Ur. 159. nbonnemcntS'ßedlngungetii Ittomtememä- Preis pränumeranda i VicrtcljShrl. 3�0 Ml, vionail. 1,10 Mr.. wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. «injclne Nummer 5 Pfg. Sonntags. Nummer mit illustrierter Sonntags» Vellage.Die Neue Welt' 10 Pfq. Post- tibonuemcnl: I.Ill Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. Postabonnements Nehmet» an: Belgien, Ditnemarl, Holland. Italien, Luxemburg, Porwgal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 28. IahtP erscheint täglich außer montags. Veelinev Volksblellk» Zcntralorgan der fozi aldcmohrati fcken partd Dcutfchlands. Die TnlerHons-Gcbüftf VeKägt für die scchSgespaltene Kolonel- »eile oder deren Raum«o Dlg.. für politische und gewerkschaftliche Vereins» nnd Bcrsamnilungs-Atizcigen 30 Psg. „Utelne Hnz«ig«n:', das fettgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedrullte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. 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Inwieweit die inncrpolitische Lage und die kommenden Neichstagswahlen ihn auf die Beine gebracht haben, soll hier nicht näher untersucht werden. Jeden- falls hat unser Imperialismus aber jetzt zwei Eisen im Feuer: die Agadiraffäre und eine große Aktion.im Norden unserer südwestafrikanischen Kolonie. Nicht unmöglich ist aber auch, daß beide in sehr engem Zusammenhange stehen, daß die Ent- sendung des Kreuzers„Berlin" nur ein Schachzug war, um Frankreich und England zu zwingen, einer Ausdehnung der deutschen Machtsphäre in Südwcstafrika ihre Zustimmung zu geben, daß die vielgenannte„Kompensation" in der restlosen Einverleibung desOvambolandes in das deutsche Schutzgebiet be- stände. Für diese Annahme spricht die nicht dementierte Meldung des„Echo de Paris", nach der Herr v. Kiderlen-Wächter kürzlich in Kissingen zum französischen Botschafter Cambon gesagt haben soll, daß die Aktion von Agadir nur unter- nommen sei, um eine Vergrößerung der deutschen süd- afrikanischen Besitzungen durchzudrücken. Auch manche Aeußerungen der englischen Regierung und Presse würden unter diesem Gesichtswinkel verständlicher werden. Von unserem südwestafrikanischen„Juwel" ist in den letzten beiden Jahren in Deutschland verhältnismäßig wenig gesprochen worden. Nicht etwa deshalb, weil dies Land sich nach dem Kriege allmählich in den Zustand einer ruhigen und gedeihlichen Entwickclung hineinlebte, die zu einer Blüte führte, wie sie Dernburgs üppige orientalische Phantasie zur Zeit der Hottentottenivahlcn dem deutschen Michel vorgauckelte. Ach nein, im Gegenteil I Gutes war aus der südwestafrikanischen Stein- und Sandwüste nicht zu melden, und das Schlechte war nur zu bekannt, als daß man es immer wieder der Oeffentlichkeit in Erinnerung zu bringen wünschte. Der kurze Diamantentaumel war sehr schnell ver- rauscht. Es ist mehr als fraglich, ob in 10 Jahren überhaupt noch von einer DiamantenanSbcute in Deutsch- Südwestafrika wird geredet werden können. Der Farmbetrieb vegetiert nach wie vor kümmerlich dahin; neben der Trockenheit und anderen klimatischen Landplagen, hat er auch unter dem Mangel an Arbeitskräften zu klagen dank der Ausrottungs- strategie deS Generals von Trotha, dieses Pölissier der deutschen Kolonialgeschichte'), dank auch der Eingeborenenpolitik der deutschen Regierungsbureaukratie. Diese hält die spärlichen Ueberreste der Hererostänime und der Hottentotten derartig unter Druck, daß die Eingeborenen als selbständige Faktoren bei der wirtschaftlichen Ausnutzung der Kolonie gänzlich aus- scheiden. Als nur dem Namen nach freie Arbeiter können sie im Farmbetricbe und bei der Diamantenausbcute nicht genügen. Wenn dann noch, wie es bei einem Bahnbau der Firma Koppel ge- schah, aus Britisch-Südafrikabezogeneschtvarze Arbeiter, anläßlich einer geringfügigen Differenz, von der Schutztruppe zu Dutzenden zusammcngeknallt werden, so ist es begreiflich, daß es auch Mit fremden Arbeitskräften schlecht bestellt ist. Die wirtschaftliche Misere Deittsch-Südtvestafrikas äußerte sich in den letzten Jahren durch ein vielstimmiges Gezänk der verschiedenen Interessengruppen. Die kleineren Land-, Minen- und Diamantcnspekulanten geiferten gegen Dcrnburg und die von ihn: begünstigten großkapitalistischen Ausbeutergesellschaften. die Farmer schinipften auf die Regierung, andererseits lagen sich aber auch die einzelnen Farmervcrbände in den Haaren, kurz— die innerpolitische Situation der Kolonie entsprach und entspricht vollständig der wirtschaftlichen Sterilität und Aussichtslosigkeit. Ein für Kolonialfanatiker gewiß schwur- kräftiger Zeuge, Herr Dr. Karl Peters hat erst j�tzt im„Tag" die traurigen Zustände in Deutsch-Südwestafrika bestätigt. Aus'Farmerkreisen wurden Stimmen laut, die ein weit- gehendes Selbstverwaltungsrecht als die Erlösung von allen Uebeln proklannerten und dieses Recht nachdrücklich verlangten. Nun mag nian ein noch so großer prinzipieller Freund der Selbstverwaltung sein, in dicsein Falle würde sie aber an dem tüdwestafrikanischen Jammer nichts ändern; die klimatischen und geographischen Unzulänglichkeiten derKolonie lassen sich auch durch die Selbstverwaltung nicht beseitigen, die Eingeborenen ivürden aber vielleicht unter einer Farmerherrschaft noch mehr aus- gebeutet und entrechtet werden. Denn alle Träger„deutscher Gesittung" im schwarzen Erdteil pfeifen auf die„Kulturarbeit" an den Schwarzen; sie wollen alle— seien sie nun Farmer. Plantagenbesitzer oder Mincnspekulanten— möglichst hohe Profite aus ihrem Besitz mit den Knochen der Neger heraus- wirtschaften. Wenn die Mehrzahl der südwestafrikanischen Farmer nicht auf Rosen gebettet ist. so ist die Wahrscheinlich- •) Der frühere Gouverneur von Südwestafrika. General R. L e u t w e i II stellt fest, daß durch den Krieg die kinaeborenen «rbeitSlräfte zu zwei Dritteln zerstört worden sind. keit einer rücksichtslosen Ausbeutung ihrer schwarzen Arbeits- kräfte erst recht gegeben. Ganz falsch und wahrheitswidrig ist aber auch die Be- gründung, mit der die Südtvestafrikaner ihren Anspruch auf die Selbstverwaltung erheben. Sie behaupten, ihre Kolonie trage die Kosten ihrer Verwaltung und Erhaltung selbst. Das ist glatt gelogen. Der ordentliche Etat Südwestafrikas für 1911 weist rund 34 Millionen an Ausgaben auf, denen nicht ganz 22 Millionen Mark an Einnahmen aus der Kolonie selbst gegenüberstehen(einschließlich 19 Millionen Abgaben sür die Dianianten-Ausbeute und Aussuhr, die von Jahr zu Jahr zurückgehen wird). Das Reich, d. h. die deutschen Steuer- zahler müssen in diesem Jahre also l l'/z Millionen zuschießen, um den ordentlichen Etat zu balancieren. Außerdem sind in den außerordentlichen Etat Südwestafrikas noch 9 Millionen Mark zu Bahnbauten eingestellt, die natürlich auch aus Reichsmitteln entnommen werden. Ueber 29 Millionen Mark steckt also schon jetzt im Jahre 1911 das deutsche Volk auf Nimmer-' wiedersehen in seine südwestafrikanische Kolonie. Aber es tue nur Geld in seinen Beutel: Jetzt kommt das„große Rein- machen im Ovamboland", und was das kosten wird, das wissen die Götterl Den südwestafrikanischen Farmern und Spekulanten strahlt aber jetzt ein Hoffnungsstern an ihrem trocken- heißen Horizonte. Das große Land im Norden der Kolonie, das bisher fürjede Betätigung dcS KolonialkaPitaliLnrtis gesperrt war, soll bald„erschlossen" werden. Der halbbankrotte Farmer hofft auf billige und gute Arbeitskräfte, denn die Stänime der Ovambos enthalten zahlreiches und kräftiges Menschenmatcrial, die Kolonialspekulanten sehen gewinnbringenden Landcrwerb voraus, phantasieren von einer Fortsetzung der Diamanten- felder, ja sogar von Goldfunden im Ovamboland, und auch die Kolonialbureaukratie und der Kolonialmilitarismus hoffen auf neue Lorbeeren im Gebiete des Kuene-Flusses. Nur schade, daß das Geschäft nicht so einfach ist, daß die Ovambos selbst als Glieder der sreiheitsliebenden Bantuncger- rasse ein Wort dabei mitreden werden, und daß die Sache auch ihre internationalen Haken hat. Im nächsten Artikel wollen wir untersuchen, worin daL „große Neinmachen" im Ovamboland bestehen, welche Un- kosten es verursachen und wer schließlich die Zeche zu zahlen haben wird._ Die Verhandlungen über MarM». Die Verhandlungen zwischen der deutschen und fran- zösischcn Regierung haben am Sonntag begonnen. Ueber ihren Inhalt besagt eine amtliche Verlautbarung: Berlin, S. Juli. Der französische Botschafter Herr JulcS C a m b 0 11, der gestern abend in Berlin wieder eingetroffen ist, hat heute nachmittag den Staatssekretär des Auswärtigen Amts v. Kiderlen-Wächter in dessen Wohnung aufgesucht. Die Aussprache beider hat ergeben, daß keinerlei Anlaß zur Be- unruhigung vorliegt, daß vielmehr auf beiden Seiten der auf- richtige Wunsch besteht, sich über etwaige Differenzen zu ver» ständigen. Man kann nur wünschen, daß auch im weiteren Verlauf daS deutsche und daS französische Volk in Ruhe gelassen und die Diploniaten die selbst geschaffenen Streitigkeiten ohne allzu viel Spektakel endlich beseitigen. Konservative Kriegöhetze. Die parteiamtliche„Konserv. Korresp." schreibt über das Marokko-Abenteuer: „Was die Zukunft anbetrifft, so haben Prophezeiungen wenig Zweck, vielmehr können wir bei dem absoluten Vertrauen, welches der augenblickliche Leiter unserer auswärtigen Politik genießt, den Lauf der Dinge in aller Gemütsruhe abwarten. ES ist kaum anzunehmen, daß die deutsche Regierung den Pariser Advokaten kniffen mehr Wert beimessen wird, als sie verdienen. Die Welt g e s ch i ch t e wird nicht mit Tinte, sondern mit ehernem Griffel geschrieben. Drei Möglichkeiten liegen vor: 1. Krieg oder 2. Zurückziehung aller französischen und spanischen Truppen in Marokko oder 3. gleiches Recht für Deutschlands Vor« gehen in Marokko. Wir wollen keine» Zweifel darüber lassen, daß unS jede dieser drei Möglichkeiten recht sein wird." Die konservative Parteileitung erklärt also mit dürren Worten, daß ihr ein Krieg niit Frankreich recht wäre. Dieses gelvissenlose Spielen mit dem Feuer soll den Herren wahrlich unvergessen bleiben. Im Jnlande vertveigern sie der Arbeiterklasse die politische Gleichberechtigung. Aber sie bedenken sich keinen Moment, die Arbeiter als Kanonenfutter in die Schlacht zu schicken. Der Krieg ist ihnen recht. Nun, bei den Wahlen soll den Kriegs- Hetzern der Standpunkt deutlich klar gemacht werden! Die HuffalTung in frankrdeb. Paris, 9. Juli,(ig 83er.) Da das Ergebnis des gestrigen Ministerrats und die dem Berliner Botschafter mitgegebenen In- struktionen streng geheimgehalten werden, begnügt sich die heutige Preise hauptsächlich mit mehr oder minder glaubwürdigen Nach- richten aus dem Ausland und allgemeinen Betrachtungen, die teils auf eine belanglose Kannegießerei, teils auf eine weniger Harm- lose Stimmungsmacherei hinauslaufen. Zu denen, die Oel ins Feuer zu gießen beflissen sind, gehört natürlich der„Matin", der stille Leser fetrch eizieo.Akjistl ütze.r ditz Fleischjcue.rlltig chäUtzi-. nistisch zu präparieren sucht, die er hauptsächlich auf einen„Beute- zug" des ausgehungerten Deutschland, dessen Boden gerade noch zum Anbau von Kohl tauge, auf den französischen Markt zurück- führt.— In seiner Marokko-Rubrik bemüht sich der„Matin" namentlich, die Standpunkte der deutschen Diplomatie und der Diplomatie der Triple-Entente als derart unvereinbar hinzustellen, daß eine friedliche Lösung ohne den vollständigen Rückzug der deutschen unniöglich erscheint. Wenn er gestern als die unantast- baren Prinzipien, die der Verhandlung zwischen Paris und Verlin zur Grundlage dienen müßten, den Verzicht Deutschlands auf jede Landerwerbung in Marokko und die wirtschaftliche Gleichstellung Englands und Deutschlands in diesem Land hingestellt hat, so will er jetzt in Berlin erfahren haben, daß man dort die Wiedcrher- stellung des Statusquo ablehne und ein für allemal dem marokkg- nischen Wirrwarr ein Ende machen wolle, um nicht länger der Düpierte zu sein. Nun könnte das freilich auch besagen, daß Deutschland bereit sei, gegen entsprechende Kompensationen Marokko definitiv der französischen Schutzherrschaft zu überlassen. Aber der Petersburger Korrespondent desselben Blattes meldet, daß die deutsche Regierung der russischen erklärt habe, daß die Region von Sus nicht in die in Algericas und durch das Abkommen von 1999 anerkannte Einfluß» sphäre gehöre, daß also Deutschland das Recht, seine Bürger zu schützen, dort allein auszuüben befugt sei. Darum werde das Schiff solange dort bleiben, bis die deutschen Interessen außer Ge- fahr seien. Hierin will der Korrespondent die klare Forderung der Aufteilung Marokkos erkennen, was ja sicher z u weit geht. Wäre aber die deutsche Regierung wirklich dieser Auf- fassung, daß auf die Region von Sus die Verträge keinen 83ezug hätten, so stünde dies im Widerspruch mit der offiziösen, in der „Wiener Allgemeinen Ztg." veröffentlichten Information, wonach die Regierung ihren Anspruch darauf basiert, daß die Er- eignisse dieses Jahres die früheren Abmachungen bedeutungslos gemacht hätten. Denn wenn die Region von Sus von Anfang an von ihnen nicht berührt war, wozu mußten sie erst hinfällig werden, damit Deutschland dort intervenieren könne? Liegt der Wider- spruch in der Unzuverkässigkeit der Berichterstattung, in der diplo- matischen Intrige oder darin, daß die Diplomatie schließlich selbst nicht mehr weiß, was sie will?— Nebenbei, wie verant- wortungslos darauf losgeschmiert wird, wird durch die Ungeniert. heit illustriert, womit Sus einmal als ein von Hitze ausgedörrtes Land von fragwürdigem Wert, das anderemal— wie in der Petersburger Meldung deS„Matin"— ohne wej�ers als tue„reichste Provinz Marokkos" hingestellt wird. DaS alberne Bemühen der 83erliner Offiziösen und KoloniakM» den kalten Wasserstrahl aus London in eine höchst willkommene Beträufelung des deutsch-imperialistischen Hoffnungs« beets umzulügen, hat natürlich in England ein spöttisches Schmunzeln hervorgerufen, das man in Frankreich gerne vermerkt. Doch ist die Jingo-Presse. die in England dieselben sauberen Ge- schäfte besorgt wie ihre deutsche Gcsinnungsverwandte. offenbar besorgt, daß sich. die deutsche Regierung vernünftigerweise aus die Forderung wirtschaftlicher Vorteile zurückziehen könnte. Der Londoner Korrespondent des„PariS-Journal" verzeichnet, daß die Enthüllungen der Pariser Presse— d. h. vor allem des„Temps" — über gewisse deutsch.französische Verhandlungen finanzieller Art in Geschäftskreisen„keinen guten Eindruck ge. m a ch t" hätten. Besonders die„Times" suchen gegen diese Politik Stimmung zu machen und auf die Regierungen Frankreichs und Englands eine Pression auszuüben.„Paris-Journal" meint: „Jede Konzession, durch die Frankreich Deutschland Vorteile ge« währte, die das Prinzip der offenen Tür verletzte, würden in den industriellen und kommerziellen Kreisen jenseits des Kanals eine lebhafte Verstimmung hervorrufen."— Auf diese Kreise geht Wohl auch die Versicherung oder besser Drohung zurück, daß England, wenn in der heute ruhigen Region von Agadir„zufällig" Unruhen ausbrechen sollten, nicht zögern würde, aus seiner Reserve heraus- zutreten und sofort einen bedeutenden Teil setner Mittelmeerflotte zur Verteidigung seiner Interessen und seines Prestiges an der marokkanischen Küste des Atlantischen Ozeans zu entsenden. Hier kommt der Wunsch der englischen Scharfmacher, den Konflikt nötigenfalls ohne Rücksicht auf den Entente-Genossen zum Weltkrieg zu treiben, zu unvcrhülltem Ausdruck. Dagegen bietet der„Figaro" in einem Artikel, der wohl mit den in der französischen Regierung herrschenden Wünschen übereinstimmt, Deutschland eine Verständigung auf der Basis des Status quo an. Frankreich werde sehr bald seine Truppen aus Fes zurückziehen, warum sollte Deutschland nicht mit seinem Kreuzer in Agadir daS- selbe tun? Und ein zweiter Artikel über die„englischen Interessen in Marokko" hat die deutliche Tendenz, Deutschland den Nutzen wirtschaftlicher Konzessionen in Marokko plausibel zu machen, wobei die Bereitschaft, die den Engländern eingeräumte Vorzugsbehandlung gegebenenfalls auf die Deutschen auszudehnen, ziemlich deutlich wird. Der Artikel setzt auseinander, daß Eng- lav.d 1904 durch den Verzicht auf feine„vielleicht etwas unsicheren Rechte in Marokko" gegen die Einräumung völlig gleicher BeHand- lung im Handel außerordentlich profitiert habe. Namentlich sei die Zusatzbestimmung von Wichtigkeit geworden, die den englischen Waren den freien Durchgangsverkehr durch Algerien gestattete. Welche weiteren Vorteile würden künftig aus einer Bahn an die algerische Grenze und aus einer Bahnvcr- bindung zwischen Casablanca und Fes erwachsen! 