Nr. 133. nbonncmentS'Bedlngungem HBonnementS> PrciZ pränumerando: Bicrteljährl. g�a SKt, monatl. 1,10 3Kf, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags. Nummer mit illustrierter Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1.10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 28. Jahrg. CrfitdDt tSgllch außer dootaat. Verlinev Volksblalt. Zentralorgan der rozialdcmokratifchen Partei Deutfchlands. Die TntertlonS'Gebflbr beträgt für die fechSgelpaltene Kolone!» zeile oder deren Raum M Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Vcrianimlungs-Anzeigen M Pfg, „Kleine Hnrtigen", das fettgedruclle Wort 20 Pfg. tzulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstcllcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IS Buch- siaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „S«zial(Uiiiolirat RsrllB". Redaktion: SRI. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 4. Jnli 1311. Expedition: SM. 68, Lindenetraase 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981» heute ist der tag des Protestes! Rechtlose, erscheint alle in unseren Versammlungen! Zeigt, daß Ihr es satt habt, länger Staatsbürger zweiter und dritter Klasse zu sein! Erhebt Einspruch gegen das Treiben der Chauvinisten, die Euer Gut und Blut für die kapitalistischen Interessen in Marokko einsetzen wollen! Protestiert gegen den Imperialismus, der kriegerische Gefahren über das deutsche Volk heraufbeschwört! Legt Zeugnis ab ftir die Freiheit und den Frieden, für die internationale Solidarität gegen kapitalistisch Völkerverhetzung und gegen koloniale Raubpolitik! Kämpft für das fteie Wahlrecht in Preußen und Ihr sichert Freiheit und Kultur gegen kapitalisüsche Barbarei! Das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht in Preußen ist die Vorbedingung der Ueberwindung der herrschenden Reaküon. her vorstok des deutschen Imperialismus. Die Entsendung des deutschen Kriegsschiffes nach Agadir hat wie eine Fanfare gewirkt. Als vor einigen Wochen eine Korrespondenz die Nachricht brachte, daß Deutschland Kriegsschiffe nach Marokko schicken wollte, wurde das von der »Nordd. Allgem. Ztg." in den schärfsten Worten als eine boshafte, gewissenlose Behauptung zurückgewiesen. Was vor «inigen Wochen noch gewissenlos war, ist heute eine nationale Großtat! Noch vor wenigen Tagen hieß es, zwischen dem franzö- sischen Botschafter und dem deutschen Staatssekretär sei in Kissingen unterhandelt worden und die Unterhandlungen seien befriedigend verlaufen. Jetzt stellt sich die deutsche Politik in den schärfsten Gegensatz zu der französischen. Weder mit Frankreich noch sonst mit einer Macht, die den Algecirasvertrag unterzeichnet hat, hat sich die deutsche Politik ins Einvernehmen gesetzt. Sie tat es nicht, weil diese Politik das völlige Aufgaben der bisherigen inter- nationalen Verträge bedeutet. Der Algecirasvertrag ist heute ein zerrissenes Stück Papier. Deutschland, jubeln die Chauvinisten, hat seine Handlungsfreiheit wieder. Wozu wird es sie gebrauchen? Das geht das deutsche Volk zunächst nichts an. Das weiß allein die Regierung. Sie erzählt uns, daß die Ent- sendung des Kriegsschiffes nötig war, um Leben und Eigentum deutscher Staatsbürger im Süden Marokkos zu schützen. Vor Sonnabend war von einir Gefährdung deutscher Bürger nichts bekannt. Irgend konkrete Tatsachen liegen auch heute nicht vor. Als die französische Diplomatie ähnliche Behauptungen zur Rechtfertigung des Zuges nach Fes aufstellte, wurde sie von der ganzen deutschen Presse— mit Recht— verhöhnt. Dürfen wir klagen, wenn dieselben Behauptungen der deutschen Offiziösen denselben Unglauben im Auslande finden? Doch wäre es müßig, mit den diplomatischen Vorwänden des deutschen Vorgehens sich eingehender zu beschäftigen. Um so aufmerksamer niüssen die Tatsachen beachtet werden. Das Vorgehen der deutschen Regierung schafft eine neue und überaus ernste internationale Situation. Der Kriegszug der Franzosen hat die Marokkofrage neu aufgerollt. Die Spanier benutzten das französische Vorgehen, um Larrasch und Elksar zu besetzen. Sie eigneten sich unter Bruch der bc- stehenden Verträge und entgegen den französischen Protesten Stücke von Marokko an. In Frankreich wurden Warnungen laut und der Argwohn, daß das spanische Vorgehen von Deutschland um deshalb widerspruchslos hingenommen wurde, bannt auch die deutsche Regierung ohne Rücksicht auf den Algecirasvertrag vorgehen könne. Nun hat Deutschland sein Kriegsschiff nach Agadir gesandt. Zugleich läßt die Negierung offiziös verkünden, daß Mulep Hafid macht- los sei, sie selbst den Schutz Jier deutschen Interessen übernehmen müsse. Dieser„Schutz" wird durch die Stationierung eines kleinen Kriegsschiffes kaum gewährleistet. Aber andere können folgen, und man weiß, daß in Marokko sich„Zwischenfälle" nach Bedarf einzustellen pflegen. Dann ergib! sich die Notwendigkeit der Truppenlandung und Deutschland ist in Marokko ebenso engagiert wie Frankreich und Spanien. In der Tat bedeutet die Entsendung des Kriegsschiffes nicht mehr und nicht weniger, als daß Deutschland seinen Anspruch an die marokka nische Beute geltend macht. Die Macht Deutschlands wird den Marokko- Interessenten, den Gebrüdern Mannesmann an der Spitze, zur Verfügung gestellt. Ein neues unabsehbares Kolonial- abenteucr droht dem dentschen Volke! � Marokko wird von unabhängigen, kriegerischen Stämmen bewohnt. Die üblen Erfahrungen der Franzosen zeigen, daß bte Unterwerfung Nordafrikas ein langwieriges, kostspieliges und blutiges Werk ist und den Krieg in Permanenz bedeutet. Dem deutschen' Volk wird zugemutet, im Dienste einiger mächtiger Kapitalistercliquen sich an dies Werk zu machen. Aber so gefährlich und empörend diese Zumutung ist, es ist noch nicht das schlimmste. Die eigentliche Gefahr liegt auf anderem Gebiete. Das Vorgehen der deutschen Regierung verschärft den Gegensatz zu Frankreich und seinen Bundesge- nassen außerordentlich. Die französische Regierung verhandelt fieberhaft mit der englischen und der russischen, um gemein- same Gegenmaßregeln zu treffen. Auf die Forderung des deutschen Volkes, mit England und Frankreich Vereinbarungen über die Einschränkungen der Rüstungen zu treffen, antivortet die deutsche Regierung mit der Verschärfung des Gegensatzes; unter Hiniveis auf die militärische Macht setzt sie ihren Fuß auf den gefahrvollen marokkanischen Boden. Die deutsche Arbeiterklasse erhebt gegen diese Politik schärfsten Protest. Ihr ist Marokko und alle Mannesmann- konzessionen auch nicht der Knochen eines einzigen deutschen Arbeiters wert. Wir wollen keinen Pfennig und keinen Blutstropfen opfern, um der kapitalistischen Ausbeutung ein neues Betätigungsfeld zu sichern. Wir wollen nicht mit dem englischen und französischen Volke wegen Minenkonzessionen in Feindschaft geraten. In der bürgerlichen Presse hat mit geringen Aus- nahmen das Vorgehen der deutschen Regierung Billigung gefunden. Am lautesten bei der konservativen Presse. Die Reaktionäre sind drauf und dran, aus diesem Streich der auswärtigen Politik Kapital für die innere zu schlagen. Das deutsche Volk brennt darauf. Abrechnung nnt den Herrschenden zu halten, die ihm im Reiche neue Lasten auferlegt haben, die die Sozial- Politik hemmen, und ihm in Preußen die politische Gleich- berechtigung versagen. Und den Herren bangt vor der Abrechnung. Da möchten sie denn das deutsche Volk in eine kopflose chauvinistische Begeisterung hinein- jagen. Da s Spiel der Hottentotten wählen soll sich wiederholen in zweiter und ver- stärkter Auflage. Deshalb jubelt die„Krcuz-Zeitung" über den„Aufschwung der nationalen Begeisterung", deshalb wagt das Blatt der rheinischen Großindustriellen die Infamie, zuni Kriege gegen Frankreich zu rufen. Zuerst die Wahlen gemacht und dann mit vollen Segeln ins uferlose Meer einer wahnwitzigen Weltpolitik das sind die Hoffnungen, die das Vorgehen der deutschen Regierung den reaktionären Chauvi- nisten eröffnet. Die Herren machen ihre Rechnung ohne den Wirt. das deutsche Volk. Ihr Lärm wird die Arbeiter nicht be- täuben, denn zu bitter waren die Erfahrungen, zu hart die Lehren der letzten Jahre. Dieselbe Nummer der„Nordd. Allg. Ztg.", die das aktive Eingreifen Deutschlands in Marokko gemeldet hat, hat auch die Erklärung der Regierung gegen das gleiche Wahlrecht in Preußen enthalten. Im gleichen Atemzug wurde den deutschen Arbeitern zugeniutet, ihre Knochen für die materiellen Interessen der herrschenden Klasse zu Markte zu tragen und politische Heloten zu bleiben. Als Kanonenfiltter und Stimnivieh wären die Arbeiter gut genug. aber als vollberechtigte Staatsbürger werden sie nicht anerkannt. Nein, als Wahlparole wird der Marokkofeldzug doch nicht zu brauchen sein. Die offizielle Erklärung. Die Mitteilung der deutschen Regier ling an die Mächte über die Entsendung des Panther nach Agadir lautete wie folgt: Deutsche Firmen, die im Süden Marokkos und besonders in Agadir und Uyigegend tätig sind, sind über eine gewisse Gärung unter den dortigen Strnnmen beunruhigt, die durch die letzten Ereignisse in anderen Teilen des Landes hervor- gerufen zu sein scheint. Diese Firmen haben sich an die Kaiserliche Regierung mit der B i t t e um Schutz für Leben und Eigentum gewandt. Auf ihre Bitte hat die Regierung beschlossen, ein Kriegs- schiff nach dem Hafen von Agadir zu entsenden, um nötigenfalls den deutschen Untertanen und Schutzgenossen wie auch den beträcht- lichen deutschen Interessen in jenen Gegenden Hilfe und Schutz zu gewähren. Sobald Ruhe und Ordnung in Marokko wiedergekehrt sein werden, soll daö mit dieser Aufgabe des Schutzes betraute Schiff den Hafen von Agadir verlassen. Infame Kriegshetze. Die„Rhein.-Westf. Ztg." fügt dem Telegramm von der Ent- sendung des Kriegsschiffes hinzu:»Die Nachricht bedeutet nicht nur Vorteil in der Kolonialpolitik, sondern zugleich ist sie der Fehdehandschuh für Frank- reich und eine Erlösung aus 29 jähriger Angst« Politik." In dem Leitartikel„Hurra! Eine Tat!" heißt eS: „Es wird wie ein jubelndes Ausatmen durch miser Volk gehen. Der deutsche Träumer erwacht aus zwanzigjährigem Dornröschenschlaf. Endlich eine Tat, eine befreiende Tat, die den Nebel bittersten Mißmutes in deutschen Landen zerreißen muß.... Vor Agadir liegt ein deutsches Kriegsschiff. Die Verständigung mit uns über die Aufteilung steht ihnen(den Franzosen. D. R.) noch frei. Wollen sie nicht, dann wird der„Panther" die Wirkung der Emser Depesche haben. Das deutsche Volk wird zeigen, daß es seine Ehre zu wahren weiß. Endlich eine Tat, eine befreiende Tat! Verschwinden wird mit einem Male der kleinliche Hader um die Steuergroschrn, ein Ende haben wird die Selbstzerfleischung unseres Volkes, der jammervolle Partcicnhader, die Frechheit der Welschlinge. Hinter unserer Regierung— wenn sie durchhält!— steht geeint das ganze Volk...." Die bürgerliche Presse über Marokko. Die bürgerliche Presse nimmt mit wenigen Ausnahmen das Vorgehen der deutschen Regierung mit großer Genugtuung auf. Verhältnismäßig ruhig bleibt die klerikale»Germania", die schreibt: „Der springende Punkt ist es. daß eben Deutschland n u r. so- lange die Anarchie in Marokko andauert, diese außerordentliche Maßregel ergreist, und daß sich die Regierung nicht durch das Geschrei der Scharfmacherpresse beeinflussen läßt zu einer weiter- gehenden Aktion. Wie gesagt, wir wollen und verlangen den Schutz der Interessen nnscrer Bürger im Ausland, aber wir fordern ebenso, daß die Regierung alles tut, um zu vermeiden, daß ei» ernster internationaler Konflikt von wegen Marokkos rut- steht. Das deutsche Volk, dessen sind wir gewiß, will m seiner großen Mehrzahl diese» Konflikt nicht; hierzu sind ihm die Jntcrcsseu einiger großen Firmen nicht wichtig genug— auch nicht daö Bestreben einiger Männer, die eine drohende Wolke am politische» Himmel für eine gute„Sammclparolc" halte»! Freilich von der deutschen Regierung wird es nicht allein abhängen, wie sich die Affäre weiter entwickelt, sondern noch in höherem Grade von der Haltung Frankreichs... ES ist sehr zu bedauern, daß der Reichstag nicht beisammen ist. wir sind überzeugt, daß die große Mehrheit der Parteien eine ebenso würdige als feste Haltung bewahren würde, die weit- ab von allem Chauvinismus, die Franzosen davon überzeugte, daß wir durchaus keine Abcntcurcrpolitik in Marokko treiben wollen." Einige Opposition macht eigentlich nur das»Berliner Tageblatt": „Man kann in dem Dunkel, das diese Gewaltigen(die Berliner Staatsmänner) über ihre Absichten breiten, nur nach der Antwort auf die Frage suchen: Wollen sie neue V e r h a n d« Inn gen überhaupt nicht mehr oder soll das Erscheinen des kleinen Schiffleins die Aufforderung zu neuen Versprechungen bilden? Das erstere wäre eine Frivolität sondergleichen, für die kein Mensch in Deutschland oder Frankreich, der seiner fünf Sinne mächtig ist, ein Verständnis hätte. Also muß die Absicht der deutschen Regierung gewesen sein, die Basis zu neuen Verhandlungen zu schaffen, d. h. mit Frankreich, mit dessen Eiltgegenkommen man bisher nicht zu- frieden war, unter veränderten Bedingungen zu verhandeln.... Wir lassen es dahingestellt, ob dazu eine so deutliche und zum mindesten mißverständliche Geste nötig war. wie die Entsendung eines Kriegsschiffes.... Aber jedenfalls hat Deuschlaud dokmncnncrt. und dafür spricht nichts klarer, als die Aufnahme, die sein Vorgehen in Spanien gefunden hat. daß eS mit dem A l g e c i r a S- v e r t r a g f e r l i g ist. ES respektiert ihn sürder nicht mehr und nicht weniger, als Frankreich und Spanien getan haben und tu«. Den Sultan M u l e h H a f i d hat es a tl f g e g e b e n." Die übrige freisinnige Presse ist mit dem Vorgehen, i e nrl i ch e i n v e r st a n d e u und die eigentliche Börsenpresse begrüßt ek mit einem.Endlich I* Für die Kationat liberalen si,id die Auslassungen der »Magdeburger Zeitung" charakteristisch. .Sicherlich wird die Anwesenheit de? deutschen Kriegsschiffes gerade im Interesse der Selbständigkeit Marokkos und seiner ruhigen EntWickelung den Drahtziehern, die im Lande selbst und anderwärts ihr verhängnisvolles Spiel treiben, die Lust an diesem stören. Sollte aber'die Saat, die sie ausgestreut, schon zu weit gediehen sein, sollte die Ernte, für die sie ihre Scheuern schon geöffnet halten, die Auf- tcilung Marokkos, eingefahren werden müssen, dann wird der.Panther" die. Deutschland gehörenden Garben zu schützen wissen. Z u n ä ch st wird nur der.Panther" geschickt. Reicht dessen Kraft nicht aus, dann darf'S an Unterstützung nicht fehlen. Wie eine Erlösung muß eS wirken, daß die deutsche Re» gierung endlich auS ihrer Zurückhaltung hervortritt und sich an- schickt, zur Wahrung der deutschen Interessen in Marokko die. Initiative zu ergreifen." Auf ähnlichen, nur noch scharfmacherischen Ton sind die AuS- lassungcn der freikonservativen Organe gestimmt. Die k o n- f e r V a t i v e.Kreuzztg." schließlich meint: ..In Deutschland ging ein gewaltigeSAufatmen durch das gesamte Volk. Als wäre ein böser Traum gewichen, als begänne ein Alpdruck resignierten Mißbehagens vor dem Strahl der Morgcnsonne zu schwinden, so wurde zwi- scheu den schwarz-weiß-roten Grenzpfählen ein kraf- tiger Aufschwung nationaler Begeisterung erkennbar, die ihre Wellen von den Reihen der Alldeutsche» bis weit hinein in das Lager der L i n kS l i b e r a l e n, der Anhänger des obligatorischen Schiedsgerichts und der Utopie des ewigen Weltfriedens schickte." Die Uebersicht zeigt, daß der imperialistischen Politik nur ein unerschütterlicher und entschlossener Gegner gegenüber steht: die deutsche Arbeiterklasse. In ihre Hand ist die Bewachung des Friedens gelegt, sie wird ihn zu schirmen wissen. Der Eindruck im Ausland. Am meisten zufrieden mit dem deutschen Austreten ist die spanische Regierung, die darin eine Unterstützung ihrer eigenen abenteuerlichen Politik erblickt. In Frankreich legt sich die Presse ziemliche Zurückhaltung auf, sie hat den Ernst der Situation erkannt. Sie besprich! eingehend die Entsendung deS deutschen Kriegsschiffes nach Agadir. Di« meisten Blätter erklären, daß dieselbe sowohl derAlgecirasakte wie dem deutsch-rranzösischen Abkommen von 1909 zuwiderlaufe, daß Agadir kein offener Hafen sei und daß demgemäß auch die dortigen Interessen deutscher Handelshäuser nicht sehr groß sein können, und daß aus dieser Gegend keinerlei Unruhen gemeldet worden seien. I a u r ö s erklärt in der, H u m a n i t ä" in einem.Das Unvermeidliche" betitelten Artikel:{ Nach Frankreich Spanien, nach Spanien Deutschland! Wie Frank- reich und Spanien erklärt auch Deuischland, daß sein Einschreiten nur vorübergehend sei, und die französische Diplomatie hat kein Rechk, seine Aufrichtigkeit in Zweifel zu ziehen. Agadir ist sehr weit von dem sranzöfischen und dem spanischen AktionSgebiet entfernt. Aber es . können diplomatische Reibungen eintreten und namentlich die Empfind- lichkeit England« wachgerufen werden. Wenn Deutschland durch den .Schutz" seiner Staatsangehörigen den Vertrag verletzt, dann haben wir ihn schon lange verletzt. Deutschland wollte zeigen, daß eS t sich von unseren Kolonialleuten nicht foppen läßt, und jetzt 'steht Frankreich'vor der Wahl, entweder die Teilung MarhrkoS ß mit allen Mächten vorzunchmeit, welche ein Gelüste darauf haben, oder ehrlich und rückhaltlos feine frevelhafte und verblendete "T Marokkopolitik auszugeben und zur AlgeciraSakte zurückzukehren. Von der englischen Presse sei die Meinung der offiziösen.West- minper Gazette" wiedergegeben: .Die englische Politik sollte versuchen, soweit möglich. alle Mächte zur AlgeciraSakte zurückzubringen, mindestens so lange, bis die Ereignisse für eine Neuregelung reis geworden sind. Wenn FeS geräumt fei. werde Deutschland schwerlich daS Kanonenboot in Agadir lassen. Wir haben die Gründe Frankreichs für die Expedition nach Fc« atzepiert. Aber die diplomatische Unterstützung. die wir Frankreich zu gewähren verpflichtet sind, bedeutet, wie die französische Regierung weiß. keine Unter- slützung bei Obcroktionen, die außerhalb oder im Widerspruch mit der AlgeciraSakte stehen. Wir sind nicht verpflichtet, eine Macht in der � dauernden Okkupation eines Teils des Landes zu unter- stützen. Ueber kurz oder lang wird zwischen den Mächten eine dauerndere Verständigung notwendig sein, als eS die AlgeciraS alte ist." Die italienische Presse fordert zum Teil als.Kom pensation" ein aktiveres Vorgehen in Tripolis. Man ficht, e i n Vorstoß deS JniperakiSmuS in einem Lande zieht andere nach sich. Schutzbriefsystem die Diener und Arbeiter der Deutschen zu deutsche» Schutzbefohlenen werden können; eine Beleidigung oder auch eine an sich harmlose Rempelei zwischen solchen Schutzbefohlenen und freien Marokkanern kann mit der größten Leichtigkeit als eine „Verletzung deutscher Interessen" hingestellt werden. Ein solcher Vorfall gab bekanntlich den Anlgß zum spanischen Marsch nach Ellar. Hier im Südwesten würde aber ein Vordringen deutscher Landung«- truppen kein harmloser militärischer Spaziergang werden. Das Sus-Gebiet hat infolge seiner Fruchtbarkeit eine sehr starke Be- völkerung. die aber noch frcmdenfcindlicher ist als die der anderen marokkanischen Gebiete. Wenn sich also die deutsche Aktion in Südwestmarokko nur auf Agadir und das Sus-Gebiet beschränkt, und wir an dieser Stelle von allen internationalen Koufliktsmöglichkeiten und innerpolitischen Nebenabsichten der deutschen Marokkohetzer absehen wollen, so. bietet ein wenn angeblich auch nur vorübergehender Aufenthalt deutscher Truppen auf marokkanischem Boden, die Gefahr, daß sich daran« ein Kolonialkrieg entwickelt, der dem deutschen Volke schtpcre Opfer an Gut und Blut auferlegt. Warum sind aber unsere Marokkohetzer- und die hinter ihnen stehenden Kapitalisten der Bankwelt und der Schwerindustrie so be- geistert über das aggressive Vorgehen der Regierung? lieber ihre Wünsche und Absichten in bezug auf die deutsche auswärtige Politik und auf die daraus resultierenden Schiebungen, mit denen man den verfahrenen innerpolitischen Karren wieder flott zu machen hofft. ist schon im Leitartikel gesprochen worden. Besonders in Betracht kommt aber, daß das Stück, das sich die deutschen Interessenten auS dem marokkanischen Kuchen herauSschneiden-wollen, den Appetit der Kapitalisten dadurch reizt, daß da-Z Hinterland von Agadir in seinen Bergen.einen großen Erzreichtum aufzuweisen hat.. Vor allem sind e§ reiche Eisen- und Kupferlager, dann aber auch reich- haltige Gold- und Silberadern, die kapitalistische Beutegier gern an sich reißen möchte. Marokko-Enthusiasten haben diese Gegend schon als das»zukünftige Transvaal. NordafrikaS" bezeichnet. Daß bei der deutschen Spekulation auf die Mctallschätze Südwestmarokko« die Firma ManneSmann ihre Hand im Spiele hat, versteht sich am Rande.>->-- Koloniakphantasten werden natürlich auch wieder daS alte Lied von einer Ansiedelung Deutsches in Marokko anstimmen. Dem sei gleich von vornherein entgegengehalten, daß das SuSgebiet sich nick im mindesten als deutsche SiedlungSkolpnie eignet. Abgesehen voi der Feindseligkeit der Berberstamme ist das Klima auch dem Europäei nicht zuträglich. Den alten SiedlungSkohl mögen unsere Kolonial- fexe ruhig unaufgewärmt lassen. Auch der Wert, den der Hafen von Agadir als Kohlenstatioi und al« Etappenpunkt auf dem Wege zu den deutschen Kolonien ai der Küste Westafrikas haben könnte, ist so gering und fragwürdig, das eS um jeden Groschen schade wäre, der um diesen.Stützpunkt" bei deutschen Kolonialpolitik ausgegeben würde. Ganz abgesehen davon. daß die Hafenanlagen von Agadir in einem solchen verwahrlostei Zustande- sind, daß Riesensummen notwendig wären, um sie für del modernen Dampserverkehr brauchbar zu machen. Damit würdeu zwar einige deuische Kapitalisten auch' wieder einen Rebbach machen die deutschen Steuerzahler wären aber die Leidtragenden. Beiläufig sei noch erwähnt, daß daS Hinterland von Lgadff mit zu den am wenigsten bekannten Teilen Marokkos gehört und daß daher auch die Kartographie de« SuSgcbietes sehr mangelhaft ist. was natürlich etwaige BesatzungSaktionen erst recht erschweren würdc' Di« ersten bescheidenen Nachrichten von jener Gegend stammen Vöde«, deutschen Afrikaforschcr und einstigen Fremdenlegionär Gerhar, RohlfS, der unter Lebensgefahr in den sechziger Jahren deS vorige. Jahrhunderts jene? Gebiet durchreiste. Neuerdings haben di- französischen Forscher de Foncauld und de Segonzac den SuS durchstreift(t.8SS und 1991). Bei der Fremdenfeindlichkeii der dortigen Berberstamme war es aber ein gefährliches Unter- nehmen. Eine in den achtziger Jahren unternommene deutsche Handelsexpedition verlief infolge der feindlichen Haltung der Stämme höchst unglücklich und ähnlich erging es im Jahre 1899 einem englischen Versuche, in SuS Handelsbeziehungen anzuknüpfen. Die europäischen Beziehungen zu diesem Teile Marokkos haben also eine höchst unglückliche Vorgeschichte, die im Hinblick auf das jetzige Vor- gehen Deutschlands zu den schlimmsten Befürchtungen berechtigt. So bietet das neueste Eingreifen Deutschlands in die Marokko- Händel wohl einigen Kapitalisten Aussicht auf Gewinn, dem deutschen Volke in seiner Gesamtheit fallen aber die Gefahren und Lasten zu- Und deren hat es jetzt schon gerade genug. Darum muß es schon jetzt recht laut und nachdrücklich rufen: Die Hand weg von Marokko! •J-rf Das rnarolthaDiscbe Keuteobjeßt. Da« deutscbe Kanonenboot.Panther" liegt jetzt vor dem marokkanischen Hasen Agadir. Und wie lange wird cS dauern. so befindet sich daS kleine Kriegsschiff, dessen geringe Armierung und kleine Besatzung von 12S Mann unseren Marokkofanatikern bei weitem nicht genügt,.in Gescllsckiaft größerer Schiffe, mit denen man auch eine Landung nach spanischem Muster riskieren kann. Der Unter- schied ist nur der, daß eine deutsche Landung in Agadlr eine noch viel ärgere Verletzung der Algerica«-Akle sein würde und zu noch viel verhängnisvolleren Konflikten mit den marokkanischen Stämnicn führen kann. Agadir ist die südlichste Hafenstadt am Atlantischen Ozean, der Hafen ist aber seit dem Jahre 1770 von Marokko für den euro- patschen Handelsverkehr gesperrt, und diese Sperrung ist auch im Vertrage von AlgeciraS respektiert worden. Der ganze Handel nach Südwestmarokko geht über den Nachbarhafen Mogador. Der Grund für die Sperrung von Agadir ist darin zu suchen, daß die Stämme deS Hinterlandes, SuS genannt, fast völlig unabhängig find, und von den Sultanen nur durch gelegentliche und selten glückliche' KridgSzüge ckn ihre Untertanenpflichten ge- mahnt werden. Ter kürzlich gestürzte Großwesir Mulci HofidS, El Glan! stammt auS jener Gegend; er und sein Anhang tun natürlich ihr Möglichstes, die Stämme in Feind- fchaft gegen den Sultan und die Fremden, deren Marionelte er gc- worden ist, hineinzutreiben. Eine Landung deutscher Truppen würde . also, abgesehen von den unabsehbaren internationalen Komplikoti- onen, bei der fanaiischcn und freiheitsliebenden Berberbcvölkerung zu folgenschweren Zusammenstößen führen. AIS Vorwand für das Eingreifen Deutschlands in Südwest« Marokko werden von der Regierung und den kapitalistischen Marolko- Hetzern die.bedrohten deutschen Jnteresseu" inS Feld geführt. Man bütet sich aber sehr wohl anzugeben, wieviel Deutsche eigentlich im SuS-Gebict vorhanden find. Tatsächlich wird es in jener, noch ziemlich wenig durchforschten Gegend kaum ein halbes Dutzend Deutscher gebe». Und die deutschen Wirtschaft- lichcn Unternehmungen werden sicher nicht so umfangreich und wertvoll sein, daß um sie die Gefahr eines Weltkrieges herauf- beschworen werden mußte. Gefährlich ist in der gegenwärtigen Situation aber der Umstand, daß durch da» in Marokko übliche Das Hauptproblem der deutschen Politik. Das bedeutendste Organ der französischen Demokratie in der- Provinz, die„DöpSche von Toulouse", behandelt in längeren Ausführungen die Verfassung für Elsaß-Lothringen. Nachdem daS Blatt koiistatiert hat, daß„einzig die energische Stellungnahme der Sozialdemokraten die Klerikalen und die Liberalen dazu gezwungen hat, daS Plural.» Wahlrecht abzulehnen", charakterisiert es die all- gemein politische Bedeutung der Erringung deS allgemeinen gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts sür Elsaß- Lothringen folgendermaßen: »DaS Hauptproblem deS heutigen Deutschland, di« Frage, von der jeder große Fortschritt und die ganze demokratische Eni- Wickelung abhängt, ist die der preußische» Wahlresvrm. DaS Drei- klassenwahlrccht mit öffentlicher Siimmenabgabe. da? gegenwärtig in Preußen in Kraft ist. sichert im Parlament die Mebrheit den Rechtsparteien, die im Lande in der Minderheit sind. Und durch Preußen, da« der leitende Staat de« Reiche« ist, beherrscht die agrarische Reaktion ganz Deutschland»nd hemmt nicht nur die Entwickrluug von Industrie und Handel, sondern auch jede Fort entwickelnng drS öffentlichen Lebens. Eine preußische Wahlrcform und namcmlich die Einführung des allgemeinen, gleiche», ge Heimen und direkten Stimmrechts würde niitbin auf einen Schlag Preußen und Deutschland vom Jache der Junker be freien und dem Fortschritt freie Bahn schaffen. Nun hat sich der gegenwärtige Reichskanzler, Herr v. Vetbmann Holl weg. einer radikalen Reform in Preußen allezeit widersetzt. Wie soll er jedoch heute, nachdem den Elsaß-Lothringern, die nicht« weniger al« glühende deutsche Baterlandsfreunde sind, da« demokratische Wahlrecht gewährt worden, den Preußen diese» vcr- weigern können? Wie sollen die politischen Parteien, die Liberalen aller SchaUierungcn, die Fortichrittler und die Klerikalen vom Zentrum, die sich bi« jetzt in der WahlrechtSsrage unentschieden gezeigt und die gezögert haben, mit den Junkern ernsthaft anzubinden, wie sollen sie in Zukunft weniger entgegenkommend sein können für die Preußen als für die E l s a ß- L o t h r i n g e r? Die Annahme der elsaß-lothringiichen Verfassung leitet einen neuen Zeitabschnitt auch für Deutschland ein, wo der Kampf gegen die preußische Rcakiion mit desto gewaltigerer Wucht wieder neu entbrenne» wird, alS die Junker anläßlich de« neuen Wahlrechtes sür die Elsässer eine erste größere Schlappe erlitten haben." Nun. wenn es dem Ausland unbegreiflich ist, daß dem preußischen Volke versagt werden soll, waS den Elsaß-. Lothringern gerecht und billig ist, in Preußen selbst kennt man die Gründe. Die Juuker wollen zweierlei politisches Recht, sie wollen die Entrechtung der Massen und deren terabwürdigung zu Staatsbürgern zweiter und dritter Klasse. enn auf diesem infamen Unrecht ruht ja ihre politische Macht. Aber eben daß dieses Unrecht jetzt so ganz schäm- los offenkundia geworden ist, daß die elsässische Vcr- fassung jedem preußsschen Wähler eS immerfort ins Ohr schreit, daß eS gedemütigt und vergewaltigt ist. daS gibt auf der anderen Seite auch die Gewähr, daß daS preußische Volt nicht eher ruhen wird, bi« diese Schmach beseitigt, bis da« gleiche Wahlrecht auch iu Preuße« er- kämpft ist.