Ur. 164. nbonnementS'Bedingnnscn: Btonnemcntä- Preis pränumerando: «iertcljährl. 3�0 M:, monatl.],10 Mk.. wöchentlich 2S Pfg. frei ins Hau». Einzelne Nummer K Pfg. Sonntags. nuninier mit illuslricrlcr Sonnlags. Beilage.Die Neue Well" lv Pfg. Post- itbonnemcnt: l.tv Marl pro Monat. Eingetragen in die Posl-Zcituugs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Unaarn L Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnenicnls nebnien an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxeniburg. Pornigal, Rumänien. Schweden und die Schwei», 28. Jahrg. VIe Inlertionz-eedah? beträgt für die sechsgespaltcne Kolonel- »eile ober deren Ranni m Pfg., für politiiche und gewerlichasllichc Bcreins- Und Bersanunlungs, Anzeigen A Pfa. „Ateine»n-eigen", das seltgedruclie Wort so Pfg.(zulässig 2 srl, gedruckte Worte), jedes weitere Wort l0 Pig. Stellengesuche und Schlafltellenan. zeige» das erste Wort 10 Pig., ledes weitere Wort 5 Psg. Worte über löPilch» pabc» zähle» sür zwei Worte. Inserate tiir die nächste Nuinuier iniisscn bis k Uhr nachmittags in der Erpcdition abgegeben werden. Die Erpeditioii ut bis? Uhr abends geossnet. crlchtl»! täglich suLer montags. Verlinev Zentralorgan der rozialdcm ohrati fcbcn parte» Deutfcblands. Dclegramm. Adresse: „SjziallKmokrat Berlin". Rcdahtion: 8M. 68, Linden Strasse 69, Fernsprecher! Amt IV, Nr. 1983. Sonntag, den 16. Jnli 1911. Expedition: SM. 68, Lindenetrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Wahlparolen. Seit der Vollendung des großen Raubzuges der Reichs finanzreform, der Verjagung des Fürsten Bülow und der Etablierung der schwarz-blauen Herrschaft suchen Regierung und Parteien nach einer zugkräftigen Wahlparole. Die Hottentottcnwahlcn waren ja den herrschenden Raubrittern so günstig gewesen. Zwar hatte die Sozialdemokratie eine Viertelmillion Stimmen gewonnen, aber die braven Liberalen taten den Konservativen und dem Zentrum den Gefallen, der Sozialdemokratie so viel Mandate als möglich abzujagen. Die weitaus stärkste Partei entsandte nur ein kleines Häuflein von 43 Abgeordneten in den Reichstag. Von Wilhelm II. bis zum letzten Lapdrat, vom Erzbischof bis zum Kaplan, vom Großbankdircktor bis zur kleinsten freisinnigen Bezirks größe war nur ein Jubelruf. Selten ist der Sozialdemokratie ein Sieg so gut bekommen wie diese„Niederlage". Eine intensive Arbeit zur Befestigung unserer Organisation und zur Ausbreitung unserer Presse setzte ein. Gesteigerte Aufklärungstätigkeit sorgte dafür, aus unseren Anhängern zielbewußte Klassenkämpfer zu machen und ohne ruhmredig zu sein, dürfen wir sagen, unsere Arbeit ist nicht ohne Erfolg gewesen. Aber nicht minder wichtig war die Aufklärungsarbeit, die unsere Gegner geleistet haben. Jetzt waren sie ja ungestört, die sozialdemokratische Fraktion war viel zu schwach, um unter normalen Verhältnissen die Beschlüsse des Reichstages enb scheidend zu beeinflussen. Und die Gegner mit ihrer Regierung hatten es so bequem. Zweierlei Majoritäten konnten sie bilden: eine konservativ-liberale und eine klerikal-konservative. Sie waren so gütig, von beiden Möglichkeiten Gebrauch zu machen und so dem deutschen Volke Gelegenheit zu geben, beide Majoritäten an der Arbeit zu sehen. Und das Ztesultat? Daß dieser Reichstag, der aus dem nationalistischen Schwindel, aus dem betrügerischen Kolonial rummel geboren war, einer der schlimmsten und volksfeindlich st en gewesen ist, die über das deutsche Volk je verhängt worden waren, diese Erkenntnis ist heute weit über den 5treis der Sozialdemokratie hinaus verbreitet. Nicht nur keinen Fortschritt, sondern Still st and und Rück schritt hat dieser von so vorschnellem Jubel empfangene Reichstag gebracht. Unwiderleglich hat er bewiesen, daß das Uebermaß der Reaktion im geraden Verhältnis steht zur Kleinheit der sozialdemokratischen Fraktion. Je geringer an Zahl die entschiedenen und unbeugsamen Vertreter der Arbeiter intcrrssen in einem Parlament sind, desto volksfeindlicher seine Beschlüsse. Was hatten doch die bürgerlichen Parteien alles ver sprachen. Nun erst recht Sozialpolitik, hatte es überall gr heißen. Wir werden der Arbeiterklasse beweisen, daß sie nicht der Sozialdemokratie bedarf. Wir selbst werden um das Wohl der Arbeiter Sorge tragen. Nun, man hat sie an der Arbeit gesehen bei der F i n a n z r e f 0 r m. bei dem infamen Raub- zug der halben Milliarde, man hat sie an der Arbeit gesehen bei der Reichsversicherungsordnung, bei dem infamen Raub der Selbstverwaltung, bei der Verschlechte- rung der Wöchnerinnenvcrsichcrung, bei dem häßlichen Dieb- stahl an den Witwen und Waisen, und bei der Entmündigung der Landarbeiter. Und ergänzt wurde das liebliche Bild der reaktionären Herrschaft im Reiche durch das schamlose Spiel, daß die Regierenden in Preußen mit dem Wahlrecht treiben. Deshalb schreit jetzt das böse Gewisien nach einer Wahl- Parole, uach der Zauberformel, die. das deutsche Volk ver- wirren und benebeln soll, damit es vergesse und taumelnd an die Urnen gehe, um seine Feinde noch einmal zu wählen. Wird es gelingen? Die Marokkoaffäre scheint bei den Reaktionären neue Hoffnung geweckt zu haben. Herr v. Kiderlen- W a e ch t e r hat die Geschichte recht sensationell eingefädelt und die bürgerliche Presse war auch in ihrem radi- kaleren Teil ungeschickt genug, den Reaktionären das Spiel zu erleichtern. Trotzdem können wir uns nicht entschließen, an einen Erfolg zu glauben. Nicht, weil wir auch nur die Spur des geringsten Vertrauens zu der Gewissenhaftigkeit der Herrschenden hätten. Was ihnen irgendwie geeignet sein könnte, nationalistische Instinkte zu wecken, das iverdcn sie versuchen. Aber zu den arbeitenden Massen haben wir das Vertrauen, daß sie nicht zum zweitenmal in die plumpe Falle tappen werden, die ihnen die Reaktionäre stellen möchten. Die Hintergründe des Marokkorumniels sind denn doch zu bekannt, und keiner Wahlmache wird gelingen, dem deutschen Volke weiß zu machen, daß die Minen- konzessionen der Herren Mannesmann und die Profitinteressen einiger Händlerfirmen eine„nationale Angelegenheit" seien, um derentwillen ein Weltkrieg lohne, der Krieg mit unseren französischen und englischen Arbeitsbrüdern und Kampfgenossen. Nein, wenn Marokko wirklich Wahlparole werden sollte, dann müßte und würde die Wahl zu einer Volks- abstimmung werden gegen den Krieg und die Kriegshetzer, eine imposante B e k u n d u n g d e s Friedenswillens und desSolidaritätsgefühls der arbeitenden Massen Deutschlands. Nicht für den Imperialismus, nicht für eine abenteuer- Bche auswärtige Politik, sondern gegen die Reaktion im Innern wird dieser Wahlkampf geführt werden. Stehen doch die unmittelbarsten Lebensinteressen der Massen auf dem Spiele. Und jeder Tag bringt neue Nachrichten, die zeigen, wie hart es die Arbeitenden büßen müßten, wenn sie sich noch einmal einlullen und betören ließen. Die letzte Finanzreform war ein ungeheuerliches Attentat auf die Taschen des Volkes. Um das Portemonnaie der Be sitzenden zu schonen, wurden den Armen die letzten Groschen abgeknöpft. Aber obwohl es fürwahr kein Kunststück ist, durch Steigerung der indirekten Steuerlasten ins Unerträgliche Millionen in die Kassen des Reiches zu leiten, genug Geld kann der Moloch des Militarismus und Marinismus nicht bekommen. Trotz aller offiziösen Schönfärbereien ist nichts sicherer als daß der neue Reichstag über neue Steuern beschließen wird, wie es nicht minder sicher ist, daß neue Militär Marine- und Kolonialforderungen gestellt werden. Und schon tauchen, wie stets als Vorboten, bestimmte Pläne auf, die vor den Wahlen dementiert werden, um n a ch den Wahlen als Gesetzesvorschläge zu erscheinen. In den letzten Tagen war die Rede von einem Petroleummonopol. Kein Zweifel, daß ein Monopol, das uns vor der Ausbeutung des Trusts wenigstens einigermaßen schützen könnte, ein ge sunder Gedanke wäre. Aber ebenso kein Zweifel, daß die Herrschenden mit einem solchen Monopol die gefährlich sten fiskalischen Zwecke verfolgen. Man erinnere sich nur, daß schon bei der letzten Finanzreform die Regierung die Absicht hatte. Gas und Elektrizität zu verteuern und schon damals munkelte man von dem Petroleummonopol, das— zum Ausgleich— auch das Licht der Aermsten zu be steuern erlaubt. Nicht nur Rache für die letzte Finanzreform, nein. Verhütung ähnlicher Raubzüge im neuen Reichstag gilt es. Davon wird in den Wählerversammlungen gesprochen werden und nicht von der„nationalen Ehre", die die Mannesmänner in Marokko engagieren wollen. Aber was wäre selbst die monopoliftisch-fiskalische Ver teuerung des Petroleums, verglichen mit dem ungeheuerlichen Raubzug, den die verbündeten Kapitalmagnaten und Großagrarier planen. Seit Jahren herrscht eine stetig zunehmende Teuerung und weltwirtschaftliche Ursachen lassen es sicher erscheinen, daß sie eine dauernde Erscheinung bleibt. Diese Teuerung soll aber verschärft und ge steigert werden durch eine Erhöhung unserer, ohnehin schon wahnsinnig hohen Schutzzölle. So wollen es die Herren von der schweren Industrie im Bunde mit den 19000 Großgrundbesitzern Preußens, die uns unser Wahlrecht weigern. Neue Brotzölle, um die Grundrente zu er höhen und die Bodenpreise hinaufzutreiben, neue i n> d u st r i e l l e Schutzzölle, um die Kartellprofite zu steigern, das ist der saubere Plan, der im neuen Reichstag verwirklicht werden soll. Das ist nicht die Wahlparole der Herrschenden, aber ihre heimliche Absicht. Und da kommen sie uns— mit den Schmerzen der Herren Mannesmann! Die Stahlkönige finden, daß ihre Kapitalakkumulation nicht rasch genug vor sich geht, daß die deutschen Arbeiter nicht nur in den Fabriken, sondern auch auf den Schlachtfeldern ihnen als gehorsame Sklaven zu Gebote stehen müssen. Und unterdessen beraten sie mit den preußischen Junkern, die die politische E n t r e ch- tung der Arbeiter als Selbstverständlichkeit betrachten, über den künftigen lückenlosen Zolltarifl Was für Meinung müssen diese Herren von der deutschen Arbeiterklasse doch hegen I Wir aber glauben die deutschen Arbeiter denn doch etwas besser zu kennen. Die nächsten Wahlen aber bringen die Entscheidung. ZeutniinstoiidMst und(janfabunds- Mitglied. Wie die Nationalliberalen, verzichten nach telegraphischer Meldung aus Düsieldorf auch die Freisinnigen des Dllsieldorfer Reichstags- Wahlkreises darauf, für die am 19. September stattfindende Reichstags- ersatzwahl einen eigenen Kandidaten aufzustellen— in anbe- tracht der„besonderen Verhältnisse" im Wahlkreise, wie eS parteioffiziell heißt. Doch haben die Leiter der Fortschritt» lichen Volkspartei Düsseldorfs beschlosien. daß, um dem Zentrum den Wahlkreis zu entreißen � kein Freisinniger d e m Z e n« trum seine Stimme geben dürfe. Das ist eine höchst schwächliche Wahlparole. Außer der Sozialdemokratie hat auch die Demokratische Vereinigung einen Kandidaten in Düsieldorf aufgestellt, und wenn die freisinnige Parteileitung meinte, ihrer Anhängerschaft nicht direkt zumuten zu können, gleich beim ersten Wahlgang für die Sozialdemokratie zu stimmen, dann hätte sie wenigstens nachdrücklichst zur Unterstützung des demokratischen Kandidaten auffordern müssen. Die Devise:„Keine Stimme dem Zentrum I' ist allzu wenig. Dennoch sind wir im Zweifel, ob selbst diese schwächliche Parole von allen oder auch nur den meisten Freisinnigen in Düffel- dorf befolgt werden wird; denn die Zentrumspartei hat in schlauer Spekulation auf die kapitalistischen Instinkte noch zuguter- letzt einen Kandidatenwechscl vollzogen und statt Herrn Adams den Düsseldorfern als ihren Kandidaten den Bankdirektor Dr. Johannes Friedrich präsentiert. Als Mitglied der Finanz hat dieser Herr, wie das Düsieldorf« Zentrumsblatt von ihm rühmt, besonderes Verständnis für die Wünsche und Bestrebungen der rheinischen Großindustrie. Zudem ist er Mitglied des Hansa- bundeS. Zwar kein besonders interessiertes Mitglied, denn im Mitgliederverzeichnis der Ortsgruppe Düsieldorf deS HansavundeS vom Januar 1911 steht er mit einem Jahresbeitrag von 3 Mark vorgezeichnet, für einen wohlhabenden Bank- direktor etwas wenig. Aber immerhin ist er Hansabundsmitglied, und als solches muß er, wie mancher Freisinnige folgern dürfte, doch wohl in der Hauptsache mit den Bestrebungen des Hansabundes einverstanden sein. Wir halten eS deshalb nach unseren bisherigen Erfahrungen keineswegs für ausgeschlossen, daß Herr Johannes Friedrich auch auS dem freisinnigen Lager Stimmen erhält. Als Vorspiel für die nächsten allgemeinen Rcichstagswahlen ist die Kandidatur Friedrichs jedenfalls höchst instruktiv. Sie zeigt, daß das Zentrum zur ärgsten Selbstverleugnung und den faulsten Schwindeleien bereit ist, falls es hoffen darf, dadurch Reichstags- mandate zu erringen. Wie hat die ultramontane Presse nicht über die Hansabundpolitik gespottet. Erst vor wenigen Tagen forderte die„Köln. VolkSztg." die Angehörigen der Zentrumspartei. die früher Mitglied des Hansabundes geworden seien, auf, a u S diesem Bund wieder auszutreten— und fast zu gleicher Zeit stellte in nächster Nachbarschaft Kölns, in Düsieldorf, die Zentrums- leitung ein Mitglied deS HansabundeS als Zentrumskandidaten auf, nur weil sie glaubt, auf diese Weise die Kreise deS Handels und der Industrie für ihre politischen Zwecke einfangen zu können. Neugierig sind wir nur, wie sich die Hansabundsleitung ver- halten wird. Nach Mitteilung deS klerikalen„Düsseldorfer Tage- blattS' soll He« Dr. Johann Friedrich sich voll und ganz zu dem bewußten Programm deS Zentrums bekennen. Das muß ein Irrtum fein, denn bekannt- sich hat das Zentrum gar kein Programm, weder ein bewährtes, noch ein unbewährteS. Wahrscheinlich.wird Herr Friedrich nur erklärt haben, daß er die Richtung der Zentrums- Politik vollständig billigt und in gleichem Sinne wirken will. Diese ZentrumSpolttik steht aber in schärfstem Gegensatz zu den Zwecken und Zielen deS Hansa« bundeS, wie sie Dr. Rießer und andere Führer deS HansabundeS öffentlich verkündet haben. Denn nach diesen Erklärungen will der Hansabund vor allem die einseitige Wirtschaftspolitik der Ucberagrari«, das heißt des Bundes der Landwirte bekämpfen; die Wirtschaftspolitik des Zentrums be- wegt sich aber in genau derselben Richtung wie die des Bundes der Landwirte. Eine Unterstützung der Kandidatur Friedrichs in Düsseldorf wäre also nicht Bekämpfung, sondern Förderung der Ueberagrarier. Wie wird sich die Leitung deS HansabundeS entscheiden D Sie Mai'Moaffsi'e. Die ganze Woche hindurch haben die Diplomaten in ihren fcstvcrschlossenen Konferenzzimmern über die Marokkofrage verhandelt und gefeilscht. Was dabei Herausgekommen ist, wird sorgfältig geheimj gehalten; die Völker, deren Schicksal bei dem ganzen Handel doch mit auf dem Spiele steht, brauchen darüber nichts zu erfahren. Es ist ganz der Geist der alten absolutistischen Kabinettspolittk, der auch im 20. Jahrhundert das Tun und Denken der Diplomaten beherrscht. In Deutschland werden sie dabei durch kein Parlament belästigt, da es hier fast zur Regel geworden ist, große Aktionen der äußeren Politik in die parlamcntslose Sommerzeit zu der- legen. Es läßt sich also absolut nicht sagen, welches Resultat die MarokkoverHandlungen bis jetzt gezeitigt haben. Die bürger- liche Presse Deutschlands und