaupt nicht vorgesehen, infolgedessen liegt keine Ver- anlassung vor, hier einzuschreiten. Ferner berichtete Hein noch über einen Fall aus Kattowitz, wo Wiesenthal ebenfalls in bekannter Manier gearbeitet hat. Dort traten am 8. Mai d. I. bei zwei Firmen die Heizungsmonteure, Installateure und Helfer in den Streik, um ein Tarifverhältnis her- beizuführen. Von den 33 Arbeitern gehörten 4 dem Wiesenthalschen Verbände, die übrigen dem D. M.-V. an, bezw. waren sie unorgani- siert. Einmütig hatten diese 33 Mann den Vorstand des D. M.-V. mit der Durchführung der Bewegung beauftragt. Nachdem bis zum 11. Mai alles gut und glatt vor sich ging, blieben die Wiesenthaler Plötzlich weg. Des Rätsels Lösung lag in der Ankunft WiesenthalS, der am selben Tage eine Versammlung einberief, zu der jedoch nur 21 Personen erschienen, darunter, abgesehen von den 4 Wiesen- thalern, keine Rohrleger und Helfer. Die Streikenden waren vev» nünftigerweise für diesen Zersplitterungsversuch nicht zu haben. Für das letztere sprach ein Tarifentwurf, den Wiesenthal den Fir- men unterbreitete. Es wurde ihm von den Inhabern aber bedeutet, datz man mit ihm nichts zu tun haben wolle. Nun hob Wiesenthal den Streik— den die Wies entHaler gar nicht beschlossen hatten— auf. Ehe jedoch dieser Beschlutz gefaßt wurde, hatte der D. M.-V. mit der einen Firma eine Verständigung auf günstiger und zu- friedenstellender Grundlage erzielt, desgleichen kurz nachher mit der anderen Firma. In der Diskussion nahm der Wiesenthaler W i I i p p da? Wort und erklärte am Schlüsse seiner Ausführungen, datz er das Ver- halten der Mitglieder des D. M.-V. anlätzlich der Arbeitsnieder- legung bei Brandt als Streikbruch bezeichnen müsse. U. a. sprach dann F i z i u s vom D. M.-V., der eine eingehende Darstellung des Sachverhalts gab und das Vorgehen des D. M.-V. als durchaus einwandfrei darstellte. Nach ihm nahm W i l i p p unter andauerndem Widerspruch noch einmal das Wort, um seine Ansicht zu verteidigen. Der nächste Redner vom D. M.-V. richtete an Wilipp die Frage, warum die Wiesenthaler gerade in dieser Firma das Fehlen von Wassereimern usw. zum Ausgangspunkt einer Arbeitsniederlegung machen, während sie sich in anderen Be- trieben angesichts weit größerer Mißstände ruhig verhalten? Der Zweck der Uebung sei eben zu durchsichtig. Hein ging nochmals auf die Vorwürfe W i l i p p S recht wirkungsvoll ein und erklärte, daß der D. M.-V. die Wiesenthaler zur Durchführung einer Bewegung nicht brauche, nur im Interesse der Gesamtheit und der Arbeiterbewegung wünsche er eine einheit- liehe, geschlossene Branche. Wenn Wilipp sage, sie hätten, ivären die Mitglieder des D. M.-V. mit in den Streik gegangen, denselben sofort, aber ausnahmsweise vom Nachweis für das Rohrleger- gewerbe Arbeit verschafft, so fühle er das Erniedrigende eines solchen Anerbietens wohl nicht. Der Vorwurf des Streikbruchs, von einem Verband ausgesprochen, der sich nach unserer Meinung zur gelben Gewerkschaft entwickelt hatte, pralle am D. M. V. wirkungs- loS ab.(Stürmischer Beifall.) In der Sache K a m r a t h nahm der Herr, der erschienen war, selbst das Wort. Er teilte den Sachverhalt folgendermaßen mit: Der Rohrleger von den Wiesenthalern, Levin, den er wegen Zuspät- kommens zur Rede stellte, sagte hierauf:„Meister, damit Sie sehen, datz ich nicht allein schlecht bin, will ich Ihnen sagen: Der Hampel (Vertrauensmann des D. M. V.) hat Abfälle verkauft!" Er, Kam» rath, sehe die Abfälle ja als sein Eigentum an, habe aber nichts da- gegen, wenn die Leute sie verkauften und den Erlös unter sich ver- teilten, nur sollten sie eS ihm mitteilen. Hampel sei übrigens ein sehr tüchtiger und patenter Arbeiter und er wünschte, immer solche Arbeiter zu haben. In seinen weiteren Ausführungen bestätigte er Wort für Wort daS, was Hein(D. M. V.) gesagt, vollinhaltlich. Das gleiche gilt von den folgenden Rednern. Nachdem er nochmals ge- redet und die Rede des Herrn Kamrath abzuschivächen versucht hatte, sein mögen, mit ihren Erfolgen, ihrer männlich-proletarischen Ge- sinnung, ihrem Klassenbewußtsein, ihrer Klarheit im Denken und Handeln und ihrem Einfluß auf daS öffentliche Leben getrost neben die American Federation of Labor stellen können. Gompers hatzt die Sozialdemokratie und alles, was mit ihr zusammenhängt. Das wird ihm nur der verdenken können, der nicht die vielen Gründe seines Hasses kennt: So ziem- lich alle seine Pläne und Taten werden von Sozialisten in gar- stiger Weise benöraelt. Insonderheit setzen sie seiner eigenartigen Betätigung des Klassenkampfes, seiner Politik mit den bürger- lichen(korrupten) Parteien und seiner Vereinigung mit dem in der Civtc Federation vertretenen Grotzkapitalisten heftigen Wider- stand entgegen. Datz aus diesen ständigen Scharmützelii kein liebe- volles Verständnis für die Sozialdemokratie, noch Freundschaft fiir ihre Anhänger sprietzen kann, versteht sich. Von Zeit zu Zeit hält Gompers, wenn gerade keine trag fähige Rednerbühne frei ist. im„Federationist", das Organ der American Federation of Labor, Strafpredigten gegen seine Widersacher und Widerlegungen der sozialistischen Theorie, die von beängstigender Gelehrsamkeit zeugen. Zu verlangen, datz diese Wortgefechte in strenger Esch- lichkeit ausgetragen werden, Ware unbillig. Die Oeffcntlichkeit ist darum auch nachsichtig, wenn er behauptet,(amerikanische) Sozialisten würden von Unternehmern mit Mitteln gespeist, die grundlegenden Gedanken Märiens seien die ollen Kamellen amerikanischer oder sonstiger Autoren, die Erfolge des Klassen- kampfes seien mehr als fragwürdig, und der Sozialismus sei ganz unamerikanisch und wurmstichig(unsound) obendrein. Unsere Genossen sind ungalant genug, an der Wahrheit dieser Be« hauptungen zu zweifeln. Als Beweis für die Ueberlegenheit der klassenbewußten Politik des Proletariats führen sie die Fort- schritte in den Ländern mit starker sozialistischer Bewegung, in erster Linie Deutschland an. Die andere Seite sucht daS Gegen- teil darzutun. Der simple UnionSmann mutz sich diesen diametral entgegen- gesetzten Behauptungen gegenüber vorkommen, wie BileamS Es«! zwischen den zwei Heubündeln. Die Unsicherheit, die Unmöglich- keit, eine klar« Meinung über die strittigen Fragen zu fassen, hat in trade-unionistischen Kreisen das Verlangen nach einer sachver- ständigen und gemeinverständlichen Darstellung der Partei-, Ge- werkschaftS- und Arbeitsverhältnisse Europas laut werden lassen. Sie können und werden nun, um ihren Mangel an Kenntnissen zu beheben, nach dem Buche GomperS' greifen. Ob sie darin ihre Erwartungen erfüllt finden? Ob sie damit eine unparteiische, von kundiger, nach Wahrheit strebender Feder geschriebene Darstellung der Verhältnisse der alten Welt, oder ein von Vorurteil, Anti- pathie und Gehässigkeit gemaltes Bild erhalten haben? Auf diese Fragen werden die Leser selbst am besten antworten können, wenn eine Anzahl Zitate aus dem Buche GomperS' ge- geben worden sind, was in den nächsten Artikeln geschehen soll. nahm dieser Work nochmals und löste kefchafle Cnlrüstüng cttrS, als er mitteilte, datz ein Wiesenthaler, den er einmal um Zeugnis in einer Klagesache gebeten hatte, ihm gesagt:„Wenn Sie nicht bewilligen, zeige ich Sie an wegen Meineidsverleitung, wir gehen über Leichenl" Hein erklärte zum Schluß, datz er überzeugt sei. datz Wiesenthal mit der denkbar größten Rücksichtslosigkeit vor- gehen würde._ Huö aller Sielt. Fortsetzung des deutschen RundflugeS. Nach achtägiger Pause, die durch Flugkonkurrenzen in K i e l ausgefüllt wurden, startete gestern früh ein Teil der Teilnehmer für die fünfte Etappe des Rundfluges. Die Fahrt ging von Kiel nach Lübeck, wo eine ZwangSzwischenlandung vorgesehen war. und von dort nach Lüneburg; insgesamt 147 Kilo- meter. Sieben Flieger waren startbereit. Als erster stieg kurz nach 4 Uhr morgens bei regnerischem Wetter Büchner aus, der in seinem Apparat einen Passagier mitführte. In kurzen Abständen folgten Lindpaintner(mit Passagier). Reichardt, Thelen, Schauenburg(mit Passagier) und Vollmöller, der gleichfalls mit Passagier flog. Nachdem der einsetzende Regen etwas nachgelassen hatte, stieg nach 5'/« Uhr noch König mit einem Passagier auf. Zur Zwischenlandung in Lübeck erschien als Erster Büchner, dann Lindpaintner. Vollmöller. Thelen. König hatte auf der Strecke Motordefett. der ihn zweimal zur Landung zwang. Erst um 19 Uhr vormittags traf er in Lübeck ein. Reichardt mutzte in Bosau und Schauenburg in der Nähe von Eutin niedergehen. Am Ziel in Lüneburg traf als Erster um 6 Uhr 19 Minuten morgend Lindpaintner ein, ihm folgte wenige Minuten später Büchner. AIS dritter langte Voll» möller an. Den Beschlutz machte Thelen, da König von Lübeck erst gegen abend weiterfliegen will. Zur Typhus-Epidemie in Schneidemühl. Dank der umfassenden Matznahmen der Sanitätskommission hat sich die Zahl der täglichen Erkrankungen bedeutend vermindert. Am Donnerstag wurden 2 4 P e r s o n e n in das städtische Krankenhaus eingeliefert, während am Freitag nur 15 Fälle an Typhus- Erkrankungen festgestellt worden sind. Der UeberwachungSdienst ist außerordentlich scharf und die Familien, in denen Typhus oder typhus» ähuliche Erkranlungen festgestellt worden sind, werden streng iwliert. Erfreulicberweise sind die Erkrankungen bisher nicht allzu schwer und die Aerzte hoffen fast alle Patienten, die im Krankenhaus oder in den Baracken Aufnahme gefunden haben, durchzubriugen. In den Kasernen ist bisher noch kein Fall von Typhuserkrankung fest» gestellt worden. Die Untersuchung nach den Ursachen der Er« krankung wird eifrig fottgesetzt. Es scheint, datz eine Molkerei au der Peripherie der Stadt trotz des strengen Verbotes aus einem in der Nähe belegenen Dorf, in dem die Maul- und Klauenseuche herrscht, Milch besorgen undso denTyPhus verbreitet hat. Die Panik in der Stadt hat sich gelegt, doch reisen noch täglich zahlreiche begüterte Familien ab, um eine An» steckung vorzubeugen. Die Schulen und ebenso einige Fabriken bleiben bis auf weiteres geschlossen. Eine Baucrngenosscnschaft in Schwierigkeiten. Die Bezugs- und Absatzgenossenschaft des Rheinische» Bauernvereins weist nach dem in der unter dem Vorsitz des Freiherrn von Los in Köln abgehaltenen Generalversammlung erstatteten Bericht über das verflossene Geschäftsjahr einen Ver- lust von 397 527 Mark und eine Schuld von 1167113 Mark bei der Rheinischen BauerngenossenschaftSkasse auf; ferner sind a n die Lieferanten noch 594 439 Mark zu zahlen, sodass sich eine Fehlsumme von nahezu zwei Millionen Mark ergibt. Nach den mit großer Mehrheit an» genommenen.SanierungS"vorschIägen verlieren die Mitglieder durch Zusammenlegen der Anteile im Verhältnis von 4 zu 1 von je 290 M. 150 M. Wenn solche Zustände in einer Arbeitergenossenschaft herrschien, wie hier in dem großen dem Zentrum nahestehenden Bauernverein. so möchten wir daS das Geschrei der bürgerlichen Presse nicht erleben._ Kleine Notizen. Die Oderschiffahrt lahmgelegt. Auf der kanalisierten Oderstrecke ist, wie die.Schlesische Ztg." meldet, gestern früh das Wehr bei der Neitzemllndung gebrochen, und daS Wasser abgeflossen. Die Oderschiffahrt ist lahmgelegt. Grubcnunfall in Obcrschlesien. Auf der Konkordiagrube bei Z a b r z e stürzten plötzlich Kohlenmassen in den Schacht, wodurch mehrere Bergleute verschüttet wurden. Der Bergmann Adamek konnte nur als Leiche geborgen werden. Einige Bergleute trugen Verletzungen davon. Schweres BootSuuglück. Im Hafen von Antwerpen kenterte gestern mittag ein dem Passagierverkehr dienendes Boot. daS mit 29 Personen besetzt war. Trotz aller Rettungsversuche sind acht Personen ertrunken. Cholera und Pest. Wegen der nicht mehr zu leugnenden Choleraerkrankungen in verschiedenen Orten Italiens, so in Venedig und Palermo, sind in den italienischen Grenzstationen B o r s i ch t»» matzregeln getroffen worden, um eine Verschleppung der Seuche zu verhindern.