1907 betrug der englische Handel in Marokko 25 Millionen, 1908 411h Mil- lionen, 1909 62 339 000 Fr. Er hat so den französischen i&eiWt fca ZW! Kl WSW At» betrug. In LssqMtis« ist er Stm 1908 bis 19öS bon 5 Bli ööö Fi-, aus 9 419 009 ffr. MW«. Dazu louuilcn die Anlagen in Immobilien, die in der�schauja auf 829 000 Fr. geschätzt werden, die sich aus 00 englische Häuser der- teilen, um Casablanca haben bie Engländer in Immobilien 1-102 000 Fr., während das französische Kapital in Immobilien in beiden Gebieten nur 1 7S0 000 Fr. beträgt. Nur in bezug auf landwirtschaftliche Anlagen steht Enaland zurück, was vielleicht ein Wink nach dem freien Platz ist. Der.Figaro" schließt, daß diese Resultate beweisen, daß Frankreich in Marokko un Interesse aller Kulturnationen arbeite. Was die.Kulturarbeit" der kapitalistischen Staaten anlangt, so wiffen unsere Leser, was sie davon zu halten haben. Aber es ist unleugbar, daß auch bei Aufrechterhaltung des Weltfriedens der Kapitalismus auf seine Rechnung kommen kann und daß auch die Rivalität des deutschen und des englischen Kapitalismus nicht auf dem Schlachtfeld ausgetragen werden muß. Ter Krieg um Marokkos willen wäre auch vom kapitalistischen Standpunkt ein um so größeres Verbrechen, als die im Gang befindliche Erschließung des westlichen und des inneren Asien den ExpansionS- bedürfnissen des Kapitals weitaus größere Perspektiven eröffnet als Nordwestafrika.< Die Xntemationalc gegen die Knegagcfahr. Ein Protestmeeting in Paris. Paris, 1t) Juli.(Privattelegraimn des„Vorwärts".) Der Generalrat der geeinigten sozialistischen Partei, der zu- saimnengetreten war, uin die Stellung der Partei zu der von der C. G. T. gehandhabten Sabotage-Taktik gegen das Altersversicherungsgesetz zu fixieren, nahm einen Antrag an, der die von der Seine-Föderation fiir Mittwoch einberufene Protestversammlung gegen die Abenteuer- V o l i t i k in Marokko gutheißt. Als Redner sind die Genossen Vaillant, Jaurds und P r e s s e n s 6 be- stimmt. Die deutsche Soziaide niokratie und die englische Arbeiterpartei werden eingeladen, eine V e r.t r e t u n g zu entsenden. Tie englischen Genossen gegen die Abenteuerpolitik. � London, 10. Juli.(P.-T.) Der Führer der englischen Sozialisten, Keir Hardie, erklärte, daß das Internationale Sozialistische Bureau sich klar und deutlich gegen jede Möglichkeit eines Krieges, der auS der Marokkofrage entstehen könnte, aus- gesprochen habe. Die sozialistischen Parteien der ganzen Welt werden ihr möglichstes t u n, um zu vermeiden, daß ein Konflikt zwischen Frankreich und Deutschland wegen Marokko ausbrechen könnte. Spanische Proteste. Barcelona, 10. Juli. lP.-T.) Die vereinigten Sozialisten und Republikaner haben hier gestern ein großes Meeting ab- gehalten, in dem gegen die spanische Intervention in Marokko protestiert wurde. Die Redner erklärten, daß Spanien so viel mit seinen inneren Verhältnissen zu tun habe, daß es besser wäre, sich nicht auf koloniale Abenteuer ein- zulassen. Neber 20 000 Personen nahmen an der Demonstrations- Versammlung teil. Die Union Foederaliste veröffentlicht ein Manifest gegen die Okkupation von Larrasch und E l k s a r durch Spanien. Große Erregung herrscht in Katalonien wegen der Haltung der spanischen Regierung m der Marolko-Angelegenheit. Spanische Sylvester-Streiche. Paris, 9. Juli. Aus Elksar wird berichtet: Trotz der auS Madrid ergangenen Gegenbefehle hat Oberst Shlvestce am linken Ufer deS LukkosfluffeS einen spanischen Posten errichtet, der sich auf eine längere Dauer einrichtet. Spanische Patrouillen zwingen samt- liche Einwohner, um 9 Uhr ihre Wohnmigeii aufzusuchen. Sie ent« waffnen alle Kaufleute, die zur Erledigung ihrer Geschäfte nach dem Innern de« Lande« reisen und Waffen trogen. Einen nach Suk ei Arbo reisenden Rekka hielten die Spanier eine ganze Nacht gefangen und sollen auch einen der Briefe geöffnet haben, die er bei sich führte. Die auS Fez cittfandteii 250 icherififchen Reiter find in der Stadt angekommen, in der lebhafte Unzufriedenheit herrscht, die in einen Ausstand auszuarten scheint. politische(leberlickt. Berlin, den 10. Juli 1911. Der gegenwärtige Stand der Reichsfinanze». Die verlogene Behauptung der konservativen und kleri- ralen Presse, der Abschluß der Neichshauptkasse fiir das Rechnungsjahr 1910 mit einem Ueberschuß von rund 117 Millionen Mark bedeute eine„glänzend e" Besserung der Reichsfinanzlage und damit zugleich der Reichsfinanzreform, wird, wie es scheint, selbst den Nationalliberalen zu bunt. Die „Magdeburgische Zeitung" bringt einen längeren Artikel des nationallibecalen Rcichtagsabgeordneten Dr. Görcke über die gegenwärtige Finanzlage des Reiches, der den Konservativen in ihre schöne Sektbowle recht bittere Wermuthstropfen gießt. Tr. Görcke schreibt: Bemerkenswert ist zunächst, daß die erivähnte Besserung des ReichshauShalteS nur mit rund 90,5 Millionen Mark den Mehreinnahmen, darunter S7,S Millionen ans Zöllen und steuern, zu verdanken ist, der Rest dagegen sich aus Minder- ausgaben herleitet. Ob diese bei dem Heere und der Flotte auf fortgesetzte Sparsamkeit oder auf ander« zufällige Umstände zurückzufuhren sind, läßt sich aus nackten Zahlen nicht erkennen, somit auch nicht, ob diese Minderausgaben al» dauernde oder nur diesmalige anzusehen sind. Von Bedeutung auch für die zukünftigen Etats ist aber fraglos der Ueberschuß von fast zehn Millionen Mark an Zinserfpatnissen, die hierin eine Entlastung auch für die nächsten Jahre erwarten lassen. Die Jahre 191!, 1912 und 1913 gehören für die Finanz- gebaruNg des Reiches aus verschiedenen Gründen zueinander. Denn einmal ist die gesamte Reichsfinanzreform auf Unterlagen aufgebaut worden, die sich aus den voraussichtlichen Anforde- rungen deS Jahrfünfts 1909 bis 1913 ergaben; dann aber wurden im besonderen die genannten drei Jahre dazu bestimmt, d i e große Schuldenlast zu decken, die in Höhe von 240 Millionen Marjk im Jahre 1909 vom Reiche übernommen wurde, um die Bundesstaaten von den Matrikularbeiträgen für dieses Jahr zu entlasten, soweit sie die Höhe von 80 Pf. auf den Kopf der Bevölkerung überstiegen. Es mag bei dieier Gelegenheit, um die ganze Misere der Reichs- finanzen in dem genannten Jahre noch einmal in die Erinne- rung zurückzurufen, bemerkt fein, daß bekanntlich außer jenen 240 Millionen Mark, die natürlich zunächst auf Anleihe ge- nommen werden mußtem fernere 282 Millionen zur Deckung der Jehlbeträge aus 1907 und 1908 und der gestundeten Matrikularbeiträge aus 1906 biS 1308 und dann noch 202,4 Millionen Mark zum Ausgleich des außerordentlichen Etat? geborgt werden mußten, so daß also die Schuldenlast deS Reiches in dem einen Jahre 10.09 gllxitl um tsni 229 Wiljiznes S&nl gnMKz., Professor©Sr'cfe sseljf 5ann«a?er aus die Ergebnisse der � letzten Jahresabschlüsse ein und stellt fest, daß trotz der im ' Etatsjahr 1910 erübrigten 117 Millionen Mark, von einer � wirklichen Schuldentilgung noch gar keine Rede sein könne: Es zeigt sich das am besten an dem Beispiele deS Abschlusses für 1910 selbst. Im Etat dieses Jahres war eine Summe zur Verminderung der Reichsfchuld nominell eingesetzt, aber tatsäch- lich, sie diente doch nur dazu, die Anforderungen des außer- ordentlichen Etats bis zu der gleichen Höhe zu decken, so daß sich die der Deckung durch Einnahmen entbehrende, also auf Anleihe zu nehmende Summe auf 148 Millionen Mark er» mäßigte. Um diesen Betrag sollte also etatmäßig die Reichs- schuld trotz aller„Schuldentilgung" im Jahre 1910 noch wieder vergrößert werden. Wenn nun sehr erfreu- licherweise entgegen dem Etat hinterher 117 Millionen Mark „Ueberschuß" erzielt sind, so heißt das, daß die Schuldsumme im Jahre 1910 nicht um jene 148 Millionen, sondern nur um 81 Millionen angewachsen ist. Also selbst dieser mit Recht an sich als„glänzend" zu bezeichnende Rechnungsabschluß hat uns nicht vor neuen Schulden bewahrt, ge- schweige denn etwas zu einer wirklichen Schuld- Verminderung übriggelassen. Zur Düsseldorfer Reichstagsnachwahl. Zu dein Beschluß der Düsseldorfer Liberalen Bereinigung, für die am 19. September ftattsindende Reichstagsersatzwahl keinen eigenen Kandidaten aufzustellen, schreibt unser Düsseldorfer Partei- vrgan, die„VolkSztg.": „Damit wäre also die nationälliberale Partei auS dem bevorstehenden Wahlkampfe im Wahlkreise Düsseldorf aus- geschieden. Daß etwa die Anfftellung einer anderen liberalen Kandidatur erfolgen könne, ist wohl ziemlich auS- geschlossen, da der Liberalen Bereinigung, die den vorstehenden Entschluß gefaßt hat, alle liberalen Gruppen Düsseldorfs von den rechtsstehenden Nationalliberalen bis zu de» Fortsckrittlcrn angehören. Eher ist die Möglichkeit vorhanden, daß sich aus den rechtsstehenden Parteigruppen im Wahlkreise Düsseldorf: Deutsche Vereinigung, Bund der Landwirte, positive Evangelische, und den rechtsstehenden National- liberalen eine U n te r st ü tz u n g s t r u p p e für daS Zentrum bilden wird, um dem Zentrum den Wahlkreis zu erhallen. Die Christlich-Sozialen, die sich den Spaß einer eigenen Kandidatur erlauben wollen, würden im Falle einer Stichwahl ja so wie so dem arg bedrängten Zentrunisturm zur Hilf« eilen. Nachdem aber der Liberalismus auf eine Wahlbeteiligung verzichtet, ist wohl schwerlich eine Stichwahl zu erwarten, denn daß der christlich- soziale Kandidat eine nennenswerte Stinimenzahl erhalten wird, glauben die Herren wohl selber nicht. Für die Sozialdemokratie ist'mit dem Ausscheiden der Liberalen aus dem Wahlkampfe wenig oder gar nicht« ge- ändert. Sie weiß, daß sie den Kampf allein durchzufechten hat. Nur insofern ist der Kampf vereinfacht, als die Partei- genossen mit der Aussicht auf sichere Entscheidung im ersten Wnhlgang in die Agitation eintreten können. Es gilt also, alle Kräfle anzuspannen, um da« Zentrum aus einer seiner rheinischen Hociiburgcn hinauszulverfen, um der Zenirnmpartei ihre vielfachen Versündigungen am Volksinteresse heimzuzahlen. Ein Staatsverbrechen. Vor einiger Zeit hatten fünf Volksschullehrer in Dresden eine sozialdemokratische Versammlung besucht. Darauf wurde von der vorgesetzten Schulbehörde geen sie eine Unter- suchung eingeleitet, die eine„Ermahnung" der fünf Hebel- täter zur Folge hatte. Diese aber nahmen die Rüge nicht demnts- voll hin, sondern erhoben gegen sie Beschwerde beim sächsischen Kultusministerium, dos jetzt die Beschwerde der Lehrer zurückgewiesen hat— und zwar mit folgender hochweisen Begründung: „Die oberste Schulbehörde ist weit davon entfernt, der Lehrer- schaft die mit ihrer amtlichen Stellung vereinbare Ausübung ihrer taatsbürgerlichcn Rechte irgendwie zu beschränken. Der Lehrer- schaft ist deshalb außerhalb ihre? Amtes weder im allgemeinen die Teilnahme am öffentlichen Leben noch insbesondere die Meinungsäußerung oder sonstige Betätigung auf politischem Ge- biete grundsätzlich irgendwie verwehrt. Allein diese politische Be- tätigung sowie überhaupt die Ausübung jener staatsbürgerlichen Befugnisse hat eine mit Uebernahme des AmteS von den Lehrern selbst übernommene Grenze in dem besonderen Treu- und Ver- trauensverhältnisse, das ihn gleich den Beamten mit dem Staate und dessen Oberhaupt c, sowie mit seinem Vorgesetzten verbindet und das seinen Aus- druck in dem AmtSeide findet." Unvereinbar aber mit diesem Amts- «ide, so fährt das Kultusministerium fort, ist„die Unterstützung aller Bestrebungen, die sich der bestehenden Staatsordnung mit bewußter Entschiedenheit entgegensetzen und auf ihren Umsturz ab- zielen". Es läuft daher den besonderen Pslichten des Beamten- und Lehrerstandcs zuwider, wenn ihre Betätigung auch nur den Anschein erweckt, als wenn ein Angehöriger dieser Stände sich jenen Zielen gegenüber„nicht scharf ablehnend verhalte". Wahlrechtskundgebungen haben auch noch in den letzten Tagen in verschiedenen Gegen- den Preußens stattgefundei?. Am Freitag protestierte die Arbeiterschaft von H a r- bürg und W i l h e l ni s b u r g in drei gutbesuchten Ver- sammlungen gegen die Entrechtung des preußischen Volkes und das frivole Spiel der Wahlrechtsfeinde. Referenten waren Genosse Leinert, die Genossi» Bosse aus Bremen und die Genossen Schubert und Winkelmann. Natürlich wurde von allen Rednern auch das Marokkoabenteuer gegeißelt. In N o r d h a u s e n fand am Sonntag eine sehr stark besuchte Protestversammlung statt, in der nach einein Referat des Genossen Dr. Cohn- Berlin die vorgeschlagene Reso- lution einstimmig angenommen wurde. Ueber die zahlreichen Protestversamnilungen. die am Sonntag vor allem auch im Rheinland stattgefunden haben, werden wir morgen berichten. Ein Harmonieapostel. Herr Georg Bernhard, Geschäftsführer der Ullstelnschen ZeitungSunternchmungen. schreibt im„PlutuS": ES ist töricht, daß die deutsche Arbeiterpartei bedauerlicher- weise auch diesmal die Situation so gar nicht erkennt und ihre Wählermassen zum Prot« st gegen den„kavitalistischen Imperialismus" ausruft. Ter R o h st o f f b« z u g ist aller- dings ein Problem zlinächst der kapitalistischen Wirtschaft. Aber von dieser kapitalistischen Wirtschaft(mag sie noch so ungcreibt. noch so verda»n»ienS>vert vom ethischen Standpniikt aus sein) lebe» auch die Rrbeitevmassen, auch für sie ist die Nlimeiitiermig unserer heimischen Industrie mit billigen Rohstoffen eine Lebens- frage." So ähnlich liest man's in der„Ahein.-Westf. Ztg.* auch. Nur nicht so dumm begrlliidet. Denn wenn man in daS Bernhardsche Geschreibsel Sinn hineiuliest, so kommt'S auf eine Wiederauflvärmung der alten Harmonieliigcn deS unter den Hieben LassalleS selig ent- schlafenen Bastiat hinaus. Daß Kapital erhält die Nrbeit und je besser eS dem Kapital geht, desto Vesser der Arbeit. Die deutschen Arbeiter müssen Marokko erobern, damit die ManneSmaiin-Mäinier billigere Erze und größere Profite haben. Denn dabei werden auch für „ihre" Arbeiter ein paar Brosamen abfallen. Daß die Arbeiterschaft diese Bettelpolitik längst mit Verachtung verabschiedet hgt, daß nicht die Ausbreitung kapitalistischer Alisbeiltimz,' sondern ihre Auf« Hebung den Inhalt ihrer Politik bildet und bilden muß, daS erscheint dieser von Herrn Oertel mit Recht geschätzten Leuchte der Handelsblattwissenschaft als bedauerliche Torheit. Man sieht, Intelligenz und Charakter stehen beim G. Bernhard auf gleichem Niveau. Die Ullsteinpresse(Geschäftsführer: G. Bernhard) schien zunächst gegen daS Marokkoabenteucr Front machen zu wollen. Sie fiel aber prompt um. Die„B. Z. a. Mittag" hetzt sogar ganz niedlich. Grund: das Geschäftsinteresse. Und zur Wahrung des Geschäfts ist der Bernhard bestellt._ Polizeipräsident und Vereinsgesetz. Wer annimmt, daß die Nichtbeachtung der rcich-vereinsgcsetz- lichen Bestimmungen nur in den � Gefilden der preußischen Land- rate an der Tagesordnung ist, befindet sich in einem schweren Jrrtuni. Jedenfalls hat der Polizeipräsident der Großstadt Kiel jetzt den Beweis geliefert, daß er ebenso kühn über das Reichsver- einsgesetz hinwegzuschreitcn versteht wie irgendein Landrat aus Poscmuckcl, wenn es sich darum Händelt, eine angeblich von sozial- demokratischer Seite drohende Gefahr zu bannen. Der Vorsitzende des sozialdemokratischen Vereins in Kiel, Genosse S ö h n k e r, hatte die Absicht, die Wahlrechtsvcrsammlung für Kiel unter freien, Himmel stattfinden zu lassen. Als Platz dazu war der große ein- gefriedigte Sport- und Spielplatz deS Lokals„Waldwiese" aus- ersehen worden. Unser Genosse stellte beim Kieler Polizeipräsi- deuten Herrn v. Schroeter den schriftlichen Antrag auf Gc- nehmigung der Versammlung. Ter Polizeipräsident verlangte dar- auf eine Bescheinigung darüber, daß dem Genossen Söhnke der Platz auch wirklich zur Verfügung stehe. Weil der Wirt des Lokals seine bindende Zusage gegeben hatte, war Söhnker nicht wenig erstaunt, als der Polizeipräsident ihm erklärte, der Wirt habe bei der Polizei ein für alle Mal erklärt, daß er nie sein Lokal zu sozialdemokratischen Ver- sammlungen hergeben werde. Wenn der Wirt unserem Genossen eine aitdere Erklärung abgegeben habe, müsse dieser erst eine schriftliche Erklärung beibringen, daß ihm der Platz zu einer Versammlung zur Verfügung stehe. Bald darauf erschien denn auch der Wirt der„Waldwiese" bei unserem Genossen und erklärte, daß er seine telephonisch gegebene Zusage zurückziehe. Er sei bereit, etwaige Versammlungen des sozialdemokratischen Vereins in seinem Lokal zu dulden, er sei sogar zu allein bereit, aber er habe eben ein Gespräch auf der Polizei gehabt, das ihn zwinge, wenn er nicht Gefahr laufen wolle, bei militärischen Veranstaltungen boykot- tiert zu werden, seinen Standpunkt zu ändern. Am 5. Juli erhielt dan-n