Nr. m Nbonnemenk-veSInMgen: Wbonncments- Preis pränumerando i Biertcljährl. Z�o Mk., monatl. I.lv Mk.. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- »UMMer mit illustrierter Sonntags« Beilage.Die Neue Well" 10 Pfg. Pojt- ilbonnemcnl: 1,10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oeslerreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonncments nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Ziunlänien, Schweden und die Schweiz, 28. Jahrg. VI« TnftrflonS'Gebaftr Beträgt für die sechsgespaliene Kolonel» »eile oder deren Raun,«0 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Verfammlungs-Anzeigcn 30 Pfg. „Rleine Hnzcigcn", das fettgedruckt» Wort 20 Pfg. fzulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes wettere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen an- zeigen daS erste Wort 10 Pfg., jcdeS weitere Wort S Pfg. Worte über lö Buch- ltaben zählen für zwei Worte. 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Die Neuwahlen haben noch vor Jahresschluß stattzu- finden, so daß die braunschweigischen Landtagswahlen höchst wahrscheinlich vor die Reichstagswahlen fallen werden. Das stört jedoch die politische Windstille durchaus nicht. Man hört von der braunschweigischen Regierung unter dem Ministerium Hartwig auch kein Sterbenswörtchen, obwohl es doch nun schon über ein Vierteljahr lang am Ruder ist. Der leitende Staatsminister hat sich, seit von Otto ging, noch nicht geräuspert und von dem Nachfolger von Ottos im Ressort des Finanzministeriums haben die meisten Braunschweiger schon wieder den Namen vergessen, so ganz im stillen arbeitet der Mann. Nur auf kurze Zeit wurde die politische Grabesruhe unterbrochen: nach Pfingsten, als Johann Albrecht auf den Gedanken kam, in die nächsten Bierdörfer um Braunschweig herum feinen feierlichen Einzug unter Glockengeläut zu halten. Aber mitten in der Einzugstournse brach Serenissi- nms ab und zog sich auf sein Lustschloß in Mecklenburg zurück. Nicht einmal das vorgesehene Festessen des Kreisausschusses, das das feierliche Einzugswerk krönen sollte, wurde abge- halten. Alles wieder mäuschenstill! Was wohl hinter den herabgelassenen Gardinen des Ministeriums vor sich geht? Boshafte Menschen meinen: gar nichts. Aber eigentlich hätten die Minister schwer zu arbeiten: denn sie haben ihr Versprechen gegeben, dem neuen Landtage eine Wahlreform vorzulegen, auf deren Hauptzüge sie sich bereits festgelegt haben. Im Zeichen dieser Wahlreform wird der Landtagswahlkampf stehen: denn der neue Landtag soll nach der feierlichen Erklärung des inzwischen in den Ruhe- stand getvetenen Ministers von Otto nur die Wahlreform er- ledigen und dann aufgelöst werden, um dem ganz neuen Land- tage, der auf Grund des neuen Wahlgesetzes zu wählen wäre, Platz zu machen. Der Staatsminister sagte damals selbst, daß ein Landtag, der auf Grund des alten Wahlgesetzes ge- wählt sei, nach Annahme der Wahlreform keine Existenz. berechtigung mehr habe, worüber er sich nicht weiter zu äußern brauche, da es selbstverständlich sei. So würde denn der noch in diesem Jahre zu wählende Landtag nur ein sehr kurzes Leben haben. Er wäre auch der letzte Landtag, der nach dem alten Wahlsystem gewählt würde. Dieses Wahlsystem fällt nicht mit dem preußischen zu- sammen, ist ihm aber ziemlich ähnlich. Es ist ein Dreiklassen- Wahlsystem nach preußischem Muster mit Wahlmännerwahl, aber geheimer Abstimmung. Auf Grund dieses Systems, das die Wahlberechtigung in den Städten an das Bürgerrecht, in den Landgemeinden an die Staatsangehörigkeit und einen ein- jährigen Aufenthalt in der Gemeinde knüpft, werden dreißig Landtagsabgeordnete gewählt, während achtzehn von den be- vorzugten Berufsständen, den Geistlichen, der höheren Bureau- kratie, dem Großgrundbesitz, den Großindustriellen und den höchstbesteuerten Einkommensteuerpflichtigen ernannt werden. Da in der Stadt Braunschweig, wo größere Arbeitermassen angehäuft sind, die Verteilung auf die drei Klassen so ist, daß nur rund 1290 schwer reiche Leute der ersten und zweiten Klasse angehören, während fast zehnmal so viel Wähler in die dritte Klasse eingepfercht sind, ist es der Sozialdemokratie, obwohl sie bei den Reichstagswahlen in der Stadt Braun- schweig die erdrückende Mehrheit hat, kaum möglich, in der Residenz selbst ein Landtagsmandat zu erobern. Im ganzen Herzogtum sind die Wähler so verteilt, daß nur 5 Prozent der ersten und 29 Prozent der zweiten, dagegen 73 Prozent der dritten Klasse angehören. Es ist also in raffinierter Weise da- für gesorgt, daß wir auch im neuen Landtage kein einziges Mandat erhalten, in demselben Landtage, der die Wahlreform machen soll. Dennoch scheint die Regierung große Angst vor den Land- tagswahlen zu haben, weshalb sie glaubt, mit einer radikalen Wanzenpolitik. mit einem völligen Sichtotstellen am besten durchzukommen. Sie hofft, daß man bei dem Lärm der Reichstagswahlen, der Ende dieses Jahres schon recht laut erschallen dürfte, die Landtagswahlen ganz übersehen werde. Am meisten graut ihr vor dem Anwachsen der sozialdemo- kratischen Stimmen. Bisher bat sie dieses Anwachsen dadurch vertuscht, daß sie weder die Zahl der Wahlberechtigten noch die Zahl der überhaupt und für die einzelnen Parteien abge- gebencn Stimmen öffentlich bekannt gegeben hat. Sie der- senkte die Wahlakten in die Archivkeller. Dieses„praktische" Verfahren wird ihr bei den nächsten Landtagswablen wenig nützen, denn erstens werden wir selbst eine Statistik führen, zweitens würde selbstverständlich der erste sozialdemokratische Abgeordnete, der in den Landtag käme, sofort die Bekanntmachung der Wahlzifsern verlangen ond drittens ist. auch wenn wir kein einziges Mandat erobern Kanten, die sozialdemokratische Wahlrechtsbewcgung seit den letzten Landtagswahlen so erstarkt, daß wir auch von außen her die Veröffentlichung einer Wahlstatistik durchsetzen könnten. Sollte sich dann herausstellen, daß die sozialdemokratische Stimmenzahl ganz bedeutend ist und die dritte Klasse be- herrscht, so würde die Regierung ihren Wechselbalg von Wahl- reform, der dem Volke nur Sand in die Augen streuen sollte, wieder einpacken können, da eben die Landtagswahl gezeigt hätte, daß sich das Volk keinen Sand in die Augen streuen läßt. Diese Wahlreform hält an der Dreiklassenwahl und den 18 von den privilegierten Berufsständen ernannten Abgeord- neten fest, will aber die Zahl der gewählten Abgeordneten auf 36 erhöhen, von denen 9 auf die Großstadt Braunschweig, 9 auf die übrigen Städte und 18 auf die Landbevölkerung fallen. Jede Klasse soll ihre Abgeordneten direkt wählen, so daß von den 9 Abgeordneten Braunschweigs 6 von den rund 1299 Wählern der ersten und zweiten und nur drei von den rund 11 999 Wählern dritter Klasse gewählt würden. Im ganzen Lande könnten wir also, selbst wenn wir die ganze dritte Klasse hinter uns hätten, bestenfalls nur 12 Mandate bekommen, während die erste und zweite Klasse mit den privi- legierten Berufsständen selbst in dem für sie ungünstigsten Falle, stets 42 Mandate sicher hätten. Die sogenannte Wahl- reform will also, wie auch die sozialdemokratischen Stimmen anwachsen, uns für alle Zeiten in einer unausschlaggebenden Minderheit festlegen. Wir sollen sozusagen, des Scheines halber, um die dritte Klasse zu beruhigen, ein paar Sprech- Mandate, aber keine Stimmandate erhalten. Dieses Miß- Verhältnis tritt besonders deutlich hervor, wenn man bedenkt, daß schon bei den letzten Reichstagswahlen nahezu die Hälfte aller abgegebenen Stimmen sozialdemokratisch waren, und daß wir diesen Prozentsatz bei den nächsten Reichstagswahlen voraussichtlich übersteigen werden. Die sogenannte Wahlreform ist also eine jämmerliche Verlegenheitsgeburt, die jetzt, nachdem Elsaß-Lothringen das gleiche Wahlrecht erhalten hat, erst recht wie eine Volksver- höhnung aussieht, denn dem hoch kultivierten, wirtschaftlich und industriell weit vorgeschrittenen Braunschweig kann man unmöglich sagen, daß seine Bevölkerung noch nicht für das- selbe Landtagswahlrecht reif fei, das man den Reichslanden bereits gewährt hat. Die Position der Regierung, die anfangs dieses Jahres schon glaubte, ihre Wahlreform in der Tasche zu haben, hat sich also ganz erheblich verschoben und verschlechtert. Kommen jetzt noch Landtagswahlcn hinzu, die für die Sozialdemokratie besonders günstig ausfallen, und folgen auf dem Fuße noch weitere Reichstagswahlen, dann muß die Regierung entweder eine Wahlreform bringen, die mit dem Dreiklassenwahlsystem hricht, oder sie muß überhaupt auf eine Wahlreform ver- zichten und so wie bisher fortwursteln, was sie aber selbst öffentlich vor dem Landtage durch den Mund aller drei Mi- nister für unmöglich erklärt hat. Man sieht: Die Regierung sitzt bereits recht hübsch in den Nesseln und hat allen Grund, sich totzustellen, um die Landtagswahlen möglichst sang- und klanglos vorübergehen zu lassen. Um so mehr Grund haben wir natürlich, das Gegenteil zu tun. Deshalb sind die Land- tagswahlen diesmal für das Herzogtum Braunschweig von einer ganz besonderen Bedeutung. Sie KacMozfföre. Während in Berlin und Paris die Verhandlungen ihren Fortgang nehmen, verschärfen sich infolge der provokatorischen Haltung der spanischen Militärs in Marokko die französisch- spanischen Beziehungen. Die französische Regierung hat bei der spanischen Vorstellungen erhoben über das Vorgehen der spanischen Militärbehörden gegen französische Staatsangehörige in Marokko. Auch die französische Presse enthält scharfe Proteste. So schreibt das„Echo de Paris" über den spanisch- französischen Zwischenfall in E l k s a r: ES ist höchste Zeit, daß die Madrider Negierung ihre Ve- amtcn daran erinnert, daß internationale Abmachungen respektiert werden müssen. � Man darf nicht vergessen, daß in der Nähe von Elksar die von französischen Offizieren befehligte scherifische Mahalla lagert. Wenn zwischen dieser und den spanischen Truppen Flintenschüsse gewechselt würden, so wäre ein gewaltsamer Br u ch mit Spanien zu befürchten. Die spanische Regierung muß wissen, daß Frankreich an dcnGrenzen der Geduld angelangt ist. Man wird nicht in Abrede stellen können, daß daS herausfordernde Benehmen der spanischen Offiziere die Lage in Marokko selbst zu verwirren geeignet ist. Spanien scheint beinahe Lust zu haben, die Rolle zu spielen, die Serbien in der Oricntkrise übernommen hatte. Jedenfalls wäre dringend zu wünschen, daß keine Groß- macht dieses Spiel mit dem Feuer ermutigt. Aber besteht darüber irgend eine Sicherheit? Die Friedenskundgebung der pariser Arbeiter. Paris, 13. Juli.(Privattclegramm des„Vorwärts".) Das gestrige Meeting war überfüllt, und hat einen er- hebenden Verlans genommen. Vaillant führte den Votfitz. Als sein Beisitzer fungierte Genosse S t a e g e r, der Vor- sitzende des D e utsch e n L ese klu b s. Genosse Dubreuilh verlas die Telegramme des Deutschen Parteivorstandes, der Unabhängigen Arbeiterpartei und der sozialdemokratischen Partei Englands. Die Solidaritätserklärungen der Bruder- Parteien wurden stürmisch akklamiert. Darauf verlas Genosse Renaudel einen Brief von Jaurös, der durch eine Erkrankung an der Teilnahme ver- hindert war. Jaures geißelte darin das Verhalten der Kammermajorität, die die Debatte über Marokko ab- gelehnt hat. Nunmehr sprachen die sozialdemokratischen Abgeordneten Vaillant, Thomas, Colly, Nutoux und Sembat. Für den Deutschen Leseklub sprach Genosse Grumbach, dessen Rede begeisterteOvationen für die deutschePartei auslöste. In der einstimmig angenommenen Resolution wird gegen das Marokkoabenteuer der s ch ä r f st e Protest erhoben und das Gelöbnis abgelegt, gemäß dem Beschluß des Stuttgarter Internationalen Kongresses gegen einen Krieg Widerstand mit allen Mitteln zu leisten. Radikale Abdankung. Paris, 11. Juli. sEig. Ber.) Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten hat heute der Kammer erklärt, daß er ihr über den Stand der marokkanischen Angelegenheit mit Rücksicht auf die im Gange befindlichen Verhandlungen nichts sagen könne. Diese Erklärung war vorausgesehen und da Herr de S e l v e S sie in sehr friedensfreundliche Worte kleidete, so übte sie einen unleugbar guten Eindruck. Die Sozialisten konnten indes den Versuch, die Volks- Vertretung der Einwirkung auf die auswärtige Politik zu berauben, doch nicht ohne Widerspruch hingehen lasten und Genosse I a u r ö s forderte in einigen wohlabgewogenen Sätzen, daß die Diplomatie die Nation nicht vor vollzogene Tatsachen stelle. Er stellte den Antrag, die Interpellationen über die Marokko-Affäre morgen zuHerhandeln. De SelveS forderte dagegen die neuerliche Vertagung Mus ckis— auf unbestimmte Zeit— und die Kammer bewilligte sie mit 476 gegen 77 Stimmen. Der Beschluß bedeutet, daß die Kammer in die Ferien geht, ohne über den Stand der Angelegenheit und über die Ausführungen der Regierung unterrichtet worden zu fein. Vor einigen Tagen schrieb der Klerikale de M u n im.Figaro":„Das Uebel, ja das Lächerliche dieser Situation für uns Deputierte ist, daß wir die schwersten Ver- antwortlichkeiten auf uns zu nehmen berufen sind, ohne etwas von den wahren Vorgängen zu wissen. Ich sage: irgend etwas. WaS nützt es mir, daß ich derzeit Mitglied der Kommission für die auswärtigen Angelegenheiten bin. Ich weiß nicht, welche Stellung wir gegenüber Spanien einnehmen usw."— Wie die heutige Sitzung beweist, wollen aber die bürgerlichen Parlamentarier— und die Abstimmung zeigt: alle bürgerlichen Parlamentarier— gar nicht wissen, was die Diplomatie dem Lande auskocht. Sie heucheln diplomatische Zurückhaltung, aber in Wahrheit fliehen sie die Verantwortlichkeit. Besorgnisse in England. London, 13. Juli. Die Baisse der englischen Rente in den letzten Tagen wird in politischen Kreisen ans die Un- gewißheit wegen der marokkanischen Angelegenheit zurückgeführt. In politischen Kreisen ist man der Ansicht. daß wenn die internationale Lage sich in den letzten Tagen bereits gebessert hätte, entschieden neue Fragen an ASquith gestellt worden wären. Man befürchtet, daß die Spanier noch weitere Zwischenfälle, wie solche in Elksar vorgekommen sind, verursachen werden, durch welche möglicherweise die Ruh e, mit welcher die Diplomatie heute zwischen Berlin und Paris arbeitet, gestört werden könnte._ verseuchte! ssreukenvieh. Nach der„vaterländischen" Scuchenthcorie der Agrarkcmser» vativen ist alles ausländische Vieh total verseucht und nur in Deutschland herrscht dank der vorzüglichen Pflege des Viehbestandes und der strengen Seuchenschutzgesetzgebung im wesentlichen Seuchen- freihcit. Die Statistik lehrt es zwar anders; denn nach dieser ist das dänische, holländische, französische Schlachtvieh viel weniger verseucht als das deutsche Vieh, und vor allem jenes, das den großen Vorteil genießt, in den Gefilden Ostelbiens aufgezogen zu werden; doch die Statistik ist. sofern ihre Ziffern gegen das Profitintcresse der Agrarier verstoßen, eine durchaus unzuverlässige Wissenschaft, deren Ergebnisse nicht die geringste Beachtung verdienen. In der letzten Zeit hat sich jedoch die Maul- und Klauenseuche aus dem preußischen Nordosten dermaßen über Deutschland ausgebreitet, daß von vielen süd- und westdeutschen Viehhaltern die ganz un- patriotische Behauptung aufgestellt wird, die Viehverseuchung sei im nordöstlichen Deutschland weit schlimmer als im Ausland und deshalb ein Scuchcnschutz gegen Norddeutschland notwendiger als gegen das Ausland. Sicherlich ein höchst unvaterländisches Ver- halten der süddeutschen Agrarier, sintemalen es die schönsten Grenz- spcrrgründe der Wortführer des Bundes de Landwirte über den Haufen wirft. Doch der Profit geht nicht nur über die gerühmte agrarische Vaterlandsliebe, sondern selbst über die agrarische Bundestreue, und so haben die bayerischen Agrarier sich nicht damit begnügt, nur über das verseuchte preußische Schweinevieh zu schimpfen und räsonnieren, das aus Norddeutschland nach bayerischen Schlachthöfen geliefert wird, der Landcsvorstand des Bundes der Landwirte für das Königreich Bayern hat vielmehr an den bayerischen Minister des Innern eine Eingabe gerichtet, in der die Vermutung ausgesprochen wird, daß der wiederholte Aus- bruch der Maul- und Klauenseuche auf den Schlachthöfen in Mim- chen und Nürnberg auf Schweinetransporte aus Nord- d e ufj ch l y u jz zurückzuführen, jej, Aer Mnister jpird deshalb JSfcljeleft, Sie SaHe ZV fiftTetfu�� ün? eSehliicü Schritte ZU ffliTets nehmen, die eine derartige Verseuchung der bayerischen Schlacht- Höfe durch Schweinelieferungen aus Norddeutschland zu verhindern geeignet seien. Die köstlichste Persiflage auf die verlogene Seu'chentheoretik der Wortführer des Bundes der Landwirte, die man sich denken kann! Was sagt die.Deutsche Tageszeitung" dazu?� Bisher schweigt sie. Vielleicht sinnt der große Dichter und Klauenseuchen» Philosoph Oertel mit den Seinigen noch über eine passende Dar- stellung dieses gewichtigen Falles nach. UebrigenS haben die bayerischen Agrarier keinen Grund, über das verseuchte Vieh ihrer ostelbischen Bundesbrüder zu lamentieren� Eben erst ist ein bayerischer Ministeralerlatz erschienen, der den bayerischen Landwirten grobe Fahrlässigkeiten gegenüber der Seuchengefahr vorwirft und sie aufs strengste zur Jnnehaltung der gesetzlichen Borsichtsmahregeln auffordert. Sind ja doch zurzeit nicht weniger als zirka 2500.Gehöfte in Bayern verseucht t Gerichtstage für die Radihalen. Paris, 11. Juli.(Gig. 23 er.) Den radikalen Profitpolitikern ist zum Schluß der Session etwas sehr Unangenehmes widerfahren. Die geeinigten Sozialisten sind zum Angriff auf die Koalition der Volksfeinde übergegangen und zwingen die bürgerliche Linke, die ganze Liste ihrer Verrätereien einzubekennen. Es ist keine eigent- liche Obstruktion im technischen Sinn. Die Opposition der Sozialisten hat nicht den Zweck, das Zustandekommen des Budgets, das die einzige noch der Erledigung bedürftige An- gelegenheit ist, die auf der Tagesordnung steht, zu verhindern. aber die Radikalen sollen nicht heimgehen, ehe sie nicht all ihrer Prinzipien- und Wortbrüche vor dem ganzen Lande überführt sind. Die sozialistische Taktik hat zum Ausgangspunkt die schmachvolle- Art, in der die Radikalen die gemaßregelten Eisenbahner preisgegeben haben. Ani 14. April hatten sie in einer Tagesordnung ausdrücklich die Erklärungen Monis und Dumonts gutgeheißen, die sich verbunden hatten, im Fall weiterer Widerspenstigkeit der Gesellschaften„Waffen" zu fordern. Die neue Regierung aber hat in ihrer Antritts- erklärung bekannt gegeben, daß sie über die Wiederholung der zwecklosen Vittgesuche bei den Kompanien nicht hinausgehen wolle und Herr Catllaux erklärte kalt, die Politik könne sich doch nicht ewig um die gemahregelten Eisenbahner drehen. Die Radikalen bewilligten der Regierung das Vertrauen. was schon deutlich ausdrückte, daß ihnen die Einhaltung der über- nommenen Verpflichtungen so wenig am Herzen liege, wie Herrn Caillaux, der als Mitglied des Kabinetts Monis die„Waffen- forderung" mitgemacht hatte. Indes sollte ihnen noch Gelegen- heit gegeben werden, ihre Felonie in einer besonderen, aus der allgemeinen Politik herausgehobenen Verhandlung des Gegenstandes zu zeigen. Am Freitag brachten die Sozialisten, von einem anständigen Radikalen, Herrn Vincent, unter- stützt, die Resolution vom 14. April neuerdings ein— und die radikale Mehrheit hatte die Unverfrorenheit, sie abzulehnen, wie die» Herr Catllaux. der daraus eine Vertrauensfrage machte, von ihr verlangte. Sie hatte ihm nichts zu ver- weigern. Hatte er sie doch durch die erfolgreiche Bemühung um die stille Beseitigung des Proporzes, den die Kammer in einer ungeheuerlichen Komödie just bis zum entscheidenden Punkt durchberaten hatte, verpflichtet. Gestern brachten nun die Sozialisten drei Anträge ein. die die Radikalen darum in eine namenlose Wut versetzten. weil sie zwangen, den Verrat an ihrem demokratischen und soztalresormistischen Programm und ihre Vereinigung mit dem anttproletarischen Block kundzumachen. Der erste Antrag be- traf die politische Amnestie. Er wäre sowohl Hervü und den Sozialrevolutionären, wie den Manifestanten der Champagne und den„Cainlotp du roil" zugute gekommen. Herr Caillaux erklärte, der Augenblick sei sehr schlecht gewählt. um Saboteure und Antimilitaristen zu amnestieren. Er sei überzeugt, von allen guten Republikanern und allen guten Franzosen verstanden zu werden. Diese Solidarisierung mit der chauvinistischen Demagogie, die jetzt die Besorgnis vor einem Kriege zu einer Attacke gegen die Arbeiter- bewegung auszunützen bemüht ist, fand großen Beifall und der Antrag wurde mit 478 gegen 96 Stimmen abgelehnt. Nicht besser erging es dem zweiten Antrag, der die Wiedereinsetzung der Eisenbahner von neuem aufs Tapet brachte. Die Radikalen tobten vor Wut und es kamen zwischen ihnen und unseren Genossen so- gar zu Handgreiflichkeiten. Der alte Pelletan erhob sich, über das Treiben seiner Parteigenossen� entrüstet, von J einer Bank und verließ mit den Worten:„Es gibt keine tadikalen mehr" den Saal. Caillaux warf den Sozialisten Ordnungsfeindlichkeit und Demagogie vor, Ivofür er sich von Jaures die gebührende Abfuhr holte. Unser Genosse sagte: „Wenn das Versprechen der Wiedereinsetzung Demagogie war, hätten Sie unter Monis Ihr Portefeuille niederlegen müssen I Die verabscheuenswerte Demagogie ist diejenige, durch die man sich mit Versprechungen für das Volk in die Höhe schwingt, niit Versprechungen, die man zerreißt, wenn man durch diese Verleugnung noch höher steigen kann." Zum Schluß der Sitzung, die infolge der Sturmszenen unterbrochen worden war, begründete Genosse Lauche den Antrag auf Unterdrückung des„rnarobandaZs", des Zivischenunternehmertums im Baugewerbe, gegen das sich der jetzige Streik mit in erster Linie richtet. Dieses AuS- beutungssyslem ist durch ein Dekret vom Jahre 1848 ver- boten. Der Arbeitsminister R e n o u l t gab die Tatsache zu, wies aber auf eine entgegenstehende Jurisprudenz hin und verpflichtete sich im Senat für einen Gesetzentwurf einzutreten, der den Inhalt des Dekrets wieder aufnimmt. Die Sitzung wurde dann um 19 Uhr unter dem