Nr. 179. RftonnementS'Bedtosnngen: OBonnfmentä- Preis pränumerando i Liertcljährl. ZL0 Mr, monatl. 1,10 SKI, wöchentlich 28 Pfg, frei WS Haus. Einzelne Slununcr S Pfg. Sonntags« Nummer mit illustrierter Sonntags« Vellage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post« Abonnement: I.lv Mark pro Monat: Eingetragen i» die Post-ZeitungS» PreiSIisie. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. PoslabonncmcntS nehmen an: Belgien, Dänemark Holland. Italien, Luxemburg, Portugal. Mmiänien, Schweden und die Schweiz, 28. Jahrg. Die Insertion!-LebUhf Beträgt für die sechSgespaltene Kolonel« geile oder deren Rauni 60 Pfg., für politische und gewerlfchaftliche Vereins« und VerfammlungS-Anzeigen M Pfg. „Kleine Hnieigeti", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. fzuläfsig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstcllenan- zeigen daS erste Wort 10 Pfg., jcdeS weitere Wort ö Pfg. Warte über löVuch- Itabcn zählen für zwei Worte. 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Nun kann aber der Gesetzgeber nur bestimmen, wer die Steuern zu zahlen hat; wer sie aber— und nur darauf kommt es schließlich an— wirklich trägt, hängt nicht von dem juristischen Paragraphen, sondern von den Gesetzen des Verkehrs ab. Und wenn der Gesetzgeber auf diese, sei es aus Absicht, sei es aus Unkenntnis, nicht geachtet hat, so treten oft ganz andere Wirkungen ein, als der Gesetz- geber sich träumen ließ. So bestimmt das Gesetz, daß die Bicrsteuer vom Vierbrauer zu z a h l e n ist. Der Gesetzgeber weiß aber, daß durchweg diese Ausgabe von der Brauerei auf den Biertrinker im Preis des Bieres abgewälzt wird. Für diese Ab- wälzung sorgen ohne weiteres Dazutun die Gesetze des Verkehrs. Würde der Bierpreis nicht erhöht, so würde die Steuer aus dem Profit des Brauers gezahlt werden niüssen; der Profit des Brauereikapitals würde sinken; das Kapital strebt aber nach gleich hohem Profit; infolgedessen würde Kapital aus dieser Anlagesphäre zurückgezogen werden; sei es, daß kleine Brauer ihr Geschäft aufgeben müßten, sei es, daß geplante Neuanlagen oder Erweiterungen unterbleiben oder die Pro- duktion eingeschränkt würde. Sinkt die Nachfrage nach Bier bedeutend, so müssen in der Tat diese Vorgänge sich voll- ziehen, um das Angebot zu vermindern und die Preiserhöhung wirklich durchzusetzen. Man sieht schon hier, daß die Ab- wälzung solcher indirekter Steuern oft nicht ohne schwere wirtschaftlichcNcibungen vorsich gehen. Daher auch der Widerstand nicht nur der Konsumenten, sondern auch der Arbeiter und Kapitalisten solcher durch indirekte Steuern bedrohter Industriezweige. Man wird noch sehen, wie wenig- stens den Kapitalisten auf Kosten der Gesamtheit in der neueren deutschen Steuergesetzgebung dieser Ucbergang er- leichtert wird. In solchen Fällen rechnet also der Gesetzgeber mit den Gesetzen des kapitalistischen Verkehrs, hier mit dem Gesetze der Ausgleichung der Profitrate. Aber er kann sich auch verrechnen. So, wenn der Konsumrückgang ein ungewöhn- lich starker ist. viel größer, als er ihn voraussehen konnte. Die neue Bierstcucr hat z. B. die erbitterten Konsumenten den guten Lehren der Abstinenz zugänglicher gemacht. Oder die Konsumenten wurden sich ihrer Macht bewußt und setzten den deständigen Steuererhöhungen organisierten Widerstand ent- gegen. Sie boykottierten das verteuerte Vier. In solchem Fall reicht die Verringerung des Angebots nicht aus, da die Nachfrage noch viel stärker abgenommen hat; die Brauer können den Preis des Bieres nicht um den ganzen Betrag der Steuer erhöhen; die Steuerabwälzung, die vom Gesetz- geber beabsichtigt war. ist mißlungen. Die Brauer sind nicht nur Steuerzahler geworden, sondern auch wenigstens für eine längere Uebergangszeit die Steuerträger. Oder der Gesetzgeber macht Steuern, die ganz anders als beabsichtigt wirken, weil er die Gesetze des Verkehrs nicht kennt. Ein lustiges Beispiel bietet dafür die Talonstcucr des fchivarzblauen Blocks. Die Junker wollten die Renten- bezieher treffen und bestimmten, daß die Kupon- bögen, die zur Einkassierung der Zinsen berechtigten. besteuert werden. Es stellte sich aber bald heraus, was den Herren auch vorausgesagt worden war, daß diese Steuern nicht von den Empfängern, sondern von den Gesellschaften selbst getragen werden � müßte. Diese er- legten die Steuer selbst. Soweit es sich um Akticugcsell- schaffen handelte, ist der Unterschied nicht groß. Die Steuer ver- ringcrt den Neinertrag, also auch die Dividende, schließlich tragen also die Äuponbesitzer doch die Steuer. Anders aber bei jenen Gesellschaften, die den Grundbesitzern landivirt- schaftlichen Kredit vermitteln, und nicht auf Gelvinn arbeiten. Deren Unkosten sind um den Betrag der Steuer gestiegen; sie müssen jetzt um diesen Betrag den Landwirten höhere Zinsen anrechnen; nicht die Gläubiger der Junker, die Besitzer der Pfandbriefe, sondern die Junker selbst bekommen so einen Teil der Talonsteuer zu tragen, gar sehr gegen ihre Absicht. Jede wirklich wissenschaftliche Stcuerlchre muß also auf die Austauschgesetze der kapitalistischen Wirtschaft zurückgehen. um über die Wirkungen der Steuern ins Klare zu kommen. In ihren Mittelpunkt wird so die von der bürgerlichen Wissenschaft sehr stiefmütterliche Ucbcnvälzungslehre gerückt.' Sie wird ihr Steuersystem nicht nach äußerlichen Merkmalen der Steuertechnik aufbauen, sondern nach den Steuerquellen. nach den ganz verschiedenen Einkommensartcn, in die der Er- trag der Volkswirtschaft sich in der kapitalistischen Gesellschaft spaltet, und sie wird sich stets fragen, ob auch wirklich die Steuer die Absicht erreicht, die der Gesetzgeber im Auge hat. Sie wird schließlich nicht die Ausgabe des Staates als Maßstab für die Einnahmen akzeptieren können. sondern sich umgekehrt fragen, wiedieBela st ung durch die Besteuerung ans den Gang der Volks- Wirtschaft, also auf die Reproduktion, die Wiedererneuerung und die Neuanlage, die Akkumulation zurückwirkt. Sie wird das ökonomische Bedürfnis der Gesellschaft ins Auge fassen und die Aenderungen in der Verteilung des Einkommens der verschiedenen Klassen. Diesen Versuch zum erstenmal nicht ausgeführt, aber skizziert zu haben, ist das Verdienst der kleinen, aber inhalts- reichen Schrift des österreichischen Genossen Renner.*) An die Spitze seiner Ausführungen stellt Renner den Satz, daß, da die Arbeit die Quelle aller Werte, in letzter Linie die Arbeit alle Steuern trägt; deshalb belasteten hohe Steuern immer den arbeitenden Teil der Bevölkerung schtver, einerlei wie und wo die Steuern eingehobcn werden. Das gesell- schaftliche Jahresprodukt zerfällt nun in drei Teile: der erste Teil dient dazu, die verbrauchten Produktionsmittel (Maschinen, Hilfsstoffe, Rohstoffe, abgenutzte Gebäude usw.) zu ersetzen; der ziveite Teil ist gleich dem Arbeitslohn; der dritte Teil ist der Mehrwert. Arbeits- lohn und Mehrwert bilden das jährliche Einkommen, die Revenue. Es ist nun selbstverständlich, daß die Steuern nur aus der Revenue genommen werden dürfen; denn sonst würde die Wiederproduktion nur in verringertem Maße erfolgen können; das hieße aber die Henne schlachten, die die gol- denen Eier legt. Die durch den übermäßigen Steuerdruck verringerte Produktion würde ein verringertes Einkommen erzeugen, infolgedessen würde sich die Produktion im nächsten Jahre in noch stärkerem Maße verringern usf. Daher der Grundsatz, den schon Adam Smith aufgestellt hat, die Steuer dürfe nur das Einkommen, nie das Vermögen treffen. Eine Ausnahme von dieser Regel könne nur dann gemacht werden, wenn die Steuern selbst zur Erweiterung der Pro duktion benutzt werden; also wenn ein proletarisches Regime in der Uebergangszeit von den Besitzenden hohe Steuern er hebt, um die gesellschaftliche Produktion auszudehnen. Solche Steuermaßregeln gehören dann zu den Ueber gangsmaßrcgeln, die eine sozialistische Demokratie anwenden kann. In der kapitalistischen Gesellschaft aber darf die Steuerlast nicht einmal den gesamten Mehrwert treffen. Denn die Produktion muß ständig erweitert werden, soll nicht die Lebenslage der ar- bettenden Klassen sich rapid verschlechtern. Ein Teil des Mehrwertes muß also von den Kapitalisten produktiv verwendet, in Kapital rückverivandelt, akkumuliert werden. Ist diese Rückvcrivandlung unmöglich, weil die Steuerlast zu groß ist, so unterbleibt die Pro duktionserweiterung, die infolge der Bevölkerungszunahme neu hinzugekommenen Arbeiter finden keine Beschäftigung, die industrielle Reservearmee wächst. Sie drückt dann auf die Beschäftigten, die Löhne sinken, das Elend der Arbeiter steigt. Und dies alles selbst unter der Voraussetzung, daß die Steuern direkt vom Einkommen des Kapitalisten erhoben werden. Es folgt schon daraus, daß der Verivendungszweck der Steuern keincsivegs gleichgültig ist, daß also die Form der Stcueraufbringung durchaus nicht das allein Entscheidende sein kann. Auch die idealste Steuer vermehrt in der kapitalistischen Gesellschaft das Massenelend, sobald die Steuer zu unproduktiven Zwecken, Militär- ausgaben usw. verwendet wird; sie hindert die Ausdehnung der Produktion und vermindert die Nachfrage nach Lohn- arbeit. Daraus ergibt sich sofort die Schranke für die Besteuerung auf kapitalistischer Basis:»So lange wir privativirtschaftlich produzieren, ist der Fortschritt der Produktion an die private Akkumulation von Mehrwert gebunden. Besteuern wir nicht bloß die Konsumrate, sondern auch die Akkumulationsrate des Mehriverts, so hemmen wir direkt die gesellschaftliche EntWickelung"(Renner S. 40).„Der staatliche Machtapparat kostet der Volkswirtschaft heute schon so viel, daß dadurch die Produktionsentlvickelung gehemmt ist und diese Hemmung ver- größert sich von Jahr zu Jahr. Ein imnicr wachsender Teil des gesellschaftlichen Mehrprodukts dient dazu, in Burcankratie und Militarismus eine Machtorganisation zu erhalten, welche den besitzenden Klassen zwar ihren gegenwärtigen Besitz stützt, die gesellschaftliche Eutwickeluug aber zurückhält und sogar den Besitzenden selbst den eigenen Profit schmälert. Dieser Machtapparat gehört zu den Unkosten der EntWickelung. diese Unkosten wachsen sicherlich rascher als die Wirtschaft selbst. Bureaukratie und Militarismus sind— rein wirtschaftshistorisch gesprochen— zweifellos unökonomisch geworden. Selbst vom Standpunkt des Kapitalismus würde die Beseitigung des staatlichen Machtapparates die Bahn für eine ge- waltige Steigerun g der Akkumulation und damit der Oekonomie frei machen. Sonnenklar ist demnach, daß der Kapitalist diese Unkosten als Uebcl nur darum trägt, weil der Apparat ihn persönlich verteidigt. Wenn also selbst der ganze Staatshaushalt durch Besitz- steuern getragen würde, so könnte eine so hohe, so stark an- wachsende Steuerlast, ein derartiges Gesamtbudget von unseren Vertretern schon aus ökonomischen Prinzipien nicht b c- willigt werden.... Niemals kann der bloße Grund, daß ") Dr. Karl Renner: Das arbeitende Volk und die Steuern. I. Teil: Allgemeine Einführung in da? Stcuerwesen. bö S. Preis Sl) Pf. IL Teil: Der österreichische Staatshaushalt und die Steuerreform. 80 S. Preis 50 Pf. Verlag der Wiener Volksbuchhandlung. eine Steuer direkt ist, daß also die Kapitalisten bluten, daß die Reichen schwitzen müssen, sie zu genehmigen für uns hin- reichen. Aus dem Gefühl der Rache an der Person des Reichen macht ein Sozialdemokrat nicht Polittk. Wir müssen die ganze Wirtschastsentwickelung vor Augen haben..,»" (S. 52.)