Nr. 147. Btennemfnte'Bedlngüngnj! CSonnemcntä• PreiZ pränumerando} Licrteljährl. 3�0 Mä, monalL 1,10 SKI, wöchentlich 28 Psg, frei ins HauS. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- liummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt» 10 Psa. Post- ilbonnemcnt: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitunaS- Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland g Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Kumänien, Schweden und die Schweis 88. Jahrg. vi« Insertion!-GMHk Beträgt für die sechsgespaltene Kolonek» zeile oder deren Raum eo Pfg„ für politische und-ewerlschaftlichc Vereins- und VersammiungS-Anzeigeii 30 Psg. „kleine Snreigen", das seitgedructie Wort 20 Psg. szuläsfig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstellenan- »eigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort S Psg. Worte über IS Buch- Naben zählen für zwei Worte. 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Ist bei uns auch das Kampffeld einfacher, so ist doch die Zahl und die Macht unsererGegner grösier und gefährlicher. Alle kleinen Eifersüchteleien in ihren Reihen dürfen nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, daß sie alle im Haß gegen die moderne Arbeiterbewegung einig sind. Die verschiedenen Blockion st ellationen des aus den Hottentottenwahlen 1907 hervorgegangenen Reichstags haben schon ihr Möglichstes getan, die breiten Volksschichten zu belasten und zu enirechten. Und wie kläglich war die soziale Arbeit der jetzigen ReichStagSmehrheit l DaS vielgerühmte Werk der Reichs- Versicherungsordnung wurde gekrönt durch ein schmähliches Attentat auf die Arbciterrccht« in den Krankenkassen. Die Fürsorge für die Hinterbliebenen der Arbeiter, mit der man den urteilslosen und politisch unreifen Kreisen imponieren möchte, ist Nichts anderes als ein Witwen» und Waisen-Betrug. Groß ist daS Sündenregister des jetzigen Reichstags und selbst der geringe Fortschritt, den er sich durch die Schaffung einer V e r- fassung für Elsaß-Lothringen zugute schreiben kann, hat sür die Arbeiterschaft nur insofern Bedeutung, als sie die Treiklassenschmach in Prenste« mit um so tieferem Ingrimm empfindet. Wir stehen also vor einer gründlichen Abrechnung mit den bürgerlichen Parteien. Wir haben dafür zu sorgen, daß das bürgerliche Reichstags» Idyll bei den kommenden Wahlen durch eine imposante Zahl erprobter Arbeitervertreter zerstört und gesprengt wird. Es wird ein heißes Ringen werden, in dem die Arbeiter- schaft auf ihre eigene Kraft angewiesen ist. Auf die liberale Opposition ist kein Verlaß. Man darf nicht vergessen, daß ein großer Teil der liberalen Herren, die kürzlich ans dem Hansa- tage dem Schlachtruf des GehcimratS R i e ß e r.gegen Rechts* zugejubelt haben, auch gleichzeitig eifrige und freigebige Mitglieder des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie sind und im Entscheidungsfalle, dem Zuge ihres kapitalistischen Herzens folgend, gegen die Arbeiterschaft Front machen werden. Die Arbeiterschaft steht vor einer folgenschweren EntschcidungS- schlacht. Es ist ein Gebot der Selbsterhaltung, schon jetzt ihre Kämpferscharen zu sammeln und zu schulen. Zu dieser borbereitenden Arbeit ist in erster Linie die Arbeiter«, die Parteipresse berufen. Und so war und wird auch in giikunst der „Vorwärts" ein unermüdlicher Rufer im Streit sei». Er gibt der Arbeiterschaft ein klares Bild von den wirtschaftlichen, politischen, sozialen undkultur- ellen Zuständen und Ereignissen, er deckt rück- sichtSlos die Pläne der offenen und maskierten Arbeiterfeinde auf, er verficht mit aller Entschiedenheit, die die klare Erkenntnis des Klassenkampfes aufzwingt, die Forderungen und Ziele des wissenschaftlichen Sozialismus. Dem„Vorwärts" Scharen neuer Leser zuzuführen ist jetzt schon Pflicht aller Parteigenossen, aller auf- geklärten Arbeiter. Der Beginn eines neuen Vierteljahres ist der geeignetste Zeitpunkt für eine intensive Werbearbeit. In den Fabriksälen, in den Werkstätten, in den Arbeitsstuben und auf de» Bauten stehen noch genug Arbeiter, die teils aus Unkenntnis, teils aus Oberflächlichkeit und Gedanken- losigkeit zu der seichten Kost der bürgerlichen Preffe greifen. Hier gilt es einzugreifen, anzuregen, zu belehren; diesen Arbeitern muß gesagt werden, daß der„Vorwärts" rückhaltlos die Klasscnintcrcsscn der Arbeiter vertritt. Der letzte Berliner Buchdrucker- konflikt hat ja bewiesen, daß die bürgerliche Presse, und wenn sie noch so schöne arbciterfreundliche Worte hat, am letzten Ende nur Unternehmerinteressen wahrnimmt. Auf diese Weise jetzt zum OuartalSwechsel für den »Vorwärts* neue Leser und Abonnenten zu v» r b e n bedeutet ein wichtiges Stück Vorarbeit j» den Reichstagswahlen! gas Wahlrecht aus der Tagesordnung! Sie haben also endlich doch nachgeben müssen, und morgen steht der Antrag auf Einführung des Reichstagswahlrcchts auf der Tagesordnung des Privilegienparlaments I Das konsequente und beharrliche Drängen unserer Genossen hat Erfolg gehabt, und der blauschwarze Block mußte ein- sehen, daß ein weiterer Widerstand gegen die Beratung die Entrüstung der Massen nur noch mehr aufpeitschen würde. Deslvegen haben sie vorgezogen, den Antrag beraten zu lassen. Freilich, viel ist damit noch nicht gewonnen und noch dürfen die Herren im Dreiklassenhause über die wichtigste Forderung des preußischen Volkes nach ihren: Belieben ent- scheiden. Begründete ja Herr v. Heydebrand die Zulassung des Antrages, dessen Annahme er allerdings nicht mehr der- hindern konnte, ausdrücklich damit, es werde Beruhigung und Befriedigung im preußischen Volke hervorrufen, wenn große Parteien des Hauses die Gelegenheit zu der Bekundung ihrer Entschlossenheit benutzen würden, an der bewährten Grundlage d eS D rei klas s enw a h Ire ch tS nicht rütteln zu lassen. Noch dürfen die Konservativen höhnen. Und wie die Entscheidung im jetzigen Moniente fallen wird. ist leicht vorauszusehen. Und trotzdem: das eine können die Herren doch nicht mehr verhindern, daß unsere Wahlrechts- forderung immer und immer wiederkehrt, daß die Beseitigung des infamen Dreiklassenunrechts im Mittelpunkt der preußischen Politik steht und daß sie keine Ruhe mehr zu erwarten haben, bis auch in Preußen errungen ist. waS man in Elsaß-Lothringen zu der weigern nicht niehr gewagt hat: das allgemeine, gleiche, ge Heime und direkte Wahlrecht! Der große Wert der Beraftmg wird vor allem darin bc- stehen, daß über die Stellung der Parteien in einem Zeitpunkt Klarheit geschaffen werden wird, wo uns nur wenige Monate von den ReichStagswahlen trennen. Die Parteien werden darauf gefaßt sein müssen, daß sie nach der Haltung beurteilt werden, die sie zudem gleichen Wahlrecht in Preußen einnehmen. Denn unerbittlich wird jeder Reichstagswähler in Preußen denjenigen Politiker verwerfen, der ihm die politische Gleichberechtigung verweigert. Es sind vor allem zwei Parteien, auf deren Stellung- nähme man das Hauptaugenmerk richten muß: Das Zentrum hat bei der Beratung der glücklich verscharrten Spottgeburt elenden Verrat geübt, und es hat bis zuletzt versucht, die Be- sprcchung des WahlrcchtsantrageS zu verhindern. Nun wird es wieder gezlvungen werden, seine Stellung zu präzisieren. Allgemeine Redensarten über seine Volksfrcundlichkeit wird dem Zentrum aber niemand mehr glauben. Will es ernst genommen werden, so mutz es deutlich die Mittel angeben. die es als ausschlaggebende Partei in Anwendung bringen will, um die Regierung zur Reform zu zwingen. Es muß die Verpflichtung vor dem Lande eingehen, dafür zu sorgen, daß sofort bei Zusammentritt deS Landtags die Re- form in den Mittelpunkt der Landtagsarbeit gerückt wird. DaS verräterische Spiel, daß das Zentrum bisher gc- trieben hat, ist ihm sehr leicht gemacht worden. Haben doch die Nationalliberalen daS gleiche Wahlrecht immer wieder abgelehnt, und so dem Zentrum gestattet, vor seinen Wählern die Schuld der Vereitlung der Wahlrcform von sich auf die Nationalliberalen abzuwälzen. Es muß deshalb mit aller Entschiedenheit ausgesprochen werden, daß vor allem die Nationalliberalen dafür verantlv ortlich gemacht werden müssen» wenn jeder Reformvcrsuch scheitert. Der Widerstand, den die herrschenden Konservativen jedem Angriff auf das Drciklassenwahlrecht entgegensetzten, kann nur gebrochen werden durch die Entfesselung aller politischen Kraft, die in den Massen des preußischen Volkes lebendig ist. Diese Kräfte lassen sich aber nicht mobilisieren für ein neues Flickwerk, für ein neues Privilegienwahlrecht, das sich nur dadurch vom alten unterscheidet, daß es die Nationalliberalen noch mehr privi- legiert alS das Zentrum oder die Konservativen. Deshalb ist in der Praxis derjenige Politiker, der das gleiche Wahl- recht in Preußen verwirft, ein Feind der Wahlreform überhaupt und muß als solcher behandelt werden. Ist es den Nationalliberalen ernst mit der Reform des preußischen Wahlrechts, dann müssen sie ihre Feindschaft gegen das gleiche Wahlrecht endlich aufgeben. Tun sie es nicht, so sind sie die Helfershelfer deS schwarzblauen Blocks, die mit diesem bloß um den Antqil an der Beute hadern, die sie dem RechtSranb an dem preußischen Volke der- danken. Man muß auch erwarten, daß die Regierung endlich Farbe bekennt. Herr v. B e t h ni a n n H 0 l l w e g hat ja bei der Verfassung für Elsaß-Lothringen anerkannt, daß eS in Deutschland keine Staatsbürger zweiter Klasse mehr geben kann. Er hat die Hilfe der Sozial- demokratie gesucht, UM wenigstens für Elsaß-Lothringen diese Einsicht verwirklichen zu können. Man darf gespannt sein, was Herr v. Bethmann Hollweg zu tun gedenkt, um die Entrechtung in Preußen, die vier Fünftel der Bevölkerung zuStaatsbürgern zweiter und dritterKlasse �degradiert, endlich zu beseitigen. Und man wird auch «Einiges Interesse für die Frage haben, wie lange Zeit eigentlich zwischen der Abgabe und dem Einhalten eines Ver- sprechens, das in feierlichster Weise in der Thronrede gegeben wurde, verstreichen darf. Aber so interessant auch die Diskussion deS Wahlrechts- antrages zu werden verspricht— wobei wir allerdings darauf gefaßt sein müssen, daß Versprechen in dieser Frage bisher nie eingelöst worden sind—. viel wichtiger ist noch, daß die Massen diese Diskussion aufmerksam verfolgen und im geeigneten Moment selbstdasWortnehmen. Privilegienparlamente haben noch nie anders als unter dem stärksten Zwang von Volksbewegungen die Grundlage ihres Daseins aufgegeben. Und in Preußen wird es dazu größerer Kräfte bedürfen als irgendwo anders. Aber die Größe der Aufgabe steigert Sozialdemokraten nur die Lust, ihre Schwierigkeiten zu be- siegen. Ueber die Sitzung des Abgeordnetenhauses wird unZ noch geschrieben: DaS Abgeordnetenhaus will jetzt möglichst bald Ferien machen und alle Hindernisse, die diesem Verlangen entgegenstehen, möglichst rasch beseitigen. Gleich zu Beginn der Sitzung verlangte Genosse Hoffmann, daß der WahlrechtSantrag heute an erster Stelle behandelt werde. Das sei das HauS dem deutschen Volke schuldig. Aber ohne jede Begründung lehnte nicht nur die Rechte, sondern auch daS Zentrum und die Nationalliberalen dieses berechtigte, für eine wirkliche Volksvertretung selbstverständliche Ansinnen ab und wandte sich der dritten Beratung deS Gesetz- entwurfs über die Reinigung öffentlicher Wege zu. Der freisinnige Abgeordnete Lippmann warf sich hierbei zum Schutzpatron der armen HauSagrarier auf, die er mit tiefem sozialen Verständnis al» die»kleinen Leute* und die»finanziell Schwächsten' bezeichnete. Genosse Dr. Liebknecht nagelte fest, daß er diese Auslassungen im Namen der Volkspartei machte und daß keiner seiner FraktionS- genossen ihm widersprach. DaS Gesetz selbst wurde, nachdem schnell noch eine Aenderung zugunsten der Agrarier hineingebracht nun; angenommen. Einstimmig wurde dann ein Antrag, für die durch ein Hagel- weiter im Weinbaugebiet der Nahe betroffenen Bewohner staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, der Budgetkommission überwiesen. Der Entwurf zur Abänderung des Gesetzentwurfes über d!« Eiseilbahnunternehmungen wurde an die Kommission zurückverwiesen. nachdem der Eisenbahnminister erklärt hatte, die Kommissions- beschlösse treten seiner selbstherrlichen Macht zu nahe. Bei der nun folgenden Beratung deS ZweckverbandSge» setze« für Groß-Berlin, das in abgeänderter Form vom Herrenhaus? zurückgekommen ist, geißelte Genosse Liebknecht daS reaktionäre Herrenhaus, das eS wirklich fertig bekommen hat. das schon vom Abgeordnetenhaus ganz miserabel gestaltete Gesetz noch miserabler zu gestalten und die einzige Bestimmung, die eine Spur sozialen Geistes zeigt, die Einbeziehung des Baues von Kleiuwohnungen in die Aufgaben des ZwcckverbandeS, zu streichen. Von neuem hat das Herrenhaus gezeigt, daß eS nur wert ist. so schnell als möglich zu- gründe zu gehen. Nachdem Herr Cassel sich gegen Ausführungen des Charlottenburger Oberbürgermeisters gewehrt hatte, wurde die Weiterberatung auf morgen vertagt, an die sich die Beratung des Wahlrechtsantrages schließen wird, Dn flrtelterparlament in Dresden. Dresden, 26. Juni 191t Legten eröffnete den Kongreß um 9� Uhr. Er begrußk« die erschienenen Delegierten und Gäste und teilte mit, daß die ge- werkschaftlichen Organisationen von Oesterreich, Ungarn. Schweden und der Schweiz Delegierte entsandt hätten. Die Engländer können nicht erscheinen, weil sie in der nächsten Woche ihren eigenen Kongreß haben. Auch die Dänen haben dem Kongreß mir ihren Glückwunsch ausgesprochen. Legien schildert dann die Ent- Wickelung der deutschen Gewerkschaftsbewegung und kommt im weiteren Verlauf seiner Rede auf den Zweck und die Wirkung der sozialen Gesetzgebung zu sprechen. Unter dem Beifall der Dclv» gierten stellt er fest, daß die Regierung ihre Aufgabe nicht darin «blicke, der Arbeiterschaft durch Erfüllung ihrer Forderungen ge-, recht zu werden, sondern darin, die Fortschritte der Arbeiter- bewcgung zu verhindern.»Die Regierung hört die Wünsche der Arbeiter und tut das Gegenteil."(Lebhaftes Sehr richtig! auf allen Seiten.) Legien illustriert diese seine Uebcrzeugung, indem er au die Geschichte der Reichsversicherungsordnung erinnert und an die Art, wie man die deutschen Gewerkschaften beim Zustande» kommen der Internationalen Hygiene-AuSstrllung behandelt hat. Diese Ausstellung ist zu einer Tendenz-AuSstcllung geworden, weil man von dort geflissentlich die Aufklärung über das Elend der in Sachsen besonders starken Heimarbeit ferngehalten hat. Möge der Gewerkschaftskongreß der Ort sein, wo festgestellt wird, WaS die Gewerkschaften auf der Ausstellung festzustellen verhindert wurden. Legien spricht den Wunsch und die Uebcrzeugung auS, daß in absehbarer Zeit Zustände eintreten werden, wo nicht mehr die Staats- Verwaltung auf jeden Wink des Unternehmertums acht zu geben hat, sondern wo sie genötigt wird, auch den Wünschen der organi. sierten Arbeiterschaft Rechnung zu tragen. Lebhafter Beifall zeigte die Zustimmung der Anwesenden zu diesen Ausführungen. In schwungvoller Form begrüßte dann Genosse Buck die Er- schienenen rm Auftrage der Dresdener Arbeiterschaft. Darauf konstituiert sich der Kongreß. ES folgen dgnn noch eine Angahl BegrußungSaMrsZen» YLS welchen sich besond'erS die Von Söderv er g» Schweden heraus- hebt, der den Deutschen den Dank der schwedischen Arbeiterschaft für die im Jahre 1003 gewährte moralische und materielle Unter- stützung ausspricht. In seinem Rechenschaftsbericht gab Genosse Legi en dann besonders seiner Freude darüber Ausdruck, datz es gelungen sei, die Hausangestellten und die Landarbeiter zu organisieren. 12»Oll Landarbeiter, wirkliche Landarbeiter, in kurzer Zeit zu organisieren, sei viel mehr, als man erwarten konnte. Legien streift dann die vielen Anforderungen, welche an die Generalkommission wegen der Errichtung von Arbeiter- sekretariatcn und der Anstellung von Gewerkschaftsbeamten gestellt werden. Diese Forderungen werden oft mit der grohen Zahl der christlichen Sekretariate und Gewerkschaftsbeamten motiviert. „UnS auf eine Konkurrenz mit den Christlichen einzulassen," führt Legien auZ,„müssen wir ablehnen. Wir können das nicht. Wie es die Christlichen können, das weiß ich nicht!" Diese an- geblich mangelhafte Kenntnis Legiens stieß bei den Delegierten auf überraschendes Verständnis. Zu den Anträgen über die Gewerkschaftsschule, die auf Zusammenlegung mit der Parteischule, Aus- dehnung der Kurse und andere Auswahl der Vortragenden hin� ausgehen, äußert sich Legien im Namen der Gcneralkommission und einer Vorständekonferenz ablehnend. Beide Schulen dienten durchaus verschiedenen Absichten. Wenn man die Schüler für ein halbes Jahr aus ihrem Beruf herausnehme, übernehme man für sie eine Verpflichtung. Ueber die Qualifikation der Vor- tragenden ist die Generalkommission aber der Meinung: Ist die GeHandlung der Materie wissenschaftlich einwandfrei, so darf man den Vortragenden keine Vorschriften über ihre Parteizugehörigkeit machen. ES kann allerdings vorkommen, daß die Beteiligten aus- sprechen, zu jemandem, der sich so oder so in der Qeffcntlichkeit äußerte, haben wir kein Vertrauen. Dieser Umstand ist aber bisher nicht eingetreten. Der Redner äußert sich dann noch über das Verhältnis zum reichsstatistischen Amt und der Generalkommission. Er schildert dies als befriedigend, bedauert aber die noch immer vorhandene Unzulänglichkeit der Streiksiatistik. Mit kaltem Hohn äußert er sich über ein RegierungSshstem, das die beamteten Ressortvertrcter zwingt, gegen ihre eigene Ueberzeugung Arbeit zu verrichten, deren Unsinnigkeit ihnen klar ist. Logien geht schließlich auf da? Verhältnis von Gewerkschaften und Partei ein. Er bittet, die Vereinbarung zwischen Partei und Gewerkschaften über die Maifeier debattelos anzunehmen. ES sei endlich an der Zeit, in der Sache Frieden zu machen und auf der gegebenen Grundlage für die Maifeier zu arbeiten. General- kommission und Parteivorstand lebten im völligen Einvernehnicn. Nicht so sei es mit einzelnen sozialdemokratischen Schriftstellern. Der Redner nennt dabei KautSky und Pannekock. Er gibt zu. daß diese Diskussion auch von der Gencralkommission nicht ohne scharfe Ausfälle geführt sei. Aber sagt er unter lebhaftester Zustimmung aus dem Kongreß:„Mit Seide näht man keinen groben Sack!" Als Legien geendet hatte, Hub ein großes Schlachten der eingebrachten Anträge an. Die Anträge auf Vereinigung von Partei- und GcioerkschaftSschule, die auf Verlängerung der Ge- werkschaftskurse. auf die Auswahl der Lehrkräfte hinsichtlich der von diesen vertretenen politischen Anschauungen werden zurück- gezogen oder nicht genügend unterstützt. Auch ein Antrag. Herrn C a l w e r die Mitarbeit im„Correspondenzblatt" der General- „kommission unmöglich zu machen, findet keine ausreichende Anter- stützung. Durch Zurückziehen oder ungenügende Unterstützung fallen auch alle Anträge, die von rechts und links zur Maifeier- � frage gestellt sind. Auch die gesamten Anträge auf Neueinrichtung von Arbeitersckretariaten fallen. Uebrig bleiben lediglich ein An- trag auf Förderung der Jugendorganisation, die Anträge auf Schaffung respctlive Ausbau einer zentralen AussperrungSabwchr- lasse sowie ein solcher auf Förderung der Genossenschaften. Die Diskussion über die gewerkschaftlichen Unterrichts- kurse war aber nicht ohne weiteres tot zu bekommen. Kaum daß die dem Kongreß darüber vorliegenden Anträge zurückgezogen oder durch mangelnde Unterstützung von vornherein nicdergestimmt waren, so tauchte ein Antrag W innig auf. der eigentlich genau dasselbe geändert wissen wollte, waS zu ändern in den in der Versenkung verschwundenen Anträgen beabsichtigt war. Lediglich zur Frage der LehrcrauSwahl nahm dieser neue Antrag nicht Stellung. W innig und Dittmer betonten auch, daß in der Tat gerade aus den Reihen der Teilnehmer an den Kursen Wünsche auf eine Acnderung nach dieser und jener Richtung hin laut ge- worden sind. Insbesondere wurde immer die Dauer der Kurse als ungenügend empfunden. In seinem Schlußwort wies Legien darauf hin, daß diesem Mangel dadurch abgeholfen sei. daß ja von der Parteischule den Gewerkschaften 10 Plätze zur Verfügung ge- stellt werden. Diese Plätze sind nie voll in Anspruch genommen worden. Der Antrag Winnig wird abgelehnt. Einstimmig angenommen wird dann ein Antrag Ida Baar, der die Gewerkschaftskartelle auffordert, die junge Organisation der Hausangestellten zu unterstützen. Die Anträge auf Schaffung eine? allgemeinen Streikunter- stützungsfondS wurden der Vorständckonferenz überwiesen. Der Nachmittag diente der Regelung des Verhältnisses zwischen Konsumgenossenschaften und Gewerkschaften. Genosse Bauer be- leuchtete in einem sehr instruktiven Referat diese Stellung und empfahl die Annahme der vorgeschlagenen Resolutionen. Diese wurden denn auch angenommeis. Auf dem Kongreß sind 388 Delegierte anwesend, die 2 276 305 organisierte Arbeiter vertreten. Ktmisseltutigz-Cogfö. Die konservativen Blätter wiederholen, um die Frei- sinnigen einzuschüchtern, in immer neuen Variationen ihre Drohung, daß die Fortschrittliche Volkspartei, falls sie nicht denl konservativen Lockruf zur Sammlung gegen die rote Rotte folge, bei den nächsten Reichstagswahlen von kon- servativer Seite genau dieselbe Behandlung erfahren werde, wie die„landesverräterische" Sozialdemo- kratie. Wie es scheint, hofft man in einem Teile der konservativen Presse noch imnier darauf, die Fortschrittler zum Evangelium der„vaterländischen" Saminel- Politik bekehren zu können, während ein anderer Teil diese Hoffnung bereits aufgegeben hat, und deshalb die foilschritt- lichc Volkspartei rücksichtslos en canaille behandelt. Zu den Blättern der letzteren Art gehört die„Krcuz-Zeitung". die in ihrer Wochenübersicht die Freisinnigen folgendermaßen der- höhnt: „Um den Konservativen Unzuverlässigkeit in der Bekämpfung der Sozialdemokratie vorwerfen zu können, suchen fleißige liberale Journalisten bis in die BiSmarcksche Zeit hinein nach „Bündnissen", die von Konservativen mit Sozialdemokraten ab- geschlossen, und nach Abstimmungen, bei denen Konservative in der Stichwahl sozialdeinokratischen Kandidaten zu Mandaten ver- Holsen haben sollen. Aber dieser Fleiß hat sich kaum gelohnt. Mehr als ein paar Einzelfälle hat er nicht zutage geföchert, Jetzt aber suchen die Liberalen die neuerdings von der Partei- leitung kundgegebene konservative Stellungnahme zu den kom- wenden Stichwahlen als einen Beweis dafür hinzustellen, daß die Konservativen eine Begünstigung der Sozialdemokratie im Sinne hätten. Das ist ausgeschlossen. Denn es wird ja in allen Fällen an dem Verhalten der bürgerlichen Linken liegen, wie die Konservativen sich stellen werden. Freilich Helfershelfer der Sozialdemokratie haben von den Konservativen nichts zu hoffen. Das weiß man auch auf der Linken ganz gut. Aber gleichtvohl fordern gerade die sozialistenfreundlichen Fortschritt- lcr blinde Wahlhilfe von rechts aus— nationalen Gründen. Und damit wollen die Linkslibcralen ihr Verhalten gegen die Sozialdemokratie beschönigen?. Wollen vernünftigen Leuten zu glauben zumuten, die Fortschrittlcr, die den„Genossen" grundsätzlich als Hilfstruppcn dienen, täten nichts anderes, als auch schon die Konservativen getan hätten? Mit solchem Gerede, das uns einer Widerlegung gar nicht wert ist, machen sie sich ja nur lächerlich." Doch nicht nur darüber höhnt das Blatt der modernen schnapsbrcnncnden Kreuzritter, daß die Fortschrittlcr sich eine eigene Wahlpoliti! und-Taktik gestatten; es erklärt es auch für ganz berechtigt, daß die Konservativen gegen ihre liberalen Gegner mit der Waffe des wirtschaftlichen Boykotts kämpfen und diesen einfach ihre Kundschaft entziehen. So schreibt das Junkerblatt über die Boykottiening des nationallibcralen Reichstagsabgcordneten und Vankdirektors Weber durch die sächsischen Konservativen: „Und so ist es auch mit der„fürchterlichen" Entrüstung der Linken über den angeblichen Boykott gegen den nationalliberalcn Reichstagsabgcordneten und Bankdirektor Dr. Weber. Wenn jemand eine verantwortliche Berufsstellung bekleidet, dann muß er ihr auch in seiner Eigenschaft als Parteiagitator soweit Rech- nung tragen, daß er Andersgesinnte, mit denen er geschäftlich persönlichen Verkehr zu pflogen hat, nicht in ihrer Ehre kränkt. Es wäre in der Tot eine seltsam:? Auffassung, wenn von einem Beleidigten verlangt werden sollte, mit dem Beleidiger, deshalb, weil er politischer Führer ist, weiter zu verkehren, als sei nichts vorgefallen und sich— vielleicht— gar noch weiteren Beleidi- gungen auszusetzen. Die Absicht, Herrn Dr. Weber wirtschaftlich zu schädigen, liegt zweifellos den sächsischen Konservativen fern. Sie fühlen sich eben gezwungen, ihn zu meiden." Wenn sozialdemokratische Arbeiter Geschäftsleute boykottieren, die die sozialdemokratische Partei aufs gehässigste bekämpfen und beschimpfen, dann ist das ein Akt der Roheit und der Brutalität; wenn hingegen wohlhabende Landbesitzer einen liberalen Abgeordneten' boykottieren, der die Taten der Agrar- konservativen zu kritisieren gewagt hat, dann ist ein solcher Boykott nur ein Akt der Selbstachtung und des berechtigten Parteistolzes._ Die Kiile in Frankrcicl). Paris, 25. Juni.(Eig. Bcr.) Braucht Frankreich einen Generalissimus, einen„obersten Kriegsherrn"? Für die Monarchisten jeglichen Kalibers ist die Frage entschieden. Der erste König, heißt es ja, war ein glücklicher Soldat— soll das Soldatcnglück nicht wiederum die Monarchie zeugen können und wäre es auch nur, wie das des Generals Bonlauger, auf dem Paradefeld und in Schlaf- zinmiern bewährt?