Nr. 165. übonnementS'BecIingunften: RBonnsmentJ» Preis pränumerando i Viertcljährl. 3�0 MI., monatl. l,10 Mk.. wöchentlich 23 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- »ummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" tll Pfm Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oestcrre:ch- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemark. Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Numäiucn, Schweden und die Schweiz, 88, Jahrg. CrfAdnt Wich aaCcr nionfas». Verlinev VolKsblAtk. Zentralorgan der fozi aldemokrat» fehen Partei Deutfcblands. Die InlertlonS'Gebflbr beträgt sür die sechSgespaltene kolonel- geile oder deren Raum 00 Psg., für politische und gewerkschastliche Bereins- und BersammIungS-Anocigen 30 Pfg. „lileine Unreigcn", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 feiigedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafsiclleuan- zeigen oaS erste Wort 10 Pfg., jcdeS weitere Wort ö Pfg. Worte über löPuch- ftaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numincr müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Eipeoitio» ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse! uSsÄaliiilliMal iitfW. Redahtion: SRI. 68, Lindcnstrasse 69« Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 18. Juli 1911. Expedition: SM. 68, Lindcnstraase 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Die Cords vor der Seiditeotleibung. Man schreibt uns aus London vom 13. Juli: Am 25. des Monats soll sich das Schicksal der Parlaments- Vorlage und des Hauses der Lords, wie es jetzt besteht, ent- scheiden. Die beängstigende Nähe des Zeitpunktes hat in den Reihen der Konservativen Gefühle ausgelöst, die dem klaren Denken kaum vorteilhaft sind. Die Partei scheint äugen- blicklich in drei Teile gespalten zu sein. Die einen raten den Lords, die Parlamentsbill als Verlust zu buchen und sie an- zunehmen. Die anderen verlangen stilrmisch. daß Lord Lansdowne bei seinen Abänderungsanträgen beharre. Der dritte und vielleicht der größte Teil der Konservativen meint gar nichts und wartet ab, was Herr Balfour sagen wird. Wenn die Lords den Schierling trinken, so argumentiert die erste Gruppe, werden wir die ewige Lordsfrage los, die uns schon zwei Niederlagen gekostet hat. Wir können dann sogleich mir einer Agitation gegen die irische Selbstverwaltung beginnen, die die Liberalen im nächsten Jahre einzuführen gedenken und sür die es unter den Wählern kaum eine Mehr- heit gibt. Auch wird alsdann die Frage der Tarifreform wieder in den Vordergrund gerückt werden. Man kann der Negierung nicht zumuten, daß sie die Abänderungsanträge Lord Lansdownes annehme; denn dadurch würde sie die Unterstützung der Iren verlieren und sich selbst den Garaus machen. Ein weiterer Widerstand ist vergebens; es besteht nicht die geringste Aussicht, daß wir eine dritte Wahlschlacht gewinnen würden. Unter diesen Umständen ist es am besten, die Lords schicken sich in ihr Schicksal wie der Philosoph, der auf den Befehl voreingenommener Richter den Giftbecher austrank. Gegen die Haltung dieser lauwarmen Laodizäer treten die konservativen Draufgänger mit Entschiedenheit auf. Sie weisen darauf hin, daß ein Rückzug der LordS zur Spaltung und zum Untergang der konservativen Partei führen müsse. Das Volk würde die Lords auslachen, wenn sie jetzt nach all den kühnen Reden kleinlaut beigäben, wie es einen Maul- Helden auslacht, der sich angesichts des Feindes auf französisch empfiehlt. Mögen die Liberalen zur schärfsten Waffe, dem Pairsschub. greisen; die Lords werden wenigstens ihre Ehre retten. Der Pairsschub wäre das kleinere Uebel, so redet ihnen ihr geistiger Führer, Herr Garvin, zu. Nach den bis- herigen Abstimmungen im Hause der Lords zu urteilen, be- trägt die Mehrheit gegen die Parlamentsbill etwa 200. <5err Asquith könnte daher vom König höchstens die Ernennung von etwa 200 Lords verlangen; daß diese Zahl genügt, um die Parlamentsbill im Oberhause zur Annahme zu bringen. Nach der Ernennung dieser Lords würden dann die Konservativen noch immer eine genügend große Mehrheit im Hause der Lords besitzen,"m alle Pläne der Liberalen, die sich auf der Parlamentsbill aufbauen, zu verzögern oder zum Scheitern zu bringen. Uebrigcns, fügt der Redakteur des„Observer" naiv hinzu, würde die Er- nennung von 200 liberalen Peers dem Hause der Lords mehr den Schein der Unparteilichkeit geben. Auch wird das liberale Heilnnttel bald seine Wirkung verlieren. Innerhalb eines Menschenalters werden die liberalen Streiter alle zu Konservativen geworden sein; kann sich doch heute schon die Regierung kaum noch auf die Hälfte ihrer Parteifreunde vcr lassen, die sie in den letzten 6'/z Jahren zu Lords ge macht hat.* � Einer der Hauptstützen dieser kampflustigen Gruppe, die sich vor einigen Tagen im Unterhause zur gemeinschaftlichen Aktion zusammengeschlossen hat. ist Lord Selborne. der frühere High Commissioncr für Südafrika. In einer Kampfrcde, die er gestern hielt, rechnete er mit den Schivächlingen in der konservativen Partei ab, jammerte darüber, daß das Volk nicht mehr auf Moses und die Propheten hören wolle und las den Wankelmütigen die Leviten. Eine bemerkenswerte Stelle in der Rede lautet:„Die Stärke des Sozialismus be- ruht auf der Tatsache, daß er so energisch und jcdeni Kompromiß abgeneigt ist. Das Kompromiß hat seinen Platz in der Politik. Die Hauptsache in der Politik ist, sich klar zu werden, was wesentlich und was nicht wesentlich ist. Schließen wir immer- hin Kompromisse über unwesentliche Dinge, aber über wcsent- liche Dinge niemals I" � Die Haltung der Draufgänger hat den Lords für den Augenblick wieder den Rücken gesteift. Der Giftbecher steht wieder auf dem Tisch und seine Lordschaft schwört bei allen Heiligen, daß er entschlossen ist. sich lieber vom Henker das unangenehme Zeug in den Mund gießen zu lassen. Wie lange diese Gemütsstininiung dauern wird, ist schwer zu be- stimmen. Den Lords fehlt es ganz offenbar an Disziplin, Ivas dem Umstände zuzuschreiben ist. daß sie in zwei Klassen gespalten sind. Auf der einen Seite stehen die früheren Politiker. Diplomaten. Statthalter. Prokonsuln und Finanz- Magnaten, die wohl wissen, was auf den, Spiele steht, und den eigentlichen Senat darstellen. Auf der anderen Seite sehen wir den großen Haufen der Hinter- wäldler, die hauptsächlich von der Furcht beseelt pnd, ein Pairsschub möchte ihre gesellschaftliche Stellung becm- trächtigen. Dieser Zwiespalt kam während der Beratungen derber Parlamentsbill im Sause der Lords sehr deutlich zum Ausdruck. Anstatt sich um die Fahne ihres nationalen Führers zu scharen und die fein ausgedachten Abänderungs- anttäge Lord Lansdownes hoch zu halten, stürmten die Hinter- wäldler allein oder in Häuflein ununterbrochen vor, um mit den„großen Geschützen" der Liberalen einen Strauß zu der- suchen. Die Folge davon war, daß der Lansdownesche Plan verwischt wurde und seine Wirkung verfehlte. Wenn es den Liberalen gelingt, die Lords ohne Pairsschub niederzuringen, so werden sie dies in erster Linie den wilden Hinterwäldlern und ihren vielleicht noch wilderen Frauen zu Verdauken haben, deren erste und letzte politische Sorge die ist, die Entwertung der Adelsbriese durch massenhafte Ernennungen zu verhindern. ein agrarikch-inffuikl'ielle! iahlbMnis. Als der Zentralvcrband deutscher Industrieller sich vom Hansabund lossagte, sprachen wir sofort die Ansicht aus, daß die Folge des Zerwürfnisses eine Wahlkoalition zwischen den im Zentralverband organisierten Großindustriellen und den Agrar- konservativen zum Zweck der Aufrechtcrhaltung und teilweisen Er- höhung des heutigen Zollschutzes sein werde. Sonderlich schwer war solche Prophezeiungen sicherlich nicht. Die Großindustriellen fordern zum weiteren Ausbau ihrer Syndikate und Kartelle Sicherung und Hinaufsetzung verschiedener Metall- und Textilzölle; die Agrarier hingegen wünschen die Einführung von Milchzöllen sowie die Er- höhung der bestehenden Zölle auf Käse, Obst und Südfrüchte. Es liegt deshalb nichts näher, als daß beide Teile sich auf einer ge- wissen Linie zum Kampf für die heutige„segensreiche Wirtschaftspolitik" zusammenfinden, zumal beide in gleichem Maße der Haß gegen die sozialdemokratische Arbeiter- bewegung und gegen die Sozialpolitik beseelt. Tatsächlich haben sich denn auch bereits beide Interessenten- gruppcn beträchtlich genähert, und wenn auch die beiderseitigen An- Näherungsversuche wohl noch kaum so weit sind, daß, wie kürzlich freisinnige Blätter zu melden wußten, schon unter Herrn v. Heyde- brands Acgide eine Art Pakt abgeschlossen worden ist. so ist doch kaum noch daran zu zweifeln, daß bei den nächsten ReichStagSwcchl- kämpfen vielfach der Zentralverband deutscher Industrieller mit dem Bund der Landwirte Arm in Arm marschieren wird. Die konservative Presse müht sich wenigstens krampfhaft, der rheinisch-westfälischen Schwerindustrie zu beweisen, daß die Par- teien des sogenannten„Schutzes der nationalen Arbeit" zusammengehören und die Agrarkonservativen das beste Per- ständnis für die Interessen des industriellen Hochschutzzöllnertums besitzen. So schrieb am letzten Sonntag die„Kreuzzeitung": „Mag die Fortschrittliche Volkspartei und mag der Jung- liberalismus auch sonst alle möglichen guten Absichten hinsichtlich der Industrie und des Handels haben: einen ausreichen- den Zollschutz durchzusetzen, sind nur die Rechte, der Altnationalliberalismus und das Jen- trum entschlossen, und darum können diejenigen Er- werbsstände, denen unter den heutigen Verhältnissen des Welt- Marktes der Zollschutz unentbehrlich ist, den Kampf gegen alles, was r e ch t s st e h t, nicht mitmachen. Sie haben in den zwei Jahren nach dem Rücktritte des Fürsten Bülow ein- sehen gelernt, daß dessen letzte Gründung, an der allzusehr sein Herz hing, der konservativ-liberale Block, die Probe der Zoll- tarifberatung ganz sicher nicht bestanden hätte, wenn er auch aus der Finanzreform unversehrt hervorgegangen wäre. Aber sie haben ferner erkannt, daß Zentrum, Konservative und Alt- nationallibcrale sehr wohl in wirtschaftspolitischen Fragen sich verständigen und erträgliche Kom- pro misse schließen können, so daß das Ausscheiden des Fortschritts und es Jungliberalismus aus der Arbeitsmehr- heit gar kein so großes Unglück ist...." Weiterhin wird dann ausgeführt, daß zwar heute die Meldung freisinniger Blätter, es sei bereits zwischen Landwirtschaft und Großindustrie ein Pakt abgeschlossen, noch nicht zuträfe, daß aber eine Verständigung sicherlich zustande kommen werde, da beide Gruppen darauf angewiesen wären: � „Zu dieser Verständigung müssen wir kommen. Selbst- verständlich macht die konservative Partei keinen politischen Unterschied zwischen schwerer Industrie, Vecfeinerungs- und Fertigindustrie. Wenn die letzcre so kurzsichtig ist. sich einer wirtschaftspolitischen Organisation anzuschließen, die das be- stehende Zollgcbäude abzutragen versucht, dann müssen wir auch in ihrem eigenen Interesse um so konsequenter darauf bedacht sein, den heimischen Markt aufnahmefähig zu erhalten; denn das erkennen wir für wichtiger als die Er- zielung billiger Zölle im Ausland durch Konzessionen auf Kosten der Landwirtschaft und der Montanindustrie, für wichtiger auch als die Beschaffung billigsten Rohmaterials aus dem Ausland. Will man das Jnter- csseiipolitik nennen, dann bilde man gefülligst für die Politik des Bundes der Industriellen, des Handelsvertragsvereins und des Hansabundcs einen Komparativ dieses Wortes, denn diese Politik nimmt nicht auf das Ganze Bedacht, sondern nur auf einzelne Industriezweige." Die RiaroHhoaffäre. Ueber die diplomatischen Verhandlungen veröffentlicht die „Neue preußische Korrespondenz" von ihrem diplomatischen Mitarbeiter eine Zuschrift. Danach sollen die Verhandlungen zwischen dem deutschen Staatssekretär und dem französischen Botschafter am Sonnabend um ein erhebliches Stück gefördert worden sein. Die Unterhandlungen der beiden Staatsmänner haben sich bis 6 Uhr nachmittags hingezogen. In dieser Unterhandlung habe der französische Botschafter C a m b 0 n im Namen seiner Regierung dem deutschen Staatssekretär v. Kidcrlen-Wächter bestimmte Vorjchläge unterbreitet. Der deutsche Staatssekretär habe zu diesen Vorschlägen noch keine Stellung genommen, sondern sich für mehrere Tage Bedenk- zeit ausgebeten, weil er sich inzwischen erst mit dem Staats- sekretär der Kolonien v. Lindequist beraten müßte. Hoffentlich erfahren nun auch bald die Staatsbürger etwas Näheres von den Unterhandlungen der Diplomaten. Inzwischen setzt die Presse der verschiedenen Marokko- Interessenten ihr gemeingefährliches Treiben fort. Sie fordert einen Teil Morokkos selbst auf die Gefahr eines Krieges mit Frankreich. Die französischen Marokkotreibcr intrigieren natürlich auch. So behaupteten einige Blätter, die„Berlin" habe in Agadir schon Matrosen gelandet, die die Ein- geborenen durch Gelvehrschüsse beunruhigten. Das wird zwar von deutscher Negierungsseite energisch dementiert, man sieht aber, welch gefährliches Spiel in der gegenwärtigen ge- spannten und unklaren Situation auf beiden Seiten ge- spielt wird. Weitere„BeruhigitngS"-Monen des Generals Moinicr? PariS, 17. Juli. Vor seinem Eintreffen in Casablanca machte General Moinier einem Vertreter des„Matin" folgende Mitteilungen über die Lage in Marokko: Die mir anvertraute Aufgabe ist noch keineswegs gelöst. Die Stämme der Zaers und der Zommurs sind noch nicht pazifiziert; letztere machten noch vor einigen Tagen einen Angriff und suchten vorgestern bei Rabat einen Transport auf- zuhcbcn. Es wäre mithin notwendig, daß eine französische Kolonne von neuem ihr Gebiet durchstreife. Aber die Truppen, die uns zur> zeit zur Verfügung stehen, sind durch die erlittenen Anstrengungen ermüdet, bedürfen der Ruhe, und man würde sie bei der großen Hitze nicht ungestraft operieren lassen. Mit der Pazifizierung der Zaers ist Oberst Branlisre betraut worden. Was mich' persönlich betrifft, so gedenke ich über Rabat und Mokinesch nach Fez zurückzukehren, um die Beruhigung der ZemmurS selbst zu versuchen. Wenn bis dahin die ZaerS nicht pazifiziert sind, so wird General Ditte seine Streit- kräfte mit denen des Obersten Branlitzre vereinigen und gemeinsam mit ihm vorgehen. Die„Berlin" vor Teneriffa. Teneriffa, 17. Juli. Der Kreuzer„Berlin" ist aus Agadir hier eingetroffen, um Proviant und Kohlen einzunehmen. Bekanntlich wird die„Berlin" während dieser Zeit vor Agadir durch das Kanonenboot„Eber" ersetzt. Eine Kundgebung gegen das Marokko-Abenteuer in Barcelona. Paris, 13. Juli.„Matin" meldet aus Barcelona: Die Sozia- listen hielten gestern eine große Versammlung ab, um Einspruch gegen das spanische Borgehen in Marokko zu erheben. Die Abgeordneten Genosse Pablo Jglesias und der Republikaner Soriano hielten er- regte Ansprachen. Nach der Versammlung kam es zwischen den Anhängern und Gegnern der Redner zu Zusammenstößen, wobei mehrere Personen mehr oder minder schwer verletzt wurden. 39 Ver- Haftungen sind von der Polizei vorgenommen worden. Gegen die marokkanische Abentenrcrpolitik demonstrierte am Sonnabend die Stuttgarter Bevölkerung. Die Parteileitung des Sozialdemokratischen Vereins Stuttgart hatte in DinkclackerS Saalbau eine Versammlung einberufen mit dem Genossen Dr. Karl L i e b kn e ch t als Referenten. Lange vor Be- ginn der Versammlung war der Saal überfüllt. Durch Oeffnung der großen Türen zum Garten wurde dieser als VersammlungS- räum mitbenutzt. Bald war auch der Garten dicht besetzt. Kopf an Kopf drängte sich die Menge. Mit 6999 Personen dürfte die Zahl der Versammlungsteilnehmer eher zu niedrig als zu hoch geschätzt sein. Auch das Bürgertum beteiligte sich stark an der Demonstration. In scharfer Weise kennzeichnete Genosse Dr. Liebknecht den Charakter der kolonialen Raubpolitik. Er zeigte, wie die Regierung, um dem dividendenhungrigen Kapital neue Profite zuzuschanzen, selbst vor der Gefahr eines Weltkrieges nicht zurückschreckt. Als Liebknecht die Behandlung der sozialdemokratischen Marokko-Interpellation im würltembergischen Landtag durch die Regierung und die bürgerlichen Parteien kritisierte und darlegte, daß im„dcmolratischcn Süden" genau wie im Norden Deutschlands das kapitalistische Interesse die Richtschnur der Regierungspolitik ist, daß eS einfachste Selbst- erhaltuiigSpflicht der arbeitenden Bevölkerung sei, sich gegen das frevle Spiel dcS NegicrungsausichusscS der besitzenden Klassen mit allen Kräften zur Wehre zu setzen, daß die deutsche Arbeiterschaft den Arbeitsbrüdern jenseits der Grenzpfähle die Bruderhand entgegen» streckt, um mit dem französischen Proletariat vereint für den Frieden zu wirken, brauste minutenlanger Beifall über den Platz hin. Nach einem kurzen Schlußwort des Vorsitzenden Wcstmcycr gelangte folgende Resolution zur einstimmigen Annahme: Die von 6999 Personen bestickte Versammlung protestiert mit allem Nachdruck gegen die Einmischung Deutschlands in Marokko als gegen ein leichifertigcs und gesährliches Kolonialabeutencr, das geeignet ist, die Schrecken eines Weltkriegs heraufzubeschwören. Sie verurteilt dieses Abenteuer auch darum auf das eut- schiedenste, weil eS ohne Beratung und Zustimmung von feiten deS Reichstages unternommen worden ist. also mit Ausscheidung des Parlaments einen Ausfluß des persönlichen Regiments darstellt. Die Versammelten erheben daher auch schärfsten Protest gegen die Nichtachtung, mit welcher die sogenannte liberale Re- gierung Württembergs die Interpellation der sozialdemokratischen LandtagSfraktion behandelt hat, wie gegen das Verhalten der bürgerlichen Parteien, die sich aus diesem Anlaß wieder einmal zu Mitschuldigen der Regierung gemacht und die Bedeutung der Volksvertretung herabgesetzt haben. Die Versammelten erklären in Uebereinstimmung mit den klassenbewußten Proletariern Deutsch- landS und Frankreichs, daß für das marrokanische Abenteuer nicht ein Mann und nicht ein Groschen aufgewendet werden darf. Sie sprechen ihre Ueverzeugung aus, daß es Pflicht der Arbeiterklafle beider Länder ist, mit allen zu ihrer Verfügung stehenden Macht- Mitteln sich einem brudermörderischen Krieg zu widersetzen. Zum Schluß stellt die Resolution dieser Politik der Regierung die Forderung einer großzügigen Reforinpolitik und einer kon- seguenten Demokratie entgegen, in deren Mittelpunkt für den Augenblick die Eroberung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts für alle großjäbrigen Staatsangehörigen ohne Unterschied des Geschlechts in Preußen steht. Unter dem Gesang der Marseillaise ging die Bersaminlutzg aus- einander. politische deb erficht. Berlin, den 17. Jnli 1911. Zur Düsseldorfer Wahl. �„Fortschrittliche Volkspartei" in Düsseldorf hat die von ihrer Leitung ausgegebene Wahlparole„Keine Stimme dem Zentrum!" für zu schwächlich befunden und in einer Mitglic- derversammlung die Forderung gestellt, Laß die Hanptwahl schon als Stichwahl betrachtet und die Parole ausgegeben werden solle: ..Gegen das Zentrum, für die Sozialdemokratie!" Diese Forderung soll einem WahlkrciStag der Fortschrittlichen Volkspartci, der die Stadt, die Vororte und den Düsseldorfer Landkreis umfaßt, zur Beschlußfassung vorgelegt werden und, falls diese Versammlung damit einverstanden ist, als Wahlparole für die am IS. September stattfindende Reichstagsersatzwahl gelten. Wie es heißt, ist eS ziemlich stcher, daß der Wahlkreistag diese Pa- role akzeptiert. UebrigenS scheinen in dem Vorstand der Fortschrittlichen Volks- Partei Düsseldorfs verschiedene Meinungen darüber zu bestehen, wieweit es politisch ratsam sei. von vornherein parteioffiziell für den sozialdemokratischen Kandidaten, unseren Genossen Haber- land, einzutreten. Professor Schloßmann, der Führer der Fort- schrittlichcn Vvlkspartei im Wahlkreis Düsseldorf, bespricht, wie die „Köln. Ztg." meldet, im„Bergischen Türmer", dem Organ der Fortschrittlichen Volkspartei in der Rheinprovinz, die Stellung der Liberalen Vereinigung in Düsseldorf zur ReichStagSerfatzwahl. Er hält den Beschluß der Liberalen Vereinigung für die Ersatzwahl. keinen Kandidaten auszustellen, für verhängnisvoll. Gewichtigere Gründe hätten eine aktive Wahlpolitik wünichenswcrt, ja notwendig gemacht. Nach rechts zum Zentrum schwenke eine beträchtliche Zahl derer, die 1907 liberal gestimmt hätten, und mancher, der die tiefen Unterschiede, die den Liberalismus von der Sozialdemokratie trennten, klar und deutlich würdige, werde doch diesmal von vorn- herein für den Sozialdemokraten als den aussichtsreichen Gegner des'Zentrums geneigt fein, wenn fein Stimmzettel auch 1907 für den liberalen Kandidaten gelautet hätte. Ein ausschlaggebender Grund für eine aktive Wahlpolitik auf der Seite der Liberalen hätte aber da» Steigen des Prestiges fern müssen, das die Sozial- demokratie nunmehr durch die passive Wahlpolitik erfahre, und das erscheine nicht erwünscht, denn daran, daß der Genosse nun. mehr im ersten Wahlgang siege, sei nicht zu zwei. f e l n. Heute wähle schon alles sozialdemokratisch, was mit dem Zustand im allgemeinen oder mit solchen Zuständen, die die eigene Person betreffen, nicht einverstanden sei, und nun wolle man hier im Wahlkreis Düsseldorf Tausende zwingen, schon in der Hauptwahl nach dem Rezept des Herrn v. Hehdebrand den Sozialdemokraten als das kleinere Nebel zu betrachten. Leicht sei eS, durch ein« un» zweckmäßige Taktik die Scharen der Wähler ausschwärmen zu lassen, juer unendlich schwerer würde eS sein, sie in Reih und Glied zu- rückzubekommen. Der Beschluß der Liberalen Vereinigung bessere nicht nur die Aussichten der sozialdemokratischen Parter in Dössel- dorf; ein Siez im ersten Wahlgang zeitige der so- »i a l d e m o k r a ti sch e n Pa.r�er'in der.Hauptwahl sicher weitere Früchte. Die Entsck>eidung der Liberalen Vereinigung trete aus dem Schatten eines lokalen Ereignisses. Sie nähme gigantische Bedeutung an und erweise sich als eine Förde- rung sozialdemokratischen Machtdünkels, die mit gesundem Bürger- sinn unvereinbar erscheine.