Mr. 171. Mnnementz-Keäingungen: Akonnemcnts- Preis pränumerando i Pierleijährl. 3£0 Mr., monail. 1,10 Mr., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Psg. Post- tlbonncment: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Uumänieit, Schweden und die Schweiz. 28. Jahrg. VI« TnfertlonS'Gebüfir BiihSgt für die sechsgespaltene Kolon cl- teile oder deren Raum 60 Pfg.. für politische und gewerlschastliche Vereins- und BersammlungS. Anzeigen 30 Pfg. „Klt(ne Hnitiaen", das seUgcdruckie Wort 20 Psg.(zulässig 2scUgcdruckle Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Etellengcsuchc und Schlafstellenau- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über löVuch- Critolnt tülid) auBtr niontags. Verlinev Volksblakk. Zcntralorgan der rozialdcmokrati fchen partei Deutfcblarsds. B Uhr nachmittags in der Expedition »bgegcben werden. Die Expedition ijt his 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adress« ..SodisilitinsMl litrlia". Redaktion: SM. 68, Lindcnstrasse 69 Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. expedttton: SM. 68, Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. kuttische„Kompensationen". Es erscheint höchst eigentümlich, daß die Welt gerade jetzt von den Ereignissen in P e r s i e n überrascht wird, die zweifellos die Einleitung zu einem neuen kräftigen Vorstoß Rußlands und Englands in Vorderasien bilden. Unwillkürlich drängt sich da der Verdacht auf, daß dieser Vorstoß, der vor- läufig durch den Einmarsch des vertriebenen Schahs Mohammed Ali in Persien maskiert wird, mit der neuesten Phase der Marokkofrage in engster Verbindung steht, und daß die beiden Ententemächte, in dem Augenblicke, wo die Frage der deutschen„Kompensationen" in Marokko im Vordergrund des weltpolitischen Interesses steht, sich ihre Kompensationen in Persien holen wollen. Die rasfiniert-schamlosen Machenschaften der internationalen Diplomatie treten gerade in diesem Falle besonders kraß hervor. Es unterliegt nunmehr keinem Zweifel, daß die plötzliche Rückkehr des vertriebenen Schahs nach Persien von langer Hand vorbereitet war. Einer„Times"- Meldung zufolge machte die persische Regierung bereits vor einiger Zeit Ruß- land auf die Gerüchte aufmerksam, daß der Exschah seine Landung auf persischem Boden vorbereite. Ebenso machte sie die russische Regierung auf die Anwesenheit des Hauptagenten des Schahs, Arschad ed Douleh, aufmerksam, der unbestimmten Ausstreuungen zufolge mit einer großen Menge von Gewehren und falschen Pässen-durch Baku kam. Die russische Regierung weigerte sich aber entschieden, hier irgendlvie einzugreifen, und der Agent konnte daher seine Reise bis in das Gebiet der Turkmenen fortsetzen, die jetzt die Fahne des Aufstandes für den Schah erhoben haben. Andere Anhänger des Schahs landeten mit einem großen Vorrat von Patronen in Baku und erhielten trotz der Vorstellung der persischen Regierung die Erlaubnis, sich nach Petrowsk zu begeben, wo sie eine Besprechung mit Turkmenenhäuptlingen hatten. Der russischen Regierung konnte es ferner auch nicht unbekannt gewesen fein, daß der Schah von seinem Wohnsitz Odessa aus die Fäden der Gegenrevolution in Persien knüpfte und alle Vorbe- reitungen für einen Emmarsch traf. In England ist man sogar überzeugt', daß der Exschah in vollstem Einverständnis mit Rußland gehandelt und die Geldmittel für sein Unternehmen von der russischen Regierung bezogen hat. Endlick weist der Umstand, daß der Exschah sich inkognito über das russische Gebiet nach Baku begeben konnte und auf einem russischen Schiff in Persien landete, vollkommen klar darauf hin, daß der frühere Herrscher Persiens als Agent Rußlands gegen Persien vorgeht. Die russischen Offiziösen leugnen natürlich in gewohnter Heuchelei jede Kenntnis dieser Dinge ab und versichern, daß sie durch das Vorgehen des Exschahs vollkommen überrascht seien. Indessen hat die russische - Regierung bereits vor ewigen Tagen in aller Eile Truppen mobilisiert, die nach der persischen Provinz Aserbeidschan abgehen und für jede„Eventualität" bereitgehalten werden sollen. Es versteht sich von selbst, daß sich auch die englische Regierung mit der Rückkehr des Schahs abgefunden hat, der ihr äußerst wertvolle Zu- sicherungen gegeben haben soll. Die Rollen sind also zwischen den Akteuren vollkonimen verteilt, und die Ereignisse der nächsten Wochen dürsten den Beweis erbringen, daß es sich in der eingeleiteten Gegenrevolution in Persien mehr als um eine„innere Angelegenheit" Persiens handle. Die Sprache, die die russische Regierungspreffe aus Anlaß der persischen Ereignisse führt, läßt den letzten Zweifel über den wahren Charakter der jetzt eingeleiteten Aktion vcr- schwinden. Tie„Nowoje Wremja" schreibt: .Rußland und England haben für die Aufrechterhaltung des zusammenstürzenden persischen Staatsgebäudes nicht wenig An- strengungen und Geldmittel aufgewendet. Aber all' ihre gut gemeinten Absichten haben zu keinem Resultat geführt. Praktischer als sie hat die Türkei gehandelt: gestützt auf die Schwäche der Teheraner Regierung, hat sie eines der reichsten Grenzgebiete Persiens. die Provinz Urmia, an sich gerissen.... Wir brauchen freilich keine Erweiterungen unseres Territoriums.... Indessen kann man seinem Schicksal nicht entgehen. Ob unser auswärtiges Ressort will oder nicht, es wird uns offenbar nichts anderes übrig bleiben, als die Ruhe und den Frieden an der kaukasischen Grenze auf eine energischere Weise zu sichern, als das jetzt der Fall ist." Offenherziger als das vom Ministerium des Auswärtigen inspirierte Blatt ist das Zentralorgan der Echtrussen „Semtschschina". das die Absichten der Zarenregicrung aus- plappert: .Wenn England sich das Recht angeeignet hat, Aegypten zu besetzen und Lord Kitchener dort als Regenten bestellt, wenn'Frankreich das Recht bat, die Residenz Marokkos mit seinen Truppen zu besetzen, so hat Gott selbst unS anbefohlen, in Persien nach unserem Gutdünken zu schalten und zu walten und dabei nur die Interessen Nutzlands und des persischen Volkes(!) im Auge zu behalten." Wie in anderen Petersburger Zeitungen berichtet wird, sind die Ereignisse in Pcrsien für die Regierungskreise über- Haupt nicht unerwartet gekommen. Die' Stellungnahme der russischen Regierung wird hierbei wie folgt präzisiert: Die Rückkehr des Exschahs nach Persien sei vollkommen eine interne Angelegenheit und könne keine fremde Einmischung hervorrufen. Wenn aber hierbei die Interessen Englands und Rußlands bedroht werden würden, so würden die beiden Regierungen die notwendigen Schritte ergreifen. Klarer als tu diesen Aeußerungen der„wohlgesinnten" Presse und der Regierungskreise, kann der heuchlerische Charakter der jetzigen „Nichteinmischung" nicht gekennzeichnet werden. Es wäre natürlich verfehlt, wollte man die neue persische Krise einzig und allein den Machenschaften Rußlands und Englands zuschreiben. Seit dem Siege der persischen Revo- lution am 12. Juli 1909 und der Vertreibung des Schahs Mohammed Ali machten die progressiven Elemente des Landes verzweifelte Anstrengungen, um den Uebergang vom Absolu- tismus zum Konstitutionalismus zu ermöglichen. Hierbei machten sich aber drei verschiedenartige Hemmungsmomente bemerkbar. Die niedrige soziale Entwickelungsstufe des Landes bot keine ausreichende Basis für eine gesunde politische EntWickelung. Der scharf einsetzende Klassenkampf führte nach dem Siege der Revolution zu einer schroffen Rechts- schwenkung der besitzenden und privilegierten Schichten. Und endlich bot die englüch-russische Umklammerung, die einerseits in der Anwesenheit russischer Truppen im Lande zum Aus- druck gelangte, andererseits sich in der goldenen Schlinge zeigte, die England und Rußland der persischen Regierung um den Hals legten, eine ständige Gefahr für die politische EntWickelung Persiens. Die sozialen und politischen Ver- schiebungen, die in den letzten Jahren in Persien stattgefunden haben, wurden vor wenigen Monaten, als die„Gemäßigten" den Sieg über die„Radikalen" davontrugen, vom Genossen L. M a r t 0 w folgendermaßen gekennzeichnet: „Die mittlere Handelsbourgeoifie, die Geistlichkeit und einzelne Elemente des Landadels, die die Bewegung begonnen hatten, kehrten sich mit der Zeit von der Revolution ab und nahmen in dem Matze eine unschlüssige Position ein, als von der allgemeinen Masse der Konstitutionalisten sich die Demokraten loslösten, die sich auf die Kleinbourgeoisie und die Arbeiter stützten und die Agrarfrage in den Vordergrund rückten. Die Kriegsführer der Revolution, Sattarchan und Bagirchan, schlössen sich diesen De- mokraten an und wurden insofern von kaukasischen„Fidais" bis zu Ende unterstützt. Der Klassenkamps zwischen den.Ge- mäßigten" und„Extremen" entwickelte sich in Persien unter dem starken Druck der ausMidischen Diplomatie, die Pcrsien keine Ruhe ließ. In den letzGn Monaten hat die Einmischung der englisch-russischen Diplomatie in die persischen Angelegenheiten wieder stark zugenommen. Geleitet von ihrem Bedürfnis nach Geld, und vielleicht auch direkt auf die Hilfe der russischen Kosaken- offiziere in ihrem Klassenkampfe gegen die„Demagogen" speku- lierend, näherten sich die„gemäßigten" Staatsmänner Persiens immer offener einem Kompromiß mit dieser Diplomatie, die daS Ziel verfolgt, eine politische und wirtschaftliche Oberherrschaft über Persien auszuüben." Diese Zeilen wurden geschrieben, als die Potsdamer Zusammenkunst noch nicht ihre Schatten auf die persische Frage geworfen hatte. Bekanntlich hat die deutsche Diplo- matie für die russischen Zugeständnisse hinsichtlich der Bagdad- bahn und der persischen Bahnen die russische Politik in Nord- persien anerkannt. Bethmann-Hollweg hat im Reichs- tage erklärt, daß„Rußland einen besonderen Einfluß auf Nordpersien geltend machen müsse." Offenbar ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, wo Rußland, unter der stillschweigenden Zustimmung der deutschen Diplomatie, auf deren Hilfe die persischen Konstitutionalisten spekuliert hatten, den in Potsdam ausgestellten Wechsel zu realisieren gedenkt. vie Mner Freie Studentenschaft. Aus studentischen Kreisen wird uns geschrieben: Die für das politische Leben so bedeutungsvolle Erscheinung der Klassengegensätze spielt auch in dem Miniaturgemeinwesen der .Alma mater ihre Nolle. Seit Jahrhunderten hatten sich die Studenten in Verbindungen zusammengeschlossen, deren inneres Leben in rohen und romantisch-verlogenen Formen erstarrte, in denen der chronische Alkoholismus und die vorsätzliche Körperber- letzung alias Mensur ihre Orgien feierten. Wer sich nicht ent- schließen konnte, einer dieser Vereinigungen beizutreten, galt als vogelfrei. Zwar versuchten zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein- zelne„wilde" Studenten— man nannte sie auch liebevoll Kamele, Oskuranten, Miserabilisten und, wie um 1839 in Tübingen, gar Nachtstühle— sich zusammenzutun und gegen die Bedrücker Front zu machen, aber die indolente Masse ihrer zeitweiligen Anhänger war noch nicht reif für eine große Bewegung. Erst 1892 gelang es in F r e i b u r g i. B. und in Berlin, eine Organisation ins Leben zu rufen, die die bevorzugte Sonderstellung der Korporationen auf- heben und die Nichtinkoporierten in Stand setzen sollte, in akadc- mischen Dingen auch ihr Wort in die Wagschale zu werfen. In Berlin sollte auf demokratischer Grundlage ein allgemeiner Stu- dentenausschuß geschaffen werden, wogegen natürlich die Korpora- tionen mit allerlei Mitteln Widerspruch erhoben. Es kam schließlich zu einigen Versammlungen der nichtinkorporierten Studenten; da man es aber verschmähte. Satzungen der neuen Organisation auf- zustellen, und es außerdem unter den Anhängern der Bewegung selbst zu heftigen Fehden kam, die durch Angriffe von außen seitens der verschiedenen Korporationen nicht gerade abgeschwächt wurden, ging das ganze schöne Werk bald an angeborener Lebensschwächc zugrunde. Etwas mehr Erfolg hatte die Frciburger Organisation, die aber die ganze Zeit hindurch im Verborgenen blühte, ohne die Aufmerksamkeit der akademischen Kreise im übrigen Deutschland auf sich zu lenken. In Leipzig war es zuerst wieder, Ko 1893 sich die Nicht- inkorporierten zu einer Organisation zusammentaten. Man richtete eine Geschäftsstelle ein, in der man sich über die verschiedcntlichcn akademischen Angelegenheiten Rat einholen konnte und konstituierte vor allem die sogenannten Abteilungen und monatlichen Gesell» schaftsabende, die heute den freistudentischen Veranstaltungen ihren charakteristischen Stempel aufdrücken.„Die Abteilungen hatten den Charakter nicht vereinsmäßig organisierter Gruppen, die frei von allem Kneipzwang und sonstigen unbequemen Verpflichtungen Gleichgesinnte zur Pflege irgendwelcher Neigungen künstlerischer, wissenschaftlicher, sportlicher oder geselliger Art vereinigten." (P. Szymank.) Das Hauptgewicht der Organisation lag jedoch im Vertretungsprinzip, also darin, daß die Freie Studenten- schaft resp. ihr Präsidium die allgemein studentischen Interessen aller Nichtinkorporierten zu vertreten vorgab. Dieses Vertretungs- Prinzip gab bis jetzt noch häufig Anlaß zu Konflikten mit den Be- Hörden, die im günstigsten Fall in dem Präsidium der Freien Studentenschaften einen Ausschuß von Nichtinkorporierten, nicht aber der Nichtinkorporierten sahen, da viele Freistudenten öffent- lich darauf verzichteten, sich vom Präsidium vertreten zu lassen. 1898 bildeten sich an den Universitäten Halle und Königs- berg,, 1899 in Berlin Freie Studentenschaften. Ihr erbittertster Feind war hier damals und ist es noch heute der durch seine chauvi- nistische, antisemitisch-..nationale" Tätigkeit hinlänglich bekannte „Verein deutscher Studenten", mit dem namentlich bei den Wahlen zur akademischen Lesehalle die Freien Studenten manchen harten Strauß auszufechten haben. Man versuchte auch in der Zwischenzeit— die freistudentische Idee hatte, wenn auch unter schweren Kämpfen und mit wechselnden Schicksalen, ungemein an Ausbreitung über' die meisten deutschen Hochschulen gewonnen neben dem so oft angegriffenen Ver- tretungsprinzip bor allem das Bildungsprinzip festzuhalten. Man wollte allen Freistudenten innerhalb der einzelnen Gruppen Gelegenheit geben, sich in all den Fächern, die nicht zum Berufs- studium gehören, umzutun unter Wahrung st r e n g st e r Neutrali- tät gegenüber Parteien und Konfessionen. Man verwarf es, daß Studenten Politik trieben, geriet aber bei dem Bestreben, politische Regungen innerhalb der Freien Studentenschaft gänzlich auszu- schalten, unbewußt auf die Bahn einer stark konservativ angehauchten Neutralität, die schon eigentlich keine Neutralität mehr war. Dazu kam, daß die von der Wildenschoft der Charlottenburger Technischen Hochschule ins Leben gerufenen Arbeiterbildungskurse in Berlin selbst mit einer selbständigen Organisation ihre Fort- setzung fanden, die mit der freistudentischen Bewegung an sich nichts mehr zu tun hatte, ferner der Umstand, daß 1998 bei ihren Kämpfen mit der Universitätsbehörde bei dieser die Berliner Freie Studenten- schaft in den lächerlichen Verdacht sozialdemokratischer Tende nzen geriet. Um nun den in dieser Beziehung durchaus „zuverlässigen" Korporationen gegenüber nicht wieder das Heft aus der Hand zu verlieren, mußte man sich auf das etwas zweideutige Neutralitätsprinzip festlegen, damit durch die andauernden Schere- reien mit der Behörde, die man sonst mit Sicherheit erwarten mußte, nicht die besten Kräfte der freistudentischen Bildungsarbeit entzogen würden. Das ging schließlich soweit, daß diese in den Vor- dergrund der freistudentischen Interessen trat und daß man das Vertretungsprinzip vernachlässigte, eine Wendung der Dinge, die insofern als glücklich zu bezeichnen ist, als es das zeitweilige Auf- geben eines kläglichen Kunstproduktes bedeutete, daeseineEin- heit der Studenten, einen besonderen Stand, gar n i ch t g i b t. Es sind von Hause aus die sozialen Gegen- s ä tz e innerhalb der studierenden Welt so schroff, daß es nur eine gänzlich verfehlte Verwässerungspolitik ist. wenn man alle diese heterogenen Elemente unter einen Hut zu bringen sich bemüht. Erschwerend wirkt noch dabei, daß die ängstlich gewahrte neutrale Haltung, wie schon erwähnt, allen einigermaßen wahrhaft freiheit- lichen Tendenzen von vornherein das Wasser abgräbt, daß man Kon- flikte mit der DeHörde unter allen Umständen und um jeden Preis zu vermeiden trachtet und daher von allen Unternehmungen gründ- lich Abstand nimmt, die geeignet sind, als Sclbständigkeits- bestrebungen der Studierenden von der Behörde aufgefaßt zu werden. Wie verflacht gegenwärtig das freistudentische Leben ist. zeigt die offizielle Haltung der Berliner Freien Studentenschaft in der Sache des russischen Studenten DubrowSky. Dieser Fall, der doch die vitalsten Interessen der studierenden Jugend insofern aufs engste berührte, als es sich darum handelte, ob die Aufnahme unter die akademischen Bürger abhängig ist nur von der wissenschaftlichen Vorbildung, wie es bisher Gesetz und Uebung war, oder ob dabei noch andere Faktoren maßgebend sein dürften, die mit dem Studium nichts zu tun haben, wie beispielsweise die Institution politischer Geheimspitzelei, regte die maßgebenden freistudentischen Kreise nicht im mindesten auf. Ja, man darf behaupten, daß ein großer Teil ihrer Anhänger vom Fall Dubrowsky absolutkeine Ahnung hatte. Trotzdem darf angenommen werden, daß unter den Berliner Studierenden einzelne sind, die imstande wären, den in den reak- tionären Sumpf verfahrenen Karren der freistudcntischen Bewegung wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Andererseits soll nicht geleugnet werden, baß Von ber Freien Studentenschaft wertvolle Arbeit geleistet worden ist. daß ein bestimmtes Maß von Allgemeinbildung von ihr unter den Studierenden verbreitet wurde, eine Arbeit, bei der die Organisa- tionen ehemaliger Freistudenten eifrige Mitwirkung geleistet habe,.. Es muß ferner festgestellt werden, daß durch die freistudentische Be- wegung ein gewisses Solidaritätsgefühl unter den bisher gleichgültigen Nichtinkorporierten geweckt wurde, namentlich gegen- über dem hochmütigen Verbindungswesen. Es ist zu begrüßen, daß sie durch die Einrichtung von Arbeitsämtern pekuniär schwache Studenten in die Lage versetzt, ihre Kenntnisse materiell zu ver- werten, und daß sie durch diese Vermittelung der oft geradezu grotesken Preisdrückerei studentischer„Arbeitnehmer" einen Riege! vorzuschieben sich bemüht, daß sie einen engeren und imiigcren Zusammenhang zwischen Dozenten und Lehrern in die Wege leiten will. > Trotz olledem ist es über allerhöchste Zeit, daß Netze? einmal Win frischer Wind diese Bewegung, die in großer Gefahr schtvebt, zu burcaulratischem Konserdativismus zu erstarren, vorwärts treibt, daß neue Kräfte sich in ihr regen, die die Fähigkeit haben, sie auf dem schon einmal zaghaft versuchten Wege zu freiheitlichen Zielen fortzureißen, zumal die schwankende Stellung gegenüber dem Duell- unfug einen rechten Glauben an die fortschrittliche Gesinnung der heutigen Freien Studentenschaft nicht recht aufkommen läßt. Noch ist das frcistutzentische Problem ein ungelöstes. Noch machen sich viele Unklarheiten breit, viele Unstimmigkeiten in der Auffassung der eigentlichen Tendenz wie der Mittel, sie durchzuführen. Noch kann man nicht eine stetige, zielbewußte Politik einschlagen, weil die famose akademische Disziplinargesetzgebung und damit die Drangsalierungen der Behörde schwere Hindernisse bc- reiten, sowie die Freie Studentenschaft dem hohen Senat zu frei zu werden droht. Nichtsdestoweniger ist die Aussicht vorhanden, daß in dem Augenblick, da die reaktionären Wortführer ihre den UniversitätSmachthabern genehme Rolle ausgespielt haben, sich die Mehrheit der Studenten darauf besinnt, haß sie auch nur Söbne ihres BMes sind..' Sie fifcroMtoaffäre. England und die Marokkofrage. Unser Londoner Korrespondent schreibt uns vom 22. Juli In England haben sich Regierung und Presse bei der Besprechung der Marokkokrise bisher große Reserve auferlegt. Aber es wäre ein großer Irrtum, zu glauben, daß man der Sache hier wenig Interesse entgegenbringt oder geringe Be- deutung beilegt. Im Gegenteil, die meist sehr gemessenen und wortkargen Kommentare zeugen von einer festen Ent- schlossenheit, die mehr Besorgnis einflößen muß als die sonst üblichen marktschreierischen Rodomontaden der Jingos. Die kurze Erklärung des Premierministers Asguith im Unter Hause, daß die Landung des„Panther" in Agadir eine neue Situation geschaffen habe, die die englischen Interessen näher, als es bisher der Fall war, berühren dürste, hat schon ge- zeigt, daß Englands sehr bald ein gewichtiges Wort zu der Angelegenheit zu sagen haben würde. Seit den sich immer wiederholenden Gerüchten, daß Deutschland von Frankreich einen großen Teil des französischen Kongo als Kompensation (wofür verlange, hat man auch in England angefangen, die Marokkoaffäre mit mehr Leidenschaftlichkeit zu besprechen. Die„Times" veröffentlichten einen Leitartikel, dessen Ausführungen sich im wesentlichen wahrscheinlich mit den Auffassungen der englischen Regierung decken. Das Blatt lveigert sich, die angeblichen Forderungen Deutschlands ernst zu nehmen, sondern nennt sie einen nicht sehr geschickten„Bluff". Keine englische Regierung könnte einer solchen Neuverteilung afrikanischen Besitzes zustimnien. Diese würde die englischen Interessen aufs Unmittelbarste be- rühren. Das Blatt verlangt von der Regierung, daß sie ein oder zwei Kriegsschiffe nach A g a d i e r sende. Die pazifistischen„Daily News" wenden sich sehr scharf gegen dieses Verlangen, aber nur weil sie annehmen, die Gerüchte von den Forderungen Deutschlands seien un- degründet. Ueberaus schwerwiegend ist der Passus einer Rede, die der