Nr. 151« nbonnementS'Bedingungen: tlbonnemenls- Preis pränumerando i Licrlcljährl. z�ill Mt, man all. 1,10 Mk.. Inächcntlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer ö Pfg. Sonniags- Nummer mit Muslrierler Sonntags- Beilage„Die Neue Welt' 10 Pfg. Poft- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Poft-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postllbonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. ClldKint Wich außer Eontags. S8. Jahrg. Verlinev Volksblcltk. Zentralorgan der foziaUUtnokratifchcn partcl Dcutfcblands. Die TnlerHonS'GebflbP beträgt für die sechsgespaltcne Kolonel» geile oder deren Raun: 00 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Bersammlungs-Auzeigcn 30 Pfg. -Kleine Hnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg,(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. 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Der Wahl- kampfhatwieder begonnen und die Junker dürfen sich rühmen, das Signal zur Erneuerung des Kampfes ge- geben zu habew. Aber nicht nur bei den entrechteten Massen bricht die Entrüstung über das Dreiklassenparlament mit elementarer Wucht hervor. Auch die bürgerlichen Parteien rücken von den Junkern ab. Wir haben gestern darauf hin- gewiesen, daß das Zentrum trotz aller Bündnistreue die Junker warnt, der Reform des Dreiklassenwahlrechts noch länger einen Widerstand zu leisten, der schließlich doch vergeh- lich sein muß. Daß die Zentrumspresse den Junkern so bittere Wahrheiten zu kosten gibt, beweist freilich nicht das germgste für die Wahlrechtsfreundschaft der Klerikalen. Wohl aber beweist es, daß die steigende Erbitterung in den Massen es auch dem Zentrum nahelegt, den Versuch zu machen, den Groll der Entrechteten durch Konzessionen zu beschwichtigen. Freilich, noch glaubt das Zentrum das ganze und un- teilbare Recht des Volkes auf politische Gleichberechtigung zu seinen Schacher- und Handelsgeschäften benutzen zu können. Noch ist ihnen die Wahlrechtsforderung nur ein Mittel, um die Konservativen mit der Drohung einschüchtern zu können, es werde seinen wahlrechtsfreundlichen Worten auch Taten folgen lassen. Die schlauen Revolverpolitiker möchten an dem Feuer unserer Wahlrechtsbewegung ihr Süppchen kochen. So lange das Damoklesschwert der Wahlreform über den Konservativen schwebt, sind diese ja gezwungen, auf allen politischen Gebieten dem Zentrum entgegenzukommen, um den Lohn des klerikalen Wahlrechtsvcrrats einzuheimsen. Aber allzu lange wird das Zentrum dieses frevle Spiel nicht fortsetzen 5önnen. Heute freilich hat Herr von Zedlitz, der grimmigste Feind des gleichen Wahlrechts, gewiß völlig recht, wenn er schreibt: Das Zentrum, das die weitaus meisten Stimmen für das Reichstagswahlrecht stellte, verlangt überdies gar nicht dessen alsbaldige Einführung, stellt mit feiner Zustimmung vielmehr lediglich einen langfristigen Wechsel auf eine nebelhast ferne Zukunft aus. _ An den Massen ist es, durch diese Rechnung einen dicken Strich zu machen und von ihm Energie hängt es ab. wie kurz die Verfallszeit für diesen Wechsel sein wird. Freiwillig wird das Zentrum in�der Wahlreform trotz aller schönen Versprechungen keinen Schritt nach vorwärts tun, aber dazu gezwungen kann es werden, wenn die Agita- tion für das gleiche Recht immer mehr die Massen ergreift, wenn den Arbeitern des Zentrums klargeniocht wird, wie schmählich und entwürdigend es für sie ist, daß die Partei. der sie bei den Wahlen zum Reichstag ihre Stimmen zur Ver- sügung stellen, in Preußen ihre Rechtlosigkeit verewigt. Und wie das Zentrum darauf bedacht ist, den Anschein zu vermeiden, daß es in der Wahlrechtsfrage die Geschäfte der Konservativen besorgt, so rücken auch die National- liberalen von den konservativen Wahlrechtsfeinden ab Die..Nationalliberale Korrespondenz" wendet sich in schärfster Weise gegen die Konservativen, die„auf dem Wege zum Roten Meer" begriffen seien. Das offizielle Organ der nationalliberalcn Parteileitung schreibt: Ängesichts des s ka n da l vo l le n Ausklangs der Landtagssession wird sich nunmehr wiederum, und zivar in ver- stärttem Maße, der Ruf nach einer Aenderung des Wahlrechts erheben, das uns zu solchen nicht mehr erträglichen Zuständen gebracht hat. Das frivole Verhalten des Zentrums und der Konservativen in den letzten Tagen des Juni hat. mehr als die Verhandlungen über den fortschrittlichen Antrag, dafür ge- sorgt, daß jener Ruf im Lande draus?en ein ganz anderes, weit kräftigeres Echo finden wird. Herr Jordan v. Kröcher wird dem unerhörten Vertrauensbruch, der in dem Miß- brauch der ihm übertragenen Präsidialgewalt liegt, ein ganz besonderes Verdienst hieran zuweisen können. So unverant- w 0 r t l i ch ist selten ein Präsident mit der wehrlosen Minder- heit, die ihn selbst mit auf den ersten Stuhl des Hauses gesetzt hat, umgesprungen, so daß sein Sclbstverzicht auf die Wieder. wähl wohl der Uebcrzeugung zu danken ist, daß er die Anwart- schaft auf das erste Ehren- und Vertrauensamt des Hauses dauernd verwirkt hat. Denn seine„humorvolle Art" und seine„Bonhommie" haben sich zuletzt doch als nackter Zynismus demaskiert. Freilich fügte sich die Kröchersche„Ge- schäftMhymg" zuletzt völlig in den RohDen der Ketzde« brandschen Desperadopolitik ein. Jordan v. Kröcher hat, indem er das unparteiische Präsidentenamt in illoyal- st er Weise für einseitige Parteizwecke ausnutzte, genau nach dem Vorbild des Herrn v. Heydebrand der Zerstörungspolitik des Zentrums den Boden bereitet, und die Liberalen können ihm nur dankbar sein, daß er aus seinem Herzen so wenig eine Mördergrube machte. Ein ehrlich nationaler Politiker, dem es wirklich um den Kampf gegen die Mächte des Umsturzes zu tun ist, konnte diesen Ausgang einer Landtagssession nicht verant- Worten. Die Herren v. Heydebrand und v. Kröcher haben es getan. Ihre Stichwahlparole und diese Vorgänge deuten dahin: Sie wollen durchs Rote Meer und achten keinen Skandal zu ge- ring, der dieses„patriotische" Ziel fördert. Die Worte sind ja scharf genug und was über die Geschäftsführung des Herrn von Kröcher, über die Katastrophen- Politik des Herrn von Heydebrand gesagt wird, ist ganz richtig. Aber nicht minder richtig ist, daß diese konservative Politik nur möglich ist infolge der nationalliberalen Schwäche und Feigheit. Ist es doch nur die Feindschaft der Nationalliberalen gegen das gleiche Wahlrecht, das den Konservativen es immer wieder ermöglicht, der Wahlreform Steine in den Weg zu rollen. Die Nationalliberalen wollen ja nicht das Recht des Volkes, sie wollen nur andere Privilegien. Ihre Feindschaft gegen das.gleiche Wahl- recht ist nicht geringer als die der Konservativen. Für die politische Gleichberechtigung sind sie nicht zu haben. Des- wegen haben die scharfen Worte der„Nationalliberalen Korrespondenz" auch keine Bedeutung. Die Politik der Na- tionalliberalen unterscheidet sich von der der Konservativen nur durch ihre größere Einfalt. Die Konservativen wollen das Bestehende erhalten und wehren sich mit Zähnen und Klauen gegen jede Aenderung. Die Nationalliberalen bilden sich ein, sie könnten das Bestehende zerstören, um an Stelle des alten Unrechts ein neues zu setzen. Nichts kann törichter sein, denn die Wahlrechts- bewegung, die stark genug ist, die konservativen Vor- rechte zu zerstören, auf denen heute die Vormachtstellung der Konservativen und des Zentrums ruht; diese Wahlrechts- bewegung wird auch stark genug sein, um die Gcsctzwerdung neuer Privilegien zu verhindern, die die Nationalliberalen zur herrschenden Partei machen und an Stelle der Diktatur der Junker und Klerikalen die des Großkapitals setzen sollen. Der pfiffige Gedanke der Nationalliberalen, mit dem Kalbe der Sozialdemokratie zu pflügen, wird sich nicht verwirk- l i ch e n. Aber diese nationalliberale Politik ist heute ein nicht geringeres Hindernis der Wahlreform als die konservative Feindschaft. Dennoch sind diese Zerwürfnisse unter den bürgerlichen Parteien beachtenswert. Zeugen sie doch von dem Vor- dringen des Wahlrechtsgedankens und beweisen sie doch die Nichtigkeit der Klage eines bürgerlichen Blattes, daß unsere Wahlrechtsagitation wie Sprengpulver die bürger- lichen Parteien auseinandertreibe. Geioiß, man darf die Streitigkeiten im bürgerlichen Lager nicht überschätzen und man muß immer darauf gefaßt sein, daß sie in entscheidenden Momenten beigelegt werden, um der Sozialdemokratie mit geeinter Macht gegenübertreten zu können. Aber auf der anderen Seite klären sie doch die Arbeiterklasse über ihre politische Macht auf. Einer Agitation, die die Massen ergreift, einer Forderung, hinter die das arbeitende Volk seinen entschlossenen Willen stellt, nicht zu ruhen und zu rasten, bis sein Verlangen erfüllt ist, können sich auf die Dauer auch die bürgerlichen Parteien nicht ganz verschließen. Und eben deshalb ist es so wichtig, daß der Wahlrechts- kämpf in vollem Umfang wieder auf- genommen, daß die Forderung des allgemeinen gleichen geheimen und direkten Wahlrechts in Preußen auch in den Mittelpunkt des Wahlrechtskampfes ge- rückt wird, Deswegen gewinnen auch die P r 0 t c st v e r s a m m- s a ni m l u n g e n, die am Dienstag in Berlin und in der Woche vom 2. bis zum 9. Juli in ganz Preußen stattfinden werden, so große politische Bedeutung. Sie sollen den bürgerlichen Parteien zeigen, was für sie auf dem Spiele steht, sie sollen ankündigen, daß die Macht des gleichen Stimmrechts im Reiche in den Dienst der Eroberung des gleichen Walrechts in Preußen gestellt werden wird. Deshalb kommt auch viel darauf an, daß die Entrechteten in Preußen diese Versammlungen zu einer eindringlichen Kundgebung ihrer Entschlossenheit und ihrer politischen Einsicht zu gestalten wissen. Die Protestbewegung im Laude. In ganz Preußen rüsten die arbeitenden Mafien zu Protest- kundgebungen gegen da? schnöde Verhalten der Privilegienritter und WahlrechtSfeinde. Heute ist eS auch nicht annähernd möglich, eine Uebersicht über alle geplanten Kundgebungen zu geben. Wir wollen uns für heute damit begnügen, jene Versa mnilungen unter freiem Himmel bekanntzugeben, die am Sonntag in der Provinz Brandenburg stattfiudcn werden. Solche Vcrsamm- lungen, neben denen in zahlreichen anderen Orten Versammlungen in geschlossenen Nnumen stattfinden, sind einberufen in K 0 t t b u S, F r a n k f u r t a. O., F i n st e r tv a l d e, Brandenburg a. H,, Neu-Ruppin, Zehdenick, Guben, Forst Einbeziehung in die soziale Versicherung und Ver» einheitlichung der gewerblichen Rechtsprechung ist erforderlich- Nichts ist verkehrter als die Zersplitterung in der ArbeitSkammer. Nur' eine einheitliche Organisation dieser Kammer, mit besonderen Jntcressentengruppen auch für Beamte, Werk- meister usw.. könnte diese Frage lösen. Nach einer Zeit des lieber- ganges werden die Angestellten zu der Erkenntnis kommen, daß sie nur in Anlehnung an die Arbeiterbewegung ihre Aufgabe wirklich erfüllen, ihre Kräfte stärken, ihrer Organisation Lebenskraft geben können.