Nr. 177. HlionnementS'Bedlngnngen: «Sonntmen«> Preis pränumerando I «ierteljährl. S&t Mk., monatL 1,10 Mü, wöchentlich 28 Pfg, frei ins Hau». Einzelne Nummer K Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntau?. Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- tlbonncmenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.ZeitungS- PrelSIiste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Mark, für das übrige iiuSIand s Marl pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. S8. Jahrg. Cfttdnt ttgllid aaßer niontagi. Vevlinev VolKsbleM. Dk InltrflonS'GtMljf •ehStt für dl« fechsgefpaltene kolanR- »eile oder deren Raum«0 Pfg., für politische und gewerllchaftlich« Vereins- und LersanmiIungS-Anzeigen 30 Pfg. „steine Snrelgen", da» setigedruclle «ort 20 Pfg. szulässig 2 settgedrurlte «orte), jedes weitere Wort lO Pfg. Stellengeluche und Schlafstellenan- zeigen da» erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wortb Pfg. Wort« über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnier niüssen bi» S Uhr nachmittags in der Expedition »bgegeben werden. Die Expedition ist bi» 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Udreff« „SszIaliUmokrat Rtrlli". Zcntralorgan der rozialdcmohratflchen parte» Deutfcblands. Redaktion: 8 Cd. 68, Lindenetrassc 69. Fernsprecher, Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 1. August 1911. Expedition: SM. 68, Lindenetraeae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Sie ffiarohkoatfäre. MacdonaldS Rede zur Marokkokrise. Man schreibt uns aus London vom 29. Juli: Da die Antlvort Macdonalds, des Führers der englischen Arbeiterpartei, zur Marokkoerklärung des Ministerpräsidenten Asqnith von der bürgerlichen Presse des Auslandes ver- mutlich tendenziös gedeutet werden und ebensolche Schluß- folgerungen an sie knüpfen wird, geben wir' die Rede aus dem offiziellen Bericht wörtlich wieder. Macdonald sagte: .Ich bin sicher, wer immer sich nach den Erklärungen des Ministerpräsidenten und deS Führers der Opposition an das Haus Wendel, muß dies mit einem überwältigenden Veranlworllichkeits- gesühl tun. Der tiefe Ernst der Erklärung des Minister- Präsidenten wird niemand entgehen, trotz der sorgfältigen Form, in der sie gekleidet gewesen ist. Alle Parteien deS Hauses wissen ganz genau, was die Ansichten meiner Freunde svon der Arbeiterpartei) sind. DaS Haus kennt auch ganz genau dieKräfle, die Organisationen, die Be- ivegungen in Europa, mit denen wir verknüpft sind. DaS HauS weiß ganz genau, daß, so lange es eine Arbeiterpartei in Deutschland, in Frankreich oder in England gibt, werden diese Parteien zusammenarbeiten, um den Frieden zu suchen und ihm mit Ernst nach- zugehen. Einer meiner Parteifreunde sagte mir soeben, daß eine internationale Bergarbeiterkonferenz, an der neben England alle europäischen Länder vertreten waren, eine von den Vertretern aller dieser Länder befürwortete, sehr ernst gefaßte Friedensrel'olution einstimmig angenommen hat. Ich will mich nicht weiter über die Lage auZlasien. Wenn der Friede im gegenwärtigen Augenblicke zer- trümmert werden sollte', dann werden wir auch dann noch bei ihm st ehe n. Ich hoffe, daS Haus wird mir Glauben«schenken, wenn ich dieS er- kläre. Ich will mich in keiner Weise gegen den Geist der Erklärungen de» Müiisterpräsidenteu und deS Führers der Opposition wenden. Wir kennen den tiefen Ernst der Lage. Wir wiffen, daß jene, die mit uns auf dem Kontinent zusammenwirken, die Politik ihrer Länder nicht kontrollieren können. Aber wir wissen auch, daß eS sehr nützlich für die Herrschenden allerLänder fein dürfte, zu wissen, daß es eine starke Organisation gibt, die in schlechter Zeit wie in guter Zeit für den Frieden einstehen wird. Noch ein weiteres Wort möchte ich sagen, und das mit tiefem Bedauern: Ich bedauere außerordentlich, daß der Schatz- k a n z l e r an anderer Stelle jene Erklärung abgegeben hat. sWiderspruch bei den Konservativen.) Ich werde Ihnen sagen warum. Es ist viel bester, wenn wir diese Dinge ganz offen und ruhigen Sinnes besprechen. Wenn die Erklärung gemacht werden mußte, dann hätte eS auf dem gewöhnlichen privaten Wege geschehen müssen. Nicht daß ich mit den privaten Unterhandlungen übereinstimme, die die nationale Politik festsetzen, deren Resultate erst bekannt gemacht werden, wenn die Oeffentlichkeit völlig außerstande ist, die Richtung zu beeinfluffen. in der die Nation geht. Aber so lange die internationale Diplomatie in dieser Weise betrieben wird, war das sicherlich eine Erklärung, die auf diesein Wege hätte gemacht werden sollen, und zwar aus diesem Grunde. Die Erklärung wurde zur Grundlage einer Preß- kampagne gemacht, die jeder bedauern muß. ES tut mir leid, daß der Ministerpräsident seinen guten Rat auf diese« Haus beschränkt hat. Dieses Hau» hat ihn nie gehindert: e» hat den Sekretär des AuSioärtigen nie gehindert. Was immer Unglück- seliges geschehen ift. ist darauf zurückzuführen, daß die Presse ihrer Berantwortung alS Enticheiderin des Friedens und des Krieges unter den Nationen nicht gewachsen war. Ich erhebe diesen Protest und will jetzt weiter nichts sagen. Ich habe mit vielem Gefühl, mit großem Widerstreben und mit tiefem Dcrantwortlichkeilsgefühl gesprochen, aber ich hoffe und wünsche, daß die gegenwärtigen Verhandlungen den Frieden bringen werden. Ich boffe und wünsche, daß keine europäische Nation einen einzigen Augenblick annehmen wird, daß Partei- unterschiede in diesem Lande den nationalen Geist und die nationale Einheit schwächen werden. Aber das bedeutet nicht, daß eS in diesem Lande keine Sektionen geben wird, die un- ermüdlich, bei Tag und Nacht und zu allen Jahreszeiten, einerlei ob dies populär sei oder nicht, dahin streben wird. eS zuerst unmöglich, und nachher schwer zu machen, daß zwei zivilffierle, angeblich christliche Länder zum Schwert gegeneinander greifen, um eine Schwierigkeit zu erledigen, die leicht durch daö Haager Schiedsgericht gelöst werden könnte." Ter Gnindgcdanke, der sich wie ein roter Faden durch die Rede Macdonalds zieht, ist also der, daß die englische Arbeiterschaft bis zum letzten Augeublicke. und selbst im Falle eines Krieges, mit der Arbeiterschaft der lontincutalen Staaten zusammenwirken werde, um den Frieden zu sichern. Danlit hat er unzweifelhaft die Stimmung der organisierten Arbeiter- schaff Großbritanniens getreu wiedergegeben. Wenn dem der Satz, daß der nationale Geist und die nationale Einheit durch Parteinnterschiede nicht geschwächt werde, widerzusprechcn scheint, so darf dem keine große Bedeutung beigelegt iverden. Wir möchten gewiß alles verhüten, was in diesem Augenblicke das Einvernehmen zwischen den Arbeiterparteien der verschiedenen Länder irgendwie stören könnte, aber es inuß gesagt werden, daß Macdonald mit jener letzteren Erklärung die Auffassungen und Ansichten der überwältigenden Masse der englischen Arbeiterpartei nicht zum Ausdruck gebracht hat. Macdonald ist augenblicklich zwar der nominelle Führer der Arbeiter- Partei, aber das staatsmänuische Verantwortungsgefühl scheint so schwer auf seinen Schultern zu lasten, daß ihm zur Tragung der Verantwortung eineS Führers der organisierten Arbeiterschaft nur wenig Kraft mehr übrig bleibt. Wer sich der Debatten des Internationalen Kongresses in Kopenhagen erinnert, der weiß, welch ganz anderen Standpunkt die britische Sektion zur Frage der Kriegsgefahr eingenommen hat. Wir haben nicht den geringsten Zweifel, daß jedes andere Mitglied der Arbeiterfraktion, einerlei ob es sich zum Sozialismus bekennt oder nicht, bei dieser Gelegenheit noch viel schärfere und eindringlichere Worte des Protestes, vor allem gegen das Vorgehen der Regierung des eigenen Landes, gefunden haben würde, als Macdonald. Der„Labour Leader", das offizielle Organ der I. L. P., die Macdonald ins Parlament geschickt hat, und gewissermaßen das halbamtliche Organ der Arbeiterpartei selber, hat das aggressive Auftreten der englischen Regierung mit aller wünschensivertcn Schärfe gebrandmarkt und das Proletariat Englands. Frankreichs und Deutschlands zum vereinigten Widerstande gegen diese verbrecherische kapitalistische Aggression aufgerufen. Ebenso hat„Justice", das Organ der S. D. P., sofort den schärfsten Protest gegen das Vorgehen der englischen Regierung erhoben, und der Vorstand der S. D. P. hat eine scharfe Resolution in diesem Sinne angenommen. » Nach ASquithS Marokkorede. Unser Londoner Korrespondent schreibt uns vom 29. Juli: Die unerträgliche Spannung, die sich zu Anfang dieser Woche in einer furchtbaren Explosion zu entladen drohte, hat in den letzten Tagen beträchtlich nachgelassen. Wie dicht üor einer Katastrophe Europa gestanden hat, zeigt am besten der Eindruck, den die Erklärung des englischen Ministerpräsidenten Asquith hervorgerufen hat. Diese überaus ernste und schwer- wiegende Rede, die unter normalen Umständen den größten Alarm in Europa verursacht hätte, ist jetzt wie eine wahre Erlösung aufgenommen worden. Der Rede Lloyd Georges gegenüber ist die Unterhauserklärung Asquiths ganz ent- schieden ein Rückzug. Sie war ohne Zweifel mit der Absicht abgefaßt, die Gemüter zu beruhigen. Sie enthält keine Kriegsdrohung mehr. Sie gibt so- gar, wenn auch mit gewissen sehr wichtigen Re- servationen vor,. daß England sich in die französisch-deutschen „Konversationen" zunächst nicht hineinmischen wolle. Ferner ging Asquith über den eigentlich kritischen Punkt der Marokko- affaire, über die Zukunft Marokkos selber und über Agadir fast mit Stillschweigen vorüber und begnügte sich mit der dunklen Andeutung, daß dieser Teil der Frage von Schwierig- leiten strotze und zu großer Besorgnis Anlaß gebe. Aber daß die englische Regierung zunächst eingelenkt hat, ist nicht zu verkennen. Die Ursachen dieser Wendung sind nicht schwer zu finden. Sie ist vor allem auf die Ankunft des englischen Botschafters in Paris, Sir Francis Bertie, in London zurückzuführen. Die neueren Beschlüsse der englischen Regierung sind nach wiederholten Unterredungen mit Bertie und wahrscheinlich auf Grund derselben gefaßt worden. Bertie hat der englischen Regierung wohl keinen Zweifel darüber gelassen, daß die französische Regierung sehr ernste Bedenken dagegen hat, englisch-deutschen Eifersüchteleien zuliebe in einen Weltkrieg hineingchetzt zu werden. Damit mußte das allergefährlichste Moment der gegenwärtigen Krise, das darin bestand, daß England franzö- sischer sein ivollte als die Franzosen, wenigstens einigermaßen zurückweichen. Der zweite Umstand, der zur Beruhigung diente, war der, daß Deutschland, wie hier verlautet, auf die energischen Vor- stellnngen der englischen Regierung hin sich veraniaßt gesehen hat, Versicherungen zu geben, daß die deutsche Regierung keine aggressiven Ziele in Marokko selber verfolge und sich, sobald eine Beruhigung der Lage eingetreten sein wird, aus Agadir zurückziehen werde. Dahin wird der Passus der Asquithschen Erklärung gedeutet, daß er sich nunmehr über- zeugt habe, Deutschland begreife, daß englische Interessen direkt berührt sein können. Noch ein dritter Umstand hat dazu beigetragen, die englische Regierung zu ernüchtern. Die Regierung hat, wenn wir recht unterrichtet sind, in den kritischen Tagen bei den Führern der friedliebenden Fraktionen des Unterhauses nach- fragen lassen, wie sich ihre Anhänger zu einem deutsch-englischen Konflikt stellen würden. Lloyd George soll dabei persön- lich beteiligt gewesen sein. Was die Regierung da zu hören bekommen hat, mag im Vereine mir den Mitteilungen Sir Francis Berties, sie bewogen haben, die deutschen Versicherungen zur schnellen Einlcnknng zu benutzen. Die Katastrophe ist also diesmal vermieden worden, weil alle dreiRegierungen im letzten Augenblick vor den furchtbaren Konsequenzen ihres Vorgehens doch noch zurückschreckten und den Pfad der Mäßigung betraten. Die Tatsache, daß die Arbeiter- sch a st aller drei Staaten deutlich merken ließ, daß sie auf dem Posten stand, hat gewiß nicht wenig dazu beigetragen, sie vor dem letzten verhängnisvollen Schritt zurückzuhalten. Im heutigen„Daily Graphic" gibt Mr. Lucien Wolf, ein Publizist, der in auswärtigen Fragen oft gut unterrichtet zu sein pflegt, die folgende Darstellung der Lage:„Was geschehen war. ist dies: Nach der ersten Erklärung Asquiths im Unter- Hause teilte Sir Edward Grcy der deutschen Gesandtschaft niit, daß England eine dauernde deutsche Niederlassung an der marokkanischen Küste nicht dulden könne. Darauf ging keine Antwort ein, und da das Stillschweigen Deutschlands andauerte und die deutschen Schiffe noch immer in Agadir blieben, begann die britische Regierung zu glauben, daß sie mißverstanden worden sei. Auch war die Gefähr vorhanden, daß durch die Ignorierung des nicht sehr höflichen Still- schweigens Deutschlands der Eindruck erweckt werden könnte, daß England seine erste Warnung nicht ernst meinte. Dies waren die Umstände, unter denen Lloyd Georges Rede gehalten wurde, und zwar nicht nur mit der Genehmigung, � sondern im Auftrage des ganzen Kabinetts. Agadir. und Agadir allein, war im Sinne des Schatzkanzlers und seiner Kollegen. Es bleibt nur noch festzustellen, daß die Rede ihren Zweck erreichte, obschon sie zuerst die größte Irritation in Deutschland hervorrief. Die Abwickelung, zu der sie geführt hat, wird demnächst bekanntgegeben werden. Ihre zufrieden- stellende Natur wurde genügend, wenn auch etwas ungeschickt, von Asquith angedeutet, als er am Donnerstag sagte:„Es gab eine Zeit, wo wir nicht sicher waren, inwiefern wir völlig verstanden wurden. Ich freue mich zu sagen, daß wir uns jetzt vergewissert haben, daß dies nicht der Fall ist." Wenn sich also die unmittelbare Kriegsgefahr für den Augenblick verzogen hat, so heißt das natürlich noch lange nicht, daß die Lage nicht mehr zu Besorgnissen Anlaß gibt. Man kann nicht einen Tag sicher sein, daß nicht die eine oder die andere Regierung es plötzlich für angebracht findet, wieder die gepanzerte Faust zu schwingen und einen Weltenbrand zu riskieren. Nur die rastlose Wachsamkeit, die unerschrockene Entschlossenheit und das ungetrübte Einvernehmen der Arbeiter- schaft der drei Länder kann die Sicherheit dafür bieten, daß der Friede trotz aller dunklen Machinationen der internationalen Diplomatie gewahrt bleibt. Und auch im günsttgsten Falle niuß das Marokkoabenteuer Deutschlands zu langwierigen Auseinandersetzungen der Mächte führen, die jeden Augenblick bedrohliche Formen annehmen können. Tie Awinemiinder Unterhaltung zwischen Wilhelm II., Vcthmann Hollweg und Kiderlen- Waechter über die Marokkofrage hat am Sonnabend statt- gefunden. Das ist alles, was die Presse von der Zusammen- kunft zu melden weiß. Herr Kidcrlen-Waechter ist wieder nach Berlin zurückgekehrt und„verhandelt" weiter mit dem fran- �ösisckfen Botschafter Cambon. Die bürgerliche Presse aller Richtungen nimmt diese Ver- legung einer hochwichtigen politischen Angelegenheit in eine Schiffskajüte und in ein festverschlossenes Diplomatenzimmer mit der größten Seelenruhe als etwas Selbswerständliches hin. Nur hier und da macht ein liberales Blatt einmal ganz schüchtern an versteckter Stelle die Bemerkung, daß das deutsche Volk sozusagen auch Interesse an dem Austrag der Marokko- Händel habe. Diese Kühnheit wird aber sofort wieder weit- gemacht durch den Eifer, mit dem man über das Drum und Dran von Wilhelms II. Swinemünder Aufenthalt berichtet. So kann man im„Verl. Tagebl." genau nachlesen, was für Schuhe der Kaiser trug und was er für einen Hut aufhalte. Von Entrüstung über die echt absolutistische Art, mit der in Teutschland die ganze Marokkofrage behandelt wird, ist in der liberalen Presse nichts zu spüren. Man sieht ruhig zu, daß ein Mann wie Herr Kiderlen-Waechter, den man in den No- vemberdebatten des Jahres 1998, als die bürgerlichen Par- teien nach dem ruhmvollen Vorbilde der tapferen sieben Schwaben einen Angriff auf das persönliche Regiment unter- nahmen, nicht genug verspotten konnte, jetzt allein die Geschicke Teutschlands in der Hand hält. Und dabei sickert mehr und mehr die Erkenntnis durch, daß diese Hand sich beim Aus- spielen der Agadir-Karte als höchst unglücklich und ungeschickt erwiesen hat. Nichtsdestoweniger feiert die bürgerliche Presse Herrn Kiderlen-Waechter als einen großen Staatsmann und hofft von ihm, daß er den kleinlichen Schacher um einen Fetzen von Westafrika zur höheren Ehre der deutschen Nation durch- führen werde. Das deutsche Bürgertum hat eben die Staats- männcr, die es verdient: die deutsche Arbeiterschaft will aber von dieser leichtfertigen und gemeingefährlichen Art, wie man hierzulande Politik macht, nichts wissen: sie verlangt nach wie vor, daß das Volk auch ein Wort nntzureden hat, wenn man die Nationen gegeneinander ausspielt. Mag Herr Kiderlen» Waechter weiter handeln und schachern, die deutsdhen Arbeiter werden den weiteren Gang der Ereignisse jedenfalls aufmerk- samer verfolgen als das vertrauensselige und politisch charakterlose Bürgertum. An Vermutungen., wie das Schachergeschäft zwischen Deutschland und Frankreich ausfallen wird, fehlt es heute natürlich auch nicht, es würde aber schade um den Raum sein, den man auf ihre Wiedergabe verwendete. Erwähnt sei nur, daß die Meldung von einer Abtretung der deutschen Kolonie Togo an Frankreich gegen ein Stück des Gabon-Gebietcs immer wieder auftaucht. Italiens Ansprüche. Mailand, 31. Juli. Der hiesigen„Stampa" zufolge hatten der König und Giolitti gestern eine längere Besprechung der inter- nationalen Lage, bei der die Marokkofrage den Hauptgegenstand bildete. Man versichert, daß Giolitti sich mit dieser Angelegenheit sehr eingehend beschäftigt. Nach italienischer Auffassung besteht die beste Lösung der ganzen Frage, d. h. die Lösung, die für Italien am vorteilhaftesten wäre, in einer Rückkehr zur Akte von AlgedraZ oder, falls es zu einer Aufteilung des scherifischen Reiches käme. in angemessenen Kompensationeu. Eine offiziöse BeruIiigungSnote. Paris. 31. Juli. Die„A�ence Havas" veröffentlicht folgende Note: Berschiedene Zeitungen haben sich in der letzten Zeit zum Echo von tendenziösen Gerüchten gemacht, denen zufolge Deutsch- land zu ungütvöhnlichen Einberufungen von Reservisten schritte, während Frankreich seinerseits außergewöhnliche militärische Maß- nahmen träfe. Diese verschiedenen Gerüchte entbehren jeder Be- grüirdung._ Oerluft der SelHtändighelt. Als einen der schlimmsten Schrecken des sozialdemokratischen »ZukunflSstaateS" bezeichnen unsere Gegner den Verlust der Selbst- ständigkeit. Mit Entsetzen schildern sie. wie schauderhaft es sein würde, wenn kein Mensch mehr als selbständiger Unternehmer walten und wirken könnte, sondern jedermann gewissermaßen als Beamter seine Arbeit vorgeschrieben bekäme. Die guten Leulchen übersehen. daß schon heute in« Gegenwartsstaat, dessen Schönheiten sie nicht genug zu preisen wissen, die Zahl der Selbständigen rapide ab- nimmt. Die amtliche Statistik läßt darüber keinen Zweifel. Man vergleiche folgende Zahlen, die wir dem schon mehrfach zitierten neuen Werk des Direktors Ncuhaus vom Zlönigsberger Statistischen Amt entnehmen. In den drei Berufsabteilungen Landwirtschaft, Industrie und Handel sdie zusammen fast 8S Proz. der Bevölkerung umfassen, so daß die übrigen Berufsabteilungen neben ihnen kaum in Betracht kommen) gab es Selbständige, wenn man die Angehörigen mitzählt t 1882 1885 1887 18 388 000 18 800 000 16 800 000 Diese absolute Abnahme ist indessen nur scheinbar, weil sie lediglich die Angehörigen trifft. Zählt man die Erwerbs- tätigen für sich allein, so ist eine geringe Zunahme zu konstatieren, nämlich: 1882 1835 1887 6 180 800 5 476 800 6 480 000 DaS ist eine ganz winzige Zunahme. Und dabei darf nicht »ergessen werden, daß in der amtlichen Statistik zu den Selbständigen nicht nur die Eigentümer von Betrieben gerechnet werden, sondern auch leitende Beamte, Direktoren, Pächter usw., sowie auch die armen Hausgewerbetreibenden, unter denen sich viele Heimarbeiter befinden. Dagegen haben sich die Abhängigen sehr stark vermehrt- Die amtliche Statistik scheidet die Abhängigen in.Angestellte' und .Arbeiter'. Zu den A n g e st e l l t e n rechnen nichtleitende Beamte, BerwaltungS-, AufjichtS-, Bureaupersonal usw. Ihre Zahl betrug: 1882 1885 1307 387 800 622 000 1 291 880 Endlich die Zahl der Arbeiter: 10 705 000 12 815 000 17 335 800 Um die soziale Verteilung der gesamten Bevölkerung zu erkennen, muß man freilich zu diesen Zahlen der Erwerbstätigen auch die der Angehörigen hinzurechnen. � Dann ergibt sich für die 1382 1885 1807 Augestellten 838 080 1 620 080 3 070 000 Arbeiter 28370000 24262000 32375000 Hält man daneben die oben gegebene Zahl der Selb- st ä n d i g e n mit ihren Angehörigen, so zeigt sich, daß 1387 d i e Selbständigen noch nicht ganz ein Drittel der Gesamtheit ausmachten. Der Prozentsatz verteilte sich wie folgt: Selbständige Angestellte Arbeiter 1907 stund) 3278 Proz. 5«/, Proz. 61«/, Proz. Dabei ist aber der Anteil der Selbständigen zweifellos noch zu hoch gerechnet. Direktor Neuhaus meint selbst, man müsse nicht nur die Hausgewerbetreibenden abziehen, sondern auch die vielen Kleinmeister, die früher einmal selbständig waren und sich deshalb so in den Papieren bezeichnet haben, obwohl sie oft genug in schlimmerer Abhängigkeit leben, als die Heimarbeiter. Desgleichen dürsten(nach Neuhaus' Angabe) nicht wenige angebliche Pächter in Wahrheit nichts weiter sein als Angestellte der Eigentümer ihres Grundstücks. Zieht man das alles in Betracht, so kommt man nach seiner Schätzung zu dem Resultat, daß die Gesamtbevölkerung unseres deutschen Vaterlandes nur zu einem Viertel aus Unab- hängigen und zu drei Vierteln aus Abhängigen sich zusammen- setzt." DieS bedeutet aber— und das ist die Hauptsache— einen rapiden Rückgang der Selbständigkeit in diesen 25 Jahren. Denn es betrug der Prozentsatz der Selbständigen 1832 1895 1907 457z Proz. 42 Proz. 327z Proz. Unter den Abhängigen befinden sich naturgemäß am Arbeiter. Deren Prozentsatz betrug 1832 1885 527, Proz. 54'/, Proz. Die A n g e st e l l t e n sind an Zahl viel schneller vermehrt, nämlich wie folgt: 1882 1895 2 Proz. 8'/, Proz. Werfen wir nun noch einen Blick auf die soziale Gliederung, gesondert nach den drei Berufsabteilungen, so zeigt sich, daß im Handel die Zahl der Selbständigen zugenommen hat, und sogar ganz beträchtlich. Sie betrug 1832 1385 1387 701 588 843 500 IV, 2 200 447z Proz. 36 Proz. 28 Proz. Wir brauchen unseren Lesern nicht erst zu sagen, daß auch dies nur ein trügerischer Swein ist. Denn cS zählen im Handel als Selbständige die unzähligen Kleinen mit, die in Verzweiflung sich einen kleinen Kram aufgemacht haben, weil ihre Existenz in irgend einem anderen Berufe zugrunde gegangen ist. Das zeigt ja auch schon die Tatsache, daß zugleich mit der Zunahme der absoluten Zahl der Selbständigen im Handel ihr Prozentsatz gesunken ist. ES sind eben kleine Zwergbetriebe ohne Angestellte hinzugekommen, die ihre Inhaber mit Mühe und Not über Wasser halten sollen. Die Zahl der Angestellten im Handel ist viel rascher gewachsen, sie betrug 1882 1895 1887 141 580 262088 506 000 8 Proz. 11'/, Proz. 147z Proz. Und selbst die Arbeiter, von denen ja nur ein geringer Bruch- teil auf den Handel lommt, haben viel stärker zugenommen als die Selbständigen. An Arbeitern im Handel wurden gezählt: 1882 1885 1907 727 300 1 322 000 1 960 OOO 467g Proz. 527« Proz. b6'/z Proz. In der Landwirtschaft hat die Zahl der S e l b st ä n« d i g e n zuerst zu-, dann wieder abgenommen, und zwar sowohl ab« solut wie relativ. Sie betrug: 1882. 1385 1907 2290000 2 570000 2 500000 277, Proz. 81 Proz. 257g Proz. Die A n g e st e l l t e n der Landwirtschaft haben zugenommen, aber lange nicht so stark wie im Handel. Es wurden gezählt: meisten 1907 fast 62 Proz. geringer, haben sich aber 1807 fast 6 Proz. 1882 1885 1907 66 600 86 200 88 800 7« Proz.!>/, Proz. 1 Proz. Die Arbeiter haben in der Landwirtschaft zuerst ab«, dann zugenommen(also umgekehrt wie die Selbständigen), aber auch nicht in bedeutendem Maße. Es gab: 1382 1385 1907 5882 000 5 628 000. 