Kr. 160. flbonnemcntS'Bcdingungenj kbonnements- Preis pränumeranda i LicrtcljShrl. SP0 Mr., nionarl. 1,10 Mr., wöchentlich 28 Pfg. frei WS Haus. Einjelne Stummer S Pfg. Sonntags. Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. iwonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeiNings- Preisliste. Unter Ureuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnemenls nchincn alt: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxcniburg, Portugal, kuinänien, Schweden und die Schweiz, 23. Jahrs. die ftriertZonZ-GediUi? Betrügt für die fechsgefpallene Uolonef« zeile oder deren Raum K0 Psg.. für politische und gewerlschastliche Versus- und Versainnunngs-Anzeigen 30 P°g. „Aleine Mnzcigtn", das fettgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2 settgedruclte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafslcllcuan. zeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes wettere Wort b Psg. Worte über IS Auch. ftaben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 1 Uhr abends geöffnet. krlchrinl täglich auScr Msütilg». Vevlinev VolKsblcltk. Tentralorgan äer fosialäemokratifcken Partei VeutfeKlanÄs. Telegramm> Adresfei «Söbisltlemsiirat Keriill" Up» K.ectaKNon: SAl. 68, I-inclens�uasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Mittwoch, den 12. Juli 1911. SxpecUtion: 8M. 68, Lindcnstrasac 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. €$ geht aufwärts. t. Wir hatten uns nicht getäuscht, als wir vor etwa zwei Jahren im„Vorwärts" schrieben, ein Erwachen der revolu- tionären Energie in der russischen Arbeiterklasse sei nur von dem wirtschaftlichen Aufschwung zu erwarten. In den letzten anderthalb Jahren geht es ebenso bestimmt aufwärts, wie in den vorherigen zwei bis drei Jahren abwärts. Die in manchen Parteikreisen gehegte Hoffnung, daß die chronische Krise zur Verschärfung der Unzufriedenheit, zur Empörung der Massen und zu einer neuen Revolution führen werde, hat sich in keiner Weise erfüllt. Es konnte auch gar nicht anders fein. Die Revolution, durch den Gegensatz zwischen den kapitalistischen Produktivkräften einerseits, der agrarischen und der staatlichen Barbarei andererseits entstanden, nicht wegen angeblicher taktischer Fehler, sondern lvegen der ungenügenden Kraft der revolutionären Klasse durch die Reaktion bezlvungen, kann sich entfalten und zum Siege gelangen nur auf dem Wege der weiteren Entwicklung der neuen sozialen Klassen, durch Verschiebung der sozialen Kräfte zugunsten des Prole- tariats, durch fortschreitende Verschärfung des grundsätzlichen Gegensatzes zwischen den Bedürfnissen der kapitalistischen Ent- Wickelung und dem Rahmen des scheinkonstitutionellen Zarismus. Hätte die Revolution bei ihrem ersten Anlauf gesiegt, den Bauern befreit, den Feudaladel samt seiner monarchischen Spitze zur Strecke gebracht, dann hätte Rußlands ökonomische Entwicklung ricsenmäßige Dimensionen angenommen. Weil sie aber dies zu vollbringen nicht vermochte, muß die Geschichte ihre soziale Minierarbeit weiter führen. Der wirtschaftliche Aufschwung wird, dabei zu ihrem bewegenden Faktor. Die russische Bourgeoisie hatte lange auf„Besserung" gewartet. Bei den ersten Anzeichen der industriellen Belebung stürzte sie sich Hals über Kopf auf das Gebiet der zügellosen Börsenspekulation. Indem sie dabei die natürliche Erweiterung der Produktion vielfach überstürzte, erfährt sie bittere Rückschläge. Für� ein paar Monate verfällt sie dann in pessimistische Stimmung, schimpft auf die Regierung oder tobt sich in einenl platonischen Jniperialismus aus, um gleich darauf, auf den weiteren Ausschwung der Industrie gestützt, einen neuen Börsenzug der Habgier zu beginnen. Die Preßorgane der Regierung und insbesondere des Finanzministers Kokowzoff haben sich in diesem Frühling große Mühe gegeben, das Börsenpublikum zur Räson zu bringen. Die Konjunktur sei freilich befriedigend und vielversprechend, aber bei weitem noch nicht so glänzend, um diese fieberhafte Hausse der Dividendcnpapiere zu recht- fertigen. Macht Euer Spiel. Ihr Herren, aber mit etwas mehr Mäßigung, denn sonst rennt Ihr in den Krach hinein!— Daß der russische Finanzminister, der bewährte Meister des Börsenschwindels. in manchen Staatsrenten jetzt Plötzlich als strenger Börsenmoralist auftritt und das„gesunde" Verhältnis zwischen Produktion und der Börsengebarung durch Mäßigkeitspredigtcn aufrecht zu erhalten strebt, ist ein wirk- liches Schauspiel für Götter. Die beutegierigen Götter der Börse finden aber wenig Spaß daran. Sie treiben ihr Gc- schüft weiter— in den Krach hinein. Der unverineidliche Börsenkrach, dessen Symptome schon jetzt zu spüren sind, wird aber bei weitem noch nicht den Ansang einer neuen Handelskrise bedeuten. Unigekehrt. Man kann mit Gewißheit annehmen, daß erst nachdem eine hübsche Börsenkatastrophe die Luft gereinigt und dem großen Publikum Räson eingepaukt haben wird, das Finanzkapital aus der Sphäre- der Spekulation in die Sphäre der Produktion drängen und dadurch erst den wirklichen industriellen Aufschwung be- fördern und befestigen wird. Für das Proletariat bedeutet dies eine Periode der Gesundung und Sammlung der Kräfte. Die soeben erschienene Nununer des legal erscheinenden Organs des Petersburger Metallarbeitcr-Verbandes schreibt darüber folgendes: .... Nichts ist imstande, den siegreichen Aufgang der Sonne aufzuhalten... Die Zeichen der Belebung mehren sich im Lande von Tag zu Tag. Immer wahrnehmbarer wird der neue industrielle Aufschwung. Jnfolgedesien verringert sich die Armee der Arbeitslosen, die gleich einem Bleigewicht den Willen und die Allivität der Arbeiterklasse niedergedrückt hatte. Der große Schrecken, durch die Niederlagen der Jahre 1995—1907 geschaffen, verschwindet in den Arbeitcrkreisen. Es wächst die Lust am Kampfe, neue Kraft wird gesammelt, je länger, desto stärker wächst die Streikbewegung... Das Proletariat, der Hauptbeweger des öffentlichen Kampfes in Rußland, erwacht. Und das Proletariat, das die BasiS der sozialen Pyramide bildet, kann nach einem be» währten Wort kein einziges Glied bewegen, ohne dabei den ganzen Bau bis zu seiner, Spitze ins Wanken zu bringen." Das Zitat zeigt zu gleicher Zeit, welch mutigen und würdevollen Ton unsere legale Arbeiterpresse führt. Die letzte Nachricht aus Rußland lautet aber, daß der Gradsnatschalnik(Stadthauptmann) von Petersburg die Zeit- schrift augenscheinlich eben wegen des zitierten Artikels mit 600 Rubel Strafe belegt hat— nicht zum ersten und auch Nicht zum letzten Male. �„.. Die Wicdererstehung der Partei geht zugleich auf zwei Gebieten der Tätigkeit vor sich: in den offenen Berufs» und Bildungsvereinen wie in dem unter» irdischen Versteck. Die illegalen Organisationen be» kommen einen günstigeren Resonanzboden in der neuen lebendigeren Stimmung der Massen. Die Petersburger ge- Heimen Bezirksorganisationen entfalten eine schon seit Jahren nie dagewesene rege Tätigkeit in kleinen Versammlungen, Flug- schriften und improvisierten Meetings nach dem Arbeitsschluß auf den Werkstätten. Moskau ist auf diesem Gebiete wie auch auf dem der legalen Vereinigungen weit zurückgeblieben. Die K i e w e r Organisation entfaltete im letzten Jahre eine sehr intensive Agitationsarbeit vermittelst einer geheimen Druckerei. In Riga zählt die lettische Sozialdemokratie 1500 Partei- Mitglieder. Die vor etwa drei Monaten stattgefundene kau- kasische Parteikonferenz hat 1080 zahlende Partei- Mitglieder vertreten. Von großer Wichtigkeit sind ihre Reso- lutionen, von denen eine hervorhebt, daß der die oberen Partcikreise zerreißende Streit zwischen den„Liquidatoren" und„Antiliquidatorcn" künstlich aufgebauscht und verschärft worden ist, da wir in der Partei keine Strömung haben, die mit den Parteitraditionen brechen oder auf die Parteiorgani- sation verzichten möchte. Daher sei die unabwendbare Auf- gäbe des Moments— das Aufgeben der ganzen sich um das „Liquidatorentum" drehenden Polemik und das Sammeln aller Kräfte der Partei vermittelst einer großen Parteikonferenz, die die illegalen Organisationen mit den zahlreichen sozial- demokratischen Elementen der„offenen" Arbeitervereine vcr- einigen werde. Diese Auffassung beherrschte auch die letzten Konferenzen der lettischen Sozialdemokratie und des„Bundes". Auch die bis zur letzten Zeit ganz zerstreuten sozialdeisio- kratischen Eleniente der legalen Organisationen haben unlängst ihre Konferenz(selbstverständlich ini geheimen� abgehalten. Die wichtigste Resolution der Konferenz beginnt mit folgenden Worten: «Das bemerkenswerte Erwachen des Jntereffes an den Fragen des politischen Lebens unter den Arbeitern fordert gebieterisch die Wiederher st ellung der russischen sozialdem»- kratischen Arbeiterpartei. Diese Wiederherstellung kann nur aus dem Wege des Hiiielnziehens der weiten Arbeiler- massen in die offenen politischen Kundgebungen, auf dem Wege der aktiven und selbständigen Beteiligung der Arbeiterklasse an dem öffentlichen Leben vor sich gehen." Da gerade diese sozialdemokratischen Elemente das Objekt der Anklagen in bezug auf ihr„Liquidatorentum" waren— und nicht immer ohne Grund— so sind ihre letzten Beschlüsse, denen sie auch praktische Bedeutung zu geben verstehen, von eminenter Wichtigkeit für die nächste Zukunft der gesamten Partei. Die stolypinsche Meute antwortet auf die Belebung in den Arbeiterkreisen mit verzehnfachten Verfolgungen, massenhaften Verhaftungen, Ausweisungen, Gcrichlsprozessen, Verbannungen, Geldstrafen und alle möglichen Schikanierungen der Berufs- und Bildungsvereine sowie der legalen Arbeiter- presse. Die„Liquidatoren" von gestern und ihre„illegalen" Brüder und Gegner werden nicht nur auf dem Schlachtfelde der Politik, sondern auch in den zarischcn Gesängniszellen vereinigt. Die Masse— und dies ist daslerfreulichste Symptom— will sich das aber nicht mehr ruhig ge- fallen lassen. Sie begegnet den Auslösungen der legalen Organisationen nicht mehr mit Passivität und Niedergeschlagenheit, sondern niit entschiedenem Protest. Jetzt, wo der industrielle Aufschwung für sie die Möglichkeit eröffnet, die binnen der letzten 3— 4 Jahre preisgegebenen Positionen wieder zu erobern und zu behaupten, wird für die Arbeiter die Frage der Organisation eine Frage auf Leben und Tod. Ans dieser Stimniung des vorgeschrittensten Teiles des Proletariats ist der Plan einer imposanten Massen- kundgebung entstanden in der Form einet P r 0 t e st- Petition an die Duma. Die Petition iveist darauf hin, daß die Vereins-„Negeln" vom 4. März 1906, die ohnehin für die Arbeiterbewegung einen spanischen Stiefel bilden, von der Administration auf Schritt und Tritt ganz willkürlich eingeengt werden; daß zur selbenZeit wo die scharfmacherischeuArbeitgeber- verbände durch die Regierung nicht nur geduldet, sondern direkt gefördert, die Arbeiterorganisationen umgekehrt zum Objekt der zügellosesten Verfolgungen werden.„So kann es nicht weiter gehen", schließt die Petition.„Wir fordern Vereins-, Versaminlungs- und Streikfreiheit.— und werden sie er- obern, koste es, was es wolle. Wir lenken die Aufmerksam- keit der Duma auf die Lage und wir beharren auf der un- verzüglichen Erörterung dieser Frage, die für uns eine Lebens- frage ist. Das ganze Land soll wissen, wie die Arbeiterrechte von dem Gesetze, von der Duma und der Regierung geschützt werden." Schon ans dem Text der Petition ist ganz deutlich zil ersehen, daß die Petenten sich von der Dunia selbst nicht viel versprechen. Was sie aber anstreben ist eine politische Demonstration, die die Kräfte der bewußten Arbeiter- schaft in einem öffentlichen Auftreten sammelt und die Auf- merksamkeit der ganzen Klasse auf ihre wichtigste politische Forderung und dadurch auch auf ihre parlamentarische Vertretung, das heißt auf die sozialdemokratische Dumafraktion lenkt. Es sind leider bei uns in manchen Parteikreisen noch zienilich starke politische Vorurteile vorhanden, die sich ent- Weder gegen„allzu viele" parlamentarische Aktionen wenden oder gegen die Pctitionsform im besonderen, die den Vc- treffenden in: schiefen Lichte einer„Bittschrift" an die Duma erscheint. Daher sind auch bei dieser Aktion manche vollkommen entbehrliche Reibungen entstanden. Doch werden diese ohne Zweifel überwunden werden. Die Unterschriften der Arbeiter werden eifrig gesamnielt. Und unsere Dumafraktion, die im Herbst zwei Gesetzentwürfe über Koalitionsfreiheit und Streikrecht einzubringen beabsichtigt, wird dann in ihrem Auftreten von einer Massenprotestpetition der Arbeiter unterstützt Iverden. Dadurch wird diese Aktion sehr an Bedeutung gewinnen. Daß die Sache damit nicht ihren Abschluß findet, daß die Petition vielmehr nur den Aus- gangspunkt einer neuen Epoche der poli- tischen Massenbewegung bilden und diese Bewegung unvermeidlich in ihrem weiteren Laufe zu immer schärferen Mitteln greifen wird, ist ohne weiteres klar. Alles in allem: es geht aufwärtsl Sie MarMoverhanSIungen. Ein Pariser Telegramm meldet: Der Minister des Aeußern de Selbes lehnt jede Mitteilung über die fran- zösisch-deutschen Vorverhandlungen ab. Es hat jedoch den Anschein, daß diese Verhandlungen unter günstigen Bedingungen erfolgen, und daß die Befürchtungen wegen einer Spannung in den Beziehungen beider Mächte beseitigt sind. In gleichem Sinne schreibt heute der„Matin": Damit die Verhandlungen über die Marokkoangclegenheit nicht durch Erörterungen und Ansichten Dritter irgendwie beeinträchtigt werden, hat man in Berlin und Paris beschlossen, v 0 l l st e s Geheimnis über die Besprechungen zu wahren. Aber wir können versichern, daß die französische Regierung bezüglich der Deutschland zu gewährenden Entschädigungen in weit- herzigster Weise verhandeln wird. Aus deutschen offiziösen Auslassungen ist zu schließen, daß die Verhandlungen längere Zeit in Anspruch nehmen werden. Der JMarohho-KonfUht und das internationale Bureau. Die offiziellen Depeschenbureaus haben am Freitag die Einberufung des internationalen sozialistischen Bureaus gc» meldet. Die Nachricht ist ungenau, wie aus dem Bericht her- vorgeht, den der Vertreter Frankreichs in diesem Bureau, Genosse Vaillant, am Sonntag im Nationalrat der fran- zösischcn Partei, erstattet hat. Der Wortlaut eines von ihm am 8. Juli an den internationalen Sekretär H n y s m a n s gerichteten Briefe zeigt den wirklichen Sachverhalt. Der Brief lautet: «Während die Blätter gestern abend eine von Ihnen beschlossene Einberufung des I. S. B. meldeten, hat Ihr heute eingetroffener Brief nur eine Anfrage in bezug auf diesen Gegenstand zum Inhalt. Mein letzter Brief hat sie im. voraus beantwortet, indem er Ihnen mitteilte, daß die Verwaltungskommission der geeiuigten Partei und die Fraktion in ihrer gemeinsamen Sitzung den- Wunsch ausgedrückt haben, daß jede Verschlimmerung der Lage in Marokko die Einberufung der Delegierten der betroffenen Länder, Frankreich und Spanien unter Teilnahme des I. S. B. zur Folge haben sollte, sobald die spanische Partei ihre Zustimmung gegeben hätte. Unsere BerwaltungSkommission sollte sich schon jetzt mit der spanischen sozialistischen Partei in Verbindung setzen. In Ihrer Antwort vor acht Tagen sagten Sie mir. daß sich daS I. S. B. an sie gewandt hätte. Die Entsendung des deutschen Kriegsschiffs nach Agadir und ihre Konsequenzen bewirken, daß diese Konferenz, wenn sie stattfindet. nur dann einen Sinn hat, wenn Delegierte der deutschen und der englischen Sektion daran teilnehmen. Nur eine Einberufung des I. S. B. kann sie in wahrhaft nütz- sicher Weife verwirklichen. Andererseits ist die Gefahr nicht dringend genug, als daß diese Einberufung auf unseren Antrag ohne Befragung der nationalen Sektionen erfolgen sollte. Wir müssen uns also bescheiden, Ihre Anfrage gutzuheißen, denn die Einberufung wäre ohne die gesicherte Anwesenheit der Delegierten Deutschlands. Englands und Spaniens zwecklos. Aber wenn die Gefahr wachsen und drohend werden sollte, würde unser Wunsch sofort zur formellen Forderung werden und das I. S. B. müßte augenblicklich, ohne ew neue Korrespondenz und Anfrage weder bei uns noch bei irgend einer anderen Sektion einberufen wenden. Sollte die jetzige Anfrage zu einer Versammlung des I. S. B. führen, so wäre es gut, daß sie sofort stattfände, sei es auch nur. um, abgesehen von den Ereignissen vor ihrem Auseinandergehen, die Delegiertenversammlung zu erleichtern." Dieser von Vaillant im Einvernehmen mit Jaurös und Gucsde verfaßte Brief wurde vom Nationalrat gutgeheißen. In der kurzen Diskussion wies Vaillant auf die Not- tvendigkeit für die Verwaltungskommission hin. mit den deutschen, englischen und spanischen Genossen in Fühlung zu bleiben, und Jaurss schlug unter allgemeinem Beifall die Einladung der deutschen und e n g l i s ch e n G c n 0 s s e n zu dem am Mittwoch von der Seine-Födcrasion abgehaltenen Meeting vor. �iederträcktige Retzc. Wir haben gestern die Ausführungen der parteiamtlichen „Konserv. Korrcsp." wiedergegeben, in denen die konservative' Parteileitung zynisch erklärt, ein Krieg um Marokkos willen wäre ihr recht. Sowohl die..Krenz-Ztg." als auch die '„Deutsche Tagesztg." tjüBcit diese Gewissenlosigkeit totgeschwiegen- und die Erklärung nicht gebracht. Selbst diese Organe wagten nicht abzudrucken, was die Leitung ihrer Partei als ihre Meinung verkündet. Eine schärfere Kritik ist wohl kaum denkbar. Deutlich aber muh es gesagt werden: Was die korservative Parteileitung da getan hat, ist eine Nieder- t r a ch t. Bisher haben nur ein paar alldeutsche Preß- organe, deren Hintermänner an Kriegsliefenrngen niateriell interessiert sind," zum Kriege gehetzt. Daß aber die Leitung der einflußreichsten und regierenden Partei in Deutschland frivol genug ist, zu er- klären, der Krieg Iväre ihr recht, das zeugt von einer Gewissenlosigkeit, die man kaum für möglich gehalten hätte. Herr v. Heydebrand scheint nicht nur im Juckern, sondern auch nach Außen nur mehr eine Desperadopolitik zu kennen. Und das nennt sich staatserhaltend! Gewiß, die Konservativen zittern vor den Wahlen. Sie möchten um jeden Preis eine Ablenkung. Marokko kommt ihnen als Wahlparole ganz gelegen. Die Per- Handlungen werden sich ziemlich lange hinziehen und da findet sich leicht mal eine Gelegenheit, die nationalistischen Instinkte aufzustacheln, die Aufnierksamkeit der Wähler von ihrer Entrechtung i n P r e n ß e n. von dem g r o ß e n Steuer- r a u b z n g im Reiche abzulenken. Und a»f Herrn v. Kiderlen- Wächter glauben sich die Konservativen verlassen zu können. Ist er doch ihr politischer G c s i n n u n g s- genösse, der intime Freund der B u ch, Branden- stein und Kröcher. So mögen sie denn hoffen, daß er bei der Besorgung der auswärtigen Politik auch etivas innere Politik— Wahlpolitik— im konservativen Sinne treibe. Daß konservative Politiker nichts dringender brauchen könnten, als eine Neuauflage des Hotten- tottenschwindelS, läßt sich begreifen. Unbegreiflich aber ist es, wie in der parteiamtlichen Korrespondenz dieser Schwindel vorbereitet wird. Für dieses verbrecherische Spiel mit dem Kriege gibt es keine Recht- fcrtigung. Es soll den Konservativen auch nicht vergessen werden. Ja, die Marokkoejefchichte wird bei den Wahlen eine Rolle spielen I Den Wählern wird erzählt werden, daß den Konser- vativen ein europäischer Krieg um ein paär Minenkonzefsionen für eine kapitalistische Cligue recht ist. Die Wähler werden befragt werden, ob es ihnen recht ist, daß ihre Geschicke noch länger in der Hand solch gewissenloser Beutepolitiker bleiben soll. Die Entrechteten in Preußen werden gefragt werden, ob sie nunmehr begreifen, daß der Sturz der konservativen Herrschaft durch die Er- oberung freS gleichen Wahlrechts für sie im strengsten Sinne des Wortes eine Lebensfrage bedeutet. Und sie denken, die Antwott an die Konservativen wird klar und deutlich sein. Die«Deutsche Tagesztg." hetzt folgendermaßen: .Demgegenüber liegen die politischen Berhälwisse im ganzen gesehen so, daß Deutschland die Forderungen, die es sich mit allen aus ihnen erwachsenden Folgen durchdacht hat, auch durch- setzen muß und kann. Und in diesem Sinne kann, wie in jeder derartigen Situation, jeden Augenblick die Frage der nationalen Ehre akut werden, so viel man auch in einigen Teilen der deutschen Presse hervorhebt, daß Marollo an sich die deutsche Ehre nicht berühre und ein Krieg um Marokko ein Unding sei. Das ist zuzugeben, aber doch daran zu erinnern, daß die deutsche Kandidatur für den spanischen Thron im Jahre 1870 an sich auch keine Frage deutscher Ehre war." Da dke deutsche Thronkandidatur der unmittelbare Anlaß zrim deutsch-französischen Krieg war, so ist hier in vorsichtigerer Form allerdings etwas ähnliches gesagt, wie in der Auslassung der konservativen Korrespondenz. Was sagt übrigens diedeittsche Regierung zu der konservativen Kriegshetze? Die Marokkofrage vor der Kammer. Pari?, 11. Juli. Deputiertenkammer. In der heutigen Sitzung erklärte der Minister des Aeußern de Selbes bezüglich der Agadir-Angelegenheit: Man hat von mir Auskünfte der- langt über die Borgänge, die mit der Entsendung eines deutschen Kriegsschiffe« nach Agadir.im Zusammenhang stehen. Ich kenne die Weisheit und den Patriotismus, der die Kammer beseelt, und an diese Eigenschaften appelliere ich in dieser Stunde. PourparlerS haben begonnen,«ine Besprechung ist im Gange und ich bitte darum, zu- gestatten, daß diese Besprechung in Ruhe und in der hohen und würdigen Form vor sich gehe, die Groß- mächten, die sich mit einander unterhalten, geziemen. lLebhafter Bei- fall auf allen Bänken mit Ausnahme der äußersten Linken.) Wenn die Stund« gekommen sein wird, werden wir, seien Sie überzeugt, nicht zögern, vor Ihnen zu erscheinen und Ihnen zu sagen, was wir getan haben.(Eine Stimme auf der äußersten Linken: Für den Frieden! Ausrufe auf verschiedenen Bänken) und wie wir gehandelt haben, und Sie zu bitten, meine Herren, abzuwägen, zu prüfen, zu erklären, ob wir auf der Höhe unserer Aufgaben gestanden haben. Für diesen Augenblick bitte ich Sie um die Erlaubnis, diese Tribüne verlassen zu dürfen und uns Bertrauen zu schenken. Di» im Gang» befindliche Besprechung wird mit der beharrlichen und unerschütterlichsten Sorge für das geführt werden, was die Interessen und die Würde des Landes erfordern(anhaltender Beifall auf allen Bänken mit Ausnahme der äußersten Linken) und auch mit der Sorge dafür. mit der Macht, mit der wir unterhandeln, die Bezichungen guten Einvernehmens und vollkommener Loyalität anfrechtzuerhaltc». (Langandauernder Beifall aus den gleichen BänkenP I a u r ö S verlangte, daß die Debatte morgen beginne. D i e Würde Frankreichs sei in keiner Weis» in Gefahr. De SelveS verlangte Bertagung auf unbestimmte Zeit, die mit 476 gegen?7 Stimmen angenommen wurde. Rücktritt MoinierS? Paris, 11. Juli. Wie auch Tanger gemeldet wird, soll der Oberbefehlshaber der französischen Truppen seit einigen Tagen erkrankt sein und falls er Nicht wiederhergestellt werde, durch General D i t t e ersetzt werden. Moinier in Rabat. Paris, 11. Juli. Wie die«Agence HavaS* aus Rabat vom 10. Juli meldet, ist General Moinier ani S. Juli in Tieftet wieder zu General Ditte gestoßen und hat dann, da er an Fieber litt, die Kolonne Verlaffen und sich nach Rabat begeben. Spanifch-französifche Konflikte. Paris, I1..-Juli. Aus Elkfar wird vom 9. Juli gemeldet: Spanische Patrouillen hielten nach einander die Karawanen deS franzönschen Kaufmanns M o n t a g n e und des DireltorS der drahtlosen Telegraphie B i a r n a y an. ließen sie jedoch nach Durch» suchung ihres Gepäcks wieder frei, beschlagnahmte» aber ihre Waffe». Wie die„Agetice HabaS" meldet, rechtfertigen die Spanier die Entwaffnung Montagnes und BiarnayS mit einem Erlaß des Oberst S y l v e st r e, der das Tragen von Waffen verbiete und Elksar in Belagerungszustand versetze. Montagne habe Klage beim französischen Konsul eingereicht. Die Aghien in Bulgarien und die Sozialdcmeltratie. Man schreibt nns aus Sofia: Am 18. Juni fanden in Bulgarien allgemeine Wahlen für die große Nationalversammlung statt, die die mit der Unabhängigkeits- erklärung des bulgarischen Fürstentums und mit dessen Erhebung zun, Königreich, eigentlich zum Zarat(Zarstwo) erforderlich gewordenen Abändernngeu des VerfassungsgesetzeS durchsühren soll. Das unlängst verabschiedete Kabinett der demokratischen Partei, war cS, das den» Wunsche des allmächtigen Ferdinand von Bulgarien willig Folge leistend vor drei Jahren in unmittelbarem Zusammenhang mit den»ach der jungtürkische« Revolution am Balkan geschaffenen Berhältnisseiif Bulgarien«unabhängig" erklärte, indem es dem herrsch- süchtigen Fürst Ferdinand den protzenhaften Titel eineS„Zaren der Bulgareit" verlieh. Damit tot die damalige Regierung einen dreisten liebergriff auf die Verfassung des Landes, die im Nu um- geändert wurde, ohne darum die Aolksvertretung zu befragen, wie eS ja die bulgarische Konstitution erforderte. Dieser Gewaltstrcich der Regierung Ferdinands von Koburg auf das StaatSgrundgesetz wurde jedoch, im Grunde genommen, von sämtlichen bürgerlichen Parteien gutgeheißen. Ein einziger Protest wurde mit aller Entschiedenheit und Energie gegen diese linverschninte Vergewaltigung des Volksrechtes seitens des Monarchismus und der kapitalistischen Bourgeoisie erhoben, und dies war der Protest der jungen bulgarischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, die freilich gegen die Unabhängigkeit der bulgarischen Nation nichts einzuwenden hätte, dafür aber gegen die damit der« bundene Steigerung der monarchischen Gewalt Stellung nehmen mußte. Die Regierung benutzte die sich darbietende Gelegenheit, um in die AbänderungSvorlage, die verfaffungsgemätz vorerst von der ge« wöhnlichen Nationalversammlung verhandelt und festgesetzt werden mußte, zugleich auch solche Artikel deS Staatsgrundgesetzes hinein- zuschieben, die darauf hinzielen, die Prärogative der Krone noch mehr zu steigern. So wird in der Vorlage eine Umänderung des Artikel 17 der Verfassung vorgesehen, womit dem„Zaren der Bul- garen' das Recht eingeräumt wird, politische Verträge und Abmachun- gen mit fremden Staaten abzuschließen, ohne die Einwilligung iber Volksvertretung dazu holen zu müssen, wie es bis jetzt das VerfassungS- gesetz erforderte. Ferdinand, der tatsächlich die auswärtige Politik des Landes vollständig auf seine eigene Faust führ» und seine jeweiligen Minister bloß als Figuranten behandelt, soll nun auch fonnell die Berechtigung zugestanden werden, über das Schicksal des Landes ganz nach seinem eigenen Ermessen zu verfügen und gegenüber den imperialistischen Bestrebungen Oesterreichs oder Rußlands am Balkan folgenschwere Verpflichtungen zu über- nehmen, ohne darum den Willen des bulgarischen Volkes beachten zu brauchen! Weiter wurde in der Vorlage auch eine bedeutende Erhöhung der Zivilliste und die definitive Anerkennung der Familie Ferdinands von Koburg als für alle Zeiten regierende Dynastie in Bulgarien vorgesehen. * Bei alledem ist eS klar, daß die UmLnderimgen der bulgarischen Konstitution im großen ganzen nut darauf gerichtet sind, die Position des Monarchismus in Bulgarien noch mehr zu festigen, dessen Bor- rechte zu steigern und dessen Macht auszubreiten. Die bulgarische Sozialdemokratie hatte die Aufgabe, die Arbeiter- maffen über die Bestrebungen des persönlichen Regiments auf- zuklären und mit aller Energie und Entschlossenheit gegen die Regierungsvorlage aufzutreten. Diese Aufgabe erfüllte sie, ihren Kräften entsprechend, mit gutem Erfolg. In dem Wahlkampf richtete sie sich gegen die Monarchie und den Kapitalismus und erhob die Forderung nach einer demokratischen föderativen Balkanrepublik. Dagegen erklärten sich alle bürgerlichen Parteien ausdrücklich für die Monarchie und gegen die Republik. Die bulgarische Bourgeoisie sieht in dem Monarchismus die zuverlässigste Stütze ihrer Herr- schaft über die Arbeitermasse und die bebrückten Volks- schichten. Sie gewährt daher ganz willig ihre Unterstützung der monarchischen Gewalt und ist dabei überzeugt, daß die Steigerung dieser auch die Festigung ihrer eigenen Machtstellung bedeutet. In den Wahlen stellte die sozialdemokratische Arbeiterpartei überall selbständige Kandidaturen auf und eroberte dabei annähernd 13 000 Stimmen. Ein ganz schöner Erfolg, wenn man bedenkt, daß sie in den allgemeinen Wahlen vor vrei Jahren nur 2SV0 Stimmen erhalten konnte. Unsere Partei gewann dabei auch ein Mandat in der Stadt Trojan, woselbst Genoffs Wl. Ä l a s k o w S t y, ein Lederarbeiter, mit 1920 Stimmen gewählt wurde. In Sliwrn, einer der größten Industriestädte Bulgariens, fiegte unsere Partei über die Regierungskoalition der nationalen und der progressiven Parteien und wenn diese trotzdem den Wahlkreis er- oberte, so war dies nur den Baueriistimmen der umliegenden Dörfer zu danken. In der Stadt Samokow, woselbst die sozial- demokratische Arbeiterpartei den Gemrinderat seit einem Jahr im eigenen Besitz hält, siegte sie mit einer Mehrheit von 800 Stimmen über alle bürgerlichen Parteien zusammengenommen, einschließlich die Regierungskoalition; die letztere gewann jedoch auch diesen Wahlkreis dank den Bauentstimmen der Umgegend. In allen größeren Provinzstädten, wie Philippopel, Warna, Rustschuk, Plewna, eroberte sich unsere Partei den ersten Platz nach der Regierungs- koaliiion und siegte über alle sonstigen bürgerlichen Parteien. In Sofia erzielten wir eine 400 prozentige Vermehrung unserer Stimmen. Die Partei der sogenannten.geeinigten weltherzigen Sozialisten' trat zuerst für die Republik auf und als sie später zur Einsicht ge» langte, daß die kleinbürgerlichen Parteien, die Radttaldemotraten und die Bauernbündler. mit denen sie in ein Wahlbündnis treten wollte, sich entschieden gegen die Republik und für die Monarchie erklärten, ließ sie ihre republikanische Fahne tm Stich und suchte sich den Anforderungen der genannten Parteien de» tief reaktionären Kleinbürgertums und Kletnvauerntums anzupassen. Dank dieser Anpassungsfähigkeit der.Weitherzigen' gelang eS ihnen,«tn Abkommen mit den Bauernbündlern abzuschließen, so daß sie mit deren Hilfe in der kleineil rückständigen Stadt Jambol drei und in einem Dorf Suchindol zwei Mandate gewinnen konnten. Auf dies« Weise wurden nun drei der hervorragendste» Mitglieder des„weit- herzigen" Zentralkomitees tn die große Nationalversammlung ge» wählt. Im übrigen wirkten die.Weitherzigen' fast überall in den Wahlen, je nach den.lokalen Verhältnissen", wie sie selbst erklärten, ausnahmslos mit allen bürgerlichen Parteien zusammen. Was die Bauernbündler, die Kampfgenossen der.Weitherzigen' anbelangt, genügr eS zu deren polttischen Charakteristik hervor- zuhebeu, daß ihre Führer sowohl vor den Wahlen wie auch in der großen Nationalversammlung selbst ausdrücklich erklärten, nichts gegen die Krone zu haben, im Gegenteil, sie wollten trachten, ei» gutes Einvernehmen zwischen Kkvae und Bslk herzustellen, Die sozialdemokratische Arbeiterpartei.' die in der großen Nationalversammlung nur durch einen Abgeordneten vertreten werden konnte, hat nun ihren Kampf gegen den Ausstieg deS bulgarischen Monarchismus hauptsächlich außer dem Parlament in ihrer Presse und in öffentlichen Versammlungen weiterzuführen. Zu diesem BeHufe veranstaltete sie schon am 2. Juli massenhafte Arbeiter- Versammlungen im ganzen Lande, die in ihren Resolutionen an den Präfidenten der großen Nationalversammlung am energischsten gegen die Bergewaltigüng der Bolksrechte durch die prinzipielle Annahme der Abänderuiigsvorlage protestierten und die Entschlossenheit deS bulgarischen Proletariats manifestierten, gegen die Monarchie und den Kapitalismus und für die Verwirklichung der demokratischen föderativen Balkanrepublik unablässig weiter zu kämpfen. Politische dedersickt. Berlin, den 11. Juli 1311. Die Begründung der Amtseutsetznng Jathos Das kirchliche Spruchkollegium, das am 24. v. M. dem Kölner Pfarrer Jatho ans Grund des Kirchengesetzcs vom IL. März 1910, des sogen. I r r l e h r e g e s e tz e s. die Weitere Pastorale Wirksamkeit innerhalb der evangelischeir Landeskirche der älteren Provinzen Preußens untersagt hat, hatte zunächst seinen Spruch ohne jede Begründung gefällt, aber versprochen, baldigst eine Begründung nachzuliefern. Jetzt ist endlich diese Nachlieferung erfolgt, und zwar in Nr..