Genossen Söhnker von der Polizeibehörde folgendes Schreiben: „Auf das Schreiben vom 3. Juli 5. I. teile ich ergebenst mit, daß ich keilien Anlaß habe, zu Ihrem Antrage auf Genehmi- gung zur Abhaltung einer öffentlichen Versammlung auf dem umzäunten Sportplatze des Etablissements„Waldwiese" Stellung zu nehmen, weil der Besitzer hierher mitgeteilt hat, daß er den betreffenden Platz sowie seinen Garten für politische Versamme lpngen unter freiem Himmel nicht zur Verfügunig stellt." � (gez.) v. Schroeter. tz Dieser Bescheid steht im Widerspruch zu den Bestimmungen deS Reichsvereinsgesetzes, denn danach hat sich die Polizeibehörde bei ihren Entscheidungen über Anträge auf Genehmigung von Ver- sammlungen unter freiem Himmel nur davon leiten zu lassen, ob durch die Abhaltung der Versammlung eine Gefahr für die öffent- liche Sicherheit eintreten kann. Nirgends steht im Vereinsgesctz ein Wort davon, daß die Polizei sich für die Bersammlungsver- anstalter die Köpfe zu zerbrechen hat, ob diese auch ein Lokal zur Verfügung haben. Wenn aber die Aussagen des Wirtes zutreffen, daß der Polizeipräsident dem Wirt für den Fall der Hergabe des Lokals wirtschaftlichen Schaden angedeutet hat in einer Weise, daß dieser sich dadurch in seiner Existenz bedroht gefühlt hat, dann ist das nicht nur eine schwere Verletzung des Vereinsgesetzes, sondern auch eine Ueberschreitung seiner Amtsbcfugnisse. Warum aber dieser Aufwand von Kraft und List gegen eine Wahlrechtsversammlung unter freiem Himmel, wo doch schon vor Jahresfrist eine solche m Kiel stattgefunden hat, und zwar auf eiuem ösfeutlichen, nicht umfriedigten Platze?, Im Kieler Polizeipräsidium denkt man noch heute mit Ingrimm an de» wuchtigen Protest des Kieler Proletariats im Jahre 1909 gegen den Besuch des russischen Henkerzaren. Die Versammlung fand auf demselben Platze statt, wo jetzt die vom Polizeipräsidenten verhinderte Wahlrechtsversamm- lung stattfinden sollte. Die Genehmigung dazu war in, Abwesenheit des Polizeipräsidenten von dessen Stellvertreter erteilt worden. Der wuchtige Protest der Kieler Arbeiter hat damals weit über die Grenzen Deutschlands hinaus gewaltiges Aufsehen erregt, und es ist anzunehmen, daß der Kieler Polizeipräsident eine gehörige Nase von oben bekommen hat, weil er diesen Protest gegen den Freund der deutschen Reaktion nicht verhindert hat. Wie dem aber auch sein mag: ob noch die Verärgerung über den gelungenen Protest gegen den Zaren mit hincinspielt, ob dem Polizeipräsidenten der Platz bei der„Waldwiese" als besonders gefährlich gilt oder ob er glaubt, der Wahlrcchtsbcweguug der Kieler Arbeiterschaft Knüppci zwischen die Beine werfen zu müssen, aus alle Fälle hat er sich einer groben Ueberschreitung seiner Amtsbefugnisse schuldig gemacht, und man darf gespannt sei», was der Minister des Innern dazu sagt. Die Wahlrcchtsbewcgung wird der Kieler Polizeipräsident natürlich durch seine Tat nicht aufhalten, sie kann durch solche nahmen nur gefördert werden. Aus dem Heylsche« Reiche. Der auS der nationalliberalen Reichstagsfraltion ausgetretene, sich aber iinmer noch nationalliberal neiinende Frhr. v. Heist zu Herrnsheim kann eS nicht verwinden, daß ihn der Abg. Dr. Sirese» mann in einer Versaminluilg in Mainz heftig angegriffen hat. Dem Abg. Stresemann kann der Gewallige von Worms aber nicht bei- konunen, deshalb läßt er seinen ganzen Zorn einen der TiSkussionS- redner in der fraglichen Bersaniniliing, den Rechtsanwalt Dr. Pagenstecher fühlen. Dieser war bis jetzt juriftiichcr Vertreter der Hehl- scheu Lederwerke und zog aus dieser Beschäftigung jährlich einen Berdieust von etwa 40 000 M. Abg. Heht zu Herrnsheim hat dem Rechtsanwalt Pagenstecher die juristische Vertretung nunmehr ent« zogen. Der Allgewaltige weiß aber auch zu belohnen. Eine Anzahl Wormser VolkSschullehrer hatten an einem KnrsuS des Reichs- Verbandes gegen die Sozialdemokratie teilgenommen»nd waren dieserhnlb scharf kritisiert worden. Wie min dem„Berliner Tageblatt" aus Worms geschrieben wird, hat Abg. Hehl zu Herrnsheim diesen Lehiern allerlei Nebenverdienste(durch Leitung von Gesang» vereinen usw.) zugewiesen.__ Beschießungen eines deutschen SchiffcS in Holland« Umuiden, 10. Juli. Als gestern der Dampfer.Alster*, nach Hamburg bestimmt, die hohe See gewinnen wollt« und dm Dampfer Rhnstroom, an dessen Bord sich ein'M i l i t ä r p o st e n befand, passierte, forderte der Posten die Alfter auf, halt zu machen. Da« Schiff folgte dieser Aufforderung nicht. Die Auf- forderung wurde daraus wiederholt, und als die„Alfter" auch jetzt nicht schnell genug stoppte, wurden auf sie ein Dutzend Schüsse abgegeben. Verwundet wurde niemand. Der Borsall ist aus ein Mißverständni» zurückzuführ», DaS Heiligste ist die Disziplitt. Mit tzlv e i Jahren und vierzehn TaZSii Ge- f ö n g n i S mutz der Trainsoldat Maltzahn eine Ausschreitung bützen. M. stand gestern wegen tätlichen Angriffs gegen einen Vorgesetzten mittels gefährlichen Werlzeugs sowie wegen ausdrücklicher Gehör- somsverweigerung und wegen Beharrens im Ungehorsam vor dem iCberlriegsgericht des dritten Armeekorps in Berlin. Auf der Stube, auf der M. mit den anderen Kameraden lag, pflegten die Mann- fchaften abwechselnd Stubendienst zu verrichten. Eines Morgens, als der Angeklagte an der Reihe war. legte er sich frühmorgens um vier Uhr zu Bett, weil er anderen Dienst während der Nacht verrichtet hatte. Um 146 wurde er von den vom Stalldienst zurück- kehrenden Mannschaften aus dem Schlaf geweckt und aufgefordert, Kaffee heraufzuholen. M. erwiderte grob, er habe ja keinen Stubendienst. Darauf befahl ihm der Stubenälteste, der Gefreite Krüger. Kaffee zu holen. Der Angeklagte antwortete jedoch dem Gefreiten, der als Stubenältester sein Vorgesetzter war, er solle nicht so quatschen, er habe ihm gar nichts zu sagen. K. wiederholte noch einige Male den Befehl, doch mit demselben Mitzerfolg. Der Angeklagte äutzerte dann, er wolle sich erst anziehen. Er ging an den Waschtisch heran und nahm eine Waschschüssel in die Hand. Als jetzt der Gefreite noch einmal den Befehl wiederholte, nahm M. die Schüssel und schleuderte sie dem Stubenältesten ins Gesicht. Der Gefreite trug mehrere Verletzungen im Gesicht davon. In der Verhandlung behauptete der Angeklagte, er sei von seinen Kameraden und dem Stubenältesten drang- saliert worden. Einmal habe er vor dem Gefreiten tanzen, ein anderer Mal lebende Bilder machen müssen und be» einer anderen Gelegenheit habe man ihn im Stall„aufgehängt". Das Gericht verurteilte ihn, wie schon erwähnt wurde, zu der hoitxMll Strafe ton zwei Jahren und vierzehn Tagen UefhngniS. Wieder ein Spionageprozest. Das Reichsgericht verurteilte den Tagelöhner Hoferer wegen Versuchs der Spionage nach§ 3 deS Spionagegesetzes zu einem Jahre und sechs Monaten Zuchthaus. Diese Strafe wurde mit der noch unverbützten Vorstrafe von acht Monaten und zehn Tagen Gefängnis in eine Gesamtstrafe von einem Jahre und zehn Monaten Zuchrhaus verwandelt. Autzerdem wurde auf fünf Jahre Ehrverlust und Znlässigkeit der Polizeiaufsicht erkannt. Dem Angeklagten wurden auf Grund seines vorher abgelegten Geständnisses mildernde Irinstände zugebilligt, doch war seine Tat noch immer so schwer zu beurteilen, daß man nicht auf eine Gefängnisstrafe erkennen, und man sich nur auf eine geringe Zuchthausstrafe beschränken konnte. Militärischer Burcankratismus. Die.Franks. Ztg." erzählt folgenden kuriosen Fall aus dem Wirkungsfelde des militärischen BureaukratiSmns: Ein Regiment hat vor einem Jahre für Fouragierleinen 1,00 M. bezahlt. Im Mai 1011 stellt die Intendantur fest, daß diese Leinen nur 1,S0 M. kosten..Mithin sind 10 Pfennig zuviel gezahlt. Von einem Ausgleich kann abgesehen werden." DaS ist der Weisheit Schluß aus der Tatsache, und die Reichskasie behält 10 Pf. Damit aber alle Welt von diesem freudigen Ereignis Kunde bekommt— .alle Welt", will heißen, die interessierten Dienststellen ist folgender Kräfteaufwand nötig: Bei der Intendantur: Der expedierende Beamte entwirst auf Konzeptpapier die Verjügung............ 1 Person Der Kanzlist stippt sie säuberlich auf Kanzleipapier 1 0 Der höhere Beamte unterschreibt den Ukas... 1 0 Eine Ordonnanz— zählt nicht— schleppt das Ding zum Registrator, der mutz es als»Faktum" in sein.Journal" eintragen......... 1» Der absendende Beamte kuvertiert es...... 1» Die Ordonnanz— als Besorger zur Post— zählt nicht, die Post, als Mädchen für alles, auch nicht. Leim Regiment angekommen: Der Adjuiant öffnet und»präsentiert" da? Dokument 1 0 Der Registrator trägt es als„Faktum" ins.Journal" 1» Der Zahlnieister sorgt für weitere Bearbeitung.. 1» Der NegimentSlommandeur vollzieht die»Umlauf» Verfügung.............. 1 a Nun geht die Reise— nachdem jene mehrmals die Registratur passiert hat— zum Major beim Stabe, als Mitglied der BelleidungS- tomniission............... 1» An 5 EskadronS-ChefS und zu der...... 5» Sektion II, da nimmt sie wiederum der Zahlmeister zur Kenntnis............. 1» Der Registrator trägt nach der Rückkehr der Vorfüh- rung das mit charakteristischen NamenSzügen ver» fehene Dokument als.Faktum" ins.Journal'. 1» Bis es ad acta.geschrieben" wird, zur ewigen Ruhe, sind Komplikattonen nicht ausgeschlossen. So geschehen im Jahre 1011. Dabei sind hier nur die Haupt- Personen gerechnet; je 6 Wachtmeister und Ordonnanzen sind nicht mitgezählt. So sind also 17 Personen wegen einer Summe von 10 Pf. in Tätigkeit gesetzt worden. Diese Musterleistung der Lureaukratie ist gewiß nicht zu über» treffen._ franhrcfcb. Gegen die willkürlichen Verhaftungen. Paris, 10. Jult. Die Sekretäre des Bauarbeiter» f v n d i k a t S Daritaud, Man und Tumont, bei denen in den letzten Tagen wegen der antimilitaristischen Umtriebe Haussuchungen vorgenommen wurden, sind gestern verhaftet worden. Der VerwaltungsauSschutz des vom Bauarbeitersyndi- k a t begründeten„Sou du soldat" hat an den Untersuchungsrichter ein Schreiben gerichtet, in dem er gegen die Verhaftung E i n- s p r u ch erhebt. Er erklärt, datz diese nur Beschlüsse des Syn- dikatsauSschusses ausgeführt haben. Tie Mitglieder des Aus- fchuffc«, die für die Handlungsweise der Verhafteten verantwort- lich seien, verlangten, datz der Untersuchungsrichter guch gegen sie die strafrechtliche Verfolgung einleite. Sabotagc-Gerüchtc. Pari», 10. Juli. Bei Saen verhaftete die Gendarmerie einen Gemüsehändler und einen Tagelöhner, die auf die Schienen der Westbahnlinie bei Serquigny ein Dutzend grotze Sie in e legten. In Prüde bei Perpignan wurde ein spanischer E r d- arbeiter fe st genommen, der beschuldigt wird, die Drähte per elektrischen Leitung des im Bau begriffenen Tunnels der Transpyrenäenbahn durchgeschnitten zu haben. In der letzten Nacht sind die Telephon- und Telegraphendrähte längs der Strecke Nancy— Neuf Chäteau an drei Punkten zerschnitten worden. Bekanntlich verurteilen alle Partei- und GewerlschaftS- führer Frankreichs solche dummen Bubenstreiche auf das euer- gischesle. ES ist jetzt auch festgestellt, datz die Ent�lleisung des Schnellzugs jv Havre mit Sabotage nicht in Zujammenhang stand.. i_*-1 Eine Nachwahl, m Parts, 10. Juli. Im Departement Seine et Oise. ist anstelle VeS verstorbenen Kriegsministers Berteaux der Agdijake Sauceat im Sitiuiititta tmina»- Cürfeet! ® Tllr Ausstand in Slflmmctt. 1 ' Wieck, 10. Juli. Die aus Albanien hier vorliegenden Mel- düngen sind widerspruchsvoll. Eine aus Cetinje hier eingetroffene amtliche Meldung besagt, datz der Aufstand der Albanesen im Wachsen begriffen ist, da die Anfständischen den Versprechun- gen der Pforte keinen.Glauben schenken. Auch der T a s k e n st a m m habe sich erhoben. Dagegen wird Zoffiziell behauptet, datz in der Gegend von Korytza und anderen südalbanischen Orten dix Er- regung is Zchwinden begriffen zu sein scheitst, pcrfien. Neue Wirren. London, 10 Juli. Wie die Times aus Teheran meldet, ist dort die Lage infolge neuer Aufstände schlecht. Der Gouverneur von S ch i r a s drohte, heute einen Stadtteil beschietzen zu lassen. In K e r in a n s ch a h hat die aufrührerische Wenge Vehrere RegicUpgsgMude zerstört. Amerika. Aufstand in Südmexiko. Oaxaka(Mexiko), 10. Juli. In O c o t l a n ist es in der letzten Stacht zu einem p o l i t i s ch e n A u f st a n d gekonimen, in dessen Verlauf elf Personen getötet und fünf- zehn verwundet wurden. Der Mob griff die Geschäfts- Häuser an, von denen eines, das einer englischen Firma gehört, die englische Flagge hißte. Trotzdem wurde das Haus an- gegriffen, jedoch nur geringer Schaden verursacht, Truppen stellt� die LidiMg wieder her. � Hus def partei* Bon der euglischk» Parteipresse. Man schreibt uns an? London: Schon feit einigen Monaten trägt sich Genosse Keir Harbie mit dem Gedanken, ein sozialistisches Tageblatt in England zu gründen. Das Projekt ist von ihm mit Eifer propagiert worden, so daß der zur Gründung de? Blattes gesammelte Pressefonds bald eine beträchtliche Summe aufwies. Die erste Nummer der Zeitung sollte zuerst am ersten Mai diese« Jahres erscheinen. Die Veröffentlichung wurde jedoch wegen verschiedener Umstände hinausgeschoben. Auf der Osterkonferenz der I. L. P. wurde be- schlössen, die ZeitnngSfrage dem Partcivorstande zur Beratung zu überweisen. Dieser setzte einen Ausschuß ein, der zu dem Ent- schluß kani, daß die I. L. P. nicht stark genug sei, um ein Tage- blatr ins Leben rufen zu können. Er setzte sich daher mit dem Vorstand der Arbeiterpartei in Verbindung, der auch die Gründung eines Tageblattes in Aussicht genommen hatte und sich bereit er- klärte, mit dem Vorstand der F. L. P. gemeinschaftlich vorzugehen. Nun zog sich Keir Hardie, der die Gründung eines sozialistischen, von der I. L. P. kontrollierten Blattes im Auge hatte, von den, Unternehmen zurück. Die sozialistische Tagespresse, die in England so notwendig ist, wird demnach noch lange auf sich warten lassen, wenn nicht die S. D. P. mit ihrem Zeitungsprojekt bald auf dem Plane erscheint. Ob das Tageblatt, das die Politik der Arbeiterpartei vor der Oeffentlichkeit vertreten soll, bald ins Leben gerufen werden wird, ruht auch noch im Sckiotze der Götter. Es beißt, daß von dem Griindungskapital <100 000 Lslrl.) schon 20 000 Lstrl. gezeichnet worden ist. DaS Geld wird wohl den Kassen der Gewerkschaften entstammen, die auf die Aufhebung des Osborneurteils warten, um das ZeitungSprojekt ver- wirklichen zu können._ Bei den Stadtratswahlen in Frciburg in Bade» wurden zwei unserer Genossen. Engler und Grumbach, gewählt. Mit ihnen ziehen die ersten Sozialdemokraten in den Freiburger Stadt- rat ein. Die Schwindsucht der Arbeiter, ihre Ursachen, HSufigkeit und Berhütung. Die unter diesem Titel erschienene Broschüre von Professor Dr. Sommerfeld hat einen seltenen literarischen Erfolg zu verzeichnen. Die Tatsache, datz die 80 000 Exemplare der ersten Auflage bereits in einem Zeitraum von ettva vier Mo- naten vergriffen sind, spricht wohl am beredtesten für den Wert der Schrift, die sich sowohl durch den gediegenen Inhalt, sowie durch die vorzügliche Art der Tarstellung auszeichnet und einen wert. vollen Wegweiser für joden werktätigen Arbeiter darstellt. Von dixsem Gesichtspunkte aus empfiehlt es sich wohl, datz auch die- jenigcn Arbeitervereine, die sich an der Verbreitung der Broschüre bisher nicht beteiligt haben, die Broschüre ihren Mitgliedern zu dem billigen Preise der Volksausgabe(20 Pf.) zugänglich machen. pollrettickes, 0ericbtl(cbea ufw. Erfolglose Haussuchung. In der Redaktion deS.Volksboten" in Z» i tz suchte die Polizei allerdings vollkommen erfolglos, nach dem Manuskript eines Artikels, in dem Arbeitswillige beleidigt worden fein sollen. DaS gleiche Resultat hat die Durchsuchung der Wohnung des Redakteurs unseres dortige» Parteiblattes ergeben. Iiigenäbewegiing. Deutsch-nationale BlldungSarveit an der Jugend. In der antisemitischen Presse war dieser Tage zu lesen: .Eine Nachtgefechtsübung veranstaltet in der Macht von Sonnabend, den 3.. auf Sonnlag, den 0. Juli, in der Lüne- burger Heide, und zwar in der Nähe deS bei Jsteburg belegenen Hundsbergeö, die Lehrlingsabteiluiig Hainburg-Attona imDeuts-b- nationalen HandlungSgehifen-Berbande. Die Führung de» Kriegspiels liegt in den Händen zweier aktiver Feld« webel vom Jnfanterie-Regtment Nr. 70, Hamburg. Jeder Kauf- mannSlehrling in Hambnrg-Altona kann"sich daran.beteiligen. Genauere Mitteilung gibt auf Wunsch usw." Durch solche KriegSspieleretcn werden die jungen Kaufleute zu würdigen Mitgliedern für den deutsch-naltonalen Handlungsgehilfen- Verband gedrillt. AIS solche brauchen sie nur kritiklos Hurra zu schrSien und auf Kommando.Deutschland, Deutschland über alleS" zu gröhlen. Mehr ist in dieser»modernen" Berussorganisation nicht nötig._ Huo Industrie und RandcL Koniwucherei in Finnland. Unser sinnländischer Mitarbeiter schreibt unS: Obgleich das GroßsÜrftentum Finnland vorwiegend als Agrar« land angesehen wird, kann es schon lange nicht mehr den eigenen Kornbedarf decken. Es scheint fast unglaublich, aber die Statistik zeigt, daß bis 1003 nur etwa 10 Proz. de« finnischen Bodens in Anbau genommen waren. 