7 283 000 717z Proz. 67-/z Proz. 727g Proz. Bemerkenswert ist, daß in der Landwirtschaft die mann- l i ch e n Arbeiter von 1882 bis 1807 um rund 600 000 abgenommen, die weiblichen um so stärker zugenommen haben. Endlich in der F n d u st r i e ist die Abnahme d e r S e l b- ständigen am stärksten. Ihre Zahl betrug: 1882 1895 1807 2 201000 2 062 000 1 877 000 Zl'/z Proz- 25 Proz. 177z Proz. Man braucht sie nur zu vergleichen mit der ungeheuren gleich- zeitigen Zunahme der Angestellten und Arbeiter, und man kann den Gang der sozialen Entwickclung, den stets fortschreitenden Berlust der Selbständigkeit mit Händen greifen. Angestellte wurden in der Industrie gezählt: 1882 1885 1807 89 000 264 000 636 000 17z Proz. 8'/, Proz. 6 Proz. und Arbeiter 4 086 000 6 356 000. 8 600 000 64 Proz. 72 Proz. 76'/z Proz. ES bleibt also dabei: wer sich an die Tatsachen hält, der mutz erkennen, daß im kapitalistischen Gcgenwartsstaat die Zahl der Selbständigen, die nach eigenem Gutdünken arbeilen, mit unbeim- sicher Geschwindigkeit abnimmt, und daß sich aus dem jetzigen Gang der Dinge eine immer schlimmere Knechtung all derer, die nützlich arbeiten, unter den Willen und daS Profitintercsse einiger Groß- kapitalisten ergibt, eine Knechtung, der durch eine vernünftige sozialistische Neuordnung der Wirtschaft ein Ende gemacht werden muß._ Die Ißanifeltation vom 15. flugalt. Man schreibt unS aus Brüssel: Die von der Arbeiterpartei und den Liberalen gemeinsam ver- anstaltete nationale M a n i f e st a t i o n für den 15. August für das Wahlrecht und gegen daS Schulgesetz verspricht nicht nur der Höhepunkt der Bewegung, sondern an sich eine einzig- artige Kundgebung zu werden, die an Teilnehmerzahl und Art wohl alles überstrahlen wird, was Belgien bisher an derartigem erlebt. Wie aus den Mitteilungen des gemeinsamen Komitees hervor- geht, sind bisher aus den Provinzen allein 110000 Teil- nchmer gemeldet, die durch ihre verschiedenen Gruppen Bahnbillctts bestellten. Diese Liste ist aber lange nicht vollständig. Gent wird ungefähr 7000 Sozialisten und 3000 Liberale entsenden.— Die Eiieitbahnverwaltung wird zirka 110 Extrazüge, je 1000 Personen fassend, einstellen. Sowohl die Staatslinien wie die konzessionierten gewähren den Gesellschaften in Gruppen eine 50prozentige Ermäßigung. Das Komitee tritt auch dem tendenziösen Gerücht entgegen, als ob für den Transport der Provinzmassen Viehwogen verwendet werden würden. Wegen des großen Andranges ist die Eisenbahnverwaltung allerdings gezwungen, Güterwagen für den Personentransport am 15. August zu adoptieren, die jedoch entsprechend zugerichtet und mit Bänken versehen werden und nur für die k u r z e n Strecken eingeschoben werden. Das normale Wagenmaterial erweist fich eben als viel zu gering für die Demonstrantenzahl I Wer aber etwa die vielleicht etwas weniger bequemen Wagen der Epezialzüge für diese Strecken befürchtet und auf die Beförderung mit den Normal- zögen rechnet, läuft Gefahr, nach Brüssel zu kommen, wenn die Manifestation zu Ende ist l Eine Garantie für die rechtzeitige An- tunft in Brüssel— 10 Uhr vormittags— haben nur die. die Sveziakzüge benutzen bezw. angemeldet sind. Das Komitee hat daher die Devise ausgegeben, daß alle Teilnehmer sich für die Gesellschaftszüge vormerken sollen, schon damit auch die Bahnen von vornherein wissen, auf welche Zahl von Passagieren sie zu rechnen haben. Wegen des Andranges wird am Nordbahnhof kein Spezialzug ankommen— sondern die Temonstrationsteilnchmer werden auf die verschiedenen anderen Ankunftsbahnhöfe verteilt Für die Massenbeförderung von diese» etwas abseits gelegenen Bahnhöfen nach dem Versammlungsplatze wird die Tramwahgesellschaft durch Einschiebung von autzertonrlichen Wagen zu sorgen haben. Auch der Wasserweg wird Manifestanten zuführen. Die Teilnehmer aus Willcbroeck werden aus Barken den nach Brüssel führenden Kanal benutzen.~ Das gemeinsame Komitee hat 1500 Ordner vorgesehen I Der AnsammlungSort befindet sich unweit vom Nordbahnhof. also im Zentrum der Stadt. Ilm 7ztt Ahr findet der Abmarsch statt. Der Zug ordnet sich alphabetisch nach den neun Provinzen. Nur Brabant, daS an der Spitze schreitet, macht davon eine Aus» nähme. Bei einigen Orten gehen die Sozialisten, bei anderen die Liberalen an der Spitze der Ableisimg. Auch christliche Organisationen, Freideulervereine und die Unterrichtsliga, die temperamentvoll den bürgerlichen Schulkampf geführt, beteiligen sich an der Manifestation. Eröffnen werden den Zug berittene Polizisten.— Ihnen werden die wirkliche.Töte" des Zuges, zehn Reiter, folgen, die rote und blaue Fahnen und Tafeln mit der Wahlrechts- und Schulforderung tragen werden. Dann kommen die sozialdemokratischen und liberalen Abgeordneten und Senatoren.— Der Zug wird über die Baute- vardS. an der Börse, dem RathauS, dem.Maison du Peuple' vor- bei bis zum Pari von Forest in eincin Brüsseler Vorort ziehen, wo die Meetings stattfinden. Ein Konzert der sozialistischen Arbeiter» kapellen, in einem anderen Teil deS Parks deS liberalen Musikkorps, werden die Meetings einleiten. Aus sechs Tribünen werden je ein Liberaler und ein Sozialdemokrat 20 Minuten sprechen, worauf daZ Kampfgclöbnis der Anhänger der beiden Par» teien erfolgt.— Darauf erfolgt der Rückmarscb der Teilnehmer, die man nach den bisherigen Anmeldungen auf 25 0 000 slbätzt. Die Organisatoren der Manifestation sind bereits mit fieberhaftem Eifer für die Propaganda und das Arraiigeincnt de? ZugcS tätig. Es läßt sich bei der Begabung deS belgischen Volkes für das Deko- ralive und Malerische erraten, welch' ein bewältigendes Bild der Bewegtheit und Farbenpracht dieser Aufmarsch von Tausenden bieten wird. politifcbc öcbcrficbt. Berlin, den 81. Juli 1911. Ter Auftakt z« einem neuen Kolonialfeldzuge. Berlin, 31. Juli. Aus Deutsch-Südwestafrika wird amtlich gemeldet: To es trotz aller Nachforschungen bis- her immer noch nicht gelungen ist, Ausklärung über das Schick- sal der Kolonne Frankenberg zu schaffen, und da außerdem auch die am Okavango gelegene Polizeistation Kuringkuru und die 60 Meter westlich von Andara(Libebe) gelegene Oblatenmission Niangana gefährdet erscheinen, hat fich der Gouverneur entschlossen, eine stärkere Expedition in den Nord- osten des Schutzgebietes zi» entsenden. Die Expedition setzt sich aus zwei Kompagnien, einer halben Batterie, einer Maschinen- gewehrabteilung und einem Vcrkehrszug zusammen. Ange- sichts der Länge der Etappenstrecke ist dieses Truppenaufgebot in Stärke von etwa 200 Mann(?) erforderlich. Die Führung übernimmt Major H i n s ch; auch der Ko m m a n d e u r derSchutztruppe.MajorvonHeydebreck, wird die Expedition begleiten. Tie Expedition richtet sich zunächst gegen die im Caprivi- zipfel wohnenden Stämme, dann kommen die Ovambos an die Reihe! Michel, tu Geld in Deinen Beuteil Reichseinnahmen. Daß die wirtschaftliche Konjunktur sich wesentlich günstiger gestaltet hat. beweist die Tatsache, daß die Einnahmen des Reiches an Zöllen, Steuern, Stempelabgaben und Gebühren im ersten Quartal des laufenden Rechnungsjahres, also in den Monaten April, Mai. und Juni, 405,5 Millionen Mark betragen haben, 38 Millionen Mark mehr, als sie nach dem Vor- anscklage einbringen sollten. Im einzelnen ergeben sich im Vergleich zu demselben Zeitraum des Rechnungsjahres 1910 folgende Einnahmen: Nach dem Voranschlag sollen die VierteljahreSeinnahmen 367,5 Millionen Mark betragen. Ter Voranschlag ist also, wie schon er- wähnt wurde, um 38 Millionen Mark überholt. Natürlirb läßt sich auS dieser vierteljährlichen Einnahme noch kein Schluß, auf daS Ergebnis des ganzen Jahres ziehen. Im einzelnen sind die Einnahmen aus den verschiedenen Steuerarten sehr schwankend; die Tabaksteuer ist um 1,1 Millionen hinter dem Voranschlag zu- rückgeblicben; ebenso haben den Voranschlag nicht erreicht: Salz- steuer, Erbschaftssteuer, Grundstückübertragungsstempel, Scheck- stempel und Brausteuer. Bei einigen dieser Steuern, so beim Scheckstempel und der Tabalsteuer, war der Anschlag schon heral'» gesetzt worden. Die Branntweinsteuer hat in diesem Vierteljahr den Voranschlag überschritten; doch läßt sich daraus, wie selbst liie offiziöse Darstellung der Steuereinnahmen zugibt, nicht der gc- ringste Schluß auf ihre Weiterentwickclung ziehen. Zigaretten- steuer, Zuckcrsteuer, Börsensteuer, Kraftfahrzeug, und Tantieme- steuer haben den Etatsvoranschlay überschritten. Frachtbrief- und Fahrkartensteuer erreichten den Voranschlag gerade. Die Offiziösen benützen natürlich auch diese? Teikergebnis her Zoll- und Steuereinnahmen dazu, die letzte Finanzreform als besonders gelungen zu preisen. Schwarze Volksfeinde. Die„Trierische LandeSzeitung', das bekannte rheinische Zentrumsblatt, befaßt sich in seiner Nr. 170 mit den gogewvärtigen Berfassungökonflilten im englischen Parlament. Der Artikel gibt der Sympathie der Klerikalen für die L�s- kammer offen Ausdruck und bedauert ausdrücklich, daß die feudalen Rechte des Oberhauses beschnitten und weniger edle Peers in die erste Kammer hineingeschoben werden sollen. Sehr ent- täuscht ist das Blatt, daß das„im Grunde doch sehr konservative englische Volk" sich für„sein Herrenhaus' nicht mehr gewehrt habe und zugebe, daß es zu einem Schatten gemacht würde. Der Leit- artikel schließt wie folgt: „Außerdem bedauern wir aufrichtiy, daß wieder ein Boll- werk der alten Zeiten in Europa verschwunden ist und daß der demokratische Gedanke wieder einen großen Sieg erringt. Es ist zu fürchten, daß die näckssten Jahrzehnte eine ganze Reihe von ähnlichen VerfaffungSändc- rungen sehen werden. Denn wenn die älteste und ehrtrürdi�ste Verfassung in Europa das Signal gibt, kann man es füglich jüngeren und weniger ehrwürdigen nicht verübeln, wenn sie eben folgen. Wiir aber schreiten auf dem Wege der Demokratie so wie so schon zu eilig daher.' ES wäre sehr interessant, zu erfahren, waS das Blatt mit dem letzten Satz meint. Vorläufig schmachtet daS Volk in dem eigenen Vaterlande der„Trierifchen LandeSzeitung'. in Preußen, noch unter dem undcmokratischsten, ungerechtesten und blödsinnigsten aller Wahlsysteme— dank vor allem der ZentrumZpartei, die sich so gern als demokratische Partei geberdet, obwohl ihre Führer im Innern ihres Herzens durch und durch konservativ und ur- reaktionär sind. Sie verraten es nur nicht so offen, wie das Trierer Blatt und wie dieser Tage die„Rheinische Volks- stimm e", das Organ des Rheinischen Bauernvereins, die eS in einer Betrachtung über die Verleihung eines relativ gufcn Wahlrechts an die Elsaß-Lothringer als erfreulich bezeichnete, daß im preußischen Abgeordnetenhause der Wahlrechtsantrag ab. gelehnt worden sei. Ma» solle„sich hüten,«ine Demo- kratisierung des Wahlrecht» vorzunehmen; denn „daS prcuhiffche Dreiklasscnwahlrecht ist eine wirkliche Vertretung der produktiven Stände', und man müsse,„solange es irgend geht. an ihm fest halten, trotz der sich vermutlich unausgesetzt wiederholenden Anträge der Linken auf Einführung des Reichstagswahlrechts und trotz der bedauerlichen Nachgiebigkeit der Regierung in der elsaß-lothringifchen Wahlrechtsvorlage'« Wie gewkrtschastet wird. »Äe Schuldenlast des Deutschen Reiches und der deutschen Bundesstaaten hat im Rechnungsjahr 1909 wieder eine beträcht- liche Steigerung erfahren, wie die soeben veröffentlichte Finanz- statistik nachweist. So hatte zu B e g in n des Rechnungsjahres 1910(also am 1. April 1910) das Deutsche Reich 4SS7 Millionen Mark Schulden gegen 3894 im Jahre 1909 und 3644 im Jahre 1908, so daß im Rechnungsjahre 1909 eine Zunahme um nicht weniger als 633 Millionen Mark stattgefunden hat. In den letzten neun Jahren hat sich die fundierte Neichsschuld um .2241 Millionen Mark oder 9ö Proz. erhöht. Die Schulden der Bundesstaaten betrugen 14 729 Millionen Mark gegen 13 679 im Jahre 1909. 12 929 im Jahre 1908, 12 742 im Jahre 1907, 12 307 im Jahre 1906, 12 181 im Jahre 1906 und 10 797 im Jahre 1901. Im Jahre 1910 hat hiernach eine Zunahme um 1050 Millionen Mark stattgefunden. Trotzdem also auch bei den Staatsschulden in letzter Zeit eine starke Steigerung der Ziffer eingetreten ist, haben sie verhältnismäßig nicht so sehr zu- genommen wie die Neichsschulden; in den letzten neun Jahren beträgt die Steigerung 3932 Millionen Mark oder 35 Proz. Die Vermehrung der Schulden war also beim Reich fast dreimal so groß als bei der Gesamtzahl der Bundesstaaten. Zieht man die gesamten fundierten Schulden des Reichs und der Bundesstaaten zusammen, so ergibt sich für 1910 der Betrag von 19 285 Millionen Mark gegen 17 573 Millionen im Jahre 1909, 16573 im Jahre 1908, 16 386 im Jahre 1907, 15 691 im Jahre 1906, 15 205 im Jahre 1905 und 13 112 Millionen Mark im Jahre 1901. Die Steigerung war also mit 1712 Mil« lionen Mark im letzten Jahre erheblich größer als in einem der voraufgegangenen Fahre. In den neun Jahren seit 1901 hat sich die Gesamtschuldenlast um 6173 Millionen Mark, also um mehr als 6 Milliarden Mark oder 47 Proz. erhöht. Klerikal-nationaNiberales Wahlbündnis. Immer wahrscheinlicher wird eS, daß sich bei den nächsten allgemeinen Reirvstagswablen die Rechtsnationalliberalen und da? Zentrum im rheinisch-westsälischen Jndustrierevier zu einem Wahl- bündnis gegen die Sozialdemokratie zusammenfinden werden. Den nationalliberalen Scharfmachern dünkt das Zentrum ein wesentlich»kleineres llebel" als die verhaßte Sozial- demokralie; und die Zentrumsgrößen jener Wahlkreise lassen leine Gelegenheit vorübergehen, um den nationalliberalen Großindustriellen zu versichern, daß sie zur Unterstützung der nationalliberalen Kan- didaten bereit seien, wenn ihnen Gegenseitigkeit garantiert werde. So erklärte erst dieser Tage wieder der Zentrumsabgeordnete Bartscher in einer im Wahlkreise Altena-Jserlohn abgehaltenen Versammlung: »Eine innere KrisiS machen zurzeit die Nationalliberalen durch. Der eine Flügel dieser Partei, die Jungliberalen, unterscheidet sich nicht sondeilich von de» Foriichrittlern, sie seien daher auch wie diese zu behandeln. Mit den Altliberalen hingegen verknüpften uns aus wirtschastlichem und sozialem Gebiet manche Bande. Die Alt- liberalen könnten wir daher bei Stichwahlen un- bedenklich heraushauen, immer vorausgesetzt natürlich, daß Gegenseitigkeit verbürgt sei. Ja, um sogenannte falsche Stichwahlen zu vermeiden, läge unier Umständen die Unter- stützung eines Altliberalen gleich im ersten Wahl- gange nicht außerhalb des Bereiches der Möglich- k e i t. Das setze natürlich eine vorzüglich geschulte Wählerschaft vor- �rnZ. wie sie zum Beispiel die Zcntrumspartei im Wahlkreise Altena- Iserlohn aufzuweisen habe.'_ Zur Nachwahl in Düsseldorf slelle» die Polen auch noch einen eigenen Kandidaten auf. Sie haben in einer Ber'amnilung am 30. Juli beschlossen, den Schrisisleller Dr. Chocacewsli aus Posen als Zählkandidaten zu nominieren._ Ter Konflikt der Techniker mit dem Neichsmarineamt. Aus Technikerkreisen wird uns geschrieben: Die Techniker der Bauämter in Kiel und Wilhelmshaven faßten am Sonnabend den einstimmigen Beschluß, mit dem heutigen Tage aus dem Dienste zu scheiden, weil das ReichSmarineamt trotz der scharfen Kritik der Oesfentlichkeit die Forderungen bis dahin nicht erfüllte. In letzter Stunde noch scheint Herr von Tirpitz einiges Entgegenkommen zeigen zu wollen, ohne sich aber für einen bestimmten Termin zu verpflichten. Damit konnte den Technilery nicht gedient sein, weshalb der einstimmige Beschluß zustande kam. Wie wir nun erfahren, sind in Kiel die Verträge mit den Tech- nikern nach dem VertragSmuster des Deutschen Technikerverbandes geschlossen worden. Aus Wilhelmshaven liegt zur Stunde noch kein dcsinitiver Bescheid vor, so daß die Techniker dort die Bureaus verlassen, falls nicht die gleiche Lösung wie in Kiel gesunden wird. Dasselbe trifft auch für die übrigen Dauämter zu. � Hiernach hätte Herr von Tirpitz endlich die Lösung gefunden, zu der er schneller und unter Vermeidung eines Konfliktes ge- kommen wäre, in dem die Oesfentlichkeit nicht auf seiner Seite stand, wenn er von vornherein die Organisation der Angestellten, den Deutschen Technikcrvcrband, der sich zu Verhandlungen sofort bereit erklärte, anerkannt hätte. Trotzdem wird natürlich die Interpellation im Reichstage nicht überflüssig geworden sein, wozu auch noch die Dienstverhältnisse anderer Kategorien seines Ressorts nötigen werden._§ Sozialdemokraten und Soldaten. In der letzten Sitzung des Kriegsgerichts der 17. Division fHan'burg) halten sick die Musketiere Jetschart und Petersen sowie der Gefreile. Dittmann vom Regiment�.Hamburg" wegen deS fluchwürdigen Verbrechens, an einem sozialdemokratischen Pfing st vergnügen teilgenommen zu haben, zu ver- antworten. Eine solche Beteiligung verstößt im Militärstaat Deutschland nickt nur gegen einen Korpsbefehl, sondern es soll dav durch auch die Gefahr eines erheblichen militärischen Nackteils ver- orsackt worden sein. Der Anklage liegt folgendes zugrunde: In der freien..Republik' Hamburg hält die Polizei nicht allein die Streikposten in Räson, sondern sie läßt auch— allerdings heimlich— von geheimen Polizisten die Pfingstvergnügungen der Sozialdemokratie überwachen. Dem.Geheimen" Ziegler fiel in dem Festzuge der Sozis die große Zahl der uniformierten Teilnehmer auf, die auch da» Fcstlokal betreten hätten. Herr Zieg- tcr meldete also dieses Vergehen am Allerheiligsten und hatte auch die Genugtuung, die drei von den vielen Soldaten, die mitten mang den Roten gewesen sein sollen, auf die Anklagebank gebracht zu sehen. Die Angeklagten D. und P., deren Führung als tadellos be- zeichnet wird, erklärten, den Charakter der festlichen Veranstaltung nickt gekannt-zu haben, wie sie auch nur vorübergehend im Lokale gewesen seien, während I.. der vor seiner Militärzeit dem Metall. arbeiterverbande angehört hat. aussagte, er sei abends zufällig in das erwähnte Lokal gekommen, was von Zeugen bestätigt wurde. Ter Ankläger äußerte feine sittliche Entrüstung über die Anwesenheit so vieler Militärpersonen auf einer sozialdemokrati- fckcn Feier, welche Erscheinung er als eine Schmach für da» Militär bezeichnete. I. müsse wegen Beweismangels frcige. fprochen werden, dagegen beantrage er gegen die beiden anderen wegen fabrlässigen Ungehorsams je zwei Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte gegen I. antragsgemäß auf Frei- sprechung'verurteilte aber die beiden anderen..Uebeltäter" wegen bewußten Ungehorsams zu je zehn Tagen Mittelarrest. Der bewußte Ungehorsam soll nämlich darin liegen, daß beide, als sie ihren Irrtum gewahr wurden, noch ein Töpschen Bier tranken, an- statt sofort aus dem Lokal zu lauf«. Oeltemlcb. Parlamentsschluß. Wien. 29. Juli. D a S Abgeordnetenhaus lehnte nach kurzer Debatte den sozialdemokratischen Antrag auf Erhebung einer Ministeranklage gegen daS frühere Kabinett wegen Erlassung von Notverordnungen ab. DaS Abgeordnetenhaus nahm hierauf den Handelsvertrag mit Montenegro an und ermächtigte die. Regierung, einen provis arischen HaiidelSvertrag mit Portugal abzuschließen und nahm dann den mittags infolge eines Irrtums abgelehnten Resolutionsantrag Sioelzl vetreffend die Fleischeinfuhr nach einem Kompromißantrag an. Da» HauS nahm sodann eine Reibe von NotslandSanträgen an und beendigte die Debatte über die Trohobyczer DringlickteitSanträge. Hierbei gelangte der vom Obmann deS PolenklubS gestellte Antrag zur Annahme, daß die Regierung eine strenge Unlersuchung ein- leiten, die Schuldigen bestrafen, die Opfer und deren Familien ent- schädigen und dem Hanse baldigst einen Bericht erstatten solle. Die übrigen sieben DringlichkeilSuniräge, worin Einsetzung einer parla- mentariichen UntersuckungSkommission verlangt wird, wurden abge- lehnt. Damit war das ArbeilSpeusum der Session erschöpft. Das Hau» trat seine Ferien an. perfien. Tas Parlament gegen den Ex-Schah. Teheran, 29. Juli. Der Medschlis nahm einstimmig den von einer Abgeordnetengruppe eingebrachten Gesetzentwurf an, auf den Kopf des früheren Schahs eine Belohnung von 100 000 ThomanS, und auf die Köpfe seiner Brüder Salar ed Dauleh und Schoa es Saltaneh eine solche von je 25 000 Thomans auszusetzen. Ferner wurde der Vorschlag der Regierung angenommen, das Gehalt des Chefs der Finanzgendarmerie um 250 englische Pfund jährlich zu erhöhen. Dieser Posten wurde dem ehemaligen Militärattache der englischen Gesandtschaft in Teheran, Major Stokes, angetragen. � Huo der Partei. Zum Parteitage in Jena. Die Parteigenossen, die als Delegierte oder als Reichstags- abgeordnete den vom 10.— 17. September in Jena stattfindenden Parteitag beiwohnen, werden ersucht, ihre Anmeldung bei dem Unterzeichneten umgehend zu bewirken. Ebenso wollen die Genossinnen, die als Parteitagsdelegierte oder zur Frauen- konferenz nach Jena kommen, ihre Anmeldung vollziehen. Das ParteilagSkomitee spricht dabei den Wunsch auS, daß bei der An- Meldung zugleich auch bemerkt wird, ob Hotel- oder Privat- Wohnung gewünscht wird und in welcher Preislage die Wohnung sich bewegen soll. Da dem Komitee genügend Hotel- und Privat- Wohnungen zur Verfügung stehen, weiden die geäußerten Wünsche ihre Berücksichtigung finden. H. Leber, Jena, Magdel stieg 3. Fritz Düvell tot! Am Sonntagnachmittag um 8 Uhr verstarb allen unerwartet Genosse Fritz Düvell, seit Januar d. I. Mitglied der. Redaktion deS sozialdemokratischen Pressebureaus. Der Verstorbene hat nur ein Alter von 3t Jahren erreicht. In jungen Jahren schon kam er zur Partei. Er war Lehrer in Bremen, kam dort mit der Partei in Berührung und bald glühte die starke Begeisterung, deren er fähig war. für die großen Ziele deS Sozialismus, für die Befreiung der Armen und Bedrückten. Mehr noch wie heute war es in früherer Zeit einem staatlichen Lehrer unmöglich, sich als Sozialdemokrat zu betätigen und als Lehrer weiter zu amtieren. Er quittierte den Bremer Schuldienst und ging als deutscher Lehrer an eine Schule nach Neapel, die dort von der deutschen Kolonie unterhalten wird. Einige Jahre war er in Italien tätig, dann trat er als Nc- dakteur in die»Dresdener VolkSzeitung' ein. der er voll« acht Jahre angehört hat. Nun erst in dieser unabhängigen Stellung konnte er seine Talente, seinen Eifer und sein starkes Pflichtgefühl voll in den Dienst der Sozialdemokratie stellen. Un- oblässig war er tälig, nicht nur in der Redaktion als Verfechter unserer politischen Ziele, sondern auch draußen in den Versamm- lungen, in Lehrkursen bei der Jugend und überall, wo eS galt, die Sache der Arbeiterschaft zu vertreten. Besonders die Dresdener Jugend, der er nicht nur Lehrer, sondern auch Freund und Berater war. hing mit großer Begeisterung an ihm. Mit Beginn de» JahreS 1911 siedelte er nach Berlin über, um in die Redaktion de« Pressebureaus einzutreten. Nur kurze Zeit war ihm vergönnt, an dieser Stelle zu wirken. Ein zunehmende? Nervenleiden warf ihn vor fünf Wochen auf» Krankenlager, von dem er sich nicht mehr erheben sollte. In den letzten Tagen stellten sich unerwartet heftige Verschlimmerungen ein, am Sonntag nach- mittag 3 Uhr verschied er. Seine näheren Kollegen und alle, die ihn kannten, werden ihm als treuen Parteigenossen immer ein ehren- de? Andenken bewahren._ Au» den Organisationen. Der sozialdemokratischeVerein für denReich»- tagSwahllreiS AugSburg-Wertingen hielt am 26. Juli seine JahreSversanimluna ab. Der Mikgliederstand ist von 1560 aus 1902 gestiegen. In gleich günstiger Weise haben sich die Kassen- Verhältnisse entwickelt; der Kasseudestand stieg in einem Jahre von rund 600 auf 3200 M. trotz der Ausgaben für ein« im Berichtsjahre stattgesunden« Gemeindewahl. Auch die Entwickelung der im abge- laufenen GeschäflSjahre durch die Partei übernommenen Druckerei und die Ausbreitung der Parleipcesse ist befriedigend. Die sozialdemokrati scheParteiEachfen-Alten- burgS hielt am 29. und 30. Juli ihren 2t. Parteitag in Eisenberg ab. Der vom Landesvorstand erstaltete Jahresbericht weist eine» e> treulichen Fortschritt auf. Die Zahl der organisierten Parteigenossen stieg im BeiichtSjahre l910/1l von 4914 auf 5757. Die Zahl der weiblichen Parteimitglieder steigerte sich von 628 auf 747. DaS Parteiorgan, die»Altenburger Volkszejtung", vermehrte seine Adonneutenzabl von 6813 auf 8746. Die Zahl der sozialdemokrati- schen