Ur. 174 Ndonnemenk-Veckinzungit», «Eonnttnen»< Prrii trtänumetanba! LierteljShrl. SL0 MI, monatl. 1,l0 MI.. wöchentlich W Psg. frei ms Haus. Einzelne Nummer s Pfg. Sonntags. nummer mit illusiriertcr Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfa� Post- Abonnement: l,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonnemcntS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweis L8. Jahrg. vlchcilit täglich suStr mootaat. Verltnev Volksbletkk. Zentralorgan der rozialdemokratifd�en Partei Deutfcblanda. DU TnUrttonS'GebOlsr beträgt für die sechSgespaltenc Kalo lies- geile oder deren Raum va Psg„ für politische und gewerlsckiaftliche Vereins- und Versamiulungs-Anzcigen 30 Psg. „Utein- Snreigc»", daS fcttgedruckle Wert 20 Psg. läulüssig? fettgedruu'le Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schiafstcllenan- zeigen daS erste Wort 10 Psg, jedes weitere Wort ö Psg, Worte über>ö Buch- slaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöffnet, Delegramm. Adresse! „SozlalilciMkrat Retiiau. Redaktton: SM. 68, Lindenstraoac 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. ■Bne— mw— MHPaawiiMi'UnMB— bb Freitag, den 28. Juli 1911. Expedition: SM. 68» �.indenstraose 69» Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. Polizei gegen Völkerverbrüderung. Die preußische Polizei hat wieder einmal eine Gelegen- heit, wo sie bureaukratisck>e Engherzigkeit und politische Naive- tat beweisen konnte, nicht ungenützt vorübergehen lassen. Sie hat ein Mitglied der französischen Arbeiterdelegation, die sich zurzeit zum Studium der deutschen Arbeiterverhältnisse und zur Festerknüpfung der internationalen proletarischen Be- ziehungen in Berlin befindet, das Mitglied der französischen „Generalkommission" Avetot, mit der Ausweisungsverfügung beglückt. Oder wenigstens beglücken wollen, denn Avetot hat es vorgezogen, sich rechtzeitig der Bekanntschaft mit den preußischen Polizeiabgesandten zu entziehen. Am Alexander platz scheint das Bedürfnis, persönliche Fühlung mit dein un bequemen Ausländer zu nehmen, allerdings ein äußerst lefr Haftes zu sein, hat inan doch kein Mittel unversucht gelassen, etwas Genaueres über den Verbleib des gefährlichen Mannes zu erfahren. So hat man seinem Kollegen Jouhaux, der erst nachträglich in Berlin eingetroffen ist, der also nicht einmal in jener Begrüßungsfeier anwesend war, wo Ivetot seinen strafwürdigen Verstoß gegen das preußische Gastrecht begangen haben soll, nach der Polizei sistiert und dort 3� Stunden fest gehalten, um ihm das Geheimnis des Verschwindens seines so eifrig gesuchten Kollegen zu entlocken. Daß dieser Versuch natürlich einen negativen Erfolg haben würde, hätte auch unsere Polizei voraussehen und sich deshalb die Belästigung dieser Gäste der Berliner Arbeiterschaft ersparen sollen. Oder glaubte man vielleicht am Alexanderplatz oder noch höher hinauf, daß ohne diese polizeiliche Intervention die Kundgebung, die am Freitag abend in der„Neuen Welt" statt finden wird, nicht imposant genug aussallen würde? Auch diese Sorge wäre gänzlich unbegründet gewesen, denn das organisierte Berliner Proletariat weiß auch, ohne erst von unserer Polizei mit der Nase darauf gestoßen zu werden, was es sich, was es dem Gedanken der internationalen Arbeiter- Verbrüderung� was es der augenblicklichen Situation schuldig ist! Ucber den Anlaß zu der Ausweisungsaktion berichtet das offiziöse Depeschcnbureau: Berlin, 27. Juli. In einer nichtöffentlichen sozialdemo. kratischen Versammlung hatte der französische Soziali st Dvetot nicht nur die deutsche Regierung in bc- schimpfender Weise angegriffen, sondern auch die deutschen Wchrmänner direkt aufgefordert, im Kriegsfalle die Waffen gegen die eigenen Vorgesetzten zu kehren. Es ist daraufhin seine sofortige Ausweisung verfügt worden. Dvetot hatte es vorgezogen, vor Voll- st reckung des Ausweisungsbefehls Deutschland zu verlassen. Es verrät wirklich einen ungewöhnlichen Grad von Ner vosität, in den Aeußerungen Avetots etwas soAußerordentliches zu sehen. Was hat denn der französische Gewerkschaftsführer wirklich gesagt? Daß es ein Wahnsinn ist. wenn die Bour- geoisie der verschiedenen Länder aus kolonialen Raufhändeln, die sowohl für die wirtschaftliche wie für die allgemeine Kul- turcntwickelung vollständig belanglos sind, ernste Völkerkon- flikte zu machen sucht. Daß es bei dem heutigen Grade der politischen Einsicht und der Organisation deS Proletariats der großen modernen Staaten ein Wahnsinn ist, die Völker der Privatinteressen kleiner kapitalistischer Cliquen wegen gegeneinander aufhetzen oder gar in den Krieg hineintreiben zu wollen. Daß das klassenbewußte Proletariat im Falle einer solch ungeheuerlichen Frivolität nur zu leicht die Waffen zu einem ganz anderen Zwecke gebrauchen könnte, als zu dem. um desi'entwillen man sie ihm in die Hand gedrückt hat. Sind denn das, so muß doch jeder verständige Mensch fragen. Aeußerungen, die so neu und unerhört wären, daß sie die Ausweisung eines Ausländers nach sich ziehen mußten? Hat nicht vielmehr die„Volkszeitung" ganz recht, wenn sie sagt, daß solche Auslassungen schon hundertmal auf sozialisti- scheu Kongressen gehört worden seien? Und, so fügen wir hinzu, nicht nur auf Kongressen, sondern hundertmal, tausend- mal in sozialistischen Versammlungen und Zeitungen. Es sind Gedankengänge, die für einen Sozialisien so alltäglich sind, daß sie gar nicht einmal ausgesprochen zu werden brauchen, weil sie sich aus der Weltanschauung, aus den politi- scheu Elementarbegriffen des Sozialismus ohne weiteres � � Und wir würden doch wohl auch unserer Polizei, unserer Negierimg bitter unrecht tun, wenn wir ihr eine Unkenntnis dieser Tatsache zutrauen wollten. Auch unsere Regierenden und Herrschenden wissen sicherlich nur zu gut. daß heutzutage europäische Kriege nur noch dann durchzuführen sind, wenn es sich wirklich um nationale Interessen im umfassendsten Sinne handelt, wenn auch das Volk von der Unausweichlich- keit der furchtbaren Entscheidung durch das grause Waffenspiel der europäischen Millionenhcere überzeugt ist. Ist doch vor nicht gar zu langer Zeit erst ,m deutschen Reichstag vom Kanzlertisch selbst erklärt worden, daß in unserer Zeit Kabl- ncttskriege nicht mehr möglich sind. Das gilt naturlich auch von Kriegen, die von kleinen Cliquen und Klassen angezettelt werden Sich um Marokkos oder irgend einer sonstigen Koloniälerwerbung willen in ein unabsehbares Kriegsaben- teuer zu stürzen, das Hunderttausende von Menschen auf die Schlachtbank führen müßte, von den ungezählten Milliarden der Kosten ganz zu schweigen, das wäre in der Tat ein Be- ginnen, das nur einer als Wahnsinn zu bezeichnenden Ver- blendung entspringen könnte. Einer solchen Tat halten wir die deutsche Regierung ebensowenig fähig, wie die Regierung der anderen Staaten. Wenn dem aber so ist, wozu dann die Nervosität unserer Berliner Polizei? Wozu dann einen französischen Arbeiter- Vertreter ausweisen, der nur in drastische Worte gekleidet hat, was kein ernsthafter Politiker sich verhehlen kann? Wozu dann die besondere Empfindlichkeit in Berlin, während doch das Gesagte ebensogut für Paris gilt? Oder sollte die preußische Polizei gar auf den Beifall der französischen Chauvinisten spekuliert haben? Denn das ist ja das Interessante und Charakteristische, daß die Ausweisung des Franzosen Ivetot von der französischen Hetz- presse genau so freudig akklamiert wird, wie von den deutschen Hetzblättern vom Schlage etwa der„Deutschen Tageszeitung" und der„Post". Meldet doch bereits die „Voss. Ztg.", daß es die bürgerliche Presse Frank- r e i ch s mit großer Genugtuung erfülle, daß der französische Arbeiterführer Avetot von der Berliner Polizei ausgewiesen worden sei! Deutsche und französische Chauvinisten und Kriegshetzer Arm in Arm! Beide entzückt von der Berliner Polizeiaktion! Beide hocherfreut darüber, daß den Vertretern des Prole- tariats, der Volksmehrheit, der Mund verstopf� werden soll, damit sich umso ungestörter die freche Völkerverhetzung aus- rasen kann! Schade nur, daß das Gaudium dieser edlen Hctzbrüder eitler Wahn ist. Denn das arbeitende Volk in Deutschland und Frankreich läßt sich so leicht denn doch nicht mundtot machen. Das wird sich schon am Freitag in der Neuen Welt zeigen. Aber selbst wenn es gelänge, den taufenden und Hunderttausenden den Maulkorb anzulegen, so gälte noch immer: Ihr könnt das Wort verbieten, Ihr tötet nicht den.Ge.ist.!... Von welchem Geiste aber das internationale sozialistische Proletariat erfüllt ist. darüber könnxn sich auch unsere Herr- schcnden keiner Täuschung hingeben. Das Proletariat will von der frivolen Marokkohetze nichts wissen! Das Volk will den Frieden! Mögen sich das alle, die es angeht, gesagt sein lassen! Kirche unä Mapilaiismus. Zu dem jüngsten Motu proprio Pius' X. und dem Versuch der klerikalen Presse, aus diesem Erlaß den katholischen Arbeitern zu beweisen, wie besorgt der sogenannte Heilige Vater um ihr Wohl ist, wird uns aus Köln geschrieben: Es ist nicht daS erste Mal, daß die Kirche dem Kapitalismus zuliebe mit rauher Hand in die Gewohnheiten der Bevölkerung eingreift und mit diesen Gewohnheiten selbst dann aufräumt, wenn triftige Gründe sie heiligen. Am 5. März 1770 erließ Kurfürst und Erzbischof Maximilian Friedrich von Köln eine„e r tz b i s ch ö f- lich-cöllnisch-gnädigstc Verordnung, die Ver- Minderung einiger Fe st tä gen betrefen d". In der Begründung dieser Verordnung hieß es, daß ehemals die kirch- lichcn Feste„Tage des Gebets und des Jubels" gewesen seien, wo- mit das Gedächtnis der Märtyrer und Heiligen begangen wurde. Tos sei jetzt nicht mehr so: jetzt glaubten manche den Feiertag un- recht zugebracht zu haben,„wenn sie nicht zugleich ihrer Schwel- g e r e y, ihrem Freßbauch und ihrer U e p p i g k e i t Genügen leisten". Durch die Anhörung eines kleinen Meßopfers vermeine man, seiner feiertäglichen Pflicht genügt zu haben,„die übrige Zeit aber wird meistenteils mit blossen Müßiggange, eitlen Besuchungen. Spielen, Tantzen und andern un- nützen Zeitvertreiben, ja gar mit Fraß und Fülle- r e y zugebracht, mithin oftmals der Gewinnste einer gantzen Woche bey den Ausschweifungen eines cinhigcn Tages verschlungen". Der Kölner Kurfürst und Erzbischof Maximilian Friedrich, der sich hier so besorgt zeigt um das sittliche Wohl seiner Unter- tanen, war nun recht wenig berufen, Anweisungen zur Mäßigkeit zu geben. Er selber war der stärkste Esser seiner Zeit; bei den Fest- lichkeiten der Kaiscrkrönung fiel er mit seinen 480 Pfund LcibeS- gewicht vom Pferde und blieb wie ein hilfloser Sack liegen. Alles Priesterliche kümmerte ihn wenig, höchstens langte er gelegentlich auf seinem Pferde vor der Kirchentür an und las im Vorbeigehen die Messe. Sein Bruder. Kaiser Josef II., machte über den Stumpfsinn des Erzbischofs öffentlich Witze, und Mozart, der ihn zu sehen bekam, schreibt über ihn:„Die Dummheit guckt ihm aus den Augen heraus." Der Mann, der in seinen Untertanen„Freß- bauche" sah. starb 1301 an verdorbenem Magen! DaS nebenbei. Dem wahren Grund der Verordnung,„die Verminderung einiger Festtägen betrcfcnd", kommt man näher, wenn man folgende Sätze kiest: „Zudem wird sich von dem AckcrSmann, den Handwerkern, Taglöhnern und allen denjenigen, welch ihr Brote durch die tägliche Arbeit verdienen müssen, bittcrst beklaget: es gehe ihnen und ihrem armen Weibe und Kindern durch die viele, der Arbeit entzogenen Täge. das Auskommen und die Versorgung ab. Der Vorzug, welchen wenigere Fcyertäge anderer Länder in Ausübung aller Arten von Hand- wcrker und Arbeit geben, macht diese Ke» drückung der Arbeit täglich schwerer." Der Hinweis auf die anderen Länder mit weniger Feiertagen zeigt, daß cS sich nicht um den kleinen Bauersmann und Hand- werker oder gar um den Tagelöhner, sondern um das Grohgewerbe, die Manufaktur und Industrie handelte, die dem Export oblagen und deshalb auS Konkurrenzgründen auf möglichste Ausnutzung der Arbeitskraft und Verbilligung der Produktion zu sehen hatten. Und selbstverständlich lag die Verminderung der Feiergelegenheiten auch im Interesse des Großgrundbesitzes, nicht zum wenigsten der Kirche selber, die damals von den 348 000 Morgen, die das Kur- fürstentum Köln umfaßte, nicht weniger als 103 000 Morgen ihr eigen nannte. Durch diese Verordnung des Kölner Kurfürsten und ErzbischofS wurden mit einem Schlage 17 Feiertage abgeschafft. Zu- gleich wurde verordnet, daß die bisher über den ganzen Sommer ausgedehnten Kirmessen der verschiedenen Orte und der verschiede- nen Pfarrreien innerhalb eines Ortes alle zusammen an einem Tage, nämlich am Sonntage nach St. Martin, und„zwarn ohne alle Gastmahlen und weltliche Lustbarkeit" begangen werden sollten— was ebenfalls eine Einschränkung der Festtage bedeutete, da die Kirchweih einer Gemeinde oder einer Pfarre gewöhnlich auch von der gesamten Umgegend mitgefeiert wurde. Der Kölner Kurfürst und Erzbischof gab in seiner Verordnung der Hoffnung Ausdruck, daß feine Untertanen an den Tagen, wo sie sonst zu feiern pflegten, nunmehr„ihre saure Arbeit und Mühe, in dem Geiste der Buße und der Ergebung in den gött- lichen Willen, Gott aufopfern, ihre Armut und Dürftigkeit gelassen ertragen, und also auch diese Täge durch die Arbeit und Schüchterkeit in Wahrheit, Gott gefälliger, als sonst durch müssige Feyern geschehen, zubringen werden". ES scheint aber, daß die guten Kölner sich doch nicht so ohne weiteres von der Weisheit ihres Oberhirten und Landesherrn haben überzeugen lassen, denn am 11. Mai 1770 sieht sich Maximilian Friedrich veranlaßt, eine weitere Verordnung ergehen zu lassen� damit nun auch wirklich die aufgehobenen Feiertage„nicht mit unnützem Müßiggang, Spielen oder Schwclgereyen, sondern zu nützlicher Arbeit und zur Förderung des Nahrung S st a«des angewendet werden". Unh besonders „befehlen Wir nicht allein sämtlichen Dien st hotten bey Vermeydung einer Straf von eine», halben Goldgülden, ihren Brod H.Lrren an sothanen Tä gen den schuldigen Dien st nicht zu verweigern, sondern auch sämtlichen unseren Untcrthancn, wan sie alsdan zum Dien st oder Wegarbeit aufgebotten werden, gehorsamlich zu erscheinen, oder zu gewärtigen, daß sie für jeden Contra- ventions-Fall in ein Goldgülden, diejenige ober, welchen die Auf- bictung zu tun obliegt und solche unterlassen, zu zwey, auch da selbiges aus Halsstarrigkeit geschehen, in mehrere Goldgüldcn brüchtfällig erklärt werden sollen." In hohem Grade„mißfällig" hatte der geistliche Landesherr bemerkt, daß sich an den aufgehobenen Feiertagen„junge Bursch unter st anden haben, die Glocken zu ziehen, diejenige, welche ihrer Hände Arbeit nachge- gangen, zu ver schimpfen, ja wohl gar an dieselbi- gen Tägen verrichtete Arbeit wiederum zu zer- nichtigen". Gegen derartige Frevler sollte„fiScaliter ver- fahren" und mit Geldstrafe und mit dem Stockhause vorgegangen werden. Heute würde man von„Sabotage" und„Tcrrorismus" reden und ein Zuchthausgesetz verlangen. Indessen Papst Pius X. braucht nicht zu fürchten, daß heute die katholischen Arbeiter, wie ihre Vorgänger im heiligen Köln deS achtzehnten Jahrhunderts, mit Gewalt die genommenen Feiertage zu retten suchen. Sie sind gut erzogen vom Zentrum und gern bereit, dem Kapitalismus zu dienen, Ivcnn es die Kirche befiehlt. Wenn nach den Lehren der Kirche derjenige, der Knecht ist, auch Knecht bleiben soll, so ist eS wohl nicht mehr als recht, daß die Arbeiter in ihrem Knechtsbe- wußtsein nicht durch allzu häufige Unterbrechung ihrer Arbeit ge- stört werden._ DU KarMsaMre. Eutspannnng. Wenn die englische Regierung wirklich die Absicht gehabt hat. gegen Deutschland schroffer und aggressiver aufzutreten,— und der Rede des Schatzmeisters Lloyd George konnte man diese Deutung geben— so hat sie sich doch offenbar eines besseren besonnen und sucht seit gestern einzulenken. Darauf läßt folgende halbosfiziöse Meldung ans London schließen: Wie das Rcutersckie Bureau auf Erkundigung in diplomatischen Kreisen erfährt, ist kein neuer Faktor aufgetreten, der den Verlauf der jetzt zwischen Frankreich und Deutschland im Gange befind- lichen Verhandlungen über Marokko stören könnte. DaS Gebiet der Besprechungen hat keine Erweiterung erfahren, und eS ist ans den Beratungen zwischen den Ministern im Aus- wärtigcn Amt in London nicht zu schließen, daß die britische Regierung in irgend einer Weise eine Intervention in Erwägung zieht, um eine» direkten oder aktiven Anicil an den gegenwärtigen Verhandlungen mit Deutschland zu nehmen. ES wird'betont, daß die Erklärungen der Minister und ihre Antworten auf Anfragen im Unterhause nur beweisen, daß die Regierung die ge- samten Fragen mit größter Aufmerksamkeit beobachtet, und die gestrige Konferenz im Auswärtigen Amt, welcher der Bot- schaftcr Vcrtie beiwohnte, war auf den Wunsch der leitenden Mirglicdcr der Regierung zurückzuführen, sich aus' erster Hand über die Faktoren des Problems und den Fortschritt der VerHand- lungcn unterrichtet zu halten. ES ist zu bemerken, daß die Er- llärung deS Premierministers im Unterhause, als Deutschlands Aktion in Agadir bekannt wurde, sich auf die neu gcscbaffene Situation in Marokko bezog sowie aus die Absicht der britischen Regierimg. alle britische» Interessen in Marokko zu schützen, die berührt werden lönnten. Man hegt keinen Zweisel, daß, wenn irgend eine Lösung nicherhalk MnrokkoS gesiniden wird, die Frank- reich defriedigt, diese sich für die britischen Interessen nicht als schädlich erweisen wird. ES ist völlig unrichtig anzunehmen, daß die britische Regierung in irgend einer Weise den Verhandlungen eine Schranke zu setzen suchte, abgesehen von den Erwägungen, die in der Erklärung des Premierministers im Unterhause auS- einander gesetzt worden sind. Die Meldungen von einer Konzentration der eng- tischen Flotte werden in englischen Blättern dahin er- läutert, daß kein Grund zur Beunruhigung vorliege. .Daily Telegraph- führt aus, jede sensationelle Aus- legung der Aenderung in den Bestimmungen für die Ä t l a n» tische Flotte stehe in direktem Widerspruch mit einem anderen Ereignisse auf maritimen? Gebiete, daS an dem nämlichen Tage vor sich ging, an dem die Admiralität in etnem Tele- grainm an Ädmiral Jellicoe den Besuch in Norwegen abgesagt habe. Die ganze dritte Division der Heimatflotte, die ein Dutzend Kriegsschiffe umfaßt, habe nämlich am Dienstag ab- gerüstet. Die dritte Division, die normal bloß mit der Stamm- Mannschaft bemannt ist, war am Abend vor der Krvmmg auf vollen Stand gebracht worden und nahm an der Floltenschau und anschließend daran an den Uebungen in der Nordsee teil, die letzte Woche beendet wurden. Die Mannschaft der dritten Division gehe jetzt in der üblichen Weise abwechselnd ans vier Tage in Ur- laub. Die gesamte Atlantische Flotte sei also nach den südlichen Gewässern zurnitbernsen und gleichzeitig die dritte Division der Heimalflotte vom Kriegs- auf den FricdenSstand gebracht worden. Die Abberufung des AdmiralS Jellicoe lenke die Aufmerksamkeit auf die Talsache, daß die Oberbefehlshaber der Heimat« und Mittel- meerflotte unglücklicherweise krank an Land weilen. .Daily Chronic! e- sagt, daS Mißverständnis scheine auf einer Verwechselung des Programms für die Atlantische Flotte mit dem deS vierten Kreuzergeschwaders zu beruhen, daS nach den vor mehreren Wochen festgesetzten Bestimmungen in den norwegischen Gewässern kreuzen sckllte. Der Besuch der Atlantischen Flotte in PorlSmouth entspreche, wie erklärt werde, dem Programm, und eS heißt, daß alle Schiffe dieser Flotte Urlaub nach ihren betreffenden HeimatShäfen erhalten sollen. Eine neue Marokkokonferenz? London, 27. Juli. Gerüchtweise verlautet hier, der deutsche Kaiser habe die Absicht geäußert, eine internationale Konferenz ein- zuberufen, welche sich über die verschiedenen strittigen Punkte in der Marokkofrage schlüssig machen soll. Die Konferenz soll angeblich im Oktober stattfinden. Köln, 27. Juli. Die»Kölnische Zeitung- bespricht in einem Artikel ans London die internationale Lage betr. die Marokkofrage und kommt zu dem Schluß, sie glaube, daß eS keinen anderen gerechten und ehrlichen AuSweg gibt, als die Formel zu befürworten: zurück nach AlgeciraS, welches die wahre Lösung der Unterhaud- lungen zwischen Frankreich und Deutschland sei. Einigung zwischen Frankreich und Spanien wegen Elksar. Sau Sebastian, 27. Juli. Gestern wurden hier mündliche Er- klärungen über einen provisorischen modus vivendi zwischen dem französischen Botschafter Geoffray und dem StaotZminister anSgetauscht. Danach wird der spanische Tabor in Elksar künftig keine scheriftschen Deserteure mehr anwerben, und die spanischen Offiziere werden eS sich angelegen sein lassen, die Pferde und Waffen der bisher desertierten scherifischen Soldaten zurückzugeben. Europäer, die mit einer Er- mächligung ihres diplomatischen oder konsularischen Vertreters ver- sehen sind, dürfen sich frei und sogar mit Waffen versehen in jener Gegend bewegen. Di« scherifisch« Mahalla bleibt auf dem linken Jlfer deS Lukkor; sollte sie aber gezwungen sein, auf das rechte Ufer hinüberzugehen, so hat sie die spanischen Behörden davon zu be- nachrichtigen. Die Marokkofrage im englischen Parlament. London, 27. Juli. Unterhaus. Bei dicht besetztem Hause eröffnete A S q u i t h die Debatte über das Budget der auslvärtigen Angelegenheiten mit einer kurzen Erklärung, die er unter tiefem Stillschweigen verlas. Er sagte: Vor zwei Tagen habe ich erklärt, daß es bequemer sein würde, wenn ich anstatt auf eine Frage aus dem Hause zu antworten, die Gelegenheit dieser Debatte ergreise, um eine Erklärung über eine Fr�ge abzugeben, die in sehr großem Maßstabe und allgemein die öffentliche Aufmerksamkeit auf alle Fälle erregt, wenn sie sie nicht gänzlich absorbiert. Ich meine die Frage, welche im Gebiet der internationalen Politik bezüglich Marokkos entstanden ist. Ich denke es wird sowohl von allgemeinem Interesse wie dem Hause genehm sein, wenn ich die Erklärung sofort abgebe, bevor die Debatte begonnen hat. Augenscheinlich ist diese marokkanische Frage auf einein Punkte angelangt, wo sie in wachsendem Maße Schwierigkeiten, Be- unriihigung nnd Besorgnis hervorrufen wird, wenn nicht eine Lösung gefunden wird. Im gegenwärttgen Augenblick zu genau auf die Ursachen und die Vorgänge einzugehen, möchte in mehr als einem Kreise Beanstandung und Widerspruch herausfordern, waS unter allen Umständen vermieden werden sollte(Beifall), und ich beabsichtige daher, einfach dem Hause darzulegen, was heute die tatsächliche Lage ist. Zwischen Frankreich und Deutschland sind Besprechungen im Gange. Wir nehmen keinen Teil an diesen Besprechungen. Der Verhandlungsgegenstand mag die englischen Interessen nicht berühren! solange wir nicht das Endresultat kennen, können wir über diesen Punkt keine abschließende Meinung ausdriicken; aber es ist unser Wunsch, daß diese Unterredungen zu einer für beide Parteien ehrenvollen und befriedigenden Vereinbarung führen möchten, von der die britische Negierung aufrichtig sagen kann, daß sie die britischen Interessen in keiner Weise präjudiziercn. Wir glauben, daß dies vollständig möglich ist. wir hegen den ernsten und ehrlichen Wunsch, daß dies erreicht werden niöge. Die Marokkofrage selbst starrt von Schwierig- leiten, aber außerhalb Marokkos, in anderen Teilen von Westafrika, denke»wir nicht daran, eine Einmischung in territoriale Ab machun- g e n z u V e r s u ch e n, die von den näher Interessierten für zweckmäßig erachtet werden. Die Behauptung, daß wir tfns eingemischt und die Ver- Handlungen zwischen Frankreich und Deutschland präjudiziert hätten, ist tatsächlich eine böswillige Erfindung ohne eine Spur von Begründung. Wir haben es van Anfang on für richtig gehalten, es klar zu legen, daß, wenn eine Ver- cinbarung der erwähnten Art nicht zustande käme, wir einen aktiven Anteil an der Erörteruna der Lage nehmen müßten. Das war unser Recht als Signatarmacht des Algecirasver- tragcS, es könnte unsere.Verpflichtung sein nach den Bestim- niungen unseres Abkommens mit Frankreich aus dem Jahre 1904 und es könnte unsere Schuldigkeit sein zur Verteidigung der durch die weitere Entwicklung direkt berührten englischen Jnteresseii, und es hat Zeiten gegeben, wo Nur nicht sicher waren, wie weit das voll verstanden wurde. Ich freue mich sagen zu können, daß wir jetzt vollständig darüber beruhigt sind. Die Erklärung, die ich vor mehr als drei Wochen hier aKgegeben habe, ulch d i e k ü r z l i ch e R e d e d e s S cha tz» kanzlers halben es. wie ich hoffe und glaube, vollständig klargestellt, daß wir keine' beherrschende oder überragende Stellung beanspruchen, sondern nur die Stellung einer Partei, die an jeder möglichen Ent- Wicklung und auch daran interessiert ist, daß eine Lösung der gegemvärtigen Schwierigkeiten gefunden werde. Noch unserm Urteil würde es ein schwerer Fehler sein und gewesen sein, einer solchen Situation ihren Lauf zu lassen, bis die Geltend- machung unseres Interesses an ihr infolge deS vorausge- gangenen Stillschweigens Ucberrraschung und Erbitterung hervorgerufen hätte in dem Augenblick, wo diese Geltend- machung zu einer gebieterischen Notwendigkeit geworden wäre(lauter Beifall). Tagegen haben wir uns. wie ich glaube, durch die bisljerigen Erklärungen genügend gesichert. Asquith schloß: Ich wiederhole, daß wir einen erfolg- reichen Ausgang der jetzt stattfindenden Bestrebungen ernstlich wünschen und ich möchte im allgemeinen Interesse einen euer- gischen Appell an das Haus richten, bei dem gegenwärtigen Anlaß nicht auf weitere Einzelheiten einzugehen oder eine grundsätzliche Kontroverse zu eröffnen.