(Bravo!) Damit sch l i eß t die D i? kus sion. In seinem ,S ch lu ß- wort bestätigt der Referent Lange Löhners Angabe, daß der Bund der technisch und industriellen Beamten eine neue Organisa- tion für kaufmännische Angestellte zu schaffen suche und in seinem Aufruf diese davor warne,„sich nicht durch Anschluß an die Ar- beiterbewegung zu dauernder Ohnmacht zu verurteilen". Dabei nimmt der Bund, ganz ähnlich wie di) Die Diskussion über Koalitionsrecht nud Strafgesetzentwurf wird, mit der geschästSordnungSmcibigen Redezeit, fortgesetzt. Schreck- Bielefeld tHolzarbeiler) macht auf das Meineids- urteil deS Schwurgerichts für Lippe gegen den Holz- arbeiter Maurer ans Lage aufmerksam. In einem Streik- p r o z e tz wegen Z 153 G.-O. wurde der Arbeiter Mangmann zu acht Tagen Gefängnis verurteilt, wobei das Gericht über den Antrag des Staatsanwalts hinausging. In der Begründung wurde „politische Irreleitung" behauptet und da? Festhalten des Angeklagten an seiner Aussage als strafschärfend angenommen. Alles ist überzeugt, daß hier ein schwerer Fchlspruch vorliegt. Wir wünschten nur, daß hier auch das Recht triumphiere, wie im Schrödcrprozeß, an den dieser außer- ordentlich erinnert. In zahlreichen anderen Meineids- Prozessen gegen Bauern hat das gleiche Gericht größte Milde und Einsicht walten lassen. Wir müssen fordern, daß die Zusammensetzung der Geschworenengerichte gerechter sei. Wir be- rufen nus dabei auch aus T r e i t s ch k e s Ausführung im zweiten Band seiner.Politik, daß die sonst sehr guten Schwurgerichte versagen, wenn sich die Geschworenen in politisch bewegten Zeiten selbst bedroht fühlen. sZustinnnung.) H e n s e l- Berlin sFleischers: Die Fleischerinnungen üben äußersten TerroriSmus, Verhängung von Geldstrafen und selbst Biehboykott gegen nicht willfährige Meister. Wir haben die ssg allerschwersten Kämpfe um daS KoalitionSrccht. In B r e m e n konnten wir mit Hilfe der gesamten organisierten Arbeiterschaft siegen; in Hamburg, Frankfurt a. M. usw. sollen die Gehilfen einen Revers unterschreiben, daß sie der Organi- sation nicht angehören oder beitreten, andernfalls mit sofortiger Entlassung und selbst Konvenlionalslrafe einverstanden find. Die schwarzen Listen sind bei uns alltäglich. Würde der Vorentwurf Gesetz, so könnte jeder Kampf selbst gegen Mißstände, Schweinereien usw. als Erpressung aufgefaßt werden.(Lebhaftes Sehr richtig!) Die Aussprache schließt. Ein st immig wird be- schlössen, daS Heincmannsche Referat in Massen zu verbreiten. Die Resolution des Referenten wird e i n st i m m i g angenommen, desgleichen die Resolution K n o l l gegen das parteiische Vorgehen der Behörden im Mcrseburger Steinsetzerausstand. Arbeitsnachweis und Arbeitslosenunterstützung. Referent Paul U m b r e i t- Berlin(Generalkommission): Wir stehen am Ende einer Wirtschaftskrisis, die den Arbeitern wieder ein- mal schwere Wunden geschlagen hat. Der wirrschaftliche Nieder gang setzte inmitten des Jahres 1307 ei», erreichte seinen We»de> Punkt im September 1309 und machte dann einer allmählichen Auf- wSrtsbewcguilg Platz. Auch heute kann von einer guten Wirtschaft» lichen Konjunktur noch lange nicht gesprochen werden, lieber den Umsang der«rbcitslofigkeit geben uns drei statistische Quellen einige, wenn auch keineswegs ausreichende Aufschlüsse: die Frequenzziffern der öffentlichen Arbeits- nachweise, die BewcgungSziffern der Kranken- lasse und die Arbeitslos enzisfern der Fachverbände. Sieht man sich die Zahlen dieser Quellen an und berücksichtigt man dabei, daß die landwirtschaftlich Beschäftigungslosen darin völlig unberücksichtigt bleiben, daß die an der Arbeitslosen stotistik beteiligten Gewerkschaften einen großen Teil der baugewcrb lichen Arbeiterschaft, die durchweg die höchsten ArbcitSloscnziffern aufweist, nicht umfaßt, und daß schließlich die am u n g ü n st i g st e n gestellten Scbichlen der Arbeiterschaft den Gewerkschaften in der Regel fern- bleiben, so darf man ruhig annehmen, daß eine Million Arbeitslose pro Tag im Dezember 1908 bis Februar 1909 nicht zu hoch gegriffen ist. Eine Million beschäftigungsloser Arbeiter, mit ihren Familienangehörigen eine Bevölkerung von 3 bis 4 Millionen Köpfen, diese Ziffer zeigt uns das Problem der Arbeitslosigkeit in seiner ganzen erschreckenden Tragweite. Nicht e i g e�n e Schuld der Arbeiter ist eS, die sie brollos machte, nein, die Schuld trägt die Gesellschafrsordnnng, die auf dem kapitalistischen Arbeitssystem be- ruht, lrägt die Gesellschaft, die solche Zustände duldet, kleines feuilleton. Künstliches Wachstum von Körpcrgcwcbe. Bon interessanten und bedeutsamen experimentellen Forschungen über das Wachstum von Körpergewebe außerhalb des Körpers berichtete Professor Alexis C a r r e l vom Rockefeller-Jnftilut in New Dort am Freitag in der Berliner chirurgischen Universitätsklinik. Einem Berichte der.Vossische» Zeitung" darüber entnehmen wir: Professor Carrel hat sich schon feit Jahren durch seine Experimente über Gcfäßnähte, Ueberpflanznng von Gefäßstücken und Organen von einer Körpcrsielle auf die andere oder von einem Tier aus das andere Weltruf verschafft. Neuerdings beschäftigt sich Carrel mit dem Studium des Wachstums von Köipergewebe außerhalb des Körpers. Leo Löb- Philadelphia und Harrison haben vor einigen Jahren gezeigt, daß es möglich ist, Gewebeteile des Embryo, die aus der Verbindung mir dem Individuum selbst gelöst waren, in Blutserum zum WeilerwachSlum und unter dem Mikroskop zur Beobachtung zu bringen. Carrel und seinen Mitarbeitern gelang eS dann, auch Ge- webe vom fertigen. auSgewacksenen Individuum außerhalb des Körpers weitcrzuzüchlen. Als Kultur wird Blutplasma(von Brut- temperatur) genonnnen, d. h. Blutflüssigkeit, aus der rote und weiße Blutkörperchen entfernt. Serum und Fibrin zurückbehalten sind. Der Vortragende zeigte unter anderenr in Lichtbildern Photogramme mikroskopischer Präparate von der Haut und der Schilddrüse von Mäusen, Fröschen, Hühnern, an denen man mit aller Genauigkeit sehen konnte, wie von der Grenzzone deS aus dem lebende» Tiere herausgeschnittenen Gewebes aus neue Gewebslcile weiter- ? gewachsen waren. Unter den Bildern befanden sich unter anderem oldende: Man schneidet ein kleines Hautstückchen aus dem Körper und bringt in der Mitte eine Schnittwunde an. Nnn sieht man deutlich, ivie die so entstandene Gewebölücke sich allmählich mit neuem Gewebe ausfüllt, die Wunde also vernarbt. Dabei bietet sich weiter die Möglichkeit zu erforschen, ob und inwieweit Zusatz von Chemikalien daS Wachstum des neuen Gewebes fördert oder hemmt. Gleiche Beobachtungen lassen sich an Geschwülsten machen. Vorläufig handelt es sich hier noch um Experimente. Aber sie bieten den Ausblick auf eine praktische Nutzanivendung beim Menschen. weil nunmehr die Möglichkeit geboten ist. außerhalb des Körpers die Wirkungsweise von Mitteln zur Wundheilung oder zur Be- Handlung des KrebseS zu studieren. Zweifellos werden diese Experimente auch von erheblicher Be« deutung für die Erforschung der Lebensvorgänge überhaupt werden. Musik. Die Hommcropcr dcs Direktvrs Heiurich Hagin bei Aroll erweist sich als eine bemerlenswerte Stufe auf dem Wege ohne ihre Mitglieder dagegen zu schützen. Pflicht der Gesellschaft und ihrer Organe, dcs Staates und der Geineinde, ist es, die Arbeiter gegen diese üblen Folgender herrschenden Pro- duktionsordnung zu schützen und auf eine Beseitigung oder Linderung der Arbeitslosigkeit hinzuwirken. (Lebhafte Znstimmung.) Sie darf die Arbeiter nicht einfach ihrem Schicksal überlassen— das verbietet nicht allein das Gemeinwohl, sondern das wohlverstandene Interesse dieser Gesellschaft selbst, da jede Wirtschaftskrisis tausende werlvoller Arbeitskräfte dauernd vernichtet und hunderttausende auf längere Zeit lahmlegt. Der Pauperismus ist ein schlimmerer Feind der Gesellschaft als selbst Seuchen; sein Umfang ist weit erschreckender, seine Wirkungen her- beerender. Die Massenarbeitslosigkeit während großer Wirtschaftskrisen aber ist der gefährlichste Herd des Pauperis- in u s; da werden Hunderttausende auS dem Arbeitsgetriebe herausgerissen, dem Nichtstun, der Not, dem Stumpfsinn und den Bcrsuchunge» ausgesetzt und viele finden den Weg zur geregelten Arbeit niemals wieder.(Lebhafte Zustimmung.) Nun erkennt zwar die Gesellschaft theoretisch diese Pflicht schon an und auch praktisch ist mancherlei zur Bekämpsung der Arbeitslosigkeit geschehen. Aber die bürgerliche Gesellschaft handelt in mißverstandener Weise nach dem B i b e l w o r t, die Linke nicht wissen zu lassen, was die Rechte tut. Während sie mit der linken Hand schlvächliche, in keiner Weise durchgreifende Reformen gegen die Arbeitslosigkeit schafft, einige NolstandSarbeiten, einige öffentliche Arbeitsnachweise und hier und da gemeindliche ArbcitslosensondS, mehrt sie mit der rechten Hand die Arbeits- losennot zur ungeheuren Größe.(Sehr richtig I> Die Rcichsfinanzreform hat nicht bloß den Steuerdruck und die Lebens« mittclpreise enorm erhöht, sie hat auch Zehntausende von Tabak- arbritcrn und Züudholzarbeitcrn in Arbeitslosigkeit und Elend gestürzt und blühende Gewerbe an den Rand des RnInS gebracht. Der Schaden, den diese Finanzreform der Arbeiterklasse zugefügt hat, überwiegt um ein Mehrfaches den Wert aller seitherigen öffentlichen Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit.(Lebhafte Zw stimmung.) Aus den Beschlüssen der Gewerkschaftskongresse seit 1896 ergibt sich, daß wir von der Negation zu positiver Stellungnahme gekommen sind. Lehnten früher die Kongresse alles ab, was irgend- wie in das Sclbstbestimmungsrccht der Gewerkschaften eingriff, so trat später diese Aengstlichkeit immer mehr zurück. Die Ur- fachen dieser Wandlung sind ebensowohl in der Umgestaltung der Verhältnisse, als in der EntWickelung der Gewerkschaften und der Arbeiterbewegung im allgemeinen zu suchen. Auf dem Gebiet der Arbeitsvcrmittelung ging der Anteil der Gewerkschaften zurück, dafür gewannen die öffentlichen Arbeitsnachweise an Terrain, noch mehr freilich die Unternchmcrnachtveise, auch wenn sie nur zu Kontrollztvecken aus- genutzt wurden. Um diesen Arbeitgebcrnachweisen den Boden zu entziehen, schien es geboten, den Einfluß der öffentlichen paritäti- scheu Arbcitsvermittclung zu stärken. Trat der Einfluß der Ge- wcrkschaften hinsichtlich der Arbeitsnachweise zurück, so wuchs um so mehr ihre Macht auf dem Gebiete der tariflichen Regelung der Arbeitsbedingungen; ein Grund mehr, den Arbeitsnachweis als Kampfmittel auszuschalten. Auch gewann die Arbeiter- bewegnng mehr Einfluß in den Gemeinden und dadurch auf die Verwaltung der öffentlichen Arbeitsnachweise. Anders auf dem Gebiet der Arbeitslosenversicherung. Hier sind alle Versuche, sie staatlich oder gemeindlich auf anderer als gewerkschaftlicher Grundlage zu regeln, als miß- I u n g e n zu bezeichnen, während die gewerkschaftliche Arbeitslosen- Unterstützung mit dem Wachstum der Gewerkschaften selbst an Ausdehnung zunahm. Die Höhe der jährlichen Ausgaben für Arbeitslosenunterstützung ist von 1 880 000 M. auf 9, 20 000 M. von 1903 bis 1909 gowachscn. Die Getverkschaften haben demnach bewiesen, daß sie jederzeit bereit waren, der Gesell- schaft mit gutem Beispiel selbst voranzugehen, daß sie nicht bloß Forderungen erhoben und nach öffentlicher Hilfe geschrien, sondern selber ganz enorme Opfer gebracht haben. Die öffentliche Förderung der Arbeitslosenunterstützung wird zur dringenden Not. wendigkeit, nicht bloß weil es der Pflicht des Gemeinwohls und der Billigkeit entspricht, diese Opfer die Arbeiter nicht allein tragen zu lassen, sondern auch, um den Gewerksckfaften die weitere Er. Haltung und den weiteren Ausbau der Arbeitslosenunterstützung zu ermöglichen. Was haben Reich, Staat und Gemeinde bisher auf diesem Gebiet g e l e i st e t? Die Grundlage jeder Arbeitslosigkeit reform ist eine zuverlässige dauernde Arbeitslosenstntistik. Das Reich hat nur ein einziges Mal eine umfassende Arbeitslosen- zählung vorgenommen: es war dies bei der Berufszählung am 14. Juni 1895 mit Wiederholung bei der Volkszählung am 2. De- zcmber gleichen Jahres. Solche Tageszählungen haben nur einen vorübergehenden Wert. Was wir brauchen, sind ständige ArbeitSlosigkcitsstatistiken, die fortlaufend über den Stand der Arbeitslosigkeit Auskunft geben. Eine solche nimmt das Arbeits- tatistische Amt seit 1903 mit Hilfe der Gewerkschaften auf. Leider erstrecken sich diese Zählungen nur auf diejenigen Gewerkschaften, die ihren Mitgliedern Arbeitslosenunterstützung zahlen. Die Stati- tik reicht deshalb zu einer zuverlässigen Feststellung auch nach ihrer päter vorgenommenen Vervollkommnung nicht auS. Sie erstreckt ich auf 1.7 M il l i o n e n Mitglieder, während ungefähr 799 099 bis 800 000 organisierte Arbeiter außerhalb der Statistik bleiben, teils weil ihre Gewerkschaft keine Arbeitslosenunterstützung zahlt, wie das teilweise noch im Baugewerbe und in der Be- kleidungsindustrie der Fall ist, teils weil sie sich nicht an der Statistik beteiligt, was auch auf die uns angeschlossenen Verbände der Bureauangestellten, Textilarbeiter, Zimmerer, Fleischer und Tabakarbeiter zutrifft. Die Statistik erfaßt also noch nicht einmal die gesamte organisierte Arbeiterschaft.. i Völlig unberührt läßt sie das große Heer der Unorgani- sierten, der Landarbeiter, Dienstboten und An- gestellten. Die Statistik bedarf also der Ergänzung durch die Frequenzzifser der öffentlichen und sonstigen Arbeitsnachweise und durch allgemeine Arbeitslosenzahlungen, die am besten an bestimmten monatlichen oder vierteljährlichen Schichttagen mit Hilfe der Gewerkschaften durchgeführt werden. Aus dem Umstände, daß innerhalb der verschiedenen Gcwcrk. schaftsrichtungen die höchsten Arbeitslosig keits» Prozente auf die freien Gewerkschaften, die niedrigsten da» gegen auf die chri stli ch e n und Hirsch-Dunckerschen ent« fallen, folgert Professor T r ö l t s ch- Marburg, daß die? sich aus dem Klassencharakter der freien Gewerkschaften erkläre: ihre Mitglieder seien, weil sie dem Unternehmertum feind« lich gesinnt seien, häufig der Entlassung und Arbeitslosigkeit aus- gesetzt. Er schließt daraus, daß die Arbeitslosenversicherung viel zu viel in den Kampf zwischen Unternehmer und Arbeiter ein- greife, als daß sie zum Gegenstand staatlicher Reform gemacht werden könne. Dieser Auffassung muß ich durchaus Wider. sprechen. So irreführend die Zahlen sind, von denen sie aus- geht, so irrig sind ihre Schlußfolgerungen. Die Ziffern unserer Gewerkschaften sind nur genauer, während die Ziffern der anderen von Zufälligkeiten stärker beeinflußt sind. In ihnen kommt der wirkliche Stand der Arbeitslosigkeit am deutlichsten zum Ausdruck. Daher ist auch der Schluß verfehlt, daß die �Förderung der gewerkschaftlichen Arbeitslosenunterstützung aus öffentlichen Mitteln auf eine öffentliche Unterstützung deS Klassenkampfes hin ausliefe. Gerade das Gegenteil davon ist richtig, nämlich, daß die Gcwerlschasten trotz ihrer Klassenkampspraxis seit Jahr- zehnten in bereitwilligster Weise eine Aufgabe auf sich genommen und immense Opfer dafür gebracht haben, die eigentlich eine Pflicht der Gesellschaft war, und daß eS hohe Zeit für die Repräsentanlen dieser Gesellschaft, für Reich, Staat und Gemeinde, ist, sich an diese ihre Pflicht zu criuncr» und die Gewerkschaften durch Beihilfe zu entlasten.(Lebhafte Zustimmung.) An der zweiten Stelle der Arbeitslosigkeitsreformen steht die Arbeitsvermittelung. Sic kann zwar die vorhandene Arbeitsgelegen- heit nicht mehren, wohl aber kann sie durch systematische Samm- lung und Verteilung von Angaben über offene Stellen und Arbeit» suchende einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage herbeiführen. Der Austausch der Vakanzenliste von Ort zu Ort und die Zentralisation der Arbeitsvermittelung ermöglichen einen solchen Ausgleich für große Gebiete und selbst über die Grenzen des Reiches hinaus. Eine wirksame Arbeitsvermittelung muß da- her zentralistisch geregelt sein und ein ganzes Netz von Arbeits- nachweisen umfassen. Die öffentliche Arbeitsvermittelung ist noch weit von diesem Stadium entfernt. Ihre reichsgesetzliche Regelung ist auch in der nächsten Zeit noch nicht zu erwarten. Das Strllenvermittlergesrtz von 1310 legt den gewerbsmäßigen Stellenvermittlern nur die Konzessionspslicht auf und merzt ihre unzuverlässigsten Elemente aus. Die gewerbsmäßige Stellen. vermittelung selbst wird aber nicht verboten, sondern wuchert un- angetastet weiter. Wir fordern ihr Verbot und Errichtung öffent» licher paritätischer Nachweise in Stadt und Land.(Lebhaste Zu- stimmung.) zur Popularisierung WagncrS und vielleicht auch zu schlimmerem. Nachdem wir mit den„Meistersingern" angefangen, hörten wir in der vorigen Woche„Lohengrin" und jetzt„Tristan und I s o l d t". Das erstere machte uns in der Hauptsache Freude, daS letztere bitteres Leid. Dort allerdings eine„Oper", hier eines der drei späteren Werke Wagners, denen als ein Ucbergangswerk die „Meistersinger" vorangestellt werden. Aber der Gegensatz wird auch bestritten: man fasse nur auch den„Lohengrin" dramatisch, wagnerisch, und er ist gleich ein anderer— heißt es. Wagner gab in der Tat das scinige schon in den„Opern". Nur sind das alles Werke, die sich und die Sänger und das Publikum tragen; der „Tristan" jedoch und der„Ring"(weniger der„Parsifal") müssen von dem allerwagnerischesten Künstlertum und Zuhörersinn ge tragen werden, sonst sind sie einfach unausstehlich. Wenn wir es künftig, vielleicht schon in den zwei Jahren vor dem„Freiwerden" Wagners, dahin bringen, seine Werke, zumal den„Tristan", weiteren Kreisen vorbereitend zum Verständnisse zu bringen, dann muß auch die Rede sein von der aufs schärffte konzentrierten Art. mit der hier der Musikpoct seine eigensten, intimsten Erlebnisse in Liebe und Weltanschauung künstlerisch aus. gesprockicn hat. Künstlerisch, das heißt hier in seinem Sinne: mit Notwendigkeit, mit„Wende der Not". Warum diese endlosen Dialoge samt dem OrchestergeheimniS, die schrecklich langweilen. wenn sie nicht mit höchster Deutlichkeit der„Ticht"-,„Ton", und „Tanz"-Sprache herausgebracht werden? Weil sie immer wieder begründen, erklären sollen, wie das eine, das Wagner vom Anfange bis zum„Erlösuiigs"-Ende sagen will, so kommen mußte und nickt bloß„Theater" ist. Selbst über dieses hinaus versucht Direktor Hagin seine Leute zu bringen. Er hat wenigstens die Massen, namentlich den tüchtigen Chor, fest in der Hand und läßt sie nicht bloß Szene machen. Zaubern kann er nicht. Auch sein Hauptgast dieser Tage, M a r g a- rete Matzenauer, und ein paar bereits wahlangeschene Sänger und auch seine mehr innige, al" ausgiebige„Elsa", Fräu- lein Wolf, retten die Situation nicht. Am wenigsten, solang auch hier tund bei Kroll erst recht) das unverdeckte Orchester den Gesang schlägt. t>. b. nickt nur übertönt, sondern auch an UnauS- geglichcnheit übertrifft. Die moderne Technik könnte hier doch auch ohne Bayrcuther Orchester helfen— durch Schleier oder der. gleichen; ich höre, daß es derlei in London schon gibt, sz. Humor und Satire. Schlutz der Komödie! Das Kasperle sprach Amen, die Posse war nun aus, die Höcerscharen kamen aus dem Komödienhaus. i Der Vorhang war gefallen, und das burleske Spiel ließ in dem Zwerchfell allen ein eigenes Gefühl. Die einen prustend wiehern und triumphieren laut, sie find ja mit den Ziehern des Puppendrahts vertraut. Doch lachen grell und bitter die andern, die ums Geld w diesem Schmierenritter» und Pfaffenspiel geprellt: ' Ihr treibt eS immer bunter, bis unfre Langmut aus, bis wir eS rufen:'runter den Borhang I Schluß I Hinaus die Kerls I Genug der Worte l.. i Und bis ihr Taten seht, daß euch, ihr Schnapskohorte, das Possenspiel vergeht I _ Franz. Notizen. — Orden und Titel für— Verstorbene dürften in Preußen nun wohl nächstens auch eingeführt werden, nachdem China mit gutem Beispiele vorangegangen ist. Dort soll nämlich, wie die „Köln. Ztg." nach der Pclinger AmtSzeihmg berichtet, ein Gelehrter, der im Jahre 201 nach Chr. starb, einen Ehrenplatz im Gedächtnis- tcmpel des Konfuzius erhalten. Bezeichnenderweise erfolgt die Ehrung, weil besagter Gelehrter einen Kommentar über einen Philo- sophen verfaßt hat. In China sind solche späten Auszeichnungen übrigens nichts Besonderes. Aber für Preußen würde es einen gewissen Reiz der Neuheit haben, wenn z. B. die nachträglich zu nationalen Heroen beförderten Fichte und Jahn nun— zur Be- ruhigung der Bureaukraten und loyalen Untertanen— etwa noch zu Gcheimräteu ernannt würden oder einen postHumen Piepmatz bekämen. — EineLiSzt-Feier veranstaltet zu Ehren des hundertsten Geburtstages de« in Ungarn geborenen Komponisten die ungarisch- Regierung vom 2t. bis 25. Oktober. Den Mittelpunkt der heier wird ein großes Konzert bilden, an dem Eugen d'Albert. Rosenthal. Emil Sauer, Stavenhagen und bekannte Sängerinnen und Virtuo- sinnen teilnehmen werden. Es sollen die KrönungSniesse, sympho» Nische Werke und da« ChristuS-Oratorinm von LiSzt aufgejührt werden. HcBer 5en Umfang Set Tätigleit 5e? teinNi llnfetke�Mcr: Nachweise fehlt es an zuverlässigen Angaben. Das Statistische Amt ermittelte für IVOS 145 Arbcitgebernachweise. Außerdem gab eZ 1004 noch 2410 Jnnungsarbeitsnachweise. Ein Teil davon hat sich neuerdings in reine Arbeitgebernachweisc um- gewandelt, während ein anderer Teil zu paritätischen Fach- arbeitsnachweisen gestaltet wurde Sicherlich ist die Zahl ' iec Arbeitgebcrnachweise größer; ein erheblicher Teil ihrer Ver- i Mittelung beschränkt sich auf die Kontrolle der einzustellenden Ar- beitSkräfte, die von anderer Seite vermittelt wurden, aber nicht ohne Kontrollschein des Arbcitgebernachweises eingestellt werden. Mit Recht nennen sie die Arbeiter Kontrollburcaus. Sie sind zum Kampf gegen die Arbeiterorganisationen gegründet und werden yls Kampfmittel unterhalten.