- Aber auch die demagogisch bewegliche, an patriotischen Legenden warmgehaltene Phantasie naiver Massen mag die romantische Gestalt des providcnticllen nationalen Helden nicht missen wollen. Die nüchterne Militärwissen- schaft. die die Frage unter dem Gesichtspunkt der Bedingungen und Bedürfnisse moderner Kriegführung erledigen will, hat da mit Vorurteilen und Verdächtigungen zu rechnen, die, sobald sie sich des Parlanicntarischen Feldes bemächtigen, politische Taktik fordern. In der Politik ist nun der General G o i r a n, der nach Berteaux Tode der Kriegs- minister des Kabinetts Monis geworden war, nichts weniger als ein genialer Taktiker. Er redete im Senat so ungeschickt, daß die an der nationalistischen Stimmung interessierte Presse wirklich die Meinung verbreiten konnte, daß sich der Kriegs- minister die Leitung der künftigen Kriegsoperationen etwa in der Art vorstelle, wie der gelähmte Monis aus seiner Kranken- stube die Regierungspolitik leitete— woraus sich dann die Gelegenheit ergab, diesen Kricgsminister mitsamt seinem Ministerpräsidenten abzusägen. Doch nur die Gelegenheit! Denn niemand hat auch nur den Versuch gemacht, zu bestreiten, daß das Ministerium gefallen ist, weil es sich für den Proporz erklärt hatte und die radikalen Antiproportionalisten für ihre Nieder- läge vom vorigen Tag ihre Revanche haben wollten. Daran können alle mathematischen Kunststücke, womit verschiedene interessierte Leute die Abstimmung voni Freitag aus- und um- deuten wollen, nichts ändern. ES ist richtig, daß nicht alle proporzfcindlichcn Radikalen für die von der Regierung be- kämpfte einfache Tagesordnung gestimmt haben. Die Proporz- gcgner haben ohne ihren Gencralissimiis Pelletan die Operation durchgeführt. Jetzt aber heißt der Schlachtruf der ganzen proporzfeindlichcn Armee: Kein Pardon für eine Regierung, die den Proporz auf ihre Fahne schreibt. Damit ist aber eine schier unlösbare Situation geschaffen. Am Donnerstag ist. daS von den Proporzfeinden unterstützte Amendement, das die Vornahme der Deputiertenwahlen nach dem Majoritätssystcm forderte, mit 341 gegen 223 Stiinmen abgelehnt worden. Nach allen Regeln der parlamentarischen Demokratie müßte diese Abstimnning— und nicht die bei einer unpolitischen Nebcufrage am Freitag zustande ge- kommene Kombination— die Zusammensetzung des ncnen Ministeriums entscheidend bestimmen. Die Wahlrcforni ist jetzt in der Kammer in Beratung, der Wille einer großen Mehrheit zeichnet ihren Weg vor. Was die Proporz- feinde wollen, ist einfach, daß die Mehrheit vor der Minderheit abdankt. Begründet wird dies damit, daß der Proporz keine„republikanische" Mehrheit habe— was auch nur dann stimmt, wenn man die Sozialisten nicht zu den Republikanern rechnet, was ja dem radikalen Vlockprinzip selbst stracks zuwiderläuft. Nichtig ist nur, daß die große Mehrheit der Radikalen dem Proporz widerstrebt. Soll die Stellung zur Wahlrcforni die Zusammensetzung des neuen Ministeriums beherrschen, so müßte in der Tat der größte Teil der Linken unvertretcn bleiben, und das Ministerium hätte seine Mehrheit in einer Kooperation der verschiedensten Parteien und Parteifragniente— von den Progressistcn bis zu den gecinigten Sozialisten— zu suchen. Eine solche Regierung aber ist un- möglich— aus allgemein politischen Gründen und infolge der parlamentarischen Stärkeverhältnisse. Am Freitag haben sich die radikalen Unbedingten ohne Scheu mit der Rechten ver- bunden, um Monis zu stürzen, und es liegt auf der Hand, daß sie dadurch, daß sie ihre Macht in die Wagschale werfen, wenn die Regierung einen oppositionellen Angriff von rechts oder auch von der sozialistischen Linken ausgesetzt ist. einen Zustand der chronischen Krise schaffen können, der aber im ge- gebenen Augenblick schon des drängenden Budgets wegen um jeden Preis verhütet werden muß. Gegen die radikalen Proporzfeinde ist eine Regierung nicht zu halten. Aber ebenso ist es ausgeschlossen, daß eine proporzfeindliche Regierung die Wahl- reform zu Ende beraten läßt, die ihren Grund- sätzen widerspricht. Denn eben die Verhinderung der Erledigung der Reform vor den Ferien ist der Zweck der radikalen Obstruktionstaktik. Nun scheinen allerdings noch einige Auswege frei. Es könnten z. B. die Radikalen, die bisher für den Proporz gewirkt haben, abschwenken, und zumindest die Verschleppung der Reform erwirken. Indes scheint dieses wenigstens für jene ausgeschlossen, die, wie F. B u i s s o n in ideologischer Leidenschaft für die Reform in der ersten Reihe gestritten haben. Oder aber es könnte ein Ausgleich gefunden werden, indem sich die radikalen Pro- porzler zu einer weiteren Verschleckstening der Reform, z. B. in der Richtung des Briandschen„Prämien"-Systems bereit- fänden. Doch dazu sind wieder die ernsten Proportionalisten nicht zu haben, die in ihren Konzessionen bis an die äußerste Grenze de's mit dem Proporz-Prinzips Verträglichen, ja im „Apparantment" noch erheblich darüber hinausgegangen sind. Ebenso ist aber jedes ernstliche Zugeständnis von feiten der Reformgegner, die im Bezirkswahlrccht ihre persönlichen In- teressen und die Interessen des klüngelPolUisckjen Gewerbes verteidigen, ausgeschlossen. So ersclieint denn in dem Wirrwarr die Auflösung des Parlaments und die Vornahme der Neuwahlen vielen Politikern als das unvermeidliche Nettungsmittcl. Auch Jaurös faßt sie ins Auge. Das Rezept ist sicher nicht populär. Unter der dritten Republik ist es nur einmal — und zu reaktionären Zwecken von Mac Mahon angewendet worden. Das Ansehen des Parla- mentarismus wird zweifellos durch dieses Ein- geständnis der parlamentarischen Paralyse weiter geschädigt werden. Und die Wahlen, die unter denr Schlagwort des Proporzes durchgeführt werden, müssen die radikale Demo- kratie in eine unabsehbare Auflösungskatastrophe treiben, die für die Zukunft der Republik entscheidend werden muß. Die genauere Betrachtung wird aber darin nicht die Folge indi- viduellcr Egoismen und Kurzsichtigkeiten, sondern den Fluß desselben geschichtlichen Prozesses der kleinbürgerliclien Demo- kratie finden, der sich in dein Versagen aller radikalen Re- gierungcn ausdrückt, an dereni Wiege reformistischer Optimismus immer wieder die Hoffnung aufpflanzte. . Eaillnnx Ministerpräsident. PnriS, 26. Juni. Präsident FatiiereS hat den biSherrgen Finanzminister Caillaux ersucht, die Kabinettsbildung zu übernehmen. Caillaux bemüht sich, den Ruftrag auszuführen. Von den bisherigen Ministern wird wahrscheinlich Dclcasse das Marine- Ministerium und Pams das Ackerbauministcrum behalten. Der bisherige Minister des Aenßeren Cruppi dürfte das Justizministc- rium übernehmen. Für das Ministerium des Acußcrcn wird in erster Linie Millerand, de SelvcS und Poincare genannt. Du� Ministerium würde radikalen Charakter tragen. poUtilcbe OcberHcbt. Berlin, den 26. Juni 19U Keine Hervsttagung des preußischen Drciklassc.� Parlaments. In ihrer Abendausgabe vom Montag, den 26. Juni, berichtet die„Tägliche Rundschau": „Bei der dritten Lesung de! Etats hat das Abgeordneten» haus einen Antrag'aller Parteien angenommen, durch den die StaatSrcgierung aufgefordert wird, künftig den Landtag so zeitig einzuberufen, daß die größeren GesctzcSvorlagen vor Weih- nachten in erster Lesung beraten und an Kommissionen■ verwiesen werden können. Dabei soll Sorge getragen werden, daß diese Vorlagen sämtlich dem Landtage bei seinem Zusammen- tritt zugehen. Dieser Wunsch des Abgeordnetenhauses dürfte kaum Aussicht auf- Erfüllung haben, da er nach An- ficht der maßgebenden Stellen undurchführbar ist. Die Zeit nach Schluß des Landtages bis zum Spätherbst reicht keineswegs aus, um die GcsetzeSvorlagen, die im Landtage zur Vorlage kommen sollen, bereits endgültig fertigzustellen. Denn einmal fallen in die Sommermonate die Beurlaubungen sämtlicher Referenten aller preußischen Ressorts, wodurch naturgemäß in der Erledi» gung der lausenden Arbeiten ein langsameres Tempo eintritt. Außerdem aber sind die Ministerien bis Anfang Dezember auch mit den Etatsarbeiten erheblich in Anspruch genommen. Es wird daher nur in Ausnahmefällen möglich fein, für eine Herbsttagung einen ausreichenden Beratungsstoff an Gesctzcsvorlagen fertigzn- stellen. In unterrichteten Kreisen glaubt man zu wissen, daß die für diese Frage in erster Linie maßgebenden Persönlichkeiten. der Minister des Innern und der Finanzminister, die Durch- führung des Beschlusses des Abgeordnetenhauses aus den oben dargelegten Gründen nicht als durchführbar erachten." Wieder ein Reichsverbandsschwindel aufgedeckt. Die bekannte, im Auftrage deS AeichZmärchenvcrbandcS zusammengestoppelte Möllersche Broschüre über die Vorherrschaft der Sozialdemokratie in den Ortskrankenkassen hat ihrem Verfasser, dem Herrn Dr. Möller aus Kirchseern in Bayern eine ganze Anzahl Beleidigungsklagen eingebracht. Auch vor dem Halleschen Schöffen- -gericht hatte sich der medizinische ReichSverbandsstilist am letzten Freitag wegen Beleidigung deS Rendantcn der dortigen kaufmännischen OrlSkrankenkasse, des Herrn Thier, zu verantworten. In seinem Machwerl hatte sich Herr Möller auch mit dem Konflikt zwischen den Halleschc» Krankenkassen und den dortigen.ftrcikendcu' Aerztcn be« schäfligt und behauptet: der Rendant Thier, der der sxiritus rootor in diesem Kampf gewesen wäre, sei ein wegen sozialdemo» kratischer Umtriebe auS dem Po st dien st entlasse ner Beamter. Diese Behauptung, die die besondere sozialdemokratische„Durch- senchung" deS kämpfcnden Halleschen KrankcnkasscnverbandeS be» weisen sollte, erwies sich jedoch vor Gericht als blanker Schwindel. Vor Eintritt in die Verhandlung erklärte der Verteidiger Möllers— letzterer war selbst nicht zum Termin erschienen—, der Dr. Möller habe eingesehen, daß seine Behauptung objektiv unrichtig sei. Herr Thier sei überhaupt nicht entlassen. sondern auS anderen Gründen vom Postdienst zurückgetreten. Die Möllersche Angabe beruhe auf unglücklicher Information, die aber von einer Person stamme, deren Namen einen„guten Klang" habe. Im weiteren Laufe der Verhandlung leistete sich der Rechts. anwalt des Reichsverbändlers noch die köstliche Bemerkuug:„Das Broschürcnmatcrial gegen die Vorherrschaft der Sozialdemokratie in den OrtSkrankenkasscn sei doch in den Motiven zurReichS« Versicherungsordnung niedergelegt und von allen Gegnern der Sozialdemokratie anerkannt worden." Weiter meinte der Verteidiger: Herr Möller habe sich bei der Zusammenstellung des Materials vorher»auf das peinlichste informiert". Seine Bchaup« tungen beruhten sZintlich auf zuderlässtgsten Informationen.— Schließlich bot der Verteidiger einen Vergleich an, den der Kläger annahm. Danach erklärt Dr. Möller, seine über Herrn Thier auf- gestellte Behauptung sei unwahr, und er bedauert, Herrn Thier unrecht getan zu haben. Ferner übernimmt Dr. Möller sämtliche Kosten._ Bald so. bald so! Während die konservative Presse als Stichwahlparole der- kündet, daß die konservative Partei bei den nächsten Reichstags- Wahlen zwischen Sozialdemokraten und Fortschrittlern keinen Unterschied machen werde, beteln im Wahlkreise Potsdam- Spandau die Konservativen wehmütig um die Unterstützung ihres Kandidaten durch die Freisinnigen. Nach der unter so eigentüm- lichcn Umständen zustande gekommenen Abschiebung des„schlichten Mannes" Pauli aus dem Wahlkreise, steht es um die konservativen Aussichten noch schlechter als früher. Die Sammelpolitik nach dem System Bülowblock wird deshalb von der konservativen Kreis- leitung mit allen Mitteln betrieben und die Stichwahlparole der Berliner konservativen Hauptleitung als nicht gültig für den Wahlkreis PotSdam-Spandau-Osthavelland erklärt. So heißt es einer offiziellen Erklärung der Konservativen: „Angesichts der besonderen Verhältnisse unseres Wahlkreises, der den Lieblingsauscnthalt und die Lieblings!- Residenz des Kaiserhauses umschließt, hält der hiesige Neue Wahlvercin unbedingt an der von seinem Vorstand aus- gegebenen Parole fest, unter allen Umständen die Wahl des Sozialdemokraten Liebknecht zu der» bindern und zu diesem Zweck auch in der wahrscheinlichen Stichwahl geschlossen zur Abgabe eines bürgerlichen Stimmzettels zur Wahlurne zu gehen." Stcucrscheu. Die Dortmunder„Arbeiterzeitung" veröffentlicht eine Verfilgung der königlichen Regierung in Arnsberg an die Erben des verstorbenen Eisenwerk- und Vraucrcibcsitzers August Klönne in Dortmund, durch die eine Rachsteuer von 19 600 M. gefordert wird. Die Regierung behauptet, Klönne, ein fiinsfachcr Millionär, habe seit Jahren in seinen Steuererklärungen sein Einkommen zu niedrig eingeschätzt und zwar könne es bei den hervorragenden geschäftlichen Fähigkeilen Klönnes garnicht zweifelhaft sein, daß er die unrichtigen Angaben wissentlich niachte. Die Regierung weist den Erben nach, daß Klönne am 1. Januar 1903 ein Vermögen von 4 242 440 M., 1903 ein Ver« niögen von 6 070 000 M. bis 6 100000 M. besessen habe. Das Ver- mögen war also in der Zwischenzeit um etwa 860 000 M. gewachsen. Dabei hatte Klönne sehr erhebliche Aufwendungen für seinen Lebens- Unterhaltung und seine sonstigen Bedürfnisse. Die Regierung»leint, daß er jährlich 120 000 M. bis 140 000 M. für Lebenshaltung, Faniilie und Rennsport aufgewendet habe. Als jährliche Znnnahme des Vermögens seien bei vorsichtiger Schätzung 210 000 bis 240 000 M. nicht zu hoch gerechnet. Das steuer- Pflichtige Einkonlmcn habe in den betreffenden Jahren jeden« falls zwischen 330000 und 380 000 M. betragen; etwa 130 000 M. Einkommen seien alljährlich zu wenig versteuert worden. In Frage konmlen die Jahre 1905—1903. Die Regierung gibt zu, daß die Anfstellung Fehler enthalten könnte: das sei jedoch Schuld der Erben, die sich hartnäckig weigern, der Behörde Einsicht in die Geschäfts- abschlnsse zu geben. Die Verfügung der Arnsberger Regierung ist vom S. Dezember 1910 datiert. Zum Schluß heißt cS darin, der Betrag von 19 600 M. cklkisse binnen vier Wochen an die königliche Kreiskasse in Dort», und gezahlt werden, widrigenfalls Zwangsvollstreckung erfolgen werde. Stach Mitteilling der„Arbeiterzeitung" haben die Erben den Betrag anstandslos bezahlt und damit zugegeben, daß Klönne sein Einkommen alljährlich um mindestens 130 000 M. zu niedrig ver- steuert hat. Ter Verdacht liegt aber nahe, daß der nichtversteuerte Betrag noch größer sei. Natürlich entfällt auf den nachgezahlten Betrag an Einkoinmensteuer auch noch der entsprechende Zuschlag an Kommunalsteuern.— Die Arbeiter der Firma Klönne sind ganz sicherlich nicht in der Lage gewesen, auch nur einen Pfcmiig Steuer zu hinterziehen; es ist dafür gesorgt, daß auch der letzte Heller der Arbeiter versteuert werde. Steuerhiilterziehuug bleibt ein Privileg der Besitzenden._ Die konservative Denunziation gegen Professor Wilbrandt vor der»vnrttcuibcrgische» Kannncr. Die agrar-konservative Presse fuhr bekanntlich kürzlich wütend über den Professor Wilbrandt in Tübingen her, weil er in einem seiner Werke Ansichten geäußert hatte, die n>an als sozialistisches Glailbeiisbekciimni« ansah. In nachdrücklichster Weise verlangte diese Presse, daß Wilbrauot. dieser staatliche Lehrer, aus seinem Amte entfernt werde. In der Schul- und KulluSdcbotte ini württcmbcrgischcn Landtag wurde am vergangenen Sonnabend diese Dcmniziatio» von den, sozialdcniokralischc» Redner Heymann zur Sprache gebracht und der Killlusminister interpelliert, wie-r sich zu den Aiigriffen der Berliner reaktionären Presse stelle. Kultusminister v. Fleischhauer eillärle, die Angriffe auf den Tübinger Hochschullehrer Professor Wilbrandt seien ihm erst durch die sozialdemokratische Presse bekannt geworden. Er gebe die Versicherung ab, daß er alles tun werde, um die Lchrfrciheit der llniversitätSprofcstorcn zu hüten und zu schützen gegen alle Angriffe, von welcher Seite sie auch komme« mögen. Die Erklärimg wurde von der ganzen Linken mit lebhaftem Bei- fall aufgenommen._ Das Programm der„Elsaft-Lothringischen National Partei" konnte bislang noch nicht ermittelt werden; offiziell liegt von der „Partei" bis zur Stunde nur das bekannte GründuugSmauisest vor. daS in dem Satze gipfelt: Elsaß-Lothringen den Elsaß-Lothringern I Da ist cS dankenswert, wenn einzelne Prcßorgane des neuen poli tischen Verbandes sich bestrebt zeigen, den, offenkundigen Mangel an ihrem Teile abzuhelfen. Der„Lorroin" des Abbö Colli» in Metz tut sich in dieser Beziehung her vor. Er schreibt im Hinblick auf die kommenden Landtags� wählen:„ES erscheint unS nützlich, das Prinzip festzustellen, wo- nack, diese Wahlen gemacht werden sollen." Und er definiert diese« Prinzip dahin:„Alle Mitglieder des Landes- auSschusses sollen wieder in den Landtag. Durch diese Tat soll daS Land seine beleidigte Würde rächen." Man kann dem.Lorrain" die Logik nicht absprechen. ES ist erst wenige Monate her, da bezeichnete der katholische Priester, der dieses Blatt leitet. daS allgemeine, gleiche, geheime und direkte S t i n, m r e ch t als eine Erfindung des Satans. Der Umstand, daß der von Wilhelnr kl. anläßlich des diesjährigen KaiierbesuchcS in Straßbnrg heimgeschickte Landes- ansschuß daS elsaß-lothringische Volk gor nicht repräsentierte, ja, daß er da? sozialrcaktionärste Parlament der Welt war, ist daher für den.Lorrain' etwas Nebensächliches; im Gegenteil, je weniger der Landesausschuß nnt jener Erfindung deS Teufels zu tun hatte, je volksfeindlicher also das Wahlrecht war, aus dem er hervorging, desto mehr wurde nach dem„Lorram" die„Würde des Landes" verletzt, indem man dem Notabelnparlament den Abschied gab. So kann es für das Heer der Nationalisten in der Tat keine dringendere Aufgabe geben, als sich bei der kommenden Wahl der„Erfindung des Satan" zu bemächtigen, um die beleidigte Würde„des Landes", genauer des LaudeZausschusscS, zu rächen. DaS alles ist ganz folgerichtig. Unlogisch wäre es nur vom elsaß-lothringischen Volke, wenn es diesen Sirenenklängen folgen und durch die falsche Anwendung des Instrumentes der Be- sreiung, welches ihnr mit dem neuen Wahlrecht gegeben worden ist, in der Person der Notabeln des allen LandesauSschusseS seine Ans- beuier und Unterdrücker aufs neue selber wieder.ans Staatsruder stellen wollte. Eine andere Melodie pfeift Blumenthal in Colmar. Er hat in seiner eigenen Parteiorganisation, in der Elsaß-Lolhringischcn Volkspartei, einen letzten Rest von demokratischen Grundsätzen zu überwinden, was ihm durch die Abstoßung der paar„letzten Mohi- kaner", welche an seiner Seite als weiße Raben bisher noch un- persönliche Ziele verfolgten, alsbald gelingen dürfte. Mittlerweile spielt er die alte Komödie weiter: In einer Parteiversammlung, die ihn schließlich autorisierte, mit der Nationalpartei„zwecks An- schlusseS in Verhandlung zu treten", erklärte er, er würde bei der am 29. d. MtS. erfolgenden Progranrmberatung schon dafür sorgen, „daß nichts gegen die demokratischen Grundsätze Verstoßendes zur Annahme gelangt". Das ist möglich; man wird sich bemühen, dieses„Programm" nrö glich st färb- und inhaltslos zu gestalten. Weiter erklärte er: Insbesondere die Simultan- schule und die Trennung von Kirche und Staat seien nach wie vor die von ihm verfolgten Endziele seiner Politik. Wenn die Mitwelt das Genie von Colmar anerkennt und ihm zutraut, daß es durch die Förderung der Wahl nationalistischer Schwarzer vom Schlage der Wctterls, Hauß, Ricklin usw. seinem „Endziel" nach Kräften entgegen arbeitet, so kann Daniel Blumen- thal nichts dafür. Das nennt er ein bedauerliches Mißverständnis. Eine tapfere Erllärnng gegen die„Nationalpartei" erläßt unterdessen das erweiterte Komitee des Str a ß b ur g e r Zentruins- v er eins im„Elsässer". Man liest da: „Das erweiterte Komitee des Straßburgcr Zentrunrsvereins lehnt jede grundsätzliche Gemeinschaft mit der in der Bildung begriffenen Nationalpartei ab. Diese Partei gefährdet die Aufrechtcrhaltung und den unerläß- lichen Aufbau unserer Parteiorganisation. Die Nationalpartci und ihre Unterstützung durch uns ist unvereinbar mit der nachdrücklichen Vertretung der christlichen Ideale unserer Partei, die uns in der heutigen Zeit als die erste Pflicht unseres christlichen elsaß-lothringischen Volkes er- scheint. Ein Erfolg der Nationalpartei würde ferner dazu führen, daß die wirtschaftlichen und sozialen Forderungen des Zentrums- Programms nicht mit der Entschiedenheit im Landtag vertreten werden könnten, wie es für alle arbeitenden Stände unseres Volkes nötig ist." DaS schwere Geschütz, das da aufgefahren wird, zeugt von der Tiefe der Gegensätze, die im reichsländischen Zentrumslager klaffen. Es wird der ganzen politischen Taschenspielerkunst der Wetterle und Dlumenthal bedürfen, um diese Gegensätze nicht in offenem Kampfe aufeinanderplatzen zu lassen. Tie Unterschlagungen in den landwirtschaftlichen Kreis- vereinen im Elsaft. Im landwirtschaftlichen Kceisocrciii Zaberul kam dieser Tage der jüngste dieser Fälle, der Fall Pfefferkorn, zur Sprache. Der Kasseurechner Pfefferkorn hat sich bekanntlich vor einigen Monaten aus Anlaß einer Kasscnrcvisiou mit seinem Jagdgelvehr— er lebte auf großem Fuße— erschossen. Es wurde in der Versammlung festgestellt, daß die unterschlagenen Summen gegen 18 000 M. betragen; aus dem Nachlasse Psesserkorns konnten nur etwa 1600 M. zur Kasse abgeführt werden. Obwohl der Vor- stand des KrciSvereiuS der Nachlässigkeit geziehen werden mußte, er- teilten die versammelten Agrarier dem Borsitzenden. Kreis- direktor Freiherrn v. d. Goltz, ein BertranenSvotum. ES wurde dann eine S p e z i a l k o m m i s s i o n für Kasseiirevisioncn gcwähltl_ Milde Justiz gegen Soldatenschinder. Vor dein ObcrkriegSgcricht in Koblenz stand der Sergeant Onade vom Trainbalaillon Nr. 8. Er hat einen Soldaten derart mißhandelt und vorschriftswidrig behandelt, daß dieser in Siech- tum verfallen i st. Der Soldat ist infolge Dienstbeschädigung entlassen worden. Er hat fast ganz die Sprache verloren. Der Sergeant hat den Soldaten bis zur Erschöpfung Uebungen u. dergl machen lassen, ihn Trepp ans Trepp ab gejagt und dann, als der Mann in Schivciß gebadet und völlig hinsällig war, ihn in den kalten Hof gestellt, so daß er sich ein a k u t e S H a l S ü b e l zuzog, gegen daS eine Kur in EmS völlig erfolglos blieb. Wegen dieser schändlichen Behandlnug wurde Ouade vom Kriegsgericht nur zu drei Wochen Mittelarrcst verurteilt.\ DaS ObcrkriegSgericht setzte sogar die Strafe noch um drei Tage herunter, da in einem von vier MißhaudlimgSfällcn Freisprechung eintreten mußte und nur der Sergeant, nicht aber der Gcrichtsherr Berufung eingelegt hatte. Daß ein Mensch zum Krüppel gemacht worden ist, ahndet also die gegen„Gemeine" so strenge Mililärjustiz mit ganzen achtzehn Tagen Mittelarrestl_ Oeftemlcb. Das Ministerium nach den Wahlen. Die ersten Opfer des Wahlkampfes im Ministerium sind gefallen. Der christlichsoziale Handelsminister Dr. Weiß k i r ch n e r und der polnische Eisenbahnminister Dr. G l o in b i n s k i haben heute ihre.E n t l a s s n n g e r h a l t e n. Zu ihren Nachfolgern wurden provisorisch die bisherigen Seb tionschefs Dr. M a t a j a für den Handel und Dr. R ö l l für die Eisenbahnen beauftragt. Das Provisorium hat aber bereits das ganze Kabinett erfaßt. Denn auch Herr von B i e n e r t h ist demissionsrcif. Schon ist der frühere Mi nisterpräsident von©autsch, unter dein übrigens auch die Wahlreform begonnen worden ist, in Verhandlungen mit Parteiführern getreten. Es handelt sich hauptsächlich darum, zwischen Tschechen und Deutschen in Böhmen ein nationales Reformprogramm zu vereinbaren oder mindestens sie zu einem nationalen Waffenstillstand zu bewegen. Gelingt es Herrn von Gautsch, sich eine Majorität zu schaffen, so tritt Bienerth zurück und Gautsch wird Ministerpräsident. Für die innere Kolonisation. tdudapcst, 26. Juni. Der Finonzminister LukacS unterbreitete dem Abgcordnetenhause einen Gesetzentwurf über die E r r i ch- tung eines BodcnkrcditinstitutS, dos unter Mitwirkung des Staates und verschiedener Pfandbriefanstalten ohne Rück- ficht auf Gewinn der Kolonisierung und Zerstückelung von großen Grundstücken dienen soll. Der Beitrag der Regierung beträgt acht Millionen Kronen. Ferner überläßt sie dem Institut zur Bildung eines SicherstcllungssondS Obligationen im Werte von zehn Millionen Kronen. Italien. Eine Sympathicknndgcbnng für die portugiesische Republik. Am 23. d. M. hat der Expricstcr Romolo Murri in der italienischen 5damnrer den Minister des Aeutzcrn darüber befragt, ob es nicht an der Zeit wäre, die neue Portugiesische Republik offiziell anzuerkennen. Der Unterstaatssekretär Di Scalea gab darauf die Erklärung ab. daß eine Entscheidung in diesem Sinne bevorstehe, woraus der Abgeordnete Murri unter dem Beifall der äußersten Linken der neuen Republik im Namen wenn nicht der ganzen, so doch eines Teils der italienischen Kammer Gruß und gute Wünsche entbot. Er schloß seine Rede mit einer Verherrlichung der portugiesischen Revolution, die er als eine Kulturtat von großer Tragweite pries und ob der Tapserleit und Mäßigung ihrer Durchführung anerkannte. OrKei. Tie Verhandlungen mit den Albancsen. Kitt», 26. Juni. Die„Kölnische Zeitung" meldet aus C e, tinje: Die gestrige und heutige Besprechung des türkischen Ge- sandten mit den Führern der albanischen Anfstän� bischen in Podgritza hatte noch keinen praktischen Er» folg. Die Albancsen wiesen die türkischen Vorschläge als un- g e n ü g e n d ab. In den albanischen Gegenvorschlägen wird u. a. verlangt: die Erlaubnis des Wassentragens, die Wahl der hohen Vcrwaltungsbcamten, die der niederen Beamten unter den Alba» nesen, die Ableistung des Heeresdienstes in Albamen, die Her- stellung aller verwüsteten Häuser sowie eine Vergütung aller an- gerichteten Schäden, die vollständige Amnestierung aller Albanesen und endlich eine Bürgschaft dafür, daß die Pforte diesen Bedin- gungen treulich nctchkommt. Der türkische Gesandte reist nach Tuzi zur Beratung mit Torghut Schewket Pascha. Nach seiner An« ficht gehen die Fordemngen für ganz Albanien zu weit. Marokko. Die französischen Marokkohetzcr über ihre spanischen Rivalen. Paris, 25. Juni. In einem ausführlichen Bericht über das Vorgehens Spaniens in Marokko weist der„T e m p s" darauf hin, daß die spanische Regierung alle militärischen Maßnahmen gc- troffen habe, um in Marokko noch viel umfangreichere Unterneh» mungen als die Besetzung von Eltsar durchführen zu können. Spanien habe gegenwärtig sicherlich an 50 000 Mann in Marokko, und überdies stünden in Malaga und Cadiz 40 000 Mann bereit: Die gegenwärtige finanzielle Lage Spaniens sei so, daß es eine außerordentliche Ausgabe von 30—40 Millionen Pesetas nicht allzu schwer ertragen könnte. Man dürfe also weder vom militärischen noch vom finanziellen Gesichtspunkte aus darauf rechnen, daß Spanien sich abhalten lassen werde, auf dem betretenen Wege fort- zuschreiten.