Dr. 173. Nbsmiementz-Keilingungen: Abonncmems- Prcis pränumerando i Liertcljährl. 3�0 Ml., monatl. 1,10 Mü. Wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Psg. Sonntags» nummer mit illustrierter Sonmags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. tlbonnemcnt: 1.10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS» Preisliste,- Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonncments nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, vlchelnt Irlich 8uC?r montags. 28. Jahrg. Vevlinev Volksblalk. Tentralorgan äer foz\a\dcn\okrati feben partes Deutfchlands. Bit InlertionS'Gcbüftr beträgt für die fechsgespallene Kalonel. zeile oder deren Raum 60 Pfg,, für politifche und gewerkschaftliche Vereins- und Berfammlungs-Anzeigen 30 Pfg. �Uleine An-»g-n", das fettgedruckte Wchtt 20 Pfg,(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Etcllcngcinche und Schlafficllenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort ö Psg, Worte über löBiich- staben zählen für zwei Worte. Infcrale für die nächste Numnicr uiüffen bis K Uhr»achmittags in der Expcdiüo» »pgegeben werde». Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm> Adresse: »S»aialiltin»lir»t scrur'. �edakrioni SM. 68, J�ttidenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonnabend, den 29. Jnli 1911. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69* Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1081. Für den Uöikerfrieden. Line tieutich'sl'an�öMche UunÄgebung gegen Kriegshetze unck viplsmateointrigen. Zu einer imposanten Kundgebung gestaltete sich die inter- nationale Manifestation für den Weltfrieden, die die organi- sierten Arbeiter Berlins gestern abend in den beiden Riesen- fälen der„Neuen Welt" veranstaltet haben. Schon allein die gewaltige Teilnahme mag den Herrschenden und den Kriegs- Hetzern zu denken geben. Indes die Gluthitze die Besitzenden in die Bäder jagt und jeden, der nicht ganz regen Eifer für die Sache hat, ans Haus oder in die Biergärten fesselt, haben sich Tausende gefunden, die allen Unbequemlichkeiten trotzten, um der Friedenskundgebung den erforderlichen Nachdruck zu geben. Und mit welchem Enthusiasmus wurden die Reden und die Redner begrüßt! Wie kam es wohl, daß gerade die lange Rede des französischen Genossen I 0 u h a u x, die er in feiner Muttersprache hielt und die folglich von den meisten Anwesenden nicht verstanden wurde— wie kain es wohl, daß gerade sie den lautesten und stürmischsten Beifall fand? Es war der elementare Ausbruch des Gefühls der internationalen Solidarität, der Ausbruch der Ueberzeugung, daß nur das treue Zusammenhalten der Arbeiter diesseits und jenseits der Grenzen uns vor den entsetzlichen Greueln des Krieges be- wahren kann. Nach Millionen zählt heute das organisierte Proletariat in Deutschland. So führte Genosse Molkenbuhr in seinem Schlußwort aus. Und sie alle fühlen sich einig in dem Ge- fühl, daß es zu einem Kriege nicht kommen darf: daß es nur die Privatinteressen einer Handvoll Kapitalisten sind, die der Krieg erfreuen könnte, und daß die Völker nicht dazu da find, sich für solche Privatinteressen abschlachten zu lassen. Freilich, nur im Namen des organisierten Prole- tkriats konnte, die gestrige Bepsaimmlung'sprechen. Aber werden die Herrschenden es wagen, sich darüber hinwegzu- fetzen? Oder werden sie daran denken, daß man heutzutage keine Kabinettskriege führen kann, sondern nur noch Kriege, welche die begeisternde Zustimmung des Volkes finden? Nun Wohl, diese Begeisterung i st nicht da! Jedenfalls nicht beim organisierten Proletariat, das hat die gestrige Versammlung klar bewiesen. Und wenn wirklich der ver- brecherische Versuch gemacht werden sollte, die arme, noch indifferente Masse in Kriegstaumel zu versetzen— mögen die Frevler daran denken, daß der beste, der fortgeschrittenste Teil des deutschen Volkes— und zugleich auch sein größter Teil den Krieg verabscheut. Das organisierte, daß sozia- listische Proletariat ist der Hort des Friedens. » Unter gewaltigem Andrang der Berliner Arbeitermassen fand gestern abend die öffentliche Demonstration zugunsten des V ö l k e r f r i e d e n s in der„Neuen Welt"(Hasenheide) statt. Schon um z48 Uhr waren die beiden gewaltigen Säle des Etablissements gefüllt, und immer noch strömten neue Scharen herbei. Pünktlich um 8 Uhr begann die Kundgebung durch einen Vortrag des Gesangvereins„Typographia", der das Lied„Das heilige Feuer schüren wir" zu Gehör brachte. Alsdann wurde die Versammlung vom Genossen Körsten mit der Tagesordnung„Die Solidarität der französischen und deutschen Arbeiterschaft" er- öffnet. Als erster Redner nahm Genosse Robert Schmidt das Wort, der die französischen Genossen herzlich begrüßte. Im der- gangenen Jahre habe die Generalkommission die französischen Ge- nassen eingeladen, die Einrichtungen der deutschen Arbeiterbewe- gung kennen zu lernen. Wohl seien die Mittel und Wege der französischen Arbeiterbewegung andere als die der deutschen, aber das könne uns nicht hindern, das herzlich sie Einver- nehmen mit ihr zu Pflegen. Ueber die p 0 l i t is ch e Tendenz der heute in Frankreich herrschenden Klassen dürfen wir uns keiner Täuschung hingeben. Es ist das nicht die Demokratie, die wir wünschen, sondern eine Herrschaft kleinbürger- licher Interessen, während in Deutschland daS Junker- tum und die Großbourgeoisie die Interessen des Kapitals ver- fochten. Ihnen gilt derKampfderdeutschenArbeiter- und Gewerkschaftsbewegung. Redner weist auf die Einrichtungen hin, die sich die deutsche Arbeiterschaft in diesem Kampfe geschaffen hat, nicht als Lehrmeister, sondern damit sie alles prüfen und das beste behalten können. Ten französischen Freunden sei auch nicht die Bekanntschaft mit der preußischen Polizei erspart geblieben. Das habe ihnen gezeigt, welchen Kampf wir zu führen haben und mit wie kleinlichen Mitteln man gegen uns vorgeht. Die Verfolgung Avetots sei durchaus unberechtigt; er habe nichts anderes zum Ausdruck gebracht als das Streben nach internationaler Verständi- gung und nach Frieden. Und in diesem Streben stehen wir an der Seite des französischen Proletariats. (Stürmischer Beifall.) Redner weist sodann auf die ernsten Kon- flikte hin, in die uns die Diplomaten geführt haben. Da gelte es, Partei zu ergreifen gegen die, die den Frieden stören, und das feien alle Regierungen. Die französische Regierung treihe ein freventliches Spiel, und wir danken unseren Parteigenossen in der französischen Kammer für die Entschieden- heit, womit sie dagegen aufgetreten sind. War doch der ganze Marokkozug nur ein Vorwand für kapitalistische Interessen. Aber darum braucht Deutschland nicht auch noch in die marokkani- schen Raufhändel sich zu mischen. Dadurch wachse nur die Kriegsgefahr, die immer in erster Reihe von den Ar- b e i t e r n Gut und Blut fordert, indes die Besitzenden nach dem Krieg ihr Schäfchen scheren.(Zustimmung.) Haben doch die ton- angebenden Blätter der großen Industrie direkt gefordert, es muß zum Kriege kommen. Da müssen die französischen und deut- schen Arbeiter alles tun, um dieses verbrecherische Treiben zu durch- kreuzen, und alles einsetzen, um den Frieden zu erhalten. �(Stür- Mischer Beifall und Händeklatschen.) Die Rede wurde vom Genossen Eduard Bernstein inS Französische übersetzt. Sodann verliest Genosse Cohen die von einer Reihe franzö- sischer Gewerkschaften eingegangenen Telegramme. Es sind solche angekommen von den Buchdruckern, den L i t h 0- graphen, den Eisenbahnarbeitern, den Zeichnern und Technikern, die alle den Bemühungen zur Erhaltung de» Weltfriedens besten Erfolg wünschen. Das Wort nimmt sodann Genosse I 0 u h a u x, Vertreter der französischen Gencralkommission, von stürmischem Händeklatschen begrüßt. Seit 49 Jahren habe<>:> gcherrs«.� zwischen Deutschen und Franzosen. Die gegenwärtige Kund- gebung wird den Herrschenden zeigen, daß heute eine tiefe Soli- darität vorhanden ist zwischen den Ausgebeuteten diesseits und jen- seits der Grenze. Die Gewerkschaft, diese friedliche Waffe der Arbeiter, dehnt sich immer weiter aus. Redner schildert eindring- lich die Rolle der Arbeit und damit die Unentbehrlichkeit der Ar- beiter in der modernen Produktion, womit die geringen Rechte der Arbeiter im Widerspruch stehen. So darf es nicht bleiben. Die Gewerkschaftsbewegung erfordert zur Erreichung ihrer Ziele die Besser sie llung der Arbeiter, nicht allein viele tätige Mitglieder, sondern eine hohe Opferwilligkcit. Die Arbeiter können ihre Rettung von keiner anderen Macht erhoffen, als von ihrer eigenen Kraft.(Starker Beifall.) Die Gewerkschaftsorganisa- tion muß ihre Kräfte zusammenfassen, und wir werden die Hindcr- nisse überwinden, wenn jeder einzelne seine Schuldigkeit tut. Für uns besteht die Gewerkschaftsbewegung nicht allein darin, den Lohn zu erhöhen und die Arbeitszeit zu verkürzen, sondern das ist nur daS Mittel z« dem Zweck, die Arbeiter vorzu- bereiten und instand zu setzen, jene soziale Umwälzung durchzu- führen, die darin besteht, den Ausbeutern die Werkzeuge der Aus- beutung zu entreißen. Wir haben begriffen, daß die soziale R e- volution nur durch die wirtschaftliche Revolution herbeigeführt werden kann. Arbeiten wir deshalb alle Tage daran, den Arbeitern die Mittel ihrer Befreiung zu verschaffen. Redner verbreitet sich ausführlich über die Idee des General- st r e i k S, die bei den französischen Gewerkschaftlern im Vorder- grund des Interesses stehe, und findet mit diesem Teil seiner Aus. führungen besonderen Beifall bei den französischen Genossen. Noch stärkeren Beifall aber findet er, als er seinen Abscheu vor dem verbrecherischen Treiben jener zum Ausdruck bringt, die um kapita- listischer Interessen willen die Böller zum Kriege Heyen. Die Kapitalisten aller Länder belauern sich gegenseitig mit neidischen Blicken, weil jeder für sich die marokkanischen Länder ausrauben will. Dem müssen wir entgegentreten, sei eS selbst unter Ein- setzung unserer Freiheit. Ein Krieg würde nicht nur das Gemetzel von Hunderttausenden herbeiführen, die sich nie gekannt, nie etwas zuleide getan haben, sondern er würde außerdem die Arbeiter- bewegung vielleicht auf Jahrzehnte hinaus lahmlegen. Die G e- fahr ist groß. Aber ein Kriegjst heute nur noch möglich, wenn die Volksmassen zustimmen. Prostestieren wir also, stellen wir den Profitinteressen des Kapitale, die zum Kriege treiben, den unbeug- samen Willen des organisierten Proletariats entgegen. Die Zeit ist da, unsere Stimme zu erheben und mit aller Macht auszurufen: „Nieder mit dem Kriege!" Die französisch gehaltene Rede entfesselt gewaltigen, geradezu tobenden Beifall. Bei der Uebersetzung des Genossen Bernstein findet die»Stelle vom Generalstreik auch bei den deutschen Hörern enthusiastischen Beifall. Mit lauten Pfuirufen stimmt die Versammlung der Verurteilung des verbrecherischen Kriegstreibens der interessierten Kapitalisten zu. Es wird hierauf vom Genossen Cohen die folgende, mit Beifall aufgenommene Resolution verlesen: Die am 28. Juli 1911 in den Sälen der„Neuen Welt" (Hasenheide) zu Berlin versammelte Berliner Arbeiterschaft begrüßt die Vertreter der französischen Arbeiterschaft und dankt ihnen für die Beweise internationaler Kameradschaft und brüderlicher Friedensliebe. Die Versammelten erklären, daß sie sich eins fühlen mit der Arbeiterschaft Frankreichs wie auch anderer Länder, in dem Be- streben, den Völkern den Frieden zu Erhalten und allen Machi- Nationen der zum Kriege dräng'enddn herrs�enden Klassen enk gegenzutreten. Der Krieg dient nur den Macht-, Raub- und Pr 0 f i t g e l ü st e n einer kleinen Minderheit/ während die große Mehrheit aller Völker den Frieden will, da sie allein die Opfer der Kriege zu tragen hat. Die Versammelten fordern die Arbeiter Deutschlands wie Frankreichs auf. angesichts der gegenwärtigen drohenden Kriegs- gefahr jederzeit auf dem Posten zu sein und ihren ganzen Ein- fluß zur Verhinderung eines Krieges aufzubieten. Sie for» dern die Einberufung der verantwortlichen Volksvertretung, um dieser die Mitentscheidung über die Lösung internationaler Konflikte zu ermöglichen. Die Versammlung protestiert gegen die Ausweisung des französischen Kameraden N b e t 0 t, dessen Rede im„Gewcrk- schaftshause" lediglich von der ehrlichen Absicht geleitet war, dem Frieden zu dienen. Sodann wird ein Begrüßungstelegramm der Patienten der Heilstätte Beelitz verlesen. In Anbetracht der vorgerückten Zeit und der Temperatur ver- zichtet der französische Genosse L u q u e t, der eigentlich noch reden sollte, aufs Wort und Genosse Molkenbuhr hält daS Schluß- wort: Die Friedensidee sei von den Menschen seit Jahrtausenden vertreten worden. Aber sie waren machtlos, sie durchzuführen. ReligionSstifter predigten die Liebe, aber sie scheuten sich nicht, blutige Religionskriege zu entfesseln. Seit das Bürgertum zur Herrschaft kam, glaubte man, der Friede werde kommen. Statt dessen hat sie erst den Völkermord auf die Spitze getrieben. Die Rüstungen waren nie so schwer wie jetzt. Dieselben Leute, die internationale Friede nskon» g re sse abhalten, bewilligen zu Hause Mittel für neue Waffen. Wenn das Rüsten so weiter geht, werden die Großstaaten bald Bankerott machen, und dann werden die Gläubiger den wahren Friedenskongreß bilden, um das alte Eisen aus dem Konkurs zu retten. In der lapitalistischen Gesellschaft werden die Kriege nicht schwinden, weil deren Ursachen bleiben. Der Reichsverbands- general hat gesagt, in Marokko sei Boden für Weizen und Gerste. Aber wenn man dort Weizen und Gerste baut, dann werden in Deutschland Zollmauern errichtet, um sie nicht hereinzulassen. Außerdem gehören die Naturschätze dort doch anderen Leuten. Dürfen wir sie ihnen rauben? Der kapitalistische Drang nach Bereicherung führt zum Kriege. Die Proletarier aller Länder beseelt der Gedanke, jegliche Ausbeutung zu bcsei- tigen. Dann erst werden die Ursachen der Kriege aüS der Welt geschafft sein und dann können sich alle Völker die Hände reichen. Wenn die deutschen mit den französischen Arbeitern sich verbrüdern, dann gilt das als eine Art Hochverrat. Aber am 12. Juli 1870, am Vorabend des Krieges, haben französische Arbeiter in Paris folgende Resolution veröffentlicht: „Abermals bedroht politischer Ehrgeiz den Frieden der Welt unter dem Vorwand des europäischen Gleichgewichts und der Nationalehre. Französische, deutsche und spanische Arbeiterl Ver- einigen wir unsere Stimmen zu einem Ruf des AbscheuS gegen den Krieg. Krieg wegen einer Frage des UebcrgcwichtS ober wegen einer Dynastie kann in den Augen von Arbeitern nichts sein als eine verbrecherische Torheit. Gegenüber den kriegerischen Aufrufen derjenigen, die sich von der Mutsteuer loskaufen und im öffentlichen Unglück nur eine Quelle neuer Spekulationen sehen, protestieren wir laut, imr, die wir Frieden und Arbeit nötig haben!, Brüder in Deutschland! Unsere Spaltung würde nur im Gefolge haben den vollständigen Triumph des Despotismus auf beiden Seiten des Rheins. Arbeiter aller Länder! WaS auch für den Augenblick däS Ergebnis unserer gemeinsamen Anstrengungen sein möge, wir, die Mitglieder der Internationalen Arbeiterassoziation, für die es keine Grenzen gibt, wir schicken Euch, als Pfand unaufkös- licher Solidarität, die guten Wünsche und die Grüße der Ar- beiter Frankreichs." (LauteS Bravo!) Als im März 1871 der Kommunekamps begann und die deut- schen Arbeiter ihre Sympathie ausdrückte», lag die deutsche Bour- geoisic mit der französischen Bourgeoisie noch im Kriege. Gleich- wohl wurde die Erklärung, die sich doch gegen die feindliche Bour- geoisie richtete, fast wie ein Landesverrat angesehen. Redner geht hierauf auf die E n t st e h u n g des Marokkokonflitt» ein. 1994 sagte Bülow, wir hätten in Marokko nur ganz unbedeu. tende Interessen. 1995 reiste der Kaiser nach Marokko. In Mgeciras wurden dann Beschlüsse gefaßt auf der Voraussetzung der Unabhängigleit Marokkos. Bald nachdem hatten wir dort auch sogenannte Interessen. Mannesmann hatte dem Sultan und dem Gcgensultan Geld gegeben. Und dazu kam eine französische Ge- scllschaft, die merkwürdigerweise a»S lauter Deutschen, Krupp, Thyssen usw. bestand. Der feierlich geschlossene Vertrag von AlgeciraS wurde gebrochen von Frankreich, von Spanien, von DeutWgnd- Wie eiUrüsteg ßK die Helten. UiW AxhMr einmal Derltöh tre�etr. Aber sie selbst bre'chen d'en.�m Namen GotteS" geschlossenen Vertrag. Dadurch ist nun die Kriegsgefahr entstanden. Aber die Proletarier aller Länder haben bereits da-- gegen protestiert, sowohl die französischen wie die englischen, und heute tun es in Berlin die deutschen Arbeiter. Hand in Hand mit unseren französischen Genossen treten wir ein für den Welt- frieden. Nach Millionen zählt heute das organisierte Prole- tariat in Deutschland. Sie all 6 bekennen s i ch als Brüder. Gemeinsam mit den englischen und französischen Ge- nassen wollen sie die Ausbeutung beseitigen und damit erst die Grundlage für den Frieden schaffen. sLanganhaltender Beifall.) Genosse Bauermeister verliest einen Brief des französi- schen Genossen N v e t o t aus einem kleinen deutschen Städtchen — die Adresse ist weggerissen. In launiger Weise schildert Genosse Dvetot seine Erlebnisse. Leider habe er die persönliche Bekannt- schaft eines deutschen Polizeiers nicht gemacht. Wenn je es not- wendig ist,-daß wir unser Blut vergießen, so soll es für die Sache der Freiheit und der Arbeiter sein. Die vorgelesene Resolution findet begeisterte einstimmige An- nähme. Genosse Körst en e vir ahnt, daß manche zweifelhafte Gestalt sich eingeschlichen habe. Er fordert auf, von jeder Demonstration Abstand zu nehmen. TaS brauchen wir am Abend nicht, wir können eS im vollen Sonnenschein tun. Mit einem Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung wird die Versammlung um?L11 Uhr geschlossen. ».' Auch der„kleine" Saal der„Neuen Welt" war bald bis auf den letzten Platz gefüllt, ein Raum von so respektablen Abmessungen, daß er an allen anderen Orten als„großer" Saal gelten würde. Kurz vor 8 Uhr mußten unsere Genossen dem weiteren Zustrom auch hier abwehren. Es war dch höchste Zeit. Saal und Galerien waren zum Brechen gefüllt. Auch hier leitete die„Typographia" die Demonstration stimmungs- voll ein. Dann verlas Genosse L i e p m a n n als Leiter der Vcr- sammlung folgende Verfügung des Rixdorser Polizei- Präsidiums: Rixdorf, den 27. Juli 1911. Der Empfang Ihrer Anzeige vom 2S. d. M.. betreffend eine am 28. d. M., abends 8 Uhr, in dem Nebensaale der„Neuen Welt", Hasenhcide 198-111, stattfindende Versammlung wird hierdurch bescheinigt. Gleichzeitig wird darauf aufmerksam gemacht, daß die von dem Herrn Polizeipräsidenten in Berlin unterm 21. d. M. er- teilte Genehmigung zum Gebrauch der französischen Sprache für die Begrüßungsansprachen der französischen Gewerkschaftsdele- gierten sich nur auf die im großen Saale stattfindende, unterm 7. d. M. angezeigte Versammlung bezieht. Die Verhandlungen in der in dem Nebensaale statt- findenden Versammlung sind daher gemäß§ 12 Absatz 1 des ReichsvereinSgcsetzcs voni 19. April 1993 in deutscher Sprache zu führen. I. V.: Nrumann. Gelächter und Pwi-Rufe der Anwesenden antwortete auf diesen Versuch der Rixdorser Polizei, einmal Herrn v. I a g o w zu kopieren. Ein französischer Genosse, der doch schon s o- viel deutsch verstand, rief in deutscher Sprache die wenigen Worte:„Echt preußisch!" Unter Heiterkeit und Zustimmung der Versammlung versicherte Genosse Liepmann, daß, was die französischen Delegierten zu sagen haben, auch in deutscher Sprache gesagt werden wird. Dann sprach als Referent Genosse Bauer von der Gene- ralkommission. Er wurde oft derart stürmisch von Beifall, Heiterkeitsausbrüchen, ja hier und da von so stürmischen Aeußerungen der Erbitterung über die von ihm geschilderten Machinationen des internationalen Kapitalismus und der kapitalistischen Regierungen unterbrochen, daß die anwesenden französischen Genossen zweifellos ihre Meinung über die kalte Ruhe der deutschen Bevölkerung revidieren mußten. Diese impulsive Stimmung der Versammlung hielt an und kam namentlich noch einmal explosiv zum Ausdruck, als Genosse Baumeister, der die Anschauungen der französi- schen Genossen in Uebersetzung vortrug, einen Brief des Ge- Nossen N v e t o t verlas. Das Schlußwort hielt Genosse S t r ö b e l, der in klarer, eindringlicher Weise die Gefahren der kapitalistischen Kolonial- Politik klarlegte und unter brausendem nicht enden wollendem Beifall dem internationalen Proletariat zurief:«Ihr könnt die Macht erringen, wenn ihr nur einig seid!" Als er geendet hatte, brach die Versammlung völlig spontan in ein dreimaliges Hoch auf die französische Dele- gation aus. Genosse Baumeister übersetzte dann noch eine Reih: französischer Begrüßungstelegramme. Einstimmig und unter zustimmendem Jubel wurde die Resolution angenommen. Mit einem Hoch auf das internationale Proletariat schloß Liepmann die Versammlung. Während der Saal sich ent- leerte, sangen die Versammlungsbesucher die Marseillaise. Line Stimme au; Spanien. An demselben Tage, an dem die Berliner Arbeiter ihre imposante Kundgebung gegen Kriegshetzer und Marokkotreibcr durchführten und deutsche und französische Redner mit Nach- druck betonten, daß die internationale Solidarität des Pro- letariats gegen alle Intrigen und Gewalttätigkeiten der imperialistischen Politik der Regierungen Front machen werde, ging uns ein Schreiben aus Spanien zu, das als eine wirkungsvolle Ergänzung der Berliner Friedenskundgebung zu begrüßen ist. Genosse Pablo JglcsiaS, der energischste Bekämpfer des Marokkoabenteuers und der eifrigste Verkünder des VölkcrfriedenS auf der Pyrenäenhalb- insel, schreibt uns zu dem Thema: Spanien und Marokko. Man kann, ohne eine Widerlegung zu befürchten, be- haupten. daß es in Spanien keine Kolonialpartei gibt. Dar- aus folgt, daß keine günstige Stimmung dafür vorhanden ist, daß die Regierung sich in die marokkanischen Händel mischt und ihre Politik darauf zuspitzt, bald die Aufteilung des marokkanischen Reiches herbeizuführen, wobei Spanien ein tüchtiges Stück für sich haben will. Der Grund hierfür ist sehr einfach. Die Lehren der Ge- schichte— einige davon sind ganz jungen Datums— haben Spanien gezeigt, daß ein Land, das wie Spanien, ein ausge- dehntes Kolonialreich verloren hat, heute nicht mehr daran denken darf, Kolonien zu erobern. Weiter kommt hinzu, daß seine äußerst geringe Produktion, seine im Verhältnis zur Ober- stäche deS Landes kleine Bevölkerungszahl, seine wirtschaftliche Schwäche und die Minderwertigkeit seiner herrschenden Klassen die Erkenntnis aufzwingen, daß es für Spanien unmöglich ist, Länder zu erobern und zu behaupten. Daher hegt yier weder die Masse der Arbeiter, noch das Kleinbürgertum, noch die niittlere Bourgeoisie, ja selbst nicht einmal die Klasse der Kapitalisten(als Klasse) nicht den ge- ringsten Wunsch, daß Spanien sich ein Stück Marokko aneigne. An den Generalstreik, der von den katalonischen Arbeitern im Sommer 1909. inszeniert wurde,— als das Ministerium Maura die Reservisten und viele andere- Söhne des Volkes nach dem Nif schickte— schlössen sich freiwillig die Kaufleute und Eigentümer an. Alle sahen ein, daß das Unternehmen ein Wahnsinn sei, und daß es sich mehr oder weniger gegen sie selbst richtete. Jetzt, da Canalejas dieselbe Geschichte mit mehr Rück- sichtslosigkcit als Maura, aber auch unter größeren Gefahren in der Gegend von Ceuta unternehmen will, tritt das ein, was eintreten mußte: weder die Arbeiter, noch die einiger- inaßen wohlhabenden Bürger, noch die Leute, die in gute Stellungen hineinzukommen suchen, ja selbst nicht einmal die eigentliche besitzende Klasse sind Anhänger einer beivasfneten Intervention in Marokko. Anhänger sind einzig und allein die Häupter der man- archistischen Parteien, einige„Patrioten", ein ganz geringer Bruchteil der Plutokratie, eine große Anzahl von höheren Militärs und der König. Daß letzterer so denkt, darüber besteht gar kein Zweifel. Als die spanischen Streitkräfte in Larrasch landeten, um sich Elksars zu bemächtigen, war seine Freude so groß, daß er schleunigst dem spanischen Konsul, dem Marincchef und all denen, die an diesem Tage eine untergeordnete Rolle spielten, telegraphisch Glück wünschte. Es ist durchaus nicht vcr- wunderlich, daß ein Mann, der daran dachte, mit einigen Ne- gimentern die Monarchie in Portugal wieder herzustellen, von einer Eroberung Afrikas träumt. Ich sagte schon, daß als Anhänger der kriegerischen Politik die Häupter der monarchisttschcn Parteien in Betracht kommen, keinesfalls aber diese Parteien selbst, denn in diesen Parteien gibt es Leute, die das bewaffnete Eingreifen in Marokko mit vernichtender Kritik beurteilen. So der liberale Exminister Villamera, der sie in den Cortes in solch scharfen Worten zum Ausdruck brachte, daß er den Zorn der„Patrioten" herausforderte. Sicher denken noch viele monarchistische Politiker so wie der Exminister, aber eine falschverstandene Disziplin zwingt sie zum Schweigen und veranlaßt sie, alles, was ihnen von ihren Führern gesagt wird, in Ehrfurcht hinzunehmen. Man kann behaupten, daß es unter den letzteren Leute gibt, die nicht davon überzeugt sind, daß