(Lebhafte Zustimmung.) Aus dieser Auffassung heraus sind die größten Arbeitgeberver- bände auch Gegner der öffentlichen ArbeitSnach- weise sowie der paritätischen Facharbeitsnachweise. Sie wollen keine Parität, keinen Einfluß ber Arbeiter auf den Arbeits- Nachweis, sondern erklären, daß der Unternehmer über die An- nähme und Entlassung von Arbeitskräften entscheiden müsse und daß deshalb der Nachweis den Arbeitgebern gehöre. Ihre Nach- weise hätten die Aufgabe, ungeeignete Elemente aus den Betrieben fernzuhalten. Darunter will man nicht alle organisierten Arbeiter im allgemeinen verstehen— das wäre wohl auch niemals mehr durchzuführen(Sehr richtig!), wohl aber solche, die in den Be - trieben agitieren, sowie Streiker, Wortführer in Versammlungen 1 Renitente und Kontraktbrüchige. Der Jndustriellennachweis von Mannheim-Ludwigshafen führte ein ausgedehntes schwarzes Listensystem. durch das selbst ordnungsmäßig ausgetretene Arbeiter geächtet wurden.(Hört! hört!) In Chemnitz werden Arbeiter aus gemerzt, die das 42. Jahr tiberschritten haben, also z u a I t sind Der Zechenverband im Ruhrrevier bekämpfte den Belegschafts Wechsel mit schwarzen Listen, auf denen bald 5400 Mann standen aber ohne Erfolg. Nach Angabe von Dr. Dominikus auf dem Arbeitsnachweiskongreß zu Breslau, besitzt der jetzige Zwangs orbeitsnachweis der Zechen eine tadellose Kartenregistratur mit über 530 000 Namen. Die Zahl der Kontraktbrüche ist aber nicht zurückgegangen.(Hört! hört!) Diese einseitige Monopolisierung des Arbeitsnachweises darf nicht geduldet werden Wir halten unbedingt fest an der paritätischen O r g a n i sation.(Lebhafte Zustimmung.) Auf dem Breslauer Arbeits Nachweiskongreß haben mehrere Redner, wie Dr. Keßler, Dr Dominikus und auch Dr. Freund, sich bemüht, die öffent lichen paritätischen Arbeitsnachweiseiden Arbeitgebern.dadurch schmackhafter zu machen, daß man bei der Vermittelung nicht bloß den Arbeitern sage, ob in einem bestimmten Betriebe gestreikt wird, sondern auch dem Arbeitgeber, ob der Zugewiesene ein Streiker ist.(Lebhaftes Hört! hört!) Das ist keine Neutralität mehr, sondern die Dienstbarmachung der Nachweise für Unter nchmerinteressen.(Sehr wahr!) Die Namhaftmachung zuge wiesener Arbeiter als Streiker hieße nichts anderes, als den Arbeitgcberverbänden die Führung der schwarzen Listen ersparen nnd diese Funktion auf den Arbeitsnachweis zu übernehmen. DaS kann die Arbeiterschaft nicht mitmachen.(Sehr wahr!) Man hat die Frage aufgeworfen, ob eS nicht angängig sei, au Arbeiterseite auf die Bekanntgabe des Streiks der Betriebe zu verzichten, da die Gewerkschaften Mittel finden müßten, für diese Bekanntgabe zu sorgen. Eine große Rolle spielt im Arbeitsnachweis die halbamtliche Feldarbeiterzentrale� deren vornehmster Zweck ist, den Grundbesitzern möglichst viele billige ausländische Arbeiter zu verschaffen. Die Regierung hat diesem Nachweis das Monopol für Aus- ländervermittelung eingeräumt, ihn zur K o n t r o l l- st a t i o n für alle ausländischen Arbeiter gemacht und bestimmt daß kein Ausländer zugelassen wird, der nicht die Legitimations karte der Feldarbeiterzentrale hat, für die überdies 5 M. zu erlegen sind. Dabei werden Arbeiter aus Rußland und Ga l i z i e n nur zur Feldarbeit zugelassen, und bis zum 1. Dezember müssen sie daS Land wieder verlasse». Wer nicht im Besitz einer Legitimationskarte ist, seinen Vertrag nicht innehält oder nicht in das frühere Arbeitsverhältnis zurück- kehrt, wird über die heimatliche Grenze zurückbefördert Wir verurteilen das Treiben dieser Zentrale um so mehr, als sie neuerdings auch bestrebt ist, den industriellen Unternehmern bei Lohnkampfe n ausländische Arbeitswillige zu verschaffen Wir geben unseren wohlbegründeten Anspruch auf den ArbeitSnach- weis nicht auf und werden dieses wichtige Gebiet den Arbeitgebern zur Bekämpfung unserer Organisationen und zur WehrloSmschung der Arbeiter nicht überlassen. Soll der Arbeitsnachweis durchaus ein Kampfmittel sein, dann werden auch wir den uns aufgezwungenen Kampf aufs neue aufnehmen und es wird sich zeigen, wer dabei den kürzern ziehen wird, Zur Frage der Arbeitslosenversicherung Serweist der Redner auf die außerordentlich reichhaltige und' be° deutsame Denkschrift der G e n e r a l k o m m i s s i o n, die idem Kongreß zugegangen ist. Wir haben in der Praxis fast nur mit dem System der Zuschüsse an die beruflichen Kassen zu rechnen. Kein anderes System hat sich bewährt, wie auch der französische Ministerpräsident a. D. Leon Bourgeois erklärte, das G e n t e r System hat mit seinen Modifikationen einen Sieges- zug durch ganz Europa angetreten. Für die Neichsarbeitslosen, Versicherung kann nur das einfache System der Zuschüsse an die Gewerkschaftskasscn in Betracht kommen. Das Reich zeigt aber noch sehr wenig Neigung, Arbeitslosenversiche- r u n g einzuführen, der Uebergang über die kommunale Versiche rung bietet daher viel mehr Aussichten. Nicht alles am Genter System findet unsere Zustimmung. Unsere Genossen in den Ge-- meindevertretungen dürfen auch nicht ungesehen'alles akzeptieren, was man den Unternehmern zuliebe vorschlägt, sonst kann es kommen wie in M a n n h e i m, wo die städtische Einrich- tung nach des Oberbürgermeisters eigenem Zugeständnis sich in den Dienst deS Unternehmertums stellt.(Hört! hört!) Das haben wir denn doch nicht nötig. Lieber gar keine städtischen Zu s ch ü s s e als solche unter Bedingungen, die nur die EntWickelung unserer Gewerkschaften erschweren. (Sehr wahr!) Wir haben der bürgerlichen Gesellschaft gezeigt, daß wir imstande waren, eine Arbeitslosenfürsorge zu organisieren, die heute selbst von sozialpolitischen Fachkongressen als Vorbild- l i ch und grundlegend anerkannt wird. So sehr wir auch die Bei tragspfltcht von Reich, Staat und Gemeinde betonen und so-sehr wir auch ein Recht auf diese öffentlichen Zuschüsse haben, so wollen wir uns deshalb doch nicht die Grundlagen unserer Einrichtungen verderben uni, die Möglichkeit unserer weiteren Entwickelung er- schweren lassen. Die ihnen von feiten der Generalkommis. s i o n vorgelegte Resolution, die die Frage der Arbeitslosen- fürsorge in großen Zügen behandelt, bitte ich utüglichst ein- st i m m i g anzunehmen. Diese Entscheidung des Kongresses wird für unsere Genossen in den Gewerkschaften ein Appell sein, auch weiterhin für die Entwickelung und in einigen «verbänden für die Einführung der Arbeitslosenunterstützung zu wirken, und für unsere Genossen in den öffentlichen Körperschaften sowie für � unsere Vertreter in Stadt und Land eine Aufmunterung sein, auf diesem Gebiete weiterzu- arbeiten, damit bei Eintritt der nächsten ungünstigen Wirtschafts- Periode dem Elend der Arbeitslosigkeit wirksamerer Einhalt ge- tan werden kann, als dies in den letzten Jahren möglich war. A»züge, Frack- Anzüge, Ulsterpaletots, Bein- kteider(auch für korpulente Herren), sowie Kellner-Iacketts, -Fracks, schwarze Duchhosen. Dieselben sind teils aus Seide gearbeitet und nur kurze Zeil gelragen, kaust man spottbillig bei Weingarlen,"TÄ 28 Eckhaus Ritterstr.(früher 20 Jahre Ailschiner Str.). 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Wegen der am Dienstag, den 4. Juli im „Wilhelminenhof" stattfindenden Proteswersainmlung findet die Generalversammlung des Bezirks an einem anderen noch näher bekannt zu gebenden Tage statt. Die Bezirksleitung. Johannisthal. Die Parteigenossen und-genossinnen treffen sich Sonntag nachmittags 3 Uhr bei Gobin, Roonstr. 2, um die Versammlung in Rudow zu besuchen. Der Vorstand. Adlershof. Wir ersuchen die Genosien und Genossinnen, sich an der am Sonntag, den 2. Juli, nachmittags 4 Uhr, auf dem Grundstück des Herrn August Palm, Rudow, Köpenicker Straße 81, stattfindenden Versammlung unter freiem Himmel zahlreich zu beteiligen. Abmarsch 2� Uhr vom Jugendheim, Bismarckstr. 11, aus. Der Vorstand. Friedrichshagcn. Sonntag, den 2. Juli: Familienpartie nach Hirschgarten(Restaurant Wilhelmshof). Treffpunkt nach- mittags 3 Uhr am Marktplatz. Britz-Buckow. Sonntag vormittag, den 2. Juli: Besichtigung der Betriebsanlagen der Konsumgenossenschaft Groß-Berlin in Lichten- berg. Treffpunkt bei Zilz, Werder-, Ecke Rungiusstraße. Abfahrt 8 Uhr ftüh. Der Vorstand. Berliner J�acbricbtene Vor den Ferien. Nun werden nur noch ein paar Tage verrinnen, dann schließen die Schulen für lange Wochen ihre Pforten und die Jugend kann sich im Vollgefühle holder Ferienfreiheit tummeln nach Herzenslust. Wer seine Schulzeit noch nicht ganz ver- gessen hat, wird wissen, was das für Mädels und Jungens der Großstadt bedeutet. Der Genüsse der freien und frischen Natur kann ja bloß ein ganz kleiner Teil unserer Volksschüler teilhastig werden. Denn Verwandte in der Provinz haben nur wenige, und zum Reisegeld für derartige Ferienbesuche langt es hier wiederum nur bei einem Bruchteil dieser Bevor- zugten. Auch für die Ferienkolonien wird gesiebt und ge- sichtet, daß bei den Hunderttausenden Groß-Berliner Volks- schüler nur ein ganz bescheidener Prozentsatz herausspringt. Da kann es nicht Wunder nehmen, daß die Fericnspicl- Plätze in der Umgegend der Millionenstadt von Jahr zu Jahr mehr in Aufnahme kommen. Dort draußen an der Peripherie der Vorortgrenze harren auch jetzt die gut instandgehaltenen Wiesenflächen und Waldgelände der Kinderscharen, die sie in wenigen Tagen bc- leben sollen. Im frischen, sommerlichen Grün prangen die Spielplätze. Liebevolle Sorgfalt und Verständnis für den Naturhunger der Großstadtjugend haben das Spielland ge- legt und gepflegt und ihm dennoch eine gewisse malerische Urwüchsigkeit gelassen. Die verschiedenen Gehölzarten strecken sich wie lange, grüne Mauern, hinter denen nun bald wieder „Jndianerkolonnen" Deckung aus ihrem Kriegsfade suchen werden, oder ballen sich wäldchenartig zusammen, daß „Räuber" einen prächtigen Unterschlupf darin stnden können. Für die Ballspiele, die weite, bäum- und strauchlose Strecken benötigen, geben die grünen Wiesenflächen ein treffliches Terrain. Ein paar Sandgruben sorgen für Stillung des„Erdhungers" der Stadtkinder. Und mitten in diesem grünen Kinderparadies recken die riesigen Unterkunftshallen ihre schlanken Gestänge, auf denen sie die dunkelen Pappdächer tragen. Noch hat es den Anschein, als gehörten sie nicht in das grüne Idyll hinein. Aber in wenigen Tagen wird es auch unter ihnen wogen und sich drängen, wenn die Großstadt ihre ferienfreie Jugend hinausgeschickt hat. Schon jetzt halten neugierige Kinderaugen dort Umschau. Als mich an einem der letzten schönen Abende der Weg zu einem der Ferienspielplätze hinausführte, schlenderten zwei Jungens und ein Mädchen vor mir die Chaussee entlang. Etwa Zwölfjährige waren es. Die Begeisterung hatte sie ge- packt: Die großen Kinderaugen glänzten, die dünnen Knochen flogen in der Erregung des Wortgefechts hin und her. So unsagbar viel gab es zu erzählen: eine Erinnerung aus dem Vorjahre rief immer die andere wach. Und hastig wiesen die kleinen, knochigen Finger