__ Hus der Partei. August Bebel zum Gewerkschaftskongreß. In der Begrützungsnummer der„Dresdener Volks« zeitung" widmet Genosse August Bebel dem Gewerkschafts- kongreß folgende Worte: Die deutschen Gewerkschaften können ihren diesjährigen Kon- greß im schönen Dresden niit großer Befriedigung abhalten. Sie können auf eine glänzende Entwickelung. die das Gewerkschaftswesen in Teutschland in den letzten Jahren abermals genommen, hat, zu- rückblicken. Das kann sie mit Stolz und Genugtuung erfüllen uns» berechtigt sie weiter zu den schönsten Hoffnungen. Diese Entwickelung ist aber auch bitter notwendig. Die Unter- nehmerjchaft hat in weit höherem Maße als bisher die Arbeiter- klasse die Notwendigkeit der fachgewerblichen Organisation begriffen und durchgeführt, nachdem sie anfangs von einer solchen Organi- sation nichts wissen wollte. Erst Schüler, wurde sie bald Meister. Das zwingt die Arbeiterklasse, der Unternchmerklasse zw folgen. Will sie ihre künftigen Kämpfe mit Erfolg für eine bessere Lebensstellung siegreich führen können, so mutz der letzte Arbeiter. dem Beispiel seines Ausbeuters folgend, sich in die gewerkschaftliche Organisation seines Berufs begeben. Aber auch der letzte Arbeiter muß endlich begreifen, daß, wie die Unternehmer nicht die Torheit begehen, sich wegen ihrer religiösen oder politischen Ansichten zu spalten, sondern einander, ob Katholik oder Protestant, Jude oder Atheist, konservativ, liberal oder demokratisch denkend, sich in einer Bcrussörganisation ver- einigen, der Arbeiter noch viel weniger sich den Luxus einer solchen Spaltung der beruflichen Organisation erlauben darf. Mit Reckst jubeln die Unternehmer und alle Gegner der modernen Arbeiter- organisationen über dieses s e l b st m ö r d e r i s ch e Treiben der Arbeiter, wenn sie sich auch hüten, diesen Jubel öffentlich zu zeigen. Nur die volle Einigkeit und Einheit der Arbeiterklasse in der gewerkschastlichen Organisation verbürgt und vor allen Dingen er» leichtert ihr ihre Siege und erschwert Niederlagen. Möchten die Arbeiten des Dresdener Gewerkschaftskongresses weit über den Kreis der organisierten Genossen hinaus als starkes Anziehungsmittel auf die noch außerhalb der gewerkschaftlichen Organisationen Stehenden sich gestalten und der Gedanke von der Notwendigkeit der Einheit der Organisation Scharen neuer An, Hänger gewinnen._ A. Bebel» Der erste sozialistische Abgeordnete in Portugals Aus Oporto wird unS geschrieben: Die Wahlprüfungskommission hat daS Mandat des Republi« kanerS Dr. NuneS da Ponte kassiert und den sozialistischen Kandidaten Manuel Jose da Silva für gewählt; erklärt....: Die Ungültigkeitserklärung des Mandats erfolgte auf Grund' eines Protestes, den die Sozialisten von Oporto gegen die unlauteren Wahlmanöver der Republikaner eingelegt hatten. Die Nachricht von der Wahl eines Sozialisten in däs erste repu- blikanische Parlament Portugals wurde an allen Orten mit großer Freude ausgenommen. Ist doch dadurch dem portugiesischen Prolc- tariat die Möglichkeit gegeben, im Parlament der Bourgeoisrrpublik seine Stimme hören zu lassen. AuS dem finnischen Parteilcben. Unser fiimländischcr Mitarbeiter schreibt uns: Der Kongreß der finnischen Sozialdemokratie, der sahimgS- gemäß alle drei Jahre abgehalten werden muß. wird im kommenden Herbst nach H e l s i n g f o r S einberufen werden. Als wichtigste VerhaiidliiiigSgcgenstände stehen auf der Tagesordnung des Kongresses folgende Fragen: Die GenosienschastSbewegung und die Arbeiter; die Jugeiidbetvegung in der Sozialdemokratie; die Programmfrage und die Stellungnahme gegen die Reaktion. In unserem Zentralvrgan„TyvmieS" tritt Genosse K. dafür ein. daß die Frage der Eriveitening der Reckte der russischen Staats« angehörige» in Finnland auf dem Kongresse nickt nur als ein Punkt der Berichterstattnng der parlamentarischen Fraktion, sondern als be- soliderer Punkt behandelt würde. In Uebercinstimmung mit der Fraktion solle der Kongreß sich dafür aussprechen, daß die Rechte der Russen auch folgende Punkte umfnssen sollen: 1. Rede- und Preßfreiheit, 2. Vereins- und Versammlungsfreiheit, 3. Gewerbesreiheit, 4. Gleich« berechtiguiig mit de» Finnländern in den Gemeindeangelegenhciten.— Die angeführten Rechte sind den in Finnland lebenden Russen in- folge der barbarischen Maßnahmen des Generalgouverneurs ge» nommen. Die sozialdemokratischen Forderungen zeigen am deutlichsten, daß nicht die Regierung, sondern die finnischen Sozialdemokraten die wirkliche Gleichberechtigung der Russen anstreben. RcichStagSkandidatur. In einer Wahlkreiskonferenz für den ReichStagSwahllreiS K a u f b e u r e n(6. schwäbischer Wahlkreis) wurde an Stelle des Genossen Zitt, der aus Gesundheitsrücksichten zurückgetreten ist, Genosse Albert Schmidt. Gewerlschasls- selretär in München, aufgestellt. Totcnlistr der Partei. In D re Sd'e n starb der Bi ldhau e r, Genosse H e i> r i ch M a y im Alter von 60 Jahren. Der Verstorbene war der S chöpfer der Grabdenkmäler für Lieb» knecht, Manfred Wittich und Schön lank. Genosse May stammte aus Nürnberg, wo er auch seine künstlerische Ausbildung empfing. Er war ein Schüler des bekannten Bildhauers und Malers August von Kreling, der seinerzeit auch Direktor der Nürnberger Kullitschuse wgx, 6ewcrhrcbaftUcbc& Berlin und Umgegend« Zur Lohnbewegung der Brettertrüger ist zu berichten, daß der bekannte Katzmareck, Berlin dl.. Palikstr> 33, als Streikbrecheragent für die Firma Welk u. Elbe Arbeitswillige vermittelt, jedoch scheint die Qualität dieser Leute sehr minderwertig zu sein, denn die Hälfte hat nach kurzer Zeit den Arbeitsplatz wieder verlassen. Hoffentlich findet bei dieser Firma eine baldige Verständi- gung statt. Voi läufig bleibt dieser Platz ohne weiteres gesperrt. Die Sperren über die Firmen Schiffer u. Sohn, Schönfeld« Charlottenburg und Beyer u. Erdm enger- Treptow bleiben nach wie vor bestehen und sind diese Plätze streng zu meiden. Deutscher Transportarbeiterverband. Die Lohnkommission. Deutsches Reich. Ans dem Lager der Scharfmacher! In einer kürzlich abgehaltenen Ausschußsitzung des Vereins Deutscher Arbeitgeberverbände wurde über den während der vor- jährigen Aussperrung der Arbeiter im Baugewerbe errichteten„Unterstützungsfonds" berichtet. Die Einnahmen bc- trugen: Einzahlungen von Mitgliedsverbänden des Vereins Deut- scher Arbeitgeberverbände 313 521,91 M. Von Firmen und Ver- bänden, die dem Verein der Arbeitgebervcrbände nicht angeschlossen sind, 618,45 M. Zinsen bis 31. Dezember 1913 2551,35 M. Summa: 322 691,71 M. Davon erhielten die Mitglieder des Deutschen Arbcitgebcrbundes für das Baugewerbe 268 274,35 M. Porto und Bestellgelder 124,63 M., so daß noch ein Ucberschuß von 54 293,36 Mark verblieb. Dieser Ueberschutz wird laut Beschluß, wie es seinerzeit 1938 bei dem Unterstützungsfonds für die Holzindustrie geschehen ist, an die Verbände zurückgezahlt und zwar so, daß der über 4254 Pf. pro Kopf des Arbeiters in den Unterstützungsfonds für das Baugewerbe gezahlte Betrag an die betreffenden Ver- bände zurückvergütet wird. Der unverteilbare Rest wird der Kasse des Vereins Deutscher Arbeitgeberverbände zugeführt. In derselben Sitzung wurde dann auch noch kurz über eine Eingabe an den Herrn Staatssekretär des Reichsjustizamts betr. das Streikpostenstehen berichtet. Bekanntlich hatte der Verein Deutscher Arbeitgeberverbände im vorigen Jahre seine Verbände aufgefordert,„einwandfreies" Material zu sammeln, um gegen die verübten Mißbräuche und Ausschreitungen der Streikposten vor- zugchen. Auf Grund dieses Materials wurde dann die schon er- wähnte Eingabe an das Reichsjustizamt gerichtet, in welcher ersucht wurde, daß in die Strafgesetznobelle oder in die Novelle der Straf- Prozeßordnung Bestimmungen aufgenommen werden möchten, durch welche 1. daS Streikpostenstehcn allgemein untersagt, 2. den Ar- beitSwilligen ausreichender Schutz durch Androhung von hohen Strafen gewährleistet, 3. eine sofortige Aburteilung der Exzedentcn herbeigeführt wird. Auf diese Eingabe hin ist seitens des Reichs- lanzlers ein entgegenkommendes Antwort- schreiben(I) eingegangen, von welchem der Ausschuß„mit Be- friedigung Kenntnis" nahm. Kommentar ist überflüssig. Nur ein Mittel gibt es hiergegen. Ein jeder Arbeiter muß sich seiner Gewerkschaft anschließen._ Wie Streikenden der Kampf erschwert wird, zeigen zwei Strafbefehle, die der Amtsvorsteher von Atzendorf im mitteldeutschen Braunkohlengebiet zwei Streikposten zugestellt hat. Es heißt darin:„Sie haben am 14. d. M. gegen l'/g Uhr nachmittags auf einem auf der Chaussee von Atzendorf nach Athensdorf auf- gemeierten KieShaufen gesessen, wodurch derselbe auseinandergewühlt und in Unordnung gebracht wurde. Diese Uebertretung ivird be- wiesen durch den berittenen Gendarmeriewachtmeister Tietjen in Förderstedt. Es wird deshalb gegen Sie auf Grund des§ 18 der zusätzlichen Vorschriften zum Chausseegeldtarif vom 24. Februar 1843 bezw. der ZZ 1—3 der Regierungsverordnung vom 25. April 1346 auf eine bei der hiesigen AmtSkaffe zu erlegende Geldstrafe von 3 M. erkannt, an deren Stelle, wenn sie nicht beizutreiben ist, eine Haft '" von einem Tage tritt. Ein anderer Streikposten wurde aufgefordert, sein Rad vom Acker zu nehmen. Zu allgemeiner Erheiterung wurde dann der Gesetzeshüter darauf aufmerksam gemacht, daß das Feld, auf dem sich das Rad befand, Besitz und Eigentum des Streikpostens selbst war._ Erfolgreiche Lohnbewegung in der sächsischen Waggon- fabrik in Werdan. Nach langen Verhandlungen und erst, als für eine größere An- zahl von Arbeitern die Kündigungsfrist abgelaufen war und sie in den Kampf eintraten, ist nun eine Verständigung erzielt worden. Die Arbeitszeit wird sofort von 63 auf 57 Wochenstunden verkürzt. Die Stundenlöhne der Lohnarbeiter werden um 3—5 Pf. und die Lohnsätze der Akkordarbeiter um 5 Pf. aufgebessert. Die Akkordsätze werden so bemessen, daß ein bestimmter Ueberverdi-nst über den Stundenlohn erzielt werden muß: dementsprechend sollen die ge- ringeren Akkordsätze aufgebessert werde». Den Güterwagenbauern wird Holz und Material an die Arbeitsstelle geliefert. Alle bereits im Streik befindlichen Arbeiter werden wieder eingestellt. Die Lohnbewegung der Huf- und Wagenschmiede in Frankfurt a.M' hat den Abschluß eines korporativen Lohn- und ArbeiiZvertrageS zwischen der Meistervcreinigung und dem Zentralverband der Schmiede auf die Dauer von vier Jahren fiir daS Frankfurter Schmiedegcwerbe gezeitigt. Die tägliche Arbeitszeit wird stufen- Weise auf 93li und 9>/, Stunden verkürzt mit Lohnausgleich und Lohn- «rhöhung von 4 Ps. die Stunde, verteilt auf die Dauer des Ver- trage«. Die Mindestlöhne betragen: Feuerschmiede 56 Pf., Bank« und Beschlagschmiede 46 Pf., Jung- und Beschlagschmiede 42 Pf. und Jungschmiede 43 resp. 38 Pf. und erhöhen sich um 3 Pf. die Stunde während der Tarifdauer, lieberstunden werden mit 13 Pf., Nacht- und SonntagSarbeit wird mit 23 Pf. Aufschlag die Stunde vergütet. Bäckerstreik in Danzig. Am letzten Donnerstag haben die Bäckergesellen in Danzig mit 14! gegen 1 Stimme den Streik beschlossen. Bis jetzt haben 22 Bäckereien mit 61 Gesellen bewilligt, 164 Gesellen haben sofort, 29 am nächsten Tage die Arbeit niedergelegt. Unter den neuen Be- dingungen arbeiten bis jetzt 61 Bäcker, 14 sind abgereist, im Streik stehen noch 113. ES sind außerordentlich wenig Streikbrecher nach Danzig gekommen. Zuzug ist weiter fernzuhalten. Husisnd. Zum Seemannsstreik. tTnlee Hinweis auf eine Bemerkung in unserer Sonnabend- mummer, daß 27 deutsche Streikbrecher aus Hamburg in Amsterdam angekommen seien, von denen aber 12 nicht in Arbeit traten, er- halten wir folgende Zuschrift: Wohl wird vor allem von den holländischen Reedern mit aller Macht versucht, speziell hier in Hamburg Streikbrecher anzuwerben, jedoch sind die Leute, die man bisher hier angeworben hat, nur ■in ganz verschwindenden Ausnahmefällen deutsche Seeleute gewesen. Man hat hier nach Beginn des Streiks aus allen zweifelhaften Winkeln die Leute zusammen- gesucht und ist nicht davor zurückgeschreckt, selbst die Vcrbrecherkeller von ihrem Inhalt zu leeren. Auch ist jene Streikbrechcrlicfcrungs- firma„Auguste Muller" in Aktion getreten und hat ihre Hintze- männer an die holländischen Reeder als„Seeleute" abgegeben. Zu- gegeben muß allerdings werden, daß es den Strcikbrccheragcnten gelungen ist, auch skandinavische und englische Seeleute anzu- werben. Immerhin muß auch hierbei wieder hervorgehoben werden, daß es zum größten Teil die heruntergekommensten Ele- mente sind, die sich von diesen Nationen zum Streikbrecher her- geben.___ verantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin, In seratenteil vergntw.z Zum Schluß Wollen wir noch bekaNnkgellekf, daß auch dS'k Stellennachweis des„Christlichen Kellnerheim". Hamburg, Espla- nade, in diesem Streik nach dem Ausland Streikbrecher liefert. Deutscher Transportarbeiterverband. Ortsvcrwaltung Hamburg I. Sektion: Seeleute« » Die wichtigste neue EntWickelung im SeemaNnSstreik ist die Beendigung des Kampfes in Southampton. Das Zusammen- gehen der Dockarbeiter mit den Seeleuten hat den Widerstand der Reeder gebrochen. Die White Star, Union Castle und Royal Mail Linien haben sich mit den Arbeitern geeinigt, so daß der Hafen- verkehr in normaler Weise vonstatten gehen kann. Dagegen scheint der Kampf in den nordenglischen, schottischen und irischen Häfen einen erbitterteren Lauf zu nehmen. In Liverpool haben bis- her fast alle segelbereiten Schiffe die Forderungen der Seeleute bewilligt, aber die Reeder drohen jetzt den Entscheidungs- kämpf an. In einem Falle sind die Dockarbeiter in den Sympathiestreik getreten. Sehr scharfe Formen hat der Kampf in H u l l angenommen, wo die Docker ganz allgemein mit den See- leuten gemeinsame Sache gemacht haben. Dort steht fast der ganze Hafenverkehr still und die Reeder bemühen sich, Streikbrecher aus anderen Gebieten hinzutransportieren. Zu welchen Elementen die Reeder ihre Zuflucht nehmen, davon zeugt ein blutiger Vorfall. Als der Dampfer Ladywood vor einigen Tagen, mit Streikbrechern be- mannt, den Hafen verließ, feuerte ein Mordgeselle einen Schuß aufden Streikpostensteher Welsh ab, der jetzt in lebensgefährlichem Zustand darnieder- liegt. Eigentümlicherweise ließ man d a s Schiff mit dem Mörder entkommen und hielt es auch in Grimsbh nicht an. Jetzt kommt die Nachricht, daß der Mörder in Rotterdam festge- nommen worden ist. In Glasgow haben die Streikenden einen großen Erfolg erzielt, indem die Anchor- und Donaldson-Linien nicht nur die Lohnforderungen bewilligen, sondern auch die Organi- sation anerkennen mutzten. Später beschloß aber eine Versamm- lung der dortigen Reeder, den Kampf von neuem zu beginnen. In Dublin breitet sich die Bewegung immer mehr aus. Die Ar- beiter sind mit dem Verhalten des Handelsministeriums sehr unzufrieden, weil es durch die laxe Handhabung der gesetzlichen Vorschriften über die Schiffsbemannung den Reedern zu Hilfe kommt. » In Berliner Abendblättern vom Montag lesen wir über den internationalen Seemannsstreik folgende Nachrichten: London. Der Seemannsstretk, der bereits zum teilweise durchschlagenden Sieg der Ausständigen geführt hat, tritt in eine akute Phase. Mit Ausnahme von Southampton, wo der Streik beigelegt ist, leiden alle englisckien Häfen, besonders jetzt Hull. In keinem einzigen Dock wird dort gearbeitet. 6333 Dock- arbeiter haben mit den Seeleuten gemeinsame Sache gemacht. Am Mittwoch wollen auck» die dortigen Eisenbahnarbeiter streiken. Havelock Wilson, der Führer der Ausständigen, verlangt fiir Hull Einsetzung eines gemeinsamen Ausschusses und die Anerkenüung der Arbeiicrunion durch die Arbeitgeber. Ohne das sei in Hull keine Verständigung möglich. Der Bürgermeister von Hull ist auf dem Wege nach London, um die Hilfe des Arveitsministcriums an- zurufen. Auch in Liverpool ist der Handel außerordentlich bc- droht. In London soll eine gemeinsame Versammlung der Lokal- Vereinigung von Schiffseignern stattfinden, um über die zukünftige Haltung gegenüber der Bewegung zu beraten. Man fühlt in diesen Kreisen, daß die schnelle Nachgiebigkeit einiger großer Firmen die Gesamtlage der Arbeitgeber gegenüber den Seeleuten sehr ver- schlechtert hat. Amsterdam. Die Syndikate und Vereinigungen der Aus- lader und Hafenarbeiter haben beschlossen, das Vorgehen der See- leute durch Verkündigung des Generalstreiks zu unter- stützen. Infolgedessen ist heute lMontag) bei fünf der größten Reedereien der Streik ausgebrochen. Ans der italienischen Landarbciterbewcgnng. Rom, den 24. Juni 1911. Äm Vorabend der Erntcarbeitcn läßt sich die italienische Landarbeiterbcwcgung ziemlich kampftüchtig an. In der Tiefebene von F errära hat die organisierte Arbeiter- schast von 32 Gemeinden beschlossen, die Erntearbeiten nicht zu be- ginnen, che nicht neue und angemessene Tarife bewilligt wurden. In S a la Bolognese ist wegen Tarifstrcitigkciten über einen Großgrundbesitzer der Boykott verhängt worden. Zur Einbringung der Ernte hat der Boykottierte von auswärts Streikbrecher kommen lassen, zu deren Bedeckung 233 Mann Militär zur Verfügung ge- stellt wurden. Beim Einzug der Streikbrecher kau: es zu einer lebhaften Demonstration der organisierten Arbeiterschaft, bei der das Militär die Demonstranten gewaltsam zurücktrieb und mehrere Frauen und Kinder verletzte. An vielen Orten Ober- und Mittel- italienS stehen ausgedehnte Agrarbewegungen bevor, Versammlungen. Die Buchbrnckerei-HilfSarbeitcr Berlins über die Vorgänge bei den Firmen Scherl, Mosse und Ullstein u. Co. Die außerordentliche Mitgliederversammlung der hiesigen Ortsverwoltung des Verbandes der Auch- und Steindruckerei- Hilfsarbeiter und-arbciterinncn. die sich mit den Ereignissen in den drei Zeitumgsbetriebcn beschäftigte, füllte am Sonntag den großen Saal in der Wiclcfstraße 24 bis auf den letzten Stehplatz. Zunächst hatte der Ortsvorsitzende Moritz das Wort, um einen sachliche ii Bericht über die ganze Angelegenheit zu geben, deren Entwicklung und Verlauf ja nun im allgemeinen bekannt ist. Hierauf nahm die LcrbandSvorsitzende Frau Thiede daS Wort, um das Verhalten des Vcrbandsvorstandes klarzulegen und zu rechtfertigen. Die Redncrin wurde bei ihren Ausführungeil wiederholt durch mißbilligende Zwischenrufe unterbrochen, und im weiteren Verlauf der Diskussion sprachen sich fast alle Redner dahin auS, daß die Arbeitsniederlegung wohl zu begreifen und nicht zu verurteilen fei. Besonders scharf wandte man sich auch gegen den Artikel der„Solidarität" über die Angelegenheit und gegen den Redakteur Pucher, der einen ähnlichen Standpunkt dazu einnimmt wie die Redaktion deS„Korrespondent". Der Gauleiter Schmidt aus München, der von der Gaukonferenz hier noch anwesend war, um sogleich nach Dresden zum Gewerkschaftskongreß zu fahren, betonte jedoch« daß man in allen derartigen Angelegenheiten ruhiges Blut und klaren Kopf behalten müsse. Nach inchr als dreistündiger Debatte wurde fast einstimmig folgende Resolution angenommen: „Die außerordentliche Mitgliedcrversan:! ilung beschäftigte sich mit dem Solidaritätsstreik der Hilfsarbeiter des Berliner Lokal- Anzeigers. Sie erklärt, daß formell in Tarifbruch des Hilfs- Personals zu verzeichnen ist, nimmt al- mit Entrüstung Kenntnis von der provokatorischen Haltung d r GefchäftSleitung des Lokal- Anzeigers gegenüber dem gesamten Personal, insbesondere aber gegenüber den RotationSmaschinenmei>trrn und deren Vertrauens- leute». Die Versammlung ist ferner der Ansicht, daß dem Hilfspersonal von Scherl, Ullstein und Mosse gar kein anderer Weg übrig blieb, als Solidarität zu üben, und daß dies SolidaritätSgcfühl ein ehrendes und ehrliches entgegen der Ansicht des Redakteurs der „Solidarität" genannt werden muß, welches nur geeignet sein kann, das Zusammengehörigkeitsgefühl der RotationSmaschinenmeistcr und RotationSarbciter auf das Vorteilhafteste zu stärken und zum Ausdruck zu bringen. Die Versammlung sieht auch in dem Spruch des Tarifamtes, das auch in Hilfsarbeiterfragen zu entscheiden hat, einen unbc- dingten Fehlspruch. Weiter sieht die Versammlung in dem Ver- halten des Verbandsvorstandes, der Mituntcrzcichnuug der er- schienenen Extrablätter sowohl wie auch in dem Säulcnanschlag eine Handlung, die aller bisherigen Auffassung in der gesamten Arbeiterbewegung bei Ausständen direkt ins Gesicht schlägt. Außerdem hat die Versammlung die Auffassung, daß Arbeiter- Vertreter nicht dazu da sind, der bürgerlichen Presse die Wege zu ebnen. Das Hilfspersonal meint muh, daß, wenn der Zentral- Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanstalt voifftand däZ Bedürfnis hatke, sich ab die Oeffenilichleff zv wenteck, er eben so gut den Vorwärts dazu benutzen konnte. Die Versammlung protestiert auf das entschiedenste gegen di<3 im letzten Llbsatz des Artikels„Solidarität oder Disziplinbnich enthaltene Ausdrucksweise, die durchaus nicht geeignet ist, dos Solidaritätsgefühl der Berliner Mitgliedschaft zu heben oder zu fördern..„ Aus allem diesem mißbilligt das Berliner Buchdruckyil]»- personal den vom Zentralvorstand und der Gauleiterkonferenz ein-- g-nomincnen Standpunkt in der schärfsten Weise und drückt ihnen gleichzeitig ihr Mißtrauen auS." Der Versammlung hatte noch eine andere Resolution vorgelegen, die weniger schorf abgefaßt war und deshalb abgelebut wurde. Im übrigen aber sprach die Versammlung ihre Miß- billigung darüber aus, daß der Redakteur Pucher den Saal ver- lassen hatte, ohne der Versammlung Rechenschast über seinen Ar- titel in der„Solidarität" zu geben. Es war der Versaiiimlung aber auch mitgeteilt worden, daß sowohl der Redakteur wie die Verbandsvorsitzeii-de die Versamm- lung vorzeitig verlassen mußten, um noch vor ihrer Abreise nach dem Gewcrkschaftskoiigreß an einer Konferenz teilzunehmen. Zentralverband der Maschinisten und Heizer. Am Sonntag fand eine gutbesuchte Versammlung der bei den B. E.-W. beschäftigten Arbeiter statt. H a r t ma n n referierte über die Pflichten des ArbeteraiiZschnsses. Die Diskussion beschäftigte sich nach dem Vor- trage speziell mit den Verhältnissen in dein Betriebe der B. E.-W. Der Ausschuß habe daselbst nichts zu sagen, er diene nur als Staffage. Das habe sich bei den verschiedensten Anlässen denilich gezeigt. u. a. bei UnglückSsällen. Die Verhältnisse in diesem Be- lriebe seien nichts weniger als mustergültig. So hatte der Ausschuß an die Direktion daS Ersuchen gerichtet, gemäß der Bestimmung, nach der ein Arbeiter bei fünfjähriger Tätigkeit eine Woche Urlaub erhält. auch eine solche zu gewähren. Unter einer Woche seien sieben Tage zu verstehen, die Urlaubszeit betrage aber jetzt nur sechs Tage. Hierauf antwortete die Direktion, eine Verhandlung mit dem Aus- schuß erübrige sich, da auch weiterhin wie bisher verfahren werde. In der Zentrale Obersprce komme es oft vor, daß einem Arbeiter erst in letzter Stunde gesagt wird, eS müsse an dem Tage bis nachts um 12 oder 1 Uhr gearbeitet tvcrdcn, Dadurch würden die Arbeiter geschädigt, denn sie müßten sich Essen au» dem Lokale holen. Eine Besserung der Verhältnisse könne nur ciiilreten, wenn alle Ar- beiter der Betriebe straff zusammenhielten. LrCtzU NädwtcMcft* Ein schweres Automobilunglück ereignete sich gestern nachmittag auf dem Woge zwischen Tasdorf und Kalkberge-Rüdersdorf. Ein des Weges daherrasendcs Auto kippte an einer scharfen Kurve um und die Insassen flogen in den Chaussecgraben. Ein Herr und eine Dame wurden schwer an Kopf und Körper verwundet und mußten ärztliche Hilfe in An- spruch nehmen, während man den Chauffeur als Leiche vom Orte des Unfalles trug._ Bienerth demissioniert. Wien, 26. Juni. Wie das K. K. Telegr. Korresp. Bur. erfährt, hat Ministerpräsident Frhr. v. Bienerth der allerhöchsten Stelle die Bitte um Enthebung vom Amte unterbreitet. Freiherr von Bienerth hat sich hierbei von jenen Erwägungen leiten lassen, welche bereits bei der Auflösung des Abgeordnetenhauses maß- gebend waren. Schon damals stand die Ueberzeugung fest, daß eine Konsolidierung der parlamentarischen Verhältnisse notwendig sei, wenn die großen, über die Abwickelung der laufenden Geschäfte weit hinausgehenden Aufgaben, vor die der Reichsrat gestellt ist, einer zuverlässigen und befriedigenden Lösung zugeführt werden sollen. Je mehr aber die Mandatsdaucr des früheren Hauses ssich ihrem Ende näherte, desto geringer wurde naturgemäß die Neigung der Parteien, ihr Verhältnis zu einander einer Acndcrung zu unterziehen, sowie sich wechselse�ig für einen längeren Zeitraum und für ein umfangreiches Programm zu binden. Von dem neuen Hause darf aber erwartet werden, daß in ihm der ernste Wille zu weitausgreifender und fruchtbringender Arbeit nicht nur vorhanden ist, sondern auch in der Bildung einer großen, einheitlich ge- stimmten und schaffensfreudigen Mehrheit seinen Ausdruck und die Möglichkeit erfolgreicher Betätigung finden kann. Läßt nun diese Annahme es geboten erscheinen, für das Verhältnis der Regierungsgewalt und der Parteien in gegenwärtigem Zeit. Punkt eine neue Orientierung zu versuchen, so kommt in- sofern noch ein weiterer unmittelbarer Anstoß hinzu, als zwei großen Gruppen der bisherigen Mehrheit angchörigc Mitglieder aus dem Kabinett ausgeschieden sind und dieser Umstand eine Aussprache. die wohl nicht abgesondert, sondern im Rahmen einer a l l g e- meinen Auseinandersetzung mit den Parteien des Ab- gcordnetenhauses erfolgen muß. Freiherr v. Bienerth hat sich nicht für berufen erachtet, diese durch die Situation gegebene Aufgabe auf sich zu nehmen, weil er glaubt, daß Verhandlungen mit den parlamentarischen Gruppen nicht durch /von früher bestehende nähere Beziehungen oder Differenzen beeinflußt sein, sondern in voller beiderseitiger Unbefangenheit lediglich unter dem Gesichts- punkt der künftigen politischen Notwendigkeiten geführt werden sollen.