MomemntZ-KeÄngllnzM KBoimfm««»- Preis prSrmmerando 4 kierlcijShrl. 3�0 Mk, monatL 1,10 Ml, Iröcheritlich 28 Pfg. frei WS Haus. Einzelne Nuinmer S Pfg. Sonntags- Nummer mit illustrierter SonntagS- -Scilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. klbonnenient: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien, Dänemark Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Buinänicn, Schweden und die Schweiz. Oft Tnkrlton-ftMQr betrügt für die sechsgefpatt-ne Soloneb »eile oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerlichafMche«erewS- und BerfammIungS�Inzeigen SV Pfg. ..Kteine Zlnretgen", das settgedruSte Wort 20 Pfg.(»ulüsfig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pjg. Stellengesuche und Schlusflellenan- geigen das erste Wort 10 Pfg., jedes wcitere-Wort b Pfg. Worte über löltluch» ltaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis & Uhr nachmittags in der Expedition »bflfflcben werden. Dl« Expedition� bis 7 Uhr abends gcagnet. vMftt LgllS mllek lvilins. Berliner Nolksblnkk. Zcnträlovgzn der rozialdcrnokrattfcben partei Deutfcblands. Telegramm. Ad reffe? juiiUtaiia) Btfitt". Redaktion: SM. 68, Llndcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt lV, Nr. 1S8Z. Mittwoch, deu 28. Juni 1911. Expedition: SM. 68, Undenetraae« 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. AahlrecMag. Dennoch also I Es hat den Drciklasscnmänncrn nichts genutzt, daß sie sich so lange gesperrt und gesträubt haben. Endlich mußten sie doch heran und mußten das Geständnis ablegen, vor dem sich trotz aller forschen Worte doch alle fürchten: das Geständnis ihrer Volksfeindschaft. Und noch zu einem anderen Geständnis waren sie trotz allen Widerstrebens genötigt. Die hohe politische Bedeutung, die die Wahlrechtsfrage gewonnen hat, sie mußten sie an- erkennen, indem in ausführlicher Beratung alle Führer der Parteien das Wort nahmen, obwohl es nur ein parla mentarisches Zwischengefecht war, das heute stattgefunden hat. Der Hohn ist vorüber, mit dem sonst Konser- vative und Zentrum den von Zeit zu Zeit wiederkehrenden freisinnigen Wahlrechtsantrag abzutun gewohnt waren. Das Lachen ist ihnen vergangen, seitdem sie wissen, daß unter diesem Antrage nicht nur die paar Unterschriften der Fortschrittspartei stehen, sondern daß dahinter der ernste und entschlossene Wille des preußischen Volkes steht unter der Führung der Sozialdemokratie, die Gleichheit des politischen Rechts in Preußen durchzusetzen, koste es, was es wolle! Doch nur die Führer der Parteien sprachen, die R e- gterung blieb stumm. Nur zwei Regierungshandlungen wurden sichtbar. Draußen vor dem Hause sah man ein paar Polizisten mehr als sonst und von Zeit zu Zeit tauchte ein Polizeileutnant auf. Außerdem hatte das Kunstgewerbemuseum Polizeieinquartierung erhalten. Die zweite Negierungshandlung war, daß der Minister v. Dallwitz, der die Regierung repräsentierte, sobald der Präsident die Beratung des Wahlrcchtsantraqes verkündete, schleunigst seine Mappe packte und den Saal verließ. Es war eine stumme Demon- stration der Hilflosigkeit der Regierung. Und doch liegt in dieser Flucht schon ein Stück Sieg des WahlrechtSgedankenS. Früher einmal war das ganz anders. Da erhob sich der jeweilige Minister des Innern und gab unter dem lauten Beifall der Konservativen die Erklärung ab, daß die Regierung unerschütterlich entschlossen sei, an den bewährten Grundlagen des Dreiklassenwahlrechts für alle Zeit festzuhalten. Diese Sprache haben wir der preußischen Regierung abgewöhnt, und sie wird sie nicht wieder finden, so stürmisch die Konservativen es auch verlangen. Aber haben wir auch die Regierung zum Schweigen gebracht. um sie zum Reden zu bringen, müssen wir sie noch stärker beschwören. Vorläufig traut sich Herr v. Bethmann mit der Sprache nicht wieder heraus. Die gottgewollten Abhängigkeiten sind noch zu stark. Sehr würdig ist ja solche Haltung nicht, am wenigstens für eine Regierung. die damit zu prahlen liebt, daß sie über den Parteien steht. Aber was kann der arme Teufel bieten? Feierlich hat sich die Krone zur Wahlreform verpflichtet. Herr v. Bethmann Hollweg hat als Minister diese Verpflichtung anerkannt und selbst eine Wahlreform eingebracht. Sie ist ihm nach Ver- dienst zerrissen vor die Füße geworfen worden. Herr v. Bethmann Hollweg ist verpflichtet, eine neue Wahlreform einzubringen. Er hat seitdem für ein anderes Land eine Verfassung im Reichstage durchgesetzt. Er hat dabei erklärt, daß es in Deutschland keine Staats- bürgcr zweiter Klasse mehr geben solle. Der Präzedenzfall, den er für Elsaß-Lothringen geschaffen hat, macht es un- möglich, daß Herr v. Bethmann Hollweg noch einmal dem preußischen Volke eine Vorlage anzubieten wagt, die an der Infamie des Dreiklassenwahlrechts festhält.„Das er- oberte Reichsland bekommt das freieWahl- recht und die Eroberer sollen dafür noch nicht reif sein?" Diese Frage, die Herr Träger stellte, der den freisinnigen Wahlrechtsantrag in einer trefflichen Rede begründete, zeigt, daß Herr v. Bethmann Hollweg es nicht mehr so leicht haben wird, seine wahlrechtsfeindlichen Phrasen wieder auf- zutischen. Er wird sich entschließen müssen, auch in Preußen vorwärts zu gehen trotz der Stillstandswünschc der Konser- vativen und des Zentrums. Aber Herr v. Bethmann Holl weg fürchtet sich noch. Die Konservativen und das Zentrum sind ihm zu mächtig und wenn er es auch nicht mehr wagt, an den„bewährten Grundlagen fest- zuhalten", so wagt er noch weniger, die Konservativen zu reizen. Er möchte gern Ministerpräsident bleiben und denkt, Zeit gewonnen, alles gewonnen. Erwartet— und das ist das einzige, was seiner Politik mit der des deutschen Volkes genieinsam ist— auf die nächsten Reichstags- Wahlen. Gelingt es da, die W a h l r e ch t s f e i n d e auss Haupt zu schlagen, dann wird auch in Herrn Bethmanns Brust frischer Mut schwellen. Bis dahin aber übt er der Vorsicht besseren Teil. Ueber die Schicksals- frage des deutschen Volkes weiß diese Re- gierung nichts zu sagen. Nun wohl, so werden die Massen um so lauter reden müssen. Und deutlich und energisch wieder seinen Willen kund zu tun, hat das preußische Volk wahrlich alle Ursache. Hat Genosse H 0 f f m a n n in seiner zonngen Rede nochmals den Herrschenden Preußens gezeigt, welche Entrüstung das preußische Volk erfüllt, so beweisen die Reden der Nutznießer des Privilegs, daß es dringend nötig ist, den Herrschaften klarzumachen, daß unsere Geduld auch einmal ein Ende haben kann. Mit der brutalen Offenheit, die ihn auszeichnet, verfocht Herr v. Heydebrand und nach ihm Herr ch. Zedlitz die Prügeljungentheorte, auf die sich die preußischen Wahlrechtsfeinde nun zurückziehen müssen. Je besser es politisch den Völkern da draußen geht, desto schlimmer muß es dem preußischen Volke werden. Die Junker haben die Macht und sind gewillt, sie, solange es geht, zu behaupten. Daß aber die Konservativen so mächtig sind, das ver- danken sie ihren Bundesgenossen, den Klerikalen und den Nationalliberalen. Herr Dr. H e r 0 l d hat ja, wie wir vorausgesagt haben, mit ein paar Worten seine Ver- beugung vor dem gleichen Wahlrecht gemacht. Daß es aber nur Worte lvaren, hat er selbst zugegeben, indem er sofort erklärte, daß das gleiche Wahlrecht ja doch in absehbarer Zeit nicht zu er- reichen sei und daß das Zentrum deshalb wie bisher sich um einzelne Verbesserungen bemühen werde. Wie bisher! Also, wie bei der Beratung der Bethmannschen Reform, als Zentrum und Konservative im holden Verein das Schandwerk noch reaktionärer gestalteten, so daß es selbst der Regierung unannehmbar wurde! Sind doch elende Heuchler, diese Klerikalen! Verbände das Zentrum seine große Macht mit der Kraft der sozialdemokratischenWahlbewegung.inkürzesterZeit wären die Volksfeinde zur Kapitulation gezwungen. Aber das Z entrum gesellt sich den Wahlrechts- feinden bei, läßt in seiner Presse die sozialdemokratische Volksbewegung unausgesetzt beschimpfen, und nachdem es so die Angriffskraft vermindert hat, nimmt es dieses Resultat seiner Perfidie zum Vorwand, die Wahlrechtsbewegung für angeblich aussichtslos zu erklären und so alle seine Volksfeind- lichen Mogeleien mii den Konservativen zu entschuldigen. Was aber das Zentrum nicht leisten will, das leistet den Konservativen die nationalliberale Halbheit und Feigheit. Es muß für Herrn v. Heydebrand ein hocherfreulicher Moment gewesen sein, als Herr Dr. S ch i f f e r sein Eintreten für die Wahlresorm mit einer Philippika gegen das gleiche Wahlrecht und gegen die demokratische Pöbel- Herrschaft einleitete. Und erst die Zentrunisführer mußten schmunzeln, als sie sahen, wie die Nationalliberaleu ihnen trotz aller trüben Erfahrungen wieder das alte Spiel mit verteilten Rollen ermöglichten, für das gleiche Wahl- recht zu stimmen, in der Sicherheit, daß es die National- liberalen im Verein mit den Konservativen ja schon zu Falle bringen tverden. Und so kam es ja auch. Herr Schiffer verlangte, daß über die Forderung der Gleichheit des Wahlrechts sowie über die Forderung der Neucinteilung der Wahlkreise nach dem letzten Volkszählungsgesetz besonders abgestimmt werde. Mit Vergnügen taten ihm die Wahlrechtsfeinde den Gefallen. Der Präsident befragte das Haus darüber, wer für die Beibehaltung der Gleichheit sei. Neben' den Sozialdemokraten, Fortschrittlern und Polen erhoben sich auf Kommando des Herrn v. Heyde- brand auch die Konservativen und natürlich auch das Zentrum dafür. Dann wurde der Paragraph, da die National- liberalen nunmehr ebenfalls dagegen stimmten, von der konservativ- nationalliberalen Majorität abgelehnt. Und dieselbe Taktik be- folgten die Konservativen auch bei der Frage der Neu- einteilung der Wahlkreise. Auch hier stimmten sie zunächst für diese Forderung, um den Nationalliberalen den Antrag„zu radikal" zu machen. Und wieder gingen die Nationalliberalen auf den Leim und stimmten schließlich für die Ablehnung.„Sie sind oft konservativer als die Kon- servativen", hatte Genosse Hoffmann den Nationalliberalen höhnend zugerufen. Eine Stunde später hatten sie den Wahr- heitsbeweis dafür erbracht. Die S a b 0 t a g e, die Herr von Heydebrand die Konser- vativen bei der Abstimmung treiben ließ, erweckte auf der Linken Gelächter und Entrüstung. Als Affenkomödie chamkterisierte ein Zwischenruf diese Abstinimungsmanier. Immerhin hat sie den Konservativen den Dienst erwiesen, die Debatte resultatlos verlaufen zu lassen. Schuld daran sind die Nationalliberalen, deren Gegnerschaft gegen das gleiche Wahlrecht immer wieder jeden Schritt nach vorwärts verhindert. Sie sind zudem unge- schickt genug, sich zum Spielball der taktischen Kniffe des Herrn von Heydebrand miißbrauchen zu lassen, statt ihm Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Aber diese parlamen- tarischen Hinterhältigkeiten und Künsteleien sind wirklich sehr gleichgültig und am gleichgültigsten das Rcsul- tat einer Abstimmung im Dreiklassenhause. So lange sich die Herren sicher fühlen, werden sie auch nicht ein Tüpfelchen ihrer Privilegien aufgeben. Man muß ihnen i h r e S i ch e r° heit nehmen und ihnen klarmachen, daß zwar das Drei- klassenparlament eine würdige Stätte für eine Affenkomödie sein mag, daß aber außerhalb der Mauern des hohen Hauses der Spaß ein Ende hat. Es ist Zeit, daß jetzt die Massen das Wort nehmen»lud die Debatte fortführen, diie im Dreiklassenhause so lustig beendet wurde. Die � Herren scheinen die Lehren, die sie bisher empfangen haben, ein wenig allzu leicht zu nehmen. Nun, wir können sie ja wieder aus- frischen. Die Verhandlungen werden draußen im Lande einen Widerhall finden, der den Herren zeigt, daß die Stim- murrg der Massen durchaus nicht so rosig ist, wie sie vnzu- nehmen scheinen. Und die neueste Leistung des DreiMssen- Hauses ist wirklich geeignet, in ernsteren Versamm- lu n g e n eingehend gewürdigt zu werden. Und wenn Herr von Heydebrand den Wunsch ausgedrückt hat, daß die Be- Herrscher des Dreiklassenhauses nun eine Zeitlang mit An- trägen auf Aenderung des Wahlrechts in Ruhe gelassen werden mögen, so ist es Zeit, daß sich das Volk wieder versammelt und den Herrschenden beweist, daß es in Preußen keine Ruhe mehr geben wird, bevor nicht das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht errungen ist. Ueber den übrigen Verlauf der Sitzung wird uns ge- schrieben: Das Abgeordnetenhaus war am Dienstag trotz des nahe bevor- stehenden SessionsschlusscS ungewöhnlich stark besucht, die ange- kündigte Besprechung des Wahlrechtsantrages hatte nicht nur die Mitglieder, sondern auch Zuhörer in großer Anzahl angelockt— ein Zeichen, ein wie lebhaftes Interesse das Volk der Wahlrechtssrage entgegenbringt. Vorher allerdings mußten die Zuhörer geduldig die Erledigung einiger kleinerer Vorlagen und der beiden Zweckverbands- g e s e tz e abwarten. Die Zweckverbandsgesetze haben ein eigen« artiges Geschick, das Herrenhaus hat bttde Gesetze, sowohl das Groß- Berlins als daS allgemeine, so umgestaltet, daß es im Abgeordneten- hause keinen Menschen gibt, der Gefallen daran hat. Aber die Mehr« heitsparteien zogen nicht die Konsequenzen, sondern sie fügten sich der höheren Einsicht der geborenen Gesetzgeber und stimmten den Aenderungen zu, oblvohl sie ihnen im Grunde ihres HerzenS zu» wider sind. Ganz besonders entgegenkommend gegen das Herrenhaus erwies sich das Zentrum. daS sogar seine eigenen Anträge dem anderen Hause zu Liebe fallen ließ. Die Sozialdemokraten stimmten mit den Freisinnigen gegen beide Entwürfe, nachdem Liebknecht nochmals kurz ihren ablehnenden Standpunkt begründet hatte. Zu dem Gesetz für Groß-Berlin gelangte noch die Kompromißresolution der Konservativen, Freikonservativen. Nationalliberalen und des Zentrums zur Annahme, die ein Wohnungsgesetz für Großstädte fordert. Ob die Regierung der Resolution Folge leistet, bleibt ab« zuwarten. Auf keinen Fall aber kann- sie als Ersatz für die auS dem Gesetz gestrichene Bestimmung angesehen werden, nach der der Kleinwohnungsbau zu den Aufgaben des Zweckverbandes gehört. Voraussichtlich wird die Session des Landtages am Mittwoch nachmittag geschlossen. kn der Abwehr! Dresden, 27, Juiff 1911. Der Kongreß der Gewerkschaften befand sich heute in der Ab» wehr, in der Abwehr nicht gegen persönliche Angriffe, sondern gegen solche auf Eigentuw, auf Leben vnd Gesundheit der Arbeiterschaft. Das erste Referat beS TageS hatte Genosse Bauer, der zu dem Thema sprach:„Die Errichtung einer gÄverkschaftlich. genossenschaftlichen Unterstützungskasse". Bauer führte dem Kon» greß zahlenmäßig vor Augen, welche Riesensummen die Privat« Versicherungsgesellschaften den Arbeitern, und zwar vorzugsweise den organisierten, durch die sogenannte Volksversicherung aus der Tasche ziehen. Er wirst die Frage auf, ob die Gewerkschaften dieser Ausbeutung der Arbester nicht entgegentreten können. Diese Frage beantwortete er mit„Ja". Die Gewerkschaften haben in den Genossenschaften einen tüchtigen Bundesgenossen zur Ueber- nähme dieser Aufgabe erhalten. Auf einer Konferenz, an der beide Organisationen beteiligt waren, war man sich auch einig über die Gründung einer sogenannten„Volksfürsorge". Die Ver- waltung dieser Neuorganisation, in der dem Proletariat Millionen erhalten werden können, die sonst in die Taschen von schwer» reichen Aktionären fließen, soll den Genossenschaften übertragen werden, den Werbeapparat sollen die Gewerkschaften stellen. In der Diskussion wurde eine Ausdehnung der Aufgaben, welche dieser„Volksfürsorge" zu stellen sind, auf die Unfall- eventuell auch auf die Krankenversicherung verlangt. Alle diese An- regungen wurden der Generalkommission zur Erwägung über- wiesen, das Gesamtprojekt aber gutgeheißen. Wie gegen die materielle Ausbeutung der notleidenden Arbeiter- schaff durch kapitalistische Bestrebungen auf dem Gebiete der Privat- Versicherung wandte sich der Kongreß dann'gegen die körperliche Ausbeutung der Aermsten aller Armen durch die Heimindustrie. Dieses Thema war ganz besonders pikant im gegenwärtigen Augen- blicke, weil ja bekanntlich den Gewerkschaften die Beteiligung an der Dresdener Hhgiene-Ausstcllung, wo sie die Verhältnisse der Heimindustrie anschaulich darstellen wollten, unmöglich gemacht worden ist. Aber, die Ausstellung überhaupt! Auch auf die Ver- Hältnisse der Dresdener Einwohnerschaft hat sie nicht hygienisch, sondern durchaus unhygienisch eingewirkt. Zur Verbilligung der Lebensmittelpreise tragen bekanntlich solche AuS« stellungen an sich nicht bei. Aber darüber hinaus hat die Aus- stellung der Dresdener Bevölkerung auch noch einen erheblichen Teil der Erholungsmöglichkeit, ein Stück des großen Gartens, die Spiel- und Sportplätze geraubt. Gerade bei einer Hygiene-Ausstcllnng hätte man derartige Folgezustände doch unter ollen Umständen vermeiden sollen! � Deichmann kvar Referent zu dem Themv't„Heim- arbeiterschutz und HauSarbeiiSgesetz". Er ist Tabak- arbeiter, und schon aus diesem Grunde mit den Schäden der Heim- industrie leider allzu vertraut. Und nach dem Referenten traten Redner auf Redner auf, die immer wieder neue grauenhafte Ein- zelhciten über die Wirkung der Heimindustrie auf die Verhältnisse der in dieser Beschäftigten vorzubringen wußten. Aber nicht nur die Arbeiterschaft wird fcgws betrxffeg. Wo die HeimsrMt ßd&j I Bet NaHkurkg?- M? Ge?MMllkel?rÄ�?ye VMäMgk �a?, Me N Ser Tabakindustrie, in der Lebkuchenindustrie usw., da birgt sie große Gefahren auch für die Konsumenten. Selbst in der Bekleidungs- industtie ist das der Fall. Werden doch in der Heimindustrie alle Produkte vielfach in Häuslichkeiten hergestellt, in deren viel zu kleinen Räumen nicht nur Menschen in engen Haufen wohnen, son> dern wo das Elend auch unvermeidlicherweise Brutstätten schaffen mutz für Infektionskrankheiten aller Art, Kinderkrankheiten, die Schwindsucht und andere Geißeln der Menschheit. Wer denkt wohl in dem jetzigen„Wohltätigkeits"-Taumek daran, daß mit den viel gekauften Margueriten, welche den Arbeitern mit 7 bis 10 Pfennigen für das Gros und Stundenlöhnen von 3 Pfennigen bezahlt werden, den harmlosen Käufern unter Umständen mit einer schlimmen „Wohltätigkeit" gedankt werden kann, mit dem Keim einer Krank- heit, für deren späteren Ausbruch man dann keine plausible Er- klärung mehr finden kann. Der Kongreß war der Ueberzeugung, daß die Arbeiterschaft alles zu tun habe, um die gesetzgebenden Körperschaften zur Abwehr aller der sich aus der Heimindustrie ergebenden volksverwüstenden Mißstände zu zwingen. Weiter beschäftigte sich der Kongreß auch mit der Abwehr der für die Arbeiterschaft ungünstigen Einflüsse, welche die machtvolle industrielle und grotzkapitalistische Entwickelung herbeigeführt hat, mit dem Arbeiterschutz in der Industrie, mit der Versicherung gegen die Schäden, die der einzelne davonträgt, sei es durch plötzliche Un- fälle, sei es durch allmähliche Zerrüttung, die in Form von Krank- chciten und Invalidität zutage tritt. Robert Schmidt hielt dazu ein formvollendetes, weitausholendes Referat, in dem er erst die Entwickclung unserer modernen Industrie schilderte, dann aber auch die damit durchaus nicht Schritt haltende deutsche Sozialgcsetz- gebung scharf und treffend charakterisierte. Schmidt hatte sich so reichlich mit Material versehen, daß er die den Referenten zur Verfügung stehende Zeit weit überschritt. Aber er löste seine Auf- gäbe in so anregender Weise, daß niemand von den Zuhörern— diesen allerdings rein äußerlichen Verstoß gegen die Gepflogen- Helten des Kongresses auch nur verspürte, geschweige denn rügte. Erst das Präsidium sah sich schließlich gezwungen, darauf hinzu- weisen, teilte aber dabei unter dem Beifall der Delegierten mit, daß es sich entschlossen habe, dem Genossen Schmidt für sein Referat noch eine weitere Stunde Redezeit zu gewähren. Als der Redner unter brausendem Beifall schloß, waren die Kongreßteilnehmer nach einer sechseinhalbstündigen, von keiner Pause unterbrochenen Tätigkeit bis auf den letzten Mann im Saale versammelt, ein Be- weis, welch ein Interesse sie der Sache sowohl wie dem Referenten entgegenbrachten. Als Schmidt geendet hakte, begründete Paula Thiede ttoch eine Resolution, in der da? Frauenstimmrecht für die der Sozialgesetzgebung und die den wirtschaftlichen Sondergerichten unterstellten Arbeiterinnen ganz besonders und weiterhin die Ge- Währung gleicher Rechte in allen Gesetzen gefordert wird. Die Dehatte über das Thema setzte sofort mit großer Leb- hastigkeit«in. mußte dann aber wegen der vorgeschrittenen Zeit abgebrochen werden. Am Schluß der Tagung ivurde noch eine telegraphische Be- grüßung verlesen� die von den bulgarischen Gewerkschaften ejnge- gangen war._ politifchc QebcrlTcbt. Berlin, den 27. Juni 1911. Ter ZuknnftSstaat in Königsberg k Unsagbare Schmach ist Altpreußen angetan! Wie lange Kerden wir's noch ertragen? Daß wir es so lange geduldet, ist wohl nur darauf zu schieben, daß wir Preußen bisher unsere Schmach nicht kannten. Aber jetzt kennen wir sie, und dem edlen und durchlauchtigen Fürsten zu Salm-Horstmar haben wir es zu danken. Hört es Borusseu: nicht etwa im roten Moabit oder im rauchenden Kohlenbezirk, nein, im friedlichen Ostpreußen hat sich über Nacht de.r Zukunftsstaat eingenistet, und ein Herrenhausmitglied, der Oberbürgermeister K ö r t e- Königs. berg, hat ihn eingeführt— ein neuer Thomas Münzer. Wann endlich wird er im Gitterkäfig am Hauptturm des Stammschlosses der Salm-Horstmar dörren? Wirklich: Die Stadt Königsberg hat eine Grnndwert. steuerordnung eingeführt, die der durchlauchtige Redner des Herrenhauses in öffentlicher Sitzung als den fertigen Zu. kunftsstaat bezeichnete. � Wie ein Oberbürgermeister mitteilte, ist weiter nichts geschehen, als daß der durch die Aushebung der fortifikatorischen Rayonsbefestigung mühelos erzielte Werkzuwachs des Bodens mit zur Steuer herangezogen wurde. Aber der Herr Fürst ist ja überhaupt gegen solche teuflische Erfindungen der Neu- ßeit, wie es die Grundwertsteuer ist. Er findet für sie. die ärger ist als die Expropriation, überhaupt keinen parlamentarischen Aus- druck. Wohin soll das führen, wenn man anfängt, den Fürsten ihren Besitz radikal wegzunehmen?„Die Wanderratten, oh wehe, — sie sind schon in der Nähe,— sie tragen die Köpfe geschoren egal,— ganz radikal, ganz rattenkahll" Der Herr Fürst sieht wohl schon die Kommunistenhorden heranrücken und, oh Schmerz, laß nach, an ihrer Spitze marschieren Magistrat und Stadtverordnete Seiner Majestät getreuen Krönungsstadt Königsberg. All solches begab sich bei der Beratung dcS A u S f ü h r u n g S. gesetzes zum Reichszuwachs st euergesetz in der Dienstagsitzung des Herrenhauses. Sonst gab eS nicht? Lustiges mehr. Man erledigte was da war und wird den Rest heute auf. arbeiten-.'- Die Arbeiterfreundlichkeit des Zentrums. Landauf, landab ziehen zurzeit die GiesbertS, Becker und ihr Troß, um den katholischen Arbeitern begreiflich zu machen, daß seit langen Jahren keine solche sozialpolitische Großtat geleistet worden sei, wie der schwarz-blaue Block mit der Zustutzung der Reichsversicherungsordnung geleistet habe. Daß in diesen Ein- seiferversammlungen auch die größten Schwindeleien über die Sozialdemokratie nicht fehlen dürfen, versteht sich von selbst. So sagte Herr Behrens in einer Düsseldorfer Versammlung vom 18. Juni:„Die Sozialdemokratie will überhaupt grundsätzlich keine arbeiterfreundlichen Gesetze." Hätten alle diejenigen, die über die negierende Politik der Sozialdemokratie schwatzen, deren Anträgen zugestimmt, wir hätten heute eine andere VersicherungSgesctzgebung. Die Sozialdemo- kraten verlangten g. B. zum Krankenversicherungsgesetz: 1. daß die Versicherung auf alle Arbeiter, Handwerker(!) und Kleinbauern(!) ausgedehnt werde; 2. daß vom Beginn der Erwerbsunfähigkeit Krankengeld be» zahlt werde; Z. daß das Krankengeld für die ganze Dauer der Erwerbs- Unfähigkeit bezahlt werde; 4. daß das Krankengeld die Höhe des ortsüblichen Tage- lohnes(!) und für Berufsarbeiter mindestens 2 M. befrage; 9. daß eine einheitliche Organisation für die Versicherung ge- schaffen werde. Die Sozialdemokrat«! verlangten� zam UnfallvechcherNtüS' «letz: 1. Laß alle Arbefter Versicherk KerLell?...... 2. daß die Verletzten in den ersten 13 Wochen ärztliche Hilfe und Rente auf Kosten der Unfallversicherung erhalten; 3. daß durch die Rente der verlorene Arbeitsverdienst voll er- setzt werde; 4. daß den Witwen getöteter Arbeiter eine Rente in Höhe von 50 Proz. des Arbeitsverdienstes gegeben werde; 9. daß Arbciterausschüsse bei der Verwaltung mitwirken. Die Sozialdemokraten verlangten zum Alters- und Invaliden- Versicherungsgesetz: 1. daß alle Arbeiter, auch die Heimarbeiter, die kleinen Hand- werker(I) und Kleinbauern(!) versichert werden; 2. daß vom LO. Lebensjahre ab Altersrente gezahlt werde; Z. daß das Reich einen Zuschuß von SO M. zu jeder Rente zahle; 4. daß die Beiträge für die Versicherten mit weniger als SSV M. Jahreseinkommen aus öffentlichen Mitteln gedeckt werden; 5. daß die Klasseneinteilung nach dem wirklichen Arbeitsver- dienst erfolgt: ß. daß diejenigen Versicherten Invalidenrente erhalten, die nicht mehr die Hälfte ihres früheren Einkommens erwerben können; 7. daß Kranken von dem Tage an, von welchem sie kein Krankengeld mehr erhalten, Invalidenrente gezahlt wird; 3. daß die Invalidenrente mindestens 30 Proz. des früheren Einkommens betragen soll; 9. daß eine einheitliche Organisation für daS ganze Reich ge- schaffen werde! Wie verhielt sich aber daS Zentrum zu diesen Gesetzen? Seit jeher war es bestrebt, im Interesse der Agrarier die Versicherungs- gesetzgebung einzuschränken. Am S. Februar 1906 erhob der Nationalliberale Schroeder im preußischen Landtage die Forderung, daß die Renten an verletzte Kinder und an solche Verletzte, die nur geringen Schaden an der Gesundheit gendmmen haben, nicht aus- bezahlt werden sollten. Sogleich war der Zentrumsmann Schmedding zur Stelle. Er nannte diese Renten SchnapSrenten, die den Neid der gesunden Arbeiter hervorrufen, und verlangte deren Beseitigung. Als im Reichstage auf diesen Vorgang hin- gewiesen wurde, schüttelten Erzberger und Trimborn Herrn Schmedding von ihren Rockschößen ab. Sie sagten, daß Schmedding nur für seine Person gesprochen habe. Schmedding steht mit solchen arbeiterfeindlichen Ansichten aber durchaus nicht so allein im Zentrum. wie die Herren Erzberger und Trimborn es darzustellen suchten. Am 28. Mai 1907 faßte die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft für das Rheinland eine Resolution, in der gefordert wurde, die Renten bis zu 20 Proz. der Vollrente in Wegfall kommen zu lassen, weil die Umlagen zu hoch würden. Diese Resolution wurde vom Vorstand dsS Rheinischen Bauernvereins, also von sehr frommen Zentrumsleuten, aufgegriffen, die deren Erfüllung in einer Petition vom Reichstag forderten. Und statt daß man diese Petition durch Uebergang zur Tagesordnung in den Papierkorb beförderte, fanden sich Zentrumsleute, die die Schnapsrentenrede des Herrn Schmedding wiederholten. Ein erheblicher Teil des Zentrums stimmte sogar dafür, daß diese Petition dem Reichs- kanzler als Material überwiesen werde. Das Reichsgericht gegen die Versammlungsfreiheit. Wie die„Post" berichtet, hat das Reichsgericht vor einiger Zeit eine Entscheidung über die Auflösung von Versammlungen gefällt, die. weil sie das Versammlungrecht der Willkür der Poli- zeibeamten überliefert, bei erster bester Gelegenheit vom Reichstage energisch zurückgewiesen werden sollte. Der Leiter einer Ver- sammlung hatte einem Gendarmeriewachtmeister, der die Versammlung überwachen sollte, den Zutritt in den Saal untersagt, weil die Versammlung nicht öffenlich war. Trotz- dem wurde die Versammlung von dem Gendarmeriewachtmeister aufgelöst, weil er der Meinung war, die Versammlung sei eine öffentliche. Der Versammlungsleiter setzte der Auflösung Widerstand entgegen und forderte die Anwesenden auf, dem Be- fehl keine Folge zu geben. Er wurde deswegen angeklagt und vom Landgericht freigesprochen. Der 4. Strafsenat des Reichs- gerichtS schloß sich diesem Urteil nicht an, entschied vielmehr, daß die Anwesenden auf Aufforderung des Polizeibeamten hin, sich auS der Versammlung entfernen mußten, wenn auch eine öffentliche Versammlung nicht vorlag. Wenn auch tatsächlich der§ 111 R�St.