bald nach diesem, bald nach jenem Punkt des Spielgeländes, an den sich irgendein gemeinsames Erlebnis knüpfte. Die Ahornbäume breiteten ihre dunklen Kronen über die abendliche Landstraße, als die drei Großstadtkinder, stiller als auf dem Hinwege, den Heimgang antraten.. Vom Horizont grüßten ein paar Mühlen mit dem Riesenkreuz ihrer mäch- tigen Flügel. In den Chausseegräben lugten verschlafene rote Mohnblüten aus grünem Gräsermeer. Der Abcndwind zauste in dem blonden Zopf des Mädchens und zerrte an den Mützen der beiden Jungen, daß sie sie festhalten mußten. Und ein großes Glücksgefühl schien mir um diese Kinderherzen zu liegen, in denen eine hohe Jugendfreude sang und jubelte. Unbemerkt folgte ich in einiger Entfernung den Dreien, die heimwärts zogen, nachdem sie Ausschau gehalten nach den Spielgefilden der kommenden Ferienwochen.... Die Gcmeindeschnlen Berlins haben in diesem Sommerhalbjahr eine weitere Verminderung der Schulkind e r gehabt. Es sind die älteren Stadtteile, in denen mit der Bevölkerungszahl auch die Zahl der Schulkinder seit langem im Rückgang begriffen ist. In den neueren, noch nicht vollbebauten Stadlteilen, deren Bevölkerungs- zahl noch immer durch Zugang sich mehrt, mehrt sich andauernd auch die Zahl der Schulkinder. Der Bedarf an neuen Schulen ist hier noch immer sehr groß, und noch immer wird in diesen Stadtteilen die Vermehrung der Schulen als unzulänglich empfunden. � In ganz Berlin bestehen jetzt 304 Gemeindeschulen mit 6}2 5 2 Klassen(einschließlich 101 Vor- und Neben- klaffen), die von 224 067 Kindern besucht werden. Gegenüber dem letzten Vierteljahr hat die Zahl der Schulkinder, die damals noch 226 257 war, sich wieder um 1200 verringert. Der Rückgang begann vor drei Jahren: das Minus stellt sich für diese drei Jahre zusammen jetzt schon auf 4000 Kinder. Diese Abwärtsbewegung hat dazu beigetragen,«in wenig auch die allmähliche Herabsetzung der Klassenfrequenz zu beschleunigen, die vor zwei Jahr- zehnten begann und noch fortdauert. In dem laufenden Sommer- Halbjahr ist die Frequenz im Durchschnitt aller Klassen etwa 44 Kinder pro Klasse(wenn die Neben- und VorNassen ausgeschaltet werden, deren Frequenz ja vorschriftsgemäß sehr viel geringer als die der Normalklassen ist). Für die einzelnen Klaffenstufen ist der Durch- schnitt, wie bekannt, sehr verschieden� er beträgt jetzt für Klaffe 1, 34—35 Kinder, aber für Klasse VJ.11 48 Kinder. In den einzelnen Klassen ist die Ungleichheit noch größer. Die Höchstfrequenz ist seit längerer Zeit für die Klassen I— IV auf 50, für Klasse V auf 55. für Klaffe VI auf 60 festgesetzt. Auch für die Klaffen VII und Vm war sie auf 60 festgesetzt worden, doch wurde sie dann für Klaffe VIII auf 55 ermäßigt, und neuerdings hat auch Klasse VII die Erckiäßigung auf 55 bekommen. Leider bestehen aber noch immer recht oft diese Höchst- frequenzen nur auf dem Papier. Noch immer ist recht beträchtlich die Zahl der Klassen, die über die vorge- schriebe ne Zahl hinaus besetzt und somit über- füllt werden. Besonders bei den Klassen Vin und VII fällt es uns auf, daß statt der höchst zulässigen Zahl 55 oft 56, 57, auch 58 und 50, ja 60 Kinder hineingestopft worden sind. Trotz der für ganz Berlin zustande gekommenen Verminderung der Schulkinder haben, wie man sieht, sich noch Klaffenfrequenzen erhalten, die den Erfolg des Schulunterrichtes beinträchtigen müssen._ Der Strasjenbahnvcrtrag im Ausschusi angenommen. Unter Vorsitz des Stadtverordnetenvorstehers Michclet trat gestern vormittag �hll Uhr der Ausschuß zur Vorberatung der neuen Straßenbahnverträge zusammen. Die Beratungen währten kaum zwei Stunden. Nachdem einige Anträge abgelehnt worden waren, wurde die Magistratsvorlage ohne Aenderung mit 10 gegen 5 Stimmen angenommen. Außer den Sozialdemokraten stimmte auch Stadtverordneter Rosenow gegen die Vorlage. Nunmehr dürfte in der außerordentlichen Plenarsitzung am Montag die Vorlage gleichfalls angenommen werden. Herr Kirchhoff. Man schreibt uns: In seiner Nummer vom 25. Juni berichtete der„Vorwärts" allerlei Erbauliches über die Machenschaften der Zeitschrift„Unser Weg", die den Untertitel „Amtliches Organ der Preußischen Landeszentrale für Säuglings- schütz" führt und von einem gewissen— Arthur Kirch hoff zum Wohltätigkeits-Spekulations-Qbjekt gemacht wird. Wer ist dieser smarte Arthur Kirchhoff? Kein anderer, als jener Mann, der sich in den Jahren 1004 bis 1006 in den Dienst der deutschen Großbrauer gestellt und, von diesen durch Kapitalien reichlich unterstützt, eine Reihe Blätter gegründet hat, die sich als „wiffenschastliche" oder„literarische" Organe gaben, in Wirklich- keit aber nichts weiter waren als reguläre Jntereffendertreter der Herren Brandircktoren und-aktionäre. Am längsten(etwa ein Jahr) hielt sich das Kirchhoff-Brauer-Blatt„Das Leben", dem sogar einige Professoren aus den Leim gingen, bis der Schwindel enthüllt und damit dem„Leben" das Lebenslicht ausgeblasen wurde. Der„Plutus" hat im Jahre 1006 dem„Teufelsadvokaten" Arthur Kirchhoff überdies nachgesagt, daß er einem Londoner Freunde, einem bezahlten Agenten Rußlands, publizistische Dienste sehr verdächtiger Art geleistet habe. Wer Genaueres über den vielgewandten Mann lesen will, den dürfen wir vielleicht auf die im Verlage des Deutschen Arbeiter- Abstinentenbundes veröffentlichte Zehnpfennig-Broschüre„Das Braukapital und seine Knappen" aufmerksam machen. Herr„Schriftsteller" Arthur Kirchhoff aber, der bei den Bier- baronen abgewirtschaftet hat, macht jetzt mit ganz denselben Tricks wie damals in Kornblumen., Margueritcn- und derlei„Wohl- tätigkeit"! Möge die gesamte Oeffentlichkeit ihm, seiner Zeitschrift „Unser Weg" und der„Preußischen Lanheszentrale für MuglingK- schütz" auf die Finger sehen. Mit 7000 M. durchgebrannt ist der 25 Jahre alte Schreiher Paul Maihoefer aus der Möckernstraße 81, der seit'vier Wochen in einem Bank- und Lotteriegeschäft in der Friedrichstraße tätig war. Maihoefer ist jung verheiratet und Bater von zwe» kleinen Kindern. Seit längerer Zeit war er wiederholt krank, so daß er öfter mit der Arbeit aussetzen mußte. Am DonnerStagvvrmittag sollte er 7000 M. von einer Großbank holen. Schon öfter hatte er noch erheblich höhere Summen pünktlich besorgt, jetzt aber hob er das Geld ab und verschwand damit. Verhängnisvolles Spiel. Von einem Spielkameraden Ins Wasser gestoßen und ertrunken ist der sieben Jahre alte Schulknabe Georg Engel, der bei seiner Mutter in der Neuen Hochstraße wohnt. Der Knabe spielte mit einem Altersgenossen Seidelmeier und anderen Jungen an der Kieler Brücke. Während die beiden vom Treidelsteg aus nach Fischen haschten, gab ein unbekannter Junge dem Seidelmeier einen derartigen Stoß, daß er gegen Engel, der vornübergebeugt neben ihm stand, anflog. Unter der Wucht des Stoßes fiel der Knabe ins Wasser, ging gleich unter und kam nicht wieder zum Vorschein. Seidclmeier und die anderen Jungen er- schraken so heftig, daß sie den Kopf verloren und dabonrannten, ohne etwas zu sagen. Die Leiche des verunglückten Knaben wurde gelandet. Der Alexandcrplatz ist nun auf seinem größeren südlichen Teile mit einem Bretterzaun umgeben worden und man beginnt bereits mit der Entfernung des Rasenbelags, soweit die Bauarbeiten für die Untergrundbahn dies erfordern. Die gärtnerischen Anlagen und Bäume sollen möglichst geschont werden. Die Rammarbeiten an der Front des Polizeidienstgebäudes sind bis zu der Kurve, in welcher die Bahn nach der Prenzlauer Straße hinüber abschwenken soll, vollendet. In der Grunerstraße schreitet die Ausschachtung rüstig vorwärts. Die alte Stadtmauer ist bis auf die Fundamente abgebrochen worden und bald wird ihre Pfahlrostgründung entfernt werden. An der Neuen Friedrichstraße muß der Boden mittels Kran gefördert und sofort abgefahren werden. Der Durch- gang zur Klosterstraße ist gesperrt und nur ein schmaler Zugang zu den Diensträumen deS Geheimen Staatsarchivs einerseits, sowie für das gegenüberliegende Rauchmuseum andererseits freigelassen worden. Ein schwerer Straßenunfall ereignete sich am Donnerstagnach- mittag in der Potsdamer Straße. Der in der Kirchbachstr. 14 wohnende Kaufmann Georg Joitze hatte gegen}46 Uhr einen Straßenbahnwagen der Linie 74 benutzt und stand auf dem Vorder- Perron. Vor dem Hause Potsdamer Str. 105 wurde er plötzlich von einem Unwohlsein befallen und stürzte, ehe andere Passagiere dies verhindern konnten, während der Fahrt auf das Straßenpflaster, wo er blutüberströmt und besinnungslos liegen blieb. Ein hinzu- gerufener Arzt stellte fest, daß der Verunglückte einen Schädelbruch erlitten hatte. Nach Anlogung von Notverbänden wurde I. nach dem Moabiter Krankenhause übergeführt. Zwei Personen beim Baden ertrunken. In der Mahlsdorfer Badeanstalt ertrank ein unbekannter, etwa 25 Jahre alter Mann. Er hatte sich ziemlich weit in den See hinausgewagt und wurde plötzlich von einem erheblichen Beinkrampf heimgesucht. Infolge- dessen versagten die Kräfte und der Schwimmer stieß nun laute Hilferufe aus. Es wurden daraufhin auch sofort Rettungsver- suche unternommen, die aber leider keinen Erfolg haben sollten. — Beim Baden an verbotener Stelle fand der 17jährige Ziegelei- arbeiter Rudolf Krüger den Tod im Wasser. K. hatte sich in ein Gewässer im Tonbruch der Herzberger Ziegelei gewagt. Er geriet an eine Untiefe und verschwand vor den Augen anderer junger Leute im Wasser. Er konnte nur noch als Leiche geborgen werden. Am Karpfenteich im Treptower Park erschossen hat sich der 22 Jahre alte Magistratsschrciber T. aus Rixdorf. Ter junge Mensch jagte sich, auf einer Ruhebank sitzend, eine Revolverkugel in die rechte Schläfe. Aus den Schuß hin eilten Spaziergänger hinzu, die aber nichts mehr ausrichten konnten. Die Kugel hatte auf der Stelle den Tod des Lebendmüden herbeigeführt. Ei» gefährlicher Kinderfreund ist im Südosten der Stadt auf« getreten. Vorgestern abend um 7 Uhr erschien bei einer Arbeiter- frau in dem Hause Oppelner Straße 38, die in einer Unterstützungs« fache reklamiert hatte, ein junger Mann, um eine angebliche Vor- ladung zu überreichen. Als er dann die Treppe aus dem 3. Stock hinunter ging, sah er dort die 7 Jahre alte Tochter des Arbeiters G. aus demselben Hause. Er lockte das Kind mit dem Versprechen, ihm Schokolade schenken zu wollen, an sich und versuchte dann, es zu ver- gewaltigen. Zum Glück kam noch eine Nachbarin zur rechten Zeit dazu. Als diese Lärm schlug, ergriff der Unhold die Flucht. Leider entkam er, obwohl man ihn gleich verfolgte. Er ist ein bartloser, schlanker und schmächtiger junger Mensch. Dachstuhlbrände. Gestern nacht kam ein großer Brand in der Eberthstr. 