_ Der Fahneneid. Ungeheure Schneidigkeit! Ein Reserveleutnant hat e» gewagt, zu behaupten, bei einer Stichwahl zwischen Sozialdemokratie und Zentrum müsse es ihm gestattet sein, für die Sozialdemokratie zu stimmen, weil das Zentrum dem Vaterlande gefährlicher sei als die Sozialdemokratie. Darauf wurde dieser Verwegene— vielleicht diente er nur als Fiktion, um den ganzen Krakeel hervor- zurufen— von allen Seiten aus der feudal-rcaktionären Gesell- schaft dermaßen angeschnarcht, daß er zu Kreuze kroch. Wenn ein Reserveoffizier, so tönte es mit Donncrlaut, einen Sozialdemo- kraten wählt, so ist das ein Bruch des Fahneneides, und dieser Eid bindet den, dev ihn einmal ge» schworen, bis an sein Endel Soll dieser Satz seine Geltung behalten, so muß in der offiziellen und offiziösen Geschichtschreibung der neueren Zeit eine große Umkehr eintreten. Dann darf eS auch keine Aus- nahmen und Beschönigungen geben, wenn Handlungen vorgenommen werden, die sich als Bruch des Fahneneides qualifizieren oder einem solchen ähnlich sehen. Wir wollen nicht auf jene Zeiten zurückgreifen, da sich die Fürsten mit geworbenen Heeren bekämpften. Damals wurde häufig der Fahneneid so leicht gewechselt wie die Uniform. So nahm 1736 Friedrich II. die sächsische Armee bei Pirna gefangen. Viele sächsische Soldaten wurden in die preußische Armee gesteckt und mußten zu Friedrichs Fahnen schwören. In der Schlacht von Kollin im folgenden Jahre gingen sie aber wieder in Masse zu den Oesterrcichern über und trugen zu Friedrichs Niederlage wcsent» lich bei. Aber wenn der Fahneneid den, der ihn geschworen, bis ans Ende bindet, so grHizte die Erhebung des von den preußischen Patrioten so sehr verehrten Majors Schill im Jahre 1809 sehr nahe an einen Bruch dieses Eides. Der König von Preußen ließ auch dies Unternehmen als eine„unglaub- liche Tat" in den schärf st en Ausdrücken ver» urteilen. Dafür war Wohl der Hauptgrund, daß das Unter- nehmen Schills aussichtslos war. Dann erscheint auch der bekannte Abfall des Generals Aork v. Wartenburg vom französischen Bündnis und die Konvention von Tauroggen in anderem Lichte als in den hochpatriotischen Geschichtswerken. Dorck befehligte 1812 das preußische Hilfsheer, welches Friedrich Wilhelm III. als Verbündeter Napoleons zu dessen„großer Armee" hatte stoßen lassen. Nach dem Fahneneid, den der General Dorck dem König von Preußen geleistet, war er verpflichtet, dessen Verbündeten Napoleon zu unterstützen. Als die große Armee vernichtet war, fiel Dorck ab und schloß mit den Russen die Konvention von Tauroggen ab, infolge deren er sich von den Franzosen trennte und den Russen freie Hand ließ. Er war so schlau, dem König von Preußen dis Bestätigung der Konvention vorzubehalten. Aber dieser erklärte ihn für abgesetzt und befahl, ihn vor ein 5eriegs- Bericht zu stellen; zugleich ordnete er die preußische Armee wieder den Franzosen unter. Dorck hatte richtig gerechnet. Die Ereignisse kamen dem Kriegsgericht zuvor; zwei Monate nachher fiel der König von Preußen selbst von Napoleon ab. Man hat Dorcks Tat hoch gepriesen und sie mit tausend Gründen zu recht» fertigen gesucht; sie sollte vor allem dazu dienen, den noch un- entschlossenen König vorwärts zu treiben. Das mag alles richtig sein, aber es hat doch nur der Zweck als Mittel geheiligt. In der Schlacht von Leipzig befanden sich unter den Rhein- bundstruppen in Napoleons Armee, namentlich bei den Sachsen und Württembergern, viele Elemente, die nur auf die Gelegenheit warteten, zu den Verbündeten überzugehen. Sie hatten dem König von Sachsen und dem König von Württemberg den Fahnen- cid geleistet, und diese beiden Könige hielten bekanntlich beim Kaiser Napoleon bis zuletzt aus. Der König von Sachsen war während der Schlacht zugegen und wurde nachher von den Ver- bündeten gefangen genommen. Am 18. Oktober gingen 3000 «achsen mit 19 Geschützen vom Korps oes Ge- nerals Reynier zu den Russen über und ihre Artillerie feuerte sogleich auf die Franzosen. Auch 600 Mann württcmbcrgischer Kavallerie unter dem General Normann gingen zu den Preußen über. Gneisenau ließ sie ins Hintertreffen stellen, aber hauptsächlich wohl deshalb, weil, wie ein deutscher Geschichtsschreiber sagt, Normann kurz zuvor die Lützower Freischar heimtückisch überfallen hatte, wobei sie zum größten Teil niedergemacht worden war. In der sächsischen Armee gab eS aber auch Elemente, die nach! der Niederlage Napoleons mit der neuen Ordnung der Dinge nicht zufrieden waren. Sie wollten 1815 nicht gegen Napoleon kämpfen; als nun die Nachricht kam, daß Sachsen zerstückelt und zum großen Teil an Preußen abgetreten sei, rebellierten zu Namur drei sächsische Bataillone. Blücher, der zu Namur sein Hauptquartier hatte, wollte die Widerspenstigen in preußische Regimenter stecken. Tarauf bedrohten sie ihn mit dem Tode, und er mußte fliehen. Die Sachsen blieben vom 1. bis 8. Mai im Aufstand, dann wurden sie von überlegenen preußischen Truppen umzingelt und mußten die Waffen strecken. Blücher befahl dem preußischen General von Borstell« sieben Rädelsführer erschießen yich die Fahne» der Stet Da!a?llo»k gJvFrfnnen zu lassen. Wer Vorstell tveiger'ke sich, diesen Befehl zu vollziehen. Er ward abgesetzt und zu vier Jahren Festung verurteilt, aber bald begnadigt. Die sieben Rädelsführer wurden erschossen, darunter ein Tambour. Diesem Vorfall hat der bekannte Dichter Julius M o s e n z ein Sachse, ein ßiedicht gewidmet, welches schließt: „Sie wollten nicht lassen vom Sachsenpanier, Erschossen drum liegen die Braven hier. Mußte eben alle» brechen entzwei. Mit dem Deutschen Reiche die deutsche Treu'Z So klaget nächtlich auf Namurs Sand -0«: tote Tambour vom Sachsenland." So ging es den Sachsen, die ihrem König den Fahneneid' nicht hielten, und so denen, die ihn halten wollten. Wir halten es weder mit den einen noch mit den anderen; wir begnügen uns, an diese Tinge zu erinnern. Während des Feldzuges 1813 ging der Schweizer Jomini, der es bei Napoleon durch die Protektion des Marschalls Ney rasch zum General gebracht hatte, zu den Verbündeten über und verriet ihnen Napoleons Operationspläne. Zar Alexander I. machte diesen Verräter zu seinem Generaladjutanten, was sogar dem Kaiser Franz von Oesterreich zu stark war. Immerhin aber nahmman sonstbei den Verbündetenan Jominis Verrat keinen Anstoß. Als 1830 der Herzog K a r l von Kran schweig durch eine Adels- Verschwörung, bei der das Volk geschickt als Sturmbock benutzt wurde, vertrieben worden war, wurde diese Revolution vom VundeStag sanktioniert. Beim Versuch, das Herzogtum wieder zu erobern, befand sich der ExHerzog in der Nähe von Nordhausen braunschweigischen Truppen gegenüber, denen man noch keine neue Equtpierung hatte verschaffen können. Sie trugen auf ihren Tschakos und Uniformen noch den NamcnSzug des vertriebenen Herzogs. Er redete sie an, verwies auf diese Abzeichen, erinnerte sie an ihren Fahneneid und forderte Gehorsam, aber ohne Erfolg. Denn das Offizierkorps hatte sich des Fahnen- eides selbst entbunden und hatte Karls Bruder Wilhelm und für den Fall von dessen Kinderlosigkeit den hau- Löverschen Welsen gehuldigt. Wvnn man die von uns angeführten Fälle rechtfertigen will Am des Zweckes willen— nun, dann mag man auch zurückhalten mit den historischen Angriffen gegen die ungarische und die badische Armee von 184» und 1849, welche den Fahneneid als durch die Situation und die Ereignisse erledigt betrachtet haben. i Aber gegenüber den angeführten histckkischen Tatsachen wirkt VS unendlich komisch, wenn man einer eventuellen Stimm- »abgäbe eines Reserveoffiziers für die Sozialdemokratie eine solche Bedeutung beilegen will, wie eS zurzeit die verlogene reaktionäre und funkerliche Presse tut. Dabei handelt eS sich bei der Reichs- tagswahl um geheime Abstimmung, und ein früherer Staatssekretär hat bekanntlich erklärt, die Wahrung des Wahlgeheimnisses sei eine jsittliche Pflicht, wonach bekanntlich entsprechende Per» ibesserungen des Wahlreglements vorgenommen worden sind, � politifche Geberficbt. Berlin, den 2. August 1911, Preßkorruption. Die„Kölnische Zeitung" hatte in ihrer Börsenrundschau in Nr. 815 bei einer Betrachtung über die Lage am Eisen- markt geschrieben, gleich dem amerikanischen Steeltrust sorgten auch deutsche Verbände dafür, daß die Marktlage nur so geschildert werde, wie sie es haben wollen. .Einzelne", so schreibt die„Kölnische Zeitung",„haben sich dazu sogar besondere Einrichtungen geschaffen, die unter dem Anschein der Unabhängigkeit an die Presse hxrantretem Ja gewissen aus den Kassen von Verbänden unterhaltenen Einrichtungen dieser Art sind sogar Persönlichkeiten tätig, die den Anschein ihrer Unabhängigkeit soweit zu steigern verstehen, daß sie in den Vertretungen, die sich die Presse selbst geschaffen hat, eine Rolle spielen. Wo derartige Elemente über wirtschaftliche Dinge berichten, ist doppelte Vorsicht ebenso am Platze, wie in Zukunft gegenüber den Berichten des Iran Age." Nach dem Erscheinen dieser schweren Anklagen, bei denen man zuallererst an den„Verband der rheinisch- westfälischen Presse" denken mußte, hat der Vor- sitzende des Ehrengerichts dieser Vereinigung bürgerlicher Journalisten. Dr. O. Drcesemann in Köln, sich brieflich mit der Bitte an die Handelsredaktion der„Kölnischen Zeitung" gewendet, ihm die Namen der beschuldigten Persönlichkeiten zu nennen und dem Ehrengericht das Bewcismaterial zu unterbreiten. Der verantwortliche Redakteur hat indes seine Mitwirkung bei der Aufklärung abgelehnt. Der Verbands- vorstand hat darauf daö Ehrengericht zusammenberufen, um weitere Schritte in der Sache zu erörtern. Das gute Gewissen der Generaldirektion. Die Kaiserliche Generaldirektion der Reichs« «isenbahnen in Elsaß-Lothringen hat in der Eisen- bahnwerkstätte zu B i s ch h e i m bei Straßburg sowie in den Betrieben zu Hausbirgen und zu Straßburg selbst eine neue MaßregelungSdrohung anschlagen lassen, die folgenden Wortlaut hat: Bekanntmachung. Nach einer Ankündigung der.Freie Presse" findet am DienS- tag, de» 1. August, in der.Lubette" eine vom Kartell der Freien Gewerlschaften veranstaltete öffentlich« Versammlung tatt, in der gegen eine von der ReichSeisenbahn-Vcrwaltung ver- ügte Entlassung eines Arbeiters Protest erhoben werden soll. Wir ma chen darauf aufmerksam, daß der Besuch dieser Versammlung mit den Pflichten unserer Arbeiter nicht vereinbar ist und warnen vor der Beteiligung unter Hinweis aui die Folgen. S t r a ß b u r g, den 31. Juli 1911. Die Kaiserliche Genera l-Direktion der Retchseisenbahnen in Elsaß-Lothringen. Dieser UkaS reiht sich würdig dem Verbot an. das die Betriebs- leitung der Eisenbahnwerkstätte in Mülhausen i. E. letzte Woche gegen die Teilnahme am Begräbnis deS aus Furcht vor Maßrege- lwig in den Tod gegangenen Werkstättenarbeiters S p i tz h o r n er- lassen hat. Wenigsten» erstreckte sich jenes Verbot aber nicht über die Arbeitszeit hinaus, so daß bei Arbeitsschluß um 6 Uhr abends etwa 600 Weüi'tättenarbeiter im Arbeitsanzuge noch nach dem Fried- Hof stürmen konnten, wo sie mit dem späten Leichenzuge gerade noch rechtzeitig eintrafen, um der eigentlichen Bestattung unter den er- greifenden Worten de» gemaßregcltc» Vereinsvorsitzenden Schmitt beizuwohnen. Es versteht sich, daß auch für diesen neuen UkaS Minister Breitenbach im Reichstage zur Verantwortung gezogen wird. Die diesjährige Zc«»trumsparade, die am nächsten Sonntag in Mainz beginnt, wird sich, nach den Vorarbeite» zu schließen, im selben Rahmen halten wie ihre Vorgängerinnen. Am Sonntagnachmittag findet ein großer F c st z u g statt, an dem sich nach den Mitteilungen des„Mainzer Journals" etwa 45(XX) Personen beteiligen werden. Von fern und nah werden die Zentrumsschäflein zusammengetrieben. Die Eisenbahn hat zur Bewältigung des starken Verkehrs umfangreiche Maßnahmen gc- troffen, besondere Fahrkartenschalter und 22 neue Durchlässe sind am Bahnhof errichtet worden. Vom Bau einer besonderen Festhalle hat man— außer einem großen von den Brauereien errichteten Bierzell— abgesehen und begnügt sich mit den vorhandenen Sälen. Die Haupt- Versammlungen werden in der städtischen Stadthalle abgehalten, dem schönen Riesensaal am Rhein, in dem 1900 auch der sozialdemokratische Parteitag tagte.