4.7 Proz. als Acker- und 3.0 Proz. als Wicsenland. Hunderttausende Landarbeiter mit ihren Familien ziehen Jahr aus Jahr ein vergeblich arbeitsuchend im Lande um- her. Die Agrarverfassung Finnlands verhindert ihre Besckäftigung, die Ausdehnung rationeller Agrarkultur auf das unermeßliche Brach- land. Der Boden gehört einer kleinen Anzahl von Privatbesitzern, die ihn selber nicht in Anbau nehmen können oder wollen, und ihn anderen nicht geben, weil eö ihnen vorteilhafter erscheint, mir dem Boden zu schachern. DaS ist der Grund dcS ständig wachsenden KornimportS inZ Finnland, der sich 1010 auf 74.8 Millionen giimländische Mark belief.- Russisches Siosa s begünstigt dmch bis Nähe~ beherrschte anfangs nakilrgematz teil Markt. In der letzten Zeit seit Ein» sührung der famosen Koritanssiihrprämicii in Deutschland— macht deutsches Korn dem russischen starke Konkurrenz. 1389 betrug die Einfuhr aus Rußland 230100 Tonnen Korn und 104 000 Tonnen Mehl. 1909— also nach 20 Jahren— waren die entsprechenden Zahlen beider Einfuhrprodukte 108 000 und 03 000 Tonnen. In derselben Zeit war aber der gesainte Kornimport Finnlands unr 210,7 Proz. gestiegen. 188S wurde aus Deutschland nach Finnland ausgeführt: 35 000 Tonnen Korn und 2 000 Tonnen Mehl, 1000 aber 108 000 Tonnen Korn und 70 000 Tonnen Mehl. Finnland ist zwar kein sehr großes Absatzgebiet für Rußland, indessen ist eS groß genug, um die russischen Kornhändler wegen der deutschen Konkurrenz in Harnisch zu bringen. Auf ihrem kürzlich stattgefundenen Kongreß haben sie beschlossen, von dem Ministerium zu verlangen, daß FinnlandieZ Liifirt sltt Namen beS Vorstandes und des Verbandes sck schärfster Weise zurück. Wahr ist lediglich, daß ein einziges Mit- alied in einem einzigen Falle im Februar 1919 ein Inserat an jene Zeitung gegeben hat; niemals aber hat eine Einkaufsvereinigung oder eine Zahlstelle des Verbandes in diesem oder einem anderen Unternehmerorgan inseriert. Der Verband hat vielmehr auf seiner Generalversammlung in Köln ausdrücklich beschlossen, nur bei Unternehmern einzukaufen, die vor allem die tariflichen Löhne und anständige Arbeitsbedingungen gewähren. Litfin ersucht erneut die Delegierten, in allen Zahlstellen dahin zu wirken, daß die Gast» Wirte durch ihren Einkauf mit dazu beitragen, den Forderungen der Arbeiter bei den Unternehmern Geltung zu verschaffen. Am Mittwochmorgen wurde in die Verhandlungen eingetreten. Der Geschäftsführer Gienkc-Berlin erstattete den Kassenbericht. Die Bilanz der Hauptkasse weist eine Einnahme von 126 646, 33 M. auf, eine Ausgabe von 107 592,70 M. Das am Anfang des Ge- schäftSjahres vorhandene Vermögen betrug 56 919,07 M.; hierzu die im verflossenen Jahre erzielte Mehreinnahme von 18 953,63 M., er- gibt ein Gesamtvermögen in der Hauptkasse von 75 872,70 M. In den Zahlstellen befinden sich 17 304 M. Gienke meinte jedoch, daß diese Summe sich bestimmt auf 20 000 M. erhöhen würde, wenn alles richtig angegeben würde. Die Hauptkasse leistete an Sterbe- Unterstützung für Männer 10 025 M., für Frauen 6050 M. Diese Summen verteilen sich auf 68 Kollegen und 32 Frauen in 11 Zahl- stellen. An Eztraunterstützungen leistete die Hauptkasse 4115 M., an Rechtsschutz 9306,87 M., für Agitation wandte sie 4008,79 M. auf, für die ausgesperrten Bauarbeiter 1009 M. Aus der gedruckten Abrechnung des Geschäftsführers geht her- vor, daß der Verband am 31. März dieses Jahres in III Zahlstellen vertreten war, außerdem besaß er Einzelzahler. Auf dem vor- jährigen Verbandstage in Linden betrug die Mitgliederzahl 5094; im verflossenen Geschäftsjahr wurden 1276 neu ausgenommen, durch den Tod verloren gingen 68, der Mitgliederbestand am 31. März 1911 betrug 5415. Die Fluktuation im verflossenen Jahre betrug also 887, die Mitgliederzunahme 321. Der allgemeine Bericht beS VcrbanbSvorfitjenben; Litfin handelte zum größten Teile über die verschied'enariigstcn Differenzen der einzelnen Zahlstellen, teils mit Behörden, teils mit Parteigenossen u. a., in denen der Vorstand eingreifen mutzte. Fast alle diese Fälle haben nur für die Verbandsmitglieder besondere Bedeutung, für die breite Oeffentlichkeit sind sie von minderem Interesse. In einer ganzen Reihe weiterer Fälle hat der Vorstand einspringen müssen, wo es sich darum handelte, kommunale Be- lastungen für die Mitglieder abzuwehren, wie sie ihnen die ver- schiedensten Stadtverwaltungen in Gestalt von Lustbarkeitssteuern aufzuhalsen versuchten. In einer Reihe von Städten ist es ge- lungen, den Versuch der Stadtverwaltungen abzuwehren; in ande- ren Orten müssen die Kollegen neben den Lasten der Neichsfinanz- reform diese neuen Lasten noch tragen. Einen breiten Raum in den Debatten über den Borstandsbericht nahm die Erörterung von Beschwerden und verschiedenen inneren Zwistigkeiten ein, die besonder- einzelne Mitglieder der Zahlstelle Berlin berühren. Für die Oeffentlichkeit von Interesse sind die Ausführungen, die v. d. Heyden- Köln über die verheerenden Wirkungen der ReichSfinanzreform auf das Gastwirtsgcwerbe machte. In Köln sind seit Einführung der Finanzreform schon 50 Häuser mit Wirtschaftsbctrieb subhastiert worden, und eine viel. leicht noch größere Zahl von Wirten, welche zur Miete wohnten, geben wegen des Rückganges der Prosperität ihr Geschäft auf. Die Debatte wurde durch Schlußantrag beendet, nachdem 24 Diskussionsredner zu Wort gekommen. Darauf hielt G i e r m a n n- Nürnberg ein sehr instruktives Referat über daS Einkaufs- und Produktivgenossenschaftswescn im Berbande. ES ist dies eine der wichtigsten Fragen im Verband, bei der eS sich darum handelt, auf dem Wege der genossenschaftlichen Betäti- gung sich gegenseitig Erleichterungen zu verschaffen. Die positiven Vorschläge, die der Redner zur Forcierung der ganzen Angelegenheit machte, sind in den folgenden von ihm einge. brachten Resolutionen niedergelegt: „Es ist eine ständige fünfgliedrig» Kommission zu wählen, die alle Quartale einen gedrängten Situationsbericht im Verbands- organ und alljährlich auf dem Verbandstag einen Jahresbericht zu geben hat über die EntWickelung und Förderung des gemein- samen Warenbezuges und genossenschaftlichen Einkaufs. Ferner soll die Zentralisation eines Warenaustausches von der Kommission vorbereitet und dem nächsten Verbandstag prak- tische Vorschläge gemacht werden. Die Kommission ist auf dem Verbandstag selbst zu wählen und hat ihren Obmann selbst zu ernennen. Die EinkaufSkommissioncn aller Zahlstellen sind verpflichtet, alles verfügbare Zahlen- und Entwickelungsmaterial dem Ob- mann zuzusenden zur agitatorischen und organisatorischen Vcr- Wendung." „Der Verbandstag empfiehlt den Mitgliedern aller Zahl- stelle möglichsten Anschluß an die bestehenden Konsumvereine und Genossenschaftsbrauereien und energische Ausdehnung der be- stehenden Einkaufsgenossenschaften." Ferner wurde noch folgende Resolution angenommen: „Der 6. ordentliche Verbandstag des Verbandes der Freien Gast- und Schankwirte Deutschlands beauftragt den Hauptvor- stand oder die zu gründende Kommission, Erhebungen anzustellen, ob in unseren Zahlstellen Kollegen vorhanden sind, welche sich mit Zeichnung von 10 M. als Betriebsmittel zur Gründung einer Einkaufszentrale, welche in der Mitte des Deutschen Reiches liegen muß, einverstanden erklären." MS Mitglieder der Kommission zur Förderung deS gemein- samen Wareneinkaufs wurden Müller- Leipzig, G r ö n- wold- Hamburg, v. d. Heyden- Köln, Brandt- Frankfurt a. M., M a t t h e s- Berlin gewählt.' F l e g e r- Straßburg referierte sodann über den paritätischen Arbeitsnachweis und fand folgende Resolution Annahme: „Der 6. Verbandstag in Halle erklärt eS als eine zwingende Notwendigkeit, daß für das Gast- und SchankwirlSgewerbe städtische paritätische Arbeitsnachweise errichtet werden. Um diese lebensfähig zu machen, müssen die Zuschüsse aus städtischen Mitteln so bemessen sein, daß die zur Zahlung Verpflichteten nicht über ihre Kräfte in Anspruch genommen werden." Den Bericht der StatutenberatungSkommisfi»» gibt M a t th e s- Berlin. Er betont, daß auch diesmal der§ 2 deS Statuts Apolitische Organisation der Mitglieder bei der Sozial- demokratie) eine Rolle spielte. Die Kommission empfahl nun mit 5 gegen 3 Stimmen, die Bestimmung, daß nur Mitglied werden kann, wer auch politisch in der sozialdemokratischen Partei organisiert ist, zu streichen. Die namentliche Abstimmung über diesen strittigen PassuS ergab, daß derselbe in seiner jetzigen Form bestehen bleibt, daß also nach wie vor nur Mitglied werden kann, wer sich in der sozialdemokratischen Partei organisiert.— Beschlossen wurde, eine Revision deS§ 2 für den nächsten Verbands. tag vorzubereiten. Mit Rücksicht auf diesen Beschluß gab der größere Teil der süddeutschen Delegierten die Erklärung ab, daß sie den in Süddeutschland sich bemcrfbar machenden Bestrebungen zur Grün- dung einer Sonderorganisation nach Kräften entgegentreten werden. Ferner wurde beschlossen, daß Mitgliedern, die kein Geschäft betreiben, auf ihren Antrag der Beitrag aus e i n e Mark ermäßigt werden kann.— Di- som'ligen Beschlüsse beziehen sich auf die Re- Organisation der Kontroll, und Pretzkommission; ferner wurde der zwischen dem Verband und der Mannheimer Versicherungsgesell- schaft abgeschlössene V«rstcherungSvertrag sanktioniert. Ebenfalls Wurde der Annvncenvcrpachtung im Organ„Friste; GastSÄ" an- geflirnm?.— Äus ÄnIraZ Fee Leipziger Deicgaiion firnrFe Eds schlössen, für die Frauen eine monatliche Beilage herauszugeben. Ferner wurde bestimmt, daß der Posten deS Redakteurs von dem des ersten Vorsitzenden getrennt werden soll, d. h. Redakteur und Vorsitzender darf nicht ein und dieselbe Person sein. Die Anträge auf Einführung einer Krankenkasse und ecnev PcnsionSkasse im Verband wurden dem Vorstand überwiesen.— Der nächstjährige Verbandstag soll in Frankfurt a. M. stattfinden. Dann wurde beschlossen, den ersten Vorjitzenden mit einem Grundgehalt von 3000 M. fest anzustellen. Als erster Vorsitzender wurde Litfin einstimmig gewählt.— Der Sitz des Ausschusses wurde in Hamburg belassen.— Das abgeänderte Statut tritt mit dem 1. Oktober in Kraft. Zum Punkte: „Die bevorstehenden ReichStagSwahlen und die Wirte" erhob der Verbandstag in einer scharf begründeten Erklärung Präs test gegen die die Gastwirte so ungeheuer schädigende Reichs- finanzreform. Bei der nächsten Reichstagswahl soll mit alle» Kräften auch unter den bürgerlichen Wirten agitiert werden, daß sie ihre Stimme einem Sozialdemokraten geben, da nur die sozial- demokratische Partei die Interessen des Wirtsgewerbes gewahrt hat. Ein weiterer Protest richtet sich gegen die von einer ganzen An- zahl von Städten versuchte und zum Teil beschlossene Einführung von Lustbarkeitssteuern, kommunaler Biersteuern usw. Damit waren die Arbeiten des VerbandStages erledigt.— Der Vorsitzende schloß denselben mit einem dreifachen Hoch auf best Verband und die Sozialdemokratie.--■-- Soziales« Internationale BersicherungSkongresse 1911 und 1912. Das Deutsche Komitee für internationale Sozialversicherung veranstaltet aus Anlaß der Internationalen Hygieneousstellung am 15. und 16. September d. I. in Dresden eine besondere Konferenz, Die Beratungen werden sich auf folgende Punkte beziehen: Maßnahmen zur Verhütung von Betriebsunfällen, Gewerbe- krankheiten und Volkskrankheiten; Methoden des Heilderfahrens bei Betriebsunfällen, Gcwerbekrankheiten und Volkskrankheiten; Verbindung staatlicher Zwangsversicherung und freier Privatver- sicherung nach den bisherigen praktischen Ergebnissen und die Mag- lichkeit weiterer Fortcntwickelung zu wechselseitiger Ergänzung und Vervollkommnung. � Die Teilnahme an der Konferenz wird auf die Mitglieder der nationalen Komitees und die Mitglieder der internationalen Ve» einigung für Sozialversicherung beschränkt... �„ Der nächste allgemeine Kongreß für Sozialversicherung findet 1913 in Washington oder New-Uork statt. Der 7. Internationale Kongress für BersicherungSWissenschas« wird in Amsterdam vom 2. bis 7. September 1912 abgehalten. Deutscher Geschäftsführer für beide internationale� Veranstal« tungen ist der Generalsekretär de? Deutschen Vereins für Versichc- rungswissenschaft. Professor Dr. ManeS, Berlin\V. 50, Präger Straße 26."-________ Gerichts-Zeitung« Erzählungen am Toilettentisch. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit, aber unter Zulassung der Presse wurden auch am Sonnabend die Verhandlungen vor dem Mün« chener Schwurgericht gegen Dr. Semerau geführt. Erwähnenswert sind folgende Punkte. Ein Geschworener— die 12 Geschworenen wohnen durc�veg nicht in München, sondern in seiner Umgebung — überreichte dem Staatsanloalt einen Zettel folgenden Inhalts: „Wir haben strenge Schutzmaßregeln gegen die Verbreitung von Viehseuchen. Dürfen wir zusehen, daß wir gegenüber der morali« scheu und körperlichen Verseuchung de? Volkes— unsere Kinder— so durchlöcherte Gesetze haben? Wie wenig gemeingefährliche Ver« brecher werden unschädlich gemachtl" Der Angeklagte suchte dar« zulegen, er Hab« mit seinem Werke kulturhistorische Zwecke der« folgt, die Sittenverderbnis vor der großen französischen Revolution zur Anschauung bringen wollen. Dem hält der Staatsanwalt gegen- über, nichts in den Werken spreche dafür. Sie enthielten lediglich Schmutz, unzüchtige Darstellungen, lediglich in der Absicht, lüsterner Geilhert zu dienen. Die Berteidiger beantragten, den Geschworenen nicht nur die zur Anklage gebrachten Werke, sondern auch anders erotische Werke zur Ansicht vorzulegen, deren Verfasser ohne An» klage geblieben oder freigesprochen sind. So ein von ersten japan» schen Künstlern geschaffenes, bei Piper in München erschienenes Mappenwerk und die allseitig als kulturhistorisch höchst werrvolt anerkannten Werke von Eduard Fuchs„Das erotische Moment in der Karikatur" und dessen Sittengeschichte. Das Gericht lehnte diese Anträge ab. Bei der Betrachtung und Verlesung der zur Anklaga gestellten Werke bringen mehrere Geschworene deutlich ihre Gefühle des Ekels zum Ausdruck. Tie Sachverstand, gen kamen durchweg zu dem Ergebnis, daß die zur Anklage gestellten Schriften und Abbildungen in höchstem Grade gemein, roh und arobunzuchtig, sind und eines kulturhistorischen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Charakters entbehren... Der Wahrspruch der Geschworenen lautete auf schuld««, da« Gericht verurteilte den Angeklagten zu 8 Monaten Gefängnis sowie auf Einziehung und Vernichtung der beschlagnahmten Schweine- reien. Von der Gefängnisstrafe wurde ein Monat als verbüßt er- achtet. Der Staatsanwalt hatte 6 Monate Gefängnis und 1000 M. Geldstrafe beantragt. Das Urteil ist auS der lediglich auf SinneSkitzel und Gelderwerb, gerichteten Tätigkeit des Angeklagten und aus der von diesem und seinem Mitschuldigen unternommenen Flucht erklärlich. Das„Tagebuch beS jungen Flaubert" vor Gericht. Gestern hatte sich vor der 1. Strafkammer des Landgerichts I wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften, begangen durch die Ver- öffentlichung einer Uebersetzung dcS auS den Jahren 1849 bis 1851 stammenden Tagebuchs deS bekannten französischen Dichter? Flaubert, der Verleger des„Pan", Paul Eassierer und der der- antwortliche Redakteur dieser Zeitschrift, der Schriftsteller Wtl- Helm Herzog, zu verantworten. In der Nr. 6 der Zeitschrift„Pan" vom 16. Januar erschien eine Uebersetzung des„Tagebuchs des jungen Flaubert", in welcher dieser eine Schilderung seiner Eindrücke auf seinen Reisen Mai- land, Como, nach Aegypten und nach Rom(1351) gibt. Der da» mals in den 20er Jahren stehende Flaubert gibt in diesen Tage- buchnottzen unter Darstellung von Land und Volk sowie der all- derung. Diese Notizen waren, nach einem Vermerk in dem Artikel des deruna. Diese Notizen waren, nach einem Vermerk in dem Artikel „Pan, von Flaubert in ein braunledcrnes Notizbuch„hinein» gekritzelt" worden. Die Staatsanwaltschaft verfügte bald nach dem Erscheinen deS ersten Teiles der Uebersetzung die Beschlag- nähme mit folgender Begründung: Unter voller Würdigung des künstlerischen Moments dieser Aufzeichnungen drängt sich bei dev Lektüre alsbald der Eindruck auf, daß der