> des„Kirchl. Gesetz- u. Verordnungsblattes". Wer aber erwartet hat, in dieser Begründung interessante Ausführungen darüber zu finden, was nach der Auffassung des Spruchkollegiums als grundlegender Glaubensinhalt der evangelischen preußischen Landeskirchi'. als ihr schlechthin verbindlicher Bekenntnisstand zu gelten hat, und dt wiefern zu diesem Glaubensinhalt Jathos Auffassungen in unlöslichem Widerspruch stehen. der wird sich sehr enttäuscht fühlen. Im Gefühl der eigenen Unsick>erheit darüber, wo die Grenzen der als allgemein verbindlich anzusehenden Glaubensdogmen an- fangen und aufl)ören, hat das Spruchkollegium jede solche Definition vermieden und. indem es die Grundlehren einfach als bekannt voraussetzte, sich auf allgemeine Bemerkungen über die Unvereinbarkeit der Jathoschen Lehre mit der evangelischen Lehre von einem persönlichen Gott und von Christi Cr- lösungSwerk, fowie'mit dem Offenbarungs- und UnsterblichkeitS- glauben beschränkt. In bezug auf Jathos Lehre über das GrundberhältniS von Gott und Welt heißt es in der Begründung:.Solche Lehr» verkündung steht mit der christlichen Gotteserkenntnis in Wider- spruch. Das Vertrauen zu Gott, dem Vater im Himmel, der ursprünglichste Ausdruck christlicher Frömmigkeit, verliert im Zu- sammenhange dieser religiösen Weltanschauung den festen Grund und unentbehrlichen Halt." JathoS Lehre von der Offenbarung wird wie folgt zurück- gewiesen: Im Unterschiede vom christlichen Glauben, der seines festen Grundes sich bewußt ist, schiebt hier ein uneingeschränkter SubjektiviSmnS die geschichtliche Offenbarung beiseite;.auch das Christentum muß nach Pfarrer Jatho durch Offenbarungen der Gegenwart weitergeführt werden, und zwar vertieft und erweitert sich dabei nicht nur die Kenntnis von Gott und Welt',«Gott und Welt selbst wachsen mit dem Menschengeist.' JathoS Lehrverkündung von der Erlösung vermöge denn auch die Heiligkeit GotteS und den Abstand der sündigen Menschen von dem heiligen Gott niemand zum Bewußtsein zu bringen. Sie lasse daher für ein Verständnis deS Christentums als Erlösungsreligion nicht nur keinen Raum, vielmehr würden hier dem Evangelium von der Erlösung unüberbrückbare Hindernisse in den Weg gelegt. Ebenso irre Jatho in seiner Darstellung des geschichtlichen JesuS, der nach ihm nichts weiter als.ein frommer Mensch gewesen' sei,.eine Größe der Vergangenheit, die ihr Augenblicksdasein verlor'. Das Lebensbild dieser geschichtlichen Person, sagt er, könne keine andere Bedeutung für uns haben, als eine pädagogische; wir könnten da- durch zur Heldenverehrung anreizen und starke ethische Triebe wecken; die Verehrung deS Gekreuzigten sei lediglich eine Heldenverehrung. AuS diesen und anderen Aeußerungen folge, daß der„lebendige Christus' der Pfarrers Jatho nicht der Christus der heiligen Schrift fei, nicht der auferstandene Herr und Heiland der christlichen Kirche. Was endlich die persönliche Fortdauer des Einzelnen nach dem Tode anbetreffe, über dir Pfarrer Jatho.nie zu einer Gewißheit gekommen' sein will, so lehre er: die Menschen seien aus Gott erzeugt, würden von ihm auch wieder verschlungen und kehrten im realsten Sinne des Wortes zu Gott zurück, um feine Zeugungökraft zu vermehren und zu vertiefen. Zwar will Jatho in Predigt und Grabrede vom Jenseits nicht gesprochen, also auch nicht gegen das Jenseits polemisiert haben, dem gegenüber müsse aber betont werden, daß er tn immer stärkerem Maße als den Weg zum Freiwerden von allen Zweifeln über die Frage des ewigen Lebens»die Beschränkung auf dasjenige, was jeder selbst erleben und erfahren kann' empfiehlt und dieses auf Er- fahrungen deutet, die mit dem jenseitigen ewigen Leben nichts zu tun haben. Noch in der Verhandlung vor dem Spruchkolleglum habe Jatho mit aller Bestimmtheit erklärt, daß cr bei feiner Lehr- verkündung überall nur an fein.inneres Erleben' und allenfalls an das Urteil seiner Gemeinde, nicht aber an die heilige Schrift und an die Ordnungen der Landeskirche sich ge- banden erachte. Zum Schluß heißt es in dem Urteil:.Von der Mehrheit des PreSbyteriumö der Kirchengemeinde Köln Ist dem Pfarrer Jatho die wärmste Anerkennung seines vorbildlichen Wandels und seiner warmherzigen, opferwilligen Persönlichkeit bezeugt. auch seine hervorragende geistliche Wirksamkeit in der Gemeinde. auf der Kpnzcl, tm Konfikmandenunterricht, in der Seelsorge und in seinen religiösen Vorträgen, ebenso sein bedeutender religiöser Einfluß auf viele der Kirche und dem religiösen Leben Eni- fremdete herdorgehoven wotden. Im gleichen Sinne lagen überaus zahlreiche Bezeugungen von Versammlungen und Vereinen sowie von Einzelpersonen aus den verschiedensten Schichten der Bevölkerung, auch weit über Köln hinaus. vor. Alle diese Bekundungen sind voll ge» würdigt worden— sie vermochten aber weder im einzelnen noch in ihrer Gesamtheit zu dein Ergevuis zu führcu. daß um ihretwillen die tn derLehr- verkündung festgestellte Verneinung der grund- legenden christlichen GlaubenSwahrheiten die bewußte Auflösung de« geschichtlichen Christen. tumS, noch fernerhin getragen werden durfte. Auch konnte nicht zugunsten des Pfarrers Jatho in Betracht kommen, daß ein von ihm selbst verfaßtes KonfirmationS- Bekenntnis, welches er der Unterweisung im Konfirmandemmtcrricht zugrunde legt, durchaus in biblischen AuS- drücken sich hält. Denn wenn die SiiziehungStrast seiner Lehr- verkündung auch auf solch», die am alten Glauben festhalten, zum Teil mit dauius beruht, daß er Mc nicht biblischra Anschauunge» noch immer bielfach mit den Ausdrücken der Bibel und der � kirchlichen Ueberliefcruiig—„inderSprache der religiösen Symbolik"— vorträgt, sodag seine Abkehr von den christlichen Grundanschauungen in ihrem vollen Umfange noch immer vielen nicht zum Bewnßisein kommt: so gilt dies insbesondere, wie von seiner Berkündung des lebendigen Christus, so auch von diesem Koilfirmationsbekeiintnis. Seine Auslegung und Ve'r- Wertung dieses Bekenntnisses stellt eine Um- deutung der biblischen Au sdrncke und Begriffe bis zu ihrer völligen Verflüchtigung dar. Nach alledem mustte die Enischcidung des SpruchlollegiumZ, wie geschehen, getroffen werden."__ Ter Austritt des Dr. Kirsch aus der Redaktion der„Kölnischen ivolkszeitung". Wir berichteten bereits, daß der bisherige geistliche Redakteur der klerikalen„Köln. Volksztg.", Dr. theol. Kirsch, weil er der politischen Treibereien der römischen Kurie überdrüssig geworden ist, scineil Austritt aus der römisch-katholischen Kirche vollzogen hat und zum Altlatholizismus übergetreten ist. Dag diese Absage eines Redakteurs, der fünf Jahre lang in der Redaktion des genannten klerikalen Blattes die Rolle eines theologischen Sachverständigen gespielt hat, den Verlegern der«Köln. Volksztg." um so unangenehmer ist, als ohnehin schon ihre Zeitung in den Reihen der strengen Katholiken als stark modernistisch infiziert gilt, ist durchaus begreif- lich; doch eruschuldigt die Verstimmung darüber, dast Dr. Kirsch aus seinen politischen Ersahrungen in der Redaktion des Kölner Zentrums- blattes unerbittlich die Konsequeirzeii gezogen hat, keineswegs, �datz nun das Bachenische Blatt in gehässiger Weise über seinen früheren theologischen Sachverständigen herfällt und in kleinlicher Weise zu ver- dächtigen sucht. Aber das von katholischer Ethik triefende Blatt hat sich der nachiräglichen Verunglimpfung seines früheren Redakteurs nicht zu enthalten vermocht. In seiner Nr. 682 leistet eS sich folgende Anrempelung: „In gegnerischen Blättern finden wir Mitteilungen, dag der am 28. Juni d. I, aus der Redaktion der„Köln. Volksztg." Plötz- lich ausgeschiedene Hr. Dr. theol. P. A. Kirsch zur alrkatholisc�en Gemeinichaft übergetreten sei, und bereits begonnen habe, in der altiatholischcn Kirche in Köln zu fungieren. Diese Tal- fache wird unS leider als richtig bezeichnet. Wir brauchen kaum ausdrücklich hinzuzufügen, daß wir von dieser Tatsache ebenso vollständig wie peinlich überrascht worden sind. Als Hr. Dr. Kirsch am 30. Mai seine vertragsmäßige Ferienzeit an- trat, hatte niemand vom Verlag oder der Redaktion die ent- sernteste Ahnung, daß ein solcher Schritt seinerseits bevorstehe. Während seiner ganzen fast fünfjährigen Tätigkeit in der Redaktion der„Kölnischen Volkszeitung" hat sich aus der Haltung und den Aeußerungen desselben nach dieser Richtung hin niemals auch nur die geringste Andeutung ergeben. Wie wir jetzt hören, wollen andere Leute mehr gewußt haben. Wir können nur auf das lebhafteste bedauern, daß uns von diesen nichts rechtzeitig zu- verlässige Mitteilung gemacht worden ist. Wir fügen hinzu, daß die kirchliche Behörde in Köln, wie die zahlreichen Mitglieder des katholischen Klerus, zu denen er Beziehungen� unterhielt, von dem Schritte des Herrn Dr. Kirsch ebenso vollständig überrascht worden sind, wie Verlag und Redaktion der„Kölniichen Volks- zeitung". Es ist selbstredend, daß der Verlag ebenso wio die gesamte Redaklion.de» Schritt des Herrn aufs äußerste beklagen. Sie haben ihm ihr volles Vertrauen geschenkt, wie auch seinen Vorgängern, den früheren theologischen Beratern der„Kölnischen Volkszeitung' seit vierzig Jahren. In diesem Vertrauen sind sie durch seine jüngsten Schritte getäuscht worden. ES gereicht uns aber zur Befriedigung, daß während der Zugehörigkeit deS Herrn Dr. Kirsch zur Redaktion nichts in hie Spalten her Zeitung hinein- gekommen ist, was unter dem religiös-kirchlichen und besonders dem dogmatischen Gesichtspunkt« anfechtbar wäre." Dann wird weiterhin erzählt, daß Dr. Kirsch Beziehungen zu einer jungen Dame unterhalten habe und oiese nun allem Anschein nach heiraten wolle. Diese Darstellung erscheint wieder Dr. Kirsch statk verschnupft zu haben denn er erläßt durch ein Kölner Äorrespondenzbureau eine lange Gegenerklärung, in der es heißt: „Mir ist begreiflich, daß es dem Verlag der«Kölnischen VolkSzeitung" peinlich ist, wenn nun nach dem im Jahre 188S im Alter von 67 Jahren verstorbenen und im Jahre 1870 alt- katholisch gewordenen Fridolin Hoffmann abermals einer ihrer Redakteure in verantwortlicher Stellung den gleichen Schritt getan hat. Der Verlag hätte das vielleicht weniger peinlich empfunden, wenn ich mich zu jeder attdeten Kirche ge- wandt hätte als gerade zum Altkatholizismus. der ja als ein ständiger, beredter Ankläger gegen die Mißbildung, welche die alte katholische Kirche durch den politisch ge- richteten römischen KurialismuS erfahren hat, dasteht und dem römischen Katholizismus daher ein besonders scharfer Dorn im Auge ist. Darum stellt der ganze Artikel der „Kölnischen VolkSzeitüng" auch Vichts anderes als eine Be- schwörungsformel an die römische Kurie dar. sie möchte die„Kölnische Volkszeitung" meinen Schritt n i ch t e n t g e l t e n l a ss e n. Die persönliche Kampfesweise, die der Verlag der„Kol- nischen Vollszeitung" hierbei mir gegenüber beliebte, trotzdem ich, was hiermit öffentlich festgestellt sei. ihm durch mein bisheriges Verhalten in keiner Weise dazu Anlaß gegeben habe, überraschte mich nicht. Entrüstet hat mich nur. daß er dabei von bisher aus Rücksicht für mich zurückgehaltener Aufklärung zu reden wagt. Wie wenn dieser Verlag jemals Rücksichten auf die Person ge- kannt hätte, wo seine Geschäftsinteressen in Frag» kommen, und sachliche Gründe zu deren Stütze nicht auSrelchten! Ich betone ausdrücklich: der Verlag, denn dorten, nicht in der Redaktion ist nack meiner Sachkenntnis der Artikel zustande gekoinmen... Für den Augenblick möchte ich dem Verlaij gegenüber nur das eine betonen, daß mir. der ich den Modernisteneid nicht ge- leistet Hab« und auch nicinals geleistet hätte, falls man an mich in diesem Sinne herangetreten wäre, mein» Abkehr von dem römischen Katholizismus'bereits von dem Augenblick feststand, wo ick zu meinem Bedauern erkennen mußte, welche Ziele die römische Kurie unter dem Deckmantel deS„Alles in Christo Erneuern" verfolgte." Besonders interessant an der Erklärung deS Herrn Kirsch ist daS ElvgeständniS, daß die Zentrumspresse den„Zielen der römischen Kurie" dient und selbst die sich mit spezietler Vor- liebe als„interlonfessionell" bezeichnende„Köln. VollSztg." dermaßen von dieser Kurie abhängig ist, daß sie eine BeschwörungS- formel" zur.Beschwichtigung des römischen Zornes über den Ueberlritt deS Dr. Kirsch zum Altkatholizismus für nötig hält. Landtagsschlu� und Landtagswahl in Hessen. Am Freitag mittag schloß in Darmstadt der 34. hessische Land- tag seine Pforten. Am 3. November wird voraussichtlich der neue Landtag gewählt, zum ersten Male unter dem neuen Wahlgesetz, das an Stelle' der indirekten die direkte Wahl der Abgeordneten durch die Wähler setzt. Diese Neuerung kommt in den Wahl- kreisen mit ländlicher Bevölkerung oder kleinen Städten der So- ziäldemokratie vielfach � zugute, denn die Beschaffung der Wahl- männer war schwer, oft ganz unmöglich. Aber Zentrum, Bauern- bündler und Nationalliberale haben im hessischen Landtage dafür gesorgt, daß diesem Vorteil durch daS Pluralwahlrecht(Alters- pimm«), erschwerte Erwerbung deS Wahlrechts und Steuerrück- standsklauseln ganz erhebliche Nachteile für die Arbeiterwähler gegcnUierstche«. Auch hjfi ZVteuUMng fejj Mchl- kreise ist darauf berechnet, der VeruiehrikZig sozialdenrokcatischer Landtagsmandate entgegenzuwirken. Ferner ist die alte reaktionäre Bestimmung erhalten geblieben, daß nur alle drei Jahre die Er» Neuerung einer Hälfte der Landtagsmandate stattfindet. Trotzdem sich die herrschenden Parteien im„liberalen" Hessen also sehr gut gesichert haben, können sie doch die Furcht vor dem Ausgang der kommenden Landtagswahlen nicht loswerden. Im Gegensatz zu den anderen süddeutschen Landtagen ist der hessische vollständig„vcrpreußt", seine gesetzgerischen Leistungen sind derart reaktionär, daß fie sich den Leistungen des preußischen Abgeordnetenhauses würdig an die Seite stellen könucn. Zu der schmachvollen Wahlreform kommt die vollständige Preis- gäbe der Rechte der Zweiten Kammer zugunsten der Kammer der Standcshcrren. Nachdem man die Zustimmung dieser zur Wahl- reform durch Bewilligung der entscheidenden Mitwirkung der Ersten Kammer an der Budgetgestaltung wie an allen sonstigen Ge- setzen erkauft hatte, durfte man sich nicht wundern, wenn die Erste Kammer unter der Führung des Freiherrn von Hehl die neuen Machtmittel rücksichtslos ausnutzte. Das zeigte sich bei der vom Landtag verabschiedeten Reform der Städteordnung und Land- gcmeindeordnung ebenso wie bei der Reform der Gemeindesteuern. Auf der anderen Seite hat der nun verfloffene Landtag in der unbedingt notwendigen Regelung der finanziellen Verhältnisse des Landes völlig versagt. Heffen steht, dank der preußisch-hessischeN Eisenbahngemeinschaft, vor der Pleite, Kein anderer deutscher Bundesstaat seufzt unter einer ähnlich drückenden Schuldenlast. Nur 'eine Aenderung jenes unheilvollen Vertrages mit Preußen, eine wesentliche Erhöhung des hessischen Anteiles am Reingewinn, kann Hessen vor dem finanziellen Ruin bewahren. Die herrschende Mehr- heit wagt aber nichts gegen Preußen, dem schützenden Hort vor der andrängenden roten Flut, zu unternehmen. Und doch ist der hessische Staat so von Mitteln entblößt, daß es nicht mög- lich ist,' den unteren staatlichen Beamten, die noch nach den aus dem Jahre 1888 stammenden Besoldungs. regeln bezahlt werden, eine dringend nötige Aufbesserung zu gewähren, ohne das alljährliche Defizit von mehreren Millionen Mark um eine weitere Million zu erhöhen. Finanziell wie politisch sind die Herrschenden im hessischen Musterländle also bankrott. Die starke Mißstimmung weitester Kreise im Lande wird bei den kommenden Landtagswahlen ihren Ausdruck finden in ber Vermehrung der sozialdemokratischen,, zum Teil auch der freisinnigen Stimmen. Der hessische Linksliberalis- mus hat sich in der Kritik der politischen Zustände in den letzten Jahren immer an der Seite der Sozialdemokraten gehalten, auch bei den letzten LandtagSwahlen 1S08 mit der Sozialdemokratie ge- meinsam operiert, ohne jedoch bei seiner geringen Anhängerzahl nennenswerte Erfolge zu erzielen,. Wirklich demokratisch gefilmte Bürgerliche gibt es auch in Hessen nur wenige. Die Taktik der hessischen Sozialdemokratie geht diesmal dahin, im ersten Wahlgange überall selbständig eigene Kandidaten auf- zustellen. Eine vom Landesvorstand dieser Tage einberufene Ver- trauenSmännerkonferenz beschloß, von einem gemeinsamen Vor- gehen mit dem Freisinn abzusehen und überall sozialdemokratische Kandidaten aufzustellen. Diese erste Wahl unter dem neuen Wahl- recht soll uns im ganzen Lande, soweit cS an der Wahl beteiligt ist, unsere Stärkeverhältnisse zeigen. Ein zwingender Grund zum gemeinsamen Vorgehen mit dem Freisinn liegt diesmal nicht vor, ungleich 1903, wo eS galt, die Bildung einer reaktionären Zwei- drittelmehrheit zum Zustandekommen der Wahlreform zu ver- hüten. Für die Stichwahlen ist dagegen auch diesmal dem Landes vorstand das Recht gegeben, Parolen auszugeben, wo es gilt, einen Reaktionär zu werfeu. Doch wird' der am 26. undl 27. August in Worms, tagende hessische La ndrsparteitag sich mit diesen Fragen noch beschäftigen.. v., Mit frischem Kampfesmut geht die hessische Sozialdemokratie in den kommenden Landtagswahlkampf> hinein, der jedenfalls eine treffliche Vorübung für die kommenden Reichstagswahlen sein wird. Folgen der Hitze. Die„Post" hat sich aus parlamentarischen Kreisen schreiben lassen, daß die Sozialdemokraten für die nächsten ReickStagSwahlen als„Wahlhelfer" 10 000 Grammophone bestellt haben. Sie spintisiert darüber, was unsere Partei damit alles beabsichtigen könnte. Wir können der„Post" verraten, baß mit de» 10 000 Sprechmaschinen die ebenso vielen Schwindeleien des Reichsverbandes gegen unsere Partei widerlegt werde» sollen, da eS unsere Redner anekelt, sie immer wieder mündlich zurückzuweisen. Sollte die„Post" außer in Kropp jetzt auch noch einen Mit arbelter in Dalldorf haben?_ Ein Unterschlupf für Bassermann. Herr Basiermann ist mit Mühe und Not im Wahlkreise Saar brücken für die kommende ReichStagswahl aufgestellt worden. Die Situation für ihn hat sich aber ganz wesentlich verschlechtert durch die Differenzen, die zwischen dem Zentralverband Deutscher Jndüsttieller und den, Hansabund ausgebrochen sind. Die National- liberalen fürchten, daß ihr Führer unter diesen Umständen einen glänzenden Durchfall erleiden könnte. Der„Hannoversche Kurier" empsiehlt deshalb, Herrn Basscrmann im Wahlkreise Guben aufzu- stellen, der durch den Rücktritt des Prinzen Lchönaich-Carolath frei wird und der für die Nationalliberalen immerhin noch einig« sichere Aussichten bietet._ Wahlrechtskundgebungen haben nach den Berichten der Parteipresse außer den bereits gemeldeten noch an folgenden Orten stattgefunden: In Barmen wurden am Freitag und in Elberfeld am Sonnabendabend je eine starkbesuchte Bersammlung ab- gehalten, in denen Genosse Dittmann-Solingen sprach. Die Resolutton wurde einstimmig angenommen. In Bochum nahm eine Versammlung am Sonnabend- abend nach einem Referate des Genossen König-Dortmund eine Resolution gegen die Dreiklassenschniach und eine gegen die Marokkogefahr an. In 21 u m» n Ö bei Bremen fand am Sonntag zum ersten- mal eine Volksversammlung statt und zwar unter freien, Himmel. 800 Personen lauschten den Ausführungen des Ge- nassen Krause-Dortnmnd über die preußische Wahlrechts- komödte. Weitere Versammlungen fanden statt in Osterholz- Schar mbeck. Hemelingen, in Gaarden. Neu- m ü n st'e r. K i e l. W e l l i n g d o r f, P r e e tz und R e n d s- bürg, die alle einen guten Verlauf nahmen. Verlegung katholischer Feiertage. Die„Kölnische VolkSzeitung" meldet aus Rom: Der Papst hat ein Motuproprio erlassen, in dem angeordnet wird, auf Wochcuiage fallende Feste wie den Joscfstag, Fronleichnam, Johannistag und noch einige andere künftighin am darauffolgenden Sonntag zu feiern._ Berichtigung. Die Gesellschaft für Brauerei, Spiritus- und Preß- hefe-Fabrlkaliou. Karlsruhe-Grünwinkel, ersucht um nachstehende Berichtigung: l. Air haben niemals eine Dividende von 20 oder mehr Prozent verteilt. Die höchste Dividende unseres Unternehmens betrug 10 Prozent. Seit zwei Jahren beträgt sie 12 Prozent, was bei unseren 100 Prozent Reserven eintt Verzinsung von S Prozent des arbeitenden Kapitals entspricht.| 2. Unser Branntwem-Kontiiigent betragt nicht 23 000 Hesio sondern 10 900 Hckto, welches Ouantmn wir statt mit 12o.uc. nur mit 105 M. pro Heltolüer versteuern. Statt 1 3«,'. 500 M. Branntweinsteuer zahlen wir sonach sür unseren Kontingent- branntwein nur 1 144 600 Vi. Branntlveinsteuer. was eurer sogen.„Liebesgabe" von jährlich 2�3 000 M. entspricht, also etwa die Hälfte der behaupteten Summir.voft 460 PV M. Hochachtend Gesellschaft sür Brauerei. Spiritus- und Preßhese-Fabrikation vorm. G. Sinuer. �/ A. Sinner jun. Heinrich. frankreick. Arbeiterfragen in der Kammer. Paris, 10. Juli. sD e p u t i e r t e n k a m m e r.) Zum Schluß der Sitzung brachten die Sozialdemokraten abermals einen Antrag auf Wiederau st ellung der Eisenbahner ein. Ministerpräsident C a i l l a u x sprach sich entschieden gegen denselben anS und warf I a n r ö S, der ihn unterbrochen hatte, D e m a- g o g i e vor. I a u r e S erwiderte, es sei Derncigoare, sich durch Verpflichtungen, die. man nicht' hcchte,' trix pw r- zuschwingen. Hierauf hielr der. �Sozialist.'Cot ky, welcher der Kammer eine unerbittliche'Obstruktion seiner Partei x androhte, solange nicht � die.' E�enhähner Wieder eingestellt würden, eine ÜberaiiS heftig« iR�oe(gegen! die Regierung und die radikale Mehrheit. Zwischen den Sozialisten und Radikalen kam es dabei zu einem leidenschaftlichen Wortwechsel und gegenseitigen Beschimpfungen. Einzelne Deputierte bedrohten einander mit Tätlichkeiten. Schließlich war Präsident B r i s s o n genötigt, die Sitzung zu unterbrechen. Nach Wiederausnahnie der Sitzung wurde die von der Regierung als Vertrauensvotum bezeichnete und als solche genehmigte einfache Tagesordnung mit 433 gegen 86 Stimmen an- genommen. Die Sozialisten sind entschlossen, ihre Obstruktion in der morgigen Sitzung fortzusetzen. Zum Schluß trat die Kammer noch in eine Debatte über eine Interpellation des Sozialisten L a u ch e betreffend den Ausstand der Bauarbeiter und seine Ursachen ein. Lauche warf der Regierung vor, sie interveniere zugunsten derArbeitgeber, und erhob Einspruch gegen die Beschuldigungen deS AntiimilitariSmuS, die man gegen das Syndikat der Maurer, erhebe. Schließlich wurde eine Tagesordnung angenommen, in der der Regierung mit 384 gegen 78 Stimmen das Vertrplüen ausgesprochen wurde, und.die Sitzung sodann geschlossen...- Die Eisenbahnerfrage. Parisj 11. Juli. In einer Versammlung: die daS Syndikat der Bahn angestellten über die' Frage der Wieder« einftellung der Ei sen b a hn ep.gestern abend abhielt, wurden die Regierung und die Kammer in heftiger Weise an- gegriffen. I a u r ö s. der nach Schluß der Kammersitzung erschien. erklärte unter stürmischem Beifall, daß'die vgeeinigten Sozialisten ein Gesetz über die Errichtung eines Disziplinarrates für die Absetzung von Bahnangestellten beantragen würden. So lange dieses Gesetz nicht angenommen sei,'würden die Sozialisten täglich einen Antrag- auf Wieherewstellung her entlassenen Eisenbahner ein» bringen.._.. ' Unfug oder Lockspitzeler. ' Elermöttt» 11. Juli. Von unbekannte« Uebeltätern wurde ein fünfzehn Meter langer Balken aus ein Eisend ahngleis gÄsgt/ Der Lokomotivsührcw des Expreßztiges bemerkte zwar das Hindernis und-bremste« doch fuhr dia.Lokomotive auf den Balken aus, den sie. entzwei schnitt, Bei Tau.T.pu.s.e wurde eine ähnliche Sabotage kurz vor Abgang eines Mtmärzuges verübt, doch wurde da« HWerni« rechtzeitig' aus dem Wege geräumt. Ofrket� Ein poliiisches Aftentslk.�-•> Konstantinopel, 11. Juli. Der ReiÄsbeirat der Detts publique Sek, B c y ist gester« nacht w der Vorstadt Makrit Köj e r m o r d e t worden. Der Mord-soll, aus p o l i t i f ch e n Motiven erfolgt sein, Der Aufstand in Albqsuen. Saleniki, 11. Juli..Die a Iba ne fische Bevölkerung von Argyrokastro hat sich, durch Agitatoren aufgehetzt, unabhängig erklärt. Sie nahm: den Mutessarif gefangen und sperrte ihn in dem Fort ein,, erb räch die Rcgicrungskasse und raubte vierhundert Pfund. Schließlich zogen sich die Aufständischen in das Fort zurück?-.. eine- Abteilung Soldaten wurde von den Albanien aus der G.e.ge-nd verjagt. Von Jänina ist Militär Nach Akgyrokastro abgegangen und auch von Obcralvanien werden Truppen-dorthin geschickt. Man hofft, der Erregung bald Herr zu werden. Japan.