Abenteuer wie das jetzige in Marokko Spanien zum Segen gereichen werde. Wenn sie mutiger wären, und wenn die Auffassung des Königs und vieler Militärs nicht so schwer auf ihnen lastete, ihre Haltung würde ein ganz andere sein. Denn die schweren Schäden, die eine von den militaristischen Kreisen ersehnte spanische Intervention in Marokko im Gefolge hat, liegen nur zu klar zutage. Der Feldzug, der vor zwei Jahren in der Umgegend von Melilla geführt wurde, kostete Spanien mehr als 100 Millionen Pesetas(ungefähr 60 Millionen Mark) und einige tausend Menschen. Um das, was da unten erobert war, zu behaupten, mußte das Heeresbudget um 30 Millionen erhöht werden. Wenn man sich jetzt in der-Gegend von Centa ausbreiten luflH, so bedeutet daS die Erhöhung deS Budgets um eine weitere und zwar ganz beträchtliche Summe. Das geht aus den außerordentlichen Krediten hervor, die in diesem Jahre vom Kriegsminister verlangt wurden, und die jetzt schon 15 Millionen betragen. Wenn die Kosten des Abenteuers heute schon diese Höhe erreicht haben, dann braucht man kaum vorherzusagen, wie hoch sie steigen werden, wenn die marokkanischen„Brüder" sich gegen die spanischen Soldaten erheben werden, die nach Larrasch und Elksar gesandt wurden. Bei diesem Marokkoabenteuer zeigen die Ereignisse, die sich dank der wohlwollenden Begünstigung, wenn nicht gar mit der Zustimmung des Kaisers abgespielt haben, besser als wir es könnten den Takt und das politische Vcrantwortungs- gesühl unserer Regierenden. Die französische und die eng- tische Regierung zu verstimmen, ist eine der größten Dumm- heiten, die die spanische Regierung begehen konnte. Als die französische Regierung die Algeciras-Äkte verletzte, als sie Truppen nach Fez sandte, durfte die spanische Regierung nicht diesem Beispiel folgen und Soldaten nach Larrasch und Elksar schicken. Das einzige, was sie tun mußte, war. eine berechtigte Reklamation bei den Mächten einzureichen, die die Algeciras- akte unterzeichnet hatten. Auf diese Weise wären die Zwischen- fälle vermieden worden, die in Elksar zur Tagesordnung ge- hören, und man hätte bewiesen, daß man getreulich seinen internationalen Pflichten nachkomme. Obwohl die Großbourgeoisie und das Klein- und mittlere Bürgertum nichts von einer Intervention in Marokko wissen wollen, wie sie schon von dem kriegerischen Abenteuer nichts wissen wollten, das Maura im Jahre 1909 in der Gegend von Melilla unternahm, so unternehmen sie doch nicht das Ge- ringste gegen den Krieg. Sie beschränken sich darauf, ihre Meinung in Privatgesprächcn zum besten zu geben. Die Masse der Arbeiterschaft handelt ganz anders. Sie kritisiert nicht allein zu Hause, in der Werkstatt, in der Fabrik und an allen Orten, wo es Arbeiter gibt, die gemeingefähr- liche Haltung der Regierung, sie veranstaltet auch große Massendemonstrationen gegen das Marokkoabenteuer. Diese Kundgebungen werden zum Teil von der sozia- listischen Partei und den Arbeiterorganisationen, zum Teil von der republikanisch-sozialistsschen Koalition veranstaltet. Die letztere hat in den Cortes ihre Opposition gegen die afrikanische Politik der Regierung klar und deutlich zum Aus- druck gebracht und heute veranstaltet sie große Versammlungen in den bedeutendsten Städten, um gegen die Regierung zu protestieren und einen Wechsel ihrer Politik herbeizuführen. Schon am 1. Mai erklärten sich die sozialistische Partei und die Arbeiterorganisationen als Gegner jeden kriegerischen Eingreisens in Marokko. Ebenso wurde am 12. desselben Monats durch Straßen- demonstrationen und Massenversammlungen in allen Städten Spaniens der Protest wiederholt. Diese Protestaktion dauert fort und wird sicher nicht eher aufhören, als bis die Regierung sich gezwungen sieht, diesen unheilvollen Weg zu verlassen. Die republikanische Partei ist mit ganz verschwindend wenig Ausnahmen Gegnerin des Krieges, die Arbeiterklasse, ob sozialistisch oder nicht sozialistisch, ist offen kriegsfeindlich. Wir alle vereint werden es mit unserer Agitation durchsetzen, daß in die Protestaktion alle Elemente hineingezogen werden, die es als einen Feblixr ansehen, daß man in Marokko sucht, was Marokko niemals giben kann, was aber wohl in unserem Lande erreicht werden kann: bessere Lebensbedingungen und die Achtung und das Vertrauen der fortgeschrittenen Völker. Das Staatsoberhaupt, das nicht davon überzeugt ist. daß seine Politik, die es in Afrika einschlägt, auch wirklich die richtige ist. Will dem Lande glauben machen, daß es sich auf die Einhaltung der internationalen Abmachungen beschränke und jedes kriegerische Abenteuer vermeide. Auf solch ein unehrliches Gebaren antworten die Republi- kaner und Sozialisten, indem sie dem Volke raten, daß es, wenn die Regierung nicht auf seine gesetzmäßig vorgebrachten Beschwerden hört, nicht zögern soll, zu Gewaltmitteln zu greifen. P a b l o I g l e s i a s. Die iliarofchoaffäre. Nach Asquiths Marokko-Erklärnng im englischen Unterhause, von der man eine Klärung der Situation erwartete, ist die Lage noch genau so gespannt, wie sie vorher war. Die kapitalistische Presse liest aus der Er- klärung des englischen Premiers heraus, was ihr gerade in den Kram paßt und was den Interessen, die die einzelnen Blätter in der Marokkofrage vertreten, entspricht. So viel kann man wohl annehmen, daß die Haltung Englands nicht so ausgesprochen aggressiv ist, wie es vorgestern den Anschein hatte, aber die Marokkohändcl sind noch lange nicht beigelegt. Die Völker werden nach wie vor ihren Regierenden auf die Finger sehen müssen, damit aus dem Intrigenspiel nicht kriegerische Konflikte entstehen, deren Folgen die arbeitenden Massen zu tragen hätten. über deren Köpfe hinweg die Diplomaten und Regierungen jetzt feilschen und handeln. Für die Unsicherheit der Lage spricht auch der Umstand, daß gerade heute eine ganze Reihe unkontrollierbarer Meldungen vorliegt über Mobilmachungsvorberestungen in Frankreich und Eng- land, über Maßnahmen gegen die in Berlin wohnenden Franzosen und dergleichen mehr— alles Dinge, die man nicht gleich für bare Münze zu nehmen braucht, die aber be- weisen, daß die Marokkoaffäre noch lange nicht in ruhigeres Fahrwasser gekommen ist. Preßftimmeu a«L England. London, 23. Juli. Die«Times* schreiben: ES besteht der Wunsch, zu einem befriedigenden, friedlichen und ehrenvollen Ueber- einkommen zu gelangen. Es sei notwendig, daß Englands Interessen unter allen Umständen durch dieses deutsch-französische Abkommen nicht gefährdet werden.— Der liberale„Daily Chronicle" meint: Obwohl die Erklärung des Premierministers sehr scharf gehalten ist, so hoffen wir doch, daß sie dazu beitragen werde. ein friedliches und freundschaftliches Arrangement der Differenzen herbeizuführen.—«Daily Mail' sagt: Die britische Regierung hat Deutschland klar und deutlich zu verstehen gegeben, daß cS sich nicht ausschalten läßt. Obwohl wir bis jetzt nicht aktiven Teil an der Diskussion in Berlin genommen haben, so haben wir doch durch die gestrigen Erklärungen deS Premier- Ministers an der Formulierung der Abmachungen beigetragen. DaS Blatt führt weiter aus, daß wenigstens durch diese Erklärung eine Ueberraschung ausgeschlossen ist, wie sie Deutschland durch seine Flottendemonstration vor Agadir den europäischen Mächten bereitet habe, aber, sie gestattet der deutschen Regierung gleichfalls eine mehr vernünftige Haltung in den Unterhandlungen mit Frankreich ein- zunehmen.— Der„Daily Graphic* sagt: Die Freimütigkeit und der vernünftige Charakter der ASqnithschen Erklärung wird/ so hoffen wir, einen befriedigenden und konzilianten Eindruck auf die diplomatische KrisiS ausüben. «Westminster Gazette' schreibt: Wir haben es mit einer Lage zu tun, die, wenn sie nicht vorsichtig und klug behandelt wird. Folgen haben könnte, die in gar keinem Verhältnis zu den Anlässen stehen würden, die sie herbeigeführt haben. Wird sie aber klug und vorsichtig behandelt, dann dürfte sie, und wie wir hoffen. wird sie zu einem dauernden besseren Einvernehmen zwischen allen beteiligten Mächten führen. Glücklicherweise ist guter Grund zu der Annahme vorhanden, daß die Diplomatie nach einigen Tagen der Erregung in ein ruhigeres, normaleres Fahrwasser zurückkehrt. Das Blatt bekämpft weiter die Legende, daß England bestrebt sei, eine angemessene Expansion Deutschlands zu verhindern, die ihm not- wendigen Zugänge zur See zu versperren und seine Diplomatie in der ganzen Welt zu durchkreuzen. .Die französische Presse. Paris, 28. Juli. Die Kommentare der französischen Presie über die gestrige Rede des Premierministers ASquith und deren Er« widcrung durch den Chef der Opposition, Herrn Balfour, sind im allgemeinen außerordentlich günstig und man betrachtet die dadurch geschaffene Lage sehr optimistisch. Unter diesem Eindruck schreibt der «M a t i n*:«Wir glauben, daß sowohl in Paris wie in Berlin der auf- richtige Wunsch besteht, zu einen» günstigen Abkommen zu gelangen und find der Meinung, daß dieses auch möglich ist. da wir einer territorialen Kompensation für Deutschland nichts in den Weg legen, wenn sie sich in mäßigen Grenzen bewegt.'— Der«GauloiS* sagt:«Die lange erwarteten Erklärungen deS Premierministers ASquith werden einen bedeutenden und wohltätigen Eindruck auf den Gang der Verhandlungen aus- üben.*— Der„Eclair' meint, daß die ausgesprochenen Worte entschlossen und maßvoll waren und eine glückliche Aktion ausüben werden.— Der«Figaro' sagt:«Die Rede deS Premierministers war ein Muster von Klarheit, diplomatischer Höflichkeit und Takt.' — Nur die.Humanitü' führt aus, daß die Worte des Premier- Ministers ASquith nur eine Verschärfung der Erklärung von Lloyd George waren. Eine offiziöse deutsche Stimme. Köln, 28. Juli. Der«Kölnischen Zeitung' wird aus Berlin gedrahtet: �Wcnn wir den Jdeengang des englischen Ministerpräsidenten, was den voraussichtlichen Ausgang der deutsch- französischen Verhandlungen anbetrifft, richtig auffassen, so scheint Herr ASquith der Ansicht zu sein, daß man auf eine Auf- teilung Marokkos, fei es durch Schutzherrschaflen oder Interessensphären, verzichtet, dagegen eine Befriedigung Deutsch. landS durch Kompensationen in anderen Gebieten Afrikas wünscht. ES ist dicS eine Kombination, die auch wir schon wieder- holt als möglich bezeichnet haben, allerdings unter der selbst- verständlichen Voraussetzung, daß die wirtschaftlichen Interessen Deutschlands in Marokko ernstlich gewahrt bleiben. Der.TempS' glaubt melden zu können, daß in den Berliner Besprechungen die Rede davon gewesen sei, daß Deutschland die Kolonie Togo und gewisse Grenzbezirke Kameruns an Frankreich abtreten würde, gegen Schadloshaltung an anderen Gebieten. Wie weit diese Angaben auf mehr als Kombinationen beruhen, entzieht sich unserer Kenntnis; es würde sich dabei um eine großzügige Neuregelung des Besitzstandes in Westafcika Handel». die, wenn sie überhaupt diskutabel sein soll, so eingerichtet sein müßte, daß nicht nur ein Austausch in Betracht käme, sondern eine wirkliche wertvolle Schadloshaltung Deutschlands für diejenigen überaus wichtigen Zugeständnisse, die eS an Frankreich in Maroll« machen könnte. Bei der strengen Geheimhaltung des Verlaufes der I Verhandlungen ist es natürlich ganz ausgeschlossen, sich ein Urteil über solche Dinge zu bilden, nur scheint immer stärker hervorzu- treten, daß die Kompensationen nicht allein in Marokko selbst zu liegen brauchen, sondern auch an anderen Stellen gefunden werden könnten."__ politifcbe deberHcbt. Berlin, den 28. Juli 1911. Landtagsersatzwahl. Die Ersatzwahl für dec verstorbenen Landtagsabgeord- neten Genossen B o r g m a n n ist auf den 21. November d. I. festgesetzt. Zugleich sind die Ersatzwahlen für die Wahl- Männer auf den 17. Oktober anberaumt. Jnterefs enkonflikte. Der Austritt des Zentralverbandes deutscher Industrieller aui dem Hansabund hat in den Kreisen der Industriellen eine eigenartige Jnteressenkonzentrationsbetvcgung hervorgerufen. Die Mvtallindustriellen, die den Gruppen der Weiterverarbeitungs- und Fertigindustrie angehören, das heißt, Roheisen, Stahlknüppel, Stabeisen usw. ankaufen und in ihren Betrieben weiterverarbeiten lassen, lösen sich von N:r sogenannten Schwereisenindustrie los und bilden jetzt kleinere und größere Vereine zur Vertretung ihrer speziellen Zoll- und Absatzinteressen. So wird jetzt wieder aus Frankfurt a. M. gemeldet, daß dort vor kurzem eine aus allen Teilen Hessens und Hessen-Nassaus besuchte Versammlung von Industriellen abgehalten wurde, die den Beschluß faßte, zur Ver- tretung der Interessen der hessischen und hessen-nassauischen In- dustrie die Gründung eines Verbandes mitteldeutscher Industrieller in Angriff zu nehmen, der, um eine Vereinheitlichung der industriellen Organisation zu erreichen, korporativ als Mitglied dem Bunde der Industriellen mit dem Sitz in Berlin beitreten soll. Nach einem jetzt erlassenen Rundschreiben fordert ,/der vor- bereitende Ausschuß" zum Beitritt in diesen neuen Verband aus. Darin wird u. a. gesagt: „Der Zentralverband deutscher Industrieller hat sein Schwergewicht in Rheinland-Westfalen, und seine langjährige Geschichte beweist, daß die verarbeitende Industrie gegenüber der Schwerindustrie Rheinland- Westfalens und des Saargebietes in ihm nicht in genügendem Matze zur Gelt u n g kommt. Diesem Zentralverband deutscher Industrieller gehört korporativ angc- schlössen auch der Dtittelrhcinische Fabrikantenverein an. Es ist eine auffallende Erscheinung, daß zahlreiche, dem Mittelrheini- schen Fabrikantenverein als Mitglieder, zum Teil sogar als Vor- standsmitglieder angehörende Herren nicht darüber orientiert sind, daß ihre Betriebe durch den Mittelrheinischen Fabrikanten» verein mittelbar dem Zcntralverband deutscher Industrieller an- geschlossen sind und deshalb mit dazu beitragen, die vielfach ein- seitige Interessenvertretung des Zentralverbandes zum Nachteil der verarbeitenden Industrie, der sie selber zugehören, zu fördern." Hält diese Bcwogung weiter an, wird sie die mächtige Stellung des Zentralverbandes deutscher Industrieller erheblich schwächen. 5 Millionen Bajonette als letzte Möglichkeit. Die„Stheinisch-Westfälische Zeitung" konstatiert mit Genug- tuung die Auslassungen des freisinnigen„Berliner Börsen» Couricrs" über die Marokkofrage. Das freisinnige Blatt hat aus- geführt, das deutsche Volk hätte einen Krieg nicht mehr zu fürchten wie jedes andere Volk. Die Sachlage liege so klar vor Augen, daß der einmal beschrittene Weg auch ohne Zaudern und ohne Bedenken weiter gegangen werden müsse. Teutschland könne, wolle und dürfe nicht zur Seite stehen, wenn die Welt neu verteilt werde. Dieses freisinnige Bekenntnis ist für die ManneSmann.Presse natürlich außerordentlich erfreulich, und die„Rheinisch-West- fälische Zeitung" sieht sich sogar bemüßigt, das freisinnige Blatt «twas zu beruhigen, indem sie ausführt�» „Wir allerdings sehen die Sachlage nicht für so bedrohlich an wie das Berliner Börsenblatt. Man blufft nur. schlägt wie das Tiyertier Schillers mit dem Schweif einen gewaltigen Reif — aber ehe es hart auf hart geht, wird der Schwanz wieder ein- gezogen: das hat schon der Verlauf der Balkankrise von 19(19 gelehrt. Aber wir freuen uns der Haltung des„Börsen- CourierS". mit der im Grunde genommen auch die anderen großen demokratisch» freisinnigen Blätter, wie„Berliner Tageblatt",„Frank- furter Zeitung" Weserzeitung" u. a. einig gehen, wenn sie alle Kompensationen, außer solchen in Marokko selbst ablehnen. Daraus möge das säbelrasselnde Ausland erkennen, daß das ganze Volk geschlossen hinter der Reichs- leitung steht, das ganze Volk mit seinen fünf Millionen Bajo- netten!"„. Wenn die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" unter dem „ganzen Volk" nur die kapitalistischen Kreise verstanden haben will, dann mag diese Argumentation einigermaßen zutreffend sein. Zum gesamten Volke gehört unseres Erachtens aber auch bie deutsche Arbeiterklasse, und dieser zahlreichste Teil des deutschen Volkes hat keinen Zweifel darüber gelassen, daß er das ganze Marokkoabenteuer für den Ausfluß kapitalistischer Profitinteressen- Politik hält._ Nationalliberale Charakterfestigkeit. Daß die Nationalliberalen bei der Stichwahl in Gießen eS fertig gebracht haben, für den Antisemiten Werner zu stimmen, der sie vordem als eine Partei von Schurken bezeichnet hatte, er- regte seinerzeit einiges Aufsehen. Diesen ungeheuerlichen Vorfall benutzt nun die„Notionalliberale Korrespondenz" als Beweis für die unbedingt« nationale Zuverlässigkeit der Nationalliberalen, indem sie schreibt:. „Tort stand den Sozialdemokraten ein Antisemit von der traurigsten Gestalt gegenüber; ein Mann, dessen Bildungs- Niveau ihm geradezu jungenhaft-alberne Beschimpfungen der nationalliberalen Partei gestattete, und der sich(nach den Zei- tungsberichtcn zu schließen) bei seinen beiden Versuchen im Reichstage, die Aufmerksamkeit auf seine Kapazität zu lenken, so unbeschreiblich lächerlich aufführte, daß die Gießener Antisc- mitcn ihn das nächste Mal wohl zu Hause lassen werden, damit sich sein Talent erst in der Stille bilde. Trotz alledem gehörte ihm und nicht den Sozialdemokraten die nationalliberale Stich- Wahlhilfe, die ihm auch zum Mandat verhalf". Sich mit politischer Charakterlosigkeit zu brüsten, hat gerade noch gefehlt._ 360000 Mark Steuern entzogen. Vor dem Dortmunder Amtsgericht hatten sich gestern der Ge- heime Justizrat Tewaag und Direktor Meyer wegen Dteuerhinter- ziehung zu verantworten. Die beiden Angeklagten bilden den Vor- stand der Dortmunder Aktiengesellschaft für Gasbeleuchtung. Die Gesellschaft hatte in den letzten Jahren mehrfach die aus Grund- srücksverkäusen erzielten Gewinne bei der Steuerdeklaration nicht angegeben, weil die fraglichen Beträge zur Abschreibung verwandt seien und Gewinne, die beim Verkauf von Grundstücken dem Buch- wert gegenüber erzielt würden, kein steuerpflichtiges Objekt bildeten. Die Angeklagten beriefen sich ferner darauf, daß sie mit jeder Steuerdeklaration den Geschäftsbericht der Steuerveraa» lsguiiAsko.mmission einreichten, und daß die Kommission aus diesem Bericht hätte ersehen können, daß die fraglichen Gewinne nicht eingesetzt gewesen seien. Die Regierung stand auf einem anderen Standpunkt; sie hielt die fraglichen Gewinne für dekla- rationSpflichtig und forderte die genannte Gesellschaft zur Zahlung von 31 899 M.— die anderen Beträge waren inzwischen verjährt — auf. Die Angeklagten verweigerten die Zahlung und wurden deshalb in die ungeheuerliche Zahlung von je 59 M. genommen. Gegen den Strafbefehl erhoben die Genannten Einspruch, so daß sich infolgedessen das Schöffengericht mit der Sache zu befassen hatte. Einen niedlichen Einblick in die kapitalistischen Maximen gc- währte die Vernehmung des städtischen Steuerdezernenten Dr. Boldt. Herr Dr. Boldt erklärte, daß im ganzen 699 999 M. Gewinn von den Angellagtcn nicht deklariert seien. Die Summe ergebe sich aus dem Mehrerlos von verkauften Grundstücken und aus außerordentlichen Abschreibungen. Dem Staate seien dadurch 399 999 M.. der Stadt 69099 M. Steuern entzogen. Der städtische Steuerdezernent hielt diese Beträge unter Berufung auf mehrfache Entscheidungen des Obcrberwaltungsgerichts nicht nur für steuer-, sondern auch für deklarationspflichtig. Dr. Boldt meinte auch, daß die Beträge wissentlich verschwiegen seien. Auf die Ucbersendung des Geschäftsberichts könnten sich die Angeklagten nicht berufen; dieser Bericht könne als integrierender Bestandteil der Steuer- deklaration nicht gelten; das ObervertvaltungSgericht habe eben- falls in diesem Sinne entschieden. Die Angeklagten, die nicht erschienen waren, hatten sich den Steucrdezcrncnten der Stadt Essen als Gutachter verschrieben. Dieser Sachverständige, der Herr Beigeordnete Brandt, war in allen Teilen völlig anderer Ansicht als Herr Dr. Boldt und die Regierung. Der Amtsanivalt trat zwar energisch für die Aufrecht- erhaltung des Strafbefehls der Regierung ein; das Gericht, stellte sich jedoch merkwürdigerweise trotz der völlig klaren Sachlage auf den Standpunkt des Beigeordneten Brandt und hob den Straf- befehl unter Auferlegung der Kasten auf die Staatskasse auf. Der Amtsanwalt erklärte, gegen das freisprechende Urteil Berufung einzulegen. Hervorgehoben zu werden verdient übrigens, daß der Herr Geheime Justizrat Tewaag Stadtvcrordnetenvorsteher in Dort- mund ist. Der Herr ist heute Rechtsanwalt, ehedem war er ein schneidiger Staatsanwalt. Daß die fraglichen Geivinne steuer- pflichtig sind, bedarf natürlich keiner Frage. Es bleibt abzuwarten, ob die Berufungsinstanz die Regierung ebenfalls desavouieren wird. Bundesbrüderliche Freundlichkeit. Bayern liegt seit zwei Jahren mit dem„engbefreundeten und stammverwandten" Oesterreich in einem interessanten Konflikt. Der größte bayerische See. der Chiemsee, hat nämlich einen Zufluß namens Ache und einen Abfluß namens Alz. Die Ache entspringt auf österreichischem Gebiet, wo auch der größere Teil ihres Laufes liegt. Bei Kössen tritt sie auf daS bayerische Territorium über. Nun will Bayern die Wasserkräfte der Alz für die Großindustrie fruktifizieren. Bov zwei Jahren aber erschien Oesterreich auf dem Plan und drohte, die Ache von Bayern ab- und in den Inn auf österreichischem Gebiet zu leiten. Damit wäre aber der Chiemsee und damit auch die Alz so ziemlich geliefert. Diese dem Völkerrecht hohnsprechende Drohung wird noch widerlicher, wenn man bedenkt, daß die Ab- leitung der Ache Oesterreich selbst gar keinen Borteil brächte. Oesterreich verübt hier einfach Erpressertaktik. Es luünscht eine neue Bahp auf der Strecke St. Johann— Loser— Reichenhall. Gegen den Bau dieser Bahn wehrt sich Bayern, weil sie ihm pekuniär großen Schaden verursachen würde. Um Bayern mürbe zu machen, droht nun Oesterreich mit der Ableitung der Ache in den Inn. Ein Dementi des Abg. Dr. Arning. Der nationalliberale Abg. Dr. Arning bestreitet in einem Tele- gramm an die. Rheinisch-Westfälische Zeitung", daß er seine Marokko» fahrt aus Kosten der Gebr. ManneSmann macht. Mit diesem Dementi rennt der Abg. Dr. Arning offene Türen ein. denn die sozialdemokratische Presse hat eine Behauptung in dieser Form über- Haupt nicht ausgestellt. Vor einiger Zeit teilte die Marokkopresse mit, daß eine Expedition ausgerüstet worden sei, die Forschungen in Marokko anstellen solle, und an dieser Reise nehme auch ein national« liberaler Reichstagsabgeordneter teil. Später ist dann festgestellt worden, daß dieser Parlamentarier der Abg. Dr. Arning ist, und sozialdemokratische Blätter schrieben nun: „Reichstags- und Landtagsabgeordneter Dr. Arning, seine« Zeichens Stabsarzt a. D. und Augenarzt in Hannover, hat vor einigen Wochen mit einer größeren Expedition eine Reise nach Marokko unternommen. Man darf wohl sicher annehmen, daß die Expedition auf Kosten der Firma ManneSmann ausgerüstet wurde und daß man sich von der Teilnahme des Abg. Arning«inen ganz besonderen Erfolg versprach. Die kühnen Spekulanten dürften sich darin nicht getäuscht haben." Mit keinem Wort ist hier gesagt, daß Abg. Dr. Arning sich von den Veranstaltern dieser Expedition hat bezahlen lassen. Man pflegt sich solchen Expeditionen anzuschließen, weil die Ausrüstung einer eigenen Expedition zu kostspielig wäre. Daß die Marokkointeressenten einem kolonialfreundlichen Reichstagsabgeordneten den Anschluß ganz besonders gern gestatten, ist zu begreifen und daß Herr Dr. Arning bei der Beratung der Marokkoangelegenheit als Sachverständiger auftreten wird, ist doch höchst wahrscheinlich. Das ist in der sozial- demokratischen Presse glossiert worden— nichts anderes. Und daß es sich um eine Expedition handelt, an der die Gebr. ManneSmann nicht unbeteiligt waren, das hat Dr. Arning nicht bestritten. Die „Rhein.-Westf. Ztg." hatte daher nicht den mindesten Anlaß, Ent- rüstung zu mimen._ O, Lchilda, du mein Vaterland! Die„Franks. Ztg." erzählt folgende kleine niedliche Geschichte aus dem Herrschaftsgebiet deS heiligen BurcaukratiuS: Mein kleiner Enkel ist ein Schlingel, der vor GeldeSwert und selbst vor dem Bildnis der Germania keinen Resvekt bat. sonst hätte er mir nicht vier Zehnpfennigmarken so zerrissen, daß jede nur aus sünf bis sechs kleinen Stückchen bestand. Ich legte die Finzel schön wieder zusammen und trug sie an den Postschalter. Darf ich die Marken so auf Briefen verwenden? Nein! Würden Sie mir sie umtauschen? Das würde ich gern tun, sagte der Schalterbcamte, der sich wie alle mit dem Publi» kum der Großstadt verkehrenden Jünger der Post freundlich und entgegenkommend zeigte, aber ich darf sie erst umtauschen, wenn der Betrag sich auf eine Mark beläuft. Das ist aber doch komisch, erwiderte ich. Ja, meinte der Beamte lächelnd, Sie müssen eben warten bis Ihr Enkel wieder einmal Marken zerreißt. IVe». sagte ich, um mir den Anschein eine» Engländers zu geben, hier sind 69 Pfennig, dafür geben Sie mir sechs Zchnpfennigmarken, und mit kühnem Riß teilte ich sie alle sechs in zwei Hälften, legte sie zu den andern vier zcrissenen mit den Worten: So. jetzt ist es gerade für eineMark. Der Beamte lächelte höflich weiter, klebte die zehn zcrissenen.Marken in ein Buch und gab mir zehn neue. Das hinter mir/stehende Publikum jubelte vor Vergnügen, ich freute mich über»en gefundenen Ersatz, der Be- amtc war glücklich, daß er dem Publikum sein Entgegenkommen zu beweisen Gelegenheit gehabt hatte, und wenn sich nun noch die Leser Ihrer geschätzten Zeitung darüber amüsieren, dann ist aufs klarste bewiesen, daß unverständliche bureaukratische Ver- ordnungen nicht dazu da sind, die Welt zu ärgern, sondern den Renschen eine Freude zu bereiten. 