(Lauter allgemeiner Beifall.) Balfour. der unmittelbar nach dem Premierminister sprach, erklärte: die vorsorgliche und behutsame Erklärung von Asquith erfordert von mir nur wenig oder nichts an Kommentar und nicht das gering st ean Kritik.(Beifall.) Asquith hat mit voller Kenntnis der Schwierigkeiten und Verantwortlichkeiten, die mit der Leitung der auswärtigen Angelegenheiten in einer Krisis wie die jetzige verbunden sind, den Appell an das Haus gerichtet, keineerregendeMomenteindieDebattehin- einzutragen und keine unnötigen Kontroversen zu ver- anlassen. Soweit ich und meine Freunde betroffen sind, werden die Ansichten des Premierministers im Geiste wie dem Buchstaben nach befolgt werden. Mitglieder beider Parteien des Hauses haben oft gesagt. daßwirunserenPartei- differenzen, so heftig sie auch sein mögen niemals einen Einfluß gestatten, da. wo die Interessen des ganzen Landes auf dem Spiele st ehe n.(Beifall.) Keine Landung in Agadir. Die»Norddeutsche Allgemeine Zeitung- teilt mit: Gegenüber den im Auslände verbreiteten Gerüchten über die Lan« düngen deutscher Mannschaften in Agadir ist nach den von dort vorliegenden amtlichen Meldungen festzustellen, daß lediglich eine Reihe von Tagen hindurch insgesamt 20 Offiziere und Mannschaften un- bewaffnet zwei Stunden zum Spazierengehen an Land geschickt worden sind. Meitek Berlins! Lricheint heute in Mallen zu der friedenslttmdgedung! M zur„Heuen Kielt"! politifcbe öcbcrlicbt. Berlin, den 27. Juli 1911. Großindustrielle und Agrarier. l Nachdem die Leitung des Zentralverbandes deutscher Industrieller schon vor einigen Tagen in einem Rundschreiben an seine Mitglioder verkündet hat. daß sie nicht daran denke, der Landwirtschaft eine weitere Erhöhung der Lebensmittel- zölle zuzugestehen, gibt sie jetzt eine für die breite Oeffentlich- keit bestimmte, noch schärfer formulierte Erklärung gegen die von den Konservativen gehegten Zollwünsche ab. Es heißt darin: „Durch eine Anzahl von TageZblättern sind in der letzten Zeit über die Bestrebungen de» Zentralverbande» Deutscher Industrieller wiederholt Nachrichten verbreitet worden, die jeder tatsächlichen Begründung entbehren. Um diese Nachrichten und den unzutreffenden Behauptungen, welche vom Präsidenten deS Hansabundes, Herrn Geheimrat Dr. Richer, in einer am 13. Juli d. I. in Duisburg abgehaltenen Versammlung auf Grund unverbürgter Gerüchte aufgestellt worden sind, entgegenzutreten. wird hiermit öffentlich und in der bündigsten Form die Er- klärung abgeben: 1) Ter Zentralverband Deutscher JndustriMer ist nicht gewillt, in eine weitere Erhöhung der LebensmittelMe einzu- willigen. Er hat bereits bei der Vorbereitung für den jetzt geltenden Zolltarif gegen alle zu weit gehenden Forderungen auf Erhöhung der LebenSmittelzölle mit Entschiedenheit Siel, lung genommen und wird dieses bei der bevorstehenden Neu- Ordnung der laufenden Handelsverträge in gleicher Weise tun. 2) Zwischen dem Zentralverband Deutscher Industrieller und den Vertretern der konservativen Partei sind, wie dieses von der„Konservativen Korrespondenz-, dem amtlichen Organ der konservativen Partei, gleichfalls bestätigt worden ist, weder vor. noch nach dem Hansatage irgend welche Abmachungen über die beiderseitigen Schutzzollwünsche getroffen worden. 3) Der Zentralverband Deutscher Industrieller hat beim Abschluß der bestehenden Handelsverträge, insbesondere auch beim Abschluß des'deutsch-schwedischen Handelsvertrages, die Anträge der weiterverarbeitenden und der Feinindustrie in der tatkräftigsten Weise unterstützt. ES ist dieses aus dem beim Zentralverbande vorhandenen Aktenmaterial urkundlich nach- weisbar, und eS würde mit Genugtuung begrüßt werden, wenn sich Interessenten hiervon durch Einsichtnahme in die Akten überzeugen würden-. Die Erklärung ist ein Verlegenheitsprobukt und als solches nicht ollzu ernst zu nehmen. In einem großen Teil der srheinisch-wcstfälischen Großindustriellen, besonders der Walzwerksindustriellen. ist man zwar mit der sogen.„Frei- Handelsrichtung" des Hansabundes nicht einverstanden, eben- sowenig wünscht man aber eine Art Koalition mit dem Bunde der Landwirte, die auf eine weitere Erhöhung der Lc- bensmittelpreise und als Folge davon auf eine weitere Stei- gcrustg der Arbeitslöhne hindusläufk. Um diese Elemenke nicht zurückzuschrecken und zugleich den Agrariern bekannt- zugeben, dgß sie nicht zuviel fordern dürfen, dazu sind die jetzigen ostentativen Versicherungm der Leitung des Zentral- Verbandes bestimmt. Irgend eine Sicherheit die« tensiedeshalbnicht. Wie viele ähnliche Versicherungen hat nicht vor der letzten Zollerhöhungskampagne die Zen- tralverbandsleittmg abgegeben, und doch haben sich sdtfießlich die agrarischen und großindusttiellen Hochschutzzöllner zum gemeinsamen Zollschacher zusammengefunden. Die Eisen- und Stahlindustrie erstrebt weitere Erhöhungen der ihr nütz- lichen Schutzzölle. Diese Erhöhungen vermag sie aber nur durchzusetzen, wenn sie die Konservativen für ihre Pläne ge- winnt und ihnen als Aequivalent Agrarzollerhöhungen zu- gesteht. Vor die Wahl gestellt, auf seine Pläne zu verzichtm. oder auch den Agrariern einige fette Happen zukommen zu lassen, wird der Zentralverband schließlich doch nachgeben. Das wissen die konservativen Taktiker, und deshalb regen sie sich über die Erklärungen des Zentralverbandes auch nicht sonderlich auf._ Womit fich zurzeit der Kaiser beschäftigt. Wilhelm II. scheint von den KriegZgerüchten, die zurzeit durch die deutsche und englische Presse schwirren, wenig berührt zu werden. Er beschäftigt sich vielmehr, wie da» nachstehende, von dem Wolffschen Telegraphen-Bureau weiterverbreitete kaiserliche Telegramm an den Generaldirektor der„Hapag" beweist, mit der Schifssmanöverierkunst. AuS Bergen hat er folgenden sogenannten Huldbeweis an Herrn Ballin telegraphiert: Der Dampfer„Cincinnati" der Hamburg-Amerika-Linie» Kapitän Schuelke, verließ soeben den Hafen von Berge», indem er um die zu Anker liegende Nacht„Hohenzollern" herum- dampfte. Zwischen beiden Schiffen war nur ein Abstand von 130 Meter, ebensoviel zwischen der„Cincinnati- und dem Land. DaS Schiff drehte tadellos fast auf der Stelle. Ich habe dem Kapitän durch Signal„Bravo, vorzügliche» Manöver!" meine Bewunderung und Anerkennung ausgesprochen. Durch dies hervorragend« Manöver hat Kapitän Schuelke bei allen Zu- schauern bei uns an Bord und vor allem bei den Norwegern am Land das Ansehen der Hamburg-Amerika-Linie in das hellste Licht gesetzt. ES gereicht mir zur besonderen Freude, Ihnen dieses mitzuteilen, gez. Wilhelm. I. K. Militärische Ueberanftrengung. Einen vebungSmarsch von IS Stunden Dauer hak.«Sie der Karlsruher„BolkSfreund" au» Rastatt berichtet, da» dortige Infanterieregiment Nr. III trotz der großen Hitze am Sonnabend unternommen. Der AuSmarsch begann morgen» um 4 Uhr und abends um 7 Uhr wurde wieder eingerückt. Nicht weniger als ungefähr hundert Soldaten seien schlapp ge- worden. Dazu wird dem„Volksfreund" noch näher aui Muggen- stürm bei Rastatt gesckirieben:.Besonder» schlimm hat«» bei Muggensturm ausgesehen. Die Abendzüge, die nach 6 Uhr von dort nach Rastatt fuhren, brachten schon eine größere Anzahl von Mannschaften, die nicht mehr mitmachen konnten; ebenso wurden bereit» um 2 Uhr 12 Mann nach Hause gebracht. Ein vom Hih- schlage getroffener Soldat soll einen TobsuchtSanfall bekommen haben.- Warum müssen derartige UebungSmärsche, die schon ohnehin an die„Söhne d-S Volke» im Waffenrock" ganz übertriebene An« forderungen stellen, gerade zur Zeit der größten Hitze vorgenom» mcn werden? Allem Anschein nach hält man nicht für nötig, irgendwelche Rücksicht auf die jetzigen Witterungsverhältnisse zu nehmen. Ob auch eine Anzahl der„Kerls" dem Hitzschlag zum Opfer fällt, eS gibt ja noch genug Mcnschenmaterial als Ersatz. Unter dem liberalen BercinSgesetz. In Andernach(Wahlkreis Mayen-Ahrweilcr) hat unsere Organisation in der letzten Zeit ganz scböne Fortschritte gemacht, weshalb unsere Gegner mit Hilfe der Polizeibehörde alles ausbieten. diese Bewegung zu unterdrücken. Will ein Wirt sein Lokal zu einer Versammlung hergeben, so rückt ihm sofort di« Polizei- behörde auf den Leib, und so ist eS nicht möglich, ein größeres Lokal in Andernach zu bekommen. Unsere Genossen wandten sich deshalb im vorigen Monat an die Stadtverwaltung mit einer Ein- gäbe,«inen städtischen Platz zur Abhaltung einer Versammlung unter freiem Himmel zu überlassen. Die Antwort lief prompt ein. Sie hatte folgenden Wortlaut: „Die Stadtverordnetenversammlung hat in ihrer Sitzung vom 21. d. M. den Antrag auf Benutzung de» städtischen Bungerts zu politischen VersammlungSzwecken aus grundsätzlichen Bedenken abgelehnt.- Unterschrift.(Name unleserlich.)" Dieser Beschluß ist in geheimer Sitzung gefaßt worden. Nachdem also die Stadtverwaltung diesen Platz verweigert hatte, mieteten unsere Genossen von einem Fußballklub einen Platz und reichten ein Gesuch ein. Auch diese Versammlung unter freiem Himmel wurde nicht genehmigt. Folgendes Schreiben ging unserem Bertrauensmanne zu: „Die Genehmigung, zwei politische Versammlungen auf dem Grundstück des SanitätSrats Dr. Palm„am AugSberg" und auf dem Grundstück des Schäfer» Jakob Palm„Im Grunde" abzu- halten, wird Ihnen nicht erteilt, weil au» der Abhaltung der Versammlung Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu befürchten ist. Der Eigentümer und Mieter des Grundstücks„Am AugSberg" verweigern ihre Genehmigung zu der Benutzung des Grundstücks und gestatten dieselbe nicht. Die Eigentümer der bestellten Felder, welche an da» Grund- stück„Im Grunde" anstoßen, protestieren in einem Schreiben an die Polizeiverioaltung gegen die Benutzung des schmalstreifigen Palmschen Grundstückes zu VersammlungSzwecken, weil sie ein Zertreten ihrer Früchte befürchten. Diese Befürchtung ist ge- rechtfertigt." Also wieder einmal die Gefahr für di: öffentliche Sicherheit. Aber nickt genug damit, auch die Anlieger der anliegenden Grund- stücke hatten Protest eingelegt. Wie kam der Protest zustande? Der Herr Polizeikommissar schickte den Feldhüter mit einer List« zu den Eigentümern und ließ sie unterschreiben, daß sie protestieren. Doch unsere Genossen ließen sich nickt beirren. Sie suchten sofort die Gefahr für die öffentliche Sicherheit dadurch zu beseitigen, daß sie den Platz umzäunten und kamen erneut um die Genehmigung ein. Doch auch dieses Gesuch frucktete nichts. ES kam folgender Bcscheidt „Auf Ihr Schreiben vom 20. d. M. erwidere ich Ihnen, daß «S bei der Ver sagung der Genehmigung sein Bewenden haben muß. Die von Ihnen beabsichtigten Maßnahmen sind nicht ge- eignet, die Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu beseitigen. Außerdem bcsiehr die Gefahr, daß die Versammlung zu An» sammlungen im Sinne des§ 116 des St.-G.-B. führen wird." Also eS könnte der Fall eintreten, daß sich die VersammlungS- teilnehmer der Gefahr aussetzten, mit dem Z IIb St.-G.-B. in Konflikt zu kommen. Ganz abgesehen von der Ungesetzlichkeit ist ei eigentümlich, wie besorgt die Polizei ist. daß niemand«l dem Gesetz in Konflikt kommt. AIS vor einigen Wochen«in Turnfest in Andernach war. auf dem die teutschen Turner sich die Kopse blutig schlugen, war die Polizei nicht so besorgt. Auch als vor 14 Tagen die Sckützcn ein Sdjützcnsest feierten, auf dem es zu sold�en ernsten Schlägereien kam, daß die Polizei mit dem blanken Säbel einschreiten mußte, war von Besorgnis nicht» zu sehen. Wollen aber di« Sozialdemokraten ein« Persammlung abhalten, so muß die Polizei in ungesetzlicher Weise eingreifen, Herabsetzung von SchiffahrtSgebühre«. Einer Herabsetzung der SchiffahrtSgebühren für de« Lud- tvig-Donau-Mainkanal um SO Proz. hat der bayerische Landeseisenbahnrat zugestimmt in der Hoffnung, dadurch die Schiffahrt neu zu beleben. Die Gebühren auf diesem Sanol waren bisher die teuersten rn ganz Deutschland. Der bayerische Staat will allerdings nur eine Ermähigung um 25 Proz. genehmigen, doch wollen die Interessenten nötigenfalls einen Garantiefonds auf, bringen. Voraussetzung für das Aufblühen der Schiffahrt ist die Modernisierung der Schiffe, da der Betrieb mit den allen Holzkähnen viel zu teuer ist. Eine Nürnberger Firma hat probeweise Fahrten mit Motorbooten gemacht, um sich über die Rentabilität der Schiffahrt zu orientieren. Das Ergebnis wird als günstig bezeichnet._ Eine„Strafexpedition" nach dem Eaprivi-Zipfel in Sicht? Aus Deutsch-Südwestafrika liegt eine neue telegraphische Meldung des Gouverneurs vor. wonach es bis jetzt noch nicht gelungen ist. über die angeblichen Vorgänge im Caprivi-Zipfel Aufklärung zu schaffen. Der Gouverneur hat jedoch für den Fall, dah ffch die Ge- rüchle doch noch bestätigen sollten, alle Vorbereitungen treffen laffcn, um die Unruhe st ifter nachdrücklich zur Rechenschaft zu ziehen. Das.zur Rechenschaft ziehen' wäre der Auftakt zu dem.großen Reinmachen in Ovainbolaud". Die Rechnung dafür würde freilich sehr hoch werden._ Eine mißglückte Staatsaktion. Durch ein Feuilleton:„Mein letztes Gebet', das in der„Reu- ßischen Tribüne" und deren Kopfdlättern in Jena und Greiz erschienen ist, sollte Genosse Drechsler sich eines Vergehens nach § 166 St.--G.-B. schuldig gemacht haben. Die Staatsanwaltschaft in Weimar erhob Anllage und die Staatsanwaltschaft in Gera schloß sich dem an. Die Strafkammer des Landgerichts Weimar lehnte aber die Eröffnung des Hauptverfahrens ab, indem es der Rechtsdarlegung des Genossen Wolfgang Heine folgt«, daß von einer Beschimpfung Gottes keine Rede sein könne. Die Beschwerde des Staatsanwalts gegen den Entscheid des Landgerichts ist jetzt vom OberlandeSgericht Jena alb nicht stich- haltig zurückgewiesen worden. Kein Zarenbesuch in Friedberg. Wie aus Darmstadt gemeldet wird, sind die von einigen Blättern gebrachten Mitteilungen über einen diesjährigen Zaren- besuch in Fricdberg und Nauheim nur Kombinationen und ent« behrcn nach der„Frankfurter Zeitung" jeder Begründung. In maßgebenden Kreisen ist von einem solchen Besuche nichts bekannt. Der beabsichtigte Kuraufenthalt des Zaren in Nauheim ist für dieses Jahr ausgeschlossen._ Wie ein ärztliches Gutachten beim Oberkriegsgericht beachtet wird. DaS Kriegsgericht der 18. Division hatte den Heizer H. wegen Beleidigung von Vorgesetzten, Widersetzung, vlchtungsverletzung usw. zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. H. hatte am b. November entlassene Mannschaften nach dem Bahnhof zu bringen und darauf zu achten, daß sie ordnungsgemäß die Stadt ver« ließen. Bei dieser Gelegenheit wurde diel getrunken und H. kam abends total bezecht in die Kaserne zurück. In diesem Zustande rempelte er einen Obermaaten und dessen Frau an und beleidigte sie. Bei seiner Festnahme lief er zweimal davon, führte auf der Wach« unsinnige Redensarten, sodaß die Zeugen vor dem Kriegs- gericht bekundeten, H. habe den Eindruck eines Irrsinnigen gemacht. Ihm stand der, Schaum vor dem Munde, sein Blick war stier und er lallte nur noch. Trotzdem wurde H. verurteilt. Er legte Berufung ein und behauptete, nicht Herr seiner Sinne ge- Wesen zu sein. Er wurde darauf sechs Wochen in der Nerven- klinik beobachtet. Vor dem Oberkriegsgericht bekundete nun Dr. Runge von der Kieler Nervenklinik, H. sei«in leicht erregbarer Mensch. ES müsse mit größter Wahrscheinlichkeit angenommen werden, daß er nicht gewußt hat. was er tat. DaS Oberkriegsgericht legte diesem Gutachten aber recht wenig Bedeutung bei. EL nahm an. daß H. für seine Tat verantwortlich zu machen sei. Die Strafe wurde jedoch auf neun Monate Gefängnis ermäßigt, und weil H. seit dem v. November v. Ii. in Untersuchungshast sitzt, rechnete man ihm sechs Monate davon an. Oeftemich. Lcwegnug der Wiener Polizisten. Di« aus gedienten Soldaten bestehende Mannschaft der k. k. Elcher- HeitSpolizei in Wien befindet sich in einer offenkundig steigenden Bewegung. Man hat der Schutzmannschast nach jahrelangem Bitten eine.Lohnerhöhung' sjür die länger als 12 Jahre dienenden Polizisten) von sage täglich vier Hellern bewilligt, gleichzeüig aber die Dienstzeit bis zur Erreichung der höchsten Gehaltsstufe von 27'/, auf 84—37 Jahre erhöht. Nicht einmal eine leichtere Sommerau»- rüftung gewährt man der Schutzmannschast. Diese untcrbreilel nun der Oeffcntlichkeit ihre Forderungen und kündigt für den Fall der Nichterfüllung bis 1. Oktober, längstens aber 1. Januar elfte Massen- dcmonsiration der Frauen und Kinder vor dem Parlament und schließlich die passive Resistenz an. Die Fleischnotdebatte. Wien, 27. Juli. DaS Abgeordnetenhaus setzte heute die Teuerungsdebatte fort. Der Ackerbauminister Freiherr von Widmann erklärte, er erwarte eine nachhaltige Besserung in der TeuenmgSfrnge hauptsächlich von der Förderung der Landwirtschaft und der Orgamsalion deS Absatzmarktes. Er betrachte die Fleisch- einfuhr bloß als Rotbehelf. Wenn die Konsumenten und Pro- duzenten sich zusammenschließen und da» gesamt« Wohl der Bevölkerung sich vor Augen hielten, würde da« angestrebte Ziel sicher erreicht werden. sBeifall.) Der Leiter de« Handelsministerium« Mataja erörtert« den internationalen Charakter der Teuerung«- frage sowie ihre Ursachen. Auch in Deutschland bilde die Fleischnot seit Jahren Gegenstand ständiger Klage. Dort seien die Viebpreise teilweise noch höher al« in Oesterreich. Der Redner betonte, der hohe Stand der Preise in Deutsch- land habe naturgemäß auch seine Rückwirkung auf Oesterreich. eS bilde an und für sich einen Anreiz für den Export von Schlachtvieh nach Deutschland, namentlich nach Düddeutschlond. In der jüngsten Zeit sei wiederholt die Forderung eine» ViehauSfuhrvcrbot« auf- getaucht, doch sei da? Ausfuhrverbot mit dem Wortlaut und dem Geiste der Handelsverträge unvereinbar. Uebrigen» sei der Schlacht- diehexport in starkem Rückgange begriffen, argentinisches Fleisch ein- zuführen statt Balkanfleisch, wäre eine Anomalie. Um 7 Uhr abend? wurde die Debatte beendet und die betrefsen. den Anträge an den TeuerungSauLschuß verwiesen, der binnen 24 Stunden berichterstatten soll. DaS Hau« setzte sodann die De- batte über die DringlichkcitSanträge betreffend die Trrhobvczer lwahlunruhrn fort. SnglanÄ. Die auswärtige Politik vor dem Unterhaufe. London, 27. Juli. Unterhaus. Eine lange Reihe von Fragen über die äußere Politik ging der Debatte über das Budget dcS Ministeriums de» Aeußern voraus. Drei Fragen bezogen sich auf die Lage in Marokko, aber der UnterstaatSfekretär McKinnon Wood sagte, da eine Erklärung über Marokko(Siehe unter: Die »iarokkoaffäre. D. R. d.».)«bgeg-den werden würde, bitte er die Fragesteller, nicht auf eine Beantwortung zu dringen, bevor sie die Erklärung gehört hätten.— Dillon fragte, ob irgendwelche Mitteilungen mit Bezug auf die Landung des früheren Schahs in P e r f i en zwischen der russischen und der britischen Regierung ausgetauscht worden seien, und ob diese Mitteilungen veröffent» licht werden würden. McKinnon Wood erwiderte, er müsse die erste Frage bejahen, die zweit« aber verneinen. Beide Regierun. gen würden sich in die inneren Angelegenheiten PersienS nicht ein- mischen(I?). da diese ihre beiderseitigen Untertanen nicht be> rührten. McKinnon Wood sagte in Erwiderung auf mehrere Anfragen. die russische Regierung hat den früheren Schah sowohl im vorigen wie in diesem Jahre wiederholt gewarnt, nicht zu intrigieren. Der König von Montenegro hat am 20. d. M. den Vertretern GroßbrilannienS. Frankreichs. Rußlands, Oesterreich-Ungarns und Italiens in Cetinje gewisse Vorschläg« bezüglich der Lage in Albanien gemacht, aber ich kann über diese Vorschläge keinerlei Erklärung abgeben, da sie noch von den beteiligten Mächten in Er- wägung gezogen werden. perNen. Rußland und der Staatsstreich des Exschahs. Der gewöhnlich gut informierte Teheraner Korrespondent der „R u s s k o j e S l o w o' telegraphiert seinem Blatte folgende Version des vom Exschah unternommenen Putsche», die ihm im persischen Auswärtigen Amt mitgeteilt wurde: Schon vor einiger Zeit habe die Teheraner Regierung Kenntnis gehabt, daß der Ex- schah etwas gegen sie im Schilde führe. Der persische Gesandte in Wien berichtete seiner Regierung, daß Mohammed Ali unter dem falschen Namen Halil-Bagdad in Baden bei Wien aufgetaucht sei. Gerade zu dieser Zeit hielt sich der russische Minister des Auswärtigen S. Sasonoff in Baden auf! Von hier verlor sich die Spur de? Exschahs. Kurze Zeit hierauf berichtete der persische Konsul aus Baku, daß drei Agenten des Exschahs mit Waffentransporten und Bliesen dort eingetroffen seien. Der Konsul bat die russischen Behörden, die Agenten zu verhaften und die Briefe zu konfiszieren. Auch das Auswärtige Amt in Teheran bat den russischen Gesandten in dieser Angelegenheit um Unterstützung. Dieser schlug aber diese Birte mit der Begründung ab, die persische Regierung habe sich der russischen gegenüber in Handelsfragen unzugänglich ge- zeigt. Während dieser Verhandlungen fanden die Emissäre des Exschahs Zeit, mit den Führern der Turkmenen und Schachsewenen in Verbindung zu treten und den Boden für die Invasion Moham- med Alis vorzubereiten. Eine recht pikante Einzelheit Wird demselben Blatte au? Wien gemeldet. Danach erweist es sich, daß der Exschah seine Waffen bei österreichischen Gcwehrfabrikcn kaufte und sie in Be- gleitung seiner Emissäre über Baku nach Nordpersien tranSpor- tieren ließ. Der österreichischen Regierung sollen diese Waffen- aufkäufe de» vertriebenen Schah« nicht unbekannt gewesen sein. In den Wiener leitenden Kreisen habe man dies aber geduldet, um sich der russischen Regierung gegenüber»dienstbereit' zu zeigen... Von den russischen Presseäußerungen heben wir folgende her- vor. Das Organ der orthodoxen Frömmler„Kolokol" schreibt: »Die Regierung ist verpflichtet, entscheidende Maßregeln zur Unterstützung unserer Anhänger in Teheran zu ergreifen'. Ihm sekundiert schäumenden Mundes das echtrussische Zentralorgan „S e m s ch t s ch i n a":»Man muß sofort die gepanzerte Faust erheben, einen Anhänger Rußlands auf den Thron setzen, eine Regierung au» Leuten zusammensetzen, die uni ergeben sind, und in keinem Falle eine Teilung PersienS zulassen". Das Organ der Stolypingajrde, der nationalistische„S w e t' begrüßt den Restaurationsversuch des Exschahs, den es dem vertriebenen Portu- giesenkönig Manuel als Muster vorführt, auf das wärmste:»Der von ihm unternommene Schritt flößt zu ihm, als zu einem ent- schloffenen Manne Vertrauen ein". Indessen möchte das Blatt, ähnlich der offiziellen„R o s s i j a", das Dekorum wahren und spricht sich vorläufig dagegen aus, daß Rußland„die Rolle deS internationalen Gendarmen spiele'. Die offiziöse»N o w o j e W r e m j a' bereitet inzwischen den Boden vor für die formelle Anerkennung des vordringenden Exschahs. Nach seinem Einzüge in Asterabad werde die russische Diplomatie mit ihm in Be- Ziehungen treten müssen,»als dem Haupte der tatsächlichen Re- gierungsgewalt an Ort und Stelle, ohne die komplizierten Fragen des Grades seiner Gesetzmäßigkeit prüfen zu müssen'. Endlich sei die Haltung des Oktobristenorgans»G o lo s M o S k w y' er- wähnt, da? die Anschauungen der Moskauer Großbourgeoisie widerspiegelt:„Wir müssen dessen eingedenk sein, daß daS beste und bereits erprobte Mittel, die Ordnung in Persien herzustellen, ist, ein russisches Truppendeta chement dorthin zu entsenden'. So weht durch die gesamte„patriotische" russisch« Presse derselbe eroberungslustige Wind, der dadurch noch verstärkt wird, daß die liberale Presse dem neuen persischen Abenteuer vollkommen hilflos gegenübersteht, ohne die Kraft und den Wille« zu finden, dagegen Protest zu erheben. Hus der Partei. AuS den Orgauisationru. Der sozialdemokratische Kreis- Wahlverein für den Wahlkreis Stralsund-Franzburg-Rügen veröffentlickt soeben seinen Jahresbericht. Es ist daraus zu ersehen, daß die Organisation sich in aussteigender Tiitwickelung befindet. Die Zahl der OrlSvcreine stieg von Ü auf 12. während die Zahl der Mitglieder von S42 am 1. Juli 1S10, auf 10V7 am 1. Juli lvlt gestiegen ist. Oeffcntliche Versammlungen fanden im Kreis im Geschäftsjahr 88 statt. Pommersche Vollskaleuder wurden 10 406, Flugblätter und Broschüren 56 400 im Kreis verbreitet. Vom 1. Juli erscheint für den Kreis in zweimonaclichen Abständen eine Wadlzeitung in einer Auflage von 26 000 Exemplaren. Die Kassen- verbälUiisse haben sich trotz der hohen Aufwendungen für Agitation günstig gestaltet. Die Einnahme ergibt 5587,82 M., welcher eine Ausgabe von 3833,52 M. gegenüber steht, so daß ein Kassenbesiand von 1 754,30 M, verbleibt. An den Bezirksvorstand wurden 530,44 M. und an den Partcivorstand 648,28 M. abgeführt. Tschcchoslawisch-sozialdemokratische Taktik. Bei den österreichischen ReichSratSwahlen hatte die tschecho- slawische, separatistische Sozialdemokratie in Böhmen gegen daS Kartell aller bürgerlichen tschechischen Parteien zu känipfen, das ihr auch einige Mandate, darunter daS des führenden Genossen Dr. Soukup abnahm. In Mähren hingegen gewann die Partei, trotzdem sie Stimmen verlor und die tschechischen Zentralistcn eigene Kandidaten aufgestellt hatten, in den Stichwahlen sechs Mandate über ihren früheren Besitzstand. DieS geschah infolge eines formellen, festen Wahlbündiiisscs, das die Partei mit der „Volkspartei' des ehemaligen Jungtschechcn Dr. StranSky geschlossen hatte, eines ManncS, der in der VerfolgungSära zu den Ver- teidigern der angeklagten Sozialisten gehört hat. wie übrigens auch einmal Dr. Luegcr; seither aber war das Leitmotiv von StranSkyS Tätigkeit der unnachgiebigste Chauvinismus, dem eS niemals darauf ankam, da» Parlament zu zerstören und den Völkern da- durch die einzige Tribüne zu nehmen. DaS Wahlbündnis mit der chauvinisiisch-agrarisch-korrupke« EtranSkhpartei ging gegen dl« Klerikalen, die denn auch geschlagen wurden, und eS wurde so selbst- los gehalten, daß der bekannte W a n j e k, der als Leiter einer Brünner Krankenkasse die Polizei gegen Sie Vertrauensmänner der Mitglieder herbeigerufen hatte, feinen alten Kreis verließ, um nicht gegen StranSky kandidieren zu müssen, und daß der in aus- sichisrelchfter Stichwahl gegen Stransky stehende Separatist swmprda zurücktreten mußte, damit StranSky gewählt wurde. Die sechs Mandate verdanken die sozialistischea Kompromißler übrigen» auch den Klerikalen, die aus Wut über die volksparteiliche Kompro- misselei die Sozialisten wählten. Nun haben sich im Parlament die mährischen Tschechen, Bürgerliche und Sozialisten, zu einem Klub für nationale Angelegenheiten vereinigt. Dagegen wurden — zum Ausgleich— mehrere programmatische Anträge im Parla- ment von deutschen und tschechischen Sozialisten gesondert ein- gebracht, weil die Tschechen nicht darauf verzichten wollten, die Oberseparatisten Wanjek, Tusar und Bechyne als Antragsteller firmieren zu lassen.... Nun leitet der Führer de» böhmischen tschechischen Anti- sozialistenkartellS, der Abg, Dr. Kramarsch, eine Protestaktion gegen Dr. StranSky ein, der durch das Kompromiß in Mähren daS Bürgertum geschwächt habe. Die Separatisten erklären aber, daß an ibrer Treue zum Nationalismus nicht zu zweifeln sei, und ge- mcinsam mit der StranSkypartei kämpfen sie gegen Kramarjch und die Seinen. DaS ist tschechischer Sozialismus--» nach Kopenhagen! potfeelKeiu», CeriehtKeheo ulw. Ein neues Hallesche» vmzugSverbot. Während aus den verschiedensten deutschen Vaterländern und auch aus einer Reihe gut preußischer Städte Berichte über ruhig verlaufene imposante Umzüge bei Sommerfesten der Arbeiter- schaft durch die Blätler gehen, hat sich der liberale Magistrat der Stadt Halle wieder mit dem Ruhm eine? neuen Umzugs- Verbotes bedeckt. In Vertretung dcS Oberbürgermeisters Dr. Rivc hat der Bürgermeister v, Holly die Genehmigung eines Umzuges durch die Stadt anläßlich des am Sonntag stattfindenden Partei- festes versagt. Er gibt dazu eine gegen den Sinn deS Vereins- gesetzeS ebenso arg wie gegen die allgemeine Praxis verstoßende Begründung, in der es heißt, daß „auS der Veranstaltung des Umzuges auf dem in Aussicht ge- nommenen Wege nicht nur eine Gefährdung des öffentlichen Ver- kehr», sondern auch eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit zu besorgen ist. In einer Stadt von über 181000 Einwohnern sind, wie in der Bevölkerung jeder Großstadt, notorisch zahlreiche Elemente vorhanden, die eine ausgesprochene Neigung zu Skandalen und Ungesetzlichkeiten gegen die öffentlichen Sicherheitsorgane haben und nur auf die Gelegenheit solcher Veranstaltungen warten, um ihrer Neigung zu frönen. Die Geltendmachung dieser Neigung ist um so mehr zu erwarten, wenn der Umzug am Sonn- tag auf einem Wege unternommen werden soll, der an diesem Tage einen besonders reichen Verkehr aufweist. Unter diesen Umständen kann die Vcranwortung für die Aufrcchterhaltung der öffentlichen Sicherheit und den Schutz dcS RcchtSfriedcnS der Allgemeinheit bei Zulassung des Aufzuge» nicht übernommen werden.