Gcmeindevenreter stieg von t42 aus 154. Die Gesamt- einnähme der Partei betrug 19 572 M., die Ausgaben 18 130 M. Die Zahl der Organisalionen beträgt 36. Zum ersten Male hatte neben dem Landesvorstand auch die LandtazSfraktion einen schriftlichen Bericht erstattet. ES wurde be- schlössen, daß in Zukunft die Berichte deS LandeSvorstaildeS. der LandlagSfraktion ti»d der Geschäftsbericht der»Altenburger Volks- zeitnng" drei Wochen vor dem Parteitage als Beilage der»Volks- zeitung" zur allgemeinen KeniilniS gebracht werden sollten. Zur besieren Betreibung der Agitation wurde beschlossen, die Landtags« Wahlkreise al« Ag,tatio»Sbezirke einzurichten. Zur Betreibung der Aflilation in diesen Bezirken ist ein Bezirksausschuß von drei Per- soncn zu wädlen, unter denen sich der Landtagsabgeordnete deS Kreise» zu befinden bat. Der Loiidtagsfraklion wurde in einer Re- solution für ihr tatkräftiges Auftreten im Landtag« die Anerkennung des Parteitage» ausgedrückt. Zum deutschen Parteitag in Jena würde die Genossin Eichler au« Eisenberg und Genosse Redakteur Dikreiter-Altenburg gewählt. Für den Wahlkreis Rothenburg-HoherSwerda. der jetzt durch den«baeordnelen Bassermann vertreten ist, fand am 30. Juli in Weißwasser die Geiieralversamnilung statt, auf der ein sehr erfreuliches Wachstum der Partei konstatiert werden konnte. Roch im Jahre 1903 gab eS im Kreise nur 2 Ortsgruppen, jetzt waren 14 Orte durch 35 Delegierte vertreten. Die Mitgliederzahl ist von 697 auf 1128, also um 426 im Berichtsjahre gestiegen. Dw Abonnentenzahl der»Görlitzer BolkSzeitung" stieg um 700 auf 8500. Der Kreis ist, obwohl einig« Jndustrieorit dri» liegen, vorwiegend ländlich, doch sind gerade in den Landorten reckt er« freuliche Fortschritte gemacht worden. Die Einnahmen der KmS« lasse sind um 1050 M. aus 2283 M. gestiegen. Es konnten neben 150 Mitgliederversammlungen 34 Volksversammlungen abgehalten werden. Die sehr junge Bewegung findet in den entlegensten Winkeln deS Kreises jetzt BersammlungSgelegenheit. Erfolgreich konnte auch in Reichsverbandsversammlungen und freisinnigen Versammlungen agiliert werden, da sich im Kreise selbst eine Anzahl guter Redner herausgebildet hat. Von ber Beschickung des Parteitages wurde einstimmig abgesehen, um Kosten und die Zeit aller Parteigenossen für eine ganz intensive Wahlagitation aufzuwenden, die jetzt schon allsonntäglich im Kreise energisch betrieben wird. Die Aussichten für unfern Kandidaten Genossen Neumann-Räschen sind reckt günstig und eS ist nicht ausgeschlossen, daß dos Erbe BassermannS weder von den Freisinnigen(Goldschmidt) noch von den Konservativen cwgetreten wird, die sich darum streiten._ Kommunale Wahlerfolge in Holland. In den letzten Wochen haben in Holland die Neuwahlen und die daher notwendig gewordenen Stichwahlen zu den Gemeinde,» Vertretungen in den Städten und Landgemeinden stattgefunde«. Sie endeten mit mehr oder minder großen Erfolgen für die sozial- demokratische Arbeiterpartei. Nur hier und da find einige Niederlagen zu verzeichnen, die jedoch bei dem Gesamtergebnis wenig in Betracht kommen. Soweit die Ergebnisse bis jetzt vorliegen, hat die Partei in 32 Gemeinden 57 Mandate von den Gegnern erobert, und in 13 Gemeinden 15 bisher schon sozialdemokratische Mandate behauptet, während in einigen anderen Gemeinden 7 Mandate verloren gegangen sind. Die stärksten Erfolge kommen natürlich auf die größten Städte und Jndustriebezirke, jedoch zeigt eS sich, daß die Partei auch auf dem Lande Fortschritte macht. So sind z. B. in der stark klerikalen Provinz Friesland 11 Mandate sämtlich in Landgemeinden durch die Sozialdemokratie erobert worden. In Amsterdam ist die Zahl der sozialdemokratischen Stadt- verordneten von 9 auf 12 gestiegen. Im übrigen gehören dort von den im ganzen 45 Mitgliedern des Stadtparlaments 21 der libe- raten und der freisinnig-demokratischen Partei, und 12 den dkei klerikalen Parteien verschiedener Couleur an. Die Steigerung der sozialdemokratischen Vertreterzahl ist übrigens eine bei jeder Wahl regelmäßig wiederkehrende Erscheinung: erst waren eS nur 3, dann wurden es 6, dann 9, und jetzt sind es, wie gesagt, 12 So- zialdemolraten in der Amsterdamer Stadtverordnetenversammlung. Soziales. Ausweisung al» Strafe für unfolgsame Arveiter. Dem Amtsvorsteher Gustav Köhle in Bittkau a. E. gehört das dortige Riitmgut, mit dem auch eine Ziegelei verbunden ist. Hier arbeitete der Arbeiter Labazki, der österreichischer Untertan ist; er war, wie er sagte, ohne Kontrakt eingestellt, so daß er sein ArbeuSverhältniS j derzeit lösen konnte. Das tat et fcnn auch eines Tages, als es ihm an den Fleischtöpfen des Herrn Ritterguts- besitzers nicht mehr gefiel. Aber diese Lösung des Arbcitsverhält- nisses gefiel Herrn Köhle durchaus nicht, denn landwirtschaftliche und Ziegeleiarbeiter sind gegenwärtig eine sehr rare..Ware". Er behielt infolgedessen die Papiere deS Arbeiters Labazki ein, so daß dieser sich nicht nach anderer Arbeit umsehen konnte. Labazk, wandte sich nun in seiner Not an daS Arbeitersekretariat in Magde. bürg um Hilfe. DaS Sekret« tat schrieb an den Ritterguts» und Ziegeleibesitzer und erhielt folgende unglaubliche Antwort: Rittergut Bittkau a. E., den 28. Juli 1911. Arbeitcrsekreiariat, Magdeburg I Auf Ihr Schreiben von gestern teile ich Ihnen höflich mit, daß der Arbeiter Labatzki plötzlich ohne jeden Grund seine Arbeit verlassen hat. Da er trotz wiederholter Aufforderung die Arbeit nicht wieder aufgenommen hat, so habe ich seine Papiere dem Kql. Landratsamt in Stendal übcrsandt, und wird p. L. jedenfalls in den nächsten Tagen über dir österreichische Grenze transportiert. Hochachtend/ /.>-.•>, (k. Köhle. Dieser Fall illustriert von neuem die Rechtlosigkeit der AuS- länder in Preußen. Ihre Ausweisung verstoßt gegen das Reichs- sefctz, gegen das internationale Recht und gegen eine Reihe von Staatßverträgen. Aber ein Amtsvorsteher kann mit Bruch dieser Verträge drohen, weil der Arbeiter nicht bei ihm arbeiten will. DicS Verhalten zu ausländischen Arbeitern ist schlimmer als Sklaverei. Wird angeblich dem Profitinteresse eines Unter- nehmerS im Ausland zu nahe getreten, so werden Kriegsschiffe zur Wahrung der deutschen Interessen ins Ausland gesendet und mit dem Säbel gerasselt. Werden deutsche Arbeiter in ihren Rechten mißhandelt, so geschieht nichts derartiges, kann nichts er« folgen, weil Deutschland selbst ja trotz des Hinweises Oesterreichs, Italiens und der Schweiz darauf, daß der Legitimationskartenzwang und die damit verbundenen Ausweisungen einen Bruch der Staats- vertrüge bedeuten, eine Abänderung dieses Mißstandes beharr- lich verweigert. Das oben wiedexgegebene Schreiben des Amtsvorsteher» ist eine deutliche Widerspiegelung der Ansicht, daß Preußens Macht lediglich zugunsten der Unternehmer, in erster Reihe der agrarischen, und gegen die Interessen der Arbeiter in Bewegung gesetzt werden darf. Es schließt eine klare Anerkennung eine? Rechts auf den vom Unternehmertum und der Regierung gegen die Arbeiterklasse geführten Klassenkampfes in sich Fürsorge für unehrliche Kinder. DaS statistische Handbuch für das Deutsche Reich lehrt un», daß 1908 von 1000 ehelichen Kindern im ersten Lebensjahre 168 starben, von unehelichen dagegen 285. Solche Zahlen geben zu denken. Wenn trotz aller philantropischen Redereien auf diesem Gebiete noch kein besseres Ergebnis erzielt worden ist, so führt dies zu dem Schlüsse, daß daS Uebel, wie die Sozialdemokralie oft dargelegt hat, tiefer liegt. DaS„Recht", das der erste und oberste Fürsorger sein sollte, zeigt den unehelichen Kindern kein freundliches Gesicht, und daS böse Wort, daß sie unter„minderem Rechte" stehen, hat seinen Grund. Freilich hinterher, wenn die Not bereits eingetreten ist, kommt die öffentliche und private Fürsorge und sucht scheinbar zu retten, aber waS ist besser: wenn das Kind rechtlich so gestellt ist, daß seine Verwandten eS von vornherein unterstützen, oder wenn eS hinterher auf fremde Almosen angewiesen wird? Die Berufs« Vormünder sind der Ansicht, daß eine Aenderung der Rechtsstellung des unehelichen Kindes von Grund aus, wie sie so oft von der Sozialdemokratie angeregt ist, mit Aussicht auf Erfolg angeregt werden könnte, aber wohl sei eS möglich, daß Ungerechtigkeiten be- seitigt werden, unter denen durch die heutigen Rechtsanschauungen daS Kind zu leiden hat. Bon diesen Bestimmungen sei erwähnt, daß das Bürgerliche Gesetzbuch dem Kinde sagt: Du bist entgegen der von mir beliebten Regel länger als 302 Tage von deiner Mutter getragen worden; ein ordentliches uneheliches Kind darf sich solche Ausnahmen nicht zu schulden kommen lassen(auch wenn sie, wie bekannt, recht häufig sind», darum wird die Klage gegen deinen Vater abgewiesen. Oder: Deine Mutter hat auch mit an- deren als deinem Vater verkehrt, also erhältst du, uneheliches Kind, gar nichts. Eine Reihe solcher Vorschriften suchten bei Beratung des Bürgerlichen Gesetzbuchs insbesondere die Sozialdemokraten u beseitigen. Ueber solche Vorschriften, die das uneheliche Kind urch das Gesetz herabdrücken, haben sich die deutschen BerufSvor» münder auf Anregung des Archivs deutscher Berufsvormünder in Frankfurt a. M. gutachtlich geäußert. Hierüber werden auf der 6. Tagung Deutscher Berufsvormunder, die vom 17. bis 19. September 1911 in Dresden stattfindet, Stadtrat Rosenstock-KönigS- berg und Amtsgerichtsrat LandSberg-Lennep Bericht erstatten. Für den 2. BerhandlungStag steht daS Thema: Berufsvormundschast für Geisteskranke auf dem Programm.(Referenten: Rat Dr.,Crase- mann-Hamburg und Prof. Dr. Weygandt-Hamburg.) Der Be- grützungsabend bringt einen Vortrag deS Vorsitzenden des Archivs deutscher Berussvormünder. Professor Dr. Rlumker, über die Be- deujung der Berufsvormundschaftz für die VereinSarhej� GcwcrhrcbaftUcbce. ScharfmacherrcbwmdeL Nach oen aus den Fingern gesogenen Berichten der Scharfmacherpresse vom Sclsiage der„Hamburger Nachrichten" sollten während des nunmehr vier Monate dauernden Abwehr- kampses der Hamburg-Altonaer Holzarbciterschaft fast täglich arbeitswillige Tischlergesellen von Streikenden und ihren Helfershelfern überfallen und in„lebensgefährlicher Weise" mißhandelt worden sein. Frech wird hinzugelogen: „Annähernd 300 derartige Fälle sind in Hamburg, Altona und Wandsbek zur Kenntnis der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft gebracht." Durch dieses„Faustrecht" soll das Recht des einzelnen Arbeiters, das„Recht aus Arbeit", geradezu illusorisch gemacht sein. Deshalb her mit einem gesetzlichen Verbot des Streik- Postenstehens! Der Zweck dieser scharfmacherischen Stilübung zielt offenbar darauf ab, das vom Zentralverband deutscher Industrieller gesammelte„Material" über den angeblichen Terrorismus der Arbeiter zwecks Verbots des Streitposten- stehens zu komplettieren. Von den„annähernd 30(1 derartigen Fällen lebensgefähr- licher Mißhandlungen" ist nämlich im besagten Kampfgebiet nicht das geringste bekannt. Tatsache ist, daß man einen Ricseneifer entwickelt, um derartigen„Terrorismus" zu ent- decken, zumal ja auch, wie schon vor einiger Zeit mitgeteilt, der Arbeitgeberschutzverband der Holzindustrie eine Prämie ausgesetzt hat für die Ergreifung von„Attentätern". Daß durch solche Schwindelnotizen die Polizeiorgane erregt gemacht werden und noch mehr daneben hauen, als das sonst der Fall ist bei wirtschaftlichen Kämpfen, ist psychologisch erklärlich. Die Polizisten der Republik Mammonia machen Jagd auf olles, was nach Streitposten riecht, und die famose Hamburger Straßenordnung gibt ihnen die nötige Handhabe dazu. Die bloße Anwesenheit eines Streikpostens auf der Straße gilt, wenn das subjektive Ermessen des in solchen Dingen souverän entscheidenden Schutzmannes es so will, schon als ein zu„de- seitigendes Verkehrshindernis". Die Polizisten verfolgen sogar ausgesperrte Tischler bis in die Privatwohnungen anderer Leute, bloß weil sie jene im Verdacht hatten, sie könnten vielleicht Arbeitswillige anreden. Daß die Volizei- beamten den auf Bahnhöfen eintreffenden Streikbrechern den weitestgehenden„Schutz" angedeihen lassen, versteht sich am Rande. Der begleitende Tischlermeister braucht nur zu winken, dann ist sofort ein Polizeiaufgebot zur Stelle, um die „nützlichen Elemente" vor der Berührung mit Streikposten zu bewahren. Als vor einigen Tagen ein Strcikbrechertrupp eintraf, ließ dessen Führer, ein Meister, sofort einen Streik- Posten entfernen und bezeichnete noch weitere Personen als ..Streiker". Der Krauter hatte sogar die Frechheit, sich an den zum Bahnhof eilenden Genossen Stubbe, Mitglied der Hamburger Bürgerschaft, zu vergreifen, der ihn aber gehörig ablaufen ließ. Genosse Stubbe verlangte Schutz von den an- wesenden„Kriminals", die sich aber nicht rührten, worauf er von einem Uniformierten die Adresse des Streikbrechertrans- Porteurs feststellen ließ. So sehen die„Terrorismen" bei Lichte besehen aus. Be- merken wollen wir noch, daß der Riesenkampf im Hamburger Holzgewerbe geradezu mustergültig geführt worden ist, wie ,„das bei so gut disziplinierten Arbeitern nicht anders zu er- warten ist. Wohl haben sich die Gerichte schon wiederholt mit „Streikfachen" beschäftigt, indem sie in der Mehrzahl der Fälle »•-die von der Polizei gegen ausständige Holzarbeiter erlassenen Strafmandate wegen Nichtbefolgung polizeilicher Anord- nungen(Uebertretung der Straßenordnuug) wesentlich herab- gesetzt haben._ Lerttn und klmgegend» Die Tarifbewegung der Buchdrucker. Eine Versammlung der tariftreuen Buchdrnckergehilfen des TarifkreiseS VIII füllte am Sonntag den großen Saal der„Neuen Welt". Auf der Tagesordnung stand die Stellungnahme zu den Spezialanträgen auf Abänderung des Tarifs. Am Donnerstag hatte sich bereits eine Vertrauensmännerversamm- lung mit der Vorberatung der Anträge beschäftigt, die nun in einem fünf Kanzleiseiten starken Entwnrf gedruckt vorlagen. Der Gehilfen- Vertreter M a s s i n i erläuterte und begründete die Anträge in ihren wichtigsten Punkten. An der Spitze stehen die grundlegenden For- derungeu auf Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Sie kanten: 1. Eine Revision der§§ i und 16, die den verteuerten Lebensbedingungen der Gehilfen Rechnung trägt und deren materielle Loge aufbcflert. 2 Eine Revision des§ 1. die eine den Verhältnissen unseres Gewerbes angepaßte Arbeitszeitverkürzung zum Ziele hat. 3. Eine Revision des Z 6, die einer weiteren Einschränkung der lleberstunden in wirklich wirksamer Weise Rechnung trägt. 4. Eine der Prozentziffer der Arbeitslosen entsprechende Ver- änderung deS Z 13. 5. Eine zweckmäßigere Ausgestaltung der Arbeitsnachweise in bezug auf größere Wirksamkeil derselben. Dies sind in ihrer allgemeinen Fastung die Anträge, die von der gesamten Gehilfenschaft Deutschlands gestellt werden. ES ist selbstverständlich, daß die in den letzten fünf Jahren eingetretene Verteuerung der Lebenshaltung eine -nlsprechcnde Ausbesserung der Löhne notwendig macht. Die For- dernng auf Verkürzung der Arbeitszeit gründet sich nicht allein auf das allgemeine Verlangen der Arbeiterschaft, mehr Zeit zu gewinnen. um sich der Familie zu widmen und überhaupt ein menschen- würdiges Dasein führen zu können, sondern sie ist auch mit Rücksicht auf die technische Entwickelung im Bnchdruckgcwerbe notwendig, die dahin wirkt, daß immer mehr Arbeirskräfre überflüssig werden. AuS demselben Grunde ist eine Einschränkung der Ueberarbeit er- forderlich. Dem Unwesen der Ueberzeitarbeil muß, wie der Redner ausführte, ganz energisch entgegengetreten werden, was nicht allein dadurch geschehen kann, daß man die Pünzipale veranlaßt, einige Groschen mehr zu zahlen für die Ueberstnnden. Der Antrag 4 be- zieht sich auf die LehrlingSikala und soll ebenfalls zur Einschränkung deS UeberflusteS an Arbeitskräften dienen. Bei der Ausbildung der Lehrlinge ist, namentlich auch in der Provinz, keine genügende Ge- währ dafür geboten, daß sie etwas Tüchtiges lernen. Der fünfte Autrag ist darauf gerichtet, das unwürdige Umschauen nach Arbeit zu befestigen und dahin zu wirken, daß die Arbeit nur durch den Nachweis vermittelt wird. ES bandelt sich ferner um einen Antrag. bei Aushilfsarbeiten einen höheren Lohn festzusetzen, wie das in anderen Ländern z. B. in Oesterreich-Ungarn schon der Fall ist. ES folgt dann eine Reihe von Anträgen, die teils prinzipieller, teils technischer Art sind. Unter den piinzipiellen ist namentlich der eine Antrag deS GauvorsiandeS von großer Wichtig- keit, der einen neuen Absatz am Schluste der allgemeinen Bestimmun- gen darstellt und verlangt, daß die tarifliche Rechtsprechung durch Schiedsgerichte und Tarifamt sich nur oarauf erstrecken darf, ob eine Verletzung der Bestimmungen des Tarifs vorliegt: ein Urteil über die Ausübung organisatorischer Funktionen, wie über die Qualifikation eines Gehilfen zum Verlraueiismann, soll nicht zu den Aufgaben der tariflichen Instanzen gehören. verantw. Redäkt.: Richard Vorth, Berlin, ynseratenteik vergntiv� ' Ein weiterer ebenfalls vom Gaudorstand gestellter An- trag soll den Mitgliedern mehr Schutz gegen den Ausschluß aus der Tarisgemeinichaft bieten. ES müsse als notwendig angesehen werden, daß in solchen Fällen die höchste Instanz, der TarifauSschuß, das Endurteil spiicht. Ein anderer Antrag bezieht sich auf die Zilsainmenstellung deS Tarifamts, dessen Mitglieder bisher vom Tarifausschuß, allerdings auf Vorschlag der Organisationen, ernannt wurde. Der Autrag fordert Vornahme der Wahlen durch Urabstimmung in den tariftreuen Druckereien. Die übrigen Anträge b-zieben sich meist auf verschiedene Spezial- fragen der Lohn- und Arbeiisb.dingnngen, uns Abzüge vom Lohne und Lohnembehaltungen bei Schadenersatzansprüchen des Prinzipals, auf die Berechnung deS Satzes bei Akkordarbeit usw. Daran schließen sich dann noch verschiedene Anträge der einzelnen Sparren, wie der Stereotypeure. der Korreklore», der Maschinensetzer und der Maschinen- meister. Wie der Redner mitteilte, haben sich bereits sechs andere Tariskreise mit den Anträgen des Kreises VUl einverstanden erklärt, und der Redner empfahl der Verfamm- lung. nun auch die Anträge jener sechs Kreise, die sich prinzipiell mit den Anträgen des Kreises VIII decken, ebenfalls zu unterstützen. Dem Referat folgte eine kurze Diskussion, worauf sich die Versammlung mit den sämtlichen Anträgen ein- v e r st a n d e n erflärte, und das. was die technischen Anträge be- trifft, mit der Maßgabe, daß nach Verständiguilg mit den Antrag- stellern hier und da vielleicht noch eine kleine Aenderunq vor- genommen wird. Ebenso sprach sich die Versammlung einstimmig für die Unterstützung der Anträge jener sechs Kreise aus. M a s s i n i äußerte zum Schluß, daß die neue Tarifgemeinschaft das Werk des Friedens kein möge, was jedoch zur Bedingung habe, daß der Ent- Wickelung auf wirtschaftlichem und technischem Gebiete beim Abschluß deS neuen TarifeS Rechnung getragen werde. Der bekannte gelbe ArbeitSwilligenvermittler Katzmareck sucht in Berlin ebenfalls arbeitswillige Klempner nach Erfurt. Es sei vor dem Herrn gewarnt. Veutkckes Reich. Die Daimler Motoren-Gesellschaft in Nntertllrkheim bei Stutt- gart hat ihren ganzen Betrieb wegen Differenzen mit ihren Ar- beitern eingestellt. Es kommen etwa 3000 Arbeiter in Betracht. Den Grund zu den Differenzen bildet die Entlassung zweier Ar- bciter auf der Fräsereiabteilung. Die Direktion weigert sich, den Forderungen der Arbeiter nachzukommen und die zwei Arbeiter wieder einzustellen.— Auch in anderen Maschinenfabriken sind Lohnkämpfe ausgebrochen, bei denen etwa 500 Arbeiter in Betracht kommen. Der Oberbürgermeister von Stuttgart und die Vertreter der beteiligten Parteien werden in einer Versammlung zwecks Ver- Handlungen zusammenkommen. > Ausland. Die norwegische Mafsenaussperrung. Auf Veranlassung deS StaatSministerS sind die Vertreter der beiden Parteien am Sonnabend vo» neuem zu Verhandlungen zu« sammtiigekoiiimen, wobei der StorlhingSpräsidenl Halvorsen und der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Eriksen wiederuni als Vennittler tätig sind. Die Arbeiigebervereinigung hat jedoch auf ihrer General- Versammlung gleichzeiiig beschlossen, ihrem Haiiploorftand Vollmacht zu einer weiteren Aussperrung zu geben, die danach alle bei den Mitgliedern der Arbeitgebervereimgimg beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen umfassen lall Wird dieiei Plan ausgeführt, so steigt die Zahl der AiiSgeiperrien aus rniid 05 000. Offenbar will man durch diesen Beschluß einen Druck aus die Verhandlungen ausüben. Die Unternehmer haben an verschiedeneu Stellen versucht, die Arbeit mit uuorganisierren Leuten fortzuietzen, damit aber meist keinen Erfolg gehabt. Die Arbeilgeberve re'nsgung behauptet, daß die Unorganisierten es aus Furcht vor den organinerleil Arbeitern nicht lvagten, die Arbeil aufzunehmen, und verlangt deshalb ein Spezialgesetz zum Schutz der Arbeitswilligen. In Wirklichkeit ist e» jedoch die allgemeine Ent- rüstung über das brutale Vorgehen deS Unternehmertums und daS dadurch mächtig geförderte Solidaritätsgefühl, was auch die un- organisierten Arbeiter veranlaßt, zu ihren Klasfengenossen zu halten. Diese vom Zaun gebrochene Masicnausiperrung bildet in Wirklichkeit eine mächtige Agitation zur Erweckung des KlassenbewußiseinS und zur Förderung der sozialistischen Ausklärung.„Socialdemokraten" brachte in seiner Sonnabendnummer eine hübsche Federzeichnung, die uns einen ausländischen Touristen im Gespräch init einem aus- gesperrten Arbeiter zeigt, der sich eben aus dem Flusse ein paar Fische geangelt hat. Am jenseitigen Ufer liegen große Fabriken, wo niemand arbeitet. Unter dem Bilde steht folgendes: Der Tourist: Was macht man in all den rauchfreien Fabriken da drüben? Der Arbeiter: Sozialisten! Der Tourist: Ach so. Aber raucht denn keine jetzt? Der Arbeilerl Ja, in der Arbeiigebervereinigung raucht eS.— Wenn die Arbeiigebervereinigung ein besonderes Schutzgesetz für die arbeitswilligen Arbeiter verlangt, so wäre es vielleicht noch not- ivendiger, ein ähnliches Gesetz zum Schutze der arbeitswilligen Unleriiehmer zu schaffen, denn gegen diese werden von dem organi- sierten Unternehmertum alle möglichen terroristischen Mittel ange- wandt, um sie an der Fortsetzung der Arbeit zu verhindern. So be- findet sich in Larvik eine größere mechanische Werkstatt, die nicht der «rbeitgebervereinigung angehört und sich auch nicht an der Ans- sperrung beteiligt. In der Werkstatt werden Nägel gebraucht, die bisher vo» der Nagelwbril von Kristiania bezogen wurden, wo aus- gesperrt ist, aber immerhin noch genügend Vorräte dieser Ware auf Lager liegen. Jener Wersttatt wird jedoch die Lieferung von dieser Fabrik gänzlich angeschnitten, um sie zur Einstellung der Arbeit zu zwingen. Tie Auösperrnng im schwedischen Baugewerbe. Der Schlichtungsbeamte hatte den Parteien, wie schon erwäh.it, in der vorigen Woche neue Einigung-Zvorschläge gemacht, und diele gingen zunächst darauf hinaus, daß die Lohn- und ArbeitSbedin- guiigen, wie sie bis zum 1. April dieses Jahres bestanden, noch auf ein weiteres Jahr in Geltung bleiben sollten, so daß damit gleichsam ein Waffenstillstand zwischen den Parteien eingetreten wäre, der zur Verhandlung über neue Tanfverlräge benutzt werden sollte. Die Borschläge sind von vier der in Betracht kommenden Gewerkschaften anerkannt, von den übrigen jedoch abgelehnt worden, und dies in der Hauptsache mit der Begründung, daß man aus einer endgültigen Lösung der Streitfragen bestehen müsse, um nicht im nächsten Frühjahre von neuem einem Konflikt ausgesetzt zu sein. Der zentrale Arbeitgeberverband hat die VermitieliingSvorschläge auS ähnlichen Gründen ebenfalls abgelehnt. Der Verniiltelimg-Z- beamte hat daraus hin am Soiniabend die Parteien von neuem z» einer Verhandlung znsamiiienbcrufen. um zu versuchen, ob jetzt eine endgültige Lösung des Konflikies möglich sein werde. Die Auf- Hebung der Aussperrung für die unorgaiiisiezten Arbeiter, das Be- streben der Unternehmer, unorganisierte Leute zu beschäftigen, hat sehr wenig Erfolg gehabt. Wo man wirklich ein paar Maurer ge- flinden hat. fehlt es an Hilfsarbeitern, und wo einige arbeitswillige Hilfsarbeiter vorhanden sind, fehlt eS an Maurern, und ebenso steht es in den anderen aufeinander angewiesenen Gruppen des Bau- gewerbeS. In der vorigen Woche schien es, als �sollte die Aus- sperrung auch auf die kommunalen Gaswerke in Stockholm über- greifen. ES waren dort vier Arbetlcr entlassen worden, weil sie sich weigerten, Arbeiten für eine an der Alissperrung beteilig-« Rohr- legerfirma auszuführen. Inzwischen sind jedoch diese Arbeiten von der Stadt in eigene Regie übernommen worden, und die Leitung des Gaswerles hat sich nach Verhandlungen mit der Organisation bereit erklärt, die Entlassenen wieder einzilstellen.