-G.-B. ausscheide, so käme doch ß 18 Nr. 4 V.-G. in Betracht, weil sich der Angeklagte nach Erklärung der Auslösung durch den Vertreter der Polizei nicht sofort entfernt habe. Die Frage, ob die Auslösung irrtümlich erfolgte, käme dabei nicht in Betracht. Staatörettung. Genosse Bresina von der Union der Textilarbeiter Oesterreichs hielt auf der Rückreise vom Internationalen Textilarbeiterkongreß in Kopenhagen in einigen Orten des hamburgischen Staatsgebiets Vorträge in Textilarbeiterversammlungen. Als er aber nach Har- bürg kam, um dort den öffentlich angekündigten Vortrag zu halten, wurde er aufs Poljzetbureau bestellt, wo man ihm einen Zettel einhändigte, wonach er als lästiger Ausländer aus ganz Preußen ausgewiesen wird. Anders wäre es, wenn Vresina lein österreichischer Arbeiter, sondern ein Mitglied der Ver- brecherbande.Ochrana". der zarischen Spitzelarmee, wäre. Die„unpolitischen" Kriegervereine. Aus einem Fest- des Rathenower KriegervereinS, das am Sonntag stattfand, hielt der Borfitzende des Kreiskriegerverbandes Westhavelland, Ritnneister der Reserve Jungnickel, eine Rede, die wegen ihrer unverblümten Agitation für die nächste Reichswgswahl bemerkenswert ist. Herr Jimgnickel appellierte an die Festteilnehmer (es handelte sich um die Dekorierung einer Anzahl Kameraden für 25 jährige Mitgliedschaft), dem Vaterlande gegenüber auch fernerhin ihre.Pflicht" zu tun. Er wieS sodann auf die kommende Reichs- tagSwahl hin. wo es geUe, den Kreis Westhavelland gegen den Ansturm der Sozialdemokratie zu verteidigen; er hoffe und wünsche, daß der Verein, dem er als Ehrenmitglied angehöre, ihm.leine Schande machen" werde. Da Herr Jungnickel in setner Rede offen bedauerte, daß bei der Reichstagswahl die Stimmen nur gezählt, aber mcht gewogen würden, so hat er sich damit auch als Feind des bestehenden Reichs- tagswahlrechts zu erkenne» gegeben. Misthandelude Offiziere! Das Kriegsgericht in Dresden verhandelte dieser Tage gegen zwei Offiziere hinter verschlossenen Türen! Zuerst hatte sich wegen Mißhandlung eines Unter- g e b e n e n während der Ausübung des Dienstes der Haupt» mann und Batteriechef Gutwasser vom Artill.-Regt, Nr. 64 in Pirna zu verantworten. Der Angeklagte ist wegen Be- leidigung eines Untergebenen bereits vorbestraft. Schon vor Ver- lesung der Anklageschrift wurde die Oesfentlichkeit wegen angeblicher Gefährdung nulitärdienstlicher Interessen während der ganzen Dauer der Verhandlung ausgeschlossen! Das Gericht nahm nur„vorschristswidrige Behandlung" an und verurteilte den nervösen Hauptmann zu 8 Tagen Stubenarrest!! Sogar die Urteilsbegründung fand unter Ausschluß der Oesfentlichkeit statt! Dann mußte der 2Sjährige Leutnant v. Lüttichau vom Jäger-Bataill. Nr. 19 in Dresden vor der Anklagebant Platz nehmen. Ihm wurde Mißhandlung. Vorschrift S- widrige Behandlung und Beleidigung eines Unter- gebenen, sowie Mißbrauch der Dienstgcwalt zur Last gelegt. Auch hier verhandelte das Gericht unter Ausschluß der Oesfentlichkeit. Die Angelegenheit ist durch eine Gerichtsverhandlung gegen den Burschen des Leutnants in Fluß gekollullva. Lex Bursche. Jäger Uxhää, crUflüs bamolä dar Gerlchk. er sei SM LeuftkM? tftTi Relkpelksche llki? �ckttb- schuhen ins Gesicht geschlagen und auch„M i st k e r l" genannt worden. Ter schlagfertige Angeklagte wurde nach langer Verhandlung zu 16 Tagen Stubenarrest verurteilt!! Auch in diesem Falle wurde das Urteil hinter verschlossenen Türe» be- gründet!_ Wieder ei« militärisches Schreckeusurtekl. Vom Kriegsgericht der Küsten-Artillerie-Jnspektion in Cuxhaven wurden wegen militärischen Aufruhrs ein Artillerist zu 8 Jahren Zuchthaus, einer z« 6 Jahren Zuchthaus, zwei zu je 5 Jahren Zuchthaus und zwei zu je 5 Jahren Gefängnis verurteilt. Das„Verbrechen" bestand darin, daß die Ver- urteilten einen Unteroffizier gemeinschaftlich überfallen und verprügelt hatten._ Oertemicb-Ongam. Nieder mit den Christlichsozialen? DaS Strafgericht der Reichsratswahlen wirkt fort. In Mödling, dessen Landtagsmandat die Getzmannleute kurz vor den Reichs- ratswahlen verloren hatten, kamen sie jetzt um die Sitze der dritten Gemeindewählerklasse, und bei den Wiener Bezirksschulratswahlen der Lehrerschaft siegten die Antiklerikalen mit Dreiviertelmehrheit. Selbst der infame Lehrerzwang, den Lueger eingeführt Hat, verliert seine Kraft. Die Gemeindearbeiter haben den Terror längst ge- brochen._ G autsch Ministerpräfideut. Wien, 27. Juni. Wie verlautet, ist die Ernennung des Frhr. v. Gautsch zum Ministerpräsidenten be- reits erfolgt und Frhr. v. Bienerth zum Statthalter von Nieder-Oe st erreich ernannt worden. fcankmck. Die Ministerkrise. Paris, 27. Juni. Wie verlautet, hob Caillau'x in Unterredungen mit seinen künftigen Mitarbeitern hervor, daß er vor allem die unverzügliche Erledigung des Bud- g e t s anstrebe und in dieser Beziehung die Vertrauensfrage stellen werde. In der Frage der Wahlreform suche Caillaux eine v e r m i t t e l n d e L ö s u n g, die die Stimmen sämtlicher Republikaner auf sich vereinigen könne. Wie schwer eS jedoch sein dürfte, einen Ausgleich zwischen den Anhängern und den Gegnern der Verhältniswahl zu erzielen, zeige sich in dem von ersteren eingebrachten Beschlußantrag, in welchem sie erklären, daß sie, gestützt auf die von der großen Mehrheit der Kammer zum Ausdruck gebrachte Willenskundgebung, die Wahlreform auf Grund des Proportio- nalwahlsystems aufS rascheste durchführen wollen und die betreffende Vorlage bereits die größtmöglichen Zugeständnisse an die Gegner der Wahlreform enthalte. Ter sozialistische Deputierte B o u i s s o n kündigt an, daß er das künftige Ministerium über die Ernennung des Kabinettsdirektors des scheidenden Justizministers Perrier zum Appellationsgerichtsrat in Paris interpellieren werde, da die Ernennung eine durchaus ungesetzliche Begün- st i g u n g bedeute. Es heißt, daß auch eine Anzahl Mchter gegen die Ernennung Einspruch beim Staatsrat erheben werde. In bezug auf die Abstinnmmg in der Kannner. durch die das Ministerium Monis gestürzt wurde, veröffent- licht das Amtsblatt eine Anzahl Berichtigungen von Depu» tierten, die erklären, daß sie für das Kabinett gestimmt hätten. und daß ihre Stimmen irrtümlich als gegnerische angeführt worden seien. Danach erzielte das Ministerium Monis bei der Abstimmung nicht eine Minderheit von 24 Stimmen, sondern eine Mehrheit von fünf Stimmen. Dies ändert jedoch nichts an der gegenwärtigen Sachlage, da nach der Geschäftsordnung der Kommer das einmal verkündete Abstimmungsergebnis zu Recht besteht. Die Zufammewsetzung des MinistcrinmS. Paris, 27. Juni.(W. T. B.) Caillaux begab sich henf« abend ins Elysee, um dem Präsidenten F a l l t e r e s anzuzeigen, daß da» Kabinett nunmehr gebildet sei. ES hat folgende Zu« sammensetzung: Präsidium und Inneres Caillaux, Justiz: Eruppi. Auswärtiges: de Selve». Krieg: Messimy, Marine: Deleasse. Unterricht: Steeg. Finanzen: Klotz. Oeffentliche Arbeiten: Augagneur. Handel: Couyba. Acker» bau: PamS, Kolonien: Lebrun, Arbeft und Soziale Fürsorge: Renoult. Als Unterstaatssekretäre kommen in Betracht: Jnne. res: Malvh. Post: Chaumet, Finanzen: Renö BeSnard, Schöne Künste: Dujardw Beaumetz. Bewilligung der Kredite. Paris, 27. Juni.(W. T. B.) Die Kammer bewilligte mit 426 gegen 6 Stimmen daS siebente provisorische Budgetzwölftel, daS auch die Kredite zur Durchführung der Altersoersorguua der Arbeiter vom S. Juli ab umfaßt. Cnglancl. Der Kampf um die Verfassung. London, 27. Juni. Die konstitutionelle Krisis ist wieder in sMrfster Weise zum Ausbruch gekommen durch die gestern abend erfolgte Bekanntgabe der Amendements der Lords zu' der Pariamentsbill. Lord Lansdowne brachte ein Amendement ein. daß keine Maßregel, welche die Krone oder die protestantische Thronfolge berühre, oder die Errich- tung von nationalen Parlamenten für Irland. Wales. Schottland oder England zum Ziele habe, oder irgendeine Maß« nähme, die nickst von dem vereinigten Komitee des Ober- und Unterhauses gutgeheißen sei. der königlichen Sanktion unter- breitet werden dürfe, bevor nickst das Urteil der Wähler eingeholt sei. Ferner unterbreitete Lord Cromer einen Zusatzantrag, der die Ernennung eines Komitees von sieben Mitgliedern aus beiden Häusenr vorsieht, das bestimmen soll, ob ein Gesetz eine derartige Bedeutung habe, daß es dem Urteil der Wähler unterbreitet werden müsse. Die Blätter beider Parteirichtungen erklären die Lage für ernst und weisen darauf hin, daß die Lords die Meinung hcgew, der Ve r s i ch er u n g s g e s e tz en t wu r f habe die Popu- larität der Regierung beeinträchtigt. Ferner seien die Lords- der Meinung, daß die Krönungsfeierlichkeiten so auf die Bevölkerung gewirkt haben, daß, falls die Regierung gezwungen würde zurückzutreten, sie eine zweite allgememe Wahl mcht überleben werde. Für alle Fälle seien die Lords entschlossen, die Regierung zu zwingen, sich klar.darüber zu äußern, welche Garantien sie vom König bezüglich der Er- nennung von Peers erhalten habe. QlrKd. Der albanische Aufstand. Saloniki, 27. Juni. Wie aus Podgontza gemeldet wird, hoben bie Verhcmdlnugen zwischen dem türkischen Gesandten in Cettinje und den Führern der Ausständischeu zu einer Annäherung ge» führt. Di« Aufständischen erklärten, bke Waffen sofort niederlegen zu wollen, wenn ihnen in der Militär- und Steuer- frage Konzessionen gemacht werden, eine Generalinspektion für Albanien errichtet und der Gebrauch der albanesischen Sprache neben der türkischen in den Schulen gestattet wird. Ei» Teil der Landes- steuern soll für den Bau der Landstraßen und Bahnen verwendet werden. Man glaubt, daß die Pforte den größten Teil der Forde- rungen zugestehen wird und daß dann eine Verständigung mit den Ausitändischen erfolgt. Marokko. Keine französische Hafcnverwaltnng in Mehedja. Der Ausgangspunkt der Kolonnen des Generals Moinier war der kleine Hafen Mehedja an der Westküste Marokkos. Die Franzosen trafen schon Anstalten, diesen Hafen auszubauen und unter ihre eigene Verwaltung zu stellen. DaS hätte aber den Bestimmungen der AlgeciraS-Akte widersprochen. Da eS den Franzosen zetzt darauf ankommt, sich durch eine scheinbar gewissenhafte Befolgung der Algeciras- Akte Spanien gegenüber in Vorteil zu setzen, haben sie dieses Hafenprojekl aufgegeben und das südlicher gelegene Rabat als Kopfpunkt der nach FeS führenden Etappenlinie gewählt, eine Maßnahme, mit der die Marokko-Militaristen nicht recht zufrieden sind. Spanien sendet inzwischen munter neue Truppenabteilungen oder Kriegsschiffe nach Larrasch. Mit den schönen Worten des Ministerpräsidenten CanalejaS in der Kammer steht das recht wenig im Einklang. Das spanische Volk macht auch kein Hehl daraus, was es über diese Abenteurerpolitik denkt. Sozialisten und Republikaner berufen an vielen Orten Versammlungen ein. die stark besucht sind Mid energisch gegen die Marokkohändel protestieren. Hchter Kongreß der Gewcrkkljaften Deutschlands. (Schluß des Referats von Robert Schmidt-Berlia' aus der 1. Beilage.) Wie soll ich die christlichen Gewerkschaften ein- schätzen, wenn aus ihrem nächsten Kongreß ebenfalls unter stürmischem Beifall das Gegenteil gesagt wird? Wenn die Junier für die Entrechtung der Landarbeiter in den neuen Landkrankcnkassen eintraten, hatten sie von ihrem Stand» Punkt vielleicht recht. Arbeiter aber mußten sagen: hier gibt es lein Wenn und kein Aber, hier gibt es nur ein klares Nein. Mag man eine politische Ansicht haben wie man will, hier muhten alle Arbeiter zusammenstehen. '(Beifall.) Statt dessen haben sie sich den Agrariern in ihrer Irak- tion löblich unterworfen. Es ist eine Unwahrhaftigkeit, wenn man auf den Kongressen Reden hält wie Becker und Jmbusch, im Reichstag aber nicht seinen Mann steht. ES war ein Serbrechen gegen die ländliche Arbeiterschaft, daß die christlichen Arbeitervertreter der Einschränkung des Wöchnerinnenschutzes auf dem Lande zugestimmt l?aben.(Lebhaste Zustimmung.) Die Arbeitervertreter hätten die Macht gehabt, denn das Zentrum kann ohne die christlichen Arbeiter nicht mehr auskommen. Konnte gegenüber solchen Verschlechterungen die sozialdemo- Erotische Fraktion noch für die ReichSvorsicherungSordnung ftim- men? Ich glaube. Sie werden uns keinen Vorwurf daraus Wachen, daß wir da» Gesetz abgelehnt haben.(Beifall.) Ich komme zum Schluß. Mit der höheren technischen Eni- Wickelung und der Ausdehnung des Großbetriebes nimmt das Tätig- keitSgebiet der Sozialpolitik an Umfang zu. Es entstehen neue Aufgaben, Leben und Gesundheit der Arbeiter dürfen nicht mehr der Gewinngier kapitalistischer Interessen überantwortet werden, das Recht der Arbeit muß zur Geltung kommen. In diesem Streben ist die«itcmerkfchaft berufen, Zräger ötr ttorbrrunnen ber Arbeiter zu sein, sie zu begründen und au» der Fachtechnik den Nachweis ihrer Berechtigung zu führen. Die deutsche Industrie wird damit nicht gelähmt und in ihrer Konkurrenz dem Ausland gegen- über nie benachteiligt. Die Leistungsfähigkeit des ArbeiterstandcS ist nicht in der uneingeschränkten Ausnutzung der Arbeitskraft be- gründet, da» würde eine Verschleuderung von wertvollem nationalen Desitz bedeuten, sondern in der Erhaltung seiner Kraft, feiner E n e r g ie und Intelligenz. Deshalb ist die fort» fchrittliche Sozialpolitik der Hrbel zum kulturellen Ans- stieg der arbeitenden Klassen. In diesem Streben vertrauen wir aus die weitere Erstarkung der Arbeiterbewegung, sie wird uns die Erfüllung unserer Wünsche und unsere» SehnenS bringen.(Stür- Mischer Beifall.) Vom Vorstande des Verbandes der Buch- und SteindruckereihilfSarbetter und- arhetterinnen Deutschlands und dem gewerkschaftlich e�n Arbeite- rinnenkomttee liegt noch eine Resolution vor, durch welche ür die weiblichen Versicherten das aktive und passive Wahlrecht zu en Versicherungskörpern gefordert wird. Die Ausschaltung ber Frauen von der Mitwirkuna in den Ehrenämtern der Arbeiterver» stcherung wird als eine krasse Ungerechtigkeit bezeichnet und die Er- Neuerung des auf dem Kongreß vor drei Jahren gefaßten Beschlusses gefordert. Nach diesem Beschluß soll bei allen Gesetzen auf die (Gewährung gleicher Rechte für beide Geschlechter hingewirkt werden. Diese Resolution wird in der Diskussion von Frau Thiede- Berlin für ihren Verband begründet. Die gewerbliche Frauenarbeit nimmt immer mehr zu. Da» Recht, an p o l i t i- sehen Versa mm lungen teilzunehmen, haben wir ja jetzt. Abcrein Wahlrecht haben wir nicht. Das ist ein Messer ohne Klinge. Deutschland geht auch hier nicht in der Welt voran. In Dänemark, Frankreich, Italien und Finnland haben die Frauen bereit» Wahlrechte. F aa ß» Berlin(Landarbeiter): Wenn man unsere Sozial» Politik fortgesetzt in den höchsten Tönen preist, braucht man im Interesse der Wahrheit nur auf die Rechtlosigkeit der Landarbeiter zu verweisen. Trotz der erschreckenden Zunahme der Frauen- und Kinderarbeit in der Landwirtschaft ist noch nicht da» Ge. r i n g st e hiergegen geschehen. Dafür sehen wir eine geradezu grauenhafte Zunahm» der Kindersterblichkeit auf dem Lande. Und da kommen immer noch Leute und loben das gesunde Leben auf dem Lande. Die Säuglingssterblichkeit in Berlin ist kleiner aiö die Säuglings st erblichkeit in den benach- barten Landgemeinden. Aber die Landarbeiter brauchen nicht zu verzweneln. Sie haben zur Selb st Hilfe gegriffen und sich eine Organisation geschaffen. In wenigen Jahren werden hunderttausend organisierte Landarbeiter den herrschenden Klassen zurufen: so kann e» nicht weiter gehen: wir haben unser Geschick selbst in die Hand genommen.(Stürmischer Beifall.) Haupt- LudwlgShasen(Fabrikarbeiter) befürwortet da? voll- ständige Verbot der Frauen- und Kinderarbeit in besonder» gefährlichen Betrieben. Die Fortsetzung der Debatte wird auf Mittwoch 9 Uhr vertagt. Bon den bulgarischen Gewerkschaften ist ein B e- grüßungstelegramm eingelaufen. Berichtigung. Im aestrigen Bericht sind in der Begrüßungsrede LegienS die Rabl-n über den Vermögensstand der Zentralverbäude zu nie- Sri �angegeben. Er ist im letzten Jahre von 43'ch auf 52 X Milli,»en gestiegen._. 3U9 der parte!» PoU-eMekes. Gerlchtllche» uf». Da« Ende einer ultramvntanrn Verleumdung. Genosse Bernhard Müller, ftüher Parteiselretär WKöln Haft» sich seinerzeit auf ein Inserat Hill m eine auSgeschneben« «sozialpolitische' Stellung beworben in der Annahme, daß eS sich um einen einwandfreien Posten handele. Später stellte es sich heraus, daß es sich um eine von Unternehmerseite ausgeschriebene Stelle handelte. Von Müller ist außer der Einsendung des Be- werbungsschreibens auf das Chiffre-Jnserat in der Sache nicht das geringste weiter geschehen, gleichwohl aber erschien in der Zentrums- presse unter der Ueberschrift«Sozialdemokratische Prtnzipientreue" eine gehässige Notiz, in der das bedauerliche Vorkommnis gegen Müller und die Partei auszuschlachten versucht wurde. Der Urheber der ZentrumSnotiz war der christliche GewcrkschaftSsekretär Engel. Müller verklagte ihn und das Ergebnis der erst jetzt zur VerHand- lung gelangten Klage war folgender Vergleich: «Zur Erledigung deS beim kgl. Amtsgericht Ssa arbrücken anhängigen Prozesses schließen die Parteien solgenden Vergleich: Herr Engel erklärt: Ich erläre hierdurch, daß es mir voll- ständig fern lag, in dem von mir verfaßten und veröffentlichten Arlikel»Sozialdemokratische Prinzipientreue' die Person des Herr» Müller zu beleidigen und nehme Aeußerungen, die in diesem Sinne gedeutet' werden können, mit Bedauern zurück. Weiter erkenne ich an, daß Herr Müller bei Abfassung seiner B ew erb un g s sch r ist nach Lage der Sache sehr wohl in dem Glauben sein konnte, daß es sich um eine einwandfreie, rein sozialpolitische Stellung handelte.— Herr Müller zieht die Privatklage zurück.'_ Hochkonjunktur fiel der Dortmunder Justiz. Drei Gerichtsverhandlungen waren am 24. Juni gegen den Redakteur der„Dortmunder Arbeiter-Zeitung'. Ge- noffen Mehlich, angesetzt.(Insgesamt wurden in drei Tagen sechs Klagen gegen Mehlich verhandelt I) In der ersten Sache handelte es sich um einen Verstoß gegen daS Preßgesetz, der durch den Abdruck einer Anfrage der Staatsanwaltschaft an das „Bochumer Volksblatt' sin Sachen des Abdrucks von ZolaS Roman .Arbeil' geschehen sein soll. Dafür gab eS zwanzig Mark Geldstrafe. In der zweiten Sache sollte ein AmtSgerichtSrat Hansen in Jena durch ein Referat über eine Gerichts- Verhandlung in Jena, da? die«Dortmunder Arbeiter- Zeitung', wie andere Blätter mehr, gebracht hatte, be- leidigt worden sein. In dem Referat war mitgeteilt worden, daß zwei Studenten wegen gemeinschaftlichen Hausfriedens- bruch« zu je 14 Tagen Gefängnis verurteilt worden waren. Bei der Urteilsverkündung war bedauert worden, daß nicht auf Geldstrafe habe erkannt werden können. Weiter war erklärt worden, wenn die Verurteilten ein Gnadengesuch einreichen wollten, würde das Gericht die» unterstützen. Nach der Mitteilung diese» Sachverhalts war be- merkt worden, daß der Ausgang der Sache natürlich ganz derselbe gewesen sei. wen» statt der Sludenten etwa zwei ihr gesetzliches Recht als Streikposten ausübende Arbeiter die Exzedenten gewesen seien. Die Verhandlung rollte das Thema der Klassenjustiz wieder einmal neu auf. Der Staatsanwalt beantragte zwei Wochen Gefängnis. Die AuSsührungen des angeklagten Redakteurs und seines VerleidigerS über das Bestehen einer Klassenjustiz suchte der Staatsanwalt in seiner Replik damit zu entkräften, daß er auf den Fall des Rittergutsbesitzers Becker in Greifswald hinwies, der den besseren Ständen angehöre und doch hart bestraft worden sei. Damit hat der Staatsanwalt aber recht unglücklich exemplifiziert, denn Becker hatte eben, wie der Verteidiger mit Fug eiiiivarf, einen noch.Höheren', einen Landrat, erzürnt. Das Gericht erkannte auf 7 b Mark G e l d st r a f e, da die Forni der Notiz zwar beleidigend sei, indes sei das Maß einer berechtigten Kritik nur eben überschritten worden. In der dritten Sache handelte es sich um die.Beleidigung' eines Amtmann». ES wurde eine inkorrekte Handlung in der .Arbeiter-Zeitung' kritisiert, die sich indes später insofern als ein Irrtum herausstellte, als die Sache mit einer früher passierten ver- wechselt worden war. AIS Mehlich der Irrtum feines Gewährs- mannes bekannt wurde, brachte die.Arbeiler-Zeilung' gleich eine Richiigstellung. Tropdein setzt» e» wegen dieser Sache auch wieder 70 Mark Geldstrafe. Vor Eintritt in die Verhandlungen lehnte Mehlich den vor- sitzenden Richter, den Landgerichtsdireltor Büren, wegen Besorgnis der Befangenheit ab. da Büren in einer flüheren Strafsache gegen Mehlich bei der Verlündung eine? drakonischen Urteils in unaewöhn- sicher Erregung gewesen und auch später iu der.Arbeiter-Zeilung' wegen diel eS Urteils angegriffen worden sei, so daß Mehlich die Ansicht Hobe, daß ihm der LandgerichtSdirektor nicht unbefangen gegenüberstehe. Der Vorsitzende erklärte, daß er sich nicht befangen fühle. DaS Gericht hielt den«iilrag MehlichS für unbegründet. „Gefährdung der Staatösichcrhrit." Daß eine Verhandlung lvegcn angeblicher UeVerttetung des RelchSvereinSgefetzcS die Slaaissiwerheit gefährdet, hat das Schöffen« gericht in Heinrtchswalde(Ostpreußen) entdeckt. In Heinrichs- walde fand im Februar d. I.«ine sozialdemokratische Vertrauens- männersitzung statt, in der beraten werden sollle, ob eine konservative Versammlung besucht und eine sozialdemokratische Versamm- lung elnbernfeii werden sollle. Die Polizei hatte diese Sitzung als eine öffentliche politische Versammlung angesehen,»nd zwei Genossen mußten jetzt als Veranstalter unv Leiter der „Versammlung' auf die Auklagebank wegen«Uebertretung des BereinsaesetzeS'. Gleich nach der Feststellung der Personalien fragte ver Amtsrichter den AmtSanwalt, ob er nicht einen Lnlrag auf Ausschließung der Oeffentlichkeit st e l l e n wolle. Und der Amtsanwalt stellte auch den Antrag, die Oeffentlichkeit auszuschließen, weil die Staatssicherheit gefährdet sei und weil sich im Zuschauerraum einige bekannte Sozialdemokraten befändenll Vergeben? protestierten die Angeklagten. DaS Gericht verkündete nach kurzer Beratung folgenden Beschluß: .Wegen Gefährdung der Staatssicherheit wird während der Dauer der ganzen Ver- Handlung die Oeffentlichkeit ausgeschlossen.' Die Zuhörer mußten den Saal räumen. Sie zeigten aber, daß sie Humor genug besaßen, um den famosen Beschluß von der beiteren Seite zu nehmen, denn sie klatschten tüchtig in die Hände. Wie durch Zeugenaussagen festgestellt wurde, hatte der Be- sitzer de? Hauses, in dem die Sitzung stattfand, die Polizei benachrichtigt. Er ist darauf von dem Gendarm beauftragt worden, in die.Versammlung' zu gehen und, falls er geduldet ivcrde, davon dem Gendarm Mitteilung zu machen. Ein Kaufmann hatte feinen Faktor hingeschickt, um die Sitzung zu einer.öffentlichen Versonimlung' zu gestalien. Keiner der VelaslimgSzeiigen vermochte anzugeben, ob über Politik gesprochen worden sei. Der eine Zeuge sagle, ein Angeklagter hätte die Anivesenden ersucht, keinen Schnaps zu trinken, da der Fusel schon viele Leute unglück- sich gemacht hätte. Der AmtSanwalt beantragte gegen jeden An« geklagte» 20 M. Geldstrafe, da eine unangemeldete, öffentliche Ver- saniinluiiz stattgesunden habe. Nach kurzer Beratung deS Gerichts wurde zuerst die Ocffentlich- keit wiederhergestellt und dann das Urteil verkündet. Es lautete auf zwanzig Mark Geld st rase gegen jeden der Angcklagien. Wie eS in der UrleilSbegründuiig hieß, wäre erwiesen, daß die An- geklagten etwaige Nichtmitglicdcr aufgefordert hätten, den SitzungS- räum zu verlassen. Der PersonenlreiS(es waren IS Personen vor- Händen) sei nur ein kleiner gewesen. Die Angeklagten hätten es wohl bemerken müssen, daß auch Leute zu den Verhandlungen ge- kommen wären, die nicht dem sozialdemokratischen Verein angehörten. Die Angeklagten hätten aber nicht die Absicht gehabt, NichtMitglieder zurückzuweisen, sondern sie wären nur schlau vorgegangen, um die gesetzlichen Bestimmungen zu umgehen. Einige Tage darauf fand vor demselben Gericht eine ähnliche Verhandlung statt. Jetzt sollten drei Genossen dq» Vereinsrecht übertreten haben. Diesmal wurde aber die Oeffentlichkeit nicht ausgeschlossen und die Angeklagten mußten auch, obwohl der Amt«- anwalt gegen jeden SO M. Geldstrafe beantragt hatte, frei- gesproche» werden, da ohne jede» Grund Anklage erhobt» worden war. Den Antrag der Angeklagken, krte ihnen entstandenen Kosten und Auslagen zu ersetzen, wurde abgelehnt, da die An« geklagten.aus Mangel an Beweisen freigesprochen' worden wären. Dem einen der Genossen ist ein Schaden von 65 M. entstanden. So wird in Ostpreußen da» Vereinsrecht gehandhabt und»Recht' gesprochen. Soziales. Vom Fleischereiberust Nach dem soeben erschienenen Bericht der FleischereiberiifS- genossenschaft für 1919 waren versichert 61416 Betriebe mit 149 933 Arbeitern gegen 59 745 Betriebe mit 14 1 643 Arbeitern im Jahre 1999. Die Zunahme betrug also 1671 Betriebe mit 8299 Arbeitern. Jin Norden Deutschlands wurden über 1799 Ortschaften nach nicht versicherten Betrieben kontrolliert und 1322 veue Betriebe, darunter 199 Kraftbetriebe, ermittelt. Sehr groß war der Wechsel in den Personen der BeiriebSitt- haber der Geschäfte. Ter Bericht führt dieS„auf die vielfach un- günstigen Verhältnisse im.Fleischereigewerbe" zurück. Trotzdem wolle ndie braven Jnnungsmeister ihren Gesellen immer noch aufschwatzen, daß die Organisation für sie wertlos sei, da jeder «brave und fleißige Geselle noch Meister werden könne" usw. Auch unter der Rubrik Umlage für das Geschäftsjahr klagt der Bericht über die schlechte wirtschaftliche Lage der Unternehmer: «Leider werden die Fälle immer zahlreicher, in denen eS sich bei einem zwangsweisen Vorgehen herausstellt, daß der Unter- nehmer selbst mittellos ist. Die vorhandenen Inventar- stücke sind häufig Bbzahlungsgeschäften entnommen und diesen als Eigentum vorbehalten. Ja selbst die Betriebseinrichtungen, die an sich in der Regel nicht gepfändet werden können, und die vorhandenen Waren sind in das Eigentum anderer übertragen. Und selten findet sich ein Weg, in solchen Fällen zur Befriedigung der Genossenschaft zu gelangen. Es mußte in letzter Zeit häufig von dem Rechte, pfandlose Schuldner zum Offenbarungseide zu laden, Gebrauch gemacht werden, was auch verschiedene Male zur Befriedigung der Genossenschaft geführt hat, namentlich bei Schuldnern, die ihre Betriebe noch fortsetzen. Zur Beitreibung der Rückstände waren 11 798 gütliche Mahnungen und 5817 Er- suchen um zwangsweise Beitreibung erforderlich. 