Schatzkanzler Lloyd George gestern in der Guildhall hielt. Die Machtstellung Englands im Rate der Völker, sagte er, muß um jeden Preis bewahrt werden, selbst aus Kosten des F r ie d e n S. Ohne allen Zweifel hatte Lloyd George dabei Marokko im Auge. Aus dem Munde eines so friedliebenden Ministers klingt die Warnung doppelt ernst. Sie läßt vermuten, daß die englische Regierung in nächster Zukunft schwerwiegende Schritte zn unternehmen gedenkt. Es ist leicht möglich, daß nian auch mit Rücksicht auf die inter- nationale Lage die Berfas sungsfragc so schnell wie möglich aus dem Wege räumen will. Der Panthersprung kann sich noch als eine sehr gewagte Uebung erweisen. Der spanisch-stanzösische Zwischenfall in Elksar. Paris, 23. Juli. Der Zwischenfall betreffend den Leutnant T h i r i e t wird von den Blättern in sehr erregter Weise besprochen. ES sei zweifellos, daß die spanische Regierung auch diesmal ihr Be- dauern und ihre Entschuldigung aussprechen werde. DieS genüge aber nicht mehr. Falls man eine Katastrophe vermeiden wolle, müsse Spanien, wenn eS schon die ungerechtfertigte Besetzung von Elksar verlängere, den Oberbefehl über die Truppen einem Offizier anvertrauen, der unter diesen die Manneszucht auftcchterhalten könne. Aus Tanger wird den Blättern gemeldet, die französische Gesandtschaft habe die Mitteilung erhalten, daß die französischen Staatsangehörigen und Schutzbefohlelten in Elksar sich angesichts der anmaßenden Haltung und des UebermutS der spanischen Soldaten und der spanisch-marokkanischen Polizeimannschaften nicht mehr sicher fühlen und jederzeit auf den Straßen einen bewaffneten Angriff fürchten. Die Eingeborenen seien so eingeschüchtert, daß sie nicht wagten, einen Franzosen oder französischen Schutzbefohlenen an- zusprechen. Madrid, 22. Juli. Ministerpräsident Caualejas und der Minister des Aeußem hatten heute eine Besprechung über die Angelegenheit Thiriet. Garcia Prieto erklärte, es sei notwendig, daß die fran- zösische und die spanische Regierung Maßnahmen träfen, um der- artigen Vorkommnissen ein Ende zu mache». Er richtete ein Schreiben an den französischen Minister des Aeußern de SelveS, in den, er ihm fein Bedauern über den Vorfall ausspricht, und gab dem spanischen Botschafter in Paris telegcaphifche Instruktionen. Garcia Prieto glaubt, daß die französische Re- gierung ebenso wie die spanische Regierung fortfahren wird. in dem Bemühen, die guten Beziehungen zwischen den beiden be- freundeten Ländern aufrechtzuerhalten. San Sebastian, 23. Juli. Der neueste Zwischenfall in Elksar wird hier sehr ernst beurteilt. Es herrscht die Auffassung, daß die Franzosen Anlaß suchen, einen Konflikt hervorzurufen. Auch der Fall des Konsularagenten Boisset wird als eine Herausforderung von französischer Seite aufgefaßt. Die immer zahlreicheren Deserti- onen aus der Mahalla. die der französischen Militärmisfion unter- steht, soll die Ursache dieses Mißvergnügens fein. Oberstleutnant Eylvestre teilte mit, daß er nur mühsam seine und seiner Offiziere Stühe zu wahren vermöge. poUtifche ücberficbt. Berlin, den 24. Juli 1911. Ein neues Fatho-Skandalchen. Die Jatho- Affäre nimmt nachgerade die seltsamsten Formen an. In der L u i s e n k i r ch e in Charlotten- vurg benutzte der Geistliche bei dem Hauptgottesdienst am Sonntag die Gelegenheit dazu, seine Ansicht über den Fall Jatho vorzutragen. Er beleuchtete die Vorgänge von seinem «chlich-liheralen Standpunkt aus und legte dar, daß das «Wort Gottes" heute nach evangelischer Ansicht nicht mehr als göttliche Offenbarung angeschen werde, sondern als ein Werk von begeisterten Meuschen zu betrachten sei. Diese Dar- stellung rief nun eine eigentümliche militärische Demoustration hervot. Mehrere Offiziere, die einige Abteilungen zum Kirchen- besuch kommandierter Soldaten begleitet hatten, verließen nicht nur selbst demonstrativ die Kirche, sondern sie veranlaßten auch schleunigst die Mannschaften, den Gottesdienst fluchtartig zu ver° lassen. Dieser eigenartige Protest gegen die liberalen„Irrlehren" des Predigers, des Liz. Kraatz. rief unter den Besuchern eine Panik hervor, da man glaubte, eS sei Feuer ausgebrochen. Erst nach einer längeren Pause konnte der Geistliche seine Predigt beenden. Dieser eigentümliche Vorgang wird auch nicht ohne Nach spiel bleiben. Angeblich will die Militärbehörde an das Konsistoriunl Anzeige wegen des Vorfalles erstatten. Umgekehrt aber soll der Geistliche daran denken, gegen die Offiziere Strafanzeige wegen Störung des öffentlichen Gottesdienstes zu erstatten. Die Sache kann also noch ganz heiter werden! lieber das Verfahren des Liz. Kraatz werden in den kirch> lichen Kreisen die Ansichten auseinandergehen. Auf der einen Seite wird man meinen, daß der Streit über den Fall Jatho und die ihm zugrunde liegenden Glaubensfragen nicht auf die Kanzel gehörten. Andererseits wird man nicht ohne Recht geltend machen, daß doch grade solch wichttge Grundfragen der theologischen Auffassung erst recht von der Kanzel herab behandelt werden müßten. Dagegen wäre dann freilich wieder einzuwenden, daß eine ernsthafte Diskussion theologi- scher Fragen eben die Möglichkeit einer Aussprache voraussetzen müßte. Solange die Geistlichen tu der Kirche aber das Recht für sich beanspruchen, Monologe zu halten, wird sich ein Teil der Besucher stets verletzt fühlen. Das Vorgehen der Offiziere bleibt auf jeden Fall recht befremdend. Ihre Besorgnis, daß die zur Kirche geleiteten Mannschaften den Geist freventlicher und womöglich gar disziplinlockernder„Irrlehren" einatmen könnten, muß in der Tat sehr groß gewesen sein. Vielleicht entschließt sich die Militärverwaltung für die Zukunft dazu, eine Art kirchlicher Boykottlistc aufzustellen, durch die über die nicht ganz„zuver- lässigen" liberalen Geistlichen und Gemeinden die Sperre verhängt wird. Was auf politischem Gebiete auch von unseren Liberalen für recht angesehen wird— warum sollte das nicht auch für das kirchliche Gebiet billig sein! Schade nur, daß unsere Liberalen sich in ihrer sittlichen Entrüstung diesmal nicht auch nach sehr alter loyaler Ge- wohnheit auf den alten Fritzen berufen können, denn gerade dieser gekrönte Freigeist spielte einem katholischen Geistlichen gar übel mit, der den Frevel begangen hatte, die Desertion nicht für eine Todsünde zu erklären, für die es auch im Jen- seits keine Verzeihung gebe! Basserman« als Vertrauensmann Kiverlen-Wächters. In der„Deutschen Montagszeituna", die gelegentlich den Nationalliberalen einige Bosheiten zu sagen pflegt, findet sich folgende Schilderung: „Es war im Lenz dieses Jahres, daß in den Kreisen der nationalltberalen ReichStagSsraktion der Wunsch bestand, Herrn v. Kiderlen-Wächter darüber zu interpellieren, ob die deutsche ReichZregierung auch ferner zusehen wolle, daß sich Frankreich in Maroklo entgegen der AlgeeiraSakte immer weniger um die Rechte der anderen Mächte kümmere.... Nur die schlinmen Sozial- demolraten bringen Interpellationen ein, die den Adressaten un- bequem find. Herr Bassennann aber gehört denen an, die vorher fragen, ob sie ftagen dürfen. Als Antwort erhielt er von Herrn V. Kiderlen einen Brief des Inhalts: Man dürfe unbesorgt sein! er werde des Reiches Interessen zu wahren wissen. Einstweilen sei Ruhe geboten. Man könne zunächst Frankreich gar nicht genug gegen den AlgeciraSakt sündigen lassen: je mehr eS seine Rechte überschreite, um so mehr Gewicht erhielte dann die spätere Geltend» machung der deutschen Interessen." Dieser„Beweis d es V e r t r a u e n s" soll die Nattonal- liberalen veranlaßt haben, auf die geplante Jnterpellatton zu verzichten. Schon möglich._ Der Reichsdeutsche Mittelstandsverband als agrarische Gründung. So sehr auch die agrarische Presse es bestreitet, daß irgendein Zusammenhang zwischen dem Bund der Landwirte und dem ge» planten Reichsdeutschen Mittelstandsderband besteht, so wenig findet sie damit Glauben. Daß man auch in den Kreisen der Mittelständler die Auffassung hat, daß es sich nur darum handelt, eine verkappte agrarische Wahlorganisation zu schaffen, geht daraus deutlich hervor, daß der Zentralausschuß der vereinigten Jnnungö- verbände Deutschlands in sehr scharfer Weise gegen die neue Gründung Stellung nimmt. In einem Rundschreiben an die JnnungSverbände wird ausgeführt: „Der Zentralausschuß der vereinigten JnnungSverbände Deutschlands vermag keine ersprießliche Förderung des Mittel- standSgedankenS darin zu ersehen, daß eine Reihe getrennter Organisationen nebeneinander sich bilden, daß man darangeht, neue zu schassen, statt die bestehenden zu unterstützen. Seit einer Reihe von Jahren hat die Deutsche Mittclstandsvercinigung ihre Wirksamkeit zugunsten der Interessen aller den Mittelstand bildenden Berufszweige zielbewußt und daher auch mit Erfolg be- tätigt. Wir vermögen uns der Besorgnis nicht zu verschließen, daß die Versuche, neben der bestehenden Organisation des Mittel- standes mit einer neuen Einrichtung vorzugehen, nur dahin führen dürfte, die Kräfte zu zersplittern und damit die Stoß- traft zu lähmen." Noch deutlicher spricht sich die MittelstandS-AbteUung de» HansabundeS in Nürnberg zu der neuen Gründung au», indem sie sagt: „Mit Schrecken nehmen der Bund der Landwirte und die rechtsstehenden Parteien wahr, wie unter dem Eindruck der die gewerblichen Stände im höchsten Matze schädigenden, einseitig agrarischen Jntercsscnpolitik der gewerbliche Mittelstand sich immer mehr von diesem ab und dem Hansabunde zuwendet, und um diese Flucht aufzuhalten, will man nun unter einer neuen Firma die gewerblichen Stände wieder zu sich heranziehen. Der Reichsdeutsche Mittelstandsverband ist in der Tat nichts anderes, als eine neue Filiale des Bundes der Landwirte und seiner Freunde, eine neue HilfStruppe für ein« Politik, die dem deut- schen Volke und ganz besonders dem gewerblichen Mittelstand noch vor kurzem durch die Reichsfinanzreform die schwersten Wunden geschlagen hat. Wenn Männer wie Herr Fahrenbach, der kon- servativc Parteisekretär, Herr Dr. Kühlmorgen, einer der überzeugtesten Anhänger des Bundes der Landwirte, Herr Kon- rad(Breslau) und Herr Baumann(Kulmbach), beide von derselben Farbe, und endlich der Liebling und Schützling des Bundes der Landwirte, Herr Professor R uhl a n d. der in seinem „System derpolitischenOekonomie" davon sprach, daß Handel und Raub, Erwerb. Wucher und Erpressung ineinander überfließen, an der Spitze dieses neuen Mittelstandsverbandes stehen, dann kann man sich ungefähr denken, welche Art von Mittelstandspolitik dieser neue Bstud betreiben wird.". Die alte Leier. Auf dtt am Sonntag stattgeftmdenen 34. GeikeraWrsaiNackuNg des Deutschen Kriegerbundes wurde wieder einmal zum Kamp'? aeaen die Sozialdemokratie geblasen. Der neue Vorsitzende Genera! v. L i n d c q u i st hatte an die Versammlung ein Schreiben ge- richtet, in dem betont wird:... �- „In erster Linie kann kein Zweisel darüber herrschen, day die deutschen Kriegervereine wie früher so auch jetzt den mach- tigsten Wall gegen die Partei des Umsturzes bilden müssen.... Obwohl in unserem Programm jede Erörterung politischer und religiöser Angelegenheiten ausgeschlossen ist, so»st es selbst- v c r st ä n d l i ch, daß wir unsere Stellung zur Sozialdemokrat!? genau präzisieren.... Der Kriegerbund hat die Pflege Vater- ländischer Gesinnung in den Vordergrund seiner Bestrebungen gestellt, und so kann es keinem Zweifel unterliegen, daß kern Kamerad der Sozialdemokratie angehören darf." Es sei au-:- geschlossen, daß„Arbeiter-Kameraden" eventuell freien Gewerr- schaften angehören, deren revolutionäre Tendenzen durch die Vor- Handlungen des Dresdener Gewerkschaftskongresses erneut dar- getan seien, Wohl aber christlich- nationalen Gewerkschaften." Man beginnt allmählich, diese sich stets wiederholenden Vcr- sicherungen von der heiteren Seite zu nehmen. Das Kriegs- Ministerium, dem die Kriegervereine— in gewissem Sinne wenig- Pens— unterstellt sind, hätte den Generalleutnant v. Wachs als Vertreter entsandt. Aus welchem Fonds die K o st e n für ein? solche Vertretung, die mit den Zwecken der Heeresverwaltung nicht das mindeste zu tun hat, bestritten werden, ist uns nicht bekannt. Scharfmacher Tirpist. „Unverschämte Forderungen" haben nach Angabe d'er..Post" die Arbeiter der Kaiserlichen Werften gestellt, und Staatssekretär v. Tirpitz habe„kurz und schneidig" die„richtige Antwort" daraus erteilt. Diese„kurze und schneidige" Antwort hat folgenden Wortlaut: „I. Löhne. Die Lohnberhältnisse sind nach Maßgabe der Lebensmittel- und Mietpreise, sowie auch der Löhne in der Privatindustrie eingehend geprüft. Auf Grund dieser Prüfung ist der neue Lohntarif aufgestellt worden. Alle über die darin festgelegten Lohnsätze hinausgehenden Anträge werden abgelehnt. 2. Arbeitszeit. Die Forderung einer effektiven Ar- beitszeit von nur 8)4 Stunden täglich, sowie die weiteren auf die Verkürzung der Arbeitszeit abzielenden Forderungen werden abgelehnt. Die Anträge auf höhere Vergütung der Ueberstunden und Sonntagsarbeit werden abgelehnt. Die Zahlung von Lohn für die in die Woche fallenden gesetzlichen Feiertage wird abgelehnt. 3. Urlaub. Die Bestimmungen über die Urlaubsgc- Währung sind nach Uebereinkunft der beteiligten Reichs- und Staatsbehörden für alle diesen Behörden unterstellten Betriebe gleichmäßig geregelt worden. Eine Abänderung dieser Bestimmungen in Sinne des Antrages des ArbeiterauSschuffes anzuregen, liegt für mich keine Veranlassung vor. 4. Kompetenzen des Ausschusses. Die Komvc- tcnzen des Arbeiterausschusse» zu erweitern, lehne ich ab. Hierzu kann ich mich um so weniger verstehen, als die vorliegende Ein- gäbe mit ihren für jeden einsichtigen Arbeiter ohne weiteres als unerfüllbar zu erkennenden Forderungen klar beweist, daß der Ausschuß noch nicht einmal die ihm im Rahmen seiner der- zeitigen Befugnisse zufallenden Aufgaben richtig verstanden hat. Seiner vornehmsten Aufgabe, der Mitwirkung an der gedeih- lichen Entwickclung des Arbeitsverhältnisses, wird der Ausschuß nicht etwa dadurch gerecht, daß er kritiklos jegliche Forderungen. die von irgendwelcher Seite an ihn herantreten, sich zu eigen macht und der Werft übermittelt, sondern nur dadurch, daß er sich bemüht, wo immer derartig offenkundig unerfüllbare und daher unverständige Forderungen auftreten, diese auf das mit dem Werft- und Allgemeininteresse vereinbare vernünftige Maß zu beschränken." Kein deutscher Minister hat in seinem Ressort soviel Diffc- renzen, wie der Staatssekretär v. Tirpitz. So ist sein Vorgehen gegen die Techniker Gegenstand schärfster Kritik auch in einem er- heblichen Teil der bürgerlichen Presse gewesen. Die Art, wie er die Forderungen der Arbeiter ablehnt, ist so überaus protzig und weg- werfend, daß mit diesem Herrn bei der ersten Gelegenheft, die sich im Reichstage bietet, ein ernstes Wort zu reden sein wird. Viel- leicht überlegt sich der Staatssekretär mittlerweile, daß die Werften Nicht sein Privateigentum sind, daß er also dort nicht schalten und walten kann, wie es ihm persönlich beliebt, sondern daß er lediglich als Sachwalter des Reiches auf seinem Posten stdjt. Von einem solchen aber muß man unter allem Umständen verlangen, daß er den in den Werftbetrieben tätigen Arbeitern nicht in der Pose des Scharfmachers entgegentritt, der bei jeder Gelea�Ucheit zg zeigen sucht, daß er der„Herr im Hause"»st. Der Titelschacher macht sich immer mehr breit, da manche reich gewordenen Par- venues in einem schönen Titel und Orden das höchste Ziel ihrer Wünsche erblicken und gerne bereit sind, dafür etwas von ihrem Ersparten" springen zu lassen. Die Handelskammer zu Chemnitz nimmt gegen diesen Titel- schacher energisch Stellung. Sie erblickt in der Möglichkeit des Kaufs von Titeln eine Beleidigung und unerhörte Herabwürdigung des ganzen Kaufmannsstandes und veröffentlicht folgendes einer bei ihr erhobenen Beschwerde zugrunde liegendes Schreiben: „Hochgeehrter Herr! Auf Anregung von hochgestellter Seite beehre ich mich mit nachfolgender diskreter Aniragc: Zur Förde- rung des Kunstgewerbes ist ein thüringischer Staat geneigt, von besonderen Persönlichkeiten Stiftungen entgegenzunehmen. Den Dank dafür wird die betreffende Staatsrcgierung durch eine ent- sprechende Rangerhöhung zum Ausdruck bringe». Bei Ihrer ge- schätzten Persönlichkeit würde wohl der Titel„Kommerzieurot" in Frage kommen.— Ein angesehener Kunsthistoriker, Prof. Baron W. in Leipzig, hat durch seine guten Beziehungen zu diesem Fürstenhaus für die Regierung diese Angelegenheit im Vorstadium zu erledigen. Da es sich nicyt geziemt, daß dieser Herr mit den betreffenden Kandidaten die ersten Verbindungen schafft, so bin ich zu diesem Zwecke als Vertrauensmann bestimmt worden. Sollte Ihnen diese Angelegenheit ein Interesse bieten, könnten sie zwecks weiterer Absprache sogleich mit Herrn Baron W. in Leipzig in Verbindung treten. Nach den bestehenden Gepflogenheiten werden solche Herren im Laufe der weiteren Jahre bei uns in Sachsen dann zu Königlich Sächsischen Geheimen Kommcrzicnräten be- fördert. Sie wollen in allen Teilen der strengsten Diskretion der- sichert sein.— Ew. Hochwoblgcboren Entschließung sehe ich mit großem Interesse entgegen. In vorzüglicher Hochachtung! gcz. Her- mann Gorn, Reichsgerichtssekretär a. D." Die Chemnitzer Handelskammer bat sofort dem Königlichen Ministerium des Innern von dem Treiben des Rc�gerichtSsekre» tärS Kenntnis gegeben. M Zum Miillheimcr Eisenbahnunfali schreibt man uns aus Baden: In der„Straßburger Post" hat ein badischer Regierungs- Offtziosus gegen die im„Vorwärts" ausgesprochene Vermutung angekämpft, daß an dem System der dadisckxn Personalersparnis die theoretische Verantwortung für das Eisenbahnunglück mit- schuldig ist. Trotz Verhaftung des Führers bleibt es der badischcn Verwaltung nicht erspart, der Oeffcntlichkcit gegenüber sich gegen Vorwürfe betriebstechnischer Art zu rechtfertigen. Nach den zu Protokoll gegebenen Aussagen des Heizers geriet bald nach der Wfahrt von Basel der Lokomotivführer Platten in einen Zustand des Schlafes und der vorübergehenden Belvußtwsigkeit. Dieser Fall ist in der BetriebSorganisation vorgesehen, da er nicht zum ersten Mgje vorkommt. Du Heizex führt iL solMv Fällto20 9483 071 .«0 9 472 373 ! 60 9 239 903 - 8 906 382 ' 8 489 040 ! 3 228 296 ' 7 909 122 17 600 072 . 7 171 585 ! 60 6 057 221 > 78|6 633 737 173 599 027 167 838 635 162 082 155 156 396 464 151 559 682 145 229 000 136 847 478 124 827 659 111 117 878 97 995 138 87 120 508 22 80 37 08 42 32 87 97 16 17 27 Lohncinbehaltung. Das Lohnbeschlagnahmegesetz in Verbindung mit§ 304 deS Bürgerlichen Gesetzbuches untersagt die Einbehaltung des nicht pfändbaren Teiles des Lohnes. Unseren Lesern ist bekannt, daß mit dem Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches von einigen Theoretikern und Gerichten versucht ist. dennoch eine Lohnein- beHaltung aus dem§ 273 BGB, der vom Zurück- bchaltungsrecht handelt, für zulässig zu erklären. Diese unsoziale, dem Gesetz widersprechende Ansicht hat an Boden glücklicherweise sehr verloren. Um so mehr überrascht es, daß ein Gewerbegericht diese irrige Anschauung dieser Tage bestätigt hat. ES war das das Sbcrswalder Gewerbegcricht. Der Rcchtsfall, über den dies Gericht zu urteilen hatte, war folgender. Ein alter Arbeiter, der die Invalidenrente bezieht, war von der Firma Busse Nachf. eingestellt worden, um eine Nuthobel- Maschine und eine Tischhobelmaschine zu bedienen. Der Meister versprach ihm die notwendigen Handgriffe zu zeigen. Bei der Ein- stellung war auf seine Invalidität insofern Rücksicht genommen, als der Lohn auf ganze 27 Pf. pro Stunde festgesetzt war. Bei den Leistungen selbst erwartete man jedoch auch von dem Invaliden die Tüchtigkeit eines vollwertigen Arbeiters. Der Ar- beiter war acht Wochen beschäftigt, wovon er noch vier Wochen krank war. Am 25. Juni hatte er an der Nuthobelmaschine bereit» 0 Scheiben genutet und die zehnte aufgespannt. Da er an der Tischhobelmaschine beschäftigt war, nutete der Meister die Scheibe fertig und sagte ihm dann:„Die Scheibe ist fertig zum Los- spannen". Der Arbeiter nahm an. daß der Meister die Maschine so eingestellt hatte, daß er das Arbeitsstück ohne Gefahr losmachen könne. Er löste die Befestigungsschrauben, das Stück fiel herab und zerbrach. Hierfür wurden ihm 3,50 M. in Abzug gebracht. Am 27. Juni zerbrach ihm beim Festspannen ein gußeiserner Nahmen. Er wurde entlassen und sein Ncstlohn um 50 Pf. ge- kürzt. Der Arbeiter erhob Klage auf Auszahlung der zu Unrecht einbehaltenen 4 M. Der Vertreter des Klägers machte dem' Ge- richt in längeren Darlegungen klar, daß der bisherige Standpunkt des Gerichts, eine Aufrechnung sei zulässig, eine irrige ist. Das Gericht bcharrte trotzdem auf seinem Irrtum, nahm auch an, der Arbeiter habe die Schäden durch seine Fahrlässigkeit herbeigeführt und gab dem Kläger unrecht. Daß ein Gericht trotz der Ausführungen von Professor Lotmar und Sinzheimcr und trotz des klaren Sinnes des Gesetzes die vom Gesetz für verboten erklärte Aufrechnung gegen den Lohn durch die Hintertür eines Zurückhaltungsrechts zuläßt, legt davon Zeug- nis ab. daß das Gericht für die sozialen, mühsam errungenen Vor- schriften der Gesetze ein eigenartiges Verständnis hat. Konventionalstrafen Minderjähriger. Firma Neustadt klagte gegen den minderjährigen Ein- richter ts- aus Zahlung der vereinbarten Vertragsstrafe von 400 M.. weil dieser einseitig vom Vertrage noch vor Antritt der Stelle zurückgetreten ist. Der Beklagte macht geltend, daß er zur Ein- gehung des Vertrages nicht die Genehmigung der Mutter, die sein gesetzlicher Vertreter sei, gehabt habe. Bei Prüfung des Einwandes ergab sich, dag der Beklagte bei Eingehung des Arbeitsverhältnisses die Zustimmung der Mutter gehabt habe. Nach Ansicht des Ge- werbegerichtes galt diese angeblich nur für einen einzelnen M erteilte Ermächtigung allgemein. Danach sei der Beklagte iesugt gewesen, Arbeitsverträge zu schließen, auch solche mit Konventionalstrafen. Da aber der Beklagte kein Arbeitsbuch besitzt, und er ohne ein solches als Gewerbcgehilfe nicht beschäftigt surfte, vertrat das Gericht die Ansicht,, daß der Vertrag nach z 134 des Bürgerlichen Gesetzbuches wegen Mangel der gesetzlich vorgeschriebenen Form nichtig sei und demzufolge Ansprüche aus demselben nicht hergeleitet werden können. Die Klage wurde des- halb abgewiesen. Die Klage hätte, auch wenn ein Arbeitsbüch vorgelegen hätte. abgewiesen werden müssen, weil Minderjährige, auch wenn ihnen die Ermächtigung zur Eingehung eines Arbeitsverhältnisses vo» den Eltern oder dem Vormund erteilt ist, sich doch nicht zur Zahlung einer Konbentwnalstrafe�verpfl.chten können. Wir haben wieder- � dargelcgt daß die Motive zum Bürgerlichen Gesetzbuch, eine °"ch das hiesige Amtsgericht Cl y P J"cfe'l Standpunkt Vertreten. Es wäre wünschenswert. 