__ Römische Taktik. Wie schon die von unS am Sonnabend mitgeteilte Aeuße- rung des päpstlichen NuntiuS Frühwirt in München erkennen ließ, ist die römische Kurie zu der Ansicht gekommen, daß es nicht angebracht sei. die Angriffe gegen die„Köln. Volksztg." und die hinter ihr stehende Zentrumsrichtung fortzusetzen. damit nicht ein Streit im ZentrumSlager entfacht wird, der die Energie dieser Partei im nächsten RcichStagSwahlkampf schwächen und ihren politischen Druck auf die deutsche Reichs- regierung wesentlich vermindern würde. Die päpstliche Kurie benötigt, nachdem sie in den romanischen Reichen ihre frühere Machtstellung größtenteils eingebüßt hat. zur Durchführung ihrer Pläne eines gewissen Wohlwollens und einer gewissen Unterstützung deS Deutschen Reiches, und diese Unterstützung hofft sie dadurch zu erlangen, daß sie der Reichs- regierung ein starkes Zentrum als gefügige Regierungspartei zur Verfügung stellt. Deshalb werden die Angriffe der„Correspondance de Roms" alS nicht inspiriert durch die römische Kurie hingestellt und zu- gleich den Katholiken deS„faulen Westens" eine Art Vertrauensvotum erteilt. So folgt denn der neulichen Abschüttelung der„Corre- spondance de Rome" durch den Nuntius Frühwirt eine ver- stärkte Verleugnung dieses Blattes durch den Kardinalstaats- sekretär Merry bei Val. der allgemein als der eigentliche Bpiritus rector der„Correspondance de Rome" gilt. Die Mln. VolkSzeitung" läßt sich nämlich telegraphisch aus Rom melden:/ „Papst Pius X. empfing heute den Prälaten Dr. Ehst», den Direltor des römischen Instituts der GörreSgesellschaft. i» Privat» audienz. Prälat EhseS überreichte den soeben von ihm vollendeten zweiten Band der Trienter KonzilSakten, den der Papst mit Worten höchsten Lobes und mit warmem Danke für die nament- liche Widmung entgegennahm. Der Papst gab sodann seiner leb- haften Freude über die Genesung deS Frhrn. v. Hertling al» des Präfidenlen der GörreSgesellschaft Ausdruck, desgleichen über den siebzigjährigen Mitgründer, Herrn Justizrat Eduard Müller in Koblenz. Prälat Ehsts hatte sodann aus gleichem Anlaß eine längere vesprechnng mit dem KardiiialstaatSsekretär Merry del Val über die jüngsten Presseangriffe auf die deutschen Katholiken und wurde von diesem zu der kategorischen Erklärung ermächtigt, daß die „Correspondance deRome" jedes offiziellen wie offiziösen Charakters entbehre und lediglich ein private» Publikationsunternehmen mit vollständig eigener Verantwortlichkeit fei. Der Vatikan fasse seine Entschlüsse, ohne sich durch die Aufregung in der Presse beeinflussen zu lassen, in steter Fühlung mit den Bis-böien und auf Grund authentischer Informationen, unbekümmert um die Ueber- treibungen und Verallgemeinerungen hüben und drüben. Nament- lich Stimmen au» Frankreich seien mehr vom Revanchestandpuntt aufzufasstn und nicht tragisch zu nehmen. DaS Vertrauen des Vatikans auf die deutschen Bischöfe und die deutschen Katholiken insgesamt sei durch nichts erschüttert. Such bezüglich der christlichen Gewerkschaften liege nicht der geringste Grund zu einem neuen Fekdzug gegen dieselben vor. da nichts geschehen sei, was den Papst zu einer Aenderung der dem Kardinal und Erzbischof Fischer von Köln bei wiederholten Anlässen, namentlich bei seiner letzten Nomreise erteilten Antworten veranlassen könnte." Diese kategorische Erklärung des Herrn Merry del Val ist genau so viel wert wie ein beliebiges Dementi der„Nordd. Allgem. Ztg.". Waren die Angriffe auf die Kölner Richtung dem Kardinalstaatssekretär nicht erwünscht, bedurfte es nur seiues Einspruchs, und diese Angriffe wären sofort in der „Correspondance de Rome" verstummt— aber es stellten sich erst dann bei ihm Bedenken ein, als er die Wirkung dieser Anrempelungen auf die rheinischen Katholiken erkannte. Ei» Polizeisonntag in Breslau. Eine Riesenversammlung unter freiem Himmel fand am Sonntag in Breslau statt. Zu Beginn hielt Stadtverordneter Löbe dem verstorbenen Genossen Louis Cohn den Nachruf, den die Polizei am Freitag am Grabe verhindert hatte, worauf Genosse Fritz Kunert-Berlin das Thema des TageS behandelte. Die Polizei mit Revolvern ausgerüstet, war den ganzen Vormittag auf den Beinen. Etwa SO Schutzleute hielten das Rathaus besetzt, die Berittenen waren im Kloster der barmherzigen Brüder untergebracht und weitere Polizcitrupps waren an verschiedenen Plätzen der Olaucr Vorstadt bereit gehalten. Außerdem standen in kurzen Abständen Polizeiposten auf den Straßen. Die gesamte Geheimpolizei war auf den Beinen. Auf dem Nachhausewege wurden die Versamm- lungSteilnehmer durch allerlei unsinnige Absperrungsmaßnahmen behelligt, doch ist es zu scharfen Zusammenstößen nicht gekommen. An verschiedenen Stellen wurden die Maßnahmen der Polizei mit Wahlrechtshochrufen beantwortet und erfolgten dabei vereinzelte Verhaftungen._ Hansabunds-Programm. Um dem Vorwurf der Großindustriellen und der von diesen unterhaltenen Presse entgegenzutreten, daß sie ins links- liberale Lager abgeschwenkt sei und ihre Stellung zur Sozial- demokratie alle Klarheit vermissen lasse, veröffentlicht die Leitung des Hansabundcs eine längere programmatische Er- klärung. in der sie ihre Politik folgendermaßen schildert: 1. Der Hansabund denkt nicht daran und hat niemals daran gedacht, sich in das Schlepptau einer einzelnen politischen Partei zu begeben; vielmehr finden die Angehörigen aller politischen Parteien in ihm Platz und bei ihm Unterstützung, soweit sie die Gewähr dafür bieten, daß sie auf dem Boden der bei der Be- gründung de» HansabundeS vereinbarten Richtlinien stehen und somit für die Gleichberechtigung deS Gewerbes, des Handels und der Industrie im Staats- und Wirtschaftsleben ein- treten. 2. Eine irgendwie geartete Unterstützung oder Förderung der Sozialdemokratie kann für den Hansabund niemals in Frage kommen, ins- besondere auch nicht bei den Wahlen ei»schließ- lich der Stichwahlen; der Hansabund beharrt vielmehr bei dem im Präsidialbeschluß vom 21. November 1910 festgestellten und auf dem Hansatage vom 12. Juni 1911 wiederholten Grund- satze, daß er die Sozialdemokratie, da sie sich außerhalb der bestehenden Staats- und Gesell- schaftSordnung. stellt und den einseitigen Klassenkampf predigt, ebenso zubekämpfenhat. wie das seitens der in ihm vertretenen bürger- lichen politischen Parteien geschieht. 3. Der Hansabund enthält sich in denjenigen Fragen der Zoll- Politik, in welchen die Interessen der einzelnen in ihm vertretene» Erwerbszweige auseinandergehen, in GcmLßheit seiner Richtlinien jeder Parteinahme, sucht vielmehr nach Möglichkeit auf eine Ausgleichung der bestehenden Gegensätze hinzuwirken. Auf der anderen Seite lehnt e» das Direktorium ab, sich durch irgendwelche Rücksichten von dem Kampfe gegen die Agrar-Demagogie abdrängen zu lassen, deren die gemeinsamen Interessen von Gewerbe, Handel und Industrie schwer schädigenden Uebergriffe den unmittelbaren Anstoß zur Begründung des Hansabundes gegeben haben. Das Direktorium bekundet seinen festen Willen, durch daS bedauerliche Abschwenken einer Anzahl von Mitgliedern sich weder zu schwächlichen Kon- Zessionen nach rechts, noch zu einer Verschiebung seines Schwer- punkte» nach links verleiten zu lassen. Das Direktorium ist vielmehr entschlossen, den durch den Hansabund aufgenommenen Kampf für die Gleichberechtigung des erwerbstätigen Bürgertums unter der Leitung seines verdienten Präsidenten unbeirrt auf dem durch die gemeinsamen Interessen von Gewerbe, Handel und Industrie vorgezeichneten Wege fortzusetzen. Die Erklärung sagt unS nichts Neues. Wir haben die Behauptung konservattver Blätter, die Leitung deS Hansa- bundes begünstige die Sozialdemokratie, nie ernst genommen nnd wissen ganz genau, daß, wenn es dem Hansabund ge- lingen sollte, die„Agrardcmagogie" erheblich zu schwächen. seine Kampflust sich alSbald gegen die Sozialdemokratie kehren würde._ Abgeordneter Stresemann an der Spitze. Zum Vorsitzenden des im scharfen Gegensatz zum Zentral- verband der Industriellen stehenden Bunde» der Industriellen ist der nationalliberale RcichStagSabgeordnete Dr. Strcsemann ge- wählt worden. Der Bund ist zur Zeit eifrig bestrebt, dem Zentral- verband Mitglieder abspenstig zu machen und die Presse de» Jen- tralverbande» macht sich nun ein Vergnügen daraus, die ruppigste» der dem Bund zugehenden Ablehnungsschreiben zu veröffentlichen. Ter nationalliberale Arbeiberkaudidat für Homburg ist gefunden. Nach Mitteilung der„Frankfurter Zeitung" ist der durch In- serat gesuchte nationalliberale Arbeiterkandidat in der Person eines GlaSschmelzcrS Jung aus Et.-Jngbert gefunden worden. Die Ausschreibung hatte also schnellen Erfolg. Vielleicht folgt die na- tionallibcrale Partei«uch bei der Auslese ihrer übrigen Kandi- baten diesem Beispiel.__ Ter Aachener Oberbürgermeister und die Feuer» bestattnng. Die ZentrumSfrakiion der Stadtverordnetenversammlung in Aachen hat dem Oberbürgermeister Vcltmann vor der jüngsten Stadtverordnctcnsitzung eine von 22 Stadtverordneten unterzeichnete Erkläruna überreicht, worin ihm vorgehalten wird, baß er sich geweigert habe, j n der Sitzung eine Erklärung darüber entgegenzunehmen, daß er durck seiae Abwesenheit bei der Ab- stimmung im Herrenhause dem FeuerbcstattungSgesctz mit zur Annahme verholfen habe. Dann heißt e». der Oberbürgermeister Hab«„durcb seine Stellungnahme die Ansckauungcn und die Ge- fühle der Mehrheit der Bürgerschaft der Stadt Aachen nicht bc- rücksichtigt; die Unterzeichneten sprächen ihm„hierüber ihr tiefe» Bedauern aus." Was werden die Ultramontanen mit den Oberbürgermeistern der gleichfalls„katholischen Städte" Köln, Koblenz und Trier beginnen, die ebenfalls bei der Abstimmung fehlten? Ober- bürg'ermeister W a l l r a f von K ö l n ist, wie Hett Pe�otaW, Katholik.' Dem Aachener Oberbürgermeister geschieht übrigens ganz recht, wenn die Ultramontanen ihn als ihren Hörigen betrach- t e n; denn erst kürzlich hat er gemeinsam mit den katholischen Per- einen Aachens und dem„hohen Klerus" an den �demnächst in Mainz zusammentretenden Katholikentag, den Parteitag des Zen- trums, die Einladung ergehen lassen, im kommenden Jahre is Aachen zu tagen.__ Scharfmacherhetze gegen einen tvürttembergischen Oberbürgermeister. Der Oberbürgermeister der württembergischen OberamtSstadt H e i d e n h e i m hat das in den Augen der Scharsmacher strafwür- dige Verbrechen begangen, für diejenigen Streikenden einer Textil- fabrik, die nicht organisiert sind und von der Gewerkschaft keine Unterstützung erhalten, eine HauSkollekte zu genehmigen. Die wü- tenden Unternehmer denunzieren jetzt den Oberbürgermeister Dr. Ja eckte öffentlich als einen parteiischen Mann, der einen vcr- werflichen Mißbrauch mit der Wohltätigkeit treibe und verlangen, daß die Kreisregierung und daS Ministerium des Innern einschrei- ten. So leicht ist es freilich nicht, dem Heidenhcimer Oüerbürgcr- mcister, der, nebenbei bemerkt, ein sehr derständiger Sozialpolitiker ist, beizukommen. ES handelt sich um eine polizeiliche Genehmi- gung, die nach der württembergischen Gcmeindeordnung nur aus- gehoben werden kamt, wenn sie gegen ein Gesetz verstößt, das öffentliche Wohl oder berechtigte Interessen Dritter verletzt oder gefährdet. Die Scharfmacher erhoffen eine Auhebung durch die staatlichen Instanzen, wenn sie unter Hinweis auf den angeblichen Terrorismus der Arbeiter eine Gefährdung des öffentlichen Wohls durch die Sammlung behaupten. Man darf gespannt s�jn. gp sie Erfolg haben werden.- Deutsch-japanisckier Handelsvertrag. Die Ratifikationen des am 24. vorigen Monats in Berlin un- terzeichneten Handels- und SchiffahrtsvertrogeS zwischen dem Deutschen Reiche und Japan nebst zugehörigem Zollabkommen sind am 15. Juli in Tokio ausgewechselt worden. Nach Artikel 19 des Vertrages und Artikel 7 des Zollabkommens treten beide Verein, barungen am 17. Juli in Kraft. Oeftemicb. Eröffnung be» Reichsrates. Wie», 17. Juli. Das neugewählte Parlament ist heute zu seiner ersten Sitzung zusammengetreten. Die Vertreter der deutschen, polnischen und italienischen sozialdemokratischen Ab- geordneten waren am 13. Juli bei dem M i n i st e r- Präsidenten v. Gautsch, um dessen Absichten zu er- fahren. Sie erklärten, daß die Bankvorlage keine Schwierigkeiten finden werde, wohl aber die W e h r v o r- läge. Vor allem forderten sie die baldigste Erledigung der Sozialversicherung.— Die tschechischen Genossen hatten eine gesonderte Besprechung mit Gautsch. Deutscher Freisinn. Im Deutschen Nationalverband hat die Angst um die Stichwahlhilfe der Schwarzen gegen die Sozialdemokraten über den ganzen Antiklerikalismus gesiegt, dessen radikaler Betonung vor den Wahlen man eine ganze Reihe von Wiener und Provinzmandaten verdankt. Dem in Wien gewählten Anti- klerikalen Zenker hat der Pfaffenknechtsverband die Aufnahme verweigert, obgleich gerade Zenker als Leitartttler der in Teutsckböhntcn sehr verbreiteten„Rcichenberger Zeltung" sei« gut Teil zur Sozialistenverleuindnng beigetragen hat. Abep man muß doch Geßinann über den Zusammenbruch in Wien trösten. Dank dieser Sorte von Dentschfreiheitlichkeit hat ja Deutschböhinen den Ruhm, zum erstermal einen Schwarzen in den Reichsrat geschickt zu haben, während aus Tschechisch. böhmen nun auch die letzten Klerikalen hinausgewählt wurden. Heil! Sugland. Eine Aera der Gewaltpolitik für Aegypten. London, 16. Juli. Lord Kitchener ist zum britischen diplomatischen Agenten in Aegypten ernannt worden. Gerade vor einem Jahre zirkulierte in der englischen Presse das Gerücht, daß der britische Generalagent in Aegypten. Sir Eldon Gorst, seines Postens enthoben und der Feldmarschall Lord Kitchener an seine Stelle gesetzt werden sollte. Die Hetze gegen Gorst ging von den englischen JingoS aus, weil er mit den ägyptischen Nationalisten tür ihren Geschmack zu nachsichtig vorgegangen war. Das Gerücht war damals ohne Zweifel wohlbegründet, aber vcr- früht, waS die Folge hatte, daß die Regierung das Gerücht dementierte. Gorst war damit fiir einige Zeit gerettet. und sein vor kurzem erschienener letzter Jahresbericht zeigte deutlich genug, daß er sich redliche Mühe gegeben hat, den Jingos nicht zu neuen Klagen Anlaß zu geben. Allein man scheint eS durchaus auf eine neue Aera blutigster Gewaltpolitik in Aegyten abgesehen zu haben. Nun ist Gorst vor Anigen Tagen ge- starben und die Ernennung Kitcheners wirklich erfolgt. Wie verlautet sollen die Funkttonen deS Amtes eines diplomattschen Agenten. daS bekanntlich jetzt schon die absolute Herrschergcwalt über Aegypten in sich schließt, wesentlich erweitert werden. insbesondere waS den Sudan anbetrifft. Die Ernennung des ebenso unwissenden wie brutalen Haudegens zu diesem wesentlich diplomatischen Amte ist gleichbedeutend mit der An- erkennung des völligen Bankrotts der bisherigen Polittk Eng- lands in Aegypten. Angesichts der jüngsten Ereignisse in Marokko ist sie auch vom Gesichtspunkt der internationalen Politik von übler Vorbedeutung. Lord Kitchener hat außerdem daS Oberkommando der sänitlichen britischen Sttcitkräfte im Mittelmeer erhalten. .luch das Hauptkommando der englischen Mittclmeerflotte ist nach Kairo verlegt worden. TaS anglo-japanische Bündnis. JluS London wird uns geschrieben: Mit überraschender Schnelligkeit ist das snglo-japanische Bündnis, da» erst im Jahre 1915 ablaufen sollte, erneuert worden. Der neue Vertrag enthält «ine Reihe wichtiger«endcrungen. Zunächst bleiben die beiden Bestimmung weg, die seit dem Abschluß deS Bündnisses im Jahre 1905 ihren Sinn verloren haben: die Garantierung der Vormacht- 'lellung Japans in Korea und die Stellung Englands zum russisch. japanischen Krieg. Weniger selbstverständlich ist die Weglassung der Klausel, worin Japan das Recht Englands anerkannte, in der Nähe der Grenze Indiens Maßregeln zu ergreifen, um seine indischen Be. sitzungen zu beschützen. Aber die einzige Gefahr, die Indien von außen bedrohte, kam von Rußland. Diese Gefahr besteht infolge der Schwäche Rußland» und dem cnglisch-russischcn Einvernehmen heute nicht, und England wollte jedenfalls den Hindu» nicht länger wie nötig zeigen, daß e» bei der Beherrschung Indien» auf die Unterstützung einer asiatischen Macht angewiesen sei. Aie bei weitem wichtigste Aendetüng ist aber mit Rücksicht Süs d'en ge- planten anglo-amerikanischen Schiedsgerichts- vertrag zustande gekommen. Danach soll daI Bündnis keine Geltung haben, wenn seine Bestimmungen den einen der Bundesgenossen zwingen würden, gegen einen Staat den Krieg zu erklären, mit dem er einen Schiedsgerichtsvertrag abgeschlossen hat. Damit verliert das anglo-japanische Bündnis viel von seinem kriegerischen Charakter, und namentlich werden die englischen Kolonien es jetzt annehmbarer finden, wenn sie wissen, daß es zu keinem Krieg Englands gegen die Vereinigten Staaten führen kann. Zweifellos hat die britische R e i ch s k o n f e r e n z auf diese wichtige Aenderung hingewirkt. perNen. Tie Konterrevolution. London, 17. Juli. Der„Standard" meldet aus Teheran von gestern: Salar ed Dauleh proklamiert seinen Bruder, den ab- gesetzten Schah Mohammed Ali, zum Schah und hat von seiner SOOll Mann starken Truppe 800 Reiter abgeschickt, die Hamadan besetzt haben. Eine dem Parlament feindliche Stimmung herrscht in Teheran, wo Unruhen wahrscheinlich sind. Das Medschlis hat in Gegenwart des Ministerpräsidenten Sepehdar über die Lage be« raten und einstimmig beschlossen, Sardar Assad sofort zurück- zurufen, damit er mit den Führern der Rebellen verhandle. Mexiko. Ermordung deutscher Staatsangehöriger. Pucbla(Mexiko), 15. Juli.