Geheul der Radikalen geschlossen. Die Taktik der Sozialisten hat in der bürgerlichen Presse geradezu Tobsuchtsanfälle hervorgerufen. Sabotage, Terrons- mus u. dgl. ist noch das wenigste, was unsere Genossen zu hören bekommen. Der prostituierte Bereu ger von der „Action" nennt sie„Komplicen Deutschlands", der nicht minder würdige Eagniard fordert in der„Vetste Republique" zur„Sabotienmg Jaurdh", d. h. zur Nieder- bxüllung seiner Reden aus. Diese saubere Parole suchten die Radikalen in der heutigen Sitzung wirklich zu befolgen, als Jaurös zu einem Antrag auf Schaffung eines obersten Disziplinarrats für die öffent- lichen Dienste das Wort ergriff. Minutenlang dauerte das Geheul, es legte sich aber sofort, als unser Genosse den Radikalen das Wort gegehen hatte, daß sie, wenn sie diese Tqktik fortsetzen, ihr Budget nicht fertig bekommen würden. In einer kurzen, qper Packenben%t>e hielt er ihyxo die Folgen ihtet Wöttbrüchlglelt für das Ansehen der Detttokraiie vor Augen. Die Erwiderung Caillaux' lief auf die Anerkennung des manchesterlichen Prinzips hinaus, daß niemand den Unter- nehmungen bei der Ordnung ihres Betriebes hineinreden dürfe. Herr Caillaux appellierte hierbei an die republikanische Partei, hatte aber das Mißgeschick, sofort vom ehemaligen Arbeitsminister D u m o n t an der Hand der alten Parlaments- Protokolle- belehrt zu werden, daß die Führer der alten republikanischen Partei in den 79er Jahren, die Gambetta, Waldeck-Roufseau. Floguet usw., das von Jaurös geforderte Kontrollrecht des Staates gegenüber den Eisenbahnen ver- fochten haben. Die verstockte Kammer. Paris, 13. Juli. Die Deputiertenkammer verwies gestern am Schlüsse der Sitzung einen Antrag des Sozialisten Briquet be» treffend das Recht auf Pension für die entlassenen Eisenbahner ans Vorschlag des Ministerpräsidenten Caillaux an die Kommission. Der Sozialist C o l l h brachte darauf einen neuen Antrag über die W i e d e r e i n st e l l u n g der ent- lossenen Eisenbahnarbeiter bei den staatlichen Bahnen ein. Er be- hauptete, der Minister der öffentlichen Arbeiten Augagneur habe sie zugesagt. Augagneur legt« dagegen Verwahrung ein und wies darauf hin. daß es unmöglich sei, eine derartige Maßnahme zu treffen. Zum Schluß wurde auf Antrag Caillaux die einfache Tagesordnung angenommen. Kammer und Senat nahmen hellte nacht das Budget endgültig an. Die Kammer stellte die Debatte über die Konzessionen in Tilnis bis zur Wiederaufnahme der Verhandlungen im Ottober zurück. Flnanznlinister Klotz unterbreitete der Kammer das Budget für 1912. Gegen Mitternacht wurde das Parlament geschlossen. politische deberfiebt. Berlin, den 13. Juli 1911. Kandidatcnwechsel in Düsseldorf. Zu der bevorstehenden Reichstagsersatzwahl in Dussel- dorf hat daS Zentrum einen Kandidatenwechsel vorgenommen. Von der zuerst genannten Kandidatur des Landrats Adams wurde abgesehen. Eine Zentrumsversammlung hat am Mitt- woch beschlossen, den politisch bisher wenig bekannten Direktor der Rheinisch- Westfälischen Diskonto- Gesellschaft Dr. phil. ohann Friedrich als Kandidaten aufzustellen. Der neue andtdat ist nämlich Mitglied des Hansabnndes und das Zentrum hofft, sich durch dessen Aufstellung die Unterstützung des Hansabundes zu sichern. Man weiß nicht, was man mehr bewundern soll: den politischen Geschäftssinn des Zentrums oder die bunte Zu- sammensetzung jenes GemengselS, das sich Hansabund nennt. Hansabimd und Sozialdemokratie. Der Leiter des Hansabundes, Geh. Justizrat Dr Nießer, hat in der Dortmunder Ortsgruppe des Hansabundcs eine neue Rede gehalten, die als Ergänzung seiner bekannten viel angefochtenen Rede auf dem Hansatage in Berlin anzusehen ist und sich vornehmlich mit der Stellung des Hansabundes zur Sozialdemokratie und zur Schutzzollpolitik des Zentral- Verbandes deutscher Industrieller beschäftigte. Dr. Rießer erklärte, daß er„e i n ü b e r z e u g t e r u n d entschiedenerGegnerderSozialdemokratie" sei, aber die Kampfcsweise des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie nicht mitzumachen vermöge, da sie keinen Erfolg verspräche: „Wir unterscheiden uns nur in den Wegen, die zur Be- kämpfung der Sozialdemokratie«inzuschlagen sind. Ich bin nach reiflicher Erwägung und Ueberlegung der Ansicht, daß die bis- herige, auch vom Reichsverband zur Bekämpfung der Sozial- demokratie eingeschlagenen Wege zu einer Kette von Mißerfolgen geführt hat. Die Tatsache liegt vor, daß die Sozialdemokratie nicht schwächer, sondern stärker wird. Deshalb ist es Pflicht eines jeden patriotischen Mannes, sich zu überlegen, ob die bisherigen Wege Erfolg versprechen oder ob andere Wege besseren Erfolg verheißen. Ich habe ausgesprochen, daß die Sozialdemokratie nicht mit Aussicht auf Erfolg bekämpft werden kann, es sei denn, man geht den Ursachen der Unzufriedenheit und Verbitterung zuleide. (Bravo!) Das ist nur der Fall, wenn man eine ehrliche Politik einschlägt, die das suum cuigue der Hohenzollern in dem gesamten Verfassungsleben zur greifbaren Wahrheit macht.(Bravo und Händeklatschen). Wiederholt habe ich Herborgerufen, daß wir mit der zu erkämpfenden gerechten Politik die bürgerlichen Ueberläufer von d e r S o z i a l d e m o kr a t i e wieder abziehen und an unsere Fahnen fesseln wollen. und hinzugefügt, auch auf dem Hansatage, daß eine solche ehr- liche Politik den Weg zum Frieden bildet nach innen und nach außen. Zur Durchsetzung einer solchen Politik gehört die energische Fortsetzung des Kampfes gegen die agrardemagogische Politik." Weiter heißt es in bezug auf die Beweggründe, die den Zenirglperbanp deutscher Jndustri.Ber WM Austritt aus dem Hansybund bestimmt haben: ..Die wahren Gründe sind ganz andere. Schon vor dem Hansatage haben die Wortführer der schweren Industrie(Tille. Bueck) erklärt, die idas heißt die schwere) Industrie muß sich in der einen oder in der anderen Form an die konservative Partei anschließen, weil diese allein die Durchführung der Zollwünsche gewährleiste. Da der Bund der Landwirte identisch ist mit der konservativen Partei, müssen wir verlangen, sagten die Herren, daß dep Hansahund den Kamps gegen den Bund der Landwirte ein- stellt. Das habe ich abgelehnt.(Bravo und Hände- klatschen.) Das Zusammengehen der schweren Industrie mit den Konservatiben und dem Bund der Landwirte ist schon längere Zeit beabsichtigt. Mir steht keine Kritik zu, ob das im Interesse der schweren Jndustre liegt. Es war eine kleine Verwechselung, daß wir nur die Jnjeressen der schweren Jnbvstrie vertreten sollen." Begriffsstutzig. Die.Deutsche Tageszeitung" ist mit der Behandlung de? Falles Macdonald durch Herrn v. Bethmann Hollweg zufrieden. Sie stellt sich als schenke sie den Versicherungen der.Norddeutschen Allgemeinen" Glauben. Das Blatt hat ja auch allen Grund dazu. Denn mehr kann doch schließlich der.Großknecht" nicht tu« alz nachträglich seinen Herrn zu rektifizieren. Nur sollte die.Deutsche Tageszeitung' den versuch aufgeben. die Schwindeleien des KanzlerblatteS aus eigenem ergänzen zu wollen. Dazu ist sie zu iolpatschig. So wirft sie uns vor, nur die Notiz aus der.Times' veröffentlicht zu haben, aber nicht den Brief Macdonalds selbst. Aber der.Brief" gehört zu den Schwindeleien der.Norddeutschen". Mehr als die wieder- gegebene Notiz ist weder in der.Times' noch anderswo veröffentlicht worden. Auch kann es wirstich„up den schwer kapierenden Herren von der. Deutschen Tageszeitung', denen offenbar dix englischen lise- rarischen Gepflogenheiten unbekannt sind,.unklar" bleiben, daß wir beti Artikel als nicht vAlig awAtzm bezeichnet haben. Der Artikel I Ut uns uaiürllH vorliegt,' ist erschienen Mn der Rubrik.The Socialist Review Outlook" und trägt die Unterschrist „The Editor'. Die Revue erscheint anonym ohne Angabe des Namens-des Herausgebers. Daß dieser Macdonald ist, weiß aber in England jeder Politiker. Das brauchte aber Macdonald durchaus nicht zu hindern, zu konstatieren, daß der Artikel anonym erschienen ist. Die Lüftung dieser Anonymität steht im Widerspruch zu den strengen englischen literarischen Gepflogenheiten. Vielleicht lapiert jetzt die.D. TageSztg.' unsere Bemerkungen und hütet sich, sich in einen Streit zu mischen, zu dessen Verständnis ihr die nötiges Vor- kenntniffe fehlen._ Deutsches Petroleummonopol 7 Die.Kölnische Zeitung' schreibt zu der Meldung, daß dem nächsten Reichstage der Entwurf eines Petroleummonopols vorgelegt werden solle: Nach Erkundungen an zuständiger Stelle können wir versichern, daß die Nachricht unzutreffend ist. Die Entstehung des Gerüchte» dürfte auf Erhebungen zurückzuführen sein, die veranlaßt find, durch die bei der letztjährigen Etatsberatung angenommene Resolution Bassermann- Dr. Stresemann.die verbündeten Regierungen zu ersuchen, Er- Hebungen darüber anzustellen, inwieweit durch das Vorgehen der Standard Ott Company und ihrer Tochtergesellschaft die Gefahr einer Monopolisierung des deutschen Petroleumhandels unter Aus- schaltung des Zwischenhandel« vorliegt, und ob unter diesen Um- ständen die Errichtung einer unter Aufsicht des Reiches stehenden Anstalt zum Bertrieb deS Petroleums im Interesse der deutschen BoUSwirtschast liegt". Es liegt auf der Hand, daß diese erst vor kurzem begonnenen Erhebungen zu einem Ergebnis nicht haben führen können und daß auch nach ihrem Abschluß bei der schwerwiegenden Bedeutung des Gegenstandes eine Entschließung nach der einen oder anderen Richtung nicht so bald zu erwarten sein wird. Es ist möglich, daß die sogenannten»Erwägungen" sich noch innerhalb der Regierung zu der bestimmten Absicht verdichtet haben, dem Reichstag einen Monopol-Gesetzentwurf vorzulegen; aber daß in sogenannten maßgebenden Kreisen daS Reichs-Petroleummonopo! viele Befürworter hat, ist sicher. Der sozialpolitische Führer des Zentrums, Herr Iustizrat Karl Trimborn, hat in Köln seinen Wählern einen parlamentarischen Bericht erstattet. Den größten Teil.'nahm naturgemäß die ReichSversicherungSordnung in Anspruch. Wenn er mit seiner Darstellung einen Achtungserfolg bei seinen urteilslosen Zuhörern erzielte, so nur deshalb, weil er große Nachteile des Gesetzes ganz überging oder ihren Schatten durch helle Farben zu bannen suchte. Herr Trimborn feierte als.bedeutsamsten Fortschritt" die Aus- dehnung der Krankenversicherung auf die Landarbeiter, wobei er verschwieg, daß die Landarbeiter sich der Versicherung schon seit 1883 erfreuen würden, wenn damals nicht das Zentrum den heftigsten Widerstand geleistet hätte. Im übrigen besteht die Krankenversicherung der Landarbeiter stellenweise schon im Deutschen Reiche auf Grund von Landesgesetzen oder Orts- statutcn, so daß der»bedeutsame Fortschritt" iu Wahrheit eis Nachhinken ist. Die unselige Zersplitterung der Krankenkassen wagte der erfahrene Sozialpolitiker mit der Motivierung zu verteidigen, daß der Ansturm auf die JnnungSkrankenkassen abgeschlageu worden sei. Sogar die amtliche Begründung der Versicherung»- ordnung gesteht zu, daß die JnnungSkassen den reaktionären. arbeiterfeindlichen Zwecken der Jnnungskrauter dienen. Die Tat- fache, daß durch die Schuld des Zentrums die Ar- better in den Krankenkassen nur die halben Rechte haben. obwohl sie zwei Drittel der Beiträge zahlen, beschönigte Hur Trimborm damit, baß die Beamten auch das Vertrauen der Arbeitgeber haben müßten.(Einige Unternehmer applaudierten dem Abgeordneten hier dankbar.) Ob aber der im FalleZder Nicht- einigung von der Aufsichtsbehörde zu ernennende Lorsitzende das vertrauen der Arbeiter hat, danach fragt Herr Trimborn nicht. Herr Trimborn überging. Laß Las Zentrum Leu Land- arbeitern die Schaffung von freien Hilfskassen verweigerte und es gestattete, daß ihnen das Krankengeld im Winter«ms ein Viertel des OrtslohnS herabgesetzt werden kann, wie er auch die sonstigen noch vom Zentrum an den Landarbeitern den Junkern zuliebe verübten Infamien mit dem Mantel der christlichen Liebe bedeckte. Auch die Einschränkung des Heilverfahrens, Liese allem menschlichen Empfinden und hygienischen Erkenntnis höhn- sprechende Maßnahme,„vergaß" Herr Trimborn bei der Aus- zählung der„Vorteile". Den Beschluß, der den ländlichen Wöchnerinnen den so nötigen Schutz nur auf vier, statt aus acht Wochen gewährt, begründete Trimboln mit der Behauptung, der GesundhcitSstand sei apf dem Lande ein besserer als in der Stadt. Am liebsten hätte Herr Trimborn auch verschwiegen. Laß die sogenannte Hinterbliebenenversicherung nur invaliden Witwen zuteil wird; er sagte aber nicht, daß in Deutschland auf hundert Witwen nur siebe« erwerbsunfähige kommen, die zudem auch nicht einmal alle etwas bekommen, weil die Witwe erwerbs- unfähig im Sinn» der rigorosen Rechtsprechung der Jnvalidenvcr» sicherung sein muß. Kein Wort ließ der Vater der„flex Trimborn" davon verlauten, daß die Summen für die Hunger- reuten der invaliden Witwen diesen und dem ganzen arbeitenden Volle durch den Zolltarif von 190-2 nicht nur zehnfach gestohlen und den Großagrariern zugeführt worden sind, sondern daß auch die ursprünglichen Forderungen der Lex Trimborn immer mehr heruntergedrückt wurden, bis sie zur Farce wurden. Von seiner Vaterschaft, deren Herr Trimborn sich vor Jahren selber nicht laut genug rühmen konnte, sprach er diesmal überhaupt nicht. Nach Herrn Trimborn sprach der Generalsekretär der ichrist- lichen Gewerkschaften Deutschlands, Herr Stegerwald. Diese widerliche Karikatur eines Arbeiterführers verstieg sich zu der großmäuligen Versicherung, bei den kommenden Wahlen werde man „den Soziald-mokraten die Ablehnung der Reichsversicherungs- ordnung um die Ohren schlagen". Herr Stegerwald sollte nur ja sein« langen Ohren vor der Wahl rechtzeitig i» Sicherheit bringen,>'' 1 Aufgedeckter Humbug. Die»vnliner Politischen Nachrichten", die die Mär von dem angeblich glänzende« Stand unserer ReichSfinanzei, tn die halbe Welt hinausposaunt haben, schreiben nunmehr: .AuS denjenigen"politischen Kreisen, die an dem Zustande- kommen der ReichSfinanzresorm von 1909 nicht beteiligt waren, wird darauf aufmerksam gemacht, daß mit dem Ueberschuß deS Rechnungsjahres 1910 in Höhe von 117,7 Millionen Mark noch lange nicht eine völlige Gesundung der Reichsfinanzen herbeigeführt sei und daß eS auch trotz dieses günstigen Abschlusses und trotz der neuen Bestim- mungen über die Reichsschuldentilgung noch nicht möglich geweien sei, von den alten Reich» schulden auch nur einen Pfennig ghztzsjotze«, Leide Lelverlsogeu find richtig." Damit wird also direkt bestätigt, dah offiziöse Schönfärbttei Getrieben wurde, denn die langatmigen Auslassungen über den günstigen Abschluß des Rechnungsjahres 1910 wären einfach sinnlos gewesen, wenn man nicht damit den Eindruck hätte erwecken wollen, als sei die Finanzlage des Reiches über Rächt eine hervorragend günstige geworden. Es ist nichts weiter als wie Verlegenheits- gestammel, wenn dem famosen Eingeständnis die Bemerkungen an- gefügt werden; „Erstens hat man aber nicht geglaubt, die Sanierung der Reichsfinanzen in ganz kurzer Frist zu erreichen, sondern dafür einen Zeitraum von fünf Jahren in Aussicht genommen, der erst mit dem Jahre 1913 abläuft. Sodann wird es das Bestreben aller vernünftigen Finanzpolitiker sein müssen, in der Zwischenzeit noch zu dem Ziele der Tilgung alter Reichsschulden zu gelangen. Dieses Ziel kann aber nur erreicht werden, wenn aus dem außer- ordentlichen Etat in den ordentlichen alle Ausgaben übertragen werden, die nicht werbender Natur sind.'' Diese Versicherungen und Versprechungen sind nicht neu. man hat sie schon oft gehört, als daß man sie jetzt für bare Münze nehmen könnte. Tie Hauptsache bleibt, daß das Reichsschatzamt und der Reichstag keiner Ausgabe zustimmen, für die nicht vorher sichere Deckung festgelegt ist._ Liberale Arbeiterkandidaten gesucht! Aus dem für die Kandidatensuche immerhin noch etwas UN- gewöhnlichen Wege, nämlich durch Zeitungsinserate, suchen die Nationalliberalen.Arbeiterkandihaten*. In der„Homburger Zeitung' ist zu lesen: „Behufs Aufstellung eines liberalen Kandidaten für die bevor- stehende Landtagsersatzwahl in den Kantonen Homburg und Wald- mohr wolle ans Arbeiterkreisen ein liberaler Arbeiter aus dem Wahlkreise, der sich auf das Nürnberger Blockprogramm zu ver- pflichten hätte und imstande ist, das allgemeine Interesse des Wahlkreises wirksam und mit Erfolg in der bayerischen Abgeord- netenkammer zu vertreten, bis längstens 14. Juli hierher bekannt gegeben werden. Die Aufstellung einer geeigneten Kandidatur er- folgt durch Vertrauensleute aus den einzelnen Orten.' Nationalliberale Arbeiterkandidaten werden wohl etwa? rar sein. Hoffentlich wird der Not durch dieses Inserat abgeholfen, zumal wenn die Sucher in ihren Ansprüchen an die sich Meldenden bescheiden sind und Intelligenz nicht verlangen. Wahlrechtskmtdgcbungen. In H« u b u d e im Landkreise D a n z i g referierte am 8. Juli Genosse Barte! über die letzte Wahlrechtskomödie des Dreiklassenhauses. In der Debatte sprach zum erstennial seit seiner schon mehrjährigen Danziger Tätigkeit der frei- sinnige Parteisekretär Kreil. Er empfahl sich als tiefgläubiger Monarchist gegen den roten Republikanismus der Sozialdemokratie. Die Feststellung der freisinnigen Wahl- rechtsseindschaft in den Gemeindeverwaltungen nannte er demagogisch. Noch während des Verlesens der Wahlrechts- resolution verschwand der freisinnige Wahlrechtskämpe dann und kam so um die Gelegenheit, gegen sie zu stimmen. Jn Danzig sprach Genosse Cri spien am 11. Juli über:„Wahlrechtskomödie und Marokkohetze". Einstimmig protestierte die Versammlung gegen die Verhöhnung des Volkes durch die Machthaber der Junkerkammer und gegen die infame Kriegshetze der Marokkotreiber. Ei« Anti-Polenblock. Wie man aus einer Auslassung der„Nationalliberalen Kor- respondenz' entnehmen kann, ist für die kommenden Reichstags- Wahlen in der Provinz Posen ein Block vckn Hehdebrand bis Wienier ins Auge gefaßt. Die Parteien— Konservative, Bund der Landwirte, Nationalliberale und Fortschrittler— wollen die Wahl- kreise in den polnischen Distrikten unter sich aufteilen. Allerdings liegen sich die geeinigten Parteien wegen des Wahlkreises Bromberg bereits in den Haaren. Diesen Kreis vertritt der Vizepräsident des Reichstages Abg. Schultz. Die Nationalliberalen behaupten nun, daß sie ein Anrecht darauf haben, diesen Kreis zu besetzen, weil sie bei der Verteilung der Landtagsmandate ausgeschaltet worden seien. Freikonservative und Nationalliberale werfen sich deshalb gegen- seitig Störung einer noch gar nicht vorhandenen Einigung vor. Irren ist menschlich. Der„Vossischen Zeitung' ist ein ulkiges Mißgeschick unterlaufen. Am Montag teilte das Blatt mit, daß im Wahlkreis Mörs-Rees eine Ersatzwahl für den verstorbenen Abgeordneten Fritzen-Rees stattzufinden habe. Von der gentrumspresfe darauf aufmerksam gemacht, daß der Abgeordnete Fritzen-ReeS noch lebt und sich einer ausgezeichneten Gesundheit erfreut, teilte die Tante Voß am Donnerstag mit: „Natürlich handelt eS sich nicht um eine MeichStagSersatzwahl. Der ZenlrumSabgeordnete Fritzen-Rees will für die nächsten Reichstagswahlen nicht wieder kandidieren. Für den verstorbenen Zenlrumsabgeordnefen Fpitzen-Düsseldorf findet in Düsseldorf tm September eine ReichstagSersatzwahl statt.' Die ZentrumSpreffe wird natürlich vor Vergnügen wieder beulen, denn der Abgeordnete Fritzen-Düffeldorf lebt auch noch. Die Nachwahl, die in Düsseldorf stattzufinden hat. ist bekanntlich flötig geworden durch den Tod des Abgeordneten Kirsch. Die Oschatzet; Soldaten,,, ifthandlungen vor dem Berusungsgericht! Im letzten Mißhandlungsprozeß beim Ulanenregiment Nr. 17 in Oschatz im Juni d. I. hatte das Dresdener Kriegsgericht ein derart gelindes Urteil gefällt, daß es nicht nur die sozialdemokratische, sondern auch die bürgerliche Presse für nötig hielt, eS zu kommentieren. ES handelt sich um unerhörte Roheiten des jetzigen Unteroffiziers Keller, die dieser noch als Gefreiter begangen hat. Während der großen Miß« Handlungsprozesse im vorigen Jahre kamen auch die Brutalitäten Kellers zur Sprache. Die eingeleitete Untersuchung ergab, daß K. unzählige Mißhandlungen begangen hatte. Eine Verurteilung konnte aber nicht erfolgen, weil der Rohling nicht als vorgesetzter ge- handelt hatte und von- den geschlagenen Rekruten der erforderliche Strafantrag auS Furcht vor weiteren Quälereien nicht ge- stellt worden war. Aus der unglaublichen Fülle von Mißhandlungen wurden dann die Fälle heraus gezogen, die sich als gefährliche Körperverletzung qualifizierten. Im ganzen wurden sechs Falle unter Anklage gestellt. Auf die Einzelheiten wollen wir hier nicht mehr eingehen, wir haben damals ausführlich berichtet. Das Kriegsgericht erachtete zwei Fälle nicht für erwiesen und erkannte wegen der übrigen vier Fälle auf die unglaublich gelinde Strafe von— drei Wochen GefängnisI! Gegen das Urteil legte der Gerichts Herr Berufung ein. er erstrebte eine Verurteilung auch in den übrigen Fällen und eine Erhöhung der Gesamtstrafe. Aber auch der Angeklagte erstrebte eine Ermäßigung der Strafen Die Angelegenheit beschäftigte nun da« D r e» d e y e r O b e r- Kriegsgericht in einer längeren Verhandlung. Auch hier wurden die ganzen Scheußlichkeiten zutage gefördert. So manche Roheit und Brutalität kam zur Sprache. Das Berufungsgericht hob da» erstinstanzliche Urteil auf. erachtete die zwei auSgeschiedkllktt Fälle ebenfalls nicht für«wiesen nnd erkannte auf sechs Wochen Gefängnis! Es hat eine Erhöhung der Strafe um deswillen für angezeigt gehalten, weil der Angeklagte durch seine Roheit und Brutalität es mit verschuldet hat, daß der gute Ruf der Truppe nach außen hin geschädigt worden ist. DaS gesamte rohe Verhalten des Angeklagten mußte strafverfchärfend in Betracht kommen. KslstrS Berufung wurde verworfen,_ franfcreicfo. Erwünschte Attentate. Paris, 13. Juli. Beim Bahnhof ChartreS wurden drei Leute dabei überrascht, wie sie eine H o lz f ch w e lle auf das Gleise legten. Die Uebeltäter, darunter ein Soldat de? 192. Infanterie- regia, ents, konnte festgenommen werden. Unweit von hier ist gestern auf der Linie Paris— Bordeaux noch ein anderer Fall von Sabotage vorgekommen. Kurz vor der Vorbeifahrt eines Schnellzuges wurde eine Signal- scheide quer über die Schienen gelegt, die jedoch r e ch t z eiti g entfernt werden konnte. Diese blöden„Attentate', die gerade jetzt, wo die Kammer den gemaßregelten Eisenbahnern ihr Versprechen bricht, der Regie- rung so gelegen kommen, sind allerdings recht verdächtig. Ihre Urheber werden den Nutznießern dieser Dummheiten nicht fernstehen. Die Arbeiter haben jedenfalls damit nichts zu schaffen._ Gegen die Haussuchungen. Paris, 13. Juli. Der Munizipalrat von Paris hat nach langer Debatte mit 48 gegen 7 Stimmen eine von dem Sozialisten N a v a r r e eingebrachte Tagesordnung abgelehnt, in der gegen die kürzlich in der A r b e i t S b p r s e vorgenommenen Haus- suchungen Einspruch erhoben wird. Demonstrationen am 14. Juli. Paris, 12. Juli.