6cwevl?rcbaftUcbe9. Berlin und Onigegend. Der Bnchbiudertarif tu den Buchdruckereien Berlins und der Bororte. Die Tarifbeivegung der in den Buchdruckereien beschäftigten Buchbinder und Buchbindereiarbeiterinnen hat zum Abschluß eines Tarifvertrages zwischen der Zahlstelle Berlin des Buchbindcrvcrbandes und dem Verein Berliner Buchdruckerei� besitzer geführt. Darüber berichtete der Vertrauensmann W i e> nicke gestern abend in einer Branchenversammlung der in den Buchdruckereien tätigen Buchbindereiarbeiterschaft, die den großen Saal der..Arminhallen" samt den Galerien füllte. Die VerHand- langen mit den Vertretern der Prinzipalsorganisation haben am 20. Juli stattgefunden. Es waren mancherlei Schwierigkeiten zu überwinden, ehe es zu einer Einigung kam. Hinsichtlich der Ar- deitszeit war es leider nicht möglich, das zu erreichen, was in dem allgemeinen in Leipzig abgeschlossenen Buchbindertarif festgelegt ist. Die Arbeitszeit soll für die in Buchdruckereien beschäftigten Buch- binder und Buchbindereiarbeiterinnen dieselbe sein wie die der Buchdrucker und deren Tarif entsprechend, was selbstverständlich auch gilt, wenn durch die bevorstehend« Tarifbewegung der Buch- drucker eine kürzere Arbeitszeit eingeführt wird. Jetzt ist die tarifmäßige Arbeitszeit in den Buchdruckereien 53� Stunden, bei durchgehender Arbeitszeit 52 Stunden. In Buchdruckereien, wo für das Buchbinderpersonal die 53 stündige Arbeitszeit besteht, darf eine Verlängerung nicht stattfinden. Hinsichtlich der Löhne haben die Buchdruckereibesitzer weitergehende Zugestand- nisse gemacht als die Buchbindereibesitzer. Die Minimallöhne sind nicht als Stundenlöhne, sondern als Wochenlöhne festgelegt, so daß auch die Feiertage mit bezahlt werden. Aber abgesehen da- von, sind die Löhne meist um 1 M. und mehr höher als die für das Buchbindergewerbe im allgemeinen festgesetzten. Der Minimal- lohn beträgt danach in den Buchdruckereien für gelernte Buchbinder vom 6. Jahre der Berufstätigkeit ab 30,50 M., im 5. Jahre 24,60 Mark, im 4. Jahre 23 M.; für Spezialarbeiter 32 M., an Schnell pressen, Deckenmachmaschinen und Fertigmachmaschinen 37,60 M. Vom 1. Oktober 1913 ab steigen alle diese Sätze um 1 M. Für ungeübte Arbeiterinnen ist der Lohn für das erste Halbjahr der Berufstätigkeit auf 11 M., für das nächste Vierteljahr auf 13 M., für das folgende auf 14 M. festgesetzt. Nach einjähriger Berufs tätigkeit tritt der Minimallohn der geübten Arbeiterinnen in Kraft, der auf 19 M. festgesetzt ist. Für bestimmte Spezialarbeite rinnen ist der Minimallohn 21 M., vom 1. Oktober 1913 ab 21,60 Mark. Beim Bronzieren müssen die Arbeiterinnen einen um 1 M. erhöhten Wochenlohn erhalten. Für Akkordarbeit gilt der mit dem Buchbindereibesitzerverband abgeschlossene Akkordtarif. Der§ 616 des B. G.-B. ist insoweit anerkannt, als in bestimmt aufgeführten Fällen bei Versäumnissen bis zu drei Stunden ein Abzug vom Wochenlohn nicht stattfindet und den Akkordarbeitern in solchen Fällen 60 Pf. pro Stunde vergütet wird. Ferner ist eine allgemeine Lohnerhöhung von 1 M. für die Buchbinder und 60 Pf. für die Buchbindereiacheiterinnen festgelegt, soweit eine solche Erhöhung nicht durch den Tarifver- trag selbst eintritt. Für Streitigkeiten aus dem Tarifvertrag ist das Schiedsgericht für das Buchbindergewerbe in Berlin, als Berufungsinstanz das Tarifamt der Buchbinder in Leipzig zu- ständig.„In Streitfällen," heißt es weiter,„ist den Anordnungen der Geschöftsleitung solange Folge zu leisten, bis die tariflichen In- stanzen gesprochen haben. Solange eine Entscheidung dieser In- stanzen nicht vorliegt, dürfen Arbeitsniederlegungen oder Massen- Kündigungen nicht stattfinden." Der Tarif gilt vom 21. Juli 1911 ab bis zum Wlauf des neu zu vereinbarenden Buchdruckertarifs, längstens aber bis zum 81. Dezember 1916.— Bei Bedarf an Arbeitskräften wird die Be- Nutzung des paritätischen Arbeitsnachweises der Buchbinder empfohlen. Hierzu haben die Prinzipale noch erklärt, daß sie eine Vertretung im Kuratorium beanspruchen und auch zu den Kosten des Nachweises beitragen wollen. Der Referent empfahl der Versammlung, den Tarifvertrag gutzuheißen. Falls er nicht die Zustimmung der Versammlung finden sollte, hatten die Prinzipale erklärt, daß sie dann den allge- meinen Buchbindertarif unterschreiben wollten, was aber für die Buchbinder und Buchbindereiarbeiterinnen in den Buchdruckereien nicht von Vorteil wäre. Dem Bericht folgte eine lebhafte Debatte, in der eine starke Unzufriedenheit darüber hervortrat, daß nichts Besseres dabei herausgekommen ist und auch schwere Bedenken gegen den oben wörtlich angeführten PasiuS:„In Streitfällen" usw. ge- äußert wurden. Die Versammlung erklärte sich jedoch schließlich mit dem Tarifvertrag einverstanden, wenn auch gegen eine ziemlich starke Minderheit.— Es handelt sich hier übrigens um den ersten korporativen Vertrag zwischen dem Verein Berliner Buchdruckereibesitzer und dem Buchbinderverband. Bei ihren früheren Lohnbewegungen hatten es die Buchbinder so ge- handhäbt, daß sie den jeweilig zustande gekommenen Buchbinder- 'tarif auch den Buchdruckereibcsitzern zur Anerkennung vorlegten, waren aber nie zum Abschluß eines besonderen Tarifvertrages mit ihnen gekommen._ Gimpelfang wirft uns die„Berliner Volkszeitung" bor, Keil wir am Sonntag an einem Beispiel gezeigt haben, wie es ihr nicht darauf ankommt, aus Lohnbewegungen der Arbeiter in der Weise Vorteil zu ziehen, daß sie denselben mit Streikbrecher- inseraten in den Rücken fällt. Zunächst konstatieren wir, daß dieses Blatt, das— wie es stolz behauptet—„seit länger als einem Jahrhundert die Interessen der arbeitenden Klassen und der Demokratie vertritt", sich Dutzende von Malen von uns sagen lassen mutzte, daß es xm Inseratenteile Arbeiterinteressen verraten habe.. Die gewaltige Entrüstung der„Volkszeitungs"- Redaktion kommt also aus dem jüngsten Anlaß erheblich spät. Sodann versucht die Redaktion der„Äolkszeitung" den in Frage kommenden Angestellten herauszuhauen, indem sie sagt, derselbe erkläre „diese angeblichen Auslassungen für u n w o h � Ebenso wie er es für unwahr erklärt, daß er seinerseits oas Gespräch ab- gebrochen habe und daß von der Gegenseite die„Volkszeitung" internationales Streikbrecherorgan genannt worden sei." Da bestätigt uns also die„Volkszeitung", offenbar gegen die eigene Absicht, daß das Gespräch wegen des Streikbrecher- Inserates mit Hamburg geführt worden ist! Wir wüßten nicht, warum unser Berichterstatter, der in der Sache— wie zugegeben — recht hat, uns in der Form einen Bären hätte aufbinden sollen. Nun glaubt die„Volkszeitung" ihre Abwehr gegen den„Vor- wärts" geschmackvoll damit einleiten zu sollen, daß sie uns vorwirst, uns ärgere schon lange die große Steigerung der Abonnentenzahl, welche die„Volkszeitung" verzeichnen kann. Das ist Unsinn. Der „Vorwärts" hat keinerlei Konkurrenzschmerzen. Gegen kein Blatt. Der„Vorwärts" bildet in der ZeitungSwelt. wie jeder weiß, eine Klasse für sich. Kann die„Volkszcitung" eine Steigerung ihrer Abonncntcnzahl konstatieren, nun gut; wir Wissens nicht, aber wir haben auch nichts dagegen. Aber dagegen haben wir etwas, daß ein Blatt, das vorgiebt, Arbeitcrinteressen zu dienen, den Ar- beitern aus Geschäftsrücksichten fortgesetzt in den Rücken fällt. Und wenn wir die Arbeiter in ihrem eigenen Interesse auffordern, solche Blätter aus ihrem Hause zu werfen, dann mag sich die Rc- daktion der„Volkszeitung" einmal ernsthaft mit der Geschäfts- leitung ihres Blattes über die Dinge unterhalten, die uns ein Recht zu solchen Kritiken geben. Mit Lamentationen über den bösen »Vorwärts" wird die Sache nicht aus der Welt geschafft. An die organisierte Arbeiterschaft Grosi-Berlins! Der Arbeiterschaft zur Aufklärung, daß der Deutsche Portier- verband, welcher sich in letzter Zeit den Namen Zentralverband bei! egt, als keine moderne Organisation anerkannt werden kan n, da derselbe weder der Gewerkschaftskommission noch der General kommission der Gewerkschaften Deutschlands angeschlossen ist. Als Vorsitzender dieser Vereinigung fungiert ein in Wilmersdorf wohnender Zigarren-Engros-Händler. Die Gewerkschaftsgenossen werden daher ersucht,, sofern sie mit Fahrstuhlführern oder Portiers in Berührung kommen, die selben auf ihre Berufsorganisation, den Deutschen Transport arbeiter-Verband, aufmerksam zu machen. Die B r a n ch e n l e i t u n g der Fahrstuhlführer. und Portiers des Deutschen Transportc�rbeit�r--Verbandes. Achtung, Töpfer! Töpfermeister Hermann Klinkert» Lankwitz, Maricnfclder Str. 4, hat sich den Lokalisten gegenüber verpflichtet, in Zukunft den Tarif zu bezahlen und nur organisierte Kollegen zu beschäftigen, weshalb unter den genannten Umständen die Sperre als aufgehoben zu betrachten ist. Ferner ersuchen wir die Kollegen das heutige Inserat genau zu beachten. Die Verbandsleitung. Oeutkcbes Reich. Das päpstliche Motu proprio und die Tarifverträge. „Da die veränderten Bedingungen der menschlichen Gesell- schaft es ratsam erscheinen lassen, das Gesetz über die Beobachtung der religiösen Feste zu ändern, weil der vermehrte Handel und der beschleunigte Gang der Geschäfte durch die Häufigkeit der Feste Schaden leiden,"— hat Pius X. die katholischen Festtage aus die Sonntage, Weihnachten, Neujahr, Epiphanias, Himmel- fahrt, Mariä Empfängnis, Mariä Himmelfahrt, Peter- und Paulstag und Allerheiligen beschränkt. Mit vollem Rechte ist seitens der Parteipresse darauf hingewiesen stvorden, daß der Papst nur zugunsten der kapitalistischen Unternehmer diese Ein- schränkungen angeordnet hat. Wird nämlich den Anweisungen des Papstes Rechnung getragen, so werden auch bereits bestehende Tarifverträge dadurch berührt werden können, sowie auch die Feiertage der betreffenden Arbeiter verkürzt, ohne daß letzteren als Aequivalent eine Lohnerhöhung winkt. Als Beispiel hierfür können wir das Buchbindergewerbe in München anziehen, in dem für viele Hunderte von Arbeitern und Arbeiterinnen seitens des Buchbinderverbandes Tarifverträge abgeschlossen sind, die folgendes besagen: „Abzüge vom Lohn für landesgesetzliche, von Behörden oder vom Geschäfte angeordnete Feiertage sind nicht zulässig. Ein Umgehen dieser Bestimmung durch Entlassung an den Vor- abenden von Feiertagen ist unstatthaft. Es gelten für München: a) als gesetzliche Feiertage(an denen nicht gearbeitet werden darf): Neujahr, Dreikönig, Ostermontag, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt, Allerheiligen, Erster Weihnachtsfeiertag, Zweiter Weihnachtsfeiertag;— d) als nichtgesetzliche Feiertage(an denen vormittags nur 4 Stunden, ausschließlich Pause, gearbeitet werden darf): Mariä Lichtmetz, Josephi, Mariä Verkündigung, Benno, Johanni, Peter und Paul, Mariä Geburt, Mariä Empfängnis." Erlangt somit das„arbeiterfreundliche" päpstliche blotu proprio in München Gesetzeskraft, so sind den Buchbindern 4 ganze und 6 halbe katholische Feiertage in Frage gestellt. Wenn das auch wahrscheinlich für die laufende Vertragsperiode nicht zu be- ürchten ist, fo doch bei Erneuerung der Tarifverträge sicher. Die Sophistereien der„Germania" und ihre Vorwürfe gegen die Mün- chener sozialdemokratischen Arbeiter, daß sie schon bisher an den nichtgesetzlichen Feiertagen gearbeitet haben, lösen sich daher in eitel Dunst auf. Es werden wieder einmal Arbeiterinteressen vom„heiligen Vater" nicht auf dem Altare des Christentums, 'andern auf dem Altare des Kapitals geopfert.-- Interessant ist, daß an jenen Münchener Tarifverträgen auch das kleine christliche graphische Verbändchen als Vertragschließender beteiligt ist, ohne daß zessen sonst so großspuriges Organ auf das Motu proprio und eine Einwirkung auf die von ihm abgeschlossenen Tarifverträge auch nur mit einem Wort eingegangen ist. Verwunderlich ist das reilich weiter nicht, nachdem die christlichen Gewerkschaften samt und sonders vor den Krumstäben der Bischöfe ins Mauseloch ge- krochen sind. Wie wenig„der beschleunigte Gang der Geschäfte" die Auf- Hebung jener Feiertage rechtfertigt, möge die Tatsache ergeben, daß gerade jetzt in München die Arbeitslosigkeit im Buchbinder- gewerhe trotz der vielen Feiertage sehr groß ist. Husland. Die norwegische Massenaussperrung. Die Vermittler hatten in der vorigen Woche den Parteien den Vorschlag gemacht, den Bergwerkskonflikt sowie die drei Übrigen Konflikte, die die Veranlassung zur Massenaussperrung gaben, durch Schiedsgericht entscheiden zu lassen. Dies ist jedoch von beiden Parteien abgelehnt worden. Der Kampf dauert also �ort. Wie verlautet, haben die Arbeitgeber die Absicht, die Aus- perrung auch noch auf das Baugewerbe, sowie aus die Zucker, und Schokoladenwarenindustrie auszudehnen. Die Aussperrung im schwedischen Bangewerbe entwickelt sich immer mehr zu einem Fiasko für das Unternehmer- tum. Erst hatte man angekündigt, daß ungefähr 40 000 Mann davon betroffen werden sollten; aber in Wirklichkeit erstreckt sich die Aussperrung kaum auf den vierten Teil dieser Zahl. Die Unzufriedenheit unter den Unternehmern mit dem Vorgehen ihrer Organisation ist jedoch so stark, daß sich der Hauptvorstand des Zentralen Arbeitgeberverbandes in der vorigen Woche genötigt ah, einen Beschluß zu fassen und zu veröffentlichen, wonach es wn einzelnen Arbeitgebern erlaubt ist, auf Bauten, die zum Oktober fertig sein müssen, die Arbeit mit unorganisierten Ar- beitern fortzusetzen. Bisher waren, soweit die Aussperrung über- Haupt reichte, die Unorganisierten mit ausgesperrt, und sie haben ich auch in den allermeisten Fällen mit den Organisierten soli- jarisch erklärt. Wenn sie nun wieder arbeiten wollen, sollen sie die bekannten Verpflichtungen unterschreiben, wonach sie keinerlei Beiträge zu den Gewerkschaften oder sonstwie zur Unterstützung der Ausgesperrten oder Streikenden leisten. Dazu werden sich aber sehr wenige verstehen, denn so viel Ehrgefühl haben auch die Unorganisierten, daß sie sich nicht vom Unternehmertum vor- chreiben lassen, was sie mit ihrem verdienten Gelde machen dürfen oder nicht. Zeugt schon jener Beschlutz des ArbeitgeberverbandcS davon, daß man sich auf jener Seite sehr schwach fühlt, so wird ich bei der Durchführung des Beschlusses die Schwäche des Unter- nehmertums noch weit deutlicher offenbaren. Uebrigens hat der Schlichtungsbeamte den Parteien am Sonnabend neue Vergleichs- Vorschläge unterbreitet. Ob sie zu einer Einigung führen werden, ist allerdings noch zweifelhaft. Der Seemannsstreik. London, 20. Juli.(Eig. Ber.) Die Unruhen, die letzten Dienstag aus Cardiff gemeldet wurden, wurden hauptsächlich dadurch verursacht, daß die Behörden den Führer deö Streiks in der walisischen Hauptstadt, Hauptmann Tupper a. D.. eingesperrt hatten. Tupper steht bei den Arbeitern in hohem Ansehen; als man ihn entfernt hatte, bekamen die Un- organisierten und der Mob der Stadt bald das Heft in die Hände und ließen sich Ausschreitungen zuschulden kommen, die von niemand schärfer verurteilt werden als von den organisierten Arbeitern selbst. In Cardiff und Newport sind heute nicht allein alle Seeleute, sondern auch die Gesamtheit der Arbeiter in den Streik getreten. Innerhalb eines oder zweier Tage wird die Arbeit in allen Häfen am Bristol Channel stocken. In diesen Häfen wird die walisische Kohle verschifft, so daß notwendigerweise eine allgemeine Arbeitseinstellung im ganzen walisischen Revier eintreten muß. wenn der Streik nicht in einigen Tagen beigelegt ist. Den direkten Anlaß zur Arbeitseinstellung in Cardiff gab das Verhalten der Reeder des Hafens, die wohl die Löhne der See- leute aufgebessert haben, aber— jedenfalls auf Anraten des Reederverbands, mit der Gewerkschaft.nicht: verhandeln wollem Hauptmann Tupper wurde gestern auf freien Fuß gesetzt, was die Streikenden sofort beruhigte. Das Sonderbare an dem Ver- halten der Reeder ist, daß sie dem Sekretär der Seemannsgewerk- schaft, Havelock Wilson, privatim das Haus einlaufen, um ihn zu bitten, ihre Schiffe aus dem Pfandleihhause zu. lassen, wie sich oer Sekretär in einer Rede ausdrückte. Dieser Umstand deutet daraus hin. daß die Widerstandskraft der Reeder nicht lange vorhalten wird._ Bus der fraucnbeweofimg* Frauen heraus k Frauen heraus! Immer näher rückt die Reichstagswahl heran l Es naht der Tag der Wiedervergellung für all' die Schandtaten, die in den vergangenen Jahren seit den Hottentottentagen auf das arbeitende Volk gehäuft worden sind. Grauenerregend, erschreckend hoch sind die Lasten, die man dem Volke aufgebürdet. Doppelt und dreifach leiden die Proletarierinnen unter der Wucht der Lebens- mittelverteuerung, unter der arbeiterfeindlichen und antisozialen Gesetzgebung I Frauen heraus! Seid Ihr auch rechtlos, so seid Ihr doch nicht machtlos. Könnt Ihr nicht wählen, so müßt Ihr wühlen! Habt Ihr, dank der reaktionären Uebermacht, auch nicht die Möglichkest, Eure Stimme zugunsten eines wirklichen Volksvertreters in die Urne zu werfen, Euer Einfluß, Eure zähe Agitation und Auf- munterung kann bewirken, daß saumselige und verblendete Arbeiter den Arbeiterkandidaten wählen...... Frauen heraus 1 Die Sozialdemokratie ist die einzige Partei, die rückhaltlos und ohne Einschränkung die Gleichstellung der Frau in politischer und rechtlicher Hinsicht fordert! Seit Jahrzehnten kämpfen ihre Vertreter in und außerhalb der Parlamente für die Verwirklichung dieses Zieles. Wenn trotzdem heute noch in Deutsch- land, das zehn Millionen erwerbstätiger Frauen aufzuweisen hat, die Frau noch politisch zu den Kindern und Idioten rechnet, so kann sie sich bei den bürgerlichen Parteien dafür bedanken! Frauen heraus! Schon die Finanzreform und ihre Wirkungen müßten genügen, die Frauen auf der ganzen Linie rebellisch werden zu lassen. Und schon drohen neue Belastungen des Volkes. Das Fleisch verschwindet immer mehr vom Tische der Armen, Kartoffeln, allenfalls Pferde- und Hundefleisch, dienen häufig als Ersatz. Der Milchverbrauch nimmt ab, die Kindersterblichkeit zu in der armen Bevölkerung, entsetzlich sind die Verheerungen, die unsere Wirtschafts- weise anrichtet. Frauen heraus I Wollen die vielen Proletarierinnen, die sich heute noch immer nicht mit öffentlichen Fragen befassen, weil das die Frau„nichts angehe", der Auswucherung des Volkes stumm und resigniert zusehen? Sollte nicht ein schmerzlicher Blick auf die schlecht genährten Kinder ihr Blut in Wallung bringen, sie zum Nach- denken zwingen? Oeffentliche Fragen? VolkSfragen, Lebensfragen sind es, die mit unseren kleinsten Wünschen und Forderungen ver- wachsen sind. Ach, Frau Politik ist nicht die unnahbare, in den Wolken thronende Göttin, als die sie noch vielfach angesehen wird. Sie ist eine ganz schlichte und umsichtige Frau. Sie kommt in die engsten Gassen und in die ärmsten Wohnungen, sie geht in die Küche und diktiert was und wieviel verbraucht werden kann. Sie setzt sich mit an den Tisch und verteilt die Portionen und des Nachts wacht sie am Lager und raubt Euch den Schlaf, Ihr Frauen und Mütter l Frauen heraus! Die kommende Reichstagswahl muß ein Straf« gericht werden I Der Volkszorn muß die Brot- und Flcifchwucherer, die Scharfmacher und Finanzgewaltigen zusammenschmettern I Er muß zu einem wuchtigen Protest werden gegen Ausnahmegesetze, gegen die wahnsinnigen Ausgaben und Forderungen für Heer und Marine, ein Protest gegen die Reichsversicherungsordnung, ein Protest gegen unseren ganzen Klassenstaat mit seiner rücksichtslosen und unheilvollen Klassenherrschaft. Proletarierinnen I Ihr könnt Vergeltung üben, könnt mithelfen an der Umgestaltung der heutigen WirtschaftS- und Produltions- form, wenn Ihr agitiert und organisiert, wenn Ihr die bürgerliche Klatschpresse aus dem Hause treibt und Eure Söhne und Töchter im Sinne der sozialistischen Weltanschauung erzieht! Darum— Frauen heraus!_ Ein Kellnerinnenstreik. Bei dem Schützenfeste in Göttingen brachte ein Streik der Kellnerinnen den Schützenwirt in nicht geringe Verlegenheit. Fünfzig Heben legten plötzlich die Arbeit nieder, so daß der Betrieb in den Wirtschaftszelten und in der großen Festhalle vollständig lahmgelegt wurde. Nach etwa einer Stunde, nachdem die Forderungen der Kellnerinnen bewilligt worden waren, nahmen sie ihre Tätigkeit wieder auf._ Versammlungen— Veranstaltungen. FriedrichShagen. Mittwoch, den 26. Juli: Ausflug nach Hirschgarten. Treffpunkt nachmittags 3 Uhr Restaurant WilhelmShof. Leseabende. Tempelhof. Dienstag, den 26. Juli. 8'/3 Uhr, bei Thiel, Berliner Straße 41/42: Vortrag. Herr Dr. Bapp:„Frauenkrankheiten". Letzte Nachrichten» Opfer der Handstagshitze. Eßlingen, 24. Juli.(W.T.B.) Von einer Sendung Schweine aus Norddeutschland sind auf dem hiesigen Bahnhofe infolge der Hitze 112 Stück verendet. Paris, 24. Juli.