— In Odessa ist neuerlich wieder«in Pestfall bakteriologisch festgestellt worden. 9(1 M!M In Bildern, Löchern und Versen...... Bon(3. Stanöt ♦ W5 II. 2,50 Diese aktuelle politische Sakyre in Bild und Wort wird allen.Freunden unserer Polizei" viel vergnügen bereiten. Es ist ein ganz eigenartiges Wert, das überall großes Aufsehen erregen mutz. kuckkanälung Vorwärts Berlin SW. 68, Lindenstraffe 69(Laden)» D€DöööCxraoööOöX2><=: 3ÖQCÖ€3Ö0CÖ*0 KinderschUrzen farbig oder weiss, in verschiedenen Grössen........... durchweg Stück Ein Posten Russenkittel prima Stoffe, hübsch garniert," In 3 Grössen......... durchweg Stück 1.25 BeUe�Alliancestrasse lürschen Gr. Frankfurterstraue fl)&&¥ t.edGSHSMittSl �dtSSZUNg Z Cervefat- o.SalamiworsfeÄ 1,20 NusscbInkeflV..,...v.......pftmd 1.05 Schinkenspeck::.�.,.,,f:.rfBBd 90pt------------ � Blaubeeren. 32«; ...?wad 10} 25 ErdbeerenSß;..Pfand 25, 35 Schinkenecken XPftmü 65 Pt Kasseler S><£XÖ<£3X3<=~ -- 1 BrunnensTrssse Kottbuser Damm Junge Bohnen prsad 16pt Wirsingkohl 13«? Mohrrüben».».,..»,».»», a Bs&d IOp� Neue Kartoffeln Vü'f.Pfund 78 pt Spezial-Arzt für Haut- ond Harnleiden n« Dnnlro Rasenthaler Str. 70 Ul. rüp&CjSpr.S�, 6-9, Sonnt. 9-3 ist der schönste Ausflugsort? 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Verlagsanstalt Paul Singer».Co., Berlin SV/T" gt. 145, W-ZchMg. 2. Itilngi Ks Jotniiitts" ßctliim öolbliliitt. SsNabend, 24. fntii I9fl. Partei- Hngclcgcnbeitcm Zur Lokalliste! In Dabendorf T-B. steht uns das Lolal„Zum deutschen Kaiser", Jnh. Georg Wichmann, zu allen Veranstaltungen zur Verfügung.— Aus Mariendorf wird noch berichtet, da« die gute Absicht des des Herrn V. KiedrowSki. fein Lolal.Marienhöhe" allen Parteien ohne Unterschied zur Verfügung zu stellen, sehr schnell durch den Terrorismus der Scharfmacher zu Nichte geworden ist. Nachdem uns das Lolal für den 27. Juni zu einer Volksversammlung zur Verfügung gestellt war, kam am 20. Juni plötzlich von Herrn v. Kicdrowsli der Bescheid, dost er seine Zulage zurückziehen mühte. da ihm sonst der Mlitärbohkott bevorsteht. Pflicht aller Partei- genossen must es sein, den Saalabtreibern in Mariendorf daS Hand- werk zu legen. Rur solche Lokale dürfen besucht werden, deren Inhaber Rückgrat genug besitzen, diesem scharfmacherischen Treiben entgegenzutreten. In Dahme, KreiS Jüterbog-Luckenwalde. steht uns das Lokal von Kierdorf zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung. _ Die Lokalkommission. Gr.-Lichterfclde. Am Dienstag, den 27. Juni, abends 8 Uhr. im Lokal des Herrn Erpel. Gr.»Lichterselde«Süd. Berliner Str. 124, Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Sämtliche Mitglieder haben sich über die Zugehörigkeit zur Gewerkschaft und des Abonne- nients auf den„Vorwärts" auszuweisen.„VorwärtS"-Bestillungen nimmt H. Bernsee. Steglitz, Alsenstr. 5, entgegen. Der Borstand. Schmargendorf. Am Sonntag früh, 7 Uhr, Flugblattverbrei- tung. Treffpunkt: Gasthaus zum Lindenbaum. Mariendorf. Die Besucher des Botanischen Gartens treffen fich Sonntag, früh 9 Uhr am Bahnhof Mariendorf. Nachzügler am Bahnhof Steglitz 1l3\0 Uhr. Der Vorstand. Schmargendorf. Ain Sonntag, 25. Juni, früh 7>/z Uhr: Flugblattverbreitung vom Gastwirt A. Pötscher, Spandauer Str. 49 aus. Der Vorstand. Johannisthal. Die Genoffen und Genossinnen treffen fich Sonntag, früh 8 Uhr bei Artner. Kaiser Wilhelmstr. 48, um die Neu- anlagen der Konsnmgenoffenschaft in Lichtenberg zu besichtigen. Die Mitgliederversammlung de« Wahlvereins findet am Dienstag, den 27. Juni, abends 9 Uhr, bei Bieler, Friedrichstr. S, statt. Tagesordnung Vortrag über.Heinrich Heine". Referent: Genosse Erich Steuer. Gäste willkontmen. Der Vorstand. Britz-Buckow und Umgegend. Sonntag, den 25. Juni, nach- mittag 3 Uhr, öffentliche Versammlung unter freiem Himmel auf dem Grundstück des Gen. Karl Klein. Gastwirt in Buckow, Chaussee- straste 12. Tagesordnung:„Die politische Lage". Referent: Gen. E. B o e S k e. Britzer Genoffen, die sich daran beteiligen, treffen sich bei Gruhn. Britz, Chaufseestr. IS. Abmarsch 2 Uhr. In Buckow Sonntag früh 8 Uhr: Handzettelverbreituna. _ Der Einverufer. Berliner JVaebriebten. Die juristische Sprechstunde des„Vorwärts" fällt am heutigen Sonnabend a u S. Vom Montag, den 26. u n i bis einschl. Sonnabend, den 13. Juli, findet dieselbe in der Zeit von V'/e bis S'/i Uhr abends statt. Der Groß-Berliner HilfStag für Mutter und Kind, um den in den letzten Monaten und Wochen so viel gestritten worden ist. wird nun am 24. Juni für Berlin und am 25. Juni für die Bororte in Szene gehen. Das leitende Komitee der- öffentlicht in letzter Stunde noch einen Aufruf, der noch einmal die Besorgnis zerstreuen will, dost durch diese Veranstaltung da» soziale Gewissen der besitzenden Klaffe eingeschläfert werden solle. Ein Tag der Erwcckung, ein Tag der Schärf ung des sozialen Ge wissen» sei der Hilfstag für Mutter und Kind, aufgerufen werde das Gewiffen, um beizusteuern zur Linderung ihrer Not. Die Beisteuer will man bekanntlich erhebe» durch den V e r k a u von Blumen, von Margueriten, die jeder nach dem Grad seiner Zahlungsfähigkeit mit einem Betrag in fclbstgewählter Höhe be zahlen soll, ganz so. wie kürzlich bei dem Kornblumentag und bei den anderen Bluinentagen, die bereits stattgefunden haben. Für einen Groschen schon kann heute jedermann sich eine Schärfung seines sozialen Gewiffen» kaufen, für einen Groschen sich schmücken mit der ihm durch Mädchenhand überreichten Blume, di» er stolz als Quittung über die vollzogene GewifienSschärfung sich in« Knopfloch steckt. Diese Einwirkung auf das Gewiffen wollte man vor allem auch durch kinematographische Darstellungen der Nöte von Mutter und Kind herbeizuführen versuchen, so war eS im Verlauf der Debatten über den Plan de» Grosi-Berliner HilfStageS angelllndigt worden. Damals mußte angenommen werden, daß die Hilfstag-,.Kientöppe" sich an die gesamte Bevölker»>ng wenden würden. Zutritt haben aber fast nur diejenigen Personen erhalten. die am Hilsstag die Gabenbettelei betreiben sollen, die jungen Mädchen der besitzenden Klasse, die allerdings bisher einen sehr unzureichenden Begriff gehobt haben dürften, unter welcher Rot so manche Mutter und so manches Kind zu leiden hat. Die besitzlos« Klaffe bedarf solcher Belehrung nicht, sie braucht nicht ihr soziale» Gewissen erst erwecken und schärfen zu laffen durch de» Anblick kinematographischer Bilder der Rot oder durch die Mah- nuug blumenverkaufender junger Damen, die der Not mit Bettel» Pfennigen wehren zu lömien sich einbilden. Sie leimt die Not ohne dies, kennt sie au« eigener Anschauung und verspürt sie nur zu oft am eigenen Leihe. Sie erwartet aber nicht von Massenbetteleieu die Abhilfe, die aller Rot von Mutter und Kind ein Ende machen tonnte. Da» soziale Gewissen der besitzlosen Klasse ruft auf zum Kampf um die Befreiung der Arbeit ouS den gesseln des Kapitals, zum Kampf für Herbeiführung einer per-- nünftigeren und gerechteren Wirtschaft«» und Gesellschaftsordnung, in der e» keine Ausbeutung und leine Klaffen gibt. Wie stellt zu diesem Kampf fich die besitzend« Klaffe, die heute ihre Töchter mit Blumenkörben und Sammelbüchsen auf die Straße und in die Häuser schickt? Sie sucht mit allen Mitteln diejenige Wirtschafts» und Gesellschaftsordnung zu schützen und zu stützen, die ihr selber allen Reichtum und all« Macht sichert, der Arbeiterilasse aber alle Ohnmacht und alles Elend bringt. Und da verlangen diese „warmen Herzen", daß man ihren neuesten Wohltätigkeits- spart, den sie Hilfstag nennen, für ein echte»„Wert der Nächstenliebe" hält!_ Mit der Errichtung einer kommunalen Fachschul« für Kraftfahrzeug- führer beschäftigte sich gestern eine unter dem Vorsitz des Stadtschulratö Dr. Michaelis'tagende gemeinschaftlich« Sitzung von Vertretern der Genieinden Berlin, Charlottenburg. Schöneberg, Nixdorf und Grüne- Wald. Die ebenfalls eingeladene Gemeinde Wilmersdorf hat es aus- drücklich abgelehnt, sich an den Verhandlunaen zu beteiligen. Nachdem Stadtschulrat Dr. Michaeli««inen Ueberblick über die Vorgeschichte der geplanten Einrichtung gegeben hott», würben die allgemeinen Ge- IsichtSpunkte besprochen, welche für die Fachschule maßgebend sein sollten. Die Vertreter der Gemeinden stimmten für ihre Person im Prinzip den bei der Beratung gemachten Vorschlägen zu. Ins- besondere war man sich darin einig, daß der Bestand der Schule nur gesichert erscheine, wenn die Fachschule die Befugnis erlange, im Anschluß an die Kurse Prüfungen abzuhalten und ans Grund dieser Prüfungen Berechtigungsscheine für die Fahrzeug- führer auszustellen. Es wurde beschlossen, mit dem Verkehrsministe- rium darüber zu verhandeln, daß vom Staat beauftragte Vertreter zu den Priifungen entsendet werden und der Fachschule die Be- rechtigung zur Ausstellung von Führerscheinen erteilt wird. Zur Zeit werden diese Prüfungen vom Dampfkessclrevisions-Verein ab- gehalten. Hinsichtlich der durch die Fachschule entstehenden Kosten wurde die Bcrieilung nach der Einwohnerzahl und dem Steuer- aufkommen in den einzelnen Gemeinden in Aussicht genommen. Eine zweite Sitzung wird nach den Ferien stattfinden. Die Generalversammlung dcS Akticnvercins Zologischcr Garten befaßte sich mit dem Antrage, den Vorstand zu ermächtigen, den Vertrag mit