(Eig. Ber.) Die Seine-Föde- r a t i o n der geeinigten Partei hat beschlossen, der von der „Guerre Sociale' gegebenen Anregung Folge zu leisten und am 14. Juli eine Kundgebung für die Amnestie der wegen politischen und Streikvergehen Eingekerkerten zu veranstalten. Ein Demonstrationszug soll in den Morgen- stunden— d. h. während die freiwilligen und die offiziellen Patrioten und die sonstigen Verehrer von zweierlei Tuch der Truppenrevue in Longchamp beiwohnen— vom Bastilleplatz aus über den Boulevard Arago marschieren, an dem das Gefängnis der Sants liegt, wo Herv6 und seine Freunde sitzen. Ordner sollen den Marsch regeln. Der Gewerkschaftsverband der Seine veröffent- licht dagegen einen Aufruf, worin er das Volk auffordert, „jeder in seinem Quartier" zu manifestieren und zwar durch Singen revolutionärer Lieder auf den Straßen. Das heißt so viel, daß die Gewerkschaften das Zusammen- wirkest mit der Partei ablehnen. Verbot der Kundgebungen. Paris, 13. Juli.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Die Negierung hat die für den 14. Juli während der Revue geplanten Kundgebungen unter den Mauern des Gefängnisses Maison de la Sant6 verboten.— Aus dem Westen sind bereits mehrere Regimenter Soldaten zur Verwendung gegen die ausständigen Bauarbeiter und gegen die Demonstranten eingetroffen, damit die Pariser Garnison an der TrsippeMast teilnehmen kgnn.(>!)<< Snglanck. Die VersichttangSborlage im englischen Parlament." London, 12. Juli.(Eig. Ber.) Es scheint augenblicklich sehr zweifelhaft, ob die Versicherungsvorlage des Schatz- kanzlers in dieser Session erledigt werden wird. Die zur parlamentarischen Beratung in Aussicht genommene Zeit ist sehr knapp bemessen und die Schwierigkeiten mehren sich von Tag zu Tag. Unter den Kritikern der Vorlage tun sich be- sonders die Aerzte hervor, die ganz unerhörte Ansprüche stellen, so daß man glauben könnte, sie seien der Ansicht, daß die Kranken für die Aerzte und nicht umgekehrt hie Aerzte für die Kranken da seien. JnsozialistischenKreisen Englands ist man sich über die Art der Versicherung nicht einig. Die einen verlangen ein Lersicherungssystem ohne Beiträge oder wollen wenigstens die Arbeiter, die dicht an der Hungergrenze lchen von der Beitragspflicht befreit wissen. Diese Ansicht wird von den Mitgliedern der S. D. P. und scheinbgp auch von dem größten Teile der Mitglieder der I. L. P. geteilt; auch die Webbs sind gegen die Beitragspflicht. Auf der anderen Seite hat sich die Mehrheit der Arbeiterpartei für das Beitragssystem ausgesprochen. Die Arbeiterpartei ist jedoch entschieden gegen die vom Schatzkanzler festgesetzte Ver- teilung der Kosten. Sie tritt für eine höhere Belastung der Staatskasse und eine Entlastung der Arbeiter ein. Auch will sie den Grundsab der Staffelbeiträge für die Versicherten, der ln dem Lloyd Georgeschen Projekt nur bis zu der Lohuhöhe von 2iH Schilling(Tagelohn) anerkannt wird, auf weitere Lohnklassen ausdehnen. Sie droht der Regierung, gegen die dritte Lesung zu stimmen, wenn ihrem Verlangen nicht Rech- nung getragen wird. Die Erledigung der Vorlage wird außerdem noch durch Umstände allgemein politischer Natur gefährdet. Gemäß dem Aktionsprogramm der liberalen Partei muß die Versiche- rungsvorlage noch in diesem Jahre durchgehen, damit die für das nächste Jahr in Aussicht genommene Homerulebill nicht der Gefahr ausgesetzt wird, Schiffbruch zu leiden. In Anbe- tracht der Bestimmungen der Parlamentsvorlage hat die irische Forderung keine Aussicht auf Annahme in diesem Parlament, wenn sie nicht im nächsten Jahr zum erstenmal von der Volksvertretung angenommen wird. Die Opposition versucht daher alles, uzn die baldige Annahme der Versiche- rungsbill zu vereiteln. Doch obschon dieses Treiben der Konservativen klar zutage tritt, können die wahren Freunde der Arbeiterversicherung dennoch nicht davon abstehen, die Vorlage einer gründlichen Kritik zu unterziehen und sie zu verbessern, wo es nötig ist. Der Uebereilung, mit der die Regierung vorgeht, ist es auch zuzuschreiben, daß die Vorlage von Tag zu Tag an Wert verliert. Die Reaktionäre brauchen bloß den Mund aufzumachen, um ihre Forderungen und mehr als ihre Forderungen durchzusetzen. Ter neue Vorschlag des Schatzkanzlers, die Landarbeiter zu einer minder be- rechtigten Klasse von Versicherten zu machen, ein Vorschlag, der hsß Opposition besänftigen soy. bedeutet zweifelsohne Pye empfiMiche VÄfäjlechtomg hex ganzen VMage-, Hus der Partei. StadtratSwahlm in Baden. Matt schreibt uns: In dieser Woche hatten die drei Städteordnuttgskommnnen Karlsruhe, Freiburg und Pforzheim aucki die Er- Neuerungswahlen ihrer Stadträte vorzunehmen. Bei dieser Wahl, bei welcher auch der Proporz ausschlaggebend ist, sind stimm- berechtigt die 96 neugewählten Stadtverordneten, die noch amtierenden bisherigen Stadträte und die Bürgermeister. In Karlsruhe besteht deshalb der Wahlkörper aus 12 4 Personen, von denen nur 96 aus den Urwahlen des Dreillassensystems mit dem Proporz her- vorgegangen sind. In Karlsruhe verfügten bei diesem Wahlgange unsere Genosse» über 33 Stimmen(30 Stadtverordnete und 3 Stadträte), also über 23 Prozent; da 22 Stadtratsmandate zu vergeben waren, gewährt der Proporz der sozialdemokratischen Partei fünf bis sechs Sitze. Es waren zwei Wahlgänge notwendig, da ja die Hälfte der Stadträte auf sechs resp. drei Jahre erkoren werden mußte. Zu den bisherigen drei Stadträten unserer Partei(Geck, Eugen, Stoib, Wilh. und Mayer, Florian(letzterer für den Vor- ort Grünwinkel), treten die drei neugewählten K. Bönning, Dr. Dietz und A.Philipp. Damit hat die sozialdemokratische Partei im B ü r g e r a u s i ch u ß(Stadtverordnete und Stadträte nsit gleichem Stimmrecht) 38 Stimmen unter 124(gegen bisher 35 bezm 34). Auch im Stadtverordnetenvorstand ist die Fraktion durch den Genossen Willi vertreten; es war für dieses Kollegium eine Vereinbarung unter den Parteien getroffen, während die Anregung, auch für die Stadtratswahl einen Kompromißvorschlag herbei- zuführen, von der großen Mehrheit unserer Genossen abgelehnt worden ist. In F r« i b u r g i. B., wo sich unser» Genossen, wie Bereits erwähnt, zum erstenmale selbständig an der Wahl für die RathauSvertretung beteiligten, brachten sie 16 Stadtverordnete von 96 durch oder etwa 16,6 Proz.----- ein Sechstel. Unter den 18 Stadt« räten sind künftig 2 Sozialdemokraten, die Genössest Engler» Parteisekretär und Grumbach, Rechtsanwalt. Marxistische Organe für Belgien. AuS Brüssel wird uns gemeldet: Die belgische Parteipresse ist in ihrer gegenwärtigen Beschaffenheit einer Auseinandersetzung von Meinungen über prinzipielle Grundfragen nicht zugänglich— was ja auch mit ein Hauptgrund dafür ist, daß für diese Fragen, obwohl sie in der Politik der Arbeiterpartei eine immer mehr an- wachsende praktische Bedeutung gewinnen, das theoretische Jutereffe in der Allgemeinheit' zu einem nur geringen Teil vor« handen ist. Gewiß kann man in einem berechtigten cimilus vitiosus die Zurückgebliebenheit der Arbeiterbewegung selbst wieder zu einem Teil wenigstens für den Mangel an diesem Interesse verantwortlich machen, womit aber die erstangeführte Tatsache in ihrem Gewicht nichts weniger als aufgehoben ist.— Tatsache ist, daß zum Beispiel im gegenwärtigen Augenblick, wo die Taktik der Arbeiterpartei zu Auseinandersetzungen prinzipieller Natur mannigfachsten Anlaß für die Presse böte, im gelesensten Parteiblatt sozusagen nur die offizielle Anschauung zum Ausdruck kommt. Abgeiehen aber davon, daß diese Art Taktik wenig be« fruchtend auf das geistige Parteileben wirkt, gibt damit die Presse auch nicht das wirkliche und ganze Bild der Partei, die nun einmal auch in Belgien sich nach zwei Tendenzen hin entwickelt hat— Tendenzen, die sich durch die politischen Geschehnisse in naher Zukunft wohl zu noch klareren und prononcierteren Formen etttwidela dürften. So ist es nur zu begrüßen, daß Belgien in Zukunft eine Art nationaler literarischer Kqmpftribüne erstehen wird, die in den gegebenen bescheidenen Grenzen eine kontinuierliche systematische kritische Sichtung der Partei fragen vom marxistischen Standpunkte anstrebt. Das in B e r ch« m. einem bedeutenden Arbeitervororte Antwerpens erscheinende vlämische Blatt„Bolharding"(„Beharrlichkeit') wie das in Lüttsch in französischer Sprache erscheinende Blatt»1-» Luits des Olasses"(„Der Klassenkamps") werden künstig in ver« größerter Auflage herausgegeben werden und mit Arftkeln von Genossen der marxistischen Richtung über alle das Partei- leben und hie Taknl berührenden Fragen unterstützt werden. Die Blätter verbleiben auch weiter in der Verwaltung der betreffenden lokalen Organisationen. Für die Manifestation vom 16. August wird eine Sondernummer vorbereitet, die in her- stärfter Auflage erscheinen und prinzipielle Darlegungen über die Wahlrechtsfrage und die Klaffenkampfpolitik bringen wird. Alle Freunde eines regeren kritisch-lftergrischen Parteiwirkens, alle, denen die Erhellung der Probleme der modernen Arbeiterbewegung vom marxistischen Standpunkt wertvoll und wichtig für die Eni wicke- lung der Sozialdemokratie erscheint, werden die Ausgestaltung der beiden Blätter willkommen heißen.—„Volhardmg" und„La Lutte deS Claffes' werden zum Teil ihre Artikel in wechselseitiger Uebersetzung bringen. Es ist dies vorerst nur ein kleiner Ansang, aber man darf von der EntWickelung der Parteibewegung er- warten, daß der Ausbau auf diesem Weg weiter gepflegt werden wird zum Nutzen einer theoretischen Erfassung hes EozialisnmS und der sozialistischen Probleme in Belgien. Jugendbewegung. Arveiter-Jugend. Die soeben erschienene Nummer 14 hat unter anderem fokgende» Inhalt: DaS Parlament der Arbeit.— Die Maschine. I. Bon G, Eckstein.— Briese auS der Fremde.(Fortsetzung,)— Die Neandev- taler, eine Menschenrasse der Vorzett. von Hannah Lewin. (Illustriert.)— Aus der Arbeiterversicherung.— Die Gegner an der Arbeit.— Vom Kriegsschauplatz.— AuS der Jugendbewegung usw. Beilage: Die Auswanderer. Erzählung von Emil Ertl.— Sang der Jungen. Gedicht von Ludwig Lessen.— Die Handwerks» gesellen im Mittelalter. Von Engelbert Graf.— Japanischer Humor. Bon G. Kestner.(Mit neun Abbildungen.) Gottfried August Bürger. Bon E. Hoernle.— Aus den Molly-Liedern von Bürger. — Wie Schleswig-Holsteins Arbeiterjugend Dänemarl besuchte. Von E. A.-Kiel. Hus Industrie und Randel. De? tote Petrolenmtrnst— lebt. Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten von Amerika hat den Petroleumtrust wegen der Verstöße gegen das Shermangesetz verurteilt, ihm eine bestimmte Frist vorgeschrieben, um den Riesen-- betrieb der Oiltrusts, der sich über die ganze Welt erstreckt, den Er- fordernissen bis Gesetzes anzupassen. Rockefeller und seine Helfer, zu denen an erster Stelle auch die raffiniert und amerikanisch- tüchtige Leitung der Deutsch-Amerikanischen Petroleumgesellschaft, der deutschen Oiltrustgründung gehört, sind jetzt eifrig dabei, den Petroleumtrust so zu zerlegen, daß er als Trust wieder aufersteht. Wie sich die„Franks. Ztg." melde» läßt, soll dies so geschehen, daß der größte Teil der heute in der Leitung zentralisierten Unter- gesellschaften für die Zukunft selbständig arbeiten sollen. Besondere Unternehmen sollen für die einzelnen Produftions- und Absatzprozesse gebildet werden. Ungefähr in der Art, daß die Oel gewinnung: dann die Raffinerien, die Pipelines, der See- tran Sport und der Verkauf und Exp ort ebenfalls durch neuorganisierte Unternehmen kontrolliert werden. Da die Macht deS Oiltrustes sich speziell über die Pipelines(RöhreuleiUingeii) er- streckt, so erhellt schon daraus, daß in den Ptosilqgellxn und im Ssntmelhecktn d« Gewinne alles beim asten bleibt, X_(SjM 93$ 1./ GewerkfcbaftUcbea* Sine Gewerhicbafts-Zabirtelle als politischer Verein. Die Polizeiverwaltung zu THorn erließ am 7. No dembcr 1910 an den Zimmerer Neumann als dem Vov sitzenden der Zahlstelle THorn des Deutschen Zimmerer Verbandes eine Verfügung, durch die sie ihn aufforderte, gemäß§ 3 des Vereinsgesetzes, der von den politischen Ver- einen handelt, ihr die Anordnung der Satzung und der Zu- sammensetzung des Vorstandes anzuzeigen. Die Polizei ging davon aus, daß die Zahlstelle ein Verein im Sinne des§ 3 sei. also ein„Verein, der eine Einwirkung auf politische An- gelegenheiten bezweckt". Neumann, der dies bestritt, beschwerte sich vergeblich beim Regierungspräsidenten in Marienwerder und beim Ober- Präsidenten der Provinz Westpreußen. Dann klagte er beim Oberverwaltungs- g e r i ch t. Der Oberpräsident reichte die sogenannten„Polizei- lichen Vorgänge" ein. Es waren dies Ueberwachungsberichte von Polizeibeamten, welche Versammlungen der Zahlstelle aus den Jahren 1906 bis 1908 betrafen, und zwar als letzte eine Versammlung vom Februar 19 08. Aus der späteren Zeit bis zum Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung im No- vember 1910 waren keine Berichte da. Rechtsanwalt Dr. Herz aus Hamburg, dem Zentralsitz des Zimmererverbandes, vertrat den Kläger. Zunächst machte er geltend, daß nach dem Reichsvereinsgesetz der Polizei ein erzwingbares Recht, den Vorsitzenden eines Vereins zur Er- füllung der Anzeigepflicht anzuhalten, nicht zugesprochen werden könne.— Ferner sei die Zahlstelle kein selb- st ä n d i g e r Verein.§ 3 dürfe nicht ausdehnend interpretiert werden. Eine Zahlstelle, wie die hier vorliegende, sei lediglich ein dienendes Glied des Gesamtverbandes. Ein eigenes Statut besitze sie überhaupt nicht. Für alle Zahlstellen seien einheitliche Vorschriften im Verbandsstatut gegeben. Für die Unselbständigkeit der Zahlstelle spreche auch die geschichtliche EntWickelung der Gewerkschaftsbewegung, in der nach schweren Kämpfen das Prinzip der Zentralisation über die lokale Organisations form völlig gesiegt habe. Wolle man die örtlichen Gruppen als selbständige Vereine behandeln, dann entständen allerlei logische Widersprüche. Der Anwalt führte das näher ans und wandte sich dann gegen die Annahme der Behörden daß die Zahlstelle Thorn auf politische Angelegenheiten einzuwirken bezwecke.(§ 3 des Gesetzes.) Als politisch im Sinne des ß 3 des Vereinsgesetzes werde man nur einen Verein ansehen können, der einen Einfluß ans den allgemeinen Gang der Gesetzgebung bezwecke Jnteressentenorganisationen, die zur Förderung ihrer beruf lichen Interessen besondere gesetzliche Bestimmungen erstrebten könnten nicht darunter fallen.— Wie liegen aber nun die Dinge hier in bezug auf die Wirksamkeit der Thorner Zahl stelle? Die Polizeiberichte, die noch dazu nur bis zum Februar' 1998 reichten, ließen h ö ch st e n s erkennen, daß gelegentlich Redner politische Angelegenheiten berührt, sie also höchstens gelegentlich„erörtert" hätten. Unter diesen Umständen könne davon, daß die Zahlstelle auf politische Angelegenheiten einzuwirken bezwecke, absolut keine Rede sein. Das Oberverwaltungsgericht wies jedoch die Klagt mit folgender Begründung ab: Wenn§3 des Reichsvereinsgesetzes den Vorständen politischer Vereine bestimmte Verpflichtungen auferlege, so folge ohne weiteres daraus, daß die Polizei auch berechtigt sei, die Einreichung der fraglichen Nachweisungen (Statuten, Statutenänderungen usw.) durch Verfügung zu fordern. Es sei nun zunächst anzunehmen, daß die Zahlstelle ein selbständiger Verein sei. Das ergebe sich schon aus dem Statut desZentralverbandes der Zimmerer. Die Zahlstellen desZentralverbandes hätten danach eine eigene Organisation, einen eignen Vorstand, Kassierer, Revisor usw., und sie entfalteten auch eine eigne Verwaltnngstijtigkeit. Auch erheben sie nicht nur Beiträge für den Gesamtverband, sondern es ständen ihnen auch eigene Mittel zur Verfügung, zum Beispiel in sogenannten örtlichen Fonds, die sie sammelten. Ferner habe jede Zahlstelle eigene Ziele, indem sie Streiks und Aus sperrungen im eigenen Namen und auf eigene Verantwortung beschließen können. Darum seien zweifellos die Zahl stellen des Zimmerverbandes selbständige Vereine— Aber auch der politische Charakter der Zahlstelle THorn müsse anerkannt werden. In einer Reihe von Versamm lungen der Zahlstelle seien Gegenstände erörtert worden, die zu den politischen gehörten: Reichstagsauflösung, Kolonial Politik, Reichsvereinsgesetz, Steuergesetze, Ostmarkenpolitik, Gesetzgebung bezüglich des Koalitionsrechts.— Nach diesen Erörterungen habe der Senat auch keinen Zweifel, daß die Zahlstelle bezwecke, auf politische Angelegen- heiten einzuwirken. Denn es sei in den Erörterungen zum Ausdruck gekommen, daß die Mitglieder be strebt sein sollten, alles das, was notwendig sei, zur Durch führung zu bringen, insbesondere durch eine bestimmte Ein Wirkung bei den Reichstagswahlen. Darin liege die Ein Wirkung auf politische Angelegenheiten. Wenn nun auch die Polizeiberichte,.an deren Nichtigkeit der Senat nicht zweifle, nur die Zeit von 1906 bis zum Frühjahr 1908 umfaßten, so habe der Senat keinen Zweifel, daß der Zustand fortgedauert habe bis in die Neuzeit. Es wäre Sache des Klägers ge- wesen, nachzuweisen, daß seit 1908 eine Aenderung eingetreten sei. Den Nachweis habe er nicht geführt. ßcrUn und Umgegend. Tie EntWickelung der Innungen. InniingSverbände bestehen in Preußen im Jahre 1911 im ganzen 41. Sie umfassen 243 684 VerbandSgenosten. Die Ver- bandSgenosien verteilen sich auf 4962 Innungen mit 241 IIS Mit- gliedern. Eine kleine Zahl, nämlich 4563, sind Eürzelmitglieder. Der größte InnungSverband, der Zentralverband deutscher Bäcker- immngen„Germania", umfaßt 68 247 Verbandsgenossen. Ueber 10000 Mitglieder haben außerdem der Deutsche Fleischerverband in Frankfurt a. M. mit 42 333 Mitgliedern, der Bund deutscher Schneiderinnungen in Magdeburg mit 24 663 Mitgliedern, der Bund deutscher Barbier-, Friseur- und Perückenmacherinnungen mit 22 313 Mitgliedern, der Bund deutscher Schmiede-Junungen mit 12 467 und der Bund deutscher Schuhmacherinnungen mit 1 1 234 Mit- gliedern. Daneben gibt es„Verbände", die nur 173 Verbands- genossen überhaupt zählen, wie der Bund deutscher Steinsetzer- iimnngen mit seinen vier Innungen. Die meisten Innungen, nämlich 1307, hat der Zentralverband deutscher Bäckerinnungen „Germania", dann der Deutsche Fleischerverband in Frankfurt mit 1263 und der Bund deutscher Barbier-, Friseur- und Perücken- wacherinnungen mit 399 Innungen. � WSitfsns, ZMsgrahlse»««nS StelnbruZer? Die Kollegen'ri Gera stehen im Streik. Die Unternehmer suchen in Berliner Tageszeitungen Ersatzkräfte. Wir ersuchen, etwaige Stellen angebote strikte abzulehnen. Die Verwaltungen der Lithographen und Steindrucker Berlins. Unter der Gewaltherrschaft von Arbeitswilligen seufzt seit einiger Zeit die Stadt G ü st o w in Mecklenburg. Dort streiken seit einiger Zeit die Arbeiter der S t u h l f a b r i k. Vor mehreren Tagen gelang es nun der Fabrikleitung, durch Vermittelung des bekannten„gelben" Kaezmarek-Berlin, eine Kolonne von Arbeitswilligen zu bekommen, die sich in Güstrow alles erlauben darf. Besonders gingen die Leute recht ungeniert mit dem Revolver um. Ein am Streik völlig unbeteiligter Arbeiter wurde eines Abends von einem der Revolverhelden angeschosien, ohne glücklicherweise ernsthaft verletzt zu werden. Obgleich dies alles vorhergegangen war, waren die Streikenden doch überrascht, als sie in der Nacht auf den Bahnhof kamen und dort vor dem Portal einen Arbeits- willigen vorfanden, der einen schußfertigen Revolver in der Hand hielt. Er erwartete vier mit dem Nachtzuge ankommende„nützliche Elemente". Unsere Genossen machten einen Schutzmann darauf aufmerksam, sie erhielten aber den verblüffenden Bescheid:„Wenn Ihnen das nicht paßt, können Sie sich morgen früh 3 Uhr auf dem Nathaufe beschweren!" Nicht nur die Arbeiterschaft, auch die Bürger- schaft von Güstrow ist über diese skandalöse Verhätschelung der nütz- lichen Elemente aufs höchste erbittert. Hiisland. Warnung vor Zuzug von Bauarbeitern nach Paris. Das Internationale Gewerkschaftssekretariat erhielt von der Pariser Bauarbeiterorganisation die Mitteilung von dem am Mon- tag, den 9. Juli, in Paris und im gesamten Seine-Departement ausgebrochenen Generalstreik aller Arbeiter der Bauindustrie. Es wird um strikteste Fernhaltung jeden Zuzuges von Bauarbeitern in das Streikgebiet ersucht. Die Arbeiterpresse wird um Nachdruck gebeten._ «Wir Arbeitswilligen können eine« totschlagen.. Dieser Ausspruch eines Crimmitschauer Arbeitswilligen scheint für alle Bewegungen und für die ganze Welt zu gelten. Aus Paris wird vom Maurerstreik gemeldet, daß dort ein Arbeits- williger einen Streikenden erstochen haben soll. Nach einer anderen Version handelt es sich um eine Messeraffäre, die sich nach einer Zecherei anscheinend unter den„nützlichen Elementen" selbst ab- gespielt hat. Was richtig ist, werden weitere Meldungen ergeben Soviel steht fest, daß der Messerheld ein Arbeitswilliger war. Des- wegen dürfte ihm allzuviel nicht passieren. Die„Siebenmonats kinder", die in Moabit unter den Augen von Schutzleuten Strei kende verhauen haben, laufen auch noch frei umher. Und in der Bourgeois-Republik werden die Arbeiter nicht besser behandelt als Miües dem preußischen Absolutismus. Der Streik der Seeleute. London, 11. Juli 1911. Die Arbeit wurde gestern morgen allgemein in Manchester wieder aufgenommen, nachdem die sechstägigen Verhandlungen anderthalb Stunden nach Mitternacht am selben Tage mit dem Siege der Arbeiter ihren Abschluß gefunden hatten. Was die See leute und Dockarbeiter anlangt, so waren ihre Forderungen schon vorher bewilligt worden: aber diese Arbeiter wollten die Arbeit nicht eher wieder aufnehmen, bis daß sich die Unternehmer mit allen ihren Kameraden aus den anderen Berufen, die ihnen so wacker beigestanden hatten, geeinigt hätten. Diese schöne Solidarität führte zum Siege auf der ganzen Linie. Die Seeleute haben in Manchester einen nicht geringeren Sieg erfochten als in Hull. Höhere Löhne, Regelung der ärztlichen Untersuchung, Anerkennung des Verbandes, Abschaffung des Zwangsarbeitsnachweises des Reederverbandes: dies sind die Haupt resultate des Kampfes. Die Fuhrleute haben einen Minimallohn von 23 Schilling die Woche errungen. Die Dockarbeiter haben einen Minimallohn von 3 Schilling den Tag bei neunstündiger Arbeits zeit sowie die Anerkennung ihrer Gewerkschaft erzielt. Der Sieg war wohl der Entbehrungen wert, die die streikenden Arbeiter von Manchester in der vergangenen Woche durchgemacht haben. Der größte Teil von ihnen war nur auf die Beiträge der sympathisierenden Mitbürger angewiesen und hatte einen harten Stand. Die Folgen der mageren Woche konnte man gestern im Hasen von Manchester wahrnehmen, wo viele Arbeiter kaum im- stände waren, ihre gewohnte Arbeit zu verrichten. Die Seeleute und Heizer veranstalteten eine feierliche Verbrennung der Karten des Arbeitsnachweises des Reederverbandes, woran sich eine große, freudig erregte Menge beteiligte. Unter dem Jubel der Menge ging das verhaßte Symbol der Knechtschaft in Flammen auf. Neun- zig Schiffe liegen augenblicklich im Hafen, die ausgeladen und wieder verladen werden müffen, was mindestens vierzehn Tage in Anspruch nehmen wird. Angesichts dieser neuen Niederlage schneiden die Scharfmacher des Reederverbandes recht komische Gesichter. Sie tun, als mache ihnen das gar nichts aus und drohen nach wie vor, ihre Schiffe abzutakeln. Sie haben auch schon eine Tabelle ent- warfen, die die Entschädigungsziffern angibt, auf die diejenigen Reeder, die ihre Schiffe mindestens 30 Tage untätig im Hafen liegen lassen, Anspruch haben sollen. Aber die öffentliche Meinung, die mit den Seeleuten hält, nimmt diese Drohungen nicht ernst. In London scheint die Bewegung unter den Dockarbeitern einen friedlichen Ausgang zu nehmen. Dies ist in erster Linie der ent- gegenkommenden Haltung des Londoner Hafenamts zuzuschreiben. Dev Transportarbchlterverband verlangt für die Mitglieder der ihm angeschlossenen Gewerkschaften einen Minimallohn von 8 Pence die Stunde.