— Anläßlich deS Katholikentages wird auch die„Akademische Boni- fazius- Einigung", die„die Zusammenarbeit deS ge- samten katholischen Swdententums im deutschen Sprach- gebiet zur Festigung der katholischen Weltanschauung" zum Ziel hat, eine große allgemeine Studenten- Versammlung abhalten, die eine„glanzvolle Kundgebung" aller katholischen Akademiker werden soll. Als ersten Redner hierfür hat man den erst kürzlich als Plagiator entlarvten und des literarischen Diebstahls beschuldigten Professor Jakob MeyerS auS Luxemburg bestellt. Herr MeyerS wird— natürlich unter Ausschluß freier Diskussion— über„die Zu- kunft der katholischen Studentenschaft" reden. Für den Festzug am Sonntag ist vor dem Theater, gegenüber dem Standbild deS berühmtesten SohncS der Stadt Mainz, Johannes Gutenberg, eine Tribüne erbaut, auf der sich der hohe Klents und die bekannten Zentnims- größen dem katholischen Volke zeigen werden, um die Huldi- gungen entgegenzunehmen. Wir marschieren! Im Jahre 1877 erschien ein Buch, betitelt:.Die soziale Frage und die Bestrebungen zu ihrer Lösung". Sein Verfasser war ein junger katholischer Geistlicher mit Namen Franz Hitze, der später Professor und Prälat wurde und als sozialpolitischer Führer deS Zentrums von sich reden machte. In diesem Buche hieß eS: Der Sozialismus repräsentiert ein System, so k o n« sequent und großartig, daß wir eS wohl begreifen, wenn große Denker und edle Mä nner sich für ihn be- g e i st e r n. und eS ziemt einem ernsten Mann recht wenig, ohne weiteres über ihn abzusprechen. Ihn aber lächerlich finden, da» kann nur die Blindheit undVerlogenheit eines liberalen Bourgeois fertig bringen. Dabei hat Herr Hitze offenbar nicht an seine späteren Amts- brüder, die politisierenden Kapläne und die ultramontanen Feld-, Wald- und Wiesrnagitatoren, die christlichen Arbeiter- und Ge- werlschastSsckretär« mit M.-Gladbacher Viertvochenbildung gedacht. die nicht nur von oben herab über den Sozialtemus sprechen, sondern sich auch bemühen. ihn lächerlich zu finden und dabei jeden liberalen Bourgeois an Blindheit und Verlogenheit übertreffen. Vor der Größe und Nähe der.sozialdemokratischen Gefahr' hatte Hitze damals schon große Angst. Dir Partei, so sühne Hitze an», habe im Reichstage 12 Abgeordnete; ihre Stimmenzahl bei der letzten Reichstagöwahl betrage 483 000; in 108 Wahlkreisen sei sie mit Kandidaten ausgetreten. Die sozialdemokratische Preffe habe 100 000 Abonnenten und die Parteikasse eine Einnahme von öS 000 M. Videant eonaulesl rief Hitze bei dieser Ge» legenheit warnend aus. Nun. die„Konsuln" haben eS an Eifer nicht fehlen lassen. Ein Jahr darauf kam das Sozialistengesetz, das auf zwölf Jahre die klassenbewußte Arbeiterschaft Deutschlands in Fesseln legte. Dann kam unter dem gemeinen Gesetz die Politik der Nadelstiche, die be- hördliche und private Schikane; die Klassenjustiz mit besonderer Be- rücksichtigung der Sozialdemokratie; die Sozialistentöterei des Scharf- machertums, des Reichsverbandes und des katholischen BolkSvereinS— kurzum die.Konsuln" und ihre staatSretterischen Handlanger haben ihre Pflicht getan. Und heute? Die.Kölnische VolkSzeitung" bringt in ihrer Nr. 64» vom»1. Juli einen Artikel, der über die Mitglieder- zahl der verschiedenen Organisationen der sozialistischen Arbeiter- bewegung nach ihrem gegenwärtigen Stande folgende Angabe» macht: Stimmenzahl der sozialdemokratischen Partei rund 4 000 000 Mitglieder in den Gewerkschaften.-..» 2925 000 Sozialdemokratische Parteiorganisation �. 1000000 » Jugendbewegung.... 50000 » Frauenbewegung-»' 100 000 m Sportvereine(Sänger, Turner usw.)....... 300 000 Der Verfasser des Artikels meint, es hieße eine verhängnisvolle Vogelstranß-Politik treiben, wenn man vor diesen ernsten Tatsachen den Kopf in den Sand stecken wollte. Die Sozialdemolrate orgoni- siere ihre Parteigenossen, ihre Jugend, ihre Frauen, alles zentral und stramm diszipliniert; sie eifere ihre Anhänger zu ge- steigerten Beitragsleistungen auf und wende un« geheure Mittel an, um ihre Vorposten und Feldlager immer weiter hinauszuschieben ins platte Land, in die sogenannten dunkel st en Gegenden Deutschlands. Auch der politische Gegner müsse ihr zugestehen, daß sie hierbei ein meister- Haftes Geschick entwickeln und der Erfolg demgemäß auf ihrer Seit« sei. Namentlich macht den, Verfasser deS Artikel» in der„Kölnischen BolkSzeitung" da» Vordringen der Sozialdemokratie auf das Land Sorge, wobei er hinweist auf das Wachstum de« Verbandes der Land» und Forstarbetter. Er werde auch weiter vordringen und ganz bestimmt Erfolg haben,„wenn man nicht endlich auf dem Sande auS der bisherigen Ruhe und Beschaulichkeit herauskommt und ernst- lich daran denkt, auch unser Landvolk für die religiösen und politischen Kämpfe der Gegenwart aufzurütteln und ihm eine entsprechende Vertretung seiner StandeSinterefsen zu verschaffen." Der Verfasser ist der Ansicht, daß von katholischer Seite viel mehr getan werden müsse, wenn man der Sozialdemokratie Herr werden wolle. Er hofft besonders viel von dem Katholikentag i n M a i n z, wo man sich klar darüber werden müsst, was die Stunde von den deutschen Katholiken heische:„Wenn wir wollen. können wir die sozialdemokratische Agitation in unseren Kreisen ab- wehren." Am Wollen hat es bei den Klerikalen in dieser Beziehung wohl nicht gemangelt, aber das Können reichte nicht hin. Auch Hitze wußte damals allerhand Mittel zur Bekämpfung der Sozialdemo» kratie anzugeben. Vor allem setzte er seine Hoffnung auf die Kirche:.Sie allein vermag die Leidenschaften zu fesseln, die proletarisierten Massen zur Ruhe und Ordnung zurückzuführen. ihnen den Geist der Disziplin einzuhauchen, um sich wieder zu sammeln und zu gliedern zum Aufbau der Gesellschaft der Zukunft." Die Kirche hat von 1877 bi« 1911 den Aufstieg der Sozial- demokratie nicht aufhalten können, sie wird es auch in Zukunft nicht, um so weniger, als st« bereits io allen Fugen kracht. Wir marschieren l 1 Auch ein„freisinniger". Nach'Meldungen derjPresse hat auf einem Sommerfest bei Rem« scheid der forischrittliche Reichs- und Landtagsabgeordnete Professor Eickhoff eine Rede gehalten, in der er sich gegen ein Paktieren des Liberalismus mit der Sozialdemokratie ausgesprochen haben soll. Würde der Liberalismus wirklich auf diese schiefe Ebene geraten, so müsse ihn da? ins Verderben führen. Da von einem Paktieren mit der Sozialdemokratie weder unter den Freisinnigen noch unter der Sozialdemokratie bisher die Rede gewesen ist, dürfte sich Herr Eickhoff also wohl gegen da» gewendet haben, was allerdings gerade in einsichtigeren FreisinnStreisen als notwendig anerkannt wird: gegen ein konsequentes Zusammengehen bei Stichwahlen, an ein gemeinsames Schlagen nach rechts. Daß Herr Eickhoff nicht die Einsicht besitzt, die Notwendigkeit eines solchen Kampfes gegen die blauschwarze Reaktion zu begreifen, trauen wir ihm schon zu. Ist dieser Herr doch seit jeher einer der reaktionärsten unter den noch wahrhaftig nicht an einem Ueberschuß von Radikalismus leidenden freisinnigen Parlamentariern gewesen. Er vornehmlich ist es gewesen, der den Freisinn für die Flotten- und Weltpolitik gewonnen hat: überhaupt könnte sich der Herr Professor in die nationalliberale Partei aufnehmen lassen, ohne irgend- welche politischen Ideale- abzuschwören. Wenn der Geist des Herrn Eickhoff weitere Kreise des Freisinns beherrschen sollte, könnte sich die Reaktion allerdings ins Fäustchen lachen. Ausländer an deutschen Universitäten. Die„Köln. Ztg." veröffentlicht einen Artikel übetbie Zunahme deS Studiums von Ausländern an deutschen Universitäten. Damch befinden sich im laufenden Sommerhalbjahr an den Universitäten des Reiches unter den 57 280 Studierenden 4519 Ausländer. Ter 1907 infolge Verschärfung der Aufnahmebedingungen, insbesondere gegenüber den Russen, eingetretene Rückgang der ausländischen Studenten bis auf 3594 im Sommer 1908, ist in den letzten Sc- meslcrn wieder einer starken Zunahme gewichen, scr daß die heutige Zahl die höchste ist, die je in einem Sommersemester erreicht worden ist. Wie jener Rückgang wesentlich durch die Abnahme der rufst- scheu Studierenden veranlaßt war. so beruht die neuere Steigerung wieder zum größten Teil ans einem höheren Zufluß aus dem russischen Reich. Die jüngste Steigerung, die gegenüber dem Vor- jähr 314 beträgt, ist weiterhin auf einen stärkeren Zufluß auS der Sckiweiz, Frankreich und aus einem Teil des östlichen Europas zu- rückzuführen, wogegen, von kleineren Schwankungen abgesehen, aus Schweden und Norwegen. Belgien und Asien der Zugang etwas geringer ist- Im einzelnen ergeben sich in Beziehung auf die heutige Verteilung der ausländischen Studenten aus die verschic- denen Erdteile und Staaten folgende Zahlen: aus Amerika stammen 292(gegen 274 vor fünf Jahren), aus Asien 176(99), aus Afrika 20 (II); auS Australien 6(7). Von den 4025(3498) Angehörigen der europäischen Länder sind 2040(1818) aus Rußland, Oesterreich- Ungarn gehören an 740(621), der Schweiz 310 i284), England 157 (153), Bulgarien 145(125), Rumänien 143(80), Griechenland 87 (45), Serbien 81(62), Luxemburg 54(87), der Türkei 55(37), Frankreich 37(50), Italien 33(42), den Niederlanden 62(51), Schweden und Norwegen 28(43), Spanien 29(15), Belgien 15(19), Däne- mark 10(5), Portugal 5(7), Montenegro 2(2). Patriotische und nicht-patriotische Sozialdemokraten. Die von der konservativen Parteileitung angelegentlichst zur Verbreitung könservativer Gesinnung empfohlenen»unparteiischen" .Berliner Neuesten Nachrichten' machen sich da» Vergnügen, zu be- weisen, welch große Patrioten die englischen im Gegensatz zu den deutschen Sozialdemokraten sind. ES ist daS alte Spiel. In Frank- reich stellt man unseren dortigen Genossen den Genossen Bebel als glühenden Patrioten gegenüber, Fürst Bülow hatte die Gewohnheit. uns den Genossen FaurbS als Beispiel eines nachahmenswerten Patekoten vor Augen zu führen. Diesmal sind die englischen Genossen das Objekt der Gegenüberstellung. Der altbekannte Kniff dient dem zitierten Blatt aber nur alS Mittel zum Zweck und der Zweck be- steht in dem Verlangen nach einem neuen Ausnahmegesetz. Durch die sozialdemokratische Agitation könne im Falle einer Mobilmachung der Ausmarsch gestört werden; der Beifall, den Genosse Ivetot im Geiverlschastshause gefunden habe, hätte überdies erktnnen lassen, daß bei der deutschen Sozialdemokratie der Wille zum Hochverrat reichlich vorhanden sei. Und nun setzt die Hetze wie folgt ein: „Viele Hunderte von Millionen stecken wir jährlich in Heer und Flotte. Keine schlimmere Schuld könnte ein Staatsmann auf sich laden, al» wenn er unsere Wchrkrafl verkümmern ließe. Dagegen aber, daß unsere Wehrhastigkeit durch das soziatdemolratische Gift von innen heraus geschwächt und zum Siechtun, gc- bracht wird, dagegen ergreifen wir keine ernstlichen Mittel. WaS jetzt hier und da. so nebenbei gegen die Sozial- demokratie geschieht, kann man als eine wirkliche Belämptung dieser Krankheit nicht bezeichnen, geschieht doch ebenso nebenbei vielleicht noch mehr zu ihrer Begünstigimg. Ost genug haben wir die Mahnung zu grundsätzlicher und scharfer Bekämpfung der Sozial- demokratie ausgesprochen, Bisher nicht mit sonderlickiem Erfolge. Vielleicht finden die leitenden Männer und der noch zögernde Teil der Nation doch den Entschluß und Mut zum Kampfe, wenn sie er- kennen, welche Güter hier in Gefahr und, wie un» scheinen will, in dringlicher Gefahr stehen." Gegen die geistliche Schulaufsicht in den , Fortbildungsschulen. Der