(Meldung der Associated Press.) Bei den hier und an einigen benachbarten Orten erfolgten Zu- sammenstössen zwischen den Regierung�truppen und den Anhängern Madcros sind im ganzen 13S Personen getötet worden. Die grosstcn Verluste an Menschenleben waren in der Nähe von Covadonga zu verzeichnen, wo die streikenden Angestellten einer Textilfabrik die Gelegenheit benutzten, in Privathäusern zu plündern. In einem dieser Häuser wurden auch mehrere Deutsche getötet. Puebla, 17. Juli. Die in der Spinnerei Covadonga getöteten Deutschen sind: Wilhelm Kuhlmann und Peter Schmitz von der Köln— Deutzer Gasmotorenfabrik, Alfred Boer aus Lauban in Sckstcsien und Gertrud Boer, während Heinrich Weidmann aus Mülhausen i. E. mit Frau und beiden Kindern, Albert Baumann und Frau, letztere leicht verletzt, gerettet wurden. Die vier Opfer sind gestern beigesetzt worden. Bisher sind 33 Verdächtige in- haftiert. Die Untersuchung wird energisch betrieben, Peru. Blutige Kammereröffnung. London, 16. Juli. Aus Lima wird gemeldet, dass während der Eröffnungssitzung der Kammer Polizeiagenten in den Sitzungs- faal eindrangen und riefen:„ES lebe die Regierung, nieder mit dem Kongreß I" Es kam zu einem grossen Tumult, bei dem gegen 200 Revolverschüsse abgegeben wurden; zwei der Deputierten werden getötet und viele andere schwer verletzt, )Zus der Partei. Internationales Sozialistenmeeting. D In dem festlich geschmückten A r b o n, einem Schweizer Städtchen am Bodensee, fand am Sonntag eine internationale Sozialistenzusammentunft statt. Eingeleitet wurde sie durch einen -Festzug, an dem 12 000 bis 15 000 Personen sich beteiligten. Auf dem Festplatz sprach als erster Redner Adolf Braun- Wien, der die Notwendigkeit des Prinzips der Jnternationalität betonte. Auch in Oesterreich, wo der Nationalismus der Arbeiter- schaft grosse Schwierigkeiten bereite, werden die wirtschaftlichen Verhältnisse wieder eine Einigung der Arbeiterschaft herbeiführen. Dann sprach Karl Liebknecht- Berlin. Er gab in kurzen Umrissen eine Schilderung der wirtschaftlichen und politischen Zu- stände in Teutschland. Deutschland sei das Land der unbegrenzten Steuerpolitik und der bedeutendsten Militärlasten. Preußen sei der Hort der finstersten Reaktion. Der Wahlrechtskampf in Preußen habe eine internationale Bedeutung. Das Marokko oben- teuer sei eine Aktion zugunsten des profitlüsternen Kapitalismus. Die Regierung hoffe, durch das Marokkoabenteuer das Augenmerk von den inneren Zuständen des Landes abzulenken und auf diese Weise die bequemste Wahlparole zu erlangen. Als letzter Redner sprach Genosse Greulich- Zürich, der ein anschauliches Bild von dem schwierigen wirtschaftlichen Kampfe der schweizerischen Arbeiterschaft gab. Die italienischen Genossen, die in großer Zahl an der Sozia- listenzusammenkunft teilnahmen, demonstrierten vor einer beson- deren Tribüne. Einstimmig wurde folgende Resolution angenommen: „Die am 16. Juli 1S11 in Arbon stattgefundene Sozialisten- Zusammenkunft protestiert ganz entschieden gegen die von blut- und geldgierigen Kapitalisten angezettelte Kriegshetze und for- dert das Proletariat aller Länder auf, auf Grund der Resolution des internationalen Sozialistenkongresscs in Stuttgart mit allen Mitteln gegen einen eventuell ausbrechenden Völkermord ent- schieden vorzugehen."_ Paul SingerS Vermächtnis. Der verstorbene Genosse Paul Singer hat lehtwillig die Genossen A. Bebel und Hugo Heimann zu Erben seines Nachlasses eingesetzt mit der Bestimmung, daß der nach Abzug ver- g stedener Legate und eingegangener Verpflichtungen verbleibende ermögenSrest für die Bestrebungen, denen er sein Leben gewidmet hat. Verwendung finde. Diese Auseinandersetzung ist nunmehr beendet und haben die beiden Genossen den VermögenSrest in Höhe von 4S 054,87 M. der Parteikasse überwiesen. Das Winterprigramm des BildungSauSschusseS der sozialdemokratischen Partei ist soeben erschienen und an die örtlichen BildungSauSschüsse verschickt worden. BildungSausschüsse und andere Interessenten, die eS nicht erhalten haben, sind in der Adressentafel des Zentral-BildungSausschusseS nicht enthalten. Auf Wunsch wird ihnen daS Winterprogramm von der Geschäftsstelle, Berlin SW.68. Lindenstr. 3, zugestellt. DaS Winterprogramm hat den Zweck, den örtlichen BildungS- auSschüssen für die Praxis der BildungSarbeit Anregungen und Ratschläge zu geben. Es enthält Angaben über die Organisation der örtlichen BildungSauSschüsse und BczirkSbildungsausschüsse, deren Einsetzung von der Zentrale dringend gewünscht wird. Genaue Mitteilungen macht das Winterprogramm über die wissen- schastlichen Wanderkurse, die den wichtigsten Teil der Partei- genössischen BildungSarbeit bilden, über die Vorbereitung und die Einrichtung der Kurse, über die Kosten sowie über die Kursus- dispositionen der ständigen Wanderredncr Duncker, Rühle und Graf und einiger gelegentlicher Mitarbeiter gibt die Publikation des BildungSauSschusseS alle notwendigen Ausklärungen. Weitere Abschnitte deS Winterprogramms beschäftigten sich mit den Fragen der Jugendschriften, der künstlerischen und geselligen Veranstal. tungen und der Theatervorstellungen für Arbeiter. Den S-bluss bildet ein Entwurf zu einem Arbeitsplan ,ur e.nen ortlichen Bil- dungSausschuss. Der BildungSauS, chuss hat sich, wie er schreibt, m feinem diesjährigen Winterprogramm Beschränkungen auferlegt, Mld zwar mit Rucksicht auf den bevorstehenden Wahlkampf. „Wenn aber unsere Hoffnungen auf die bevorstehende ReichStagSwahl in Erfüllung gehen und die deutsche Sozialdemo. ktotie am Wahltage Hunderttausende neuer Rekruten mustert. t» wird daraus für die BildungSarbeit des folgenden WmterS eine dankenswerte Arbeit erwachsen: diese neugeivomkellekt Ast- Hänger müssen mit sozialistischem Denken und Fühlen erfüllt werden. Der Bildungsausschuss wird durch rechtzeitige Heraus- gäbe eines umfassenden Winterprogramms und auf andere Weise zu seinem Teile an der Erfüllung dieser ernsten Pflicht nach besten Kräften mitzuwirken bestrebt sein." polireiliches» CcrichtUchca uftv. Eine interessante Entscheidung. Gegen den früheren Redakteur der„Schwäbischen Volks- zeitung" in Augsburg, Genossen Carl Thiel, hatten vor einiger Zeit die Vorstände der gelben Werkvereine in Augsburg Beleidigungsklage angestrengt, weil sie sich durch zwei in der ge- nannten Zeitung erschienene Artikel beleidigt fühlten. Obwohl der Angeklagte nur für den politischen Teil und das F e u i l I e- t o n zeichnete, wurde Thiel vom Schöffengericht Augsburg zu 5 0 und 75 M. Geldstrafe verurteilt. Das Gericht stellte sich auf den Standpunkt, daß es nicht darauf ankomme, wo ein Artikel stehe, sondern auf den Inhalt. Gegen dieses unhaltbare Urteil hatte der Beklagte Berufung beim Landgericht eingelegt. Gleichzeitig haben auch die Kläger Berufung eingelegt, weil das Schöffengericht auf eine Geld- und nicht auf eine Gefängnisstrafe erkannt hatte. In der am Frei- tag vor dem Landgericht Augsburg durchgeführten Ver- Handlung wurde nun die Berufung der Privatkläger verworfen. Das Landgericht hob im übrigen das Urteil des Schöffengerichts auf und erkannte auf Frei- s p r e ch u n g des Beklagten unter Ueberbürdung der Kosten beider Instanzen auf die Privatkläger. Das Gericht stellte sich auf den Standpunkt, dass für die in Betracht kom- mendcn Artikel der Beklagte nicht verantwortlich gemacht werden könne,__ Sozialea. Der„Aufruhr" des Grafen Blücher. Die Agrarier beklagen sich so oft über die sogenannte Unbot- Mäßigkeit der Landarbeiter und rufen nach weiteren Ausnahme- aesetzän gegen das ländliche Proletariat. Auch klagen sie ständig über die Landflucht der Arbeiter. Allgemein bekannt ist ebenso, dass die Landarbeiter die Gefilde der Agrarier verlassen, weil sie auf ihnen keine ausreichende Entlohnung erhalten und weil sie die Behandlung der Agrarier nicht mehr länger erdulden wollen. Wie es mit den rechtlichen Verhältnissen der Landarbeiter bestellt ist, zeigt uns nachstehende Schilderung, die wir altenmässig berichten können. Auf dem Rittergute Wietzow im Amtsbezirk Daberkow, Kreis Demmin in Pommern, das einem Grafen Blücher gehört, entstand am 8. Februar 1911 zwischen dem Gutsinspektor und den Arbeitern des Gutes ein belangloser Wortwechsel. Graf Blücher sah die Sache anders an. Er meinte, eine strafbare Auflehnung liege vor. Der Graf erstattete Anzeige und schrieb am folgenden Tage an den Amtsvorsteher Kuhrt in Daberkow folgenden geharnischten Brief: „Wietzow, den 9. Februar 1911. Wie die in der Anlage bei- gefügten Zeugenvernehmungen ergeben, hat hier gestern früh eine gemeinschaftliche Auflehnung der Leute gegen den Inspektor statt- gefunden. Die Streitfrage, ob das Wasser des Ueberlaufrohrcs (an der Dreschmaschine) gegen Abend abgelassen tvar oder nicht, war eine ganz interne zwischen dem Inspektor und dem Arbeiter W., in der sich der W. ganz ungebührlich benahm, indem er durch sein Fuchteln mit der Hand und das Schlagen mit der Faust auf den Motor in dem Inspektor, der dicht vor ihm stand, den Eindruck erwecken mutzte, datz er auf ihn losgehen wolle. Der W. hat mir ferner zugegeben, datz er am Tage vorher den Leuten beim Dreschen 1 Liter Schnaps spendiert hat, woraus viel- leicht die Parteinahme der Leute für ihn erklärlich ist. Deshalb sowohl, wie auch wegen seines Betragens dem Inspektor gegenüber, beantrage ist die Untersuchung und Bestrafung des W. Aus dieser ganz internen Angelegenheit zwischen dem Jnspek- tor Herrn Rochow und dem W. hat sich denn unter Führung des Tagelöhners St, die Auflehnung der Leute entwickelt, obwohl es die Leute durchaus nichts anging, was die beiden zusammen hatten. Ich ersuche daher die gerickstliche Untersuchung und Bestrafung erwirken zu wollen, und zwar gegen den St. wegen Anführung und Einleitung der allgemeinen Auflehnung und als den Hauptwort- führer, gegen den Arbeiter K. wegen gemeinschaftlicher Auflehnung, verbunden mit tätlichem Angriff, gegen den Tagelöhner S. wegen Teilnahme an der Auflehnung und Beleidigung, die darin zu er- blicken ist, dass er laut Vernehmung des Herrn Inspektors diesen für zu dumm bezeichnete. ES ist dringend notwendig, datz dem immer mehr Platz grei- senden Geiste deS Aufruhr« gegenüber den Vorgesetzten, den Leu- ten durch ein Exempel bewiesen wird, daß zu gemeinschaftlicher Auflehnung die Zeit nun doch noch nicht gekommen ist. Daher bean- trage ich die gerichtliche Untersuchung und Bestrafung. Graf Blücher." Unter den beigefügten Zeugenvernehmungen befand sick auch die des so schrecklich beleidigten Inspektors. Dieser gab selbst an, dass er als„Abwehr" gegenüber dem Arbeiter, der ihn durck Fuch- teln mit dem Arm in der Luft und den Faustschlägen aüf den Motor„bedroht" hatte, diesem mit dem Ellbogen unters Kinn ge- stoßen habe. DieS wurde auch in den späteren Gerichtsverhandlun- gen durch Zeugen festgestellt. Die ganze„Auflehnung" der Arbei- ter bestand darin, datz die Arbeiter ihrem Kollegen beigestanden haben, als sie sahen, dass der Inspektor dem Arbeiter unters Kinn gestoßen hat. Sie erklärten dem„unschuldigen" Inspektor, datz hier nicht geprügelt wird und er solle drei Schritt vom Leibe blei- hen. Auf diese Bemerkung hin sagte der beteiligte Arbeiter S.: „Das versteht der Inspektor nicht, denn dazu ist er zu dumm, weil er nicht Soldat war." Und deshalb die lange, den Amtsvorfteher beschwörende Straf- anzeige des Grafen Blücher auf Wietzow bei Daberkow! Damit sie nicht völlig unter den Tisch falle, wurde der angeb- lich beleidigte Inspektor von der Anklagebehörde veranlasst, Straf- antrag zu stellen. Das tat er am 21. Februar. Darauf wurde auch wegen Beleidigung des Inspektors im„öffentlichen Interesse" An- klage erhoben. Das Schöffengericht in Demmin sprach drei der wegen„Auf- lehnung", Zusammenrottung und dergl. Angeklagten frei, der vierte Angeklagte wurde Ivcgen der Bemerkung„der Inspektor sei zu dumm" zu einer Geldstrafe von 9 Mark verurteilt. Diese Strafe wurde auch in der Berufungsinstanz vor der Strafkammer in Greifswald am 16. Juni 1911 aufrecht erhalten. Die riesige Haupt- und Staatsaktion endete also mit der Frei- sprechung wegen„Auflehnung",„Zusammenrottung" und dergl. und mit Verurteilung zu 9 Mark, weil„im öffentlichen Interesse" Beleidigungsklage wegen der vermeintlichen Behauptung„der In- spektor ist zu dumm" erhoben war! Eine grandiose staatliche Fürsorge für den Ruf über den In- telligenzgrad eines Inspektors! Greift dieselbe Fürsorglichkeit auch Arbeitern gegenüber, die von Inspektoren oder Arbeitgebern belci- digt sind, Platz? Da pfeift der Wind aus einem anderen Loche. In zahllosen Fällen, wo die Agrarier oder ihre Beauftragten länd- liche Arbeiter beleidigten oder gar gegen sie tätlich wurden und die Mißhandelten aus Arbeiterkreisen Anzeige erstatteten, lehnte der Staatsanwalt ein Einschreiten im öffentlichen Interesse ab oder er drehte den Spieß um und stellte den anzeigenden Arbeiter unter Anklage. Und dann wundert man sich über den Mangel an Ver- trauen der Arbeiter zur Justiz! Eine Behandlung, wie die geschilderte, muß sich die Landarbei- terklasse leider heute noch bieten lassen. Ein Mittel dagegen sst die Organisation in dem Landarbeitervcrband und bei der nächsteri Rcichstagswahl Abgabe des sozialdemokratischen Stimmzettels, wie nicht minder der Eintritt in die politische Organisation der Ar- beiterNaffe. Landarbeiter! Je schneller Ihr Eure gewerkschaftliche Organi- sation und die politischen Vereine der Sozialdemokratie stärkt, desto eher werdet Ihr Freiheit und Recht erkämpfen. Hus Industrie und ftandel Herzog Arenberg Bergherr. Die Arenberge sind wohl das v o r n e h m st e und zugleich ein immens reiches Adelsgeschlecht Deutschlands. Engelbert, Herzog von Arenberg, gehört mit zu den wenigen Bergherren, die nicht nur vom prt- baten, sondern auch vom staatlichen Bergbau auf Grund der ihnen vom Staate überlassenen Bergregale alljährlich Riesensummen„verdienen". Schon im Jahre 1351 verzichtete Preußen auf einen grossen Teil der vom Bergbau erhobenen Abgaben, 1865 trat es völlig vom söge- nannten Direkrionsbetrieb, d.h. von einer Bevormundung derBergwerks- besitzer durch den FiskuS zurück und übergab die Gruben der Selbst- Verwaltung der Besitzer. Es handelte sich dabei nicht um eine vor- märzliche Steuerbelastung und deren Beseitigung. Der Staat hatte in vielen Gegenden des Deutschen Reiches schon im Mittelalter das Eigentum an den Erdschätzen, die Abgaben waren nichts weiter als Anteile des Staates, als Eigentümer von Grund und Boden. Die 1865 auf 2 Proz. der Bruttoeinnahme herabgesetzte Abgabe wurde durch die Novelle von 1392 außer Hebung gesetzt, aber nicht auf- gehoben. Für die Inhaber von Privatregalen, die ehe- maligen Reichsunmittelbaren, blieb damit das Recht auf einen Teil der Bergwerkserträge bestehen. Als Bergbautreibender zahlen sie keine Abgaben, aber als Regalherren erheben sie solche von Privaten und auch vom FiskuS. Die„Rheinisch-westfälische Zeitung", der doch sicher keine Fürstenfeindlichkeit nachgesagt werden kann, schrieb über die Regalrechte am 6. Juni 1910: Geradezu skandalös sind auch die Regalabgaben, welche früher reichsunmittelbare Fürsten lind Herren m den BergwerkSgebieten sich vorbehielten. Die Arenberge, Croh und die ober- schle fischen Magnaten(Tiele- Winckler usw.) erhalten Millionen dafür, datz ihre Vorfahren es verstanden haben, die staailicben Bergwerksregalien in private Einnahmen umzuwandeln; selbstverständlich gebären von Reckils wegen alle Bergwerksabgaben den betreffenden(Krön-) Fürstentümern bezw. dem Gesamtstaate Preußen. ES ist ein unerhörter Mißbrauch, der sich jahrzehnte- lang fortschleppt, wenn diese Regalinhaber zwar in den Aus» gaben, von den vollen Servituten. Heer- und Gerichtskosten, befreit wurden, die Einnahme» aber in ihre eigene Taschen st ecken." Welche Suinmen auf diese Art in die Taschen der Arenberge wandern, läßt sich nicht ohne weiteres feststellen. Im Jahre 1866 erhielt Arenberg allein von der Recklinghauser Grasschaft, die ihm regalpflichlig ist, von einem Grubenunternehmen 379 M., 1908 waren es schon 1 390 593 M., die von 18 B e r g w e r k en auf« gebracht werden mußten. Zu dieser schönen Summe zahlte der preußische Staat allein 95 743 M. I Der Familie Tiele- Winckler bringt ihr HerrschastSbcsitz MySlowitz-Kattowitz ähnliche Summen ein. Es wird Zeit, dass ein Reichsberggesetz auch hier gründlich aufräumt. Roheisensyndikat. Nach Meldungen au? Essen ist jetzt zwischen der„Guten HoffnungSbütte" und den übrigen Interessenten in der Ouotenfrage eine Verständigung erzielt worden. Danach gilt die Verlängerung des Syndikats bis zum Jahre 1915 als gesichert. Die Börse quiuierte über die damit verbundenen besseren Profitaussichten durch eine kleine Hausse. Schöne Aussichten. Das OmSker Börsenkomitee behauptet, der ganze Omsker KreiS, der westliche Teil des Kainsier, der nördliche des Pawlograder, der Petropawlowsker, Kurghaner, Troizker und Czelabinsler Kreis seien von einer völligen Mißernte betroffen worden. Die Ernte in Weizen, Roggen, Hafer und Gerste dürfte um 80 Proz. geringer ausfallen, als in normalen Jahren. Be- sonders ungünstig wird die Lage der dortigen Landwirte dadurch, daß die Heuernte nahezu verloren gegangen ist. Die Regierung soll gebeten werden, das Vieh auf den staarlichen Ländereicn des Tomöker und Jenisscjsker Gonveniemenls durchfüttern zu dürfen. Der Butterexporl nach dem Auslände dürfte danach in diesem Jahre wesentlich zurückgeben.