___ 'Th. GlsckS. Perlin. Nrud u. Verlag: BorwqrtK Buchdr. u. Verlagsanstalt Huö der frauenbewegung. Katholische Arbeiteriunenfreundlichkeit. Die praktische Sozialpolitik der katholischen Kirche fand ihre Grundlage in dem System vieler Feiertage. Dem kapitalistischen Drängen nachgebend, hat die Kirche von den.heiligen' Feiertagen immer mehr auf dem Altar der Profitmacherei geopfert. Kürzlich ordnete der Papst wiederum die Verlegung von sieben Feiertagen auf Sonntage am Das bedeutet für viele Arbeiter und nrbeitcrinncn eine Verlängerung der Arbeitszeit und gleichzeitig vermehrt diese— soziale Tat des Papstes die Arbeitslosigkeit. Jnteresiont ist nun, wie die„Arbeiterin', das Organ der süddeutschen katholischen Arbeiterinncnvereine, den kapitalistischen Liebesdienst deS Papstes in eine soziale Tat für die Arbeiterinnen umzumünzen versteht. GotteS- fürchlig und frech schreibt sie: „Daß der Papst ein Recht hat. diese kirchlichen Wochen- feiertage so zu ordnen, wisicy wir alle, und gehorsam wird die Christenheit auch in diesem Punkte dem Stellvertreter Christi auf Erden folgen. Daß der Hl. Vater aber auch gute Gründe zu dieser Neuordnung der Feiertage gehabt hat, schreibt er selber in diesem Erlasse. Einmal möchte der.Papst auf diese Weise in der ganzen Cbristenheit eine einheitliche Ordnung in der Zahl und in der Be- gehung der Feiertage durchführen. Dann will der Hl. Dater diese Regelung der Feiertage deswegen durchführer, weil zu viele Feier- tage im heutigen Geschäftsbetriebe eine große Störung find. Be- sonders aber hat den Hl. Bater zu diesem Schritte veranlaßt die ständig wachsende Teuerung der Lebenshaltung und die väterliche Sorge für jene, die von ihrem Lohne leben müsien. Für uns Christen ist da? wieder ein neuer Beweis, daß das Christentum nicht rückständig ist, sondern daß eS volles Verständnis hat für die Not der Zeit." Da» ist wirklich eine herzcrhebende Srbeiterinnenfreundlichkeit. DaS Zentrum beglückt sie mit der Brot- und Fleischwucherei und der Papst verlängert dafür die Arbeitszeit. Ja, ja. die christkatholische Arbeitcrinnensreundlichleit wandelt eigenartige Wege. Tie Frau gehört inS HauS. Kürzlich erging an die königlich bayerischen Bahnwärter die Aufforderung, von ihren Frauen den Zugdienst versehen zu lassen. Der Bahnwärter selbst soll auf der Strecke arbeiten, die Frau jeden Tag fünf Stunden Posten stehen, wofür sie S Pf.(I) die Stunde erhält. Wenn die Frau aus ivgendeinem Grunde den Dienst nicht verschen kann, soll der Bahnwärter auf einen anderen Posten versetzt werden I So sorgt das kapitalistische Staatswesen dafür, daß die Behauptung:„Die Frau gehört ins Hausl", wie sie erst noch vor einiger Zeit auch Mi Helm II. wiederholte, zu schan- den wird. Und wenn die Betroffenen nicht für den Hungerlohn von 9 Pf. pro Stunde arbeiten wollen, werden ihnen durch terroristische Mittel empfindliche wirtschaftliche Schäden zugefügt. sie werden versetzt oder, wie die Ankündigung sagt, durch Ein- ziehung der Posten entlassen. Das nennt man: christlich-humanes Staatswesen! Solche Maßnahmen tragen mehr zur Aufklärung bei, als es den Herren lieb sein kann. Die denkenden Arbeiter und Arbeiterinnen werden bei den kommenden ReichstagSwahlen die Rechnung begleichen!_ Berfammlungen— Veranstaltungen. Tempelhof. Die Genossinnen deS Wahlverein» Tempelhof ver- onstalten am Mittwoch, den 2. Angnst. ein KaffeekocheN im Parkrestanront Marienhöhe in Mariendorf. am Priesterweg sBahnhof Matiendorf). Treffpunkt 2 Uhr bei Thiel, Berliner Straße 4l/42. Letzt* ffocbricMcm Wald- und Moorbrände. Braunschweig, 31. Juli.(W. T. B.) Heute nachmittag find über tausend Morgen Heide- und Moorland im Kreise Gifhorn in Brand geraten. Nach einer weiteren Meldung sind in der Kolonie Neudorf- Platendorf fünfhundert Morgen fiskalischen Wäldes in Brand, ferner stehen bei Schönewörde mehrere hundert Mor- gen Wald und Heide in Flammen. Auch bei Wahrenholz ist ein großer Moorbrand entstanden. Finstcrwalde, 31. Juli. In der Nähe von Gohr», im Gebiet der Oberförsterei Grünhaus entstand ein Waldbrand, der sich schnell nach Norden ausdehnte und immer noch wütet. Nach einer Auskunft der zuständigen Forstbchörde dehnt sich der Brand in der einen Richtung vom Römerkeller bis nach Pechhütte ungefähr S bis 10 Kilometer aus. Schwerer Antomobilunfall. Wien, 31. Juli. Nach einem Telegramm aus Toblach scheuten dort vor einem Automobil die Pferde eines Wagens, in dem drei ägyptische Prinzessinnen saßen. Der Wagen stieß gegen einen Prellstein, schlug um; die Insassen wurden herausgeschleudert. Eine der Damen erlitt einen Schädelbruch, die zweite eine Gehirn. erschütterung. W dritte sowie der Kutscher leichte Verletzungen. Ekplofion eines BenzinballonS. . 31• Juli.(W. T. B.) Infolge der Hijze explo- dterte in Nachod in der Drogerie von Marek ein Benzinballou. Bier Personen wurden dabei schwer, mehrere leicht verletzt. Das Haus ist stark beschädigt. Massendiebstähle in MoSka«. Moskau, 81. Juli.(W. T. B.) Hier wurden Diebstähle im Sukkarc-wschcn Lombardbaus aufgedeckt. Pfandobjekte für mehr als hunderttausend Rubel sind gestohlen worden. Tie Uebeltäter waren offenbar mit den Räumlichkeiten vollkommen vertraut. Heute wurde daS Geschäftslokal scharenweise von den VerPfändern gestürmt. Tholera nnd Prst. Saloniki, 31. Juli.(Meld. d. W. k. k. Tel. Korr.-Bur.) Seit dem Auftreten der Cholera in Jpck sind 120 Fälle in der Stadt und in der Umgebung vorgekommen, von denen 60 tödlich verliefen. Auf die, Truppen entfallen 84 Fälle, von denen 40 tödlich waren. In Djakova tritt die Cholera milder auf. ES wurden keine neuen Fälle konstatiert. In Mitrowitza wurden zwei Soldaten von Cholera befallen.— Odessa, 31. Juli.(W. T. B.) Hier sind drei Pestfälle baktcrio- logisch festgestellt, einer in der Stadt und zwei unter der Mann- schaft des ungefähr seit Monatsfrist im Hafen liegenden DampserS „Woroncsh". Paul Singer Zi Co-, Berlin LW. Hierzu 2 Beilage»«.Untahallungöbü Ar. 177. 28. L KeilU des„öoraitfs" Kerlim Wksdlck. Sitlirtitj, 1. Zugliß 1511 Der Internationale Bergarbeiterkongreß. London, 27. Juli 1911. 3. Tag.(Fortsetzung.) Tholl(Deutschland) begründet eine Resolution, in der verlangt wird, die Arbeit der Kinder unter 14 Jahren im Bergbau und die Beschäftigung jugendlicher Personen unter 16 Jahren ,n » der Grube gesetzlich zu verbieten. Er kritisiert die Zustände, di" noch im Mansfelder und unterschlesischen Revier bestehen und weist besonders auch auf die gewaltige Zahl der Kinder zwischen 13 und 16 Jahren hin, die im britischen Bergbau beschäftigt werden. Auf früheren Kongressen hätten sich die Delegierten GrohbritannienS bei der Abstimmung über diese Frage stets der Stimme enthalten und erklärt, sie hätten von ihren Mitgliedern zu dieser Frage kein Mandat bekommen. Mit dieser Entschuldigung könnte man nicht immer kommen. Die Vertreter der Bergarbeiter müßten nicht allein Führer sein, sondern auch Treiber Wenn die britischen Bergarbeiter in dieser Frage mit ihren kontinentalen Kameraden nicht übereinstimmten, so liegt das daran, daß man sie über die Schäden der Kinderarbeit nicht aufgeklärt habe. B a l l a s(Belgien) gibt eine Statistik über die Beschäftigung von Kindern im belgischen Bergbau. Wie notwendig es sei, die Kinder aus den Grubenbetrieben zu entfernen und in die Schule zu schicken, beweise die große Zahl der Analphabeten(191 Analpha- beten auf 1666 Einwohner), die es in seinem klerikalen Heimat- lande gebe. Für die britische Delegation, die in diesem Punkte bisher eine sehr unklare Stellung eingenommen hat, sprach der Delegierte S t r a k e r. Die Briten verlangten getrennte Abstimmung über den ersten Teil(Verbot der Arbeit für Kinder unter 14 Jahren) und den zweiten Teil(Verbot der unterirdischen Beschäftigung für Jugendliche unter 16 Jahren). Der Redner erklärte, daß die bri- tische Delegation für den ersten Teil stimmen werde; sie habe kein Mandat bekommen, für den zweiten Teil zu stimmen. Auf den jährlichen Generalversammlungen der britischen Bergarbeiter- Föderation habe noch kein Distrikt den Antrag gestellt, das Verbot der unterirdischen AeschäfH�ung jugendlicher Arbeiter anzustreben. Nach den Satzungen der Föderation könne nur ein angeschlossener Distrikt eine Resolution einbringen. Der Vorstand habe aber be- schlössen, auf der nächsten Generalversammlung entgegen dieser Bestimmung die Annahme einer Resolution zugunsten des Verbots der unterirdischen Beschäftigung jugendlicher Arbeiter vorzu- schlagen. In den Beratungen über das neue Berggesetz, die äugen- blicklich im Parlament stattfinden, hätten die Vertreter der Berg- arbeiter beantragt, das Arbeiten aller Kinder unter 14 Jahren im Bergbau zu verbieten. Der Redner spricht den Deutschen, die es in der Einschränkung der Kinderarbeit schon so wert gebracht hätten, ein hohes Lob aus. I ar o l i m(Oesterreich) schildert die Errungenschaften der öfter- reichischen Arbeiter auf diesem Gebiete. Kinder unter 14 Jahren würden im österreichischen Bergbau nicht mehr beschäftigt; auch sei die unterirdische Beschäftigung jugendlicher Arbeiter fast gänzlich verschwunden. Eine Gcsctzesvorlage über das Verbot der Kinder- arbeit habe im letzten Parlament die Zustimmung der Regierung gefunden. Durch die Auflösung des Reichsrats sei das Gesetz nicht erledigt worden. Er schließt seine Rede mit einem Appell an die britischen und französischen Kameraden, in dieser Frage endlich mit ihren Freunden aus den anderen Ländern in Reih und Glied zu treten. S o r r i a u x(Frankreich) erklärt im Namen der fran- zösischen Delegation, daß seine Freunde sich wie in früheren Jahren der Abstimmung enthalten müssen, da sie von ihren Ge- werkschaften kein Mandat erhalten hätten.— Der erste Teil wird einstimmig angenommen; bei der Abstimmung über den zweiten Teil der Resolution enthalten sich Großbritannien und Frankreich der Abstimmung. Zu dem sechsten Punkte der Tagesordnung lidgen Anträge ouS Oesterreich, Belgien, Deutschland und Frankreich vor, die die Einführung des Achtstundentags mit Ein- und Ausfahrt für Unter- wie Obertagearbeiter verlangen. C i n g r(Oesterreich) berichtet über die Dauer der Arbeitslosigkeit im österreichischen Bergbau und betont die Wichtigkeit des Prinzips, die Ein- und Ausfahrt als zur Arbeitszeit gehörend zu betrachten. In Oester- reich, wo im Steinkohlenbergbau der gesetzliche N e u n stundentag einschließlich Ein- und Ausfahrt eingeführt sei, dauere die effek- kleines feuilleton. Was beim Fliegen verdient wird. Die Tage der großen Rennen der Lüfte sind für dieses Jahr vorüber, die Entscheidungen über die großen Preise sind gefallen und eine ganze Reihe kühner Pioniere der Lüfte, die zu Beginn des Jahres vielleicht nichts besaßen als ihren Wagemut, sind nicht nur berühmt, sondern auch Besitzer eines Vermögens geworden. Das Jahr 1910 war noch das„Jahr der Flieger-MeetingS", das Jahr 1911 wurde bereits die Saison der großen Rennen, und damit wuchsen auch die Preise zu sechsstelligen Zahlen au. An der Spitze steht wohl der deutsche Rund- flug, bei dem insgesamt 442 666 M. an die Teilnehmer ausgezahlt wurden, der europäisch� Rundflug stellte zusammen 376 660 M. für die Flieger zur Verfügung, England hatte für den englischen Rundflug 264 606 M. ausgesetzt und die beiden schwierigen Rennen Paris— Rom und Paris— Madrid verfügten je über 126 666 Mark. Das große Los in dieser Lotterie des Erfolges hat Beaumont gezogen, der insgesamt im Verlaufe von kaum drei Monaten 468 660 Mark erhalten hat. Er gewann im europäischen Rundfluge 123666 Mark) im englischen Rundfluge 266 666 M. und als Sieger des ersten Preises Paris— Rom 86 666 M. Sein gesähr- lichster Nebenbuhler VedrineS hat rund 166 66 M. eingenommen. An dritter Stelle steht wohl Garros, der als Teilnehmer der Flüge Paris— Madrid und Paris— Ronrlsowie deS curopäischeu Rundfluges 126666 M. empfing. Aber es ist ein mrter den Laien vielfach verbreiteter Irr- tum, anzunehmen, daß die Flieger diese gewonnenen Summen für sich allein verdient haben. Sie haben einen erheblichen Teil der Kosten selbst zu tragen. In der Regel besteht ein Abkommen mit der Flugmafchinenfabrik, die mit ihren Rennern einen Vertrag schließen, wonach die Hälfte der Gewinne der Fabrik, die andere Hälfte dem Flieger zukommt. Dabei muß der Flieger seine persönlichen Aus- gaben selbst bestreiten, während die Fabrik das Flugzeug und den Motor liefert, die Organisation des Rennens milbezählt und alle LuSbesserungeu beträgt. Musik. Am Sonntag wurde in der sommerlichen Hagin-Oper bei Kroll ein Werk sehr kühl aufgenommen, das ein besseres Schick- sal durch eine bessere Darstellung verdient. Julius Bittner hat unter dem Titel„Der M u s i- kant" eine Oper gedichtet und komponiert, die er gar nicht so, sondern nur als„Zwei Akte" bezeichnet. Er führt uns ins Jahr 1786 in eine süddeutsche Duodez-Residenz. genannt Salburg, und in das zugehörige Nest Gscheidheim. Es ist die Zeit, in der die fürst- lichen und anderen Herren zwar die Musikanten zum Amüsement gerne haben, je nach Bedarf aber sie auch mißhandelten. Es ist auch die Zeit, in der durch die Herrschaft des Italienischen in der Musik hindurch deutsches Fühlen sich emporrang und das neuere deutsche Kunstlied in seinen Anfangen war. Der fahrende Tonlünstler Wolfgang Schönbichler komponiert rasch eine Serenade für den Herzog und führt sie mit Erfolg auf. Er komponiert aber auch ein Lied so recht aus deutschem Herzen heraus. Seine Geliebte die Sängerin Violetta, singt es vor den Lcuten in ihrer italienischen Weise, Den lustigen Spießbürgern tio« Arbeit kaum länger als in Großbritannien, wo der Acht- stundentag ohne Ein- und Ausfahrt Gesetz wäre. Calnewart(Belgien) schildert den Fortschritt, der in Bel- gien in der gesetzlichen Beschränkung der Arbeitszeit der Berg- arbeiter im letzten Jahre gemacht wurde. In Belgien bestehe >etzt der neuneinhalbstünhige Arbeitstag für Bergarbeiter; im nächsten Jahre trete der gesetzliche Neunsinndentag in Kraft. London, 28. Juli 1911. 4. Tag. In der Donnerstagsitzung wurde die Diskussion über den Acht- stundentag fortgesetzt. Schmidt(Deutschland, H.-D.) führt aus, daß Deutschland, obwohl es sozialpolitisch anderen Ländern in manchen Beziehungen voraus sei, in bezug auf die Einschränkung der Arbeitszeit noch hintenan stehe. Die Länge der Schicht hänge ganz von dem Ermessen der Werkbesitzer ab. Die einzige gesetzliche Einschränkung der Arbeitszeit, das Verbot, an heißen Orten nicht länger als sechs Stunden zu arbeiten, werde durch die Umgehung der Gesetze illusorisch gemacht. Degrehaut(Frankreich) bc- richtet, daß das Achtstundengesctz, das den französischen Berg- arbeetern nach dem furchtbaren Unglück zu Courriere gewährt worden sei, von den Werksbesitzern regelmäßig umgangen werde. Lange Schichten, die nach dem Gesetz nur die Ausnahme bilden sollten, würden durch Androhung von Maßregelungen erzwungen. Eine Abänderungsvorlage zu diesem Gesetz, die manche Forderung der Bergarbeiter erfülle, sei vom Senat gänzlich verstümmelt Wochen.— Die vier Resolutionen wurden einstimmig angenommen. Zu dem Punkt„Alters- und Invalidenrenten" liegen Rc- solutionen von Oesterreich, Frankreich und Belgien vo» Ebert (Oesterreich) schildert die österreichischen Bruderladen, die eine ver- schlechtere Ausgabe der, deutschen Knappschaftskassen darstellen. Die österreichischen Bergarbeiter strebten danach, die Bruderladen abzuschaffen, um der allgemeinen Arbeiterversicherung angegliedert zu werden. Lombard(Belgien) berichtet über das neue Alters- rentengesetz in Belgien, das nächstes Jahr in Kraft treten soll. Nur sehr geringe Renten sollen bezahlt werden(366 Frank jähr- lich nach dem 66. Lebensjahre und 36 Jahren Grubenarbeit), immer- hin müsse das Gesetz als ein Fortschritt bezeichnet werden. Bartuel(Frankreich) klagt über die winzigen Altersrenten, die den französischen Bergarbeitern bezahlt würden. Die französischen Bergarbeiter hätten beschlossen, noch einmal zu versüchen, die Re- gierung zu bestimmen, etwas für die alten Bergknappen zu tun; werde ihnen kein« Satisfaktion gegeben, so würden sie zum Streik areifen. Leimpeters(Deutschland) sieht in Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit davon ob, näher auf das deutsche Versichc- rungsshstem einzugehen. Er fordert das internationale Sekretariat auf, einen umfassenden Bericht über die Sozialversicherung der ver- schiedenen sstaaten herauszugeben. Die deutschen Bergorbeiter ver- langten eine Rente von mindestens 966 M. jährlich; der Forderung der Belgier und Franzosen, die eine Mindcstrente von 666 und 736 Franks wünschten, könnten sie nicht zustimmen. Die Anträge werden schließlich mit der Bestimmung, daß die Mindestforderungen der Belgier und Franzosen für andere Natignen nicht maßgebend sein sollen, einstimmig angenommen. Eine interessante Diskussion entspann sich darauf über das Thema:„Exmissionen". Großbritannien hatte dem Kongreß einen Antrag unterbreitet, in dem die schlechten Wohnungsverhältnisse der Bergarbeiter und die Praxis der Werkbesitzer, streikende Ar- beiter aus den Zechenwohnungen zu exmittieren, verurteilt wird. Es wird ein Gesetz verlangt, das derartige Exmissionen während eines wirtschaftlickjen Kampfes verbietet. G i l m o u r(Groß- britannien) geißelt mit scharfen Worten die barbarische Kriegs- führung gewisser Unternehmer, die während eines Streiks die Frauen und Kinder der Streikenden auf die Straße setzen, um Platz für Streikbrechergesindel zu schaffen. Dejardin(Belgien) berichtet über ähnliche Zustände in Belgien. Vor kurzem sei«ine belgische Gesellschaft während eines Streiks nur nicht zur Ex- Mission von 966 Berarbciterfamilien geschritten, weil man einen Aufstand befürchtete. Um die elenden Wohnungsverhältnisse der belgischen Bergarbeiter zu charakterisieren, zitiert er aus dem kürzlich veröffentlichten Bericht einer Gesellschaft für WohmmgS- rcform. Die Mitglieder dieser Gesellschaft berichten über Berg- arbeiterhäuser im Lüttichcr Bezirk, die ckucn Kaufwert von nur 966 Franks hatten. Kattenberg(Deutschland) verurteilt das Vorgehen deut- »cher Werksbcsitzer, die streikende Bergarbeiter, wie vor kurzem in der Lausitz, auf die Straße setzten. Um den ausländischen Käme- raden daS Wohnungselend in Niederschlesien zu veranschaulichen, hat er einige Photographien der Einzimmerwohnungen mit- gebracht, in denen ein Drittel der niederschlesischen Berg- arbeitsr hau,en. Er spricht den Wunsch aus, daß das internationale Sekretariat bald einen Bericht über das Woh- nungswesen in den Bcrgwerksbezirken der herschiedenen Länder herausgeben möge. Cadot(Frankreich) schildert die Verfolgungen, die die organisierten französischen Bergarbeiter nach ihrem letzten großen Streik erleiden mußten, wie sie nicht allein aus den Zechen- Wohnungen gewiesen wurden, sondern auch wegen des von den Unternehmern ausgeübten Tcrrorismus bei den Bauern kein Unter- kommen finden konnten. I a r o l i m(Oesterreich) beschreibt die Kampfesweise der österreichischen Unternehmer, die streitende Ar- beiter nicht nur exmittieren, sondern auch, nachdem sie die Arbeiter unterstandsloS gemacht, in ihre Heimat zurücktransportieren ließen. — Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Eine von Großbritannien gestellte Resolution, in der sich die Bergarbeiter für den Frieden aussprechen und die Einführung von internationalen Schiedsgerichten verlangen, wurde von dem greisen Bergarbeitervertreter B u r t begründet. H u e(Deutschland) ver- sicherte iU einer mit großem Beifall aufgenommenen Rede den An- wesenden, daß die große Masse des deutschen Volkes für den Frieden eintrete. In Deutschland wie in anderen Ländern bildeten die Kriegshetzer nur einen winzigen Teil des Volkes. Herr Lloyd George habe von der Unvermeidlichkeit des Krieges gesprochen, wenn die Lcbcnsintcressen des Landes gefährdet seien. Wer aber be- stimme, daß dieser Fall eingetreten sei? Nicht das Volk, das in allen Fällen unter dem Kriege leiden müsse. Selbst ein siegreicher Krieg sei für das Volk ein Unheil. Er weise auf Deutschland, das sich durch seinen Krieg mit Frankreich und die Annektierung Elsaß-Lothringens eine Nüstungsschuld von 5 Milliarden Mark aufgebürdet habe, die wie ein Alp auf dem deutschen Volke laste. Die Verschlechterung der Lag- des japanischen Volkes nach dem sieg- reichen Krieg« mit Nußland, des englischen Volkes nach dem Buren- kriege lege Zeugnis davon ab, daß der Krieg in jedem Falle ein Unglück für das Volk bedeute. Q u i n t i n(Frankreich) schließt sich den Worten des Vorredners an.— Die Resolution wird unter stürmischem Beifall angenommen. Nach Schluß der Donnerstagsitzung besuchten die Kongreß- delegierten die im Norden Londons gelegene Gartenstadt Hampstead, wo sie recht interessante Wohnungsstudicn machten. 