Frankreichs saugt sich allerlei Vermutungen aus den Fingern, die je nach der Richtung und den Interessen, die die Blätter vertreten, verschieden gefärbt sind. Es wäre verlorene Zeit, alle diese Kombinationen auf ihre Berechtigung zu prüfen. Soviel steht jedenfalls fest, daß die Verhandlungen sich noch sehr lange hinziehen können. Die deutsche Regierung hat dabei den Vorteil, die bestehende internationale Spannung jederzeit zur Beeinflussung der inneren Politik benutzen zu können. Es ist ja für einen Diplomaten kinderleicht, die korrekt und freundschaftlich geführten Verhandlungen durch irgend einen scharfen Ausdruck in ein kritisches Fahrwasser zu bringen. Die von der Regierung gespeiste Presse sängt auf Kommando an zu bellen, die„nationale Ehre" wird für gefährdet erklärt und die so heiß ersehnte„nationale" Wahl- Parole ist gefunden. Den Franzosen kann schließlich ein langes Hinansziehen der Verhandlungen auch ganz recht sein. Sie haben sich noch mit Spanien auseinanderzusetzen, die in Marokko ziemlich Provokatorisch auftreten. Außerdem wird im stillen noch genug zwischen den Kabinetten in Paris, London und Peters- bürg zu erörtern sein. Alles Dinge, zu denen man Zeit braucht. Die Tatsache, daß der vor Agadir liegende Kreuzer „Berlin" in den letzten Tagen noch das Kanonenboot „Eber" als Assistenz erhalten hat, trägt sicher zu einer Entspannung der Lage nicht bei. Wenn die Verstärkung der deutschen militärischen Kräfte in den südtvestmarottanischeu Gewässern nicht sonderlich groß ist, so ist damit doch die Durchführung einer Truppenlandung entschieden erleichtert. Und daß mit einer solchen Möglichkeit auch jetzt nach gerechnet Werden muß, ergibt sich aus der genugsam bekannten Un berechenbarkeit unserer auswärtigen Politik. ZuZ>em wollen unsere alldeutschen und Scharfmacher- Blätter nichts von „Kompensationen" wissen, sie fordern nach wie vor die Be setzung der Sus-Landschaft. Das deutsche und das französische Proletariat hat also alle Veranlassung, während der langwierigen Nuterhandlungen die Augen offen zu halten und für jede Ueberraschung gerüstet zu sein. Verschärfung des spanisch-franzöfischen Konfliktes. Madrid, IS. Juli. Im gestrigen Ministerrat standen Gegen stände von großer Wichtigkeit zur Beratung, Canalejas ist nach San Sebastian abgereist, um dem Könige Bericht zu erstatten und dann mit den Ministern weiter zu konferieren. Der französische Ge schäftSträger, Martin, hat eine neue Anfrage der französischen Regierung an Spanien gerichtet, um Aufklärung über das Verhalten Spaniens in Larrasch und Elksar zu erhalten. Die Sprache Frank- reichS ist diesmal auf einen sehr energischen Ton gestimmt. Der eine schiebt die Schuld auf den««deren. Madrid, IS. Juli. In hiesigen politischen Kreisen wird betont, die angeblichen Zwischenfälle in Elksar beruhten zum Teil auf starker Uebertreibung, zum Teil auf freier Erfindung der Presse der französischen Kolonialpartei. ES hätten keine spanischen Soldaten den Loccosfluß überschritten, wo sich unter französischem Kommando stehende Truppen befinden. Die Ursache der Reibungen liege in dem Uebereifer französischer Agenten, der kaum in den Intentionen ihrer Regierung liegen dürste. Auch seien einzelne Bestrebungen, die Ein- geborenen aufzuwiegeln, gänzlich erfolglos geblieben. Der Gou- verneur Raisuli sowie sein Vertreter in Elksar hätten sich mit den Maßnahmen des Obersten Shlvestte völlig einverstanden erklärt. Es liege daher kein Grund zu Streitigkeiten vor. deshalb fügte er hinzu, daß an eine Abschaffung des Reichstags» Wahlrechts nicht zu denken sei, aber: »Eine so weitgehende Demokratisierung unsereSStaatslebenS, wie sie dieUebertragung des Reichstagswahlrechts auf die Wahlen zum preußischen Landtag bedeuten würde, halte ich bei der jetzigen Lage für ein Unglück. Und ich möchte allen, die sich durch das Dreiklassenwahlsystem in ihren Rechten gekürzt glauben, soviel konservativen, ich möchte sagen: monarchi» schen und vaterländischen Sinn wünschen, daß sie ein kleines Unrecht, wenn dieses Wort berechtig: ist, hinnehmen, um vom Ganzen ein schweres Unglück fernzuhalten." Solche Aussprüche hindern natürlich die Zentrumspresse nicht, immer wieder zu erklären, die Zentrumspartei träte für das all gemeine, gleiche» geheime und direkte Wahlrecht ein. politilcbe deberlicbt. Berlin, den 15. Juli 1911. Militärisches. Zu den diesjährigen Herbstübungen werden nicht weniger als 407 618 Mann cnts den Mannschaften des Beurlanbten- standes eingezogen. Für die Dauer der Kaiser-Manöver er- halten die daran beteiligten Regimenter zu zwei Bataillonen ein drittes Bataillon, das aus aktiven und Reservemann- schasten zusammengestellt wird. Diese dritten Bataillone für die Dauer zu bekommen, ist längst der heißeste Wunsch der Heeresverwaltung und nur die Rücksicht auf die kommenden Neichötagswahlen hat verhütet, daß diese Forderung schon im Frühjahr gestellt wurde. Daß sie aber kommt, das kann keinem Zweifel unterliegen. Gleichzeitig erfährt man, daß auch Angehörige des Land- sturmes, der bekanntlich von Fricdensübungen befreit ist, zu mehrtägigen freiwilligen Uebungen einberufen werden. Vermutlich handelt es sich dabei um Kriegervereinler, die von dem Drill nicht genug kriegen können. Etatsmäßige Mittel dafür sind jedoch nicht vorhanden und deshalb wäre es wünschenswert zu wissen, aus welchen Fonds die Kosten dieser Uebungen gedeckt werden. Reserveoffiziere als sozialdemokratische Wähler. � Die„Deutsche Tageszeitung" hat in ihrer bekannten ruppigen Weise vor«in paar Tagen erklärt, daß ein Reserveoffizier, der sozialdemokratisch wählt, eine ehrvergessene Verletzung seiner Sidespflicht begeht und ohne weiteres aus dem Offizierstand aus- gestoßen werden müßte. Der„Post", die diesen PassuS beifällig abgedruckt hat, geht nun aus Reserveoffizierskreisen ein Schreiben zu, in dem dies« Sätze vorkommen: „Nach der wohl auch Ihnen bekannten Kabinettsorder dcZ Kaisers ist derjenige ehrlos, der böswillig die Ehre eines andern verletzt. Den Borwurf der Ehrvergessenhcit darf man daher ruhig dem Schreiber zurückgeben, der sich erdreistet, deutsche Osfiziere, die im nationalen Interesse es für richtig halten, in Notfällen zwischen zwei Uebeln daS kleinere zu wählen, zu be- schimpfen und sie mit Ehrenstrafen zu bedrohen, die, wie die Ausstoßung aus dem Offiziersstande nur bei gemeinen Per- brechen verhängt werden. Ich selbst bin seit 14 Jahren in Ehren preußischer Offizier und würde dem die gebührende Antwort zu geben wissen, der sich herausnähme, an meiner Pflicht und Treue gegen Kaiser und Reich zu zweifeln; baß ich aber auch darüber hinaus in Völkischer Beziehung stets meine Pflicht erfüllt und meinen Mann gestellt habe, dürfte wohl Ihnen bekannt sein. DaS ver- hindert mich aber nicht, die Meinung von Hunderten meiner Kameraden zu teilen, daß daS Zentrum in jeder Beziehung ge- fährlicher und verderblicher ist für Reich und Vaterland, wie die Sozialdemokratie, und daß demjenigen kein Borwurf zu machen ist, der aus dieser Uederzeugung die einzig richtige Schlußfolge- rung z. B. bei Wahlen zu ziehen glaubt." Den Mut dieses Mannes in allen Ehren! Daß manche Reserveoffiziere seine Meinung teilen, ist sicher. Wenn aber das Kriegsministerium den Namen deS Mannes erfährt, dann ist er geliefert. Auch der Reserveoffizier muß blindlings gehorchen. Zentrum und gleiches Wahlrecht. Bisher war es hauptsächlich der reiche katholische Feudaladel de» Zentrum», die Ballestrem. Strachwitz. Spee usw.. die sich öffent- lich gegen daS ReichStagSwohlrecht erklärten; seitdem aber daS Zentrum unter Führung des hohen Klerus sich mit den protestantischen Agrarkonservativen verbrüdert hat. mehren sich die Fälle, daß Mitglieder der schwarzen Gendarmerie, Pfarrer, Kapläne nnd Vikar«, sich in öffentlichen Versammlungen gegen das allgemeine, gleich«, geheime und direkte Wahlrecht wenden. So wird aus Haltern iWcstfalen) gemeldet, daß dort der Kaplan Mettke sich vor einiger Zeit in einer katholischen Volksvereinsversammlung mit folgenden Worten gegen die Uebertragung de» ReichstagSwahl- «chts auf Preußen erklärt hat: „Zu den gefahrdrohenden Erscheinungen unseres öffentlichen Lebens erscheint auch endlich als letzte, wie ich hervorheben möchte, die in weiten VolkSkreisen bestehende Ueberschätzung deS all- > gemeinen, gleichen, direkten Wahlrechts und die Verkennung der ihm anhaftenden Mängel.. Man kann dem allgemeinen, gleichen unt . W» direkten Wahlrecht nicht nachrühmen, daß eS dem Grundsatze der Gerechtigkeit am besten entspräche. SS ist nicht der Gerechtigkeit ent- sprechend, wenn daS Ungleiche gleich behandelt wird, die Besitzenden den Besitzlosen, dieGe» bildeten den Ungebildeten in dem Recht völlig gleichgestelltwerde n.* Logischerweise müßte der Mann, der so überzeugt ist von der Gefährlichkeit des allgemeinen, gleichen, geheimen Wahlrechts auch für sein« Abschaffung im Reiche eintreten. Aber daS wagt« der iungen Leute sich feiner Herr Kaplan selbst seinen münsterländischen Zuhörern nicht zubieten! tntledigen trachten sollten. Aus dem wiirttembcrgischen Landtag. Die wllrttembergische Zweite Kammer beschäftigt sich seit«inigen Tagen mit den D e ck u n g s v o r l a g e n, die infolge deS Mehr. aufwandes von S— 10 Millionen für die Beamtenaufbesserung not wendig geworden sind. Die Regierung will unter allen Umständen eine Erhöhung der direkten Steuern umgehen und nimmt daher ihre Zuflucht zur Schaffung von neuen oder zur Erhöhung bestehender indirekter Abgaben. Einen wesentlichen Teil der Deckungsvorlagen bildet die Aenderung des allgemeinen SportelgesetzeS, das eine Reihe wichtiger Kulturerrungenschaften, Berkehr und Industrie mit zum Teil recht empfindlichen Sporteln belegt und die deshalb von sozialdemokra tischer Seite nicht mit Unrecht als eine Reichsfinanzreform im kleinen bezeichnet wurde. Unser Fraltionsredner Keil rügte die Absicht der Regierung, die neue» Ausgaben mit einer Belastung des Verkehrs zu bestreiten und schlug vor, die direkten Steuern, vor allem die Einkommensteuer, zu erhöhen und zwar in einer dem Prinzip der Progression angepaßten Staffelung, die alle Einkommen unter 3000 M. jährlich von der Erhöhung verschont. Durch die neuen Sporteln würden Handwerk und Industrie stark belastet und führten mit Recht darüber Klage. Gegen eine angemessene Erhöhung der Sporteln, die wirklich den Charakter einer Sporte! haben und für die ein Borteil des Nachsuchenden in Frage komme, habe die sozial. demokratische Fraktion jedoch nichts einzuwenden. Die Anregungen des sozialdemokratischen Redners fanden jedoch bei keiner bürger lichen Fraktion Unterstützung, obwohl einzelne ihrer Redner zugeben mußten, daß die neue Belastung für die Dauer unhaltbar sei. Bei der Einzelberatung gab vor allem eine Nummer des SportelgesetzeS zu interessanten Auseinandersetzungen Anlaß. Die Regierungsvorlage schlug unter anderem vor, für die Erteilung der Erlaubnis der Feuerbestattung durch daS Bezirksamt eine Sporte! von 6—60 M. für den einzelnen Fall und bei Ablehnung des Gesuches eine Sporte! von 2—20 M. zu erheben. Durch diese staatliche Be lastung wäre nicht nur für die Feuerbestattung im allgemeinen ein Hemmschuh geschaffen, sondern eS wäre auch die in Stuttgart be- stehende und bewährte Unentgeltlichkeit der Feuer- be stattung über den Haufen geworfen worden. In der Kommission war diese Bestimmung des RegierungS entwurfeS mit acht gegen sieben Stimmen verworfen worden. Im Plenum machten nun Zentrum und Konservative den Versuch, die Regierungsvorlage wiederherzu st eilen, wobei sie ihre bekannte starke Abneigung gegen die Feuerbestattung nicht verleugneten. Genosse Dr. Lindemann konnte nachweisen, daß von dieser Sport«! in Swttgart in erster Linie minder- bemittelte Kreise getroffen würden, denn die über 4000 zugunsten der Feuerbestattung bei der Stadtverwaltung niedergelegten letztwilligen Verfügungen stammten zum größeren Teil von der Arbeiterbevöllerung. Man möge, meinte unser Redner, wenigstens die Toten von der Sporte! freilassen. Unser Redner wurde von den Sprechern der liberalen Fraktion unterstützt und so wurde schließlich der schwarzblaue Vorstoß gegen die Feuerbestattung mit 44 liberalen und sozialdemolraiischen Stimmen gegen 84 Stimmen, der. Rechten zurückgewiesen._ Die ostclbischen Zustände werden wieder einmal grell beleuchtet durch zwei Prozesse vor dem Jnsterburge» Schöffengericht. Ein 71 Jahre alter Hirt« sollte vor Ablauf der vereinbarten Zeit den Dienst ohne gesetzlichen Grund verlassen haben. Deshalb hatte er eine Straf- Verfügung über 15 M. oder drei Tage Haft erhalten. Der Greis erhob Einspruch gegen das Strafmandat mit der Begründung, daß er den Diennst keineswegs böswillig verlassen hätte, sondern nur infolge schwerer Krankheit. Diese» bewies er vor dem Schöffengericht durch ein ärztliche» Attest, da» er sich beschafft hatte, um nicht verurteilt zu werden. Der Amtsanwalt selber beantragte die Freisprechung, vie den» auch erfolgte. Anscheinend bat die Ortspolizeibehörde dem Manne das Strafmandat geschickt, ohne ihn vorher auch nur gehört zu haben. Die einfache Anzeige de» Arbeitgebers genügte zur Strafverfolgung. Dann ein zweiter. Fall. Ein Gutsbesitzer weckt« am LI. De- zember v. I. seinen Knecht in der Weise, daß er ihm Wasser ins Gesicht goß und. als dieses nichts fruchtete, ihm einen Schlag mit dem Leibriemen über dre Schulter versetzte. Darüber geriet der Knecht in Erregung. Er sprang auf, ergriff einen Stock und prügelte den Gutsbesitzer durch. An- geklagt war natürlich der Knecht, der dieser Tage vom Jnster» burger Schöffengericht zwei Monate Gefängnis erhielt. Eine Massenversammlung katholischer Geistlicher befaßte sich dieser Tage in Bonn mit der Frage der Jugend» organisation. Es handelt sich um eine Generalversammlung de» DiözesanverbandeS der katholischen Jüngling«v«eine der Erz» diözöse Köln, die die Regierungsbezirke Köln. Aa-ben und Düffel» dorf mit dem Ruhrgebiet umfaßt. Wie die„Köln. BolkSztg." schreibt, waren„fast 850 Geistliche anwesend, unter ihnen gegen 250 Prä, sidci". Präsides heißen in dem„Deutsch" der Ultramontanen die Geist» lichen, die vom Bischof mit dem Vorsitz in den katholischen Arbeiter-, Ge- sellen-, Jüngling»- und kaufmänniscken Vereinen betraut werden. Die ungeheuerlich große Zahl der Teilnehmer zeugt von der großen Auf- merksamkeit, die die katholische Klerisei, die Zentrumsgristlichleit, dem Jugendfang widmet. Nach dem Jahresbericht ist die Zahl der katholischen Jugend« vereine in der Erzdiözese Köln um 112 gewachsen; sie beträgt jetzt 488, waS annähernd den vierten Teil aller in Deutschland be- stehenden Berein« ausmacht. Die Mitgliederzohl im Bezirk wird auf öS 000 angegeben, wovon 43000 junge Handwerker und Arbeiter feien. Wenn auch viele von diesen lediglich auf dem Papier stehen. so zeigen die Zahlen doch, w i« von den Klirikalen gearbeitet wird. In einer Resolution empfiehlt die Generalversammlung „den Seelsorgern auf dem Lande recht dringend, die in die Stadt Abziehenden recht frühzeitig auf die Gefahren der Großstadt aufmerksam zu machen� sie durch die von der Zentral« der katholischen Gesellenvereine erhältlichen„provisorischen Aufnahmeschein e" fl)»och in der Heimat dem Gesellenverein anzugliedern und auch alsbald