• Abänderung des englischen Bündnisvertrages.»- New Jork. 11. Juli. Ein Telegramm der Associated Preß meldet aus Tokio, die Revision des cnglisch-japa» nischen Bündnisses- sei eine unausbleibliche Folge des ge. planten englisch.amerikanischen Schiedsvertrags. England hat vorgeschlagen, daß die Allianzklausel, welche eine gegenseitig? Unterstützung im Kriege vorsieht, dahin ab. geändert werden soll, daß diese Klausel keine Anwendung finden soll, wenn einer der beiden Verbündeten, sich im Kampf'mit einer Nation befindet, mit der der andere cinett Schiedsvertrag abgeschlossen hat. Japan soll dem Vorschlag zu ge stimm; hahen,.., Huö der Partei. ANS den Organisationen.'' ©et Sozialdemokratische KrekSvet'ein Mü.T. Haufen,. Elf. zählt nach dem Berichte, der in' der Generalver» iamnilung vom letzten Sonntag erstattet wnrd«,' jetzt' 1ÄZ2 Mitglieder. darunter 103 weibliche. Er hat damit auch in diesem Jahre seinen Platz an der Spitze der sozialdemokratischen Kreisvereine ides Lande« behauptet,-Da d,e Partei in Mülhausen außer vor- d ew» L-crnib« tags» und ReichstagSwahley noch vor Genneind.«« ralsersatzwah len, steht, die schon aus, den if Oktober anve» räumt sind und wie die beiden andern Wahlen..schwere � ~----- v- VJ V W. w Wi.-VJV.-VlIl; vlllvfc Aufforderung des Abgeordneten Genoffen E m m e l folgend,' energisch gegen die kolonialpolitische Abenteuerpolitik im Dienste kapitalistischer A u'tz b-« n t 4ri nft e res se n. wie sie in? Eingreifen unsererJnipermltsten in die M aww k k o- As fiär'e durch die Entsendung eines Kriegsschiffes noch Agichir zutage tritt. Zum ReichStagSkanbidaten für den elfaß-lothringisihen Wah'lfcxjS Saargemlind-Forbach stellleeiiie sozialdemokratische WahllreiSkönserenz letzten Sonntag den Parteisekretär Charles H u e b e r in Straßburg aus. nachdem der bisherige Kandidat. Gemeinderatsmitglied Misch- kowitz in Saargemünd, der Ätz KgnVidvt' zuNl LlMdNlg«ffgejwllt wurde, zuriickgetretr« aar. Gewerfefchaftlicbed. Der Cewerhfchaftaverband 6roßbntantitc!i9. London, 8. Juli.(Gig. Ber.) Am C. und 7. Juli"hielt der Gewerkschaftsverband(General Föderation of Trade Unions) in Dundee seine zwölfte Jahres- konferenz ab. Aeußerlich war die Konferenz bemerkenswert wegen der Tatsache, dajz zum ersten Male Vertreter kontinentaler Bruderorganisatiouen als Gäste erschienen waren. Die deutschen Gewerkschaften hatten drei, die Genossen Kube, Sassenbach und U m b r e i t, die französischen einen Vertreter entsandt. Sassen dach, als Vertreter der deutschen Arbeiter, wies in seiner Begrüssungsrede besonders nachdrücklich auf die Rolle hin, die die internationale Arbeiterbewegung bei der Erhaltung des Friedens spielt. „Wir wollen der Oeffentlichkeit während unseres Besuches zeigen," so führte er aus,„daß die britischen und deutschen Ar- beiter bereit sind. Schulter an Schulter zu stehen, und daß es un- möglich ist. sie zu entzweien. Der Friede unter den Nationen ruht auf dem guten Einverständnis zwischen der Arbeiterklasse aller Länder. Wenn die Arbeiter Großbritanniens und Deutsch- lands eng zueinander halten, so werden keine Streitigkeiten zwischen unseren Ländern je ihre Wohlfahrt wieder gefährden." Der deutsche Delegierte sprach englisch, was den Appell um so wirkungsvoller gestaltete. Die Rede wurde mit großem Beifall aufgenommen und bewies den englischen Arbeitcrvertretern, daß die Stimme der kriegslustigen Gcschäftspatrioten Deutschlands, die fast nur in der englischen Presse vernommen wird, nicht die Stimme der großen Masse des deutschen Volkes ist. Uebcr die jüngste Entwickelung des Verbandes gibt der Jahres- bericht des gcschäftssührcnden Ausschusses einige interessante Auf- schlüsse: Die Zahl der dem Verbände angeschlossenen Gewerk- schaften(13S) hat während des letzten Jahres nicht zugenommen, dagegen ist die Mitgliedschaft dieser Gewerkschaften von 703 091 im Jahre 1910 auf 711 994 gestiegen. Das scheint ein recht lang- samer Fortschritt, wenn man bedenkt, daß es augenblicklich in Großbritannien 2 379 723 Gewerkschafter gibt. Der Grundgedanke der Gründer des Verbandes war, eine starke Zentralorganisation zu schaffen, die zersprengten Haufen des britischen Gewerkschafts- Heeres zu sammeln, sie zu vereinigen und zu einem schlagfertigen Heere zu machen, sowie einen riesigen Zentralfonds zu schaffen, aus dem alle Gewerkschaften, die für ihre Existenz oder für die Hebung der Lebenslage ihrer Mitglieder zu kämpfen hätten, unter- stützt werden sollten. Trotz großer Schwierigkeiten, die nicht zum geringsten dem Charakter des englischen Volkes, das sich an Dis- ziplin und Zentralisation schwer gewöhnen kann, entspringen, sind die Leiter des Verbandes ihren ursprünglichen Absichten treu ge- blieben. Auch im vergangenen Jahre ist es dem Verbände gelungen, eine Reihe Gewerkschaften derselben Industrie zum Zusammen- schluß zu bewegen. Der Bericht sagt zu diesem Punkt: „Verschmelzung Und Zusammenschluß muß deshalb weiter gehen, bis eine auf wissenschaftlicher Grundlage organisierte Gewerkschaftsbewegung vorhanden ist, die imstande ist, alle ihre Streitkräfte nach der Seite, wo sie notwendig sind, zu werfen und alle ihre Mittel zur Verteidigung oder Förderung der Wirt- schaftlichen Rechte ihrer Mitglieder zu benützen. Die Notwen- digkeit höherer Löhne war nie größer als heute; die Geschäfte blühen, die Profite nehmen zu und der Reichtum häuft sich an, aber die Löhne bleiben fast stationär. Zwischen 1900 und 1908 ist der nominelle Lohn nur um 1 Proz. gestiegen; in London stiegen in demselben Zeitraum die Lebensmittelpreise um 9 Proz., während die Profite um 12� Proz. stiegen. Die Wissen- schaft und die Erfindung haben den Produktionsprozeß ver- billigt und beschleunigt; die Wissenschaft und die Erfindung haben auch die physische und geistige Anstrengung aller Arbeiter vermehrt, aber sie haben keine rechtmäßige Perteilung der Vor- teile, die sie der Menschheit gebracht, erzielt, auch ist es ihnen nicht gelungen, die Ueber» und Unterbeschäftigung zu mildern oder auszugleichen." Die Finanzen des Gewerkschaftsverbandes bieten leider kein erfreuliches Bild. Im verflossenen Jahre stiegen die Ausgaben von 11 803 Pfd. Sterling im Jahre 1910 auf 74 952 Pfd. Sterling und übertrafen die Einnahmen um 39 648 Pfd. Sterling. Dieses ungünstige. Resultat ist auf das Konto der Aussperrung der Kessel- schmiede zu setzen, die Mitglieder des Verbandes sind und es nur diesem Umstand verdanken, daß ihre früher so stark und stolz da- stehende Gewerkschaft im Jahre 1910 nicht von der Bildfläche ver- schwand. Zum Schlüsse wendet sich der Bericht gegen die Vorlage der Regierung, die vorgibt, den Gewerkschaften das durch das Osborneurteil verlorengegangene Recht auf politische Aktion zurückzugeben. Bekanntlich macht diese Vorlage dieses Recht da- hurch illusorisch, daß sie die Beiträge für politische Zwecke nicht obligatorisch inacht und das Prinzip der Herrschaft der Mehrheit abschafft. Der Bericht sagt zu diesem Punkt: „Das Zugeständnis dieses Rechtes der Befreiung von den (politischen) Beiträgen wird in sechs Wochen mehr Erbitterung hervorrufen, als der alte politische Beitrag in sechs Jahren erzeugte." Bei weitem das wichtigste und schwierigste Problem, das die zwölfte Verbandskonferenz beschäftigte, war die Frage des Ver- hältnisses der gelernten zu den ungelernten Arbeitern. Die um- gelernten Arbeiter, von denen 78 000 dem Verbände angehören, beklagen sich darüber, daß sie Beiträge für Unterstützungen cnt- richten, die ihnen nur in einem sehr beschränkten Maße gewährt werden. Nach den Berbandsstatuten haben Mitglieder, die nicht direkt an einem Streik oder einer Aussperrung beteiligt sind, kein Recht auf Unterstützung. Ungelernte Arbeiter werden aber fast immer bei einem Streik gelernter Arbeiter in Mitleidenschaft ge- zogen, s« können daher nur auf Unterstützung vom Verbände rechnen, wenn sie selbst einen Streik ansangen, was nicht häufig vorkommt. Sie fühlen sich daher benachteiligt. Um auch die in- direkt an einem Streik oder Aussperrung beteiligten Mit- glieder unterstützen zu können, müßte der Verband die Beiträge erhöhen. Die Beiträge wurden jedoch schon im Jahre 1905 herab- gesetzt, und es ist daher sehr zweifelhaft, ob sie ohne Schaden für die Organisation wieder erhöht werden können. Während der Be- ratungen drohte ein Vertreter der ungelernten Arbeiter, daß seine Gewerkschaft nicht allein aus dem Verbände austreten, son- dern ihn auch bekämpfen werde, wenn sich die Dinge nicht änderten. Ohne Zweifel ist das ganze Problem nur eine Frage der Organi- sationsform. Es würde bald verschwinden, wenn die englischen Gewerkschaften ihren altertümlichen Kastengeist aufgäben und sich nach Industrien organisierten. Die Frage wurde schließlich dem geschäftsführendcn Ausschuß zur Beratung überwiesen und soll im nächsten Jahre in London ihre Erledigung finden. Die glück- liche oder unglückliche Lösung des Probleins kann die Zukunft des Gewerkschaftsverbandes entscheiden. LerUn un«t Clmzegenck. Achtung! Töpfer! Die Sperre über die Firma Otto S ü r i n g, Pankow, Damerowstraße 48/49, ist hiermit aufgehoben, da die Differenzen beigelegt sind. Die VcrbandSleitung. Der Streik der Lcitcrgcrüstbauer bei der Firma Stocking u. Müller, Lichtenberg, ist zugunsten der organisierten Arbeiter aufgehoben, in- dem die Inhaber des Geschäfts die geforderten Löhne gleich 67 Pf. pro Stunde zu zablen sich verpflichten.___ Terantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Die Arbeit ist heute wieder aufgenommen und die Differenzen sind beigelegt. Die Branchenleitung des Deutschen Transportarbeiter-Verbandes. I. V.: Adolf Lenzner. Der Streik in den Vereinigten Berliner Mörtelwerken und in der Kalksandsteinfabrik in Niederlehme, welcher schon 10 Wochen dauert, hat sich bei den Unternehmern immer mehr zu einer Macht- probe gegen die Organisation ausgewachsen. Durch schwarze Listen will man die Streikenden zwingen, bedingungslos in das alte Joch zurückzukehren und für 30 Pf. die Stunde weiter zu fronden. Ein Teil der Streikenden, welcher anderweitig Arbeit gefunden hatte, wurde bald darauf wieder entlassen. Als die Leute nach dem Grunde fragten, wurde ihnen offen erklärt:„Es tut uns leid, aber wir können nicht anders. Die Direktion von Niederlehme verlangt es von uns." Arbeiter, welche einmal ein unbedachtes Wort sagen, kommen vor den Staatsanwalt. Ob auch den Unternehmern das- selbe passiert? Es hieß ja einmal: Schwerste Strafe dem, der jemanden an freiwilliger Arbeit hindert. Da man mit den Arbeitswilligen wenig Erfolg hat, versucht man unter Aufwendung aller möglichen Mittel, Material von andern Betrieben zu bekommen. So haben die Vereinigten Mörtel- werke eine Anzahl kleiner Schiffer beauftragt, auf eigene Rechnung Sand zu kaufen und an die Mörtclwerke abzuliefern. Ebenso be- zieht die Kalksandsteinfabrik ihre Steine jetzt von anderen Be- trieben durch die Ziegeltransportgenossenschaft, wodurch den Strei- kenden der Kampf erschwert wird. Trotzdem sind sie nicht gewillt, bedingungslos zurückzukehren, und werden lieber auf die Arbeit verzichten. Die letzten Hintzemänner haben am Sonnabend Nieder- lehme verlassen, nachdem sie noch in der Nacht vorher in einem Lokal einen Einfall mit anschließender Schiägerei veranstaltet hatten, wobei auch der Revolver eine Rolle gespielt haben soll. Die Agenten der Unternehmer verbreiten bei dem Anwerben von Arbeitswilligen immer wieder das Gerücht, daß der Streik aufgehoben ist. Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, daß jeder Zuzug nach Niederlehme fernzuhalten ist. Die Porzellandreher in Teltow stehen seit einigen Wochen im Streik. Trotz aller Anstrengungen gelang es der Fabrikleitung bisher nur, 4 ungelernte Ersatzkräfle zu bekommen. In der vorigen Woche haben diese Leute trotz aller Anstrengung nur 18 M. ver- dienen können, von denen 15 M. für Kost und Logis in der Fabrik abgehen. Am Sonntag fand sich noch ein Streikbrecher, der stark alkoholisiert war. Die Streikenden hoffen, daß die Sache in kurzer Zeit beigelegt sein wird. Sollte das nicht der Fall sein, so haben die Arbeiter der beiden Schwesternfabriken beschlossen, die Arbeit ebenfalls niederzulegen. In Betracht kommen 120 Porzellandreher. Oeutlcbes Reich. Die Huf- und Wagenschmiede von Hannover und Linden haben nach einem uns zugehenden Privattelegramm am Dienstag früh die Arbeit niedergelegt. Anssperrnng in der Lausitzer Glasindustrie. Bürgerliche Blätter in der Lausitz verbreiten folgende Notiz: „Der Arbeitgeberschutzverband deutscher Glasfabriken tagte in Görlitz in einer von zirka 70 Mitgliedern besuchten General- Versammlung des sächsisch-schlesisch-Lansitzer Bezirks, um zu dem Streik in R a u s ch a Stellung zu nehmen. Die Versammlung beschloß nach dem„Niederschlesischen Wanderer" einstimmig, falls bis zum 15. Juli eine Einignng in Kauscha nicht erzielt ist, an diesem Tage lämtlichcn organisierten Glasarbeitern des.genannten Bezirks zu kündigen, und falls bis zum 29. Juli die Angelegen« heit noch nicht ihre Erledigung gefunden hat,»ach 14 Tagen die sämtlichen Betriebe vollständig stillzulegen. Dem genannten Ver- bände gehören fast sämtliche Firmen Sachsens, Schlesiens und der Lausitz an und würden von der Aussperrung zirka 10 000 Per- sonen betroffen werden." Es ist nicht das erste Mal, daß genannter Verband eine SuS- sperrung androhte; das vorige Mal handelte es sich gleichfalls um einen Streik in Raufcha. Bei den eingeleiteten Verhandlungen wurde damals ein zufriedenstellender Vertrag abgeschlossen, und gerade diese Firma hat jetzt den Vertrag im gröblichster Weise ge- brachen. Um der Oeffentlichkeit zu zeigen, in welch rigoroser Weise die Unternehmer 10000 Arbeiter brotlos machen wollen, sei kurz der Grund des Kampfes in Rauscha, der jetzt drei Hütten umfaßt, geschildert.— Die Glasarbeiter hatten bei zwei Firmen den zum 1. April d. I. abgelaufenen Tarifvertrag gekündigt. Die Tarif- kündigung erfolgte, um am Orte einheitliche Akkordpreise anzustreben. In dem einen Tarif war ausgesprochen, daß bei Kündigung des Tarifes auch daS Arbeitsverhältnis gekündigt ist. Die Arbeiter er- klärten sich zu Verhandlungen bereit; diese wurden aber von der Firma abgelehnt. Bei der anderen Firma wurden die Arbeiter ge- kündigt und die dritte Firma am Orte sperrte die Arbeiter unter Bruch des Tarifvertrages aus. Es steht fest, daß die Arbeiter zu Verhandlungen bereit waren, daß sie ferner bereit waren, ohne Vertragsverhältnis weiter zu arbeiten, auch wenn keine Zugeständnisse gemacht worden wäre». Die Unternehmer sehen aber die Zeit für gekommen, gegen den ver- GlaSarbeiterverband vorzugehen, weil die Konjunktur nicht günstig ist. Jetzt, nachdem Aufträge genug vorhanden sind, möchten sie die Arbeiter zwingen, bedingungslos die Arbeit aufzunehmen. Die Herren werden sich jedoch täuschen. Ihre geplante große AuS- sperrung wird ein Schlag ins Wasser sein. Die Arbeiter der Gummifabrik Th. Radium Rubber(Präservativ- Abteilung) in Dellbrück bei Mühlheim a. Rh. sind in den Streik getreten. Sie wehren sich gegen Akkordabzüge. Zuzug von Gummi- arbeitern ist streng fernzuhalten. Fabrikarbeiter-Berband. Hustand. Tie norwegische Massenaussperrung hat am Sonnabend begonnen. Es sind die Arbeiter der Sägewerke und Hoblercien, der Zellulose-, Papierfabriken und Holzschleife. reien, die von der Aussperrung betroffen sind. Es sind 96 Be- triebe mit ungefähr 16 000 Arbeitern. Am 15. Juli wird die Aus- sperrung oer fast ebenso zahlreichen Arbeiter der Eisenindustrie. der Elektroindustrie sowie derjenigen Papierfabriken folgen, wo bis jetzt noch mit Rücksicht auf die Kündigungsfrist weitergearbeitet wird. Der norwegische StaatSminister hat am Sonnabend noch- mals zwischen den Parteien zu vermitteln gesucht, aber offenbar erfolglos. In den obengenannten Industrien herrschten im all- gemeinen friedliche Zustände, gegründet auf Tarifverträgen, die weiterhin in Geltung bleiben, aber für die Unternehmer kein Hindernis der Massenaussperrung bilden. Die Aussperrung soll nach dem Wunsche der Arbeitgeber dazu dienen, die Bergarbeiter- schaft auf Jahre hinaus an ganz elende Löhne zu binden. Die Landesorganisation der norwegischen Gewerkschaften veröffentlicht ein Manifest an die Arbeiterschaft, worin' die Ursachen des Kampfes geschildert werden. Tie Bergarbeiter verlangen im Durchschnitt einen Stundenlohn von 35 Oere, für einige Gruppen noch weniger, für andere einen etwas höheren Stundenlohn. Die Unternehmer wollen darauf nicht eingehen und bieten weit weniger, z. B. bei einem bisherigen Tariflohn von 32� Oere ganze 33 Oere, und in einzelnen Fällen wollen sie die Stundenlöhne sogar herabsetzen. Die organisierte Arbeiterschaft hat sich, soweit sie noch von der Aussperrung verschont ist, bereits einen wöchent- lichen Extrabeitrag von 1 Krone auferlegt, und außerdem werden allgemeine Sammlungen veranstaltet, um die nötigen Unter- stützungsmittel herbeizuschaffen. Im übrigen fordert die Landes- organifation, wie das schon tn der vorigen Woche in„Socialdemo- kratcn" geschah, zum allgemeinen Alkoholstrcit auf. Kein Ar- bester, ob ausgesperrt oder nicht, soll während der Dauer des Kampfes irgendwelche alkoholische Getränke zu sich nehmen, damit Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt das Geld. daS sonst dafür ausgegeben km'rS, in öollem Maße den Ausgesperrten und ihren Familien zugute lomMN kann. Versammlungen. Das von den Bäckerinnungen geplante Sonntagsbackverbot und die Bäckergesellen Berlins. Wie schon während und bei Beendigung des Bäckerstreiks mit- geteilt wurde, beabsichtigen die Bäckerinnungen Groß-Berlins ein Sonntagsbackverbot durchzuführen, und offenbar zu dem Zweck, dadurch die von den Gesellen errungene 36stündige Ruhepause wieder aus der Welt zu schaffen. Die Bäckermeister haben �sich bei dieser Sache von den Gelben ins Schlepptau nehmen lassen, die schon früher mit der„Forderung" eines solchen Backverbotes an die Innung herangetreten waren; damals allerdings ohne irgendwelche Zustimmung bei den Jnnungsmeistern zu finden. Erst in der Aufregung über die Erfolge des letzten Streiks entdeckten die Meister ihre Vorliebe für das Backverbot, das wenn es wirklich durchgeführt werden sollte, ihnen vielleicht unangenehmer werden würde, als die 36stündige Ruhepause. Das Polizeipräsidium hat nun, nach- dem die Innungen mit jenem Verlangen gekommen waren, schließ- lich auch die"Firmeninhaber der Großbäckereien, die Gegner des Backverbots sind, über die Gründe ihrer Stellungnahme befragt, und beabsichtigt jetzt, die Akten über die Angelegenheit zu schl:eßen. Um nun auch den Gesellen nach einmal Gelegenheit zu geben, ihre Meinung über die Angelegenheit zu sagen, hatte der Bäckerverband am gestrigen Nachmittag eine öffentliche Bäckerversammlung ver- anstaltet, die im großen Konkordiasaal stattfand. Die Vorstände der Bäckerinnungen von Groß-Berlin sowie der Freien Vereinigung der Bäckermeister waren eingeladen, aber nicht erschienen. S ch n e i- der schilderte die Lage der Dinge, und der lebhafte Beifall, den seine Ausführungen fanden, sowie die darauf folgende Diskussion ließen keinen Zweifel darüber, daß die Bäckergesellen sich von dem in der nachstehenden Resolution dargelegten Standpunkt nicht ab- bringen lassen werden..Die Resolution, die sofort dem Polizei- Präsidenten übersandt wird, wurde einstimmig angenommen. „Dieses Backverbot würde, vorausgesetzt daß es in allen Bäckereien des Stadtkreises Berlin zur strikten Durchführung gelangt, abgesehen von seinen Wirkungen in volkswirtschaftlicher und gewerblicher Hinsicht, den Arbeitern nur eine 22 stündige Ruhepause gewähren, während der größte Teil der in Bäckere'.en Beschäftigten heute bereits eine solche Ruhezeit von 36 Stunden besitzt. Das Backverbot würde demnach für diese Arbeiter eine Kürzung ihrer Ruhepause von 14 Stunden mit sich bringen. d:e die betreffenden Arbeiter unter keinen Umständen in Kauf nehmen werden... m Die Bäcker und Konditoren können um so weniger eine Ver- kürzung ihrer 36stünd:gen Ruhezeit hinnehmen, als das geplante Backverbot für diejenigen Arbeiter, für welche die 7-schichtige Arbeitswoche bereits durch die 6-schichtige ersetzt ist. die alte. 7-schichtige Arbeitswoche wieder einführen, und es den übrigen außerordentlich erschweren, wenn nicht ganz unmöglich machen müßte, ebenfalls die 7-schichtige Arbeitswoche durch die 6-schichtigc zu ersetzen. Es würde das geplante Backvcrbot also die 7-fchichtige Arbeitswoche in 6 Arbeitstagen herbeifübren, ein Zustand, der in gesundheitlicher Beziehung viel gefährlicher sein müßte, als der frühere Zustand, wo an 7 Tagen 7 Arbeitsschichten geleistet wurden.> Dann aber besteht die Gefahr, daß die Konkurrenz der nicht im Stadtkreis Berlin gelegenen Bäckereien, sowie die der von Angehörigen des Gast- und Schankwirtschaftsgewerbes in eigener Regie errichteten Bäckereien die Durchführung des Backverbots ungeheuer erschweren, wenn nicht für d�e meisten Kleinbäcker unmöglich machen müßte. Dann aber wäre den Arbeitern, die bereits den 36stündigen Ruhetag besitzen, derselbe genommen, ohne daß sie auch nur den geringsten Ersatz dafür hätten. Die Versammlung erklärt deshalb, daß die Bäcker Berlin» und Umgegend, unbekümmert darum, ob ein Backverbot erlasse» wird oder nicht, unter allen Umständen an ihrem wöchentlichen Zgstündigen Ruhetag festhalten müssen." Danach haben die Bäckermeister zu erwarten, daß die Taktik ihrer Fuhrer. die sich schon während des Streiks als nicht gerade überschlau erwies, ihnen zwei statt einen Ruhetag in der Woche beschert. Ter Herr Polizeipräsident kann zwar den Gesellen das Backen am Sonntag verbieten, er kann aber ihnen nicht gebiejea. daß sie nun auf den 36stüitdigen Ruhetag verzichtend Hetzte rfochrlcbtetn Eine Kindcsmordafsäre beschäftigt.seit gestern abend die Berliner Kriminal- Polizei. Nach der angeblichen Vergiftung ihres einjäh- rigen Sohnes ist die Frau des Schutzmanns F ü g n e r vom Weinbergsweg flüchtig geworden. Das Kind wurde abends von dem heimkehrenden Vater tot aufgefunden. Anscheinend liegt Opiumvcrgiftung vor. Tie Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Ob die Mutter das Kind mit Vorbedacht vergiftet hat oder ob eine Verwechselung der Medikamente vorliegt, muß erst die eingeleitete Untersuchung ergeben. furchtbare Eisenbahnkatastrophe in Amerika. Aus den Vereinigten Staaten von Amerika bringt ber Telegraph wieder einmal die Nachricht von einem schweren Eisenbahnunglück. Auf dem Wege von Bridgeport nach B o st o n st ü r z t e der Expreßzng von einer Ueber- führung herab. Zahlreiche Passagiere wurden schwer verletzt und dreißig waren sofort tot.— Ein Telegranun meldet über die Katastrophe: Bridgeport(Connecticut), 11. Juli. Der Expresizug nach B o st o n stürzte unterwegs einen Viadukt hin- unter. Dabei wurden etwa 30 Personen getötet und viele verletzt. Die Lokomotive und 5 Wagen fielen 30 Fuß tief auf das Straßenpflastcr und wurden zer- trümmcrt. Es ist sehr wahrscheinlich, daß auch Straßen- Passanten von den herabstürzenden Wagen getötet worden sind. Die Straße bildet ein entsetzliches Bild der Verwüstung G Ein weiteres Telegramm über die Katastrophe meldet: Ein Schnellzug der Newhavenbahn entgleiste, als er auf der Fahrt von Boston nach Washington die Stadt Bridgeport(Connec. ticr�) durchfuhr und stürzte von einer 30 Fuß hohen Böschung auf die Straße hinab. Die Pullmanwagen gerieten in Brand. Bisher wurden 20 Tote aus den Trümmern gezogen und«ber 80 Bcrletzte. von denen eine Anzahl todlich verletzt ist. Die Ursache der Kata- strophe war eine offene Weiche. Sechs von den neun Wagen sind derart demoliert, daß noch 200 Fuß von dem Gleise Trümmer ge. funden wurden. 150 Personen waren im Zuge, von denen nach einer späteren Meldung nur wenige unversehrt geblieben sind. BergmannSloS. Braubach(Hessen). 11. Juli.((W.%■ B.) Durch einen heute früh 6 Uhr auf der vierten Zeche der Erzgrube Rönberg ausge- brochencn Brand wurden 60 Bergleute abgeschnitten. Heute mittag 1 Uhr gelang es, 58 von ihnen zu retten; man hofft, auch die beiden anderen noch lebend retten zu können._ PaulSinger 4rCo., Berlin 2 V/. Hierzu 3 Beilagen u.tlntcrhaltungSbl. Nr. 160. 28. Jahrgang. 1. KkilU des.Amärls" önlin» WlWM Ww-ch, tZ. IM IM. 18. veuticher OrtsKranKenIissKlitZg. (Telegraphischer Bericht.) Der 18. Deutsche Ortskrankenkassentag fuhr in seiner gestrigen Sitzung in der Entgegennahme der Referate über die Neichsvcr- ficherungsordnung fort. Äassenvorsitzender P-llender-Leipzig sprach über die Träger der Krankenversicherung und die Kassenverbände: Als ein kleiner Fortschritt ist es zu betrachten, daß jetzt die Kassen Mittel auch zum Besuch von Versammlungen verwenden dürfen, die den Zwecken der Krankenversicherung dienen. Es bleibt aber abzuwarten, wie sich die Behörden im einzelnen dazu stellen werden. Ich denke da namentlich an die Beschickung solcher allgemeinen Kongresse, wie es der Berliner Krankenkasienkongreg war, der nicht von einem geschlossenen Verband ausging. Die gc° setzlichen Bestimmungen sind immer noch derartig, daß wir allen Anlaß haben, sie uns genau anzusehen und alle Punkte zu be- achten, die uns wenigstens die Möglichkeit geben, in der Zentrali- sation des KrankenkassenwesenS einen kleinen Schritt weiter- zukommen.(Lebhafte Zustimmung.) Kassenvorsitzender Graf- Frankfurt a. M. behandelte die Neuregelung der Verfassung der Kassen. Die Bestimmungen über die freiwillige Mitgliedschaft bedeuten für die Kassenmitglieder eine kleine Verschlechterung, während sie vom fiskalischen Standpunkt für die Kassen selbst ein Vorteil sind. �ue große lkngerechtigkeit dagegen ist der Paragraph, auf den Dr. Mugdan so stolz ist. da er auf seine Veranlassung geschaffen worden ist, nach dem nämlich derjenige, der 4000 M. Einkommen gat, aus der Kasse ausscheiden muß. Die Aerzte täuschen sich über den Wert dieser Bestimmung. Denn der Vorteil für sie ist nur ein scheinbarer. Auch wer 4000 M. Einkommen hat, kann bei den heutigen Tcurungsverhältnissen keine Ersparnisse machen. Die Aerzte werden ihre Honorarforderungen wohl meistens in den Schornstein schreiben müssen. Diese Bestimmung bedeutet auch eine Rechtlosmachung der Mitglieder, die jahrzehntelang ihre Bei- träge bezahlt haben und nun aus der Kasse hinaus müssen, nur weil sie in eine gehobene Lebensstellung gekommen sind. Auch die Krankenkassen werden geschädigt, denn für sie ist es von größter Nichtigkeit, möglichst viel Mitglieder in gehobener Lebens- stellung zu haben, die hohe Beiträge zahlen und den Wider- ständen des Lebens nicht so stark ausgesetzt sind. Aber das nennt man eben Mittelstandspolitik. Man läßt die kleinen Handwerksmeister zwanzig, ja fünfundzwanzig Jahre ihre Beiträge leisten und wirft sie dann aus der Kasse rauS, wenn sie ihre Lebensstellung als selbständiger Handwerks- «reister verbessert haben. Wie oft kommt es vor, daß solch ein kleiner Handwerksmeister in seinen wirtschaftlichen Verhältnissen wieder zurückgeworfen wird! Er ist dann ganz schutzlos, weil die Möglichkeit fehlt, wieder in die Kasse aufgenommen zu werden. Wie soll auch das Einkommen festgestellt werden? Man verweist auf die Steuerzettel. Aber der Steuerzettel ist kein sicheres Be- »veiSmittel. Ich kenne genug Leute, die zu wenig versteuern. Ich »renne nur unsere Agrarier. Auch ist es nicht unsere Sache, Eteuerschnüffelei zu treiben. Den Aerzten genügt aber nicht ein- vral der Steuerzettel. Als wir in Frankfurt die Familienversor- gung einführten, haben die Aerzte sogar aus dem Lebensaufwand einzelner Leute auf ein höheres Einkommen geschlossen. So sagten sie in einem Fall, es müsse jemand eine höhere Lebensstellung fyrben, weil er— einen Panamahut trug. Wir ermittelten nun, daß seine Mutter Aufwärterin bei einem älteren Herrn war, der ihr den abgelegten Hut geschenkt hatte.