der Ausstellungshallengesellschast, der zurzeit bis zum Jahre 194Ü noch läuft, bis 19ö6 zu verlängern. Zur Begründung führte der Vorsitzende des Aufsichtsrats Geheimrat Lucas aus, daß die Ausstellungshallen den Erwartungen ihrer Schöpfer nicht entsprochen haben, so daß sie sich zurzeit in einer finanziell schwierigen Lage befänden. Um existenzfähig zu bleiben, müssen sie ihr Ziel aus- dehnen. Dazu bedürften sie aber einer Reihe von Neueinrichtungen und Umbauten, die nur dann rentabel erscheinen, wen» der Verlrag auf weitere zehn Jahre verlängert werde. Der Aussichtsrat habe nach reislicher Erwägung geglaubt, die Forderung der Ansstellungs- hallcngesellschast berücksichtigen zu sollen. Die Debatte über diesen Punkt der Tagesordnung war zum Teil recht stürmisch, bis schließlich Geheimrat Oberfinanzrat Löhlein das Wort ergriff, um den Standpunkt der Regierung klarzulegen: Der Vertrag mit den Ausstellungshallen sei nicht nur vom Zoologischen Garten, sondern auch von der StaatSregierung geschlossen worden. Ursprünglich waltete die Meinimg ob, daß eS möglich sein loürde. eine große Halle für gemeinnützige Zwecke zu gewinnen; diese Idee habe sich indessen nicht verwirklichen lassen. ES handelt sich nun um die Frage, ob man die Gesellschaft in ihrem Schaden sitzen lassen solle. Die Staatsregierung war der Ansicht, daß man ihr eine Erleichterung schaffen müsse, zumal man sich von der Ucbemahme der Hallen durch den Zoologischen Garten selbst keine Vorteile versprach. Nach längerer Debatte wurde schließlich der Antrag mit einer Majorität von 25 Stimmen angenommen. Schließung einer Mädchcuklasse wegen Diphtherie. Die 7A- Klaffe der 1». Gemeindeschule für Mädchen in der Scharnhorststr. 12 ist gestern wegen Diphtheriiiserlrankung mehrerer Kinder dieser Klaffe auf die Dauer von 14 Tagen geschlossen worden. Auf deni- selben Grundstück befindet sicb auch die 48. Gemeindeschule für Knaben in welcher, auf verschiedene Klassen verteilt, ebenfalls Erkrankungen an Diphtheritis vereinzelt aufgetreten sind. Ob es notwendig wird, etwa die Knabenschule zeitweise zu schließen, hängt von dem Ergebnis des schleunigst eingeforderten nach den ministe riellen Bestimmungen vorgeschriebenen Gutachtens des Kreisarztes ab. Der zuständige Schularzt hat sich für Schließung beider Schulen ausgesprochen. Die Ferien deS Bezirksausschusses zu Berlin finden in der Zeit vom LI. Juli bis 1. September 1911 statt. In dieser Zeit dürfen Termine zur mündlichen Verhandlung der Regel nach nur in schleunigen Sachen abgehalten werden. Auf den Lauf der ge- setzlichen Fristen bleiben die Ferien ohne Einfluß. Berschärster Waffcngebrnuch der Berliner Schutzmannschaft. Offiziös wird gemeldet:„Die zahlreichen Gewalttätigkeiten gegen Schutzmänner im Dienst, die besonders in letzter Zeit zugenommen haben, haben den Polizeipräsidenten v. Jagow veranlaßt, die Be stimmungen über den Waffengebrauch(§ 8 der allgemeinen Dienst Vorschrift) dahin zu erläutern, daß die Beamten der Schutzmann schast, wenn Gewalt oder Tätlichkeit gegen sie selbst, während sie sich in AuSübnng ihres Dienstes befinden, verübt wird, berechtigt sind, in dazu geeigneten Fällen�, ohne vorherige Anwendung der Hiebwaffe, sofort von der Schußwaffe Gebrauch zu machen." Bisher lautete der Passus in dem§ 8:„Er darf sich der gefährlichen Waffe nur dann bedienen, wenn nach seiner Pflicht mäßigen Ueberzeugung die von»hin geführte, minder gefährliche Hiebwaffe nicht genügt." Man kann nichts dagegen einwenden, daß Polizeibeamte im Kam'pfe gegen Verbrecher in gefahrdrohender Situation sich mit ihren Waffen zu schützen suchen. Doch sollten die berufenen Stellen auch nicht verabsäumen, den Beamten das Gewissen zu schärfen, um die Waffe nicht dort anzuwenden, wo eS nicht dringend erforderlich ist. Daß unsere Mahnung nicht überflüssig ist, haben gerade die Ereignisse in Moabit gezeigt. Ein Zusammcusteß zwischen einem Straßenbahnwagen und einem Pferdeomnibus, bei welchem zwei Personen verletzt wurden, fand gestern vormittag gegen 11'/z Uhr vor dem Kriminalgericht in Alt-Moabit statt. Der PfcrdeomnibuS 910 der Linie 19 wollte einen Brauerwagen überholen und fuhr dabei un mittelbar vor einem herannahenden Straßenbahnwagen der Linie 10 (Richtung Beuffelstraßc) auf das Gleis. Der Führer de« Straßen- bahnwagens war nicht mehr in der Lage bremsen zu können und so erfolgte ein heftiger Zusammenstoß, wobei das Pferd des Omnibusses stürzte und unter den Vorderperron geriet. Es wurde dabei so schwer verletzt, daß es getötet werden mußte. Die Passagiere des Straßenbahnwagen« kamen mit dem Schreck davon. während zwei aus dem Hinterperron stehende Personen, eine in der Spenerstraße wohnende grau, sowie der Schaffner des Omnibusses auf das Straße itpfa st er geschleudert wurden. Die Passagierin erlitt eine leichte Gehirnerschütterung, während der Omnibusschaffner den rechten Arm brach. Die beiden Verletzten wurden nach dem nahe belegenen städtischen Krankenhause Moabit geschqfft, und erhielten hier die erste Hilfe. Borsicht vor Bersichcruilgsagcnten.' Auf Grund der unter obiger Neberschrif» im„Vorwärts" befprochenen Geschäftspraktiken einiger Bersichermiasogcnlen geht uns vom Verband der Bureauangestelllen und der Verwaltungsbeamten der Krankenkassen und Berufs- gcnosscnschaften Deutschlands, Ortsgruppe Groß-Berlin folgendes Schreiben zu: Es ist immer wieder darauf hinzuweisen, daß ins- besondere Arbeiter, ehe sie sich auf irgcndloclche Gespräche mit Agenten, Aguisitenren usw. einlassen, dieselben nach ihrer Zugehörig- keil zum Verband der Burcauangestellten prüfen. Dabei wird schon die Wahrnehmung gemacht worden sein, daß dann die Herren kneifen oder aber nur leere Ausflüchte benutzen, um eben nicht an ihre Pflicht erinnert zu Wordelt. Die großen Versicherungs- 'esellschaften verstehen es ja in ganz rigoroser Weise, von ihren Angestellten immer mehr Pflichtversicherungen zu verlangen, so daß eS den Leuten bald nicht niehr möglich wird, auch die von ihnen verlangten Abschlüsse zu bringen. Die sogenannten blauen Briefe der Direktionen schweben als DamokleS- chwert über jeden Angestellten. Hier gilt eS eben auch zu zeigen, daß die organisierte Arbeiterschaft auch nur mit organisierten Agenten, Akquisiteuren. Einnehmern usw. zu tun haben will. Würde letzteres mehr beachtet werden, würden sich erstens solche Schwindler nicht mehr in Arbeiterwohnuiigen wagen, und zweitens könnten die großen Gesellschaften auch nicht uuersüllbare Anforderungen an ihre Auge- stellten stellen. Im Interesse der organisierten Einnehmer sollten mit keinem Agenten, der kein SolidaritätZgefühl besitzt, auch keine Geschäfte abgeschloffen werden. Der Verband der Bureauan- gestellten ist bestrebt, gegen die Schwindelmanöver der Agenten an- znkämpfeii; dazu crbltten wir aber die Hilfe der organisierten Arbeiterschaft. In der letzten Sitzung der GrundeigcntumSdepntation wurde be- schloffen, nunmehr zwecks Erschließung der zum Verkauf stehenden Bauparzellen den Regulierungsarbeiten für die neue Berbindungs- stratze zwischen Kaiser-Friedrich-Straße und Donausiraße weitere Folge zu geben und zwar vorläufig unter Ausschaltung der in Aus- ficht genommenen Platzanlagen.— Der Vorsitzende teilte mit, daß die Regulierung der Straße 131 läng? des Bade- anstaltsgrundstücks demnächst in Angriff genommen wird.— Zur Ausschließung des Wohnviertels an der Saalestraße(Bahnhof Kaiser-Friedrich-Straße) beschloß die Deputation gleichfalls, die Regulierung der den städtischen Grundbesitz berührenden Straßen baldigst in Angriff zu nehmen.— Die von dem Landwirt Richard Schudoma angekauften Grundstücke in den Rüsterlaken sollen der Gartenverwaltung zur Anlegung einer Baumschule überlassen werden.— Die Laubenkolonie an der Straße 61 soll in städtische Regie übernommen werden. Ein unangenehmes Versehen hat sich vor peinigen Tagen in der Wöchnerinnenabteilung der kgl. Charit« zugetragen. Bor einiger Zeit wurde von der Berliner Kriminalpolizei eine aus drei Mitgliedern bestehende Bande internationaler HSteldiebe verhaftet, gegen die unter dem Rubrum Reumann und Genossen eine umfangreiche An- klage in nächster Zeit erhoben werden sollte. Zu der Bande, die in dem Moabiter Untersuchungsgefängnis in Haft fitzt, gehört auch eine Artistin Wittenberg, die sich auch Chansonette nennt. Diese wird wegen einer großen Anzahl ähnlicher Höteldiebstäble von mehreren österreichischen Gerichtsbehörden steckbrieflich verfolgt und sollte nach Verbüßung der hier gegen sie erkannten Strafe an Oesterreich ausgeliefert werden. In dem Moabiter UntersilchungS- gefängnis ergab es fich, daß die W. in anderen Umständen war und in etwa drei Monaten ihrer Niederkunft entgegensah. Auf An- ordnung des Untersuchungsrichters wurde die W. deshalb als Polizei- gefangene nach der Entbindungsanstalt der kgl. Charit« geschafft. Als dort vorgestern der Anwalt der Inhaftierten erschien, um mit der W. auf Grund der ihm erteilten Sprecherlaubnis Rücksprache zu nehmen, wurde ihm im Bureau der Charit« der überraschende Be- scheid zuteil, daß die W. entlassen sei. Da der An- Ivall dies für unmöglich hielt, erkundigte er sich bei dem Pflegepersonal der betreffenden Abteilung, welcher die W. überwiesen war. Es wurde ihm bestätigt, daß die W. einfach weggegangen sei mit dem Bemerken, daß sie ihren in der Friedrichstraße wohnenden Anwalt aufsuchen wolle. Seit dieser Zeit ist die Wittenberg spurlos verschwunden und konnte bisher nicht ausfindig gemacht werden. Dem Vernehmen nach soll die irrtümliche Entlassung auf das Versehen eines Ober- arzteS zurückzuführen sein, der den in den Begleitakten enthaltenen Vermerk„haftunsähig" falsch ausgelegt haben soll. Hiermit sollte natürlich nur gesagt werden, daß oie W. infolge ihres ZustandeS zu einer Haft in dem Untersuchungsgefängnis unfähig sei und in ein Krankenhaus gehöre. Wegen eines größeren DachstuhlbrantzeS wurde gestern früh um 3 Uhr die Feuerwehr nach der Prinzessinnenstraße 8 alarmiert. Dort stand der Dachftuhl des Vorderhauses in großer Ausdehnung in Flammen. Durch kräftiges Wassergeben gelang es der Wehr nach zweistündiger Tätigkeit, die Flammen, die an dem Hausrat der Mieler reiche Nahrung gefunden hatten, aus den Dachstuhl zu be» schränken. Die Entstehung des BrandcS ist nach nicht ermittelt. Bier Tage tot in der Wohnung gelegen hat der Kellner Gustav Völmer, ein Mann von 40 Jahren, der für sich allein in der Lange Straße 90 eine Dachstube bewohnte. Völmer war am vergangenen Sonntag im Hause zum letzten Male gesehen worden. Gestern morgen fand ein Briefträger, der ihm eine Rohrpostkarte bringen