8chwetz. Ein kleiner Versuch mit der Alters- und Invalidenversicherung. Zürich, 25. Juli.(Eig. Ber.) Einen sehr bescheidenen Versuch macht nian jetzt im Kanton Zürich zur Ein- führung der kantonalen st aatlichen Alters- und Invalidenversicherung. Ein vorliegendes Gesetzchen von fünf Paragraphen, über das deninächst die Volksabstimmung zu entscheiden haben wird, will vorerst einmal einen Versicherungsfonds ansammeln und enthält demgemäß über die zukünftige Versicherung selbst kein Wort. Der Versicherungsfonds soll gebildet werden aus 600009 Frank, die dem staatlichen Hilfsfonds, der 1246229 Frank beträgt, entnommen werden, ferner aus den Ueberschüssen der Staatsrechnungcn von 1907, 1908 und 1909 im Gesamtbetrage von 950662 Fr., aus Zu- Weisungen aus zukünftigen Einnahineübcrschüssen der Staats- rcchnungen, die aber sehr unsicher sind, aus Beiträgen von dem genannten staatlichen Hilfsfonds, insofern er die Summe von 500000 Fr. übersteigt und endlich aus den Zinsen, Le- gatcn und Schenkungen. Der Versicherungsfonds würde also bereits mit mehr als l'/z Millionen Fr. begründet werden können. Es bleibt aber abzuwarten, ob das Gesetz in der Volksabstimniung angenommen wird und wenn das der Fall, welches Schicksal in einigen Jahren das eigentliche Ver- sichcrungsgesetz verfahren wird. Cnglanä. Die albanische und persische Frage im Parlament. London, 27. Juli. Unterhaus. Sir Edward Greif erklärte bezüglich Albaniens, obschon der albanische Ausstand eine innere türkische Angelegenheit sei, so sei er doch zugleich eiiee solche, die auch für andere Nationen Interesse besitze, besonders für die europäischen Nationen, deren Gebiete an das türkische Reich grenzen. Die türkische Regierung dürfe nicht überrascht sein. wenn andere Mächte in Europa, nämlich die Mächte, deren Länder dem UnruHegebie: am nächsten lägen, eine große Besorgnis zeigten. Alle Schritte, welche getan werden könnten, um das Gebiet der Unruhen zu begrenzen und deren Ausdehnung zu verhindern, könnten nicht von England zuerst getan werden, sondern nur Eng- lands Unterstützung finden, wenn sie von anderen Mächten getan würden. ES ist während der Kämpfe in Albanien zu Ausschrei- tungen gekommen, fuhr Grey fort, die wir nicht allein aus Gründen der Humanität, sondern auch deshalb beklagen, weil wir aufrichtige Freunde des neuen Regimes in der Türkei sind. Die Regierung in Konstantinopel weiß, daß die weitere Unterstützung durch die öffentliche Meinung davon abhängen muß, ob sie imstande ist, im eigenen Lande Ordnung zu sckianen und die Hofsnungen zu ver- wirklichen, mit denen das neue Regime ursprünglich bewillkommnet wurde. ES ist unser ernster Wunsch, daß das neue Regime stabil ist und sein Ansehen gestärkt werde. Wir wünschen ernstlich, daß die Unruhen in Albanien unter liberalen und großmütigen Be- dingungen beigelegt werden. Was die Frage einer Intervention anlangt, so können wir nicht an eine Art von Intervention denken, wie sie unter dem alten Regime in Viazedonicn stattgefunden hat. Ich bin überzeugt, daß die Großmächte in Europa augenblicklich nicht den Wunsch haben, in eine Intervention in der Türk« binein, gezogen zu werden. Ich sage nicht, daß die vereinten Kräfte bet Großmächte nicht intervenieren würden, wenn eine ernste Not- wendigkeit sich ergeben würde. Aber eine Intervention würde die Vernichtung des neuen Regimes und aller darauf gegründeten Hoffnungen, sowie eine vollständige Aenderung der Politik be- deuten. Grey fuhr fort: Ich möchte meinem Bedauern Ausdruck geben über die Entlvickclung, die die Dinge dort genommen haben und über so manches, was sich dort ereignet hat. Dieses Bedauern wird von allen denen geteilt, die keine politischen Ziele in der Türkei verfolgen und keinen anderen Wunsch haben, als den, die türkische Regierung erfolgreich zu sehen, weil sie fühlen, daß die Hoffnungen für die Zukunft der Türkei davon abhängen, daß sie fähig ist. alles, was sich unter dem alten Regime ereignete, zu unterdrücken und abzuschaffen. lieber die Lage in Persien sagte Grey dann: Wir können weder selbst in Nordpcrsien intervenieren, noch liegt es bei unS. die russische Regierung zur Intervention zu drängen. Da die per» fische Regierung den früheren Schah wiederholt gewarnt hat, er würde im Falle eines Jntrigierens in Europa seine Pension ver- lieren, so würde sie meiner Ansicht nach vollständig in ihrem Rechte sein, wenn sie den Schah seiner Pension verlustig erklären würde. ES könnte nicht in Frage kommen, daß wir uns erneut für ihn verwenden oder uns Vorstellungen zu seinen Gunsten anschließen. Der Kampf in Persien hat begonnen, und es ist uns für den Augenblick unmöglich mehr zu tun, als den Gang der Ereignisse zu beobachten. Aber Ivenn sich die Folgen des Kampfes ausdehnen oder im Laufe der Zeit beunruhigender werden sollten, werden wir vielleicht Maßnahmen zu ergreisen haben, um Leben und Eigentum an Plätzen innerhalb unseres Bereiches zu schützen. Nach einer ungewöhnlich kurzen Debatte wurde das Budget deS Auswärtigen Amtes bewilligt und das Haus vertagt. foißlauck. Die finnischen Arbeiter für die Rechtserwciternng der Rufsea in Finnland. Unser finnländischer Mitarbeiter schreibt uns: Die organi» sierten Arbeiter von Wiborg behandelten kürzlich auf einer Ver. sammlung die Frage der Rechtlosigkeit der russischen Bürger in Finnland. Die Russen sind in Finnland in politischer Hinsicht rechtlos und genießen nicht einmal die allgemeinen bürgerlichen Freiheiten, die sich die Finnländer erobert haben. Sie besitzen keine Koalitions-, Rede-, Presse- und Vercinsfrcihcit, denn die russische Regierung raubt ihnen auch in Finnland diese Rechte. Der Generalgouverneur gebietet, und die finnische Polizei leistet ihm gehorsamst Handlangerdienste. Auf diese Weise werden die russischen„Untertanen" in Finnland auch der elementarsten bürgerlichen Rechte beraubt. Ein krasses Beispiel ereignete sich vor einigen Tagen. Als eine Gruppe lettischer Arbeiter aus Riga Helsingfors besuchten und den finnischen Arbeitern, die ihre lettischen Brüder freundlichst aufgenommen hatten, einige An- erkennungs- und Dankesworte sagen wollten, verbot das der Poli- zeimeister. Derselbe folgte mit seinen Helfershelfern den Letten wie ein Schatten und„überwachte" auch die festliche Zusammen- kunft in dem Volkshause, obgleich er dazu laut der Verfassung keine Berechtigung hatte. Die Versammlung in Wiborg sprach sich dahin aus, daß die Rechte der russischen Staatsangehörigen in Finnland erweitert werden müssen. Die Möglichkeit, die finnische Staatsbürgerschaft zu erlangen, sollte erleichtert, und nur von dem Aufenthalt während einer bestimmten Frist im Lande abhängig gemacht werden, mit der weiteren Forderung, daß der Aspirant imstande sei, sich und seine Familie zu ernähren. Bezüglich der bürgerlichen Freiheiten, einschließlich der Gewerbefreiheit, sprach die Versamm- lung sich dahin aus. daß alle Bewohner Finnlands, ob Finnen oder Nichtfinnen. diese Rechte und Freiheiten genießen müßten.— Wir sehen also, daß das finnische Volk selbst die Rechte der russischen Staatsangehörigen in Fi-mland gegen die reaktionären Be- strebungen der zarischen Regierung verteidigt, und daß es diese Gewalt ist. die dies- Rechts in erster Linie vernichtet. Es klingt also wie blutige Ironie, wenn die Stolypinische Meute davon spricht, die Rechte der Russen iy Finnland gegen den Willen der I Finnkll erweitern zn wollen. GeweHtfcbaftUcbcö. JVJenrcbenbäiicüer an der Hrbeit. „Der deutsche Bergbau ist«icht mehr rentabel. Ueberall ist Arbeitsmangel vorhanden. Die Absatzgebiete stocken. Feier schichten müssen eingelegt werden. Bergarbeiter sind ini Ueber fluß. vor allein im Ruhrgebiet, vorhanden." Diese und ähnliche Schmerzensrufe kann man täglich in den Unter nehmerorganen und der ihr verwandten bürgerlichen Presse wahrnehmen. Während in dieser Art die Oeffentlichkeit unter richtet wird, besorgen die Menschenhändler für die Unter nehmer ihr sauberes Geschäft des Seelenverkäufers. So auch jetzt wieder. Kürzlich erschien in den bürgerlichen Blättchen der Niederlansitz(Senftenberger Revier) folgendes Inserat: „Achtung! ES werden 100 bis 150 Häuer und Schlepper an- genommen. Häuer-Schichtlohn 6 M., Schlepper 5,50 M. Reife frei. Zu mcldem im Gasthof Waldhoff. Meldezeit Sonntag 23. Juli, von 12—4 Uhr nachmittags. Paul Kaminski." Die Senftenberger Bergarbeiter eilten in hellen Scharen zum Waldhoff. Auf Drängen einiger Leute rückte der Agent endlich mit dem Namen der Zeche heraus, für die er die Leute suchte: Werne a. Lippe!— Drei Agenten sind nach Oester reich gefahren, um Leute anzuwerben.— Auf der Zeche Werne a. Lippe hat ein Bergarbeiter auf 23 Schichten 91 M. verdient. Die Senftenberger Bergarbeiter bedankten sich natürlich für solche Engagements und der Vermittler, ein ehe maliger Senftenberger Bergarbeiter, verließ in eiliger Flucht die Stätte seiner erfolglosen Wirksamkeit. Lerlin und Umgegend* Achtung, Metallarbeiter! Die Kollegen der Firma Märklin in Göppingen befinden sich längere Zeit im Streik. Da die be streikte Firma versucht, durch Agenten und Inserate in den der schiedenen Zeitungen Arbeitswillige zu bekommen, so erwarten wir von den hiesigen Kollegen, datz sie derartige Arbeitsangebote zurück weisen werden. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Klempner! Die Firma John, Aktiengesellschaft, Erfurt, hat Streikarbeit an ihre Filiale Berlin, Gitschiner Str. 12, gesandt. Die Firma wird versuchen, auf diesem Wege die Arbeit gemacht zu bekommen. In Frage kommen Schornsteinaufsätze, Waschgarnituren, Aufsätze für Malzdarren. Wir bitten, alle der- artigen, von der Firma John herausgegebenen Arbeiten verweigern zu wollen. Metallarbeitcrverband. Verwaltungsstelle Erfurt. Die Aussperrung der Holzarbeiter in Hamburg stand am Donnerstag auf der Tagesordnung einer außer» ordentlichen Vertrauensmännerversammluna für sämtliche Branchen und Bezirke der Ver- waltungsstelle Berlin des H-olzarbeiterver- b a n d e s, die den großen Konkordia-Fcstsaal in der Andreas- straße bis auf den letzten Platz füllte. Der Bevollmächtigte Momberg aus Hamburg schilderte hier die Ursachen und den Werlauf jener Aussperrung, die jetzt bereits IS Wochen dauert, und über die der„Vorwärts" ja fortlaufend berichtet hat. Der Hauptstreitpunkt ist bekanntlich die Arbeitsvermittlung, die das Unternehmertum durch einen einseitigen und dabei obligatorischen Arbeitsnachweis ganz in seine eigenen Hände haben möchte, während die Arbeiter auf die allgemeine Durchführung eines pari- tätischen Arbeitsnachweises bestehen. Wie die wiederholten Wer- Handlungen verlaufen sind und welche Rolle die Herren Vermittler von der„Patriotischen Gesellschaft" dabei spielten, ist unfern Lesern ja im allgemeinen bekannt. Gegenwärtig steht die Sache so, daß ungefähr 2400 Holzarbeiter zu den neuen Bedingungen beschäftigt sind, Ivährend die Zahl der Ausgesperrten noch rund 1600 beträgt. Diejenigen Arbeitgeber, die der Aussperrung über- drüssig geworden sind und die Forderungen der Arbeiter an- erkannten, haben sich zu einer neuen Arbeitgeberorganisation zu- sammengefunden und so mit dem Holzarbeiterverband Verhand- jungen über den Abschluß eines korporativen Tarifvertrags an- geknüpft. Der Redner hatte noch keine bestimmte Nachricht über das Ergebnis dieser Verhandlungen, meinte jedoch, daß der Ver- trag jetzt wohl schon zustande gekommen sein werde. Die neue Arbeiigeberorganisation möchte sich nun dem Rahardtschen Ar- beitgcbcrverband für das deutsche Holzgewerbc anschließen, der ja grundsätzlich den paritätischen Arbeitsnachweis anerkennt. Das Organ dieses Verbandes hatte bisher keine Stellung zu dem Kampf genommen, aber in der neuesten Nummer sucht Herr Rahardt für die Hamburger Arbeitgeber eine Lanze zu brechen. Uebrigens Wird ja das Unternehmertum im Hamburger Holzgewerbe das allein viel zu schwach ist, einen solchen langen Kampf zu führen, von den Großkapitalisten aufs eifrigste unterstützt. Man will eben zeigen, daß man auch noch imstande ist, einen Sieg zu erringen und der Arbeiterschaft einen gehörigen Dämpfer aufzusetzen. Das wird und darf jedoch nicht gelingen. ES liegt im Interesse der ge- samten Holzarbeiterschaft Deutschlands, und namentlich auch Ber- lins, daß die Hamburger Holzarbeiter als Sieger aus diesem langwierigen Kampfe hervorgehen. Das Unternehmertum hat be- kanntlich versucht und ist noch fortdauernd bestrebt, aus aller Welt Streikbrecher heranzuholen. Zu diesem Zweck wurde der„Holz- arbeite rvcrhand Hainburg" gegründet, der unter diesem Titel die Anwerbung von Streikbrechern betreibt. Die Unternehmer bc- hauptcn, daß diese gelbe Organisation bereits 1000 Mitglieder habe, der Vorsitzende der Gelben hat jedoch erklärt, daß es 250 seien, und daß man nicht einmal wüßte, wo die steckten. Es wird den Unternehmern nicht gelingen, sich mit dem Gesindel, daß sich als Streikbrecher in Hamburg zusammenfindet, einen irgendwie ausreichenden Ersatz für die Ausgesperrten zu schaffen. Selbst- verständlich muß überall, und besonders auch in Berlin, dafür gesorgt ivcrden, den Zuzug von Hamburg fernzuhalten Die Holz- arbeitcrschaft Hamburgs nimmt willig alle Opfer auf sich, die not- wendig find,, um den Kampf zu einem siegreichen Ende zu führen. Won den arbeitenden Mitgliedern werden wöchentliche Extrabei- träge von 2 bis zu 8 M. gezahlt. Bei der?lusdauer und Zähigkeit der Kämpfenden ist eS als sicher anzusehen, daß der Kampf nicht mit einer Niederlage der Arbeiterschaft endet, und das Unter- nehmertum schließlich nachgeben muß und wird. Ter Vortrag fand lebhaften Beifall. Der Bevollmächtigte Glocke wies dann noch auf die außerordentliche Bedeutung hin, die der Ausgang des Kampfes in Hamburg für die kommende Be- wcgung in Berlin haben wird, und welche Verpflichtungen den Berliner Holzarbeitern ihren Hamburger Kollegen gegenüber erwachsen. Aus der Mitte der Versammlung wurde ein Antrag gestellt, den Hamburgern vorläufig 10 000 M. aus der Lokalkass'e überweisen zu lassen. Der Bevollmächtigte erklärte, daß diese Summe bei dem Umfang der Aussperrung eigentlich wohl etwas zu gering sei, und empfahl den Vertrauensmännern, der bevor- stehenden Generalversammlung anheimzugeben, zur Unter- ftützungsfrage der Hamburger Stellung zu nehmen und eine ent- sprechende Summe zu bewilligen. Dies wurde dann auch ein- ftimniig beschlossen. Deutfcheo Refcli. Ausdehnung des Ausstundcs in der Badischen Anilin- und Sodafabrik. Die vor einigen Tagen gemeldete Ausstandsbewegung in der Badischen Anilin- und Sodafabrik in Ludwigshafen geioinnt täglich an Ausdehnung. Nachdem 140 Arbeiter der drei Magazine aus- ständig geworden, versuchten die Arbeiter in den verschiedenen Ab- teilungen deS Betriebes, eine Einigung zu erzielen. Die Betriebs- leitungen und die Direktion lehnten jedoch jede Verständigung ab. Darauf legten die Arbeiter der Verwaltung, der Spedition. des Chlorbetriebes und anderer Abteilungen die Arbeit nieder. Da- durch waren am Dienstag schon 1100 Arbeiter ausständig. Ein noch- maliger Vermittelungsversuch der Organisationsleitung wurde von der Direktion abermals zurückgewiesen. Die Bewegung nahm nun- mehr eine weitere Ausdehnung. Am Mittwochabend war die Zahl der Ausständigen auf zirka 2500 angewachsen. Chlor- nnd Säure- betrieb wurden nur notdürftig durch Aufseher, Vorarbeiter und Be- amte der Fabrik aufrechterhalten. Durch Anschlag ließ die Firma verkünden, daß alle der Fabrik treu bleibenden Arbeiter einen Lohn Zuschlag von 6 M. pro Woche während der Dauer des AuSstandes erhalten sollen. Jugendliche 3 und 2 M. Dieses Geld solle jedoch erst nach Beendigung des Streiks zur Auszahlung gelangen Dieser Anschlag hatte aber die von der Direktion erhoffte Wirkung nicht, er wirkte wie Sprengstoff. Die Arbeiter der Bauabteilung verweigerten die ihnen zugewiesene Streikarbeit und verließen im Laufe des Donnerstags die Fabrik. Auch eine größere Anzahl Metallarbeiter, denen Streikarbeit zugemutet wurde, stellten die Arbeit ein. Ob die Ausstandsbewcgung eingehalten werden kann, bevor der ganze Betrieb ruht, ist fraglich. In Betracht kommen zirka 7000 Arbeiter. Zuzug nach Ludwigshafen a. Rh. ist streng fernzuhalten. Streik in der Elberfelder Metallindustrie. Da die Verhandlungen zwischen den Metallarbeitern und Unternehmern über Lohnforderungen zum größten Teile ge- scheitert sind, stellten Mittwoch abend die meisten Arbeiter die Ar- beit ein. Donnerstag abend wurden noch weitere Arbeiter aus- ständig. An der Bewegung sind insgesamt 4000 Arbeiter der christlichen und der freien gewerkschaftlichen Verbände beteiligt. Einige Firmen, die den Lohnforderungen entgegenkamen, sind von dem Ausstande nicht betroffen. In ber Gesenkschmiederei Carl Sülberg zu Remscheid- Reinhagen stehen die Arbeiter in Kündigung. Die Kündigung wurde veranlaßt durch Akkordrcduktionen und durch die Maß- regelung von 6 Kollegen. Der Zuzug von Schlossern, Drehe-n, Fräsern, Hammerschmieden, Zuschlägern, ist strikte fernzuhalten. ckeberhaupt sind alle Arbeitsangebote von Remscheid mit der größten Vorsicht zu betrachten, da der hiesige Arbeitsnachweis der Industriellen alle Tricks versuchen wird, um Arbeiter nach Rem- cheid zu locken. Alle arbeiterfrcundliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Die Lohnbewegung der Elektromonteure in Frankfurt a. M., die zirka 400 Personen umfaßte und mehrere Wochen dauerte, ist beendet. Erzielt wurde im wesentlichen der Neunstundentag statt der bisherigen 10 stündigen Arbeitszeit bei gleicher Höhe des Lohnes,— und für Ueberstundcn, Sonntags- und Nachtarbeit be- andere Zuschläge._ Tie Differenzen in dem Zementwerk„Elsa" in Neubeckum i. Wests. ind beendet. Durch Verhandlungen zwischen einer Kommission der Brenner und der Direktion wurde über die Forderungen eine Einigung erzielt, worauf die Brenner die eingereichte Kündigung zurückzogen. Zugestanden wurde die geforderte Kontrolle über die Zahl der ausgehenden Wagen und die Bezahlung der Extravergütuug von 50 Pf. pro Schicht für die Vorbrenner seitens der Firma. Diese wurde bisher den Brenner» von ihrem Akkord in Abzug gebracht. Die Wagen sollen künftig mit 3,2 Faß berechnet werden. Bisher wurden dieselben mit 3,1 Faß berechnet. In der Walzmühle zu Ludnngshafen haben 130 Mann von 110 Beschäftigten die Arbeit niedergelegt. Nach einem ablehnen- den Schreiben der Direktion versuchten die Organisationsvertretcr zu verhandeln, ohne Erfolg. Eine von den Arbeitern gebildete Kommission wurde nicht vorgelassen. Die Organisation rief das Gcwerbegericht an, die Direktion lehnte dessen Vermittelung ab. Sie will weder einen Tarif abschließen, noch mit organisierten Arbeitern verhandeln.— Zuzug ist streng fernzuhalten. Ter Streik in der Rastatt»! Waggonfabrik, bei welchem Unier- nehmer und Polizeistaat gemeinsame Sache machten, um init den braven Hamburger Arbeitswilligen den um günstigere Lohnbedingun ;en kämpfenden Metall- und Holzarbeitern den Erfolg vorzuenthalten, hatte manches böse Nachspiel. Noch nicht lange her ist cS, daß ge- werksckiaftliche Beamte vor Gericht sich wehren mußten. Jetzt folgt zum Schluß ein komisches Intermezzo. Der letzte, von der Hamburger Firma Müller bezogene Hintzemann hatte bis in die Hundstagshitze auf seinem Streikbrecherpostcn auSgehalten und machte Miene, sich auch als Züchter ehrlicher Arbeitswilliger in Rastatt häuslich niederzulassen. FabrikdirektorLakob schoß gerne die Siedel- kosten für den Familientransport vors', etliche hunvert Mark. Die Angehörigen trafen auch ein. Am letzten Zahltag nahm der letzte Streikbrecher seinen letzten Lohn. um der Exfestung Rastatt geräuschlos das letzte Lebewohl zu sagen. Fort war der Bruder Hamburger, aber seine Familie bleibt unversorgt zurück. ES wird zunächst die Sorge der Fabriklcitung sein, sich der Hinterbliebenen ihres entflohenen Helden anzunehmen. Er flob, um anderwärts siegen zu helfen, der„gute ehrliche Arbeitswillige". Vielleicht ist von den extrageprägten WeihnachtStalern, mit welchen die kapitaliftenfreundliche badische Gendarmerie beehrt wurde, noch ein Vorrat verwendbar, um die nickt akklimatisierte Familie wieder ihrem Ernährer zuzuführen. Der Staat, der sich so christlich der Streikbrecher annahm, sollte auS seiner Zivilliste jetzt auch für„das Fortkommen' unnütz gewordener„nützlicher Elemente" sorgen, ohne die Steuerzahler zu belasten. Husl»nd* Internationales. Die chauvinistischen Agrarier aller Nationen im österreichischen Parlament schloffen sich neuerdings zu einem Verband mit gemein- famcni Vorstand zusammen. In Böhmen haben sich die deutsch- und tschechischnationalen Bierbrauer unter der Führung deö Tschechen Zwerschina zur Vernichtung der Brauarbeiterorganisation organisiert. Nur für die A r b e i t e r ist Jnternalionalilät ein Verbrechen und die tschechoslaivischen Sozialisten zerstören und vereiteln trotz Kopen- Hagen jeden internationalen Zusammenschluß der Arbeiter! Zur norwegischen Maffenausspcrrung. Das Storthing hat nun ein besonderes Komitee eingesetzt, das über die Frage eines Vermittelungs- und Schiedsgerichtsverfahrens in ArbeilSstreitigkciten beraten und dem Storthing dann sein Gut- achten vorlegen soll. Man war sich in der Debalte über diese An- gelegcnheit darüber einig, daß es nicht gut angängig ist. jetzt gleich ein Gesetz zu machen, mit dem man auf die Beendigung der gegen- wärtigen MassenauSsperrmig hinwirken könnte. Der Entwurf zu einem solchen Gesetz ist allerdings schon vor längerer Zeit aus- gearbeitet worden: aber man war nun im Storthing allgemein der Ansicht, daß es eine überhastete Arbeit wäre, wollte man sich jetzt gleich damit befassen. Darum ist in den Aufgaben des neuen Komitees von einem Gesetzentwurf nicht die Rede. Ob die Arbeiten des Komitees von irgend welcher Bedeutung für den gegenwärtigen Kampf zwischen Arbeitgebern und Arbeiter» fein werden, ist zweifelhaft. Die Aussperrung dauert fort, und eS ist vorläufig nicht vorauszusehen, wann es zu einer Einigung kommen wird. mittelt werden, als sie dies Institut selbst bermiittff. Eon Jahr zu Jahr treten Vertreter der Landwirtschaftskammern � und der deutschen Feldzentrale zusammen, um die„Bedingungen" für den Bezug ausländischer Arbeiter festzustellen und dabei die Löhne möglichst niedrig zu halten. Wir haben wiederholt solche Verträge veröffentlicht, die als Tagelohn bis zu 1 M. herunter- tcren Sitzung behauptete nun Herr Rahardt, die Organisations- Vertreter suchten stets Herrn Hundt etivas am Zeuge zu flicken, sie arbeiteten absichtlich auf Tarifbrüche hin. Kaum war nun Frieden eingetreten, als Herr Hundt wieder in provokatorischer Weise einen Vertragsbruch herbeiführte. Er verlangte unter sehr durchsichtigen Motiven Arbeitskräfte vom Nachweis mit eigenem Werkzeug. Da diese unter diesen Umständen ablehnten, wurde Boldt und Genossen eingestellt. Es gelang jedoch durch Eingreifen des Verbandes und der Schlichtungskommission, dieselben wieder auS dem Betrieb zu entfernen. Es habe sich aber auch gezeigt, daß alle Vertragsbrüche durch die Unternehmer von dem Verbände abgewiesen werden konnten. Die Kollegen sollten aber auch daraus die Lehre ziehen, daß jeder einzelne auf dem Posten sein müsse, wenn sie nicht ins Hinter- treffen geraten wollten, denn die Unternehmer arbeiteten mit allen Schikanen und Kniffen. Die Frage de? eigenen Werkzeugs sei von größter Wichtigkeit. Besonders wandte sich Redner gegen die großen Akkordabschlüsse durch Kollegen. Weiter solle eine Umfrage veranstaltet werden, wo und von wem mit eigenem Werkzeug ge- arbeitet wird. Die Forderung der Unternehmer, eigenes Werkzeug mitzubringen, müsse auf entschiedensten Widerstand stoßen. Ferner müßten die Kollegen sich mit den, einzelnen Bestimmungen des Vertrages ganz genau vertraut mächen und sich jeden neu an- fangenden Kollegen auf Herz und Nieren ansehen. Die Versammlung nahm einstimmig den Vorschlag des Referenten an und stimmte seinen Leitgedanken zu. In den Werk. swbensitzungen sollen die Resultate der Umfrage festgestellt werden. Der bestehende Beschluß, wonach bei schlechter Konjunktur die Kollegen auf Verkürzung der Arbeitszeit zu dringen verpflichtet sind, wurde wieder erneuert. Hetzte Ptacbricbten« Brand einer Karosseriefabrik. Heilbronn, 28. Juli.(B. H.) Die im Industrieviertel liegende arosseriefabrik von Drauz u. Co. ist heute nacht zum größten Teil abgebrannt. Die Karosserien und Motoren sind bis aus wenige ein Raub der Flammen geworden. Der Schaden ist beträchtlich. Der Fabrikbetricb muß zunächst wesentlich ein- geschränkt werden. Eine Absage an den Zentralverband deutscher Industrieller. Lennep, 28. Juli. Die belgische Handelskammer beschloß wegen deS Verhaltens des Zentralverbandes gegen den H a n s a b u n d einstimmig den Austritt auS dein Zentralverband deutscher Industrieller und sprach der Leitung des Hansabundes ihr Vertrauen ans. Ein Opfer der Touristensports. Innsbruck, 28. Juli. jB. H.) An der Zugspitze ist der Oberbahnmeister R e i n e ck e auS Hannover durch Steinschlag verunglückt. Er war sofort tot. Herantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.; Th.Gloike,Berlln.Drucku.VerIag:VorwärtsBuchdr.u. Leriagsanstalt Gaul Singers Co.. Berlin LW. Hierzu 2 Beilagen u.UnterhaltungSbl." Nr. 175. 