Verband bayrischer Gcwerbevereine hat sich auf seiner auptversammlung in Würzburg u. a. auch mit der g e i st l i ch e n chulaufsicht in den Fortbildungsschulen befaßt und folgende Resolution beschlossen: Gefordert wird ein Landesgesetz für daS gewerblich« Fort- bildungSschulwcfen in Bayern wie in Baden und Preußen, die' Lostrennung der gewerblichen Schulen von der Zuständigkeit deS Kultusministerium» und zweckmäßige Verbindung mit dem Ministerium deS Aeußercn. Die geistliche Schulaufsicht muß aus den Fortbildungsschulen verschwinden. Die Kirche hat auch nicht das genngste Verdienst um die Aus- bildung der Lehrlinge. Es sind klerikale Anmaßungen und Machtgelüste, die geistliche Schulansflcht auch noch auf die gewerbliche Fortbildung zu erstrecken. Ocftcmicb-Clngam. Nach preußischem Muster. Einen Schurkenstreich zu begehen, ist die ungarische Regierung au» Liebedienerei für den Zarismus bereit, der noch 1849 die ungarische SelbständigkeitSbewegnng durch die Armee deS PaStiewitsch niederschlug. In Budapest leben die russischen Arbeiter Holevka und Kafka, die beide wegen eines Bombenattentats auf«inen Wcrkführcr 1904 in Rußland verurteilt wurden. Holevka konnte flüchten und fand in Budapest Arbeit und Kafka, der nach einigen Jahren amnestiert wurde, kam zu ihm. Run find beide verhaftet worden, weil sich Väterchens Schergen durch die Botschaft in Wien nach Holevka erkundigten, und obgleich die vorgeschriebene vierwöchig« Frist zur Stellung deS AuSIieferungSantrageS an Ruß- land nicht innegehalten wurde, drängte, ja bat die Betyaren- regimmg solange, bis Rußland die Auslieferung HolebkaS verlangte. Natürlich wollen die„liberalen" Regierer dem Begehren folgen. Kafka ist natürlich auf freien Fuß gesetzt worden. Aber da zum Transport des Holevka nach Zstißland die Zu- stimmung der österreichischen Regierung erforderlich ist, weil österreichische» Gebiet zwischen Ungarn und Rußland liegt, dürfte bei der bisher stets anständigen Haltung der österreichischen Regierung in solchen Fragen die Schandtat doch noch verhindert werden können. Italien� 1 Kein ReliglMunterricht in der TDiIzeit Maitek. Die klerikalen Gemeinden Italiens sind beständig bestrebt, an dem Gesetz über den Religionsunterricht in den Volksschulen zu drehen und zu deuteln, um sich die Möglichkeit zu sichern, alle Kinder zur Teilnahme an diesem Unterricht zu zwingen. Das Gesetz bestimmt, daß Religionsunterricht in den Lokalen der Ge- mcindeschule gewährt werden darf, falls die Eltern diesen Unter- richt beantragen; aber der Lehrer darf nicht genötigt werden, die Religionsstunde zu erteilen. In Venedig, wo die Klerikalen die Ueberhand haben, beantragten natürlich die Väter den Unterricht, und der Bürgermeister liest diesen Unterricht in die Schulzeit der- legen. Als das Unterrichtsministerium dieses Verfahren als un- gesetzlich untersagte, brachte der Bürgermeister den Fall vor die höchste zuständige Instanz, nämlich die vierte Sektion des Staats- rats. Die Entscheidung, die soeben gefällt wurde, ist von prin- zipiellcr Bedeutung. Es heistt darin, dah der Religionsunterricht unter keinen Umständen in der normalen Schulzeit erteilt werden darf, einmal, weil dies einen Eingriff der Eltern in den offi- ziellen Lehrplan bedeuten würde, dann, weil es die Kinder, die keinen Religionsunterricht wünschen, zu einem Zeitverlust zwänge. Hoffentlich wird durch diese Entscheidung diese viel umstrittene Frage endgültig entschieden. Lelglen« Königliche Hoflichkeitsvisiten bei Hundtagshitzc. Man schreibt uns aus Brüssel: Die Regentschaft Leopold II. hatte entschieden ein GutrS: sie ersparte den Belgiern mancherlei Ausgaben und Mühen für könig- lichc Höflichkeitsvisiten. Seit dem Regierungsantritt Albert I. wimmelt es aber nur so in Belgien von unterschiedlichsten Staats- oberhäuptern. Um nur die„Grasten" zu nennen: Da war zuerst der Deutsche Kaiser zu Gast, dann Falliercs und zuletzt„beehrte" die Königin von Holland Brüssel mit ihrem Besuch. Obwohl daS „neutrale" Belgien in solche Besuche keine diplomatisch-politischcn Staatsaktionen hineingeheimnisscn kann und cS sich auch offiziell nur um die unschädliche„Unterhaltung guter Nachbarbcziehungen" mit harmlosen Trinksprüchen auf das Wohl der königlichen Herr- schaften und der regierten Nationen handelt, leistet sich daS kleine Belgien einen ganz respektablen Aufwand bei diesen Empfängen. Besonders beim Deutschen Kaiser ging es hoch her; um den mili- tärischen Geschmack Wilhelms II. zu entsprechen, hatte man damals in Brüssel Regimenter aus allen Garnisonen zusammengezogen und für die armen Brüsseler waren infolge dieser Belagerung ganze Stadtteile weder zu Fust noch per Tram erreichbar. Der un- kriegerischen Königin von Holland hat man, wenn auch in etwas bescheidencrem Nahmen, gleichfalls den Genuß und die Ehre einer militärischen Parade geboten, und auch diesmal sind etliche mili- tärische Abteilungen aus belgischen Garnisonen nach der Haupt- stadt beordert worden. JnSbesonderS, wer die Kopfbedeckung mancher belgischen Regimenter kennt, wird die Pein begreifen, die die Soldaten in der glühenden MiitagSsonnenhitze bei der Parade zu erdulden hatten. Abct nicht genug, daß man die Erwachsenen Ohnmächten und Hitzschlägen aussetzt, hat man von dem besonders hier in Belgien grassierenden Unfug, bei den Empfängen der aller» höchsten Herrschaften Schulkinder zu„Revuen" zu mißbrauchen, auch in der diesmaligen Gluthitze nicht abgesehen, und die armen Kinder werden heute vor den Majestäten aufmarschieren, wie gestern die Soldaten. Leider gibt es noch immer genug Eltern, die ebenso loyalistisch wie die Schulverwaltung sind und ihre Kinder zu diesen Revuen schicken— selbst bei einer Temperatur, die Erwachsenen lebensgefährlich werden kann. Konnte aber die belgische Königin. von deren Güte die Blätter so viel erzählen, und deren Mutter- liebe sie als Beispiel anführen, nicht wenigstens veranlassen, dast man die Kinder in der Hundstagshitze nicht für ein eitles Spektakel. stück auf der Grand' Place mistbraucht? Dah man von den Diplomaten verlangen sollte, so viel„Diplomatie" aufzubringen, um diese Empfänge, wenn schon der Paradeapparat herhalten muß. in die kühlere Jahreszeit zu verlegen, ist wohl zu anmaßend. Da die allerhöchsten Herrschaften nach den Aufregungen dieser Emp- fange sich doch wieder am Meer oder in ihre Schlösser ausruhen gekftn, hat das weiter keine Bedeutung. Und wenn die Soldaten schwitzen oder am Hitzschlag sterben, gcschiehts ja doch im Dienste des Vaterlandes. Rußland. Administrative Willkür. ES kenkte vor einigen Wochen die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich, daß die Petersburger Behörden den Sekretär des Textil- arbeiterverbandeS Lebcdcw nach fiebenmonatiger Gefängnishaft, »nährend welcher keinerlei Beschuldigung gegen ihn erhoben werden konnte, auf„administrativem Wege" auswies und ihm zugleich verbot,„sich in irgendeiner anderen Stadt, wo Textilproduktion vorhanden ist, niederzu- lassen". Dieses„administrative" Verbot, das gleichbedeutend ist mit der Verurteilung des Betroffenen zum Hungertodc, er- regte selbst in Rußland allgemeines Aufsehen. In ähnlicher, wenn auch nicht so rigoroser Weise, gehen die Behörden aber gegen alle mißliebigen Personen vor. die iin Verdacht„sozialdemokratischer Agitation" stehen und die man nicht ohne weiteres in die sibirischen EiSwüsten deportieren kann. So wurde dieser Tage, nach mehr« monatiger Gefängnishaft, eine Anzahl von Schriftstellern, Aerzien, RcchtSaMvälten usw. auS den Petersburger Gefängnissen befreit und ihnen anbefohlen, binnen 3 Tagen Petersburg für die Dauer von 2 Jahren zu verlassen. Während dieser Zeit dürfen sie sich aber Iveder in Residenz- und Universitätsstädten, noch in den Gouverne- mcnts mit Fabrikindustrie niederlassen. Gegen die von diesem Urteil Betroffenen wurde ursprünglich von der„Ochrana"(Schutz- abtcilung) die Anschuldigung erhoben, der sozialdemokratischen Ar- beiterpartei Rußlands anzugehören. Es konnte aber niemandem von ihnen auch nur das geringste nachgewiesen werden, das selbst vom Standpunkt der russischen Behörden„gesetzwidrig" gewesen wäre. Wie nun einer der ausgewiesenen Schriftsteller mitteilt, wurde er und noch zwei seiner Leidensgenosscn nur aus dem Grunde aus Petersburg entfernt, weil sie nach den Worten eines lockige stellten Beamten dcö Ministeriums des Innern„die politische Kraft der sozialdemokratischen Dumafraktion darstellten". Auch diese Behauptung ist natürlich aus der Luft gegriffen, da die Duma- frqltion sehr wohl mit ibrcn eigenen„Kräften" auskommen kann. Sie charakterisiert aber in krasser Weise die Hetze, die von der Regierung gegen die sozialdemokratische Dumafvaktion geführt wird. perHen. Die russische Aktion in Persien.' Di« russischen Offiziösen, darunter auch die säbelrasselnde„Ro- woj« Wremja". tretcn in den letzten Tagen für die gestern von uns gemeldete offiziöse„Nichteinmischung" der russischen und englischen Regierung in den persischen Bürgerkrieg ein. was allerdings nicht hindert, daß dieselbe„Nowoje Wremja" schon jetzt de» Sode« für die Anerkennung Mohammed Alis vorbereitet» Emdn gastz ünkerÄi Eharakled als diese heuchlerischen Dipl»«' matenkniffe, die nur den Zweck verfolgen, die öffentliche Meinung irrezuführen, tragen die Maßnahmen der russischen Regierungs- agenten in Persien. Da ist vor allem hervorzuheben, daß die Tehe- raner russische Gesandtsckmft bekannt gab, sie werde nie zu- geben, daß Kämpfe in Teheran und Zusammenstöße in einer Um- gebung von 30 Kilometern stattfinden. Sollte sich der frühere Schah, ohne Widerstand gefunden zu haben, so weit der Stadt genähert haben, so müßten alle Kämpfe unterbleiben. Auch müßte sie russische Untertanen, wie Armenier, Kaukasier und Grusier, die sich an den Kämpfen gegen den früheren Schah beteiligen wollten, fest- nehmen und außer Landes bringen. Diese Erklärung der russischen Gesandtschaft bedeutet einen krassen Bruch der durch die Re- gierungen proklamierten„Nichteinmischung" und ist geeignet, den Kamps der persischen Regierung gegen den Exschah ungeheuer zu erschweren. Die wilden Horden dieses Agenten Rußlands rücken von drei verschiedenen Seiten gegen die Hauptstadt vor, die allein als Ausgangspunkt der Verteidigungstruppen dienen kann. Diese enorm wichtige strategische Position der Negierungstruppen ist nun durch die Einmischung der russischen Gesandtschaft fast vernichtet worden, die sicher auch die Absicht hegt, die Drohung betreffend die Festnahme der für die persische Regierung kämpfenden russischen Untertanen(der sogenannten FidaiS) mit Hilfe ihrer Kosaken zu verwirklichen und so den kämpfenden„Konstitutionalisten" in den Rücken zu fallen. In TäbriS, der Zweitwichtigsten Stadt Pcrstcns, die vor zwei Jahren den Ausgangspunkt der Volkserhebung bildete, sind die russischen Truppen, die dort„stationiert" find, offen zum Angriff übergegangen. 