den Gesellen-«der Jugendpräse« oder s-nstige» Seelsorger de« zukünftigen Wohnorts von der Abwanderung in Kenntnis zu setzen." Ei» Apparat von absoluter Geschloffenheit und Zuverlässigkeit! Doch ist der Zwang und die Aufsicht allzu drückend. als daß die nicht in der Großstadt gar bald zu I« der Stadt sehen sie die Welt und deren Inhalt ander? an als auf dem Lande. Auch dir Verkehr mit ArbeitSgenoffen tut daS seine. Und wenn die jungen Leute sich schließlich auf eigene Füße stellen, brauchen sie noch lange nicht den Gefahren der Großstadt zu verfallen, vor denen sie die freie Jugend- bewegung in viel wirksamerer Weise zu schützen weiß alS es daS bigotte System deS Klerus vermag. Anarchistenhetze. Herr Gustav Landauer schreibt uns: Ende Mai erhielt ich den Besuch von zwei ausländischen Metall- arbeitern, Freunden, einem Schweizer und einem Italiener, die an mich wegen ihres Interesses an der anarchistischen Bewegung empfohlen waren. Die jungen Männer erzählten, daß sie gleich noch ihrer Ankunft in Berlin Arbeit gefunden hatten, daß sie in Moabit arbeiten, daß sie sich über die schmucke Sauberkeit dieses Stadtviertels, das man ihnen im Anschluß an die Polizeikrawalle als Apachenbiertel geschildert hatte, wunderten usw. Sie erwähnten, im„Freien Arbeiter" von einem Klub gelesen zu haben, der in Moabit Sitzungen abhalte und sprachen die Absicht aus, da einmal hinzugehen, um sich im Gespräch mit Kameraden in der deutschen Sprache zu üben. Ich warnte sie ein- dringlich, dies zu tun, indem ich ihnen von der ständigen Praxis der politischen Polizei berichtete, alle Besucher dieser Versammlungen teils durch Observation, teils durch widerrechtliche Sistierungen fest- zustellen und die Ausländer ohne weiteres auszuweisen. Die beiden sind trotzdem in eine solche Sitzung gegangen und find am darauffolgenden Montag, den 12. Juni, von der Polizei festgenommen worden. Beiden wurde am folgenden Tage mitgeteilt, daß fie aus Preußen ausgewiesen seien. Bekanntlich gibt es keinerlei RcichSpolizei und auch keine Befugnis zur Ausweisung aus dem Deutschen Reiche. Man hätte also meinen sollen, die beiden könnten nur zur Ueberschreiwng der preußischen Grenze veranlaßt werden. DaS aber geschah nicht; und waS nun geschah und in all solchen Fällen geschieht, ent- spricht zwar den internationalen Polizeiabmachungen gegen die Anarchisten, ist aber völlig ungesetzlich.— Der eine, der Schweizer namens Mario Aldephi wurde festgehalten, bis von der Schweizer Polizei die Bestätigung seiner Identität eintraf; am Freitag, den 18. Juni, wurde er von der Polizei mit der Eisenbahn bis Basel gebracht, also durch mehrere nichtpreußische Länder hindurch, aus denen er nicht ausgewiesen war und in denen die preußische Polizei keine Befugnisse hat, und in Basel wurde er, vielleicht durch Vermittelung der badischen oder«lsäsfischen Polizei, aber ohne daß er aus diesen Ländern ausgewiesen war, wie ein Verbrecher, der ausgeliefert wird. der Schweizer Polizei übergeben, was ebenfall» völlig wider- rechtlich war. In der Schweiz war er sofort frei, da er sich in keiner Weise gegen die Gesetze semeS Landes vergangen hatte. Schlimnxer aber erging es dem Italiener, der Andrea Go- vetto heißt und in Allessandria im Jahre 1800 geboren ist. Er sitzt nach Aussage seines Freundes noch heute als Polizeigefangencr in Berlin. Wahrscheinlich, weil die italienischen Behörden noch nicht geantwortet haben oder weil sich die Schwierigkeit ergibt, daß Preußen-Deutschland nicht an Italien grenzt! Ein solches Festhalten eines Mannes nun, der sich nicht gegen die Gesetze vcr- gangen hat, zu dem Zweck der Feststellung der Identität, did auf Grund seiner Papiere feststeht, in Wahrheit zum Zweck der Aus- lieferung an die italienische Polizei, ist völlig ungesetzlich und ist ein Hohn auf internationale Gesittung und Höflichkeit. Ich ver- suche, dem jungen Mann, der völlig hilflos ist, da er kein Wort Deutsch kann, einen Rechtsbeistand zu schicken, halte es aber für richtig, sofort der Ocffentlichkeit von diesen Vorgängen Mittcisiu'.g zu machen._, Das Martyrium eines kranken Soldaten. Der Handle rssohn Nikolaus Schmidt mußte im Oktober 1000 bei der 4. Batterie des 1. bayerischen Fusiartillerie-RegimentS in Ingolstadt einrücken. Da er angab, schlecht zu sehen, wurde er in die beim Garnisonslazarctt München errichtete Station für Augenuntersuchungcn geschickt. Auf Grund der Untersuchungen wurde ihm von dem Oberarzt Dr. Hannschild das Zeagnis auS- gestellt, daß sein Sehvermögen gut und er vollkommen militär- diensttauglich sei. Schmidt kam nun in seine Garnison und mußte natürlich die Uebungen mitmachen. Dabei bekam er jedesmal Stechen auf der Brust, Atembeschwerden usw. Und nun wieder- holte sich bis zum Januar regelmäßig folgendes: War Schmidt zum Dienst angetreten, so meldete er sich nach kurzer Zeit krank. Er kam dann ins Lazarett oder Revier und nach einigen Tagen wurde er zur Truppe zurückgeschickt. Fünf Militärärzte in Jngol- 'tadt hatten den Schmidt im Laufe der Zeit in Behandlung und alle behaupteten sie, der Mann sei gesund, die behaupteten B-- schwerden seien simuliert. Als Schmidt nun am 7. Januar 1010 wieder einmal mit ausgerückt war, bekam er einen Anfall, fiel zu Boden, strampelte mit den Füßen, verdrehte die Augen und iilieb dann anscheinend bewußtlos liegen. Der Batteriechef, Haupt- mann Carl, soll nun damals den Angeklagten schon gestoßen, acohrfeigt und in« Ohr gezwickt haben. Auf Anordnung dxs Hauptnranns wurde seine Brust mit Schnee eingerieben und ihm ein Eimer Wasser über den Kaps geschüttet. Am 25. Januar muhte ich Schmidt an Turnübungen beteiligen. Als er auf den Quer- bäum sich hinaufgezogen hatte, ließ er plötzlich los, fiel herunter und bekam wieder einen Anfall. Auf Befehl des Hauptmanns wurde Schinidt zunächst mit Schnee abgerieben und dann mit kaltem Wusser(im Winter und im kalten Raum) überschüttet, dann mußten ihn die anwesenden Soldaten in eine recht unbequeme Lage bringen. Da er sich aber längere Zeit nicht rührt«, befqhl der Hauptmann Carl zwei Soldaten, sie sollten ihn nach der Kaserne ühren Der Weg führte über den Kasernenhof, Da gab Haupt- nann Carl wiederholt den Befehl:„Loslassen". Die beide» Sol- xjten ließen den Schmidt lvs und jedesmal stürzte der Mann zu Boden. Auch über«inen Platz, der mit Scherben bedeckt war, wurde Schmidt geführt und ebenfalls wieder losgelassen. Daß er diesmal nicht in die Scherben hineinfiel, glaubte der Hauptmann wieder als einen Beweis ansehen zu dürfen, daß Schmidt simuliere. Er ritt ihm nach, rief ihn an und da Schmidt nicht reagierte, gab er ihm einen Stoß unter da» Kinn und ein paar Ohrfeigen. Der Oberarzt Dr. Mayer, der bei diesen Vorfällen dabeistand, meinte dazu:„Der Kerl könnte schon, wenn ex nur wollte." Hauptmann Carl stieg nun vom Pferde und ging dem Schmidt, der nach der Handwerkerstube geführt wurde, nach und frug ihn, wer er set. Schmidt, der nicht bei Besinnung war, sagte:„Der Michel", worauf «r an die Brust gepackt wurde und abermals Ohrfeigen erhielt. 7!ach einer Stund« mußte Schmidt wieder ausrücken. Auf dem Exerzierplatz befahl ihm der Hauptmann Carl, er solle zu ihm herkommen. Schmidt befolgte den Befehl, al» er aber vor dem Hauptmann stand, bekam er einen neuen Anfall. Der Hauptmann befahl nun,«inen Geschützeimer mit Wasser zu holen und die an- wesenden Züannschaften mußten den Kopf bezw. das Gesicht des Schmidt da hineinstecken. Da Schmidt hierdurch aber nicht zum Bewußtsein kam, ließ nun Hauptmann Carl den Mann über 100 mal auf die Füße stellen, worauf Schmidt jedesmal wieder umfiel. Dabei fiel er auch auf die Nase, die dann blutete. Nun mußten die Mannschaften den Schmidt auf die Bauchseite drehen. 'o festhalten, wobei ihn der Hauptmann mit Schlägen traktinüe, chüttelte, an den Ohren in die Höhe zog usw. Diese„Behandlung" muerte über zwei Stunden, dann befahl Hauptmann Carl, den Mann einfach liegen zu lassen. Nach einiger Zeit und nachdem der Hauptmann nirgends mehr zu sehen war. packten mitleidige Kameraden den Schmidt, der vollkommen durchnäßt war und sich vor Frost schüttelte, und trugen ihn in die Turnhalle. Außer diesen Mißhandlungen liegt dem Hauptmann Carl noch zur Last. daß er den Angeklagten wiederholt unter das Kinn, auf die Brust tieß, ihn mit Ausdrücken wie Strizzi, Bazzi, Lump, Gauner, Simulant usw. beschimpfte und ihn per„Du" anredete.— Schmiöt kam nun abermals ins Lazarett, da die Aerzt« aber immer noch keinen KronlheitSbefund konstatieren konnten, erstattete der Haupt- mann gegen ihn Tatbericht wegen Simulation. Nun kam Schmidt is die pjWiüttsich? MtMpg«S ObcrstqlHuztez ivr, Älqj. Hixr wurde festgestellk(durch eine Aerztekommlssion�. da� die Anfälle des Schmidt zweifelsohne echt waren und datz der Mann an Hysterie leidet. Weiter wurde aber auch noch konstatiert, daß Schmidt tatsächlich auf beiden Augen kurzsichtig i st und deshalb wurde er dann auch im Juni als militär- dienstuntauglich entlassen. Hauptmann Carl hatte sich wiegen dieser Mißhandlungen im Dezember v. I. vor dem Gou- vernementsgericht Ingolstadt zu verantworten, das ihn zu 1 0 Tage n Stubenarrest verurteilte. Gegen dieses Urteil legte der Gerichtsherr Berufung ein, die vor dem Oberkriegsgericht in München zur Verhandlung kam. Der Zeuge Schmidt erklärte hier, er fei schlechter wie ein Hund behandelt worden. Wenn man ihn auf dem Kasernenhofe geschlafen und sonst mißhandelt habe, so hätten sich die Fähnriche dabei amüsiert und photographische Auf- nahmen gemacht. Von den Mißhandlungen während der Anfälle weiß er nichts, da er bewußtlos war. Das Oberkriegsgericht er- höhte die Strafe auf 15 Tage Stubenarrest. Das Gouver- nementSgericht in Ingolstadt hatte in seiner Urteilsbegründung u. a. ausgeführt, daß die Ausdrücke Schwindler, Simulant, Tag- dieb usw..in Anbetracht des Unterschieds der so- zialen Stellung" eine Ucberschreitung des Bürgerrechts nicht darstellen und deshalb nicht strafbar seien, ebenso sah es im Gebrauch der Anrede„Du" keine Beleidigung. Auch mit dieser militärjuristischen Begriffsverwirrung räumte das Oberkriegs- gericht auf.-—■*.-**■■■ Bor dem Kriegsgericht der Kommandantur in Koblenz stand ein Pioniersoldat unter der Anklage des Ungehorsams, des Belügens eines Vorgesetzten und der verleumderischen Beleidigung eines Offiziers. Der Soldat mußte strafweise nachexerzieren. Nun behauptete er, der Offizier sei neben ihm hergegangen und habe ihn getreten. Dabei sei«r unwohl geworden und hingefallen. Das Gericht ver- urteilte den Soldaten nur wegen der ersten Beschuldigungen zu zehn Tagen Mittelarrest, sprach ihn aber von der Verleumdung mit der meriwürdigen Begründimg frei, daß der Soldat im Zustande des Unwohlseins hätte annehmen können, er sei g e st o ß e n oder getreten worden, wennschon der Offizier dies entschieden in Ab- rede stellte._ Oeftcmlch. Die sozialdemokratische Fraktion und die Aufgaben des Parlaments. Dienstag hatten die Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion eine llnterredung mit dem Ministerpräsidenten G a u t s ch, der sie zu eins �Besprechung eingeladen hatte. Der Minister- Präsident erklärte, daß ihm vor allem am Herzen liege, daß das Haus neben seiner Konstituierung auch noch seine Arbeitsfähig- k e i t bekunde. Schon von diesem Standpunkt aus würde ihm even- well die erste Lesung der Wehrvorlage, mindestens aber die Erledigung der Bankvorlage erwünscht sein. Er sprach wieder- holt aus, daß er an das Parlament glaube. Die Abge- ordneten erklärten, daß die Erledigung der Bankvorlage wohl kaum auf Schwierigkeiten stoßen würde, wohl aber eine Behandlung der Wehrvorlage. Als wichtigsten Punkt bezeichneten sie die Einbringung der Vorlage über die Sozialversicherung und sprachen den dringenden Wunsch aus, daß das sofort bei Zusammemritt de» Parlaments geschehen solle, um an der Arbeit de» aufgelösten HauseS unmittelbar an- schließen zu können. Gerade die sofortige Inangriffnahme dieser Vorlage würde am besten die Arbeitsfähigkeit des HaufeS bekunden. Der Ministerpräsident erklärte, daß er die Wichtigkeit dieser Vor« läge nicht nur anerkenne, sondern daß er sie auch zur Ver- abschiedung bringen wolle, daß aber eine Borlage, mit der sich die Regierung identifizieren wolle, nicht sofort, wohf aber in einem sehr nahen Zeitpunkt eingebracht werden würde. Di« Abgeordneten erklärten darauf, daß sie sich demgegenüber ihre eigenen Schritte vorbehalten müßten. franknid). SchiedSgerichtSvertrag mit Amerika. Washülgtou, 14. Juli. Es wird halbamtlich bekannt gegeben. daß Frankreich na» Besprechungen mit dem jetzt in Pari» de- findlichen Botschafter Jusserand tatsächlich bereit ist. einen Schied»- gerichtSvertrag mit den Vereinigten Staaten zu unterzeichnen, der dem englisch-amerikanischen ähnlich ist. ES wird jetzt für möglich gehalten, daß Staatssekretär Knox beide Verträge zur gleichen Zeit unterzeichnet. Moabit in Paris, Paris, 14. Juli.(Eig. Ber.) Don Parisern wurde heute die Armee an zwei Orten und von zwei Seiten präsentiert. Während in Longchamp aber nur Parade war, gab es auf dem Bastilleplatz und in den benachbarten Straßen einen .Ernstfall". Es galt, die von der sozialistischen Seine- Föderation in Gemeinschaft mit der„Guerre Sociale" angekündigte und von ber Polizei verbotene Kundgebung für die Amnestie auseinanderzusprengen. Die Kund- gebung war durchaus friedlich gedacht. Die Teilnehmer sollten in geordnetem, von Vertrauensmännern geleiteten Zug durch einen Teil der Stadt und am Santö-GefängniS. wo die politischen Gefangenen sitzen, vorüber marschieren. Am GefängniStor sollten Blumen für dte Häftlinge abgegeben werden. Eine Demonstration mit Blumen— friedfertiger kann wohl ein politischer Protest nicht sein. Die Regierung verbot ihn gleichwohl und berief etliche Regimenter Infanterie und Kavallerie aus der Provinz, um ihn zu unterdrücken die Pariser Garnison hatte ja heute dte Vaterlandsverteidigung zu repräsentieren. Die sozialistische Partei beschloß indes. sich um die Willkürmaßregel nicht zu kümmern und den Versuch zu machen, die Demonstration gleichwohl durchzuführen. AIS die Genossen und die hervöistischen Jungmannschaften am Morgen aus dem Sammelplatz eintrafen, fanden sie die Straßen, durch die der Zug führen sollte, von ungeheueren Militär- und Polizeimassen abgesperrt. Um die SanG hemm war Infanterie und Kavallerie massiert. Unter diesen Uniständen war die Durchführung des Planes unmöglich. Wo sich irgend eine größere Gruppe formierte. wurde sie auseinandergesprengt. Erst später gelang es. auf dem linken Seineufer einen ansehnlichen Zug zu bilden, der singend einige Straßen durchzog. Auf dem Boulevard Arago wurde er von Polizei attackiert. Die Schutzleute schienen heute einen Freibrief für jegliche Roheit erhalten zu haben. Einige Demonstranten wurden mit Faustschlägen und Fußtritten fürchterlich zugerichtet. Man holte Flüchtige aus den Haus- fluren heraus und verprügelte sie entsetzlich Natürlich kamen auch Unbeteiligte badet übel weg. Eine Neuheit war. daß die Zivilagenten Ochsenziemer handhabten. Auch Husaren ritten ein. Einem Manifestanten wurde der Schädel gespalten, andere schwer verlvundet. Verhaftungen in Menge vorgenommen. So geschehen am Tage des Nationalfepes der Ne�stblik, am Gedeattgg der