7198,72 M. standen beim Rechnungsabschluß noch aus, und es wird auch ein Teil dieses Betrages nicht mehr beigetrieben werden können. Der bereits festgestellte Ausfall an Beiträgen für das Jahr 1999 beläuft sich auf 15 847.76 M. gegen 12 736,95 M. im Vorjahr." Gemeldet wurden der Genossenschaft im Berichtsjahre 4549 Unfälle, aus früheren Jahren weitere 848, gegen 5393 im Jahre 1999. Entschädigt wurden hiervon 1224 Unfälle. Auffällig groß ist die Zahl der jugendlichen Verletzten, für die eine Entschädigung ge. zahlt werden mußte. Die Statistik lehrt uns, daß 123 Verletzte unter 16 Jahren waren, darunter 7 weibliche Personen. Jnr Alter von 16 bis 18 Jahren waren weitere 131 Verletzte, im Alter von 18 bis 29 Jahren 127 Verletzte. Unter 29 Jahren waren also 381 Verletzte bei insgesamt 1224 Verletzten. Die Jahre von 29 bis 25 weisen 395 und vom 25. bis 39. Lebensjahre weitere 218 Verletzte auf. Sobald das 39. Lebensjahr überschritten ist, sinkt die Zahl der Verletzten auf 88, 44 usw. Die Flcischergesellen gehen eben dann in der Mehrzahl zu anderen Berufen über, weil sie in ihrem Berufe«ine Familie nicht ernähren können. Daneben hindert das Kost- und Logiswesen eine weitere Beschäftigung des verheirateten Gesellen. Zur Unfallverhütung bemerkt der Bericht, daß die technischen Aufsichtsboamten sehr viele Verstöße zu melden hatten. Es heißt darüber: „Die schwersten und zahlreichsten Verstöße gegen die Unfall» Verhütungsvorschriften wurden bei den Arbeitsmaschinen festge, stellt, wie 1618 ungeschützte Zahngetricbe, 1259 fehlende AuSrück- Vorrichtungen, 2497 fehlend« Riemen- und Ketlschützungen, 1593 unvorschriftsmäßige Aufzugswinden und endlich 4166 fehlende Schutzvorkehrungen an EinlaufLöffnungen von Fleischzerkleine- runaSmaschinen. Im Verhältnis zur Zahl der revidierten Be- triebe stiev diese Mängel ziemlich zahlreich, namentlich an dea Wölfen usw." Trotzdem kann eS die Berufsgenossenschaft nicht unterlassen. auch den Arbeitern einen Teil der Sckzuld aufzubürden, die„viele Gefahren selbst schaffen, indem sie es entweder an der nötigen Vorsicht fehlen lassen, die Unfallverhütungsvorschriften selbst nicht beachten oder zu deren Befolgung nicht in hinreichendem Maße beitragen". Die Unternehmer im Fleischerberufe wollen aber auch kein« aufgeklärten Arbeiter haben, die den Schutz auch wirklich begreifen und auf dessen Durchführung drängen. Der Bericht meldet, daß in der Genossenschaft 149 933 Arbeiter versichert sind, für die eine Lohnsumme von 192 798 159 M. nachgewiesen wurde. Folglich entfällt auf einen Vollarbeiter pro Jahr ein Bcrdieust voa 686 M.' Alle» in allem zeigt der Bericht, daß im Fleischergewerbe für die Arbeiterorganisation ein großes Feld zu beackern ist, um den im Gewerbe tätigen Arbeitern einigermaßen menschenwürdige Be» Hältnisse zu schaffen. Hiiö Industrie und Kandel. Bayerische Erzfnnde. Schon durch di« in Angriff genommene großzügige AnSbeuwng der Wasserkräfte gewann Bayern die Aussicht, sich industriell recht lebhaft zu entwickeln. Es ist jetzt ein deutlicher Zug.nach dem Süden' zu bemerken. Die Konzentration der süddentiche» Interessen der Deutschen Bank in seinem Konzern der Rheinischen Kreditbank, Mannheim, welcher rund 150 Mill. Mark Aktienkapital und ein halbe» Hundert Millionen Mark Reserven vertritt, machte sich dies be- merkbar. Ebenso ist der Konzern der AllgemeinenEIektrizitätSgesellschast eifrigst dabei, nach Süddeutschland vorzudringen, das Verschlucken der Felienju. Guillcauine, Labineyer-Jnteressen war der erste und wichtigst« Schritt dazu. Wenn nicht alle Zeichen trügen, wird auch die Berg» werkS und Eisenindustrie in Bayern noch riesige Um- wälzungen durchmachen. Schon vor rund zwei Jahren wurde das Vorkommen großer Brauneisenerzlager aus der Nähe von Bamberg gemeldet. Sie wurden schon damals in solchem Umfange festgestellt, daß ihrer Auffindung die größte Bedeutung zu« gemessen war. Gleich'nach der ersten Feststellung wurden damals 25 Normalfelder, das sind 59 Millionen Quadratmeler, der Ge» werkschaft Wittelsbach bei Hollfeld zur Verwertung verliehen. Jetzt wird bekannt, daß die Ausdehnung der Brauneisenerz- lagerungen sich viel weiter erstreckt, als ursprünglich angenommen ivurde. Auf dem Fränkischen Jura sind 1919 noch insgesamt 66 Mutungen für Normalselder von je 299 Hektar durchgeführt worden. ES sind jetzt so rund 199 990 Hektar erzfübrendes Gebiet belegt. Die Aufschlußschäkhle gehen in ihrer Zahl bis überr 1900 und überall wurde festgestellt, daß eine durchschnittliche Erzmächtig- keit von 3 bis 4 Meier vorhanden ist. Da die Erzadern ver- hältnismäßig wenig tief liegen, so wird der Abbau besonders remabel sein, da die Gestehungökosteu durch ArbeitShilfsmittel nicht so sehr belastet sind. Wir haben eS hier mit den Vorzeichen einer industriellen Epoche Bayerns zu tun, die beachtet zu werden verdient. Em Textiltrust. Auch in der Textilindustrie beginnen sich die modernen Konzemrationsbestrebungen durchzusetzen, die besonder» deutlich in der Montanindustrie zu beobachien silid. Fünf in der Nähe von Berlin ansässige T e x t i l w e r k e wollen sich zu einer neuen Gesellschaft zusammenschließen, die unter der Firma der Berlin-Luckenwalder Wollwaren-Manufaktur er. richtet werden soll. DaS neue Unternehmen wird mit etwa 4 bis ö Millionen Mark Kapital ausgestattet werden. Berstadtlichnna der SreSlauer Straßenbahn. Die letzte außer. ordentliche Generalversammlung der Breslau er Straßenbahn- gesellschast genehmigte mit 6679 gegen 1931 Stimmen de» Uibcr» gaug de» Unternehmcus an die Ttadtgememde Breslau. GewcrfefcbaftUcbce. Sin gelbes Jeluitenftiick. Ms wir während des Bäckerstreiks mitgeteilt hatten, daß ein unzweifelhaft gelber Schweinigel Waren des Bäcker- Meisters Papst verunreinigt hat, da versuchte die Leitung des gelben Bundes der Bäckergesellen unter geradezu frevel- haftem Mißbrauch des preßgesetzlichen Berichtigungsrechts in der Oeffentlichkeit den Schein zu erwecken, als ob der von uns gekennzeichnete Schweinigel in gar keiner Beziehung zu den Gelben stände. Wir wußten von Anfang an, daß die Zugehörigkeit des Burschen zu den Gelben eine Taatsache ist und daß die Ableugnungsversuche der gelben Bundesleitung nichts als ein heuchlerisches Scheinmanöver sind. Jetzt sind wir in der Lage, dafür den Beweis zu erbringen. Zunächst nahmen wir noch an, eine Nachlässigkeit in der Führung der Mitgliederliste sei der„glückliche" Zufall, hinter den sich die gelbe Bundesleitung verkriechen und deshalb behaupten konnte, der schmutzige Bursche sei nicht ihr Mitglied. Heute wissen wir, daß W i s ch n ö w s k i, der Präsident des gelben Bundes, der uns die Berichtigung mit dreister Stirn zu schickte, sowie der Vorstand des gelben Bäckervereins„Norfr West" den Schweinigel ganz genau kennen und daß ihnen seine Tat sowie seine Mitgliedschaft im Nordwe st verein ebenso bekannt ist. Nachdem wir die an den Waren des Bäckermeisters Papst verübte Schweinerei als das Bubenstück eines Gelben ge kennzeichnete hatten!, beschäftigte sich eine V e r s a m m- lung des gelben Bäckervereins„Nordwe st". die im Lokal von Pallavizini, Havelbergerstr. 32, stattfand, mit der Angelegenheit. Dieser Versammlung wohnte auch Wischnöwski bei. Dem Schweinigel, der durch seine Handlungsweise immerhin einige Verlegeu heit unter den Gelben hervorgerufen hatte, wurde gehörig der Kopf gewaschen. Be st ritten wurde seine Tat von keiner Seite, auch von ihm selb st nicht. Wir wissen nicht, ob man den Burschen in jener Versamm- lung aus dem Bunde ausgeschlossen hat. Sollte es geschehen sein, dann hat man auch das nur getan, um nach außen den Schein zu wahren. Den persönlichen Beziehungen des Schweinigels zu gelben Bundesgrößen hat seine Tat jeden falls keinen Abbruch getan, denn er wohnt seit längerer Zeit und zwar heut noch bei dem Bäckergesellen Kirchner, Perlebergerstr. 42, und Kirchner sitzt im Vorstande des gelben Bäckervereins„Nordwe st."— Nun entsteht die Frage: Wie ist es möglich, daß Wisch n ö w s k i, der Präsident des gelben Bäckerbundes, es wagen konnte, unter diesen Umständen überhaupt eine Berichtigung an den„Vorwärts" zu schicken? Wenn nicht die Ehrlichkeit, dann hätte ihn doch die Klugheit daran hindern müssen, etwas abzustreiten, was doch bewiesen werden kann. Ja, Klugheit ist eben auch eine derjenigen Eigenschaften, die man bei dem gelben Bundespräsidenten vergebens sucht. Er glaubte ganz besonders schlau zu handeln, als er in seiner uns gesandten Berichtigung die Behauptung aufstellte:„Es ist unwahr, daß Schmiegert Mitglied des Bundes ist."— Nimmt man es buchstäblich, dann hat Wischnöwski recht. Uns ist nämlich in der Schreibweise des Namens ein kleiner Irrtum passiert. Nicht Schmiegert, sondern Schwie- gert heißt der Bursche, welcher die Backware beschmutzte. Als die Gelben diesen Schreibfehler entdeckten, rieben sie sich grinsend die Hände und dankten ihrem Schutzpatron, daß dem„Vorwärts" dieser kleine Irrtum unterlaufen war, denn nun konnte ja der Bundespräsident den recht jesuitischen Kniff begehen, dem„Vorwärts" zu schreiben:„Es ist unwahr, daß Schmiegert Mitglied des Bundes ist."— Damit sollte also der Oeffentlichkeit vorgetäuscht werden, daß der Bursche, welcher die Schweinerei verübte, nicht zu den Gelben gehörte. Und das, obgleich der Bundespräsident Wisch- nöwskr, als er die„Berichtigung" verfaßte, wissen mußte, daß der Schweinigel Schwie- gert heißt und ein waschechter Gelber ist! So ein unverfrorener Mißbrauch des Berichtigungsrechtes wird wohl kaum jemals vorgekommen sein. Doch nicht nur uns, sondern ihre eigenen Bundesbrüder hat die Leitung des gelben Bundes der Bäckergesellen durch das gleiche dummdreiste Manöver beschwindelt.„Der Bund", das Preßorgan der gesamten Gelben, schrieb am 18. Juni, er habe sich aus Anlaß unserer Mitteilung über das Buben- stück eines Gelben an die Leitung des Bäckerbundes, also doch wohl an den Präsidenten Wischnöwski, um Aufklärung gewandt und den Bescheid erhalten:„Wir haben sofort alle Mitgliederlisten geprüft, aber keinen Schmiegert in sämt- lichen Listen gefunden."— Also dieselbe jesuitische Heuchelei, welche die gelbe Bundesleitung unserer Veröffentlichimg gegenüber zur Schau trug, hat sie auch im Verkehr mit der Redaktion des gelben Preßorgans betätigt. Doch hier geht die gelbe Bundesleitung(Wischnöwski?) noch weiter. Sie scheut sich nicht, unsere Veröffentlichung, deren Nichtigkeit ihr sehr wohl bekannt war. als eine Verleumdung zu bezeichnen, die nur den Zweck haben solle, den Bäckermeister Papst zu schädigen, weil er nicht bewilligt hat.— Di« eigenen Bundes- brüder so„aufzuklären", das ist doch wirklich der Gipfel der — sagen wir Unverfrorenheit. Hätte die Leitung des gelben Bundes der Bäckergesellen zu der ganzen Angelegenheit geschwiegen, es lväre besser für sie gewesen. Durch Unehrlichkeit und Dummheit zugleich hat sie sich wieder einmal einen Neinfall'bereitet, der ihr von Herzen zu gönnen ist. Jetzt liegt es also so: Schwiegert, der Verüber eines schmutzigen Bubenstückes, ist ein Gelber und die Leitung des gelben Bundes der Bäcker hat das wider besseres Wissen öffentlich abzuleugnen versucht. Die Bundesleitung ist eines bodenlos unehrlichen Manövers überführt und wird dafür öffentlich an den Pranger gestellt. Daß die SkreillagS ft 1 2)! Ungünstig ist, erkenn! ntaR daraus, daß die Unternehmer den Verband der Bangeschäfte von Berlin zu Hilfe gerufen haben. Dieser Verband hat an seine Mit glieder das folgende Rundschreiben gerichtet: Berlin, den 23. Juni 1911. Geehrter Herr Kollege! Seit dem 7. Juni befinden sich die Parkettbodenleger im Streik. Die Arbeitnehmer verlangen die Wiedereinführung eines früheren Tarifes und haben, ohne in Unterhandlungen mit den Arbeitgebern zu treten, die Arbeit einge- stellt. Der neugegründete Berufsverein der Berliner Parkett- geschäfte hat sich mit der Bitte an uns gewendet, ihn in diesem Kampfe zu unterstützen. Wir kommen diesem Wunsche im Jnter esse der Solidarität, welche wir den bedrängten Arbeitgebern der Parkettbranche gewähren wollen, nach und bitten unsere Mit- glieder, die im Streik befindlichen Geschäfte nicht zur Fertig- stellung ihrer Arbeiten zu drängen und ihnen jede durch die Situation gebotene Rücksicht angedeihen zu lassen. Mit kollegialem Gruß Der Vorstand Heuer« Fiedler. Schröter. Die Behauptung in diesem Schreiben, daß die Arbeit eingestellt wurde, ohne in Unterhandlungen mit den Arbeitgebern zu treten, wurde von dem Obmann Kley als unwahr zurückgewiesen. Kley erinnerte an das Schreiben, das der Verband am 39. Mai den Unternehmern zugehen ließ.— Gewarnt wurde noch vor den An zeigen nach Bodenlegern und vor der Arbeitsvermittelung von Wagner, Tomasiusstraße, wo Arbeitswillige angeworben werden. Borsicht vor Versicherungsagenten! Bezugnehmend auf die Notizen in Nr. 145 und 146 des„Vorwärts" teilt uns die Verwaltung des „Deutschen Transportarbeiter-Verban des", Branche der Einkassierer und Kassenboten, mit, daß die in diesem Verbände organisierten Einkassierer, Einnehmer, Kassenboten und Agenten im Besitze einer„Rosa-Legitimationskarte" sind. Bei Neuabschlüssen von Versicherungen aller Art ist hierauf besonders zu achten. Der Verband ersucht die organisierte Arbeiterschaft, nur mit den sich durch die Legitimationskarte ausweisenden Versicherungsangestellten Ge Ichäste abschließen zu wollen, damit den Schwindelagenten endlich das Handwerk gelegt wird. Die Allgemeinen Elektrizitätswerke haben in Hennigsdorf a. d. Havel größere Terrains angekauft, um daselbst ihre Fabriken zu errichten. Eine Porzellanfabrik ist bereits fertiggestellt und ist zum Teil der Betrieb schon eröffnet. ES handelt sich Haupt- sächlich um die Herstellung von Isolatoren. Die Betriebsleitung sucht nun ihre Produkte möglichst billig herzustellen und beschäftigt daher ungelernte Arbeiter und Arbeiterinnen mit Vorliebe. Zur Ein- richtung dessBetriebeS waren nun vorläufig 8 gelernte Porzellanarbeiter eingestellt. Die Betriebsleitung murete nun diesen Porzellandrehern zu, ungelernte Arbeiter ohne jede Entschädigung anzulernen. Die Dreher lehnten dieses Ansinnen ab. Auch denkt die Betriebsleitung dieselben Verhältnisse wie in Thüringen hier einzuführen. Ungelernte Arbeiter erhalten 36 Pf. Stundenlohn und Arbeiterinnen gar nur 25 Pf. Für Kost und Logis zahlt man aber schon hier am Orte 14— 17 M. pro Woche. Außerdem herrscht gegenwärlig hier WohnungSmangel und sind billige Wohnungen unter 13—24 M. nicht zu haben. Daß unter diesen Umständen hier goldene Berge nicht zu ernten sind, wird wohl jedem Arbeiter einleuchten. Die Verhandlungen der Porzellandreher mit der Betriebsleitung zwecks Abschaffung dieser Mißstände scheiterten und wurden sämtliche Dreher entlassen. Der Zuzug von Porzellandrehern nach der A. E.-G. ist daher streng fernzuhalten. Wer ein Arbeitsangebot bei der A. E.-G. in Hennigsdorf annehmen will, tut gut, sich vor- her nähere Erkundigungen bei dem Kartellvorsitzenden, Tischler Nikolaus Dolibois, Hennigsdorf a. d. H.. einzuholen. Veirtkedes Reick). Bäckerstreik in Danzig. Bis Sonnabend abend hatten 33 Bäckereien mit 73 Gesellen die Forderungen bewilligt. 196 Gesellen stehen noch im Streik. Die..Gelben" haben mit der Innung in aller Eile einen Schein- t a r i f zurechtgestümpert, der sogar mit dem Gesetz lolli- d i e r t. Dieses Monstrum haben sie rn einem Sudelflugblatt an die Kundschaft durch die Bäckermeister verteilen lassen. Außerdem hängt in den Bäckerläden ein rotes(!!!) Plakat mit der Auf- schrift: Die Forderungen der Bäckergesellen sind bewilligt. Der Gesellenausschuß. Die Lohnkommission. Es braucht nicht betont zu werden, daß diese Drucksachen von der Innung bezahlt worden sind. Die bürgerliche Presse, allen voran die„Danziger Nachrichten", nimmt in so niederträchtiger, unwahrhaftiger Weise gegen die Arbeiter Partei, wie bisher noch keiner anderen Stadt. Trotzdem ist der Stand des Kampfes ein guter, die Haltung der Streikenden eine mustergültige. Streik- brecher sind, trotz der angeblichen Stärke der gelben Streikbrecher- Organisation, fast gar keine zu verzeichnen. Bei weiterem Fern- halten des Zuzuges wird im äußersten Osten den über den Zu- ämmenhalt der Arbeiter vollständig konsternierten arbeiterfeind- lichen Bäckermeistern ein schöner Erfolg abgetrotzt werden. Achtung Graveure und Schriftschneider! In der Schriftgießerei von Genzsch u. Heyse, Hamburg, sind am Sonnabend sämt- liche Graveure und Schriftschneider in den Ausstand getreten, nachdem alle Verhandlungen zwischen den Vertretern der Gehilfen und der Firma ergebnislos verlaufen waren. Die Streikenden verlangen eine Lohnerhöhung und Regelung der Ar- b e i t s w e i s e. Die Kollegen werden ersucht, Streikarbeit unter allen Um- ständen zurückzuweisen. Vor Zuzug wird gewarnt! Dke Schuhma'che? iit Bast RMfttstckst BefWtefl sich ftl tttKB Lohnbewegung. Sie ersuchen, den Zuzug nach dort fernzuhalten. Der Konflikt im Verbände deutscher Eisenbah»» Handwerker und Arbeiter beschäftigte den kürzlich in Halle abgehaltenen Delegiertentag des genannten Verbandes. Die Verhandlungen des Delegiertentages waren geheim. Noch geheimer verhandelte eine Kommission, welche über die Angelegenheit Severin-Heißner zu befinden hatte, lieber diese Angelegenheit hatten wir in Nr. 141 des„Vorwärts" aus- führlich berichtet. Bekanntlich ist der genannte Verband eine von der Eisenbahndirektion gehätschelte Harmonieorganisation. Gegen den Vorsitzenden Severin wurde eine Hetze ins Werk gesetzt, weil er in einer großen Eisenbahnerversammlung im Februar auch unseren Genossen Ströbel in dessen Eigenschaft als Landtagsabgeordneten zum Wort hat kommen lassen. Severin wurde seines Postens ent- hoben. Er hat dann ein in Mitgliederkreisen verbreitetes Flug- blatt verfaßt, worin er die Mißwirtschaft des mit der Direktion an einem Strange ziehenden Verbandssyndikus Heißner aufdeckte. Was Severin dem Syndikus vorwarf, muß doch wohl begründet sein, denn die Kommission des Delegiertentages hat sich für die Ent- lassung Heitzners ausgesprochen. Andererseits mußte aber auch Severin als Opfer der gegen ihn entfalteten Hetze auf der Strecke bleiben. Jetzt wurde ihm aus der Abfassung des Flugblattes ein Strick gedreht und sein Ausschluß beschlossen.— Das Plenum des Delegierteutages bestätigte die Entlassung Heißners einstimmig. Der Ausschluß Severins wurde gegen 68 Stimmen angenommen. Die Mehrheit für diesen Beschluß kam nur dadurch zustande, daß auch 25 Mitglieder des Zentralvorstandes und Aufsichtsrates, die durch das Severinsche Flugblatt ebenfalls beschuldigt wurden, für den Ausschluß Severins mitstimmten. Diese königs- und direktions- treuen Männer haben sich also nicht gescheut, als Richter in eigener Sache aufzutreten. Huslanck. Der Seemannsstreik. London, 27. Juni. Die Vereinigung der Fuhrleute und die der Hafenarbeiter in Liverpool hielten gestern abend Sitzungen ab, in denen beschlossen wurde, für die gegenwärtig mit den See- leuten in Streit befindlichen Schiffahrtsgesellschasten keinerlei Waren zu befördern. L e i t h. 27. Juni. 37 Dampfer konnten keine Besatzung finden, so daß die Schiffahrt im Hafen vollständig unterbrochen ist. Amsterdam, 27. Juni. Die Syndikate der Dockarbeiter und Verlader hielten gestern eine Versammlung ab, in der die Unter- stützung des Seemannsausstandes beschlossen wurde. Es soll ein allgemeiner Ausstand proklamiert werden. Bei 59 Gesellschaften ist der Streik bereits ausgebrochen. Sunderland, 27. Juni. Der Ausstand der Dockarbeiter hat hier die Schiffahrt völlig zum Stillstand gebracht. Dreihundert Zimmerleute haben aus Sympathie mit den Dockarbeitern eben- falls ihre Arbeit eingestellt.. Liverpool, 27. Juni. De Paeific-Dampfergefellschazt, von der fünf Dampfer gestern infolge des Ausstand«? nicht aus» zulaufen vermochten, hat heute die Forderungen der Ausständigen bewilligt._ Der Maurerstreik in Madrid ist. nachdem er zirka drei Monate währte, siegreich beendet. Die achtstündige Arbeitszeit ist errungen. Versammlungen. TranSportarVcitcr-Lerband. Die Packer, Lager-, Transport-, Hilfs-, Hof- und Playarbeiter und den Industriebetrieben hielten am Montag eine Seklionsmitgliederversammlung ab. Ueber die letzten großen Lohnbewegungen referierte F r o m k e. Er verbreitete sich in ausführlicher Weise über die geführten Bewegungen der Transportarbeiler in den Metallbetricben. besonders besprach er die Kämpfe in der Allgemeinen ElektrizitätS-Gescllschast, Brunnenstraße; in den Betrieben der Schildermacher und auf den Eisenplätzen sowie in den Konstruktionswerkstätten. Ueber die Einführung eines Orts» Zuschlages sprach Nordmann. Er empfahl dem Antrage der Ver» wallung, dem auch die Scltionslcitung und die Vertrauensleute ein- mutig beigetreten sind, den Beitrag um 19 Pf. pro Woche zu er» höhen, die Zustimmung zu geben. Da fast alle Redner die Ansicht des Referenten teilten und die Notwendigkeit einer Beitragserhöhung erkannten, fand der Antrag einstimmige Annahme. Berifa und Umgegend. Die Lohnbewegung der Parkettbodenleger. In einer Versammlung der Bodenleger, die am Montagabend im.Gewerkschaftshaus" stattfand, berichtete der Obmann Kley, daß die Situation für die Streikenden günstig liegt. Bereits ar- beiten 139 Mann zu den neuen Bedingungen. Es streiken noch 125 Bodenleger, die zur Unterstützung vollberechtigt sind und 29, die nicht vollberechtigt sind. In einer Notiz, die in den letzten Tagen durch die bürgerliche Presse ging, wird die Streiklage als ungünstig dargestellt und zugleich werden die„hohen" Löhn« der Bodenleger hervorgehoben. Die Mitteilung, daß die Bodenleger 69 bis 79 M. Wochenlohn oder 3999 M. Jahresverdienst erzielen, fand in der Versammlung eine scharfe Widerlegung. Eine Reihe von Lohn- büchern von anerkannt tüchtigen Arbeitern wurde vorgelegt, woraus zu ersehen war, daß nur in seltenen Ausnahmefällen ü9 bis 79 M. pro Woche verdient wurden. Dabei ist auch zu berücksichtigen, daß die Bodenleger mit langen Perioden der Arbeitslosigkeit in jedem Jahre zn rechnen haben.___ Pxrantw. Redakteur;»ttß, verli-. S&laaltntßl Möbektransportarbeiterstreiks. Seit dem 22. d. M. streiken die Möbeltransportarbeiter tn Pforzheim, da sich die Unternehmer weigern, die Organisation anzuerkennen und einen Tarifvertrag mit dem Transportarbeiter verband, dem 95 Proz. der in Frage kommenden Arbeiter ange- hören, abzuschließen. Nach längeren Verhandlungen, bei denen die Unternehmer keinerlei Zugeständnisse machten, legten sie eine„Ar beitsordnung" vor, die als Grundlage für die Gestaltung der Lohn und Arbeitsbedingungen dienen sollte. Diese.Arbeitsordnung" schreibt u. a. vor, daß die?lrbeiter von der Kundschaft ein Trinkgeld zu Verlan- gen haben, um sich von dieser bezahlen zu lassen, und ferner, daß die Arbeiter ihres Lohnes verlustig gehen, wenn sie vor Beendigung ihrer Tagcsarbeit die Arbeit verlassen. Diese famosen„Zuge ständnisse" der Unternehmer hätten die zurzeit bestehenden Ver hältnisse noch verschlechtert. Aus diesem Grunde legten die Möbel transportarbeiter einmütig die Arbeir nieder. Weiter traten am 26. d. M. die Möbeltransportarbeiter in Chemnitz in den Ausstand, da die Unternehmer sich nicht bereit erklären wollten, den zurzeit 24 M. betragenden Wochenlohn um ein geringes zu erhöhen, und da sie sich weiter weigerten, die in übergroßer Zahl vorkommenden Ueberstunden zu bezahlen; diese sollten vielmehr umsonst geleistet werden. Da die Unternehmer unter hochtönenden Versprechungen versuchen, Arbeitswillige für Pforzheim und Chemnitz zu werben, wird dringend um Fernhaltung des Zuzuges gebeten._ Zigarettenboykott. Die Firma Lhpstadt. Zigarettenfabrik in Frankfurt am Main, verwehrt seit Jahren ihren Arbeitern da? diesen zu- stehende gesetzliche Recht der Vereinigung im Deutschen Tabak- arbeiterverband. Um nun aber Herrn Lhpstadt klar zu machen, daß er nicht das Recht hat, seinen Arbeitern das Koalitionsrecht zu verwehren, haben die in Frankfurt maßgebenden Instanzen einstimmig be> schlössen, über dir Fabrikate der Firma Lypstadt den Boykott zu ! verhängen! Hetzte Nachrichten* Gegen die Londoner Seerechtsdeklarntiim. London, 27. Juni.(W. T. B.) Heute hat hier ekne große Protestversammlung gegen die Londoner ScerechtSdeklaration statt- gefunden. B a l f o ü r hielt eine Rede, in der er ausführte, die Deklaration sei nicht eine Verbesserung des internationalen Brauchs. sondern ein Schritt zurück. Sie vermindere Englands Kraft im Gegenangriff durch das Mittel der Blockade, während sie dem Feinde erleichtere, England auszuhungern; die Gefahr für England sei jetzt das Verhungern, nicht die Invasion. Die Versammlung nahm einen Beschluß an, in dem gegen die Deklaration Einspruch er- hoben wird._ Brandstiftung durch spielende Kinder. Linz, 27. Juni.(H. B.) Durch spielende Kinder entstand in der Ortschaft Katzbach eine Feuersbrunst. Sieben Gehöfte sind eingeäschert worden. Der Schaden b�iffert sich aus mehr als 109 909 Kronen._ Lustmord. Zsirich. 27. Juni.'fH. B.) Zwischen Lunkhofen und Armi im Aargau wurde ein Ibjähriges Mädchen in ein Wäldchen gelockt und ermordet. Die Cholera. Paris, 27. Juni 1911.(P. C.) Wie die„TempS" erfährt. gelten im Ministerium des Innern die Städte Neapel. Pa- lermo und Konstantinopel als choleraverseucht. In Pa- lermo soll die Cholera schon mehrere Wochen heftig wüten, und es heißt, daß dort täglich 49 Personen der Epidemie zum Opfer fallen. In Neapel und den umliegenden Dörfern sterben, wie dem Ministerium des Innern mitgeteilt worden ist, täglich 30 bis 49 Menschen an Cholera. Gegen einen Zeitschriftentrust. ..*«> Sott, 27. Juni(28. Z. JB.) Die Regierung hat eine Zivilklage auf Auflosung des periodischen ZeitschristnnternehmenS „Clearing Hause erhoben, einer inkorporativen Genossenschaft, die sich aus 3999 Zeitschriftenverlegern zusammensetzt und den Zweck hat, die eingeführten Einzelpreise aufrechtzuerhalten. Millionenbankrott. Philadelphia, 27. Juni.(W. T. B.) Die Verpflichtungen der Maklerfirma Norman Mae Leod u. Co.. die gestern ihre Zahlungen einstellte, belaufen sich auf I 182173 Dollar, denen Aktiva im Be- trage von 419 884 Dollar gegenüberstehen. Mac Leod ist der «chwwgersohn des bekannten WarenhauSbesttzerS John SSmia. Große lleberschwemmuna in China. Peking, 27. Juni.