__ politifche CUberficbt. Berlin, den 3. Juli!911. Taktische Differenzen im konservativen Lager. Die von dem Hevdebrandschen Generalstab der Konser- vativen betriebene BrüSkierungSpolitik findet keineswegs in der ganzen konservativen Partei Billigung. Es mehren sich in den eigenen Reihen die Stimmen, die vor einer einseitigen parteipolitischen Taktik warnen und eine größere Rücksicht- nahine auf die Wünsche-der Nationalliberalen empfehlen, damit nicht die Sammlung der sogen, staatscrhaltenden Ele- mente unmöglich gemacht werde. Man traut in diesen Kreisen dem klerikalen �lockgeiährten nicht recht und fürchtet, die kon- servative Partei könnte im nächsten Reichstag isoliert werden. So meint die„Schles. Ztg." in einem„Taktik und Sammlung" überschricbenen Artikel, wenn die konser- vative Partei sich ihre Stellung erhalten wolle, müsse sie Samnrlungkvolitik treiben/ statt dessen aber wären in letzter Zeit die Gemäßigt-Liberalen vielfach unnütz brüskiert worden: „Die Taktik der konservativen Partei lief aber offenbar in der letzten Zeit nicht darauf hinaus, dieser Sammlungspolitik. die in den einer konservativen Weltanschauung zugeneigten Kreisen sehr viel« Freunde hat. dienstbar zu sein; ja, in nicht wenigen Fragen von Bedeutung lies sie einer solche« Politik direkt zuwider. Es sei ganz besonders an den Verlauf der Beratungen über das Pflichtfortbildungsschulgesetz erinnert, da« dringend notwendig war und von den Konservativen, die dieser Frage ihre volle Unterstützung hatten zuwenden müsien, gerettet werden konnte. Erst aber ließen sie sich den Verzicht auf den wirklich in diese Schulen nicht hineingehörigen Religionsunterricht mühsam abringen und dann ließen sie da» Gesetz doch noch an der Heranziehung des Kultus mini st eriums schej. kern, die. mag man Wer i�re Zweckmäßigkeit denken, wie malt will, doch keineswegs so. wichtig war, daß man darüber das ganze Gesetz opfern durfte. Auch bei der Feuerbestattung ist die An- nähme der Vorlage nur dadurch möglich gewesen, daß eine Minderheit der Konservativen sich von dem Gros ihrer Partei- genosien getrennt und ohne Rücksicht auf persönliche Neigung oder Abneigung für oder gegen diese BestattungSart dem heute nun einmal tatsächlich vorhandenen Bedürfnis nicht ängstlich die preußischen Grenzen verschlossen, sondern ihm unter Wahrung aller möglichen Vorsichtsmaßregeln Befriedigung gewährt hat. Nicht hierher rechnen,, obwohl dies vielfach geschieht, möchten wir den Widerstand der konservativen Partei gegen die neue Ver- fassung für daS Reichsland l Gerade wenn man, wie dies mit Recht von der konser- vativen Partei geschehe, von einer Aenderung des preußischen Dreiklassenwahlrechts nichts wissen wolle, dürfe man nicht durch eine verbissene, kleinliche Parteipolitik Mißstimmung in der eigenen Wählerschaft hervorrufen und die gemäßigt- liberalen Elemente vor den Kopf stoßen. Wörtlich heißt es in dem Artikel des schlesischen Blattes: „Aber wenn wir dieser Agitation(für das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht) dauernd und mik Erfolg den notwendigen Widerstand leisten wollen, dann bedarf die konservative Partei nicht nur einer energischen und geschickten Führung, sondern auch eines unverminderten Rückhalts in der Wählerschaft in möglichst weitem Umfange, der nur durch eine großzügige, modernen Empfindungen gerecht werdende Politik und durch eine ver- sländnisvolle Sammlung aller irgend wie erreichbaren Elemente zu erreichen ist. Mit Redensarten, wie sie Herr v. Pappenheim in der letzten Sitzung des Abgeordnetenhauses beliebt hat, der der - Opposition gegen die Geschäftsführung des Präfidenten zurief, die ganze Linke stehe nnter der geistigen Führung des sozialdemokra- tischen Abgeordneten Hoffmann, reizk man die Mittelparteien, statt zum mindesten ihre rechtsstehenden, den Konservative» freundnachbarlichen Mitglieder zu gewinnen oder festzuhalten. Auch die Aufnahme der Rede des Grafen Schwerin-Löwitz im Kreise AntlaM-Demmin gibt zu denken... Die konservative Parteileitung hat dagegen aus taktischen Gründen in ihren Organen den Standpunkt vertreten lassen, daß bei der fanatischen Feindschaft des Linksliberalismus und bei seiner unzweideutigen Neigung, mit der Sozialdemokratie gemeinsam die Konservativen zu bekämpfen, man dazu übergehen müsse, bei einer Entscheidung zwischen Linksliberalen und Sozialdemokraten Gewehr bei Fuß zu stehen und die beiden Brüder ihren Streit allein auSfechtcn zu lassen. Es liegt auf der Hand, daß bei der Befolgung dieser Parole meistens, oder vielleicht immer, der Sozialdemokrat siegen würde. Aber diese Taktik, so klug sie in parteipolitischem Sinne sein mag, kann den höheren Geboten konservativer Welt- anschauung nicht entsprechen. Es ließe sich da und dort wohl ein materieller Augenblickserfolg davon erhoffen, aber er würde ein Pyrrhussieg, eine Niederlage des konservativen Gedankens, ein Widerspruch gegendieSommlungallerüberdie Parteigrenzen hinaus konservativ Denkenden sein. Die konservative Parteileitung möge nicht vergessen, daß sie so gut wie jede andere Partei auch auf solche Wähler an- gewiesen ist, die man bei der Sozialdemokratie Mitläufer zu nennen pflegt; auf Wähler, die von der Parteischablone nicht? wissen wollen, die konservativ aus ihrer allgemeinen Denkweise heraus wählen, die aber in der oder jener Frage eine abweichende JABeinung haben, und die, unbekümmert um die parteipolitischen �Bündnisse der Parteiführer und um die Hetzartikel der Partei- s Blätter, einen dcutschgesinnten Mann, auch wenn er ein Demo- . krat ist, immer noch hundertmal einem unter der Parteifuchtel > der internationalen, vaterlandslosen, staatsfeindlichen Umsturz- � partei stehenden Sozialdemokraten vorziehen." Die Mahnungen mögen gut gemeint sein: aber vor- läufig entscheidet über die Taktik der konservativen Partei Herr v. Heydebrand, und er scheint sich in den Kopf gesetzt zu haben, die Rolle des starken Mannes spielen zu wollen. Tie„Kreuz-Zeituns," und die„sehr unerfreuliche Erscheinnug". Zwischen Konservativen, und Zentrum ist infolge der Un» Zuverlässigkeit und Ungeschicklichkeit, die in letzter Zeit die Führung der konservativen Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses bewiesen hat, eine gewisse Spannung eingetreten, die dadurch noch verschärft wurde, daß Graf v. Schwerin-Löwitz in öffentlicher Versammlung das Zentrum als eine„sehr u n c r s r e u l i ch e E r s ch e i n u n g" be- zeichnete. Tie klerikale Presse forderte eine Zurücknahme dieser Worte oder eine offizielle Erklärung der konservativen Parteileitung, daß sie diese Aeußerung nicht billige. Als �rne solche Erklärung nicht erschien, hielt die klerikale„Schles. Äolksztg." den Konservativen vor, daß sie ohne die Unter- stützung des Zentrums ihre jetzige maßgebende Rolle aus- gespielt hättm Diese scharfe Zurechtweisung hat jedoch nicht ganz den von den Klerikalen bcabsichtigteir Erfolg gehabt. Die„Kreuz- zcitung" sucht zwar durch einige kleine Konrplimente die Zentrnmsgrößen zu beruhigen, lehnt es aber entschieden? ab, dem Grafen v. Schwerin-Löwitz eine Rüge zu erteilen.-Sie schreibt(Wochenübersicht der Sonntaasnunrmer): „Achnlich haben sich schon viele konservative Politiker aus- gesprochen; freilich nie ohne den lebhaftesten Widerspruch auf der Seite des Zentrums zu finden. Aber man nenne uns einen einzigen Grund, weshalb gerade wir Konservativen das Vor- handensein einer Zentrumspartei für eine erfreuliche Erscheinung ansehen müßten oder könnten. Sie entzieht unserer eigenen Partei wertvolle Elemente; sie trägt eben dadurch in unsere eigenen Reihen eine gewisse konfessionelle Einseitigkeit, die un- sercm Programm fern liegt; sie schaltet auch zeitweise den Einfluß ihrer eigenen konservativen katholischen Mitglieder auf die Ge- samtpolitik aus. da häufig genug die demokratische Richtung in ihr überwiegt. Das alles haben wir zu beklagen, und zwar um so mehr, als gerade die konservative Partei zu den Ursachen, die das Entstehen der ZentrumSpartci herbeiführten, am wenigsten beigetragen und sich auch später besonders gehütet hat, die kon- fcssioncllcn Gegensätze in der Politik zu verstärken. Wenn die Zentrumspresse doch ehrlich zugeben wollte, daß daS Bewußtsein von der Unerfreulichkeit einer Scheidung der Parteien nach Kon- fessionen gerade in ihren eigenen Reihen sehr lebhaft ist, und daß allein darauf das aussichtslose Bestreben der weit verbreiteten Kölner Richtung beruht, den konfessionellen Charakter des Jen- trums abzustreiten! Wir wollen hier nicht zitieren, was die Zeitungen jener Richtung über die Vcrwerflichkeit'konfessioncller Parteien' gesagt haben. Der Streit ist eingeschlafen, da er nur ein Streit um die Definition deS Begriffes Zentrum, nicht um das Wesen deS Zentrums war und also am Tatbestand nichts ändern konnte, mochte er so oder so entschieden werden... In einem Punkte ist freilich die Rede in der Form nicht einwandfrei. Wir meinen die Stelle, an der gesagt wird, die Zentrumspolitik sei bei der letzten Finanzreform aus ganz be- sonderen parteipolitischen Ursachen und ganz entgegengesetzt zu seinen früheren Gewohnheiten eine den Reichsiuteressen im ganzen vollkommen entsprechende gewesen. Die Verdienste des Zentrums um die ReichSinteressen datieren doch nicht erst von der Finanz- reform, und wenn auch nicht ernstlich bestritten werden kann, daß bei dieser Gelegenheit der parteipolitische Borteil, obwohl er mit einem großen und bewußten Opfer an Popularität erkauft werden mußte, die Stellungnahme des Zentrums ganz wesentlich mitbestimmt hat, so ist es auf der anderen Seite doch zu viel behauptet, wenn man die Rücksicht auf das Reichsinteresse beim Zentrum ganz ausschaltet." Weit schärfer ist die Antwort des„Reichsboten", des protestantischen Pastorenblattes, das freilich auf die Taktik der konservativen Parteiführer keinerlei Einfluß. hat. Es fragt ironisch unter Hinweis auf den Charakter des Zentrums als„Vertretung der Interessen der römischen Hierarchie": „Zu welcher anderen Partei will das Zentrum sich denn halten? Es muß sich der konservativen Partei näliern, wenn es überhaupt etwas leisten will. Die konservative Partei braucht dem Zentrum nicht nachzulaufen und hat das auch nie getan, weil sie sich der Bedenklichkeit und Gefährlichkeit des Zentrums für die nationalen Interessen beimißt ist, aber sie nimmt die Hilfe des Zentrums gern an, wenn es sich um staatsnotwendige Dinge handelt." Eine Reichstngsnachwahl. Außer sn Düsseldorf wird wahrscheinlich auch in Köln-Land in diesem Jahre noch eine Reichstagswahl stattzufinden haben. Nach einer Meldung der klerikalen„Schlesischen VolkSzeitung" wird der Zentrumsabgeordnete Postsekretär Hamccher in Berlin vom 1. August ab als Oberpostsekretär nach Gütersloh versetzt. Auf Grund des Artikels 21 der ReichSvcrfassung erlischt mit der Be- förderung im Staatsdienst daS Mandat. Hamecher ist 1907 in Köln-Land mit 27 Sil» gegen 17 310 sozialdemokratischen und 7830 liberalen Stimmen gewählt worden. Das Zentrum hat diesen Wahlkreis seit 1871 immer im ersten Wahlgang geholt. Ein reichsdeutscher Mittelstandsvcrband. Da» BereinsgründungS- und Kongreßfieber wird immer ärger Nachdem in letzter Zeit so viele wirtschaftliche und berufliche Vereine sich zu.Generalverbänden' zusammengeschlossen und schöne .Tagungen' veranstaltet, haben, glauben auch die Mittelständler diesem Zuge der Zeit folgen zu sollen. Ein Aufruf, der von einem vorbereitenden Ausschuß ausgeht, dem ein Architekt Felix Höhne und der Generalsekretär der sächsischen Mittelstanve-Vereinigung, Ludwig Fahrenbach, angehören, fordert zur Gründung eines reichsdeutschen Mittel st andsverbandeS und zur Abhaltung eines Mittelstandskongresses in Dresden(23. bis 2S. Sep- tember d. I.) auf. In dem Aufruf heißt es: .Der neue Verband will keine mittelständische Organisation in ihrem jetzigen Gesüge stören, sondern nur alle zusammenfassen. Er wird sich streng auf die Vertretung aller wirtschaftlichen Forderungen beschränken, die allen Gruppen des deutschen Mittelstandes gemeinsam sind. Strittige Fragen soll er klären, und bei Meinungsverschiedenheiten unter einzelnen Gruppen soll er ausgleichend wirken, damit ein einheitliches Auftrete» nach außen verbürgt wird. Ferner soll er nach dem Grundsatze:.Hilf Dir selber, so hilft Dir Gott I' den Mittelstand zur Selbsthilfe anregen und im Notfalle praktische Einrichtungen zur Förderung des ge« werblichen Mittelstandes treffen. Die reichsdeutschen Mittelstands- tag« solle» nach und nach die Bedeutung eines freiwilligen deutschen MittelstandSparlamenteS erlangen. Mit Parteipolitik und konfessionellen Dingen wird der reichsdeutsch». Mittelstands- verband sich unter keinen Umständest btsaffen, weil die Einigkeit, die innerhalb des deutschen Mittelstandes auf wirt- schaftlichem Gebiet herrscht, auf politischem und konfessionellem Gebiete nicht vorhanden ist. Der neue Verband wird bei Wahlen keine eigenen Kandidaten aufstellen und gegenüber allen politischen Parteien Neutralität wahren. Recht schöne Worte: Der Verein soll die wirtschaftlichen Jnter- essen deö Mittelstandes wirksam vertreten, aber keine Politik treiben, nicht zu irgend welcher Parteipolitik Stellung nehmen mid völlige politische ReutralUät wahren I DaS ist ungefähr so, wie ei« Messer ohne Klinge.__ Die rheinischen Grossindustriellen und der Hansabund. Immer weitere Kreise der hochschutzMnerischen und-scharf. macherischen Großindustrie melden ihren Austritt aus dem Hansa- bund an. Am Sonnabend sind der Kommerzicnrat Röchling in Völklingen, Vorsitzender deS TtahlwerkSverbandcs, und v. Vopclius, Direlticmsmitglied des ZcntralverbandeS Deutscher Industrieller, ausgetreten. Am Sonntag folgten die Vorstände der südwestlichen Gruppe des Vereins der Eisen- und'Stahlindustriellcn, des Vereins zur Wahrung gemeinsamer wirtschaftlicher Interessen und deS Ar- beitnebernrbandeS der Saarindustrie. Alexander Tille, der Vorkämpfer der industriellen Partei, war bisher Geschäftsführer des Hansabundes in Saarbrücken. Er hat sein Amt cbensallS nie- dergelegt. Weiter sind eine Anzahl Großindustrielle, die dem Hansabund als Einzelmitglicder angehörten, ausgetreten, darunter der Vertreter der Stumiuschcn Fabriken, Hüttcndirektor Müller in Neunkirchen._ Eisenbahnermastregelung in Baden. Ein neuer Fall S ch ä u f e l e hat sich in Karlsruhe abgespielt. Der HilfSwcrkmcister D u m b c r th hatte in einer Mitglieder- Versammlung des Süddeutschen EisenbahnerverbandeS sich über daß Verhalten deS Hallenmeisters Krutzmann beschwert, der die Ar- bciter als Saubaucrn bezeichnet habe. Die Aeußerung Dumberths wurde der vorgesetzten Dienstbehörde hinterbracht und es wurde nicht etwa der beschuldigte Hallenmcister, sondern der Ankläger vernommen und wegen— Hetzerei entlassen. Der Gauleiter Land- tagSabgeordncter Schwall intervenierte, konnte aber die Zurück- nähme der Entlassung bei der Direktion nicht erreichen. ES ist also gewiß, daß das Ministerium die Maßregelung billigt. Eine von mehr als 000 Eisenbahnarbeitern und Eisenbahn- beamten besuchte Karlsruher Versammlung nahm eine Resolution an, worin die Entlassung als eine Maßregelung bezeichnet und deren Zurücknahme gefordert wird. Die Entlassung stehe auch in direktem Widerspruch zu der Regierungserklärung auf dem letzten Landtag, wonach Entlassungen nur wegen grober Verletzung der Dienstpflicht erfolgen sollten. Zu der Versammlung waren die in Karlsruhe wohnenden Landtagsabgeordneten sämtlich eingeladen worden: erschienen waren aber nur außer Schwall die beiden sozialdemokratischen Abgeordneten K o l b und Willi. Bezeichnend für die Stellung deS Zentrums ist di» verblüffende Tatsache, daß das Karlsruher Zentrumsblatt, der„Beobachte r", die Aufnahme deö Versammlungsinserats verweigert hat. Noch ein Jubiläum in Sicht! Aus Bayern wird uns geschrieben: In B ay e r n wurde vor kurzem daS fünfundzwanzigjährige Regentschaftsjubiläum des Prinzen Luitpold gefeiert. Wenn nicht bald eine Aenderung eintreten wird, gibt es im nächsten Jahre in Bayern wieder ein Jubiläum, tai die Regierung aber kaum mit einem großen Tamtam und Klimbim umgeben dürfte. Bleibt nämlich der Prinz Ruppcecht auch im näckssten Jahre kommandie- rcnder General des I. bayerischen Armeekorps— dies ist er seit einigen Jahren— so wird der Augenblick kommen, wo das l. bayerische Armeekorps 20 Jahre lang ununterbrochen von Prinzen kommandiert wurde. Im Jahre 1887 wurde der ziveitälteste Sohn des Regenten, Leopold, an. die Spitze de» Armeekorps gestellt, nach mehreren Jahren folgte ihm sein jüngerer Bruder Arnulf und nach diesem kam der älteste Enkel des Regenten, der schon genannte Prinz Rupprecht. Auf diese Weise sind es jetzt 24 Jahre, daß kein gewöhnlicher Sterblicher mehr die Kommandostelle des l. bayerischen Armeekorps erhielt. Daß dieser Zustand eine besondere Freude im bayerischen Offt- zrerstorps hervorruft, können wir nicht recht glauben. Wer sich überhaupt einbildet, daß es im„demokratischen" Bayern bei der Besetzung der höchsten Offiziersstelle demokratisch zugehe, irrt sich gewaltig. Momentan sieht die„demokratische" Besetzung so aus: Der KriegSmimster ist ein Graf, von den drei kommandierenden Generalen ist einer ein Prinz, einer ein Graf, einer ein Baron. Von den 0 Divisionskommandeuren sind 3 Barone und der Chef des GeneralstabeS ist: ebenfalls ein Geburts» adeliger. In dieser Hinsicht ist Bayern Preußen noch m 20 Pferdelängen voraus. Regierungspräsident und Automobilverkehr. Der Regierungspräsident zu Köln hat eine Verordnung er» lassen, wonach die bisher zugelassene Fahrgeschwindigkeit der Kraftfahrzeuge bis zu Tonnen Gesamtgewicht aus 20 Kilometer pro Stunde erhöht wird; bei den schwereren Fahr- zeugen bleibt eS bei den bisherigen 12 bezw. 16 Kilometern. Der Regierungspräsident meint, das Publikum habe sich nnt den Ge- fahren des Autoverkehrs im Laufe der Zeit vertraut gemacht und dann wolle er auch„die tatsächlichen mid rechtlichen Verhaltnisse mehr als bisher miteinander in Einklang bringen." DaS heißt»n klares Deutsch übertragen: Die Automobilfahrer haben blSher mit der Regierungspolizeiverordnung ihren Spott getrieben; sie sind schneller gefahren als e» die Vorschriften zuließen. Und die Re- gierung hält eS demgegenüber für ihre Pflicht, ihre Verord« iiuiig dem gesetzwidrigen Zustand anzupassen. Verfährt man nach diesem Prinzip auch, wenn eS sich um die Interessen der Arbeiter handelt? Unsere Zeit erheischt das Streik» postenstehen, verlangt gebieterisch die Zulässigkeit der Wahl» rechts» und ähnlicher Straßendemonstrationen. Hier empfindet man n ich t daS Bedürfnis, die gesetzlichen Be» stimniuiigen>-d deren Auslegung mit den Erfordernissen des Levens in Einklaiig bringen.___ franhrdeb. Das Ministerium der Verständigung. Paris, 1. Juli.(Eig. Ber.) Die Verständigung ist fertig. Die Freitagssitzung hat mit einem Vertrauensvotum für die neue Regierung geendet, das eine Mehrheit von fast 200 Stimmen— etwa so viel als die Bezirkswahlrechtler besitzen — fand. Die Radikalen und die Regierung verständigten sich, weil sie einander verstanden und sie verstanden einander gleich, weil sie sich im— Schacher fanden. Die Beauftragten des Großkapitals, die jetzt ans Ruder gekommen sind, bewilligen den Wahlresormfeinden das Begräbnis des Pro- porzes unter den Rosen eines prinzipiellen Beschlusses und bekommen dafür die Eisenbahner sowie die Einkommensteuer ausgeliefert und einen Kaperbrief gegen Saboteure. Anti- Militaristen und sonstige Störer des sozialen Friedens. Herr Caillaux will die Wahlreform nur mit den Radikalen machen-, die sie nicht machen wollen, und gibt es auf. noch por Sessionsschluß einen entscheidenden Schritt in dieser Frage durchzusetzen. Den Eisenbahnern will er gnädigst noch eine bescheidene Eingabe bei den Gesellschaften widmen, aber dann sollen sie ihn in Ruhe lassen. Es gehe doch nicht, meint er.�daß sich die Politik des Landes um die paar tausend hnngernden Proletarier drehe. Er ist eben ein„großzügiger" Staatsmann, ja ein zweiter Briand. Die„Action" und die„-Petite Republique" geben es ihm schriftlich. Die „Waffen", die Herr Dumont gegen die herausfordernden Kapitalisten verlangte, gehören, noch ehe sie ans Tageslicht kamen, zum alten Eisen. Zum alten Eisen gehört auch der ganze reformistische Sozialradikalismus, zum alten Eisen der alte redliche Pelletan, der, ein fanatischer Gegner des Pro- porzes, es doch nicht versteht, daß man sich mit Arbeitcrblut von ihm loskaufen soll. Da ist Herr Aupagneur, der Exsozialist, der Verteidiger der Eisenbahnerrcchte während des Streiks, doch ein anderer Mann. Herrn Caillaux und ihm, den Proporzlern P a i n l e v 6 und M i l I e r a n d und ihrem Gefolge gehören die Ehren des Tages, der Profit dem Groß- kapital und dem„djstro", dem weinausschenkenden Organi- sator der politischen Vetternschaften. In einem Land mit rückständiger, großindustrieller und Klasscnentwickelung darf man die Tagcsgeschichte nicht unter dem großen Gesichtspunkte der streitenden, Klasseninteressen verstehen wollen. Sicher wirken diese in letzter Linie ent- scheidend, aber der Vordergrund der Politik ist, solange nicht große soziale Krisen den Spuk hinwegblasen, von einem Gewimmel persönlicher und Cliquenbestrebungen erfüllt. Die Ursachen der politischen Wirkungen sind nicht pur im Markt» bericht und der Sozialstatistik, sondern auch in der CKrornque scandaleuse zu finden. So ist der neueste Ver- rat der Radikalen nicht jener historischen Notwendigkeit ent» spnlngen, die das Schicksal der kleinbürgerlichen Demokratie überall entscheidet, wo ein sozialer Konflikt ihr bourgeoises Gcmeininteresse gegen ihre humanitäre Ideologie aufruft, sondern ein ganz schäbiges Geschäft zur Rettung der vom Proporz bedrohten Mandate und der aus ihnen fließenden weiteren Annehmlichkeiten. Der Sturz des Ministeriums Monis war das gemeinsame Werk der geängstigten Arron- disscinentsleute und der von Caillaux, Cruppi und Delcassö in seiner Mitte gebildeten Versckjwörergruppe. die sich der unbequemen Sozialpolitiker Dumont und Paul Bon- c o u r, deren Gesellschaft ihre politische Zukunft kom» promittierte, entledigen wollten. Hatten sie doch sogar, um sie los zu werden, Monis zur Anwendung der Anarchisten» sie loszuwerden, Monis zur Anivendung der Anarchisten- Paragraphen, der„lois«eelerate»", gegen die Sabotage- Propagandisten bearbeitet! Ter glatte Caillaux hat sich unter Waldeck-Rousscau als Gläubiger des demokratischen Sozial- reformismus aufgespielt und unter Clcinanccau die dekorative Aufrollung des Einkommensteuergesetzes besorgt, das er damals schon so wenig ernst nahm, daß er vor einiger Zeit genötigt war, bei einer privaten familienrechtlick)en Ausein» andersetzung dokumentarische Aeußerun�cn über seine wahren, Absichten mit schweren Geldopfern wieder in seinen Besitz zu bringen. Heute ist das„Soziale" nicht mehr Mode. Die Dumont und Paul Bomour hatten das nicht bemerkt und sich tatsächlich in ihren Zumutungen an den kapitalistischen Staat übernommen. Caillaux bietet den Kapitalisten an, ihnen die ganze kleinbürgerliche Demokratie als Schutztruppe zuzuführen. Ob ihm das in der jetzigen Situation gelingen wird, ist fraglich. Er selbst wird bei dem Versuch profitieren. Denn er tritt als überlegener Anwärter auf das anti- revolutionäre Regentenamt neben Vriand, vor dessen miß- tralienerweckcnder. in dunkle Pfasfen- und Weiberintrigen verstrickten, gierigen Abenteuergestalt er mit-seinem bourgeoisen Reichtum, feiner in ehrgeiziger'Arbeit er» wordenen Routine und seiner auch die eigene Person nicht überschätzenden Genießerfkepsis vieles voraus hat.' GewerkfcbaftUcbcs. Ein 8tre»kbrccher-8chwmdlcr. Unschädlich gemacht für längere Zeit wurde der Tech- niker Johann Heine mann, geboren in Weitmar in W e st f a l e n, der Streikorte zum Schauplatz_ seiner Gaunertätigkeit ausersah. Der Techniker machte sich an Streikende heran, schilderte, wie er zur Arbeit angenommen ivorden sei, wie er sich in elender Lage befinde usw., und er ließ sich dann auf ziemlich kostspielige Art,„großmütig" und „solidarisch handelnd", wieder abschieben. Im April kam Heinemann nach Annen in Westfalen, wo die Schreiner streikten. Der Techniker trat nicht als„Schreiner" dort in Stellung, als er das Reisegeld nach Thorn von den Streikenden erhielt. Heinemann gab auch eine Depesche nach Thorn auf, unr noch andere„Angeworbene" zurückzuhalten. Nach zwei Tagen stellte, sich alles als Schwindel heraus. Bei dem Streik der Pianofortearbeiter in Bonn kam der Techniker im Mai nach dort, ließ sich gleichfalls als Arbeitswilliger aus der„bitteren Not" helfen und� abschieben, wofür er wieder versprach, noch weitere 12—15 Mann in Thorn zurückzuhalten. Ende Mai kam Heinemann nach Stockum, das ganz nahe bei Annen liegt. In Stockum war der Gauner ein „Former". Er gab an, daß er von einem Vertreter des Stockumer Eisenwerks zur Arbeit angenommen worden sei. Seine Frau käme mit anderen Forniern nach. Heinemann gab ferner an, daß er vier Monate wegen Blinddarmoperation krank gewesen sei. Heinemann wurden schließlich von den Streikenden 38 M. Fahrgeld ausgezahlt. Zwei Streikende brachten den Pseudoformer zum Bahnhof und lösten eine Fahr- karte nach Kassel. Der andere Betrag wurde Heinemann ausgehändigt, worüber er unter falschem Namen quittierte. Als Heinemann allein war, tauschte er die Fahrkarte nach Kassel gegen eine nach Bielefeld um und erließ sich die Preis- differenz auszahlen. Als Heinemann wieder aus dem Buhn- Hof kam, erkannten ihn Arbeiter, die früher zu den Streikenden in Annen gehört hatten und die seine Verhaftung veranlaßten. Die Schwindeleien trugen dem Streikbruchs- und Betrugs- spezialisten acht Monate Gefängnis ein. veurkcdes KeicK. Krupps Sklaven fordern. Am Sonntagvormittag tagte in Essen unter freiem Himmel eine Massenversammlung der Kruppschen Arbeiter, in der die Lohn- und Arbeitsbedingungen bei der Weltfirma einer gründlichen Kritik unterzogen wurden. Zu den 12 stA) Versammelten sprachen vier Redner, die Genossen Schlicke Stutgartt, S e v e r i n g- Bielefeld, Cohen-Berlin und R a p p- Solingen. Von allen wurde hingewiesen auf den bekannten R e i ch s t a g s b e s ch l u ß vom 15. Februar 1911, worin der Reichskanzler ersucht wird, Arbeiten und Lieferungen für die Marineverwaltung nur an solche Firmen zu vergeben, welche in Beziehung auf die Arbeits- bedingungen die gesetzlichen Vorschriften einhalten und sich ver- pflichten, zur Regelung und Sicherung der Lohn, und Arbeits- bedingungen auf den Abschluß von Tarifverträgen hinzuwirken, sowie die Marineverwaltung anzuweisen, die Festsetzung oder Neuordnung von Arbeitsbedingungen in den Reichsmarine- betrieben unter Mitwirkung der AcbeiterauSschüsse vorzu- nehmen." Obwohl dieser Beschluß mit 2-10 gegen nur 99 Stimmen gefaßt worden ist, sind fünf Monate ins Land gegangen, ohne daß die vom Reiche sehr stark beschäftigte Firma Krupp sich im geringsten veranlaßt gesehen hätte, ihm nachzukommen. Im Gegenteil, der_ berüchtigte Herr-im-Hause-Standpunkt wird bei ihr. gegenwärtig rücksichtsloser denn je vertreten. Da ist es zu verstehen, wenn die Arbeiterschaft aus sich selbst heraus Schritte unternimmt, um dem Willen des Reichs- Parlaments Geltung zu verschaffen. In keiner Weise sind bisher die gesetzlichen Vorschriften hinsichtlich der Arbeits- bedingungen beachtet worden. Die Arbeitszeit ist sehr un- gleich und zum Teil überlang. Arbeiterausschllsse sind nicht vorhanden. Schließlich lassen auch die Lohnverhältnisse namentlich insofern zu wünschen übrig, als das Günstlings- tum dabei eine sehr erhebliche Rolle spielt. Statt Lohn- und Arbeitsbedingungen zu schaffen, wie sie eines so mächtigen Betriebes würdig wären, bemühen sich die leitenden Stellen, Gelbe zu züchten und mittels durchsichtiger„Wohlfahrt" die Arbeiter einzulullen. Die Arbeiter haben jedoch das System der Firma satt und fordern Anerkennung ihrer berechtigten Wünsche. Folgende Resolution wurde einstimmig beschlossen: „Die Versammelten nehmen Kenntnis von den Ausführun- gen der Referenten und erwarten von den Arbeiterorganisa- tionen, daß dieselben die Vorarbeiten treffen, damit in geeig- netcr Weise die berechtigten Forderungen der Kruppschen Ar- bcitcr zur Durchführung gebracht werden. Vor allen Dingen ist es erforderlich, daß die Lohnvcrhältnisse einer durchgreifenden Verbesserung unterzogen werden. Ebenso ist die Arbeitszeit den hygienischen und volkswirtsckiaftlichen Anforderungen cnt- sprechend, zu verkürzen. Die Akkord- und Ueberarbcitszeit ist gleichfalls einer Regelung zu unterziehen. Ferner erklären die Versammelten die Schaffung eines Arbeitsausschusses, welcher ans allgemeiner und geheimer Wahl hervorgehen muß, für un- erlaßlich, damit derselbe bei Neuordnung der Arbeitsbedingungen entsprechend der im Reichstag angenommenen Resolution mit- wirken kann. Die Versammelten erklären weiter, daß sie mit aller Kraft dahin wirken wollen, daß die im Deutschen Reichstag am lö. Fe- bruar 1911 angenommene Resolution, der auch zum größeren Teil von den bürgerlichen Parteien— mit 240 gegen 99 Stimmen— zugestimmt wurde, voll und ganz bei der Firma Krupp zur Durchführung gebracht werde." Das Resultat der Versanimluuq ist um so erfreulicher, als es die„Christen" und die Gelben keineswegs an Bemühungen fehlen ließen, Uneinigkeit in die Reihen der Kruppschen Ar- beiter zu tragen. Sie haben zu der Schmach des bösen Willens nun auch noch die Schande der Ohnmacht. Ter Lohnkampf in der Juteindustrie. Seit zirka% Jahren kommt in den Jutebctrieben ein Mate- rial zur Verarbeitung, wodurch es der Arbeiterschaft im all- gemeinen zur Unmöglichkeit geworden ist, einen Lohn zu erreichen, der für die bescheidensten Lebensverhältnisse ausreicht. Da das Verlangen der Arbeiterschaft, für die Verarbeitung schlechten Materials eine entsprechende Entschädigung zu zahlen fruchtlos blieb, forderte sie als Ausgleich in der Jutespinnerei und-Weberei zu Schisfbek bei Hamburg eine Lohnerhöhung von 20 Proz. Anstatt nun den Forderungen gemäß eine durchschnittliche prozen- tuale Ausbesserung zu gewähren, gestand die Direktion eine durch- gängige Aufbesserung von 214 Pf. pro Stunde und Kops zu. wo- gegen die Pünktlichkcitsprämie von wöchentlich SO Pf. und die Weihnachtsprämic, welche je nach Dauer der Beschäftigung 7,50 M. bis zu 30 M. pro Jahr betrug, in Wegfall kommen sollte. Würde auch nur ein Teil der Arbeiter und Arbeiterinnen mit der zugestandenen Lohnaufbesserung sich zufrieden gegeben haben. so war dies für die letzeren unmöglich, weil die geringe Auf- besserung in gar keinem Verhältnis stand zu dem Schaden, den Berantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.: sie durch Verarbeitung des schlechten Materials erleiden, und so kam es denn, daß die Spinnereiabteilung(137 Personen) am 19. Juni die Kündigung einreichte, worauf seitens der Direktion die Kündigung der Gesamtarbeitcrschaft nebst Aussehern und Vorrichtern am gleiche Tage erfolgte, die Sonnabend, den 24. Juni, ablief. Der Gesamtbetrieb steht seit diesem Tage still und sind alle Versuche, die Angelegenheit durch Verhandlungen auf friedlichem Wege zu erledigen, rcsultatlos verlaufen. Bis jetzt herrscht voll- ständige Einmütigkeit und ist von den polnischen Arbeitern und Arbeiterinnen schon ein großer Teil abgereist.' Auch in Heme- lingen bei Bremen haben die in der Spinnerei- und Weberei- abteilung Beschäftigten die Kündigung eingereicht, nachdem alle Versuche, eine kleine Lohnausbesserung von 10 bis 15 Proz. zu erreichen, gescheitert sind. Dort sind die Lohnverhältnisse wohl als die schlechtesten zu verzeichnen. Auch hier wurde jede Ver- Handlung mit der Vevbandsvertretung wie mit dem Arbeiter- ausschuß des Betriebes rundweg abgelehnt. Die Kündigung lief am 1. Juli ab. In Delmenhorst haben die in der Webeabtcilung Bc- schäftigten schon seit langer Zeit sich über verschiedene im Betrieb vorhandene Mißstände beschwert und um Abhilfe ersucht. Leider haben die Beschwerden der Arbeiterschaft bei der Direktion nur taube Ohren gefunden, und so hat eine Empörung unter dieser Arbeiterschaft platzgcgriffen, wie man sie noch nicht angetroffen hat. Als ein Arbeitcrausschußmitglied auf den Direktor zugehen wollte, erklärte derselbe:„Ich habe mit Euch nichts zu tun— die Tore sind doch offen, zu welchen Ihr hinausgehen konntet." Darauf erfolgte weiter an die im elektrischen Websaal beschäftig- tcn 60 Weber die dreimalige Aufforderung, den Betrieb zu ver- lassen. Dieser Aufforderung ist die Abteilung nachgekommen, und so ist es nicht ausgeschlossen, daß die weiteren in der Weberei.Be- schäftigten sich mit ihren hinausgewiesenen Kollegen solidarisch erklären, so daß auch der Delmenhorster Betrieb eine bedeutende Betriebsstörung erleiden dürfte. Auch in Bremen ist wegen des schlechten Materials kolossaler Zündstoff entstanden und bedarf es nur des kleinsten Anstoßes seitens der Direktion, daß es auch dort zur Explusion kommt In Hemelingen kommen zirka 900 und in Schiffbek etwa 1400 Personen in Betracht. Die Arbeiter- schaft des In- und Auslandes wird darum ersucht, dafür Sorge zu tragen, daß Zuzug nach den Juteorten Bremen, Schisfbek, Heme- lingen Harburg usw. unter allen Umständen ferngehalten wird. Schiestende Hintzc-Brüder. Die Norddeutsch« Zellstoffabrik in Königsberg, deren Arbeiter streiken, ließ sich einige Hundert Hintzebrüder aus Hamburg kommen, die indessen von solcher Qualität waren, daß selbst die Polizei einschreiten mußte. Die mit Revolvern ausgerüsteten Streikbrecher veranstalteten wiederholt Massenschicßereien und bc- arbeiteten Passanten mit Messern. Hundert wurden deshalb Polizei- lich abgeschoben, 22 verhastet. Noch auf dem Bahnhof gab es ein förmliches Schnellfeuer, so daß da noch eine Anzahl von diesen „nützlichen Elementen" in Haft genommen werden mußten. Hurra! die staatserhaltenden Elemente. Zum Kampf im Hamliurger Holzgcwerbe. In den Reihen der Holzindustriellen ist jetzt offene Rebellion ausgebrochen, und zwar weil der Arbeitgeberschutzvcrband die Un- terstützung, die bisher pro Arbeiter und Tag 2 M. betrug, auf 1 M. herabgesetzt hat. In einer Bezirksversammlung wurde das damit begründet,„daß nach den letzten Beschlüssen des Holzarbei- tcrverbandes ein Ende des Kampfes nicht abzusehen sei, und da man schon 400 000 M. verbraucht habe, müsse man mit den noch vorhandenen Mitteln recht haushälterisch zu Werke gehen". Die fällige Unterstützungsrate konnte nicht ausbezahlt werden, doch wurden die Meister damit getröstet,„daß ein größeres Darlehen in Aussicht gestellt sei". Die Sache ist für den Schutzverband und seine geistigen Leiter Gurlitt und Wolfromm um so blamabler, als diese behauptet hatten, beim Holzarbeiterverbänd sei das Geld alle. Als nächste Folge haben sich nun innerhalb der letzten zwei Tage 22 maßgebende Firmen an den Holzarbeiterverbänd gewandt zwecks Abschluß von Einzelverträgen. Arbeiter, sorgt für Fernhaltung des Zuzuges! ZZusbrnä. Ende des Seemannsstreiks. Nach telegraphischen Meldungen haben die Seeleute die Wieder aufnähme der Arbeit beschlossen. Die Meldungen lauten: Brüssel, 2. Juli. In Antwerpen wird der Seemännsstreik vor aussichtlich am Montag beendet sein, da eine Verständigung auf der Basis der Hamburger Löhne bereits mit zwei größeren Reeder firnten erfolgt ist und diesem Abkommen die anderen Firmen sich zweifelsohne anschließen werden. In Zukunft werden die Heizer regelmäßig 8 Stunden, die Seeleute 12 Stünden beschäftigt. Ueber- stunden werdcn bezahlt. Auch steht die Gründung einer Arbeits- börse für Seeleute in Antwerpen unmittelbar bevor. Antwerpen, 3. Juli. Die hiesigen Matrosen haben beschlossen, die Arbeitszeit für die Kohlcnarbeiter auf 8 Stunden und für die Matrosen auf 12 Stunden festzusetzen. Zu gleicher Zeit wurde ein- stimmig das Ende des Streiks für heute abend beschlossen, voraus- gesetzt, daß die Reeder schriftlich ihre mündliche Zusage bestätigen. Von 700 im Streikkomitee eingeschriebenen Ausständigen sind die meisten auf englischen Dampfern angemustert. Alle diese Schiffe zahlen die verlangte Lohnerhöhung. Der Deutsche Matroscnverband hat eine Unterstützung von 1000 M. für die Ausständigen in Ant werpen überwiesen. Liverpool, 3. Juli. Der Führer des hiesigen Ausstandes Tom Mann erklärte, der Ausstand sei so gut wie beendet. Bei den meisten Dampfcrgesellschaften hätten die Ausständigen die Arbeit wieder aufgenommen. Lbschon zwischen der White Star Linie und ihren Leuten über die Anerkennung der Arbeiterunion noch Mei- nungsverschiedenheiten beständen, so hoffe er doch, haß sie heute noch beigelegt werden würden. Ein Konflikt im nordfrnnzösischcn Kohlenbecken. Paris, 30. Juni.