Erstürmung der Bastill». England. Der Vertrag mit Japait. London, 15. Juli. Der revidiette Vertrag zwUdjen England und Japan ist gestern in London unt-erzeichnet worden. Er enthält einen Zusatzartikel, der besagt, wenn eine von beiden Parteien einen allgemeinen SchiedsgerichtS- v ertrag mit einer dritten Macht abschließt, so so'ü der revidiette Vettrag dieser Partei nicht die Verpflichtung auferlegen, einen Krieg mit der Macht zu beginnen, mit der für sie ein solcher Schiedsgerichtsvertrag in Kraft ist. Die KIcnosel 4 des Vertrages vom Jahre 1905 ist fortgelassen, die Großbriwnnien bezüglich der indischen Grenze steie Hand gab. Sonst sind keine Abänderungen des ursprünglichen Vertrages vorgenommen worden, mit Ausnahme der Fortlassung des Attikels, der Japans Stellung zu K o r e a betrifft. Der Vertrag tritt sofort in Kraft und bleibt zehn Jahre in Gültigkeit. Die Blätter sprechen ihre Gemigtuung über den Verttag ans, der den Frieden in Ostasien für ein weiteres Jahrzehnt sichere und England im Falle eines Konfliktes Japans mit Amerika von der Bündnispflicht befreie. Weiter wird betont, daß Japans Zustimmung zu der Abänderung des Ber- trageS eine Fottfetzung seiner Politik der guten Beziehungen zu Amerika bedeute, sowie daß der neue Vertrag die Unterstützung der btttischen Kolonien bedeute. Rumänien. „FuchSmühl" in rumänischer Uebersetzttng. Ort der Handlung ist Nucar am Südabhange der tranS- sylvamschen Alpen. Die Bauern lagen eines Waldes wegen mit einem Großgrundbesitzer im Stteit. Bevor dieser Streit noch gerichtlich endgültig entschieden war, wurde eine Kompagnie Land- gendarmerie aufgeboten, welche dem bei der Regierung der geleisteten Wahlhilfe wegen gut angeschriebenen Großgrundbesitzer zu seinem angemaßten Rechte verhelfen sollte. Tausend Bauern wollten sich's nicht gefallen lassen. Sie wurden von den Gendarmen umzingelt. Der Aufforderung:»Diejenigen, welche etwas zu sagen hätten, mögen vortreten", entsprach eine große Anzahl der Bauern. Sie wurden sofort gebunden und ins Gemeindehaus geführt. Dott wurden sie von den Gendarmen mit nasien Stttcken(am nackten Körper i) so lange geprügelt, bi» diese Henkersknechte, welche sich. gm bester schlagen zu lönnen. die Röcke ausgezogen hatten, mangeis weiterer Kräfte aufhören mußten. 200 Bauern wurden auf diese Weise mißhandelt. Schließlich gelang es einer Delegation der Bauern, nach Bukarest zu entlomnren. Sie wandten sich an den Minister des Innern, Marghiloman. Und was dieser erwiderte? »Schläge kann man nicht zurücknehmen I" Allgemeine Entrüstung im ganzen Lande. Aber nur die sozial- demokratische Partei hat eS unternommen, in öffentlichen, stark besuchten Versammlungen gegen diese Schmach zu protestieren. perfien. Straßeokämpfe. •* London, 15. Juli. Der„Standard" meldet aus Teheran: Das K a b i n e t t i st z u r ü ck g e t r e t e n. In ganz Persien herrscht Anarchie. Die Straßen sind unsicher. Aus Schiras und Kermanshah werben Stratzenkämpfe gemeldet. peru. Drohender revolnttonarer Ausbruch. Lima, Id. Juli. Hier auSgcbrochenc Unruhen lassen eine Revolution befürchten. Die Kammermchrheit hat sich gegen die Politik der Regierung erklärt. Huö der parte!» Zur Organisation der Bildungsarbeit. Am vergangenen Sonntag fand in Köln eine Konferenz der BildungSauSschüsse der oberen Rheinprovinz statt, die von 27 Delegierten besucht war. AlS Vertreter des Zentral- bildungSauSschuffeS war Genosse Heinrich Schulz anwesend. Genosse H o fr i ch te r-Köln, der die Konferenz einberufen hatte. wies darauf hin, daß die Schaffung einer Bildungszentrale für den Bezirk deS Agitationskomitces für die obere Rheinprovinz notwendig geworden sei, nachdem sich die frühere Zentralkomtmssion für Rheinland-Westfalen als ungeeignet erwiesen habe. Nach einem Referat de» Genossen M e e r f e l d- Köln über die Organisation des Bildungs- wesen« und nach eingehender Diskussion wurde beschloffen,»inen Bezirksbildungsausschuß für die obere Rhein- Provinz einzusetzen. Für die Tätigkeit dieses einen Instituts wurden folgende Satzungen vereinbart: »Der Bezirksbildungsausschuß hat seinen Sitz in Köln. Er besteht ans sieben Mitgliedern, von denen drei vom Sozial- demokratischen Verein und drei vom Gewerkschaftskartell gewählt werden; das siebente Mitglied wird vom LgitationSkomttee für die obere Rheinprovinz bestimmt. Der Ausschuß wählt aus feiner Mitte einen Obmann, einen Kassierer und einen Schriftführer. Ex hat das Recht, Sach« verständige hinzuzuziehen. Der Bezirksausschuß bat in ständiger Zusammenarbeit mit den Orts- und WahlkreisbildungSauöschüffen die gemeinsamen BildungSoufgaben für de» Agitationsbezirk zu übernehmen, besonders die Bermittelung von wissenschaftlichen Rednern und künstlerischen Krästen, die Veranstaltung von Wanderausstellungen und die Beaufsichtigung de» Bibliothekwesens. Die Geldmittel für die Veranstaltungen haben die Orts» und WahllreisbildungsauSschüffe selbst aufzubringen. Die Geldmittel für den BezirkSdildungsauSschuß werden in der Weise aufgebracht, daß die örtlichen LildungSauSschüsse für jedes Mitglied der ihnen angeschlosienen Organisationen jährlich 1 Pf. abführen, denselben Kopsbeitrag leistet das Agitationskomitee für die obere Rhein- Provinz. DaS Geschäftsjahr beginnt mit dem 1. Juli und endet am S0. Juni. Gegen Schluß des Geschäftsjahres hat eine Konferenz der BildungSauSschüsse de» ganzen Bezirks stattzufinden, die den Bericht des Bezirksbildungsausschusses über seine Tätigkeit und Kassenführung entgegennimmt� und die gemeinsame Arbeit für da» nächste Jahr berät. Die Kosten für ihr« Vertreter tragen die OttS- oder Wahlkreisbildungsausschüsse. An der Konserenz lönnen auch Vertreter von Orten, in denen noch keine PildungS- ausschüsse bestehen, mit beratender Stimme teilnehmen. Der BezirkSbildungSauSschuß kann mit den benachbarten Bezirksbildungsausschüjse» in gemeinsamen Angelegenheiten zu- lammen arbeiten."__ Soziales. Zu« Fortbildungsschuluwterricht. Das Orttstatut betreffend den Fortbildungsschulunterricht sollte der Gewerbetreibende Dumrösel in Stolp übertreten haben. Er hatte zwei jugendliche Arbeiter nicht zur Fortbildungsschule angemeldet und sie auch nicht zum Unterricht geschickt, bezw. ver- hindert, daß sie rechtzeitig die Fortbildungsschule erreichen konnten. Die Strafkammer verurteilte den Angeklagten wegen beider Delikte. Er legte Revision etRfuad machte u. a. geltend, da» Orts- ftatut fei nicht gültig, weil der Stundenplan nicht in orts- statutarischen Formen zustand« gekommen sei. Da» Kammergeri»« h»h die Barrntscheidung«nf Und CttRitS Pit Sache an che Stjapasma zuÄck. totem& ausführte: gft j« allerdings erforderlich, Sag See Ekündenplan buch in orlS- statutarischen Formen zustande komme. Das sei hier nicht der Fall gewesen, sondern daS Ortsstatut bestimme, daß die Schul- stunden zu besuchen seien, welche der Magistrat festsetze. Dieser Stundenplan entbehre deshalb der Gültigkeit und der Meister könne nicht deshalb bestraft werden, weil er seine Lehrlinge den Unterricht habe versäumen lassen. Anders sei es dagegen mit der im Ortsstatut vorgeschriebenen Anmeldung der Lehrlinge zur Fort- bildungsschule. Die Anmeldung der Lehrlinge habe sofort zu er« folgen, auch wenn noch kein Stundenplan aufgestellt sei. Für die Befolgung dieser Vorschrift sei es deshalb gleichgültig, ob ein Stundenplan ordnungsgemäß zustande gekommen sei oder nicht. Wegen der unterlassenen Anmeldung sei daher Angeklagter zu be- strafen. Da ober möglicherweise bei dem Strafmaß die Versäumnis des Unterrichts, wegen der nicht bestraft werden könne, Einfluß gehabt habe, so müsse die Sache zu nochmaliger Eni- scheid un g an das Landgericht zurückverwiesen werden. Bekanntlich hat die im Oktober zur Beratung gelangende Gc« werbeordnungsnovelle dafür Vorsorge getroffen, daß künftig der Stundenplan nicht mebr ortsstatutarisch bekanntgemacht werden muß. Ein Schmiergelderprozeß kam in der letzten Verhandlung der 1. Kammer des Berliner Kaufnmnnsgerichts zur Entscheidung. Als Kläger trat der Verkäufer Aronsohn gegen die Möbelfabrik von H. u. G. Emler auf. Er wurde plötzlich seiner Dienste ent- hoben, und zwar macht die beklagte Firma als Grund der sofortigen Aufhebung des Dienswerhältnisses geltend, daß der Kläger in einem bestimmten Falle sich Schmiergelder in Höhe von 50 M. von einem Lieferanten hat zahlen lassen. Der Kläger dagegen ficht die sofortige Entlassung als zu unrecht erfolgt an. Er bc- streitet zwar nicht, daß er von dem Lieferanten G. 5v M. geschenkt bekommen habe, das sei aber gänzlich aus freien Stücken und ohne fein(des Klägers) Verlangen geschehen. Er hätte da? Geld auch nicht angenommen, wenn er nicht damals in großer Verlegen- heit gewesen wäre. Er habe auch damals auf die Erteilung des Auftrages gar keinen Einfluß gehabt, vielmehr habe der Cheß selber ihn veranlaßt, zu G. hinzugehen und wegen des Auftrages zu verhandeln. Die Beklagte wendet demgegenüber ein, daß, wenrr A. das Bestechungsgeld wirklich nicht verlangt, was behauvtet wird, sondern nur genommen, er damit schon einen triftigen Grund zur sofortigen Entlassung gegeben Hab«. Denn das neue Wettbewerbs- gcsetz will ja auch schon denjenigen bestraft wissen, der Bestechungs- gclder unaufgefordert annimmt. Tatsächlich sei auch ein anderen Agent, der die Provifion rechtmäßig zu fordern gehabt hätte, um, diese 50 M. geschädigt worden. Das Kaufmannegericht kam zur Abweisung des Kläger». A- habe nach Ansicht des Gerichts gegen§ 12 des Weitbewersgesetzcs verstoßen. Ein derartiger Verstoß involviere aber gleichzeitig einen derartigen Vertrauensmißbrauch, daß es dem Prinzipal nicht' zu« gemutet werden kann, einen solchen Angestellten weiter zu beschäf- tigen. Es ist auch nach Ansicht des Gerichts unerheblich, ob Kläger eine direkt« oder versteckte Aufforderung zur Zahlung hat ergehen lassen, die schwere Verfehlung sei schon i» der Annahme der- artiger Gelder zu erblicken._ Terrorismus gegen Konsumvereine, i Von gehässig-kleinlichen Mitteln bei der Bekämpfung eincÄ Konsumvereins berichtet die„Konsunrgevossenschaftliche Rundschau"- Es handelt sich um den Konsumverein Malchin in Mecklenburg- Zuerst hatten einige Unternehmer„ihre" Arbeiter angewiesen, auS dem Konsumverein auszutreten oder die Arbeitsstelle zu quittieren. Die Arbeiter suchten sich andere Arbeitsgelegenheit. Als dies Mittel versagte, versuchte man, dem Konsumverein die Butter zu entziehen und die Genossenschaftsmitglieder auf trockene Brot-Ra- tioncn zu beschränken. Die Molkerei in. Malchin mußte die Liese- rungen einstellen, weil die„Kapfleute" am Ort gedroht hatten, sonst keine Butter mehr norrhoe-Fäden) u. Sputum-Analysen. tzr. 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Für die vielen Beweiie herzlicher Teilnahme sowie Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten BaterZ sagen wir allen Teilnehmern unseren herzlichsten Dank. Witwe Simon und Kinder, Oberbaumstrahe S. Danksagung. Für die viele» Beweis» herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich hierdurch allen Beteiltgten, besonders den Kolleginnen meiner Frau und dem sozialdemokratischen Wahlverein(Bezirk 407a) meinen herzlichsten Dank. 27090 Franz Vick Sohn. Dankttaa Für die vielen Beweise herzlicher Testnahm« und Kranzspenden bei der Beerdigung meine« lieben Mannes sage ich allen meinen herzlichsten Dank. 2746b Mlv. Lina Polzing. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner unvergehlicheiz Frau, unserer lieben Mutter, Schwiegermutter und Groß- mutter Justine örobler sag« ich allen Freunde» und Be- kannten, besonders dem Münnerchor Norden, dem 6. Berliner Wahlkreis, dem Zentralverband der Stukkateure, dem Verband der freien Gast- und Schankwirte, der 29. GaS-Revier- Inspektion, dem Lotteriekttlb Norden 1903, dem Sparverein.Glückaus" im Namen der Hinterbliebene» meinen herzlichsten Dank. Gnatav Grobler, Dtmckerfir. 83. Danksagung. Für die vielen Deweise herzlicher Teilnahme und reichlichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes I-udwig Koppitz jage ich allen, insbesondere dem Vorstand und den Angestellten der all- gemeinen Ortskranfenkasse Tharlotten- ourg, dem Verband der Bureau- angestellten. Ortsgruppe Groß-Berlin, dem sozialdemokratischen Wahloercin und der V. Gruppe sowie dem Ar- beiler. Radsahrervereln.Solidarität" meinen herzlichsten Dank. Witwe Frau Koppitz nebst Angehörigen. Spezlal-Arzt für Haut- nncl Harnleiden Flr PnnlkD Rosenlhaler Str. 70 III. rUjmC, 8pr.9-2, 6-9, Sonnt. 9-3 Dr. SimmeB Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prlnzenslr. 41, ää. 10-2, 5—7. 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Satz Töpfe s stacn..... 95 pr. Hilchkannen ca. 1 1. inba» 28 pr. Tassen.... 22, 25, 30, 32 pr. MoKKatassen......... 10 pr. Tafel-Geschirr ÄSi,F�dr,nd' Speiseteller tur od.r nach. 35 pc, Salzgefasse.......... 35 pr. Mostrichgefässe...... 85 pr. Kaffeekannen... 40pr.bi.l.l5 Teekannen..... 65pr.bi.l.50 Milchtöpfe..... 15 pr. u. 50 pr. Zuckerdosen..... 65, 80 pr. Tassen............. 22 pr. Weiss Speiseteller tur 15,. nach 12 pr. Dessertteller.......... 9 pt Kompotteller...... 6, 8 pr. Terrinen........ 1.15, 1.30 Kartoffelschüsseln ..... 65, 75pt mit Dackal. Saoderen 48 PC Steingut Ein Posten: Weiss gezackte Form Speiseteller»i.r od« nach.. 6 pr. Kompotteller......... 4 pr, Terrinen............ 70 pr, Kartoffelschüsseln m.D.ck. 57 pr. Saucieren.......... 33 pr. Bratenschösseln«1 10 b 60 pr. Salatieren...... 25 u« 33 pr. Senfgefässe.......... 25 pr. Satz Salatieren« stock «aiu 95 PC, 1.35, blaujl.lO Speiseteller 10 pc Kompotteller„ 8 pc Qaaumm Bierbecher mit coidraod 7, 10 pr Salatieren gatchiiffen 27 bis 95 pc Batterdosen g«prestt.... 25 pr. KompottelIerE. 70«nd 90 pc Schiaachrollen............ 6.25 Schiaachwagen............ 8.00 Gazeschränke m.uu 5.50.8.00, 10.50 Phänomen-Gold Feinste Stck. 2f 3, 4t 5 PJ. Cigarette== Ueberau zu beben== Die Aiuvahme verweigert wenn man Ihnen nicht auf Dir Verlangen den echten Grimm& Triepel verabfolgt. Jede einzelne Rolle enthält einen Zettel mit rotem Aufdruck: OpcziaUtlu Kau-'Cabak. Fabrik von Grimm& Triepel in Nordhausen «»»»»»»»»»»»»»» Mordhiuoer Kau Cabah. m MANOLI Cigareltes Tr™"" Belieble Specialmarken Abbas Dandy Gibson GM Vcrlelh-InHtltut: Frladriohit.l 1 B/1, a.Dvr.bg -Tor. Eleg. Frack. GeHrock 1�0Los-1.«Z. ZS-ste 50Ps. Uniplt�ürlmn BiUst-t», Statnten, urucKBdunan, Flugblätter«.Illpk. Druckerei„SOd-OsP', Wrangelstr. SS. Hermann Fischers billiget« Särare Ärbiuiftr. 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Berlin NO 43£rn«rKAÄ"J£ Verantwortlicher Siedalteur: Richard Barth, Berlin. Für feai Jnjeratenteil verantv».: TH.W»cke,Berlln. Druck n. Berlag; Vorwärts Buchdruckerei it. LerlagSaupalt Kaul Singer Dr.M. 38. Iahrgallg. 2. ßfilnnc des Joraiiitts" Kerlim WÄR Sunntag, 16. ZM 1911. MMHawicher Nochenbericht. Berlin, IS. Juli 1911. Der Zentralvorstoß gegen das Koalitionsrecht.— Tie Begründung des Attentats.— Kursbewegung am Industrie-Aktienmarkt.— Steigerung der Erzeugung in der Eisen- und Stahlindustrie.— Gewinnsteigerungcn.— Ein Reichspetroleummonopol.— Das Interesse der Trustleute.