(23. T. 93.) In der Provinz Hunan hat in den Gebieten von Tschang te fou und Tschangscha-fou eine Ueberschwemmung stattgefunden, bei der viele Mensche» um- gekommen sind. Der entstandene Schaden ist sehr groß. Die Re» gierung hat die Unterstützung der Heimgesuchten angeordnet. Ch. Glocke, Berlin. Druck.u.Perlag:PorwärtsBuKdr.u.«erlagsanstalt PaulSingerä!Co.«BerlioLW. Hierzu S Beilagen n.U«tertzgU«uio*k». Nr. W. 28. Ichrgavg. I WIM des J MMch. 28. Inn! 191L ssa Mgeoränetenkaus. 96. Sitzung vom Dienstag, den 27. Juni, vormittags 11 Uhr. Am Ministertische: v. Dallwitz. Die wiederholte Beratung des Zweckverbandsgesetzes für Groß-Berli» wird fortgesetzt. Abg. o. Brandenstei» sk.): Das Herrenhaus hat die Vorlage in einigen Punkten verschlechtert. Bedauerlich ist vor allem die Be- seitigung derjenigen Bestimmungen, die die Anwendung des allgemeinen Zweckverbandsgesetzes auf Grotz-Berlin ermöglichen sollten. Daß die Förderung des Wohnungswesens nicht dem Zweckverband als Aufgabe übertragen wird, ist kein Fehler, denn sonst würden die Kom- »nunen und vielleicht auch die Regierung glauben, sie brauchten nun gar nichts inehr für das Wohnungswesen in Grost-Berlin zu tun. Ich empfehle als Ersatz unsere Resolution, die die Regierung auffordert, baldmöglichst den Entwurf eines Wohnungsgesetzes zunächst wenigstens zur Besserung der Wohnungsverbältnisse für die in Groß- städten und Jndustriegegenden wohnenden Masten von Menschen vor- zulegen. Abg. Frhr. v. Zedlitz(fk.) spricht sich gegen einen Zentrums- antrag aus, der die Förderung des Wohnungswesens wieder als Aufgabe des ZweckverbandeS in den Z 1 aufgenommen wissen will. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Die Streichung des Absatz 4 im Z 1, der dem Zweckverband die Ausgabe des Baues von Kleinwohnungen zuweist, rst auch vom Minister als eine erhebliche Verschlechterung des Gesetzes bezeichnet worden. Dieser Beschluß des Herrenhauses verdient aber als besonders bedauerlich gekennzeichnet zu werden, nachdem gerade in den letzten Wochen uns die interestantesten und detailliertesten Darlegungen über die Unerträglichkeit der Wohnungs- Verhältnisse der Oeffentlichkeit unterbreitet worden sind. Wenn das HerrerhauS dennoch dazu übergegangen ist, diese Bestimmung zu streichen, so ist das geradezu unerhört. Für die Herren vom Zentrum ist es bezeichnend, daß ihr Antrag auf Wiederherstellung der alten Fastung nur von 27 Mitgliedern unterschrieben ist. Es ist interessant, wie das Zentrum durch diese 27 Unterschriften nach außen hin sozialpolitisches Interesse markiert, wäbrend die Mehrheit seiner Fraktion gegen den An- trag i st. Wir werden natürlich für den Zentrumsantrag stimmen. Die Resolution Brandenstein ist durchaus kein hinreichender Ersatz für die Streichung des Absatz 4 im§ 1. Wir werden aber für die Resolution stimmen in der Hoffnung, daß die Regierung endlich etwas tun wird, um der brennenden Wohnungsfrage die notwendige Beachtung zu schaffen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) 8 1 wird unter Ablehnung des Zentrumsantrages in der Fastung des Herrenhauses angenommmen, ebenso die Resolution Branden st ein. Die Vorlage im ganzen wird in der Herrenhausfastung gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Fortschrittlichen an- genommen. Das allgemeine ZweckverbaudSgesetz kommt dann zur wiederholten Beratung. Die fortschrittliche Volkspartei hat ihre in zweiter Lesung ab- gelehnten Anträge wiederholt. Abg. Dr. Flefche beiden Vorredner haben ja auch Bezug darauf genommen, dah soeben erst der neue Bundesstaat Elsatz-Lothringen mit dem Reichstagswahlrecht beglückt worden ist. Nun sind wir zweifelhaft darüber, ob es den dortigen Verhältnissen angemessen ist; aber wir maßen uns nicht an, hier von Preußen aus die Verhältnisse eineS anderen Bundesstaats maßgebend zu kritisieren, und möchten nur wünschen, daß das auch seitens anderer Bundesstaaten im Hinblick auf Preußen ebenso beachtet wird. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Jedenfalls sind wir der Meinung, daß wir unsere preußischen Verhältnisse nach Auffassung von uns Preußen(Zuruf link»: Junkern!) ordnen wollen und kein Beispiel anderer Bundesstaaten dazu notwendig haben. Im Gegenteil, wir twp ter Reifiung, daß e« geS. TaS kann nicht zwischen Tür und Angel erledigt werd en, wenn schon die Koffer gepackt sind. Da» entspricht nicht dem Ernste und der Bedeutung der Sache, ebenso- wenig wie Ihre vorherige Abstimmung..(Lebhafte Zustimmung links, Widerspruch rechts.) Abg. Waldftein(Vp.) fragt an, wann das Avseord» petenhaus geschloffen werden soll. Präsident v. Kröcher: DaS weiß ich nicht. Abg. Waldstein: Wir verlangen, daß die Regierung gefragt wird, wann sie den Landtag schließen will. Präsident v. Kröcher: Das weiß die Regierung auch nicht. Der Schluß des Landtags richtet sich nach dem Rede- VedürfniS dieses Hause» und deS Herrenhauses. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Wenn Worte einen Sinn haben, so bedeutet das, daß die Regierung erst schließen will, wenn dieses Hau» dazu bereit ist: es fei denn, daß Mogeleien hinter den Kulissen stattfinden(Unruhe), oder wenn die reaktionären Par» teien es wünschen. Präsident v. Kröcher: Inwieweit Sie in meine Worte einen Kftm legen wollen, muß ich Ihnen überlassen.(Heiterkeit.) Der Antrag Pachnicke wird abgelehitt; eS bleibt bei der Tagesordnung des Präsidenten. ' Schluß B3i Uhr....' Achter KongreS der GewerkkhafteD Deutschlands. D r e S d« n. den 27. Juni. Zweiter veryandlungStag. •«ttzatt eröffnet die Sitzung. Brückner» Berlin gibt den Bericht der MandatSprssfungS- kronmssioa. Anwesend sind 385 Delegierte und zahlreich« Gäste. Sämtliche Mandate werden debattelos für gültig erklärt. Hierauf wird in der Erlrdiaung der Tagesordnung fortgefahren and zunächst der gestern neu beschlossene Punkt: Errichtung etaer gewerkschaftlich-genossenschaftliche« UnterstsitzungSkassc erledigt. Bau er» verlin referiert hierüder. Er schildert ein» gehend die Maßnahmen der S e l b st h i l f e, die die Menschen von seher ergriffen haben, um sich gegen plötzliche Not zu sichern. Di« EntWickelung der BolkSversicherung, d. h. der sogenannten kleinen Versicherung mit Beiträgen bis zu 10 Pf. herav ist eine ganz rapide gewesen. Insgesamt umfaßt die Volksversicherung in Deutschland gegenwärtig ll 82S 275 Policen mit einem Kapital von 1345 Millionen Mark. Der Löwenanteil entfällt auf die» V i c t o r i a' und die.Friedrich Wilhelm'. Die Verwaltungskosten beliefen sich auf 28 788 000 M., das sind LS, 13 Proz., und der JahreSllberschuß auf 17 370 000 M. Mit Hilfe der BolkSversicherung haben diese Ver- sicherungSgesellschaften ihre Ueberschllsse ganz gewaltig steigern können. Das zeigt besonders die geradezu glänzende Entwickelung der.Victoria' mit ihren fabelhaften Gelvinnen. Dieser Erfolg kann aber nur erzielt werden durch eine ungeheure Benachteiligung deS Publikums. Für SS Millionen Mark Policen wurden von den Volts- Versicherungsgesellschaften für verfallen erklärt, nur weil die Beiträge einmal nicht rechtzeitig bezahlt wurden. Diese Art deS Volks» versicherungSgeschäftes ist also eine maßlose Ausbeutung mitteNoser Proletarier, denn nur von diesen wird die sogenannte kleine Versicherung be» trieben. Freilich bat das neue Gesetz über das private Versicherungs- Wesen diesem Treiben ein wenig die Flügel beschnitten, denn eS enthält die Bestimmung, daß Policen dann nicht mehr ohne jede Rückvergütung für verfallen erklärt loerden dürfen, wenn drei Jahre lang Beiträge auf sie bezahlt worden sind. Dieser große Erfolg der BolkSversicherung, diese Heranziehung von fast 7 Millionen kleiner Existenzen ist nur zu erklären durch das bekannte raffinierte Werbesystem der Gesell» fchaften. Angesichts dieser Ausplünderung breiter Lrbeiterfchichten durch wenige Gesellschaften ist schon häufig die Frage aufgeworfen worden: Was kann die Arbeiterschaft selbst tun, um dieser AuS- beutung der Vollsmasien vorzubeugen? Aus diese Frage gibt eS nur eine Antwort: Wir dürfen hier nicht mehr Gewehr bei Fuß stehen und ruhig zusehen, wie gerade unsere eigenen A r b e i t S k a m e r a d e n geplündert werden.(Zustimmung.) Die Generalkommission hat sich daher mit dem Vorstand deS ZentralvsrbandeS deutscher Konsumvereine in Verbindung gesetzt. ES wurde«ine Kam» Mission eingesetzt, die ihre Beratungen erst jüngst abgeschlosien hat. So ist es gekommen, daß erst im letzten Augenblick dieser Punkt auf unsere Tagesordnung> gesetzt werden konnte. Oberster Grundsatz unserer Bersichcrung soll sein: kein Pfennig geleisteter Beiträge darf verloren gehen. Wir planen die Gründung einer losen UnierstützungSvereinigung, gebildet von Gewerkschaften und Genossenschaften. Mit der Durchführung dieser neuen Einrichtung sollen betraut werden die Genera ltommission der Ge- wertschaften Deutschlands und der Vorstand des entralverbandeS Deutscher Konsumvereine. eitere Organe sollen sein die Konferenzen der Gewerkschafts- Vorstände und Bezirksvereinigungen der Genossenschaften. Also wir wollen eine solche Unterstützungsvereinigung nun ins Leben rufen, sie organisatorisch ausgestalten und jedes Mitglied einer der Generalkommtssion angeschlossenen Ge- wertschaft und jedes Mitglied einer dem Zentralverband Deutscher Konsumvereine angeschlossenen Genossenschast soll berechtigt Bi, in diese UnierstützungSvereinigung Beiträge zu entrichten. Da» erhält es dam» für Ha Uottrstützungsfall die vorgMeoz Uvter» stötzung, allerdings ohne daß ein Rechtsanspruch auf diese Unter» stützung eingeräumt wird. Zunächst wenigstens wollen wir versuchen. ohne den Rechtsanspruch auszukommen. Die neue Einrichtung soll den Namen„Bolksfürsorge" bekommen. Sollte da? AufsichtSamt für Privatversicherung unS wegen des Fehlen« des Rechtsanspruchs Schwierigkeiten machen, so werden wir von dem Plan nicht zurück- treten, sondern ihn mit Rechtsanspruch in Form einer Aktiengesell- schaft oder in anderer Form in§ Leben rufen.(Beifall.) Di« eigentliche Geschäftsführung soll von den Genossen» fchaften erledigt werden, während die Gewerkschaften den Werbe» apparat stellen sollen. Dadurch werden die VerwallungSkosten ganz minimal werden. UnS stehen ja auch ganz andere Agitationsmittel zur Verfügung. Ich denke da an die Gewerkschaftspresse und die Parteipresie, die hoffentlich zum Teil wenigstens leine prinzipiellen Einwände machen wird.(Heiterkeit.) Wenn in anderen Ländern die Arbeiterbewegung an einer Unter- schätzung der politischen Tätigkeit litt, hatten wir in Deutschland eine Ueberschätzung. Wir müssen aber dazu übergehen, unsere Wirt- schaftlichen Kräfte immer mehr zu konzentrieren.(Beifall.) Ohne wirtschaftlichen Einfluß ist heute auch kein politischer Einfluß mehr möglich. Erst dadurch wird die Arbeiterklasse ein wirklicher Machtfallor werden. Wir sollten also unsere Kräfte zusammenfassen, um innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft einen Wirtschaft- l i ch e n und damit auch politischen Einfluß ausüben zu können. Wir ersparen dadurch unseren Mitgliedern Millionen und«bermillionen, die wir dann besser im Kamps werden ver- wenden können.(Stürmischer Beifall.) Nehmen Sie einstimmig folgende Resolution an: .Die Generalkommission wird beaustragt, gemeinsam mit dem Zentralverbande deutscher Konsumvereine eine gewerkschaftlich- genossenschaftliche UnterstützungSvereinigung ins Leben zu rufen. Aufgabe der Vereinigung soll sein, den Mitgliedern der Gewerk- fchaften und Genossenschaften, die fteiwillig Beiträge leisten, und deren Familienangehörigen Unterstützung in Fällen deS TodeS, des MterS, der Kinderversorgung usw. zu gewähren. Die zur Durchführung diese? Auftrages mit dem Zentral- verbände deutscher Konsumvereine zu treffenden Vereinbarungen und daS Statut der UnterstützungSvereinigung bedürfen der Ge- nehmigung der Konferenz der Vertreter der Verbandsvorstände.' In der Debatte wünscht Osterroth- Waldenburg(Berg- arbeiter) eine Ausdehnung dieser»Volksfürsorge' auf die Unfälle und wendet sich gegen den Unfug der Abonnenten» Versicherung. Brückner- Berlin(Buchbinder)� regt die Ausdehnung auch auf die Krankenversicherung an. Umbrert(Generalkommission): Viele Gewerkschaften zahlen heute schon Krankenunterstützung und denen dürfen wir mit der neuen Einrichtung nicht ins Gehege kommen. Ueber- weisen Sie alle Wünsche der Generalkommission zur Erwägung. Kaufann-Hamburg: Der Leipziger GenossenschaftStag hat Vorstand und Ausschuß bevollmächtigt, in Verbindung mit der Generalkommission Mittel und Wege zu suchen, um den AuS- wüchsen deS Versicherungswesens entgegenzutreten. Robert Schmidt(Generalkommission): Wir wollen da? Volksversicherungswesen der privaten Spekulation entziehen und auf eine reelle Grundlage stellen. Wenn wir auch noch nicht sehr hohe Unterstützungssätze werden zahlen können, so werden die Arbeiter doch zu unserer Einrichtung das größte Ver- trauen haben. Die Debatte schließt. Die Resolution Bauer wird einstimmig angenommen.(Lebhafter Beifall.) Die vorgetragenen Wünsche und Anregungen werden der General- kommission überwiesen. ES folgt der Punkt: Heimarbeiterschutz und HauSarbeitSgesetz- Referent ist Deichmann- Bremen(Tabakarbeiter)'. Er legt folgende Resolution vor: „Der achte Kongreß der GewerNchaften Deutschlands macht sich die Beschlüsse zu eigen, die in der Resolution des ersten in Berlin im Jahre 1004 abgehaltenen Allgemeinen Heimarbeiterschutz- kongresseS niedergelegt sind und bekundet feine Ucbereinstimmung mit der Resolution deS Deutschen HeimarbeitertageS vom 12. Januar 1011. Der Kongreß bedauert die Verzögerung in der Verabschiedung deS Hausarbeitsgesetzes im Reichstag: er hält es für dringend geboten, daß dem Gesetzentwurf nach den Beschlüssen der Kom- Mission des Reichstages umfassende, dem Verlangen der Heim- arbeiter gerecht werdende Aenderungen eingefügt werden. Als vollständig ungenügend erweist sich die Bestimmung de» Gesetzes, die den Erlaß von Schutzvorsthriftcn in das Belieben der verschiedenen Behörden stellt. Die Folge dieser Anordnung wird sein, daß unter dem Einfluß der Unternehmer, die doch nur de» höheren Profits wegen die elenden Verhältnisse der Heimindustrie erhalten wollen, jeder Versuch lokaler Behörden, gegen Uebelstande vorzugehen, dem Widerspruch dieser Interessenten unterliegen wird. Die sanitären Schutzvorschriften sowie die Bestimmungen de» ArbctterschutzeS bedürfen einer allgemeinen gültigen gesetzlichen Regelung, die nur unterbrochen werden kann durch weitergehende Vorschriften für die Berufe, die besondere Gefahren für Leben und Gesundheit den Arbeiter bieten. Für die NahrungS- und Genuß» mittelindustrie muß daS gänzliche Verbot der Heimarbeit gefordert werden. Vor ollem darf die Regelung der Lohn frage im Gesetz nicht fehlen. Dazu gehört: 1 Die Aushängung der Lohntarife in den Räumen, wo Heim« arbeit ausgegeben wird; 2. Die Verabreichung von Lohnbüchern oder Lohnzefteln bei Uebergabe der Arbeit mit genauer Angabe der Löhne und der Abzüge; 8. Verbot der Anrechnung der gelieferten Rohstoffe oder Ma- terialien, Errichtung von paritätisch zusammengesetzten Lohn- kommisstonen, mit der Befugnis, für die Berufe, die nicht durch umfassende Tarifverträge die Regelung der Löhne herbeigeführt haben, allgemein gültige Minimallöhn« fest- zusetzen. Auf daS entschiedenste protestiert der Kongreß gegen die Zurück. sebung der Heimarbeiter in der ReichSversicherungSordnung, ins- besondere gegen die rechtlose Stellung in den Lanbkrankenkassen und die Ausschaltung der Heimarbeiter in der Invaliden» und Hinterbliebenenversicherung. Der Kongreß wendet sich an die Heimarbeiter mit der dringen- den Aufforderung, sich der gewerkschaftlichen Organisation anzu- schließen, damit sie imstande sind, im Anschluß an die übrige Ar- beiterschaft ihre wirtschaftlichen Interessen mit den KampfeSmitteln der Gewerkschaft durchzusetzen und der Gesetzgebung gegenüber mit mehr Nachdruck ihre berechtigten Forderungen zur Anerkennung zu bringen.' D e i ch m a n n verweist auf daS Heimarbeiterelend. daS auf Heimarbeiterkongressen wiederholt der breiten Oeffent- keit borgeführt wurde. Die Regierung kann sich nicht damit ent- schuldigen, daß sie über die Mißstande nicht genügend aufgeklärt worden sei. Aber eS scheint, baß sie gegen da» grauen- hafte Elend der Heimarbeit nicht? tun will. Für die Fabrik- betriebe ist z. B. die Beschäftigung von Kindern verboten. In der Heimarbeit aber besteht nach wie vor die Ausbeutung der kindlichen Arbeitskraft. Gewerbeinspektoren und Lehrer haben mehrfach die Gefahren der Heimarbeit hervorgehoben. Es muß endlich etwas Durchgreifende» hier geschehen. Der Redner nimmt wiederholt Bezug auf die be- sonder» schlechten Berhältnisse der Heimarbeit im Tabakgewerbe. Man mutz auch auf den WohltätigkeitSrummel der Korn- blumen- und Margueritentage verweisen. Auf der einen Seite veranstaltet man solche Tag« und will wohltun» auf der andern Seite aber fördert man die denkbar schändlichste Ausbeutung des mm, ß&Wto ZuituAMW.) KS Ä WgtfteU. dich mint Dlümebörbeitekittsieü suv da» Gto» 7 bis 10 Pf. er- halten und daß sie mit Stundenlöhnen von 3 bis 5 Pf. vorlieb nehmen müssen.(Hört! hört! Bewegung. Pfuirufe.) Wir erklären von dieser Stelle, daß wir mit einer solchen Wohltätigkeit nichts zu tun haben wollen(Beifall), daß wir ein Eingreifen von Staat und Gesetzgebung verlangen und Zustände schaffen wollen, in denen wir eine solche Wohltätigkeit nicht mehr gebrauchen. (Wiederholter Beifall.) Besonders schlimm liegen die Dinge im Königreich Sachsen. 86 Proz. aller Heimarbeiterinnen fallen auf Sachsen und werden hier auf das unmenschlichste ausgebeutet..Da ist es zu verstehen, weshalb sich gerade die sächsischen In- dustriellen gegen die Heimarbeitcrausstellung der Gewerk- fchaften auf der Internationalen Hygieneausstellung gewehrt haben»(Sehr richtig!) Wir verlangen das völlige Verbot der Heimarbeit für die NahrungS- und Genußmittclbranme. Wir ver- langen einen möglichst weitgehenden wirtschaftlichen Schutz unserer Heimarbeiter. Sanitüre Vorschriften reichen nicht auS. Sie werden einfach häufig nicht befolgt. Die Arbeitskammcrn müssen vielmehr Spezialämter einrichten, die in die Heimarbeiterverhaltnisse ein- zugreifen und menschenwürdige Mindestlöhne festzusetzen hätten. Wir verlangen weiter das Verbot der Kinderarbeit auch in der Heimarbeit, am liebsten das generelle Verbot der Beschäf- tigung für Jugendliche bis zum 13. Lebensjahre. Die Hauptsach« ist ein schnelleres Tempo im gesetzlichen Heimarbeiterschutz. Es scheint, als ob die Regierung nicht gern an eine gesetzliche Re- gelunq dieser Materie herangeht. Freilich wenn es sich um die angeblich notleidende Junkerkaste handeln würde, dann würde schon eine kleine Kundgebung in Ostelbien der Re- gierung Befehl sein. Aber Millionen von Heimarbeitern finden kein Gehör. Erst wenn sie sich zu mächtigen Organisationen zusammengeschlossen haben, dann werden sie auch Einfluß auf die Gesetzgebung gewinnen und gleichzeitig fähig werden, sich mit dem Unternehmertum in ernsten Kämpfen zu messen. (Lebhafter Beifall.) Die Diskussion wird eröffnet Sinn- Berlin(Blumenarbeiter): Der Blumentag» rummel hat zu einer Verschlechterung der Lage der Blumen- arbeiterinnen geführt. Der Gedanke, bei den Blumentagen Geld auS der breiten Masse herauszuholen, weil sich aus den Reichen für WohltötigkeitSzwecke nichts herausschinden läßt, ist im Sinne der Veranstalter nicht übel. So sind denn Korublumentage für Veteranen veranstaltet worden, weil die öffentlickzen Mittel ftiv die alten Krieger nicht ausreichen, und auch für Mutter und Kind ist gesammelt worden, weil Staat und Regwrung für sie nichts übrig haben. Aber die Blumcntage haben auch dazu dienen Müssen, für Verschönerungsvereine Gelder zu schaffen, oder wie es im Vogt- land geschehen ist, für den Bau eines MuseumS. Es kommt genug Geld zusammen, in Württemberg hat der Nelkentag 450 000 M. ergeben, in Leipzig der Margueritentag 160 000 M. Im ganzen kann man rechnen, daß etwa 2 Millionen Mark in Deutschland durch Blumentage zusammengebracht worden sind. DaS Schlimme ist nur, daß ein Teil des Ertrages auf Grund der unglaublich niederen Löhne der Blumenarbeiterinnen zusammenkommt. Der Verkaufspreis für das Gros Margueriten betrug früher 9 0 Pf.» die Veranstalter der Blumentage sagten zum Fabrikanten: Sie müssen auch etwas für die Wohltätigkeit tun und billi- ger liefern. Der erste verzichtete vielleicht auf seinen Profit und lieferte daS Gros für 60 Pf. Aber nun wuro« dieser Preis überall geboten und als erst die großen Lieferungen für Berlin und Leipzig kamen, wo es sich um 2 bis 3 Millionen Gros Blumen handelte, wurden die Preise noch mehr gedrückt und betragen jetzt für Papiermargueriten 42 Pf. und für Satinmargueriten 52 bis 53 Pf. für das Gros. Die Fabrikanten wollten aber trotzdem verdienen und so schlugen sie die Differenz heraus durch unglaubliche Herabsehung der Löhne. Für ein CroS Kornblumen wurden früher 30 Pf. den Arbetlcrinneit bezahlt, in den Heimarbeitsgebieten 25 Pf. Jetzt werden für Korn- blumen 7 Pf. bezahlt. Nun stelle man sich einmal vor, 144 Korn- blumen werden gepreßt geliefert, die Schläge müssen auseinander- genommen, die Blume gerichtet und der Stiel mit Papier bewickelt werden, und dafür gibt es 7 Pf. Redner erinnert an die Schil- derungen des Berichterstatters der„Germania". Auch in der Fabrik- blumenindustrie find�die Preise von 4 aus 3 Pf. für daS Gro» gesunken, und es steht zu befürchten, daß d:e Blumenindustricllen in Zukunft auch für bessere Sachen nicht mehr bezahlen wollen. In einer bekannten Fabrik im Plaue nschen Grunde verdient eine Arbeiterin bei zehnstündiger intensiver Arbeit 49 Pf., da» macht in der Woche 3,50 M. nack den Abzügen au». Bei dem großen Bedarf an Blumen suchen die Fabrikanten be» ständig neue Arbeitskräfte heranzuziehen. Die Arbeiterschaft hat absolut kein Interesse an den Blumentagen.(Lebhafter Beifall.) Sietzsch- Charlottenburg(Porzellanarbeitcr): Im Haus» arbeitsgesetz ist nicht daran gedacht worden, einen Musterschutz für die Heimarbeiter zu schaffen und dafür zu sorgen, daß ste in der Zeit, wo ste die Muster machen, wenigstens so bezahlt werden, daß sie leben können. Die Heimarbeiter gelten den Unternehmern als selbständige Arbeiter. Ste stellen die Muster auf eigenes Risiko her, und der Aufwand von Zeit, Intelligenz und Erfindungs» gäbe und Arbeit wird ihnen vom Unternehmer nicht erstattet. Sie haben absolut keinen Anspruch darauf, daß die Muster, die der Fabrikant wählt, nun auch von ihnen hergestellt und sie für die Zeit der Musteraufstellung entsprechend entlohnt werden. Betroffen werden hiervon hauptsächlich die Glasarbeiter, die Por- zellanarbeiter, die Spielwarenarbeiter und die Korbwarenarbeiter. Sie müssen außerhalb der Saison ge» schmackvolle, ins Auge fallende Muster erfinden, und sie bekommen diese Muster nicht besonders bezahlt, sondern im Massenpreis der Gesamtlicfcrung. Dabei haben die Fabrikanten aber nicht einmal die Verpflichtung, dem Heimarbeiter, der die Muster ersonnen hat, die Ausführung in Auftrag zu geben. Er gibt sie vielmehr dem Billigsten.(Hört! hört!) AuS weiten Kreisen der Heimarbeiter ist der Wunsch nach diesem Musterschutz laut geworden. Jedenfalls muß ihnen daS Gesetz hier einen größeren Schutz gewähren.(LcbhafMr Beifall.) Stühmer- Berlin(Schneider): Als 1896 der große Konfer» tlonSarbeiterstreik in Berlin war, taten sämtliche Parteien so. als müsse absolut und sofort gegen die Mißstände in der Kon- ftktion etwas unternommen werden. Aber g e s ch e h e n ist seit dieser Zeit noch gar nichts, oder da», was geschehen ist, hat nicht viel geändert. Die Vorschrift wegen der Lohnbücher ist wenig durch- geführt, sie scheiterte am Widerstand der Unternehmer. Genau so steht es mit der E r r i ch t u n g v o n L o h n ä m t e r n. Die Fabri- kanten der Wäscheindustrie und der Herren- und Damenkonfektion haben durch die Handelskammern Beziehungen zu den gesetzgebenden und regierenden Körperschaften und wissen sehr gut zu verhindern- daß etwas geschieht. Es ist einfach lächerlich, wenn sie behaupten, daß die Industrie zugrunde gehen müsse, wenn die Gesetzgebung ein- greife. Kleider und Hemden und Unterröcke werden getragen und angeschafft werden, auch wenn durch Gesetz die Ausbeutung etwas eingeschränkt wird.(Sehr richtigl) Nach 15jähriger Erfahrung setzen wir wirklich keine große- Hoffnung auf die Gesetzgebung mehr. Wir sagen heute: wenn eS möglich wäre, die Heimarbeiter gewerkschaftlich zu erfassen, dann müßte eS auch mög- lich sein, für sie auf gewerkschaftlichem Wege etwas zu erringen. ES steht in der Heimindustrie nicht absolut so, daß der Unternehmer dem Arbeiter jeden Lohn aufdrängen kann. Jetzt aber geschieht es, wie Sie eben gehört haben, daß selbst die Zeiten der Hochkonjunktur in der B l u m e n i n d u st r i e zu arger Lohn- brückerei führen. Das war aber nur möglich, weil die Arbeiterinnen den Lohndrückern keinen Widerstand entgegengesetzt haben, weil sie doch so gut wie ganz ohne Organisation sind. Fünf- zehn Jahre lang appellieren die Heimarbeiterinnen an das allge- meine Mitleid und eS nützt nichts.(Lebhafter Beifall.) Der Trotz gegen die Ausbeutung, den die Arbeiter längst haben, muß auch in der Heimarbeiterin geweckt werden. Wenn sie nur ans Mitleid der Menschheit appelliert hat, dann gibt ihr kein Teufel etwa» darauf. ES ist Sache der gesamten Arbeiterschaft, hier auf- klärend zu wirken und die Organisatioa der Heiznarheiterinnen zu töUlttll.(LeWüU Mtatt SB o I f t ä tft» dklennu(TexlilarVeiter): Nuch in d'er TeM- Industrie grassiert die Kindcrausbentung. In keinem Bezirk, viel» leicht abgesehen vom schlesischcn Weberbezirke, ist das Heimarbeiter- elend so g r o tz wie bei uns im Erzgebirge. Leider unter» stützen auch die Frauen organisierter Maurer und Bauhandwerker die Heimarbeit, ja, sie beschäftigen auch ihre Kinder mit. Wir sollten unseren Worten endlich auch Taten folgen lassen. Die Agita- tion darf auch vor der Familie nicht Halt machen. Gerlitzke- Dresden(Holzarbeiter) schildert das Elend in der erzgebirgischen Spielwarenindustrie. Alle Versuche des Holzarbeiter- Verbandes, diese Heimarbeiterschaft zu organisieren, scheiterten, weil die Entlohnung so elend ist, dah auch der niedrigste Beitrag noch zu hoch ist. Daher sind wir dazu übergegangen, auf Ausstellungen das ganze Elend der Heimarbeit der breite st en Oeffent- lichkeit vorzuführen. Man hat im Reichstag die Richtigkeit unserer Angaben über die Heimarbeitslöhne bezweifelt. Kein orga- nisierter Arbeiter sollte sein Kind mehr der Heimarbeit zuführen, so daß sie langsam aussterben würde.