(Vergl. Entscheidung dcS 1. Senats deS Oberverwaltungsgerichts vom 10. Februar 1911.) Der Oberbürgermeister. I, V.:(gez.) v. Holly.' Besonders aufreizend wirkt dieses Verbot, weil erst in den letzten Wochen wieder ein Umzug der Kegelbrüder und ein Fackelzug der Studenten durch die Stadt erlaubt wurde. Da war nicht die Rede von den notorisch zahlreichen Elementen mit der ausgesprochenen Neigung zu Skandalen. Da war auch der RechtSfricden nicht gefährdet. Nur bei den Arbeiterumzügen haben die liberalen Magistratsherren solche Befürchtungen. Soziales. Krankenkassenbeiträge für Zwischenmeister. Der Schneider Müller war als Zwifchenmeistcr eine Reihe von Jahren hindurch für die Firma Cohn u. Kirschstein tätig. Bis zum Jahre 1906 fyat die Firma für ihn und die bei ihm bcschäf- tigtcn Arbeiter ein Drittel der Krankenkassenbeiträge bezahlt. Von da ab weigerte sich die Firma, dieses Drittel weiterzuzahlen, da sie M. als selbständigen Gewerbetreibenden betrachtete. M. arbeitete ausschließlich für die Firma, erst seit dem letzten Jahre arbeitete er außer für sie noch für zwei weitere Firmen. Als M. seine Tätigkeit für die Firma C. u. K. in diesem Jahre eingestellt hatte, wurde er durch den Vorstand der Krankenkasse und durch die Gewerbeinspektion darauf aufmerksam gemacht, daß ihm die KrankenvcrsicherungSbeiträge zu einem Drittel zu Unrecht vom Lohn gekürzt worden sind. Er erhob darauf Klage beim Gewerbe. gericht. in der er Rückzahlung des ihm zuviel abgezogenen Betrages mit 244 M. verlangte. Beklagter wendete ein, daS Gewerbcgericht sei unzuständig, da der Kläger selbständiger Gewerbetreibender sei, der när zu Un- recht nicht zur Gewerbesteuer herangezogen werde. Zur Zahlung dcS DriitelS der KrankeirverficherungSliciträge für den Kläger und dessen Arbeiter sei er mithin nicht verpflichtet. Außerdem sei auch der Kläger mit einer Abmachung, die in Berlin allgemein ge- bräuchlich sei und die Zahlungspflicht dem Zwischcnmeister auferlege, einverstanden gewesen. DaS Gericht unter Vorsitz deS MagislratSasscssorS Dr. Maguhn erklärte sich für zuständig, da als erwiesen angenommen wurde, daß die Tätigkeit des Kläger» die eine» Zwischenmeisters war. Als solcher war er auch nach dem vom Magistrat erlassenen LrtSstatut versicherungspflichtig, und die Firma hatte daS gcfetz. liche Drittel der Versicherungsbeiträge zu tragen. Die eingewen. dete Vereinbarung mit dem Kläger nach§ 80 deS Krankenverfiche- rungsgesetzes sei ungültig. Die beklagte Firma wurde dem Klage- antrag entsprechend verurteilt. SicherheitSmLnner—„weihe Salbe". Bekanntlich brachte das AbänderungSgesctz zum Allgemeinen preußischen Berggesetze vom 28. Juli 1909 den Bergarbeitern die sogenannten SicherheitSmünner. Solch ein SicherheitSmann wird von den volljährigen Bergarbeitern, die mindestens ein Jahr lang ununterbrochen auf dem betreffenden Bergwerk arbeiten, gewählt. ?;ede Steigerabteilung(oder Fahrabtcilung) wählt einen Sicher- eitSmann. Die SichcrheitSmanner sind in der Steigerabteilung, in der sie gewählt sind, während der Dauer ihres Aiiltes dort zu beschäftigen. Das Amt eines SicherheitSmanncS ist auch mit einem geietzlich unzureichenden Schutze versehen. Der SicherheitS- mann darf vom WerkSbesitzcr nur dann gekündigt werden, 1. wenn er seinen Verpflichtungen als SicherheitSmann nicht nachkommt; wenn 2. Tatsachen vorliegen, die ihn alS nicht geeignet zur Fort- fetzung feiner Tätigkeit als SicherheitSmann erscheinen lassen; 3. wenn er seine Tätigkeit als SicherheitSmann zu Zwecken mißbraucht, die mit seinem Amte als SicherheitSmann nicht im Zu- sammenhange stehen; 4. wenn wichtige Gründe anderer Art vor- liegen, die mit der Ausübung feines Amtes als SicherheitSmann nicht zusammenhangen. Alle diese„wichtigen Gründe anderer Art" reichen aber den Werksbesitzern noch lange nicht auS. um einen unbequemen SicherheitSmann, der den herrschenden Miß- ständen ernsthaft zu Leibe rückt, schnell und..anständig' los zu werden. Die Zeche„Vondern" hat ein Mittel gesunden, um lästige Sicherheitsmänner in anderer Weise loi zu werden. Die Grnbenverwaltung erläßt einen Anschlag, worin es heißt, daß das Revier Rr. 9 aufgrlSst wird. Ein Teil deS Reviers wird einem anderen angrenzenden Revier zugeteilt. Der SicherheitS- mann des angrenzenden Reviers hat den angegliederten Teil des Reviers 9 zu befahren— so ,st schon wieder ein Altverbändler als «lchcrheiiSmann abgesägt. Fall» die Bergbehörde diese»„schmerzlose Verfahren zur Be- seitigung lastiger Sicherheitsmänner' gutheißt, s« ist die»weiße Salbe endlich völlig gebrauchsfertig GewerhfcbaftUcbea. „Cbrt PtUcbc" 6c werh Pcbaf tsPtatiftik. Die christlichen Gewerkschaftsorgane ärgert die Tat fache, daß die freien Gewerkschaften eine EntWickelung ge nommen haben, vor der die christlichen Verbände die Segel streichen müssen. In den letzten iy2 Jahren vermochten die freien Gewerkschaften zehntausende Mitglieder mehr aufzu- bringen, als die christlichen Verbände in 17 Jahren um ihre Fahnen sammeln konnten. In ihrer Hilflosigkeit, die dies- bezüglichen Feststellungen aus der Welt zu streiten, kommen die christlichen Gewerkschaften her und weisen daraufhin, daß vor 17 Jahren doch nur der christliche Bergarbeiterverband gegründet worden sei, nicht die übrigen christlichen Verbände. Die seien erst später entstanden. Also bestehen die christlichen Verbände keine 17 Jahre. Das ist nicht übel ersonnen. Den- noch müssen wir schon das Jahr 1894 als das eigentliche Gründungs- und Geburtsjahr der christlichen Gewerkschafts- bewegung betrachten. Mit diesem Jahr beginnt die Geschichte der christlichen Gewerkschaftsbewegung, und von da ob hat es ihr an Agitationsboden nicht gefehlt. Sic suchten ihre Stützpunkte von vornherein bei den Behörden, Unteo nehmern, Regierungen, Kirche, den bürgerlichen Parteien usw. Trotzdem das kläglichste Resultat, das man sich denken kann. Wie kann es auch anders sein? Gewerkschaften können nur dann erstarken und dauernde Erfolge für sich aufweisen, wenn sie aus sich selbst heraus genügend Lebenskraft strahlen. Wer auf Krücken anderer humpeln muß, wie die christlichen Gewerkschaften, kann ja nichts werden, muß froh sein, daß es noch so steht, wie sich das in den Ziffern der christlichen Ge- Werkschaftsstatistik ausdrückt. Wir lesen weiter in dem christ- lichen Organ: Um auf Dumme zu Wirten, werden dann die Mitgliederzahlen der christlichen und sozialdemokratischen Gewerkschaften gegenüber- gestellt, dabei aber wird die Tatsache unterschlagen, datz eS sich dabei um Ergebnisse einer 46jährigen Tätigkeit in den sozial- demokratischen und einer stark 10jährigen in den christlichen Gewerkschaften handelt. Der„Stcinarbeiter"' und die anderen roten Blätter hätten sonst etwa schreiben müssen: Es zählten Mitglieder seit der-feit ihres Bestehens: die christlichen Gewcrkschafteu die sozialdemokrat. Gewerkschaften nach 9 Jahren 40 055 ,17 ,81 200 bei den sozialdem. Gewerkschasteu nach 9 Jahren 400 612 M. . 23„ 1110 588. 9 23 23 1 116 588 nach 9 Jahren 118 917 , 15, 316115 Die Einnahmen betrugen: bei den christl. Gewerkschäften nach 9 Jahren 884 517 M. , 15. 5 490 994, Das Vermögen betrug t nach 9 Jahren 455 970, , 15, 6113710, d. i. pro Kopf d. Mitgliedes � nach 15 Jahren 20,72 M.. 22 6,68 M. So, das sind Erfolge der München-Gladbachcr Erzie- hungsmethoden. Ohne die Zahlen, die da angegeben werden, näher zu prüfen, wollen wir konstatieren, daß ein Vergleich,- wie er oben gezogen wird, geradezu hirnverbrannt ist. Das Jahr 1863, das hier als Geburtsjahr der freien GeWerk- schaften angegeben wird, fällt in eine Zeit hinein, wo die deutschen Arbeiter noch nicht einmal das Koalitionsrccht be- saßen. Einzelne bestehende Arbeiterorganisationen vernioch- ten also eine gewerkschaftliche Tätigkeit im heutigen Sinne "nicht auszuüben. Erst in späteren Jahren wurde das Koalitionsrecht für die deutschen Arbeiter freigegeben. Und da haben wir zu fragen: Ist diese Periode mit jener um das Jahr 1894 zu vergleichen? Weder sozial noch politisch, noch sonstwie. Das stört die München-Gladbacher aber nicht. Ebensowenig der Krieg, der die gewerkschaftliche Entwickclmig gleich im Anfang lähmte, noch die einige Jahre später folgende schwere Wirtschaftskrise, die der jungen deutschen Industrie geradezu vernichtende Schläge brachte. Und die Arbeiter? Eine Organisationserfahrung lag für sie nicht vor: die Keime der Gewerkschaften sproßten ja erst. Als hingegen die christ- lichen Gewerkschaften entstanden, hatten Arbeiterorgani- fationen vorgearbeitet, und die Industrie war in Bahnen gelenkt, die einen Vergleich mit der Lage der Industrie vor 4 bis 5 Jahrzehnten nicht zulassen, wenigstens nicht in der Richtung, wie das durch obiges Zahlenmaterial geschieht. Und die christlichen Gewerkschaften vergessen die Tcssendorf-Periodc und das darauffolgende Sozialistengesetz. Sollte der christliche Zahlenjongleur wirklich nicht die Unterbrechung kennen, die die Gewerkschaftsbewegung rund 12 Jahre hindurch durch dieses Ausnahmegesetz erlitt? Das ist schon anzunehmen, denn Ge- schichte brauchen die München-Gladbacher Zöglinge nicht zu kennen, wenn sie nur im Verdrehen stark sind. Wer Vergleiche in der Gewerkschastsentwickelung ziehen will, der darf nicht mit der vorsozialistengesetzlichen Zeit anfangen, und der hat auch das Schandgesetz, das fast jede gewerkschaftliche Agi- tationstätigkeit und die Aktionsfähigkeit der Gewerkschaften lähmte, mit zu berücksichtigen. Der christliche Statistiker kümmert sich um alles das nicht, will nicht wissen, daß für die freien Gewerkschaften erst mit dem Jabre 1899 der nor- male Zustand begann. Und darum sind die Berechnungen der Christen wertlos, nur dazu angetan, Dumme zu täuschen, und die eigene Wut zu verdecken über den geradezu glänzenden Vormarsch der freien Gewerkschaften. Es bleibt dabei, die Christen haben nicht Luft genug, in der Entwickelnng den freien Gewerkschaften zu folgen. Und wenn wir 29 Jabre weiter sein werden, dann hat sich das Bild der christlichen Ohnmacht von heute immer noch nicht geändert.— Berlin und Umgegend. Nlkiiima, TSvfcrl Töpfermeister Leopold Otto, EKarlotten- bnrg-Westcnd, Spandauer Berg I, welcher wegen restierender Löhne im Jabre 1910 gesperrt werden mußte, führt zurzeit in Aicderscköneweide, Svreestr. 20/21. Bauherr G. Kirchner, die Tövferaröeitcn aus. Da die Vorbedingungen für die Sverr-- noch nicht fortgefallen sind, konnte dieselbe auch nocl» nickt aufgehoben werden._ Die Verbandsleitung. Maschinisten und Heizer! Die Differenzen bei der Dampfschiifahrts-Neederei von Franz Fermum, Spandau, sind vor Ablauf der Kündigungsfrist durch Vereinbarung beigelegt worden. Tie Maschinisten und Heizer er- halten dieselbe Lohnerhöhung von 5 M. pro Monat, zahlbar ab 1. Juli 1911, wie bei den anderen Reedereien. Die Kündigung ist zurülkgewaen und hat diese Vereinbarung Gültigkeit bis 31. Dezember 1912 wie die anderen abgeschlossenen Berträge. Die Gauleitung der Elbe-Oder-Havelschifsahrt DreSden-A., Nitzcnbergftr. 4 pt. Deurkebeo Reich. Kampf in der Glasindustrie stcgrcich beendet. Zwischen dem Arbeitgeberschutzvcrband deutscher Glasfabrilen und dem Z'ntralrerband der Glasarbeiter ist es zu einer Einigung gekommen. Tie Unternehmer bewilligen den von den Arbeitern gewünschten Einheitstarif auf Grundlage der bei der Firma A. Hönze R a ch f. gezahlten Aktordlöhnc. Die Forderung be- treiss Fortfalles des �bisherigen Jmnsprozentigen Lohnabzuges Verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: 1 wurde dergestalt bewilligt, daß von jetzt an bis 31. Dezember d. I. 214 Proz. in Fortfall kommen und am 1. Januar 1912 die weiteren 2zH Proz., fo daß die Löhne von letzterem Zeilpunkt an voll zur Auszahlung kommen. Die weiteren Forderungen wurden von der Arbeiterschaft' zurückgezogen. Zwischen beiden Kontrahenten in diesem Streik, den Rauschaer Firmen und dem Verband der Glas- arbeiter, wird ein Tarifvertrag abgeschlossen, der vom 1. August dieses Jahres bis 1. Oktober 1912 laufen soll. Die Verhandlungen sollen zwei Monate vor Ablauf beginnen. Wird der Tarif nicht gekündigt, so läuft er ein Jahr weiter.— Damit ist ein folgen- schwerer Kamps vermieden. Wenn vor Beginn des Kampfes in Kauscha die Verhandlungen auf der jetzigen Basis geführt worden- wären, dann hätte sich der 2lhvöchentliche Kampf überhaupt ver- meiden lassen. Die Unternehmer werden aus dieser Bewegung lernen, daß es besser ist, mit der Organisation zu verhandeln, als diese auszuschließen._ Auf den Schiffswerften gärt eS. Die Werftbesitzer kommen den im Vorjahre durch VerHand- lungen mit dem„Verband deutscher Mctallindustrieller" getroffenen Vereinbarungen nicht nach. Seinerzeit wurde vereinbart, daß für jeden Ort und für jede Branche Einstellungslöhne festgelegt werden sollten, und bestimmt, daß bei einzelnen Werften übliche höhere Einstellungslöhne nicht herabgesetzt werden dürfen. In einer An- zahl Orte ist dann eine Einigung über die Einstellungslöhne durch örtliche Verhandlungen erfolgt, während in Hamburg und einigen anderen Städten eine endgültige Verständigung nicht möglich war. In Hamburg übermittelten die Werften den Arbeiterorgani- sationen eine Einstellungslohnliste, d'.. rn diesen nicht anerkannt werden konnte, weil die angegebene. Ein:/'llungslöhne den tat- sächlich gezahlten nicht entsprachen, sondern für die meisten Branchen viel zu niedrig angegeben waren. Wiederholtes Vor- stelligwerden der Organisationen beim Verband der Metall- industriellen nutzte gar nichts. Die Antwort der Industriellen lautete in der Regel:„Wir haben Ihre Eingabe an den Verein deutscher Secschiffahrtswerften weitergegeben", und dann hörte man weiter nicht mehr von den Herren; die SeeschiffÄverftcn ant- warteten überhaupt nicht. Wie die Vcrbemdslcitungen zu einer Besprechung drängten, wurde geantwortet:„Alles, was zu be- sprechen war, ist im Vorjahre geschehen, für den Verband der Metallindustriellen ist die Sache erledigt." Vor längerer Zeit mutzten nun die Organisationen feststellen, daß auf einer Anzahl Hainburger Werften noch unter den selbst von den Werftbesitzern vorgeschlagenen Einstellungslöhnen Arbeiter in großer Zahl einge- tcllt wurden. Weiter wurde im Vorjahre vereinbart, daß die auf den Werften üblichen Akkorde verkürzt werden sollten und daß bei allen Akkorden ein entsprechender Ueberverdienst erzielt werden muß. Es erfolgte aber nur bei einer geringen Anzahl Werften eine Verkürzung der Akkorde, wo dieses aber geschah, erfolgte gleich- zeitig eine Herabsetzung der Akkordpreise. Mau kann sich denken, welche Erregung ein derartiges Verhalten der Werftbesitzcr bei der Arbeiterschaft ausgelöst hat. Man verlangte ein entschiedenes Ein- chreiten der Organisationslcitungen und eine Konferenz der Ver- trauensleute schlug den Verbandsvorständen vor: „Jeder auf den Werften beschäftigte und in Beschäftigung tretende Kollege hat den vor dem Streik im Jahre 1910 für seine Branche bezahlten Einstellungslohn mit einem Aufschlag von 2 Pf. pro Stunde zu fordern.(Diesen Lohnsatz haben die Werften seinerzeit als Einstellungslohn zugestanden. D. B.) Wird ihm dieser verweigert, hat er die Arbeitsstelle zu verlassen. Bis zur Anerkennung dieser Forderung sind sämtliche Nacht- irnd Ueberstunden zu verweigern. Ausgenommen hiervon sind die lleberstunden, die zu Bctriebsarbciten notwendig sind, um den Betrieb aufrechterhalten zu können, ebenfalls die bei Jnkraft- treten dieses Beschlusses bestehenden regulären Nachtschichten." Eine Konferenz der Zentralvorstände und der Zentralwerft- kommission beschloß dann, durch sofortige beschleunigte Erhebungen das Veschwerdematarial zu sammeln, dasselbe den Werstbesitzern zu unterbreiten und von diesen zu verlangen, daß sie nunmehr endlich den Abmachungen' nachkommen. Innerhalb 8 Tagen sollte von den Werftbcsihern eine endgültige Antwort verlangt wevden. Bis dahin sollte die Durchführung des obigen Beschlusses der Ver- trauensleute vertagt werden. Welche Erregung nun durch das unverantwortliche Verhalten der Unternehmer bei den Arbeitern vorhanden ist, ergibt sich daraus, daß in einer Versammlung der auf den Werften be- schäftigten Metallarbeiter, die von Tausenden besucht war, beschlossen wurde, die Vorschläge der Zentralvorstände abzulehnen, da den Werftbesitzern der gute Wille zur Erfüllung ihrer Pflicht fehle. Dagegen beschloß die Versammlung: „Die Vertrauensleute werden beauftragt, die nötigen Schritte für eine allgemeine Bewegung zu gegebener Zeit in die Wege zu leiten." Der Beschluß der Verbandsvorstände muß, da 8 Organisationen in Frajw kommen, trotz der Stellungnahme der Metallarbeiter durchgesührt werden. Zu hoffen ist, daß die Werflbesitzer sich nicht weiter um ihre eingegangenen Verpflichtungen drücken, da sonst die Verbandsvorstände jede Verantwortung für die kommenden Dinge ablehnen müssen. Die deutsche Arbeiterschaft wird gut tun, die weitere EntWicke- lung der Differenzen ans den Hamburger Sceschiffswerften auf- merksam zu verfolgen, da Uebcrraschungen nicht ausgeschlossen sind. Im Hamburger Hokzgelverbe dauert der Kampf unverändert fort. In einem eigenartigen Lichte erscheint jetzt der.unparteiische Vermitrler" Dr. Naumann, der be- kaimtlich der.Patriolischen Gesellschaft" den Arbeitsnachweis der Holzindustrie in die Hände spielen wollte. Herr Dr. Naumann zieht nämlich in einem Eingesandt, daS er mir seinem Namen zeichnet, in der Hamburger bürgerlichen Presse gegen die Arbeiicr zu Felde. Und so was nennt sich dann noch unparteiisch! In Wirklichkeit scheint eS so, als wenn der Herr sich berufen fühlte, als Vertreter der Unternehmer die Verhandlungen in die Wege zu leiten. Die„Palriotische Gesellschaft", die von Dr. Engel und Dr. Naumann als unparteiisch über das Bohnenlied gelobt wurde, hat ihre.Unparteilichkeit", wie jetzt bekannt wird, während des Kompses der Holzarbeiter in einer ganz eigenartigen Weise dokumentiert. Bei der Firma'Markus u. Frank haben sich nämlich sämtliche Hausdiener und Packer mit den Tischlern solidarisch erklärt, und die„Patriotische Gesellschaft" hat sofort 20 Hausdiener als Streikbrecher nach dort vermittelt, die allerdings nach Kenntnis der Sache die Arbeit nicht aufnahmen.— Die Zahl der Streikbrecher hat sich im Slädtcgebict in der letzten Woche nm 20 vermindert. Mit allen Miiteln versuchen aber die Agenten, weitere Arbeitswillige heranzuziehen. Besonders die„Herbergen zur Heimat" und da« Asyl für Obdachlose in Berlin werden täglich von den Agenten abgesucht. Auch in anderen Stadien sind Agenten immer noch am Werke und Dutzende von Sweitbrecher-Jnseraten erscheinen täglich.— Aibeiter. sorgt dafür, daß der Zuzug nach Ham- bnrg ferngehalten wird I Unter schwarzer Herrschaft. Wer die Drahtzieher in der christlichen Arbeiterbewegung sind, zeigt deutlich folgender Fall, der sich in Oberbayer» abgespielt hat. Die Konsumenten, vor allem die chriülicheii Gcwerkichaften in Vi u r n a u baben sich an den christlichen Arbeitersekretär A d e 1 h o f in Weilheim gewandt mit dem Ersuchen, sie bei Grüiiduiig eines Kon'UiuvereinS zu unterstützen. Am 23. Juni schrieb Adelhos an den Velanstalter der Bewegung folgenden Brief: .Sehr geehrter Herr I Endlich ist ei oeluiigen. daß ich nach Mnrnau kommen darf. nicht oin 25. Juni, wie ausgemacht, sondern Herr Pfarrer > ch r i e b mir, ich soll ctst am 29. Juni kommen. Kommt also Mann für Mann. Achtungsvoll AdelHof. Arbcitersekretär.' Die Versammlung fand statt, über die Gründung eineö Konsum- verein? wurde aber nicht geredet. Der christliche Arbeitersekreiär durfte olio offenbar nicht. Die Arbeiter haben sich nun an eine andere Seile gewendet. Huoland. Die norwegische Massenaussperrung hat im ganzen Volke eine gewaltige Erregung hervorgerufen, die den besten Nährboden für die sozialistische Agitation bildet. Aus Anlaß der Aussperrung fanden am Montag im ganzen Lande große Demoiistratioiisversanimluiigen statt. In Kristiania bewegte sich ein Zug von 10 900 Arbeitern durch die Stadt, und an der Verftimm- lung auf Tullinlökken nahmen sogar 25 000 Menschen teil. Unter großer Begeisterung sprachen dort der Vorsitzende der Landesorgaui- salion der Gewerkschaften Ole Lian und der Parteivorsitzende Chr. H. Knndsen. Es war die größte Arbeiterversammlung, die jemals in Norwegen stattgefunden hat. Der'frühere Minister Castberg hat an daZ Storthing das Ersuchen gerichtet, unmittelbar für die Diirchführnng eines Gesetzes über Beriniitelimg und Schiedsgerichtsverfahren in Arbeitsstreitig- leiten zu sorgen, um in Zukunft einem solcken Landesmiglück vor- zubeugen, wie es die gegenwärtige Massenaussperrung seiner Meirniiig nach ist. Eine Reihe von Stoithingsabgeordneten hat sich diesem Verlangen angeschlossen und man beabsichtigt, sofort ein Komitee einzusetzen zur Ausarbeitung eines Gesetzentwurfs. Im Lager der Arbeitgeber scheint große Unruhe zu herrschen. Man droht damit, die Arbeitgebervereinigung zu sprengen, falls nicht baldigst Schluß gemacht wird mit der Aussperrung. Die öffentliche Meinung nimmt immer mehr Partei ftir die Ausgesperrten. Mehrere Kommunen, die besonders stark unter der Aussperrung zu leiden haben, haben außerordentlicke Arbeiten in Angriff nehmen lassen, um die Ausgesperrten zu beschäftigen. Die Arbeiterschaft hat überall den allgemeinen Alkoholboykott durchgeführt und gleichzeitig haben bereits mehrere Städte die Branntweinschank- und Verkaufsstellen gänzlich geschlossen._ ftadmdrtcn« Die Marokkofrage im englischen Unterhaus. In dem Artikel„Die Marokko frage" finden uns-»-» Leser die Debatte über die Marokkofrage im englischen Unterhaus. Die Sitzung dauerte bis spät in die Nacht hinein. Aus der Debatte sei noch folgendes erwähnt: Valfour schloß seine Rede: Ich glaube, es hat niemals einen Augenblick gegeben, wo diese Doktrin schwieriger auszuführen war, als jetzt, wo die Parteistreitigkcitcn über innere Fragen bitterer und schärfer sind, als sie nach der Erinnerung aller Mitglieder des Hauses je gewesen sind. Was die Opposition angeht, ist diese Doktrin nicht nur in der Zeit aufgestellt worden, wo die Temperatur der Partei- streitigkeiten eine niedrige und der politische Horizont im Auslande klar gewesen ist. Sie war aufrichtig gemeint und würde getreulich durchgeftihrt werden, wenn es irgend welche Beobachter oder Kritiker außerhalb des Hauses gibt, die auf unsere S t r e i. tigkeiten gerechnet haben und darauf, daß wir von unseren bitteren heimischen Zwistigkeiten gänzlich in Anspruch ge- nommen sind, und darauf gehofft haben, daß dadurch eine Politik erleichtert wird, gegen die Großbritannien unter anderen Verhält- nisscn vielleicht Einwand erheben möchte. Wenn es irgend welche Leute gibt, die annehmen, daß wir von der Karte Europas gestrichen sind, weil wir unsere eigene Schwierigkeiten zu Hause habe», so sei es diesen Leuten gesagt, daß sie das Empfinden des britischen Volkes und den Patriotismus der Opposition völlig ver- kennen, ob nun diese Opposition eine liberale oder eine konservative ist.