(Eig. Ber.) Die Delegierten der Bergarbeiter- födcration des Departements Nord und Pas-de-Calais kamen gestern in Arras zusammen, um in einer gemeinsamen Sitzung mit den Vertretern der Grubcngcscllsckiaften Vereinbarungen über die Ar- beitsbedingungen in den nächsten Jahren zu treffen. Diese Kon- vcntionen sind seit 1889 wiederholt abgeschlossen worden, die letzte 1909. Sie brachten dank der EntWickelung der Gewerkschaft den Bergleuten ansehnliche Lohnerhöhungen. Diesmal fordern die Bergarbeiter die Einbeziehung der Prämie von 17 Proz. in den Grundlohn, die ausdrückliche Vereinbarung der Einheitlichkeit der Löhne bei allen Gesellschaften,' einen Minimallohn und eine der Lebensmitteltcuerung entsprechende Lohnerhöhung. Die Unternehmer zeigten sich unzugänglich. Vor allem weiger- ten sie sich, den von den Arbeitern zum Sekretär und Anwalt gc- wählten Deputierten Genossen Albert Thomas zuzulassen, worauf die Arbeiter auch die Entfernung der von den Unternehmern be- stellten Sachwalter forderten. Tic Verhandlung endete nach kurzer Dauer resultatlos. Die Unternehmer lehnten die Arbeiter- fordcrungen mit Berufung aus die neuen Steuerlasten, die Ab- kürzung der Arbeitszeit, die deutsche Konkurrenz und die Unsicher- heit des Marktes ab,— Argumente, die die Arbeiter im Hinblick aus die seit 1906 stark gestiegenen Dividenden nicht anerkennen konnten. Das einzige, was die Unternehmer zugestehen wollten, war die Auf- rechtcrhaltung der Prämie solange, als der Kohlenpreis nicht sinke. Die Arbeiter konnten sich mit dieser„Konzession" nicht begnügen und brachen die Verhandlung ab. Eine neue Konvention wurde nicht geschlossen.— Tic Situation, die aus dieser nicht unvophcr- gesehenen Wendung folgt, ist ernst. Aber die Arbeiter sehen der Zukunft im Gefühl der Kraft ihrer Organisation mit Zuversicht entgegen._ Prozeß ßeckter-fflaltzahD. Der Greifswalder Landratsprozeß, der im Dezember vorigen Jahres die Strafkammer des Greifswalder Landgerichts fast drei Wochen lang beschäftigte und schließlich zu einer Verurteilung des Rittergutsbesitzers Artur Becker in Bartmannshagen z u d e r enormen Strafe von einem Jahr Gefängnis wegen Beleidigung des Landratcs Freiherrn v. Maltzahn führte, erlebte heute vor den: Reichsgericht in Leipzig eine Art Neuauflage, da der Verurteilte Revision eingelegt hatte. Nach langen VerHand- lungen wurde das Urteil der Strafkammer vom Reichsgericht in vollem Umfange aufgehoben und die Sache an das Landgericht Stettin verwiesen. In der Begründung führte der Senatspräsident aus, daß der Senat die Prozcßrügen, die sich auf Ablehnung des Direktor Prützmann und des Landrichters Haas beziehen, zurück- gewiesen hat. Die Zurückweisung der Ablehnungs- a n t r ä g e des Angeklagten durch das Gericht sind nach der Auf- fassung des Senats zu Recht erfolgt. Die vorgebrachten Be- Häuptlingen reichen nicht aus, um eine Befangenheit dieser Richter zu rechtfertigen. Ferner hat der Senat die Rüge zurückgewiesen, daß drei Richter über die Ablchnungsanträgc befunden und damit einen Teil der Hauptverhandlung geführt haben. Vielmehr hat der Senat festgestellt, daß die Ablehnung kein Teil der Hauptvcr- Handlung ist, und daß das Dreimännerkollcgium in keiner Weise seine Befugnisse überschritten hat. Der Angcklggtc und seine Ver- teidiger haben in Greifswald auch keinerlei Widerspruch hiergegen erhoben. Die weitere Rüge des Angeklagten, daß zu Unrecht die Vorlegung der Gehcimakten verweigert worden ist, war gleichfalls zurückzuweisen. Anders lag die Rüge über die Ablehnung des Antrages, den Zeugen G o t h c i n über eine angebliche libcral-sozialdemokratische Verbrüderung in der Wirtschast Müller zu vernehmen. Die Ab. lehnung wurde damit begründet, daß das, was der Zeuge bekunden sollte, unerheblich sei. Hier liegt zweifellos ein Prozeßverstoß vor, denn die Unerheblichkeit genügt nicht zur Ablehnung dieses Antrages. Es«uß gesagt werden, ob er ungeeignet oder nicht zur Sache gehörig ist, und das ist nicht geschehen. Diese Rüge hat der Senat für durchgreifend erachtet, weil es nicht ausgeschlossen ist, daß die Entscheidung des Erstrichters mit auf diesem Verstoß beruht. Weiter rügt die Revision mit Recht die unzulässige Ab- lchnung von Fragen an geladene und erschienene Zeugen. Auch diese Ablehnungen sind zum größten Teil mit der Begründung er- folgt, die Frage sei unerheblich. In dieser Ablehnung hat der Senat einen Prozeßverstoß erblicken müssen, da es sich um erschienene Zeugen handelt. Die Ablehnung von Fragen kann nur aus anderen Gründen erfolgen als aus Gründen der Un- erheblichkeit dessen, was der Zeuge bekunden soll. Das, was der Zeuge bekunden sollte, war erheblich für den Angeklagten, weil das, waS die Zeugen bestätigen sollten, wiederkehrt, z. B. in der Eingabe an den Handclsminister. Dagegen war der Senat der Ansicht, daß die Ablehnung der Wcitcrbefragung des Zeugen Milke gerechtfertigt war, weil das, was dieser Zeuge bekunden sollte, außer allem denk- baren Zusammenhang mit dem Gegenstand der Verhandlung stand. Im übrigen hat der Senat, nachdem der Vorderrichter dem� Angeklagten zugebilligt hatte, daß er der Ansicht sein konnte, daß der Landrat seine Gewalt ihm gegenüber mißbrauche und ihn wirt- schaftlich schädige. Aus der Form dieser Ausdrücke an sich geht nicht die Absicht der Beleidigung hervor; daher ist die Vcrsagung des Schutzes des Z 193 dem Angeklagten gegenüber hier ein Rechts- irrtum. In der Beurteilung der Anwendung des 8 186 auf den Begriff „politischer Agent des agrarischen Demagogentums" nur deshalb, weil dieser an sich unter Z 185 fallende Begriff mit anderen Bc- griffen im Zusammenhange steht, die unter den Z 186 fallen, folgt der Senat den Auffassungen des Reickisanwalts, ebenso hinsichtlich der Beurteilung des Satzes„vom ruhigen und sicherlich nicht zu Gewalttätigkeiten neigenden Kreiscingcscssenen und der Züchti- gung des Landrats." Hier genügt es, auf die Möglichkeit von Bc- denken hinzuweisen; denn schon die bloße Möglichkeit eines Rechts- irrtums hier kann dem Angeklagten nachteilig gewesen sein. Der Senat hatte schließlich die Frage zu erwägen, ob dem Antrage des Verteidigers entsprechend die Sache an ein anderes Gericht ver- wiesen werden solle. Der Senat hat aus den ganzen Verhandlungen d'.e Ueber- zeugung geschöpft, daß das Landgericht Greifswald durchaus ohne Voreingenommenheit in dieser Sache vorgegangen ist und daß die Vorwürfe der Verteidigung nicht als begründet angeschen werdcn können. Aus Zweckmäßig! ei tsgründen hat aber der Senat dem Antrag der Verteidigung ent- sprechend die Sache an das Landgericht Stettin verwiesen.___ Hetzte ffochrichten. Bergarbeiterlos. Tortmund, 3. Juli.(23. T. B.) Auf der Zeche„B o- r u s s i a" bei Oespel wurden durch hereinbrechende Ge- steinsmassen vier Bergleute verschüttet. Trei von ihnen wurden als L e i ch e n geborgen. Tie Verstadtlichung der Breslaner Straßenbahn. Breslau, 3. Juli.(W. T. B.) Die Stadtverordnetenversammlung beschloß e i n st i m m i g den Ankauf der Bres- lauer Straßenbahngescllschaft zum Kaufpreise von 8 900 000 M. Teutschlands Marokkvpolitik im englischen Unterhaus. London, 3. Juli.(W. T. B.) Im Unterhaus stellte der Abge- ordnete B Y l e s(liberal) die Anfrage, ob eine Vereinbarung zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten erreicht worden sei, dahingehend, daß jede Streitigkeit, die möglicherweise entstehen könne, einer schiedsgerichtlichen Be- Handlung überwiesen werden soll«. Der Untcrstaatssckrctär des Auswärtigen Amts McKinnon Wood erwiderte, daß man noch zu keiner solchen Vereinbarung gekommen sei. Der Abgeordnete L y t t l c t o n(konservativ) fragte ob die Rc- gicrung über das Vorgehen Teutschlands in Marokko irgendwelche Mitteilung zu machen habe. Premierminister Asquit ersuchte, die Anfrage auf morgen zu verschieben. Ans Marokko. Tanger, 3. Juli.(Meldung der„Agcnce HavaS.") AuS Mara- kcsch wird berichtet, daß der frühere K a i d A b d a l l a g h, den Ab- zug Allal Glaonis sich zunutze machend, die Stadt D c m n a t plün- derte, wobei mehrere Personen verwundet und getötet wurden. Ebenso wurde die Stadt Tamelletct durch die Stämme Rc- hamna und Shaaghna geplündert. Belagernngsznstand in Paraguay. Buenos Aires, 3. Juli.(W. T. B.) Nach Telegrammen aus Afsumption in Paraguay ist dort eine Berschwörung ent- deckt worden. Präsident I a r a dekretierte die teilweise Auflösung des Kongresses. Mehrere Senatoren, Deputierte und Beamte wuren festgenommen; die Minister des Innern und des Aeußercn gaben ihre Entlassung. In Affumption wurde der Belagerungszustand auf drei Monate erklärt. Tb. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdr.u Verlsgsanstalt PaulSingeräCo.,BcrIinSVV. Hierzu Z Beilagen u.Unterhaltungsbl. Nr. 153. 28. ZahtMg. 1. Kiltze ko.Amiick" Ditllstüg, 4. Juli 1911 Die franzöiilclK G« wcrhldjaf tskonfcrcnz. Paris, 25. Juni.(Gig. Vcr.) Der im Herbst in Toulouse abgehaltene Gcwcrkschastskongrch hatte infolge des endlosen Gezänkes über gewisse Gegenstände der Verwaltung so wenig praktische Arbeit gcliesert, daß es notwendig wurde, fast die ganze Tagesordnung einer gemeinsamen K o n f e- renz der Verbände und Arbcitsbörscn zur Erledigung zu überlassen. Diese Konserenz hat hier von Donnerstag bis Sonn- abend getagt, und auch sie konnte nicht das ganze Material auf- arbeiten. Sie hat aber immerhin eine Reihe von Fragen durch- beraten und mehrere für die Entwickclung der Gewerkschafts- Bewegung wichtige Beschlüsse gefaßt. Der erste Tag war wieder ganz mit einer Debatte über die Altersversicherung ausgefüllt. Sic zeigte insofern einen Ilmschwung der Meinungen, als die meisten Redner nicht mehr, wie dies die Mehrheit von Toulouse getan hat, das Hauptgewicht auf den Kampf gegen die K a p i t a l i s a t i o n legten, sondern vor allem den A r- beitcrbeitrag angriffen. In diesem Sinn äußerte sich bcson- dcrs der Vertreter der Bauarbeiter P 6 r i c a t, der erklärte, Kapi- talisation oder Umlagcvcrfahren sei schließlich einerlei, solange der Arbeiter zahlen müsse. Tagegen vertrat L u q u e t(Coisfcur und derzeitiger Redakteur der„Humamte") den Standpunkt von Tou- louse. Ein Provinzdclegicrter meinte sogar, daß jegliche gesetzliche Altersversicherung dem revolutionären Ideal zuwiderlaufe. C l e u e t (Amiens) sprach für die Annahme der Bcitragspslicht. Bestehe diese nicht schon tatsächlich im gesetzlichen Recht der Greise, von ihren Kindern eine angemessene Alimentation zu fordern? Auch der reformistische Buchdrucker L i o ch o n sprach für die Annahme des Gesetzes. B l a n ch a r d von den Metallarbeitern hingegen forderte einen 2 4 st ü n d i g e n G c n c r a l st r e i k am 3. Juli zum Protest gegen das Gesetz. Ter Antrag wurde indes gar nicht in Beratung gezogen. U v e t o t erklärte, die Konferenz müsse ihre Entscheidung im Hinblick auf die Ausnahme treffen, die das Gesetz im Lande gefunden habe. ES herrsche eine Atmosphäre der Opposition gegen die Beiträge. I a n v i o n sagte, wer zwischen Kapitalisation und Umlage einen Unterschied mache, sei schon ein Reformist. Andere Redner wiesen insbesondere auf den Widerstand der Bauern gegen die Zahlungspflicht hin. Es ist zweifellos, daß das Schlag. wort des Nichtzahlcns viel populärer werden kann, als das des Kampfes gegen die Kapitalisation, um die sich die Massen nicht viel scheren. Aber diese taktische Schwenkung, die Konzentration des An» griffs gegen den B'eitragszwang, der auch den Bauern und den ge- werblichen Unternehmern unwillkommen ist, sieht sehr nach— politischem Lpportunismus aus. Schließlich wurde mit 134 gegen 11 Stimmen, bei 12 Enthal- tungen, eine Resolution angenommen, die erklärt:„Indem die Kon- fcrenz von neuem das Prinzip der Altersrente anerkennt, beschließt sie, das auf die Arbeitcrbeiträge basierte Gesetz zu Fall zu bringen. Sie fordert demgemäß die Organisationen auf. sich diesen BeitragSleistungen mit allen in ihrer Marli t stehen- den Mitteln zu widersetzen."— Angenommen wurde ferner eine Zusatzresolution, die als Mittel die Beitragsverweigerung und die Zerstörung der Versicherungshefte am 3. Juli empfiehlt.— Die von Clcuet und Liochon eingebrachte Gegen- resolution sagte unter anderem:„In Erwägung, daß unter dem kapitalistischen Regime die dem regierenden Unternehmertum abge- rungcnen Sozialgesehe der Arbeiterklasse niemals volle Genugtuung geben können und selbst ein besseres Gesetz der Arbeiterklasse noch immer unannehmbar erscheinen müßte, erklärt die Konferenz, daß die durch das Gesetz geschaffene Situation, die an die Stelle der Unterstützung das Prinzip der sozialen Versicherung zu setzen strebt, derjenigen vorzuziehen ist, die sich aus dem Fehlen jedes Gesetzes ergäbe und fordert die Arbeiterklasse auf, sich zu ausdauernden Be- mühungen für die Verbesserung des Gesetzes zu vereinigen." Ter Beschluß der Konfercnzmehrhcit gibt, wie man sieht, dem Widerstand gegen das Gesetz eine andere Achse, als der Gewerk- schaftskongrcß. Es ist immerhin merkwürdig, daß sich eine Konfe- renz über Kongreßbeschlüssc souverän hinwegsetzt. Am zweiten Tag verhandelte die Konferenz zunächst über einen Antrag, der eine Kampagne für die Durchsetzung der„e n glischen Woche"(des freien Sonnabcndnachmittags) forderte. Tie Tis- kussion führte zur einstimmigen Annahme folgender Resolution: „Tie Konserenz hält das Prinzip des Achtstunden- tags vollkommen aufrecht. Sie läßt den Gcwcrkschaftsorganisa- kleines Feuilleton. Felix Mottf, der Leiter der München«! Hofoper, ist in München am Sonntag nachmittag gestorben. Er ist einem Herzleiden, das ihn erst kürzlich bei einer Aufführung zusammenbrechen ließ, erlegen. Nur 55 Jahre ist er alt geivorde». Mottl ist der typische Rcpräsen- tant des Wagiierdirigcntcn gcivcsc». Wagner hatte er sich von früh an— er war Wiener und Schüler des Wiener Konservatoriums— gewidmet. Zuerst als Dirigent des Wiener aladeinischen Wagner- Vereins, dann als musikalischer Leiter deS' Karlsruher HofthcatcrS und seit 1S03 an der Spitze der Münchener Hofopcr. Ein getreuer Jünger Bayreuths hat er hauptsächlich als Theater- kapellincistcr, aber auch als Konzertdirigent(in Berlin bei den Phil- harnionikcrii) sachlich, überzeugend und ohne die Mätzchen der Pult- virtuosen seiner großen Sache gedient. Mit Recht hat man ihn als den Dirigenten charakterisiert, der Wagner ün großen Stile(al lrosoo) dirigierte und dirigieren lehrte. Ein revolutionärer Chansonnier, der beste von allen, Gaston C o u t ö. ist kaum 30 Jahre alt, in Paris von einer jähen Krank- heit dahingerafft ivorden. Das Brettel ist auch in Frankreich zu einem trübseligen VergnügungSbetrieb herabgesunken. JulcS Lemaitre sagt in der Vorrede zu einer Anthologie aus dem alten Chat Noir, das Kabaret sei die Versöhnung der BohSme niit der Bourgeoisie gewesen. ES wurde aber nanicntlich eine„Anpassung" an den bour« gcoisen Geschäftsgeist. In dem mondänen Kabaret auf Montmartre, wo das„Bock-Enirce" 4 und 5 Franken beträgt, ist der Schwer- tmnkt der polirischen Satire die stereotype Verhöhnung des dicken plebejischen Präsidenten FalliereS, und die Glossierung der politischen und soziale» Aktualität hat den Stich ins Reaktionäre, wie er der anti- demokratischen, parfüiniert- katholischen, patriotisch- traditiona« listischen Strömung bestimmter G est NschastS schichten entspricht. Im billigen Vorstadtkabaret dagegen bedient man das„Volk" außer mit dem vergröberten Spiel deS SauglvctleinS mit einem Übeln Salut von Trivialpatriotismus, Chauvinismus. kühnen Ausfällen gegen Mouopolziiudhölzchen und dergleichen und sozialem SenlimenlalismuZ des„goldenen Herzens". Doch gibt es auch einige revolutionäre Chansonniers, die sogar in einem Verband organisiert sind und namentlich in den eigentlichen Arbciterbezirken und bei OrganisationSfesten zu Worte kommen. MontöhuS, der be- tricbsame Unternehmer in dem Genre, der besonders mit antiklcri- kaleu Reimereien die revolutionäre Klientel anzieht, ist der brkannteste, aber nicht der talentierteste und sympathischeste Vertreter dieser Tendenz Unter den anderen revolutionären Chansonniers findet man hin und wieder sehr hübsche lyrische Begabungen und einen künstlerischen Ernst, der den glückliche» Routiniers der Mode-KabarciS und Music-HallS längst verloren gegangen ist. Gaston Couts ragte indes in dieser Gruppe beträchtlich hervor. Seine VorstclluugS- und Empfindungswelt war nicht die des GroßstadtproletaricrS, deS Sklaven der Großindustrie. Er war vom Lande gekommen, das Kind eines armen DorshandwcrkcrS. und der Bauer laß ihm auch noch im Nacken, als er aus der Schulbank aufs Podium stieg. DaS ist jetzt etwa zwölf Jahre her. Coulös besten Dichtungen sind in der Atmosphäre deS armen LandbcbancrS erwachsen. In ihrer kräftigen Sprache, in ihrer An- tionen die vollständige Freiheit, ihre Propaganda für die A b k ü r- zungder Arbeitszeit, mit R ü ck s i ch t a u f d i e i n i h r c m � Beruf gegebenen Möglichkeiten fortzusetzen. Sie be-! schließt, die Kundgebungen der verschiedenen Organisationen in einer allgemeinen Kampagne für einen ganzen> Ruhetag oder einen Teil eines Wochentags, außer � dem wöchentlichen Ruhetag und ohne Rückwirkung der Arbeitszeit- Verkürzung auf die Löhne, zu vereinigen." Zu einer ausführlichen Diskussion führte die Frage der R e i s c- Unterstützung. Es wurden drei Auffassungen vertreten. Ein Teil der Delegierten war der Meinung, die Rciseunterstützung solle fakultativ und in den Händen der Föderationen bleiben. Von den- jenigen, die dagegen die Einführung des Viatikums durch die C. G. T. wünschten, waren die einen für ihre Organisation durch die Sektion der Föderationen, die anderen für die durch die Arbeits- börscn. D v c t o t erklärte sich für die Ilcbertragung an die Sektion der Föderationen. Das sei wohl Zentralismus, aber ein notwendiger Zentralismus. Bei der Abstimmung ergaben sich 77 Stimmen für das obligatorische, durch die Konföderation zu organisierende Viati- kum, 35 dagegen und 15 Delegierte enthielten sich. Am dritten Tag kam die finanzielle Organisation des Viatikums zur Verhandlung. Die zur Ausarbeitung eines Projektes gewählte Kommission beantragte, durch mehrere Monate Versuche anzustellen und die Entscheidung dem nächsten Kongreß anhcim zu geben. Ter Antrag wurde mit 78 gegen 17 Stimmen bei 11 Enthaltungen an- genommen. Zur Deckung der Kosten werden die Konföderations- bciträge um einen Zuschlag von 20 Proz. erhöht. Beim Punkt: Statutenänderungen lag ein Antrag vor, den Gewerkschaftsfunktionären die Bewerbung um ein politisches Mandat zu untersagen. Die Kon- fcrenz begnügte sich indes, in einer mit 75 gegen 43 Stimmen an- gcnonimcncn Resolution auszusprechen, daß der„politische Ehrgeiz" eine„große Gefahr" für die Arbeiterorganisationen sei. Zum Punkt: A r b e i t s b ö r s c n lag ein Antrag vor, der die Abschaffung der Sektion der Börsen forderte. Einige Delegierte for- derten die Ersetzung der Börsen durch regionale Verbände. D v e t o t bestand auf der Erhaltung des jetzigen ZustandcS. In der C. G. T. habe die Sektion der Föderationen zcntralistifche und administrative Aufgaben, die der Arbeitsbörsen dczentralistischc und föderalistische. Die Arbcitsbörscn seien die Werbeplätze der Berufs- verbände, aber auch ein Gcgengewickt gegen den züuftlerischen Gejst r nd die Zentren der syndikalistischen Propaganda. Würde man die Sek- tion der Börsen aus der C. G. T. ausscheiden, würde sie außerhalb wiedcraufcrstchcn, der Einheit der Arbeiterbewegung zu schaden. Die Angriffe gegen diese Sektion rührten von den Resormisten her, die die Unmöglichkeit gelrahr worden seien, in ihr das Ucber- gewicht zu erlangen, was sie, wenn auch grundlos, für die Berufs- verbände noch immer hofften.— Der Reformist Liochon erklärte, es handele sich nicht um die Auslösung der OrtSvcrbände, sondern um die Abschaffung ihrer zwecklosen Zcntralorganisation. Die Kon- födcration solle nur auS den Berufsverbänden bestehen.— Die Abstimmung ergab die Aufrechterhaltung deS Status guo mit einer überwältigenden Mehrheit. Ter Kassierer M a r ck beklagte sich beim folgenden Punkt, der die nachlässigen Organisationen behandelte, besonders über die Organisationen, die nur für einen kleinen Teil ihres Effektivbestandcs Beiträge zahlen. Er nannte vor allem die Arbeitsbörse von Roubaix, die 20 000 Angehörige habe und nur 1200 Bciträge zahle. Auf diese Art scheine die C. G. T. schwächer, als sie in Wirklichkeit sei und werde in den Augen der ausländischen Kameraden herabgesetzt.— Die Tatsache, von der Marck sprach, ist bekannt. ES sind namentlich die reformistischen Textilarbeiter, die nur für eine Minorität ihrer Mitglieder Bei- träge an die C. G. T. zahlen. Sie tun dies einerseits, um gegen das bestehende VcrtrctungSsystem, das auf die Stärke der Gewerk- schaften keine Rücksicht nimmt, zu protestieren, andererseits, weil sie die spezifisch anarckw-syndikalistische Propaganda, die die Leiter der C. G. T. betreiben, nicht materiell fördern wollen. Der Konfödcrotionssekretär I o u h a u x, der den Protest Marcks siegen dieses Vorgehen unterstützte, erklärte, daß die C. G. T. gegen- über der Gcwcrkschnfts-Jnternationale nicht ebenso handeln solle und beantragte, den Konfödcrationsvorstand zu er- mächtigen, an das internationale Bureau Beiträge für 450000Mitglicderabzuführen. was der wirklichen Mit- glicderzahl entspreche. Ter Antrag wurde angenommen. Unter Verschiedenem wurde die Errichtung einer kon- föderalen Streikkasse mit allen gegen eine Stimme abgelehnt. Ein schauungS» und GesühlSweise heben sie sich erfrischend von der absiuth- dunstenden Argotlileratur der Pariser Deklassierten ab. Wohl ist die Revolte CoutöS gegen die soziale Ordnung nicht ganz mit jener identisch, die sich in, proletarischen Klassenkampf emporreckt. In seinein Haß gegen die Ausbeuter und VolkSvcrderber lebt der Baucrnhaß gegen die unheimliche Weltstadt, die die gesunden Dorfdirnen in ihre Fänge zieht und an Leib und Seele verdirbt, in seinem AntiinilitariSmuS der Zorn des Bauern, den das von de» Herreu in der Stadt ge- machie Gesetz vom Schaffen auf dein Acker in die Ocde der Kaserne holt, in seinem AntiklerikaliSmuS der Aerger deS triebstarken und natürlich denkende» Torsburschen über den Geschäftsbetrieb des scheinheiligen und anmaßenden Pfaffe». Coutü ivar ein Enkel jener von ungestümem Freiheitsdrang erfaßten Bauern, die nach dein Bastillesturm die Schlösser der Grundhcrren mit der Brandfackel vcr- nichtctcn und vor der Schranke des Konvents der jungen Republik ihre Treu« schworen.— Seit�cinein Jahre hat er in der„Gnerre Sociale" HervoS in einem ivöchentlicheu Chanson die Tagesgcschichte mit scharfei» und derbem Witz begleitet. Auch in diesem Genre war er weit besser als die markloien Witzlinge der eleganten Esprit- Schänken und der Boulevardblätter, hinter deren erzwungenen Griniasie oft ein alter Verrat hervorschaut. Aber seine wertvollsten, originalsten Leistungen bleiben doch die Bauernstücke:„Dos Cour- pgmäinas"(Die Dirnen),„Los Conscrits*(Die Konskribierten) u. a. Sie reihen ihren Schöpser in die Schar der besten und tapfersten Dichter der Armen, neben die Verangcr, Dupont, Potticr ein. Musik. Neues Theater: Der Rodelzigeuner, Operette von L. K a st n e r, Musik von Joief S n a g a. Die Menschheit muß im Sommer ein ungeheures Bedürfnis nach trivialer Unterhaltinigokost, nach aufgewärmte» Späßcn. törichten Vertvickelunge», unmögliche» Albernheiten haben. WcuigstcnS scheinen die sommerlichen Theater- lintcrnchmer daS zumeinen. Sonnabend gab es auf dci»BerlincrBüb»en eine akute Epidemie in diese»! Genre: zivei Operetten, ei» militärischer Schwank(niit dessen Inhalt wir unsere Leser verschonen), der aber der mildernden Umstände der Musik entbehrte, ein Gastspiel von Harry Walde» warben als Novitälen um frische Gunst. Dazu spielten alle anderen Theater(bis auf Kroll) ihre Repertoirstücke, die als Lustspiel oder Operette sämtlichen Anforderungen deS„Sommer- theaterS" gerecht werden. Der Rodelzigeuncr hatte in diesen» Zusammenhange daS besondere Verdienst, Winlerlandschaftcii, Winterkostüme und Schnee auf die Bühne zu bringen(Kontrastwirkung nennt'» der Aestbetiker). Außer- dem bot er eine Itebcrsichr über die Hilfsinittel der Posscnmache von PlautuS bis auf heute. ES gab da zwei Personen, die erst zuletzt ihre Väter und Onkel fanden, ferner mehrere Millionen, die zu ver- erben waren, einen junge» Leiitnant. der au» Verzweiflung und um der Erbschaft willen die Schlviegermutter statt der(auS Liebe zur Kunst) entfloffcnen Braut heiratet, eine Maschinerie, die eine Amorgrotte bedient. Diese komplizierten Vorgänge wußte iudcS der Komponist durch Rodelgesänge. schmachtende LicbcSduette(von echt Wiener Sentimentalität), hiibich kostümierte und trefflich ausgeführte Zigeunertänze zusaminenzuschweißen. NeiniiiiSzenzenjäger kommen dabei auf ihre Kosten, aber im ganze» ist die Musik doch unterhalt- lich und gelegentlich sogar charaltcristisch. In der Darstellung war Antrag auf Schaffung eines internationalen GewerkschaftszcichcuS (Isbcl) fand einstimmige Annahme. Verworfen wurde der An- trag auf Zulassung der liberalen Berufe in die C. G. T.. ebenso der auf tägliche Herausgabe deS Verbandsorgans„Voix du Pcuple". Der Vorschlag stieß auch bei den führenden Anarchosyn- dilalisten auf kein Interesse mehr, da sie fast alle an der„Vatarllö Syndicalijtc" mitarbeiten. Konftrcuz der Fmeil Nmiulgiiiig der KmchtilWs der Prsvill; Krandenlinrg. Aiii Sonntag fand in Brandenburg a. H. in» städtischen Kongreßlokal, im„Schwcizergartcn", die VII. Konferenz der Freien V e r e i n i g n n g der Krankenkassen der Pro- v i n z Brandenburg statt. Der Vorsitzende der Vereinigung, S i in a n o iv S k i- Berlin, eröffnete die Tagung und stellte zunächst fest, daß Eililadinrgen zur Teilnahme an der Konferenz an den O b e r p r ä s i d e n t e n der Provinz Brandenburg, au die Vcr- »valtung der L a u d c s v c r s i ch e r u n g S a n st a l i und an den M a g i st r a t von Brandenburg ergangen seien. Oberpräsidimn und Verivaltmig der LandeSversicherimgSanstalt Ivaren die Antwort schuldig geblieben. Als Vertreter deS Brandenburger Magistrats hieß Herr Bürgermeister Voigtei die Delegierten willkommen. Bei der sodann vorgenommenen Burcauwahl wurden S i m a n o w S k i- Berlin zum 1. und Bnchdruckercibesitzcr F l e i s ch e r- Brandenburg zum 2. Vorsitzenden gewählt. AuS dem Geschäftsbericht, mit dessen Erörterimg die Erledigung der TageSordnniig begann, sind folgende Angaben von ungemeinem Interesse. In der Ä r z t- A n g e l e g c n h e i t haben sich besondere Ereignisse nicht abgespielt. Im allgemeinen wird aber doch daS frühere friedliche Zusammenarbeiten zwischen Kassen und Aerzte» v e r in i ß t. Diesen unerirelilichen Znstand führen die Krankenkassen auf daS Verhallen deS Leipziger Aerztcverbändcs zurück. Zwischen Kranken- lassen und Apothekern machten sich ebcnsalls nicht erhebliche Ttreiligkciten bemerkbar. Differenzen ivaren u. a. in einigen Vor- orten von Berlin zu verzeichnen. In eincin Falle kam eS zu einein Kanipfe, in dem die Apotheker einen ganz bcdcntcnden Schaden erlillen.— Im Laufe des Geschäftsjahres sandcn zwei Sitzungen deS gcschäflSfiihrcndeii Ausschusses ftalt. In die Vereinigung n e ll eingetreten sind 2 Kassen mit 3913 Mitgliedern. Ihren oisiziellen Bcilritt zu der Vereinigliug haben 55 Krankenkassen ans der Provinz erklärt. 101 Krankeiikassen sind ofsiziell nicht beigetreten, haben aber an den Konferenzen ii'iv. leilgenoiinncn. 83 Krankenkasse» baben insgesamt an den Konferenzen seit B e- st e h e ii der Vereinigung<6. November 1004) teilgenommen, aber nie zur Deckung der Unkosten beigetragen. Der K a s s c n b c r i ch t verzeichnet ein günstigeres Nesuliat als in den Vorjahren. Es ist ein kleines Defizit getilgt und ein Ueberschnß von 452.07 M. erzielt. C. Koblenzer aus Berlin unterzog die letzte„große" Tat deS schwarz-blaucu Blocks, die NeichsversichcruiigSordining, einer gründlichen Kritik. Er betonte, daß die ReichStagSmehrheit sich bei ihrer GesetzeSmacherei einzig und allein von ihre», Haß gegen die Sozialdemokratie habe leiien lassen. Tie Geschädigten aber seien die Versicherte». Der Referent wies das an der Hand der zahlreiche» entrechtenden Bestiiniiningen deutlich nach. Mit einem Appell an Arbeiter und Nnternehmer, sich auf dem neutralen Boden der Krankeiiverficherimg gegen vie staatlichen Be- vor»ilmdimgSgeliiste zu verbinden, sowie mi die Verwaltungen, die schlechte Gesetzgebung durch eine hnmane Vcr- waltungSpraxiS soviel alS möglich zu mildern, schloß de- Redner unter stürmischem Beifall seinen zirka anderthalbstündigei» Vortrag. An diesen schloß sich ein Referat deS Herrn Prof. Dr. Lhntr« hoff auS Berlin über die Bchandliing und Bekänipfimg der Tuverkulosc in de» Krankenkasse». Die ungemein interessanten AnSführmigen des bekannten HygicnikerS gipfelten in der Forderung nach„hygienischer Kleinarbeit". Hier- unter versteht Herr Leimhoff die Einrichiimg von Fürsorge« stelle», von denen cmS für eine hygienische WohmmgShaliung der erkrankten Kassenmitglieder Sorge getragen werden soll, soivie die Errichtung von Walderhol iings st ätten und Liegehallen vor allem die kleine gutbekaimte Mia Werber brillant, sie ließ alle Huinore und Lustigkeiten los imd erfüllte mit ihrer ansteckenden Laune daS Haus, daß iiia» gar nicht merkte, wo sie einen Teil ihrer Stimme gelassen hat. Als gute Sängerin erwies sich Mary Hagen(die Inhaberin der gefühlvollen Partie). Zum Schluß der Aufführniig(sie»lüßle um°/, Slmideii gekürzt tverdeu, gabs auf der Bühne ein Faiuilieufest mit Lorbeer und Produkten der Britzer Blnmenkultnr. Es schienen sämtliche Vcr« wandten, Bckaitnteii, Angestellten des Komponisten, des Direktors, deS TheaterbcsitzerS daran teilzunehnien. was ja sicher sehr nett war. Vielleicht läßt man in Znkunst auch Deputationen der Kritik und deS PublikumZ dabei zn.