(Beifall.) Wenzel-Dresden(Tabakarbeiter): An der Beseitigung der Heimarbeit in der Tabakindustrie haben die Arbeiter auch als Konsumenten ein Interesse. Die Arbeiter, die doch fast aus- schließlich den in der Heimindustrie hergestellten Tabak konsumieren, wissen gar nicht, wie gefährlich die Heimarbeit für die Herstellung solcher Genuhmittel ist. Die Löhne sind erbärmlich, und die Woh- nungszustände daher gleichfalls erbärmlich. Niendorf» Bremen(Tabakarbeiter): Zwei Wege stehen uns offen: Gesetzgebung und Selb st Hilfe. Da von der Ge- setzgebung nichts zu erwarten ist. müssen wir selbst Hand anlegen. Sollen aber die Vereinbarungen mit dem Zentralverband Deutscher Konsumvereine einen Erfolg haben, so muh die gesamte Arbeiter- schaft Beistand leisten. Es handelt sich hier um ein gewaltiges Stück Kulturarbeit der deutschen Gewerkschaften. Wenn die Verhält- nisse in'der Heimarbeit das Licht der Oeffentlichkeit nicht zu scheuen hätten, warum dann der Widerstand der Unternehmer gegen die Beteiligung der Gewerkschaften an der Hygiene-Ausstellung?(Sehr gut!) Stein- Nürnberg(Holzarbeiter) kritisiert die vom Stand- Punkt der Unternehmer gegebene Darstellung ddr oberfränkischen Handelskammer über die Lage der Korbmacher. Die Kammer hat sich sogar herausgenommen, von einem Wohl st and der Heim- arbeiter in der Korbwarenindustrie zu sprechen.(Hört! hört!) Blum-Berlin(Sattler): Was unsere Resolution fordert, ist ohne weiteres durchführbar. P a t t b e r g- Elberfeld(Textilarbeiter): Im bergischen Land geht die Heimarbeit glücklicherweise dauernd zurück. Wenn die Gesetzgebung den Heimarbeitern nur das bringen würde, was die Fabrikarbeiter heute haben, dann wäre schon viel geholfen. A r n s w a l d- Oberhausen(Bergarbeiter): In Rheinland- Westfalen kümmert sich die Arbeiterschaft noch immer zu wenig um das Heimarbeiterelend. Es wäre endlich an der Zeit, auf diesem Gebiet einmal etwas außerordentliches zu leisten, um die Auf- klärung in die weitesten Kreise zu tragen. Damit schließt die Debatte. D e i ch m a n n nimmt das Schlußwort. Er stellt die Einmütig- keit des Kongresses fest in der Verurteilung des Heim- arbeiterelends und erhebt Protest gegen die stiefmütterliche Behandlung der Heimarbeiter in der ReichtsversicherungSordnung. Wo der Organisationsgedank« bei den Heimarbeitern Einzug ge- halten hat, da haben wir auch ohne Gesetzgebung dieser Arbeiter- kategorie zu besseren Lohn- und Arbeitsbedingungen verhelfen können.(Beifall.) In der Abstimmung werden die Resolution Deichmain» und folgender Antrag Sabbath einstimmig angenommen: „Der organisierten Arbeiterschaft macht der Kongreß eS zur Pflicht, die Bestrebungen zum Organisieren der Heimarbeiter nach besten Kräften zu unterstützen und vor allen Dingen dafür zu sorgen, daß.ihre gewerblich tätigen weiblichen Familienangehörigen jich ihren Berufsorganisationen anschließen." Der nächste Punkt der Tagesordnung lautet: Arbeiterschutz und Arbriterversicherung. Der Referent Slobert Schmidt« Berlin legt hierzu folgende Resolution vor: »Die Arbeiterschutzgesetzgebung hat in allen von den kapita- listischen Produktionsweise beherrschten Staaten mit einem zähen Widerstand großer Interessengruppen der organisierten und kar- tellierten Unternehmer zu rechnen. Das organisierte Unternehmer- tum ist stets bestrebt gewesen, den Einfluß der Arbeiterschaft auf die Gesetzgebung auszuschalten, und die Scharfmacher in diesem Streit haben wiederholt die Unterdrückung der Arbeiterbewegung durch Ausnahmegesetze und drakonische Polizeimaßnahmen ge- fordert. Wenn der Sozialpolitik trotzdem nicht gänzlich Einhalt geboten werden konnte, so ist dies dem regen Eifer zu verdanken, mit dem die Arbeiterbewegung die Schäden der kapitalistischen Produktions- weise darlegte und im Hinweis auf ein schweres Anklagematerial den Schutz für Leben und Gesundheit der Arbeiter forderte. Die Gewerkschaftsbewegung ist berufen, den Kampf gegen diese politisch und wirtschaftlich reaktionären Tendenzen zu führen, sie wird diesen unheilvollen Einfluß um so mehr zurückdrängen können, je mehr die Arbeiterschaft in der Organisation zum AuS- druck bringt, daß sie die ihr drohenden Gefahren erkannt hat und gesonnen ist, die politische und wirtschaftliche Gleichberechtigung zu erringen. Der Gewerkschaftskongreß kann in der soeben im Reichstag verabschiedeten Reichsversicherungsordnung keine den Anforderungen der Arbeiter entsprechende Reform der Arbeiterversicherung er- kennen. Der Kongreß verurteilt auf daS entschiedenste die Beeinträchti- gung der Rechte der Arbeiter in der Krankenversicherung, das Weiterbestehen der Betriebs-, Jnnungs- und Sonderkassen, die un- genügende Fürsorge für die Landarbeiter, die Benachteiligung der Ausländer, die vollständige Ausschaltung der Selbstverwaltung in den Landkrankenkassen, das Fehlen einer Mutterschaftsversicherung, die Begrenzung der Versicherungspflicht für Privatangestellte, die ungenügende Entschädigung bei Betriebsunfällen, daS Ausscheiden zahlreicher Arbeiter aus der Unfallversicherung, die Verschlechterung des Verfahrens, die niederen Invaliden- und Altersrenten, die Verweigerung der Altersrenten bei Vollendung des 65. Lebens- jahres, den Ausschluß der Heimarbeiter aus der Jnvalidenversiche- rung und das Herabdrücken der Witwen, und Waisenrenten auf gänzlich unzulängliche Beträge. Der dem Reichstag unterbneitete Entwurf eines Gesetze? betreffend die Versicherung der Privatangestellten bringt abermals eine Zersplitterung in der Arbeiterversicherung, die nicht zum Vorteil der Versicherten dienen kann. Die Begünstigung der Werks- pensionskassen ist ein großer Mangel des Gesetzes, nicht minder die unbedeutenden Leistungen, verbunden mit sehr langen Karenz- zeiten. Der Kongreß bedauert, daß die sozialpolitischen Gesetze, die dem Reichstag vorlagen, nicht mehr- zur Verabschiedung gelangten. Die Regelung der Heimarbeit entspricht einem unabweisbaren Be- dürfniS, eine umfassende Aenderung der Gewerbeordnung erscheint geradezu unaufschiebbar und eine Erledigung deS Arbeitskammer- gesetzes in einer den Ansprüchen der Arbeiter gerecht werdenden Fassung dringend geboten. Der Kongreß erachtet den Einwand auS Unternehmerkreisen, die Industrie werde bei weiteren Ansprüchen auf dem Gebiete der Sozialpolitik ihre Konkurrenzfähigkeit einbüßen, als unbegründet. Die finanzielle Belastung durch die Arbeiterversicherung ist auf den Preis deS Produktes berechnet, gering und wird weit überholt durch die höheren Löhne in den Staaten, die als hauptsächlichste Konkurrenten für die deutsche Industrie in Betracht kommen; ab- gesehen davon, daß die Arbeiterversicherung im Ausland immer mehr Eingang gefunden hat und damit der ausländischen Industrie ähnliche Verpflichtungen auferlegt werden. Eine Begrenzung der Ausbeutung der Arbeitskraft durch die Otnführung eines Maximalarbeitstages, Verbot der Kinderarbeit, Schutz der Arbeiterinnen kann die Leistungsfähigkeit einer Industrie nicht herabdrücken, sondern gibt ihr leistungsfähige intelligente Arbeitskräfte. Die Arbeiterbewegung, die sich der Erfüllung ernster sozial- politischer Aufgaben widmet, ist mithin ein bedeutsames Mittel für den kulturellen Aufftieg der Arbeiterklasse." Zur Begründung der Resolution führte der Referent unter anderem folgendes aus: War das vorige Jahrhundert das d.s Dampfes, so wird man das neue Jahrhundert das der Elektrizität nennen müssen. Gewaltige Umwälzungen auf allen Gebieten voll- ziehen sich. Selbst vor Küche und Haus macht die Revolution nicht Halt. Eine künftige Gesellschaft wird sich in weitgehendstem Maße der Elektrizität selbst in der Küche bedienen. Es wird garnicht bis zum Jahre 2000 dauern, bis Bellamhs Schilderungen sich be- Wahrheiten werden. Welches wird nun der Anteil der Arbeit in dieser gewaltigen technischen Entwickelung sein? Wird sie nicht zu kurz kommen, wird die Abhängigkeit des Arbeiters nicht zu groß werden, wenn das Kapital sich immer mehr kon- zentriert, wenn immer mehr nur der Großbetrieb sich als kon- kurrenzfähig erweist? Die Zahl der A l l e i n b e t r i e b e in der Industrie ist, was die neue Berufszählung uns lehrt, von 1237 349 auf 994 743 gesunken. Und die Mittelbetriebe haben zwar um 16 Prozent zugenommen, die Bevölkerung aber um 19,22 Prozent. Dagegen ist die Zahl der Großbetriebe mit mehr als 50 Arbeitern von 17 941 auf 29 033 gestiegen, also um mehr als 61 Prozent. Noch drastischer wird diese Entwickelung beleuchtet, wenn man die Zahl der beschäftigten Arbeiter heranzieht. 1882 waren in den Betrieb» bis zu 50 Arbeitern 73,8 Prozent der Arbeiter be- schäftigt. 1907 war diese Zahl gesunken auf 54,5 Prozent.(Hört! Hört!) Und die Zahl der in Großbetrieben beschäftigten Arbeiter stieg von 26 Prozent im Jahre 1882 auf 45,5 Prozent im Jahre 1907. Zugenommen hat auch die Zahl der weiblichen Arbeitskräfte und zwar vor allem in der Landwirtschaft. Diese Entwickelung illustriert treffend das an höchster Stelle gefallene Wort:»Die Frau gehört ins Hau s." In der Landwirtschaft beträgt die Zunahm« der Arbeitskräfte 38 Prozent der männlichen und 90 Prozent der weiblichen Arbeiter. Die Zahl der weiblichen Arbeitskräfte in der Landwirtschaft stieg von 1558 939 auf 2 937 040. Noch eins lehrt uns diese gewaltige Entwickelung, nämlich daß keine Lerbessrung der Lohn- und Arbeitsbedingungen möglich ist . ohne eine gewerkschaftliche Organisation. In der Landwirtschaft fehlt die Organisation und wir sehen, wie da auf möglichst billige Arbeitskräfte zurückgegriffen wird, auf Kräfte, die in die Industrie nicht hineingelangcn können. Wie töricht ist«S, zu glauben, daß die Sozialpolitik ein Geschenk des wohlwollenden Unternehmertums ist. Die Sozialpolitik muß er- zwangen werden im zähen Kampfe der Organisationen und frei- willig wird nichts gewährt und nichts gegeben.(Lebhafte Zu- stimmung.) Ohne Organisation kein sozialpoliti- scher Fortschritt!(Beifall.) Auch in der Industrie sehen wir eine Zunahme der weiblichen Arbeitskräfte. Sie ist aller- dingS nicht so gewaltig wie in der Landwirtschaft, beträgt aber immerhin noch 34 Prozent. Anders liegen die Dinge schon bei Handel und Verkehr. Hier gibt das Handelsgewerbe mit feiner starken Ausnutzung weiblicher Arbeitskräfte den Ausschlag und erhöht den Prozentsatz auf 70. So werden die Frauen aus der Familie herausgerissen und teilweise mit ihren Kindern in den Dienst der Arbeit gestellt. Zu dieser wirtschaftlichen Entwickelung nehmen die Arbeiter Stellung als Produzenten und Konsumenten. Als Produzenten sehen sie in der Gewerkschaft den Rückhalt, der ihnen Kraft und Ausdauer gibt, der sie stählt zum Widerstand gegen das Kapital. Als Konsumenten sind die Arbeiter stark interessiert an den ge- waltigen und einflußreichen wirtschaftlichen Gebilden, wie eS die Kartelle, Syndikate, das in wenigen Großbanken konzentrierte Finanzkapital darstellen, diese fein ausgedachten und fein organi- sierten Unternehmungen der modernen kapitalistischen Produktions- weise. Der alte manchesterliche Standpunkt, daß Angebot und Nach- frage die Preise bestimmen, ist überholt, und diese neuen Organisa- tionen diktieren die Preise und schröpfen den Konsumenten. Nur vermöge dieser gewaltigen wirtschaftlichen Organisationen kann man dauernd im Jnlande die Preise hochhalten, während man nach dem Auslände billig verschleudert. Preissteigernd wirkt auch das Hineindrängen des unproduktiven Spekulationskapital». In dem Augenblick, wo sich dieses reine Spekulationskapital vermehrt, wo große Teile des Vermögens von Aktiengesellschaften angelegt sind in Aktienbesitz, der aus Spekulationszwecken heraus eine möglichst hohe Zinsrate aus dem Unternehmen herausziehen möchte, muß natur- gemäß der Preis in die Höhe gehen. Diese Entwickelung können wir nicht beseitigen. Aber wir können sie mildern. Wir müssen alle Kräfte anspannen, um ihre Wirkungen möglichst abzuschwächen. Wenn wir für eine Verbilligung der Ware eintreten, dann bedeutet das eine Ausdehnung des Konsum? und eine Hebunf, der Lebenshaltung oer breiten Massen. Heute ist die Stellung des Konsumenten eine außerordentlich ungünstige. Er steht dem koalierten Unternehmertum mit seiner gewaltigen Macht- entfaltung als einzelner wehrlos gegenüber. Nur die Organisation kann hier helfen. DaS haben die Unternehmer auch eingesehen und Herr Bueck war eS, der auf der Jubiläumstagung des Zentralverbandes Deutscher Industrieller es als die Aufgabe dieses Verbandes bezeichnete, die Gewerkschaften zu ver- nichten.(Hört! hört!) DaS ist der offene Standpunkt dieses extremen Unternehmers, der auS seinem Herzen keine Mördergrube macht. Alle Unternehmervereinigwngsn, bis zur kleinsten Innung herab, sollen eine geschlossene Phalanx gegenüber der vordrängenden Arbeiterschaft sein. Liegt nun«in Grund bor. zagha ft bei Seite zu stehen und vor dieser Macht in die Knie zu sinken? Einer unserer Kritiker hat freilich gomeint, daß in der künf- tigen Periode die Kartelle und die Unternehmerorganisationen triumphieren würden. Ich teile diese Auffassung nicht, bin vielmehr der Meinung, daß auch unsere Kräfte wachsen werden.(Zustimmung.) Das wirtschaftliche Leben wird immer komplizierter. Jeder Streik schlägt heute tiefere Wunden als vor 10 oder 15 Jahren.(Sehr richtig!) Tiefer« Wunden nicht für die Arbeiterschaft, denn wir sind nicht mehr wie vor 15 Jahren ohne jede Mittel, wohl aber tiefere Wunden für die Unternehmer. (Sehr richtig!) So gewaltig die Schwereisenindustrie dastehen mag mit ihrer raffinierten Organisation der Pensionskassen, die die Arbeiter gefügig machen sollen, sie sind doch keine uncr- schtitterliche Macht. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß die Zeit nicht mehr fern ist, wo eines Tages auch der Zentralverband deutscher Industrieller wird sagen müssen, das) er Tarifverträge anerkennt, daß es ohne Tarifverträge einfach nicht mehr geht. (Sehr richtig!) Es wäre traurig, wenn wir Gewerkschaftler glaubten, ständig zur Ohnmacht dem Kapital gegenüber verurteilt zu sein. Ich unterschätze die Macht des Unternehmertums nicht, alle Borteile der Gesetzgebung sind anf seiner Seite, fein politischer Einfluß, die wirtschaftliche Entwickelung dient ihm. Aber ich vertraue auf die Entwickelung unserer Organisation für den weiteren Aufftieg der Arbeiterklasse.(Lebhafter Beifall.) Nur kein Verzagen! Wir haben nicht darzulegen, wie das Elend zu Elend wird, sondern wir müssen auf gewerkschaftlichem Gebiete zeigen, welche Erfolge wir erreicht haben und noch erringen können. DaS wird unsere Organisation stärken und die noch Fernstehenden heranziehen. In der Regelung der Arbeitszeit hat die Gewerkschastsbewc- gung eine Aufgabe erfüllt, die eigentlich Sache der Gesetz- ?[ebung hätte sein sollen. Welch unendliche Arbeit hat es ge- ostet, den Zrhnstundentag für die Frauen durchzuführen. AIS wir in der Kommission den Zehnstundentag auch für die männlichen Arbeiter forderten, sagte der damalige Staatssekretär v. B e t h- mann Hollweg, man müsse warten, bis die Gewerkschaften ihn erreicht hätten, dann könne erst die Gesetzgebung nachkommen. In einer schwachen Stunde, wenn eS gilt, unbequeme Forderungen abzuwehren, erkennt so auch die Regierung unsere Tätigkeit an. Wir betrachten eS aber als die Aufgabe des Staates, den wirtschaftlich Schwachen zu Helfeft Und ihn nicht ausschließlich auf die Selbsthilfe zu verweisen. Je höher der Arbeiter entlohnt wird� um so schwerer fühlt er die Tage der Arbeitslosigkeit.� Deshalb fordern wir eine weitere Ausgestaltung der Arbeitslpsenversiche- rung, wobei nicht die ganze Last auf die Arbeiter abgewälzt werden darf, sondern die Allgemeinheit herangezogen werden müßte. Gegen die Preistreiberei aber muß sich der Arbeiter schützen durch die Organisation des Konsums.?luck> hier ist er bereits auf den Widerstand des Unternehmertums gestoßen. � Immer stärker setzt die Propaganda für die Besteuerung der Konsumvereine ein. Syste- matisch wird in der Gemeinde und im Staat den Beamten ver- boten, selbst nur ihre Frauen zu Mitgliedern eines Konsumvereins werden zu lassen. Man tut so, als wenn ein Recht darauf be- stände, aus S t a a t s r a i s o n die Beamten zu zwingen, teurer zu kaufen. Dies Vorgehen ist um so unberechtigter, als die letzte Regulierung der Bcamtengehälter außerordentlich unzulänglich ausgefallen ist. Dabei sind die Lebensmittelpreise riesiggestiegen. Betrachten wir jetzt die Stellung deS Arbeiter? als Produzenten. Immer mehr wächst die Unsicherheit in der Dauer der ErwerbSstclle. Wir haben Saisongewerbe mit Hun- derttausenden von Arbeitern, die monatelang feiern müssen. Dazu kommt die Jnnenwanderung des Arbeiters aus der einen Industrie in die andere oder aus dem einen Bezirk in den anderen. Hunderttausende von Arbeitern werden verfrachtet und wie das Vieh verschachert. Der Landarbeiter im Osten verlätzt Frau und Kinder und sucht bessere Produktionsgebiete auf. Uns wirft man die Zerstörung der Familie durch unsere Agitation vor und hier greift die industrielle Entwickelung roh und rücksichtslos in da? Familienleben ein. Monatelang mutz der Mann von seiner Familie, von seiner Scholl« weg, die ihn nicht ernährt und so klein bemessen ist, daß wenigstens seine Frau sich in den Frondienst des Gutsherrn stellen muß. Jähr- lich kommt eine halbe Million Arbeiter aus dem Auslande herein, um an die Plätze zu treten, die die bedürfnislosen deutschen Arbeiter im Osten verlassen haben, sie sind noch bedürfnis- loser. Ist es eine nationale Aufgabe, diese fremden Ar- beiter hineinzunehmen, nur um den Lohn möglichst niedrig zu halten? Und diese Gesellschaft, die so verfährt, füllt ihre Säckel auf Kosten der Konsumenten durch ihre Preispolitik und ihre Zoll- gefetzgebung.(Lebhafte Zustimmung.) Dabei hätte sie Mittel ge- nug, um Arbciterverhältnisse auf dem Lande zu schaffen, die er- träglich werden. Die soziale Gesetzgebung soll die Arbeiterschaft hüten vor den besonderen Gefahren für Leben und Gesundheit; sie soll die Arbeitszeit beschränken, besonders da. wo diese Beschrän- kung nicht durch die Organisation herbeigeführt werden kann; sie soll den Schutz von Frau und Kind bringen gegen die wüsten Ausschreitungen des Kapitalismus. Hier ist noch unendlich viel zu tun, hier gilt es noch die Gewissen zu schärfen. So sehr es uns unbefriedigt ließ, daß wir von der Hygieneausstellung zu» rückgewiesen wurden, das muß doch jeder sagen, der auch nur einen Blick in die Ausstellung geworfen hat: diese Ausstellung ist doch ein Stück guten Anschauungsunterrichts über die Verwüstungder Ar- beitskraft in der modernen Industrie.(Zustimmung.) Die Auf- gäbe einer Hygieneausstellung soll ja nicht bloß sein, zu zeigen, welche Schutzmaßregeln die Technik bereits erfunden hat, nein, sie soll auch dokumentieren, was durch Verderb und Verwüstung, durch Tötung und Jnvalidisierung der Arbeitskraft an nationalem Reich- tum verloren geht. Damit steht die Arbeiterderstcherung in enger Verbindung. Sie soll die Wunden, die die Industrie schlägt, heilen. soweit sie zu heilen sind, sie soll den Schwachen, Kranken« Juva» liden Linderung bringen. Hat die Sozialversicherung diese Aufgabe erfüllt? DaS kann man nicht sagen, wenn man sich den letzten Abschluß dieser Gesetz- gebung im Reichstage ansieht. Immer verschanzt sich die Industrie hinter der Behauptung, sie könne eine weitere Belastung nicht tragen. Ich bestreite das. Die Arbeiter haben sich nie geweigert, die nötigen Beiträge zu übernehmen, wenn tue Gesamtorganisation der Arbeiterversicherung ihnen wirkliche Hilfe brachte. Ein bürger- licher Sozialpolitiker. Dr. Ernst Kahn, hat in der»Franks. Ztg." berechnet, daß die Gesamtbclaftung der Industrie etwa 6,75 Proz. des Lohnes beträgt. Dabei greift die Schätzung sicherlich noch zu weit noch oben. Es ist auch nicht richtig, daß höhere sozial- politische Lasten die Konkurrenz der deutschen Industrie mit den» Ausland unterbinden würde. DaS Ausland bat zum guten Zieik auf diesem Gebiete schon Forderungen erfüllt, die wir bei unS noch immer erheben müssen. Schon hinkt die deutsche Gesetzgebung dem Auslande nach, das uns auf dem Gebiet der Arbeiterverfiche- rung in nicht zu ferner Zukunft ebenso überflügelt haben wirt� wie es uns auf dem Gebiete des Arbeiterschutzes bereits überflügelt hat. Vergessen wir nicht, daß im Ausland der Arbeiter bei Unfällen durch die allgemeine Gesetzgebung. viel besser geschützt ist als bei unS. Zudem geht nur ein Fünftel unserer Gesamt» Produktion ins Ausland. Auch daS beweist, wie wenig auSschlag» gebend der Hinweis auf die internationale KonTurtenz ist. Die Industrie kann höhere Belastung ohne jede Beeinträchtigung er» tragen, aber es fehlt der gute Wille. Wir wären töricht, wenn wir den Wert der Arbeiterversicherung nicht anerkennen wollten. Bei aller Mangelhaftigkeit bietet sie eine gute Grundlage; aber fie muß au S g e sta l t.e t werden. Dos wollten wir bei der ReichSverstchernngSordnung. Wäre sie abgelehnt wor- den, so wäre die Regierung binnen kurzem zu einem besseren Reformwerk gezwungen gewesen.(Lebhafte Zustimmung.) Mas bietet nun jetzt die Krankenversicherung? Bis auf die Dauer von 26 Wochen erhält der Arbeiter im Minimum die Hälfte deS fingierten Lohnes, der heute auf 4 M.. künftig auf 5 oder 6 M. bemessen ist. Sie soll sich auch auf die Landarbeiter er- strecken. Aber hier ist die Bestimmung getroffen worden, daß diese bei den außerordentlich geringen Lohnsätzen im Winter nur die Hälfte des Krankengeldes erhalten sollen, das sie im Sommer bekommen. Nebmen wir an. der Mann hat 1 M Tagelohn, dann erhält er im Sommer 50 Pf. Krankengeld, im Winter aber nur 25 Pf. Warum diese Ausnahmestellung, für die eS gar keinen anderen Grund gibt als den, der auch offen genannt worden ist: die Landarbeiter werden, weil sie im Winter keine Arbeit haben, so viel simulieren, daß deshalb das Krankengeld niedrig bemessen werden muß. Diese SimulationSriecherei. diese Verdächtigung einer Arbeiterschaft ist geradezu frivol, wenn sie von Leuten ausgeht, die mit 50 Pf. nicht einmal früh- stücken gehen, geschweige eine ganze Familie damit ernähren. Dazu kommt die vollkommene Rechtlosigkeit der Ausländer. Ein ausländischer Arbeiter kann nicht einmal auf Grund des Haft- Pflichtgesetzes Ansprüche erheben. Soll nnS daS Herz höher schlagen für unsere herrliche Sozialpolitik, wenn der invalide Arbeiter im Durchschnitt 174 M. im Jahre bekommt, und wenn wir sehen, daß die Schwereisenindustrie Arbeiter über 40 Jahre über. Haupt nicht mehr einstellt? Mit 40 Jahren ist der Arbeiter also verbraucht. Weg mit ihm zum verbrauchten Material und herein in die Betriebe neues junges Blut! Und nun die Kr ö n u n g unserer sozialpolitischen Gesetzgebung: die Hinterbliebenenversicheruug mit ihren JabreSrenten von 64 SN. für die Witwe und 32 M. fiir die Waise. Angesichts dieser Eni- rechtung der Arbeiter hat sich der Zentralrat der Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine mit einer leisen Mißbilligung begnügt. Viel schlimmer aber ist das Verhalten der Christlichen. Sie haben über- Haupt nicht protestiert, sondern erklärt, an diesem Punkt das Gesetz nicht scheitern lassen zu können.(Hört! hört!) Zwar in Köln auf dem christlichen Gewerkschaftskongreß hat Herr Becker noch ge- fragt, ob eS Zufall fei, daß die Beamten der Berufsgenossenschaften immer nur einer bestimmten Partei angehören. Und Herr Im- b u s ch wandte sich unter stürmischem Beifall gegen die geplante Entrechtung der Krankenkassen. Im Parlament aber baben die christlichen Arbeitervertreter alles mitgemacht.(Be- weguna.) __(Schluß im Hauptblatt.)_ Lerantwortlit�i Dlünitsuti tUittt Vachs. Bsrliu, Für t>tn Lnjcratcytxil verantv.: Th.Glvcke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Luchdrucksrei u. VerlagSanstalt Laul Singer u-Co.. Berlin LW. Nr. 148. 28. Zahrgavg. eilsge des„ " Knlim DsldsdlM Nittaii 28. Ju«i 191t Der Vertrag mit der Großen berliner. Dic seit langem schwebenden Verhandlungen zwischen dem Magistrat der Stadt Berlin und der Grasten Berliner Straßenbahn haben zu einer Verständigung auf Grundlage der Vertrags- Verlängerung geführt. Nicht nur die Beziehungen der Stadt zur Grasten Berliner Strastenbahn, sondern auch zu deren Nebenbahnen, also der Westlichen, Südlichen und Nordöstlichen Berliner Vorort- bahn und der Berlin-Charlottenburger Strastenbahn sollen durch den neuen Vertrag geregelt werden, der jetzt den Stadtverordneten über- mittelt worden ist. Wann die Vorlage zur Beratung kommen soll, ist nicht ausdrücklich gesagt. In der einleitenden Begründung zur Vorlage hebt der Magistrat hervor, dast er den Abschluß für zweckmähig hält, weil damit nicht nur der Streit beigelegt und an die Stelle eines vielfach unsicheren und unklaren Rechtsverhältnisses, soweit sich übersehen läßt zweifeis- freie Vertragsbeziehungen zwischen der Stadt und den Gesellschaften hergestellt, sondern auch eine Reihe weiterer Vorteile erreicht wurden. So werden durch den Verzicht der Grasten Berliner Strastenbahngesellschaft auf ihre Schadenersatzansprüche wegen angeblich unzulässigen Wettbewerbes durch die Beschränkung des Konkurrenzeinwandes aus Flachbahnen und auf den engsten, schon jetzt mit solchen Verkehrsanlagen reichlich ausgestatteten Stadtbezirk (§ 6 des Vertrages) sowie durch die bessere Ausgestaltung des Mit- benutzungSrechtes t§ 7)'die Schwierigkeiten beseitigt, die der Her- stellung neuer Schnell- und Strastenbahnen durch die Stadtgemeinde oder andere Unternehmer bisher entgegenstanden. Da die Graste Berliner Strastenbahn und ihre Nebenbahnen die Ver- pflichtung zum Bau neuer Linien und einer � dichteren Zugfolge übernommen haben, wird den Verkehrsbedürfnissen, auch der Vororte, in weit grösterem Mäste Rechnung getragen werden können. An die Stelle der bestrittenen Bestimmungen der bestehenden Ver- träge über die 1919 eintretenden Rechtsfolgen wird, so heistt es weiter, durch die neuen Verträge«in klares, unbestreitbares und unter günstigen Bedingungen auszuübendes Erwerbsrccht usw. treten und dadurch namentlich für den Zweckverband die Möglichkeit geschaffen, das ganze Bahnunternehmen zu einem angemessenen Preise schon mit dem Ablauf des Jahres 1919 in seinen Besitz zu bringen. Für die Aufgabe des Rechts der Stadtgemeinde auf dem Berliner Bahnkörper nach Matzgabe des der Stadt für 1919 zustehenden Heimfallrechts erhält die Stadt schon jetzt und unter Beseitigung des Streits über die Höhe des Wertes de? Bahnkörpers eine Entschädigung von 23 Millionen Mark. Diese und verschiedene andere wichtige Rechte � so meint der Magistrat — können wohl als eine angemessene Gegenleistung für die den Ge- sellschaften durch die neuen Verträge eingeräumten Vorteile gelten. Als solche sind hervorzuheben die Vertragsverlängcrung bis 1939 bezw. 1949, die Genehmigung der Anschlustbetriebe und die, jedoch erst 1920 zulässige und mit einer Bruttoabgabe auf 19 Proz. verbundene mästige Tariferhöhung. Der Magistrat betont noch, dast die in der Regierungsvorlage über den Zweckverband enthaltene Fassung der Sperrklauscl hinsichtlich der nach dem 1. Dezember 1910 abge« schlossenen Verträge gerade zugunsten der von ihm beabsichtigten vertraglichen Regelung festgestellt worden ist. Im einzelnen sind aus dem Vertrage folgende Bestimmungen hervorzuheben: Obwohl die Gesellschaft eine staatliche Genehmigung bis zum 31. Dezember 1949 erlangt hat, soll die kleinbahngesetzlich erforderliche Zustimmung der Stadtgemeinde nur bis zum 31. De- zember 1939 erteilt werden, wogegen die Gesellschaft auf die staat- liche Genehmigung für die weiteren zehn Jahre verzichtet. Um sich jedoch für da? bei der Beendigung des Vertragsverhältnisses ein- tretende Heimfallsrecht günstigere Bedingungen zu sichern, behält sich die Stadlgemeind- da» Rech« vor, de» Bertrag bis zum S1. De« zember 1949 festzusetzen. Statt von dem Heimfallsrechte Ge- brauch zu machen, kann die Stadtgemeinde aber auch, falls ihr dies vorteilhafter erscheint, zum 1. Januar 1940, und schon vorher für den Beginn der Jahre 1920, 1930 und 193S das Erwerbsrecht ausüben. Der Erwerbspreis— nach den bisherigen Ver- trägen bestand dies Erwerbsrecht, das auch für den Zweckverband aus- geübt werden kann, nicht— wird wie folgt bestimmt: Zugrunde gelegt wird der in den letzten sieben Jahren vor dem Eintritt deS Erwerbs durchschnittlich an die Aktionäre als Dividende zur Verteilung ge« langte Prozentsatz deS Aktienkapitals; dabei scheidet jedoch das Jahr, in dem der höchste, und das, in dem der geringste Prozentsatz er« zielt worden ist. aus und kommt der Teil der Dividenden, der aus austergewöhnlichen Einnahmen des Unternehmens(Erlös aus Grund« stücksverkäufen usw.) herrührt, nicht in Ansatz. Der 2b fache Betrag deS auf diese Weise ermittelten Durchschnittsprozentsatzes stellt den von der Stadtgemeinde zu zahlenden Erwerbspreis dar. Wird das Erwerbsrecht bereits am 1. Januar 1920 ausgeübt, so soll der Kaufpreis keinesfalls weniger als 200 Proz. und keinesfalls mehr als 250 Proz. des Aktienkapitals betragen. Falls die Stadl- gemeinde bis zum 1. Januar 1940 von dem Erwerbsrecht keinen Gebrauch gemacht hat, so sind die folgenden Vermögensstücke der Gesellschaft der Stad�gemeinde oder auf deren Wunsch der Gesamtheit der Wegeunterhaltungspflichtigen zu über- eignen, ohne dast daraus der Stadt Verpflichtungen gegenüber Dritten erwachsen: der gesamte Bahnkörper nebst Zubehör die zum Bahnunternehmen gehörigen Grundstücke und Gebäude, sowie die zum Bahnunternehmen gehörigen Betriebsmittel. Die zu über- eignenden Vermögensstücke sind entweder nach dem Buch- oder den Taxwerl zu erstatten.