300 russische Soldaten und Kosaken drangen auf Befehl des russischen Generalkonsuls in das Gebäude des Generalgouvernements ein und befreiten den früheren Gouverneur von Ardcbil, Reschid el Mulk, der wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt und des Verrats von der persischen Regierung in Hast ge- nommen worden war. Die Gründe dieses Vorgehens der russischen Truppen werden vollends klqr, wenn man berücksichtigt, daß der verräterische persische Gouverneur Besitzer einer russischen Ordens- auSzeichnung ist, und daß der russisch« Gesandte in Teheran zu seinen Gunsten interveniert hat. Die Haltung der russischen Trup- Pen in Täbris und der ganzen Provinz Aserbeidschan, wo sie an- geblich zum Schutze der russischen„Untertanen" stationiert sind, lveist deutlich darauf hin, daß diese wichtigste Provinz gegenwärtig für den UnabhängigkeitZkampf der Perser verloren ist. Bon weiteren Intrigen der russischen Regierung ist hervorzu- heben, daß der.Kommandeur der persischen Kosakenbrigade in Te- heran, ein in persischen Diensten stehender russischer Offizier, sich weigerte, dem Kriegsminister die fiir die Expedition gegen den Ex- schah notwendige Munition auszuliefern. Die persisch« Regierung und der MedschliS reagierten darauf in der Weise, daß sie den früheren Militärattache der englischen Gesandtschaft in Teheran, Mazor Stokes, zum Chef der Gendarmerie ernannten. Dieser Schritt hat die Differenzen zwischen der russischen und englischen Politik in Persien offen zum Ausbruch gebracht. Der russische Xe- sandte protestierte in schroffster Weise gegen die Ernennung des Engländers und erklärte, Rußland behalte sich andere Maßregeln vor. Es wird also allem Anscheine nach zu Reibungen zwischen den beiden Entente-Mächten kommen, die auf den Ausgang der persi- schcn„Wirren" nicht ohne Einfluß bleiben dürften. Daß es übri- genS zu diesen Differenzen kommen würde, war von vornherein zu erwarten. Das plötzliche Vorgehen Rußlands in Persien— und da» zu einer Zeit, wo gerade die persische Anleihe in London rcali- siert wurde— ist für die englische Regierung ziemlich ungelegen gekommen, da es ihr in dem Morokkohandel die Hände band. Aller- dings machte England bisher— in der Konsequenz des englisch- russischen Vertrages von 1007— die russische Eroberungspolitik in Persien mit und unterband Hand in Hand mit Ruhland die poli- tische und wirtsckmftlickie Entwickelung PcrsienS in den letzten Jahren. Aber bei dem jetzigen Vorgehen scheint die Petersburger Regierung— Wie schon oft zuvor— ihren Verbündeten vor eine „vollendete Tatsache" gestellt zu haben. Daß sich die öffentliche Mei- nung Englands gegenwärtig ohne weitere» dgmit abfinden würde, ist kaum anzunehmen. Sie mußte sonst auf dem Niveau der politischen Skrupcllosigkeit und Stupidität des deutschen Bürger- tum» angelangt sein, die in den wohlwollenden Worten der„Na- twnal-Zeitung" zum Ausdruck gelangte, wenn Rußland Mohammed Ali unterstütze, um durch diese Maßnahmen seinen Einfluß in Per- fien zu kräftigen, so bewege sich„unser großer Nachbar in seiner eigenen Interessensphäre". giis der Partei. Die Beerdigung des Genossen Fritz Düvell, des so plötzlich verstorbenen Redakteur« de«. PresseburenuS, fand am Mittwochnachmitlag auf dein Friedhof in Steglitz statt. Die Steglitzer Parteigenossen gaben dem Verstorbenen daS letzte Geleit. Der Parteivorstand war durch Genossen Müller, Verlag und Redaklion der„Dresdener BolkSzeitung", der der Verstorbene 8 Jahre angehörte, durch Genossen Sindermann vertreten. In der Leichenhalle des Groß-Lichterselder Krankenhauses sprachen die Genossen Müller und Sindermann, auf dem Friedhofe würdigte Genosse Eichhorn die Tätigkeit seines verstorbenen Kollegen. Ein Doppel- quartett von Steglitzer Parteigenossen trug in der Leichenhalle und auf dem Friedhofe ergreifende Gesänge vor. AuS den Organisationen. Der Sozialdemokratische Verein für Biele» feld-Wiedenbrück hielt am 30. Juli seine Generalversammlung ab. Aus dem Jahresbericht für 1910/11 heben wir folgendes hervor: In 13 Ortsgruppen hatte der Verein am 30. Juni 1010 bööt Mit- gliedcr(ölOö männliche, 449 weibliche), am 30. Juni 1011 6170 Mitglieder(5662 männliche. 508 weibliche), das ist eine Zunahme von 616 Miigliedenr oder um 11 Proz. Bielefeld allein zählt 2973 Mitglieder(2608 männl., 275 Weißt.). An Einnahmen hatte der Verein im Geschäftsjahr 1910/11 zu verzeichnen 20 634,01 M., gegen 14 440,14 M. in 1009/10 und 11867,60 M. in 1908/09. An Beiträgen der Mitglieder wurden in 1910/11 allein vereinnahmt 19190,65 M. Die Ausgaben betrugen 18 639.79 M.. gegen 18 697.57 M. in 1009/10 und 13 805,52 M. in 1903/09. An den Parteivorstand wurden abgeführt in 1910/11 3837,10 M.. an die Vezirksorganisation 1443,86 �M.. zusammen 5280,96 M.; für Agitation wurden ausgegeben 5577,26 M.. für Delegotionskosten 534 M.. Bibliothek und andere BildungSzwecke 1397.98 M., Beitrag zum Arbciteri'ekretariat 400 M.. Verwaltung und sonstige Ausgaben 5449,59 M. Das Barvermögen betrug am 30. Juni 1011 8788,11 M. Die Abrechnung von der Maifeier ergab bei einer Einnahme von 2376.85 M. und einer Ausgabe von 1984,23 M.. inkl. 79.10 M. GerickitSkosten, einen Uebcrschuß von 392,62 M., der dem WahlsondS überwiesen wurde. Es wurden 6166 Karten zur Maifeier verkaust, gegen 8996 im Borjahre. Versammlungen fanden 188 statt, und zwar: 102 Mit- gliederversanimlungen mit 32 Vorträgen, außerdem in Bielefeld 65 Bezirksversamnilungcn mit 33 Vorträgen und 21 öffentliche Versammlungen, darunter 9 am FranemoahlrechtStage. 8 Klug- blätter und Broschüren in 67811 Exemplaren wurden verbreitet und 8470.Volksmächten". 400 FrauenwahlreckitSzeitungen wurde» umgesetzt. Die Abonnentenzahl der.Volksmacht" im Kreise stieg um 1070 auf 9323 am 30. Juni 1911. Die Gesamtabonnentenzahl betrug 15 330. Im Mai wurde mit dem schon längst notwendigen umfangreichen Erweiterungsbau für das Druckereiunternehmen be« gönne»; er soll noch vor Ende dcS Herbstes bezogen werde». Der Stand des Geschäfts hat sich bedeutend gehoben. JnformationSkarten, die über den Stand der mann- lichen Personen über 13 Jahre in jedem einzelnen Hause Aufschluß geben, hat der Verein fast in allen Orten eingeführt. Da» Bildung»«es e» ist ebenfall» gefordert worden. In lS Ortsgruppenbibliotheken, die in 4 Orten den Zentrolarbeiier- bibliotheken angegliedert sind, wurde der Bücherbestand von 2501 im verflossenen Jahre auf 3241 gebracht. Vom Bildungsausschuß und den ihm angeschlossenen Körperschaften wurden veranstaltet: ein Vortrags- zykluS„Vom Urtier zum Menschen"(6 Vorträge), 21 Wissenschaft- liche Vorträge in den Gewerkschaften und 11 im sozialdemokratsschen Verein; 14 Theatervorstellungen von der Freien Volksbühne und 6 von Gewerkschaften. Für Bildungszwecke wurden insgesamt 10246,24 M. vereinnahmt und 11003,60 M. verausgabt. Monatliche RechtsauSkünfle erteilt der Verein in Gütersloh und Rheda. Für eigens gemietete Lokale in sechs Ortschaften, in denen wir keine Säle erhalten können, wandte der Verein 381 M. auf. Ueber„die Organisierung des nächsten ReichStagZwahlkampfeS hielt der Sekretär Genosse Zenker ein instruktives Referat und Reichstagsabgeordneter Genosse Severing sprach über den Parteitag. Als Delegierte wurden die Genossen Zenker und Kley gewählt. Eine Versammlung in der Residenz des Fürsten Salm». Eine gelinde Aufregung bemächtigte sich der Einwohner dcS kleinen märkischen Städtchens B a r u t h, als am Sonntag früh ein halbes Dutzend„berittener" Sozialdemokraten in den Mauern des- selben umhcrschtvärmten und Handzettel verteilten mit der Ankün- digung, dah am Nachmittag eine öffentliche Versammlung auf dem Grundstück eines Ackerbürger? stattfinde, in welcher der sozialdemo- kratische Kandidat sein Programm entwickeln werde. Daß so etwas möglich fein könne in der Stadt, in welcher der berühmte Fürst Solms sein Schloß hat, das wollte so manchem ehrwürdigen Haupte nicht einleuchten. Die Versammlung selbst war ein Beweis, dah cS auch in den dunkelsten Ecken des Kreises Jüterbog-Luckenwalde zu tagen beginnt. Etwa 400 Personen waren erschienen, darunter eine ganze Anzahl Frauen. Nicht nur aus Baruth selbst, sondern auch aus dem eine Stunde entfernten Mnckendorf war eine Schar trotz Sonnenbrand herbeigeeilt, um einen leibhaftigen Sozialdemo» kraten kennen zu lernen. Genosse Ewald verstand es, die Zuhörer zu fesseln, er geißelte das Verhalten der Junker und ihrer Ver- bündeten und forderte unter lebhaftem Beifall die Anwesenden auf, bei der nächsten Reichstagswahl die Quittung auszustellen für alle die Bedrückungen, die das Volk in den letzten Jahren zu er- leiden hatte. Nicht minder lebhaft war der Beifall, den Ewald erntete, als er das Verhalten des Fürsten Solms gegenüber der ländlichen Bevölkerung um Baruth kritisierte, sowie das Verhalten diese? erlauchten oder durchlauchten Junkers gegenüber der Stadt- gemeinde Baruth, die von ihm ebenso nichtachtend behandelt wird, wie das Land. Genosse Sailer aus Luckenwalde legte den Er- schienenen dringend ans Herz, sich durch nichts abhalten zu lassen, bei der nächsten Wahl sozialdemokratisch zu wählen, weder durch die Verleumdungen, die gegen die Sozialdemokratie jetzt schon und bei der Zicichstagswahl in vermehrtem Maße ausgestreut werden, noch durch den Terrorismus, den die beamteten und unbeamteten Feinde des Volkes auszuüben pflegen, um den Sieg der Sozialdemokratie zu verhindern. Ohne Zweifel wird auch diese Versammlung ihre Früchte tragen._<« Soziales. Gefahr des tiiglichen Lebens— kein Unfall. Der Steinschläger Adolf K. aus Vordamm erlitt am 13. Mai 1910 dadurch eine» Unfall, daß cr, als ex sich zur Arbeit begeben wollte, auf der Chaussee von einem Automobil überfahren wurde. K. erlitt erhebliche Verletzungen. Sein bei der Tiefbau- Berufsgenossenschaft geltend gemachter Anspruch auf Eni- schädigung wurde von derselben zurückgewiesen, da die Berufs- genossenschast da« Vorliegen eines Betriebsunfalls verneinte. K. wollte am fraglichen Tage zu einer Wegeunterführung, um Steine zu schlagen. Da es aber geregnet hatte und die Steine vom Waßer überdeckt waren, tonnte K. seiner Arbeit nicht nachgehen. Er begab sich deshalb„ach dem Kontor seiner Firma, um mit dem Betriebs- leiter Rücksprache zu nehmen. K. wollte, nachdem er mit dem Be- triebsleiter Rücksprache genommen hatte, sich wieder noch seiner Arboitsstelle begeben, um beim Herausschaffen von Steinen auö dem Wasser behilflich zu sein. Seine Wohnung liegt auf dem Wege zu dieser Arbeitsstelle. Zu Haus frühstückte er. Als er nach dem Frühstück seine Wohnung verließ und wenige Schritte vom Hause entfernt war, wurde er von dem Auto überfahren. Gegen den ablehnenden Bescheid legte K. Berufung beim Schiedsgericht für Arbeiterversichernng für den Regierungs- bezirk Frankfurt a. d. Oder ein. Er machte geltend, daß hier sehr wohl ein Betriebsunfall in Frage käme, da nach seiner Auffassung ein Auftrag, sich nach seiner Arbeitsstelle zu begeben, vorlag, die Zurücklegung des Weges also im BetriebSinteresse geschah. Das Schiedsgericht jedoch wies die Berufung zurück. Es nahm an, K. habe sich als der Unfall geschah, außerhalb des Gefahrenbereiches deS Betriebes befunden. Der Nachweis, daß K. den Weg im Be» triebsinteresse zurückgelegt habe, sei nicht erbracht worden, viel- mehr sei ein eigenes wirtschaftliches Interesse bei der Zurücklegung des WegeS anzunehmen. Auch das Reichsversicherungsamt, an das sich K. nunmehr mit dem Mittel des Rekurse« wandte, verneinte das Borliegen eines Betriebsunfalles. K. habe, als er seine Woh- nung nach dem Frühstück verließ und den Unfall erlitt, keinen Auftrag der Firma auszuführen gehabt. Der Unfall geschah auf einem Wege von seiner außerhalb der Betriebsstätte gelegenen Wohnung zur Betriebsstätte.