wollte, keinen Einlaß. Er wandte sich an den Hausverwalter, der auf das Dach stieg und den Mann tot auf seinem Bett liegen sah. Nunmehr ließ die Polizei das Zimmer öffnen und fand, daß die Leiche schon stark verwest war. Völmer hat etwas an Atemnot gelitten. t Plötzlich gestorben ist der 34 Jahre alte aus Prag gebürtige frühere Opernsänger Franz Geisler, der vor drei Wochen mit seiner Gattin hierher kam und in einem Hotel in der Friedrichstraße wohnte. Geisler besuchte am Donnerstag Nachmittag die Berliner Cemralkreditgesellschaft in der Köthener Straße. Dort brach er, nachdem er sich kaum gesetzt hatte, auf seinem Stuhl zusammen und verschied. Ein Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Ueder den engherzigen BureaukrattsmuS der Eisenbahnvcrwaltting werden immer wieder Klagen laut. So teilt uns ein Leser über seine Erfahrungen, die er am letzten Sonntag machte, folgendes mit: Am vergangenen Sonntag fuhr ich von Nixdorf nach StrauS- berg. Zunächst löste ich für 10 Pf. ein Billett nach dem Schlesischen Bahnhof, um von dort eine Karte für 55 Pf. nach Strausberg zu nehmen. Die Fahrt kostete also zusammen 65 Pf. Zur Rückfahrt wollte ich mir der Einfachheit wegen gleich ein Billett bis Rixdorf lösen; jetzt wurde ich aber von dem Schalterbeamteu dahin belehrt, daß das Billett 70 Pf. koste. Da mir diese Differenz im Fahrpreise nicht recht verständlich war, so löste ich wieder ein Billett für 65 Pf., welches bis Treptow galt, lim nicht noch einmal umsteigen zu müssen, fuhr ich mit dem Südring gleich durch bis Rixdorf. Wenn ich nun aber vorher glaubte, daß ich nur noch 10 Pf., den Betrag für die Strecke Treptow— Rixdorf. nachzahlen brauchte, so hatte ich mich getäuscht; mir wurde bald begreiflich gemacht, daß ich die Ivunderlichen Praktiken unserer Bahnverwaltunq völlig außer acht gelassen hatte. Ich mußte für die Strecke Treptow— Rixdorf in diesem Falle 15 Pf. bezahlen. Auf meine Einwendungen" erklärte der Beamte, daß ich in Treptow die Sperre passieren und alsdann «in 10 Pf.-Billett hätte lösen müssen, auf diese Weise wäre ich dann allerdings wieder mit 65 Pf. von Strausberg bis Stixdorf gefahren. Da der Beamte erklärte, daß es schon vielen Fahrgästen so gegangen sei. so dürfte dieser Fall für die Oeffentlichkeit von Interesse sein. Bei der Arbeit ins Wasser gestürzt und ertrunken ist am gestrigen Freitagnachmittag der 39jährige Arbeiter Artur EgeliuSli, Sqauer Straße 20a. wohnhaft. Auf der Museimisinsel werden gegenwärtig die Grundmauern für den Reubau dicht am Speeufer aufgeführt. E., der dort arbeitete, ging mit einer Mulde Steinen auf der Mauer entlang. Infolge eines Fehltritt» stürzte er plötzlich in die an dieser Stelle ziemlich tiefe Spree. Unglücklicherweise waren an dieser Stelle keine Arbeiter beschäftigt, so daß die Retter auf die Hilferufe des Unglücklichen zu spät kamen. Es gelang nur noch den leblosen Körper des E. ans Ufer zu bringen. Ein hinzugerufener Arzt stellte Wiederbelebungsversuche an. die jedoch ohne Erfolg blieben. Anläßlich des Provinzial-Sängersestes, das bekanntlich am letzten Sonntag vom Deutschen Arbeiter-Sängerbuud. Gau Berlin, in Neu- Nuppin veranstaltet wurde, hatten die Gegner alle Mittel an- gewendet, um da« Fest zu hintertreilzen. Zunächst versuchte man eS mit dem erprobten Mittel der Lokalllbtreibung. indem sofort über daS in Aussicht genommene Fcsilokal„Cafü Alfen" der Militärboykott verhängt wurde. Da daS Lokal jedoch erhalten blieb, machten sich die Gegner daran, die Dampfer, welche zum Ueberietzen»ach dem Festlokal gebraucht wurden, abzutreiben. Bei mehreren Besitzern hatten sie hiermit au» Erfolg, denn es fuhren statt der versprochenen 8 nur 2 Dampser. Bei etwas Geduld der Gäste genügten aber dleselben. Ein dritter Dampfer wollte am Nachmittag»och über- setzen, doch jetzt verzichteten die Sänger darauf. So konnte der Dampfer wieder zur Ruhe gebracht werde«. Sluch durch anderlueite Veranstaltungen bau Ausflügen sowie durch Verbot des Besuchs unserer Veronstaltuugeu suchten die Gegner daS Kest zu schädigen. Sie hatten aber auch damit wenig Glück, das Fest fand trotz aller Hindernisse unter zahlreicher Beteiligung statt. Schon am Sonnabendabend waren zahlreiche Sänger angelangt, der Haupttrupp rückte aber erst am Sonntag aus Berlin an. Nach stattgesundener Chorprobe versammelten sich die Säuger mittags zu einem stattlichen Fcstzuge. Nachmittags entwickelte sich im Festlokal ein reges Treiben. Selbst ein paar Gewitterregen vermochten dem nicht Einhalt zu tun. Bei den gesanglichen Aufführungen boten so- Wohl die Gesamtchöre wie auch die einzelnen Vereine ihr Bestes. Der Arbeitergcsangvcrein Neu-Ruppins konnte deinnach mit der Wirkung des Festes zufrieden sein. Ist auch das Häuflein noch klein, so wird doch die agitatorische Wirkung nicht ausbleiben, und auch die dortigen Arbeiter werden erkennen, wohin sie gehören.— Am Montag fand für diejenigen, die noch einen freien Tag hatten, eine Dampferfahrt nach der heerlich gelegenen Neu-Ruppiner Schweiz statt. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 25. Juni, vormittags 9 Uhr, Pappel-Allee Nr. IS— 17 und Rixdors, Jdealpassage: Freireligiöse Vorlesung. Vormittags 11 Uhr: Kleine Frankfurter Str. S: Vortrag von Herrn M. H. Baege:„Was ist MoniSmus." Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Slllgcmcine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter iE. tz. 29, Hamburg). Filiale Berlin 11 Sonntag, vorm. 10 Uhr, bei Nitzlc, Dennewitzjtr. 13: Bericht von der Generalvcriommlung— Filiale Baumichulenwea. Heute abend 8>/z Uhr bei Käding. Baumschulen- stratze K9: Neuwahl der'OrtSverwaltung.— Filiale Schönebcrg: Heute abend 8'/, Uhr bei Obst, Marlin-Luthcr-Slratze 51: Versammlung. General- Em der frauenbewegiincf» Frauen im österreichischen Wahlkampf. In der diesmaligen Wahlbewegung in Oesterreich waren nicht nur die sozialdemokratischen Frauen tätig, auch die bürgerlichen beteiligten sich vor allem in Wien an der Agitation. Vollständig verschwunden aus dem öffentlichen Leben Wiens ist das einstige „AmazonenkorpS" Dr. LuegerS. Der christliche Frauenbund spielt im Dasein der christlichsozialen Partei keine Rolle mehr. Wohl hat am Sonntag vor den Stichwahlen das Organ G e ß m a n n S an die sturmerprobten Frauenbataillone LuegerS appelliert, aber ohne Erfolg. Nur in wenigen Bezirken merkte man etwas von ihrer Existenz. Nicht einmal Versammlungen haben sie ab- gehalten, die christlichen Frauen, die einst aufforderten. Schmuck Juwelen, Perlen hinzugeben, um den christlichsozialen Wahlfonds zu stärken. Selbst das Schärflein vom„Körberlgeld' des Dienst- Mädchens haben sie einst, als sie zur Eroberung Wiens auszogen, in Anspruch genommen— und alles, alles ist verstummt.— Unsere Genossinnen haben in Wien etwa 30 Versaminlungen abgehalten und zahlreiche in der Provinz. In fast allen Kronländern waren Genossinnen als Rednerinnen tätig. Auch in den Wahlkomitees haben Frauen gearbeitet und mancher Genossin wird grosies Lob ob ihrer Umsicht und Energie gespendet. Auch ein Flugblatt an die Frauen wurde von der Partei herausgegeben, ebenso eine billige Agitationsbroschüre, die ziemlich stark verbreitet wurde.�� Die bürgerlichen freiheitlichen Frauen haben ihre Agitation für einige Kandidaten besonders entfaltet. So für alle jene, die sich für die politischen Rechte der Frauen ausgesprochen haben. Bei den Stich- wählen haben sie auch für die sozialdemokratischen Kandidaten einen Aufruf erlassen, weil es g e g e n die Chriftlichsozialen ging. Einer der gehässigsten Gegner der Frauenbewegung aus dem früheren Parlament, der„Edle" v. Stransky, der das Wort von der„schreck- lichsten aller Bewegungen", womit die Frauenbewegung gemeint war, prägte, ist gefallen. Bon ihm ist das Parlament gereinigt._ KOHSEGGEHHEESEEE««»«SSSASSAZsISSA-SsÄl Unserem Genossen und unserer Genossin Hugo und Berta Hoferichter zu ihrer Silberhochzelt 2391b die herzlichsten Glückwünsche. Die Genossen u. Genossinnen d. 619. Bezirks.| 56ee€««e»«sssssss. Unserem Genossen % SU Wilhelm Nagel nm Frau* Saarbrücker Strahe 33, die<>, _ herzlichsten Glückwünsche 9/ zur heutigen silbernen Hochzeit. Sj> - Oi« Genossen der Bezirke � 461 und 466. ii/ si> TpezialhauS für wenig getragene, fast neue Jackrtt-Anzügc, Rock- Zlnzüge, Gelirock- An- züge, Sinoking-Anzüge, Frack- Anzüge. Ulsterpaletots. Bein- kleider(auch für korpulente erreni, sowie Kellner-Jacketts, ' rackö. schwarze Tnchbosen. 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Mnirianon Gr- Franklurtor Str. 98 BlUlUlllJer,(Nähe Strausberger PI.) �MPStraBenbahn-Vergütung. WWlfTodes-Anzeigen�i�A — iiiiniini—in—— i—— nniirr— i---- SozialdemokratisehJahlverein Kreis NieMarnim. Am Mittwoch, den 21. Juni, ver- starb unser braver Genosse, der Schmied JUigust Böhm Tegel, Brunowstr. 50. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 25. Juni, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des GenckindesrieddoseS aus statt.» 2404b Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Die Bezirksleitung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metallarbeiter August Etölim am 21. d. MtS. am Herzleiden gestorben ist. Ghre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Soimtag, den 25. Juni, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Gcmcindc-KirchhoseS in Tegel, HermSdorscr Stratze, auS statt. Rege Beteiligung erwartet 1)8/19 Die Ortsverwaltnug. ItivsIiileii-lliilörstiltWgsIillssk d.8leinl!Meri!.MWdöi!. Die Beerdigung des am 22. Juni verstorbenen SteindruckerS Msx Ssnitan findet am Sonntag, den 25. Juni, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle der Zionsgemeinde in Nordend aus statt. 292/13 Das Komitee. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Tellnabine bei der Beerdigung meines lieben ManncS sage ich allen Bctci- ligtcn, insbesondere dem Metall- grbciter-Vcrband und den Kollegen der Firma Aichelc».Bochmann meinen Innigsten Dank. Witwe Anna Krüger. SozialdemokratiselLffaliMD Hieder-Baniiii). Bezirk Weißensee. In der Nacht vom Montag zum DicnStag, den 20. Juni, verstarb plötzlich in Fangschlcuse unser Mitglied, der Kellner Otto Horn im 45. Lebensjahre. Wir werden demselben ein dauerndes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 25. Juni, nach- mittags 4 Uhr, w Grünheide bei Erlner statt. 18/4 Dia Bezirksleitung WeiBensee. Am 22. d. M. verstarb plötzlich am Herzschlag mein innigst- geliebter Mann und lieber Vater BicIisimI Woite im 54. Lebensjahre. Die tiesbetrübten Hinterbliebenen Martha Woite geb. Reich. Ernst Woite. Beerdigung Sonntag, den 25. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Halle des St. Simeon- Kirchhofes in Britz. Zentral-Kranken- und Sterbekasse Ideutsehen Wagenbauer Nachruf. 257/13 Am 18. Juni verstarb unser Mitglied, der Arbeiter Kswß Kuhnke im Alter von 63 Jahren. Ehre seinem Andenken! Dia Ortsverwaltung Berlin VI. Allen Freunden, Bekannten und Kollegen die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwester und Schwägerin 2394b lMoüe Langner geb. Goerke am Mittwoch, 21. Juni, nachm. 4 Uhr, nach kurzem, schwerem Leiden sanst entschlafen ist. Im Namen der Hinterbliebenen: Karl Langner, Vergolder, Landsberger Str. 108. Die Beerdigung findet am Montag, den 26. Juni, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des städt. Zentral-Friedhoss in Friedrichzselde auS statt. £ iimHiUnusimnunii, MT Das gesamte Lagep des Kontektionsbauaes WESTMANN Mohrenstpasse 37a(nahe Jerusalemer Str.) �- Gp. FpankfiaPlSP Stp. IIS(nahe Andreasstr.) pJ im.Werte ▼on ca. MilllonJN. soll jetzt nach Möglichkeit i sw geräumt » werden. Zum Verkau' kommt nur die gediegenste Konfektion! Preisermässigung cum Teil bis auf die Hälfte, ein Drittel, b. Modell sogar bis auf ein Fünftel! Reinseidene Diiche>»seniäntel, jetzt von M. 26.«» bis W. 120.-. TAllmäntel von 40.- bis KX).—, Etamlne- mäntel auf Seide(für stärkste Figuren) ron öt>.— bis i50.—, Leinen-Kostüme von 71/, bis 55.—. Wetterfeste Loden-Kostüme von M. 20.— bis">5.—. Modell-Kostüme in grau Kammgarn(für starke Figuren). Reise-Kostüme ▼on 45.— bis 130,—. seidene Koxnomfintel von 15.— bis 42.— v Stanbmöntel von 6'i, bis 5tt.—. Lomcnrnäntcl von 4.— bis 46.—». Musselin- und Stiekerelklcider von 15,— bis 68,— t Reinseidene Fonlardklefdcr(Etamine. Voile, Epinglö). nach französischen Modellen. �6.—> bis 110.—. Röcke in Tuch, Lasting, Alpaka von 6.— bis VL—, Blusen in Eatist. Seide von 3.— bis 56.—. 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Hoffmann, Swinemiinder Straße 47. Gewählt wird in der Zeit von 9 bis 1 Uhr. Mitgliedsbuch legitimiert.—— Wer länger als drei Monate mit seinen Beiträgen restiert, hat kein Wahlrecht. 228/20*_ Per Vorstand._ Verband der Bneh- und Steindrnekerei-Pfsarbeiter und -Arbeiterinnen Deutschlands■ Srtsverwaltung Zerlin. Sonntag, den 23. Juni 1911, mittags 12 Uhr, in den Prachtsälen Nord-West sgroßer Saal), Wielefstraße 24 und Emdener Straße 41: Merordentliebe Mitglieder- Versammlung. TageS-Ordnun g: Die Ereignisse der letzten Wochen in den drei groHen Zeitungsbetrieben Scherl, Mosse und Ullstein u. Co. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht 27/14' Die Qrtsverwaltung. Anfang präzise 12'/, Uhr._ Mitgliedsbuch legitimiert. I» m RrbeitsnachtvetS: Berwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hos I. Amt 3. 123». CharitiatraBe 3. Hol III. Ami 3. 1987. Montag, den 26. Juni 1911: Z5 Bezirks-Versammlungen � Moabit* Xord-Wcet, Wielefftr. 21, abends Norden'. Ph»"»«• s»lv. Mkllerstrafte 142, abends 8'/, Uhr. RlXdOtf Hoppes Festsäle, Hermannstr. 49, abends 8'/, Uhr. Ltralan u. Rummelsburg: s�T'. Tagesordnung in allen Versauimlungen: Fsrtsttzimg der Kesirksverslimmtung vom 19. Juni. Mltglledshueh legitimiert. Die Versammlungen werden pünktlich eröffnet. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Montag, den 2«. Juni, abends pünktlich K'/z Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 38/39: Tersammlmig aller in den Metallschleifereien und galuanischen Anstalten beschäftigten Rollegen und Rolleginnen. TageS-Ordnung: 1. Bericht von der Verbands-Generalverfammlung in Mannhelm. 2. DiS- luifion. 3. Neuwahl des Branchenvertreters, sowie Ersatzwahlen zur Kom> Mission.— Tie Vertrauensleute werden ersucht, um S Uhr im Saale anwesend zu sein. In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung erwarten wir zahlreichen Besuch.— Mltglledshueh legitimiert. IM Cxlfrllsn. Montag, den 26. Juni 1911, abends 9 Uhr, Eewerkschaftshaus, Engelufer 13, Saal 4: -- Versauimlnii®' aller in dörtlereien beseb. Rollegen und Rolleginnen. Sag es«Ordnung: 1. Bericht vom Berbandstag. 2. Diskussion. 3. Ergänzungswahl der Agiiationslommission. 4. Verschiedenes.— Es wird erwartet, daß niemand in dieser Versammlung sehlt; alle müssen erscheinen. 113,20 Die Ortöverwaltnng. Rasseler 80?, ohne Knochen— auch bei einzelnen Psunden IT A X äi ohne 2403b F B äX Schwarte 2prd.9§pr.,6prd. 2.80. Versand nach auswärts bS Ps. franko. Iii pgstign vm! ktki8S smpfsdle: UN sere beliebte rohe Polnische 99 Ps. » SvIieMelMMt l.lö fS. FUiatcch FriedrichstraBe 245, .niCIdtU, Wilhelmstr. 109-110. Sporthemden. Blusen, Russenkittel, linaben-Waschi-Anzüge Spezialität: Original Kieler Waschkleidung Große Auswählt a □ Wafchechtt o o Bittige preiset Leineweber C» Köllnischer Aischmartt 4-5-5 Jnni, Zuli, Anaust Zz sonnteg«»ar»ca T— ld geoffaet. M. b. H.) Sonnabend, den 8. Juli 1911, abend« S'l, Uhr: Außniirdtiillilhk Gkneral- Irifmnntltttig im„Adlershofer Garten", Adlerahot,'BiSmarckstr. 60(am Bahnhol). TagrS- Ordnung: X06/4+ 1. Beschlußfasiung betreffend Liquidation der Genoffenschaft und An- schluß derselben an die Konsumgenossenschast von Berlin und Um- gegend. 2. Wahl von Liquidatoren. Anträge zur Außerordentlichen General-Versammlung mffffen bis zum 29. Juni in den Händen des Vorstandes sein. Mitgliedsbuch oder Legitimationskarte legitimiert. Her Vorstand. _ Hermann Hildebrandt. Wilhelm Kahl.__ KAVALIER beste Ledcrpuh'Cr&ne der Welt Gibt mühelos schönsten wafferfeften Hochglanz Macht das Leder geschmeidig weich und haltbar Färbt in der Näffe nicht ab. Niederlage in Berlin S.W. 68 Markgrafenftr.91 G.F.Müller-Telephon IV 10302. Geldnot ist ba« Uebel der jetzigen Zeit. Wollen Sie spare», so sparen Sie am rechten Aleck. 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Zu der Bekanntgabe des Magistrats. d«ß er eine vor- gängige Verständigung mit dem Hausmimsterium über die Unterwerfung der Besucher der Hofbühne unter die Lustbarkeitssteuer nicht für angemessen erachtet, führt Kämmerer Dr. Steiniger unter anderem aus: Um den Freun- den der Vorlage entgegenzukommen, hätten wir gern den angc- rateten Weg beschritten, aber wir waren nicht sicher, daß die Gegner die Vorlage annahmen, auch wenn die Hosbühnen zu- stimmten. Das Angehen der Hofbühnen war von Anfang an un° bequem und ist durch Ihre Verhandlungen nicht bequemer ge- worden. Ich habe es noch nicht erlebt, daß jemand, wenn man ihn vorher befragt, ob er eine neu einzuführende Steuer zahlen will, sich bereit dazu erklärt. Taktisch war es das einzig Richtige, eine Steuerordnung zu beschließen, die auch die Hosbühnen heranzieht, und dann abzuwarten, was geschieht. Diese Situation ist ganz erheblich verschlechtert worden..Die Stellungnahme der Herren hier hat unser Ansehen ganz gewaltig geschädigt.(Ohol-Rufe.) Die Würde der Selbstver- waltung mußte leiden,'wenn wir in der Weise an das Haus- Ministerium herantraten. Wie können wir erwarten, daß die Würde unserer Selbstverwaltung von andern geachtet wird, wenn wir selbst sie weniger achten? Nach diesen Ersahrungen ist mein Ver- trauen im Sinne fruchtbarer Arbeit behufs Schaffung neuer Ein- nahmequcllen auf dem Nullpunkt gesunken� Schuld an diesem Gange der Dinge ist auch die gewaltige Agitation in der Oeffentlichkeit ge- Wesen. Die Vorlage zurückziehen, können wir nicht; die Ver- antwortung wollen wir nicht übernehmen. Stadtv. Hcimann: Eine solche Rede in solchem Ton gegenüber �inem großen Teil der Versammlung habe ich in den zwölf Jahren meiner Mitgliedschaft noch nicht gehört.(Zustimmung.) Die noch- «nalige Ausschutzberatung am 24. April blieb in bezug auf den fraglichen Hauptpunkt gänzlich ergebnislos; wir erlebten da eine geradezu groteske Enttäuschung, indem der Kämmerer erklärte, er habe den Beschluß des Plenums gar nicht verstanden und erwarte erst vom Ausschutz Aufklärung. Seitdem sind wieder zwei Monate vergangen, ohne daß das geringste geschah. Darum haben wir am 8. Juni in der Sache interpelliert. Unterm 19. Juni erhalten wir die Antwort, daß der Magistrat die ihm„angesonnene" Verhandlung mit dem Hausministerium ablehnt! Ich hätte es weit richtiger gefunden, wenn der Magistrat ehrlich und offen die Vorlage zurückgezogen hätte. Statt dessen wirft er mit einem: „Mag draus werden, was da will", die Zügel zu Boden! Kaum je hat uns eine Vorlage soviel Schwierigkeiten gemacht; wie schwierig die Materie war, lehrt eine 80jährige Geschichte. Es wäre doch geradezu ungeheuerlich gewesen, private Unternehmer steuerlich zu treffen, aber die Hof- bühne frei zu lassen; darum mutzte diese letztere Frage vorweg erledigt werden. Daß die Würde der Selbstverwaltung leidet, wenn im.Hausministerium angefragt wird, ein solches Argument hätte ich von dieser Seite am allerwenigsten erwartet. A g i- tation ohne sachlichen Untergrund kann niemals Erfolg haben; hat aber unsere Agitation den Erfolg gehabt, diese Vorlage zum Scheitern zu bringen, so haben wir nie eine bessere Arbeit getan! (Beifall.) Stadtv. Cassel bewundert das diplomatische Geschick des Kämmerers, dem es fast darauf anzukommen scheine, daß diese Debatte sich nochmals mit allen ihren Schärfen wiederhole. Der Kümmerer habe doch beinahe eine Art Strafrede gehalten, nicht nur den Gegnern, sondern auch den Freunden der Vorlage. Auch für die letzteren sei die Heranziehung der königlichen Theater Vor- aussetzung ihrer Zustimmung gewesen. Es sei im höchsten Maße zweifelhaft, ob die Stadt Mittel besitze, die königlichen Theater zu zwingen, die Steuer von den Besuchern zu erheben. Darüber sollte der Magistrat Gewißheit schaffen; man habe kein Zwischen- stadium haben wollen, während dessen die Privattheater bezahlten, bis nach der Weigerung der königlichen Theater die Steuer wieder hätte aufgehoben werden müssen. Obwohl Weiterberatung keinen Zweck habe, ziehe der Magistrat die Vorlage nicht zurück; seine Gründe dafür seien unverständlich. Der Kämmerer entgegnet, daß die Sache nicht eher an die Ver- sammlung kommen konnte, denn zuerst habe er drei Wochen Urlaub gehabt und dann sei der Magistrat mit anderen wichtigen Vorlagen schwer belastet gewesen. Auch Bürgermeister Dr. Reicke sucht das Verhalten des Ma- gistrats noch weiter zu rechtfertigen. Zurückziehen könne der Magistrat die Vorlage nicht, denn er hätte sie damit für unzwcck- mätzig erklärt; hätte er m Proz. Einkommensteuerzuschlag beantragt, so wäre das auch als unfreundliche Handlung bezeichnet worden. Die verlangte Gewißheit sei überhaupt nicht zu geben oder zu verlangen. Der Bürgermeister entschuldigt dann quasi das Auftreten des Kämmerers mit seinem Temperament. In diesem Jahre werde ja aus der Vorlage nichts mehr werden. Stadtv. Körte befürwortet Ausschußberatung unter ausdrück- licher Billigung des Verhaltens und der Gründe des Magistrats. Etwas weniger lehrhaft hätte die Auslassung des Kämmerers ausfallen können. Stadtv. Max Schulz(N. L.): Aus der ganzen Debatte geht nur die Verlegenheit hervor, in die sich der Magistrat versetzt hat. Der Wechsclbalg der Lustbarkeitssteuer ist tot. Die Versammlung wird das Odium der Ablehnung gern auf sich nehmen. Das Katz- und-Maus-Spielen mit der Versammlung hat endlich ein Ende. Nicht unser Ansehen, sondern das Ansehen des Magistrats hat arg gelitten. Jeder in Berlin weiß, wie die Antwort bezüglich der Hvfbühne aus- fallen wird. Nachdem noch Stadtv. Dr. Nathan auf die Bedeutung der Frage der Deckung des Defizits von 1 Million hingewiesen und sein Erstaunen darüber ausgedrückt hat, daß angesichts dieser Sachlage der Magistrat so lange gezögert habe, der Stadtv. Ladewig eine mehr persönliche Abwehr gegen den Kämmerer vorgetragen hat, verbittet sich Stadtv. Roscnow, daß die Versammlung wie Schulbuben vom Kämmerer koramiert werde, und Stadtv. Dave(A. L.) in bezug auf letzteren Punkt mit anderen Worten dasselbe gesagt hat, wird nach dem Antrag K'ärte beschlossen. Schluß shll Uhr._ Gerichts- Zeitung. Die Duellaffäre Thyssen jun. fand heute vor dem Moabiter Strafrichtcr ihren Abschluß. Wegen Herausforderung zum Zweikampf hatte sich August Thyssen jun. vor der 5. Strafkammer des Landgerichts III. zu verantworten.