(B. H.) Die Hitze erreichte auch gestern wieder hier 36,7 Grad im Schatten. Aus Nantes wird berichtet, daß das Thermometer sogar 38,6 Grad zeigte. Die Zahl der Unfälle durch die große Hitze ist besonders groß. Wien, 24. Juli.(W. T*P.) Infolge der seit einigen Tagen herrschenden Hitze find hier mehrere Ohnmachts- und Todes« fälle an Hitzschlag vorgekommen. Am gestrigen Sonntage find acht Personen beim Baden in der Donau ertrunken. Drei Kinder verbrannt. Pilsen, 24. Juli.(W. T. B.) Bei einer FeuerSvrunst, die das HauS eines Tagelöhners einäscherte, sind dessen drei Kinder umgekommen und völlig verbrannt. ES liegt Brandstiftung vor; der Täter wurde verhaftet. Schwere Benzinexplosion. Budapest, 24. Juli.(28. T. B.) Durch eine Benzin- explosion in der Kowaldschen Dampffärberei und Putzerci sind sieben Arbeiter schwer verletzt worden, darunter vier tödlich. Ein neues Brandunglück in Konstantinopel. Koiistantinopel, 24. Juli.(B. H.) Ein neues Großfeuer. daZ bereits einen Herd von über hundert Meter erreicht, ist um 4 Uhr in Balat am Stambuler Ufer des Goldenen Horn ausge- brachen und offenbar gleichfalls von verbrecherischer Hand angelegt, um nun auch noch die bisher verschonte Seite von Stambul zu vernichten. Ein starker Wind begünstigt das Umsich- greifen des Feuers. Die Regierung steht den Brandstiftungen machtlos gegenüb-r. Die Bevölkerung ist in kopfloser Aufregung. Schon werden Stimmen laut, das Kabinett, gegen das sich die Brandstiftungen richteten, müsse sich zurück. ziehen, um die Stadt zu retten. Die Minister und alle hier anwesenden Abgeordneten sind zu, sammengetreten, um über die Situation zu beraten. lverantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw?? Th.Glvcke, Berlin. Druck u. Verlag:VorwärtsBu.chdr.u LerlagSanstalt� ßaulSingerLGo.,BertinLW. Hierzu 2 Beilagen u.llnterhaltungsbl� Ar. 171. 28. Aahrgllvg. l KtilU des„öotiüärts" Setliiitt üolUliitt. |IMt!l,25.|iiRI911. Der fozialdemokratilclje Vahlverein für niederbarnim hielt am Sonnlag im Cafe Bellevue feine Kreisgeneralöerfamm- lung ab. Auf der Tagesordnung stand als erster Punkt der Tätigkeitsbericht über die Zeit vom 1. Juli 1910 bis 39. Juni 1911. Der Bericht liegt in einer 24 Seiten starken Broschüre gedruckt vor. Das ver- flossene Vereinsjahr war vor allem dem weiteren Ausbau der Organisation gewidmet. Die immer mehr anwachsende Unzu- friedenheit der Volksmassen über die reichs- und landespolitischen Verhältnisse, die Lebensmittelteuerung, die Reichsversicherungs- ordnung, die Wahlrcchtsmisere usw. trugen dazu bei, daß die energische Aufklärungsarbeit unsergr Genossen recht erfolgreich war. Die Zahl der männlichen Mitglieder ist während der Be- richtszeit von 11 262 auf 12 996 gestiegen, die der weiblichen Mit- glieder von 1591 auf 2534, so daß der Wahlverein am 36. Juni 1911 im ganzen 15 536 Mitglieder hatte, gegenüber 12 853 zu Beginn der Berichtszeit. Der größte Teil der Mitgliederzunahme kommt auf die größeren Bezirke mit städtischer Bevölkerung, jedoch ist die Zunahme in den rein ländlichen Bezirken prozentual n o ch g r ö ß e r. In 14 Orten ist es durch die Landagitation im verflossenen Jahre gelungen, zum ersten Male eine Anzahl Mit- glieder für den Wahlverein zu gewinnen. Zurzeit bestehen in 68 Landorten Zahlstellen mit im ganzen 1762 Mitgliedern, wo- gegen im vorigen Jahr nur 1196 Mitglieder in den Landorten gezählt wurden. Wie die Mitgliederzahl des Wahlvereins, so ist auch der Umsatz an Beitragsmarken bedeutend gestiegen. Gegen- über 9169 vollzahlenden Mitgliedern im vorigen Jahr sind es in diesem Jahr 11 891, die ihre 12 Monatsbeiträge voll bezahlt haben. Die Agitation für den Wahlverein wurde sehr rege und systematisch betrieben. Es sind zu diesem Zweck unter anderem in allen 25 Be- zirken Funktionärkonferenzen veranstaltet worden, in denen Mit- glieder des.�reisvorftandes Vorträge hielten über die Organi- sation sowie über die Haus- und Kleinagitation. An den Kon- ferenzen nahmen im ganzen 849 Genossen teil. Der KreiS der Funktionäre ist in fast alle» Bezirken bedeutend erweitert worden, so daß eine größere Arbeitsteilung durchgeführt werden konnte. Gegenwärtig find im Kreise rund 1369 Funktionäre tätig. Im Parteibureau deS KreiseS liefen LL3 Postsachen ein und 34441 wurden versandt. Der Kassenbericht schließt, den alten Bestand von 6467,75 M. mitgerechnet, mit einer Einnahme von 54 846,46 M. ab, und die Ausgaben beliefen sich auf 39 942,69 M., so daß ein Bestand von 14 963,77 M. übrig blieb. Unter den Ausgaben sind 14 966,36 M. für Beitrags- und Ein» trittsmarken an Groß-Berli.N, 2566 M. für Extrabeiträge ebenfalls an Groß-Berlm. Aus der Agitation ist hervorzuheben, daß im Berichtsjahre 211 öffentliche Versamm- lungen abgehalten wurden, die sich hauptsächlich mit der allge- meinen Reichspolitik und im besonderen mit den Moabiter Polizeiunruhen, dann mit der Reichsversicherungsordnung und der WahlrechtSfrage befaßten. Flugblätter wurden 1 153 466 verbreitet, und außerdem, vorwiegend in den ländlichen Bezirken, 35 866 Broschüren. Durch die andauernd lebhafte Agitation für die Parteipresse stieg die Abonnentenzahl des„Vorwärts" im Kreise von 15 798 auf 18 682. Die„Brandenburger Zeitung" hat 256 Abonnenten im Kreise. Die„Fackel" wurde in den Landbezirken in III 476 Exemplaren verbreitet. Als ein außerordentlich gutes Propagandamittel haben sich die Auskunftsstellen und die AuS- kunfterteilung an die Landarbeiter erwiesen. Von der Rechts- auskunstsstelle Bernau wurden im Laufe deS Berichtsjahres 211 Auskünfte erteilt, wovon 76 auf die Landorte kamen, und Schriftsätze wurden 53 angefertigt. Die Besucherzahl der Aus- kunftsftelle war 462, von denen 28 keiner Organisation angehörten. 162 nur gewerkschaftlich, 62 gewerkschaftlich und politisch und 19 nur politisch organisiert waren. Von der erst im März d. I. er- richteten Auskunftsstelle in Friedrichstal wurden bis zum Schluß des Berichtsjahres 88 Auskünfte erteilt. Von den Rai- suchenden waren 35 Mitglieder der Partei. Die Tätigkeit unserer Genossinneu im Kreise ivar ebenfalls eine sehr rege und erfolgreiche. ES sind kleines Feuilleton. Frauenleben in Fez. Pierre L o t i, der auf seinen Reisen auch oft in Marokko geweilt bat. veröffentlicht in der„Ouinzaine" eine reizvolle und farbenprächtige Schilderung des marokkanischen Frauenlebens. In früher Morgenstunde pflegte der Dichter auf dem Dache seines Hauses eine kleine Promenade zu unternehmen, und hier sah er dann täglich die Frauen der maurischen Nachbarn, die gleich ihm auf den Dächern ihrer Häuser der Eintönigkeit ihres Alltagslebens zu entrinnen suchten. Loti wohnte in dem vornehmen Viertel von Fez, wo den Gattinnen der reichen Mauren jede Arbeit verboten ist. Die schlanken Frauen- Hände ruhen untätig im Schöße, und die Beobachtung der Nachbarn ist die einzige Ablvechslung, die das dumpfe Einerlei dieses Daseins unterbricht. Und so sind diese Frauen denn auch Kinder, neugierige Kinder, für die die Erscheinung eineS Europäers aus dem Dache eine willkommene Abwechselung bieten mußie. Da, dort drüben hinter scingearbeiteten Gitrerstäben, inmitten von bunten Seidenkissen und feinen, im Wind sich träge auf- blähenden Stoffen, rührt es sich, ein goldgelber Chiffonschleier blitzt in der Sonne, langsam, Millimeter um Millimeter. mit aller Vorsicht des bösen Gewissens, wird er beiseite geschoben.„Ich rühre mich nicht, ich stehe und lausche und blicke: imincr mehr hebt sich der gülden schimmernde Kopfputz, und da, da endlich, zwischen rieselnden Falten leuchtet alabastern das Weiß einer Stirn, das Blauschwarz einer verlorenen Locke, und nun der ge- schwungene Bogen einer Braue. Einen Augenblick lang starrt ein großes dunkles Auge auf mich: husch, vorbei ist'S, der Schleier sinkt, die Schöne ist verschwunden. versunken gleich einer sterbenden Marionelte. Aber ich bleibe, denn sicher ist'S noch nicht zu Ende. Und wirklich, da taucht von Neuem der Kopfputz auf, langsam, ganz langsam: und diesmal� erscheint die ganze Gestalt und blickt mich an mit einem halbe» Lächeln angstvoller Neugier." Und von allen Seiten winken dem Fremden ähnliche Bilder, dies ewig gleiche Echo lindlicher Neugier, hinter der Langeweile und die Sehnsucht nach einer kurzen Unterbrechung der Eintönigkeit zu beben scheinen.„Hier, von meinem Dache aus, die Gärten von Fez zu meinen Füßen, und im Hintergrunde des BildeS die schneebedeckten Höhen deS Atlas, sehe ich ringsum die kahlen Mauern sich beleben, fühle von allen Seilen die wiß- begierigen Gazellenaugen auf mich, das fremde Wundertier. gerichtet. Die bange Furcht, die scheue Angst der ersten Tage ist bald gewichen. ES wäre eine tod Smutige Verwegenheit, sich so einem Mohammedaner zu zeige" aber mit mir hat es ja keine Gefahr, ich bin ein Fremder,.ch werde eS niemand verraten, und morgen vielleicht'�on bin ich weit fort. Wenn nur die Gatten nichts merken. Und so blickt man mich an, man lächelt, ja man nickt mir aeckisch einen Gruß zu. Man zeigt mir von weitem kleine Gegen- stände, Ringe und Schmuckstücke, um zu sehen, ob sie dem Fremden im Berichtsjahre unter anderem 6 Frauenkonferenzen abgehalten worden, an denen die Beisitzerinnen der Bezirksleitungen und die Kontrolleurinnen der Kinderschntzkommission teilnähmen und ihre Erfahrungen auf dem Gebiete der Organisation, der Agitation und der schwierigen Frage des Kinderschutzes austauschten. Die Leseabende wurden besser als bisher ausgestaltet, und die beiden Lehrkurse, die von Groß-Berlin veranstaltet wurden, trugen dazu bei, Genossinnen für die Uebernähme von Referaten auszubilden. Als Beisitzerinnen in der Bezirksleitung sind jetzt 26 Genossinnen tätig, und sie sind es auch zum größten Teil, die die Leseabende leiten. Es wurden im Berichtsjahre in 172 Leseabenden 146 Refe- rate gehalten, und die durchschnittliche Besucherzahl war 793. Kinderschutzkommissionen bestehen zurzeit 21 mit rund 166 Helferinnen. In der Zeit vom 4. Oktober bis 4. Dezember 1916 wurde eine Agitationstour unternommen. In 23 öffentlichen Frauenversammlungen wurde über das Thema:„Junkerpolitik, Kaiserreden und die Meinung der Frauen" gesprochen. Die Ver- sammlungcn waren von 4166 Personen, fast nur Frauen, besucht, und der Erfolg war, daß 225 neue Mitglieder für den Wahlverein und 64 Abonnenten für die Parteipresse gewonnen wurden. Vor Abhaltung der Versammlung wurden in 21 Bezirken 92 366 Flug- blätter verbreitet, und diese Arbeit ist in einzelnen Bezirke» von den Genossinnen fast ganz allein ausgeführt worden. Ferner wur- den bei einer von den Genossinnen unternommenen Hausagitation 9666 Flugschriften über den Mutterschutz und über die Witwen- und Waiscnversicherung verbreitet und außerdem wurden an die Besucherinnen der Leseabende 1166 Broschüren:„Zur Frage des Mutter- und Säuglingschutzes" unentgeltlich verteilt. In den Frauenwahlrechtsverfammlungen vom 19. März wurden 79 Auf- nahmen gemacht, während die Hausagitation 435 Aufnahmen brachte. In dem Bericht der Kinderschutzkommission wird bemerkt, daß vor den Toren Berlins, im Kreise Nieder- barnim, Kinder noch in sehr großer Zahl in der Landwirt- s ch a f t beschäftigt werden und sich vor wie nach der Schulzeit, manchmal bis spät in die Nacht, mit allen möglichen Landarbeiten, wie Mistkarren. Pflanzen, Jäten und dergleichen mehr abquälen müssen. Bei der Kontrolle über die Kinderarbeit wurden im Kreise Niederbarnim 448 Kinder vor Schulbeginn bei der Arbeit angetroffen. Im Laufe des Geschäftsjahres sind in dem Kreise von der Kommission 48 Fälle recherchiert worden. In einem dieser Fälle wurden Kinder am Schießstand zum Scheibenstellen ver- wandt. Auf gütlichem Wege war in diesem Falle nichts zu er- reichen, so daß Anzeige erstattet werden mußte. Die Ortspolizei stellte später fest, daß 12 Kinder zu dieser lebensgefährlichen Be- schäftigung verwandt wurden. Die Jugendbewegung hat trotz aller behördlichen Schikanen gute Fortschritte gemacht. Der Polizeipräsident von Lichtenberg hat bekanntlich die Vereini- gung Jugendheim für politisch erklärt, und die Beschwerde dar- über hat weder beim Berliner Polizeipräsidenten noch beim Ober- Präsidenten der Provinz Brandenburg Erfolg gehabt, so daß der Verein jetzt versuchen muß, bei den höheren Instanzen das Recht zur Geltung zu bringen. Da sämtliche Jugendvereine der Auf. lösungswut zum Opfer fielen, ist eine genaue Uebersicht über die Zahl der Anhänger nicht zu erlangen gewesen. Die Bildungsarbeit wird zum größten Teil von den Ausschüssen mit erledigt, so daß eS kein dringendes Bedürfnis ist, besondere BildungSausschüsse einzu- setzen. Solche Ausschüsse bestehen jedoch zurzeit 5, und sie ver- anstalteten 36 Vortragsabende, an denen sich 1647 Personen de- teiligten. Auf dem Gebiete der Kunst wurden 6 Veranstaltungen getroffen, und es fand eine Volksversammlung statt. Jugend- schriftenausstellungen wurden in zwei Orten veranstaltet. Im übrigen tritt der Wunsch nach einer Zentralisation des Bildungs- Wesens, und namentlich auch nach Schaffung einer Zentralbiblio- thek, immer stärker hervor. Gegenwärtig bestehen im Kreise 25 Bibliotheken mit zusammen 6466 Bänden. Die kleinste Viblio- thek hat 36, die größte 672 Bände. Im Herbst 1916 und im Früh- jähr 1911 wurde von der Kreisleitung auf Anregung der Funktw- näre ein Unterrichtskursus veranstaltet, an dem 57 Genossen und zwei Genossinnen teilnahmen. Das Thema war als erster Teil: „Die geschichtliche EntWickelung des Deutschen Reiches", als zweiter Teil:„Die EntWickelung des Steuerwesens". gefallen. So verstreicht diesen Frauen der Tag, eine Leere. in der jede Nichtigkeit als Ereignis willkomme« wird. Lebensdauer in Deutschland und anderen Kulturstaaten. Dieser Frage, die für die Bewertung der Kulturhöhe eines Volkes von so eminenter Bedeutung ist. widmet Professor Dr. R a h t S im Juliheft der„Zeitschr. für d. gesamte Versicherungswissenschaft" eine recht instruktive Studie. An der Hand des einschlägigen statistischen Materials weist er nach, daß die mittlere Lebensdauer in Deutsch- land im Laufe von 26 Jahren, von der Mitte der siebziger bis Mitte der neunziger Jahre, bei dem männlichen Geschlecht um 5 ivon 35,6 auf 46,6), bei dem weiblichen Geschlecht sogar um 5V2 Jahre) von 38,5 auf 44.6) gestiegen ist. Aber trotz dieser Zu- nähme bleibt Deutschland noch iinmer hinter den meisten europäi- scheu Kulturstaaten zurück. In Schweden beträgt die mittlere Lebensdauer des männlichen Geschlechts 56,9 und die des weiblichen Geschlechts 53,6 Jahre, sie ist also um volle 16 Jahre höher als in Deutschland. Belgien und die Niederlande überragen unö um etwa 5 Jahre, England und Frankreich um etwa 4 Jahre, nur Oesterreich und Italien bleiben hinter Deutschland zurück. Untersucht man die Ursachen dieser ungünstigen Stellung Deutschlands, so ist hier vor allem seine'hobe Kindersterblichkeit, besonders die Säuglingssterblichkeit zu nennen. DicS ergibt sich mit besonderer Klarheit aus der Zu- kammenstellung, die der Verfasser über die mittlere Lebensdauer innerhalb der sogenannten produktiven Jahre gibt. Diese Volks- wirtschaftlich sckhr interessante Zahl bezeichnet die Lebensdauer einer Person innerhalb der Alterspanne von 15 bis 66 Jahren. Für Deutschland beträgt sie 37,9 Jabre sfür Männer); für England haben wir die gleiche Zahl, für Belgien 33,6 Jahre, für Frankreich 37,3, für Schweden 38,5 und für Holland 38,7 Jahre. Wie wir sehen, sind die Unterschiede in den Kultur- staaten in dieser Beziehung recht minimal. Interessant ist weiter die Feststellung, daß die produktive Lebensdauer in Deutschland im Zeitraum von zwei Jahrzehnten um 1� Jahre gewachsen ist. Ver- gegenwärtigt man sich, daß im Deutschen Reiche jährlich etwa 1266 666 Personen das 16. Lebensjahr beginnen, so läßt sich leicht ausrechnen, daß diese Steigerung der Lebensdauer einen Gewinn von rund zwei Millionen Arbeitsjahren bedeutet. Wie sich nun dieser Gewinn verteilt, das steht freilich auf einem anderen Blatt. Tic Syphilis in vorgeschichtlichen Zeiten. Bekanntlich hat man im allgemeinen angenommen, daß die Syphilis ihre Heimat in Amerika habe, von wo sie von den Gefährten des Columbus nach Europa gebracht worden sei. In der letzten Sitzung der Pariser medizinischen Akademie hat nun Dr. Rahmond die Ergebnisse seiner Studien an zwei aus prähistorischen Gräbern stammenden, im Museum von Saint-Germain aufbewahrten Menschenknochen vorgelegt. Sie stellen Verletzungen fest, die die sicheren Zeichen der Syphilis zeigen. Die Professoren Lannelongue und Gan- golphe, die die Knochen gleichfalls untersucht haben, stimmten dieser Ansicht bei. so daß man annehmen kann, daß die Syphilis— gleich der Tuberkulose— der ganzen Menschheit von Anbeginn zugehört Stadtverordneten- und Gemeinbcvertreterwahlcn, teils Neu- und Ersatzwahlen, haben im Berichtsjahre in 11 Orten stattgefunden. In einem Ort, Birkenwerder, haben sich unsere Genossen der Stimme enthalten, um gegen einen Gewaltsakt des Amtsvorstehers Kühn zu protestieren. In Hohenschönhausen, Bruchmühle und Sachsenhausen ist von unseren Genossen wegen Wahlunregelmätzigkeiten Protest gegen die Wahl eingelegt worden, so daß es hier wahrscheinlich nochmals zu allgemeinen Wahlen kommen wird. Die Sozialdemokratie hat zurzeit im Kreise in 3 Städten 27 Stadtverordnete und in 46 Landgemeinden III Ge- meindevertreter, also im ganzen 138 Vertreter. Um geeignete Versammlungslokale zu erhalten, muß' noch immerwährend, bald hier bald dort, ein Kampf mit den Lokal- inhabern geführt werden. Man hat dabei die Beobachtung gemacht, daß die Wirte manchmal einen„Druck von oben" nur vorschützen, um es mit den Ortsgrößen nicht zu verderben. Gegenwärtig stehen der Partei in 18 Ortschaften des Kreises alle Lokale, in 72 Ortschaften 143 Lokale zur Verfügung, aber in 19 Ortschaften sind noch alle Lokale gesperrt. In dem Kapitel über polizeiliche und gerichtliche Verfolgungen wird zunächst des im September 1966 durch den Gendarm Jude erschossenen Genossen Herr mann ge- dacht. Die Bluttat ist bekanntlich noch nicht gesühnt, und überdies hat man den Denkstein vom Grabe entfernt, und die Klage der Witwe darüber ist abgewiesen worden. Von den übrigen behörd- lichen Verfolgungen ist besonders zu erwähnen, daß der Bezirk Pankow des Wahlvereins zu einem selbständigen Verein ge- stempelt und Genosse Spielermann wegen Unterlassung der An- Meldung des„Vorstandes" zu 3 M. Geldstrafe verurteilt wurde. Außerdem sind verschiedene polizeiliche Eingriffe in das Versamm- lungsrecht sowie eine Reihe anderer Schikanierungen vorgekom- men, die wiederum zeigen, daß man noch immer mit allerlei kleinlichen Mitteln die Partei zu bekämpfen sucht, was selbstver- ständlich nur dazu dient, die Energie und Tatkraft unserer Genossen immer mehr anzuspornen. Der Vorsitzende Brühl gab zu dem gedruckten Bericht münS- lich eine Reihe von Ergänzungen sowie Anregungen zu weiterer unablässiger Tätigkeit für die Partei. In der Diskussion wurde zunächst vom Genossen S ch a m l e r- Lichtenberg erwähnt, daß der Gendarm Jude nebenbei Geschäfte mit Eiern mache und Offerten versandt habe mit der Bemerkung, die Bestellungen könn- ten als„Soldatenbrief" aufgegeben werden, so daß man das Porto sparen könne. Man wird sich mit dieser Sache noch näher befassen. Genosse Vieth- Nieder-Schönhauscn wendet sich dagegen, daß der Generalversammlung von Groß-Berlin ein Antrag als An- trag des Kreises Niederbarnim vorgelegt wurde, der nicht der Kreisgeneralversammlung vorgelegen hatte, und wünscht, daß in solchen Fällen der Antrag als von der Korporation herrührend be- zeichnet werde, die ihn gutgeheißen hat. Genossin B u ch m a n n- Kaulsdorf spricht sich dafür aus, daß der Bezirk Kaulsdorf-Mahlsdorf getrennt werde, da, wenn auch die Orte Kaulsdorf und Mahlsdorf einander sehr nahe liegen und durch die Bahn sehr leicht zu erreichen sind, doch die Erreichung der Versammlungslokale so viele Schwierigkeiten bietet und mit so viel Zeitverlust verknüpft ist, daß es den Genossen und Ge- nossinnen allzu schwer gemacht wird, die Versammlungen und Sitzungen regelmäßig zu besuchen.— Genosse Brühl bemerkt dazu, daß der Vorstand die Sache schon in die Hand nehmen werde. Genosse D ü w e l l- Lichtenberg weist auf die Notwendigkeit der Frauenagitation hin und bemerkt, daß wenn das Frauenwahl- recht eingeführt werde— was gar nicht in so sehr weiter Ferne liege—, man auf einen Rückschritt in den politischen Verhältnissen gefaßt sein müsse, wenn nicht mit aller Energie für die Aufklärung der Frauen gesorgt werde. Genosse Gütig- Pankow weist auf das polizeiliche Vorgehen gegen den Bezirk Pankow hin und bemerkt noch, daß der Amtsanwalt sich beim Schöffengericht auf den Stand- punkt stellte, man möge die Polizeistrafe nur bestätigen, da unsere Parteigenossen ja doch Berufung einlegen würden, und dann die höhere Instanz zu entscheiden hätte; und daß der Amtsvorsteher bei einer airderen Gelegenheit, wo es sich um das Vorgehen gegen wissenschaftliche Lichtbildervorträge handelte, dieselbe Aeußerung gebrauchte. Genosse K l i e m- Lichtenberg spricht über die Jugendbewegung und betont, daß der Zentral-Jugendausschuß wirkliche Bildungs- arbeit zu leisten bestrebt sein muß, und daß seine Tätigkeit nicht nur und keineswegs erst dem Zeitalter der Entdeckungen ihre Einbürge- rung in Europa verdankt.