10 zum Ausbruch. Als der 20. Antomobckzug dort an- kam, standen schon das Dach, der Fußboden im Dachgeschoß, mehrere Bodenverschläge mit vielem Hausrat der Mieter in solcher Aus- dchnung in Flammen, daß die Wehr, die durch den 10. Zug verstärkt war, sofort mit mehreren. Schlauchleitungen über eine mechanische Leiter und die bereits verqualmten Treppen vorging. Es gelang schließlich, den Brand aus das Dachgeschoß zu beschränken. Die Entstehung war nicht aufzuklären. Ein zweiter Da ch st uhlbrand beschäftigte gestern früh den 7. Löschgug in der Gubener Str. 61. Dort war ebenfalls aus noch nicht ermittelter Ursache um 3 Uhr Feuer in einem Boden- verschlage ausgekommen und hatte unbemerkt reiche Nahrung an dem Inhalt der Bodenverschläge gefunden. Die Feuerwehr fand bei ihrem Eintreffen schon einen ausgedehnten Brandherd vor. Die Flammen schlugen schon an mehreren Stellen aus dem Dache empor. Durch kräftiges Wassergeben mit drei Schlauchleitungen von Dampfspritzen gelang es, den Brand auf den Tachstuhl zu be, schränken. Ein Auge ansgeschosscn. Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich am gestrigen mittag gegen t/z2 Uhr vor dem Hause Koppen- straße 33. Dort spielten auf der Straße eine Anzahl Kinder, darunter der zehnjährige Walter Schudowsky. Einer der Knaben. der siebenjährige Karl G., Sohn eines in demselben Hause wohnenden Möbelhändlers, hatte ein Tesching bei sich und drohte den übrigen Spielgefährten auf sie zu schießen, wenn sie sich nicht von dem Hause entfernten. Dabei legte der Knabe das Gewehr an und zielte auf den dicht vor ihm stehenden Sch. Ein anderer Knabe schlug nach dem kleinen G. und in diesem Augenblick entlud sich die Waffe. Die Schrotladung verletzte den kleinen Sch. im Gesicht und mehrere Körner drangen in das linke Auge, dessen Sehkraft, wie auf der nahen Unfallstation am Grünen Weg durch den dienst- wenden Arzt konstatiert wurde, für immer vernichtet wurde. Der kleine Sch. erhielt einen Notverband und wurde dann nach der Charitü gebracht. Bei der Rosenausstellung in Britz am morgigen Sonntag im Lokal von Raddatz, auf die wir bereits gestern hingewiesen haben, soll, wie man uns mitteilt, nach der Art der Margueritentage wiederum eine große Sammelei betrieben werden. Das zusammen- gekettelte Geld soll für die Errichtung des Rosariums verwendet werden. Die Besucher der Ausstellung werden also abermals von einer Anzahl Damen und Dämchen verfolgt werden.> Für Kraftfahrzeuge gesperrt ist nach der Bekanntmachung des Regierungspräsidenten zu Potsdam von heute ab die Provinzial- chaussze Potsdam-Caputh und zwar vom Eingänge zum Krankenhause Hermannswerder(Hoffbauer-Stiftung) bis zur Ein» mündung der Kreischaussee Michendorf-Caputh. Auf der Trcptow-Sternwarte spricht ain Sonntag, den 2. Juli, abends 7 Uhr, Herr Dozent Jens Lützen über:„Die Bewohn- barkeitsfrage im Welltall". Montags abends 0 Uhr lautet das Thema:„Das Aussuchen der Sternbilder mit praktischen Uebungen auf der Plattform". Beide Vorträge sind gemeinverständlich und mit zahlreichen Licht- und Drehbildern ausgestattet.— Mit dem großen Fernrohr wird jetzt bei klarem Wetter nachmittags die Venus und abends der Mond, der jetzt eine sehr schöne Phase zeigt, beobachtet. �- Hus Induftrie und Ftandel Der Schcinkrieg gegen die Trusts. Wie aus New Fori tele» graphiert wird, wird die Erhebung von Anklagen gegen 83 ein» zelne Personen, unter denen sich viele bekannte Finan» zierS, Industrielle und Anwälte befinden, als der Beginn einer neuen Regierungspolitik gegen die Trustgesellschaften angesehen, welche gegen die U n t e r g e s e ll sch asten anstatt gegen die Hauptkorporationen gerichtet ist. Wie verlautet, führt das Justiz- departement vier voneinander unabhängige Untersuchungen gegen die Untergesellschaften, wobei diese in vier Gruppen nach der Produktionsart eingeteilt werden._ Huö der frauenbewegung» Zur Franenwahlrechtsbewegunst in Dänemark. Der dänische Reichstag beschäftigt sich schon lange ntkk einer Revision der Verfassung, die eine Reihe demo- kratischer Fortschritte zum Ziele hat und gleichzeitig auch den Frauen das staatsbürgerliche Wahlrecht bringen soll. Es geht jedoch nicht vorwärts mit der Sache. Die Reaktions- Parteien, deren Macht auf der Ungleichheit der Folkethingswahl- kreise und dem Zwciklassenwahlrccht des Landsthings beruht, sind immer wieder mit Erfolg bemüht, die Vorschläge einzupökeln. Die bürgerlichen Parteien haben meist ein Interesse daran, daß alles beim alten bleibt und erblicken mit Recht in jedem demokra- tischen Fortschritt eine weitere Stärkung der Sozialdemokratie. Aus die Dauer wird man natürlich dem Drängen des Volkes nach einer konsequent demokratischen Gestaltung des Staatswesens nicht standhalten können, und man wird neben den Männern auch den Frauen die volle Gleichberechtigung gewähren müssen. Je länger man den Frauen, die ja in Dänemark das Gemeindewahlrecht schon besitzen, das R e i chs t a gs wa h Ire ch t vorenthält, um so mehr schwillt ihre Wahlrechtsbewegung an. Auch die bürgerliche m-Frauen scheinen nach und nach zu der Erkenntnis zu kommen,?Sß es mit der politischen Neutralität in dieser Bewegung ein eigen Ding ist. Auf dem dieser Tage abge. haltcnen Kongreß des Dänischen Frauenbundes wandte man sich ganz energisch gegen die Konservativen, die als das größte Hemmnis der Erringung des F r a u e n w a h l- rechts erscheinen. Tatsächlich liegt die Sache allerdings so, daß auch die liberal-moderaten Regierungsparteien, deren re- aktionärcr Charakter durch mehr oder minder demokratische Pro- grammforderungen verschleiert wird, ein gut Teil schuld an der Verschleppung der Verfaffungsrevision tragen, durch deren Durch- führung auch ihre Macht weit mehr als unter den gestehenden Wahlrcchtsverhältnissen ins Wanken geraten würde. Der Kongreß beschloß im übrigen eine Resolution, in der die Regierung aufgefordert wird, falls die vorgeschlagene Verfassungs- rcvision sich als undurchführbar erweisen sollte, in der bevorstehen- den Reichstagssession sofort einen Vorschlag einzubringen, der als einzigsten Punkt die Ausdehnung des staatsbürgerlichen Wahlrechts auf die Frauen enthält. Sieht sich die Regierung dazu genötigt, so wird sie nicht umhin können, die Ausdehnung des Wahlrechts ckuch für die D i e n st l e u t e vorzuschlagen, d. h. für die Männer und Frauen, die. ohne einen eigenen Hausstand zu besitzen, in einem privaten Dienstverhältnis stehen und aus diesem Grunde durch die geltende Verfassung vom Wahlrecht ausae- schlössen sind. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 2. Juli, dormittagS 9 Uhr, Pappel-Wee 9hr. t5— 17 und Rixdorf, Mealpassage: Freireligiöse Vor- Icsung, Vormittags 11 Uhr: Kieme Frantjurter Str. 6: Vortrag von terrn M. H, Baege:„Gibt cS Grenzen jiir menschliche ErlennMis?' amen und Herren als Gäste sehr willlominen. Allgemeine Kranken-»nd Sterbekasse� der Metallarbeiter (E, H, 2g, Hamburg), Filiale Berlin 3. Sonnabend, den 1, Juli, abends 8 Uhr, im Saal 1 deZ GewertschastShauseS, Engeluser IS: Mitglieder- Versammlung,— Filiale Berlin S, Sonnabend, den 1. Juli, abends Uhr, bei" 8' Hoffmann, Dragonerftr, IS: D Mitgliederversammlung, Sonnta! dors. Toüristenverein»Die Naturfreunde", Ortsgruppe Berlin. og, den 2, Juli: Wanderung nach Britz, Buckow, Lichtenrade, Marien- Trcffpunlt VI, Uhr Rixdorf, Bahnhof Hermannstrage. Smgegangene Vrucksckriften. Bericht über die Tätigkeit des städtischen UntersuchungSamtes für hygienische und gewerbliche Zwecke zu Berlin, für die Zeit vom 1. Zlpril 1909 bis 31. März 1910. 56 Seiten. Verlag von W. u. S. Löwenthal, Berlin C, Probleme der Volkswirtschaft. Von Georg Hanisch. Preis 3,40 M. Verlag von Putttammer u. Mühlbrecht, Berlin\V. 56. Neue Gedichte. Von Ludwig Riemer. 84 Seiten. Verlagsbuchhand» lung Karl Konegen(Emst Stülpnagel), Wien, Hysterie und kein Ende! Offener Brief an Herrn Staatsanwalt Dr, Erich Wulffen, Von Dr. Armin Steyerthal. Preis 1,20 M. Kall Mashold, Halle a. S,"• Bmfhartcti der Redaktion. Bom Montag, den 26. Juni, bis Sonnabend, den 15. Juli ein» schließlich, findet die Sprechstunde in der Zeit von 7>/z bis 9� abends statt. R. E. 60. Hochfcld. 1. Anzeige beim Amtsgericht, Wiederholung der Austritts erklärung bei diesem zwischen der 4. und 6. Woche nachher. 2. Evangelisch.— H. N. 333. Da Ihnen ein neuer Bezug zugesichert war, müssen Sie ihn auch erhalten. Event!, Klage.— P. D. 23. Sie können durch Hast bis zur Dauer von 6 Monaten gezwungen werden.--- rr Pelerinen-- Gummi-Hantel Loden-Pelerinen für Herren und Damen Grau oder grünlicher Strichloden „Imprägniert". Vorzüglich im Tragen. Längen: 120 cm 125 cm 130 cm Preis: 13-25 M. nnd 7.50 M. Loden-Pelerinen für Knaben und Mädchen grau oder grünlicher Strichloden „Imprägniert" n Vorzüglich imTragen Längen: 100 cm und 110 cm Preis: 10.— M-J nnd ß.-"" M. Längen: 70 cm, 80 cm und 90 cm Preis: 7.50M. mwd 4.50 M. Kavalier-Mäntel ModefarbenerOummistoff, � � ca hochgeschlossen, weitfaltig, 1 9 40—, 36—, 30—, 22.50 1 W M. Gummi-Paletots Hell und dunkel gemustert.._ Mit Fasson u. 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Lcrlag, �prwärtz Auchdruckerei st. BerlagSanjtalt Paus Singer st. Es., A.erLn SW, � Nr. 151. 28. Jahrg. Keilage des Lomiuls"° Imm für Wen, Sltoi, Welt. 1. Juli 1911. Vorort- Nacbrlcbtem W ilmersdorf-Halens ee. Aus der Stadtverordnrteiiversmninlnng. Eine Tagesordnung von nicht weniger als 27 Gegenständen hatte die Stadtverordnetenver- sammlung in ihrer Sitzung vom 23. Juni, der letzten vor den Ferien. zu erledigen. Zum Glück führten nur wenige Angelegenheiten zu größeren Auseinandersetzungen. Wir erwähnen aus den Berhandlnngen einen vom Stadtverordneten Dr. Weber begründeten Antrag, tvonach der Magistrat ersucht werden soll, ein Merkbuch über die für Wilmersdorf be« stehenden sozialen Einrichtungen ausarbeiten zu lassen und dieses Buch allen Aerzten, Armenpflegern und anderen Be- tciligten zur Verfügung zu stellen. Der sozialdemokratische Stadtverordnete Schröder meinte hierzu, daß gegen den Antrag an sich durchaus nichts einzuwenden sei, doch könne der Magistrat angesichts des UnistandeS, dah Wilmers- dorf sich nur durch die Geringfügigkeit seiner soziale» Einrichtungen auszeichne, bei der Ausführung des Antrages einiger- mästen in Verlegenheit kommen. Vielleicht werde der Magistrat aus dieser Verlegenheit befreit, wenn man statt.Merk- buch" bescheiden das Wort„Merkblatt" setze. Die Angelegenheit wurde einem besonderen AuSschntz überwiesen. Mit einem beträcht- lichen Aufwand von schönen Worten begründete Stadtverordneter Dr. Leidig sodann einen von ihm und seinen Freunden gestellten Antrag, wonach der Magistrat ersucht werden soll. der Stadtverordnetenversammlung möglichst bald eine Vorlage über die Errichtung eines G e n e s u n g s h e im§ zu machen. Das Heim soll der minderbemittelten Bevölkerung und den Schichten des Mittelstandes eine möglichst billige Gelegenheit zur Erholung wäh- rend der Rekonvaleszenz bieten nnd in erster Reihe den Frauen nach einer Krankheit oder Entbindung dienen. Es ist daran gedacht, das Erholungsheim möglichst im Grunewald einzurichten. Ging ans der Begründung nicht hervor, datz diese Einrichtung als M i t t e l st a n d s k r a n k e n h a u s gedacht ist, so lies; die Anl- worl