— Wie noch erinnerlich sein dürste, waren zwischen Thyssen und dem Gene- ralbevollmächtigten Dr. Borchard Differenzen rein geschäftlicher Na. tur entstanden, die schließlich zu persönlichen Bemerkungen führten. Diese wiederum führten dazu, daß Dr. Borchard am 3. Februar im Bristol-Hotel Thyssen tätlich angriff und beleidigte. Thyssen erwiderte diesen Angriff mit einer Herausforderung zum Zwei- kämpf, die dem Dr. B. schon eine Stunde nach dem Vorfall über- bracht wurde. Die anfänglich schweren Bedingungen, die Thyssen gestellt hatte, wurden von dem Ehrengericht des Bezirkskommandos, dem Dr. B. unterstellt ist, gemildert, welches nur einen einmaligen Kugelwechsel für zulässig hielt. Der Zweikampf wurde jedoch im letzten Augenblick verhindert, da die Behörde hiervon Kenntnis er- halten hatte. In dem Augenblick, als Thyssen vom Esplanade- Hotel aus die Fahrt nach dem Grunewald, wo das Duell stattfinden sollte, antreten wollte, wurde er von dem Kriminalkommissar Schnellrath in Schutzhaft genommen und dem Dezernenten der Staatsanlvaltschaft zugeführt. Auf sein Ersuchen wurde Thyssen sofort wieder entlassen. Das Duell fand dann fünf Tage später in der Nähe von Rüdersdorf statr, wohin sich die Beteiligten in Auto- mobilen begeben hatten. Der einmalige Kugelwechsel verlief un- blutig.— Dr. Borchard wurde von dem Kriegsgericht wegen Zwei- kampfs zu 4 Monaten Festungshaft verurteilt, während die Anklage gegen Thyssen vor dem Zivilgericht erhoben wurde. Nach Eintritt in die Verhandlung gab Rechtsanwalt Dr. Philipp für den Ange- klagten folgende Erklärung ab: Mit Rücksicht darauf, daß nach dem Duell eine Aussöhnung stattgefunden hat, hält es Herr Thyssen nicht für zweckmäßig, in irgendeiner Form auf die Vorgeschichte zurück- zugreifen." Nach kurzer Beratung erkannte das Gericht auf die niedrigste gesetzliche Strafe von drei Monaten Festungshaft. Der Margolin-Prozeß. Das Reichsgericht hat gestern die Revisionen des Vermittlers Josef M a r g 0 l i n und der Sängerin Erna Fröhlich ver- warfen. Ersterer war am 2ö. April vom Schwurgericht zu Berlin wegen schwerer Urkundenfälschung und versuchten Betruges zu drei Jahren und sechs Monaten Zuchthaus, letztere wegen schwerer Ur- kundenfälschung zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis ver- urteilt worden. WasterstaudS-N-ichrtckiten der LandeSanstalt für Gewäsfertundc. mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau ')+ bedeutet Buchs,— Fall.—') Unterpegel. C9Xo: © ® ® ® ® ® (§) ® ® ® ® ® ® ® ® ® ® ® @ ® ® ® ® ® ®©®©®©®®©®®©®®®®®®®®®®®(2)®®®®®®®®®®®®®@@®®®®®®®®®®®©®®©®©®(oXoXo> Dauer bis 30. Juni SüisoiiHiismvkaiif Billiger Verkauf von Herren- und Knaben- teilweise erheblich Ufltcr Anzügen, Joppen, LJlster, �« g Mänteln, Pelerinen usw. 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Seit beinahe Vier Jahren haben die Gerichte aller Instanzen die Frage zu prüfen gehabt, ob durch die im„Vorwärts",„ H a m b u r- ger Echo",„Stettiner Volksboten" und„Hafen- a r b e i t e r" erfolgten Warnungen vor Zuzug von Ar- beitskräften nach dem Hamburger Hafen eine Verletzung des am 18. April 1907 von den Vertretern der Arbeitgeber und der Hafenarbeiter ratifizierten Vertrages erfolgt sei. Durch Verbandsbeschluh vom 28. Mai 1906 verweigerte die Mitgliedschaft der Schauerleute Hamburgs prinzipiell die Nachtarbeit und erklärte sich bereit,„nur" bis IDUHrabendsArbeitzu l e i st e n. Zunächst fanden die Reeder sich damit ab, aber im Winter 1906/07 behaupteten sie. ohne die Nachtarbeit nicht auskommen zu können, da ihr nicht genügend Arbeitskräfte zur Verfügung ständen, zumal die Arbeiter den Zuzug zu hindern trachteten. Die bedingungslose Wiederaufnahme der Nachtarbeit lehnten die Schauerleute ab, worauf diese vom Februar bis April 1907 ausgesperrt wurden. Es kam im April zu Verhandlungen, die mit der Annahme eines Vertrages endeten, wonach die Arbeiter sich vepflichteten: 1. zum Zusammenarbeiten mit den Nichtorganisierten, 2. zur Unterlassung jeglicher Störung dcS Zuzuges und jeder Belästigung der Zuziehen- den in Zeiten friedlicher Arbeitsverhältnisse im hiesigen Hafen, 3, zur Anerkennung einer Schichteinteilung und 4. zur Arbeit nach dem alten Tarif wie vor dem Beschluß der Schauerlcute über Verweigerung der Nachtarbeit bis zur eventuellen Einführung eines Schichtwechsels, Am 13. April erfolgte der Nachsah: „Falls die Verhandlungen mit den übrigen Instanzen bis zum !l. Oktober 1907 zur Einführung der Nachtschicht geführt haben, werden die Arbeitgeber in Verhandlungen über anderweitige Rege- lung der Nacht- und SonntagSarbeit mit den Arbeitern eintreten.' Die Arbeitgeber begruben trotzdem nicht die Kriegsaxt, sondern erließen in der inländischen Presse Anzeigen, um ihren Kon traktarbeiter stamm auf LOOOKöpfe zu komplettieren. Ende des Sommers und bis in den Herbst hinein herrschte im Hamburger Hafen eine große Arbeitsflaue, viele hundert Hafenarbeiter waren beschäftigungslos. Die erfolgten Warnungen vor Zuzug legte der Hafcnbetriebsvercin den Funktion nären Hähnel, Döring, Fendt und Häusler zur Last, ferner will er den Hafenarbeiterverband wie die Mitgliedschaft der Hamburger Schauerleute für den Schaden verantwortlich machen. In seiner Klage verlangte der Arbcitgeberverband die Feststellung, daß der zwischen den Parteien geschlossene Vertrag nicht am 1. Oktober 1907 erloschen ist. Ferner beantragte Kläger, die Beklagten zu ver urteilen, die Warnungen vor Zuzug zu unterlassen und die bo klagten Personen zur Vornahme dieser Handlungen zu verurteilen: Innerhalb drei Tage nach Rechtskraft des Urteil? die Redak äionen des„Vorwärts", des„Hamburger Echo" und des„Stettiner Volksboten" aufzufordern(l), den er- kennenden Teil des Urteils in ihrer nächsten, noch nicht abge schlossenen Nummer auf Kosten der Beklagten zu veröffentlichen, ferner den erkennenden Teil des Urteils ohne Auslassungen oder Zusätze im„Hafenarbeiter" aufzunehmen. Im Falle Nicht erfüllungen verlangt Kläger die Ermächtigung, den erkennenden Teil des Urteils in anderer geeigneter Weise zur Kenntnis der Hafenarbeiter und inländischen Arbeitsvermittelungen zu bringen und zwar bis zum Höchstbetrage von 3000 M. auf Kosten der hierfür als Gesamtschuldner haftenden Personen. Der Kläger behält sich außerdem die Geltendmachung weiteren Schadenersatzes vor, Die Beklagten erwiderten: 1. Sie hätten auf die Redaktionen der genannten Zeitungen keinen Einfluß, 2. sie hätten keine Kon traktarbeiter zur Kündigung gezwungen, 3. eS habe kein Arbeitermangel im Hafen geherrscht und 4. der Vertrag habe nur gelten sollen für Zeiten friedlicher Arbeitsverhältnisse, aber solche hätten nicht geherrscht. Nachdem eine einstweilige Verfügung zugunsten der Kläger ergangen, erließ am 4. Februar 1908 die Zivilkammer III des Landgerichts Hamburg ein Tellurteil, wonach die Klage gegen die Mitgliedschaft der Schauerleute zwar abgewiesen, im übri» gen aber den K l a ge a n s p r üch e n Folge gegeben wurde. Das Oberlandes Gericht verwarf die Berufung der Kläger und hob in einer späteren Entscheidung die Urteile der Vorinstanz auf und wies die ganze Klage kosten- pflichtig ab, weil kein Vertrag im Rechtssinne in Frage komme.« Das Reichsgericht gab aber der Revision der Kläger statt und verwies die Angelegenheit zur nochmaligen Verhandlung an einen anderen Senat des hanseatischen Oberlandcsgerichts zurück Die Klageabweisung gegen die Schauerleute blieb rechtskräftig. Das Oberlandesgericht hat sich inzwischen wiederholt mit der umfangreichen Sache beschäftigt und fällte am 22. Juni einen Eni- scheid, in dem die Klage des Hafenbetriebsvercins abermals in allen Teilen zurückgewiesen wurde! Vorort- l�admcktm Spandau. Die Angriffe de» Professors Dr. Eberstadt waren Gegenstand der Beratung der letzten Stadtverordnetenversammlung. Von den Stadtverordneten Lüdicke und Genossen lag folgender Antrag vor: „Die Versammlung wolle beschließen, den Magistrat um die Zu- stimmung zur Bildung einer gemischten Kommission zu ersuchen, welcher es obliegen soll: a) die Vorwürfe des Professors Dr. Eber- stadt in seinem Aufsätze in den„Preußischen Jahrbüchern" über „Wohnverhältnisse und Städtebau in Spandau" einer Untersuchung zu unterziehen; b) die geeigneten Maßnahmen gegen unbe» rechtigte Angriffe zu ergreifen." Der Zuhörerraum war nament» lich von Mitgliedern der Baugenossenschaft stark besucht. Da» Referat war anfänglich dem Mitantragsteller Stadtverordneten Grätsche!(freis.) übertragen. Dieser aber war nicht erschienen und hatte sein Ausbleiben entschuldigt. Statt seiner übernahm der fernere Mitantragstellcr Stadtverordneter und VerbandSvor- fitzender der Grundbcsitzervereine Justizrat Dr. Baumert(k.) das Referat. Man hatte hier aber den Bock zum Gärtner gemacht, denn statt sich strikte an den Antrag zu halten und eine Kom» Mission mit der Untersuchung der gemachten Vorwürfe zu empfehlen, ging der Referat auf die Angriffe selbst ein und fing an, dieselben zu widerlegen. Er bezeichnete die Darlegungen Ebcrstadts alS grundlose Verdächtigungen. Die Ausführungen E.S in den„Preußischen Jahrbüchern" gegen ihn, den Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung seien unwahr und folgedessen sei E. auch zu falschen Schlüssen gekommen. Ter hiesige Magistrat habe eine Unterlassungssünde begangen, indem er bei Abfassung de? Protokolls über die Ergebnisse der WohnungSuntersuchungS- kommission nicht vertreten war; unbedingt hätte der Magistrat das Material der Wohnungskommission nachprüfen müssen. Redner stellte dann sich und die Spandauer Hausbesitzer als die reinen unschuldigen Engel hin, die kein Wässerchen trüben können, und die ihre vornehmste Aufgabe darin sehen, mit ihren Mietern in Frieden zu leben.