Wr. 163« HbonnementS'Bcdlngungsn: ■Bonnfmentä■ Preis pränumerando J Licileijährl. 3�0 Mk., monatL 1,10 Mä. wöchentkch 28 Psg, frei ins Haus, Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags» Nummer mit illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue Welt- 10 Pfg. Post. tlbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingelragen in die Post> ZeitunaS» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark olland, Italien, Luxemburg. Portugal, en, Schweden und die Schweis 28. Jahrg. VI« Tnfertlons'Gebflllr" «eträgt für die sechsgespaltene Kolon el- geile oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins» Und Versammlungs-Anzeigen 30 Psg. „Alelne Anreigen", das fettgedruckte Wort 20 Psg. fzuläsfig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstcllenan- geigen das erste Wort 10 Pfg., jedes wettere Wort 3 Pfg. Worte über 15Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate ...... Nummer die nächste minien bis Uhr nachmittags in der Erpedition eben werden. Die Expedition tjt bis 7 Uhr abends geöffilet. vichM tisiidi ulltr mootaat. Vevlinev Volksblakk» Zcntralorgan der fbzialdemobrati leben Partei Deutfcblande. Delegramm- Adresse: .SozlaldcmoEr« Btrilo". Redaktion: SM. 68» Lindcnstraosc 69* Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Großes Ißeinmacfyen im Ovambo- land. in. Wenn sich jetzt Regierung und bürgerliche Presse über die Dinge, die sich in unserer südwestafrikanischen Kolonie vorbe reiten, gründlich ausschweigen, so hat das seine guten Gründe. Für den aufmerksamen Beobachter kolonialer Vorgänge er gibt sich aber aus der ganzen Situation in Südwest und aus den Andeutungen, die bis jetzt über die Ovambopläne gemacht wurden, die Ueberzeugung, daß„das große Neinmachen im Ovamboland" zu den Konsequenzen führen muß, die wir in den vorhergehenden Artikeln geschildert haben. In wenigen Monaten� wird die Oeffentlichkeit sicher näheres davon hören. Dann ist aber auch die Reichs tagswahl-Kampagne im vollen Gange. Wer garan tiert uns, daß die Regierung eines Bethmann-Hollweg und die großen bürgerlichen Parteien in ihrer verzweifelten inner- politischen Situation noch einmal zu dem Mittel greifen, das ihnen bei den Hottentottenwahlen von 1907 so gute Dienste geleistet hat? Wenn sich aus den internationalen Kompli kationen keine„nationale" Wahlparole herausdestillieren läßt, versucht man es vielleicht mit einer Ovambo-Wahlparole. Schließlich ließe sich auch beides vereinigen. Bei der organi- sierten Arbeiterschaft würde der Schwindel natürlich nicht ziehen. Aber es wäre eine arge Selbsttäuschung, wenn man außer acht ließe, daß die Zahl der politisch unreifen und urteilslosen Wähler, die ai� jeden„nationalen" und kolo nialen Schwindel hereinfallen, in Deutschland immerhin noch ziemlich groß ist. Ob Regierung und bürgerliche Parteien gerade mit der Ovambo-Affäre bei den Wahlen gute Geschäfte machen werden, ist eine Frage, über die sich streiten läßt. Jedenfalls sind aber die gegenwärtigen Wahlaussichten der Herrschaften so ungünstig, daß man ihnen schon zutrauen muß, daß sie nach jedem Strohhalm, und stamme er vom kolo nialen Schwindelhafer, greifen werden. � Wir halten es daher für unsere Pflicht, die Aufmerksam keit schon jetzt auf die Dinge zu lenken, die in Südwestafrika in Fluß kommen. Unsere Wahlagitatoren müssen sich über die Konsequenzen, zu denen der neueste Ovambokurs führen wird, klar sein. Sie müssen schon jetzt die Wähler belehren, daß unsere Kolonialkapitalisten und Kolonialmilitaristen noch lange nicht abgedankt haben, daß die�deutschen Steuerzahler aber die Zeche aller Kolonialabenteuer, vor allem aber auch die des bevorstehenden„großen Reinmachens im Ovamboland' zu tragen haben. Höchst wahrscheinlich wird sich noch der scheidende Reiche tag in seiner kommenden Herbsttagung auf die eine oder die andere Weise mit der Ovambo-Frage beschäftigen müssen. Aber selbst wenn das nicht der Fall sein sollte,— dem neuen Reichstag wird ganz sicher die Rechnung über das„große Reinmachen im Ovamboland" präsentiert werden. Und daß sie nicht klein sein wird, haben wir im vorigen Artikel zur Genüge nachgewiesen. Da es daneben auch nicht ohne neue militaristische und marinistische Forderungen abgehen wird, so wird der neue Reichstag das alte Lied von der Dcckungs- frage anstimmen yiüssen, und das Resultat wird das deutsche Volk in Form von neuen Steuern mit all ihren unliebsamen Begleiterscheinungen auf sich nehmen müssen. Gegen diese angenehine Perspektive gibt es nur ein Mittel: Rechtzeitige Belehrung und Aufklärung des Volkes vor den Wahlen.— Mit Sicherheit kann man annehmen, daß die Regierung in Kürze ihre Taktik des Verschweigens und Ver- tuschens ihrer Ovambo- Pläne wird aufgeben müssen, und daß dann die„gutgesinnte" Presse wieder die alten Nattenfängermelodien von der Notwendigkeit der Kolonien für Deutschland und in diesem speziellen Falle von den Vor- teilen der„Erschließung" des Ovambolandes anstimmen wird. Da wird man dann in erster Linie wieder die alte Mär auftischen, daß wir Kolonialbesitz brauchen, um die deutschen überschüssigen Volkskräfte anzusiedeln, damit sie nicht an das Ausland verloren gehen. Mit dieser stereotypen Phrase unserer Kolonialfere ist aber in der Ovambofrage kein Ge- fchäft zu machen. DasOvambolandeignetsichin» folge seiner klimatischen Verhältnisse über- Haupt nicht zu einer Massenansiedlung Weißer und ebensowenig für den Farm» betrieb. Den größten Teil des Jahres ist es regenarm: die Hitze steigt nicht selten bis 60 Grad Celsius. In der Regenperiode von Dezember bis April werden andererseits weite Strecken des Landes unter Wasser gesetzt, das dann einem ungeheuren See gleicht, der in der heißen Zeit schnell wieder austrocknet. Daher ist das Klima für den Europäer sehr ungesund: wir haben schon von der Malaria und dem Schwarzwasserfieber gesprochen, gegen die der Weiße sich nicht einmal durch eine energische Chinin- Prophylare schützen kann. Ein längerer oder gar dauernder Aufenthalt von Europäern in Ovamboland ist daher ausge- schlössen. Die einzig mögliche wirtschaftliche Ausnutzung des Landes durch europäisches Kapital wäre der Plantagenbetrieb. also große Anlagen mit schwarzen Arbeitskräften und wenigem, stets wechselnden europäischen Aufsichtspersonal. Es soll auch zugegeben werden, daß sich das Land an ver- Ich'edencn Stellen zum Anbau von Baumwolle, Tabak, Ba- nanen. Feigen, Datteln und dergleichen eignet. Unsinnig aber wäre es, anzunehmen, daß die Baumwollkultur in Ovamboland— wie man es dem deutschen Michel sicher wieder vorlügen wird— so intensiv ausgestaltet werden könnte, daß sie in Verbindung mit dem Baumwollertrage unserer anderer Kolonien den für unsere deutsche Textil- industrie notwendigen Rohstoff liefern könne: diese wird nach wie vor auf dem Weltmarkt angewiesen sein. Wenn das ex- pansionslustige Privatkapital gewillt ist, in Ovamboland Baumwollpflanzungen anzulegen, so mag es das auf eigene Rechnung und Gefahr tun. Das deutsche Volk und in erster Linie die deutschen Arbeiter haben aber nicht die geringste Veranlassung, die riesigen Kosten und das Risiko, die mit der geplanten„Erschließung" des Ovambolandes aus Reichs- Mitteln verbunden sind, auf sich zu nehmen. Wir haben schon darauf hingewiesen, daß auch die Land- und Minenspekulanten mit Hilfe der Regierung in Ovambo- land nach neuen Profiten suchen wollen, woran selbstverständ- lich auch gewisse Börsenkreise im Jnlande werden Anteil haben wollen. Soll das deutsche Volk, sollen die deutschen Arbeiter ein neues kostspieliges und gefährliches Abenteuer zu stürzen anschickt, dessen Unkosten allein die Steuerzahler aufzu- bringen haben? Sobald die Land- und Minenspekulanten auf Ovambo- land losgelassen werden, wird die Aufstandsgefahr dort akut. Es ist schon möglich, daß es den gerissenen europäischen Ge- schäftsleuten gelingen wird, dem einen oder dem andern Stammeshäuptling Land- oder Schürf-Konzessionen abzu- listen. Die einzelnen Ovambos aber werden, obwohl sie an die Willkürherrschaft ihrer einheimischen Despoten gewöhnt sind, sich niemals so leicht von ihrem Grund und Boden ver- jagen lassen, wie es bei den Hereros möglich war. Die frei- heitsliebenden Bantu-Neger werden sich einer Expropriation mit aller Gewalt widersetzen: und da sie kriegerisch und gut- bewaffnet sind.— sie verfügen fast alle über moderne Schuß- Waffen, darunter viele deutsche Gewehre Modell 88— außerdem sich aus Portugiesisch-Angola immer wieder Munition usw. holen können, so wird ein Aufstand in Ovamboland, dessen Eintreten selbst der Gouverneur von Südwestafrika, Herr Dr. Seitz offen und bestimmt voraussagt, keine leichte Sache sein. Der Kardinalpunkt der kommenden Ovamboaktion ist aber die Arbeiterfrage. Muß deren Lösung aber mit militärischen Machtmitteln durchgeführt werden? Man muß immer wieder daran erinnern, daß der in Südwestafrika zweifellos vorhandene Mangel an Arbeitskräften auf das Verschulden der Regierung und ihrer Kolonialpolitik zurück- zuführen ist. Ihre militaristische Gewaltpolitik, die„allzu hastige Ausrottung der Herero-Leute" war eine Riesendumm heit, die sich wirtschaftlich schwer gerächt hat. Und man ist drauf und dran, diese Riesendummheit zu wiederholen. Um Arbeitskräfte aus Ovamboland zu bekommen, dazu bedarf es keiner„Erschließung" des Landes mit kapitalisti schen und nnlitaristischen Zwangsmitteln, dazu bedarf es keiner Garnisonen in Ovamboland und keiner Neuformation von Ncgerkompagnien bei der südwestafrikanischen Schutz truppe. Die Ovambos haben jetzt schon ein starkes Kontingent freiwilliger Arbeiter für die südwe st afrikanische Kolonie gestellt. Wenn diese freiwillige Arbeitsleistung der Ovam- bos den Farmern und Minen-Paschas nicht genügt, so liegt das daran, daß man durch die Unterwerfung der Ovambo- Stämme statt freier Arbeiter eine große Schar von nur dem Namen nach freien Zwangsarbeitern zu bekommen hofft, deren Arbeitskraft gründlicher ausgepreßt und geringer ent lohnt werden kann. Für die Rolle, die die Ovambos bisher als freiwillige Arbeiter in unserer südwestafrikanischen Kolonie gespielt haben, können wir einen � einwandfreien Zeugen ins Feld führen. Vor kurzem ist im Berliner Missionsverlage von Martin Warncck ein Buch erschienen:„Ovamboland, Land, Leute, Mission" von Hermann Tönjes. Der Verfasser ist mehrere Jahre als Missionar im Gebiete des großen Oda- kuanjama-Stammes tätig gewesen und hat den National- charakter und die Eigenart der Ovambos gründlich kennen gelernt. � Tönjes hat zweifellos sehr gut beobachtet, leider lassen seine Schilderungen jedes ethnographische Verständnis vermissen: das soziale und das kulturelle Leben der Ovambos wertet der Missionar mit dem kleinen und kleinlichen Maß- stabe des lutherischen Katechismus. Tönjes teilt mit, daß die Ovambos alles andere als faul seien. Zu Tausenden sind junge Ovambos nach Hereroland gezogen, um bei den Deutschen zu arbeiten. Sie haben die gefährliche und beschwerliche Reise durch das öde Sandfcld nicht gescheut. Und was haben sie als Ertrag ihrer Arbeit bei der Rückkehr mit nach Hause gebracht? So gut wie nichts. Denn die deutschen„Kulturpioniere" haben die Schwarzen gründlich übers Ohr gehauen. Bei dem Einkauf europäischer Kleider sind sie meist furchtbar betrogen worden. So erzählt Tönjes, daß ihm ein Ovambo einen kleinen Emaillebecher gezeigt habe, der in Deutschland nicht 50 Pfennig kostet, für den der deutsche Händler dem harmlosen Schwarzen aber 5 Mark abgenommen hat. Aehnlich haben es bekanntlich die Händler bei den Hereros vor Ausbruch des Aufstandes ge- trieben. Charakteristisch für die Art, wie in Slldwestafrika mit den schwarzen Arbeitskräften umgesprungen wird, ist auch der Ausspruch eines jungen Ovambos. der längere Zeit bei Expedition: SM. 68, Lindcnatrasae 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981. den Deutschen im Hereroland gearbeitet hatte und dann bei Tönjes in Dienst trat. Der Ovambo sagte einmal zu dem Missionar:„Weißt Du, wenn der Hund des weißen Mannes stirbt, dann ist dieser traurig und weint: aber wenn sein schwarzer Diener stirbt, so rührt ihn das nicht, und er schiebt ihn vielleicht noch mit seinem Fuß auf die Seite." Man sieht daraus, daß die Ovambos den Europäer als Arbeitgeber sehr wohl zu würdigen wissen. Schon in Deutsch- land haben die Damen der Bourgeoisie mehr Herz und Mit- gefühl für ihre zierlichen Rehpintscher, Terriers oder wie die Biester sonst heißen mögen, als für die Arbeiter und Arbeite- rinnen, die in den Betrieben ihrer Gatten usw. fronen müssen. Die Nichtachtung des Arbeiters ist aber noch tausendmal größer, wenn dabei noch der Rassenhochmut des Weißen gegen- über dem Schwarzen in Frage kommt. So haben die Ovambos als freie Arbeiter bei den Deut- schen keine guten Erfahrungen gemacht, obgleich sie kein „träges und faules schwarzes Gesindel" sind und obgleich sie auch nicht, wie einmal im Reichstage behauptet wurde, als Sklaven ihrer Häuptlinge in der Kolonie, sondern ganz frei- willig Arbeit nehmen. Aber begreiflich ist schon, daß unter den geschilderten Umständen das Angebot an freien Ovambo-Ar- beitern unseren kolonialen Ausbeutern nicht genügt und daß man die kräftigen und intelligenten Bantu-Neger zu Arbeits- fklaven degradieren will. Aus den Schilderungen des Missionars Tönjes gehk! her- vor, daß die Ovambos einer friedlichen Kulturarbeit seff« zu- gänglich sind. Aber darauf kommt es unseren Kownial- interessenten gar nicht an. Sollte man wieder das hohe Lied von„der deutschen Kulturarbeit an den Schwarzen" an- stimmen wollen, so muß gleich die richtige Antwort darauf gegeben werden. In der letzten Zeit sind, um noch ein Bei- spiel für die koloniale Kulturarbeit anzuführen, Klagen aus Missionskreisen laut geworden, nach denen die deutschen Farmer die zehnjährigen Herero-Kinder aus den MissionS- schulen herausholen, um sie in ihren Betrieben arbeiten zu lassen. Und für eine solche„Kulturarbeit" muß das deutsche Volk Millionen auf Millionen in die südwcstafrikanische Sandwüste schütten. Jetzt kommt noch das„große Rein- machen im Ovamboland". Es stellt uns internationale Ver- Wickelungen, einen kostspieligen Bahnbau, einen opferreichen Kolonialkrieg und eine Vermehrung der Schutztruppe in Aus- ficht, dazu kommt noch die Möglichkeit eines neuen Kolonial- schwindels bei den bevorstehenden Reichstagswahlen. Alles Gründe genug, die deutsche Arbeiterschaft schon jetzt auf den neuesten Kurs unserer Kolonialpolitik aufmerksam zu machen. DK liiaroMtoaffärc. Das Kanonenboot„P a n t h e r", das sich bis jetzt bei Tencrissa aufhielt, soll definitiv in die Heimat zurückkehren. An seine Stelle tritt aber ein anderes Kanonenboot, der „E b e r", der ebenfalls zur westafrikanischen Station gehört. Wenn dieses Schiff auch keine wesentliche Verstärkung der deutschen Streitkräfte bedeutet, so dient es doch dazu, den vor Agadir liegenden Kreuzer„B e r l i n" aktionsfähiger zu machen, für ihn den Nachrichtendienst über Teneriffa zu ersetzen, ihm die Einnahmen von Kohlen zu ermöglichen, eventuell auch bei einer Landung zu assistieren. Zu einer Milderung der Agadir- Affäre trägt die Entsendung des„Eber" jedenfalls nicht bei: vor allem sieht es nicht danach aus. daß die deutschen Schiffe in Kürze zurückgezogen werden. Alarmnachrichten ans dem Muluya-Geblet. Paris, 14. Juli. Wie aus Oran gemeldet wird, haben die Führer der zwischen Fez und dem Muluyaflutz ansässigen Stänime eine Versammlung abgehalten, in der sie beschlossen, nach der Be» endigung der Ernte abermals zu den Waffen gegen die Franzosen und den Machscn zu greifen. Der bisher dem Sultan treu- gebliebene Hyainastamm soll zum Aufstand gegen die Franzosen aufgefordert werden. Abreise des Generals Moinier. Rabot, 11. Juli, General Moinier ist an Bord des Kreuzers .Forbin" nach Casablanca abgereist. Neue Provokatione» der Spamer in Elksar. Elksar, 12. Juli.(Meldung der.Agence Havas".) Ein Diener des französischen Konsuls ist heute vormittag vor der Tür des Konsulats verhaftet und gewaltsam in» spanische Lager geführt worden. Der Konsul vermochte nicht seine Freilassung zu erlangen. Hundert spanische Reiter find letzte Nacht hier eingetroffen. Weitere Truppen werden erwartet. Ermordung von 16 Fremdenlegionären. Madrid, 14. Juli. Einer Meldung aus M e l i l l a zufolge treffen seit einiger Zeit zahlreiche Deserteure der franzö- fischen Fremdenlegion im spanischen Lager ein. Kürzlich sollen sechzehn Fremdenlegionäre, die in das Gebiet der Beni Bujagi geflüchtet waren, von bewaffneten Nomaden angegriffen und sämtlich niedergemacht worden sein._ Horn und die„Kölnische Dolkszeitung". Der Streit zwischen der K ö l n e r und der K o p p s ch e n oder. wie sie auch genannt wird, der„Berliner" klerikalen Richtung, spitzt sich immer schärfer zu. Alle die alten Gegensätze, die in der bekannten OsterdienStagskonferenz aufloderten und dann zu jenem Ilüngen- und VerdächtigukMpiel zwischen den Kardinälen Fischer und Kopp führten, in dessen Verlauf der Breslauer Fürstbischof das schöne brüderliche Wort vom„v e r s e u ch t e n W e st e n" Prägte, tauchen von neuem aus dem brodelnden Hexenkessel auf— nur noch stinkender und gehässiger. Aber die Positionen beider Richtungen haben sich seit dem letzten Scharmützel wesentlich geändert. Die„Köln. Volksztg." befindet sich heute in einer weit schwächeren Stellung. Sic sieht sich in eine verzweifelte Defensive gedrängt; denn sie hat es nicht mehr allein mit der die christliche Gewerkschaftsbewegung bekämpfende Koppsche Anhängerschaft zu tun. sondern an der Spitze des gegen sie unternommenen Vorstoßes steht die„Correspondance de Rome", das Blatt des päpstlichen Sekretariats, daö zugleich den größten Teil der römischen Kurie hinter sich hat. Von einem solchen Blatt des Modernismus rmd der versteckten Ketzerei geziehen zu werden, ist in Anbetracht des enormen Einflusses, den heute mehr als je der hohe Klerus auf das angeblich„interkonfessionelle" Jen trum besitzt, höchst gefährlich. Es ist deshalb nur zu begreiflich, daß das Bachemsche klerikale Blatt sich krampfhaft gegen solche ..Verdächtigungen" wehrt und mit den heiligsten Schwüren nicht nur seinen guten katholischen Glauben beteuert, sondern auch ..löbliche" Unterwerfung unter dem Willen des Episkopats und der römischen Kurie verspricht. Doch die„Eorresp. de Rome" zeigt sich nicht zu christlicher Milde geneigt. Die sie inspirierende streitbare Kurie will den glimmenden Funken, damit er nicht von neuem aufflackert, gründlich austreten, und so setzt die„Eorresp. de Rome ihre Anfeindung des Kölner klerikalen Organs ungeniert fort und nennt cö in ihrer letzten Rummer ein„halbliberales" und „modernistisches" Blatt, das in seiner Polemik mit einem gewissen Erfolg dje Kunst der athenischen Sophisten handhabt. Daß unter solchen Umständen den Inhabern und Leitern der „Köln. Volksztg." schwül wild, ist begreiflich. So hat denn Herr Dr. Karl Bachem selbst zur Feder gegriffen. Er versucht in einem fast die ganze erste Seite des Kölner klerikalen Blattes fassenden Artikel die Anschuldigungen der„Eorresp. de Rome" als unberechtigt nachzuweisen und die„Köln. Volksztg." als ein streng katholisches Blatt hinzustellen, das stets folgsam die Weisungen der römischen Kurie befolgt hat. „Alle Leser der„Kölnischen VolkSzeitung", insbesondere auch die deutschen Bischöfe und die zahlreichen deutschen katholischen Theologen, welche sie regelmäßig lesen, wissen und können jeder- geit bezeugen, daß in der„iMnischen Volkszeitung" niemals auch nur eine Zeile gestanden hat, welche im entferntesten den Modernismus zu befürworten«er zu begünstigen geeignet ge- Dü �... Wesen wäre. Die„Kölnische Valkszeitung" darf sich dabei vor allem auf das Zeugnis ihres Diözesan-Oberhirten beziehen, welcher die Haltung der..Kölnischen Volkszeitung", was ihre katholische Gesinnung in allen religiösen Fragen und ihre kirch. liche Treue gegen den römischen Gtuhl anlangt, anerkannt und gebilligt hat und welcher, seiner kirchliche» Pflicht entsprechend, nicht gezögert haben würde, einzugreifen, wenn die„Kölnische Bollszeitung" dazu mißbraucht worden wäre, um modernistische Irrtümer zu verbreiten. Ich stelle das nicht fest für solche Kreise, welche in der Lage sind, auf Grund ihrer theologischen Kenntnisse sich selber ein Urteil zu bilden. Aber es ist leider nicht überflüssig, das aus- drücklich auszusprechen für andere Teile des Leserkreises, welche, ohne selbst die genügender, theologischen Kenntnisse zu besitzen, anfangn könnten, wegen deS angeblich gefährdeten katholischen Charakters der„Kölnischen Volkszeituwg" ängstlich zu werden, Welche angesichts der stets erneuten böswilligen Anklagen auf .