(Lauter Beifall.) Ramsay Macdonald sagte als Vertreter der Ar- beiterpartei, der Ernst der Erklärung AsquithS werde nie- mand im Hause entgehen. Man kenne die Anschauungen der Ar- beiterpartei und ihre Verbindung mit den Arbeiterorganisationen der anderen europäischen Länder, und man wisse, daß diese Lrgani- sationen mit vereinten Kräften bis zum lebten Augenblick für den Frieden wirken würden. Die Arbeiter wüßten, datz die Lage ernst sei und daß sie die internationale Politik nicht in ihrer Gewalt hätten, aber es dürfte für die Regierenden aller Länder nützlich sein, zu wissen, daß eS st a r k e Organisationen gebe, die bei gutem und schlechtem Wetter für den Frieden einstände«. Zu seinem Schmerz müsse er erklären, daß er die Aeutzerung Lloyd Georges im Mansion House aufs lebhafteste bedauere. (Lauter Widerspruch von feiten der Liberalen und der Unionisten.) Wenn diese Erklärung habe gegeben werden müssen, so hätte dies auf dem üblichen, privaten Wege geschehen können, denn so habe sie die Grundlage gebildet für eine Preßkampagne, die jeder bedanern müsse. Macdonald schloß, ich hoffe sehnlichst. daß die jetzt stattfindenden Verhandlungen friedlich ausgehen werden.(Allgemeiner Beifall.) Ich hoffe sehnlichst, datz keine europäische Nation auch nur für einen einzigen Augenblick annehmen wird, daß die Teilung des Landes in Parteien den nationalen Geist oder die nationale Ein- heit schwächen wird. Aber daS bedeutet nicht, daß es nicht Gruppen bei uns geben wird, die unaufhörlich, Tag und Nacht, danach streben Iverdcn, es für zwei zivilisierte Länder unmöglich oder schwierig zu machen, daß sie eine Entscheidung durch daS Schwert suchen, um eine Schwierigkeit beizulegen, die mit großer Leichtig- kcit durch das Tribunal im Haag beigelegt werden könnte. Schwerer Betriebsunfall. Langcrfeld b. Barmen, 27. Juli. In einer hiesigen Ziegelei zerriß der T reibricmen einer Steinzer kleine- rungsmaschine, wobei das Schwungrad sich löste und in mehreren Stücken umherflog. Ein Stück traf drei in der Nähe stehende Arbeiter und verletzte sie so schwer, daß einer von ihnen kurze Zeit darauf starb. Die beiden anderen wurden Irbcnsgcfährlich verletzt ins Krankenhaus gebracht. Drei Personen ertrunken. Beckum(Westfalen). 27. Juli.(B. H.) Beim Spielen stürzte das zweijährige Töchterchen des Aufsehers H a r m e s in einen mit heißem Wasser angefüllten Fabrik- wich der Firma S. Schlenkhoff. Auf die Hilferufe der sechsjährigen «chwester eilte die Mutter des Kindes herbei und. rzte sich in das •twa 4 5 Grad heiße Wasser, um das Kind zu retten. Tie Frau ging aber im Wasser g I c i ch u n t e r. Die Arbeiter Görges und Pettkcr hatten den Vorfall von der Fabrik auS gesehen und eilten nun ihrerseits hinzu. Bei den Rettungsarbeiten ertrank aber auch der Arbeiter OlörgeS, während Pctlker gerettet iverden konnte. Die drei Leichen wurden geborgen. Selbstmord eines Strastclibahndirektors. Kiel, 27. Juli.(W. T. B.) Großes Aufsehen erregt, wie die „Kieler Neuest n Nachrichten" melden, der Selbstmord des D i r e k. tors der Kieler Straßenbahn Attcrliiig, der heute nach- mittag durch Erschießen Selbstmord verübte. Das Motiv zur Tat ist noch nicht bekannt. DaS Wiedcrnufnahinrverfahren abgelehnt. Diez, 27. Juli.(B. H.) Rcmffahrer Breuer, der zn leben?» länglichem Zuchthaus„begnadigt" und in der hiesigen Strafanstalt untergebracht ist, hat seitens der Oberstaatsanwaltschaft den end- gültigen Bescheid erhalten, daß sein Antrag aus Wiederausnahme des Verfahrens abgelehnt worden ist. Zh.(«locke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Bcrlagsanstalt Paul Singer z:Cy.. Berlin LW. Hierzu 2 Beilagen«.Unterhaltungsbl. Kr. 174. 28. I KcilU ks Joraätts" Intet öolliülilütt. Mag. 28. IM 1911. Der Internationale Bergarbeiterkongreß. London, 25. Juli 1911.(Gig. Ver.) '' Zweiter Tag. NachmittagSsitzung. Sorridux(Frankreich) erklärt die Eniwickelung und die ictjigc Fassung des französischen Gesetzes über Arbeitennspcktoren im Bergbau. Die Einrichtung habe sich in Frankreich gut bewährt, was dazu geführt habe, daß den Arbeiterinspektoren weitgehende Befugnisse erteilt worden feien. Nacheinander seien sie mit der Uebcrwachung der Gesetze über die Unfallocrhütung. den Ruhetag, den Achtstundentag und die Kinderarbeit beauftragt worden. Des ard in(Belgien) schildert die schlechten Jnspcktionsverhält- nisse im belgischen Bergbau. Tie bestehenden Arbeitcrinspektoren, die von der klerikalen Regierung ernannt würden, seien zu sehr von den Behörden abhängig, um den Bergarbeitern zu nützen. Smillie(Großbritannien) beschreibt die gänzlich ungenügende Grubeninspektion in Großbritannien. Obgleich über eine Million Arbeiter in der britischen Bergwcrksindustrie beschäftigt würden, gebe es nur 38 Inspektoren. Tie stetige Vermehrung der Gruben- Unfälle beweise, daß das Jnspektionssystcm schlecht sei. Es müsse eine Jnspektvrenklasse geschaffen werden, die direkt aus den Reihen der praktischen Bergarbeiter hervorgehe. Eine Klasse von Inspektoren, die die höchst« wissenschaftliche Ausbildung besitze, sei ebenfalls von größter Wichtigkeit. Leider seien die Fähigkeiten und Kenntnisse nicht immer ausschlaggebend bei der Ernennung der staatlichen Grubcninspektorcn. Die Söhne vieler Bergarbeiter hätten sich durch eifriges Studium die Kenntnisse eines Berg- inspektors angeeignet, die Examen bestanden, aber stets würden Leute mit einflußreichen Freunden und Verwandten zu Jnspck- toren ernannt. Die großen Grubenunglücke des vergangenen Jahres hätten das öffentliche Gewissen aufgerüttelt, so daß heute die Regierung geneigt sei, den Bergarbeitern etwas entgegen- zukommen. 30 neue Inspektoren, die aus den Reihen der prak- tischen Bergarbeiter genommen werden sollen, werden demnächst ernannt werden. Auch befindet sich in der neuen Berggesetzvor- läge eine Klausel, nach der die Bergarbeiter jeder Grube das Recht bekommen sollen, zwei ihrer Kollegen als ständige Inspektoren auf eigene Kosten zu ernennen.— Die Resolution, in der von den Bergarbeitern gewählte und vom Staate besoldete Arbeiterinspek- toren verlangt werden, wird cinstiiiimig angenommen. Der nächste Punkt der Tagesordnung betraf die Regelung der Löhne durch Abschluß von Tarifverträgen. Ebert(Oester» reich) weist an der Hand der offiziellen Statistik nach, daß die Ar- bcitgeber in Oesterreich wohl imstande sind, ihren Arbeitern einen Minimallohn zu garantieren. F a l o n y(Belgien) empfiehlt zur Erreichung von SKinimallöhnen und Tarifverträgen die gcwcrk- schaftliche und die pol'tischc Aktion. Die belgische Arbeiterpartei werde demnächst eine Vorlage über den Minimallohn im Bergbau einbringen. Mankowsky(Pole, Deutschland) weist darauf hin, daß die Lohnfrage in engem Zusammenhang mit der Vermehrung der Grubenunfälle stehe. Tie stets steigende Intensität der Ar- beit führe zu vielen Unfällen. Dem Sinken der Löhne, das sich in Teutschland besonders zwischen 1907 und 1910 bemerkbar gc- macht habe und auch in Großbritannien empfunden werde, müsse Einhalt geboten werden. Das Kaligesctz habe den deutschen Bergarbeitern in den Kaligruben die Einführung eines Minimal- lohnes versprochen; die IlnterPhmer chatten es aber verstanden, die Bestimmungen des Gesetzcs''zu umgehen, Hub Indurtne und Dandd. Die Porzellanindustrie im ersten Halbjahr 1911. Die deutsche Porzellanindustrie hat es verstanden, den ncnzeit- lichen Bcstrebiiiigcn nach Schaffung guter kunstgewerblicher Erzeugnisse entgegenzukonmien und hat dadurch ihre Gleich- Wertigkeit mit den beste» ausländischen Konkurrenten immer wieder bewiesen. Daher ist cS ihr auch gelungen, die schwere Depression, unter der sie seit der letzten Krise litt, zu beseitsgcn und wieder daS hohe Niveau früherer Jahre zu erreichen. Die Ausfuhr fertiger Porzellanwaren hat so kräftig zugenommen, daß sie im ersten Halbjahr 1911 sich auf 241 932 Doppelzentner stellte und somit die Aussuhr von 1907 noch um 17 317 Doppelzentner übertraf. Gegenüber dem Vorjahre bclänst sich die Zunahme der Ausfuhr auf 32 330 Doppelzentner. Der Wert kleines feuülcton. Der norddeutsche Naturschutzpark in der Lüneburger Heide ist nach der.Köln. Ztg." nunmehr gesichert, da dem Verein Narurschntz- park in Stuttgart die Genehmigung zur Abhaltung einer Lotterie erteilt ist. Die Lotterie sichert dem Verein eine Reincinnahme von 1400 000 M. Der Verein wird nunmehr die von langer Hand vorbereiteten GrundslückSankäufe an den Rändern und besonders gefährdeten Stellen des Naturschutzgebietes vollziehen. Der Rest des Gebietes mit Ausnahme dreier kleiner Dörfer, die mit ihren stroh- bedeckten Gebäude», ihrer Hcidschniickcn« und Bienenioirtschaft als charakteristische Denkmäler altniedersächsischer Kultur bestehen bleiben, soll»ach und nach sreibändig angekauft werden. Die Gesamtkosten sind auf etwa 2'/, Millionen Mark zu schätzen. Hiervon finden 1400000 M. Deckung durch den Ertrag der Lotterie. Der Rest wird als Hypothek aufgenommen werden, deren VerzinsungS- und TilgnngSguoteu aus VereinSbeiträgeu sowie ans laufenden Zuschüssen der außerpreußischcn norddeutschen VnndeSstaatc» und der beteiligten Komntnnalvcrbände gedeckt werden sollen. Der norddeutsche Naturschutzpark, in den Kreisen Soltau und Winken des Regierungsbezirks Lüneburg gelegen, hat bei einer Größe von rund vier deutschen Ouadratmeilen(24 000 Hektar) eine Länge von etwa 20 Kilometer und eine Breite von etwa 13 Kilometer. Von den ungefähr 7000 Hektar fiskalischen Forsten abgesehen, besteht das Gebiet im ivesentlichen auS welliger Heide, durch- strömt von mehreren Heidbächen und durchsprengt mit kleinen Kiefer-, Eichen« und Buchenbeständeu sotvie Sumpf- und Moorslächen. Land- schastlich hervorragend sind insbesondere der Wilseder Berg (170 Meter) imnitten des Gebietes, der die Endablagcrungen dilnvialcr Gletscher darstellt, ferner der Totengrund und der Stein- grund mit ihren erratischen Blöcken' und dichten Wacholdcrbcständen, endlich da? ticfcingeschnilteue Tal der forellenreichen Aue. Da die Ränder des Naturschutzparkes von bewaldeten Höhen gebildet werden. so fallen die Grenzen, von dem Wilseder Berg aus gesehen, nach fast allen Richtungen mit dem Horizont derart zusammen, daß sich dem Auge daS Bild einer in sich geichlossenen Heidelandschaft bietet. Arten- reich und wechselvoll ist die Flora der Landschaft. Auch die Fauna ist sehr mannigfaltig. Die Forsten deS Naturschutzparkes sind bekannt ivegeu ihrer starken Hirsche. Multcrwild wird sich in größerer Zahl ein- stellen sobald Pläntcrwirtsckaft eingeführt ist. Auch Schwarzwild kommt als Standwild vor. Ebenso ist Niederwild gut vertreten; vom Flugwild sind besonders Reiher, Birkwild, Brachvogel, Regen- Pfeifer und Wasscrwild aller Art zu verzeichnen. Besonderheiten bilden der schwarz« Storch, der Kolkrabe sowie der Nerz, der noch vor wenigen Jahren festgestellt worden ist. Aber nicht auf die Einzelheiten der Fauna und Flora komnit eS an. das Wichtigste ist, daß ein Teil der Heide als charakteristische Formation Nord- deutschlandö und als rurziaartigcs Nalurdentural für immer erhalten wird. der Ausfuhr ist von 10.47 Millionen Mark in der vorjährigen Ver- glcichszeit auf 18,74 Millionen Mark gestiegen. Au? der Mnsikinstriimcntenindiistrie. Uebcr die Musikinstrumenten- siidustrie im Jahre 1910 entnehmen wir einem längeren Bericht der „Musikinstrnmcntcn-Zeitiing", daß das abgelaufene Jahr im all- gemeinen als ein gutes Geschäftsjahr bezeichnet werden muß. Be- sonders der Export habe sich gehoben, wenn auch der Absatz nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika zunächst unter dem rigo- roscn Vorgehen der amerikanischen Zollbehörden schwer zu leiden gehabt hätte. Da die Rohmaterialien einen ziemlich hohen Preis- stand gehabt, sei das GewinncrgcbniS nicht durchgängig dem Be- schästigimgSgrade angemessen gestiegen. Die Löhne mußten wegen Mangel an ständigen Arbeitskräften erhöht werden. Immerhin fei Aufwärtsbewcgiliig im Geschäftsgang zu konstatieren. Allein aus dem Koiisulatsbezirk Markneukirchen stieg der Ausfuhr- wert von Musikinstrmnenten und Saiten nach den Ver- einigten Staaten von 2 337 ö96 Mark im Jahre 1909 auf 2 095 280 M. im Jahrs 1910. Der Handel im Rohmaterial stieg von Vierteljahr zu Vierteljahr. Die Holzpreise behielten ihren normalen Preisstand. Nur Schlangenholz wurde ungewöhnlich hoch bezahlt und Pferdcfleischholz fehlte überhaupt, da die brasilianische Regierung das Abholzen der Bäume aus Rücksicht auf den Schutz der Gummibäume verboten habe. Pcrlmutterschalen wurden teuer bewertet. Dagegen hatten die in den amerikanischen Gewässern gefischten Erecn-car-Schalen und Goldfischschalen normale Preise. Auch Horn und Schildpatt. Die Elfenbeinhalbfabrikate, die schon voriges Iaht um iö Proz. gefallen, seien nochmals um 50 Proz. heruntergegangen. Der P5eis für Pferdchaar blieb unverändert. Die Darmsaitenfabrikation war lebhaft. Rohmaterial wurde reichlich angeboten, jedoch die Qualität der Rohdärme gehe immer mehr zurück. Arbeitskräfte für diesen FabrikationS- zweig, besonders weibliche, mangelten auch im ver- gangenen Jahre wieder, umsomebr als der Geschäftsgang flott war. Die Arbeitslöhne mußten demzufolge ganz beträchtlich erhöht werden. Trotz der gestiegenen Löhne bleibt aber der Nachwuchs an weiblichen Arbeitskräften zur E r l ernung der Darmsaitenfabrikation gering, so daß eine Beseitigung deS ArbciterinnenmangclS vorerst nicht abzusehen sei, da die AuS- sichten für 1911 günstig. Auch die Fabrikaiion von Stahl«, übersponnenen und seidenen Saiten habe einen besseren GeschästSganof zu verzeichnen. In besseren Saiten, wie sie Deutschland und Mitteleuropa be- ziehe, waren die Preise gute. Die für den Export nach Uebersce be- stiinmten billigeren Waren hätten durch den Preisdruck der Konkurrenz keine hohen Preise erzielen können. Eine konsilmgenossenschaftliche Bank. Der Verband der schweizerischen Konsumgenossenschaften hat Mitte Juli in Basel eine Geschäftsstelle für den Geld-, ZahlnngS- und jlrcdilvcrkchr von Konsumvereinen und verwandten genossenschaft- lichen Organisationen in Verbindung mit der genossenschaftlichen GroßeinkaufSstelle ervssnct. Im einzelnen bestimmt daS Reglement über die Aufgaben dieser Genossenschaftsbank folgendes: 1. Annahme verzinslicher Gelder: a) in Kontokorrent von Ver bandSvercinen und deren Mitgliedern; b) in Depositen von Verbands� vereinen und deren Mitgliedern; o> gegen Obligationen von Ver bandSvercinen, deren Mitgliedern und Drittpersonen. 2. Gewährung von festen Darlehen an Verbandsvereine und verwandte genossenschaftliche Organisationen gegen Grundpfand, Faustpfand, Bürgschaft und Warenverschreibung. 3. Diskontierung, Inkasso. Kauf und Verlauf von Wechseln. 4. Eröffnung von jlontokorrentkreditcn an Vcrbandsvcrcine und verwandte genossenschaftliche Ordanisationen gegen grundpfändliche Sicherheit, gegen Faustpfänder, gegen Bürgschaften und gegen Waren- verschreibnng. 5. An- nnd Verkauf von Wcrtschriftcn unter Ausschaltung von SpcliilaliouSgcschästelr. 0. Ncberiiahme von VerniögenSverwaltungen und Aufbewahrung von Wertschrifien und Wertsachen. 7. Vermittlung von Anleihen an Genossenschaften und von Ver- sichenmgen der verschiedensten Art. 8. Besorgung von Speditionsgeschäften und Beschaffung von Informationell. Alle Geschäfte der Bankabteilung sind nach gesunden Dank- technischen Grundsätzen unter Berücksichtignitg der Eigenart der koniumgenossciischaftlichen Organisation zu behandeln nnd durch« zuführen, lieber den Betrieb der Bankabteilung ist gesonderte Rech- niiilg zu führen. Tie Linkshänder. Daß der Gebrauch der linken Hand neben der rechten vernachlässigt wird, ist eins Klage, die vielfacki erhoben worden ist, und der man dadurch zil begegnen versucht bat, daß man direkte llebungeu für de» Gebrauch der linken Hand einfnhrcil wollte. Die Künstler sind wohl die einzigen, die rein erfahriingSgeinäß bei ihren Arbeiten nncki die linke Hand mehr heranziehen, und so finden sich denn unter Malern»iid Bildhauern recht viele„Zmeihänder". Ein berühmtes Beispiel dafür war Adolf Menzel, der mit der linken Hand niilideslenS ebenso sicher zeichnete wie mit der rechten. Doch die ausgesprochenen.LiulShäiider" sind auch unter Künstlern selten. Eine Anzahl von Meistern der Palette, die den Pinsel aber mir mit der liiiken Hand den künstlerischen Nachdruck verleihen können, führt eine englische Zeitschrift an. Der Maler George Clausen läßt sich direkt seine Paletten für die rechte Hand anfertigen, weil er nur mit der linken malen kann. Auch der Zeichner LoniS Main entwirft all seine ent- zückenden Skizzen mit der linken Hand, und zwar zeichnet er so rasch und so sicher, wie e§ kaum ein anderer mit der rechten könnte. Was bei dem Maler noch eher begreiflich er- scheint, ist bei dem Kilnstgewerbler viel rätselhafter. Wer würde glauben, daß die wundervollen Tongefäße, die den Namen von Haminh Barlow berühmt gemacht haben, mit der linken Hand modelliert sind? Diese Künstlerin� weiß ihren Töpfereien den Reiz der persönlichen Schöpsimg auszuprägen; jede? Stück, das ihre gc- schickte Hand geformt, hat seine einzigartige Schönheit nnd verrät den Reiz individueller künstlerischer Behandlung. Miß Barlow ist Linkshänder nicht aus eigener Wohl, sondern die Notwendigkeit hat sie dazu gezwungen. Sie zeichnete zunächst ihre Ornamente und Schmuckformen mir der rechten Hand auf die Tongetäße, aber plötzlich kiat eine Lähmung ihrer rechten Hand ein und der Arzt erklärte ihr. daß sie niemals mehr imstande sein würde, ihre Kunst auszuüben. Docki ihr starker Wille überwand dieses Hindernis, sie begann, zunächst unsicher und zaghaft, mit der linken Hand zu arbeilen; sie ver- zweifelte, daß es ihr gelingen würde, die nötige Sicherheit und Gc- nauigkcit der Formgebung nnd der Linienführung zu erlangen, aber allmählich entfaltete sie mit der linken Hand eine noch hphere Boll- kommenbeit als vorher mit der rechten, und ihre Arbeiten sind yente noch schöner als früher. Ein bggeifterter Anhänger der»Zweihändig- keil" ist Sir Badcn-Powcll. Durch lange Hebungen hat er eS dahin gebracht, daß er die linke Hand ganz so gebrauchen kann wie die rechte. Und er ist von dieser Steigerung seiner Fähigkeiten so ein- genommen, daß er auch unter der von ihm ins Leben gerufenen englischen Jngendwehr. den Boy ScontS, den häufigeren Gebrauch der linket» Hand nach Kräften einzuführen bemüht ist. Humor und Satire. Militärgottesdienst. Würdig ist des bunten Rocks nur der Christ, der orthodox; darum gilt's, daß er Pastör» liberaler Art nicht höre. Der VerwaltnngSkomntission, als gesetzlichen Vorstand der Ee« nosscnschaft und verantwortliches Organ deS Verbandes, wird auch die Leitung der Bankabteilung übertragen. Vorsieher ist Herr B. Jäggi, Mitglied deS BankrateS der Basler Kantonalbank. Niiii ist auch in der GewerkschaftSpreffe die Gründung einer GewerkichaftSbank erörtert worden. Nach der Eröffnung der Ge- noffenschaftsbank scheint man einen solchem Plan aber nicht weiter mehr zu verfolgen._ Hub der frauenbe�egung. Her mit dem Franenwahlrecht! Die nächsten ReichStagSwahlen werden nicht nur im Zeichen der glorreichen Finanzresorm. der»christlichen" Sozialreforin, der wüsten KriegShctzereien, der maßlosen Heer« und Marinefordermigen stehen, sie sollen eine glänzende Teinonslraiion für sämtliche fozialdcino« kratische Programiiipunkte werden, unter denen die der Gleichstellung der Geschlechter einer baldigen Lösung harrt. Nickit dem eigenen Trieb, sondern der Not gehorchend, beschäftigt man sich nun selbst m den bürgerlichen Kreisen reaktionärster Schattierung mit der Zweck- Mäßigkeit der Einführung eines Frauenwahl- und Stimmrechts. Aller- dings— vorerst nur recht zaghaft— nur die Pfiffigsten wagen sich an dieses Problem, sie, die am weitesten vorausschauen, wissen die Hilfe nnd Unterstützung eines in den rückständigen Anschauungen großgewordenen Frouengeschlechts sehr wohl zu würdigen. Sie wissen aber'anch ebensogut wie groß die Hindernisse sind, die sich der Lösung dieser Fragen au? den eigenen Reihen eutgegeiistelleu. Nicht nur, daß es eine mühselige Arbeit darstellt, auS dem derzeitigen Damenmaterial politische Persönlichkeiten zu formen, auch bei ihren männtichen Klassengenoffen werden sie größtenteils auf eutschiedeucn Widerstand stoßen. Ist doch bei ihnen männlicher Egoismus und herrischer Dünkel besonders tief einge- wurzelt, gilt ihnen doch das Weib vor allem als GcschlechtSwcien und LuxuSpnppe, sicherlich nicht als Vollmensch und gleichberechtigter Faktor. Immerhin, eS sind Ansätze vorhanden, die auf eine lief- und weitgreifcnde Bewegung mit Bestimmtheit schließen lassen, und auch die Rückständigsten wird man nach und nach init dem Hinweis auf die rote Gefahr von der Notwendigkeit der neuen Richtung über- zeugen. Daß die reaktionären Sippen das Fraiienstiminrecht, wenn eS erst mal da ist, auch atiSgezeichnet zu benutzen wissen, haben die Vorgänge im Auslände gezeigt, wo der KlerikaliSmuS sogar die lveltflüchligen Nonnen aus ihren Klosterzellen holte und an die Wahlurne trieb. Auch dort, wo Frauen der bürgerlichen Gesellschaft im Parlament sitzen, haben sie bisher für die Interessen ihrer Kreise sehr gut zu wirken verstanden. In den achtziger Jahren brachte eininal eine Zeitung den platten Witz, eS wären ja schon längst Fronen im Reichstage— als Scheuerfrauen. Auf derselben Höhe standen alle sonstigen Witzeleien und Spötteleien, mit drncn man die Forderung des FraiicnwahIrcchtS lächerlich zu machen stichle und auch heute nockt stoßt man in bürgerlichen Versattttttlungett und Sitzungen auf ähnliche»Argumente". Immerhin, den eitizelnen Parteien steht das Wasser am Halse, die rote Flut schwillt beängstigend an, und so können wir unS sehr wohl mit dem Gedanken vertraut machen, daß in ab- schbarer Zeit in dieser Frage eine entscheidende Wendung eintreten wird. Das wird vor allem von dem Ausgang des nächsten ReichStagkwahlkainpfcs abhängen. Holt sich da die Reaktion eine empfindliche Schlappe, woran nicht zu zweifeln ist, so wird sie zu den verzweifeltsten Mitteln greifen und vielleicht auch ihre letzteil Reserven— die Frauen heranziehen. Damit ist freilich nicht gejagt, daß wir nun, mit Hilfe dieses unfreiwilligen VundeSgenossen, im Sturme unsere programmatische Forderung, die Gleicbstelluiig der Geschlechter, erringen werdeck. Im Gegenteil! Die Reattioit wird zweifellos versuchen, ein au Bildung und Besitz gebundenes Fraueiiwahlrecht zu schaffen, und hierbei fänden sie bis in den LinkSliberaliSiuiis hinein Uiiterstiitzung. DaS wäre jedoch kein Fortschritt, wohl aber für die Millioneu arbeitender Frauen eine ittsatne RechtloSmachung, und zwar für lange Zeit. AuS diesem Grunde müßten wir einem derartigen Wahlrecht von vornherein den allerschärfstcn Widerstand entgegensetzen. Her mit dein Wahlrecht, dem gleichen, für alle Frauen I Quietschende Nähnadeln. Die Nähnadeln find bekanntlich ein großer Exportartikel nach China, Japan nnd vielen heißen Ländern. Der Verbrauch an Nähnadeln in diesen Ländern ist verhältniSinäßig weit bedeittender als bei ttitS in Deutschland. DaS kommt in der Hauptsache daher, weil in jenen heißen Landstrichen jede Nähnadel Leider aber heute sind viele Pred'ger so gesinnt, und bald hier, bald trgeitdlvo rufen sie Hojathoho l Wenn ich also raten darf: deckt den Goitesdienstbedarf. da ja auch der Kaiser predigt, selbst— und alles ist erledigt. Jeder Hauptmann im Talar an dem Kompagniealtar predigt nach dein Reglement leitet Beten und Gesang: Liebe Kompagniejemeinde I Slührt ettchl Liebet eure Feindet (Doimer... Kerls, wie seht ihr auS! Bitte mir mehr Andacht aus l) Aber liebt sie nicht im Krieg, sonst zum Teufel wär' der Sieg! Daß sich keiner untersteht I Amen. Richt't euch zum Jebetl Orgel— loS I Ich bitt' mir auS, daß ihr hier im JotteShati». oder wenn ihr draußen seid, glaubt an die Dreieinigkeit. Wer von diesem Jlanben läßt— Kriegt zehn Tage Mittelarrest! So, nu woll'tt Iva noch mal beten: Vaterunser... Wegjelrelent Franz. Notizen. —®te V ü h n e der»Ht, aufgeführten'. Einer An« regnitg Friedrich KayßlerS folgend, hat sich zu Berlin unter dem Namen»Berliner Freie Bühne" eine Versuchsbühne für uiiaufgeführte Autoren konstituiert. Die»Berliner Freie Bühne" erstrebt die Förderung der dramatischen Dichtkunst und fordert alle. denen die Eittwickelimg deS deutschen DramaS am Herzen liegt, z>! reger Mitarbeit auf. Alle unaufgeführten Autoren werden ersucht. ihre Bühncitwerke einzureichen nnd eine kurze Schilderung des Lebenslatiss beizufügen bei der»Berliner Freien Bühne", Kur iirsteu- dämm 113.