— r. Ein altes„Rcpctierurhebcrgesctz" verbietet dem König von Tannbien, seine Königin zu küssen, wenn schon ein Thronerbe da ist. DaS junge Thronpaar aber reißt in Verkleidung aus, um sich küssen zu können. Im lustigen Gasthaus„Zur blinden Eule" treffen sich alle Verliebten, einschließlich der drei geprellten Minister, und schließlich müssen die Hüter des Staatsgesehcs eS fallen lassen, nachdem verschiedene Tanzduette, Ministerwitze und dergleichen für Ausfüllung des Abends gesorgt haben. Den sonuilerlicheil Ansprüchen, mit denen inS Gebäude der „K o m i s ch e n O p e r" die Direktion Heinz Gordon ein. gezogen ist, genügt allerdings der mehr als lose Aufbau und Text der Operette„Der v er b o t c n e K u ß", die wir am Sonn- abend dort hörten. Komponiert ist sie von S i c g m u n d V i n e z e. Auch er ist ein Komponist, der besseres kann: er macht zarte, übers Triviale hiiiaiiSstrcbcnde, zurückhaltend iifftrumentierte Begleitun- gen zu hübschen Melodien. Aber bald gchts auch ihm so, wie wir es schon kennen: die Ensemblestücke, die dem Publikum gefallen sollen, ziehen ihn hinab in die Tiefen oder Untiefen.... Eine gute Sängerin, die nur mit den deutschen Vokalen im Kampfe liegt, A. v. Cwiklinska aus Warschau, und ein wirkungsvoller Komiker, R. A. Roberts aus Hamburg, waren als Gäste bezeichnet. Wcim die Regie für besseres Tialogsprcchcn und manchmal siir ein flotteres Tempo sorgte, würde man sich wohl »och besser unterhalten-_ sz. Notizen. — Die Zuliinft des Lessing-TheaterS wird, wie die„Franks. Zrg." erfährt, voraussichtlich sein Ende sein. Direktor Brahui wird die im Jahre 19l3 ablaufende Pachtzcit— Besitzer des Theaters ist der Luslspielfabrikaitt Blunienthal— nicht erneuern. Ob er einen Nachfolger erhalle» lvird, ist zweifelhaft. Denn die A. E.-G., die Nachbari» des Grundstücks, braucht Platz und besitzt daS Vorkaufsrecht auf das Terrain. — Er koinponiert keine sauren Gurken. Richard Strauß nämlich. Er hat zwar Don Ouichote mrd Nietzsche vertont und die altgriechische Elektro und die»eugricchische Salome in Musik übertragen, aber gegen die Ziinnitungen der unbezahlten Reklame, nacher in den Kunstnachrichten protestiert er mit den Ein- gangsworten. Also(vorderhand) komponiert Strauß weder eine ZirknSoper„och eine Pantomime noch„die Nacht einer Pariser Kurtisane"(Text pon d'Annynziyj— sondern nur eine Aspen- smfonie. für die fit flauerer Zeit so sehr in Aufnahme gekommenen söge nannten Nachkuren. Auch dieses Referat wurde von den aus merksamen Zuhörern mit verdientem lebhaften Beifall aufge uommen. Eine Diskussion fand nach keinem der Vorträge statt. Das mit Spannung erwartete Referat über das akmelle und wichtige Thema«VerwaltungS fragen unter Berück fichtigung der Reichsversicherungsordnung*' ent ging den Delegierten diesmal, da der in Aussicht genommene Referent Herr Mb. K o h n- Berlin leider erkrankt war. Dieses Thema soll in einer autzerordentlichen Provinzial k o n f e r e n z. die, sobald eö angebracht erscheint, in Berlin statt finden soll, eingehend erörtert werden. Auch die auf der Tagesordnung vorgesehene Neuwahl des TarisamtS nnterblleb, da man sich dahin einig geworden ist, das Tarifamt bis zum Jahre 1913 zu suspendieren. An den zurzeit bestehenden Beamtenverhältnissen soll bis dahin nichts ge ändert werden. t Die Neuwahl des geschäftsführenden Aus s ch u s s e S ergab die Wiederwahl der bisherigen Mtglieder mit Ausnahme de? ausgeschiedenen Herrn Hcrrmann in Dahme, an dessen Stelle Herr G r u b e n d u n st in Kottbus gewählt wurde. Vertreten waren Ivb Krankenkassen mit 491 561 Mitgliedern durch 260 Delegierte. Als Ort der n ä ch st e n Tagung wurde Frankfurt a. O gewählt. Mit einem Hinweis auf den am nächsten Sonntag in Dresden stattfindenden Verbandstag der Ortskrankcnkasfen schlotz der Vorsitzende die Versammlung._ Das llelchsmarineamt gegen die CechnDter. Es ist nicht das erstemal, daß das Reichsmarineamt die kech Nischen Angestellten zwingt, mit ihren Klagen an die Oeffentlichkeit zu gehen. Am 7. November v. I. hat cS diese Behörde grundsäfr lich abgelehnt, mit den Organisationen der Angestellten in Ver� Handlungen zu treten. Damals wurde, der Deutsche Tech. nikerverband gezwungen, die Hilfe des Reichstages in Au- sprach zu nehmen. Mit großer Mehrheit beschloß der Reichstag damals:„die Petitionen des Deutschen Technikerverbandes, soweit sie sich auf Einrichtung von Beamtenausschüssen, Sicherung des Koalitionsrechtes und Anerken. ,lung der Organisation der Techniker beziehen, dem Herrn Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen." Wie dieser Be. schluß deS Reichstages„berücksichtigt" wird, tritt jetzt wieder offen zutage. Das Reichsmarineamt ist im Begriff, eine Aenderung der Anstellungsverhältnisse der„vorübergehend" beschäf tigten Hilfsarbeiter der Marinebetriebe borzunehmen. Die Verfügung des Reichsmarineamts vom 17. Mai 1911, womit die„Reorganisation" eingeleitet wurde, bestimmt: „Des weiteren dürfen Hilfsarbeiter, die nur für vorüber gehende Zwecke eingestellt sind und nicht als Diätare gelten, nicht mehr(mittels Anstellungsverfügung)) angestellt, son- dern müssen durch Dienstvertrag angenommen werden. Samt- liche für die Garniscmbauämter usw. aufgeführten Hilfskräfte werden deshalb in Abänderung der Verfügung vom 23. Sep- tember 1907, J. 110(Marineverordnungsblatt Seite 327) aus demVerzeichnis�.indasVerzeichnisL übergeführt. Die Neuaufstellung dieser Verzeichnisse bleibt vorbehalten. Die Kaiserliche Intendantur wird hiermit angewiesen, allen beim(Marine-) Garnisonbauwescn beschäftigten, mit An stellungeverfügung versehenen Hilfsarbeitern zum nächsten zulässigen Termin zu kündigen und sie von neuem nach Maßgabe der beiliegenden Vorschriften gegen Dienst vertrag anzunehmen, soweit ihre Dienste noch weiter erforderlich sind." Am 27. Mai hat auf Grund dieser Verfügung die Marine- «ntendantur in Kiel zum 1. Juli und am 19. Juni die Marineintendantur in Wilhelmshaven ihren Angestellten zum letzten Juli gekündigt. Mit der harmlos klingenden Ueberführung„aus dem Verzeich- nis A in das Verzeichnis L" werden die technischen Angestellten schwer geschädigt. Ei« standen bisher in einem gewissen halb amtlichen Verhältnis, wurden mittels einer Anstellungs- Verfügung angestellt und waren der Disziplinar- gewaltdes ReichSbeamtengesetzes unterworfen; hatten, sofern sie sich nichts zu schulden kommen ließen, Aussicht, später in pensionsberechtigte Stellen aufrücken zu können. Außerdem besaßen sie das B e a m t e n p r i v i l e g i u m. »schwer trifft die Ungnade des Herrn MarinestaatSsckretärS die ihm unterstellten Techniker. Der neue Dienstvertrag wäre wert, im Wortlaut wieder« gegeben zu werden. Er liest sich wie die KricgSartikel und wimmelt von Beamtenpflichten, ohne auch nur im geringsten den mit diesem Vertrage bedrückten Angestellten Beamtenrcchte zu gewähren. Wir beschränken unS darauf, einiges herauszugreifen und aus- zugSweise wiederzugeben. § 1 fordert eine dreimonatliche Probezeit. Im Z 3 wird der Angestellte verpflichtet,„auch über die fest- gesetzten Dienststundcn hinaus und an Sonn- und Feiertagen ohne besondere Vergütung zu arbeiten". Nach S 6 wird der Angestellte bestraft, wenn er eine Be- schwerde oder eine Eingabe persönlicher Art an anderer Stelle anbringt, als bei den ihm unmittelbar zur Beschäftigung über- wiesenen Personen. Mit dieser Bestimmung will das ReichSmarineamt das Petitionsrecht der Ästige- stellten noch weiter beschränken. § 7 verbietet die Nebenbeschäftigung. Das AnfangSgehalt beträgt nach den neuen Bestimmungen 1700 M. und der einzelne Angestellte muß nach der letzten Ver» fügung des ReichsmarineamtS vom 24. Juni 1911 fein gegen- wärtiges Einkommen so lange beziehen.„biSdaSAnstellungS- dien st alter das Aufrücken nach den neuen Sätzen erlaubt". Das kann 5, 6 und bei den älteren Angestellten 8 Jahre dauern. Gehaltszulagen während dieser Zeit sind aus- geschlossen, weshalb man es leicht begreifen kann, daß der eine oder der andere Angestellte je nach seinen persönlichen Verhältnissen gezwungen ist, Nebenverdienst zu suchen. Tatsächlich ist auch eine nicht geringe Anzahl Angestellter der Marinebetriebe neben- amtlich als Lehrer an den gewerblichen Fortbil- dungSschulen in Kiel und Wilhelmshaven tätig. § 9 sagt:„Ein Anspruch auf Urlaub besteht Nicht. Auf begründeten Antrag kann ein Erholungsurlaub in angemessenen Grenzen unter Belassung der Vergütung bewilligt werden, sofern Stellvertretungskosten nicht entstehen." Nach diesem Paragraphen entscheidet die Willkür deS Vorgesetzten darüber,„den begründeten Antrag" zu genehmigen oder abzulehnen und„die angemessenen Grenzen" des Erholungsurlaubs zu bestimmen. Z 12 ist derjenige Punkt, gegen den sich wohl am meisten die Entrüstung nicht nur der Angestellten, sondern eines jeden Sozial. Politikers wird wenden müssen. Er handelt von der Erkrankung deS Angestellten und ist wert, wörtlich zitiert zu werden. Er lautet: „Im Erkrankun�Sfalle hat der Dienstverpflichtete die an der Dicnstverrrichtung hindernde Erkrankung der Person, der er zur Beschäftigung überwiesen worden ist, sofort zu melden und ihre Fortdauervonl4zu14TagendurchärztlicheBe- schejnigung nachzutveise». Die KNinkheLszüstand durch arztliche Unlersuchuki'g feststehen zu lassen. Wenn die Krankheit längex als 14 Tage dauert und seitens des Arztes nicht mit einiger Bestimmtheit angegeben werden kann, daß die- selbe innerhalb einer weiteren 14tägigcn Frist gehoben sein wird, so kann dem Erkrankten gc kündigt werden, dauert die Krankheit länger als vier Wochen, sowird in der Regel gekündigt. Ist der Erkrankte besonders brauchbar und würdig, oder ist seine Krankheit eine Folge deS Dienstes, so kann mit Genehmigung des Staatssekretärs des Rcichs-Marinc-Amtes von der Kündigung vorläufig abgesehen und das Dienstverhältnis unter Weiter- gewährung der vertraglichen Vergütung ver- längert werden." Das ReichSmarineamt bleibt mit dieser Bestimmung weit zurück hinter jenen, die der preußische K r i e g S m i n i st e r für die Angestellten der Betriebe der Heeresverwaltung aufgestellt hat. Dort wird im Erkrankungsfalle nicht gekündigt, sondern 26 Wochen das Gehalt fortbezahlt. Ist der Erkrankte besonders brauchbar und würdig, also für die Marineverwaltung eine wertvolle Kraft, dann sollen nach§ 12 die rigorosen Bestimmungen ausgenommen werden können. Nach§ 15 fällt die Vergütung während militärischer Hebungen im ersten Dienstjahre vollständig fort, ebenso ist ein Anspruch auS § 616 des B. G.-B. dem Ermessen der Behörde anheimgegeben. § 16 behandelt das Erfinderrecht der Angestellten: „Alle Erfindungen, welche der Dienstverpflichtete in Ausübung feines Dienstes oder mit Benutzung amtlichen Mate- rials macht, sind Eigentum der Kaiserlichen Ma- r i n e. Vor Anmeldung einer Erfindung beim Patentamt zwecks Erlangung eines Patentes oder eines Gebrauchsmusterschutzes ist die Genehmigung der Intendantur zur Anmeldung einzuholen." Von einer Entschädigung des Erfinders ist keine Rede. Im§ 18, worin die KündigungSzeit festgesetzt ist. wird der Angestellte einseitig gebunden. „Während der Dauer einer planmäßigen oder teilweisen Mobilmachung der Kaiserlichen Marine oder des Heeres i st e i n e Kündigung seitens des Dienstverpflichteten unzulässig." Davon, daß während dieser Zeit die Behörde nicht kündigen kann, ist nichts gesagt. Der Vertrag, dessen Stempelkosten obendrein dem Angestellten auferlegt werden, unterscheidet sich, wie die zitierten Paragraphen beweisen, in nichts von den schon so häufig öffentlich kritisierten Dienstverträgen der schweren Industrie. Kein Scharfmacher hätte raffinierter die Angestellten fesseln, ihnen alle Rechte weigern, ober alle Pflichten zuschieben können, wie es hier geschehen soll. Der Deutsche Technikerderband hat, wie wir kurz meldeten, bereits Stellung zu den Maßnahmen des Reichsmarine- amts genommen und den Angestellten empfohlen, die lieber» führung in das Privatdien st Verhältnis, wenn nötig, anzuerkennen, für das Aufgeben der mit der vorher- gehenden Stellung verbundenen Vorteile aber eine angemessene Entschädigung und vor allem aber einen, der heutigen sozialen Auffassung entsprechenden Dien st- vertrag zu fordern. Am 26. Juni gab daS Reichsmarineamt auf eine höfliche Ein- gäbe des Verbandes vom 8. Juni 1911 folgende Antwort: „Im Anschluß an das Schreiben vom 7. November 1910 B. I. 5655 wird ergebenst mitgeteilt, daß auch über die dienstlichen Verhältnisse usw. der im Bereiche der Marine-Jntendanturen be- schäftigten Techniker Erörterungen mit dem Deutschen Technikerverband grundsätzlich abgelehnt werden." Nach dieser wieberholteit brüsken Ablehnung, die im schrof. fen Gegensatz zum ReichstagSbcschluß vom 16. No- v e m b e r steht, und nach der Nichtberücksichtigung aller von den Beteiligten selbst vorgelegten Gesuche, bleibt den Angestellten nichts anderes übrig, als, gestützt auf ihren Verband, die schon längst nob wendigen Auseinandersetzungen mit dem ReichSmarineamt aus zunehmen. Die organisiertc'ir technischen Angestellten werdendenneuenDienstvertragnichtunterzeich n e n, und. falls sie deshalb am 1. bezw. letzten Juli aus ihren Stellungen gehen müssen, als Gemaßregelte mit der vollen Höhe ihres bisherigen Gehalts vom Deutschen Technikerverband unterstützt werden. Kein organisierter Techniker, überhaupt kein Angestellter, der auf Standesbewußtsein hält, wird sich dazu hergeben, den im be- rechtizten Abwehrkampf liegenden BerufSgenossen in den Rücken zu fallen. Die Situation ist günstig. Die für die Aufrechterhaltung des Dienstbctriebes Verantwortlichen direkten Vorgesetzten bis weit hinein in die Kreise der Intendantur empfinden selbst die Härten dcS neuen Vertragsentwurfs und wehren sich nach Kräften gegen die zwangsweise Vertreibung ihres Personals. Die Angestellten vertrauen auf die Solidarität und Opfer Willigkeit ihrer Berufsgenossen. Es gilt für sie zum erstcnmale in größcrem Umfange gemeinschaftlich den Kampf für die Durch- uhrung ihres sozialen Programms zu führen. Das RcichSmarine- amt ist ein übermächtiger Gegner, aber auf feiten der Angestellten lieht sachlich und moralisch das Recht und die Unterstützung der öffentlicheil Meinung. Hus der Partei* Die Stadtverordnetenwahlen in Karlsruhe und Frciburg. Die jetzt auch in Karlsruhe beendete Stadtverordnetenwohl hat uns in der dritten Klasse 24, in der zweiten 6 und in der ersten Klasse 0 Sitze gebracht. Die Rationallibcralen haben gleichfalls 30 Sitze, die Forlschriltler haben 18, das Zentrum hat 16 und die Konservativen haben 3 Sitze. Stimmen haben wir erhalten in der dritten Klasse 4772, in der zweiten Klasse 960 und in der ersten Klasse 96. In allen Klassen usammen entfielen Stimmen auf Sozialdemokraten 5823, National- iberake 3302, Fortschrittler 2607, Zentrum 2769, Konservative 502. Von den abgegebenen Stimmen haben wir 89 und die bürgerlichen Parteien zusammen 61 Proz. erhalten. Nimnit man unter Zugrundelegung der auf die einzelnen Parteien entfallenen Stimmen an, daß die Verhältniswahl ohne Klasseneinteilung stattgefunden halte, so würden erhalten haben die Nationalliberalen 21 Sitze statt 30, die Fortschrittlichen 17 statt 13, die Sozialdemokraten 37 statt 30, daS Zentrum 18 statt 16 und die Konservativen 3 statt 2. In F r e i v u r g i. B. haben wir in der dritten Klasse 1350, in der zweiten 158 und in der ersten 15, also insgesamt 1523 Stimmen erhalten. Das Zentrum erhielt insgesamt 2722, die nationalliberal-fortschrittliche Liste 1614, die der Hausbesitzer 760 und die der Bürgervereinigung 452 Stimmen, so daß unseren 1520 Stimmen 5548 bürgerliche gegenüberstehen. Das Verhältnis ist 22 zu 73 Proz. Sitze erhalten Zentrum 35(bisher 28). Liberal- ortschrittliche 25(bisher 32). Sozialdemokraten 16(bisher 4), Bürgcrvereinigung 6(bisher 32), Hausbesitzer 14(bisher 0). Die Wahlen bestätigen, was vorausgesagt worden ist(in Pforz- heim verloren wir. wie wir berichtet haben, fünf Sitze), nämlich. daß wir durch das neue Wahlgesetz in den Städten Sitze in den Stadtverordneten-Kollegien verlieren. Andererseits werden wir, da ist berechtigt, den i der Proporz auch für die von den Bürgerausschnssen vorzunehmenden Wahlen zum Stadtrat gilt, tn dieser KZrpkrschast stärker dtttretea sein, als das bisher der Fall war. DaS staatsgefährliche Liederbuch. Im Auftrage der Staatsanwaltschaft wurde in den Expeditionsräumen des Dortmunder „B o l k S b l a t t e s" gehauSsucht. Es wurde nach dem im Verlage der Dortmunder Arbeiterzeitung herausgegebenen Arbeiterliederbuch gefahndet. Beschlagnahmt wurden 121 Exemplare. polirelllebes, 0md,tUd»co ufw» Nachwehen vom 1. Mai. In Dortmund kam am 1. Mai ein zirka 1000 Mann starker Trupp Maifeiernder aus dem Vorort Hörde und wollte nach Dort- mund, wo das Festlokal war. Auf einer ZugangSstratze sollte der Zug durch eine SchutzmannSkette gesprengt werden, was nicht gelang. Bei dem Tumult wurde einem Schutzmann mit einem Spazierstock der Helm aus dem Kopf zerschlagen und der Beamte trug drei Tage und drei Nächte eine Binde. Wegen Widerstand gegen die Staats- gewalt wurde ein Mann verhastet, der am 1. Juli von der Straf- kammer des Dortmunder Landgerichts zu drei Wochen Ge- f ä n g n i s verurteilt wurde. Der Staatsanwalt hatte die Kleinig- keit von sechs Monaten beantragt. Bestrafte Hochrufe. Vor sechs Wochen fand im Anschluß an eine Versammlung in Brannschweig eine kleine Stratzendemonstration statt, bei der auch Hochrufe auf daS Wahlrecht ausgebracht wurden. Die Polizei griff drei junge Leute aus der Masse heraus und schickte jedem einen Strasbefehl über drei Tage Haft. Auf beantragte richterliche Ent- scheidimg setzte daS Gericht die Strafe aus je 15 M. herab, obwohl ein sch l ü> siger Beweis, daß die jungen Leute die Hochrufer waren, nicht zu erbringen war. In der Urteilsbegründung heißt eS: „Daß es gesetzlich schon zur Bestrafung genüge� wenn man den vorhandenen Lärm vermehre, ohne dessen Urheber zu sein." Preßprozeß.s Wegen Beleidigung der Direktion der Leipziger Straßenbahn wurden die Genossen Herre und Keimling von der.Leip- ziger Bolkszeitung" sowie der BerttauenSmaim der Transportarbeiter in L e i p z i g zu je 150 M. Geldstrafe verurteilt. Die Beleidigung wurde in zwei von der Zahlstelle Leipzig des TranSportarbeiierverbandeS aus Anlaß einer Slrohenbahnerbewegung in der»Leipziger Volkszeitung' veröffentlichten Artikeln gefunden. Jugendbewegung. Der Kampf gegen die Jugendbewegung. Die königliche Polizei im Rheinisch-Westfälischcn ist eifrig be- müht, die Jugendbewegung lahmzulegen. So löste der Essener Polizeipräsident in seinem polizeilichen Uebcreifer eine nicht mehr bestehende Jugendorganisation auf. In Gclsenkirchen hatte der Herr die Genugtuung, daß der gesamte Jugcndausschutz(7 Mit- gliedcr) zu je 10 M. Geldstrafe verurteilt wurde. Trotz der sehr bescheidenen Ausbeute der Beweisaufnahme bezeichnete das Gelsen- kirchcncr Schöffengericht die Jugendorganisation als einen politi- scheu Verein. Gegen das Urteil legten die Angeklagten' Be- rufung ein.. Infolgedessen hatte sich am Freitag die Essener Straf« kammer mit der Angelegenheit zu befassen. In der Beweis- aufnähme bekundeten die Jugendlichen bis auf zwei Ausnahmen, daß in den Veranstaltungen des Jugcndausschusses nie von Politik und Sozialdemokratie geredet worden sei. Die Referenten, die ebenfalls zur BcrufungSverhandlung geladen waren, erklärten übereinstimmend, daß sie in ihren Vorträgen weder von Politik noch von der Sozialdemokratie gesprochen hätten. Die meisten Vorträge vor den Gelsenkirchener Jugendlichen hat der Lehrer a. D.noct LütterS gehalten. Auf die Frage, ob er Sozialdemokrat fei, erklärte der Zeuge, er fei Vorsitzender dcS nationalliberalen Vereins seines Heimatortes. Der Zeuge bekundet mit Nachdruck, es sei ihm vom' Jugendausschuß sehr anS Herz gelegt, in seinen Vorträgen jede Politik zu meiden. Er habe dies auch selbstverständlich getan. Wenn der eine oder der andere Jugendliche etwas anderes bekundet habe, so könne daS nur ein Mißverständnis sein. So habe �er einmal das Wort Atheist erklärt, daraus habe man gleich gemacht, er habe gesagt. eS gäbe keinen Gott. Der Staatsanwalt beantragte die Verwerfung der Be- rufung. ES fei gerichtsnotorisch, daß diese Art Jugendausschüge lediglich den Zweck verfolgten, die jungen Leute im Geiste der Sozialdemokratie zu erziehen. Mit dieser Tatsache stehe es nicht in' Widerspruche daß außerdem anerkennenswerte, lobenswerte Nebenzwecks verfolgt würden. Das Urteil lautete auf Verwerfung der Berufung. Der Vor» sitzende gab eine sehr lange Begründung des Urteils, aus dem folgendes hervorgehoben sei: DaS Gericht hatte die rechtlich interessante Frage zu lösen, was ist ein Verein und was ist ein politischer Verein. Zur Bcant- Wartung der Frage wuß die Tendenz des Vereins geprüft werden; cS muß ferner geprüft werden, ob Politik getrieben wurde und ob Politik getrieben werden sollte. In dieser Beziehung hat daS Gericht festgestellt: Die GewerkschaftSkartclle und die fozialdemo» kratische Partei nahmen sich der Jugend an. So war es auch in Gelse nkirchen. ES wurden Veranstaltungen für die noch nicht IS J.br» alten Arbeiter und Arbeiterinnen organisiert. Die Gc» scbäfte besorgte der JugendauSschuß. Dieser bestand aus Angc- hörigen der Gewerkschaftsbewegung, der sozialdemokratischen Par- tci und der Jugendbewegung; er wurde in einer öffentlichen Ver- sammlung gewählt. Zu prüfen war nun zunächst die Frage, ob die Vereinigung der Jugendlichen nach der neueren Rechtsprechung als ein Verein anzusehen sei. ES handelt sich U»cifelloS um den Zusammenschluß mehrerer physischer Personen, die einen gemein- samen Zweck verfolgen. ES sei zudem auch mit den Mitgliedern ein Vertrag geschlossen, was durch die Mitgliedskarten dokumentiert werde. Nach alledem sei es nicht zweifelhaft, daß cS sich um einen Verein im Sinne des ReichSvereinSgesetzeS handele. Eine weitere Frage sei die: Ist der Verein politisch? Zn dieser Beziehung habe die Verhandlung ergeben, daß die Bater d>er Jugendorganisation die sozialdemokratische Partei und die Gcwcrk- choftcn seien. Die sozialdemokratische Partei würde selbstredend chon bemüht bleiben, sich die Liebe ihres KindeS zu erkalten und ie würde auch dafür sorgen, daß das Kind dieselben Anschauungen verfechte wie der Vater. Die Frage, ob die Gewerkschaften sozial- demokratisch seien, zu untersuchen, habe daS Gericht keine Veran- lassung; eS genügt, daß di» Sozialdemokratie mit dabei war. Der Zweck des Vereins müsse aus der gesamten Tätigkeit gefolgert werden. Es sei nicht zu verkennen, daß ein Teil der Bestrebungen nicht nur nicht zu beanstanden, sondern sogar als lobenswert bc- zeichnet werden müsse. Mäßigkeit zu pflegen, gute Literatur zu emvfchlcn, Schundliteratur zu bekämpfen, seien anerkennenswerte Bestrebungen. Es müsse auch zugegeben werden, daß die Art der Vorträge zu Anstellungen keinen Anlaß gebe. Aber wenn man sich frage: Worauf geht die ganze Tätigkeit hinaus? Tann müsse man hierauf anttvortcn: Den jungen Leuten wird dringend empfohlen, im späteren Leben Soziallxnwkratcn zu werden. Hierfür sprechen insbesondere die Lieder. Das Lied macht auf jugendliche Gc- müter mehr Eindruck, als das Wort. Durch die Lieder, die das Ingen d-Liederbuch enthalte und die zugegebenermaßen ge- jungen worden feien, ziehe sich als roter Faden die Kennzeichnung der bestehenden Gesellschaftsunterschiede. Der Gegensatz zwftchen Arbeiter und Nichtarbeiter werde stark betont. In einem Lied heiße, es: Unsere Fahne ist purpurrot. Das andere beginnt: AufsSozialistcn, schließt die Reihen, ein anderes bringe den Wunsch zum Acht- stundentag zum Ausdruck, in einem anderen Liede werde das all» gemeine gleiche Wahlrecht gefordert. Hiernach könne doch nicht in Abrede gestellt werden, daß man die jungen Leute zu Sozialdcmo- kraten erziehen wolle. Eine andere Auslegung fei nicht möglich. Der Zloeck der ganzen Bestrebungen sei demnach gewesen, den Nach. wuchs für die sozialdemokratisch- Parte» heranzubilden. Tie sozialdemokratische Partei sei aber eine politische Partei. Deshalb sei auch indirekt die Jugendorganisation ein politischer Verein. Da sich die Angeklagten all dieser Momente bewußt gewesen seien, hätten sie bestraft werden müssen. Die Strafe von je 10 M. sei als angemessen betrachtet und die Berufung auZ all diesen Gründen verworfen. Das Urteil ist durch Revision angefochten. Der Erfolg wird abzuwarten bleiben. Nach der Argumentation des Essener Landgerichts muß jeder evangelische Jünglingsverein als politischer Verein bezeichnet werden. Daß dies in Preußen und Deutschland nicht geschieht, steht fest, ebenso fest, wie die Tatsache, daß die freie Jugcndbe- wegung auch durch solche Urteile nicht aus der Welt geschafft wird. Soziales. Die österreichischen Arbeiter-Konsumvereine hielten soeben ihren 8 Verbandstag in Wien ab. Aus Deutschland nahmen Lorenz-Hamburg und Aßmann-Braunschweig teil. Der Zentralvcrband hat 360 deutsche, 89 tschechische, 30 polnische, 19 italienische, 13 slowenische, 1 rumänischen Verein zu Mitgliedern. Die Versicherungsabteilung des Zentralverbandes lebt sich bei den Genossenschaftern rasch ein. Zum Obmann wurde für den wegen Ueberbürdung zurücktretenden Genossen Ludwig Exner, Abgeord- neter Dr. Karl Renner einstimmig unter großem Beifall gewählt. Der Verbandstag beschloß den Beitritt zum Internationalen Gc- Nossenschaftsbund._ Hus Induftm und Randel Saatenstand. Nach dem Saatenstandsbericht der Preisberichtstelle de? Deutschen Landwirtschaftsrats haben in den meisten Gegenden die Feldfrüchte während der letzten Woche infolge von Niederschlägen weitere Fort« schntte gemacht, aber in Nord« und Mitteldeutschland waren die Stiederschläge vielfach noch nicht ausreichend und nicht genügend durchdringend, um endlich ein freudiges Wachstum hervorzurufen und die Schäden der langen Dürre zu heilen. In manchen Gegenden hat die Trockenheit sogar noch weiter angehalten. Eine auffällige Erscheinung ist, daß in diesem Jahre vielfach in Norddeutschland fast alle Feldfrüchte von Blattläusen befallen sind, besonders Rüben und Bohnen, häufig auch das Getreide selbst. Mit am besten hat der Winterweizen von dem günstigen Wetter prositiert, während beim Winterroggen zwar auch vielfach noch die Körner« bildung gefördert und die Notreife verhütet, aber dort, wo letztere auf leichten Böden schon eingetreten war, nichts mehr geändert werden konnte. Noch bedenklicher sieht eS in vielen Gegenden beim Sommergetreide, besonders beim Hafer, aus. Wenn auch beim Sommerweizen und der Sommergerste bei günstiger Witterung wohl noch ein mittlerer Ertrag erwartet werden darf, so scheint in vielen Gegenden Nord« und Mitteldeutschlands für den Hafer keine Rettung mehr möglich zu sein. Wenn schon der Körnerertrag zweifelhaft ist, so scheint eine knappe Strohernte so gut wie sicher zu sein. Von den Hackfrüchten haben sich die Kartoffeln am besten erholt und versprechen bei günstiger Witterung einen vollen Ertrag, während die Rüben, � sowohl Zucker- rüben als Futterrüben, vielfach sehr zurück sind und fast überall von Blattläusen in starkem Grade heimgesucht werden. Die Klee- und Wiesenerträge sind im allgemeinen unter dem Durchschnitt geblieben und auch der Nachwuchs wird nicht befriedigen, wenn ihm nicht bald noch mehr Regen zu Hilfe kommt. Fleischpreissteigerung. Dieser Tage hatte die Spitalkommission des Gemeinderats von Mülhausen i. Elsaß die Fleischlieferung für die städtischen Kranken- Häuser und das Pfründehaus für die nächsten drei Monate zu ber- geben. Die eingegangenen Offerten wiesen sämtlich eine gewaltige Preissteigerung gegen das letzte Vierteljahr auf: O ch s e n f l e i s ch mußte vergeben werden zu 1,60 M. pro Kilogramm gegen 1,18 M. bisher, Kalbfleisch zu 1,98 M. gegen 1,70 M. bisher. Nur das Schweinefleisch konnte wie bisher zu I.SO M. pro Kilogramm vergeben werden. Das sind für Ochsen- und Kalbfleisch Preissteigerungen von 42 und 28 Pfennig pro Kilogramm in drei Monaten I Die Zahlen veröffentlichte das Mülhauser Zcntrumsblatt, jedoch ohne Kommentar I Hus der frauenbewegung, Frauenkongrcst in Rom. Vom 26. bis 29. Juni hat in Rom ein von der„Associacione per la Donna" einberufener Frauenkongrcß getagt. Der Kongreß, der zum Teil recht interessant, wenn auch ziemlich chaotisch aus- gefallen ist, hat wieder gezeigt, daß die in der Frauenbewegung stehenden Elemente bis jetzt noch in allem Wesentlichen auf poli- tisch-revolutionärem Standpunkt stehen. Die klare Scheidung zwischen bürgerlicher und proletarischer Frauenbewegung, die sich in anderen Ländern schon mehr oder weniger vollzogen hat, ist in Italien noch nicht erfolgt. Erst mit dem Ausbreiten der frauen- rcchtlerischen Bewegung und ihrem Uebcrgreifen auf weitere Ge- biete dürfte sich auch in Italien die Erkenntnis einstellen, daß neben dem Jnteressenkonflikt zwischen Mann und Frau der wesent- lich breitere und tiefere Konflikt der herrschenden und der aus- gebrüteten Klasse steht. Heute werden dies die Frauen, die zum Teil recht platonisch über«Recht und Unrecht" diskutieren, noch nicht gewahr, und ihre Haltung in religiösen und politischen Fragen jagt der Bourgeoisie nicht geringes Entsetzen ein. Dabei waren, wohlverstanden, auf-dem Kongreß ausschließlich bürgerliche Frauen vertreten, Lehrerinnen, Aerztinncn, Schriftstellerinnen sowie beruf- lose Damen des Bürgertums. Von den Beschlüssen des Kongresses sei ein Votum für das Verbot des Religionsunterrichts in den öffentlichen Schulen hervor- gehoben. Auch heute wird in den italienischen Schulen nur dawn Religionsunterricht erteilt, wenn ein Teil der Familienväter diesen Unterricht beantragt; die Erteilung findet auf Kosten der Teil nehmenden statt, die Schule stellt nur das Lokal zur Verfügung. Weiter wurde beschlossen, eine Petition an das Parlament zu rich- ten, um aus der italienischen Reichsverfassung die Worte streichen zu lassen:„die anderen Konfessionen sind geduldet", die awf die Erklärung der katholischen zur StaatSreligion folgen. Der Kongreß hat auch ein Gesetz für die Erforschung der Vaterschaft ge fordert und zu dem im BeratungSstadium befindlichen Entwurf mehrere Amendements empfohlen. Ferner wurde ein Votum für die Ehescheidung angenommen, wozu der vor drei Jahren auch in Rom tagende Frauenkongreß nicht den Mut gefunden hatte. Da das italienische Gesetz, gleich dem französischen, als Ehebruch des Mannes nur den im eigenen Hause begangenen gelten läßt, während es bei der Frau diese Einschränkung nicht kennt, wurde die juristische Gleichstellung beider Geschlechter gefordert; ein von einem männlichen Mitgliede des Vereins eingebrachter Vorschlag, alle strafrechtlichen Sanktionen für den Ehebruch auf- zuheben, da sie ja ausschließlich zum Schaden der Frau Anwendung finden, blieb in der Minderheit. Auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege und des Arbciterschutzes forderte der Kongreß die Ernennung von weiblichen Fabrikinspcktorcn, deren bis heute nur eine in Italien tätig ist, dann die Anstellung weiblicher Polizeibeamten in der sogenannten Sittenpolizei. Merkwürdigerweise wird gerade diese letzte Forderung von der bürgerlichen Presse mit Gift und Geifer kommentiert und angegriffen. Gefordert wurde weiter die Ab- schaffung der Schaustellung von Kindern und ihre Heranziehung zu Theatervorstellungen. Die Frauen wurden auf die Notwendig- kcit aufmerksam gemacht, derartige Vorstellungen zu boykottieren. Im allgemeinen verlangte man eine ausgedehntere Heranziehung der Frauen� zu den Wohltätigkeitsanstalien, die In Italien ein Patrimoniu m von insgesamt Ish Milliarden zu verwalten haben., Auf beruflichem Gebiet wurde die Zulassung weiblicher Lehrer zu Jben männlichen Mittelschulen gefordert. Da die Frauen an gemischkten Mittelschulen tätig sind, stellt der heutige Zustand, der für dse Mittelschulen gegenüber den Volksschulen und Hoch- schulen eitic Ausnahmestellung festsetzt, eine große Inkonsequent dar. Auch für die finanzielle Gleichstellung der weiblichen und männliches, Lehrer an den Volksschulen trat der Kongreß ein. Obwckhl sich die„Associacione per la Donna" in ihrem Statut ausdrücklich für apolitisch erklärt— aus der alten und verbreiteten Scheu heraus, die das Wort Politik nun einmal einflößt— wurde schließlich mit großer Mehrheit die Ausdehnung des Stimmrechts auf die tgraucn gefordert. Eine Parteigenossin, Frau Bizzarrsi sprach gozen das Stimmrecht, wobei sie den alten, uralten Ein- wand gektend machte, daß die Frau politisch noch nicht reif sei. Den männlichen Analphabeten, auf die der Entwurf Giolitti das Wahl- recht au-dchnen will, wird unter demselben Vorwand von den reaktionären Abgeordneten das Wahlrecht bestritten! Erne Frau im Wiener k. k. Bezirksschulrat. Unter den in die Wiener Schulverioaltung gewählten antiklerikalen Lehrervertretern ist auch Stephanie v. Nauheimer, ein Mitglied des öfter- reichischen(bürgerlichen) Frauensttmmrechtskomitees. Sie ist warm für die von unserem Genossen Pernerstorfer im Parlament durch- gesetzte Aufhebung des Verbots der Zugehörigkeit von„Frauensper, sonen" zu politischen Vereinen eingetreten. Leseabende. Ze�endorf-Wannseebahn. Mittwoch, den 6. Juli, abends 8% Uhr, bei Benno Mickley, Potsdamer Straße 25, Vortrag des Ge, nassen Klinzmüller:„Blumentage. Wohlfahrtsschwindel, Ar, beiterrechte.'" IMefttasten äer Redaktion. tb, den 26. £ i Vom Montm schliesslich, findrr dir Sprechstunde Juui, bis Sounabend, den 16. Juli ein- in der Zeit von 7l/z bis gl/, abends statt. W. 8. 