(Der herrschende Lohnsatz, der in dem großen Streik des Jahres 1889 erkämpft wurde, beträgt 6 Pence.) Das Hafenamt, das von den 23 909 beteiligten Arbeitern selbst 7— 8099 beschäftigt, bat den Transportarbeitern einen Minimallohn von 7 Pence die Stunde angeboten und hat sich auch bereit erklärt, jeder Zeit mit den Vertretern der Arbeiter wie bisher üblich zu verhandeln. Die Mehrheit-der anderen Arbeitgeber hat jedoch keine bestimmte Ant- wort gegeben. Aber angesichts der Haltung des Londoner Hafen- amts kann man annehmen, daß auch die Bewegung in London in einigen Tagen mit einem Erfolge der Arbeiter enden wird. Aller- dingS ist nicht ausgeschlossen, daß die Verzögerungstaktik der Unter- nehmer noch einige kleine Streiks im Londoner Hafen hervorrufen wird. Der Streik der hoNändischen Seeleute ist für Rotterdam beendet. Die Reedervereinigung hat dort eine Erhöhung der Monatslöhne um 3 Gulden(3,19 M.) zuge- fanden, die vom 1. Januar 1912 ab gezahlt werden soll. Die Seeleute sollen sich dafür verpflichten, während der drei nächsten Jahre nicht mit neuen Forderungen zu kommen. Es handelt sich also um einen dreijährigen Tarifvertrag, über dessen endgültige Festlegung später, im September, in einer Kommission beraten werden soll. Gefordert hatten die Seeleute 3 Gulden Lohn- erhöhung sowie eine Revision des Dienstreglements, mit der sich die Kommission ebenfalls noch befassen soll. Die Organisation der Seeleute hat sich durch den Kampf die Anerkennung der Reeder errungen. Die Vereinbarungen sind von der Versammlung der Seeleute mit 334 gegen 179 Stimmen gutgeheißen worden. Die Arbeit wurde, soweit die betreffenden Schiffe im Hafen waren. am 11. Juli wieder aufgenommen. Alle Streikenden werden wieder eingestellt. In Amsterdam dauert der Streik, soweit bis jetzt Nachrichten vorliegen, noch fo r t. Der Minister Talma hat 1 düftHflgl PsrhsMuksssM MfZsSk» ffli PftleTen SMfnÄhfl, dB« ein Ergebnis liegt noch nicht vor. Er unterhielt sich zunächst ab« wechselnd mit den Vertretern der beiden Parteien über d:e �rage, ob die Organisation Anteil habe an terroristischen Handlungen. die gegen Streikbrecher verübt worden sein sollen. Vielleicht wäre es eher angebracht, zu untersuchen, welchen Anteil das Unter- nehmertum an dem Terrorismus hat, den Polizei und Militär gegen friedliche Bürger ausgeübt hat. Sind die Hüter der so- genannten öffentlichen Ordnung in ihrer blinden Wut doch � sogar so weit gegangen, daß sie ein deutsches Frachtschiff„Alster", als es den Amsterdamer Hafen verließ, um nach Hamburg zu fahren, mit Flintenschüssen überschütteten, weil sie der Meinung waren, es sei eins der kleinen Dampfer, mit denen die Streikenden ein paarmal versucht hatten, ihre ankommenden Kollegen über die Tat- fache des Streiks aufzuklären Was wird übrigens das so starke und gegen wilde Völker so empfindliche Deutsche Reich gegen diesen flagranten Bruch des Völkerrechts unternehmen? In der Nacht vom Sonnabend auf den Sonntag war es übrigens auch in� den Straßen von Amsterdam wiederum zu einer ganz blödsinnigen Schießerei vonseiten des Militärs gekommen, wobei sechs Personen verwundet wurden. Es ist hierbei ganz zweifellos festgestellt, daß die Streikenden auch nicht das mindeste mit der ganzen Sache zu tun hatten. Die Veranlassung war lediglich die, daß ein Soldat eine Frau mit dummen Redensarten belästigte und einige Leute herzukamen, die die Frau zu schützen suchten. Da zog der Soldat erst seinen Säbel, und als die Leute flohen, begann man, ohne daß sich irgendetwas anderes ereignet hatte, zu schießen.— Die Arbeiterschaft Amsterdams hat bereits in zwei großen Massenver- sammlungen gegen das Kosakenregiment energisch Protest erhoben. Inzwischen kommt die Nachricht, daß die Reeder die Vermitte- lung des Ministers abgelehnt haben, und zwar mit der sonder- baren Begründung, daß eine Einigung unter diesen Umständen gleichsam eine Legalisierung des Terrorismus bedeute, durch den der Streik seine jetzige Ausdehnung erhalten habe. Der Minister Talma hatte die Fälle von..Terrorismus", die ihm von Unter- nehmerseite mitgeteilt worden waren, untersucht und in dem Er- gebnis keinen Grund gefunden, seinerseits die Vermittelung ab- zulehnen, was wohl auch als Beweis dafür gelten kann, daß das Geschrei über den„Terrorismus der Streikenden" nnbe« gründet ist t Hua der Frauenbewegung. Ei» Streik der Feldarbeiterinnen. In Geismar, einem Dorfe von über 3000 Einwohnern in der Nähe von Göttingen, herrscht große Aufregung. Die Feldarbeiterinnen, die sogenannten Tagelöhnerfrauen, sind nämlich in eine Bewegung eingetreten, die vor allem eine Verkürzung der Arbeitszeit erstrebt. Als Kulturmensch kann man der Bewegung nur sympathisch gegenüberstehen, denn die Tagelöhnerfrauen bekommen— man sollte nicht glauben, daß das im 20. Jahrhundert möglich sei— für die schwere Feldarbeit von morgens 6 bis abends 7 Uhr sage und schreibe eine ganze Mark. Die Frauen fordern trotzdem nicht etwa mehr Lohn, sie wollen ihre Arbeitszeit nur statt um 7 Uhr, um 6 Uhr beenden, da ihnen sonst für ihre anderen Pflichten keine Zeit bleibt. Man mutz bedenken, daß es sich hauptsächlich um Frauen handelt, deren Männer in Göttingen arbeiten. Da die Männer infolge der großen Entfernung von der Arbeitsstätte meist mittags kein warmes Essen bekommen, ist es nötig, daß die Frauen abends eher zu Hause sind, damit sie noch kochen können. Und dann die Kinder l Auch sie. den ganzen Tag sich selbst überlassen, wollen ihre Mutter einmal haben. Aber für dergleichen inklinieren die Großagrarier nicht. Daher ist es in mehreren Betrieben zu einer Arbeitseinstellung gekommen; einer der Landdespoten hat ausgesperrt. Nur in fünf Betrieben ist der Sechsuhr-Feierabend bewilligt worden. Die übrigen„Landlords" drohen mit der Einstellung von polnischen Arbeiterinnen, sie tragen keine Bedenken, diesen 1,20 M. für den Tag zu geben. Aber deutschen Mitbürgerinnen, die für nur eine Mark arbeiten, abends eine Stunde früher freizugeben, weigert man sich. Das sind dieselben Leute, die im flirchenvorstand und im Kriegerverein daS große Wort haben. Das ist deutsche Frömmigkeit und deutscher Patriotismus! Bei den Groß- agrariern reichen Patriotismus und Religion bis zum Geld- beutel. Der ist ihnen alles— Gott und Vaterland zugleich!_ Versammlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Sonntag, den 16. Juli: Wanderpartie(nur für gute Fußgänger) Wildpark- Ferch, Treffpunkt 7,39 Ubr, Potsdamer Bahnhof. Abfahrt 7,32 Uhr bis Wildpark Sonntag, den 6. August: Familien- Partie nach Ravensteiner Mühle. Letzte JVachncbten. Solidaritätsstreik. Mannheim, 13. Juli.(58. H.) Die Arbeiter der Süddeutschen Kabelwerke, die zu dem Heddernheimer Kupferwerk gehören, haben heute früh die Arbeit niedergelegt. Ein Arbeiter war entlassen worden, weil er Ueberstunden verweigert hatte. Darauf erklärten sich die übrigen Arbeiter mit dem Entlassene» solidarisch. 65 606 streikende Bauarbeiter in Paris. Paris, 13. Juli.(Pr.-Tel.) Die Zahl der Streikenden im Baugewerbe wird auf 65(XM) geschätzt und nimmt ständig zu. An allen Arbeitsstellen sind Streikposten aufgestellt. Opfer der Berge. Wien, 13. Juli.(B. H.) S** Wiener Fabrikbeamte Karl Stenauer, der vor 9 Tagen den Reichenstein in den Jnntaler Alpen bestieg, wird seit dieser Zeit vermißt.— Der Jurist Eduard Reiß bestieg am Sonntag dasselbe Gebiet und wird gleichfalls vermißt. Eine Rettungsmannschaft ist abgesandt worden, um nach den Vermißten zu forschen. Sie sind wahrscheinlich abgestürzt. Der cholcraverdächtige Dampfer„Hispania". London, 13. Juli.(Meld, d. Reut. Bur.) Dem vor Malta eingetroffenen Dampfer„Hispania", an dessen Bord Cholera fest- gestellt worden sein soll, wurde die Einfahrt in den Hafcn ver- weigert. Bier Mann der Besatzung, die in Neapel an Land ge» gangen waren, erkrankten, einer starb und wurde auf See be- graben. Die Opfer der Hitze in Amerika. New York, 13. Juli.(Pr.-Tel.) Die Zahl der Toten seit >em 2. Juli wird auf 1100 geschätzt. Die New Aorker Gesell- chaft gegenLiierquälerei meldet, daß im Laufe der letzten Tage !300 Pferde und 8000 Hunde und Katzen der Hitze zum Opfer gefallen sind. verantw. Redakt.: Richard Harth, Berlin. JnferaSWil vergntw,: Th. Glocke, Berlin. Druck M. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Lerlagsanftalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen».Uaterhaltungsbl. Ar. 162. 28. Iahrgavg. 1. ßcilajt des, Ärmels" Strliiiet ßolblilstt. ftiilaj, 1t Ibü 19IL SleddiDger llschkIZiige. Das Reichsgericht hob, wie uns telegraphisch mitgeteilt Wird, gestern das Urteil des Landgerichts Berlin I vom 28. März, durch das Genosse Mermuth als Redakteur des „Vorwärts" zu 200 Mar! Geldstrafe verurteilt wurde aus und wies die Sache zur anderweiten Verhandlung m die erste In- stanz zurück. Die Verurteilung durch das Landgericht war erfolgt, weil ein die Vorgänge am Wedding besprechender Artikel vom 1. November von Knnppelgardisten geschrieben hatte, die nach Schlüsse des Morgensternschen Geschäfts sich immer noch Punkt- lich einfänden. Mermuths Verteidiger. Rechtsanwalt Wolfgang Heine, hatte eine größere Anzahl von Zeugen, etwa 30, geladen, die bekunden sollten, daß sich Kriminalbeamte am Wedding in der Tat so benommen haben, daß die Bezeichnung „Knüppelgardisten" für sie nicht zu scharf sei. Derartige Vor- gänge waren in der vorhergegangenen Nummer des„Vor- wärts" geschildert und darauf bezog sich der unter Anklage gestellte Ausdruck„5lmüppelgardisten" in der Nummer vom Tage darauf. Die von der Verteidigung ge- ladenen Zeugen sollten in der Hauptsache die Richtigkeit dessen bestätigen, was in dem Artikel vom 1. November be- hauptet worden ist, außerdem aber eine Reihe genau an- gegebener ähnlicher Fälle. Man hätte meinen sollen, der Beweisantritt wäre dem Staatsanwalt erfreulich gewesen, denn ihm hätte doch daran liegen müssen, klarzustellen, daß keine Knüppelgardisten tätig waren, daß weder am Wedding noch in Moabit noch sonst die Polizei mit Säbeln, Knüppeln, Fäusten und rohen Schimpfworten vorgegangen sei. Hatte doch der Polizeipräsident v. Jagow gesagt:„Der Ehrenschild der Polizei ist blank". Aber weit gefehlt. Mit aller Lebhaftigkeit bekämpfte der Staatsanwalt die Vernehmung der Wahrheitszeugen. Vergeblich wies der Verteidiger darauf hin, daß die Ablehnung des Beweisantrages gegen das Gesetz und die Rechtsprechung des Reichsgerichts verstoße. Das Gericht nahm an, die Tatsachen, die unter Beweis gestellt waren, ständen in keinem Zusammenhang mit der unter Anklage gestellten Beleidigung und seien auch für das Strafmaß bedeutungslos. Zur Begründung des Urteils wurde dann ausgeführt: .Der Ausdruck..Knüppelgarde", auf die Kriminalbeamten an- gewandt, ist„zweifellos" beleidigend. Was auch passiert sein mag, der Angeklagte durste nicht die Kriminalbeamten mit diesem Ausoruck belegen. Weder für die Schuld« noch für die Straffrage kommt in Betracht, was Polizeibeamte angeblich getan haben." Im Anschluß an den Bericht über diese ungeheuerliche Verurteilung hatten wir geschrieben: .DaS Verfahren des Gerichts ist ein gröblicher Verstoß gegen die Gesetzesvorschrist, die von allen die wichtigste Garantie für die Angeklagten bildet. Wenn das Gericht mit seiner Auslegung recht hätte, würde jede Beweiserhebung willkürlich abgeschnitten werden können, denn die Behauptung, der Beweis, daß Schutzleute wie Knüppelhelden gehaust hätten, stünde.in keinem Znsammenhang" mit ihrer Be« Zeichnung als.Knüppelgardiften", wird doch keinem Menschen von gesundem und ehrlichem Menschenverstände einleuchten. UebrigenS hat das Gericht ursprünglich selbst nicht so gedacht, denn der auf den 7. März, mittags 1 Uhr angesetzte Termin wurde ohne weiteres aufgehoben, als der Verteidiger anzeigte, daß er eine größere Anzahl Zeugen direkt laden werde, und daß die Zeit von Mittag an zu ihrer Vernehmung nicht ausreichen würde. Da» mals also sah daS Gericht offenbar ein, daß eS die geladenen und erschienenen Zeugen verhören müsse. DaS Beweisthema war auch bereits angegeben, so daß daS Gericht nicht im Zweifel fein konnte, welcher Zusammenhang zwischen der Anklage und dem Zeugenbeweis bestände. Unter dem Einfluß welcher Gründe daS Gericht inzwischen seine Absicht geändert hat, können wir nicht wissen. Tatsache ist jedenfalls, daß schon vor dem Termin vom 28. März die Nicht Vernehmung der Zeugen abgemacht gewesen sein muß, denn für diese Sache mit 30 Zeugen hatte das Gericht eine ganze Viertel stunde Zeit angesetzt. Diese Beschränkung der Verteidigung wird «in Versuch bleiben, denn das Reichsgericht müßte kleines feuilleton. Auf der Flugmaschine. Prof. Painlcvü vom Institut de France veröffentlicht fesselnde Betrachtungen über die EntwickelungSmöglich- leiten der Flugmaschine:.ES ist uns heute noch, unmöglich, voraus- zusagen, welche Schnelligkeiten die Flugmaschine nach 100 Jahren erreichen wird", so schreibt Prof. Painlcvö..Aber sicher ist, daß die jetzigen Geschwindigkeiten erheblich überholt werden. Und das ist vielleicht eine der bedeutsamsten Seiten des künstlichen Fluges. Alle vom Menschengeist ersonnenen Fortbewegungsmittel, die Eisen- bahn, das Schiff, der Lenkballon haben heute mehr oder minder die Grenze ihrer Schnelligkeit erreicht. Die Flugmaschine dagegen kann heute nicht nur wie der Lenkballon von einem Punkt zum anderen fliegen: ihre Schnelligkeit ist für die Zukunft noch unbegrenzt. Man muß sich vor der Annahme hüten, daß unser Organismus sich für sehr große Geschwindigkeiten nicht eignet. Was den Lustschlag etwa bei einem mit 50 Kilometer Geschwindig- keit fahrenden Automobil schmerzhaft macht, ist vor allem der Staub, der Gesicht und Augen bombardiert. Dazu kommen die fort- währenden Unebenheiten der Straße und schließlich die große Nähe des Bodens und seine fast schwindelerregende Flucht vor den Blicken. In einer völlig staubsteien Lust dagegen erträgt man große Ge- schwindigkeilcn sehr leicht und sie bieten auch keine Atemschwierig- leiten. Zugleich zieht aus größeren Höhen die Landschaft in den Tiefen ininier verhältnismäßig ruhig dahin, und nicht mit jener verwirrenden Hast, mit der die nahen Gegenstände am sausenden Automobil vorbeizurasen scheinen. Professor Painlevö erzählt dann von einem Fluge, den er mit Wilbur Wright unter- nommcn hat..Im Augenblick des Aufstieges ging die Sonne unter. Wenngleich ich nur sehr leicht bekleidet war, habe ich die 70 Minuten dauernde Luslreise mit dem fröhlichsten Wohlbehagen überstanden Gewiß, mich fror, aber nicht mehr, als die Zuschauer, die unten auf uns warteten. Die Luftströmung auf das offene Gesicht aber wirkte wie eine Liebkosung, die sich kaum beschreiben läßt. Und dabei fuhren wir mit einer 60-5tilometer-Stundengeschwindigkeit, also mit einem Tempo, wo das Automobil bereits seine erheblichen Un- bequemlichkeiten hat. Und während ich aufmerksam jede Bewegung des Flugzeugführers verfolgte. vermochte ich doch zugleich die Schönheit des Abends zu bewundern, sah die großen rötlichen Wolken, die sich am Horizont über schwarze Streifen ausbreiteten und sah die großen, unzähligen, glühenden Augen der Automobile, die an allen Punkten aufflammten und durch die werdende Nacht leuchteten wie die Feuer eines Feldlagers in fremder Wildnis." Ein neuer Komet. Auf der Lick-Sternwarte in Kalifornien wurde am S. Juli, wie ein Telegramm Profeffor Pickerings an die Astronomische Zentralstelle in Kiel meldet, ein neuer Komet entdeckt, der ein so auffälliges Objekt darstellt, daß er bereits mit einem sich in Widerspruch mit der gesamten bisherigen Rechtsprechung und dem Gesetz setzen, wenn es daS Verfahren des Land- gerichtS gutheißen wollte. Aber daß schon jetzt ein solcher Versuch ohne auch nur den Anschein einer stichhaltigen Begründung ge- wagt werden kaim, ist ein Beweis, wessen man sich zu versehen hätte, wenn durch die Strafprozetznovelle— wie Konservative und Zentrumsleute es wollen— daS Recht auf Beweisaufnahme noch weiter in die Willkür— man nennt das beschönigend.billiges Erniessen"— des Gerichts gestellt würde. Der heutige Prozeß ist ein schlagender Beweis gegen diejenigen, die immer von.Ler- trauen in die Justiz" reden." Das Reichsgericht hat gestern anerkannt, daß die Ablehnung der Abhörung der Zeugen eine schwere gesetzwidrige Beschrän- kung der Verteidigung war und deshalb wie eingangs mit» geteilt, auf Aufhebung des Urteils erkannt. In wenigen Monaten wird nunmehr über die„Knüppel- gardisten" und über„das blanke Schild der Polizei" auSführ- licher Beweis erhoben werden. 12. Gelltralvtrsammlllllg des Fagerhalttr- und lagerhalterilmeu- Verbandes. München, 12. Juli 1911. Am letzte» Verhandlungstage stand die Bcrfchmelzungsfrage zur Diskusfion. Der letzte VerbandStag beauftragte den Vorstand in dieser Frage die Initiative zu ergreifen. In der Debatte kamen zwei Meinungen zum Ausdruck: Anschluß an den Handlungsgehilfen- Verband oder Verschmelzung mit den Transportarbeitern. Genosse Müller- Berlin erklärte namenS des TranSportarbeiter-VerbandeS, daß eine Verschmelzung mit seiner Organisation unter keinen Um- ständen erfolgen könne. Verschmelzungsfragen können nur stufen- weise geregelt werden; die nächste Stufe für die Lagerhalter sei der HandlungSgehilsen-Verband.— Genosse Joseph sohn- Hamburg legte in längeren Ausführungen den Standpunkt seiner Organisation dar und räumte, wie später in der Diskussion allgemein anerkannt wurde, die etwa noch vorhandenen Schwierigkeiten aus dem Wege.— Der Vertreter der Generalkommission, Genosse Bauer führte aus, daß der Standpunkt der allgemeinen Gewerkschaftsbewegung der sei, daß eine Verschmelzung mit dem Handlungsgehilfen-Verband die naturnotwendige Folge sei. Er legte das Verhältnis de? Lagerhalter-Verbandes zu den anderen Gewerkschaften dar und kam mit den beiden Vorrednern zu dem Schluß, daß die glücklichste Lösung eine Verschmelzung derjenigen Verbände sei. die Arbeiter aus Handelskreisen organisiert haben.— Verbandsvorsitzender Re i n S d o r f- Leipzig vertrat den gleichen Standpunkt. Nach lebhafter Diskusston wurde einstimmig ein Antrag an« genommen, VerfchmelzungSverhandlungen mit dem HandlungSgehilsen-Verband einzuleiten. Ein Antrag auf eine sofortige Verschmelzung wurde nur deshalb abgelehnt, weil von der Mehrheit gewünscht wurde, zunächst die Uebertrittsbedingungen genau festzulegen. Das öftere Erscheinen der.Lagerhalter-Zeitung" und andere vorgeschlagene Aenderungen wurden in Rücksicht auf den an- genommenen Verschmelzungsbeschluß abgelehnt. Die Preßkommijfion wurde aufgehoben. Reinsdorf- Leipzig wurde als Verbandsvorsitzender wieder- gewählt.— Der nächste VerbandStag findet 191S in Köln am Rhein statt. Damit find die Arbeite» der 12. Generalversammlung erledigt. Eue Induftnc und Handel Brotpreise. Nach der Veröffentlichung der„Preußischen Stat. Kor- respondenz" betrugen im Durchschnitt der preußischen Monarchie die Preise im Mai per jMogramm in Pfennigen(für Mehl im Großhandel, für Weizenbrot im Kleinhandel): mo«Ii Weizen.... 25,08 20,88 20,11 19,8 Proz. Weizenmehl... 34.0 29.2 28,8 15,3. Weißbrot... 