->. Die»Verlitter Freie Bühne' wird, ohne eine bestimmte Mich- tnng zu pflegen, den.Nttatifgeführtett" Gelegenheit geben, in einein ersten Theater vor der Kritik zu Worte zu kommen. Die Vor- ftellungen werden teils in Berlin, teils in Wien nnd München vor geladenem Publikum stattfittdou. Sämtliche Villeltö flclaitacii unentgeltlich zur Ausgab«, nur eknmal zu gc�rnuchen ist. Durch den Cchweisj der Finger der Nähenden läuft die Nudel feucht au und luud q u i e t s ch i g, b. sie gibt während der Handhabung allmählich oder p löhlich einen piependen Ton von sich, geht von dem Augenblick an schwerfällig durch den Stoff und verhindert dann flottes Arbeiten. Die Nadel wird alsdann wegen Unbrauchbarkeit fortgcworfen. Hinzu kommt noch, daß sie sich in den heißen Ländern, sobald sie von dem Nähenden aus der Hand gelegt wird, infolge des Schwitzens der Hände sofort mit einem leichten Nost überzieht. Bei so außerordentlich heißen Tagen, wie wir sie auch hier in der letzten Zeit erlebten, tritt auch in Deutsch- land der Zustand der quietschenden Nähnadel andauernd auf. Eine Näherin verbraucht an solchem heißen Tage oft ein ganzes Dutzend Nähnadeln, wogegen sie sonst oft mit einer Nähnadel tage- lang auskommen kann. Die Nähnadeln werden scltsamerlvcise den Arbeiterinnen in den Ateliers nicht von den Chefs geliefert. Die arme Arbeiterin muß für den r e i ch�c n Fabrikanten bei den Jammerlöhncn noch das Arbeitsmalerial stellen. In diesen heißen Tagen komnit e-5 vor, daß so ein armes Mädchen pro Tag zehn Pfennig extra für Nähnadeln auszugeben hat, wenn sie ihr Arbeitspensum in der vorgeschriebenen Zeit erledigen muß. Da dürfte es vielleicht nützlich sein, unseren nähenden Genosien und Ge- nossinnen mitzuteilen, daß eS ein einfaches Mittel gibt, die quietschenden Nähnadeln wieder in ihren Normalzustand zurück- zuversctzen. Die zerbrocheuen Gliihstrümpfe, die sonst zu nichts mehr nütze, vollzieh«, an den Nähnadeln die Hcilkur. Man sammelt diese Glühstrumpfasche, tut sie in ein Stoffläppchcn und bindet das- selbe mit einem Faden fest zu. Nun führt man die quietschende Nähnadel einige Male durch das Aschenpäckchen, worauf sie wieder lvie eine neue Nadel arbeitet. Zerbrochene GIllhstrümpfe gibt es in jedem Atelier zur Genüge und Stoffrestchen auch. Jeder Schneider und jede Schneiderin sollte sich in dieser heißen Zeit mit einen, solchen Glühstrumpfaschenbeutelchen versehen, sie können manchen sauer verdienten Arbeitsgroschen dadurch sparen. � Nechtsanwalt Dr. Alsberg vertrat die Ansicht, daß durch die Jntcx prctation, die der Staatsanwalt den beiden Artikeln gegeben habe, der eigentliche Sinn der Artikel in das Gegenteil verkehrt worden sei. In dem ersten Artikel sei lediglich eine Einrichtung des Staates kritisiert worden, die es ermöglicht habe, daß eine Ge fangcne auf dem Transport mit Männern in Berührung gekoim men sei. Lediglich um zu kennzeichnen, daß dies unbedingt ge- schehen sein müsse, sei auf die Lehre vom heiligen Geist Bezug ge- nommcn worden. Der zweite Artikel beschimpfe auch nicht die Christusvcrehrung, sondern die Praxis des Gemeindeblattes, wel ches es für nötig halte, die Unehrlichkeit der Geburt bei der Taufe in alle Welt hinauszuschreien. Lediglich um diese Ungerechtigkeit zu kennzeichnen, habe der Verfasser auf die Lehre von der Mensch wcrdung Christi Bezug genommen.— Das Gericht kam in dem ersten Falle der Anklage zu einer Freisprechung, da es sich hier um eine leider vielfach im Volksmunde gebräuchliche Redensart handele, die zwar sehr geschmacklos sei, nicht aber in der Form, wie sie hier angewendet sei, als Gotteslästerung aufzufassen sei. Wegen des zweiten Artikels wurde der Angeklagte zu einer Ge- fängnisstrafe von 2 Monate» verurteilt. Gerichts-Zeitung. _____ Unter der Anklage der Gotteslästerung» �- begangen durch zwei in der„Welt an, Montag" erschienene Ar- tikcl, mußte sich gestern der verantwortliche Redakteur der„Welt am Montag", Alfred Scholz» vor der 4. Ferienstrafkammer des Landgerichts I verantworten. Dem Angeklagten wurde zur Last gelegt, in den von ihm verantwortlich gezeichneten Nummern der ..W. a. M." vom 20. und 27. Februar d. I. zwei Artikel veröffent- licht zu haben, in denen in beschimpfenden und AergerniS erregen- den Acußerungcn Gott gelästert und ferner eine Einrichtung der christlichen Kirche beschimpft sein soll. In dem ersten inkriminier- ken Artikel vom 20. Februar wird unter der Spitzmarke„Die Liebe unter Polizeiaufsicht" im Berliner Jargon auf einen Vorfall hin- gewiesen, der sich in dem Hamburger Zentralgefängnis abgespielt hatte und über den damals in allen Zeitungen berichtet war. Es wurde mitgeteilt, daß eine Frau, die eine Strafe von sechs Jahren Gefängnis zu verbüßen hatte, plötzlich auf unerklärliche Weise Mutter geworden war, trotzdem niemals ein männliches Wesen in das FrauengcfängniS hineingekommen war. Im Anschluß hieran wird in der Frageform eine im Volksmundc vielverbreitete Aeutze- rung über den heiligen Geist wiedergegeben. In dieser erblickt die Änklagcbehörde eine GottcSlästcrung, da hierin, wie es in der Anklage heißt, die schimpfliche Behauptung liege, her heilige Geist sei zu der Strafgefangenen in Verkehr getreten, der nicht ohne Folgen geblieben sei.— In dem zweiten zur Anklage stehenden hlrtikel wurde ein Teil des.Gemeindeblattes für Groß-Trebbow und Kirch-Stück" wiedergegeben, ,n welchem die Zahl der Taufen und Trauungen mitgeteilt wurde mit dem Hinweise, daß sich leider t*edcr mehrere uneheliche Kinder und unbekränzte Bräute dar- unter befunden hätten. Im Anschluß hieran wird gesagt, daß nach der Lehre der christlichen Kirche von der Menschwerdung Christi gewisse Unterschiede zwischen Himmel und Erde gar nicht vor- Händen seien.— Der Staatsanwalt erblickte in beiden Artikeln ein Vergehen gegen den K 166 des Strafgesetzbuches und beantragte mit Rücksicht darauf, daß es sich um ganz gröbliche Lästerungen und Beschimpfungen handele, eine Gefängnisstrafe von einem Jahre. Beleidigungen eines SchnbmannS führten gestern den Kutscher Reinhold Krauter vor die 4. Ferien strafkammer des Landgerichts l. Am 26. April d. I. fuhr der An- geklagte mit einem vollbeladencn Wäschewagen über die Götz- kowskyb rücke, welche wegen Baufälligkeit für schwerere Fuhrwerke gcsperot war. Er beachtete nicht die an beiden Seiten der Brücke aufgestellten Warnungstafeln, sondern fuhr in scharfem Trabe weiter. Ter auf der Brücke stehende Schutzmann Fcucrherne rief dem Angeklagten zu, er solle langsam fahren. Als Antwort auf diese in ruhigem Tone gehaltene Mahnung ließ der Angeklagte ein ganzes Schimpfwörterlexikcm vom Stapel. Er rief dem Schutz- mann u. a. zu:„Ihr seid Lumpen>?ld Strolche, arbeitet lieber, Ihr könnt Menschen totschlagen wie in Moabit. Jeder Kutscher müßte einen Revolver haben, und wenn solch ein Lump ihn an- hält, ihn niederschießen." Dieser Vorfall führte zu einer großen Menschenansammlung, so daß es dem Beamten nur mit vieler Mühe gelang» den Angeklagten zur Polizeiwache zu bringen.— Vor Gericht entschuldigte oer Angeklagte seine Handlungsweise mit seiner damaligen Angetrunkenheit. Der Staatsnnwalt be- antragte eine Gefängnisstrafe von einem Monat. Das Urteil lautete auf 2 Wochen Gefängnis. Ein Kautionsschwinbler hatte sich gestern wieder einmal vor dem Moabiter Strafrichter zu verantworten. Wegen wiederholten Betruges war der Stcllcnver- mittler Alfred Schlüter vor dem Schöffengericht Berlin-Schöneberg angeklagt. Der Angeklagte hatte durch Inserate Leute gesucht, die in der Lage sind, Kautionen zu stellen. Er spiegelte dann den sich Mel- denden vor, er sei Inhaber eines großen Plakatgeschäfts und sei gezwungen, Kautionen zu verlangen, da es sich um besondere Ver» trauensposten handele. Verschiedene Leute ließen sich auch im Ver» trauen auf die Richtigkeit der Angaben des Angeklagten verleiten. ihre gesamten Ersparnisse herzugeben. Schon nach kurzer Zeit merkten sie jedoch, daß sie einem Schwindler in die Hände gefallen waren, dmn es nur darauf angekommen war. ihr Geld in die Hände zu bekommen.— Der Vertreter der Anklage beantragte eine Gefängnisstrafe von 3 Monaten. Das Gericht erkannte in einem Falle auf Freisprechung, ging aber mit Rücksicht auf das gemein- gefährliche Treiben des Angeklagten noch über das beantragte Strafmaß hmauS. Das Urteil lautete auf 4 Monate Gefängnis. Die Höflichkeit der Avtofiihrcr. Die Gültigkeit der Polizeivorschriften über die Höflichkeit der Droschkenführer, namentlich aber soweit«» sich um Nutoführer handelt, bestritt Löschhorn in Frankfurt a. M., der als Führer einer Autodroschke eine derartige dort geltende Vorschrift über» treten haben sollte. Nach dieser Vorschrift, die auch in anderen Städten erlassen ist, habe» sich die Droschkenführer dem Publikum gegenüber eines höflichen und geziemenden Verhaltens zu bc- fleißigen. Vorgang. nutzte, schlug Wagens besonders stark zu, so daß die Scheibe zerbrach. Der Auto- führer stellte ihn zur Rede und verlangte schließlich 3 M. Der Herr forderte darauf, der Führer solle' ihn zur Polizei fahren. Das wollte L. auch erst» er überlegte sich aber die Sache, hielt an und erklärte, er fahre ihn nun überhaupt nicht weiter. Er ver- langte wieder 3 M. Ter Fahrgast gab ihm das Geld, wodurch nicht nur die Scheibe, sondern auch zum Teil das Fahrgeld be- zahlt war. L. wollte aber noch mehr haben und nahm, als sich der Fahrgast weigerte, ihm den Schirm weg und fuhr davon. Das Landgericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe und führte aus: Die Vorschrift sei gültig. Es sei dem Angeklagten zuzugeben, daß der Denunziant sich nicht durchweg richtig benommen habe. Es sei auch richtig, daß L. seiner Gesellschaft für die Scheibe habe auf- kommen müssen. Sein Einreden auf den Fahrgast sei ihm bei der Sachlage und seinem Bildungsgrade nicht übel zu nehmen. Daß er aber dem Fahrgast einfach den Schirm fortgenommen habe und davongefahren sei, das sei ein unziemliches und unhöfliches Bc- nehmen, wegen dessen er bestraft werden müsse. Damit habe er bewußt ungerechter Weise gegen die Formen der Höflichkeit nach der VerkchrssAie verstoßen. Das Kamincrgcricht verwarf dieser Tage die von L. gegen das Urteil eingelegte Revision. Es ging davon aus, daß sich L. zu Unrecht aus das Automobilgesetz berufe, wenn et meine, daß die Vorschrift über den Rahmen dieses Gesetzes hinaus- gehe. Die Gültigkeit derartiger Vorschriften ergebe sich aus K 37 der Gewerbeordnung, welcher der Ortspolizeibchörde in bezug auf die Unterhaltung des öffentlichen Verkehrs innerhalb der Ortschaften beziehungsweise in bezug auf die Regelung desselben weitgehende Befugnisse gebe. Die Vorschrift sei gültig und mit Recht hier an- gewendet worden._ Marktpreise von Berlin am 26. Juli ISH, nach Ermittelung des Königlichen Polizeipräsidiums. MarMballen Preise.(Kleinhandel.) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00—00,00. Spcisebobnen, weihe 30,00-00.00. Linsen 20.00-60,00. Kartoffeln 12,00—16,00. 1 Kilo. grnmm Rindfleisch, von der Keule 1,60— 2,40, Rindfleisch, Bauchfleisch 1,20 bis 1,70. Schweinefleisch 1,20—1,80. Kalbfleisch 1,40-2,40. Hammelfleisch 1,60—2,30. Butter 2,20—2,80. 60 Stück Eier 3,00— 4,80. 1 Kilogramm Karpsen 1,20—2,40. Aale 1,70—3,20. Zander 1.60—3,60. Hechte 1,40 bis 2,80. Barsche 1,00—2,00. Schleie 1,20—3,00. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 2,00-36,00._ eSitternngetiderNcv» vom 27. Juli 1911. Swwemde. Hamburg Berlin ranN.a KR. iünchen Wien i9 [5 a §2 85 B=i i= C d v? 63 SO 764 WSW 763 S 60 SO 764 SO 64 Still luiranda, 770 S Petersburg 763 NO Ectllh «berdee» Paris 707 SSO 707 SSO 763 SO, ! tt f- ( 2 wollenl 18 Iwolkenl 13 0 bedeckt I 18 1 bedeckt I 15 1 wollenl 22 eOetterprognofe für Freitag, den 28. Juli lSll. Heiß und schwül, vorwiegend heiler bei mäßigen südöstlichen Winden und etwas Neigung zu Gewiilcrn. Berliner W e t t e r b u r e an. WaflerstandS-Nacv richte« der LandeScmstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. m Falle des Angeklagten handelte es sich um folgenden in Herr, der das Droschkenauto dcS Angeklagten bc- die während der Fahrt aufgegangene Tür dcS ff 4- bedeutet Wachs,— Fall.— ff Unterpeaet. Todes-Anzeigen B SoziaMenißMcber Wablvereln I für den i Berliner Reiehstags-Wahlkreis. Görliucr Btcrtcl. (Bezirk 168.) Atacltrirf. Den Mitgliedern zur Nachricht, das? unser Genosse, der Händler Ka9*B Glucks Adawertstr. 3 gestorben ist. Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung fand am 26. Juli aus dem Thomas- Kirchhose statt. 220/18 Der Borstand Deuleclw Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung QroB-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriger Kollege, der ehemalige Packer, jetzige Gastwirt August Huuk am 24. Juli im Alter von 40 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Zlndenken! Die Beerdigung sindet heute Freitag, den 28. Juli, nachmittags 4 Uhr. von der Leichenhalle dcS Jakobi-KirchhoscS in Nixdorf. Hermaimstrasie, aus statt. 63/12 Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Bezirksverwaltung. Am den 26. Juli, I Miltwoch, verschied nach langem, schweren| Leiden mein lieber Mann, sorg- samer Vater, Bruder und Schwa- ger, der Tischler 0072L Oskar Liesk im noch nicht vollendeten 33. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Cicrtriul Kilcak. Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- FriedhoscS in griedrichSIelde au« stait._ Deutscher Buchbinder-Verband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser Kollege, der Prager 24/13 Panl Meumann nach langem Leiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 23. Juli, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- ball« des EmmauS-KirchhoseS in Rixdors, Hermannstraße, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsvcrivaltnng. Turnverein„Fichte" Jf. d. A.-T.-B. Am Montag, den 24. d. MtS., starb tinser Turngenosse ?an!»euniann Mitgl. der 14. Männer-Mt. im Alter von 24 Jahren. Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 23. Juli, nach- mittag« 4 Uhr, von der Leichen- balle des EmmauS-KirchhoscS in Rixdors, Hermannstratze, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 233/10 Der Vorstand. * Jeder Herr• s A tt % B B B I B welcher eebön und billige* rfek kleideo will, empfehle «ynen Posten gebratieht-er,'cbets. poreinigter Herren- An* zügro, Faletotn«to., für jede Fitrar passend. Die a�ebon sind aas prima Maßstoffen angefertigt, teils ron ersten Firmen, einzelne aas AbonnemeoUhäasero stammend, früher bis 100 Mark, jotab su folgenden extra billigen Freisen: Jackett- Anzüge.. M. 9, 14. 19, 3P etc. Herren-Paletote..„ 8, 12, 14'„ Book- Mode-AneQeo, 12, 16, 19, 20 n Oehrook-Aneüge., w 18, 22, 26, 28 9 Herren-Hoceu... � 3, 4, 5, 7„ „Borussia- Festsäle". Jnh Georg Wolffgramm, Ackerstr. 8/7. Telephon Amt III, 2674. Empfiehlt seine 4 Säle, 100—1000 Personen lassend, zu Vellammluna imd BereinSfestiichtclten. 00672 August, September, Ottober noch Sonnabende und Sonntage srci. ien ( M. II: elegante neue Sarberobe.} I Gr.FrankfurlsrStf. I16ldieajatr. J» wUllM iL o.»chu>; Chaisseestr. 89 Verkaufsstelle fDr den Westen: Jägerstr. It. Verlellinx�jr von oleg. Frack- n. Goaelleobafla-Aasttgen. WOT bitte genau die Uaasuummer beachten.'HWM• Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teunabmc bei der Beerdigung meines lieben Mannes und Vaters sagen wir allen Verwandten, Bekamnen, WS- besondere den Genossen de« 4. Wahl- kreiscS, Bez. 2261, dem Chef und den Kollegen der Firma Marlin& Salomon unseren herzlichsten Dank. 00702 Wwe. und Kinder. SSV § Vcrkaiif nur Im f ubrlkccbUnde! BKickS 35 Wenn_ Sie � Engrospreisen? in der Möbelfabrik i Sie sparen Geld! öbei H.Walteri.t.:Wi!liMaaß,8"Ä35 Die erste Hilfe bei Un GcsundbeitSpslege de« Alkoholsragc'' Alkoholsrage und Arbeitertlasse.— DaS Schulkind.— Gcschl verkehr und GcschlcchtSkranlbciten.— Nahrung und Ernäh —- Wie sollen wir uns Neiden?— Der Arbeitcrschutz.— Fr kein bacton Tel.: A. III, 5157= kaufen. Verkauf nur im Fabrikgcbande— nur eigenes Fabrikat.— Auf Wunsch Teilzahlung. 35 osa Permanente Musterzimmer-Ausstellung. eaa 35 Feiner Dänischer Kapitän-Kautabak in Rollen, Biiiidcl und Enden. Goneral- V ertrieb: Karl Rocker, Berlin O. 27. Grüner Weg 11g(Amt VII, 3861). 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Anhang: Die Verhütung der Schwangerschajt.— Vom mediziuischen Aberglauben.— Da» Wasserheilverfahren in der Gcsimdh-itSpflege de» Arbeiter».— Verhülung und Heilung de« StottcrnS.— Geschlechtliche Er- ziehung in der Arbeiterfamilie.— Zähne und Zahnpflege.— LebenStätiateit des menschlichen Körper».— Der esÄSrsi•***>**-*■-•* ßuchhanillung Vorwärts, sw-<8vÄea�'" JWobd-Hngcbot. Solides 5DiObcIoe[chä(t_ liefert bürgerliche Wohnungseinrichtungen sowie ein zelne Möbel gegen mätzigc Zinsvergütung bei kleiner Anzahlung n. geringen monatlichen Teilzahlungen. Anstage» unter Postlagertarte 16, Postamt Ifoin Hbzahlungegcocbäft. 103. 2878B* ' Heinrich Pranck Tel.: Amt III. 1352. Brunncnstr. 82. 8— 7 Uhr geöffnet. 1908 er Ockermärker Tabak sehr billig: Wo. ISIS, srott, blattig, leicht aaf d. ICnnd. la Brand, bcatcr Gcsehmaclc, vernteaert, per Pfand 09 pr� k Bei Abnahme von 58 Pfd. an 18 0/„ Kxtra-Kabutt. i'" Arbeitsnachweis: Hoj I. Amt 3, 1239. Nerwaltuugsstelle Brrliu Hauptbureau: Chnritestr. 3. Hos III. Ami 3. 1987. tedlupi!! Lmsillierei'. ic>»u»g! Sonntag, den 30. Juli 1911, vormittags 19 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engcliifer lö, Saal 3: Eroik allgemeine veriammlung der Cmaillierer Berlins und Qtngegend. TagcS, Ordnung: 1. Welches sind die Ursachen unserer schlechten wirtschaftlichen Lage? 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 120/16 Kollegen 1 Da in dieser Versammlung die allgemeine Lage der Emaillierbranche besprochen werden soll, ist es Pflicht jedes einzelnen, zu erscheinen. IMc Ortsverwaltimg. nehdmeker! Sonntag, den 30, Juli, mittags Uhr, im großen Saale der„Nenen Welt", Hafenheide: Versammlung: der tariftreuen Gehilfen des T arifkreises VHl Tages-Ordnung: 27/19 Stellungnahme zu den Spezialanträgen aus Abänderung des Tarifs. Einen zahlreichen Besuch erwartet Albert Masfini, Gehilfenvertrctcr. wurde den Soldaten di« Lei- iure des in unserem Verlage er- schienenen Büches.Preußischer Kommisi' von August Winnig. Erzählungen aus dem Soldaten« leben. Mit zahlreichen Jllu- strationen. Preis 1,50 Mark, gebunden 2 Mark. Auch zu beziehen in 10 Lieserungen a 15 Pfennig durch alle Ausgabe« stellen des.Vorwärts' sowie durch die Lindenstr. 99(Laden). t�keater. Freitag, den 28. Juli. Ansang 7'/, Uhr. NeucS königliches Opernhaus. Die Waltüre. .Ansang 8 Uhr. Komische Oper. Der dcrvotcne Kuh- Berliner. Bummelstudenten. vtrnes SchanjpiethanS. Die keusche Susanne. Neues. Der Nodclzigcuner. Thalia. Polnische Wirtschajt. SchMrr- Evarlottendurg. Der dunkle Punkt. Lesjing. Sommcrspuk.(Ansang 8 Uhr 20 Min.) Liistlvielbaiio. Die dritte ESkadron. (Ansang 8.20 Uhr.) Kleines. Norachen.(Ans. 8'/, Uhr.) Triano». Das Prinzchen.(Ansang 8'/, Uhr.) Neues Lveretten. Eine Million. (Ankum 8',. Uhr.) F riedrichiWitbeliiist. Schaulpiel- liaus. Badiues Entsührung. (Ansang 8'/, Uhr.) Noir. Kascrncnlust.(Ans. S'l, Uhr) Vltctrovol. Hoheit amüsiert sich! Folies tsapriee. Die letzte Nacht. Drei Fraucnhüte.(Ansang 6'lt Uhr.) Boigt. Der Nktienbudiker. N oacls. Das Nachtlager in Granada. APdUo. Svczialilälen. Bafiage. Spezialitäten. VirichSbolle». Gastspiel Oskar Junghähncl. Wiiiirrgarten. Spezialitäten. Kaiser-Panorama. Ilt. Wanderung tu Thüringen. Reise in Indien. IV. Teil. Urania. Tanbenstrasle Helgoland im Wcchses der Zeit. Skei illoartr, Lltvatidciislr. 57�—62. Ledlller-Ikester Her dunkle Punkt. Lustspiel in 3 Akten v ßj. Kabel bürg und Rudols PreSber. Anfang 8 Uhr. Ende 10 Uhr. Morgen und folgendc Tage: Urania. WiLsenscIluftlictiss Theater. Tanbenstraße 48/49. Freitag abends 8 Uhr: Helgoland im Wechsel der Zeit. iOCISCHER GARTEN Täglich ab 4 Uhr: Großes töilitär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 7lnrlc. von abends 0 Uhr ab 50 Ps., Kinder unter 10 Jahren die Hülste._ MM» Donnerstag, den 3. August: Eröffnung! 20. Beritner Spiel-Saison. Premiere der Novitäten Das U der Firma Koinöd. in 2 Akt. v. fit. u. D. Hcrrnfcld Seiiine�ioso Behandlung Schwank in 1 Akt von Robert Pohl. Billetl-Borverk. ab heute(Theaterkasse). er dunkle Pnnkt. UcrlincF Theater. Heute 8 Uhr; BummelslHdenteD. Täglich: Billlliiielstudcnte». Neues Theater. 8 tlhr. 8 Uhr. TSglich: Der Rodelzigeuner. Neues Kgl. Opern-Theater(kpoid Freitag, 28. Juli, abds. 7>/, Uhr: ver King ij. Nibelungen. Gastspiel Katharina- Flcscher-Edol. 1. Tag. Die Walküre. Sonnabcnd, 29. Juli, abends 8 Uhr: Enhensrln. Sonntag, z. t. Male: Oer«usitiant. Friedrich-WiUiclmsMisches Schauspielhaus. Cliansscestr. 30 51. Täglich 81/» Sonntags 8 Uhr: Badiues Eniführung. Ronian. Operette i. 3 Akt.(4 Bildern) v. Alb. Nack. Mus. v. Fit. de Cristvsaro. OSi=THEÄTE Ärojze Fraukiurler Täglich: Ansang 8 .J Kasernenluft 9Iuf der(tlartrubühue: Es gll»t nnr ein Berlin. Metropol-Tlieater. Kohkit ttiniifictt fich! Operette in 3 filkten von I. Freund. Musik von Rudols Nelson. In Szene gesetzt vom Dir. 31. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. « Uhr: Die puliosen Spezialitöten. S'/. Uhr: Enscmhlc-Oastaplel Harry Waiden in Sein Hcrzcnsjnttge. Vaudeville mit Ges. u. Tanz in 2 Akt. von A. Ncidhardt und 3t. Schänzel. _ Musik von W. Kollo. äfifr' I.ctxto Woche!-WtzZ LA TORTAJADA Die 7 Korlnnas, klassische Tiinzo. Kaufmanns Lady cycle troupo. De Di«. Charles Barons Burleske- Menagerie. Tschiu Maas 8heil. Ohunguson und eine Kette hervorragender Kunstkräfte! 9 Saison-Schluß: Montag, d. 31. Juli. PASSAGE:: ANOPTIKUM Ectzto Woche! Unwiderruflich! Die ungeheure Keger- Riesin Abomah! Die Sensation der Saiten) Die größte Frau, die je gelebt! Habu et Uta, Indisch. Fakirkünsto AGA die schwebende Jungfrau. Alles ohne Extra-Entreo. Sozialdem. Wahlverein te 4. Berliner Reichstagswahlkreises. Grosses JUnder-Tesl am Sonnabend, den 29. Juli 1911, in„Neumanns Volksgarten", Lichtenberg, Röderstraße 28-29 Theater p? Spezialitäten& Konzert& Tanz Jedes Kind erhält am Eingang des Gartens einen Bon für Stocklaterne und Karussell gratis.— Kinderspiele mit Verteilung von Bonbons Anfang 4 Ubr. Eintrittskarte 20 Pfennig. Anfang 4 Sozialdctnokratifchci« 3Hahh>crciii des 6. Berliner Reichstags-�dahlkreltes O., 10. and 11. Abtellang«. Sonntag, den 30. Juli, im InsehRestaurant(Piötzensee): Sommer- Fest. Konzert, Gesang, Humorist. Vorträge, Spezialitäten, Tanz. Mitwirkende: 229/14* Gesangverein„Gesundbrunner Harmonie"(M. a. a.-s.-b.), Freie Turner, Arbeiter-Athletenvereine, Sängergesellschaft Lewandowsky und die Ilanskapelle. Für die Kinder; KaspciiesThcatei*. Kinder erhalten an der Kasse 2 Bons; einer berechtigt zur einmaligen Benutzung dos Karussels oder der Schaukel, der andere zum Empfang einer Stooklateme. — Anfang S Ehr.— Eintrlttsprcf« on der Kasse HS Pf., im Vorverkauf»O Pf.— W (Ortsverwaltnng Berlin.) Sonnabend, den 12. August i Gr. Mondschemfahrt mit Musik mit den größton, herrlich üluminiorton Stomdampfern nach Mörners Blumengarten. Dortselbst: Konzert, Soinmernaclitsball, Feuerwerk. Bei Sonnenaufgang: ErgcmUtlichc* KnfTcekochcn. Fahrkarte inkl. Tanz 00 Pf. Abfahrt präzise S'l, Uhr vom Brandenburger Ufer. Rückfahrt 5 Uhr morgens. 157/11 Billetts sind im Bureau, bei den Vertrauensleuten, sowie an der Abfahrtstollo erhältlich. Zahlreiche Beteiligung der Kollegen nebst Angehörigen erwartet Das Komitee. I. Ä.: F. Habermann, Muskauorstr. 19. zttxzxzszsxs&zxxixxszsxzzzxsttyirzzssW Basdnnf i. lt. Mark,„Waldfrieda n". Sonntag, den 30. Jult 1911; J? z. Stiftungsfest, jP Um zahlreichen Besuch bittet 2S88b _________ DaS Festkomitee. e Sellevue. ammclsburg am See. Inh.; 0. Tempel. Jeden Sonntag: Spezialitäten-Vorstell. u. Garten-Konzert. Jede» Sonnabend und Donnerstag: Loireen äer Mmsnnz Länger U« Am Künigster. Am Friedrichshain. Jeden filbend>/,10 Uhr: Vis mu ffete fesselt Polle mit Gesang in 2 Akten. SmMi Kioeinatöijrapli. Mmwoch- Kittderfest. fitnj. wochentags 5, Sonnt. 4 Uhr. Koaeks Theater. Direktion: Robert Dill. Berlin N., Brumicustrage 10. Das liaelitlager in Granada. Romantische Oper v. Konr. Kr cutzer Ein Jäger... Dir. sttob. Dill. vis Verlobung bei der taterne. Dazu: Tic vorziigl. Spezialität. _ Ansang G Uhr._ Volksgarten-Theater Freitag, Sonnahend: Konzert, Theater-«. Spezialitäten- Borstelliing. Orktin piretla. Fritz priimm. Ann! Qollini. Lea Orselios. The Original Burtons. Der artesische Brunne». Awvsdodol___ Eis« Arena. Geöffnet v. 10 Uhr vorm. In der heißen Jahreszeit angenehm kühler Aufenthalt. Allabendlich: DjnjntcvolleEisbaUett Montreal 01c Stadt auf Schüft- schuhen. Neu; Puah-Itall-Splcl{ Zahlreiche Knnstlaufprodaküonen. Exquisite Restauration bis 1 Uhr nachts. | Bis 7 Uhr u. von lO1/, Uhr 1 abds,; halbe Kassonproise. I Moabiter Wintergarten ArtusaHof Perleberger Str. 26, Stendaler Str. 18 Direktion: Karl Plrnau. Freitag, den 28. Juli: Emqtmrtiemn? ober-. Der ligeunerbaron. Schwank in 3 Akten von G. Starke. Vorher: Das Riesen- Speztatitäten-Programm. Ansang K Uhr. Vorstellung 7 Uhr. II Alt-Hoabit 47/48. Sonntag, den 80. Juli 1911; Thtllter und KpennlitätkU. Ansang d. Konzerts 5 Uhr, der Vor» stellung 6 Uhr. Sperrsitz 75 Ps. Entrce 50 Ps. Jeden Montag: lustige Länger. Mliems 8oninier-Thcntor Rudolf Krüger, Hasenheide 13—15. Täglich: Erstklassige Theater- und Spezialitäten-Viorsfeltungen» Zcltbcdachter Theatergarten, bei un« günstiger Witterung Schutz bietend. Jed. Mittwoch: Gr. Kinderfest. Donnerstag: Elltctag. Reichsliallen-Theater. 4 Gastspiel mit seiner berühmten Herrengesellschaft. filnsang wochent. 8 Uhr, Sonntag» 7 Uhr. BSF- 1. Angust icdcrbeati ZBicdcrbegtnn der Soireen der ��tettiaer�8iln�er��� Usus Welt Amerikanischer Vergnügungspark, Ifa«cnl>el«te. Lroke 8peziaUtäten- Vorslellung. Hervorragende Belnstigongen von packender Komik. Elntrlttoprcla 15 Pf., Sonn- un.l Elitctasc!!5 Pf. Folies Caprice. Täglich S'l, Uhr: Parisiana-Ensemble. 