Verfasser an zahlreichen Stellen der Artikel das sexuelle Moment in einer außerhalb de« künstlerischen Zwecks liegenden Weise hervorgekehrt hat. Trotz dieser Beschlagnahme erschien die Fortsetzung der Uebersetzung in der Nummer vom 1. Februar, die ebenfalls einer Beschlagnahme anheimfiel. Von der Staatsanwaltschaft wurde daraufhin die jetzige Anklage wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften erhoben. Die Angeklagten bestritten mit aller Entschiedenheit, daß e« sich um eine unzuchtige Schrift handele. Richard Dehmel. der von Rechtsanwalt Grünspach als Sachverständiger geladen war, gab sein Gutachten dahin ab: Die Moral vom idealen Standpunkt aus stehe fest, nicht aber die moralische Praxis. Was heute als un. züchtig gilt, werde vielleicht schon in 20 bis 30 Jahren als durchaus sittlich angesehen werden. Einen Mann wie Flaubert unter die Frage der Schlüpfrigkeit zu stellen, ist für Künstler, und Literatur. Historiker monströs und absurd, es sei dies ebenso, als wenn man Solan auf Bestechlichkeit prüfen oder einen Kriminalpsycho, logen wie Aijzt M xiziL Verbrechernattl; Halle» würde, weil a sich mit Fetft SetBtechert sellft Beschäftig?. Die Frag?, ob FlauBert unsittliche Tendenzen verfolgt habe, sei deshalb völlig undiskukabel und bei seinem hohen schöpferischen Kiinstlergeist überhaupt unver- ständlich. Für Flaubert roar alles lediglich Stoff und Erscheinung, ungefähr dasselbe, was für den Wissenschaftler der Kadaver ist. Zuzugeben sei, das; die fraglichen Artikel auf Ungebildete einen verunsittlichenden Eindruck machen könnten, dann aber köntrte nran jedes andere wissenschaftliche ethnographische Werk, ja sogar jedes Konversationslexikon als unzüchtig verbieten, da auch in diesem Tinge enthalten sind, die auf den Ungebildeten ganz andere Wirkungen ausüben als auf den Gebildeten. Der Sachverständige ckommt zu dem Schluß, daß von einer unsittlichen Schrift nicht die piede fein könne. Das Urteil lautete auf je 50 M. Geldstrafe. ES wurde von dem Vorsitzenden, dem Landtagsabgeordneten Geheimen Justizrat Peltasohn wie folgt begründet: Soweit eS sich um die in der Sir. 6 deS„Pan" enthaltene Veröffentlichung der Uebersetzung des Tagebuchs handelt, hat das Gericht auch eine objektive Unzüchtig- keit nicht für festgestellt angesehen. Es handelt sich hier um eine ethnographische� Schilderung nach Vorgängen, die Flaubert selbst erlebt hat. Dieser Zweck, der alles andere überwiegt, ließ sich in anderer Form nicht erreichen. Die in Frage kommenden Stellen ließen sich in anderer Form nicht wiedergeben, sie konnten auch Nicht weggelassen werden, da die ganze Schilderung sonst aus dem Zusammenhang gerissen worden wäre. Auch eine relative Unzüch- tigkeit war in dem Inhalt nicht zu erblicken. Wenn gesittete Leute «ine offene Schilderung der Sitten und Gebräuche anderer Völker tkennen lernen, so werden sie als Normalempfindende weder einen Ekel empfinden, noch wird ihre Sinnenlust erregt werden. Be- züglich der Uebersetzungen in der Nr. 7 ist das Gericht dagegen anderer Meinung. Hier handelt es sich um die Schilderung bc- stimmter geschlechtlicher Vorgänge, die keinen Anspruch darauf er- heben können, als ethnographische Schilderung angesehen zu werden. Das Gericht hat den Angeklagten jedoch zugebilligt, daß sie nicht das Eewußtsein gehabt haben, etwas Unzüchtige? zu veröffentlichen. Hier tritt jedoch der Eventualdolus in Kraft. Sie hätten damit rechnen müssen, daß bei jugendlichen oder ungebildeten Personen die Lüsternheit erweckt werden kann. Hierdurch haben sie sich straf- Bar gemacht._ Die Störung eines Gottesdienstes in der sogenannte» Schifferkirche beschäftigte gestern unter Vorsitz deS LandgerichtSratS Gohr die 11. Strafkammer des Landgerichts l. Wegen Vergehen? gegen den Z 167 des Strafgesetzbuchs waren der Bootsmann Franz Gallus und der Schiffsjunge Paul Matschus angeklagt. An dem Bußtage vorigen JahreS fand in der auf einem Kahn befindlichen Kapelle ein Gottesdienst statt. Während der Predigt des Geistlichen er- tönte plötzlich von einem nebenanliegenden Kahn ein ohrenbe- täubender Radau. Die auf dem Kahn befindlichen beiden Auge- klagten sangen alle möglichen Gassenhauer und schlugen dazu mit Stöcken auf eine alte Bratpfanne den Takt. Da durch den Radau «ine Fortsetzung dcS Gottesdienstes unmöglich gemacht wurde, er- suchte der Kirchendiener die beiden Angeklagten, sich still zu der» halten. Die beiden begannen jedoch nunmehr erst recht mit ihrem Spektakel. ES wurde ein Schutzmann herbeigeholt. Diesem gegen- über erklärten die beiden Angeklagtgen, daß sie auf ihrem Kahn sich so amüsieren könnten, wie es ihnen passe. Wenn es den Leuten allf her Schisserlirche nicht hasse, so sollten st« em Stück weilet!- fahren. Das Gericht nahm an, eS handle sich um eine ganz frivole und systematische Störung des Gottesdienstes und erkannte gegen Gallus aus Ii Tage und gegen Matschus auf 3 Tage GcsüngniS. Hus aller Melt. Ein Fuhrwerk von einem Zuge überfuhren. Ein folgenschwerer Unfall hat sich Sonntag, nachmittag 5 Uhr, im W e st h a v e l l a n d zugetragen. Nahe der Station R h i n o w überfuhr ein Zug der Brandenburgischcn Städtebahn ein Fuhr- werk des Königlichen Friedrich- WlhelmS-Gestüts in Neustadt, wo- bei vier Personen schwer verletzt wurden, so daß sie nach dem Krankenhaus in Rhinow geschafft werden mußten. DaS Unglück geschah dadurch, daß der Bahnübergang keine Barrieven hat und der Kutscher anscheinend das Warnungssignal der Lokomotive überhörte. Als der Lokomotivführer die Gefahr bemerkte, war ein Zusammenstoß nicht mehr zu vermeiden. Der Zug fuhr mit voller Gewalt in da» Fuhrwerk hinein, so daß eig Ißf erd aus der Stelle getötet wurde. Ein schweres Automobilunglück. Bei Velbert(Rheinprovinz) ereignete sich gestern ein schlvereS Automobilunglück, dem vier Personen zum Opfer fielen. Ein Telegramm meldet darüber. Ein mit fünf Mann besetztes Auto» mobil aus Velbert wollte einem andern ausweichen und rannte dabei gegen euren Baum. Sämtliche Insassen wurden aus dem Automobil herausgeschleudert; drei waren auf der Stelle tot, der vierte starb nach kurzer Zeit, und der letzte liegt schwerverletzt danieder. DaS Automobil ist gänzlich zertrümmert. Der Chauffeur hatte das Automobil ohne Erlaubnis des Besitzers an eins Gesellschaft von fünf jungen Leuten'verliehen; diese, fast sämtlich aus Velbert, befanden sich während her Fahrt in sehr angeregter Stimmung. Opfer der Hitze. Sonntag herrschte in L o n d o n wieder eine nngeivöhnliche Hitze. Man konstatierte Temperaturen bis zu 36 Grad Cel- s i u s. Viele tausende Personen verließen gegen Abend London. um am Wrisser ein wenig Kühlung zu suchen. Die Eisenbahn war dem Ansturm des Publikums kaum gewachsen. Gegen 3 0 00 0 Personen beförderte sie an die Küsten des Atlantischen Ozeans Ii, C o w e S auf Wicht stieg die Hitze bis auf 33 Grad, eine Temperatur, die hier noch nie festgestellt wurde. In B r i g h t o n zeigte das Thermometer zeitweilig 30 Grad Celsius. In der Provinz fielen der Hitze drei Personen zum Opfer. In Lyon sind im Laufe des Sonntags infolge der großen Hitze 40 Personen vom Hitzschlage getroffen. Ein Fall verlief tödlich, während neun andere Personen in sehr bedenklichem j Zustande ins Hospital geschafft werden mußten. ttteftte Nottze«. tlloN Bli? erschlagen. Während eines üBer Pasfakl nii5 Umgegend niedergegangenen Gewitters wurde ein auf dem Felds arbeitender Bauer vom Blitz erschlagen, drei Maurer wur- den betäubt und mußten inS Krankenhaus gebracht werden. Im Streit erstochen. In München entdeckte der nachts heim- kehrende Musiker Utz, daß seine Ehefrau sich im Zimmer seines Cbambrcgarnistcn Schrattner befinde und mit diesem ehebreche- rischen Umgang pflege. Als die Frau aus dem Zimmer herauskam, schlug der Mann auf sie ein und geriet dann mit Schrattner in ein Handgemenge. Utz zog ein Messer und versetzte seinem Neben- buhler einen Stich in den Kopf, so daß er alsbald verstarb. Der Täter wurde verhaftet. Im Hochgebirge abgestürzt. Sonntag vormittag stürzten� einem Telegramm auS Bern zufolge, am Großen Mythen(Schwyz) innerhalb dreier Stunden drei Touristen ab, darunter zwei Deutsche, der in Zürich ansässige Spengler Franz Wächter aus Württemberg und der in Schwyz wohnende Schneider Wolfgang Sommer aus Regensburg. Ein Schoner gestrandet. Der von Mcmcl mit Holz nach Kiel viertei st ertrunken. Bier Personen vergiftet. In Hohen st ein-Ernstthal hat eine Hebamme, die in einer Familie zu einer Entbindung zu- gezogen war, ein Fläschchen Lysol in die Stube gestellt. Ein drei Jahre alte? Kind mutz aus dem Fläschchen g e- trunken haben und war bald darauf an Vergiftung gestorben. Diesen Vorfall hatte sich die Hebamme so zu Herzen genommen, daß sie, ihr Ehemann und ihre SOjährige Tochter ebenfalls Gift genommen haben. Alle drei wurden t o t in ihrer Wohnung aufgefunden. Bon einem Schuhmann erschlagen. Als Sonntagnacht iii Wattenscheid zwei Schutzleute die Bergleute Maluk und Frank, die auf der Straße lärmte», festnehmen wollten, wider- setzten sich diese, worauf die Schutzleute von der Waffe Gebrauch machten. Dem Bergmann Maluk wurde das Handgelenk ab- geschlagen und durch einen unglücklichen Hieb die Schädel- decke gespalten, so daß er nach zehn Minuten starb. Der Berg- mann Frank flüchtete. Wahnsinnstat einer Mutter. Ein entsetzlicher Anblick bot sich in Ludwigshafen dem Schreiner Schemenau am Sonnabend- abend, als er nach Hause kehrte, dar. Nachdem er vergeblich auf Oeffnen der Türe gepocht hatte, fand er beim gewaltsamen Ein- dringen in die Wohnung seine Frau und seinen vierjährigen Knaben erhängt vor. In einem Anfall von Geistesstörung hat die Frau erst den Knaben und dann sich selb st erhängt. Vier Personen in der Ruhr ertrunken. Die Ruhr hat Sonn« tag nachmittag vier Menschenleben gefordert. Bei Steele badeten an einer gefährlichen Stelle Vater und Sohn. Plötzlich vcr- schwand der Sohn. Der Pater wollte ihn retten. Beide sind er- trunken. Bei Rellinghausen ertranken zwei ArbeitSburschen von 16 und 17 Jahren. Zugentgleisung. Der auS Madrid abgegangene©üb« expreßzug entgleiste bei Russee(Dcp. Charente). Der Lokomotivführer wurde getötet, vier Neisende leicht verletzt. ........... will szz: Theater und Vergnügungen OL Dienstag, den 11. Juli. Ansang VI, Uhr. KeueS königliches Opernhaus. Eiegsncd. Ansang S Uhr. Lesfliig. Sommerspul.(Ansang 8 Uhr 20 Min) gtomi ich e Oper. Der oerboten« Kuß. Reue« Schauspielhaus. Die keusche Susanne. vleneS. Der Rodelzigruncr. Thalia. Polnisch» Mrtschast. Schalle». Vvarlottenburg. Der dunkle Punkt. Lustivielhnns. Die dritte ESIadron. (Anlaug 8I0 Uhr.) Kleines. Karneval in Nizza.— Norache«. Nole. Kasernenlust.(Ans. 8>/, Uhr.) Kriauou. DaS Prüizchen.(Ansang S'i, Uhr.) Rene» Overetten. Sine Million. (Ansang 8',. Uhr.) Friedrich-Wil heimst. Schau, piel- hruiS. BadineS Snisührnng. Meeeolol. Hoheit amüsiert sich! »olieS Caprice. Di« leht« Nacht. Drei Frauenhate.(Ansang S'/, Uhr.) Apoll». SveziaMSten. »asiage. Spezialitäten. Reichsllallc». Steitiner Sänger. IK>i»»ergimen. Spezialitäten. Karl Havcrland. kveziaiitäten. Prater. Die drei Grazien.(Ans. 7'/, Uhr.) Voigt. Goldene Jugend. Ronck. Leute von heute.— Die Zanbergeige.— Spezialitäten. Kaiser- Panorama. II. ZhUuS: Indien.— Wanderung aus Boru- holm. vrania. Tanbenstraste 88189. 8 Uhr: Helgoland im Wechsel der Zelt. Sie i»warte, Jnvalibenstr. 67—«?. Sehilltr-Tlieater Der dunkle Punkt. Lustspiel in 3 Akten o. G. kadelburg und Rndols PreSber. Ansang S Uhr. Snde 10 Uhr. Morgen und solgende Tage: tiei» dunkle Punkt. lleuesKgl.Opern-Ttisaterocroio Dienstag, den 11. Juli, abends 7 Uhr: Sdtsplel Anton». Rooy; Siegfried. Mittwoch: Gastspiel Martha Lefsser. vurckard: vle Walküre. Donnerstag: Gastsp. Ant. v. Rooh: Die lleUteralnger v. attrn. Jfoacks Theater. Direktion: Robert Olli. Berlin N., Brunnenstratze 16. Täglich: Das kolossale Jull-Progr, Die Zaubergeige. Operelte in 1 Akt von Jacq. Ossenbach. �, Leute von beute. Gr. Ausstatl-Burl. Ansang S Uhr. «�schlechtem Seiler: Vorstellung Urania. Wissenschaftliches Theater. laubanatraß« 48/49. Abends 8 ühr: Helgoland Im Wechsel der Zelt. OCISCKCR GARTEN Täglich ab 4 Uhr- Großes Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 Hark, von abends 6 Uhr ab 50 Ps., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte._ 8 Uhr: Die ipilioseD Spezialitäten. B'l, Übe: Enseiul>le-(*aatspiel Harry Waiden in Sein Herzensjunge. Vaudeville mit Ges. u. Tanz in 2 Akt. von A. Neldhardt und R. Schanzer. Musik von W. Kollo. tage-Panoptiim Di® Keger' Kiesin Abomuh, die größte{ Frau, die je gelebt. 1 Allee ohne Extra-Entreei Abende 8 Uhr: Toni Thoms Jim u. Jam Iii? Mos Coipj Dllfarlete-FBStsplel-ProgrJ Neues Theater, 8 Uhr. 8 Uhr. Käglich» Der Rodelzigeiiner. !0Si=T!i6ATE | Große Franksurter Slr Täglich: Ansang 8'/ Kasernenluft Auf ber töartenbiihne. Ans. 4 Uhr: GS gibt nur ein Berlin.—• Grosse Revue. Min .tr 132. 1 1 . Uhr. 1 ift. ÜJ Metropol-Tiiealer. Scheit möfiert sch! Operette in 3 Akten von I. Freund. Musik von Rudols Nelson. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestaltet. koltes caprice. Täglich 8>,. Uhr: parisisna-Ensenibie. 3 Fraucnhute. Die letzte Nacht. Ein Fenster zu vermieten. las Strnmpfbalib. Moabiter Wintergarten ArtusaHof Perleberger Str. 26, Stendaler Str. 18 Direktion: Karl Pirnau. DienStag, bei, II. Juli i VolkStag Spfplitötftt— Theater Konzert. Entre« nur 10 Pf. Anfang 6 Uhr. Vorstellung'Iß Uhr. Die auserlesenen Attraktionen I LA TORTAJADA. Dlo 7 Korlnuas, klassische Tänze. Kanftuannn Lady cyclo tronpe. I$e IM©. Charles Daraus Burleske- Menagerie. Tsclila Macs 8 heil. Chun gasen und eine Kette hervorragender Kunstkräfte! Sensationelle Ättrakticnen! 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Druck a. Verlag: Borwärts Buchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer u. E&, Berlin SW, b«. 159. 28. z.w°, 2. Keiltze des„Usmillts" Ktrliller KIKsdlM. � 11 Der deutlcbe Rundflug. Der Sonntag sollte für Berlin tvie!>er ein Tag der Flieger sein. Taufende von Menschen foarcn nach Johannisthal hinau-- gcftrömt, um die Heimkehr der Teilnehmer am deutschen Rundslug zu erwarten. Aber der Himmel hatte anders entschieden. Der Wind, der schon in der Nacht mit ziemlicher Heftigkeit wehte, wollte nicht abslaucn, und so wurde der Start in Halberstadt erst auf 8 Uhr früh, dann auf 6 Uhr nachmittags und schließlich auf Montag früh verschoben. Durch die Erfahrungen am Starttage gewitzigt, hatten die Berliner Verkehrsinstitute diesmal den Verkehr nach Johannisthal vorsichtiger organisiert und es gab auf den Extrazügen keine be- setzten Dächer und Trittbretter. Bereits in der Nacht war an- dauernd ein genügender Verkehr unterhalten worden, wodurch der Massenandrang durch die Stadt-, Untergrund- und elektrische Bahn auf mehrere Stunden verteilt werden konnte. Auch die Omnibus- gesellschaft und Privatunternehmer hatten alle verfügbaren Auto- busse und Rundfahrtwagen in Betrieb gesetzt. Von 4 Uhr ab wurde die Treptower Chaussee von Automobilen und anderen Droschken buchstäblich bedeckt, so daß diejenigen, die den letzten Teil des Weges auf Schusters Rappen zurücklegten, von Staub und Schmutz überdeckt wurden, bevor sie ihr Ziel erreichten. Die Tribünen und billigeren Fussgängerplätze waren bald bis auf den letzten Platz besetzt, und Tausende pferchten sich dort zusammen, um geduldig auf die Ankunft der Flieger zu warten. Für S'A Uhr sollte der Start in Halberstadt für die 208 Kilometer lange Strecke nach Berlin beginnen, und da in Dessau noch eine Zwischenlandung vorzunehmen war, konnte der erste Flieger kaum vor 6 Uhr in Berlin erlvartet werden. Aber in Dissau blies der Wind noch frischer als in Halbcrstadt, denn die Meteorologen stellten 10 bis 12 Meter Sekundengeschwindigkeit fest, bei dem es Wahnwitz gewesen sein würde, die Fahrt anzu- treten. Das Gros der Flieger hatte denn auch wenig Neigung dazu und war mit dem Entschluss der sportlichen Leiter, den Start vorläufig auf 8 Uhr morgens zu verschieben, sehr einverstanden. Da der Wind aber auch um diese Zeit noch mit unverminderter Geschlvindigkeit ging, wurde der Start auf nachmittags 4 Uhr und später auf Montag früh verlegt. Bevor die erste Startändc- rung definitiv beschlossen war und nach Johannisthal über- inittclt werden konnte, war es acht Uhr geworden. Inzwischen siatte Kapitänleutnant Engelhardt von der Wrightgesellschaft Ehring und Hirth einige Schauflüge unternommen, um die Menge zu zerstreuen. Von den Rundflugteilnehmern waren Jeannin, V. Gorrissen, Hoffnrann und Lindpaitner auf dem Platz, um gleich- falls Schauflüge zu unternehmen. Als dann bekannt wurde, dass der Start verschoben sei, zerstreuten sich die Massen schnell. . Ueber die letzte Etappe des Rundflugs Halberstadt— Berlin liegen noch folgende Drahtmeldungen vor: H a l b e r st a d t, 10. Juli. Bei herrlichem Wetter sind heute Bollmöller. Büchner, Wiencziers, Laitsch und Schauenburg. A s ch e r s l e b e n, 10. Juli. König hat 3,53 Uhr hier den Schlcifenflug ausgeführt. Er kam in ungefähr 250 bis 300 Meter heran, umkreiste den Signalballon und flog dann in der Richtung nach Dessau weiter.