(Heiterkeit.) Ein Fort- schritt für die Mitglieder ist es, daß die Kassen ein irrtümlich bei einer falschen Kasse gemeldetes Mitglied solange unterstützen müssen, bis es aus einer anderen Kasse Unterstützung bezieht. Das bedeutet die Beseitigung einer bisherigen Härte und bewahrt Viele Leute vor der Armenunterstützung. Die Vorstandswahl war bisher sehr einfach. Da kam plötzlich die Regierung und sagte, sie müsse etwas zum Schutze der Arbeitgeber tun. Zunächst plante sie den berühmten Assessor. Paragraphen. Von dieser Idee ist sie aber wieder abgekommen. Diese Assessoren wären auch höchst unglückliche Leute gewesen. Hätten sie einmal den Arbeitgebern recht gegeben, dann hätten die Arbeiter gesagt: das scheint auch so einer von denen zu sein. Würden sie sich aber nach links geschlagen haben, dann hätte es gleich gutheißen: das ist ein Sozialdemokrat! und seine Karriere wäre futsch gewesen. Da ist nun der Gesetzgeber auf einen klugen AuSweg gekommen. Er sagt sich, daß eS das beste sei, man lasse sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer gegenseitig zerfleischen und mische sich dann als lachender Dritter ein. Wenn eine Ueberein- stimmung in den Kasscnvorständcn nicht erzielt wird, dann kommt eben der Feldwebel mit dem Schnurrbart, den er sich dreimal ums Ohr wickeln kann, und diese Herren mit ihrer Bildung aus der Kaserne führen die Geschäfte, bis beide Gruppen einig geworden sind. Diese neue Bestimmung wird in vielen Kassen zur Dis- Harmonie führen. Wir vertrauen aber darauf, daß beide Teile zu der Erkenntnis kommen werden, daß die Krankenkassen ein Institut sind, in dem nach besten Kräften nur zur Unterstützung der armen Kranken gewirkt werden muß. Hat man sich 25 Jahre lang in 99 Fällen von 100 geeinigt, so wird das auch weiter mög- lich sein. Bei uns in Frankfurt haben die Unternehmer bereits e,rklärt, daß sie von dem ihnen durch die Gesetzgebung unvernünf- tiger- und ungcrcchtcrweise eingeräumten Ucbergewicht keinen Ge- brauch machen wollen. Aber es machen sich anderswo Scharf- machereinflüsse in Menge geltend, um den Einfluß der Arbeit- nchmer zu unterdrücken. Tie Arbeitgeber sollen, trotzdem sie nur den dritten Teil der Beiträge zahlen, mehr als die Hälfte des Einflusses erhalten. Da muß es ja zu Reibereien kommen. Wo Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich aber einigen, werden in einer großen Zahl von Kassen die Arbeitnehmer sehr froh sein, und es gern sehen, wenn die Dornenkrone des Vorsitzenden auch der Ar- beitgeber einmal übernimmt. Der Arbeitgeber wird da allerdings in einer viel schwierigeren Lage sein als der Arbeitnehmer, weil dieser der Vertrauensmann der Versicherten ist, die umgekehrt dem Arbeitgeber bei all seinen Maßnahmen viel eher Mißtrauen ent- gegenbringen. Die Arbeitgeber werden diese Dornenkrone also schwerer zu tragen haben. Wenn ein Arbeitgeber durchaus den Vorsitz haben will, man wähle ihn nur ruhig. In wenigen Jahren wird er froh sein, wenn die Last ihm wieder abgenommen wird. (Zustimmung.) Zu tadeln ist, daß den Großindustriellen gegenüber den Kleinmeistern ein Uebergewicht in den Vorständen eingeräumt worden ist. Das muß zu einer Zwietracht zwischen den Arbeitgebern führen. Hunderte von Kleinmcistern werden von einigen Großindustriellen vollständig unterdrückt. In diesem Fall ist das Proportionalwahlsystem ein Unsinn und bringt nur ein neues Durcheinander. Den Kranken- lassen kann nur durchaus abgeraten werden, die Wahlen nach Be- rufsgruppen durchzuführen. In den Betriebskrankenkassen soll denjenigen, die freiwillig weiter Mitglied geblieben sind, die Stimme entzogen werden. Damit schafft man zweierlei Recht. Es geschieht das aber absichtlich, denn man sagt sich, daß derjenige, der die Mitgliedschaft freiwillig fortsetzt, sicher zu den Hetzern, Frei- Händlern und dergleichen gehört. Solche Leute sollen aus dem Vorstand hinaus. Es handelt sich um eine brutale und schamlose Rechtsbeugung. Die Bestimmungen sind geschaffen, um Miß- trauen in die Kassenvorstände hineinzutragen. Wir hoffen aber, daß all die dunklen Pläne der Reaktion zuschanden werden an dem vernünftigen Sinn beider Teile der Versicherungsträger.(Leb- hafter Beifall.) In der Diskussion verbreitete sich ein Redner darüber, wie die Mitglieder, die ein Einkommen von mehr als 4000 M. haben, dies verbergen können durch Nebertragung an die Frau usw. Hier- gegen wandte sich Arbeilgebervertretcr Zollet- Köln, der in der heutigen Sitzung den Vorsitz führte. Die Gesetzgebung ist da und mit ihr müssen wir rechnen. Wir sind hier nicht zusammen- gekommen, um zu beraten, wie wir uns ihr entziehen können, son- dern wir haben sie einzuhalten.(Zustimmung. Zuruf: Die Redner sollen auch die Kritik unterlassen!) Ja- wohl, ich möchte auch die Referenten bitten, etwas weniger Kritik zu üben. Allerdings, wer das Temperament des Herrn Gräf kennt, wird sich nicht wundern und es nicht allzu tragisch nehmen. (Heiterkeit.)— Handwerksmeister Ahl- Köln glaubt, daß, wenn die Stimmenzählung bei den Arbeitgebern nach Art der Berufs- genossenschast derart geregelt wird, daß auf je 100 Arbeiter eine Stimme kommt, auch die kleinen Handwerksmeister damit zufrieden sein können.— Gräf- Frankfurt a. M.(Schlußwort): Wenn man mir einen Maulkorb anlegen will, Verzicht« ich auf ein Referat. Wer solche Ausführungen nicht hören will, soll nicht herkommen, sondern lieber die..Kreuzzeitung" lesen.(Heiterkeit.) Justizrat Dr. Mayer- Frankenthal sprach über daS Beamtenrecht. DaS geltende Recht zwischen den Angestellten und den Kranken- lassen beruhte auf den Grundsätzen des Privatvertrages. Beide Teile waren in der Ausgestaltung des Dienstvertrages unbeschränkt. Von diesem Grundsatz der VertragSfreihcit haben die Kranken- lassen anfänglich ausgiebigen Gebrauch gemacht. Es ist erst all- mählich eine freiwillige Beschränkung der Vertragssreiheit nach der Richtung eingetreten, daß die Verträge einen sozialen Inhalt erhielten. Daraus sind dann die Tarifverträge entstanden, die in den Reichstagsverhandlungen eine so große Rolle gespielt haben. Was den letzten dieser Verträge anlangt, so muß hier unter einer ruhigen, objektiven und sachlichen Betrachtung erklärt werden, daß er sich nicht innerhalb des Rechtes unter guten Sitten bewegt kleines Feuilleton. Städtische Zkunstpffcge. DieLeistungenderbaherischen Städte für Theater- und Orchesterunternehmun- gen— nach einer Zusammenstellung in der.Zenschrist des bayerischen statistischen Landesamts'— bieten einen Beweis dafür, wie wenig eigentlich von den Gemeinden für diese Kulturaufgaben ge- leistet wird. Keine einzige bayerische Stadt betreibt ein Theater- unternehmen auf eigene Rechnung, keine einzige Stadt unterhält ein Orchester. daS ist das Hauptresultat. 3V Städte brachten 1909 für Thealerzwecke insgesamt 417 S17 M. an ordentlichen(regel- mäßigen) Ausgaben aus: d. h. jede einzelne der 3» Orte verwandte 13 920 M. für diesen BilduugSzweck. Dazu opferten in den Jahren lOOg— 1909 24 Städte an außerordentlichen(einmaligen) Ausgaben «941016 M.f auf jeden Ort entfielen also in 10 Jahren 289 209 M. Das Gebäude der unterstützten Theater ist meist Eigentum der Stadt, die außerdem baren Zuschuß leistet oder nur die Kosten der Einrichtungen. Dekorationen, Beleuchtung, Heizung u. a. trägt. Daß die Stadt vertragsmäßig für die soziale Lage der Bübuenaugehörigen einträte, wird von keinem Uulernehnien ge- meldet. Dagegen werden von fast allen Theatern Volks-, Schüler- oder Arbeitcrvorstellungen zu ermäßigten Preisen veranstaltet..Es wäre falsch, hieraus in erster Linie den Schluß zu ziehen, daß sich eben das soziale Gewissen während der letzten Jahre auch aus diesem Gebiete verschärft habe; die Tatsache, daß die An- r e g u n g zu solchen Vorstellungen vielfach aus der Mitte der betreffenden Kreise heraus erfolgt sowie der glänzende B e- such der Veranstaltungen beweisen vielmehr, daß das BildtingSbedürfniS und das Streben nach rein geistigen Genüssen auch in den breiten Schichten des Volkes bedeutend gewachsen ist"— so schamhaft wird das Faktum umschrieben, daß daS Proletariat in die Stätten eingedrungen ist. die bisher ausschließlich der Bour- oeoisie vorbehalten waren. Auch die Unterstützung der Orchester, die sich stolz und irre- führend.Stadikapellen' nennen dürfen, trotzdem sie ebenfall« Privat- unternehmen sind, ist äußerst geringfügig. 39 Städte brachten 1909 für sie die Summe von 99 765 M. auf; jeder Ort opfert also jährlich 2558 M. An außerordentlichen Siisgaben stifteten 1900 bis 1909 sechs Orte 51 353 M.. eine einzelne Stadt also 3559 M. Entiprechcnd den aufgewendeten Mitteln sind natürlich die Leistungen zu denken. Durchschnittlich 15—20 Mann musizieren in Gärten. Gasthänsern, Kirchen, auf öffentlichen Plätzen und— vom Turme herab. Nur ganz wenige Orte wissen von Saalkonzerten. München und Nürnberg allein von Volkssinfoniekonzerten zu berichten. Wenn der Bearbeiter schon daS Repertoire der Theater mit den Sorten an».Faust" entschuldigt:.Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen", so kann man auS seinem vollkommenen Schweigen bei den»Orchestern' entnehmen» was für Musik geboten wird. (Die berühinte Stadt Berlin steht in diesem Fall außerhalb jeder Kritik, weil sie eben gar nicht« für solche Zwecke leistet.) DaS wandernde Rationaltheater, daS der Direktor des Pariser Antoine-TheaterS Gömier errichtet hat, gab auf der Invaliden- eSplanade, wo noch vor kurzem die Buden der alljährlichen KirmeS aufgeschlagen waren, eine Probevorstellung. Der Theater- räum besteht au« einem Leinwandzelt. da« 3500 Quadratmeter mißt. Gömier besitzt zwei solche Zelte, so daß er, während er noch in einer Stadt spielt, schon in der nächsten das Theater aufschlagen lassen kann. Die Zelte bieten 1600 bis 1650 Zuschauern Raum. Die Bühne ist 7 Meter breit und 10 Meter tief. Zur vollständigen Installation sind 15 bis 20 Stunden nötig. Eine eigene Arbeiter truppe ist zu diesem Dienst engagiert. Die Prospekte sind nebew einander auf eine einzige, 60 Meter lange Leinwand gemalt, die auf zwei riesigen, rechts und links von der Hinterbühne vertikal aufgestellten Spülen läuft. Demontiert. wird das Theater auf 37 Wagen expediert, die von neun mit Dampf betriebenen Loko- motiven gezogen werden. Die Fahrt geht auf den Landstraßen vor sich, mit einer Geschwindigkeit von 7 bis«Kilometer in der Stunde. Zwei Wagen enthalten je vier Logen, ein Wagen die Verwaltung. weiter sind Wagen mit komfortablen Künstlergarderoben vorhanden und einer mit Toiletteräumen. Ein Wagen birgt die Elektro- motoren, die die 2000 Lampen des Zuschauerraumes und die 1300 der Bühne zu speisen haben. Die ganze Truppe besteht auS etwa 100 Personen. Ihre mann- lichen Mitglieder haben von der Unternehmung ein Zweirad erhalten. um den Zug zu geleiten. Die Eintrittspreise betragen von 1,20 M. bis 4 M. So billig hat's Reinhardt in seinem Zirkus nicht gegeben. Edison über den Kinematographrn. Der amerikanische Erfinder Thomas B. Edison, dem die Welt so viele und bedeutende Nenerungen zu verdanken hat, ist vor einiger Zeit von einem englischen Blatte über die Zukunft und über die Bedeutung der Kunst der.Lebenden Bilder' befragt worden..Der Kinematograph", sagte Edison,.hat für die Belehrung der Massen dieselbe Bedeutung wie die Malerei. WaS für eine Vorstellung hat z. B. ein Kind von einem fremden Lande, auch wenn cS der Lehrer noch so lebendig schildern mag? So gut wie gar keine I Heute kann die Geographie am besten durch den Kinematographen gelehrt werden. Fremde Länder und Völker. Gewohnheiten und Sitten des Landes, die Beschäftigung und Arbeitsweise der Bewohner, überhaupt alles Wissenswerte über Land und Leute kann der Kinematograph zu unauslöschlichem Ein- druck verdichten, so daß es ewig im Gedächtnis haftet." Edison arbeitet selbst an der Vervollkommnung der Apparate. Insbesondere will er die Bereinigung des Grammophons mit dem Kinemato- graphen so ausgestalten, daß fast nichts mehr zu wünschen übrig bleiben soll. Eine ähnliche Erfindung hat übrigens vor einiger Zeit schon ein Franzose gemacht. Edison glaubt ferner an die Möglich- keit plastischer dreidimenfionalcr Bilder, die nach seiner Meinung vielleicht imstande sein würden, das Theater ganz zu ersetzen. hat. Der Redner bespricht dann eingehend� die vom Gesetz neu geforderte Dienstordnung. Tie Krankenkassen müssen möglichst klare und erschöpfende Bestimmungen in die Dienstordnung hinein- bringen, um Streitigkeiten und Mißhelligteiten zwischen den Be- amtcn und den Kassen zu vermeiden. Es wird hier Aufgabe des Zentralverbandes sein, möglichst bald eine Musterdienstordnung auszuarbeiten. Die öffcntlichrcchtliche Beschränkung der Verwal- tung und der Vertragsfreiheit der Krankenkassen betrifft einen Punkt, der aus wichtigen Gründen nicht ausgeschlossen werden konnte. Natürlich darf religiöse und politische Betätigung außer- halb der Dienstgeschäfte und die Ausübung des Koal'' onsrechtes, soweit sie nicht gegen das Gesetz verstößt, niemals zur'indigung oder Entlassung der Angestellten benutzt werden. Alle A.-.llungs- Verträge, die solche oder ähnliche Bestimmungen enthal.■, sind nichtig. Die Krankenkassen aber haben das Entlassungsrecht, ja die Entlassungspflicht, wenn ein Beamter seine Dienstzeit und sein Dienswerhältnis zu religiöser oder politischer Betätigung miß- braucht. Wenn die Vorstände nämlich die Bestimmungen des Ge- setzes nicht anwenden, können sie vom Oberaufsichtsamt dazu an- gehalten werden. In Zukunft wird die Anstellung von Beamten auf Kompromissen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehiilern be- ruhen. Es muß eine UebereinstimmuNg beider Teile stattfinden, wenn nicht das Versicherungsamt eingreisen soll. Ein Tarifvertrag im engeren Sinne wird nicht möglich sein, weil alle Vereinbarungen außerhalb der Dienstordnung ungültig sind und weil für ein Streit- verfahren auch nicht mehr ein Schiedsgericht, sondern das ordcnt- liche Gericht maßgebend ist. Aber es werden immerhin gewisse Vereinbarungen zwischen den Organisationen möglich sein. Man wird sich verständigen können über einen gemeinsamen Inhalt der Dienstordnung. In bezug auf das Uebergangsrecht findet eine wesentliche Beschränkung der vom vorjährigen Regensburger Orts- krankenkassentag beschlossenen Dienstverträge statt. Allgemein kann gesagt werden, daß gerade aus dem Gebiet des BeamtenrcchtS die Suppe nicht so heiß gegessen wird, wie sie gekocht ist. Die über- triebenen Befürchtungen der Angestellten in bezug auf Gehalt, Ruhegehalt usw. werden sich nicht als zutreffend erweisen. Man darf die Zuversicht hegen, daß eine vernünftige Aufsickstsbchörde in Deutschland sich nicht dagegen wehren wird, daß die Dienstver- träge einen sozialen Inhalt haben. Man kann sich auch nicht vor- stellen, daß die erworbenen Rechte in bezug auf Gehalt von den Aufsichtsbehörden beseitigt werden. Wir können uns vielmehr der optimistischen Hoffnung hingeben, daß, abgesehen von den mit Recht bekämpften letzten Verträgen, die vernünftigen sozialpolitischen Grundlagen der bestehenden Verträge auch unter dem neuen Recht weiterbestehen werden.(Lebhafter Beifall.) Starke- Dresden spricht über das Verhältnis zu den Aerzten: Der Kamps um die freie Arztwahl wird wohl bald überall ent» brennen. Auf dem Stuttgarter Aerztetag haben die Aerzte ja schon erklärt, daß mit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes alle Ver- träge gekündigt werden müssen. Also nicht die Kassen sind schuld an dieser schroffen Zuspitzung der Gegensätze, sondern die Aerzte. Die Ortskrankenkassen werden vor allem auf dem Posten sein müssen und sich gegen die zwangsweise Einführung der freien Arztwahl mit allen Kräften wehren. Die Ortskrankcnkassen haben stets dem ärztlichen Stande Hochachtung gezollt. Die Kassen, die die Einführung der freien Arztwahl für nötig halten, mögen cS ruhig tun. Auf der anderen Seite aber sollen uns diese Kassen keine Schwierigkeiten in den Weg legen. Wir werden auch in Zukunft eine Verständigung mit den Aerzten suchen» denn beide Teile sind aufeinander angewiesen.(Beifall.) In der Diskussion nahm als Gast das Wort Dr. G u m p e r tz- Berlin, ein nicht dem Leipziger Verbände angehörender Arzt: Für die Aerzte bedeutet die Erhöhung der Einkommensgrenzc auf 2500 Mark und die damit verbundene Vermehrung der Kasscnmitglieder eine wesentliche Schmälerung der Privatpraxis. Man hat nun vielfach den Gedanken ausgesprochen, daß der Aerztcstand bei der Neuregelung der sozialen Versicherung sich als Hemmschuh erwiesen habe. Das trifft nur in gewissem Grade zu. Auch in Aerzte- kreisen ist man vielfach der Ucberzeugung, daß die Ausdehnung der Versicherungspflicht auf die Dienstboten, Hausangestellten und in- dustriellen Heimarbeiter notwendig war. Allerdings atmen die Mitteilungen deS Leipziger Verbandes einen anderen Geist. Aber man darf diesen Aeutzerungen keinen zu übertriebenen Wert bei- legen. Es handelt sich da im wesentlichen um Agitationsmittel, mit denen man die Aerzte in die Organisation hineinbringen will. Wenn das Leipziger Verbandsorgan Kampf predigt, so ist das immer die Vorbereitung zum Rückzug. Redner tritt schließlich dafür ein. daß die Kassen eine Erhöhung des Aerztehonorars eintreten lassen für die neu aufzunehmenden Mitglieder mit Gehältern von 2000 bis 2500 Mark. Vorsitzender Fräßdorf: Wenn man uns die Selbstverwaltung nimmt, werden wir es ablehnen, unsere Kräfte weiter den Kranken- Humor und Satire« Der Tierpark. Der Kaiser hat zu wiederholtem Male Und sozusagen fast ostcutaiiv Die Neigung aufgeweckt für'S Soziale, Die träumend in ihm schlief. Von Macdonald will ich hier gar nicht sprechen, (Denn eS geschah ja mehr zu Englands Heil.) Doch das bei Hagenbeck— nein, man muß brechen Mit seinem Vorurteil I Er hat, entgegen allen Liebedienern, Und von der Sorge um das Volk geguält, Mit scharfem Blick erkannt, daß den Berlinern Ein zweiter Tierpark fehlt. Sie soll'» ihn haben; in der Jungfernheide Bollzieht es sicki, und staunenden Gesichts Bemerkt der kleine Mann im schlichten Kleidet Nun fehlt uns weiter nichts I Nun ist mir heiterer und hoffnungsvoller. Denn überm Chaos flammt ein neues Licht.— Das Wahlrecht? Erst der Park! Ein Hohenzoller Hält stets, was er verspricht. (Peter Scher im.SimplicissimuS'.) Notizen. ein bekannter französicher Nationalökonom und Statistiker ist ,n Paris gestorben. — Jnl Botanischen Garten(Dahlem) blsht die Victori» regia. Der Garten ist gegen geringes Entree täglich von 7—7 Uhr geöffnet. Mittwoch, Freitag, Sonnlag. Dienstag von 2—7 Uhr un- enigcktllch. .-7 Das Geheimnis der Brieftaube. Es ist eine alte und oft behandelte Frag«, welche Mittel es wohl der Brieftaube er- möglichen, ihren Heimweg über Hunderte von Meilen zu finden. Viele Gelehrte haben darüber ges-brieben und die seltsamste» Er- klarungen für das außergewöhnliche Orientieningsvermvgen der Brief- taube gegeben. Während die eine» behaupten, die Brieftaube besäße wie alle anderen Vögel einen besonderen Sinn für diese Fähigkeit glauben andere, daß sie durch magnetische Strömungen gezwungen wird, nach ihrem AuSgangSort zurückzukehren. Jetzt hat Prof. Hachet-Souplet. der Direktor des Pariser Instituts für Tier- plychologie, dieser Frage eine eingehende Studie gewidmet. Er glaubt, daß daS ganze Geheimnis der Brieftaube auf ihrer Fähigkeit bnuht. gewisse Punkte der unter ihr liegenden Landschaft im Ge« dachtniS zu behalten. fassen zu ßlssmen. W!r lassen UNZ 5!e SelbsiöerNallu�g kvcssek don der Regierung noch von der Gesetzgebung, noch von den Aerzten nehmen,(Lebhafter Beifall.) Es rühmt sich zwar manche Kasse wie gut sie mit der freien Arztwahl auskommt. Das ist kein Kunst- stück, denn wenn wir nicht da wären, würden sie es nicht können. Tie Aerztc würden den Krankenkassen dann das Fell über die Ohren ziehen. Wenn jene Kassen heute erträgliche Verträge mit den Aerzten haben, so ist das unser Verdienst.(Stürmischer Beifall.) Die Aerzte verhindern die Einführung eines Arztshstems, das uns «m sich durchaus sympathisch ist, weil sie mit der freien Arztwahl uns nicht nur auf die Knie zwingen, sondern weil sie uns dann auch den Fuß in den Nacken setzen wollen. Aber dazu sind wir noch zu nackensteif.(Stürmischer Beifall.) Wir wollen mit den Aerzten gern verhandeln. Aber auf diesem Gebiet gibt es keine Verständigung. Es gibt im übrigen noch genug Aerzte in Deutsch- land, die bereit sind, auch auf der Grundlage eines anderen Arzt- systems mit uns zu verhandeln und sich mit uns zu verständigen. In den nächsten Tagen werden nach dieser Richtung Verhandlungen beginnen. Man wird verstehen, wenn ich hierüber vorläufig weiter nichts. sage. Run gibt es große Kassen, die die freie Ärztwahl eingeführt haben. Ja, es gibt Kassen, die genötigt sind, das Honorar nicht an den behandelnden Arzt, sondern an die Organisation, mit anderen Worten: an den Leipziger Verband zu zahlen. Was den Aerzten recht ist. ist den Beamten und Arbeitern billig. Wenn wir die Forderung aufstellen wollten, daß die Unternehmer die Löhne für die Arbeiter an die Arbeiterorganisationen und die Ge- Kälter der Privatbeamten an die Angestelltenorganisationen ab- führen sollten, dann würden wir auf helles Gelächter stoßen.(Leb- chafte Zustimmung.) Derartige Forderungen sind nur geeignet, jeden Weg zur Verständigung zu verrammeln. Ich möchte die Kassen dringend davor warnen, diesen Weg zu beschreiten. Wenn eine Kasse glaubt, daß sie mit der freien Arztwahl auskommt, und }ür die Zukunft keine Befürchtungen zu hegen braucht, dann mag ie eS tun. Nur müssen wir von dieser Kaste verlangen, daß sie uns keine Schwierigkeiten macht.(Stürmischer Beifall.) Diese Mahnung richte ich besonders an die Leipziger und gans besonders «in Herrn Vollender.(Stürmischer Beifall.— Vollender: Um- gekehrt auch!) Wir erschweren Ihnen nicht Ihren Standpunkt. Wir bitten Sie aber auch, zum Gaudium unserer Gegner den Leipziger Verband nicht fortwährend Material zuzutragen." Ich erinnere nur an das Verhalten des Herrn Vollender auf dem Internationalen Kongreß für Sozialversicherung in Schevcningen, wo selbst fremde Delegierte es unangenehm empfanden, daß man uns in die Parade fuhr und unsere Einheitlichkeit störte.(Stürmischer Beifall.) Gewiß geht es auch so, das bestreiten wir Ihnen gar nicht. Bei den Aerzten reden viele mit, die uns niemals behandeln wollen. Es darf aber nur mitreden, wer auch bereit ist, die armen Kranken im Keller und auf den Boden aufzusuchen. Die Herren Geheimen Medizinalrätc und Universitätsprofessoren aber denken niemals tmran, eine Kastenpraxis auszuüben und sollten daher auch nicht mitreden. Nun hat der Vorredner ausgeführt, er sei mit uns nicht zufrieden, weil wir nicht gewillt wären, ein höheres Honorar für die neu in die Versicherung eintretenden Mitglieder mit einem Einkommen von 2000 bis 2600 M. zu zahlen. Es hat für die Kassen aber große technische Schwierigkeiten, ein besonderes Honorar für diese Mitglieder festzusetzen.(Lebhafte Zustimmung.) Materiell würde für die Aerzte auch gar nicht soviel herauskommen, da es sich immer nur um einen kleinen 5ireis von Personen handelt. Wir werden aber unter der neuen Reichsversicherungsordnung wohl dazu kommen, eine allgemeine Erhöhung der Honorare eintreten zu lassen. Das wird für die Aerzte vielmehr bedeuten als eine Er- höhung für die paar technischen Beamten und Handlungsgehilfen. Wir erheben ja auch von diesen Versicherten keine besonderen Bei- träge. Hierauf sollten sich die Kasten also nicht einlassen, aber andererseits bemüht sein, für die Aerzte zu tun was sich machen läßt. Wir werden ja sehen, wie der Hase läuft und brauchen den Mut nicht zu verlieren, denn ich glaube, daß auch die Herren in Leipzig ihre Läuse im Pelz haben.(Heiterkeit.) Weiter möchte ich fagen, daß es nicht unsere Aufgabe sein kann angesichts einer zu unvernünftigen Gesetzesbestimmung wie die, daß die freiwillig Versicherten mit über 4000 M. Einkommen ausscheiden müssen, den Büttel zu machen und nachzuspionieren, noch dazu wo es gegen die Interessen der Kassen geht. Erfahren wir es. dann gut, dann wird das nötige veranlaßt werden, sonst aber geht unö die Sache nichts an. Adler-Halle: Auch in unserem Aerztestreik sind die Aus- führungen des Herrn Vollender vom Leipziger Verband in Taufen- den von Exemplaren verbreitet worden. Ja, man hat von uns verlangt, daß wir das Personal zur Berechnung der Honorarvcr- teilung auf die einzelnen Aerzte bezahlen sollen.(Lachen und Hört! hört!) Schließlich sprach Geschäftsführer Albert K oh n- Berlin über die besonderen Berufszweige. Er behandelte das Kapitel der unsteten Arbeiter und bekämpfte die Bestimmungen für den Bau von Landkrankenhäusern als zu schwerfällig.— Ein Leipziger Delegierter gab die Erklärung ab, daß der Vorsitzende Vollender, der heute nicht bis zum Schluß hätte anwesend sein können, am Mittwoch auf die Ausführungen Fräßdorfs erwidern werde, Die Verhandlungen gehen heute zu Ende. Eue Induftrie und FtandeL Judustrielle Konzentration. Die letzte Berufs- und Betriebszählung hat zwar wieder eine gewaltige industrielle Zusammenballung, ein schnelles Wachsen der Großbetriebe dargetan, aber die gewonnenen Zahlen lassen die tatsächliche EntWickelung nicht erkennen. In der Statistik erscheinen diele Betriebe als selbständige, die in Wirklichkeit nur Teile eines größeren Unternehmens sind. Das'gilt auch für die Montanin- dustrie. Hier haben Fusionen und Angliederungcn einer großen Anzahl Unternehmer die Selbständigkeit genommen, aber sie behalten teilweise ihre alte Firma bei und gelten bctriebsstatiftisch als selbständiger Betrieb. Welch einen weitverzweigten Komplex von Produktionsstätten und Handelsbetrieben so ein moderner Man- tanring darstellt, das illustriert eine Zusammenstellung der„Rh.- Wests. Ztg." über die zum StinneSkonzern gehörenden Betrieb«, der Soir folgendes entnehmen: „Mit dem Jntevessengemeinschaftsvertrag zwischen Deutsch- Luxemburg und der©onete anonyme des HautS-Fourneaux et Acieries de Rum«langc-St. Ingbert, wie der offizielle Titel der Gesellschaft lautet, hat der Stinnes-Konzern seinen internatio- nalen Charakter befestigt und erweitert. Seine Produktions- ftätten erstrecken sich nicht nur über das ganze Deutsche Reich einschließlich Luxemburg, von der französischen Grenze, der bay- rischen Pfalz bis zur Ruhr und der Nordsee, sondern sie greifen auch nach Frankreich und Belgien über und sein Aufsichtsrat. der «ebenbei aus 40 Mitgliedern besteht, umfaßt Deutsche, Luxem- burger, Wallonen(Belgier), Franzosen. Der Konzern Deutsch- Luxemburg unterscheidet sich von den anderen Konzernen wesent- kich durch seine außerordentlich zahlreichen räumlich von einander entfernt liegenden, verzettelten Betriebsstätten und durch seine Verquickung mit allen möglichen Unternehmungen, die von der Person und der Firma Hugo Stinnes abhängen und beinahe alle Gebiete des gewerblichen Lebens umfassen. Um dieses etwas näher zu illustrieren, seien hier einmal alle Unternehmungen. die sich um die Deutsch-Luxemburgische Gesellschaft und Herrn Hugo StinneS gruppieren, aufgeführt. Bemerken möchten wir aber, daß diese Zusammenstellung auf Vollständigkeit keinen An- spruch erhebt, da die zahlreichen Unternehmungen, Zweig-Nieder- lassungen und angegliederten Firmen, soweit sie formell von der Privatfirma Hugo StinneS ressortieren, in der Oeffentlichkeit kaum alle bekannt sind. Der Deutsch-Luxemburgische Konzern stellt sich zusammen auS: A. Eisenbetrieben: 1. Hüttenwerk Differdingen(Hocböfen, Stahl- und Walzwerk), 2. Huttenwerk Union. Dortmund(Hoch- öfwt Stgh(i üsid Walzwxch« S. Hüttenwerk Horst(Hochöfen, Wakzwerk, Nebenbetriebe), 4. Huiientver? Mülheim(Hochöfen, Gießerei), 5. Hüttenwerk St. Ingbert(Stahl- und Walzwerke), 6. Hüttenwerk Rümelingen(Hochöfen), 7. Hüttenwerk Oettingen (Hochöfen); L. Kohlenzechen: t. Dannenbaum, Bochum, 2. Friede- rika, Bochum. 3. Prinz Regent, Bochum, 4. Friedlicher Nachbar, Linden, S. Baaker Mulde, Linden, 6. Hascnwinkel, Dahlhausen. 7. Bruchstraßc, Langendreer, 8. Wiendahlsbank, Kruckel bei Annen. 9. Luise und Erbstollcn, Kruckel bei Annen, 10. Adolf von Hansemann, 11. Glückauf Tiefbau, 12. Carl Friedrich Erbstollen, 13. Gewerkschaft Kaiser Friedrich, 14. Gewerkschaft Tremonia, 15. Saav-Moscl-Bergwerksgestllschaft: C. Zahlreiche EisenerK- grubcn in Lothringen, Luxemburg. Frankreich, Nassau, Sieger- land, Ruhr, Weser, Harz, die namentlich aufzuführen der Raum verbietet; D. Kohlenhandelsgesellschaften, die Deulsch-Luxemburg mit Stinnes gemeinsam erworben hat, bezw. auf die beide Ein- flutz gewonnen haben: 1. Vereinigte Berliner Kohlenhändler A.- G., 2. Kupfer u. Co., Berlin, 3. M. Rast u. Sohn, G. m. b. H., München, 4. Friedrich Steiger, Augsburg, 5. Koch u. Hibg, Bar- men, 6. Hugo Oppenhorst, Elberfeld; O. Hugo Stinnes Handels- und R�ederei-Gesellschaften:») in Deutschland: 1. Mülheim-Rühr, 2. Duisburg, 3. Köln(Eisengrotzhandlung), 4. Wiesbaden, 5. Mannheim. 