(Siehe aus Politische Ucbcrsicht.) Wien» 26. Juni. Der Kaiser hat, wie die«Neue Freie Presse' meldet, die Demission de? Ministerpräsidenten Freiherrn v. Bienerth angenommen. Zum Ministerpräsidenten wird Freiherr v. Gautsch designiert werden, der versuchen wird, mit dem Kabinett in seiner bisherigen Zusammensetzung eine Majorität für das zukünftige Arbeitsprogramm des Hauses zu bilden. Die Einberufung deS Reichsrates im Juli hängt von dem Gang der Verhandlungen mit den Parteiführern ab, die Freiherr v. Gautsch morgm einleiten wird. 'Flugfahrt München— Berlin. Flugfeld Puchheim, 26. Juni.(W. T. B.) Oberingenieur H i r t h ist heute nachmittag 6 Uhr 41 in Begleitung des Luft- schiffcrs Di er lamm aus Stuttgart, als Bewerber um den Kathreincr-PrciS von 50 003 M., nach Nürnberg und Berlin ab- geflogen. Trcnchllingcn, 26. Juni.(W. T. D.) Oberingenienr H i r t h mußte wegen Motordefektes zwischen Treuchtlingen und Tauber- fcld landen._ AuS Sibirien. KrasiwjorSk, 26. Juni.(SB. T.©.) Zwei Sträflinge, die flüchten wollten, töteten einen Gefängnisaufseher und verwundeten einen anderen. Die Schildwachs tötete einen Flüchtling, der andere entkam._ Eine Episode ans der mexikauischeu Revolution. New Dork, 26. Juni.(H. B.) Der deutsche Gesandte in Mexiko verlangt Genugtuung für eine dem deutschen Ingenieur Franz Reiter in Vega de Mezillan Hidalgo angetane Unbill. Der Ingenieur mußte barftiS einer Gruppe von Revolutionären Kellner- dicnste lristen. Auch wurde auf ihn geschossen und die Warcnnicder- läge der Gesellschaft, die ihn beschäftigte, geplündert. Reiter erklärt, er habe nur eine Abteilung Maderisten, deren Gegenwart Anlaß zu Ruhestörungen gab, ersucht, sich zu entfernen._ Paul Singer 4 Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen».NnterhaltungSbl. Nr. 147. 28. IahkMg. 1. KküM des.lotniirts" Nletistag, 27. Imii 1911. sartK MgeoränetenKaus. 95. Sitzung v o m Montag, den 26. Juni, n a ch ni i t t a g s 1 Uhr. Am Ministertisch: Kommissare. Abg. Hoffmanir-Bcrtin410 Uhr vormittags eröffnete NeichstagSäbgeordnetcv Genosse Legten namens der Gencralkommission den Kongreß. Er führte, nach einer Begrüßung der deutschen und ausländischen Delegierten und nachdem er mitgeteilt hatte, daß die gcwerkschaft- liehen Landes, zentralen Englands und Dänemarks, die an cinec Delegation verhindert sind, dem Kongreß den Ausdruck brüderlichster Solidarität übermittelt haben, aus: Die letzte Berichtsperiode hat uns einen so enormen Fortschritt gebracht, daß unsere in Hamburg ausgesprochene Hoffnung, die zweite Million zu überschreiten, noch übertroffcn worden ist. Der M i t g l i e d c r st a n d ist seit Ende 1010 von 2 017 000 auf 2 270 000 gestiegen. Auch die Finanzverhältnisse unserer Gewerkschaften haben sich in gleicher Weise entwickelt. Die Gesamteinnahmen sind in der Berichtszeit von 48>4 Millionen auf 04(4 Millionen, der Kasscnhcstcmd von 14,8 auf 22,0 Millionen gestiegen. Aber eS wäre Selbsttäuschung, wollten wir uns verhehlen, daß die Organi- sation der Unternehmer noch stärker gewachsen ist. Bis vor wenigen Jahren beobachteten die Unternehmer eine Abwehrtaktik, sie sind jetzt zur Angriffstaktik übergegangen. Sie setzen nach Möglichkeit den Ablauf der Tarifverträg« für eine große Zahl von Gewerben auf eine gleiche Zeit fest, und wenn die Arbeiter dann nicht bedingungslos auf die Vorschläge der Unternehmer für die Neuregelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse eingehen, dann kommen große Aussperrungen, wodurch man die Finanzkraft unserer Organisationen zu brechen hofft. 1010 ist ein Kampf» jähr gewesen, wie bisher keines. Nach dieser Eniwickclung kammern auch in höheren Teilen der Pflanze gebildet und dienen dann zur Aufbewahrung von Wasser, die es der Pflanze crmög- licht, auch Zeiten der Trockenheit zu überwinden. Noch wunder- barer ist eine Art(Lelargonium spinosum), bei der sich die Blütenblätter in Dornen verwandelt haben. Nncheliche Geburten in 25 europäischen Großstädten. In der Dresdener Hygicncauöstellung findet sich eine graphische Darstellung. die die Häufigkeit der unehelichen Geburten in der Periode 1890 bis 1007 darstellt. Danach kommen ans 100 Geburten überhaupt durchschuittlick in einem Jahr: Haag 4,2, Rotterdam 4,5, Amster« dam 4,0, Düsseldorf 7,2, Edinbnrg 7,0, Mailand 8,4, Köln 11,8, Madrid 13,5, Antwerpen 13,8, Kristiania 14,0, Berlin 15,0, Brüssel 10,0, Marseille 17,0, Rom 17.7, Leipzig 18,9. Lyon 22,5, Petersburg 22,8, Kopenhagen 21,3, Moskau 25,0, München 20,3, Paris 20.5, Budapest 27,4, Stockholm 31.4. Wien 31,7, Prag 43,8. Die Zahlen bedürfen keiner Erläuterung; sie sprechen selbst gegen Vorurteile, moralische Entrüstung und leibliches Elend l Humor und Satire. Stoffwechsel. Geheim über Tolstois gesammelte Werke, Daß nicht der Rebell seinen Blutdurst drauS stärke, Beschloß jüngst in Moskau das höchste Gericht: Drei Bände gelangen zur Ausgabe nicht I Vor ihrer Lektüre den Plebs zu bewahren, Ersaiill die Zensur ein besondre- Verfahren: Die Bücher, auS denen der Hölleupfuhl dampft, Sic werden nicht etwa bloß einfach zerstampft—- Nein, die der Poet schrieb, der Meusckheit zu dienen, Zerkleinert der Zenior durch Schneidemaschinen; Er schmeißt sie in Kessel, mengt Wasser dazu: Gekochtes Papier wird, was Buch war, im Nu. Was Geist war, das wird eine nüchterne Suppe, Ob schmackhaft, ob nicht, ist ja Väterchen schnuppe I WaS schiert Religion den und Philosophie? Hauptsache: das Volk bleibt so dumm wie daS Vieh. Zu neuem Papier wird die Masse geknetet Und drüber vom Popen der Segen gebetet; Dann wandert's gereinigk zur StaatSdruckerei, Dort druckt drauf ihr Leibblatt die Stadtpolizei.., O Tolstoi, wie hast du dich stofflich gewandelt I Wie haben Barbaren dich greulich verschandelt I Vom Heiland zum Henker: ein winziger Schritt, Wirkt roh und brutal Polizeiivillkür mit! Michel. forttifrt Btt titil otföt Stff;ctt)eU b'tftöuf«chnen, dasz ftlc noch feT;c s ch>v e r e n Kämpfen entgegengehen und daß das Unter- nehmertum insbejonderc an Aussperrungen noch alles weitaus über- treffen wird, was wir bisher erlebt haben. In all diesen Kämpfen sind wir auf die eigene Kraft angewiesen. Es wäre ein großer Irrtum, anzunehmen, daß durch die sozialpolitische Gesetzgebung eine Verminderung der Kämpfe herbeigeführt werden könnte. Der Zweck dieser Gesetzgebung ist nach unseren Erfahrungen, unsere Organisation zu hindern.(Sehr richtig!) Immer mehr gewinnt eö den Anschein, daß die Staatsverwaltung die Wünsche der Ar- beiterschaft nur deshalb hört, um dann in ihren Gesetzen das Gegenteil davon zu tun. Das organisierte Unternehmertum braucht nur zu winken, und die Staatsbehörden, die zu objektiver Leitung berufen sind, handeln dann so, wie Angestellte des Unternehmer- tums. sLebhafte Zustimmung.) Das hat sich zuletzt noch bei der Erledigung der Reichsversicherungsordnung und in der Fra�ie der Beteiligung der Gewerkschaften an der Internationalen HygiencaliSstcllung in Dresden gezeigt. Die Gewerkschaften wurden vom Zentralkomitee dieser Ausstellung zur Beteiligung und dazu aufgefordert, alle gewerkschaftlichen Veranstaltungen in diesem Jahre hier stattfinden zu lassen, damit die Delegierten die Aus- stellung besichtigen können. Dies ist ja auch der Grund, warum unser Kongreß in Dresden tagt. Uebrigens, wenn die Frage nach Unseren Kongreßorten danach zu entscheiden wäre, was auf gewerk- schaftlichem Gebiete geleistet wurde, dann stehen Dresden und eine Reihe sächsischer Orte immer an erster Stelle, schon deshalb, weil nirgends unsere Arbeit so schwer war, wie unter dem sächsischen .Juwel", jenem Versinsgesetz, nach dem zur Bildung von Zweig- vereinen unserer Verbände die Genehmigung des Ministeriums nötig war. Damit wurde ja auch die am 14. August 1871 in Dre-den beschlossene Zusammenfassung der Gewerkgenossenschaften tbisenacher Richtung durch die Leipziger Polizei unmöglich gemächt. Die Beteiligung an der Internationalen Hhgieneausstellung i st den Gewerkschaften durch die sächsische Regierungund das sächsische Unter- nehmertum unmöglich gemacht worden. Wir haben darüber im schriftlichen Berächt gesprochen, hier will ich nur fest- stellen, daß ein weiteres Entgegenkommen überhaupt nicht möglich ist, als es die Gewerkschaften und die General- kommission den Anforderungen des Ausstellungskomitees bewiesen haben. Wir waren bereit, wns einer besonderen Jury zu unter- werfen, nur sollten nicht die Unternehmer darüber befinden, was ausgestellt werden soll, sondern ein Komitee von So- zialpolitikern. Wir waren sogar bereit, in der auf unsere Kosten zu erbauenden Halle dem Unternehmertum einen Raum für eine Ausstellung einzuräumen. Aber wir wurden rundweg abge- wiesen. Ter Grund für dieses Vorgehen kann nur gewesen sein, daß eine solche Ausstellung doch wohl das Lob eingeschränkt hätte, das sonst immer den sanitären Einrichtungen der Betriebe in Deutschland geschenkt wird.(Sehr richtig?) Wir haben nicht nötig, eine Tendenz walten zu lassen, wir brauchten nur das Elend der Heimarbeiter vorzuführen, und es hätte genug abschreckend gewirkt.(Sehr richtig!) Ja/ wir können gar nicht alles ausstellen, wia es wirklich ist. Sollten wir die Siechen und Kranken, die klcincot Kinder, die da mit zarten Fingern arbeiten müssen, dem sensatnonslüsternen Publikum vor- führen? Durch die Zurückweisung unserer Ausstellung hat die Internationale Hhgieneausstellung eine Tendenz bekommen, die Tendenz zur Schönfärberei.(Stürmische Zustimmung.) Entweder man will die Dinge so darstellen, wie sie sind, oder man läßt die ganze'Veranstaltung fallen. Wenn wir in bezug auf die sanitären Einrichtungen der Betriebe wesentliche Fortschritte gemacht haben, so nicht dank der Gesetzgebung und dem guten Willen des Unter- nehmertumS, sondern dank dem Druck unserer gewerkschaftlichen Organisationen.(Zustimmung.) In der Heimindustrie aber be- stehen sanitäre Zustände, die jeder Beschreihung spotten, und deshalb müßte eine solck?e Ausstellung nicht nur das Gute zeigen, das geschaffen worden ist, sondern auch, was noch ge- schassen werden müßte, um vollständig« sanitäre Einrichtungen zu schassen. Wenigstens mündlich sollte von diesem Kongreß diese Aufklärung gegeben werden. Der ganze Vorfall ist ein neuer Beweis für den ungeheuren Einfluß des Unternehmertums.(All- gemeine Zustimmung.) Nun treten wir in unsere Kongreßarlwit ein und wir erhoffen von ihr. daß sie die Einheitlichkeit und Geschlossen. heit der Arbeiterbewegung in Deutschland fördern und kräftigen wird, damit endlich Zustände ein- treten, wo nicht mehr die Staatsgewalt jedem Wink des Unter- nehmertumS folgt, sondern wo sie auch genötigt sein wird, den Wünschen und Forderungen der Arbeiter Rechnung zu tragen. (Lebhafter Beifall.) �., In einer warmherzigen Rede hieß dann Stadtverordneter und Arbeitersekretär B u ck den Kongreß im Namen der Gewerkschaften Dresdens willkommen. Er gab einen Rückblick auf die Geschichte der Dresdener Gewerkschaftsbewegung von den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts an. wo zuerst die Handschuhmacher, die Tabakarbeiter und die Buchdrucker den Grundstein zu ihren Organisationen legten. Er schilderte die Zeit des Ausnahmegesetzes, als die Polizeischere die kräftigen Reiser coupierte. Aber gerade damals hat sich der Gedanke der Organisationsnotwendigkeit un- löschlich in die Herzen aller Proletarier eingegraben. Die Zeit deS Ausnahmegesetzes war die Feuertaufe der Ar- beiterbewegung: gefestigt und unüberwindlich ist sie daraus hervorgegangen. In der Dresdener Arbeiterschaft regt sich Kampfes- und Lebensfreude. Ueberall wirkt die Gewerkschaft aufklärend. man fühlt daS Nahen einer neuen Zeit, die sich auch dokumentieren wird in der politischen Vertretung. Bis 1903 vertrat unser Dr. Gradnauer die Stadt Dresden, während die Umgegend auch in diesen Reichstag die Parteiveteranen Horn und Kaden geschickt hat. Im L a n d t a g hat die Arbeiterschaft unter 91 Abgeordneten LS Vertreter, im Dresdener Stadtparlament sitzen trotz de? ungünstigen Wahlrecht? unter 84 Stadtverordneten IS Sozialdemokraten. Die Genossenschafts. hewegung ist gerade in Dresden tief verankert im Volkskörper. Der Konsumverein hat einen Umsatz von 47 Millionen Mark jährlich und 1000 ange st eilte Beamte. Gerade durch die Unterstützung der organisierten Ar- beiterschaft ist er zu dem geworden, was er ist.— Willkommen. Gewerkschaftsgenossen, zur heilsamen Arbeit, zum guten Gelingen! (Lebhafter Beifall.)<.«„„, Die Konstituierung des Kongresses vollzieht stch rasch. Zu Vorsitzenden werden, nachdem Bömclburg abgelehnt. L e i p a r t. Schlicke und Legten gewählt; zu Schriftführern Schneider (Fabrikarbeiter), Josephsohn(Kaufleute). Hetzschold (Bäcker), Drüber(Transportarbeiter). MiruS(Schneider) und Krätzig(Textilarbeiter). In die Mandatsprüfungskommission werden gewählt: Brück- «er(Berlin), Altvater(Stuttgart), Engclbrecht(Leipzig», Glocke(Berlin), Bender(Elberfeld). Krause(Chemnitz) und Kunze(Berlin). Die Geschäftsordnung wird genehmigt und die Arbeitszeit auf 9 bis 4 Uhr festgesetzt. Als Tagesordnung wird festgesetzt: 1. Rechenschaftsbericht der Gcneralkommission. Berichterstatter: Legten. Beratung der Anträge betr. a) Allgemeine Agitation. b) Agitation unter den fremdsprachigen Arbeitern. c) Slreikunterstützung und Streikstatistik. ck) Arbeiterinnen-Sekrctariat. e)„Correspondenz-Blatt". t) Sozialpolitische Abteilung. g) Zentral-Arbeitersekretariat. h) Vereinbarungen mit dem Zentralberband deutscher Kon- sumvereine. £. Errichtung einer gewerkschaftlich-genossenschaftlichen Unter- stutzungskasse.(Dieser Punkt ist in die provisorische Tages- ordnung eingefügt worden, nachdem die Verhandlungen mit den Genossenschaften soweit gediehen sind, daß daS.Projekt einer Volksversicherung dem Kongreß vorgelegt werben kantk, das der ungehörigen Ausbeutung der Arbeiter durch Privat- Versicherungsgesellschaften ein Ende bereiten soll.) 3. Das Koalitionsrecht in Deutschland und der Vorentwurf zu einem deutschen Strafgesetzbuch. Referent: Dr. Heine- mann-Berlin. 4. Hcimarbeiterschutz und HauSarbeitsgesetz. Referent; C. D e i ch m a n n- Bremen. 6. Arbeiterschutz und Ardeiterversicherung. Referent: Robert Schmidt- Berlin. 6. Arbeitsnachweis und Arbeitslosenunterstützung. Referent: Paul U m b r e i t- Berlin. 7. Die Stellung der Privatangestellten im Wrtschaftsleben. Referent: P. L a n g e- Hamburg. 3. Bildungsbestrebungen und Bibliothekwesen in den Gewerk- schaften. Referent: I. Sassenbach- Berlin. 9. Beratung sonstiger Anträge., Es wird die Einsetzung einer aus den Jndustriegruppen zu wählenden elfgliedrigen Redaktionskommission beschlossen. Vorsitzender Schlicke: Wir alle hoffen, daß unser langjähriger Borsitzender Bömelburg bald ganz hergestellt ist und daß er wieder präsidieren kann.(Beifall.) ES folgen Begrüßungsreden. S ö d e rb e rg- Schweden: Zwischen den klassenbewußten Arbeitern aller Länder besteht ein starkes, ideales Band. Bei unserer Riesenaussperrung im Jahre 1909 mußten wir auf die Hilfe der Internationale rechnen. Die organisierten Arbeiter Deutsch- landS zeigten durch die Tat, daß sie international denken und daß sie verstanden, um welch hohen Kampfpreis eS ging. Dafür spreche ich jetzt unseren tiefgefühltesten Dank aus. Niemals werden die organisierten Arbeiter Schwedens Ihre Hilfe vergessen. Es ist den Unternehmern nicht gelungen, unsere Organisationen zu zerstören. Unser Generalstreik wie§ die Forderung der UnteriieHmer »ach einer ihnen genehmen Verhandlungsordnung zurück. Die zwei- malige Ablehnung der Tarifvorlage der konservativen Regierung im Reichstag ist ein weiterer moralischer Erfolg für unS. Wurden auch unsere Verbände geschwächt, so ist doch der Kern unerschüttert. Von dem Wahlkampf in diesem Sommer hoffen wir gute Er- folge. Wir wollen stets mit der Internationale marschieren. Glück auf l(Lebhafter Beifall.) Huppert- Oesterreich: Zwischen Ihnen und uns besteht außer dem Band der Jnternationalität auch eine enge Freundschaft. Unsere Erfolge sind geringer als Ihre, Sie kennen ja den Kampf. den wir leider sogar in unseren eigenen Reihen zu führen haben. Wir werden stets Ihrem Beispiel folgen. Gewiß werden wir uns auch Ihrer künftigen Erfolge freuen können.(Bei- fall und Händellatschen.) I a S z a i- Ungarn: In unserem mittelalterlichen Lande haben wir noch nicht einmal das Koalitionsrccht, aber trotzdem geht eS auch bei uns vorwärts. DaS haben wir großenteils Deutschland zu danken. Wir wünschen Ihnen besten Erfolg!(Beifall.) Kaufmann vom Zentralverband deutscher Konsumvereine: Auch wir begrüßen Sie herzlich. Die vor sechs Jahren von Ihnen in Köln gestellte» Forderungen an uns sind zum Teil erfüllt. Es bestehen Reicks- oder örtliche Tarife mit unseren Arbeitern und An- gestellten. Wir wollen im Verein mit Ihnen vorbildliche Arbeits- Verhältnisse schaffen. Wir haben schon jetzt eine allgemeine Unter- stutzungskasse für unsere Arbeiter und Angestellten. Jetzt wagen wir uns gemeinsam an daS schwierige Problem der allgemeinen Bolksfürsorge. Unsere Erfolge sind darauf zilrückzuführen, daß wir viele gemeinsame Aufgaben haben. Die Gewerkschaften wären um ihre Erfolge gebracht. Ivenn nicht die Genossenschaflen den Arbeiter vor Preistreibereien schützten; die Genossenschaftsbewegung wieder wäre nichts ohne eine gekrüftigte Arbeiterschaft, die sie trägt. Sie brechen die Abhängigkeit vom Kapitalisten als Arbeitgeber wie die von ihm als Händler. Mögen Ihre Verhandlungen abermals dazu beitragen, daß die Arbeiter befreit werden von gottgewollten und nichtgottgewollten Abhängigleiten.(Großer Beifall.) Der Nechrnschaftsbericht der Generalkommissio«. Legten verweist einleitend auf die regelmäßige schriftliche Berichterstattung an die Zentralvorstände und ans den ausführlichen Bericht an den Kongreß. Der Hamburger Beschluß bezüglich der Landarbeiter- und der Hausangestelltenorganisation ist ausgeführt worden. Diese Organisationen erscheinen nicht im Bericht, zum Teil, weil sie nicht überall das Koalitionsrecht haben— gewerkschaftliche Arbeit können sie trotzdew sehr wohl verrichten, nur ist sie an den Zeitpunkt des Vertrags- abschlnsses gebunden. Wir haben gar nicht darauf ge- rechnet, in so kurzer Zeit 12 000 reine Landarbeiter zu organisieren.(Bravo!> Im Vergleich zur Gesamtzahl der Be- schastigten kann nmn freilich gar nicht von einem Prozentverhältnis sprechen. Durch die Aufnahme in die Tabelle würde nur daS Gesamt- ergebniS ungünstig beeinflußt. Selbstverständlich durften hier Mittel nicht gespart werden. Daraus ist uns hier und da ein Vorwurf gemacht worden, weil die OrganisalionSzukunft dieser Schichten noch unsicher ist, während durch ein Arbeitersekretariat in einem industriellen Bezirk viel gemacht werden kam«. Wo das Arbeitersckretariat agitatorisch wirkt, wie in Oberschlesten und Lothringen, haben wir nicht gespart. Aber bloße Rechts- hilsestcllen für einzelne Bezirke müssen die Arbeiter des Bezirkes erhalten, denen diese Stellen ausschließlich zugute kommen. Immer- hin sind auch dafür recht erhebliche Beihilfen gewährt worden, wenn die Aussicht besteht, daß bald die lokale Organisation stark genug sein wird. Durch Anstellung von Gewerkschaftsveamten mit den Christlichen zu konkurriere», müssen wir ablehnen. Wie sie eS können, bei ihre» Beiträgen, weiß ich nicht.(Sehr gut I) Und unsere Bewegung hat viel zu große innere Kraft, als daß eS von der Veamtenanstellung abhänge» würde, daß die Arbeiter zu u»S kommen.(Zustimmung.) Trotz all der enormen christlichen Agitation sind sie über eine bc- stimmte Höhe nicht hiiiauSgekomiuen, wir aber haben 2'/« Millionen Mitglieder.(Zustimmung.) Die Erfahrungen mit GewerkschaftShäuscrn sollten u»S doch z» großer Vorsicht mahnen. Werden dadurch die Arbeiter eines LrteS materiell ungewöhnlich belastet, so erlahmt die Agitation. Allen erfüllbaren Hoffnungen haben wir Genüge getan. lieber unsere Unterrichtskurse gab es verschiedene Auseinandersetzungen. Ihr Wert wird ja auch auS den Berichten der Besucher zu beurteilen sein. Die Kursus- teilnehmet haben bisher ausnahmslos erklärt, daß ihnen diese Kurse wesentlich nützen. Die ursprünglich vorhandenen Mängel sind inzwischen beseitigt worden. So ist die VcrlSngernng der Kurse auf 6 Wochen eine bedeutende Verbesserung. Tie Ungleichheit der Eni- schädiaung ist jetzt ans der Welt geschafft, ein gleichmäßiger Diäten- satz ist eingeführt. Eine Vereinigung von Gewerkschaftsschule und Parteischule entspricht meines ErachtenS nicht dem verschiedenartigen Eharalter der beiden Schulen. Der Zweck dieser Kurse ist nicht die volle Ausbildung des Teilnehmers, ihre Aufgabe soll sein, den Teilnehmern den Weg zur vollen Ausbildung zu zeigen. Wenn wir nicht ein Wissen veriniiteln können, daS der Betreffende auS seiner Berufsarbeit heraus sich verschaffen kann, dürfe» wir ihn nicht zu lange der Berufsarbeit entziehen. Die sonst entstehende Verantwortung für andcrweite Unterbringung können wir nicht übernehmen. Bei der Parteischule liegen die Dinge wesentlich anders. WoS die Heranziehung unserer Lehrkräfte betrifft— die beiden, um die es sich bei der Kritik handelt, warett früher Sozialdemokraten; wollen Sie etwa unseren Hygienelehrcr Prof. Sommerfeld zum Eintritt in die Sozialdemokratie zwingen? (Heiterkeit und Sehr gut!)— so halten wir uns ausschließlich an die wissenschaftliche und fachliche Eignung(Sehr richtig!). Sogar die Parteischule kann sich dahin entwickeln, daß ein Wissensgebiet behandelt wird, für das kein sozialdemokratischer Lehrer zur Vcr- fügung steht. Namens der Genevalkommission habe ich folgende Erklärung ab- zugeben; „Für die Heranziehung und Inanspruchnahme der Vortragenden in den Unterrichtsknrsen soll allein der Umstand maßgebend sein, daß sie ihrer Aufgabe gewachsen sind und die Materie wissen- jchaftlich einwandsfrei behandeln. Voraussetzung muh jedoch sein, daß volles Vertrauen!:er Kursteilnehmer zu dem Vortrageii'>"n vorhanden ist, damit nicht durch mangelndes Vertrauen der Er t in Frage gestellt wird." Dieser Erklärung haben sich die Zentralvorstände angeschlossen. In den regelmäßigen Teilnehincrbesprechungen ist nie irgend etwas gegen die Lehrkräfte gesagt worden. Ich glaube, Sie sind mit dieser unserer Haltung einverstanden. (Zustimmung.) In der Statistik haben wir manche Berührung mit den Staats- behörden gehabt. Ich glaube zu fest an den Sozialismus, als daß ich durch Berührung mit den Staatsbehörden an meiner Ucber- zcugung Schaden nehmen könnte.(Große Heiterkeit.) Freilich ist die amtliche Statistik vielfach nicht geeignet, unsere Mitarbeit zu fördern. Der frühere Leiter des Statistischen RcicbSamts, Gehet m- rat Wilhelmi, hat mir selbst gesagt: Wir haben dieselben Empfin- düngen wie Sie, wir wissen, daß wir in der Streik- statistik Falsches veröffentlichen.(Hört, hört!) Tee Mann ist tot, deshalb darf ich es ja erzählen, ohne ihm zu schaden. Bian verfolgt mit der Streikstatistik immer noch die Tendenzen der Zuchthansvorlage.(Sehr richtig!) Diese Behörden tragen dix Verantwortung für die falsche Statistik. Wir sehen, auch hier wieder den kolossalen Einfluß der Unternehmer.(All- gemeine Zustimmung.) Ein krasser Widerspruch gegen Recht, Gesetz und Handelsverträge ist das skandalöse System des Legitima- tionskartenzwanges auf die ausländischen Arbeiter. Da ----"�cht man jetzt! die ihren Parlamenten ein Rcicktztagsbeschluß ergebnislos blieb, macht man jetzt! die betreffenden ausländischen Regierungen in darauf aufmerksam. In der Maifeierfrage wurde nach Ablehnung der Hamburger Basis durch den Nürnberger Parteitag eine neue Vereintbaruirg zwischen Partei und Gewerkschaften in Leipzig genehmigt. Akzep- tieren Sie sie womöglich ohne Diskussion. Nach ein paar Jahren werden wir ja sehen, ob Aenderungen nötig sind. Zwischen der Gcneralkommission und einzelnen Parteiorganen und Parteischriftstellern sind etliche Differenzen gewesen. Aber zwischen Parteivorstand und Generalkommis- sion besteht vollste Einmütigkeit. Diese Erklärung werden die Christlichen natürlich wieder ausnützen. Aber dadurch sind wir noch nicht sozialdemokratische Gewerkschaften. Wir können gar nicht anders, als in vielen Dingen mit der Partei zusammen- zugehen. Allein auch ohne gesetzliche Notwendigkeiten wäve es Wohl zu einer Zweiteilung' der Arbeiterbewegung gekommen, weil sie die Praxis erforderlich machte. Der politisch reife Teil unserer Mitglieder gehört eben zur Sozialdemokratie. Die Hirsch-Duncker- scheu und Christlichen sichern sich auch politische Vertretung. Aber ist eS denkbar, daß Arbeiter dem Zolltarif und den indirekten Steuern, dem Militarismus und dem MariniswuS zustimmen könnten? Der naturnotwendige Zusammenhang, wie er zwischen unseren Mitgliedern und der Sozialdemokratie besteht, besteht bei den christlichen Arbeitern und ihrer parlamentarischen Vertretung also nicht. Sogialdeinokratische Gewerkschaften wären wir jedoch nur, wenn wir als Bedingung für die Aufnahme das Bekenntnis zur Sozialdemokratie forderten. Wir reagieren nicht auf alle Angriffe, dazu ist da?