— Laitsch hat 4 Uhr 5 Min. den Schleifenflug absolviert. Dessau, 10. Juli. Büchner traf um 4,55 Uhr hier ein. Sechs Minuten später landete König, und Laitsch überflog um 5,04 Uhr das Zielband. Nach wenigen Minuten Aufenthalt verließen die Flieger Dessau. T r eu enbr i e tz e n, 10. Juli. König ist um 6,20 Uhr infolge des starken Windes bei Treuenbrietzew gelandet und wird heute abend weiterfliegen. R o s l a u. 10. Juli. Laitsch ist, nachdem er in Dessau wieder aufgestiegen war, in der Nähe von Roslau zwischen Weiden und Hundeluft infolge einer Motorpanne niedergegangen. Er gedenkt jedoch heute abend weiterzufliegen. Büchner landete als Erster in Johannisthal. Büchner landete Montag früh 6 Uhr 45 Minuten glatt in Johannisthal unter tosendem Beifall einer grossen Menschen- menge. Der Vorsitzende des Flugausschusses überreichte Büchner den Ehrenpreis für den ersten ankommenden Flieger und hielt eine Ansprache. Montag abend 8 Uhr 38 Min. passierte König das Zielband auf dem Flugplatz Johannisthal. V o l l m ö l l e r landete um 8 Uhr 40 Minuten auf dem Flugplatze. Ndiu Drkiklajstllsyktm des Etmindtwahlrtlhts. Die Liste der Gemeindewähler Berlins ist für das Jahr 1911 von dem Wahlbureou de« Magistrats jetzt aufgestellt worden. Sie muss als Grundlage für die Stadtverordneten- wählen dienen, die im diesjährigen Herbst zu vollziehen find. Die neue Wählerliste wird, wie wir bereit» meldeten, vom 15. Juli ab öffentlich ausgelegt werden, damit sie kontrolliert und nötigen- fall» berichtigt werden kann. Für die Aufstellung der Liste sind, wie alljährlich, die drei W ä h l e r k l a ss e n nach Massgabe der Steuer- leistung neu abgegrenzt worden. Dabei hat sich wieder eine V e r« schiebung der Grenzen ergeben, durch die das Dreiklassen- systcm des Gemeindewahlrechts noch schärfer als bisher beleuchtet wird. Die Summe aller für die Klassenabgrenzung zusammengezählten Steuern beträgt diesmal über TS3/« Millionen Mark(genauer: 73 785 709,00 M.), das sind um reichlich 13/� Millionen Mark mehr als im vorigen Jahre, wo sie rund 72 Millonen Mark betrug. Als durchschnittlicher Steuerbetrag ist diesmal 193,97 M.(genauer: 193 M. 96«/,«, Pf.) herauSgcrechnet worden, während im vorigen Jahre der Durchschnitt sich auf 191,20 M. stellte. Jeder Wahl- berechtigte, dessen Steuerleistung unter dem Durch- scknittSbetrag bleibt, wird in Berlin— nach dem hier geltenden Verfahren der Klassenabgrenzung— in feie 3. W ä h l e r- k l a s s e abgeschoben. Diese umfaßt mehr als neun Zehntel aller Gemeindewähler, während der Nest— noch nicht ein Zehntel— die 2. und die 1. Wählerflasse unter sich teilt. Im Jahre 1910 gehörten von überhaupt 330 219 Genwindewählern zur 3. Klasse 347 393. zur 2. Klasse 31999, zur 1. Klasse 927. Wenn, wie z. B. wieder in diesem Jahre, für die Gesamtheit der Geineindewähler sich der Durchschnitt dcS Steuer- bclragcs erhöht, so wird auch die Grenze, bis zu der man noch in die 3. Wählerklasse gehört, hinaufgerückt. Durch solche Ver- schiebung der Klassengrenze nach oben wird daS Bollwerk, das die Besitzenden gegen ein Eindringen der Minder- bemittelten in die 2. Wählerklasse sichert, noch ver- stärkt. Andererseits wird aber der 3. Klasse noch mancher ganz hübsch bemittelte Wähler zugeführt, der gegebenenfalls hier seine Stimme gegen die Sozialdemokratie in die Wagschale wirft. Ter kleinere Kreis fteuerkräftigerer Wähler teilt unter sich die L. u n d die 1. Klaffe so, dass beide Klassen in ihren Steuer- leistungen einander gleich sind. Ihre Wählerzahlcn fallen dabei sehr «ngleich vuS, weil die eine Hälfte der gesamten Steuerleistungcn aller nicht in die 3. Klasse gehörenden Wähler schon durch ein winziges Häuflein auserlesenster Steuerzahler geliefert wird. In diesem Jahre genügen zur Aufbringung der Hälfte schon die Wähler mit einer Stenerleistung hinab bis zu 7334,00 M. pro Jahr, so dass diesmal alle Wähler, die an Steuern weniger als 7334.00 M. bis zu 193,97 M. hinab zahlen, in die 2. Klasse hinein- kommen. Die untere Grenze für die 1. Klasse, die im vorigen Jahre noch bei 0546,80 M. Steucrlcistimg lag, ist jetzt wieder noch um ein beträchtliches Stück weiter hinaufgerückr. Dadurch wird die Zahl der Wähler 1. Klasse, die schon in 1910 keine 1000 mehr betrug, sich noch weiter verringert haben. Aber sür die minderbemittelte Bevölkerung ist es allerdings belanglos, ob auch der Gegensatz zwischen den Wählenzahlen der 2. und der 1. Klasse sich noch weiter verschärft und die Ehre der Zu- geHörigkeit zu den Er st klassigen immer teurer wird. In Berlin ist ja zwischen der 1. und der 2. Klasse in ihrer Stellung zur Kommunalpolitik kein Unterschied, und ihre Vertreter in der Stadtverordnetenversammlung ziehen alle an demselben Strang. Für das arbeitende Volk kommt in erster Linie das in Betracht, dass die 1. und die 2. Klasse zusammen einen Gegensatz zur 3. Klasse bilden, und die Kluft zwischen hüben und drüben immer grösser wird. Im Jahre 1911 wird dieser Gegensatz gewiss noch grösser ge- worden sein. Die Wählerzahlen sind aus diesem Jahre noch nicht bekannt, und sie stehen auch noch nicht endgültig fest. Zunächst müssen ja die Liften durch die Wahlberechtigten geprüft werden, wobei sich wieder die Notwendigkeit zahlreicher Nachträge ergeben dürfte. Sich um die Wählerliste zu kümmern, wird diesmal sogar ganz besonders ratsam sein. Jedem Wahlberechtigten 3. Klasse muss das dringend empfohlen werden, weil durch die Neueinteilung der Wahlbezirke eine vollständige Umwälzung bewirkt wird. Eben weil in Berlin unter dem Dreiklassenshstem des Genieindewahlrechts zwei Drittel aller Stadt- verordnetemnandate den Geldsackvertretern vorbehalten und dem Freisinn von vornherein gesichert sind, darf in der 3. Klasse keiner unserer Wähler durch eigene Nachlässigkeit sein Wahlrecht verscherzen und der Sozialdemokratie keine Stimme verloren gehen. #• • Die neue Gcmeindcwählerliste wird vom 15. Juli bis einschliesslich 3 0. Juli aus- liegen, an den Wochentagen'von nachmittags 3 Uhr bis 8 Uhr abends, an den Sonntagen von vormittags 10 Uhr bis 4 Uhr nachmittags. Die gesamte Liste ist nach Stadtvierteln geteilt worden, so dass in den verschiedenen Stadtvierteln die ihnen zukommenden Teile der Liste ausgelegt werden können. Auf die fünf Gemeindeschul-Turn- hallen, die zur Listenauslegung benutzt werden können, verteilen sich die neuen Kommunalwahlbezirke der dritten Klassje in folgender Weise: Turnballe die umfassend S,urnqaue Wahlbezirke die Stadtbezirke Hagelberger Sir. 34 1—8 1— 78L, 113, 120, 210 bis 217. Waldemarstr. 77 9-14 79-117, 119, 121—124, Straiisberger Str. 9 15—25 145—201. Oderbcrger Str. 67 20—35 202—209, 218— 254E, 253 bis 267, 276—278, 321. Rabenostr. 12 36-48 255-257, 268-275, 279' bis 320C, 322-326D. Im Hinblick auf den besonders starken Andrang, der diesmal an den AuSlegcstellen zu erwarten ist, hätte der Magistrat schon noch ein paar Stellen mehr einrichten können. Für manche Wähler wird der Weg nach der Auslegestelle ihres Wahl- bezirks ziemlich zeitraubend sein; beispielsweise werden in der Hagel» bcrger Strasse die Wähler aus der Gegend des HermannplatzcS wie aus der Gegend des Zoologischen Gartens und auch auS dem Stadtinnern bis vom Oranienburger und Rosenthaler Tor her zusammenkommen müssen. Doch wird kein Wähler, der seiner Pflicht eingedenk ist, durch solche Unbequemlichkeiten sich davon abhalten lassen dürfen, die Liste zu kontrollieren. Wem eS nicht möglich ist, das selber zu hm, der möge sich an eine der Personen wenden, die sich erboten haben, die Listen- kontrolle zu übernehmen. Die Namen dieser Personen werden diesmal nicht durch Mitteilung im.Vorwärts', sondern durch Aushang in Lokalen bekanntgegeben. Partei-?Zngelegenkeiten. Freitag, den 14. Juli, 7 Uhr abdnds beginnend, findet die Flugblattverbreitung, in der um Einsichtnahme in die Gemcindcwählcrliste Verlins ersucht wird, in den « Berliner 5?rcise» statt. Wir ersuchen die Parteigenossen allesamt prompt zur Stelle zu sein, damit sich die Verbreitung leicht und rasch erledigt. Mit Partcigrufi: _ Der Zcntralvorfiand. Taubstumme Parteigenossen! Unser Zahlabend findet Mittwoch, den 12. Juli, abends 8 Uhr. bei Haberland, Linien- strasse 73. stalt. Da verschiedene Wahlen und Parteiangelcgen- heilen zu erledigen sind, haben nur Muglieder sowie Personen, die sich sofort ausnehmen lassen, Zutrilt. Der Vertrauensmann. S. Meyer, Huttenstr. 33. Trcptow-Baumschulcnwcg.(OrtStcil Valimschnlenweg.) Morgen Mittwochabend, pihikliich 8>/s ttlst! Gemeinsamer Zahlabend bei Speer, Baiimschnlcnstr. 68. Tagesordnung: Vorschläge der Funktionäre zum Vorstand für das nächste Jahr und Verschiedenes. Mitgliedsbuch le« gitimiert. Der Vorstand. Johannisthal. Den Parteigenossen und-Genossinnen zur Kenntnis, dass der Zahlabend in diesem Monat ausfällt. Der Vorstand. Alt-Glicnicke. Am Mittwoch, den 12. Juli, abends 3 Uhr, im Lokale des Herrn Jahn, Rudowcr Str. 54: Generalversammlung des hiesigen WahlvereinS. Adlcrshof. Der Zahlavcnd am Mittwoch, den 12. Juli, findet für den 1. und 6. Bezirk im.JiigeiidHeim", Bismarckstr. 11, statt. Die Bibliothek bleibt bis zum 20. August gesckilosscn. Genossen und Genossinnen, welche noch Bücher in ihrem Besitz haben, ersuchen wir, dieselben bis zum Sonntag, den 16. Juli, zurückzugeben. Der Vorstand. Hohenschönhausen. Der morgige Zahlabend findet für� den ganzen Bezirk gemeinsam als Mitgtiederversammlung statt. Auf der Tagesordnung unter anderem: Bericht der Gemeindevertretung. Die Bezirksleitung. Nicderfchöncweide. Zu dem morgen Mittwoch stattfindenden Zahlabend in den Bezirlslokalen wollen die Genossen die Verbands- büchcr zwecks Regelung der Maimarken mitbringen. Der Vorstand. Bohnsdorf, Falkenbcrg und Umgegend. Am Mittwoch(Zahl- abend), abends 8>/2 Uhr, in.Villa Kahl": Generalversammlung des WahlvereinS. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Funllioiiäre. 2. Neuwahl des Vorstandes und der Funktionäre. 3. Stellungnahme zur KreiSgeneralversammluiig sowie zum Parteitag. 4. Vereiusangelegeuheiten und Verschiedenes. Auch soll über die Ueberweismig der Falkenberger Genossen nach Alt-Glienicke Beschluss gefassi werden._ Der Vorstand. Berliner JVaebnebten. Die Hundertjahrfeier der Berliner Arbeiterturner, veranstaltet vom Turnverein„Fichte", hat wiederum gezeigt, dass die behördliche Nadelstichpolitik gegen diesen Verein voll- kommen vergeblich ist. Als der riesige Festzug unter Musik- begleitung die von vielen Tausenden von Zuschauern um- säumte grosse Spielwiese im Treptower Park betrot, bot sich ein imposantes Bild. Ter über 200 Meter im Quadrat messende Festplatz wurde ziemlich ganz von den in Vierer- reihen angetretenen Turnern und Turnerinnen umsäumt, und die fast durchweg einheitliche Kleidung hob sich prächtig von der grünen Umrahmung des Festplatzes ab. Von roten Schärpen, die dem Herrn Oberpräsidenten scheinbar so sehr auf die Nerven gefallen sind, haben wir nichts bemerkt, trotz- dem diese„revolutionäre" Farbe sicher zu der weissen Turn- kleidung vorzüglich gepasst hätte. Die Musik schien den sicher wieder in grösserer Anzahl erschienenen Spitzeln noch ein besonderes Schnippchen schlagen zu wollen, denn beim Aufmarsch intonierte sie das recht„vaterländische" Lied: „Deutschland, Deutschland über alles." Allzuviel Rücksicht der Herren Musikanten! In der Festrede betonte der Vereins- Vorsitzende, dass die Arbeiterturner den Turnvater Jahn ver- ehren, weil er mutig den. Kam Pf gegen die an- stürmende Reaktion aufgenommen, und weil die Regierung heute die freiheitliche Turnerei genau ebenso rigoros verfolgt, wie vor IVO Jahren. Auch vor dem Gefäng- ms würden die freien Turner nicht zurückschrecken, wenn die Regierung auch noch zu diesem Mittel greifen sollte. Vor allein hoff« er, daß die Berliner Bevölkerung auch in Zukunft dem Verein in dem schweren Kampfe treu zur Seite stehen werde. Die nun folgenden Freiübungen— ausgeübt von 1500 Personen— boten ein abwechselungsreichcs Massenbild in den verschiedenartigen Stellungen, ein Auf- und Abwärts- wogen und Bewegen nach den Seiten, das einen angenehmen Eindruck machte. Die Stafettenläufe in Gassen wiesen im Gegensatz hierzu wieder spannende Einzelmomente auf, ebenso das Tauziehen, wobei nur zu wünschen wäre, dass das Publikum die Vorführungen hätte etwas mehr aus der Nähe ansehen können. Nun folgten die verschiedenartigsten Spiele, womit die Hundertjahrfeier ihr Ende erreicht hatte. Als sich nach Absingen des Schlussliedes die über 2000 Turner des Turnvereins„Fichte" wieder zum Rückmarsch formierten, schloß sich der größte Teil der Zuschauer an und begleitete oder flankierte den Festzug, der sich wieder zurück nach dem Turnplatz des Vereins an der Köpenicker Landstraße bewegte, wo dann die Schlussfeier stattfand. Die besten Resultate beim Stafettenlauf waren: 7. Männerabteilung 1000 Meter in 2 Minuten 5 Sekunden, 5. Frauenabteilung 750 Meter in 2 Minuten 5 Sekunden.— Am Vormittag hatte bereits ein D r e i k a m p f der Männer- � abteilungen auf dem Vereinsturnplatz stattgefunden. Die l besten Resultate waren: Steinstossen 30 Pfund 7,20 Meter weit. Hochspringen ohne Brett 1,75 Meter hoch, Wettlauf l 100 Meter in 12 Sekunden. Die Macht deS Bormundes reicht weiter als die der Mutter seines Mündels. Oft tritt ein Vormund gegen die Mutter auf und entzieht ihr das Kind mit der Begründung, dass dies im Interesse seines Mündels gc- boten sei. Schon manche Mutter hat in vergeblichem Kampf um ihr Kind, den sie gegen den Vormund zu führen versuchte. die eigene Ohnmacht erkennen müssen. Besonders wegen unehelich geborener Kinder kommt es leicht zu Zusammenstösscn zwischen den Müttern und den Vormündern. Unverehelichte Mütter, die ihrem Erwerb nachgehen müssen, sind nur zu oft von vornherein genötigt, ihre Kinder zu fremden Leuten in Pflege zu geben. Da besteht meist zwischen Mutter und Vormund zunächst Ucbcrcin- stimmung darüber, dass das Kind nicht bei der Mutter bleiben kann. Streit gibt es erst, wenn die unverehelichte Mutter das Kind wieder zu sich nehmen will und jetzt der Vormund im Interesse des Kindes hiergegen Einspruch erheben zu sollen glaubt. Selbst wenn die Mutter, eines unehelichen Kindes später eine Ehe ein- geht, kann sie es erleben, dass ihr wegen der Herausgabe des Kindes von dem Vormund noch Schwierigkeiten gemacht werden. UnS wird ein Fall dieser Art bekannt, bei dem eine zur Ver- ehelichung schreitende und darum ihr Kind zurückfordernde Mutter den Vorwurf zu hören bekam, sie vernachlässige ihre Pflicht gegen- über dem Kind, wenn sie es aus der bisherigen Pflcgestelle heraus- nehme. Die Mutter, ein Fräulein S., hat einen Mann geheiratet, der nicht der Vater ihres Kindes ist. Sie ist gerade durch die Eheschließung in gesicherte und geordnete Verhältnisse gekommen, und es ist nach der ganzen Sachlage nicht einzusehen, warum ihr Kind ihr noch länger vorenthalten werden soll. Sonderbar ist auch die Haltung des VormundschaftSgerichtrs, dessen Entscheidung von Fräulein S. angerufen wurde. Am 9. März 1911, drei Monate vor ihrer Verheiratung, wurde ihr von dort geantwortet, sie habe als Mutter über den Aufenthalt ihres Kindes zu bestimmen. Dann kam am 23. März von derselben Stelle die Mitteilung, dass daS Kind vorläufig in seiner Pflegestelle zu verbleiben habe. Das VormundschaftSgcricht könne, so wurde sie jetzt belehrt, nicht ge- statten, daß sie ihr Kind zu sich nehme, bevor sie sich verheiratet habe. Falls sie der Anordnung des Gerichts sich nicht füge, werde man ihr die Sorge für die Person ihres Kindes entziehen. Diese Wendung war herbeigeführt worden durch den Vormund, der der Herausgabe des Kindes sich widersetzte. Daß Fräulein S. selber ihr Kind den Pflegeeltern abzufordern versucht hatte, scheint ihn schwer verdrossen zu haben. Am 30. März schrieb er ihr: „Teile Ihnen hierdurch mit, daß Ihre kleine Elsbeth laut Gerichts- beschluss bis auf weiteres in der Pflegestelle der Buchschen Ehe- lcute. Am Commeniusplatz 2. verbleibt. Im Interesse des Kindes sowie auch in Ihrem eigenen Interesse ersuche ich Sie, den Buch- schcn Eheleuten keine Scherereien zu machen, denn Ihr Kind wird Ihnen nicht vorenthalten werden; hätten Sie sich früher unter diesen Umständen an mick' gewandt, so wäre es vielleicht möglich gewesen, dass Sie Ihr Kind auch schon am 1. April zu sich nehmen konnten."