6. Rheinau, 7. Straßburg, 8. Saarbrücken, 9. Stutt- gart, 10. Hamburg, 11. Harburg, 12. Berlin; d) England: 13. Newcastle on Tyne, 14. Glasgow, 15. Hull, 18. Cardiff, 17. Swan- sea; c) Italien: 18. Mailand, 19. Genua, 20. Trieft; 6) Ftonk- reich: 21. Paris, 22. Rouen; c) Belgien, Schweiz: 23. Brüssel, 24. Zürich; l) Rußland: 25. St. Petersburg, 28. Riga;?. Von Stinnes käuflich erworben wurden: I. F. Westphal u. Co., Ham- burg-Harburg; 2. Julius Schoch u. Co., Zürich; 3. Jakob Trefz u. Söhne, Stuttgart: 4. Jos. Hupfeld, Wiesbaden; 5. Straß- burger Kohlew- und Aufbereitungsanstalt, G. m. b. H. Es ist ferner bekannt, daß Stinnes große eigene tZeedampfer, 5 bis 6 der Zahl nach, unterhält, die englische Kohlen nach der deutschen Küste und nach Oberitalien ausführen und von Spanien Erze als Rückfracht führen. Außerdem unterhält er zahlrcicbe Schleppdampfer und Kähne auf dem Rhein und der Elbe. Mit Deutsch-Luxemburg zusammen hat er bekanntlich vor einigen Tagen die„Midgard" deutsche SecderkehrS-A.-G. in Nordenham erworben. Er unterhält außerdem Beziehungen mit holländischen und norwegischen Handelsgesellschaften. In Norddeutschland, in Königsberg. Danzig, Stettin, sucht Stinnes festen Fuß zu fassen. Dabei ist bemerkenswert, daß er neuerdings beabsichtigt, wie wir hören, in Mülheim ein Zentral-Vertriebsburcou für Roheisen einzurichten. Nicht erwähnt wurden nun bis jetzt alle diejenigen Unter nehmungen, die mit dem Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk zusammenhängen und diejenigen, die sich auf die GaZfernver- sorgung beziehen, ferner die StinneSschen Familienzechen, deren technische Oberleitung in den Händen deS Herrn Stinnes liegt Es würde zu weit führen, den Konzern de? Rhein.-Westf. Elektri. zitätswerkes hier noch zu analysieren; sie bilden ein Kapitel fü: sich, auf daS wir eventuell noch zurückkommen. Aui den aufge- zählten Unternehmungen läßt sich sckion der Schluß ziehen, daß der Stinneskonzern das ausgedehnteste und vollkommenste Trust- gebilde ist, daS die deutsche Industrie aufweist. Es ist mehr, als eines Mannes Kraft leisten kann. Und noch scheint kein Abschluß in Aussicht zu sein." Selbstverständlich kann StinneS, obwohl er die großzügigen Pläne schmiedet und der eigentliche Dirigent der Organisation ist, alle die Werke und Betriebe nicht übersehen und leiten, ebenso wenig aus eigenen Mitteln finanzieren. Hinter ihm steht die Kapitalmacht der Banken. Diese sind die eigentlichen Träger und Beherrscher der industriellen Ricsenunternehmungen. In diesen änd naturgemäß alle persönlichen Beziehungen zwischen Unter- nehmer und Arbeiter ausgeschaltet, das unpersönliche internationale Kapital kennt nur Waren, es macht den Arbeitsvertrag zu einer reinen Sache. Der SchiffahrtS-Pool. Am Montag, den 10. Juli, haben in London die Verhandlungen zur Neuerrichtung des Internationalen Schiffahrts-Pools, des söge- nannten General-Pools begonnen. Der Gaieral-Pool, der nur auf kurze Zeit gegründet war, hatte am 28. Februar dieses Jahres sein Ende erreicht. Er umfaßte sämtliche großen Schiffahrtsgesell- schaften, die den internationalen Perkehr besorgen. Es war seiner- zeit nach mannigfachen Schwierigkaten auch der Eintritt der Cunardlinie erreicht und die Mitglieder waren von dem Wirken de? Pools im allgemeinen befriedigt. Bei der Neuerrichtung der Konvention handelt es sich um die Lösung wichtiger SchiffahrtS- fragen, unter denen das Canadaproblcm wohl das wrfentlichste ist. Die Canada Pacific-Eisenbahn, deren Linien ja den Fcstlandverkehr mit Canada vermitteln, hat naturgemäß ein hohes Jnteressc daran, sich die Einnahmen aus diesem Verkehr nach Möglichkeit nicht schmälern zu lassen. Sie unterhält mit eigenen Schiffen einen regelmäßigen Dienst von Liverpool und Antwerpen nach Canada. Da sowohl die großen deutschen SchiffahrtSgcsellschaften wie auch die Holland-Amerika-Linie den VerkchrSdienst nach Canada neuer- dings mit besonderem Eifer betreiben, so kann man sich denken, daß die jetzt in London stattfindenden Poolverhandlungen gerade deswegen sehr schwierig sind. J3us der frauenbei-vegung. Gesetzesverletzung als Begründung eiueS Rückschrittes. Die Konfektions- und Putzgeschäste verlangen eine Verord- nung, durch welche für sie die Bestimmungen über den früheren ArbeitSzcitschluß der Arbeiterinnen aufgehoben werden. In einer von der Handelskammer zu Elberfeld an den Bundesrat gerich- teten Eingabe heißt es: „Wir bitten den hohen Bundesrat ganz ergebenst um bal- digen Erlaß einer Verordnung des Inhalts, daß in Werkstätten, in welchen Männer-, Frauen, und Kinderkleidung für den per- sönlichen Bedarf der Besteller angefertigt oder verändert wird, ferner in Werkstätten, in welchen Frauen- und Kinderhüte gar- niert werden, Arbeiterinnen über 16 Jahre über die in Z 137 Abs. 1, 2, 4. festgesetzte Zeit hinaus an 40 Tagen im Jahre zur freien Wahl der Betriebsleiter auch an Vorabenden von Sonn- und Festtagen bis zum Ladenschluß der Konfektions, und Putz- geschäfte beschäftigt werden dürfen." In der Begründung dieser sozialpolitisch reaktionären Forde- rung wird u. a. gesagt: „Daß Mißstände in unserm Bezirk bestehen, erkennt auch der zuständige Regierungs. und Gewerberat in Düsseldorf im Jahresbericht der Königlich Preußischen Regierungs- und Ge- Werberäte für 1910 an. Tort heißt eS Seite 424;„Hierdurch hat sich in der Tat für eine große Zahl von Geschäften eine außerordentlich schwierige Lag« ergeben. Besonders trifft dies auf die Wuppertaler Großstädte zu. in denen der freie Sonnabend- nachmittag von der Arbeiterschaft mit Vorliebe zu Einkäufen benutzt wird. Angesichts des für die Betriebe mit weniger als 10 Arbeitern noch bestehenden wesentlich günstigeren Sonder- rechts erklärt sich daher ohne weiteres das Bestreben, die Zahl der Werkstattarbeiterinnen unter 10 zu halten, von dem die Gc- Werbeinspektoren mehrfach berichten. Dieser Weg hat sich aber keineswegs überall als gangbar erwiesen, da eben 9. wenn auch auserlesen tüchtige Arbeitskräfte nur beschränkte Lrbcitsmengen leisten können. Wie der Gcwcrbeinspektor von Elberfeld be- richtet, ist dort auch versucht worden, Betriebe derart zu zer- legen, daß die produktive Arbeit auf mehrere Unternehmungen verteilt wurde, die jede für sich daS Vorrecht der KonfektionS- Verordnung beanspruchten. Wenn schon diese Lösung zumeist nichts anderes als eine Umgehung des Gesetze? darstellt, so trifft das in vielen Fällen nicht minder auf den ebenfalls beliebten Ausweg zu, daß die Geschäfte Gcwerbegehilfinnen formell als HandlungSgehilfmnen anstellen und die von diesen ausgeführten Handarbeiten als sogenannt� SlcndeWNgS- ddex Wgrtegrheisey zur kaufmännischen, den Beschränkungen des 8 137 der Gewerds« ordnung nicht untenliegenden Tätigkeit rechnen. Die strafrechi-- lichen Verfolgungen solcher Praktiken stellen aber an den Scharfsinn, die Geduld und Arbeitskraft der Auffichtsbeamten recht große Anforderungen, so daß einer besseren Anpassung der Gesetzgebung an die realen Forderungen des Lebens das Wort zu reden sein dürfte".„~ � � Aehnliche Berichte liegen aus allen Teilen der preußischen Monarchie vor.(Vergl. denselben Bericht Seite 49, 87, 110, 140, 180, 199. 233, 246, 79. 318 usw.)" Die systematische U-bertrctung der Schutzgesetze al» Be- gründung für die Forderung der Aufhebung anzuführen, da» ist jedenfalls eine kapitalistische Originalität. Soziales. Das Anwachsen der Großstädte. Ohne in die agrarischen Uebertreibungen zu versallen, die unsere großen Städle wenig geschmackvoll als„Wasserköpfe" be» zeichnen und ihr Wachstum, ja schon ihre bloße Existenz schlechthin als etwas Ungesundes erklären, muß man doch gerade als Sozialist die rapide Znsammcnballung der Votkswassen in den großen Slädten bedenklich finden, zumal wenn ihr ein Zurückbleiben der Volksver« mehrung in den Mittel- und Kleinstädten, ja sogar eine Volts» abnähme ans dem platten Lande gegenübersteht, wie daS in Deutsch- land tatsächlich der Fall ist. Einer kürzlich erschienenen Studie des Direktors Neuhaus vom Statistischen Amt zu Königsberg entnehmen wir darüber die folgenden Angaben. Die 42 deutschen Städte mit je über 100 000 Einwohner, d,e wir Großstädte nennen, hatten insgesamt eine Bevölkerung von (in abgerundeten Zahlen): 1882 1895 1907 3 827 000 7 030 000 11 790 000 Ihre Bevölkerung hat sich also in diesen 26 Jahren verVier» facht. Ihnen gegenüber wuchsen alle übrigen Städt« nur wie folgt: 1882 1895 1907 15 575 000 18 770 000 24 045 000 Die Zunahme ist hier, wie man sieht, viel geringer gewesen. Noch lange nicht einmal verdoppelt hat sich der Bestand von 1882. Auf dem Lande aber ist gar eine direkte Abnahme zu konstatieren. Dort betrug die Bevölkerung: 1382 1893 1907 26318000 25972000 25883000 Nimmt man die großen und kleinen Städte zusammen, so wohnt heute bereits die Mehrheit der deutschen Bevölkerung in den Städte» Wir hatten: 1882 1895 1907 in den Städten. 18900000 25800000 35835000 auf dem Lande. 28 318 000 25 972 000 25 883 000 Bemerkenswert ist dabei, daß diese Umkehrung d«S früheren VerbältnisieS in der Hauptsache auf diejenigen Personen zurück» zuführen ist, welche die Statistik als Dienend« und als An» gehörige bezeichnet, also nicht auf die Erwerbstätigen. Im Gegenteil, die haben auch in den kleinen Städten wie auf dem Lande zugenommen, wenngleich nicht so stark wie in den Großstädte» TS betrug die Zahl der Erwerbstätigen: in den in den auf dem Großstädten anderen Städten Lande 1882..1340 000 5 850 000 10 440 000 1895.. 2900000 7 260 000 10 600 000 1907.. 4 980 000 9 640 000 12 300 000 Gewiß ist ja auch hier daS Wachstum in den Großstädten b«- deutend geschwinder gewesen; auch die Erwerbstätigen haben sich dort fast vervierfacht, in den anderen Slädten haben sie sich noch lange nicht verdoppelt, auf dem Land« find sie fast unverändert geblieben; aber e» ist doch immer noch eine Bcrmehrmig da. Dagegen betrug die Zahl der Angehörigen: in den in den auf de» Großstädten anderen Städten Lande 1882 1 638 000 8 517 000 14 756 000 1895 3 483 000 ,10 019 000 14 010 000 1907 5 705000 12404000 12114000 Hier setzt also die direkte Abnahme auf dem Lande bereits ein, die freilich bei den Dienenden noch viel rapider gewesen ist. Deren Zahl betrug: 1882 187 700 564 400 572 900 1895 289 500 551 800 498 600 1907 402 400 576200 286 200 Dabei fällt auf, daß eS speziell die weiblichen Dienenden waren, die das Land offenbar in großen Schoren verlassen haben. um in die Großstädte zu wanden». Männliche Dienende gibt eS in den Großstädten nur wenige Tausende, und deren Zahl hat sich noch dazu verringert von 5300 auf 4300 und zuletzt auf 3800. Da« hinden freilich nickt, daß auch in den anderen Slädten sowie auf dem Lande ihre Zahl schnell abgenommen hat, nämlich in den Klein» und Mittelstädten von 16000(1882) auf 5000(1907), auf dem Lande von 20 800 auf 6400. Dagegen wurden weibliche Dienende gezählt in den Großstädten den anderen Städten auf dem Lande 1882.. 182 300 548 000 552 000 1895.. 285 100 543 000 485 700 1907.. 393500. 571000 279 700 Die Gründe dieser allmählichen Entvölkerung deS platten Landes sind oft genug erörtert worden. Es liegt indessen auf der Hand, daß die Flucht vom Lande in die Städte ein eigentliches Mittel gegen die Not de» jetzigen Landlebens nicht ist. Denn es entstehen daraus andere schwere Schäden, z. B. die Ausbeutung der Zu« gezogenen durch den städtischen Wohnungswucher. Wirksame Abhilfe kann nur geschaffen werden durch einen Ausgleich zwischen Stadt und Land, der die Vorteile beider vereinigt und allen Menschen zu» gänglich macht, aber freilich nur durch eine sozialistisch geregelte Wirtschaft erreichbar»st. Versammlungen. Zentralverband der Töpfer. Am Freitag fand eine Per» trauenSmänner-Bersammlung statt. S e g a w e gab einen Situationsbericht von den Bauten. Der Tarif geht weiter, doch wird vom BerbandSvorstand eine Revision vorgeschlagen. Von feiten der unorganisierten Töpfer wurde der Vorstand angegangen, er möge bei der Firma Bern dt für eine Regelung und Ein- Haltung der Preise sorgen. Der Vorstand traf daraufhin Maß- nahmen, die zur Folge hatten, daß der Tarif bei der genannten Firma eingehalten wurde. Ein weiterer Versuch, die Unorganisier- ten Berlins der Organisation zuzuführen, hatte wenig Erfolg.— DaS Gesetz zur Sicherung der Bauforderungen steht eigentlich nur auf dem Papier. Der Schwindel blüht eher noch mehr als früher. Vor allem warnte Redner die Kollegen davor, sich vom Unternehmer als Strohmann benutzen zu lassen und für ihn ihren ehrlichen Namen zu opfern. In der Diskussion wurde gesagt, man müsse doch immer wieder unter den Wilden mit der Agitation einsetzen und nicht ruhen, es sei vielleicht doch noch ein Teil für die Organisation zu gewinnen. Wenn aber solche gewonnen werden, so solle ihnen daS Vergangene vergessen sein und man solle mit ihnen kollegialisch umgehen. Ferner ist noch mitzuteilen, daß die Organisierten zur. zeit dort, wo die Unorganisierten die Arbeit niederlegen, nicht ar- beiten, auch dannnicht.wenn derTarifeingehalten wird.— In der nächsten Woche findet eine Urabstimmung über die Einführung eines paritätischen Arbeitsnachweise» statt, weil die im Frühjahr abgehaltene Bezirksversammlung kein klare» Bild ergeben hat. Die Mitglieder mögen die Karte umgehend zurück» L»]a«l»WU.rfchxiLt jjt Vicht M'g.-»• M W. WERTHEIM 6 9 0 G.m.b.H. Leipziger Straße 75/76 am Donhoffplatz Potsdamer Straße 10, 11 ona 13® Fdedrichstraße 110/112 Mittwoch bis Sonnabend Extra-Preise Mittwv-.h bis Sonnabend Glas Wasserbecher groß.......... Milchsatten........*...... Zitronenpressen........... Kom pottschalen gepreßt........ Butterdosen gepreßt(«. V» Pfund). Weißbierpokale....... uemlS Weingläser gi*tt.*........ 12 .... 5 Pf. ---- 7 Pf. ... 8 pf- .... 10 pf. .... 12 Pf. Pf-, groß 32 Pf- Pf., grün 13 Pf. Porzellan Speiseteller.......... fuch 12 Pf., tief 15 pf. Dessertteller ig cm............. 8 Pf. Kaffeetassen mit Goldrand........... 16 Pf. Dessertteller dekoriert........... 15. 18 Pf. Teekannen große fo™............. 35 Pf- Milchtöpfe dekoriert........... 15, 20 Pf Butterdosen(ca. V« Pfund) dekoriert. 4..... 45 Pf Steingut Kaffeetassen mit Untertassen... blau 18 Pf., rot 20 Pf. Satz-Milchtöpfe mit Schrift, r/s— 1 Liter... Satz 1.20 Wasserkrüge verschiedene Formen........ 65 Pf Waschbecken verschiedene Formen........ 65 Pf Salatieren eckig, modern dekoriert... Satz 7 Stuck 1.45 Küchengarnituren 22-teiiig.. 8.00, 9.00, 13.50 Waschgarnituren td%, 1.65, Jri8 2.90, 4.75, 6,00 Salutieren gepreßt, s»tz s stück... Kompottschalen mit S Vesertteller RiiffprHngp Kitegloeke B.Znekersthtle j[| 12 Stück Bierbecher gemustert.. 95 pf. 6 Tassen mit Untertassen...... 1 Kaffeekanne, jn 1 Kuchenteller u. 6 Dessertteller Jw 1 Kaffeeservice mit tabiett, s-teiiig. 95 pf. Satz Salatieren, gerippt, 7-teiiig.. Satz-Milchtöpfe dekoriert, ß-teilig.• 1 Salz- und 1 Mehlmcste dekoriert je 1 Waschbecken h.1 Wasserkrug 3 Waggon äußerst billige Emaille-Geschirre c5000 Schmortöpfe Bratenpfannen ung 30, 40 Pf vis 1.75 Milchtöpfe mit An$gnß 20, 30 di» 75 Pf. Wasserkröge gebaucht... 55, 75 Pf. Kasserollen 45. 60, 75 Pf. Ringtöpfe..... 65, 85 Pf, 1.05 Maschinentöpfe... 15, 20, 25 Pf- Wassermaße HW 20,>/. uw 30 Pf. Konsole mit gestanztem Maß.... 40 Pf. ca. ohne Ring.... 30, 40, 55 Pf- bis 1,05 mit Ring..... 50. 60, 80 Pf bis 1.Z5 2000 Wasserkessel; 75" IIS:!Z 2000 EierKuchenÄ",«» 15, 25, 30, 75« 2000 Kasserollen.« s,w..... 20, 25» 65» 3000 Wassereimer—............ 75� Wassereimer mit Deckel, fein dekoriert 1.55 Wannen«vai... 95 pf., 1.25, 1.40 Kaffeekannen....35, 45, 55 pf. Schöpf- od. Schaumlöffel 15, 25, 30 pf. Milchkannen mit Bügei... 65, 75 Pf. Essenraenagen....... 55, 85 Pf. Konsole Saud. Seife, Soda. 95 Pf., 1.15 Wassertrichter.... 10, 15, 25 Pf. Wirtschafts- und Haushalt-Artikel Spiritus-Plätten rar die Reise 3.95, 4.65 Spiritus-Plätten«chwe. 5.85, 6.75 Plättbretter bezogen 1.65, 1.95, 2.35 Ärmelplättbretter.... 38, 55 Pf- Waschwannen! 1",8'tirk"nl 6.50, 8.00 J Zink, mit f Waschzober J Holzboden 1 6.75, 8.25 Ein Posten Gaskocher 4.50 Gaskocher?ÄXtr,.2njram.en: 10.50 Fleischhackmaschinen. 1.45, 2.35 Fruchtpressen verzinnt.. 5.10, 5.85 Wäschemangeln 16.25, 19.75 Eismaschinen.. 4.85, 5.90, 7.50 Messingkessel.. 2.85, 3.35, 3.85 Spirituskocher.... 20, 30, 35 Pf. Einkochapparate 8.95 Gasplätten vernickelte Oirnitur.. 4.25 Gießkannen verzinnte 85, 95 Pf. 1.05 Beste Haushaltseife stock 15 pf. Salonkerzen. p*ck a oder s stück 45 pf- Flüssiger putZextrakt. 26, 45, 85 pf. Scheuerpulver.Butzbiank- 10 pt Bohnermasse weißu.geib Dose 45, 60 pf. Stahlspäne.... Pack k y, Pfund 14 Pf. EisschränKe Höhe 70 cm Breite 60 cm Tiefe 46 cm 1950 Höhe 89 cm Breite 77 cm Tiefe 68 cm 2825 Höhe 04 cm Breite 80 cm Tiefe 62 cm 33OO Höhe 102 cra Breite 80 em Tiefe 66 cm ZS"i Butterbrotpapier fetfdlchte..... 5 Pakete i 100 Blatt 85 Pf- Toilettepapier.......*•• ca. 350 Oramra, 6 Rollen 85 Pf- Papier-Mützen........... Dntzend von 20 Pf- au r--V Spar-Kernseife rar alle Zsreeke, Riegel 4 teiilg 25 Pf Prima-Seifenpulver„Amazone44 Beutel mit ca. 1 Pfund 18 pf. Beutel mit ca. 5 Pfund 80 pf Speziat' Angebot für Gartenfeste: Papier- Gulrlnnilen zur Hälfte des regul. Verkaufspreises ca. 7 m mit Fahne....... 8 Pf ca. 7 m ohne Fahne...... 5 Pf* ca. 4 m Eichenlaub mit Fahne.. 15 Pf. V ca. 4 m Blumen guirlande..... 25 Pf- Lampions und Zuglaternen.......... von 4 pf. an Stocklaternen mit stock.............. von 4 pl an Fackeln..... von 7 Pf an Lampionlichte. otz. 55 pl Große Posten WirtschaftstScher 3« Kfichenhandtücher SJtÄTiÄ 560 Scheuertücher«..-d-. 10, 18, 26 p. Mittwoch und Donnerstag besonders billige Eßbirnen............ Pfund 22 pf. Kirschen............ p�nd IOpl Blaue Pflaumen____ Pfund 22 pl Zitronen........ Dutzend 23, 33 PL Neue Kartoffeln....& Pfund 30 pl LEBENSMITTEL Radieschen Rettiche... Weißkohl.. Salat...... Puffbohnen Soweit der Vorrat reicht Frisches Fleisch. Fische. Obst und Cemüs» sind von der Zusendung ausgeschlossen 5 Bnnd 10 Pf. Holl. Schmorgurken 5 13, ISpf s Bund 10 pf. Bratschollen........ Pfund 10 pf. . Kopf 10 pf. Frischer Lachs....... prand 63 pl s �f 10 pf. Ahlbecker Flundern& stück 23 pl Pfund 10 pf Prima-Räucher-Aal.. mm 1.20 In allen Abteilongen Fortsetzung X Saison- Räumungs-VerKaufs Reste und Restbuttäade tu ganz bedeutend herabgesetzten Preisen ) Im Passage'Kaufhaus nachmittags von 4 bis 7 Uhr: Promenaden-Konzert ausgeführt von dem Osterreichischen Radetzky-Orchester, unter persönlicher Leitung des Herrn Musikdirektor und Komponisten WUh. V. Lech ans Win INTERNATIONALE HYGIENE-AUSSTELLUNG Dresden 1911. i 'Weltausstellung für llesnndlieitsiiflege MAI-OKTOBER. jx< Sachsens herrliche Residenz, das Wallfahrtsziel vieler Tausende von Besuchern, birgt in diesem Jahre die Welt- Dresden, ausstellung für Gesundheitspflege in seinen Mauern. Im Herzen der Stadt, in einem prachtvollen Park, dem Königlichen Großen Garten, erhebt sich ein Komplex von zirka 100 Gebäuden in großartiger architektonischer Einheitlichkeit, weißschimmernd mit grünen Dächern, eine Stadt für sich, Belehrung, Anregung, Zerstreuung und Erholung in gleichem Maße bietend. Der Ausstellung ist die Lösung der Aufgabe gelungen, den Menschen in leicht faßlicher Art über alle Fragen der Gesundheit zu belehren. In einem Palast„Der Mensch", etwa 6000 qm bedeckend, wird der Besucher mit ganz neuartigen Methoden und Anschauungsmitteln spielend unterrichtet über die Beschaffenheit des menschlichen Körpers In allen seinen Teilen, über seine Lebensvorgänge, über die Krankheiten und Schädigungen des Körpers und die Möglichkeit ihrer Verhütung; über alles, was mit dem menschlichen Leben zusammenhängt: Arbeit und Erholung, Wohnung und Kleidung; über die Grundsätze einer richtigen Ernährung wird In besonderen großen Abteilungen das Wissenswerteste dargestellt. So werden jedem Besucher gewissermaßen in Unterhaltungsform Schätze an Kenntnissen geboten, die Ihm für sein ganzes späteres Leben von ungeahntem Nutzen sein können. In einer Historischen Abteilung bekommt der Beschauer in Tausenden von Gegenständen Kunde von den Anschauungen, die unsere Vorfahren und die alten Völker über den Körper des Menschen und die Gesundheitspflege gehabt haben. In hochinteressanten Vorführungen werden die verschiedenen Sitten und Gewohnheiten, die sich für die Leibespflege herausgebildet hatten, die Ernährungsweise, die Art des Wohnens usw. gezeigt. In einer großartigen wissenschaftlichen Abteilung mit 44 Untergruppen findet der Fachmann wie In einem großen plastischen Lehrbuch und seinen einzelnen Kapiteln, von den hervorragendsten Gelehrten in jahrelanger Arbeit geschaffen, alle wissenschaftlichen Errungenschaften auf dem Gebiete der modernen Gesundheitspflege streng systematisch und übersichtlich vorgeführt. Eine Sammlung, etwa 12 000 qm bedeckend, wie sie in dieser Vollendung nach dem Ausspruch von Fachleuten kaum in Jahrzehnten wieder zusammenzubringen ist, eine Fundstätte für jeden Hygieniker, für jeden Arzt und Techniker, Verwaltungsbeamten und Lehrer. Eine Sportabteilung zeigt in wissenschaftlicher Darlegung, wie in zahlreichen praktischen Vorführungen auf allen Sportgebieten, welche segensreiche Wirkung eine richtige von Uebertreibungen freie körperliche Betätigung auf den Menschen und jedes Lebensalter ausübt, Umrahmt und ergänzt wird jede dieser Abteilungen von zahlreichen Darbietungen der gewaltig entwickelten Industrie(zirka 56 000 qm umfassend), die die praktischen Beispiele zu den wissenschaftlichen Ausstellungen vorführt, die zeigt, wie weit die moderne Industrie heute schon die hygienischen Erkenntnisse nutzbar gemacht hat und Anregungen für das gibt, was von ihr noch gefördert werden muß. in der Herkulesallee(der Völkerstraße), an deren beiden Seiten die Paläste der fremden Staaten, großartige hygienische Museen bergend, sich erheben und die das ganze Gebiet als Hauptverkehrsader durchzieht, flutet ständig ein gewaltiger Menschenstrom, hört man alle Kultursprachen der Erde. Die Ausstellung bietet ein Leben und Treiben, wie man es sonst nur in einem großen Weltkurort finden kann. Neben dem internationalen Besucherpublikum finden sich auch zahlreiche Vertreter fremder Völker, die in nationaler Eigenart ihre Sitten und Gebräuche vorführen. So sieht man in der Abteilung Ostasien japanische Kunsthandwerker; japanische Geishas, die Tänze und Weisen aus ihrer Heimat vortragen, indische Tanzmädchen(Nautchgirls) und Zauberer; ein äthiopisches Dorf gewährt Einblick in die Lebensweise der Bewohner des nordafrikanischen Hochlandes und ihrer Nachbarvölker, Im arabischen Cafd finden sich echte Derwische, Allmeh's Bauchtänzerinnen und arabische Musik, und chinesische Rikshas vermitteln den Verkehr auf dem weitläufigen Ausstejlungsterrain....... Die Kturteilung ist eiue selten ewmötige, wie sie eine Ausstelliivg seit MevschevgtdtilKtll nicht gefnvden hat! ... E» ist nicht daran zu zweifeln, dast die Internationale Hygiene-Vuistellnng nach Inhalt und äuhcrer Ausgestaltung die be- deutendste aller bisherigen deutschen Ausstellungen fein wird. (Frankfurter Zeitung.) Di« Dresdener Hhgiene-AuSstellung... ist wohl die großartigste Unternehmung auf dem Gebiete der Hygiene, die je die Welt gesehen hat.(Neues Wiener Journal.) ... Diese überwältigende Anteilnahme ist schon ein Beweis, daß die Internationale Hygiene-AuSstellimg weit über Dresden und Sachsen hinaus eine Bedeutung gewonnen hat, wie sie Veranstaltungen auf diesem Gebiete bisher kaum zukamen.(Der Tag.) ... Die große Schau ist weit mehr und bedeutet etwas viel Sichtigere», als der bescheidene Name.Hhgiene-AuSstellung' ver- muten läßt... Die berühmtesten Mediziner au» allen Ländern der Erde haben sich zu einem erlauchten Seropag zusammengetan, um tn einem imponierenden und geschlossenen Ganzen die Größe und ungeheure Mannigfaltigkeit der Aufwendungen darzustellen, die heute für da» höchste Gut der Menschheit, die Gesundheit, überall ge- macht werden.(Berliner Tageblatt.) ... Eine Stadt, ein« Stätte der Gesundheit ist diese Aus- stellnng.... Cm Werk, wie e» großartiger bisher nicht dem Ge- danken der Hygiene diente, einer Kulturtat, auf die wir stolz sein können. Und nicht nur wir, die gesamte zivilisierte Welt mit (Neue Freie Presse. Wien.) i.■ Die Internationale Hygiene-AuSstellung in Dresden ve- deutet eine Kulturtat ersten Ranges. (Leipziger Neueste Nachrichten.) ... In dieser Wirkung und in der Durchdringung der breiten Masie mir hygienischer Erkenntnis liegt die Bedeutung der AuS- stellung. Sie will namentlich der Aufklärung dienen. (K ö l n i s ch e Z e i t u n g.) So wie diese Ausstellung aufgebaut ist, wo alle» darauf ab- zielt, Laien und Fachleuten Wissen und Belehrung in der leichtesten, anschaulichen Form darzubieten, darf man sicher sein, daß sie nutz- bringend sein werde für Millionen von Menschen. Jeder wird be- lehrt und bereichert in seinem Wissen um die menschliche Gesund- heit und die Gefahren, die ihr gerade in unserer Zeit drohen,... (Königsberger Hartungsche Zeitung.) ... Ihre segensreiche, nutzbringende Ausstrahlung wird unser Volk und Vaterland noch spüren, wenn sich schon längst die Pforten zum AuSstellungSplotze in Dresden wieder geschlossen haben werden. (Leipziger Tageblatt.) ... EineS steht heute schon fest: Die Internationale Hygiene- Ausstellung zu Dresden wird die d e u t s ch e A u S st e l l u n g des JahreS 1S11 sein. (Rheinisch. Westfälische Zeitung, Essen.) II. ein epochemachende« Unternehmen ist, wohl geeignet, die Gewohnheiten vieler Menschen in neue Bahnen zu lenken. (Dresdner Anzeiger.) Mit der in Dresden eröffneten Hygiene-AuSstellung ist ein großartiges, in der Geschichte einzig dastehendes Werk vollendet worden.(La Plata-Zeitung, Buenos Aires.) ... Die Ausstellung stellt«ine plastische Geschichte der mensch- lichen Kultur dar.(B o h e m i a.) ... Die Internationale Hygiene-AuSstellung bedeutet eine ge- waltige Tat. zu deren Ausführung sich Wissenschaft, Technik, In- dustrie und Kunst auS aller Herren Lander die Hand gereicht haben. (Hamburger Nachrichten.) ... Die Ausstellung stellt einen Triumph deutscher Organi- sationSkunst, deutscher gründlicher Arbeit und Wiffenschaft dar. Sie ist so lehrreich und so reichhaltig, wie man dieS von einer solchen Ausstellung auch bei hochgestellten Ansprüchen kaum hätte erwarten können.(Tägliche Rundschau.) ... ES ist wohl da» erstemal, daß ein Problem von solchem Ernst einem internationalen Massenpublikum vorgelegt wird, und man kann nur hoffen, daß der Respekt, der damit den Besuchern gezeigt wird, gerechtfertigt wird. Da» stille Dresden ist eine Welt- stadt geworden.(Schlesische Zeitung.) ... Die Ausstellung darf al» eine der großarttgsten Leistungen auf diesem Gebiete betrachtet werden.(Medizinische Klinik.) «eraniwortlicher Redakteur: Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th.wl»cke, Berlin. Druck u. Verlag: vorwärt» Buchdruckerei u. ve clagSanstalt Paul Singer u. Eo.. Berlin SW, Nr.W. 28. Iahrgaug. tilUt des.Ärmels- Mitech. 12. Juli 1911 12. CtUkrulversummlung des Fugechuller- und Fagerhaltknuuru- ilerbnudes. München, 1k). Juli 1911. � Im Saale des Eberlbräukellers wurde am Sonntag die 12. Generalversammlung eröffnet. Anwesend sind 79 Delegierte, 19 Mitglieder des Hauptvorstandes, je ein Vertreter der Preh- kommission, des Ausschusses und der Revisoren. Die General- kommission ist durch Genossen Bauer- Berlin vertreten. Zahl- reiche Interessenten aus genossenschaftlichen Kreisen und Betrieben nehmen an den Verhandlungen teil. Als Gäste sind erschienen vom Zentrglverband deutscher Handlungsgehilfen Josephsohn- Hamburg, vom Transportarbeiterverband Müller- Berlin und vom öslerrcictnschen Transportarbeiterverband Genosse W i t e r s e k- Wien. Die Grotzeinkaufsgenojsenschaft deutscher Konsumvereine hat ihre Eigenprodukte im Saale ausgestellt. Räch der Wahl der notwendigen Kommissionen spricht Verbands- Vorsitzender Reinsdorf- Leipzig in seiner Begrüßungsrede die Hoffnung aus, daß die gegenwärtige Generalversammlung in der Vcrscbmelzungsfrage einen Schritt vorwärts kommen möge. Das Verhältnis zu dem Zentralvcrband der Handlungsgehilfen sei gegen früher ein bedeutend besseres geworden, was durch die An- Wesenheit von Josephsohn- Hamburg bewiesen sei.