— Damit ist freilich noch nicht erklärt, wie die Syphilis im 16. Jahrhundert plötzlich mit der Heftigkeit einer Epidemie auftreten und den Zeitgenossen als unbekannte, neue Krankheit erscheinen konnte. Die künstliche Bestimmung der menschlichen Schädelform. Schon bei Einzelwesen ist die strenge Sonderung der ererbten von den er- wordenen Anlagen sehr schwierig. Viel schwieriger gestaltet sich jedoch die Beurteilung der Vercrbungsfrage, sobald es sich um ganze Volksstämme oder Rassen handelt. Neben der Verschiedenheit der Hautfarbe und Bcbaarung gilt die Schädelform als ein wichtiges Kennzeichen der Rasse. Aber auch diese„Rassenmcrkmale" erscheinen nach neuen Forschungen zweifelhaft. Interessante neue Studien und Versuche hat der Direktor der Stuttgarter Hebammenschule, Dr. Walchers durchgeführt, deren Ergebnis geeignet ist, unsere Vor» ssellung von bcf rassenmäßigen Bestimmung der Schädelform ins Wanken zu bringen. Die Versuche Dr. WalcherS haben ergeben, daß die Schädelformen künstlich durch geeignete Lage des Neugeborenen hervorgerufen werden können. Legt man den Kopf abwechselnd auf die rechte und linke Seite, so entwickelt sich ein Langschädel, bettet man ihn mit dem Hinterteile ganz auf das Kissen, so nimmt er, wohl auch in- folge der Schwere des Gehirns, eine runde Gestalt an. Häufig liegen die Kinder nur mit einem Teile des Hinterkopfes auf. be- sonders, wenn sie von ihrem Lager ins Licht' oder nach der Tür blicken wollen. Diese vernachlässigte Lagerung entwickelt Schief. schädel. Mit den Schädelknochen verändern sich auch die Gesichts» knochen. das Gesicht nimmt mehr runde oder längliche Form an. und denn beständigen Schlafen auf einer Seite, entwickelt sich die eine Gesichtshälfte oft mehr als die andere. Wenn schon der Zufall einen solchen entscheidenden Einfluß auf Lie Gestaltung des Ge« sichts, des Schädels und damit vielleicht auch auf die EntWickelung des Gehirns ausüben kann, so ist die absichtliche mechanische Ein. wsrrung von unabsehbarer Tragweite. Die Turmschädel einiger wilder Volkerstämme entstehen durch Umschnürung des KinderkopfcS und man weiß, daß in einem Jndianerstamm dem Neugeborenen ein Brettchen auf den Hinterkopf gebunden wird, wodurch der Kopf abgeplattet wird. Jedenfalls wirft die Entdeckung WalcherS neues Licht auf die viel umstriNene Frage, wie weij die Schädelform als Rasscncharaktcr angesehen werden darf, Notizen. „ Max Kling er gegen Reklametafekn. In einer Zuschrift an den Nürnberger Magistrat verwahrt sich Mar Klinger gegen die Behauptung einer Zeitungsnotiz, die besagte, daß er Eni- würfe zu Neklametafeln für die Auergesellschaft, die längs der Eisen- bahn bei Nürnberg aufgestellt werden sollten, gemacht habe.„Ich finde,' fügt er hinzu,.dergleichen Neklametafeln für eine Scheuß- lichkert, die durch keine Farben- oder Formengebung künstlerisch wirken kann Sie smd t.ne Verhunzung der Landschaft für den Reifenden.'' für die Jugekd. Wderk S.ueS»demokratischen Landes" haben sich vom Volke schärfer abge- sondert als die gekrönten Häupter in Europa, und ihr Räuspern und Spucken wird von der amerikanischen Presse in ekelhafter Breit- spurigkeit berichtet und wird von weiteren Volksschichten nach- geahmt und bewundert als irgendwo in der alten Welt. Auch an Standesorganisationen mit feudalem Einschlag fehlt es drüben nicht. Die..Söhne der Revolution", die„Holländischen Damen" und noch einige andere Organisationen lassen erkennen. wie sehr auch das amerikanische Bürgertum degeneriert, vom Kastengeist, Standesbewußtsein und der Stammbaumsucht durch- feucht ist. Diese Bereinigungen öffnen nur dem ihre Pforte, dessen Stammbaum mehrere Generationen alt und, wie bei den„Söhnen der Revolution", in der Epoche der Unabhängigkeitserklärung von einem Militär oder Beamten gepflanzt worden ist. Sind die An- gaben verschiedener Kenner der amerikanischen Gesellschaft nicht vollständig unbegründet, dann hat in„der besten Demokratie" die dämliche Sucht nach Titeln und berühmten Vorfahren schon solche Dimensionen angenommen, daß bte_ Firmen, die sich für Stamm- baumfobrikation aufgetan haben, glänzende Geschäfte machen. Wer sich für diesen Spleen her„amerikanischen Rasse interessiert, wird föhon in Münsterbergs Buch: American Traits, ergötzliche Einzel- beiten finden. .Da» Arbeitsbuch de« europäischen Arbeiters ist ein Zei- «hen seiner noch existierenden Leibeigenschast. Während in Ame- rika jedermann das ganze Land ungehindert durchwandern kann, muß sich der Arbeiter in den meisten europäischen Staaten bereit halten, seine Legitimation der Polizei oder bei der Arbeitssuche auf Verlangen vorzulegen." Dieses Bleigewicht der Freizügigkeit kennt die große Republik glücklicherweise nicht. Arbeitsbuch. Zeug. «isse. An- und Abmeldescheine, Steuerzettel. Militärpapiere, Trau- . � ,1 Ziehe.Vorwärt»' Nr. 145, 161, 164, 167. *' Vor Set Wähl der Delegierten tockr Koch eist Antrag Sstgenom- men worden, wonach dem Kreisvorstand das Recht zusteht, zu den Parteitagen eine Kandidatur in Vorschlag zu bringen. Ferner wurden zum Parteitag in Jena noch folgende Anträge gut- geheißen: 1.„Der Parteitag möge beschließen: Die«Neue Welt" ist in besserer Ausstattung herzustellen." 2.„Der Parteivorstand ist mit Rücksicht auf die immer größer werdenden Aufgaben der Gcsamtpartci um 3 Sekretäre zu verstärken." 3.„In Erwägung, daß bisher die für die Gewerkschaften reser- vierten Sitze der Parteischule nicht voll ausgenutzt wurden, wird der Parteivorstand beauftragt, um eine volle Besetzung der Schule zu erzielen, in Zukunft etwa freibleibende Sitze anderweitig besetzen zu lassen, wenn von den Gewerkschaften 6 Wochen vor Er- Öffnung des Kursus die volle Schülerzahl nicht angemeldet ist." Zum 3. Punkt der Tagesordnung: Anträge, wurde beschlossen. den folgenden Antrag des Bezirks Neinickenoorf-West der Preß- kommission zu überweisen: „Den Parteigenossen und-genoffinnen, die Abonnent des „Vorwärts" sind, nach vierwöchentlicher Krankheit rcfp. Arbeits- losigkeit den„Vorwärts" unentgeltlich zu liefern." Ein Antrag Lichtenberg, die Vorwärtsquittungen mit Namen und Adressen der Abonnenten auszufüllen, wurde nach längerer Diskussion abgelehnt. Ebenfalls abgelehnt, und zwar mit 83 gegen 57 Stimmen, wurde ein Antrag Reinickendorf-West. für den „Vorwärts" das Wochenabonnement einzuführen. Angenommen gegen eine Stimme wurde der folgende Antrag desselben Bezirks: Verheiratete Genossinnen sind ebenfalls vom Beitrag be- freit, wenn der Mann Mitglied des Wahlvereins und vom Bei- trag durch Krankheit resp. Arbeitslosigkeit befreit ist. Hiermit war die Tagesordnung der Generalversammlung er- schöpft, und die Versammlung wurde um 4 Uhr mit Hochrufen auf die Partei geschlossen. Anwesend waren auf der Generalversammlung 112 Delegierte, 22 Bezirksleiter, 13 Vorstandsmitglieder, der Kandidat des Kreises, Genosse Stadthagen, und außerdem als Vertreter Groß- Berlin der Genosse L i e p m a n n und als Vertreter der Expedition des„Vorwärts" Genosse Mann. Es fehlten je ein Vertreter von Herzfelde, Oranienburg und Rummelsburg, je zwei Vertreter von Lichtenberg und Tegel. 8. Verballdstag der Stukkateure. Dresden, 22. Juli. 6. BcrhandlungStag. An das gestern entgegengenommene Referal über Lohnbewegungen und Streiks schloß sich heute eine längere D e b a t t e. in der die Tarifabschlüsse im Vorjahre ausgiebig besprochen werden. Mehrere Redner er- klärten, mit dem Abschluß der vorjährigen Bewegung nicht zu- frieden zu sein, die erreichten Erfolge seien zu gering. Andere Delegierte sind dagegen mit dem Ergebnis im allgemeinen zu- frieden. In dem Zentralschiedsgericht erblicken einzelne Redner keine Förderung der Arbeiterbestrebungen, eS sei aber wohl kaum mehr zu umgehen. Die Unparteiischen würden die einzelnen Be- rufsverhältnisse zu wenig kennen. Für die einzelne Filiale wird eine größere Bewegungsfreiheit bei den Bewegungen verlangt. Der Vertreter der Generalkommission, K n o l l- Berlin, bemerkte hierzu, daß auch bei den Bewegungen das Wohl des Ganzen in? Auge gefaßt werden müßte, selbst, wenn dadurch die Freiheit der einzelnen Filialen etwas beschränkt würde. Die ganze Lage der Demokratie in den Gewerkschaften sei eben— eS möge banal klingen— eine Geldfrage. Odenthal- Hamburg stellte in seinem Schlußwort fest, daß die Bewegung im vollen Einverständnis mit den Kollegen geführt wurde. Mit einem sprunghasten Emporschnellen der Löhne dürfe man nicht rechnen. Mit den Schiedssprüchen im Vorjahre könne man im allgemeinen wohl zufrieden sein. WaS die Unternehmer in der Hauptsache gewollt haben, sei ihnen abgelehnt worden. Selbst- verständlich sei. daß. wenn eS möglich ist. ohne Schiedsgericht aus- zukommen, man nur mit den Unternehmern verhandelt. Den Bericht der Statutenberatungskommission gibt dann G i e b l e r- Hamburg. In der Beitragsfrage schlägt die Kommission vor. die fünfte Klasse einzuführen und die Beiträge durchweg um 5 Pf. pro Woche zu erhöhen. Der Anteil der Filialen soll der gleiche bleiben wie bisher. Bei Streiks und Aussperrungen sollen die arbeitenden Mitglieder innerhalb des Tarifgebiets einen Extrabeitrag in der Höhe des regelmäßigen Wochenbeitrages zahlen, der unverkürzt der Hauptkasse zuzu- führen ist. Die Streikunterstützung soll nach dem Entwurf deS Vorstandes gewährt werden. Um aber den älteren Mitgliedern schein, Heimatschein und wie die Wische alle heißen mögen, die die europäische Polizeidämlichkeit im Staatsinteresse noch für nötig bält. haben in Amerika nicht einmal den Wert des Klosettpapiers. Welche Qual die in allen privaten Angelegenheiten herumwühlende Polizeifaust ist, kann nur der ganz ermessen, der aus einer freieren Atmosphäre in die stickige Lust der deutschen Polizeistube kommt. Im Preisen der politischen Freiheiten und der Macht deS allgemeinen Stimmrechts in seinem Land legt sich Gompers keine Beschränkung auf:„Die Amerikaner haben da» Wahlstimm- recht. Damit können sie. wenn sie wollen, alle ihre Gesetzgeber und Beamten wechseln und können die Gesetze schnell auf die gei- stig« und moralische Höhe der Mehrheit bringen. Selbst in Eng- land können die Massen nicht so viel tun." ES ist nur jammer- schade, daß die Amerikaner nicht auch einmal ernstlich wollen. Ihr so oft und recht hoch gerühmter.Pferdeverstand" würde dann sofort die verblüffende Entdeckung machen, daß zwischen theoreti- scher Möglichkeit und praktischer Möglichkeit ein gewaltiger Unter. schied ist. Denn obwohl z. B. drüben alle Arbeiterburger daS Stimmrecht haben, war es bis jetzt platterdings unmöglich, eine stattliche Unfallversicherung zu schaffen; gegen die Einführung einer staatlichen Paketpost haben die vier Paketfahrtgesellschaften bekannt- lich eine gewichtigere Stimme als Millionen Wähler; der Wider» stand der Trustherren gegen die Verstaatlichung der Bahnen und Telegraphen hat bis heute mit dem Wahlzettel noch nicht gebrochen werden können; bei der Erfüllung der Bollsforderung, Aufhebung der Prohibitivzölle, sind bis jetzt alle Stimmenzettel schwächer ge. Wesen als das Wort de« Millionärklubs(Senat); gegen die scheuß- liche Korruption in Staat und Gemeinde ist. abgesehen von kargen Ausnahmen, die Bürgerschaft machtlos gewesen; in jedem Wahl- aufruf ertönt das laute Geschrei aller ehrlichen Leute gegen die Mißwirtschaft, da? Boßtum, den öffentlichen Diebstahl, und nach der Wahl geht Bestechung. NepotiimuS und die Betätigung ahn- licher, der„freien Demokratie" typischen„Tugenden" fröhlich wei. ter. Das beweist natürlich nichts gegen das allgemeine Stimm, recht, wohl aber beweist«S, daß ti nur in einem Staatswesen, das von Intelligenz, Willensfestigkeit, Uneigennützigst it und einer ge- sunden bürgerlichen Moral durchdrungen ist. seinen Zweck ganz erfüllen kann; e» beweist aber auch, daß der amerikanischen Demo- kratie noch so ziemlich alle Fähigkeiten für die Selbstregierung ab- gehen. Gegen die ohne jede Einschränkung gewagte Bchauptung:„Die Amerikaner üben das Recht auf frei« Versammlung aus", zu pro. testieren, wird eher Sache der vielen Arbeiter sein, die in Spokane, San FranciSko. Lo» Angeles usw.. usw.. wegen Ausübung dieses Rechtes niedergeknüppelt und tage- und wochenlang eingesperrt worden sind.„Die Amerikaner haben das Recht gerichtet zu wer» den von einem von ihresgleichen gebildeten Geschworenengericht". Dieser Satz enthält viel blühende Naivität. Di« Praxi» hat tau- sendfach dargetan, daß im Lande der Trust« die Arbeiterschaft vom Geichworeneudienst ferngehalten wird. Dort werden die Volk«. richter noch vorsichtiger gesiebt, al« im„Lande mit den besten Rechtsgarantien". Ja selbst Kreise des Bürgertums, die sich, sagen wehr Rechnung zu ftAgeft, soll für Mikgffedtt, Ke SU« Scftt vekkl Verbände angehören, eine Steigerung der Unterstützungssätze um 56 Pf. pro Woche und für Kollegen, die länger als 6 Jahre or- ganisiert sind, um 1 M. pro Woche eintreten. Die Vertreter des Vorstandes und Ausschusses, sowie die Gauleiter sollen auch küns- tig auf den Verbandstagen Sitz und Stimme haben. Der VerbandStag stimmt den Vorschlägen der Kommission ohne Debatte einstimmig zu. DaS neue Statut tritt, falls die An- gliederung an den Deutschen Bauarbeiterverband, nicht beschlossen wird, am 1. Januar 1912 in Kraft. Beschlossen wird dann noch, daß ab 1. April V. I. die Gehälter der Beamten um 190 M. pro Jahr, anstatt wie bisher um 59 M., steigen. Die bisherigen Verbandsfunktionäre bürden einstimmig wiedergewählt. Der Sitz des Vorstandes bleibt Hamburg, der KS Ausschusses Berlin. Damit waren die Arbeiten des VerbandstageS erledigt. Mit einem Hoch auf die Organisation wurde er nachmittags 2 Uhr geschlossen._ Huö Induftrie und Handel. Elektrobank Bergmann. Im Ueberschwange der Hochkonjunkturgefühle gründeten die großen Eleklrokonzerne. voran die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft seinerzeit Elettrobanken, die daS besondere Finanzierungsgeschäft für Eleklroaufträge übernehmen sollten. Ueber die Tätigkeit dieser Institute ist nicht viel bekannt geworden. Nur die Bergmann Eleltri- zitätSwerke A,-G,. deren Elektrobank B e r g m a n n-E l e k t r i z i t ä t S- U|n ternehmungen Ll.-G. firmiert, die seinerzeit mit Hilfe der Deutichen Bank, der DiSkontogesellschaft nnd des Schaaffhausenschen Bankvereins gegründet wurde, und der eS schon im Programm vorgezeichnet worden war. sich möglichst viel mit Ueberlandzcntralen und deren Finanzierungen und danach erst mit Bahnelektrifizierungen zn beschäftigen, ist zetzt eiftigst bei der ihm vorgeschriebenen Tätigkeit. Mit den Kreisen GoSlar und Wolfenbüttel sind Verträge abgeschlossen worden, welche die Gründung einer großen Ueberlandzentrale für elektrische Kraft- und Lichtversorgung vorsehen. Gleichzeitig hat die Bergmann-Elektrobank daS Elektrizitätswerk Ringelheim (Kreis GoSlar) erworben. Die Bergmann-Gesellschaft will sich aber' auch in B a d« n ansässig machen. Man will in Untergriesheim «ine Ueberlandzentrale, der sich bereits über 199 Ortschaften an- geschlossen haben, einrichten. Etwa 509—699 Pferdekräste soll dabei daS Wasser der Jagst hergeben. Die Bergmanngesellschaft ist demnach eifrigst dabei, ihr Tätigkeitsgebiet immer weil« auszudehnen. Bekanntlich hat ihr im vorigen Jahre der Konkurrenzkampf gegen den A. E. G.- Konzern den dritten Teil der früheren Dividende gekostet, die L. E. G. wird auch jetzt nicht ruhig zusehe», wie ein Konkurrent nebe» ihr immer größer wird._ Ernteschakimg. Laut Bericht des Internationalen landwirtschaftlichen Instituts in Rom ist der S a a l e n st a n d unter Zugrundelegung des zehn- jährigen DurchschnittsertrageS: Weizen voraussichtlicher Ertrag: Spanien 4,26 Millionen Tonnen, Großbritannien 1,67, Ungarn 4.73. Italien 3.35, Rumänien 3,31. Weizen vorläufige ErtragSschätzung: Brilisch-Jndien 19,96 Millionen Tonnen, Winterweizen voraus- sichtlicher Ertrag in den Vereinigten Staaten 12,46 Millionen Tonnen. EinheitSziffer der Weizenprodullion in der nördlichen Srdhälfte 195,4 Prozent der vorjährigen Produktion. Weizen voraussichtliche Ernicfläche Kanada 4, LS Millionen Hektar. In Rußland ist der Saatenstand im allgemeinen befriedigend mit Ausnahme des öst- lichen europäischen Rußland». Der Saatenstand de« Weizen? ist in Kanada. Aegypten, Irland und Mexiko gut. Der Saatenstand de« W-izen» ,st im Deutschen Reich. Oesterreich, Schweden zwischen gut und mittel. Einheitsziffer der Roggenproduktion in der nördlichen Srdhälfte 193,1 Proz. Der Saatenstand des Roggens im Deutscheu Reiche, Oesterreich und Schweden zwischen gut und mittel. Unnötige Angst. Au» Petersburg wird gemeldet: Der Rat der Reichsbanl beriet heute mit Vertretern von Privatbanken. des Finanz- und des Handelsministerium» über die wegen der dies- jährigen Ernte zu treffenden Maßnahmen. Die Vertreter der Reichs- bant wiesen auf die in vielen Gegenden zu erwartende Mißernte hin, weshalb eS notwendig sei, das Korn dem Jnnenmarkte zu er- halten. Sie schlugen vor, die Geldvorschüsse bei der Be« leihung des Korns zu vergrößern und den dabei üblichen Zinsfuß zu ermäßigen. Die Vertreter der Privatbanken erklärten, eine allgemeine Mißernte sei nicht zu erwarten. ES sei außerdem von der vorjährigen Ernte noch genug Korn vorhanden. Trotz de« Hinweises der Vertreter der Reichsbank, daß die KornauSfuhr in wir, durch das Lesen eine» radikalen Blatte» verdächtig gemacht haben, werden vom Anft de» Volksrichter» ausgeschlossen. Wenn ein reicher Schwerverbrecher abzuurteilen ist. kann die AuSsiebnng der Vollsrichter Wochen-, nein monatelang dauern.(Calhun in San FranciSko. Thaw in New �lort.) Steht aber ein armer Teufel vor Gericht, so ist Auslosung der Geschworenen(aus bürgerlichen Krei» sen) und UrteilSfällung das Wert einiger Viertelstunden. Ist in Europa die Justiz für den Arbeiter die Peitsche, dann ist sie für den Arbeiter in Amerika die trockene Guillotine. Der„F e r r e r« Prozeß beweist, wie weit zu gehen die Monarchie in der juristischen oder militärischen Hinmordung ihrer Widersacher fähig ist." Tie in diesem Satz enthaltene Kritik deS Justizverbrechens in Spanien würde noch wirksamer, den Interessen der Menschlichkeit noch förderlicher gewesen sein, wenn Gomper» hinzugefügt hätte: Genau wie in Spanien werden in allen Ländern Richter im In- teresse de» bestehenden Klassenstaates zu infamen Schurken, in- sonderhcit und öfter im Lande der„unbegrenzten Möglichkeit". Die H i n m ordung der Cbfteagoer„A n a r ch i st e n", der ememe Mordversuchan Motze r, Haywood und P e t t i» one, die Entführung dez Beamten der Eisenkon» strukteure wegen Zerstörung des Timesgebäude» in Los An. geleS, meine eigene Berurteilung wegen Aussonderung zum Boy- lolt, und eine ungeheure Zahl anderer Justizverbrechen beweisen da» vollständig. Im Strafvollzug steht Amerika noch weit unter den realtionären Staaten Europas. Die Mittelalter- liche Inquisition besteht auch heute im zwanzigsten Jahr- hundert irn„herrlichsten Lande der Welt" noch unter dem Namen „Third Degree. Die I o l t e r u n g der Gefangenen in unfern Strafanstalten ist so allgemein wie in Rußland, wie die Cr- Hebungen der rngua für Gefängnisreform") dargeta» haben. Prügel Pfosten wie in Delaware habe ich in keinem �ande Europas gesehen. Der Zeugniszwang ist in Amerika allgemeiner und wird wegen lächerlicherer Dinge angewandt als in fortgeschritteneren Staaten der alten Welt. Da keiner unserer Patrioten von diesen„Blüten der amerikanischen Zivilisation" be» richtet, und sie auch von den„AnsichtSPostkartenmachern und Photo» graphen ziemlich vernachlässigt" werden, so will ich. der Präsident einer großen Organisation Ausgebeuteter im Interesse der Mensch. lichkeit und im Interesse des Rufes meines Landes und zum Nutzen des arbeitenden Volkes in Amerika diese greulichen Mißstände unser« Gesellschaft und die blutigen Sünden unsere« Kapitalis, muS in die Welt hinaus schreien! Aber GomperS redet nicht so. Er konnte und durfte nicht so sprechen, weil«S die Anerkennung der Berechtigung der sozialisti» scheu Kritik bedeutet hätte, weil es die Grundlage der trade-unio- nistischen Politik gefährden kam,, weil eS ihm sein patriotisches Gewissen verbietet. Er hält es darum lieber mit dem Schlagwort der Talmipatrioten: Amerika ist allen voranl Los Angeld � Trimmal», Verlag: The Pris�RefoM Lhggq«, diesem Jahre wegen der Mißernte in Amerika und in einem Teile Westeuropas besonders groß sein werde, blieben die Vertreter der Privatbanken bei ihrer Meinung. Eine Verständigung wurde nicht erzielt. Die Angst wegen Kornmangels in Rußland ist schon darum unberechtigt, weil das deutsche Ausfuhrscheinsystem für genügenden Export nach Rußland sorgen würde, sobald dort ein Mangel mit Preissteigerungen als Begleiterscheinung sich bemerkbar machte. Hub aller Melt. Cm Rtefenbrand in Konftantinopet In Konstant in opel wurde am Sonntag das Ver- fassungsfest gefeiert und ein Denkmal für die gefallenen Frei- heitskämpfer vom 25. April 1909 enthüllt. Die Stimmung des Volkes war sehr gehoben. Vereine zogen unter den Klängen von Musikkapellen mit fliegenden Fahnen durch die Stadt nach dem Freiheitsdenkmal. Am Abend sollte eine glänzende Beleuchtung des Bosporus stattfinden. Auch hat der Sultan eine Amnestie erlassen. Diese allgemeine Feier wurde durch eine riesige Braud katastrophe, die in Stambul ausbrach und im Nu einige Stadtteile einäscherte, jäh abgebrochen. Bald leuchtete der Brand gleich einer Riesenfackel dem Verfassungsfeste. Der Brand hat kUometerweit gewütet. Unmittelbar hinter dem großen Bazar in Stambul beginnt der Schauplatz der Verwüstung. Er dehnt sich nach Norden hin über das Suleimanje-Stadtviertel aus, reicht nach Süd- Westen bis zum Stadtviertel V l a n g i V 0 st a n i. das unmittelbar an das Marmarameer stößt, und umfaßt nach Westen hin die von der einzigen Tramwaylinie Stambuls durch- zogenen Stadtviertel Laleli Dschami und A k S e r a i. Dazwischen liegen die gleichfalls in Mitleidenschaft gezogenen Viertel Schah Sade und I e n i K a p u. Fast ausschließlich von Mohammedanern bewohnte Straßenzüge sind dem Brande zum Opfer gefallen, ein un- regelmäßiges Gewirr enger dumpfer Gassen. Im Gegensatz zu dem Europäerviertel Pera und vielfach auch zu dem Hafenviertel Galata(beide am jenseitigen Ufer des Goldenen Horns) besteht Stambul, soweit es der Bevölkerung als Wohnftätte dient, vorwiegend aus armselig aussehende« Holzgebäuden. Ein Funke, der in diese oft wie Zunder dürren Bauwerke fällt, führt riesige Brandkatasttophen herbei, und wer da in verbrecherischer Absicht ein Werk der Zerstörung ausführen will, hat leichtes Spiel. Aber neben den schäbigen Holzbauten stehen in allen Stadtteilen ehrwürdige alte, architektonisch hervorragende Bauwerke, die den sonst wenig erquicklichen Anblick Stambuls verschönern, und auch von diesen sind mehrere durch Brand vernichtet worden, der unter den vielen Bränden, von denen Konstanttnopel im Laufe der Jahre und Jahrzehnte heimgesucht wurde, an Umfang und Ver- nichtung von Werten der größte war. * > Ueber den Umfang dieses Riesenbrandes liegen uns folgende Meldungen vor: Konstantinopel. 