— Eine Gefährdung der Konsumenten- interessen. Der Zentralverband der Industriellen hat einen Zentralvorstvh gegen das Koalitionsrecht unternommen. Er will eine der wich- tigsten Funktionen der Gewerkschaften bei Arbeitskämpfen für jeden Einzelfall mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit Geld- strafe bis zu 1909 M. bedacht wissen. Solche Strafen sollen durch eine besondere Bestimmung in dem Entwurf zu einem neuen Straf- gesctzbuch angedroht werden für die planmäßige Ueberwachung von Werkstätten, Betrieben. Strassen, Plätzen, Bahnhöfen, kurzum allen Verkehrswegen usw. Den Gewerkschaften will man durch eine Ausnahmebestimmung verbieten, was in jedem Kriege eine der wichtigsten Aufgaben der Heeresleitungen ist: die Bewegungen, Veränderungen und Vorbereitungen im gegnerischen Lager zu be- obachten. Die Operationen der Gewerkschaften bei Lohnbewegungen Streiks, Aussperrungen, sind abhängig und bedingt von der Kennt- nis aller mit dem Konflikt in Verbindung stehenden Matznahmen und Vorgänge. Dazu gehören: die Konjunttur in dem betreffenden Gewerbe und Betriebe, die Fortgabe von Streikarbeit nach aus- wärts, der Zuzug von Streikbrechern, die Erfolge der Aufklärung der Autzenstehenden, Matznahmen der Polizei und deren Auftrag- gebcr— der Unternehmer. Sich die Kenntnis aller dieser Dinge zu beschaffen, ohne dabei die allgemeinen Strafgesetze zu übertreten, ist niemandem verwehrt. Nun soll das auf Geheitz der Zentral- verbändler den Gewerkschaftlern unter Androhung schwerer Strafen verboten werden. Tatz die Bestimmungen nicht die Unternehmer und ihre Agenten treffen, diese nicht an den Galgen eines solchen Ausnahmeunrechts baumeln sollen, betrachtet man als selbstver- ständlich. Die Praxis unserer Rechtsprechung gäbe zu Befürchtungen nach dieser Richtung auch nicht den Schimmer einer Berechtigung. Doch das nur nebenbei! In der Begründung zu ihrer Forderung kommen die Koa- litionsrechtsattentäter auch wieder mit der Redensart, die Kon- kurrcnzfähigkeit der deutschen Industrie leide unter den fortgesetzten Streiks, Lohnerhöhungen und steigenden sozialen Lasten. Man mutz sagen: Der Zeitpunkt für ein solches Argument ist gerade nicht sehr günstig gewählt! Obwohl wir unbestreitbar uns keiner Hochkonjunktur erfreuen, darf die Grotzindustrie fast aller Gewerbe sehr guten Wohlergehens sich rühmen. Trotz der von den Scharf- machern als der Uebel grötztes an die Wand gemalten modernen Arbeiterbewegung, trotz Streiks und Sozialpolitik ist in den letzten Jahrzehnten die Gewinnrate des industriell investierten Kapitals nicht gesunken; die von den Aktiengesellschaften ausgeschütteten Dividenden zeigen die Tendenz der Steigerung und bewegen sich auf eünem sehr hohen Niveau. Datz das zum Teil gerade eine Folge der von den Unternehmern beklagten sozialen Erscheinungen ist, kann leicht nachgewiesen werden. Und jetzt, wo die Unter- nchmer ihren Unkenruf über die Bedrohung der Industrie aus- ftotzen, sind die Kapitalisten guter Hoffnung auf reichlicheren Profitsegen. Das prägt sich in der Kursbewegung am Industrie- aktienmarkt deutlich genug aus. Ewer Aufstellung der„Frank- furter Zeitung", die die Hälfte des an der Berliner Börse ge- handelten Kapftals umfaßt und den Durchschnfttskurs angibt, ent- nehmen wir die folgenden Angaben: Kursstand im Juni Dividende 1919 1911 Bergbau, Hütten und Salmen. 198,99 299,37 Steine und Erden...... 194,29 194,47 Metalle und Maschinen.... 199,56 299,93 Chemische Industrie,* 341,64 376,61 Textilgewerbe....... 156,97 152,98 Papier.......... 126,92 135,94 Leder.......... 141,16 146,85 Holz- und Schnitzstoffe.... 231,84 249,19 Nahrungs- und Genutzmittel.. 183,49 194,56 Baugewerbe........ 132,15 129,86 Von einer Angst vor einer Bedrohung der Industrie kann man aus dieser Tabelle sicher nichts herauslesen, sie bekundet eher das Gegenteil. Man erwartet einen weiteren Aufschwung, trotz der Beunruhigung des Wirtschaftslebens durch die fortgesetzten scharf- macherischen Hetzereien und der Attentatspläne der Koalitions- feinde. Was speziell die Eisen- und Stahlindustrie anlangt, so kann diese sogar von einer sehr guten Konjunktur sprechen. Die Er- zeugung stellt Rekordziffern auf. Die nachfolgende Aufstellung liefert den Beweis dafür: Versand des Stahlwerksverbandes WTST0 Produkte A Produkte B im 1. Halbiahr im 1. Halbjahr in den ersten 5 Monaten in 1999 Tonnen 1997.. 6356 2933— 1908.. 6959 2453— 1999.. 6253 2489- 2913 1910.. 7292 2625 2334 1911.. 7683 2944 2539 Die bisher höchsten Leistungen im Jahre 1997 sind nun über- holt worden. Die Roheisenerzeugung ist im laufenden Jahre um IlH Millionen Tonnen größer als dmnals; der Versand an Pro- dukten bewegt sich zwar nur auf der gleichen Höhe, dafür ist aber der Abstoß von Produkten B ganz enorm hinaufgeschnellt. Seit 1999 liegen die Nachweise darüber vor; es zeigt sich, datz die Zu- nähme in drei Jahren über eine halbe Million Tonnen ausmacht oder rund 25 Proz. Es gehört schon Scharfmacher-„Mut" dazu, angesichts solcher EntWickelung über ungünstige Verhältnisse zu jammern. Man hätte Ursache, das Gegenteil zu tun. Das beweisen die letzten Ge- schästsausweise der industriellen Unternehmungen. Soweit Mo- nats-, Quartals- oder Halbjahresberichte über die finanziellen Ergebnisse der Gesellschaften erstattet werden, kann man durchweg eine Steigerung der Gewinne für das laufende Jahr konstatieren. Diese Behauptung mögen noch einige Spezialangaben stützen. Die Vereinigte Königs- und Läurahütte.die für das Halbjahr 1998/99 nur 2,83 Millionen Mark Ueberschutz aufweisen konnte, für die gleiche Zeit 1999/19 sogar nur 2,66 Millionen Mark, hat im letzten Halb- jähre schon wieder 3,29 Millionen Mark herausgewirtschaftet. Der „Phönix" erzielte allein im Mai gegenüber dem gleicken Monat im Vorjahre einen Mehrgewinn von fast einer halben Million Mark, der Gesamtüberschutz soll die Verteilung einer Dividende von 17 Proz. erlauben. Wenn man weniger gibt, so geschieht das, weil man über das Schicksal der Verbände noch nicht klar sehen kann und es aus diesem Grunde angezeigt erscheint, Kampsfonds zu re- servieren. Die Zeche Königsborn brachte im letzten Halbjahre un- gefähr eine halbe Million Mehrüberschuh heraus, als in der gleichen Zeit des Vorjahres.— Solche Resultate verweisen die als Mittel zu einem schlechten Zweck in die Oeffentlichkeit geschleuderten Behauptungen von einer Sorgen erpressenden Lage der Industrie in das--Reich der Märchen. Ein Reichspetroleummonopol? Datz ein solches in Vorberei- tung sei, wurde nicht nur gemeldet, sondern auch durch eine Art gvortklauberndes halbofsiziöses Dementi bestätigt. Das Projekt schlummert noch im Schosse der Erwägungen. Datz die Regierung solche Pläne erst ausreifen lassen will, ehe sie damit die Gesetz- gebung beschäftigt, ist erklärlich. Warum soll sie durcy vorzeitiges Gegacker die Interessenten aufmerksam machen? Man will doch den Uebergriffen des amerikanischen Oiltrusts entgegentreten.— So wird man denken! Wo es sich wirklich darum handelt, das Allgc- meinwohl schädigende Kontreminen des Privatkapitals zu ver- hindern, da kann man es billigen, wenn die Vorbereitungen zu Ge- setzesänderungen nicht zu früh die Oeffentlichkeit beschäftigen. Ob und wie solche Fälle sich überhaupt ereignen können, darüber wollen wir hier nicht streiten, jedenfalls ist der Plan eines Reichspetro- leummonopols keine dergleichen Massnahme. Die Amerikaner zu überraschen ist ausgeschlossen, denn ein Reichsmonopol kann doch keine Bezugsquelle neu erschließen. Im Jahre 1919 führte Deutschland 9 893 358 Doppelzentner Erdöl im Werte von 65 Mil- lionen Mark ein. Von der Gesamteinfuhr stammten 7 871 655 Doppelzentner aus den Vereinigten Staaten. Nun wird gesagt, ein Reichsmonopol solle der Uebermacht der Amerikaner— mit der ihnen liierten Deutschen Bank— eine Grenze ziehen, damit nach Erdrückung der österreichisch-ungarischen Petroleumindustrie die deutschen Konsumenten nicht dem Trust wehrlos überliefert seien. Das ist nichts als Phrase! Gewiss, ein Reichsmonopol könnte die dem Oiltrust noch nicht ausgelieferte Industrie bevorzugen. Was wäre damit erreicht? Schon jetzt hat der Oiltrust grossen Einfluß in der österrAchiscb-ungarischen Petroleumindustrie, wird diese nun alimentiert, dann steigert das höchstens den Preis, den der Oiltrust für Abnahme der Quellen und Rafsinerien anlegen mutz. Weiter nichts I Auf jeden Fall ist Deutschland auf den Bezug amerikanischen Oels angewiesen und dem Trust kann es nur angenehm sein, wenn er nur mit einem Abnehmer zu tun hat. Dem kann er leichter als der Masse der Konsumenten, die einzelnen mit der Konkurrenz zu „drohen" vermögen, die Preise diktieren. Wenn der Trust die Summen, die der Kleinkrieg gegen die Konkurrenz verschlingt, un- mittelbar für die Eroberung der östexreichischungarischen Petro- leumindustrie einsetzt, dann kommt er sicherer und schneller— mit Hilfe der Deutschen Bank— zu dem Ziele der Weltherrschaft. Die Amerikaner und deren Verbündete hätten demgemäß alle Ursache, den Plan eines Reichspetroleuminonopols zu fördern. Sie könnten die Väter des Gedankeüs sein. Allerdings, ein Reichsmonopol könnte dem Oiltrust doch ge- fährlich werden. Daß ein solcher Plan besteht, ist nicht ausge- schlössen, aber die Konsumenten würden dabei nicht gewinnen. Die Agrarier sowohl, wie die Äohlcnproduzenten haben ein sehr grotzes Interesse an einer über den heutigen Petroleumzoll weit hinaus- gehenden Verteuerung des Erdöls. Eine stärkere Belastung des Petroleums soll dem Brennspiritus, dem Leuchtgas und der Elekz trizität künstlich die Konkurrenzfähigkeit stärken und diesen Er- Zeugnissen einen grösseren Absatzmarkt verschaffen. Dass mit solchen Plänen den Konsumenten gedient sei, vermögen wir nicht einzu- sehen. Und solche Pläne ständen in diametralem Widerspruch zu der für ein Reichspetroleummonopol vorgeschobenen Begründung. Eine Uebervorteilung der Lichtverbraucher wird nicht verhindert, dafür aber werden die Konsumenten zugunsten anderer Kapftalisten noch stärker belastet. Die technische EntWickelung im Beleuchtungswesen würde gehemmt zum Schaden der Gesamtheit, wenn man die Kon- kurrenz des Erdöls künstlich unterbinden wollte. An sich kann man dem Plane eines Reichsmonopols sicher zu- stimmen, über es darf kein Instrument werden, das sich in Wirk- lichkeit gegen die Interessen der Konsumenten richtet, das diesen unverhältnismässig mehr schadet, als es den Produzenten Vorteile bringen kann. W. D.. 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Operette i. 3 Akt.(4 Bildern) t>. Mb. Nack. Mus. v. Fil. de Cristosaro. Volksgarten-Theater Tonntag, den 16. Juli: Heute ueues Urogramm! lZrstin Eirnllla Tiretta. Ann) Beliini, Les Orselios. The Original Bartsris Fritz Brinner. Lorbeerbaum und Bettelstab. Schauspiel in 3 Akten von Gutzkow. 8 Uhr: Die üraniseo Spezialitäten 8'/, Uhr: En semble- G oetspl el Harry Waiden in Skia Herzeusjuuge. Vaudevllle mit Ges. u. Tanz In 2 Akt. von A. Neidhardt und R. Schanzcr. Musik von W. Kollo._ Alt-Koablt 47)48. Sonntag, den 16. Juli 1911: Ueues Urogramm! Theater uuh Speplitäteu. Anfang des Konzerts 5 Uhr, der Bor« stellnng« Uhr. Nach der Vorstellung: Tai«. Jeden Montag: Lustige Säuger. -Fancptihuin. Die Keger- Kiesin Abomah, die größte Frau, die je gelabt. Alles ohne Extra-Entreel MetfopolTheatar. Kiheit fltniilitri(idj! Operette In 3 Akten von I. Freund. Musik von Rudolf Nelson. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet, Koacks Theater. Direktion: Robert Dill. Berlin N., Brunnenürasze 1#.• Ein GlUskerl. kKZMW Oie Verlobung bei der Laterne. vorzüglichen Spezialitäte». Anfang 5 Uhr. Bei Mchtem Wetter ist Cotk Urania. Wissensohaftlichea Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Helgoland im Wechsel der Zeit. Montag 8 Uhr: Im Lande der Mltternacbtssonne. LOCISCHER GARTEN &f onnt.fl0 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Ab nachmittags 4 Uhr: Gr, Militärkonzert. (3 Kapellen). Morgen sowie täglich: ZllIlttlr.D«pp«l.l!«»«ert. Volgt-Tluvfilvr Gesimdbrunnen, Badstraße 58. Sonntag, den 16. Juli: Gdliikllc Jugend. Gr. Lebensbild m. Ges. u.Tanz i. 3 Akt. Rene erstklassige Spezialitäte». Kasseneiössnnng 2, Ansang 4 Uhr. Puhlmanns Theater Schünhauser Allee 148.. Heute und folgende Tage:. Große Gala-NorsttDuug der nenengagierten Spezialitäten. Nach der Vorstellung im II»II großen Theatersaal: Sensationelle Attraktionen! Johnstowns Untergang, Calro, Lacbhaos, Hippodrom> Lehmann, Tanagra• Theater, Teufelsrad, Moulin rouge, Gebirgsbahn, Wasserrntschbabn, Mon Plaislr u, v. a. Eintrittspreis 50 PI. Am Sonnabend, den 22. Julis Pracht- Frontfeuerverk. Oia auserlesenen Attraktionen! LA TORTAJADA. Die 7 Korlnnas, klassische Tänze. KnafmannB Lady cyclo tronpe. He Bio. Charles Barons Burleske- Menagerie. Tschin Bacs 8 heil. Chungusen und eine Kette hervorragender KunstkrSfte! Folies Caprice. Täglich 8-/. Uhr: Parisiana-Ensemble. 3 Frauenhüte. Tie letzte Nacht. Gin Je»fter z« vermieten. Tas Strumpfband. BefehshsIIen-Ihealer. Gastspiel JfM' MN m my 1, August__ Wtederbegin« der Soireen der 8tettlaer Shagrer. mit seiner berühmten Herrengesellschaft. Anfang wochent. H Uhr, SoUntags 7 Uhr. OSE=THEATE Große Frantsurler Str. 132. 1 Täglich: Ansang 8'/. Uhr. Kasernenluft. Auf der Gartenbühne: Es gibt nur ei» Berlin.— Große Revue Max KU eins Hummer-Theater Rudolf Krüger, Hasenh-ide 13—15. 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Festsäle SfiF" Koppcnstr. 36"Mg 48UI>* Eröffnung! nebst Bier-Tunnel b la Krag am 36"Mg 1. September er. G. Grauroanusreftfäle und Garten Theaterbühne. JtatttiyttSfc. 27. S Kegelbahnen. r Achtnng, Vereine! Sonnabende und Sonntage Ikn _ August, September und Oktober noch frei!_ 4605g* Excelsior-Liclitspielhaus, WM | Pielke als Ge werbe! nspekfor, Istrierte Woebenioehl Norma. Historisches Drama. | Roritz will sich verhaften lassen. Der neueste Sensationsfilin Frau Potipliar Hodernee Drama. Der eifersüchtige Müller.| Bilder vom Qardasee. Die Stenotypistin, Lustspiel a, d. Amerikaiüschea| Tontoiini als Jäger. ------ Tonbild.= Moabiter Winfergarfen Artussliot Periebergar Str. 26, Stendaler Str. 18 Direktion: Karl Pirnau. Sonntag, ben 16, Juli: neues Urogramm B8msnv!f-Iruppe. lisb8on, der Kopfliülftr un kl dTkfkB anbere. KtzWrt l Ulk AsiMitsg Ur. aurgltzesler-IIIllo»üS keÄZlle. Löle für Hoohreiteu u. Vereins- vergnügen. 4 hocheleg. Kegel- bahnen. Rudolf Rerz. 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Jeden Sonntag: Groll«, Spezialitäten• Vorstellung(Paul Jeschecks Ensemble), Entree srei.Prog. pro Person 10 Pf.— Jede» Montag: RofTmann» Ganger.— Jeden Frei t Wm" Elysinm Landsberger Allee 40-41. Täglich: Erstklassige Theater. und Spezialitäten-Zjorstcllungcn. Kaffeekochen'/, Liter 40 Ps. liprpiflpt Mew Saal u. Garte» Htklllllk» ist an Sonnabenden im Juli-September mit Spezialitäten zu Sommerfeften zu vergeben.* Alhambra Vallner-Theaterstraße 15. ii!«»or, Elisabelhkirchstr. 14. Filiale III:„iZeteerksedaitshuu»", Engeluser IS(Saal V> TageS-Ordnung: 1. Kassenbericht vom II. Quartal. 2. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwarten IM« OrtuverwaUnmew. Verband der Capezierer. Filiale Berlin. Mittwoch, den 19. Juli 1911, abends»>/, Uhr, bei Wendt, BeuthstraSe 21: Quartals- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht de» Vorstandes und deS Kassierer». 