— Der Direktor der bayerischen Konsumvereinsverbände Barth- München begrüßte die Generalversammlung. Die seinem Verbände ange- schlossenen Vereine verfolgen die Verhandlungen des Lagerhalter- verband�lages mit großem Interesse, insbesondere soweit sie sich auf dix Tarifverhandlungen mit dem Zentralverband deutscher Konsumvereine beziehen und die Frage der Konsumvereine als Arbeitgeber behandle. Hierauf erstattete Reinsdorf- Leipzig den Geschäftsbericht. Seit der letzten Generalversammlung im Jahre 1999 in Frank- furt a. M. hat sich die Organisation um rund 499 Mitglieder ver- mehrr— eine Steigerung, wie sie dem Wachstum der Gesamt- gewerkschaftsbcwegung entspricht. Die Organisation zählt gegen- wärtig 2599 Mtglieder. Im Jahre 1919 sch-cden 226 Mitglieder aus dem Verbände aus, weil sie ihre Stellung verliehen. Ein Beweis, daß noch manches remedurbedürftig ist. ist die hohe Summe, die die Verwaltung für Rechtsschutz ausgegeben hat. Der Bericht für das Jahr 1919 führt für diesen Zweck die Summe von 1428,43 M. auf. im Jahre 1999 wurden für Rechtschutz ausgegeben 1159 M. In Wirklichkeit war der Betrag bedeutend höher. Die Organisation der Lagerhalter steht mit ihren Ausgaben für Recht- schütz prozentual fast an erster Stelle in der Gewerkschaftsbewegung. Eine andere Auffälligkeit zeigt das Studium der Jahresberichte: die hohe Summe für Umzugsunterstützungen. Für� diesen Zweck entfielen rund 2 M. pro Kopf der Mitgliedschaft innerhalb der Berichtszeit.— Auf den letzten Verbandstag in Frankfurt a. M. wurde die Arbeitslosenunterstützung eingeführt. Danach wird stellen- losen Mitgliedern eine Unterstützung von 15 M. pro Woche auf die Dauer von 13 Wochen gewährt. Ausgeschlossen von der Unter- stützung sind nur solche Mitglieder, die wegen einer unehrlichen Handlung die Stellung verloren haben. Nach einem auf Grund der t�- jährigen Erfahrung aufgestellten Uebcrschlag wird die Arbeits- losenunterstützung jährlich 6999 M. beanspruchen, jedenfalls eine sehr hohe Summe. In einzelnen Bezirken reichten die vereinnahmten Beiträge nicht aus, um die stellenlosen Kollegen zu unterstützen. Gemaßrcgeltenunterstützung wurde im Jahre 1999 524 M. gezahlt. Im Jahre 1919 ist keine Gematzregeltenunterstützung ausgezahlt worden, obwohl mehrere diesbezügliche Gesuche eingingen. Bc- sonders kla�t der Bericht über die zu geringe Mankovergütuny und der zu geringen Ucberschreitung von Ueberschuß und Defizit.— Der Verband ist in seinem Bestreben, die Lage seiner Mitglieder tariflich zu verbessern, ein gut Teil'vorwärts gekommen. In vielen Orten wurden neue Tarifverträge abgeschlossen, Dienstanweisungen eingeführt, die Arbeitszeit erheblich gekürzt und zum Teil erfreu- liche Lohnsteigerungen erreicht. Trotzdem bestehen in vielen Orten noch recht verbesserungsbedürftige Zustände, gegen die der Verband vorläufig noch machtlos waQ In der V e r s ch m e l z u n g s f r a g e ist kein Fortschritt er- zielt worden. Die Lagerhalter wollen einen großen Verband für alle im Transportgcwerbe beschäftigten Personen schaffen und stoßen dabei auf den Widerstand der Handlungsgehilfen. Der Vorstand hofft jedoch, daß die Zeit nicht mehr allzufern ist, wo die Ver- schmclzung auf der ganzen Linie herbeigeführt werden wird.— Das Verbandsorgan, die„L a g e r h a l t e r z e i t u n g", erscheint vorläufig noch zweimal monatlich. Wie in Frankfurt, so sind auch zur jetzigen Generalversammlung in großer Zahl Anträge gestellt, die das öftere Erscheinen der„Lagerhalterzeitung" befürworten.— Das Verbandsvermögen hat trotz der nicht erwarteten hohen Ausgaben für Unterstützungen einen hübschen Zuwachs er- fahren. Es betrug am Schluß der Berichtszeit kDezembcr 1919) rund 64 999 M.— ein Mehr von über 39 999 M. gegenüber der Abrechnung zur letzten Generalversammlung. Dieses Anwachsen des Verbandsvermögens erklärt sich zum größten Teil daraus, daß der Verband der Lagerhalter von den großen Aufwendungen anderer Organisationen für Lohnbewegungen und Streiks verschont bleibt. Die Frage der Arbeitszeit läßt noch sehr viel zu wünschen übrig. Für 363 Kollegen ist allerdums eine Arbeitszeitverkürzung von 39 619 Stunden erfolgt. Hoffentlich wirkt diese Konstaticrung fruchtbringend auf die anderen Vereine. Den Kassenbericht erstattete Henning- Leipzig, für den A u s s ch u ß berichtet Beck- Berlin, für die P r e ß k o m m i s s i o n B u h l- Leipzig. An die Berichte schloß sich eine lebhafte Diskussion, die sich besonders mit der Haltung des Vervandsorgans beschäftigte. Es wurde gewünscht, daß die Redaktion der„Lagerhalterzeitung" nicht allzuviel Rücksicht auf den Zentralvcrband der Konsumgenossenschaften nehme. Sie hatte wiederholt Einsendungen abgelehnt, welche Kritik an dieser Körperschaft geübt haben.— In längeren Ausführungen verteidigte Redakteur Döhnel seine Haltung, dabei betonend, daß die Lager- halterzeitung eine ganz andere Taktik einzuschlagen habe, wie andere Verbandsorgane. Man dürfe die Gcnossenschaftsbewcgung nicht mit der Privakindustrie verwechseln. Dem Gesamtvorstand wurde ein- stimmig Decharge erteilt._ Marktpreile von Berlin am 10. Juli 1911, nach Ermitlelung des Köntglichcn Polizeipräsidiums. M a r k t l, a I l-» p r e i s e. lKleinbandel.) 100 Kiloaramm Erbjen. gelbe, zum lochen 30,00— 50,00. Speijebobnen, weiße 30,00- 50,00. üinicii 20,00- 60,00. Kartoffeln 12,00—20,00. 1 Kilo- nrninrn Rindfieisch, von der Keule 1,60—2,40. Rrndsleisch, Bauchfleisch 1,20 bis 1,80. Lchweinefleisch 1,10—1,80. Kalbfleisch 1,30-2,40. Hammelfleisch 150—2 20 Butter 2,20—2,80. 60 Stück Eier 3,00—4,80. 1 Kilogramm Knipsen 1,60—2,40. Aale 1,60-3,00. Zander 1.60—3,60. Hechte 1,40 bis 2.60. Barsche 1.00—2,00, Schleie 1,20—3,40. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 2,00-40,00._ BNtternnqsiiveriian vom 11. Juli 1911._ IS S 1! »=H B? SwMenrd». Hamburg Verliv Jranks.a vi. Münch«: Wien 767 NNW 770 NW 769 NW 771 NO 77t NO 769 NNW «euer ti5- »II i? 3 heiter 2 wolkig 4wolkenl 16 2 wölken! 18 Srnolluil' 15 1 wolle»!> 18 Ctailontn w gl �?! «• gl Soi L-! lSs fefi ja~ B L Eft Settct trfa» t- Saparanda! 762 N etrrsburg 756 D Scilly(7740 Ab erdi«i 778 W ©nr.ä 773 NO I I 6 halb Bd. 1 Regen I 5 heiter| 1 wolkenl 4 wollenl 12 13 16 17 16 Wettorvroguote inr Mittwoch, de» lÄ. Juli>911. Etwas kühler bei zlcmlich frischen nordwestlichen Winden und vorüber- nhov eS'viifnitTrt»rfiohlicfi«» gehender Trübung ohne erhebliche Niederschläge. Berliner ietterbureau. Thealer und Vergnügungen Mittwoch, den 12. Juli. Ansang 7'/, Uhr. Neues königliches Opernhaus. Die Walküre. Ansang 8 Uhr. Lessina. Sommerspul.(Ansang 8 Uhr 20 Min.) Koniilche Oper. Der verbotene Kuh. Neues Schauspielhaus. Die keusch« Siisainie, Neues. Der Rodelzigeuner. Thalia. Polnische Wirtschast. Lchttlei- ipliarlotteuburg. Der dunkle Punkt. Lnslivielliaiis. Die dritte Eskadron. (Ansang 8,20 Uhr.) Kleines. Karneval in Nizza.— Norachen. Noir. Kascrnenlust.(Ans. 8'/, Uhr.) Trianon. Das Pvinzchcn.(Anjang 8'/, Uhr.) Neues Operetten. Eine Million. (Ansang 8'/. Uhr.) Friedrich. Wilhclinst. Schauspiel- haus. Badincs Entsührung. Mrtropol. Hoheit amüsiert sich! Folirs Eaprice. Tie letzte Nacht. Drei Frauenhül«.(Ansang 8'), Uhr.) Apollo. Svezialltäten. Srailagc. Spezialitäten. Reichsliallrn. Stcttrner Singer. Wintergarten. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialilälen. Pratrr. Die drei Grazien.(Ans. ?'/. Uhr.) Boigt. Golden« Jugend. Noock. Leu!« von beute.— Die Zaubergeige.— Spezialitäten. ttaiier> Panorama. II. Zyklus: Indien.— Wanderung auf Born- Holm. Urania. Ta»benstrns>e 4K/49. 8 Uhr: Lebende Tierbilder von nah und lern. Sternivarte, JnvaUdenstr. 57—62. Zclilllei'-Illeüler"VX""' Der ilimlile Punkt. Lustspiel in 3 Akten o. G. Kadelburg und Rudols Presber. Anfang 8 Uhr. Ende 10 Uhr. Morgen und folgende Tage: dunUIe Punkt. Urania. Wiasensohaftliches Theater. laubonstraße 18/49. Abends 8 Uhr: Lebende Tierbilder von nah und fern. OCISCHER KARTEN Täglich ab 4 Uhr: Großes Miiitar- Doppel-Konzert. L, Eintritt 1.tfnrk, von abends 0 Uhr ab 50 Ps., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Passage-Panoptikum. Di« Ztiegvr- Riesin Abomnh, die größte| Fran, die ja gelebt. Alles ohne Extra-Entree I Neues Kgl. Opern-Theater(Krom Mittwoch, den 12. Juli, abends 7 Uhr: Laiteplel Martha Leffler-Burckard; Die Walküre. Donnerstag: Kastfp. Ant, v. Rooh: Die MeiHtorwingor v. Vilm. Zrcitag, 6'/, Uhr: t�astlpicl Martha Lcsslcr-Lurckard: LDltvrilSmmsranz, Neues Theater. s Uhr. « Uhr. T«i g l i ch: Der Rodelzigeuner. friedrich-Wühelmstadtisches Schauspielhaus. Sommerspiaizelt Direktion Nack. Täglich 8 Uhr: Lsllines Entfülirung. Roman. Operette i. 8 Akt. v. Alb. Nack. «lch v. gil. de Ciiftolure. Ans. 8 Uhr. Abends 8 Uhr: Toni Thoms Jim u. Jam ulYarlM-Festspiel-Progr.| Metropol-Ilieater. fjoljfit emiifittt sich! Operette in 3 Alten von I. Freund. Musik von Rudols Nelson. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr._ Rauchen gestattet Reichshallen-Tlieater. Stettiner Sänger. (Letzte Woche vor ihrer Ferienreise). Ansang wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Sonntag. IV. Juli: Elches Gast- spiel Oskar Junghähnel mit �emer�erühmten�der�n�elellschas� Uorliner Theater. Wiedereröffnung nach den Ferien Sonnabend, den 15. Jnli, abends 8 Uhr: Bnmmelutndentcn. 8 Uhr: Die pntan Spezialitäten. 8>/, Uhr: Enaemblo-Gastapiel Harry Waiden in Sein Herzensjunge. Vaudeville mit Ges. u. Tanz in 2 Akt. von A. Neidhardt und R. Schanzcr. Musik von W. Kollo. ftlies Caprice. Täglich 8',. Uhr: Pgrisisna-Llisemble. tt Frauenhiite. Die lebte Nacht. Gin Fenster zu verinieten. Das Strumpfband. Die aueerlesenen Attraktionen I 1� TORTAJADA. Die 7 Korlnna*, klassische Tänze. Kauf Iiianns Lady cyclo troupe. De Dio. 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Heese, Cherl., Krummestr. 61 Otto Brauer, MQUeretr. 164. Briese. Ernst, Ri., Berl.-Str. 61. Brüggemann, Retcirkeidorlentr. 96. Br0[kiiiann.RixdoÄe.r151 Bürger, Jul., Uülientr. 6. Max Busse BrÄtr' [fri| jjjp-g 8ch5nhauserAIloel»2, vis s vis der Oneistst. Eberl, Otto, HuärS"" UmoEittaef, X-'.-r j R.EicbIer,Rein<'kd{.,0,Keaiilesut4i W.Eisolt.thirl., Wilmer jdorferstr. III. Ellinghausen, Gebr., Sriser»oz4«. Fenske, S., Kottbusserdamm 96 f Tepploha u. Bardlnen) FilegMschuüdtfM� B�rgnm'"'»8 J. Gebhardt E��e0tnrbui�: George, Adolph, Bsdstr. 65. Carl Giesen, Orsnienstr. 166 s. Ernst Oriber, Brunnenetr. 78. P. Hoffmann, Hohenfriedb. St. 4. Holfeld, E., Andreasstraße 21, Hummel, K., Reicbenberg. Str. 74. Jarchow, A., Bergmannstr. 21. H. Kammler, Chart, Krummestr. 22 aÄ.�ajri©lBru�n8e.n,tr" Gustav Gambal, Kantstr. 64. Heldke, Paul, Burgsdorfstr. 12.; Inf. m 71 Hemeler Str. 48a, JOiin, Ä. All. Haoshallucj.- __' arükel. K. Semrau, Wrangelstr. 118, PQcklerstr. 26, Eisenbahnstr. 26. Frankenstein A Co., Kl., Berga! 1 40. Carl öcbrllng.fcpplclie, Snbelslolte, Gr.Fraokforteralr. 82, Ctrlioca, llioletm. Mauerhoff, H., Gr. Frkf.Str. 9,pt. J. A. Schulz y.-.'f.T f Trauai-Magarin| West man ti Uohrenstr. 37 s, Gr. Frkf. Str. 116. � Uhren u. floldwaren � m ft a! Goltzstr. 30. am WInterfeldpI. 08carAldaB,Charl., Krümmest 29. Arlt, Herrn., Manteaffelatr. 114. R. KJonka, Oranienstr, 36 itfartln Klein, Neue Hoebstr. 25. Kniehusch, V., Frft. Chaussee61 E. Knuth, Boxhagea, Bonitaiitr, I J. Kömer, Reinckdf.Vtrtitr.laSae. B.Lechttnnann.üreiie.E.Wili»tel«nl Lehmann, Alb., Frsnkf. Allee 40. Lehmann, WUh., Kottb. Damm 23. Adolf VSIkel, Fraakf. Chtasiee 150. m. fami Tesr 1 Lüders, H.,| Wedfirmann,' 0. rr. Metcbke, Warschauer s:i. 85. R.Welie)Ko�Ä� Leisegang, Now., Lindenstr. 61. Ernst Leutert.O.sm Rudolfplatz f. Lewin, Adolf, Ku,S!tr' Leopold Jacobsohn, Nostizstr. 36 r. Meschke, Warsehauer Str. 85, G. Neumann, Chsrltlbg.. Wallstr. 50 Nolte, K, äime0tT �h' RUllOl! PlUOI. Brunnensir."l� EmilQuadepf�TÄ Qnitzov, Job., Mflllerstr. Ii. Rampmaler, F., Skalltzorstr. 23. Karl Eeichel""TiT RtedsINchf., Reinickendorf. St.74. A. RcB, Reliletlf. W., Elehborntlr. II Joh. Schellan, Sehöab. Allee 184 a. Tor. Alfred Scheer, Turms tr. 40. Carl Scblewinsky, Koppens tr. 4. lt. Schmelz, beBee�.H3 Schönemann, G Ri., Berl.-Str. 73. F. ScbunwiE, Bert. 0.,Goiiler Wrangelstr. 861.— Gegr. 1885| kmt�r�sTS�JüsEauerstrT 16 Tf IllC, fiiflÄ, Lcke Uaatetlfclstr. 1. Ziehung 1. KI. 225. Kgl- Preuss. Lotterie. Ziehung vom 11. Juli 1911. vormittags. 'Vor die Gewinne Uber 50 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. Die Gewinne fallen auf die beselcbneten Loose beider Ableitungen. (Ohne Gcwühr.)(Nachdruck verboten.) 110 38 60 413 818 1131 223 82 87 619 881 940 88 2040 82 317 67 704 22 3397 436 4119 287(2001 545 48 938 5184 403 523(100! 31 873(100) 8009 159 326 448 SOI 702[100] 808 48 977 7 983 8251 333(100) SO 472 615 8303'200) 610 817 10028 429 88 744 959 11248 374 4SI 631 802 12079(1001 241 912 18439 858 989 1 4178 684 05 669 869 15070 308 453 642 647 00 781 884 952 81 16190 787 993 17437 729 44 81 1S307 453 1 936S 618 743 807 2G 992 20020 422 618 890 742 43 808 18 018 21013 110 80 850 452 6X1 623 22146 87 302 74 907 23103 300 21 613 24008 387 000 73« 82(100) 25001 418 869 707 880 2 6341 651 841 27350 632 697 2 8063 141 241 614 729 1200} 89348 833 723 08 045 30109 360 408 836 720 3 1 061 112 229(100) 803 88 862 3 2369(100) 306 9 434 608 43 83 734 999 33298(200) 470 801 81 789 649 3 4325 39 402 602 888 35162 308 3 6047 141 46 705 3 7036 68 79 107 70 £83 424 013 836 E4 3 3348 899 4O020 160 231 403 67 742 41064 289 449 643 TOT 837 950[100] 42101 344 84(100) 608 806 77 728 649(100) 910 4 8225 386 88( 300) 440 0 5 659 791 688 4 4018 91 101 364 79 432 649 69 711 803 4 5086 106(100) 79 373 659 887 939(100) 46088 215 80 425 594 624 703 49 800 4 7041 148 61 666 622 43459 641 789 49211 049 50224[100] 641 860 931 88 5 1031 182 260 412 738 6 2037 119 58 92 388 427 77 645 041 53163 294 sjo 617 044 63 5 4177 232 888 933 82 5 5016 130 273 616 554 5 8390 491 021 6 7 012 138(100) 336 648 798 1100] 812 003 34 60 58022 181 684 754 824 58010 391 87 307 481 674 70 80360 529 722 077 8 1 003 77 162 226 84 606 70 770 62171 533 83004 108 65 238 814 84030 183 210 29',2 75 754 989' 85025 125 203 450 74 687 804 015 68232 49 338 83 552 8 7 021 163 213 421 798 809 68031 155 217 82 344 78 05 404 B 629 680 89958 600 772 981 7O021 470 91 719 968 71031 109 418 28 531 32 «0 85 714 7 2498 7 3077 III 237 70 308 45 464 89 609 723 70 74115 93 335(100) 402 75 578 628 81 728 75125 73[1001 240 67(200) 85 742 UOO) 813 76178 204 302 80 561 637(100) 85 980 77227 474 649 658 78168 707 683 963 79142 91 225 462 884 810 80117 288 423 518 968 8 1 020(100) 797 8 2329 817(100) 927 8 3098 441 913 84174 563 659 925 CS055 74 237 304 86219(200) 371 472 658(100) 87 203 8 8099 168 292 413 740 815 8 9244 99 688 60 676 8O208 427 92 572 91028 358 472 87[300] 735 40 833 92040 74 172 219 589 644 761 804 71 930 93l9ti 305 620 717 BÜB 025 84309 79 774 05031 210 474. 627 84[100] 717 014 98036 109 394 000 97732 69 06 877 98471 630 39013 90 109 258 913 78 100240 375 616[600) 86 757 62 909 101201 4t 73 685 773 102005 78 101 867 917 103062 226 4» 326 67 491 679 1100) 614 703 927 104343 93 9tf 378 431 962 89 1 05016 42 70 677 108200[200] 69 434 817 63 906 1 07 093 278(100) 642 98 823 1 080701 120 346(300) 49 406 837 84 717 199030 75 107 14 359 021 110058 633 63 741 111043 773 809 112251 749 67 864 84(100) 946[100) 113160 669 723(100) 968 114006 4! 325 115281 621 77 710 39 79 116090 117 405(100) 670 890 027 117007 40» 680 668[100] 118044 371 787 088 119000 00 44» 703 30(200) 67 909 120899 1 2 1 008(100) 155 60 306 33 SOS 43» 633 1 22001 110 35 899 491 609 22 904 23 1 2S066- 396 676 920 73 02 124259 307 678 804 824 935; 125918 1 26175 692 96 999 1 27200 722 45 0» 917 128451 643 92 1 29080 487 619 877 13O015 169 625 881 908 131214 363 637 07»' 132316 739 947 1 33205 315 654 930(200) 134373 404 25 819 1 35193 284 60 345 54 80[400] 88 821 13 6066 342 422 70 623 777 849 1 3 7 063 224 54» 85 99 771 136064 221 30 45 638 69 OOS 138048. 127 367 458 955... 14O00S 16 233 348 688 70 14 1 040 721 14216» 347 98 537(200) 45 069 805 909 143229 44 488 8» 01 638 77 878 1 44112 241 514 744 1 45149 63 716 62 863 146035 68(100) 193 336 606 704 3» 147323 67 402 637 749 867 905 69 1 49186 944 148074 186 314 440 523 736 150896 910 1 5 1 305 76 682 857 1 52137 697 918 1 53030 69 136 555 671 831 15 4217 439 66 634 859 1 55363 6X6 65 762 1 56530 749 692 902 7 15 7011 144 814(100) 63 432 788 1 68330(1001 636 73 941 159078 OS 200 7 24 41 633 83«66 839 86 901 180201 437[800] 787 925(400) 88 69 1 6 1 689 628 1 62149 514 778 860 71 903 163301 28 90 470 801 933 1 64062 405 995 1 65185 98 269 483 681 938 70 1 66091 145 203 397 611 705 17 844 1 67451 687 973 94 169252 687 169278 422 657 980 72 17 0215 63 396 92 1 7 1 060 342 419(100) 37 619 94? 80 172215 315 425 539 41 53 624 832 1200) 173106 77 1100) 249 174021 141?72 461 076 (60000) 175381 419(100) 710 897 879 179158 294 609(100) 60 849 177568 812 905 178165 338 68 609 11 639 1 70182 346 61 91 436 73 826 180276 323«40 827 774 181187 295 498(1001 690 857 1 82118 64 624 98 887 1 83326 622 731 184222 81 716 90 185034 54 168 407 689 75 921 41 186125 1 87 265 73 469 784 902 1 88114 408 856 189061 119 44 49 69 843 617 I. Ziehung I. KI 225. Kgl- Preuss. Lotterie. Ziehung vom 11. Juli 1911, nachmillags. fiur die Gewinne Uber SO Mark sind den betreffenden Kummern In Klammern beigefügt. Die Gewinne fallen auf die beseichneten Loose beider Abteilungen. (Oboe Qewihr.)(Nachdruck verboten.) 81 125(100) 35 741 1330 493(100) 835 2173 368 [100] 678 81 724 803 90 99 3181 63(209) 362 936 4216 00 764 966 5177 380 43« 737 603 06 6120 294 636 471 587 7044 106 231 895 3385 585 90 730 828 903 33 83 9213 377£90 024 35 10301 053 67 11172 408 73 534(400) 89 697 891 12040 269 397 466 81 743 936 13245 454 669 14139 348[10001 645 15389 677(400) 728 58 819 977 SO 16124 265 355 472 17047 340 77(400) 416 656 991 18111 233 60 307 609(1001 85 739 60 936 1 9005 44 134 712 34(100) 63 886(200) 20261 499 519 2 1 038 40 264 421 42 631 84 637 917 22011 399 441 630 705[200] 033 2 3031 205 538 83 743 2 4763 83 938 49 2 5878[200] 80 943 2 6004 9 121 36 274 93(100) 606 629 42 980[100] 27643 679 2 8030 58 100 260 303 84( 200) 633 SO 701(300) 36 837 2 9033 639 61[100] 803 30024 04 161 77 226 304 489 609 758 869 31081 639 705 88 32034 171 204 471 98 682 33177 481 718 OOS 77 85 3 4033 183(100) 447 608 748 874 35196 (100) 311 629 36361 617 61 69 662 666 37246 511 65 627 36103 67 350 466 56« 39006 151 220 502 664 40130 241 337«09 718 602 41284 335 SO 435 544 855 91 950 4 2430(200) 03 769 633 947 4 3004 10 337 617 61 042 4 4019(1001 38 120 295 783 45180 300 38 621 42 700 844 97 689 4 6474 823 975 47021 129 35 222 383 495[300] 637(300) Sil 959 43276 305 623 860 49160 367 436 69[300] 610 12 50182 423 666 665 70 51132 696 SO 742 955 52394 659 751 930 88 53126(30000) 94 5 4536 55068 432 66 SSO 743 037 6 6005 62 610 40 747 5 7254 633 82 780 942 5 8673 5 9010 608 60.4" 70 197 614 786 9102? 633 617 76 634 703 «0 9 2256 577 OSO«3142 62 48? 645 321«4091 222 SS 698(300) 482«5490 566 74 78 762««263 393 822 798 972 07029 292 467 682 629 723 833 ES 94 68224 381 742 811 69017 374 429 648 98 711 75 890 908[200) 41 70050 128 91 337 894 813 7 1 080 290 363 828 [300] 63 078 72145 362 474 647 86 535 67 90 73216 312 735 912 40 7 4069 231 571 800 956 64[1001 75115 BS 358 434 618 630 76938 170 287 BIO 938 77169 44« 783 963 7 6578 844 992(100) 79195 71 628 761 60207 16 362 81145 5« 424 622 865 922 82961 83354 591 658 64018 108 45 70 222 61 343 73 810 91 721 85205 617 713 61 815(500) 914 88221 64 68 341 409 33 839 673 8 7078[1001 257 863 8 8008 345 91 615 834 89154 495 638 54 737 90197[200] 617(300) 40 777 685 9 1 052 128 223 360 470 666 660 709 809 72 02143 226 29 403 628 [200] 818 920 9 3064(100) 898( 200) 967 9 4373(10V) 416 62 718 95010 21 308 618 876 90143 02 203 63 (200) 372 416 634 840(200) 94 906 97095 150 86 451 810 36 82(100) 758 848 93 9 8390 616 94 679 775 81 99414 642 874 100177 220 38 495(300) 633 816 101194 32» 607 33 756 1 02177 404 20 535 658 1 03054 156 223 308 53 405 86 705 104057 726 62 1 05 316 5» 716 92 1O620S 69(100) 409 719 620 107299 36» 631 881 999 1 08178 301 826 109233 74 696 833 393 1 1O130 493 615 19 97 031 98[100] 111049 bS 871 625 883(100) 112102 604 726 852 949(100) 78 1 13028 116 217 66 444 60 736 867 114546 3» 980 115012 116 63 673 762(100) 832 116233(109) 81 438 954 117724 990 11B064 109 397 677 023 36» 119008 333(100) 40 76 611 907 120043 60 107 62 453 674 613 744 829 121263 66 684 962 122320 772 87 953 125062 79 110 303 466 681 606 850 040 1-14174 273 634 731 97 1 2509» III 369 705 128134 356 382 453 679 726 65 127160 87 267 34« 661 610 741 128865 714 19 46 801 045 1295 I 929 130256 719 865 1 3 1 263 430 685 630 45 704 27 132211 86 133480(200) 629 616 94 930 13420» 403(200) 673 619 95 734 933(100) 135011 338 83 405 43 700(100) 136242 498 610 063 722 137681 972 1 38002 ISS 415 65 710 139191 343 476 877 942 140329 1200) 65 443 68 63[100] 83 141318 78 622 765 816 142079 97 364 67 489 97 530 33 933 143339 402 826 784 804 946 62 144093 254 551 613 81 865 145306 648 77 05 869 146046 38 602 830 984 147503 636 SCO 145440 642 U00] 88 861 881 149745 77 850 150137 292 681 930 77 1 6 1 027 29 128 83(203) 294 624 631 736 64 1 52075 232 841 638 SO 923 153219 300 421 703 1 54158 603 743 802 993 155262 331 404 685 778 809 009 42 166002 151 233 602 96 722 1 6 7 270 546 771 816 37 1 58072 314 7Aj 642 664 807[100] 159527 620 705 180921 161570 031 962 1 02039 194 430 719 163079 94 713 1 64224 33« 38 423 738 836 ItfSll» 342 417 713 819[209] 16 0320(100! 95 113 53 213 439 668 1 6 7 610 903 1 68)11 130 379 447 629 024' 68 725 901 30(100! 166002 409 982 170091 163 343 607 022 707[300] 90« 17103» 323 49 612 77 618 704 676 1 72120 797 1 73091 I100]< 122 718 876 965 1 7 4303 89 430 38 72 864 1 7 5242 348 77 915(200) 176015 171 693 740 1 7 7363 471, 618 33 176553 170728 71 180216 60 640 87 604 70 762 1 8 1 059 434(1001 867 924 1 82197 214 732 1 83094 131 231(800) 720 801 184166 41« 607 83 703 185022 58 200(100) 8 368 76 1 88049 436 42 803 768 900 1 87 217 341 49 746 1 88131 38(100) 203 41 441 69 94 059 183214 404 674«22 90 960 Slnrhidrldlcfer«vbnilen fflnf Piozeni e�traratnft,(elSft bei Wt- iegtiiHeUökiustn. 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Jahnow....... 83,00— Loitsch hat bisher den Flugplatz Johannisthal noch nicht erreicht; da er bis Dienstag nacht schwerlich eintreffen dürfte, wird der achte Preis Wohl an T h e l e n fallen. — König erhielt als Sieger des Rundfluges den ersten Ehrenpreis der Stadt Berlin.— Der zweite Ehrenpreis der Stadt Berlin, der für den schnellsten Flug auf der letzten Etappe Halbcrstadt— Berlin ausgesetzt war. fiel anBüchner.— Der dritte Ehrenpreis wird erst später verteilt werden können. Er ist für den- jenigen Flieger bestimmt, der auf einer beliebigen Etappe des Rund- fluges die größte Höhe erreicht hat. Partei- Hngclcgcnbciteii. Zweiter Wahlkreis, Friedrichstadt. Heute Mittwoch. 12. Juli, nachts>/zl2 Uhr, bei Jul. Meyer, Oranienstr. 103: Zahlnacht für Bu'ch drucke r, Stereotypeure usw.— Die Genossen aus der Branche der Kino-Operateure werden um zahl- reichen Besuch gebeten. Der Vorstand. Zweiter Wahlkreis. Da? Kinderfest der 1. und 2. Abteilung finde: nicht am Sonntag, den 23. d. MtS., wie irrtümlich im .Mitteilungsblatt� steht, sondern am Sonnabend, den 22. Juli, bei Stitzle, Dennewitzstr. 13. statt. Karlshorst. Heute Zahlabend bei August SabrowSki, TreSkow- Allee 66. Die Gewerkschaftsbücher sind mitzubringen. Die Bezirksleitung. Eichwalde und Umgegend. Zwecks Kontrolle der Maimarken werden die Genossen ersucht, an, heutigen Zahlabend ihre Partei« und GeiverlschaktS- Mitgliedsbücher mitzubringen. Für Eichwalde findet der Zahlabend bei Witte statt. Der Vorstand. berliner j�acbricbten. Sozialdemokratische Taubstummenvereine. Das Bestreben taubstummer Arbeiter, sich der Organi- sation der Arbeiterklasse anzuschließen, hat, wie das voraus- zusehen war, in bürgerlichen Kreisen Verwunderung, ja zum Teil Hohn und Spott hervorgerufen. Kurz nach der statt- gefundenen Berliner Taubstummenversanimlung am 11. Juni, in welcher die 3lX) Versammelten die Gründung eines sozial- demokratischen Taubstummenvereins beschlossen, brachte die „Tägliche Rundschau" einen Artikel, in welchem sie den Ver- sammlungsbericht als ein„Kulturkuriosum" und„Kultur- dokument" bezeichnet, das festgehalten zu werden verdiene. Es wird sogar die Frage aufgeworfen, ob es nicht fast er- schütternd sei, diese Bedauernswerten mit solcher Inbrunst ihre Hände heilhosfend zu dem Ideal der Sozialdemokratie erheben zu sehen. Auch die„Reue Zeitschrift für Taubstumme", ein Organ. das zur Förderung und Unterhaltung der Gehörlosen deut- scher Sprache in Hamburg erscheint, druckt den Artikel der „Täglichen Rundschau" ab, um sich alsdann gleichfalls in aller Schärfe gegen die Gründung sozialdenkvkratischer Taub- stummenvereine zu wenden. Dieses Blatt sowohl wie die�„Tägliche Rundschau" betrachten die Taubstummen als Menschen, die von der Gnade und dem.Wohlwollen des hörenden Publikums abhängig seien und die sich durch die Beteiligung am Kampf für bessere Zustände die Sympathie edeldenkender Menschen freventlich verscherzten. Es wird den unter den heutigen elenden wirtschaftlichen und politischen Zuständen in gleicher Weise Leidenden nicht aber nur die Berechtigung zur Teilnahme am politischen Leben abgesprochen, sondern in der Zeitschrift für Taub» stumme kommt sogar zum Ausdruck, daß ihnen jedes Ver- ständnis für Politik fehle. 95 Prozent der Taubstummen hätten keinen klaren Begriff von dem Wesen und Treiben jeder politischen Partei. Der erste Einwand, daß durch das Eintreten der Taub- stummen für die Erringung besserer Zustände die philan- thropischen Kreise des Bürgertums abgesto-ßen würden, stempelt unsere ganze Taubstummenfürsorge zum e n t- würdigenden Almosentum. Geber, die nur unter bestimmter Voraussetzung ihre Sympathie solchen von der Natur stiefmütterlich Behandelten bekunden, treiben eine falsche und verächtliche Wohltätigkeit. Eine solche Wohltätigkeit stempelt aber zugleich den Bedürftigen zum willenlosen und unfreien Menschen. Nicht besser steht es mit dem Einwand, daß die Taub- stummen, weil sie zu einem hohen Prozentsatz das Wesen und Treiben der politischen Parteien noch nicht begriffen haben, unfähig seien, sich am politischen Leben zu beteiligen. Wenn schon das Gros der Arbeiter, dank unserer elenden Volks- bildung, noch indifferent ist und dem politischen Leben noch völlig verständnislos gegenübersteht, so ist es kein Wunder, daß das auf die Taubstummen, die politisch zu bilden bisher völlig unterlassen worden ist, noch mehr zutrifft. Daß aber auch sie die Ursachen ihres wirtschaftlichen und politischen Elends erkennen und mit den Bestrebungen der Sozialdemokratie vertraut gemacht werden, ist gerade der Zweck der Gründung des sozialdemokratischen Taubstummen- Vereins gewesen. Wird dieses Ziel erreicht, so hat sich die Sozialdemokratie auch um die taubstummen Arbeiter und Arbeiterinnen ein Verdienst erworben. Durch da» s»«ft gerügte Auf- u«d Abspringe» bei fahrenden Straßenbahnwagen haben sich, wie das Nachrichtenamt mitteilt, auch t« Betriebe der Städtische« Straßenbahn neuerdings wieder- holt Unfälle zugetragen. Dem Fahrpersonal kann in solchen Fällen ein Verschulden nicht beigemessen werden, auch erscheinen Haftpflicht- ansprüche aussichtslos. Die Unfälle verursachen aber auch durch die zu erstattenden Meldungen, Autzerbetriebsetzuug der Wagen und Be- sichtigung derselben durch die Aufsichtsbehörden, Vernehmung des Personals usw. zahlreiche Betriebserschwernisse und Kosten. Es sei daher abermals auf die Gefährlichkeit des Auf- und Abspringens von Straßenbahnwagen während der Fahrt hingewiesen. Bon einer gewissen politischen Richtung angekränkelt! Es ist eine bekannte Tatsache, daß Herrschaften und Fabrikherren am liebsten nur mit solchem Dienstpersonal arbeiten, das sich ent- schließt, beim Eintritt in ein Dienst- oder Arbeitsverhältnis den Geist aufzugeben. Eine solche Sklavenrolle mutet ein vornehmes Großkaufmanns- haus in Charlortenburg den Arbeitern zu, wie aus folgendem Inserat aus der Nr. 320 der„Vossischen Zeitung" vom 2. Juli d. I. hervorgeht: Für einen gesunden, kräftigen, jungen Mann aus achtbarem Elternhause, geschickt und fleißig, der nicht schon von einer ge- wissen politischen Richtung angekränkelt ist, bietet sich per sofort oder später Gelegenheit, in einem vornehmen Großkaufmannshaus Charlottenburgs Beschäftigung als H i l f s- arbeiter auf dem Hofe, im Garten, in den Pferdeställen, bei den Pferden selbst, im Kontor und Lager des Fabrikgebäudes. sowie in der Villa des Chefs zu finden. Station— Wohnung und Kost— im Hause. Bewerbungen mit Lebenslauf sind an Hinz u. Küster, Char- lottenburg 2, zu richten. Nach der Vielseitigkeit der in Aussicht stehenden Beschäftigung zu urteilen wird es jedenfalls der vornehme Chef als Störung empfinden, wenn der„gesunde, kräftige junge Mann" nicht ganz Arbeitssklave ist._ Die Borschriften über Nachnahmesendungen sind vom Reichs- Postamt soeben in bemerkenswerter Weise erweitert worden. Für Nachnahmesendungen, die nicht bei der ersten Bestellung eingelöst oder zurückgewiesen werden, besteht bekanntlich eine Lagerfrist von sieben Tagen, nach welcher sie dem Empfänger zum zweiten Male vorgezeigt werden. Diese Lagerfrist ist ausgescblossen bei Sendungen, die den Vermerk„Sofort zurück" oder eine ähnliche Angabe tragen, durch die eine schleunige Rücksendung verlangt wird. Dieser Ver- merk muß auf der Aufschrislseite der Sendung angegeben sein. Bei Paketen muß er auch auf der Postpaketadresse stehen. Das Reichs- Postamt hat jetzt angeordnet, daß Ikachnahmesendungen mit dem Vermerk„Sofort zurück" auch dann zurückzusenden sind, wenn der Empfänger bei der ersten Vorzeigung nicht angetroffen und weitere Vorzeigeversuche aussichtslos erscheinen. Ein schwerer Zusammenstoß zwischen einem Automobilomnibus der Linie Martin-Luther-Straße— Wörther Platz und einer Auto- mobildroschke fand gestern nacht gegen 12l/z Uhr an der Ecke der Weißenburger und TreSckowstraße statt. Dort stieß eine Autodroschke an der Kreuzung so heftig gegen den Motoromnibus, daß der Motor der Droschke vollständig zertrümmert und der Benzinkasten des Omnibusses ebenfalls schwer beschädigt wurde. Das in der Droschke sitzende Fräulein Speckerl, TreSckowstraße 13 wohnhast, stürzte iu die Scheiben und zog sich schwere Schnittwunden an der Brust und an der Hüfte zu, so daß die Verletzte nach der Rettungswache ge- bracht werden mußte. Ein auf dem Hinterperron des Motor« omnibusses stehender Herr Moczall wurde gegen die Trch>pe des Gefährtes geschleudert, wodurch er sich eine klaffende Stirnwunde zuzog. Der Chauffeur der Autodroschke blieb unverletzt. Freie Bollsbühne. Das Jahr 1910/11 war für die Freie Volks- bühne eine Zeit schweren Kampfes und erfreulichen Aufstieges. Mit Genugtuung konnte in dem Bericht an die Generalversammlung, die am 29. Juni im Gewerkschaftshause stattfand, festgestellt werden, daß mit der Abwehrbewegung gegen die L u st b a r k e i t s st e u e r und die Zensurverfügung des Polizeipräsidenten auch die Vereins- tätigkeit erfolgreich fortgeführt wurde. Wie kaum jemals zuvor war die Beteiligung an allen Veranstaltungen bis in den Sommer hinein äußerst lebhast, ein Zeichen für das wachsende Interesse, das der Arbeit der Volksbühne in weitesten Kreisen entgegengebracht wird. Im kommenden Jahre wird der Verein bemüht sein, mit erhöhten Anstrengungen sein Programm zu verwirklichen. Der neue Spiel- plan bringt, wie der Vorsitzende Dr. Konrad Schmidt mit- teilte, unter anderem folgende Werke: Shakespeare,„Wie es euch gefällt"; L e s s i n g.