„JnterkonfessilmalifierungSbeftrebuirgen",„Protestantisierungs- tcndenzeu",„verwaschene katholische Haltung",„dogmenlose christliche Weltanschauung"...modernisrische Richtung",„Ersatz des katholischen Charakters durch eine unklare christliche Basis" usw. sich allmählich könnten irreführen lassen und meinen, es müsse doch wohl„etwas an der Sache nicht stimmen". Diese Llengstlichen dürfen sich vollständig beruhigen: die.Kölnische ' Volkszeitung" ist stets in allen religiösen Dingen ein treu kath» -lisches Blatt gewesen und wird es auch in Zukunft unentwegt bleiben. Jeder, der seit all den Jahren der„Kölnischen Volks zeitung"„protestantisierende Richtung" oder �modernistische Hab tung" oder etwas AehnlicheS vorgeworfen hat. ist sofort öffentlich und privatim, schließlich in schärfster Form aufgefordert worden. unter genauer Anfuhrung derjenigen Artikel und Stellen der Zeitung, welche er glaubte, vom katholischen Standpunkt aus als unkatholisch beanstanden zu dürfen, den Beweis für seine Behauptung zu erbringen. Keiner der Ankläger hat sich bisher dieser doch selbstverständlichen Pflicht unterzogen. Und auch das ist regelmäßig öffentlich festgestellt worden, um die völlige Halt- losigkeit solcher törichten Anfeindungen und Verleumdungen nach- zuweisen." « Dann fordert die.Köln, Volksztg." ihre Leser und Gönner vuf, sie in der jetzigen Zeit der„schweren Bedrängnisse" nicht zu verlassen, sondern sie im Kampf zu unterstützen, um so mehr als die deutschen Katholiken neuen schweren Kämpfen entgegen gingen und sie in diesen Kämpfen..einer machtvollen, ge» ischlossenen politischen Partei" bedürfen, des Zentrums, dessen Kraft durch solche Zwistigkeiten im eigenen Lager zerrüttet werde. „Bleibt das Zentrum in Kraft und Geltung erhalten, so � können wir, soweit menschliches Ermessen reicht, mit Zuversicht der Zukunft entgegen. sehen. Wir haben dann das unsere getan und können den Ausgan g getro st der Vorsehung an- hcimgeben. Wird aber das Zentrum untergraben, wird seine Festigkeit und sein Bestand gefährdet, so steht die Sache erheblich bedenklicher. Auch dann werden zwar die deutschen Katholiken niemals den Mut verlieren und weiter ihre Pflicht tun. Aber was wird dann der Ausgang fein?" Ein femer Trick des Herrn Dr. Bachem, auf die bevorstehen- den Wahlkämpfe hinzuweisen! Weiß man doch in der Redaktion der„Köln. Volksztg." ganz genau, wie große Zukunftshoffnungen die sich isoliert fühlende Kurie auf das Zentrum fetzt und wie sehr man auf einen dem. Zentrum günstigen Ausfall der nächsten deutschen ReichStagswahlen rechnet. Tatsächlich beginnt denn auch bereits die Mahnung ihre Frücht? zu tragen. Der Nuntius Frühwirt in München hat den „Bahr. Kurier" zu der Erklärung ermächtigt, daß der Artikel der „Correspondance de Rome". dessen Ton er selbst mißbillige, in keiner Weise von der zuständigen höheren Behörde inspiriert sei. Er protestiere auf das entschiedenste gegen die Artikel der auö- ländischen Zeitungen, in denen schwere Auflagen gegen die Katholiken Deutschlands und das Zentrum erhoben werden, und in denen man sogar Schatten auf die unantastbare Person des durch seinen Hirteneifer rühmlichst bekannten Erzbischofs von Köln werfen möchte. Bon zuständigster Seite werde ihm versichert, daß an der Veröffentlichung dieser Artikel weder Msgr. Benigni noch ein anderer Prälot unmittelbaren oder mittelbaren Anteil habe. ver Aahlrechttksmpf In Ungarn. Aus Wien wird uns vom 12. Juli geschrieben: Tie Krieg gegen die Wehrgesetze hat im ungari- schen Abgeordnetenhause heute begonnen. Und zwar besorgten die Obstruttwnisten die Sache so gründlich, daß nlit der Sache gyr nicht gngekluzgm Verden küMz, Mo bMo Lulth« Leuke nn! der Obskku?tion schon oft ged'rW, mit dem Ge danken, die Regierung in die Enge zu treiben, eigentlich von dem Augenblick an gespielt, da ihnen Khuen-Hedervary, der jetzige Ministerpräsident, die Macht entwand. Aber da sie immer wieder eingeknickt und auch sonst wahrlich kein Muster von Verläßlichkeit sind, so bringt man nun selbst ihren auß gedonnertsten Schwüren kein rechtes Zutrauen mehr entgegen. Trotzdem ist es nicht unmöglich, daß diesmal die Sache doch blutig e r n st werden und daß sich gegen die Wehrgesetze ein Widerstand zeigen wird, mit dem Graf Khuen nicht so leicht fertig werden mag, als er sichs erhofft. Auch daß sich heute, nach überlangem Zuwarten, auf den Budapest er S t r aß e n die Arbeiter sammelten, uni ihr politi sches Recht einzufordern, das ihnen Khuen ebenso schnöde vor enthält wie das verkrachte Koalitionsregime, ist ein Zeichen des Ernstes der Lage. Man fängt m Ungarn zu begreifen an, was in dem Wehrgesetz auf dem Spiele steht. Von zwei Erwägungen wird die Opposition dazu ge� trieben, gegen die Wehrgesetze den allerentschiedensten Kampf zu entfesseln. Die eine ist natürlich, daß sie mit dem Wehr- gesetz die Gelegenheit aus der Hand geben würde, von der Krone nationalmilitärische Konzessionen zu erpressen, daß ihr die Möglichkeiten zur Nationalisierung der Armee fortan ent schwinden müßten. Dieser magyarische Chauvinismus kann außerhalb des ungarischen Globus auf Interesse natürlich nicht rechnen. Wenn es aber der Justh-Partei mit ihrer Forderung Ernst ist, daß vor der Wehrreform und vor allem die Wahlreform zuwege gebracht werden müsse, so kann man ihrem Unternehmen nur herzlichst Glück wünschen. Welches elende Spiel ist mit der Wahlreform von den Macht habern in Ungarn getrieben worden! Es sind nun volle sechs Jahre, da den Völkern in Ungarn durch Kristoffy und Fejer Vary die Wahlreform versprochen ward, versprochen ward in so feierlicher Weise, daß das Versprechen einem Eide gleiche kommt.(Wer denkt da nicht an das Versprechen der preußischen Thronrede?) Die Einsetzung der Koa« litionsregierung wurde an die Bedingung geknüpft, daß die Wahlreform ihre erste und dringendste Aufgabe sein müsse. Dann kam die Schandkomödie mit dem Andrassyschen Plural« Wahlrecht,(wer denkt da nicht an die Spottgeburt der B e t h« mann schen Wahlreformvorlage?) und kaum hatte Wien mit Khuen wieder gesiegt, so wurde die Wahlreform ganz in den Hintergrund gerückt. Sechs Jahre geht das nichts würdige Spiel mit der Geduld der Völker in Ungarn, (und in Preußen?) und überdeutlich ist nun zu erkennen, daß es Wien in dieser Lebensfrage an jeder Aufrichtigkeit gebricht, daß ihm die Wahlrcform nur Mittel zu seinen selbstischen Zwecken ist. In dem Moment, da die Großmachtsinteressen in die Zwickmühle geraten und von dem magyarischen Chauvi nismus sich bedrängt fühlen, in dem Moment erwacht in Wien prompt die Wahlreformleidenschaft. Die Unabhängig keitspartei siegt und will von Wien die ungarische Kommando- spräche herauspressen. Also erkennt man in Wien sogleich die Gefahr der zügellosen Herrschaft der Junkerkaste und über- strömt von Begeisterung für die ewigen Rechte des Volkes in Ungarn, dessen Bestimmung es nicht sein dürfte, von den übermütigen Magnaten gegängelt zu werden. Aber kaum ist die Koalition dualistisch frisiert, kaum zeigt es sich, daß man sich auch mit Kossuth vertragen kann, weil auch er die Subsidien für die Großmacht zu leisten sich nicht weigert, so ist die Wahlreformleidenschaft schon verraucht und kein Hahn kräht mehr nach den Versprechungen, die man vor den ungarischen Völkern abgelegt hat. Nun gerät man mit der Koalitionsregierung wieder in Streit, sie will die gemeinsame Bank nicht liefern: ohne Verzug erinnert man sich an die Wahlreform und fordert vor der selbständigen Bant ihre Erledigung. Ganz ähnlich ist es mit Khuen gewesen: als er seine Mamaluckenmehrheit noch nicht zusammenge- schwindelt hatte, redete er höchst tvahlreformfrcundlich; nun er fest im Sattel sitzt, hat er nur Vorwände und Ausreden parat. So oft die Großmacht von den ungarischen Chauvi- nisten att die Wand gedrückt wird, begreift sie es, daß das Allerdringlichste und Allerwichtigste die Wahlreform ist, ge- bürdet sich, als ob sie darauf brennen würde, mit der zäsaristi schen Politik die Gentryherrschaft zu zerschmettern. Kaum kriegt sie ein bißchen Lust, so hat sie ihre heiligsten Schwüre vergessen und die Wahlreform steht unter ihren Sorgen an allerletzter Stelle. Wenn nun der wankel- mutigen, eidvergessenen Großmacht an dem Wehr- gesetz vordemonstriert würde, daß auch sie nichts kriegt, wenn sie zu geben sich weigert, so wäre das eine Demonstration am lebendigen Leib. Was begehren die Völker in Ungarn, was fordert das arbeitende Volk? Daß über die schweren Lasten, die mit dem neuen Wehrgesetz auf die breiten Massen gewälzt werden, nur ein Parlament entscheiden dürfe, in dem das gesamte Volk seine Vertretung besitzt, daß das Volk, das die Lasten tragen muß, über ihr Aus- maß mitentscheide. Wer kann es wagen, dieser Forde- rung Berechtigung und Logik abzusprechen? Am wenigsten können es jene wagen, die dem Volke das politische Recht seit sechs Jabren immer versprechen und seit sechs Jahren immer vorenthalten! Wenn das Proletariat in Ungarn seinenaltenKampfmutwiederfindet.so wird die Demokratie die Schlacht diesmal vielleicht gewinnen. Allem voran muß inUngarndieWahlreform stehen. (Also genau so wie in Preußen!) Die Straßendemonstration. Budapest. 12. Juli.(Eig. Ber.) Die Arbeiterschaft Budapests hat heute den Wahlrechtskampf wieder in großem Maßstab aufge- nommen. In vier mächtigen Versammlungen meldete sich das Proletariat, um fein politisches Recht zu reklamieren. Morgen wird im Abgeordnetenhause die Verhandlung de? WehrgefetzeS be- ginnen, und so wiederholt die Arbeiterschaft ihre alte Forderung. daß vor allem die Wahlreform inS Leben treten müsse, bevor auf das Volk die neuen Lasten deS Militarismus gewälzt werdeu dürfen. Die Stimmung in den Versammlungen war von Leidenschaft und Kampfbereitschaft erfüllt. Nach den Versammlungen formierten sich die Massen zu einem impo- sauten Demonstrationszug auf der Budapester Prunk- traße, der Andrassystraße. Vor dem Gebäude des RcformklubS, wo die Justh-Partei ihren Sitz hat, wurde ein Meeting unter reiem Himmel improvisiert. Es sprachen da Genosse Buching er. dann Ludwig Beck. Mitglied der Justh-Partei, und für den Reformklub F e n d e. Die Reden klangen in das Ge- lövnis aus, alle Kraft nun auf die Eroberung deS allgemeinen und gleichen Wahlrechts zu konzentrieren. Der donnernde Ruf der Zehntausende stimmte begeistert zu. Angesichts der gewaltigen Massen, die auf der Straße versammelt waren, hielt sich die Polizei im Hintergrund und jeder der beliebten„Zwischenfälle" wurde vermieden. Sturmszenen. Budapest. 14. Juli. Im Abgeordnetenhause kam es 4«. f.ifiiia?».. Opssosition erzKang eine geschlossene Sitzung, nach welcher RudbyanSzky, der durch Zwischenrufe den Tumult hervorrief, sein Bedauern über seine Zwischenrufe aussprach. Erst nach zwei- stündigen Lörmszenen konnte die Wehrvorlage debattiert werden. Die Regierung ist entschlossen, der Obstruktion nicht länger zuzusehen und will schon in den nächsten Tagen energische Maßnahmen treffen. ,r-«- poUtifcbe OeberHebt. Berlin, den 11 Juli 1911. Ein modernistischer Papst. „Osservatore Romano" veröffentlicht heute das bereits angekündigte Motu proprio des Papstes vom 2. Juli, das daS Kirchen- gesetz über die religiösen Feste abändert. Das Motu Proprio besagt, daß die veränderten Bedingungen der mensch- lichen Gesellschaft es ratsam erscheinen lassen, daS Gesetz über die Beobachtung der religiösen Feste zu ändern, weil der v e r- mehrte Handel und der beschleunigte Gang der Geschäfte durch die Häufigkeit der Feste Schaden leiden. Endlich zwinge die Verteuerung des Lebens die Arbeiter, ihre Arbeit nicht zu oft zu unterbrechen. Jnfolgedesien hat der Papst beschlossen, d i e Festtage zu vermindern und die Fe st e zu beschränken auf die Sonntage, Weihnachten, Neujahr, Epiphania, Himmelfahit. Maria Empfängnis, Mariä Himmelfahrt, den Peter- und Paulstag und Allerheiligen. Die Feste der Schutzheiligen sollen auf den folgenden Sonntag verschoben werden. Der Papst fordert die Bischöfe auf, den Heiligen Stuhl zu befragen, wenn sie in einer Gegend irgend ein aufgeschobenes Fest glauben aufrecht erhalten zu müssen. Es ist in letzter Zeit von der römischen Kurie so manche nebensächliche Rücksichtnahme klerikaler Politiker auf moderne An- schauungen und moderne Lebensverhältnisse als„modernistisch" vcr- schrien worden, obgleich sie an den alten römisch-katholischen Glaubenssätzen nicht im geringsten rüttelte. Weit mehr verdient da? Motu proprio Pius X. als„modernistisch" bezeichnet zu werden, denn es greift tief in die bisherige Tradition und den alten heiligen Brauch der Kirche ein. Und weshalb? Nur aus feiler Rech- nungSträgerei, um nämlich dem Verlangen des heutigen Kapitalismus nach vermehrter Gelegenheit zum Profitmachen und zur Ausbeutung der Lohnsklaven entgegenzukommen und ihm weiteren Raum siir seine Betätigung zu schaffen. Dadurch sollen die wohlhabenden Kreise der Großindustrie und deS Großhandels, die in den letzten Jahrzehnten vielfach Rom den Rücken zugekehrt haben, bewogen werden, in den Schoß der alleinseligmachenden Kirche zurückzulehrcu und in der römischen Kurie nicht nur die Vertreterin ihrer seelischen", sondern auch ihrer leiblichen Interessen zu erkennen. Wie oft haben katholische Priester und Schriftsteller katholischen Arbeitern erzählt, daß die Reformation an den protestantischen Ar- beitern einen schweren Raub begangen habe, indem sie die Zahl der alten katholischen Fest« und Ruhetage aufs äußerste ein- schränkte und dadurch den Arbeitern zugunsten des Trachten s der aufsteigenden kapitalistischen Schichten nach vermehrten Erwerb und Gewinn die Zeit zur Gottesverehrung, zur Erholung von der Arbeit und zur geselligen Fröhlichkeit stahl— und nun kommt plötzlich der antimodernistische Papst Pius X. und verfährt genau nach dem so oft verlästerten arbeitsfeindlichen Rezept der evangelischen Refonnatoren. Nicht aus theologischen oder irgend welchen zwingenden kirchlichen Gründen, sondern lediglich aus Gc- fälligkeit gegen die Großkapitalisten, deren Wohl der päpstlichen Kirche weit mehr gilt, als das der nicht in gleichem Maße zahlungsfähigen Arbeiterllasse._ Ein neuer Raubzug. Ueber die Gründe, die die Schwerindustrie zum Austritt aus dem Hansabund bewogen haben, wirft ein von Herrn Kirdorf unterzeichnetes Zirkular der„Niederrheinisch- Westfälischen Bezirksgruppe" helles Licht. Es wird darin auf Ausführungen Bezug genommen, die der Chef der Organi- iationsabteilung des Hansabundes Dr. Neumann in der Ortsgruppe Dortmund gemacht hat. Darin wird über die Zollpolitik gesagt: Schutz der nationalen Arbeit! Das ist das ewige Feldgeschrei aller derjenigen, welche mit Hilfe wirtschaftspolitischer Maßnahme» sich höhere Preise für ihre Produkte zu verschaffen suchen. Ohne Rücksicht darauf, daß ihre Abnehmer auch zu den Arbeitern am Nationalwohlstand gehören. E i s e n z ö I l e für Kornzölle— daS war das Handelsgeschäft, welches der Zentralverband Deutscher Industrieller 1878 mit den Agrariern abschloß und jetzt zu erneuern sich anschickt. Daß diese Zölle aber unter allen Umständen für die nationale Arbeit günstig wirkten, muß entschieden bestriten werden. Für die Eiscnproduzenten bedeuten die Eisenzölle natürlich einen großen Vorteil— für die Eisenverarbeiter und Verbraucher dagegen einen ebenso großen Nachteil. JaeS muß direlt als«chä- digung der nationalen Arbeit bezeichnet werden, wenn der Stahlwerksverband das deutsche Eisen an ausländische Brückenbau« Anstalten, Schiffswerften, Maschinen- Fabriken, Gießereien usw. unter dem Schutz der Zölle billiger liefert, als den deutschen Unternehmungen dieser Industrie- zweige. Diese Geschäftspraxis mag vorübergehend geeignet sein. die Dividenden der Stahlwerke etwas zu erhöhen— aber sie ist daS Gegenteil von national! Aehnltch steht es mit den Schutzzöllen auf die l a n d w i r t« schaftlichen Erzeugnisse.... Sie bedeuten eine Schraube ohne Ende, welche einzig und allein im Interesse der größeren Grundbesitzer unter den Landwirten liegen. Die Mehrzahl aller deut- schen Landivirte hat von den Getreidezöllen überhaupt keinen Vorteil". Diese Ausführungen sind den Herren der Schwerindustrie natürlich recht unangenehm und sie erklären, daß nach solchem Vorkommnis jedes Wort der Rechtfertigung deS Austrittes überflüssig wäre. Daraus folgt zunächst, daß die rheinisch-westfälischen Großindustriellen mit den Großagrariern vom Bund der Land- Wirte bereits einig geworden sind. Nach dem„Berl. Tage- blatt" sind die Verhandlungen, die den künftigen Zoll- raub sichern wollen, von Herrn v. Heydebrand geleitet worden. Das Ergebnis läuft offenbar darauf hinaus, imß die Kapitalmaguaten und die Großgrundbesitzer sich zur gegenseitigen Zollerhöhung verpflichtet haben. "emeinsam für Eisenwucher und Brotwucher, lautet der Geheimpatt. Das deutsche Volk ist aber beizeiten unterrichtet und kann ich bei den Reichstagswahlen entscheiden. Den Reichen genügt 'r Reichtum nicht; sie wünschen die Kapitals- und entenanhäufung auf Kosten der arbeitenden Massen noch zu beschleunigen. Dazu brauchen sie die Vcr- ügung über die Klinke der Gesetzgebung. Damit sie diese behalten, soll die deutsche Wählerschaft wieder in einen nationalistischen Taumel hineingeleitet werden, wenn dabei selbst die Gefahren eines Krieges herauf- beschwören werden müßten. Geht es um ihre Gcll>interessen, so lxünen die Herren keine Rücksicht. Bei den Wahlen wird es sich also darum handeln, ob die deutschen Wähler wirklich diejenigen zu ihren Vertretern machen wollen, denen die Verteuerung aller not- wendigen Lebensmittel und Bedarssgegen- st ä n d e noch nicht groß genug ist. Stillstand der Sozial- Politik und Ausplünderung der Massen, in diesem Zeichen haben sich die wahrhaft„Nationalen" gefunden. Und da erwartet man wirklich vom deutschen Volke die unsäg- licho Dummheit„nationaler" Wahlen? Familien- Erbmandate. — Eine treffliche Illustration zu den unhaltbaren korrupten politischen Verhältnissen, die sich unter dem Schutze der bisherigen elenden Verfassung vielfach in Elsast-Lothringen entwickelt haben, liefert folgende Metzer Meldung deS„Lok.-Anz.": „Der Reichstagsabgeordnete für den Wahlkreis Diedenhofen- Bolchen, Herr Charles de Wendel, hat bekanntlich infolge von Differenzen die Oberleitung der de Wendelschen Werke niedergelegt und sich in Paris niedergelassen. Er hat gegen seine Verwandten einen Prozeh angestrengt, der vor dem Landgericht Metz schwebt. Mit seiner Vertretung ist Rechtsanwalt Dr. Gre- goire. Reichstagsabgeordneter für den Rcichstagswahlkreis Metz- Stadt und-Land, beauftragt. Herr Charles de Wendel wünscht, daß Dr. Grägoire sein Mandatsnachfolger im Wahlkreise Diedenhofen-Bolchen werde, da dessen Wiederwahl in Metz- Stadt und-Land gefährdet erscheint. Diesem Plane widersetzt sich aber die Familie de Wendel, d i e sich gewissermaßen als Vertreterin des M"a n» d a t s betrachtet, mit aller Entschicdeiiheit. Sie hat es dem ehemaligen Landesausschuhabgeordneten Weber angeboten und sich bereit erklärt, sämtlicheWahlunkostenzutragcnk Herr Weber hat aber abgelehnt. Hierauf wurde das Mandat dem Bürgermeister Windeck von Hayingen angeboten, einem Beamten der de Wendelschen Werke." Diese Art, ein Reichstagsmandat zu vergeben, ist ein unge- heuerlicher Skandal, wie auch schon die Art der Wahl des Abge- ordneten de Wendel einfach skandalös war. Er erhielt im Jahre 1907 13 374 Stimmen; auf das Zentrum entfielen 0674, auf den Sozialdemokraten 4477 Stimmen. Im Reichstag hat sich dieser ge- wissenhafte Volksvertreter fast nie sehen lassen. Die Prüfung seiner Wahl hat die Wahlprüsungökommission des Rvchstägs Jahre hindurch beschäftigt. Die Agenten des Herrn de Wendel hatten bei der Agitation Bier und Schnaps in Strömen fliehen lassem Es konnte nur nicht einwandfrei festgestellt werden, dah sie das im Auftrage des Kandidaten getan haben. Charles de Wendel kämpfte gegen das Zentrum mit dem Hinweis darauf, dah er den päpst- lichen Segen habe. Dies wurde vom Zentrum bestritten, dessen Kandidat auch die Zustimmung deS Papstes haben sollte. An die Krämer im ganzen Kreise lieh das Wahlkomitee Düten und Ein- schlagpapier in allen Gröhen verteilen, auf denen in großem Druck stand: Wählt Charles de Wendel. Die Familie de Wendel, die Tausende, von Arbeitern be- ischäftigt, meint offenbar, dah sie befugt ist, daS Mandat des Kreises einfach nach Belieben zu vergeben. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" auf dem Rückzug. In unsere gestrige Notiz über den Fall Macdonald hat sich ein Irrtum geschlichen, der auf ein MihverständniS eines Londoner Privattelegramms zurückzuführen ist. In der„Times* vom 29. Juni war in der Tat der Brief- MacdonaldS wörtlich wiedergegeben. Die entscheidenden Stellen lauten: .Der Leitartikel dieser Zeitschrist ist anonym und nicht immer von einer bestimmten Person geschrieben, und weder auf dem Titelblatt der Zeitschrift noch in dem Artikel ist irgend etwas zu finden, was Ihre«euherungen rechtfertigte, dah ich es bin, der die Sache ausführlich bebandelt. Wae man auch für oder gegen die Anonymität in der Presse sagen mag. so ist mit Bedacht für die Leitartikel der.Socialist Review" angenommen worden. um ihren Verfassern zu ermöglichen, die Ansichten einer Parteirichtung objektiv darzustellen, nicht aber ihre persönlichen Ansichten zu diskutieren und zu entwickeln. ES ist daher unfair, solchen Artikeln irgendeinen Namen anzuhängen. weil sie nicht nur in dem Sinne anonym find, dah ihre Verfasser sie nicht unterzeichnen, sondern in dem viel wesentlicheren Sinne, dah sie ihr Thema mit einer Freiheit und Ausgiebigkeit be- handeln, die mit Namenszeichnung oft unmöglich ist. Die Aus- einandersetzung in der„Socialist Review" über meine Begegnung mit dem Deutschen Kaiser, wer immer sie geschrieben haben mag ist in keiner Weise eine persönliche Aeuherung. sondern eine Prüfung einiger Seiten der Angelegenheit, wie sie Männern er- scheinen, die an dem persönlichen Auftreten von Sozialisten Interesse nehmen." Der Brief enthält also g e n a u d a s f e l b e. was der von uns wiedergegebeue Auszug, und bestätigt im übrigen nur. was wir bereits gestern über die„mwollständige Anonymität" der . Socialist Review" gesagt haben. Das gibt, wenn auch sehr verklausuliert, jetzt sogar die.Nordd. Mg. Ztg." selbst zu. wenn sie schreibt: Selbst wenn aber Mr. Macdonald der Ansicht des„Bor- wärtS" wäre, dah auf Veranlassung der deutschen Botschaft bei ihm vor seiner Einladung sondiert worden sei. so würde damit nur bewiesen, dah auch er sich in einem Irrtum be- findet." Denn eS ist doch ein offenkundiger Rückzug, wenn die „Nordd. Allg. Ztg." jetzt zu bestätigen geneigt ist. dah unsere Aus- fassung von dem Nächscheteiligten geteilt wird: Will jetzt am Ende gar die.Nordd. Allg. Ztg." behaupten der englische Kriegsminister H a l d a n e habe Macdonald a b f i chU* ch irregeführt, nur um ihn zum Zusammentreffen mit Wilhelm E. zu bewegen? Je länger die.Nordd. Allg. Ztg." die Polemik fuhrt, desto heiterer wird sie. Also, bitte. Fortsetzung I Der Verfasiungsplan der mecklenburgische» Junker. Ungefähr SOS mecklenburgische Ritter traten am Donnerstag in R o st o ck zum allgemeinen RitterschastSkonvent zusammen, um zur mecklenburgischen Verfassungsfrage Stellung zu nehmen. Die Ritter stellten folgende Richtlinien für die Verfassungsänderung auf, an denen sie unbedingt festhalten wollen: 1. Zusammensetzung der Landtagsversammlung auS drei an» nähernd gleichen Teilen; 2. Zusammensetzung deS dritten Teiles je zur Hälfte auö Vertretern des DomaniumS und anderweitigen Personen. Keines« falls darf diese dritte Gruppe stärker sein als eine der beiden andern; 3. Ausschluss allgemeiner Wahlen, zu welchen die breite Masse der Bevölkerung hinzugezogen wird; t. Das Recht der Itio m partes für jede der drei Gruppen, wenn eS sich um Aenderung der Verfassung, der obrigkeitlichen Rechte und der Verwaltung im Bereiche der Ritterschaft und der Landschaft handelt. Der Widerspruch einer der drei Gruppen ge- nügt zur Ablehnung: S. Der so zusammengesetzten und auflösbaren LandtagSver- fammlung wird das volle Budgetrechl gewährt. Die Oldenburg und Heydebrand sind noch übertrumpft worden. In Prcuhen