— Dazu fehlte nur noch der von den Agrariern geforderte Milchzoll, dann könnten die Konsumenten was erleben. Ucbrr die Eisenindustrie Oesterrelch-Unzarns hat der bekannte Generalgewaltige des österreichischen Eisenlartells Kestranek aus Anlaß der Brüsseler internationalen Tagung der Hüttenköuige eine größere Arbeit veröffentlicht(in der Brüsseler„Revue Economique Internationale"), der wir folgendes entnehmen: Dem reichen Eisen- vorkommen Oesterreich-UngarilS steht ein Mangel an koksbarer Koble gegenüber, so daß bei 2.2 Millionen Toni, en jährlicher Koksproduklion »och 600 000 Tonnen Koks auS dem Ausland jährlich bezogen werden müssen. Mit 2,15 Millionen Tonnen Roheisenproduktion steht Oester- reich-llugarn an sechster Stelle, ebenso mit der gleich hohen Stahl- erzeugung. Die Rückständigkeit der indilstriellcn Entwickelung und die Folgen der schntzzollbegüiistigten Karlellräuberei zeigt der Um- stand, datz pro Kopf nur 55 Kilogramm Eisen in Oesterreich, 38 Kilogramm in Ungarn verbraucht werden gegen 140 in Deutichland, 220 in England, 320 in Nordamerika. Die heimische Produktion vermag nach Kestranek den Bedarf zu decken, es werden aber noch 200000 Tonnen Gießereiroheisen usw. aus dem Auslande eingeführt. Da möchte man wohl durch ei»en Weltverband solcher Konkurrenz einen Riegel vorschieben. Die Zölle betragen 15—90 Kronen pro Metertonne Eisen von Rohetsen bis zu den Grobblechen. Sie sind böher als irgendwo in der Well, mit wenigen Ausnahmen in Nordamerika. Unter dem Konkurrenzausschluß dieser Zölle ist die BetriebSkonzei, tration weit vorgeschritten. Die Alpine Moiitangesellschaft erzeugte noch vor 30 Jahren in 31 Hochösen 165 000 Tonnen Roheisen, beute erzeugt sie in nur 5 Hochöfen 520 000 Tonnen. Ihre Stahlproduktion war vor 30 Jahren 79 000 Tonnen in 4 Bestellter- und 3 Marlinhütten— heute stellt sie in einer Martinanlage 400 000 Tonnen Stahl her. Und die Arbeiter- zahl ging trotz dieser Steigerung die Produktion von 17 500 auf 14000 Mann herunter l_ Hus der frauenben'egung. DaS bürgerliche Recht der Fran. Daß die Frauen politisch rechtloser sind als der Mann, ist un- bestritten. Aber auch im bürgerlichen Leben haben die Frauen ein geringeres Maß an Rechren als die Männer. Die Ehe- und Straf- geietze bestätigen die Abhängigkeit der Frau von, Manne. Die Frau galt durch Jahrtausende nicht als die gleichberechtigte Gefährtin des Maniies, sondern nur als feine Untergebene, fein Eigenlum und seine Sache. Sie war auch in den besitzenden Klassen nur daS Eigentum deS Mannes, die oberste seiner Mägde..Der Mann ist vaS Haupt der Familie", daS ist das Leitmotiv aller Ehegesetze, die wir in den zivilisierten Staaten haben. Und warum ist die Frau nur seine Untergebene? Dem Manne steht die UnterhaltungSpflicht der Familie zu. Der Mann muß feiue Familie ernährcii. die Frau soll lediglich die Pflege und die Erziehung übernehmen. Was aber nützt eS, wenn hundertmal dem Mann die größere Pflicht auferlegt wird und die wirtschaftlichen Verhältnisse ihm die Erfüllung dieser Pflicht unmöglich machen. Heute kann in allen Gesetzbüchern stehen, daß der Mann die Familie erhalten und ernähren soll, er wird eS in taufenden Fällen nicht können. Die Frau muß. der Rot gehorchend, einen Teil der UnterhaltungSpflicht auf sich nehmen und neben der Pflege und Erziehung der Kinder auch noch die UnterhaltungSpflicht übernehmen. Trotzdem hat sie als Gattin und als Mutter weuiger Recht als der von ihr abhängige Mann. Der Vater hat auch ein größeres VerfügungSrecht über die Kinder. Eine weitere Rückständigkeit ist die geringe Verpflichtung, die dem unehelichen Vater gegen Kind und Mutter auferlegt wird. Warum ober ist die Frau heute„och die Benachteiligte? Weil un- gerechte Wahlsysteme die Frau von der Mitbestimmung über die Gesetze ausschließen. Reformen wird uns erst das Frauenlvahlrecht bringen. GcwcrhfcbaftUchea. „/irbcUerbeftcuming" durch die Gcwcrh- fchaften. Eines der beliebtesten Themen in allen Scharfmacher- Organen ist das von der Besteuerung des Arbeiters durch Gewerkschaft und Partei. Wenn die Küche des Reichs- Verbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie wieder einmal einen solchen Brei eingerührt hat, dann fallen die Scharfmacherorgane und ein gut Teil von dem übrigen bürgerlichen Preßgelichter darüber her und verschlingen ihn, ohne danach zu fragen, ob das auch genießbar ist, was ihnen vorgesetzt wurde. Jetzt beschäftigt sich die bürgerliche Presse und die Unternehmerpresse wieder mit diesem beliebten Thema. Unter der Stichmarke„Arbeiterbesteuerung" heißt es da: .Die sozialdemokratischen Gewerkschaften tragen sich be- kanntlich mit dem Gedanken, eine besondere große Kriegskasse zu schaffen, welche ans Beiträgen der Mitglieder sämtlicher Zentral- verbände, die der Generalkommission der Gewerkschaften angeschlossen sind, aufgebracht werden soll. Diese Kasse soll bei„großen Kämpfen, welche über die Machtmittel der einzelnen Fachverbände hinausgehen", flies: bei politischen Machtproben) den nötigen Rückhalt bieten, damit die Gewerlschaften nicht wie bisher darauf angewiesen sind, mit dem Klingelbeutel herumzugehen. Bei der neuen Extrasteuer soll es sich um einen Wochenbeilrag von 5 Pf. handeln; nach Maßgabe der Mitgliederzahl würde die neue Kasse nach Abtauf des ersten Jahres etwa 5 Millionen Mark erreicht haben. Es liegt auf der Hand, daß dieser Fonds nur eine neue Angriffswaffe zur Durchführung von Streiks bedeutet, weshalb der Plan der Gewerkschaften die ernsteste Beachtung der Arbeit- geberkreise verdient. Auf der anderen Seite liegt darin eine abermalige Steigerung der sozialdemokratischen Belastung der Arbeiterschaft, die. prozentual gemessen, vorher schon bei weitem das übersteigt, was Staat und Gesellschaft von ihren reichsten Bürgern und den höchsten Einkommen verlangen. Man hat ausgerechnet, daß die gewerkschastliche Belastung eines organisierten Arbeiters jetzt schon, gering ge- rechnet, i M. pro Woche beträgt; das bedeutet, wenn man ein Durchschnittseinkommen von 1000 M. zu Grunde legt, eine direkte Einkommensteuer von 5,2 Proz. I Rechnet man hierzu noch die Steuern für die politische Organisation mit mindestens 1,d0 M. monatlich, also 18 M. jährlich, so ergibt sich eine Gesamtbelastung von 7 Proz., während bekanntlich die preußische Staatseinkommen- stener selbst bei den höchsten Einkoinmen nicht über 4 Proz. hinausgeht l Dazu soll nun noch die neue Belastung von 5 Pf. pro Woche treten, so daß man wohl berechtigt ist zu sagen, daß die Steuerlast, die Staat und Gemeinde ihren Bürgern auferlegen, gering ist gegenüber den Abgaben, die die Sozialdemokratie und die ihr angeschlossenen Gewerkschaften von den Arbeitern fordern." Der Leser der bürgerlichen Presse muß es der Redaktion seines Leibblattes schon nachsehen, wenn ihm in der trostlosen Zeit der sauren Gurke dieser schon so oft aufgewärmte Kohl wieder einmal vorgesetzt wird. Aber in etwas größere geistige Unkosten hätte sich der Verfasser dieser Notiz doch stürzen müssen. Selbst wenn es wahr wäre, was er schreibt— bekanntlich hat die Schaffung eines solchen Fonds zunächst noch gute Wege—, so sind seine Vergleiche mit den vom Arbeiter aufzubringenden Staats- usw. Steuern einfach Unsinn. Seine Beiträge zur gewerkschaftlichen oder politischen Organi- sation charakterisieren sich als ein überaus gut verzinsliches Kapital, das ihm im Gegensatz zur Staats- usw. Steuer reiche Vorteile bringt. Aber auch die als üblich bezeichnete Belastung des Arbeiters mit 1 M. pro Woche—„wie man herausgerechnet hat"— ist Schwindel. Im Jahre 1909 zahlten nur 33 Proz. der Geiverkschastsmitglieder über 50 Pf. Wochenbeitrag, 67 iclfo noch darunter. Im Durchschnitt entfielen auf das Ge- Werkschaftsmitglied 27,57 M. Einnahme. Die Einnahme an Beiträgen ist noch geringer. Von dieser Summe gingen jedoch 15,85 M. in Form von Unterstützungen aller Art wieder an die Mitglieder zurück. Nicht gerechnet sind dabei die außerordentlichen, durch Lohnbewegungen errungenen Vorteile, sowie die Arbeitszeitverkürzungen, ferner die Bildungsmittel, die dem Mitglied durch die Gewerkschaft zur Verfügung ge- stellt werden. Es zeigt sich also, daß die bürgerlichen Schmocks in ihrem Bemühen, gegen die Arbeiterbewegung zu hetzen. ganz elend Schiffbruch erleiden, sobald man sich mit ihren Argumentationen ernstlich besaßt. ßerUn und Qingegend* Die Eisenkonstruktimisarbeitcr versammelten sich am Sonn- tagvormittag in den„Andreas-Festsälen", um die Situation nach dem letzten Streik zu besprechen. Otto Handle referierte. Nach einem kurzen Rückblick über den geführten Kampf und die abschlie- tzenden Verhandlungen führte er mancherlei Klagen an, die ein- gelaufen waren, weil manche Unternehmer sich wieder ganz auf den Herrenstandpunkt stellten und die eingegangenen Verpslich- tungen nicht erfüllten oder umgingen. Neue Verhandlungen waren bei der Firma Steffen u. Nolle notwendig, die bis Sonntag nicht zum Abschluß gekommen waren. Diese Firma hatte sogar zuerst verlangt, daß die Arbeiter, die wieder eingestellt werden, ein Schreiben unterzeichnen, in dem sie um die Aufnahme„bitten". Diese Zumutung wurde vom Deutschen Metallarbeiterverband energisch zurückgewiesen und erklärt, daß der Kampf sofort von neuem ausbrechen würde, wenn man den Arbeitern irgendwelche demütigende Bedingungen stellt. Darauf zog die Firma schleunigst ihr Verlangen zurück. Verschiedene andere Differenzen entstanden dann, die noch zu schlichten sind. Die Unternehmer sind eine Reihe von Verpflichtungen eingegangen, die sie erfüllen müssen, wenn sie den Frieden im Gewerbe wünschen. Aufgabe der Arbeiter ist es, darauf zu achten, daß die zugesagten Verbesserungen eintreten, im anderen Falle aber den Verband in Kenntnis zu setzen. Handle betonte die Wichtigkeit der Organisation für jeden Arbeiter und warnte zugleich vor den Zersplitterungsversuchen, die gegenwärtig wieder, wie gewöhnlich nach einer Lohnbewegung, gemacht werden, und zwar von drei Seiten aus, nämlich von dem„Freien Verband der Metallarbeiter", von den„Wiesenthalern" und von den „Christlichen". Mit dem Deutschen Ntetallarbeitervcrband können diese kleinen Vereinigungen keinen Vergleich aushalten, aber sie versuchen gern, im Trüben zu fischen. Als Kuriosum unter den Nachwehen des Streiks wurde erzählt, daß bei einer Firma die folgende Bekanntmachung angeschlagen wurde: .15 gebrauchte Strohsäcke a 0,75 Mk., 15. Kopfkissen ä 0,30. sind zu verkaufen." Diese Bekanntmachung erregte viel Heiterkeit unter den Ar- heitern, weckte aber keine Kauslust, denn die Arbeiter wußten, welche Sorte Schlafburschen die Strohsäcke und Kissen benutzt hatten. Achtung, Niappen- und Galanteriewarenarbeiter! In der Lederwarenfabrik von Max S ch u l tz e, Ritterstr. 42/43, haben die dort beschäftigten Ledergalanteriearbeiter wegen Nichtanerkennung des Tarifvertrages für die Album-, Mappen- und Galanteriewaren- dranche die Arbeit eingestellt. Zuzug nach dieser Werkstatt ist streng fernzuhalten. Verband der Sattler und Portefeuillcr. Verwaltung Berlin. Der Streik in den Mörtelwcrken und Kalksandsteinfabriken Niederlehme ist aufgehoben. Nedakt.: Richard Barth, zzxrlin. Inseratenteil verantw.s' Achtung, Friseurgehilfen! Die Kollegen in Branden- bürg a. H. befinden sich in der Lohnbewegung. Sie verlangen 21 M. Wochenlohn, geregelte Arbeitszeit, Mittagspause und Frei- gäbe der drei zweiten Feiertage. Die Arbeitgeber verhalten sich durchaus ablehnend. Es wird gebeten, Zuzug fernzuhalten. Die Parteipresse wird um Abdruck gebeten. Paul Liere. veuvkcves Reich. Neuer Streikbrechervermittelungstrick. Ein böhmischer Zimmermann I. F ia la, der sich an bestreikte oder aussperrende Firmen heranmacht und vorgibt, ihnen jede ge- wünschte Anzahl Arbeitswilliger zur Verfügung stellen zu können, macht gegenwärtig von sich reden. Nach Auszahlung eines gehörigen Kostenvorschusses läßt dann dieses dem deutschen Staate doppelt nützliche Element nichts mehr von sich hören. Dieser Fiala ist ein alter Bekannter, der bor Jahren bei den Gewerkschaften versuchte, sein Geschäftchen zu machen. Anläßlich der großen Aussperrung der Buchbinder im Jahre 1906 erschien er auf dem Zentralbureau des Buchbinderverbandes in Berlin und gab an, von einer Berliner Großbuchbinderei beauftragt zu sein, in Böhmen Streikbrecher anzuwerben. Es sei ihm auch gelungen, 26 Arbeitswillige ausfindig zu machen, die die Reise nach Berlin antreten wollten. Er würde von der Großbuchbiuderei 250 M. Provision erhalten, wolle sich aber dieses„Sündengeld" nicht der- dienen, weil er selbst organisierter Buchbinder sei! Schließlich stellte er an den Vorstand das Verlangen, die gehabten Unkosten in Höhe von 70— 80 M. ihm auf Kosten des Buchbinderverbandcs zu ersetzen. Diesem seinem Wunsche kam der Vorstand des Buch- binderverbandes jedoch nicht nach, sondern er fühlte dem Burschen etwas näher auf den Zahn, wobei sich herausstellte, daß er nicht Buchbinder, sondern Zimmermann war. Er wurde der Polizei übergeben und es zeigte sich da, daß er ein von dieser ge- suchter schwerer Junge war, der allerlei auf dem Kerbholz hatte. Trotz seines alten Strafkontos und obgleich sein Auftreten auf dem Buchbinderverbandsbureau sich doch als Betrug und Er- Pressung qualifizierte, ließ ihn unsere Polizei laufen! Auf die am 15. Juni 1906 erfolgte Anzeige hin erhielt der Vorstand des Buchbinderverbandes am 1. September 1906 vom Ersten Staatsanwalt ein Schreiben, nach dem Fiala „alsbald nach seiner Vernehmung... seine Wohnung... aus- gegeben hat und zurzeit nicht ermittelt ist. Fiala ist österreichi- scher Untertan und dürfte sich in seine Heimat bei Prag zurück- begeben haben. Ich bin daher nicht in der Lage, dem Verfahren Fortgang zu geben und muh seine Rückkehr nach Deutschland ab- warten. Es sind Maßregeln getroffen, daß dies zu den Akten bekannt wird." Damals ließ die Polizei und der Staatsanwalt den Burschen laufen, handelte, es sich auch damals nur um Arbeiterverbände, die er zu schädigen trachtete. Heute wagt er sich auch an die Unter- nehmer. Es wird abzuwarten sein, ob unsere Staatsgewalt jetzt etwas fixer sein wird; das geheiligte Interesse der Unternehmer ist ja doch bedroht!_ Die„Wahrheitsliebe" der bürgerlichen Presse. Seit einigen Tagen durchläuft die gesamte bürgerliche Presse eine Schauernotiz folgendes Inhalts: Aus der Praxis der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. Eine bedeutende Firma im Hagener Bezirk erhielt vor kurzem von der Leitung des sozialdemokratischen Nietallarbeiterverbandes ein Schreiben, in dem sie aufgefordert wurde, nicht weniger als 25„Forderungen" der„organisierten Arbeiterschaft" zu bewilligen Da die Firma es von jeher abgelehnt hat, den sozialdemo- kratisckien Verband als verhandlnngsfähig anzuerkennen, so blieb dos Schreiben unbeantwortet. Dieser Tage bat nun der Arbei- terausschuß des betreffenden Werkes um eine Unterredung mit der Direktion. Diese wurde gewährt.„Wir kommen wegen unseren Forderungen!"—„Wegen ihren Forderungen? Es ist uns nicht bekannt, daß unser Arbeiterausschuß Forderungen ge- stellt hat!"—„Ja, aber der Verband hat doch geschrieben."— „Ein Schreiben vom sozialdemokratischen Verband ist allerdings hier eingegangen, aber mit dem Verband verhandeln wir nicht. Wenn Sie als unser Arbeiterausschutz etwas vorzubringen haben, dann sagen Sie es bitte!" Da stellte es sich heraus, daß der Ar- beiterausschuß nichteineeinzige Forderung kannte, die der„Verband", angeblich im Namen der Arbeiterschaft des betreffenden Werkes erhoben hatte! Die Leute baten dann, daß an der Hand des Schreibens der Organisationsleitung mit ihnen verhandelt werden möge, sie würden dann schon das Nötige dazu sagen. Selbstverständlich wurde dieses Ansinnen zurückgewiesen." Die Notiz ist von Anfang bis Ende erlogen. Es handelt sich bei der Notiz um die Firma Bovermann, Hagen-Vogelsang, in der vorstehendes vorgekommen sein soll. Die dort beschäftigten Arbeiter sind zum Teil im Deutschen Metallarbeiterverband, im Gewerkverein Hirsch-Duncker und im Christlichen Metallorbeiter verband organisiert. Der Firmeninhaber ist der Vorsitzende des Arbeitgcbervereins der Kreise Hagen- Schwestn und einer der größten Scharfmacher. Die sanitären Einrichtungen des Betriebes sind sehr mangelhast, auch lassen die Lohnverhältnisse sehr viel zu wünschen übrig. In mehreren Fabrikversammlungen der drei in Frage kom- menden Organisationen wurden die Mißstände besprochen und wurde von den Arbeitern des Betriebes einstimmig beschlossen, in eine Lohnbewegung einzutreten. Die Organisationsvertreter emp- fahlen den Arbeitern, die Mißstände in den nächsten Tagen genau festzustellen und in einer neuen Versammlung noch mal darüber zu berichten. In der neuen Versammlung brachten die Arbeiter das genaue Material vor und die Organisationsvertrcter legten die Angaben der Arbeiter schriftlich nieder. In sämt- lichen Versammlungen war der Arbeitcrausschuß anwesend und war mit den Forderungen durchaus einverstanden. Der Ausschuß besteht aus organisierten Arbeitern. Eine von drei Organisationsvertretern unterzeichnete Eingabe wurde an die Firma gerichtet, in welcher die Forderungen der Ar- beitcr in 25 Punkten formuliert waren. Bevor die Firma Bovermann im Besitz der Eingabe war, hatte der Arbeitcrausschuß bereits eine Abschrist der Eingabe in Händen. Mit diesen Angaben vergleiche man die Notiz der bürgerlcchnr Presse und man muh zugeben, daß dieselbe von A bis Z erlogen ist. Kennzeichnend ist es aber, daß die Zcntrumspresse von der„Ger- mania" bis zum Provinzblättcken diese Notiz z u e r st gebracht hat, daß also diese Presse ihren eigenen christlichen Mitgliedern in den Rücken fiel! Was sagen die christlichen Ar- beiter zu derartigen Gemeinheiten? Soweit die Verwaltungsstelle Hagen des Deutschen Metall- arbeit erver band es in Besitz der bürgerlichen Zeitungen gekommen ist, die die Scblvindelnachncht brachten, wurden dieselben auf Grund des Prcßgesctzes gezwungen, eine Berichtigung zu bringen, und sollte die Lügennotiz auch ferner noch in einigen� bürgerlichen Schmutzblättern auftancben, so ersuchen wir die Genossen ein Exem- plar der Zeitung an den Genossen Joseph Ernst, Hagen(Wests.), Kölner Straße 3, zu senden. Zum Konflikt bei Scherl und seinen Folgen nahmen am Sonn- abend abend auch die Buchdrucker Stuttgarts in einer stark besuchten Versammlung im„Gewerkschaftshaus" Stellung. Nach dem Referat des Gauvorstehers Knie, der in eindringlicher und sachlicher Weise die Haltung der Gauvorstehcr klarlegte und die von ihnen gefaßte Resolution empfahl, wurde von einigen Rednern in scharfen Worten gegen die in dieser Angelegenheit gefaßten Beschlüsse gesprochen. Am meisten verurteilt wurde der in dem Tarifamtscntsckteid enthaltene PassuS. wonach den beiden Ber- trauensleuten die Oucuifikation als solche abgesprochen und sie zur Entlassung empfohlen wurden. In überaus scharfer Weise wurde gegen die Haltung des„Korrespondent" polemisiert. Ein Ith. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanstalt Redner wies auf einen von der Redaktion im„Korrespondent� vom 13. Juli gebrachten Satz hin, wonach„man sich nicht wundern solle, wenn, die Provinz eine Mainlinie zwischen Berlin und„den umliegenden Dörfern" aufrichtet". Er stellte unter lebhaftem Beifall fest, daß die Stuttgarter Buchdrucker von einer derartigen „Mainlinie" nichts wissen wollten und mit Berlin vollständig einig sind. Nachdem sich noch ein Gauvertrcter als einziger Be- fürloorter der Haltung der Gauvorsteher unter stürmischen Unter« brcchungen in teilweise scharfen Wendungen gegen die Oppositions- redner gewandt hatte, erfolgte Schluß der Debatte. �_ Zur Abstimmung lagen drei Resolutionen vor, von denen d:ejenige der Gauvorsteher zuerst zur Abstinimung kam und gegen 11 Stimmen abgelehnt wurde. Eine Resolution Fritsch, welche in ihrem ersten Teil den Tarisbruch der Berliner Rotationsmaschinen« meister verurteilt, in ihrem zweiten Teil sich dagegen mit der Haltung der Tarif- und Verbandsinstanzen betr. der Disquali- fizierung der Vertrauensmänner nicht einverstanden erklärt und wünscht, daß die Gauvorstchcrkonfcrenz einen Weg gefunden hätte, der den Berlinern das friedliche Weiterarbeiten in unserer Mitte besser ermöglichte, als dies durch die Gauvorsteherresokution aus- gedrückt wird, wurde mit 155 gegen 63 Stimmen bei vielen Eni« Haltungen angenommen. Die so geringe Beteiligung an der Abstimmung ist darauf zurückzuführen, daß über den Abstimmungs- modus eine große Verwirrung herrschte. Eine dritte Resolution Otto Müller verlangte, über die Resolution der Gauvorsteher zur Tagesordnung überzugehen und wünschte weiter, daß d-? Tarifgedanke nicht überspannt werde. Diese Resolution vereinigie nur 43 Stimmen aus sich.— Wie der Verlauf der Versammlung zeigt, hat es mit der Behauptung des„Korrespondent", die Provinz in ihrer großen Mohrheit barmoniere nicht mit Berlin, eine eigene Bewandtnis. Husland* Der Gencralstreik in Saragossa. Saragossa, 15, Juli.(Eig. Ber.) Der Generalstreik ist soeben mit einem Siege beendet worden. Angesichls der entschlossenen und einigen Hallung der Arbeiter mußten die Unternehmer deren Forde- rungen eriüllen. Von beute ab ist die Arbeitszeit auf 3'/» nach dem 15. Augusi auf 9 Stunden festgesetzt. Der Sieg hat 2 Tote und 70 Verwundete gekostet, aber das Opfer war nicht vergeblich. Das Proletariat von Saragossa hat ohne irgend welche Unter- stütznng nur durch seine ausgezeichnete Solidarität die geeinte Macht der Unternehmer, der Armee und der parteiischen Regierung nieder« geworfen. Die Verantwortung für das vergossene Blut trägt einzig und allein der Gouverneur, der bei allen Streiks die Armee den Unter- nehniem zur Verfügung stellt. Trotz des Sieges ist das Volk sehr erregt, denn die Straßen sind noch mit dem Blut der Opfer bespritzt. Die Gefängnisse sind voll von Arbeitern, die ihre Rechte verteidigten.'Auch die Frauen hoben sich tapfer gezeigt, sie eilten während des Kampfes den Verwundeten zu Hilfe. Genosse Pablo JglesiaS hat gegen die Arheitermetzclei und die brutale Haltung der Regierung Protest eingereicht. J*ctzU J�admditcn. Die Eisenbahnkatnstrophe bei Müllhcim. Ueber daS Eisenbahnunglück bei Müllheim wird folgende amt- liche Meldung aus Karlsruhe verbreitet: Bei der Einfahrt in die Station Müllhcim entgleiste Montag morgen 8� Uhr an einer wegen Umbauarbcitcn provisorisch an« gelegten Gleisverbindung, vermutlich wegen zu raschen Fahrens. der Eilzug Nr. 9 mit Lokomotive, Gepäck-, vier Personenwagen, einem Post- und einem Speisewagen. Bis jetzt sind festgestellt: 13 Tote, 7 Schwer- und 24 Leichtverletzte. Der Materialschaden ist erheblich. Die Lokomotive mit sämtlichen Rädern ist entgleist, der Packwagen umgestürzt, der folgende Wagen (1. und 2. Klasse) vollständig zertrümmert, der nächste(3. Klasse) umgesetzt, dem vierten Magen(3. Klasse) wurde der Oberkasten vollständig zertrümmert durch den fünften Wagen, der auf den vierten aufgeschoben wurde. Der sechste und siebente Wagen sind entgleist und beschädigt. Das Verzeichnis der Schwerverletzten lautet: 1. Jalob Rümelin aus Greegen(Baden), 2. Jonas Mayer aus Basel, 3. Negierungsbaumeister Nürnberger aus Lörrach, 4. Martha Pfleidercr aus Schafhof bei Kapferzell, 5. Rosine Frasch aus Schönau, 6. Frau Warthmann, Schaffnersfrau vom Zuge Paris— Basel, 7. Marie Koch, Krankenschwester. Leicht» verletzt sind: 1. Adolf Eirit, Diplomingenieur aus Bollwciler i. Elf., 2. Bruno Meier, Pfarrer aus Papitz bei Schkeuditz, 3. Jakob Grimm, Stationswärter aus Zwingenberg an der Berg- straße, 4. Joseph Meier, Metzger aus Hausen-Raitbach, 5. Heinrich Zeißcr, Betriebsassistent aus Basel, 6. Hans Götz. Fahnenjunker aus Basel, 7. Walter Kraus. Student aus Brüx(Böhmen), 8. Elisabeth Thudium aus Basel, 9. Emil Wild, Packer auS Basel, 10. und 11. Gertrud und Hermann Pfleidercr aus Basel, 12. N. und R. Kiefer aus Schopfhcim, 13. Karl Roller aus Bahlingen, 14. Joseph Kaufmann aus Lörrach. 15. Siegfried Gutmann aus Singen bei Konstanz. 16. Adolf Dreyfuß aus Karlsruhe, 17. Bürgermeister Vogel auS Schönau, 18. Margarethe Rothschild aus Basel, 19. Clara Tvldcrlcin aus Berlin, 20. Julie Müller, Krankenschwester aus Markstadt(Oberamt Böblingen), 21. Mar« garethe Hollenweger aus Möhlin(Schweiz), 22. Frau Warthmann aus Basel. 23. Frau Huber aus Basel, 24. Andreas Rheinbcrg aus Basel. Karlsruhe, 17. Juli.(M. T. D.) Im Krankenhause zu M ü l l h e i m ist inzwischen Frau Luise Burg auS Pforz» heim gestorben. Vom Fahrpersonal wurden leicht verletzt: Gepäck. schaffncr Mann aus Frankfurt a. M. und Schaffner Johann Walter aus Darmstadt. Zur Murokko-Affäre. London, 17. Juli.(Pr.-C.) Der aus diplomatischen Kreisen gut unterrichtete„Globc" will wissen, daß die deutsch- srnnzösischen Verhandlungen sich einer friedlichen Lösung nähern und ihr Abschluß bcvvrstcht. Deutschland werde seine Schiffe aus Marokko zurückziehen und den Schutz seiner dort lebenden Statsangehörigen Frankreich übertragen, wofür es anderweitig entschädigt wird. England würde einer derartigen Lösung der Angelegenheit freudig bei- stimmen, so daß die„Akten des Zwischenfalls von A g a d i r" hiermit geschlossen werden können. „Berechtigte Notwehr"!! Düsseldorf, 17. Juli.(B. H.) Der Polizcisergeant Secgcr hat in der Nacht zum 30. April in Gerresheim bei Gelegenheit eines Tumultes den Metzger Fritz Hibbeler erschossen. Das gegen den Beamten aus diesem Grunde eingeleitete Ermittelungsver- fahren ist nunmehr eingestellt worden, weil er w berechtigter Notwehr gehandelt hat._ Ein ganzes Dorf abgebrannt. Budapest, 17. Juli.(W. T. B.) DaS Dorf Haamri im Komitat Trencfen ist bis auf acht Häuser abgebrannt. Eine Frau ist dabei umgekommen. HaulSingerä: Co., Berlin L>V. Hierzu 2 Beilagen».Nnterhaltungsbl. Kr. 165. 28. Mgavg. 1. Dkilage iies Joiiüittü" Kerlim UcksM WtMli, iS>?«li IM. ten Unternehmer Aachens, bei dem mit die niedrigsten Lohne Deutschlands, also keine Minimallöhne, gezahlt werden?„, Nicht erwähnen will ich die vielen Einzelmitglieder Berlins und anderer Städte, die ihre Zigarren von Firmen beziehen, die geradezu Schundlöhne zahlen. Im übrigen erkenne ich gerne an, dah Genosse L i t f i n in dankenswerter Weise ersucht hat, nun- mehr darauf hinzuwirken, daß die Beschlüsse der Kölner General- Versammlung der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands qoch- zuhalten sind und die Mitglieder desselben nur Waren von tarif- treuen Firmen zu beziehen haben. Max Kiesel. Serickts- Leitung. Recht„appetitliche" Leberwurst hatte der Schlächtermeister August N e n t w i g in den Verkehr ge« bracht. Unter der Anklage des wissentlichen Vergehens gegen da-Z NahrungSmittelgesetz muhte sich N. gestern vor der 1. Ferien� straskammer des Landgerichts III verantworten.— Der Angeklagte betrieb in der Rninmelsbnrger Straße in Lichtenberg eine Schlächterei, welche er inzwischen aus guten Gründen aufgegeben hat. um jetzt eine andere Stadtgcgend mir seinen delikaten Erzeug- nissen zu begliicfen.— Durch eine Anzeige eines entlassenen Gesellen wurde der Polizei in Lichtenberg mitgeteilt, daß der Angeklagte gewisse Teile der von ihm geschlachteten Rinder und Schweine, die allenfalls noch in gekochtem Zustande als Hundefutter dienen können, zu feiner Leberwurst und sogenannter Landlcberwurst verarbeite. Der Polizeitierarzt Dr. Ledermann nahm auf diese Anzeige hin in der Werlstatt des Angeklagten eine Durch- suchung vor, bei welcher sich jene Angaben bestätigten.� Es wurden zwei Pakete mit jenen Teilen vorgefunden, denen ein mehr als ekelerregender Gestank entströmte. Nach den Angaben des Gesellen und eines anderen Zeugen wurden diese Teile schon seit längerer Zeit zu Leberwurst verarbeitet, die seinen Kunden, wie behauptet wird, sogar besonders gut geschmeckt haben soll.— Diese.Schweine- schlachtcrei" hatte zur. Folge, daß gegen Nentwig Anklage wegen Nahrungsmittelverfälschung erhoben wurde. Das Schöffengericht ahndete diese ekelhafte Schmutzerei mit einer Gefängnis st rafe von einem Monat. Gegen dieses Urteil legte der Angeklagte wie auch die Staatsanwaltschaft Berufung ein, die gestern von der Strafkammer unter Bestätigung des ersten Urteils verworfen wurde._ Prahlerische Ankündigungen Nichtapprobicrtcr. Die Polizeiverordnung des Berliner Polizeipräsidenten vom 21. August 1903 bestimmt:„Oeffentliche Anzeigen von nicht approbierten Personen, welche die Heilkunde gewerbs- mäßig ausüben, sind verboten, sofern sie über Vorbildung, Befähigung oder Erfolge dieser Personen zu täuschen geeignet sind oder wenn sie prahlerische Versprechungen enthalten".— Gegen diese Bestimmung sollte sich der Zahntechniker WonSki vergangen haben. ES handelte sich um zwei Schilder, die sich auf seinen Betrieb bezogen. Aus dem einen stand:„Zahnprazi» Phönix", auf dem andern stand: „Schmerzloses Zahnziehen". Das Landgericht Berlin II verurteilte M. zu einer G e l d st r a f e. Die Bezeichnung„Zahn- Praxis" sei eine solche, die über Vorbildung usw. der Person des Angeklagten zu täuschen geeignet sei. denn die Bezeichnung„Praxis" sei Aerzten und Anwälten vorbehalten, während M. nicht Zahnarzt, sondern nur Techniker sei. Und die Ankündigung:„Schmerzloses Zahnziehen!" sei eine prahlerische Versprechung. DaSKanuuergericht hob das Urteil auf und ver» wies die Sache an das Landgericht zu nochmaliger Entscheidung. ES wurde ausgeführt: Nichtig fei cS allerdings, wenn daS Land« gcricht in der Ankündigung schmerzloses Zahnziehen durch einen Zahntechniker, der selber nicht narkotisieren dürfe, eine prahlerische Versprechung sehe. DaS Urteil irre aber, wenn eS in dem Gebrauch des Wortes„Zahn Praxis" eine Anzeige finde, die geeignet sei, über die Vorbildung, Befähigung usw. dcS Zahntechnikers irre zu führen. Das sei deshalb irrig, weil feit der Gewerbeordnung nicht die Aerzte allein eine Heilpraxis aus- übten. In dieser Beziehung könne also Angeklagter nicht verurteilt werden. Da es bei Abmessung der Strafe mit berück- sichtigt sei, so müsse die Sache nochmals das Landgericht beschäftigen. Der Lunapark-Prozcß, den ein Hausbesitzer wegen Ruhestörung angestellt hatte, ist in zweiter Instanz durch einen Vergleich beendet. Die Lunapark- Gesellschaft zahlt danach an den klagenden Hausbesitzer einen größeren Betrag als Schadensersatz und ist verpflichtet, ihm fort- laufend, so lange das Etablissement besteht, eine jährliche Ent- schädigung zn zahlen. Außerdem ist dem betreffenden Hausbesitzer das Recht eingeräumt, falls der Lärm dcS Betriebes zunehmen sollte, ein Schiedsgericht anzurufen. Quittung. Im Monat Juni gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Argentinien, Hennig 5,—; Andernach sMayen-Ahrweiler) 1. Du. 11 13,22; AdclSheim Buchen, 2.-4. Du. 10 u. 1. Du. 11 10,—; Altcn- burg S.-A. 2,— 4. Du. 10 u. 1. Du. 11 3240,70; Alsfeld-Lautcrbach 45,—; Altkirch-Thann, 2 Du. 11 3,83; Berlin-Groß, a Konto seiner echt Wahlkreise 20 000,—;(darunter: Gcburtstagsf. R.©., Lehmann sagt 3,20; Kassensturz b. Rausch 3,05; Marten 10,—; Bezirk 653a, Laaß 15,—; A. B. Mister 1,—; z. WahlfondS v. Nutz d. Vogel 10,—; MonalSbeitrag Baß- Karl 3,—; llcberschuß Kranzspende Borgmann von den Arbeitern der Firma Schwartzkopff 200,—; Höppncr 2,—; Ucbcrsch. Kranzspende Arbeiter Adam Schneider 4,—. Motorbootpartie Klette 9,25; Waldfest der 6. u. Ca. Abt.(4. KreiS> 180,31; llcbersch. v. Verkauf Essener McineidSprozeßkarten d E. Schulze, Forsterstr. 17 5,—; Kranzübersch. Zimmermann 2,25; Wasserkante d. Meinhardt 5,—; Georg Lehmann 6,—; Deutsche Waffen- und Munitionsfabr. Wittenau, llcbersch. d. Kranzsp. Borg- mann d. Heising 120,—; Dr. K. R. 25,—; Gutenberg 29,50; 2. Duartal Jule Ritterstr. 85 11,40; lkebersch. zweier Kranzsp. von d. Koll. d. Fa. Westendarp u. Pieper 7,55; 2 Kall. d. Fa. Vesta, Lichtenberg d. Jonas 1,—; 231. Bezirk, 2. Kreis, Max Dost(Merten Nachf.) 20,—; Referat Dr. Moses in Stralau d. Rausch 5,—; Möbelfabr. Seyffarth u. Dehlschläger, Franks. Allee 20, Uebcrsch. a. d. Sechser!. 10,—; Dr. D. C., Parteifonds 15,—); Berlin, diverse Bcitr.: Paul Singers Verniöchtnis 48 054,87; B. W. 50, K. T. 10,—; Koll. u. Koll. d. General Composing Comp. 22,—; Arb. d. Fa. Gebr. Winike, Pankow, Aierkasse 50,—; Dr. L. A. 100,—; Märzkr. d. deutschen Nileswerke, Ober-Schöneweide 13,10,—; Möbelfabrik Eiche, Box- bagcner Straße 29. Scchscrk. 15.—; die Kontobncharb. v. Wcdding 6,—; Kranzübersch. v. Koll. d. Signalbananstalt Hein, Lehmann u. Co., Reinickendorf 6,90; Arb. d. Fa. DuSke u. DauS, 1. Rate 10,—; Siemens- Schuckert- Werke, Abt. 527 3,55; d. A. Bebel ein Legat 5002,—; Möbelpol. d. Werlstatt G. Klag, Warschauer Straße 10,—; Groschcnk. d. Lackierer d. Fa. Schwartzkopff- Wildau 9.—; M. W. 4,—; A. V. 50,—; Bremerhaven, 19. Hann. R.-W.-K., 4. Du. 10 648,—; desgl. 1. Du. 11 708,20; Brettcn-Eppingen, 2. bis 4. Du. 10 u. 1. Du. 11 40,—; Bern, P. L. 50,—; Bingen- Ingelheim, JahreSbeitr. 38,80; Bromberg. Agit.-Bez. Posen, Wahl- kreise: Posen 1. Halbj. 11 50,44; Samtcr-Dbornik 1. Halbj. 11 11,89; Lissa-Franstadt, 4. Du. 10 2,48; Rawitsch-Gostyn, 1. Du. 11 10,95; Adelnau-Dsirowo, 1. Halbj. 11 8.22; Kolmar-Filebne 1. Halbj. 11 49,80; Wirsitz- Schubin 1. Halbj. 11 12,05; Bromberg. 1. Halbj. 11 53,63; Hohcnsalza- Sirelno JahreSbeitr. 2,54; Sa. 208,60; Braunschwcig, I. K. 3,—; Bielefeld-Wiedenbrück 1. Halbj. 11 1972,—; Cöln a. Rh., Reg. W. 20,—; Calw-Nagold 1. Du. 11 115,90; Coburg 1. Du. 11 80,86; Chemnitz. 16. sächs. R.-W.-K. Rcstbeitr. 2000,—; Cöln a. Rh.. Verein obere Nheinprov. 4. Du. 10 u. 1. Halbj. 11 24,90; Celle. 14. bann. R.-W.-K. 1. Halbj. 11 484,60; Deffau-Zerbst 1. Du. 11 680,79; Dresdcn-N., 4. sächs. R.-W.-K. 2500,—; DreSden-A., JahreSbeitr. 3000,—; Dresden. 6. sächs. R.-W.-K. Rcstbeitr. 1500,—; Delmenhorst, 8. old. R.-W.-K. 130,70(darunter: Lemmwerder 18,00; Ganderkesee 80,10 Ii. 34,80; Delmenhorst 47,20); Detmold, Fürsleut. Lippe, 1. Halbj. 11 259,50; Düren-Jülich Restbeitr. 15,—; Diedcnhofcn- Bolchcn, JahreSbeitr. 20,—; Eiscnach-Dermbach 4. Du. 10 100,—; EiSlcbcn, Mansfelder See- u. Geb.- Kr., JahreSbeitr. 254,19; Einbeck-Dsterode 2. Halbj. 10 u. 1. Du. 11 352,71; Erfurt- Schleusingcn, 1. Halbj. 11 600,—; Elbcrfeld-Barmen 2. Du. 11 1200,—; Falkenberg D.-S. A. L. 3,—; Friedbcrg-Büdingcn 377,20; Görlitzcr Agit.-Bez., 1. Du. 11, Wahlkreise: Grünbcrg 125,50; Sagau 103,90(davon d. A. L. 2,—); Glogau 21,30; Bunzlau 99,03; Löwcnbcrg 14,—; Görlitz 600,14; Rothenburg 178,92; Sa. 1043,39; Gotha, 2. Halbj. 10 u. 1. D«. 11 376,72; Gera» Reuß j. L., Rest v. 2. Halbj. 10 u. 1. Du. 11 1143,45; Güstrow, 6. meckl. R.-W.-K., Restbeitr. 133,17; GoSlar. 13. Hann. R.-W.-K. Restbeitr. 104,65; Gebweiler i. E., 2. Du. 11 14,04; Greiz, Renß ä. L. JahreSbeitr. 715,09; Huium,'4.schlcSw.«holst. R.-W.-K. 1. Du. 11 55,20; Halle u. Saalkreis, Restbeitr. 3008,32; Hcidelbcrg-Ebcrbach, 2.-4. Ou. 10 u. 1. Du. 11 150,—; Hannover, 8. Hann. R.-W.-K. Restbeitr. 0300,—; Hamburg. Biunenschifferbeitr. 58,80; Höchst-Homburg, Rcstbeitr. 119,34; Hamburg I. R.-W.-K. 5000,—; Hamburg II. R.-W.-K. 6000,—; Hamburg III. R.-W.-K. 14 000,—; Hamburg LandcSorgani- fation 15 000.—; Harburg a. E., 17. Hann. R.-W.-K. 1. Halbj. 11 1209,99; Johanngcorgcnsladt, 21. sächs. R.-W.-K., Rcstbeitr. 1495,53; Jena Neustadt JahreSbeitr. 1023,—; Jerichow 1. u. II., 2. Du. 11 720,19; Kattowitz. Beitrag d. P. P. S. 1. Du. 11 223,76; (darunter Kattowitz- Zabrze 87,55; Beuthen- Tarnowitz 47,11; anderes 89,10); Löbau i. Sa. 2. sächs. R.- W.- K., a Konto 400,—; Lennep- Remscheid- Mcttmann 1. Du. 11 723,92; LandSbcrg- Soldin 1. Du. 11 152,13; Ludwigshafen Gau kleines feuilleton. Die Insel der Tränen. Der dänische Dichter Johan Skjoldborg hat auf einer Studienreise durch die Vereinigten Staaten auch die vor Nelv Dork belegene Eiulvandererstation auf ElliS Island tagelang beobachtet und gibt einige krasse, durch die neuen schweren Ein- wanderungsbestimmungen veranlaßten Fälle wieder. Zunächst erscheint die Siimine von 25 Dollars, die jeder Einwanderer bei der Landung vorweisen muß. etwas reichlich bemessen, wenn es sich um einen sonst arbeitsfähigen, kräftigen jungen Menschen handelt. Im letzten Jahre wurden auf Grund der all- gemeinen Bestimmungen 24 270 Menschen zurückgehalten und mußten wieder umkehren. Krankheit und Krankheitsverdacht gehören mit zu den hauptsächlichsten Hindernissen, die einem großen Prozentsatz der Einwanderer unbekannt sind und daher oft die bittersten Ent- täuschnngen hervorrufen müssen. Einige Beispiele: Eine deutsche Familie. Vater, Mutter und sechs Kinder, im Alter von 4 bis 17 Jahren, kommen mit 800 Dollar an, wofür sie ihren Besitz da- heim verkauft haben. Trotzdem dürfen sie nicht passieren, da der Arzt das eine Kind nicht für vollständig normal erklären kann. Alle sollen sie daher umkehren. Zufällig fand sich ein Verwandter im Westen, der gerade nach Deutschland gejjen und daS schwächliche Kind mit- nehmen konnte. Man mußte unbarmherzig in die Trennung willigen. Dder: Eine polnische Familie hat seit drei Jahren in Dhio gewohnt. Die Frau kommt von einem Bestich aus der Heimat nach Amerika zurück, mit einem zwei- und einem fünfjährigen Kinde; sie ivird zurückgehalten. Der Arzt vermutet bei dem alleren Kinde Trachom(ägyptische Augenkrankheit). Da dieses Kind in Polen geboren ist, kann eS ausgewiesen werden, während daS andere als geborener Amerikaner der Einwandererkontrolle nicht nnterstcht. Wiederum dieselbe Folge: die Familie wird auSeinandergerissen. Ein dritter und ähnlicher Fall bei einer ungarischen Familie stellt sich'alS besonders erbarmenswert dar. weil die Mutter, die mit dem trachomverdächtigcn Kinde zurück sollte, über die Trennung vom Mann und den anderen Kindern völlig die ZurechnungSfähigkeit verloren hatte und ihr das Kind eigentlich garnicht anzuvertrauen war. Derartiges wiederholt sich Woche für Woche, Tag für Tag auf ElliS Island, das ganze Jahr hindurch auf der„Insel der Tränen". Man kommt durch daS Gilter nicht, wenn man Trachom oder sonst eine Abnormität an sich hat. Ebenso wenig kommt man als Kontraktarbeiter hinein, d. h. als ein Arbeiter, der— bevor er an Land gekommen ist— schon in Amerika Arbeit angenommen hat. Nicht betroffen von diesen AnSschlußbestimnuingen dagegen sind Künstler. Handelsleute. Kontoristen, �Pharmazeuten. Photographen. Architekten und Kontorzeichner, Buchhändler, Stenographen u. ä. Sehr genau ist man auch damit, junge Mädchen an Männer zu Lberlasjen, die sie abholen. Skjoldborg war Augenzeuge einer solchen| Pfalz, 1. Du. 11 Wahlkreise: Ludwiashafcn-Speyer 845,—; Landau 213,12; GermerSheim 41,88; Pirmasens-Zweibrücken 222,86; Homburg 38,70; Kaiserslautern 146,54; Sa. 1508,10; Leipzig, 13. sächs. R.-W.-K. 8000,—; Lüneburg. 16. Hann. R.-W.-K,, 1. Halbj, 11 159,71; Mainz-Oppenheim, 1. Du. 11 300,—; M,«GladbaÄ, 4. Du. 10 und 1. Du. 11 141,71; Mecrane-Glmichau. 17. sächs. R.-W.