23. Juli. Heute nachmittag brach in Stambul und zwar gleichzeitig in den Stadtteilen U s u n- tfcharfchi und VeSnedfchiler Feuer aus, daS sich infolge des starken Windes schnell nach mehkeren Richtungen ausbreitete. Mehrere Stadtteile find eingeäschert. Alle Bureaus des General« ftabeS, die sich in besonderen Gebäuden unweit des KriegSministe- riumS befinden, brannten nieder. Wie versichert wird, find alle Dokumente im ganzen Srchiv noch rechtzeitig gerettet worden. Konstantinopel, 23. Juli(11 Uhr abends). Der Riesen- b r a n d in Stambul dauert mit unverminderter Wucht fort. Die Feuerwehr ist ohnmächtig. Gegenwärtig brennen die Stadtteile Ak- Serail und Laledi Dscharm. Bisher sind etwa zweitausend Häuser und Kaufläden niedergebrannt. Die Obdachlosen find vorwiegend Mohammedaner. Soeben brach im Stadtteile Vlangi-Bostani Feuer aus. Brandstiftung? Konstantinopel, 23. Juli. Hier ist allgemein das Gerücht verbreitet, daß die Feuersbrunst auf Brandstiftung zurück- zuführen sei und zu Unruhen ausgenützt werden sollte. Hodschas durchziehen die Straßen und beklagen laut die Ausdehnung des Unglücks. Zehutausend(?) Häuser abgebrannt. KonstantinoPel, 24. Juli. Die Feuersbrunst dauerte bis heute früh S Uhr. Das Christenviertel Vlanga wurde total eingeäschert; zehntausend Häuser und Kaufläden sollen ab- gebrannt sein.(Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Feuer eine ungeheure Ausdehnung angenommen hat, doch dürfte die Zahl 10 330 für abgebrannte Häuser etwas zu hoch angegeben sein. zumal wenn man bedenkt, daß Berlin erst annähernd 30 000 Häuser hat.) Mehrere Moscheen und Schulen, auch eine Kirche sind ein Opfer der Flammen geworden. Die Rechtsfakultät ist gerettet. Die Mehrzahl der Objekte ist unversichert. Der Gesaintschaden wird auf eine Million Pfund geschätzt. Die Brandstätte macht den Eindruck eines kilometerlangen Trümmer Haufens. Mehrere Feuerwehrleute und andere Personen sind ver- letzt worden, jedoch ist bisher nicht festgestellt, ob Menschen umgekommen sind. Wie verlautet, entstand das Feuer in einer Herberge durch die Unvorsichtigkeit eines Arabers bei der Zubereitung von Kaffee. Einige Verhaftungen wurden vor- genommen. Während am Sonntag in Stambul die riefige Brandkatastrophe wütete, ereigneten sich eine Reihe anderer Brände, die teils durch die enorme Hitze und ungeheuere Trockenheit hervorgerufen oder be- günstigt wurden. Karlsruhe, 23. Juli. In Bretten find in der ver- gangenen Nacht zwei Wohngebäude und eine Scheune niedergebrannt. Der Schaden beläuft sich auf bOOOO M.— In Uehlingen kam ein Brand zum Ausbruch, bei dem insgesamt zehn Gebäude ein Raub der Flammen geworden sind. Der Gesamtschaden beläuft sich auf über 60 030 M. Ein Vermißter namens S t u d u j a dürfte in den Flammen umgekommen sein. Landsberg(Warthe), 24. Juli. Infolge Blitzschlages brannte hier der Turm der Konkordien-Küche nieder. Ebenso zündete der Blitz an verschiedenen Stellen der Stadt. Unter anderem brannte die Schiffswerft von Pauksch. R 0 st 0 ck, 24. Juli. Einem Brande fielen sieben Wohn- Häuser am Küterbruch zum Opfer, außerdem wurden die große Sägerei von Zürz und Crotogino mit mehreren Schuppen sowie drei Fachwerkbauten der Gerberei Krahnstöver vernichtet. Hannover, 24. Juli. Am gestrigen Sonntag brach, durch den Westwind angefacht, das bereits im Verglimmen begriffene Feuer im Langenhagener und Bissendorfer Moor von neuem aus, erfaßte auch bald den Wald- und Heidebestand von mehreren hundert Morgen, die es zum großen Teil vernichtete. Der Gewitter- regen der letzten Nacht, der große Waffermengen brachte, hat dem Brand ein Ende bereitet. Nürnberg. 24. Juli. In Wallenfels bei Kronach find gestern zehn Häuser und fünfzehn Scheunen und in HilterSried bei Amberg sieben Häuser abgebrannt. München. 24. Juli. Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhrt, in der Oberpfalz, wurden durch eine krepierende Granate große StreckenMoor in Brand gefetzt. Der Brand hat sich auch auf benachbarte Wälder ausgedehnt. Der Truppenübungsplatz brennt auf zwei Seiten. London, 24. Juli. In der Houndsditch-Stteet entstand gestern morgen in dem von der Familie Lezinsky bewohnten Hause eine Feuersbrunst. Die Bewohner befanden sich in tiefem Schlafe, während das Feuer immer mehr an Ausdehnung gewann. Zwei Kinder, die von dem Rauch betäubt waren, verbrannten und wurden später als vollständig verkohlte Leichen aufgefunden. Außerdem sind noch fünf Personen bei dem Brande schwer verletzt worden und mußten nach dem Hospital geschafft werden. Paris, 24. Juli. Seit gestern sind ein Teil der Wälder von LeS JfletteS im Meusegebiet in Flammen. 63 Hektar Wald sind dem Feuer bereits zum Opfer gefallen, ohne daß es bisher gelungen ist, den Brand eindämmen zu können. Es besieht die Gefahr, daß ein Tunnel der Militärbahn nach ChalonS für Marne verschüttet wird._ Stratzenbahnunfall in Frankfurt a. M. Sonntag nachmittag kurz vor Uhr ereignete sich auf der elektrischen Bahn Oberursel— Hohemark an der Endstation ein Unfall. Einer Mtteilung zufolge setzte sich ein Zug plötzlich, wenige Minuten bevor er abfahren sollte, auf bisher noch unaufgeklärte Weise in Bewegung, während das Personal gegen die Instruktion die Wagen ver- lassen hatte. Infolge des starken Gefälles auf jener Strecke nahm der Zug bald eine große Geschwindigkeit an. Vor Hoheluft entgleiste der Motorwagen und legte sich quer über das Geleise. Sechs Per- s onen, die bereits in dem Wagen Platz genommen hatten, wurden verletzt. Sie fanden in einem Sanatorium Aufnahme, wo sie verbunden wurden._ Schwere Explosion. Eine folgenschwere Explosion ereignete sich auf dem Martins- werk des Härder Vereins, wobei fünf Personen zum Teil schwer verbrannt wurden. Man hatte einen Gasofen gereinigt und wieder in Brand gesetzt, als plötzlich ein heftiger Knall erfolgte und eine Feuergarbe mit großem Druck aus dem Ofen schlug. Vor diesem standen f ü n f A r b e i t e r. die von den Flammen arg mit- genommen wurden. ES entstand eine große Panik. Am ganzen Körper brennend liefen die Leute hilfesuchend heraus. Nach An- legung von Notverbänden wurden die Verletzten ins Hüttenhospital geschafft. Die Brandwunden erstrecken sich zum größten Teil auf Kopf und Oberkörper.__ Rundfiüge. Beim englischen Rundflug war am Montag die Strecke Henden» Edinburg zurückzulegen, die 660 Kilometer beträgt. VSdrine, der kurz nach 4 Uhr morgens aufftieg. traf bereits kurz nach 8 Uhr 45 Minuten am Ziele ein. Später kamen noch Beaumont und Valentine an. Der österreichische Ettichflieger Bier legte eine kurze Strecke zurück. Im Wettflug Petersburg-Moskau erreichte am Montagmorgen W a s s i l j e w als erster das Ziel. Auch er hat eine Strecke von 650 Kilometer zurückgelegt.— Das neue Zeppelin-Luftschiff„Schwaben" ist nach prächtiger Fahrt in Baden-Baden eingetroffen. • Der fällige Todessturz. Sonntagabend unternahm der 23jährige Flieger I 0 ll h auf dem Flugfeld Jossh(Frankreich) in Anwesenheit seiner Eltern und seiner Frau einen Flugversuch mit einem neuen Zweidecker, wobei er aus 60 Meter Höhe abstürzte. Jollh wurde unter den Trümmern deS Apparats als verstümmelter Leichnam hervorgezogen. Kleine Notizen. Seinen Sohn erschvsse«. In Sangerhausen erschoß der Nechnungsrat Hermann, der sich mit seinen beiden Söhnen auf den Anstand begeben hatte, den jüngeren, einen 16jShrigen Sekun- daner. Er hatte seinen Sohn im Gebüsch für einen Fuchs g e« halten. Mord- und Selbstmord. Sonntag früh gegen sechs Uhr, durch» schnitt in Essen der Tapetenhändler Schluckebier, wahrscheinlich infolge nervöser Ueberreizung, seiner Frau die Kehle und erhängte dann sich selbst. Im Bett verbrannt. In der vergangenen Nacht ist in Bochum, Hagenerstraße 90, die Witwe Brix lebendig ver- b r a n n t. Die Frau hatte während der Nacht eine Lampe brennen laffen, die allem Anschein nach umgefallen ist und das das Bett in Brand gesetzt hat. Die Leiche war vollständig ver, b r a n n t. Abgestürzt. Der Lehrer Fritz Richter aus Leipzig ist bei einer Tour auf die Sulztalalp im hinteren Oetztale über eine hohe Wand abgestürzt. Seine Leiche ist bereits geborgen. Schiffsunglück auf dem Genfer See. Unweit deS Ortes (Harens am Genfer See überfuhr ein Dampfer ein Motor- boot. Von den acht Insassen desselben konnten nur sechs ge- rettet werden. Die Leichen der beiden Ertrunkenen sind noch nicht geborgen. Beim Baden im Rhein sind vier Personen ertrunken. Eine davon versank vor den Augen des am Ufer stehenden Bruders. trotz der sofort unternommenen Rettungsversuche. | Todes-Anzeigen| SoMemokradscherWaiilverelD (Dr den l Berliner Reiclistags-Walilkreis. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Arbeiter AI»x 8eImUs am 23. Juli gestorben ist. Ehre seinem Andeute« i Die Beerdigung findet am Mittwoch, den LS. Juli, nach» mittag« 4 Uhr, von der Leichen- halle deS neuen Rixdorser Fried- hojeS am Mariendorfer Weg aus statt. Der Vorstand. SoiialilEinoltraöseUmswalii- ferein MirMm Bezirk Franz. Buchholz. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Genosse Vtttielm 8eduli im Alter von 41 Jahren nach langem schweren Leiden verswrben ' Ehre seinem Andenke»: Di- Beerdigung findet Mittwoch. den LS. Juli, nachmittag» 5 Uhr, aus dem Franz.- Buchholzer Ge- meindesricdhos statt. Um reg« Beteiligung ersucht Die Bezirksleitung. Am Sonntag, den 23. Juli, verstarb meine liebe Frau tieleav««b.«odm»»» im Alter von 43 Jahren an Herz- mustellähmung. 2Ä5Sb Dies allen Freunden und Be- kannten zur Nachricht. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den LS. Juli, nach- mittags S Uhr, von der Leichen- Halle de» Nazareth- Kirchhofes au« statt. PaalToyi, Liedenwalderftr.47. Am 22. Juli entriß der un> erbtttliche Tod, im Sl. Lebens- jähr« meinen lieben Mann, Vater und Großoalcr, den Lederzurichter Adolf Schwark. Die Beerdigung findet Mittwoch. nachmittags 4>/, Uhr, von der Leichenhalle des städttschen Fried- hoscS in Friedrichsselde sauS statt. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbtiebenen Witwe Sarle Hchwark and Kinder Glogauer Straße 30. SozialileniokratiseiiJaiilYereiD für den UalinerHeictistagswalilb'els. Görlitzer Viertel. (Bezirk LLöl). Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Leder- zurichter Adolf Jkfnvark, Glogauer Straße SO, gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Mittwoch, den LS. Juli, nachmittags i'lt Uhr, auf dem Zentral- Friedhos in Friedrichsselde statt. S20/1S Um rege Beteiligung«sucht Der Vortitnnd. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Berlin. Bezirk 6. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Frau des Kollegen Hepinaiiii, Luckauer Straße IS, gestorben ist. 2860b Die Beerdigung findet heute, Dienstag, nachmittag» 4 Uhr, aus dem neuen Luisen-Kirchhos, Rix- dors, Hermannstraße, statt. Verband der Kuplersehmiede Deutsehlands. Filiale Berlin. All?» Kollegen zur Nachricht, daß am 23. Juli unser taug- jähriges Mitglied, der Kollege Max. Walter im Aller von 3S Jahren ver- starben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den LS. Juli,, nach- mittags 3 Uhr. vom Trauerhause Lichtenberg, Sophiensw. S, ouS nach dem Friedhof in Marzahn (S'i. Uhr) statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet Oer Filialvorstand. Am Sonnabend, den 22. d. M., verstarb nach kurzem Leiden un- erwartet meine innigstgeliebte Frau, unsere herzensgute Mutter Hsrgarele Behrendt geb. Bamugrart im 23. Lebensjahre. 104/5 In tiefer Trauer Otto Behrendt nebst Kindern. Die Beisetzung findet hellte Dienstag, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle deS Zcnlralsriedhojes in Friedrichsselde airs statt. Deutscher Buchbinder-Verband. Zahlstelle Berlin. Den Diitgliedeni zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Kollegin ftlargarelbe Guslavus am 22. Juli verstorben ist. Ehre ihrem Slndenken k Die Beerdigung findet heute Dienstag, den LS. Juli, nach- mittags'/Ji Uhr, auf dem Himinelfahrts-Küchhof in Nieder- Schönhaufen statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 24/18 Die Ortsverwaltung. Danksagung, Für die vielen Beweise herzlicher Teunabme bei der Beerdigung meines lieben Sohnes, BrubeeS, OnkelS und Schwagers Ott» llTaetaodlre sagen wir allen daran Beteiligten unseren herzlichsten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen krau Maetscbke geb. Lubabn als Mutter. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meine» lieben Mannes, Vaters, Schwiegervaters, Großvaters, Schwagers und Onkels, deS Putzers S054L Kart AVemmim sage ich im Namen aller Hinter- bliebene» meinen besten Dank. Lmilie Weimann geb. Schulze. Für die vielen Leweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter Ltisadetd keck sagen wir allen Freunden und Bc> kannten, besonders den Genossen und Genossinnen deS 4. Kreises, 302. Be- zirkS unseren besten Dank. 50552 Die trauernden Hinterbliebenen. Wilhelm Reck nebst Kindern. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und retchen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und unseres guten ValerS Karl CiriibenltE sagen wir allen Bekannten und Verwandten aus diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Witwe Gräbenitz geb. S e i s e r t nebst Kindern. 2S56B Dp. Sä Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41,„X"., Sonntafta 10— 12, 2— 4 10—2. 5—7. 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Soziatdemokratiseber Wabberein des seehsten Berliner Keiebstags-Wahlkreises. Heute Dienstag, den 23. Juli, abends 8'/2 Uhr: 13 Mitglieder-Versammlunge« in folgenden Lokalen i ObigloS Festsäle, Schwedter Straße 23/34. Berolina-Festsäle, Schönhauser Allee 28. Konzerthallen, S ü ß m i l ch, Bornholmer Straße 17. Borusfia-«äle, Ackerstr.«/7. Humboldt-Säle, Hnssitenstr. 40. Bockbrauerei, Abt. II, Chausseestr. S4. Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24. Stadt-Theater Moabit, Alt-Moabit 47/49. Säle, Müllerstr. 142. Säle, Müllerstr. 142. Festsäle. jköSliner Straße S. ranke's Festsäle, Badstr. 19. lwinemünder GesellschaftshauS, Swinemünder Straße 42. TagdS-Ordnung: 229/13* 1. Wahl der Delegierten znr Vcrbands-Generalvcrsammlung. 2. Vortrag. S. Diskussion. Zieserenten: Robert Bahn, Adolf Domnick, Karl Giebel, Max Grunwald, Knrt Heinig. JulinS Hildebrandt, August Hintze, Paul John, Julius Kaliski, Emil Kloth, Georg Ucko, Hermann Müller, Minna Reichert. _ gy Mitgliedsbuch legitimiert._ Per Yorntond. Arbeiter- Baupossenschaft„Paradies" En Berlin. E. Cr. m. b. H. Danaerstaa, den 27. Juli er., abends 8 Uhr, in den„Bitter- «Ulen", SW. Ritterstr. 75: 9. ordCDtllche Generaloerfammlung. Tages-Ordnung! 1. Geschäftsbericht: Vorlegung der Bilanz nebst Gewinn» und Verlust- rechnung. 2. Bericht der Revisoren und Genehmigung der Bilanz sowie Beschlußsaffimg über die Verteilung deS Gewinnes oder Verlustes. 3. Be- richt von der gerichtlichen Revision. 4. Neuwahlen: a) des Vorstandes. d) Ersatzwahlen zum AujsichtSrat. S. Antrag Beier und Genossen, ö. Ver» schiedeneS. ES ist Pflicht eines jeden, zu erscheinen. Rur Mitglieder haben Zutritt. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Die Bilanz nebst Gewinn- und Verlustrechnung find in unserer KeschästS» stell«, SO. Kottbuser Ufer 44, in den Kastenftunden von 11—2 Uhr, deS EounabendS von 6—8 Uhr nachmittags einzusehen. 108/13 Der Bo rstan d: ©. Porner. P. SetalkTbe. P fflflller. Von der Reise zurück Dr. Friedeberg io4/ii* Neanderstr. 2. «tetotrvm« MCP ffotn«enm Cdrjrajchtf des Bnitfdjfn Lrich» Berlin W. Hiupt.r«iegfjpbtn«mi «jnci»«step»55 ZI 21 SHSO*. — W bei. w— tv» Ti accfiot your otfer ot cersooai soiacieo stocs»irs� etass oooiiLst cetture gents«aieroroof gsraaots« ClfilflH# eodvsp»op»5 Obiriei Teiegraimn lautet, m's Deutsche Obertragen, wie folgt: „Kleider-Werke Baer Sohn, Berlin". „Wir akzeptieren Ihr Angebot betreffend den V.'hrer persönlich autgesuchten erstklassigen doppelt gewebieu Herren- Regemnäntei. Viktoria Gummi-Werke*** Durch diesen auOergewOhntichen Einkauf sind wir in der Lage, nachstehende extra billige Angebote in erstklassigen, echt englischen Gummi-Mänteln zum Verkauf zu stellen. 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Hanptdureau OdsriteztroS» 3. Hos HI. Amt 3 1987 Mittwoch, den 26. Juli, abends 7 Uhr. in Gramuaims Fest- Millen, Naunynstr. 27: Große Versammlung alltt in Schraubenf abriken beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. TageS-Ordnun g: 1. Jahresbericht der AgiialionSkommission. 2. DiS- lussion. 3. Neuwahl zur Slgilalioiislommission. Wahl deS Branchen- veittelerS. 4. Branchcnangeisgenheiten. 5. Verschiedenes. Die Kollegen von Ä/evleR-« Weiße sind zu dieser Versammlung ganz besonders eingeladen._ 120/11 Mittwoch, den 26. Juli, abends SVa Uhr: Versammlung btt Graveure und Ziseleure in den Korona-Prachtsttlen, Kommandantenstr. 72. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen.1. Pildedi-andt über:„Arbeiterbewegung einst und jetzt-. 2. Dislussion. 3. Verschiedenes. Um rege Beteiligung ersucht__ Ple Ortnverwaltwng. r ir- Verwaltung Berlin. Mittwoch, den 26. Juli, abends 8l'? Uhr, im Gewerkschaftshause, fArbeitSlosenzimmer): Sitzung derjOrtsyerwaBtung. Donnerstag, den 27. Juli, abends 8»/, Uhr: Merordeiidie !r- för sämtliche Branchen and Bezirke MT in den Konkordia-Festsälen. Andreasftr. 64.*'WG Tages-Ordnung: 86/2 via Aussperrung der �olssrdeiisr iu �SMdUrg. Relerent Kollege iVeiuiiaim aus Hamburg. Mitgliedsbuch«nd BertrauenSmännerkarte legitimiert. WtgUsäsr-Vsrssmmlimgkn Korbmacher. Mittwoch, den 26. Juli, abends Hl/2 Nhr, im GewerkschaftShansr, Engelufer 14/15 /«aal 10). Schirmmacher. Mittwoch, de« 26. Juli, abends 1» Uhr, bei Lehman«, An der Stralauer Brücke 3. Kammacher. Haarichmack-Nrdeiler and llrbeiterlnnen. Mittwoch, den 26. Juli, abends pünktlich 8 Uhr, bei Merkowskt, AudreaSstraste 2v. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen NiteodI:«:.Was und fehlt l* 2. Diskussion. 3, Verbands- und Branchcnangelegcnheileu. Jalousien- Arbeiter. Mittwoch, de» 2«. Juli, abends pünktl. 8'/, Uhr, bei N. Bocker. Wederstrahe 17. Tages-Ordnung: Vortrag über:.Recht auf Arbeit*, Referent Kollege Spöld». 2. Bericht des ObmiumS. 3. Branchcnangelegenheiten. 4. Ausgabe der Kontrollkarten. f Filiale GroB-Berlln. Wegen der am Freitag, den 28. Juli, geplanten DemonftrastonS-Bew sammlung m der Reuen Welt findet die Ordentliche General-Ueriatnmlunfi nicht am Freitag, den 28. Just, sondern am Freitag, den 4. August, abends 6'/ z Uhr, im Gevvrd' schaftshause, Engelufer IS(großer Taay statt. TageS-Ordnung: 1. Bericht deS GesamtoorstandeS vom 2. Quartal. 2. Bericht von der Hciztcchnischen Konserenz in Dresden. 3. Bericht über die Urabstimmung betreffs der ArbeitsnachwelSfraga 4. Verschiedenes. _ Erscheinen aller Kollegen ist Pflicht._ Der Vorstand. Stellmacher. JCaudier--« Speise-Eis- Eteaenzen, natürliches unerreicht fein, Fruchtaroma. Alle zugehörigen Substanzen. dnto Rezepte gratis.__ Rsteichel, Berlin S043, Eisenbahnst.4. Teilzahlung wöchentl. nur 1 M. Herren- und Cimen-Utren, eilen, Frsuetninger, Grim- Riephone, Mendolln.. Gelgen. Tepeicbe Stepp, und Tueh- deeken Büdtr, Fahrräder etc Wanchaucr Streue 68, ReiniekencorferStr. 101. I, Glben-dtraeie 18. Donnerstag, de» 27. Juli, abends 81/, Nhr. im Roscnthaler Hof, Rosenthaler Straffe 11—12. TageS-Ordnung: 1. Portrag deS ReichStagSabgeordneten Genoffen Schmiöt über:„Die Reichsversichcruugsordiiung-. 2. Bericht vom 2. Ouartal. 3. BranchenangelegenHeiten mrd Verschiedenes. Treppengelättderbranche. Donnerstag, de» 27. Juli, abends 8 Nhr, in Feuersteins Fest- sälcn. Alte Jakobftraffe 7S. Tagesordnung: 1. Die Vertragsbrüche der Nnternehmcr«nd nnsere Stellungnahme dazu. 2. Dislussion. 3. Verbands, und Branchcnangelegenheiten.___ Eine lark fföchentliclie Teilzaltiung liclete elegante Herren- Hoden fertig u. nach Mass Garantie für udel- losen Sita u. feinste Verarbeituna'. J-Rurrberä Matt-Schneidtral floffiDtcalei StUHl am Haekeaetitn Markt FraBlttöfter Allee jö* Eciit FrttdenttraM#. H.Pfaujamtaplst Direksenstraße 20 zwischen Babnbos üllerandervlc� und Polizeipräsidium.— Amt VII, 8208. 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Heute abend 8V3 Uhr in Hoppes Festsäle(Inhaber Bartsch), Hermannstr. 49: Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Der Parteitag in Jena. 2. Anträge dazu. 3. Verschiedenes. Am Saaleingang gelangen die Jahresberichte zur Ausgab?. Mitglieds- buch legitimiert. Der Vorstand. Köpenick. Mittwoch, den 26. Juli, abcirdS 8Vz Uhr, im Stadttheater: Generalversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: Bericht und Neuwahl des Vorstandes und der Funktionäre. Nieder-Schönhausrn-Nordend. Die heute, den 25. Juli, fällige Mitgliederversammlung des Wahlvereins fällt aus. Die Bezirksleitung. Lichtenrade. Austerordentliche Mitgliederversammlung am Doiincrstag, den 27. Juli, abends 8'/, Uhr, im Lokale des Herrn Jantke, Hohenzollernstraste. Nicdcr-Schöneweidr. Dienstag, den 25. d. M., abends 8'/z Uhr, findet die Generalversammlung des Wahlvereins bei Johr, Hassel- wcrder-. Ecke Fennstraste, statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vor- stände». 