207. Nein. Fischer, 39. Das Sterbegeld fällt dem über- lebenden Teil.— IR. Redischcwski Nr. 109. Wenn Sie nicht verheiratet sind, so erscheint der Betrag von monatlich 10 M. angemessen.— K. 8. Nur wenn das Kind vor dem 1. Januar 1000 geboren ist, kann der Er- zeugcr von der«Matter des unehelichen Kindes nach vollendetem vierten Lebensjahre dessen: Herausgabe verlangen.— B. Wi. 18. Da die Wahrung weiter vervnetct ist, brauchen Sie sie nicht mehr zu zeigen. nrnrn■ A. M. 4224. II« diesem Falle' ist der Arbeitgeber zur Zürückbehaltung des Lohnes berechtigt.— F. P. 2. Mit mehr als 2000 M. sind Sie weder verpflichtet zur Krankenkasse noch zur Invalidenversicherung an- gemeldet zu werften.— I. 100. Nein.— W. M. 5000. Ja. — Gustav G. Wsendcn Sic sich an das Schiedsgericht für Arbeiterversicherung, Lützowstratzc Iii.,— P. IG Es mutz erst hier in Berlin gellagt werden.— I. 8. 50. Die Gemeinde Treptow kann von dem Tage an, an dem Sie dorthin verzogen tsiud, Gemeindesteuern verlangen.— 8. M. 224. Eine Bereinsversammlang braucht nur dann polizeilich angemeldet zu werden, wenn sie eine öffentliche ist und politische Angelegenheiten in ihr erörtert werden sollen.—, Tl. 20.1. DaS Mädchen bekommt innerhalb eines Jahres nach ihrer Verheiratung die Halste der eingezahlten Beträge zurück.— O. W. 15. Die«trafversolgung wegen Unterschlagung verjährt in S Jahren. — Imperator Der Mietvertrag hat Gültigkeit.— O.-2. Nr. 25. Unserer Meinung v ach ist der Eigentümer schadenersatzpflichtig— A. B.100. Tragen Sie Jlwe Angelegenheit in der Vorwärtssprechstunde vor. — Schoos. Ora«ie»durg. Sie müssen die Speditionsfirma verklagen.— Hermann Host'mann. Gehen Sie in die Sprechstunde des„Vorwärts". —£. W. 1. 1. Das gesparte Geld müssen Sic angeben. 2. Wenn eS sich um die Alimentation Ihrer Eltern handelt, mindestens 10 bis 15 M, monatlich.— A. Z. 5. Auch dieser mutz die erhaltene Unterstützung ab- geben.— W. 40. Fragen Sie noch einmal an.— 90. Fr. R. Zwei Jahre.— E. W. 1870. 1. Der Monatslohn von 40 M. kann nicht gepfändet werdcw. 2. Wenden Sie sich an den Verein für Mutterschutz.— 31. K. Ein ausländischer Gesandter untersteht nicht der hiesigen Gerichts« Larkeit.— 31. Bi. C. Der Einkauf betrug 2131,50 M.— O. R. Nein. ©i®:©:®:©:©:®:©:©�©:®:©!©:©:®:©:©:©:©:® Extra billige Relse-Tafie ® © ® © © © © © © © © © © © © © © © © © © © © © © ® Loden* Anzüge Joppen mit Falten Bteaet oSet rrlnllcher h q Evtt'.«emasferte laden oft«_ Loden,«ehr haltbar M. 10.00 kurze oder lange Hose M. Jll.ud Braun, grün. grau, karler» ne oder gestreute Loden Id. Z�-OO kurze oder lauge Hose U. Prima Zephir-Loden, In Tielea Farben..... 51. Loden-Pelerinen Mit Kapuze, Tragbändern, Armdur chgrifjen, Taschen, .sämtliche Stoffe imprägniert' CbaTlot, gestr. u. melier», n s neueste Muster..•. U. �t.UU Reise-Ulster Cheylot, gestr. u. kariert, n s Hell u, dunkle Phantasie- o/T nn nach englischtr Ar»...-tolle, mod. Verarbeitung jD.ÜÜ eher., gem., In Tlel Färb, Oft OroBkar. Melton-Cher., c« engl. Bes., aufges. Taacb. 30. 00 Lrsatz für Meß...... 30.00 ReiSe- AnZÜge ein- und zweireihig Cberlots». Kammgarns, aparte Muster..... M. TV.OO Prima bleuer oder engl, rft CUeviot........... OV'ÜO _________. a o o Ausmuet.fSebrbeltber M> 00.00 Bozener Mäntel Orllnl.B. graaerSlrlchlort.•« e»| Wottorfeatcr Slrlchloden tsi atrapazierfäh. u. leicht M, ID. 00| In vielen Mustern.. M. �t.üü Reise- Staub- Mäntel OcQnllebar Köper- Stoff f._ 1 fester modofarblger DreU? ...... M.«£.75|............... u. O.OO Gummi- Mäntel Echt engl, hocbgescblosa.| Englische und deutseba Karalter Mantel, persiln- an„„ Gummimäntel, modernste ftft_ lieber Einkauf.,,, M. LZ.50| Ausltibrung...... M. ZZ.50 Strand- Anzüge GestTsIftePIanensioffe.nnr s ,,| Crime Bastatoll, Ersah* r solange Vorräte reichen M, D.00| für Baatseide..... M. 10.00 Wassersport- Anzüge Blaues Srelblges Jackett an-- 1 Welß.Pa. Satln-Köper-Hoae t mit Sergetutter,... M. 1/ 00 I mit umgebUgeltcmSaum U, 4.50 dunkelgrau.Cherlot, reiche Ausmusterung... Kammgarnart m. achmalen q und breiten Streifen.. M. ö 00 Reise-Beinkleider '«he>| m. 4.50 Prima Waschatoffe, bell n„„ u. dunkel gestreift.. M. O.OO Vornehm gestreifte Bock-< n Hose, bell und dunkel, M. lv.00 Reise-Joppen und Jackette Wasdl-Joppegrünllcb 90 Pf. Wasch- Joppe g�ni�u. 2.25 Loden- Joppe � a"£ 3.00 Wasch l-AM .. M. 1.85 L&st.-Jackettfc'hwar'u. 3,00 Lüst.-Jackett 2! reib, m! 8.00 Blaue Litewken und 4.50 Wasch-Westen in Ticlcn Mustern. Wasch-Westen«. gestreift und glatt.», M. 3.00 Westen und Westen-Gürtel Westen-Gürtel Q- in vielen Muslern....?0 Pf. Westen-Gürtel- bell und dunkel.,,,, M. 1.50 Reise» und Touristen-Mützen Recht hübsche engtzsebe Muster aus Wollsloflen m/\.- Große Formen...................... /U Pt, u. 45 Pf. Hüte und Mützen Loden-Hut. 1 grau und grünllcM, M. 1.90 Haarfilz-HütejÄ 2.50 Stroh-Hute 25 T'- Weiße Mützen_.A Pikee, mit schwarz. Band 50 PI. Blaue Mützen kuw'." 95 Pf. Südwester Knaben 95 Pf. Knaben- Wasch- Anzüge Geslrelflet WasebBtoll, für 1.„| Gestreift, hochgesehloiaen n 3—8 Jahre».,. d... M. 1.10 i Matrosenform f. 8-8 Jahre 2.50 Schüler- Sport- Anzüge OlatteJoppenforminl. vlol. o 1 Sport-u.glatteForm.unver-. Kn Mustern für 8-12 chabre M. 3.00 J wUstllch, f. 8-12 Jahr. V.M. 4 Knaben-Hosen � Solange Vorräte reichen Hell u. dunkloWatzcbsioffe /-a Gestreifte Wascbstofle fUr 4 9-14 Jahre........ M. 1.10 Blau nnd gemust. Cheviot■* für 8-8 Jabro...... M. 1.50 asfcastono«-a für 8-8 Jahre durfchw. M. DU Pf. Blauo Salin- Spart- Hoso Prima Satin. Gröfolll M. 1.65 Spiel- Trikot- Sweater kür Knabeh lind Mädchen in blauer, weißer und roter färbe, mit kurzen Aermela und breiter Bordüre Reise-Hemden, Sport- Hemden, Kragen, Manschetten Serviteurs, Krawatten, Schirme, Hosenträger jsw. □ □ □ □ Grfißel 45 Pf.(Grüße 2 75 Pf. Grüße 3 95 Pf. Grüße 41.25 Mark Rucksäcke, Sweater, Stutaen, Strümpfe, Reisedecken Bergstöcke, Sport-Gürtel, Gamaschen, Schlafanzüge usw. BaeoSohn Kleider- Werke a Deutschlands größte Fabrik dieser Art Chausseestraße29-30 nn 11 Brückenstraße 11 Gr. Frankfurter Straße 20 � Schöneberg, Hauptstr. 10 Tiroler Kleidung für Knaben Joppen v. 4.40 an Hosen v 2.20»n Hüte V. 50 Pf. an Hemden, Stutzen, Gürtel, Träger usw. ©I©I©VI©IM i> i Der neueste HAUPT-KATALOG Nr. 42 wird kostenfrei versandt 2)©�j)©©©©©®©©©(o)©©©©©@ © © © © © © © © © © © © © © © © © © © © © © T © © © © © © © © ist die jüngste Errungenschaft auf dem Gebiete des Hausreinigungswesens. yj2de gislvorzüni... aller Gegenstände aus: Holz Eisen Stahl Bronze Glas Porzellan Wie zum Beispiel: dient zum Reinigen Scheuern Putzen Polieren gewährleistet glänzende Resultate mühelose Arbeit unschädliche Wirkung hygienische Reinlichkeit sparsamer Gebrauch Fußböden Küchentische Messingschilder Steinfliesen Badeeinrichtungen Kochgeschirre Ausgußbecken Silbersachen Statuetten Waffen Militäreffekten Automobile �. OKMW wird geliefert in einer eleganten handlichen dauerhaften wirtschaftlichen inhaltsreichen verschlußsicheren Blechstreubüchse mit schwarz-gelber, künstlerischer Ausstattung und wird hergestellt und in den Handel gebracht von der Sunlight Seifenfabrik Q. m. b. H., Rheinau-Baden worin dem Verbraucher eine Garantie für ein vorzügliches, wirksames, preiswertes, zuverlässiges und unschädliches Fabrikat an und für sich gegeben ist. Die große Blechstrei$)üchse 25 Pf. In allen einschlägigen Geschäften erhältlich. Ii Für den Jnseratentei�erantwi�b�ockc. Berlin. Drucku�Pcrlag�o�ärt�Buchdruclerei u. PerlagSa�a��au' Singer u. Co., Berlin LVV, Kr. 133. 28. Jahrgang. 2. Sfilajt des Jcnuitls" Dikllstüg. 4. IM 1911. Stadtverordneten■ Vertamtnlung. 25.(außerordentliche) Sitzung vom Montag, den 3. Juli, nachmittags 5 Uhr. Die heutige, vor allem der Erledigung des „Vergleichs" mit der„Großen Berliner Straßenbahn" gewidmete Sitzung wird vom Vorsteher Michelet nach b'A Uhr eröffnet. Der am Donnerstag eingesetzte Ausschuß hat die Vorlage nach kaum zweistündiger Verhandlung unter Ablehnung aller Abände- rungsanträge unverändert mit lll gegen 5 Stimmen a n g e- n �m m e n uns den Stadtv. Jitcobi(A. L.) für das Plenum zum Referenten bestellt. Sein Referat klingt in eine Elegie aus über den Mißmut und die Verdrossenheit, unter denen sich die Arbeiten der Verkehrsdeputation in den letzten Jahren vollzogen hätten. Wenn jetzt der Vergleich zustande gekommen sei, wenn jetzt eine bessere Zeit anbrechen werde, so sei das nicht zum wenigsten das Verdienst des Stadtrats Geh.-Rat Mosse. dem dieses Meisterwerk von Vertrag zu danken sei und dem man dafür großen Dank wissen müsse. Ter Vorsteher bemerkt damgegenüber, daß es ihm lieber ge- Wesen wäre, wenn dieses Lob nicht so stark und nicht schon so früh akzentuiert Nwrden wäre.(Zustimmung,) Stadtv. Heimann(Soz.): Was die juristische Fassung des Vertrages betrifft, kann ich mich den letzten Worten des Re- ferenten anschließen. Materielle Aenderungen, die uns die Zustimmung zu dem Vergleich ermöglicht hätten, lagen von vorn herein außerhalb des Bereiches der Wahrscheinlichkeit. Die Vor- aussetzung dafür, Zugeständnisse von der Gesellschaft zu erreichen, war, daß die gesamte Stadtverwaltung und ihre Vertreter dahinter stehen müssen. Diese Hoffnung war bei uns schon von Anfang an sehr gering, sank aber am Donnerstag auf den Nullpunkt, wo die Sprecher der Mehrheit und der Magistrat ein Loblied auf den Bertrag sangen und die äußere Zufriedenheit mit dem Erreichten dokumentierte. Die Ausschußverhandlungen sind denn auch völlig ergebnislos gewesen. Nach allem unterliegt es keinem Zweifel, daß binnen we- nigen Minuten der Vertrag genehmigt sein wird. Wir bedauern dieses Ergebnis aufs aller lebhafteste aus den Ihnen bekannten Gründen. Wir können an der Sache nichts mehr ändern und haben nur zu wünschen, daß die Nachteile, die sich für die Stadt ergeben werden, in möglichst engen Grenzen bleiben.(Beifall.) Stadtv. Rosenow(N. L.) spricht das einstimmige Bedauern seiner Fraktiop aus über die A b l e h n u n g der von ihm im Aus- schusse gestellten Anträge. Die Mehrheit meiner Freunde wird jetzt dem Vertrage zustimmen; die. Minderheit, zu der auch ich ge- höre, lehnt ihn ab. Stadtv. Easscl(A. L.) erörtert nochmals die Bedingungen, unter denen später der Z w e ck v e r b a n d das Unternehmen soll erwerben können, und findet, daß durch den Vertrag die Interessen der Vororte und des Verbandes durchaus gewahrt sind. Für seine Fraktion sei die Sache schon am Donnerstag spruchreif ge- Wesen, kein Wunder, daß im Ausschüsse nichts mehr erreicht worden sei. Die Alte Linke stimme für den Vertrag, weil er ein guter sei. Stadw, Mommsen(Fr. Fr.) schließt sich diesen Ausführungen unter Daukesworten für die aufopfernde Arbeit an, die eine Reihe von-Magistrats- und Versamn'.lungsmitglicdern in dieser so schwie- rigen Materie beschäftigt hätten. Aus realpolitischcn Gründen spricht sich auch Stadtv. Ullstein (sozl-fortschr.i für die Annahme des Vertrages aus. Mit großer Mehrheit wird hierauf der Vertrag en dloc ge- nehmigt. Von den vom Magistrat zur alsbaldigen Ausführung vorge- schlagenen weiteren Baulichkeiten der IV. Irrenanstalt zu Buch hat der eingesetzte Ausschuß die Position von 2S 700 M. für ein Pserdestallgebäude abgelehnt, die Beamtcnwohnhäuscr, das Leichenhaus und die Kegelbahn dagegen genehmigt; der Ge- samtkostcnanschlag ermäßigt sich dadurch auf 782 HM M. Referent ist Stadtv. Dr, Kuhlmann(Fr. Fr.) Ohne Debatte wird nach dem Ausschußantoage beschlossen. Von der Freien Fraktion und von der Alten Linken liegen fast gleichlautende Anträge Mommsen und Galland vor, den Magistrat zu ersuchen, angesichts der bevorstehenden gesetzlichen Zulässigkeit der Feuerbestattung unverzüglich die erforderlichen Einrichtungen zu treffen, um dem zu erwartenden Bedürfnisse baldmöglichst zu gcniiaen. Stadtv. Tove(A. L.) tritt für den Antrag Galland ein. Er er- wähnt, daß noch ein„Leichcnhausbaufonds" existiert, über den bei dieser Gelegenheit mit Verfügung getroffen werden könne. Stadtrat Rast: Dieser Anregung werden wir gern Folge leisten. Unterhandlungen über Errichtung eines Krematoriums auf unserem Kirchhofe in der Gcrichtstraße schweben bereits. Stadtv. Hosfmann(Soz.): Auch wir werden für die Anträge stimmen und knüpfen daran nur den Wunsch, daß der Magistrat hier ausnahmsweise einmal schnelle Arbeit leisten möchte(Heiterkeit.) Ter Antrag Mommsen wird nach Zurückziehung des An- tragL Galland einstimmig angenommen. Die Versammlung hat vor einigen Wochen dem Antrag des Magistrats auf Bewilligung von 1» 000 M. für den Empfang deö Internationalen Hotelbcsitzer-KongresseS in den Festräumen dcS Rathauses die Zustimmung versagt. Unter Bezugnahme auf ein neuerliches dringendes Gesuch des mit der Vorbereitung deö Kongresses befaßten Vereins Berliner Hotel- jbesttzer wiederholt der Magistrat seinen Antrag. Stadtv. Heimann(Soz.): Die Ablehnung am 24. Mai war nicht etwa die Folge eines Irrtums, sondern sie war das Ergebnis von Besprechungen zwischen den einzelnen Gruppen vor dem Auf- ruf der Vorlage. Ich kann und will dem Magistrat das formelle Recht nicht absprechen, dieselbe Vorlage so oft es ihm beliebt, an uns zu bringen, aber eine innere Berechtigung dafür liegt doch nur vor, wenn auch neue Tatsachen vorliegen. Ist es nicht so, so kann nur der Eindruck erweckt werden, als halte sich der Magistrat für die der Versammlung übergeordnete Behörde, die Grund zum Aerger zu haben glaubt, weil die Versammlung mal anderer Meinung war, vielleicht auch, weil er sich schon vorweg verpflichtet hatte. Die Vorlage wird uns hingehalten wie ein Stock, über den wir springen sollen.(Unruhe.) Die damalige und die heutige Vorlage stimmen genau übercin, denn die Mitteilung, daß die Herren"Hotelbesitzer 1914 auck einen Empfang in Paris vermuten, wird selbst der Magistrat nicht als ein Novum ansehen. Die Festefferei hat allmählich einen unheimlichen Umfang angenommen. Meine Freunde beteiligen sich ja bekanntlich nur in den allerseltensten Ausnahmen an solchen städtischen festlichen Vcr- anstaltungett; bewilligt haben wir die Kosten dafür nur. wenn ssünstlerische, wisienschaftliche, gemeinnützige Zwecke in Frage kamen. Selbst der S t ä d t e t a g beschäftigt sich schon mit der Frgae der Einschränkung solcher Veranstaltungen. Hier wird uns aber eine sehr erhebliche Erweiterung des Rahmens zugemutet; wir betreten damit den Weg zu einer direkten Ver- schwcndung städtischer Mittel: Tun Sie nicht den ersten Schritt auf «iver solchen abschüssigen Bahn!(Beifalls Stadtv. Barth(A. L.): Uns ist von der erwähnten Vorbe- sprechung nichts bekannt gewesen. Wir unsererseits sehen diesen Kongreß auch als eine gemeinnützige Veranstaltung an.(Leb- haftcr Widerspruch und Zustimmung.) Wir empfehlen die Annahme der Vorlage; wir wollen den Magistrat bei diesem Akt internatio- naler Höflichkeit nicht im Stich lassen. Bürgermeister Dr. Rcicke: In der Vorlage ist nichts von einer unfreundlichen Absicht des Magistrats enthalten. Die erste Abstimmung war ein zufälliges Unglück!! Dem materiellen Standpunkt des ersten Redners stehen wir im übrigen seh' nahe Berlin ist aber eine Weltstadt, eine Fremdenstadt, die auch internationale Rücksichten mannigfacher Art zu Nehmen hat. Stadtv. Feuerstein(N. L.) pflichtet diesen Ausführungen bei. Eine zweite Ablehnung würde für diesen internationalen Kongreß direkt eine Beleidigung sein.(Unruhe.) Stadw. Mommsen: Wir haben bei der ersten Vorlage mit vollem Bewußtsein gegen die Vorlage gestimmt; wir ändern auch heute unsere Haltung nicht. Wir haben wohl zu unterscheiden nicht bloß zwisckxn nationalen und internationalen Kongressen, sondern auch zwischen der Art von Kongressen. Stadtv. Cassel hat auch prinzipielle Bedenken, gibt aber zu beachten, daß eine zweimalige Ablehnung doch den Charakter einer gewissen Herabsetzung tragen müsse(Widerspruch). Nachdem noch Stadtv. Rosenow erklärt hat, daß man jetzt den Antrag annehmen müsse, erfolgt schließlich nach wiederholter Aus. zählung die Annahme des Magistratsantrages. Zum Garantiefonds der Hussitenfestspiele in Bernau sollen 500 M. beigesteuert werden. Stadtv. Wurm(Soz.) ersucht um Ablehnung der Forderung. Man habe es hier nicht mit künstlerischen Zwecken zu tun. Mit demselben Rechte könnte ja auch Pichelswerder kommen. Stadtv. Groncwaldt(A. L.): Wir haben sehr lebhafte Be Ziehungen zu Bernau und müssen doch mit den Leuten, die dort etwas zu sagen haben, auf gutem Fuß stehen. Die Ablehnung würde sehr schlechten Eindruck machen. Die Bewilligung wird abgelehnt. Auf dem dem Sicchenhause gegenüberliegenden städtischen Grundstück in der Fröbelstraße, Ecke Ticsterwegstraße sollen, um dem ärgsten Notstande im städtischen Obdach abzuhelfen, jetzt Va- racken für K00 Obdachlose und eine Baracke für 100 ge- schlcchtskrank« Frauen errichtet werden. Die Kosten sind auf 150 000 und 70 000 M. veranschlagt. Stadtvv. Dr. Ritter(Fr. Fr.) und Hoffmann(Soz.) erklären die Zustimmung zur Vorlage in der Annahme, daß es sich nur um ein Provisorium handelt. Stadtv. Sachs(A. L.) hält den Kostenanschlag für zu niedrig, da hier die Einrichtungskostcn nicht eingerechnet seien. Stadtrat Jacobi: Die Vorlage» sind eine Folge und Wirkung der vcrschiedentlichc» Beschwerden, die die Versammlung erhoben hat. Wir müssen für alle Fälle beim Obdach wie bei der Ge- schlechtSkrankcnstation für die nächste Zeit Vorsorgen. Stadw. Dr. Jsaac(N.£.): Wir empfehlen sofortige Annahme beider Vorlagen. Die Versammlung gibt beiden Vorlagen die Ge nehmt- gu ng. Zwischen Strom- und Kirchstraste soll die Aufnahme einer nördlichcn Sprceusersiraße in den Bebauungsplan erfolgen. Die Versammlung stimmt ohne Debatte zu. Zu der Vorlage wegen Ucbergabc deö Friedhofes der Zentrale Buch an das Kuratorium für das BcstnttnnaSwesen bemerkt Stadtv. Leid(Soz.i: Ich möchte an den Magistrat dir drin- gcnde Bitte richten, dafür Sorge zu tragen, daß der Versammlung endlich die Vorlage über die Anlage des neuen Friedhofes zugeht. Der gärtnerische Plan ist seit Monaten fertig; es handelt sich nur um die Hochbauprojelte. Wir müssen doch den Plan der Gesamtanlage endlich erhalten, der Magistrat sollte etwas mehr Tamvf dahinter machen. Die Vorlage wird angenomm cn. Von der sozialdemokratischen Fraktion(Stadtv. Dr. AronS und Genossen) sind der Versammlung am 28. Juni folgende dring- liche Anträge unterbreitet: „1. Die Stadtverordnetenversammlung protestiert aufs schärfste gegen die eine allgemeine Gefährdung der Berliner Bevölkerung darstellende Verfügung des Polizeipräsidenten wegen der Erleichterung im Gebrauch der Schußwaffen der Schutzmann- s ch a f t. Sie ersucht den Magistrat, unverzüglich alle Schritte zu tun, die zur sofortigen Aufhebung dieser Verfügung führen können." „2. Die Versammlung ersucht den Magistrat, möglichst um- gehend mit dem Fiskus in Verhandlung zu treten wegen Ueberlassung dcs ResteS dcS Exerzierplatzes an der Schönhauser Allee, an die Stadtgemeinde Berlin, sobald er zu militärischen Zwecken nicht mehr benötigt wird." Als Antragsteller zu 1 führt Stadtv. Dr. Cohn(Soz.) aus: Der Berliner Polizeipräsident hat ja den Berlinern viel Stoff zur Heiterkeit gegeben. In dem Stile des „Ich warne Neugierige" an den Litfaßsäulen, der allgemeines Gelächter erregte, haben sich mehrere seiner Kundgebungen bewegt. Aber seine neueste Kund- gebung kann nicht allein vom Standpunkte der Heiterkeit beurteilt werden. Herr von Jagow hat es für notwendig gehalten, den Waffengebrauch der Schutzmannschaft noch zu erweitern. Er begründet diese Notwendigkeit allerdings mit Vorfällen, die sich in letzter Zeit mit Schutzleuten zugetragen hätten, wobei die Schutzleute der leidende Teil gewesen seien. Ich nehme an, daß es sich dabei um den beklagens- werten Vorfall von vor 4 Wochen am Oranienburger Tor handelt, wobei ein Schutzmann sein Leben eingebüßt hat. Dieser Vorfall hat aber vielleicht nur den Anlaß zu der Verfügung gegeben; der eigentliche Grund dürfte in der Niederlage zu finden sein. die die Schutzmannschaft in dem berühmten Moabitrr Prozeß um die vorig? Jahreswende erlitten hat. Derselbe Herr von Jagow hat im Verlaufe dieses Prozesses und bevor er zu Ende war, an sehr sichtbarer und weithin hörbarer Stelle verkünden zu müssen geglaubt, daß trotz dieses Prozesses der Schild der Schuyinannschaft unbefleckt und heil geblieben sei; und das war eine Antwort auf die Klagen über das uuqualifizierbare Verhalten der Schutzmannschaft in der gesamten Oeffentlichkeit. Der Schutzmann soll jetzt nicht mehr die mildere Waffe anzuwenden brauchen, sondern eö soll ihm überlassen bleiben, im Falle daß er angegriffen wird, sofort die schärfere Waffe, die Schußwaffe anzuwenden. Worauf beruht denn daS Recht dieses Waffen gebrau- ch c s? Es war ursprünglich der städtischen Polizeimannschast nicht gegeben. Im Gesetz von 1820 ist es für die Gendarmerie ausgesprochen; aber auch die Gendarmen dürfen die Schuhwaffe nur, wenn die mildere Waffe nicht mehr ausreicht, und auch dann noch nur mit möglichster Schonung gebrauchen. 1354 belamen auch die Schutz- leute daS Recht zum Waffcngcbrauch durch eine Kabincttsorder gemäß den Grundsätzen des Gendarmeriegesetzes..Bon 1854—1393 ist man damit ausgekommen; 1893 aber hat der Polizeimmiftcr von der Recke den berüchtigten Hau- und Schicßerlaß herausgegeben. Dieser wurd: im Abgeordnetenhause fast von allen Seiten sehr abfällig kritisiert. Ist der Minister oder der Polizei- Präsident überhaupt zu solche» Vcrschürfungserlassen befugt? W i r verneinen das. Wichtiger als die juristischen Bedenken gegen den Erlaß sind aber noch die p r a k t i s ch e n, die politischen Bedenken. Die jetzt konzedierte Erweiterung geht über das, was der Gendarmerie er- laubt ist, weit hinaus. Auch dem Waffengebrauch deS Militärs ist durch das Gesetz von 1837 eine Schranke gezogen, indem über die Anwendung der Waffen lediglich der Befehl der Oberen zu entscheiden hat. Hier aber wird die Entscheidung über den Waffcngcbrauch verlegt in die Brust und in den Kopf des ein- zelnen Schutzmannes. Der Schicßerlaß von 1898 war gegeben für Fälle, wo Gendarmerie und Schutzmannschaft einem öffentlichen Aufrnhr- gcgcniiliertretcn mußten; hier aber kann der Schutzmann schließlich gegen jeden Straßenhändler derart einschreiten. Das Moabiter Urteil sagt, daß es sich bei den Uebergriffcn der Schutzleute nicht um vereinzelte Mißgriffe von Beamten handelte, sondern um eine größere Anzahl von Fällen, wo die Schutzleute die Waffen gcmißbraucht haben. Und wenn nun schon bei der milderen Waffe die Polizei sinnlos gewütet hat, wie kann eS werden, wenn jeder Schutzmann befugt ist, sofort loszuschießen? Das Schutzmannsmaterial, welches sich nach den großen Städten drängt, ist ohnehin nicht das glänzendste; es sind jetzt sogar Schutzleute von fünf- und selbst dreijähriger Dienstzeit eingestellt worden, um die Lücken auszufüllen. Seine guten Unteroffiziere gibt kein Hauptmann und kein Rittmeister gern her; was er abstößt, will er auch gern loswerden, und wenn er es wegloben müßte. Dieses Material besitzt also auch nicht die Ruhe, Selbstzucht und Gewissenhaftigkeit, welche für diesen Posten erforderlich ist. Der Magistrat mutz vorbeugend alles tun, was er kann, um die Aufhebung der Verfügung zu erwirken. Stadtv. Cassel: Der Fall Lucht ist kein vereinzelter. Es wiederholt sich sehr häufig in den Zeitungen die Mitteilung, daß ein Schutzmann von ruchlosen Rowdics aufs allcrschwcrste verletzt wird und wir können unmöglich wollen, daß diese Beamten in Ausübung ihres Berufes solchen Zufällen preisgegeben werden. Andererseits aber muß ich zugeben, daß es mißlich erscheint. wenn wir von der Verschärfung des Gebrauchs der Schußwaffe hören. Wir kennen aber den Erlaß nicht; er ist nicht im Wortlaut wiedergegeben. Achtlos vorbeigehen dürfen wir aber daran auch nicht. Heute einen Beschluß zu fassen, sind wir außerstande. Ich beantrage Ausschutzberatung. Der Antrag geht an einen Ausschuß von IV Mitgliedern. Z» dem zweiten Antrage der Sozialdemokraten erklärt Stadtv. Dr. AronS(Soz.): Es wäre von der größten Bcdeu- tung, wenn wir die Aussicht hätten, den ganze» Exerzierplatz zu erwerben, sobald er nicht mehr zu militärischen Zwecken gebraucht wird. Die Stadt könnte dann schon jetzt ganz anders disponieren und dem Spckulantcntiim könnte Abbruch getan werden. Auch die Militär» bchörde hätte ein Interesse daran, uns ein Vorkaufsrecht zuzugestehen; sie hat am 11. Mai d. I. das selbst ausgesprochen, da sie„bedauert", in dieser Richtung unseren Wünschen nicht cnt- gegcnkommen zu können. Schon daS Hhgienische Moment dürfte Veranlassung genug sein, um alle Teile dem Antrage günstig zu stimmen.(Beifall.) Stadtrat Sansse: In dem Wunsche, die Stadt in den Stand zu setzen, den ganzen Platz zu eNvcrben, ist der Magistrat eins mit der Versammlung. Daß es nicht gelungen ist, liegt daran, daß gewisse militärische Instanzen den ganzen Platz zurzeit noch nicht für entbehrlich halten. Ich möchte Sie bitten, zunächst noch nicht auf dem im Antrage angeregten Wege weiter zu wandern, sondern erst die Antwort des Fiskus abzuwarten. Der Antrag wird abgelehnt. Schluß nach Yrt Uhr. Oer frauenmord am lhumboldthafea. Die gestrige Verhandlung begann erst nach%2 Uhr wach- mittags. Die Fortsetzung der Beweisaufnahme förderte nach keiner Richtung hin interessantere Momente zutage. Der Kriminalschutzmann Knhliney, der in Gemeinschaft mit dem Kriminalschutzmann Brumme seinerzeit den durch Selbstmord geendeten Richter festgenommen hatte, schildert die Einzelheiten. die sich bei der Festnahme abspielten. Nachdem Nichter der Kopf der Getöteten gezeigt worden war, habe er, wie der Zeuge be. kündet, sofort gesagt:„Das ist ja das Mädchen vom Humboldt. Hafen!" Als Nichter das Geständnis abgelegt hatte, habe er einmal gesagt: „Mehr wie 15 Jahre Zuchthaus kann ich ja nicht bekomme«?. Längere Zeit nimmt die Vernehmung der Steuermanns Brengeinann ein, der nach einer früheren Aussage der Zeugin Wolter, der„Bräutigam" der getöteten Martha Schmidt gewesen sein sollte.