-K. 200,—: Meiningen II, Rest v. 1. Du. 11 88,32; Mannheim, 11. bad. R.-W.-K. 2. Du. 11 600.—; Mülhausen i.E., 2. Du. 11 100,12; Minden-Lübbecke, 1. Halbj. 11 335,25; Meißen, 7. sächs. R.-W.-K., 1. Halbj. 11 25,60; Moers-NceS, v, 15. 10. 10—30. 6. 11 33,06; Nordhausen, Grafsch. Hohenstein 1. Du. 11 70,62; Nürnberg, Gau Nordbaycrn, 1. Du. 11, Wahlkreise: Schwcinfurt 193,16; Neumarkt 13,68; Rothenburg 23,53; Forchheim-Kulmbach 99,10; Hos 318,60; Bayreuth 355,04; Neu- stadt a. W. N. 55,74; Dinkelsbühl 43,32; Aschaffenburg 129,12; Eichstätt 23,70; Kitzingen 38,31; Bamberg 128,79; Erlangen-Fürth 804,42; Nürnberg 3370,45; RnSbach-Sckiwabach 259,16; Kronach- Lichtenfels 94,10; Würzburg 321,82; Neustadt a. S. 38,04; Amberg 33,12; Nennbnrg v. W. 6,60; Lohr 27,72: Summa 6467,60; Neustadt i. H,, 2. Du. 11 128,36; Neunkirchen(Dttweiler-St. Wendel) 1. Halbj. 11 23,40. Offcnbach-Dicburg 1. Duart. 11 1161,66; OicherSleben-Halberstadr 1. Du. 11 400,68; Dttenscn-Piiiiicbcrg- ElmShoru 1. Du. 11 2183,70; Dberstcin a. N. 2. Du. 11 67,76; Dberfrohna, 15. sächs. R.-W.-K., 2. Du. 11 600,—. Planen i. V., 23. sächs. R.-W.-K. Restbeitr. 1537,83. Rostock. 5. meckl. R.-W.-K., 2. Halbj. 10 u. 1. Du. 11 1431,31; Nüstringen, 2. old. u. 2. Hann. R.-W.-K., 2. Du. 11 009,65. Schwenningen, 9. württ. N.-W.-K. 1. Du. 11 211,59; Stettin, Agit.-Bez. Pommern, 1. Du. 11, Wahlkreise: Stettin 473.16; Randow- Greifen- Hagen 585,60; Ueckermündc-Wollin 370,77; GreifSwald-Grimmen 89,37; Stralstind-Rügen 147,57; Anklam-Demmin 15,84; Kolberg- KöSIin 69,90; Stolp-Lauenburg 15,12; Pyritz-Saatzig 3,70; Greifen- berg-Kammin 13,80; Ncustettin 8,10; Dramburg-Schivelbein 6,60; Bütow-Schlawe 6,—; Sa. 1810,53; Straßburg-Land. 1. Du. 11 75,48; Schwerin i. M. 299,31; Schwarzburg-Rudolftadt 630,30; Straßbnrg-Stadt, JahreSbeitr, 487,08; Torgan-Licbenwcrda Restbeitr. 232,—; Trier, 1, Du. 11 14,—; Neberschiissige GründungSgclder 41081,20; Vegesack, 18. Hann. R.-W.-K,, 1. Halbj. 11 793.70; Vor- wärtS Buchhandlung 40 000,—; Weimar I, 1. Du. 11 365,80; Wetzlar-AItenkirchen, 2, Halbj. 10 89,58; Zschopau, 20. sächs, R.-W.-K,, Jahresbeitrag 1400,—; Zwönitz, 19. sächs. R.-W.-K. a Konto 500,—. In der letzten Duiltung sind infolge eines Druckfehlers für Wanzlcben anstatt 450,— M. 4,50 auittiert worden. Zahlungen für die Partcikasie können künftig auch an daS P o st- s ch e ck k o n t o A. Gerisch, F. Ebert, Berlin 7918 gehen. Berlin, den 15. Juli 1911. Für den Parteivorstand: I. V.: Fr. Ebert, Liudenstr. S. kichtigltellung. In der ersten Beilage der Nr. 159 des„VortvärtS" vom Dienstag, den 11. d, M. befindet sich der Bericht des VI. Verbands- tages der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. In diesem wird folgendes gesagt: Besonderen Wert legte Litfin auf eine öffentliche Richtig- stellung. Am letzten Verhandlungstage des Dresdener Gctverk- schaftskongresics erhob der Vertreter der Taüakarbciter Max Kiescl-Berliu den schweren Vortvurf, daß sozialdemokratische Gastwirte sich angesichts der schweren Lage der Tabakarbeiter nicht genierten, in einem ausgesprochenen Organ der Scharf- macher, der„Süddeutschen Tabakzeitung", nach Tabakfabrikatcn zu inserieren. Diese Behauptung wies Litfin im Namen des Vorstandes und des Verbandes in schärfster Weise zurück. Wahr ist lediglich, daß ein einziges Mitglied in einem einzigen Falle im Februar 1910 ein Inserat an jene Zeitung gegeben hat; nie- mals aber hat eine Einkaufsvereinigung oder eine Zahlstelle des Verbandes in diesem oder einem anderen Unternchmerorgau in- scriert. Der Verband hat vielmehr auf seiner Generalversamm- lung in Köln ausdrücklich beschlossen, nur bei Unternehmern ein- zukaufen, die vor allem die tariflichen Löhne und anständige Ar- beitsbedingnngen gewähren. Litfin ersucht erneut die Delegier- kcn, in allen Zahlstellen dahin zn wirken, daß die Gastwirte durch ihren Einkauf mit dazu beitragen, den Forderungen der Arbeiter bei den Unternehmern Geltung zn verschaffen. Trotz der in schärfster Weise erfolgten Zurückweisung des Ge- uossen Litfin kann ich von dem Gesagten leider nichts zurück- nehmen. Litfin spricht nur von einem einzigen Mitglied, welches in einem süddeutschen Unternchmerorgau inseriert hätte, vergißt aber dabei zu erwähnen, daß bei diesem Einen sich das Warenlager der Einkaufskommission be- findet. Nennt man das einen Einzigen?— Des weiteren: Ist dem Genossen Litfin unbekannt, daß die Einlaufskommission Berlins auch Zigarren bezieht von einem als Scharfmacher bekann- Szene. Was willst Du mit dem Mädchen? wurde der Mann ge fragt?— Ja, sie sollte im Hanfe sein.— Bist Du verheiratet?— Ja, ja.— Dann hol Deine Frau!— Ja. die ist aber gerade in Deutschland.— Und was bist Du?— Ja, er hätte ein Pensionat. Der Mann bekam das Mädchen nicht. Sie wurde solange zurückge- halten, bis irgend ein Mädchcnheim oder«in derartiger Verein sich ihrer annahm und ihr eine Stelle verschaffte. Bei einer anderen Gelegenheit kam ein Mädchen mit ihrem Kinde zu ihrem Bräutigam angereist; er wollte sie abholen.— Ist das Deine Braut und Dein Kind?— Ja.— Bitte schön, dann heirate auf der Stelle; sonst kommt sie nicht an Land.— Und stehenden Fußes unter Begleitung mußten sie abziehen und sich trauen laffen. ES dauerte auch nicht lange, so kamen sie als Ehepaar wieder und damit war die Sache in Ordnung. Eine zlikullftreiche Wissenschaft. Der große englische Forscher auf dem Gebiete der Natur-, insbesondere der Vererbungswissen- schaft Fr. G a l t o n, hat der Londoner Universität ein Vermächtnis bxhufz Errichtung einer Professur für Eugenik oder Nassen- Hygiene hinterlassen. Dieser Lehrstuhl ist nun geschaffen und mit Prof. K, P e a r s o n besetzt worden. Damit geht Engtand auf einer Bahn voran, auf der. anschließend au Darivins Forschungen, eng- tische Forscher wie Galton, Haycraft»nd Deutsche wie Woltmann, Schallniayer, der Schweizer Forcl u. a. schon Wertvolles ge- leistet haben. Es handelt sich um die planmäßige Anwendung der Naturwissenschaft ans das menschliche Leben im Interesse einer an die Ergebnisse der Vererbungslehre anknüpfenden planmäßigen Verbesserung der menschlichen Art. Sicher kann hier ohne gründliche Uingestaltiing der sozialen Verhältnisse nichts allgemein Wertvolles geschaffen werden. Aber sie bedarf der Er- g ä n z u n g durch die zwcckbcwnßte Anwendung der Naturgesetze aus den Menschen: die Verwendung der Sorgfalt, die heute den Blumen und Raffctieren zugewandt wird, auch auf den Menschen, inn die Fortpflanzung minder wertvoller Individuen, insbesondere erblich belasteter Kranker zu verhindern und der körperlichen Kräftigung und geistigen Veredelung der Menschheit methodisch die Wege zu weisen. DaS griechische Wort Eugcnie, Lehre vom edelgeborcnen Menschen, zeigt hier deutlich die Bahn. Die Ben»? von Ostia. Aus Rom wird berichtet: Bei den von Prof. Dante VagliSri geleiteten Ausgrabungen von Ostia ist ein außerordentlich bedeutsamer Fund geglückt; unter den Schuttmassen des HipoScelniums des alten römischen Theaters fand man eine aus- gezeichnet erhaltene große VenuSstatue ans dem vierten vorchristlichen Jahrhundert. Die prächtige Arbeit, die sehr gut erhalten ist, zeigt eine überraschende Vertvaudtschaft mit der berühmten VcnuS von Arles, die dem Praxiteles zugeschrieben wird. Nachdem Profeffor Vaglisri die neuausgefundene Venus gcinni untersucht hat, spricht er jetzt die Ueberzeugung aus, daß das Bildwerk eine außerordentlich glückliche und erstklassige Kopie nach einem Werke des Praxiteles ist, das verschollen ist. Die einfache und doch so wirksame Technik, die ruhige Würde der Haltung, die natürliche Behandlung des Falten- wurses sowie die schwache EntWickelung der Brustpartien sind wertvolle Stützen für diese Annahme, Wahrscheinlich ist da? Originalwerk von einem trojanischen Bildhauer kopiert worden, der der Statue die umgekehrte Amphora anfügte, auf der die rechts Hand der Göttin ruht. Dieser bedeutsame Fund im Zusammenhang mit den vorhergehenden Entdeckimgen läßt erwarten, daß die Fort- führnng der Ausgrabungen von Ostia der Nachwelt noch weitere kostbare Kunstschätze schenken wird. Trotz der heißen Witterung werden die Arbeiten mit großem Eifer fortgesetzt. Humor«nd Satire» S ch l a r a f f i a. Laßt uns den Professor Carrel preisen, Der mit regem Geist und zarter Hand AuS der Fleischnot bös verfahrncn Gleise» Einen hochverschmitzten Ausweg fand. Sät er eine Ochsenlendenzelle Auf den präparierten Boden aus, Dann so forint sich mit erwünschter Schnelle Ein gebrauchöbereiteS Beefsteak drauS. Gott sei Dank, nun dauert'S nicht mehr lange Und man zieht in seines Gartens Raum Lcbcrknödel an der Bohnenstange Und die Bratwurst am Akazienbaum. (RatatöSkr im„Simplicissiimi!".) Notizen. — Vorträge. Ans der Treptow- Sternwarte spricht am Mittwoch, den 19. Juli, abends 8'/z Uhr. Dozent Jenz Lützen über:„DaS Problem der S ü d p o I a r f o r s ch u n g mit besonderer Berücksichtigung der neuesten Expedition". Mit dem großen Fern- rohr wird am Tage die Venns, vor dem Vortrage Jupiter und nach dem Vortrage ein Fixstern gezeigt. — Pom Schuhmacherlehrling zum UniversttätS- P r o f e i s o r. In Paris ist letzte Woche Auguste L o g n o n. Pro- Mior am College de France mid Mitglied dcS Jiistiluts gestorben Der um die geschichtliche Duellciiforschmig und um die historische Geographie Frankreichs sehr verdiente Gelehrte war Autodidakt Er war der Sohn eines blutarmen Schusters, mußte als Kind das Vieh hüten und wurde dann von seinem Vater in die Lehre genommen Ein Archäologe nahm die Begabimg des Knaben wahr, stellte ihm seine Bibliothek zur Verfügung und verwandelte ihn zu seinem wistenschaftlichcn Hilfsarbeiter. Lognon hatte keinerlei Diplome die ihn zum Besuch höherer Schulen autorisierten. Nach Beröffentlichiina , eines ersten größeren Werkes wurde er als Beamter in der Ver- waltung der Nationalarchive angestellt. 1892 wurde»r zum Pro- fessor am College de France ernannt. Sozialdetnokratiseher Wahberein für de» IT. Berliner fteiehstags-'Wahlkreis Dienstag, den 18. Juli 1911, in der Konkordia, Andreasstr. 61 i GeneraMfersammlung. Tages-Ordnung: 1. Aufstellung der Kandidaten zur Borstaudstvahl. 2. Anträge. 220/8* Der Vorstand. Steinarbeiterl Mittwoch, den 19. Juli 1911, abends 8'/, Uhr, in den Arminhallen, Kommandantcnstr. 58/39: General- Uersammlnng Tages-Ordnung: 1. ViertckiahrSbericht.— 2, Gewcrrschaftliches. Noch nicht abgegebene Statistiken sind mitzubringen. Die Ab. stemdelung über die bereits erfolgte Abgabe geschieht ebensalls in der Ver- sammlung. 172/3* Kollegen I Sorgt für allseitige Abgabe der Statistik und sür guten Dersammlungsbesuch._ Die OrtSvertvattuiig. Arbeitenachweis: Hof I. Amt 3. 1239. BerwaltnngSftelle Berlin Hauptbureau; ChantSstr. 3. Hos III. Amt 3, 1987. Mittwoch, den 19. Juli 1911, abends 5l/z Uhr: VerssmMZunK aller in Sss-. Ssiler- u»tl iZampfarmaturen towie Kronenbetrieben beschäftigten Lisen-, Metall' und Revoiverdrelier in den Mustker-Festsälen, Kaiscr-Wilhelmstr. ILm. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Kelleaen Nuschick über:»Konsnmgenosseuschaft und GetvrrkschaftSkampf*. 2. Diskusston. 3. Verbands- und Branche» augelegenheiteii. Zahlreicher Besuch wirb erwartet. «itgliedSdnch legitimiert. Mittwoch, de» 19. Juli 1911, abends 6 Uhr: Versammlung sämtlicher hartgnmmidreher u. Schleifer im Rvfruthaler Hof, Rosenthaler Str. 11/12. TageZ-Ordnung: VteUungnahme zur Dariskündigung. Kollegen! Die wichtige TageSorbaung erfordert das Erscheinen aller Kollegen. 120/1_ Die Oi-«ge«. Ordnung 1. GeschiistSbericht: Barleaung der Bilanz»cbst Gewinn- und Verlust rechnung. 2. Bericht der Reoisoren nud Genehmigung der Bilanz sowie Veschlubfassung über die Verteilung de? Gewinn«? oder Verlustes. 3. Bc- richl von der geiichtNckeei SI«»ifisn. 4. Neawahten: s) des Vorstandes. d) Ersatzwaylen zum tlusßchtsrat. S Ercntuelle Anträge der Genossen. 6. VcrschledencS. Genesicn I ES ist Pflicht eine? jeden, zu erscheinen. Nur Mitglieder haben Zutritt. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Die Bilanz nebst tHewiiin- und Verlustrechnnng sind in unserer Geschäfts- stelle, 80. Kotlbufer Ufer 44, in den G-schäslSstunden von 11—2 Uhr nach- Mittags und Sonnabends do» b— 8 Uhr abends einzusehen. Etwaige Anträge der Miiglieber müsse» bi? spätestens Freitag, den LI. Juli, schrijtlich beim Verstand eingegangen sein._ 106/11 19IJS Wir ersuchen um pünktliche? Erscheinen."THI Der v o r st a n d: Cl. Dorncr. P. HchtlTkc. P. Blliller. Deutscher Kürschner-Verband. ■ i.. i. Filiale Berlin.======== Bureau u. Arbeitsnachweis: 170.43, Weinstr. 3. Telephon: Amt VII 6789. General-Versammlung am Mittwoch, den 19. Juli, abends 8 Uhr, in den„Zln»1k.«r-8tlIoiK", Kaiscr-Wilhclm-Straße 18m. TageS-Ordnuna: 1. Vortrag des Genossen Bartb über:»Konsumgenoffenschaften*. 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom 2. Quartal 1911. 4. Erlatzwahl etncS veisitzerS und des zweiten Bevollmächtigten. 5. Verschiedenes. Zahlreiches Erschrineu erwartet.'3SV 102/13_ Die Ortsverwaltnn� Istltr Zahlstelle Berlin. Stellmacher. Mittwoch, de» 19. Juli, abends 8'/, Uhr: Allkmrdklitlilhe Nkislüiiiiillliig aller in Jnnungsbetrieben beschäftigten Stellmacher im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11— IS. Tages-Ordnung: 1. Wie haben sich»»>ere Lohn- und ZlrbettsvcrhSltnilte seit KAOK geändert und wie sind diefrlbc» zu besser»? 2. Bericht über Lohnbewegungen in unserer Branche im lausenden Jahre. 3. Arbeits- «achweis und 4. Verbandsangelegenheiten. Würzburger Hühneraugenmittel eon Dp. H- Fngrep.— Gegen 30 Pfennig aus 10 Ps. Anweisung srei. Ohne Zweisel die begnemste u. wirksamste Hilfe. Der Schmerz ist in 5 Mi». fort. D«S Hühnerauge selbst in 3 Dagen.(Enthält Salicnlsäure und indischen Hanfextrakt.) Dp. H. Unger in WÜrzbUPg. *"'• Salomon-Apotheke. Charlottenstraste 54. Greit- iko.— Itutt- 113/8 In verlin(20 Apatheke;' aart: H» Barnimstrahe 33.— München: SchQtzen-Apothe gärt: Hirsch-Apotheke.— Breslau: Victoria-Apotheke. I Todes-Anzeigen SozlaldemokraüscliBrWaliiverelii für den 4. Berliner Reichstags-ffahlkrels. Köpenicker Biertel. (Bezirk 136 II.) Den Mitnliedem zur Nachricht, dah unser Genosse, der Packer �rtur l�ielice, Manie, isfelstrasje 102. gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 19. Juli, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des Emmaus-Kirchhoscs in Nixdors, Hcrmannstrahe, aus statt. Der Vorstand. Deulscher | Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Bertin. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Kollege, der Bier- sahrcr 69/10 Fritz Metzner am 9. Juli im Alter von 55 Jahren verstorben ist. Ferner den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener �rtur Rielke am 15. Juli im Alter von 28 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 19. o. Mts., nach- mittag? 2 Uhr, von der Leichen- halle de? Emmaus« Kirchbosc?, Nixdors, Hermannstratze, aus statt. Die Bczirksverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schmied krttt Leitling am 15. d. MtS. an Magenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 18. d. MtS., nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle deS Heilands-KirchhoseS in Plötzcnsee auS statt. Siege Betellignng erwartet 120/5 Oie Ortsverwaltung. leM der Brauerei- rnid Bileiiarteiler KSÄ. Zahlstelle Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nach. richt, das; am 14. Juli auch das zweite Opser deS BetriebSunsalles in der Löwenbraueret III per Kollege, Flaschenkeller-Arbetier Heinricli Ferenz seinen Verletzungen erlegen ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 19. d. Mi»., nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle deS Lichtenberger Gemeinde- Friedhofes in Marzahn au? statt. (Fahrgelegenheit vom Bahnhos Lichtcnberg-griedrlchSselde 3" nach Marzahn.) Auch hier ist eS Pflicht aller der- jcnigen Kollegen, welche es irgend- wie ermöglichen können, sich frei zu machen, dem Verstbrbenen die letzte Ehre zu erweisen und er- wartet rege Beteiligung Dvp Vorstand. 31m Sonnabend, den 15. Juli, morgens 51/, Uhr, verschied nach i schwerer Krankheit meine innig. geliebte Frau, Tochter, Schwester und Schwägerin Medwig Schott g-b Wall, im 32. Lebensjahre. Dies zeigt tiesbetrübt cm Bernhard Schott nebst Tochter und Frau Wulf. Kameruner Straße lS. Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 4'/, Uhr. von der Kapelle des Philippus- Apostel-KirchhoseS, Müllerstr.44/45, aus nach dem städtischen Kirchhof Seestrage statt. l§iemW§che Dauer bis 23. Juli Ausnahme- Preise! Loden-Pelerinen S-,:5.0.?. � 7 so Loden-Pelerinen ftÄ&Sr0: 13.25 Loden-Pelerinen 7�7�.7°.".P!T. fTfTT. 18.- Loden-Pelerinen SÄ"..�5'°'..�.r..H'..b. 4.50 Loden-Pelerinen SÄ1?,."f. IVT"0. 7.*7. 77..0!?: 6- Loden-Mantel für Herren n. Damen, Form Bozen. Pa. 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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unseres SohneS Emil Klepc sagen wir allen Beteiligten herzlichen Dank. 2764b II. iiilQp« nebst Familie. Dem Fachverein BerlinerDroschken- bcsitzcr, sowie den Kollegen aus der Jägerstratze, denKollegcn de? Stamm- tischeS der Firma Wich. Orth und allen anderen Beteiligten sagen wir sür die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten VaterS herzlichen Dank. Die tiestrauernden Hinterbliebenen Frau EllMtdetli Knthnlng nebst Kindern. Danksagung. .."--�ung u'" eerdigun !S Händi 27v3b und Betelli- meiues Für die Unterstü.... gung bei der Beerdigung lieben Mannes, des Händlers Otto X!emer Palisadenstratz« 16 sage ich den EngroS- und Strahen- Händlern und-Händlerinnen meinen beste» Dank. 56l8L Frau W. Ziemer ncbft Kindern. Für leil Danksagung die UNS fo zahlreich ei . die . erwiesene TeVlnahme und die vielen Kränz. spenden beim Hinscheiden meines lieben Mannes, unseres guten Vater?. Schwiegervaters und Grotzvaterz,.deS Gastwirts Paul Eerche sage ich allen Freunden. Bekannten uiid Verwandie», insbesondere dem 6. Berliner ReichstagswablkreiS(Be. zirk 562), dem Verband der srcien Gast- und Schankwirte Berlin?(Be- livt II), der GenossenschaslSbrauerei vriedrichSdagcn, dem Lotterie- und gcrgnügilnqsverein.Gute Hoffnung-, dem Skatttub„Hand m Hand' unseren innigsten Dank. Marie Lerche geb. Schulz nebst Kindern, Gleimslr. 76. Op.Limm«! Spezial-Arzt' für Haut* und Harnleiden. Prinzenslr. 41, 10— 2. 5— 7. Sonntag-s 10— 12. 2— 4 TorJUhrlge! : Schicke Ulster: Paletots, Anzüge von Mark 20— 60. Versandhaus Qcrtnania Berlin, Unter den Linden 21. Billige lioBcnsvochc Orts- Krankenkasse der Diiltt»Mmchtt zu Berlin. Bekanntmachung. Die aus der Generalversammlung am 8. April 1911 beschlossene Statuten änderung, betreffend die§§ 13, 14 und 21, ist vom BezirkSausichutz am 4. Juli genehmigt und tritt am 24. Juli ISN in Krast. 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Am Sonntag ist in Rixdbch ein Paket mit Untertaillen gesunden worden. Der Finder möchte dieses der Berliererin, vielleicht eine Schneiderin, wieder zukommen lassen und soll sie sich zu diesem Zweck an Hermann Schütz, Oranienstr. 23 IV, tvenden. Vermietungen. Lade», in welchem seit Jahren ein Grünkramgeschäsi erfolgreich be- trieben wird, mit Wohnung, um- ständehalber per 1. Oktober vermiel- bar. Kopenhagenerftraße 43, Ver- Walter. 