„Nathan der Weise"; B j ö r n s o n, „Ueber unsere Krast", II. Teil; Wied, ,2 X 2— 5": Augier, „Die arme Löwin"; Björns on,„Wenn der junge Wein blüht"! Lutz,„Thomas Münzer" sErstaufführung der Freien Volksbühne); Helge Rode.„Morbus Tellermann"(Erstaufführung der Freien Volksbühne). Der Zunahme und regen Beteiligung der Mitglieder entsprechen auch die Kassenverhältnisse. Es sei vorweg erwähnt, daß das Geschäftsjahr 1910/11 mit einem Ueberschuß von rund 7000 M. abschließt. Nach dem Bericht des Kassierers W i n k l e r betrug im 4. Quartal 1910/11(von April bis Juni) die Einnahme inklusive Saldo 59 393,39 M., die Ausgabe 52 349,65 M., es ver- bleibt somit ein Bestand von 7043,74 M. Für das Geschäftsjahr 1910/11 betrug die Einnahme 197 036,86 M., die Ausgabe 189 993,12 M., somit verbleibt ein Bestand von 7043,74 M. Das Bureau des Vereins wird vom 1. August ab nach dem Michaelkirchplatz 2 verlegt. Die er- wetterten Aufgaben des Vereins und die stelige Zunahme der Mitgliederzahl haben die Anstellung eines weiteren Beamten er- iorderlich gemacht; die Generalversammlung wählte zum zweiten Kassierer das Mitglied Zwanzig. Ein Antrag LüderS ver- langte, daß mit der Anstellung des neuen Beamten auf die Tätig- kcit der bisher beschäftigten Hilfskraft verzichtet werde. Nach einer Diskussion, an der sich Kutzner, F r a n k e n sie i n, Wach und und K a l i S k i beteiligten, wurde dieser Antrag gegen wenige Stimmen abgelehnt. Die Zusanimensetzung der Verwaltung im neuen Geschäftsjahr bleibt unverändert, der Vorstand, der Ausschuß, die Revisoren und die Obleute wurden einstimmig wiedergewählt. Unter Verschiedenes kam es noch einmal zu einer längeren AuS- spräche über die im Feuilleton des„Vorwärts" erschienenen Artikel Heinz Sperbers. In derselben wurde gewünscht, daß der Vorstand die VereinSgeschäfte nach den bisherigen bewährten Grundsätzen weiter fortführen möge. Zum Schluß richtete der Vor- sitzende an die zahlreich anwesenden Mitglieder die Aufforderung zu reger Mitarbeit und weiterer Propaganda für die Stärkung der Freien Volksbühne. Das Ende einer„Weltreise". Einen eigenartigen Abschluß fand hier in Berlin eine„Weltreise", die die Schlosseclxhrlmge Franz Schuckmann und Emil Müntz von Dortmund aus angetreten halten. Nie Carter und andere Detektivgeschichten hatten ihre Abenteuer- lust geweckt. Mit 50 Mark, die einer von ihnen seinem Vater aus der Kasse nahm, glaubten sie für die„Weltreise" genügende Mittel zu haben. Sie machten ihre Reise teils auf Last- kühnen, teils zu Fuß. Trotzdem hatten sie fast kein Geld mehr, als sie nach Berlin kamen und übernachteten deshalb im Wartesaal des Stettincr Bahnhofs. Als einige polnische Arbeiter, die ebenfalls auf dem Bahnhos übernachteten, merkten, daß sie bestohlen worden waren, hielten fie die beiden«Weltreisenden" für die Diebe und ließen sie verhaften. Auf dem Polizeipräsidium klärte sich dann die Geschichte auf. Die beiden mittellosen jungen Abenteurer wurden in Schutzhaft behalten, um ihren Angehörigen wieder zugeführt zu werden. In der Berndtschen Jrrenhausassäre wird unS als Erwiderung auf die vor einigen Tagen erfolgte Berichtigung des Medizinal- assessors a. D. Berndt und des Sanitätsrats Dr. Fränlel in Lankwitz von dem Vertreter der Frau Berndt folgende Erklärung übermittelt: 1. Die im Jahre 1909 durch rechtskräftige Wieder- aufhebung der Entmündigung erfolgt gerichtliche Feststellung der Geschäftsfähigkeit der Frau Berndt bedurfte in dem Bericht keiner besonderen Erwähnung, zumal die auf diesen Beschluß gestützte Ver- fügung des Amtsgerichts Schöneberg, welche ausdrücklich be- tont, daß Frau Berndt einer Fürsorge nicht mehr bedürfe, hervorgehoben war. 2. Der Ehemann der Frau Berndt hat sich nicht, wie es in der„Berichtigung" heißt aus Kummer über seine Frau das Leben genommen, vielmehr hat er vor seinem Tode noch selbst mit der Behauptung, daß seine Frau geschäftsfähig und gesund sei, die Wiederaushehung der von ihm zwei Jahre vorher aus anderen Gründen beantragten Entmündigung begehrt und erreicht. Der Selbstmord ist lediglich auf große Ver- mögensverluste des früher sehr wohlhabenden Apoihekenbesitzers Berndt zurückzuführen. Ferner hat er noch kurze Zeit vor dem Selbstmorde sein Testament, durch welches er seinen Bruder, den Medizinalassesior a. D. Emil Berndt, zum Testamentsvollstrecker er- nennt, dahin abgeändert, daß das Vermögen der freien Verfügung seiner Ehefrau unterliegt. 3. Nach Auskunft der Polizei in Friedenau hat der Medizinalassessor a. D. Berndt das Attest des Arztes, an welchen sich Frau Berndt selbst wegen eines Herzleidens gewandt hatte, der Polizei übereicht und zwar mit der Erklärung, daß er „mit der Sache weiter nichts zu tun haben wolle. 4. Die nach den Verordnungen— Gesetze gibt es anf diesem Gebiete nicht— vorgesehene kreisärztliche Erklärung ist lediglich eine Formalität, welche fast stets im Sinne des vorangegangenen Gutachtens der Privatärzte und der Anstaltsleitung erledigt wird. 5. Unzutreffend ist die Angabe, daß die Anstalt„Berolinum" am 16. Jnni Frau Berndt aus freien Stücken entlassen habe. Am Nachmittage des 15. Juni wurde von dem Bureauvorsteher des Rechtsanwalts Dr. E. und dem Vermögenspfleger, dem Bankbeamten G. im Bureau der Anstalt die Erklärung der zuständigen Polizei vorgelegt, inhalts deren die Zustimmung zu der Entlassung gegeben wird. Ein Angestellter erklärte jedoch,„daß auf Grund dieser Polizei- lichen Erklärung die Entlassung nicht erfolgen könne". Am darauf- folgenden Tage fragte der Arzt, dessen Attest die erste Grundlage der Jnternierung gebildet hatte, bei der Polizei in Friedenau telephonisch an, ob die Entlassung verfügt sei. Die Polizei bestätigte, daß dies schon am 14. Juni geschehen sei. Der Bürgermeister von Lankwitz, der auf die Bitte des Rechts- anwaltS E. von dem Bürgermeister von Friedenau von dem Sach- verhalt in Kenntnis gesetzt war, fragte telephonisch bei dem „Berolinum" an und erhielt die Antwort„Frau Berndt wolle jetzt freiwillig bleiben". Hierauf begab sich der Vermögenspfleger in die Anstalt und kam in dem Moment hinzu, als eine Angestellte der Frau Berndt ein Schriftstück vorlegte, inhalts dessen sie sich ver- pflichten sollte, noch acht Tage freiwillig in der Anstalt zu bleiben. Er machte die Frau Berndt mit der ihr bisher unbekannten polizeilichen Verfügung bekannt; sie erklärte hierauf, daß sie selbst- verständlich nicht einen Augenblick länger in der Anstalt bleiben wolle und forderte von der Anstaltsleitung ihre sofortige Entlassung. Diesen Sachverhalt komren mehrere Zeugen bestätigen. Von einer „freiwilligen" Entlassung kann deshalb keine Rede sein." Die alte Berliner Stadtmauer vor dem Landgerichtsgebände in der Grunerstraße ist nun völlig beseitigt worden und nur ein Haufen von Kalksteinmauerwerk und morschen Pfählen erinnert an das historische FestungSbauwerk Alt-BerlinS. Interessant ist, wie kunst- gerecht unsere Allvorderen schon damals die Spundpfähle zu be- arbeiten und in ineinander zu fügen vermochten; freilich erscheint der Pfahlrost nach unseren Begriffen etwa» oberflächlich gegründet, denn die Pfähle haben trotz des Gewichts der über Meter hohen Mauer nur eine Länge von wenig über 2 Meter. Dr. Kieke- bujch vom Märkischen Muselim hat die alten Ueberreste durch Photo- graphische und zeichnerische Aufnahmen festgehalten. Ein grösserer Brand kam gestern früh um 3'/z Uhr aus noch nicht ermittelter Ursache in der Waren- Einkaufs-Gesellschaft für Bäcker und Konditoren auf dem ersten Hof deZ Fabrikgebäudes Warschauer Straße 73 zum Ausbruch. Als der siebente Löschzug dort ankam, brannten dort Bäckereibedarfsaitikel, Regale, Läden- tische, der Fußboden u. a. in geraumer Ausdehnung. Die Feuer- wehr mußte niit mehreren Schlauchleitungen längere Zeit kräftig Wasser geben, um den Brand zu löschen. Die Ausschusssitzung des Deutschen Ariciter-SäiigcriundcS, Gau Berlin, beschäftigte sich zunächst mit der Frage der Beteiligung der Vereine zur Maiseier. Aus dem vorliegenden gedruckten Bericht ist zu ersehen, daß im allgemeinen die gesangliche Beteiligung befriedigt hat; nur der Verein„Esmeralda" hat seiner Pflicht nicht genügt; es wurde beschlossen, diese Angelegenheit zur weiteren Prüfung dem Vorstand zu überweisen. Zum bevorstehenden Sängerfest wurde darauf hingewiesen, daß in diesem Jahre eine Neuerung eingeführt ist und zwar insofern, als auf den Sängerkarten die Nummer deS Vereins ausgedruckt ist, um dadurch feststellen zu können, welchen Vereinen diejenigen Sänger angehören, die sich am Gesang nicht be- teiligen. Außerdem ist jeder Sänger verpflichtet, außer seiner Sänger- karte noch seine Bundeskarte an dem nur für Sänger bestimmten Eingang abzugeben, um dadurch feststellen zu können, wie- viel Mitglieder des Bundes an dem Sängerfest teilgenommen haben. Die Wahl der Beisitzer zum Arbeiter-Sängerhund, welche eine längere Diskusston hervorrief, ergab folgendes Resultat: Tieftrunk, Bartel. Müller, Janzen und Domsch. AIS Rezensenten für Berlin zum Bund sind die Herren Bothe und Thilo in Vorschlag gebracht. Es wurde ein Schreiben verlesen, welches von den aus dem Bunde ans- geschlossenen Vereinen„Frisch auf",„Nicht verzagt", Gleichheit" unterzeichnet war und in dem die übrigen ans dem Bunde ans- geschlossenen Vereine zu einer Besprechung zwecks Begründung einer Vereinigung aufgefordert wurden. Die Anwesenden nahmen daS Schreiben mit Hohngelächter auf. Zum Schluß wurde noch bekannt gegeben, daß der Inhaber der„Neuen Welt" auf Wunsch des Bundes von den Vereinbarungen zum Stiftungsfest zurückgetreten ist. Der Ardeiter-Schwimmcrbund, Kreis l(B»mide»d»rg) hielt am Sonntag sein diesjähriges Sommerfest im Etablissement„Neu- Seeland", Stralau-Rummclsburg, ab. Der Besuch war nicht so zahlreich wie in den Vorjahren. tvaS wohl darauf zurückzuführen ist, daß an demselben Tage drei Wahlvereine, die Radfahrer und die Sänger ähnliche Feste abhielten. Das Programm der schwimmerischen Darbietungen wickelte sich glatt ab. Das Damenschwimmen. das über die Strecke von 500 Meter ging, zeigte, daß auch die Frauen und Mädchen die gesunde Leibesübung eifrig pflegen, denn alle durch- Ichwammen diese Strecke. Auch die lange Strecke über 1350 Meter war von 46 Teilnehmern besetzt. Am Abend bildete ein gutgeschwommener Lampionreigen, verbunden mit einem stimmungsvollen Gruppenbild den Schluß der Veranstaltung. Die erzielten Resultate waren folgende: Damenschwimmen, 500 Meter. unter 16 Jahre: 1. G. Herzog 12.18ft 2. H. Hagist 12.29«. Ueber 16 Jahre: 1. Gh. Faber 14.23. 2. W. Kulschkau 14.20, sämtlich„Freie Schwimnier", Charlottenburg.— Vereins-StaffetteSXlOO Meter. 1.„Nord". Berlin. 5.43». 2.„Neptun" 1894 5.452. � Ärvße Strecke(zirka 1320 Meter), s) Jugend: 1. M. Muhlacks, hjreie Schtznmmtt' 31 37. 2. SIeiit,.„�öthsSüH", Rixdarf. 8. Ö. Langer,„Neptun*, Äeihepsee, 31.57�. k) Männtr; 1, R. Gytsch, „Vorwärts",'Rtxdorf. 29.72.% Baritz.„Nord". Berlin, 30,1'. S. A. Hrabi,„Welle". Berlin 30, 353. Heb er den Unglücksfall in der Patzenhofer Brauerei in der Landsberger Allee, wo der Brauer Michael Hinterberger am Mon- lag früh'in den Fahrstuhl stürzte und infolge Genickbruchs starb. wird uns von Arbeitern des� Betriebes folgendes mitgeteilt: H. war gerade im Begriff, eine Tonne Bier hochzuziehen. Da die an dem Aufzug befindliche Skala den Fahrstuhl auf der Etage anzeigte, auf der sich H. befand, so öffnete H. die Tür. In Wirklichkeit befand sich jedoch der Fahrstuhl eine Etage höher? doch da das auf dem Aufzug befindliche Licht den Fahrstuhl nicht beleuchtet, konnte Hinterberger nicht sehen, dasj der Aufzug sich eine Etage höher befand. Er hat daher in der Meinung, der Fahrstuhl befinde sich vor ihm, die Tonne abwerfen wollen und ist beim Vortreten in den dunklen Schacht gefallen. H. ist also das Opfer der unzuver- lässigen Skala geworden. Der Aufzug ist denn auch nach dem be- dauerlichen Unfall auher Betrieb gesetzt worden., Der Lunapark vor dem Kammrrgericht. Die Anwohner des Lunaparkö haben den Brozest gegen diesen wegen ruhestörenden Lärms beim Kammergericht verloren. Nach eingehender Beweis- aufnähme hat das Kannnergericht in Uebereinstimnmiig mit dem Landgericht entschieden, daß die qus dem Lunapark herrührenden Geräusche das Maß des Erträglichen nicht überschreiten. . Leichonfund. Im Garten dos Restaurants Schröder in Schild- Horn wurde gestern morgen ein junger- Mann im Alter von etwa 35 Jahren tot aufgefunden. Nach den vorliegenden Tatsachen muß auf Selbstmord geschlossen werden. Der Tote führte keine Ausweis- Papiere bei sich, dagegen ein Portemonnaie mit Geld und eine Uhr. „Helgoland im Wechsel der Zeit", der neue Vortrag der Urania, in welchem ausgezeichnete farhige Bilder alte Gäßchen in stiller Be- schaulichkeit, das fröhliche Strandleben der Badegäste, Helgoland im Schnee und Helgoland in Sturm und Sonnenschein zeigen, wird am Donnerstag und Sonnabend zur Wiederholung gelangen. Am Mittwoch und Freitag wird noch einmal der Vortag„Tierbilder von Nah und Fern" mit zoo-kiiiemalographischeir und grammo- phonischen Vorführungen wiederholt. Zur Regelung des Wagenverkehrs zum Besuche der Konzerte und sonstigen Veranstaltungen irr der Philharmonie Bernburger- straße 22 a723 erläßt der' Polizeipräsident folgende Anordnung: I. Die Anfahrt der Wagen erfolgt lediglich von der Köthenerstratze aus. Sie ist oerboten von der Desfauerstraße oder vom Askanischen Platz her. Die Freigabe der Einfahrt auf das Grundstück selbst wird von dem jetveiligen Wagenverkehr abhängig gemacht werden? bei großen Konzerten ist auf die Freigabe derselben nicht zu rechnen. Die entleerten Wagen fahren nur nach der Desfauerstraße ab und zwar ohne Aufenthalt. Der Nebcnhalteplatz für Droschken 1. Klasse vor dem Hause Bernburgerstrahe Nr. 18(Spitze nach der Köthenerstraße) wird nach. Bedarf aufgehoben. � II. Aufstel- lung der Wagen. Die zur Abholung der Aonzertbesncher an- fahrenden Wagen stellen sich auf:. Privatwagen uist» Privatkraft- wagen, sowie bestellte Droschken und Kraftdroschken in zwei Reihen nebeneinander ans der Nordostseite der Bcrnburgerstraße(Spitze vor, dem Hause Nr. 12) nach der Köthenerstratze zu gerichtet, nach Bedarf Verlängerung auf der Nordwestseite der Dessauerstraße nach dem Hafenplatz zu gerichtete Unbestellte Kraftdroschken in einer Reihe nebeneinander auf der Südwestseite der Bernburgerstraße, Spitze vor dem Hause Nr. stl, nach der Küthenerstraße zu gerichtet, In der Verlängerung aus der Nordwestseite der Dessauerstraße bis zum Hafenplatz. Unbestellte Droschken in einer Reihe nebenein- ander aus der Südwestjeite der Bernburgerstraße(Spitze vor dem Hause Nr. 22) nach der Dessauerstraße zu gerichtet, in der Ver- längerung aus der Südostseite der Köthenerstratze bis zum Hafen- platz. III. Die Abfahrt erfolgt nur nach der Köthener, straße; sie ist verboten nach der Dessauerstraße. Die Freigabe der Einfahrt auf das Grundstück von Wagen zur Abholung der Konzertbesucher wird von dem jeweiligen Wagenverkehr abhängig gemacht.—. IV. Den Anordnungen der Aussichtsbeamten behufs Ausführung der vorstehenden Bestimmungen ist zur Vermeidung der Bestrafung nach den Zs 132 und 133 der Straßenordnung vom <1. Dezember 1399 Folg« zu leisten. Vomt-Nadttlcbten. Rixdorf.! In der letzten MagistratSsitzung wurde der Einbau von zwei weiteren Schlammabziehbrücke» in die Wehre des Hauptentwäsierungs- grabens vön' Boddinsfelde beschlossen. Auch wurde der Erbauung eines-Gebäudes auf dem Gutshofe in Boddinsfelde zur Unter- bringung des Jhacemotors. der Feuerspritze, der flüssigen Brenn« stosse und des Federviehs für die beiden Beamten wird nach dem BesÄluss« der Wirtschaflsdeputalioit zugestimmt. Desgleichen der Einführung des von der Regierung empsohlenen einheitlichen Lehr- Plans für die Klassen der ungelernten Arbeiter an der FortbildungS- schule„ Der Magistrat beschloß hierauf, das Hochbauamt zu er- suchen,- einen Entwurf nebst Kostenanschlag für ein Krema- torium auf de m FriedhofSgrund stück an de« Gott- lieb- D unke l-Straße anzufertigen. Dem Beschlutz der Friedhofsdeputation, die städtischen Friedhöfe für das Publikum um.(P/z Uhr zu öffnen und den Schlutz auf einer Tafel mit luiswechseldaren Zeitangaben am Eingang des Friedhofes bekaynt zu gebeji. wurde zugestimmt. Die VermittelungSzeit in der Weib- Ischen Skbteilmig des Arbeitsnachweises wurde an den Sonnabend» Nachmittagen auf die Zeit von S—s Uhr festgesetzt. Stadtverordnctenwahle» am Sonntag. Der Magistrat beschloß in seiner letzten Sitzung, grundsätzlich die nächsten Stadtverordnetenwahlen für die lll. Wählcrabteilung an einem Sonntag abzuhalten. Die Feststellung der Tagesstunden soll einer späteren Beschlußfassung vorbehalten bleiben. Eharlottenburg- Ein Ätiaßciibahnunfall trug sich am Montag an der Eck« der Berliner und Sophlenstraße zu. Dort wollte der Radfahrer Robert Hrwadt, Käiserdamin 102 wohnhaft, ei»en auf dem rechten Schienen- sträng fahrenden Kohlenwogen überholen. Dabei fuhr er jedoch in den herannahenden Motorwagen 2V0 der Linie U hinein, wurde umgestoßen und geriet unter den Vorderperron. Orwadt. der eine schwere Verletzung am Hinterkopf und eine Gehirnerschütterung er- litten halte, wurde nach der Unfallstation und von dort nach dem KtankenhauS Westend gebracht. Ariei»richsfelde. Die Generalversammlung deS WahlvereinS ehrte zunächst daS Andenken der im verflossenen Jahr« verstorbenen Genossen Schubert und Albert Schröder. Ueber die Tätigkeit des Vorstandes berichtete Genosse Schwenk. Die Mitgliederzahl ist von 199(darunter 82 Frauen) auf 260(57 Frauen) gestiegen. Die Zahl der Mitglieder ist— so bemerkte Redner— im Verhältnis zur Einwohnerzahl, die doch vorwiegend aus Arbeitern besteht, noch äußerst gering. Es gibt noch viel Aufklärungsarbeit zu leiste» und die Jndifierenten auf unsere Seite zu bringen. Die Bilduiigsbestrebungen sowie die Unterstützung der Jugendbewegung finden noch lange nicht die nötig» Unter- stützung. Die Ellern sollten auch ihre Kinder mehr als bisher an den Spielen und Ausflügen, die von der„Freien Turnerschaft" ver- anftaltet werden, teilnehmen lassen. In der Landagitatton ist ein kleiner Erfolg zu verzeichnen? in Marzahn sind drei und in Mehrow fünf Genossen für die Partei, sowie 19 Mitglieder für den Landarbeilerverband gewonnen worden.— In der Diskusston über den Vorstandsbericht forderten die Genossen Lehmann. Aehlert, Gronwald und. Schacht zur kräftigen, unabläsfigen Agiwlion für die Partei und die Arbeiterpresse auf.— Dem Bericht über die Kassen- »erhältniste, de» Gejiosts Müs Bich gab, ist zu entnehme», daß etn« Einnahme hon 916, M M. eme Ausgabe von 797, osm. gegenübersteht. Bei der Neuwahl her Bezirksleitung wurden folgende Genossen gewählt: Schwenk 1. und Liebscher 2. Bezirksleiter, C. Münnich, Kassierer; Schacht 1. und Hutter 2. Schriftführer? Beisitzer: Ram- bach und Genossin Schmidt; Revisoren: Krüger. Waldmann und Hellmich? Bezirkssührer: Lange(1. Bezirk), Budach(2. Bezirk) und Bernau(4. Bezirk)? für die Frauen: Genossin Brunk. Der Land- agitation und Lokalkommisfion gehören die Genossen Brunk und R. Knauer an. Bibliothekskommission: Geppert, Hutter, O. Münnich. Beschwerdekommission: Goes. Jugendausschuß: Rambach, R. Knauer. Bei den Wahlen zum Kreisvorstand soll Genosse Lehmann zur AgitationSkommlssion und Genosse Baumgarten als Revisor vor- geschlagen werden. Als Delegierten zum Parteitag schlug die Ver- sammlung Genossen Schwenk und zur Provinzialkonferenz Genossen Liebscher vor. Zum Schluß teilte der Borsitzende mir, daß am Sonntag(9. Juli) früh 6 Uhr eine Agitationstour in die Landhezirke unternommen wird«nd fordert« zu rege« Beteiligung auf. Zossen. „Der Aufmarsch ver Parteien zu den Relchiagswahlen" tvar da? Thema, über das Genosse B ä s k e in der letzten Generalver- sammlung des Wahlkreises referierte. Nach dem Jahresbericht, de» Genosse Saupe gab,.war die Bereinstätigkeit eme sehr rege. Es fanden in der Berichtszeit 18 Vereinsversammlungen und 7 Volksversammlungen statt. Mitglieder hatte der Verein am Schlüsse 167, davon 28 weibliche. Trotzdem in der Berichtszeit 134 Mitglieder neu aufgenommen würden, hat sich der Stand nur um 26 vermehrt, ein Zeichen der ungemein großen Fluktuation am Ort. In den Vorstand wurden folgende Genossen gewählt: 1. Vorsitzender Saupe; 2. Vorsitzender Hering; Kassierer Trebbin? als Beisitzerin Frau Kitzler. Zu Bezirksführern Seifert, Franz Müller/Stein, Trebbin und Mattuschek. Zur Stadtverordnetelt- kommission Rackow und Tschersich. zur Lokalkommission Max Becker. Als Revisoren Hechler und. Spring. Die Wahl eines Schriftführers wurde zurückgestellt. Die bei der letzten StadtverordnetenKahl errungenen Mandate sind durch den Verzug der beiden Genossen wieder erledigt. Die Genossen müssen daher alle Kräfte einsetzen, die Mandate bei den diese» Herbst stattfindenden Ersatz- und Ergänzungswahlen wieder zu erringen. Bei der Aufstellung der Kandidaten entwickelte sich eine sehr lebhafte Diskussion. Wege» vorgeschrittener Zeit wurde die Aufstellung für eine außerordentliche Generalversammlung zu- rückgestellt. Vor Eintritt in die Tagesordnung Weiteten sich 8.Genossen und 2 Genossinnen zur Aufnahme, Marienfelde. Aus der Organisation. In der Generalversammlung des Wahl- verein» erstattete Genosse Fritz Greulich den Jahresbericht; dem- nach haben 3 Generalversammlungen. 9 Mitgliederversammlungen, 4 Volksversammlungen, 3 Agitationstouren und 11 Flugblatt- Verbreitungen stattgefunden. Der Kossenbericht des Genossen Schufter weist eine Einnahme von 383,98 M. und eine Ausgabe von 294,36 M. auf, an den Zentralvorstand wurden 258 M. abgeführt. Die Mitgliederzahl ist von 69 auf 7V Mitglieder, darunter 16 weib- liche, gestiegen.„Vorwärts'lefer sind 92 am Ort. Nach dem Bibliotheksbericht des Genossen Kreutzberg sind 146 Werke vorhanden. Die VorstandSwahl halte folgendes Remltat: 1. Vorsitzender Fritz Greulich. 2. Vorsitzender Karl Seiler, Kassierer Robert Dretzki, Schriftführer Richard Kreutzberg, Lokalkommissionsmitglied Max Fischer... Als Revisoren wurden Paul Höcke, Fritz Schmidt und Rudolf Schmidt, als Bibliothekar Richard Kreutzverg, als Land- agitationsleiter Max Fischer, als Bezirlsleiter August Petermann, Wilhelm Hönicke, Fritz Göllert, Rudolf Schmidt, Alfred Podiurski, Otto Blume und als Beisitzer Wilhelm Hönicke gewählt. Wie Ge- nosse Greulich mitteilte, halte der Borstand an den Gastwirt ManS in einem Schreiben um Freigabe seines Lokales ersucht, der Herr hat eS jedoch nicht für nötig gehalten, darauf zu antworten. ES fei daher jedes Genossen Pflicht, die Lokalliste streng zu beachten, dann wird auch für Marienfelde die Zeit nicht mehr fem fein, in der der Arbeiterschaft ein freies Lokal zur Verfügung steht. PeterShage« bei Fredersdorf. In der letzten Gemeindrvcrtretersitzvng wurde zunächst der von unseren Genossen erneut gestellte Antrag aus Einführung einer Gründwertsteuer verhandelt. Begründend wurde ausgeführt. daß die jetzigen Einnahmen bei weitem nicht ausreichen, um das notwendigste innerhalb der Gemeinde zu schaffe». Insbesondere soll bei Annahm« des Antrages mit den mehr eintommenden Mitteln an den Aushau deS Straßennetzes gegangen werden, da die Gefahr des Verbote», da» Wohnen in Häusern an ungepflasterter Straße betreffend, noch lange nicht beseitigt ist. De» weiteren ist aus sanitärem Gebiet noch vieles zu erledigen. Natürlich waren ei» Teil der Alteingesessenen dagegen, da eS ja schließlich auch an ihren Geldbeutel geht. Als Gründe dagegen wurden angeführt:.Wir brauchen keine Luxusstraßen".„wenn e» von den Grundbesitzer» gewünscht würde",„wir haben es noch nicht nötig' usw. Schließlich haben aber auch«in Teil der bürgerlichen Vertreter eingesehen, daß etwas geschehen mutz, um vorwärts zu kommen, und so wurde der Antrag unserer Genossen mit 7 gegen b Stimmen an- genommen. Ein ebenfalls von unseren Genoffen gestellter An- trag aus Einführung einer Geschäftsordnung, wurde, nachdem Genosse Stimming das Ergebnis der Kommissionsverhandlung mit, teilte, mit wenigen Aenderungen angenommen. Wegen der Schul- baukosten wurde noch einmal Beschluß gefaßt. Wegen Uebernahme der der SeparationSgemeinde gehörigen Ländereien in den Besitz der politischen Gemeinde wurde dem Gemeindevorsteher Körper Vollmacht erteilt. Wegen des Weberschen Grundstücke» soll das Enteignungsversahren eingeleitet werden. Boxhagen- RummelSburg. Sin Straßenbahnunfall ereignet« sich Montag gegen t Uhr mittags an der Eck« der Neuen Bahnhofstraß». Dort fuhr der Bäckerlehrling Paul Schmidt. Lichtenberg. Scharnweberstr. 84 wohnhaft, kurz vor dem Motorwagen 2400 de» Linie 70 auf da» Gleis, wurde umgestoßen und blieb zwischen diesem und dem aus entgegen- gesetzter Richtung kommenden Motorwagen 2227 der Linie 79 liegen. Sch.. der einige gleischwunden und Hautabschürfungen an der rechten S-bulter und am linken Bein hei seinem Sturz davongetragen hatte, wurd« nach Anlegung eines Rotverbande» in sein« Wohnung geschafft. Weissense*.- Durch elektrischen Strom lebensgefährlich verletzt. Ein schwerer Unglücksfall hat sich am Montag in der Sedanstr. 