5. Tag...... London 28. Juli 1911.' Am letzten Tage beschäftigte sich der Kongreß mit der Frage der Regelung der Produktion. Die Belgier verlangten in einer Resolution, daß zur Erreichung der Regelung der Kohlenproduktion im Notfalle ein internationaler Bergarbeiterstreik erklärt werden sollte. Die Franzosen forderten die Arbeitseinstellung für den Fall, daß in dem Nachbarlande ein allgemeiner Streik proklamiert worden sei. Calnewart(Belgien) bemerkt einleitend, daß es nicht an- gehe, eine so wichtige Frage wie die Regelung der Produktion stets am Ende des Kongresses zu diskutieren. Er wünscht, der Kongreß möge das internationale Komitee beauftragen, einen Aktionsplau zur Regelung der Produktion zu entwerfen, um ihm im nächsten Jahre dem Kongreß gleich beim ersten Punkt der Tagesordnung vorzulegen. Es müßten Lösungen zu den folgenden drei Fragen gefunden werden: Wie kann der Ueberproduktion mit den daraus resultierenden Feierschichten und Löhnkürzungen entgegengewirkt werden? Wie kann die Einfuhr von Kohle in ein Land, wo die Bergarbeiter streiken, verhindert werden? Kann der Krieg dadurch verhindert werden, daß die Bergleute die Arbeit einstellen? Cadot(Frankreich) begründet die Notwendigkeit des franzjj- fischen Vorschlags mit dem Hinweis darauf, daß die von dem rhei- nisch-westfälischen Kohlensyndikat organisierte Ueberproduktion auf die Lebenshaltung der nordfranzöfifchen Bergarbeiter drücke. Als sich vor kurzem die Vertreter der Bergarbeiter und Unternehmer des nordfranzöfifchen Kohlengebietes zusammenfanden, um über eine Lohnforderung zu verhandeln, seien zur selben Zeit große Mengen Kohle von dem deutschen Syndikat in Arras und Douay den Händlern und Fabrikanten zu Schlenderpreisen angeboten worden. Die französischen Unternehmer hätten angesichts dieser Schmutzkonkurrenz die Lohnforderung nicht bewilligen können. Pläßmann(Deutschland) bedauert, daß es wegen der Kürze der Zeit, die ihm zur Verfügung stehe, nicht möglich sei, die von dem rheinisch-westfälischen Kohlensyndikat befolgte Wirtschaft»- von Gscheidheim, die sich an Alkohol und Hofmode beschwipsen, ge- fallt das außerordentlich. Nur Schönbichler ist darüber und über das Kokettieren Violettas mit dem„Spielgrafen' des Herzogs un- glücklich. Der entführt sie; der Musikant fährt dazwischen, wird aber von des Grafen Dienern hingeworfen und in Fesseln liegen gelassen. Inzwischen war jedoch durch das ganze Stück still und bescheiden noch eine Mnsikantin gegangen, Friederike, mit heim- lichcr Liebe zum Musikanten. Jetzt befreit sie ihn von seinen Fesseln und seiner Verzweiflung und führt ihn, künstlerisch mit» fühlend, zu seinem Schaffen zurück, als eine Muse des deutschen Liedes. Das hat Bittner komponiert mit Aufgebot moderner musikali- scher Darstellungsmittel, doch ohne Uebermaß im Orchester, mit reichlicher Verwendung der Harfe und der Humortöne, die nament- lich im Fagott liegen. Aber er verwendet seine Darstellungsmittel dazu, uns anschaulich in die damalige Rokokozeit der Musik zurück- zuversetzen, in die Kombination von Innigkeit und Tändelei, kind- licher Einfachheit und emporstrebendem Reichtum, Heimischem und Fremdem. Er hat sein Werk„durchkomponiert", d. h. er läßt keinen Dialog spreckwn und läßt auch charakteristische Trivialitäten singen, und er legt sein Wer? nicht auf„Nummern" an, ausgenommen die aus der Gesamtanlage heraus notwendigen Einzellieder. In leb- haftcm Wechsel begleiten seine mannigfach verschiedenen Rhythmen und Weisen und Klangfarben die Vorgänge, stellcnwcis breit wie das Textbuch, das aber im guten Sinne literarisch durchgearbeitet ist. Das Ueberviel an einzelnen charakteristischen Gegensätzen läßt leider die großen Linien fehlen, in denen der Komponist seine eigentliche Pointe: das Widerspiel deutscher und welscher Musik, ausführen könnte. Die Regie Ivar nicht übel und einige Sänger, zumal der Tenor R ö s n e r als Träger der Hauptrolle, waren sehr gut. Allein der ersichtliche Mangel an Probenzeit, die Unzulänglichkeit der meisten Mitwirkenden und die verderbliche„Krollbude" liehen nur eben ahnen, was aus dem Werk herausgearbeitet werden könnte. Julius Bittner verdient eine„Wiederaufnahme des Verfahrens". sz. Humor und Satire. Argument. Warum nach Marokko schweifen oder sonst in Afrika nach'nein Tropeillaiidesstreisen? Sieh', das Uebel liegt so nah'! Warum sucht man Interessen in dem fernen Lande SuS? Auch in Deutschland kann man messen vierzig Grad»ach Celsius. Warum nach dem Palnienfelde euch der lange Finger juckt! Auch daheim gedeiht in Bälde jedes Kolonialprodukt. Warum sucht ihr mit Kabylen und dergleichen Räubern Streit, deren Rolle selbst zu spielen ihr daheim so glücklich seid?» Ja, es scheint, daß niibts uns fehlte was da wächst in Afrika; beispielsweise gibts Kamele, weit ich, hier so echt wie da. Auch an Schwarzen, wohlverstanden, keineswegs es uns gebricht, unsere Forscher sicher fanden schwärz're auch da unten nicht. Kurz und gut, eS scheint mir rätlich, da sich doch nichts neues fand': bleibt im Land und nährt euch redlich oder doch, was ihr so nennt. Franz. Notizen. — Der Zensor wacht. Trotz der großen Hitze tut die Ber« liner Zensur unentwegt ihre Pflicht. Und die heißt: konfiszieren. Zuerst trafs einen alten Schriftsteller, der aber im Verdacht steht. noch viel jünger zu sein wie mancher annoch lebender Literaturbonze: Herrn Giovanni Boccaccio, den Verfasser der'schon so oft verklagten, l beschlagnahmten, verbrannten und immer wieder ge- druckten und gelesenen Dekamerone. Es war diese Tat aber nur ein halbes Verdienst unserer Hochlöblichen; denn die in einem Berliner Verlage erschienene Ausgabe wurde beschlagnahmt, weil sie fünf Illustrationen von Bayros enthält, der in München kürzlich moralisch�enthauptet wurde und nun als Freiwild gilt.— Aber der zweite«schlag war die ureigene, unteilbare Tat Berliner Zensorcntnms. Hyan heißt der Attentäter, der eS gewagt hat, in seinem Roman„Die Verführten' ein psychologisch und sozial vertieftes Bild eines Berliner Verbrechers zu entwerfen. Unsere Leser kennen den Roman(er ist im vorigen Jahr unter dem Titel„Im Namen deS Gesetzes' in unserem Feuilleton erschienen). Dieser Roman eröffnet Einblicke in grauenhafte Verhältnisse, die zweifellos konfiskabel sind. Aber warum das mutige Buch, das allerdings die Polizei nicht ver- herrlicht und kein sensationeller Kriminalroman ist, konfisziert werden mußte, daS wird uns die Polizei erst noch sagen müssen. Ob unser Feuilleton nun nachträglich auch noch konfisziert wird? — D a s A b b e- D e n k m a l, über das wir wiederholt während seines Entstehens berichtet haben, ist am Sonntag in Jena vor den Werkstätten enthüllt worden, in denen Abbes Arbeit fortgeführt wird. Drei Künstler haben dabei zusammengenMkt: Van de Velde schuf den Tempelbau. in dem MeunierS gewaltige Reliefs vom „Denkmal der Arbeit'(in Bronzeabgüsien) ihre Stätte finden, wäh- rend inmitten de? Tempels sich eine kolossale Marmorbüste Abbes von KlingerS Meisterhand erhebt. AbbeS Schaffen und Wirken ist in diesem Denkmal würdig symbolisiert, das ein Denkmal der Arbeit ist, wie sein Lebe» Arbeit war, Arbeit im Geiste der Kultur und im Dienste der Gesamtheit. — Ein G a u ß t u r m wurde auf dem Hohenhagen bei Dräns- seid eingeweiht. Der Turm, der eine der schönsten und weitesten Aussichten im südlichen Hannover bietet, dient der Erinnerung an den großen Physiker Gcnitz, der hier vor 96 Jahren Versuche an» gestellt hat. Holitik eingebend zu besprechen. Die d{mische DelegÄtlon sei der Ansicht, daß die Frage der Regelung der Produktion in geheimer Sitzung besprochen werden müsse; denn teile man dep» Feinde seinen Feldzugsplan mit, so sei dee Schlacht schon verloren, ehe sie angefangen habe. Zur Einleitung einer internationalen Aktion sei vor allen Dingen ein besserer Ausbau der nationalen Verbände notwendig. Williams(Großbritannien) glaubt, daß die Lösung der Frage große Schwierigkeiten bereiten werde, lieber die Schmutz- konkurrcnz des rheinisch-westfälischen Grubensyndikats könnten auch die Waliser ein Lied singen� Die ivalisische Kohle sei in einigen Gebieten Frankreichs von der westfälischen Kohle gänzlich ver- drängt worden, die dort zu Preisen verkauft werde, zu denen man die walisische Kohle nicht einmal ab Zechenplatz liefern könne. Eine gründliche Regelung der Produktion könne nur durch die Verstaat- lichung der Bergwerke herbcigaführt werden. Selbst wenn es für den Augenblick gelänge, bei dem bestehenden Privatbetriebe die Produktion zu regeln, so würden andere Unternehmer doch gleich neue Gruben in anderen Teilen des Landes auftnachen. Vielleicht könne man auf dem Wege der Gesetzgebung der Lösung der Frage näher kommen. Die Klausel im britischen Achtstundengesetz, die die Suspendierung des Gesetzes bei nationaler Gefahr betreffe, habe dem Prinzip, daß der Staat ein Recht habe, die Produktionsmenge zu bestimmen, schon Anerkennung verschafft. Man brauche den Grundsatz nur weiter auszudehnen. Um einen intrrnÄionalen Streik einleiten zu können, müßten zuerst einheitliche und starke nationale Verbände geschaffen werden. In Großbritannien strebe man augenblicklich die Einheitlichkeit an. Man versuche, allen Ta- rifverträgen diefelbe Dauer zu geben und sie am selben Tage in Kraft treten zu lassen; auch wolle man die Kündigungsfrist des Arbeitsvertrages im ganzen Lande vereinheitlichen, damit alle Organisationen, wenn nötig,«m selben Tage losschlagen könnten. Die britische Delegation stimme dem Vorschlag zu, die Resolution dem internationalen Komitee zur Beratung und zur Ausarbeitung eines Planes zu überweisen. Werde dem Kongreß ein praktischer Plan vorgelegt, so könne man sich auf die britischen Bergarbeiter verlassen. I a r o l i n(Oesterreich) nnterstützt das Verlangen der Deut- schen, die die Regelung der Produktion in geheimer Sitzung be- raten wissen wollen. Er bemerkt, daß alle vom Kongreß gefaßten Beschlüsse über die Regelung der Produktion nur platonische Wunsche seien, wenn nicht in jedem Lande für den Ausbau und die Stärkung der Organisation gesorgt werde. Beide Resolutionen wurden einstimmig mit der Bestimmung angenommen, daß ste dem internationalen Komitee überwiesen würden, das bis zum nächsten Kongreß einen Aktionsplan aus- arbeiten soll. Sowohl Belgien wie Deutschland hatten eine Resolution ein- gebracht, in der für alle Bergarbeiter die Einführung von 14 Tagen Ferien verlangt wurde. Eine Debatte, an der sich Delegierte aller vertretenen Nationen beteiligten, ergab, daß noch in keinem Lande die Bergarbeiter oie Segnungen einer Einrichtung genießen, die sich Angehörige anderer Berufe, die weit weniger gefahrvoll und gesundheitsschädlich sind als der Bergmannsberuf, schon längst er- rungen haben. Nur Siepmann(Deutschland) konnte berichten, daß ganz wenige Gruben in Deutschland im vergangenen Jahre einer Ivinzizen Anzahl ihrer Arbeiter Ferien gegeben haben. Die Anträge wurden einstimmig angenommen. Wie in vergangenen Jahren stellte die deutsche Delegation auch in diesem Jahre wieder den Antrag, den internationalen Kongreß alle zwei Jahre anstatt wie bisher jedes Jahr abzuhalten. Die Diskussion endete etwas stürmisch. Deutschland. Oesterreich, Hol- land und Schweden stimmten für den Antrag. Großbritannien, Frankreich und Belgien ftimmren gegen ihn. Der Antrag wurde demnach nicht angenommen, da die Delegierten Großbritanniens. Frankreichs und Belgiens ungefähr drei Viertel der organisierten Bergarbeiter vertreten. Ueber den Ort. wo- der nächste Kongreß stattfinden soll, konnte man sich nicht einigen. Die Frage wurde dem internationalen Komitee zur Lösung überwiesen._ Hus Induftm und Rande!. „Elektrische Einigkeit". Ueber die ivechselseitigen Beziehungen der großen deutschen Elektrokonzerne ist wenig bekannt. Ossizicll zugegeben, besteht ein Geheimkartell der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft, Berlin, der Siemens-Schuckertwerke, Nürnberg, und der Felten u. Guilleaume Lahmeyerwerke, Frankfurt. Von dem zuletzt genannten Konzern sind kürzlich erhebliche Interessen auf die A. E. G. übergegangen. Ende 1908 schien es so, als wenn die Oeffentlichkeit einmal in die Tätigkeit dieses Vorläufers des Elektrotrusts Einblick bekommen hätte. Die Eiscnbahndirektion Frankfurt a. M. schrieb den Bau einer Umformeranlage aus. An der Submission bete-ligten sich die Siemens-Schuckertwerke, die A. E. G., Brown Bovert u. Co., die Elektrizitätslieferungsgesellschaft vorm. Lahmeyer und die Ernst Heinrich Geist Elektrizitätsgesellschaft Köln. Das letztere Unter- nehmen, welches im Konkurrenzkampf gegen die Großen ruiniert worden ist, gehörte dem Elektrokartcll nicht an; die anderen vier Offerten erweckten den Eindruck, daß hier eine geheime Abmachung derart erfolgt sei, daß die A. E. G. mit dem niedrigsten Angebot beauftragt und ihr die Arbeit so vorbehalten worden sei. Als dies von der Presse festgenagelt wurde, schickten die Sicmens-Schuckert- werke eine Berichtigung in die Welt hinaus, die also lautete:«Die «B. Z. am Mittag" veröffentlichte offenbar infolge eines Mißver- ständnrsses unseres Börsenvertreters, daß das sogenannte Geheim- kartell aufgelöst sei. Das sogenante Geheimkartell ist nicht aufgelöst, sondern nur für die in Frage kommende Submission nicht in Tätig- keit getreten." Zu dieser Berichtigung war das Unternehmen gezwungen, weil ihr Vertreter der Presse gegenüber kurzerhand erzählt hatte, das Geheimkartell existiere nicht mehr! Seit jenem Skandal hat man von dem Geheimkartell nichts wieder gehört. Damit ist allerdings nicht gesagt. �daß es außer Tätigkeit gesetzt sei. Heißt es in dem geheimen Schutzabkommen doch wörtlich:.Der Schutz ist im Interesse der Geheimhaltung des Schutzabkommens nach Möglichkeit zu verschleiern." Mit welcher Eintracht die verschiedenen deutschen Elektro- konzerne auch im Ausland zusammen arbeiten, das läßt sich jetzt wieder an zwei Fällen nachweisen. In Berlin wurde eine Ozon- gesellschaft m. b. H. gegründet, die auf elektrischem Wege Ozon gewinnen soll. Die Gründer sind die A. E. G., Siemens u. Halske und in weiterem auch die Felten u. Guilleaume-Jnteressentcn. In Skandinavien, wo die Wasserkräfte eine gewaltige Zukunft der Elektroürdustrie in sich bergen, wo auch schon die Herstellung von Stickstoffdüngerprodukten mittels elektrischer Luftzerlegnng durch- geführt ist. wurde jetzt ein Unternehmen gegründet, das Tbc it>(traulic power& Srnelting Corporation Lim. firmiert. Beteiligt sind daran wieder die A. E. G., die Siemens-Schuckertwerke und die Gesellschaft für elektrische Unternehmungen(Loewekonzern). Die Bankverbindungen dieser Gruppen sind selbstverständlich auch dabei. Wir haben es hier also mit einheitlicher Auslandtstätigkeit der verschiedenen großen deutschen Elektrokonzerne zu tun. Was sich im Ausland verträgt, schlägt sich natürlich nicht im Jnlande. Im Vorjahre ist in der Schweiz eine Gesellschaft für elektrische Unternehmungen im Orient gegründet, an der die A. E. G. und der Schuckertkonzern nebst französischen Interessenten beteiligt ist. Bekannt ist ja auch, daß die A. E. G. mit der größten Elektro- aktiengesellschaft der Vereinigten Staaten von Amerika, der Ge- neral Elektric Companie. ein Abkommen geschlossen hat, das den Weltmarkt für die beiden Interessen aufteilt. Gerade die zunehmende Vertrustung der deutschen ElektrizitätZ- industrie muß gegen die großen Ausgaben, die ihr zu erfüllen bevorstehen, wie Elektrifizierung der Eisenbahnen und allgemeine Beschaffung elektrischer Kraft durch Ausnutzung der Wasser- energien, als eine Gefahr angesprochen werden, die nicht leicht als zu hoch eingeschätzt werden kann. Die Kapitalmacht dieser Großen im Elektrogewerbe genügt, um das ganze deutsche Volk, um alle Völker gründlich auszubeuten. Heute gibt es nur noch einen Außenseiter beachtlicher Größe, die Bergmannunternehmung. Die Heinrich Geist-Gesellschaft und hie Boesegesellschafk sin? schiM siernichkek. And WeS avs Bft t| rg» Manngesellschaft in wenigen Jahren geworden sein wird, läßt» sich noch nicht sagen. Die stärkste Hilfsmacht, die riesigen Fii« nz- institute, unterstützen die Konzentrationsbestrehungen auch six, du Elektroindustrie. Das Roheiseusyndikat verlängert. Nach einer Meldung der „Köln. Ztg." ist es doch noch gelungen, unter den bekeiligten Wecken des Roheiscnsyndikats eine Perständiguug über die Erneuerung x des RoheisensyndikatS. und zwar auf die Dauer von vier Jahren h.il bei- zuführen. Beigetreten sind sämtliche Werke, einschließlich der tg.eis- weider Eisenwerke und der Norddeutschen Hütte, jedoch ausschließlich der jüngst genannten, mit der bekannten Händlergruppe zusamancn- hängenden sechs Lothringisch-Luxemburgischen Werke. Mil diese» soll am 5. August über eine Preiskonvention verhandelt werden. Auch mit der Norddeutschen Hütte sind noch Händlerfragen zu regeln, die jedoch, wie man erwartet, keine Schwierigkeiten machen werden. Formosa, das größte Zuckerland der Welt. Mit außerori>ent- sicher Rührigkeit und Geschicklichkeit haben die Japaner auf dar im chinesisch-japanischen Kriege erworbenen Insel Formosa in kt irzer Zeit eine großartige Zuckerindustrie geschaffen, die erfolgreich mZ! den ersten Unternehmungen des Weltmarktes in Wettbewerb zu treten vermag. Es sind dort in den letzten 5— 6 Jahren nicht wenige!: als 17 große Zuckerfabriken entstanden, die durchweg mit den modee nsten Maschinen und Einrichtungen versehen sind. Die japanische Zlmcker- industrie genießt, um sie nach Möglichkeit zu fördern, Staats t:uter- stützung, allerdings nur für den Rohzucker, der so fein sein so I, daß er kaum von Raffinade unterschieden werden kann. Die PÜ ämie beträgt 1 Den für den Doppelzentner. Die Zuckerproduktion, stieg im Jahre 1910 aus 343 Millionen Kin(1 Kin gleich 0,6 Kilogriimm). Schon im Jahre 1912 wird Japan in der Lage sein. ZuckLr zu exportieren. AIS Absatzländer kommen vorerst hauptsächlich Ziorea, China und Kanada in Frage. Europa hat eine Invasion japatz ischen Zuckers vorerst noch nicht zu befürchten. kSitterunqSüdertia» vom 31. Juli 1911. »Uttoiin, ~ s E-» 2= == »=s II i? Bettn Stomnnve T67CSD Swolkenl önmourg"65 DSD »erßir|766D Hrantl.a W..761 NO Rünchev 1762 9iD Wien 1 764 9J3JO 3 roolfcnl tDoircnl wolkig heiter wolkcnl WK a M* 5 2 »— f-apatanOo 768 DeterSpurg 767 Sctlly ilberdre» variS 758 762 763i SSW NNO bd. 17 ibd. 18 Lwoi/ent 29 > I tvettervrognoie kür Dienstag, dru I. August lSII. Ziemlich warm, vorwiegend heiter bei schwachen östlichen Asindeu; Gewitter nicht ausgeschtosten, sonst trocken Berliner W etterbu/veau. WafferitandS-Siacyrtchteu 1+ 6eiiem« Wuchs,— SaB.—•) Onicroxitt. dMMMSS Bequeme Hauskur ohne Diät iapotheker Kumbier'« Garantiert unschädlich erliiterSlahtbrunnen" — feit 25 Fahren von bewährter vettkrast bei Blutarmut, Bleichsucht, Nervenleiden, Mag-n-, Darm-, veber-, GaNenstein-, Nieren«. Blasenleiden. Nhenoeq. tismus, Gicht» ASchiaS, Luvgentatarrl,, Sltembeschwerdeu, Herzleiden, beiden der Wechseljahre,(5-PiIepsie, Lchlagader-Berkalkun«, Znckerkrankhel». -Ur-Iir!»» El.«t.»0 vrä».«0 gl.»i. 17 v»Sa. 120 gl. 0}. 80 prSv. gortiequn, I 80 EI. 01. 8;«O El. 01. 15. ctefenins der Elakche» für da» Stadttuner» ein,«»,,»I da» Sta»,»atzer, and dl« naher«» Betört* 80 gl. lufmme»(gU{4ai<8!anM.- Mach auswärt«: Elfte 80 gl. KU p» valm 01. 15. L Rtstcn VI. 27. Eorti-Sung, 1 Slft» 01. 18. 84t kranNer» mr4ck»«i-mdt» Bisten«erden« 01.»«r,4t«t. „Berlinep Stahlbrunnen"(Apotheker Kumbier-e Erben) g. m. b. h, Berlin NW, Marienstrasse 30. Fabrik gearündet 1HH5. Fernsprech-Anschlüffe: Amt UU 6831 und 4832. Neue Erfolge. (SamMch streng wahrheitsgemLß.) lud»t»»»It t Jtbm u Werrenachmerw, Rhenmatliimn«. ■graleieen. Blntarwt öäd Sttthl»cr»to|»tung. ülanoem U) von Sorem.»etllner GiaOtuniiW«0 Junchen«eliunteo 0-de. hat st-h«et» Leide» lede«cdtiTetl. Ich werde dt» Alt i«»achtle» Jahre wieder hole»... Frau Hornig. ... Ur euklbrusM da» ,l«e bei«lt salb be»»* bewlbri, leb trar TOI Oebreneb de»»»Ibea Innei müde nnd nbgeapiueMt. Raeb rerbrtoeb der se rUscbea Mihlbresiee flbie leb«leb(riech oad krirtl«. tzsterll», 15, Novemb«» 1810, Siawistrat» ia Emil SOppcrt. Vttliv. 10. Mar, 1911. Brüsseler Etca&e 7. leb UM»elt taage» Seit aa befbloaa Hnpfarkme rren«nd Bio«. «npn«.»ach 80 gialche» von Ihre» dorzüglichta Stahtdimuil» dl» leb giiu lieb Trieder fri»eb aad«vater. Berlin. 1. Januar 1911. Frau»aller. OommandarUenst» 80. Ihr..Berllaet«uhlbniaaea**. von dem Ich hl«her K. gialche» gebrauchte, lab mir.ehr»at bekoonea. leb litt selb meinem 14. LcbemJ.hrs ee eplleptlecheo Krowiplaotflllcn. die ftch dea Tau 8- 4 mal wieder. dollen. dt» vachr»»»» dem Verl« geiaven. dlle» dmmn die Zunge dlvng gedtilen. Selb dem Jebra IfOS, de leb die erstea to riuebea tob Ihreai Braaaea(Straakea bebe, Itl die eetle»tl»ehe Ereekbelt geae ei-eaeblleboa. nitbntd. 15. 3ei(aib» 1910, Hermannür 214 218. Emil entteck. ,, Bat 2 Jahren Halle Ich»«deMende BlatrerUete«Seil ich au« den Weebeeljehre» dordeuge» wollte wachte tch de» vertuch«u Ihrem Stalil- drunnen.»eleber mir rar»U»llcb aebaltea bat. Ich bade davon bald IwM" be~ Vrr""—---- 80 glaichea �etninttn.»lebt bloee V< rdwnumo»md Stmhleenno tind aereaelt, ae konaea eaek beiae SeaninQen der Wen»»rwnilon wldergteadgfihiger gewor(ient mehr ror.(«Biev Körper'fl__________ •I««r frlber wart ieh habe frfteh« färbe» totes iDisebeiu vlhreod frftber Jeder«eh» sehleebie» AotseheB bedeoerte* »iltL Ble R-vember ItIO» CtCToenflflffc L Frau LüUearathu .#. Hefa Leidem bot sieb asefe de» Bebrooeb rem 66 flotebea de. deateod tebeasert. leb bis nerven» nnii haleleldegd� Kebom noch de» Sebrooeh roa 15 Floseheo rertpilrte ich eine vreseafeUobe Sesseraor. w daß ich dm Brunnen allen leidenden gtattCB empkchlen kamt. ... leb UM»ebr aa ble»ir«»»lfldan. KopfeeihnieriM»« IWagen- nad Untrrlclbebeaehwerde». De« ellee bet eirh, amehdea) leb fit flueeea„Ueillaer»lehlbraaeea"(ttraabea bebe, jehobea.,.. Loll«»»« B>«rz«u. 10. Oktober 1910, grau N. Basler. (Bai«eine Kar andetrtstt. fo danke Ich Ihnen«erjltch. ,1a hat ml» n» Blase»1* Manen»B»»eieleb»et» Dleaate(etea, 1» bat Ich Ei» tu leter Zeil emoiehlen kann und werde. Ich seid» we«d» all« Jahre die lkur wiederhole». Wettzensee, 1. Septemb», 1910. Kedasiw 78. grau Brebelrlle, Ihr SUklbraann hat»leb bei melaem nervaaen Magenleiden aad hartnaeiltlner Stahlvoraloptunq e»fe beste bewährt. Meine Sei.wlndf'aaiaiiu eiod»äaelleb rorlbe»«ad Ohle leb nleh wieder rcaoed, oad««reurch auch lW glalcheu gelrimkeu tzerjktchften Tank. Teg». 10. August 1910. g vrunowstrabe 23 a. Ich Habe von Ihrem Berliner Giadldrimne» feü 12 Jahren allldhellch so glaschen getrunken und dt» iehl S4 Iaht, all. lob UM ftBber es«luiil. tTflglrel«, Magenleiden nnd Bflmnrrholdalbeechwcrdcn. w». sieb In dleaor Zell durck ihres firannea eile» febetoerl bei. an Sörver- gewicht bade Ich w dieser Zell So Stund zugenommen, leeb I» de» Weeheel. laltren bat der Bnuraea ml»(roiee Dlenite relelitet. «crlin®, 97. Salt 1910. Oräkestraie S. Er an Weinberg. ... Sletchzeui» ictle Ich Jhnea mit dal aaeb diese« Mal U»„Berliner Steblbranaea"«leb TOlliMadli wlederhertreleU» be«. leb UM aa loehln» aad war die Kreakbell diese« Mal»ebr faartaleklf, acht Wochen lang war ich genöilgt an Etllhen zu lauien. Eharlotteuborg.«7. Jan 1010. «ailerw-Kuguila-Ule, lS-18. A»«" Murta l�etaeb. . lob UM■•h etwa M Jekrea aa betttper Hcnlelden aad Blataraant. hatte Sfter heffl«;»' der B»a»i und bllebr In drr Umhen»elte. iesserdeia litt leb Jtbre- Ua«»■ betU�r�KopfeehmierTen. Saab Sebreaeb»»» 88 naaekta »ea Nirem blablbrnnasa bU Ich itulleb»•« meinem•ekmeraea befiel«. Berlin O 17, 0. 01at 1910. Ott« Bergen. gruchtste. 51. Ui leb beb« Ihren„BerlUer Btahlbranaea1*«It»ebr(aleai brteif e(efea Blntmrmml. ebrwnlechew Rarhenkatarrb und Katarrb dmr Lnttweqe»elrnak»». ao die» leb iha ib. Heb Leiden dea ml»( (rewieaen empfehlen kann. Berlin SO. 8. mal»010. �-___ MuLkauer Str. 47. W®»tÄV TnmcliOi 2aur®aiia* leb litt an nervBaen MaBcmbeaehwcrdem nett atrarber bmbL. verMopfunn, DnnnkullU, Haelen apd HwUbcaebwerdw,«. konote keine aoeb ao leichte speise mehr renrefrea. bette jedes fnrctatbsre sebmereeo Im Leibe aad Uspea. leb beb« Ihres S'/abj, bruaaea 4 Moast»(etniaksai jetil kaea tob wieder alles aadem was trlnkee ohne Beschwerden. BrrU». 0. Mal 1910, engtlufcr 2 a IV. gtsw Volg«. Meine Iran leitet t» den Weebaw«|«krmi an allra«dgltwea De ichwerden, namenlttch an alWrUer, mwwa»Mwr> L'obmrwwtNMmM, Bwpf. hclimerr. Rucken* wnd e mtoole tbawebe� er/ rm. nerv Owes» ■.entne-rz, micKeo. wnn> newr,, in»», wn/wm. mfrvamrm Herr und lee r» tU'i /- iO|»««-n.«»..«.m he>«.U-ichen ökK« gial). rMnMen« gfir»!en. iil bis-.»««metn!., finde» hureutent delier;(U Hai > i.... m m O« t. w mi ,, I nsK.rliwn eifle~__ r- w nenrn Lrdrnjmul eibrlun. alle Veichwerden SnO oerschwundeii. iHirdort. 13. mit» 19 IO. Weicritr. 58 U. FrMs 0 tbr stehldrn«»»» ha« mtr bat mala am Oallenatetnloldem'~*-r Ilehe Dleaate(elelalak lab(Ible mlab anaserordeBllteb wobl, mH lab Iba(ebreaehe, beb» eaeceselebaeton Ippetl« aad leid»«lebt mehr wie frdber eo Veratoptnng. Wetstenie«.*■ Eedruar 1910. sdniää�Stiauiiee Ii IL Cori Dnicksnclicn mit weiteren Heilerfolgen Kostenlos] Frau Rantemberg. laalysei Katrlnmchlorld 1.202. Katrlamsaltat 20.930. KaJlmnouliat 0.172, Ubgsulilfflsaltbi 1.1®, IhngsnsaUat 0.14, Eiienkarbonsi 2.197 In 10 0® Teilen. Gesetzlich geschützt Heute, Dienstag, den 1. Angnst, 8 Uhr abends: Qeneralversattimlungen der Wahlvereine. 1. Kreis in Dräsels Festsälen, Neue Friedrichstr. 35. Tagos-Ordnung: Bericht des Vorstandes, der Kommissionen und der Revisoren. 2. Neuwahl des Vorstandes. 3. Die Verbandsgeneralversammlung-, Wahl der Delegierten. 4. Die Branden- burger Konferenz: Wahl der Delegierten. 5. Der Parteitag in Jena. Referent: Genosse W. DUwell. 6. Diskussion. 2m Etreis in der Berliner Bockbranerei, Tcmpelhofer Berg. Tages-Ordnung: I. Bericht des Vorstandes und sämtlicher Kommissionen. 2. Diskussion. 3. Aufstellung der Kandidaten zur Vorstandslpahl(am Sonntag, 6. August: Urwahl). 4. Der Parteitag in Jena; Anträge dazu Aufstellung der Delegierten. 5. Die Provinzialkonferenz; Aufstellung der Delegierten. 6. Verbands-Generalversammlung Groß-Berlins; Anträge und Delegierten- Wahl. 7. Kreissachen. 2. Kreis im Gewerkschaftshanse, Engelnfer 15. Tages-Ordnung: 1. Der Parteitag in Jena. Referent: Wild, pfannhuch. 2. Wahl der Delegierten. 3. Die Provinzialkonferenz und die Wahl der Delegierten. 4. Vorstands- und Kassenbericht. 6. Wahl des Gesamtvorstandes. 6. Bericht und Wahl der Kommissionsmitglieder. 7. Die Verbands-Generalversammlung und die Bestätigung der Delegierten zu derselben. 4m Kreis in den Konkordia-Festsälen, Andreasstr. 34. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Wahl der Mitglieder zum Zentralvorstand und der Be- schwcrdekommissionen. 3. Bestätigung der Delegierten und Anträge zur Verbands-Generalversammlung. 4. Der Parteitag in Jena und Aufstellung der Delegierten. 