..Möglich" wäre das also gewesen, obwohl Fräulein S. zu der Zeit noch nicht verheiratet war. Das war am 30. März die Meinung des Vormundes, ganz im Gegensatz zu der des Vormundschaftsgerichts. Warum er denn dann Einspruch erhob, ist schwer zu verstehen. Das Vormundschaftsgericht wies «In 1. April die Beschwerde des Fräulein S. zurück und teilte ihr aleichzeUlg mit, ErmMluM« angestell! würden, vü i�r dr« Sorge für die Person ihres Kindes(wie schon angedroht worden war) zu entziehen sej.. Inzwischen hat Fräulein S. am 12. Juni geheiratet, aber nock, immer>? artet sie aus die Herausgabe des Kindes. Das Vormundschaftsgericht hatte ihr<"n 1. Juni geschrieben, sie werde nach ihrer Eheschließung das Kind bekommen,„falls der Vormund keine stichhaltigen Gründe anführe, die ein Verbleiben des Kindes in feiner jetzigen Pflege- stelle erforderlich machen". Die letzte Zuschrift des Vormund- schaftSgerichtS ist vom 17. Juni; sie meldet, daß die Ermittelungen, ob das Kind herauszugeben sei,„noch schweben". Welche Gründe der Vormund gegen oie Forderung der Mutter geltend macht,'st aus keinem der uns borgelegten amtlichen Schriftstücke zu ersehen. Privatim schrieb er ihr am 28. Mai: „Die kleine Elsbeth bleibt bis auf weiteres bei den Buchschcn Ehe- Icuten in Pflege, da ein Grund zur Wegnahme aus ihrer guten Pflege nicht vorliegt und es im Interesse des KindeS liegt, dast es in der jetzigen Schule vorläufig verbleibt." Soll nach der in- zwischen vollzogenen Eheschließung noch immer kein Grund zur Wegnahme ans der bisherigen Pflege vorliegen? Das Vormund- schastsgericht wird von dem Vormund den Nachweis fordern müssen, daß nicht auch die Mutter dem Kind eine gute Pflege gewähren würde, Die 2. nnterirdische Bedürfnisanstalt auf dem Karl-Pkatz ist fertiggestellt und in den letzten Tagen von der Polizeibehörde ab- genommen worden. Die Eröffnung dieser Anstalt für das Publikum steht unmittelbar bevor. Die Baukosten betragen 60 000 M. Die erste unterirdische Bedürfnisanstalt an der Schloßbrücke hat seiner- zeit 00 000 M- gekostet. T-desstur, im Fahrstuhlschacht. Ein entsetzlicher Uiiglücköfall hat sich gestern morgen in der Patzenhofer Brauerei, Abteilung Nordost, in der Landsberger Allee zugetragen. Der- Ivjährige Arbeiter Karl Hilterberger gehörte zu der Nachtschicht der Brauereiarbciter und wollte gegen>/z7 Uhr morgens nach beendetem Dienst den Arbeitsraum verlassen. H. machte sich, wahrscheinlich um schneller im Parterreraum zu kommen, an dem Fahrstuhl zu schaffen. Er bog die vor der Fahrstuhltür liegende Stange mittels Zange fort und öffnete nun die Tür selbst. In der Dunkelheit be- merkte er nicht, daß der Liftbehältor nicht auf die zweite Etage ein- gestellt war. sondern in über Mannshöhe nach dem dritten Stock- werk zu stand. Der Leichtsinnige beugte sich in dem dunklen Raum vor, trat einen Schritt vorwärts und stürzte in den Fahrstublschacht hinab. Der in demselben Augenblick hinzukommende Fahrstuhlivärter hörte den Körper dumpf aufschlagen und fand H. bewegungslos vor. Ein sofort hinzugerufener Arzt der Unfallstation Warschauer Straße tonnte nur noch den infolge Genickbruch eingetretenen Tod feststellen. Die Leiche wurde nach dein Schauhause geschafft. Ein zweiter Todessturz erfolgte heute mittag in der Göelitzer Straß« 8b. Dort stürzte die Frau des Schutz- manns KulkS aus einem Fenster des vierten Stocks auf die Straße hinab und war gleichfalls sofort tot Zwei schwere Automodilunfiille ereigneten sich am Sonntag in der Reinickendorfer Straße und am Kurfürstendomm. An der erstbezeichneten Stelle wurde die öbjährige Witwe Berta Trenn er aus der Rungestr. 20 von einem Privatautomobil überfahren und auf der Stelle getötet. Am Kurfürstendamm stieß eine Automobil- droschke mit einer Pferdedroschke zusammen. Bei der Kollision erlitt die Gattin des praktischen ArzteS Dr. König aus Charlottrnburg einen Unterschenkelbriuh und, mehrere Quetschwunden im Mcken. Auch der Droschkenkutscher trug einige Verletzungen davon. Achtet auf die Kinder? Alljährlich in der Sommerzeit find die Kinder der Großstadt und ihrer Umgebung besonderen Gefabren aus- gesetzt. Wie die Erfahrung lehrt, dringt diese Zeit die meisten Ver- brechen gewisser Art. Auch die Berliner Chronik bestätigt das. und neue Vorkommnisse lehren es immer wieder und mahnen dringend zur Vorsicht. Neuerdings tritt wieder so ein Unhold in der Hasenhaide und auf dem Tempelhoser Felde auf. Wiederholt hat er versucht, sich an Kindern, die er irgendwie an sich lockt, zu vergehen. Der gefährliche Mensch ist etwa 36 Jahre alt und ziemlich groß. Er hat schwarzes hochgelocktes Haar, einen schwarzen Schnurrbart und eingefallene Backen und trägt einen schwarzen Jackettanzng, einen schwarzen steifen Hut und einen Spazierstock. Gewöhnlich hat er einen großen Hund bei sich, nach den Beschreibungen der Kinder eine Bulldogge. Alle Eltern, sollten ihren Kindern, die auf die Straße und rns Freie gehen, immer wieder einschärfen, sich niemals mit fremden Menschen einzulassen. Eine etwa 40 Minuten währende Betriebsstörung im Sonntags- berkehr der Großen Berliner Straßenbahn ereignete sich am Nach- mittag in Britz und Nixdorf. Infolge eines Defekts an dem Hochspannkabel zur Umfomierstation trat von 2.25 bis 8.05 Uhr nachmittags eine Stromstörung ein. Das Störungsgebiet erstreckte sich auf Britz, Mariendorfer Weg, Hertha-, Knesebeck- und Hermann- strahe. Durch Hinzusckalten benachbarter Speisepunkte wurde schließ- lich die Störung gehoben. Auf dem Friedhofe vom Tode überrascht wurde am Sonntag- nachmittag eine etwa 50 Jahre alte Frau, deren Persönlichkeit noch nicht festgestellt werden konnte. Sie wurde nachmittags um 4 Uhr im Klosettraum des Georgenstiedhofes au der Landsberger Allee tot aufgefunden. Wahrscheinlich hat sie der Schlag gerührt. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Die Tote ist mittelgroß und hat dunkles Haar. Sie trug ein grau gestreiftes Kostüm mit einer blauen Bluse, einen gelben Strohhut mir Rosen und einen schwarzen Sonnenschirm mit blauen und weißen Punkten. Bei sich hatte sie «ine Handtasche mit mehreren Schlüsseln. Zwei Personen veln, Baden ertrunken. Sonntagnachmittag e r- tranken im Müggelsee der 87 Jahre alte Schneider Alfred Felz aus der Danziger Str. 18 und die 13 Jahre alte Schülerin Herta B u r g e r. die bei dem Arbeiter Hahn in der Danziger Str. 21 in Pflege war. Am Sonntag machten das kinderlos verheiratet« Ehe- paar Felz und der Arbeiter Hahn mit seiner Pflegetochter einen Ausflug nach Iriedrichshagen. Während Hahn und Frau Felz am Ufer standen, badeten Felz und Herta Burger. Plötzlich ging das Mädchen etwas weiter in das Wasser und verschwand. Felz, der gleich nacheilte, um es zu retten, ging auch sofort unter. Wie uns zwei Arbeiter, die sich an der leider erfolglosen Rettung der beiden Ertrunkenen beteiligten, mitteilten, befand sich in der Nähe der Unfallstelle ein Motorboot. Trotz mehrfacher Hilfernfe sollen es die Insassen des BooteS nicht für nötig befunden haben, irgend etwas zur Rottung der beiden Personen beizutragen.— Die Unfallstelle befand sich etwa 250 Meter von der ersten LandungS- brücke bei Friedrichshagen entfernt. Selbstmord durch Verbrennen. Auf schreckliche Weise verübte am Sonntag vormittag der SSjährig« Hausierer Mendel Wohl aus Alt- Boxhagen Selbstmord. Der nervenkranle Mann begoß sich in einer Laubenkolonie an der Bornholmer Straße vollständig mit Petroleum und zündete dann sich selbst an. Im Nu glich der Unglückliche einer Feuersäule. Obgleich Laubenbewohner sofort hinzueilten und die Flammen erstickten, hatte Wohl doch schon am ganzen Körper so schwere Brandwunden davongetragen, daß er bald darauf starb. Die Leiche kam nach dem Schauhause. Beim Nächtigen auf dem Boden schwer verunglückt ist der 53 Jahre alte frühere Diener Paul Schulz auf dem Grundstück Stargarder Str. 83. Schulz, der mit Blumen hausieren ging, ver- lor vor drei Jahren durch eine Blutvergiftung simen rechten Arm. Jetzt aeriet er bald in Not und zuletzt wurde er auch wohnungeloS. Vorgestern abend legte er sich zum Schlafen auf de» Hausboden de? bezeichneten Grundstücks, fiel die Treppe herunter und zog sich einen Schädelbruch zu. Die Rettungswache in der Gaudhstraße Utf} dtst PttMiMckte» uach dem Birchsw-Srankenhause blingen.. Ein Tobsüchtiger siedrohte am Sonntagnachmiitag gegen S Uhr die Passanten der Badstraße. In der Nähe der Hochstraße sprang plötzlich«in etwa 20 jähriger, herkulisch gebauter junger Mensch aus der Tür eines Hauses und warf sich auf einen gerade vorüber- gehenden Arbeiter. Derselbe hatte alle Mühe, seinen Angreifer ab- zuwehren, im nächsten Augenblick aber griff der Mensch eine Frau an, biß nach derselben, um dann wieder einen Knaben mit einem Fußtritt fortzuschleudern. Zwei hinzueilenden Schutzleuten und «inigen kräftigen Männern aus dem Publikum gelang es, den Rasenden nach der Unfallstation in der Badstraße zu schaffen. Hier riß sich der Tobsüchtige tos, zertrümmerte die Fensterscheiben der Station und biß dann einem Schutzmann in die Hand. Schließlich mußte der Mann, dessen Personalien bisher nicht festgestellt werden konnten, mittels Krankentransportwagen nach der Irrenanstalt in Dalldorf geschafft werden. Radrennen im Olympia-Park. Der„Robl-PreiS", ein Dauerreunen über 100 Kilometer(2000, 1500, 1200, 1000, 700 M.) wurde von Gustav Janke-Berlin in 1 Std. 17 Min. 0i/5 Sek. vor R. Walihour-New Dork 020 Meter, R. Scheuermann-BreSlau 2300 Meter, A. Vandcrstuyft-Brüssel 4010 Meter und M. Grilka- Berlin, weit zurück, gewonnen. Bis zum 40. Kilometer war Walthour an der Spitze, dann verlor er infolge Radschadens vier Runden, die er, obwohl er numentlich zun, Schluß ganz hervor- ragend fuhr, nicht wieder gutzumachen vermochte; auch Scheuermann hatte wiederholt unler Radschaden zu leiden. Vanderstuyst und Grilka blieben von Anfang an zurück. Unter dem Beifall der zahl- reichen Besucher fuhr Janke mit einem vergoldeten Metallkranz ge- schmückt, der am Grabe Rabis niedergelegt werden soll, eine Ehren, runde; aber auch dem Amerikaner wurde lebhafte Anerkennung zu teil. Einige.Fliegerrennen" vervollständigten das Programm. E r ö f f n u n g s f a h r e n. 1200 Meter. 30, 20, 15, 10 M. 1. R u d e l in 1 Min. 51,2 Sek., 2. Finn, 8. Pawke, 4. K. Müller. Nicht placiert: Amelang und Packebusch. In sechs Vorläufen 58 Fahrer.— Hauptsahren. 1200 Meter. 60, 40. 20, 15 M. 1. S t a b e in 2 Min. Vs Sek., 2. Wegener, 3. Großmann, 4. Ganze- voort. In drei Vorläufen neun Fahrer.— Vorgabefahren. 804>/„ Meter. 50. 30, 20, 10 M. 1. F i n n(30 Meter Vorgabe) in 1 Min. 4 Sek., 2. Wegener(0), 3. Stabe(0), 4. Grohmann(10). Nicht placiert 12 Fahrer. In den vier Vorläufen 63 Fahrer.— Prämenfahren. 4000 Meter. 40. 25, 15. 10 M. 1. Wegener in 5 Min. 20 Sek., 2. Rudel. 3. Schmittchen. 4. Finn. 43 Fahrer in einem Lauf. Die Rennen verliefen bei gutem Wetter ohne Unfall. Dem Zoologischen Garten sind aus Punta ArenaS in Chile außer zehn chilenischen Gänsen, die besonders durch ihre ganz ver- schiedeue Färbung bei Männchen und Weibchen a»ffallen, sechs Darwins NanduS geschenkt worden, die alle in bester Verfassung eingetroffen sind und jetzt zwei Abteilungen des Straußenhauses bewohnen. Diese im Tierhandel sehr seltenen amerilanischen Strauße unterscheiden sich von der häufigeren, nördlicheren Form durch geringere Größe, dichtere Befiederung, die netzförmige Be- schilderung der Läufe und die bei alten Vögeln mit Weiß gemischte Färbung. ES ist sür die Beschauer ungemein fesselnd, die ver« schiedenen Stellungen der aus sieben Stück bestehenden Gruppe. worunter ein alter Artgenoffe sich schon längere Zeit im Garten be- findet, zu beobachten. � Vorort-Nachrichtens Lankwitz. Die letzte Gcmeindevertretersitzung vor den Ferien hatte sich mit einer sehr reichhaltigen Tagesordnung zu beschäftigen. Gemeinde- Vertreter Berlinicke fehlte wie fast stets, unentschuldigt. Den Herrn auf Grund des Ortöstatuts deshalb in Strafe zu nehmen wurde jedoch abgelehnt, es soll ihm davon Mitteilung gemacht werden, daß ihm eine Strafe drohe. Hierauf stand der vom Gemcindevertreter Teurig gestellte Antrag auf Aenderung der Geschäftsordnung, mit welchem sich ein Ausschuß beschäftigt hatte, zur Verhandlung. Da in den Ausschuß nur bürgerliche Vertreter mit dem Gemeindevor- steher als Vorsitzenden gewählt worden waren, kam bei der ganzen Sache nichts heraus. Anstatt, wie eS verlangt worden war. dem einzelnen Gemeindevertreter mehr Rechte einzuräumen, hat man ihm noch welche genommen. Nach dem Vorschlag der Kommisston müssen zu jedem Antrag oder Interpellation an den Gemeindevorstand ein Viertel der Mitglieder der Vertretung ihre Zustimmung geben, sonst ist eS nicht möglich, einen solchen zu stellen. Anfragen an den Gemeindevorsteher sind in Lankwitz in der Gemeindevertretersitzung ebenfalls nicht gestattet; eine solche Einengung der Rechte finden die gesamte» bürgerlichen Vertreter in der Ordnung und dann wundern sich die Herren, wenn gegen eine solche Behandlung scharfe Ausdrücke dcS Protestes gebraucht werden. Im Verlauf der Debatte wandten sich die Gemeindevertreter Teurig und Radike(Soz.) gegen solche Aenderungen der Geschäftsordnung. Bei der. Behandlung der Sache wurde dem Gemeindevertreter Teurig nach Erteilung dreier Ordnungsrufe, dys Wort entzogen. Ein Nachtrag zum OrtSstatut über die Verunstaltung von Straßen und Plätzen, welcher sich hauptsächlich auf das Rosenthalsche Terrain bis zur Auhaltischen Eisenbahn bezog, wurde nach einigen Abänderungen mit 7 gegen 6 Stimmen angenommen. Nachdem in diesem OrtSteil bereits vor Jahren mehrere große Mietshäuser entstanden sind» will man dem jetzt Einhalt gebieten und nur noch Villen erlauben: auch die Einschränkung, daß bei über 80 Meter tiefen Grundstücken ein GqrtenhauS gebaut werden kann, wollte der Gemeindevorsteher nicht zulassen. Er mußte sich jedoch mit dieser Bestimmung abfinden und auch zulassen, daß der vornehme Land- bausbau erst 50 Meter von der W-stgrenze der Biktoriastraße an- Ängt. Die Neuregelung der Umsatzsteuerordnung wurde ohne Debatte angenommen; desgleichen die Errichtung einer Lehrer- und Lehrerinnenftelle an der Gemeindeschule 2 zu Ostern 1912. Genosse Radike regte di« Teilung der ersten Knabenklaffe an, welche zurzeit mit 56 Schülern besetzt ist; bei einer so hohen vc- setzung ist es unmöglich, den Kindern die nötig« Belehrung zuteil werden zu laffem Der Gemeindevorsteher versprach dem Zustande die nötige Beachtung zu schenken. Den Grundbcsitzervereinen wurde die Auffiellung von 5 WohnungStaseln an den Hauptverkehrs- straßen unentgeltlich gestattet. Am Bahnhof soll ein Durchgang nach der RathauSseite geschaffen werden. Da die Bahnbehörde die Notwendigkeit im Jntereffe deS Verkehrs jetzt noch nicht anerkennt, muß die Gemeinde die Kosten übernehmen. Dieselben b«Iaufen sich für den Durchbruch auf 22 000 M. Für Reinigung und Beleuchtung ,tnd jährlich 573 M. auf 10 Jahr« zu leisten. Wenn dann der Verkehr sich genügend entwickelt hat, übernimmt di« Bahnbehörde dies« Kosten. Dein Projekt wurde zugestimmt. Ober-Schöneweide. Gcmeindevertretersitzung. Vom Vorsteher wurde mitgeteilt, daß der Beschluß der letzten Gemeindevertretersitzung, nach welchen, ent- gegen der Verfügung der SchulaufsichtSbehöxde dem Arbeiter- turnverein die Turnhallen auch fernerhin zur Verfügung stehen. von der Aussichtsbehörde beanstandet sei. Ob sich die Vertretung dabei beruhigen will, wird sich in der nächsten Sitzung zeigen, die dieser Punkt beschäftigen wird. Es wird auch endlich einmal gesagt werden müssen, aus welchen Gründen das Vorgehen gegen den Turn- verein erfolgt ist, bisher hat man die« noch nicht erfahren. Oder sollt« das der Gemeindetzorstehsr. der so exakt der Regierung«- Verfügung Geltung verschaffte, selbst nicht wissen? Die Arbeilen und Lieferungen sür die innere Einrichtung des Real- gymnosiumS wurden nach den Vorschlägen der Balikommission vergeben; die Eröffnung der Anstalt soll am 0. Oktober erfolgen. Vom Genoffen G r u n o w wurde ein Beschluß des KliratorinmS be- mangelt, wonach für die Schüler dieser Anstalt in dem Gebäude ein Nuderkasten vorgesehen, in welchem zur Winterzeit das Rudern gelehrt werden soll. Diese Art Uebersport sei entschieden zu her- werfen, man solle getrost im Winter Wintersport treiben. Eine längere Debatte entspann sich darüber, den sür da» Realgymnasium zu b,» schaffenden Projektionsapparat auch den Volksschulen zu- aänglich zu machkn. Mit Recht wurde von verschiedenen Seiten das Vorgehen der Schitlsiehörde in Bezug auf die Turnhallen als Bei. spiel angeführt, wie wenig man das Eigentumsrecht der Gemeinde achte. Die Vertretung beschloß die Anschaffung mit der Maßgabe, daß der Apparat auch den Volksschulen in den Räumen dcS Gym- nasiumS zur Verfügung zu stehen hat. Die Vergebung von Arbeiten der Gemeinde an Gemeindevertreter hat wieder einmal die Schädli-bkeit dieser Praxis gezeigt. So jetzt wieder bei Vergebung von Malerarbeiten für die 2. VolkSlchule. Die Vorgänge bei der Sub- Mission forderten die Verurteilung der Mehrheit der Vertretung heraus.' Geuosie Muth unternahm es. den ganzen Wldersnm dieses Gebrauches darzutim. welches notwendigerweise zu korrupten Zuständen führen müsse und stellte für die nächste Sitzung der Ver- tretung einen Antrag in Aussicht. welcher die Vertreter von solchen Arbeiten ober Lieferungen ausschließe. Potsdam. Aus der Stadtverordnetensitzung. Bevor die Potsdarster Stadt- Väter in die Ferien gehen konnten, mußten sie noch eine ziemlich umfangreiche Tagesordnung erledigen. Den Kernpunkt des Tages bildete die Aufnahme einer Anleihe von 1 730 000 M., welcher die Stadtväter ohne Debatte zustimmten. Diese Anleihe soll mit 051 000 M. gegen 3� Proz. Zinien der städtischen Sparkaste ent- nommen werden, während der Rest durch ein noch zu suchendes Darleben mit 4 Proz. gedeckt werden soll. Diese Anleihe ist u. a. mit 925 000 M. zum Erwerb deS Flugplatzgeländes bestimmt.