(Große Unruhe im Zuhörerraum.) Wenn in manchen Grundstücken so kleine Höfe sich befinden, so trage hieran die Baupolizeiordnung, aber nicht die Hausbesitzer die Schuld. Die Ausführungen des Referenten, der schließlich die Annahme des Antrages empfahl, gingen selbst dem Magistratsvertreter, Ober- bürgermeister Koeltze, über die Hutschnur. Er empfahl dem Refe reuten, wenn er künftig wieder einmal ein Referat halte, seine Nase vorher in die Akten zu st ecken, denn wenn der Referent in dieser Weise mit dem Professor Dr. Eberstadt ge- sprachen habe, dann dürfe man sich nicht wundern, daß dieser dem Magistrat Vorwürfe gemacht habe. Die dem Magistrat von Professor Dr. E. gemachten Vorwürfe der Parteilichkeit zugunsten der Hausbesitzer wies der Oberbürgermeister energisch zurück. Er sprach auch dem Artikelschreiber jedes Verständnis für eine prak tische Stadtverwaltung ab. Dieser könne wohl allgemeine Theorien, wie die Einfamilienhäuser, aufstellen, in der Praxis werde sich dies aber in einer Stadt nicht durchführen lassen. Ueber die Schritte, welche gegen den Artikelschreiber, der selber in Berlin, Bendlerstraße 29, 4 Treppen, wohne, unternommen werden sollen, werde ja die Kommission beraten; er vertrete aber heute schon den Standpunkt:„Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." In der Diskussion nahm auch Stadtverordneter Genosse Pieper das Wort, um den Hausbesitzern mal ihr Sündenregister in recht drastischer Weise vor Augen zu führen. Dr. Eberstadt habe zu einem Teile nicht unrecht, und das konnte er auch nicht haben, da er ja sein Material von berufenster Seite, nämlich vom Stadtverordneten Dr. Baumert, erhalten habe. Er und die folgenden Redner vertraten die Ansicht, daß sich die Angelegenheit zur Besprechung in Plenum noch nicht eigne. Man solle lieber erst der Kommission Gelegenheit zur Nachprüfung der gemachten Vorwürfe geben, dann könne man in breitester Oeffent lichkeit weiter über die Sache sprechen. Nachdem der Referent Dr. Baumert sich in seinem Schlußwort gegen die ihm ge» machten Vorwürfe zu verwahren versucht und den sonderbaren Standpunkt vertreten hatte, daß eine Grunbstücksspeku» lation nie die Mietpreise erhöhe, wurde der Antrag angenommen. Um dem augenblicklichen Geldmangel abzuhelfen, beschloß die Versammlung, daß 310 000 M. a conto der vierten Straßenbahn� anleihe und 1 600 000 M. ä conto der Hafenanleihe von dem Bank- Heus Haaßengier u. Co. gegen 4 Proz. Zinsen und 1 Proz. Damno auf zehn Jahre fest beschafft werden. Davon sind 310 006 Mark mit 1% Proz. und 1600 000 M. mit 1% Proz. zu tilgen. Ein hübscher Ueberschuß, nämlich 279 915,96 M., ist für das Etats- jähr 1910/11 herausgewirtschaftet worden. Die Finanzdeputation hatte beschlossen, daß von diesen Ueberschiissen dem Etat 1912 125 000 M., dem Straßenregulierungsfonds 20 000 M., dem Schub Hausbaufonds 40 006 M. und dem Steuerausgleichsfonds 94 915,96 Mark zugeführt werden sollen. Die Versammlung war hiermit nicht einverstanden. ES wurde gewünscht, daß eine größere Summe dem Etat 1912 zugeführt wird. Die Vorlage wurde deshalb an die Etatskommission vertviesen.— Der Hhgieneausstcllung in Dresden werden nach einem Beschluß der Versammlung die sämtlichen Mit glieder der städtischen Körperschaften sowie sämtliche Leiter der städtischen Betriebe auf städtische Kosten einen Besuch ab- statten. Die Reisekosten hierfür betragen allein etwa 3400 M. Die übrige Vorlage wurde debattelos erledigt. Charlottenburg. Grofjfeucr kam vorgestern abend in der Kaiserin-Nugusta< Allee 69 an der Schloßbrücke aus bisher nicht ermittelter Ursache zum Ausbruch. Als die Hauptwache an der Brandstelle erschien, stand der Dachstuhl dcS prächtigen neuen Hause» schon in großer Ausdehnung in Flammen. Diese hatten anscheinend schon längere Zeit dort unbemerkt gewütet. Ueber die bereits verqualmten Treppen und über mehrere mechanische Leitern wurde mit großer Vravour vorgegangen. In kurzer Zeit konnte mit fünf Schlauch- lcitungcn von Dampfspritzen von drei Seiten Wasser gegeben werden. Dadurch gelang cS, eine weitere Ausdehnung zu verhüten und das angrenzende Gebäude wirksam zu schützen. Der Dachstuhl Nr. 69 loar indes verloren. Auch haben die oberen Etagen etwas durch Masser gelitten. Gegen Mitternacht konnte das Gros der Wehr wieder abrücken. Lichtenberg. Eine recht große Arbeitslust hatte der Stadtverordneten-Vorsteher noch vor den Ferien bei dem Kollegium vorausgesetzt, denn mit nicht weniger als 32 Punkten war die Tagesordnung der Stadtverordneten Versammlung am Donnerstag besetzt. Unter Geschäftliches erhielt die Versammlung Kenntnis, daß am 3. Juli die G r u n d st e i n- legung des nenzuerbauemden Krankenhauses»nit einer, entsprechenden Feier geplant sei. Die ersten Punkte betrafen Wahlen von Schiedsmännern und Waiseuräten, wobei Genosse Grauer sich vom Magistrat Auskunft erbat über die Gründe, die zur Enthebung des Lehrers Hoffmann von seinem Posten als Waifenrat des 13. Bezirks geführt haben. Nach Bekanntgabe der Gründe wurde Lehrer Otto Müller an dessen Stell« gewählt. Die Petition wegen Errichtung einer kaufmännischen Fortbildungsschule lourde namens des PetitionSausschusseS in Anlehnung an den Bc schluß der Etadtverordneten-Bersammlung vom 28. April dem Magistrat empfohlen und derselbe ersucht, der Versammlung eine Vorlage zu mache». Namens der bürgerlichen Fraktion erklärte Stadtverordneter Knopf den Zeitpunkt trotz der 80 000 Einivohner Lichtenbergs noch für verfrüht, es lvnrde auch gegen die Stimmen unserer Genossen so beschlossen, trotzdem Bürgermeister Ziethen die Geneigtheit de« Magistrats zur Errichtung betont hatte. Zu einer längeren Debatte führte Punkt 6, die Neupflasterung der Frankfurter Chaussee betreffend. In der Sitzung vom 27. April halte die Mehrheit den Antrag de» Magistrats, die Straße in ihrer ganzen Länge zu pflastern und zu diesem Zweck ein Darlehn auf- zunehmen, abgelehnt. Statt dessen beschloß die Stadtverordneten- Versammlung: 1. daß die Ausführung in Teilstrecken erfolgen soll, und zwar nach Auflassung dcS StraßenlandcS durch die Anlieger des de- treffenden Straßcntciles an die Gemeinde; 2. daß die Kosten der jedesmal erforderlichen Teilbeträge als Anleihe aufzunehmen seien, die jährlich init nicht mehr als 5 Prozent zu amortisieren wäre; 3. daß 1911 nur der Teil zwischen Ringbahn, und Rathausstraße asphaltiert Und die Entscheidung für die Inangriffnahme der übrigen Teile der Stadlverordnetenveriammlung für die folgenden Jahre vorbehalten bleiben sollte. Der Magistrat war nun nach Beratung mit der Baukonmiission erneut mit einer Vorlage an die tadtvcrordnctenvcrsammlnng hcrangclrcten, die Nciipflastcrimg der Frankfurter Chaussee in drei Abschnitte» nach der Magistralsvorlage vom 4. März vorzunehmen, und zwar zuerst den Teil zwischen Rnkhansstraße und HubertuSstraße. Außerdem hält der Magistrat es für ausgeschlossen, daß die Aufsichtsbehörde Teilanleihen mit höchstens 5 Proz. Amorti- sation genehmigt. Die Bürgerlichen waren in dieser Frage ge« spalten; während sich ein Teil auf den Beschluß der Stadtverordneten- versaminlung vom 27. April stellte, wollte ein anderer Teil der Magistratsvorlage zustimmen. Schließlich wurde aus dem Ursprung- lichen Beschluß, nachdem der Baurat auf den unhaltbaren Znstand des Teiles der Chaussee, welcher durch die wiederholten Ueber- schwemmnngen schwer gelitten hat, Hingelviesen hatte, die Be- stimmung der teilweisen Aufnahme der Anleihe gestrichen. Eine nochmalige Beschlußfassung wünscht der Magistrat auch über seine Vorlage betreffend die Ausschmückung der Frankfurter Chaussee. Die Mehrheit hatte in der Sitzung vom 27. April die Vorlage des Magistrats, die Mittelpromenade bis zur Rathausstraße auSzu- schmücken, abgelehnt, trotzdem Bauinbestand und Rasenstreifen auf dieser Strecke nicht vorhanden sind, andererseits die Kosten mit 12 500 M. bereits in den Etat eingestellt sind. Gegen dir Stimmen der Sozialdemokraten wurde der Magistratsantrag abgelehnt. Bei der Wahl eines vierten stellvertretenden Vorsitzenden zum Kaufmannsgericht fragt Genosse Grauer den Magistrat, wie weit es mit der Einführung der Sonntagsruhe der offenen Ladengeschäfte usw. ent- sprechend der Petition des Handlungsgehilfenverbandes sei. Bürger- meistcr Ziethen macht Mitteilung, daß der Magistrat beabsichtigt, gemeinsam mit den Orten Schöneberg, Charlottcnburg, Rummels- bnrg usw. in dieser Frage vorzugehen, es hätten bereits Besprechungen stattgefunden. Genosse Graner ersuchte den Magistrat, dahin zu wirken, daß die Bestimmungen baldigst erlassen wurden, damit die Handlungsgehilfen und Hilfsarbeiter im Handelsgewerbe noch in diesem Sommer in den Genuß der größeren Ruhe kommen. Weiter hatte der Magistrat den Ctadtvcrordne�n eine Vor- läge zugehen lassen, wonach er die Belegung größerer Geld- bestände bei Privatbanken wünscht, ohiie daß diese entsprechend Sicherheit leisten müssen. Unsere Vertreter wandten sich gegen diesen Vorschlag und wünschten die Anlegung bei der hiesigen Sparkasse. Gegen unsere Stimmen wurde die Vorlage angenonimcn. AuS der Begründung, die Bürgermeister Ungcr gibt, geht hervor, daß bereits größere Beträge bei einer Bank ohne Sicherheit hinter- legt sind; dies ist geschehen, ohne daß ein Beschluß der Stadt- verordneten vorliegt. Ans die Frage eines unserer Genossen, wer denn die Verantwortung übernehme, wenn nun wirklich ein Verlust entstanden wäre, rührte sich der Magistrat nicht. Gleichzeitig wurde zur Sprache gebracht, daß die hiesigen Banken für die Entgegen- nähme der Steuergelder von der Stadt eine Entschädigung erhielten; auch hierüber hatte der Magistrat bisher der Stadtverordneten- Versammlung eine entsprechende Vorlage zur Bewilligung dieser Gelder nicht gemacht. Genosse Graner wies den Magistrat darauf hin, daß cS nicht auf die Höhe dieser Summen an- kommt, sondern ans die' Bewilligung an sich, die nur durch die Stadtverordnetenversammlung geschehen kann. Die Vorlage wurde geiiehnngt. Zur Beschlußfassung über die Ent- sendung