3 Frauenhüte. Die letzte Nacht. Ein Fenster zu vermiete«» Das Strumpfband. Königstadt-Kaslno. Holzmartfstr.72. EckeAlexanderstr. Täglich: Genicftct das Leben! Gr. Gcsangs-Posse v. W. Gericke. filugcrd.: Frans ntclOner, Ees Emanucla, Wally Klcliards. Ans. 8 Uhr. Sonntags 5 Uhr. V ol g t-Theater Gesniidbrunnen, Badstratze 68. Heute sowie täglich: Zer Aktiendulliker. Voltsstück mit Ges. u. Tanz in 3 Sitten. Gänzl. neue erstklass. Spezialitäten. Kassenelössnung 2 Uhr. Ansang 5 Uhr. Oic Kaffeeküche ist v. 3 Uhr ab gefiffn. Puhlmanns Theater Schönhauser Allee 14B. Täglich: Konzert— Theater SpeDlitiiten. Stets neues Programm. Nach der Vorstellung im E?*.8B gioiicn Thcatcrsaal: ÖUllle Jpiit den Inhal» der Inserate übernimm» die Redaktion dem Publituin gegenüber keinerlei Verantwortung. vttaiZtivvrUWr Li�aiteurl Aicharb Barth, Lerli». Kür bsä Lnferalenteil verantto.: TH.Gl»ite, Berlin. Druck u. Perlag: BaNvartS Buchdruckerei u. Verlagsanstalt.Paul Singer u. Co., Berlin LW. Zur ücrmcidurtg von ücrwecbselungcn: Die Jirma H.(Ucrtbcim unterhält in Berlin nur diese 3 geschälte CLtÜertftcim G« in« b« H« Oersand-Hbiellung Berlin 01.66 Ceipzigerstr. 132/37. Bei Briefen ist genaue Adresse erforderlich. Sir, Scip�i�CC ÄtKööH 132�31 Öronim Strohe Freitag Sonnabend Jn(±Br£ehem/rLäteI~(Xbfei£unQ HIIIIIIMI—I—■— mir...................*...... Illinr I■ iij J)ie mit � bezeichneten Artikel sind Von der Zusendung ausgeschlossen, 'Simdmmm Rollschinken"hwTr10 P.fu,nd. Pfund 1-30 Landschinken Siw7r10.Kundpmnd 1-20 Mausschinken"hw/.7JPfun.dprund 116 Schinkenspeck{."//"pfu'nd! 1.00 Zervelat- u. Salamiwurst Pfd. 1.20 Brannschweiger Zervelatwurst im Fe plund 140 *Teewur8t........... prund 1.10 Bauernmettwurst 1.00 Dose 6 Paar 12 Paar Delikatess-Brühwürstchen Fetter Speck.. 'Chi und ßmüst in Id. Fluch« 80 Pf. 1.50 Pfund 5 8 Pf. in Stücken von CS ca. 3 Pfund ab Pfd. OOpf. Magerer Speck pfd. 75 pf. in Stücken von ca. 3 Pfund ab Pfd. 70pf. Speimfakihk mit verxe�iedenem Geschmack, gefärbt Pndding- und Griespudding-Pulver pa�te 22 pr. Rote Grütze........ 5 Pakete 26 Pf. Creme- und Eis-Pulver.Pak«»14pt Kunst-Gelee-Pulver....?»>-., 17 Pf 3 kL Paket,•/, Ko. Saucen-Pulver o".ebmuk 14 1 8 pr. 3kl. Beutel'/«Pfd. Vanillin-Zucker...... 14 35 pc 1/2 Paket Vi Paket Corn flour MaSuder 24 47 Pf. Häuduumm Feinste Nordsee-Flundern p.u 40 pf. Grosse Ahlbecker Flundern Pfd. 45, 5 pr. Bücklinge...........« stück 1 0 pr. Sprottbücklinge Pfd. 30, 38 pr. Geräuch. Aale pruna 1.10, Bund 38 pr. Bananen............ Pfund 20 pc Australische Aepfel.. Pfund 30 pc Tafel-Pfirsiche.. Pfund 23 und 28 pc Tomaten............ Pfund 9 pf. Koschi-Birnen........ Pfund 1 8 pc Grosse Einlege-Gurken Mandel 48 pc Zitronen..... Dtz, 30, 40, 50 pc Schnittbohnen........ Pfund 8 p». Kopf-Salat.......... s Kopf, 1 0 pc Radieschen u. Rettiche e Bund 10 pc Perlzwiebeln........ Pfund 26 pc Wirsingkohl.......... Kopf 5 pc Rotkohl.............. Kopf 7 pc Weisskohl............ Kopf 6 pc Butter und Läse- Kochbutter............ Pfund 1.10 Tischbutter.... Pfund 1.18 und 1.25 Holsleiner Tafelbutter...■/, pfund-paket 68 pc Schweizer Käse...... Pfund 80 pc Emmenthaler Käse.... Pfund 1�0 Limburger Käse...... Pfund 60 pc Tilsiter Käse Pfd. 58, Briekäse pf-c 55 pc Romatour- Käse....... stück 25 pc Camembert- Käse.... 2 stock 35 pc Harzer Käse Kixt, 1.50, 5 stück 10 pc Faust- und Spitzkäse s stück 20 pr. Steinbuscher Käse.... prund 85 pc Y*,•! J| Keule peuerven umn_ Ken wild 5.00„,.8.00 6.00 M. 10.00 1.40�2.00 RUcKen Blatt Nur Leipziger und Rosenthaler Strasse: IrbeAes Jkmh Schmorfleisch....... Pfd. 95 pf. RoaStbeef Pfd. 1.10, Knochen 1.40 Filet Pfd. 1.10, schfit l.öö bis 1.80 Gulasch pfd. 7 0, Gehacktes 60 pf. Pökelzunge........ pfd. 1.45 Schinken im Ganzen.... Pfd. 6 5 Pf. Kamm u. Schuft Pfd. 75, tlm 80 pr Rückenfett pfd 45, Liesen 60 pf. Eisbein(Dkkbein) pfd. 48 pf. pfd. 2.7 0 Junge Gänse... Pfund 48, 60, 68 pc Gänse-Rümpfe stck. 3.25, 3.50, 4.00 Suppenhühner...... 1.35 bis 2.00 Brathühner........ 45 pc bi, 1.25 Gänseklein............ stock 68 pr. Kalbskeule p». 80, g�em 90 pf Nierenbraten pfd. 80, geteilt 85 pf. Kamm u. Bug Pfd. 60, geteilt 65pf. Kalbsbrust pfd. 70,-Spitze 80pf. Kalbskoteleltes...... Pfd. 1.00 Hammelkeule pfd. 80, getem 90 pf. Dicke Rippe....... Pfund 70pf. Hammel-Dünnung. Hammelkotelettes. Pfund 60 Pf. Stück 1 5 Pf. Tucfie V-„ IL„1* in ganzen Fischen Kabeljau»»»« Seelachs"'S 9 pf. Schollen... Pfund 8 u. 1 2 pr. 8 pr. Tafellachs 58, Tafelzander 65 pr. Schellfisch.... Pfund 8 pr. Aale 1 bepfund 75, 95 pr., 1.20 Rotzungen pfd. 10u. 15 pr. Lebende Schleie-u b lli8en Manöver- Ronserven Preisen. sotüeit Vorhanden tÜem Mosel-Wein Obermoseler.......>/. nasche 80 Pt 1 908 Mesenicher....»/, nasche 87 pr. 1 909 Wintricher rusebe 95 pc 1 908 Enkircher.....»/, na,eh, 1.15 1908 Piesporter.....•/. naiehe 1.33 1909 Kövericher Pfarrgut � 1.55 1908 Zeltinger Schlossbg. 1.70 1906 Trarbach. Schlossbg. 1.90 Roter Bordeaux- Wein 1 907 Bas Medoc n-xcb, 87 pc. 1 907 Chat, la France..>/, pc 95 pc 1907 Saint Christoly v. naich, 1.15 1 905 Margaux.....>/, piaseh» 1.25 1905 Olivier........«/.naicha 1.35 1907 Chat. Leoville Poyferre. V, Flaxcb,* 1907 Chat. Ducru Branaire, 7ri >/, Flasch, k.tyJ 1 904 Chat. Malescot Margaux. Qrt V.Flasche Diverse Weine Weisser Tisch wein..... v, pc 70 Pf. Roter Tischwein ro"*r 63 pc Saint Marie r0,er Na,urwt naach. 70 pr. Almando roter Naturwein,>/, nasche 80 PC. Insel-Samos........ V. Flasche 85 pr. Adria-Blume....... v.naxche 116 Apfelwein, Freyeisen.. v. pc 38 pr. Borsdorfer Apfelwein.. v. fc 30 Pt Westfälisch. Jagdkorn reines Korndestillat i/) Literkrug 1.70, Litertrug 95 Pf. Kbweiger SchiffsMUMMS konzentriertes Malzextrakt Vi Dose.. 2e 1 0, v» Dose. lelO fnuhhäftc inkl. Flasche, in Raffinade eingekocht Himbeersaft nasche 85 Pf., 1.00 Kirschsaft......... V« nasche 85 pt Johannisbeersaft...'/> nasche 85 pc Erdbeersaft....... V. nasch# 1.00 Zitronensaft....... V. nasch# 1.00 mit cind ohne Kochvorrichtung, in sehr grosser Auswahl. Besonders preiswert; fomw Industria.......... 100 stock 5.70 Sevillana.......... ico stock 6.65 Cpncepto.......... ioo stock 7.60 Flor de Varn...... ioo stock 9.50 ligaretten. 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In NowaweS T.-B. steht uns das Lokal.Zur schönen Aussicht", Großbeerenstrahe LOS, Inhaber SBilh. Schulz, zu allen Veranstallun�en zur Verfügung. Dagegen ist in Lebbin bei Storkow das Lokal von Wilh. Lebmann zu streichen. In F r i e d e n a u ist der„Kaiser-Wilhelmgarten" und.Hohen- zollerngarten" nach wie vor gesperrt. Die Lokalkouunission. Oberschönewcide. SuS Anlast der heute, den 28. Juli, abends 8 Uhr, in der.Neuen Well" stattfindenden Versammlung werden die Genofien ersucht, sich abends>/z8 Uhr in ihren Bezirkslokalen zu versammeln. Tegel. Heute, Freitag, den 28. Juli, gemeinsamer Besuch der Friedensdemonstration in der Hasenheide. Treffpunkt>/z7 Uhr an der Sndstalion der Strastenbahn, Hauptsiraste. Um rege Beteiligung ersucht Die Bezirksleitung. Mariendorf. Am Sonntag, den 30. Juli, nachmittags 4 Uhr, findet in unserem AgitationSort Blankenfelde auf einem Grundstück dicht am Bahnhof Mahlow gelegen eine öffentliche Versammlung unter freiem Himmel statt mit der Tagesordnung:.Die Junker- Willkür in Preußen und die Diktatur der Amtsvoisteher." Referent: Genoste Groger, Nixdorf. Die Genossen, welche früh mit heraus- fahren, treffen sich um>/«7 Uhr am Bahnhof Marienfelde. Die Abfabrt zur Versammlung ist nachmittags 319 ab Maricndorf. Lranicniurg. Am Sonntag, den 30. Ju?i, nachmittags 3 Uhr, findet auf dem Hofe des Gastwirts Wülfel in Sachsenhnusen eine Volksversammlung statt, in welcher der Nedaktenr, Genosse Richard Barth-Berlin, über.Die nächsten Reichstagswahlen und die politische Lage" sprechen wird. ES wird gebeten, für recht starken Besuch dieser Versammlung Sorge zu tragen. Britz-Buckow. Sonntag, den 30. Juli: Waldfest. Abmarsch von Hoffmann, Rudower Straße Bö, früh 9 Uhr und nachmittags 1 Uhr._ Der Vorstand. Berliner JVadmebteno Die Stadtverordneten-Wählerlisten. Seit dem 13. d. Mts. liegen die Gemeindcwählerlisten zur Einsicht und zur Stellung von Berichtigungsanträgen aus. Wir haben die Genossen wiederholt auf die Wichtigkeit der Einsichtnahme hingewiesen, trotzdem hatten bis Dienstagabend nur LO 000 Wähler von diesem Rechte Gebrauch gemacht; das sind bis jetzt noch nicht einmal 10 Proz. der in die Listen eingetragenen Wähler der dritten Abteilung. Von diesen Einsichtnehmenden wurden bis dahin 1700 Anträge auf Nach- tragung bezw. Berichtigung gestellt. Also annähernd 10 Proz. aller Einsicktnehmenden war nicht, oder doch unrichtig ein- getragen. So kommen zahlreiche Wähler der 3. Abteilung auch noch durch unzuverlässige Ausstellung der Wählerliste um ihr Wahlrecht, wenn sie nicht auf dem Posten sind.— Nach- lässigkeit und Unachtsamkeit, fast könnte man glauben böser Wille, nimmt einer großen Zahl Wähler der 3. Abteilung . das Wahlrecht. In der 2. und 1. Abteilung finden wir dagegen Wähler - eingetragen, die nach der Städteordnung keinenfulls in die Listen aufgenommen sein dürften: so steht ini 286. Stadtbezirk der Graf Pückler, der berüchtigte Dreschgraf, in der 3. Ab- teilung eingetragen, obschon er seit Jahren nicht mehr in Berlin ivohnt und nur für das auf seinen Namen eingetragene Grundstück Werftstratze 1 die Gcbäudcstcuer bezahlt.— Dagegen gehen Proletarier, die in der Zeit vom Mai vorigen Jahres bis April dieses Jahres ihren Berliner Aufenthalt drei Monate oder ein Geringes länger unterbrechen mußten, ihres Wahlrechts verlustig. Ein großer Prozentsatz der Wähler sind im Wahlbureau irrtümlich als Schlafburschen notiert und als solche nicht in die Wählerliste aufgenommen, obschon sie seit Jahren Mieter sind, als Chanibrcgarnisten wohnen, sich bei Verwandten auf» halten oder im Dienstverhältnis stehen und in allen diesen Fällen aufgenommen werden müßten. oMeekti'llliSe. Von Berlin waren sie gekommen. Schwestern; wohlproportio- niert und gesetzten Wesens die ältere, hochaufgeschossen, graziös und quecksilbern die jüngere. Seit Weihnachten hatten sie über- legt, an welchem Teile der Ostsee sie die paar Tage Ferien, die ihnen als Stenotypistinnen zur Verfügung standen, zubringen wollten. Alle Prospekte, die in stattlichen Bänden gesammelten de� vereinigten, bereits anerkannten,.fashionablen" Kurorte, wie auch die einzelnen der Aschenbrödel und Proletarier unter den Badeorten, hakten sie sich senden lasten. Erst hatte ihnen das Studium all der Schönheiten, die, wie die Schilderungen schwarz auf weist bezeugten, die Natur in vcr- schwcndcrischcr Fülle an der Ostsee ausgestreut, viel Vergnügen bereitet. Nach und nach war ihnen aber auch die tiefe Weisheit des alten Wortes, von der Oual, welche die Wahl bereitet, auf- gegangen. Ein Ort lag innner schöner, entzückender, idyllischer, reizender, wo'dumsäiiinter als der ander«. Der Badestrand war überall gleich großartig und der Ozongehalt der Luft allerwärls ein so austerordentlich hoher, daß es fast schien, als ob alles Ozon der Lufthülle, die unseren Planeten umgibt, sich just an der Ostsee konzentriert habe. Hatte die Jüngere, Klara geheißen, sich endlich für einen Ort entschieden, der, wenn anders dem Prospelt zu glauben war, alle Vorzüge in gehäuftem Moste besäst, dann hatte die Aelterc, Minna benamset, sieptisch gemeint:„Da wird es wohl auch klotzig teuer sein." Fast hatte es geschienen, als ob sie nie zu einer Eni- schlicßuug gelangen würden, als Minna crkläric:„Jetzt weist ich, wo wir hingehen, wir gehen nach Baabe. Der Name klingt so traulich,.r erinnert an das Sclilafcngchen." Sie schlief nämlich gern und lange, die Minna. Klara dagegen war Nachtwandlerin. ES bedurfte in der Regel erst einiger anzüglicher Bemerkungen des Herrn Papa, ob sie etwa in aller Stille zum mosaischen Glauben übergetreten sei, und lange Nacht zu feiern gedenke usw., che sie sich entschloß, ihr Lager aufzusuchen. Morgens war frmlich noch eine viel eindringlichere Philippika der Frau Mama nötig, ehe sie aus dca Federn heraus komme,, konnte. Ninnc, war also für Baabe. Klara war von dieser Wahl gar nicht entzückt. Sie maulte:„Ter Name klingt schon so unendlich trist, und so wird gewiß auch der Ort sein; man wird dort sicher keine Anregungen finden." Sie hatte nämlich geheime literarische Pläne, die sie während der Ferien ausführen wollte. Doch Minna hatte daö Hcrumjuchcn in den Prospekten satt. Sie blieb fest, und da sie die Kaste führte, d. h. die für die Reise nötigen Moneten seit Jahren mühsam zusammengespart hatte, mährend Klara nur als Stipcndiatin mitging, so entschied eben ihr Wille. Nun waren sie in Baabe. Ganz berauscht natürlich von der Schönheit der See. Auch mit dem Orte und seiner Umgebung waren sie zufrieden. War er doch auf der Landseite von bcwal- beten Hügeln umgeben. Ran hatte also alles, was das Herz be- Die Postillione in der Adalbcrtstraße, in der Oranien- burger Straße usw., die 130—150 zusammen in großen Schlaf- sälcn übernachten und die noch nicht einmal wie die Soldaten sich am Tage in diesem Kasernement aushalten dürfen, werden nicht als Schlafburschen angesehen und sind Mann für Mann in die Wählerlisten eingetragen, weil man dieselben als liberale Wähler mitzählt. In die Wühlerlisten werden alle Wähler mit aufgenommen, die zum Satze von 4 M. veranlagt sind, also tatsächlich keine Staats- und Gemeindesteuern bezahlen. Die Zahl der so in die Listen eingetragenen Wähler übersteigt 30000, zirka 8 Prozent aller Wähler überhaupt. Wir sind sicherlich nun die letzten, die diesen Leuten das Wahlrecht streitig machen möchten, im Gegenteil, wir verlangen ja für jeden ein gleiches unbeschränktes Wahlrecht. Deshalb glauben wir, daß mit dem gleichen Rechte auch alle die Leute Auf- nähme in den Listen finden müßten, die ans Zufall bei der Einschätzung mit 0 M. oder 2,40 M. veranlagt wurden. Dies sind zudem meist Leute, die im Dienst für das Vaterland, im Dienste und zur Bereicherung des Kapitals ihre Gesundheit verloren haben.— In den LandtagSlisten finden sie ohne weiteres Ausnahme, die liberalen Stadtvätcr legen das Gesetz natürlich zuungunsten dieser Aermsten aus.— Ein noch größeres Unrecht ist es aber sicherlich, wenn Steuerzahler, die mit 12 M., selbst mit 36 M. veranlagt wurden, die drei- viertel Jahre ihre Steuern bezahlt haben, aus den Listen gestrichen werden, weil sie ans Arbeitslosigkeit oder Krankheit in der Faiinlie'/« Jahr lang ihre Steuer nicht entrichten konnten. Am Sonntag liegen die Listen zum letztenmal aus. Parteigenossen I Laßt Euch auch durch die Hitze nicht ab- halten, am Sonntage einzusehen. Wer nicht zur Einsicht- nähme kommt, der gebe jedenfalls noch am Sonntag vor Schluß der Auslegung seinen Einspruch gegen die Richtigkeit der Wählerlisten zur Post. « WahlrcchtSraui durch de» Berliner Magistrat. Uns geht die ungeheuerlich erscheinende Mitteilung zu, nach der auS den Wählerlisten Wähler gestrichen worden sind, deren An- gehörige von den Säuglingsfürsorgestellen Kindermilch oder Stillprämien bezogen haben sollen. Diese Mitteilung ist so verbürgt, daß an der Richtigkeit kein Zweifel ist. Nun gilt die von den Säuglingsfürsorgestellen gewährte Hilfe nicht als eine Unterstützung im armenrcchtlichen Sinne, zumal für diese Fllrsorgestellen ganz erhebliche Mittel auS der Schmidt« Gallisch-Sliftung zur Verwendung kommen, und auch die städti- scheu Behörden haben bisher ausdrücklich betont, daß dem so ist. Wenn daher jetzt von der Armenvcrwaltung an das Wohlbureau die Mitteilung geht, daß N. N. 1,32 M. oder 1,70 M. für Milch- Unterstützung erhalten habe und wenn daö Wahlbureau aus diesem Grunde die Streichung deS N. R. aus der Wählerliste vornimmt, so ist das rund und nett ein WahlrechtSraub, wie er schlimmer nicht gedacht werden kann. ES muß die Frage aufgeworfen werden: Wer hat dem Wahlbureau Anweisung gegeben. Personen, die die Hilfe der SäugiingSsürsorgestelle» in Anspruch genommen haben, auS den Wählerliste» zu streichen? Wer ist verantwortlich für dies« skandalöse WahlrechtScutziehung? Diese Maßnahme ist besonder? geeignet, die Genosten zur Einsichtnahme in die Wählerlisten zu veranlasten und beim Fehlen deS Namens die Nachtragung zu fordern. Der Antrag auf Aus« »ahme kann an Ort und Stelle zu Protokoll gegeben oder auch schriftlich an das Wahlbureau. Poststraße 10, gerichtet werden. Die Stadlverorduetenversammlung wird zweifellos in Fällen, wie oben gekennzeichneten, die Aufnahme in die Wählerliste beschließen. DaS tadelnswerte und unzulässige Verfahren des WahlbureauS ist aber auch noch nach einer anderen Richtung hin geeignet, schweren Schaden zu stiften. Mit dem Augenblick, da bekannt wird, daß die von den SäugliiigZfürsorgestellen gewährte Hilfe von einer Stelle des Magistrats aus als Armenunterstützung angesehen wird, wird die Benutzung der Fürsorgestellen in erheblichen Maße beeinträchtigten. Im Interesse der Säuglingsfürsorge wäre das sehr zu bedauern gehrte: Wasser, Wald und Berge. Dazu der ungeheure Abstand zwischen der eintönigen, ermüdenden Tätigkeit im engen, dunstigen Bureau und dem Herumschweifcn in der freien, herrlichen Natur. Um wie viel köstlicher klang doch das Plätschern der See, wenn ste mit kleinen, kurzen Wellen das Ufer bespülte, oder ihr Brausen, wenn sie mit großen Wogen den Strand hinaufrollte, als das Gc- klapper der Schreibmaschinen! Und um wie viel angenehmer hörte sich daS Rauschen der Buchenwälder an, als das Diktat einer Klage- fache Ouantmeier wider StritzelkornI Klara nahm denn auch feierlichst alles zurück, was sie zu Hause gegen Minnas Wahl ge- lästert hatte. Tie Baaber selbst erwiesen sich freilich als Angehörige deS Stammes Nimm, und Minna mußte auf Grund der gleich am ersten Tage gesammelten Erfahrungei sofort einen neuen Etat aufstellen, um zu verhindern, daß bereits vor Ablauf der Ferien schauerlicher Dalles im Tresor herrschte. Dos Bad nahmen die beiden gemeinsam. Auch einen größeren gsmeiusamen Spaziergang machten sie täglich. In der übrigen Zeit ging jede ihren eigenen Weg. Minna hatte als Mitglied einer der Groß-Bcrliner Kinderschutz, und� Gcsundheitskommis- sioncn ein scharfes Auge für die sozialen Schäden der heutigen Gesellschaft erlangt, und es reizte sie, auch der fremden und neuen Welt, in die sie für wenige Tage eingetreten war, etwas hinter die Kulissen zu gucken. Klara empfand zurzeit für solche Studien und Forschungen noch wenig Interesse. Sie stieg auf den höchste» der Hügel, schaute auf die weite See hinaus und spann ihre Pläne. Als sie nach einigen Tagen damit fertig mar, trat sie freudestrahlend vor ihre Schwester, um sie in ihr Vorhaben einzuweihen. Daß sie bei dieser einigen Widerspruch finden würde, darauf war sie gefaßt. Die beiden differierten etwas in ihren Ansichten. Klara schwärmte »och für die Marlitt, während Minna, die schon tief in den ersten Band des„Kapital" eingedrungen war, die Marlittschen Romane als reine Brechmittel erklärte. Minna war eben in erster Linie kühle Denkerin; dagegen lebte in der Klara der Geist der Großmutter, die in hohem Maße die Gabe des Fabulicrens besessen hatte. Während aber die Groß- mutier sich damit begnügt hatte, Erlebtes und Erdachtes in kleinem Kreise mit großem Geschick zu erzählen, strebte die Enkelin höher, sie wollt«„schreiben".„Höre mal, Minna," sagte sie zu ihrer Schwester,„wir wollen zusammen eine hübsche kleine Erzählung schreiben. Ich habe mir in�dcn letzten Tagen schon alleS hübsch ausgedacht und zurechtgelegt." „So!" antwortete Minna überrascht und ein wenig neugierig zugleich,„von was soll denn diese Geschichte handeln?" „Das will ich Dir sagen. Der hübsche junge Mann auS dem .Haufe da drüben, Paul heißt er, wie ich gehört habe, hat sich mit Eisbeth, der jüngsten Tochter des Nachbarn heimlich verlobt. Draußen unter der mächtigen Buche, die am Fuße des zweiten Hügels steht, haben sie sich im Maienmonat Liebe und Treue gc- schworen. Bei der Buche liegt ein großer FslSblcck, den machen wir zu einem Rgnenstein mit geheimnisvollen Inschriften." und eS ist nur zu hoffen, daß der Magistrat schleunigst zu dem Verfahren deS WahlbureauS Stellung nimmt und öffentlich feststellt, daß diese Maßnahme unzulässig ist. Geschieht das nicht bald, so wird die so nützliche SäugliiigZfürsvrge iu Verlin schweren Schaden erleiden. Verkehrsvcrbesserungen im Ringbuhnvctriebe. Ueber unhaltbare Zustände auf dem Ringbahnhofe W e d d i n g berichteten wir auS- führlich im vergangenen Dezember. ES konnte festgestellt werden, daß hier in den Frühstunden bei Ankunft der Arbeilerzüge, nicht weniger als 25 bloß in der einen Stunde von 0—7 Uhr, geradezu lebensgefährliche Zustände herrschen wie in den Wochentage» aus keinem anderen Berliner Bahnhofe. Der Ansturm auf die beiden einzigen Ausgänge nach der Müllerstraße und dem Neltelbeck- platz, die zu gleicher Zeit als Eingänge dienen, führte und führt noch jetzt zu bedenklichsten Szenen. Ein klein wenig ist diesen Zuständen seitdem dadurch abgeholfen, daß man die beiden fraglichen Treppen bei Ankunft der stets überfüllten Arbeiter- züge möglichst freizuhalten sucht. DaS ist aber nur ein schwacher Notbehelf. Um einigermaßen durchgreifend zu loirlen, muß noch ein dritter Ausgang geschaffen werden. Unsere Beschwerde scheint an maßgebender Stelle damals auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Seit einigen Wochen wird an der Herstellung eines solchen dritten Ausganges gearbeitet- Dieser Ausgang wird von der Mitte des Bahnsteigs im rechten Winkel nach der Lindower Straße führen und mehr als dreimal so breit sein, wie die schon bestehenden beiden Ausgänge. Ob er allein aber für den Verkehr der Arbciterzüge ausreichen wird, kann fraglich sein. Wir nehmen an, daß auch die beiden jetzigen Treppen als Ausgänge weilerbcnutzt werden dürfen und daß die neue Treppe aber lediglich Ausgang bleiben soll. Mindestens wäre eine derartige Regelung in den Frühstunden erforderlich, sonst ist nicht viel an dem jetzigen Zustande gebessert. Es mutz eben damit gerechnet werden, daß die ankommenden Arbeiter keine Zeit zu versäumen haben, während eS bei überfüllten Ber» gnügungSzügen nicht so sehr darauf ankommt, ob die Fahrgäste sich in einer Minute oder in fünf Minuten vom Bahnsteig entfernen. Die jetzt in der Mitte deS Bahnsteigs hergestellte große Baugrube scheint »nS gegen Unfälle deS Publikums nicht genügend geschützt zu sein. Wir sehen lediglich eine durchlässige, ziemlich leichte Bretter« Verschalung, die unter Umständen dem Gedränge nicht standhält und dazu führen kann, daß Fahrgäste in die Grube stürzen, zumal der freie Raum zwischen dem Bretterabschlag unv dem Zuge nur wenig mehr als einen Meter beträgt. Allerdings hat die Bahnverwaliung eine Warnungstafel mit der Aufschrift„Vorsicht bei Einfahrt deS Zuges. Nicht stehen bleiben." anbringen lassen. Die Umzäunung zu ver« stärken, sodaß niemand durchgedrückt werden kann, wäre noch mehr Vorsicht, schon mit Rücksicht auf den Sonntagsverkehr, der so viele Frauen und Kinder auf den Bahnsteig bringt. Auf dem Ringbahnhof Frankfurter Allee find die Arbeite» zur Schaffung eines zweiten Ausganges feit längerer Zeit im Gange, und aus dem Ningbahnhof Schönhauser Allee wird demnächst ebenfalls eine wesentliche BerkehrSverbesterung in Funktion treten. An letzterer Stelle wird feit Jahren geklagt, daß die drei vorhandenen Schalter am Sonmag dem Ansturm des Publikums nicht genügen. Jetzt werden im Borranm außerdem noch vier weitere Schalter ein« gebaut. Die Eisenbahnbehärde sollte von selbst auf derartige not» wendige Verkehrsverbesserungen verfallen und nicht auS Sparsam» kcitSriicksichten immer erst Jahre verstreichen lassen, bis dem Drängen der Oeffentlichkeit endlich nachgegeben wird. Der Berliner Stadt« und Ringbahnverlchr bringt dem FiSknS soviel Geld ein, daß Spar» samkeit hier ganz und gar nicht angebracht ist. Sandalen an der Hansabrücke. Bald nachdem die neue Hansa« brücke dem Verkehr übergeben war, haben sich ruchlose Hände daran gemacht, die wertvollen Sandsteinbrüstungen nicht bloß mit Kreide, sondern sogar mit dem Slraßenpflaster entnommenen Fugenverguß« marerial in schamloser Weise zu beschmutzen. Die Versuche, durch gründliche Reinigung ein gutes Aussehen wiederherzustellen, haben sich leider als erfolglos erwiesen, weil die in dem Fugenvergußmaterial enthaltenen Felle sich bereits so tief eingcfressen' hatten, daß die vollständige Wiederherstellung in alter Schönheit ausgeschlossen er» scheint. Ferner sind die zur Verhinderung deS Eindringens der „Im Sommer kommt dann eine Hamburger Sängerin und logiert sich bei Pauls Eltern ein. An stillen Abenden läßt sie sich von Paul auf das Meer hiimuSrudcrn, und draußen singt sie so süße bestrickende Lieder, daß Paul dem dämonischen Zauber, der von der verführerisch schönen Frau ausgeht,»ich: widerstehen kann. Er vergißt seine Elsbeth und denkt Tag und Nacht nur an die Sängerin. Dieser macht die Verehrung, die ihr Paul entgegen« bringt, Spaß. Sie spielt als Kokette einige Wochen mit dem großen, unerfahrenen Jungen, und dann verschwindet sie wieder, wie sie gekommen ist." „Paul aber ist untröstlich, er glaubt nur leben zu können. wenn er die Sängerin sieht, ihre Stimme hört, und in seiner Ver» zwciflung beschließt er, seinem Leben, das keinen Wert mehr für ihn hat, ein Ende zu machen. Er führt feinen Vorsatz auch am Runenstein aus, trifft sich aber nicht tödlich. Schwer verletzt wird er aufgefunden und nach Hause gebracht. Und dann kommt seine Elsbeth und pflegt ihn durch viele lange Monate mit größter Auf« opferung, bis Genesung eintritt. Paul bleibt dem Leben erhalten, und er gesundet auch geistig. Er erkennt, daß es nur ein schillern» der Kiesel war, der ihn blendete, seine Elsbeth aber ein Edelstein von küstlich hoher Art ist." „Als man wieder Mai schreibt, ist Paul so weit hergestellt, daß er den ersten größeren Spaziergang machen kann. Auf Elsbcths Arm gestützt, pilgert er hinaus zum Runenstein. Draußen stehen die beiden lange. Sie spreche» kein Wort, sie verstehen sich auch so. Wissen sie doch, daß m... nichts auf der Welt mehr sie zu trennen vermag.