kann die grosse Masse wenigstens in der dritten Klasse wählen, in Mecklenburg soll die grosse Masse der Bevölkerung über- Haupt kein Wahlrecht bekommen. Zudem aber verlangen die Junker, dah, damit künftige Ler- fassung«» und LerwaltungSreformen aufs äusserst? erschwert werden, die Itio in psrtss bestehen bleibt, das heißt, wem eine der drei Vertretergruppen im Landtag Widerspruch erhebt, solche Reformen ohne weiteres als abgelehnt gelten. Allem Anschein nach haben die mecklenburgischen Ritter die Hauptgedanken ihres BersassungsplanS den Hottentotten oder Botokuden entlehnt. Verstärkte Grenzsperre. Die„Deutsche Tageszeitung" fühlt sich nicht im geringsten be- wogen, sich mit der gestern von uns mitgeteilten Eingabe des Landcsvorstandes des Bundes der Landwirte für das Königreich Bayern zu beschäftigen, in welcher dringend der Schutz deS bayerischen Schlachtviehs vor dem verseuchten norddeutschen Schweinevieh ver- langt wird. Statt dessen bringt das Bündlerblatt einen im drohen- den Ton gehaltenen Appell an die Regierung, in dem die Regierung aufgefordert wird, zur Verhinderung der Seucheneinschleppung die Grenzsperre noch weiter auszudehnen als bisher. Die»Deutsche Tagesztg." schreibt nämlich: „Angesichts der ganzen Haltung, die die Regierung in der Frage des Seuchenschutzes an unseren Grenzen bisher cinge- nommen hat, erscheint es wohl an der Zeit, ein ernstes Wort über die schwere Gefahr zu sagen, der wir auf diese Weise un- fehlbar entgegensteuern. Die EntWickelung, die die immer be- drohlichere Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche ohnehin befürchten lassen muß, liegt doch klar vor Augen: In immer steigendem Matze werden die Tiere noch unreif auf den Markt gebracht, weil mit jedem Tage, den der Besitzer länger als un- bedingt notwendig mit dem Verkaufe wartet, die Gefahr steigt, dah er sie durch Ansteckung ganz verliert. Eine Ergänzung der durch frühzeitigen Verkauf wie durch die Krankheit selber ab- gehenden Bestände aber wird immer schwieriger, weil der Markt- verkehr immer mehr gestört und geeignete Nachzucht immer schwerer zu haben ist. Es erscheint fast unausbleiblich, dah auf diese Weise die Preise für Schlachttiere, die zurzeit wegen des durch die Seuchengefahr bewirkten Andranges zum Verkaufe viel- fach ein unberechtigt niedriges Niveau erreicht haben, eines Tages beginnen müssen, sich auf einer anormal erhöhten Basis fortzu- bewegen. Durch die lässige Wahrnehmung des Grenzenschutzes aber wird die Gefahr einer solchen Entwickelung verdoppelt und verdreifacht, weil sie die Unsicherheit und die Befürchtungen, der Viehhalter in ganz enormer Weise steigern mutz." Eine recht anmahliche Sprache. Doch, wie die Erfahrung lehrt, übt sie auf die Regierung stets ihre Wirkung; und auch in diesem Fall hat sie bereits an den sogen, zuständigen Stellen etwas ge- wirkt, denn, wie telegraphisch aus Aachen gemeldet wird, hat der Regierungspräsident zur Verhütung der Seucheneinschleppung aus Belgien den Grenzweideverkehr mit Wicherfäuexg ittid Schweinen längs der belgischen Grenze verboten, „Eine verlorene Schlacht" überschreibt der nationalliberale Abgeordnete Metger einen in der„Kölnischen Zeitung" veröffentlichen Artikel, worin er das Scheitern des Gesetzes über die Pflichtfortbildungsschule in dem preußischen Abgeorduetenhause beklagt. Seit Jahrzehnten habe man hingewiesen auf die Notwendigkeit, den Unterricht über das schulpflichtige Alter hinaus auszudehnen. Endlich komme eine Vorlage, die lange im Plenum und in der Kommission beraten und schließlich begraben worden sei. Für die Freunde der Fort- bildungsschule komme dieser Ausgang einer verlorenen Schlacht gleich. Die Regienmg habe, da der Landtag versage, die Pflicht, die Fortbildungsschulen auf dem Verwaltungswege zu fördern. Aber, so heitzt es zum Schluh: „Eine entscheidende Wendung zum Besseren wird man aber erst von einer Aenderung in der politischen Lage zn erwarten haben. Auch an diesem Beispiele zeigt sich wieder, dah die im Staate wirkenden Kräfte im Landtage nicht die entsprechende Vertretung finden und dah das Bürgertum nicht den Einfluß besitzt, der ihm seiner Bedeutung nach zukommt. Ein wert- volles Heilmittel für diesen wie für so diele andere Mißstände wird die Reform de» preußischen Wahlrechts bilden, die eine andere Zusammensetzung des Landtages herbei- führt. Die kulturelle Entwickelung eines Landes ist abhängig von seinen politischen Einrichtungen. Eine im Parlamente Herr- fchende Reaktion ist imstande, jedem Fortschritte Hemmnisse ent- gcgenzustellen. Wer daher die Kultur des Landes fördern will, der darf sich von der politischen Tätigkeit nicht zurückhalten und ist namentlich verpflichtet, bei den Wahlen die liberalen Par- teien aufs kräftigste zu unterstützen. Die bevorstehenden Wahlen geben dazu die beste Gelegenheit." Welche Partei ist eS denn, die sich hartnäckig einer wirksamen Reform des schandbaren Wahlrechts in Preußen widersetzt? Wer ist es weiter, der den Junkern und den Schwarzen bei den Wahlen die Schleppe trägt? Niemand anders als die nationalliberale Partei, die durch ihre Waschlappigkeit der Reaktion das Pulver liefert für die„verlorenen Schlachten", über die sie nachher zu winseln pflegt. Deshalb wäre cS eine Dummheit sondergleichen, eine solche Partei bei den Wahlen zu unterstützen! m i Bassermann bleibt in Saarbrücken. Zu den Preßmeldungen, daß beabsichtigt sei, den Abgeordneten Bassermann im Wahlkreis Guben aufzustellen, teilt die .Nationalliberale Korrespondenz" mit, daß dies unzutreffend, sei und fügt hinzu: „Ganz abgesehen davon, daß die Voraussetzung einer Ver- schlechterung der Verhältnisse im Wahlkreise Saarbrücken unzu- treffend ist, denkt Herr Bassermann ebensowenig daran, von seiner Kandidatur im genannten Wahlkreise zurückzutreten, wie der Wahlkreis selbst an der Person des geschätzten Führers der nationalliberalen Partei unter allen Umständen festhalten und seine ganze Kraft daran setzen wird, ihm zum Siege zu ver- helfen."- Das parteiamtliche Organ scheint doch etwas zu rosig in die Zukunft zu blicken, denn die„Post" und die„Kreuzzeitung" haben ganz unverhohlen erklärt, daß sich durch die Differenzen zwischen dre Schwerindustrie und dem Hansabund die Chancen BassermannS kaum verbessert haben. Man kann nicht wissen, ob da» Zentrum den in Düsseldorf geübten Kniff, einen dem Hansabund angehörigen ZentrumSmann aufzustellen, nicht auch noch ig Sggrbrückeg gfl- tvegdst. Dgmit ttaje Bassermann erledigt... Ocfteirrfcb. • Die Stimmenzahl der deutschen Parteien. Nach einer Zusammenstellung kann man heute bereits über die deutschen Wählerstimmen einen vorläufigen Ueberblick ge- Winnen. Im ganzen haben sich die auf deutschen Kandidaten ab- gegebenen Stimmen von 1 734 000 aus! 823 000 vermehrt. An dem Zuwachs um 39 900 Stimmen partizipieren alle drei großen Parteigruppen. Die Christlichsozialen allerdings nur auf dem Papier. Sie haben statt der 761 000 Stimmen vom Jahre 1907 jetzt 762 000 Stimmen bekommen. Dabei sind aber auch jene Stimmen mitgerechnet, die auf solche Kandidaten entfielen, welche sich von der Partei vollständig fernhalten wollen, so die Abgeord- neten Dr. Heilinger und Hruschka. Uyter Abrechnung dieser Stimmen hat die christlichsoziale Partei starke Einbuße erlitten. Die Stimmen sämtlicher„Deutschfreiheitlichen" sind von 610 000 aus 517 000, also nur um 7000 Stimmen, die so- zialdemokratischen Stimmen aber von 513 000 auf 544 000 Stimmen, also um 31000 Stimmen gestiegen. ' Diese Statistik ist die beste Antwort auf die Renommistereien der Nationalverbändlcr, die da vorgeben, den größten Sieg er- fochten und die Sozialdemokratie nahezu vernichtet zu haben. Die Statistik zeigt, daß erstens die deutsche sozialdemokratische Partei SÖSiö stärker ist. als älle-dMHsreMtljAev'. KsMM MM««ttf daß sie Mj veffex abg'eschinllchi hak bei des als diese.. j* frankntch. i A—- o Das Nationalfest, �» 'n Paris, 14. Juli. Das Nationalfest, da? zur Erinnerung an den Bastillensturm gefeiert wird, wurde am Vorabend in üblicher Weise mit Straßenbällen und anderen Lustbarkeiten begangen. Heute fand in Longchamps eine Parade statt, der der Präsi» denk, alle Minister und das diplomatische Korps beiwohnten. Wäh- rend die Truppen an dem Präsidenten vorübermarschierten, wanö- vrierten drei lenkbare Lustschiffe über dem Felde. Be» der Rückkehr des Präsidenten veranstaltete eine Anzahl Came- lots du roy eine Kundgebung; es kam zu einer Schlägerei mit dem Publikum, das gegen sie Partei ergriff. Zahlreiche Verhas- tusgea wurden vorgenommen.-e'' SnglancL Die Oberhausfrage. London, 14. Juli, lieber die weitere parlamentarische Behandlung der V e t o b i l l ist zu melden: Das Oberhaus wird die dritte Lesung am 20. Juli vornehmen. Die Bill geht dann an das Unterhaus zurück, das am 24 d. Mts. in die Beratung der Zusatzanträge eintreten wird. Man nimmt an. daß Asquith ihre Verwerfung en bloc beantragen wird. perNen. Die Ministerkrise. N< Teheran, 13. Juli. Die Rückkehr des SepehdarS hat die Kabinettskrisis nicht zu lösen verntocht. Eine auS Mitgliedern aller Ppiieien des Parlaments zusammengesetzte Do» putation ist heute beim Regenten gewesen, um ihm die Ernennung eines neuen Premierministers zn empfehlen. Vermutlich hat sie M uta min el Mulk in Vorschlag gebracht, der seine Ausbildung in Frankreich und England genossen und ver- schiedene Minifterposten innegehabt hat.— Ein mcrktvürdigeS Charakteristikum der gegenwärtige» Lage ist die Einigkeit, die unter den parlamentarischen Parteien herrscht. Diese Erscheinung ist größtenteils dem Einfluß des G e n e ra l s cha tz me i stc r S zu danken, dem es gelungen ist, die Abgeordneten, siix des Gedütckes der Finanzrefoxw zu begeistern. � w' Amerika. Eine Rieseuprotestversammlung. Die größte Arbeiterversammlung, die je in den Vereinigten Staaten getagt hat, fand am 18. Juni zum Protest gegen die im Mc Namara-Prozetz in LoS Angeles gegen die Arbeiter begangenen Justizverbrechen in Chicago statt. Der Vor- sitzende des Verbandes der Brücken» und Eisenbauarbeiter Fr. M. Ryan und Genosse B e r g e r waren Referenten. Ryan erklärte, die S o z i a l i st e n hätten recht. Er sei bisher keiner gewesen, habe sich bisher von beiden alten farteien narren lassen. Vor allem tue eine sozialistische agespresse not. Borger mit stürmischem Jubel begrüßt, forderte das Zusammenarbeiten von Gewerkschaften und Sozialisten. Mexiko. � Blutige Unruhen." Pucbla(Mexiko), 14. Juli. Bei einem am Mittlvvch und gestern erfolgten Zusammenstoß zwischen RegierungStruPpea und Anhängern Madcros tourden über 40 Personen, dar- unter einige Frauen,.getötet. Die Aufständischen flohen auf die Berge, wo sie den Kampf fortsetzten. Der Anlaß zu diesem Zu, sammenstoß soll«in Angriff von feiten betrunkener Pevolutio, näre auf dsS Gefängnis gewesen sein.,- v-- Hus der partcü AuS den Parteiorganisationen. DerSozialdemokratischeKreisivahlvere indes zweiten weimarischen Wahlkreises hielt am Sonntag in Salzungen seine Jahrcs-Generalversammlung ab. Die Orgänt- satton besitzt 1243 Milglieder. darunter 126 weibliche. Die Ein- nähme betrug 3065,67 M.. die Ausgabe 2602,57 M., so daß ein Kassenbestand von 463,10 M verbleibt, lieber die Tätigkeit des weimarischen Landtages referierte Genosse Baudert. über die bevorstehende Reichstags« wähl der Abgeordnete deö Kreises Genosse Leber. Dabei wurde folgende Entschliessung einstimmig angenommen:„Die Kreis» Generalversammlung spricht dem Genossen Leber ihre volle An« erkennung auS, sie erklärt sich ganz in Uebereinstimmung mit seiner Tätigkeit zu befinden und stellt ihn für die nächste RcichSiagSwahl zum Kandidaten wieder auf." Nachdem noch Genosse Hermann-Eisenach über Organisation. Agitation und Presse einen Vortrag gehalten hatte, wurde Ejseüach wiederum als Vorort gewählt und Genosse Runknagel als Kreis- Vorsitzender._ poUzcUicbcs, Genebtlkheo ufw, �.? Eine neue Breslau« Polizeitat. Am Freitagnachmittag wurde in B r e S l a u der fast 9vjährkge Genosse LouisCohnzu Grabe getragen. Der sozialdemokratische Verein deS Bezirks, dem der Genosse angehört hatte, und Genosse Eduard Bern st ein- Berlin hatten dem Per, storbenen Kränze gewidmet, die selbstverständlich rote Schleifen aufwiesen. Der Text der Widmungen enthielt nicht eine Zeile. die etwa in preußischen Polizeiaugen hätte verdächtig sein können. Als sich der Trauerzug in Bewegung seht«, wurden die Kranz, träger alsbald von den Polizeikommissarcn nach dem Polizei, Präsidium abgeführt, wo ihre Personalien festgestellt und die Ent» fernung der Schleifen ihnen empfohlen wurde. Als die Genossen sich weigerten, die Schleifen zu entfernen, machte sich die Polizei selbst an diese Arbeit. Die Genossen weigerten sich nun. die Kränze ohne Schleifen mit sich zu nehmen und überließen auch diese der Polizei. Inzwischen wurde dem Sohne des Verstorbenen hinter dem Sarge des Vaters mit Verhaftung gedroht, weil er das Vorgehen der Polizei laut entrüstet als eine Roheit bezeichnet hatte. Der Beamte nahm von der Verhaftung Abstand, als Umstehende es als unerhört bezeichneten, daß man den Sohn vom Sarge des Vaters weg verhaften wollte. Der ganze Weg bis zum Friedhofe war stark mit Polizei be- setzt. Am Eingang des Friedhofes selbst befanden sich zwei Kom- missare und in Verborgenheit hatte man ein starkes Schutzmanns- aufgebot bereit gehalten. Nachdem der jüdische Rabbiner gesprochen. ergriff Genosse Löbe im Namen unserer Partei daS Wvrt. Da stürmte ein Polizeikommissar sofort auf den Altar, vor dem der Sarg stand, um den Redner— wie er sagte— das Wort zu entziehen. Allgemeiner Unwille entstand unter den zahlreichen Freunden und Verwandten des Verstorbenen, und nur der Einsicht unserer, an solche Polizeitaten gewöhnten Genossen war es zu verdanken, daß laute Szenen sogleich wieder verstummten. Dieser Polizeiakt an einem Grabe stellt alleö in den Schatten. was bisher vog hu Breslauer Polizei aus diesem Gebiete ge, leistet Metze, GewerfefcbaftUcbea- Sin„facbmann" der CJnterncbnier. In den letzten Jahren macht ein Dr. Paul Gräbeln in besonderer Art von sich reden. Er schreibt Bücher, die das Arbeiterleben schildern sollen. Auch in Unternehmerzeitungen und Zeitschriften schreibt Grabein über Arbeiterverhaltnisse. Grabein wird da als Fachmann hingestellt, dem eine be- sondere Kenntnis der Dmge, die er behandele, eigne. Da Dr. Paul Grabein die Unternehmerphilosophie der„Deutschen Arbeitgeber-Zeitung" in B e l l e t r i st i k ummünzt, bringt zurzeit auch das Berliner Scharfmacherblatr einen Roman Grabeins:„Im Kampfe", zum Abdruck. Die Arbeiter-Zeitungen und besonders die Gewerkschafts- blätter haben sich schon des öfteren mit den journalistischen Allüren des Dr. Grabein beschäftigen und seine Sachkenntnis sehr in Zweifel ziehen müssen. Nun scheint es der„Fach- mann" Grabein doch auch allmählich der Unternehmerpresse zu toll zu treiben. So berichtet die„Volkswirtschaftliche Korrespondenz" des„Zentralverbandes deutscher In- dustrieller" über die Fachkenntnisse Grabeins wie folgt(wir zitieren nach der„Bergarbeiter-Zeitung"): „Einen Bergwerksvortrag hielt vor einigen Tagen in der Berliner„Urania" unter dem Titel einer von ihm heraus- gegebenen Artikelserie ein Schriftsteller Dr. P. Grabein und mächte nebenbei Reklame für einen seiner neuen Romane. Wer jene Aufsätze gelesen hatte, konnte sich die Anhörung des Vor- trags ersparen, denn ganze Seiten des Buches gelangten in ein- töniger, hastender Sprechweise zur Verlesung. Die produzierten Bilder waren größtenteils schlechte Photographien von Buch- Illustrationen und standen mit dem Text zuweilen in keiner Beziehung. Mit der Wirklichkeit nahm es der Vortragende nicht immer genau. Da sahen wir beispielsweise Bergleute mit offenen Lampen in der Grube; Arbeiter in den vor Jahrzehnten üblichen Trachten und mit alten Blendlaternen in der Hand fuhren unter Tage; französische oder belgische Hauer und Schlepper, die das offene Licht an der Stirn trugen, arbeiteten in der Ruhrkohlen- zeche. Mit den technischen Kenntnissen des Redners stand es noch schlimmer.»Zwei Einbrüche des Hangenden wurden als Folge schlagender Wetter borgeführt; der Ausbau eines Quer- schlags mit Eisenschienen fand seine Erklärung als„Holzver- zimmerung", und ein bildlich dargestellter Bergmann bohrte, nach den Worten des Vortragenden, das Gestein an, um schlagen- den Wettern Abzug zu verschaffen, und das bei offenem Kerzen- licht(!.')— in Wirklichkeit war es�ein Mann mit einem Stoß- , hohrhammer, anscheinend in einer Erzgrube." ' Der„Bergknappe", das Organ des christlichen GeWerk- dereins der Bergarbeiter, bedauert, keine„Lustige Ecke" im Organ zur Verfügung zu haben, um die„fachmännischen" Kenntnisfe des Herrn Doktors dort unterbringen zu können. Wir sind nun gespannt, wie sich die„Deutsche Arbeit- geber-Zeitung" zu dieser Kritik der„Volkswirtschaftlichen Korrespondenz", also zu der Kritik aus den eigenen Reihen stellen wird. Kann der„Fachmann" Dr. Paul G r a b e i n noch weiter die Scharfmacher-Jnteressen in belletristischen Unsinn gießen? Freilich weiß Dr. G r a b e i n, was ihm und den Unter- nehmern frommt, sofern vcn ihm die Industriellen als die übermenschlichen„Helden" ausstaffiert werden, während die organisierten Arbeiter der Kultur als Ballast im Wege stehen. So spiegelt sich die Welt im Kopfe Grabeins. Wiegen diese Eigenschaften auch den hanebüchensten Unsinn auf? Berlin unS Omgcgcnd. Die Tarifbewegunq des Buchbinderpersonals in den Buchdruckereien. Nachdem der neue Tarifvertrag für das Buchbindergewerbe mit dem 1. Juli Geltung erhalten hatte, kam es vor allem darauf an, auch diejenigen Arbeitgeber zur Anerkennung des neuen Tarifes zu veranlassen, die nicht dem Verbände der Buchbindereibesitzer an- gehören. Ihnen wurden dann auch sofort die«allgemeinen Be- stimmungen de» Vertrages zugesandt mit einem Begleitschreiben, worin sie auf die wichtigsten Punkte aufmerksam gemacht und er- sucht wurden, den Tarifvertrag unterschriftlich anzuerkennen. Ant- wort wurde bis zum 7. Juli erbeten. Es kommen bei dieser Be- wegung hauptsächlich die Buchdruckereien in Frage, die Buchbinder und Buchbindereiarbeiterinnen beschäftigen. Am Donnerstag fand nun im großen Saale der„Arminhallen" eine Versammlung dieser über 1200 Personen umfassenden Gruppe der Buchbinderbranche statt, in der die Durchführung des neuen Tarifes in den Bnchdruckereien auf der Tagesordnung stand. Wie der Bevollmächtigte Würzberger in seinem Bericht über die Lage ausführte, haben auf Grund des Zirkulars von den nicht dem Ver- bände angehörenden Firmen bis jetzt ungefähr 30, darunter 10 Buchdruckereien, den neuen Tarif unterschriftlich anerkannt. Vom Verein Berliner Buchdruckereibesitzer ist jedoch folgendes, von dem Vorsitzenden Herrn Büxenstcin unterzeichnetes Zirkular versandt worden: An unsere Mitglieder? In einer Anzahl Druckereien sind am heutigen Tage die Buchbinderpersonale mit der Forderung herangetreten, den seit dem 1. Juli gültigen Buchbindertarif anzuerkennen. Dieser Tarif enthält namentlich bezüglich der Arbeitszeit, besonders für die Betriebe mit durchgehender Arbeitszeit, so einschneidende Be- stimmungen, daß wir unseren Kollegen nur raten können, zu- nächst eine abwartende Stellung einzunehmen und den etwaigen Bescbeid an das Personal zu vertagen bis nach unserer am 18. Juli stattfindenden Versammlung, für welche Sie die Ein- ladung beiliegend finden. Wir wollen nicht verfehlen, daraus aufmerksam zu machen, daß der Buchbindertarif allerdings nur Stundenlöhne in sich schließt und daß damit die Feiertagsbezah- lung der Buchbinder entfällt. Besonders bemerkenswert ist an diesem Zirkular, daß die Buchdruckereiprinzipal« wohl auf das Stundenlohnsystem aufmerksam gemacht werden, aber nicht auf die doch vor allem in Betracht kommende Bestimmung des Tarifs, daß bestehende bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht verschlechtert werden dürfen. Darin zeigt sich offen- bar das Bestreben, die Verhältnisie zu verschlechtern, statt sie zu verbessern. Es hat nun auch eine Unterredung mit Herrn Büxen st ein stattgefunden, wobei die Vertreter der Arbeiter sich bereit erklärten, bis zum 13. Juli zu warten, um de« Prinzipalen Gelegenheit zu geben, über die Frage zu beraten. Inzwischen der- suchen jedoch die Prinzipale, in den einzelnen Buchdruckereien m i t dem Buchbinderpersonal Sonderabmachungen zu treffen, die mit dem neuen Tarif in Wider- s p r u ch st e h e n. Es ist selbstverständlich, daß dies von den Per- sonalen unter allen Umständen abgelehnt wird und abgelehnt werden muß. Bei ihrer Weigerung, den Tarif anzuerkennen, be- rufen die Buchdruckereibesitzer sich darauf, daß sie zu den VerHand- lungen in Leipzig nicht geladen worden und nicht vertreten gewesen seien. Das entspricht jedoch nicht den Tatsachen. Es war dort ihr Leipziger Vorsitzender, Buchdruckereibesitzer Säuberlich. ,owie auch ihr Zentralvorsitzender. Buchdruckereibcsitzer Dr. Peters- mann, anwesend, und namentlich Herr Petersmann hat lebhaft an den Verhandlungen teilgenommen und durch sein Ein- greifen es den Vertretern dex Arbeitnehmer erschwert, Verbesse- rungen zu erzielen. Es trifft also durchaus nicht zu. wenn die Prinzipale vom Buchdruckgewerbe behaupten, sie hätten auf das Zustandekommen des neuen Tarifs keinen Einfluß gehabt.— Der Referent ließ im übrigen keinen Zweifel darüber, daß, wenn die bevorstehende Versammlung der Buchdruckerciprmzipale nicht die Anerkennung BeS Tarifes zur Folge hak, das Buchbinder» personal zum Kampf gerüstet ist und alles auf- bieten wird, um auch in diesen Betrieben den Tarif zur Geltung zu bringen und die notwen- digen Verbesserungen der Lohn- und Arbeits» Verhältnisse zu erringen. Die lebhafte Diskussion, die dem Referat folgte, zeigte eben- falls klar und deutlich, daß man vor einem Kamps keineswegs zurückschreckt, sondern äs ohne weiteres mit der jetzt allerdings starken Organisation der Buchdruckereibesitzer aufnehmen wird, wenn es die Umstände notwendig machen. Es wurde auch darauf hingewiesen, daß Herr Büxen st ein es war, der sich im Jahre 1900 bei den Buchbindereibesitzern mit Erfolg um das Zustande- kommen des Buchbindertarifes bemühte, dann aber für das Buch- binderpersonal seines eigenen Betriebes noch auf lange hinaus die tarifwidrige ü�stündige Arbeitszeit aufrecht erhielt, und daß Herr B ü x e n st e i n jetzt als Unterzeichner des oben erwähnten Zirkulars der Anerkennung des neuen Buchbindertarifes in allen Buchdruckereien Schwierigkeiten zu bereiten sucht.