55,1 52.6 52.8 4.8, Demnach ist der Brotpreis viel weniger gesunken als der Preis für Weizen und Weizenmehl. Opernglas wahrgenommen werden konnte. Nach der ersten Be- obachtung zeigte der Komet, der sich im Sternbilde des Fuhrmanns, nahe der Grenze des PerseuS befindet, eine südwestliche Bewegung und einen gleichfalls im Opernglase sichtbaren Schweif. Am 8. Juli hat Professor Wolf von der Königstuhl-Sternwarte bei Heidelberg den Kometen photographiert und seine Helligkeit mit 7,5 an- gegeben. Da die Sterne bis einschließlich 6. Größenklasse mit bloßem Auge sichtbar sind, so befindet sich der Komet nur wenig von der Grenze der Sichtbarkeit mit unbewaffnetem Auge. Auch die RemeiS« Sternwarte zu Bamberg hat nach telcgraphiscder Meldung den Kometen inzwischen beobachtet; nach den dortigen Wahrnehmungen bewegt er sich jedoch nicht in südwestlicher, sondern in nordwestlicher Richtung, fodaß seine Höhe am Himmel zunimmt und die Gelegenheit zu seiner Beobachtung günstiger würde. Die Gegend des Himmels, in der der Komet verweilt, befindet sich nämlich in der gegenwärtigen Jahreszeit jenseits des Himmclspoles in unterer Kulmination, waS die Beobachtung namentlich während der Zeit der hellen Nächte, die in unseren Breiten zurzeit noch nicht beendet find, erschwert. Zur Bestimmung der Bahnelemente des Kometen, die über seinen weiteren Lauf Ausschluß geben können, müssen nähere Beobachtungen abgewartet werden. Ob der neue Komet 1911b ein auch mit bloßem Auge sichtbares Objekt werden wird, läßt sich im Augenblick noch nicht sagen. AuS der Kerkerzeit italienischer Kämpfer. Die in Palermo erscheinende„Ora" widmet mehrere Spalten der Schilderung eines Besuchs, den einer ihrer Mitarbeiter jüngst auf der Insel Favignana, der größten der an der Westspitze Siziliens gelegenen Aegatischen Inseln, machte. Auf Favignana befindet sich nämlich das Kastell, in dem Helden der italienischen Einheitsbewegung zur Zeit der italienischen Bourbonen viele Jahre in qualvoller Gefangenschaft saßen. Die Zellen, in denen Luigi Seltembrini. Rosolino Pilo und Francesco Crispi gewohnt haben, sind jetzt weiß getüncht; dagegen ist die Zelle Giovanni NicoteraS, des späteren italienischen Staats- Ministers, vom Malerpinsel wenigstens einigermaßen verschont geblieben. Die Zelle ist nicht ganz 3 Meter lang und 2>/z Meter breit; sie ist sehr niedrig und dunkel, so daß man ein Licht anzünden muß, wenn man etwas sehen will. Den Boden bildet eine Steinschicht, die ebenso lang, aber nur halb so breit ist wie die Zelle; an diesem Steinbett sieht man noch einen eisernen Ring, an dem die Ketten der Sträflinge befestigt wurden. Und in einer solchen Zelle verbrachte der wegen seiner Teilnahme an den italienischen UnabhängigkeitS- kämpfen zu Galeere verurteilte Nicotera einen Teil feines Lebens; er hatte niemals Licht und erhielt Luftzufuhr nur durch ein Loch in der Tür; vonhieraus konnieder vermuininteGefängniswarter ihn beobachten und ihm täglich das Schwarzbrotund einenKrug mit Wasser zureichen. Von dem Haß und dem Rachedurst deS Gefangenen gibt Zeugnis eine noch heute sichtbare,. mit den Fingernägeln eingekratzte Inschrift an der Vettwand; sie lautet:.DaS Licht, daS mir fehlt, das Brot, das Konkurs Carl H. Hintze. In der ersten Gläubigerversammlung in der Koukurssache Hintze wurde mitgeteilt, daß sich die Aktiven aus etwa 147 000 Bk. beliefen, denen jedoch etwa 2-/z Millionen Mark Passiven gegenüberständen. Hiervon seien 800 000 M. gedeckt, so daß noch zirka 1700 000 M. ungedeckte Forderungen vorhanden seien. Die Mieten für die Fabrik, das Geschäftslokal, rückständige Mieten, Gehälter und sonstige Spesen betrugen etwa 15 700 M. Hierzu kämen im Falle eines Konkurses noch 5000 M. Gerichts- und Konkurskosten. Der Wert der Aktiven sei jedoch im Konkursfalle nur mit 50 000 M. festzusetzen, so daß also eine Quote von ein Prozent herauskäme. Bei außergerichtlicher Regelung könne man eventl. jedoch 8 Proz. erwarten. Der Bücherrevisor teilte dann mit, daß Hintze sich bereit erklärt habe, bei einer Einigung 20 Proz. zu zahlen und zwar in drei Raten, die innerhalb von sechs Monaten abgetragen werden sollten. Da die Firma eine der größten in ihrer Branche sei und daS Geschäft außerordentlich gut gehe, so seien bereit? Verhand- lungen mit zwei Herren angeknüpft worden. Als Ursachen des Zu« sammenbruches der Firma Hintze kämen vier Punkte in Betracht: 1. Eine übertriebene Propaganda, die jährlich 130 000— 150 000 M. verschlungen habe; 2. die ungewöhnlich hohen Zinszahlungen und die Lombardierungen, für die Hintze 35—40 Proz. habe zahlen müssen; 3. die Preiserhöhung auf die Fabrikate, die Hintze in letzter Zeit infolge seiner unpünktlichen Regulierungen an seine Lieferanten gezahlt habe, und 4. der Umstand, daß das Unternehmen seinen Diskontokredit verloren habe. Die Privatausgaben HintzeS hätten jährlich etwa 40 000—45 000 M. betragen. Kohlenmagnat StinneS. Wie gemeldet wird, versucht Hugo StinneS, der rheinisch- West« sälische Montanmagnat, den Machtbezirk für seinen Kohlenhandel auch nach der Ostsee auszudehnen. Er hat mit der Stadt Stettin einen Vertrag abgeschloffen, wonach ihm Land zu einem Lagerplatz an der Oder abgetreten wird und versucht auch in Königsberg und Danzig festen Fuß zu fassen. Erst im Vorfrühling dieses Jahres hat StinneS resp. die ihm nahestehende Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten-Aktiengesellschaft eine KohlenhandelS-TranS« aktion in Berlin vorgenommen. Damals wurde die Kohlenfirma Kupfer u. Co., die aus den Moabiter Vorgängen bekannt ist. der Vereinigung Berliner Kohlenhändler-Aktiengesellschast angegliedert. Infolge dieser Angliederung erhöhte die Vereinigung Berliner Kohlen- Händler-Aktiengescllschaft ihr Aktienkapital von 1,10 Millionen Mark auf 3 Millionen Mark. Hugo StinneS und die Deutsch-Luxem» burgische Bergwerks- und Hütten-Aktiengesellschafi traten in den Auf- sichtSrat der Vereinigten Berliner Kohlenhändler-Aktiengesellschaft ein. Vor dieser Transaktion hatte die Vereinigte Berliner Kohlenhändler- Aktiengesellschaft schon eine Reihe von Berliner Kohlenhandelsfirmen aufgenommen. Es waren daS die Firma Leopold Pauly mit einem Kapital von 500 000 M., die Firma Ludwig Budde G. m. b. H. mit einem Kapital von 300 000 M., D. Timmendorfer mit 200 000 M. Kapital und die Firma Knoller u. Rahme. DaS Vordringen des rheinisch-wcstfälischen Kohlenmagnaten hatte seinerzeit auch die beiden Kohlenhandelsfirmen Cäsar Wollheim und Emanuel Fried- länder bewogen, sich gegen StinneS zu wehren. Die Firma Friedländer u. Ko. zum Beispiel war der Düsseldorfer Kohlenfirma Wulff u. Ko. nähergetreten und hatte dadurch eine Verbindung zwischen den oberschlesischen und den rheinisch-westfälischen Kohlen- interessen herzustellen versucht, eine Verbindung, die sich gegen StinneS richtete. Das Vorgehen von StinneS hat seinen Grund in dem Drang nach Unabhängigkeit sim Kohlenhandel für den Fall der Nichterneuerung des Rheinisch-westfälischen KohlenshndikatS. Die Großhandelsorganisation wird so umfaffend, daß der Kleinhandel aus die Dauer gar nicht dagegen aufkommen kann. Judustrie-Jnternationalität. ES ist noch nicht lange her, daß in Deutschland zahlreiche ln- dustrielle Unternehmungen, Bergwerke, Brauereien, Gaswerke usw. in den Händen englischer Kapitalisten waren, wie eS heute noch in Rußland der Fall ist. Seitdem ist das selten geworden. Ja, die Kapitalisten des Deutschen Reichs sind in steigendem Maße selbst da« zu übergegangen, im Ausland Eroberungen zu machen. Zu den spanischen Erzgruben Krupps, den Anlagen der Elektrizitätsgesell- schaffen in Barcelona, Südamerika, Rußland usw. kommen große Stickstoffwerke in Norwegen. Und wenn die französische Volks- Wirtschaft in steigendem Maße unter der abweisenden Haltung der Groß- banken leidet, die das stanzösische Geld lieber in russischen Anleihen anlegen oder eS den deutschen Finanzinstituten zur Verfügung stellen, als die einheimische Industrie zu fördern(wie das in einer mir mangelt, die Luft, die ich entbehren muß— das alles möge auch über alle Nachkommen des Hauses Neapel kommen. Die Völker mögen gedenken, daß die Rache gegen jede verruchte Dynastie immer lebendig erhalten werden muß und ewig währen soll." An einer anderen Wand scheint Nicotera seinen Groll gegen CriSpi ge« äußert zu haben; man kann daS aus den noch erhaltenen Worten: .Canaille Crispi" entnehmen. DaS neue Riesengeschütz der amerikanischen Marine. Die beiden neuesten Schlachtschiffe, die gegenwärtig jn den Werkstätten bei New Uork und in Norfolk im Bau begriffen sind, sollen eine Ausrüstung mit Geschützen erhalten, wie sie bisher noch nicht dagewesen ist. Das Kaliber ist auf den außerordentlichen Betrag von 33'/, Zentimeter erweitert worden. Der Kongreß hat die sehr erheblichen Kosten für diese neuen Batterien bereits bewilligt. Jedes der beiden Schiffe.New Dork" und.Texas" wird zehn dieser ungeheuren Feuerschlünde er- halten. Jedes der Geschütze ist aus den Herstellungspreis von rund 312 000 M. veranschlagt, und die Lafette wird außerdem noch 208 000 M. kosten, sodaß sich der GesamipreiS eines Geschütze« auf 520 000 M. belaufen wird. Für jedes dieser Schiffe wird die Armierung mit den neuen Riesengeschützen demnach über 5 Mill. Mark betragen, wozu aber noch kleinere Kanonen treten. Die Rohrlänge der Geschütze mißt 16,3, das Gewicht deS Rohres 1340 Zentner. Unter dem Rohr können der Länge nach 30 Matrosen bequen. nebeneinander sitzen. Nicht nur die Herstellung, sondern auch die Tätigkeit dieser Geschütze wird eine recht kostspielige Sache sein, denn jeder Schuß kostet, Ge- schoß und Sprengladung zusammengerechnet, die Kleinigkeit von 2900 M. Jedes der Geschosse wiegt 1270 Pfund, und ihrer Gewalt wird angeblich auch die stärkste Stahlpanzerung nicht widerstehen. UebrigenS werden auch diese Geschütze nicht lange ohne Nebenbuhler bleiben, denn in den französischen Marinewerkstätten befinden sich bereits Kanonen im Bau, deren Kaliber bis auf 34 Zentimeter Durchmesser gesteigert werden soll._ Notizen. — Emile Lebasseur, der am Montag in Paris gestorben ist, war der Nestor der französischen Bourgeoisökonomie. Man könnte ibn den französischen Roscher nennen. Mit Bienenfleiß hat er eine Menge wirtschaftsgeschichtlichen Material« zusammengetragen, unter anderen eine.Geschichte der arbeitenden Klaffen in Frank- reich" geschrieben, die im Laufe der Jahrzehnte auf fünf dicke Wälzer erweitert wurde. Bor einigen Monaten veröffentlichte der 84jährige den ersten Band einer„Geschichte des Handels in Frankreich". Sein bestes Buch ist das statistische Werk.Die französische Bevölkerung" in drei Bänden, die trotz mancher veralteten Anschauungen, nament- lich in methodischer Hinsicht, mustergültig geblieben ist'. Jn seinen wirtschaftstheoretischen Aeußerungen hing Levasseur dem vulgären Liberalismus an, der in seiner Jugendzeit im Schwang war. sehr mhciltrelchen Nrt!kelser!s ier„HumünitS' mit ein» Fülle von Talsachen belegt worden ist), so geschieht jetzt ein weiterer Schritt dieser Jnternationalisierung der Industrie unter dem Kommando der deutschen Unternehmer durch die unmittelbare Niederlassung fremder Gesellschaften in Frankreich. In der..L-rtaille Syndicaliste" l.GewerlschaftSkampf", der neuen syndikalistischen TageSzeitungZ hatte Merrheim mitgeteilt, daß Krupp im Begriffe stebs, in Feignies(Nord) eine Hütte errichten. Auf die Ableugnnng dxr Geschäft-patriotenpresse erklärt er nun:„Die angeblich französische Kapitaiistengruppe, die das Ge- ISnde in Feignies gekauft hat, nenne sich„Belgischer Metall- trust". Die neue Gesellschaft für Hütten und Stahlwerke sei von belgischen Kapitalisten gegründet, derselben Gesellschaft, die mit einem Kapital von 8 000 000 Fr. und 82 000 Genußscheinen die Lokomotiven« fabrik von Blanc-M>sseron errichtet habe. In deren Aufsichtsrat säßen unter andere» A. D r e u x von den Stahlwerken in Longwy, der Freund und Teilhaber der Firma Röchling lSaargebieij und Pangaert d'Ordorpe, Vertreter der deutschen Finanz in Belgien.„Bald werden wir, wie gewöhnlich, eine„französische" Gesellschaft sich bilden sehen, aber die Krupps stehen dahinter. Nicht mit ihrem Namen. Irgend ein Ingenieur wird als Deckschild dienen." Aehnlich sei in der Normandie bei E a e n ein Hochofenwerk von der Firma Thyssen errichtet worden. Auch hier wurde eine „französische" Gesellschaft gegründet und die wahre Sachlage ab- geleugnet. Unter der Firma„Französische Gesellschaft fllr Hochöfen in Caen" wurden vier Hochöfen errichtet; und jetzt sucht die Gesell- schaft uin Genehmigung einer Eisenbahn nach, die ihre Werke mit dem Meere verbinden soll. So wird das Eisen nach den rhei- nischen Werken, und Koks von dort zum Betriebe der Hochöfen in Frankreich geliefert werden. Den Franzosen kann eS recht fein, wenn ihre Bodenschätze, die durch die Trägheit ihrer eigenen Kapitalisten brachliegen, durch rührigere Fremde erschlossen werden. Die Ausbeutung der Arbeits- kräft«, die sich so im internationalen Nahmen vollzieht, wird dazu beitragen, alte Patriolische Märchen in nranchen fron- zösischen Köpfen zu zerstören. Schon seit geraumer Zeit haben die So h e n l o h e, eine echt internationale.Familie de?„deutschen ochadels", große Besitzungen im nordwestliche» Frankreich. Mögen unsere Geldsackpatrioten und Nationalsozialen in solchen Erscheinungen ein Stück„germanischer Welteroberung" begrüßen: die Arbeiterklasse begrüßt in diesen Erscheinungen die EntwickelungSstufen der Jnter- Nationalisierung der großen Wcltproduktion. die Borstufe des iuter- nationalen Sozialismus, der die nationale Ausbeutung so wenig kennen wird wie die soziale. 8o2ialeg. Tie sofortige Entlassung wegen andauernder Krankheit. � Der Prinzipal hat nach ß 72 Abs. 2 da» Recht, die sofortige Entlassung des Gehilfen zu verfügen, wenn er wegen anhaltender Erkrankung fehlt, muß ihm aber für die Dauer von 0 Wochen das Gehalt zahlen(§ 63). Ein Prinzipal, gegen den der Gehilfe vor der ersten Kammer des Berliner Kaufmannsgcrichts Klage er- hob, hatte die Rechte des Erkrankten aus g 63 vertraglich auSgc- Ichlofsen, jedoch gleichzeitig von seinem Rechte aus ß 72 de» Handels- yesehbucheS Gebrauch gemacht und die sofortige Entlassung ans- gesprochen. Der durch unverschuldete» Unglück dienstunfähig ge� wordene Angestellte sollte also nicht nur während der sechs Krank heitswochen kein Gehalt bekommen, sondern er sollte auch kein Recht haben, nach der Genesung wieder einzutreten. Ein solches Ber» fahren hielt daß Kaufmannsgericht für eine unbillige Härte. Wenn schon der Prinzipal durch Vereinbarung des GehaltsausschlusseS im Erkrankungsfalle keinen materiellen Schaden erleide, dann könne er auch wegen einer ihn finanziell nicht berührenden Krankheit nicht von der sofortigen Entlassung Gebrauch machen. Die Beköstigung des erkrankten Gehilfen. Ein Rechtsstreit um die Frage, ob der mit Kost engagierte ßiehilte im Erkrankungsfalle sich zum Essen in die Räume de? Arbeitgebers begeben muß oder ob er Zusendung ins Haus ver- langen kann, kam gestern bor der ersten Kammer deS Berliner Naufmannsgericht zum Austrag. Der Beklagte, Hofschlächter meister Buchwald, hatte den Kläger als Buchhalter mit 60 M. Ge halt und freier Belästigung engagiert. Als R. erkrankte, schrieb er dem Meister, er möchte ihm das Essen entweder ins Haus schicken oder veranlassen, daß es ihm sonstwie in der Nähe seiner Behausung verabreicht wird. Nachdem der Vertrauensarzt des Beklagten fest- stellte, daß Kläger zwar krank, aber doch nicht so hinfallia sei, daß er nicht behufs Einnahme der Mahlzeiten zum Meister gehen könnte, ließ dieser dem Kläger sagen, er solle sich bei ihm täglich zum Essen einfinden. Der Buchhalter weigerte sich indessen, diesem Ersuchen Folge zu leisten und beköstigte sich während der Krank- heitszeit selbst. Er verlangt jetzt 40 M. Schadensersatz für den Aufwand durch die Selbstbeköstigung.— In der Beweisaufnahme wurde festgestellt, daß R. in einem von seiner Wohnung weit ent- ffernt gelegenen Lokal zu Mittag gegessen hatte. Das Kaufmanns- geeicht wies daraufhin die Forderungen des Klägers ab. An sich mag der mit Beköstigung angestellte, erkrankte Gehilfe ein Anrecht auf Verpflegung im Hause haben, in diesem Falle konnte aber der Kläger ebensogut wie er das entfernte Lokal zum Mittagessen auf- suchte, auch den Weg zum Meister machen. Sein Anspruch fst Harum ungerechtfertigt._ l Ein Gewerbegericht fllr Roheit. ' Ein wohl beispiellos dastehendes Urteil hat daS Gewerbegericht In Köln gesprochen. Ein Ornamentenfabrikant hat einen Lehrling derart an den Kopf geschlagen, daß das Trommelfell platzte. Der Vater klagte auf Feststellung, daß er berechtigt sei, das Lehrvcr- hältuis zu lösen, und auf 250 M. Entschädigung. Ein ärztliches Zeugnis erklärte, daß das Trommelfell des Mißhandelten einen dreiviertel Zentimeter langen, zwei Millimeter breiten Riß zeigte, dessen Ränder blutig gefärbt waren. Ein vom Gewerbeaericht ein- gefordertes Obergutachten des Gerichtsarztcs Dr. Klempel be- stätigte dicS. AIS Grund für den Schlag hatte der Unternehmer angegeben, daß ber Lehrling eine Arbeit verdorben habe. Daß das mutwillig oder gar böswillig geschehen sei, behauptete er nicht. In seiner heftigen Erregung über den erhaltenen gewaltigen Schlag an den Kopf und Wohl auch verwirrt durch diesen hat der Lehrling einen Gegenstand ergriffen und gesagt:„Ich schlage Ihnen die Hirnschale einl", eine Drohung, die gewiß nicht ernst gemeint war. Der Lehrherr warf ihn darauf auS der Wcrkstätte hinaus. Das Gcwerbcgericht wies die Klage des Vaters ab. Der Lehr- Herr habe das ihm zustehende ZUchtigungsrecht nicht mißbraucht. Ohrfeigen seien, auch wenn sie an sich ziemlich heftig seien, an sich nicht alS übermäßige oder die Gesundheit gefährdende Züchtigung anzusehen. Die Verletzung des Trommelfells könne durch einen unglücklichen Zufall herbeigeführt worden sein. Verkehrter kann ein Urteil nicht gut sein. Der Lehrherr hat inic ein Züchtigungsrecht als solches, sondern nur das Recht der „väterlichen Zucht", aber dies nur zwecks Erfüllung der ihm gegen den Lehrling obliegenden Pflichten der Unterweisung. Davon kann hier keine Rede sein. Der Schlag war daher widerrechtlich, ein Mißbrauch des Zuchtrechts. Ferner ist jeder Schlag gegen den Kopf eine ausdrücklich dem Lchrhcrrn untersagte,„die Gesundheit des Lehrlings gefährdende Behandlung". Eine solche liegt schon dann vor, wenn die Gesundheit hätte beeinträchtigt werden können, und das ist bei jedem, insbesondere in der Erregung gegen den Kopf gerichteten Schlag der Fall. Endlich ist über die Gefährdung -hinaus die Gesundheit des Lehrlings durch den Schlag arg verletzt. Die Klage war deshalb vollberechtigt, die Berufungsinstanz wird ihr wohl stattgeben. Außerdem ist der Lehrherr auch ohne Antrag deS Lehrlings nach 8 232 St.-G.-B. strafrechtlich verantwortlich. DaS Gewerbegericht hätte die Pflicht gehabt, zur strafrechtlichen Verfolgung der Staatsanwaltschaft vo» dem Vorfall Kenntnis zu geben. Es ist glücklicherweise selten, daß ein so horrend ungerechtes QÖt'il m eiasm AmiHegeMt gcfW wird, 1>- Von der„Verjubung" des deutschen Volke?. Die Antisemiten und Konservativen lieben es. sich künstlich über die angebliche„Verjudung" des deutschen Volkes aufzuregen und den Anschein einer grausigen Gefahr zu erwecken, die dem Deutschtum drohe. In Wahrheit gibt es verschwindend wenige Juden in Deutschland. Gegen 62 Millionen Einwohner Deutschlands wurden bei der Berufszählung 1007 festgestellt, und darunter nur etwa eine halbe Million Juden, genau 667 000. Das macht noch kein ganzes Prozent der Bevölkerung aus. Und wenn be- hauptet wird, daß diese wenigen Juden sich in einzelnen bestimmten Berufszweigen ungebührlich und in einer für die übrige Bevölke- rung bedenklichen Weise vordrängen, so wird auch das durch die ! amtliche Statistik bündig widerlegt. Man spricht z. B. gern von der starken Durchsetzung des Handels mit Juden. Nun.Ist es wohl richtig, daß von den erwerbstätigen Juden, deren Zahl rund 292 000 beträgt, fast die Hälfte, nämlich 137 000 im Handel tätig sind. Aber neben diesen 137 000 jüdischen Handelsleuten gibt es 470 000 katholische und 1 122 000 evangelische Händler. Nur etwa den 26. Teil der handeltreibenden Bevölkerung machen demnach die Juden aus. Da kann von einem Ucbermaß jüdischen Anteils oder jüdischen Einflusses Im Ernste wohl nicht die Rede sein. Wenn also die antisemitischen Hetzer erzählen, daß die Juden sich deshalb vorzugsweise dem Handel zuwenden, weil man in diesem Gewerbe angeblich am leichtesten ohne Arbeit auf anderer Leute Kosten leben könne, so trifft dieser Vorwurf nur eine Handvoll Juden, dagegen Millionen Christen. Ebenso falsch ist die Behauptung, daß die Juden in den Be- rufszweigen, die schwere körperliche Arbeit ersordern, nur ver- einzelt anzutreffen seien. In der BerufSabtcilung Bergbau und Industrie wurden 63 0Ö0 Juden gezählt, also halb so viel wie im Handel. Davon kamen auf die Bekleidungsgewerbe 24 300, auf die Gewerbe der Nahrungs- und Genußmittrl 13 300. Nach mehreren Tausend zählen sie außerdem in der Metallverarbeitung, der Maschinenindustrie, der Textilindustrie, der Lederindustrie, der Holzbearbeitung und dem Baugewerbe. Auch im häuslichen Dienst befanden sich 6700 Juden. Außerdem gab es 13 800 Juden in der Gruppe„Militär-, Hof-, bürgerlicher Dienst, freie Berufe", wo sie in großer Zahl besonders als Rechtsanwälte, Aerzte, Richter, Staatsanwälte usw. tätig sind. Wie finden z. B. als höhere Reichs- und Staatsbeamte 244 Juden, daS sind fast 2 Prvz.; als Richtet und Staatsanwälte 905, das sind 4i4 Ptoz.; als mittlere Reichsund Staatsbeamte einschließlich der Justizverwaltung 689 usw. Von besonderem Interesse ist, daß in der Zeit von 1896 bis 1907 die Beteiligung der Juden an den verschiedenen Gewerben 'ich in umgekehrter Richtung geändert hat, alS das antisemitische Vorurteil behauptet. Im Handel hat sich der jüdische Anteil ver- rlngrrt: er betrug Proz. im Jahre 1896 unter 8 Proz. tm Jahre 1907. Dagegen tn der Forstwirtschaft, im Bergbau, in der Metallverarbeitung, der Maschinenindustrie und noch einer ganzen Reihe anderer Industrien ist die.Beteiligung der Juden gestiegen! Insgesamt sind die Juden so gering an Zahl, daß es schon ein merftvürdig schwaches Volk sein müßte, das ihrem Einfluß er« liegen könnte, selbst wenn der jüdische Einfluß ein eigenartiger und verderblicher tväre. ES sind aber— und daß Ist die Hauptsache— die Juden genau so schädliche und nützliche Menschen wie die Christen. Und es ist eine gefährliche Irreführung, wenn man die Schäden, die aus der kapitalistischen Wirtschaft entspringen, auf angebliche Rasseeigenschaften der Juden zurückführt. Wer das tut und dadurch die Empörung der Arbeiterilasse auf eine ReligionS gemeinschaft ablenkt, deren Angehörige zu einem großen Teil selbst ausgebeutete Arbeiter sind, der handelt alS Schutztruppe der chrtsb lichen und jüdischen Kapitalisten. Sericbts-Leitung. Die Bctrugsaffäre beS Grafen Wolff-Mettirnich, über die wir am Mittwoch ausführlich berichteten, kam gestern zur Verhandlung. Der Haupteinwand des Angeklagten gegenüber den ihm zur Last gelegten Betrugsfällen ist der, er habe sicher geho'" und hoffen dürfen, Frau Dolly Landsberger, Tochter deS Waren- Hausbesitzers Wolfs Wertheim, zu heiraten. Frau Wolsf Wertheim bekundet, den Angeklagten habe ihre Tochter auf dem Ostmarken- fest, sie selbst bei einer Veranstaltung von Kroll kennen gelernt. Dann besuchte er das Wcrthetmsche HauS, habe sich mit Staub- wischen, Festsetzung der Tischordnung und dergl. nützlich gemacht. Ein vertraulicher Verkehr habe nicht stattgefunden. Der Angeklagte habe gewußt, daß die Tochter sich nicht für ihn, sondern für einen Herrn von Vetter interessiere. ES habe das Witzwort kursiert: Den Vetter— ja, den Metter— nich." Als die Zeugin erfuhr, daß der Angeklagte sich im ESplanade-Hotel 20 M. geborgt habe und daß von seiner Verlobung mit ihrer Tochter in einem Eafö gesprochen werde, habe sie ihm geschrieben, daß sie ihn nicht mehr empfange und sei jede Beziehung abgebrochen. Mehrere Zeugen, darunter ein Amtsrichter Graf v. d. Schulenburg, der dem Ange- klagten einige tausend Mark geborgt hat. bekundeten, daß ihrer Ansicht nach der Angeklagte glaubte, die Hoffnung auf die reiche Heirat zu haben. Er habe mal gesagt: die Tochter bekäme Millionen mit. Das Geld liege zwar fest. Er bekomme die Zinsen von 140 000 M.,»das sei wenig genug, man könne aber davon leben". Das Urteil über die Verhandlungen, die heute fortgesetzt werden, werden wir mitteilen._ Knacks Photographie alS Streikvergehen! „Der Straßenbahner". Nummer vom 19. März 1911, hatte da» Bild deS Hamburger Straßenbahnschaffners E. Knack gebracht, damit seine Kollegen einen Mann kennen lernen, der sich dazu hatte gebrauchen lassen, der Bahnverwaltung mitzuteilen, welche Angestellte als Mitglieder des Deutschen Transportarbeiter« Verbandes an einer Versammlung teilgenommen hatten. Der Re« daktcur E. Riedel» Lichtenberg, hatte sich daraufhin eine— Anklage wegen Vergehens gegen§ 163 der Gewerbeordnung zugezogen Die Sache kam gestern vor dem Amtsgericht in Moabit zur Verhandlung. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld, machte darauf aufmerksam, daß hier eine Ausdehnung des 8 153 der Gewerbeordnung versucht werde, wie sie bisher noch nicht da war. ES handelt sich gar nicht um Knack, der etwa„bestimmt wurde, an Verabredungen zur Erlangung günstiger ArbeÜSbedin. gungen teilzunehmen oder verhindert wurde, davon zurückzutreten", wie es im Gesetz heißt, sondern es müßte sich um andere handeln, die sich aber nicht beschwert fühlten, und daS Vergehen soll darin bestehen, daß vor Knack gewarnt und festgestellt wurde, daß er eine Versammlung im Auftrage der Verwaltung besuchte und darüber Bericht erstattete. Der AmtSanwalt meinte, die Versammlung sei eine Vorbereitung zum Streik gewesen; er hielt 2 Tage Gefängnis als Sühne für da» behauptete Vergehen für nötig. Knack, der selbst keinen Strafantrag gestellt hatte, erklärte als Zeuge, daß er im Auftrage des Depotverwalters gehandelt habe.(Auf Grund scinrS Berichts über dle Teilnehmer an der Versammlung waren sech« Schaffner, die Mitglieder de» Verbandes waren, entlassen worden.) Der Zeuge erklärte ferner, daß von einem Streik nicht die Rede war, sondern daß eS sich nur um Gewinnung von Mit- gliedern gehandelt habe. Der Borsivendr fragte: „Ja, aber warum sollten denn die Leute entlassen werden, wenn sie dem Verbände angehören?" Knack:„Weil— weil sie nicht dem Verbände angehören sollen." Vorsitzender:„Hm."— Der Verteidiger legte daS Unhaltbare der ganzen Anklage dar. Er machte darauf aufmerksam, daß die Leute nur ihr Koalitions-. recht ausüben, wenn sie die Mitgliedschaft im Deutschen Tran»« xsrtgrbeitMeik'gLd eMerbeir, Md daß der Angeklagt» glz Kg. amlkt sseS Verbände» geradezu Lie Pflicht halle, Sic Mitglieder Sät Leuten wie Knack zu schützen.— Dem Antrage auf kostenlose Frei« sprcchung schloß sich das Gericht mit der Begründung an, daß ein« „Verabredung", wie sis das Gesetz voraussetzt, hier nicht in Frag« komme. Juristisch immerhin haltbarer als diese Anklage wäre eins solche gegen den Depotverwalter und gegen die sonst für die Spitzelei und Entlassung verantwortlichen Mitglieder der Bahn- direktion wegen Nötigungs- und Erpressungsversuchs gewesen, denn aus welchem anderen Grunde als um nicht bessere Lohn» und Ar« beitSbedingungen gewähren zu müssen, ist die Spitzelei und Ektt« lassung erfolgt? Die Staatsanwaltschaft hät also ein erfolgreiches Feld für ihren Betätigungseifer, wenn sie Anklage gegen die Rich- tigen erhebt. Uebrigens dürfte das Vorgehen der Straßenbahn- auch durchaus geeignet sein, in der Stadtverwaltung beleuchtet zu werden. Ist es mit dem Vertrag vereinbar« det Kit det Stadt geschlossen ist?____ Wcberprozesse und kein Ende- Vor dem Schöffengericht waren gestern der Verantwortliche Redakteur der„Oslpreußischen Zeitung" Sohr und der Schriftsteller Rudolf Herzog angeklagt. Gegenstand der von dem Schriftsteller A. O. Weber angestrengten Beleidigungsklage war ein von dem Beklagten Rudolf Herzog verfaßter und in der Ostpreußischen Zeitung" in Königsberg erschienener Artikel, welcher u. s. den Passus enthielt, wenn Frau von Schönebeck zum Galgen verurteilt worden wäre, so wäre dies nicht so schlimm, als wie jetzt wo sie den Mann geheiratet hat". DaS Schöffengericht kam nach kurzer Verhandlung zu einer Verurteilung der beiden Angeklagten. Mit Rücksicht auf die Schwere der Beleidigungen lautet das Urteil gegen Sohr auf 599 M. und gegen Herzog auf 369 M. Geldstrafe. Von den Verurteilten ist gegen dteseS unhalthätt Urteil sofdtk Berufung eingelegt worden._ „Politische Angelegenheit«»". In einer von der Zahlstelle Finsterwalde deS Deutschen Metalk. arbeiterverbandcs am 2. Oktober 1910 abgehaltenen Versammlung, in der Gäste Zutritt hatten, behandelte der Gewerkschaftsbeamte Pawlowitsch das Thema:„Leben und Leiden im StcafgefängniS und Zuchthaus, Teil!: Die Auswüchse tm Strafrecht". Der Metallarbeiter Just alS Veranstalter der Versammlung wurde tn zweiter Instanz von der Strafkammer in KottbuS wegen lieber» tretung des§ 6 deS RetchsvereinsgesetzeS zu einer Geldstraf« ver- urteilt, weil es sich um eine öfsentliche Versammlung zur Erörte- rung politischer Angelegenheiten gehandelt habe, sie aber gleich. wohl weder polizeilich gemeldet noch in einem der vom Landrat dafür bestimmten Blätter bekanntgemacht worden sei. DaS Land« geeicht führte u. a. auS: Redner habe an der Hand von Beispielen zu zeigen versucht, daß seitens der Gerichte Fehlsprüch« ergangen seien. Er habe auch von der Todesstrafe gesprochen und erklärt. selbst bürgerliche Blätter seien für die Abschaffung der Todesstrafe eingetreten. Die Ausführungen deS Redner» hätten die Tendenz gehabt, in den Zuhörern die, Empfindung wachzurufen, daß Mängel in der Gesetzgebung vorhanden seien, um damit weiter in de» Zu- Hörern Gedanken hervorzurufen, wie diesen gesetzlichen Mängeln abzuhelfen sei. Daraus folgert daS Gericht, daß politische Ange« legenhciten erörtert worden seien. DaS sei auch von vornherein beabsichtigt gewesen. Die vom Angeklagten eingelegte Revision rechtfertigte am Dienstag Rechtsanwalt Dr. H. Heinemann vor dem Kammergericht. indem er vor allem geltend machte, daß der Begriff der Erörte« rung politischer Angelegenheiten im Ginne de» LereinSgesetzeS ve» kannt fei. Ein Schluß auf solche Erörterungen lasse sich nicht- ziehen au»„einer Tendenz, Empfindungen wachzurufen, daß Man. gel in der Gesetzgebung beständen usw.". wie et da» Landgericht tue. Vielmehr setze da» VereinSgesetz Erörterungen vorauS. die direkt und unmittelbar darauf abzielten, die Gelttzgebung in Aktion zu setzen. Das Kammergericht trat der Revision bei, hob die vorentschei- dung auf und vorwie» die Lache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an da» Landgericht zurück. Diese» müßte nach- prüfen, ob bei jenen Erörterungen die direkte Absicht obwaltete» direkt und unmittelbar einzuwirken aus die staatlichen JnstitL« tionen, daS bestehende Recht zu ändern. Ein famoscS Stückchen preußischer Zensur. Ein polnischer Verein in GemMtz(Regierungsbezirk Blomberg) wollte daS polnische Theaterstück„Eva MiatowSka" aufführen. Die Polizeiverwaltung wandte sich an den Oberzensor der Provinz, den Polizeipräsidenten von Posen, und untersagte gemäß dessen Gut- achten die Aufführung, weil der Inhalt de» Stücke» geeignet sei. in hohem Grade das polnische Nationalbewußtsein wachzurufen und zu stärken. Di« Vorstandsmitglieder Korrow und Otulak klagten: die Klage wurde aber tn zweiter Instanz vom Bezirks- auSschuh mit folgender Begründung abgewiesen: DaS Stück be» handele die Belagerung einer polnischen Festung durch die Türken im Jahre 1676. Eva MiakowSka trete als polnische Heldin darin auf. Schwunghafte Reden vom polnischen Vaterland würden ge- halten, daS man immerdar und überall lieben müsse. Andererseits wird Eva gefeiert alS eine Heldin, die den Polen die Gewähr biete, nie geistig zu fallen. Die polnischen Frauen gingen lieber in den Tod, alS daß sie ruhig zusähen, wenn ihr Vaterland tn Gefahr sei. Eine solche Herauskehrung de» polnischen Nationalgefühls müsse auch im geschichtlichen Gewände, so meinte der BczirkSauSsibuß, auf die Zuhörer dahin wirken, daß das polnische NationalitätS. bewußtsein gestärkt werde, und eS könne der Erfolg nur der sein, alle Hoffnungen auf ein neues polnisches Nationalleben hell zu entfachen. Daraus sei eine Erschütterung der bestehenden Ver- fassungsverhältnisse zu befürchten. DaS Oberverwaltungsgericht bestätigte am DienStag da» Nr» teil. SS steht auf dem Standpunkt, daß die Zensur ihre Stütze findet in§ 10 II 17 deS Allgemeinen Landrechts, wonach die Auf. gäbe der Polizei sei, Maßnahmen zur Aufrechterhaltung ber öffentlichen Ordnung zu treffen. DaS Preßgesetz habe daran nichts geändert. Im Rahmen des 19 Teil II Titel 17 deck Allgemeinen LandrechtS halte sich aber die Verbotsverfügung. Es sei kein Rechtsirrtum, wenn der BozirkSauSschuß das Verbot für gerechtfertigt erachte, weil nach seinen Feststellungen die Aufführung seitens einer Liebhabergesellschaft geeignet wäre, großpolnische Neigungen in den Zuhörern zu befestigen ugd wachzuiijsen.—— ßnefhaften der Rcdahtioii. Vom Montag, den 26. Juni, biS Sonnabend, den 16. Juli ein- schließlich, findet die Sprechstunde in der Zeit von 7>/« diS 91/. abends statt. Ernft S. Nein.— Wanverderein»BerNn-. Waniersahrten am Gönn« ßa g, den IV. Juli: I Wannsee— Griebnitzlee— Drewitz. Abfahrt 7,tü Uhr Kannfeebahnbbs. II. Grotz-Köris�-Dubrow— Köniaswusterhaufen. Abfahrt V,«S Ühr GSrlitzer Bahnhof. III. FinkeNtrug—Briefeläng— Hennigsdorf. Abfahrt 6,84 Uhr LeSrter Bahnhof. Gast« willkommen� Tourcnprogranmie bei Kruft, Marianncnstr. II. Marttpretfe von Berlin am IS. Juli 1911, nach SrmItiellNig dct Königlichen Polizeipräsidiums. M a r k t h a l l« n p r e i f e. Ivo Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50," meiste 30,00-50,00. vlnsen 00,00- 60,00. Kartoffeln 12, framm Rindfleisch, von det Keule 1,60—2.40. Rindfleifch, Bauchsleifch t,20 i4 1,60. Schweinefleisch 1,10—1,80. Knlbficifch ILO— 2,40. Hammelfleisch 1,50—2,20. Butler 2.20—2,60. 60 Stück Eier 3.00—4,80. f Kilogramm Karpfen 1,60-2,40. Aal« 1,60-3,20. Zander 1.60—3,60. Hechte 1,40 bis 2,60. Barsche 1,00—2,00. Schleie 1,20—3,40. Bleie 0,80—1,60. 60 Stüfl Krebs« 2,00-40,00. SyttternngvitterNedt»am 13. Jutt 1911. etotnembt Hamburg Serlin_____ Sranfi.o W..767 Ni) München d 767 SV 769 NNV 767 N 1 Wien 787 52 766 Still Bettet tass ci% I- 2 bedeckt 2 heiter 1 wolkig 3 heiter 2 halb bd. iditer «tottone» & Pl if 'aparanda 764 NW Petersburg 760 NW Scilly 2ll>ert>ee» Banz 773 ONO 776 WSiW 770 N Bettet "t H i» 2 bedeckt 1 beveckt 2 halb bd, 1 wollen! 3 bedeckt «Setterprognote für Freitag, de« lt. Juli 1911. Wann und schwül, vielfach heiler, aber veränderlich bei meist schwachen nordwestlichen Winden und etwas Neigung zu Gewittern. Berliner Wetterbureau. vasferstand M e m« l. Tilsit P r e g e>. Jnsierbittg Weichsel, Thor» Oder, Ratibor , Krosicn , Frantiurt Warthe, Schrmnn , ÜandSberg Netz«, Bordamm Elbe, tteimieritz , Dresden . Bardo , Magdeburg Wafferstau» Saale, GrochNtz Havel. Svandaul , Ziatbenow') Spree, Svremberg'f , veestow Weser, Münden , Püiiden Rhein, M aptmilianSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbroem Main, Werth eine Mosel. Trier am 12. 7. am 48 30 4 72 I 73 -136 -45 468 238 222 45 90 ieit 11.7, cm') --Ä 0 -15 0 0 -11 —1 0 —7 —8 +3 0 -10 ») 4" bedeutet Wuchs.— Kall.—•) Uniervegel. Zentral-Verband der Zimmerer Zablftelle Berlin und Umgegend. IRitglieder- Versammlung Inittg, btn ll.luli, adnids 8'= illjt, in„Lakrnmldcheii";a Ztkgiih, Zlhiitznifllajfe. Der wlrttcbaftlicbe Hufitleg der Arbeiter und der larifvertrag. Referent: VerbandSredalt eur August Bringmann.Hamburg, Diskussion. Kameraden! In Anbetracht dieses aktuellen Vortrages ersuchen wir Euch recht dringend, in dieser Versammlung Mann sür Mann zu efscheinen,_ 254/14»_ Der Vorstand. Bez. Numinelsburg- Boxhage». Äzilltdenlbllr. Wahlnnciil Nicdcldaram. Dienstag, den 18. Juli, abendS 8'/, Uhr: General- Nersammlnng im Caf6 Bellevue. Tagesordnung: Vortrag beb ReichZtagSabgeordneten Genosse Stttelrl«» überr.Die kommenden ReichSlagSwahIen'. Bericht der Bezlrislettuna. Wahl der Be- girkSIeitung. verschiedenes, Mitgliedsbuch legitimiert. S/S_ Die Bezirksleitung KrankeD-ßQiei'stülzuags- Ei Besräbiiis-Yereiii tür Bau- und gewerliL Arbeiter mr Heute, Freitag, abends 8V, Uhr, im GcwerlschaftShaus«, Engel- ufer 14/15, Saal 4 fArbeitslosensaal): Liizeung dep�ptsyerwallung. Montag, den 17. Juli. abendS O1/« Uhr: Mitglieder-Versammlung für den ISealrk Horden bei O b i g l o, Schwedter Straße LZ. »lrbeirsnnmwetti Hot l,«MI 3, 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Hauplbureau: Lbsrittelrvb« Z Hot III. Amt 3, 1967. streit« ist es hmat zu WSWWWWM Versammlung zu sorgen. und um vorhandenen Ihr» Pflicht, Sonntag, den IG. Juli, vormittags 9V, Uhr: Allgemeine Versammlung aller in den Ejselljtttnstrtiktloug'Werksttittell litschiistlgttll Arbeiter in den Andreas-Jestsälen, AndreaSstr. 21. Tag«S-Orb nung: 1..Unser letzter Lohnkamps und«aS mutz dl« Urbetteeschaft davon gelernt habend Referent: Kolleg« Il»uckltv. L. DtSkussion. 3. Branchen» und Verbandsangelegenheiten. Kollegen l Mit Rücksicht aus die Wichtigkeit der Tch auch eine Aussprache über die nach Beendigung de« Sohl» und ArbeilSoerhSlinisse vornehm"'----- Jüc guten und zahlreichen Besuch dieser Sonntag, den 1«. Juli 1S11. vormittags S'/s Uhr» im Gewerkschaftshause. Engelufer Id. Saal ö: Branchen- Versammlung all,r in der Eifenmödelbranche br schüft. Kollegen und Kolleginnen. TageD-Ordnung: 1. Vortrag de« Kollegen A�olt Wnncliicb:»DarlfvertrSge.« 2. Bericht der Kommission. 3. verschiedenes. Die Kollegen und Kolleainnen der ginnen: Karl Schulz. Paul Rehe. Farster u. Schul»,«»«stav«ieve. Jean Schöngrass, Lewal», Amerikanische Mrtallbettenfabrtk. Pech. Karl Seifsert. Kunze. Lenz, Hermann Reinhold, Lüdke u. Zander. MothS, Eroth u. Brand,«aspari-Marienselde, sind ganz besonder« eingeladen, »l« Ortnverwnltnny. 117/19 Zentralverhand Dachdecker TcrwaUnneaatoIIo Berlin. Sonntag, de« 10. Juli, vormittags 10 Uhr. im«everkschaftbhau», Engeluser 15, Saal 1: liellera!versammluvg-.rvaedlleehervlll!lsarde!ler TageS-Ordnung: 1. Kaflenbericht von, 2. Quartal 1S11. 2. BervandSangelegenhelten, um, Da unier VcrbandSangelegenhcilen wichtig« Beschlüsse zu lassen sind, so erwartet pünktliche« und oollz-hlize» Erscheinen der Mttglieder MHÜ Der VoratBna. Verknaf nar im Fubriiicobttiide!■HB Sie sparen Geld! 17| Akcml � Engrospreisen? O M tT■ ln g« Möbelfabrik � |U.Waltir«, Willi MaatSisj I kaufsn. V 6 1 k a u f nur im Fabrikgebäude— nur■ ■ eigenes Fabrikat.— Aul Wunsch Teüzahlung.■ ■i Permanente Musteraimmer-Aiustellung.■■ 35 Berlina and Umgegend. Sonntag, den 16. Juli 1011, vormittags 10 Uhr, beim Mitglied Bercht, Ritterstr. 7S: Lellörki-Verzsmmillvg. Tagesordnung: 1, Abrechnung vom 2, Quartal tSll. 2. VereinSangelegenhetten. 3. Vcr. schiedenes, 37/6 XL, Arbetter jeden, Berufes, bi« zu 50 Jahre alt. werden in der Ber sammlnng ausgenommen, Ii. Kit. Oadegufit, Vorsitzender, Soldiner Sir, 75, mä Für Kinder ist Fruchtsast da« Gesündeste und Betiebtl eine« ErsrischungsgelränteS, pressen der Frucht immerhin i pielig ist, wird diesem auf leicht / % \ ■ H B da« Gesündeste und Beliebteste zur Herstellung ' Da aber das Aus» umständlich und kost« spielig ist, wird diesem aus leicht« Art mit den beliebten und bereit« millionensach gebrauchten Reichel« Limw naden-Sirup-Sxtrakien abgehollen. Dieselben enthalten da« volle edle Fruchtaroina und ergibt eine Flasche 5Psd, hallbaren Llmonadenstrup vonstaluienSwerlirOuali« tät und reinem Fruchtgeschnrack in Himbter, Kirsch, Erdbeer, Sitronen, Grenodtne, Limeila usw,— Orlginalfl, 75 Pf, Zur robe>/, Flasche 40 Ps,— Jede ölouomlsche Frau wird von der Einsachheil der Bereitung und der»rosten Billigkeit überrascht sein, denn 1 Psd, stellt sich fix und fertig aus nur /Sy. köstliche Li« 25 Pf� wo- Monaden, durch c« jeder Puddings, Familie ir!yaf**?v«>. Flamme-. möglich ri« w, zu+ Erhllltlich in den bekannten Drogerien, die.Orlglnal-stelchel- Etsenzen'1 führen, wonn ausnahmsweise nicht, Versand ab Fabrik. Vor untauglichen Nachahmungen wird dringend ge- warnt I Man nehme nur die echte Marke„Llchtherz", denn dieee ist einsig und altbewährt. Otto Reichel. Berlin SO, Eisenbahnstr. 4, Fernspr. IY, 4751, 4762, 4753. Anaführliohes illustriertes Rezeptbnch:„Die Destillierung im Haushalte* gratla.____ Krankkll- vud Stcrbtklfe aller gewerblichell Ardeiter für Schöueberg und Kerim. (E. H.-K. 116.) Sonntag, de» 23. Jull 1911, vor- mittag» 9 Uhr: Venerlli-Verssmmluiig in Grosser«»Reue RalhauSsäle», Melninger Siraste 8(Tunnel). TageS-Ordnung: 1. Bericht der Delegierten der beiden Kongresse der Kranlenkassen. 2. Bor- besprechung über die zuküniliae Ge> staltung unserer Kasse. 3. Halbsähr- licher Kassenbericht. 4. Verschiedene Kassenangelegenhelten. Mitgliedsbuch legitimiert I Um zahlreiches und pünliliche» Gr- Icheilten der Mitglieder ersucht Der Borstand. 292/20' g. A.: G. Jaenicka Isii�alllung V/öclielillicli nul 1 Um ttefrsn.«Ks t.»m»n. ddr»». lloUen, Pfeisvlidtzlngvr. Ltsm- moptiono. l�tlnsolinen.(Zeigen. Teppiche. Stepp- und Tisch- becken, Bilder. Fahrräder etc.__________ .. a ii**• Warschauer Strasse MreMöBiurt'Är.uu' UEDECI Tischlers Verein zu Berlin»«»> Sonnabend, den 15. Juli, abends»>/, Uhr, Melchiorstr. 16: General-Versammlung T.-O.: Bericht vom 2. Viertelsahr 1911. Verschiedenes.— Mitgliedsbuch legitimiert. Ausnahme neuerMitglieder. 106/17 Der vorstand. Allg.Kranktn-v.Zlerbt!lasst der Metallarbeiter. E. H. 20, Hamburg. Eil. DharloNsndurz. Sonnabend, 15. Juli, abds. Sll, Uhr, im.VoltShauS": S1tttgltcder-Ler> fammlung. Bericht von der General- Versammlung. Reuwahl de» Kassierers. 119/20 Die Ortsverwaltung. SibKotHehteiter seien darauf hingewiesen, daß fachen ein neuer Land der gern gelesenen Zeitschrift„In freien Stunden" zur Huegabe gelangt ist. Tiden Wünschen folge gebend, bat ftch der Tcrlag entschlossen» eine Anzahl Binde auf gutem papier drucken zu lassen. Der preis beträgt in Dalb- franz gebunden 5 sti., auf geringerem papier Dalbfranz 4 fll., leinen 3,50 M- Hie ftauptroman ist in dem Band der rObmliebrt bekannte Roman von Kart SpindUr „Oer Iuöle" enthalten.— Der weitere Inhalt ist wie sonst reichhaltig und interessant. ss ßucbbandlung Vorwärtö, Luiden Itr. 69, taden. A»A»«A«»U»AAA»AUA»»» Jeder Herr§ 8 w.loh.r«ohfln und blllif»leh kUld.a •in.□ Poit«« c«bn>uohWr H.rraa.Aacft«». F»l*«oU»»«., Mw f■---*"--- Uob» •nt«a ttlfcer will, mpfthl. __________„__________________ l paiatot««to,, tir i»d» Figur pumd, Mlanga du Vorrat reicUfa. Dia Jaohan »lad aoa prima MaaitoRau angalartigt, teila tob Ilnnso, oioaolna aua AboDDnmontihtaaara itamm.n 1, bis IOC Uark, jatat au(olgaadao Preiian: Jaokett-Ana&go.. dl. 10, 1«, 16, 20«to. Aorrsn-Latotot,.., 8, 12, 14, aook-Moüe-Anittgo, 12, 16, 18, 20 a Oehrook-AnzUga.., 12, 22, 28, 28 0 Harren-Hosen..., 3, 4. 6, 7, ßl II: Elegante neue ßaröerobc. J JMflMfl Sa». ör.FrankturUr Str. 116, � 8 WllllM il üoaabtft: Chavssiests. 89 Ventiuhsielle Kr Um Westen; Jägerstr. 11. T«rlSlli«a� tob Fraok- tu OBseUaohBfU-AiiztigrBB. SWT Bitt« gvn&a dl« Haafnamxnsr bsaobfcsn._ iA«BAUAAAAAUUUUAA»»A Mieter. K"6' illZer gesund, modern und billig wohnen will, besichtige die Wohnungen an der Schloß-Allee, am kgl. Schloßpark Pankow-?!ieder-Schöntia»sen. Dax» 4 Zimmer von 7SV M., st Zimmer von«SV M.,'4 Zimmer von 400 M. an."BM Für 10 Ps. direkt zu-reichen mit der Stelttner Bororidahn(vis Siaiion Paulow-HeinerSdors), mit der Siemens- bahn von der Miltelstraste sowie der Linie 49. 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Abt.: am 1«. 6'/, Uhr abend«: am 16.«Uhr früh: Lübbenau sstadt Berlin), 1 Uhr: KauISdors. Korso- sahtt In FriedrichSjelde. Start: RüderSdorser Str. 60. 5. Abt.: 7 und 10 Uhr: Freibad Müggelsee. 1 Uhr: RasensteMer Mühle. Start: Cluftum. 6. Abt.: 6i/, Uhr: Bornfledt-Bornim. 12'/, Ubr: Wannsee(gürstenhos). Start: Oderberger«traste 26. Abt.: 6 Uhr: KärbiSkrug. 1 Uhr: Eichwalde tfr lWaldschlöstchen). Start: KöSliner Str. 6. 8. Abt.: am 18. 9 Uhr abends: Gosener Berge.(Mondscheintour) am 16. früh 1 Uhr: Spreewnld.(Bahn- sahrer 6» srüh Görlitz, r Bahn bis Lübbenau). 10 Uhr: WolterSdors. Start: Beuflelstr. 22. 0. Abt.: t2'/, Uhr: Pserdebucht Nttzeljagd). Start: Schillingstr. 22. 10. Abt.: 7 lind 12'/, Uhr: Fried- richsbagen svadetour)(Berend). Start: Weberitc. 6. 11. Abt.: am 19. 2 Uhr! StrauZ. berg(Hungriger Wols). Start: Ver- bandShau»._ Lichtenberg und Umgegend. l.. 3.. 4.. 6. und 6. Abt.: l'/,Uhr: Bolkssest nach Frledrlchsselde. Start: an den bekannten Stellen. 