38. Jahrgang. 1. Ktilxße des Jomärts" Serlim WsdlM. Zonnabtud, 39. Juli 1911. ver lleullche Seemann. Ter Bericht der See-Berufsgenossenschaft versucht alljährlich Z>ie Lage des deutschen Seemanns so rosig wie nur möglich zu schildern. So auch der Bericht für das Jahr 1910. Die neue Reichsversicherungsordnung beschäftigt auch die Berufsgenossenschaft, die nach ihrer Ansicht ein.gesetzgeberisches Werk" sei,„welches allein schon mit Rücksicht auf die mit ihm verknüpfte gewaltige Arbeit und die ihm innewohnende hervorragende Sachkunde ausrichtige Anerkennung nicht nur direkt herausfordert, sondern auch nach allen Richtungen hin verdient". Trotz dieser Lobhudelei wird aber doch die Einschränkung des Rechtsmittels des Rekurses beklagt. Der Versicherungsbestand zeigt gegen das Vorjahr keine wesentliche Veränderung. Im Jahre 1910 wurden der Genossenschast als„verloren und verschollen" erklärt: 70 Kauffahrteischiffe, darunter M hölzerne Segler, 24 Dampfer usw., ferner 8 Fischdampfer, so daß die Zahl der verlorenen Schiffe 78 betrug. Nach dem Ausland« wurden 83 Schiffe verkauft und bl angekauft. In Deutschland neugebaut wurden 106 Schiffe, im Ausland für Deutschland 51 Schiffe.— Die gewaltige Veränderung im Schifsahrtsverkehr zeigt uns nach- stehende Zusammenstellung, die wir natürlich nur gekürzt wieder- geben können: � Dampfer Zusammen Heringslogger Fisch HA,-,»--ii-n»- Die Kauffahrteiflotte hat somit seit 1888 an hölzernen Seglern um 1442 oder 61,84 Proz. abgenommen, während die Zunahme der eisernen Segler seit 1888 333 oder 191,38 Proz. beträgt. Auch hat die Zunahme der Dampfer im Rechnungsjahr noch weiter ange- halten, sie beträgt seit 1888 955 oder 139,82 Proz. Die Zahl der im Jahre 1910 versicherungspflichtigen Seeleute betrug 68 360 Personen, darunter 844 zwangsversicherte Reeder. Während die Jahre 1900 und 1905 usw. Zunahmen von 5000 und , über 3000 Seeleute zeigen, ist die Zahl derselben gegen das Jahr 4909 nur um 678 gestiegen. Berechnet man den Durchschnitts- lohn eines Seemannes, da dies im Bericht merkwürdigerweise vergessen wurde, so ergibt sich, dast derselbe im Jahre 1909 1157 und im Jahre 1910 1151 Mk. betrug. Ter Lohn ist a l s o z u r ü ck. gegangen. Im Vorjahre war die Zahl der Unfälle etwas zurückgc- gangen, was der Genossenschaft zu dem Jubelrufe Veranlassung gab, dast eben die Unfallverhütung im Seemannsberufe auf der Höhe sei. Der diesjährige Bericht zeigt uns aber eine Zunahme der Unfälle. Im Jahre 1909 wurden angemeldet: 3103 neue Un- fälle, darunter 260 Todesfälle, während im Berichtsjahre 3397 Unfälle mit 371 Todesfällen gemeldet werden. Der Bericht bemerkt zu diesen blutigen Ziffern: „Wie aus den vorstehenden Ziffern erhellt, weisen zu unserem sebhaften Bedauern gegenüber dem Vorjahre nicht nur die Ver- lletzungen.»ondern auch die Todesfälle eine Zunahme auf. Diese Erscheinung findet, abgesehen von der Tatsache, daß die Zahl der versicherten Personen zugenommen hat, insbesondere auch das Un» fallrisiko durch sehr erhebliche Verminderung des Stilliegens be- tcächtlich erhöht worden ist, in der Hauptsache dadurch ihre Er- klärung, dast das Jahr 1910 auffallend reich an schweren Unwettern gewesen ist. Insbesondere haben in den Monaten November und Dezember in den europäischen und amerikanischen Gewässern, und zwar vorwiegend im Golf von Biskaya, dem Kanal und der Nord- see Orkane getobt, wie sie in gleicher Heftigkeit nach den uns vor- liegenden Bekundungen zahlreicher Kapitäne und Offiziere in den letzten 20 Jahren nicht erlebt worden sind. Nach unseren Fest- stellungen sind während dieser beiden Monate der Gewalt der Ele- rnente nicht weniger als 108 Personen der Besatzung deutscher See- Fahrzeuge zum Opfer gefallen." Auffallend niedrig ist die Summ«, welche von der Genossen- schast für die Fürsorge für Berlrvte innerhalb der ersten 13 Wochen des Unfalls verausgabt worden find. Nach dem Bericht sind dies ganze 291 M. Graste Worte gebraucht die Genossenschaft bei Titel: Unfall- Verhütung. Dast der Betrag von über 195 000 M. für diese Zwecke nach Lage der Dinge verbraucht wurde, gibt der Genossenschaft Ver- anlassung zu der Bemerkung, dast dieser Betrag von„sämtlichen Werufsgenossenschaften auf dem Gebiete der Unfallverhütung bei weitem nicht erreicht wird". In 2922 Fällen seien die Schiffe „überholt" und 2444 Schiffe einer auhcrordentlichen Revision unter- zogen worden. 74 ver Internationale Kergarbeiterstongrek. London, 27. Juli 1911(Eigener Bericht). Dritter Tag. In der Mittwochsitzung beriet der Kongrest die Resolutionen über den Minimallohn und die Regelung der Löhne zu Ende. C a d o t (Frankreich) erklärt die Lohnregelung in den nördlichen Kohlenrevieren Frankreichs. Die Lohnbasis der Löhne bilde der Durchschnittslohn des JahreS 1889(4,24—4,80 Fr.)' hierzu komme jetzt ein Zuschlag von 40 Prozent, den sich die Arbeiter allmählich errungen hätten. Dieser vereinbarte Lohn sei aber nur ein Durchschnittslohn für ein ganzes Revier, dem einzelnen Arbeiter sei der Lohn nicht garantiert. Gewerkschaftlich und politisch organisierte Bergarbeiter würden gemastregelt, indem man ihnen ein schlechtes Gedinge gebe. Die Arbeitervertreter im französischen Parlament hätten eine Vor- läge eingebracht, durch die der Minimallohn im Bergbau gesetzlich eingeführt werden soll. Wadsworth(Grostbritannien) weist auf die groste Ueberfüllnng des Bergmannsbcrufs in Grostbritannien, die von den Werks- besitzern sorgsam gepflegt werde. Ein groster Nachteil für die ganze Montanindustrie und ein Hindernis für das Steigen der Löhne und die Festsetzung eines jedem Arbeiter garantierten Miniinab lohns sei die scharfe innere Konkurrenz auf dem britischen Kohlen markt. Obwohl man in Grostbritannien von einem Minimallohn spreche, sei dennoch nicht alles wohl bestellt. Die Frage der Be- zahlung der Arbeiter an schlechten Arbeitsstellen und der garantierte Minimallohn lverde wahrscheinlich in nächster Zukunft zu einem Generalstreik führen. Die britische Föderation verlange einen ein heitlichen Minimallohn von 8 Schilling den Tag für jeden Berg. arbeiter.— Die Resolutionen, die die Lohnregelung und die Ein- führung des MinimallohnS auf dem Wege der Tarifverträge oder der Gesetzgebung verlangen, werden einstimmig angenommen. Auch gelangte die Resolution 2 über die Verstaatlichung der Gruben, der der GeschäftSausschust eine neue Fassung gegeben hatte, zur einstimmigen Annahme. Die Resolution 4. in der eine bessere Berggesetzgebung verlangt wird, wurde von Stanley(Grostbritannien) begründet. Der Redner bespricht die dem englischen Parlament unterbreitete Berg- gesetzvorlage, deren Notwendigkeit sich aus den von Jahr zu Jahr steigenden Unfallzjffern im britischen Bergbau ergebe. Als Haupt« Punkt der Vorlage bezeichnet er die bessere Inspektion, die schon von einem Vorredner erwähnt wurde, die Bestimmung, dast in neuen Gruben wie auch in alten, wo eS notwendig ist, ein dritter Schacht, der nur der Befördenmg der Belegschaft dienen soll, an- gelegt werden must und eine bessere Bewetterung der Gruben. Er weist auf die grasten Gefahren hin, die durch die Verwendung deö elektrischen Stromes in Grubenbetrieben entstehen. Das Massen- unglück auf der Zeche West Stanley könne nur aus einen elektrischen Funken zurückgeführt werden. Krause(Deutschland) begründet die Resolution, indem er auf die gewaltige Zahl der Gruben- Unfälle in Deutschland hinioeist. Im Punkte Unsallhäusigkeit marschiere Deutschland, das sich seiner Kultur so sehr rühme, an der Spitze der Nationen. Er schildert die Bestrebungen der deutschen Scharfmacher, eine Verbesserung der Berggesetzgebung mit allen Mitteln zu verhindern, und weist auf die politische Aktion der Arbeiterklasse als das Mittel, um eine bessere Gesetzgebung herbei- zuführen. De leihe(Belgien) bemerkt, dast es in Belgien wohl eine Anzahl guter Gesetze gebe, die aber täglich umgangen würden. da keine wirksame Inspektion stattfinde. Bexant(Frankreich) bringt ähnliche Klagen vor.— Die Resolution wird einstimmig an- genommen._ Aus dem Berliner Ifnnungswelen. Vor einiger Zeit ist der Geschäftsbericht der„Ständigen De- putation des Jnnungsausschusses der vereinigten Innungen Bcr- lins" erschienen. Dieser Vereinigung gehören von 62 in Berlin domizilierenden Innungen gegenwärtig 47 Innungen an. Zu ihnen zählen die in Berlin vorhandenen 18 Zivangsinnungen, die übrigen sind freie Innungen. Alle der Vereinigung angeschlossenen Innungen haben einen Mitgliederbestand von 25 064 Zu den 10 gröstten Innungen zählen die der Schneider mit 5137 Mitgliedern, Schuhmacher(2463), Tischler(2440), Tapezierer(1600), Bäcker- Innung(Germania) zu Berlin(1598), Maler(1300), Bäckerinnung „Eoncordia"(1177), Fleischer(1153), Gastwirte(782) und Schlosser (638). Die 10 kleinsten Innungen sind die der Kammacher(12 Mit- glieder), Nagelschmiede(16), Feilenhauer(17), Seiler(17), Stein- metze(22), Brunnenbauer(29), Nadlet und Siebmacher(29), Vergolder(35), Kupferschmiede(38) und Böttcherinnung„Eiche" mit 40 Mitgliedern. Einen maßgebenden Einfluh auf die Gestaltung gewerblicher Verhältnisse in ihrem Berufe dürften diese kleinen Innungen kaum ausüben; die liebe Gewohnheit am Alther- gebrachten sowie die mit einzelnen Innungen verbundenen Unter- äützungskassen hatten sie bei ihrem wenigen Mitgliederbestande noch zusammen. Die 10 gröhten Jnnnugen weisen einen Bestand von 18 283 Mitgliedern auf, sie bilden mit dieser Zahl 72,96 Proz. der Ge- ämtziffer der dem Jnnungsausschust angeschlossenen Mitglieder, ihnen gegenüber präsentieren die 10 kleinsten Innungen einen Bestand von 255 Mitgliedern, gleich 1,01 Proz. der Gesamtziffer. Ein eigenes Bureau mit Angestellten, ebenso wie die Gewerksckms- ten, unterhalten die beiden Bäckerinnungen„Concordia" und„Ger- mania", die Bjjdhauer und Stukkateure, der Bund der Bau-, Maurer- und Zimmermeister, die Fuhrherren, die Gastwirte, die Köche, Schlosser, Schneider, Schuhmacher, Steinsetzer und Tischler. Den Vorsitz im Jnnungsausschust führt Obermeister Rahardt von der Tischlerinnung, sein Stellvertreter ist der beim letzten Bäcker- streik weiteren Kreisen bekannt gewordene Obermeister Schmidt von der Bäckerinnung„Concordia", die inzwischen mit der Innung „Germania" zu einer Zwangsinnung vereinigt ist. Im Berichts- jähre hielt der Jnnungsausschust 10 Plenarversammlungen ab. Aus den Berichten hierüber geht hervor, dast es die Herren Jnnungs- meister nicht verschmähen, auch zu politischen Tagesfragen Stellung zu nehmen. So wurde am 4. März nach einem Vortrage des Ober- meisters der Schuhmacherinnung, Herrn Bierbach, über die Wahl- rechtsvorlage diese Resolution angenommen:„Die Dclegiertenver- sammlung des Jnnungsausschusses erkennt, dast durch die Regie- rungsvorlage eine Benachteiligung des Handwerkerstandes herbei- geführt würde, gegen die der Berliner Handwerkerstand Verwahrung einlegt. Im Interesse des Handwerkerstandes ist die geheime Wahl zu fordern." Auf die Berliner Gewerbedeputation, also ihrer Auf- sichtsbehörde, scheinen die Berliner Jnnungsvorstände nicht sonder- lich gut zu sprechen zu sein. Eine Verfügung der Gewcrbedepu- tation, so heistt es an einer Stelle, betreffs der Ein- und Aus- schreibegebühren hatte viel Acrger und Verdruß bereitet. Der Bericht spricht ferner von einer„unnötigen Bevormun- dung" durch dieselbe Deputation, als Folge eines gehässigen„Vor- tvärts"-ArtikelS über die Repräsentationskosten und Entschädigung der JnnungSvertreter. Jedenfalls hat die Gewerbedeputation den betreffenden JnnungSkrautern, die sich sonst so hübsch über die Verschwendung von Arbeitergroschen durch die Gewerkschaftsange- stellten entrüsten, einmal auf die Finger gesehen.„Der„Bor- ivärts" hat damit eine indirekte Vertretung der Interessen der Jnmingsmitglicder wahrgenommen! Der Kassenbericht des Jnnungsausschusses bilanziert in Ein- nähme und Ausgabe mit 21 768,69 M. Unter den Einnahmen be- kleines feuiUeton. Wie entstehen die Hitzeperioden? Alle Welt seufzt und stöhnt Unter der Hitze, die vor acht Tagen über uns hereingebrochen ist. Sie ist zum allgemeinen Gesprächsthema geworden, und alltäglich werden von jedermann mehr oder weniger weise Betrachtungen über die Höhe angestellt, die das Ouecksiloer im Thermometer be- reits erreicht hat, oder die es vermutlich bei weiterer Fortdauer dieser Hitze noch erklimmen wird. Auch die Frage nach der Her- ckunft der sommerlichen Glut wird fortdauernd, wenn auch nicht mit allzu viel Sachlenntnis, erörtert, und in erster Linie wird dabei stets der jüngsten amerikanischen Hitzwelle gedacht, die nach der Meinung so vieler zu uns herübergekommen sein soll. Davon kann gar keine Rede sein. Wer ein wenig über meteorologische Dinge nachdenkt, wird vielleicht auf die Frage nach dem Ursprung hoch- lsommcrlichr Hitze die hochstehende Sonne als die Erzeugerin der HundStagsglut ansehen. Ganz allgemein betrachtet, ist das natürlich vollkommen richtig; denn die Sonne ist ja die einzige Wärmespendcrin, die wir auf unserem Planeten haben. Aber dast man mit dieser Erklärung nicht auskommt, lehrt schon eine geringe Uebcrlegung. Denn es folgen Perioden größter Hitze und solch empfindlicher Kühle einander oft auf dem Fuste, ohne dast die Sonne in der kurzen Zwischnzeit von ein paar Tagen ihre Höhe über dem Horizont irgendwie nennenswert verändert. Auch die naheliegende Erklärung, daß bei kühlem Sommerwetter die wär- mcnde Sonne hinter Woltenschleiern verborgen sei, führt nicht zum Ziele. Denn es gibt trübe Tage mit fast unerträglicher Schwüle so gut wie Sommerlage, an denen man außerhalb der Sonnen- strahlen fröstelt, selbst wenn der Himmel wolkenlos ist und das Tagesgestirn ununterbrochn scheint. Es müssen also noch andere Faktoren hinzukommen, um Sommerhitze möglich zu machen. Wir empfinden neben der Sonnenstrahlung am nachhaltigsten den Win d. Auch der Laie weist sehr wohl, wie sehr der Wind die Temperatur beeinflußt; er ist sich nur nicht darüber im klaren, welchen Gesetzmätztgkei.ten die Luftströmungen unterliegen, er würde sonst der Erklärung der hier gestellten Frage schon sehr nahe gekommen sein. Der Wind ist der Ausdruck der auf der Erde herrschenden ungleichen Luftdruck- Verhältnisse. Wie bei zwei kommunizierenden Gefäßen der Inhalt des volleren Gefäßes solange in das minder gefüllte einfließt, bis in diesem die Flüssigkeit dasselbe Niveau erreicht, so hat auch die Atmosphäre das Bestreben, aus den Gebieten höheren Luftdrucks nach denen niedrigeren Luftdrucks abzuströmen. Je größer die Druckunterschiede sind, desto schneller strömt die Luft, desto starker ist also der Wind. Erfolgt nun die Luftzufuhr, der Wind, aus einer Gegend, in der es kalt oder kühl ist. so wird sich die Tem- veratur jenes kalten Gebietes nach und nach, wenn auch durch ««wisse Umstände gemildert, auch unserem Gebiet mitteilen. Denn bekanntlick' ist es die Luft, die die Trägerin der Wärme ist. Der luftleere Weltcnraum hat auch da. wo ihn die Sonnenstrahlen durcheilen, eine Kälte von mehreren hundert Grad, und selbst in «rosten Höhe» über der Erde ist. wie man weist, die Temperatur trotz stärkster Sonnenstrahlung niedrig. Denn auch die Lutt wird noch nicht dirxtt durch die Evom. svudxis cxst durch die Sudstiflfl» lung der Sonnenwärme vom Erdboden aus erwärmt, woher es kommt, daß die Temperatur auf der Erde mit zunehmender Höhe immer niedriger wird. Wirkt nun der Lufterwärmung durch die Sonnenstrahlen rauher Wind, also eine Zufuhr kalter Luft, ent- gegen, so ist es leicht erklärlich, dast sich selbst zur Zeit des höchsten Sonnenstandes eine erhebliche Wärme nicht bilden kann. Ganz anders liegen die Verhältnisse aber bei einer Luftdruckverteilung, die die Zufuhr warmer Luft zur Folge haben kann. Es vereinen sich dann Sonnenwärme und zugeführte Luftwärme, und erst dann vermag größere Hitze zu entstehen. Das Luftmeer der Erde ist nun in ständiger Bewegung. Die warmen Schichten der Tropengebiete steigen empor, um nach den Polen zu abfließen, während aus den arktischen Regionen ein Rückstrom kalter Luft in der Richtung nach der Aequatorialzone erfolgt. Wäre die ganze Erde eine einzige Wasserkugel, so würde, vorausgesetzt, daß die Erwärmungsverhältnisse stets die gleichen blieben, auch jeder große Luftkreislauf mit vollkommener Regel- Mäßigkeit sich vollziehen. Di« Erde ist aber überaus ungleich- mästig gestaltet; sie besteht aus Meeren und Kontinenten, aus Gebirgen und Ebenen, aus fruchtbarem Nutz- und Waldland und aus öden, ausgedörrten Wüsten. Das verschiedenartige Verhalten der Atmosphäre über diesen so unterschiedlichen Gebieten ist die hauptsächlichste Ursache auch der klimatischen Verschiedenheiten auf unserem Erdball. So beeinflußt z. B. die gewaltige Wasserwüste des Atlantischen Ozeans das Klima Europas in ausschlaggebender Weise. Da die Wärmestrahlen ungleich«iefer in das Wasser ein- dringen als in den Erdboden, so erwärmt sich die Oberfläche des Wassers und damit auch die darüber liegende Atmosphäre viel langsamer als das Festland, kühlt sich aber auch entsprechend viel langsamer ab. Dadurch und durch den westöstlichen Kreislauf der atmosphärischen Schichten, bedingt durch die Erdrotation, wird das Klima Europas mehr gemildert als das irgendeines anderen Landes in gleicher geographischer Breite. Unsere Winter sind infolgedessen vorwiegend mild; unsere Sommer meist nicht sonderlich heiß oder sogar kühl. Denn da die Luftzufuhr in Europa hauptsächlich von Westen her erfolgt, so must im Winter Wärme, im Sommer da- gegen Kühle zu uns getragen werden. Kann doch die Temperatur über dem Meere in unseren Breiten im Winter weder die Kälte noch im Sommer die Hitze erreichen, wie sie der Konlinent aufweist. Soll sich also bei uns eine Hitzeperiode herausbilden, so ist es unbedingt erforderlich, dast der höchste Luftdruck über dem Fest- land und nicht über dem Atlantik liegt. Die größten Festlands- massen weist aber das östliche Europa auf. und es liegt auf der Hand, daß sicb dort auch das günstigste Gebiet zur Ausbildung groster Hitze im Sommer und strenger Kälte im Winter befinden muß. Denn die weiten Ebenen Rußlands begünstigen im Winter ebenso die rasche Wärmeausstrahlung des Bodens wie die schnelle und starke Bestrahlung im Sommer. Sobald also in der warmen Jahreszeit der Luftdruck über Kontinentaleuropa höher wird als über dem maritimen Westen, mutz sich eine Hitzeperiode ausbilden; ist doch im Gebiet hohen Luftdrucks der Himmel stets heiter, so daß die Sonne in ihrer wärmenden Wirkung nicht.gehindert wird. Es pflegt nun bei uns in Mitteleuropa um so heißer zu werden, je weiter sich der Kern des Hochdruckgebietes nach Ost-, Nordost- oder VSt äSm©uipstsutffw zurückzieht. DgI kMAt daher, daß dülur die ohnehin an ihrem Ilrsprungsort schon durchwärmte Luft auf dem sonnenbeschienenen Wege bis zu uns noch mehr erwärmt wird, während bei uns gleichzeitig noch die direkte Wirkung der Sonnen- strahlen hinzutritt. Am glühendsten und schwülsten pflegt es zu werden, wenn sich uns Tiefdruckgebiete nähern. Infolge der Ab- nähme des Luftdrucks verstärkt sich dann die Zufuhr der sehr warmen Luft aus dem Bereich des Hochdruckgebietes, bis, ge- wöhnlich unter Gewittererscheinungen, der Tiesdruckwirbel vorüber- gezogen und unser Gebiet auf seine Rückseite gelangt ist. wo häufig kühle Winde ozeanischen Ursprungs lochen. Das gilt allerdings nur für die großen, sehr lveit reichenden Depressionen. Nach dem Vorbeigang räumlich eng begrenzter und gewöhnlich sehr flacher Gewitterwirbel Pflegt weder eine Abkühlung noch eine Wetteränderung zu erfolgen, und die Hitze dauert ge- wöhnlich unverändert bis zum nächsten Gewitter fort. Um zu wissen, ob ein bevorstehendes Gewitter Abkühlung bringt, muß man darüber orientiert sein, wie weit der Wirbel, der die elektrischen Entladungen erzeugt,»ach Westen reicht. Liegt er inmitten hohen Luftdrucks(wie das bei den Gewitterwirbeln der letzten Tage det Fall war), so folgt dem Teiltief sofort wieder warme Luft; zM einer Abkühlung führt also ein Gewitter erst, wenn das Minimunn durch das es hervorgerufen wird, mit seiner Rückseite vom Atlantik kommt, woher ihm allerdings gleichfalls hoher Luftdruck folgt, dessen atmosphärische Schichten aber noch die Meereskühle und den großen Tampfgehalt der ozeanischen Luft aufweisen. Erst wenn ein solches Atlantisches Maximum eine Weile auf dem Festlande von der Sommersonne durchwärmt worden ist, vermag cS hitzbildend zu wirken, und die von ihm erzeugte Wärme wird um so intensiver werben, je weiter dieses Hochdruckgebiet in den zentral- und oft- europäischen Kontinent eindringt. Die Frage nach der Entstehung der Hitzeperioden ist somit im wesentlichen eine Frage nach den Lustdruckverhältniffen. die vorwiegend ausschlaggebend für alle unsere klimatischen Erscheinungen sind. Notizen. — Robert Hamerlings Werke werden im Herbst L. I. in Hesses Klassiker-Ausgaben in einer Volksausgabe erschei- nen. Die ursprünglich recht hohen Preise von Hamerlings Dich- tungen(zusammen etwa 120 M.) waren der weiteren Verbreitung hinderlich. Hamerlings Werke werden erst im Jahre 1920 für den Nachdruck frei. — Kunst schüfe in Portugal. Die portugiesische Regie- rung hat angeordnet, daß Gemeinden,� Anstalten, Gesellschaften in-d Korporationen ihr Eigentum an Kunstwerten oder mittelalterlichen Gegenständen der bildenden Kunst ohne Ermächtigung des Ministe- riums nicht an Dritte übertragen dürfen. Falls die Be- Hörde dennoch solches gestattet, steht ihr das Vorkaufsrecht zu. Pri- vatpersonen können über ihren Besitz zwar frei verfügen, doch auch nur innerhalb Portugals. Eine Ausfuhr ist ohne ministerielle Ge- nehmigung nicht statthaft. Findet cine genehmigte Ausfuhr solcher «chätze statt, so sind sie in allen Fällen einer Steuer in Höhe von 50 Proz. des Wertes unterworfen. Durch diese Maßnahinen will die Regierung der Auskagfswut«uslündijcher Snobs entgegen- wirken.� finden sich Beiträge der Innungen mit 4561 M. und für Beiträge zum JnnungZschiedsgericht, rnicb von den Innungen geleistet, 7212 Mark. Außerdem hatte das Schiedsgericht eine eigene Einnahme durch Erhebung von Gebühren mit 3227, 2o M. Unter den Aus- gaben sind im Voranschlage für 1911 vorgesehen: an den Vo sitzenden des Ausschusses 1206 M., Kassierer S00 M., Vorsitzenden des Schiedsgerichts 4509 M., Sekretärs 2200 M. und für eine Bureauhilfe 1200 M. Aus dem ebenfalls beigefügten Bericht über das Jnnungs- schiedsgericht entnehmen wir folgeridcs: Im Jahre 1910 wurden 231? Klagen angebracht, gegen das Vorjahr weniger 44. ,Jn 102 Fällen wurde auf Herausgabe der Papiere und einbehaltenen Sachen sowie auf Ausstellung von Zeugnissen geklagt. Erledigt wurden 2151 Streitsachen, davon 45 aus dem Jahre 1909 herüber geuommsrfd. Eine Verurteilung erfolgte nack» stattgefundener Verhandlung in 857, im Versäumniswege in 365 Fällen. Durch Vergleich wurden 573 Sachen beendet. Zunl Teil abgewiesen, zum Teil verurteilt wurden die Par teien in 162 Fällen. Völlige Klageabweisung erfolgte nach Ver Handlung 504, durch Versäumnisurteil 107mal. Zurückgenommen wurden nach ftattgefundener Verhandlung 83 Klagen. Die meisten Klagen hatten wie im Vorjahr die Tischler mit 655, Schneider 303, Gastwirtsgehilfcn 239 und Maler mit 137 Fällen; weitere 34 Innungen hatten unter 100 Klagen, keine aufzuweisen hatten die Barbiere, Friseur- und Heilgehilfen, chirurg. Instrumenten wacher, Feilenhauer, Nagelschmiede, Seiler, Vergolder, Zahn- künstler und Zeugschmiede. Bei einigen dieser Innungen dürften »Gesellen" überhaupt nicht mehr vorhanden sein. In 1091 Fällen muhte wegen der Schiedsgerichtskosten und in 568 Fällen wegen der durch Schiedsspruch zuerkannten Summe die Zwangsvollstreckung vorgenommen werden. Wie schon wieder- holt in diesen Berichten hervorgehoben, erfolgt die Vornahme der Zwangsvollstreckung aus Jnnungsschiedsgerichtsurteilen nicht durch die ordentlichen Gerichtsvollzieher, sondern in Berlin durch das Polizeipräsidium, Abteilung für Vollstreckungswesen nach der Ver- ordnung über die zwangsweise Beitreibung von Beiträgen vom 15. November 1399. Dieses Verfahren ist einer der größten Mängel im ganzen Schiedsgerichtsverfahren überhaupt. Hat der Arbeiter Recht bekommen und hat das Urteil Rechtskraft erlangt, was erst einen Monat nach Fällung des Urteils eintritt, so hat der Arbeiter noch lange nicht sein ihm zugesprochenes Geld. Bei der Voll- streckungsabteilung des Polizeipräsidiums in Berlin scheint man für den Gedanken, daß der Arbeiter als wirtschaftlich Schwacher sein Geld sofort und mitunter sehr nötig braucht, nicht das genügende Verständnis zu befitzen, denn sonst könuie es nicht vorkommen, wie geschehen, daß Arbeiter Wochen- und monatelang keine Nachricht erhalten, was auf ihren Antrag, die Zwangsvollstreckung bei dem Arbeitgeber vorzunehmen, geschehen ist. Im letzten halben Jahre hat dos Arbeitersekretariat Berlin, an das sich Arbeiter gewendet hatten, in verschiedenen Fällen diesen Hilfe leisten müssen, um sich über die überaus laxe Erledigung der Anträge zu beschweren. Auch das Jnnungsschiedsgericht hat in mehreren Fällen hierbest versagt, und wenn der Bericht des Jnnungsausschuffes, eigentlich besser der des Bureaus des Aus- schusses, sagt:„Wir können berichten, daß alles ordnungsmäßig er» ledigt worden ist", so trifft dies unter Berücksichtigung des soeben Geschilderten nur bedingt zu. Den Arbeitern sei an dieser Stelle angeraten, sosern in dem Fortgang eines solchen Zwangsvoll- streckungsantrages irgendeine Verzögerung eintreten sollte, sofort die Beschwerde bei dem Jnnungsschiedsgericht und dem Polizeiprä- sidium zu erheben., Das Lehrlings-Schiedsgericht, an dem nach den Bestimmungen der Gewerbeordnung Vertreter der Arbeitnehmer leider nicht mit- zuwirkcn haben, verhandelte im Berichtsjahre über 55 Streitfragen gegen 83 des Vorjahres. Die Erledigung war diese: im Vergleichs- weqe das Lehrverhältnis fortgesetzt 7, aufgelöst 19(davon durch Schiedsspruch 10, durch Vergleich 9>, zur Fortsetzung verurteilt 8, mit der Klage abgewiesen 10, verurteilt zur Zahlung des Kostgeldes 5, zur rnisbedungcnen Vertragsstrafe 5, nach der Verhandlung zurückgenommen 1. Der Bericht bemängelt, daß immer vorher ver- säumt werde, Lehrverträge schriftlich abzuschließen, ein Mo- nita, dem wir uns nur anschließen können. Die Vertragsparteien ersparen sich in etwaigen Klagefällen viel Aerger und erleichtern den zur Schlichtung angerufenen Organisationen die Arbeit, außer- dem kann bekanntlich bei dem Nichtvorhandensein eines schrift- l i ch e n Lehrvertrages nicht auf etwaigen Schadenersatz geklagt werden. Seit dem vorigen Jahre befinden sich das Bureau des Innung?