— Es wurde schließlich auf Vorschlag des Branchenleiters Wie- nicke folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung nimmt mit Entrüstung Kenntnis von der Weigerung einer großen Reihe von Buckdruckereiprinzipalen, die mit dem Verband der Buchbindereibesitzer abgeschlossenen Vereinbarungen anzuerkennen. Die Versammelten erklären auf das bestimmteste, mit allen zu Gebote stehenden gesetzlichen Mitteln dafür zu sorgen, daß der neue Tarif in allen seinen Einzelheiten auch in den Buchdruckereien Eingang findet, ohne daß bestehende bessere Verhältnisse dabei ausgeschaltet werden. Sollten wider Erwarten die Buchdruckereiprinzipale sich weigern, dem nachzukommen, so erklären die Versammelten sich bereit, durch eine allgemeine Arbeitsniederlegung das ihnen Zustehende zu erzwingen." Deutsches Reich. Lohnbewegung in den niederschlesischen Hüttenwerken. Von Gewerkvereinen wird in den niederschlesischen Hüttenwerken eine Lohnbewegung eingeleitet. In Betriebsversammlungen sind Forderungen aufgestellt worden. Die Arbeiter verlangen festgesetzte Mindestlöhne und die Einführung von Arbeiterausschüssen aus zeit- gemäßer Grundlage als wirkliche Vertretung der Arbeiterinteressen. Die Löhne sind in den Betrieben sehr niedrige; 18 bis 20 Pf. Stundenlohn wird für gelernte Handwerker noch gezahlt. Auf die eingereichten Forderungen antworteten die Arbeitgeber ab- lehnend und verwiesen darauf, daß die Wünsche der Arbeiter nur durch Verhandlungen der Arbeiterausschüsse mit den Werksleitungen ihre Erledigung finden könnten. Die Arbeitcrausschüsse sollen nunmehr mit den Werksleitungen aus der Grundlage der gemachten Vorschläge verhandeln. Lohnbewegung der Glaser in Kassel. Da die Meister die eingereichten Forderungen der Gehilfen nicht beantworteten, reichten die Gehilfen dieser Tage kurzerhand die Kündigung ein. Der Erfolg war, daß ein großer Teil der Geschäfte den Forderungen der Gehilfen sofort entsprach und damit das Polle Gelingen der Bewegung gesichert wurde. Vom Kampf im Hamburger Holzgewerbe. Mit Beginn dieser Woche stehen Hamburgs Holzarbeiter bereits 17 Wochen im Kampf. Ein Ende des Kampfes ist vorläufig noch nicht abzusehen, da der Arbeitgeberschutzverband bedingungslose Unterwerfung und Preisgabe des bisherigen paritätischen Arbeits nachweise» von den Arbeitern verlangt. Hieraus einzugehen haben die Arbeiter keine Veranlassung. Den Unternehmern als Schutztruppe dient der von ihnen ge- gründete und ausgehaltene Lokalverband der Holzarbeiter von Hamburg und Umgegend von 1911. Dieser Lokalverdqnd ist eine Streikbrecherorganisation gelber Couleur. Auf das von diesem Verein herausgegebene Inserat, in dem Tischler nach Hamburg ?esucht wurden, sind vereinzelte Holzarbeiter bewußt oder unbewußt ereingefallen und haben den Kämpfenden durch Zuzug nach Ham- bürg den Kampf erschwert. Dieser Umstand gibt Veranlassung, erneut an alle Arbeiter den Appell zu richten, allerorts für strengste Fernhaltung des Zuzuges von Holzarbeitern aller Branchen nach Hamburg und Umgegend Sorge zu tragen._ sinS. Ob diese Verhandlungen zu einer Einigung führen Kerben, läßt sich nicht voraussagen. Allem Anschein nach will sich die Arbeitgebervercinigung nicht von der zum heutigen Sonnabend geplanten weiteren Ausdehnung der Massenaussperrung abhalten lassen, so daß also zu den übrigen noch 15 090.Arbeiter und Arbeiterinnen aus die Straße geworfen werden,---- � Versammlungen. Deutscher Bauarbeitcrverband. Die Sektion der Gips- und Zementbranche hielt am Donnerstag abend ihre Generalbersamm- lung in den„Arminhallen" ab. H a e s e erstattete den Geschäfts- bericht vom 2. Quartal. Die erwartete gute Konjunktur im Bau- gewerbe habe sich verzögert, es fehlte an großen Wohnhausbauten; von einem Aufftieg in der Konjunktur sei nicht viel zu spüren ge- Wesen, und darunter mußte auch die Agitation zur Gewinnung neuer Mitglieder leiden. Der Streik der Eisenkonstruktions- arbeiter habe gezeigt, welche Wichtigkeit eine einzelne Arbeiter- gruppe, wenn sie geschlossen die Arbeit niederlegt, für das Bau- gewerbe besitzt. 42 Mitglieder der Sektion wurden direkt von diesem Streik in Mitleidenschaft gezogen und erhielten eine Unter- stützung.— Nur eine Bausperre wurde im 2. Quartal verhängt; sie dauerte fünf Tage und hatte den gewünschten Erfolg. Ueber die Mitgliederbewegung machte Haese unter anderem folgende Angaben: Am Schlüsse des 1. Quartals war ein Bestand von 1810 Mitgliedern vorhanden. Während des 2. Quartals traten 324 neu ein, 14 traten aus anderen Verbänden über oder wurden aus Zweigvereinen angemeldet, 10 schieden aus und 155 mußten gestrichen werden. Am Schlüsse des 2. Quartals war ein Bestand von 1981 Mitgliedern vorhanden; darunter waren 437 Rabitzputzer, 263 Spanner, 196 Träger, 16? Zementierer. 412 Einschaler und 506 Hilfsarbeiter. Die Statistik des Arbeitsnachweises zeigt, daß sich im Monat April 459 Arbeitslose anmeldeten, während 95 noch vorhanden waren. 230 Stellen wurden vermittelt. Im Mai meldeten sich 531 Arbeitslose an, während vom April noch 122 vorhanden waren. 191 Stellen wurden vermittelt. Im Juni meldeten sich 384 Ar- beitslose an, während vom Mai noch 130 vorhanden waren. 159 Stellen wurden vermittelt. Alle angemeldeten Stellen wurden besetzt.— Gegenwärtig beginnt die Konjunktur sich wieder zu heben. Haese ermahnte zur Einhaltung des Tarifs, es sollten keine Akkordverträge abgeschlossen werden. Ueberall sollte man Baudeputierte wählen und eine frische Agitation für den Verband entfalten. In der Diskussion wurde über mangelhafte Einrichtungen im Arbeitsnachweis geklagt. Auf verschiedene Anfragen erteilten der Vorsitzende und Haese Auskunft. Der Letztere machte darauf aufmerksam, daß für diejenigen alten Mitglieder, die ihre Streik- beitrüge noch nicht bezahlt haben, eine kurze Frist noch besteht, um als vollberechtigte Mitglieder bei dem Uebertritt in den Deutschen Bauarbeiterverband zu gelten. Die Frist war schon am 1. Juli abgelaufen, ist aber ein wenig verlängert worden. Den Bericht von der Berliner Gewerkschaftskommission er- stattete Haese. der auch als Delegierter wieder gewählt wurde. Schwarze Listen als Tarifbruch verurteilt. Das Gewerbegericht in München hat am Mittwoch als Schiedsgericht auf Antrag der Arbeitnehmerorganisationen den Schiedsspruch gefällt, daß sich der Arbeitgeberverband für das Baugewerbe München und Umgebung durch die Herausgabe schwarzer Listen eines Verstoßes gegen die Bestimmungen des be» stehenden Tarifvertrages schuldig gemacht hat. Der Arbeitgeber« verband hat sich vergeblich bemüht, die Fällung eines Schieds- spruchcs in dieser Frage zu verhindern. Er ließ durch seinen Ver- treter erklären, daß er eine Entscheidung darüber in München nicht zulasse, damit man nicht mit dem in München gefällten Schiedsspruch in ganz Deutschland hausieren gehen könne, denn München sei der klassische Boden für Schiedssprüche zugunsten der Arbeiter.&'' Busland* Generalstreik in Saragossa. Saragossa, 13. Juli.(Eig. Ber.) Die Zimmerergetver!- schaft hatte die Forderung an die Unternehmer gerichtet, die Arbeitszeit auf 9 Stunden herabzusetzen. Die hartnäckige Weigerung der Unternehmer und die feindselige Haltung der Behörden, die sofort die bewaffnete Macht auf die Beine brachten, riefen unter der Arbeiterschaft Saragossas große Empörung hervor. Das Zentralkomitee der Gewerkschaften erklärte infolge der Drohungen der Regierung den General- streik, was vom Proletariat mit Begeisterung aufgenommen wurde. Wenn in fünf Tagen der Streik noch keine Beilegung der Differenzen gebracht hat. werden sich ihnen auch die Bäcker anschließen. Außer den am Orte befindlichen Truppen hat der Gouverneur auch noch zwei Schwadronen Kavallerie kommen lassen. Er ließ ferner die Straßen mst Sand be- streuen, damit das Militär gegen das Volk Attacke reiten kann. Alle Beamte wurden» mst Revolvern bewaffnet. Außerdem hat man einen Sondergerichtshof eingesetzt, der die während des Streiks verhafteten Arbeiter aburteilen soll. Die Buchdrucker haben beschlossen, keine Zeitungen heraus- kommen zu lassen. Die Metallarbeiter von Utebo, einem Orte, der 20 Kilometer von Saragossa entfernt ist, haben sich dem Streik angeschlossen. Die Arbeiter verhalten sich trotz aller Provokafionen ruhig. Man schätzt die Zahl der Streikenden auf 10000. Die Unternehmer haben die Stadt verlassen, um nicht mst den Arbestern verhandeln zu müssen. Die Massenanssperrung i« Norwegen. Zwischen � der Norwegischen Arbeitgebervercinigung und der Landesorganisation der Gewerkschaften sind in den letzten Tagen Verhandlungen zwecks Beilegung des Kampfes angeknüpft worden. Als Vermittler zwischen den Parteien sind der StorthingSpräsident Halvorsen und der sozialdemokratische Storthingsabgeordnete Dr. S r i k s e n tätig, die für dieses Aifit vom StaatSminister ernannt Hetzte Naebriehtetn * Kundgebungen am Bastilleplatz in Paris. Paris, 14. Juli. tPr.°C.) Auf dem Bastilleplatz Vevi sammelten sich heute Tausende van Sozialisten, um gegen die jetzige Gesellschaftsordnung am Gedenktage des BastillewslurmeS zu protestieren. Es kam zu Kundgebungen, die schließlich zu Z u- sammen stoßen mit der berittenen Garde-republicaine und den Truppen führten. Es kam zu wiederholten Attacken, bei denen es auf beiden Seiten zahlreiche Verwundete gab. Die Truppen drängten die Manifestanten durch den Boulevard Bour- don am Arsenalbecken entlang nach der Seine zu. Am Quai Henry kam es zu erneuten Zusammenstößen. Schließlich ge- lang es dem sozialistischen Pariser Abgeordneten Vaillant, der eine mit großem Beifall aufgenommene beruhigende Ansprache an die Massen hielt, die Menge zum Auseinandergehen zu veran» lassen. Gegen Mittag war die Ruhe wieder her, g e st e l l t._ Waldbrand in Hessen-Nassau. Marburg, 14. Juli.(W. T. B.) In den Lahnbergen zwischen Marburg und K o e l b e wütet ein Waldbrand. Der Kiefernbestand ist in Gefahr. Es herrscht große Dürre. Feuerwehr und ein Jägerbataillon sind zur Stelle. Lustmord am Niedrrrhein. Düsseldorf, 14. Juli.(Pr.-C.) Bei M ü n d e l h e i m im Kreise Düsseldorf wurde heute die 21 jährige Zigarrenarbeiterin Anna GertgeS ermordet aufgefundem Tie Leiche war in der entsetzlich st en Weise verstümmelt. Es liegt an- scheinend ein Lustmord vor. Der Täter konnte bisher nicht ermittelt werden. Cholera und Pest. Dux(Böhmen), 14. Juli.(Pr.-C.) Jn Kummerpursch ist heute ein Bergarbeiter unter choleraverdächtigen Erkrankungen gestorben. Die Leiche wurde zur bakterio» logischen Untersuchung nach Brüx ins Krankenhaus gebracht. Haag, 14. Juli.(W. T. B.) In der v o r i g e n W o ch e sind 40 Erkrankungen und 36 Todesfälle an Pest in Mulang auf I a v a. fünf Fälle, die alle tödlich verlaufen sind, in K e d i r i vorgekommen. Petersburg, 14. Juli.(W. T. B.) In der Ortschaft U S b e ck der K i r g i s e n st e p p e im Gouvernement Astrachan sind vier Einwohner an Lungenpest gestorben. Die infizierten Lehmhütten wurden niedergebrannt und ihre Bewohner unter ärztliche Auf- ficht gestellt. In den letzten Tagen ist keine neue Erkrankung vor- gekommen. New York. 14. Juli.(W.T.B.) Zwei weitere TodeS- fälle an Cholera unter den am 5. Juli vom Mittelmeer ange- kommenen Einwanderern werden gemeldet. Sechs andere Personen befinden sich wegen Choleraverdachts unter Beob- achtung. Nachrichten vom Ingenieur Richter. Konstantinopcl, 14. Juli.(B. H.) Die Räuberbande. die den Jenaer Ingenieur Richter gefangen hält, ist seit gestern mit diesem aus griechisches Gebiet übergetreten. Die Pforte ließ durch ihren Gesandten in Athen sofort Vorstellungen bei der griechischen Regierung erheben. In Wiirklichkeit sind die türkischen Behörden froh, die lästige Angelegenheit und die Frage, wer eine Million Frank Lösegeld bezahlen soll, auf diese Weise Griechen. land aufbürden zu können. Todesopfer der Lüfte. Algier. 14. Juli.(W. T. B.) Der Flieger Paillole ist bei einem Fluge abgestürzt und war sofort tot. Liergytw. Kkdalt.: Richard Barth, Berlin. Lvjergtellteil verantw,; Th. Glocke, Berlin. Druck u-Lerlag: Vorwärts Buchdr.u Verlagsanstalt Paul Singers Co., Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen«.UnterhaltnngSbl. ix. 163. 28. I KtilU des Jotitirts" Kerlim loMlotL 5ott«abevd. 15. loü 1911. Der ZeDtrumsgewtrhvcreio der Bergleute In den letzten Tagen hat der Gewerlverein der christlichen Bergarbeiter in Köln am Rhein seine 13. Generalversammlung absolviert. Nach den Satzungen ist der Gewerkverein in politischen Dingen.streng neutral"; die Führer versichern dies bei jedweder Gelegenheit, auch auf der 13. Generalversammlung haben sie es wieder geschworen. Und dennoch trugen die Kölner Verhandlungen einen politischen Stempel. Die praktischen Arbeiten der Generalversammlung wurden eingeleitet mit einer langen Begrühungsansprachc des Direktors des Volksvereins für das katholische Deutschland, Dr. Brauns- M.�iladbach; den Verhandlungen des zweiten Tages verlieh die Anwesenheit des Generaldirektors desselben Vereins eine höhere Weihe; schließlich beehrten den Kongreß noch fünf oder sechs Zentrumsabgeordnete. Herr Dr. Brauns überbrachte die Grüße und Wünsche des katholischen Volksvereins, mit dem, nach seinen eigenen Angaben, der Geweriverein durch mancherlei Fäden der- knüpft sei. Die Richtigkeit dieser Ausführungen kann ohne weiteres zugegeben werden, merkwürdig ist an der Sache nur, daß Herr Dr. BraunS just vor den Reichstagswahlen diese mancherlei Be- Ziehungen zwischen dem Zentrums-Volksverein und dem GeWerk- berein entdeckt und sie zum Anlaß nimmt, als offizieller Vertreter des Volksvereins die Generversammlung der christlichen Bergarbeiter zu besuchen. Ein Vertreter des M.-Gladbacher Vereins hat bisher Wohl(wenigstens nicht.offiziell") keiner Ge- werkvereinsgeneralversammlung beigewohnt. Auch Dr. Brauns. der an der Wiege des Gewerkvercins gestanden hat und fast ein Jahrzehnt Mitglied des sogenannten Ehrenrats war, blieb den Generalversammlungen volle zehn Jahre fern. Wenn nun der Sachwalter des Zentrumsvolksvereins ganz unvermittelt und ur- plötzlich sich der Beziehungen zwischen dem Volksverein und dem Gewerkverein entsinnt, so muß das einen besonderen, triftigen Grund haben. Die Reichstagswahlen stehen vor der Tür, vor den Mahlen graut es den Zentrumsherren bei ihrem schlechten Ge- wissen und ihrem systematischen Arbeiterverrat gar fast, deshalb hält man einen engeren Zusammenschluß mit den im Gewerkverein organisierten Arbeitern für dringend geboten. Das ist die einzige plausible Erklärung für das an sich ganz unmotivierte Erscheinen des Generaldirektor? und des Direktors des Volksvereins für das katholische Deutschland auf der 13. Generalversammlung des Ge- Werkvereins christlicher Bergarbeiter. Die Ausführungen Dr. Brauns waren natürlich völlig un- politisch, indessen ändert dieses Moment ebensowenig an der Richtigkeit der vorstehenden Behauptung, wie das Referat des .,Bergknappen"-Redakteurs Jmbusch über die grundsätzliche Stellungnahme des Gewerkvereins. Jmbusch meinte, der Zweck und die Aufgaben der christlichen Bergarbeiterbewegung würden noch vielfach verkannt; beides sei aber deutlich zu ersehen: 1. aus den Gründen, welche die Gründer des Gewerkvereins veranlatzte, diesen ins Leben zu rufen, und 2. aus der bisherigen Tätigkeit des Gewerkvereins. Ueber die Ursachen, welche die Gründer de? Gewerkvereins der- Änlaßte, diesen ins Leben zu rufen, hat Herr Jmbusch dann aus- geführt:.Der Gewerkverein wurde gegründet, um die als not- wendig erkannte Vertretung der wirtschaftlichen Interessen der Bergarbeiter zu schaffen, die dem früher gegründeten sozialdemo- kratischen Verbände nicht angehören konnten. Er sollte der Berg- arbeiterschaft den Anteil an den Wirtschaftsgütern sichern, der ihr gebührte, und ihr die Stellung verschaffen, auf die sie mit Recht Anspruch erheben. Deutlich zeigen das die Aeußerungen der Gründer." Herr Jmbusch wird der geschichtlichen Wahrheit mit diesen wenigen Worten nicht gerecht, allerdings hat Herr Jmbusch alle Veranlassung, den wahren Hergang der Gründung des Gcwerk» Vereins und die Ursache desselben mit Stillschweigen zu übergehen. Angesichts der entstellenden Darstellung deS Gewerkvercins- referenten sei deshalb die Entstehungsgeschichte deS Gewerkvereins hier mit wenigen Strichen gezeichnet. Die Gründung des Gewerkvereins war nicht der erste Versuch, die katholischen Bergarbeiter zu organisieren. Im Jahre 1886 rief der Zeitungsverleger Johann Fusangel den„Rechtsschutzverein" ins Leben. Nach der Auflösung diese? Vereins, dem zirka 12 600 meist katholische Bergarbeiter in seiner Glanzzeit angehört hatten, grün- dcten Lambert Lensing-Dortmund, Fusangel-Bochum und Stotzel- Essen den Verband„Glück-Auf". Der zentrumspolitische Charakter de»„Glück-Auf" ist schon durch die Gründer hinreichend dokumen- tiert. Die ganze Gründung war nichts anderes als eine ultra- montane Wahlmache, mit der die Gründer allerdings nicht sehr viel Glück hotten. Jedenfalls wurde der Verein„Glück-Auf" aus der- selben Veranlassung ins Leben gerufen, aus der im Jahre 18S4 kleines feuilleton. Wie ein Wunder entsteht. In einem galizischen Dörfchen bei Sambor bemerkten vor einigen Tagen zwei junge Hirtinnen, die daS Vieh der Bauern hüteten, über dem niwt weit entfernten Dorfbrunnen ein geheimnisvolles Licht, das sich Hob und senkte. Voll abergläubischer Furcht eilten sie nach dem Dorfe und benach- richtigten von dem„Wunder" die Bauern, die in Scharen herbei- eilten und vor dem Brunnen auf die Knie fielen. Die Kunde von dem wunderbaren Licht verbreitete sich mit unglaublicher Schnellig- keit in der ganzen Umgebung. Zahlreiche Prozessionen aus den benachbarten Dörfern kamen singend und betend und bestaunten die seltsame Erscheinung. Natürlich dauerte es nicht lange, bis sie alles Mögliche und Unmögliche in ihrem abergläubischen Wahn zu sehen vermeinten. Die einen wollten darin die Mutter Gottes, die anderen ganze Heerscharen von Engeln und alle anderen Heiligen des Kalenders erkennen. Der mthenische Pope ließ die erwünschte Gelegenheit nicht vorübergehen und benutzte das Wunder dazu, für den Kirchenbau Gelder zu sammeln. Er stellte neben dem Brunnen einen Tisck mit zwei Leuchtern und einem Kruzifix auf und ließ durch den Kirchendiener die gern und reichlich gegebenen Kupfer- und Silbermünzcn von den Pilgern einsammeln. Die Be- Hörden, die sich mit dieser Angelegenheit befassen zu müssen glaubten, ließen die Sache untersuchen und fanden die ebenso ein- fache als natürliche Erklärung des vermeintlichen„Wunders". Irgendein Spaßvogel hatte nämlich in eine Spalte der Brunnen- fassung eine Spiegelscherbe gelegt, die in dem grellen Sonnenschein das„heilige Licht" verursachte. Trotz dieser Erklärung glauben die Bauern weiter an das Wunder. Schon jetzt wird eifrig für den Bau einer Kapelle gesammelt, die sich über dem.Wunderbrunnen" erheben soll. DaS höchste Bauwerk der Welt. Der Ehrgeiz der cnnerika- Nischen Baumeister verliert immer mehr jede Vergleichsmöglichkeit mit der Baukunst der alten Welt. Aus Cleveland kommt nun die Nachricht, daß eine der mächtigsten amerikanischen Hausbesitzer- Organisationen, die„National Builoings Owners Convention", den Plan zu einem Neubau in Auftrag gegeben hat, der alle Bauwerke der Welt an Höhe übertreffen wird. Der einzigartige Baukörper wird in New Aork erstehen: ein Wolkenkratzer von 100 Stockwerken und einer Gesamthöhe von nicht weniger als 365 Metern. Dieses neue Gebäude läßt alle bisherigen Rekords des Wolkenkratzerbaues weit hinter sich. In New Dork arbeitet man gegenwärtig an einem neuen Riesenhausc, dem Woolworth Building, das genau 262 Meter hoch wird und 46 Etagen aufweisen soll. Das Woolworth Building wird bis zur Fertigstellung mehr als 30 Millionen verschlungen haben: man kann daraus schließen, welches Kapital für den neuen vuadert-Etogen-Wottellklatzer ftstgclegt ftfjieji«mß. Nach dann der Gewerkverein von den ZentrumSmachern gegründet wurde. Es verdient ganz besonders hervorgehoben zu werden, daß die- jenigen Leute, die den ersten Anstoß zur Gründung deS Gewerk- Vereins gaben, keine Bergarbeiter waren. August Brust war nichts anderes, als eine vorgeschobene Person. Die erste Delegierten- Versammlung im August 1894 wurde zwar von Brust geleitet, den größten Raum in der Diskussion nahmen aber die sogenannten Ehrengäste in Anspruch, Arbeiter kamen kaum zu Wort. Vielmehr als August Brust oder andere Arbeiter sind an der Gründung des Gewerkvereins beteiligt die Herren Fabrikbesitzer Wiese-Verden, ein strammer Zentrumsmann, Kaplan Oberdörffer, der katholische Pfarrer Drießen, der damalige Vikar Dr. Kramer, Professor Hitze und Pfarrer Weber-M.