47/48 belegenen Fabrikationöabteilung der Berliner Herkuleswerke G. m. b. H. er- eignet. Während des Betriebes. kam der 33jährige Arbeiter Gustav Müller aus der GreifSwalder Straße den Drähten einer Starkstrom- leitung zu nahe, wodurch Kurzschluß entstand. Durch die sich hierbei bildende Stichstamme geriet die Kleidung deS Arbeiters in Brand, der im Augenblick einer lebenden Feuersäule glich. Obwohl das Feuer durch Arbeitskollegen de» Berunglückten alsbald erstickt werden lonnte, hatte der Bedauernswerte bereits am ganzen Körper so schwere Brandwunden erlitten, daß er in sehr bedenklichem Zu- stände in da» August«- BUtoria- Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Pankow, Feuer brach vorgestern im Keller de» hiesigen Rathauses aus. Aufgestapelte Preßkohlen waren durch Selbstentzündung in Brand geraten, so daß die Feuerwehr alarmiert wurde. Wenn das Feuer auch nur langsam um sich griff, so sah sich der Bürgermeister doch veranlaßt, die Akten au» dem in nächster Nähe belegenen Steuer- bureau in Sicherheit bringen zu lasien. Sämtlich» zur Verfügung 'stehenden Beamten mutzten die Akten nach dem Sitzungssaal de» Rathause» schassen,«och«mhalbstündiger Tätigkeit konnte die Feuer- wehr wieder abrücken. Wäre der Brand nachts ausgebrochen, so Hütt« ex bedenkliche Formen annehmen können, da in den Keller- räumen 42000 Preßkohlen lagerten. In der autbesuchten Generalversammlung des Wahlvereins or- stattete Genosse Spiekerrnann den Geschäftsbericht. Die Mitglieder- zahl beträgt 1 060 gegen 852 im Vorjahre; es können also jetzt 5 gegen früher 5 Delegierte in den Kreis entsandt werden. Der Vor- sitzend« erkannte an, daß in bezug auf Agitation gut gearbeilet worden ist, er führte aber Klage darüber, daß noch so diel geweri- schaftlich Organisierte der Partei fernstehen.' Die Ausfüllung der Hauslisten sei leider zu oberflächlich gehandhabt worden und es be- dürfe einer gründlichen Nacharbeit, um brauchbares Material zu erhalten. Selbst die Statistik über die Genossen habe wegen Saum- seligkeit derselben noch nicht fertiggestellt werden können, ßleber diese beiden Punkte entspann sich eine längere Diskussion. Es fanden statt! 8 öffentliche, 2 General-, 3 Kreisgeneraldersamm- lungen und 8 Flugblattverbreitungen. Bedauerlicherweise ist bie Beteiligung an den Flugblattberbreitungen' nicht genügend. Dem Kassenbericht des Genossen Larsen war zu entnehmen, daß einer Einnahme von 4391,44 M. eine Ausgabe von 4163,78 M. gegenüber steht. Eingehenden Bericht gab die Genossin Frede als Besitzerin und Leiterin der Frauenleseabende. lieber, die Tätigkeit der Agi- tationskommission berichtete Genosse Böller; es fanden statt: in Schönwalde(68 Mitglieder) 8 öffentliche Versammlungen, 1 Licht- bildervortrag, 1 Ver>amnilung unter freiem Himmel, 4 Flugblait- und 1 Kalenderverbreitung; in Wandlitz-Basdorf(36 Mitglieder) 2 öffentliche, 2 Mitgliederversammlungen; in Schönerlinde(23 Mit- glieder) 4 öffentliche Versammlungen, 4 Flugblatt- und 1 Kalender- Verbreitung. Genosse Schischke von der Lokalkommission bemängelte, daß uns nicht genügend freie Lokale in den ländlichen Ortschaften zur Verfügung stehen. Vom Jugendausschuß übte Genosse Rupprccht Kritik an den Schikanen der Behörden und forderte schließlich zum Abonnement der„Arbeitev-Jugend" auf. Die Berichterstattung über die Bibliothek ergab einen Bestand von 381 Büchern. Ein Antrag, eine Jugendbibliothek zur Bekämpfung der Schundliteratur einzu- führen, wurde der neuen Bezirksleitung zur näheren Besprechung überwiesen. Die Neuwahl der Vorstandsmitglieder hatte folgendes Ergebnis: 1. Bezirksleiter Gütig, 2. Bezirksleiter Gerhardt. Schrift- führer Fengler, Kassierer Larsen. Abteilungsführer für Süd Riß- mann, für Nord Eichhorn. Die Wahl der Beisitzerin soll im nächsten Frauenleseabend vorgenommen werden.— Lokal- und Agitationskommission: Neumann, Junge, Völker, Schindler und Lehmann.— Revisoren: Genossen Brall. Frede, Blank.— Bibliothekstommissioil Meitzner, Essel, Wildanger.— Beschlverdekommifsion: Meitzner und Schetve. In den Jugendaußschuß: Rupprecht, Mosolf, Pr'.ppernau und Franz.— Kinderschutzkontrolleurin: Genossin Gütig.— Biblio- ihekar: Genosse Rißmann.— Delegierte: Genossen Eichhorn. Kubig. Knuppe, Blank, Thomas, Schindler, Musall, Gütig. Ersatzdelegierte: Michael, Wehrbach und Sasse.— Nach Erledigung einiger unwefeni- licher Fragen im Verschiedenen schloß der Vorsitzende mit der Alis- forderung, zu den kommenden ReichstaTswahlen rege Tätigkeit zu entfalten.—- Schöneberg. Bei der Bcrlvsung aus dem Stiftungsfest des WahlvereinS in den neuen Rathanssälen. Meininger Straße 8, sind auf nachfolgende Nummern die Gewinne nicht abgeholt worden: 813, 60l, 733, 481, 616, 498, 886. 364, 61, 842. 36. 668, 917, 971, 954. 416, 684. 863. 985, 792, 144, 702, 485, 350, 673, 706, 601, 828, 905, 375, 670, 599, 949, 57, 255. Gegen Vorzeigung der Losnummern können die betreffenden Gcwinngegenstände in der Spedition des„Vorwärts", Martin-Luther-Slraße 69(Laden) in Empfang genommen werden. Spandau. Beim Baden im Stößensee hat vorgestern ein junger Mann miZ Spandan seinen Tod gefunden. In der sünsten NachmittagSstunde hatten sich der Gastwirt Borchardt und der Schuhmacher Gustav Zimmermann auS der Seeburger Straße sowie der Tischler Paul Krüger und der Arbeiter Karl Bollendorf aus der Amalienbofftraße »ach Pichelswerdcr begeben, um im Freien am südlichen Ufer im Stößensee zu baden. Vor den Augen der andern versank mit einem Male Zimmennann, der sich etwas weiter in den See hinausgewagt hatte, in die Tiefe; die Begleiter unternahmen Rettungsversuche, hatten damit aber keinen Erfolg. Der Verunglückte kam nicht wieder zum Vorschein und kannte auch nicht zutage gefördert werden. Der Ertrunkene ist 22 Jahre alt und wohnte bei seinen Eltern. Gerichts-Zeitung. Die BeirugSafföre des Grafen Welff-MetternlH wird«nn kommenden Donnerstag die 10, Strafkammer des Landgerichts I in einer zweitägigen Sitzung beschäftigen. In den jetzt zur Anklage stehenden Fällen handelt es sich nur um die weniger interessanten Kreditschwindeleien, die dem Grafen zur Last gelegt werden. Der erheblich interessantere Teil der gegen Wolff-Metternich Moebenden Anklage, das ihm zur Last gelegte Falschspiel, ist inzwischen abgetrennt worden, da sich die Auslieferung des in Kalkutta verhasteten Falschspielers Stall- mann alias Baron Korff-König, der mit der Metternichschen Sache in Verbindung steht, verzögert. Der erst L4jährige Wolff-Metternich hat schon trotz seiner Jugend eine sehr betnegte Vergangenheit hinter sich. Er ist der Sohn des in Arcen an der holländischen Grenze ansässigen Kammerherrn Graf Lewin Wolff-Metternich und der Neffe des HerrenhauSmitgliedes Grasen Metternich-Kracht und des deutschen Botschafters in London Grafen Wolff-Metternich.— Schon in seiner frühesten Jugend soll der Angeklagte allerlei törichte Streiche verübt haben. Als er als blutjunger Mensch an zahlreichen Stellen recht beträchtlich« Schulden kontrahiert hatte, wurde er erst von seinen Verwandten»ach einem Gutachten deS Professors Aschaffcn. bürg in Köln in ein Sanatorium übergeführt und mußte dann, mit genügend Geldmitteln ausgestattet, die Reise über den„großen Teich" antreten. Er hielt sich längere Zeit in Chile und Argen- tinien auf, wo er die Landwirtschast studieren sollte. Als er dann nacb Deutschland zurückkehrte, ging das Schuldenmachen sofort wieder von neuem und in verstärktem Maße los, so daß sich seine Familie schließlich vollkommen von ihm lossagte. Er pumpte, wie behauptet wird, alle Leute an, die ihm nur in den Weg kamen. Als sich die Zahl seiner Gläubiger, unter denen sich selbst Schuhmacher und Schneider befinden, immer vergrößerte, verschwand der Herr Graf eine? schönen TageS auS Berlin und landet« nach allerlei Irrfahrten schließlich in Wien, wo er sich mit der Schauspielerin Clair« Vallentm, verheiratet«. Von seinem Vater, der ihm, nach- dem er in den Verdacht der Brandstiftung aus dein väterlichen Gut gerat«» war, das Haus verboten hatte, erhielt er nur einen Zu- schuß von moitatlich 10 M. Trotzdem aber trat er überall echt gräflich-vornehm auf. Wie sich ergeben hatte, kaufte er bei der Firma Braun, Unter den Linden, nur Strümpfe zu 20 und 30 M. das Paar, bei dem Hosschuhmacher Breitsprecher Stiefel für 48 M. und zwar innerhalb eines halben Jahres für 600 M. usw. Selbst einem Gärtner, bei dem er einen Rosenstrauß für 69 M. gekauft hatte, blieb er da» Geld schuldig. Auf dies« Weise hatte es der Angeklagt« fertiggebracht, innerhalb weniger Monate 32 572 M. Schulden zu kontrahieren. In seiner- ersten Vernehmung behauptete Wolff-Metternich, daß ihm jede betrügerische Absicht gefehlt habe. Er habe gehofft, sich mit einer Berliner Millionärstochter, u. a. mit der Tochter eines bekannten Berliner WarcnhauSbesitzerS, zu verheiraten und von der Mitgift seine Gläubiger befriedigen zu können. Di«S sei ihm aber nicht gelungen, und er habe nach Wien flüchten müssen. — Zu der Verhandlung sind zirka 50 Zeugen und außerdem Medi- zinalrat Dr. Hosfmann als Sachverständiger geladen. Zum Plakstgesetz. Nach ß 30 Absatz 2 de« Reichsprehgesetze» sind' u. tt. fei Kraft aelfiei® feie lsvfek»gesetzligen Vorschriften� welche da» Anschlagen, Arresten Und AuZstelliM von BekannlMÄ�UNgen, PlctMen Und Ausrufen von einer vorherigen polizeilichen Genehmigung abhängig machen. In Preußen kommt in der Beziehung der Z 10 dcZ preußischen Preßgesetzes in Frage. Ihn sollte der Zeitungshändler Trunsch dadurch übertreten haben, daß er ohne polizeiliche Ge- nehmigung an seinem, mit einem Riemen umgehängten Druck- schriftenkasten den Titel einer Druckschrift von Karl Schneidt, Wilhelm II. betreffend, so angebracht hatte, daß sie als Plakat ge- wirkt habe. Das Landgericht Berlin sprach jedoch den Angeklagten frei und führte auS: Vom Anschlagen oder Anheften eines Plakats im Sinne des Gesetzes könne hier keine Rede sein. Der Angeklagte habe den Kasten herumgetragen, der Kasten sei also in Bewegung gewesen. Ter Begriff deS Plakats im Sinne des Pretzgesetzes setze aber voraus die Befestigung der Druckschrift an einem leblosen festen Gegenstand. Somit sei Angeklagter freizusprechen. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein. Das Kammergericht verwarf dieser Tage die Revision der Staatsanwaltschaft mit der Begründung, daß die Vorentscheidung ohne Rcchtsirrtum ergangen sei. Insbesondere sei es zutreffend, wenn das Landgericht davon ausgehe, daß das Gesetz im Auge habe einen Anschlag an einen festen, leblosen Gegenstande. Das gehe auS dem 8 10 des preußischen PreßgesetzeS in Verbindung. mit Z 30 Absatz 2 des Reichspreh- gesetzcs hervor. Ein Kasten aber, der herumgetragen werde, sei kein fester Gegenstand in diesem Ginne, NU Recht fej Angeklagter freigesprochen tMXforu*' Betriebsunfall bei Glätte auf dem Bahnsteige. Das Reichsgericht hat am Montag im Gegensatz zu den Vor- rnstanzen sich für die Haftbarkeit des Eisenbahnfiskus bei Glätte auf den Bahnsteigen ausgesprochen. Dem Urteil lag folgender Pro- zeßstoff zugrunde. Der Kläger fuhr am 28. Dezember 1008 von Düsseldorf nach Neuh. Als er dort den im Umbau befindlichen Bahnhof verlassen wollte, kam er auf dem Bahnsteige infolge von Eisglätte zu Fall. Diese Glätte war dadurch entstanden, daß beim Wassernehmen einer Lokomotive Wasser auf den Bahnsteig gespritzt war. Zwischen der Vergicßung des Wassers und dem Unfall lag ein Zeitraum von ungefähr nur 20 Minuten. Auf die Schadensersatzklagx erwiderte der beklagte Preußische Eiscnbahnfiskus, daß er nicht verpflichtet fein könne, auf dem Bahnsteige andauernd streuen zu lassen i im übrigen bestreitet er, daß in dem Aüsgleiten ein Betriebsunfall zu finden sei. Landgericht und Oberlandrsgericht Düsseldorf erkannten auf Abweisung des Klägers. Ein Betriebsunfall hätte nach ihrer Ansicht nur dann angenommen werden können, ivenn der Kläger in- folge von großem Menscheugedränge die Eisglätte nicht habe sehen können. Jedoch könne großes Menschengedränge auf dem Bahn- steige nicht geherrscht haben, denn sonst wäre der Kläger nicht hin- gefallen. Auf die Revision des Klägers ist das Urteil des Oberlandes- gericktS Düffeldorf vom Reichsgericht aufgehoben lvorden. Das Reichsgericht hat den auf Zahlung eines Schmerzensgeldes gerich- teten Anspruch des Kläger? abgewiesen, dagegen im übrigen die Ansprüche des Klägers dem Grunds nach als berechtigt anerkannt. Demnach verneint das Reichsgericht ein Verschulden des Jisfus, findet jedoch in dem Ausgleiten auf dem Bahnsteige einen Betriebs, Unfall.(Aktenzeichen: VI. 495/10.) Hus aller Melt« Die Kompottschüssel ist voll! Weil er keine Arbeit finden konnte, erhängte sich in Lindenhof bei Demmin ein alter Landarbeiter. Er hatte auf den verschiedensten Stellen Versuche gemacht, Unterkunft zu finden, war aber überall für zu alt befunden worden. So war er schließlich dahin gekommen, sich auf diese Weise„Hüsung" zu verschaffen. Schreckenstat eines Wahnfinnigen. Der Kaufmann Heinzen, der in einem Nachtcafs in Barmen kneipte, gab auf einen Polizeib eamten mehrere R e v o l v e r s ch ü s s e ab, als dieser den Heinzen lvegen rnhe- störenden LärmS zurechtwies. Heinzen schoß dann aus einen Vor- übergehenden, der dem Beamten zu Hilfe eilen wollte, und traf ihn ins Herz, so daß er sofort tot war. Einen weiteren Anwesenden verletzt« Heinzen lebensgefahrlich. Der Polizeibeamte starb kurze Zeit nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus. Heinzen. der schon einmal in einer Irrenanstalt untergebracht war. hegte gegen den Polizeibeamte» Groll, weil dieser ihn schon einmal zur Anzeige gebracht hatte._ Ein italienischer Gewerkschaftspräsident ermordet. Einem Telegramm aus Rom zufolge ist der Präsident der Schiffszimmerer in Pisa, Baracchini, das Opfer eines Attentats geworden, dessen Motive bisher noch unbekannt sind. Baracchini wurde bei einem Spaziergang auf der Landstraße plötzlich von zwei Droschlen eingeholt, deren Insassen gleichzeitig auf ihn ein R e v o l v e r s ch n e l l f e» e r eröffneten. Sie sollen fünfundzwanzig Schüsse abgegeben haben. Baracchini wurde von sechs Schüssen getroffen und war sofort tot. Die Mörder sind Arbeiter, die nicht zur Gewerkschaft aber jedenfalls zu den nützlichsten Elementen des Staates— den Streikbrechern— gehören. Zwei von ihnen wurden verhastet. Si« konnten nur mit Mühe vor der Menge, die sie lynchen wollte, geschützt werden. Opfer der Hitze. In NewDorl betrug die Teperatur gestern nachmittag 36 Grad Celsius. Es wehte am Nachmittag Südwestwind. Es ereigneten sich Hunderte von Hitzschlägen, davon 20 tödlich. Die Hitzewelle reicht bis weit nach Kanada hinein, wo sogar 40 Grad Wärme gemeldet werden. Auch Frankreich leidet sehr unter der Hitze. Wie aus Lyon berichtet wird, sind infolge der Hitze gestern vier, in der Umgegend von Lyon sechs Personen am Hitzschlage erkrankt, eine Person ist bereits gestorben. Auch in anderen Städten Südfrankreichs sind durch die Hitze zahlreiche Personen erkrankt. Kleine Notizen. Erdbeben in Algerien. In der Nacht zum Dienstag find in der- schiedenen Städten Algerien» sowie in einem weiten, südlich von Algerien gelegenen Gelände ziemlich parkt Erdbeben verspürt worden. Die Bewegung dauerte zehn Minuten und ging von Osten nach Westen. Die Erderschütterung hat eine lebhafte Panik unter der Bevölkerung Algeriens herbeigeführt. Die Cholera. In Nikolajewsk im Gouvernement S s a m a r a sind in den letzten fünf Tagen 15 Cholerafälle, von denen einer tödlich verlief, vorgekommen. Je ein Cholera- fall ereignete sich in den Kreisen Lepel im Gouvernement Witsbak, KoSnedenjansk im Gouvernement Kasan, Pirjatin im Gouvernement Poltawa und in Baku. Arbeiterlos. Als gestern früh in Königsberg i. Pr. ein hoch belgdener Kahn die geschlossene K'aiserbrücke passierte, wurde ein Matrose zwischen der Brücke und der Ladung tot- gequetscht. Im Rigaschen Meerbusen herrscht seit drei Tagen Sturm. In der Nähe von DomesnäS ist das Segelschiff„Mathilde" untergegangen. Zwei Matrosen und die Frau des Schiffers sind ertrunken. Gebildete Rausbalde. In Ka schau geriet der Student der dortigen Handelsakademie Szmtniklossy mit dem Honvedleutiiant Jurenak auf offener Straße aus nichtiger Ursache in Streit, der in Tätlichkeiten ausartete. Hierbei wurde der Akademiker von dem Leutnant durch Säbelhiebe aus den Kops sehr schwerverletzt. Vmkkafon der Redaktion. Vom Montag, den 26. Juni, bis Sannabend, den lü. Juli einschließlich, findet die Sprechstunde in der Zeit von?'/» bis 9�., abends statt.' Makra. 1. Vetternwirtschaft. 2. Nicht zweimal Strase in gleicher Sache. 3. Zu polizeilicher Kenntnis. 4. Die Spuren schrecken. 5. Im Zweifel Freisprnch. K. Alles das Meine trage ich mit mir. 7. Unterrichten Sic sich über den Begrisi durch ein beliebiges, aber gutes KonversationS- lexilon oder ein sonstige» Nachschlagebnch. Der Briestasten hat jür der- artige Belehrungen usw. leinen Platz.— Ausländer«1. Äeburtsurlimdcu. Antrag an das Polizeipräsidium. Unkosten im Voraus nicht bestimmbar. — P. 100. Sie sind zur Zahlung nicht verpslichtet.— M. S. 580. 1. Nach 3 Monaten. 2. Ja.— R. R. 4. 1. Gehen Sie in eine Drogcne. 2. Nein.—�Berliner Wald»00. Fordern Sie aus.— F. D.' 02. 1. und 4. Sie brauchen nur nicht zuzusiimmeu. 3. Sie können tlageu, wenn Ihnen dadurch Schaden zugcjüat ist. 3. Nein. 5. Nein. — Ä. T. 520. Nein.— Dbo ll. Warten Sie bis zum nächste» Jahre.— K.®. 30. Sie brauchen die Anwaltskosten picht zu zahlcu. Wasierstond«-»ta<«, richten der LanteZanstakt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Welterbureau. »)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterveqet. | Todes-Anzeigen|| SozialiieinokratisciiefWaliiYereiii für den 4. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Petersburger Viertel. (Bezirk 373 all.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Schlosser Vilh. Sensenhauser, Rigaer Straße 36, gestorben ist. Ehre seine« Andenken! Die Beerdigung findet am DonnerStaa, den 13. Juli, nach- mittag» 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Auserslchimgsktrchhos«» in Weißensee, aus statt, Um reg« BcteUIgung ersucht Der Vorstand. Deutscher Metaliarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Verlin. TodoH-Anaclge. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, her Schlosser WIK. Sensenbauser am 9. Juli an Srustselleutzündung gestorben ist. »hre seine» Andenke»! Di« Beerdigung findet am Donnerstag, den 13. Juli, nachmittag« 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Aus« rstehung»- Kirch- Hose» in Weißensee, Lichtend erger Leg au» statt. Reg« Beteiligung erwartet 0i» Ort! 119/16 1»»»n»»Itu>ig Deutseber Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler »losepk Haberstroh am 9. Juli gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 13. Juli, nach- mittags S Uhr. von der Halle � St. HedwtgS-KtrchhoseS deS Reinickendorj-West auS statt. tu Um rege Beteiligung wird ersucht. Am 8. Juli starb unser Kollege. der Tischler Wohlrad Eichhorn. Ehre seinem Andenken! Die veerdigung findet am Donnerslag. den 13 Juli, nach- mittag» b Uhr, von der Halle de» Auserftehungs-Kirchhose», Weißen» see. Achtcnberger Straße, au» statt. Um rege BelcUigung ersucht 66/14 Die OrtSberwaltuug. kialdeinoitratischer Wahlverein des 6. Berl. Reichstags-Wahlkrelses. Todes-Anseige. Am 9. Juli verstarb unser Genosse, der Kohlenhändler Artur Wentzlaff Elberselder Straße 29. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den IL. Juli, von der Leickenhallc der Heiiandsgemeiude in Plötzensee aus statt. 229/9 Um rege Beteiligung«»sucht Der Vorstand. SozlaideniokratisctierWalilyerein des 6. Herl. Relchstags-Wahikreises. Todes- Anaelye. Am 8. Juli, verstarb unsere Genossin. Frau 228/S dustine Grobler Dunckerstr. 83. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am DonnerSlag. den lZ. Juli, nach- mittag» 3 Uhr. von der Leichen- halle de» KirchhoseS der Geld- semane-Gemeiude, Nordend, au» statt. Um rege BcteUIgung ersucht vei> Vorstand. Verband der(reien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Shesrau unsere» Kollegen G. Grobler dustine(Zrobler geb. L»cdg»ni«e (Dunckerstr. 83, Bezirk S) am 8. d. M. verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 13. b. M., nachmittag» 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Gethsemanc-Kirchhose», Nordend, au» statt. 7S/9 Deütsclier BauaiMeiwliaiiil. Zweljpvercln Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied Wilhelm Sasse (Zahlstelle Südost) am 8. Juli verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die veerdigung findet beute Mttwoch. den 12. Juli, nachmittag» 4,1/« Uhr r»Att Kar Oo|/i Um rege Beteiligung ersucht Der Bo 189/9 Zorstan». Orttgi-uppe GroB-Berlin. Den Mitglieden zur gest. Kennt- nis, daß am 7. d. M. unser lang- jähriges Mitglied, der Kollege Ludwig Koppitz (A. O-K-K. Tharlottenburg) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 13. Juli, nach- mittags ö Uhr, von der Leichen- balledeSKrankenhauseS Westend, Fürstenbruner Weg au» statt. Zahlrelche Beteiligung erwartet 4S/9 vi« 0r>5»«rn»itong. Am 7. d. M. ist nach kurzer Krankheit unser lieber Kollege Ludwig koppitz gestorben. Er war ein treuer und braver Kamerad,«in Mann, her sich durch seine Ausrichtigkcit, seinen geraden und ehrlichen Eharakter überall Freunde erworben hat. Wir werden ihm ein dauernde» Andenken bewahren. 277/12 vi« /lngeetelltea sei- Ortetii-aalisiißa»,« ilr die meinigten Gewerbebetriebe Chartotlenburg«. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Beiirksverwaltung Grot-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Roll- kulscher 69/7 Karl Mertin am 8. Juli Im Alter von 45 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Di« Beerdigung findet am Mittwoch, den 12. b. Mt»., nachmittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle de» St. Golgatha-Fricd- hojcS, BartuSstraße, au» statt. Die Vezirtsverwaltung. Mraiverhand der Glasarheller lind-Arbeiterinnen Deutsehiaiids. Ortsverwaltung Berlin. Am Sonnabend, den 8. Juli, schied unser Berdandslollege. der Glasbläser Rndolk Wolfert freiwillig au» dem Leben. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet statt am Mittwoch, den 12. Juli, nach- mittag« 4>/, Uhr, aus dem städtischen Friedhos Friedrichsselde. Um rege Beteiligung ersucht Die LrtSverwaltusg. Arheiier- Kadiahr.' (Mitgl. 4. Arb.-Rndf-B. Solidarität.) Am Freitag, den 7. d. M., verstarb unser Mitglied, der Krankenkafsenkontrolleur Ludwig Koppitz im Alter von 50 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den t3. Juli, nach. mittag»»V, Uhr, von der Leichen- Halle de» Krankenhaus«» Westend, Eingang gürstenbruuner Weg, aus, nach dem neuen Luisen-Kirch. hos, gttrslenbrunner Weg. stalt. Um rege Beteiligung ersucht 11/20 Ter Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahm, bei der Beerdigung meine» unvergeßlichen Sohne«, unsere» lieben Bruder», Schwagers und Onkels l�rU« Woitas sage ich hiermit allen Verwandten und vekannlen, sowie den Kollegen der A. Brumieuslraße. Abteilung M. 2, dem Deutschen TranS- porlarbeiterverband, dem 6. Berliner Wahlkreis, dem oefelligen Lotterie- perein„Immer lustig und fiedel', dem Geiangptrein.LenzeSmorgen' Ml nen und den Fahrern der BetriebSgenosicii- schalt Berliner!krastdroschk«nbejitzer Namen der Hinterblichene» m«i- herzlichsten Dank. LSSSb >Vwe. Klara Woitas, Ehristiantastr. 119. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Gatten und Vaters Bermana Hins sagen wir hierdurch allen Bekannten sowie dem Gesangverein„Gesund- bruuncr Harmonie", dem Borsland der Ortskrankenkasse der Handschuh- machcr, dem Berband der Leoer- arbciier(Filiale Berlin 1) unseren herzlichsten Dank, 26876 Martha Hin, und Sohn. t8])v»laK..�rzt fUr Haut- und Harnleiden Ni» Pnnlra Rosenthaler Str. 70 Ilr. rUp&C, Spr.9'2,6-9,8ennt.9-3 Dr. Simmel Spezlal-Arrl* für Haut- und Harnleiden. PFinzenstr. 41,«X™, 10—2, 5—7. Sonntags 10— 12, 2—4 Dasellschattshaus Trebbin, E. Schnlse, Bahuhofstr. 3. Aaltestes gr. Parteilokal, gr. Gart, etc im 0rt. 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Sektion der Gips- und Zetnentbranehe. Donnerstag, den 13. Juli 1911, abends 8'/z Uhr, in Kommandanten-Ttrasze 58—59: den„Armin- Hallen", General-Berfammlung. T�ageS-Ordnung: Geschäftsbericht vom 9. Quartal. 2. Bericht von der Berliner GewerlschaftZkommifsion und Wahl eines Delegierten. 3. Verschiedenes und Branchenangelegenheiten. ZntAllvtlsImcIi legitimiert.———— Zahlreichen Besuch erwartet Her 8eiitien»vor»tao«i. Sonnabend den 39. Juli 1911, in Kliems Festsälen, Hascnheide: EljikS MDttgs-Fkß des Zuictgtikmits Kkllitt. Billetts hierzu sind bei den Hauskassierern und im Bureau, Engeluser 15, zu haben. Wegen Inventur der Bibliothek bleibt dieselbe im Monat Juli geschlossen. Alle noch entliehenen Bücher ersuchen wir. bis Montag, den 17. Juli er., zurückzuliefern. 130/8"___ Per Zweigvereinsvoratanii. Mi Verwaltung Berlin. Tischler. Bezirk Rixdorf. Donnerstag, den IN. Juli, abens K'/- Uhr(gleich nach Feterabend). im Jdealkasino(Krömkc), Weichselstr. 8: KlS-inKs»VvnssnimIung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag dcS Kollegen I.an gii»mmer über»Die Berliner Zahlstelle und deren Funktion". 2. Verbandsaugelegeiiheiten. 3. Ver- schiedcnes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Ii«mnii»»i»P. Paul Bölnn. Lausitzer Platz 14,15. P. Horsch, Engeluser 15. �dlerahol. Karl Tchwarzlose. Hosimannstr. 9. Ilanmuehnlenveg. H. Hornig. Marientbalerstr. 13, 1. »or»ig«alde. Paul Kicuast, Räuschstr. 10. Ohaelotteahnrg. Gustav Scharnbcrg. Sesenbelmer Str. 1. »'rledrlehahagen. Ernst Werlmann. Köpenicker Str. 18. Ciriinan. Franz»lein. Friedrichsir. 10. JohanniMthal. Piclickc. Kaiser-Wilbelm.Platz 6. Karlnhorst. Richard Küter, Rödclftr. 3. II. litipenlelr. Emil Wistler, Kietzerstr. 6, Lade». Lichtenberg. Otto«eitel, Kronprinzenftr. 4, I. Älieder-ISchönowelde. Max Priebke, Britzer Str. 14 II. A>o«a«'e«. Wilhelm Jappe, Fricdrichslr. 7. Pber-Sehttnervelde. Alfred Bader. Wilhelmiuenhosstr. 17 N. l*anIio>»'. Otto Ristmann, Mühlenslr. 30. Reinickendorf. P. Gursch, Provinzstr. 56, Ladm. Ulxdorf. M. Hcincidj, Ncckarstr. 2. Conrad, Hermannstr. 50. C. Rohr, Siegsriedsir. 28/23. Rnmmel«bnrg. A. Rosenkranz, M-Boxhagen 56. d-chiineberg. Wilhelm Baiiiuler, Martiu-Lulher-Slr. 69 im Laden. Spandau. Koppen,«reilestr. 64. Steglitz. H Bernsee. Aisenstr. 5. Tempelhof. Albert Dhiel. Berliner Str. 41/42. I'rept«,«'. Robert Gramrnz. Kiejbolzstr. 412. Laden. >VelBenaee. Fuhrmau». Sedanitr. 105. Schillert. König-Thaussee S9a HVllrneradorf. Paul Schubert. BilbelmSaue 26, Hof parterre. Itl itl Irt. Filiale Berlin. Bureau; Melchiorstr. 28. Geöffnet von 9 Uhr vorm. bis 1 Uhr nachm. Ponneratag, den 13. Jnll er., abends S'l, Ihr: Mitglieder-Versammlung im„Gewerkschaftahans", Engeluser 15. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. und 2. Ouarlal 1911. 2. Stellungnahme zur Generaloersammlmig. 3. Wahl der Abgeordneten zur Generalversammlung. 4. Verschiedenes. 123/15 mtgliedsbncb legitimiert! Pfe OrtsTenraltnng. Wir machen unseren werten Geschäftsfreunden hierdurch die Mitteilung, daß die bisherige Firma Buchhandlung Vorwärts Paul Singer in Berlin in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt worden ist. Sämtliche Aktiven und Passiven sind von der neuen Gesellschaft übernommen. Wir bitten hiervon Notiz nehmen zu wollen. Die Gesellschaft firmiert: Buchhandlung Vorwärts Paul Singer Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Wir bitten Sie, das der früheren Firma geschenkte Vertrauen auf die neue Gesellschaft zu übertragen. Hochachtungsvoll Buchhaudluog Vorwärts Paul Singer. Unter Bezngnahme auf die vorstehende Mitteilung erlauben wir uns anzuzeigen, daß die bisher unter der Firma Buchhandlung Vorwärts Paul Singer in Berlin betriebene Buchhandlung nebst Aktiven und Passiven von uns übernommen ist. Das Geschäft wird unter der bisherigen Finna weitergeführt. Geschäftsführer der Gesellschaft sind die Herren Frita E b e r t und Bernhard Bruns, von denen jeder für sich allein für die Gesellschaft rechtsgültig zeichnen kann. Wir bitten Sie, das der früheren Firma geschenkt© Vertrauen auch uns entgegenzubringen. 846/6 Hochachtungsvoll Buchhandlung Vorwärts Paul Singer, G. m. b. H. Bei Brechdurchfälle««uv Sommerdiarrhöe» der Kinder hat sich.K u s« k e' ohne Milchzusatz, in Wasser gelocht, als Rährmiltel hervor. ragend bewährt; dt« im u s e k e* enlhallenen Eiweißstoffe dielen de» ungünstig einwirkenden Organ'smen einen schlechten Nährboden Verantwortlicher BedgkteM Bichgri» Barth. Berlin. Mr ixg Lnlergtentkil virgntw.l TH.ÄlsSe, Berlin. DrijS». Verlag: Borsartz i&uchbcu&itt u. BerlagiMglt Zaul Zingxr it-Eo-. Leclig SW,