„Cor- rcspondenzblatt" nicht da. Anders lag es bei der Frage I st g e- werkschaftliche Arbeit Sisvvhusarbeit?" Wer lvenige Jahrzehnte zurückblickt und un)-e heutige Arbeiterschaft ansieht, der kann von Sisyphusarbeit nicht sprechen trotz Zolltarif und allem andern.(Lebhafte Zustimmung.) DaS Ergebnis der langen Polemik mit Kautsky war die ziffernmäßige Darlegung dessen, was einzelne Organisationen erreicht haben. Dann kam die Diskussion über die angebliche Entfremdung der GewcrkschaftS« beamten aus der Sphäre des Proletariats. Tagegen mußten wir doch Front machen.(Lebhafte Zustimmung.) Wieviele Gewerk- schaftsbecunte haben ihren Fonds an Kraft für die Arbeiterschaft aufgebraucht. Und ein Schriftsteller, der vielleicht jetzt in die Partei hineinrasselt und aus der andern Seite wieder hinaus(leb- vafte Zustimmung), der soll dies« enorme verdienstvolle Arbeit al Abkehr zu bürgerlichen Anschauungen bezeichnen dürfen?(Erneute lebhafte Zustimmung.) Ja, und der Toni Mit Seide näht man keinen groben Sack. Wir haben—„materialistisch" und„marxistisch" wie er— PannekoekS Aufstellung der persönlichen Verhältnisse der GewerkschaftSbeamien die seiner persönlichen Verhältnisse gegenüberstellt.(Bchsall.)— G o m p e r S schließlich, der dritte Anlaß zu einer Diskussion, kam nach Deutschland, nicht als Vertreter der„Civic-Federation". sondern als Vertreter einer der größten GewerkschaftSorganisationcn der Welt, und danach hatten wir ihn zu behandeln. DaS hatte ich noch am Bericht zu ergänzen.(Lebhafter Beifall.) Cohen- Berlin beantragt, dem Kassierer Kube die Entlastung zu erteilen, da die Revisionen tadellose Ordnung ergeben haben. Die Diskussion. MehrereMlnträge werden zurückgezogen, so die auf Verschmel» zung der Partei, und Gewerkschaftsschule, aus Heranziehung nur sozialdemolratischer Lehrer und auf Verhandlung der Malfeier- frage auf dem nächsten Jnternabionalen Kongreß, die meisten An- träge werden nicht genügend unterstützt. Ein Antrag auf Elnsxtzung einer llgliedrigcri Kommission für die Angelegenheiten der Gewerkschafts. schule wird genügend unterstützt. Nicht unterstützt wird auch folgender Antrag dos Zweigvereins Bremen des Deutschen BauarbeiterverbandeS:„Es sind in Zu- kunft die Arbeitsprodukte des Herrn C a l w e r im„Correspondenz- bkatt" nicht mehr aufzunchineir, weil diese den Klassenkanipf nicht fördern, sondern hemmen, weil ertviesencrmaßcn verschiedene seiner Schriften in bester Weise die Sache deü Kapitals, des Gegners des Proletariats, besorgen." Dupont(Bildhauerverband) begründet den Antrag, eine von der Gcneralkommission zu verivalteude Zentralkasse für besonders große aufoktroyierte Kämpfe zu schaffen. Die jetzige Form der Sammlungen wird sich nicht immer durchführen lassen. Wir haben den Antrag nicht gern gestellt, aber es ist nötig, die Zentral- vorstände mit dieser Ausgabe zu betrauen. Ida B aa r begründet einen Antrag auf besondere Förderung der Hausangestelltrnorganisation, deren Mitgliederzahl auf 4918 gestiegen ist. Cohen-Berlin empfiehlt folgenden Antrag: „Bei Aussperrungen, deren Abwehr infolge ihres UmfangeS nur mit außergewöhnlichen Mitteln möglich ist, ist von allen der Gencraliom inission angeschlossenen Verbänden ein der Mit- gliederzahl entsprechender Veitrag zu erheben. Jedoch muß bei der Beitragsfestsetzung entsprechend der finanziell geringeren Leistungsfähigkeit der Arbeiterinnen ein Unterschied zwischen männlichen uich weiblichen Mitgliedern gemacht werden. Tie Art der Aufbringung der Mittel bleibt der Gewerkschaften über- lassen, darf aber keinesfalls durch Sammlungen über die eigene Mitgliedschaft hinaus geschehen. Ucber die Notwendigkeit der- artiger Aftionen entscheidet die Generalkommission in Vcrbin» dung nnt den Hauptvorständcn." Wir wollen keinen GencralstreikfondS und halten ihn für schädlich, �.le in Köln geregelte Art der Sammlungen kann aber nicht bestehen bleiben. Heute sind die Sammlungen ein Baro- meter für die Arbeitgeber zur Beurteilung des Standes der Kampfe. Dieser Blick in unser Geldspind muß den Arbeitgebern verwehrt werden. Wir können aber nach unserem Antrag auch die Lasten etwas gleichmäßizer als bisher verteilen. Heute drucken sich eine Anzahl Mitglieder, sogar eine Anzahl Organisationen. und oie, die ihre Pflicht tun. haben um so schwerer zu tragen. Bei dem großen Kamps in Schweden haben wir pro W>och" rund 100 000 Mark hereinbekommen, das entsprickft 6 Pf. pro Woche für das Mitglied unserer Gewerkschaften. Bei sehr großen Kampfe» muß jedem organisierten Arbeiter die Durchführung doch 5 Pj. pro Woche wert sein, und dieser Beitrag kann, selbst wenn der Kampf noch so lange dauert, nicht zu schwer werden. Bei einem 10 Ps.»Beitrog hfitofllttieu Bii 200 QQ9 M. vi» Wochr. wtllfl wir annehmen, daß We SSterTeTnuHiort CKct 2 SüIiHionfft küriMZ Ärkelislose oSst Kranke sind. Wir iväven also in der Lage, pro Woche doppelt soviel an Unterstützung zu leisten, als was wir sür die SckKveden geleistet haben. Und keine Unternehmerorganisation würde sich, licht lächerlich zu werden, getrauen zu sagen, daß die Arbeiter ... ganz kurze Zeit in der Lage wären, solche Beträge zu leisten. Den einzelnen Gewerkschaften machen wir gar keine Vorschrift, wie sie den Betrag aufbringen sollen, sondern nur, was sie abzuführen haben. Bei vorherigen Sammlungen würde man sich auf das vorhandene Geld stützen, und wenn Geld da ist, dann kann die Generalkommission Ansuchen auch dann nicht ablehnen, wenn von der betreffenden Organisation vielleicht manchmal nicht ganz ein- wandsfrei gehandelt worden ist. Dadurch, daß wir der Vorstände- konferenz überlassen wollen, zu bestimmen, wann eine solche Um- läge cingehoben werden soll, sind alle Garantien gegeben. Wie es heute ist, geht aus einer Aufstellung der Berliner Gewerkschafts- Kommission hervor; da hat eine Gewerkschaft bei einem großen Kampfe 2, 50 M. pro Mitglied aufgebracht, eine andere mit gleichen Erwcrbsverhältnissen 83 Pf., eine andere gar 26 Pf.(Hört! hört!) Um eine Aenderung des Kölner Beschlusses von 1005 kommen wir Nicht gut herum. Ich hätte es lieber gesehen, wenn Legten über die Frage der Sisyphusarbeit ausführlicher gesprochen hätte. Ein Be- weis dafür, daß di: Gewerkschaften nicht Sisyphusarbeit leisten, ist auch, daß Gesetze, die eine Verschlechterung der Lebenshaltung der Arbeiter bringen, doch auch gekommen wären, wenn wir nicht durch unsere positive Arbeit die Lebenshaltung verbessert hätten.(Sehr richtig!) Wenn wir mit unserer positiven Arbeit nichts anderes vermocht hätten, als eine Herabdrückung der Lebenshaltung zu der- hindern, so wäre das allein schon etwas, das jeden organisierten Arbeiter die Gewerkschaften und die gewerkschaftliche Arbeit als notwendig erkennen liehe.(Zustimmung.) Im Laufe der letzten wei Jahre konnten wii? öfter feststellen, daß ausländische Irbeiter, die 6, 7 bis 8 Jahre unbehindert in Preuhen sich lufgehalten hatten, in dem Augenblick ausgewiesen wurdeiy wo sie sich an einem Streik beteiligten. W i n n i g- Hamburg(Bauarbeiter): Wir haben unseren An trag auf Ausbau der Gewerkschaftsschule gestellt, bevor wir wußten wie sich Legien in dieser Frage verhalten würde. Nachdem er gc- sprochcn, erscheint er uns um so notwendiger. Der sachliche Kern unseres Antrages ist die Ausgestaltung der gewerkschaftlichen Kurse dahin, daß die Dauer der Kurse verlängert und die Zahl der Teil- nehmer verringert wird. Jeder, der einen gewerkschaftlichen Kursus besucht hat, wird mit mir der Ansicht sein, dag ihre Verlängerung durchaus geboten ist. Jetzt muh in wenigen Wochen ein so ge- valtiger Unterrichtsstoff zusammengedrängt werden, dag die Zchüler nicht fähig sind, sich bei jedem Punkte so zu konzentrieren, daß sie dauernden Gewinn vom Unterricht haben. Legien hat da- regen eingewendet, man wisse nicht, was mit den Schülern geschehen olle, wenn sie sechs Monate ihrem Beruf entzogen würden. Die Antragsteller haben nicht an einen sofortigen Sprung auf sechs Monate gedacht. Nur die allmähliche Verlängerung der Dauer der Kurse um 14 Tage oder 4 Wochen streben wir an. Der Einwand, was mit den Schülern geschehen soll, erledigt sich durch den Hinweis auf die Parteischule. Diese wäre mit ihren 6-MonatS- Kursen ja in gleicher Verlegenheit.(Zuruf: Ist sie auch!) Nach Absolvierung der Schule gehen die Parteischüler wieder in ihren Beruf.(Zurufe: Nein!) Mit der Verlängerung der Kurse Hand in Hand.-iß die Verminderung der Teil. nehmerzahl gehen. W� denken daran, daß im Höchstfalle 86 Teilnehmer zu jedem der beiden Kurse im Winterhalfr jähr zugelassen werden. Dann werden im Jahr nur 60 ausgebildet und die Verlegenheit: wohin mit den Schülern? reduziert sich dann beträchtlich. Heute werden drei oder sogar vier Kurse abgehalten, an jedem Kurse nehmen 60, im Maximum 70 Schüler teil, wir haben also im Jahre rund 200 ausgebildete Schüler. Allerdings, wenn man glaubt, daß für jeden Ausgebildeten eine besoldete Stellung in der Arbeiterbewegung freigehalten werden müsse, gerät man in c,-«»--»-o-mvii.->»>->-»n«<---- vj-i, „.ai» ausgesprochen worden, daß ein A n s p r u ch des S ch ü l e r s J eine solche Stellung besteht? Auch manche der Lehrer in der �cr Konsumvereine verpflichtet sich, den Konsumvereinen zu empfehlen, daß bei Liefe- rungsaufträgcn sowie bei Vergebung von Arbeiten der Vereine solche Firmen Berücksichtigung finden, welche die Gewerkschaften und die von diesen mit den Arbeitgebern abgeschlossenen Tarife und Vereinbarungen anerkennen. Soweit schriftliche Werkverträge über die Vergebung von Ar- beiten und Lieferungen in Frage kommen, wird den Genossenschaften empfohlen, in diese Kontrakte eine Klausel aufzunehmen, wonach der Unternehmer verpflichtet ist, die Gewerkschaften und die zwischen diesen und den Arbeitgebern abgeschlossenen Tarife und Verein- barungen anzuerkennen." Resolution betreffend die genossensaftlichen Pflichten der Gewerkschaftsmitglieder. „Der Gewerkschaftskongreß zu Dresden verweist die gewcrk- schaftlich organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen erneut auf den Beschluß des Kölner Gewerkschaftskongresses(1995), die Genossen- schaftsbewegung in Teutschland durch ihren Beitritt zu den Konsum» vereinen sowie durch Propagierung der genossenschaftlichen Idee aufs tatkräftigste zu unterstützen. Der Kongreß erachtet die Gewerkschaften für verpflichtet, durch genossenschaftlich-aufklärende Vorträge in den Filialen und durch eelgncii-?uu>.r u..u q�>. i.. er—•v''' druckanschläge in ihren Bureaus und Sitzungsräumen die Werbe- tätigkeit der Konsumvereine nachhaltigst zu unterstützen. Auf Antrag der Konsumvereine ihres Bezirks sind die örtlichen Gewerkschastskartellc verpflichtet, aus Gewerkschaftern und von den Konsumvereinen bestimmten Genossenschaftern zu gleichen Teilen bestehende Kommissionen einzusetzen, die geeignete Maßnahmen zur Förderung der genossensck)aftlick?cn Propaganda in die Wege zu leiten haben. Die GewerkschaffSkartelle können außerdem für Vor- träge und Druckanschläge sorgen, Spezialerhebungen über das genossenschaftliche Organisationsverhältnis der GewerkschaftSmit- glieder und über die Gründe des Fernbleibens der letzteren von Genossenschaften Pflegen und für geeignete Publikation am Orte wirken." �... Resolution betreffend Verhängung von Boykotts. „Ein gelverkschaftlicher Boykott darf nur dann über die Liefe- ranten der Konsumvereine verhängt werden, wenn erstens von dem Vorstände der beteiligten Gewerkschaft die Zustimmung der General- kommission der Gewerkschaften Deutschlands zur Verhangung des Boykotts eingeholt worden ist. und wenn zweitens die von der Generalkommission anzurufende Vermittelung des Generalsekretars des ZcntralverbandcS Deutscher Konsumvereine zur Beilegung der Differenzen keinen Erfolg gehabt hat. � Ucber die Aufhebung eines Boykotts ist von der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands der Gencrastckretar des Zcntralvcrbandes Deutscher Konsumvereine sofort in Kenntnis zu setzen, damit er den Genossenschaften eine entsprechende Mit» teilung zugchen lassen kann." erinbarung einer Stell ungnahme zu der Neu- gründung von industriellen ArbeitSgenoisen» schaften oder sogenannten Produktivgenossen. schaften. ES wird anerkant, daß nach dem Grundsatz der Produktion für den organisierten Konsum die über den örtlichen Rahmen hinausgehende Eigenproduktion für die Konsumvereine eine Aufgabe der Großeinkaufsgcscllschaft deutscher Konsumvereine und, soweit bedruckte und unbcdruckte Papierwaren und Papier ��r Frage kommen, der VerlasiKanstalt deutscher Konsumvereine ist. Die Er- rickitung besonderer Produktiv�cnossc-nsch-aften kann daher nur gut- geheißen werden, wenn es sich handelt: �. 1. um Bereinigungen von Genossenschaften eines Bezirks zur gemeinsamen Produktion, bczw. zur Ilmwandlung mner Ar- britSgenvsscnschaft in eine Produktivgenossenichaft, deren Mitglieder die Genossenschaften sind; 2. um industrielle Arbcitsgcnoss.nschaften(sogenaiinter Ar- beiterprodilktivgenosienschaften) durch eine Gruppe von ge- werkschaftlich organisierten Arbeitern, wie solches häufig nach erfolglosen Streiks vorkommt; wenn diese Errichtung im Einverständnis mit dem Vorstand ZentralverbandcS T-eutschcr Konsumvereine und der Groß. ' m.....-•""'----- 1-- sowie der zustandi- und des einkaufsgesellschaft Deutscher Konsumvereine gen Gewerkschaftsleitung crfoltzt._. Arbeiterproduktivgcnossenschaften, die ohne dieses Einvernehmen gegründet wurden, sind lediglich als Privatuntcrnehmungen zu er- achten und können keinen Anspruch auf geschäftliche Verbindung Vit den Konsumvereinen deS Zcntralvcrbandes erheben. Die Generalkommission und die zuständigen Gewerkschafts- vorstände verpflichten.sich, ihre Mitglieder darüber aufzuklären, daß die Errichtung von industriellen Arbeitsgenosscnschaftcn eine große wirtschaftliche Gefahr für die beteiligten Arbeiter bringen kann und nur dann einige Aussichten auf Erfolg gewährt, wenn alle hier- für notwendigen Voraussetzungen erfüllt sind, das heißt, wenn einerseits für eine fachmännische Leitung und ausreichendes Be- triebskapital gesorgt und andererseits der Anschluß an den organi- sicrten Konsum gesichert ist. Sind diese Voraussetzungen nicht er- füllt, so ist von der Errichtung neuer industrieller Arbcitsgenosscn- schaften dringend abzuraten. Die Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine und die Gcnossenschaften dagegen verpflichten sich, ebenfalls nur dann, wenn die oben erwähnten Voraussetzungen erfüllt sind, mit neuerrichteten industriellen Arbeiisgcnossenschafteu in Geschäftsverkehr zu treten. Ebenso verpflichten sich die Vorstände der Rcvisionsverbände, nur unter diesen Voraussetzungen ncuerrichtete industrielle Arbeits. gciiosseiischaftcn als Mitglieder in ihren Verband aufzunehmen." Euq der frauercke�egung. Der internlitionulc Francnwahlrcchtskoiigrcs?, der vergangene Woche in Stockholm tagte, war ja im allgemein n eine Vcrsaiiiiiilung von Damen der herrschenden Klasse,"und n einige wenige waren unter der großen Zahl der Teilnehmer, sich zur Sozialdemokratie bekannten. Ter Kongreß war c 24 Ländern, die dem Weltvcrband für Frailcnlrahlrccht angcschlos sind, mit rund 299 Delegierten beschickt, und im ganzen wird Teilnchmcrzahl auf 1299 angegeben. Norwegen hatte nebenbei a: eine Delegierte, Dr. Kristine Bonncvie, aus Staat kosten zum Kongreß gesandt. Es wurde auf dem Kongreß ü die Lage der F r a u e n w a h l r e cht s sa ch c in den verschiedene: Ländern berichtet, und dann wurden in den Sitzungen wie auch- größeren Versammlungen Vorträge gehalten und Diskussionen pflogen über das Francnwahlrccht sowie über andere damit sammcnhängcnde Fragen und namentlich auch über die weite, e Propaganda. Nicht einig war man sich über die Haltung, die Frauemrahlreckitsvercinc, die im allgemeinen politisch neutral' wollen, gegenüber den sozialdemokratischen Frai n einnehmen sollten. Eine ungarische Delegierte, R o s' Schwimmer, stellte frischweg die Behauptung aus, daß den. zioldcmokratisthcn Frauen von ihren männlichen Genr''"- Führern der Partei, verboten werde, an der Fraucnw bewcgung teilzunehmen, und die deutsche Delegierte Fre' B r c i t s ch e i d brachte eine Resolution ein, in der gesa w daß ein Zusammenarbeiten mit den soziale kratiscben Frauen nicht möglich sei, solange die" für das Wahlrecht nicht weiter fortgeschritten ist. Diese Resol wurde dann anch mit 63 gegen 33 Stimmen angcnomr Der Beschluß schien jedoch anderen TageS einem Teil der gierten bedenklich und man beschloß nun auf Vorschlag von Shaw, daß die zum Wcltverband gehörenden Fraücnw'i!. organisationcn in allen Ländern alle anderen Frauenverci:: die für das Wahlrecht kämpfen, wo es die Umstände mit sich br zu gemeinsamem Vorgehen ausfordern sollen. Unsere Genossinnen kann es ja ziemlich kalt lassen, tre bürgerlichen Frauen in dieser Hinsicht beschließen; sie werde: wie vor in ihrer Weise für das Frauenwahlrccht wie für 1. sreiung aller Unterdrückten und Geknechteten kämpfen. Lcseabende. Königs.Wiistcrhmisen. Mittwoch, den 23. Juni, abends 8 Uhr. im Lokal der Witwe Wedhorn unser Leseabend statt. ordnulig: 1. Vortrag der Gcnoisin F a h r e n w a l d: 2. Parteiangclcgenheitcn und VerslbiedeneS. Arminhallen FestsäSe Sonnabende und Sonnlaqe. Komtnandan straße 58- f r e(Amt n Teilzahlung wöchentl. nur 1 M. Herren- und Damen•Uhren, < ettcn.Frcischwingcr, Grammophone, Mandolln.. Geigen. Teppiche,(tepp-und Tisch« decken Bilder, Fahrräder eic Warschauer Strasse 68. RcinickonCorferSlr. 101, , Göben- Strasse 19. Ktssttts MüßgtWft liefert reellen Leuten eleg. Herren- Garderobe| auf Teilzahlung. 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Salti Mastor Esil Leßire, bei nüliorej franko. Berlin Orauic Albert Wach». BctÜnTgür de» Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei». VerlagSaustalt Paul Singer lt. 147. R-Ichgaas. Dieustilg. 27. M 1011 Soziales* Kinderarbeit. Trotzdem wir im Deuischen Reiche seit nunmehr acht Jahren daS Kinderschntzczeietz haben, das die Arbeit von Kindern unter 14 Jahren in Gewerbebetrieben fast vollständig untersagt, hat die letzte Berufszählung(von 1V07) nicht weniger als rund 297 OOO Kinder unier 14 Jahren aufgewiesen, die„erwerbsfähig im Haupt- beruf' sind. Und was noch auffälliger: ihre Zahl ist zwischen 1895 und 1907 ganz gewaltig gewachsen! Damals waren es nur 181 500. DaS ist eine Zunahme um rund 64 Pro;., während die Gesamtzahl der Erwerbstätigen iin Hauptberuf saller Alters- stufen) nur um 29 Proz. gewachsen ist. Die Sache erklärt sich swie wir einem soeben erschienenen Buche des Direktors Reuhans vom Königsberger Statistischen Amt entnehmen) folgendermaßen: Von den 297 000 Kindern, die 1907 noch ausgebeutet wurden, waren fast alle, nämlich über 284 600 in der L a n d tv i r t s ch a f t be- schäftigt, und bekanntlich haben die Agrarier es durchgesetzt, daß ihnen daS sogenannte Kinderschutzgesetz die Ausbeutungs- freiheit nicht einschränkt. Daran ändert auch nichts die Tat- fache, daß etwa 66 500 von jenen Kindern schämig als„Lehr- linge' bezeichnet werden. Der geringe Rest mag vielleicht daher stammen, daß Kinder, die die Schule beendet haben, aber noch nicht ganz vierzehn Jahre alt sind, schon in Handel oder Industrie beschäfligt werden. Dieses Resultat zeigt, wie verhängnisvoll es war. die Landwirtschaft, von den Schntzbcstimmungen des Gesetzes auszunehmen, und wie die Agrarier sich da? zunutze machen. Zur obigen Gesamtzahl kommen außerdem noch 29 300 Kinder, die als „Dienende im Haushalt' arbeiten müssen. Im übrigen versteht es sich von selbst, daß auch Kinder über vierzehn Jahren noch Kinder sind, die auf die Schulbank, aber nicht in den Broterwerb gehören. Und da ist es nun höchst bezeichnend, daß schon in der Altersstufe von 14—16 Jahren die Zahl derer, die sich ihr Brot durch schwere Arbeit verdienen müssen, weit größer ist als der Rest. Es wurden nämlich in dieser Altersstufe gezählt; Erwerbstätige im Hauptberuf. 1469 000 Dienende im Haushalt... 160 800 Zusammen 1 629 809 Dagegen Angehörige.... 742 200 Schüler, Pensionare usw., die nicht bei den Eltern wohnen. 70 000 Zusammen 812 200 Auch hier ist die Zahl der arbeitenden Kinder seit 1893 nicht Unbeträchtlich gewachsen. Damals gab eS: Erwerbstätige im Hauptberuf. 1 131 700 Dienende im Haushalt.... 153 300 Zusammen 1 285 000 Angehörige........ 773 300 Pensionäre, Schüler usw.... 65 500 Zusamnien 823 800 Hier zeigt sich ganz deutlich, daß wir unS in einer Eni« Wickelung zum Schlimmeren befinden: die Zahl der Kinder unter 16 Jahren, die noch von ihren Eltern usw. ernährt werden, nimmt ab; die Zahl derer, die selbst ihr Brot erwerben müssen, wächst. DaS Aller von 16—18 Jahren, das ja eigentlich ebenfalls noch gänzlich der Ausbildung und Lorbcreitung für den Lebenskampf ge- widmet sein müßte, wird in kapitalistischen Zeiten ja leider schon ganz und gar als ein erwachsenes Aller angesehen(ausgenommen nur in unserem.liberalen' VereinSgesetz). Demgemäß ist hier die ahl derer, die noch nicht ihr Brot selbst verdieueu müssen, ganz ein. ES wurden in diesen,«lter gezählt: Erwerbstätige im Hauptberuf. 1 730 000 Dienende im Haushalt... 200 600 Zusammen 1 930 600 Dagegen Angehörige.... 392 500 Schüler, Pensionäre usw... 65 700 Zusammen 458 200 Zum Vergleich setzen wir auch hier die Zahlen von 1893 da- neben. Damals gab es im Alter von 16—18 Jahren: Erwerbstätige im Hauptberuf. 1 397 000 Dienende im Haushalt... 199 900 Zusanimen 1 596 900 Angehörige........ 458 800 Schüler, Pensionäre usw.... 49 300 Zusammen 507 600 Die EntWickelung ist demnach dieselbe nachteilige, wie in der Altersstufe von 14— 16 Jahren. ES braucht nicht besonders betont zu werden, welche gesundheitlichen und sitllichcn Gefahren für den heranwachsenden Arbeiter anS der srübzeitigen Ausbeutung der Arbeitskraft entstehen. Den jungen Menschenkindern wird nicht nur die sonnige Jugend gestohlen, nein, man raubt ihnen auch ein Teil ihrer Lebenskraft, um blinkendes Gold daraus zu prägen I (ZencKts-TeiUing. Schuster und Schneider— und Lehrer. Vor dem Amtsgericht Lichtenberg wurde gestern gegen den Krankcnkassenbcamtcn Pinsclcr, der in Friedrichöfclde Gemeinde- Vertreter ist. wegen Lchrerbcleidigung verhandelt. Beleidigt fühlt sich der Lehrer Schräder, der in FriedrichSfelde an der Mädchenschule amtiert. In einer S-lksvcrsammlung für Friedrichsfelde, die vom sozialdemokratischen Wahlvprcm am 6. Dezember 1910 abgehalten »tmrbe, soll nach einem Vortrag dcZ Genossen Dr. Alfred Bern- stein über die Volksschule in der sich anschließenden Diskussion der «Genosse P i n s e I e r den Herrn Schräder durch seine Ausführungen gekränkt haben. Die Anklage, die auf Schräders Antrag von der Staatsanwalt- fchast erhoben worden ist. legt dem Angellagten Pinseler verleumderische Beleidigung zur Last. Pinseler soll gesagt haben, in FriedrichSfelde je, ein Lehrer von der Mädchenschule an die Knabenschule versetzt und dann, weil er nicht zu gebrauchen gewesen sei, an die Mädchenschule zurückversetzt worden. Tiefer Lehrer habe wegen einer Körperver- lctzung, die er gegen einen Knaben begangen habe, 29 Mark Geld- strafe zahlen müssen. Ten Namen dcS Lehrers hatte Pinscler nicht genannt, aber Herr Schräder, dem diese Angaben so berichtet wurden, meinte, sie nur auf sich beziehen zu können. Tie Anklage behauptet weiter, Pinseler habe auch einer einfachen Beleidigung Schräders sich dadurch schuldig gemacht, daß er im Zusammenhang mit der Kritik der Amtstätigkeit Schräders gesagt habe, früher seien die Lehrer Schuster und Schneider gewesen, heute aber seien sie gebildet sein wollende Leute. Diese Hincinziehung der Schuster und Schnei- der empfand Herr Schräder, wie er in der Gerichtsverhandlung zu erkennen gab, als überaus kränkend für einen Lehrer. Zu der Verhandlung war eine große Zahl Zeugen aufgcboicn' fvorden, unter ihnen der Krcisschulinspcktor Schulrat Bandtke und ewige Schulkinder. Als Zeuge trat auch Lehrer Schräder selber auf, her überdies als Nebenkläger zugelassen war. j Ter Angeklagte, dem als Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfcld zur Seite stand, erklärte, von der Zurückversetzung an die Mädchenschule habe er gesprochen, nicht aber davon, daß Schräder nicht zu brauchen gewesen sei. Auch von Schustern und Schneidern, die Lehrer waren, habe er gesprochen, aber nicht in beleidigender Absicht. Im Hinblick auf mehrere in den Friedrichsfelder Schulen vorgekommene Züchtigungsfälle, die in der Versammlung erwähnt worden waren, habe er gesagt, daß man in höheren Schulen so etwas nicht kenne. Zur Beleuchtung dieses Unterschiedes habe er etwa hinzugefügt:„Früher, wo die Volksschullehrcr Schuster und Schneider waren, konnte man an sie keine pädagogischen Ansprüche stellen, da griffen sie eben zum Bakel; heute aber, wo sie mit akademisch ge- bildeten Lehrern auf eine Stufe gestellt werden wollen, muß man mehr verlangen." Vorsitzender: Wie kamen Sie gerade auf den Ver- gleich mit Schustern und Schneidern? Angekl.: Nun, früher war's doch so! Vors.: Also Sic wollen sagen, daß früher die Lehrer neben- bei ein Handwerk trieben? Verteidiger: Nein, umgekehrt! Hand- wcrker waren nebenbei Lehrer.