5. Die Brandenburger Konserenz und Aufstellung der Delegierten. V. Kreis in dm Köiiigssälc», Nc»c Königstr. 2« ÄSS., Tages-Ordnung: 1. Vorstandsbericht und Vorstandswahl. 2. Der Parteitag tn Jena. 3. Wahl der Delegierten. 4. Die brandcnburgischc Provinzialkonferenz. 5. Wahl der Delegierten. 6. Die Verbands-Generalversammlung: Delegicrtcnwahl. 7. Kreisangelegenheiten. L. Kreis in den Germaniasälen, Chansseestr. 113. Tages-Ordnung: t. Bestätigung der Delegierten zur Verbands-Generalversammlung. 2. Geschäfts- und Kassenbericht: Bericht der Revisoren. 3. Neuwahl des Vorstandes und der Kommissionen. 4 Anträge und Wahl der Delegierten zum Parteitag in Jena. 5. Wahl der Delegierten zur Provinzialkonferenz. 6. Erledigung sonstiger Anträge. fottlettung der Gencralveitomlung in Hoppes Festsälen(Jnh.: LsrlZed), Hermannstraße 49. TageS-Orbnung: t. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Bericht der Stadtverordnetenfraktion. 3. Neuwahl beS Vorstandes. 4. Stellungnahme zur Kreis-Generalversammlung. 5. Verschiedenes. Zu alle« Versammlunge« legitimiert das Mitglieds- buch des betreffenden Wahlvereins. Zahlreichen Besuch der Genossen und Genossinnen erwarten Die Vorstände. Großer Anzug-Verkauf Dauer bis 6. August ca. 40000 Anzüge für Herren, Jünglinge, Burschen und Knaben darunter Restbestände einzelner Serien, Modelle und Musteranzüge s: Sene 1. H 0 r r 0 n � AnZÜQ0 Gestreifte n. karierte Cheviots Serie II. H0rr0n-Anzüg0 f!".'�.7� ffl Serie in. Jünglings-Anzügo?ÄTae. r.d. Serie IV. Jünglings-Anzug© Graue, griwe 0 braune Cheviots Serie v. Bursch0n-Anzüg0 Serie Vi. Bursdi0n-Anzüg0 Serie VII. Knabcu-Wasch-Anzügc Serie vm. Knaben- Sport-Anzüge orö�'e';.SÄ5 21. 33h. 11h 17h 750 H Ktf 95« 6" Lüsteranzüge, Bastanzüge Strandanzüge, Waschanzüge Teilweise erheblich unter Preis Baer«Sohn Kleider-Werke D Deutschlands größte Fabrik dieser Art ChausseestraOe 29-30 □ 11 Brückenstraße 11 Gr. Frankfurter Straße 20 D Schoneberg, Hauptstr. 10 3 Der neueste Haupt'Katalog Nr. 92 kostenfrei, ÜSI r=ir=ir=5l rMBir s. OrtBvepnaltnng Berlin. Bureau: Berlin O., Rofenthalerftr. 11/12, Restaurant Schilling. Amt III, 2438. - Achtung! s bo/i« Wir empfehlen bei Veranstaltung von Vergnügen ufw. den geehrten Borstanden, Komitees und Saalindabern unseren kostenlosen Arbeitsnachweis, Nosenthalerstr. 11/1Ä. Geschäftszeit täglich vou 10'/,— 1 Ilhr mittags. Kapellen vom größten bis kleinsten Orchester stehen jederzeit zur Voisügung. Der Borstand. IM. Unsere Mitglieder sind im Besitz einer Kontrollkarte. Dieselbe ist für das 3. Quartal gelb und mud mit dem Verbandsstempel versehen sein. Alle andere Legitimation ist ungültig und ist sojort atzuhaltea. MANOLI Cigareltes Beliebte Spedalmafken Abbas Dandy Gfbson GM Geöffnet 8-8 Moebel-Boebel Berlin S, Moritzplatz 58 Kein Laden! Verkauf nuri. Fabrikgeb. Spedalitüt: Ein- n. Zweizimer-Mtnip Nebensfeh. Wohnzimmer PQ7 echt nußbaum furniert, M.**** a 1 Kleiderspind..,. M.«7- 4 Stühle 4 6=.... M.»4.— 1 Trumeau mit Stufe.. M. 39.— 1 Auszugtisch..... M 30.— 1 Vertiko...... M.«S- 1 Sofa....... M. 75.- (ümbau extra 50 H.) Eigen« WerkitStteo Gegründet 1873 Mnterbucb F gntli Deutscher iclzarbaiter-Verband. Verwaltung Berlin. Mittwoch, den 2. August 1911, abends 8V2 Uhr: Nertranensmlinner Uersammlnngen der Kezirke und Kranchen. Tagesordnung: 1. Bericht des Obmannes. 2. Bericht der Werkstatt-Vertrauensleute. 3. Verbandsangelegenheiten. Zikhlcr. Süden: bei Glicsing, Wassertorstr. öS. «»ton l: bei Kluge, Laugestr. 53. Veten II: bei Zieh, Warschauer Str. 60. Veten III: bei Bergmau», Boxhagener Str. 26. veetHelie Vororte: bei ZY. Schulz, l.iol>tenbsrg, Kronprinzen- strage 47, Ecke Scharnwcberstrahe. Vordosten: bei Merkumun, Gr. Frankfurter Str. 16. Hebe Sargtischlcrei mug einen Vertrauensmann nach dieser Versamm- lung senden. RoeentlialcF nnd Schönhauser Torstadt bei Obiglo, Schwedter Strasje 23. Weddlnx nnd Roablt: bei Kaczorowski, Ravenästr. 6. WelNensee: im Prälaten, Lehderstr. 122. Abends 6'/, Uhr. Blxdort: bei Krömke, Wclchselstr. 8(Jdeal-Passage.) Drecks ler, Oreppengelänäer- unck Ouxusmöbel- Lrancke. Vörden bei Döhliug, Brunnenstr. 79. Osten bei Schneider, Friedenstr. 67. Südosten und Südwesten bei Stramm, Ritterstr. 123. Pünktlich UM« Uhr im Arbeitslosensaal, l�tavierarvelrer Engelufer 14/1s parterre. Sinset�sr im GewerkschaftöhauS, Engeluser 15. Saal 11 ÄtellmaÄier Nosenthaler Straße 57. JalouNearbeiter bei Walter, Adawertstr. 92. Tcrgoldcr im Gewerkschaftshause, Engeluser 14/15, Saal 5. Kisten- uncl KoffermacKer bei Baudach, BreZIauer Str. 3S. Korbmacher bei Krause, Muslauer Str. 20. Lllrstenmacker bei Preuft. Holzmarktstrabe 65. Kammacker bei Prcuß, Holzmarltstr. es. Lilclerrakmenmacker S?r°ß°� M!®eöUW'®Mfeer StOCKarbciter um s Uhr bei Lehmann, An der Stralauer Brücke 3. Perlmutt-, Dorn- u. SteinnuKarbeiter m» s uhr bei Ernst ThvmaS, Melchiorstr. 5. Sckirmmacker 8 Uhr Bei Lehmann, An der Stralauer Brücke 2. Die Bertrauensmänuerversammlungeu für Modelltischler, Maschlnennrheltor, Bezirk Südwesten und Bezirk Südosten 1 und 2 finden wicht statt._ ßautiscklcr. Südosten bei GraHHoff, Beslrk 1; Südwesten, Süden. Admiralstr. 18 c. Beslrk S: Osten bei Bratner, Weidenweg 65. BoslrkS: Vörden nnd nördliche Vororte bei Gliefche, Kopenhagener Str. 74. Beslrk 4: Giesnndbrnnnen, Wedding nnd Moabit bei Sachse, Lindower Straße 26. Btadorf: bei Schenk, Rosenstr. 24. Schöneberg: um 5'/2 Uhr Bei Kuschke, Meininger Straße S. I�Lbel- u. StuKlpolierer sowie JVIagazinarbeiter. Osten bei Borker, Weberftr. 17. Südosten im„Märkischen Hof", Admiralstr. 18c. Linsot�sn. Bezirls-Bersammlunge» für die Bezirke 1, S, 4, 6, 7 und 8 am Donnerstag, den 3. August, abends 7V, Ubr, für die Bezirke 3 und 5: am Sonntag, den 0, Angnst, vorm. 9 Uhr. BV Montag, den 7. Angnst: IM Mitglieder-Versammlungen. IM" Freitag, de» 18. August:'Mi General-Versammlung. Achtung, Vertrauensleute! Die Zahlstelle 8S ist von Pannierstr. 53 nach Nr. 54(Ecke Weserstraste) bei Schade verlegt worden. S6/g Die Ortsverwaltnng. Zentratoerband-°r Dachdecker Verwaltungsstelle Berlin. Mittwoch, den S. August, abends 8 Uhr, im GewerkschastShanse, Engeluser 15, Saal 1: ------ Versammlung------ der Dachdecker und Bernssgenoffen. TageS«Ordnung: 1. Was gedenken wir zu tun, um zur Tariferneuerung im nächste» Jahre gerüstet zu sei»? 2. Verbandsangelegenhetten. Pflicht eines jeden Mitgliedes ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. 54/18__ Die Ortsverwaltnng. (Eingeschriebene Hilsskasse Nr. 118.) Mittwoch, den S. August, abends 8'/, Uhr, im Saale des Herr» Wilke, Sebastianstr. 39: ilukeroräentliche Seliekalvekismmlmig. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung des Kassierers vom ersten Halbjahr 1S11 und Aevlflons- Bericht. 2. Wahl sämtlicher Hilsslassierer. 3. Wichtige innere Angelegen« heiten. 38/3' ------- Mitgliedsbuch legitimiert.. Zahlreichen Besuch erwartet_ Der Vorstand. Zuschneideschule „De Grand Chic" Berlin, Friedrichstraße 61. Fachwissenschaftlich geleitete Hoohscliule für alle Fächer. Lehrkurse für 50341,* Herren- n. Damengarderobe Unifonuen. Viele Anerkennungen von Fachleuten. Leichtfaßliches System. Tages- und Abendkursa. Anmeldungen täglich. Stellenvermittelung gratis. - Verlangen Sie Prospekt Nr. 32. 1 Malchower Kautabake Vnr echt, wenn mit Zcttelelnlage Johann Dannehl, Malchow. Generalvertrieb durch Cai*! RockGPy VII 3861. Berlin 0 27, Grüner Weg 11«. Theater und Vergnügungen Dienstag, den 1. August. Ansang 8 Uhr. NeueS königliches Opernhans. Siegfried.(Ansang 7'/, Uhr.) Komiiche Oper. Der verbotene Kuß. Berliner. Bummelsiudenlen. Nene» Schauspielhaus. Die keusche Susanne. Neues. Geschlossen. Thalia. Polnische Wirtschast. Schuir». tri, arlottendurg. Der dunkle Punkt. Lessina. Geschlossen. Lufilplelhanc.. Die dritte EZkadron. (Ansang 8,20 Uhr.) Kleines. Norachen.(Ans. 8'/, Uhr.) Triniie». Das Prtnzchen.(Ansang 8'/, Uhr.) Neues Operetten. Eine Million. (Ansang 8'/, Ubr.) Aricdrich-ZÄtlhelmst. Schautpiel- hans. BndiiicS Entsührung. (Anseng 8'/, Uhr.) Note. Kasernenlilst.(Ans. 3'/, Uhr.) Metro», in. Hoheit amüsiert sich! KolioS Kaprice. Die letzte Nacht. Drei Frauenhüte.(Ansang 8'/, Uhr.) Boigt. Der Altienbudiker. Sloackö. Er muß aus's Land. Apollo. Svezialiläten. Aanage. Spezialitäten. NrichSliaNcn. Stelliner Sänger. Spezialitäten. MiZUiitergarten. Spezialitäten. Kaiser-Panorama. Neul Besuch von Konstantinopel. Wanderung in den Dolomiten. Urania. Tanbensirahe 48/49. Abends 8 Uhr: Helgoland im Wechsel der Zeit. Sternwarte, Jiwalidenstr. 57—62. Schiller-Thealer"ttr Def dunkle Punkt. Lustspiel in 3 Aken o.<$. Kadeiburg und Rudolj Presber. Ansang 8 Uhr. Ende 10 Uhr. Morgen und solgende Tage: Der dunkle Dujnht. Neues Kgl. Opern-Thealer(Krön) Dienstag, 1. Angust, abends?'/, Uhr, DU ermäßigten Preisen: Ningzhklus, zweiter Tag: Mittwoch ZtingzhkluS Dämmerung. GiHKLe'ivck iwoch, 2. August, abends dritter Tag: l 7 Uhr: Götter- Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Bammelstudeuten. Taalich: Bumiuelstudenten. Urania. Wissenschaftliches Theater, Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Helgoland im Wechsel der Zelt. GC3SCHER Garten Gr. ßoppel-Koozert Gastspiel d. Philharmon- Blas-Orchesters. Eintritt 1"larb. von abends G Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 19 Jahren die Hiiljle._ Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Die lustlyen Nibelungen. ASSAGE AN0PT1KUMI Das größte Schauetablissement des Kontinents. P NAV liebend der Mann mit der eisernen Zunge. Ein Fakir ohne Nerven. AGA die schwebende Jungfrau. Alles ohne Extra-Entree. Passage-Theater. 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Neidhardt und R. Schanzer. Musik von W. Kollo. VolKt-Vhenter Gesundbrunnen, Badstraße 58. Heute sowie täglich: Der WendlMer. Volksstück mit Ges. u. Tanz in 3 Akten. Gänzl. neue erstklass. Spezialitäten. Donnerstag, 10. August: Benefiz sür tteinricti Bach: Prcziosa. Folies Capriee. Täglich 8-/. Uhr: Pnrislann-Einsenihle. 3 Fraueuhüte. Sie ist eine Ausnahme. DaS Strumpfband. Gousin Pampoulette. Iftietfün Donnerstag, den S.August: Eröffnung! 20. Berliner Spiel-Saison. Premixe der Novitäten Das Kind der Firma Komöd. in 2 Akt. v. A. u. D. Herrnseld Schmerzlose Behandlung Schwank in 1 Alt von Robert Pohl. Billett-Vorvcrk. ab heute(Theaterkasse). ReiehZliallen-TItealei'. Stettiner Sänger Anfang wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Puhlmanns Theater Schönhauser Allee 148. Täglich im herrlichen Naturgarten: Korrzert— Thkatkl SptMliMtn. Hax Kllems Sommcr-Thcatcr Rudolf Krüger, Hascnheide 13—15. Täglich: Erstklassige Dhcater- uud Spezialitätcu-BorsteUungen. Zcltbedachtcr THcatcrgartcil, bei un. günstiger Witterung Schutz bietend. Jcd. Mittwoch: Gr. Kinderfest. Donnerstag: Elitetag. Hoabiter Wintergarten i Täglich: Die gtstörle Thkatttprobe. Posse mit Gesang. Konzert u. Riesen. Spezialitäten- Programm. Anfang 4 Uhr. Vorstellung'/,6 Uhr. WM Am Königstor. Am Friedrichshain. Jeden Abend'/,1l> Uhr: Nie lnsn Wer kegelt. Posse mit Gesang m 2 Alten. SpMii. Kinitepph. Äi: Kinderftst. Ans, wochentags 5. Sonnt. 4 Uhr. Laie Zellevue. _KummeIsbDrg am See. loh.: G. Tempel. Jeden Sonntag: Spezialitäten-yorstell. u. Garton-Konzert. Jeden Sonnabend und Donnerstag: Soireen der Mmm Sänger Volksgarten-Theater Dienstag, den 1. August: Konzert, Theater- u. Spezialitätr». Borstclliiilg. Heute neues Programm. Margot Jackson X Willi Schönburg Tim und Tom X Charles Clark Hugos elektrisches Marionettentheat. Ballettges|Ilscliaft Melanie. Dianas TausMd und eine Nacht. Königsladt-Kasino. HoIzmarMtr.72. EckeAlexanderstr. Jnh.: Mar Schindelhauer. 1.— 16. August: Riesen. Welt- stadt-Programm. U.a.: Kurt Armand!, Humorist. Cilli Schwarzenberg, Tauzsoubr. Harry Bienensleins mod. Sketsch. Charles Selier, Delphischer Malakt Larc Beels, Musik- Exeniriques. Flourison Terzelt, Ges. u. Tan, Kulickes Badereise. Usus«est Amerikanischer Vergnügungspark, Hnsenhcido. Große Spezialitäten- Vorstellung. Hervorragende Belustigungen von packender Komik. Eintrittspreis 15 Pf. Sonn- nnd Elltctage 25 Pf. Admilbboalasi 1 Am BehnW fticmldiihbssc EissArena. Geöflnetv. 10 Uhr ronn. In der heiüen Jahreszeit angenehm kühler Aufenthalt, Allabendlich: DjrnnkvoU�IOisbaUett Montreal Die Stadt auf Schlittschuhen. Neu: Pnsh-Ball-Spiel j Zahlreiche Knnstlaufproduktlonen. Exquisite Restauration bis 1 Uhr nachts. Bis 7 Uhr u. von lO'�Dhr] »dchs.: halbe Kassenpreise. lich: Bnmmclitndenten. für Heinrich nacn:'prcziosa._ Donnerstag: r-metaa:..| Vrrantwortuuo Lcrantwortlicher ifiedatteur: Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., $foacUs Theater« Dircklion: Robert Dill. Berlin N., Brunneiistraße 18. Konzert, Theater, Spezialitäten. Der kalte Feidjnam. Burleske von O. Bernhard. DaS war ich. Am Hochzeitstage. Anfang k Uhr. Kafieclüche von 3 Uhr. Bei schlechtem Welter Vorstellnvg im Saale. Für den Inhalt der Jniernee übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber teiurrirt Brrnntwortunq. Berlin S�V. Dr. 177. 28. Zichrgang. 2. Killize Ks LsrmSck" Aerlim WlksdlM Dienstag, l. Avgvst l9l1. Partei- Angelegenheiten. Verband sozialdemokratischer Wahlvcreine Berlins und Umgegend. Auf die heute abend stattfindenden Generalversammlungen(siehe Annonce) machen wir noch besonders aufmerksam»nd erwarten zahl- reichen Besuch._ Die Kreisvorstände. Sechster Wahlkreis. 8. Abteilung. Mittwoch, den 2. August, Kaffeekochen im Jnselrestaurant, Plötzensee. Potsdam. Mittwoch, den 2. August, abends S'/j Uhr, bei Wilhelm, Kaiser-Wilhelm-Strasie: Generalversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: Stellungnahme zur Kreis- generalversauunlung: Wahl der Delegierten. Vor der Versammlung Kassierung für alle Bezirke. Der Vorsiaild. berliner jVacbrichten. Uff! Wieder über 30 Grad im Schatten... und schon in aller Sonntagsinorgenfruhe. Wie soll das erst werden, wenn die Sonne am höchsten steht? Wie zerschlagen erhebt man sich vom Pfühl. Nein, diese Sommernächte sind wahrlich keine Erholung für die erschlafften Nerven. Das Bett wird zum Dainpsbad. Luft... mehr Luft, ringt es sich aus jeder Kehle. Die einen träumen vom Schlaraffeniand, in dem man sich durch einen Riesenbcrg von Himbeer- und Vanilleeis durchigt, die andern braten im Traum schon in der Holle und sind froh, beim Erwachen vorläufig noch im jchweiglriefenden Linnen zu liegen. Wohl noch nie hat es so viele Frühaufsteher gegeben wie in diesen Schmorbratentagen. Mancher hat nach amerikanischem Muster trotz seiner bezahlten„Bleibe" bei..Mutter Grün" kampiert und ist voin Waldboden aus- gestanden mit den Hühnern. Wer es zu einer Badeeinrich- tting noch nicht gebracht hat, steckt den glühenden Kopf zehn- mal am Tage unter die Wasserleitung oder taucht in Mutterns Waschzober unter. Und Kostüme sieht man... Kostüme I Adam und Eva würden ihre helle Freude daran haben. Die Bluse mit Oberlicht gill unserer Damenwelt bei dieser Siede- temperatur fast schon als Winterniode, und den Herren kommt mit einem Male die erleuchtete Idee, welch ein fürchterliches Kleidermöbel doch so ein ohrenbejäumcnder Stehkragen über dem steifleinenen Brustpanzer ist. Welche Tantaiusaualen müssen da erst die unglücklichen Wesen ausstehen, die sich von dem Sommcrscheusal Korsett auch jetzt noch nicht trennen können. UffI stöhnte am Sonntag wieder dw ganze Berliner Welt. Hunderttausende suchten vorübergehend Kühlung in den Fluten, im Walde. Wer ganz schlau war, blieb in jener Garnitur, die dem Lendcnschurz der Wilden ähnelt, hübsch zu Hause. Immerhin war man durch die Erfahrungen des vorigen Glutsonntags etwas gewitzigt. Die auswärtigen Restauratcure hatten solche Mengen von Trinkbarem auf- gestapelt, daß in Berlin selbst an Selterwasser und Eis am Spätnachmittag empfindlicher Mangel war. Sehnsüchtig blickte gegen Abend olles, was Augen hatte, nach dem Himmel, der unentwegt im schönsten Graublau strahlte und nur selten mit einem winzigen, reAenverheißenden Wölkchen die schwitzen� den Weltenbemoffnep äffte. Aber selbst Herr Kraetke als offizieller Gratiswetterprophet hatte sich geirrt. Bis die aus- geflogenen Berliner in ihre glühendheißen Steinmauern zurückkehrten, war kein Tropfen zur lechzenden Erde gefallen. Nun ists aber für diesmal genug, Frau Sonne! Du meinst es zu gut mit uns, die wir das Licht sonst so sehr lieben. Wir verstehen auch im Schatten zu kämpfen. Diestelkamps„wilde Massen". Warme Bitte aus dem heißen Berlin in den Hundslogen tiiil nennt der rühinliwst belannte Poilor Diestelkamp im„Berliner Lokal-Anzeiger' eine seiner periodischen Beiteleien für daS Frommelheim in der Schönhauser Allee. Genau wie der verstorbene Bodelschwingh.nur um ein Bett" für seine Obdach-Filialen bei Bernau bcileite, beiielt jetzl Diestelkamp.nur um einen Ouadratmeler Erde" zu 70 Märker, das heißt im ganzen um 2780 Ouadraimeter, die ihm für das Fiominel- heim von dem Areal des Exerzierplatzes zur Einsamen Pappel durch Beschluß der«weisen Näie' de? Rriegsiniiiisters abgelassen werden sollen. Die Sache würde uns nichl interessieren, wenn nicht der schon sehr betagte Herr die Gclegcnticil benutzt hätte, um wieder mal dem ihm verhaßten Prolelanat eins auszuwischen. Er spricht näinlich auch von dem mit erbettelte» Geldern aufgeführte» langen Bretterzaun, der.unS gegen die wilden Massen auf dem Exerzierplatz etwas Schutz verschaffte." Wie malt' sich doch in diesem geistliche» Menscheukopf die Welt! Fröhliche Kinder, die zu vielen Hunderlen auf dem Exerzierplay sich tummeln, zahlreiche Sportklubs, die hier am Sonntag im Spiel Erholung suchen,— da« sind dem einstmals schuldenhalder von Sankt Nazaretb abgesägten Vertreter der christlichen Nächstenliebe die.wilden Massen". Sie haben recht. Herr Pastor, es ist heuer furchtbar heiß! Ein riesiger Wiesenbranb wütete seit Sonntag nachmittag auf dem zwischen Zossen,.Neu- Dabendorf und RangSdorf gelegenen IM Morgen großen Wiesen- gelände, das zum Rittergut Groh-Machnow gehört. Der Brand ist durch Funkenauswurf entstanden, da am Sonntag mehrere Züge der Zoffener Militärbahn, die Mannschaften von Berlin nach dem Sperenberger Uebungsplatz beförderten, den Wiesenkompiez, passierten. Bei der großen Trockenheit des Grases griff das Feuer mit ungeheurer Schnelligkeit um sich und bald stand das ganze Gebiet in Flammen. Die Zossener, Dabendorfer und Rangsdorfcr Feuerwehren versuchten mit Unterstützung einer Abteilung der Eisenbahner, die telcphonisch vom Truppenübungsplatz herbeigerufen worbrn waren, des Feuers Herr zu werden, muhten sich jedoch schließlich darauf beschränken, die angrenzenden Waldungen durch Aufwerfen von Gräben zu schützen. Erst am Montag nack- mittag gelang es schließlich den Brand zu löschen. Der Schaden ist ein sehr beträchtlicher, um so mehr als die gesamte Futtcrerntc des Rittergutes vernichtet wurde. Ebenso ist ein großer Teil des in den Feldern lagernden Kleinwildes, wie Rebhühner und Hasen, ein Raub der Flammen geworden.— Ein gefährlicher Waldbrand entstand am Sonntag nachmittag zwischen Grebcnbcrg und Pricros bei Königswusterhausen. Tort brannte infolge der großen Trockenheit und Hitze ein Areal von etwa 40 Morgen hochbcstandenen Tannenwaldes, der Königlichen Hofkammer gehörend, ab. D.lephonisch hinzugerufenen Forst- beamten gelang es nach stundenlangem Bemühen das Feuer abzu- grenzen und eine Weiterverbreitung zu verhindern. Sieben Kinder durch Wespenstiche schwer verlebt. Durch einen eigenartigen, in der Großstadt ungewöhnlichen Borfall sind am Sonntag nachmittag sieben Kinder teils schwer, teils leichter verletzt worden.� Am Sonntag nachmittag spielten eine Anzahl Knaben am Schönebcrger Stadtpark und entdeckten Hort in pem Lehmboden in der Röhe der Untergrundbahn ein Wespennest, aus dem einzelne Insekten hervorkamen. Die Kinder. unter denen sich auch ein anderthalb Jahr altes Mädchen befand. kamen in Unkenntnis der Gefahr auf den unglückseligen Einfall, die Wespen aufzustören. Mit einem langen Stock stachen sie in der ziemlich großen Oeffnung herum, als plötzlich Taufende von Wespen aus dem Nest hervorquollen und sich aus die Ruhestörer stürzten. Eine entsetzliche Szene spielte sich nun ab. Die Kinder waren im Augenblick von Hunderten der gereizten Insekten bedeckt und wußten vor Schreck und Bestürzung sich weder Rat noch Hilfe. Schreiend und vor Schmerz halb betäubt warfen sich die Kinder zu Boden, ohne indessen den Schwärmen entrinnen zu können. End- lich eilten einige Passanten hinzu, die die bedauernswerten Kinder mit ihren Kleidungsstücken bedeckten und durch Auswerfen von Sand und Lehm die Wespen zu verscheuchen suchten. Besonders schlimm erging es der 4)4 jährigen Anna Feuer, deren Mutter nicht weit davon auf einer Bank des Stadtparkes gesessen hatte. Das kleine Mädchen, das sich unmittelbar vor der Oeffnung des Wespennestes besunden hatte, wurde buchstäblich von den Insekten bedeckt und der- artig zerstochen, daß es das Bewußtsein auf der Stelle verlor. Man schaffte die verletzten Kinder zu einem in der Nähe wohnenden Arzt, der durch Olivcnölverbände die erste Hilfe leistete. Der Zustand der kleinen F. war jedoch bereits so bedenklich, daß das Kind im Automobil nach dem Schönebcrger Krankenhause geschafft werden mußte, wo es hossnungslos daniederliegt. Die übrigen Verletzten, sechs Knaben, die zum Teil 20 bis 30 Stiche aufzuweisen haben. werden ärztlich in den elterlichen Wohnungen behandelt. Von ihnen gibt das Befinden des neunjährigen Ernst Fischer aus der Ko- bnrger Straße ebenfalls zu Bedenken Anlaß, da dem Knaben einige Wespen in die Nase und Ohren eingedrungen waren und dort be- sonders schmerzhaste Stiche hinterlassen hatten. Ein in der Nähe des Stadtparkcs wohnender Gärtner, der gleichfalls hilfebringend hinzugeeilt war und mehrere Wespenstiche erlitten hatte, benach- richtigte die Schöneberger Feuerwehr, die mehrere Beamte mit Rauchhelmen und Tchutzhandschuhen an die Unfallstelle entsandte. Die Feuerwehrleute füllten das Nest dann mit Petroleum und es gelang ihnen nach fast dreistündiger Arbeit den nach Tausenden zählenden Wespenschwarm zu vernichten.. Ausflügler, die es sich im Walde bequem machen, müffen da Obacht geben daß sie nicht bestoblen werden. Es treiben sich in manchen Forsten recht geriebene Spitzbuben herum, die es auf 'chlafeude Ausflügler abgesehen haben. So passierte eS einein Ar- beirer. der sich am Soniuag im Tegeler Forst hingelegt hatte— 3 Meter vom Hauplweg entfernt— daß ihm ein sp ybube aus den etwa l Meter von dem Ruhenden liegenden Kleidern ein Porte- monnaie mit 10 M. Inhalt, einen Trauring J. H. 24. 12. 08 gezeichnet und mehrereS andere entwendete. Zur Warnung sei dieser Fall zur Kemuins gebracht. Opfer der Hitze. Obwohl der letzte Sonntag nicht ganz so hohe Temperaturen auszuweisen hatte wie die Tage vorder, haben sich doch wiederum mehrere Fälle von Hitzichlag ereignet. So brach Sonntag nachmittag der Mjährige Kauiinann Max Schendel. Torell- straße 3 wohnhaft, in der MotzNraße in Schöneberg besinnungslos zusammen und mutzte nach der Uiikallstalion in der Vorbergstraße geschafft werden. Da sich sein Befinden nicht besserte, veranlaßtc der diensthabende Arzt die Uebersührung des Erkrankten nach dem Schöneberger Krankenhauie.— Ein zweiter schwerer Fall von Hitz- ichlag ereignete sich in der Nähe von Oranienvurg. Der ldjähnge öohn deS Bauunternehmers B. aus der Greitswalder Straße Halle mit mehreren Freunden eine Radiour nach Oranienburg unternommen. Kurz vor Oranienburg wurde der junge Mann vom Hitzschlag betroffen und stürzte vom Rade, wobei er sich einen komplizierten Oberschenkel- bruch und Gehirnerschütterung zuzog. Der Verletzte mußte nach dem Oranienburger Krauteiihause übergelührt werden.— Edeniolls beim Radfahren vom Hiyi-vlag betroffen, wurde der Arbeiter Kal« ichewski aus der Mantenffelstr. 18. Der Arbeiter fuhr die Gilschiuer Straße auf feinem Zweirad entlang, stürzte jedoch plötzlich zu Bode» und wurde von Passanten in einer Droschke nach den, Urbau-Krantcn- hause geschafft, wo festgestellt wurde, daß er von einein Hitzschlag be- iroffen iei.