— Das soll der Kern der Erzählung werden, und wenn wir alles recht liebevoll und anschaulich schildern, dann muß eS eine feine Geschichte geben. Meinst Du nicht auch?" Gespannt sieht Klara ihre Schwester an. Die lächelt, dann sagt sie:„Solches Zeug ist schon hundertmal erzählt worden, daran arbeite ich nicht mit. ES gibt andere Dinge genug, die verdienen, geschildert zu werden." „Ich habe mich in der Zeit, die Du auf dem Hügel verträumt hast, hier und in den benachbarten Badeorten etwas umgesehen und zu ermitteln gesucht, wie es unseren Mitschwcstcrn, den zahl» reichen Mädchen geht, die für die Saison zur Bedienung der Herr« schaftcn engagiert werden. Es ist mir auch gelungen, Verbindungen anzuknüpfen. In einem der großen Hotels habe ich einige sehr verständige Mädchen gefunden; sie haben mir ihre Schlasstellen gezeigt. Ganz unter dem Dache sind sie untergebracht; förmlich zusammengepfercht. Ihre Körbe und Koffer haben sie übereinander ausstellen müssen, so wenig Platz ist vorhanden. Und eine Tempc. ratnr war bei der Gluthitze in dem Raum, zum Ersticken! Die Mädchen sagten auch, daß ste abends zwar vor Erschöpfung schließ. lich einschlafen, aber am anderen Morgen bei'dem Erwachen matter sind, als sie bei dem Hinlegen waren. Käme gar in dce Nacht Feuer auS, die armen Mädchen wären sicher alle verloren Dann habe ich ein Mädchen gefunden mit blassen, abgehärm- tcm Gesicht, bei der ich rasch merkte, daß sie zu uns gehört. AIS sie sah, daß ich ihr innige Teilnahme entgegenbrachte, hat sie mir ihre Lebenögcschichte erzählt. Kurz nur, mit wenige» Feuchtigkeit in die Saiidpeitp angebrachten Fngenberbleiungen be tchädigt und heran'gerissen worden. An einer Laterne an Treppeil des Schleswiger UferS sind, obwohl die Treppe noch nicht für den Verkehr freigegeben ist, drei Fazettgläsec zertriiinmert worden. Da weitere Beschädigungen zu befürchten sind, hat die städtische Tiefbau� depukation bei den, Berliner Polizeipräsidium um.eine schärfere Be wachung der Brücke nachgesucht. Gleichzeitig ergeht an den be währten Sinn der Bürgerschaft die Bitte, bei der Bewachung des Bauwerks und der Ergreifung der Uebeltäter talkräftig mitzuhelfen. Das letzte Unwetter hat auch im Betriebe der Straßenbahn ver« schiedcire Verkehrsstörungen verursacht. Um 7,50 Uhr abends schlug der Blitz in die Plasten tglg und 1817 ei». Infolge des hierdurch enistandenen Kurzschlusses brannte der Speisepunk» 6 aus. Infolge« dessen war der Verkcbr während der Zeil von 7,50 bis 8,15 Uhr in der Oranieiislrage, Bloritzplatz, Prinzenstraße und Kommandanten strafze gestört. Die Wagen der Linie 29 und 48 wurden durch die Adalbert- und Köpenicker Straße über die Jannotvitzbrücke um- gelenkt, die Linien 5, 20, 27, 28, 30, 47, 58 und 65 hatten Aufent- halt. Nach Auswechselung der deschädigten Teile konnte der Automat wieder eingeschaltet und der Betrieb wieder aufgenommen werden. Eine längere Betriebsstörung im Straßenbahnverkehr ereignete sich auch in Weißensee, wo ein Blitzstrahl in den Ausschalter vor dem Schloß Weißensee einschlug. Infolgedessen trat Kurzschluß ein und die Streck« vom Schloß Weißensee bis zu den Endhaltestellen der Straßenbahnlinien war von 8.50 bis 9.40 Uhr stromlos. Die dort verkehrenden Wagen mußten während dieser Zeit am Schloß Weißensee umlege». Nach Auswechselung der beschädigten Teile konnte der Betrieb wieder in vollem Umfange aufgenommen werden Am Senefelder Platz waren infolge Ueberflutnng die Straßen- bahngleise an der Ecke der Mctzcrstraße unterspült. Infolgedessen mußten von i/,12 Uhr nachts an bis zum Betriebsschluß die jene Stelle passierenden Wagen durch die Weinmeisterstraße und die Kastanien-Allee abgelenkt werden. Die Störung war bereit» in der Nacht völlig beseitigt, so daß eine Einsturzgefahr an der Baugrube des Unlergrundbahnhofes nicht vorlag, trotzdem mußte der Betrieb an der Unfallstelle auf Verlangen der Polizei auch am Heuligen Morgen noch zunächst bis'/ü8 Uhr eingestellt werden. Infolge Ueberschwemmung an der Eisenbahnnberführung in der Dorkstraße trat an jener Stelle eine fünfviertelstündige Störung ein Die dort verkehrenden Wagen wurden in beiden Richtungen durch die Kreuzbcrg-, Katzbach-, Kolonnen- und Bahnstraße umgelenkt. Eine dreiviertelstündige Störung, ebenfalls durch Ueberschwemmung hervorgerufen, ereignete sich gegen 8 Uhr am Swöneberger Ufer, Ecke der Flottwellstraße. Dort mußten von 7.55 Uhr bis 8.42 Uhr die Wagen der Linien 17, 59. 62, 93 und 98 durch die Linkstraße über den Potsdamer Platz durch die Königgrätzcr Straße abgeleitet werden. Auch ani Belle- alliance-Platz an der Friedrichstraße war von 7,45 bis 8,30 Uhr der Straßenbahnverkehr infolge Ueberschwemmung behindert. Die Wagen der Linien 34, 88, 53, 55, 70, 73, 96h! und 99 mußten durch die Königgrätzer, Prinz-Albrecht- und Zimmerstraße umgelenkt werden Eine vierte Störung infolge Ueberschwemmung trat am Dönhoffs- platz ein. Dort mußten während der Zeit von 8,20 Uhr bis 8,35 Uhr die Wagen der Linien 64, 66, 67, 69 und 71 durch die Breit« Straße, Schloßplatz, Französische Straße, Hausvogteiplatz und Jeru- jalcmer Straße geführt werden. Bcrlegung von Straßenbahnlinien wegen der Untergrundbahn. Die Straßenbahn muß wegen des Erweiterungsbaues der Unter grundbahn in der Tauentzienstraße und am Wittcnbergplay unffang- reiche Verlegungen ihrer Gleisanlagen vornchnien. Die Verlegung der Gleise auf die Bürgerstcige usw. konnte bisher ohne Aendrrung de» Betriebes vorgenommen werden. Jetzt muß aber die umfang- reiche KrruzimgSanlage der Kleist«, Luther- und Nettelbeckstroße aus- gewechselt werden. Zu diesem Zweck ist e« nötig, in der Nacht vom Montag, den 3t. Juh, znm DicnStag, den 1. Angust, die nach 1 Uhr dort noch verkehrenden Wagen einiger Linien umzulenken. Linie 54 geht dann über die Kurfürsten-, Nürnberger und AugSburger Straße, 66 und 67 über die Kurfürsten- und Nürnberger Straße, 80 und 81 über die Knrfürstenstraße, den Kurfiirstendamm und die Kantslraße, sowie umgekehrt. Linie A geht vom Nollendorfplatz über die Maaßen- und Kurfiirstenstraße, den Knrfürstcudamni, die Hardenberg- und Joachimsthaler Straße zum Kiirfllrstendamm zurück und nach Halensee. Bon Halens« geht die Linie über die Joachimsthaler und Hardenbergstraße. Kurfürstendamm, Kursürsten- und Maaßenstraße, Nolleiidorfplatz, Bülow-, Potsdamer, Lützow- und Flottwellstraße. Der Wachtmrisicr aiS Eierhänbler. Der Gendarmeriewachtmeister Jude, der bekanntlich unseren Genosse», den Arbeiter Herrmaun erschosicn hat, leider aber von der erst auf Anordnung des NeichSmilitärgerichtZ erhobenen Anklage freigesprochen wurde, hat sich, wie in der Generalversammlung des Niederbarnimer KreiseS jüngst zur Sprache kam, auf de» Eierhandel denn den armen Geschöpfen bleiben ja nur einige wenige Minuten freie Zeit. Sie ist von Köln auS nach hierhep engagiert worden. Ihre Heimat ist Westfalen. Sie war mit einem jungen Bergmann rer- lobt, der auf Radbsd arbeitete, und es sollte bald Hochzeit gefeiert werden. Da kam daS große Unglück. Ihr Bräutigam wurde mit verschüttet, und sie hat ihn nie wieder zu sehen bekommen. Tage- lang hat sie wie eine Verzweifelte vor der Grube gestanden, sich auf jeden der verkohlten und zerstückelten Leichname gestürzt, die man zutage förderte und ihn daraufhin angesehen, ob er nicht ihr Geliebter war, bis man sie schließlich mit Gewalt von der Grube fortbrachte. Einige Monate nach dem Unglück wurde sie Mutter. Unter. stützung erhielt sie, außer von unseren Genossen, von keiner Seite. Sie konnte ja als Unverheiratete keine Ansprüche geltend machen. Ähre Eltern sind arme, alte, gebrechliche Leute; der Vater Berg- invalide. Um sich und ihren Buben, den sie bei der Mutter ließ, zu ernähren, ging sie in Stellung. Wie sie sagte, nimmt sie immer -nur Stellen in Hotels und für die Saison an. Sie muß sich da zlvar schwer placken, aber sie verdient doch etwas mehr. Ihr ganzes Sinnen und Trachten geht nur daraus, so viel zu ersparen, daß ,sie ihren Buben, wenn er groß ist, ein Handwerk lernen lassen kann, damit er nicht auch in die schreckliche Grube einfahren muß wie sein Vater. Jeden Morgen betrachtet sie einen Augenblick daS Bild ihre? Kindes, und aus seinem Anblick schöpf» sie immer wieder neuen Mut für den harten Kampf, den sie kämpfen muß. So lebt die Arme hier unter den Tausenden fröhlicher und glücklicher Menschen einsam für sich, nur mit dem Gedanken an ihr Kind als einzigen Lichtblick in der täglichen Hätz und Plage.— Siehst Du. mein liebes Klärchen, das gäbe einen ganz anderen Stoff für eine Er- zählung, als das erträumte Leid Deiner ElSbeth." „Ja, ja," antwortete Klara mit feuchten Augen,„was Du eben erzählt hast, ist ja sehr ergreifend; aber meine Idee ist dafür romantischer, poetischer." Minna überlegte einen Augenblick, dann sagte sie rasch:„Nun will ich Dir einen Gegenvorschlag machen. Schreibe Du Deine romantische Geschichte, und ich-werde meine realistische, die der DcrgmannStochter und-braut schreiben. Und zum Winter wollen wir beide Erzählungen unseren Kameradinnen und Kameraden im Jugendheim vorlesen; sie mögen dann sagen, welche ihnen als die bessere dünkt." „O ja!" erwiderte Klara erfreut,„so wollen wir cS machen. Aber nur zwei Stunden arbeiten wir täglich daran, draußen unter den Buchen. Die übrige Zeit tummeln wir uns, damit uns von unseren paar Tagen nichts verloren geht." Nach diesem Programm wurde auch verfahren, und als sie den Soffer zur Heimkehr packten, fügte jede vergnügt ihr Päckchen mit leiflift beschriebener Blätter bei. Und wenn die Tage wieder kurz sind, der eisige Nordwind weht, und die Jugendlichen sich abends in ihrem, trauten Heim in der E.-Straße zusaminciisindcn, dann werden sie als Schiedsrichter darüber entscheiden, welcher der beiden am Ostsccstrand geborenen Erzählungen die Palme gebührt. im Nebenamt gelegt. Eine Offerte, die er do» Narlenlverder, Bez Potsdam, aus versendete, lautet wörtlich: Durch Herrn Wree in Prenden, hörte ich, daß Sie frische Landeier(Trinkeier) zum Verkauf, bezw, Ankauf benötigen. Ich erlaube mich, ergebcnst anfragen zu dürfen, ob Sie ventl. Eier kaufen wirden. Ich kann täglich ungefähr 1'/, Mandeln abgeben. Daß die Eier ganz frisch sind könnte ich Ihnen versichern. Im Falle, daß Sie Eier kaufen wollen, bitte ich um gefällige an- gäbe des Preisies unter Soldatenbrief salio ohne Porto). Bemerken möchte ich, daß ich in der Lage bin dauernt liefern zu können. Hochachtungsvoll ergcbenft Jude. Fuß-Gciidarincrie-Waöbtmeister. DaS Originelle des Stils, der Grammatik und Orthographie, das sich in diesem Eierangebot offenbart, wird durch den Hinweis. die Antwort als Soldaten brief portofrei gehen zu lassen, übertroffen. Ist das Rcichspoftamt auch der Ansicht, daß gcwerb liche, an einen Gendarmen in feinem gewerblichen Betrieb als Eier- Händler gerichtete Briefe portofreie Soldatenbriefe sind? Zahlt der Gendarm vielleicht auch keine Gewerbesteuer Z Herr». Jago« und die Hutnadeln. Der Polizeipräsident hat folgende Bekanntmachung erlassen: Da die in den Zeitungen er- gangenen, auch in den Wagen der öffentlichen VerkehrSanstalien an- geschlagenen Aufforderungen an die Damen, nicht langvorstehende Hutnadeln zu tragen, bisher nicht immer hinreichend beachtet worden sind, sehe ich mich veranlaßt, darauf binzuweisen, daß nach den §Z 230, 231 de? Strafgesetzbuches fahrlässige Körperverletzungen, wie sie durch daS Tragen derartiger Nadeln verursacht werde» können, mit Geldstrafe bis zu 900 M, oder mit Gefängnis bis zu 2 Jahren bestraft werden, und daß neben der Strafe auf eine an den Ver- letzten zu erlegende Buße bi« zu 6000 M. erkannt werden kann. DaS Opfer einer verhängnisvollen Schießnffäre wurde gestern der hiesige Versicherungsagent Julius Beinert. B. hatte in den, märkische» Sommererholungsort Lindow bei Neuruppin seinen Urlaub ver« bringen wollen. Gestern zeigte ihm ein junger Kaufmann, dessen Bekanntschast er in Lindow gemacht hatte, ein Tesching, ohne daß er ivußie, daß die Waffe geladen war. Während er nun mit dem Tesching hantierte, krachte plötzlich ein Schuß und getroffen sank B. nieder. DaS Geschoß war ihm in die linke Brustseite eingedrungen und hatte die Lunge verletzt. Der Verwundete wurde sofort nach dem nächsten Krankenhause gebracht, wo er in äußerst bedenklichem Zustand daniederliegt. Vom Blitz erschlagen. Verhängnisvolle Folgen sollte ein Blitz- schlag haben, der bei dem Gewitter am Mittwochabend am Finow- kanal Unheil anrichtete. Ein in der Nähe von EbcrSwalde vor Anker liegender Lastkahn, der für Berlin bestimmt ist. wurde vom Blitz getroffen und der Schiffer Hermann Kienscherf aus Zadelsdorf, der gerade an Bord stand, wurde niedergeschmettert und auf der Stelle getötet. Der Aufenthalt auf Lastkähnen während eines Gewitters ist anscheinend recht gefährlich, den» erst vor wenigen Tage» mußten wir über ein ähnliches Unglück, wobei gleichfalls ein Menschenleben vernichtet wurde, berichten.— Vom Blitz getroffen wurde ferner auf der Kremmener Chauffee ein HandwerkSbursckie. Während des gestrigen Gewitters befand sich dieser auf dem Wege nach Berlin, und beim Herein- brechen des Unwetters suchte er unter einem Chausseebauni Zuflucht. Plötzlich wurde der Baum vom Blitz getroffen und mitten durch- gespalten. Der Handwerksbursche erhielt gleichfalls einen heftigen elektrischen Schlag,. so daß er bewußtlos zu Boden taumelte. Später fanden ihn Arbeiter auf und riefen ihn wieder in? Leben zurück. Der Battenmord in Dahle« erweist sich nach den neueren Er- Mittelungen der Kriminalpolizei immer mehr als ein sorgfältig vor- bereitetes Verbrechen. Sternbeck benutzte zur Ausführung des Planes, feine Frau zu beseitigen, mit Vorbedacht die Zeit, in der er noch in dem Hause Altensteiustr. 62 wohnte. Es ist das ein etwas abseits und vereinzelt gelegenes HauS, da« außerdem auch nicht ganz bewohnt war. ES kam hinzu, daß er schon begonnen hatte, einzelne Sachen noch der neuen Wohnung in dem Vcamtenhause, Herrfurthstr. 1, die er am t. Oktober bezog, hinüber z» schaffen. So fiel es auch nicht auf, daß irgend etwas mit dem Kinderwagen weg- gebracht wurde. In dem Beamtenhaufe, in dem mehr als ander« wo einer auf den anderen sieht, wäre es Sternbeck nicht mehr möglich gewesen, seine Frau verschwinden zu lassen. Jetzt meldete er sie, nachdem er die Leiche weggeschafft hatte, gleich am nächsten Tage auf dem Amte ab. Er erklärte dabei, daß fie ihm weggelaufen ei. brauchte also auch über ihr Ziel nicht» zu wissen. Mit der Ab- Meldung und den beiden Briefen glaubte der Verbrecher allen neu- gierigen Fragen, mißtrauischen Andeutungen und etwaigen amtlichen Nachforschungen standhalten zu können. Bemerkenswert ist, daß Sternbeck zum Wegschaffen der Leiche einen ganz neuen Korb verwendet hat. Er trug noch die GeschästSauSzeichnung und war außerdem nur noch mit einem einzigen Bahnzcttcl beklebt gewesen. Diesen hatte Sternbeck wieder entfernt. Die anderen Körbe, die in der Wirtschaft vorhanden sind, konnte Sternbeck zum Wegschaffen der Leiche nicht gebrauchen, sie sind nicht groß und auch nicht stark ge- nug. Dringend erwünscht wäre eS, daß sich der Mann, der Stern- beck beim Heruntertragen de» KorbeS und des Kinderwagens ge» halfen hat. unverzüglich bei der Kriminalpolizei meldete. E« war am Sonntag, den 25. September 1910. Sternbeck will ihn von der Straße geholt und ihm eine Mark gegeben haben. Zwei KlndeSlriche» wurden gestern nachmittag und heute früh am Wickingerufer und in Ncu-Cöün am Wasser aus der Spree ge- landet und nach dem Schauhause gebracht. In beiden Fällen handelt eS sich um neugeborene Knaben. Ob fie eines gewalsiamen Todes gestorben sind, konnte noch nicht sestgeftellt werden. In der Sommerfrische ertrunken ist der 7jährige Sohn de« Görlitz« Ufer 32 wohnhaften Schlächtermeisters Krause. Der Knabe lveille seit 14 Tagen mit seiner Mutter in der Sommerfrische in Fürstenwalde, wo Frau K. bei dem Gärtnereibesitzer Holtz eine Sommerwohnung inne hatte. Auf dem auSgedchnlen Gärinerei- grundstück befinden sich mehrere auS Stein gemauerte Wasser» Behälter, die durch mittels eines GöpclwcrkeS getriebene Pumpen gespeist werden. In einem dieser Reservoirs hatte der kleine Ehrhardt Krause unter Aufsicht seiner Mutter ein Bad genommen, das ihm so gut gefiel, daß er, al» Frau K. sich für einen Augenblick entferiite, nochmals in einen anderen Behälter stieg, der zirka ein Meter hoch mit Waffer gefüllt war. AIS die Schlächtcrfrau zunick kehrte, vermißte sie ihren Sohn und ließ sofort die sämtlichen Bassins absuchen. In einem derselben wurde der Kleine leblos auf dem Boden liegend vorgefunden. Durch einen herbeigerufenen Arzt angestellte Wiederbelebungsversuche waren leider erfolglos; der Knabe war einem Schlagansall erlegen.— Beim Baden ertrunken ist am DienStag abend der 21 jährige Bäckergehilfe Kurt Berger aus Döbcrn bei Spandau, der in den dortigen Grubenbruchlvchern ein Bad nehmen wollte. Dabei geriet der junge Mann an eine mehrere Meter tiefe Stelle und ertrank, da er nicht schwimme» konnte, ehe ihm von Augenzeugen deS Vorfall« Hiife gcbrackil werden konnte. Die Leiche wurde kurz darauf gelandet.— Gleichfall» er- trunken ist gestern morgen der Werkmeister Paul Schulz in der Nähe der Bootswerft„Komet" in Boxhogen-RummclSburg. Schulz nahm vor der Arbeit noch ein Bad. wurde wahrscheinlich vom Herzschlage getroffen, ging unter und ertrank. Seine Leiche ist noch nicht ge- borgen. Die Leiche eines älteren Manne? wurde gestern ans der Krummen Lanke gezogen; sie scheint mehrere Tage im Wasser gelegen zu habm. Ein schwerer ivetrielSunfall ereignete sich in der letzten Nach� bei dein Bau der Untergrundbahn in der Tauentzienstraße. Dort war in der Nachtschicht der Arbeiter Jobarm Kasse! au» der Danke!« mannstr. 17 in Charlottenburg beschäftigt. Infolge der Unvorsichtig- kcit eines Kollegen bei der Arbeit flog plötzlich dem K. eine schwere eiserne Brechstange mit solcher Wucht gegen den Kopf, daß der Ge- troffene blutüberströmt und besinnungslos zusammenbrach. Der Ver- unglückte wurde nach der Unfallstation am Zoologischen Garten ge- bracht, wo eine klaffende Kopfwunde und ein« Gehirnerschütterung festgestellt wurden. Nach Anlegung von Notverbänden mußte der Ar« bester nach dem Krankcnhause Westend übergeführt werden. Nicht abspringen. Die so häufig gerügte Unsitte, Straßenbahn« wagen während der Fahrt zu verlassen, hat gestern wiederum zu einem schweren Unfall geführt. Gestern abend gegen Va® Uhr sprang der in der Potsdamer Straße 8 wohnende Bohner Georg Baatz vor dem Hause 136 des genannten Straßenzuges von einem bereits in der Anfahrt zur Hallestelle befindlichen Straßenbahn- wagen der Linie 69 ab, trotzdem ihn der Schaffner davor warnte. B kam zu Fall und blieb besinnungslos neben dem Wagen liegen. Er hatte sich einen doppelten Bruch des rechten Oberschenkels und eine Gehirnerschütterung zugezogen und wurde nach dem Elisabeth- krankenhaus in der Lützowstraße übergeführt. AuS der Selbstmordchronik. In der vergangenen Nacht wurde auf dem Baumschnlenwcg im Tiergarten ein junger Mann mit einer Schußwunde in der rechten Schläfe bewußtlos aufgefunden. Ein Schutzmann schaffte den Schwerverletzten nach der Charitö, wo er aber bald nach der Einlieferung starb. Die Personalien des Selbstmörders sind noch nicht genau bekannt, doch wird vermutet, daß es sich um einen 22 Jahre allen Monteur Namens Jahr aus Dresden handelt. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt. Bei dem Toten wurde ein größerer Geldbetrag und eine goldene Uhr mit Kette vorgesunden.— Vor dem WarenbauS Tietz am Alexander« platz vergiftete sich gestern vormittag ein 20jährigeS junges Mädchen mit Lysol. ES brach bewußtlos aus dem Bürgersteig zusammen und wurde nach der llnfavslation in der Keibelstraße gebracht. Von hier auS erfolgte die lleberführung nach dem Krankenhaus am Friedrichs« Hain. Uebcr die Personalien der Lebensmüden und üb» daS Motiv der Tat konnte noch nichts ermittelt werden. Vorort-]Sadmcbtein Nixdorf. Zu dem Bericht über die Gencrakversammlung deS WahlvereinS in Kirdorf wird uns geschrieben: Meine Ausführungen sind nur teilweise und auS dem Zusammenhange gerissen wiedergegeben ivorden. Es ergibt dicS ein vollständig schiefes Bild. AuS den Ausführungen deS Genossen Scholz, daß in der Parteischule zu wenig prokiisches Wissen, in der GewcrkschaslSschule zu wenig Theorie ge- lehrt ivurde, zog ich die Schlußfolgeriuig. daß bei einer Vereinigung beider Schulen diese Mängel beseitigt würden. Ebenso sind meine Ausführungen über die Unterstützung des Freisinns nicht sinn- entsprechend wiedergegeben. Sie gingen dahin, daß bei den nächsten RcichöiagSwahlen alle» aufgeboten werden müsse, die Reaktion zu schlage». Für dieses Ziel sei aber ein Zusammengehen mit dem Freisinn notwendig. Von einem bedingungslosen Heraushauen habe ich selbstverständlich nicht gesprochen. Karl PolenSle. Schöneberg. Die städtischen Arbeiter SchönebergS versammelten sich am Mittwoch abend im„GescllschaftShause des Westens". Hauptstraße. um gegen eine Auslegung des Arbeiterausschuß-Reglements durch den Magistrat zu protestieren. PolenSke vom Verband der Gemeinde- und StaatSarbeiter referierte. Bei den ArbeiterauS- schußivahlcn, die Ende März stattfanden, war in der Gruppe der Straßenreiniger ein Kampf mit dem Gewerkvercin der Hirsch- Dunckerschen auszufechten. Bon 110 Stimmen erhielt der Gc- werkverein 55, der Verband 54 und ein Stimmzettel war u n b e» schrieben. Eine Stichwahl wurde anberaumt, die dem Ver- bände eine Majorität brachte. Tagegen protestierte nun der Ge- werkverein und der Magistrat entschied zugunsten des Gewerk» Vereins. Dagegen erhob nun die andere Seite Protest. Dieser Protest war ober wirkungslos und das Verlangen nach Neuwahlen wurde abgewiesen. Der Magistrat erklärte, daß Stimmzettel, die unbeschrieben bleiben, künftig als ungültig erklärt werden sollen. Die Arbeiter waren mit dieser Entscheidung nicht gu» frieden und die Vertrauensleute, die dazu Stellung genommen lfatten, empfahlen nun der Versammlung die folgende Resultion. die auch nach kurzer Diskussion und gegen die Opposition des an- wesenden Stadtverordneten S a l i n g e r angenommen wurde. Die Resulution lautet: Die am 26. Juli 1911 im Gesellschaftshause des Westen» versammelten städtlschen Arbeiter Schöneberg» protestieren auf das Entschiedenste gegen den durch den Magistrat erfolgten Umstoß des Resultates der Arbeiter-Ausschußivahlen in der Straßenreinigung und gegen die Proklamierung der in der Stichwahl in der Minorität gebliebenen Kandidaten als Ver- treicr der Arbeiter im ArbeiterauSschnß. Die Maßnahmen deS Magistrat stehen im Widerspruch zu den klaren Bestimmungen deS Arbeiterausschußrcglements. Die Versammelten können deshalb diese aus Grund der Magistratsauslegung al» gewählt erklärten Vertreter nicht als rechtmäßige Arbeitcrausschutz. Mitglieder betrachten und erwarten, daß für die Gruppe der Straßcureinigung Neuwahlen ausgeschrieben werden. Die Versammelten beschließen die Beteiligung an den be« vorstehenden Arbeiterausschußwahlen, verpflichten aber die auf. gestellten Kandidaten, ihre Mitarbeit im AvbeiterauSschuß da- von abhängig zu machen, daß der gesamte Arbeiterausschuß aus Mitgliedern besteht, die auf Grund einwandfreier Wahlen in diese Vertretung gewählt wurden. Die übrigen Vertreter im ArbeiterauSschnß hatte» zum Zeichen deS Protestes ihre Acmter niedergelegt. Znm zweiten Punkt der Tagesordnung:„Unsere Gegner im Lichte der Wahrheit", hielt Polenöle eine längere und scharfe Ab- rechnung mit den Hirsch-Dunckcrschen, die im„Schöneberger Tage- blatt" Vorwürfe des Verrats und des Terrorismus gegen die freien Gewerkschaften erhoben hatten. Polenske wies die Vorwürfe als ungerecht und unbegründet zurück. Eine Diskussion entspann sich dann über die Hirsch-Duncker» scheu als Organisation, die der liberale Stadlverordnete Salinger in Schutz nahm, ferner über die Tätigkeit der Liberalen im Stecht» Parlament, was einige Arbeiter veranlaßte, die Liberalen an manche Wünsche zu erinnern. Der Verband der Gemeindcarbeiter hat in der letzten Zeit in Schöneberg zahlreiche Mitglieder gewonnen. Generalversammlung deS Wahlvereins. Der Tätigkeitsbericht des Vorstandes konstatiert eine Mitglicderzunahme von 130. Die Organisation zählt jetz: 2500 Mitglieder, darunter sind 420 Weib- liche. Zur Erledigung der Geschäfte waren 33 Sitzungen not- wendig. 11 Mitglieder- und 13 öffentliche Versammlungen(von letzteren beschäftigten sich 2 speziell mit der Franenagitation) zeugen von reger Parteiarbeit. Von zwei im Geschäftsjahr unter» nommcnen Agitationen brachte die letzte, die besonders für den Ort zugeschnitten war, Erfolg. Tie Landagitation führte in Top. chin zur Gründung eines WahlvereinS. Für BildungSzwecke (Theatervorstellungen usw.) aufgewendete Mittel erweisen ihre Berechtigung durch die zahlreiche Beteiligung. Die in der Epe» dition untergebrachte Bibliothek zählt jetzt 795 Bände. Der Verein „Jugend-Heim" verzeichnet 324 Mitglieder und eine Einnahme von 295,10 Mk. Die im Dezember veranstaltete Jugcndschriftenaus» stcllung fand wiederum das Interesse der Parteigenossen. Die Kindcrschutzkommission suchte durch wiederholte Kontrollen und eine Razzia der verderblichen Kinderarbeit entgegenzuwirken. Im Gebiet der Spedition sind 3200 Abonnenten des„Vorwärts", 74 der„Gleichheit", 40 der„Neuen Zeit" vorhanden.