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Die drei Grazie».(Ans. VI, Uhr.) Voigt. Goldene Jugend. Nonck. Stadt und Land.— Spe> zialitSten. Kaiser- Panorama. N. Zyklus: Indien.— Wanderung aus Born. Holm. Urania. Da, ibenstraste 48/4». 8 Uhr: Lebende Tierbilder von nah und sern. Gternlvarte. Jnvalidenstr. 51— 62, Schiller-Thealer c"n' Der dunkle Punkt. Lustspiel in 3 Asten o. G. Kadelburg und Rudols PreSber. Ansang 8 Uhr. Ende 10 Uhr. Morgen und solgende Tage: D«?!» ckonlil« l'anlit. MöUöZ Kgl. Opern-IheateriKrom Freitag, den 14. Juli» abends 61/, Uhr: Gatitpi«! Martha Leffler-Burckard; Götterdämmerung Eonnabend: Tanntaitnaer. Sonntag: Die Sfelateralncer Ton yUrnberg. Urania. WissenschaftliVheB Theater Taubenstralle 48/49. Abon Js 8 tJhr: Lebern' Tferbilder von nah isnd fern. ('• aO�iSCHKR «ARTEN Täglich ab 4 Uhr: Großes Militär- i] Doppel-Konzert. Eintritt 1 Xlark. von abends t» Uhr ab SV Ps., Kinder unter 10 Jahren die Hülste._ Freier Ruder-Bund Berlin. Sonntag, den 16. Jnli: : RudersRegatta: auf derc RnmmclNbnrKer See. Beginn: 12 Uhr.— Ziel:„Liebesinsel".— Freie Ueber- -— fahrt dorthin.= Im Anschluß an die Regatta: == Großes Sommerfest" im Etablissement„Schwanenberg", Stralau, Tunnelstraße. Konzert, Turnerische Aufführungen, Kinderbelustigungen, Tanz etc. Berliner Theater. Wiedereröffnung nach den-Farieu Sonnabend, de» 15. Juli, abends 8 Uhr: BnmmelMtudenten. friodrich-Wilhelmstadtiscties Schauspielhaus. Sownerspielzelt Direktion stiel. Täglich 8 Uhr: Badines Entführung. Roman. Operette i. 3 AN. v. Alb. Nack. Mus. v. Fil. de Cristosaro. Ans. 8 Uhr. kolies Caprice. Täglich 8'/, Uhr: parisiana-Znsemble. s Frauenhäte. Tie letzte Rächt. Ein Fenster zu vermiete». Das Strumpfband. Heues Theater. i Uhr. 8 Uhr. Täglich: Der Rodelzigeuner. Reichshallen-Theater. Stettiner Sänger. (Letzte Woche vor ihrer Ferienreise). Ansang ÖP® wochentags «Uhr. Sonntags 7 Uhr. Sonntag, 16. Juli: Erstes Gastspiel Oskar Junghähnel mit seiner berühmten Herrengesellschast. l!jISts0sIl>!-ItieZtös. Operette in 3 Akten von I. Freund. Mufik von Rudols Nelson. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestaltet. Huadlter Wintergarten Artussffof PerlebergerStr. 26, Stendaler Str. 18 Direktion: Karl Pirnau. Freitag, den 14. Juli: Monsieur Alfons. Schwank in 2 Bildern. Spezialitäten. Ansang ö Uhr. Vorstellung 7 Uhr. Borzugskarten Ijaben Gültigkeit. Zellevue. ummelshurg am See. Inh.: G. Tempel. Jeden Sonntag: Spezialitäten-Iforsteli. u. Garten-Konzert. Jeden Sonnabend und Donnerstag: Eoireen der flotfmanns Sänger Alt-Hoabit 47/48. Sonntag, den 16. Juli 1911: Neues Programm! Theater und Spettalitäten. Ansang deS Konzerts 5 Uhr, der Vor» stcllnng 6 Uhr. Nach der Vorstellung: Tun». Jeden Montag: Luftige Sänger. 8 Uhr: Die podiosen Spezialitäten. 8',. Uhr: Enaemble-Oastsplel Harry Waiden in Sein Herzensjunge. Vaudeville mit Ges. u. Tanz in 2 Akt. von A. Neidhardt und R. Schanzer. Mufik von W. Kollo. osu-m/tfe Voiksoarten-Theater Freitag, den 14. Juli: Konzert, Theater- u. Spezialitäten- Vorstellung. Uli/ Maritza. Ernst Lissek. Larc Reels Arlette und Esra. Der artesische Brunnen. Zauberposse m. Ges. u. Tanz o. Räder. Mo auserlesenen Attraktionen! LA TORTAJADA. Die 7 Korinnas, klassische Tänze. Kuofmanas Lady cycletroupe. He Dio. Charles Barons Burleske- Menagerie. Tschin Ilaes 8 heil. Chunguaen und eine Kette hervorragender Kunstkräffe! Voigt-Theater Gesundbrunnen, Badstrage 58. Heute sowie täglich: Goldtilk ZUlsttld. Gr. Lebensbild m. Ges. u. Tanz i. 3 Ast. Gänzlich neue erstklassige Spezialitäien. Kasscneiösftning 2, Ansang 4 Uhr. An' fÄMtrklili�s-r Eis- Arena. Geöffnet v. 10 Uhr vorm. in der heiSen Jahreszeit angenehm kühler Aufenthalt. Allabendlich: D. prunkvolle Eisballett' Ifiontreal Die Stadt auf Schlittschuhen. Sensationelle Attraktionen! Johnstowns Untergang, Cairo, Lacbhans, Hippodrom• Lehmann, Tanagra- Theater, Teutelsrad, Mooiin ronge, Gebirgsbahn, Wasserrntscbbahn, Mon Plaisir n. t. a. Morgen Sonnabend, den 15. Jnli: Elitetag. 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Die Genossen von Waidmannslust fahren gemeinschaftlich mit dem Zuge 7.47, die Genossen der übrigen Be- zirksorte werden ersucht, den gleichen Zug zu benutzen, fahren also 7.50 ab Hermsdorf, 8 Uhi� ab Stolpe, 8.03 ab Hohenneuendorf. Ferner, am Sonntag, den 16. Juli, Anfang nachmittags 3 Uhr, S o m m e r s e st, bestehend aus Konzert, Ball, Kinderbelustigungen, Lampionumzug, Preiskegeln, Preisschießen usw., im SchweizerhauS zu Waidmannslust. Um allseitige Beteiligung ersucht Die Bezirksleitung. Rudow. Am Sonnabend, den 15. Juli, abends 8'/, Uhr: Generalversammlung bei N. Rolle. Köpenicker Str. 86. Außer sonst wichtigen Beratungsgegenständen steht die Wahl der Funktionäre auf der Tagesordnung._ Berliner JVacbricbtenc Sittliche Entrüstung in der Armenpflege. Von Zeit zu Zeit mutz dem satten und darum braven Bürger immermal wieder gezeigt werden, wie schwer es die Armenpflege mit den Hilfesuchenden hat und wie oft Bittsteller als Unwürdige entlarvt werden. Solche Nachrichten zu verbreiten, ist Spezialität eines Berichterstatters, der früher den Posten des Magistrats- offiziosus innehatte und auch jetzt noch sich den Nathausleuten gern gefällig erweist. In diesen Tagen hat er an die Zeitungen einige Mitteilungen über„unverschämte Arme" versandt, die der Leser bürger- licher Blätter als typische Beispiele hinnehmen soll. Er erzählt von einer Frau, die ohne Not eine Armenunterstützung verlangt habe und nun auf die Armenverwaltung schimpfe, weil sie ab- gewiesen worden sei. Die Schilderung enthält auch die Angabe. «in Sohn dieser Frau sei außerehelich geboren, und ebenso rühre das jüngste Kind von ihrem Schwager her. Was hat das mit der Feststellung zu tun, daß die Frau nicht hilfsbedürftig sei? Soll der werte Leser samt der werten Leserin sich sittlich entrüsten? Derselbe Berichterstatter versandte am nächsten Tage eine Notiz mit der Ueberschrift„Ein Bild aus der Tätigkeit eines Ber- liner Armenkommissionsvorstehers". Darin gibt er den Bericht eines Vorstehers wieder, der zusammen mit einem Waisenrat eine Almosenempfängerin besucht hatte. Geschildert wird der Schmutz, der in der Wohnung vorgefunden wurde, und zuletzt erfahren wir noch:„In dem Bett lag die N. mit ihrem Schlafburschen." Der Frau seien dann ihre Kinder abgenommen worden, schließt die Erzählung. Hier läßt sich der Hinweis auf das Verhältnis mit dem Schlafburschen verstehen als Begründung für die Wegnahme der Kinder, die in solchen Fällen für nötig gehalten wird. Aber die Wiedergabe dieser Einzelheit in Oder für die Zeitungen be- stimmten Notiz hat wohl hauptsächlich den Zweck, auch hier wieder dem Spießbürger zu zeigen, mit einer wie verwor-fenen Menschens orte die Organe der Armen- und Waisenpflege sich plagen müssen. „Solche Fälle sind leider nicht selten," sagt die ersterwähnte Notiz. Das ist schon glaubhaft. Die Stadt Berlin zahlt nämlich laufende Unterstützungen für Almosen- oder Pflegegeldempfänger in monatlich mehr als 48 000 Fällen, da brauchte man sich nicht groß zu wundern und aufzuregen, wenn selbst einige hundert Un- würdige sich darunter fänden. Daß die Armenverwaltung ein Interesse daran hat, diese zu ermitteln, ist selbswerständlich. Wer aber kann ein Interesse daran haben, das Ergebnis ihrer amtlichen Feststellungen weitesten Kreisen bekanntzumachen? In jenen Nottzen werden die betreffenden Personen durch Mitteilung von Einzelheiten(die wir nicht wiedergeben) so gekennzeichnet, datz es z. B. Hausbewohnern nicht schwer sein kann, sie wiederzuerkennen. Wir sind bisher immer der Meinung gewesen, bei der Armenver- waltung bestehe der Wunsch, datz über die Amtstätigkeit der Armenkommissionen die Verschwiegenheit gegenüber Unbefugten ge- wahrt werde. Vermutlich glaubte jener im Rathaus ein- und aus- gehende Berichterstatter im Sinne der Armenverwaltung zu han- dein, wenn er wiedermal erzählte, wie schlechte Menschen es unter den Hilfesuchenden gibt. Aber uns scheint, datz das Ansehen der Armenpflege nicht gefördert wird, wenn ihr Verteidiger ihr mit solchen Waffen beispringt. Will man wissen, wo er sie sich hergeholt hat? Die Mitteilun- gen sind entnommen den„Blättern für die Berliner Armen- und Waisenpflege", die von der Armenver- w a l t u n g selber herausgegeben und als ihr amtliches Organ den ArmenkommissionS- und Waisenratsmitgliedern von Amts wegen zugestellt werden. In diesem Organ werden auch Berichte aus Armenkommissionen veröffentlicht, um Armenpflcgern eine Gelegenheit zum Austausch ihrer Erfahrungen zu schaffen, und zwar werden dabei möglichst alle die Perjon kennzeichnenden Einzelheiten wiedergegeben. Hiergegen wäre selbstverständlich nichts einzuwenden, wenn nur nicht die so abgesatzten Berichte über den Kreis der amtlich daran interessierten Personen hinaus an Unbefugte gelangten, die sie für ihre besonderen Zwecke aus- schlachten. Die Armenverwaltung wird zu erwägen haben, ob nach diesen Vorkommnissen sie noch weiter durch ihr amtliches Organ dazu beitragen darf, datz gegen die Forderung, möglichste LmlSverschwiegenheir zu wahren, verstoßen wird. Um das zu verhüten, würde es vielleicht schon genügen, be, der Veröffentlichung der Berichte alle entbehrlichen Einzelheiten wegzulassen. An sich sind ja die Berichte sehr lehrreich, auch für kerjovev. bis KiHt io ämeär rnb Waijei, pflege tätig Md. Das Nachrichtenamt des Magistrats hat z. B. auch der Redaktion des„Vorwärts" ein Exemplar der betreffenden Nummer dieser Zeitschrift übersandt, und wir haben es mit vielem Interesse ge- lesen. Manche der darin veröffentlichten Berichte sind Muster- beispiele für jene in der Armenpflege nur zu weit verbreitete An- schauungsweise, die rasch bereit zu sittlicher Ent- r ü st u n g ist, weil das Verständnis für die Begleit- erscheinungen unserer Wirtschaftsordnung fehlt._ i Die zunehmende Hitze beginnt allmählich, mindestens in der Großstadt, lästig empfunden zu werden. Dabei sind die bisher er- reichten Wärmeiemperaturen, da über ganz Deutschland Winde aus nödlichen Richtungen(Nordwest bis Nordost) an der Herrschaft sind, noch verhältnismäßig nur mäßig hoch für die gegenwärtige Jahreszeit. Würden gleichzeitig südliche bis östliche Winde am Ruder sein, so würde die Hitze sich rasch bis zur Unerträglichkeit steigern; allerdings würde dann wohl auch schon ein Gewitter für die nötige Abkühlung gesorgt haben, während die trockenen Nordwinde keine elektrische Entladung und keinen Regen aufkommen lassen._ Das nene Heim des ArbeiterschiedSgerichts, das Ecke Berliner Straße und Charlottenburger Ufer im Laufe des letzten Jahres errichtet wurde, ist nunmehr fertiggestellt und wird bereits nächste Woche seinem Zweck übergeben werden. Es ist ein großer viergeschossiger Monumentalbau, der in einfacher Architektur gehalten, nach Plänen von Geheimrat Dr. Otto March gestaltet ist. Insgesamt umfaßt das mächtige Gebäude 500 verschiedene Räume, unter denen sich vier große Sitzungssäle, die ärztlichen Untersuchungs- räume, Bibliothekzimmer usw. befinden. Die jeweiligen Räumlich- leiten sind, wie es zur leichteren Orientierung und auch aus bau- technischen Zwecken bei solchen Bauten zuineist geschieht, immer etagenweise übereinander geordnet. Die Baukosten beziffern sich auf auf etwa 750 000 Mark. Das erworbene Grundstück umfaßt 3500 Quadratmeter, von denen 1330 bebaut wurden und 1450 für Garten- land vorgesehen sind. Die noch übrigbleibenden 720 Quadratmeter sind für spätere Erweiterungsbauten bestimmt. Das ganze Gebäude macht von außen wie von innen gesehen, einen einfachen und doch gediegenen vornehmen Eindruck. Die Angelegenheit der Pianofirma Hintze, über die wir gestern kurz im Handelsteil berichteten, hat eine neue überraschende Wendung genommen. Ohne daß einer der Gläubiger oder der bei der Firma beschäftigte Bücherrevisor etwas davon wußte, hat C. H. Hintze am Mittwochmorgen um 9 Uhr den Konkurs beim Amtsgericht Char- lottenburg angemeldet. Seltsamerweise wurde der Konkurs der Firma durch das Pianofortegeschäft Bärensprung, dessen Inhaber Hintze ist, bei Charlottenburg und nicht in Berlin anhängig gemacht. Offenbar fürchtete H., daß die vorgestern statt- gefundene Gläubigerversammlung nicht zu einem Resultat kommen würde, und während die Gläubiger durch den Bücherrevisor zur Versammlung eingeladen wurden, tat er den ent- scheidenden Schritt. Durch diesen Entschluß werden die Aussichten für die Geschädigten noch trostloser als vorher. Das Geschäft wird übrigens, wie mitgeteilt wird, wohl nicht mehr weitergeführt werden, doch liegt eine bestimmte Entscheidung noch nicht vor. Durch Hintzes Konkurs ist freilich das Schicksal einer Anzahl kleinerer Fabrikanten der Pianofortebranche entschieden. Hintze nahm monatlich 500 bis 600 Klaviere ab und gab bereits Orders auf weite Termine. Die kleineren Fabriken arbeiteten auf Lager und haben nun zahlreiche Instrumente vorrätig, für die sich schwerlich Abnehmer finden werden. Dadurch dürfte eine Entlassung von vielen Arbeitern eintreten. Ein Verbrechen im Bade? Aus Potsdam wird berichtet: Als bor- gestern nachmittag das 20jährige Dienstmädchen Franziska Polednitz auf einem mit sechs Kindern unternommenen Ferienausflug nach Nedlitz im Weißen See ein Bad nahm, erbot sich ein von der Fahr« länder Seite herangeschwommener Mann, mit den Kindern Schwimm- Übungen zu mache», und überredete, als die Kinder sich sträubten, das Dienstmädchen, mit seiner Unterstützung Schwimm- Übungen vorzunehmen. Hierbei ist das Dienstmädchen auf bisher unerklärte Weise ertrunken. Nach Angabe der Kinder soll der Mann, der sofort nach dem Vorgang verschwand, das Mädchen unter Wasser gehalten haben. Die Leiche deS Mädchens ist noch nicht gefunden. Die„Südliche Umgehungsbahn" wird, nach dem vorliegenden Projekt, die Görlitzer Strecke nicht bei Station Nieder-Schöneweide- Johannisthal, sondern weiter östlich, beim Bahnhof Grünau, kreuzen. Die Umgehungsbahn erhält nördlich Beelitz Anschluß an die Eisenbahnlinien nach Nordhausen und Jüterbog, führt dann über Michendorf nach Saarmund, Ahrensdorf, hinter welcher Station sie an die Fernbahnen nach Halle und Leipzig anschließt, sodann nach Blankenselde, wo sie südlich Mahlow, Anschluß an die Dresdener und die Militärbahn erhält, geht dann östlich weiter über Wolters- dors und wendet sich dort nordostwärts nach der Görlitzer Bahn, die sie zwischen den Stationen Adlershof und Grünau schneidet, um dann nordwärts über Köpenick-West, Spindlersfeld, bei Biesdorf in die Ostbahn einzumünden. Zioischen Sadowa und Köpenick kreuzt die neue Gürtellinie noch die Schlesische Bahn, mit deren Schienen- strängen sie mehrfach verbunden werden soll. Vom Herzschlag betroffen wurde gestern mittag ein gut gekleideter Herr in den fünfziger Jahren. Er kam aus dem Tiergarten und hatte soeben den Platz vor dem Brandenburger Tor überschritten, als er plötzlich bewußtlos zusammenbrach. Man brachte ihn sofort naib der Charit�, wo jedoch nur der bereits eingetretene Tod konstatiert werden konnte. Da der Tote keinerlei Papiere bei sich trug, konnte die Identität noch nicht festgestellt werden. Ein Zusammenstoß zweier Straßenbahnwagen, bei welchem drei Personen leichte Verletzungen davontrugen, ereignete sich am gestrigen Donnerstag mittag gegen 1 Uhr im Tiergarten. Am Kleinen Stern fuhr ein Motorwagen der Linie 50(Richtung Schönhauser Allee) auf den dort haltenden Zug der Linie N. Bei dem Zusammenprall er- litten drei in dem letzteren Zuge sitzende Herren aus Charlottenburg leichte Verletzungen. Sie klagten über Kopf« und Kreuzschmerzen, konnten jedoch ohne fremde Hilfe sich nach ihren Wohnungen begeben. Eine Störung im Bahnbetrieb trat nicht ein. Noch nicht festgestellt ist die Persönlichkeit des Manne?, der Dienstag früh in der Toilette eines Restaurants in Schildhorn er- schössen aufgefunden wurde. Der Selbstmord ist vermutlich bereits Montagabend zwischen 9 und 10 Uhr erfolgt. Zu dieser Zeit hörte man einen Schuß fallen, glaubte aber, daß er im Walde abgegeben sei. Der Lebensmüde war etwa 35 bis 38 Jahre alt und war gut gekleidet. Die Wäsche wies kein Zeichen auf. Ausweispapiere wurden nicht bei dem Toten gefunden, wohl aber ein Portemonnaie mit 22 M., eine goldene Uhr sowie eine Browningpistole mit sieb- zehn dazugehörigen Patronen. Die Leiche wurde nach dem Friedhof bei Schildhorn geschafft. Ein aufregender Unglücksfall ereignete sich vorgestern nachmittag auf dem Schloßplatz. Die neunzehnjährige Luise Pipke aus Velten, die hier Verwandte besucht harte, war im Begriff, einen noch etwas in der Fahrt begriffenen Straßenbahnwagen zu verlassen. In dem- selben Augenblick kam ein Omnibus dicht an der betreffenden Stelle vorübergefahren. Die P. erhielt von dem Straßenbahnwagen einen Stoß und wurde unter die Räder des Omnibusses geschleudert. Sie erlitt einen Beckenbruch sowie blutige Verletzungen am rechten Arm und wurde nach Anlegung von Notverbänden auf der Unfallstation nach dem Krankenhause am Urban gebracht. Ein hartnäckiger Selbstmörder. Vor wenigen Tagen empfing, wie berichtet, die Polizei in Grunewald einen Brief, in dem ein Herr Andreas aus der Demminer Straße ankündigte, sich in der Nähe von Schildhorn das Leben nehmen zu wollen. Gleichzeitig war dem Schreiben ein Hundertmarkschein beigefügt, der für„einen nicht zu schlechten Sarg" verwendet werden sollte. In der Tat fand man den Lebensmüden an dem von ihm bezeichneten Ort bewußtlos auf; er hatte eine große Dosis Morphium genommen, die aber nicht ausreichte, um den Tod herbeizuführen. Man brachte A. nach dem Charlottenburger Krankenhause, von wo er vorgestern wieder ent- lassen worden war. A. hatte indessen die Absicht, sich das Leben zu nehmen, nicht aufgegeben und, kaum dem Dasein wiedergegeben, führte er auch schon den Entschluß aus. Zwischen den Stationen Grunewald und Nikolassee warf er sich vor einen Vorortzug und wurde sofort getötet. Man brachte die Leiche nach der Kapelle des Selbstmörderfriedhofes. Die Leiche eines neugeborenen Knaben wurde gestern nachmittag am Friedrich Karl-Ufer von einem Schiffer aus der Spree gelandet und nach dem Schauhause gebracht. Sie war nur mit Zeitungs- papier umwickelt und verschnürt. Ein Automobilunfnll ereignete sich gestern an der Luckauer- und Oranienstraßen-Ecke. Dort wurde der in einem Wäschegeschäft tätige Hausdiener Bernhard Richter von einem Automobil überfahren und dabei erheblich verletzt, so daß sich seine Ueberführung nach dem Urbankrankenhause notwendig machte. Bootsunfall. Donnerstag abend gegen 9 Uhr stieß in der Nähe des Restaurants„Spreeschloß" das dem Ruderklub„Vorwärts" ge- hörige Motorboot„Frieda" mit dem Sterndampfer„Prinz August Wilhelm" zusammen. Das Motorboot wurde arg beschädigt; die fünf Insassen fielen ins Wasser, konnten jedoch gerettet werden. Ein unbekannter Geisteskranker. Häufig werden städtischen Kranken- und Irrenanstalten Personen zugeführt, deren Personalien nicht fest- zustellen sind. Einer jener seltenen Fälle, in denen es trotz jähre- lauger Forschungen nicht gelungen ist, Namen und Herkunft einer Person festzustellen, wird uns aus der Armendirektion der Stadt Berlin gemeldet:„Eine unbekannte Frau wurde am 16. Oktober 1892 vorCastansPanoptikum wegen Taschendiebstahls verhaftet. Diewährend der Untersuchungshaft angestellten Versuche, Namen und Herkunft der der- hafteten Person, die taubstumm war und weder lesen noch schreiben konnte, zu ermitteln, verliefen resultatlos. Ebenso die Versuche mit Versendung von Photographien an auswärtige Staatsanwalt- schaften, Strafanstolltsdireklionen, Landratsämter ufs. Eine im Jahre 1893 zugezogene Taubstummenlehrerin konnte wohl aus der Kranken herausbekommen, daß sie im Kreise Jnowrazlaw geboren und daß ihr Vater ein Landarbeiter gewesen sei. ihre Eltern beide tot seien, sie selbst sich im Alter von 31 Jahren befinde und zwei Kinder geboren habe, welche gestorben feien. Alle Recherchen an der Hand dieser Angaben sind ergebnislos verlaufen. Die unbekannte Frau, welche inzwischen wegen Blödsinns für geisteskrank erklärt und entmündigt worden ist, befindet sich jetzt in der städtischen Anstalt in Wuhlgarten. Alle Mittel und Wege zur Feststellung der Identität dieser Kranken sind erschöpft. Da in- zwischen 18 Jahre ins Land gegangen sind, werden auch viele Per« sonen, die vielleicht noch seiner Zeit die Kranke hätten wiedererkennen können, gestorben sein. Eine schwache Hoffnung, das Dunkel über die Unglückliche zu lüften, besteht vielleicht noch darin, daß Zeitungen der östlichen Provinzen Deutschlands diese Notiz aufnehmen und ihrem Leserkreise unterbreiten. Es ist dadurch vielleicht nicht ganz ausgeschlossen, daß sich doch noch der eine oder andere Leser der Unbekannten erinnert. Ein Opfer der Animierkneipe ist der 20 Jahre alte aus Potsdam gebürtige Kutscher Heinrich Erding geworden, der seit dem 16. v. M. bei dem Milchhändler G. in der Thaerstraße beschäftigt war. Der junge Mann war bisher ganz ordentlich. Als er am Dienstag seinen freien Tag hatte, zog er auf eigene Faust einige Rechnungen ein. im ganzen rund 15 M. Hiermit ging er in eine Mädchenkneipe in der Thaerstraße. Von dem Gelde blieb nichts übrig. Jetzt traute sich der junge Mann nicht mehr nach Hause. Wahrscheinlich irrte er bis gestern abend planlos umher, dann sprang er um 10 Uhr, nach- dem er Jackett und Mütze abgeworfen hatte, vom Brandenburger Ufer in die Spree und ertrank. Seine Leiche ist noch nicht gelandet. Beim Sommerfcst deS 4. Kreifeö in„NeumannS Volksgarten' ist ein Kinderhut, ein Arniband und eine Korallenkelte. bei Ludwigs. Treptow ein Armband und ein Medaillon und in der letzten Kreis- konferenz ein Pincenez gefunden worden. Die Gegenstände sind im Bureau des Wahlvereins. Stralauer Platz 1/2, in Empfang zu nehmen. Verloren gegangen ist in.Neumanns Volksgarten" eine schwarze Brieftasche. Dem Finder bitten wir, sie im obengenannte» Bureau abgeben zu wollen. Im neuen Hörsaal der Trcptow-Sternwarte spricht am Sonntag den 16. Juli, abends 7 Uhr. Herr Dozent Jens Lützen über Das Geheimnis des Weltenbaues". Montag, den 17. Juli, abends 9 Uhr. lautet das Thema:„Unser Wissen von den Sternenwelten" Mit dem großen Fernrohr wird am Tage die Venus, abends der Jupiter und zum Schluß der Mond gezeigt. Kleinere Fernrohre stehen de» Besuchern kostenlos zur Verfugung. . Vorort-JNtacbricbtein Charlottenburg. Gin gewaltiger Wasserrohrbruch, der einen ganzen Stadtteil von Charlottenburg fast während einer halben Stunde unter Wasser setzte, ereignete sich am gestrigen DoniierStagmittag an dem verkehrsreichen Wilhelmplatz. Gegen 12 Uhr mittags platzte an der Ecke des Wilhelmplatzes und der Berliner Straße ein großes Wasserrohr aus bisher noch nicht auf- geklärter Ursache. Der Druck der ausströmenden Wassermasscn war so gewaltig, daß die schweren Fliesen deS Bürgersteiges und das an der Seite befindliche Mosaikpflaster eniporgehoben und die Erdmassen in weitem Bogen emporgeschleudert wurden. In wenigen Sekunden war bereits ein 4 Meter großes Loch im Boden vorhanden, aus dem unaufhaltsam schmutzig braune Fluten quollen. Der Vorgang hatte j�ne[I abgespielt, daß die meisten Passanten bereits bis an den Knien im Waffer standen, che sie überhaupt recht wußten, was geschehen sei. Das Waffer hatte inzwischen auch die Spree-, Havel- und Lützowstratze erreicht und setzte die Keller unter Wasser. In- zwischen hatte man bei den Berliner städtischen Wasserwerken an den fallenden Manometern bemerkt, daß ein riesiger Wasserbruch eingetreten sein müsse und mit Hilfe besonderer Ein- Achtungen wurde in wenigen Minuten festgestellt, in welcher Gegend das Unglück sich ereignet hatte. Der Direktor der stadtischen Werke. Herr Eggert, begab sich mit einem Stab von Ingenieuren im Automobil an die Waffsrbruchsiells und leitete dort mit der inzwischen hingerufenen Hauptfeuerwache in Char« lottenburg sowie je einer Arbeiterkolonne der Charlottenburger und Berliner Wasserwerke die nötigen AufräumungSarbeiten. Das Wasserrohr wurde seiner ganzen Länge nach auszer Betrieb gesetzt und sodann ging man daran, die unter Wasser gesetzten Keller mittels Kreisel- und Saugpumpen zu leeren. In etwa dreiviertel Stunden waren die SKatzen dem Verkehr wieder zugänglich, doch dauerte das Auspumpen Per nnzelnen Keller bedeutend länger. Die Züge der Großen Berliner Straßenbahn wurden von 12,05 bis 12.20 Uhr abgelenkt. Der entstandene Wteriglschaden ist nicht UN- bedeutend. Tchöneverg. Durch Gas vergiftet hat sich die 25jährige Gesellschafterin Martha Dehnicke, die bei dem Kaufmann Krakewitz in der Bamberger Str. 4S in Stellung war. Als. vorgestern abend der Kaufmann K. mit seiner Familie von Hause abwesend war, schloß sich die Gesell� schasterin in der Küche ein, öffnete sämtliche GaShähne, nahm einen Zuführungsschlauch des Kochheerdes in den Mund und erwartete auf einem Stuhle sitzend den Tod. Als gegen 11 Uhr die Herrschaft zurückkehrte, war die Wohnung mit Gas angefüllt, während die D. leblos auf den, Fußboden der Küche liegend aufgefunden wurde. Ein sofort hinzugerufener Arzt unternahm energische Wiederbelebungs- versuche, die jedoch vergeblich waren. Die Leiche der Lebensmüden wurde polizeilich beschlagnahmt und nach der Hall» in der Moxstraße übergeführt. Johannisthal. Em Waldfefl veranstaltet der Gesangverein.Liederfreunde' (M. d. A.