— Vom Hitzschlag getroffen wurde ferner der SO Jahre alte Milchhäiidler August May auS der Fruchstr. S3. May hatte einen Be- kannten besucht. Auf dem Heimwege brach er am Küstriner Platz plötzlich zusammen. Ein Schlitzmaun brachte den Kranken nach der Remmgs- wache in der Koppcnstraße. Der Arzt stellte hier einen Hitzschlag fest und leistete dem Manne die erste Hilfe. Der Zustand ivar so bedenklich, daß er nach dem Krankenhanse am Friedrichshain gebracht werden mußle. Der 57 Jabre alte Tischlermeister Oito Nehring aus der Suimnetzstr. 40 zu Rixdocf besuchte am Soiiuavcnd abend mit seinem Bruder aus Berlin die Gastwinkchaft von WischmwSki in der Zietenstr. 34 und brach hier, vom Hitzschlag getroffen, Plötz- lich zusammen. Man brachte ihn, weil er noch schwache Lebens- zeichen von sich gab. nach der nächsten Unfallstation. Dort starb er jedoch unter den Händen des ArzleS. Ein Hitzschlag mit tödlichem Ausgang ereignete sich am gestrigen Montag nachmittag an der Ecke der Rüd.rSdorfer- und Posenerstraße. Dort stürzte der 30jährige Tischler Richard Puhl, Boxhagenerstraße 22 wohnhast besinnungslos zusammen und wurde von Passanten nach der Unfallstation in der Warschauer- straße gebracht, wo er jedoch schon nach wenigen Minuten verstarb. Der diensthabende Arzt stellte als Todesursache Hitzschlag fest. Ein zweiter täglicher Fall von Hitzschlag trug sich in Wilmers- dorf zu. Dort wurde der Grünkramhändler Burchardt, August- straße 27 wohnhaft, auf der Straße vom Hitzschlag betroffen und mußte nach der Wilmersdorfer Rettungswache gebracht werden, wo er jedoch bald unter den Händen des Arztes derstarb. Ertrunken. Im Müggelsee ertrank am Sonnlagmittag der Lehr- ling Karl Scblemmingcr. Der im 17. Lebensjahre Stehende hatte mit einer größeren Anzahl gleichaltriger Freunde an einem Ausflug »ach Freibad RahnSdors teilgenommen, wo er sich zu erfrischen suchte. Etwa 100 Meter vom Ufer entfernt, geriet dersetoe plötzlich und in Gegenwart Badender in eine tiefe Stelle und versank lautlos. So- fort angestellte Tauchversuche hatten leider keinen Erfolg und muhte Sch., der deS Schwimniens unkundig war, sein junges Leben lassen. Auch die von einem herbeigerufenen Grundtancher ange- stellten Tanckiversuche waren ebenfalls erfolglos. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden. Es liegt hier weder Waghalsigkeit noch Unvorsichtigkeit vor, � denn Sch.- befand sich nur etwa bis zur Hälfte im Waffer. Aber eine plötzliche, steil abfallende Rinne, welche für den Dampserverkehr gebaggert ist, wurde ihm zum Verhängnis. Die Tauchversuche sind Montag fortgesetzt worden.— In einem zweiten Falle geriet ein älterer Mann, der mit seiner Frau badete, an eine tiefe Stelle, wo er vor den Augen der Frau versank und ohne daß Hilfe möglich war, ertrank. Beim Baden ertrunken. Ein bedaiterlicher Unfall hat sich gestern morgen in Treptow zugetragen. Der SSjähcige Kutscher Joseph Ullerich, der in einer Fabrik in Oberschöneweide angestellt ist. begab sich gegen 6 Uhr morgen? mit einem Freunde an den Wilhelmstraud in Treptow, um vor der Arbeit noch ein Bad zu nehmen. U. war jedoch offenbar zu erhitzt ins Wasser gegangen, denn kaum hatte er sich einige Meter vom Ufer entsernt. als er untersank und nicht mehr zum Vorschein kam. Erst nach einer Stunde konnte die Leiche des Mannes geborgen und nach dem Schauhaus in Rummelsburg gebracht werden. Todessturz auf dem Stettlner Bahnhof. Auf dem Fernbahnsteig des Stettiner Bahnhofs ereignete sich Sonntag früh ein schwerer Unfall. Als sich der um 6 Uhr abgehende Personenzug schon in Be- wegiiiig gesetzt hatte, wollte ein junges Mädchen noch ein Abteil be- steigen, glitt aber aus und fiel zwischen daS Trittbrett und den Perron, so daß eS mehrere Meter mit fortgeschleift wurde. Der Zug wurde nodb einmal zum Stehen gebrocht und die Verunglückte aus ihrer gefährlichen Lage befreit. Wie sich herausstellte, hatte das Mädchen einen Unterarmbruch, mehrere Rippenbrüche und andere innere Verletzungen davongetragen. ES fand auf der Unfallstalion in der Eichendorffstraße die erste Hilfe und wurde dann nach der Königlichen Klinik in der Ziegelstraße geschafft. Dort starb es gegen mittag an den Folgen der schweren Verletzungen. Wie die polizeilichen Ermittelungen ergaben, handelt eS sich um das 23iährige Dienstmädchen Bertha Stolzenburg, dos in der KrouSuickstraße in Stellung war. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt. j Eine Ehctragödie spielte sich in der Nacht zum Sonntag in der Friedrich-Franzstraße 37 zu Tempelhos ab. Seit längerer Zeit wohnt dort der 37jährige Bildhauer Rudolf P a p p r o t h mit einer 3Sjähngcn Frau Wackermann zusammen, die ihrem Mann dapon- gelaufen ist. Die„wilde" Ehe gestaltete sich aber ebenso unglücklich wie die legitime. Da Papproth nur zeitweise arbeit'.te und � außerdem dem Trunk ergeben ist, kam es zivischen beiden oft zu � Streitigkeiten. Auch am Sonnabendabend gab es wieder eine ! solche Szene. Von Reue erfaßt, lies die Frau nach diesem Streit ! wieder zu ihrem Mann zurück und klagte ihm ihr Leid. Wackev- � mann schenkte seiner Frau auch Gehör und begab sich sofort nach der Wohnung in der Friedrich-Franzstraße, nachdem er sich vorher mit einem scchsläufigen Revolver und einem Gummiknüppel be- »vaffnet hatte. In der Wohnung entspann sich dann ein heftiger Wortwechsel zwischen Wackerniann und seinem Nebenbuhler, der übrigens stark angetrunken war. Im Verlauf des Streite? zog Wackermann schließl�cb den Revolver hervor und feuerte kurz hin» tereinander fünf Schüsse auf seinen Gegner ab. Während die erste Kugel fehl ging, drangen die anderen vier Kugeln Papproth in den Kopf, so daß er schnierverlctz! zusammenbrach. Auf die Hilfe- rufe eilten andere Hausbewohner hinzu, die den Revolverhelden ! überiväliigten und der Polizei übergaben. Der schwerverletzte Bild- ! Hauer wurde nach dem Britzcr Kreiskrankenhaus gebracht. Wacker- mann behauptet, in der Notwehr gehandelt zu haben, doch wird dieser Angabe kein Glaube beigemessen. Schon der angetrunkene Zustand des Bildhauers deutet darauf hin. daß sich Wackermann seinen Gegner auch ohne Revolver vom Halse hätte halten können. Wackermann ist aber anscheinend schon mit der bestimmten 2lbsicht nach der Wohnung gegangen, seinem Nebenbuhler einen gehörigen Denkzettel uut Hilfe des Revolvers zu geben. Er wurde daher sofort dem Berliner Polizeipräsidium eingeliefert, von wo er dem Richter vorgeführt wird. Ein erschütterndes Drama, dessen eigentliche Ursachs auf die große Hitze zurückzuführen ist, hat sich am gestrigen Ämntag in dem Hauie Joachimsti>aler Straße 39/40 abgespielt. Tort wohnt seit etwa einem halben Jahre die SOjährige verwitwete Frau Justizrat Rosa Möller, die in der vierten Etage eine Familicnpension betrieb. Frau M. besitzt vier Kinder, drei Töckter und einen Sohn, von denen die beiden ältesten Mädchen im Alter von 23 und 2l Jahren ctivas schlvachsinnig sind. Die 18jährige Ruth, ein bildhübsches und liebenswürdiges Mädchen, ivar die Hauptstütze der Mutter und leitete die Pension. Der 14jährige Sohn besucht das Gymnasium. Als nun am gestrigen Sonntag die Familie in Gemeinschaft mit den Pensionären das Mittagessen eingenommen hatte, wurde Frau Justizrat Möller, als sie sich von ihrem Stuhl erheben wollte, plötzlich von einem Ui»» Wohlsein befallen und stürzte ohnmächtig mi Boden. Ein hinznge» rufener Arzt, der in demselben Hause wohnt, stellte Hitzschlag fest und ordnete die Uebersührung der Erkrankten nach dem Kranien- hause Westend an. Als der tclephonisch herbeigerufene Kranken- wagen vorgesahren war und man Frau M. in der Wohnung auf eine Tragbahre legen wollte, erlitt die Dame lrahrschcinlich in- folge der Ausregung einen Herzschlag und verstarb in den Armen ibrer Tochter Ruth. Diese, die mit besonderer Liebe und Vcr- ehrung an der Mutter hing, war über diesen plötzlichen schweren Verlust trostlos. Das Mädchen brach in lautes Weinen und Schreien aus und war nur mit Mühe von der Leiche der Mutter zu. entfernen. Schließlich schien sich Ruth Möller etwas beruhigt zu haben und man machte sich wieder mit der Verstorbenen zu schaffen. Ivährend das Mädchen sich nach der Küche begab. Plötzlich hörten die in dem Schlafzimmer weilenden Personen einen gellenden Aufschrei. Als sie in die Küche drangen, sahen sie zu ihrem Eni- setzen, wie sich Ruth Möller auf das Fensterbrett schwang. Ehe die erschreckten Zuschauer der Szene sich von ihrem Schrecken erholt hatten, stürzte sich das Mädchen kopfüber auf den gepflasterten Hof hinab, wo sie mit zerschmetterten Gliedern liegen blieb. Der Tod der Bedauernswerten trat nach wenigen Augenblicken ein. Un- beschrciblicb war die Szene, die sich nun abspielte. Die beiden ölte- reu Schwestern, die von irr Leiche der Mutter zu der fast bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten Schwester eilten, gebärdeten sich wie irrsinnig und konnten erst nach großen Anstrengungen mit Gewalt in die Wohnung zurückgebracht werden. Hier erlitten die de- dauernswerten Mädchen, die innerhalb einer Viertelstunde Mutter und Schwester verloren haben, einen Tobsuchtsanfall und verbuchten nemeinsam, sich aus dem Fenster zu stürzen. Rur mit genauer Not konnte dieses Vorhaben vereitelt werden. Während die Seiche der Mutter in der Wohnung verblieb, wurde diejenige der Tochter be- schlagnahmt und nach dem Schauhause übergeführt. Der Sohn wurde von dem traurigen Ereignis telegraphisch benachrichtigt und traf gestern früh mis einem Ostsccbade, wo er sich bei Verwandten aufhielt, in Berlin ein. Die drei Waisen fanden bei Verwandten Aufnahme. Beim Spielen ertrunken ist Sonntagnachmittag ein unbekannter Knabe von etwa acht Jahren. Er fiel an der Fischerbrücke in die Spree, ging unter und kam nicht mehr zum Borschein. Die Leiche ist noch nicht gefunden. Die Kopfbekleidung des Verunglückten blieb am Ufer liegen. Es ist eine blaue Mütze mit einem schwarzen Lederschirm. Durch einen Sprung auS dem Fenster hat die 52 Jahr» alte Schlosserfrau Minna Mittmann aus der Pankstraße S ihrem Leben ein Ende gemacht. Die Unglückliche war feit langer Zeit schwer ncrvcnkrank. In einem Anfalle sprang sie vorgestern abend um neun Uhr ans dem Küchenfenster ihrer Wohnung im vierten Stock de» Ouergebäudes auf den Hof hinab. Ein Arzt konnte nur noch ihren Tod feststellen. Bon dem Revolver«nd dem Messer wurde in der Nacht zum Sonnrag ein unheimlich reicher Gebrauch gemacht. Der 19 Jahre alte Schlächtergcselle Walter Ralow aus der Mulackstroße 11 traf. nach dem er erst vor drei Tagen nach Berlin gekommen war, in der Dragonerstraße ein Mädchen an und geriet mit ihm in Streit, weil er nicht freigebig genug war. Eine Rotte von Zuhältern und Dirnen fiele» nun über ihn her, und es entstand ein Auflauf von 150 Personen, die teiis für, teils gegen den jungen Mann Partei nahmen. Der Bedrängte schoß blindlings mit dem Revolver in die Menge und traf den 25 Jahre alten Bauarbeiter Kowalski mit einem Schrotschuß schwer in den Unterleib. Er entfloh dann, wurde aber in der Neuen Schönhauserstraße festgenommen und der Kriminalpolizei übergeben. Kowalski liegt im HedwigS-Kranken- hause sehr bedenklich danieder.— Zwei Brüder, der 23jährige Arbeiter Anton und der 20 Jahre alte Klempner Roberl Burchhardt auS der Pappelallee 40, gingen nach einer Bierreise mit zwei Mädchen durch die einsame Stablheimerstraße. Plötzlich kanten aus der angrenzenden Laubenkolonie mehrere junge Burschen, die ihnen die Mädchen abspenstig machen wollten. In der Schlägerei erhielt Anton Burchhardt einen Schuß in den Unterleib und Robert einen Streifschuß in den rechten Oberarm Jener mußte von der Rettungswache in der Gaudystraße nach dei� Virchowkrankenhause gebracht werden, während dieser nach Haust gehen konnte. Die unbekannten Täter eutlameo. Ein Arzt im Borortszug überfalsen. Ein unerhörter Vorfall Hat sich am Sonnabend nachmittag um 4 Uhr in einem Vorortszug zwischen den Stationen Friedrichshagen und Rahnsdorf-ereignet. Der praktische Arzt Dr. G. aus Friedrichshagen wurde telephonisch zu einem Patienten nach Rahnsdorf berufen. Dr. G. benutzte den nächsten Zug und stieg in ein Kupee, in welchem sich vier junge Leute im Alter von 18 bis 22 Jahren befanden. Die Burschen be- nahmen sich von Anfang an gegen den Arzt äußerst flegelhaft und hänselten den Arzt unausgesetzt. Als dieser sich schließlich energisch Ruhe ausbat, stürzten sich die Rowdies auf ihn, würgten ihn und schlügen mit Stöcken und Schlagringen auf den Arzt los, bis dieser blutüberströmt von der Bank stürzte. Als der Ueberfallene ver- suchte, die Notbremse zu ziehen, drohten ihm die Burschen, daß sie rhu aus dem fahrenden Zuge herauswerfen würden. In Rahns- dorf erstattete Dr. G. sofort Anzeige und veranlaßtc die Festnahme .der Rowdies. Die Rohlinge wurden von dem Stationspersonal nach energischer Gegenwehr überwältigt und in den Dienstraum eingesperrt. Als sie sich unbeobachtet fühlten, erbrachen sie das Fenster und flüchteten über den Bahndamm hinweg nach dem nahen Wald, wo sie leider entkamen. Großfciicr kam am Sonntngnachmittag aus noch nicht ermittelter Ursache in der Chemischen Fabrik von I. D. Riedel u. Sohn in der Wiesenstr. 62. gegenüber dem Huindoldthain, zum Ausbruch. Als die ersten Lvichzüge aus der Pankstraße dort ankamen, stand schon ein Schuppen mit Schwefelkohlenstoff und anderen Chemikalien in Flammen. Diele halten bereits das Lager von Glasflaschen mit Korbgeflechten ergriffen und dadurch reiche Nahrung gesunden. Wegen der giftigen Dünste, die sich entwickelten, mußte mit Vorsicht vorgegangen werden. Der Branddirektor Reichel ließ mit zwei H-Rohren und drei E-Rohren von Dampfspritzen angreifen, dadurch gelang es, eine weitere Ausdehnung zu verhüten und schließlich den Brand zu lokalisieren. Um 9 Uhr konnte die Feuerwehr nach schwerer, mehrstündiger Arbeit wieder abrücken. Der erhebliche Schaden ist voll durch Versicherung gedeckt. Eine Betriebsstörung soll nicht stattfinden. Auch die Borortwehren von Zeuthen, Grünau, Nieder-Schöne weide, Johannisthal, Eichwalde, Gosen, Köpenick. Müggelheim usw hatten am Sonntag fast ununlerdrochen zu tun. Sie wurden vor- mittags, mittags und nachmittags alariniert. Große Waldflächen bei Grünau, Johanuislhal, Adlershof, Gosen. Müggelheim usw standen wiederholt in Flammen. Kaum waren diese Wald brande an einer Stelle gelöscht, schlugen sie trotz aller Aufmerksam keit an anderen Stellen mit noch größerer Heftigkeit empor. Dichter Oualm zeigte jedesmal den neuen Brandherd an. Das Publikum beteiligte sich hier und da am Löschen. Trotzdem konnte aber nicht verhindert werden, daß viele Morgen Kiefernbestände total schwarz brannten. Die Hitze war bei den Bränden ganz enorm und nur durch den Wind, der die Flammen vor sich hertrieb, etwas gemildert. Erst gegen Abend konnte» die Feuerwehren abrücken. {Radrennen im Olympia-Park am 39. Juli. Die von der Di> rektion getroffene Anordnung, der herrschenden großen Hitze wegen den auf 4 Uhr angesetzten Beginn der Rennen eine Stunde später eintreten und das Dauerreime» erst in den Abendstunden ausfahren zu lassen, erwies sich als zweckmäßig, denn die gutbeftichten Rennen verliefen ohne Unfall. Der Große Preis von Europa (2699. 2999, 1599, 1999 und 899 M), der über 190 Kilometer führte. wurde von fünf Fahren: bestritten und brachte als Ergebnis: 1. Peter Günther(Köln) in 1 Std. 17 Min 34 Sek.; 2.' Janke(Berlin) 2999 Meter; 3. R. Scheurrmann lBreSlau) 4550 Meter; 4. Jules Miguel(Paris) und 5. Bruno Demke(Berlin). beide weit zurück. Bis zum 79 Kilometer lag Junke an der Spitze, dann mußte er infolge eines Reifenschadens und Motordefektes sich vor dem tapfer fahrend� Günther beugen; auch Scheuermonn fuhr gut, doch litt er gleichfalls unter Reifenschaden. Nicht besser ging eS Miguel und Denike. von denen der letztere von Anfang an weit znrückblieb. Günther und Janke fuhren auf Verlangen eine Ehren- runde.— Einige„Fliegerrennen" vervollständigten da« Programm Hauptfahren 1299 Meter 75, 59. 49, 29 M. Nach acht Bor- und vier Zioischeuläufen: 1. Stabe in 2 Minuten 29 Sekunden, 2. Peter, 3. Lorenz, 4. Finn. Arend war in seinem Vorlauf hängen geblieben.— Juli-Handicap. 699 Meter 59. 49, 39. 16 M. 1. Lorenz(vom Mal) in 47 Sekunden; 2. Finn(19 Meter Vor- gäbe); 3. Stabe(Mal); 4. Großmann<5 Meter). Nicht placiert: 12 Fahrer.— Prämienfahren. 4000 Meter. 40, 25. 20, 19 M. 1. E h l e r t in 5 Minuten 12�/z Sekunden; 2. Ganzevoort; 3. Finn; 4. Vierck. Prämien a 3 M. gewinnen Rnssow(7), Trinks (4), Packcbusch(2), RätebuS(2), Hänßler(2), Böuerle(l). Etwa 69 Fahrer in einem Sauf.— Preis von Cbarlottenburg. Zweisitzerfahren. 1299 Meter. 199, 69, 59, 49 M. 1. Stabe- W e g e» e r; 2. Arend- Großmann; 3. Tadewald- Ganzevoort; 4. Packebusch Finn. Die Rennen endeten erst gegen 9 Uhr in der beginnenden Dunkelheit. Der Eispalast in der Lntherstraße hat am Sonnabend seine Pforten wieder geöffnet. Dem Publikum wird allabendlich ein aus» -erleftneS Kunstlausprogramm vorgeführt. Großes Interesse erregt eine Eispanlomime mit großen Balletts:„Ein Fest zu Rheins- berg' betitelt. Das AdmiralS-Bad in der Friedrichstraße ist neu erstanden An derselbe» Stelle, an der ehemals das vielen Berlinern bekannte AdmiralSgarten-Bad sich befand, erhebt sich ein neuer Prachtbau, in dem sich eine große Eisarcna, der„AdmiralS-Palast", befindet. Außerdem beherbergt das Gebäude seit kurzem eine Lichtbildbühne. Und alS Abschluß der großarligcn Anlage ist daS Admirals-Bad hinzugekommen. Ein Fahrstuhl führt die Besucher zur dritten Etage, in der über der EiSarena Badeeinrichtnngen geschaffen worden sind. die an Eleganz und Luxus kaum zu übertreffen sein dürften. Ter Badebetrieb wird Tag und Nacht aufrecht erhalten werden und ist für Damen und Herren eingerichtet. Ans dem Ankleideraum ge- langt man in den Dainpfraum. wo man sich auf marmornen Ruhe- betten ausstrecken kann. Dann betritt man den Warmluft- und den Heißlnstraum. Weiter kommt man in die große Badehalle, wo sich Düschen der allermodernsten Art befinden. Da gibt es Kopsduschen, Mantelduschen. Handduschen und anderes mehr. Hierauf gelangt man in den Massageraum, woran sich ein ortho- pädifcher Saal mit allen erdenklichen Apparaten zur Kräftigung der Muskeln anschließt. Kurz, die Einrichtung ist auf das modernste eingerichtet für Leute, die daö Geld und die Zeit dazu haben, ihren Körper gesund zu erhalten, ihn zu stählen und zu kräftigen, Vorort- Nacbrlcbten. Rixdorf. In ihrem Geschäftslokal tiberfallen wurde am Sonntag die in der Thüringer Straße 29 wohnende Frau Gerth, die dort einen Althaudel betreibt. In dem Geschäftslokal erschienen zwei junge Männer unter dem Vorgeben, einen Hut kaufen zu wollen. Als die Frau ihnen sagte, daß sie keine Hüte habe, erklärten sie, sie möchten dann ein Paar Strümpfe nehmen. Als Frau Gerth sie jetzt ein» treten ließ, verlangten sie ein Hemd und kauften auch eins. Der eine ging dann weg, der andere, der Größere, blieb noch, fiel nun plötzlich über Frau Gerth her, versuchte sie auf den Ladentisch zu werfen, um sie zu vergewaltigen. Als sie sich zur Wehr setzte, drohte er ihr mit vorgehaltenem Revolver, daß er sie mit einer blauen Bohne gefügig machen werde, wenn sie so nicht wolle. Die erst seit kurzem von schwerer Krankheit genesene Frau war zu Tooe erschrocken und nicht sähig, um Hilfe zu rufen. Der Kerl drängte sie nach der Küche hinein, ließ aber jetzt von ihr ab, als er sah, daß das Fenster aufstand., Er nahm jetzt drei Hemden vom Ladentisch und ging davon. In diesem Augenblick kam ein Hausbewohner die Treppe herunter, sah die Frau weinend dastehen und fragte, was ihr fehle. Bevor sie noch zu Worte kam, rief der Kerl, den Laden verlassend, zurück:„Die Frau ist sehr krank, die lassen sie nur zu. frieden. Dann verschwand er. Der Uebeltäter, der noch nicht er- Mittelt werden konnte, ist 1,75 Neter groß und schlank, hat dunkles Haar und Schnurrbart und braune Augen, und trug einen dunklen Jakettanzug ohne Weste, ein gestreiftes Sporthemd und einen schwarzen steifen Hut. Bei der Arbeit von ausströmendem Leuchtgas betäubt wurden gestern, Montag nachmittag, in Rixdorf vor dem Hause Emser Straße 17 der 42 Jahre alte Rohrleger Friedrich Glasow aus der Mainzer Straße 3 und der 29jährige Lehrling Wilhelm Mente von der städtischen Gasanstalt. Beide waren in einer tiefen Baugrube mit dem Verlegen einer Hauptrohrleitung beschäftigt, als sie Plötz- lich fast gleichmäßig ohnmächtig umsanken. Zum Glück war der Vorgang von einem außerhalb der Grube arbeitenden Kollegen beobachtet worden. Maurer von einem nahen Neubau halfen dem Manne bei der Bergung der in eine tiefe Betäubung verfallenen Rohrleger. Auf die sofortige Meldung bei der Feuerwehr und Un- fallstation erschien die erstere mit dem Sauerstoffapparat, und es gelang, die Verunglückten nach längeren Bemühungen ins Leben zurückzurufen. Beide vermochten sich in Begleitung von Kollegen in ärztliche Behandlung zu begeben. Der Unglücksfall ist einer vorübergehenden Undichtigkeit zuzuschreiben. Charlottenburg. Verein Arbeiter-Jugendheim. Am Freitag, den 4. August, abends 8'/° Uhr, findet im lleinen Saale des Volkshauses eine Mitglieder- Versammlung statt. Mitgliedskarte legitimiert. Weiftensee. Aus der Gcmeindevertretiing. Trotz der Gluthitze merkt man nichts von Ferien in der kommunalen Tätigkeit, verschiedenen Kam- miisionssitzungen bis in den späten Abend folgt dann eine Gemeinde- vertrelersitznng. die allerdings nur dadurch beschlußfähig wird, daß die Plätze der Vertreter der dritten Abteilung alle besetzt sind. In den Reihen der bürgerlichen Vertreter sieht man manche Lücke, auf der Tribüne höchstens ein Interessent, der dann auch verschwindet, wenn„seine Sache" erledigt ist. Nur wenn der Bürger- meister aus Urlaub ist, dann haben gewöhnlich auch die Gemeindevertreter Ruhe; so wird es überall sein, wo die Gemeindeporlamenre noch ohne Geschäftsordnung sind.— Die letzte Sitzung beschäftigte sich mit verschiedenen Etatüber- ickreitungen auS dem Jahre 1910, so ist der Tiefbauetat um 5667,28 M. und der Armenetat um 29 166,79 M. überschritten, welche Summen nachbewilligt wurden. Verschiedene Kommissionen wurden neugebildet. Dem Kuratorium für daS Säuglingskrankenhaus gehören die Genossen Fuhrmann und Penkert an, der Kommisston zur Errichtung eines Krematoriums die Genossen Frentz und Seifert. Ferner wurde eine Kommission gebildet zur Bildung eines Hypothekenfonds für Grundstücksbeleihungen, der der Genosse Frentz angehört. Die Rieselfeldtommission wurde durch den Genoffen Seifert verstärkt.— Für den Anschluß der alten Schule in der Falkenberger Straße an die Kanalisation und Wasserleitung mußten 3999 M. bewilligt werden. In den Parkanlagen des Säuglingskrankenhauses soll ein Monument aus Bronzegnß aufgestellt werden, welches eine Mutter mit zwei Säuglingen darstellt, hierzu wurde eine Summe von 4999 M. be- willigt. Den Teilnehmern am dritten internationalen Kongreß für Säuglingsschutz, die progrommniäßig das diesige Säuglingskranken- haus besuchen, soll in der Turnhalle ein Frühstück vorgesetzt werde», wozu 1999 M. bewilligt wurden. Sonderbarerweise wurde dieser Antrag des GemeindevorftandeS ohne Debatte angenommen, vielleicht waren die Herren der Meinung, daß sie �an diesem Früdstück teilnehmen dürfen. Zum Brandenburgischen Slädtetage in Ebers- walde wurde der Bürgermeister Dr. Woelck delegiert. Britz. Aus der Gemeindevcrtreter-Sitzung. Vor Eintritt in die Tagesordnung hielt Herr Schlegel ein Referat über die demnächst auszuführenden Pläne der Bangenossenschaft„Ideal".— Die Chaussecstratze nach Buckow soll ausgebaut werden. Die Gemeinde Buckow hat sich bereit erklärt, die Straßenbahnschicnen auf ihre Kosten zu verlegen. So wird demnächst auch diese Gemeinde dem Verkehr mit Groß-Berlin erschlossen.— Dem Ausbau der Rudower Chaussee nach dem Rixdorfer Krankenhause stehen noch Hindernisse im Wege.— Die Ausführung eines neuen Schulhausprojekts wurde genehmigt.— Bei der Wahl von zwei Waisenräten frug unser Vertreter, Genosse Schliebitz, an, ob es statthast sei, daß der Waisenrat in einem anderen Bezirk wohne. Die Frage wurde bejaht, worauf der Antrag gestellt wurde, den Gastwirt Harthmann, Germania-Promenade, zu wählen. Taraufhin wurde nun von gegnerischer Seite betont, daß es doch besser sei, wenn der Waisen- rat in seinem Bezirk wohnt. Der Vorschlag der Kommission wurde gegen die Stimmen unserer vier Vertreter angenommen.