2. Bcschlußsassung über die Gründung einer Sektion der Magazlnpolslcrer. 3. Wahl der Milglieder zum Kuratorium de» Arbeitsnachweises. 4. BerbandSangclegenheiten und Verschiedene». Mitgliedsbuch oder Arbeitslosentarte legitimiert. 178/1»__ Ortsverwaltnnif. Neu! Dampfer-Eitrafahrten mit Musili. Diese Woche Montag. Mittwoch u, Freitag die Havelse«» nach dem idyllisch gelegenen splatt Döberiy. durch Krampnistsee am Druppenüdungsplast nach Itr«iilp>»tt-, schöne Umgebung. DienStag und DonnerStag nach Zisailt«, It»n>ei'-«etii»ns!«. Abfahrt: Beelin, ksiahstagHatse, an der Marschallbrütke: vormittag» 9 Uhr, von Charloilsniiurg, Tegelerwog, nahe Bahnhof iungfarnhelde:•*/, Uhr. ......— Fahrgeld hin und zurttok 80 Pf., Kinder 40 Pf.-------------- Außerdem von der OltoidbMiiindi'tiek«, Falckensteinstraße 49: Diese Woche, außer DienZlag, tägl. nach HVoltoi-Gckoi'rSr Md,!«»««, hjti-undpi'aoieaaa«. Freitag nach W>riiv«Iortei' Schleuse, nahe den Gosener Bergen. Absah rt vorm. 9 Uhr und nachm. 9'/, Uhr. -.... Fahrpreis hin und zurück 50 Pf.. Kind 2t Ff. Reederei Kieek, Fallfenstcinstr. 48. Fernspr. Amt 4, 8197. iilinami 1 1 II B9 Karl L'udwlK 1 1 II V I göpenicker Landstraße empfiehlt sich den geehrten vereinen. Gewerkschaften zur Ab- Haltung.von Sommersesten, Ballsestlichkeiten, Hochzeiten usw. Verschiedene Sonnabende sind in den Monaten August, September, Oktober, November noch frei. Kranken- nud niirt gtmrblllhfll Arbtitrr ftr Slhöneberg vnd Kerlin. (S. tz.4k. 115.) Sonntag, den 23. Juli ISll, vor» mittag» 9 Uhr: General-YersammluDi) in Grosser»»Neue RathauSsäle", Meininger Straße 8(Tunnel). Tagts-Ordnung: 1. Bericht der Delegierten der beiden Kongresse der Krankenfassen. 2. Vor» besprcchung über die zukünstiae Ge» staltung unserer Kasse. 3. Halbjähr» licher Kassenbericht. 4. Verschiedene Kassenangelegcnheiten. Mitgliedsbuch legitimiert l Um zahlreiches und pllnftllche» Er» scheinen der Mitglieder ersucht Ter Borstand. 292/20* J. A.: G. Jaenicke. und LegräimiÄei'ein Irlieiter zu Berlin. Sonnabend, den 22. Infi 1911, abend» 8'/, Uhr: General-Vefsammlaiig im Dresdener Garten. Dresden« Str. 45. TagiZordnung: 1. Rechnungslegung pro 2. Quartal 1911. 2. Mit- teiwngen deS Vorstandes. 3. Ver- schicdene». ÄS/5 Zahlreichen Besuch erwartet Oer Torstand. I. A.: Fried. Freudenreich, S. 59, Wißmannstr. 30 II. SozialderaoMseher Mhereta für den IT. Berliner F.eicbstags-�ablkreis Dienstag, den 18. Juli 1911, in der Konkordia, Andreasftr. 94» Vsneeal-VsessmmSunV» 220/8» TageS-Ordnung 1. Aufstellung der Kandidaten zur Vorstandswahl. 2. Antrüge. Der Towtend. deutscher Metallarbeiter'Verband. 1 Vcnvaltnngss teile Berlin.=== Arbeitsnachweis: Hof I. Amt III, 1239. CharitSftraste 3. Hauptbnrea«: Hos lll. Amt III. 1937 Dienstag, dt« 18. Juli, abends 8 Uhr. im großen Saal der Kranerei Friedrilhshain. Am Friedrichshain IS/SS: Versammlung sUer d> Um Nsengiepereim Berlins und Umgegend beschästigten Former und Benifsgenossen. TageS-Ordnung: i. Sind die Vereinbarungen von 1897 und 1994 verbesferungsbedürfkig? 2. DiSfusston. 120/3 --------------- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.-------------- Auch Mitglieder anderer Organisationen haben gegen Borzeignng ihres Mitgliedsbuches Antritt. Dl« Ortsverwaltiug. Bangenossensclialt„Turnerheinr Angetragene Genossenschast mit be« schranfter Hastpslicht Liquidation. Liqutdatlonö-Bflanz Aktiva Passiva 59,35 Kassa-Konfo. 1273,75 Bank-Konto. Reservesond»..... 128,07 Konto pro Diverse. 320,50 150,— Ldeal-Konto. Geschästsanteilkonio 1587,33 500,— Darlehn.Konto. 47.90 Verl.- u. Äew.-Konio_ M. 2031,00 de» der 2031,00 M. Mttglieberbewegnng. Mitgliederzahl am Ansang ÄeschastsjahrcS und zur Zeit Liquidation 43. Da» GeschSstsauthahen betrug am Ansang de» Geschäftsjahres..... 1728,51 M. zur Zeit der Liquidation 1683.33 Abnahme 143.18 M. Die Haftsumme betrug am Ansang des GeschiistsjahreS und zur Zeit der Liquidation 5900 M. Zur Beachtung! Da die vorstehende Genossenschast durch Beschlüsse der Generalversamm- lungen vom 18. Mai und 29. Mai ihre Auflösung beschlossen hat, fordern wir etwaig« Gläubiger aus, fich zu melden. Zu Liquidatoren sind Unter- zeichnete gewählt. 108/10 Max SchSnberg, Rixdorj, Knesebeckstraß« 104. Otto Klein. Rixdvrs, Prwz-Handjery-Sw. 44/45. Orts-Krankenkasfe der r und verwandten Gewerbe. Einladung der Delegierten zur aufter« ordentlichen General-Bersamm- lung am Frestag, den 21. d. M., abends 8-/, Uhr, in den Arminhallen, Kommanoantenstraße 57/58. TageS-Ordnung: 1. Anderweit« Beschlußsassung der in der Generalversammlung vom Ok- tober 1910. gesaßten Beichlüsse. 2. Die RuhegehaltSverhäintsse de» früheren Rendafiten. 3. Beschlußsassung über den An' an den.Zentralverband von Ott»« frankenfassen im Deutschen Reiche.' 4. Berichte von Kongressen und Kow serenzen. 5. Verschiedenes. 277/10 Der Vorstand. I. A.: Georg Dorsch, Vors. Steinarbeiter! Mittwoch, den 19. Juli 1911, abends 8Vz Uhr, in den Arininhallen, Komuiandantenstr. 58/69: Generul- Uersammlung TageS-Ordnung: 1. VierfeljahrSbericht.- 2. Gewerkschaftliches. Noch nicht abgegebene Statistiken find mitzubringen. Die Ab. stempelung über die bereits erfolgte Abgabe geschieht ebensalls in der Ber- sammlung. 172/3» Kollegen l Sorgt für allseitige Abgabe der Statistik und für guten Versammlungsbesuch. Die OrtSverwaltung. Vorband der Sattler imd Portefeuillor. Ortuverwaltang Berlin. Mittwoch, deu IS. Juli, abends 8'/, Uhr. in de« Armin-Hallen. Kommandant cnftr. 58/59: txen erat- Vers ammlnng:. TageS-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Bericht und Abrechnung vom S. Quartal 1911. 3. Berichterstattung vom Dresdener Gewerkschaftskongrest. 1. Verschiedenes. DUnv mtglledubach kein Zutritt. Zahlreiches Erschaue« da Äitglledu«wartet 157/0 Di« OrtSverwaltung. SnÄsIdemekrsliselier Mkerein Charlottenburg. Dienstag, den 18. d. Mtö.. abends 8'/, Ilstr. im grosten Saale des«olksliauseS. Rofinenftr. 3: General-Vers ammlung Tages-Ordnung: 1. Vortrag: Et» neues Ausnahmegefest? Referent: Redaftuir Genosse Georg Schmidt. 2. Kassenbericht vom 4. Quartal 1910/11. 3. Bericht des Vorstandes und der Funltionäre. 4. Reuwahl deS V ftandes und der Funftlonäre. S. Verschsedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet Reuwahl deS Vor- 250/13 Der Torwtand. ttr irtiltr-W Zahlstelle Berlin. Bezirk Weißensee. Montag den 17. Juli, abends SV, Uhr, im„Prälaten", Lehderstraste ISS: Milgliedn-Nnsniiiiiilmig nllcr Kmchen. TageS-Orduune 1. Vortrag des VerbandsredakteurS Kol btesjährigett Gewerkschaftskongrest. 2. Ersatzdelegierten zur Generalversammlung. Kayaer über 8.«Bichl den von Tischler, Bezirk Norden. Gosenthaltt und Schönhauser Dorstadt.) Montag, 17. Juli, abends G'U Uhr(gleich nach Feierabend) WtgUeüer-Vsrssmmwng bei Obiglo, Schwedter Str. SZ. 1. Vortrag über Generalversammlung. .Streitrecht der Arbetter". 3. Verbandsangelegeicheiten. 2. Bericht von der Bodenleger. Montag, 17. Juli, abends 9 Uhr, im GewerkschaftShaus, Engesuser 15, Saal 1: Versammlung. Stellmacher. Mittwoch, den 19. Juli, abends S1/, Uhr» Oeffenttiche Versammlung aller in Jnnungsbetrieben beschäftigten Stellmacher im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11— IS. Tage». Ordnung: 1. Wie habe« sich«nlere Lohn-»nd«rbettsverhältniffe seit 100« geändert«nd wie sind dieselben zu bessern? 2. Bericht üb-r Lohnbewegungen in unserer Branche im lausenden Jahre. 3. Arbeits- nachwelS und Verschiedenes. , Artikel tUr Kinder-, Sommer- und Yerelnsteste! Zufflaternen, Stooklatemen etc. Ballonlaternen, Girlanden, etc. Artikel i. Tombola, Artikel f. Laubenkolonien. Verlangen Sie Sommerkatalog 1911. Billlgtie Bezugaquellol □ Riesenauswahl! Versandhaus M. Liemann Berlin C. 25, Prenzlauer StraBs 46 V.* Restaurant„Röntge ntal" (Stettiner Bahn) Inhaber Aug. Lauge 8 Mnute» vom Bahnhof. Herrlicher Garten, Kegelbahn usw. Saal 109 Personen fassend. Allen Vereinen und Parteigenossen bestens empsohleu. Wasserparzellen 1 Neu! von 200 M. an. Neu! Idyllisch gelesen, ca. 30 km 1 östlich von Berlin, See-, I Wald-, Fließ- u. 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Abwechselungsreiche Bilder werden uns bei einer Wände- rung durch die stattlichen Forsten, die sich am Ruppiner Kanal von Kremmen nach Oranienburg hinziehen, geboten. Frühmorgens mit dem Zuge 6.46 Uhr fahren wir vom Stettiner Bahnhofe hinaus nach Schwante(IV. Kl. 0,70 M.). Vom Dorfe wandern wir östlich durchs Feld, in dem der Roggen jetzt in Reife steht, dem Walde zu.— Bald taucht, von dunklen Kiefern umrahmt, das Schloß Sommerswalde vor uns auf. Der erst vor einem Jahrzehnt hier erstandene Herrensitz zeigt wenig von dem stillen Wesen sagenhafter Waldschlösser. Hinter dem Schloß folgen wir dem ersten Gestellwege, der von der Straße links in nördlicher Richtung abzweigt. Im prächtigsten Walde wandern wir dahin. Wie kerzengrade Säulen steigen die graubraunen Stämme des stattlichen Kiefern- bcstandcs hinauf zu den dunkeln Nadelkronen. Dazwischen mischte sich abwechselungsvoll das grüne Laub von Buchen und Birken mit denen die Forst durchsetzt ist. Weithin überziehen Beerensträucher voll von schwarz- blauen Früchtchen den moosigen Waldboden. Dann begegnen wir wieder buschigem Unterholz und breitfächerigen Farren kräutern. In einer Talsenkung geht's durch ein Erlenbruch, deS von langen, verschilften Gräben durchzogen wird. Blaues Vergiß meinnicht blüht an den Wegrändern und buntschillernde Libellen treiben über dem Wasser ihr fröhliches Spiel. Bergauf, bergab zieht sich der Weg weiter durch Herr liehen Hochwald bis zum Ruppiner Kanal— hier am Waltv säume liegt das Forsthaus Döringsbrück und jenseits des Kanals blicken wir weithin über die bunten Wiesen und Felder von Hohenbruch. Im Walde führt uns da«« ein hübscher Pfad stellenweise durch nahezu mannshohes Farnkraut zur Schleuse, bei der wir den Kanal überschreiten. Nach einer kleinen Rast beim Schleusenwirt ziehen wir weiter und erreichen etwas östlich wieder den Wald. Auf schmalem Fußwege wandern wir dahin. Bald mündet unser Pfad in eine breite Fahrstraße, auf der wir zu Seilers Teerosen gelangen. In der idyllischen Waldschänke erfrischen wir uns noch einmal und folgen dann dem munteren Laufe des Fließes, das uns bald an den Rand des Waldes bringt. AuS den von dunkele» Wäldern umsäumten Wiesen- gründen tauchen im Hintergrund die Türme von Oranienburg auf. Durch die abendliche Landschaft wandern wir dem alten Städtchen zu und treten reich an Eindrücken die Rückfahrt an. Die Dommerferienspiele der Gemeindrschulkinder finden, wie in den Vorjahren auch jetzt während der Sommerferien allwochentäglich auf den städtischen Spielplätzen im Plänterwalde, in Warten- berg.Buch.Blanlenfelde und im Grunewald« statt. Für Hin- und Rückbeförderung und Verpflegung find 20 Pf.(Buch 30 Pf.) zu bezahlen. Minderbemittelt« zahlen nur 10 Pf, Unbemittelte werden frei mitgenommen. Die Kinder spielen unter Aufsicht von Lehrern und Lehrerinnen und haben auch Gelegenheit im Freien die Erholungsruhe zu pflegen. Sie erhalten Milch, Suppe und Backware. Der Besuch ist steiwillig, bei den Kindern aber sehr beliebt. Der Besuch ist im allgemeinen ein guter; wenn man jedoch bedenkt, wie vielen taufenden Ge- meindeschulkindern eS nicht möglich ist, bei Verwandten oder an sonst einem herrlichen Kurort Erholung zu suchen, so müßte die Be> teiligung an diesen Spielen eine weit stärkere sein. Am gestrigen Tage hat das Mitglied des Kuratorium« Genosse Dr. Bernstein den Spielen beigewohnt, und dabei eine schwächere Beteiligung der Kinder gegenüber dem Borjahre wahr- genommen. Wir machen daher die Eltern erneut auf die der Erholung und Gesundung der Kinder dienenden Spiele im Freien aufmerksam und ersuchen sie, ihre Kinder in den Ferien nach einem ihrer Wohnung bequem erreichbaren Spielplatz zu schicken. Nochmals: Die Muh-Begeisterung für die Jahnfeier. Bor der hurrapatriotischen Jahn-Hundertjahrfeier, die im Juni zur höheren Ehre der.deutschen Turnerschaft" veranstaltet wurde, teilten wir mit, daß in Fachschulen der Berliner Korporation der Kaufmannschaft auf Schüler ein mehr oder minder starker Druck ausgeübt worden war, um auch sie zur Beteiligung an der Feier anzuhalten. Jetzt wird in der Zeitschrift»Tie Fortbildungsschule", die als Beilage zur Pädago- gischen Zeitung erscheint, über den Erfolg berichtet, den die Schüler dieser Fachschulen sich bei der Jahnseicr geholt haben. Auch in den Pfltcht-Fortbildungsschnlen der Stadt seien, so lesen wir da. die Turnabteilungen zur Beteiligung an jener Veranstaltung .ermuntert" worden. AuS ihnen habe man etwa 300 Schüler zu- sammengebracht, viel stärker aber seien die Schulen der Kaufmann- schaft vertreten gewesen, mit 1200—1500 Schülern. Diese Beteili- gung sei um so mehr aufgefallen, da in den Schulen der Kauf- Mannschaft gar kein Turnunterricht erteilt wird. Man hatte sich hier in der Weise geholfen, daß mehrere Wochen hindurch die bei der Feier vorzuführenden Freiübungen mit den Schülern i n aller Elle notdürftigst einexerziert wurden und zwar unter Benachteiligung des übrigen Unterrichts. Was aber wurde erreicht durch diese spaßige Treibhausaufzucht von .Turnern"? Dem obengenannten Blatt wird hierüber gemeldet: „In dem glänzenden Festzuge fielen diese Fortbildungs- schüler leider gänzlich auS dem Rahmen heraus, weil sie keine einheitliche Turnerkleidung trugen. Noch mehr zu bedauern war eS vom Standpunkt der Schule, daß sie auch beim Schau- turnen mit den besser geschulten Turnern den Vergleich nicht aushalten konnten. Es wäre besser gewesen, sich an der Schau- stellung nicht zu beteiligen. Wenn es aber aus irgendwelchen Gründen durchaus sein mußte, dann hätte eine kleine, aber gut eingeübte und gleichgekleidete Schar dem Ansehen der Schule mehr gedient, als die großen Massen, die in dem Festzuge und beim Schauturnen wie ein Fremdkörper in einem wohlgestalteten Organismus wirkten." Auch manche der jungen Leute, die man zu der v e r u n- glückten Schaustellung benutzte, dürften das Bla- mable der Situation empfunden haben, in die sie durch Schuld der Schule gebracht worden waren. Daß es besser gewesen wäre, den Kaufmannsschulen und ihren mußbegeisterten.Turnern" diese Situation zu ersparen, wird inzwischen vielleicht auch den maßgebenden Persönlichkeiten klar geworden sein. Feststellen wollen wir übrigens, daß in der Zeitschrift.Die Fortbildungs- schule' der von der Leitung der Kaufmannsschulen begangene Mißgriff nur vom Standpunkt des Turners aus beklagt wird. Mit nicht einer Silbe wird Kritik geübt an den.irgendwelchen Gründen", aus denen.es durchaus sein mußtet Der Magistrat hat an Professor Reinhold Begas zu seinem gestrigen 80. Geburtstage ein längeres Glückwunschschreiben gesandt, in welchem des künstlerischen Schaffens des Jubilars in dankender Anerkennung gedacht wird. Zu dem KindeSmord am WciniergSweg, über den wiederholt berichtet wurde, wird noch mitgeteilt: Die Leiche des kleinen Schutz- inannssohnes Walter Fügner wurde gestern nachmittag von den Gerichtsärzten Medizinalrat Dr. Stürmer und Dr. Stauch genauer untersucht. Die Obduktion ergab, daß Frau Fügner dem Kleinen nicht„ur Opium eingeflößt, sondern auch vergifteten Weizen zu essen gegeben hat. Frau Fügner, die nach der Tat mit aufgeschnittenen Pulsadern im Grunewald aufgefunden