- auSschuffeS und die Räume des Jnnungsschiedsgerichts in dem Neu- bau der Berliner Handwerkskammer, Bellealliancestraße 5, Ecke Teltotver Straße. Für das in diesem Hause sich befindende Eta- bbsiement„Kammersäle" wird im Bericht Propaganda gemacht, die indessen nicht viel genutzt zu haben ftbeint. Vor einigen Wochen' meldete die Presse den Konkurs des Inhabers dieser„Kammer- jäte" Er verweigerte, offenbar auf höhere Weisung, unseren Genosicn die Säle zur Abhaltung politischer Versammlungen, was die Nicht- frequentierung dieses Lokales seitens der Berliner organisierten Arbeiterschaft zur Folge haben mußte. Jetzt sind die Folgen ein- getreten. Stolz lieb ich mir den Spanier— 1 � Huö der Partei. Aus den Organisationen. Der Wahlkreisverein von Ncichenbach-Neu- rode hielt am Sonntag seine Generalversammlung in Langen- bielau ab. Vertreten waren sämtliche sechs Ortsvereine. �Die ge- samte Einnahme derselben betrug 12 091,93 M., worunter sich 5386,79 M. Kassenbestand und 5754,35 M. B-itragseinnahmen be- finden. Die gesamte Ausgabe belief sich auf 4800,06 M., davon sind 1084,64 M. an die Zentralkasse abgeführt worden.?lm 30. Juni 1911 war also ein Kassenbcstand von 7291,87 M. vorhanden. Die Zahl der männlichen Organisierten ist 2407 die der weiblichen 249. Sozialdemokratische Gemeindevertrctcr resv Stadtverordnete sind 83 in 12 Gemeinden vorhanden. 52 Mitglieder- und 35 öffentliche Versammlungen sind abgehalten worden; 73 800 Flugblätter und 23 500 Volkskalender wurden im Wahlkreise verbreitet. Eine Krise in der schweizerischen Sozialdemokratie. Der unter dieser Ueberschrift von uns in Ar. 170 veröffentlichte Artikel, der keinen anderen Zweck, als den der Orientierung der Leser des„Vorwärts" über die Lage unserer schweizerischen Bruder- Partei hatte und der auch rein sachlich gehalten ist, hat in der Re° dattion deS„Grütlianer" in Zürich eine durchaus nicht gerecht- fertigte Aufregung verursacht. Das genannte Blatt ist dadurch zu einer argen, nichts weniger als sozialdemokratischen„Eni- gleisung" veranlaßt, bei der wiederum einmal übersehen wurde, daß das Blatt auf seinem Kopfe den Untertitel trägt:„Zentral. o r g a n des Schweizerischen Grütlivcreins und der Sozial- demokratischen Partei der Schweiz." Er fühlt sich eben immer als das Vereinsorgan de? Grütlivereins und ignoriert aus Versehen die Interessen der Partei. Der„Grütlianer" be- nutzt unsere Ausführungen zu einem Alarmartikel an leitender Stelle mit der Ueberschrift:„Die Parole von Berlin!", mit dem an die nationale Gesinnung der schweizerischen Arbeiter appelliert und so das schlechteste Beispiel bürgerlicher Chauvinisten nach geahmt wird. Recht unpassend erinnert der„Grütlianer" die deutsche Partei an die Pflicht zur Dankbarkeit gegenüber dem Grütlivcrein im Hinblick auf die Zeiten des Sozialistengesetzes. Das hat gewiß nie- mand vergessen; aber jene Pflicht wird�auch nicht dadurch verletzt, wenn man in einer aktuellen Frage Stellung nimmt und offen seine Meinung ausspricht, die sich zugleich mit derjenigen hervorragen- ver schweizeriicher Parteigenossen, die Mitglieder des Grütlivereins sind, deckt." Hat doch ein bekannter Luzerner Parteigenosse, Führer bei Grütlivereins, kürzlich im„Grütlianer" selbst geschrieben:„Die Leiten äudern sich untz auch arsßq P�bsnde, LrüäMMsvl müssen sich denselben und ihren Bedürfnissen anpassen, wollen sie nicht überholt werden." Diese Worte gelten der Verlegung des „Grütlianer" von Zürich nach Luzern, um den dortigen Genossen ' zu dem für sie notwendigen sozialdemokratischen Tageblatt zu vev helfen, während in Zürich der unhaltbare Zustand mit zwei sozial demokratischen Tageszeitungen(„Grütlianer" und„Volksrecht") besteht. Aber auch da kennen die konservativen Elemente des Grütlivereins nur ein„Rein!" und lehnen den vernünftigen Vor- schlag ab. Auf den Sieg, den die Mehrheit der Delegiertenversammlung des Grütlivereins in den nächsten Tagen in Biel mit Zuhilfenahme einer kleinen, aber unwürdigen chauvinistischen Hetze durch die Ablehnung der zeitgemäßen Reorganisation der sozialdemokratischen Partei erringen wird, brauchen die beteiligten Genossen nicht stolz zu sein, denn es leidet darunter unsere gemeinsame Sache und überdies kann dieser Sieg nur ein vorübergehender sein, denn die Lebensnotwendigkeiten der Partei setzen sich schließlich doch durch — trotz alledem..,_....... Huö Industrie und Kandel. Grenzsperrpolitik. Eine ganz hübsche Illustration zu dem Widersinn unserer Grenzsperrpolitik, die den Zweck hat, dem deutschen Konsumenten die Fleischpreise in die Höhe zu treiben, lieferte kürzlich eine Ge- richtsverhandlung, die vor dem Schöffengericht in Hohensalza stattfand. Der Rittergutsbesitzer von Trzinski auf Schloß Mieth- lica hatte in Gemeinschaft mit einer Anzahl Untergebenen sich wegen jahrelang betriebenen Fleischschmuggels im kleinen Grenz- verkehr zu verantworten. Durch die Beweisaufnahme wurde als festgestellt erachtet, daß der adlige Rittergutsbesitzer, ferner seine Wirtschafterin, ein Fräulein Preiß. sowie die Arbeiter Lewan- dowski I und II. Glodek und Budny fortgesetzt in den Jahren 1909/10 über die Zollkammer in Jerzhce mehr als die zulässigen Fleischportioncn von 2 Kilo frischem Schweinefleisch aus Russisch- Polen, wo Vieh sehr billig zu haben ist, aber nicht über die deutsche Grenze gelassen wird, eingeführt haben. Die Angeklagten haben nicht allein ihre eigenen Haushaltungen mit dem Fleisch aus dem kleinen Grenzverkohr versorgt, sondern auch davon anderen Per- sonen größere Quantitäten zugewendet ckder diesen zur eigenen Einfuhr die Grenzlegitimationsscheine zur Benutzung überlassen. Der Gerichtshof verurteilte von Trzinski zu einer Ordnungsstrafe von 10 M. und zum Wcrtersatz des Fleisches im Betrage von 75 M. Vier der Angeklagten haben je 3 M. Geldstrafe zu zahlen, einev von ihnen wurde wegen jugendlichen Alters freigesprochen. Im Verwaltungswege hat von Trzinski wegen der für andere Per- sonen eingeführten Fleischmengen 30 M. Ordnungsstrafe an die Zollbehörde zu zahlen. Das sind ja milde Strafen, aber, das muß nachdrücklichst be- tont werden, das Spstem der Grenzsperre ist doch viel fluch. würdiger als die Uebertretung der Einfuhrverbote. Im vorliegenden Falle hat sich ein reicher Mann an relativen Kleinigkeiten be- reichert; die Grenzsperrpolitik aber dient dazu, den Großgrund- besitzern Riesengewinne auf Kosten des Volkes in die Taschen zu praktizieren. � �—- Schutz der«ationalen Arbeit. Die Handelsverträge mit Schweden. Dänemark, Japan, die französischen und russischen Zölle auf die Einfuhr chemischer Pro- dukte sind der EntWickelung der chemischen Industrie sehr hickder- lich gewesen. Um sich den auswärtigen Absatzmarkt zu erhalten, haben mehrere chemische Unternehmungen eigene Filialen im Aus- lande errichtet, oder sie haben sich durch Beteiligungen an aus- ländischen Gesellschaften die fremden Märkte zu sichern versucht. Die Badische Anilin- und Sodafabrik, die Elberfelder Farben- fabriken und die Wiengesellschaft für Anilinfabrikation in Trep- tow bei Berlin, errichteten in der Nähe vock Manchester eine chemische Fabrik unter der Firma Merse Chemical Works. Die chemische Gesellschaft vormals Weiler ter Meer gründete in New York die Geigy ter Meer Comp. Die Schering-Aktiengesellschaft errichtete eine Filiale in Rußland. Jetzt hat sich wieder die Aktiengesel schaft für chemische Produkte vorm. H. Scheidemandel stark im Auslände engagiert. Sie hat in Frankreich eine Gesellschaft gegründet, in die sie die von ihr er- wordenen chemischen Fabriken Germain u. Co. in Paris ein- gebracht hat. Ferner hat sich die Gesellschaft in Rußland beteiligt. Sicherlich werden diesen Beispielen noch andere folgen. Und unsere Hochschutzzöllner sorgen dafür, daß die Repressalien des Auslandes gegen die Erzeugnisse der deutschen Industrie verschärft fortgesetzt werden. Man treibt die heimische Industrie ins Ausland und nennt daS dann:«Schutz der nationalen Arbeit". Schnapsdividenden. Die Loeiöt� äs Is. vistiUoris äs In I-igusur Löuöäiotino äs UAbba�s de röcamp, die den bekannten französischen Benediktiner- liqueur herstellt, hat für daS letzte Geschäftsjahr einen Reingewinn von 2 845 725 Fr. erzielt. Absatz. Nutzen und Dividende der Gesell- schast für die letzten zehn Geschäftsjahre geben folgende Ucbersicht: Geschäfts» Reingewinn Dividende i-«- K»-? S-. S-. 1901/2 1370 942 2154 063 260 1902/3 1 424 700 2 225 828 300 1903/4 1 440 869 2143 523 300 1904/5 1 483 922 2 234 435 320 1905/6 1 561 760 2 337 842 320 1906,7 1 624372 2 436 917 340 1907/8 1662 577 2516 473 340 1908/9 1 706 164 2 616 120 360 1909/10 1 950 665 8 219 959 400 1910/11 1869134 2 345 725 400 Da die Aktie 500 Fr. nominell beträgt, bedeutet die Ausschüttung von 400 Fr. eine Dividende von 80 Proz. Segen spendender Schnaps I_ Der Trustkampf. Aus Washington wird gemeldet: Der Attorney General WulerShm.i kündigte an, daß das Justiz- departement eine sofortige Strafverfolgung aller Trusts und Monopole beabsichtige, die sich vücht auflösen oder Maßnahmen treffen, um dem Shermanschcn Antitrnstgesetze zu gehorchen. entsprechend der Auslegung, die es in de... Prozeß gegen die Sian- dart-Oil-Gesellschaft und in anderen Fällen durch den Obersten Ge- richtshof erfahren hat._ Rieseneinnahme«. Soeben ist der Gewinnausweis des amerikanischen Stahl- trustes für das zweite Quartal 1911 veröffentlicht worden. Der Reingewinn für diese Zeit beträgt 28 109 000 Dollar gegen 23 519 000 Dollar im ersten Quartal 1911 und 40171009 Dollar im zweiten Viertel 1910. Von diesem Reingewinn gehen noch die Zuwendungen an die Untcrgesellschaften, die Rücklagen usw. ab. Aber was dann vcrteilbar bleibt ist immer noch außerordentlich viel. Tie JahreLcinnahmen des Stahltrustes sind rapide gewachsen und ebenso die Ueberschüsse. Im Jahre 1908 hat der Trust 91,8 Millionen Dollar, im Jahre 1909 131,4 Millionen Dollar und im Jahre 1910 141 Millionen Dollar nach Abzug aller Unkosten, Rück» lcgungen usw. erzielt. Die Kapitalisierung des Trustes ist dem- entsprechend. Er, hat allein ein Betriebskapital von 230 Millionen Nste. ÄL Liaftfl Wtz Dididevdsn.hat Zlie GeseLMft ä&c über 450 Millionen Dollar gezählt. So sehr die deutsche Industrie in den letzten Jahrzehnten fortgeschritten ist, und so sehr sich die Kapitalien vermehrt haben, an die amerikanischen Riesenunter- nehmungen reichen unsere Gesellschaften bei weitem nicht heran. Zu unseren größten Unternehmungen, deren Kapital aber 200 Millionen Mark nicht überschreitet, gehören die Deutsche Bank, die Dresdener Bank, die Reichsbank, die Aktiengesellschaft Fried. Krupp, die Diskontogesellschaft, die Gelsenkirchener Bergwerks- gesellschaft, die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft, die Hamburg- Amerika Linie, der Norddeutsche Lloyd, die Große Berliner Straßenbahn, der Phönix und noch einige wenige andere. Von diesen erreichen nur 2, nämlich die Deutsche Bank und die Dresde- ner Bank die Kapitalhöhe von 200 Millionen Mark. Auch die Ein- nahmen und die Gewinne sind dementsprechend diel kleiner. Aber der Stahltrust ist nicht die einzige amerikanische Gesellschaft, die solche Kolossalzisfern aufweisen kann. Die Canada Pacific Eisen- bahn hat ein Aktienkapital von 150 Millionen Dollar Sie ver- einnahmte schon im Geschäftsjahr 1903/09 25 Millionen Dollar und in ihrer Bilanz sind Passiven in Höhe von über 450 Millionen Dollar angeführt. Zu dem Stammaktienkapital kommen noch Prioritätsaktien und Obligationen in Höhe von zirka 220 Mil- lionen Dollar. Die Chicago, Rock Island u. Pacific Railway Comp, weist ein Stammkapital von 75 Millionen Dollar aus und erzielt im Jahre Nettoeinnahmcn in Höhe von zirka 20 Millionen Dollar. Die Baltimore and Ohio Railroad Comp, hat 60 Millionen Dollar Stammaktien und Bruttoeinnahmen in Höhe von zirka 70 Millionen Dollar pro Jahr. Auch die amerikanischen Versiche- rungsgesellschaften, die großen amerikanischen Elektrizitätsgescll- schaftcn usw. können mit Riesenziffern prunken Wenn auch die deutsche Vertrustungsbewegung die Kapitalien und die Einnahmen einer Reihe von Unternehmungen ganz wesentlich erhöht hat, so laufen doch bei den Riesengesellschaften der Vereinigten Staaten aus so verschiedenen Quellen die Einnahmen zusammen, daß man sich wundert, wie da überhaupt noch eine Kontrolle möglich ist. Jedenfalls wird, trotzdem der Trust verwaltungstechnisch außer- ordentlich fortgeschritten ist, bei solch weitgreifenden Betrieben die Uebersicht immer schwieriger. Besonders der Nichtamerikaner hat kaum die Möglichkeit einer Prüfung und muß sich«ruf die Nach- richten und Bilanzen verlassen, die ihm von den Verwaltungen übermittelt werden. �_ Huö der frauenbewegung. Arb eiterinnenpro teste gegen die englische Berfichernogsbill. Die englische Versicherungsbill ruft wegen ihrer krassen Un- zulänglichkeit in Arbeiterkreisen lebhafte Proteste hervor. Auch Arbeiterinnen beteiligen sich an den Kundgebungen gegen das neue Gesetz, das sie vor allem in unerhörter Weise benachteiligt. So widmete die National Federation of Womenworkers(natio- nale Arbeiterinnenvereinigung) ihrem fünften Jahreskongreß, auf dem 11 000 Frauen vertreten waren, einer eingehenden Erörte- rung all der klaffenden Lücken der Bill. Es wurde bemängelt, daß die Beiträge auch von solchen Arbeiterinnen erhoben werden sollen, deren Löhne unter dem Existenzminimum liegen. In solchen Fällen müßte der Unternehmer gehalten sein, den vollen Versiche- rungsbeitrag— abzüglich des Staatszuschusses— zu zahlen. Sowohl in bezug auf die Beiträge der Versicherten wie auf die Leistungen der Versicherung werden die Frauen den Männern gegenüber erheblich benachteiligt. Dazu kommt, daß die Arbeite- rinnen nur so lange sie unverheiratet sind, den.Segnungen" des Gesetzes teilljastig werden. Mit der Verheiratung und der Aus- gcche der Lohnarbeit verlieren sie jeden Rechtsanspruch. Die Bei- träge der Versicherten sind auch viel zu hoch, denn die freiwillige Krankenversicherung der Federation leistet heute schon für 1 und 2 Pence(8?b bis 17 Pf.) Wochenbeitrag, was der Staat für 3 Penc« gewähren will. In der sehr regen Diskussion wies MrS. Esther Voung. ein« Delegiertin des Womens' Trade Union League(Frauengewerk- ein), die neun Jahre in einer Munitionsfabrik gearbeitet hatte, daraus hin, daß die Zwangsverficherung auf eine Lohnkürzung hinauslaufe. Immer kämpften die Arbeiter gegen Lohnabzüge, und hier habe der Schatzkanzler öffentlich ein solches System ver- teidigt. Von allen Seiten wurden nun erschütternde Einzelheiten zur Jllustrierung der Hungerlöhne für Frauenarbeit beigebracht. Was hätte eine Versicherung für einen Wert, die»ur auf Koste» der Ernährung bestritten werden kann? MrS. Anne Löwin von der Womens' Trade Union League schilderte, wie Tausende von Fabrikarbeiterinnen von 6 und 7 Schillings(6 und 7 M.) die Woche leben müssen. Ihr Mittagessen besteht an fünf Tagen der Woche gsS einem Stück Käse für 8 Pf. und einem Stück Brot für 4 Pf.; am. sechsten Tag essen sie nichts zu Mittag. Die Zwangsversicherung würde bewirken, daß sie an drei Mittagen in der Woche nichts zu essen hätten.— Mrs. Marion Philipps betonte, daß die Bill nur eine neue Last auf die Sckml» tern der Allerärmsten wälzen würde und daß die Frauen darum mehr darunter zu leiden hatten als die Männer. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, w der der Kongreß die Zwangsversicherungsvorlage nur dann für annehm- bar erklärte, wenn sie hinsichtlich der Unterstützungen Männer und Frauen gleichstellte, wenn der Unternehmer verpflichtet würde, für alle, die unter 15 Schilling wöchentlich verdienen, die Beitrags- Pflicht zu tragen, wenn sie ferner eine Kranken- und Wöchnerinnen. Unterstützung für alle Frauen vorsieht, die anläßlich der Geburt eines Kindes die Arbeit unterbrechen müssen. Am Nachmittag des Kongreßtages wurde eine Demonstration «ms dem Trafalgar Square abgehalten, wo unsere Genossin Mary Macarthur, die Präsidentin des Kongresses, sowie eine Reihe von Arbeiterabgeordneten Ansprachen hielten. Wenige Tage darauf vereinigten sich viele Arbeiterinnen und Frauenstimmrechtsorganisationen abermals zu einer Protestkund- aebung in London, wo man die Vernachlässigung der besonderen Arbeiterinneninteressen in der Bill mit Recht für eine Folge der politischen Unfreiheit der Frauen erklärte. Welche Unklarheit aber noch in den Köpfen herrscht, geht daraus hervor, daß man in dem» selben Atem vor der Annahme der sogenannten Versöhnungsbill, die bekanntlich wie ein beschränkte» Damenwahlrecht fordert, alles Heil für die ausgebeuteten und rechtloser Arbeiterinnen erwartete._"„ Huö aller Älelt. Die DUbner des heiligen Jakobus! In der Sonntagsbeilage eines Koblenzer Zentrums- blättchens erzählt Herr Dr. Doering aus Dachau die rühr- same Geschichte von diesen Hühnern. Ein frommer Mann machte sich samt seiner Frau und seinem Sohne auf die Wallfahrt zumGrabedeShl. ApostelSJakobus deS Aelteren in Compostella in Spanien. In einem Wirtshause, in daS sie unter- wegS einkehrten, suchte das Wirtstöchterchen den stattlichen Jüngling zu betören, hatte aber kein Glück damit, und nuu rächte sich das Mägdelein damit, daß sie einen silbernen Becher in das Fell- eisen deS Jünglings versteckte. Die Folge war. daß für den angeblichen Diebstahl der Jüngling zum Galgen geführt wurde, während man die Eltern laufen ließ. Mehr als einen Monat blieben die letzteren beim St. JakobuS in Compostella und als sie auf dem Rückwege an dem Galgen vorbeikamen, hing dort noch die Leiche ihres SohneS. Sie hielten an. um ein Gebet zu verrichten, und da erzählte ihnen dann plötzlich der am Galgen Hängende, daß er gar nicht tot sei, sondern daß die hl. Jungfrau und der hl. St. Jakobus ihn gestützt und in ihren Armen gehalten hätten, so daß ihm die hänfene Schlinge nichts habe antun können. Voll Staunen und Freude eilten die Eltern zum Richter in der Stadt, der sich gerade an ein paar «oldbraun gebratenen Hühnern gütlich tun wollte. Er wollte natürlich die Mär nicht glauben und meinte, wenn der vor bald sieben Wochen Hingerichtete noch lebe, dann könnten ja ebenso gut die Hühner ans seinem Tisch noch lebendig sein. Kaum hatte er das gesagt, regten sich auf der Schüssel beide Hühner, reckten die Hälse empor, stellten sich auf ihre Füße, schlugen mit den Flügeln und entflohen schreiend und krähend durchs offene Fenster. „Diese zwei wunderbaren Tiere aber wurden für sichtbarliche Beweise der göttlichen Gnade und All macht nach Com» postella in St. Ialobis Heiligtum gebracht und gepflegt, bis sie nach sieben Jahren starben. Danach hegte man ihre Jungen, und wer nach der heiligen Stätte kommt, hat allezeit gerne ein Federlein von ihnen als Andenken mit heimgenommen." Das wird zur Erbauung frommer Leser erzählt am 23. Juli 1911!_ Schiffskatastrophe. Eine schwere Dampferkollision wird aus B e l f a st gemeldet: Als der Dampfer„A n t r i m" in H e y s h a m einlief, erklärte der Kapitän des Schiffes, daß der Dampfer in der Nacht in der Nähe der Copeland- inseln mit einem unbekannten Schoner zusammengestoßen sei. Der„Antrim" hatte abends um 11 Uhr Belfast verlassen; auf der Höhe der Copelandinseln bemerkte er den Schoner vor sich. Ehe der Dampfer Gegendampf geben konnte, war der Schoner überrannt und sank binnen zehn Sekunden. Von dem sinkenden Schiffe wurde kein Schrei vernommen. Als der„Antrim" endlich halten konnte, suchte er die Unfall- stelle eine Stunde lang ab, fand jedoch keine Spur von der Besatzung des Schoners. Man nimmt an, daß sie aus sechs bis sieben Mann bestanden hat. Riesenbrand am Wiener Nordbahnhof. Donnerstag nacht brach auf einem großen Holzlagerplatz des Wiener Nordbahnhofes Feuer aus, das bald eine große Aus- d e h n u n g annahm. Der Brandherd ist eine einen Kilometer lange Strecke, die dicht mit Holzpyramiden besetzt ist. Der Brand ist von einem Arbeiter angelegt worden, der sich selbst der Polizei gestellt hat und sich zurzeit in Haft befindet. Nach mehr- stündigen Löscharbeiten gelang eS, daS Feuer auf die Lagerplätze zu beschränken, doch sind die an daS brennende Terrain grenzenden Naphthalin- und Petroleumlagerplätze sowie die Fabrik von Siemens u. Schuckert stark bedroht gewesen. Die Telegraphen- und Telephonleitungen wurden ebenfalls vom Feuer er- griffen. Eine weitere Meldung über die Feuersbrunst besagt: Die jetzt lebenden Wiener haben noch kein Feuer von solcher Aus- dehnung gesehen wie daS, welches gestern nacht auf den Holzmaterial- uud Teerlagern der Nordbahn wütete. Hunderttausende zogen auS allen Stadtteilen und Vororten in die Leopoldstadt, um in nächster Nähe das schaurig-schöne Schauspiel zu sehen. DaS Feuer, daS un- unterbrochen viele Klafter hohe Flammengarben aufwarf, sandte un- geheure, grellrot und schneeweiß beleuchtete Schwaden gegen den nächtlichen Himmel. Nach Schätzung von Sachverständigen dürsten 1190 Wagenladungen Holz im Werte von fast 1 Million Mark verbrannt sein. Bei der gewaltigen Hitze, die der Brand ausströmte, hatten vier Ambulanzen ständig zu tun, erschöpfte Feuer- Wehrleute und Arbeiter der Bahnhöfe vor schweren Unfällen zu be- wahren. Zwölf Personen haben mehr oder minder schwere Brand- wunde» erlitten. Die Brandstätte selbst bot noch bei Tageslicht ein Bild der wüstesten Zerstörung durch die Elemente. Fortwährend stiegen dichte Rauchwolken auf. Gegen 4 Uhr früh erhob sich ein leichter Wind, der die Flammen wieder zu entfachen schien, doch gelang eS, die Gefahr zu beseitigen. Freitagmittag ist es endlich gelungen, den Brand völlig zu löschen. Dafür wütete nachmittags in dem Wiener Vororte K ö tz- leindorf ein großer Brand, dem mehrere Wohnhäuser zum Opfer gefallen sind. Furchtbares Eisenbahnunglück in Amerika. Nach einem Telegramm aus D u r h a m in Nord- Karolina ereignete sich gestern in der Nähe der Station Hamlet ein schwerer Zusammenstoß zwischen einem Ver- gnügungszuge und einem Güterzuge. Zwei Wagen wurden vollständig zertrümmert. Nach den ersten Be- richten beträgt die Zahl der Getöteten ungefähr 17 und die Anzahl der Verletzten ungefähr 40. Folgen der Hundstagshitze. Soweit es sich übersehen läßt, hat auch der gestrige Tag nirgends eine bemerkenswerte Abkühlung gebracht.