— Zu der Behauptung, daß Lehrer Schräder bestrast worden sei, wurde vor Gericht eine Mitteilung aus Gericht öaktcn gemacht. Schräder ist am 13. Februar 1903 vom Landgericht Berlin II der Körperverletzung im Amt für schuldig befunden und zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Auch Versetzung an die Mädchenschule ist erfolgt, doch hob der Vor- sitzende hervor, nicht Unbrauchvarkeit sei der Grund gewesen, viel- mehr werde der Schulinspcktor bekunden, daß Schräder ein tüchtiger Lehrer sei. Der Angeklagte erwiderte, einen Grund habe er damals weder genannt, noch gekannt. Gemutmaht habe man, daß Schräder versetzt worden sei wegen einer von Pinseler eingereichten Be- schwcrde, die ihm vorwarf, Schimpfwörter gegen Schulkinder ge- braucht zu haben. Schulrat Bandtke habe auf die Beschwerde ge- antwortet, daß das Erforderliche eingeleitet werden solle. Der Nebenkläger Lehrer Schräder gab an, er sei seit Oktober 1894 in Friedrichsfelde Lehrer, habe lange in der Mädchenschule unterrichtet, sei dann versetzt worden zu Ostern 1901 auf persön- lichen Wunsch an die Knabenschule und später auS sachlichem Grund wieder zurück an die Mädchenschule. Wegen der„Schuster und Schneider" hält Nebenkläger dem Angeklagten vor: Ich wundere mich eigentlich, daß Sie das sagen. Sie waren ja auch nicht immer Kassenbeamter! Verteidiger: DaS richtete sich doch nicht gegen die Schuster und Schneider. Er wollte nur auf die historische Entwicke- lung hinweisen, auf die Tatsache, daß früher Schuster und Schneider als Lehrer beschäftigt wurden, ohne hierzu eine Ausbildung ge- nassen zu haben. Strafantrag und Anklage stützen sich auf ein Stenogramm der Rede PinselerS, das von einer Buchhalterin Fräulein Freudenberg, der Tochter des Friedrichsfelder Lehrer? Freudenberg, zusammen mit einer Buchhalterin Fräulein Schubert aufgenommen worden ist. Lehrer Fleudenberg, Schräders Kollege, hatte die beiden zu diesem Zweck in die Versammlung geschickt. Vor Gericht war als Zeugin nur Fräulein Frendenberg erschienen, leider ohne das Stenogramm. In der Beweiserhebung ergab sich, daß auf dieses Beweismittel, sowie auf die fehlende Zeugin Schubert nicht verzichtet werden konnte. Zeugin Freudenberg vermochte nicht aus dem Gedächtnis zu sagen, ob Pinseler für Schräders Versetzung überhaupt einen Grund genannt hatte. Auf Antrag des AmtSanwaljs beschloß das Geriet Vertagung. Recht gefährliche Schicvunge» hat der Schlächtermeister Franz Grünmeyer vorgenommen, die ihn nunmehr in das Zuchthaus gebracht hatten. Unter der Anklage des betrügerischen Bankrotts, des Meineids in drei Fällen und der Verleitung zum Meineide in drei weiteren Fällen hatte sich G. in Gemeinschaft mit seiner der Bei- Hilfe angeklagten Ehefrau Auguste G. bor dem Schwurgericht des Landgerichts Hl zu verantworten.— Der Angeklagte hatte jahrelang in der Markthalle einen Stand, welcher anfangs einen ganz guten Verdienst abwarf, jedoch schließlich zurückging, da sich G. mehr um die R e n n b a h n wie um sein Geschäft kümmerte. Er machte dann in der Nollendorfstraße ein Geschäft auf, welche« nach einigen Tagen geschlossen wurde, um dann wiederum auf den Namen der Ehefrau von neuem eröffnet zu werden. Sehnliche Transaktionen wurden auch mit zwei Filialen vorgenommen. Trotzdem bestellte G. auf seinen Namen Waren und andere Sachen, die er dann nicht bezahlen konnte. Eine der Filialen wurde einem Schlächtermeister Löhnert übertragen, dem er dann auch, wie die Anklage be- hauptet, zum Schein seine sämtlichen Möbel verkaufte. Als dann die„große Pleite' kam, wurde er von seinen Gläubigern in zahl lose Prozesse verwickelt, in denen dann seine Ehefrau, sein hochgradig schwindsüchtiges Dienstmädchen, welche» inzwischen verstorben ist, und andere Leute als Zeugen auftraten. Griinmeyer selbst beschwor dreimal, daß ihm das Inventar sowie andere von den Gläubigern gepfändete Gegenstände nicht gehörten. Ferner soll er versucht haben, drei Personen zu falschen Aussagen zu verleiten; so u. a, sein Dienstmädchen, an welches er kurz vor dem Zusammenbruch eine Hypothek von 10 000 M.„verschoben' halte.— Nach einer längeren Verhandlung bejahten die Geschivorenen die Schuldfragen nur bezüglich dcS Ehemannes Grünmeyer, der zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Die Ehefrau wurde freigesprochen. Hus aller Alelt. ßaUonlandung in der ISordfec. Lwci Personen ertruukcn. Am Sonntcig morgen 514 Uhr wurde, wie aus Juist gemeldet wird, in zicmlidher Höhe über dem Wattenmeer ein Ballon gesichtet, dessen Gondel mit zwei Personen besetzt war. Man sah, wie er in die Nordsee fiel und durch den herrschenden Sturm mit großer Ge> s ch w i n d i g k e i t seewärts getrieben wurde. Später trieb die Gondel und ein Teil der Ballonhülle auf der Wasseroberfläche. Tas ausgesandte Rettungsboot konnte keine Hilfe bringen, weil sich die Gondel mit rasender G e s chw i n d i g k e i t f 0 r t b e we g t e und das Boot selbst mit dem schweren Sturm zu kämpfen hatte. Es brachte nur die Hülle von einigen Sandsäcken, die mit R. G. B. 70 gezeichnet waren. Tie Marinestation ließ durch ein in Norderney liegendes Torpedoboot die Unfallstelle absuchen, doch blieb diese Arbeit bis Montag früh ohne Er- folg, und es inuß angenommen werden, daß die beiden Luft- schiffer denTodindcnWellen gefunden haben. Ter verunglückte Ballon stammt aus P a r i s, wo er am Sonnabend zusanimen mit acht anderen Ballons aufgestiegen sein soll. Drei weitere Pariser Ballons sind Sonntag morgen zwischen 5 und 6 Uhr an verschiedenen Stellen Ostfrieslands glatt niedergegangen. Jeder hatte zwei Insassen in der Gondel. Der deutsche Rundflug. Die am deutschen Rundfluge für die Strecke Hannover« Münster gemeldeten Teilnehmer sind gestern früh in Hannover aufgestiegen. Als erster verließ L indpaintner� um 4 Uhr 32 Minuten den Platz. Etwas später folgte Vollmöller, dann Schauenburg, König, Lange und T h e l e n. Der Flieger Lange mußte jedoch nach einer Runde wieder landen, da sein Motor aussetzte. Auf der 184 Kilometer langen Strecke sind zwei Zfw angSIandungen in Minden und Bielefeld vor- gesehen. In Minden ist als erster Vollmöller eingetroffen, der auf seinem Fluge Lindpaintuer überholte. Dieser folgte ihm 4 Minuten später. Als dritter ist Schauenburg in Minden eingetroffen. Die Flieger hatten auf ihrer Fahrt unter dem starken Winde sehr zu leiden, sodaß Lindpaintner und Schauenburg erst am Abend weiter fliegen wollen. Dagegen hat Vo llmö ller um 6i/, Uhr seine Fahrt fortgesetzt und ist nach etwa einstündiger Fahrt glatt aus dem Flugplätze in Bielefeld gelandet. Dr. W i t t e n st e i n, der mit einem Passagier gestern morgen in Lüneburg gestartet ist, ist von einem bedauerlichen Unfall be- troffen worden. Der Flieger war in der Nähe von Hannover niedergegangen, um einen Apparatdcfekt auszubessern. Bei dem Wiederaufstieg stürzte der Doppeldecker plötzlich in die 23 Meter breite Ulmenau und versank mit dem Unter« gestell im Wasser. Wittenstein und sein Fluggast erreichten unvcr« sehrt daS Ufer. Das Flugzeug muß im Wasser abmontiert werden. » Die 14 an dem europäischen Rundflug beteiligten Flieger traten Sonntag früh a»f dem Flugplatz Soesterberg bei Utrecht zusammen und beschlossen einen Protest gegen die Flugkommission des Aeroklub von Frankreich, welche trotz des ungünstigen meteorologischen Berichtes den Start nach Brüssel für Sonntag angesetzt hatte. Die Flieger erklärten, sie wollten ihr Leben nicht unnütz aufs Spiel setzen und verlangten vom Aeroklub die Aufhebung des Beschlusses der Flug-- kommiffion und die Ansehung eines neuen Startes. Gestern morgen sind zwei Flieger nach Brüssel ge- startet, die übrigen warten noch auf bessere Wetterverhältnisse. Das Sportluftschiff?. 5 abgebrannt. DaS Luftschiff?. 5, das am Sonntagnachmittag zu Passagier- fahrten in H a n n o v e r s ch- M ü n d e n eingetroffen war, fing gestern nachmittag 1 Uhr 20 Minuten bei Reparawrarbciten an dem Ventil des Motors Feuer und verbrannte vollständig. Zu dem Unglück werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: Gegen 1°/, Uhr herrschte in Hannoversch-Münden starker Sturm. so daß der Führer des Luftschiffes, Oberleutnant F 0 r s b e ck. sich veranlaßt sah, die Reißleine zu ziehen, um den Ballon zu entleeren. Der Motor stand still. AIS daS Schiff zum erheblichen Teil entleert war, entstand plötzlich in der Hülle eine Explosion, die die Ballonhülle vernichtete. Hierbei erlitten sieben Personen Brandwunden, darunter zwei am Arm und im Gesicht ziemlich erhebliche Verletzungen, während die der anderen fünf Personen unbedeutend sind. Die Gondel und der. Motor sind nur ganz unerheblich beschädigt und werden nach Bitter- ftld verladen, wo eine Reservehülle in Bereitschaft liegt. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Drei Personen verbrannt.. Etn schweres Brandunglück hat sich in der letzten Nacht auf der dem New Jorker Hafen vorgelagerten Insel Nan». tucket zugetragen. In dem BootLhause eines Ruderklubs) wurde durch ein weggeworfenes brennendes Streichholz Feuer hervorgerufen, das sich auf dem frisch ge» teerten Fußboden schnell fortpflanzte. Zwei junge Mädchen, ein Fräulein Häven und ein Fräulein Wilson. Töchtert von New Jorker Millionären, liefen während deJ Brandes in ein Zimmer, das keinen Ausgang hatte, und Verbranntendort. Auch ein junger Mann, Mr. BarneS, aus Albany, ist in den Flammen umgekommen�. Zwei Angestellte dcS Hauses erlitten schwere Brandl wunden. Die übrigen im Hause anwesenden Personey. konnten sich vor dem Feuer in Sicherheit bringen, indem sw ins Wasser sprangen._ Kleine Notizen. Wieder eine geliorstene Ordnungssäule. Wegen AmtSderbrechen, wurde der frühere Gemeindevorsteher des OstieebadeS Stolp» münde, Fritz G 0 h l k e, vom Schwurgericht in Slolp zu zwei* Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Gohlke hatte als Gemeindevorsteher 4000 M,, die der Gemeinde gehörten, unterschlagen und zu diesem Zwecke die B ü ch e n gefälscht. Außerdem hatte er alö Testamentsvollstrecker ihn, anvertroutes Geld angegriffen. Automobiluufall. Bei St, Vit h in der Eise! stürzte da-j Automobil des Fabrikanten Josef B 0 n s ch um. Bonsch wurde der, Brustkorb eingedrückt, sodaß er nach kurzer Zeit verstarb. Sein� Frau erlitt lebensgefährliche Verletzungen. De« Chauffeur und zwei Kinder blieben unverletzt. Schweres Eisenbahnunglück in England. In der Rächt zun:* Sonnlag fuhr aus der Station H e n l e h ein Expreßzug auf einen Prellblock, Die Lokomotive wurde vollständig umgedreht und die bejden ersten Wagen, die glücklicherweise unbesetzt warew, zerstört. Der Lokomotivführer, der Heizer und neun, Passagiere erlitten schwere Verletzungen. Pest und Cholera. Wie ein Telegramm aus Astrachan meldet, sind im Narynteile der Kirgiescnstcppe drei Todesfälle, an Pest festgestellt lvordcn.— An Bord des Dampfers des Norddeutschen Lloyd. G ö b e n' ist 24 Stunden nach der Abfahrt von Neapel ein Engländer unter choleraverdächtigen Er-> scheinungen gestorben. Im Hafen von Trieft ist auf dem AuSwandererdampter„Ozeania' eine Frau, die auS New Jork zurückkehrte, ati Cholera gestorben. Kausmiinnisthe Kranken- und Stcrbckasse van 188V.(E. H. 71.1 Heute abend 9 Uhr im Restaurant Jüdcnstr. 18/19: Sihimg. Lese- und Ttstiiticrkliib„Wilhelm Liebkuccht--. Heute, DIenZ» tag. abends 9 Uhr, bei Karl Eichhorn. Danziger Str. 93: Vorträge. Gaste willkommen._ rSitternngSuberNwi vom£6, Juni 1911. X s ffü 3 ewmemdr. erli» ArnnN a?! Vtünrfitn Wien ö§ 8? 759® 759 WS® 7603® 762 S® 765 S® 742 W OettR l 3 wolkig 4 bedeckt 3 halb bd, 3 halb bd, 4 Ziegen gen 3 Ivolkig MK Ii M 0 »=■ H ■i Havarcmda 761 S® 2 bedeckt 12 Petersburg!—— Scilly ,765 NW S woMg 41 «berdeen(753®Z1® 6 bedeckt 9 Dans! 763 SSW i 2 bedeckt 12 1 1 s -* f* evetterprognose für Dtcnötag. den 27. Juni 1911. Etwas kühler, zeitweise heiter, jedoch unbeständig mit einzelnen Rei schauern und ziemlich srischen südwestlichen Wälde» ä?7: Dass wir heute tB« NMWW WWKMWM grösste Malzbier-Brauerei Deutschlands sind, verdanken wir den Sympathien des grossen Publikums, das die qualitative Erstklassigkeit unserer Biere dauernd anerkennt. Damit uns dieses entgegengebrachte Vertrauen auch fernerhin erhalten bleibe, bitten wir, beim Bezüge von Caramel-Bieren in Flaschen ausser auf das blaue Etikett auch auf die Firma zu achten. Minderwertige Nachahmungen sind, wegen der Aehnlichkeit der Etiketten, geeignet, unserem Renommee Schaden zuzufügen. Seien Sie daher vorsichtig und achten Sie stets auf den Namen; £ngelhardt*Caramel-Bier X7xasex*e iOlore» slncL vil3ex*£%Xl li.ci c.x±Ilda! „Borussia- Festsäle". ._____.. Telcphon Amt III. 2S74. Empfiedll seine 4'Säle,'150—1000 Personen lassend, zu Versammlungen «nd Vercinsscsllichkeiten.* DM» August, September, Oktober noch Sonnabende und Sonntage frei. Anb Leorg Wolkkgramm,»ekorslr. 6/7. it sei~i WWWWWW Würzburger fiühneraugenmittel fcon l»p. H. l'n<;cr.— Gegen 30 Pfennig aus 10 Ps. Anweisung srei. Obne Zweifel die liegneiiilte u. tvirtsainste göilse. Der Sännerzistiu Sülii». fort. Das Hühnerauge selbst in 3 Tagen.(Enthüll Saliculsäure und indstchen Hansextrakt.) Dr. h!. Unger i, Würzburg. In Berlin(20 Ps.): Salomon-Apotheke, Eharlottenslrasze 54. Greit- Apotheke, Bariiimslraste 33.— Münch«»: Schützen-Apotheke.— Stuttgart: Hirsch-Apothcke.— Breslau; Victoria-Apotheke. 113/8 H.& P. Uder. Berlin SO. 16, � engcl-Ufcr 5. Tabak-Cxroßhaiullnng: und Tabaklabrik. 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L 8724. Pers. Rückspr. dislr. u. fostcnl. Geossuet von 3—3 SonnlagS von 12— 1.• □ □□ □□0 □□□ Theater und Vergnügungen □□ OD □ □ Dienstag, den 27. Juni. ?ic»es fihilgl. Lveniliaus. Die WaUüre.(Ansang 7 Uhr.) . Ausaiig« Uhr. Komische Oper. Orpheus in der Unterwelt. tLessina. Sommerspuk.(Ansang 8 Uhr 20 Min.) /neues Schanspiclliaus. Die keusche , Susanne. Kleines. Die verwandelte Katze. ■. 4 Tote der Fiamctta. Karneval in Nizza.(Ans. 8'/, Uhr.) iLiistipiellians. Unsere Pepi.(An- ' sang 8 Uhr 20 Min.) Thalia. Polnische Wirtschast. .Triauon. Das Prlnzchcn.(Ansang i 8'/a Uhr.) ,2chiUer U.(Wallner- Thealer.) Panne. Schuie,« Gliarlottenburg. Der dunkle Punkt. tiedrich- Wilhelmftiidtischrs. / Kasernenlust. Neues Cvctcttrn. Eine Million. i(Ansang 81/, Uhr.) iLuisen. Reue Heimat.(Ansang VU»Hr.) Oloie. Steffen Langer aus Glogau. 1(?lnsnng S'l, Uhr.) -golieS<5nprier. Die letzte Nacht. Die Hochzeitsreise.(Ansang 8'/, Uhr.) Nletrovol. Hoheit amüsiert sich! Äpollo. Svezialilnlen. P»s!»ae. Spezialitäten. Reichslmile». Stc.uncr Sänger. 'i-Simergnrteu. Spezialltötm. «ort Havertand. Svciinlilatcn. »LalhaUa. Prinz und Bettlerin. (Ansang 6'lt Uhr.) Voigt. Goldene Jugend. Noact. Aurora in Ocl. Der Wunder- trank. Aaiser-Pauorama. III. Rheinreisc. \ II. Zyklus Indien. Urania. Tnubensirasie 48/4». 8 Uhr: Lebende Tierbilder von nah und fern. Sternwarte. Jiivalidenstr. 57— 82. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Lebende Tlerbüder von nah und fern. Täglich ab 4 Uhr: Großes MiMflnzert. Eintritt 1 Hark. von abends 6 Uhr ab 50. Ps., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Morgen sowie füglich: Zlllititr-Voppvl-Boiisopt. Jahres-Abonnemcnls an allen drei Schal terkassen.__ Donnerstag» den LS. Juni, abends 8'/, Uhr, im Gcwetkschaftöhaus General-Versammlung Der Einirlit ist nur Mitgliedern gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte gestaltet. TagcS-Ordnung: Jahresbericht sür das GeschästSjahr 19t0— 1911. Neuwahlen deS Vorstandes, AiiSichusseS, der Revisoren und Obleute. Laut Veschlusi der vorigen lAeneralversammlung: Zexp- Wahl cineö HilfskassiorerS. 241/3' Der GeschäsiSberichl wird gedruckt verteilt. DV Lrdnersihung püuUlich 8 Uhr, 1 Stunde vor der General- Versammlung. Zahlstellenverlegung. Zablstelle 14 befindet sich nicht mehr bei Kalmau, Slralauer Straße, sondern bei R. T h i e I e, An der Stralauer Brücke 4. ver Vorstund. Schiller-TliealerO.fÄ;. Heule abend 8 Uhr: pannv. Lustspiel in 3 Auszügen von Richard Skowronnet. Wor-gen und folgende Tage: l'uunc. Schiller-Theater Chbu?8ten" Heute abend 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Lustspiel m 3 Aklsn o. G. Kadtlhurg und Ziobert PreSber. Morgen und folgende Tage! Ik«r dunkle Punkt. Neues Kg!. Opern-Thoater(KroiD Dienstag, den S7. Juni, abends 7 Uhr: Gastspiel Marz. Matzenauer t O!e �Vslküre. Mittwoch: Tannhlingcr. Donnerst: Trlntan u. Isolde. �dedrich-Wilhelmstadtisches Schauspielhaus. Dtenötag. de» 27. Juni er» abends 8 Uhr: „Kasernenlltft". Mittwoch bis Freitag, 30. Juni: „Uaacmeuäiift", OSE=THEATE| «Kroge Frankfurter Str. t32. Ansang 81/« Uhr. .Meii Langer ausGlogau. Aus der Gartenbühne täglich: Konzert, Theatervorstellung. Speziali- täte», üins. 4'/, Uhr.— Um 8 Uhr: Di- gru»« Ztevue: GS gibt nur et» Berlin. Metropol-Tlieater. Operette in 3 Alten von I. Freund Musik von Rudols Nelson. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Ausaug 8 Uhr. Rauchen gestattei. Ansang 8>/, Uhr. __| Letzte Tage'PisZ des' grosien Juniprogramms mit Der zerbrochene Spiegel Ab Soinialicnl». den I. Juli: I»nstsi>Iv> Harr)' IVnldcn in dem Baudeville Sein Herzensjunge. vis auserlesenen Attraktionen! LA TORTAJADA. Diu 7 Korlnnas, klassische Tanzstudien. Karl Hclnsch und Eueln mit ihren Vollblutpferden und Hunden. l>e IMo. Charles Ilarons Burleske- Menagerie. Tschinliaas Shoil. Chungusen und eine Kette. bervorragender Kuastkräfte! Jwmzfaek Sensationelle Attraktionen! Johnstowns Untergang. Der größte Erfolg der Neuzeit Cairo. Unverwundbare Derwische. Sudan- neger, Harem, Straßensängor, Handwerker, Kamel- und Eselritte. tSonnubcud, den 1. Juli 1011: Elitetag. Aufstieg[und Fernfahrt dos Frel- Ballons„Carola-' unter persönlicher Führung der berühmten Luft- schifferin Klite Paulus. GroUc Spezinlitdton- Vorstellung. Ganz neuss Programm. Srnsaf ion.'llo Attraktionen. Gebirgsbahn, Wasserrutscbbabn, Liebcsmülilc, Tcufclsrad u. a. Großes Promenaden=Konzert. Am 1. Juli; Sommerfest des Berliner Bierbrauergesellenverolns. Juni 1911. Die ausgeschnittene Anzeige gilt als Freikarte für den Eintritt in den Park, jedoch nicht an Sonn-, Elite- und Vcreinstagon._ Abends 8 Uhr: Die schöne Maroussia die Tänzerin klass. Kunst Nina Bitowey kaukns. Volkssängerin, und das neucgroBe Programm! 14 erstklass Attraktionen. Trlunon-Tlioatcr. Heule und solgcnbe Tage: Das Prlnr.cbcn. Liebesschwank in 3 Sitten v. 31. Misch. Ansang 81/, Uhr. Passage- Die Keger- Hkik Abomnli, die größte Frau, die je gelobt Alles ohne Extra-Entree! Ait-Doablt 47/48. DienStag. den 27. Juni 1911;" Thrater und Spfplitäten. Ansang des Konzerts 6 Uhr, derVor« slellung 7 Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz.= Jeden Montag: Lustige Sänger. Polles Caprice. Täglich 8'/. Uhr: Psrisisna-Lnsemble. Tie letzte Nacht. Ein Zensier zu vermiete». Tie Hochzeitsreise. Das Strumpfband. Koacks Theater. Direktion: Robert Dill. Berlin N., Brunnenstrage 16. Konzert, Theater,. Spezialitäten. Nur diese Woche: Aurora In Oel. Oer Wundertrank. Dazu: Die erstklass. Spezialität. Ansang 7 Uhr. Bei schlechtem Wetter: Borstellung im Saale. kOIHlßlAlü-ÜSSillO. Holziiiarttstr. 72. Ecke Aiexanderstr. Tägl. im herrlichen Ralurgarlcu: Zlllskre pschmiuidtl. Außerdem: Erstklass. Spezial. Jeden Mittwoch, Sonnabend, Sonntag: Tanzkränzchcn. Ani. 8 Uhr. Sonntags 5 Uhr. VGlKt-TIienter Gesundbrunnen, Badstraße 58. Heute sowie täglich; Goldene Jugend. Gr. Lebensbild m. Ges. u.Tanz i. 3 Akt. u. Austreten erstklassiger Spezialitäten. Kassenerösfnung 2, Ansang 5 Uhr. Adinlfölspakist Am.BdtoholiticdfidUttQssc EissArena. Geöffnet von 10 Uhr vorm. In der heiBep Jahreszeit angenehm kiitiler Aufenthalt. Allabendlich: Das prunkvolle Eisballott Montreal Die Stadl auf ScbliUscbuben. Zahlreiche Kunstlautproduktionen. Exquisite Itestaiiratlon bis t Uhr nachts. Bis 7 Uhr und von lO'/.Uhr abends: halbe Kosseupreise. Carl Haverlantl-Theater Kommandantenstr. 77/79. Kölner Blatzheim-Burlesken. Neu! Walzortriiume. Neu I Wenn der Aatcr mit dem Sohne! Ansang präzise 8>/, Uhr. Nur frühes Kommen sichert guten Platz 1 Volksgarteo-Theater Dienstag, bei: 27. Juni: Konzert, Thrntcr- u. Spezinlitäten- Borsteiiuug. teopold Rosser— Ewald Treffer.— Grappo Brothers.— Ballettgeseilschaft Meioni, „O oldoncr Bode n." Max Kllems Sommer-Theater Rudolf Krtlger, Haseuhcide 13—15. Täglich: Erfttlaisige Dbeater- n»d Spezialitätcu-Porstellungen. Zclibcdachter Theatergarten, bei un« günstiger Witterung Schutz bietend. Donnerstag; Elite tag. Reiclishallen-TheHler. Stettiner Sänger. Ilrltton! Mietze im Hofcnroct. Ansang wochentags > 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Noaviler Winterijarten Artus=HoS Porloberger Sir. 26, Stendaler Str. 18. Direktion; Karl Pirnau. Spcjlalitntf n=|lnr|lf Illing. Victor Rittor der beliebte Humorist. Das große Juni-ProiraniiiL Konzert 4 Uhr. Vorstellung'1,6 Uhr. Vorzeiger dieser Annonce zahlt wochentags für Sperrsitz 20 Pf. Berliner Praler-Tliealer Kastanienallee 7—9. BOT Säglich:"9Q Die drei Grazien. Posse in 4 Akten von Trcplott». Spozlaütälon und Konzort. Ansang 4'/, Uhr. Eintritt 30 Ps. Zöüevue. ummelsdorz am Lee. lnb.: 0. Tempel. Jede» Sonnabend und Donnerstag; Soireen der Minanns Sänger Jeden Sonntag: Spezialitäten-IMI. U. iaortcu-Koaücrt. ISozialilenioRFatiscliErWalilvereliii für den ___ Reichstag____ Stralauer Viertel. (Bezirk 321) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unier Gcnolle, der Schlächter- meister WUKdm Küster Müncheberger Str. 21 gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 27. Juni, nach- mittags 4 Uhr. von der Leichen- Halle des Andrcas-Kirchhojes in Wilhelmsberg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. �0!iMmllMsehecM?era!i i Kixdorf. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Schlosser kernkard Lüthke Niemctzstr. 7(11. Bez.) am 24. d. Mts. verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet morgen (Mittwoch), nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Rixdorser Gemeinde- Fricdhoscs, Marien- dorser Weg, aus jlatt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. OeMök Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Berntttrd Lüthke am 24. d. MIS. an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 2«. Juni, nach- mittags 4 Uhr. von der Leichen- Halle des Rir.dorser Gemeinde. ------ Mc''~ aus statt. Rege BeteMgung erwartet 119/3 Die Ortöverwaltung. Friedhoses, Maricndorser Weg, Hierdurch die traurige Nach- richt. daß mein lieber Mann, unser guter Vater, der Wächter Moli Schöbe! am 21. Juni nach schwerem Leiden jaust-ntjchlalen ist. Die trauernde Witwe nebst Kindern. Die Beerdigung findet heute DienStag. den 27. Juni, nach- mittags 5'/« Uhr, von der Leichen- halle des Luisen- Kirchhoses, Charlottenburg, gürstenbrunncr Weg, auS statt. 68/18 Charlottenburg. 3. Gruppe, 25. Bezirk. Den Parteigenossen zur Räch- richt, daß unser Mitglied, der Arbeiter Adolf Schöbel (Tegeler Weg S) gestorben ist. Ehre seinem Sl»de»re»Z Die Beerdigung findet heute Dienstag nachmittags Uhr, von der Leichenhalle des Luisen- Kirchhofes, Fürstcnbrunner Weg, auS statt. Rege Beteiligung erwartet 259/12»es- V«»r»t»nch. Am 24. Juni, nachmittags 3 Uhr, entriß plötzlich der unerbittliche Tod mir meinen innigstgelicbtcn Kalten, den Herzensguten, trcu- svrgcndcn Vater meiner Tochter, den Gastwirt Ldusi'd Woiilgernuth im Alter von 42 Jahren. In ticsster Betriibnis Anna Wohlgemuth u. Tochter. Die Beerdigung findet statt am 28. Juni, nachmittags 2 Uhr. vom Urban- Kranlenhause aus nach dem allen Thomas> Kirchhos in Riirdors, Hermannstraße. 24660 Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung Groll Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Wächter Adolf Schöbel am 24. d. Mts. im Alter von 49 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 27. d. Mts., nach- mittags o1/. Uhr. von der Leichen- balle des Luisen-Friedhoses in Cha rlottenburg, Fürstenbrunner Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 68/17 Die Bezirksleitung. fiermit die traurige Nachricht, mein lieber Mann, unser guter Bater, der Putzer 2471b �uxust krause an Lungenbluten verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, 28. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Lichtenberger Friedhoses in Mar- zahn aus statt. Die trauernde Witwe Bert» Kranse, geb. Kiükow, nebst Tochter. SozialileiDoltratiseh.Kreiswalil-l verein liedertamim Bezirk Lichtenberg. Den Genosten zur Nachricht. I daß unser Mitglied, der Gastwirt| Karl Ludewig Scharnweberstr. 8 verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet nm> Mittwoch, den 28. Juni, nachm. 4 Uhr. von der Leichenhalle des AuserstehungS-KirchboseS, Weißen- 1 see, Lichtenberger Weg, aus statt.| Den Genosten zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Putzer August Krause Möllendorsstr. 87 verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 28. Juni, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Lichtenberger FriedhoseS in Mar- zahn auS statt. Rege Beteiligung erwartet 14/5 Die Bezirksleitung. Verband dertreien Last- und 8chanlwlrts Deutschlands. Ortsverwaltung Lichtenberg. Den Kollegen zur Nachricht, daß ustser Kollege Karl Ludewig verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 28. d. Mts., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des AuserstehungS-KirchboseS in Weißensee, Lichtenberger Weg, auS statt. Die Kollegen versammeln sich um S'L Uhr beim Kollege» Seifert. gegenüber dem Kirchhof. 2472b Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltnng. Verbaud der Maler, Lackierer, Anstreicher uslv. Filiale Berlin. �scliruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Lackierer I'mtl Weiß am 15. Juni 1911 iosolge Unfalles verstorben ist. Ehre seinem Andenke« t 129/13 Ole Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Anteilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau Johanna Heämfarth sage ich allen Beteiligten meinen herzlichen Dank. 2465b lllartln Hcimfarth. Deutseher I Buchbinder-Verband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser langjähriges j Mitglied, der Präger Robert Horn am 24. Juni nach kurzem Leiden I g verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 27. Juni, nach- mittags 3 Uhr. vom Gethsemane- Kirchhos, Nordend, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 24/10 Die Ortsverwaltung. Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands. Geschäftsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, baß unser Kollege, der Zwicker Herrrmnn Witt am 24. Juni verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 28. Juni, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle deS Zentral-Friedhoses in Friedrichsseide aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 169/14 Der Vorstand. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwager und Schwiegersohn 2471b Fritz Behrend Sonntag, den 25. d. Mts., früh 6'/, Uhr plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung siudct Mitt- woch, den 23., nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Lichtenberger Fricdhoscs in Marzahn aus slatL Die trauernde Witwe nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden anläßlich des Hi» scheidcns meines lieben Mannes, unseres guten Vaters sagen wir allen Freunden mid Bekannten, ins. sondcrhcit dem Wahlverein Schöna bcrg, dem Verein der freien Gast- wirtc Schöneberg, dem Sparvercin Einigkeit, den Kollegen der Firma Weiß Nachs. und Müller u. Platho, den Kollegen der Firma Gcißler so- wie dem Schönebcrger Männerchor unseren tiesempsundenen Dank. Ww. Aana Franz nebst Kindern. Danksagung. Für die uns in so herzlicher Weise bewiesene Teilnahme bei der Beerdi- gung unserer teuren Entschlasenen, sowie für die vielen Kranzspenden, sagen allen Beteiligten unseren innig- sten Dank. Familie Geruch. Allen Freunden, Bekannten und Verwandten sage hierdurch meinen innigsten Dank für die rege TeU- nähme beim Begräbnis meiner lieben Frau. Rob. Renntlialer und Söhne. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung so- wie die herrlichen Kranzspenden bei der Beerdigung unseres teuren Eut- jchlasencn, des Töpfermeisters üastav Maynhardt sagen wir allen Freunden und Be- kannten, sowie der gesamten Nachbar- schast, den WahlvercinSbezirlen Rum- Meisburg und Lichtenberg, dem Zcn- tralverband der Töpfer Deutschlands (Filiale Berlin), den jugendlichen Ar- bcitern und Arbeiterinnen von Lichten- berg und Rummelsburg, den Kalo- nisten von Neu-Messina, dem Genossen Dr. Max Schütte jür die trostreichen Worte am Sarge, desgleichen den Sängern für den erhebenden Gesang, ganz besonders den alten Freunden, welche den Verstorbenen zu Grabe getragen haben, unseren tiesgesübl- testen Dank. 2469b Die trauernden Hinterbliebenen FrauWtldvIinInv lllaynhordt nebst Kindern. Warnung! Hinweises sind in letzter Zeit linpltUn• Uuntnbak« in| Trotz wiederholten Nachahmungen meinos Umlauf. vor Kapitän-Kautabak echt mit Zettaleinlage und Etikette mit der Aufschrift: ist nur jjcschtttBt 75 658). Meine werte Kundschaft bitte ich, Kapitän-Kau- ________ ligo Bezeichnungen als unecht zurüok/.u- 1 weisen und mir Fälle von Nachahmungen mitzuteilen, damit ich dagegen einschreiten kann. Karl Röcker, Tabakfabrik, Berlin 0. 27, Gruner Weg 118.(TU. 8861.) Dr.S§mmel Spczial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Priiizenstr. 41,«X™. 10—2, 6— 7. Sonntags 10— 12, 2— 1 Spezial-Arzt für Hunt- and Uurnlclden Dp Pnnlro Roscnthaler Str. 70 III. rUJJRC,Spr.9-2, 6-9, Sonnt. 9-3 Von der Reise znrütk 216/5 Dr. Eugen Hsmü Hermann Fischers billigste 8 itrge ilrbanstr. III, früher Nixdorf. Tel.| ArbeitSnachtveiS: VerwaltnngSstelle Berlin. Hanptbnreau: Hof I. Ami 3, 1239. CharitsstraSe 3. Hos HI. Amt 3, 1987. Mittwoch, den S8. Juni 1911, abends 8'/z Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 13, Saal 11: Vvanchen-Versammlung cker ZZrahlartzeiter und»Meiterinnen. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Branchemmgelegenhelten und SJcr- schiedcnes. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Mittwoch, den 28. Juni, abends 8'/z Uhr, in den Corona- Sälen, Kommandantenstr. 72: Versammlimg"NW des* Graveure und Ziseleuren Tages-Ordnung: f. Vortrag de? Genossen Joh. Schneider über:.Heimatkunst-. 2. Diskussion nnd Verschiedenes. 11S/2 Zahlreichen Besuch erwartet_ Die Ortsverwaltnng. Aciuwai ßäckcrftrcik!»-dw«! Hieiinit erkläre ich, daß ich den von mir seinerzeit der Lohnkommission unterschriebenen Tarij nach wie vor einhalte und auch weiter einhalten werde. Ich bin znr Zurückziehung meiner damaligen Bewilligung, veranlaßt worden durch das Drängen der Bäckerinnung von Groß-Lichtc leide, dem sich einige Vertreter der Bäckerinnung von Steglitz angeschlossen hatten. Grosi-Lichterfclde, Fcrdinandstr. 24, und flffn fflnnCPh Laukwitz, Kaiscr-Wilhelm-Str. 28. UHU RlUJJÄtU. Beglaubigt durch den Vertrauensmann der Bäcker Berlins und Umgegend. n. Ueberau zu haben m v°-°»» m»»- 20 Pfg. Fabrih: Luhszynski& Co., Berlin-Lichtenberg. 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Kassen-Bestand Mark 8 375 284,22 512 134,71 415 415,93 234 180,— 3 500,— 1,- 1,- 60 000,— 17 725,- 63 136,45 271 610,98 38 081,03 Sa. 9 081 070,39 Passiva. 17 725,- 150 817,20 30103,80 10715,- 16 286,— 12 798,40 6 300 630,05 498 000,— Rückstellung für die An siedelung Tcmpelhos. Rückstellung s. d. Ansiede- lur.g Charlottenburg. Rückstellung für d. Wohl- sahrtshaus Charlotten- bürg....... Noch zu zahlende Schuld- verschreibungSzinsen U. Häuserbetricbskosten, Einbchaltene Bar- kautionen..... Feste Darlehen.... Hypotheken.... Zchuldvcrschretbungen.------- Spareinlagend. Genossen 2 203 423,20 Gcschästs-Gut- haben.. 482 876,75 Vermehrung i. I. 1910 51989,15 534 865,90 Siegfr. Lcvh- Schenkung 57 373,65 Felicic Bernstein-Schenk. 93 169,70 Reservesonds.... 35 290,15 Reingewinn.... 21 872,34 Sa. 9 981070,39 Gewiunverteilung. 3'/, Proz. Dividende aus Geschastsguthabcn am 31. Dezember 1909. 15 954,64 M. Dem Ncservesynds gut- geschrieben.... 5 917,70. Sa. 21 872,34 M. Mitglicdcrzahl. Am 1. Januar 1910... Eingetreten im Jahre 1910 5160 714 5374 898 Am 31. Dezember 1910 schieden aus infolge Ausschluß, Tod und Auskündigung...._ p Bestand an Mitgliedern am 1. Januar 1911..... 5479 Die Hastj umme sämtlicher Mitglieder betrug am Schlüsse des Geschästs- jahrcS 1909.... 1568 100 M. sie hat sich vermehrt um 95 400» Gesamt- Hastsumme am Schlüsse des Geschäsis- jahreS 1910.... 1 663 500M. 106/5 Der Borstand. L. Schmidt. Ernst Roscher. Kennen Sie säe? Wenn nicht, dann besichtigen Sie die VüIenkMe Karow, die aussichtsreichste Kartcnsiedclung a. d. Slettincr Bahn. Lv Pf. Fahrt. 300— 500 M. Anz. genüg. Pläne gratis. .1. Itieger, Berlin, Gontardstr. 5. Noch 2 Parzellen a 750 Ick (kleine Ansahig.) in Rialils» dort, ca. 5000 Einwohner, SO Pik.» Fahrt vom Aloxandcrplatz. Bei mir kaufen Sie jetzt noch billiger als In weiter entlegenen Vororten, wie Hoppegarten, Neuen hagen etc. Pläne gratis. Vertreter täglich, auch .Sonntags, am Bahnhof Mahlsdorf im Verkaufspavillon J. 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Rescrent: Ncichstagsabgcorduetcr v. Eichhorn. Charlottenlmrg. Heute abend Sl/? Uhr im Volkshause: Gruppen- Versammlung der 3. Gruppe. Mitgliedsbuch legitimiert. Schöncbcrg. Heute Dienstag, den 27. Juni, abends 8Vs Uhr': Wahlvereinsversammlung in den.Neuen Nathaussälen", Meininger Str. 8. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Emil Unger über »Religion und Proletariat". Diskussion, Vereinsangelegenheitcn, Verschiedenes. Ter Vorstand. Nicdcr-Schönhauscn- Nordend. Heute Dienstag, den 27. Jnni, abends 8'/z Uhr, im„Lindengarten", Lindenstr. 43: General- Versammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht der Bezirksleitung. 2. Neuwahl der gesainten Bezirks- leitung. 3. Anträge zur Kreisgencralversammlung und zum Partei- tag. 4. Wahl eines Dektgierten zum Parteitag und zur Provinzial- konfcrenz. 5. Vereinsangelegenhenen und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Mitglieder die länger als drei Monate mir ihrem Veitrag im Rückstände sind, haben keinen Zutritt. _ Die Bezirksleitung. Berliner JVacbrichten. Wahltermitte z» den Stadtverordnetenwahle«. Als Wahltormina zu den im Herbst d. I. stattfindenden Stadtverordnetenwahlerr sind, wie der Magistrat bekanntgibt, folgende Daten vorgesehen: A. für die III. Abteilung: Dienstag, der 7. November d. I., von vormittags 10 bis abends 8 Uhr, B. für die II. Abteilung: Mittwoch, der 8. November d. I., von vormittags 10 bis nachmittags 5 Uhr, C. für die I. Abteilung: Donnerstag, der 9. November d. I., von vormittags 10 bis nachmittags 3 Uhr, und für etivaige engere Wahlen in III. Abteilung: DienStaz, der 28. November d. F., ril II. A b t e i l lr n g: Mittwoch, der 29. November d. I., in I. Abteilung: Donnerstag, der 30. November d. I. In d'escr offiziösen Bekanntmachung dokumentiert der Berliner Magistrat abermals, dasi er den Beschluß der Stadt- vcrordnctcnvcrsammlung, die Wahlen am Sonntag vorzu- nehnien, nichtachtcnd übergeht. Es wäre interessant, die Gründe zu erfahren, die den Magistrat zur NichtailssüHrung des Stadtvcrordnctenvcrsammlungsbeschlusses geführt hat. Schädiguna der Stadt Berlin durch den Magistrat? Wie un» berichtet wird, hat der Magistrat mit dem bisherigen Pächter des.Eierhauses" in Trcptoio, Herrn Andrclo, einen Vertrag geschlossen, nach dem Herrn A. das Lokal auf weitere sechs Jahre verpachtet wtrd zu einer jährlichen Pacht von 15(100 M., obwohl von anderen Pächtern Gebote von 20—26 000 M. vorlagen. Es ist ganz unerklärlich, dag ein solcher Bertrag geschlossen werden konnte, der auf eine Schädigung der Stadt Berlin hinausläuft und daß der Magistrat dem zustimmen konnte. Noch schlimnicr wird die Sache, daß der Magistrat glaubt, diesen Vertrag schließen zu können, ohne die Zustimmung der Stadtverordneten Versammlung einzuholen. Wie wir hören, soll sich der Magistrat bei seinem Verhalten auf frühere ähnliche Fülle stützen, in denen er gleichfalls die Mitwirkung der ihm gleichgeordneten Stadtverordnetenversammlung ausgeschaltet hat. Dainit wird sein Verfahren in keiner Weise gerechtfertigt. ES wird sich im Gegenteil in nicht allzu ferner Zukunft zeigen, daß daS einseitige Vorgehen des Magistrats zu Beschlüssen führt, die in letzter Linie ungesetzlich sind und die dann zu einer schweren Schädigung der Interessen der Stadt Berlin führen. In solchen Fällen wäre eS nur erwünscht, wenn diejenigen Faktoren, die die Schuld an solchen Maßnahmen tragen, auch materiell zur Ersatzleistung des der Stadt erwachsenen Schadens herangezogen würden. Gegen daS für Berlin beantragte SonntagS-Backvcrbot sprach sich der Zentralausschuß Berliner kaufmännischer. gewerblicher und industrieller Vereine— in lieber- rinstimmung mit dem Präsidium der Zentralstelle für die Interessen des Berliner Fremdenverkehrs— in seiner letzten Plenarsitzung mit Einstimmigkeil aus. Der Zentralansschnß würde eine schwere Schädigung der Berliner Bevölkerung darin erblicken, wenn das Polizei-Präsidium dem von dem Zwcckverbande der Bäckerinnungen gestellten Antrage stattgegeben würde, daß während der Zeit von Sonntag früh um 8 Uhr bis Montag früh um�K Uhr überhaupt nicht gebacken werden darf. Er erwartet, daß da§ Polizei-Präsidium die Einführung dcS allgemeinen SonntagS-BackverboteS auch dann ablehnen wird, falls sich, wie verlautet, eine Zweidrittelinajoriiät von Bäckern dafür ausspricht. DaS Sonntagsbackverbot würde dazu führe», daß am Montag früh frische Brötchen überhaupt nicht zu haben sind, ein Zustand, der— abgesehen von der Schädigung, die die Bäcker durch das Verbot erleiden würden— für die Reichs- Hauptstadt unerträglich wäre. Nicht zuletzt sällt hier neben der enormen Unbegneinlichkeit für die Berliner Bevölkerung auch der Eindruck ins Gewicht, den ein solches Verbot anf die Fremden machen würde, die in den Hotels der ReichShauptstadt des Deutsche» Reiches gezwungen wären, am Montag früh altcS Brot zu esse». Es würden sich höchstens eine Anzahl von Hotels und große» Restaurants durch Errichtung eigener Bäckereien in ihren Betrieben helfen können, ebenso wie die Konditoreien voraussichtlich die Situation durch vermehrte Herstellung von Kuchen und mürbem Ge- back für Montag früh ausnützen würden, zwei zu erwartende Folge- «rscheinunge», die schwere Schädigungen für die Berliner Bäckereien mit sich bringen müßten. Unsere Leser werden sich erinnern, daß auch der Bäckerberband gegen die Art von Sonntagsruhe ist, welche der Zweckverband der Bäckerinnungen beantragt hat. Die Gründe des Bäckerverbandes sind allerdings andere wie die vorstehend angegebene». Der 36- stündige Ruhetag, den der Bäckerberband erkämpft und in seinen Tarifverträgen festgelegt hat, würde verloren gehen, wenn die von den Innungen beantragte 22stündige Sonntagsruhe, die am Montag- »ormittag nachgeholt werden soll, eingeführt würde. Nebcr Amtsmübigkeit beS Oberbürgermeisters Kirschittt ivußte eis Bläst am Sonntag zu berichten. Diese Nachricht entspricht keineswegs den Tatsachen. Oberbürgermeister Kirschner hat sich I am Sonnabend lediglich von seinen Magistratskollegen im Rathaus verabschiedet, weil er auf ärztlichen Rat dringend einer Kur in Wildungen bedarf. Diese Meldung mußte schon deshalb verblüffen weil Lberbürgcrmcister Kirschner erst kürzlich auf weitere zwölf Jahre als Berliner Stadtoberhaupt gewählt wurde und sich zur Annahme des Amtes bereit erklärt hatte. i Für über 100000 33! f. Brillanten gestohlen. Ein großer Brillantcndiebstahl wurde in der Nacht zum Sonntag in der Potsdamer Str. 22» verübt. Dort drangen Einbrecher in das Geschäft der Juweliere Henri Novir u. Sohn ein und erbeuteten Brillanten und Geldsachen im Werte von über hunderttausend Mark. Die Diebe hatten sich die leerstehende erste Etage zu Nutze gemacht. Sie bohrten von hier aus ein Loch in die Decke und stiegen dann mit Hilfe einer Leiter, die sie in einem Nebcnraum vorfanden, in den Geschäftsladen hinab. Da die Jalousien heruntergelassen waren, konnten die Verbrecher mit der größten Seelenruhe arbeiten. Sie trafen unter den Warenbeständen eine sachkundige Auswahl und nahmen nur die besten Brillanten und Goldwarcn, wie Ketten usw. mit. Den Rückzug traten sie wieder durch die Decke an. Erst gestern ftüh bei Oeffnung des Geschäfts wurde der Diebstahl entdeckt. Die Versicherungsgesellschaft, die für den Schaden aufkommen muß, hat eine Belohnung von 3560 M. ausgesetzt, 500 M, siit die Ergreifung der Täter und 3000 M. für die Wicderbeschaffung der gestohlenen Sachen. Werden diese nur zum Teil wieder zur Stelle gebracht, so entfällt darauf ein entsprechender Teil der Belohnung nach der Höhe des Wertes._ Bon einem Todesfall an Trichinosis im Hebwigskrankenhause wird berichtet. Anfang Juni fand ein 23 jähriger Lehrer namens Krokowski, der Sohn eines Berliners, im Hedwigskrankenhause Aufnahme. Schon am 15. Juni verschied der junge Mann, angeblich an Typhus. Da K. aus Pinne in Posen gekommen war, wo be kanntlich in letzter Zeit zahlreiche Erkrankungen an Trichinosis vorkamen, so tauchte der Verdacht auf, daß auch K. an der heim- tückischen Krankheit gelitten habe. Die Eltern K.s sollen nun, wie weiter mitgeteilt wird, die Aerzte im Krankenhause auf diesen Verdacht frühzeitig aufmerksam gemacht haben, doch kurz abgc- wiesen worden sein. Sic setzten später die Exhumierung der Leiche durch. Wie nun der Schein für die Wiederbcstattung ausweist, konnte die Obduktion die Todesursache mit Sicherheit nicht fest stellen. Erwiesen wurde jedoch, daß mehrere Organe des Ver storbcnen mit Trichinen durchsetzt waren. Der dirigierende Arzt der inneren Abteilung des St. Hcdwig-Krankenhauscs hat einem Blatte folgendes erklärt: „Die Trichinen-Epidemie von Pinne hat noch ein weiteres Opfer gefordert. Nachdem der Flcischcrmcister W. in Pinne der Infektion erlegen und mehrere Personen, die bei ihm Fleisch be- zogen, mehr oder minder schwer erkrankten, ist vor einigen Tagen der 23 jährige Lehrer K. gleichfalls an Trichinose gestorben. Er hatte drei Wochen vor seiner ernsteren Erkrankung von demselben Flcischcrmcister bezogenes Hackfleisch genossen und kam unter den Erscheinungen einer schweren Nierenentzündung mit hohem Fieber am 5. Juni zur Aufnahme inS Krankenhaus. Der weitere Krank heitsvcrlauf entsprach dem eines hochinfcktiösen Typhus, mit dessen charakteristischen Erscheinungen: Profusen, Durchfällen, Roseolen, typischem Verhalten von Puls und Temperatur, tiefer Benommen� heit, Unruhe und charakteristischer Reaktion des Urins, während die bakteriologische und serologische Untersuchung negativ ausfiel. Vier Tage später wurde bekannt, daß er trichincnverdächtiges Fleisch gc- gcssen habe. Da jedoch bis zur Aufnahme schon über drei Wochen verstrichen waren, so mußten die jungen Trichinen schon durch die Darmwand in die Muskulatur gewandert sein, so daß ihre erfolg- reiche Bekämpfung vom Darm aus von vornherein ausgeschlossen war. Auf jeden Fall mußte wegen der ausgesprochenen TyphuS- symptome mit der Wahrscheinlichkeit der mehrfach beobachteten Doppelinsektion mit Typhus und Trichinose durch rohes Schabe- fleisch gerechnet werden. Die sonst für Trichinose charakteristischen Muskelschmerzen waren nur einen Tag lang an einer Extremität vorhanden. Unter zunehmender Benommenheit und Herzschwäche trat am zehnten Tage nach der Aufnahme der Tod ein. Die vom Prosektor deS Krankenhauses vorgenommene Obduktion ergab ausg-dehnte Muskel-Trichinose mit schwerer infektiöser Erkrankung aller inneren Organe, speziell auch des Herzens und der Nieren." DaS erste stärkere Gewitter dieses Jahres wurde uns am Sonntagabend, sogar gleich in verdoppelter Auflage, beschert und hat uns bei dieser Gelegenheit auch endlich den langersehnten, kräftigen Regenguß gebracht, dessen trotz der gestörten Sonntags- frcuden sehr segensreiche Wirkung durch einen bis zum Frühmorgen deS gestrigen Montag mit Unterbrechungen anhaltenden Landregen noch gesteigert wurde. Schon am Sonnabend ließ die große Hitze und zeitweise beträchtliche Schwüle in Verbindung mit dem fallen- den Barometer und dem südöstlichen Wind aus ein nahe bevor- stehendes Gewitter schließen, doch erfolgte die Abkühlung am Nach- mittag lediglich in Gestalt eines aufspringenden Westwindes ohne Niederschlag, und erst am Frühabcnd fand ein zweimaliger, mäßig ergiebiger Regenfall statt. Der Sonntagabend hat nun, nachdem er tagsüber die Ausflügler noch mit schönem Wetter erfreut hatte, nachgeholt, was der Sonnabend versäumte. Wegen Erkrankung mehrerer Kinder an Diphtherie ist gestern auch die 8 bl-Klasse der 70. Gcmcindcschule für Mädchen in der giavcnöstr. 12 auf 14 Tage, d. h. bis zu den Schulferien, geschlossen worden. Die BetriebSanlagen der Kolisiimgenossciischaft Berlin und Um- gegend wurde» auch am Sonntag wieder von annähernd dreitausend Personen besichtigt. Am nächsten Sonntag, den 2. Juli, in der Zeit von 9—12 Uhr vormittags, findet eine nochnialige und vorläufig letzte Besichtigung der Stadtteile Süd und Südlvest sotoie der Bororte statt,»voran auch die Mitglieder oder Nichtmitglieder von den Stadtteilen Norden, Osten und Süden nebst den angrenzenden Vororten tcilnchiiicn können, die an den verflossenen drei Sonntagen verhindert waren, die Be- triebsanlagcn der Genossenschaft in Augenschein zu nehmen. Gleich- zeitig wird darauf hingclvicscn, daß Einzelbesichligungcn nicht gc- währt werden und daß Besichligungcn in der Fericiizctt überhaupt nicht stattfinden lömieii. Unfall einer Aerztin. Am gestrigen Montagmittag gegen 1'/« Uhr wollte die Aerztin Frmilein Dr. Martha Lorenz die Charlottenburger Chaussee zwischen dem Großen und Kleinen Stern überschreiten, als ein Privntautomobil in schnellem Tempo hcrannahtc und die Aerztin mit dem Schutzflngcl so heftig traf, daß sie über den Damni hin- weg auf das Straßenbahngleise geschlendert wurde. Unglücklicher- weise nahte in diesem Augeublick ei» Wagen der Linie N heran. Ehe noch der Führer bremsen konnte, geriet Fräulein L. unter den Vorderperron und wurde cllva 30 Meter mitgcschleist. Von dem Straßenbahnpcrsonal und einigen Passanten wurde die Dame, die blutüberströmt imd besiimungsloS dalag, ans ihrer entsetzlichen Lage befreit und im Automobil nach der Charits geschafft, wo die Aerzte feststellten, daß die Vernnglückte eine Gehirnerschütterung und schwere innere Verletzungen erlitten hatte. Außerdem war ihr von dem Straßeubahnwagen die rechte Hand vom Arm fast ganz abgetrennt worden, so daß eine sofortige Amputation des Gliedes vorgenommen werden mußte. Der Zustand der Aerztin ist fast hoffnungslos. Ein schwerer Betriebsunfall ereignet sich am Somttagnachmittag ans dein Straßenbahnhof 3 in Niederschönhausen. Dort war der Schaffner Falkcuhagen damit beschäftigt, einen Anhängewagen an den Motorwagen 2339 der Linie 57 anzukoppeln. Er schob deshalb den Wagen von dem rechten Gleise durch eine Weiche, um ihn an den Motorwagen heranzubringen. In diesem Augenblick setzte sich der Motorwagen rückwärts in Bewegung, so daß der Schaffner zwischen die beiden Wagen eingeklemmt wurde. Der Verunglückte wurde in wenigen Sekunden von dem Personal aus seiner entsetz- lichcn Lage befreit und zu einem in der Nähe wohnenden Arzt ge- bracht, der feststellte, daß F. eine schwere Brustqueischung. Verletzung deS Rückgrates und Quetschung der Rückenmuskeln erlitten hatte. Auf seilten Wunsch wurde der Schaffner in seine Wohnung über« geführt. Auf einen Doppclsclbstmord läßt ein Kleiderfund am Teltowkanal schließen. Dort lagen gestern morgen in der Nähe der Kanalbrücke an der Gottlieb-Dunkelstraße Kleidungsstücke von zwei Frauen oder Mädchen. Ein roter weißpunktierter Frauenrock mit vier Sammet- streifen und eine dem Rock entsprechende Bluse mit Spitzeneinsatz, dann ein zweiter Rock wie der erste mit vier Volants. � ein weißer und ein punktierter Unterrock. Dabei lagen noch zwei kleine schwarze Ledertaschen mit langem Riemen zum Umhängen. Bon den Trägerinnen dieser Sachen hat man bisher noch keine weitere Spur gefunden. Wahrscheinlich haben sie sich das Leben genommen. Im Freibad Müggelsee ertrank am Sonntag der 23jährige Hausdiener Henze ans Berlin. Er badete in der Nähe der Försterei, geriet dabei in eine Untiefe und ging plötzlich unter. Hinzueilende Leute konnten den jungen Man» nicht mehr retten. Seine Leiche ist »och nicht geborgen. Das ist bereits das fünfte Opfer, daS das Freibad Müggestee in diesem Jahre gefordert hat. Bon einem Schlächtcrwagcn überfahren uiid schwer verletzt wurde in der Nacht zum gestrigen Montag der Fahrmeister der Großen Berliner Straßenbahn, Giissotv, Bornholmer Str. 8 wohnhaft. Der Beamte revidierte um die genannte Zeit die Weiche an der Brunnen« und Jnvalidenstraßen-Ecke. Plötzlich kam ein Schlächtcrwagen der Firma Karl Krone aus Oranienburg in raschem Tempo die Brunnen- straße herunter und riß den Fahrmeister, der nicht mehr auszuweichen vermochte, zu Boden. Die Räder des schweren Gefährtes gingen dem Bedauernswerten über Brust und Beine hinweg, so daß G. eine schwere Quetschung der rechten Brustseite. Bruch des rechten Oberschenkels und Lungcnblutnngcn erlitt. Man schaffte den Ver- nnglückten nach der nahe belegenen Unfallstation und von dort in seine Wohnung. Den Tod im Polizclgcwahrsam gefunden hat der 28 Jahre alte, Langesiraße 35 wohnhafte Straßenhiindler Otto Reh. Eine Kor- rcspondenz berichtet, daß R. voriges Jahr eine Haftstrafe von acht Tagen erhalten habe, die er jedoch bis jetzt noch nicht habe verbüßen können, weil er nach jedesmaligem Antritt der Strafe in die Irrenanstalt habe gebracht werden müssen. Auch jetzt habe er wieder angefangen zu toben. Man habe ihn daher nach dein Polizcigewahrsain gebracht, um ihn von hier aus dem Jrrenhause zuzuführen. Bevor es hierzu gekommen, sei er plötzlich gestorben. Die Todesursache des R. wird von der Korrespondenz nicht an- gegeben. Zwei Ziisamnienstöße von Automovildroschken und Straßenbahn- wagen werden vom Sonntage gemeldet. In einem Falle handelt es sich»m den Znsannilenstod einer Antodroschle, die um 9 Uhr abends gegen den Motorwagen 287 der Linie R anfuhr. Der Insasse, der BnndcSratSbevollmächtigle des GroßherzogtumS Hessen, der Minister dcS Innern von Honivergk zu Vach erlitt durch den Anprall und durch herumfliegende Glassplitter der zertrümmerte.i Fensterscheibe eine leichte Verletzung an der Stirn. Der Minister vermochte jedoch, nachdem er einen Notverband an Ort und Stelle erhalten, seinen Weg fortzusetzen.— Gegen 7 Uhr abends trug sich ein gleicher Un» fall an der Zimmer- Ecke Markgrafenstraße zu. Eine Antodroschke karainbolicrte mit einem Anhängewagen des StraßenzugcS? sRich» tniig Dönhoffplatz). Die Insassin des Kraftwagens, Frau Direktor "ritzsche, Chnnssecstr. 