wurde, nachdem sie wahr- scheinlich auch eine größere Menge Opium genommen hatte, liegt im Krankenhause zu Groß-Lichterselde noch schwer danieder. Die Kriminalpolizei hat sie noch nicht vernehmen können. Ein tragischer Borfall ereignete sich am Freitag nachmittag vor den Augen zahlreicher Zuschauer bei Oberschöneweide. Dort badete gegen 2 Uhr der 26 jährige bei den Ostbahnen beschäftigt gewesene Arbeiter Karl Peschke in der Spree. Als er sich ziemlich in der Mitte des Flusses befand, verließen ihn die Kräfte und er versank in den Fluten. Der Arbeitskollege des P., der 27 Jahre alte Wilhelm Pescheke, der Augenzeuge des Vorfalls war, sprang in voller Kleidung in das Wasier und schwamm zu der Unfallstelle. Als er hier mehr- nials vergeblich tauchte, um den Untergegangenen zu fassen, erlitt er wohl infolge der großen Anstrengung einen Herzschlag und ver- schwand plötzlich lautlos in den Fluten. Inzwischen waren mehrere Ruderboote herbeigeeilt, deren Insassen wiederholt tauchten, ohne jedoch Rettung bringen zu können. Die Leichen der beiden Er« trunkenen konnten bisher nicht geborgen werden. Aus dem Müggelsee gelandet wurden die Leichen der beiden am letzten Sonntag zu gleicher Zeit ertrunkenen Personen. Während, wie wir bereits berichtet, Donnerstagabend die Leiche des Schneider- meisterS Felz am Nordufer der Müggel angetrieben und von Fischern aufgefunden wurde, konnte am Freitagvormittag auch die Leiche der Illjährigen Schülerin Herta Burger in der Nähe des Biologischen Instituts geborgen werden. Beide Leichen sind zur Beerdigung freigegeben und von den Angehörigen nach Berlin übergeführt worden. Ein Opfer seines gefahrvollen Berufes ist am Freitag der 29jährige Bahnarbeiter Paul Wernicke aus der Romintenerstr. S ge- worden. W. war am Nachmittag auf dem Ostbahnhof in der Warschauer Straße damit beschäftigt, einen Güterzug zusammenzu- koppeln. Dabei geriet er zwischen die Puffer eines stehenden und eines von der Lokomotive abgestoßenen Waggons. Auf der nahen Unfallstation in der Warschauer Straße, wohin der verunglückte so» fort geschafft wurde, stellte der Arzt fest, daß der Rangierer mehrere komplizierte Rippenbrüche, sowie schwere Ouetschungen der rechten Brustseite und des Unterleibs erlitten hatte. In sehr bedenklichem Zustande wurde W. nach Anlegung von Notverbänden nach dem Krankenhause Friedrichshain übergeführt. Der Verunglückte ist ver« heiratet und Vater dreier kleiner Kinder. Von einer gewissen politischen Richtung«»gekrSnkelt. Unter obiger Spitzmarke brachten wir in Nr. 160 de».Vorwärts" vom 12. Juli ein Inserat der.Vossischen Zeitung' zum Abdruck, worin einem gesunden, kräftigen, jungen Mann au« achtbarem Elternhause, der geschickt und fleißig und nicht schon von einer gewissen politischen Richtung angekränkelt ist, per sofort oder später Gelegenheit geboten wird, in einem vornehmen GroßkaufmannShause CharlottenburgS Beschäftigung als Hilfsarbeiter auf dem Hofe, im Garten, in den Pferdeställen, bei den Pferden selbst, im Kontor und Lager d«« Fabrikgebäudes sowie in der Villa deS Chefs zu finden. Station— Wohnung und Kost— sollte der junge Man« im Hause haben. Bewerbungen mit Lebenslauf, hieß«s am Schluß, sind an Hinz u. Küster, Charlottenburg 2, zu richten. Ein Spaßvogel hat sich nun mit folgender Offerte an die Firma gewandt: Ich nehme gefälligst Bezug auf Ihre werte Annonce, ob besagter Posten noch offen ist. Bin evangelischer Konfession, 27 Jahre alt. Reserveoffizier und entstamme einer alten angeschenen Adelsfamilie. Meine Beschäftigung ist im Sommer Schneeschippen, im Winter ver- golde ich die Kirchturmspitzen; habe auch Pferdeverstand. Da ich ein Semester Botanik studiert habe, eigne ich mich auch für die Pflege Ihre» Gartens vorzüglich. Bitte höflichst mitteilen zu wollen, ob zu meiner Beschäftigung noch gehört. Ihre Frau Gemahlin spazieren zu führen. Sie könne» überzeugt sein, daß ich alle politischen Erkrankungen Ihrer Frau Gemahlin verhindern würde. Ich selbst bin politisch ganz gesund, nur habe ich im fünften Jahre meines Leben» die Masern und Windpocken gehabt, von denen ich aber Gott seiS gelobt ge- nesen bin. Da ich anderwärts bereits mehrfach vomotiert bin, bitte ich hös« lichst um Ihren baldgcfälligen Bescheid. Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst Freih. v. Schiller. Stilistik, sowie die Art des Bewerbungsschreibens deuten wohl nicht darauf hin. daß sich ein leibhaftiger Freiherr hinter dem Schreiber verbirgt. Hier scheint vielmehr ein Arbeiter seinem derben Humor über die Anmaßung der Firma, durch ein so unverschämtes Inserat einen Hausdiener zu suchen. Ausdruck gegeben zu haben. Die„Badcaffärc" in Potsdam, deren üblen Ausgang durch Er- trinken des DieusimädcheiiS wir gemeldet haben, dürfte ein straf» rechtliches Einschreiten gegen de» unbeauftragten Schwimmlehrer zur Folge haben. Wie gestern mitlag aus Nedlitz berichtet wurde, ist im Bornimer Grunde die Leiche deS 20jährigen Dienstmädchen» Franziska Poledinck gefunden worden. Der zuständige«mlsvorstehcr wird die Leiche nn Interesse der Untersuchung beschlagnahmen. Die als Zeugen in Frage kommenden Kinder behaupten nach wie vor, daß lediglich durch das Dazwischentreten deS fremden Herrn, eincS Obermaschmisten. dessen Name von der Polizei geschont wird. daS Unglück passiert ist. Ohne Veranlassung dieses Herrn hätte sich das Mädchen niemals in daS Gewässer hinausgewagt, da eS deS Schwimmens durchaus unkundig war.— Wie weiter berichtet wird, wies die Leiche des Mädchens am rechten Oberarm drei 5Zenti- meter l a n g e st i ch a r t i g e Berletzuiigen auf, während am Hasie mehrere Kratzspuren zu sehen waren. Ein schwerer Unfall ereignete sich gestern vormittag auf dem Schlesische» Güterbahnhof. Dort war der Dachdecker Paul Graf. Oudenarderftr. 39 wohnhaft beschäftigt, einen Güterschuppen mit Teer- pappe abzudecken. Plötzlich verlor der Arbeiter das Gleichgewicht und rollte über das schräge Dach hinweg. Es gelang ihm zwar. sich an der Dachrinne aiizuflammern und dort einige Minuten fest- zuhalten. Ehe ihm jedoch Hilfe gebracht werden konnte, verließen lhn die Kräfte und er stürzte auf den gepflasterten Hof hinab. G.. der einen Schädelbruch, Gehirnerschütterung und einen«rmbruch erlitten hat. wurde nach der Unfallstation Warschauer Straße und von dort nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht. Unbekannt gestorben ist ein Mann von etwa 50 Jahren, der in der vergangene.. Nacht zwnchen 127, und 1 Uhr im Tiergarten nahe �.Brandenburger Tor, im«hornsteig, bewußtlos aufgefunden würbe. Der Hilflose starb schon auf dem Wege nach der Charitü. em Arzt dort den Tod festgestellt hatte, wurde die Leiche nach dem Schauhause gebracht. Der«erstorbene hat einen kurze«, etwa» ergraulen Schnurrkart und ein volles Gesicht. An der rechten Hand fehlt ihm der kleine Finger. Sein Hut ist P. F. gezeichnet. Ei» schwerer Straßenl-ahnunfall ereignete sich am gestrigen Sonnabend mittag gegen'/zl Uhr in der Ehausseesttahe. Dort Der- suchte vor dem Hause Nr. 76 die b jährige Grete Heller, Neue Hoch strahe 11 bei den Eltern wohnhast, vor einem herannahenden Stratzenbahnwagen der Linie 68(Richtung Lichtenberg) das Gleis zu überschreiten, wurde jedoch vom Borderperron erfaßt und geriet mit dem Kopf und dem Oberkörper unter den Schutzrahmcn. Mit Hilfe von Passanten wurde der Waggon angehoben und da« ver« unglückt« Kind hervorgezogen. DaS Mädchen, das schwere Quetschungen am Kopf und Oberkörper, eine 2Vj Zentimeter tiefe Wunde am Bauch und andere Wunden am Unterkörper erlitten hatte, wurde nach der Unfallstation Lindower Sttaße und von dort nach dem Rudolf-Birchow-ÄrankenhauS geschafft. Den Tod im Teltow-Kanal suchte am Freitagabend der in der Kochhannstraße 40 wohnhafte Putzer Hermann Trnbach. Kurz vor her befand sich T. noch in einem in der Nähe befindlichen Lokal. Um die angegebene Zeit sprang er dann plötzlich in den Kanal und ertrank. Seine Leiche wurde gestern früh an der Brücke im Zuge der Nudower Sttaße in Britz gelandet und von der Britzer Polizei- behörde so lange beschlagnahmt, bis der Tote rekognoSzlert werden konnte. Die Abkühlung der Temperatur ist auf eine Reihe von Gewittern zurückzuführen, die vorgestern in der Umgegend von Berlin her- niedergegangen sind und vielfach Schaden angerichtet haben. Bei Lichtenrade schlug der Blitz in einen aufgestapelten Kornhaufen ein; mehrere Feldarbeiter, die in nächster Nähe beschäftigt waren, wurden betäubt. Auf dem Besitztum des Rittergutsbesitzer» Moebus bei Rathenow traf ein Blitzstrahl einen Schuppen, der in Brand gesetzt und völlig eingeäschert wurde. Ein Einjährig- Freiwilliger verschwunden. An den Litfaßsäulen befand fich gestern ein Anschlag, der überall die Aufmerksamkeit der Ttraßenpassanten erregte. Der Anschlag lautet: Lieber Kurt I Komme ohne Sorge nach HauS. Deine Sache ist bereits erledigt. Auf Grund beigebrachter Atteste zweier Profesforen wirst Du als geistig nicht normal betrachtet und nach Aussage Deines Herrn Oberslleutnats völlig straffrei als militäruntauglich entlasten, wenn Du sofort zum Regiment zurückkehrst. Sogar die Knöpfe sollst Du behalten." Wie verlautet, handelt es sich um einen Einjährig-Freiwilligen namens Kurt Sch., der seil Frühjahr bei einem Beiliner Regiment diente, und vor etwa einer Woche verschwunden ist, ohne daß es bisher ge- lungen wäre, seinen Aufenthalt zu entdecken. Was den Einjährigen veranlaßt hat, fahnenflüchtig zu werden, ist bis jetzt noch nicht auf- geklärt. Im Wissenschaftlichen Theater der Urania gelangt der neue Vor- trag«Helgoland im Wechsel der Zeit", der durch zahlreiche farbige Bilder und Wandelpanoramen das Meer mit seiner großen, Wechsel- reichen Schönheit und die Insel selbst sowie das Leben und Treiben der so verschieden gearteten Menschen schildert, in dieser Woche am heutigen Sonntag, Dienstag. Donnerstag und Sonnabend zur Dar- stellung. Am Montag, Mittwoch und Freitag wird der Vortrag»Im Lande der Mitternachtssonne" wiederholt werden. Dem Zoologischen Garten ist kürzlich aus Kamerun eine wertvolle Tiersendung, bestehend aus einem prächtigen Guereza oder Seidenaffen. zwei dunklen Weißnasen- und einer Haussa-Meerkatze, «wem Potto, einem Zweifleck-Palmenmarder, einem Paar Zwerg ontilopen und einem jungen Leoparden, als Geschenk zugegangen, die alle in bester Berfassung hier eingettoffen und bereit« artgemäß ewgereiht sind. Sie stellen eine interessante Bermehrung der kolonialen Tiersammlung dar. Der junge Leopard treibt bereits mit einem hier gezüchteten jungen Löweu aus der Rasenfläche vor dem großen Raubtierhause sein Wesen. Vorort-JVacbricbteit. Schöneberg. Tie Familieutragödie in der Habsburger Straße, über die wir gestern berichteten, ist jetzt weiter aufgeklärt. Die Gerichtsärzte Dr. Strauch und Dr. Marx obduzierten gestern in Gegenwart von Vertretern des zuständigen Gericht» in der hiesigen Halle die Leiche de» Pförtners Hemke und bestätigten die Ansicht der Schöneberger Krimwalpolizei, daß Heinke sich selbst das Leben genommen hat, nachdem er seine Frau zu töten versucht hatte. Die Obduktion hat erwiesen, daß er mehrmals angesetzt hat, bis eö ihm gelang. die Pulsader der rechten Hand zu durchschneiden. Der Mann hat außerdem eine größere Menge Lysol zu sich genommen, da» nicht nur den Rachen, sondern auch die Speiseröhren und die Gedärme bis'/* Meter hinab ganz verbrannt hat. Luch der Befund der Frau, die im Krankenhause noch immer so schwer danieder liegt. daß sie nicht vernommen werden kann, läßt darauf schließen, daß Heinke der Täler war. Frau Heinke hat außer dem Schnitt am Hinterkopf auch einen Bruch der Schädelbasis erlitten. Ohne Zweifel hat ihr Mann ihr einen Schlag versetzt und sich dann, als sie bt wußtloS dalag, in dem Glanben, daß sie tot sei, daS Leben ge- nommen. Erwiesen ist. daß Heinke seiner Frau beständig nachstellte, um sie zur Rückkehr zu ihm zu bewegen. Da» Gericht schloß sich der Auffassung der Kruninalpolizet und der GerichtSärzte an. Rixdorf. Den Bock zum Gärwrr gemacht! Der Juwelier Schmidt in Rixdorf hat über seinem Geschäft seine Wohnung. Weil seme Frau fich augenblicklich in Warnemünde aufhält, so ging er vorgestern abend au«, um in einer Wirtschaft zu essen. Als er gegen 2 Uhr nachtS zurückkehrte, bellte sein Hund inr Laden. Schmidt sah aber nichts Verdächtiges und legte fich im Laden schlafen. Da der Hund später wieder anschlug, so stand er wieder auf und bemerkte nun, daß da« Tier nach der Decke stierte. Jetzt sah er auch ein Loch in der Decke, und bemertte, daß oben in der Wohnung Licht brannte. Er bewaffnete fich mit einem Revolver und ging hinau», um die Polizei zu holen. Einen Mann, den er vor dem Hause traf, bat er, einen Augenblick aufznpaffen, bis er wiederkomme. Als er aber zu- rückkehrte, war der Mann verschiounden und ebenso ein Wagen, der in der Nähe gehalttn hatte. Schmidt entdeckte jetzt, daß ihm Ein- brecher die Wohnung ausgeräumt und für 8000 M. Schmuck-, Wert- und Knnstsachen mitgenommen hatten, und daß der Mann mit dem Wagen, den er zum Wächter bestellte, jedenfalls für die Einbrecher Schmiere gestanden hatte I Zum Liebeddrama in der Söuigsheide. Die 20jShrige Verkäuferin Lina Schmidt, die bekanntlich von ihrem Geliebten, den, verheirateten Arbeiter Gustav Wtlutzki auS Rixdorf durch einen Revolverjchuß schwer an der Brust verletzt worden war, befindet sich jetzt, nachdem ihr Zustand lange Zeit hindurch zu schwersten Befürchiungen Anlaß gegeben hatte, auf dem Wege der Besserung. Nach Ansicht der Aerzte ist nunmehr eine Lebensgefahr beseitigt und die völlige Wieder- Herstellung deS Mädchens zu erwarten. Immerhin wird die Sch. noch mehrere Wochen im Britzer Krankenhause verbleiben müssen. Beim Sommerfest des WahlvereinS Rixdorf in der Vereins- brauerei ist eine Kindermütze, ein Damenschirm, ein Stock, ein Schlüssel und«in Notizbuch gefunden worden. Die Gegenstände können bei P. Fischer.«arlSgartenstr. 