(Der Betrag für den Bahnkörper einschl. des Zubehörs ermästigt sich jedoch, falls die Abhaltung nach Buchwertung erfolgt, um 40 Proz.) Zum 1. Januar 19S0 soll auch die Möglichkeit bestehen, Beseitigung der Bahnanlagen und Wiederherstellung des früheren Zustandes zu verlangen. In den bestehenden Verträgen hat sich die Stadt Berlin für Ende 1919 den unentgeltlichen Heimfall des Bahnkörpers aus- bedungen. Die Rechtsgültigkeit dieser Bestimmung war bisher von der Gesellschaft ebenso bestritten, wie die vorliegenden Schätzungen des Wertes des Bahnkörpers. Die Gesellschaft hat sich jedoch bereit erklärt, an die Stadtgemeinde sofort nach Abschluß des Vertrageseine Barzahlung von 23 Millionen Mark zu leisten. Das in den bestehenden Verträgen vorgesehene Schiedsgericht wird beseitigt. Nur für die in den Verträgen be- stimmten einzelnen Fälle, in denen es auf besondere fachmännische Sachkunde ankommt, sollen Sachverständige entscheiden. Im übrigen ist der Rechtsweg unbeschränkt. Der Beförderungspreis bleibt derselbe wie bisher. Eine Tariferhöhung kann vertragsmäßig erst 1920 in Frage kommen. Es sind ferner Bestimmungen ge- troffen über die Beitragspflicht der Strastenbahngesellschaft für eine Benutzung der etwa von der Stadt herzustellenden Tunnel am Brandenburger Tor und Kaiscr-Franz-Joseph-Platz und die von der Stadtgemeinde jüngst vorgenommenen und geplanten Brücken- bauten, Strastenverbreiterungen, Durchlegungen usw., soweit diese für den Betrieb der Strastenbahn in Betracht kommen. Der Stadt ist das Recht eingeräumt, die Anlagen der Straßenbahn- gesell schaft in gewissem Umfange mitzubenutzen. Dadurch hat sie die Möglichkeit, ihr Stratzenbahnnetz zweckmäßig auszubauen. Sehr wesentlich ist auch die Bestinrmung, daß die Erhöhung des Aktienkapitals der Gesellschaft nur unter Zustimmung der Stadt erfolgen kann. Die von der Gesellschaft an die Stadt für die Benutzung städtischer Straßen zu gewährende Gegenleistung bleibt inst wesentlichen im Rahmen der bisherigen Bestimmungen, erhöht sich aber im Falle einer Tariferhöhung. Dagegen hat die Straßenbahn als Reingewinnabgabe, falls der Reingewinn 10 Proz. übersteigt, hiervon, statt wie bisher die Hälfte, in Zukunft zwei Drittel zu zahlen. Dieser Vertrag dürfte in der Stadtverordnetenversammlung noch zu lebhaften Debatten führen. Der Ztouenmord am t�umboldthafen. Der bezüglich der Persönlichkeit des Opfers noch immer nicht ganz aufgeklärte Frauenmord am Humboldthafen be schäftigt seit gestern das Schwurgericht des Landgerichts l unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Schmidt. Unter der Anklage der Notzucht mit Todeserfolg bezw. Beihilfe stehen der bei einer Wach- und Schliestgesellschaft angestellt ge- wesene Wächter Gustav W e g e n e r und die Gelegenheitsarbeiter Meißner und Otto Wolf f. Ein vierter bei dem nächtlichen Drama beteiligt gewesener Gelegenheitsarbeiter, Hermann Richter, der nach seiner Festnahme teilweise geständig gewesen war, hat sich im Untersuchungsgefängnis erhängt. Am 28. Oktober v. I. früh wurde an der Lutherbrücke in Moabit eine Frauenleichc, die in einem Sack von grobem Leinen eingehüllt und bis auf einen weißen Büstenhalter unbe- kleidet war, aus der Spree gelandet. Der Sack war mit der Strömung in der Richtung von den Zelten her geschwommen ge- kommen. Es lag zweifellos ein Verbrechen vor. Jm�chauhause konnte festgestellt werden, daß die Tote unmittelbar nach dem Tode, noch bevor die Leichenstarre eingetreten war, in den Sack gezwängt worden ist, worauf die Beine gegen den Oberkörper geschoben und der Sack mit einer starken Hanfschnur zugebunden wurde. Die fortgesetzten Recherchen der Polizei bestätigten die Annahme, daß die Stätte des Verbrechens der Humboldthafen gewesen sein müsse, und nach vielen Schwierigkeiten gelangte man zu der Annahme, daß dic Gemordete wahrscheinlich ein ehemaliger Fürsorgezögling Martha Schmidt sein dürfte, die sich seit ihrem Entweichen aus der Fürsorgeanstalt auch den Namen„Berta SchardrowSki" beigelegt haben soll. DaS Mädchen ist auf einem Schiffcrkahn im Humboldthafcn von mehreren Männern vergewaltigt und, als sie sich wehrte und schrie, mit einem Tuche erstickt worden. Eine gewisse Anna Wesenmeier ist nach ihrer Angabe gezwungene Zeugin der schauerlichen nächtlichen Szene und der Wegschaffung der Leiche ge» wesen. kleines feuilleton. Wie ein KohlenkSnig wohnt. Die New Dorker Sensations- und Bilderpresse ergötzte kürzlich die Hunderttausende von Lesern, die sie in den„Slums", den Elendsvierteln der Metropole, hat, mit einer Schilderung all der Pracht, die ein richtiger Millionärpalast ver- einigt. Vor einigen Tagen hat sich nämlich zum ersten Male das HauS, das sich der Kohlenkönig Clark an der weltberühmten v. Avenue bauen liest, einer wohlausgesiebten Gesellschaft geladener Gäste geöffnet, unter denen„die Herren Vertreter der Presse" natürlich nicht fehlten. Seit acht Jahren ist an dem Palast gebaut worden, der einstimmig als der luxuriöseste bezeichnet wird, der den Wohnzwecken eines New Dorker Privatmannes dient. Die Architektur„mixt" etwa ein französisches Landschlöstchen mit einein Gefängnis, einer Festung und einer chinesischen Pagode und erregt das Gelächter aller Kunstverständigen. Erhebend muß die Schilderung der inneren Einrichtung deS PlutokratenheimS auf die proletarischen Leser wirken, und es lohnt sich aus diesem Grunde, den bürger« lichen Reportern einige dieser wahrhaftigen Märchen nach- zuerzählen. Dic Herrlichkeiten der Einrichtung kündigen sich dem Besucher schon beim Betreten des Kellergeschosses an. Man findet dort ein großes Marmor-Schwimmbassin, ein türkisches Bad, einen ge- wältigen gewölbten Weinkeller, die modernsten Kühlvorrichtungen für Epeisen usw. DaS Hochparterre umfaßt ein geräumiges Vestibül mit der kostspieligsten Bronzebekleidung, die mächtige Haupt-EmpfangS- halle, den monumentalen Treppenaufgang, Rauch- und Billardzimmer. Weiter beherbergt dieses Geschoß eine Automobil-Garage, die dem uneingeweihten Gaste vollständig verborgen bleibt. Auf dem eigent- lichen ersten Stockwerk liegen die Haupt-Kunstgalerie, der Skulpturen« saal, ein großer Empfangssalon, der fast wie ein Garten mit den seltensten Orchideen und anderen Wunderblumen anmutet, ferner ein Speisesaal,„der selbst in Königs- und Kaiserschlössern seines- gleichen sucht". Die große Kunstgalerie ist mit einem Fayence-Kabinett verbunden, in dem die kostbarsten Vasen aus China und Japan Aufnahme gefunden haben. Der große, im Stile Ludwigs XIV. ausgeführte Salon hat antike Holzbekleidung, und die nach dem Hintergrunde des Hauses führende Halle«st mit Marmor aus Maryland und Rußland ausgelegt. An der Südseite der durch zwei Etagen sich erstreckenden Kunstgalcrio erblickt man dos Chorwerk einer Orgel, deren Klänge jedoch von allen Seiten auf den verblüfften Hörer einwirken, da die mächtigen Pfeifen um den ganzen Raum herumführen. Eine halbe Million in beut« schen Reichsmark hat allein diese vielleicht einzig in der Welt da- stehende Orgel gekostet. Auf dem zweiten Stockwerk kommt man tn die Hauptbibliothek, deren einzelne Fenster schon kleine Vermögen repräsentieren. Auf 15 Millionen Mark hat die städtische Steuerbehörde dieses Zauberschloß des modernen Krösus bewertet, und es gehört mit zur Kulturpsychologie der kapitalistischen Gesellschaft, daß der Mann, der sich in der Metropole diesen Protzenzauber leisten kann, weil tausende verachteter.Hunnen" in nassen Erdlöchern des fernen Montana um einen Hungerlohn für ihn schanzen, die Steuer aus sein HauS nicht zahlen will, ohne mit der Stadt darum zu prozessieren. Statistisches über den Selbstmord in Deutschland. Dieser Frage widmet Dr. Georg Lomcr einen Aussatz in der.Politisch-Anthro- pologischen Revue"(Heft 3). Obgleich, wie wir ausdrücklich fest- stellen möchten, die Abschweifungen deS Verfassers ins Gebiet der Rassenthcorie unS alles andere als beweiskräftig erscheinen, ist das von ihm zusammengestellte Zahlenmaterial doch interessant genug, um weiter verbreitet zu werden. Die Zahl der Selbstmorde in Deutschland ist im Zeitraum 1895 bis 1903 von 10 510 auf 13 705 gestiegen. Dieses Wachstum hat die Zunahme der Bevölkerung bei weitem überholt, denn während 1895 die Zahl der Selbst- morde auf 10 000 Menschen 2,02 betrug, stieg sie im Jahre 1903 aus 2,19. Die Selbstmordfälle verteilen sich, wie leicht zu er- warten war, auf die einzelnen Teile des Reichsgebiets sehr ungleich- mästig. Obenan steht Bremen mit 4,19 Fällen auf 10 000 im Jahre 1903, Hamburg kommt mit 3.99 Fällen an dritter Stelle, Sachsen hat als Verhältniszahl 3,13 Fälle, Preußen verzeichnet nur 2,12 Fälle, steht also unter dem Durchschnitt, Württemberg nur 1,79, Bayern 1,54 und Lippe, das die letzte Stelle einnimmt, sogar nur 1,21. Der Unterschied zwischen dem großindustriellen Norden und klein« industriellen Süden, der aus diesen Zahlen unverkennbar spricht, wird noch deutlicher, wenn wir die Bewegung der Selbstmordhäufigkeit ins Auge fassen. Es sind fast durchweg die Gegenden mit ent- wickelter Industrie, die eine größere oder geringere Zunahme zeigen, während in den zurückgebliebenen Gegenden eine Stabilität oder sogar Abnahme der Selbstmordhäufigkeit zu verzeichnen ist. Be- trachtet man Preußen für sich allein, so ergibt sich folgendes Bild: Während Berlin(3,45), Schleswig-Holstein(3,41), Brandenburg (3,20), Sachsen(3,17), Hannover(2,31) und Schlesien(2,21) über dein Reichsdurchschnitt stehen, zeigen die übrigen meist landwirtschaftlichen Provinzen eine bedeutende geringere Sclbfimordhäufigkeit, die in Westprensten auf 1,25 und in Hohen- zollcrn sogar auf 1,01 pro 10 000 sinkt. Dasselbe Gesetz beherrscht die Verteilung der Selbstmordfälle zwischen Stadt und Land. Bemerkenswert ist schliestlich die Zunahme der jugendlichen Selbst- morde. Nicht weniger als 1152 Schüler haben IM Zeitraum von Als Täter sollen die jetzigen drei Angeklagten und der ver- storbene Richter beteiligt gewesen sein. Als das Mädchen tat war, soll Wolfs einen großen Sack besorgt und den Körper der Toten hineingezwängt haben. Sie sollen dann den Sack in die Nähe der Moltkebrücke geschafft und ihn dort von der Laderampe aus in die Spree geworfen haben. Die Tat soll am 15. Oktober geschehen sein. In der heutigen Verhandlung, die unter kolossalem Andrang des Publikums beginnt, wird die Anklage vom Staatsanwaltschafts- rat Carl vertreten. Als Verteidiger fungieren für den Angc- klagten W e g c n e r die Rechtsanwälte Dr. Puppe und Dr. Julius Meyer, für Meißner: Dr. Hans Philipp und für Wolfs: Rechtsanwalt Dr. Pickardt. Es sind 57 Zeugen und Sach- verständige geladen. Auf dem Zeugentisch steht, borläufig in einem Kasten vor den Augen Neugieriger verborgen, der künstlich zusammengefügte Kopf der Getöteten, und ferner ein vor Schmutz starrender Sack, in welchem die Leiche seinerzeit an der Lutherbrücke gefunden worden war.— Für die Verhandlung sind drei Sitzungstage angesetzt. Bei der Vernehmung der Angeklagten über ihre persönlichen Verhältnisse ergibt sich, daß der 49 jährige Angeklagte W egener nur einmal mit 5 Mk. Geldstrafe vorbestraft ist. Der 36 jährige Meißner hat dagegen 20 Vor st rasen erlitten und ist seit zwei Jahren ohne feste Wohnung. Noch schlimmer liegen die Ver- Hältnisse bei W o I f f, der außer wegen Diebstahls, Körperverletzung und anderen Vergehen 15 mal wegen Obdachlosigkeit, dreimal wegen Betteins vorbestraft ist und auch schon zweimal im Arbeitshause gesessen hat. Wie er selbst angibt, ist er seit zehn Jahren obdachlos. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er sich schuldig bekenne, er- klärt Wegen er, daß er von nichts wisse; er sei jedenfalls nicht mit auf dem Kahn gewesen.— Von der Anklage wird be- hauptet, daß Wegener, trotzdem er dort als Wächter für Ordnung sorgen sollte, mit dem Gesindel unter einer Decke gesteckt habe. So soll er unter anderem, als er die Zeugin Wesenmeier kennen lernte, diese aufgefordert haben, mit nach dem Humboldthafcn zu kommen, da sie dort viel Geld verdienen könne. Dies wird von dem Angc- klagten be st ritten, dagegen gibt er zu, wiederholt von den Frauenzimmern ein paar Groschen erhalten zu haben. Die Anklage behauptet, daß W. dem nächtlichen Treiben der Dirnen direkt Vorschub geleistet und dafür von den Frauen- zimmern an jedem Morgen bestimmte Geldbeträge einkassiert hat. Die Angeklagten Meißner und Wolfs behaupten ebenfalls, mit der ganzen Sache absolut nichts zu tun zu haben. Meißner behauptet unter anderem, daß er schon seit Juki nicht mehr am Humboldthafen gewesen sei. In der Nacht zum 16. Ok- tober, in welcher die Tat verübt worden war, habe er sich in dem städtischen Asyl in der Fröbelstratze aufgehalten. Er bestreitet auch, die verdächtigen Aeußerungen getan zu haben, die auf seine Mit- täterschaft hinweisen könnten; er habe nur das wiedergegeben, waS er bei seiner polizeilichen Vernehmung erfahren habe. Auch sei es nicht richtig, daß er am Humboldthafcn den Spitznamen „S ch i f f e r- E r n st" geführt habe. Der„Schiffer-Ernst", der zu- nächst als Mittäter in Betracht kam, ist bekanntlich seinerzeit er» mittelt worden; es hatte sich aber herausgestellt, daß dieser richtige „Schiffer-Ernst" nicht in Betracht kam und der Angeklagte M e i ß» n e r, der ihm sehr ähnlich sah, als Mittäter verdächtig erscheinen mußte. Der Angeklagte gibt zu, daß er früher einen Spitzbart ge- tragen und in dieser Barttracht dem„Schiffer-Ernst" ähnlich ge- sehen habe. Der Vorsitzende ordnet an, daß dem Angeklagten der Bart wieder so geschnitten werde, wie er ihn früher getragen hat. Der Angeklagte W o l f f behauptet, er wisse von den Vorgängen in der Nacht vom 15. zum 16. Oktober nichts. Er will sich in jener Nacht auf einen Kahn gelegt und geschlafen haben; von der Vergewaltigung eines Mädchens, Wcgschaffung einer Leiche usw. habe er keine Ahnung. Der Angeklagte behauptet u. a.: die Tat sei erst acht Tage nach dem 15. Oktober passiert. Wieso er dazu kommt, diese Behauptung, die ganz neu ist, plötzlich in die Verhandlung hinein- zuschleudern. kann er nicht angeben, obgleich ihm der Vorsitzende wiederholt vorhält, daß diese Behauptung doch zeige, daß er von der Tat Genaues wisse. Als erste Zeugin vor der beabsichtigten Augenscheinnahme am Humboldthafen wird die unverehelichte Anna Wesenmeier ver- nommen. DaS 24jährige Mädchen, das jetzt den lüderlichen Lebens- wandel, dem es obgelegen, aufgegeben haben soll, beschuldigt den Angeklagten Wegener, daß er sich ihr auf einer Eisenbahnfahrt von Stralau-Rummelsburg genähert und sie überredet habe, zu ihm nach dem Humboldthafcn zu kommen und dort dem lüdcr- lichen Gewerbe obzuliegen. Sie sei dieser Aufforderung auch ge- folgt und habe die erste Nacht in der Wächterbude des Wegener zugebracht und von dort ihre nächtlichen Ausflüge unternommen. 1881— 1991 durch Selbstmord geendet, und auch in den letzten Jahren dauert die traurige Erscheinung fort. Auf 1903 entfielen 23, auf 1909 sogar 23 Kinderselbstmorde. Diese Zahlen werfen recht eigen- tümliches Licht auf unsere Schulzustände. Vom Berliner Weißbier. Die kühle„Blonde" entstammt ur» sprünglich nicht dem märkischen Boden. Umfangreiche Unter- suchungen haben ergeben, daß sie zuerst von austerhalb einge- führt worden ist. In einem Berliner Kochbuch von 1642 wird aber bereits unter den Getränken, die man in Berlin bevorzugte,„das berlinische und das kottbussische Weist- bier" genannt, die„also beschaffen, dast man sie im Mangel eines guten BrühanS brauchen kann." Der Hannoversche Broihan wurb- schnell beliebt, und gab Anlaß zu Nachahmungen in anderen Städten, so in Halberstadt und schließlich auch i» Berlin. Hier dürste das Weistbierbrauen»m 1600 begonnen haben, denn ein Kenner der Brauereivcrhältniffe erwähnt in einer Schilderung von 1572 das Berliner Weißbier noch nicht. In einem Briefe beklagt sich zwar 1626 Wallenstein, daß er in der Mark kein Weißbier gefunden babe, aber man darf doch annehmen, daß es damals schon Weißbierbrauereien hier gegeben hat und dast nur der Krieg das Gewerbe damals unterdrückte. Nach seiner ganzen Bereitung und seinen Eigenschaften ist da? ausschließlich aus Malz und zwar aus Gersten- und Weizeumalz bereitete Berliner Weißbier als ein ganz besonderer TypuS unter den obergärigcn Bieren anzusehen. Bekanntlich scheidet man die Biere in die beiden grasten Gruppen ober- und untergärige, je nach Art der verwendeten Hefe und der Art ihrer Absonderung auS dem gärenden Biere, indem die obergärige nach oben, die unter- gärige bei der Gärung nach unten ausgeschieden wird. Die Eigenart deS Berliner Weißbiers wird einerseits durch die Art der Rohmaterialien und die von der Bereitung anderer Biere ab- weichende Art der Würzgewinnung bedingt, andererseits ist sie darauf zurückzuführen, daß nicht wie bei anderen Bieren aus« schliestlich Hefezellen die Gärung durchführen, sondern zugleich in symbiotischer Wirkung mit«hnen Milchsäurebakterien. Der Wirkung dieser Milchsäurebakterien verdankt das Berliner Weiß- bier seinen angenehmen milchsäuerlichen Geschmack, sei« feines Bukett, während der hohe Kohlensäuregehalt durch die Wirkung der Hefe bei der Flaschengärung hervorgerufen wird. Welcher Wert gewissen, durch Milchsäurebakterien gesäuerten Nah- rungs- und Genustmitteln beizulegen ist, ergibt sich nicht nur auS der bekannten Vorliebe vieler Menschen für die wegen ihrer Säure leicht verdaulichen sauren Milch, sondern auch aus der besonders aus Aerztekreisen befürworteten Empfehlung des sogenannten Uoghurt, einer ebenfalls durch Milchsäurebakterien gesäuertes Milch. Sie IJaEc erst später erfahren, Sasj WeWkSt verMratek utfS 5J a! e t von 14 Kindern sei. Sie habe dann mehrere Nächte in Wegeners Wohnung geschlafen, wogegen dessen Frau zuerst pro- testiert hatte. Die Zeugin bekundet weiter: Sie sei mit der Martha Schmidt in der Nacht des 15. Oktober am Humboldthafen entlang gegangen und seien dort auf Wegener. Richter, Meitzner und Wolf gestoßen. Auf deren wiederholte Aufforderung seien sie ihnen auf den Kahn gefolgt. Die Zeugin schildert sodann alle die scheußlichen Vorgänge, die sich in der Kajüte abspielten, ohne Ausschluß der Oeffentlichkeit in allen ihren Einzelheiten. Nach ihrer Bekundung habe sich die Martha Schmidt gegen die Zu- dringlichkciten des Meitzner gewehrt und sie vermutet, daß der verstorbene Richter und Wolf hinzugesprungen seien und ihr eine Decke übergeworfen haben. Die Schmidt habe dann dagelegen, ohne einen Ton von sich zu geben. Dann habe Wolf einen Sandsack geholt und die drei Angeklagten haben den Körper der Schmidt hineingesteckt, während Richter den Sack hielt. Sie, die Zeugin, sei dann von dem Kahn herausgelassen worden, alle vier haben dann den Sack fortgetragen, um den Mehlspeicher herum bis zur Alsenbrücke, wo sie den Sack in das Wasser warfen. Die Zeugin hat bei ihrer ersten polizeilichen Vernehmung eine voll- ständig andere Aussage gemacht. Sie erklärt, daß dies die Un- Wahrheit gewesen sei; sie habe sich die erste Aussage er- dacht, um den Wegener, der eine zahlreiche Familie habe, nicht hineinzureiten. Hierauf tritt eine Pause ein, in der sämtliche Prozeßbeteiligte sich nach dem Tatort begeben, wo ein umfangreicher Lokaltermin abgehalten wird. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung erklärt der Angeklagte W o l f f, daß sich der Vorgang nicht in der Nacht zum 16. O k t o- der, wie die Anklage annimmt, sondern acht Tage später, in der Nacht zum 22. Oktober zugetragen habe. Vors.: Sie scheinen doch mehr zu wissen, als Sie uns hier sagen. EZ scheint so, als ob Sie ein Geständnis ablegen wollen und daß Sie sich nur vor Ihren Mitangeklagten schämen, sie mit- hineinzulegen. Sagen Sie uns also nun, wie kommen Sie darauf, daß die Tat am 22. Oktober verübt worden ist?— Angekl. W o l f f: Es war am 22. Oktober. Das hat mir der Schiffer-Ernst in dem Lokal von Dumke erzählt. Vors.: Waren Sie nicht auch selbst dabei?— Angekl.: Ja, ich bin mit der Wesenmeier und der Schmidt auf den Kahn gegangen. Was dann geschehen ist, weiß ich nicht mehr. Es wird die Vernehmung der Zeugin Wesenmeier fort- geseßt: Diese erklärt, daß sich die Tat gar nicht am 2 2. Oktober abgespielt haben könne, da sie an diesem Tage schon in dem Fröbel- trankcnhaus gewesen sei. In der weiteren umfangreichen Beweisaufnahme traten keine neuen Momente zutage. Die vernommenen Kriminalbeamten und Sachverständigen verbreiteten sich über die Vorgeschichte des scheutz. liehen Verbrechens und im besonderen über die Charaktere der Angeklagten. Die Verhandlung wird um 7 Uhr abgebrochen und auf Mittwoch fitf, Uhr vertagt._ Partei- Hngelegenbeiten« Hohm-Schönhausen. Die Generalversammlung findet heute Mittwoch, den 28. Juni, abends 8lls Uhr, im Lokale de» Genossen Reiher, Berliner Straße S3, statt. Tagesordnung: Bericht der Bezirksleitung. Neuwahl derselben. Verschiedenes.