2. Neuwahl des Gesamtvorstandes. berliner JVacbncbten. Die„Hundstage", wie der Volksmund nach einer altgriechischen astronomischen Bezeichnung die Julihitze nennt, scheinen nunmehr erst richtig angebrochen zu sein. Nach altem Glauben, der aber durch die Statistik widerlegt wird, soll sich ja die größte Sommerhitze genau am 23. Juli einstellen. Demnach haben sich diesmal die Hundstage um einen ganzen Tag verfrüht. Seit Sonn- abend früh brütet über dem Berliner Pflaster eine sengende Glut, die Menschen und Tiere in ihren Bann schlägt. Im Schatten steigt die Quecksilbersäule auf 30—37, in der Sonne gar bis auf 45 Grad Celsius, was für unsere Zone eine selbst im Juli nicht alljährlich beobachtete Temperatur ist. Der Sonntag war mit 37 Grad Mittagshitze im Schatten der bisher heißeste Tag dieses Sommers. Nach den meteorologischen Berichten ist sogar eine vorläufige Beständig- keit deS sonnigen Wetters und möglicherweise noch eine Steigerung der Hitze zu erwarten. Man soll sich aber deshalb nicht auf Zustände, wie sie kürzlich in Amerika geherrscht haben, gefaßt machen. Ein Ueberspringen der amerikanifchen Hitz- welle auf den europäischen Kontinent und zumal auf Deutsch- land ist kaum denkbar, da die atlantische Depression an den heimischen Luftdruckverhältnissen, die seit langen Jahrzehnten der Beobachtung über ein bestimnites Maß nicht hinausgehen, kräftigen Widerstand findet. Es war auch so schon in Berlin genug der„Affenhitze". Wer nur irgend konnte� stürzte sich in die Fluten der Flüsse und Seen. Einen fMhen Massen� besuch haben die verschiedenen Freibäder seit ihrem Bestehen noch nicht gesehen. Der Hauptstrom der Ausflügler setzte erst in den Nachmittagsstunden ein. als mehrere kurze Gewitter wenigstens eine kleine Abkühlung gebracht hatten. An vielen Vorortstellen mangelte es abends an trink baren Stoffen, besonders auch an Eis. Alkoholsteie Getränke, die am besten den Durst löschen, wurden in Unmengen ver langt. Doppelt fühlbar war bei der Siedehitze die Rück> bcförderung der Massen mit der Eisenbahn. Nur der Galgen- Humor tröstete über die allbekannte Misere hinweg. Hitz- schlage, die vereinzelt schon am Sonnabend vorgekommen waren, wurden am Sonntag zu Dutzenden gemeldet. Schwere Gewitter mit parken RegenfSlle« find am Sonntag über Niederbarnim niedergegangen. Die Gewitter kamen um 3 Uhr nachmittags von Westen herauf und entluden sich bald darauf zwischen Oranienburg. Bernau und Erkner, Friedrichshagen. Schlag auf Schlag. Blitz aus Blitz und unaufhörlicher Donner ließen die Heftig- keil der Gewitter erkennen. Da? Wasser floß stellenweise in Strömen. Eine Menge Ausflügler wurden von dem Wetter, das besonders um 6 Uhr an Heftigkeit zunahm, überrascht. Die Garderoben der vielen keichtgekleideten Damen boten später ein seltene» Bild. Weder die grasten Hüte, noch baS Schuhzeug, noch die weißen Battistkleider hatten standgehalten. Der Blitz hat in zahlreichen Fällen eingeschlagen. u. a. auch in Zehlendorf bei Liebenwalde. Blitzkatastrophe am Müggelsee. Ein heftiges Gewitter ging Sonntag gegen Abend i« Süd osten Berlins und in den östlichen Vororten nieder und hatte eine schwere Blitzkatastrophe im Gefolge, die an das Unglück in der Jungfernheide am 12. Juni vorigen Jahres erinnert. Unweit der Försterei Müggelsee schlug ein Blitz in eine am Ufer des Müggel sces badende Menschengruppe ein, wobei ein junges Mädchen ge tötet und vier weitere Personen verletzt wurden. Die Getötete ist die 17jährige Helene W e g n e r aus der Eitelstraste 64 zu Lichten- bcrg. Zwischen FricdrichShagen und Rahnsdorf hat sich feit einiger Zeit ein sogenanntes Freibad gebildet, das täglich von zahlreichen Personen aufgesucht wird, obgleich das Baden an dieser Stelle poli- zeilich verboten ist. Besonders an den Sonntagen entwickelt sich dort ein regeS Treiben. So auch am letzten Sonntag. Als gegen 6 Uhr abends' etwa zwanzig Personen badeten, entlud sich über dem Müggelsee ein schweres Gewitter. Es donnerte und blitzte unauS- gesetzt, und plötzlich schlug ein Blitz direkt ins Freibad hinein, so daß die Badcgesellschaft mit SchrcckenSrufen auseinanderstob. Fünf Personen, drei Herren und zwei Frauen, blieben aber im Wasser zurück, da sie von dem Blitzschlag getroffen worden waren. Man eilte sofort zu Hilfe, und es gelang auch noch, alle fünf Personen zu erfassen und an Land zu bringen. Die 17jährige Helene Wegner war aber bereits eine Leiche. Der Blitz hatte sie am Kopf getroffen und sofort getötet. Die anderen vier Personen, drei Herren und eine ältere Dame, wurden mit einem Rettungsboot der Rettungs- gesellschaft der Wassersportvercine von Berlin und Umgegend nach der Rettungsstation am Rahnsdorfer Gemünde des Müggelsees geschafft und dort sofort in ärzlliche Behandlung genommen. Nach längeren Bemühungen konnten die vier Personen wieder ins Leben zurückgerufen werden, so daß sie später nach ihren Wohnungen gehen konnten. Die Leiche des jungen Mädchens wurde nach der Scheune der Försterei Müggelsee geschafft, von wo sie durch die un- glücklichen Eftern abgeholt wurde. 1 Im Wald vom Blitz erschlagen. Das nämliche Gewitter hat »auch noch an anderer Stelle ein Menschenleben gefordert. Zwischen jOber-Schöneweide und Karlshorst, auf fiskalischem Gebiet, schlug rurz vor 1/a7 Uhr abends ein Blitz in eine Eiche, unter der sich eine Mutter mit ihrem fünffährigen Töchterchen befand. Das Kind war auf der Stelle tot und total schwarz. Es wurde auf den Ober- Schöneweider Kirchhof gebracht. Ein Arzt war sofort zur Stelle, konnte aber nicht mehr helfen. Die Mutter ist gelähmt worden und wurde sofort mit einem Krankenwagen nach dem Krankenhause gebracht. Bom Hitzschlag getötet. Auf der Chauffee, die von der Grüne- Waldrennbahn nach Spandau führt, hielten Radfahrer einen führer- losen Brauerwagen an. Nach kurzer Suche fanden sie den Kutscher Paul Jentsch aus Spandau mitten auf der Chaussee liegen. Er war vom Hitzschlag getroffen worden und vornüber vom Bock gestürzt, so dast der schwere Brauerwagen über ihn hinwegging. Jentsch, der 32 Jahre alt ist, war, als ihn die Radfahrer fanden, bereits tot._ Die soziale Arbeit der Heilsarmee. Getreu dem alten jesuitischen Grundsatz, dast der Zweck die Mittel heiligen muß, sucht auch die Heilsarmee ihre Tätigkeit auf sozialem Gebiete vor den Augen leichtgläubiger, denkfauler Menschen in den Vordergrund zu schieben, um desto bester den eigentlichen Zweck, die Seelen-Propagierung und die Ansammlung großer Kapitalien, zu verschleiern. Die Oberofsiziere von Booths Gnaden sind zweifellos sehr smarte Geschäftsleute. Von Anfang an haben sie erkannt, dast mit religiösen Bestrebungen allein heutzutage kein großes Geschäft mehr zu machen ist. Aus dem Umwege über chari- tative Einrichtungen aller möglichen Art wollen sie zu ihren höheren Zielen kommen. Der uns vom Berliner Hauptquartier über- mittelte neueste Jahresbericht, der unter dem verlockenden Titel: „Menschen und Schicksale" anschaulich schildert,„wie Schiffbrüchige den Pfad der Heilsarmee kreuzen", spricht es offen aus, daß„der ungeheure soziale Wert der geistlichen Arbeit es nötig mache, sie weiter zu tun". Die konfuse Behauptung, dast durch diese geistliche Arbeit mehr erreicht werde als durch alle Anstalten und Heime zu- sammengenommcn, kann natürlich nur im Hirn verzückter oder sehr geriebener Heilsarmeeführer ausgebrütet werden. Recht drollig klingt es, wenn der Bericht von dem immerhin seltsamen Schauspiel spricht, daß die modernen sozialen Bestrebungen stellenweise an- fangen, unsozial zu wirken. Auch die Arbeit der Heilsarmee ist schon deshalb unsozial, weil sie auf die Hilfsbedürftigen einen nicht gelinden geistlichen Zwang ausübt.„Ich gebe, damit Du gibst"— nämlich deine Seele und die Kraft deiner Hände. In diesem einen Satz wurzelt die ganze selbstsüchtige Politik der Halleluja-Armee, die es mit allerdings erstaunlichem Organisationstalent verstanden hat, sich über den ganzen Erdball auszubreiten. Wir lesen im Bericht, daß die Heilsarmee in der ganzen Welt 16 244 Offiziere und Kadetten, 6269 Helfer, 56 867 unbesoldete Lokalofiziere und 21 681 Musiker zählt. Davon entfallen allein auf Deutschland 529 Offiziere und Helfer, 1263 unbesoldete Lokal- offiziere. Die Schar der einfachen Soldaten und Rekruten geht in die Hunderttausende. Die Gesamtzahl der Besoldeten, die das Fett abschöpfen, wird weise verschwiegen. In den sozialen Heimen wurden die Betten über 6 Millionen mal belegt und nahezu elf Millionen Mahlzeiten verabreicht. Die 58 Arbeitsnachweise wurden 85 509 mal in Anspruch genommen, für 56 371 Personen liest sich Arbeit finden. Bloß in Deutschland bestehen 11 Männerheime, 7 Rettungsheime, 1 Wöchnerinncnheim, 1 Mädchenmetropole, 1 Wochenpflegestation(letztere drei in Berlin), 6 Samariterstationen und 2 Kinderkrippen. Man könnte vor dieser umfangreichen so- zialen Arbeit einen gewissen Respekt haben, wenn nicht, wie gesagt, an allen Ecken und Enden der Pferdefuß herapsschaute. In Berlin hat die Heilsarmee vor einiger Zeit an Stelle der früheren Ka dettenschule in der Büschingstraste 4 ein Männerheim mit 39 Betten eröffnet. Im Widerspruch zu der an den Reklameschildern dieses Heims angekündigten„liebevollen Behandlung" steht es, daß hier, wie uns von Augen- und Ohrenzeugen berichtet wird, seitens der Angestellten grobe und beleidigende Redensarten gebraucht, auch mitunter Schläge ausgeteilt werden. Hat sich etwa die Heilsarmee am städtischen Obdach ein Beispiel genommen? Es soll überhaupt ein ganz und gar nicht angebrachter fast militärischer Drill herrschen. Auf den Schlafbons steht der Vermerk:„Sollte der Bon an einem anderen Tage als"dem, wo er gekaust ist, eingelöst werden, so muß dieses bis 6 Uhr abends geschehen fem." Hierbei wird nicht immer mit der nötigen Lohalität, oft viel zu bureaukratisch verfahren. Den bekannten Vorwurf, dast die Heime der Heilsarmee den Arbeitshäusern und ähnlichen Ausbeutungsstätten ähnlich sind, weist der Bericht mit gutgespielter Entrüstung zurück. Ja, wo kommen denn wohl die großen Summen, die die Armeeleitung einscharrt. alle her? In der Hauptsache doch aus der Arbeit derer, die„den Pfad der Heilsarmee kreuzen". Dast die Leistung durch Verpflegung und Schlafgelegenheit zu der geforderten Arbeitsleistung nicht entfernt im richtigen Verhältnis steht, darüber läßt sich doch wohl nicht streiten. Gerade darin liegt aber der charakteristische Zug des „Unsozialen". Die Summen, welche die Heilsarmee aus ihren eigenen Reihen und aus systematischen öffentlichen Betteleien zieht, sind außerordentlich klein im Verhältnis zu den Riesenbeträgen, um welche die Arbeitenden gebracht werden. In Berlin hat man bekanntlich vor mehreren Jahren aus unser energisches Betreiben noch im letzten Augenblick die Stadtgemeinde davor bewahrt, in die unersättliche Tasche der Heilsarmee alljährlich ein paar tausend Mark zu opfern. Besseren Erfolg hatten die frömmelnden Schlau- berger in Düsseldorf und Hamburg. Man wird auch in Zukunft wenigsten? bei uns in Berlin dieser geschästsklugen Sekte zur Betreibung der Masscnverblödung scharf auf die Finger sehen müssen. Das Motto der Heilsarmee:�„Die Welt für Gott" ist dem Abwirtschaften nahe. Die Welt gehört den Menschen. Ein größerer Waldbrand, der durch Funkenauswurf einer Loko- motive entstanden ist, wütete am Sonnabendabend in der Nähe der Station BorgSdorf der Nordbahnstrecke. Der infolge der anhaltenden Hitze völlig ausgetrocknete Grasboden der Böschung fing infolge FunkenauSwursS einer Lokomotive Feuer, das sich sehr schnell über die angrenzende Schonung verbreitete. Innerhalb weniger Minuten standen zahlreiche Bäume in Flammen, die einen gewalligen Schein bis nach entlegenen Ortschaften entsandten. Daraufhin eilten sofort die Feuerwehren der Umgebung sowie mehrere Bahnarbeiterkolonnen zu Hilfe und den vei einten Anstrengungen gelang es nach anderlhalb- stündlichem Bemühen den Brand zu lokalisieren und schliestlich gänzlich zu löschen. Verlegung von Straßenbahnlinien in der Leipziger Straße. Die Straßenbahn führt im Hochsommer an vielen Stellen Gleisarbeiten au«, so auch jetzt in der Leipziger Straße. Um diese Arbeiten zu beschleunigen, soll das südliche Gleis der umzubauenden Strecke zimschen der Jerusalcmer Straße und dem Spittelmarkt in den Nächten vom Montag bis Freitag, den 24. bis 29. Juli, von 1 Uhr an bi« zum Wiederbeginn des Betriebes freigemacht werden. Die vom Potsdamer Platz und vom Halleschen Tor kommenden Wagen werden dann folgendermaßen umgelenkt: die Linien 6 und 66 gehen über die Jerusalemer Straße. Werderschen Markt, den Schloßplatz, die Breite Straße, den Molkenmarkt usw. Die Linien 64, 69, 71, 74. 78 und 99 gehen durch die Jerusalemer Straße, den Werderschen Markt, den Schloßplatz, die Breite Straße und den Molkenmarkt. Die Linien 87 und 91 gehen über die Jerusalemer Straße, den Werderschen Markt, den Schloßplatz, die Breite Straße und die Rotzstraße. In der Richtung nach dem Westen findet keine Aende- rung statt. Ein recht interessantes Bild entwickelte sich am Sonntagnach- mittag in der fünften Stunde zwischen der Kottbuser- und Grünauer Brücke. Durch die kolossale Hitze in Versuchung geraten, stürzten sich zwei starke Männer, nachdem sie ihre Hüte abgelegt hatten mir voller Kleidung in den Landwehrkanal und unternahmen vom Ufer aus allerhand Kunstsprünge ins Wasser. Da die beiden auch ausgezeichnete Schwimmer waren, so nahm man erst an, daß sie das bekannte „Schwimmfutter" benutzten. Das war aber nicht der Fall. Ein Schutzmann, der den Vorfall beobachtet hatte, schickte sich an, die beiden festzustellen. Das war aber nicht so einfach, denn die Leute schwammen an das entgegengesetzte Ufer und erholten sich auf der Brüstung. Inzwischen hatten sich nun mehrere hundert Zuschauer eingefunden. Dadurch angespornt, unternahmen sie immer wieder neue Sprünge ins Wasser. Nach längerer Zeit endlich erschien ein größeres Schutzmannsaufgebot, das aber ebenso wenig ausrichten konnte, wie ihre anderen Kollegen. Die Beamten verteilten sich nun an beide Ufer und beobachteten die beiden Schwimmer. Trotzdem dieselben hin und wieder aus dem Wasser kamen, griffen die Schutzleute aber nicht zu; jedenfalls glaubte» sie, mit ins Wasser geschleudert zu werden. Erst nach einer guten Stunde war es den beiden Schwimmern doch zuviel und sie stellten sich freiwillig der Polizei zur Verfügung, von der sie dann auch, von einer großen Menschenmenge verfolgt, zur Wache gebracht wurden._ Die Sonntagsruhe im Handclsgcwerbr. Der Artikel in Nr. 179„Die Verschleppung der Sonn tagsruhe" enthält einen Druckfehler. Das Recht, die SonntagSarbeit zu verkürzen, steht dem Magistrat nicht feit zwei Jahren, sondern seit zwei Jahrzehnten zu. Das Reichs- gesetz, welches die Sountagsarbeit im Handelsgewerbe auf fünf Stunden festsetzt, trat am 1. Juli 1892 in Kraft und bestimmt gleichzeitig, daß die Gemeinden das Recht haben, die Sonntags- arbeit ganz zu untersagen oder auf eine kürzere Zeit zu beschränken. Bis zum Jahre 1995 hatte Berlin von dieser Befugnis keinerlei Gebrauch gemacht. Erst in diesem Jahre wurde ein Ortsstatut er- lassen, das die SonntagSarbeit in Engrosgeschäften und Kontoren auf zwei Stunden festsetzt. Für die offenen Verkaufsstellen besteht noch heute, also nach 19 Jahren, die sünfstündige Arbeitszeit. Die liberale Mehrheit in Berlin hat sich also als-rückschrittlicher er- wiesen als die Regierung, welche bei der Schaffung des Reichsgesetzes die Erwartung aussprach, daß mindestens die Großstädte sehr bald zu einer weiteren Verkürzung der SonntagSarbeit schreiten würden. Ein neuer Polizristreich. Am Sonnabend sollte in der Utrechter Straße eine Versammlung des Jugendausschusses mit einem Vor- trag abgehalten werden. Da der Referent am Erscheinen verhindert war, ließ man die angesetzte Versammlung nicht stattfinden. An ihrer Stelle wurde ein geselliges Beisammensein veranstaltet, was an und für sich recht harmlos ist. Nur hatten die jungen Leute der- gessen, daß sie sich innerhalb der Grenzpfähle des preußischen „Rechtsstaates" befanden, in dem ja bekanntlich die Polizei ganz besonders unsere Arbeiterjugend ins Herz geschlossen hat. Ein Jugendlicher war gerade dabei, einige Rezitationen aus„Heinrich Heine" vorzutragen, als ein Kriminalbeamter ins Zimmer stürzte und die Jugendlichen unter 18 Jahren zum Verlaffen desselben aufforderte. Auf der gegenüber dem Lokal liegenden Straßenseite hatten drei bewaffnete Polizisten Posta gefaßt, um im Eventualfälle einschreiten zu können, woraus natürlich nichts wurde. Fragen wir, auf welchen Gesetzesparagraphen stützt sich die Be- börde bei diesem Vorgehen? Nun, auf keinen. Denn selbst das reakttonäre Reichsvereinsgesetz verbietet nicht die Teilnahme Jugendlicher an geselligen Zusammenkünsten, auch wenn diese von einem politischen Verein veranstaltet werden, was ja hier nicht ein- mal der Fall war. Aber was schert die Polizei das Gesetz! Legt man nicht auS, dann legt man unter. Und darin hat unsere Polizei etwas loS. Eine LirbcStragödie. Ein Liebespaar wurde gestern früh in der Jungfernheide nahe dem HeilandLkirchhof tot aufgefunden. Es handelt sich anscheinend um einen Doppelselbstmord. Die Personen der beiden Toten konnten noch nicht festgestellt werden, weil bei ihnen keinerlei Ausweispapiere gefunden wurden. Die Leichen weisen Kugelverletzungen auf, doch wurde eine Waffe nicht vorgefunden. Wahrscheinlich haben Leute die Waffe an sich genommen, die in früher Morgenstunde die Leichen fanden. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die Toten beraubt worden sind. Ew seltsames Liebespaar verursachte vor einigen Tagen durch sein ungewöhnliches Gebaren in einem hiesigen Hotel nicht geringe Aufregung unter dem Personal und den Gästen. In einWn der ersten Hotels der Friedrichstadt stiegen zwei Reisende ab, die sich beide für Männer ausgaben und auch beide Mäunerkleidung trugen. Sie nahmen ein gemeinsames Zimmer. Nicht lange nach ihrer Ein- kehr gab es eine große Ueberraschung. Einer der Gäste sprang zum Fenster hinan«, und der andere folgte ihm. Jetzt kam es heraus, daß der erste nicht ein Mann, sondern eine Frau war. Beide blieben unversehrt. Der Auftritt, der daS ganze Hotel in Bewegung brachte, endete damit, daß die Gäste jetzt zwei gesonderte Zimmer bezogen. Nach- dem sie einige spanisch geschriebene Briefe gewechselt hatten, be- suchten sie sich wieder. Eines TageS hörten Angestellte des Hotels die Frau schwer stöhnen, nachdem der Mann ihr Zimmer verlassen hatte. Unheil ahnend, drangen sie ein und fanden die Frau an einen Bettpfosten geschnallt. Schaden hatte sie nicht genommen und Gefahr drohte ihr auch nicht. Man befreite sie aber und veranlaßte jetzt die Polizei, dieses seltsame Gebaren aus- fillären. Mit Hilfe eines spanischen Dolmetschers wurde nun stgesiellt, daß es sich um eigenartige LiebeSbetätigungen handelte. Die Frau entpuppte sich als die Gattin eines südamerilanischen hohen Militärs, die ihrem Gemahl mit einem Landsmann, einem Künstler, durchgebrannt war. Sie hatte wohl deshalb Männer- kleidung angelegt, um ihrem Manne die Spur zu verwischen. Eine strafbare Handlung lag nicht vor, zumal, da auch die Frau wegen der Fesselung keinen Slrafantra� stellte. Das Paar wurde aber der- anlaßt, aus dem Hotel auszuziehen und hat auch Berlin verlassen, vermutlich, um südlichere Gegenden aufzusuchen. Durch Erhängen hat der Arbeiter Friedrich Thiel seinem Leben ein Ende gemacht. Thiel war seinerzeit in dem Essener Meineids- prozeß verurteilt, aber vor einiger Zeit in dem Wiederaufnahme- verfahren freigesprochen worden. Die ihm zugesprochene Entschädi- gung hat Thiel, der durch die vielen Aufregungen nicht recht festen Fuß fassen konnte, so ziemlich aufgebraucht. Großfcuer in vcr Köpcnicker Stabtforst. In unmittelbarer Nähe des Strnndschlosses brach Sonntag nachmittag in der Köpe- nicker Stadtforst ein großer Waldbrand aus, der die Feuerwehren auS Köpenick, Ober- und Niederschöneweide und Friedrichshagen bis in die Abendstunden hinein beschäftigte. Das Feuer erfaßte in kurzer Zeit einen ganzen Streifen der Waldung und verfinsterte mit den schwarzen, gewaltigen Rauchschwaden die gesamte Um- gebung. Die Flammen züngelten sich bis in die Baumkronen hin- auf. so daß die Ablöschung sich sehr schwierig gestaltete. Glücklicher- weise stand der Wind günstig und trieb das Feuer nach der Chaussee zu. Andernfalls wäre auch das Strandschloß in Gefahr geraten. Nach einstündiger angestrengter Löscharbeit konnte der Brand ein- gedämmt und erstickt werden. Etwa zwanzig Morgen des Waldes werden abgeholzt werden müssen, da das Feuer die Stämme stark beschädigt hat. Auch an mehreren anderen Stellen in der Köpcnicker Forst mußten vorgestern noK kleine Waldbrände unterdrückt werden. 