2768b* Wolinunzen. Billige saubeie Hoswohnungen Am Schlesischen Babnhoj 3. 2718b* Billige B)oh»»»gen, 2-3 Zimmer, Bad, Balkon usw., monatlich 29—40 Mark, Fuldastraße 14-15 und Elbe- straße 15-16, Rixdorser Spar- und Bauverein, Bureau: Schandauer- straße 15,_ 26736* Balkonwohnung, zwei Stuben, Küche sofort, 32,00 Kleine Markusstraße 3. 101/18+ Zimmer. 1 leeres Zimmer, 2 Stuben und Küche, 1 Stube und Küche. 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Zwei nachfolgende Wagen dritter Klasse wurden in- einander geschoben. Es sollen acht Personen tot, vier» zehn schwer und zwanzig leicht verlebt sein. Ueber die Eni- stehnngsursawe und über die Namen der Verunglückten ist noch nichts bekannt. Wie der„Oberländer Bote" in Lörrach erfährt, bestätigt eS sich, daß bei dem Unglück des Eilzuges Nr. 9 acht Personen getötet, fünfzehn schwer und etwa zwanzig leicht verletzt wurden. Die Schwerverletzten wurden ins hiesige Spital gebracht. Sämtliche Automobile und der ganze Fuhr- park von Müllheim sind mit dem Transport beschäftigt. Die Sanitätskolonne, die Feuerwehr und eine Militärabtcilung sind aufgeboten. Aerztliche Hilfe ist zur Stelle. Die Ursache läßt sich noch nicht feststellen. Es findet zurzeit ein Umbau wegen einer Untersnhrnng statt. Das Unglück ereignete sich an der Baustelle. Die amtliche Darstellung. Die„Karlsruher Zeitung" meldet amtlich: Eilzug 9 ist heute vormittag Uhr bei der Einfahrt in Müllheim aus noch nicht aufgeklärter Ur- fache uiit Lokomotive, Gepäck- und vier Personenwagen e n t g l e i st. Getötet wurden acht Personen, schwer verletzt 14, leicht verletzt 20. Die Persönlichkeiten der Getötete» und Schwerverletzten sind noch n i ch t f e st g c st e l l t. Aerzte und Hilfspersonal sind ausreichend zur Stelle. Tie Verletzten sind im Kranken- Hanse und im Militärlazarett untergebracht. Der durch- gehende Berkehr wird aufrechterhalten. Während die amtliche Meldung erklärt, daß die Ursache der Katastrophe noch unbekannt sei, wird das Unglück von anderer Seite auf ein Versagen der Bremsvorrichtungen zurückgeführt. Nach dem„Oberrheinischen Anzeiger" soll sich das Unglück folgendennaßen zugetragen haben: Wegen des Umbaues der Unterführung sollen die Züge langsam fahren. Der Lokomotivführer des Eilzuges breniste in- strutlionsgemäß aus vier Kilometer vor der Einfahrt. D i e -Bremse versagte jedoch und der Zug fuhr mit voller Geschwindigkeit durch die Unter- f ü h r u n g s k u r v e. Zu dem Eisenbahnunglück wird noch gemeldet, daß der nähere Hergang der Katastrophe noch nicht mit Sicheiheit festzustellen ist. Die Lokomotive kam noch glücklich über die gerade im Bau be- griffen« neue GleiSuntcrführung des Bahnhofs, die bisher einen schienencbenen Ucbergang hatte; dann scheint die neue Bau- stelle zusammengebrochen zu sein. Der vierte Personenwagen, erster und zweiter Klasie, zog sich über den vorangehenden Personenwagen erster und zweiter Klasse. Mehrere Wagen sind bis aus das Untergestell und die Längsverbände. die anscheinend gut standgehalten haben, völlig demoliert Die Zahl der Toten beträgt einschlicsstich der mittlerweile im Hospital Gestorbenen bis jetzt 11. Die Nomen der Opfer sind noch nicht fest- gestellt. Einige Leichtverletzte konnten die Weiterreise antreten. Hilfsmannschaften, auch Militär— Futzartillerie und Infanterie der Müllheimer Garnison— waren sehr rasch zur Stelle. Der gröbere Teil der Mannschaften svon der Infanterie! befand sich gerade in den Kasernen und wurde sofort mit Hackgcräten ausgerüstet. Im Laufschritt legten die HilfSmannschasten die 30 Minuten weite Strecke bis zum Bahnhofe zurück. Bisher sind die Namen folgender Toten festgestellt: Herr Wild- Basel. Lucia Bloch- Chaux-de-sonds. Theodor P s l e i d e r e r- Basel(9 Jahre alt), August D u t h i u m- Basel(1877 geboren). Lydia Geiser- Pfrodors, Architekt Emil Müller» Schönau im Wiesentale(40 Jahre alt), Waller Schmidt- Mülhausen<1897 ge- boren). Friedrich Sutter. Landwirt aus Hagen im Wiesentole. Johannes Geiser<38 Jahre) aus Unterhausen bei Reutlingen. Karl Warthmann- Basel. Unter den Schwerverletzten befinden sich: Rosine F r a s ch- Schönau. Frau Schaffner Bartbmann- Basel, Jonas Meyer- Basel. Andreas R e i n b e r g- Basel. Luise Burg- Pforzheim, Jakob R n m e l i n- Greegc». RegierungSbaumeister Nürnberger- Lörrach. Die Vcrlctznnne» sind meist komplizierter Natur. Ober- und Unierichenkelbrüche, schwere Kopfwunden, Rippenbrüche. Unterleibsverletzungen, innere Bliitungen u.a.m. Partei- Angelegenheiten. Teltow. Am Mittwoch, den 19. d. Mts., abends 8Vz Uhr. findet im Lokale von W. Bonow die regelmäßige Milgliederversainmlung des Wahlverems statt..... In der Zeil vom Ib. Juli bis cinschlieblich 30. Juli liegi die Liste der stimmfähigen Bürger zur diesjährigen Sladt« verordnetenwahl aus. Gcnosien, welche nicht in der Lage sind. Ein- ficht zu nehnien, wollen sich bei W. Bonow melden. Tegel. Heute Dienstag, dei�18. Juli, abends 8Va Uhr. findel im Lokal von Jul. Klippenstein. Spandauer Sir. 4. die Genelalver- sammluna des Bezirks statt. Tagesordnung: Bericht der Bezirks- leiiimg und Neuwahl derselben. Miigliedsbuch legiriiniert. Ohne dasselbe kein Ziilrilt. Die Bezirlslcilung. Treptow-Bauoischulenweg. Heute Dienstag, den l8. Juli, abends SV, Uhr. im.Treptower Lustgarlen'. Partstr. 2: Jahres-General- veriammliing. Tagesordiinng: 1- Bericht des Vorstandes und der Fnnliionäre. 2. Beschlußfaffung über die lmiflige Zusammensetzung des Vorstandes. 3. Wahl der gesamlen Funktionäre. Ohne Mil- gliedsbuch kein Zutrill. Hohenschönhausen. Am Mittwoch, den IS. Juli, findet abends von 7 Ubr ab, von den Bezirkslokalen auS, eine sehr wichtige Flug- blattverbreituoa statt. Keiner feile. Die Be�irkslcitnwa. ßevllnev Nachrichten. Die juristische Sprkchstuude findet von heute(Dienstag) ab wieder in den Nachmittagsstunde» von 4Vz bis 7Va Uhr (Sonnabends von 4V2 bis 6) statt. Berliner Bibliotheken und Lesehallen. Wohl keine zweite Großstadt der Welt hat so reichhaltige öffentliche Bücherschätze aufzuweisen wie die„Stadt der Intelligenz", Die meisten dieser gedruckten Schätze, die ins- gesamt ungefähr rund sechs Millionen Bände ausmachen, sind auch heute noch nicht ohne weiteres jedermann zugänglich, wenn auch die Benutzung solchen Personen, die ein besonderes Interesse nachweisen, an fast allen den zahlreichen Stellen, wo die papiernen Wisseusvermittler lagern, in der Regel gestattet wird. Die große Menge profitiert von den öffentlichen Bibliotheken in erheblicherem Unifange erst seit Verhältnis- müßig kurzer Zeit. Im Jahre 1850 wurden durch den Ge- schichtsschrciber Friedrich von Raumer mit zusammen 7400 Bänden, unter denen viele fast wertlose Scharteken waren. die ersten vier Berliner Volksbibliotheken eröffnet. Es hat jahrelange Hitze gekostet, den Pnttkamerschen Erzreaktionären, die damals am Rilder waren und ein lebhaftes Interesse daran hatten, das Volk in der vermeintlichen Dummheit zu erhalten, dieses Zugeständnis abzuringen. Wirklichen Anffchwung nahm die den Berlinern noch recht ungewohnte Einrichtung erst, als die Volksbibliotheken vom„Verein für wissenschaftliche Vor- träge" im Jahre 1884 in städtische Verwaltung übergingen. Heute stehen die über alle Stadtteile verstreuten 28 städtischen Volks- bibliotheken und 14 städtischen Lesehallen, wenn auch an ihnen noch manches gebessert werden kann, in ihrer Art unerreicht da. Die niit besseren, zum Teil sogar unersetzlichen Werken aus- gestattete Berliner Stadtbibliothek, nicht zu verwechseln mit der Magistratsbücherei, soll in ihrem neuen Heim, für das bekanntlich neuerdings das Gebäude des Jnselspeichers vor geschlagen worden ist, erst mal die Anziehungskraft ausüben, zu der sie in ihren dürftigen Räumen in der Zimmerstraße bisher nicht gelangen konnte. Die Königliche Bibliothek ist wohl die älteste Berlins Ihre Entstehungsgeschichte reicht, da schon die Kurfürsten Bücher samnielten, bis ins Mittelalter zurück. Sie kann von jedem ohne Ausnahme nach Erledigung einiger Formalitäten benutzt werden, ist täglich von 9—9 Uhr geöffnet. Alle diese öffentlichen behördlichen Bibliotheken unifassen zusammen rund anderthalb Millionen Bände. Ein hohes Alter haben auch verschiedene Kirchenbibliotheken, die allerdings in der Hauptsache nur tlwologische und philosophische Werke enthalten, erreicht. Die Büchereien der Kirchengemeinden Alt-Berlins sind im 17. und zum Teil schon im 16. Jahrhundert eingerichtet worden. Sehr reichhaltig sind die Hochschulbibliothcken mit den Büchereien von über 50 Universitätsinstituten und den l6 Spezialbibliotheken der Fachhowschulen, insgesamt eine -Million Bände umfassend. Mit eigenen Bibliotheken sind ferner sämtliche wissenschaftlichen Anstalten und Sammlungen verbunden, insbesondere die Museen. Ziemlich 300 000 Bände besitzen die Bibliotheken der höheren Schulen. Manche dieser Schulbibliotheken, so des Gymnasiums zum Grauen Kloster, des Joachimsthalschen und des Köllnischen Gymnasiums, sind über 200 Jahre alt. Die Ministerien und andere große Zentral behörden, die Parlamente und der Berliner Magistrat haben im Laufe der Jahre mehr als zwei Millionen Bände an- gesammelt. Annähernd eine Million Bände enthalten auch die Korporations-, Vereins- und Privatbibliothcken. Hiervon sind als weniger bekannt besonders zu erwähnen die Bücherei der jüdischen Gemeinde, die deutsche Lehrerbücherei, die musi- kalische Bolksbibliothck, welche unentgeltlich Musikalien und Bücher musikalischen Inhalts ausleiht, die Bücherei des Patentamts und nicht zu vergessen die öffentliche Bibliothek und Lesehalle Adalbertstraße 41, die an jedermann ohne Unter- schied Bücher ausleiht. Bon Lesehallen sind endlich noch zu nennen die jüdische in der Oranienburger Straße 58, diejenige der Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur in der Runge- straße 25/27 und die beiden erst neuerdings gegründeten Kinderlesehallen am Arminiusplatz in Moabit und in der Schönhauser Allee. Die Reaktion von heute hat dasselbe Gesicht wie Anno 1849, als die Feinde des Volkes befürchteten, daß die ersten Anfänge öffentlicher Bibliothekseinrichtungen, wie es in einem Ministerialerlaß heißt,„gegen Ordnung, Religiosität und Sitte verstoßen" könnten. Die Volksverächter haben den erwachten Bildungsdrang der unteren Klassen nicht aufzuhalten ver- mocht. Wissen ist Macht! Gerade die entrechteten Kreise haben gelernt, diese Mackitmittel zu benutzen. Möchte das in immer reichlicherem Maße und mit immer größerem Er- folge geschehen._ Die Freunde des feudalen Sports hatten zu Sonntag auf der Griiiiewald-Reimbahn einen großen Tag veranstaltet. Es wurde um de»„Großen Preis von Berlin" gelaufen, der einen Wert von 74 000 N7 hat. Daneben wurde un, noch kleinere Preise gekämpft. Trotz der Ferien waren große Meiischeliniaffen nach der Grlinewaid- babn binausgeivmidert. die bei deni Schanipicl mit dabei sein wollien. Geweitet wurde recht beträchtlich. Bei zwei Reniieu wurden allem 250 000 Mark am Totalisator, der staatlich ion- zessionierlen Spielbank, uuigeietzt. Wieviel sonst»och bei Buch- machern»ud anderen Wettbureaus verwettet wurde, entzieht sich der öffentlichen KeniilniS. Verlegung einer Steucrannahmcstelle. Die für die Stadt- bezirke 305—314 zuilLiidige Stenerkaffe XTFI Ä wird am 29. Juli von der Miillerstr. lööo nach der Rubeplatzstr. 4 verlegt. Ein unverbcficrlicher KautionSschwindler ist ein Arbeiter Walter Müller, der gesicrn von der Kriminalpolizei wieder einmal festgenommen wurde. Nachdem er am 14. Juni die Strafanstalt zu Buckow verlassen hatte, hielt sich Müller ohne Wohnung wieder in Berlin auf und lebte abermals von seinem alten Schwindel. Aus den Zeitungsanzeigen merkte er sich die Handwerker und Ar- beiter, die irgendwelche Stellung suchten. Er suchte sie dann aus, stellte sich als Obernionieur von Siemens u. Halske vor und erzählte ihnen, daß er für deren Betrieb einen Mann wie den Bewerber suche. Dabei erklärte er aber gleich, daß für die Benutzung des Handwcrkzeugs eine kleine Kaution gestellt werden müsse. Der „Cbermouteur" begnügte sich mit 5 bis 10 M., je nachdem die Stcllungsuchenden noch Geld hatten, nahm den Leuten die Bürg- schuft gleich ab, stellte ihnen einen Zettel aus, mit dem sie sich beim Werkmeister melden sollten, empfahl sich und ließ nichts mehr von sich hören. Wenn dann die Leute zur vereinbarten Zeit nach der Fabrik kamen, um sich zu melden, konnte ihnen schon der Pförtner sagen, daß sie einem Schwindler in die Hände gefallen waren. Denn ihm waren schon eine ganze Reihe solcher Zettel vorgelegt worden. Müller, der gestern endlich ermiitelt und dingfest gemacht wurde, gibt seine Schwindeleien ohne weiteres zu, weiß aber sonst nicht mehr, wen er alles betrogen hat. Neuer Juwclendicbstahl in der Potsdamer Straße. Nachdem erst vor drei Wochen in der Potsdamer Straße bei den Juwelieren Henri Nevir u. Sohn ein großer Juwelcndiebstahl verübt wurde, bei dem die Diebe für 100 000 M. Juwelen und Goldwaren er- beuteten, ist in der letzten Nacht nur wenige Häuser davon entfernt. in der Potsdamer Straße 18 bei dem Juwelier Willi Winzberg ein neuer Einbruch ausgeführt worden. Diesmal erbeuteten die Einbrecher für etwa 20 000 M. Juwelen, goldene Ringe, Broschen und Colliers. Die Diebe gingen mit dem größten Rassinement zu Werke. Sie stiegen von der Straße aus durch ein über der Eingangstür befindliches Entlüftungsfenster in den Ge- schäftsladen ein, das kaum einen halben Meter breit ist. Dann schlichen sie sich hinter den Ladentisch und zogen zunächst die Schau- fenstervorhänge zu, um ruhig arbeiten zu können. Sie rissen etwa 100 Etuis auf und entwendeten daraus die Juwelen und Gold- fachen. Den Rückzug traten sie auf demselben Wege an, und es ist geradezu unglaublich, daß die Diebe nicht bemerkt worden sind. Die benachrichtigte Kriminalpolizei erschien gestern früh sofort mit mehreren Beamten am Tatort, um die Nachforschungen nach den Tätern einzuleiten. An dem Entlüftungssenster wurden Finger- abdrücke gefunden, die im Polizeipräsidium photographiert werden. Man glaubt auf diese Weise die Spur der Einbrecher zu finden. Zwei Personen bei einem Zusammenstoß verletzt. An der Ecke der Reinickendorfer und Exerzierstraße erfolgte in der letzten Nacht ein heftiger Zusammenstoß zwischen einem Straßenbahn- wagen der Linie 26 bl und einer Automobildrofchke. Bei der Kollision wurde die Droschke fast vollständig zertrümmert und auch der Vorderperron des BahnwagenS stark beschädigt. Zwei Per- fönen meldeten sich nach dem Zusammenstoß als verletzt. Beide haben Verletzungen am Kopf und an den Beinen davongetragen. Die Schuldfrage ist noch nicht festgestellt. Ein tödlicher Automobilunfall trug sich am Sonntagabend gegen V28 Uhr in der Frankfurter Allee zu. An der Ecke der Boxhagener Straße wollte die Frau des in dem Hause Nr. 6 des genannten Straßenzuges wohnenden Werkmeisters Hilfe mit ihrer elfjährigen Tochtrr Elisabeth den Fahrdamm der Frankfurter Allee überschreiten. Als das Mädchen auf dem jenseitigen Bürgersteig seinen Vater er- blickte, riß es sich von der Hand der Mutter los, um zu dem Vater zu eilen. Dabei achtete das Kind nicht auf das Herannahen eines PrivatautoS. Die Kleine wurde umgeriffen und geriet unter den Kraftwagen, dessen Räder über sie hinweggingen. Die Ver- unglückte erlitt schwere innere Verletzungen und einen Schädel« bruch uud verstarb noch vor dem Eintreffen des sofort herbei- gerufenen Arztes. Ein schwerer Straßenbahmmfall ereignete sich am Sonntagnach» mittag gegen S'/g Uhr vor dem Hanse Cbausfeestratze 9. Dort ver- ließ die 20jährige Frau Klatt, Eichend orffstratze 2, wohnhaft, den Hinterperron des Motorwagens 1926 der Linie 26 während der Fahrt, Frau K. kam zu Fall und blieb neben dem Wagen liegen. Rtaii schaffte die Verunglückte nach der nächsten Unfallstation, wo festgestellt wurde, daß sie einen Schädelbruch und Gehirnerschütterung erlitten habe. Auf Wunsch des Ehemannes, der den Unfall mitan- gesehen hatte, wurde Frau K. in ihre Wohnung geschafft. Montag abend, kurz nach 6 Uhr, wurde an der Ecke der Prin- zen- und Ritterstrahc ein sechsjähriger Knabe Ernst Kasbarbi von einem Straßenbahnwagen überfahren und gefährlich verletzt. Dem Knaben, wurde der rechte Fuß vollständig zermalmt; außerdem erlitt er einen rechten Oberscheukelbruch. Nachdem das Kind auf der Unfallstation die erste Hilfe erhalten hatte, wurde es nach dem Krankenhaus am Urban geschafft. Beim Baden ertrunken. Große Bestürzung rief am Sonntag» abend gegen SVz Uhr unter den Besuchern der Badeanstalt im Weißen See die Meldung eines Badegastes hervor, der behauptete, er habe beim Tauchen auf dem Grunde des Bassins einen mensch- lichen Körper berührt. Das Bassin wurde hierauf abgesucht und nach kurzer Zeit die Leiche eines jungen Mannes gefunden. In demselben wurde der 18jährige Buchdrucker Albert Lehmann, der Sohn eines in der Berliner Allee 12 wohnenden Fabrikanten L. rekognosziert. Ein hinzugerufener Arzt stellte Wiederbelebungs- versuche an, konnte jedoch nur feststellen, daß L. seit einer Stunde bereits tot war und einem Herzschlage erlegen ist. Der junge Mann litt an Herzkrämpfen und hatte trotzdem in dem offenen Gewässer gebadet. Aus der Sclbstmordchronik. Ein beharrlicher Selbstmord- kandidat ist am Sonnabend nachmittag in den Müggelbergen nicht weit von Marienlust aufgefunden worden. Berliner Ausflügler bemerkten um diese Zeit einen Mann, der auf einem Waldpfade hin und her lief, während ihm das Blut aus beiden Armen hervor- strömte. Dem Persuch, ihn zu verbinden und ihm Hilfe zu bringen, setzte der Fremde energischen Widerstand entgegen, und schließlich mußte er gewaltsam dazu gezwungen werden, seinen Rettern nach einem Restaurant zu folgen, wo er die erste Hilfe erhielt. Der Lebensmüde wurde nach der Polizeiwache in Köpenick gebracht und von da nach dem dortigen Krankcnhause übergeführt. Er hatte sich mit einem Rasiermesser die Pulsadern beider Arme durchschnitten. In dem Manne wurde der 26jährige Reisende Ludwig Mandig aus Brünn in Mähren ermittelt, der bei einer Berliner Schreib- maschinensirma angestellt ist. Am Sonnabend morgen hatte er sich bereits vor die Lokomotive eines in Grünau einlaufenden Vorortzuges geworfen, war aber von den Stationsbeamten noch im letzten Augenblick gerettet worden.— Aus Lebensüberdruß ist am Sonnabend abend der 54 Jahre alte Portier Louis Geier, Alte Jakobstr. 54/59 wohnhast, in den Tod gegangen. Am Sonnabend nachmittag zechte er mit mehreren Freunden zusammen und begab sich dann in seine Wohnung, wo er sich mit Sublimat vergiftete. — Am Sonntag vormittag gegen 10 Uhr hat die 25jährige Kon- toristin Ainia Perl ihrem Leben durch Einatmen von Leuchtgas ein Ende zu machen versucht. Das junge Mädchen, das bei Verwandten in d>n, Hause Wielandstr. 4 zu Charlottenburg wohnt, hatte eine tiefe Neigung zu einem jungen Manne gefaßt, die jedoch nicht erwidert wurde. Das junge Mädchen verfiel deshalb in Schwermut, von der sie sich nicht zu befreien vermochte. Am Sonn- tag benutzte Fräulein P. die Abwesenheit ihrer Verwandten. Sie schloß sich in ihr Zimmer ein und öffnete dann die Höhne der Gas- kröne. Als die Angehörigen der Lebensmüden nach pause kamen, fanden sie die P. bereits leblos vor. Ein sofort hinzugerufener Arzt stellte Wiederbelebungsversuche mit dem Sauerstoffapparat an, die nach einigen Stunden schließlich von Erfolg gekrönt waren. In bedenklichem Zustand wurde das Mädchen nach dem Kranken- haus Westend übergeführt.