des Stadtrats Steinborn kaum einen Zweifel darüber, dag der Magistrat, der sich bereits unabhängig von dem Antrage mit der Angelegenheit befatzt hat, ein solches Institut wesentlich nur bestinrinte» Schichten der Bevölkerung zugute kommen lassen will. Von sozialdemokratischer Seite wurde denn auch hervorgehoben, datz eS einen eigentümlichen Eindruck nach austen hin machen müsse, wenn man sehe, wie in den, sozialpoliliich austerordentlich rückständigen Wilmersdorf die von Herrn Leidig angekündigte Aera der sozialen Reformen eingeleitet werde. Die Sozialdemolratie werde entschieden Einspruch erheben, wenn die vorliegende Angelegenheit in der Tat darauf hinauslaufe. dast in derselben Groststadt, die noch eines eigenen Kranken- Hauses entbehre, in erster Reihe nicht die so dringend notwendige Arbeiterfürsorge, sondern soziale M i t t e l st a n d s p o l i t i k ge- trieben werde. Auch diese Angelegenheit ging an einen besonderen Ausschust. Sehr eingehend wurde weiter eine MagistratZvorlage beraten, wonach die Stadtverordnetenversammlung sich mit der Versuchs- weisen Einsühmng des S ck w i m m u n t e r r i ch l S an den Ge- nicindeschulen l, II und IV einverstanden erklären und hierfür sowie für die Ausstattung sämtlicher Volksschulturnhallen mit Trocke n schwim mapparaten die erforderlichen Mittel von insgesamt 2öSO Mark a»S dem AuSgleichSfondS be- willigen sollte. Stadtv. Riedel sSoz.) gab seine Sympathie für den Schivimmnntcrricht Ausdruck, der lowobl an höheren wie an Volksschulen obligatorisch erteilt werden müßte. Im Lause der Er- örtcruug erfuhr man von dem Referenten Gyinnasialdirekior Dr. C o st e, dast der Gedanke der Einsühning des Schwimmunterrichts an anderer Stelle als im Wilmersdorfer Magistrat seine» Ursprung hat. Der Fachmann teilte nämlich mit, dast die preußische Regierung die obligatorische Einführung des Schwin, m- Unterrichts an allen Schulen des Staates be- a b s i ch t i g t nnd daß sie nach eingehender Prüfung die in der Vorlage erwähnten Trockcnschwimmapparate als ein lvescntlichcs Fördcrnngsmittel dieses Unterrichts betrachtet. EUiche Schwimmer in der Versammlung standen diesen Apparaten dennoch mit be- trächtlichen Ztveifeln gegenüber und stellte einen Antrag auf Verweigerung der hierfür geforderten Mittel. Dieser Antrag wurde jedoch abgelehnt, worauf dann der Magistratsantrag Annahme fand. Am Schluß des öffentlichen Teils der Sitzung liefen einige Ver- treter de? Hausbesitzes gegen den Erlast eincS Ortsstatuts Sturm, das die Verunstaltung von Straßen und Plätzen gemäß dem Gesetz vom IS. Juli 1907 hindern soll. In der von diesen Herren beantragten namentlichen Abstimmung sand die Vorlage jedoch mit 26 gegen 6 Stimmen Annahme. Auch wurde im Zusammenhang mit dieser Sache eine Vorlage angenommen, wonach zur Erlangung guter Sckaubilder für die um das künftige Rathaus nnd den S e e p a r k gelegenen Flächen ein Preisausschreiben in Höhe von 20 000 M. veranstaltet werden soll. Einige Stadtverordnete fanden diesen Betrag zu hoch. Ihnen entgegnete Stadtbaurat Herr»ring jedoch, daß es Pflicht der Stadtverordnetenversammlung sei, die von der Koalition der Architekten für derartige Preisausschreiben aufgestellten Normalsätze zu berücksichligen. Der sozialdcinokratische Stadtverordnete Schröder fand eine derartige Respeklierung von Lohnforderungen ganz in der Ordnung und sprach die bestimmte Erwartung aus, daß der Magistrat nicht minder entschieden gegen unorganisierte Elemente auftreten werde, tocnn cS sich später einmal»m die Verbesserung der Lohn- und Arbeilsbcdingungeu organisierter Arbeiter handeln sollte. VcrnfSstatistischcs auS Wilmersdorf. DaS Statistische Anit der Stadt hat dieser Tage in einem besonderen Heft einige Haupt- rrgebnissc der B e r u f s z ä h l u n g vom 12. Juni 1907 für Deutsch- Wilmersdorf zusammengestellt. Tie in d,e,ein Heft mitgeteilten Relativzahlen geben Kunde von dem eigentümlichen Charakter der WilmerSdorscr Bevölkerung. Vergleichen wir die Zahlen für Wilmersdorf mit den Zahlen für Berlin und für die Lrbeiiersladt Rix dorf. so fällt zunächst der geringe Anteil der WilmerSdorscr Einwohner an der Industrie, einschließlich dem Baugewerbe inS Auge. In Rixdorf sind 69,00 Pro,., in Berlin immer»och öl.SZ Proz., Wilmersdorf hingegen nur 32.10 Proz. in der Industrie tätig. Nicht so stark ist der Ilnterschied, wenn man die in Handel nnd Ver- kehr, einschließlich Gast- und Schankwirtsckiaft beschäftigte» Ein� wohner in Betracht zieht. ES sind in diesen Berufen tätig in Rij dorf 19.54, m Berlin 21.6-1, in Wilmersdorf 26,20 Proz. gezählten Einwohner. Mit häuslichen Diensten Lohnarbeit ivcchsclnder Art beschäftigten sich in Rixdorf 3.06 P-a,.. in Berlin 5.73 Proz. und in Wilmersdorf Proz. Zeigen diese Zahlen, dast die kleinen Staatsbeamten, die sll'arcnweisc die Stadt Wilmersdorf bevölkern, sich nicht ganz in dem Maße den Luxus eines Dienstboten leisten können, wie der Durchschnitt der Berliner, so lehrt die Slanftik weiter, daß die Bcamicii in Wilmersdorf eine Rolle spielen wie in keinem anderen Vorort. Die im öffentlichen Dienst sowie in freien BernfSarten tätigen Personen machen nämlich in Wilmersdorf 15.73 Proz., in Berlin hingegen nur 7,16 Proz und m der Proletarierstadt Rixdorf gar nur 1.41 Proz. der Gezählten aus. Ebenso entfallen in die Rubrik„Ohne Be« r u f s a n g a b e" in Wilmersdorf 19,03, in Verlin hingegen 10,52 und m Rixdorf nur 7,13 Proz. In der Landwirtschast endlich find in Wilmersdorf 1,23 Proz., in Berlin 0,42 Proz. nnd in Rix- dorf 0,80 Proz. tärig. Aus diesen Zahlen ergibt stch, daß die Ar- b e i t e r s ch a f t in Wilmersdorf einen außerordentlich schweren Stand hat und trotz aller Anstrengungen bei öffentlichen Wahle» der Und nur 5.26 nicht entfernt auf Erfolge wie in Berlin oder gar in Rixdorf rechnen kann. Um so notwendiger ist cS, daß die Parteigenossen und Ge- nossinnen von Wilmersdorf in der Agitation ständig auf dem Posten sind. Nixdorf. Freigabe der Schulhöfe als Spielplätze. Dem Wunsche der Ein- wohnerschast entsprechend find auch für die diesjährigen Sommer- ferien die Höfe der Schulgrundstücke an der Ecke der Boddinstraste, Erkstraße, Weserstraste, Kaiser-Friedrich-Straße, Elbestraste, Rütli« straste und Prinz-Handjery-Straße als Spielplätze freigegeben. Den Kindern in, Alter von 12 und mehr Jahren ist mit Rücksicht auf das ungestörte Spielen der kleineren Kinder der Zutritt zu den Schulhöfen untersagt. Die Höfe können von morgens 9 Uhr bis abends 7 Uhr benutzt werden. Die Ueberwachung ist dem Publikum selbst überlassen. Die Schuldiener haben für Reinlichkeit zu sorgen und darauf zu achten, daß keine Beschädigungen der Anlagen usw. staltfinden. Die Benutzung der auf den Höfen aufgestellten Turn- geräte ist verboten. Hunde dürfen auf die Spielplätze nicht mit- gebracht werden. Auf jedem Schulhofe ist Sand angefahren worden, damit die Kinder darin spielen können. Für die Eltern, die gleich- falls den Schulplatz betreten können, ist Sitzgelegenheit geschaffen. Recht sonderliche Erfahrungen mußte ein Arbeiter machen, der am 19. Dezember vorigen Jahres mit seiner Frau vor dem hiesigen Amtsgericht seinen Austritt aus der Kirchengcmeinschaft anmeldete. Die Frau des Arbeiters, die der evangelischen Kirche angehörte, erhielt am 1. Februar dieses Jahres die gerichtliche Bescheinigung, datz ihr Austritt vollzogen sei, während der Ehemann derselben, der Mitglied der katholischen Kirchengemeinde war, auf die Be- scheinigung vergeblich warten mutzte. Mitte März wandte sich der Arbeiter an das Amtsgericht um Auskunft, ob er keine Bescheini- gung über seinen Austritt aus der Kirche erhalte. Auch auf diese Anfrage blieb der Arbeiter ohne Antwort. Erst als sich derselbe am 9. Juni beschwerdeführend an den aufsichtführenden Amtsrichter wandte, wurde ihm am 10. Juni die Bescheinigung des Austritts zugestellt. Da auf der Bescheinigung jedoch anstatt 19. Dezember 1910, 19. Dezember 1911 als Austrittstermin angegeben war, mutzte der Arbeiter nochnials aus das Gericht gehen, damit die Be- scheinigung in Ordnung gebracht wurde. Es hätte nicht Wunder. nehmen können, wenn der Arbeiter, des Spiels endlich müde, auf die Bescheinigung des Austritts verzichtet hätte. Doch der feste Entschluh, auch äußerlich mit der Kirche zu brechen, behütete ihn vor der Unannehmlichkeit, später wieder Kirchensteuer zahlen zu müssen. Charlottenburg. In der Lehrstellcnvermittelung des städtischen ArbeitSnach- weises ist im Interesse einer sachgemäßen Auswahl von Lehrstellen die Einrichtung getroffen, datz die zur Entlassung kommenden Schulkinder zur frühzeitigen Angabe ihres beabsichtigten Berufes veranlaßt werden. So sind schon setzt Knaben angemeldet, die für Michaelis 1911 eine Lehrstelle suchen, nnd zwar nicht nur in den stets begehrten Metallgcwcrbcn lals Mechaniker, Maschinenbauer, Elektrotechniker, Maschinenschlosser), sondern auch im Bangewerbe lals Klempner, Tischler, Maurer, Zimmerer) sowie als Lithograph, Friseur, Schneider, Schuhmacher, endlich auch als Buchhalter, Kaufmann, Schreiber usw. Auch haben sich eine Anzahl Mädchen gemeldet, die eine Lehrstelle als Buchhalterin, Pcrkäuferin, Schnei- derin, Piihinackierin suchen, sowie auch solche, die bereit sind, Dienst- botcnstellen anzunehmen, in denen sie für den häuslichen Beruf ausgebildet werden. Die Vermittelnng im städtischen Arbeitsnach- weis Charlottenburg, Berliner Straße 81, in der Nähe des Wil- Helmplatzes, sowie in der Zweigstelle für weibliches Hauspersonal am Wittenbergplatz 4, Ecke Bahreuthcr Straße 8, ist für beide Teile kostenlos. Vater und Sohn. Vorgestern abend um 7� Uhr sprang der 56 Jahre alte Gemüsehändler Wilhelm Döring aus der Küstriner Straße im Schloßpark in die Spree und ritz seinen 11 Jahre alten Sohn Friedrich mit ins Wasser. Der Sohn wurde gerettet, der Vater konnte jedoch nur als Leiche geborgen werden. Wieder- belcbungsvcrsuche waren ohne Erfolg. Die Leiche wurde nach dem Schauhause geschafft, der gerettete Knabe nach dem Krankenhaus in Westend. Durch einen von Döring im Schlohgarten zurück- gelassenen Zettel steht unzweifelhaft fest, datz er stch mit seinem Sohne das Leben nehmen wollte. Zehlendorf(Wannseebahn). Jetzt endlich ist unsere Gemeindeverwaltung genötigt gewesen Farbe zu bekennen und zuzugeben, daß nicht daran gedacht wird, die Schule im Süden zu bauen. Man müßte über die Leichtherzig- kcit lachen, mit der die Gemeindeverwaltung sowohl wie aucb die Gemeindevertretmlg die Einwohnerschaft an der Nase herumsührt, sobald es sich um Forderungen der Besitzlosen handelt. Doch die Sache ist bitter ernst-, es tritt hier wieder einmal die ganze Rück- ständigkeit der Einwohnerschaft zutage. Bereits im Jahre 1906. vor den Wahlen, wurde der Bau bcichlossen, und zwar als 28klassige Schule, die 1907 die Genehmigung erhielt. Auf Antrag Steinkämper wurde der Bau 1907 um ein Jahr verschoben. 1903 wurde dann der Anfangstermin des Baues auf 1910 verlegt. 