- Die ungeheure Hitze hält mit ihren verheerenden Folgen weiter an und bringt un- berechenbaren Schaden für die Landwirtschaft, Handel und Gewerbe. So herrscht in den verschiedensten Tälern des Oberrheins große Wasserkalamität. Von den Behörden wurde der Wasser- verbrauch für alle anderen als Trink- und Kochzwecke verboten. Die Zahl der Erkrankungen steigt in einzelnen Gemeinden be- ängstigend; namentlich sterben viele Kinder an den Folgen der durch Hitze verursachten Krankheiten. Der Wasserstand de§ Oberrheins geht derart zurück, daß ein Fischsterben unvermeidlich er- scheint. Bei dem niedrigen Wasserstand mehren sich die Schiffs- Unfälle in erschreckendem Umfange. Aus Halle und Umgegend, wo überall große Wasser- not herrscht, wurden in die medizinische Klinik zu Halle eine große Anzahl von Typhuserkrankten eingeliefert. Innsbruck, 28. Juli. Die Hitze wird immer stärker. Manche Industriebetriebe haben eine andere Arbeitsemteilung ge- troffen. In Trient werden nachmittags keine Briefe be- fördert. Bei O b e r h o f ist ein großes Weizenfeld durch Funken- flug einer Lokomotive abgebrannt. Die Arlbergbahn wurde gestern infolge Wolkenbruches bei Langenflirsch arg beschädigt. Wien, 23. Juli. Die tropische Hitze hält unvermindert an. Der Himmel ist vollständig wolkenlos, die Temperatur betrug um 7 Uhr morgen? bereits 80 Grad Celsius. Die Fälle von Hitzschlägen mit tödlichem Ausgang mehren sich. AuS Salzburg wird starker Wassermangel infolge der Hitze gemeldet. London, 23. Juli. Die ungeheure Hitze hat eine Anzahl Unfälle herbeigeführt. Alis einer Eisenbahnlinie sind zwei Signale zerstört worden, weil die Drähte geschmolzen waren. Auf mehreren Eisenbahnlinien find Eisenbahnwagen durch Selbstentzündung in Brand geraten._ Schwere Unglücksfälle. Freitag früh kurz nach 11 Uhr ereignete sich ein schwerer Unfall auf dem Grundstück der alten Herforder Gasanstalt. Dort nahmen Mindener Pioniere Spreng arbeiten vor. Nachdem ein Schuß sich entladen hatte, eilten ein Feldwebel, ein Unteroffizier und ein Gemeiner nach dem Sprengobjekt. In diesem Moment ging ein zweiter Schuß los, der alle drei Soldaten schwer verletzte. Dem Unteroffizier wurde der Unterleib auf- gerissen, so daß die Gedärme heraustraten. Der Feldwebel er- litt Verletzungen an den Beinen und der Gemeine trug schwere innere Verletzungen davon. Alle drei wurden in? Krankenhaus gebracht. Eine schwere Nitroglhcerin-Explosion erfolgte einem Londoner Telegramm zufolge in der Dynamitfabrik bei Gravend. Die Explosion war meilenweit vernehmbar. In einem Umkreise von 1 Kilometer sind die Scheiben der Häuser in Trümmer gegangen. Die Explosionskatastrophe hat 3 Opfer gefordert. 12 Per- soncn wurden mehr oder weniger schwer verletzt. Kleine Notizen. Der Brandstifter von Stambul. Die Konstantinopler Polizei konstatierte, daß der Brand im Geschäftsviertel von Stambul von dem armenischen Druckereibesitzer Bagdalian, dessen Druckerei versichert war, angelegt worden ist. Wahnsinnstat einer Mutter. In einem Anfall von Geistes- störung hat in Neutra(Ungarn), die Privatiere Pokoly sich mit ihren beiden Kindern in den Neutraflutz gestürzt. Sie wurden jedoch gerettet. Darauf schnitt die Frau mit einem Küchenmesser den Kindern den Hals durch. Eins der Kinder war sofort tot, das andere liegt im Sterben. Die Frau wurde dem Jrrenhause zugeführt. Verkehrsunglück. Aus der Chaussee zwischen Beuthen(Ober- schlesien) und Friedcnshütte stießen ein M o t o r f a h r er und ein Radfahrer zusammen. Der Radfahrer, Lokomotivführer Grüß, war auf der Stelle tot, während der Motorfahrer schwer verletzt wurde. Autounfall. Auf der Fahrt vom Kaprunertale ist das Automobil eines Wiener Großindustriellen von Terramare in- folge VersagenS der Bremse mit voller Wucht gegen einen Meilen- stein gefahren. DaS Automobil überschlug sich, die Insassen wurden auf die Straße geschleudert, der Chauffeur blieb sofort tot, während die übrigen Insassen nur leicht verletzt wurden. �.od in den Bergen. Vom Bauernbrachkopf nächst dem Wasser- fall im Kaprunertale sind die Touristen Walter B a b e s a m und Fräulein Helga Schon aus Brünn abgestürtzt. Sie waren sofort tot. Barbarische Mißhandlung xsnes Schiffsjungen. Vier Ma- trosen des aus Marseille eingetroffenen Dampfers„König Mat- thias" der Adria Schifs�hrtsgesellschaft wurden verhaftet, weil sie dringend verdächtigt'sind, den Schiffsjungen Friedrich Franza der- art s ch w e r mißhandelt zu h a b e n. daß er bei Ankunft des Schiffes in Trieft g e st o r b e n ist. Lriefkasten der Redaktion. Sit Inriftitai« vpreaftunde findet Linden st raste K9, dorn vier Tredde« — s-hrftuhl—, wochentäglich vi», bis 7>/4 Uhr abends, Sonnabends, von 4'/i> bis 6 Uhr abends statt. Jeder sür den Brieflasten bestimmten Anfrage M ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht rrteilt. Anfragen, denen keinc Abanncmcntsgnlttung beigefügt Ist, werden nicht beantwortet. Ellige Fragen trage man In der SPrechftunde vor. G. T. III. Ihre Fragen sind unklar. Kommen Sie in die Sprech- stunde.—- Möbius, Görlitzer Strasse. 1. Die von der Frau ein- gerächte Wirlschaslseinrichlung bleibt deren Eigentum. Für den Fall der Pfändung genügt die Vorlegung einer eidesstattlichen Versicherung und der sUsi den Namen der Frau lautenden Rechnung zur Glaubhaftmachung. 1t 1®* Ansercs Erachtens ja.— Oberschöneweide, Westendstr. 5. Ja.— M. S. 109. Anscheinend find Sie im Vur mit Genehmigung der Ersatzkommifsion, an die Sie sich wenden wollen. Spätere Meldung beim Konsulat.— I. K. 10«. �Aein. 2. Noack. 3. Gegen die Firma können Sie klagbar werden.— « 3- 1. Angemessenes Lagergeld ja. In Anbetracht der Länge der Zeit erscheinen 14 M. angemessen. 2. Nein. Sie können unter Anbieten des Lagergeldes Serausgabe der Sachen, sür den Unvermögenssall Ersatz m n Dahingehende Klage erscheint durchführbar.— ' S"" n'�'- 2. Sie bleiben sür die Bertragsdaucr haslbar. A 300. � Sie.müssen aus Herausgabe klagen. Sobald Sie im Besitz der Sachen sind, können Sie anderweit verfügen.— M. St., Lank« IL m, waren zu kürzen(2 Monate StaatSeinkommensleuer). Ts.P- 28. Leider nicht.- St. 51. 1. Nein. 2. Ja.- R. G.«». Juli 1905 com Oberverwaltungsgericht.— ff, G- 100. Der Vermieter muh erst"agen. Unentbehrliche Sachen darf der Vermieter nicht zurück- behalten.— W. 100. Nein.- Z. 41. 1. Ja. 14 Tage. 2. Da» Krankengeld kann gekürzt weiden.— T.«4. New.— A. St. 47. Nein. üBBt- [1[=5' ■Ei ■]f=1Fe1[=3E ■]r=1f=1B[=Ä Großer Anzug-Verkauf Dauer vom 29. Juli bis 6. August m. 40 000 flnzflse tnr Herren. Junsiliße. Burschen ima Knniien darunter Restbestände einzelner Serien, Modelle und Musteranzüge Serie I. Herren-AnZÜge Gestreifte und karierte Cheviots.,,;• j•» 21h Serie 11. Herren- Anzüge Zwimkammgam l u, II. rhg sehr haltbar,. 33 t Serie III. Jünglings-Anzüge Gemusterte Cheviots und Kammgarn-Arten 11h Serie IV. JüngÜngS-AnZÜge Graue, grüne und braune Cheviots...... 17t Serie V. Burschen-Anzüge Solide Karnrngam-Arten in vielen Mustern 7 t Serie VI. Burschen-Anzüge Cheviots u. Kammgame. Gestreift u. kariert 10» Serie VII. Knaben- Wasch- Anzüge blau-weiss gestreift, Gr. 1-6, durchweg 95k Serie VIII. 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Jun fällige Monatsversammlung de>Z Wahlvereins ausfällt. Die Bezirksleitung. Hohenschöilhausen. Morgen, Sonntag, früh'/z3Uhr: Flugblatt- Verbreitung von den Bezirkslokalen aus. Keiner fehle. Die Bezirksleitung. WaidmannSlnst und Umgegend. Die Agitationstour am Sonn- tag, den 30. Juli, wird in Form eines Familienausflugs ausgeführt. Abfahrt 1,47 ab Waidmannslust, 1,50 ab HermSdorf, 1.53 ab Frohnau bis Station Stolpe, von dort zu Fufi über Briese nach Borgsdorf. Nachzügler fahren per Bahn direkt bis Borgsdorf. Die Vcrsamm- lung in Borgsdorf findet unter freiem Himmel statt auf dem Grund- stück des Herrn Gutschow, Bahnhofstr. 4—5. Tagesordnung:„For- derungen, Grundsätze und Ziele der Sozialdemokratie." Refcrentin: Frau Anna Matschke-Berlin. Um vollzählige Beteiligung, auch der Frauen, ersucht Die BezirlSleitung. Berliner Nachrichten. Der trockene Tod. Noch stehen wir im Hochsommer. Die Sonne strahlt noch in der Vollkraft ihrer Glut. Kaum fällt es auf, daß die Schatten des Abends um ein Geringes früher sich niederscnken. Und doch, es Herbstelt t In diesem Jahre noch etwas zeitiger wie sonst. Die intensive Hitze hat ein vorzeitiges Gilben und Bleichen der Blätter bewirkt. Draußen vor der Stadt brütet die Sonne erbarmungslos auf die rissige, ausgedörrte Erde. Blumen und Pflanzen schrumpfen kläglich zusammen unter dem heißen Brodem Selten geht einmal eine fächelnde Brise über die Stoppeln der abgeernteten Getreideäcker. Durch Baum und Strauch schreitet der trockene Tod. In den Kronen leuchtet es fahl, vergilbte, braun geränderte Blätter, Blätter, so welk und sterbensmiide, wirbeln hernieder. Matt und verschrumpft liegen die Kartoffeläcker da. An vielen Stellen leuchtet der wilde Wein schon blutigrot und auch die anderen Schlinggewächse wie Bohnen und Hopfen, lassen müde und resigniert die Köpfchen hängen, weil die armen Würzclchen in der heißen Erde vergebens nach Wasser suchen. Da draußen vor der Stadt, wo die Parzellenbauern hausen, ist die Not erst groß. Verzweifelt blickt der Lauben bcsitzer über sei» Pachtgärtchcn, an dessen Bebauung er im Frühjahr so wacker heranging. Wie verheißungsvoll begann es aus dem gutgepflegten Boden zu sprießen und zu treiben. Und jetzt— hoffnungslos weicht der Mensch der Götterstärke! Ueber ihn leuchtet Tag für Tag ein italienischer Hinimel, so blau und lachend und herzlos----. Wohl dem, der noch Wasser auftreiben kann. Viele „Tonnen" sind versiegt und streiken konsequent und die paar gelegentlichen Regcnspritzcr sind flüchtig verdampft im tropew heißen Sande. Nur in den Villengärtcn steht noch alles in tiefer, satter Pracht. Saftig und grün prangt der sorglich gepflegte Rasen, kein Gilben und Fahlen zeigt sich im Strauchwerk und Blumen und Rosen duften und leuchten in vielfarbiger Pracht. Morgens und abends fällt ein feiner Staubregen über die Pflanzen und netzt und kühlt sie, daß sie straff und vollkräftig ihre Häupter heben und strecken können. Dafür sind sie auch die Creme im Reiche Floras und haben nichts zu schaffen mit ihrer plebejischen Verwandtschaft da draußen im Feld und Laubengeländen. Ueber sie hinaus recken sich dichtbelaubte Linden und zitternde Birken, und knorrige Kiefern breiten ernst und feierlich ihre breiten Aeste über Gärten und Villen. Rosen senken schämig ihr blühendes Angesicht, wenn fürwitzige Bienchcn und naschhafte Schmetterlinge sie umschwärmen und während hier in saftiger, bunter Pracht der Sommer schwelgt, geht durch Wald und Fluren stumm und mit heißem Odem der trockene Tod._ Ucler die Fcricnspiclplätzk für die Berliner Gemcindcschulkinder sind uns von verschiedenen Seiten wieder Klagen zugegangen. Es wird dabei besonders bezng genommen auf unsere kürzliche Mit- teilung. daß der Fahrpreis für Minderbemittelte nnr 10 Pf. beträgt. Zahlreiche Kinder, die fich auf den einzelnen Sammelplätzen mit nur 10 oder 15 Pf. einfanden, sind ausgeschlossen und nach Hause geschickt worden. Ergänzend erklären dazu übereinstimmend mehrere Spielleiter, datz nach den inatzgebenden Bestim- mungen der ermäßigte Fahrpreis für Minderbemittelte nur bei den Spielen in Buch vorgesehen ist. Für alle anderen Spiel- Plätze gibt eS nur zwei Vorschriften: entweder wird der volle Fahr- preis von 20 Pfennig entrichtet oder es findet völlig freie Beförde- rung statt. Diese freie Beförderung verfügt in der Regel der zu- ständige Rektor, und zwar für die ganze Dauer der Fcrienspiele, nachdem er sich vergewissert hat, daß das Gesuch zu berücksichtigen ist. Daneben haben auch die Obcrleiter der einzelnen Spiel- platze das Recht, Freikarten auszustellen. Von diesen Vcr- günstignngen wird ein so weitgehender Gebrauch gemacht, daß beispielsweise nach den beiden Spielplätzen in Blanken- felde der brüte Teil der Kinder ans Freikarten fährt. ES ist nun vorgekommen, daß Kinder, die bisher regelmäßig 20 Pfennig mitbrachten, dann aber eines TageS nur 10 Pfennig vorweisen konnten, nach Hause geschickt lvorden sind. Buchstabenmäßig war daS korrekt, doch wird von den Spielleitern zugestanden, daß hier eine Ausnahme sehr oft hätte gemacht werden können. Hoffentlich werden nunmehr Vorkehrungen getroffen, daß solche Zurücksetzungen, die das Kindergemüt noch mehr als die Eltern verbittern, sich nicht wiederholen. Wenig bekannt scheint eS zu sein, daß von mehreren Kindern aus derselben Familie immer nur zwei je 20 Pf. zu entrichten haben. Wo also beispielsweise fünf Kinder vorhanden sind, können sämtliche fünf für zusanime»!40 Pfennige an der Fahrt teilnehmen. Bei der Fahrpreisermäßigung für eiuzelne Kinder muß nach der Ansicht der Spielleiter sehr vorsichtig verfahren werden, weil der zweite Nickel nicht selten für Näschereien zurückbehalten wird. Infolge dieser Erfahrung ist der Handel mit Obst und Zuckerwaren auf den Spielplätzen verboten worden. Die auffällige Tatsache, daß sämtliche Spielplötze einen wesentlich schwächeren Be-l such als in den Vorjahren zeigen, wird von den Spielleitern ver- schicdentlich zu erklären versucht. Zunächst sei in der Presse diesmal leider nicht genügend auf die Spielgelegenheiten hingewiesen worden. Besonders die bürgerliche Preffe habe vollständig versagt. Ein solcher Hinweis sei aber vor den Ferien und während der Ferien wiederholt nötig. Sodann macht sich merkwürdigerweise im Stillen eine gewisse Abneigung gegen die Spiele bemerkbar, weil über das Verhalten der Lehrer und Lehrerinnen, über Verpflegung und Veanfsichtignng' allerlei Gerüchte verbreitet werden, die den Tat- fachen in keiner Weise entsprechen. Auch wir müssen nach genaueren Beobachtungen zugeben, daß die Beaufsichtigung, von gelegentlichen kleinen Unebenheiten abgesehen, den Anforderungen genügt. ES würde dem Geiste dieser Spiele vollständig widersprechen, wenn man die Kinder allzusehr unter Aufsicht stellen wollte. Sie sollen hier sozu- sagen zur Selbstdisziplin erzogen werden und sich so frei fühlen, daß sie trotz der Anwesenheit vieler Lehrer die Schnlzncht nicht spüren. Unberechtigt ist die Beschwerde über die von den Kindern aufgebauten kleinen Zelte. Diese müsien an einer Seite offen sein, werden ständig kontrolliert, auch dürfen Knaben und Mädchen nicht unter demselben Zelte lagern. In Blankenfelde I und II waren am Donnerstag bei Herr- lichstem Wetter nur rund 1600 Kinder, während sonst bloß einer dieser Plätze manchmal 3—4000 Kinder beherbergte. Dabei hat der Spielplatz II in diesem Sommer eine Neuerung erfahren, die ihm vor allen anderen Plätzen einen gewaltigen Vorzug gibt. ES ist hier ein Teich ausgehoben worden, in dessen abgegrenzten, völlig gefahrlosen, etwa drei Morgen großen Teil, die Kinder ab- teilungSiveise zum Baden geführt werden. Es besteht die Aussicht, daß diese vorläufige Badegelegenheit zu einer ständigen Einrichtung wird. Man soll aber auch die Kinder deS Spielplatzes I nicht dabei vergessen. Zu diesem Zweck muß ein Weg vom dicht daneben be- legcnen, der städtischen Parkdeputation zugehörigen Gelände freigegeben werden. Die Kinder beider Abteilungen könnten dann hier abwechselnd einen Tag um den andern baden, bei nicht übergroßer Frequenz sogar am selben Tage. Die MittagSabspeisung vollzieht sich ent- gegen anderen Nachrichten in bester Ordnung. Auch daS Essen selbst ist schmackhaft. Nur über Wassermangel auf Platz II wird gc- klagt. Am Donnerstag hatten die Kinder bei größter Hitze anderthalb Stunden lang keinen Tropfen. Der eine ausrangierte Sprengwagen als Waffcrspender reicht nicht aus. Auf Platz I steht ein Brunnen, doch ist das Uebertreten von einem Platz auf den andern nicht erlaubt. Etwas sehr spät, erst um IlVz Uhr, langt von Klingelbolle aus Moabit die Milch an. Die Firma Bolle will jeden Morgen genau wissen, was benötigt wird, und kann dann allerdings kaum früher liefern. Milch von den umliegenden Gütern ist nicht aufzu- treiben. Auf dem einen Platz wird die Milch vor dem Essen, auf dem anderen(1) nach dem Essen verabfolgt. Hier könnte wohl mehr Einheitlichkeit herrschen. Die Spielleiter, die so schon genug unter dem MagistratSbureaukratiSmnS leiden, sollen Bewegungsfreiheit haben, dürfen aber in solchen grundlegen- den Fragen nicht allzu selbstherrlich handeln. Die Speise- und Aufenthaltszelte sind jetzt auch durch seitliche Vorhänge gegen Regen geschützt. Aborte stehen in reichlicher Zahl zur Verfügung. Im großen und ganzen haben sich die Verhältnisse gebessert, so daß um- somehr der BesuchSrnckgang bedauert werden muß. Wer eS irgend möglich machen kann, soll noch jetzt seine Kinder nach den Ferien- spiclplätzen schicken._ „A»S einer liederlichen Sache." Die Berliner Chronik des PusthiuS meldet lakonisch:„A. 1361. Sollen die Bürger zu Berlin den Frevel an Theodorici ErzbischofS zu Magdeburg Schreiber, der in des Herzogs von Sachsen Comitat gewesen, begangen haben, indem sie ihn durch die Stadtdiener auf dem Markt enthaupten lassen, aus einer liederlichen Sache, si Cninzio kides habenda". Mit dieser Sache, die CranziuS übrigens in das Jahr 1364 verlegt, hatte eS aber folgende Bewandtnis. Der Schreiber des ErzbischofS Dietrich von Portitz, Konrad Schütze, der Vikar zu Magdeburg war mid sich derzeit im Gefolge de« Herzogs von Sachsen in Berlin befand, hatte einer ehrbaren Frau auf offener Straße da? Ansinnen gestellt, mit ihm das Bad am Kröge! zu be- suchen. CranziuS nieint zwar,„das sei eine schöne Ursache, einem darumb das Leben zu nehmen", aber man muß die Zeiten ver- stehen, um die Sittcnverletzung zu erkennen, die in einer solchen Aufforderung lag. In den Badestubcn bedienten nicht gerade die ehrbaren Frauen, und diejenigen, die einen Mann in das Bad be- gleiteten, waren gleichfalls die geiunkensten, die es in Berlin gab. In jener Einladung tag also eine recht empfindliche Beleidigung, und man kann eS verstehen, daß die Berliner über den Schimpf, der von dem Freniden vielleicht einer Patrizierin geboten worden war, höchst entrüstet waren. Dazu kam die Abneigung, die man gegen die Geistlichen, noch von der Affäre Probst von Bernau her hatte. Jedenfalls machte der Vorfall die Berliner toll; sie ließen den Vikar, der sich in die Herberge deS Herzogs geflüchtet hatte, von der Tafel seines Herrn fort durch die Stadtdicner arretieren, auf den Markt führen und ihn durch den schnell herbeigeholten Scharf- richtcr den Kopf abschlagen. Für diese schnelle Tat— die allerdings aus den Ehr- und RechtSbegriffen der Zeit voll- kommen erklärlich ist— mußten die Berliner allerdings, wie die Chronik berichtet,„Schande und schweren Schaden genug tragen." Die Verlin ohnehin feindlich gesinnten Prälaten, der Brandenburger Bischof und der Magdeburger Erzbischof benutzten die Sache jedenfalls, um der verhaßten Stadt und ihren Bewohnern etwas am Zeuge zu flicken und sie sollen sich sogar vereinigt haben. keine noch so große Buße für diesen Priesterniord anznnehnien. Aber eS scheint, daß die Klage gegen Berlin ohne Folgen geblieben ist, denn eS findet sich nirgends eine Andeutung, daß die Stadt eine Slrufc getroffen habe und welche. Moderne„ErzichungSgenieS". WaS sich heute allcS zur Mcnschenerzichnng berufen glaubt, geht auf keine Kuhhaut. ES ist auch manchmal danach. Wie von der Tarantel ist daS, was sich Gesellschaft nennt, mit einem Male gc- stachen. AllcS Unreife, daS, bei Lichte besehen, an schweren sozialen Unterlassungssünden und an den Schäden unserer ganzen GescllschastS- ordnung krankt, wird mit Bausch und Bogen im AllerweltSkonto „Erziehungsfehler" gebucht. Und dicht dahinter steht daS böse Gc- wissen derselben Gesellschaft. Institute, die erzieherisch die Menschen- Veredelung anstreben, sind in den letzten beiden Jahrzehnten wie die Pilze aus dein Boden geschossen. Zehntansende von Menschen suchen ans diesem an sich allerdings sehr dankbaren Gebiete innere Befriedigung oder noch öfter die Existenz. ES ist nicht zu bestreiten, daß viele„unverstandene' Frauen und sogenannte „verspätete Mädchen" sich heutzutage mit Vorliebe eine sorgenlose Stellung schaffen, indem sie irgend ein Heim, besser gesagt Heimchen gründen und für die Lebensfähigkeit desselben, die auch ihren eigenen LebenShalt bedeutet, ungenicrtest bei der Oeffentlickikeit betteln gehen. Vieles von diesen hier beackerten Einzelgebieten könnte unter einen Hut gebracht werde» und dann sicher ersprießlicher wirken, aber da- gegen wehren sich die Heimgründerinnen mit aller Macht. In den Liliputheimen können sie nach Belieben mit den erbettelten Geldern schalten und walten, in größeren Instituten sieht mau ihnen scharf auf die Finger. Sehe» wir uns die Mensche» und die Geister, die i» diese» Erziehungsheimen, wie sie sich stolz nennen, fast unumschränkt regieren, etwas näher an, so stoßen wir auf unendlich viel Talmi, auf Charaktere, die noch recht häufig selbst der Erziehung bedürftig sind. Mit einem mehr oder minder klangvollen Namen, ein paar Betten, einem halbe» Dutzend aufgegriffener armer Kinder ist es noch nicht getan. Man muß auch innerlich das Zeug dazu haben, um in junge Menschenseelen den Keim des Edlen zu pflanzen. Leute, die oft eine bedenkliche Ver- gangenhcit oder wenigstens von Pädagogik keine blasse Ahnung habe», treten hauptsächlich als Erzieher auf und suchen sich, um dem eigenen lieben Ich zu schmeicheln, nach außen hin mit Ruhm zu bekleckern. Will das Geschäft nicht gehen, so produzieren sie sich als „Jdeenschöpfer", gründen Konferenzabende, veranstalten ErziehungS- anSstellnngen und ähnlichen reklamehaften Firlefanz. Bloß den Ehrgeiz befriedigen, sich in möglichst helle Beleuchtung stellen und als Er- ziehnngSmessiaS brillieren— alles andere kommt dann beinahe von selbst. Denn unsere kreuzfidele bürgerliche und aristokratische Ge« sellschaft läßt sich ja, wo eS eine neue Art des Wohltätigkeitssports zu betreiben gilt, nur zu gern und dreist am Angelhaken der ab- gedroschenen christlichen Nächstenliebe einfangen. Man sollte mit diesem Erziehungsköder der Welt der Bedürftigen endlich vom Leibe bleiben. Wenn erst mal unsere gesamten Lebensverhältnisse von Grund auf geändert sind, ist das Volk selbst Erzieher genug und pseift auf die sich jetzt ins-warme Nest setzenden modernen Mensche»" beglücker._ Die neue GoükowSkydriicke, welche die Spree im Zuge der Gotzkowskystraße überspannt, und über die bereits seit etwa 14 Tagen die Straßenbahn geleitet worden ist, ist dem Verkehr übergeben worden. Dannt wird die alte, in den Jahren 1886— 1883 erbaute hölzerne Brücke, die auf polizeiliche Anordnung seit einigen Monaten nur nock dem Fußgängerverkehr dienen darf, ganz außer Betrieb gesetzt und binnen kurzem verschwunden lein. Die neue Brücke überspannt die Spree unter einem rechten Winkel mit flußeisernen Bogen von 50 Meter lichter Weite. Die Fahrbahn ist 15 Meter breit mit beiderseitigen Bürgersteigen von je 4,70 Meter nutzbarer Breite. Unter den Granitplatten des BürgersteigeS haben zahlreiche Rohr- und Kabelleitungen Platz gesunden. Die niedrig- gelegene Promenade am Wikingerufer ist an den Bürgersteig der Brücke durch Stufen angeschlossen, welche durch eine zurzeit noch nicht fertiggestellte portalartige Ueberbauung des Podestes mit der Brnckenarchitektur in Verbindung gesetzt wird. Die übrigen drei Ecken der Brücke sind mit Schmuckpfeilern ausgestattet worden. Auf diesen Pfeilern werden später plastische Bildwerke, Wassertiere darstellend, zur Aufstellung gelangen. Wegen der polizeilichen Sperrung der alten Holzbrücke für Fuhr« werke mußte die neue GotzkowSky-Brücke so schnell als möglich dem Verkehr übergeben werden und eS konnte daher nicht abgewartet werden, bis die Brücke in ihrem architektonischen Schmuck fertig gestellt ist. Die Verblendung der Widerlager sowie die Aufbauten sind aus Kirchheimer Muschelkalk hergestellt. Die Baukosten betragen rund 600 000 M. Warnnug vor dem Schießen bei Kinderfeste». In einem Haft- Pflichtprozesse wurde auf etwa 20 000 M. Schadenersatz erkannt. weil bei einem Kinderfeste einem Schüler durch die Unvorsichtigkeit eines anderen durch einen Schuß mit einem Pustrohr ein Auge schwer verletzt lvorden war. ES sind ans dem letzten Jahre noch andere Fälle bekannt geworden, bei denen gleichfalls gelegentlich deS Kinderfestes Kinder durch Schusse verwundet worden sind. Die Leidtragenden sind in allen Fällen außer den Kindern die Lehrer gewesen. Angesichts der großen Gefahren, die das Schießen im Gefolge haben kann, macht der.Geschäftsführende Ausschuß des Deutschen LehrervereinS" allen Lehrern den Vorschlag, in Zukunft jede Art des Schießens auf Kinderfesten gänzlich abzuschaffen, wenn nicht die Schulgcmeindcn ausdrücklich die Haftung für etwaige Unglücksfälle übernehmen. Die öffentlichen Wasserleitungen haben zurzeit einen schweren Stand. Die Anforderungen an dieselben steig crn sich während der großen Hitze ins außerordentliche. So haben udic Berliner Waffer- werke aus ihren Werken in Friedrichshagen nd Tegel am letzten Sonnabend 266 000 Kubikmeter, am Sonntag 207 000 Kubikmeter, am Montag 255 000 Kubikmeter, am Dienstag 257 000 Kubikmeter, am Mittwoch 277 000 Kubikmeter und am Donnerstag 275 000 Kubik- meter nach Berlin und den an das Berliner Rohrnetz angeschlossenen Vororten geliefert und diese Zahlen dürften sich noch steigern. Sie haben allerdings»och nicht den vorjährigen höchsten Tagesverbrauch erreicht, der 296 000 Kubikmeter am 11. Juni betrug. Dies ist aber nur dem Umstand zuzuschreiben, daß die diesjährige Hitzeperiode in die Schulferien fällt, während welcher ein großer Teil der Berliner in den Bädern und auf dem Lande weilt. Wäre die Berliner Lepölkerung zurzeit vollzählig, würde der Wasserverbrauch während der heißen Tage sicher schon Über 300 000 Kubikmeter gestiegen sein. Ein Wassermangel ist aber trotz der großen Inanspruchnahme nicht zu befürchte». Zwar sind die Schwierigkeiten, mit denen die Wasserwerke zu kämpfen haben, doppelte. Auf der einen Seite sollen sie außergewöhnlich hohe Mengen liefern, auf der anderen Seite verringert sich der Grundwasserstrom, aus dem die Werke schöpfen, durch die große Entnahme und kann sich während der großen Dürre nur langsam ergänzen, so daß die Grundwasserstände dauernd sinken. Die Berliner Werke haben aber für den Notfall noch eine Reserve an dem Wasser deS Müggelsees, das zurzeit noch aushilfsweise für die Wasserversorgung Berlins mit herangezogen wird und. wenn für gewöhnlich auch nur in geringem Maße, bei dem hohen Bedarf vorübergehend etwas mehr in Anspruch genommen werden muß. Danach ist zu hoffen, daß auch die diesjährige heiße Zeit ohne Störungen in der Wasserversorgung unserer Bevölkerung vorüber- gehen wird. Die großen Hitzeperioden, die anscheinend jetzt alle Jahre wiederkehren werden, haben die Stadt Berlin veranlaßt, den Ausbau ihrer Wasserwerke, der zivar schon längst als notwendig erkannt ist, bei dcni Stillstände der Bevölkerungsziffer während der letzten Jahre aber noch zurückgestellt werden konnte, nunmehr flotter zu betreiben. Zurzeit sind die städtischen Wasserwerke mit Erweiterungsbauten auf den älteren Werken und an den Rohrstränge» derselben, die zum Teil noch in diesem Sommer fertig werden sollen, beschäftigt. Vor allen Dingen soll aber, wie wir hören, der Neubau des geplanten neuen Wasseriverks in der Wuhlheide, nachdem der Kauf der Heide nunmehr abgeschlossen ist, energisch in Angriff genommen werden. Die Entwürfe liegen gegenwärtig der Deputation der städtischen Wasserwerke zur Prüfung vor und werden voraussichtlich der Stadt- vcrordnctenversammlung alsbald nach Beendigung der Ferien, An- fang September, zur Genehmigung vorgelegt werden, so daß»och in diesem Herbst mit der BauauSsnhrung wird begonnen werden können. Wegen KmitionSschwindelS hat die hiesige Kriminalpolizei gestern morgen in Riedcr-Schönhausen den angeblichen Zivilingenicur Karl Zareniba verhaftet. Zaremba, der schon wiederholt bestraft ist, gründete dort in der Eichcnstr. 