— Das Mitglieds» buch ist mitzubringen. Die Bezirksleitung. Borsigwalde-Wittena«. Morgen Donnerstag, den 29. Juni, abends 8>/z Uhr: Generalversammlung des Bezirks-WahIvereinS. Tagesordnung: Bericht und Neuwahl sämtlicher Funktionäre. _ Die Bezirksleitung. Berliner Nacbricbten» Wald. Wo der Berliner im näheren Umkreise seiner Arbeits- mühle in den wenigen freien Sonntagswnden ein paar tausend dürftige, himmelanstrebende Kiefern auf kahlem, nur hier und da von Brombeerbüschen, Wacholderbäumchen und Farren durchsetztem, ausgedörrtem Boden findet, spricht er entzückt von Wald. Wer jedoch erst einmal längere Wochen wirk- lichen Wald genossen hat, kann sich an solcher märkischen „Heide" nicht mehr begeistern. Abwechselungsreich muß der echte, herzbezaubernde Wald sein. Die schönsten Kiefern und Fichten werden langweilig, wenn das suchende Auge meilen- weit nur sie wie eine Riesengarde aufmarschiert sieht. Gar nicht so entfernt von Berlin haben wir noch Wälder, in denen auf weiten Strecken fast nur Buchen und Eichen stehen, zwischen denen, wie verloren, ein vor langen Jahrzehnten verflogenes Samenkorn da und dort einen Nadelbaum hat emporragen lassen. Buchenhaine von ehrwürdigem Alter lassen jedes natnrfreudige Gemüt höher wallen. An den weißlich, grauen mächtigen Stämmen klettert engverwachsen wilder Epheu viele Meter hoch hinauf, verbindet sich fast mit dem dichten Laubdach, das den Wanderer wie die Kuppel eines Naturdomes überspannt. Und darunter gedeiht, ganz im Gegensatz zu den von dichtestem Unterholz umwucherten Nadelwaldungen, wie auf einem dunkelgrünen, weitzbetupften Riesenteppich in schier unübersehbaren Mengen der köstliche Waldmeister und das Maiglöckchen. Wo Buchen stehen, sind Erlen und ein murmelnder Bach mit silbern klarem Wasser gewöhnlich nicht weit. Fast könnte man glauben, daß die künstelnde Menschenhand hier nachgeholfen hat,— so sorgfältig von Allmutter Natur gepflegt sieht ein Buchenwald aus. Doch auch die Kiefern», und Fichtenschläge sind in solcher Waldung etwas ganz andere? als das, was der Berliner seinen„Wald" nennt. Bis tief zum Boden herab lassen die um die jetzige Zeit mit hellgrünen frischen Zapfen an der Spitze wie besäten Kiesern ihre schimmernden Zweige hängen. Auch in der Mark und in der Nähe Groß«Berlins haben wir noch solche Wälder. Nur muß man diese Waldromantik, wie den weitgedehnten herrlichen Blumental hinter Strausberg, zu finden wissen und viel- stundenlange Fußivandernngen nicht scheuen. Dann weiß erst der Berliner richtig, Ivos Wald ist, und daß seine verschandelten Heideflächen an der Weicbbildgrenze weiter nichts sind als eine daumbestandene Karikatur, an der aber trotz alledem das Scrz des Großstädters hängt, weil er im Alltageleben nur teure und Mauern und Menschenmassen sieht. Keine Durchlegung der FranzSstschen Straße. Der alte Plan der Durchlegung der Französischen Slraße bis zur Königgrätzcr Elraße gegenüber der Lennöstraßr, der auch in einer der Preis- arbeiien zu dem Wettbewerb Groß-Berlin behandelt worden ist, ist, wie bekannt, im Februar d. I. beim Magistrat vom Polizeipräsidenten in Anregung gebracht worden. Durch diesen Stratzendurchbruch würde eitle großzügige Verbindung zwischen dem Stadtinnern und dem Westen geschaffen werden, die geeignet sein würde, eine sehr erhebliche Entlastung des Potsdamer Playes uud der Potsdamer Straße herbeizuführen, Der Durchführung eine« solchen Planes wird aber seitens der staatlichen Behörden Widerstand entgegengesetzt. Der Polizeipräsident hat früher eine Verlängerung der Voßstraße nach der Lennöstrahe für untunlich erklärt. Bei dem Plane einer Durchlegung der Französischenstratze kommt aber noch die Schwierigkeit hinzu, daß«S der Inanspruchnahme größerer Flächen der Grundstücke des Justiz- Ministeriums, des ReichSamts des Innern und des SuSwärtlgen Amtes bedürfte. Der Magistrat hat fich an dm Münster der öffentkichen Arbeiten mit der Anfrage gewandt, ob er den Straßen- durchbruch für zweckmäßig halte und dessen Durchführung seine Unterstützung in Aussicht stellen könnte. Außerdem ist bei den be- teiligten Behörden angefragt worden, ob inan geneigt sei, das er- forderliche Gelände für den fraglichen Zweck abzutreten. In diesen Tagen ist beim Magistrat ein vom Verkehrsminister und vom Minister beS Innern unterzeichnetes Schreiben eingegangen. Darin heißt es. daß dieselben Gründe, die früher dem Polizeipräsidenten Hierselbst veranlaßt hätten, Einspruch gegen die Verlängerung der Voßstraße nach der Lennöftraße zu erheben, jetzt,� nach weiterer Steigerung des Fuhrwerksverkehrs in dieser Straße, in berstärltem Maße gegen die Fortführung der Französischen Straße nach der Ecke der Königgrätzer und der Lennestraße geltend zu machen seien. Man vermöge deshalb eine Unterstützung de? Planes der Durch- ftihrung der Französischen Straße nicht in Aussicht zu stellen. Unter diesen Umständen hat der Magistrat' beschlossen, von einer weiteren Verfolgung des Projektes Abstand zu nehmen. Die sozialdemokratische Fraktion hat zur Mtzung der Stadt- verordnetenversammlung am Donnerstag folgenden dringlichen Antrag eingebracht: Die Versammlung ersucht den Mdgistrat, möglichst umgehend mit dem Fiskus in Verhandlungen zu treten betreffend Ueberlasiung des Restes des Exerzierplatzes an der Schönhauser Allee an die Stadtgemeinde, sobald er zu militärischen Zwecken nicht mehr benötigt wird. Die Wahltermine zu den im Herbst stattfindenden Er- gänznngswahlea für die Stadtverordnetenversammlung sind, wie der Magistrat durch das Nachrichtenamt verbreiten läßt, nur vorläufig in Aussicht genommen. Wenn der Magistrat dem am letzten Donnerstag gefaßten Beschluß der Stadtver- ordnetenversammlung, die Wahlen der dritten Abteilung an Sonntagen vorzunehmen, zustimmt, so würde eine ander- weitige Festsetzung der Wahltage erfolgen. Bisher sei der Beschluß der Stadtverordnetenversammlung dem Magistrat nicht zugegangen. Die Schöneberger Wertzuwachsfteuer-Ordnung, welche auf der derzeitigen Judikatur des Oberverwaltungsgerichts aufgebaut war. ist bekanntlich, nachdem das Oberverwaltungsgericht von seiner früheren Rechtsprechung späterhin abgewichen war, von diesem Gericht für ungültig erklärt worden. Bevor diese Entscheidung des Obcrverwaltungsgerichts bekannt geworden war, waren schon eine Anzahl von Veranlagungen zur Wertzuwachssteuer er- gangen und infolge Nichteinlegung von Rechtsmitteln vollstreckbar geworden. Da für die hierdurch betroffenen Personen der Weg des Verwaltungsstreitverfahrens infolge der Nichteinlegung des Rechtsmittels ausgeschlossen war, haben einige von ihnen ver« sucht, im Zivilrechtswege vor dem ordentlichen Gericht die Rück- zahlung der gezahlten Steuerbeträge mit der Begründung zu er- reichen, daß es sich um eine ungerechtfertigte Bereicherung der Stadt- gemeinde Schöneberg handele. In erster Instanz ist einer dieser Klagen stattgegeben worden, nunmehr hat jedoch das Kammergericht in zweiter Instanz entsprechend der Recktsausfassung des Magistrats von Schöneberg den Rechtsweg für unzulässig erklärt und die Klage abgewiesen. Diese Entscheidung dürste nicht ohne Einfluß auf die restlichen in erster Instanz schwebenden Pcozesie bleiben. Die Mittagspeisnng bedürftiger Berliner Gemeindcfchnlkinder während der Sommerferien soll in diesem Jahre zum ersten Male stattfinden. Die Magistratskommission für die Schulspeisung ersucht die Rektoren der hiesigen Gemeindeschulen durch Rundverfügung, bei der Verausgabung der Speisemarten mit der größten Vorsicht zu verfahren, vor allem aber ihr Augenmerk darauf zu richten, daß Karten nur an solche Schüler bezw. Schülerinnen verabfolgt werden, die sich tatsächlich in Berlin aufhalten. Kinder, die zu Verwandten verreisen oder in Ferienkolonien verschickt werden, erhalten keine Marken. Von der Snndesieuer in Berlin. Der Laubenkolonist Katschke hielt sich in seiner Laubenkolonie einen Hund, weil ihm Feldfrüchte gestohlen worden waren. Er wollte von der Hundesteuer frei sein. Auf seine Klage stellte ihm auch der Bezirksausschutz in Berlin von der Steuer frei, indem er die Berliner Hundesteuerordnung vom 3. Juli 1968 anwandte und annahm, daß eine Laubenkolonie ein Gehöft im Sinne der Befreiungsvvrschriften dieser Steuerord- nung sei. Der Berliner Magistrat legte Revision ein. Das Ober- Verwaltungsgericht hob zwar das Urteil des Bezirksausschusses auf, kam dann aber bei der nunmehr dem Revisionsgericht zustehenden freien Beurteilung ebenfalls dazu, den Kläger von der Steuer frei- zustellen. Es wurde ausgesührt: Die Steuerordnung vom 3. Juli 1998 durfte nicht angewendet werden. Sie sei ungültig, weil die Genehmigung dieser Steuerordnung durch den Oberpräsidenten nicht die erforderliche Zustimmung des Resiortministers erhalten habe. Nun sei zurückzugreifen auf die ältere Steuerordnung, die weiter galt, weil eine gültige neue Steuerordnung nicht zustande gekommen war. Nach dieser Ordnung seien nun von der Steuer befreit, Hunde, welche zur Bewachung von Gebäuden, Gehöften und Plätzen notwendig seien und an der Kette gehalten würden. Die Nebeneinanderstellung von Gebäuden. Gehöften und Plätzen lasse erkennen, daß man habe einbeziehen wollen alle im Berliner Gebiet liegenden Grundstücke, mögen sie nun bewohnt sein oder nicht, also auch Laubenkolonien, die sich somit als„Plätze" im Sinne der Steuerordnung darstellten. Somit müsse die.Frei- stellung des Klägers aufrechterhalten werden, da die übrigen Vor- aussetzungen die Freistellung ebenfalls verlange� Blumen tags- Segen. In der DimStag-Morgennummer des„Berliner Tageblattes" kann man in der Kuppelecke folgendes Inserat lesen: Margneritenverkänferin. Sonnabend 7 Uhr Unter den Linden Dame in gelber eleganter Toilette von auffallender Schönheit wird nm ein Zeichen unter„Postlagerkarte 299 Briefpostamt C. 2* freundlichst gebeten, da Anfklärung gehen will. Da. sage noch einer, daß die.Liebesarbeit" der betriebsamen BlumentagS-Regisieure keine segensreichen Früchts getragen habe. Welch erhebendes Gefühl für arme Mültcr, zu wissen, daß man um ihrer verkümnierten Säuglinge willen einen neuen WohlrätigkeitS- spart erfunden hat, bei dem Damen in„eleganter Toilette" und .von auffallender Schönheit" auch noch zu einem Gspasi kommen können._ Ein eigenartiger schwerer Unglücksfall hat sich auf. dem Flug- platz Johannisthal ereignet, Als dort eine Anzahl Ärbeiter damit beschäftigt war, den Vorhang der Parseval-Ballonhalle zuzuziehen, wurde die Hülle plötzlich von einem so heftigen Windstoß erfaßt, daß die Arbeiter, die ihn festzuhalten versuchten, zu Boden ge- schleudert wurden, wobei einige Männer leichtere Verletzungen erlitten. Ein Arbeiter aber, der sich an dem Vorhang festgeklammert hatte, wurde etwa drei Meter hochgehoben und fiel dann zur Erde, wo er besinnungslos liegen blieb. Der sofort herbeigerufene Arzt stellte fest, daß der Verunglückte innere Vsrletzungen und eine Ge- Hirnerschütterung erlitten hatte. Nach Anlegung von Verbänden wurde der Arbeiter nach dem' Britzer Kreiskrankenhause über- geführt. Schwer verunglückt ist gestern früh der 5hiufmgnn Otto Schulz auS der Neptunstraße 48 in Hermsdorf. Er tvollie gegen 7 Uhr morgens an der Ecke der Invaliden- und Gartenstratze auf einen in der Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen der Linie 2 springen, kam jedoch zu Fall und erlitt eine schwere Quetschung der Brust, die seine Ueberführung nach dem Moabi'ter Krankenhause erforderlich machte. Ein unfreiwilliges Maffcnbad. Wegen eines jugendlichen Taschen- diel) es mußten gestern etwa dreißig Personen in Rummelsburg ein unfreiwMgeZ Bad nehmen. In der Fkußbadeanfiakt an der Haupt- straße hatte ein Schnlknabe einem Badegast das Portentonnaie ge- stöhlen. Der jugendliche Dieb wurde in dem Augenblick fest- genommen, als er über einen Bohlenbelag hinweg entkommen wollte. Neugierig eilten nun eine ganze Anzahl Badender hinzu, und während der Knabe einem Verhör unterzogen wurde, brach der Bohlenbelag plötzlich ein und die darauf stehenden Personen, etwa dreißig an der Zahl, stürzten in die schlammigen Fluten. Glücklicherweise konnten die Verunglückten alle in Sicherheit gebracht werden. Der Einsturz war dadurch herbeigeführt worden, daß der sehr morsche Bretterbelag überlastet war. Ein räuberischer lleberfall in einer Kaschemme, der bei Tanz. Musik und Gesang erfolgte, führte zur Verhaftung von fünf Ver- brechern, darunter eines lange gesuchten Karl Lutz, in i-incn Kreisen als„Schlächterkarl" bekannt. Ein sechster Beteiligter,„Tischlcrfranzf, entkam noch rechtzeitig. Ein Handwerksmeister, der eine kleine Vierrene unternommen hatte, machte die Bekanntschaft.Schlächterkarls", der ihn nach einer in der Chodowieckistraße belegenen Kaschemme verschleppte. Hier wurden die beiden Ankömmlinge von den anwesenden Gästen gleich mit großem Hallo empfangen. Einer derselben setzte sich an das Klavier, und die ganze Gesellschaft führte einen lustigen Tanz auf. Dabei wußte es einer der Tänzer so einzurichten, daß der an- getrunkene Handwerksmeister zu Boden fiel. Wie auf ein Kommando stürzte nun die ganze'Gesellschatt über ihn her. Einer der Beteiligten benutzte die Gelegenheit und riß dem am Boden liegenden Meister die Hosentasche heraus, in der sich dessen wohlgefüllter Geldbeutel befand. Den Ueberfallenen und Beraubten warf man einfach auf die Straße. Als dieser seinen Verlust merkte, begab er sich zur Polizei, und dieser gelang es, fünf der Hauplatlentäler festzunehmen. Die auSgerisiene Hosentasche mit dem Geldbeutel fand man bei dem Wirt vor, der sie in„Verwahrung" genommen hatte. Schlächterkarl wurde seit zwei Jahren gesucht. Damals schrieb er auS dem Virchow- Krankenhause, wo er schwerkrank daniederlag, an einen ihm dem Namen nach bekannten Kriminalkommissar, er wolle diesem vor seinem Tode, den er nahen fühle, noch ein Geständnis ablegen. Das tat er auch, als er den erbetenen Besuch erhielt. Er gestand einen schweren Raub ein. Als er wider Erwarten gesund wurde, stahl er aus dem Baderaum des Krankenhauses einem. Patienten die Kleidung und entfloh in dieser. Seitdem wurde Schlächrerkarl ver- geblich gesucht. Leichenfuud in der Havel. Bei Schildhorn wurde am Dienstag- nachmittag durch einen Fischer aus Gatow die Leiche eines un- bekannten Mannes gelandet, die etwa acht Tage im Wasser gelegen hat. Der Tpte mochte 39 Jahre zählen und war bekleidet mit langen Schaftstieseln, englischer Lederhose und blauem Hemde. Offenbar handelt es sich um einen Fischer. Die Leiche wurde auf polizeiliche Veranlassung nach der Leichenhalle in Schildhorn geschafft. Neber das Brandunglück in der Ehemischen Fabrik, Warschauer Straße, worüber wir am Sonntag berichteten, teilen uns die Be- triebsinhaber folgendes mit: Der Brand ist um ungefähr Z412 Uhr ausgekommen, und zlvar dadurch, daß an dem Tage eine kolossale Hitze herrschte und kaltes Terpentin beim Eingießen in einen Kessel, der auf der Brückenwage stand, in Brand geriet. Arbeiterinnen haben in unserer Fabrik mit der Fabrikation nichts zu tun. nur Arbeiter.- Beim Eingießen des Terpentins war ein Meister be- schäftigt.— Die leider verunglückte Arbeiterin hat nur in un» mittelbarer Nähe an einem Tisch gearbeitet und ging nach dem Unfall selbst aus diesem Raum heraus, wurde zur Unfallstation gebracht und kam, nachdem sie den Verband erhalten hatte, selbst wieder in die Fabrik zurück. Die Verletzungen, die Frau John erhalten hat, sind nicht- lebensgefährlich, die Kranke dürste nach Ansicht des Arztes in nicht zu langer Zeit wieder vollständig her- gestellt sein. Da der Brandschaden unerheblich war, bleibt der Be, trieb vollständig aufrechterhalten. Radrennen in Zehlcndorf.„D i e H u n d e r t". Endlauf(Montag» abend). 50 Kilometer. 2900. 1909. 690. 490 M. 1. W a l t h o u r in 46 Min. 74/s Sek.; 2. Miguel, 60 Meter; 8. Scheuermann, 980 Meter: 4. Demke, 1869 Meter zurück. In der Reihenfolge Walthour, Scheuermann, Demke und Miguel wird die Fahrt be« gönnen. Demke verliert nach dem 19. Kilometer bereits die erste Runde. Miguel wird beim 18. Kilometer zum erstenmal überholt; Demke bleibt immer weiter zurück; so gut er in seinem Vorlauf gefahren, so wenig Widerstand leistet er heute. Scheuermann wird beim 29. Kilometer von einem Reifenschaden betroffen, so daß er drei Runden verliert. Das Rennen liegt nunmehr zwischen Walthour und Miguel; zuletzt funktioniert der Motor des Amerikaners nicht mehr genügend, wodurch es Miguel gelingt, über eine Runde zurück- Zugewinnen, so daß er nur 69 Meter hinter Walthour endet» d« unter lebhaftem Beifall eine Ehrenrunde sährr. Einige Fliegerrennen beendeten den Abend. Haupt fahren. 1090 Meter. 39. 20. 19 M. 1. G r o ß- mann, 2. Lorenz, 3. Ehlert. Repe. 5 Fahrer. Prämienfahren. 3999 Meter. 25, 1b, 10 M. 1. Lorenz, 2. Ehlert, 3. Vinzelberg. Kundenprämien a 3 M. gewannen Ha- mann,' Ehlert und Lorenz je 1, Joskulski 5. Die Rennen verliefen ohne Unfall. Im Wissenschaftlichen Theater der vrania finden vorläufig die letzten Wiederholungen des Vortrags von Professor Dr. Heck, dem Direktor des Zoologischen Gartens,„Lebende Tierbilder von nah und fern", mit Lichtbildern, zoo-kin«matographischen und grammophonischen Votführungen am Mittwoch und Donnerstag abend, sowie am Sonnabend nachmittag statt. Am Freitag wird Herr Medizinalrat Dr. Lindemann zum. ersten Male einen mit zahlreichen farbigen Bildern ausgestatteten Vortrag,„Helgoland im Wechsel der Zeit" halten, der am Sonnabend abend zur Wieder- holung gelangt. �__ Ardeitende Jugend Berlins i Der JugendauSschuß für Groß-Berlin veranstaltet am Sonn» tag, den 2. Juli,«wen Massenausflug nach FriedrichShagen-Müggel- fchlößchen. Folgende Treffpunkte find festgesetzt: Für Norden 7 Uhr: Bad-, Ecke Schwedenstraße(Normaluhr). Walplaquet-. Ecke Razaretdrirchstrotze. Nettclbcckplatz(Normaluhr). Für gkosenthaler Vorstadt 7 Uhr: Vinetaplatz(Ilormaluhr). Gustav- Meye:-Allee(Normaluhr). Pappelplatz. Gartcnplatz(Tunnel). Arkonaplatz, Ecke Wolliner Straße. Für Schönhauser Borstadt 7 llhr:- Bahnhof Schönhauser Allee. Gleimstraße(Depot). Stargarder Straße(Gethsemanc-Kuche). Danziger, Ecke Weißenburger Straße. Danziger, Ecke Greisswalder Straße. Für Moabit 7 llhr: Wald-,. Ecke Turmstraße. Strom-, Ecke Turmslraße. Roslocker, Ecke Huttcnstraße. Für Südosten 7 Uhr: Feuerwehrbenkmal, Görlltzer Bahnhof '(SannätSwacke), SchlefischeS Tor. Emmanskirche(Hauptportal). Für Süd- Südwest 7 llhr: Hohenstavsenplatz(Normaluhr), Maritzplatz, Gneisenau-, Ecke Bcllc-Alllance-Swaße, Göben-, Ecke Büloivstraße. Für Osten 7 llhr: Weidenweg, Ecke gomdorser Straße, Küstriner Platz, Land oberger Platz, Samariterstraße, Ecke Frankfurter Allee, Balten- platz(Normaluhr). Das Fahrgeld beträgt 29—49 Pf. Für Spielgelegenheit ist gesorgt. Die Teilnehmer werden ge- beten, sich mit Proviant zu versehen, und die Liederbücher mit- zubringen. Alle Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter mtd Arbeiterinnen sind zu diesem Ausflug freundlichst eingeladen. __ Der JugendauSschuß. • r,• 2 Vorort- Ffocbricbtem Bchoneberg. Ans der Stadtverordnetenversammlung. Der Vorsteherstellvcr- treter Genosse Molkenbuhr machte zunächst Mitteilung von einem Schreiben der Gast- und Schankwirte, die sich darüber be- schweren, daß der Magistrat sogenannte Zweckes sen außerhalb des Orts stattfinden lasse und nicht daS Geld bei den Schöneberger Steuerzahlern umsetze— Oberbürgermeister Domi virus e.r- fTSrfc, tfefc Tft cTfffm 5o?ie Kanalisation deS Berliner Ortsteils zwischen Zielen- und Maahcnstratze und Wintcrfeldplah. Gcmäj; dem Vertrage zwischen Schöncberg und Berlin ist die hiesige Stadtgemeinde verpflichtet, die Entwässcrung des Berliner Ortstcils spAtcslens drei �ahre nach erfolgter Kündigung zu übernehmen. Tie Kündigung ist erfolgt und es mutz daher mit dem Bau der neuen Kanäle begonnen werden. Die Kosten belaufen sicb auf 210 000 M. Ferner soll in» folge der Ausfchlietzung des militärfiskalischen Geländes zwischen der Grotzgörschen- und Btoiiumcntcnstratze am Matthäikirchhof und der Anhalter Bahn, die sofortige Kanalisierung erfolgen. Da teil- weise die Zultimmung der Eisenbahndirektion crfordcrlick ist, wurde seinem Vertragsentwürfe zugestimmt, der den Einbau eines Sammellanals im Zuge der Grotzgörschcnstratze notwendig macht. — Der Etatsausschutz hat sich mit der Berechnung von Bauzinsen sowie der der Beträge für die Besoldung des bei den Vorarbeiten von Projekten beschäftigten Personals bcfatzt. Hierbei wurde mit- geteilt, datz, obwoll eine grötzere Anzahl von Personen für eine bestimmte Sache tätig sei, die erforderlichen Mittel noch nicht bc- willigt sind und die Beamten deshalb aus einer Anleihe Vorschutz- weise besoldet werden müssen. Dieses Verfahren wurde auf das schärfste gerügt und beschlossen, datz bei Berechnung der Aufwcn- düngen für Architektengehälter für Hochbauten eine genaue Ver- rechnung unter Berücksichtigung deZ Etatsrechts zu erfolgen habe. An Polizeikosten wurden 24 000 M. mehr verlangt, so datz der Betrag sich nunmehr äuf 300 000 M. beläuft. Der Etatsausschutz wünscht daher in die Berechnung der Polizcikosten etwas mehr hineinschauen zu können, um zu wissen, wie die Gelder verwendet werden. Es wurde beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, gemein- sam mit den übrigen' Gemeinden des Landcspolizeibezirks Berlin zu beraten, wie die Polizcikosten herabgesetzt werden können, und ob nicht eine genaue Rechnungslegung der Ausgaben zu erreichen sei.— Genosse Bernstein meinte, so wünschenswert es ist, eine Dctailrcchnung vorgelegt zu bekommen, wäre es diel notwendiger, zu verlangen, datz bei Besetzung von Stellen in der Polizeivcr- Wallung die Stadt das Mitbestimmungsrecht erhalte. Die Resolu- iion wurde angenommen.— Der Magistrat hatte beschloffen, �die beschränkenden Bestimmungen über die Höhe der Grabdenkmäler auf dem.ziveitcn städtischen Friedhofe aufzuhaben. Bei Reihen- gräbcrn sollen Denkmäler nur bis zu einer Höhe von 90 Zenti- mcter zllgelassen werden. Höhere Denkmäler bedürften eines auL- gemauerten Fundameiits, und dazu sein kein Platz vorhanden.— B i s m a r k(Lib.) frug an, wann das Krematorium errichtet werde, ob es nicht ratsamer wäre, mit den Gemeinden Charlotten- bürg, Wilmersdorf ein gemeinsames zu erbauen.— Genosse H o f f- ma n n hält eine gleichmätziae Höhe der Denkmäler ebenfalls für erwünscht.— Stadtrat Schüler erklärt noch� datz der Ma- gistrat den Gedanken, ein gemeinsames Krematorium zu errichten, erwägen werde. Die Vorlage wurde angenommen. Die Oberlehrer und Lehrerinnen ersuchten, den WohnungS- kwldzusckmtz um 100 M. zu erhöhen, da die staatlichen Lehrkräfte eine solche Erhöhung erhalten haben. Bester(Lib. Frkt.) trat wohl für eine Erhöhung bei den Oberlehrern ein, meinte jedoch, datz dies bei den Lchrerinucn nicht absolut notwendig sei.— Ge- nosse Bernstein befürwortet da« Gesuch. Für die Ober- lchrcrinnen wies die Mehrheit der Liberalen die Erhöhung an«inen Ausschutz und stimmte nur für die Erhöhung für die Oberlehrer. — Zur Beratung gelangte alsdann das OrtSstatut betreffend die Sonntagsruh?. Demnach sollen in den offenen Verkaufsstellen des Handclsgewerbes die Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter— abgesehen vom ersten Weihnachts-, Oster- und Pfingstfeiertage, an denen die Beschäftigung überhaupt verboten ist— an Sonn- und Feiertagen in der Zeit vom 1. Mai bis einschlietzlich 30. September nur von L— 10 Uhr vormittags und in der Zeit vom t. Oktober bis einschlietz- lich 30. April nur von 12 Uhr mittags bis 2 Uhr nachmittags be- schästigt werden, soweit nicht Ausnahmen durch die zuständigen Bc- Hörden festgesetzt werden. Dagegen findet die Einschränkung auf den. Hauddl mit NahrungS- und Genutzmitteln. sowie aus den Handel mn Blumen keine Anwendung. Als Verkaufszeiten werden die Stunden von 7—10 Uhr vormittags und 12 Uhr mittags bis L Uhr imchinittags bestimmt. In Fabrik-, Engros-, Bank-, Ver- sichcrungs-, Spcditions- und Agenturgeschäften, soweit der Betrieb nicht in offenen Berkaufsstellen stattfindet, ist die Arbeitszeit auf zwei Stundeni und zwar siir die Zeit von 8— 10 Uhr vormittags herabgesetzt.— Genosse B e r n st c i n erklärte, datz die Vorlage nickt befriedige. Ausnahmen, wie für Handel mit Blumen, Nah« rungs- und Genutzmitteln sollten nicht geschaffen werden. Unser Prinzip sei, die volle Sonntagsrich? einzuführen. Um jedoch eine einheitliche Soniitagsruhe in Groh-Berlin zu schaffen, stimm« die sezialdeniokratische Fraktion der Vorlage zu.— Einem Antrage der Liberalen, während der Kirchzeit die Schaufenster nicht zu ver- hängen, wurde gleichfalls zugestimmt. Hierauf gelangte die Besteuerung der Rummelplätze und Radrennbahnen zur Verhandlung. Die Besteuerung der Kinemato- graphenthcater wurde noch? ausgesetzt, da diese Frage noch cin-mal erwogen und mehr Material gesammelt werden soll.— Stadtverordneter Engel(Lib. Frlt.) befürwortet« eingehend die Annahme der ersten Steuer.— Genosse K ü t e r beantragte die Ablehnung derselben und begründete dies in längeren Ausführungen, indem er auf die wirtschaftlichen Schädigungen hinwies, die den Besitzern so- wohl wie auch dem Publikum durch diese Steuer drohen.— Auch Genosse B c r n st e i n schlotz sich diesen Ausführungen an.— Ctadtveravdnctcr Michalsli(Lib. Frlt.) hatte beantragt, datz für die Entrichtung der Steuer nur der Unternehmer haftet. Der Kämmerer erklärte aber, datz mit Annahme dieses Antrages die Vorlage falle. Die Liberale Fraktion hatte hierauf nichts eiligeres zu tun, als den Autrag ihres Mitgliedes im Plenum sofort nieder- zustimmen. Ebenso wurde auch der sozialdemokratische Antrag behandelt; die Mehrheit der Liberalen schluckte nunmehr die Ma- gistratsvorlage in unveränderter Form. Dagegen stimmten die Sozialdemokraten und Stadtverordneter Knorr. Um ihr Gewissen zu erleichtern, haben die Liberalen beantragt. auS den Erträgnissen der Ordnung ungefähr 80 Proz. für WohlfahrtSzwecke zu über- weisen. Es ist das derselbe Trick, den das Zentrum bei dem Wuchcrtarif angewendet hat. Deshalb wird die Handlungsweise nicht moralischer. Der öffentlichen folgte eine geheime Sitzung. Chgrlottenbnrg. Bon Hunden zerfleischt. Eine aus Oranienburg hier zu Besuch lvcilende Frau begab sich gestern morgen mit ihren beiden Hunden zu einem Spaziergang in den nahen Wald, als der an der Philippi- stratze wohnende Arbeiter Schulze des Weges kam. Die beiden grotzen Tiere fielen ihn au und zerfleischten ihn derartig, datz er ins Krankenhaus Westend gebracht werden mutzte. Nixdors. Im Bette erstickt. Eine schreckliche Entdeckung machte gestern morgen die Ehefrau des Arbeiters Kroll, Schönstedtsir. 14. Als sie ihr einjähriges Töchterchen Ella aus dem Bett nehmen wollte, fand sie die Kleine tot vor. Ein hinzugerufener Arzt stellte fest, datz das Kind erstickt war. Wahrscheinlich ist es im Schlaf unter die Decke geraten, hat sich in dieselbe verwickelt und ist dann hilflos erstickt. Zu dem Licbeödrama in der KimigSheidc, wo, wie wir be- richteten, der Arbeiter Wylutzki seine Braut, die zwanzigjährige Lina Schmidt zu töten versuchte, wird noch gemeldet, datz m dem Zustand der Verletzten eine erbebliche Verschlimmerung eingetreten ist. Wie sich herausgestellt hat, ist durch den Schutz die Leber verletzt und die Därme teilweise zerstört worden, so daß die Aerzte den Zustand für hoffnungslos halten. Lichtenberg. Eine SubmisflouSbliite. Die Arbeiten zur Erdbewegung bei Herstellung des Planum» für den KraukenhauSneubau auf dem Grundstück des AtzpodiengutShofeS in der Fraukfurter Chaussee find nun zur Ausschreibung und Vergebung gekommen. Der Kosten« auschlag des städtischen Bauamtes ist auf etwa 18 000 M. für diesen Teil der Arbeit festgesetzt. Die Angebote der 17 Bewerber bewegen stch zwischen OOOO M. als niedrigste und— 66 000 M. als höchste Forderung! Weißensee. Ein Fall von Wurstvergiftung hat sich in Weihensee ereignet. Der 16 jährige Schlosserlehrling Arnold Bunkert, der im Austrage seines Meisters auf dem Grundstücke Georgcnkirchstr. 31 in Berlin arbeitete, irlrankte unmittelbar, nachdem er die zum Frühstück mit- gebrachte Wurst, die in Weitzensee gelauft worden ivar, verzehrt halte. B. wurde von Arbeitskollegen nach der Unfallstation in der Keibel« stratze gebracht, Ivo der aiuvesendc Arzt eine schwere Wurstvergiftung festsiellle und die Uebersührung des Erkrankten nach dein Augusta- Liltoria-Krankenhanse veranlatzte. Trebbin(Kreis Teltow). Der von der organisierten Arlclterschaft ausgeübte Boykott des Schützenfestes im neuen Schützenhause ist für die zahlreichen Schau- budenbesitzer von nachteiliger Wirkung gewesen. Als die Gilde am Sonntag von den Schaubudenbesitzern das Standgeld einziehen wollte, weigerten sich dieselben, den geforderten Preis von 2 M. zu zahlen, da sie kein Geschäft gemacht hätten. Am Montag zahlten sie den nun von der Gilde herabgesetzten Preis. Beim Einkassieren wurde der Sergeant Oellrich beobachtet, der der Kommission von Bude zu Bude folgte. In wessen Auftrag dieser gehandelt hat, ist nicht bekannt. Die Arbeiterschaft hat natürlich nicht die einzelnen Budenbesitzer treffen wollen, fondern ihre Matznahmen galten dem Besitzer des Lokals, der sich vertraglich verpflichtet hat, die Räume der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung zu stellen. Letztere ist jedoch gewillt, sich die Anerkennung auf Gleichberechtigung zu erkämpfen. Bernau. Ein tödlicher Bauunfall ereignete sich gestern morgen zwischen 7 und 8 Uhr in der EberZwalder Str. 17. Dort ritz beim Hoch- winden der Balken das Seil, wodurch der unten beschäftigte Arbeiter Wilhelm Schmidt aus Buch von der herabstürzenden Last getroffen wurde. Sch. starb auf der Stelle; der Bau wurde hierauf polizeiamilich geschlossen. Schmidt hinterläßt Frau und zwei Kinder vier und sechs Jahre alt. Hermsdorf i. M. In der letzten Gameindevertretersitzung wurde die anfangs Juni eingetretene Wasserkalamität besprochen. Die Angelegenheit wird wahrscheinlich noch zu Regretzansprüchen führen. Der Eisen- bahiiverwaltuug soll auf Antrag Wasser für Wirtsckaftszwccke zu 25 Pf. pro Kubikmeter und für Betriebszwecke zu 16 Pf. pro Kubik- metcr abgegeben werden. Die vor ungefähr einem Jahre von der Stadt Lichtenberg angekauften Anschlagsäulen möchte man jetzt am liebsten ins alte Eisen werfen. Genosse Behrends machte die Herren darauf aufmerksam, datz doch der Ankauf der Säulen da- mals einstimmig beschlossen worden sei. Es wurde nun mit 10 Stimmen beschlossen, daß der Gemeindcvorstand baldigst eine Vor läge zur Aufstellung der Säulen ausarbeiten und vorlegen möge. Der Antrag der Herntsdorsur Boden-Gescllschaft ans Zulassung des Holzbaues für Wohichäuser wurde abgelehnt. Bei dem Antrag unserer Genossen auf Erhöhung der Löhne der Stratzenarbeiter von 3 M. auf 3,50 M. pro Ta>z, entspann sich eine lebhafte Debatte. Genosse Behrends begründete diesen Antrag in sachlichster Weise. Aber wie es bei allen derartigen Anträgen immer ist, so bildeten die Bürgerlichen auch diesmal wieder eine geschlossene Mehrheit. Ter AmtSvorstehcr machte, um die bürgerlichen Herren zu bc- ruhigen, den Vorschlag, daß der Lohn von 3,50 M. pro Tag erst nach einjähriger Tätigkeit gezahlt werden soll. Ein Zwischenruf unseres Genossen Prietzmeier, datz es beschämend sei,� den Ar- heitern den bescheidenen Lohn vorzuenthalten, brachte die Bürger- lichen aus dem Häuschen. Sie verlangten eine Zurechtweisung unseres Genossen. Der Amttlvorsteher antivortete, datz er sich nicht zu schämen brauche, denn fü-r ihn bedeute die Annahme des An- träges eine Lohnerhöhung. Die Versammlung stimmte dem An- trage zu. Genosse Prietzmeier erhob hierauf noch Klage gegen den am 2. Pfingstfeiertag stattgeftindenen Blumentag. Er betonte, datz diese EngroSschnorrerei bei Einwohnern und AuSflüglcrn großen Unwillen erregt habe. Der Herr Pfarrer als Mitvcranstalter lehre die Kinder zwar: Du sollst den Feiertag heiligen, nichtsdestoweniger habe er Schulkinder zu dieser Bettelei herangezogen. Den Bürger- lichen schien diese Anregung unangenehm zu sein. Einer der Herren sagte, daß die Angelegenheit nicht in die Ecineindever» tretung gehöre. Wie unangenehm die Kritik unseres Genossen ge- wirkt hat, beweist, datz das hiesige Amtsblatt in seinem Bericht die Ausführungen unseres Genossen fast gänzlich unterschlägt. Spauva«. Arbeiter-Samariter-Kolonne. Heute Mittwoch, den 28. Juni, abends 8Vz Uhr: Uebungsabeud bei Bühle, Habelstratze. Gäste willkommen Nowawes. 