— Auf Antrag des Staatsanwaltschaftsrat Karl wird bei der Vernehmung dieses Zeugen die Oeffentlichkeit auS. geschlossen. Der Zeuge bekundet u. er., daß weder die Getötet«, deren Kopf ihm vorgezeigt wurde, noch die übrigen an Gerichts. stelle anwesenden Mädchen bei ihm in der Kajüte gewesen seien. In der weiteren Beweisaufnahme wurde nach Wiederher. stellung der Oeffentlichkeit der Zeuge Kahnbesitzer Brllckmann ver- nommcn, bei dem der Angeklagte Meißner einen Tag gearbeitet hatte. Der Zeuge bekundet, daß ihm Meißner, als das Gespräch auf den Lrichenfilnd kam, ihm gegenüber zugegeben habe, dabei gewesen z» sein. Die Polizei habe ihn beinahe schon am Kragen gehabt; er werde sich aber schön hüten, der Polizei die Wahrheit zu sagen. Auf seine, des Zeugen, Frage, wo denn die ganze Sache passiert sei, habe Meißner geantwortet:„Wir haben da am Humboldthafcn ein Mädchen auf dem Kahn gehabt» und als eS zu sehr geschrien hat, haben wir ihm eine Decke über den Kopf geworfen!" Auf weitere Fragen habe Meißner dann aber gesagt, er habe daS alles nur in der Zeitung gelesen. Der Zeuge erklärt schließlich» als ihm der Vorsitzende die Widersprüche zwischen seiner jetzigen und der damaligen Aussage vorhält:„Na, wie dat richtig ist, ftciht jo all do drin!" Der Zeuge wird schließlich von dem Vorsitzenden beauftragt, seine Ehefrau, die sich auf seinem in Plötzcnsce liegen» den Kahn befindet, sofort zu holen. Der Vorsitzende betont dabei, daß sich die Frau nicht etwa erst in ihren Sonntagsstaat werfen und„fein machen" solle, sondern so kommen solle, wie sie gerade angezogen sei. Der Zeuge erklärt:„Na, Herr Präsident, Sie wissen doch, wat mit'nc olle Schiffcrfrau loS ist." Es folgt die Vernehmung mehrerer Zeugen, die bekunden. daß der Angeklagte Wölfs, wenn er angetrunken war, ein unlciö- lichcr und roher Mensch gewesen sei. . Eine Frau GainowSky, bei welcher der Mitbeschuldigte Richter -lmgc Zeit gewohnt hattd». bekundet u. a.. daß Richter eines Tages. als ihr Mann die Zeitung las. und sie ihn fragte, ob sie schon den Morder des Mädchens hätten, geantwortet habe, daß er die Sache sehr gut kenne. Wegener habe den Sack für die«eiche herangeschafft. Der Ehemann GalnowSk» bekunicl. Nichter eines NnchtS wiederholt aufgeschrien und „Martha! Martha!" gerufen habe. Am Morgen Hab-: er dann ganz starr vor sich hin- gesehen. Der Schneider Liffow hat den Angeklagten Meißner in Stettin am Bollwerk kennen gelernt. Richter habe, wie der Zeuge angibt, den Spihliamen„Schiffer-Ernst" gehabt, trr habe dann Richter nach der Tat in Berlin in einem Schanklokal wiedergesehen und ihn begrüßt. Richter habe ihm erzählt, daß er schon wieder von dem Untersuchungsrichter vernommen worden sei. Man könne ihm aber nichts nachweisen und müsse ihn immer wieder laufen lassen. Er, Zeuge, habe ihm gesagt, er solle doch dann lieber die Wahr- heit lagen, es könne doch dann nicht so schlimm werden. Richter habe erwidert:„Mensch, ich werde doch nicht so dumm sein und etwas zugeben, ich kriege ja mindestens 13 Jahre Zuchthaus." Der Angeklagte Richter bezeichnet diese Angabe als völlig aus der Luft gegriffen. Nach Vernehmung mehrerer Zeugen wurde die Verhandlung abgebrochen und auf Dienstag Uhr vertagt.. GcrichtQ-Zcitunq. Wandervogel und Homosexualität. Vor der Strafkammer deS Göttinger Landgerichts spielte sich eine Verhandlung gegen den früheren Mitbegründer und lang- jährigen Vorstandsmitglied der Jugendwandcrvereinigung„Man- dcrvogel", den in Berlin wohnhaften, am Hohen Meißner bei Kassel begüterten Rittergutsbesitzer Wilhelm Jansen ab. Jansen hatte aus seinen Acmtern und aus dem Verein entfernt werden müssen, weil die Berliner Polizei festgestellt hatte, daß Jansen homosexuell der- anlagt ist und sich in dieser Richtung(wenn auch nicht in strafbarer Form) betätigt hat. Er gründete dann den„Jung-Wandervogel" Zwischen diesem und dem„Alt-Wandervogcl" gab es bald Diffe rcnzen, die in versandten Zirkularen zum Ausdruck kamen. In einer Veröffentlichung deS Alt-Wandervogel hieß eS:.Die Abspab tung ging von einer Seite auS, von der für die Jugend große Gc fahren zu befürchten sind!" und ferner: Wir bieten einen ein- wandsfreien Verkehr!" Als Antwort hierauf versandte Jansen an die Eltern und FreundeSräte, an die Führerschaften und die Schuldirektionen ein Rundschreiben, in dem er sich zu der Behaup- tung verstieg,„auch im„Alt-Wandervogel" befänden sich in der Führerschaft und an hervorragender Stelle homosexuell veranlagte Herren, und man kümmere sich nicht darum, solange sie sich nicht gegen die jungen BereinSmitglieber vergingen und es keinen Skau dal gäbe. Hierauf schritt der Kultusminister ein und stellte den Bundes leitcrn, Professoren Dr. Henket und Dr. AlthauS in Göttingen, an heim, gegen Jansen»regen Beleidigung vorzugehen oder die mini fterielle Auflösung des.Alt-Wandervogel" zu gewärtigen. In folgedessen stellten die BundeSleiter gegen Jansen Strafantrag. Die Staatsanwaltschaft beantragte gegen Jansen 3 Monate Gefängnis Das Gericht verurteilte Jansen zu dreihundert Mark Geldstrafe und sprach den Beleidigten die PublikationZbefugniS deS Urteils durch die Zeitschrift„Alt-Wanderbogel" zu. ReligiSse Versammlungen und BereinSgesey. DaS Reichsvereinsgesetz hält die landespolizeilichen Vorschriften über religiöse Vereine und Versammtungen aufrecht. Somit kommt bezüglich ihrer auch noch in Betracht die Vorschrift des preußischen VercinSgcsetzes von I8S0, wonach polizeilich angemeldet werden müssen solche Versammlungen, in denen öffentliche Angelegenheiten beraten oder erörtert werden sollen. Dagegen sollte Korschett vcr stoßen haben, indem er eine religiöse Versammlung, die bei einer Witwe in Daber abgehalten wurde, nicht polizeilich angcnrekdet habe. ES waren etwa 1lX> Personen erschienen und ein Missionar laS Bibelstellen vor und besprach diese mit den Anwesenden. Die Strafkammer in Naugard verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe, indem sie davon ausging, daß religiöse Angelegen heiten immer öffentliche Angelegenheiten seien. Das Kammergchicht hob diieser Tage dies Urteil auf und der wies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an die Vorinstanz zurück. Begründend wurde ausgeführt: Es sei allerdings nach dem Reichsvereinsgesetz ohne weiteres klar, daß auf religiöse Vereine und Versammlungen, soweit sie darunter zu bringen seien, noch daS alte preußische VereinSgesetz Anwendung finde. Nach§ 1 dieses Gesetzes sei nun von allen Versammlungen, in denen öffentliche Angelegenheiten beraten oder erörtert werden sollen, der Ortspolizeibehörde Anzeige zu machen. Die Entscheidung darüber, ob hier öffentliche Angelegenheiten hätten erörtert werden sollen und ob somit wegen Unterlassens der Anzeige Bestrafung erfolgen könne, habe nun daS Laudgericht die Auffassung zugrunde- gelegt, daß religiöse Angelegenheiten stets öffentliche Angelegen- heiten seien. Die Sttafkantmer nehate darum hier eine Erörte- rung öffentlicher Angelegenheiten an. Die Auffassung der Straf- kammer sei rechtSirrig. Der Senat stehe auf dem Standpunkt, daß religiöse Angelegenheiten zwar öffentliche(Angelegenheiten sein können, aber solche nicht zu sein brauchen. Entscheidend sei, ob die Erörterung von öffentlichen oder von privaten Gesichtspunkten aus- gehe. Davon hänge es ab, ob die Anzeige erforderlich sei. In der Richtung müsse die-Sache nochmal nachgeprüft werden. Deshalb die Zurückverweisung an die Vorinstanz. lvcrd'en. Dagegen wurden wegen Nkfjtbe folgung der polizeilichen Aufforderung zum Auseinandergehen der Angeklagte Tychlewski zu 13 Mk., 14 andere Angeklagte zu je 3 Mk. und 2 zu einem Verweise verurteilt. Zwei Angeklagte wurden freigesprochen. Die Ablehnung der Anklage war zutreffend. Uns dünkt aber. die völlige Freisprechung aller Angeklagten hätte noch mehr dem Rechtsempfinden entsprochen. Denn mit dem gesunden Rechtsemp- finden ist cS so wenig, wie mit den Gesetzen der Logik vereinbar, daß Bürger bestraft werden, weil die Polizei rechtswidrig vorgt gangen war. Das Gnesener Gericht hat denselben Gedankenfehler begangen, wie kürzlich daS Reichsgericht, als es trotz zu Unrecht auf- gelöster Versammlung die sich nicht Entfernenden bestrafte. Tie Prozession als„öffentliche Zusammenrottung". Vor der Gnesener Strafkammer hatten sich der Probst Pia- trowski, Vikar Filipiak und der Kirchendiener Tychlewski aus Kletzko als Urheber einer öffentlichen Zusammenrottung, sowie 18 weitere Angeklagte als Teilnehmer an dieser zu verantworten. Die vcr- Handlung nahm zwei Tage in Anspruch. Die Vorgänge, die zur Er- Hebung der Anklage führten, waren folgende: Um die auf dem Marktplatze in Kletzko stehende Figur des heiligen Lorenz wird an dem Namenstage des Heiligen seit undenklichen Zeiten alljährlich eine Prozession veranstaltet, die. von den Parochialgeistlichen ange- führt, sich stets einer großen Beteiligung erfreut. Diese Prozession war im Vorjahre für den 13. August angesetzt worden. Die Polizei- Verwaltung erachtete diese Prozession jetzt als einen ö f f e n t- lichen Aufzug, welcher der Polizei vorbei angemeldet und von ihr auch genehmigt werden müßte. Probst Piotrowski hielt daS Verlangen der Polizei für nicht berechtigt und veranstaltete, ohne die Aufforderungen der letzteren beachtet zu haben, die Prozession. Während nun die zahlreichen ProzessionSteilnehmer singend und betend die Heiligenfigur umzogen, wurden sie von den erschienenen Polizeibeamtcr�und Gendarmen zum Auseinandergehen aufgefor- dert, und als-te Aufforderungen ohne Erfolg waren, wurden die Leute gcwaltfala auseinandergetrieben. Am 11. August v. I. ent- stand vor der Heiligenfigur eine cchnliche Menschenmenge, die gleichfalls gewaltsam auseinandergetrieben wurde. DaS Gericht erachtete das Berlangen der Klctzkoer Polizciver- waltung für unberechtigt, da die seit undenklichen Zeiten in der Oktave deS St. Lorenz stattfindenden Prozessionen den Charakter einer Privatandacht tragen und die Bestimmungen des Vereins- und Versammlungsgesetzes auf solche kirchliche Veranstaltungen nicht anwendbar sind, gleich wie dies auch bei Beerdigungen, Wall- fahrten usw. der Fall ist. Es ist nicht erforderlich, daß von solchen Veranstaltungen der Polizeibehörde Anzeige erstattet wird. Letztere hatte auch keine Berechtigung, die Leute zum Auseinandergehen auf- zufordern. Tat sie dies aber dennoch, so mußten die Aufgeforderten dieser Aufforderung Folge leisten. Von der Veranstaltung einer öffentlichen Zusammenrottung mußte demnach Probst Piotrowski. Bi/gr Filipigjf uflfc ttf KixchxMemr Tychlewski sreigesppoches Die Flucht von fünf Gefangenen aus der Plötzcnseer Strafanstalt hat zu einer Anklage wegen Meuterei bezw. Unterschlagung von Gcfängnisklcidern und Sachbeschädigung geführt, die gestern die 3. Strafkammer des Landgerichts III beschäftigte. Die Zelle 63, die im ersten Stockwerk der Anstalt belegen ist, beherbergte im Juni vorigen JahreS 13 Strafgefangene. Am g. Juni vorigen Jahre» früh alarmierte der Stubenälteste der Zellengemeinschaft die Aufseher; als er sich aus dem Bett erhob, hatte er festgestellt, daß fünf Betten in der Zelle leer waren und ein Blick auf daS Zellenfenster zeigte, daß die fünf fehlenden Gefangenen den Weg durch daS Fenster genommen und so die Freiheit gewonnen hatten. Eine Traille des Eisengitters vor dem Fenster war von dem Strafgefangenen Paul Röhl durch- gefeilt worden, dadurch war eine Oeffnung von nur 33 Zentimeter» entstanden und durch diese enge Oeffnung hatten sich die fünf Sträflinge nacheinander hindurchgezwängt und sich an einem aus eingeschmuggelten Kabelstücken hergestellten Seil in den Hof herab- gelassen. Hierbei verfuhren sie so geräuschlos, daß selbst der auf dem Korridor vor ihrer Zelle patroullierende Gefangenenaufscher nichts merkte. Auf dem Hofe erkletterten die Flüchtlinge zunächst eine alte Arbeitsbaracke und von dort aus schwangen sie sich über die GcfängniSmauer. Als die alarmierten Aufsichtsbeamtcn er- schienen, war von den Flüchtlingen nichts mehr zu entdecken. Diese haben sich nur kurze Zeit der Freiheit erfreuen können und sind nach noch nicht 4 Wochen sämtlich wieder ergriffen worden. Auf der Anklagebank konnten nur vier der Entflohenen Platz nehmen; gegen den fünften, einen gewissen Stein, konnte nicht verhandelt werden, da er sich in einer Irrenanstalt befindet. Röhl gab zu, daß er der Versuchung, den Weg ins Freie zu nehmen, nicht habe widerstehen können, nachdem er bemerkt hatte, daß die Eisenstäbe schon eine ganze Zeit lang angefeilt gewesen waren und es nur einer kurzen Nachhilfe mit einer Feile bedurfte, um die Oeffnung herzustellen. Er sowohl, wie die übrigen Angeklagten bestritten, daß irgendeine Verabredung zur Flucht vorgelegen habe. Nach kurzer Beweisaufnahme wurde, nachdem von einer Meuterei kein Beweis erbracht werden konnte, Röhl zu 13 Tagen Gefängnis, Müller zu 33 M. Geldstrafe verurteilt, die übrigen Angeklagten freigesprochen. Einer nachdrücklichen Disziplinarstrafe für diesen Ausbruch find die Angeklagten natürlich nicht entgangen. Ein Falschmünzcrchepaar hatte sich gestern vor dem Schwurgericht des Landgerichts I zu ver- antworten. Aus der Untersuchungshaft wurden der Maler Gustav Grundmann und dessen Ehefrau Anna G. vorgeführt, um sich wegen MünzvcrbrechcnS zu verantworten. Im Frühjahr diese» JahreS tauchten in Berlin und Umgegend zahlreiche falsche Zwei- Markstücke auf. Die Kriminalpolizei ermittelte, daß als mutmaßlicher Täter der Angeklagte Grundmann in Frage komme, der schon einmal wegen Beihilfe zum Münzverbrcchcn verurteilt worden war. ES wurde festgestellt, daß G. wegen aller möglichen Vergehen und Verbrechen insgesamt 18 Jahre Zuchthaus und Gefängnis verbüßt hatte- Seine Ehefrau, bei der er unangemeldet wohnte, hat ihn in dieser Bcziehiing noch übertroffcii. Denn sie ist zirka 43mal wegen Sittenpolizrikontraventioncu und Kuppelei vorbestraft. Die Kri- minalbeamten stellten dann am 23. Februar durch eine längere Beobachtung fest, daß die beiden Angeklagten in der Greifswaldcr Straße falsche Zweimarkstücke verausgabten.— Dem Wahrspruch der Geschworenen gemäß lautete das Urteil gegen den Ehemann Grundmann auf 3 Jahre Zuchthaus, 3 Jahre Ehrverlust und Poli- zeiaufstcht und gegen die Ehefrau unter Zubilligung mildernder Umstände auf 1 Jahr Gefängnis und 2 Jahre Ehrverlust. Ter VctrugSprozcss Graf von KönigSmarck und Genossen, über dessen Inhalt wir berichteten, endete mit Verurteilung der Angeklagten wegen versuchten Betruges. Graf von KönigSmarck wurde von der Glogauer Strafkammer zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt erachtet wurden, Lconhardt zu 0 Monaten Gefängnis, von denen 3 Monate als durch die Untersuchungshaft verbüßt erachtet wurden; Ernst v. Arnim wurde zu 163 M. Geldstrafe und Franz v. Arnim zu 60 M. Geldstrafe verurteilt. DomaruS erhielt 1 Monat Gefängnis. v. KönigSmarck wurde aus der Haft entlasse,� Hiid aller(Zielt* Erdbeben in Kalifornien. Am Sonnabendnachmittag wurde die Einwohnerschaft San FranciScoS durch zwei heftige Erdstöße erschreckt. DaS Beben, daS etwa zehn Sekunden danerte, ist das stärkste seit der großen Erdbebenkatastrophe im Jahre 1936. Nach dem ersten Stoß folgte einige Sekunden Ruhe. Hierauf kam an zweiter Erdstoß, der eine gewaltige Panik anrichtete, daß die Menschen, der früheren Kata« trophe eingedenk, auf die Straße flohen. Alle, wie üblich, am Sonnabendnachmittag gefüllten Kanfhänser waren im Nu geleert ebenso die Restaurants. Die Theater mußten die Nachmittags- Vorstellungen aufgeben. Die Verwirrung wurde noch gesteigert, weil die Telephondamen die Apparte verlassen hatten und so der Tclephonverkehr für längere Zeit unmöglich war. Viele Mauern zeigten Risse, vielfach stürzten Manerwerkc ein; daS nachstürzende Material der Eiscnkonstrnktioncn der Wolken- kratzer hinterließ bei allen, die cS hörten, einen nie zu verlöschenden Eindruck. DaS Erdbeben folgte nicht der bisherigen Linie, sondern erstreckte sich von der Küste bis Sierra, so daß noch Nevada bc- rührt wurde, wo in der Larson-City die Kandelaber in den Gerichtssälen schwankten und die Richter und alle Anwesenden auf die Straße rannten._ Vom deutschen Rnndflug. Am Sonntagmorgen starteten die Konkurrenten deS deutschen RnndflugcS in Köln für die Strecke K ö l n— D o r t m u n d. Vollmöller blieb der einzige, der die Strecke ohne Zwischen- landung durchfliegen konnte. Nachdem er mn 6 Uhr in Köln mit einem Passagier aufgestiegen war. konnte er um 6 Uhr 3 Min. in Dortmund daS Zielband passieren. König mußte in Holten eine Zwischenlandung vornehmen, ebenso Dr. Wittenstein bei Hamborn. Beide unternahmen erst gegen abend die Weiterfahrt und langten um 8.62 Uhr resp. 8.32 Uhr in Dortmund an. Der Flieger Hoff mann war bereits am Sonnabendabend in Köln aufgestiegen und ist nach einer Zwischenlandung bei Blackenhorst am Sonntagmorgen als Erster in Dortmund gelandet. Die Fortsetzung dcS Fluges nach Kassel, die Montag morgen erfolgen sollte, mußte wegen deS ungünstigen Wetters verschoben werden. Massenflug über den Kanal. Die am tve st europäischen Nundfl ug bekeiligien elf Aoiatiker sind gestern morgen in C a.l a i s zum Fluge nach Dover aufgestiegen. Alle elf Flieger über- flogen den Kanal ohne irgen welchen Unfall. Den schnellsten Flug vollführte G i b e r t. der für die Strecke 37 Minuten 57 Sekunden Zeit gebrauchte. Stadtvaters Leiden. Unter der Spitzmarke„Die böse Presse" bringen die»BreSlauer Nachr." folgende niedliche Geschichte: Als kürzlich in einer größeren Stadt Bayerns die GeineindekollcgiumSsitznng zu Ende war. erhob sich ein älterer Herr und sagte:»Ich hätte noch den Wunsch, daß die Presse, die uns immer in dankenswerter Weise ihre lieben»- würdige Anfmerlsamkeit schenkt, künftighin in ihren Sitzungsberichten den Schlußsatz weglasse. Unsere Versammlung ist immer schon um 9 Uhr zu Ende, und da geht man noch ein G l a s B i e r t r i n k e n. es werden auch manchmal zwei GlaS. Einige Herren spielen„Schafskopf", und man kiebitzt ein Vicrtelstündchen und so kommt man um 1 Uhr nach Hanse. Umändern Tage sitzt man. nichts Böses ahnend, da und liest die Zeitung, und da hält einem dann die teure Gattin den BcrsammlungSbericht vor die Nase, wo in der letzten Zeile steht: Schluß der Sitzung um 9 Uhr.—„Und Du bist erst um 1 Uhr auS der Versammlung heimgekommen?"— Natürlich gibt es dann unangenehme Auseinander- setznngen. WaS liegt der Presse daran,„Schluß 9 Uhr" zu schreiben?" Der Antrag fand allgemeine Unterstützung, und der Vorsitzende über- mittelte ihn unter großer Heiterkeit der Presse. Kleine Notizen. VerziveifluiigStat eines Vaters. In dem nahe Frankfurt a. M. gelegenen Orte N i e d e r r a d hat gestern morgen der Wagenbauer Schreiber ein Messerattentat auf seine fünf Kinder im Alter von 2 bis 12 Jahren verübt. Drei von ihnen wurden getötet, zwei schwer verle tz t. Der Anlaß zu dem Ver- zwciflungsall war der Lebenswandel der Frau Schreiber. Sie hatte init einenr Liebhaber ein Tanzvergnügen besucht; bei dem Versuche, die Frau nach Hause zu holen, war der Gatte von dem Liebhaber verprügelt worden. Erst einige Stunde» nach der Bluttat kehrte die Mutter vom Vergnügen zurück. Russische Zustände. Auf der Baustrecke der mittleren Amurbahn überfielen 23 Räuber in der Nähe von Albasin einen Kassierer und seine aus sechs Mann bestehende e g l e i t w a ch e. Bei dem Ucbersall wurde von der Wache einer getötet und zwei verwundet; von den Räubern fiel einer. 12 333 Rubel wurden geraubt.— Bei einem Zusammenstoß einer russischen Grenzwache mit 12 persischen Räubern im Gebiet von L e n k o r a n wurde einer der Grenzwächter verwundet, ein Räuber gctötel, ein anderer verwundet. Hitzewelle iii Amerika. Große Hitze herrscht im größten Teile des LgndcS. In New Dork sind zehn, in Chicago fünf Todesfälle infolge der Hitze eingetreten. Hunderte sind auf derSlraße zusaniincngcbrochen, viele beim Baden ertrunken. Tausende von New Forkern kanr Pieren in den Parks und am Strande. Miml Freund Ripdorf, Roddinstrnßc 00 lllltlinilk Sprechzeit 9—12, 3—6. lillfillUln Behandlung unentgeltlich. Gebisse, Umarb., Plomben billigst. Syphilis- Nachweis In allen frisch, u. veraltet, zweifelhaft. Fäll, durch nrisseulchastl. Uiilccjuchimg. (ofcivt; bcdfll. Harn-(spez. auj Go- nsrrho-r-Fädcii) it. Svul»»i-?lnalhscn. Gr. Homoyer& Co., Spczial-Laborat., Fricdrichstr. 189, zw. Kronen- und Mobrcnstrnßc), I. 8724. Pcrs. Nückspr. diskr. il. kostcul. Geöffnet von 8—8 SonnlnnS von 12—1.• Rixdorsrr Bnilge>losse»< Ideal« hat zum 1. Oklobcr Die sch-ft. noch einige scfcöneWohnuttgen (Jbcnl-Pßffnge, ScidffcIflr.S, Mnrcsch- sNaße 14—16»nd Brusendorfer Sir. 2 bis s> zum Preise von 37,50 M. bis 48 M. freihändig zu vergeben. Sämllichc Löhnungen haben Heiffwasserversorgiiitg in Küche und Bad, die in der Passage auch Zentral- heiziiiig und zentrale Euistäiiouiig. wwvmwx&wmwvwwowrrww VJ asser-Parzellen Neu! een 200 M.oi,, Neu! Idyllisch gelegen, ca. 30 km östlich von Berlin. See-. Aald-, Fließ-«. Land- parzeilen syollbillig. Pläne gratis. J. Rieger, o«r.v Sperialliaus EinillÄre Berlin 8., Oranienstr. 158. Wqndcrbarc Xcnhcltcn, Gardinon, Stores, Vitragos, Tüll- bottdecken etc. in allen Stilart. Pracht-Katalog, ca. cäoiiiustr. gratis und franko. Reste von 2 bis 6 Fenster spottbillig. e|p Hygienische'LltlZT Drogorlc Zarcmltn, ZÄcilibcrgSlvcg l, dir. n.Aosciithalcr Tor. Billigste Bezugsquelle I Versuch j. zur baucrnbcit Kundschask Teilzahlung wöchentl. nur 1 M. Herren- und Canen-l'hrfln, �etten.Freisckwinger.Cram- mophono, Mandolin..(. eigen Teppiche. SUpp* und Tischdecken BÜdsr, Fahrräder eic Wanchat-'cr Strasse 68, RelnickencorferStr. 101, '»Göben- Strasse 19. Ntofflfe englische Nenheiien snr Anzüge, Itsster. PalelolS usw. Meter 6,50, 7,50 Ml Tnchlager Gesellschaft>». b. H. Oeriratirilensts. 20-21 300 Schreibmaschinen 1 Gelegenheitskilnf., gebnmeht fehlorfr., wie Adler. Ideal, Ro- mingt,, Torpedo, Smith Prem., Smith Brothers, Continental, 1 Underwood, Hammond, Mor-I codcs, Stoeker,Yest, Blickens-[ I dcrlcr, Erika, werden zufolge I I billig Uebornahmo zu außer-[ 1 ordentlich niedrigen Preisen] | verkauft, schrill 1. Garantie,] evtl. Teilzahlung, Vermietung.[ Schäfer& CM, Leipziger Str. 19.• Noch 2 Parzellen a 730 M, (kleine Anzaklg.) in IMnhlii- dort, ca. SOOOEinwohnor, Ä<9 Fahrt vom Alcxnnderplatz. Bei mir kaufen Sie jetzt noch billiger alo In weiter entlegenen Vororten, wio Hoppe- garten, Nouenhagcn etc. Pläne gratis. Vertreter täglich, auch Sonntags, am Bahnhof Mnhlsdorl im Verkaufspavillon J. Illeger, llerlin, Gontnrdstr. ö.* Mieter. 95/16* Wer gesund, modern und billig wohnen will, bestchtlgc die SSohmiligei» au der «chlosz-Allee, am kgl. Schlostp-r! Patikow-Nicdcr>Schötil>aitsen. 095- 4 Zimmer von 750«Vf..» Zimmer von 620 M.. 2 Zimmer von 400 ivk. an."TBKI Für 10 Pf. direkt zu erreichen mit der Steltiuer Vorortbahn(bij Station Pankow-HeincrSdors), mit der SieinenS- bahn von der Millclswahe sowie der Linie 49. In die Näbe führen noch mit Zugang durch den Schlosipnik Linie 47. 47e und 57. Näheres Nieder- Schöliliauscn. Schloß-Allee 40. Fernsprecher Amt Pankow Nr. 203. ' W WU/ W W W V V VVäJMV' 1 Malclwer Kautabake!! BTor echt, wenn mit Zettclclnlage Johann Dannehl, Malchow. Generalvertrieb durch Carl RockaPg VII 8861. Berlin 0 27, GrUncr Weg 11«. 4 lAÄAAAAdMkAÄahÄÄasÄAAAJhJkÄAAAÄaSÄAiBiAÄLÄAÄÄAÄÄ am ienstag D 4- abends 8 Uhr. 1. Kreis: Dreisels Festsäle, Neue Friedrichstr. 35. 3. Kreis: Kliems Festsäle, Hasenheide 13—15. Kock-Krauerei, Tempelhofer Berg. 3. Kreis: Arminhallen» Kommandantenstr. 58/59. Gewerkschaftshans, Engelufer 15. 4. Kreis: Korgmann» Andrens-Festsäle, Andreasstr.2 1. Glystnm» Landsberger Allee 40/41. Kitstn, Memeler Str. 67. Grnunmnn» Naunynstr. 27. Drnchtsäle des Ostens, Frankfurter Allee 151. 5. Kreis: Krimerei Friedrichshain» Am Friedrichshai» 22-29. 6. Kreis: Drater-Theater» Kastanien-Allee 7—9. Germania-Festsäle, Chausseestraße 110. Frankes Festsäle, Vadstr. 19. PharussLle» Müllerstr. 142. zue. Moabiier Gesellschaftshans, Wiclefstr. 24. I.- n Teltow Keesksm: Adlershof, Wöllsleins luslgarlen, Bismarckstr. 21. Charlottenburg, Yolkshaus, Rosinenstr. 3. Köpenick, Sladt-Tlicaler, Friedrichstraße. Kirdorf, Hoppes Feslsäle, Hermannstr. 48/49. Schöneberg, Neue Rathaussäle, Meiningcr Ttr. 8. TagcS-Ordnung: D Steglitz-Friedenau, ölrkeuBSldeheil. Treptow-Kanmschnlenweg, Treptower Lustgarten, Jnh. Geyer, Parkstraße 2. Wilmersdorf, Kurfürstenpark, Kurfnrsten- damm 119 �Halenfee). UiederDarnim: Kichtenberg, 8ehwar?er Adler(Gebr. Arnhold), Frankfurter Chaussee 5/6. Gber-Schöneweide» Ullhelminenhok.�-n� Pankow, lum Hurfllrsten, Berliner Str. 102. Keinickendorf-Utst und Ost,» � Rummelsburg-Ktralau, Cafe Belfeyue, im Garten, Hauptstraße 2. Tegel-Sorstgwatdt, Trapps feslsäle, Bahiihofstr. 1 Spandan, ssrauere! PiehelsdorL Referenten: Barth, Sarenthin, Sduard Sernstein, Z. Sorchardt, Ar. Cohn, Säumig, Savldsohn, Sichhorn, Kendel, Qrnnwald, Xafi, Känisch, Kildebrand, Adolf Koffmann, Trau Sucharcz, Kaliski, Kubig, Sedebour, Sr. Siebknecht, Jdanasse, Wolkenbuhr, fätzel, fieck, foetsch, Qeorg Schmidt, Schubert, Thurom, Unger, Weber, Wermuts Trau Wulf, Trau Zietz. Für die Einberufer: Engen Ernst, Berlin, Liefenpraße 16. Freitag, den 7. Juli, abends 8 Uhr, im kleinen Saal der„Neuen Welt", Hasenheide: MerorMieKe General- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht von der Gauvorstcherkonferenz. 2. Geldbewilligungen. BV Die Nollcgen mcvbcn ersucht, sofort ihre Delegierten zu wählen aus Grund des Z 4 deZ Berliner vereins-statut«.(Aus je 10 lvlitglicder 1 Delegierten.) Die KoiiditionSIosen und die Druckereien unter 5 Mitglieder wählen ihre Delegierten w der Versammlung, die am DonnerStag. den 0. Juli, abends S>/, Uhr, im GrlverkschaftShause stattfindet. SW Die Delegiertenkarten sind vom Mittwoch srüh an aus der Verwaltung zu haben, wie Druckereien müssen ihre Karten selbst abholen. Der Gnuvorstand. I. A.: Massini. Leilkelier Mtbiiuler-Verband. Zahlstelle Ssrlin. Vuchbinderbranche! Mittwoch, den S. Juli, abends tt'/e Uhr. im Saale der Brauerei Happoldt, Hasenheide 3Ä— S8. Ecke Grafestraste: Branchen= Versammlung: TageS-Ordnung: Seriebt von den Tarifverhandlungen. Pflicht eines jeden Mitgliedes ist eS, in dieser Versammlung zu erscheinen.&4/14 ii Eintritt nur gegen Mitgliedsbuch! i Der Eingang zum Saal befindet sich in der Gräscitrafic neben dem Konzertaarten. __ Die Ortsverwaltung. Die Darifkommisston. für Haut- and Harnleiden l)r Dnnlra Roscnthaler Str. 79 III. rup&c, Spr.9-2,6-9. Sonnl.9-3 Hermann Fischers billigste Särpe Ilrdanstr. III, srüher Rixdors. Tel. Kinnltn- nnd ßronsbindtm von ilodert Hexer,' nnr Uarinnnkn-Slrnße 3. ßtsnnsn Sie sie? Wenn nicht, dann besichtigen Sie die Villeoholonie Karo«. die aussichtsreichste Garteufiedclung a. b. Slcllincr Bahn. LN Pf. Fahrt. 300— bvOM. Auz. genüg. Pläne gratis. J. R leger, Berlin, Gontardstr. 5. Ol polltnanna Bandagen- Ocrchäft, nebft Hrtihcl zur Gesundheits- u. Krankenpflege, /erbandstoffe, Gummiwaren etc. Berlin M., Lothringer Ttr. 60. Lieferant für Krankenkassen Eigene Werkstatt. Zentralverband<«■ üacbdecker Tcm-altnngsstollo llcrlln. Mittwoch, den S. Juli, abends 8 Uhr. im GewerkschaftShaufe, Engeln�, IS(Saal 1)! Vevtammlung. TageS-Ordnung: S1/l3 1. Fortsetzung der Diskussion über die Verschmelzung mit dem Bau- arbelter-Vcrband. 2. VcrbandSangelegenhelten. Vollzähliges und pünktliches Erscheinen der Mitglieder erwartet Der Verstand. fSsnilsn Sie sich und besichtigen Sie die letzten 17 Par- zclle» in Zepernick, die ich sehr billig verlause.— Pläne gratis.— I. stiicger, Berlin, Gontardstr. 6. Or. Simmel Spezial-Arzl für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, ÄÄ 10— 2.5—7. Sonntairs 10— 12.2— 1 L Ziehung 6. Juli lg,,. otterie der Reise-Ausstellung in Berlin. tl«S Gewinn« Wer« 175000 Mark. Hauptgewlnng Wert Mark vjxy casr nQjr vjy 2000 10000 5000 mit 90 o/t btr girtnllert I La«« M., Porlo und Liste 20 PL eutrs, 5 Los« einschl. Porto und List« nur 5 M. auch gegen Nachnahme, empüebU Carl Heintze, vertu, W. Unter den Linden X Deutseher Holzarbeiter-verband. Verwaltung Berlin. Mittwoch9 den 5. Juli ITH, abends 8V2 Uhr: Uertranensmänner Uersammlnngen der Kezirke und Kranchen. Tagesordnung: 1. Bericht des ObmanneS. 2. Bericht der Werkstatt-Vertrauensleute. 3. Verbandsangekegenheiten. vrechsler» �reppengeläncler- uncl I�uxusmöbel- Branche. Zfordvn bei Döhling, Brunne, iftr. 7S. 0»t«n bei Schneider. Friedenstr. 67. Ofchlcr. Nlldsvestcn in Habels Brauerei, Bergmannstr. 5— 7. Süden; bei Gliesing, Wassertorstr. öS. «Udesten I. n. II: in den Naunyn-FeftsSle«, Naunhnstr. 0. Daten I: bei Kluge, Langestr. 53. Veten II: bei Zieh, Warschauer Str. SO. Osten III; bei Bergmann, Boxhagener Str. 2S. Ocatllche Vororte: bei W. Schulz. Lichtenberg, Kronprinzen- straße 47, Ecke Scharnweberstrasie. Nordosten: bei Merkmaun, Gr. Frankfurter Str. IS. Jede Sargtischlerei muß einen Vertrauensmann nach dieser Versamm- lung senden. Hosentvaler nnd ScbOnbaaser Vorstadt bei Obiglo, Schwedt« Straße 23. Weddlnx nnd Hoabit: bei KaezorawSkt» Ravenästr. ö. Welfiensoe: im Prälaten. Lehderstr. 122. Abends ö>/, Uhr. »Dtdort: bei Krömke. Wetchselstr. S(Jbeal-Passage.) öautlfckler. De»lrb I: Südwesten, Süden, Südosten bei«rasihoff, Abmiralstr. 18 o. Deslrb 2: Osten bei Bratner, Weidenwcg öS. Deslrli 3: Worden und nürdllcbe Vororte bei Glicsche» Kopenhagen« Str. 74. Deslrb 4: Desnndbrunnen, Weddlux nnd Hoabit bei Sachse, Lindow« Straße 26. Rlxdorf: bei Schenk, Nosenstr. 24. Sebüaeberzx: Nene Rathanssälc, Mcinlng« Straße K. jVlöbel- u. Stublpolierer lbwie JVlagazinarbeitcr. Osten bei Boeker, Weberstr. 17. Südosten im»Märkischen Hos«, Abmiralstr. ISo. Südosten nnd Südwesten bei Stramm, Rstterstr. 123. HÜnktllch um 8 Uhr im ArbcitSlosensaal, I�tavierafvetre?«ngelnser 14,1S parterre. jVIocleUtilckler bei Waidt. Pflugstr. s. Pünrilich suhr. Gintctzev im GewerkschaftShanS, Engeluser 15, Saal IL Stellmacher lflosenthal« Straße 57. Jalouflearbelter bei Walter, wbaiB«tnr. S2. Vergolder Im GewerkschaftShasse, Engelus« 14/15, Saal 5. Klften- und Koff ermad>er bei Bandach. Breslau« Str. 33. ktarbimcher bei Krause. Mus kauer Str. 20. Bürftenmacher bei Preuft, Holzmarktstraße 65. Kammacher bei Preuft, Holzmarktstr. 65. Lilderrahrnenrnadier SuaA 22?� Wehlisch. SkaNtz« Stockarbeiter um 6 Uhr bei Lehmann, An der Stralau« Brücke 3. perlrnutt-, Born- u. Steinnußarbeiter um s Uhr bei Ernst DhomaS, Melchiorstr. 5. Sd)irmmacher 8 Uhr bei Lehmann, An der Stralauer Brücke 2. Mbelpolierer.»e.irb verde». S nach Feierabend! Branchenversammlung, Swiliemünder Straße 42, Swinemünder Gesrllschaf»Shauö. Tagesordnung: 1. Unsere Lohn« und ArbeitSbedingmigen während derVcrtragSdauer. 2. VcrbandSangelcgenheiten. Rcvlrnlr««* Mittwoch, den 5. Juli, abends 6 Uhr im GewerkschaftS- »vusiittgsi' Saal 1: Branchenversammlung. Einsetzer, Montag, den 10. In,«: Dampferpartie MükSeTm. Billetts hin und zurück 1 M., zu haben in den Bezirkslokales und bei dem Bezirkslriter.— Um rege Beteiligung wird gebeten. 85,7 Das Komitee. Die Ortsverwaltung. Würzburger ffühneraugenm Ittel von Or. H. Unjfcr.— Gegen 30 Pfennig aus 10 Ps. Anwetsutlg srel. Cfjne Zweisei die bequemste u.«virksainfte Hilfe. D«Sihmcrzisti,i SMin. fort. DaS Hühnerauge selbst In 3 Tage».(Enthält Salichtsüure und indischen tzansextrakl.) Dr. H. Unger m Würzburg. In Berlin(20 Ps.): Salomon-Apotheko. Charlottenstraße 54. Grelt- Apotheke, Barnimstraße 33.— München: Schützen-Apotheke.— Stuttgart: Hlrtch-Apotheke.— Breslau: Vietorla-Apotheke._ 113/8 H.& P. Uder, .Tabak-Großhnndlnns und Tabaklnbrik. Spezialität: Nordhäuser Kautabak vo«. Q. H« Kanevuacker, Qrlmm* Triepel. == Stets Irisch zu den äußersten Engrospreisen. 1 Amt IV,»014. Verband der Maler» Saekierer, Anstreicher etc. Meichiorstraße 28, Part. Filiale Berlin. F-rnspr.: Amt 4, 4787. Donnerstag, den 0. Juli er., abends 8'/, Uhr: ZMiniZ-VemmmIung der Saekierer im Gewerkschaftshause, Engelufer 15. Tagesordnung: 1. Die Beschlüsse der Generalversammlung io Münch«. 2. Diskussion. a Seknonsangelegenhelt._ Bollzähliges Erscheinen ist««bedingt notwendig.»Mch Zur Beachtung!?om L V d. I. ob 70 Pf. pro Woche. Arbeitslose und Kranke— soweit lehtere keine Itntcrstühuiig seitens des Verbandes beziehen, find vom Bei. trage befreit, wenn ste sich wöchentlich einer zweimalige» Kontrolle unterziehen. Kontrollstelle« für Berlin find» Arbeitsnachweis, giückerstraste 9. Bureau, Melchiorstrasse 38 parterre. 127/6 Die Ortsverwaltnng. Zenlralverband der Lederarbeiter. Filiale Berlin I. Donnerstag, den 6. Juli, abends 8 Uhr, Prinzenallre 33: Versammlung» a-___- �,\ �. Tages- Ordnung 1. VcrbandSangclcgeuheilen. 2. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet 144/12 Der Vorstand. ....... Ii II....... x.-tt: jlW�Il�odes-AnzeiMi�fWM SozialdemokratiseberWaiilyenii] (Sr den 4. ßerl. Reiehslags-Wahlkreis. Frankfurter Viertel. Bezirk 298. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Dachdecker ferdhiand Neubauer Weberstr. 50 [gestorben ist Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am Mitlwech. den S.Juli, nachmittags 4 Ubr, von der Leichenhalle des Markus- Kirchhofes in Wilhelms- [ bcrg aus statt. Um rege Beteiligung«sucht Der Borstand. i Soziaidemokratisolier Waiil?erelD de» !6. Herl. Reiclistajfs-WalilkrelsEs. Todes- Anzeige. Am Sonnabend, den 1. Juli, | verstarb unser Genosse Kur! Dudda Turincr Str. 26. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am i Mittwoch, den 5. Juli, nach- I mittags 4 Uhr, vom Trauerhause, Turiner Str. 26, aus nach dem städtischen Friedhofe, Scestraße, l statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Verband der Lithoppben, Steißdrueker u.?erw. Berufe. (Oeuticher Senefelder-Bund.) Am 1. Juli verstarb unser Kollege und Mitglied, der Stein- druck« 292/19 Paul 8pie!mauu 5eu. im Alter von 55 Jahren a» Bauchsellentzündung. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Dienstag, den 4. Juli,»ach- mittags 5'/, Uhr, von der Halle de» Steglitzer Friedhofes aus statt. vi« Verwaltung der sslllgl» I. Invaliden-ÜBferslzuDüskasse d.Steini]ro£keru.LitbQgraphe!!. Die Beerdigung des am 1. Juli verstorbenen StemdruckerS Paul 8p!e!rnanu seu. findet am Dienstag, den 4. Juli, nachmittags»>/, Uhr, in Steglitz. Bergstraße, statt. 2568b Oeufscber Metallarbeiter-Verband Bcrwaltniigssirlle Berti». Den Kollegen zur Nachricht, daß misc» Mitglied, die Arbeiterin Xuxuste Klein am 30. Juni an Lungenleiden gestorben ist. Ehre ihrem Andenken: Die Beerdigung findet heute Dienstag. den 4. Juli, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Kirchhofes in Boxhagcn- Nummclsburg aus statt. Ziege Beteiligung erwartet 119/10 Ole Ortsvorwaltung I Sozialdemokr. ZenlralwahlvereirJ Teltow-Beeskow-Storkow- Ctiariotfenburg. Am Freitag, den 29. Juni»«- 1 starb nach langem schweren Leiden I eiucS unserer ältesten Mitglieder j und Mitbegründer nnserer Kreis- organisalion, der Genosse ICarl Gruhl in Vowawcs. Wir verlieren in dem Dahin- geschiedenen einen allzeit kämpf. bereiten Agitator für die Sache des ProleiariatS. 203/5 Ehre seinem Andenken. Der Vorstand. 1. Juli starb mein lieber f Mann, unser guter Vater, der I ehemalige Molkcrctbcsitz« Eimst Seibt im 80. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen f Frau Seibt und SGhne. Die Beerdigung findet morgen I ■ Mittwoch, den- 5. Juli, nachm. I 2'/, Uhr. vo» der Leichenhalle des! Reuen PauISkirchhosS(Plötzcnsee) I auS statt. 2S70b I Verwandten, Freunden urige Nach Allen und Bekannten die trau, richt, daß unser lieber guter Sohn und Bruder, der Schriftsetzer Wsltsn Hoppe »ach laiigem schweren Leiden im Aller von 25 Jahren durch den Tod erlöst würde. 