75 eine kleine Fabrik für verbesserte PneuniatikS. Seine Tätigkeit beschränkte sich aber im wesentlichen darauf. Werkmeistern und anderen Leuten möglichst hohe Kautionen abzunehmen. Zaremba hatte früher in Steglitz einen ähnlichen Betrieb und wurde für seine Machenschaften dort zu neun Monaten Gefängnis verurteilt.— Um auf freiem Fuße zu bleiben, legte er gegen das Urteil Revision ein und kaufie unterdessen mit einer geringen Anzahlung daS Grundstück Cichen- strafe 65. Hier sollte nun sein Universal-Pneumatik, eine kombinierte Bereifung ohne Luft und Schlauch hergestellt werden. Der Unter- nehmer schaffte sich schone Bmfboge» mit dem Ausdruck Karl «c K> Zar�mba, Unibsrsal-Pneumatik D. R. P. u. D. R. G. M. an, nur anz klein stand dahinter ein a. Die geschäftsunkundigen Leute, onditoren, Schuhmacher, Schneider usw., denen garemba das Geld ablockte, merkten gar nicht, daß das Patent nicht bestand, sondern nur angemeldet war. Er versprach ihnen, daß er sie ausbilden und später als Filialleiter anstellen werde. Sein Unternehmen werde eine große Gesellschaft mit Zweiganstalten im ganzen deutschen Reiche werden. DaS Berliner Wetterbureau hat auf Anfrage eines hiesigen Blattes folgende Auskunft über die Temperaturverhältnisse er- teilt:„Nach den angestellten Beobachtungen hat die Hitze im ganzen Reich heute(Freitag) und gestern noch etwas zugenommen. Die höchstgcmcldctc Temperatur betrug gestern zu Grünberg in Schle- sien 36 Grad Celsius, und heute früh hatten Aachen und Bamberg schon um 8 Uhr morgens 27� Grad Celsius. Die Gewitter waren gestern seltener geworden.>sie haben sich im wesentlichen auf die Provinzen Ostpreußen, Westprcußen, Hmterpommcrn und den Regierungsbezirk Blomberg beschränkt, aber keine bedeutenden Regen- mengen gebracht. Die Bedingungen für das Auftreten der Trocken- heit und Hitze haben sich keineswegs vermindert, so daß ihr Ende noch nicht abzusehen ist. Es ist aber wahrscheinlich, daß wenigstens in der östlichen Hälfte des Landes etwas frischere Ostwinde auf- treten werden. In diesem Fall würde die Hitze mit geringerer Schwüle verbunden und daher leichter als bisher zu ertragen"sein. Allerdings würden ihre Folgen wegen der stärkeren Austrocknung des Bodens und wegen der weiteren Erniedrigungen der Wasserstände besonders in den östlichen Flußgebieten noch verhängnisvoller sein Für die Bewohner der Großstädte ist die Hitze aber bei frischeren östlichen Winden nicht so unangenehm wie hei der bisherigen Windstille. �' In Berlin würden heute Freitag mittag um 1 Uhr bereits 3054 Grad Celsius gemessen, das heißt einen halben Grad mehr, als gestern um dieselbe Zeit. Die höchste Temperatur war gestern 80,9 Grad und dürfte heute noch etwas höher werden. Ein aufregender Vorfall, der durch die Hitze verursacht wurde, ereignete sich gestern vormittag auf dem Bahnhof Schöneberg. Dort wurde der aus dem Perron stehende 21jährige Schlosser Erich Stabenow aus der Wildcnbruchstr. 83 in Rixdorf plötzlich von einem Hitzschlage betroffen und stürzte ohnmächtig zu Boden. Der Er krankte fiel so unglücklich, daß er mit den Beinen auf den Bahn körper zu liegen kam, auf dem vom Potsdamer Bahnhof her ein Südringzug herannahte. Der Verunglückte wäre unfehlbar über fahren worden, wenn nicht im letzten Augenblick zwei beherzte Augenzeugen dcS Vorfalls hinzugcsprungen und den jungen Mann unmittelbar vor der heranbrausenden Lokomotive auf den Bahnsteig hinaufgezogen hätten. Unter den Bemühungen mehrerer Bahn> beamter erholte sich der Erkrankte bald und konnte mit demselben Zuge, der beinahe sein Verhängnis geworden wäre, die Fahrt nach Rixdorf antreten. Er wurde dann von Passagieren der elterlichen Wohnung zugeführt. Ein Opfer der Hitze ist der 24 jährige Straßenreiniger Franz Modrow aus Charlottenburg geworden. Als M. gegen 1/i6 Uhr nachmittags in der Sömmeringstraße beschäftigt war, wurde er plötzlich von einem Ohnmachtsanfall ergriffen und sank zu Boden. Von Arbeitskollegen wurde der Erkrankte nach dem Westender Krankenhause gebracht, wo festgestellt wurde, daß der Straßen reiniger einen Hitzschlag erlitten hatte. Trotz sorgfältigster ärztlicher Behandlung verstarb Modrow einige Stunden uach seiner Einlieferung, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Bootsnilfall. Gestern abend gegen 7 Uhr kenterte auf dem S ch l a ch t e n s e e ein vou zwei Personen besetzte? Ruderboot. Beide Insassen, ein etwa Zöjähriger Mann und ein 20jShrigeS Mädchen ertranken. Die sofort vorgenommenen RettungSver suche blieben ohne Erfolg. wurde der Firma Lange in Pankow übertragen. Hierauf folgt« eine nicht« Mit wertlosen 10 Dollarnoten beschwindelt ein Gauner die Pförtner hiesiger Hotels. Er gibt ihnen Noten des Staates Rich- mond zum Wechseln, die längst außer Kurs sind. Der Gauner ist etwa 35 Jahre alt, untersetzt, mittelgroß und bartlos, hat dunkci blondes Haar und trug bis jetzt einen dunkelblauen Jackettanzug und einen kleinen weißen Strohhut. Aufgefundene Kinderlciche. Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 27. d. M. wurde aus der Spree vor Neu-Cölln am Wasser 16 die Leiche eines nackten etwa 14 Tage alten Knaben gelandet. Sie war in einen Leinwandlappen ohne Zeichen, in die Nr. 369 der HandelSzeitung und dann in ein Stück braunes Packpapier gebunden und mit einem Bindfaden umschnürt. Die Leiche kann nur einige Tage im Wasser gelegen haben und es sind äußere Verletzungen an ihr nicht bemerkbar. Etwaige Personen, welche über die Mutter des Kindes nähere Angaben mache» können, wollen sich damit an ein Polizeirevier oder an das Polizeipräsidium. Zimmer 330 zu 33. 18. IV. 55. 11. wenden. Einen grausigen Fund machten vorgestern nachmittag ztvei Knaben, die an der Pankower Grenze in der Panke fischten. Sie stießen hierbei auf die Leiche eines neugeborenen Knaben und brachten sie zur Polizei, die sie beschlagnahmte.— In der Pumpstation in der Carmen Sylvastraße wurde die Leiche eine? neugeborenen Mädchens angeschwemmt und geborgen. Zeugen gesucht. Personen, die am 21. Juli, morgens zwischen Ve9- Va9 Uhr an der Prinzen« und Ritterstraße den Straßenbahn� unfall bemerkt haben, bei dem eine Frau von dem Anhängewagen der Linie 35 überfahren wurde, werden um Abgabe ihrer Adressen an Max Hellmundt, Ritterstr. 107, vom II links gebeten. Vermißt. Seit dem 26. Juni cr. wird vermißt der Arbeiter Friedrich Witt, an, 3. November 1886 zu Wolgast geboren, zuletzt Zinzendorfstraße 6 wohnhaft gewesen. Er ist 1,63 Meter groß und untersetzt, hat dunkelblondes Haar und Schnurrbart, braune Augen und frisches Gesicht. Witt trägt graue Sportmütze, braunes Jackett, blaue Weste und Hose, weißleinenes Hemd, blaues Vorhemd, graue Strümpfe und schwarze Schnürstiefel. Personen, welche Angaben über den Vervleib des Vermißten machen können, wollen sich bei der Kriminalpolizei, Polizeipräsidium. Zimmer 346, melden, oder ihre Wahrnehmungen zu Nr. 2733 IV. 53. 11 einem Polizeirevier mitteilen._ Vorort- Nacbricbtem Rixdorf. Der Schwimmklub„Vorwärts" Rixdorf, M. d. A.-Schw.-B., der- anstaltet am Sonntag, den 30. Juli, nachmittag« 3V, Uhr. ein Schwimmfest in der Kortschen Badeanstalt(früher Slolzenburg), Canuer Chaussee. Es werden zu diesem Feste alle Freunde des Schwimmsports freundlichst eingeladen. Blankenburg(Mark). Erschossen hat sich gestern früh in den städtischen Kleingärten der Oberpastschaffner Baumann aus Frz. Buchholz. Aus einem an seine Ehefrau gerichteten Briefe ist der Grund zu dem Schritt in einem langwierigen Leiden zu suchen. Nieder« Schönhausen. In der letzten Gemeiudevertretersitzung machte der Bürgermeister die Mitteilung, daß an den Gemeindevorstand von dem Gemeinde« Vertreter Beck»e sowie von der Lehrerschaft je ein Schreiben ringe« gangen sei. Beide Schreiben beziehen sich auf die in der letzten Sitzung behandelte Lehrerbesoldmig. Der Gemeindevorstand werde zu diesen beiden Sckrctben Stellung nehmen und sollen sie dann der nach- sten Gemeindevertretersitzung zur Erledigung unterbreitet werden. Für den Schulhausbau der höheren Mädchenschule sowie zur Erweiterung des Wasierwerks wurde die Aufnahme einer Anleihe im Betrage von 410000 M. beschlossen. Auf Antrag der Mitteldeutschen Kreditbank wurde dieser für die Annahine der Steuern eine Entschädigung von 1 Prozent bewilligt. Die Vergebung der Zimmerarbeiten für den Neubau der zum Preise von 24 800 öffentliche Sitzung. Mühlenbeck. Vom Rentier zum Bettler. Der 77 jährige frühere Rentier Sirosser wurde vorgestern früh in seiner Wohnung tot auf- gefunden. Weil die Todesursache ärztlich nicht festgestellt werden konnte, wurde die Leiche polizeilich beschlagnahmt. St. ist in Ver- mögenSverfall geraten, ohne daß genauer festgestellt werden kann, wo das Geld geblieben ist. Charakteristisch ist für seine Wirtschafts. weise, daß er vor zirka 4 Jahren von Berlin der hiesigen Gemeinde mit einem steuerpflichtigen Vermögen von 80 000 M. überwiesen wurde und vor zirka 8 Wochen den Antrag auf Amwuunterstützung einbrachte. Spandan. Diebstähle im Spandauer Kraukenhaus. Unter der Maske eines Malermeisters hat gestern ei» bisher unbekannt gebliebener bube am hellen lichten Tage umfangreiche Diebstähle verübt. Der Verbrecher ging mit ganz ungewöhnlicher Dreistigkeit zu Werke und hat mit großer Sachkenntnis nur die wertvollsten und leicht ver- äußerlichen Gegenstände gestohlen. Gegen Uhr nachmittags tauchte im Gebäude des Krankenhauses ein gutgekleideter Mann im Alter von 35 bis 40 Jahren auf, der sich mit größter Sicher heit bewegte und deshalb bei niemand Verdacht erregte, um so weniger, als von zwei bis drei Uhr im Krankenhause Besuchszeit ist und sich viele fremde Personen im Hause befanden. Der Fremde suchte alle von den Aerzten, Schwestern und sonstigen Angestellten der Krankenanstalt bewohnten Räume auf, stahl auS den Zimmern, in denen sich niemand befand, alle ihm erreichbaren Wertsachen, wie Taschenuhren, Ketten. Manschettenknöpfe, goldene Kneifer, die ver. goldeten Kruzifixe der Schwestern und vor allem bares Geld. Wurde er in einem Wohnraum von einem Angestellten betroffen, so stellte er sich in größter Ruhe und Gelassenheit als der Herr„Maler. meister" vor, der gekommen sei, um vor Ausführung der ihm über tragenen Arbeiten, die einzelnen Zimmer in Augenschein zu nehmen. Das außerordentlich sichere Auftreten des Mannes und sein Vertrauenerweckendes Aeußere verschafften dem angeblichen Maler. meister überall Zutritt. Nach etwa einstündigem Aufenthalt im Krankenhause entfernte er sich unter liebenswürdiger Verabschiedung von dem Hausinspektor. Als kurze Zeit darauf Aerzte und An. gestellte verschiedene Gegenstände vennißten, schöpfte man gegen den Malermeister Verdacht und erstattete Anzeige bei der Kriminalpolizei Diese ließ sofort die Bahnhöfe beobachten, doch ist eS bisher nicht gelungen, den frechen Gauner zu ermitteln. Jugendveranftaltungea. Die Arbeiterjugend der westliche« Bororte veranstaltet am kommenden Sonntag einen gemeinsamen Ausflug nach Zehlendorf. Treff. Punkt daselbst zwischen 2'/, und 3 Uhr im Lokal.Zur Rennbahn'(Jnh schwarz). Alsenstr. 56. Rege Teilnahme seitens der Jugendlichen sowohl wie der Erwachsenen erwartet Die Leitung. Gcricbta-Zeitung. Müssen Eltern ihre Kinder an sonntäglichen Schulfeiern teilnehmen lassen? Der Gastwirt Bärsch aus Mintenbeck hatte einen Strafbefehl in Höhe von 2 Ml erhalten, weil er sein Kind an einer Gesangs und Deklamationsfcier nicht hatte teilnehmen lassen, die von der Schule in einem Wirtshaus arrangiert war. Er sollte dadurch eine gegen Schulversäumnis gerichtete Regierungsverordnung vom Jahre 1891 übertreten haben. DaS Pankower Gericht sprach ihn, wie unsere Leser sich entsinnen, im Mai frei. DieS Urteil ist jetzt von der Strafkammer des Landgericht» III bestätigt. Die Frei- prechung entspricht der Vorschrift des K 45 II 12 des Allgemeinen Landrechts, nach der an Sonntagen nur in Notfällen Unterricht erteilt werden soll, und einer älteren Entscheidung des Kammer- gcrichts. Das wegen vermeintlichen Frevels einer schuld!haften Schub Versäumnis zu Unrecht eingeleitete und weiter geführte Verfahren hat das originelle Ergebnis gezeitigt, daß 430 Schulstunden auS ielen. Zu beiden Terminen mußte nämlich der Lehrer als Zeuge erscheinen. Es fielen deshalb die fünf Unterrichtsstunden für die 43 Schulkinder jedesmal aus. Die Schuld dafür, daß 430 Schul- tunden ausfallen mußten, weil ein Vater mit Recht abgelehnt hatte, fein Kind an einem sonntäglichen Klimbim teilnehmen zu lassen, fällt auf die Schulverwaltung und die Staatsanwaltschaft. Bei dieser Gelegenheit möchten wir die in Schulsachen in diesem Falle so leicht mit Unrecht verfolgende Staatsanwaltschaft ragen, ob endlich gegen die Beamten des Provinzialschulkollcgiums Anklage erhoben ist, weil diese unter Strafandrohung den Turn Unterricht an Jugendliche verbot und dadurch nach der bekannten Entscheidung des Reichsgerichts die objektiven TatbestandSmerk- mal- eines Amtsmißbrauchs und einer Erpressung sich schuldig ge> macht haben. Der Gerichtshof im„Polizei-Kientopp". Ein..Kientopp-Herrenabend" bildete den Gegenstand einer Verhandlung, welche gestern unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Nnger die 3. Ferienftrafkammer des Landgericht» I beschäftigte. Angeklagt wegen Verbreitung unzüchtiger Abbildungen waren der Inhaber eines KinematographentheaterS Willi Kremkau, der Mecha« niler Max Homuth, der Kaufmann Gustav Kliuger und noch drei Angestellte bis zum Klavierspieler hinab.— Der Angeklagte Homuth betreibt in der Wiclefstrahe ein Kinematographentheater, in welchem nach der ordentlichen Vorstellung um 11 Uhr„Herren- Vorstellungen" stattfanden. Diese Veranstaltungen, welche angeb- lich den Charakter einer geschlossenen Gesellschaft tragen sollten, da der Eintritt, der 1 M. betrug, nur gegen Visitenkarten des Ange- klagten Klinger möglich war, wurden bald bekannt und hatten einen großen Zulauf. Eines Abends, als gerade„die Toiletten. geheimnisse einer Pariserin" auf der Leinwand gezeigt wurden, fand das ganze Vergnügen dadurch ein plötzliches Ende, daß der anwesende Kriminalwachtmeister Raupsch die Films beschlagnahmte Es waren dies Films, welche die vielversprechenden Titel trugen Die Hofdamen im Bade",„Hochzcitsnacht",„Der Maler und ein Modell" usw.— Da sich in der unter Ausschluß der Oeffent- lichkcit geführten Verhandlung die Notwendigkeit ergab, den Pro- zeßbcteiligtcn die beschlagnahmten Films-6 oculos vorzuführen. begaben sich die Mitglieder des Gcrichts, Staatsanw.-Rat Heinz- mann und der Verteidiger der Angeklagten, Rechtsanwalt Dr. Bode, in Automobilen nach dem von der Zensurbchörde eingerichteten kinematographischcn Vorführungsraum in dem Polizeipräsidium. Hier fand nun eine wirklich„geschlossene Herrenvorstellung" statt, zu welcher niemand außer den-Prozeßbeteiligten Zutritt hatte.— Die Verhandlung, die dann in dem Moabiter Kriminalgericht fort- gesetzt wurde, endete mit der Verurteilung der Angeklagten. Homuth wurde zu 100 M., Klinger zu 50 M. und die übrigen An- geklagten zu je 30 M. Geldstrafe verurteilt. Früchte der Fürsorgeerziehung. Gestern hatten sich mehrere Fürsorgezöglinge bor Moabiter Strafrichtern als Einbrecher zu verantworten. Vor der 4. Ferien. straskammer dcS Landgerichts I war der 19jährige Scilcrlchrling Gustav Krämer wegen wiederholten schweren und einfachen Dieb. tahls und Bedrohung angeklagt. Der Angeklagte war wegen Ver. Übung verschiedener Straftaten der Fürsorgeerziehung überwiesen. Aus der Anstalt riß cr aus und wanderte zu Fuß nach Stettin, wo er einen Einbruchsdiebstahl verübte. Er kam dann nach Berlin, wo er mchpepx WphnungScinbrsiche noch Art der„Niogel- fahret" verübte. Am 28. April£ I. klingelte Set Angeklagte an der Wohnungstür einer Frau Wendland. Den allein in der Woh- nung befindlichen Kindern der Frau erklärte er. nachdem er cr- fahren hatte, daß„Mutter nicht da" sei, daß cr„von der Ver- sicherung" komme. Die Kinder ließen ihn auch ruhig in die �3oy- nung hinein, wo sich der Angeklagte an den Spinden zu schaffen machte. In diesem Augenblick kam die Frau W. zurück. Der Ein- brechet erklärte der Frau gegenüber, daß er von der Versicherung komme. Frau W. schöpfte jedoch Verdacht und forderte den Ange- klagten auf, mit zur Polizeiwache zu kommen. Auf der Straße drohte er plötzlich der Frau, sie über den Haufen zu schießen, wenn sie Hilfe rufen würde und ergriff die Flucht. Er wurde jedoch von Passanten eingeholt und der Polizei übergeben.— Das Gericht verurteilte ihn dem Antrage des Staatsanwalts gemäß zu 9 Monaten Gefängnis. Zwei entsprungene Fürsorgezöglingc, die mchr-re Villenern- brüche verübt hatten, um das Reisegeld nach Amerika zu erlangen. mutzten sich zu gleicher Zeit vor der 3. Ferienftrafkammer des Landgerichts III verantworten. Angeklagt waren die Fürsorge- zöglinge Franz Swicder und Max Urban. Beide waren wegen früher verübter Straftaten einer Fürsorgeerzicbungsanstalt in Westfalen überwiesen worden, aus der sie eines Tages flüchteten. Nachdem sie sich das nötige Reisegeld zusammengestoblen hatten, kamen sie nach Berlin, um hier in der Umgegend Villencinbrüche zu verüben. In einer Villa in Zehlendorf erbeuteten sie 100 M., in einer Villa in Friedenau fielen ihnen 200 M. Bargeld in die Hände.— Vor Gericht beantragte Staatsanwalt Jonas gegen Urban 1 Jahr 9 Monate und gegen Swieder 9 Monate Gefängnis. Urban bat das Gericht, ihn doch wenigstens zu 2 Jahren Gefängnis zu verurteilen, damit er nicht nochmals in eine Zwangserziehungs- anstatt komme. Das Gericht verurteilte ihn nur zu 7 Monaten Gefängnis, nach deren Verbützung er wieder der Fürsorgeerziehung überwiesen wird. Swieder wurde zu 3 Monaten Gefängnis ver- urteilt. � Auch der eifrigste Befürwortet unseres heutigen Fürsorge- shstems wird nicht behaupten können, daß die verübten Straftaten eine bessernde Wirkung der Fürsorge verraten. Ein System, das den sozialen und sittlichen Gründen der Verfehlungen nicht nachgeht und diese Quellen nicht zu verstopfen sucht, muß notwendig er- folglos bleiben, ja geradezu für neue Verfehlungen die Basis geben. Wenn ein hoher Prozentsatz der Fürsorgezöglinge sich nach der Entlassung einwandssrei hält, so ist das ein Resultat, das trotz der Fürsorgeerziehung nicht infolge derselben eintritt. Ein System, wie das durch den Prozeß gegen die Blohmesche Wild- nis, den Pastor Breithaupt, der Mielczyner Hölle und andere Anstalten gekennzeichnete ist ein Verderb für die Kinder und die Allgemeinheit. Nur eine völlige Aenderung des Systems— es gibt ja einzelne schon heute gut geleitete Anstalten— kann darin Aenderung schaffen, daß das Fürsorgesystem, statt geistig, sittlich oder körperlich in der Erziehung vernachlässigte Kinder zu bessern und die Mängel ihrer Erziehung zu beseitigen, die geistig, sittlich oder körperlich Verwahrlosten noch tiefer jns Elend, stößt. Der Bock als Gärtner. Wegen schweren Diebstahls in zwei Fällen ist am 8. Juni vom Landgericht I in Berlin der Wächter der Wach- und Schließ- gesellschaft Ferdinand Meyer zu 1 Jahr 6 Monaten Zuchthaus verurteilt worden. Der Kaufmann B.. der in der Friedrich- straße eine Weinhandlung und Bodega betreibt, bemerkte im Fe- bruar und März mehrmals, daß seine Weinfässer angebohrt und die Bohrlöcher wieder geschlossen waren. Es war Wein in größerer Menge auS den Fässern gestohlen worden. Gegen Ende März wurden ihm auch mehrere Flaschen Sekt, Eicrkognak und Ungar- wein gestohlen. Das war ihm um so unbegreislicher, als das Grundstück von der Wach- und Schließgesellschaft bewacht wurde. Schließlich beauftragte er einen Angestellten G., sich nachts auf die Lauer zu legen. In der zweiten Nacht entdeckte dann G.. daß der brave Wächter, nämlich der Angeklagte, selbst der Dieb war, der wieder einen Einbruch vorhatte. Die Durchsuchung der Woh« nung de« Angeklagten ergab ein reich assortiertes Weinlager, insbesondere fanden sich dort auch die Flaschen wieder, welche dem Kaufmann B. gestohlen waren. Zwei Bohrer, die ebenfalls beim Angeklagten gefunden wurden« paßten genau in die Bohrlöcher der Fässer des B. Die von dem Angeklagten eingelegte Revision wurde gestern vom Reichsgerichte als unbegründet verworfen." Allgemeine Kranke«- und Tterbekaffe der Metallardeiter iE. H. 29, Hamburg). Filiale Baumjchulenweg. Sonnabend, 29. Juli, abends 8'/, Uhr, im Lokal von Käding, Baumschulenstr. 87: Mit» gliedervcrsammlung. Tagesordnung: Bericht von der Generalversammlung. Fretreligidse«emetnde. Sonntag, den R>. Juli, vormittags 11 Uhr: Kleine Frantjurter Str. 6: Vortrag von Herrn SS. Trojan;.Bedeutung des Sonntags In alter und neuer Zeit.' Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. «ranken,«nd«egräbniSkaffe chirurgischer Jnstrumentenmacher. «andagisten«ud«erufSgenoffen. E. H. 55»u Berlin. Sonnabend. 29. Juli, abends 8'/, Uhr: Generalversammlung bei Hummel, Sophien- traße 5. Marktpreise von Berlin am 87. Juli 1S1I, nach Ermittelung drS- Königlichen Polizeipräsidiums. Markthailenp reise.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,00—50,00. Speiscbohnen. weiß« 80,00—60,00. Linsen 20,00—60,00. Kartossein 11,00—16,00. 1 Kilo» gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2.40. Rindfleisch, Bauchfleisch i.m >i» 1,70. Schweinefleisch 1,20—1,80. Kalbfleisch 1,40—2,20. Hammelfleilch 1.60—2,30. Butter 2,20-2,80. 60 Stück Eier 3,00-4,80. 1 Kilogramm Karpfen ILO— 2,40. Aale 1.70—3,20. Zander 1.60—3,60. Hechte 1.40 bis 2,80. Barsch« 1,00—2,00. Schlei« 1,40-3,50. Bleie 0,80—1,60, 60 Stück Krebs« 2,00—36,00._ «Sittr-nngSüberftcht dem«8. Juli 1911. Bttta Swinemd», : Hamburg stanfl.aBt. Di in Bim achev 768 Still 768 SO 767 O 766 NO 764 NO 766 SO Iwoltenl 2 wolle»! 1 wollen! 1 halb bd. 1 heiter 2woll«nl t*K e* 1 wi Cta&mtn aranda rSbura Scillh Abervern Paris 5 a (B— Bf 772 SO 771910 761 SSO 760 SSW 763 S Bettn "P C-« t* is 2wollenl 18 1 heiter{ 3 wolkig| 2 wollig 1 Iroolkeiilf 14 17 18 24 Wetterprognose f*t Sonnabend, den 29. Juli 1911. H->k> vorwiegend heiter bei mäßigen östlichen Winden: Gewitter nicht lgeschloffen, sonst trocken. Berliner Actterbnreau. 8oiisIi!Ml»m»tl5c!ierVMsei,iii ckoo 8. Berl. Reiolislags-Walilkrelses. Tortcs-Anroige. Am Donnerstag, den 27. Juli. verstarb unser Genosse, der Steinträger Msx Urban KöSIiner Str. 21. Ehre seinem Andenken i Die Beerdigung findet am Sonntag. den 30. Juli, nach. mittags 3 Uhr. von der Halle des DanleS> KirchhoscS in Reinicken. dors-West, Blantcstraße, aus statt, Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. iffestansTramasaziii Extra- Abteilnnic 1 1. Gesch.: Berlin W., Mohron- StraOo37a(2. Haus von der Jerusalemer StraBe). | II. Gesch.; Berlin NO.. GroBo Frankfurt.Slr.115(2. Haus von der AndreasstraDe). 1 Sohrgr. Ausw. fert. Kleider, J Hüte, Handschuhe, Schleier leto. v. einfachsten bis zum | hochelegant Genre z.UuOorst niedrigen Preisen. Sonder- Abtoilung: IBaOanfcrtlgans in 10 bis 12 Stunden. Cingegangene Druchrcbrifteni Geschäftsbericht des Gauvorsiaudes der Tozialdemorrati!che>» Partei Nordbayeruö. Vom 1. Juli 1809 bis 30. Juni 1911. bl S. Selbstverlag in Nürnberg. Ärdeiter-Stenogtapheu-Shstem Gavelsberger. Nr. 7/s. Organ des Zlrbciter- Stenographcnvereins.GabelSberger". Erscheint monatlich. Expedition F. Stubianel, Wien VIl. Sozialversichcriiiig von Pros. Dr. A. ManeZ.(Sammlung Göschen). Geb. 80 Ps. G. I. Göschen, Leipzig. Das Programm des Zionismus. Von R. Lichiheim. Heraus. gegeben von der Zionistischen Vereinigung sür Deutschland". 30 Ps. Berlin- Charlottcnburg. „Die Grundlehrcn der Naturheilknnde« von A. NM. 2 M. W. Möller, Oranienburg. »»«»»»»»»««»««»v»«»» Ihrem Genossen 008 IL > M.Mecliu rri.Gürtr.