-S.-B.j am Sonntag, den 1ö. Juli. Di« Parteigenossen und »Genossinnen sind hierzu eingeladen. Mahlsdorf an der Ostbahn. Die am Mittwochabend im.Wilden Eber' in KaUlSdorf ab» gehaltene Bezirksgeneralversammlung nahm zunächst den Jahres- bericht entgegen. Es fanden in, verfloffenen Jahre statt: 7 Mit- glieder und 10 öffentliche Versammlungen. Die Zahl der Mitglieder beträgt 820 inkl. 60 weiblicher. Davon entfallen auf Kaulsdörf 63 Mitglieder. Die Zahl der„Vorlvärts"-Abonnenten bettägt 328, hiervon entfallen auf KaulSdors 107. Einer JahreSeinnahme von 1164 M. steht eine Ausgabe von 1027,81 M. gegenüber. Di» Bibliothek umfaßt zirka 80 Bände meist wissenschaftlichen Inhalts. Versammlungslokale stehen uns in Mahlsdorf 3, in KaulSdors 4 zur Verfügung. Da die auf der Tagesordnung stehenden Reuwahlen der Bezirksleitung zu keinem Ergebnis führten, wurde die alt« Bezirks leitung auf Antrag de» Genossen Schumann verpflichtet, auf ein Bieteljahr die Leitung des Bezirks provisorisch weiterzuführen. Zum Schluß machte Genosse Käming auf die im Bezirk staltfindenden Sommervergnügen aufmerksam. Für Mahlsdorf findet dasselbe am 23. Juli bei Eller, Grunowstraße, für KaulSdors am 30. Juli in Hamans GesellschoftShauS statt. Trebbin(Kreis Teltow). Eine imposante Veranstaltung war da» dritte Gruppenturnfcst der 7. Gruppe de« 1. Bezirks vom 1. Kreis des ArbeiterturuerbundeS, das in drei aufeinander folgenden Tagen hier stattfand. Die turnerischen Wettkämpfe am Sonntagvormittag wurden durch den starken Wind iehr beeinttächtigt. Beim VolkS-Fünfkampf, in welchem zum ersten Male der Ballweitwurf und die Pflichtfreiübungen mit einbezogen waren, erreichte Weser-Trebbin mit 77. Punkten die Höchstzahl, ihm folgten Haaen-Luckenwalde mit 73 und LaneuS- Trebbin mit 70'/z Punkten usw. Alsdann folgte das Musterriegenturnen. an welchem elf Riegen, darunter zwei Damen- und drei Altersriegen teilnabmen. Besonderes Interesse erregten die Eilboten« läufe über 1000 und 600 Meter. An dem Umzug beteiligten sich (mit Kindern) zirka 300 Personen. Adlershof. Der Arbciter-Tlttnverci'n zu AdlerShof feiert am Sonntag, den 16. Juli, im BereinSlokal Wöllsteins Lustgarten fein sechzehntes Stiftungsfest unter Mitwirkung des Berliner Ulk-Trto. Anfang l/z4 Uhr nachmittags. Die Arbeiterschaft wird ersucht, den verein, der unter den Drangsalierungen der Behörden sehr zu leiden hat, durch rege Teilnahme am Fest zu unterstützen. Dadurch legt die hiesige Arbeiterschaft zugleich einen wuchtigen Protest gegen jene Nadeistichpolitik ein. vie die Behörden dem Berein gegenüber an- wenden. Ober-Tchötteweide. Der Gesangverein„Ober-Schöneweider Liedertafel" veranstaltet am Sonnabend, den 15. Juli, im Lokale Moerner» Blumengarten, ein Sommerfest. Der Verein, welcher stet« seine Kräfte zur Ver- schönerung der Arbeiterfeste zur Verfügung stellt, hat alles getan, um den Teilnehmern des Festes einig« angenehm« Stunden zu de- reiten. Der Arbeiterschaft kann daher nur ein reger Besuch deS SommerfesteS empfohlen werden. Weihensee« Geschäftstätigkeit des GewerdegerichtS im Jahre 1910. Im ab- gelaufenen Geschäftsjahr wurden 282 Streitsachen anhängig gemacht. Hierzu kommen 14 aus dem Vorjahre übernommene Streitsachen, so daß im ganzen 236 Sachen zu erledigen waren: 17 waren am Jahresschluß noch unerledigt. Die Zahl der Kläger betrug 332 gegen 295 im Vorjahre. Klagen wurden erhoben von Arbettern gegen Arbeitgeber 272, von Arbeitgebern gegen Arbeiter 10. Als EinigungS- amt ist das Gewerbegericht im LerlchtSjahre nicht in Tätigkeit ge- treten. Beim KaufmannSgericht wurden im abgelaufenen Ge- fchäftsjahr 44 Streitsachen und zwar ausschließlich von Handlung«- gehilfe» anhängig gemacht. Hierzu kommen noch 7 aus dem Vorjahr übernommene Streitsachen, so daß im ganzen 51 Sachen zu er- ledigen waren. Neun mußten am Jahresschlüsse als unerledigt tuS neue Jahr übernommen werden. Ohne Zuziehung von Beisitzern fanden 18 und mit Zuziehung von Beisitzern 17 Termine statt. Die Termine ohne Beisitzer wurden zusammen mit denen de« Gewerbe- gerichts abgehalten. Als EinigungSamt trat das KaufmannSgericht ebenfalls nicht in Tätigkeit. Schöneiche(Nieder-Barnim). Die Generalversammlung de? Wahlvereins nahm nach einem Vortrag des Genossen Zimmermann über:»Die gegenwärtigen politischen Verhälinisse und warum müssen wir uns organisieren?' den Bericht der Bezirksleitung entgegen. An den, Bericht wurden Ausstellungen nicht gemacht. Di« Wahl der Bezirksleitung hatte folgendes Ergebnis: 1. BczirkSleiter Joh. Rühl, 2. Otto May; 1. Kassierer Franz Rose, 2. Schwertner; 1. Schristsührer Max Thiemig, 2. Tobias; Beisitzer die Genossinnen Glockow. Tobia» und Genosse Kamps; Revisoren Franz Kosch. Höhne>md Aug. Rose. Bibliothekar Ernst Glockow.'Lokalkommission Höhlte und Teichert. Spandau. Die außerordentliche, gutbesuchte Generalversammlung des sozial- demokratischen WahlvereinS, welche am Dienstagabend im Böhleschen Lokal abgehalten wurde, beschäftigte sich mit den OrganiiattonS- Verhältnisse» in Spandau. Das Referat hatte der Reichstags- kandidat des Kreises, Genosse Dr. Karl Liebknecht übernommen. Die Aussprache war nötig geworden, weil hier in Parteikreisen eine gewisse Gleichgültigkeit und Unlust zu Parteiarbeiten einzureißen drohte. Den anfeuernden und aufmunternden Worten deS Genossen Liebknecht ist eS hoffentlich gelungen, eine«enderung herbeizuführen, wenigstens deutete der spontane Beifall, der dem Redner gezollt wurde, sowie die ruhige und sachliche Aussprache darauf hin, daß die Parteigenossen ihre Kraft mehr als bisher in den Dienst der Partei stellen werden. Um gleich praktische Arbeit zu leisten, stimmte die Versammlung einem Antrage zu, in Spandau die Parteibetträge durch Hauskassierer ein- ziehen zu lassen unter Beibehaltung der Zahlaoend«. Man ver» " rßer Wprfin spricht sich von dieser Hauskassierung große Erfolge für die Partei- organisation. Ein weilerer Antrag, Spandau in Abteilungen und Bezirke einzuteilen, gelangte einstimmig zur Annahme. ES sollen die Bezirke verkleinert und vermehrt und mehrere derselben zu Abteilungen vereinigt werden, wodurch die Patteiarbeit bedeutend erleichtert wird. Von dem Ausschluß der Rohrleger Weiße und Lawrenz, welöbe sich der Wiesenthaler Organisation an- geschlossen haben, aus der Partei nimmt die Versammlung Kenntnis. Die Ergänzungswahlen zum Vorstand sowie die Wahlen einzelner Kommissionen wurden wegen vorgerückter Zeit vertagt. Dagegen wurde noch beschlossen, die Genoifln Wegner als Vertreterin der Frauenabteilung dem Vorstande anzugliedern. Gegen die Abhaltung eines Volksfestes am 8. August hatte die Versammlung nichts ein- zuwenden. Sieglitz-Friedenau. Die letzte Sihung der EewerkschaftSkommisfio» beschloß, den GewerbegerichtSbeifttzern die Verpflichtung einer je zweimonatlich staltfindenden Besprechung aufzuerlegen, um einen befferen Austausch praktischer Erfahrungen zu ermöglichen.— Den Bericht des Bildungs auSschusseS gab Genosse Fütterer. Mit der Tätigkeit de« Ausschusses waren die Vertreter zufrieden. In den Jugend- und Bildungs ausschuß wurden die Genossen Schmidt, Anders und Okonski wieder- gewählt. Als ein sehr bedauerlicher Mißstand für die Unterkommission wurde die Delegation solcher Genossen empfunden, die schon mit allerhand Funktionen in Partei und Gewerkschaft überhäuft find. ES fehlten die Delegierten der Schuhmacher und Maler. Jugendveranstaltuugea. Jugend-Ausschiisie«Nieder-Barnim». Am Sonntag, den 16. Juli, findet em Ausflug sämtlicher Jugend-AuSschüfle deS Kreise» Nieder-Barnim nach Tegel— Helltgensee— Hermsdors statt. Die einzelnen Jugend-Ausschüsse müssen um v Uhr an der Endstation der SKaßenbabn Tegel oder an der Eisenbahnsdation Tegel eintreffen. Die Tegeler Freunde nehmen die Jugend dort in Empfang. Nach einer kleinen Wanderung wird dann das Frühstück im Wald« eingenommen. Jeder Teilnehmer hat sich mit GetrSnlen zu versehen. Die Rückfahrt findet abends von Hermsdorf aus statt._ Hüb aller Alelt. Die Olatdbrlnde in Hrnerfka. Fast alljährlich kommen im Hochsommer Meldungen aus Nordamerika über verheerende Waldbrände. Die un» geheure Hitze der letzten Wochen hat überall eine große Dürre hervorgerufen. Bei der schnellen Ausbreitung der Brände ist ein Löschen ganz unmöglich, und so entstchen oft Katastrophen der entsetzlichsten Art. Nach Meldungen aus Nordamerika sind ganze Städte von den Flammen umtost d a h i n g e- funken. Hunderte und Tausende von verzweifelnden Menschen haben sich in die Fluten der Seen und Flüsse gestürzt, um dem Feuer zu entgehen. Hun» d e r t e sind ertrunken, Hunderte verbrannt. blX) Menschen umgekommen. Nach den letzten Nachrichten aus Detroit sollen 500 Per- sonen den großen Waldbränden zum Opfer gefallen sein. Flüchtlinge au» den zerstörten Städten erzählen, daß die Zahl der Opfer noch gar nicht übersehe« werden könne. Eine große Panik entstand in T a w a S City, als die Flammen in die Stadt einschlugen. Viele Frauen und Kinder fielen in den Straßen ohnmächtig nieder. Andere flüchteten sich in die Kirchen und öffentlichen Gebäude, die aber auch bald von den Flamme» umzingelt waren. Dreihundert Personen wurden aN Bord eines Dampfer» ge. nommen, der gerade im Hafen von OSeoda lag. und den Flammen auf den Huronfee entführt. Vom Schiff aus beobachteten die Leute, wie ihr Besitztum in Flammen aufging. Züge der Ontario- eisenbahngesellschaft haben hunderte von Flüchtlingen aus den Flammen entführt. Fräulein Doris Diamond, eine Sex Ueberlebenden, vom Jroquois-Theater in Chicago, erzählte, daß der Anblick in den brennenden Straßen ein furchtbarer war. Männer. Frauen und Kinder seien tot niedergefallen. Zahlreiche Eltern warfen ihre Kinder in die Fluten des HuronseeS, um sie vor dem Brande zu retten. Auch in dem Distrikt bon Alpe na. 50 Meilen nördlich von Au Table, ist Feuer ausgebrochen. Acht kleine Städte am Huronfee sind völlig eingeäschert worden. Weitere vorliegende Drahtmeldungen besagen: Ottawa, 13. Juli. Nach den amtlichen Feststellungen sind Lei den Waldbränden an der Strecke der TemiScaming and Northern Ontario-Bahn 50 Personen umgekommen und über 200 verletzt. Die ganz« Stadt Cochrane sowie die südlicher gelegenen kleinen Städte Porcupine und Pottsville im Goldminen- gebiet find zerstört. Hunderte von Menschen find ge» zwungen, vor der übergroßen Hitze zu fliehen; infolge der Dürre breiter sich das Feuer mit außergewöhnlicher Schnelligkeit aus. Ottawa, 13. Juli. Nach einem Privattelegramm aus Haileyburh wurden in Porcupine. als der Brand am ärgsten wütete. 600 Personen durch daS Feuer in den See ge- trieben, an dem die Stadt liegt, und der schon dicht am Ufer eine beträchtliche Tiefe besitzt. Zweihundert Personen sind ertrunken. Toronto. 13. Juli. Bei der Feuersbrunst in Poren. p i n e find nach den letzten Schätzungen 800 bis 400 Menschen um- gekvmmen. Drei internationale Räuber ergriffen. Wie unseren Lesern noch erinnerlich sein bürste, wurde seinerzeit der Vorsteher einer Bank in M h» l o w i tz erschossen und die Kasse um etwa 3000 M. beraubt. Den Tätern gelang eS, zu flüchten. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft in Beuchen, die aus die Er- greifung der Mörder sofort ein« Belohnung von 3000 M. aussetzte, nahm ein Mitglied der Berliner«riminalpatrouille die Verfolgung auf. und ei gelang ihm auch, einen der Burschen, Julian Sucholewski, am IS. März in Amerika zu ergreifen. Nach den üblichen Auslieferungsverhandlungen, die sich etwa ein Vierteljahr lang hin- zogen, brachte man Sucholewski nach Bremerhaven, von wo er nach Benthe» transportiert wurde. Inzwischen hatte man in Seuchen einen Mann festgenommen. der sich Stephan Garbaczak nannte und den man. wenn auch nicht der Mittäterschaft, so doch der Mitwisserschast an dem Myslowitzer Morde be- sSuldigte, da er wiederholt w der Begleitung Sucholewski« gesehen worden war. Während der Eisenbahnfahrt nach Beulhen hatte Sucholewski unter anderem auch gebeichtet, daß ein Komplize von ihm Krüger heiße, und als in Beuthen seine Gegenüberstellung mit Garbaczak erfolgte, rief er ganz erstaunt auS:, D a a t st j a Ä r ü g e r I' So hatte man den zweiten Täter. Der dritte Mörder war ein gewisser Wladislaus Radwan. Diesen gemeingefährlichen Menschen hatte ein Berliner Kriminal« beamter Monate hindurch verfolgt. Er war ihm nach Paris nachgereist, nach Moskau, Petersburg und Warschau. Durch ein Bild, das sich in seinem Besitz befand, kam er auch auf seine Spur. Ein Hotelportier in Warschau gab an, so sehe ein gewisser StekowSki auS, der aber vor einiger Zeit nach J r k u t» k _________ PerantwortliZee Redakteur: Richard Barth. Berlin. Für den Inseratenteil oerantw.:Th. Glocke, Verlin. Druckl�Verlagi Lörwärts Buchdruckerei u. VerlagSanstalt'Paul Sioser iL Ho* Berlin m Sibirien abgereist sei. Die Jagd nahm ihren Fortgang. Aus allen Stationen, die der Beamte passierte, zog er Erkundigungen ein. In Lodz sagte man ihm, daß ein Mensch, der mit dem Bilde große Aehnlichkeit habe, in Kraßnojarsk festgenommen sei, nachdem er zwei Morde begangen habe. Wie sich bald herausstellte, war der Ergriffene Radwan- Radwan ist die interessanteste Persönlichkeit dieses Kleeblattes. Er hat in Amerika ein richtiges Räuberleben geführt, mit gleichgesinnten Genossen Eisenbahnziige angehalten und die Passagiere be- raubt. Er spricht russisch, polnisch, englisch, deutsch, spanisch und etwas französisch. Wenn seine Auslieferung erfolgt ist, wird das Kleeblatt gemeinsam vor dem Beuthener Schwurgericht abgeurteilt werden. Auf dem Bahntransport verhungert. Vor kurzem bezog ein Landwirt in der Nähe Münchens fünf Kühe von Norddeutschland. Dieselben wurden mit Kracht- b r i e f ohne Begleiter behandelt. Bei der Ankunft in Aschaffen« bürg verendete eine Kuh, eine zweite in T r e u ch t- lingen und eine dritte bei Ankunft in München. Die Sektion ergab, daß der Magen der Tiere vollständig leer war, der Tod also durch Verhungern eingetreten ist. Die Nachforschungen sollen ergeben haben, daß der Wagen auf einer Station ausgestoßen wurde und einige Tage stehen blieb; weder dort noch auf der weiteren Reise bekümmerte sich irgend jemand um die Tiere, ihnen Futter oder Wasser zu reichen. Bekanntlich ist eS zulässsg, mit der Bahn bis zu fünf Stück Großvieh mit Frachtbrief ohne Begleiter zu verschicken. ES sollte dieS aber auf so weite Entfernungen nicht stattfiuden dürfen. Kleine Notizen. Vom Schnellzug zermalmt. Der Kopenhagener Schnellzug überfuhr gestern den zuletzt in Kraneledgaard auf der Insel Moen ansässigen Dr. phil. Kurt Schäfer ou5 WandSbeck, dessen Kopf vollständig zermalmt wurde. Statt eines Hunde» einen Menschen erschossen. In Dortmmid wollte der GeschäslSsührer der Altiengesellschaft Wickingsche Industrie für Holz und Baubedarf. H ü d i g, auf dem Lagerplatz mit einem Revolver einen Hund erschießen, fehlte den Hund jedoch und traf den 25jährigen Kommis Otto R i e se n b e ck in die Brust, der sofort tot zufammenbrach. Hüdig stellte sich selbst der Polizei und wurde in Hast genommen. Die Leiche Riesenbecks wurde beschlag- nahmt. Opfer der Berge. Nach einem Telegramm aus Kuchel ist bei der Besteigung des H e r z o g st a n d e s der Lehrer G o e r i s ch au-Z Medewitz bei Potsdam vom Schlag getroffen worden und sofort gestorben.— Fast zu gleicher Zeit ist ein Herr Gissen aus Ha m- bürg, der in Begleitung eines Herrn eine Tour nach dem Stritzer Joch unternadm, unterwegs von einem tödlichen Schlag- anfall betroffen worden. Beide Leichen sind geborgen. Cholera auf einem deutsche» Dampfer. Der deutsch« Dampfer Hispania' ist im Hafen von Malta eingetroffen. Alt Bord ist Cholera festgestellt worden. Cingegangene Dmchrcbriften. Von der»Renen Zeit» ist soeben das 41. Hest bei 29. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt deS HejteS heben wir hervor: DaS Marokko» Abenteuer.— Die Wahlen in Wien. Bon Friedrich Nufterlltz.— Eibische und naturrechtliche Begründung deS Sozialismus. Bon M. Leer.(Fort» setzung.)— Der GewertschastSkongreß. Von August Wlnma.— Der achte Koniumveretnskongretz. Lou H. Fleißner.— Literarische Rundschau: Dr. P. Pollitz, kSniglicher Strasaniialtodtrevor, Strose und Verbrechen. Von Dr. Julius Flscher.— geitichrijtenschau. Oda Olbcrg. Das E r g ä n z u n g« h- f t Nr. 10, welches dieser«mmner belgegeveu ist. enihält- Die Engländer tu Aegypten. Von Theodor Roth» stein(London). Archiv für die Geschichte des Sozialismus and der Arbeiter- bewegung. I. Jahrgang 3. Hest. Herausgegebeu von Dr. T. Grüubera. Verlag T. L. Hirschfeld, Leipzig. MÜfll! Todes-Anzeigen jWM SoziiltaHetierWaliMi Rixdorf. Nachruf. Den Pätteiaenossen zur Nachricht, daß Misere Mitglieder, der Tischler EMmiinä Engel (4. Bezirk) und der Arbeiter �einhiold Heinze (14. Bezirk) verstorben sind. Ehr« ihrem Andenken: 235/ IS Der vorstand. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß meine grau, unsere Mutter, Echwägettn mrdSchwieger. tochter 2710b Berta Vick nach langem, schwerem Leiden im Alter von LS Jahren an Lluwergistung am 11. Juli ver- schieden ist. DieS zeigen tiesbetrüvt an resar Vick aedst Svlm. Die Beerdigung findet am Freitag, nachmittags S Uhr, von der Leichenhalle de« Gemeinde. Friedhofes(St. Bartholomäus). Falkenbcrger Chaussee, auS statt. VeM der Brauerei- und Weuardeiter SSÄIV«. Zahlstelle Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Brauer MiiM Hioterberger am 10. Juli im Alter von SV Jahren durch einen Betriebsunfall in der Brauerei Patzenhosrr NO.•- Sturz in den Fahrstuhlschacht— den so, sortigen Tod sand. Ehre seinem Andenken I Die Leiche de« Verstorbenen wurde vorgestern zur Beisetzung nach Hohenwart bei Kötzling, Siteder-Bayern, übergeführt. 48/1» vi« Ortmrwaltaag. SozlalilemofraUixherWaiilrefela des 6. Herl. Reicbstags-Valtreises. Todcn-Anzelgo. Am 10. Juli verstarb unser Genosse, der Schankwirt Paul Lerche Gleimstr. 70. Ehr« seinem Andenken' Die Beerdigung findet beute Freitag, den 14. Juli, nachmittag» 4 Uhr, von der Leichenhalle der Friedens. Gemeinde m Nordend aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Verband der treien Gast- und SMwirte Deutscblanös. Zahistelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Paul Lerche (Gleimstr. 70. Bezirk II) am 10. d. Mi», verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung finddt am Freitag, den 14. Juli, nach. mittag» 4 Uhr, von der Leichen. halle der FricdenSgemctiide, Nordend, auS statt. 75/10 vie Ortsverwaltung. Danksagung. Für die überaus reiche Teil. n»bme sowie für dle schönen Blumenspcnden bei der Beerdigung meiner innigstgeliebten grau, unserer lieben guten Mutter und Schwester 2714b Anns Kappera* fiese ist e» mir ein Herzensbedürfnis, alle«, insbesondere den Milch. Händlern des Vereins Lutsrn/ladt. dem Borsitzende« de» Vereins Südwest sowie den Sängern, dem Geiamiperional de« Deutschen Druck- und VerlagShause« und dem Gesamwerjonai der Firma Lleistoin hierdurch meinen und der Angehörigen tlejgcsühlteflcn Dank auszusprechen.