— Eine traurige Aufklärung hat das Verschwinden eines jungen Mädchens, der l8jährigen Tochter Johanna des Malermeisters Müller aus Südende, gefunden. Die M. war seit 14 Tagen spurlos verschwunden, und man glaubte an- fangs, sie sei Mädchenhändlcrn zum Opfer gefallen. Dies hat sich aber nicht bestätigt. Die� Vermißte hat Selbstmord verübt. Sie ertränkte sich im Teltowkanal, und erst jetzt wurde ihre Leiche an die Oberfläche getrieben und geborgen. In einem Schreiben, das man bei der Toten fand, teilt die M. mit, daß sie wegen Unglück- sicher Liebe freiwillig den Tod gesucht habe.— Wegen Familien- zwistigkeiten ertränkte sich im Teltowkanal der löjährige Schuh- machcr Willi Reubicke, der bei einem Schuhmachermcisler in der Potsdamer Straße beschäftigt war. An eine furchtbare Famisientragödie erinnert tn? Verbaktung eines Einbrechers, der in der vergangenen Nacht in ein«» Uhren» und Goldwarenladcn in der Jannowiypassage ertappt und fest» genommen wurde. Auf der Wache wurde der Verhcijteie als der 80 Jahre alte Kutsch-r Karl Runge festgestellt, der sich ohne Woh nung in Berlin umhertrieb. Runge ist der Ehemann der Mathilde Runge, geb. Godschei, die in der Nacht z,um 12. März d. I. ihre drei Kinder von 6 und 3 Jahren mit Zyankali vergiftete. Tobsucht hat ihn schon wiederholt ins Irrenhaus gebracht. Zuletzt nahm ihn seine Frau gegen den Rat der Zlcrzte aus Buch wieder zu sich. Runge trank bald von neuem wieder und mißhandelte seine Frau, die in der Folge zu dem gräßlichen Verzweiflungsschritt ge langte._ Die dritte Bundcsregatta des„Fr. R.-B. Berlin" nahm am letzten Sonntag unter einem starken Znschauerandrang und bei leidlicb günstigem' Wetter einen prächtigen Verlauf. Der Start vollzog sich an den„Norddeutschen Eiswerken", das Ziel bildete die„Liebesmsel*. Die Bahnlänge betrug 1350 Meter 10 Uhr morgens begannen die Vorrennen. Es kann mit Genug tuung festgestellt lverden, daß der„Freie Ruderbund, B e r'l i ii" die Zeit seines Bestehens gut ausgenutzt hat. Bot doch der Gesamtsporl des verflossenen Sonntags genügend hübsche und fesselnde Momente, um selbst beim Nichlsportsmann die größte Spannung und ehrlichste Anerkennung auszulösen. Schon die Rennen der Anfänger, womit diejenigen Sportsgcnossen gemeint sind, die in diesem Jahre das Rlchern erlernt haben, hatten so zahlreiche Vor Meldungen zu verzeichnen, daß vorniiltagS Vorrennen stattfinden mußten, um die Zahl der Teilnehmer künstlich zu reduzieren und damit das Gros am Mittag beim Entscheidungsrennen über die Bahn gehen konnte. Der Sport, den die Senioren deS Freien Ruder bundeS ihren Zuschauern boten, können unbedingt den Ergebnissen der Regatten bürgerlicher Vereine als ebenbürtig an die Seite ge- stellt werden. Der„Fr. R.-B." hatte diesmal eine Neuerung eingeführt, in sofern, als zu den Hauptrennen von jedem Verein die gleiche An- zahl Boote starten durften. Ferner hat er mit dem Prinzip der Preisverteilung gebrochen. Den Siegern wird als Anerkennung ihres Sieges ein gutausgeführtes Diplom zuerkannt. Auch darin hat sich das Bestreben, unabhängig von den Gepflogenheiten der bürgerl liche» Vereine zu sein, durchgesetzt. Zeugen gesucht. Die beiden jungen Leute, welche am Freuag, den 7. Juli, mittags zwischen �<1—1 Uhr am Rosenthaler Tor einen Betrunkenen nach Hause transportieren halfen, werden um ihre Adresse gebeten an Otto Nitschke, Berlin 17. 58, Oderberger Str. 22, Ouergebäude IV links._ Vorort- Nachrkbtem Treptow-Baumschnlenweg. Zur Charakteristik der Borortprcsse wird uns geschrieben: Die große Hitze der vergangenen Woche hat in unserem Orte schreckliche Folgen gezeitigt, wie die Leser des„Treptower Anzeiger' am Sonn- tag mit Schaudern erkennen mußten. Der Druckerei des genannten BlattcS war nach fünfzehnjährigem Bestehen der 10 000. Drnckaus- trag— Speisekarten, Briefbogen, Geburtsanzeigen usw. alles und und noch etwas eingerechnet— erteilt worden, was im Durchschnitt der Jahre auf den' Tag so ungefähr zwei Aufträge ergibt. Und dieses welterschütternde Ereignis feiert das Blatt in der Sonntags- nummer auf der ersten Seite seines eigentlichen Hauptblattes in drei Spalten mit den schwülstigsten Phrasen, glühendsten Bildern und kühnsten Vergleichen. Wirkt dieser mit dem saftigsten Selbstlob ge- spickte Erguß an sich schon unsagbar komisch, so noch mehr, wenn man weiß, wie der„Trept. Anz.' vor einiger Zeit hurrapalriotisch den Unterschied zwischen deutschem und französischem Wesen dahin kennzeichnete, daß der gallische Hahn eben jeden auch den kleinsten Erfolg aufgeblasen in alle Welt hinauskrähe, während der deutsche Mann von großen Erfolgen kein Wesens mache. Bei dieser Gelegenheit erfährt die staunende Welt auch, wie ungeheuer schwer es ist, ein dreimal wöchentlich erscheinendes Amts- blättl zu redigieren, und daß nur Kapazitäten ersten RangcS, Leute mit höchsten geistigen Fähigkeiten imstande sind, eine solche Aufgabe zu lösen..Denn', so heißt eS in dem Erguß,„so genau auch die Wege vorgezcichuet, so scharf die Stege abgesteckt waren, eS war dennoch schwer, diesen Weg zu wandeln. Von vielen Seiten kamen wütige Kläffer heran und suchten den Weg zu versperren. Allen Gefahren zum Trotz blickten die Herausgeber vorwärts. Mochten auch die Strudel der Scylla oder die Klippen der EharybdiS drohen, zahlen müssen. In geheimer Sitzung beschloß die Vertretung, daß bei der am 1. Oktober d. I. erfolgenden Uebernahme der Gasanstalt die Veo träge, die mit den Angestellten von der Vorbesitzerin geschlossen wurden, an die Gemeinde übergehen. Es wurde eine Gasanstalts VerwaltungSdcputation gewählt, der der Bürgermeister als Vor sitzender, Schöffe Moldenhauer, Schöffe Dr. Wallburg, die Vertreter Barth(Soz.), Geselbracht, Glöcke und Gude als Mitglieder an- gehören. Adlershof. Achtung, Gemeindewahl i Die Ersatzwahl eines Gemeinde verordneten der III. Abteilung für den nach Berlin ver zogenen Genossen Hermann Hildebrandt findet am Sonnabend. den 22. Juli, nachmittags von 5 bis 8 Uhr, im Lokal des Herrn Lehmgrübners, Bismarckstraße 6v(Eingang von der Bismarckstraße), statt. Die Aufstellung des Kandidaten er olgt in der heute stattfindenden Generalversammlung des Wahlvereins. Friedenau. Ucber eine Dienstbotenmißhandlung wird uns geschrieben: Der Friedenauer Lokalanzeiger' brachte in seiner Nr. 160 eine Notiz, wonach ein Dienstmädchen erheblich verletzt bei der Fricdenauer Sanilätswache eingeliefert wurde und daselbst einen Notverband erhielt. Die Verletzungen waren, wie dort berichtet wurde, au' Mißhandlungen durch die Herrschaft zurückzuführen. Den Namen dieser„sauberen Herrschaft" mitzuteilen, hielt das Friedcnauer Blättchen nicht für notwendig. Die Gewerkschaftsunterkommission. die sofort Recherchen nach dieser Richtung hin anstellte, hat den „mutigen' Herrn, der seine Wut an einem noch nicht zwanzigjährigen Dienstmädchen ausließ, in dem in der Kirchstr. 13 ein Blumengeschäft betreibenden Gärtnereibesitzer Brust ermittelt. Wir sind neugierig, ob von der Ortspolizeibehörde, der die An- gelegenheit bekannt ist, die Sache weiter verfolgt wird. Vor einigen Jahren unternahm in der Bisinarckstraße das Dienstmädchen eines Oberpostinspektors wegen fortgesetzter Schurigeleien einen Selbst- Mordversuch. Ucber den Verlauf der damaligen Untersuchung hat man nichts gehört. Wird diesmal die Behörde die Sache weiter verfolgeir? Mißhandlungen von Dienstboten nehmen in Friedenau, sowie im ganzen„vornehmen Westen' in der letzten Zeit einen erschreckenden Ilmfang an. Wir ersuchen aus diesem Grunde die Genossen sowie die als Aufwärterinnen beschäftigten Genossinnen dringend, olle Fälle von Mißhandlungen von Hausangestellten dem Vorsitzenden der Gewerlscvaflsunterkommission für Steglitz- Friedenau, dem Genossen Richard Hagen. Friedenau, Kaiserallee 115 HI, sofort mit zuteilen. Den Dienstboten selber aber sollten alle diese Vorgänge zur Mahnung und zum Ansporn dienen, sich dem Verbände der Haus angestellten anzuschließen. Sie sind dann in der Lage, sich die ele- mentarsten Menschenrechte, die man ihnen durch eine infame Gesinde ordnung verweigert, selbst zu erkämpfen. Hohen- Schönhausen. Die Gemeindcwählerliste liegt auS. Nachdem feit der Einge meindung des Gutes nahezu 4 Monate verflossen find, liegen endlich die Wählerlisten für die vorzunehmende Ergänzungswahl zur Ge- meindcvertretung auS. Einzusehen sind die Listen vom 13. Juli bis 2. August in der Zeit von 9—1 Uhr wochentags und 10—12 Uhr Sonntags im Gemeindebureau. Parteigenossen, welche mit Hohenschönhauser Arbeitern zusammen kommen, werden gebeten, dieselben aufmerksam zu machen, daß sie ich durch Einsichtnahme überführen müssen, ob ihr Name in der Wählerliste verzeichnet ist, damit sie später ihr Wahlrecht ausüben können. Zossen. Beim Rangieren geriet am Sonnabendabend auf dem hiesigen Bahnhof der Rangierer Donath zwischen die Puffer zweier Wagen und wurde ihm der Brustkorb eingedrückt! D. war sofort tot. Hua aller Älelt. Wegen Nahrungssorgen in den Tod. In Lemberg ereignete sich Sonntagabend eine furchtbare Fomilientragödie. Der jüdische Schneidermeister Aron Taube beschloß, gemeinsam mit seiner Frau und seinen acht Kindern im Alter von 5 bis 17 Jahren wegen NahrungL sorgen in den Tod zu gehen. Die Familie vergiftete sich mit Rattengift. Die Nachbarn, durch daS Stöhnen und Röcheln der Vergifteten aufmerksam gemacht, holten die Rettungsgesellschaft herbei. Vier Personen, nämlich die M u t t er und drei Kinder, ringen bereits mit dem Tode. Die anderen sechs Personen werden vielleicht gerettet werden können. Taube hatte schon vorher einmal mitsamt seiner Familie wegen Nahrungssorgen einen Selbstmordversuch durch Einatmen von Kohlendämpfen verübt. ÄÄ Bergleute getötet. Aus Dubais in Pcnnsylvanien wird eine neue schwere Grubenkatastrophe gemeldet, bei der 22 Bergleute getötet worden sind. Die Katastrophe ist auf eine Explosion in den„Cascade"- Kohlenwerken von Sykcsville zurückzuführen. S i e b z e h n L e i ch n a m e sind bis jetzt zuTage gefördert worden. O Bei Steinbruchsarbeiten unweit Nizza ent- stand eine Explosion, die durch unvorsichfiges Umgehen mit Dynamit hervorgerufen wurde. Abgerissene Felsstücke trafen die beiden Arbeiter Martini und V e r g o n d a. von denen ersterer bald darauf seinen Verletzungen erlag. Der andere liegt hoffnungslos danieder. SS Tage geschlafen. Großes Aussehen erregt in New Dorker ärztlichen Kreisen ein eigentümlicher Fall von Schlafkrankheit, der sich in Spring- field zugetragen hat. Eine Frau, die 86 Tage geschlafen hatte, wurde aufgeweckt und befindet sich augenblicklich auf dem Wege der Besserung. Sie war in den ersten Tagen des Monats März eingefchlafen und alle Mittel, sie zum Bewußtsein zurück- zubringen, blieben erfolglos. Nach 26 Tagen wurde sie wach, schlief aber kurze Zeit darauf wieder ein. Nachdem es jetzt gelungen ist, sie zu wecken, ist ihr Zustand ein durchaus normaler, jedoch ist sie nicht im Besitze der Sprache, sondern muß sich durch Zeichen verständlich machen. Die Aerzte hoffen jedoch, daß sie auch dieses Uebel beseitigen werden._ Vier Kinder an Rauchvergiftung gestorben. In einem NemourS benachbarten Dörfchen ereignete sich gestern ein schreckliches Brandunglück, dem vier Menschenleben zum Opfer gefallen sind. Als ein Maurer mit feiner Frau von einem Ausflug zurückkehrte, nahm er vor seinem Hause einen Brand- geruch wahr. Er drang schnell in seine Wohnung ein und hier bot sich ihm ein grausiges Bild. Vier seiner Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren lagen in ihrem Zimmer, das von Rauch erfiillt war, tot in ihren Betten. Auf die Hilferufe deS unglücklichen Vaters eilten Nachbarn herbei, die sich aber damit begnügen mußten, das im Hause ausgebrochene Feuer zu löschen. Mit den Kleinen wurden Wiederbelebungsversuche angestellt, die aber zu keinem Erfolge ührten. Sie waren an Rauchvergiftung gestorbea. Kleine Notizen. Mord. In Wien wurde in einem Hause des dritten Bezirks die 37jZhrige unter sittenpolizeilicher Aufsicht stehende Maria S ch m i d ermordet aufgefunden. Der Verdacht richtet sich gegen einen jungen Mann, der die Schmid morgens verlassen hatte. Schweres Automobilunglück. Sonntag abend unternahm der Chauffeur Heinrich Weltmeier aus Hagen mit dem Automobil seines Dieustherrn und seinen Freunden eine Spritztour nach Hom- bruch. Sie stiegen in einer dortigen Wirtschaft ab und machten kurze Zeit darauf eine Fahrt durch den Ort. Dabei geriet das Auto i» einen Graben und die Insassen wurden herausgeschleudert. Der Bergmann Fritz N i k o l e i t erlitt einen Schädelbruch und war sofort tot. Die Dienstmagd Wölke, die sich ebenfalls an der Fahrt beteiligte, stürzte auch aus dem Wagen und zog sich einen schweren Schädelbruch zu. Eifersuchtsdrama. AuS verschmähter Liebe feuerte in D ll i S» bürg der 18jährige Maschinist Biber auf die I6jährige Ver- käuferin Gertrud Fremont zwei Schüsse ab. Die eine Kugel durchbohrte den Leib deS Mädchens, die andere ging durch das Handgelenk. Der Täter tötete sich darauf durch einen Schuß in den Kopf. Der Zustand des Mädchens ist besorgniserregend.— In Offen dach erstach der 28jährige Fräser Adam Bruder seine 21jShrige schwangere Geliebte und Mutter von zwei bereit? ver- storbenen Kindern Elise Auguste Hardt, mit der er fünf Jahre ein Liebesverhältnis unterhalten hatte. eingegangene Druchfcbriften. Von der..Gleichheit', Zeitlchrift für die Interessen der Arbellertitnen. ist uns soeben Nr. 21 des 21. Jahrgangs zugegangen. AuS dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Der achte Kongreg der deutschen Gewerkschaften.— Kapitalistische.Sozialreform'. III. Von Luise Zieh.— Harmonie der Interessen'. Von Julian Borchardt.— Genoffenschasten und Arbeiterbewegung. Von h. d.— Vom ersten Kongreg des Frauen- bundeS in Italien. Von Angelika Balabanoff.— Für und wider das Fraucnwahlrccht.— Em erjolgreicher Tarisabschluß in der PotteseuilleS- und Reiseartikelindustrie. Von II.-d. Für unsere Mütter und Hausfrauen: Jobami Peter Hebel III. Von Dr. Wilhelm Hausenstein.— Furcht. Von Ernst AImS- loh.— Für die HauSsrau: Praktischer Wink zur selbstansertigung von Kimonoblusen. Von K J. K.— Hygiene.— Feuilleton: Waterloo. Von tendbal.(Fortsetzung.) Für unsere Kinder: Im Winde. Bon Karl Stieler.(Gedicht.) — Thomas, der Knecht. Von Heinrich Arnulf.(Schluß.)— Von sauberen und unsauberen Kindern. Von St. B.— Der Blumen Rache. Von Ferdinand Freiligrath.(Gedicht.)— Marco PoloS Beschreibung der chinesischen Stadt Ouinsal(Fortsetzung.)— Abend im Walde. Von Jürgen Brand.--- HauS und die Spatzen. Von Rudolf Löwenstetn. (Gedicht.) Vom„Wahren Jacob' ist soeben die 15. Nummer deS LS. Jahr- zangS 16 Seiten stark erschienen, die ein Bild des in Dresden verstorbenen ozialistischen Bildhauers H e i n r i ch May, des Schöpfers von Wilhelm Liebknechts Grabdenkmal, cntbält. AuS dem übrigen Inhalt der Nununcr hebe» wir folgende Beiträge hervor: Bilder: Die neueste Mode. Von H. G. Jentzsch.— Der Hhpcr- monarchist. Von Emil Erl.— Vulkan und seine Opser. Von H. G. Jentzsch. — Der amtsmüde Schellenkönig. Bon Emil Eck.— Der Fall Jatho. Vau M. Vansclow. Usw. Text: Kampflied deS Hansabundes. Von TobiaS.— An Gehelmrat Rießerl— Der migtrauischc Militarismus. Von T.— Jatho. Von Pan. — Lieber Jacob! Von Joltbils Rauke.— Der Tyrann.— Blutgeruch. Von P. E.— Der Moralist im Freibad.— Künstliche Blumen. Bon P. E. Usw. Der Preis der 16 Selten starken Nummer ist 19 Pf. Probenummern sind jederzeit durch den Verlag I. H. W. Dietz Nachf. G. m. b. H. m Stutt- gart sowie von allen Buchhandlungen und Kolporleurcn zu beziehe«. Kriefikasten der Redaktion. Tie lurifttsche epreilistunde findet Linden st rage 6g, vor» vier Trrppen — Fahrstuhl—, wochentliglich von 4!� bis 7� Uhr abends, eonnadends, von ili bis 6 Uhr abends statt. Jeder siir den Brieslaften bestimmten Aufrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen betzusstgen. Briefliche Antwort wird nicht rrteilt.«nfragrn, dcnrn keine Adonnrmcntöquittung beigefügt ist, werden nicht bcantwortet. EUtge Fragrn trage man t» der Sprechsttinde vor. ____ 36 X. DaS können wir Ihnen nicht sagen. Nach dem Brief zu schließen, ist daS M. nicht.druckrcis'.— F. K. 49. Seit 1860 In Gnefen.- A. Z. In jedem Jahre.— E. P. 23. Durch die„Arbeiter- SchwlMmer.Zeitung-. Rixdors. Hermannslr. 177.- Sch. 13. Fragen Sie darüber an Engelufer lö, Zcntratkommisfion der Kranken lassen.— Darüber kann das bctressende Bad selbst Auskunft geben. Privat- Gesellschaften solcher Art empfehlen wir nicht. Auch machen wir keinerlei iezepte. Wegen Ihrer Blumen sprechen Sie mit einem sachverständigen Garwcr. Betrcsss der Verjährung kommen Sie wohl einmal m die junstiiche Sprechstunde, da Ihre Fragestellung zur Be. antwortung und richtigen Erledigung nicht ausreicht.— R. B. 160 Meter. — Cliarlotteiibiirg. Wenn Sie den Verpächter vergeblich zur Beschaffung deS Wassers aufgefordert haben, können Sie Schadenersatz verlangen. G. St. Nixdorr. Nein.— Zllter Zlboniicnt Pf. l. Nein. 2. Falls darlehuSiveist gegeben ja. sonst»ein. 3. und 4. Rein. S. Durch Klage. — Olme«hiffre(B«»»la»). l. Nein. 2. Ja. S. Unverständlich. — Zedier 10. �cills inchts Abweichendes in den Statuten steht, müssen Sie zahlen.—(£. D.. Dangermüiide. Die Anmeldung de« Kirchen» auSlritts ist unwirksam, da sie nicht zu Protokoll erklärt ist. Sie müssen nunmehr nochmals bei Ihrem Amtsgericht Ihren Kirchenaustritt anmelden unter Angabe der Religion. Nach 4—6 Wochen müssen Sie denselben als. dann, auch wenn Sie keine Aufforderung erhalten, bei Gericht zu Protokoll erklären. Legitimation ist mitzuklingen.— B. B. 43. Verschieden. Ge- wöhnlich nach drei Jahren.— Rixdors 100. Dies Recht wird leider nicht anerkannt.— W. 3. 12. Sie müssen zahlen.— R.«. 96. 1. Das Armenrecht wird Ihnen bewilligt werden. 2. Wenden Sie sich zunächst wegen eines AnnutSattasteS an den Bezirksvoijtehcr oder an den Vorsteher der Armenkommission. Gehen Sie alsdann in die Anmeldeswbe des zu- ltäiidigen ElcrichtS. 3. Die Beläge find dem Gericht einzureichen.— Preis, fchiesten 55. Wenn Sie den Schaden nachweisen können, kennt« Sie mit Erfolg klagen.___ Marktpreise von Berlin am 15. Juli 1911. nach Ermittelung des Königlichen Polizeipräsidiums. Markthallenpretse.(Kleiiihandell 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Koche» 30,00—50,00. Epeisebohnen weiße 30,00-50.00. Linsen 20,00-60,00. Kartoffeln 12,00—18,00. 1 fistoJ giamni Rindfleisch, von der Keule 1,60—2.40. Rindfleisch, Bauchfleisch z 20 bis 1,70. Schweinefleisch 1,10—1,80. Kalbfleisch 1,80-2,40. Hammelfleisch 1,50—2,30. Butter 2,20-2,80. 60 Stück Eier 3,00—4,80. 1 Kilogramm Karpfen 1,60—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,60—3,60. Hechte 1,40 bis 2,80. Barsche 1,00—2.00. Schleie 1,20-3,50. Bleie 0,80-1,00. 80 Stück Krebse 2,00-36,00. Verantwortlicher Redakteur: Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin LW.—