— Wie noch er« wähnt wurde, liegen die Wählerlisten vom 16. bis 31 August aus. -r Dm Mitgliedrrzuwachs entsprechend habe» sich die Einnahmen erhöht. Diese beziffern sich auf 8vi4,Sg M?., die Ausgaben auf 8 4S8,!>S Mk. Am Ort wurden 2 360,15 Mk. ausgegeben, an den Kreis 6 698,86 Mk. abgeliefert.— Die Diskussion befasite sich be- sonders mit der Belebung der Zahlabende und der Lervollstän- digung der Bibliothek. Ein Antrag, den Funktionären keine Pau- schale, sondern Anwesenheitsgelder zu gewähren, fand keine Zu- stimmung. Die Wahl der Funktionäre ergab das folgende: 1. Bor- sitzender R. Küter, 2. Vorsitzender A. Mohs, 1. Kassierer H. Fischer, 2. Kassierer L. Herker, 1. Schristführe- W. Heinrich, 2. Schrift- führer Chr. Franke; Beisitzerin Frau Böhm; Revisoren: Altmann, Nitschke, Leinert; Lokalkommission: Peterson, Knobloch, Kliche; Bibliothekskommission: I. Kramer, E. Buchholz, G. Becker In die Schlichtungskommission ist von den Bezirken noch je 1 Vertreter zu wählen. Nach kurzer Besprechung der Tagesordnung des Parteitages wurde ein von den Genossen E. Bernstein und Bäumler vorgelegter Antrag„Die auswärtige Politik Deutschlands" auf die Tages- vrdnung des Parteitages zu setzen, angenommen. Zum Partei- tagsdclcgicrten soll Genosse Ed. Bernstein, als Vertreter auf der Provinzialkonferenz, Genosse Eichler der Kreis'vcrsammlung vor- geschlagen werden. Diese findet am 13. August statt, und es werden dazu delegiert die Genossen: Berg, Czeminski, Däumig, Lippert, Mohs, Rcthfeldt, Frau Worm. Für den Krcisvorstand sollen emp- fohlen werden: Schenk als Beisitzer, Däumig als Revisor, Fischer und Küter als Mitglieder der Agitationskommission. Ferner bestätigte die Versammlung die nachfolgenden Genossen als Vertreter auf der Verbands-Generalversammlung am 24. August: Klemann, Eckert, Jahnisch, Trapp, Burisch, Hohmann, Czeminski, Niendorf, Zimmermann, Kühne, Ilnger, Nehmer, Frau Böhm, Frau Becker, Frau Pluskat. Rcinickendorf-Ost. In der Generalversammlung des BczirkSwahlvereins er- statteten die Bezirksleitung und die Funktionäre den Bericht über ihre Tätigkeit im verflossenen Jahre, sowie über die Parteibewegung am Orte. Es fanden 7 öffentliche Versammlungen statt, davon zwei in Liebenwalde. Zur Belehrung der Mitglieder und zur Erledigung der Partei- und Vereinsangelegenheiten wurden zehn Mitglieder- und eine Generalversammlung abgehalten. 13 ver- schiedene Flugblätter wurden in einer Gesamtauflage von über 100 000 Exemplaren verteilt. Den Ausienagitationsbezirken wurde die größte Aufmerksamkeit gewidmet. In jedem Monat wird eine Agitationstour nach Liebenwalde und Hammer unternommen. Hierdurch und durch das Freiwerden eines Lokals ist es gelungen, dort eine Zahlstelle des Landarbeiterverbandes zu begründen. Zahlabcnde wurden insgesamt 112 in 10 verschiedenen Bezirken abgehalten. Leider läßt der Besuch dieser, sowie der Mitglieder- Versammlungen zu wünschen übrig, im erfreulichen Gegensatz zum Besuch der öffentlichen Versammlungen und der Frauenleseabende. Von letzteren fanden 11 statt, wovon etliche von über 100 Teil- nehmern besucht waren. Die Bezirksleitung erledigte ihre Auf- gaben in 18 Sitzungen. Das Verhältnis zwischen Wahlverein und Gewerkschaftskartell, an dessen Sitzungen neunmal Vertreter der Bezirksleitung teilnahmen, ist ein erfreuliches. Tie festlichen Ver- anstaltungen des Qahlvcrcins, deren Leitung fast durchweg in Händen des BildungsauZschusses lag, waren gut besucht; eine ganz besonders glänzende Beteiligung zeigte sich bei der Maifeier und den Bildungsveranstaltungen. Entsprechend dieser regen Tätigkeit auf allen Gebieten ist die Zahl der Mitglieder gewachsen. Am 1. Juli 1910 waren vorhanden 594 männliche, 92 weibliche, insgesamt 686 Mitglieder; es wurden aufgenommen 215 männ- lichc, 75 weibliche Mitglieder. Aus anderen Bezirken wurden über- wiesen 115 männliche. 13 weibliche Mitglieder, so daß insgesamt 454 Mitglieder hinzukamen. Leider verloren wir durch Ausschluß ein männliches Mitglied, durch Verzug 75 männliche und 5 wcib- lichc, durch Tod 3 männliche Mitglieder, zum Militär kamen zwei Mitglieder und wegen Beitragsrückstände mutzten gestrichen wer- den 75 männliche und 13 weibliche Mitglieder, so daß wir insgesamt verloren 202 Mitglieder. Am 30. Juni waren somit 780 männ- liche und 158 weibliche, insgesamt 938 Mitglieder vorhanden. Die Zahl der ,Vor>värts"Ieser ist von 965 auf 1250 gestiegen. Dasselbe Bild erfreulicher Entwickelung zeigt der Kassenbericht. Es wurden vereinnahmt 3493,09 M., davon 2913,60 M. an Mit- gliedcrbeiträgen und Eintrittsgeldern. An den Kreis konnte da- von abgeführt werden 2187,27 M., im Bezirk wurden verbraucht für Agitation 529,75 M., für Kommunalwahlen 334,08 M. und für Verwaltungsaufgaben 427,47 M. Der Kassenbestand beträgt 647,30 M. Die Zahl der gesperrten Lokale hat sich leider nicht vermindert. Gesperrt sind noch immer„Seebad",„Kuhrmanns GesellschaftSgarten" und„Schloß Schönholz". Die Bibliothek weist ohne die Broschüren und Zeitschriften 417 Bände auf. 1132 Werke sind im Berichtsjahre verliehen worden. Obgleich die Eni- leiherzabl ständig wächst, kann nicht dringend genug auch den übrigen Genossen die unentgeltliche Benutzung empfohlen werden. Auch den Jugendlichen steht die Benutzung derselben frei. Die stetige Vergrößerung der Jugendbibliothek ist beabsichtigt. In der Diskussion erklärten die Genossen ihre Zustimmung zum Be- richt. Bei den darauf vorgenommenen Wahlen wurden gewählt Schönberg als 1. Bezirksleitcr. Domsch als 2. BezirkSleitcr, Skaruppe als Kassierer. Genossin Lorenz als Schriftführerin, Köhn und Andreas als Revisoren, Fey, Domsch und Wilsdorf in die Lokaltommission, Genossin Zepernick als Kinderschutzkontrol- leuri», Wilsdorf und Kunze in die Zeitungskommission, die Ge- nassen Domnick. Andreas. Heß. Schultz, Ncumann, Dippmann, Haase und die Genossin Skaruppe in den BildungSauSschuß. Dieser wird in Zukunft auch die Bibliothek verwalten und die Leitung und Arrangements der Vergnügen übernehmen. Zu Delegierten für Niedcrbarnim und Groß-Berlin wurden gewählt mit dem Recht gegenseitiger Vertretung Schönberg. Domsch. Skaruppe. Janke, Dom nick und die Genossinnen Lorenz und Zcperick und als Ersatzdelcgierte die.Genossen Gurgeh, Bahner und Schultze. Tcael. Die Generalversammlung beS Bezirks Tegel nahm zunächst den Geschäftsbericht der Bezirksleitung entgegen. Genosse Massa gab einen kurzen Rückblick über die politische Loge im verflossenen Jahre. Die Mitgliederzahl beträgt 812; es ist eine Zunahm« von 173 zu verzeichnen, einschließlich 40 weibliche. Vorwnrtsleser sind 876 vorhanden, die Zunahme beträgt 109. Da? Jugendheim wurde Mitte Oktober eröffnet. Oeffentliche Versammlungen fanden acht statt, davon eine in Heiligensee, Mitglicderversammlunen 9, Zahl- abcnde 12. Tie Mitgliederversammlungen und Zahlabcnde waren durchschnittlich sehr inäßig besucht. Vcrbandsgeneralversammlungen von Groß-Berlin wurden vier beschickt. Sitzungen der Bezirks- leitung am Orte fanden 30 statt. Von den vier Schiedsgerichts- sitzungen sind fast alle friedlich beigelegt worden. Tie Wahl des Genossen Radunz als Gcmcindcvertrcter ist für ungültig erklärt worden, aus gleichen Gründen die eines bürgerlichen Vertreter». zurzeit sind vier Mandate unbesetzt, darunter eines seit zwei Jahren. ES wird die dringende Bitte an alle Genossen gerichtet, sich mehr an den Parteiarbeiten zu beteiligen. Ter Kassenbericht ergibt eine Einnahme von 4606,25 M., dem eine AuSgabe von 4395,39 M. gegenübersteht, so daß ein Bestand von 210,94 M. ver- bleibt. Die Neuwahlen hatten folgendes Ergebnis: 1. Bezirksleiter: Genosse Lichtenberg; 2. Bezirksleiter: Genosse Krüger; 1. Kassierer: Genosse Lauer; 2. Kassierer: Genosse Domaschka; Schriftführer: Genossin Pallach; Beisitzer: Geiwsse Pctran, Genossin Wcding; Revisoren: Genossen Oppenheim. Hülle, Barndt; Lokal- und Agi- tationskommission: Genossen Pctran, Krummnow, Leonhardt, Kaplan; Bibliothek: Genosse Wcding, Genossinnen Welze! und Graap; ScküichtungSkommission: Genossen Becker. Petran. Roll. Sorrcr. Schütze; Kartelldelegierter: Genosse Krüger; Kindcrichutz- tommission: Genossin Domaschka; Delegierte zur Kreis- und Ver- bandSgeneralversammlung: Genossen Krüger, Bennewitz, Pctran, Gotzmann, BarSke, Schönfcld, Kalbow; alS Ersatzdeiegierte die Genossen Weding. Schäfer, hierin» Bernatt. Seht die Wählerliste» eln! Wir machen nochmals aufmerksam, daß die Wählerlisten ztir Stadtverordnetenwahl nur noch bis zum 30. Juli aus- liegen, Werktags in den Amtsstundcn und Sonntags von 11—12 Uhr mittags. Versäume niemand, Einsicht zunehmen. Staaken. Ter hicssge Wahlvercin hielt am Sonnabend im Lokal von Gnädig seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende erstattete den Jahresbericht, dem folgendes zu entnehmen ist: Es fanden statt: 2 Volksversammlungen, 4 Generalversammlungen, 8 Mit- gliedcrversammlungen und 12 Zahlabende. Die Mitgliederzahl ist leider gegen das Vorjahr um 7 zurückgegangen, sie beträgt jetzt 34 männliche und 3 weibliche Mitglieder. Gewerkschaftlich Organi- sicrtc sind am Orte 110 vorhanden, doch ist hier noch ein reiches Arbeitsfeld zu bearbeiten. Das Vereinsleben ließ zu wünschen übrig und forderte der Vorsitzende im Hinblick auf die bevorstehende Reichstagswahl zu intensiverer Agitation für die Partei aus. Der „Vorwärts" wird in 25, der„Wahre Jakob" in 5 Exemplaren gelesen. Ten Kassenbericht erstattete Genosse Preuße. Es ist eine Einnahme von 91,25 M. zu verzeichnen, an die Kreiskasse abgeführt wurden 48,81 M., der Kassenbestand betrügt 41,25 M. Ter neue Vorstand setzt sich aus folgenden Genossen zusammen: 1. Vorsitzen- der Genosse Thomas, 2. Vorsitzender Genosse Schäfer, Kassierer Genosse Preuße, Schriftführer Genosse Starke. Als Delegierter zu der cun 20. August in Seegefeld stattfindenden Kreisgcneralvcr- sammlung wurde Genosse Thomas, als Ersatzmann Genosse Schäfer gewählt. Die Mitglieder werden ersucht, da die Entfernung nur eine kurze ist. die Kreisgeneralversammlung recht zahlreich zu be- suchen. Der Vorsitzende wies zum Schluß noch auf die bevorstehende bauliche und industrielle EntWickelung des Ortes hin, die Anlaß geben müsse zu reger Arbeit, damit den fast ausschließlich konser- vativcu Gegnern endlich eine festgeschlossene und ansehnliche An- zahl proletarischer Kämpfer gegenüberstehe. Notvawes. Ein Brand brach am Mittwochnachmittag gegen 4 Nhr in dem Hause Ecke Lessing- und Rennbahnstraße, in dem sich das Cafö und Restaurant„Zur alten Rennbahn' befindet, ans unaufgeklärte Weise aus und vernichtete innerhalb kurzer Zeit das Dachgeschoß mit dem Eckturm und die obere Balkenlage. Nur mit großer Mühe gelang es dem Besitzer, sein im Dachgeschoß schlafendes 1V«jähriges Kind vor dem Flammentode zu retten. Die freiwillige Feuer- webr, die soeben von einem Waldbrande zurückgekehrt war. griff das verheerende Element unter Benutzung der mechanischen Leiter in zwei Zügen an und brachte noch einen Teil des Mobiliars in Sicherheit. Der Schaden soll durch Versicherung gedeckt sein. Ein großes Gefangskonzcrt veranstaltet der„Freie Männerchor" am kommenden Sonntag im Singerschen„Volksgarten'. Vier der größten Berliner Männerchöre und zwar„Fichte-Georgina"<85 Sängerj, Männerchor„Norden" szirka 106 Sänger),„Typographia" (zirka 160 Sänger) und die„Thiloschen Chöre"(zirka 300 Sänger) haben ihre Mitwirkung zugesagt. Jugcndveranstaltunge». Lichteiiberg-Nummclsburg. Am Sonntag, den 30, Juli, findet vom Jllgcndousichutz ein Tagesausslug nach Birkcnwerdcr— Bernau statt. Die Tour acht an der Briese entlang über gorschauS Briese. Eisenquelle(Früh, stück). Rahmersce. Wandlitzsee, Liepiiitzicc, Metzdorf. Bernau(Rücksahrt). Trefsininkt inr beide Orte om Bahnhof FranksurterAIlee. Ab- fahrt des Zuges pünktlich(J'/z Uhr morgen». Fahrgeld 1 M. 73us aller Alelt. vie Opfer der neuen HIpenbahnen. Einem Bericht deS SanitätSreferenten des Lande» Salz« bürg, Dr. Stadler, ist zu entnehmen, daß bei dem groß- aritgsten Bau der neuen österreichischen Alpenbahnen, dem des T a u e r n t u n n e l S, der aus dem Gasteiner Tal nach Kärnten hinüberführt, 186« schwere Unfälle vorgekommen sind, von denen 35 tödlichen AuSgang nahmen. Es sind die tragischsten Borkommniffe darunter, Kohlenoxyd- Vergiftungen infolge der Verwendung von Benzinmotoren im Tunnel, Lawinenunglück, ein nächtlicher Barackenbrand. Ansteckende Krankheiten wurden eingeschleppt oder durch schlechte Nahrungsmittel hervorgerufen. Es mußten erst Arbeiter er- kranken, ehe man eine gesunde Trinkwasserversorgung anlegte. Empörend muß der Bericht über die Wohnungsnot wirken. Zu- erst reichten die Privatquartiere von Böckstein am Gasteiner Talschluß au», aber es mußte durch die Heranziehung immer größerer Arbeiter- massen erst die furchtbarste Wohnungsnot entstehen und die schlimmste Bewucherung der Mieler und Bettgeher veranlaßt« die Landesregierung zum Bau von Baracken, die aber trotz der sehr be- schränkten örtlichen Verhältnisse des TaleS nicht in Gast ein er- richtet werden durften, weil die Gemeinde den noblen Kurgästen den Anblick größerer Arbeitermasscu ersparen wollte. Nur der Hygiene, auf die die Behörden sahen, gelang eS. das Ausbrechen von Seuchen unter den eng zusammengedrängten 2000 Arbeitern aller Nationen zu verhindern. Der Tauerntunnel hat aber wieder gezeigt, daß der Weg des Fortschritts über A rb eit e rleichen geht. Die Cholera. Verschiedene Berliner Blätter brachten am Donnerstag früh die Meldung, daß im Marienburger Diakonisscn-Krankenhaus bei vier Patientinnen Cholera festgestellt wurde. Diese Nachricht bestätigt sich erfreulicherweise nicht, denn wie die Direktion genannten Krankenhauses mitteilt, ist nur eine der vier Frauen an TyphuS erkrankt, während bei den übrigen nur leichte Erkrankungen konstatiert wurden. In den Gholeraherden dagegen greift die Seuche in erschreckender Weise um sich. Wie ein Telegramm aus Petersburg meldet, sind in der Hungergegend von Miapeng, am oberen Lauf des Simgariflusses. ganze An- siedeln ngen ausgestorben. In Konstantinopcl sind gestern 18 Cholerafälle zu verzeichnen, von denen neun tödlich verliefen. In I p e k und D j a k o w a sind in den letzten 24 Stunden 2v Todesfälle und 14 Erkrankungen an Cholera vorgekommen. Die Bevölkerung flüchtet auf die umliegenden Höhen. Das Militär wird außerhalb der Städte in Lagern untergebracht._ Gewitter und Hitzschläge. Seit mehreren Tagen lagert eine geradezu mörderische Hitze über ganz Deutschland, die schon zahlreiche Opfer ge- fordert hat. Schwere Gewitter, die gestern über verschiedene Gegen- den niedergingen, haben die sehnlichst erwartete Abkühlung nicht gebracht, aber die Chronik um mehrere schwere Unglücksfälle be- reichert. Aus Wahren bei Bad Meinberg(Lippe) bringt ein Tele- grarnm Kunde von einer folgenschweren Katastrophe, der sechs Personen zum Opfer gefallen find. DonnerStagmorgen gegen l'/z Uhr wurde da« Gut de» Bauent«chlingmann durch einen Blitzschlag in Brand gesetzt. Die Feuerwehr deS BadeS Meinberg eilte an die Brandstelle. Als das Wohnhaus bereits vollständig ausge- brannt und das Feuer so gut wie g e l ö s ch t war, stürzte plötzlich gegen 3 Uhr ein stehengebliebener massiver Giebel nach vorn herunter und begrub den Ortsvorstcher Kaiser, den Brandmeister Gronemeyer. den Gutsbesitzer Ehlers, den Schlossermeister König und die Tischlermeister S ch l i n g m a n n und K o ch aus Metnberg unter sich. Sämtliche sechs Personen wurden durch die herabstürzenden Trümmcrmassen sofort getötet. Einige weitere Personen wurden verletzt. In den Kasseler Schrebergärten wurden gestern zehn Kinder vom Hitzschlag betroffen. Sie erlitten Kramp fanfälle, wurden bewußtlos und mußten nach dem Krankenhaus gebracht werden. Mehrere Personen sind auch beim B a d en ertrunken. Der Regen, der nachts niederging, hat hier gar keine Abkühlung gebracht. In München und Umgebung find zehn Hitzschläge zu der- zeichnen. Einer von ihnen hat einen tödlichen Ausgang ge- noininen. In der Umgebung von Weißenburg in Bayern find zwei Hitzschläge vorgekommen, von denen einer tödlich verlief. In M e ck e I st ä d t wurden gestern eine Frau I o o« in Havighorst und der Landwirt S e e d o r f vom Blitz erschlagen. Im Süden des Kreises Harburg ist gestern nachmittag ein furchtbares Hagelwetter niedergegangen. Der Sturm deckte in H a ck b o r n allein dreißig Häuser ab. Der wolkenbruch- artige Regen, der bald Sturzbäche in den Straßen der Ortschaften bildete, riß alles mit sich fort.— Au« dem Steinbruch von Ronhausen wurden große bereits behaucne Quadersteine Hunderte von Metern weit fortgeschwemmt und der Lahn zugeführt. Die Ernte ist zum größten Ttil vernichtet. Die Felder bieten einen k l ä g l i ch e n A n b l i ck, da das Getreide zu Boden liegt und die Felder vielfach meterlange Rinnen und tiefe Löcher aufweisen, die das Wasser gegraben hat. Der Blitz hat wiederholt eingeschlagen. Aus Wien meldet ein Telegramm vom 26. Juli: Heute war der heißeste Tag in der gegenwärtigen Hitzeperiode, die seit zehn Tagen ohne Regen fortdauert, das Thermometer zeigte heute 7 Uhr früh 27 Grad Celsius, es herrschte völlige Windstille. Um l/z2 Uhr hatte die Hitze 35,3 Grad im Schatten, 44,3 Grad in der Sonne erreicht. Abend» um 8 Uhr zeigt das Thermo« mcter noch immer 29 Grad. Zahlreiche Hitzschläge wurden auS allen Bezirken gemeldet. Noch größere Wärmemessungen werden aus Graz berichtet, wo das Thermometer um Vz2 Uhr in der Sonne 56 Grad erreicht haben soll. Aus dem ganzen Fangtsetal werden wtrden ungeheure Uebcrschwcmmungen gemeldet. In H a n k o w hat das Wasser de» höchsten Stand seit Menschengedenken erreicht. Der Distrikt von I t s ch a n g ist in einen Binnensee von mehreren Ouadratmeilen Ausdehnung verwandelt. Der Tung-ting-See, der aus seinen Ufern getreten ist und das ganze Land überflutet, hat die Ernte weggewaschen. Zahlreiche Dörfer sind zer st ort. Auf dem D a n g t s e spielen sich die erschütterndsten Szenen ab. In den Fluten treiben Häuser, ans deren Dächer fich ganze Familien geflüchtet haben._ Kleine Notizen. Der ausgekaufte Freisinn. Eine Gesellschaft von konser« v a t i v e n Herren hat die freisinnigen. S a n g e r h ä u s e r Nachrichten" in Sangerhausen angekauft, um sie als konser- vativcs Blatt weiter erscheinen zu lassen. Das Stammkapital be- trägt 100 000 M. Ungetreue Beamte. Der Prokurist Robert Mahlberg hat in den letzten vier Jahren der Firma„Oberhauseiier Stahl- und Eisen- gießerei" in Oberhausen annähernd 100 000 M. unterschlagen. Der Prokurist, der 85 Jahre alt und verheiratet ist, wurde verhaftet.— Der bei der städtischen Stcuerkasse in Hamborn beschäftigte Kassenasststent Achten ist nach Unterschlagung von etwa 10 000 M. städtischer Gelder geflüchtet. Schwere SpirttuScxplosioa. In München erfolgten gestern in zwei verschiedenen Wohnungen schwere SpirituSexplosionen. Drei Personen wurden schwer verletzt. Vereint in den Tvd. In einem Hotel in Bad Oeynhausen stieg ein junges Paar ab, das. wie das Fremdenbuch angibt, auS Hannover stammt. Gegen 3 Uhr früh fielen zwei Schüsse. Das Hotelpersonal eilte hinzu und fand das Paar erschossen auf. Selbstmord eines Knaben. Der vierzehn Jahre alte Sohn Willi deS in Torren zur Sommerfrische weilenden Alfred Scheidemann aus Dresden hat sich nach einer Rüge, die er erhalte» hat, in dem Schwarzbach ertränkt. Der Raubmörder, frühere Lehrer Paul Hermann Stolze, der am 9. Oktober 1909 den prakt. Arzt Dr. Krause in Bogel« sang bei E l b i n g ermordete und beraubte und seitdem flüchtig war, wurde gestern abend auf dem Bahnhof Ke erlin an der Persanle verhaftet und dem AmtSgerichtSgefängni« Belgard zugeführt. Großfeuer. In Platz bei Brückenau brach gestern abend ein wahrscheinlich durch spielende Kinder verursachtes Großfeuer aus, das 23 Wohnhäuser und 2ö Scheunen sowie sonstige Nebengebäude einäscherte._ Slrbeiter. Wandcrverein.Berlin-. Wanderfahrten am Sonntag den 30. Juli: I. nach Fanglchleufe. Störitzfee, Königs-Wusterhausen. Ab- fahrt: 6» Uhr Schieß Bahnhof. II. Birkenwerder, Oranienburg Abfahrt i 6" Uht Stettwcr Paroitbnhnhos. III. König«> Wusterbaulen. KörbiSkrua. Groß-KöriS. Abfahrt 0'° Uhr: Görlihcr Bahnhof. »ouristenverein„Die Natnrfreniide-, Ortsgruppe Berlin. Tonn» tag, den 30. d.M.: I. Ticfensee, Gamcngrund. Gtchizd öfter Mghle. StrauS« bcrg. Abfahrt früh S« Schiel. Bahnh. nach Tiftcnlee(Wriezener Bahnsteig. iruchtstrabe). II. Wannsee, Griebnitzsce, Moorlate, Wannsee. Absahrt 12« -chles. Bahnh., 12« Wannleebahnh. nach Wamilee. Gäste willkommen. Slngegangene Druchfchnften. Ben der„Neuen Zeit" Ist soeben das 43. He,t de» 29. Jahrgang« eftchienen. Aus dem Inhalt des Helte« heben wir hervor: Bürgerliche« Wahlfieber— Aus der Vorgeschichte der Marxschcn Oekonomie. Von Studols Hilferding.— Die bürgerliche Republik und die sozialiftilche Partei in Portugal Von E. Pclulo.- Zuin Konflikt im Berliner Zeitung«. gcwerbe. Von Hermann Solomon(Franklurl a. M.)— Technisch. wirt» schastliche Rundschau. Von Rich. Wölbt.— Literarische Rundschau; Her. mann Flcißncr, Genossenschaften und Arbeiterbewegung. Von I. KarSkt. Jenny Apolant, Stellung und Mitarbeit der Frau In der Gemeinde. Marie Wegner, Da« Gcmcindebestlmmungsrccht. Die Mitarbeit und da» Wahlrecht der Frau in der Gemeinde. Bon sv. Emil Eichler, I IX II— IUI. Bon E. Eckstein. Rudolf Pannwid, Die Erziehung. Bon Arnuls.— Notizen: Die sozialdemokratischen Kongresse in Serbien. Bon Z. TopalowitS.— Zeit» schristenschan. FcuilletonderNeuenZeltRr. 42: Bismarck» Jugend. Von Fr. Mehring. Rcligionsgeschichtiich« Streifzüg«. VII. Bon Heinrich Eunow. — Bucherschau: Karl Gutzkow, Der Zauberer von Rom.— Lose-Blätt«, Heerespsychologie._ Briefharten der Rcdahtton. Jastrow. Es bleibt nur die Pftvatklage gegen O. wegen Beleidigung Ihrer grau übrig. Diese Klage können Sie in eigenem Namen erheben Wohnt O. in derselben Gemeinde, so muß vorher der Schiedsmann an- gerufen werden.— H. 77. 1. Nein. 2. Legen Sie Berufung»in. Die Entlcheidung der Veranlagungskommisfion halten wir sür unzutreffend.— Reinickendorf 8«. X. Niemand. 2. Innerhalb zwei Jahren mindestens 20 Marken einer beliedtgen Lohnklaffe. Umtausch längsten« in zwei Jabren. Anzeige nicht erforderlich.-«. L.»S.«txdorf. Unverständlich.— Kraukcukasse« L 1. Januar ISIS. 8. Lrttzu ja Keule Jreifaf, Ii. Juii, abends 8 Uhr, in der Atauvn Welt Kasenbeide 108-114. Tages-Ordmmg: l. Die Solidarität der Arbeiterschaft Frank- reichs und Deutschlands« 2. Diskussion. Referenten: Die Genoffen Gustav Btttter. HevM. Molkenbtthr. Hermann Müller. Robert Schmidt. Die in Berlin weilenden Mitglieder der französischen Gewerkschafts- Deputation werden in der Versammlung sprechen. Gewerkschaftsmitglieder, Parteigenossen und Genossinnen erscheint allesamt! Der Ausschuß der Gtuinkschufiskummisfiuu siir Kcrliu und Nuigegeud. Der Ilitiuus-Iusschuß des Jnbuudes suziul- dkiuobrutischer Mußlumiue. I'isebler- Verein zu Berlin<«. h. so.) Sonnabend, den SO. Jnll, abends 81;, Uhr, Melchiorstr. 15: verkammZung. VereinsangelegenheUen.— Zahlen der Beiträge. 19S/18 Der Vorstand. « Mm KMin-weiL- Mitglied de» Arbeiter» Radiabrer-Bunde« .Solidarität«. Touren zum Sonntag, den 30. Juli. 1.. 2., 3. und 4. Abt.: 12 Uhr: Tegel. 5., 6, 7., 8., 9., 10. Abt.: 121/. Uhr� Tegel. Start an den be- kannten Stellen. Um pünktliche Ab- fahrt wird dringend ersucht. Sammcl« start, 1 Uhr: Corbisreplatz. Lichtenberg und Umgegend. 1. und 6. Abt.: 4 Uhr: Teupitz (Tornows Idyll?. 1 Uhr: Eichwalde (Witte). Start: Psarrstr. 74. 2. Abt.:!>/, Uhr: Pichelswerder (Alter Freund). Start: Berliner Strafte 98. 4. Abt.: 4 Uhr: Kloster Lehnin. Start: Grünberger Str. 5. 5. Abt.: 12 Uhr: Basdorf(Zum .Waldfrieden'.) Start: Berliner Stratze 85. 12/3 jL steht fest: Daß es im Norden Berlins kein Von der Reis« inrück[5066L Dr. Moses, � Elbcrfclder Straße 17. Speztal-Arzt für Haut- and Harnleiden Tlis Dnnl/a Rosenthaler Str. 70 ür. rUp&P,Spr.9 2,6-9. Sonnt.9-3 Meste Musterkupons,.Herbst-Neuheiten' für ZInzüge, Kostüme, Nieter 3, 4 Mark. Tuchlager- Gesellschaft m. b. H. ltowiIWi'. 20-21, bÄ'fie. Teilzahlung Wöc!ienllicli nur 1 Mark Herren- und Damen- Uhren, Korten, Frtlichw'ngor, Gr«m- mophone, Mandolinen, Geigen, Teppiche. 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Holzarbeiter. Wegen Streif oder Lohn. disferenzen(lud gesperrt: Parfettbodengeschäst Kampf- meyer. Chr. Kecker Söhne. Kirstein. Xordd.I'arkettfabrlk Hannover. Berliner Parkettf. Badmeyer, Jnh. Knsaack. Elbiiiffer. Kosenl'cld. Oamke i. Fa. Schtealnser. Kuttcrwctcb. Piek. tzleliie, Breslau, Verir.: PtakT. Beruf»verein der Berliner Parkcttgeschälto, Tho- masiusstr. 18. Kofferfabrikta: JUirkische HoUwaren Industrie(T.ehmann), Bin- ntcnfiroftc 81. Wagner, MarfnSstr. 52. Reichclt, Krautstr. 30. Greulleli(Kriigcr), Grüner TSeq 28. Piudei««», Blumenftr. 55. Goldleistenfabrik Vaehierley in Rixdorf. Tischlerei KOnlff« Dessauer Straffe. Kanimsabrik Bloch, Warschauer Straffe 41/42 und Revaler Straffe 1. Bantischlerei Paul, Manu- inentenstraffe 23 und Hageh berger Straffe 4. Jaloitfirfabrik Helur. Precse, Berliu-RiederschöndaRfe». Sargiabriken llo»lu»kl, LIch- tenberg und Zkummelsburg. Pianofavrik Kpitlhc, Pots- vatner Str. 20 und Spüth'» i.t Gera. Sltuitlle hc Notrlehe i» Ham» bürg, Lieguiff, Korst. Da- Berliner ArdritöwiNigen- ver»ii»tel«»gsl>ureau d. gelben «Haiidwerkerschlit-Verbandes--. Arbeitsnachweis d. Stellmacher- inuniig und der Wagenfadri- kanten. Zuzug ist streng sernzubalten. v-c Ortsvervallunz Berlin des Deutschen iloizarbeiterverbandes. Kerantwortlicher Nedakteur Richard Barth» Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. BerlagSanjtalt Paul Singer u. Co., Berlin S�V.