— Ruf Antrag des Magistrats sollen die technischen Lehrerinnen Ortszulagen erhalten und zwar als erste Stufe nach 4 Jahren 60 M. und dann in Zwischenräumen immer 30 M. bis zum Höchstbetrage von 320 M. Trotzdem anfangs bei den Stadtverordneten wenig Stimmung für diese Zulagen herrschte, nahm man doch«inen Vermittelungsantrag an, nach welchem die Zulagen etwas kleiner bemessen wurden, so daß ein Höchstbetrag von nur 210 M. herauskommt.— Der mit einigen hiesigen Uulernehmern abgeschlossene Vertrag über die Abnahme des in der städtischen Gefrieranlage auf dein Schlacht- Hofe erzeugten Kunsteises läuft am 31. März 1012 ab. Die Gesellschaft, der auch zwei Stadtverordnete angehören, klagt über schlechte Geschäfte und will daher den Preis für die ersten 7lX)000 Kilogramm von 1.20 M. auf 1 M. pro 100 Kilogramm ermäßigt haben, weitere Quanten sollen von t M. auf 60 Pf. pro 100 Kilogramm ermäßigt werden. Dem stimmten die Stadtverordneten zu. Wäre hier nicht eine Ausschreibung am Platze gewesen? Für bauliche Beränderungen des Versorgungsheimes be- willigte man 1150 M. Für die Umdielung der Turnhalle der VIII. Gemeindeschule werden 1100 M. gefordert und bewilligt. Weiter bewilligte man für Neudielung von vier Klassen der Char- lottenschule 1200 M., für Abputz der Häuser am Kanal 38/39 2800 M., für Abputz deS Kellertores 2000 M., für die Ent- und Be» wässerungsanlage sür daS Grundstück Neue Lnisenstr. 26 2000 M.. für Abputz eines Teiles d-S Siechenhauses 500 M., für Planierung, Befestigung und Entwässerung des HoseS der I. Gemeindeschule 600 M., Restaurierung der VII. Gemeindeschule 1900 M., für Anbringung von Glasjalousien usw. in der VIII. Gemeindeschule 360 M. und für Reparatur des BohlwerkeS vor Neue Luisenstr. 27 1000 M. Die Schüler des Realgymnasiums wollen sich dem Rudersport widmen. Der Direktor Walther hatte sich deshalb an den Verein zur Förderung der Leibesübungen mit dem Antrage gewandt. Mittel zur Anschaffung eines BooteS zur Verfügung zu stellen. Der Verein hatte aber ab- gelehnt mit der Begründung, daß er den Grundsatz vertrete, daß seine Mittel mehr den ärmeren Klaffen zu gute kommen sollen. Nunmehr hat die Stadtverordnetensitzung 300 M. zu dem genannten Zweck bewilligt. Gegen die Bewilligung haben wir nichts einzuwenden, im Gegenteil, wir begrüßen sie. Nur wünschen wir, daß man nicht vergessen möge, daß auch die Gcmelndeschüler Freunde deS Sports sind, daß ihnen aber ihre finanzielle Lage nicht gestattet, Sport zu treiben. Hoffentlich wird deshalb bei der Nächsten derartigen Vorlage, die bereits prophezeit worden ist. auch ein Posten für die Gemeinde- schüler zu finden sein.— Fünf neue Straßen sollen getauft werden. Die vom Magistrat vorgeschlagenen Namen können den Stadtvätern nicht gefallen. Eine Kommission soll die Angelegenheit regeln. Lese, und Tiskutierklub»Wilhelm Liebknecht«. Heute, Dims. tag. abends 9 Uhr, bei Karl Eichhorn, Danziger. Str. 93; Vortrag. Gaste willkommen._ Marktpreis« von Berlin am 8. Juli ISI1, nach Ermittelung de» Königlichen PolizeiprSsidium«. M a r k i b a I l e» p r e i s e.(Kleinhandel.) loa ftUoflrnnmi Erhsen, gelbe, zum Kochen 30,00--50,00. Speisebohnen, weiße 30,00— 50,00. Linsen 20,00-60,00. Kartoffeln 7,00-20,00. t Kilo» flvamm Rindfleisch, von der Keule 1,60— 0,40. Rindfleisch, Bauchfieisch 1,20 bis 1,80. Echiveiiiefleisch 1,10—.1.80. Kalbfleisch 1,30—2,40. Hammelfleisch 1,50—6,20. Butter 2,20-2,80, 60 Stück Eier 8,00—4.80 1 Kilogramm Karpsen 1,60-2,40. Aale 1,60—3,00. Zander 1.60-3,60. Hecht« 1,40 bi» 8,60. Barsche 1,00-2.00, Schleie 1,20-3,40. Bleie 0,80-1,00. 60 Stück Krebse 2,00-40,00._ WitterungSiidiriicklt vom 10. Juli 1911. «ettervroguose für DienStag. den 11. Juli 1911. Trocken und porwiegend heiter, nachts kühl, am Tage wärmer bei mäßigen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterburra» Wasserstands. Raivrichteu der LandeSanstalt sür GewSssertunde. mitgeteilt vom Berliner Deltervureaq »)+ bedeuiet Wuchs, w Fall.■*-') Unierpegel. ßrfcfkaften der Redaktion. Vom Mvntag, den 26. Juni, biL Sonnabend, den 15. Juki einschließlich, findet die Sprechsiunde i» der Zeit von 7>/- bis ß1/« abends statt. 91.®f. Sie brauchen Mitgliederliste und Statuten nicht einzureichen.— erst«. Nein.— Stockholm. 1.— 3. Ja.— Knaat. 1, Der Wirt hat echt. 2. Ihre Mieter müssen die Kündigung annehmen, Sie sind aber schadeiisersabpflichtlg.— Fr. 47. Etwa von 8—7.— Weddingftr. 1». Ja. — L. 30. In rein private Angelegenheiten können wir nicht einwirken. — Lncie 2. Sie können warten, bis fte eine amtliche Aufforderung er» halten, doch empfiehlt sich dies im Interesse der Gesundheil Ihres Kinder nicht.— R. Z. 18. Der Wann dars mit vollendet«»» 21. Lebensjahr heiraten. Vorher nur. soll««r sür volljährig erklärt ist(von IS Jahren ad zulässtg) und außerdem elterlich« Genehmigung erteilt ist.— Krumbholz» öst(«antn mit dem dnisachea Betrage d«r JahrcSrcuie adgesmidc» iverdtM Vi StuTcnfSaTt!ft«Mgen WirreUiMn Gi'e»z?ezli?«» Ivird die Neule sorj- Zczahtt, sonst rubt das Recht dcS RentcnbezuaZ während Ihres Ausent- Halts in Oesterreich.— I. S„ Skalisterstrafte. Gehen Sie in die An- mcldestube des Amtsgerichts Berlin-Mitte, Neue Friedrichstraste. Verschaffen Sie sich vorher beim Vezirksvorsteher ein Annutsattcst und beantragen Sie dann bei Gericht Bewilligung des Armenrechts.— Haschte. Lägt sich nur bei genauer Kenntnis des Sachverhalts beurteilen.— I. W. 1. Ja. 2. Ja. — Wohnung. 1. Ja. 2. Läßt sich nicht genau begrenzen.— M. S. 29. New.-». K. 42. 1. New. 2. Ja. 8. Ja.— E. Z. 27. Ja.- Lehrling. Lassen Sie sich den Mzug nicht gesallen.— W. O. 87. Das Kasscnstatut ist niasigebend.— I. P. lvv. 1. Die freie Wohnung mich berücksichtigt werden. 2. Die Kirchensteuer müssen Sie zahlen. Treten Sic aus der Kirche auS l— L. 38. 1. Sie können nur aus Wiederherstellung der häuslichen Gemeinschast klagen. Der Prozesi kann einige Monate dauern. 2. Ja. 3. Nein.— F. B. 2S. 1. Nicht vorausbestimmbar. 2. Ja. 3. Mit der Veröfsentlichung. 4. Bei beiden.—®ch. 450. Ge. burtSilrwnd«,.- Nr. SS. Tchulz�erzse�e. New. 2. Fa. 3. Fa. — Michaelis. Wenn der Schuldner übe? das Geld verfügen durfte, ge- hört es zur Masse.— W. Ä. 100. Sic müssen zahlen.— Wagner. Sie sind ersatzpflichtig.— F. B. 100. 1. Es genügt, den Chauffeur zu ver» klagen. 2. Drei Jahre. 3. Nein. 4. Privatklage genügt. 5. Sic können den ganzen Schaden ersetzt verlangen, e. Bei dem Gericht, in dessen B�uk der Schaden verursacht wordeu ist oder am Wohnsitz des Beklagtin. � Streitfrage 23». 1. Ja. 2. w.id 3. Rein.— 27. I. Ä. Ja. Lkarlottenburx. L. Gruppe. Am Freitag, den 7. Juli, ber° starb nach kurzem Leiden unser langjähriger Genosse, der Kranken- kontrolleur Ludwig Koppitz Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 13. Juli, nach- mittags 5 Mr, von der Leichen- halle des städtischen Kranken- Hauses Westend nach dem Luisen- Kirchhoj, Fürstenbrunner Weg, auS statt. Die Gcnoffen treffen sich um 4 Uhr im Volkshause. Rege Beteiligung erwartet Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, datz mein lieber Mann, unser herzensguter Vater, Großvater, Schwiegervater, Bruder undSchmager, der Kr anken- kaffenkontrolleur Ludwig Poppitz nach kurzem Kraiikenlager sonst entschlafen ist. 49S3L Die» zeigen tiesbetrübt an Die tramdeii GioterbliefaeneD. Die Beerdigung findet aml Donnerstag, den 13. Juli, nach- 1 mittaas 5 Uhr, von der Leichen- 1 Halle des Krankenhaus«» Westend nach dem neuen Lutsen-Kirchhos, Fürstenbrunner Weg, aus statt. I Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, datz Sonn- abend, niorgens ö Utzr, unser lieber Vater, der Tischler Vodirsd Eiehborn im 64. Lebensjahre nach langem Leiden verltorven ist. Im Namen der Hinterbliebenen liarl Elchhorn. Die Beerdigung findet Donner»- tagnachmittag ö Uhr von der Halle de» Auserslehungs» Kirch hose» in Weißeiisee, Lichtendergcr e-lrabe. au» statt. 26776 Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe unvergeßliche Frau, Mutter und Großniulter 49522 Justine Qrobler geb. Bachsttncer im 65. Lebensjahre verstorben ist. Um stille Teilnahme bitten vnntav Grobler und Angehörige. Dunikerstraße LS. Die Beerdigung fmdet am DonnerSIagnachmiltag 3 Uhr von der Halle d S Gethscmanc-Kirch- Hose? In Nordend auS statt. Am 7. d.MtS., nachmittags 3 Uhr, entschties injolge einer Lungen- entzündung nach kurzem aber schwerem Leiden meine innigst- geliebte, unvergeßliche, brave Frau, unsere gute Mutter und Schwester �nna Kupper g«b. im 46. Lebensiahre. Um stille Teilnahm« bittet im Namen der tiesbetrübten Hinterbliebenen Karl Kupper nebst Kindern. Die Beerdigung sinhet heute. nachmittags 6'/, Uhr, von der Letchenballe des St. Georgen- Kirchhoscs, Landsberger Allee aus statt. 9670h � ,11 II Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei !r Beerdigung meiner lieben Frau, nserer outen Mutter, Schwester, chwägerin und Tante varbar» Poscbmann sage» wir allen Teilnehmern, dem Scköneberger Wahlvcrcin, sowie dem sozialdemolrattschen Gastwirtsoerband und dem Schöneberacr Männerchor für die gütig« Mitwirkung unseren iiesgesühltesten Dank. Valentin Poschmann und Sohn, Schwester, Schwager und Nichten. W Brandenburgisclier Maschinensetzer-Verein Sitz Berlin. Am 7. Juli verschied nach l langem Leiden an der Beruss« krankheit unser liebeS Mitglied, j der Maschinensetzer Willi Schäker auS Neudamm im Alter von 26 Jahren. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Die Beerdigung findet heute, nachmittags 3'/, Uhr, aus dem Rixdorser Gemeinde- Friedhose, Mariendorser Weg, statt. Un> zahlreiche Beteiligung ersucht 2676b Der Borstand. Verband der Gemeinde- u. Staatsarbeiter. Filiale Groll-Berlin. Durch den Tod ist uns einet unjcrer Mitkämpser, der Kollege Mus Pescbel von den Stclnplätzm eniriffen worden. 36/17 Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Ortsverwaltitng. Deutscher Transportarbeiter-Verband.! Bezfrksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Haus- diener Kivksi'Ä AHt am 8. d. MtS. Im Alter von 38 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Di« Beerdigung findet am Dienstag, den Ii. 0. MW, nachmittags 4'/« Uhr, von der Leichen- balle des Zentral-FriedhoseS in FriedrichSsclde aus statt. Rege Beteiligung erwartet 69/6 Die Bezirksverwaltung. Allen Freunden und Bekannten I die traurige Nachricht, daß meines inniggiliebte Frau und Tante �llva Wmaim geb. Porakn am Sonntag, de» 9. Juli 1911, nachts 1 Uhr, im 49. Lebenssahre nach jahrelangen, mit Geduld er. tragcnen Leiden in ihrem Sommer- ausenthalt durch einen Herzschlag verstorben ist. Der tiestrauentde Gatte Karl Uoffmann, Engl. Garten, Alez-anderstr. 27a. Die Beerdigung findet am Milt- woch, den 12. Juli, nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des Georgen-KirchbossS, Landsberger Allee, aus statt. 2674b Allen Freunden, Bekannten und Verwandten die traurige Nach- richt, daß meine liebe Frau, unsere Sui« Mutter, Schwiegermutter und iroßmutter 49S0L Lvnts Ifoan» geb. Seifert im Alter von B3 Jahren Sonnabend früh sonst enlschlasen ist. Die» zeigt hiermit tiesbetrübt an Karl Kranz und Kinder Posen» Straße 82. Die Beerdigung findet am Dienstag, nachmiitagS 6 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral. Fricdhoses in Friedrichsjelde aus Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung nieine» lieben Manne» sag« allen Kollegen, Freunden und Bekannten, ms. besondere dem Gesangverein.Mohr« scheS Doppelqumlett meinen herz. lichsien Dank. L679b Witwe Anna Holzbecher. XUon lisben Frsnnck«» unä Gönnern znr Kenntnio, daß ich mit dem heutigen Tage das altbekannte Etsblieaement Süd-Ost in elegant renoviertem Zustande eröffnet habe und riahte an alle Vereine und Gewerkschaften die Bitta, mich gütigst unterstützen wwouon. pranz Wodapgy Waldemaratr. 75. Deutscher Sauarbeiter-Verband, ■ Zweigverein Berlin. 8Mon der Gips- und Zetnentaehe. Donnerstag, den 13. Juli 1»11, abends 8'/- Uhr, in den„Armin- Hallen�, Komtnandanten-Straste 38— SS: General-Bersammlung. TageS-Ordnung: i. Geschäftsbericht vom 2. Quartal. 2. Bericht von der Berliner GewerkschastSkommIssion Und Wahl eincS Delegierten. 3. Verschiedenes und Branchenangelegenheitcn. Zlltellvdshavh leeltlmlvrt.»»»»»„»»»»»»»» Zahlreichen Besuch erwartet »er Schtlonsvorstaml. Sonnabend den SS. Juli 1S11, in KliemS Festsälen, Hasenheide: Erstes Stistilitgg-Ftst des ZnlkigVttMS Scrlii!. SlllettS hierzu stnd bei den HauSIassterern und im Buremi, Engekuser 16, zu habe». Wegen Inventur der Bibliothek bleibt dieselbe im Monat Juli geschlossen. Alle noch entliehenen Bücher ersuchen wir, bis Montag, den 17. Juli er., zurückzuliefern. 139/3* Bor �«'vlzxvorvlasvarstaad. r in Verwaltung Berlin. Tischler. Bezirk Nixdorf. Donnerstag, de« 13. Juli, abend«>/, Uhr lgleich nach Feierabend), im Jdealkasino(Strömte). Weichselstr. 8: Bezirks-VersammBung. TageS-Ordnung! 1. Vortrag deS Kollegen I.aii;thanimcr über»Die Berliner ""'" i Funktion«. 2. Verbandsangelegenheiten. 8. Ver. Zahlstelle und deren schieden e». Um zahlreiches Erscheinen ersucht »je kLommisnIon. Sanntae, den 16. Jnll, frUh 7 Uhr: Herrenpartie nach Helmühle-Biesenthal. Ticffvunkt am Denkmal. Eck« Richard, und Bergstraße. Absähet Stettiner Fernbahnhos S Uhr 30 Min. Treffpunkt für Nachzügler: Resiauranl»See- schloß' in Viesenthal. 36/12 ZlrbeitSnachweiS: Hos l. Amt 3, 1239. Berwaltungoftelle Berlin. Hanptburea«- CharittstrsSe 3. Hos in. Amt 3. 1937. Donnerstag, den IS. Juli» abends 8'/, Uhr, im Saale l des Gelverkschaftshauses, Engelufer 16: Versammlung der Sauausebläger. Tagesordnung: 1. Verband»« und Branchenangelegenheiten. 2. Verschiedene». NU. In dieser Versammlung werden Flugblätter und die BillettS zur Dampferpartie ausgegeben: ein guter Besuch ist darum nöilg. 119/16 Bl« Ortaverwaltang. Gemeinsame Orts- Krankenkasse für Dt.-Wilmersdorf und Umgegend. Die Vertreter der Arbeitgeber werden hiermit zu einer am Tonntag, den 10. In« 1S11, vormittags 11 Uhr, im Uhlaiidkasin?, Uhlandstr. 116/17, stattfindenden Versammlung ergebenst eingeladen. Tage». Ordnung! Ersatzwahl für das ausgeschiedene Vorstandsmitglied W. Arndt für die AmtSpcriode bis 30. September 1911. Dt.-Wilmersdors, 7. Juli 1911. Der Borftand. I. A.: 277/7 Riedel, Tuckermann. Vorsitzender. Schriftsührer. OrtskraiiiteDta der Bildhauer, Mateiireu.verwan[!teGeverhe zu Berlin. Die in der Generalversammlung vom 26. April d. I. beschlossene zehnte Statutenänderung des§ 30 unsere« Statuts, wonach vom 1. Mai d. I. ab bei nur tagcweiser Bcschästigung innerhalb einer Woche, nur sür die Einlrittswoche der volle Wochen- beitrag erhoben wird, sür die AuS. trsttswoche aber gar nicht, wenn das Arbeitsverhältnis vor dem Sonnabend gelöst wird, ist am 13. Juni d. I. vom Bezirksausschuß genehmigt worden. 277/11 Berlin den 11. Juli 1911. Der Vorstand. I. A,! Frist Waldester, Vorsitzender. MAN0U iWHt-r1'"" Cigarettes Belieble Spedaimartfen Abbas Dandy Glbson Girl gogaslcffe Riesenauswahl aller Qualitäten, Wolle- Dnpitnl Bocquctta. PlUssh-KBSlO- Saiteliasclien. Muster bei näherer Angabe franko. Eil Lefävre, 0™*�. 1S8. 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