5« BauMschuIekKbg Sütcli p tzleicher Zeit cirt AefäW kicher Brand auf dem Gelände den Späthschen Baum- schulen. Dort stand ein yrotzcr Reisighaufen in Flammen, der sich in der Nähe der Arbeiterwohnhäuser befand. Die Baumschulen- lulturen wurden durch das Feuer nicht gefährdet, doch bedurfte eS großer Anstrengungen, die Arbeiterwohnhäuser zu schützen. Die Feuerwehren aus Baumschulenweg und Umgebung waren mehrere Stunden auf der Brandstelle tätig. Die Ursache des Feuers wird auf Selbstentzündung infolge der enormen Hitze zurückgeführt. Ein dritter großer Brand entstand Sonntag nachmittag an der Spandauer Chaussee in Westend. Dort brannte ein großer Materialschuppen der Allgemeinen Möbeltransport- und Spedi- tionsgesellschaft u. b. H. in ganzer Ausdehnung. Auch ein angrcn- zender Pferdestall, in dem über ein Dutzend Pferde standen, wurde durch das Feuer stark gefährdet. Die Charlottenburger Feuerwehr griff unter Leitung des Brandinspektors v. Leupoldt mit drei Rohren ein und erstickte die Flammen innerhalb einer halben Stunde. Der Pferdestall konnte gehalten werden, dagegen ist der Schuppen niedergebrannt, so daß der Schaden ganz erheblich ist. Mit den Aufräumungsarbeiten hatte die Wehr dann noch bis zum Abend zu tun. Die Brandursache ist hier nicht ermittelt. Ein Reihe böser Begleiterscheinungen hat der heiße Sonntag zur Folge gehabt. Viele Personen wurden vom Hitzschlag betroffen, doch sind glücklicherweise bis jetzt Todesfälle nicht gemeldet worden. — Auf den Seen rund um Berlin, wo es noch am ehesten auszu- halten war, herrschte ein außerordentlich reger Verkehr von Ruder- und Segelbooten. Natürlich gab es verschiedene Wassertaufen dabei, Wenn man die große Zahl der Badenden in Betracht zieht, die vor der Backofenhitze im Wasser Kühlung suchten, ist es nicht weiter verwunderlich, daß auch dieses löbliche Vergnügen Opfer gefordert hat. So ist im Freibad Müggelsee der 18 Jahre alte Kaufmann Erich Wawromowicz aus Breslau, der hier in Stellung ist, beim Baden ertrunken. Ebenfalls im Freibad Müggelsee ertrank ein Ehepaar, das sich zu weit hinausgewagt hatte. Ein Schwimmer, der die beiden retten wollte, wurde mit in die Tiefe gerissen und konnte sich nur mit den allergrößten Anstrengungen freimachen und in Sicherheit bringen. In später Nachmittagstunde ertranken dort noch drei Personen, deren Namen noch nicht festgestellt sind. Im ganzen hat der Müggelsee am Sonntag sechs Menschenleben gefordert, eine ältere Frau, drei Mädchen im Alter von 18 bis 18 Jahren und zwei männliche Personen.—- Im Familienbad Wannsee ertrank her 20 Jahre alte Schneider Ballon aus der Stmeonstraße. Ertrunken sind am NSontagnachmittag imFreibad Müggelsee zwei Herren. Beide hatten im See ein Bad genommen. Hierbei verließen den einen die Kräfte und er ging unter. Der andere wollte zur Rettung dem Ertrinkenden nachschwimmen, ging aber ebenfalls unter und ertrank. Aisher konnte man nur einen der Ertrunkenen als Leiche bergen. Legitimationspapiere wurden bei dem Geborgenen nicht vorgefunden., Zeugen gesucht. Am 14. März, abends zwischen 7— V48 Uhr, wurde der zwölfjährige Knabe Willi Rost von dem Auto 3177 der Beka Rekord A. G. in der Blumenstraße überfahren und getötet. Personen, die über den Unfall nähere Angaben machen können, werden um Abgabe ihrer Adresse an Rost. Palisadenstr. 92 gebeten. sitzLstdeb: Jeserich; 2. Schwärz; als Schriftführer tvllrde A. Leip, als Beisitzerin Frau Reichardt, Revisoren: Sengcr, Huhn, Sucker; Bezirksführer Spannberg. Schulz, Rutschke, Krüger, Lix, Komnick. In die Lokalkommission Lehmann l und Eichholz, als Leiter der Landagitatwn Lehmann l, Bibliothelar König. Leiterin der Frauenorganisation ist Genossin Reichardt, in den Jugendausschuß wurden Liesenbcrg und Schwarz, in die Kinderschutzkommission wurde Genossin Schwarz gewäblt. Zur Generalversammlung Groß- Berlin wurden Schwarz und Weiß, Jeserich und Spannbcrg dele- giert. Lehmann II stellte den Antrag, in Anbetracht der bevorstehen- den Reichstagswahl für den Südender Teil einen besonderen Be- zirk zu gründen. Derselbe, wurde gutgeheißen, jedoch zur rwch- maligcn Beratung an den Vorstand zurückverwiesen, Ober-Schönetveide. Das Gewerbe- und' KaufmannSgericht für die Gemeinden Ober- und Nieder-Schöneweide erstattet seinen ersten Jahresbericht. In einem Rückblick auf die Entstehung wird dargelegt, wie bereits im Jahre 1901 seitens der Arbeiterschaft der erste Antrag zur Schaffung des Gerichtes an die Gemeindevertretung gelangte. Es dürfte noch in Erinnerung sein, welche Gründe und Einwände her halten mußten, um die stetig wiederkehrenden Anträge unserer Ge nassen abzulehnen, bis man nach 9 Jahren dem allgemeinen Drängen nicht mehr standhalten konnte. Aus dem Tätigkeitsbericht ist folgendes zu entnehmen: Beim Gewerbegericht wurden 106 Klagen anhängig gc macht, welche in 149 Terminen an 30 Sitzungstagen erledigt wurden; in einem Falle wurde vom Arbeitgeber geklagt. Das Bau gewerbe mit 35 Klagen steht an erster Stelle, ihm folgen Fabriken mit 34, Gastwirte mit 9, Artisten mit 5, Fuhrwerksbetriebe, Bäcker mit 4. Klagen usw. Die Nachbargemeinde Nieder-Schöneweide stellte 13 Sache». 26 Klagen endeten durch Vergleich, 12 durch Abweisung; die Erledigung der Klagen ging im allgemeinen in kürzester Zeit vor sich. Beim Kauf mannsgericht wurden 11 Klagen er- ledigt, von denen 3 aus Nieder-Schöneweide stammen. Die Gesamtaufwendungen für beide Gerichte einschließlich der Kosten für erstmalige Einrichtung betrugen 2499,44 M. Unter Be- rechnung der Einnahmen war von Ober-Schöneweide ein Zuschuß von 1583,82 M. und von Nieder-Schöneweide ein solcher von 811,32 Mark zu leisten. Das Gericht ist dem Verbände Deutscher Kauf manns- und Gewerbegerichte angeschlossen. Von den schrecklichen Befürchtungen der Gegner des Gerichtes ist nichts eingetroffen. Vorort- JVadmdrtcih Köpenick. Von dem Dreiklasseucharakter des GemeiudewahlrechtS legt wieder die zurzeit im Rathause auSliegende neue Bürgerliste Zeugnis ab. Nach dem veranlagten Steuersoll bringen die 6412 Wähler zusammen 676 666,02 M. auf. so daß auf jeden wahlberechtigten Bürger im Durchschnitt 123,03 M. an Steuer- foll entfallen. Gegen das Vorjahr ist dieser Durchschnittssatz um 2,22 M, zurückgegangen, da die 5112 Wähler damals zu- sammen 650 536,77 M. aufbrachten, so daß jeder Wahl- berechtigte im Durchschnitt 127,25 M. entrichtete. Die erste Wahlabteilung enthält 213, die zweite 1332 und die dritte 3667 Wähler. Der Mindestbesteuerte in der ersten Abteilung zahlt 477 M. und in der zweiten Abteilung 35.25 M., in der dritten Wahlabtcilung ist gegen das Vorjahr ein Mehr von 174 Wählern zu verzeichnen, in der zweiten ein Zugana von 102 und in der ersten von 24. Es haben also 386? Wähler dritter Abteilung nicht mehr Rechte wie 1332 Wähler zweiter und 218 Wähler erster Abteilung, wozu noch das Privilegium der Hausbesitzer kommt, nach dem die Hälfte der Stadwer- ordneten aus Hausbesitzern bestehen muß. Ripdorf. An die Adresse der Straßendahn wendet sich folgende Zuschrift eines Leser-?- Sie lautet:»Ich fahre jeden Sonntag nach dem Rixdorser Krankenhaus in Buckow. Die Besuchsstunden sind auf '/.ß— Va* Uhr festgesetzt. Um rechtzeitig hinzukommen, muß man als Einwohner RixdorfS um 1 Uhr an die Haltestelle in der Berliner Straße sich begeben, um, wenn's Glijck gut ist, nach einer Stunde mit Zuhilfenahme einer guten Porsto» Rücksichtslosigkeit auf hie Mitmenschen sich ein Plätzchen zu erkämpfen. Am vergangenen Sonntag war es nicht mit anzusehen. An jeder Haltestelle, die Wir passierten, blieben wohl weit über 50 Menschen stehen. Ich be- wunderte die Geduld derselben. Gelegentlich eines Festes der Post- beamten Rixdorfs konnte man höhere Beamte der Straßenbahn auf der Straße sehen, um nach Möglichkeit den Betrieb zu regeln. Aber hier aus dem Wege zur Armut kümmert sich kein Mensch um die Beförderung des Publikums. Die Linie 48, die Britz-RathauS hält, läßt man um diese Stunde bis zum Bufchkrug fahren. Auf ver- schiedenen Stellen hat das Publikum den Schaftnern gedroht, drein zu schlagen. Bon dem Weg vom Buschkrug nach dem Krankenhause will ich schweigen. Es ist ein Schandfleck der Behörden den Ar- beitern gegenüber." Hier wäre schnellstens Abhilfe am Platze. Mariendorf. I» der Generalversammlung gab Genosse Jeserich den Vor- standsbericht, Es fanden statt: 19 Vereins-, 8 öffentliche Ver- sammlungen sowie 6 besondere Vorstandssitzungen. Die Mitglieder- zahl betrug am Schlüsse des Jahres 247 männliche, 69 weibliche. Ncuaiifgenommen wurden 44 Mitglieder; es schieden aus durch Streichung und Verzug gleichfalls 44. Besichtigt wurden das Er- ziehungsheim in Zehlerüwrf und her Botanische Garten. Der Kassenbericht ergab eine Einnahme im tz. Quartal von 369,11 Mk» eine Ausgabe 343,03 Mk. Einnahm.« im 4. Quartal 265,08 Mk., Ausgabe'238,65 Mk. Zwei Drittel der Einnahmen sind an die Kentrallasse abgeliefert. Für Bücher und Broschüren sin!» 42,60 Mk. abgeführt tvordcn. Nach dem Bericht der BezirkKführer war der Besuch der Zahlabeirde zufriedenstellend, nur ließ hi? Beteiligung an den Kleinarbeiten viel zu wünschen übrig. � Die Leiterin der Jrauenabteilung, Genossin Reichardt, sprach sich befriedigend über die Beteiligung an den Leseabenden aus. Die Zahl der ,.V»r!vartz"-Abonnenten stieg von 505 auf 565. Der Pib- liothek entliehen wurden 256 Bücher. Derselben wurden eine größere Anzahl Bande von verschiedenen Genossen gespenvet. Der Agitationsleiter Lehmann I gibt bekannt, daß Säle zur Abhaltung von Versammlungen nicht aufzutreibeu sind, jedoch ist ein Grund- stück zwecks Abhaltung von öffentlichen Versammlungen gepachtet worden. Die Lokalkommission konnte nur mitteilen, daß außer u..i» v«<--—,—™.....-,---- dem Lokak von Preuh weiter keine Säle für Versammlungen zu Der gerade 18 Jahre alt gewordene junge Mann legte nun seinen haben waren. Die Neuwahlen ergaben folgende» Resgltgt: 1. Vom i bürgerlichen Namen Leutner ab, Obwohl er kein» Ahnung von (DCYkhtQ-ZcitUnQ, Strafmandate über Strafmandate Haffe bekanntlich die Straßenhändlerin Frau Klara Fuchs erhalten, weil sie. ohne die dazu erforderliche besondere polizeiliche Erlaubnis zu haben, eine feste Handelsstelle eingenommen habe. Sie bean- tragte richterliche Entscheidung und erzielte dann auch freisprechende Urteile beim Amtsgericht. Aber die Staatsanwaltschaft legte Be- rufung dagegen ein. Gestern hatte nun die Strafkammer 8b des Landgerichts I über drei dieser Sachen zu entscheiden. Es handelte sich hier um 17 Anzeigen und ebenso viele Straf Mandate zu 3 M. das Stück. Frau Fucks handelt mit Zeitungen und hält sich meist an der Kreuzung der Invaliden- und Chaussee- straße auf. Sie betreibt in dieser Gegend ihren Straßenhandel schon seit 10 Jahren, aber erst seit September vorigen Jahres wurde sie immer von neuem mit Strafmandaten bedacht, bis in dieses Frühjahr. Jetzt wird sie allerdings nicht mehr damit belästigt, nach- dem sie sich mit einem Schreiben an den Polizeipräsidenten gewandt und ihm gleichzeitig eines der freisprechenden Urteile des Amts- gerichts zugesandt hatte. Zu der gestrigen Verhandlung waren als Belastungszeugen nicht weniger als 7 Schutzleute erschienen, von denen jedoch nur zwei vernommen wurden. Die beiden Schutzleute Albert Witke und Albert Becker wußten zugeben, daß Frau Fuchs nicht an einer bestimmten Stelle steht und wartet, bis die Kunden an sie herantreten, sondern daß sie vielmehr an die Leute heran geht, namentlich auch an die Straßenbahngäste, und ihnen die Zeitung anbietet. Noch deutlicher ergab sich das aus den Aus sagen der Entlastungszeugen Kleinert und Braune, die als Kon trolleure der Slrahenhändler für die„B. Z. am Mittag" tätig waren, und des Radfalsters Kußke, der die Händler mit der Zeitung KU versorgen hatte. Der Radfahrer sagt aus, daß er Frau Fuchs immer wieder an einer anderen Stelle getroffen, sie manchmal auch nicht gleich auffinden konnte. Die Vernehmung der beiden Kon- trolleure ergab, daß die Angeklagte eine sehr rührige Händlerin ist, die sich trotz ihrer 64 Jahre bei ihrem Geschäft keine Ruhe gönnt und sich keineswegs an c,ne bestimmte Straßenecke stellt, um dort auf Kundschaft zu warten. Frau Fuchs, die ihre Verteidigung serbst führt, legt auch ausführlich dar, wie sie ihr Geschäft betreibt. Durch die lange Tätigkeit in der Gegend hat sie dort schon einen bestimmten Kundenkreis, Leute, die sie heranwinken, wenn sie nicht gleich zur Stelle ist. Sie achtet namentlich auch auf die Straßen- bahnen und ist bald an dieser, bald an jener Haltestelle, um den Fahrgästen ihre Zeitungen anzubieten. Sie bestreitet ganz cnt- schieden, irgendwie eine feste Handelsstell« eingenommen zu haben, und zu dem Straßenhandel, wie sie ihn betreibt, hat sie die polizeiliche Erlaubnis. Sie will sich auch weiterhin auf diese Weise ehrlich ernähren und ersucht darum um Bestätigung der frei- sprechenden Urteile des Amtsgerichts. Sie behauptet auch, daß sie immer heimlich von hcn Schutzleuten denunziert wurde, d. h. daß die Schutzleute ihx nicht erst Vorhaltungen machten, sondern ein- [ach phne weiteres Anzeige erstatteten. Das schienen auch die Aus- agcn der SchutzmannSzeugcn zu bestätigen. Denn der eine gab eine bestiunnte Antwort auf die Frage, ob er der Angeklagten Vor- Haltungen gemacht habe, und der andere konnte sich dessen nicht entsinnen. Der Staatsanwalt beharrtc gleichwohl auf der Meinung, daß die Angeklagte eine feste Handelsstell«»ingenommen habe und berief sich dabei auf ein in einer ähnlichen Sache ergangenes Urteil des Kammergerichts. Hausierhandel, sagt er, sei etwas ganz anderes. Zudem Begriff der festen Handelsstell« sei es nicht erforderlich, daß die Angeklagte hie ganze Zeit über lpie gn einem Baum fest- gebunden dagestanden habe. Sic sei wegen der 17 Anzeigen zu 51 M. Geldstrafe oder 17 Tagen Haft verurteilt worden. Das Gericht berief sich auf dasselbe Kammergerichtsurteil, kam aber zur Verwerfung der Berufung der Staatsanwaltschaft und bestätigte die Freisprechung der Angeklagten. Nach den Zeugenaussagen ses anzunehmen, daß die Angeklagte keinen bestimmten Platz einge- nommen habe, sondern daß sie an dig Kunden herangehe und in ständiger Bewegung sei. Wirb nun die Staatsanwaltschaft ihre Anklage. in den noch schwebenden 14 Fällen zurücknehmen oder sollen in her Tat noch- mal ein Haufen gelehrter Richter die hochwichtige Frage entscheiden, ob eine Polizeiverordnung gemeint haben kann, die Zeitungs- Händler müßten beständig trippeln? Adelskredit. Bedauerliche Tatsache ist. daß einzelne Leute eine unsinnige Ehrfurcht vor dem Adclsprädikat haben— als od nicht jeder Mensch pon irgend woher sein muß— und dem.Adligen" einen Kredit geben- den sie dem Bürgerlidjen verweigern würden. Diesen Um- stand hat der Schneiderlehrling Fritz Leutner zu einer Spekulation auf die Dummheit seiner Mitmenschen denutzt. Er hatte sid) deshalb gestern wegen wiederholten versuchten und vollendeten Be- trugeS. der schweren Urlundenfälschung. der intellektuellen Ur- kundenfälschung und der unbefugten Beilegung eines Adelsprädi- kates vor der 1. Ferienftrafkammcr des Landgerichts I zu verant, Worten. Der Angeklagte war bis zum Mai d. I. bei dem Schneider- meister Leloh als Lehrling beschäftigt. Eines Tages ließ er Schee« und Elle in Stich und verließ hei Nacht und?!ebel seine Lehrstelle. dei ftckttzösischen Sprache hatte, verwandelte er sich in einen„Baron Iran de la Balliere". Er ließ sich auf diesen Namen lautende Visitenkarten drucken, auf welchen er als eine Art Untertitel an- gab, daß er„Logenbruder des goldenen Lotos" sei. Mit Hilfe dieses tönenden Titels gelang es ihm, bei einer Frau Preuß in der Martin Lutherstratze eine elegant möblierte Wohnung zu mieten. Der elegante Schnetdcrlehrling trat nun sehr nobel auf, so daß seine Wirtin gar nicht erst auf den Gedanken kam, den„Herrn Baron" wegen der Mietezahlung zu mahnen. Er hielt sich sogar einen Diener, der in dieser„Vertrauensstellung" eine Kaution von 30 M. stellen mußte. Um sich in den Besitz von größeren Geld- mittel» zu setzen, erließ er Inserate, in denen er Kapitalisten zur Gründung einer„französischen Bank" suchte. Zur Ausführung dieses Schwindels kam der Angeklagte jedoch nicht mehr, da ihm durch seine Verhaftung das Handwerk gelegt wurde. Wie sich er- gab, hatte der jugendliche Hochstapler mehreren Personen, denen er eine Anstellung bei der zu gründenden Bank versprach, Geldbeträge als Kaution abgenommen. Außerdem hatte er versucht, von mehreren großen Firmen Waren auf Kredit zu erlangen. Nach seiner Verhaftung hatte der Angeklagte die Dreistigkeit, zu be- haupten, daß er tatsächlich der Baron de la Balliere sei. Unter diesem Namen ließ er sich auch in das Gefangenenregister des Moabiter Untersuchungsgefängnisses eintragen, so daß gegen ihn auch Anklage wegen intellektueller Urkundenfälschung erHoven werden mußte. Vor Gericht war der Angeklagte in vollem Umfange geständig. Die Ferienstrafkammer erkannte mit Rücksicht darauf, daß bei dem Angeklagten trotz seiner Jugend schon recht stark hervortretende Neigungen zum Verbrechen vorhanden sind, dem Antrage deS Staatsanwalls gemäß auf 1 Jahr Gefängnis und 2 Wochen Haft. Die Haftstrafe wurde durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt angesehen. Die Höhe der Strafe wird jene, die nicht alle werden, nicht vor Reinfall auf Schwindeleien„wirklich" Adliger und aus eigener Machtvollkommenheit Geadelter schützen. Kindesmißhandlungen. Schwere Strafen wegen Kindesmißhandlungcu verhängte das Oldenburger Landgericht gegen den Sdjlosser Littmann und desscu zweite Frau. Littmann hatte aus erster Ehe ein Mädchen, das der zweiten Frau von Anfang an im Wege war. Wie in der Be- Weisaufnahme festgestellt wurde, ist das Mädchen in der rohestcn Weise mit einem Riemen und mit Stöcken gezüchtigt worden. Im Winter wurde es stundenlang, angeblich weil es sich verunreinigt hatte, in den Keller gesperrt. Tie angeklagte Ehefrau pflegte das Kind am Körper mit einem Besen zu bearbeiten, um ihm, wie sie angab, Reinlichkeit beizubringen. Die Leiden des Kindes fielen allmählich den Hausbewohnern auf, die den Ehemann benachrich- tigten. Aber auch das half nichts; die Mißhandlungen wurden fort- gesetzt, so daß die Nachbarn sich schließlich entschlossen, Anzeige zu erstatten. Das Kind wurde nad) dem Armenhause gebracht und hier konstatiert, daß es zum Skelett abgemagert war und am ganzen Körper blutunterlaufene Striemen aufwies. Die Lagerstätte des Kindes bestand, wie ebenfalls in der Verhandlung festgestellt wurde, aus verschimmeltem Stroh. Die angeklagte Eheftau räumte ein, daß sie dem Kinde einmal ein Stück Brot vorgesetzt habe, das mit Sd)mierseife, Pfeffer und Salz bestrichen war. Die Angeklagten gaben zu, das Kind geschlagen zu haben, weil es unreinlich und ungehorsam gewesen sei, aber nicht in einer das Leben gefährden- den Weise. Von den jetzigen Pflegeeltern des Kindes wurde aver bekundet, daß dieses die geschilderten Untugenden nicht hat. Ter Vertreter der Anklage betonte die Roheit und Brutalität der beiden Angeklagten und beantragte gegen sie je zwei Jahre Gefängnis. Das Gericht ging aber über diesen Antrag noch hinaus und er- kannte auf je drei Jahre Gefängnis. Kaufmännische«ranken- und Sterbekafie von 1885.(E H 71.) Heute abend v Uhr im Restaurant Jüdeustr. 18)1»! Sitzung. Lriefkalten der Redaktion. DI« lariftisch« Sprechstunde findet Ltndenstrafte es, diu» vier Zeepden — Fahrstuhl—, vochculä glich van bi» 7a Uhr adeod«, Soanadend». von ta bis 6 Uhr abendS statt, Jeder für de»»rieftaftra bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als»ierfjetchen beizufügen. Briefliche Antwort wir» nicht erteUt. Snsragcn, denen«eine AbonnementSanittnng beigefügt ist, werben nicht beantwartet. Eilige Fragen trag««an in»er«»rechstunbe vor, Zossener Str. Darüber steht uns lein Urteil zn.— SS. 15. Eine Ties« erreicht man mit den besten Apparaten bis zu 40. ja bis zu 60 Meter; bei dem jetzigen Stande der Technik kann man weiter nicht vordringen.— Der Tiesgang solcher Schiffe ist sehr verschieden: Etwa zwischen 2 und 8 Meter. E O. 30. Fragen Sie peisönlich oder schrijtlich an im Bureau der Hamburg-Amerika-Linie, Unter den Linden Str. 8.—®. J. lOO. AIS Adresse genügt: Deutsche Ansiedelungtkommisfion in Posen,— R. H. R. Benziiiaetränkte Baumwolle in die Rohrlöcher stopfen. Auch jüiif. prozenlige» Karbolwasser mit einem Pinsel wiederholt in die Löcher dringen. ßrieffcaften der Expedition. Patienten in Beelitz, Buch und anderen Hellstitten. Diejenigen unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Hettstätte bleiben, wollen unS wegen der Ueberwcisung von Frei- exemplaren sofort ihr« Adresse emsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Rummern des neuen Monats von der Post nicht geliefert werde». Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. Marktprelse van Berlin am i!S. Juli 1S11. nach Ermittelung de; Königlichen Polizeipräsidiums. Rarkthallenpreij«. IKIeinbaiidel.) 100 Kilogramm Erbjen, gelbe, zum Kochen 30.00— 50,00. Speisebohncn, weihe 30,00—50,00. Linsen 20,00-60,00. Kartossein 10,00-16,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindsleisch, Bauchsteisch 1,20 bis 1,70. Schweinefleisch 1,10— 1,80. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,30. Butter 2,20— 2,80. 60 Stück Eier 3,00— 4,80. 1 Kilogramm Karpsen 1,40—2,40. Aal« 1,70-3,20.«ander 1.60—8,60. Hechte 1,40 bi» 880. Barsche 1,00�2,00. Schleie 1,20�-3,50. Bleie 0.S0--ich0. 60 Stück Kr ebse 2,00-36,00.______ SSitterungSüberstch» vom 24. Juli 1911._ Lwinembe. erlw Jcanfl.al* München Wien * 3 763 Still 765« 762 SO 764 RS 763 SW 764 Still «elter — wolkig 8 bedeckt 3 heiler 2 wolkig 3 halb od w« d* »II g» — wolienl 21 | «A ja Havaranda i-etcrJfcura Sem? llberdeen BariS 761 D 762 SD 766 R 764 SA 764 D«D ** e* 2 Regen| 14 2 bedeckt: 15 3 halb bd. 17 1 wolkig, 14 1 wolkig j 20 «etterproguofe für Dienstag, den 25. Juli 1914. Etwas lühler, vielfach heiter bei ziemlich frischen, später wieder ab- nehmenden westluhen Winden; leine erheblichen Niederfchläge. Berliner W etterbureau. „„ Wasser, ta»dS-?tack>r«ck>ten der LandeSanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. «afferftand R« m e l, Tllft« P r e g el. Jnsterburg Weichsel, Thon» Oder, Rattbor , Krossen , Franksurl Warthe. Schrimm f LandSberg Netze,»ordamm Elbe. Lellmeri, , Dresden , varbh , Magdeburg Wasserstand Saal«, Srochlttz Havel, SvandauK , Rathenow') S p r««, Svremberg') , veetlow Bc|«r, Münden , Minden Rhein. Maximiliansau . Kaub »ölu Neckar, H-lldrorm Main,»erlheim Mosel. Tri« am 23.7. am 43 18 10 66 84 -.132 -54 410 193 165 93 -U—8 leit 22. 7. cm1) — 5 —4 0 . 0 +3 --12 0 —4 — 4 «»3 -13 *)+ bedeutet Buch«,- Fan.—•) llnterpezel. MANOU Belieble Spedalmafben. Abbas Dandy Gfbson Girl wird taghell, wenn Sie auf Ihrer Lampe Urania-Salonoel brennen. 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