16, Hof 11 abgeholt werden. Adlershof. Sine außerordentliche dringende Sitzung der Gemeindeverttewng fand am Donnerstag statt. Es handelte sich hauptsächlich um die Erledigung der Mietsangelegenheit, welche die bürgerlichen Vertreter in der vorigen Sitzung rundweg abgelehnt hatten. Die soziale Ein- ficht der Herren war nicht so stark entwickelt, um eine jährlich 600 M. «tragende Mehrausgabe aa Miete für die drwgend notwendige Vergrößerung unserer AmtZräumlichkeiten bewilligen zu können. Wa« dieser Mangel an sozialer Ueberzeugung zerstörte, baute ein Zufall wieder auf. Der Besitzer der alten Diensträume steigerte plötzlich die Gemeinde von 1200 auf 1300 M. und der Eigentümer der neuen, erweiterten Räumlichkeiten ermäßigte sein ursprüngliche» Angebot von 1700 auf 1400 M. Nmimehr wurde die Vorlage ein- stimmig angenommen. ES wurde dann noch ein Schreiben unseres Genossen Hildebrandt verlesen, in welchem derselbe, wegen Verzug au« dem Orte sein Mandat und sämlliche Ehrenämter niederlegt. Die Ergänzungswahl Wird VorauSsichllich in 14 Tagen stattfinden. �ricdrichsfelde. Am heutigen Sonntag findet in Bürger» VolkSgarien ein vom Arbeiter-Radfahrerverein, Gesangverein Vorwärts Hl und der Freien Turnerschaft veranstalleteS LolkStest statt. Da genannte Vereine bei alle» Parteifestlichkeiten mitwirken, wird um regen Zuspruch ge beten. Um 3 Uhr nachmittags Korsofahrt durch den Ort. Friedenau. Während der großen Ferien finden jede Woche Dienstag, Mitt woch, Donnerstag und Freilag Ferienausflüge und Spiele im Freien unter bewährter Leitung und Aufficht statt. Treffpunkt: Rachmittags 2 Uhr Schillerplatz und Wilmersdorfer Platz am Feuerwehrhou«. Es können auch Kinder ohne Begleitung der Mütter daran teil nehmen. Trebbin(Kreis Teltow). Aus der Stadwerordnetenfitzung. Bei der Grenzregulierung deS neu angelegten Parkes wurde dem anliegenden Nachbar Herrn Karl Nieseler eine Zufahrsttaße durch den städtischen Park zugesagt. Der selbe soll aber«inen 1 Meter breiten Fußweg an der Grenze auf semem Grundstück liegen lassen bis der neue Park dem Pubklikum übergeben wird. Da dies nun geschehen ist, wurde dem p. p. Nieieler gestattet, durch die spitze Ecke des Parks den Weg auf sein« Kosten anzulegen und zu unterhalten. Die Abstimmung und Entschädigung über den Flächenaustausch an Herrn Fenger beim neuen SchulhanS mußte nochmal« vorgenommen werden, weil Herr Fenger daS erste Mal während der Verhandlung hierzu zugegen war. Hierauf ge- Heime Sitzung. Alt-Glienicke. In der letzten Gemeindeverttetersitzung wurde einstimmig be- schloffen, den beiden hier am Ort bestehenden Turnvereinen die Benutzung der demnächst fertiggestellten Turnhalle zu gestatten. Die Beschaffung einer Turnhallenuhr wurde abgelehnt. Bei der hierauf stattfindenden Schöffenwahl, welche unter Ausschluß der Oeffentlichkeit vor sich ging, wurde Genosse Rudolf Bartel an Stelle des ausscheidenden Rentier Thiele mit 7 Stimmen gewählt. abgegeben waren 13 Stimmen(2 Zettel unbeschrieben). Im zweiren Wahlgange wurde Rentier Parlenheimer mit 9 Stimmen von 15 abgegebeneu Stimmen wiedergewählt. Der Verpachtung des öffentlichen Anschlagwesens wurde zugestimmt. Zur Auf- stellung gelangen zunächst fünf Säulen, für die im ersten Jahre 125 M. an die Gemeinde gezahlt werden. Für jede weitere Säule werden nochmals 25 M. erhoben. Die SuSzahlung einer Veteranenspende an hierorts wohnende Veteranen in Höhe von 20 M. wurde in nichtöffentlicher Sitzung verhandelt und gegen die Stimmen unserer Genoffen bewilligt. Die Bewilligung war ja auch eine leichte, da die Herren, welche für die Spende waren, nicht in ihren Geldbeutel zu greifen brauchen, sondern die Gemeinde zahlen lassen. Unsere Genossen vertraten die Ansicht, daß eine solche Unter- stützung Sache des Staates und nicht der Gemeinde sei. Die Generalversammlung des hiesigen Wahlvereins beschäftigte sich im wesentlichen mit der Neuwahl des Gesamtvorstandes. Der- selbe setzt sich au» folgenden Genossen zusammen: 1. Vorsitzender Adolf Gerlach, 2. Vorsitzender Robert Borchard, Kassierer Karl König, Sckiriftsübrer Bruno WienewSki, Beisitzer Molkentin, Zeitungsspediteur Wilh. Dürre I. Revisoren: Bekan, Hauptmann und Dier, ZeilungSbeschwerdekommission: Hauptmann und Dier, Bezirk»- führer: Alb. Klein, Wiilwer, Herm. Klein und Nietner, LoLI- kommisfion: Heinr. Schulz, Herm. Hentschel, Bibliothekare: Bruno WienewSki, Max Hauptmann, Landagitation: Heinr. Schulz. Herm. Ritze und Wilh. Dürre 11 wurden zur Verbandsgeneralversammlung delegiert. Potsdam. Wozu die neue Anleihe von 1 780 000 M. destimmt ist. 1. Zum Erwerb des FlugplatzgeländeS mit V25 000 M.; 2. für Ankauf eine« an den Schulhof der V. Gemeindeschule angrenzenden Teils des Breiteftr. 26 belegenen Grundstücks mit 26 000 M.; 3. für Entwäffe rung der Neue» Luisenstraß« mit 114 000 M.; 4. für Erweiterung deS Wafferbafsin» auf Wafferwerk II mit 15 000 M.; 5. für Aut- dehnung der Wasserversolgung aus Gebietsteile des Kreises Zauch- Belzig mit 170 000 M.: 6. für Erweiterung der elektrischen Zentrale mit 805 000 M.; 7. Für Erweiterung deS KabelnetzcS in der Rich luug nach WilhelmShorst, Laiigerwiich und Michendorf mit 75000 M. 8. für voraussichtlichen Bedarf für die Kabelnetzerweiterung mit 150 000 M.— Die neue Anleihe soll zum Teil, nämlich mit S51 000 M. aus der städtischen Sparkasse entnommen werden. Die Sparkasse ist bercchtigi, 50 Proz. ihre« Vermögen« an Gemeinden usw. auszuleihen. Bis zu 25 Proz. kann sie die» an die eigene Gemeinde tun. Da» Gesamtvermögen der Sporkaffe beträgt zur Zeit 24 102538,55 M. Demnach könnten ausgeliehen werden 50 Proz.---- 12 051 262 M. und an den eigenen Garantieverband davon die Hälft«, also 25 Proz.-- 6025 634 M. Von dieser Summe find nun aber bereits geliehen: 1. Potsdamer Anleihe mit 2 141 352,40 M, 2. Potsdamer Anleihe mit 1226835,00 M., 3. Potsdamer Anleihe mit 687 000 M. und Potsdamer Stadtanleihe mit 174 500 M., zusammen also 4 020 328.30 M. Eö könnten somit noch 6025 634 weniger 4 920 828,30— 1026 305,70 M. ausgeliehen werden, von welcher Summe demnach die obengenannten 251 000 M. zu entnehmen sind.— An andere Gemeinden können also auch 25 Proz.-- 6 025 634 M. auSoeliehen werden. Davon sind bereit» auSgelieben: 1. Rixdorf 1260 000-f- 3 000 000 M.. 2. Höchst am Main 445 466.52 M.. 3. St.- Nikolai- Kirchengemeinde in Polidam 5740,75-f- 45 000 M., zusammen also 5 456 207,27 M., so daß hier noch von anderen Gemeinden aufgenommen werden können 6 025 634 weniger 5 456 207,27--- 669 426,78 M. Tempelhof-Mariendorf. Der Samaritcrkursu» findet Montagabend 8'/, Uhr bei Thiel, Berliner Straße 41—42, statt. Vorttag über Knochenbrüche, Veo renkungen und Verstauchungen. Anschließend praktische Hebungen. Hire der fraucnbewegung. Ultramontane Wahlhilfe. In Düsseldorf ist kürzlich ein katholischer Frauenberein begründet worden. Damit die mit der Gründung Legnadelen aber in keine falschen Illusionen sich hineinträumen können, hat ihnen in der ersten Mitgliederversammlung nach einem Bericht de» Düsseldorfer Zentruin»blatteS die Vorsitzende«rllärt, daß nicht da» Frauenstimm« recht da» Ziel de« ZenttumSfrauenverein« sei. sondern daß er dafür zu sorgen habe, daß alle Männer die Pflichten erfüllten, die sie im öffentlichen und politischen Leben hätten. Also nicht die Erlangung und Ausübung von Frauenrechten, sondern die Sorge um die Er- füllung von Männerpflichten ist daS Ziel. Die alte Geschichte— der ZentrumSfrauenverein soll die Politik der Kanzel und deS Beichtstuhles unterstützen I Die Psäfflein sind schlaue Taktiker, sie kennen die Herrschaft deS— schwachen WeibeS und wissen sie für da» Wohl der Kirche auszunutzen. Schon Windthorst hatte immer den Frauen an» Herz gelegt, zu sorgen, daß die ZentrumSmannen für die»gute Sache" fleißig und richtig wählen. Die Mahnung ist jetzt in einer ultramontanen Frauen oesanisakkote wieder lebendig geworden. Der Düfleldorfer ZentrumSfrauenverein zählt nach dem Bericht desselben Blattes an 400 Mitglieder, und«n der ersten Mrgliederversammlung sollen 50 neue gewonnen wor.en sein. Ein Parteisekretär mahnte die Frauen, dazu beiznttogen, da? auch nach dieser Wahl wieder die ZenttumSfahne über Dusieldorf wehe. Der Vorsitzende unterstrich diese Darlegungen und führte beim Hinweis auf den Zweck der Zentrumsfrauenorganisation aus. daßvieje so stark und möchsig werden müsse, daß den 100000 sozialdemokratisch organisierten Frauen mindestens das zehnfache entgegengesetzt werdne könne.— Hoffentlich zeigen unsere Frauen den Schwarzen, daß sie für eine bessere Sache kämpfen, für ihr eigenes Wohl, für die Be- freiung von pfäffischer und kapitalistischer Herrschast. Jetzt erst recht muß die sozialdemokratische Frauenbewegung zu einer Hochi.nt an- wachsen._ Versammlungen— Veranstaltnnge». Sechster Wahlkreis. 11.. 12. und 13. Abteilung. Montag, den 17. Juli. Ausflug für den ganzen Tag nach HermSdorf. von dort durch den Wald nach Schulzendorf. Die Züge fahren vom Ge- fundbruiinen morgens 0°' und 9� Uhr, von Pankow 6 Minuten später und von Schönholz 3 Minuten später. Für Nachzügler nach Schulzendorf um 1 Ubr 45 Min. und 3 Uhr 40 Min. 2. Abteilung. DienStag. den 18. Juli. Ausflug nach der Jungfern. Heide. Treffpuntt mittags 2 Uhr am Bahnhof Schönhauser Allee. Wr Nachzügler Treffpunk im Lokal fZum Kronprinzen�, Um Spandauer Schiffahrtskanal.~ a,* Reinickendorf-Ost. Am DienStag. den 18. Jul,: Partie nach Tegel. Abfahrt srüh 3,55 Uhr vom Bahnhof Schönholz. Mocken-öpielplsn der Berliner Cbeater. Reue» kölliglichrS Operntheater. Sonntag: Die Meilteffinger von Nürnberg. Montag: Die Waltüre. DienStag: Tristan und Sfolöe. Mittwoch: Lohengrim(Ansang 8 Uhr.) Donneritag: Götterdämmerung. tAnjang 7 Uhr.) Freitag: DU Reifl-limger von Nürnberg. Sonnabend: Tristan und Isolde. Sonntag: Tannhäuser.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Unbestimmt..„...„—. Lessing.Theater. Täglich: Sommersput.(Anfang 8 Uhr 20 Mm.) Komische Oper. Täglich: Der verbotene Kuß.(An,ang 8 Uhr.) Kleines Theater. Täglich: Norachen.(Ansang 8'/, Uhr.) Berliner Thraeer. Täglich: Bummelslude»len.(Ansang 8 Uhr Neues Schauspielhaus. Täglich: Die leusche Susanne.(An- fang 8 Uhr.) Reue« Theater. Täglich- Der Rodelzigeimer.(Ansang 8 Uhr) Schilter. Theater Charlottenbnrg. Täglich: Der dunkle Punkt. �Srttdrich�WilhelmstädtischcS Schauspielhaus. Täglich: BadwcS cues Cpfii'tuu-i heatr r. Täglich:«ne Million.(Ansang 8'/, Uhr. Trianon-Theater. Täglich: Das Prinzchen,(«niang S>/, Uhr.) Thalia-Theater. Täglich: Polnische Wirtschaft.(Ansang- Uhr.) L, istspielhaus. Täglich: Die dritte Eskadron.(Ansang 8 Uhr LlkAmht Rose-Theater. Taglich: Kasernenlust.(Ansang 8y. Uhr.) Metropal. Theater. Täglich: Hoheit amunert sich.(Amana 8 Uhr.) Folies Sapriee. Täglich bis aus weitere«: Die letzte Nacht. Drei Frauenhüte.(Anfang 8'/. Uhr.)....., Berliner Prater-Theater. BtS«tf weiteres taglich: Die drei Grazien.(Anfang 7'/, Uhr.) Boigt-Theater. Täglich: Goldene Jugend. Apollo-Theater. Taglich: SpezialUätcn.(Ansang 8 Uhr.) Passage- Theater. Sonntagnachuuttag 3 Uhr: Spezialitäten. Tag- sich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Täglich: Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Reichshallen-Theater. Täglich: SteUmer Sänger.(Ansang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr.) Earl-Haverland-Theater. Täglich: Spezialltäten.(Ansang?>/, Ubr) Urania- Theater. Taubenstr ibi-19. Sonntag: Helgoland im Wechsel der Zeit. Montag: Im Lande der Mitternachtssonne. Ticnslag: Heigo« land im Wechsel der Zeit. Mittwoch, Donnerstag, Freitag: Gejchlosicn. Sonnabend: Helgoland im Wechsel der Zett. Sonntag: Im Lanoe per Mitternachtssonne. Montag unbcsnmmt.(Anfang 8 Uhr.) km Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62. Sozialdemokratischer Zentralwahlverei» für den Reichstag»- Wahlkreis Züllichau.SchwlcbuS-Krofien- Sommerfeld.(OrtSverein Berlin.) Mittwoch, den 12. Juli, abend» 8'/, Uhr, Versauunlimg bei Gegner. Koppnistraße 47. Nebeusche Kranken- und Sterbekaffe Nr. 3. gegründet 1725. Heute nachmittag 2—7 Uhr bei Römer, Sllsabethkirchftraße 14: Zahl- und Ausnahmelag._ Gingegangene Druefcrdmften. HefieS Volksbücher. Nr. 610. Das Pilgerschiff Ellen. Er- Zählungen von A. Stent.— 611/12. Die Zuwtderwurzen. Geschichte von H. Schmtd.— 613. Mohrenfranzel. Erzählung von H. Echmib.— 614. Die Goldsncher. Erzählung von H. Echmid.— 615. Gebastiat, Tutewohls Meinungen und Knmmerniffe. Bon Dr. A. Schann«.— 616. Kourad Wrndlaud. Erzählung von M. v. Witten.— 617/18. M elchior und seine Sippe. Im Wald der Liebe. Erzählungen von Lotte Gubalte.— 612. Egmont. Trauerspiel von W. o. Goethe.— 620. Minna von Barnhelm. Lustspiel von G. E. Lessing.— 621. Die Braue von Mcssina. Trauerspiel von F. v. Schiller.— 622. Die Räuber. Schauspiel von demselben.— 623. Maria Stuart. Trauerspiel von demselben.— swzelnummer 20 Pj. Hesse u. Becker, Leipzig. Marktpreis« von Berlin am 14. Juli 1011. nach Eraiiltelimg de» Königlichen Polizeipräsidiums. Markthallenpreise.(Kleinhandel.) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00—50.00. Tpeisebobnen, weiße 80,00-50,00. Linsen 20,00-60,00. Kartossein>2,00—18,00. 1 Kilo. gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2.40. RiuMieisch. Bauchfleisch 1,30 bis 1,70.«chweinefletlch 1,10—1,80. Kalbsleijch 1,30—2,40. Hammelfleisch 1,50—2,30. Butter 2,20-2.80. 60 Stück Eier 3,00-4,80. 1 Kilogramm Karpfen 1,60—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1.60—3,60. Hechte 1,40 bis 2,80 variche 1.00-LM Schleie 1,20-8,50. Biete 0,50—1,60. 00 Stück Krebse 2,00—36,00. WitternngSüdersiidt vom 15. Juli 1911. Ewtnernd» 763S952B Hambmg 763 NW verlw 762 NW Arants.a M. 761 NO Münch« 764 SW Wien 1762 W Wetter 4 halb bd. 5 bedeckt «bedeckt 2 beiler 4 halb bd. ** »II k? M« 3 wölken! 20 v 8 l! ü Haparanba 761 NNO Betersbltrg 749 W Hctll» s770 NNO tGeroeen l 772 NNW Baris 762 NNO ** c* «bedeckt i 11 1 Regen' 15 5 bedeckt 1 15 1 bedeckt, U 2W,V Wetterprognose für Sonntag, den 16. Juli 1911. Ein wellig kühler, vielfach heiler, jedoch sehr unbeständig mit leichten Regenschauern und Irischen nordwestlichen Winden. Berliner D e t ter b ure au. . n..*-hrtm«». der Lande» anstatt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berlwer Wetteibureau. Wasserfl and Memel, TUM B r e g e l. Jniterburg Weichsel. Tboru Oder, Ratibor , Krosseu , Frantwrt Warthe, Sckrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe. Letnneritz , Dresden , Barbv , Magdeburg am 1« 7. cm 83 —42 16 103 63 70 -18 —38 -30 -76 -191 24 40 lett 13. 7. cm>) 0 —3 —4 —5 +2 0 +l Wasserstand Saale, Grochlitz Havel. Spandau■) , Natbenow ff Spree, svrembergff . Beeslow Weser, Ründeu , Minden R h e> u. MarimllianSau , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Mai». Werrheuu Mosel. Trier ff+ bedeutet Wuchs.- stall.- ff Unlerpegel. HERMANN UETZ" ALEXANDER- PLATZ FRANKFURTER ALLEE ' W' WPZ1GER STRASSE � A, Fortsetzung des Saison-Ausverkaufs der Sonttnnko.'iOaMiiüt' Dieser Verkauf erstreckt sich auf fast alle Abteilungen. Sämtliche Waren, die dem Wechsel der Mode unterworfen sind, sollen vor Schiusa der Saison unbedingt geräumt werden."1 "Oiefreiibe atttö tcibx>ei&€ Ins x\xr&äX1te heväb£€*etxt soweit Vorrat Damen-Konfektion Damen-Blusen au« Indla-Mull oder Batlet.. Damen Wasch- Kostüm Damen Kleider Dll leon su» Imitierten �lueeellne- und OiUSvAlI lelnenertlgen Wseoketotken. ÜUpOnS au« fleetreiften Watchstoffen -Röcke au« Woll- und Alpakastoffen Dolö+rx+o au« leinenartigen Stoffen «IBlUlö mit Einsätzen........ RÖCk6 au« Waschstoffen, weit« od. ccru SS.i'2 3" s» 7 Backfisch-Kleider Backfisch-Kleiderr.'.t'"'''1'"""': Backfisch-Kostüme Damen-Kostüme T! Damen- Kleider.... Damen-Waschkleider�;'lÄr'; 7" IQ" 16 J50|250|J Seidenstoffe Kinder-Garderobe Wollstoffe Foulards mlB« Seide Wert bis 1�8, Jetzt Mtr. 70 Foulards rdm SoJd« Wert bla 2.50, Jetzt ntr. I45 Blusenstoff Wert,.so Jetzt 9S Pf. Shantung-SeideSff.'!� wert 2,9b jetzt I95 Satin da Chine ÄSÄr.tÄ m t65 T äffet«chwarz, reine Seid«..,»»>>■ 1 9 u. I35 Knab.-Waschblusen �.45�.75 l25 Knab.-Waschhosen � 30 � 75 � � I25 Kleine Batist- u. Sticker eikleld.wei#« l95 245 375 Weisse Stickereikleider es-ioo cm i.ng 575 850 1050 Kl. Waschkleidch. u. Kittel 65, 95 Pf. I35 Wollmusselina rem« wo,,«.... 42, 05 Kin Post. l1atros.-Kle!iler •u« gestreift. Waechotoffen, bis 80 cm lang I50 250 3 50 WollinUSS6lin8el«9 Bcu.Wert2.1Q WoilbatlSt elfenbeln, doppeltbreit»»'. Wollhatist o».110om breit, flr.rarben»ort. Voile T.. �.'"7 wert 2.SQ Kostümstoffe wert s.so 95 p' 95 pf. ■|65 •|8S � 65 � 95 Spezialität t !! 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