-Gladbach. Im Jahre 1893 brachten die Reichstagswahlen, namentlich im Ruhrkohlenrevier, der sozialdemokratischen Partei einen starken Stimmenzuwachs, den man zum größten Teil aus das Erstarken des alten Bergarbeiterverbandes zurückführte. Die Zentrumsführer sahen, daß sie zusehends an politischem Einfluß einbüßten. Da sie aber ein sehr lebhaftes Interesse oaran hatten, sich für ihre poli- tischen Zwecke die Arbeiterstimmen zu sichern, verschrieben sie das von ihrem Gesinnungsgenossen Fusangel und Lensing mit schlechtem Erfolg angewandte Rezept erneut und organisierten die Bergarbeiter. Die Gründung des Gewerkvereins auf interkonfessioneller Grundlage entsprang lediglich kühler Erwägung; die Gründung selbst er- folgte lediglich aus politischen Erwägungen. Was aber die von Jmbusch zitierten Aeußerungen der Gründer anbetrifft, so beweisen diese Aeußerungen in aller Deutlichkeit, daß es diesen Herren vor- nehmlich darauf ankam, eine Organisation zu schaffen, deren erste Aufgabe der Kampf gegen die Sozialdemokratie war. Diese Devise zog sich wie ein roter Faden durch fast alle Reden der Gründer und durch die ersten Satzungen des Gewerkvereins. Auf dieser Basis operierte fortan der politisch neutrale Gewerk- verein. Die Gründe, die gewisse Leute veranlaßten, den Gewerk- verein ins Leben zu rufen, beweisen nicht nur für die Argumente des Herrn Jmbusch nichts, sondern widerlegen seine Behauptungen und tuen dar, daß der Gewerkverein eine Zentrumsgründung aus rein politischen Motiven war. Im Laufe der Jabre hat der Gewerkverein dann allerdings den Ehrenrat— dem Dr. Brauns und Professor Hitze, der Ver- trauensmann des katholischen JndustriellcnverbandeS„Arbeiter- wohl", viele Jahre angehörten— durch Beschluß der Generalver- sammlung aufgehoben. Der diesen Herren blind ergebene Vor- sitzende August Brust war kurz vorher unter den bekannten wider- wältigen Umständen„pensioniert". Im großen Bcrgarbeiterstreik hat dann der christliche Gewerkverein Schulter an Schulter mit dem alten Verband und den anderen Organisationen für die Rechte der Bergarbeiter gegen das arbeiterfeindliche Grubenkapital ge- kämpft, indessen war das mannhaft« und ernstliche Eintreten für die Interessen der Bergleute nur eine kurze Etappe in der Gesamt. entWickelung des Gewerkvereins. Die Rückwärtsentwickelung ging gar schnell und heute, nach knapp sechs Jahren, nimmt man jenen Mann in allen Ehren wieder auf, dem der„Bergknappe" im No- vember des Jahres 1907 ausdri�klich attestierte daß er die volle Qualifikation eines Jnteressenvert reters des Unternehmertums besitze. Die Rückkehr August BrustS und daS Erscheinen der Herren Pieper und Dr. Braun stehen in enger Beziehung. Brust war das stets willfährige Werkzeug der Zentrumsdemagogen. In diesem Sinn« wird in der„Deutschen Berg- und Hüttenarbeiterzeitung" vom 4. Mai 1901 von jemanden, der die Persönlichkeiten des Go- Werkvereins genau kannte, gesagt:.... Brust selbst ist unfähig zu«iner Gewerkschastsführung im großen Stile; ihm fehlt so ziemlich alles zum Strategen. Und deshalb ist der Einfluß der Herren Hitze, BraunS, Pieper und Genossen so groß auf ihn." Die Herren Pieper und Brauns sind Arm in Arm mit Herrn Brust nach 6 jährigem Exil zurückgekehrt und mit ihnen haben ihr Geist, ihr« Gesinnung und ihre frommen Absichten wiederum beim Gewcrkverein Einzug gehalten. Die Hitze, Pieper, Brauns haben vor Jahren im Ehrenrat die ernste Absicht gehabt, den Gcwerk- verein im Sinne des Zentrums zu leiten, der Ehrenrat ist zwar beseitigt, ober die Herren haben wieder feierlichen Einzug ge- halten und bald wird ihr Geist im christlichen Getverkverein wieder vollends dominieren. Die Mitglieder, die seinerzeit von der evan- gelischen Seite dem Ehrenrat angehörten, haben keinen Ersatz ge- funden; um so uneingeschränkter wird die Herrschast der Hitze, Pieper, BraunS und Genossen sein. Mit der 13. Generalversamm- lung hat sich der christliche Gewerkverein offensichtlich unter die Botmäßigkeit der Leiter des Vollsvereins für das katholische Deutschland— waS gleichbedeutend mit der Botmäßigkeit des Jen- trums ist— gestellt. DaS Zentrum ist die Partei der ausge- sprochencn Kulturfeindlichkeit, des fortgesetzten Arbeiterverrats und des brutalsten Volksbetruges. Vollendung deS Baues wird das Gebäude das höchste Bauwerk der Welt sein. Südliche Pflanzen in nördlichen Breiten. Wer zum ersten Mole die Südküste Englands oder die herrliche Insel Wight be- sucht, ist erstaunt über den Charakter der dortigen Pflanzenwelt, die an Reichtum und Pracht fast mit der Vegetation an den Küsten der Riviera wetteifern kann. Ueberall in den Gärten und Anlagen findet man zahlreiche Palmenarten, die auch im Winter im Freien wurzeln. Daneben wachsen Feigen und Oelbäumc, die Stechpalme bildet weite Gebüsche und Haine und auch andere immergrüne Sträucher und Bäume, wie Steineiche, Lorbeer und Myrthe sind allenthalben heimisch. Zu der gleichen Zeit, wie in dem so viel südlicheren Spanien und Portugal blühen auch hier im„rauhen" Norden stattliche Azaleen und Rhododendren, die eine Höhe von sechs bis acht Metern erreichen. England genießt eben den Vorzug des milden gleichmäßigen atlantischen Klimas, und der Einfluß des Golfstromcs, dessen Ausläufer die Insel um- fließen, macht sich längs der ganzen Küste bemerkbar. Noch seit- samar wird es manchem klingen, daß selbst auf Helgoland einige südliche Gewächse gedeihen. So kommen auf Helgoland nicht nur Feigenbäume vor, sondern reifen sogar ihre Früchte. Doch hören wir, was Kuckuk darüber in seinem„Nordseelotsen" schreibt: „Nichts bezeugt so sehr die Milde des Nordsceklimas, als das Gedeihen der Feige auf Helgoland. Es handelt sich hier um die durch purpurrotes Fruchtfleisch ausgezeichnete Abart der gemeinen Feige, kleus carica L., die in Helgoland an verschiedenen Stellen des Unter- und Oberlandes gezogen wird."„Der größte Baum steht im Hofe der Molkerei auf dem Oberlande; seine Höhe beträgt 4,5 Meter, sein Stammumfang 60 Centimeter. Die kräftigen Aeste, die enorm große Blätter tragen, müssen gestützt werden. Bei diesem Exemplar fallen die Früchte meist vor der Reife ab." Ein zweiter, etwas weniger stattlicher Baum dagegen, der in einem anderen Garten steht, gibt im Herbst reiche Ernte. Auch sonst finden sich noch andere Exemplare auf der Insel, jedoch von mehr strauchartigem Bau. Gleichfalls wird es überraschen, daß auf Helgoland auch die Artischocken ganz vorzüglich gedeihen und reiche Ernte liefern. Papiersairikation und Waldvcrwüstung. In wie großem Um- fang daS Holz zur Papicrfabrikation herangezogen wird, dafür gibt Dr. Ernst Schnitze in seinen kürzlich erschienenen„Streifzngen durch da? nordamerikanische Wirtschaftsleben" interessante Beispiele. Er erzählt, daß in Nordamerika 1867 Papier als Produkt der Holzver- orbeitung aufgekommen sei, daß sich aber bis 1690 die Herstellung in bescheidenen Grenzen gehalten habe. In den letzten zwanzig Jahren aber hat in Amerika wie in Westeuropa die Fabrikation von Holzpapier so zugenommen, daß sie alle neueren Arten der Papierfabrikation überragt. 1867 hatten die Waldungen der Neuengland-Staaten, New AorkS und Pennsylvaniens Von den zur Fabrikation verwendeten Bäumen solche Bestände, daß Mit Köln hat eine neue Wendung in der EntWickelung deS Gewerkvereins begonnen. Mit Köln muß der Gewerkverein end- gültig gerichtet sein!_ Hus Induftne und Handel Verschlechterung der Lebenshaltnng. In Zeiten deS gewerblichen Niederganges pflegen die Waren« preise zu sinken. Die Periode 1907 bis 1909 hat aber für die Klein« Verkaufspreise der Lebensmittel keine sinkende Kurve gebracht, sondern die Preise gingen fast ununterbrochen nach auswärts, so daß im Jahre 1910 daS Preisniveau sich im Verhältnis zur Bewegung der Löhne auf einer recht unbefriedigenden Höhe befand. Für diese Behauptung sei hier auf die Bewegung der Lebensmittelpreise und Löhne bei der Firma Krupp hingewiesen, deren Konsum« anstatt den auf den Betrieben der Firma beschäftigten Arbeitern zu möglichst billigem Preise die wichtigsten Lebensmittel liefert. Um das Preisniveau im Verhältnis zum Konsum berechnen zu können, war eS nötig, als Konsumeinheit von der NahrungSmittelration des deutschen Marinesöldaten auszugehen und das Dreifache dieser als Familienration anzunehmen. Es ergibt sich dann, daß sich für daS Jahr 1907 der wöchentliche Nahrungsmittelaufwand einer vierköpfigen Familie auf 19,58 M. stellte, im Jahre 1910 aber auf M.; die nämlichen Waren in der nämlichen Menge und Qualität kosteten im Jahre 1910 1,69 M. mehr als im Jahre 1907. DaS ist eine Steigerung des wöchentlichen NahrungSmittelaufwandeS von 8,SZ Proz. in drei Jahren, und zwar in Jahren, in die ein gewerblicher Niedergang gefallen ist. Für die in den Kruppschen Betrieben beschäftigten Arbeiter liegen auch Angaben über die Lohnsätze vor. Danach stellte sich der Durchschnittslohn eines Arbeiters im Jahre 1907 auf 6,3b M., im Jahre 1910 auf 6,61 M. Der Lohn ist um 0,16 M. oder um rund 3 Proz. in der nämlichen Zeit gestiegen, in der der Nahrungsmittelaufwand um 8,63 Proz. hinaufgegangen ist. Dabei muß aber noch darauf hingewiesen werden, daß die Löhne bei Krupp im Durchschnitt ziemlich hoch und stabil, die Warenpreise im Kruppschen Konsum niedriger sind alS im allgemeinen in dem unbedrohten Kleinhandel. Die Lage der Arbeiterschaft ist also 1910 noch wesentlich ungünstiger gewesen als 1907, indem die Kaufkraft des Geldes merklich geringer war als damals. Die Ziffer, die die Höhe des NahrungSmittelaufwandeS angibt, ist selbst bei Krupp erheblich niedriger, als für das übrige Essen. Nach den amtlichen Preisnotierungen für den Klein« Handel in Essen stellte sich der Kostenbetrag deS wöchentlichen NahrungSmittelaufwandeS für daS Jahr 1910 auf 24,68 M. Diese Indexziffer steht um 3,3K M. höher als die nach den Preis- Notierungen der Kruppschen Konsumanstalt berechnete. ES kostete in der Kruppschen Konsumanstalt in den Jahren 1907 und 1910 ein Kilogramm der nachstehenden Nahrungsmittel in Pfennigen: 1907 1909 Zu- resp. Abnahme Rindfleisch... 140,0 144,9+ 4,9 Schweinefleisch. 167,9 180,0+22,1 Hammelfleisch., 130,0 130,0-4- 0,0 Reis..... 84,6 36,0+ 1,6 Bohnen.... 83,7 36,0+ 2,3 Erbsen..., 28,7 34,0+ 5,3 Weizenmehl,, 80,0 82,8+ 2,8 Pflaumen.,, 48,9 64,0+15,1 Kartoffeln,,. 6,7 7.2+ 0,6 Brot..... 15,7 17,8+ 2,1 Butter.... 262,8 277,7+14,9 Zucker.... 46,0 53,1+ 7,1 Kaffee.... 180,0 240,0+60,0 Mit Ausnahme von Hammelfleisch ist jede Ware im Preise mehr oder weniger gestiegen, so daß unter Berückflchttgung der kon« sumierten Mengen eine Zunahme der Ausgaben für den berechneten Nahrungsmittelaufwand von 8,63 Proz. resultiert. Inzwischen haben die Preise im Jahre 1911 weiter angezogen; denn für die ersten fünf Monate diese« Jahres stellte sich die Indexziffer für die Stadt Essen schon auf 26,06 M.. also 0,48 M. höher als für da» ganze Jahr 1910. Auch eine Illustration zu dem Gerede von dem sozialen Ausstieg der breiten Masse. Drohende Fleischaot. Der Verbrauch an Pferdefleisch nimmt in der rheinisch« westfälischenJndustriebevölkerung derart zu. daß zur man glaubte, sie würden für immer genügen, heute sind diese ganzen Bestände verschwunden, die Papiermühlen müssen daS Rohmaterial von weither herbeischaffen. Von 1900—1906 ist der Verbrauch von Holzpapier in Nordamerika von 3>/, bis auf 6'/, Milliarden Pfund gestiegen, d. h. um 66 Proz. Und brauchten im Jahre 1900 die Zeirungen etwa 1 Milliarde Pfund, so belief sich 1906 ihr Bedarf auf 1,8 Milliarden Pfund. Die Auflagenzahl sämtlicher amerikanischer Zeitungen soll im Jahre 1880 2 Milliarden Exemplare betragen haben; 1905 dagegen 10'/, Milliarden. 1870 kamen auf jeden Bewohner der Bereinigten Staaten 39 Zeitung«- und Zeitschriftenexemplare. diese Zahl hob sich in den nächsten zehn Jahren nur um ein geringes, auf 41,2; dann aber folgte die Zeit des gewalttgen AnschlvellenS; 1890 waren eS schon 72,2, 1900 103 und 1905 125 Exemplare. Dazu kommt noch, um den steigenden Bedarf an Holzpapier für die Presse zu erklären, die Vergrößerung deS Umfanges der Zeitungen in den letzten dreißig Jahren. Hatten 1880 1000 Exemplare im Durchschnitt 91'/, Pfund gewogen, so war dieses Gelvicht 1390 auf 118,4, 1900 auf 137,3 und 1905 auf 176,4 Pfund gestiegen; denn der durchschnittliche Um- fang der Zeitung hatte sich in diesem Vierteljahrhundert von 4.4 auf 8,8 Seiten gehoben, d. h. gerade verdoppelt. Notizen. — Prof. Hermainn Senator/ eln hervorragender Kliniker, ist im Alter von 76 Jahren im Sanatorium Tegel ge- storben. In Berlin hatte er studiert, hier war er als Arzt und seit 1868� auch als Dozent tätig. Die Protektion der Kaiserin ver- schaffte ihm, dem Juden, der nie eine ordentliche Professur bekam, die Leitung des Augustahospitals. Später stand er einer der medizinischen Kliniken in der Charite vor. Auch in der Berliner Medizinischen Gesellschaft tat er sich hervor. — Drahtlose Telcgraphie in Marokko. Zum ersten Male arbeitete räch einem Telegramm aus Tanger am Donnerstag der drahtlose Telegraph zwischen Fez und Tanger. Das erste Radiogramm sandte der Sultan an El Mokri, um diesen von dem in Fez herrschenden Frieden in Kenntnis zu setzen. m— Die Bevölkerung Spaniens beträgt nach der Volkszählung von 1910 19,5 Millionen Köpfe. Die jährliche Zu- nähme in dem letzten Jahrzehnt war äußerst gering, sie betrug nur 0,6 vom Hundert; trotzdem die Geburtenziffer(für Lebendgeborcne) mit 34,4 vom Hundert relativ hoch ist. Eine hohe Gesamlsierblich- k-lt. eme fast gleich hohe Säuglingssterblichkeit wie die Deutschlands und starke Auswanderung machen den Geburtenüberschuß erheblich wieder wett. Von den Städten stehen Madrid mit 671639 und Barcelona mit 600 900 Emwohnern an der Spitze. Von weiteren Städten mit über 100 000 Seelen besitzt Spanien nur vier. �enem(213 550). Sevilla(165 366). Malaga(133 046) und Murcia Befriedigung deZ Bedürfnisses Frachtermäbigung für Schlachtpferde verlangt wird. Im Düsseldorfer Schlachthofe wurden zur Schlachtnng aufgetrieben im Jahre 1908: 1738, im Jahre 1909: 1861 und im Jahre 1910: 20U2 Pferde. Die Düffel- dorfer Handelskammer veröffentlicht in ihrer Monatsschrift ein Gutachte» über Frachtermätzigung für Schlachtpferde, worin es heißt: .Der Verbrauch des Pferdefleisches in den unteren Bevölkenmgs- klaffen nimmt von Jahr zu Jahr zu. Bei den ständig seit Jahren bestehenden hohen Viehpreisen ist dies auch erklärlich, und derPferdefleischverbranch wirdfich allerBor- ouSsicht nach noch steigern, weil durch die lang andauernde Maul- und Klauenseuche sowie durch den bösartigen Charakter de« Seuckenganges der größere Teil deS Jungviehs, der zur Aufzucht bestimmt war, abgeschlachtet werden mußte. Wir gehen daher für die Fl e isch v e rs o rgu n; teuren Zeiten entgegen. Der Mangel an Schlachtvieh wird in den nächsten Tagen besonders stark hervortreten, wenn die alten Bestände aufgebraucht find und kein Nachwuchs vorhanden ist. Es ist richtig, daß die hiesigen Pseidemetzgcr in der näheren Umgebung keine oder keine genügende Menge Schlachtpferde meljr erhalten können. Ueberhauvt stt das ganze Industrie- gebiet auf die Einfuhr v o n S ch l a ch tp fe rd en an« gewiesen, die oft weit her aus Ostpreußen, Posen und Süd deutschland geholt werden müssen. Bei solch großen Eni- fermmgen entstehen große Versandgebühren, und eine wesentliche Herabsetzung deS Frachtentarifs für Schlachtpferde würde u. E. auch das Pferdefleisch wesentlich verbilligen, was der Arbeiter bebölkerung zugute käme.' Die rheinisch-westfälischen Arbeiter essen das Pferdefleisch natürlich nicht aus Liebhaberei, sondern aus Rot, weil sür das bessere Fleisch der Ochsen, Schweine usw. ihr Einkommen nicht reicht. Und daran sind nicht nur die Agrarier und Ultramontanen schuld, sondern auch die Nationalltberalcn, die bei der Lebensmittel- verreuerungspolink der Junker nach Kräften mitgeholfen haben. Die Tatsache, daß die Arbeiterbevölkerung fich mehr und mehr des MeischgenusseS entwöhnen oder zu minderwertigen Fleischsorten übergehen muß, wird die nationalliberale Unternehmerprefse nicht abhalten, bei nächster Gelegenheit wieder Loblieder anzustimmen aus unser gesegnetes Zeitalter, in dem sich die Lage der Arbeiter so andauernd und mächtig hebt._ DaS Auswandern wird teurer. Die in den letzten Tagen in London gepflogenen Verhandlungen zwischen den kontinentalen und britischen Schiffahrtslinien ergaben, daß noch bestehende Differenzen nicht so bedeutend find, um nicht eine endgültige Verständigung er- hoffen zu lassen. Im Laufe des Sommers soll ein kleine» Komitee in Paris ein neues Abkommen festsetzen. Inzwischen wurde das noch bestehende Abkommen unverändert bis Ende Oktober erneuert und die KajlitSraten erster und zweiter Klasse um zehn Shilling «höht. Salzige Nachrichten. Die österreichische Monatsschrift für den Orient bringt einige salzige Mitteilungen, salzig für die, die es an- geht. Sie schreibt: Das perstsche Parlament beschloß mit dem Juni letzten Jahres die Abschaffung der bisherigen Salzsteuer. Diese hatte große» Mißvergnügen hervorgerufen, dabei aber nur geringe Einnahmen geliefert, weil die zahlreichen Salzlager in den Wüsten- gebieten PerstenS die Deckung des Bedürfnisses auf dem Wege deS Schmuggels ungemein erleichterte, wie auch die türkische Salzsteuer mit Schlvierigkeften zu kämpfen hat. Ferner schreibt da» Blatt über Timbuktu: Diese nahe der nordsüdlichen Biegung des Nils liegende alte berühmte Handelsstadt mit ihren 5000 ständigen Einwohnern, die fich zur Zeit lebhafter Handelstätigkeit auch auf 7—8000 vermehren. steht vor der Gefahr, die Grundlage ihrer kommerziellen Bedeutung, namentlich des Salzhandels zu verlieren. Timbuktu bezog bisher das im Süden nicht vorhandene, abxr von dessen Bewohnern dringend benötigte und gut bezahlte S�lz aus der Oase Tauni, etwa 500 Kilometer nördlich von Timbifkt». Dieser Platz ist von Timbuktu durch ein sandiges Terrain getrennt, innerhalb oessen als Ruheplatz für die Karawanen nur die Oase Brtani zu stnden ist. Die Salzgewinnung bei Tauni ist aber feit einigen Jahren in beständiger Abnahme begriffen. Diese Abnahme erfolgte nicht nur wegen gewisser leicht zu beseitigender Schwierig- ikeiten, wie die Unsicherheit der Route Tauni-Timbuktu, zu schwere Steuerbelastiing des Salzes, hohe Transportkosten infolge der Ab- nähme der Kamelherden, sondern auch vormöge des Wettbewerbes de« billigeren rumänischen und ungarischen Salze», das über Sronzöstsch-Guyana und Senegambien in das Land dringt und nach ollendung der geplanten Verbesserung der Nigerschiffahrt noch weiter eindringen wird. Dieser Wcttbewtrb dürste früher oder später der Salzgewinnung bfi Tauni, soweit sie für den Süden arbeitet, ein Ende bereiten und damit auch der kommerziellen Stellung von Timbuktu einen schweren Stoß versetzen. Sozialed. stinbersterben in einem Herrschaftsgebiet des Zentrums.. In Bauern befiehlt die allmächtige ZentrumSvartei; der„ein- schlägige" Reffortchef, insonderheit der Kultusminister Herr Anton v. Wehner, pariert. Das hat noch unlängst der Fall des Zentrums- chef» v. Orterer in Sachen seiner Schülerbehandlung kläclich be- wiesen. Als bei der dritten Beratung der Rcichsoersicherungs- ordnung im Reichstag die Konservativen und Klerikalen noch die schwerwiegende Zulassung der Herabsetzung der Schutzfrist für ländliche Wöchneriunen von acht auf vier Wochen beantragten— und durchsetzten—, da bemerkte der stark ultromontane bayerische JnnungSkrauter Irl über die hohe Kindersterblichkeit in seiner Heimat, es handele sich nur meist um„Kostkinder". Kostkinder werden die»in Pflege" gegebenen Säuglinge genannt! es kommen hier zumeist unehelich Geborene in Betracht. Die Mutter kann oder will den Säugling nicht selber pflegen, sie muß in den Dienst usw. Für die„Kostkindcr" wäre aus naheliegenden Gründen eine besonders wachsame Pflegeaufsicht zu scf)affen, ihren zumeist ärmlichen Müttern mühte erst recht eine mindestens achtwöchige Ruhe- zeit(mit Krankengeldbezug) zugestanden werden. Aber die Kon- servatioen haben es mit den Zentrumsleuten durchgesetzt, daß die Landkrankenkassen das Recht haben, eventuell die Schutzfrist für Wöchnerinnen herabzusetzen. Diese„christlich-soziale" Tat erscheint «rst im rechten Licht, wenn wir uns die kürzlich herausgekommenen Geburten- und Sterblichkeitsziffern im Zentrumslande Bayern ansehen. Auch in Bayern ist 1910 die Zahl der Eheschließungen zurück- gegangen, und zwar von 49 774(1909) auf 49 464. Die Zahl der Geburten ging von 227 226 auf 22 1 528 zurück. Auf 1000 Köpfe der Gesamtbevölkerung entfielen Geburten 1875 42,2, 1900 37,9, 1905 85,7, 1909 33,4, 1910 32,4. Aus diesem Geburtenrückgang erklärt sich auch zum guten Teil die Verminderung der Sterblichkeits- ouote. ES starben pro 1000 Köpfe der bayerischen Bevölkerung 1875 33.0. 1900 26.6. 1905 23,7, 1909 21,1, 1910 20,0. Auch die Fortschritte in der öffentlichen Gesundheitspflege und der Volks- bildung haben die Verringerung der Sterblichkeitsquote mit- bewirkt. Wie gros, speziell die Säuglingssterblichkeit in Bayern ist, lehrt der amtliche Nachweis, daß 1910 von sämtlichen Lebend- geborenen etwa ein Fünftel im Alter von noch nicht einem Jahr starben l Wohl betrug die Sterblichkeit 1905 sogar 24,1 Proz., aber 1910 kamen immer noch 43 438 Säuglinge nicht über das erste Lebensjahr hinaus: 20 Proz. aller Lcbcndgeborenen starben! Der Menschheit ganzer Jammer faßt unS aber erst an, wenn wir daS Sterben der unehelich Geborenen betrachten. Die An- gaben gelten für 1910: E« starben im Von 100 Säug- Säuglingsaller lingen starben 86 343 19,2 7090 27,2 „Kostkindern Es wurden geboren Eheliche.. 139 493 Uneheliche. L6 042 Unter den vorwiegend unehelich geborenen herrscht also ei» sehr tuel sÄ>»lM£ieZ Ztsrbw al«»»& ifi«» ' ehelich gebotenen Altersgenossen. Die VerfchlechieruSg de» Wöchnerinnenschutzes durch den fchwarz-blauen Schnapsblock trifft mit stärkster Wucht diese unglückseligen„Kostkinder". Die er- schreckend hohe Sterblichleitszisfer unter den Säuglingen in den bayerischen Zentrumshochburgen kann man nur dann mit dem Vorwiegen der �kostkinder" beschönigen wollen, wenn man, wie Genosse Bebel mit leidenschaftlichem Nachdruck betonte, in der „Engelmacherei" keine Schmach für die Menschheit erblickt. _ Die„Engelmacherei" haben die„christlichen" Berschlechterer des Wöchnerinnenschutzes selbstredend nicht abfichtlich fördern wollen, aber im Effekt läuft die gestattete Verkürzung der Schutzfrist für versicherte Wöchnerinnen auf eine Verwahrlosung der Säuglinge hinaus. Darunter haben die unglücklichen„Kostkindcr" am meisten zu leiden. Daß gerade ein Vertreter des„allerchristlichsten" Zentrums für diesen unsozialen Beschluß lebhaft eingetreten ist, werden die Fra»e» und Mütter nicht vergessen dürfen. Gerichts-Zeitimg. Die Betrugsaffäre des Grafen Wolff-Metteruich wurde gestern nach längeren Verhandlungen vertagt. Von den vielen zur Anklage stehenden Fällen interessiert einer, der für die Lebensweise deS Angeklagten bezeichnend ist. Ter Angeklagte verkehrte mit der Halbweltdame Elvira Gustke. Diese Zeugin behauptet, ste habe den Grafen für einen vornehmen Ariswtraten gehalten. Er Habe ihr erzählt, er müsse nach Badcn-Baden reisen, wo seine Verlobung mit einer reichen Amerikanerin stattfinden sollte. Er habe sie gebeten, ihm dazu 1000 Mark zu borgen. Sie habe das getan. Ter Graf habe einen fertig geschriebenen Wechsel über 1200 Mark aus der Tasche gezogen. Ten Wechsel habe sie dem Juwelier Stög in Zahlung gegeben. Vor der Fälligkeit des Wechsels sei der Graf oft bei ihr gewesen und habe sie wieder- holt anpumpen wollen. Sie habe ihn immer abgewiesen.— Der Angeklagte behauptet, die Gustke sage die Unwahrheit. Er habe ihr den Wechsel lediglich aus Gefälligkeit gegeben.— Der jetzige Aufenthalt der Zeugin, die sich in Ruzland aufhalten soll, ist nicht ermittelt. Zur Verlesung kommt folgender Brief des Angeklagten aus Baden-Baden an sie: „Liebstes Elfenkindt Braut gestern abend angekommen. Ist reizend? Die Sache wird ganz bestimmt etwas. Hurra! Werde wohl noch acht Tage bleiben. Was machst Du? Freue mich trotz alledem auf ein Wiedersehen. DaS wird ein fidcler Sbbend werden. Aber teuer ist daS Leben hier. 150 bis 160 Mark den Tag. Ich schicke ein- liegend einen Wechsel über 500 Mark. Wie verabredet, sendest Du mir dafür 300 Mark per Draht. Im voraus besten Dank. FroheS Wiedersehen und einen innigen Kuß von Deinem Gisbert." Die Wechsel des Angeklagten waren nach Ansicht der An- klage wertlos. Eingelöst sind ffie nicht. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen stellt der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Walter Jaffe folgenden Beweisantrag: „Ich beantrage zum Beweise der Unglaubwürdigkeit der Zeugin Frau Wolfs Wertheim, die Rechtsanwälte Behrend und Justizrat Meschclsohn zu laden, die bezeugen sollen, 1. der Rechtsanwalt Behrend, daß Frau Wertheim ihre eigene Schwie- germutter. Frau Geh. Kommerzienrätig PintuS, wegen Mein- etds, 2. den Kommerzienrat Albert PinkuS wegen Urkunden- fälschung, 3. ihre eigene Mutter, Frau Tietzer, wegen Urkunden- fälschung angezeigt hat, und daß sich die völlige Haltlosigkeit der Anzeigen ergeben hat. Die Zeugen werden ferner bekunden. daß Frau Wertheim in einer Zeitschrift de? geisteskranken und wegen Vergehen» gegen§ 175 deS Strafgesetzbuches ausgeschlossenen Rechtsanwalt Haase einen Artikel veröffentlicht hat, in dem sie die drei Brüder ihres Mannes und den Juftizrat Meschelsohn bezichtigt, daß sie ihren eigenen Mann zum Mein- etd verleilen wollten, um auf diese Weise den Ausschluß ihreS Mannes aus der Firma A. Wertheim zu bewirten. Auch die Haltlosigkeit dieser Anzeige hat sich ergeben." Ncxck längerer Debatte, in der der Staatsanwalt für die volle Glaubwürdigkeit der Zeugin eintritt, wurde vom Gericht be- chlossen und verkündet: Die Verhandlung wird vertagt. Zu dem neuen Termin sollen außer den bereit» geladenen Zeugen Frau Dolly Landsberger und die Rechtsanwälte Behrend und Justizrat Meschelsohn als Zeugen geladen werden. Frau Dolly Landsberger öll eventuell kommissarisch vernommen werden. Außerdem sollen )ie Akten der Staatsanwaltschaft über die Anzeigen der Frau Wolfs Wertheim, und der in Frage kommende Artikel beschafft werden. Der Staatsanwaltschaft soll aufgegeben werden, den Aufenthaltsort der nicht erschienenen Zeugin Fräulein Elvira Gustke, Herr v. Hagenow, Röder, Baron v. Roch zu ermitteln. Rechtsanwalt Dr. Jaffe stellt darauf den Antrag, den Buge- klagten in dieser Sache aus der Untersuchungshaft zu entlassen» da kein Fluchtverdacht vorliege. Ferner sei es sehr zweifelhaft, ob der Angeklagte nach Lage der Sache überhaupt verurteilt werden könne.— Staatsanwalt Assessor Dr. Friedersdorff wider- sprach diesem Antrag. Nach kurzer Beratung wurde vom Gericht der HaftentlassungS- antrag abgelehnt. Der dringende Tatverdacht gegen den Ange- klagten bestehe fort. Fluchtverdacht sei mit Rücksitfst auf die Höhe der zu erwartenden Strafe begründet. Außerdem sei der Ange- klagte mit einer im Ausland lebenden Dame verheiratet, und er selbst habe sich bis zu seiner Verhaftung im Auslande aufge- halten. Damit war die Verhandlung beendet und auf unbestimmte Zeit vertagt. Die neu« Verhandlung wird wohl erst nach den Gerichtsferien stattfinden._ Zur Dabendorfer Gattenmorbaffäre. Das geheimnisvolle Dunkel, welches noch immer über der Dabendorfer Olattenmordaffäre liegt, ist auch durch einen neuen Lokaltermin, der vor einigen Tagen stattfand, nicht gelüstet worden. Der Untersuchungsrichter Landrichter Dr. Rudolph hatte in Gegenwart der Angeschuldigten und des Verteidigers von ver- schiedenen Stellen au» Schießversuche anstellen lassen, welche be- wiesen, daß die in der Wohnung vorgefundenen Schrotspuren von einem von außen durch das Fenster abgefeuerten Schuß herrühren konnten. ES besteht jetzt die Absicht, daS gesamte Gelände in der Nähe des Grundstück« umgraben zu lassen, da man annimmt, daß die Leiche des Erschossenen in der Nähe vergraben ist. Eine noch- malig« Absuchung des nahegelegenen Sees ist als erfolglos auf- gegeben worden, da der Secboden selbst bis in größere Tiefen hinab morastig ist. Sehr erschvert wird die ganze Untersuchung dadurch, daß die damals beschlagnahmten Beweisstücke auf richter- liche Anordnung vernichtet worden sind, als das erste Ermittelung«- verfahren eingestellt worden war. Von dem Verteidiger der beiden in Haft befindlichen Personen ist deshalb nochmals der Antrag auf Haftentlassung gestellt worden. Akademische Bildung. Vor kurzem wurde vom Jenaer Schöffengericht der Student Wilhelm Hartmann wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Beleidigung zu einer Geldstrafe von zusammen 170 M. verurteilt. Er wurde nämlich wegen nächtlichen Skandalieren« mit noch einem Kommilitonen verhaftet und nach dem Wachtlokal der Polizei gebracht. Er verweigerte die Legitimation. Erst auf Drohung mit Einsperren teilte er den Namen seines Vaters mit. Nach dem Namen seiner Mutter befragt, erklärte der Angeschul- digte dem Beamten gegenüber:„Da» geht Sie einen Dreck an." Die Schutzleute stieß er vor die Brust. Und al» er nach langem Hin- und Hemden entlassen wurde, drehte sich der Student noch» mals um und gebrauchte eine hier nicht wiederzugebende Aeutze- rung. Trotzdem die Strafe des Schöffengerichts in Jena milde ausfiel, reduzierte das Landgericht in Weimar die Strafe auf 90 M. Warum wird ein Arbeiter, insbesondere wenn er aus An- laß eines Streiket gefretzxlt habeg sollt vjZt gleH mifde Schadensersatz gegen Aerzte. In der Jrreuhausaffäre des Rechtsanwalt? Dr. Ehrenfried geht unS eine längere Zuschrift des Oberarztes Dr. Otto Julius- burger zu. Derselben entnehmen wir, daß gegen das Urteil Berufung eingelegt wird. Die Eilsendung hebt noch hervor, daß — wie unseren Lesern ja bekannt ist— das Dr. Juliusburger wegen Beleidigung verurteilende Erkenntnis vom Kammergericht aufgehoben und in die vorige Instanz zurückgewiesen ist. Diese hat einen Termin noch nicht angesetzt. Es seien eme Reihe Schadenserfatzklageu des Dr. Ehrenjiried gegen Aerzte abgewiesen. Der Aufnahme in die Anstalt„Berwlinum" habe ein Attest deS Kreisarztes und ein solches des Leitevs der städtischen Irrenanstalt Dalldorf zugrunde gelegen.■ � m c.■ u. Das Urteil und die Verhandlui�z in der Berufungsinstanz wird ja ergeben, worin die fahrlässige Handlung erblickt ist, die zur Verurteilung des Sanitätsrats Dr. Frankel geführt hat. Wo- gegen wir uns wendeten und mit Entschiedenheit wenden mußten, ist die in einem Gutachten eines hervorragenden Gelehrten auf- gestellte Annahme eines Zusammenhangs von Klagen gegen Aerzte mit Verrücktheit. Mit dem Gespenst des OuerulantenwahnS sollte mag endlich gründlich aufräumen. Hua aller Sielt* Die brennenden Wälder in Nord-Amerika. Die Meldungen über die furchtbaren Katastrophen, die fich bei den Waldbränden in Kanada ereigneten, find durch die neueren Meldungen leider bestätigt, ja zum Teil noch überholt worden. Der ganze Umfang der Waldbrände wird erst nach einigen Wochen übersehen werden können, doch weiß man schon jetzt, daß es die schwerste Katastrophe ihrer Art ist, die Amerika im letzten halben Jahrhundert heimgesucht hat. Die letzten Schätzungen beziffern die Zahl der Toten auf drei- bis vierhundert! Die Flüchtlinge, die fich vor dem Feuer retten konnten, stehen jetzt vor der Gefahr einer Hungersnot. Etwa zehntausend Menschen, im Goldminendlstrikt von Tisdale allein viertausend Personen, sind ohne jedes Obdach und ohne alle Lebensmittel. Hilssznge nach jenen Distrikten. die nicht direkt an der Eisenbahn liegen, sind äußerst schwierig zu bewerkstelligen, da die Wege dahin mit Brmwtrümmer» und»er- kohlten Baumstümpfen bedeckt sind. Gänzlich zerstört find die Städte B i g t o w n, AuraLake, Süd« PorcupineundKenso. In der Stadt Porcupine allem find 200 Menschen umgekommen. Besonder? schwere Verluste an Menschenleven find in den Bergwerken zu verzeichnen. Zweihundert Menschen suchten dort in den Schächten Schutz, die meisten sind aber dabei elendiglich verbrannt. Bon 84 Personen, die in einem Schacht Rettung suchten, sind nur 30 am Leben geblieben, die anderen verbrannten; iu einem anderen Schacbte werden von 300 Leuten 54 vermißt. 500 Leute waren in großer Gefahr; sie konnten sich nur dadurch retten, daß ste alle ins Wasser sprangen; sie waren gezwungen. drei Stunden in dem eiskalte« Wasser auszuhalten. Viele waren davon so erstarrt, daß sie fich nicht mehr anstecht halten konnten. Zahlreiche Bewohner de» Staate» Ontario, die nach rorontv geflüchtet find, erzählen herzzerreißende Szenen, die fich im Feuer- gebiet abgespielt haben. Entsetzlich sei das Bild gewesen, alS die Tiere in rasender Flucht davon stürmten und alle». wa« ihn«» in den Weg stellte, niedertraten. Wahrhaftig er« schütternd sei der Anblick halb verbrannter Menschen gewesen, die ihr Heil in der Flucht suchten. In North Bay sollen fich furchtbare Szenen abgespielt haben. An den Ufern drängten sich Hunderte von Personen, um auf Schiffen Zuflucht zu suchen. Familienväter kämpften unter« einander, um mit ihren Angehörigen da» Schiff zu erreichen- Dutzende bon Menschen wurden in das Wasser gestoßen und fanden den Tod in den eisigen Fluten. Wie amtlich au« Ottawa gemeldet wird, ist da» Feuer im Porcupinedi strikt seit gestern nachmittag auf seinen Herd beschränkt. Der Verlust an Minen. Häusern und Holz erreicht etwa eine Million Dollar. Au« den Großstädten in West-Ontario laufen zahlreiche Geldspenden ein._ Der Herr Pfarrer hat'S«öt gern... Auf dem Lande, nicht allzuweit von München, wohnt ein Bauer, der reich mit Nachkommenschaft gesegnet ist. Augenblicklich sind'S vierzehn. Neulich kommt er nach München, um seinen Bruder zu besuchen. Dieser nennt nur einen Sprößling sein eigen. denn in der Stadt ist's Leben halt teuer. Da» Gespräch kommt aus die Kinder. Der Städter spricht seine Berwunderunq darüber aus. daß in der brüderlichen Familie der Storch so gar oft Einkehr halte; so viele Kinder könne man doch heutigen TageS gar nicht ernähren. „Ach", meint der andere,„wo der Herrgott a Häierl schickt, da schickt er auch a Gräserl." Und dann, nach einer Pause, fügt er noch hin» zu:.DerHerrPfarrahat'saanötger», wenunöt a jed'S Jahr oanS tummtl" Schau, schau!_ Kleine Notizen« Fünf Berglente getötet. Durch eine einstürzende Sobke im Grohmannichacht wurden einem Telegramm auS Eisenberg(Böhmen) zufolge fünf Bergleute getötet. Bom cleklrischrn Strom getötet. Bei MontierungSarbeiten eine» ZirkuS aus dem großen Platze von E o s s o n a y. einem Städtchen im Kanton Waadl an der Bahnlinie Lausanne— Neuchatel, geriet ein Metallmast mit einer elektrischen Hochspannungsleriung in Kontakt. Fünf Aiigrstellte des Zirkus wurden dabei getötet. Die Opfer find zwei italienische Familienväter und drei Franzosen; zwei weitere Arbeiter wurden leicht verletzt. Boa Banditen überfallen. Das Wohnhaus von Br. Meyer, einem reichen Deutschen in Trinidad in der Provinz Santa Clara, wurde von Banditen angegriffen. Meyer wurde bei der Abwehr deS Angriffs schwer verwundet. Die Banditen ergriffen hierauf, ohne geplündert zu haben, die Flucht. Eine Bomdeacxplofio«. In vergangener Nacht explodierten auf der Strecke K r i v o l a k— G r a d S ko der Orienlbahn zwei Bomben. AuS den Schienen wurde ein große« Stück heraus- gerissen, die Lokomotive de« gerade passierenden Zuges beschädigt. Menschen sind nicht umgekommen. Tödlicher Blitzschlag. Gestern mittag winde Graz von einem furchtbaren Unwetter heimgesucht. Der Blitz schlug in Augarten in eine Pappel, unter der mehrere Personen Schutz gesucht halten. Ein junger Mann wurde sofort getötet, die übrigen betäubt. Ein schwerer Unfall wird auS Memmingen gemeldet. AI» der Amtspfleger Kräutle auf einem Fuhrwerl von einer Gemeinde- bisitationsreiie zurücklehrte, lud er den Oberamtmann Boll von Leutbach zur Mitfahrt ein. Als der Oberamtmann den Wagen bestieg, ging das Pferd plötzlich durch und Kräutle stürzte so unglücklich auf die Straße, daß er infolge eines Bruches der Wirbel» säule augenblicklich starb. Als man der Frau die Todesnachricht überbrachte, stürzte dieselbe tot zusammen. Die so jäh Verstorbenen hinterlassen fünf Kinder. Der deutsche Dampfer„Hispania", dem wegen Choleraverdacht» die Einfahrt in den Hafen von Malta verweigert worden war. ist einem Telegramm zufolge mit Heilmittel» versehe« Wörde» und wieder in See gegaogen, Steinarbeiter! Mittwoch, den 19, Juli 1911, abends 8'/z Uhr, in den Arminhallen, Kommaudantenstr. S8/S9: General- N�rsawmlung TageZ-Ordnung! Bierteljahrsbericht.- 2. Gewerkschaftliches. Noch nicht abgegebene Statistiken find mitzubringen. Die Nb« siempelung Über die bereits erfolgte Abgabe geschieht ebenjalls in der Vcr« sammlung. 172/3* Kollegen! Sorgt für allseitige Abgabe der Statistik und sür guten Versammlungsbesuch._ Tie Ortsverwaltunz. «ff Arbeitsnachweis: Hof l. Amt 3, 1289. Bcrwaltungöfielle Berlin. Hauptbureau: LdseitSetraLs 3. Hol III. Amt 3. tS37. Sonntag, de« 19. Juli, vormittags 9'/, Uhr: V ersammlnng »S der Maschinenbauer GroS- Berlins k im großen Saal des Gewerkschaftshauses, Engelufer 12. TageZ-Ordnung: Wie stelle» fich die Maschinenbauer Groft-BerlinS zur Gründung einer eigene» Branche? Referent Kollege Adolf Cohen. Kollegen! Sorgt für Massenbesuch dieser Versammlung. Achtung k Achtung: Montag, den 17. Juli 1811, abends V Uhr in den„Rittersäleu", Rrtterstraße 75. Verssnimlunx sller In den Galanterie- and Bijonteriebetrieben besebäftigtei) Kollegen und Kolleginnen. TageS-Ordnung: L Die Verhältnisse in den Galanteiie. und Bijouteriebetriebm. 2. Diskussion. 3. Velfchiedenes. Die Kollegen und Kolleginnen werden ersucht, zahlreich zu erscheine». Riemand darf fehlen l_ Dienstag, den 18. Juli, abendS 6 llhr. im Gewerkschaftshausc, Eugelufer IS, Saal S: Versammlung »II«» Ii».4Ifentd«. nnd BTenstlbcrwarcn- Fabriken benehlirticrten lletalldrtlcker. TageS-Ordnung: Branchcnangclcgenheiten. Es ist notwendig, datz alle Kollege», welche auf Msenide beschäsiigt sind- k» dieser Berfammwng erfchewen. 120/2 VI« Vi-t»rei-realti»i>i?. 01» Itoferaohrnini tUr 'Wllet.iiWliliiMsWW.le« in neuseltlieben Formen enthält: 1"Wohnzimmep bestattend aus; 1 Schrank mit 4 Türen, 1 Tisch mit t Autziigpn, 1 Arbeitstisch mit tshubkastsn, 1 Bücher• Re«al( 1 Sofs, 1 Sessel u. 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Juli 1011, bor« mittags S Uhr: General-Versaimnlang in Grassers.Oteue RathauSsSle-, Meiningcr Straße S(Tunnel). TageS-Ordnung: 1. Bericht der Delegierten der beihen Kongresse der Kranlenkassen. 2. Bor> besprechung über die zutünstig« Ge staltung unserer Kasse. 3. Halbjahr- licher Kassenbericht, i. Verschiedene Kossenangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert I Um zahlreiches und pünktliches Er- scheinen der Mitglieder ersucht Der Borftand. 202/20* _ I. A.: G. I a e n i ck e. OlSlisleiltö lieben vie slle lldeleute ein« schöne, moäerns Wohnungseinrichtung, aber vielfach mangelt das Geld zum Bareinkauf, und ein Kredithaus soll nicht aufgesuchtwerden.Das Möbelmagazin Olto Piehl BERLIN N. Bnmnenstraße 120 empfiehlt sich in allen solchen Fällen. Es gewährt kulante::: Teilzahlungen m M bei\g Kassapreisen! MM für die uns bei unserer am 10. Juli stattgesundenen Silberhochzeit so zahlreich zugegangenen Glückwünsche sprechen wir aus diesem Wege unseren ausrichtigen Dank aus. V. 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Dann richtete er die Waffe gegen sich selbst und der russischen Beamtenschaft vieles zutrauen kann und muß. was lebensgefährliche Verletzungen Arzt sowie die Polizei herbei. Nach Anlegung von Notverbänden brachte man beide in lebensgefährlichem Zustande ins Krankenhaus. Aus dem rusfischcu Korruptioussumpf. Die Senatorenrevisionen in Rußlaud haben gezeigt, daß man andere Menschen für gewöhnlich ins Gefängnis oder Zuchthaus bringt. Es dürfte jedoch noch nicht vorgekommen sein, daß ein Gcsängnisdirektor mit seinen Sträflingen ein förmliches Komplott zur Beraubung einer öffentlichen Kasse schmiedet. In Petersburg wurde der Direktor des Petrow-Alexander-Gefängnisses, Serwin verhaftet, weil es sich herausgestellt hat, daß er mit ZwangS- strä klingen den Plan ausgearbeitet hatte, die Stadtrentei, in der eine Million Mark lag. auszurauben. Todes-Anzeigen l Sozialrtetnokratisetier Watteeiii des S. ßerl. Reicbstags-Walilkpelses. Todes- An zeige. Am 13. Juli verstarb unser Genosse, der Brauer Xaver Weber Schliemannstraße 13. Ehre seinem Andenken k _ Die Beerdigung findet am .Soiuilag, den 13. Juli, nach. mittflgä 31/, Uhr, vom Trauer. liausc aus, nach dem Hedwigs» Kirchhos in Weißens«," Wörlh- ftraße statt. 229/11 Um rege Beteiligung ersucht Vee Vorstand. Mmdiler Brauerei- ml üUmMir kää Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern diene zur Nachricht, daß der Kolleg: Xaver Weber Brauer, Brauerei Friedrichshain, am 13. Juli nach langer KAmk» heit im Alter von 51 Jahren und im 22. Jochrc der Mitgliedschafi in unserem Verbände gestorben ist. Ehre feinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonntag, dm 16. d. Mts� nach« mittags 31/, Uhr, vom Trauer« Hause, Schliemannstraße 13 aus. nach dem Katholiichen Kirchhof in | Hleißensee, Wörthftraße statt. Die Mitglieder werden dringend l ersucht, fich zahlreich an diesem i Begräbnis zu beiestigen. |43;14 Die Ortsverwaltung. I Turnvfirfiin„Fichte" M. d. A.-T.-B, Am Montag, den 10. d. MiS., schied unser Jugendiurner Lnril Kiepe (14. LehrlingSabieilung) freiwillig aus dem Leben. 293/4 Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet heute Tonnabend. den IS. Juli, nach« mittag? 4 Uhr, von der Leichen- Halle des städlischen Fricdhoses in Fricdrichsselde au? statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Mctw Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelte Bertin. Nachruf Den Kollegen zur Nachricht, | daß unser Mitglied, der Schlosser Martin Lorenz i-m 4. d. M. an Lungenleiden | gestorben ist. Todes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schleis« Msx Kreutscher am 12. d. M. an Lungenleiden gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 13. d M.. nach. mittags 4 Uhr vor; der Leichen, Halle des Jcrusaiemer Kirchhofes in Rixdors ans statt. Rege Beteiligung erwartet 120/1 Die Ortsverwaltung. ZentralveM der Im Händler nnd yefw. ßerufsg. Deiilselilands, (Sitz Eisen-Auhr.) Ortövcrwaltung Berlin. INackruk. Dm Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Kollege Otto Ziemer Palisadenstr. 10 ivegen hoher Polizeistrasm frei- willig aus dem Leben geschieden ist. Ehre seinem Andenke»! 2724b Die Drlsverwaltung. Allen Verwandten, Freunden, Be. kannten, dem Transportarbeiter, Verband, den Genossen des 4. Wa'-l- - kreise« herzlichen Dank für die T.'l-' nähme an der Beerdigung unseres lieben lltzk kannim. insbesondere dem Deutschen Mctallarbeiierverband, dem vierten Berliner Rcichslagswahlkreis(Petersburger Viertel, Bezirk 373 a ll.), dem Personal der Firma Joh. Katzmann, dem Rauchklnd Hosfnunä I und den Pächiern der Kolonie WilhelmShöhe UNferm innigsten Dank. Die trauervwtzn Hinterbliebenen. Danksagung. Für die vielen Beweife herzlicher Teil- nähme beim Hinscheiden meiner innigst- geliebten Frau dankt zugleich im Namen all« Hinterbliebenen Bruno Langner, Berlin, Wolliner Str. 53. Für die vielm Beweise h«zNch« Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Fräst Berta Kranz sagt allen, insbesondere den Kol« legen vom Fuhrhos Kroll sowie dem Fuhrheim Kroll, den innigste» Dank. Karl Kranz. die Freunden und Genossen gebene Anzeige, daß ich- Kommandantenstr. 88 (am Dönhossplatz, nahe Spittelmarlt) eine Revauratio« mit Vereins- zimmer(Telephon) neu eröffnet habe Und bitte um geneigten Zuspruch. Gustav Giaue. Mark wöchentliche Telizahlungen Liefercelcgnnt. tertlgo rsaU IDr Mass Anfertig. n. Mais radeDoi.Ausnnir Joltiis Fabian Schneidirm silier Gr. Frankfurter Strasse 37, II Einging Sinai. v erger Platz II. Geicblft: Turmstr.lS oar erst« EUgt. kein Laden. Dr> Simmel Greift zu! Jed. Herrn, der sich eleg. u. biU. kleiden wilL empfehle eleg-, Mo- natsgardorobe in feinsten Werkstatt. Borlins gearb., von Herrschaften, Doktoren, Kavalieren nur kurze Zeit gebr.(füi-j'ad. Fig. pass.) Monats-lackeit- Anzüge 8,10, 14, 18M. Monats-Rock-Anzüge 10. 12, 16, 20 M. 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Wiedereröffnung nach den Ferien Heute Sonnabend, den 15. Juli, abends 8 Uhr: Bnmmelstndenten. Neues Theater. s Uhr.« Uhr. TSglich: llA SllllsIligöMs. WrlMilheWMehes Schauspielhaus. Sommerspiehelt Direktion Nack. Titglirti 8 Uhr; Badines Entführung. Roman. Operelt« i. 3 Akt. v. Alb. Nack. Mus. v. Fil. de Tristosaro. Ans. L Uhr. Volkggilsii-Iliegles Sonnabend, den 15. Jnlt: Konzert, Theater- u. Spezialitäten- Vorstellittig. Hill/ Ksritts. Ernst Lissek. Larc Beels Arlctte und Esra. Der artesische Brunnen. Sommersest der Allg. Kranken- und Lterbekasse d. Metallarb., Hamb., Fil. 8. Urania. Wissenschaftliches Theater Tanbenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Helgoland im Wechsel der Zeit. Passage-Panoptikum. Die Keffer- fUesin Abomah, die größte{ Prau, die je gelebt. Alles ohne Extra-Entree! Passap-Mr. Abends 8 Uhr: Toni Thomsl Jim u. Jam Metropol-Tlieater. Schell mniilictf sich! Operette in 3 Akten von I. Freund. Musik von Rudolf Nelson. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. «-/.Uhr: Enaemblc-Bastaplel Harry Waiden in Sein Herzensjnnge. Baudeville mit Ges. u. Tanz in 2 Alt. von A. Neidhardt und R. Schanzer. Musil von W. Kollo. ftoachs Theater. Direktion: Robert Dill. Berlin N., Brunnenftra�e 16. Gros-e Extra-Norstellung! | filiekskerl. Cie Verlobung bei der Laterne. Das vorzügl. SPeztalttat..Progr. Ansang 0 Uhr. Bei schlechtem Wetter im Saale. kolies Capriee. Täglich«-/. Uhr: parlsiana-Bnssmble. 3 Frauenhüte. Die letzte Nacht. Ein Fenster z« vermieten. Das Strumpfband. LOGISCHER GARTEN Heute nachm. 4 Uhr: Mollsttt-Kollzert. |il Abends: Gr. Fest-IliHafioa. Eintritt 1 Mb.; Kinder unter _ 10 Jahren die Hälfte. Oroßt Frantfurtet Str. 132. 1 1 Täglich: Ansang 81/. Uhr. I 1 Kasernenlufl. LiJ Auf der Gartenbühne: ES gibt nnr ein Berlin.— Große Revue. keieiiZdAlIen-Itiestep. Letzte Soiree der Gtettinei' Langel' (vor ihrer Ferienreise) Ansang wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Sonntag. IS. 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Geschäftliches. 2. Tätigkeits- bericht. 3. Antrag auf Verlegung des Zahlmorgens.— Regen Besuch erwarten Der Vorstand. Die Vertrauensleute. Dritter Wahlkreis. Morgen Sonntag, den 16. Juli, findet ein Ausflug mit Familie nach Johannisthal statt. Treffpunkt nach- mittags im Parkrestaurant, Jnh. Hesse, Stubenrauchstr 12/13. Zahl- reiche Beteiligung wird erwartet.