2576b vis trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Mittwoch. nachmittags 4>/, Uhr. aus dem Friedhofe in Fricdrichsselde statt. «S Sage hierdurch allen Freunden, Verwandten und Bekaiinten sowie den VcrbandSlollcgen, dem Wahl- verein Britz, den Laubenkolonistcn, insbesondere dem Arbeiter- Gesang- verein Britz sür die herzliche Test» nabme und Krniizlpendcn bei dem Begräbnis meines lieben ManncS meinen herzlichsten Dank. 25L0L Im Namen der Hinterbliebenen Wwe. Elise lodemann ÄV Für die vielen Beweise h«zllcher Teilnahme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung unseres teuren Enlschlasenc». des Arbeiter« Anglist Sebnls sagen wir hiermit allen unleren Ver- wandten, Freunden und Bekannte» so« wie den, Wahlvcrein dcS 6. Kreise» (Bezirk 521) und dem Gesangverein HiiariiaS, als auch dein Baugcschäjt A. Engel u.Co. unseren innigsten Dank. Wwe. Luise 8ebul? kÄ Danksagung. Für die Teilnahme bei der ve» erdigung uiiscres Sohne» Otto Ilenze sagen allen Bekannten und Freunden, insbesondere der Firnia Felix Lande sür die reichen Kranzspenden unseren herzlichsten Dank. 25696 Die tranernde Familie Nenze. Danksagttng. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme»nd Kranzspenden bei der "ccrdigung unseres unvergeßliche« ohncS, BniderS und Schwagers \ViiU Lehmann sagen wir allen Freunden und Be- kannten, dem TranSportarbctt«v«- band, dem Personal und der Firma Rohde it. Schulz, speziell den Jugend- lichcn und den Herren Schwenk und Kaßl« sür die trostreichen Worte un- sercn hcrzvchstcn Dank. 4896L »Die trauernden Hinterbliebenen. Letantwortlicher Viedakteuri Albert Wachs. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei».Verlagsanstalt PaglTinger».Co., Berlin SW. Nr. 153. 28. ZahrMg. 3. StilM b Jotrairto" Iftliiitt WIWM. Ditllstilg. 4. Inli 1911. partei-Hngelegcnbcitcn. Die Generalversammlungen in Groft-Berlin finden wie folgt statt: Nieder-Barnim am Sonntag, den 23. Juli, die sechs Berliner Kreise am Dienstag, den 1. August. Teltoro-Becskow am Sonntag, den 13. August, die Verbands. Generalversammlung am Sonntag, den 20. August, die Provinzialkonferenz für Brandenburg am Sonntag, den 27. August. Der Aktions-Ausschufi. Friedenau. Die Parteigenossen beteiligen sich heute an der Pcotestversammlung im.Birkenwäldchen"'. Der Vorstand. Groß- Lichtcrfclde. Die Arbeiterschaft beteiligt sich an der heutigen Protcstvcrsammlung im.Birkenwäldchen". Der Vorstand. Britz-Buckow. Heute Dienstag, den 4. Juli, abends SVa Uhr: �öffentliche Versammlung im.Gesellschaftshaus", Chausseestr. 97. Tagesordnung: Die Wahlrechtskomödie im Landtag. Genossen! Agitiert für Massenbesuch. Der Einberufer. Lankwitz. Heute Dienstag, den 4. Juli, abends 8Vz Uhr: Oeffeniliche Versammlung im Nestaurant Herm. Schulz, Mühlen- slraße 2l:.Die Wahlrcchts-Komödie im preußische» Landtage". Genossen iorgr für Massenbesuch. Der Einberufer. Bezirk Stralau. Die Geuossen werden ersucht, sich an der heute den 4. Juli in Rummelsburg s.Bellevue") statlfindenden Protest- Versammlung recht zahlreich zu beteiligen. Die Bezirksleitung. Karlöhorst. Die Genossen treffen sich zum gemeinsamen Bestich der Protestversammlung in Ober-Schöneweide abends 7l/z Uhr im .Fürstenbad". Donnerstag: Frauenversammlung bei A. SabrowSki, TreSkow-Allee 66. Vortrag der Genossin Luise Zietz über.Mutter- und Kinderschutz." Die Bezirksleitung. Marieudorf. Morgen, Mittwoch abends 8 Uhr bei Preuß, Kurfürsteiistr. 44: Oeffentliche Protestversammlung. Tagesordnung: Die Wahlrcchtskoinödie im preußischen Landtag. Referent: Genosse Stürmer. Genosien! Sorgt für Massenbesuch I Nieder-SchZnhausen-Nordcnd. Die Parteigenosien werden ersucht, sich recht zahlreich an der Protestversammlung iu Pankow zu de- teiligen. Die Bezirksleitung. Wilhclmsruh-Nicderschönhausen-West. Die heutige Mitglieder Versammlung fällt aus. dafür Besuch der heutigen öffentlichen Volks- Versammlung in Reinickendorf. Die Genossen treffen sich zum gemein samen Abmarsch abends 8'/z Uhr im Lokal von Feind. Die Bezirksleitung. Alt-Glicnicke. Heute Dienstag, den 4. Juli, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Jahn, Nudower Str. 64: Oeffentliche Protest- Versammlung. Tagesordnung: Die Wahlrechtskömidie im preußischen Landtag. Der Fraucnlcseabend fällr heute auS. Berliner JVacbricbten. Ans der Stadtverordnetenversammlung. Eine ziemlich umfangreiche Tagesordnung hatten gestern die Stadtverordneten noch vor den Ferien zu erledigen. Zunächst wurde dem Vergleich ztvischen Stadt und Straßenbahn zugestimmt. Dieses Resultat war nach den Er klärungen der Fraktionsführer am letzten Donnerstag zu er warten. Jni Namen der sozialdemokratischen Fraktion legte Genosse Heimann nochmals mit einem Hinweis auf die schon früher vorgetragenen Gründe die ablehnende Haltung dar. Die Mehrhcitsredner konnten sich vor Freude nicht genug tun über den Abschluß des Vergleichs, der der Verkehrsdeputation viel unangenehme Arbeit nehnie und häuften besondere Lobes bezeugungen auf den bei dem Vergleich tätig gewesenen Stadtrat. Angenommen wurde ohne große Debatte ein Jnitiativan trag auf Einrichtung eines Krematoriums. Eine kleine Plän kclei entstand bei einem Magistratsantrag, dem Internationalen Hausbesitzerkongreß 10 OOV M. zu einem Empfange zu stiften. Die Vorlage war schon einmal abgelehnt, kehrte aber wieder, weil angeblich früher verschiedene Mitglieder irrtümlich gegen die Vorlage gestimmt haben. Mit geringer Mehrheit ging die Vorlage durch. Bedeutungsvoll ist die Annahme der Magistratsvorlage der Errichtung von Baracken für Obdachlose und für 100 ge- schlcchtskranke Frauen. Viel Mühe hat es gekostet, bevor der Magistrat seiner Pflicht genügte. Eine für weite Kreise der Bürgerschaft wichtige Frage schnitt dann Genosse Dr. Cohn an. der einen Antrag der sozialdemokratischen Fraktion de- gründete, der sich aus den neuesten Erlaß des Berliner Polizei- Präsidenten bezieht, der die Erleichterung der Anivendung der Schußlvaffe der Schutzmannschaft vorsieht. Genosse Cohn legte eingehend die Art und Weise dar, wie die Polizeigewalt früher ausgeübt worden ist und noch wird. Er kennzeichnete in scharfer Weise die Ausschreitungen der Schutzmannschaft'in Moabit, welche Vorkomninisse nach Inkrafttreten des neuesten Erlasses die schlimmsten Erwartungen für die Zukunft rechtfertigten. Dagegen inüsse die Stadt sich wehren, soweit das möglich sei. Herr Cassel wollte keine feste Stellung nehmen, da es nicht sicher sei. wie der Erlaß laute, und war dafür, die Sache in einem Ausschuß zu beraten. Dem wurde stattgegeben. Schließlich wurde noch ein sozialdemokratischer Antrag besprochen, der den Magistrat ersucht, die Erwerbung auch des Restes des Exerzierplatzes in die Wege zu leiten. Vom Magistratstisch wurde in der Sache zugestimmt, aber ersucht, dem Antrage vorläufig nicht znzustimmen, sondern erst eine ausstehende Antwort vom Militärsiskus abzuwarten. Es wurde in diesem Sinne beschlossen. Der„Politische" Arbeitcr-Tnrnvcrein. Dem Arbeiter-Turnverein. Fichte" in Berlin war nach all den Aufmerksamkeiten, die Preußens StaatSregierung ihm erwiesen hatte, endlich auch das noch beschieden, daß der Polizei- Präsident von Berlin ihn als einen.politischen" Verein hinstellte. Wir teilten bereits im April mit, daß der Vereins- vorstand aufgefordert worden war, dem Polizeipräsidenten ein Ver- zeichniS der Vorstandsmitglieder sowie die Satzungen zu überreichen. Auf die Beschwerde, die hiergegen der Vorstand an den Ober- Präsidenten der Provinz Brandenburg richtete, ist erst jetzt nach zwei Monaten«ine Antwort gekommen. Sie erteilt den Bescheid, daß.nach Prüfling der Sachlage' eS bei der Verfügung deö Polizei- Präsidenten»feinBewenden behalten muß". Zur Begründung wird eine Entscheidung des Ober- Verwaltungsgerichts herangezogen, die im Jahre 1991 erging, als der Polizeipräsident unter Bcnutznng des alten Vereins- gesctzes den Turnverein„Fichte" als einen Verein behandelt hatte, der eine Einlvirkung auf öffentliche Angelegenheiten bezweckt. Die Antwort des Oberpräsidenteu sagt hierüber: „Das Königlicbe Oberverwaltungsgericht hat bereits in der Entscheidung vom 12. Juli 1991 ausgesprochen, daß der Turnverein „Fichte" in Berlin ein Berein ist, der von vornherein mit politischer Tendenz gegründet worden ist. Nach den Ausführungen dieser Entscheidung ist für die Feststellung, daß ein Verein sich in den Dienst einer poliliscken Partei gestellt hat, nicht erforderlich, daß der Verein deren Zwecke verfolgt, vielmehr reicht eS hin, wenn nur neben anderen Zielen auch die Förderung der Parteibestrebun- gen bezweckt wird." „Das von dem Herrn Polizeipräsidenten zur vorliegenden Be- schwerdc eingereichte Material läßt", so führt der Bescheid des Obcrpräsidentcn weiter aus,„keinen Zweifel darüber, daß der Vereili seit 1991 bis heute seinen politischen Charakter nicht ge- ändert hat und in engstem Zusammenhange mit der sozialdemo- kratischen Parteiorganisation den Zweck verfolgt, die Mitglieder des Vereins in sozialdemokratischem Sinne zu beeinflussen." Damals erklärte das OberverwaltungSgcricht trotz der oben mit- geteilten Ausführungen den Turnverein„Fichte" nicht für politisch, sondern eS nahm nur den Zweck einer Einlvirkung auf öffentliche Angelegenheiten an. Der Polizeipräsident und mit ihm der Obcrpräsident ist der Meinung, daß der Verein p o- litisch war und es bis heute geblieben i st. In dem Bescheid wird auS dem Material des Polizeipräsidenten eine lange Reihe von Angaben vorgetragen, durch die bewiesen werden soll. daß der Turnverein„Fichte" die Förderung der sozial- demokratischen Partei bezweckt. An die Spitze ist gestellt, was im Jahre 1991 das MitteilungS- blatt des Vereins als Antwort auf jenes Erkenntnis des Ober- Verwaltungsgerichts schrieb.„Erteilen wir", zitiert der Bescheid,„die einzig richtige Antwort! Bleiben wir unseren Jdealen, unseren g e st e ck t e n Zielen treu." Menschen, die ihren Idealen treu bleiben wollen, sind offenbar von vornherein verdächtig, Sozialdemokraten zu sein— alldieweil den bürgerlichen Parteien längst alle Ideale zerronnen sind. Aber der Oberpräsident hat noch mehr Pfeile zu versenden, die der Polizeipräsident und seine Vertrauensmänner ihm geliefert haben. Er erzählt:„Bei der RekrutenabschiedSfeier am 17. September 1994 umstanden die sünf zur Fahne einberufenen Vereinsmitglieder im Turnanzug mit breiter roter Schärpe die gleichfalls mit roter Schärpe umkleidete Büste Jahns." Man sagt uns, weiß und rot seien die Farben der Turner, darum finde man bei der„Deutschen Turnerschaft" gleichfalls das Rot im Schmuck, und auch bei der Jahnfeier sei das Denkmal Jahn? mit reichlichem Rot geschmückt worden. Am Ende ist auch die.Deutsche Turner- schaft"-—„rot". Noch manches andere hat den Arbeiterturnverein.Fichte" dem Polizeipräsidenten„verdächtig" gemacht. Bei dem Kinderfest eines sozialdemokratischen Vereins leiteten„Fichte'-Turnerinnen die Spiele. Für eine Maifeier wurden vom Verband sozialdemokratischer Wahlvercine Darbietungen des Turnvereins„Fichte" angekündigt. Eine Mendelssohn-Feier deS Vereins„Fichte" war im„Vorwärts" annonciert. Nicht nur mit der Gewerkschastskommission, sondern auch mit dem A k t i o n s a u S s ch u ß hat der Verein„Fichte" sich in Verbindung gesetzt. Ans Singers Grab hat er einen Kranz legen lassen. Und dann seine Stellungnahme in dem Kampf um die I u g e n d I Aus dem„Vorwärts" und dem Mitteilungsblatt des Vereins zitiert der Bescheid Aeußerungen, aus denen hervorgeht, daß der Turnverein„Fichte" nicht aus der Seite der bürgerlichen Klasse steht, sondern in der Arbeiterjugend den Geist der Arbeiterklasse pflegen will. Das alles lasse auf die Absicht einer Förderung der sozialdemokratischen Partei schließen. und der Turnverein.Fichte" sei daher als ein politischer Verein an- zusehen. Seinen Gegnern wird das keinen Gewinn bringen; er wird nur um so flotter wachsen und gedeihen. In dem Kampf, den die Tischlermeister gegen die Möbclhäiidlcr um die Aufrechterbaltung des direkten Verkehrs mit der Kundschaft führen, hat die Berliner Tischlerinnung jetzt einen gerichtlichen Er- folg gegen die Händler erzielt. Der Möbelhändlerverband wollte die Tischlermeister zur Anerkennung sogenannter LieferungSverein- barungen zwingen, um sie vom direkten Verkehr mit der Privat- kundschaft auszuschalten. Die Tischlermeister sollten sich verpflichten, eut- weder überhaupt nicht nichr an Privatleute zu verkaufen oder aber dem Händlerverband beziehungsweise dessen Mitgliedern bei Verkäufen an Private mindestens �9 Prozent Provision zu zahlen. Denjenigen Meislern, die die Anerkennung dieser Lieferungsbedingungen ver- weigerten, ivurde die Eulziehung der Aufträge der Mitglieder des Händlerverbandes angedroht. Die Berliner Tischlerinnung beabsichtigt nun, um ihren Mit- gliedern die Möglichkeit zu geben, den durch den Boykott seitens des Händlerverbandes entstandenen Schaden durch Heranziehung neuer Kunden wieder wettzumachen, für die Zeit vom 19. August bis 4. September d. I. in den Ausstellungshallen am Zoo eine Möbel- messe zu arrangieren. Die Messe ist in erster Linie für den EngroS- verkehr bestimmt; doch bleibt es den Ausstellern unbenommen, falls sie dies beabsichtigen, auch an Privatleute zu verkaufen. Der Häudlerverband schickte daraus an sämtliche Tischlermeister Deutschlands ein Zirkular, in dem er die Meister vor der Be- sckickung der Möbelmesse warnt und ihnen wiederum bei Nicht- achtung dieser Warnung die Entziehung der Aufträge seiner Mit- glieder androht. Wegen dieses Zirkulars hat die Tischlerinnung Klage vor dem Landgericht I erhoben mit dem Erfolg, daß das Gericht eine einst- weiligc Verfügung erlassen hat, die den, Häudlerverband bei Ver- meidung einer fiskalischen Strafe von 199 M. für jeden Fall der Zuwiderhandlung untersagt, das Rundschreiben vom 19. Mai d. I. iowie etwaige weitere Rundschreiben zu verbreiten, in denen in be- leidigender Forin gegenüber de» Veranstaltern der Möbclmesje der Möbelmesse der Tischlerinnung die Berliner Tischlermeister auf- gefordert ivcrden, die Möbelmesse nicht zu beschicken. Die sog. KreiSchaussee Eiche Nedlitz bei Potöbam mit dem Endpunkt Neues Palais bildet nur ein Stück der Automobil- pracht-Strahe Neues Palai s— D ö b e r i tz— B e r l i n. Beim Bau des jetzigen Teils Eiche— Nedlitz schließt das Projekt an der Nedlitzer Brücke ab, ohne daß bisher feststand, wie die Weiterführung vor sich gehen sollte. Nachdem diese Srecke im Bau ziemlich beendet, wird jetzt erst über die Weiterführung näheres bekannt. Die Straße soll durch einen Brückenbau bei Nedlitz unterhalb der Römcrschanze, weiter nach Großglienicke, Cladow und Gatow nach der Heerstraße geführt werden. Dieser Plan wird ein großes Stück Geld kosten. Befremden erregt dabei noch die Tatsache, daß alle Berkehrsrücksichten außer acht gelassen sind. Seit Jahren werden Brückcnbautcn von Potsdam nach dem Königs- wald und zwischen Sakrow und Moorlake im Interesse des Ver- kehrs und der Erschließung der Gelände zwischen Potsdam, Span- dau usw. für notwendig gehalten, die immer wieder an den Kosten scheitern, Ausgaben die aber in gar keinem Verhältnis zu denjenigen für die A u t o m o b i l p r a ch t st r a ß e stehen. i Der Kaiserliche Automobilklub hatte sich seit Jahren mit zwei Projekten solcher Automobilstraßen zwischen Berlin und Potsdam beschäftigt. Dasjenige über Wannsee scheint nun aufgegeben worden zu sein. Die Stadt Potsdam hatte naturgemäß diesen Straßen ebenfalls lebhaftes Interesse entgegengebracht, ist nun aber von der jetzigen Ausführung, wegen der zu weiten Eni- fernung von der Stadt, wenig erbaut. Lohimachzahlmig der Hofgartenarbeitcr. Der Tagelohn der Arbeiter in den Hofgärten in Charlotteuburg und Potsdam, der bis vor 3 Jahren 2,69 M. nebst etwas Brennholz betrug, sollte mit der Erhöhung des ortsüblichen TagclohneS auf 3,69 M. erhöht werden. Es ivurde auch ein dem entsprechender Betrag in den Etat eingestellt. Den Arbeitern wurde jedoch auf Anweisung der Hofgartenintendantur von da an der Tagelohn nur ans 3 M. erhöht und der Restbetrag zur Begleichung anderer Bedürfnisse verwandt. Welcher erfuhr man nicht. Vor kurzem erfuhren aber die Arbeiter durch einen Zufall, daß die Lohnerhöhnng nicht auf 3 M., sondern auf 3,59 M. festgesetzt sei. Doch als sie bei der letzten Lohnzahlung mit einem enr- sprechenden Gesuch an die Hofgartenintendantur herantraten, wurden sie abgetviesen. Auch von dem Oberhofmarschallamte erhielten sie keine Antwort. Einige ältere Gärtner trugen dies dem Prinzen August Wilhelm vor. der ans ihren Wunsch dem Kaiser von der Angelegenheit verständigte. Dieser hat dann die volle Nachzahlung für mehr als 2 Jahre verfügt und eingehenden Bericht über die Sache eingefordert. Ein schwerer Straßcnblihmlnfall trug sich am Sonntagmittag gegen 12 Uhr vor dem Hause Koloniestr. 6 zu. Dort spielte der zehnjährige Albert Schreiber mit mehreren Altersgefährten auf dem Fahrdamm. Im Eifer des Spiels hatte Sch. das Glockensignal eines herannahenden StraßenbahnzngeS überhört und versuchte un- mittelbar vor dem Motorwagen 1696 der Linie 36 die Schienen- stränge zu überschreite». Er ivurde jedoch vom Vorderperron erfaßt, zu Boden gerissen und geriet mit beiden Beinen unter den Schutz- rahmen. Nachdem der Knabe auS seiner furchtbaren Lage befreit. wurde er nach der Unfallstation in der Badstraße gebracht, von wo auS der Arzt ihn unverzüglich nach dem Rudolf Virchow-Krankcn- Haus schaffen ließ. Dort mußten dem bedauernswerten Knaben beide Beine amputiert iverden. Traurige Folgen einer Wette. Sonntag abend gegen 7 Uhr sprangen infolge einer Wette der 24 Jahre alte Straßenhändler Ernst Treptow aus der Nostizstr. 43 und der 33 Jahre alte Arbeiter Max S t o i k aus der Nostizstr. 26 von der Belle- allianccbrücke aus in den Landwehrkanal und schwammen in diesem hin und her. Plötzlich sank Stoik unter und ertrank, bevor ihm Hilfe gebracht werden konnte. Treptow wurde mit dem Rettungskahn ans Land gebracht. Die Leiche Stoiks wurde später geborgen und nach dem Schauhaus überführt. Die beiden Freunde chatten am Sonntag gemeinsam eine Bierreise unternommen und auf dieser nach reichlich genossenem Alkohol beschlossen, in den Kanal zu springen, um zu sehen, wer der bessere Schwimmer ist. Der Vorgang, der einen so tragischen Abschluß fand, hatte eine ungeheure Menschenmenge angelockt. Das Baden hat am Sonntag wieder mehrere Opfer gefordert. In der Havel hinter Schwanenwerder hatten zwei junge Leute aus Berlin, die einen Ausflug nach dem Grunewald unter- nahmen, zur Abkühlung ein Bad genommen. Einer der beiden wagte sich weit über seine Kräfte in den Fluß hinein. Plötzlich stieß er Hilferufe aus und der Freund schwamm schleunigst nach. Er konnte aber nur noch sehen, wie der Badende in der Tiefe versank. Wahrscheinlich hatte der junge Mensch infolge Ueber- anstrengung beim Schwimmen einen Krampf bekommen. Die Leiche des Ertrunkenen konnte noch nicht gelandet werden. Auch im Tegeler See ertranken Sonntag nachmittag zwei Personen im Alter von 16 und 28 Jahren beim Baden. Beide, anscheinend keine Dauerschwimmer, hatten sich zu weit vom Ufer entfernt, als plötzlich ihre Kräfte versagten. Ehe Hilfe ge- leistet werden konnte, ertranken beide vor den Augen des zahl- reichen Publikums, unter dem sich auch die Frau des 23 jährigen Mannes befand. Wie uns weiter mitgeteilt wird, soll ein kleines Motorboot in der Nähe der Ertrinkenden gewesen sein, jedoch auf deren Hilferufe nicht reagiert haben. Fahrkartenausgabe für die Ferienzüge nach dem Nicscngcbirge. Die Ausgabe der Fahrkarten für die Feriensonderzüge, die vom Görlitzer Bahnhof in Berlin nach dem Ricsengebirge am 8., 9. und 19. Juli abgehen, hat begonnen. Die Karten sind nur auf dem Gürlitzer Bahnhof von 9 bis 6 Uhr zu haben. Für die Züge vom 8. und 9. Juli Iverden nur 1399. für den vom 19. nur 659 Karten ausgegeben. Der Verkauf schließt spätestens am zweiten Tage vor Zugabgang um 6 Uhr. Die Züge haben nur 3. Klasse. Schon in Berlin gibt eS Karten ztvischen den Endpunkten im Gebirge. Am 8. und 9. geht ein Zug je 7.59 nach PcierSdorf und Oberschreiber- hau, 8.95 nach Friedebcrg, Hirschberg usw. Am 19. geht nur ein Zug 7.69 nach allen Endpunkten im Riesengebirge. Zu der LicbcStragödie in der Rosonthaler Straße wird noch mitgeteilt, daß die Zahnärztin Chaja Gdalew-itsch, die ihren früheren Geliebten, den Apotheker Joseph Kisselew, erschoß, wegen Mordes dem Untersuchungsrichter vorgeführt wurde. In einem Verhör sagte sie aus, daß sie seit zwei Jahren wie Mann und Frau zusammengelebt hätten. Vor sechs Wochen aber habe Kesse- lew ihr rundweg erklärt, daß er nichts mehr mit ihr zu tun haben wolle. Sehr oft habe sie versucht, ihn zu einer erneuten Aussprache zu bewegen, er habe jedoch auf alle ihre Briefe nicht eine Zeile geantwortet und stets nur verächtlich auf sie herabgeblickt. End- lich habe sie den Entschluß gefaßt ihn niederzuschießen. Nachdem er ihr gestern wieder einen verächtlichen Blick zugeworfen habe, sei sie zur Tat geschritten. Einen schwere» Betriebsunfall erlitt am Montag vormittag 11'/, Uhr in der Berliner Werkzengmaichinenfabrik vorm. L. Sentker, Müllerstr. 36, der Lehrling Artur Mischling aus Charlottenburg, Hnltenstr. 62. Er wurde von der Spindel eines Horizontalbohrwcrks erfaßt und hernmgcschleudcrt. Mit einem Armbruch und andere» schweren Verletzungen wurde M. in das Paul Gerhardtstift eingeliefert. Eigenartigen Handelsgeschäften ist man im Gefängnis zu Plötzensee auf die Spur gekommen. Ein Gefangener namens Erkner versuchte einen Kassiber aus der Anstalt hinaus zu bekommen, durch den er bei einem Kutscher Lebensmittel bestellte. Der Kassiber wurde jedoch aufgefangen, und jetzt kam ans Licht, daß dieser Kutscher, der aus der Anstalt Sägespäne abzu- holen pflegte, schon länger den Vermittler für allerhand Geschäfte gespielt hatte. Er bekam für die Lebensmittel, die er ein- schmuggelte, aus der Kabelfabrikation, die im Gefängnis betrieben wird, Kupfcrabfälle, die oft sehr reichlich ausfielen. Erkner ver- riet, daß er diese Geschäfte von einem alten Verbrecher Willi Pomerenke, der zuletzt drei Jahre verbüßte; übernommen hatte. Pomerenke wurde in Fichtengrund ermittelt und festgenommen. Die Leiche eines neugeborenen Kindes wurde gestern früh auf dem Hof des Grundstücks Metzer Straße 19 gefunden. Die sofort angestellten Ermittelungen sollen ergeben haben, daß eine 29 Jahre' alte Erna Posnansky ohne Wissen ihrer Eltrn, bei denen sie wohnte, geboren und das Kind zum Fenster hinausgeworfen haben, um es zu töten. Die Mutter wurde verhaftet und als Polizeigefangene nach der Charit«: gebracht. Sie behauptet, daß ihr Geliebter sie zu der Tat angestiftet habe. Die Leiche des Kindes wiude beschlagnahmt und nach dem Schauhausc gebracht. In seiner eigenen Wolinung cingcschlossön und deraubt. Ein schwerer Einbruchsdiebstahl tpurde vergangene Nacht bei dem Hauseigentümer Gärtner in der Giesebrcchtstr. 13 in Charlotten» bürg verübt. Die Diebe, die anscheinend mittels Nachschlüssels in die Wohnung drangen, riegelten die Türen zu den Schlafzimmern ab, in denen das Ehepaar schlief, so dah dieses in seiner eigenen Wohnung eingeschlossen war. Tann erbrachen die Gauner in den Vorderzimmern ein Büfett sowie mehrere Schränke und raubten eine größere Geldsumme nebst Juwelen, eine goldene und eine silberne Damcnuhr sowie einen Aufbewahrungsschein über zur Konservierung hinterlegte Pelze im Werte von 3000 M. und mehrere Depotscheine der Dresdner Bank, die cm Verzeichnis des gesamten Vermögens des Gärtnerschen Ehepaares enthielten. Nach dem Einbruch kletterten die Diebe übir den Balkon in den Vorgarten und entkamen. Die Flucht zweier weiblicher Fiirsorgezöglinge au« dem Fürsorge und ErziehungShaus Bethabara in Weißensee, Albertinenstr. 23. erregte vorgestern abend Aufsehen unter dem Publikum des Parkes am Weißen See. Zwei Mädchen waren aus der genannten Anstalt entflohen, indem sie den 2 Meter hohen Stacheldrahtzaun über- kletterten. Während dieses der einen glatt gelang, riß sich die andere an den Drähten das ganze Kleid vom Leibe. Nur noch mit dem Hemde angetan, lief sie zusammen mit ihrer glücklicheren Genossin die Albertinen- und Amalienstratze entlang nach dem Parke am Weißen See. Dort wurden sie aber aufgegriffen und wieder nach der Anstalt zurückgebracht. Arbeiter-Samariterkolonne Groß-Berlin. In dieser Woche finden noch folgende Lehrabende statt: Mittwoch. Rixdorf. Erkstr. 8, und am Donnerstag in Lichtenberg. Scharnwebcrstr. 60. Die Lehrabende beginnen abends ü Uhr. Neu eintretende KursuSteilnehmer will kommen. Gäste haben Zutritt. Berliner Asylverein für Obdachlose. Im Monat Juni nächtigten im Männer. Asvl 14 8S3 Personen, wovon 823? badeten, im Frauen.Ashl 3707 Personen, wovon 1223 badeten. Arbeitsnach- weis wird erbeten für Männer: Wiesenstr. SS/SS, für Frauen: CMergerstr. 30. Vorort- sVacb richten. Gteglitz. AuS der Gemeindevertretung ausscheiden muß nun doch der Rcichsvcrbändlcr G e n n e r; selbst die KommissionSberatung ver- mochte nicht der Mietervereinsfraktion diese Zierde zu erhalten. Einstimmig wurde das Mandat für erloschen erklart. Der Rache des Mietervereins ob dieses schmerzlichen Verlustes fiel nun auch ein Hausbesitzer zum Opfer; er sorgte jedoch für einen„besseren" Ab» gang. Vor Beratung des Ausschlußantrages verlas der Vorsteher einen Brief, in dem Herr Glaubitz mitteilt«, daß er wegen seelischer Zerrüttung sein Mandat niederlege. Da nunmehr die Notwendigkeit eines„doppelten Wohnsitzes" für den alten Herrn wegfällt, wird er hoffentlich bald in Köpenick im Kreise seiner Familie das Gleichgewicht wiederfinden. Daß daS Ausscheiden der beiden Herren keine Lücke im Gemeindeparlament macht, em- Pfand wohl auch der Gemeindevorsteher, der kein Wort des Be» dauerns beim Scheiden oder des Dankes für geleistete gute Dienste fand. Bezeichnend für die Jesuitenmoral des Mietervereins bleibt eS aber doch, daß man erst dann den Vertreter der Hausbesitzer über die Klinge springen ließ, als es dem eigenen FraktionS» genossen ans Leben ging. Eine Anfrage über den Unglücksfall in der Schloßstratze. wo vor einigen Tagen ein Arbeiter von der Elektrischen überfahren und so schwer verletzt wurde, daß er starb. bestätigte die unliebsame Tatsache, daß zwischen dem freiwilligen (bürgerlichen) Sanitätskorps und den Samaritern der Feuerwehr eine Rivalität besteht, unter der etwaige Verunglückte zu leiden haben. Die Veröffentlichungen über diesen Unglücksfall im „Steglitzer Anzeiger" wurden sowohl vom Gemeindevorsteher wie vom Gemeindsvertreter Barsikow als der Wahrheit widersprechend bezeichnet. Sollte daS, was hier nicht zu entscheiden ist, der Fall sein, dann wäre damit nur bewiesen, daß das Blättchen nicht nur in seinen„Stimmungsbildern aus dem Gemeindeparlament", sondern auch bei anderen Gelegenheiten schwindelt. Eine eigene Empfehlung für das..Organ für amtliche Bekanntmachungen".— Im weiteren Verlauf der Sitzung wurden recht beträchtliche Mittel für die verschiedensten Zwecke verlangt und bewilligt, meist ohne Debatte, da sie im Interesse unseres Ortes geboten waren. Nu: gegen die Errichtung einer Vorschule an dem Paulsen-Real» gymnasium machte die Linke im Interesse der Einheitsschule Oppo» fiiion, jedoch erfolglos.. Unter dem Punkte„Nachbcwilliaungen" suchte der Gemeindevorstand wieder einmal verschiedene Mehraut- gaben unter Hinweis auf die gedruckten Vorlagen sich bewilligen zu lassen, ohne hpß die Oeffentlichkeit erfahren hätte,.wie sie ent» standen sind. Gcmeindevertreter Winkler und Genösse Aß mann machten jedoch einen Strich durch die Rechnung. Erstcrer kritisierte, daß die für den Umbau des Ratskellers bewilligten 30 000 M. noch um 5000 M. überschritten wären, was nun allerdings wohl oder übel nachbewilligt werden müsse. Aßmann ging näher auf die einzelnen Mehrausgaben ein und stellte fest, daß ein Teil der Mehrausgaben durch eigenmächtige Anordnungen der gewählten Unterkommission entstanden seien. Er hält«s für überflüssig, daß für das„Ge- meindevertretcr-Zimmer" bessere Möbel und ein« bessere Beleuch- tung vorgesehen seien. Geistige E r leuchtung sei für die Gemeinde» Vertretung nötiger als künstlerische B e lcuchtung. Er und sein Parteigenosse mühten diese Nachforderungen ablehnen. Ferner wandte sich Ahmann gegen die Nachbewilligung von 2430 M., die über die bewilligten 4000 M. hinaus bei her Jubiläumsfeier des Gymnasiums verausgabt worden sind. Diese Mehrausgaben sind entstanden einmal durch die Festschrift, die allein über 5000 M. der» schlang, und durch ein Festessen, das ohne Gemeindebeschlutz auf Kosten der Gemeinde gegeben wurde. Weil eine Anzahl Gemeinde. Vertreter privatim den Wunsch äußerten, sich einmal auf Kosten der Steuerzahler gütlick zu tun, beschloß der Gemeindevorstand die Gratislieferung von Speisen und(natürlich) Getränke für sich selbst, die Gemeindevertvetcr und— deren Damen. Aßmann ver- urteilte grundsätzlich die Verschleuderung von Gemeindemitteln zu Etz- und Trinkgelagen. Er erinnerte an die Berichte der Lokal- presse über die Einweihungsfcier des Elektrizitätswerkes, aus denen man schließen müsse, daß dort wahre Orgien auf Kosten der Steuerzahler gefeiert worden seien. Ter Bürgermeister erNärte die Orgien(natürlich nur das Wort in dieser Anwendung) für nichtparlamentarisch, und die Mehrheit„bewilligte" sich mit ver- gnügtem ISchmunzeln das, was sie vorher„genehmigt" hatte. Herr Barsikow gab noch der Hoffnung Ausdruck, daß sich recht oft Ge- lege ich- it bieten möge, solche Feste zu feiern, die gleichzeitig eine — Reklame für unseren Ort seien. Nur zwei Herren der bürger- lichen Linken verurteilten mit den Sozialdemokraten die Veran- staltung von Festessen auf Kosten der Allgemeinheit ohne vorherige Bewilligung. Die letzte Mitgliederversammlung deS Wahlvereins nahm zu» näcbst den Jahresbericht des Vorstandes enlgegen. Die Tätigkeit desselben Ivar im verflossenen Jahre eine äußerst rege, doch war der Erfolg für die Organisation nicht voll befriedigend. Die Zahl der Mitglieder beträgt gegenwärtig 737(SIS männliche und 118 weibliche) gegen 652( 572 männliche und 80 weibliche) am 80. Funi 1910. Neu eingetreten sind 164 Mitglieder(121 mann. liche und 43 weibliche), zugezogen 102, verzogen 58, ausgetreten 12, wegen restierender Beiträge mußten 105 Mitglieder ausgeschlossen werden, während durch Tod 6 Mitglieder verloren gingen. Gewerk. schaftlich organisiert sind 75 Proz. der Mitglieder, und der Kon- sumgenossenschfist gehören 26 Proz. als Mitglieder an.— Ten Kassenbericht erstattete Genosse Höhn. Im letzten Quartal stehen einer Einnahme von 586,73 M. als Ausgabe 578.63 M. gegenüber, inklusive 391,18 M., die dem Zentralvorstand übertviesen wurden. Die Maifeier erforderte einen Zuschuß von 37 M. Ueber die Tätigkeit deS BildungSauischusseS berichtete Gen. F ü t t e n e r. Er bemängelte unter anderem, daß den Genossen am Ort kein größerer Saak zur Verfügung steht, wodurch die BildungSbestre, bungen und auch die EntWickelung des Wahlvereins gehemmt wer- den. Im OrtSteil Südeirde steht uns das Lokal von Bredercck jetzt zu allen Veranstaltungen zur Verfügung. Dem neu gewählten Vorstand gehören an: W. Pieck erster. Alfermann, zweiter Vorsitzender, Spließgardt erster, B e r n s e e zweiter Kassierer. B l e ch s ch m i d t erster. Z e ch e r t zweiter Schriftführer. Genossin Babinsky, Beisitzerin. Biblio- thckar Fr. Krug. Revisoren Spindler, Wagner, Hyser. Lokalkommission Arnold. Müller und W. Schmidt. In den BildungSauSschuß wurden gewählt die Genossen D ä u m i g. Pieck und Frau Schulz.— Unter Verschiedenem wurde ein An. trag angenommen, die Errichtung eines Arbeiterjugend- heims dem BildungSausschuß zu überweisen. Genosse Atz- mann als Gemeindevertreter brachte dann noch eine Angelegen. heit aus einer der letzten Sitzungen der Gemeindevertreter zur Sprache. Ihm war bekannt geworden, daß die Aufnahme er- holungSbedürstiger Kinder in die Ferienkolonie nicht abhängig gemacht wird von dem ärztlichen Gutachten und der Bedürftigkeit deS Kindes, sondern daß ein Beamter des Rathauses einfach die Auswahl der Kinder nach Willkür vornimmt. Eine Anfrage unseres Vertreter» in der Sitzung an den Gemeindevorstand hatte zur Folge, daß man einfach alles in Abrede stellte und Beweise ver- langte. Diese sind dem Vorsteher auch gegeben worden. Der Herr Gemeindevorsteher ist aber bis heute noch nicht auf die Angelegen- heit zurückgekommen. Ob er wohl geschwiegen hätte, wenn sich die Angelegenheit nicht so verhalten würde? Am Schluß der Versamm- hing wurden noch zum Besuch der Parteischule die Genossen Blechschmipt und Nlfermann vorgeschlagen. Rixdorf. Durch eine Spiritusexplosion schwer verletzt wurde am Sonnlag- nachniiltag der 21jghrige Schlosser Fritz Motrow, Siegfriedstr. 