1910, vor den Wahlen, schien es, als wollte man Ernst mit der Sackie machen. Ein neues Projekt wurde ausgearbeitet und hierfür bereits zweihundertausend Mark in den Etat ein- gestellt. Die Herren taten sehr entrüstet, als von unserem Genossen Ulm in der Kommuiialwählerversau««»limg die Behauptung aus- gestellt wurde, daß auch djes nur Schaumschlägerei sei. Sie be« schlössen, daß die Schule zum 1. April 1912 bezugsfertig sein müsse, und dann wurde es wieder still. Die Wahlen waren inzwischen vorbei und die Dummen waren wieder auf den Leim gekrochen. Als wir vor längerer Zeit feststellten, daß auf dem Grundstück noch nicht ein Spatenstich erfolgt sei, machten die Herren verdutzte Ge- sichter. Auf Anfrage der Herren Thornton und ClaS, ob es wahr sei, daß die Schule nun doch nicht gebaut werden soll, antwortete der Bürgermeister, daß dem Vorstände von solider Meinung nichts bekannt sei, im übrigen schwieg der gesamte Voistand hierzu. Ja, man ging noch weiter, man stellte auch in den diesjährigen Etat 190 000 M. ein, so dast nunmehr 300 000 M. zur Verfüguiig standen. Und jetzt, ein Vierteljahr nach der letzten Etatsberatimg kommt man her und verlangt Alissclinb des Baues zlinächst aus zwei Jahre, weil— sich jetzt herausgestellt hat, dast gar kein so driiigendeS Bedürfnis für die neue Schule vorhanden sei. Kann es noch einen Gemeinde- vorstand geben, der leine eigene Unfähigkeit auf eine so deutliche Art selbst attestiert und der nicht sofort zwangsweise in den Ruhestaud versetzt wird? Es ist kein Bedürfnis vorhanden? DaS behauptet der Vorstand, obwohl er im selben Atemzuge die Unterbringmig einiger Klasse» in Pcivathäuscr» beantragen inust; in derselben Sitzung, in der der Bau der neuen höheren Mädchelischule endgültig beschlossen wurde, obivohl feststeht, dast eine Reihe der Klassen dieser Schule auf Jahre hiuaiiS leer stehen werden. Festgestellt muß werden, dast, von einige» Verlegenbeitsreden abgesehen, nicht ein einziger Ver» treter gegenüber den Plänen des Vorstandes sich so energisch zur Wehr setzte, wie es mlbedingt nötig gewesen wäre. In seiner bekannten Weise verstand esjHerr Thornton sogar bei dieser Gelegenheit, natür- lich unbeabsichtigt, dem Vörstand eine Brücke zu bauen, über die er sich zunächst retten konnte, um nicht der Lächerlichkeit zu sehr nnheimzusallen. Sein Vorschlag, wenigstens eine siebenklassige Schule zu bauen, wurde dem Vorstand zur Beschaffung einer Vor- 14 Serisn- Verkaufs tage vorn Sonnabend, ' bis Sonntag, Nach beendeter Saison habe ich, um mein grosses Lager zu räumen, eine grössere Anzahl einzelner Anzüge und Paletots, Jünglings- und Knaben- Anzüge, Beinkleider, Leinen- und Lüstreanzüge undjackette, zu einem Serienverkauf zusaraaiengestcllt und die Preise wesentlich herabgesetzt, teilweise bis zur Hälfte Es handelt sich hierbei nicht um minderwertige Ramschware, die extra für Ausverkaufs» zwecke angeschafft ist, sondern um reguläre, streng moderne Herrenbekleidung, die in meinem eigenen Grossbetriebe hergestellt ist, und für deren Güte ich jede Gewährübernehme Beachten Sie die Preise in meinen 11 Schaufenstern! Gottlieb Weiss Schöneberg, Haupt- Strasse 161 EÄJrffiStKsSSS Slit Blitz■ ürlketts ist daS Essen blitzartig zubereitet.» loupets, Pocken» �öpfe billlgzte Bczngaqnolle. - K ar rccUe Ware.—— 0. 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Ein Beweis für die Noiwendigleit der Schule lag klar in den Worten des Schulleiters, der mit Wärme und etwas viel Diplomatie für den Vorschlag Thornton eintrat. Leider der- mifjteir wir bei ihm, der die Dinge gewiß besser kennt, den richtigen Ton. der dieser Vertretimg gegenüber notwendig ist, um etwas zu erreichen. Man machte dem verdienten Beamten wohl einige konziliante, unverbindliche Verbeuglmgen, im übrigen aber bleibt alles wie bisher. Spandau. In der gutbesuchten Geueralversamnilung dcS WahlvereinS am Dienstagabend im Lokal von Borchardt, Seeburger Straße, erstattete der Vorsitzende, Genosse S c i o r den Vorstandsbericht. Aus dem- selben ist folgendes zu entnehmen: Es wurden im Berichtsjahre St) Vorstandssitzungen abgehalten. Flugblattverbreitungen fanden S statt. Am 13. August v. I. war eS gelungen in Tiefwerder ein Lokal für eine»< Zahlabend zu erlangen und die Parteibewegnng entwickelte sich dort sehr gut. Leider wurde der Wirt durch die Polizeiverwaltung so eingeschüchtert, daß er sein Lokal der Partei wieder entzog. Die öffentlichen Volksversammlungen, welche der Vorstand veranstaltete, waren anfangs sehr gut besucht, in letzterer Zeit habe der Besuch aber nachgelassen, was sich namentlich bei den Versammlungen wegen des Bäckerstreiks unliebsam bemerkbar machte. In Falkenhagen-Seegefeld ist es mit Hilfe der Spandauer Genossen gelungen, den dortigen Genossen ein Lokal zu erringen. Auch in Kladow ist die Bewegung gut fortgeschritten. Dort wurde am 8. März der zweite Genosse in die Gemeinde- Vertretung gewählt. Die Uebergabe der Spedition an den «Vorwärts" fand am i. April statt. ES wird ersucht, die Buchhandlung nach wie vor zu unterstützen. Die diesjährige Mai- feier zeigte eine so starke Beteiligung, wie noch nie m den Vor- jähren. DaS Lokal von Gottwald, Schönwalder Straße, ist ein- gegangen, angeblich wegen zu geringer Unterstützung seitens der Partei und Gewerkschaften. Die Genossen werden aufgefordert, die Parteilokale mehr zu berücksichtigen. Desgleichen forderte Genosse Scior am Schlüsse seines mit regem Interesse angehörten Berichtes auf, mit aller Energie in den bevorstehenden ReichStagSwahlkampf einzutreten. Den KaffenberiiR�für die Zeit vom 1. Juli 1S10 bis 80. Juni 1911 gab Genosse Koppen. Danach betrugen die Einnahmen inklusive eines Bestandes von 269,79 M. vom borigen Jahre 3799,78 M., die Ausgaben stellten sich auf 3270,32 M., der Kassen- bestand betrug am 2i. Juni 1911 529,46 M. In diesen Kassen- bestand ist der Pressefonds in Höhe von 270,30 M. enthalten. An die Krciskasse wurden abgeführt 2268,16 M. Der Mitgliederbestand hat sich etwas verringert. Die Zahl der„Vorwärts"- Abonnenten betrug am 1. Juli 1910 1105, am Schluß des Berichts- jahres ISIS. Hiernach wurden von den einzelnen Kom- Missionen Tätigkeitsberichte erstattet, die wesentliches nicht boten. In der Diskussion wurde vom Genossen Stahl die Einkassierung der Beiträge durch Kassierer angeregt. Die sich anschließende Vorstands- Wahl hatte folgendes Ergebnis: Zum 1. Vorsitzenden wurde Genoffe Szior einstimmig wiedergewählt; ebenso der Genosse Koppen als 1. Kassierer und Genosse S e n f t l e b e n als 2. Kassierer. Zum 1. Schriftführer wählte die Versammlung den Genossen Fiedler und zum 2. Schriftführer den Genossen I a h n k e und zwar auch einstimmig. Die Wahl veS 2. Vorsttzenorn wurde aus Zweck- Mäßigkeitsgründen bis zur nächsten Generalversammlung ausgesetzt. Zu Revisoren wurden die Genoffen Wolter, Salzwedel und Hornig gewählt. In die Lokalkommission werden gewählt die Genossen Kirsten, Pähl und Kazmirzack. Wegen vorgerückter Zeit wurden sowohl die Wahlen der übrigen Kommissionen wie auch der übrige Teil der Tagesordnung bis zur nächsten Generalversammlung, die, wie der Genosse Szior mitteilte, am 18. Juli bei Böhle stattfindet, vertagt. Am 9. Juli hält die freie Turner- schaft in den Räumen der Pichelsdorfer Brauerei ein Sommer- fest ab. Es wird auch nachmittags 2'/, Uhr ein Umzug durch MM Die Zum genehmigt. zu beteiligen. die Stadt stattfinden. Der Umzug ist'bereits Genossen werden ersucht, sich recht zah Schluß gab der Genosse Richter noch folgenden Trick der gelben Organisation zum besten. ES war aufgefallen, daß in dem gelben Organ„Der Bund" auch einige Spandauer Geschäftsinhaber inserierten. Auf seine Nachforschungen, wie denn diese Inseraten« auftrüge zustande gekommen, namentlich auch bei Geschäftsleuten, die im„Vorwärts" inserieren, hat er folgendes in Erfahrung gebracht: Zu den GefchäftSlettten kamen einzelne Personen, die sich als Be- auftragte des sozialdemokratischen Arbeitervereins und des sozial- demokratischen Metallarbeiterverbandes ausgaben, um Inseraten- offerten ftir den„Bund"(Organ der Gelben) zu machen. Sie ver- sprachen den Geschästskeuien einen 50 Proz. größeren Absatz, wenn sie Inserate aufgäben. Einige fielen auf den Schwindel rein. Ein Warenhausbesitzer, dem er die Sache klar machte, ist sofort von dem Vertrage zurückgetreten. Die Geschäftsinhaber haben sich nämlich gleich auf eine längere Zeit zur Insertion verpflichten müssen. Auf dem Nonnendamm sind innerhalb eines halben JahreS etwa 350 Familien zugezogen, so daß jetzt insgesamt etwa 800 Fa- milien hier wohnen. Die Bautätigkeit ist in diesem Jahre ganz besonders stark. Bis zum 1. Oktober werden zirka 400 neue Woh- nungen bezugsfertig. Aber auch für das nächste Jahr sind größere Wohnungsbauten geplant. So will die Charlottenburger Bau- genoffenschaft allein 270 Wohnungen bauen, welche am 1. April. 1. Juli und 1. Oktober nächsten Jahres bezogen werden sollen. Ter Wahlverein zählt jetzt 24 Mitglieder, außerdem sind 51„Vor- wärts"-Abonnenten vorhanden. Der Metallarbeiterverband hat seit einiger Zeit hier zur Agitation für die SiemenSwerke einen sehr rührigen Genossen angestellt. Auch die anderen freien Ge- werkschasten sind jetzt auf dem früher etwas vernachlässigten Nonnendamm tätig. ES ist hoffentlich die Zeit nicht mehr fern, wo der„gelbe" Nonnendamm eine roten Anstrich bekommt.— Am 8. Juli veranstaltet der hiesige Bezirk eine Mondschem-Dampfcr- fahrt auf der Oberhavel. Billetts a 60 Pf. sind bis Montag abend in den Lokalen von Dreier, Märkischer Steig 6 und Döhle, Havel- straße 20, segne bei den Vertrauensleuten zu haben. Jugendveranstaltunge«. Freie Jugendorganisation Steglitz und Umgegend. Am Sonntag, 2. Juli: Beteiligung am MassenauSflug der Arbeilerjugend von Grog- Abmarsch um>/,S Uhr von Friedenau, Kaiser� den 40 Ps. Die Arbeiterschaft'von �Steglitz"und Friedenau wird ersucht, Söhne und Töchter an diesem AuSfluge teilnehmen zu lassen. Lichterfelde-Lankwitz-Zehlendorf. Ausflug am Sonntag, 2. Juli, nach dem Müggelschlögchea(Fnedrichshagen). Die Treffpunkte sind solgende: Lichte rsclde,.Händelplatz 7'/, Uhr; Z e h l e n d o r s, Dahnhos daselbst 7-/- Uhr; Lankwitz. Siemensbrücke 8 Uhr Die Lichterselder und Lankwitzcr fahren uor 8'/, Uhr vom Bahnhos Sudende nach Nieder-Schöneweide-JohanniZthal. Zusammentreffen mit den Zehlen- dorsern daselbst 9'/, Uhr. Fahrgeld 40 und 60 Ps._ Sehnh-Kaos»Amerika"� Pablo Le»y, !oison-Ausverhoiif! Dauer bis 18. Juli Extra hiHfScr yerkauf z.T. ganz erheblich unter SeShsthosfcnpreis Eintritlszeil Iiis anl weiteres! Herren-Anzüge m mannig. laltlgan Stoffarten, beste Verarbeitung, 4 50 guter Sitz von M. I an Herren- Anzüge in guten gediegenen QualitSten, darunter auch ein- 4 jpZ 00 zelne Modelle von M. I Herren- Paletots w an solide gemusterten guten Qualltaten, moderne �%50 Ausführung von M. an Herren- Ulster in modemen Stoff arten, beste Verarbeitung. 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