&szw;; , die herzlichsten Glückwünsche «S zu ihrer Vermählung. � Dio Genossen und Genossinnen J des 693. Bezirks, 6. Kreis. Todes-Anzeigen| SozialdemokratlselierWaliliferelii des 6. Bert. ReiEhstags-Walilkreises. Todes- Anzeige. Am 27. Juli verstarb unser Genosse, der Schneider Fritz Weise Fehmarnstr. 3. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag» den 30. Juli, nach- mittags 12'/, Uhr, vom Virchow- Zlrnnlcnhausc aus nach dem Nazarrth-Nirchhos, Rcinickendors- West statt. Um rege Beteiligmig ersucht Dee Vorstand. Hierdurch die traurige Nach- I richt, datz unsere liebe gute Mutter | und Schwiegermutter, Frau iaüse Simon geb. Reschke nach langem schweren Leiden am 25. Juli, abends 10'/, Uhr. sanst entschlascn ist. Die Beerdigung ist am Sonn- tag, den 30. Juli, nachmittags 5'/, Uhr, aus dem Gemeinde- sriedhose in Weitzensee, Rölcke- strahe. LOSOL Dies zeigen tiesbetrübt an Utre TUchter, Hohn and Schwiegersohn. SozialdemokratisehJahlrerelD Bezirk Veißensee. Unseren Genossen zur Nachricht. dafi unser Mitglied, die Genossin Luise Simon nach langer Kranlheit verstorben ist. 18/5 Wir werden ihr immer ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 30. Juli, nachmittags 5'/, Uhr, von der Halle des Gc- mcinde-FriedhoseS zu Weihensee, Rölckestrahe, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Bezirksleitung. Todes-Anzeige. Nach langen, schweren Leiden verstarb unsere langjährige Mit- arbcitcrin und Nollegin, die Zeitungsausträgerin Frau Luise Simon im Alter von 47 Jahren.— Sie hat 9 Jahre im Dienste der Filiale Weisienjee ihre schwere Tätigkeit als ZeitungSauSIräaerin Seite au Seite mit ihren Kolleginnen aus- geübt und war ein Muster an Pünktlichkeit und Gewisscnhastia» keit. Wir bedauern tics ihr Ab- leben und ivcrden ihr immer ein kollegiales und dankbares An- denken bewahren l Die ZeitungsaustrBgerinnen und die Geichättsleitung der Filiale WeiBensee. 60792 Die Beerdigung ersolgt am Sountag, den 30. Juli, nachm. 5'/, Uhr. von der Leichendalle de» Gemeinde-Friedhoses, Rölcke- ftrasje in Weihensee, aus. Mclw Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht. dag unser Mitglied, der Klempner Peter Wodskau am 26. d M. an Lungenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 29 Juli, nach. mittags 4 Uhr. von der Leichen- Halle de» FriedhoseS in Marzahn ans statt. Ferner starb unser Mitglied, der Klempner Lnist Weißhuhn. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 30. Juli, nach- mittag« 4 Uhr. von der Leichen- Halle des lücmctndc-Friedhoses in EggerSdors bei Strausberg aus statt.*20/1® Ehre ihrem Andenke»! Rege Beteiligung erwartet Die ertsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Kollege, der Polierer knmo Bernert am 25. Juli gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Sonnabend, den 29. Juli, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Halle des Markus-Kirchhoscs in Wil- hclmsberg aus statt. 86/6 Um rege Beteiligung ersucht Tie Lrtsverwaltnng. Wand der M- und Steindniekerei- Hillsarbeiter u. Arbeiterinnen Deutseblands. Ortsverwaltnng Berlin. Am Dienstag, den 25. Juli, starb nach kurzem Krankenlager unser Kollege doset Czommer im Alter von 49 Jahren. Ehre seinem Andenken k � Tie Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Gemeinde- FriedhoseS in Reinickendorf, Hum- boldtstrage, auS statt. 27/20 Die Ortsverwaitung. Äl!p. Kranken- yterbekasse d. deutseben Drechsler genBo8rsön" E. H. 86. Verwaltungsst. Berlin B. Am 25. Juli verstarb unser Mitglied Bennaun Kühn. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des EmmauS- Kirchhofes aus statt. 297/12 Die Ortsvcrwaltung. Am 26. Juli starb unser lang- jähriges Mitglied 106/ t4 Oskar Liesk. Wir verlieren in ihm einen lieben Kollegen und Mitarbeiter, dessen Andenken wir in Ehren halten. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 29. Juli, nach« mitlag» 4 Uhr, von der Halle des Zentral-FricdhoseS in Fried- richsselde ans statt. asobeUabFilc Ostend. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine« unvevgesjlichen. geliebten Mannes, unseres teuren BrudcrS, Schwagers und Onkels, de« PortterS Otto Bergmann sagen wir allen unseren liefgesühltesten Dankl 2897b Witwe Elise Bergmann. Albert Bergmann. Donksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben grau 2893b Bargarete Bannigart sagen wir hiermit allen Freunden und Belaimlen unseren herzlichsten Dank. Otto Behrendt nebst Kindern. inals-Meie! 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Geschäftsstelle Berlin 0. 54, Mulackstr. 10, I.— Fernsprecher Amt IH, 4518. Sonntag, den 30. Juli, nachmittags 2 Uhr, im Gcwcrkschnftshause Engelnfer 15(grofier Saal): Qeneval'Versammlung. Tages. Ordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht vom II. Quartal 1911. 2. Bericht vom Gewcrllchastslongrcfi. 3. Vevbaiidsangclegenheiteii. KM- Jedes Verbandsmilglied, das nicht durch Arbeit vcthinbert, ist verpstichiet, in dlclcr Versammlung zu erscheinen. Ohne Mitgliedsbuch oder Karte kein Zutritt. 43/18»_ Ple Ortsverwaltnng. Iii in Arbeitsnachweis: Hos 1. Amt 3, 1239. Verwaltungsstelle Berlin Hauptbureau: Charitöstr. 3. Hof III. Amt 3. 1937. Montag, den 31. Juli 1911: Bezirks- Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin in folgenden Lokalen: NOrdeN I Phamssttle, Miillerstr. 142, abends 8>/, Uhr. Norden' 1'Qststlle. Schwcdtcr Strasse 23, abends Bericht vom GcwerkschaftSkongrcft. Rcscren!: Kollege Nloliter. blarttan' kranke» Fcststtle, Badstr. 19, abcndS 8'/, Uhr. HUllU-II. Bericht vom Gewcrkschaftökongress. TtmnI' Wolilfahrts FestsUlc,(Bclnitfcit&otf-ieiJfst, Eichhorn- IcJJtl. strafie OO, abends 6 Uhr.• Bericht vom Gewerkschaftökougrcft. - I'raehtsUle X«r«l- Weist, Wiclefstrakc 34, abcndS V eslen und Schöneherg: JÄKÄIÄ' Osten udo Lichtenberg ilSroÄÄ.S?''1" Stralau und Rummelshurg: 60' CiirlonhOTiplFQ*«ewerkBchartehaiw, Engel- Ufer 45, allUcIiUCkli RC. Saal 4, abends 81/, Uhr. WoiRanroa* Peakcrtsi Restaurant,(Berliner Allee 351, bi ClliCUidvC. abends 81/» Uhr. Divrinrf* Hoppcs Festsille, Hermannstr. 40, abends 8'/, Uhr. nllUUI 1. Wahl des ersten Bczirtsleitcrs. �ÜarlONeNilNrg I Valksliau», Rosincustr. 3, abends 8'/, Uhr. CtonlitT* Schellhascs Fcst-Sälc, Steglit», Ahornstr. 15, OlCyillZ. abends 3'/, Uhr, Köpenick u. Friedricliagen: abends 8'/, Uhr. nhop.cplinnoiuoirlo* Restaurant Hassclwerrlcp. uucr'dtuuucnciuc. Hasselwcrder Str. in. abends 0 Uhr. Spandau: Bühle, Havclstr. 3V, abends 8'/, Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: Stellungnahme zu der am 14. Angnst stattfindenden Generalversamtnlllng. illitxliedsbuck legitimiert!=� Zahlreicher Besuch wird erwartet lj Die JubilSumniiminer„MM" ist elschitiitil und \\m preise vou 50 Pf. pro Exemplar im Knreau;» haben. 126/15 Bio Orlkvcraaltnng. Dkiilschcr TtdiiSsmIlirbeiltt- Derbiiild. Bezirk Groß-Bcrlin. Sektion 5, Jndiistrlearbeiter. Achtung! Achtung! Wiegen der selttisn s, Induftriearbeitcr! Sonntag, den 30. Jnli, vormittags»>/, Uhr: Sektilms-Mitgliedkl-Uetsliiüiiifiiilg in den Musikersälen, Kaiscr-Wilhelm-Str. 18m (großer Saal). TageS-Ordnung: 1. Bericht über die Tätigkeit der Sektion im ersten Halbjahre. 2. Bericht über den Stand der AgitalionSlafse. 3. Wahl von Delegierten zur örtlichen Gcncralvcrsammlnng. 4. Anträge und VerschiedencS. Zutritt wird mir gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches gestattet. Wer länger als acht Wochen mit de» Beitrüge» im Rückstände ist, erhält keinen Einlast. Eine zahlreiche Beteiligung erwartet Tie Scktionsleitnng. _____ I. St.: Karl Fremke. wöchentliche Teilzahlung elegante 'Jera-iili fertig und nacb Mass, feinste Verarbeitung. Herren-Schneiderei nur MUlleeftl. Binsuc TUaller SU, Meste Musterkupons,.Herbst-Neuheiten' sür Anzüge, Kostüme, Meter 3, 4 Mark. Duchlager- Grsellschast m. b. ä. CerlmileiEir. 20-21, t.5ga,". Spezial-Arzt für Bant- and Harnleiden Hr PnnlfO Rosenthaler Str. 70 • ruHaCsSnr 9 2.6-9. Sonnt.9-3 Eegen sofortige Kasse und sofortige Abnahme größ. Posten Möbel, BüjeNS, Schlaszimmer, Herren- zimmer zu knufeu gesucht. Offerten unter Vi. 9436 an Holnr. Eitler, Hamburg. 295/9 Hiß feurzß ÄflchzßH~ � DHA BöBww-M D�' ��WUMA��W v kommt der Hausfrau an den heißen Sommertagen gar & statten. Nur mit Wasser aufgekocht, gibt ein Wür mit de« KreuWtew ganz besonders z« Würfel zu 10 Pfg. Man verlange ausdrücklich MAGQI« Suppen mit dem„Kreuzstern". in kürzester �eit 2-3 Teller wohlschmeckender Suppe. 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Sonntag, den 30. Infi 1911: Theater lind SpeMlitäten. Anfang d. Konzerts 5 Uhr, der Vor« stellung 8 Uhr. Sperrfitz 75 Pf. Sntree 50 Pf. Jeden Montag: hustige Sanger. Volksgarten-Theater Freitag, Eonnabend: Konzert, Theater« u. Spezialitäten« Borstellimg. Gräfin Piretta. Fritz Prümm. Ann! Bellini. Los Orsolios. Tho Original Burtons Der artesfiche Brunnen. Urania. Wissenschaftliches Theater. lanbenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Zm Sande d. Jtllttemachtssonne. LOCISCHER GARTEN Heute nachm. 4 Uhr: Monfter-Kontert. AbendZ: Li'. kck-lilWßatiU Bintritt 1 Mk.; Kinder unter _ 10 Jahren die Hälfte._ Puhlmanns Theater Schönhauser Allee 148. Täglich im herrlichen Naturgarten: Konzert— Theater Max Klienis Sommer-Theater Rudolf Krüger, Hafenheidc 13— 15. Täglich: Erftklassige Theater« und Dpezialitäte». Vorstellungen. Zeltbcdachtcr Theatergarten, bei un« günstiger Witterung Schutz bietend. Jed. Mittwoch: Gr. Kinderfest. Donnerstag: Eiitctae. 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SonittagS 5 Uhr. MeIIEIS RixdOr( B<"rlin m# LahnsthT#-}. Für den Inhal« der Jnlerarc übernimmt die Redaktion dem Viiblitnm gegenüber teiuerlet Verantwortung. fveräntwortlieher SiedaltWr Richard Barth, Bsrlin. Für den Lnfergtenteil verant».: xh.Gl»cke,Berltn. T cuck p. Verlag i Äoupäct». Bpchdruckcrci n. BerlagSaitstglt Paul Singer u. Co., Berlin SW» Nr. 175. 28. Jahrg. Ifilajcits Jornirts"• Aizchn, für Gße», SBiti, Wei. 29. Juli 1911. Vorort- s�ackrickten. Adlershof. Der Arbeitergesangverein„Frohsinn", M. d. A�S.-B.. veranstaltet am Sonntag, den 30. Juli, in Wöllsteins Lustgarten, Bismarcksir. 24. ein Sommerfest. Beginn des Konzerts nachmittags 3 Uhr. Antritts- preis 25 Pf. Da genannter Verein bei allen Veranstaltungen der Partei und Gewerkschaften sich stets zur Verfügung stellt, ersuche» wir die Arbeiterschaft um Beteiligung an diesem Feste. Groß-Lichterfelde. Die Generalversammlung des Wahlvereins fand am 25. Juli in Wahrendorfs Gesellschaftshauö statt. Den Bericht des Vorstandes gab Genosse Wienecke. Danach betrug die Mitgliederzahl am Schlüsse deS Quartals 460; darunter 102 Frauen. Durch die Parteispedition bezogen den.Vorwärts" 540 Personen. Die Wahl des Vorstandes ergab als 1. Vorsitzenden Genosse Wienecke, als 2. Vorsitzenden Genosse Karasiewicz, als Kassierer Genosse Balkow, als Schrift- führer Genosse Huhn; Beisitzerin wurde die Genossin Osburg, Revisoren die Genossen Senft und Eckardt, Bibliothekar Genosse Albert Menzel. Als Bezirksfnhrer wurden gewählt resp. wieder- gewählt für die Bezirke 1: Genosse Schädel, 5 und 5a: Genosie Robert Müller, 6: Prescher, 7: Träger, 8: Richter. 9: Lehmann, 40: Genosse Thomas. Die Wahlen für die Bezirke 2, 3, 4, 11 und 12 mutzten zurückgestellt werden. da die hierfür in Aussicht genommenen Genossen nicht erschienen waren. AlS Delegierte des WahlveremS für den Jugend und BildungS- auSschutz wurden die Genossen Maier. Kaliski und Karasiewicz ge- wählt. AIS Wahlausschuh fungieren die Genossen Wenzel, Balkow, Schindler, Osburg, Hermann Weber und der Vorsitzende Genosse W i e n e ck e. Als Vertrauensperson der Kinderschutzkommisfion wurde die Genossin Conz wiedergewählt. Die Lokalkommission wurde auf drei Personen verstärkt, sie besteht aus den Genossen Schönwetter, Tillack, Träger. Als Vertrauensmann für Grotzbeeren wurde Genosie Schindler gewählt. Nach Erledigung der Wahlen beschlotz die Versammlung mit grotzer Mehrheit die Ein- führung eines freiwilligen Extrabeitrages zugunsten der Jugend. Wegen Nichtbeteiligung an der letzten Gemeindewahl wurden aus» geschlossen: Klingsporn. Tabbert, Neuendorf und Michalski. Senzig(Kreis Teltow.) Eine Armenbeerdiguug. UnS wird geschrieben:.Am Sonntag, den 23. d. M. hatten die hier zahlreich zur Erholung weilenden Ber- liner das seltene Schauspiel einer Armenbeerdigung, die jeder Be- schreibung spottete. Der in der Nacht vom 20. zum 21. Juli im Armenhause Verstorbene, einer der ehemaligen Steuerzahler Senzigs, sollte bereits am 22. bestattet werden, da aber der aus sechs glatten Brettern bestehende Sarg nicht fertig wurde, blieb die durch die Gluthitze der letzten Tage schon sehr übelriechende Leiche in der Stube liegen, welche von der schwachsinnigen Mutter deS Verstorbenen und einer fremden Frau bewohnt wird. Am Sonntagvormittag>/z10 Uhr fand dann die Beisetzung statt, indem man den Verstorbenen aus dem Kirchhof nochmals eine Stunde der Sonnenglut aussetzte, da erst die Grube gegraben werden mutzte. Der peslilenzartige Geruch der Leiche zeigte den Vorübergehenden den Weg zur Grabstelle. Senzig liegt 28 Kilometer von Berlin und 3 Kilometer»on Königs- Wusterhausen." Durch die verzögerte Beerdigung und die allen hygienischen Forderungen hohnsprechende Aufbewahrung der Leiche in der Stube, rn der zwei arme Menschen wohnen, wird die Behandlung der Ge- gneindearmen in das hellste Licht gerückt. Die Verzögerung der Beerdigung kann außerdem für den ganzen Ort schwere Folgen nach Sich ziehen durch den Ausbruch einer Epidemie. Das zu verhindern tollte aber Aufgabe der behördlichen Organe sein. Killderschlltzkommisfilm von Groß-Kerlm. Die Zentralstelle für all« Kinderschutzangelegenheiten befindet sich bei dem Obmann der Kinderschutzkommisfion: Genossen Barcnthin, Stralauer Platz 1/2 1� Bureau des sozialdemokratischen Wahlvereins des 4. Reichstagswahlkreises. Geöffnet vormittags 9— 2, nachmittags 5— 8 Uhr. Beschwerden über Verstöße gegen das Kinderschutzgesetz sowie über Kindermitzhandlungen werden von nachstehenden Kon- sfrolleurinnen entgegengenommen: l. Kreis. Arau Emilie Richter, Berlin W. 8, Leipziger Str. 42. 2. Kreis. Krau Else Seyfahrth, Berlin SW- 47, Wartenburgstr..9, Seiten» 1, flügel IV. | Sprechstunde: Dienstag und Freitag von 2— ztz4 Uhr. Krau Mathilde Wurm, W. 30, Gleditschstr. 301, i. Sprechstunde: Donnerstags von 1—4 Ubr. 3. KreiS. Frau H. Torgler, SW. 61, Gitschiner Str. 93. 4. KreiS. Frau Metzner» O. 27, Andreasstr. 79. Frau M. Demming, O. 34. Boxhagener Str. 29. Sprechstunde: Donnerstags von 7— 8 Uhr abends. Frau Emma Döltz, SO. 36, Forster Str. 44. Frau Rettschlag, Pcltenkoferstr. 9. §rau Bertram, Muskauer Str. 4. rau Pauline Friese, Kochhannstr. 16. 6. Kreis. Frau Minna Lohse, N- 58, Oderberger Str. 20111. Sprechstunde: Dienstag? und Mittwochs von 3— 6 Uhr nachm. Frau Witte, N. 28, Nheinsberger Str. 41. Sprechstunde: Täglich von 7— 8 Uhr abends. Frau Striebcl, N. 65, Luxemburger Str. 6, v. 1. Sprechstunde: Täglich außer Sonnabends von 7—8 Uhr abends. �rau Helene Rokitta, N. 65, Müllerstr. 133a. Sprechstunde: Sonnabends von 7—8 Uhr abends. 'Frau Ernestine Lahn, N. 39, Hochstr. 34 vorn IV» Sprechstunde: Freitag von 8— 10 Uhr abends. i Frau G. Flatau, Bandelstr. 18. Frau Minna Weide, Rammlerstr. 5111. Teltow-Beeskow. Frau Anna Singelmann» Adlershof, Kronprinzenstt� 80. Frau F. Rowack, Britz, Chausseestr. 67. Frau Toni Suhmann, Charlottenburg, Berliner Straße 130. Sprechstunde: Freitags von 7— 8 Uhr abends. \*rau Lichtenberg, Friedenau, Hähnelstr. 19. Fräul. Anna Conz, Grotz-Lichterfelde, Hochstr. 16.» Frau Moebest, Grünau, Köpenicker Str. 91. Frau Agnes Radnmte, Johannisthal, Roonstr. 41. Frau Hackbarth, Köpenick. Flemmingstr. 18.. Frau Modrak, Lankwitz, Marienstr. 11. Sprechstunde: Täglich von 7— 8 Uhr abends. Frau Schwartz, Mariendorf, Rathausstr. 97. Sprechstunde: von 7— 8 Uhr abends. Frau Luise Greulich, Marienfelde, Kaiser-Allee 20. Frau Anna Drescher, N o w a w e s, Priesterstr. 79. Sprechstunde: Montags, Mittwochs und Sonnabends von 7% bis 8% Uhr abends. Frau B. Lietsch, R i x d o r f, Wildenbruchstr. 56. Frau M. Schuschenk, Schmargeudorf, Sulzaer Straße 12. Sprechstunde: Mittwochs von 7— 8 Uhr abends. Frau Anna Heide, Schöneberg, Kyfshäuserstr. 4, Seitens!. III. Sprechstunde: Montags von 4—8 Uhr nachm. Frau E. Rhneck. Treptow-Baumschulenweg, Kiefholz» straße 180. Frau Emma Hirche, W a n n s e e, Chausseestr. 15. Sprechstunde: von 7— 8 Uhr abends. Frau Tölle, Wilmersdorf, Fürther Str. 5. Sprechstunde: Montags von 7— 8 Uhr abends. Frau Wolff, Treptow, Grätzstr. 64. Frau Anna Flöter, Steglitz, Sachsenwaldstr. 1. Niederbarnim. Frau Henriette Mirus, Lichtenberg, Rittergutstr. 25. Sprechstunde: Täglich von 7— 8 Uhr abends. Frau Elise Gramm, Borsigwalde, Schubartstr. 21. Frau Lieschen Gubela, Erkner, Wilhelmstr. 27. Frau Berta Neumann, Französisch-Buchholz, Rosenthaler Straße 16. Frau Luise Klokow, Fichtenau, Moltkestraße. Frau Anna Brunck, Friedrichsfelde, Rummelsburger Str. 16. Frau Henke, Friedrichshagen, Scestr. 21s. Frau Frieda Kintze, Hohen-Schönhausen, Berliner Str. 120. Frau Martha Kaiser, Karlshorst, Gundelfingener Str. 46. Frau Robft, Lichtenberg, Friedrichstr. 14s. Frau Mathilde Reich, Mahlsdorf. Bahnhofstr. 41. Frau Petri, Nicder-Schönhausen. Blücherstr. 14. Frau Muchow, Oberschöneweidc, Marienstr. 1s. Frau Auguste Schumann, Oranienburg. Jägerstr. 41. Frau Gütig, Pankow, Binzstr. 51.'. Frau Olga Zepernick, Reinickendorf-Ost, Hansastr. 14. Frau Ehlert, Reinickendorf. West, Berliner Str. 108. Frau Elisabeth Hütter, Rummelsburg, Sonntagstr. 4. Frau M. Taberkow, Stralau, Friedrich-Jungestr. 5. Frau Damaschke, Tegel, Bahnhofsplatz 1. Frau Käthe Albrecht, Hohen-Neuendorf, Karl Ludwigstr. 5. Frau Hedwig Dietrich, Weißensee. Berliner Allee 217. Frau Elise Haeske» Wilhelmsruh. Kronprinzenstr. 6. Zur Bekämpfung der Schundliteratur und zur Förderung des Vertriebes guter Unterhaltungslektüre hat das„GewerkschastshauS" folgende Einrichtungen getroffen: 1. Anerkannt gute Jugendschriften zum Preise von 10—30 Pf. sind in größerer Anzahl angeschafft worden und werden leihweise gegen Deponierung des Preises zur Verfügung gestellt. 2. Jedermann erhält in den nachstehend angeführten Ausgabe- stellen ohne Legitimation so viele Bücher wie er will. Er hat ent- weder den Wert der Bücher zu deponieren oder bereits früher entnommene Bücher zurückzugeben. Eine Leihgebühr wird nicht erhoben. 3. Wer die Bücher behalten will, hat dazu das Recht, er hat dann bei Entnahme neuer Bücher wiederum den entsprechenden Be- trag zu deponieren. '»nächst sind folgende eingerichtet: Ausgabestellen ÄrlegSmann, Von 8—6 Uhr, mit Verband der Schuhmacher. Dienstag» und Antonftr. 34. Zigarrcngeschäst von Ausnahme deS Sonnabends. Blankenfelde Str. 10. Verl Mittwochs von 5— VI, Uhr. Brunncnftr. 115. Ardeitcr-Jugendhcim. Von 6—10 Uhr. Danenftr. 10. Ziaarrengeschäst von GoSciniak. Von 3—« Uhr, mit AuS- nähme des Sonnabends. Eliiabethstr. 11. Verband der Fleischer. Von 10—1 Uhr und 5—7 Uhr. Emdener Str. 20 bei Worbs. Montags von 8—9'/, Uhr. Engeluser 15. Zigarrcngeschäst von Horsch, von L— S Uhr, mit AuS- nähme des Sonnabends. Fehmarnftr. 8. Tabakarbeitergenossenschast. Von 8—6 Uhr, mit Aus- nähme des Sonnabends. Gartenftr. 101. Verband der Kupserschmiede. Von 10—11 Uhr und 6—7 Uhr. Gr. Frankfurter Str. 126. Arbeiter-Jugendheim. Von 6—10 Uhr. KopernikuSstr. 11. Tabakarbeitergenossenschast. Von 8—6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Linienstr. 73. Verband der Schmiede. Von S>/�— 12 Uhr und 6'/, bis 8 Uhr, mit Ausnahme des«ronnabcnds. Melchiorstr. 28. Verband der Maler. Von g— 1 Uhr. Petersburger Str. 19. Tabakarbeitergenossenschast. Von 3—6 Uhr, mit Ausnahme des Sonnabends. Sebaftianftr. 37/38. Verband der Schneider. Von 9—1 Uhr. Weinstr. 8, Part. Verband der Kürschner. Von 9—1 Uhr und 3—7 Uhr. Berein der Frauen«nd Mädchen der arbeitenden Klassen. Vor und nach jeder Vereinsversammlung. Vororte: Stralau. Alt-Sttalau 70, Seitenfl. III. bei Rudolph. Montag und Donnerstag von 3'/,— 5 Uhr, Sonnabends von 4— 8 Uhr. Mvseen, Sammlungen, SehensmörhigKeitea. (Zutritt ist unentgeltlich, wenn nichts anderes vermerkt ist.) AlteS und Neues Museum. Am Lustgarten. Wochentags(auher Montags): April bis September 10— 4, Oktober bis März 10—3. Am Sonntag und an den zweiten Wcihnachts-, Öfter-, Psingstseiertagen: April bis September 12—6, Oktober und März 12— S, November und Februar 12—4, Dezember und Januar 12—3. Am Montag und an Feiertagen(autzer den zweiten Feiertagen): geschloffen. Architektur-Musenm. Technische Hochschule, Charlottenöurg, Berliner- stratzc 151, Montag 10— 3(auch 5'/,— 7'/,, vom Oktober bis März), Dienstag 12—3,(auch 10—12 sür Studienzwecke), Mittwoch 10—12, Donnerstag 12—3 (auch 10—12 sür Studienzwecke, auch vom Oktober bis März), Freitag 10—3, Geschlossen: Sonnabend und Sonntag. Ausstellung für Arbeiterwohlsahrt. Charlottenburg, Fraunhofer- sttatze 11/12. An allen Wochentagen(außer Montag) 10—1, am Dienstag und Donnerstag auch 6—9 abends. Sonntag 1—5. Baumuseum. Siehe Verkehrsmuseum. Berg- und Hüttenmuseum. Jnvalidenstt. 44. Wochentags(außer Sonnabend) 12—2, am Sonntag: April bis September 12—6, Oklober und Märzl2— 5, November und Februar 12— 4, Dezember und Januar 12—3. Botanischer Garten. Mittwoch, Freitag 2—7, Zutritt nur gegen Erwerbung Sommer geöffnet) Botanisches Museum. Dahlem. Montag und Donnerstag 3—6, Mittwoch 9—6. Eisenbahnmnseum. Siehe Verkehrsmuseum. Kaiser Frtedrich-Museum. Monbijoustraße. Eröffnung: an den Wochentagen(außer Montag) um 10, am Montag um 1, am Sonntag und an den zweiten Weihnachts-, Oster- und Psingstseiertagen um 12. Schluß an allen Tagen: April bis September um 6, Oktober und März um 5, November und Februar um 4, Dezember und Januar um 3. Eintritts- gcld: Montag 1 M., Dienstag und Mittwoch 50 Ps. Eintritt frei: an allen übrigen Tagen. Hygienemiiseum� Hessischestr. 4. Dienstag und Freitag 10—2; Sonntag: April bis September 1—6, Oktober und März 1—5, November und Februar 1—4, Dezember und Januar 1—3. Kunstgcwerbe-Museum. Prinz Albrechtstt. 7. Besuchszeit wie beim Alten Museum. Landwirtschaftsmusenm. Jnvalidenstt. 42. An den Wochentagen (außer Montag) 10—3. An jedem dritten Sonntag im Monat: 11—5. Märkisches Provinzial-Muscum. Wallstr. 50/54. Besuchszeit täglich (mit Ausnahme von Sonnabend) 10—3 llhr. Einttitt srei. Gedruckte Führer 10 Ps. Meereskundemusenm. Georgenstt. 34—36. Sonnabend und Montag 11—4, Sonntag 12—3. National-Galerie. Museumsinsel, an der Friedrichsbrückc. Eröffnung: an den Wochentagen(außer Donnerstag) um 10, am Donnerstag um 1, am Sonnlag und an den zweiten Weihnachts-, Oster- und Psingstseiertagen um 12. Schluß, an allen Tagen: April bis September um 6, Oktober und März um 5, November und Februar um 4, Dezember und Januar nur 3. Eintrittsgeld: Donnerstag 1 M., Freitag und Sonnabend 50 Ps. Eintritt an allen übrigen Tagen srei. Naturkunde-Museum. Jnvalidensttaße 43. Montag, Mittwoch. Donnerstag, Sonnabend: April bis September 10—4, Oktober bis März 10—3. Am Sonntag und an zweiten Feiertagen: wie beim Alten Museum. Post Museum. Leipzigerstr. 16/18. Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag 10—2. Am Sonntag und an den zweiten Feiertagen: 12—2. Rauch-Musrum.(Werke von Christ. Rauch.) Klosterstt. 76. Wochen- tags: April bis September 10—4, Oktober bis März 10—3. Rathaus. Königstraße. Täglich(außer Donnerstag und Freitag) 10—3, unentgeltlich. Turmbesteigung: April bis September, täglich(auch Donnerstag und Freitag) 10—3, Einttittsgeld 20 Pf. Rcichstagsgebäude. Königsplatz. An Wochentagen 8'/,— 9>/, vor» mittags, am Sonntag 2—4. Einttittsgeld 50 Ps. Sternwarte. Enckcplatz 3». Mittwoch und Sonnabend, im Sommer 9—11, voroiitlags, im Winter 10—11 vormittags. Sternwarte. Treptower Park. Täglich von 2 Uhr nachmittags ab, Im Sommer bis 12 Uhr nachts, im Winter bis 10 Uhr abends. Eintritts. gcld: 50 Ps. sür Besichtigung der Sternwatte und des Astronomischen Museums, 1 M. sür Beobachtung mit dem großen Fernrohr. Sternwarte der.Urania". Jnvalidenstt. 57/62. Täglich 7'/.— 11 Uhr abends. Eintrittsgeld 50 Ps. Urania, Sammlungen und wissenschastliches Theater. Taubcnstt. 48. von 10 Uhr vormittags ab. Eintrittsgeld 50 Pfennig(sür Abend- Vorstellungen von 1 Mark an). Verkehrs-»nd Baumiisenm. Jnvalidenstt. 51. Sonntag 11—4, Dienstag. Donnerstag, Freitag 10—4, Mittwoch und Sonnabend 2—3. Völkerkunde-Museum. Königgrätzerstt. 120. Besuchszeit wie beim Alten Museum. Museum sür deutsche Volkstrachten und Volkskunde. Kloster- sttaße 36. Besuchszeit wie beim Alten und Neuen Museum. Zeughans. An der Schloßbrücke. Wochentags(außer Sonnabend): März bis Oktober 10—3, November bis Februar 10—2; am Sonntag und an den zweiten Feiertagen 12—3. Zoologischer Garten. Eingänge: Lützow-Uscr, Kursürstendamm und Stadibahnhos. Eintrittsgeld: an Wochentagen 1 Mark,(abends nach 6 Uhr 50 Ps.), an sonn- und Festtagen 50 Ps.; Kinder die Hülste. Am ersten Sonntag jedes Monats 25 Ps. Singegangene Druck kcknifren. Zwei Jahre in der Fremdenlegion. 30 Pf. H. u. F. Schassstei», Köln a. Rb. Erinnerungen von«. Rosen. ..«V-"• O- �ujuinicin,-nm« o. jus. Führer durch die deutsche Reichsversicherungsordnuna von O. Mylau, t M. A. Günther. Leipzia-R. Naturwissenschaftliche Bibliothek.— Die Zlmeisen von F. 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