— Ein Legat von 2999 M., deren Zinsen für die Armen der Britzer Ge- meinde verwendet werden sollen, ist von dem verstorbenen Herrn Körner vermacht worden. Herr Körner läßt somit einen Bruchteil der Millionen, welche er aus den Kiesgruben herausgewirtschaftct hat. den Armen zukommen.— Im allgemeinen wurde keine Dis- kussion beliebt, weil fast alle Punkte der Tagesordnung vorher in den Kommissionen beraten wurden. Es wäre jedoch zu wünschen, wenn in Zukunft mehr in öffentlicher Sitzung beraten würde, txnnit die Oefscntlichkeit einen Einblick in die Arbeiten der Gemeinde» Vertreter gewinnt. Ober-Schönewetde. Hygienische Mißstände. Ein Leserin schreibt unS:.Ich ging Freitag, den 28. d. M, nach dem Markt Wilbelminenhof- Straße. Als ich wohl ungefähr die Mitte der Goethestraße mit dem Kinder- wagen passiere, bemerke ich einen Trupp Kinder, wohl annähernd zehn bis zwölf jeden Alters, welche einen Plan Hochhobe» und sich ein darunter liegendes gestürztes, totes Pfird besahen, und wie un- erfahrene, dumme Kinder sind, auch daS Maul des Tieres anfaßten. Es lag auf Stroh gebettet auf dem Fahrdamm am Rande des Fuß- Weges, Fliegen und Ungeziefer waren in Menge um da» Tier. daS 'chon einen üblen Geruch von sich gab. Die Füße des TiereS mit dem Eisen sahen unter der Leinewanddecke hervor. E» war vor- mittags 19 Uhr. Die Sonne brannte glühend heiß darauf. Mir wird unheimlich, wenn ich noch an den Weg. die brennende Hitze und daS Tier mir den Fliegen denke. Als ich mit dem Glocken- schlag 11 Uhr zurückkehrte, lag das Tier noch da. Erwachsene, welche von und nach dem Markte gingen, schimpften über diese Bummelei.„So ein Zustand",„ob Ober-Schöneweide denn keine Abdeckerei habe." Ich wehrte die Kinder, daS tote Tier doch nicht anzuf-iffen.„Wir müssen eS uns doch ansehen," war die Antwort. Ich erklärte den Kindern, sich die Hände gut zu desinfizieren und nicht etwa von Mutter zu Ham'e eine Stulle zu verlangen und mit den Händen zu essen, dadurch könnten Krankheiten aller Art ent- 'tehcn. Einige sagten, das Tier sei schon om Abend vorher am Hitzschlag gefallen und sei nun bis an diese Stelle geschleift wo eS liege, es hätte erst weiter unten gelegen. Gern hätte ich mich noch überzeugt, wann die Tierleiche endlich abgeholt wurde, aber mit meinem kleinen Kinde konnte ich nachmittags nicht weg. In dieser Weise wird also JnfektionSkrankhelten vorgebeugt. Bürstet man sich auf dem Balkon ein Kleid, oder bürstet man ein Bett, so wird dieser Frevel mit Geld geahndet, weil die Luft stark verunreinigt wird, aber solch ein Tier, welche» bei der jetzigen Temperatur schleunigst in Verwesung übergeht, bleibt viele Stunden auf der Straße liegen. Zossen. Ein bedauernswerter Unglücksfall ereignete sich am Sonnabend abend in der Schulzeschen Badeanstalt. Ter 21jährige Tischler Jo- Hannes Bräuer wollte beim Baden ein Gerüst erklettern, rutschte dabei aus und fiel mit der linken Brustsrite so unglücklich auf eine eiserne Zaunspitze, daß ihm dieselbe in den Körper eindrang und die Lunge durchbohrte. Nachdem ein schnell hinzugcrufener Arzt einen Notverband angelegt hatte, wurde der Verletzte in bedenk» lichm Zustande ins hiesige Kreiskrankenhaus eingeliefert. Bei dieser Gelegenheit muß bemerkt werden, daß sich hier am Orte wohl ein vom Kreise Teltow stationierter Krankentransport» wagen befindet, daß aber ein Schwerverletzter nicht sachgemäß ge» bettet und verladen werden sann, da dem Wagen eine sundige Be- gleitung fehlt. Nur unier fürchterlichen Qualen wird der Verletzt« auf den Wagen gebracht. Auch die Badeverhältnisse am hiesigen Ort fordern zu einer Kritik heraus. So hat z. B. die Aussicht bei dem städtischen Frei- bad ein alter invalider Asthmatiker, welcher nicht in der Lage ist, bei einem Unglücksfalle sachgemäß einzugreifen. Es ist denn auch fast als ein Wunder zu bezeichnen, daß vor längerer Zeit ein Zigarrenmacher von anderen Badenden vom Ertrinken gerettet werden konnte, nachdem vorher vergeblich versucht worden war, den- selben mit einer Harke herauszuziehen, und voriges Jahr gelang es zufällig in der Nähe befindlichen Bootsleuten, ein Kind mit Boots- haken aus dem Wasser zu holen. Irgendwelche RettungSmittel sind nicht vorhanden. Die Schulzesche Badeanstalt befindet sich ebenfalls in einem ziemlich zerfallenen Zustande, und man muß sich fragen, ob denn die Polizei überhaupt eine Kontrolle ausübt. Aber dazu wird sie schwerlich Zeit haben, da jeder Handwerksbursche, welcher das Weichbild der Stadt Zossen betritt, streng ins Auge genommen wird, damit er nur ja beim Fechten erwischt wird, und unser Stadt- oberhaupt ist so mit allen möglichen Aemtern beladen, daß er sich unmöglich um alles kümmern kann. Er ist nämlich nicht bloß Bürgermeister von Zossen, sondern auch Amtsanwalt, Notteschau- direktor, Amtsvorsteher und Vorsitzender verschiedener Vereme. Wegen einer ordnungsgemäßen Badeanstalt sind schon mehr- fach Gesuche an die städtischen Körperschaften gerichtet worden, auch unsere früheren Genossen im Stadtparlament haben eifrig diese Sache verfochten. Da wurde aber von feiten einzelner Bürger- licher, welche wahrscheinlich eine Badeeinrichtung im Hause haben, erklärt, die Zossener Arbeiterschaft fühle ja gar kein Bedürfnis zum Baden. Wie tief die Arbeiter dabei eingeschätzt wurden, beweist die starke Inanspruchnahme der Schulzeschen Badeanstalt, seit sich der jetzige Pächter in anerkennenswerter Weise bereit erklart hat, für Mitglieder der Krankenkasse„Aeskulap" und deren Angehörigen ermäßigte Preise zu gewähren. Es liegt nun mit an der Zossener Arbeiterschaft, daß sie bei den nächsten Stadtverordnetenwahlen für sich einige Mandate er- ringt. Vielleicht wird es dann möglich, eine Reihe Mißstände in unserem Gemeindewesen zu beseitigen. Sericbts- Leitung. Ein vereiteltes Rcvolverattentat führte gestern das Dienstmädchen Wilhelmine Nickel, welches, wie unseren Lesern erinnerlich, nach der Verhandlung einen Selbst- Mordversuch verübte, vor die 5. Ferienstrafkammer des Land- gerichts l. Die schon mehrfach, zuletzt mit einem Jahre Gefängnis, wegen Diebstahls vorbestrafte Angeklagte hatte sich bor einigen Monaten vor der 7. Strafkammer deS Landgerichts I wegen Rückfalldieb- stahls, begangen gegen, ihre eigene Schwester, zu verantworten. Während der Verhandlung wurde bekannt, daß die Angeklagte, die übrigens in der Sache selbst freigesprochen wurde, einen Revolver bei sich trage in der Abficht, ihre Schwester zu erschießen. Durch die Geistesgegenwart und das schnell entschlossene Handeln des Ge- richtsdieners Gehrke wurde das geplante Attentat jedoch noch im letzten Augenblick vereitelt. Als ihr der Gerichtsdiener die Waffe entwinden wollte, leistete sie heftigen Widerstand. Das Schöffengericht verurteilte sie wegen diese? Vorfall? zu 6 Wochen Gefängnis und zu 39 M. Geldstrafe wegen unerlaubten Waffentragens. Gegen dieses Urteil legte die Angeklagte Berufung ein. In der gestrigen Verhandlung trug die Angeklagte ein eigen- tümlich aufgeregtes Wesen zur Schau. Die gütlichen Vorhaltungen des Vorsitzenden erwiderte sie mit dreisten Redensarten. Als sich das Gericht zur Beratung zurückzog, lief die Angeklagte durch die hinter der Anklagebank befindliche Tür in den zum Gefängnis füh- renden Gang. Da sie sich weigerte, wieder in den Sitzungssaal zurückzukommen, mußte sie mit Gewalt zurückgeholt werden. Nach Verkündung des Urteils, durch welches die Berufung verworfen wurde, erklärte die Angeklagte, daß sie das Gericht nicht verlassen werde, da sie ihre Stelle aufgegeben und nun keine Unterkunft habe. Von dem Vorsitzenden wurde ihr mitgeteilt, daß sie sich im Gesang- nis zum sofortigen Strafantritt melden solle. Sie verließ schließ- lich die Anklagebank mit den Worten:„Die Strafe mache ich nicht ab!" Wie spater festgestellt wurde, versetzte die Angeklagte gleich nach der Verhandlung in einer Pfandleihe in der WilSnacker Straße ihre Uhr und kaufte sich von dem Erlöse einen Revolver und einen Blumenstrauß. Sie begab sich dann in das Gerichtsgebäude zurück. wo sie aus dem aushängenden Terminszettel ihren Namen heraus- riß. Hierauf jagte sie sich auf der Toilette eine Kugel in die rechte Brustseite, welche die Lunge durchbohrte. Trotz der schweren Ver- lehung gab sie dann noch auf einen Schutzmann, der zuerst die Toi- lette betrat, zwei Schüsse ab, die, wie die Kugelspuren zeigen, dicht an dem Kopfe des Beamten vorbeigingen. Von der im Gerichts- gebäude befindlichen Unfallstation wurde die N. dann nach dem Moabiter Untersuchungsgefängnis geschafft. 73iis aller Sielt. Die Ritze und ihre folgen. Noch immer laufen unzählige Nachrichten ein über hohe .Temperaturen, Unglücksfälle und wirtschaftliche Schädigungen. deren ganzer Umfang sich wohl erst im Herbst und Winter übersehen läßt. Aus verschiedenen Gegenden wird aber jetzt schon gemeldet, daß die Ob st ernte als vernichtet anzusehen ist, und selbst in so fruchtbaren Landstrichen wie den Weichselniederungen sind die Viehweiden ver- dorrt, so daß die Landwirte ihr Vieh gegenwärtig schon mit den für den Winter geernteten Vorräten füttern müssen. Die Sächsisch-Böhmische Dampfschiffahrts-Gesell- s ch a f t sieht sich— nachdem der Dresdener Pegel infolge der anhaltenden Trockenheit Montagvormittag einen Elbe- Wasserstand von Minus 226 Zentimeter aufwies— genötigt, mit dem heutigen Tage den gesamten Betrieb auf der Strecke Leitmeritz— Dresden— Mühlberg einzustellen. Lediglich auf der Strecke Pillnitz— Dresden will man versuchen, mit ganz flach gehenden Fahrzeugen den Verkehr teilweise aufrecht zu erhalten. Frankfurt a. M. Auf offener Straße find gestern fünf Fälle an Hitzschlag vorgekommen. Dir ich au. Beim Baden in der Weichsel find gestem in der Nähe von Gerdin ein Unterschweizer auS Marienburg und ein Erntearbeiter aus Gerdin ertrunken. Thorn. Nachdem erst am Freitag drei Personen in der Weichsel beim Baden an der Sandbank, wo sich zurzeit ein reges Strandleben entfaltet, ertrunken sind, sind am Sonntagnach« mittag dort weitere drei Personen ertrunken. Greiz. Die einzige hier bestehende Schwimmanstalt bat ge- schlössen werden müssen, da daö Elsterflußwasser durch die infolge der Hitze eingegangenen, nach Tausenden zählenden toten Fische«inen pestilenzartigen Geruch verbreitet und als verseucht angesehen werden muß. K o b u r g. Auf dem Bahnhos Steinach erlitt gestern ein Mädchen einen Hitzschlag. Die Händlersfrau Sauerteig au» Sonneberg wollte dem Kinde Hilfe bringen, wurde dabei aber vom Zug« er- faßt und getötet. Bechtheim(Rheinhessen). Hier waren ewig« Arbeiter auf einem Hause damit beschäftigt, einen Blitzableiter für die elektrische Ucberlandzentrale aufzurichren, als ein Blitzstrahl zwei Arbeiter traf. Der eine war sofort tot. Der andere ist gelähmt und schwer verbrannt. Die übrigen blieben unverletzt. W i l d e n t a l bei Eibenstock. Ein schweres Unglück m- folge Blitzschlages ereignete sich m der Abteilung 32 des Auerberger Stadtforstes. Dort hatte sich eine Anzahl Waldarbeiter zur Mittagszeit niedergelassen, als der Blitz in die Gruppe ein- schlug. Der 23 Jahre alte unverheiratete Arbeiter Richard Gcorgi war sofort tot. während sechs andere Arbeiter schwere Brandwunden erlitten haben. Hamburg. Im Laufe des gestrigen TageS sind in der Elbe bei Oevelgönne beim Baden fünf Personen ertrunken. Brüssel. Das hiesige meteorologische Observatorium kündigt an, daß weitere große Hitze z» erwarten sei und bis Mitte August anhalten werde. Auf dem Brüsseler Bahnhofe sind gestern fünfzig infolge der Hitze verendete Hümmel angekommen. Mailand. Die Hitze in Italien ist ganz unerträglich. DaS Thermometer in Mailand zeigte gestern zeitweise 38 Grad im Schatten. In Benetien sind zahlreiche Todesfälle durch Sonnenstich vorgekommen. Auch aus Trieft werden drei tödliche Hitzschläge gemeldet. Frommer Wunsch. An vielen Orten Bayerns werden jetzt von feiten der katho- lischen Kirche Bittgänge um Regen veranstaltet. So kündigte in P a s s a u der Stadtpsarrer von St. Paul für Montag eine B i t t- Prozession nach HalS an. Auch besondere Betstunden werden zu demselben Zweck anberaumt. Recht kurioS nimmt sich eine Notiz aus Hesselbach bei Würzburg aus, die das Leiborgan des Benefiziaten Liborius Gerstenberger bringt: „Dahier werden in dieser Woche Betstunden um heiß- ersehnten Regen gehalten. Aber hoffentlich trifft dieser nicht gerade am Sonntag. Fahnenweihfcst, ein." Also: Liebes Herrgöttle, schick' Regen— aber ja nicht am Sonntag, da haben wir Fahnenweihe! Der»liebe Gott" wird hoffentlich diesen sehr berechtigten Wunsch der ebenso regenbedürftigen wie festesfrohen Hesselbacher geziemend erfüllen und den Regen erst schicken, wenn der Tanz und die Fesifresscrei zu Ende sind. Die Cholera. Wien. Nach einer Mitteilung des Sanitätsdepartements im Ministerium des Innern sind in Trieft neun Neuerkran- kungen an Cholera batteriologisch festgestellt worden. Konstantinopel. Gestern find hier 19 Cholerafälle Vorgekommen, von denen vier tödlich verlaufen sind. Saloniki. Infolge der Ausdehnung der Cholera in Oberalbanien wurde auch Mitrowitza von einem SanitätS- kordon umgeben. In I p e k kamen im Verlaufe von 24 Stunden 24 Cholerafälle bor. von denen acht tödlich verliefen. Unter den Truppen wurden 18 Fälle, davon sechs mit tödlichem Ausgang fest- gestellt. In Saloniki und U e s k ü b wurden Borkehrungen gegen die Einschleppung der Cholerq getroffen. Kleine Notizen. Bier Personen ertrunken. Nach einem Telegramm auS Belgrad waren zwei serbische Bäuerinnen mit ihren Kindern, einem sechsjährigen Knaben und einem vier Jahre alten Mädchen, in der Nefsawa, einem Nebenfluß der Morawa, Laden gegangen. Die Kinder verloren den Grund unter den Füßen und ertranken mit den ihnen zu Hilfe eilenden Müttern. Hinzu- eilende Männer konnten nur noch die vier Leichen k-ergen. Zugentgleisung. Im Frankfurter Hauptbahnhofe entgleiste am Sonntagabend der Tender einer Schnellzuglokomottve, die hier den Zug übernehmen wollte. Der Schnellzug Basel— Worms erlitt dadurch eine Verspätung von 49 Minuten. Personen sind dadurch nicht zu Schaden gekommen. Familientragödie. In Düsseldorf wurden gestern früh der Zigarrenhändler Otto Heinrich und seine Feau in ihrer Woh- uung erhängt aufgefunden. Das sechs Monate alte S ö h n ch e n war erdrosselt, sämtliche Gashähne waren außer- dem geöffnet. Die Motive dieser Ehetragödie sind noch nicht be- kannt. Opfer der Berge. Die 17jährige Touristtn Josephine Pichler aus Wien ist von der Bärenwand im Semmeringgebiet ab- g e st ü r z t und war auf der Stelle tot.— Bei einer Bergpartie in der Hohen Tatra ist der Lehret Ertel aus St. Polda abgestürzt und tot geblieben. Bei einer Explosirn in B e l l e y, Departement Aix, wurde ein Haus zerstört. Zwei Personen wurden getötet, zwei lebens- gefährlich verletzt. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich auf dem Truppenübungs- platz A r y s in Ostpreußen. Bei einer Fahrübung einer Batterie des 72. Feldarlillerie-Regimentes schlug ein Geschütz um. Der Kanonier Januszewski wurde getötet. Zwei andere Kanoniere wurden verletzt._ eingegangene Druchrcbriften. Von der„Gleichheit«. Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen, ist uns soeben Nr. 22 des 21. Jahrgang» zugegangen. NuS dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Ausruf des Parteivorstandes zum Parteitag und der Sozialdemokratischen Frauenkonsercnz.— Von der internationalen TexlilarbeUe:bewegung.—»Harmonie der Interessen". Von Julian Borchardt.(Schluß.)— Von der Internationalen Hygiene- ausslellung in Dresden. Von E. F.— Die Höhe der Kindersterblichkeit nach sozialen Klassen in Bremen. Von M. Wo.— Der Kamps im Hamburger Holzgcwerbe. Von xb. Für unsere Mütter und Hausfrauen: Die Behandlung der Milch im Haushalte. Von Fell; Linke.— DaS„tägliche Brot" bei den alten Deutschen. Von Hannah Lcwin-Dorsch.— Die Mutter als Er- zieherin.— Feutlleion: Es ist kein Gott. Von Shelley.— Waterloo. Von Stendhal.(Schluß.) Für unsere Kinder: Bestimmung. Von Martin Greis.(Gedicht.)— Im Walde verirrt. Von August Wysocki.— Eine Krähenkolonie. Von Bruno Schönlank.— Marco Polos Beschreibung der chinesischen Stadt Ouinsai.(Schluß.)— Der Meisterdieb. Von Brüder Grimm.-- Das Aehrenseld. Von Emma Döltz.(Gedicht.) Vom„Wahren Jacob" ist soeben die tS. Nummer des 28. Jahrgangs 16 Seiten stark erschienen. Aus ihrem Inhalt erwähnen wir folgende Beiiräge: Bilder: Der Von Erich Schilling. neue Ausschuß - Die Lösung der Dicnstbotensrage. Von Nud leanng. . Wols. — Zur poriugiesischen Monarchistenbewegmig. Von M. Eitgerk.— Agadkr. Von H. G. Jentzsch.— Die ordnungsliebende Germania.— Von Erich Schilling.— Die Orihodoxcn. Von Cyprian.— In Marolko. Von M. Vanselow. usw. Text: Kröchcrs Hinganz. Von Balduin.— Agadir. Von?. E.— Der liberale Arbeiterkandidat. Von Schmidt, Drahtzieher.— Die Volks- vcrsichciung. Von?. E.— Lieber Jacob 1 Von Jotthils Rauke.— Kapitalistisch-chauvinistisches Kriegsbild. Von Tobias.— Ein kleiner Irrtum.— Kriegsschauplatz.— Das Teufels- Jota.— Im Kysshäuser.— Das Heyde- brandslied.— Die vereitelte Hochzeit. Humoreste von Rolph Bodden- Husen usw. KmfKasten dci* Redaktion. Tie turistisckie Sprechstunde siudet Ltudeuftraste Kg, vor» vier Treppen — Fahrstuhl—, wocheiitiiglich von 4M, vis 7M Uhr avcnds, Sonuavends, von SM, bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Bricilastrn bestimmten Ausrase ist ein Buchstabe und eine Zahl als Mcrkztlchc» brizusiigrn. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragt», denen ketne Abonncmentsguittnng beigesügt ist» werden nicht bcantworttt. Eiltge Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Schenkung ist auch wirksam durch körperliche Uebergabe. In Ihrem Falle empfiehlt sich zum Zwecke des besseren Nachweises ein notarieller Vertrag. — N. N. 77. 1. Ja. 2. Aussührltch behandelt in dem Artikel„Steuer- fragen" vom 19. März d. I. 3. Wenn die Berusungskommisston noch nicht entschieden hat, Berusung an den Vorsitzenden der Veranlagunzslommission. — Charlotteuburg M. 1. 100. Ja. Beantragen Sie beim Amtsgericht den Erlaß einer einstweiligen Verfügung.— A. O. N. 57. Etwa 12 Mark, wenn Sie unverheiratet sind, andernfalls etwa 5 Mark.— R. LO. 1 Monat. — B. B. II. Magistratskommission für Invalidenversicherung, Am Köllni- schm Park 8.— R. K. 2. 1. Ja. 2. Durch 1 erledigt. 3. Es kann Psändunz criolgen. 4. Veranlagungsschreiben zur Staatscinkommensteuer beifügen. Adresse ist aus dem EinschStzutigSschrelben»rsichilich.— (£. P. 47. 1. Ja. 2. BiS einschließlich Kalenderjahr 1912.— Ä. B. Nein. — K., Frankfurter Allee und Ä. H. 104. Fordern Sie den Vermieter unter Setzung einer achtlägigen Frist zur Beseitigung aus unter der An- drohung, daß Sic nach ersolglosem Ablaus fristlos räumen und Schaden- ersatz verlangen werden. Danach können Sie handeln, wenn Sie Ihre Be- hauptung beweisen können und Sie nicht etwa ein Verschulden Irisst.— Ripdorf 36. Sie müssen zahlen. Ist der Betrag zu hoch, so können Sie innerhalb 28 Tagen nach Empfang der Karte bei dem Vorsitzenden der Ver- anlagunaslommission reklamieren.— K. M. RIxdorf. Ja.— A. X. 61, Falls Ihr Vater in Berlin wohnt, Antrag bei der Jnvalidenreiitenstelle, Am Köllnischen Park 8, unter Ueberreichuna der Siulrechnungsbescheini- gnngen und der letzten Ouiltungskarte.— G. G. 200. Ja, sosern die Frau nicht auch ausgeschieden ist.— O. H. 100. Wenn im Mietsvertrag nichts anderes bestimmt ist, müssen Sie die Wohnung werktäglich zwischen 10 und 6 Uhr, Sonntags zwischen 10 und 2 Uhr zur Verfügung halten, bei Abwesenheit den Schlüssel abgeben.— P. L. 7. 1. Ja. 2. Leider nicht. Marktpreise von Berlin am 20. Juli 1011, nach Ermittelung des Königlichen Polizeipräsidiums. Marktballenpreise.(Kleinhandel.) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00—50.00 Speisebohiwn, weiße 30.00-50,00. Linsen 20,00-60,00. Kartossein 11,00-10,00. t Kilo- gramm Rindfleisch, von der Keule 1,00—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,20 bis 1,70. Schweinefleisch 1,20— 1,80. Kalbfleisch 1,40—2,20. Hammelfleisch 1,50—2,30. Butter 2,20—2,80. 60 Stück Eier 3,00—4,80. 1 Kilogramm Karpsen 1,40—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1.60—3,60. H-chte 1,20 bis 2,80. Barsche 1,00—2,00. Schleie 1,40-3,50. Bleie 0,80-1,60. 60 Krebs« 2,00-36,00. 60 Stück |ii}!ü| Todes-Anzeigen Am Sonntag, den 30. Juli, verstarb nach kurzem, schwerem Leiden unser lieber Kollege, Redakteur Fritz Düvell. Wir verlieren in dem Verstorbenen einen treuen Kollegen von offenem, geradem Charakter und werden ihm immer ein treues Andenken bewahren I Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Kreis-Krankenhauses Groß-Lichterfelde aus statt.[293/14 Sozialdemokratisches Pressebureau. Sozialdeiüoiu'al WatilvereiD Steglitz. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Redakteur krili Düvell gestorben ist. Die Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich an ster Beerdigung teilzunehmen, die am Mittwoch- nachmittag 5 Uhr von der Leichen- balle des KrciSlranlenbauicS in Groß-Lichten-Ide aus stattfindet. 203/7 Der Vorstand. SozInldemokFaUsEherWaliliffireiD liixdorf. Den Parteigenossen zur Nach- ncht, daß unser Mitglied. der Angestellte deS TranSporlaibeiter- Verbandes Itsnl Monien tzermannstr.23(24. Bez.) am Sonnabend plötzlich ver« starben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet morgen Miliwoch. den 2. August, nach- mittag» l'/. Uhr. vom Trauer- hause aus statt. Zahlreiche Betellignng erwartet Der Vorstand. Maj-tein der Mauer DeiitseWands, Verwaltung Berlin. Allen Kollegen hierdurch die traurige Nachricht, daß unier alles, treues Mitglied, der Holzbildhauer Valentin Kaczmarek im Alter von 37 Jahren ver- starben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 2. Angust, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofes üi FriedrichSselde auS statt. Um Beteiligung ussucht 20/10 Der Vorntand. «SSSS-AA Dem Jubelpaar, der(Se. nos sin und dem Genossen PerdinslidWilLke| Watlstr. 3, zur Silberhochzeit® die besten Glückwüniche. Die Genoesen des Bezirks 582a™ VI Kreis. M ssP Unserem Genossen AtloII Scholz nebst Gattin die heizlichsten Glückwünsche zur goldenen Hochzeit. Die Genossen deS 142. Bezirks II. Kreis SS€%€€€€£&& w vi/ vv <1/ «/ j Kennen Sie sie? Weimnichtdann besichtigen 1 Sie die Willen-Kolonie Karow, d. aussichtsreichste Gartensiedelung and. Stettiner Bahn. 20-Pf.-Fahrt.300— 500 M.| Anzahlung genügen. = Pläne gratis.— j. Rieger, Berlin, Gontardstr. 5. l'lmnru- nnb kranilmidtttl von Roberl Meyer, oo t Mamulikil-Straßt 2. Hermann Meyer& Co.,£kt.-Ges., Berlin H., Wattstr.12 105/10* 1,5© M. 1,8».. liefern frei Haus 30 große Flaschen Selterwasser, filtriert............. Sprudel wasser, filtriert und destilliert...... Bransel imonaden: Himbeer-, Erdbeer-, Zitronen- Geschmack................. 8,—„ SanerstofTwasser, filtriert und destilliert..... 8,— H. Frnclitqnell, alkoholfrei, unübertroS., mehrf. prämiiert 8,— ,, KUnstlfche lülneralwttsscr..... ä. Flasche 0,20„ Frische Frnchtsttfte: In Literflaschen ä Flasche 1,2018. 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August er., nach- mittags 4 Uhr. von der Leichen- balle des Luisenstädtischen Kirch- yose« In Rirdors, Hermannstrage. aus statt. 6�/15 Die Bezirksverwaltung. Am Freiiag, den 28. Juli, ab>nds 6 Uhr, verstarb mein« liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwester und Schwägerin Uii5e Haberer geb. GelsthardL Die Beerdigung findet heute Dienstag, den t. August, nach- miilagS 5 Uhr, von der Halle des Gcineinde-Friedhoss Reinickendorf, tzumboldtftraße, aus statt. Ott» Haberer 50998 nebst Kindern. Elektrisehe Bäder, Dampfkastenbäder Vorjährige S : Schicke Ulster: Paletots, Anzüge von Mark 20— 60. Versandhans Qennania Berlin, Unter den Linden 21. I— Billige Hosenwoche_ Hygienische Drogeric Zareniba, WeinbergSweg 1, dir. a.Rosenlbaler Tor. Billigste Bezugsquelle I Versuch s. zur dauernden Kundschasd Damen-Bad Herren-Bad Itaglich geöffnet von 7 Uhr früh bis 8 Uhr abends. geöffhet ununterbrochen Tag und Nacht. Eina Mark wßclienlllclie Teilzahlung liefere elegante Danksagung. 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