von Delegationen zum Deutschen Städtetag sowie zur Hygiene-Ausstellung wurde der Wahlausschuß gemeinsam mit vier Magistratsmitgliedern als gemischte Kommission beauftragt. Es wird der Kommission gleichzeitig die Beratung der Beschickung des Brandenburger StädtetageS aufgegeben. Die Punkte betrestend Ab- schluß eines Vertrages mit den Gemeinden RiimmclSburg, Hohenschönhausen wegen Erbauung einer Linienführung dcS Regemvasscr- kanalS wurde an eine Kommission verwiesen, der die Genossen Grauer und H e ck e r t angehören. Nach Erledigung einiger kleiner Vorlagen sowie Nachbewilligüng von Polizeikosten wurde in die geheime Sitzung eingetreten, die außer Anstellung einiger Be- nmten den Ankauf eines Grundstücks für den Teil Herzberge, Wilhelmsberg sowie eines weiteren Grundstücks ans RumnielSburger Gebiet zum Zwecke der Ausführung des Regenwasserkanals beschloß. Schöneberg. Großes Unheil wurde vorgestern auf dem Winterfeldtplatz durch die Entschlossenheit eine« Schutzmannes verhütet. Im Laufe des Nachmittags scheuten dort vor einem entgegenkommenden Automobil die Pferde eine« Wagens des Obsthändlers Holzhausen aus Steglitz und jagten in wilder Karriere den zu jener Zeit sehr belebten Platz entlang, das schwere Gefährt hinter sich herschlcifend. Als die Pferde nach dem Biirgersteige hin überbogen, warf sich ihnen der Schutz- mann Bendix entgegen. Der Beamte lvnrde jedoch zu Boden ge- rissen und eine Strecke weit niitgeschleift. An der Bordschwelle des Bürgersteiges gelang es dem Schutzmann aber, sich zu erheben und die Tiere herumzureißen, so daß sie unmittelbar vor dem Schau- feilster eines Ladens zum Stehen gebracht werden konnten. Der Beamte hatte erhebliche Verletzungen erlitten und mußte die Hilfe der Unfallstation in Anspruch nehmen. Rixdorf. Beiin Baden ertrunken ist am Donnerstag der t7jährlge Arbeits- bursche Franz AndreSki aus der Jägerjtr. 08. Der junge Mann, der im Kabelwert Oberspree in Ober-Schöneweide beschäftigt war, wollte vorgestern früh gegen 6 Uhr vor Arbeitsbeginn in der Nähe des Restaurants„Strandschloß" ein erfrischendes Bad in der Spree nehmen. Kaum war A. eine Strecke weit in den Fluß hinein- geschwommen, als er plötzlich einen Krampfanfall bekam und vor den Augen eines Arbeitskollegen in den Fluten versank. Die Leiche des Ertrunkenen konnte bisher noch nicht gelandet werden. Wannsee. Ein schwerer Automoiilunfall ereignete sich vorgestern abend gegen'/zlO Uhr in der Königsiraße. Ein in der Richtung Berlin fahrender Kraftwagen passierte um diese Zeit die Königsiraße in dem Augenblick, als der ISjährige Volontär Gericke, der Sohn eines Fuhrunternehmers G., in der Chaussecstr. 22 wohnhaft, auf seinem Rade die Straße queren wollte. Er wurde vom Auto erfaßt, kam unter die Räder und erlitt so schwere Verletzungen, daß er kurz darauf verstarb. Friedenau. Die Freie Tnrnerschast Friedenau veranstaltet am Sonntag, den 25. d. M.. einen Familienansflug. Treffpunkt 2 Uhr nach- mittags Bahnhof Steglitz, dann Fahrt bis Zchlendorf nach dein Restaurant Zur Reimbabn(Jnh. Schionrz). Kaffeekochen von 4 Uhr ab. Spiele im Walde für Erwachsene»nd Kinder. Die Freunde und Gönner der Freien Turnerschaft sind mit ihren Familien ein- geladen. SldlerShof. evr c ä�njährigeS Bestehen feiert die Konsumgenossenschaft Adlershof und Umgegend am Sonntag, den 25. Juni, von nach- mittags 3 Uhr ab. durch ein große« Volksfest in Wöllsteins Lust- garten linter Mittvirkung der Albelter-Tiimvercine und Gesang- vereine von Adlershof, Alt-Glienicke, Grünau, Ober-Schöneweide Friedrichshagen, Erkner und Johannisthal. Das Konzert wird ans- geführt von dem Berliner Sinfonie-Orchesler unter Leitung seines Dirigenten Herrn Kapellmeister Maximilian Fischer. Der Eintritts- preis beträgt 25 Pf. Da das vorzüglich zusammengestellte Pro- gramm die Gewähr für einige gemißreiche Stunden gibt, wird die Arbeiterschaft um ihr Erscheinen ersucht. Köpenick. Ein entsetzlicher Unglücksfall hat sich vorgestern in der Adler?- hofer Str. 1 ereignet. Bei einer dortselbst wohnenden Familie hielt ich der dreijährige Sohn Otto des Monteur« Nixdorf besuchsweise aus. Als die Frau de» Hauses sich auf kurze Zeit entfernen innßte, blieb deren siebenjährige Tochter mit dem kleinen N. allein in der Wohnung zurück. Während de? Spiels Vetterte der Knabe auf einen an dem geöffneten Fenster der Küche stehenden Stuhl, verlor das Gleichgewicht und stürzte aus der Höhe der dritten Etage kopfüber auf den gepflasterten Hof hinab, wo er mit zerschmetterten Gliedern tot lityir. blieb. WeHensee« Für Straßenrcgulierungen hat die letzte Gemeindevertreter' sitzung 176 206 M. bewilligt. Davon entfallen auf die Gemeinde V7 560 M. und auf die Anlieger nach den Bestimmungen des Ort5 statuls 79 650 M. Es werden reguliert: die nordwestlichen Bürger- steige in der Gustav-Adolf-Straste vom Hamburger Platz bis zur Gasanstalt, die Bürgersteige in der Charlottenburger Stratze von der Pumpstation bis zur Friesickestraße und an gleicher Stelle auch der Straßendamm. Der Bürgersteig an der alten Kirche in der Falkenberger Straße soll um einen Meter verbreitert werden und der alte baufällige Staketenzaun soll durch eine Steinwand ersetzt werden. Die Kosten hierfür betragen zirka 2000 M.. wovon ein Mertcl oie Gemeinde zahlt, die resticrenden 1500 M. muß die politische Gemeinde der Kirchengemeinde auf vier Jahre vorschießen, weil die Kirche zu arm ist. Die Kirchengemeinde hätte diesen Winkel vielleicht noch lange in dem elenden Zustand liegen lassen, »»nn nicht im nächsten Monat aus Anlaß der Einweihung des Säuglingskrankenhauses hoher Besuch erwartet wird. Pankow. Dir Erweiterung der Sonntagsruhe im Handelsgcwcrbe soll für Yankow nach einem im April d. I. gefaßten Beschluß der Gemeinde- Vertretung in der Weise erfolgen, daß in Zukunft die Verkaufszeit in offenen Verkaufsstellen an gewöhnlichen Sonntagen während des ganzen Jahres gleichmäßig auf die Zeit von 8—10 Uhr früh und 12—2 Uhr mittags festgesetzt wird. Das ist gegen den bisherigen Zustand eiSie Beschränkung um nur eine Stunde und ent- spricht durchaus nicht der von der Berliner Stadtver- ordnetenversammlung beschlossenen Regelung der Frage. Berlin hat bekanntlich beschlossen, die offenen Verkaufsstellen mit Ausschluß der Nahrungs- und Genußmittelbranche an gewöhn- lichen Sonntagen nur zwei Stunden offen zu halten. und zwar im Sommer/z Stunden. Ueberstunde» sowie auch stundenweise Sonntagsarbeir sollen den Arbeitern jetzt mit einem Zuschlag von 25 Proz. vergütet werden; an den auf einen Wochentag fallenden Festtagen wird für die geleistete normale Arbeitsstunde dernor- male Stundenlohn gezahlt. Eine Verbesserung besteht auch darin, daß in Zukunft den Arbeitern in Erkrankungsfällen die Differenz zwischen Wochenlohn und Krankengeld gezahlt wird. Auch Ferien unter Be- lassung deS Lohnes können den Arbeitern auf Antrag bewilligt werden, und zwar nach 6 Jahren bis zu 3 Tagen, nach 6 Jahren bis zu 6 Tagen, nach 9 Jahren bis zu 10 Tagen. Die Mehrkosten, die durch diese mit rückwirkender Kraft vom 1. April d. I. ab zu zahlende Aufbesserung verursacht werden, betragen rund 2500 M. Jugendveranstaltungen. Arbeiterjugend Erkner. Heute Sonnabend, den 24. Juni, abend» 8 Uhr. in DegebrodtS GesellschastshauS: Versammlung. Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen wird vollzähliges Erscheinen erwartet. ßnefkalteii der Expedition. Patienten in Beelitz, Buch und anderen Heilstätten. Diejenigen unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der Ueberweisung von Frei- exemplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. WitterungSüberstchr vom LZ. Jnni 1911. ~ ä s„ LZ B— II if Swwemde. 764 SSO Hamburg 762 SSO »erlin 763 S Frantl.a N. 762 SO München 7S4S Wien i 766 sO «tattonen Ii i-a if Ottin Eadaranda 761 SM eterSburg 76533 E-illd 1757 33 ölberdeen 1 751©33 Paris>761 SO «:■» H 2 bedeckt I 1 heiter' 2 halb bd. 3 heiter j 14 Ibedt > w 13 bedeckt I 17 Wetterprognose für Tonnovend. den 24. Juni IS11. Etwas kühler, zeitweise heiter, aber veränderlich mit Gewitterregen und Mäßigen südwestlichen Winden. Berliner Wette rbureau. LmfKaften der Redahtion. Am heutigen Sonnabend fällt die Sprechstunde aus. Vom Montag, den 26. Juni, bis Sonnabend, den 15. Juli ein- schließlich, findet die Sprechstunde in der Zeit von 7>/2 bis g'/z statt. R. S.. Sndende. Ja.— Jacob. Ja.— G. S. 1. und 2. Nein. Em Vcrsabrcn vor dem Schiedsmann ist in diesem Fall nicht ersorderlich. Es kann ohne weiteres die Privatklagc erhoben werden.— E. K. 14. Ja. Zluch die Eltern.— 8. 2. 100. Die Wirtin ist im Recht.— F. 100. Sie sind aus Grund der Bestimmung im Mietsoertrag hastbar.— Tegel 1011. Ja.— Trude 100. Leider läßt sich dagegen mit Aussicht aus Ersolg nichts tun.— E. Z. 80. Erbieten Sie sich, die ersorderliche Aus- tunjl schrisllich zu erteilen: dann brauchen Sie der Vorladung nicht Folge leisten. — K. I. 10V. An den Magistrat. Höhe: 25,20 M.— N. 0. 1. Ja. 2. Durch Klage und Zwangsvollstreckung.— I. N. 100. t. Ja. An das Standesamt unter Vorlegung des mit Rechtskraftattest versehenen ScheidungSurteils. 2. Dem unschuldigen Teil. 3. Dasür ist das vom Gericht sestzusetzende Objekt maßgebend. 4. Am 15. Juli. Zwei Monate. — M. 100. Ja, bis Vollendung des 21. Lebensjahres.— Tora 20. 1. Ja. 2. Das Rechtskraftattest muß aus dem Urteil stehen. Die Erteilung des Attestes erlotgt kostenlos. 3. Innerhalb drei Monaten nach Rechtskrast. 4 Etwa 23 M.— O. L. 100. Bei der Stcuerdeputntion des Magistrats.— C. W. 28. Wiederholen Sie die Anfrage und geben Sie noch an, wann die Ehe geschloffen ist.— I. I. Nein. Eingegangene DrucKfcKriften. Tas Geheimnis der Camorra, des Gcheimbnndes und Wesen. Von Adols Sommerscld-Nom. 200 Seiten, broch. 3 M. Verlag: Continent G. m. b. H., Berlin W. 15. Die Erbsünde. Roman von Hans Kirchstsiger. 288 Seiten. 2 M. Verlag von I. Singer u. Co., Berlin 0. 2.,„ Otto Sostka, Das Herbarium der Ehre, Roman. Gehestct 4 M., gebunden in Leinen 5.50 M., in Halbsranz 7 M. Verlag von Albert Langen in München._ Ursprung i M., geb. Preis Gustav P. Steffen. Die Demokratie in England. Einige Bs- obachtungen un neuen Jahrhundert und ein Rennissancecptlog. 1. uud 2. Tausend. Preis in Pappband 3 M.— William Benjamin Smith. lZooo Usus. Die urchristliche Lehre des rein göttlichen Jesu. Preis brosch.-5,00 M., geb. 0,50 M.— H. G. Wells. Die Zukunft in Amerika. 1.— 4. Tausend. Preis in Pappband 3 M. Erigen Diederich, Ver- lag in Jena. Dr. Heinrich Braun. Annale» für soziale Polliik und Gesetz- gcbnng. Erster Band 2.-0. Heft. Preis 18 M. 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