„Wege der Arbeiter zur Betriebs- stätte dienen vorwiegend dem eigenwirtschaftlichen Interesse der Arbeiter und können daher noch feststellender Spruchübung dem versicherten Betriebe nicht zugerechnet werden, es sei denn, daß hier fehlende besondere Umstände vorliegen, welche den Weg zu einer BctriebSverrichtung machen. Unter Zugrundelegung der eigenen Ausführungen des Klägers kann sein Unfall alz Betriebs» Unfall nicht angesehen werden." Wie schon in früheren ähnlichen Fällen dargelegt, liegt dieser Standpunkt des Rcichsversicherungsamtes nicht im Interesse der Versicherten. Leider hat man bei der Beratung der neuen Reichs- Versicherungsordnung den von der sozialdemokratischen Fraktion gestellten Antrag auf Beseitigung des Mißstandes abgelehnt, daß Unfälle aus dem Wege von und zur Arbeit nicht al» Betriebs- Unfälle angesehen werden!._ Eine fette Pfründe fand der auS"Galizien stammende Handlungsgehilfe W. in der Kolomalwarenhandlung der Frau E. Loewenauer. Grenadier, strotze 36, wo er als Hausdiener gegen freie Station und 8 M. Lohn pro Monat beschäftigt wurde. Nach zehntägiger Beschäftigung wurde er entlassen. Er klagte nun beim Gewerbegericht auf Zah- lunA des rückständigen Lohnes und einer EiitschÄigung für die 14 tag ige Kündigungsfrist von 32 M. Die Beklagte ließ durch ihren Vertreter einwenden, daß mit dem Kläger zunächst ein Probe» engagement auf 14 Tage bei Kündigungsausschluß vereinbart wor« den sei und der Entschädigungsanspruch somit unbegründet sei. Ein Lohnaiispruch stehe dem Kläger nicht zu, da vereinbart worden sei, daß Kläger während der Probesrist für seine Arbeitsleistung nur durch Kost und Wohnung entschädigt werden solle; Lohn gäbe eS Hti: die Probezeit nicht. Diese Behauptungen wurden durch die Beweisaufnahme bestätigt. Das Gericht riet in Anbetracht de» Ergebnisses der Beweisaufnahme zu einem Vergleich auf 4 M.. dieser wurde vom Vertreter der Beklagten abgelehnt. Der Kläger ermäßigte seinen Klageanspruch auf diesen Betrag und wurde ihm dieser vom Gericht zugesprochen. In der Urteilsbegründung wurde hervorgehoben, daß hier em Engagement vorliege, wie es in Berlin io leicht nicht vorkommt. Eine derartige Ausnutzung der Uner- fahrenheit eines jugendlichen Ausländers und eine solche Ausbeutung der Arbeitskraft ist auf das fchärffte zu verurteilen. Die ge- forderten 4 M. waren als angemessene Vergütung neben her Kost und Wohnung dem Klager für seine Leistungen ohne Rücksicht auf Gewerhrcbaftlicbca. Die KoloHcrtcn. Äm Sonntag tagte in Hattingen, im Kreise Bochum, ttt Ver« bandstag der evangelischen Arbeitervereine Rheinlands und West- falcns. Der Verbandsvorsitzende, Pfarrer Niemeher-Eichling« Hofen, erstattete den Jehresbericht und kam bei dieser Gelegenheit auch auf die gelben Organisationen zu sprechen. Der Herr Pfarrer und Verbandspräses erklärte, er betrachte die gelben Werlvereine als eine wenig glückliche Gründung. In der Gründung liege auch ein Mißtrauen n s ch a s t. Diese hat seinen Grund darin, daß die StahlwerkSverbaudssatzmigen bei Fusionen eine Kürzung der Quote vorsehen. Nach dem 1. Juli 1912 kommen die Fusionen. Das Bedürfnis nach Interessengemeinschaften setzt sich bis weit in die verarbeitende Industrie hinein fort. So ist jetzt eine Fusion ziviscden derMaschinenban-Akt.-G. Balcke und der W e st f. M a sch i n e n b aui n d u stri e Gustav Moll u. Co., Alt.- Ges., zustande gekommen. Die bei solchen Transaktionen übliche Kapitalserhöhung soll hier sofort mit der Fusion durchgeführt werden. Daß Fusionen nicht immer gelinge», bewies jetzt wieder die Ablehnung der Vereinigung der B n d e r u S s ck e n Eisenwerke mit der B e r g b a uj-jA l t.- G e s. Maße n." Hier handelt eS sich um das Angliederuiigsbedürfnis einer reinen Kohlenzeche an ein Montanunternehmen. Die Kohlenzeche wollte schon, aber die Ge- neralversammlung de? Ei'enwerkeS BuderuS machte nicht mit. Bor kurzem hatte der gesamte AtissiivlSrat von BuderuS für die Fusion gestimmt. Wir haben eS auch schon erlebt, daß Finanzinstitute die verschiedensten Jnduftrieunternehnlungen einfach gezwungen haben. sich zu vereinigen. Die Rüstungen für den Kampf im Stahlwcrksverband haben sicher nock nickt ihr Ende erreicht. Wen» es in dem bisherige» Tenipo weitergeht, werden lant-r in sich abgekcklosscne lieine und größere Konzerne und ganze Montantrusts geschaffen. Der Außenliandel mit Getreide im ersten Halbjahr 1911. Die Vewegung der E i nsf u h r in de» Monaten Januar bis Juni 1907 bis 1911 spiegelt folgende Zusainmenstelluiig der Einfuhr- mengen in Doppelzentnern: 1907 1903 1909 19l0 1911 Weizen... 11053 635 10 409 264 9 414 635 10 637 407 11 842 843 Roggen.. 3 332 789 1 905 291 863 003 1 271 503 3 377 103 Malzgerste. 1 498 407 1262 215 733 963 561 279 824 329 Andere Gerste 6 879 431 5 940 757 8 701 609 10 053 837 14 407 639 Hafer..- 1 659 921 1 343 179 2 633 488 1 716 949 3 130 589 Die Einfuhr von Weizen und Roggen ist zum ersten Male etwas höher als im Jahre 1907. Die Einfuhr von Gerste ist um nahezu Ah. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr-u Verlagsanstalt 8 000 000 Doppelzentner seit 1907 gestiegen. Der Import von Hafer hat sich seitdem fast verdoppelt. Der Bezug von Malzgerste weist nach dem ständigen Rückgange der letzten Jahre wieder eine Zu- nahm? auf. Die Ausfuhr der wichtigsten Getreidesorten enl- wickelte sich im ersten Halbjahr 1907 bis 1911 in Doppelzentnern wie folgt: 1907 1903 1909 1910 1911 Weizen.. 506 026 523110 734 334 601 799 1 411862 Roggen.. 1080 446 1 094 739 3 586 836 3 505 499 2 921 222 Gerste.. 7 372 6 643 4 070 15 311 7 936 Hafer... 1 527 867 3 220 732 1 269 073 2 801 931 1486 256 Eine Abnahme der Ausfuhr gegen 1907 zeigt sich nur beim Hafer. Weizen wurden im ersten Semester 1911 905 836 Doppel« zentner mehr exportiert als in der Vergleichsperiode 1907. Die Aus- fuhr von Roggen ist um 1840 776 Doppelzentner gegen 1907 ge« stiegen. Gerste wurde mehr als vor vier Jahren ausgeführt. Der Wert der Gesamteinfuhr von Getreide stieg von 323,18 Millonen Mark in den ersten sechs Monaten 1910 auf 329,04 Millionen Mark im laufenden Jahre. Bei der Ausfuhr zeigt sich ein Rückgang bei Wertes von 104,2 Millionen Mark auf 85,00 Millionen Mark. flua der Frauenbewegung. Alimentation. Das uneheliche Kind, sagt das deutsche Gesetz, wird nach dem Stande der Mutter alimentiert, mit anderen Worten, das uneheliche Kind wird in der Mehrzahl der Fälle zu Armut und Elend verdammt. Es ist doch eine bekannte Tatsache, daß der weitaus größte Teil der 180 000 unehelichen Kinder, die pro Jahr in Deutschland das Licht der Welt erblicken Kinder armer Mädchen resp. armer Frauen sind. Nach dem Grundsatz von Angebot und Nachfrage, von Kapital und Hunger, regelt sich diese traurige Materie. Der Vater eines solchen unehelichen Kindes, wenn er Millionär, oder vielsticher Millionär ist, findet so ein armes Ge- schöpf, findet sein unglückliches Blut, mit weniger Kröten monat- lich ab, als er vielleicht gewöhnt ist, für ein einziges Mittagessen auszugeben. Von sozialistischer Seite, sowie von bürgerlich- frauenrechtlerischer Seite ist schon vielfach gegen dieses, allen Naturrechten Hohn sprechende» Gesetz Sturm gelaufen worden. Bisher ohne jeglichen Erfolg. Da nun aber»rit der Zeit eine internationale Regelung aller solcher rein menschlicher Angelegen» heiten kommen dürfte, wie die internationalen kriminalistischen Vereinigungen deutlich anzeigen, und neugemachte Gesetze vor- geschrittener Länder aus die rückständigen Staaten aufklärend und förderlich einwirken werden, ist eS mit besonderer Freude zu bc- grüßen, daß das kleine Holland in seinen neuen gesetzlichen Vor- schristen die einzig gerechtfertigte Alimentation vorsieht. Das neue Holländische Gesetz weist dem deutschen Gesetz über Alimentation gegenüber zwei große Vorteile für das uneheliche Kind auf. Das Holländische Gesetz verlangt, daß das uneheliche Kind nach dem Stande und dem Besitze des unehelichen Vaters alimen- tiert werden muß. Es ist das eine so ausschlaggebende Neuerung, daß man sich die Wirkungen dieses Gesetzes noch kaum auszumalen vermag. Aengstliche Gemüter könnten vielleicht annehmen, daß die uneheliche Mutter, die bis dahin nicht gewöhnt war mit größeren Mitteln umzugehen, die auch nicht immer befähigt sein dürfte, ihrem nunmehr gut gestellten Kinde die vom Gesetzgeber vor- gesehene Erziehung nach dem Stande des Vaters zu leisten, nicht zu diesem Amte die richtige Kraft besitze. Demgegenüber setzt nun die zweite Neuerung des Holländischen Gesetzes ein, die näm- lich verlangt, daß jedem holländischen unehelichen Kinde sofort bei seiner Geburt, außer dem Vormund, ein Stellvertreter ernannt wird, der vom ersten Tage der Geburt des Kmdes an.seine Interessen nach jeder Seite hin wahrzunehmen hat. Dieser Stellver- treter hat quasi volle Vaterrechte über das Neugeborene. Es wäre sehr zu wünschen, daß auch in anderen Ländern, besonders in Deutschland, die Gesetze über die Alimentation unehelicher Kinder nach dieser Richtung hin einer sozialeren Zeitperiodc angemessen, modernisiert würden. Die sozialistischen Parlamentarier werden zweifellos ihren Einfluß auf eine derartige Umgestaltung deS deutschen Alimentationsgesctzcs geltend machen. Versammlungen— Veranstaltungen. Berein für Frauen und Mädchen der Ardeitrrklasse. Sonntag, den 6. August: Familienausflug nach Ravensteiner Mühle. Treff- Punkt 9 Uhr, Schlesischer Bahnhof. Abfahrt ljjj Hirschgarten. Für Nachzügler: Ravensteiner Mühle. Letzte]Sachrtchten. Meuterei. Paris, 2. August. Aus Cherbourg wird gemeldet: Unket den Mannschaften der Torpedobootsflotille des AermrlkanalS brach eine Meuterei aus, welche in einer feindseligen Kundgebung gegen einen SchifsSleutnant Ausdruck fand. Nicht bloß die Matrosen, sondern auch die Deckoffiziere und Obermaate erhoben gegen den Leutnant die Beschuldigung, daß er sie übermäßig an- strenge, und daß er ungerechtfertigte Bestrafungen auferlege. Explosion auf einem Dampfer. � London, 2. Augllst.(W. T. B.) In N o q u i am Kongo ereignete sich an Bord des deutschen Dampfers „E d e a" eine Explosion, durch die drei Personen getötet wurden. Das Heck des Schiffes ruht auf dem Boden des Flusses längs des Kais._ Ter Hafcnarbeiterstrcik in Rußland. Petersburg, 2. August.(W. T. B.) Der S t r e i k der Hafenarbeiter dauert an; die Gesamtzahl der Streiken- den beträgt gegenwärtig 12 000. während 4000 weiter- arbeiten. Auf 65 von den 95 im Hafen liegenden Dampfern wird nicht gearbeitet. Der Streik verläuft vollkommen ruhig und trägt ausschließlich Wirtschaft- lichen Charakter. Im Eiscnbahnzug ermordet. Simferopol, 2. August.(W. T. B.) In einem Eisenbahn- zugc der Sudbahn nahe der Station Rykowo wurde der Gehilfe des Staatsanwalts des Petersburger Gerichtshofes Sko- pinöky ermordet. Die Cholera. K-nstantinopel, 2 August.(53. T. B.) Gestern sind 21 Cho- tcrafälle festgestellt worden; davon verliefen zehn tödlich. Trieft, 2. August.(W. T. B.) Heute sind hier zwei neue Cholerafälle festgestellt worden. Schiffskatastrophe auf dem Lorenzstrom. New York, 2. August.(Pr.-C-) Aus Massen a wird gemeldet, daß der Dampfer„S tr i u s", der 75 Passa- giere an Bord führte, auf dem St. Lorenzstrom gekentert ist. Die Ursache der Katastrophe ist bisher noch nicht bekannt, doch nimmt man an, daß der„Sirius" in eine der Strom- schnellen des Lorcnzstromes geraten ist. von denen viele schon der Schisfahrt gefährlich geworden sind. 7 Passagiere fanden in den Wellen den Tod. Den übrigen Schiffbrüchigen gelang es, aus Rettungsbooten unter großer Gefahr Massena zu erreichen.__ Paul Singer Je Co-, Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. UnterhaltungSbÜ mh km« i. SkilM des Jomütfs" Kerlim WldsdlR Groß-Bcrlii) und die IParteitagungen. 