— Das diesjährige Sommerfest findet am 12. August in der.Neuen Welt" statt. Der Vorstand. Tcmpelhof. Am Sonntag, den 16. Juli: Ausflug der Wahl- Vereinsmitglieder mit Familie nach D i e d er s d o r f. Treffpunkt b/412 Uhr an der Brücke zwischen Mariendorf und Tempelhof. Ab- fahrt vom Bahnhos Mariendorf 1221, für Nachzügler 1251. Fahrt bis Mahlow. Der Vorstand. Wilmersdorf-Haleusee. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß unser Ort für die Agitation zur Einsichtnahme in die Kommunal- Wählerlisten gegenwärtig noch nicht in Betracht kommt, da hier die Wählerlisten erst vom 1. bis IS. September öffentlich auslicgen. Der Vorstand des Wahlvereins. Adlershof. Dienstag, den 18. Juli, abends g'/z Uhr, im Lokal des Genossen N. Kaul, Bismarckstr. 16: Generalversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. Der Vorstand. Niederschöneweide. Der Wahlverein veranstaltet mit dem Gesang- verein„Eintracht" am Sonntag, den 16. d. M., im Walde zwischen alter und neuer Spindlersfelder Bahn(gegenüber Kyffhäuser) ein Waldscst. Teilnehmer treffen sich mittags l'/o Uhr beim Genossen Bcngsch,' Britzer Str. 17, und marschieren mit' Musik zum Festplatz. Der Vorstaud. Schenkcndorf bei Königs-Wustcrhauscn. Am Sonntag, den 16., nachmittags 3 Uhr: Bezirksversammlung in Motzen bei Janiszewski. Auf der Tagesordnung steht u. a. ein Vortrag des Genossen PagelS- Nixdorf. Der Vorstand. Nicdcrschönhausen-Nordend. Am Sonntag, den 16. Juli, findet das Sommersest des Wahlvereins im Restaurant Karl Liedemit (an der Kirche) statt. Darbietungen: Gartenkonzert, Gesangs- auffiihrungen der Gesangvereine„Zukunst"-Niederschönhausen.„Wach auf"-Franz. Buchholz und Männergesangverein der Lackierer; Berliner Humor-Quartett; Kinematograph; Kinderspiele, geleitet von Mit- gliedern des Turnvereins„Fichte"; Fackelzug. Jedes Kind erhält eine Stocklaterne gratis. Tanz. Eintritt 20 Pf. Anfang nachmittags t Uhr. Die Bezirksleitung. Reinickendorf-Ost. Die Genoffen und Genossinnen veranstalten am Sonntag, den 16. Juli, eine Partie nach Liebenwalde zur Teil- nähme am Sommerfest der dortigen Zahlstelle des Landarbeiterver- bandes im Wagenseiischen Lokale, Zehdenicker Straße. Die Teil- nehmer versammeln sich zwischen S>/z und 10 Uhr vormittags auf dem Bahnhof Reinickendorf-Schönholz der Kleinbahn nach Lieben Wälde(Abfahrt pünktlich 10 Uhr), Billetts sind zu lösen: Rückfahr kalte nach Basdorf(9S Pf.). Von da ab einfache Fahrkarte nach Klosterfelde. Unter Beteiligung dortiger Genossen zu Fuß nach Liebenwalde. Nachzügler fahren nachmittags um 1 Uhr direkt nach Liebenwalde.(Rückfahrkarte lösen!) Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Agitationskommission. Tegel. Am Dienstag, den 18. Juli, abends 8'/z Uhr, im Lokal von Jul. Klippenstein, Spandauer Str. 4: Generalversammlung des Bezirks. Bericht der Funktionäre und Neuwahl derselben. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Die Bezirksleitung. Oranienburg. Die am Sonntag, den 16. Juli, fällige General- Versammlung des Wahlvereins findet des am selben Tage statt- findenden Radfahrerfesles wegen erst am Mittwoch, den 19. Juli, abends präzise 3 Uhr, im Lokal„Waldhaus Saudhausen" statt. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Neuwahl der gesamten Funktionäre. Die Genossinnen und Genossen werden ersucht, beide Veranstaltungen vollzählig zu besuchen._ Berliner JVacbricbten» Hochsaison in den Lauben. Der Sand aus der„märkischen Streubüchse" in den Berliner Laubenkolonien gibt nicht übermäßig viel her. Es ist stets von neuem ein hartes Stück Arbeit, dem mageren Boden das Menschenmögliche abzuringen, auch hier zu zeigen, daß unter der zähen Arveiterfaust„neues Leben blüht aus den Ruinen". Alle die Tausende kleiner Leute vor den Toren der Stadt freuen sich herzlich dessen, was sie auf enger Scholle aus eigenem Kraftbewußtsein mit geringen Mitteln geschaffen haben, phantasieren sich mit Humor in die Rolle des imitierten Rittergutsbesitzers hinein. Wenn die goldigen Aehren reif sind zum Sensenschnitt, bricht auch in der Laubenkolonie die Hochsaison an. Viele der im Frühjahr noch so schmucklosen hölzernen Miniaturwohnungen scheinen fast erdrückt vom üppigen Grün der Ranken. Wilder Wein und türkische Bohnen sind am beliebtesten, häufig sieht man schon das Geisblatt mit seinen gerade jetzt herrlich duftenden iveißgelben Blütenbüscheln und die japanische Kletterrose. Wer einen kühnen Versuch machte mit Spalierobst an der Lauben- wand, braucht nur den Arm aus dem winzigen Fensterchen zu strecken, um sich die Kirschen zu pflücken. Neben den schmalen Gängen laden Stachelbeeren. Johannisbeeren. Him- beeren zum Zugreifen ein. Kartoffeln und Gemüse sind hoch ins Kraut geschossen, Radieschen, Salat und Spinat feierten bereits die zweite Aussaat, und auf dem Mistbeet räkeln sich in behäbiger Faulheit Gurken und Kürbisse, die Lecker- bissen der leider unausrottbaren Laubendiebe, unter der endlich beständiger gewordenen warmen Witterung zu erstaun- licher Körpersülle. Mit der Hochsaison macht sich der Wett- bciverb der Kräfte noch mehr geltend. Allmutter Natur hat auch diesmal die Monatsrollen ein wenig vertauscht. Die Hitze im Mai kam zu früh, der Regen im Juni zu spät. So können selbst die schönsten.Hundstage" vieles nicht mehr gut machen. Gar viele Kolonisten, die nach allen Regeln der Kunst säten, wird die Ernte nicht recht befriedigen. Am besten steht nach alter Bauernregel die grüne Pracht da, wo man keine Arbeit scheute, fast einen Meter tief„rajolte" und mit mühsam herbeigeschafftem Dung nicht sparte. Allenthalben werden bereits im stillen Vorbereitungen zu den Ernte- und Laubenfesten getroffen. Klein und groß schnippert und klebt an den bunten Papierwimpeln, die in wenigen Wochen dem Laubendorf den Anblick eines Märchen- idylls geben. Beim kühlen Trunk am windstillen, lauen Sommerabend stecken die Kolonialältesten die Köpfe zu- sammen zur Beratung, wie man das langersehnte Fest womöglich noch schöner gestalten kann, als in den Vorjahren. Und wenn erst der große Tag gekommen ist. leuchtet aus allen Augen freudiger Stolz... der Stolz der Pioniere der Arbeit, die hier im kleinen sich ihr Freudenreich zurechtzimmern und auf der Lebensbühne zu noch viel Größerem berufen sind, das eine ganze, die Menschenkraft lähmende .Gesellschaftsordnung wie Unkraut aus dem Boden reißen soll. Als Heiland der Taubstummen bezeichnet die»Tägl. Rdsch." den„Vorwärts", der in seiner Dienstagsnummer den Versuch, die Taubstummen als Menschen zu stempeln, die weder berechtigt noch befähigt seien, sich am politischen Leben zu beteiligen, zurückgewiesen hatte. Unsere Meinung, daß diejenige Wahltätigkeit, die nur unter ge- wissen Bedingungen angewendet werde, eine falsche und verächtliche Wohltätigkeit sei, bezeichnet das Blatt als Unsinn und Flunkerei. Nicht für dieses oder jenes habe die„Tägl. Rdsch." geredet, sondern nur gegen die unsaubere Agitation der Sozialdemokratie, die sich nicht schäme, so einander völlig fremde Dinge, wie die Fürsorge für die dringend st e Notdurft Bedauernswerter und ihr grenzenloses Parreiagitationsbedürfnis miteinander aufs unnatürlichste zu verquicken. Die nach Meinung der„Tägl. Rdsch." zur Politik völlig un- fähigen Taubstummen werden, wenn sie so etwas lesen, entsetzt die Hände ringen. Zu unfähig, die Triebkräfte in der gesamten Arbeiterbewegung zu begreifen, stellt es das Blatt so dar, als hätte die Sozialdemo- kratie, nur um ihr Organisationsbedürfnis zu befriedigen, jene von der bürgerlichen Gnade abhängigen Taubstummen zu einer so stattlichen Versammlung zusammengetrommelt. Glaubt die«Tägl. Rundsch." im Ernst, daß, wenn unter den taubstummen Arbeitern nicht ein Teil zur Teilnahme am öffentlichen Leben vorhanden wäre, sich an jenem Sonntag plötzlich 300 Menschen zusammengefunden hätten? Und wäre es möglich, eine leidenschaftliche Begeisterung unter den Versammelten für eine völlig fremde, in keinem Zusammenhang mit dem inneren Bedürfnis stehende Sache zu entfesseln? Leute von der„Tägl. Rundsch." mögen dies glauben, diejenigen jedoch, denen die Arbeiterbewegung kein fremder Begriff ist, erblicken auch in dem Suchen der Taubstummen, herauszukommen aus ihrer doppelt qualvollen Misere, einen allzu natürlichen Vorgang. Private Wohltätigkeit und Sympathie für bedauernswerte Menschen sind edle Eigenschaften, sie dem Hilfsbedürftigen aber zu entziehen, wenn derselbe erkannt hat, daß diese dankenswerten Zuwendungen nicht sein alles ausmachen, ist Wohltätigkeitsheuchelei. Die„Tägl. Rundsch." bemerkt am Schluß, daß ihr damaliger Hinweis doch mehr gewirkt zu haben scheine, als sie selber zu hoffen gewagt, denn sonst hätte der„Vorwärts" nicht das Bedürfnis ge fühlt, so spät, so ausführlich und so zornig auf die Sache zurück- zulomnicn und eine so wenig lautere Vermischung des Tatbestandes zu versuchen. Die„Tägliche Rundschau" denkt zu hoch von sich selbst. Der Anlaß, weshalb wir uns erst so verspätet mit ihrer Notiz beschäftigt haben, war, daß sich das angeblich unparteiische Organ der Taub stummen die Auslassungen des Blattes zu eigen machte, um gegen die sozialdemokratischen Leidensgenossen Stimmung zu machen. Wäre letzteres nicht geschehen, so hätte» wir keinen Anlaß gehabt, auf die Meinung der„Täglichen Rundschau" zurückzukommen. Von einer direkten Wirkung ihres Hinweises auf das„Unsaubere dieser Methode" kann also leine Rede sein. Einen blutigen Kampf zwischen Schwiegervater und Schwieger söhn gab es gestern inittag auf dem Grundstück Posener Straße 26. Tort wohnt der 50 Jahre alte Sattler Walter bei seiner Tochter, die mit einem 32 Jahre alten in einer Automobilgarage in der Köpenicker Straße beschäftigten Monteur Drees verheiratet ist. Walter mißhandelte in der Trunkenheit häufig seine Tochter. Drees untersagte ihm das, mit der Androhung, daß er ihn auf die Straße setzen werde, wenn er es nicht lasse. Aber auch das half nichts. Am Sonnabend schlug Walter seine Tochter wieder so schwer, daß sie polizeilichen Schutz holen mußte. Jetzt machte Drees seine Drohung wahr. Seitdem kam Walter jeden Tag nach der Posener Straße, um seinemSchwiegersohne aufzulauern und drohte ihm, daß er ihn erschießen werde. Gestern morgen war er schon um 6 Uhr da. Drees hatte jedoch Frühschicht und kam erst um 12 Uhr nach Hause. Walter wartete so lange und empfing ihn mit Schimpfereien und schweren Drohungen. Als ihm Drees darauf ein paar Schläge versetzte, zog Walter einen Revolver aus der Tasche und schoß ihm eine Kugel in die Brust. Der Schwervev wundete wurde von der nächsten Unfallstation nach dem Kranken haus am Fricdrichshain gebracht. Hier stellten die Aerzte fest, daß da» Geschoß die Lunge durchbohrt hat. Walter wurde auf der Stelle festgenommen._ lieber den Berliner Fremdenverkehr aus dem ganzen Jahre 1910 hat das Statistische Amt der.Nr zeitung" eine Zusammenstellung zur Verfügung gestellt. auS der hervorgeht, daß der Höhepunkt des Fremdenverkehrs in die Monate Juli und August fällt. Von den 1273 609 Fremden des letzten Jahres kamen die meisten im August, nämlich 136 865. Die meisten Ausländer kamen dagegen im Juli mit 35 649. Der Reichsdeutsche bevorzugt also den August für den Besuch von Berlin, der Aus länder den Juli. Den geringsten Fremdenverkehr des ganzen JahreS hat der Januar mit 89 157 Fremden. Von allen fremden Nationen stellen die Russen die»leisten Besucher Berlins mit 97 683 im letzten Jahre. Nicht halb so viel kamen aus Oester reich, nämlich 39 555. Noch nicht ein Drittel so viel wie Russen kommen Amerikaner nach Berlin, nämlich 30550. Die einzelnen Länder dieses Weltteils werden dabei nicht weiter unter- schieden. Es folgen England mit 16 600 Besuchern, Schweden mit 13 721, Dänemark mit 11 176 und Frankreich 11 070. Alle anderen Länder oder Weltteile stellen weniger als 10 000 Fremde in Berlin. Von den Monaten wird der Mai in Berlin bevorzugt von den Norwegern und Engländem, der Juni von den Portugiesen und Asiaten, der Juli von den Oesterreichern, Dänen, Schweden, Russen. Afrikanern, Amerikanern und Australiern, der August von den Holländern, Spaniern und den Bewohnern der Balkanstaaten, der September von den Schweizern, Belgiern. Franzosen und Italienern, der Oktober endlich von den Türken. Heber den vorgestrigen Wasserrohrbruch in Charlottenburg wird aus dem Nachrichtenamt jetzt gemeldet: Vorgestern fiel 2 Minuten nach 12 Uhr mittags das Manometer?m Betriebs- burcau der städtischen Wasserwerke stark, sodaß das Läutewerk in Tätigkeit trat, welches einen großen Rohrbruch ankündet. 6 Minuten später traf die telephonische Nachricht ein, daß der Süd- sträng der beiden 900 mm weiten von Charlottenburg nach Berlin führenden Hauptrohre in der Berliner Straße in Charlottenburg gebrochen sei. Die Station Charlottenburg stellte sogleich die Maschine still und hatte 10 Minuten nach Eintritt des Bruches die Absperrungsschieber von der Spandauer Seite geschlossen, während die Absperrung von der Berliner Seite 25 Minuten später beendet war. 20 Minuten nach beendeter Absperrung hatte das Berliner Stadtrohrennctz wieder vollen Druck, sodaß der Druck- mangel nach Ausweis der vom Manometer verzeichneten Dia- gramme im ganzen 55 Minuten gedauert hat. Die Ursache, welche den Bruch des Rohres herbeigeführt hat, ist noch nicht festgestellt. Die Reparatur wird durch Wasserandrang, der durch Schieber- Undichtigkeiten hervorgerufen wird, erschwert. Doch hofft die Ver- waltung Freitagabend die Reparatur beendet zu haben und wieder Wasser in den reparierten Rohrstrang einlassen zu können, sodaß Sonnabend wieder voller Druck im Stadtrohrnetz sein wird. Die mysteriöse Badcaffäre bei Potsdam» über die wir gestern berichteten, hat ihre Aufklärung gefunden. Der„Fremde", ein Pols- damer Bürger, hat sich der dortigen Polizei gestellt, nachdem er durch die Zeitung davon Kenntnis erhielt, daß er gesucht werde. Der Vorgang ist nach seinen Angaben lediglich auf einen Unfall zurückzuführen. Durch einen vorüberfahrenden Dampfer seien er selbst und das Mädchen in einen Wellenstrudel geraten, wobei sie beide getrennt wurden. Das Mädchen fei untergegangen. Die von ihm sofort angestellten Versuche, sich der Leiche wieder zu bemäch- ligen, wären leider vergeblich gewesen. Er sei dann kopflos gc- worden und an die Stelle zurückgeschwommen, an der er sich cnt- � kleidet hatte.— Bisher konnte die Leiche des Mädchens noch nicht geborgen werden. Wie eine Potsdamer Korrespondenz meldet, ist der Potsdamer Bürger ein hiesiger königlicher Obermaschinist. Gestern wurden sämt- liche in Frage kommenden Kinder der Familien Schulz und Boissier, die allein Augenzeugen des Vorganges waren, gehört. Ueberein- stimmend gaben dieselben folgende Schilderung: Die Kinder badeten mit der Franziska Polednick im Kanal an der Mündung in den Weißen See. Am anderen Ufer stieg ein Mann ins Wasser, der bald seine Aufmerksamkeit auf die Kinder lenkte. Ohne jegliche Veranlassung ging er durch das Wasser auf die Kinder zu. Erst wollte er der 14jShrigcn S. S. das Rückenschwimmen lernen. Das Mädchen verzichtete je- doch hierauf. Nun wandte sich der Herr der Franziska P. zu. Er umfaßte sie, legte sie sich auf den Rücken und schwamm mit ihr. Dabei äußerte er:„So rettet man Menschen"! Dann setzte er seine Versuche mit der P. fort, die auf einen Zuruf der Kinder keine Antwort gab. Plötzlich hörte Günter B. den Mann halblaut Hilfe rufen. G. B. schwamm sofort hinzu und sah die Polednick mit der einen Gesichtshälste auftauchen. Im selben Augenblick erfaßte der Mann die Schulter des Mädchens und eS versank in den Fluten. Den Knaben wehrte der Betreffende ab mit den Worten: „Nun ist es schon vorbei, der Dampfer hat sie fortgerissen." Hoffentlich bringen die weiteren Untersuchungen Licht in das Dunkel dieses sonderbaren Vorganges. Das Kind als ProvisionSware. Alltäglich kann man in den Jnseratenplantagen der Scherl- und Ullsteinpresse Inserate lesen, wonach Eheleute gegen eine einmalige Abfindungssumme ein Kind annehmen wollen. Es mögen unter den inserierenden kinderlosen Eheleuten sicher eine ganze Anzahl sein, denen es ein Bedürfnis ist, ein Kind um sich zu haben. Andererseits hat sich leider schon nur zu oft herausgestellt, daß manche Eheleute ein Gewerbe aus der Kinder- pflege zu machen suchen. Ein Beispiel hierfür bietet folgendes Inserat aus der Nr. 186 der„Berl. Morgenpost": 400 Mark demjenigen, der mir Kind mit Abfindung von 4000 Mark nachweist..F. F. 319", Filiale Fenn» straße. Es gehört schon eine Portion Dreistigkeit dazu ein solches Inserat aufzugeben, unverständlich aber ist es. wie eine Annoncen- Expedition so etwas aufnehmen kann. Ein Opfer der Narkose ist der 25 Jahre alte Postanwärter Richard Schmidtke aus der Luckcnwalder Straße 11 a geworden. Der Mann suchte gestern einen Zahnarzt auf. um eine Operation vornehmen zu lassen. Kaum war mit der Narkose begonnen worden, als er plötzlich am Herzschlag verschied. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhaufe gebracht. Geldschrankknacker im Heiligensecr Gemeindcbureau. In der letzten Nacht haben Einbrecher dem Gemeindeverwaltungsgebände von Heiligensee, dem beliebten Ausflugsorte der Berliner, einen Besuch abgestattet. Die Verbrecher drückten von der Straße aus einige Scheiben ein. öffneten dann ein Fenster vollständig und drangen bis zu dem Kassenraum, dessen Tür sie mittels Stemmeisens erbrachen. Während drei der Einbrecher sich daran machten, den eisernen Geldschrank aufzuknacken, stand der vierte draußen Schmiere. In dem Augenblick, als die Spitzbuben ihre Tätigkeit fast von Erfolg gekrönt sahen, wurden sie von dem Ge- meindediener Tübbicke überrascht, der von einer Gesellschaft kommend, gegen 2 Uhr nachts an der Rückseite des Gebäudes vorüberging. Dem Beamten fiel der auS dem Kassenzimmer durch die zugezogenen Borhänge dringende Lichtschimmer auf und er wollte sich in daS Haus begeben, um der Ursache nachzuspüren. Auf ein Zeichen des„Wachthabenden" sprangen die drei Komplizen auS dem Fenster und alle vier ergriffen die Flucht. Tübbicke nahm zwar die Ver- folgung der Verbrecher auf, mußte jedoch bald davon abstehen, da die Flüchtenden ihn mit dem Revolver bedrohten. Bisher ist es noch nicht gelungen, die Geldschrankknacker, die zweifellos auS Berlin stammen, zu ermitteln. Ein Betriebsunfall ereignete sich am Donnerstag nachmittag 3 Uhr in der Turbinenfabrik der A. E. G.. Huttenstr. 12—16. Der Stromstr. 39 wohnhafte Anbinder Alb. Steinert geriet mit dem linken Bein unter zwei umfallende, etwa 12 Zentner schwere Eisen- platten und zog sich einen Bruch des linken Unterschenkels, sowie leichtere Verletzungen an beidenZHänden zu.» Der Verunglückte er« hielt in der Verbandstube der Fabrik die erste Hilfe. Unwillen unter den Arbeitern des Betriebes erregte es, daß über eine Stunde verging, ehe ein Krankenwagen erschien, der den Verunglückten nach einem Krankenhause überführte. DaS Opfer eines Hitzschlages ist allem Anschein nach der Bau» meister geworden, der gestern von einem Schutzmann auf einer Bank im Tiergarten hilflos aufgefunden und nach der Charit« gebracht wurde. Als der Arzt ihn hier untersuchen wollte, war er schon tot. g Das weiße Gespenst im Hotel. In einem Hotel der Grenadier- straße stieg vor einigen Tagen ein Kaufmann S. Rabinowitsch aus Memel ab. In der Nacht zum Mittwoch weckte ihn ein leises Geräusch. Zu seinem Entsetzen bemerkte er. wie eine geister- hafte Erscheinung in weißem Gewände vom Bett nach der Tür zu huschte. Vor Schreck stand Rabinowitsch der Atem still. Bald aber faßte er wieder Mut. drehte das elektrische Licht an und sah nun gerade noch wie ein Wesen, dessen Gesicht dem einer Leiche glich, ganz in ein weißes Gewand gehüllt durch die Tür ver- schwand. Vor Schreck fast gelähmt, wagte der Kaufmann nicht, Lärm zu schlagen. Am nächsten Morgen sah er, daß er statt eines Gespenstes einen Hoteldieb gestört hatte. Seine Hose und sein Portemonnaie lagen auf dem Fußboden, während er sie abends unter das Kopfkissen gelegt hatte, weil die Brieftasche, die die Hose enhielt, einen größeren Geldbetrag und Wertsachen barg. Der Inhalt des Portemonnaies lag verstreut umher. Die Krimi- nalpolizei stellte fest, daß der Dieb in das im ersten Stock gelegene Zimmer nur von einem Nebenzimmer aus durch ein Fenster, das Rabinowitsch aufgelassen hatte, eingedrungen sein konnte. wen eine Leiter nicht benutzt worden war. In dem Nebenzimmer wohnte seit drei Tagen ein Mann, der sich für einen am 3 De- iwmber 1892 zu Lodz geborenen Schauspieler Adler ausgab. Dieser wurde festgenommen und ,n Untersuchungshaft gesetzt. Er behauptet. Schlafwandler zu sein und nicht zu wissen, wie er in das Zimmer seines Nachbars gekommen sei. Ueber seine Per- sonlichkeit verweigert er jede weitere Auskunft. Nach dem. was man be, ,hm gefunden hat, scheint er ein internationaler Dieb und. Schwindler zu sein. Vom?. zum S. Juli wohnte er in einem PriMlogis in der PttflzlaLej: Elrä�e. Dötl liefe Ir seine SaHek zurück. Äie enthielten unter anderem: zwei Schachteln mit weißem Puder. Visitenkarten auf den Namen eines Arztes Dr. L. K. aus der Neuen Königstraße. Drei Postkarten mit der Anrede: Lieber Sander, zwei Briefe die S. S. Jagla unterzeichnet sind und einen Brief mit der Lldresse: Sain Lea Jagla. In dem Koffer fand man auch noch Noten, Bücher und Kleidungsstücke, darunter einen ärmel, losen schwarzen Havelock mit Pelerine, wie ihn Taschendiebe zu tragen pflegen, eine Visitenkarte auf den Namen Dr, Etschcst Kolberg und Stempel mehrerer hiesiger Rechteanwälte. Eine« schnurigen Fund machte ein Kutscher im Hause Strom» straße 38. Dort lag auf dem Hof« die Leiche eines neugeborenen Kindes. Der Kutscher machte Anzeige, und als die Mutter wurde bald die IS Jahre alte Gertrud St. ermittelt. Das Mädchen, da? bei der Mutter toohnt, war in einer Meierei beschäftigt und hatte dort ein Liebesverhältnis mit einem 17 jährigen Burschen. Sie Hatto da?