30 wohnhaft, erlitt durch GlaSsplitter einer zer- rochcnen Scheibe leichte Verletzungen im Gesicht. Sie erhielt die erste Hilfe ans der nahebclcgciicn Ünfallstatiou und wurde dann in ihre Wohnung ciltlasscn. Boi» Eisciibnhliznge überfahren und getötet wurde in der gestrigen Nacht der 24jährige Bäckergeselle Felix Penkwitz aus der Stralsuudcr Straße 17. Der junge Mann hatte mit seiner Braut am Sonntag einen AiiSflug nach Birkenwcrder gemacht und gegen 10 Uhr abends die Riickfahrt mit einem Vorortzuge angetreten. Im Eoupo kam es zwischen dem Brautpaar zu Streitigkeiten, und als der Zug kurz vor Wittenau sich befand, zog der Bäckergeselle plötzlich einen Ne- volvcr aus der Tasche und versuchte, einen Schuß auf daS Mädchen abzugeben. Mitinsassen dcS CoupöS gelang es, den aufgeregten Menschen zu beruhigen und ihm den Revolver zu entreißen. AIS aber einer der anwesenden Fahrgäste erklärte, daß man P. in Berlin wegen Mordversuchs der Polizei übergeben müsse, riß der Bäcker die Coupötür auf nud sprang auf daS Nebengleis, auf dem ein Zug von Berlin aus herannahte. Der Unglückliche wurde von den Rädern der Lokomotive erfaßt und entsetzlich zugerichtet. Inzwischen hatten die Passagiere die Notbremse gezogen, die Zugbeamten fanden hierauf den jungen Mann besinnungslos neben dem Gleis liegen. Er wurde nach Berlin geschafft und nach der königlichen Klinik in der Zicgclstraße übergeführt, wo er heute morgen ver- tarb. Eine Dampfcrpartle mit Hmdernissen hatte am Sonntag der Sparverein„Glückauf" mit dem Dampfer„S. S. Georg" zu be- stehen. Der Verein befand sich mit geilaniitem Dampfer auf der Rückfahrt von Birkenwcrder nach Berlin. Er verließ Birkcnwerder um 8 Uhr 30 Min. und sollte ll'/z Uhr in Berlin sein. Die Frauen und Kinder befanden sicki infolge des starken Regens und Gewitters in der Kajüte, als plötzlich ein heftiger Zusammenstoß erfolgte. welcher sich auf der Weiterfahrt noch dreimal wiederholte. ES be» mächtigte sich der Passagiere eine große Panik. Dem Kapitän wurden voi» de» Mitfahrenden ernste Vorlviirfe gemacht. Außerdem mußte der Dampfer, da er nicht rechtzeitig an der Schleuse i» Plötzcnsee anlangte, liegen bleiben, weil der Schleusemneistcr nicht mehr anwesend war. Die Ausflügler verließen hier den Dampfer »nd langten, soweit sie noch Fahrgelegenheit hatten, glücklich um 3 Uhr in Berlin an. Arbeiter- VilduiigSschule. Die durch die Krankheit des Genossen Dr. C o n r a d y in Geschichte und Fortschrittsknrsns attSgcfnllcnen Unterrichtsabcnde werden Mitte Juli nachgeholt. Näheres wird noch bekanntgegeben. AuS den Armen der Mutter in den Tod. Ein beklagenSlverter Unfall hat sich am Sonnabsndabciid um%10 Uhr in dein Hause Fcimstr. 9 ereignet. Dort stand die Frau dcS Handwerkers E. mit ihrem dreijährigen Sohn, den sie auf dem Arm hielt, an dein gc- öffneten Fenster. Plötzlich entstand auf der Straße ein Lärm und die Frau beugte sich hinaus, um zu sehen, was unten vorgehe. Dabei entglitt tGt das Kind lind stürzte aliZ der Hohe der dritten Etage auf da-Z Strabenpflaster hi»ab, wo eS mit zerschmettertem Schädel tot liegen blieb. Ein binzugerufeiier Arzt komite n»r noch den Tod des Kindes feststellen. Die unglückliche Mutter verfiel in- folge des traurigen Vorfalles in eine verzlveifelnde Stimmung. Die Ausstellung vordildlichcr Arbeiterwohunngeu im GewcrlschaftS- Hause ist während der Monate Juli und August nur Mittwochs und Sonnabends von 6—9 Uhr geöffnet. Am Sonntag bleibt die Aus- stellung geschlossen. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich am Sonnabendnachmittag auf dem Depot der Allgemeine» Berliner Onmibus-Aktiengefellschaft in der Schwedenstraße. Dort wollte der zivanzigjährige Stallmann Ernst Schaluppe ein Pferd aus dem Stall herausführen, um es vor einen Omnibus zu spannen. Das Pferd, ein junges Tier, scheute jedoch plötzlich, riß sich los und schlug mit einem der Hintcrhufe dem Stallmann so heftig vor den Unterleib, daß der Getroffene be- s i n Ii u n g S l o S z u Boden st ü r z t e. Ein hinzugerufener Arzt stellte Leberzcrrcißung und Verletzung des Mastdarmes fest und ordnete die Ueberführung des Sch. nach dem Rudolf- Virchow- Krankenhaus an. Der Zustand des Patienten ist sehr besorgnis- erregend. Im Elend gestorben ist die 45 Jahre alte Schneiderin Ottilie Noack, die für sich allein seit zwei Monaten in der Naunynstraße 14 im vierten Stock eine Stube bewohnte. Schon seit längerer Zeit lungenleidend, war sie nicht mehr imstande zu arbeiten und ihren Lebensunterhalt zu erwerben. Nur ab und zu half sie bei einem Schneider etwas aus. um sich ein paar Groschen zu verdienen. Drei- mal war sie auch im Krankenhause. Zuletzt aber wurde sie, wie sie einer Nachbarin klagte, nicht mehr aufgenommen. Krankengeld be- kam sie auch nicht. Eine Nachbarin bekümmerte sich wohl um sie und brachte ihr wiederholt Essen. Dies tat sie auch am Sonnabend- abend. Als sie sich dann am Sonntagmorgen noch einmal nach ihr umsehen wollte, fand sie keinen Einlaß. Auf ihre Veranlassung öffnete jetzt der Hausverwalter. Die Wohnungsinsassin lag tot im Bette. Ein Arzt konnte die Todesursache nicht bestimmt feststellen. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Radrennen in Zchlciidorf, 25. Juni. Das Nennen»Die Hundert", d. h. 100 Kilometer, hatte dank der guten Besetzung durch acht unserer besten Dauerfahrer wie Demke, Dickentmann. Günther, Miquel, Salzmann, Schcuermann, A. Vanderstuyst und Walthour der Bahn einen so starken Besuch zugeführt, wie sie ihn selten gesehen hat. Im ganzen waren 8000 M. an Preisen ausgesetzt. Zwei Vorläufe niit je vier Fahrern, je die beiden Ersten bestreiten den Endlouf. AuöländerpreiS(50 Kilometer) 1000, 600, 300, 200 M. 1. Walthour(Amerika) in 47 Minuten, 39V5 Sekunden; 2. Miquel(Frankreich), 70 Meter; 3. 81. Vanderstuyst (Belgien), 1290 Meter: 4. P. Tickcntmann(Holland). 1660 Meter zurück. Walthour bat von Anfang an die Spitze, die er gegen die Angriffe MiquelS erfolgreich verteidigt. Vanderstuyst und Dickentmann bleiben immer mehr zurück. Jnländer-Preis(50 Kilometer) 1000, 500, 300, 200 M. 1. Bruno Demke(Berlin) in 46 Minuten 49i/z Sekunden; 2. Scheuermann(Breslau), HO Meter; 3. Günther (Köln), 140 Meter; 4, Salzmann(Heidelberg), weit zurück. Demke fährt ausgezeichnet; mehrfache Vorstöße Scheuermanns sind erfolg- los; auch Günther hält sich gut. da er nur eine knappe halbe Runde hinter dem Sieger endet; nur Salzmann konnte sich nicht zur Geltung bringen. Als nach einer längeren Pause die vier Fahrer Demke. Miguel, Scheuermann und Walthour zum Endlauf antraten, setzte ein leiser Regen ein, der sich schließlich so verstärkte, daß cs un- möglich war. das Nennen zu beendigen. Ter Schluß wurde auf Montag abend 71/a Uhr angesetzt. Ein Berh�zidSbuch Nr. 2433 deS Deutschen Bauarbeiter- Verbandes uebß Jnvalidenkartc, beides in einem roten Futteral, sind am 24. Juni auf der rechten Seite des Spandauer Schiffahrtskanals, Jungfernheide, verloren gegangen. Der Finder wird gebeten, die Papiere auf dem Bureau des Deutschen Bauarbciterverbandes, Zimmer 63 oder Wittstocker Str. 9, Ouergebäude HI bei Lennig, abzugeben. Am letzten Sonntag ist einem Genoffen beim Waldfest in der AönigSheide ein guter Regenschirm abhanden gekommen. Der ehrliche Finder wird gebeten, denselben in der Spedition Lausitzer Platz 14/15, abzugeben. Vorort- JNfacbndrtcrn Nixdorf. Stadtverordnetenversammlung. Am Sonnabend, nachmittags um 5Mi Uhr, fand die letzte Sitzung vor den Ferien statt, welche trotz der wichtigen und umsangreicfyen Tagesordnung nur verhältnismäßig kurze Zeit währte. Neben anderen geschäftlichen Mitteilungen gab Siadtverordnetenvorstcher Sander bekannt, daß vom Demokratischen Berein ein Antrag eingegangen ist, der die Stadtverordnetenwahlen am Sonntag vorge» nommen wissen will. Stadtv. Conrad(Soz.) befürwortet den Antrag unter Hinweis auf den letzten in der Berliner Stadtvev» vrdnentenversammlung gefaßten gleichen Beschluß, aus die guten Erfahrungen mit den Sonntagsmahlen für das Rixdorfer Gewerbe, und Kaufmannsgericht und auf die Festlegung der Sonntagswahlcn in der kürzlich durch den Reichstag verabschiedeten Verfassung für Elsaß-Lothringen. Redner beantragt, da eine Beschlußsassuiig über den Slntvag gefchästSordirungSmäßig in dieser Sitzung unzulässig ist. die Uebcrweisung an den Wahlausschuß. Die Versammlung be. schließt demgemäß.— Zum diesjährigen Deutschen Städte- tag in Posen sendet Rirdors 3 Vertreter. Neben zwei Magi- stratsmitgliedcrn wird der Stadtverordnetenvorsteher delegiert. Die Festsetzung neuer Baufluchtlinien im Be- bonungkplan Abteilung III(Hcrmannstraßc zwischen Mariendorscr Weg und Britzer Grenz«) und Abteilung II(Emser und Kirchhofstraße) wird im Sinne der Magistratsvorlagcn genehmigt, ebenso die Regulierung der projektierten Straße L9a zwischen Rosegger- und Treptower Straße. Hierauf wird die auf 6 Uhr anberaumte Wahl eines neuen besoldeten Stadtrats vorgenommen. Bürger,- meister A r l a r t aus Allenstein erhält 35 und Schösse R 0 h d e aus Zehlondorf 16 Stimmen: erster ist demnach gewählt. Das spezielle Projekt und der dafür aufgestellte Kostenanschlag für die Erweiterung dc>S st ä dtis che n Kranken« bapseS in Buckow(2. Bauteil) liegt der Berfammluiig vor. Gogenwävttg sind 403 belegbare Betten vorhanden, 150 auf der äußencit, 227 auf der inneren und 26 auf der Jsolierabteilung. Da man statistisch auf 100 000 Einwohner 250— 300 Betten annimmt. reicht die vorhandene Zahl nicht entfernt mehr aus, so daß im Etatsjahr 1910/11 insgesamt mehr als 1400 Kranke wegen Platzmangel abgewiesen wurden. ES sollen daher neu aufgeführt werden: 1 kleiner Pavillon zu 70 und 1 großer Pavillon zu 84 Betten für die innere Abteilung, 1 Pavillon mit 28 Betten für die äußere Abteilung und mit 18 Betten für die Privatkranken- ftation, 1 Jsolierpavillon zu 44 Betten. Das ergibt 244 Betten mehr oder insgesamt dann 047 Betten. Die Kosten des Erweite- rungsbaueS sind auf 1 600 000 Mk. veranschlagt. Laufend ent- ftchen für die Unterhaltung desselben pro Jahr 350 000 Mk.; es entfallen also auf jedes Bett 1400 Mk. pro Jahr. Die Einnahmen der Kvankenhausverwaliung belaufen sich auf 40 Proz. dieser Summe, so daß der Zuschlag 60 Proz. beträgt. Die Vorlage wird debattelos genehmigt. Die Versammlung erklärt sich damit einverstanden, daß in dem bisher von der M ä d ch e n in i t t e l s ch u l e benutzten Gebäude an der Berliner Straße zum 1. Oktober außer der Anfangs- klaffe des Seminars und 3 Klaffen der höheren Mädchenschule Verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs. Berlin. Für den 7 G e m e i n d e- M ä d ch S si s H u l k l a s se K nebst NebetiräuM?« untergebracht werden. Endlich liegt auch ein Projekt für die Errichtung der städtischen Bade- und Schwimmanstalt vor. die auf dem städtischen Grundstück zwischen Richardstraße(gegenüber dem Denkmal) und Donaustrahe errichtet werden soll. Der eine schöne monumentale Fassade ausweisende Bau liegt mit einer Front- ausdchnung von 108 Mctersi an der neuen, die eine Längsseite des Grundstücks durchziehenden Straße, welche in der Mitte zn einem freien Platze auslädt. Der Mittelbau enthält im Erdgeschoß die Eintrittshalle mit der Kasse, einen Unterstand für Fahrräder, einen Erfrischungsraum, einen Friseurladen, die Wäscherei und die Maschinenanlagen; in den Obergeschossen(die auch durch Fahr- stuhl zu erreichen sind) befinden sich das römisch-irische Bad, die Heißluft-, Warmluft-, Dampf-, medizinischen und elektrischen Bäder für Männer und Frauen. Im 1. Geschoß gelangt man von einer Wartehalle nebst Vorraum aus sowohl zu den 21 Wannen- und 50 Brausebädern, als auch zur Rechten in den anschließenden Flügelbau mit der Schwimmhalle für Männer(11x2614 Meter Wasserfläche) und zur Linken in den Flügel mit der Schwimmhalle für Frauen(OlixlSte Meter Wasserfläche). Im Männcrschwimm- bad sind unten 50 verschließbare Auskleidezcllen und auf der Galerie ein Umgang Bänke und 40 Kleiderschränke, im Frauen- schwimmbad 30 Zellen brzw. 60 Schränke angeordnet. Für die Erwärmung des Badewassers soll der Abdampf des neuen städiischen Elektrizitätswerkes am Weigandufer benutzt und zu diesem Zwecke eine Leitung von dort nach der Badeanstalt gelegt werden. Die Baukosten sind auf 800 000 M. veranschlagt. Ohne Debatte wird die Vorlage genehmigt. Zur Vermittlung der Wasserstände im Teltowkanal einerseits und im Rixdorfer Schiffahrtskanal andererseits mutz beim dem- nächst ocfolgenden Weiterbau des letzteren in der Nähe der Grenz- allce eine Schleuse erbaut werden. Diese ist so bemessen, daß auch die größten, den Teltowkanal befahrendcn Schiffe von 600 Tonnen Tragfähigkeit durchgeschleust werden können und wird 105 000 M. Kosten verursachen. Der Borlage wird zugestimmt. Zur Errichtung eines Ledigenheims für">v eibliche Personen will eine begüterte Dame Berlins 100 000 M. zur Verfügung stellen, wenn die©tobt den Bauplatz hergibt und für die außer dieser Summe nötigen Baugelder die Garantie über- nimmt. Derartige Ledigenheim« sind geeignet, dein Schlafstellen- Wesen und der Uebvrfüllung der Kleinwohnungen, sowie den damit zusammenhängenden gesundheitlichen und sittlichen Mißständen zu steuern. Deshalb will der Magistrat dem Angebot der Siiftorin näher treten und ein Grundstück im Erbbaurecht auf 90 Jahre hergeben. Das Ledigenheim soll Platz für 300 Insassinnen ge- währen; die Zimmer werden gleichmäßig möbliert und teilweise auch für 2 Peiffonen, falls ein Zusammenwohncn gewünscht wird, eingerichtet. Der MtctspreiS wird je nach Lage des einzelnen Zimmers 8— 12 M. monatlich betragen. Sowohl eine Restauration, aus der Frühstück und auch die übrigen Mahlzeiten bezogen werden können, als auch Bade- und Lescräume sind vorgesehen. Wie die Begründung der Vorlage sagt, haben sich bereits 23 Einzelpersonen gemeldet und hat eine Groß-Berliner Arbeiterinnen-Organisation 34 ihrer Mitglieder für das Ledigenheim vorgemerkt. Zur Vor- beratung des gangen Plans wählt die Versammlung in eine vom Magistrat vorgeschlagene gemischte Kommission 15 Mitglieder, unier diesen auch die Genossen Fleischer, Heller, Dr. Silber- stein, Thurow, Mermuth. Der Magistrat, welcher dem Beschlüsse der Versammlung auf Ausdehnung der Sonntagsruhe beigetreten ist, hat einige formelle Aenderungcn in dem neuen Ortsstatut vorgcnommrn, welchem zugestimmt wird. Ein Dringlichkeitsantrag der Altbürgerlichcn, mit tunlichstcr Beschleunigung eine Vorlage betreffend Errichtung eines K r c m a- t 0 r i n m s nebst Urnenhalle auszuarlstitön, wird vom Stadt- verordneten Weber begründet. Stadtverordneter Dr. Silber- kein(Soz.) glossiert die ungewohnte und merkwürdige Fixigkeit der Antragsteller fortschrittlichen Fragen gegenüber und führt diese auf die bevorstehenden Wahlen zurück. Er spricht die Erwartung aus, daß dieser Tatendrang auch in nächster Zeit vorhalten möchte, wenn von der sozialdemokratischen Fraktion durch Anträge sozialer Art dazu reichlich Gelegenheit geboten werden wird. Einstimmig gibt die Verfanrmlung dem Antrage ihre Zustimmung. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern abend gegen 6'/, Uhr auf dem Neubau Reuterstr. 22. Dort fiel der 16jährige Maurerlehrling Georg Grabing von der dritten Etage des Neubaues auf das Schutzdach, wo er besinnungslos liegen blieb. Anscheinend hat der Vermiglückte eine schwere Schädelverlctznng davongetragen. Der Lehrling wurde nach dem Krankenhaus am Urban gebracht. Eine LicbeStragödie spielte sich gestern früh in der Königsheide ab. Dort versuchte der 19 Jahre alte Arbeiter Gustav Wylutzli vom Kölnischen User 62 seine Braut, eine 20 Jahre alte Lina Schmidt au« der Jiltinsstr. 32. zu erschießen. Die Getroffene wurde lebensgefährlich verletzt noch dem Krankenhause gebracht. Wylutzki wurde vcrhastet. Die iimgen Leute unterhielten seit längerer Zeit mit- einander-in Liebesverhältnis, stießen aber aus mancherlei Wider- stand. Nachdem sich das Paar überzeugt hatte, daß es sich nicht heiraten konnte, beschloß es, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Mit einem scharf geladenen Revolver versehen, begaben sich die jllngcn Leute vorgestern abend schon zeitig»ach dem Treptower Park. Die ganze Nacht durchwanderten sie die Anlage»; endlich um 4 Uhr früh schritten sie zur Tat. Wylutzki schoß dreimal an seiner Braut vorbei. Erst der vierte Schuß traf sie in die linke Brustseite so schwer, daß sie zusammenbrach. In diesem Augenblick kamen andere Leute dazu. Sie verhinderten Wylutzki, die Waffe gegen sich selbst zu richten und hielten ihn fest, bis ein Gendarm kam. Diesem erzählte das junge Mädchen, um den Geliebten zu schonen, daß eS von Räubern überfallen und angeschossen war. Die wirklichen Vorgänge waren aber bald festgestellt. Wylutzki wurde darauf sestgcliommen und gestand auch, daß er die Absicht gehabt Hobe, seine Geliebte mit ihrem Eiiivcrständnis und sich selbst zu erschießen. Da? verwundete Mädchen wurde nach dem Kreis- krankenhause in Britz gebracht. Ein Unglücksfall hat sich am Sonntagabend in dem Hause Weserstraßo 58 zugetragen. Der 55 jährige Zimmermeister Wilhelm Haupt auS der Zossener Straße 23 hatte mit mehreren Freunden ein in der genannten Straße belegenes Lokal besucht. H. ging aus den Hof hinaus, um frische Luft zu schöpfen. Als er die Gastwirt- schast wieder betreten wollte, verfehlte er die Tür und stürzte in der Dunkelheit i» den daneben belegenen Keller hiimnier. Nach einiger Zeit vermißten ihn seine Freuilde und fanden H. schließlich regungslos auf den Kellersteinen liegend vor. Ein hinzngeruseuer Arzt konnte nur noch den infolge Schädelbruchs eingelreienen Tod des Zimmermeisterö feststellen. Zu einer polizeilichen Wkassenvernchmung kam eS am Ende der vorigen Woche auf dem Neubau der Prinz-Handjery- und Falkstraßen- Ecke. Am Mittwoch, den 2l. Juni, war es zu einem Neukontre zwischen einem Schutzmann und einem Maurer gekommen, in dessen Verlauf der Polizeibcamte dem etivas aiigctrmikcnen Maurer init dem Säbel eine klaffende Wunde am Kopf beibrachte. Dieser Vor- soll hatte zahlreiche Passanten angelockt, um so mehr als der Beamte dem Verletzten Fesseln angelegt halle, deren sich derselbe entledigte. Da auch die auf dem Bau bcichäfiigten Arbeiter Augenzeugen dieser Szene ivaren, erschienen am DomierStagnachmiiiag ein Polizei- leutnant mit einer Anzahl Schutzleute auf dem Neubau und stellte die dort beschäftigten Arbeiter fest. Es wurde den Arbeitern gesagt, daß Tags zuvor auf den den Maurer sestnchmenden Echutzmaun geworfen worden sei. Noch an demselben Abend wurden die auf dem Bau beschäftigten Putzer und Hilfsarbeiter nach der Polizei- wache gebracht. Am Freitag früh wurden die Ofensetzer und später die Maler vom Bau abgeholt. Am Sonnabend früh mußten noch- malS diejenigen zur Wache kommen, die an dem fraglichen Tage in der zweiten Etage gearbeitet hatten. ES sei. so sagte man ihnen auf der Wache, der Polizei bekannt, daß auS der zweiten Etage mit Kalkstücken nach dem Schutzmann geworfen worden sei. Gegen dies« Verdächtigung sowie gegen die Abholung nach der Polizeiwoche Inseratenteil verantw.: Th.Gleckr, Berlin. Druck u. Verlag: BsrlvärtS protestierten einige der Arbeiter ganz entschieden. Schon die Tat- fache, daß ein zahlreiches Publikum mn den Schutzmann versammelt gewesen sei, ließe es wenig glaubhaft erscheinen, daß sich die Arbeiter des Baues den Schutzmann zum Zielobjekt gemacht hätten. Gegen die Sistierung haben die davon betroffenen Arbeiter Beschwerde eingelegt. Charlottenburg. Eine neue Badeanstalt keabstchtigl die Stadt Charlotkenburff in der Nürnberger Straße auf dem Gelände des alten Pferdebahn- Hofs zu errichten. Die Vorarbeiten für den Bau gehen bis auf das Jahr 1901 zurück. War zu Anfang geplant gewesen, ein VolkSbad anzulegen, welches in seiner Einrichtung und Größe dem Bad in der Krummen Straße ähnelte, so geht das neue Projekt weit über diesen Rahmen hinaus. Es sind nämlich, um die wohlhabenden Einwohner zum Besuch des Bades zu veranlassen, neben den ein- fachen Einrichtungen auch solche mit vornehmer Ausstatiung vor- gesehen, für welche dcmcntsprcchende Preise gefordert werden sollen. Man hofft dadurch den jährlichen Zuschuß zu verringern.— Diesen Richtlinien folgend, sieht der Entwurf des Magistrats, der den Stadtverordneten zugegangen ist, drei Klassen von Wannenbädern zu den Preisen von 1,50 M., 0,75 M. und 0,40 M. pro Bad, zwei Klassen von Schwitzbädern zu 3,— M. und 1,25 M., Salonschwitz- bädcr zu 10 M., elektrische Lichtbäd-r zu 2,50 M., kohlensaura Bäder zu 1,40 M., Brausebäder zu 0,10 M. und Schwimmbäder zu 0,40 M. für Erwachsene und 0,25 M. für Kinder vor. Während daS Volksbad in der Krummen Straße nur ein Schwimmbassin enthält, sind für das neue Bad drei projektiert, eins für Manne-.. eins für Frauen und ein Bad im Freien zur Benutzung in den Sommer- monaten. Mit letzterem ist ein Wellenbad und ein Sonnenbad verbunden. Die Männcrschwimmhalle soll eine Fläche von 4051 Quadratmetern, die Frauenschwimmhalle eine solche von 203 Quadratmetern und das Frciluftbad eine solche von 464 Quadrat- meiern erhalten.(Das Bad in der Krummen Straße ist 240 Qua- dratmeter groß.) Die Anordnung dieser drei Bassins auf dem drei- eckigen Terrain erfolgt derartig, daß in jede Ecke ein? verlegt wird, während der Mittelrnum den übrigen Zwecken vorbehalten bleibt. An der Straßenfront ist die Anzahl von Räumen vorgesehen, welche zu gewerblichen Zwecken vermietet werden sollen. Außer zwei Eck- lüden sind 45 Meter Ladcnsront verfügbar. Außerdem sollen in dem Gebäude Räume an einen Gastwirt, an einen Friseur, einen Zeitung?- und einen Blumenhändler vermietet werden. Ein Teil bleibt für die Zweigstelle der Volksbibliothek, die sich jetzt in Miet- räumen in der Nähe befindet, reserviert. Die jährlichen Einnahmen aus der Anlage werden auf 510 000 M., die Ausgaben einschließlich Verzinsung und Tilgung des Kapitals auf 640 000 M. veranschlagt» so daß der Stadt also jährlich etwa 130 000 M. Kosten entstehen werden. Der Bau. dessen Fertigstellung zum 1. Juli 1914 vorgesehen ist, erfordert einen Aufwand von 4,6 Millionen Mark« welche aus Anleihemitteln gedeckt werden sollen. Abgesehen davon, daß man sich gegen dieses ifTrojekt schon wegen seiner Klassifizierung wende» muß. dürfte eS rehr fraglich sein, ob die Spekulation in puncto Rcntierung der Anlage übe» Haupt richtig ist. Die wohlhabenden Einwohner werden, da sie über komforiable Wohnungen verfügen, von den vorgesehenen Luxusbädcrn sicher nicht den erhofften Gebrauch machen. Lichtenberg. Lichtenberg ist zufolge eines Beschlusses in der Nachbargemeinde NummelSburg Großgrundbesitzer geworden. DaS zwischen dein .Cafs Bellevue" und dem Gemeindegrinidstück in der Hauptstraße zu RnnimelSburg belegene Wassergrundstück der Lehmannschen Erben ist für 650000 M. in den Besitz der Stadt Lichtenberg übergegangen. Im Verein mit dem Gelände der Gemeinde NummelSburg wäre hier der Platz für die kommende neue GaSbereiinngsansialt für daS zukünftige Groß-Lichtenberg. Neber die Verhandlungen, die zwischen den beiden Gemeinden wegen ihrer Zusammenlegung unter Leitung eines RegierungSkommiffarS gepflogen werben, berichtete auf Anfrage unserer Gcnosicn der Erste Bürgermeister Ziethen in der letzten Stadtverordiictensitzung. Nach diesem Bericht scheint bei einigermaßen gutein Wille» der Beteiligten die durchaus Wünschens- werte Vereinigung der beiden zusammen etwa 150 000 Seclcir zählenden Gemeinden unter Miteinbeziehung der Gemeinde Stralau, die schon heute zu dem Polizeibeiftk Lichteuberg-RummelSburg ge- hört, sehr wahrscheinlich. Man rechnet damit, daß bereits am 1. April 1912 die drei Orte zu Groß-Lichtenberg der- einigt sind. Ober-Schöueweide. Die Gründung einer Damenadteiluliz plant in einer kjenke, Dienstag abend 9 Uhr, stattfindenden Zusammenkunft bei Warneke, Wilhelmi»e»hofstr. 18, der Schwimmllub.Vorwärts" M.d.A.-Schw.»B. Freunde volkstümlicher Schwimmerei sind hierzu eingeladen. Bom Tode des Ertrinkens gerettet wurde der Waitstr. 79 wohnhafte 42 jährige Arbeiter Otto K laiber. Derselbe halte in Gemein» schast mit einem Freund in der Nähe von TappertS Waldschlößchen, Oberipree, gebadet, wo er zum Entsetzen des am Ufer stehenden Publikums i» die Tiefe sank. Nur durch daS entschlossene Handeln eines am Ufer Stehenden gelang es, den bereits Besinnungslosen aus den Fluten zu retten. Die sofort vorgenommenen Wiederbelebungsversuche ivaren von Erfolg. Wilmersdorf» Ein schwerer Vainnifall ereignete sich gestern vormittag gegen 9 Uhr in der Wilhelmsaue. Dort wird zurzeit ein Grundstück aus- geschachtet, auf dem eine höhere Lehranstalt errichtet werden soll. Um die angegebene Zeit war eine der dort ausgestellten Dampf- rammen in voller Arbeit, Pfähle in den morastigen Grund zu treiben. SluS noch nicht cnnitielten Ursachen kippte die Ramme plötzlich um und stürzte seitlich zu Boden. Der Arbeiter Hicsler geriet unter die Dampframme lind wurde schwer verletzt, während sich mehrere andere Arbeiter noch im letzten Augenblick durch einen Sprung zur Seite retten konnten. Die sofort alarmierte WilmerS- dorfer Feuerwehr mußte den unglücklichen?lrbeiter erst aus seiner entsetzlichen Lage befreien. Tann ivurde er«ach dem Krankenhause gebracht, wo er hoffnungslos daniederliegt. Potsdam. ErweiicrinillSbau des NcalgyuinasiuwS. Kaum sind zwei Jahre verflösse», daß das mit allen modernen Einrichtimgen der Neuzeit ausgestattete Rcolgymnasiunr seiner Bestimmung übergeben wurde, und schon macht sich ein ErweiimingSbau dieses Schultempels notwendig. Eine der nächsten Stadtverordnetensitzuiigen dürfte eine sich mit diesem Bau bcsassende Vorlage zugehen. Ber diesem Er- Weiterungsbali kommen hauptsächlich in Betracht sechs neue Klassen- räume, ein Laboratorium,«in Zcichensaal, Erweiterung der Turn- halle und Schaffung eines neuen AnkleiderauineS sowie«ine Dircktor- wohnung von siebe» Zimmern. Bom RegierungSbaumeift« rSchmidt sind zwei Entwürfe vorgelegt worden. Projekt l ist veranschlagt mit 173 000 M.. Projekt Ü mit 158 300 M. Der Magistrat hat sich für das letztere entschiede» und wird dieses den Stadtverordneten zur Genehmigung vorlegen. Spandau. In der Havel erftnnkcn ist anscheinend«in Mann, besten Kleidungsstücke gestern morgen am Ufer der Bürgerablage vorgefunden worden sind. Die Gegenstände lagen in der Nähe der Flußbadcanstalt des Johannisstifis; in den Taschen wurden AuS- weiöpapiere gefunden, die auf einen Schornsteinfeger ValeSki lauteten. Allem Äiischei» nach ist der Mann beim Baden ertrunken. Die Leiche ist noch nicht gefunden. Bom Herzschlage getroffen wurde gestern morgen der Arbeiter H. in der Adamstrnße in dem Augenblick, als er sein HanS verlassen wollte; der Tod trat gleich daraus ein. Der Mann war seit einiger Zeit herzleidend.___ öuchdrMrei u. Verlggsgnjtglt Paul Singer u. Co., Sellin SMi