5n durchweg gut besuchten Versammlungen nahmen die Ge- »lassen Groh-BerlinS am Dienstag, den 1. August, Stellung zu den drei bevorstehenden Parteitagungen: Generalversammlung von Gvoß-Berlin. Provinzialkonferenz und Parteitag in Jena. Nach- folgend die Verhandlungsberichte: Erster Wahlkreis. Täterow gab den Vorstandsbericht und zeichnete in kurzen Strichen die Struktur des Kreises, der schon seiner geographischen Lage wegen eine Sonderstellung unter den übrigen Berliner Krei- sen einnehme. Die wirtschaftliche EntWickelung vollziehe sich im Kreise so, datz die Proletarier mehr und mehr hinausgedrängt wer- den. Man werde es in der Wahl überhaupt nur mit zirka 16 000 Wählern zu tun haben. Mitglieder zählt der Wahlverein jetzt mit Frauen 1015. Im übrigen erteilte Redner eine Uebersicht von den geleisteten Arbeiten des Vorstandes. An Stelle des Genossen Dr. Ä r o n s, der aus Gesundheitsrücksichten von der Reichstagskandi- datur zurückgetreten ist. wurde Genosse Wilhelm Düwell auf- gestellt, der sich als Referent in vielen Versammlungen sehr günstig einführte, wobei besonders die öffentliche und sehr stark besuchte Versammlung im„Tiergartenhof" zu erwähnen ist. In Frauen-, Jugend-, Kinderschutz- und Bildungsfragen hat der Kreis das seinige vollauf getan. Den Kassenbericht erstattet« Bolz mann. Einnahme: 6694,51 Mark, Ausgabe: 4468,75 M., bleibt ein Bestand von 2125,76 M. W o l d t gibt den Bericht aus der Presskommission. Die De- hatte über die Montagsausgabe des„Vorwärts" sei bekannt. Die jetzige Art der juristischen Sprechstunde habe sich gut bewährt. Die Zentralisation der„Vorwärts"-Speditionen habe sich als ein Fort- schritt erwiesen. Beschwerden über verspätete Lieferung seien auf die erst nach und nach zu vervollkommnenden technischen Hilfsmittel zurückzuführen. Die Mängel seien nur vorübergehender Natur. Die planmähig vorgenommene Agitation und Propaganda für den „Vorwärts" habe gute Resultate gezeitigt. Auch ist Ratenzahlung für Lieferungswerke eingeführt worden, womit man den Genossen in erfreulicher Weise entgegengekommen sei. Patzick: Ueber die juristische Sprechstunde werde auch jetzt noch geklagt. Vor allem wären die dort erteilten Auskünfte zu kurz, nicht ausführlich genug. W o l d t: Dies sei die erste Klage dieser Art. von der er Kennt- niS erhalte. Allerdings ginge es nicht, datz die Ratsuchenden immer alle Details in umständlicher und weitschweifiger Weise vorbringen. Eckert ist mit der juristischen Sprechstunde in ihrer jetzigen Art sehr zufrieden. Rechtsanwalt Heinemann: Er könne nur bestätigen, was Woldt gesagt hat. Genosse Freder mache seine Sache ganz muster- Haft und vorzüglich. S ch u st e r, der am Erscheinen verhindert ist. hat den Bericht über die Tätigkeit der Agitationskommission der Provinz Branden- bürg schriftlich eingesandt, der von Täterow verlesen wird. Im Laufe des letzten Jahres hat ausser der Nachwahl im Kreise Frank- furt-LebuS, welche bekanntlich siegreich war, und ferner den Protest- Versammlungen betreffend die Reichsversicherungsordnung und das Dreiklassenwahlrecht keine nach aussen hin bemerkbare Arbeit statt» gefunden. Ege von der Lokalkommission hat wesentliches nicht zu be- richten und richtet an die Genoffen den dringenden Appell, nur dort zu verkehren, wo uns auch die Säle zur Verfügung stehen. Die darauf folgenden Borstandswahlen ergeben nachstehendes Resultat: 1. Vorsitzender Täterow, 2. Petermann, 1. Schrift- führer Tapper t. 2. Paulsmann, 1. Kassierer B o l z m a n n, 2. S i m m e l, Frau Poppelauer als Beisitzerin, als Revisoren Strelow, Burghardt. Genossin Sehner. In die Presskommission wurde Zaduck gewählt, in die Lokal- kommission Ege und Schuster. Zur Verbandsgcneralversammlung werden delegiert: Part- zick, Schulz. Lewandowski, Dallien, Burghardt, Meier, Stoltenberg. Ander?, Roth und E l l g e r. Zur Brandenburger Konferenz werden delegiert: Tappert, A ö l o e und Genossin Se hn er. Zu dem Antrag des 6. Kreises hat der Vorstand des 1. Kreises folgendes Amendement eingebracht: »Andere Anträge werden nur dann zur Verhandlung gestellt, wenn eine Zweidrittelmehrheit der Generalversammlung sich dafür entscheidet." Die Versammlung stimmte nach längerer Debatte dem Amende. «ent einstimmig zu. Nun hielt Genosse Düwell sein Referat über den Parteitag in Jena, dessen Aufgaben er in kurzen Strichen zeichnete, um dann ein Bild von den wirtschaftSpolitischcn Zuständen Deutschlands zu entwerfen. Redner ging besonders auf die Stichwahlfrage ein. Tatsächlich hätten uns die Gegner bisher immer die Stichivahlparole diktiert. Man denke nur an die Hottentottenwahlen, wo wir in der Stichwahl mit dem Zentrum marschierken. Heute hingegen, wo für den Liberalismus die Blockära zu Ende ist, reklamiert uns der Liberalismus als Retter. Wir werden aber doch einmal fragen, ob diese Stichwahltaktik richtig ist, ob wir nicht doch mal eine Partei so lange unter Wasser halten werden, bis ihr das Schlucken vergeht. Und nun der Mvrokkorummel. Er. Redner, habe schon vor zwei Jahren die Meinung geäussert, dass die kommenden Wahlen wiederum im Zeichen eines Kolonialrummels stehen würden. Wenn er auch nicht sagen wolle, dass die Regierung einen Krieg beabsichtig«, so weiche sie aber doch durch den Einfluss der Schwereisen- und Waffenindustrie in dies« Richtung gedrängt, ohne in sich selbst die Kraft zu haben. Kriege verhindern zu können. Der Parteitag werde sich wohl nicht damit begnügen, den Marokkoskandal als Wahlparole der Regierung zu würdigen, er werde auch der Kriegshetze entgegen- wirken. Redner geht auf den Hansabnnd ein und zeigt die Kon- stcllation der Parteien, besonders des Zentrums diesem gegenüber. Tank der Schwäche und Inkonsequenz des Hansabundes werden wir im nächsten Reichstag vielleicht wieder eine Hochschutzzöllnerische Mehrheit haben. Das Proletariat stehe allein im Kampfe. Des- halb brauche es aber nicht mutlos zu sein. Es entspreche ja nur unserer Klassenkampftheorie, dass die bestehenden Klassengegensätze nicht zu überbrücken seien. Je näher wir unserm Ziele kommen, um so fester und straffer schliehen sich die Gegner zusammen. Darum löse der kommende Parteitag auch so grosses Interesse aus, denn er habe auch Vorbereitungen zu treffen für die Kämpfe, die nach den Wahlen zu erwarten sind. Es sei darum auch in Aussicht genommen, den Partcivorstand zu erweitern, da die Aufgaben stetig wachsen. Wir werden kämpfen und unserm Kampf wird der Sieg folgen.(Stürmischer Beifall.) In der Diskussion sprachen M a lza h n u»o B l o ch. Letzterer erklärt, dass er selten mit einem Redner so einverstanden gewesen wäre wie heute mit dem Referenten. Düwell greift nochmals ein und schliesst: Die letzte Partei, der wir gegenüberstehen werden, ist das Zentrum, hinter dem die Konservativen und die Scharfmacher stehen. Ihnen mutz der er- bittertste Kampf gelten.(Grosser Beifall.) . Die Kreiskonferenz unterbreitet folgenden Antrag, der ein- Wmmige Annahme findet: „Die der Partei und damit dem Parteivorftpnde aus der Entwickelung der wirtschaftlichen und politischen Pcrhältnisse er. wachsenden Aufgaben machen eine Verstärkung der Parteileitung erforderlich Aus diesem Grunde ist die Zahl der Sekretäre zu vermehren." Desgleichen ein Antrag Wagner? „Der 1. Kreis beantragt, dass während der Reichstags-Wahl- agitation der„Vorwärts" auch abends erscheint." Als Delegierter nach Jena wurde der Kandidat des 1. Reichs- tagswahlkreises, Genosse Wilhelm Düwell, gewählt. Zweiter Wahlkreis. Der Generalversammlung lag der Bericht des Vor- standes über das verflossene Geschäftsjahr gedruckt vor. Das im allgemeinen politisch stille Jahr wurde etwas belebter durch die Landtagswahl im 4. Landtagswahlkreis, der ja bis auf wenige Bezirke im 2. Reichstagswahlkreise liegt. Aus den wohlbekannten Gründen fanden zweimal, am 8. Oktober 1910 und am 24. April 1911, Wahlmönnerwahlen statt, und beide Male vermehrte sich die Zahl der sozialdemokratischen Wahlmänner, wenn auch nicht in dem Masse, wie es zur Wahl dos sozialdemokratischen Land- tagskandibaten notwendig gewesen wäre. Das erste Mal wurde der Freisinnige Kreitling mit 269 Stimmen gegen 193 für den Genossen Grunwald abgegebene Stimmen gewählt, das zweite Mal mit 245 gegen 194 Stimmen. Es waren diesmal 206 sozialdemo- kra tische Wahlmänner zur Stelle, aber 12 Mandate wurden für ungültig erklart, weil in einzelnen Bezirken die Wahlvvrstände infolge eines Versehens der magistratlichen Behörden nicht ord- nungsmässig besetzt waren. Der Fortschritt unserer Partei gibt Grund zu der Hoffnung, dass der Kreis bei der nächsten Landtags- wohl erobert wird. Vor Weihnachten wurde in einem Teile des Kreises der„Vorwärts" in rund 4200 Exemplaren unentgeltlich verbreitet und dadurch wurden 450 neue Abonnenten gewonnen. Die Einrichtung des Zahlmorgens und der Zahlnacht hat sich sehr gut bewährt und gewinnt immer mehr an Bedeutung. Auch die Genossinnen sind sehr fleissig in der Agitation, was sich auch darin zeigt, dass jetzt vier, statt bisher zwei Leseabende bestehen. Der Besuch der Zahlabende ist zwar besser geworden gegen früher, lätzt aber immer noch zu wünschen übrig und übersteigt selten 50 Prn. der Mitglieder. Abgehalten wurden im Laufe des Jahres 20 Zahlabende. Wählerversammlungen für die Landtagswahl fanden 14 statt» andere öffentliche Versammlungen 15. Frauen- Versammlungen 3, Vereinsversammlungen 4, Viertelsvcrsamm- lungen 6. Flugblätter wurden in 797 000 Exemplaren verbreitet; ausserdem zur Wahl im 4. Landtags Wahlkreise rund 200 000 Stimmzettel und ebenso viel« Aufforderungen. Mitglieder hatte der Wahlvorein zu Anfang des Berichtsjahres 4418 männliche und 363 weibliche; am 30. Juni 1911 waren es aber 4747 männliche und 548 weibliche, so dass also die Gesamtzahl von 4743 auf 5295 gestiegen ist. Die Abrechnung schliesst für das 2. Halbjahr 1910 mit 14 569,94 M. Einnahmen und 13 994,39 M. Ausgaben ab. Unter den Ausgaben sind 4750 M. Beitrag an den Verband und 3850 M. für Beitrags- und Eintrittsmarken. Im 1. Halbjahr 1911 waren die Einnahmen 15 473,98 M., die Ausgaben— darunter 5700 M. Beitrag an den Verband und 2400 M. für Beitrags- und Eintritts- marken— 13 640,49 M., so dass der Bestand am Schlüsse des Be- richtsjahrcs 1833,49 M. betrug. Der Vorsitzende, Genosse Schwemke, gab zu dem gr- druckten Bericht einige Ergänzungen und Erläuterungen. Genosse Ewald berichtet von der Presskommission, über die Personalveränderung«» in der Redaktion, die Umge- staltung in der Spedition, den neuen Bertrag mit den Zeitungs- frauen, sowie über verschiedene andere Angelegenheiten, die den „Vorwärts" betreffen. Der Redner hebt unter anderem hervor. dass die Aendcrung der Abonnementsquittungen eine grosse Ar- beitsersparnis bedeute. Die Abonnentenzahl des„Vorwärts" ist beständig gestiegen, so datz sie am 1. April 1911 die Höhe von 161 311 erreicht hatte; inzwischen ist allerdings, wie regelmässig in den Sommermonaten, ein kleiner Rückgang eingetreten, dem sicherlich bald wieder ein um so stärkerer Aufstieg folgen wird. Beschwerden prinzipieller Art sind bei der Presskommission nicht eingegangen. In seinem Bericht von der Agitationskommission gab Genosse Zinke zunächst einige Aufllärungen über die Ver- Hältnisse und Fortschritte im Wahlkreise Frankfurt-Lebus. Das jung« Parteiorgan„Neumärkisches Volksblatt" hat gute Fort- schritte gemacht. Dann erwähnte der Redner verschiedene behörd- liche Verfolgungen und Verscunmlungsverbote und machte ferner auf die Agitationsmethoden des Reichsverbandes aufmerksam, der jetzt überall, und auch in Fabriken, seine bekannten Flugblätter verbreiten lässt. Das mutz natürlich für die Parteigenossen ein Ansporn sein, um auch ihrerseits alle Kräfte in den Dienst der Agitation und Aufklärungsarbeit zu stellen. Von der L o k a l k o m m, s s i o n berichtete Genosse Schröder. Er teilte unter anderem mit. datz die Direktionen der beiden Zirkusse Busch und Schumann es abgelehnt haben, die Gebäude zu annehmbaren Bedingungen für die Partei herzugeben, dass deswegen der Boykott zwar nicht beschlossen worden sei, es aber den Genossen anheimgegeben wird, aus das Verl>altcn �dcr Zirkusdirektionen Rücksicht zu nehmen. Das Verhältnis'zur Philharmonie wurde infolge des Antrages auf einen städtischen Zuschuss von 60 000 M. für Voliskonzcrte wieder zur Sprache ge- bracht, wobei jedoch nichts anderes herauskam, als dass die Räume für Versammlungen der Arbeiterschaft nicht zu haben sind. Die Philharmonie bleibt für die Abhaltung von Veranstaltung:» der Arbeiterschaft gesperrt, der Besuch der Konzerte ist jedoch frei- gestellt. Für die Lokalfrage im 2. Wahlkreise ist es besonders erwähnenswert, dass die„K a m m e r s ä l e" im Gebäude der Handwerkskammer. Ecke Bellcalliance- und Telwwerstrassc, pleite gegangen sind, und zwar offenbar deswegen, weil man die Räume der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung stellen wollte. ES war uocd vor drei Monaten mit dem Pächter Herrn Palm und dem Oekonom Herrn Säger verhandelt worden, die auch das Cafe Ruhwald an der Woltcrsdorfer Schleuse innehaben, das ebenfalls für die Ar- beitcrschaft gesperrt ist. Wie es heisst, war der Pächter für dn. „Kammersälc" kontraktlich gebunden, das Lokal nicht der Arbeiter- schast zur Verfügung zu stellen. Es hat sich gezeigt, wohin es führt, wenn ein Wirt auf den Besuch der grossen Masse der Be- völkerung verzichtet. Der Redner betonte, dass die Lokalliste nicht allein in Berlin, sondern auch bei Ausflügen in die Bororte streng zu beachten sei. Dem Kassierer erteilte die Generalversammlung einstimmig Tccharge. Sodann wurden die Kandidaten zur Vorstandswahl auf- gestellt, die am Sonntagvormittag durch Urwahl stattfindet. Die Wohllokale werden noch im„Vorwärts" bekannt gegeben. Ferner wurde ein Wahlkomitee von 8 Mitgliedern gewählt. Die von den Abteilungen vorgeschlagenen Delegierten wurden dann einstimmig gewählt. »»« Dritter Wahlkreis. Die Anwesenden ehrten daS Andenken der verstorbenen Mit- glieder in der üblichen Weise. Auf Vorschlag des Vorsitzenden Pohl nahm die Versammlung zuerst die Bestätigung der 23 Delegierten zur V e r b a n d s g e n e r a l v e r s a m m l ii n g vor und erklärte sich auch dafür, dass die Genossen Ernst. Liep mann und BoeSke wieder als Mitglieder deS Zentralvorstandes gewählt werden.