(wahrscheinlich totgeborene) Kind aus dem Fenster des vierten Stocks hinausgeworfen, wie es scheint, in einem Anfalle geistiger Umnachtung. Beim Baden ertrunken ist am Donnerstag früh der 17 jährige Schornsteinfegerlehrling Pawlick aus Charlottenburg, der bei dem Bezirksschornsteinfegermeister Rill in Oranienburg beschäftigt war. Der junge Mann wollte mit mehreren Freunden gegen 6 Uhr morgens in dem Oranienburger Schiffahrtskanal eip erfrischendes Bad nehmen. Kaum war P. in das Wasser gegangen, als er so» fort vor den Augen der übrigen Badenden lautlos in den Fluten versank. Obwohl die Freunde des Verunglückten und mehrere Aus- flügler, die Zeugen des Vorfalles waren, sofort energische Rettung? versuche unternahmen, gelang eS doch nicht, den Ertrunkenen trotz wiederholten Tauchens zu fasten. Die Leiche des Ertrunkenen konnte bisher noch nicht geborgen werden. Wegen eines Dachstuhlbrande« wurde gesteru früh um S'/z Uhr die Feuerwehr nach der«ckerstr. 48 alarmiert. Der Brand war in einem Seitenflügel ausgekommen und hatte dort an dem HauSrat der Mieter reiche Nahrung gefunden. Wegen der großen Ber» aualmung ber Treppen mußte über eine mechanische Leiter und vom Borderhause angegriffen toerden. Es gelang, den Brand auf den Dachstuhl zu beschränken. Die Entstehung wird auf Selbstentzündung von Kohlei» usw. zurückgeführt. Zirkus Moulin, der zuletzt in Rixdorf war, beginnt heute. Sonnabend, abends 8'/, Uhr» in Pankow, Berliner Str. unmittelbar an der Schönhauser Allee, seine Borstellungen. Vorort- stfedmcbteth Schöneberg. Eine Ehetragiidie hat sich gestern Nacht in dem Hause Habs- burger Straße 7 abgespielt. Dort wurde gestern früh der Portier Richard Heike mit durchschnittenen Pulsadern tot im Bett liegend aufgefunden, während feine Frau bewußtlos auf dem Sofa lag. Es wird hierzu folgendes gemeldet: In dem Hause Habsburger Straße 7 wohnte seit etwa einem halben Jahre der 4ö jährig« Portier Richard Heike, der als ein sehr fleißiger, nüchterner Mann geschildert wird. Die Ehe des H. hatte sich in letzter Zeit sehr un» glücklich gestaltet, so daß es zwischen den Gatten öfter zu heftigen Auftritten kam. Vor etwa drei Monaten trennten sich die beiden Eheleute. Heike blieb in dem Hause Habsburger Str. 7 wohnen, während seine Frau, die in zweiter Ehe mit ihm verheiratet war, naüj der Goltzstraße zog. Frau H. machte nun wiederholt Versuche. ihren Mann zu veranlassen, sie wieder bei sich auszunehmen, wozu dieser schließlich auch neigte. Borgestern abend erschien nun Frau Heike in der Wohnung ihres Mannes und Hausbewohner sahen das Ehepaar gegen 9 Uhr abends zusammen fortgehen. Als gestern früh gegen'Iß Uhr ein Mieter des Hauses Habsburger Straße sich zum Dienst begeben wollte, fand er die Haustür verschlossen. Da ihm auf wiederholtes Klopfen an der Wohnungstür des Portiers, der sonst um diese Zeit längst im Hause tätig war, nicht geöffnet wurde, benachrichtigte er den Wirt, der nun die Portier Wohnung gewaltsam öffnen ließ. Den Eintretenden bot sich nun ein gräßlicher Anblick dar. Im Bette lag tot der bis auf das Hemd entkleidete Portier, besten Körper über und über mit Blut besudelt war. An beiden Armen waren ihm die Pulsadern durchschnitten. Auf dem Sofa lag angekleidet Frau Heike bewußtlos und nur noch schwach röchelnd. Aus dem Tisch stand eine leere Taste, in der sich Lysol befunden und das die Frau getrunken hatte. In der Wohnung herrschte eine große Unordnung, und namentlich war das Bett, in dem der Portier lag, total zerwühlt, die Wände mit Blut bespritzt Diese und noch einige andere Umstände lassen darauf schließen, daß zwischen Heike und seiner Frau ein heftiger Kampf stattgefunden hat. bei dem der Mann durch einen Schnitt am rechten Arm tätlich ver- wundet wurde. Nach der Tat hat dann Frau Heike das offenbar mitgebrachte Lysol getrunken, um ebenfalls aus dem Leben zu scheiden. Während bei dem Eintreffen des hinzugerusenen ArzteS der Portier bereits tot war, gab die Frau noch Lebenszeichen von sich. Sie wurde nach dem SchönebergerKrankenhaus« überführt, wo sie bisher aber noch nicht zumBewuhtsein gekommen ist. DieKleidung der Frauwar ebenfalls über und über mit Blut bespritzt. Die Leiche des H. wurde polizeilich beschlagnahmt, die Wohnung verschlossen. Während dem ermordeten Heike von den Bewohnern d«S Hauses Habsburger Str. 7 und seinen früheren Arbeitgebern und allen, die ihn kannten, da» denkbar günstigste Zeugnis ausgestellt wird, hat sich Frau Heike keines guten Leumundes zu erfreuen. Auch wird behauptet, daß sie schon früher ihren Mann wiederholt mit dem Tod« bidroht habe, ngmentlich. als sie erfuhr, daß ihx Mann die Frau seine« Bruders zur Führung der Virtschaft zu sich nehmen wollt,. Rixdorf. Wegen eines gefährliche» Wohnungsbrandes wurde die hiesige Feuerwehr gestern nacht nach der Donaustr. 127 alarmiert, wo in der Wohnung des Magistratsassistenien GroblewSki aus unbekannter Ursache, während die Familie in tiefstem Schlafe lag, Feuer aus- gelomme» war. Flurnachbaren schlugen Lärm. Als die Wehr erschien, schlugen die Flammen schon aus den Fenstern bis zum L. Stock. Ueberall rief man aus dem Hause um Hilfe. Di« Feuer- wehr drang mit Rauchschutzapparaten über die Treppen m die verqualmten Räume und über«in« mechanisch« Leiter in die Wohnungen ein. Mehrere Personen wurden von der Wehr inS Freie gebracht und die übrigen beruhigt. Nach einer halben Stunde war das Feuer mit zwei Rohren gelöscht. Die»ufräumungsarbeiten nahmen längere Zeit in Anspruch. Der Schaden ist erheblich. Die Wohnung ist zum größten Teil ausgebrannt. Jriedenar». Belm Verlassen eines fahrende« Straßenbahnwagens schwer ver» unglückt ist am Donnerstag der Kaufmann Max Sellmann aus der Eschenstraße 6. S. hatte einen Straßenbahnwagen der Linie y zur Fahrt nach Hause benutzt und sprang am Südwest-Korso trotz der Warnung des Schaffners von dem bereits in der Anfahrt zur Halte- stelle befindlichen Wagen ab. Dabei kam der Kaufmann zu Fall und schlug so heftig auf das Straßenpflaster auf, daß er eine Kopfwunde und eine Gehirnerschütterung erlitt. Nach Anlegung von Notverbänden wurde der Verunglückte nach femer Wohnung übergeführt. Wilmersdorf. Der Arbeiter-Turnverei» begeht morgen Sonntag, den lg, Juli sein 6. Stiftungsfest. Die Beranstaltung findet im Gesell» fchaftShauS, Wilhelmsaue 112, statt und bietet neben Garten- konzert und turnerischen Aufführungen auch im unterhaltenden Teil Gewähr für gute Leistungen. Um 2 Uhr nachmittags erfolgt unter Lichtenberg. Die von der Freien Turnerfchast eingeführten Kinderspiele finden an allen Sonntagen in der Sommerzeit im Stadtpark, Möllendorfi straße, in der Zeit zwischen 0—11'/, Uhr statt. Treffpunkte der Kinder um 8>/z Uhr: 1. Frankfurter Chaussee— Ecke Blumenthal- straße, 2. Frankfurter Chaussee— Ecke Gürtelstraße, 8. Neu-Lichten- berg am Wilhelmplatz. Für Aufsicht und Spielleiter ist genügend Sorge getragen. Die Arbeiterschaft wird ersucht, ihr« Pflegebefohlenen recht oft dorthin zu schicken, um das Interesse der Kinder am gemeinsamen Spiel zu wecken. Die bisher stattgefundenc» Spiele haben einen guten und fröhlichen Verlauf genommen. Karlshorst. Das gute Einvernehme« zwischen Schale«nd Haus haben wir stets als Boraussetzung eines gedeihlichen Schulunterrichts bezeichnet. Auf ein gerade nicht gutes Einvernehmen der Schule zum Eltenv hauS läßt folgender Fall schließen: Der hier Krausestr. 7 wohnhafte Werkmeister H. hatte am 24. Juni mit seiner Fabrik eine Dampferpartie, an der sich auch seine Frau beteiligen sollte. Weil nun seine Tochter bisher stets pünktlich den Schulunterricht besucht hatte und auch gut lernte, glaubte Herr H.. daß er daS Mädchen einmal vom Schulunterricht fernhalten könne. Er tat dies auch aus dem Grunde, weil es ja 'onst tagsüber ohne Aufsicht und Verpflegung geblieben wäre. Bon einen Absichten machte Herr H. dem Klassenlehrer des Mädchens. Herrn Tepler, Mitteilung. Letzterer meldete dies dem Rektor und der Herr Rektor erstattet« Anzeige bei der Schuldeputation. Am 12. Juli erhielt Herr H. von der Schuldeputation ein Schreiben. worin ihm eine ernstliche Berwarnung erteilt wird, weil er seine Tochter den Unterricht ohne genügenden Grund habe versäumen lassen. Im Wiederholungsfälle habe er«ine Geldstrafe zu ge wältigen. Herr H. kann nicht begreifen, daß die Schulverwaltung wegen einmaliger Schulversäumnis seine» KindeS ein solches Aufhebens macht. Wir haben ihm gesagt, daß die Schulverwaltung formell im Rechte sei, doch hätte sie bei einer solchen Ausnahme die Angelegen» heit erledigen können, ohne sofort Anzeige bei der Schuldeputation zu erstatten. Und zwar, um da» bisher gute Einvernehmen zwischen Schule und HauS nicht zu stören. Bohnsdorf. Ans der Organisation. Nach dem Vorstandsbericht, den Genosse Krecksch in der letzte» Generalversammlung erstattete, beträgt die Mitgliederzahl gegenwärtig 112. Hiervon entfalle» auf Bohnsdorf vi, anf Falkenberg 11, auf Waltersdorf S und auf Schulzendorf 4 Mit- glieder. An Versammlungen fanden 13 Mitglieder-, Neu aufgenommen wurden acht Genossen. Potsdam. Die Anlegung deS Luftschiffhafen» in PotSda« geht ziemlich langsam vor sich. Die durch Anlegung dieses Hafens entstehenden Kosten belaufeu sich, soweit dies bis jetzt zu übersehen ist, auf SSS 046.30 M. Hiervon entfallen auf Kaufgeld für Grunderwerb g7g 830,50 M.. auf Stempelgebühren 16 383 M., auf Gerichtökoste» 1101,80 M. und für sonstige Ausgaben 691 M. Diese Summe soll aus einer Sparkassenanleihe gedeckt werden. DaS Kaufgeld wird an 10 verschiedene Grundstücksbesitzer gezahlt. der Arbeiter-Bauverein, nämlich 114 264,50 M., fiSkuS mit 405 300 M._ Am meisten erhält ihm folgt der Forst- Jugendveranstaltuage». Rixdorf. Sonntag, den IS. Juli, Badepartie nach FriedrichShagen« Müggelsee. Trefspunkt 7 Uhr Kriegerdenkmal. Der Jugendausschus. Schöuebcrg. Sonntag, den IS. Juli, Ausflug nach Zehlendort, Rc« staurant„WaldeSlilst", Potsdamer Straße 25. Tregpunk: mittags 13 Uhr Bahnhof Friedenau. Der Ausschuß Stegliii-Friedena«. Der BildungS- und JugendauSschuß veranstaltet morgen Sonntag, den IS. Juli, einen Ausflug nach Schmetterlingshorst bei Grünau. Absahrt von Friedenau nachmittags 1.31 Uhr. Umsteigen Bahnhos Grotzgörschenstraße. Absahrt von Schöneberg nach Grünau 2.03. ES wird um rege Beteiligung ersucht. Lichtenberg-Nummelsburg. Zu dem am Sonntag, den IS. b. M, stattfindenden Auflug der Jugendausschüfse deS Kreises Nieder-Barnim nach Tegel— Heilige» See— Hermsdorf treffen sich die Fugendlichen Punkt 7 Uhr in den Jugendheimen: Für Lichtenberg- friedrichsselde Bürgerheimstr. 94; sür N u mmelsburg-Stral au Alt-Bor- lagen SS. Alle Teilnehmer müssen rechtzeitig zur Stelle sein, da der Ab- marsch präzise 7 Uhr ersolgt. DaS Frühstück wird im Wald- eingenommen, Mitnahme von Getränke» ersorderltch. Fahrgeld zirka 49 Pf. Aus der frauenbewegung. Turnverein bei allen Veranstaltungen der Arbeiterschaft bereitwilligst mitwirkt, bitten wir die Parteigenossen auch diese Veraostältuna zu unterstützen. In der Generalversammlung deS Wahlvercin» widmete der Bor- fitzende zunächst den verstorbenen Genossen Gefing und Gruhl einen warm empfundenen Nachruf. Der hierauf erstattete Bericht deS Vorstandes gab ein treffendes Bild über die Entwickelung und die Tätigkeit deS Vereins im abgelaufenen Geschäftsjahre. Infolge der stattgefundenen Gemeindewahlen, die«in befriedigendes Ergebnis brachten, sowie durch die vielen Versammlungen zweck» Stellung« nähme zu wichtigen sozialen Gesetzesvorlagen in den Parlamenten wurden nicht nur an den Vorstand und die Funktionäre, sondern auch an die Mitglieder selbst außerordentlich hohe Anforderungen gestellt. Die VereinSgeschäste wurden in zwölf Mitglieder- Versammlungen erledigt. Außerdem fanden statt sieben Bolls- Versammlungen. Der VersanmllungSbesuch im allgemeinen ließ oft viel zu wünsche» übrig. Bei der Flugblatwerbreitung fanden die Bezirksführer leider nicht immer die so notwendig« Unterstützung der Mitglieder. Die Mitgliederzahl stteg von 855<803 männliche, 47 weibliche) auf 904(818 männliche. 86 weibliche). Die Ausbreitung der Arbeiterpresse kann im Vergleich zur Mitgliederzahl als be- riedigend gelten, nicht aber im Vergleich mit der Zahl der gewerk- chafllich Organisierten. Eine intensivere Agitation soll noch vor den ReichStagswahlen in die Wege geleitet werden. Der.Vorwärts' wird gegenwärtig in 440. die.Brandenburger Zeitung' in 492 Exem. plaren gelesen. Die Kasse hatte eine Sinnahme von 3707,16 M. und eine Ausgabe von 3616.70 Vi.(inkl. 2615,51 M. an die Zentral- lasse). Die Bibliothek hatte eine Einnahm« von 214,21 M. und eine Ausgabe von 129.25 M. Die Lokalkommission konnte die erfreuliche Tatsache mitteilen, daß da« Seckersche Lokal am Drewitzer ES soll etwas geschehe«! Die hoffnungsselige Lischneivska verriet auf der Konferenz für Hygiene und grauenstimmrecht in Dresden, daß nun sogar Nationalliberale in Liebe zum Frauenwahlrecht entbrannt seien. Zwar ist die Vertretung de» mobilen Kapitals, die Partei der Kommerzienräte, die Vereinigung der Scharfmacher vor vnovllonos, bi» zur Stunde ein entschiedener Feind der Gleichberechtigung der Frau, aber dennoch— cö soll was getan werden— Bassermann hat'S versprochen I Natürlich können nur polittsche Kinder annehmen, daß diese Herren über Nacht ihre grundsätzliche Stellung zugunsten einer fort- schritllichen und kulturellen Forderung geändert hätten. Solche Regungen prallen von den erz- und stahlgepanzerten Gemütern der Herren von Rheinlaiid-Westfalen natürlich glatt ab. Immer- hin, Bassermanns Versprechen kann nicht einer niomen- tancn ritterlichen Wallung entsprungen sein. Vielmehr scheint sich bei ihm derselbe Prozeß wie im Zentrum zu vollziehen. Hat doch selbst die katholische Kirche ihren verknöcherten, starren Standpunkt von der gottgewollten Rechtlosigkeit der Frau um einiges aufgeben und vor dem Ansturm der neuzeitlichen Eni« Wickelung sich zu geringfügigen Konzessionen verstehen müssen. Natürlich nicht um der Gerechtigkeit oder um der schönen Augen der katholischen Frauen willen, sondern lediglich aus taktischen und agitatorischen Erwägungen heraus. Auch bei den Konservativen haben sich in den letzten Jahren ähnliche Bestrebungen geltend gemacht. AIS Prellbock gegen die mächtig flutende sozialdemokratische Be- wegung will man die Frauen gern benutzen; Flugblätter austragen und Wähler zur Urne schleppen, das durften die edlen, zarten Damen schon bei den letzten Reichstagswahlen. Aber zu wählen oder selbst gewählt zu werden, o nein, das sieht den Frauen nicht an. Dafür hat der liebe Hinimelsvater in seiner unerforschlichen Weisheit die Herren der Schöpfung bestimmt und wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er bekanntlich auch den Verstand— wenn auch nicht immer l Aber die Damen jener Kreise sind ja auch genügsam. Ja, was brauchen sie auch Rechte? Wenn sie Vermögen besitzen, so ist ihnen daS Leben auch ohne Wahl- und Stimmrecht so leidlich erträglich und verdient der Mann das Geld, so geht's auch. Anders steht«s bei der Frau der unteren Schichten. Sie kaNn in der Partei der Nationalliberalen nur die Vertretung der rücksichtslosesten Großindustriellen und somit ihren erbitttertstcu Feind erblicken. Diese Scharfmacher reinster Farbe sind nicht nur Feinde des Frauenwahlrechts, nein sie stehen auch dem gleichen Wahlrecht in Preußen absolut ablehnend gegenüber. Sie beuten in ihren Riesenbetrieben nicht nur die Arbeiter in rücksichtslosester Weise aus, nein, sie rauben ihnen auch noch das KoalitionSrecht, diktieren ihnen bei öffentlichen Wahlen die Abstimmung nach ihrem Echarfmacherwillen. Rationalliberale waren eS, die 1900 die Summe von 12 000 M. der Regierung für die Propaganda eines Zuchthausgesetzes zur Verfügung stellten. Nationalliberal« waren eS, die mit dem Zentrum gemeinsam im preußischen Landtag da« reaktionär« SchulunterhaltungSgesetz ge- schaffen haben. Nattonalliberale find eS, die au» ihrem.metallischen' Patriotismus heraus dre sinnlosen Forderungen für Heer und Marine unterstützen. Nationalliberale traten bisher stets für Zölle und Verbrauchs- steuern ein, wie ja auch die unheilvoll« Finanzresorm, unter der das Volk seufzt, mit ihr Werk ist. Diese kleine Charakteristik genügt, um den Proletariermnen zu zeigen, wessen sie gewärtig sein können von dieser Seite. Sollten die Rationalliberalen aber wirklich in absehbarer Zeit dem Gedanken der Gleichberechtigung für Frauen näher treten, so kommt bei ihnen nur ein plutokratisches Wahlrecht in Betracht, ein Wahl- und Stimmrecht für Damen— die arbeitende Frau bliebe ausgeschlossen. Da» alle» wird jedoch da» flottenbegeisterte Fräulein LischnewSka nicht abhatten, auch die Bescherung der Panzerplatten- Patrioten mit Sehnsucht zu erwarten. Ja— Hoffe»«nd Harren------ 1 FrelreliaiSfe Gemeinde. Sonntag, den IS.JiüI, vormittag» tl Uhr: Kleine Franksurter Str.«: Vortrag von Herrn M. H. Baege:.Was ist Wahrheit?' Damen und Herren als Gäste sehr willkommen., Douristenverein.Tie Naturfreunde-. Ortsgruppe Berlin. Sonn- tag, den IS. Juli. Wanderung von Buch bis Zepernick. Absahrt Etettlner Bahnhos 12.53 nach Buch. Gäste willkommen. Allgemeine«ranke», und Tterbekaffe der Metallarbeiter E. 29, Hamburg). Filiale Berlin S. Versammlung Sonntag, >«» IS. Lull, vormittags 10 Uhr, bei PiotrowS«, verlichingenstraße 14. Bericht von der Generalversammlung.— Filiale Berlin 10. Sonntag, 16. Juli, vormittag» 10 Uhr, im Lokal von M. Faber, Stephanstraße 11, Versammlung.(Bericht von der Gencralveftammlung.)— Filiale C h a r» l o t t e n b u r g. Sonnabend, 15. Juli, abend« 8'/, Uhr, im«ollShause: Mitgliederversammluiig.— gilial, Baumlchulenw-a. Den Mit- gliedern, die m Treptow wohnen, zur Kenntnis, daß Sonnabend, 15. Juli. abends von 8—10 Uhr im Lokale von Jul. Schmidt, Kicsholzstr. 22, Lei- wäge entgegengenommen wertem LrUfkalten der Redafetfo». Vom Montag, den 26. Juni, ti» S-nnatend, de» IS. Juki ein- schließlich, findet die Sprechstunde in der Zeit von 7'/,»i» g»/, atrndS statt. O. Sch. 10. Pr. KriesSministeriom, Beflin. Leipziger«traf«. — Jehfcr. DaS Statut der Kasse entscheidet.— O. M. S. Ja. — N. 4. Pflugslr. 3. OL Mauscheln LaLel gestattet ist? Eine Gewissens- und Spielsragc, die wir zum Glück nicht zu entscheiden haben.— 3. K. 1. Fragen Sie in einem Drogengeschäst nach. Die Tierchen haben einen großen Abscheu vor Zitronensast, Awonenschalen oder Zitronen- scheibchen.— Voigt. Fragen Sie bei der Polizeibehörde in Potsdam an. — W. Qu. 87. Das ftassenstatut ist maßgebend.— Sicher 21. 1. Ja. 2. Jeder. 3. Unbestimmt. 4. und 5. Nein.— K. St. 8. Wenn die Sachen geschenkt sind, kann Ihnen nichts geschehen.— A. K. 123. Ja.— Nagel. Wenn der Anwalt nicht erschienen ist, hat er nichts zu verlangen. — P. L. 115. 1. Nein. 2. Unbestimmbar.— 100 Eintracht. Ja, Sie müssen wenigstens die 400 M. sosort zahlen, sonst klagt er aus 512 M.— Tahlte. 1. und 2. AuSkmistsbureau sür Auswanderer, Schellingstr. 4.— 21. B. 1. Ja. 2. Die Armendirektion hat zu entscheiden.— M. K. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Polizeirevier.— Kohl» 1. und 2. Nein.— E. D. 64. Sic müssen zahlen.— R. W. 166. 1. bis 4. Nein.— A. 363. Das Kind muß die Schule länger besuchen.— Abonnent 33. 1. Mindestens 60 M. 2. Mindestens 25 M. 3. Ans Amtsgericht. 4. Nein. — Matschte. Wenn die Schwester nur vorgeschoben ist, können Sie klagen.— F. D. 166. Nein.— 229. Heyer. Sie können nur gegen den Hauseigentümer Klage erheben.— O. X. 105. Der Ehemann kann Ihnen keme Schwierigkeiten machen.— A. S. 17. Sie brauchen nicht zu zahlen, doch müssen Sie Einspruch erheben.—(griinebcrg. Sic hätten 1200 M. angeben sollen.— Hermann 19. 1. Nein. 2. Nicht mehr.— Pietzter. Ja.— Genosse 166. 1. Nein. 2. Der Arbeitgeber.— R. W. 166. Sie sind verpflichtet.— G. W. 64. 1. Ewige Monate. 2. Ja. 3. Nein.— M. P. 34. Der Wirt ist nicht verpflichtet. Marktpreise von Berlin am 13. Juli 1911, nach ErmWelung des Königlichen Polizeipräsidiums. Markthallenpreise.(Kleinhandel.) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00— 50.00. Speisebohnen, weiße 30,00—50,00. Linsen 20,00—50,00. Kartoffeln 12,00—18,00. 1 Kilo- gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchflcisch 1,20 bis 1,70. Schweinefleisch 1,10—1,80. Kalbfleisch 1,30—2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,30. Butter 2,20—2,80. 60 Stück Eier 3,00—4,80. 1 Kilogramm Karpfen � 1,60—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,60—3,60. Hechte 1,40 bis 2,80. Barsche 1,00—2,00. Schleie 1,20—3,40. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 2/10-40,00. WitternngSüberiicht vom 14. Juli 1911» ÖS- �toliiembe. erlin Fraitfs.a-IS München Wien if 766®» 767 WSW 767®D 767 920 766» Vetter »ci c!% t'l I? M« 3 halb bd. 2 halb bd. 2 wolkig 2 heiter 4 wolkig 765 WN» 1 bedeckt «Uckwnen »=■ ,? iv II S s: tcp GR"0|g; g Vetter r-� .»>? Haparanda 754 SW Petersburg 758»N» Sctllh 772 NNO Aberdeeo Pars 773 Still 769 NNO 4 bedeckt 1 wölken! 2 heiter! Nebel! 2 wollen! Wetterprognose wr Sonnabend, den 15. JuN 1911. Etwas kühler, bei ziemlich frischen nordwestlichen Winden und verändere licher Bewölkung ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. WasserstandS-Nachrtchte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburean. Wagerstand M e m e l. Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thoru Oder, Ratibor , Krossen , Frmikturt Warthe, Schrimm , LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg ')+ bedeutet BuchS,— Fall.—') Unterveael. •33B4;SU3S9n 9�3 79-19 93BJ;S99SSiretß yohEw 0]$ jaßujs MMZ uasia� uaiziasafiqejait puappaq zueS nz sun jaq siz uajiBijja'uatpnBjqag •Msn'Avsn usjBMqiayW'usuipivi)'uoipsajuo�'aq�Mwag pun-qiag'uajjoisqDSBjW'najjOlsuäpjas'uajjolsj'apiaix ub shiuibj sjqj pun ipis inj 915 sem'sanv i U9)9iq U9Uqj JIAV 91p'U9I!9)JOy\ U9g01Z IUJOU9 U9p uoa siin isq qonsgg u93i)jojos ipunp qois 915 uggngzjgqn pun SHB lI9qU9§9[9r) 9U9)[9S 989ip 49qBp 9lg U9Z)n� llgpUSpUIjttBIS SZB2. SZIUI3 qzou 4Nll lU9UI98 Ul 03$ jaOllis snapas /itA-eb 31J9!umiou9J)iB snp lz)9[ 9pBi9Z U9uqs japiq 319� -U9g9i9r) sZllsunZ)SJ9gnB gqojos 9Uig|U9z;nü�tz 'SNB U9)j9qU9g9I9r) U9pU9SSEd'USZpqzU 9ip'jqgi'sjgA jnu 83 J9 UU9M 4U9JBdS PI9O)|9lA ugulllioquig U9ZUU9Z OS qoou UI9UI9 joq uueij 1BZOS qDSug�v 3)8q9B;ui9 jgQ — j si9)U9Z9O) uii— qgqqDqgouiun sup ugqaz"uiungj USZqngq ugp igq 19s uajBds sep'joidneqgq ubiu UU9M ■ A I c W: Schnh-Haus»Amerika" Pablo Levy. i Unsere Schlager ges. gesch. erregen durch Preiswürdigkeit und Eleganz berechtigtes Aufsehen. Ein einmaliger Kauf macht Sie zum ständigen Kunde®. 5chüh=Spori- öv dtUumv Neu eröffnet: Oranknstr. 51 Filiale im Osten Andreasstraße 48. l! 0 : fm B ■ Ich bin ein gewaltiger Fortschritt! Bin das neuzeitliche 5cheuer-Polier-und Pützmittel! Erleichtere, die Arbeit� bin sparsam. und unscftdcLCCSfi! 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