5 wohnhast. M., der eine Laube am Mariendorfer Weg besiizi, wollte sich dort auf einem Spirituskocher Kaffee kochen, beging jedoch die Unvorsichtigkeit, auf den brennenden Apparat Spiritus nachzugießen. ES erfolgte eine Explosion, bei welcher die Kleider des M. in Brand gerieten. Auf seine Hilferufe eilten einige in der Nähe befindliche Lanbenkolonisten hinzu, die den Brand erstickten und den Ver- unglückten nach der Unfallstation in der Steinmetzstraße schafften. Dort wurde festgestellt, daß der Schlosser gefährliche Brandwunden am Kopf, an der Brust und an den Armen erlitten hatte, die seine sofortige Uebersührung nach dem Nindorfer Krankenhause notwendig machten. Lichtenberg. Die Grundsteinlegung de» neu zu errichtenden Krankenhauses ist gestern mittag 12 Uhr unter Beteiligung staatlicher und kom- munaler Behörden erfolgt. Wilmersdorf. In der Generalversammlung des WahlvereinS erstattete Genosse S ch r ö dp r den Bericht des Vorstandes vom letzten Geschäftsjahr. Redner teilte mit. daß im vergangenen Jahre zehn öffentliche und 17 Mitgliederversammlungen stattgefunden haben. Die Mitglieder- zahl stieg von 526 auf 603, darunter befinden sich 88 weibliche Mit- zlieder. Der„Vorwärts" zählt jetzt 1100 Abonnenten. Im Laufe des Jahres gelang es uns, bei den letzten Stadtverordnetenwahlen wieder zwei Vertreter seit langer Zeit ins Wilmersdorfer Stadt- perlament zu entsenden. Genosse Goddäns gab den Kassenbericht vom vierten Quartal, derselbe schließt ab mit einer Einnahme von 579,16 M. und einer Ausgabe von 500,91 M. An den Kreis wurden 386,10 M. abgeführt. Den Bericht der Lokalkommission gab Genosse Kolbow, der mitteilte, daß eS im vergangenen Jahre gelungen sei, zwei weitere Lokale frei zu bekommen, und zwar.Stadtpark", Kaiserallee, und„Kurfürstenpark", Kurfürstendamm. An den Bericht des Vorstände» knüpft« sich eine längere und rege Debatte. Bei der hierauf vollzogenen Neuwahl des Vorstandes wurde der alte Vorstand einstimmig wiedergewählt. Als Revisor fungiert Genosse Klei und als Bibliothekar Genosse Frank. Als Bezirks- führer wurden die Genossen Lebenhagent Becker, Freund, Adam und Moritz bestätigt, Friedenau. Auö der Gemeindevertretung. Wie notwendig der Einzug zweier Sozialdemokraten in das Gemeindeparlament war. bewies wieder einmal die Behandlung der RalHauSfrag«. In dieser Angelegenheit sind schon«ine Anzahl Beschlüsse gefaßt und wieder auf- gehoben worden. Leider werden Grundstücksftagcn geheim be- handelt, so daß die Otzffentlichkeit die Herren, die die Gemeinde- Politik persönlichen Interessen dienstbar zu machen suchen, nicht gut genug kennen lernt. Genosse Richter bezeichnete die Beschlüsse der geheimen Sitzung als eine große Blamage der Gemeindevertretung. Daß er hier eine wunde Stelle berührt hatte, bewies der Spektakel, den die Herrschaften daraufhin anschlugen. Sie verlangten, er solle seine Acußerungen zurücknehmen. Unser Redner tat ihnen selbstverständlich diesen Gefallen nicht, sondern wiederholte dieselben eindringlich. Weiteres konnte er zu dieser Angelegenheit nicht ausführen, da es ich um einen Beratungsgegenstand auS einer geheimen Sitzung handelte. Vielleicht stellt der Gemeindevorstand im Interesse des Ansehens der Gemeindevertretung die Sache öffentlich richtig, auch wenn e» dem einen oder anderen der Herren sehr unangenehm sein ollte. Zur Sache selbst erklärte sich unser Genosse gegen die Er- richtuna deS Rathause« am Wilmrrsdorfer Platz, da dieses Grund- stück für die Errichlnng einer unbedingt notwendigen Volksschule vorgesehen sei. Er halte den Lauterplatz für geeigneter. Denselben Standpunkt vertraten der Bürgermeister sowie der Schöffe Lichlheim und der Gemeindebaurat Altmann. Nach längerer heftiger Debatte wurde die Angelegenheit bi» nach den Ferien ver- tagt.— Den Oberlehrern und Lehrern der höheren Lehranstalten wurde die außerpreußische Dienstzeit auf daS PensionSdienstalter mit angerechnet. Auf Beschluß der Gemeindevertretung hatte der Ge- meindevorstand bei der Eisenbahndirektion Berlin die Herstellung eine» zweiten Zuganges zum Wannseebahnhos von der Saarstraße auS beantragt. In der jetzt eingegangenen Antwort der Eisenbahn- direktion verlangt dieselbe, daß die Gemeinde Friedenau die Gesamt- kosten dafür in Höhe von 286 000 M. tragen müsse. Fn der Vor- läge de« BemeindevorstandeS wird bemerkt, daß Steglitz, das an diesem Eingang mehr Interesse habe al« Friedenau, einen Beitrag zu den Kosten abgelehnt hätte. In der Diskussion erklärten sich alle Redner gegen den Borschlag der Eisenbahndirektion. Der Ge- meindevorstand wurde beauftragt, sich noch einmal mit Schöneberg und Steglitz in dieser Angelegenheit in Verbindung zu setze». Ein weiterer Antrag de« Gemeindevorstandes verlangt die Schaffung einer Alkoholfürsoraestelle, die der Fürsorgestelle des Verein« zur Bekämpfung der Tuberkulose angeschlossen werden soll. Der Antrag wird vom Gemeindeverordneten Dr. Lohmann warm befürwortet. Genosse Richter hielt eS für richtiger, wenn die Ge- meind« selbst derartige Maßnahmen in die Wege geleitet und nicht wieder die privat« Wohltätigkeit in Anspruch genommen hätte. Der Antrag wurde angenommen. Der Spielplatz am Maybachplatz soll auch in diesem Jahre während der Ferien der schulpflichtigen Jugend zur Verfügung gestellt werden, Mittel zur Beaufsichtignng wurden bewilligt. Gemeindevertret« v. Wrochem ersucht den Gemeinde- vorstand, sich mit den umliegenden Gemeinden wegen Er- richtung eines Krematorium» in Verbindung zu setzen. Bürgermeister Walger antwortet, daß die» schon geschehen sei und die Verhandlungen zurzeit noch schweben. Die Fahrstrecke der Linie W ist vor kurzem von Wilmersdorf bis Lichterfelde ver- längert worden, doch fahren die Wagen nach 9 Uhr abend» nur bi« Wilmersdorf(Kaiserplatz), wo« von den meisten Fahrgästen, denen man davon keine Kenntnis gibt, sehr unangeneh», empfunden wird. Genosse Richter ersuchte de» Gemeindevorstand. hpi der„Großen Berliner" die Abstellung dieses UebelstandeS zu veranlassen. Der Bürgermeister versprach die» zwar, doch zweifelte er stark, irgend einen Erfolg bei dieser nur auf Profitingcherei ausgehenden Gesell- schaft zu haben. Over-Tchönewelde. Ferienspirle. Die unter Leitung de« Arbeiterturnberein« in den Vorjahren veranstalteten Ferienspiele für die Schulkmder litten wesentlich darunter, daß der Spielplatz zu weit entfernt lag. Es ,st nun gelungen, einen am Wasser vorn im OrtSteil Ostend gelegenen Platz zu pachten. Da sich wiederum Personen bereit gefunden haben, die Spiele zu leiten und zu beaufsichtigen, wird eine rege Beteiligung erwartet; die Zeit, in der diese Spiele stattfinden, wird noch mitgeteilt werden. Zehlendorf(Wannseebahn). Tie lebte Gemeindevcrtrcterüdung unterschied sich wesentlich von den seit langer Zeit hier üblichen. Seit Jahren wurde zum ersten Male eine ordentliche Sitzung abgehalten, während man sonst hier nur außerordentliche Sitzungen kennt. Unter der Ueber- wgchung durch den Kreis soll eine Lbswerwertungsgenossenschaft im Kreis Teltow gegründet werden, die>den Obstzüchtern bei der Erlangung günstiger Preise behilflich sein soll. Der Borstand wird ermächtigt, zwei Anteile 1 500 M. von der neu zu gründenden Ge. nossenschaft zu erwerben. An Etatsüberschreitungen werden für das Rechnungsjahr 1910 nachträglich bewilligt: für die allgemeine Verwaltung 13 666,58 M.. bei den elektrischen Anlagen 54 196,25 Mark, bei der 5lonalisations-Betriebsverivaltung 17 577,47 M. Der geplante Neubau einer weiteren höheren Mädchenschule(der erst vor zwei Monaten beschlossen worden war) Ivar zunächst auf dem Grundstück der bestehenden Mädchenschule in Aussicht ge« nommen. Inzwischen haben sich die Herren eines anderen be. sonnen, da die Unterbringung des Neubaues auf dem Grundstück erhebliche Schwierigkeiten haben soll. Man sehe sich deswegen ge« nötigt, ein neues Grundstück zu diesem Zweck zu erwerben. Diese Angelegenheit hat bereits die nichtöffentliche Sitzung beschäftigt. Der Neubau soll in etwas anderer Form ausgeführt werden als das bestehende MädchenschulhauS. An Kosten werden einsüveilcn 391 000 M. in Ansatz gebracht, doch hofft man. daß sich dies« Summe noch etwas hcrabdrücken läßt. Nal Nal DaS Projekt für die Oberrealschule ist zur Baureife gediehen. Die veranschlagten Kosten von 617 000 M. haben sich einstweilen als zu hoch erwiesen. Einige bisher nicht vorgesehene Referveräume sollen in daS Projekt mit aufgenommen werden. Eine Anfrage des Vertreters Grün« Wald, warum für den Bauleiter der Oberrealschule 325 M. an monatlicher Entschädigung voregesehen, während für den Bauleiter der Mädchenschule nur 300 M. in Ansatz gebracht sind, beantwortete der Referent dahin, daß für diesen umfangreichen Bau eine bessere Kraft benötigt wird. Die Beschlußfassung über die� Kosten wird vorbehalten. Für die Unterbringung einiger Klassenräume der Ge. meindcschule I und einiger bis zur Fertigstellung der Oberreal« schule für diese notwendigen Klassenräume wutden 7700 M.� be. willigt. Bei der provisorischen Anlage soll auf gesonderte Zugänge besondere Rücksicht genommen werden. Der Bau der neuen Ge. meindeschul« wuvd« auf den Sankt Nimmerleinstag, nach der Vor« läge auf zwei Jahre verschoben. Für die Erweiterung der ortho- pädischcn Turnkurse wurden 450 M. bewilligt. Für die Ferien» kolonicn bewilligte die Vertretung noch 1500 M. nach. Köpenick. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Die der Magistrat mit« teilt, hat die Besoldungsordnung für die Lehrpersouen der Dorotheen- schule, frühere Mädchen-Mittelschule, die Bestätigung der Regierung nicht erhallen, weil die Schule eine anerkannte höhere Schule noch nicht ist. Der Magistrat beantragl daher aus formalen Gründen eine andere Besoldungsordnung mit rückwirkender Kraft vom 1. April 1911 ab zu erlassen, welche aber die bereits für die höhere Mädchen- schule schon früher bewilligten Sätze vorsieht. Mit dem Rektor soll ein besonderer Vertrag über die Anerkennung der BesoldungSordnuug geschlossen werden. Die Versammlung stimmte dem zu. Desgleichen schlug der Magistrat vor, die.dritte(katholische) Gemeinde» schule und die Hilfsschule in die zurzeit leerstehende VII. Ge« meindeschul« in der Kaiser-Friedrich-Straße zu verlegen. Auch diesem Vorschlag gab die Versammlung ihre Zustimmung und bewilligte gleichzeitig 6500 M. zur Renovierung der VII. Ge» meindeschul«. Bei Besprechung der der Versammlung vorliegenden Berichte der Schulärzte erinnerten unsere Genossen darai� wie schwer eS seinerzeit gewesen sei, die Mehrheit der Versammlung als auch den Magistrat zur Anstellung von Schulärzten zu bestimmen. Nach Durchsicht der seit Jahren zugehenden Berichte werde wohl niemand mehr zweifeln, daß die Anstellung von Schulärzten eine dringende Notwendigkeit war. Weiter ersuchte unser Redner den Magistrat, umgehend auch der Schulzahnpflege durch Anstellung von Zahn- ärzten näherzutreten, da nach den Berichten der Schulärzte die Hälfte aller Schulkinder zahnkrani seien. Weit« forderte uns« Redner auch die Errichtung von Waldschulen. Die bürgerlichen Vertreter hielten eS nicht der Mühe für wert das Wort zu nehmen, da cSj sich ja meist nur um Arbeiterkind« handelt. Dem Antrag der Forstkommission, die in den Etat für 1911 aus Holzverkauf in Einnahme gesetzten 12 000 M. auf 8000 M. herab» zusetzen, da eS nicht möglich sei soviel Holz zu schlagen, stimmte die Mehrheit der Versammlung notgedrungen zu. Auch hi«bei konnten unsere Genossen darauf Hinwersen, daß sie vor Jahren bereit« davor gewarnt haben, nicht jedcS Jahr für W 000 biö 80000 M. Holz zu schlagen, jetzt räche sich dieS bitter. Niederlehme. Koalitionsrecht und Polizciwillkür. Ueber dies zeitgemäße Thema sprach am Sonntagnachmittag Genosse Karl Liebknecht im Lokal von Thormann in Neue Mühle. Da da« Versammlungslokal viel zu klein war. mußte die Versammlung, an der wohl über 2000 Personen teilnahmen, nach dem Garten verlegt werden. Ein Beweis dafür, wie groß da» Solidaritätsgefühl und die Sympathie für die seit acht Wochen im Streit stehenden Arbeiter der Mörtelwcrke und Kalisandsteinfabrik in Riederlehme ist. Die polizeilichen Maßnahmen gegen die um ein menschenwürdiges Da- sein ringenden Arbeiter boten dem Referenten genügend Gelegen- heit, mit der preußischen Polizeiwirtschaft inS Gericht zu gehen und zum Anschluß an die politische Organisation aufzufordern. In der Diskussion ergänzte Genosse Sewekow unter Beifalls- und Entrüstungsrufen ins Ausführungen deS Referenten. Weistensee» AuS der Gemeindevertretung. Die Errichtung eines Krim a- t o riumö wurde einstimmig angenommen, nachdem Vertreter all« Parteien sich für die Errichtung ausgesprochen hatten. Nur der Schöffe Rothe wollte kein Krematorium, weil die Gemeinde vor zwei Jahren erst teures FnedhofSgelände erworben hat, da» noch gar nicht in Benutzung genommen ist.— Die Mittel für eine Damm- und Bürgersteig'RcguIierung der Pistoriusstraße zwischen Mirbach- platz und Rölckestraße wurde bewilligt.— Die Vertretung mußte sich auf eine Klage einlassen, die der Kaufmann Gustav Hoffmann, Berliner Allee 7. angestrengt hatte. weil bei der Reg». lierung der Bürgersteige zugleich auch der Bürgersteig vor dem Hause des Klägers mit reguliert wurde.— Die Jahres» rechnung für 1909 wurde entgegengenommen. Dieselbe schließt ab mit einen» lleberschuh von 17 697,59 M. Bei dieser Gelegenheit bemängelte Genosse Taubmonn. daß der Leiter des WohliabrtS- amteS sich viel zu sehr der privaten Wohltätigkeitsvereine annehme, während er die von der Gemeindevertretung eingesetzte Wohlfahrt«- kommisston gar nicht beachte. Seit zwei Jahren habe die Wohl- fahrtSkommission keine Sitzung abgehalten. Die Mitglieder der» selben hätten keine Ahnung von dem Programm deS Leiter». Großes Interesse widmete der Leiter de» Wohtsahrtsainte» dem stattgefundenen BlumenIagSriunniel, aber die Bearbeitung der ihm übertragenen Arbeitslosenversicherung rühre sich nicht vom Fleck. Die Vor» würfe wollte der Herr Bürgermeister nicht gelten lassen, er versicherte sogar, baß da» Wohlfahrtsamt feine Schuldigkeit tue. Hoffentlich erhalten die Mitglied« nach dieser wiederholten Aufforderung endlich mehr Einsicht in die Praktiken deS Wohlfahrtsamtes. Schöffe Rothe wollte den Ueber» schuh aus dem Etcit der Wasserversorgung auf das nächste Jahr vorgetragen haben, da dieser Uebersckmtz doch nur von den HauS- besitzern aufgebracht worden sei und diesen daher auch zugute kommen müsse. Eine Diskussion hierüber wurde vom Bürgermeister nicht für angängig erachtet. Am gleichen Tage um 6 Uhr fand die Wahl cineS unbesoldeten Schöffen statt. Gewählt wurde der Geinciudevertreter New es mit 18 Stimmen. Wilhelmsruh. Die Mitgliedcrzahl deS WahlvereinS ist. wie Genosse Junler in der Generalversammlung in seinem Bericht vom verflossenen Halbjahr mitteilen konnte, von 251 auf 238 gestiegen. Die„Porwärts"- Abonnenten haben sich von 351 auf 443 verinehrt. Genosse W. G r e l l gab den Kassenbericht vom letzten Quartal. Einer Einnahme von 402.23 M. steht eine Ausgabe von 365.95 M. gegenüber. Genosse K o s s e r t gab in längeren interessanten Ausführungen einen Ucber- blick von der Auffenagitation. er forderte die Parteigenosse» auf, sich in der kommenden Steichslagswahl recht rege an der Landagitalion zu beteiligen. Bei der nun folgenden Wohl des Bezirksvorstandes wurden folgende Genossen gewählt: 1. Borsitzender O. Juncke, 2. Vorsitzender ff. Kosserr, 1. Kassierer W. Grell. 1. Schriftführer M. Krelke, BibUothekar M. Buch. Beisitzer Genossin Frau Küsk«. Als Leiter der ffrauenagitalion M. Kretke. Auffenagitation die Ge- nassen Kossert, Riffmann, Nerger, Schttlwitz und KahlS. Aeitmigs- kommmission Gustavns, Buchbach. Der vorgerückten Zeit wegen muffte die Versammlung vertagt werden. Biesdorf.- In der letzten Gemeindevertretersitzung wurde beschlossen, daff die Gemeinde Biesdorf eine eigene EteucrvoreinschätzungSkommission bilden soll. Bisher bilden die Gemeinden Mohlsdorf, KaulSdorf und Biesdorf gemeinschaftlich eine Boreinschätzungskommission. Die Umpflasterung der Dorfstraffe hat den Voranschlag um 86<),60 M. überschritten, die nachgefordert werden. Genosse Müller forderte Aufklärung, womit die hohe Ueberschreitung deS Voranschlages be- gründet ist. Nachdem der Gemeindevorsteher kurz geantwortet, wurde die Summe beivilligt. Der sich im Zuge d-S Hohenschönhauser Weges befindliche Bahnübergang über die Ostbahn soll im Interesse der Gemeinde verlegt werden und wird der Vertrag mit dsr Elsen- bahndireltion genehmigt und 500 M. bewilligt. Hohen- Schöuhauseu. I» der Generalversammlung der BezirkSorganisation gab Genosse R ö ff I e r den Vorstandsbericht. Nach demselben haben zwei General-, zwei öffemliche Versammlungen und eine Wähler- Versammlung stattgefunden. Die Bezirksleiiung hat elf Sitzungen abgehalten. 0200 Flugblätter sind verbreitet worden. Die Mit gliederzahl beträgt 149 männliche und 13 weibliche. 180„Vorltjärts" abonnenten sind am Ort.— Der Cemeindewahlkamps im März hat uns keine positiven Erfolge gebracht. Gegen dte Wahl deS bürgere lichen Gemeindevertreters ist Protest eingelegt und die Klage beim löczirksauSschutz anhängig gemacht worden. Der Kassenbericht weist eine Einnahme von 371,97 M. auf, der eine Ausgabe von 213,46 M. gegenübersteht, sonach ein Kastenbestand von 158,51 M. verbleibt.— In der Diskussion über den VorstandSbericht wird lebhaft die mangelhafte Zustellung deS„Vorwärts* kritisiert, der besonders Sonntags oftmals erst um 11 Uhr zugestellt wird. Es wurde den Genossen ausgegeben, mit aller Kraft auf die Ver- mehrung der Abonnenten hinzuwirken, damit in absehbarer Zeit die Gründung einer Spedition am Orte vorgenommen werden kann.— Bei der Neuwahl der Bezirksleitung wird Genosse H. K i n tz e als erster und Genosse F. R e y h e r als zweiter Bezirks- leiter neu- und als Kassierer Genosse E. H e r s ch l e t wiedergewählt. De» Schriftführerposten übernimnit Genosse I. O b e r m« y e r, Der Kinderschutzkommissio» steht die Genossin F. K i n tz e vor. Potsdam. AuS dem Bodenfenster gestürzt ist der beim Kaufmann Nachfleth in Potsdam beschäftigte 25jährige Kutscher ScheerS aus Bornstedt. Scheers wurde nach dem städtischen Kraukenhause gebracht, wo er hostmmgSloS daniederliegt._ Eingegangene Druchfcbnften. Von der„Gleichheit-, Zettlchrist für die Interessen der Ardelterinnen, ist unS soeben Nr. 20 deS 21. Jahrgangs zugegangen. AuS dem Inhal! dieser Nummer heben wir hervor: Zum achten Gewerkschasts- longreff.— Kapitalistische„Sozialresorm". II. Von Luise Zieh.— Kinder- arbeit und Kinderschutz im Groffhcrzogtum Hessen. Von Ii. IV.— Geile Lüstlinge und hungernde Verkäujeuimen. Bon K. II.— Die verfluchte Bedürsnislosigleit. Von Li. B.— Die Ncichsratswahlen in Oesterreich. Von a. p. Für unsere Mütter und Hausfrauen: Johann Peter Hebel. II. Von Dr. Wilhelm Hausenstein.— Aus alten Zeitungen. Von Haimo Lewin-Dvrsch.— Für die Haussrau.— Feuilleton: MiltagSglut. Von Karl Stieler.— Waterloo. Von Stendhal. Für unsere Kinder: Zur Beherzigung. Bon Wolsgang Goethe (Gedicht.)— Thomas, der Knecht- Von Heinrich Arnulf.— Aroleid. Von Motisrted Keller.(Gedicht.)— Marco Polos Beschreibung der chinesischen Stadt Onlnsal(Fortsetzung.)— Eine Brockensahrt. Von Lernharo Dllwell. (Schluff.)-- Die Uhr. Von Emma Döltz.(Gedicht.) „Kommunale Praxis». Wochenschrist sür Kommunalpolitik und Ge meindesozialiSmuS. Jede Woche erscheint 1 Hest. Abonncmentsprett 3 M. Pro Ouartal. Einzelnummern 30 P>. Am 1. Juli begann ein neues Quartal. „In Ireien Stunden.» Eine Wochenschrist. Romane und(h: Zählungen sür daS arbeitende Volk. Jede Woche ein Heft zum Preise von 10 Pf. Mit Hest LS fchlicht der erste Band ab. Die Abonnenten haben Anspruch aus das GratiSbild: RuhSdael, Bewegte See bei aufgehendem Gewitter. Buchhindler und Kolporteure, die die Heste lieferten, Itescrn auch die Bilder.— Band 1 kostet in Leinen gebunden 3,59 M.; in Halb stanz 4 M. Für Bibliotheken ist zu beachten, daß eine aus besierem Papier gedruckle Ausgabe erschien zum Preise von SM. Mit dem 1. Juli(Hest 27) begann ein neues Abonnement. Zum Abdruck gelangen Llioer Twist von Charles Dickens und die Auszeichnungen deS russischen NevoluttonärS Gcrjchuni über seine Erlebnisse in dem Kampfe mit dem Zarismus. Vom„Wahren Jacob» ist soeben die 14. Nummer deS 28. Jahr gangS im Umfang von IS Seiten erschienen. AuS ihrem Inhalt erwähnen wir: Bilder: Die Kanzlerliller. Von H. G. Leutzsch.— Der Unsehl- bare. Von Emil Erl.— Deutschland und die Schiedsgerichtsvorschläge.— Gleichheit. Von H. G, J-ntzsch.—«u» dem Juliusturm der Scharf. macher. Von H.®. Jcntzsch.— vethinann und die Raben. Von M. Enaert. — Schwarzblaue Züchtung. Von M. Engert.— Bilder ou8 der Zeit. �Di-Wiener Schlacht, von?.?!.— Der Fuselkreth. Von Balduin.— Gottesgnaden-Gedanken.— Die angeklagte„Arbeit*. Von?. E. — Die Schnaps-LieveSgabe. Von Hans Flux.— Schövpenstedter Mutter« schütz. Von Lehmann.— Lieber Jacob! Von Gotthils Rauke.—„Uun» uam retrorsmn! Von Ep.»»> Zur Pflege der Volksmoral. Von lalduin usw.______ Marktpreise von Berlin am t. Juli 4911, nach Ermittelung des Königlichen Polizeipräsidiums. Markthalle»preise.(Kleinhandel.) 1 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 39,00—59,00. Speisebohncn, weihe 30.00- 50,00. Linsen 20,00-60,00. Kartoffeln 7,00-11,00. 1 Kilo. ramm Rindfleisch, von der Keule 1.69-2,40. Nindfleisch, Bauchfleisch 1,20 (» 1,80. Schweinefleisch 1,10—1,80. Kalbfleisch 1,20-2,40. Hammelfleisch 1,60—2,20. Butter 2,20—2,80. 60 Stück Eier 3,00—4,40. 1 Kilogramm Karpsen 0,00—0,00, Aal» 1,60-3,00. Zander 1,50—3,60. Hechte 1,20 bis 2,60. Barsche 0,80—2,09. Schleie 1,29-3,49. Bleie 9,89—1,69. 69 Stück Krebse 2,09-40,09._ WitterungSüderNittt vom 3. Juli 1911. Ctoltaicn Swtnemd». crltr Frantt.a Dt. München Wien 763 W 765 W 765 W 767 NW 768 NO 765 NW Setter mü Iii Ii 3 wollig t heiter 5 halb bd. L wölken! 3 bedeckt 1 bedeckt »wttonen ia •f baparanda 1 754 SW Petersburg 763 SW Sctlltz Aderoee» BariS 771 NNW 767 WNW 762 N Setter tt & 4 heiter 14 1 halb bist 17 2 halb bd.! 13 Zwollenl! 12 Iwollenl 13 «Serrerprognote Nie Dienstag, den 4. Juli 1911. Vielfach heiter, nachts kühl, am Tage wieder etwas wärmer bei mäfflgt» südwestlichen Winden, leine erheblichen Niederschläge. Berltner Wetterbureau. WasierstandS-viaclirtckitca der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wctterbureau Wasierstaud M c m« l. Tilsit D r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Thon» Oder, Ratibor . Krosien . Frantiurt Warthe, Schrim» , Landsberg Netze, vordamm Elbe, Leitmcritz , Dresdeu , Barby Magdeburg Wagerstaud Saal«. Grochlttz Havel. Spandau») , Rathenow») Spree, Svremberg') , Bceskow Weser, Münden , Minden R h» i u, MaximüianSau , Knud Köln Neckar, Heilbron» Main. Wertheü» Mosel. Trier am 2. 7. cm 65 32 —8 76 85 -110 —33 521 295 281 68 seit 1..7 um1) +1 0 ——0 0 —3 0 +1 -S — 4 —8 —2 ')+ bedeute» Wuchs,— Fall.—•) Uulerpeget. □ □□ DOD □□□ Theater und Vergnügungen Dten Stag, d c n 4. J u l i. Ansang 7 Uhr. NeueS königliches Opernhaus. Die Meistersinger. Ansang 8 Uhr. Somiiche Oper. Der verbotene Kitff. Neues Schauspielhaus. Die keusche Susanne. Neuro. Der Rodelzigeuner. Thalia. Polnische Wirtschast. Schiller U.(Walluer. Ttzeater.) Panne. Sch'Nr,. rftarlotteudurg. Der dunkle Puntt. Lnstlvielhan». Die dritte Eskadron. (Ansang 3L9 Uhr.) Euiien. Jke Stecnbachs Eiche. (Ansang 8'/, Uhr.) Roir. Kasernenluft.(Ans. 8>/< Uhr.) golirs tknprice. Die letzte Rächt. Die Hochzeitsreise.(Ansang 8'/« Uhr.) Lessing. Sommerspuk.(Ansang 8 Uhr 20 Min.) Kleines. Norachen.(Ans. 8'/, Uhr.) Driano». DaS Prinzchen.(Anfang «'/, Uhr.) Neues Operetten. Eine Million. (Anfang S>/, Uhr.) Meeropoi. Hoheit amüsiert sich! Apoll«. Spezialitäten. Vaiiage. Spezialitälen. NrichSballen. SIetliner Sänger. N�lniergarten. Spezialitäten. Karl Haverland. Svezialttätm. Walhalla. Prinz und Bettlerin. (Ansang«'st Uhr.) Voigt. Goldene Jugend. Noäck. Leute von heute. Kaiser. Panorama. III. ZhkluS: Indien-— IV.: Wanderung im Zii-Ieiigebirge. Urania. Taubenstrafte 48/49. 8 Ubr: Helgoland im Wechsel der Zeit. Sternwarte, Jnvalidenstr. 67—62. 3cbIIIer-IdeslerI.iL? Panne. Lustspiel in 8 Auszügen von Richard Slowronnek. Ansang 8 Uhr. Ende 10 Uhr, Morgen letzte Borstellung vor den Ferien: I-snnv. Leviller-svesler Der dunkle Punkt. Lustspiel tu 3 Akten v G. Kadelburg und Robert PreSber. Ansang 8 Uhr. Ende 19 Uhr. Morgen und folgende Tage: Klee- dunkle Punkt. Neues Kgi. Opern-Theater(Krom DtenStag, den 4. Juli, abend» 7 Uhr: Lasisplel Anton von Kooy; Die Meistersinger von Rnherg. Miltwoch. den 6. Juli, abd».? Uhr: Gastsp. tzlltce Buszatewicz: Slegkrieö. DonncrStag: iHeUenxi'lu. Di»! un« n-VI» e»toi-. Heule und solgende Tage: Vu» Priuaeilen. Liebesschwank in 8 Sitten V. R. Misch. Ansang 8'/, Nhr. Urania. WifiBenschaftliches Theater. Taabeimtrolle 48/49. Abends 8 Uhr: Helgoland im Wechsel der Zeit. lOCIS GARTEN Täglich ab 4 Uhr: Großes Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 Mark, von abends 6 Uhr ad 50 Ps., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte._ Neues Theater. 8 Uhr. 8 Uhr. Heute und folgende Tage: DerRoJelzigeüner. Passage-Panoptikum. Dio Keger- ftiesin A boniah, die größte< Frau, die je gelebt. Alle* ohne sixtra-fntree! Metropol-Iheater. Scheit niniilictt fid)! Operette in 8 Akten von I. Frmnd. Musik von Rudols Nelson. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. ReiekGttölleii-Ttiealer. Stettiner Sänger. Urltton! Mictze im HoscnroS. Ansang wochentags 8 Uhr. SonntazS 7 Uhr. Alt-Moabit 47/48. Donnerstag, den 6. Juli 1911: Thtllitr und SptMlitäten. Ansang des Konzerts 6 Uhr, der Bor» stellung 7 Uhr. Vsrzugsknrteu hnbra koties lüspriee. Täglich 8'/. Uhr: psi-islsna-knsemble. s ffrauenhüte. Dte letzte Nacht. Ein Fenster zu vermiete». Da» Strumpfband. öerüner Prsler-Ideuter Kastanienallee 7—9. DM- Täglich:-tzKB Die drei Grazien. Posse in 4 Akten von Treptow. ßperialiiiite» und Konzert. Anfang 4'/, Uhr. Eintritt 80 PI 8 Uhr: Das ToUständig neue Prograim «'/. Uhr: Enaemble-GaBtaplel Harry Waiden in Sein Herzensjunge. Vaudeville mit Gest u. Tanz m 2 Akt. von A. Neidhardt und R. Schanzer. Musik von W. Kollo. Abend* 8 Ubr: Toni Thoms Jim u. Jam M flmis Cip. | n-dJartete-Festsplel-Progr.| V olgt-Thcater Gesundbrunnen, Bad straffe 58. Heut« sowie täglich t Glildeilt Jugend. Gr. Lebensbild m. Ges. u. Tanz i. 3 Akt. Gänzlich neue erstklassige Spczialttatc». Kasscneröffniing 2, Ansang 6 Uhr Die«affcrküchc ist p»n 3 Uhr an geöffnet. Jumßoik Heute Dienstag:: Konzort des Berliner Liederkranz unter Leitung des Ohorraeisters Ernst 8. Miltlaoher.— Konzert des Artillerie- Regiments Spandau unter Leitung des JJirigenten Obennusiltmeisters Jolly. Tranalateur-Koncert. Johnslowus Untergang. Der größte Erfolg der Neuzeit. Straße von Cairoa Unverwundbare Derwische. Sudanneger, Harem, Straßensänger, Hand- ����������werkerJ���Lnn�Eselritte����������� Neue Welt. AmcrlkanlMcher Verg niigungapark, Hasenhelde. dionaatlonolle Attraktionen. Gebirgsbahn, Wasserratschbabn, Licbesmühlc, Teufelsrad u. a, Grolle Spczlalitllten- Vorateilnng:. Ganz neue* Programm. hlmeerlape mit seinen dress. Schweinen.— The tree Spoona, 15 Minuten in der Hotelkücbe.— Jeanette et Vallla in d. sensationellen Apachentanz.— The Fuliaina, Aeroplan-Equilibiist. Sonnabend, den 8. Juli: Sommerfest der Branche der Gürtler des Metallarbeitorverbandes._ Bis 15. Juli 1911 gilt dieser Ausschnitt bei Frogrammentaalune zum Eintritt in den Park, jedoch nicht an Sonn-, Elite- und Vereins tagen. ' AbfabrtaatcUe- in am Schlefische» Bahnhof. ?S-Rl-«S«sisl>IIer5!!erlerZeIiIeuze MI"SSK"I"V«eue«lldle.«�»'" illsc-Tn�ie \ Groffe ffranklurtet Str. 182. Täglich: Ansang 8>/, Uhr. Kasernenluft. Auf der Gartenbtihne: GS gibt nur ei« Berlin.— Grosse Revue. VI» auterltsenen AHraktioaen! LA TORTAJADA. Die 7 Korlnnaa, klassische Tänze. Kauliuanna Ladyoyoletroupe. De Dto. Charles Barons Burleske- Menagerie. TacblnMaea 8bcil. Chungusen und eine Kette hervorragender Kunstkräfte! isiadt-Kasino. Holzmarktstr.IL. EckeAiexanderstr. Tügl. im herrlichen Raturgarten: Goldene Jugend. Gesangs- Posse in 1 Akt. Anfferd.: podleys Nlniaturtdester. l'ra»» M eilt u er in s. burlesk. Charaklcr-Thpe„Herr Wichtig». �lnL�Ubr�onn»!� VllülZggstSN-IchglR DtenStag, den 4. Juli: Konzert, Theater- u. Spezialitäten- Vorstellung. Da» neue Juli-Programm. Irlett-csra. Le* Lara Reell Lilly MariUa. Ernst Liisack. Ballslt- gesellschaft Melanl. Der artesische Brunnen. Noaeks Theater. Direktion: Robert Olli, Berlin N., Brunnenstraffe 16. Wenn schön im Garten I Wenn schlecht im Saale! Konzert, Theater, Spezialitäten. Leute von heute. Gr. AuSstatt.-Burl. Oi« Zaubergeige. Operette, ffri. Forest 0. Kgl. Opcrnh.. Berlin. Tke Stanley«. Ansang 6 Uhr. Max I&llems Souinier-Theater Rudolf Krüger, Hnscnheide 13—15. Täglich: Eriitlasiige Ttieater» und DPezialifäten.Vorstellungen. Zcltbedachter Theatergarten, bei im» günstiger Witterung Schutz bietend. Jed. Mittwoch: Gr. Kinderfest. Donnerstag: EUtetug. Adintolspaic�i [AmEähabol Itit&kfatittxs»« EissArena. Qeöflnet v. 10 Uhr vorm. In der heiBen Jahreszeit { angenehm kühler Aufenthalt, j Allabendlich; D. prunkvolle Eisballett Montreal Die Stadt auf Scblltt-- schuhen. Zahlreiche Konstlaufproduktiooen. Exquisite Restauration bis 1 Uhr nachts. Bis 7 Uhr n. von 10'/. Uhr 1 abds.; halbe Kassonpreise. Beliehne. ummelsharg am See. iah.: G. Tempel. Jeden Sonntag: SpezialitüteD-Vorstell. U. diiur teil-Konzert. Jeden Sonnabend und Donnerstag: Boireen Ser Zlollmsunz BSnger Aosvfter Mutergsple» �rtus-Not Korleheoger Str. 26, Stendaler Str. tt, Direktion; Karl Pirnau. SpeMlitatcn-Vorsttjllmy. Bollini-Truppe, Lustakrob. Ive Glfford, musikal. Unikum The Lettens, Equtt. Leopold Roster, moderner Humorist. Ada Mibe, Bortragskünsll. Rot-Rotfy, WesaiigSducllisten usw. Konzert 4 Uhr. Vorstellung'/,? Uhr. Borzeiger dieser Annonce zahlt Wochentag» für Sperrsitz St) Pf. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum«egenübco tciiicrlei Berantwortuug. Dass wir beute Ä» grösste Malzbier-Brauerei Deutschlands sind, verdanken wir den Sympathien des grossen Publikums, das die qualitative Erstklassigkeit unserer Biere dauernd anerkennt. Damit uns dieses entgegengebrachte Vertrauen auch fernerhin erhalten bleibe, bitten wir, beim Bezüge von Caramel-Bieren in Flaschen ausser auf das blaue Etikett auch auf die Firma zu achtem Minderwertige Nachahmungen sind, wegen der Aehnlichkeit der Etiketten, geeignet, unserem Renommee Sehaden zuzufügen. Seien Sie daher vorsichtig und achten Sie stets auf den Namen: Engelhardt-Caramel-Bier "■' TJnsoro iBloro sincS.■ü.toox'»!! Is.&ia.lllolx!■ MANOLI MW»»» Cfgaretfes iiiaiiiniiii n Belieble Specialmafken Abbas Dandy Glbson GM Ortsverwaltuns Berlin. Surcau: Berlin 0., Rosenthalerstr. 11/12, Restaurant Schilling. Amt HI, 2433. — Achtung!— 50/i« Dir empfehlen bei Veranstaltung von Vergnügen usw. den geehrten Borständeu, Komitees und Saalinhabern unseren kostenlosen Arbeitsnachweis, Rosenthalerstr. 11/13. Geschäftszeit täglich von 10'/,— 1 Uhr mittags. Kapellen vom größten bis kleinsten Orchester stehen jederzeit zur Verfügung. Der Vorstaub. NB. Unsere Mitglieder sind im Besitz einer Kontrollkarte. Dieselbe ist für das 2. Quartal rot und muß mit dem VerbandSstempcl verfehm fein. Alle andere Legitimation ist ungültig und ist sofort anzuhalten. Verantwortlicher Redakteur: Albert Wach», Berlin. Für den Lnieratenteilverantw.:Th.GI»ite.Berltn. Druck u. Verlag: Borwärt» Buchdruckerei u. Lerlagk-anstalt Paul Singer».Co, Berlin SW»