2» der letzten GewcrkschastSkartcllfltznng erfolgte nach eingehender Diskussion die Abstimmung über die in der vorletzten Sitzung'zurück- gestellten Anlräge. Gegen drei Stimmen angenommen wurde der Antrag, welcher den Kartellbeitrag um L Pfi pro Vierteljahr und Mitglied erhöht wiffen will, derselbe beträgt nunmehr 60 Pf. pro Jahr und Mitglied. Von dieser Erhöhung kommen fttr den weiteren Ausbau der Jugendorganisation mindestens 2'/- Pß in Betracht. Zur Wahl zweier Mitglieder zum JugeudauSschutz wurde der Kartell- ausschntz beauftragt, Genossen vorzuschlagen, die nicht dem Kartell als Delegierte angehören, da die einzelnen Delegierten mit Arbeiten genügend belastet sind. Die Abrechnung von der Maifeier ergab«ine Einnahme von 370 Mark, welcher eine Ausgabe von 226,10 Mark gegenübersteht. Der dem Wahlverein und dem Kartell zu gleichen Teilen zu« zuführende Ueberschuh beträgt 149,00 M. Die Firma Grünefeld, die nach Bekanntgabe in der letzten Kartellsitzung die Forderungen ihrer Arbeiter nicht anerkannte, hat dieselben bewilligt. Die Dele« gierten wurden ersucht, in ihren Gewerkschaften für bessere Beachtung der Lokalliste Propaganda zu machen, insbesondere die frciorgani- sierten Arbeiter, welche noch den bürgerlichen Klimbimvercinen als Mitglieder angehören, auf daS Unwürdige ihres Berhalteus auf- merksam zu machen._ Hus aller Melt. Falle. In Fratta Minore kei Neapel sollte am 23.». M. etrfe Prozession zu Ehren deS Sakraments stattfinden, bei der sechs junge Leute den Baldachin des Allerheiligsten zu tragen hatten. Wie in vielen Orten galt das auch hier für eine große Ehre. AIS einer der Erwählte» genötigt war, sich auf kurze Zeit zu entfernen, drängte sich ein anderer junger Mann auf seinen Platz. Daraus entstand eine Schlägerei, die in Gegenwart der Geistlichen und der andächtigen Menge damit endete, datz der Verdrängte einen alten Mann niederstach und einen jungen schwer verivundete!_ Das gepfändete Kriegerdenkmal. In S ch r a m b e r g(Württemberg) vollzog sich dieser Tage eine Pfändung, die wohl auch noch nickt vorgekommen ist. Kam da morgens— so erzählt der.Schwarzwnlder Bote'— von Tennen- brouii, die Berncckfiratze enllang, ein vierspänniger Wagen, auf welchem sich ein etwa 120 Zentner schwerer Granitblock befand, der als Sockel für das Kriegerdenkmal eines benachbarten Ortes bestimmt war. Der riesige Stein erregte Aufsehen und wurde von vielen bewundert. Auch die Anwohner des Schramberger Postplatzcs sahen den Koloß daherkommen, waren aber nicht wenig erstaunt, als der G er i ch tS v o llz i eh er mit seiner Mappe erschien, dem Fuhrmann Halt gebot und daS ominöse blau-weiße Wappen auf den Stein klebtel Der Lieferant deS Sockels, ein italienischer Stcinhauer in Tennenbroitn, war einem dortigen Händler einen Geldbetrag schuldig, und um zu seinem Gelde zu ge- laugen, ließ dieser kurzerhand den Stein pfänden. Der Vorfall zog selbstredend eine größere Zuschauermenge an und fehlte es nicht an guten und schlechten Witzen. So meinte einer, er hätte nicht ge- glaubt, daß das Pfandwappen so schwer sei, daß eS nicht einmal vier Pferde vom Platz« brächten I Nack einiger Zeit hatte der Stein- Hauer einen Bürgen aufgetrieben, sein Gläubiger war befriedigt und der Stein konnte seine Reise weiter fortsetzen. Amerikanische Zollpraktiken. Nach einer Meldung des»Standard' aus New Aorl ist die dortige Zollbehörde einem großen Schmuggelko in plott auf die Spur gekommen, das zwischen einem bekannten M u 1 t i- Millionär und den New Dorker Zollbeamten seit mehreren Jahren bestand. Man schätzt den der Zoll- Verwaltung entstandenen Schaden auf mehr als zwei Millionen Dollar und glaubt, daß zu diesem Werte Juwelen imd Möbel ohne Zahlung eines Zolles eingeführt worden sind. Der Ober- staatsauwalt wird die Angelegenheit vor die Geschworenen bringen. Bekannt wurde die Affäre durch eine in Lebemäunerkreisen viel ge- nannte New Dorker Dame, die sich an einem ihrer Verehrer, der sie mit Juwelen beschenkt hatte und sie in letzter Zeit verlasse» hatte, zu rächen suchte. Sie brachte die Sache beim Zolldirektor von New Aork, Herrn Löb, zur Anzeige, der der Angelegenheit auf den Grund ging und das Komplott entdeckte. Kleine Notizen. Schwerer Gnivemmfall. Auf der Gewerkschaft Heiligen» mühl bei Oechsen(Thüringen) fiel auS noch nicht aufgeklärter Ursache beim Ausfahre» ein Vergniaiui auö dem Förderkorb und stürzte in einen hundert Meter tiefen Schacht hinab auf eine Anzahl unten arbeilender Bergleute, von denen einer getötet und zwei lebensgefährlich verletzt wurden. Auch der Hinabgestürzte war sofort tot. Straßenbahn- Zusammenstoß. Eine von M e z i ö r e S nach C h a r l e v i l l e fahrende Straßenbahn stieß gestern bei einem Bahn- übergange mit einer Lokomotive zusammen. Ein Rei- sender ist tot und sechs find verletzt, darunter einer schwer. Großfeuer. Wie auS Port Arthur in Texas gemeldet wird, brach in den Tanks der Texas Dil Company Feuer aus, das auf zwei Speicher und auf eine Anzahl in der Nähe verankerter S ch i H e übergriff. Explosionen folgten. Ein Schiffs- kapitän wurde 100 Fuß hochgeschleudert, außerdem wurden noch zwei andere Personen getötet. Nach den bisherigen Berichten wird der Verlust auf eine Million Dollar geschätzt. ßHefh�rten der Redahtton. Born Montag, den 26. Juni, bis Sonnabend, den 15. Jnli einschließlich, findet die Sprechstunde in der Zeit von 7'/, bis 9'/a statt. 3)1. K. Für den Fall, dab die Frau versicherungspfliibliq war und ihre Invalidität anerkannt ist, erhält sie eine Rente, deren Höhe sich nach der Zahl der geklebten BcitrazSlvschcnmarken richtet. Wenn der Verdienst noch mehr als ein Drittel deS Verdienstes ausmacht, den gesunde Frauen in gleicher Stellung erwerben, fällt die Rente weg.—/, Uhr.) Ansang S Uhr. Komische C\)cr. Tosca. Lessing. Sommers pul.(Ansang 8 Uhr 20 Min.) Neues»chanspirlhaus. Die leusche Susanne. Kleines. Die verwandelte Katze. 4 Tote der Fiametta. Karneval in Nizza.(Ans.«>/, Uhr.) Lustspieltians. Unsere Pepi.(An- fang 8 Uhr 20 Min.) Thalia. Polnische Wirtschaft. Trianon. Das Prinzchen.(Ansang 8',- Uhr.) Schiller O.(Wallner- Theater.) Panne. SchUicr-li'harlottenbnrg. Der dunkle Punkt. Friedrich- WilhelmstSdttscheS. Kasernenlust. Neues Operetten. Gne Million. (Ansang 8-/, Uhr.) Luisen. Neue Heimat.(Ansang 8-/. Uhr.) Rose. Stessen Langer auS Klogau. (Ansang 8>/, Uhr) Folics Caprice. Die letzte Nacht. Die Hochzeitsreise.(Ansang 8'/, Uhr.) Metropol. Hoheit amüsiert sichl Apollo. Spezialitäten. Paiiagc. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Karl Haderland. Spezialitäten. Walhalla. Prinz und Bettlerin. (Ansang 8>/. Uhr.) Voigt. Goldene Jugend. Roack. Aurora in Oel. Der Wunder- trank. Kniser-Panorama. HI. Rheinreise. II. Zyklus Indien. Urania. Tanbcnstrahe 48/49. 8 Uhr: Lebende Tierbilder von nah und sern. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57— 62. Neues Kgl. Opern-Theater(Kroi» Mittwoch, den 28. Juni. abends 7'/» Uhr: Tannhäuser. Donnerst: Gastsp. Marg. Matzenauer: Tristan und Isolde. Freitag; Die Meistersinger von XUrnberg. SEhiller-ThealerO.llS; Heute abend 8 Uhr: Panne- Lustsplel in 3 Auszügen von Richard Skowronnek. Morgen und folgende Tage: Panne. IOSE=THEATE I Große Franksurtee Str. 132. 'Anfang Slli Uhr. Steifen Langer ausGlop. Auf der Gartenbühne täglich: Konzert/Theatervorstellung, Speziali- täten. Ans. 4>/, Uhr.— Um 8 Uhr: Die große Revue: Es gibt nur ein Berlin. Metropol-Thealer. Operette in 3 Alten von I. Freund. Musik von Rudolf Nelson. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Sensationelle.Attraktionen. Joiinstowns Uutergang. Der größte Erfolg der Neuzeit Cairo. Unverwundbare Derwische. Sudanneger, Harem, Straßensänger, Handwerker, Kamel- und Eselritte. Sonnabend, den 1. Juli: Elite-Tag. Aufstieg und Femfahrt des Prel- Ballonn„Carola" unter persönlicher Führung der berühmten Luft- schifferin Kätc Panlns. Pracht-Illumination des Parks. Sonntag, 2. Juli; Wiederhol, d. Femfahrt. Ansang 8'/. Uhr. ■V Letzte Tage'W| dcS großen Juniprogramms mit verzerbroeliellöLpiege! Ab Sonnabend, den I. Juli: Gastspiel Harry Waiden in dem Vaudeville Sein Herzensjunge. Scbiller-Thealer Heute abend 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Lustspiel tn 3 Akten o. K. Kadelburg und Robert Presber. Morgen und solgcnde Tage: Her dunkle Punkt. TsiölkiMilhöUlMgs Schauspielhaus. Mittwoch, den 28. Juni er., abends 8 Uhr: „Kasernenlnft". Donnerstag u. Freitag, abds. 8 Uhr: „Haserilenlutt". Letzte Borstellungen. Die auserlesenen Attraktionen I LA TORTAJADA. Die 7 Korlnnas, klassische Tanzstudien. Karl Rcinach und Lucia mit ihren Vollblutpferden und Hunden. ]>e Dio. Charles Barons Burleske- Menagerie. Tscbin Maas SheihOhungusen und eine Kette hervorragender Kunstkräfte! Berliner Praler-Thealer Kastanienallee 7— 9. PIT Täglich:"WQ Die drei Grazien. Posse in i Akten von Treptow. Lpsrialitäten und Konzert. Ansang 41/, Uhr. Eintritt 30 Ps. Große Spezialitäten• Vorstellung. Ganz neues Programm. Sensationelle Attraktionen. Gebirgsbahn, Wasserrutscbbabn, Liebesniühle, Teufelsrad u. a. Großes Promenade»'Konzert. Am 1. Juli: Sommerfest des Berliner Bierbrauergesellenvereins. Juni 1911. 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IahkgllNs. Z. Kei!»gc des.HrMs" Kttlim WlttlM. Mtwoch. 28. Jus! lW. Bmq der frauenbe�egung. Der internationale FranenwahlrechtSkongrrß in Stockholm. Zu unserer Noliz in Nr. 147 teilt uns Frau Toni Breilscheid mit, das} das, was dort über ihre Stellung zum Zusammenarbeiten mit den sozial- demolratischen Frauen gesagt wird, nicht stimmt, sondern, daß sie zu der Frage folgende Resolution eingebracht habe: „Die Konvention möge beschließen, daß die Stimmrechts- organisationen aller Länder, wenn in ihrem Lande einige Aussicht auf einen Erfolg in unserer Arbeit vorhanden ist, die sozialdemo- kratisch organisierten Frauen auffordern mögen, mit unS zusammen zu kämpfen, damit alle Kräfte iu diesem entscheidenden Augenblick konzentriert werden." Frau Breitscheid bemerkt weiter, sie habe diese Resolution ein- gebracht, weil m der von Rofika Schwimmer vorgelegten die sozial- demokratischen Frauen zum Anschluß an den Weltbund auf- gefordert werden sollten, was in Deutschland und einigen anderen Ländern nichts als eine Farce bedeutet hätte. Wir hatten den Inhalt jener Notiz skandinavischen Blättern entnommen und sind selbstverständlich gern bereit, unseren Leser» von dieser Berichtigung Kenntnis zu geben. Semdts- Zeitung» Ostelbieu im Jndustriebezirk. Ein Bergmann in L e y t h e bei Wattenscheid wurde beschuldigt. erzählt zu haben, seine Frau unterhalte unlautere Beziehungen mit einem Verwalter einer Gutsbrennerei. Der Verwalter lud darauf den Bergmann zum Schiedsrichter. Zum angesetzten Termin e r- schien der Verwalter mit e i n e r H u n d e p ei t s ch e und mißhandelte damit den Bergmann. Letzterer erstattete Anzeige. Das Schöffengericht in Waltenscheid verurteilte den Verwalter zu der horrenden Strafe von drei Mark oder einen Tag Hast. Die Strastirmmer Bochum als Bernfungsinstanz de- st ä t i g t e das Urleil, indem sie gleichfalls die Erregung des An- geklagten als strafmildernd in Betracht zog._ Sozialdenwkratischer Lese,»nd Diskutierklnb„Henrich Heine". Aeute MMwoch, abends 8'/, Uhr: Sitzung bei Grünberg« btodenbergstr. 8. Gäsle willkommen. «Sitternnavüdersicht vom«7. �uni lSlll. B Sc «2. 8?*- *§ i« Swtnenide Hamburg flcrlin Franfl.a SR. München Wien 76283 763WSW 763 SW 764 SW 766 SW 764 WKW S Vetter L heiter 3 wolkig 2 btilb bd. 4 Regen 4 bedeckt 4 bedeckt »ii i* «tottonen 5 S if Vetter ** G* H'Sdaranda 7S6S| 6 bedeckt ?>t-rSburg 761 SSO i 2»vo lkenl Lctllh 768 NW! 1 wolkig fäberdMv 753 WNW 6 heiter Baris 1768@23 s L bedeckt «östtcittrofliiufe für M/Ittwoch. den S8. Juni lim. Bielsach detVer, jedoch uiibcMndig mit leichten Regenschauern ziemlich irischen südweltlichen Wnichen. Temperatur wenig verändert. 17 23 13 10 11. und SoiiaMeraobTiMerWalilYeFeto dos 6. Eerl. Reiebstags-Vatiiiirelses. Todea- Anzeige. Am 26. Juni verstarb unser Genosse, der Schleifet Hugo Jacobs Gleimstr. 68. Ehr« seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 29. Juni, nach- mittags 4'/« Uhr, von der Leichen- halle dcS Philipp> Apostel- Kirch- hoss, Mllllerstr. 44/45, aus statt. Uni rege Beteiligung ersucht Ter Borstand. rOeufcckier, .Metallarbeiter-Verband! Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß! unser Mitglied, der Arbeiter Eimi! Straßer am 25. d. MIs. an Lungenent- 1 zündung gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am k Donnerslag, den 29. Juni, nach-I mittags 5'/, Nhr, von der Leichen- 1 Halle des Lankwitzer Friedhofes t in Lankwitz aus statt. Ferner starb unser Mitglied,] der Schleifer Hugo Jacobs am 26. d. Mts. an Blinddarm» entzündung. Die Beerdigung findet am i Donnerstag, den 29. Juni, nach-- mittags i'l, Uhr, von der Leichen-! balle des St. Phitippus-Apostel»! Kirchhofes, Müllerstrage 44/45, aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege BeteUtgung erwartet 119/5 Tie Ortsverwaltuug. s Verband der treien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Ortsverwaltung Rlxdorf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Ehefrau unseres Kollegen I-e« Koblckl Frau Margarete Kohicki geb. Uantla verstorben ist. Ehre ihrem Andenkenk Die Beerdigung findet am Donnerstag nachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des neuen Jakobi- FliedhojeS(Helmannstrage) aus statt. Um zahlreiche Lelelligung ersucht 75/7 Die Ortsverwaltung. Freie Kranken- u. Beptinisto (E. H. Ho. ZT). Montag, den 10, Füll, abend? 8 Uhr: General-Versammlung Bei Kube, Alte gakobstraße Nr. 75. Tage». Ordnung: 1. Kassenbericht vom II. Quartal. 2. Berichtclstattulig vom Kranken. kaficnlongreg. 3. Innere Kassen- angelegenheiten. 2491b Vor Vorwtand. Händler- Speise- SU- Essenzen, unerreicht fein, natBrliches Fruchtaroma. Alle zugehörigen Substanzen. «•Inte Rezepte gratl«. Otto ReicheltBeriinSOlEi«cnbahnst.4. Sozialdeinokrat. Wablverein Tempelhof. Am 25. Jnnt verstarb unser Mitglied, der Tischler Rieäricb Lienhof Ringbahnstr. 20. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, nachmittags 3 Uhr. von der Leichenhalle Gemeindc-Fried- hoseZ in der Germantastraße aus statt. 203/12 Zahlreiche Beteiligung wird er- wartet. Ktzex? Vorstand. Deutscher ! Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, | daß unser Kollege, der Tischler Friedrich Lienhof am 24. Juni gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 28. Juni, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Tempelhoser FriedhoseS in der Germaniastraße aus statt, Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Veto!! der Liogranlien, Sleißdrnckef 11. verw. mit (Tentscher Senefeldcr-Bund.) Am 26. Juni verstarb unser Kollege und Mitglied, der In- valide Franz GchSneuraidt im Alter von 53 Jahren an Magenkrebs. Ehr« seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 29. Juni, nach. mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Zehlendorser Kirchhofes aus statt. 292/19 Die Verwaltung der Filiale I. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwallung GroS-Berlin. Den MitaUedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Packer Wilhelm Bergemann am 26. b. MIS. im Alter von >4 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Donnerstag, den 29. d. Mts., nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle de» Luisenstädtischen Friedhofes, Rixdors, Hermonnstraße, aus statt. 68/ l 9 Dir Bezirksleitung. 8 Deutscher Bauardeiter- Verband. Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Unseren sowie den Mitgliedern des Gesangvereins der Putzer zur Nachricht, daß unser Mitglied .Auxust Krause am 26. d. Mts., im Mer von 54 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Mttwoch, den 23. d.M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des LichtcnbergerGemeinde-Friedhoses in Marzahn aus statt. 139/4 Abfahrt v. Lichtenberg-FriedrichS- selbe 3 Uhr 20 Minuten. Am Sonntag, den 25. Juni. abends 11'/« Uhr, entschlies nach kurzen, schweren Leiden mein lieber Mann und guter Vater Ferdinand Andres im 56. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten im Namen der Hinterbttebenen Karle Andres u. Eugen Andres. Berlin, den 27. Juni 1911. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 29. d, M., nach- mittags 3'/« Uhr, von der Leichen- balle des St. Philippus-Apostel- Kirchhofes, Müllerstraß» 44—45, ans statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung metneS lieben Mannes, unseres guten VaterS Paul Michaelis sagen wir allen Verwandten, Freim- den und Bekannten, dem Wahloerein des 6. Kreises, den Genossen des 584. Bezirks, dem Gesangverein .Morgengrauen- sowie dem Genossen Waldeck Manasse für seine trostreichen Worte unseren herzlichsten Dank. Ww. Helene Michaelis nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung unserer lieben Tochter ktfda Bere sagen wir allen Verwandten. Freunden und Bekannten unser» Innigsten Dank. _ Fr. Berg und Frau. Danksagung. Sagen hiermit allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Arbeiter- Radfahrer< Verein Thar« loltenburg für die herzliche Teil- nähme bei der Beerdigung meines lieben Manne». unseres guten Vater», des Maurers I�aoA Griese unseren herzlichsten Dank. Witwe Ida Griese nebst Rinder». I.7.1 Extro-AhteilunR [1. Gesch.; Berlin W., Mohren- Straße 37a(2 Haus von dar j Jerusalemer Straße). Iii. Gesch.: Berlin NO., Große 1 Frankfurt. Str. IIS(2. Haus j von der Andreasstraße). j Sebrgr.Ausw.fert. Kleider, j I Milte, Handschuhe, Schiefer j «etc. v. einfachsten bis zum I | hochelegant. 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Nachtigall, Riidorf.PJiigerstr.ZilVI. F.Xeumnnn.Beiaifkecif.jSoameftlr.St Bssgr. Brot v.ß-rlic. Kcf-cnirk, Xsrl.nhorgt n. SchiiaeTeUe. R. Noak, 1 riedrichshajea T!iJieümann,Öldenburger3tr.21. Bäckerei Oststern, Schani*el>erBt.23 Albin Quandt, Tilsiterstr. 68. Bäckerei„Nordstern" Inh.: Gast. Müller Filialen i. verschied. Stadtteilen 'eter�Orofsbäckerei in allen Stadtteilen u. östlichen Vororten; üb. 60 eig. Geschäfte. Albert Pfenzig, Grätzstr. 10. Pau! Rißniaun, Turinerstr. 36. Max Rospietich, Memclerstr. 65. Conrad Richter Brotfabrik Nied.-Schönhausen Niederl. in all, Stadtteil. Berlins Max Sander, Dunkerstr. 23. tOttoScillatfÄS Gustav Schulz,(ieorgenkirchslr. 67 Scfaäpe, H., Rixdorf, Bergstr. 84. £U*hl!ltt ü Filialen in 11 äl El 9 Wo Berlin O, NO. Slkorski.WeiAcnRee.Heinersdorferstr.ll Max Spilimann, Görlitzerstr. 63. P. Springer BeÄ1feeee6. Gusta r Taopltz, Prinzen- Allee 6t. Thoma's bew. Bäckerei Ackerstr. III. Gerichtstr. 84. ßrnstTrotz, Reichenbergerstr.ill. Ferd. 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Öcbirttimacbcr a6en6S 6Va Uhr, bei Lehmann, Zln der Stralauer Brücke 3. Perlmutt-, Dorn-, StemnuK-Knopkarbelter und -Arbeiterinnen a&cn!>ä 6 im Gewerkschaftshaus(Saal 5)s Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Bericht von der General- Versammlung. 4. Verbandsangelegenheiten.— Zu dieser 2 Versammlung ist der Kollege Karl Ernst aus Beschluh der Beschrverdekommisfion dringend eingeladen. Bürftai- und pinreltnacbcr �oSAn%6el s' Vrta,f' Tagesordnung: 1.„Solidarität und soziales Handeln'. Reserent: Kollege Nitschke. 2. Stellungnahme zum GesellenauSschutz. 3. Branchen- angelegenheiten. Baarfcbmuck-Hrbcitcr diftr8 26%«fenlmS aller in der S!IvlI«l«ia-IU«e»P«vIiin«elikpai>eliy dvsvdtirtlL» ton Arbeiter nnd Arbeiterinnen. a � Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Joh. Ahlers über:„In. direkte Steuern'. 2. Diskussion. 3. Bericht von der Generalversammlung. 4. BerbandS- uud Branchenangelegenheiten. Donnerstag, den 29. Juni: ntfU abends 8'/, Uhr im Englische» Garten. �Iicn-Drancne Alexanderstr. 27o: Vergninnblnns Illr Uerlln Rind, Vororte. Tagesordnung: 1. Bericht der Branchenkommisston. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Alle in der Tischbranche beschäsllgten Tischler, Polierer, Maschinen. arveiier, Teilarbeiter und auch die ungelernten Hilfsarbeiter müssen er. scheinen, ebenso auch die Kollegen, welche dem Transportarbeiterverband angehören. Zweck» Kontrolle wird der Besuch der Versammlung im Mitgliedsbuch durch Stempel legiiimlert. Die Versammlung wird pünktlich cröfsnet. Stellmacher o6cnbs lm Rosenthaler Hof, Rosenthaler Tagesordnung: 1.„Welche Bedeutung haben die RelchSlagSwahlen sür die Gewerklchastcn l' Reserent: Genosse Kobisch. 2. Berächt von der Generalversammlung. Stock- u. Ztlluloidarbcitcr NsAK-ÄSSl.' Tagesordnung: f. Di« Arbeitgeber und die letzten Vorgänge tn der Stockindustrie. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. abends 8'/» Uhr in den Renen Rat- Bezirk vcnoneverg hnussälen. Meininger Str. 3. Tagesordnung: l. Bericht von der Generalocisammlung. 2. Neuwahl der Kommission und der BeitragSsammler. Achtung l«ertranenSmänner! Die VeitrauenSmännerversammiung sür den Bezirk Schöneberg finden bei Kuschte, Meininger Sir. 3, an demselben Tage wie in Grotz-Berltn statt. 8B/2_ Bio Ortzvcrwnltnng. AllMtiner pculfdjct Görtm-Nktti«. Ortsverwaltnng Groft-Berlin. Branche: LandschaftSgärtnerrt. Gärtner! Gartenarbeiter! TonnerStag. den LS. Juni ISll. abends«'/, Uhr. i« Miethes (Nachfolger) Sestsälen. Schöneberg, Hauptstr. K/S, Kranchen-Uerfammtnug TageS, Ordnung: I. Die Erhöhung beS Beitrages für die Branche LandschaftS. gärtnerci. 2. Branchenangelegenheiten. Nachdem die Bezirksversammlungen fich mit der Deitragssrage beschäsiigt baben, ioll nun die Branchenversammlung daS entscheidende Wort sprechen- «ein Mitglied dars in dieser Versammlung sehlen. Der Versammlungsbesuch wlrd im Mitgliedsbuch resp.-Karte durch Abstempelung vermerkt. Mit. gliedsbuch resp.-Karte ist mitzubringen, ohne diese« kein Zutritt. 292/ IS Der Branchenvorstand. Die schlimmsten fteinde der Kinder find die besonders im Sommer auftretenden Magen- und Darmkran! heilen. Den beste» Schutz dagegen bietet eine rationelle Ernährung mit, Kniet«'. lvclchcS dein Organi». imxs die zu seinem Ausbau uöligen Nährstosse zujührt und ihn dadurch gegen Krankhcite» widerstandssähiger macht. Die im. K u s e t e' ent« haltencn Mineral, und Eiweibstofie sördern die Knochen- und Muskel- «Ntwtckelung ous« günstigste. cLo Cflo eiln cOy M M M T reptow Sprce" Heute Oarten K Monstre-Schladitmusik{ Kapelle der Berliner Jug«ndwehr. Musikdirekt. M. Lehmann, � u. Tambour-Korps Kaiser-Franz-Garde-Grenadier-Rgt N«. 2. Zentralverband«r fiaehdeeker Tcrtraltnngsstcllc Berlin. TonnerStag, de» LS. Juni, abends 8 Uhr. im GewerrschaftShtms, St/12 Saal 5, Engelnfer 15: IW"WF der Dachdeckerhilfsarbeiter. DaS Erscheinen aller BcrufSgenossen erwartet Der Torstand. Achtnng i Einsetzer! Achtnng I Heute Mittwoch» de» 28. Juni 1911, abendS 8 Uhr, bei Boeker, Weberstrafte 17- DeffentRlehe VersaminlunK. Tagesordnung: l. Vortrag deS Kollegen Z« n d e l über:.Wie können wir unsere Verhältuisse bessern 2. Diskussion. 85/3 Der Einberufer. Arbeitsnachweis: BcrwaltnngSstelle Berlin. Hauptbureau: Hos l. Amt 3. 1233. charltbstrsg« Z. Hos III. Amt 3. 1387. Donnerstag, den 20. Juni 1911, abends 8'/, Uhr: Lfancben-VcrfammUmg der Elrkwnwlltrnre nnd Helfer Kroß-Kerlins im Englischen Garten, Alexandcrstraße 27 o, großer Saal. Tage». Ordnung daß Donnerstag, den S9. Jnni 1911, abendS 8 Uhr: SFaneben- VevkammlunF der Merkzengmncher sZchnittbaner, Fehrenbnner, Schneid- zengmacher, Einrichter nnd Schnrfschleifer) soivie samt- licher in Kuchdruckmaschinenftbrikkn beschäftigten in den Nrminhallen, Kommandantcnstraße 68/59. Tage». Ordnung: l. Vortrag des Kollegen Hilbert.— 2. Diskussion.— 3. Neu- und Ersatzwahlen zur Agitationskonimission.— 4. Branchenangelegenheiten. Donnerstag, den 29. Jnni 1911, abends 8'/z Uhr: Mitglieder-Bersammlung der Gold- nnd Silberarbtiter nnd vemondten Sernfogenossen im Dresdener Garten, Dresdener Straße 45. Tage«. Ordnung: l. Vortrag des Kollegen Fritz Carl über:„Kapital, und Gewerk- schaslseniwidlung".— 2. Verbandsangclegenheitrn nnd Verschiedenes. Zahlreiches und pünklltcheS Srschewen erwartet 113/4 Die OrtsTemraUnns* Grössle Schonaag der Wäsche dctho SEIFENPULVER beim Gebrauch von DiiThoipsoii'' SEIFENPULVER Überall zu haben. • rbp ly/zmarW; Union Augsburg_. '%//�e Und Vertretung � �Sg.Markgrrt*�* � ytfwS-• r>jw> M»»»» 0»»«At OK•••«« UEDECi B���eeeeo-oeeeAeeeee*!?� mre danzf&h S r% vertanlo ich Pianos Ohne Jede Anzahlung erstklassiges Fabrikat (3m ol prämiiert Staats- g Diedaille) in allen Holz--» und Stilarten von g- wunderbarer Tonfülle, g. (Fliiffclton) gegen kleine monatliche Teilzahlung,.— ohne Jctlen Prclsaiifscblag. 82/4* S Für jedes Instrument gewähre ich 20jäbr. schriftl. 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Dravv. Stettiner Sir. 10. Karl Mar». Lychener Str. 123. Karl Weifte Nachs.. Nazarethtirchstr. 43. H. Bogel. Lortzingstr. 37. A. Tieft, Jnvalidenstr. 124. L. Dcctmnd, Ziuhcplatzstr. 24. bssV. Karl«Uders, Salzwedcierstr. 8. Wecker«. GotzkowSkhftr. 23. SiTiV. H. Werner. Gneisenaustr 72. Taehu. Hageiberger Str. 27. ». St. Irl», Prinzenstr. 3l. F. Gutschmidt, Kottbuser Damm 8. tiO. Paul Aöbm. Laufitzer Platz 1t, ib. P. Harsch, Engeluser IS. Adlernhos. Karl Schwarzlose. Hoffmann str. 3. Haiti», chulemieg. H. Hornig, Marientbalerffr. 13, I, Norslgn'alde. Paul Kicuast, Räuschstc. 10. Ohariotteiihurg. Gustav Scharnverg, Sesenheimer Skr. 1, W'rlQdrlehighagen. Ernst Wcrkmaiin» Käpenicker Str. 13. t. Richard Kiiter, Rödelstr. V, It. lkkOpealed. Emil Wiftlcr. Kietzerstr. 6, Laden. Uehtenherg. Ctto Seikel. ikronprinzenstr. 4, l. Alcder-Schönewcide. Pla�r Priet-ke. Britzer Str. 14 IL /Voivawe,. Wilhelm Jappe, Friedrichstr. 7.