— Genosse Pfannkuch nahm dann daS Wort zu einem Vortrage über den Parteitag z« Jena. Man habe erst mit einem ausserordentlichen Parteitag gerechnet, aber die Reichstagswahleit seien hinausgeschoben und damit das grosse Volksgericht verzögert worden. Die Partei sei gut gerüstet. Die bürgerliche Well werde überrascht sein, wenn sie hört, welche Sie-gerung unsere Mitgliederzahl erfahren hat. Unsere Finanzen stehen auf gesunder Grundlage. Gegen die Angriffe des Reichsverbanves zur Be« kämpfung der Sozialdemokratie wie auch gegen die Taktik deS Zentrums in der Agitation gegen uns seien weitreichende Mass- nahmen getroffen worden. Der Redner ging in, seinen weiteren Ausführungen über die Reichstagswahlen auf die jüngsten Ereignisse in Marolko ein und feierte den Gedanken der Verbrüderung der Arbeiterktasse in Deutschland, England und Frankreich._ Es gelte aber auch, dem Reichstage als Volksvertretung mehr Einfluß und Macht zu erobern, um gefährlichen Abenteuem sofort entgegen« wirken zu können. Bei den Wahlen hätten wir zuerst den Kampf auf der ganzen Linie gegen die bürgerlichen Parteien zu führen. Wie in den Stichwahlen zu vollenden sei, was wir bei den Hauptwahlen begonnen haben, darüber würden wir jetzt nicht reden, sondern ruhig die Entwickelung der Dinge abwarten. Der Redner forderte am Schlüsse seines Vor« lrags die Parteigenossen zu recht reger Mitarbeit auf, damit die Partei weiter siegreich vordringen könne.(Beifall.) In der Diskussion trat ein polnischer Genosse auf, der mit grossem Eifer für die Agitation unter den Polen eintrat; er ver« langte einen sicheren Wahlkreis für einen polnischen Genossen und wünschte, dass der Parteitag sich für die tägliche Herausgabe der polnischen Parteizeitung erkläre. Seine dahingehenden Anträge wurden von der Versammlung abgelehnt, nachdem Genosse Pfann» kuch, von dem eine Meinungsäusserung zu diesen Fragen gewünscht wurde, sich dagegen erklärt hatte. Ein anderer Diskussionsredner fragte an, welche Aussichten die Ausgabe einer schon oft gewünschten M o d e b e i l a g e für die„Gleichheit", die jetzt 9000 Abonnenten zählt, habe. Pfannkuch erwiderte in seinem Schlußwort, datz dieser Gedanke im Parteivorstand schon erörtert wurde und bei passender Gelegenheit auch Erledigung finden werde. Bei der Wahl der Delegierten zum Parteitag verlangten die Frauen eine Vertretung. Die Versammlung wählte die Genossen Pohl und Budde und als Ersatzmann K a w i e r. Zur Provinzialkonferenz wurden drei Delegierte ge- wählt, die Genossen Braun, G. Müller, Frau Mittag und als Ersatzmann Jakob. Die Versammlung hörte dann den Bericht deS Vorstandes. den Genosse Pohl erstattete. In der Berichtszeit, vom 1. Juli 1910 bis 30. Juni 1911, wurde eine rege Tätigkeit entfaltet. 4 Generalversammlungen, 9 öffentliche Versammlungen(darunter 2 für Frauen), 3 Kreiskonferenzen und 21 Vorstandssitzungen fanden statt. 9 Flugblätter in einer Gesamtauflage von 278 000 Exemplaren kamen im Kreise zur Verbreitung. Der«Vorwärts" hat im Kreise 3200 Abonnenten, der„Wahre Jalob" 500,»In Freien Stunden' 140, die„Gleichheit" 75 und die„Arbeiter-Jugend" 20. Der Mitglieder- bestand betrug am 1. Juli 1910 2494 Mitglieder, und zwar 2210 männliche und 284 weibliche Mitglieder. Neuaufnahmen fanden vom 1. Juli 1910 bis zum 30. Juni 1911 609 statt<562 Männer und 47 Frauen). Ueberwiesen wurden von anderen Kreisen 411, zusammen 1020 Mitglieder. Dagegen betrug die Zahl der aus- geschiedenen und den anderen Kreisen überwiesenen Mitglieder 833. Mithin verbleibt am 30. Juni 1911 ein Mitgliederbestand von 2681, und�zwar 2389 männliche und 312 weibliche Mitglieder. Demnach ist eine Zunahme von 187 Mitgliedern zu verzeichnen, was bei den Verhältnissen im dritten Kreise immerhin ein erfreuliches Resultat ist. Mannigfache Veranstaltungen im Ltreise, wie die Sonntags« Versammlungen, ein Kuiistabend usw., fanden guten Zuspruch unter den Mitgliedern; dagegen hätte ein Zyklus von Vorträgen des Genossen Eichhorn besser besucht sein können. Un den Unter- richtskursen für Frauen nahmen vom dritten KreiS sechs Genossinnen teil. Der Bericht erwähnt auch die Kommunalwahl im 11. Bezirk und die Aufstellung des Genossen Pfannkuch als ReichStagSlandidaten für den dritten KreiSi Genosse Albert Harn dt erstattete den Kassenbericht. Die Einnahmen betrugen im Berichtsjahre 22309.43 M.(inkl. Bestand von 5063,88 M.), die Ausgaben 13 324,69 M. Somit verbleibt ein Kassenbestand von 3984,74 M. Den Vorstandsberichten folgte nur eine kurze DiSkusfion, in der die Schwierigkeiten der Agitation unter den Frauen und den Jugend« lichen hervorgehoben wurden. Dem Kassierer wurde auf Antrag der Revisoren Dccharge erteilt. Die dann vorgenommene VorstandSwahl ergab das folgende Resultat: 1. und 2. Vorsitzender Pohl und Jakob. 1. und 2. Kassierer H a r n d t und F e l S m a n n, 1. und 2. Schriftführer Schmidt und Wenzel, die Revisoren Ast, Pötsch und Fröhlich, die Beisitzer Grimm, Zickenrot, Müller, Fritz. Wenzel, Genewskh, Budde, F.Schmidt, Frau Mittag. Die Bcrichle der Kommissionsmitglieder konnten der vorgerückten Zeit wegen nicht mehr eiilgcgengenommen werden. Gewählt wurden: in den AktionSausschuss Pohl, in die Presskomniission Robert H i n tz e, in die Lokalkomniission Müller, in die AgitationS- kommission M ö b u s, in die Kinderschutzkommission Frau T o r g l e r, in die SchlichluiigSkommission Koppen, Hirschfeld, Frau Herrmann. Ast, Schmidt sowie Rösler und Beyer als Ersatzleute. Zur ZeitungSkommission gehören Dolatha, Günther und Frau H e r r m a n n. Vierter Wahlkreis. Genosse Paul H o f f m a n n gab zunächst einige kurze Erläute- rungcn zu dem gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht. Die Tätig. keit des Wahlvcreins spielte sich mehr auf dem Gebiete der Klein- arbeit ab, die darauf gerichtet war, die Organisation innerlich zu festigen und zu starken. Da uns die Genossen Singer. Voigt und �Zorgmann durch den Tod entrissen wurden, machten sich Nachwahlen zum Reichstag, zur Stadtverordnetenversammlung und zum Land» tag erforderlich. Die Hoffnung auf einen Stimmenzuwachs bei der Reichötagswahl erfüllte sich nicht. Oibivohl die eingeschriebene Wahlerzahl gegen 1907 nur um 3395 zurückgegangen war, hatten wir doch einen Rückgang von nahezu 13 000 Stimmen zu verzeich» rcn'm-■ k'6 Gründe dieses Verlustes seien die Meinungen unter den Parteigenossen sehr geteilte. Sehr viel mag zu dem Rückgang «a beigetragen haben, dass ein eigentlicher Kamps um das Fhandat nicht stattgefunden hat, da die bürgerlichen Parteien, die im Jahre 1907 noch ziemlich hohe Stimmenzahlen auf ihre Kandi- baten vereinigt hatten, diesmal von der Aufstellung von Kandi- «neu absahen. Die Stadtvcrordnetenwahlen brachten keine wesent- liche Veränderung. Im 11. Kommunalwahlbezirk erhielt unser Gc» nosse Böhm 1810 Stimmen, während 1907 1779 Stimmen auf unser» Kandidaten entfielen. Der Genosse M o« n wurde im Kommunalwahlbezirk mit 3055 Stimmen gewählt, während 1909 3127 Stimmen für uns erzielt wurden. Die innere Organisationstätigkeit kommt in folgenden Ziffern zum Ausdruck: Generalversammlungen fanden 6 statt. Vorstands. sttzungen 31. erweiterte Vorstandssitzungen mit den Abteilungsfüh- rern 6. Kreiskonferenzcn 9. öffentliche Versammlungen wurden 58 abgehalten und ausserdem noch gemeinsame Versammlungen mit den Gewerkschaften. Flugblatter wurden 3 200 000 im Kreise ver- te,lt. Die Frauenleseabende haben sich als äusserst gute Einrich- tungen zur Förderung der Bewegung unter d-v Frauen envieseg. In jedem MoiwI werden 42 solcher Zusammeulünfts abgehalten. Der Besuch ist erfreulicherweise ein sehr reger. Zur Forderung der BildungSbcstrcbungcn wurden für die Funktionäre vom Ge Nossen Grunwald 16 Lorträge über:„Theoretische und praktische Hebungen im Reden" gehalten. Polizei und Staatsanwalt beküm- inerten sich auch diesmal wieder sehr eifrig um unsere Organi- sation. Wegen verschiedener Verstöße gegen die heilige Ordnung unseres Polizcistaates mußten 332 M. an Strafen gezahlt werden. Die Mitgliederbewegung zeigte sich in folgenden Zahlen: Neuauf nahinen 6699, aus anderen Kreisen zugezogen 1232, demzufolge ein Mitgliedergewinn von 7331. Wegen resticrender Beiträge wurden 2919 Mitglieder gestrichen, abgemeldet nach anderen Kreisen haben sich 2696, ausgetreten sind 361, ausgeschlossen 5 und der- starben 166. Zu deren Andenken erheben sich die Anwesenden von den Plätzen.■— Somit verbtribt eine Zunahme von 1244 Mitglie- dern. Am 1. Juli 1916 zählte der Verein 26 131 männliche und 2793 weibliche, zusammen 22 927 Mitglieder. Am 1. Juli zählte er 26 415 männliche und 3755 weibliche, zusammen 24 176 Mitglieder. Es sind also neben einigen hundert männlichen fast tausend weib� liche Mitglieder im Berichtsjahre gewonnen worden. B a r e n t h bn gab dann noch einige Erläuterungen zum vor- liegenden Kassenbericht. Derselbe weist einschließlich des Kassenbe- standes eine Einnahme von 133 813,86 M. auf, der eine Ausgabe von 129 569,78 M. gegenübersteht, so daß ein Bestand von 4247,62 Ddark verbleibt. Wie Redner meint, hatte der Verein auch im Jahre 1966 eine Einnahme von zirka 136 666 M. zu verzeichnen, die aber die folgenden Jahre fiel, bis sie 1969 nur noch 97 666 M. betrug. Die gute Einnahme im Jahre 1966 ivar darauf zurückzu- führen, daß allein durch Bons 21 666 M. gesammelt wurden. In diesem Jahre sind nur 3323,76 M. durch Bons aufgebracht worden. Dieser Umstand zeige, wie notwendig es war, daß die Einnahme durch eine Regelung der Beitragssrage auf einer festeren Grunde läge fundiert wurde. In der Diskussion bemängelte Glaß, daß der Bericht erst in der Versammlung und nicht schon im Juli-Zahlabend vorgelegen habe.> Genossin Bien, Mitglied deS provisorischen Vorstandes, erwiderte, daß infolge der im Vorstande ausgebrochenen Differenzen der alte Borstand seine Tätigkeit eingestellt hat und der proVisa tische Vorstand in den paar Wochen seiner Tätigkeit eine noch schnellere Fertigstellung des Berichts nicht ermöglichen lonnte. Dem Kassierer wurde Entlastung erteilt. Alsdann berichtete Genosse Büchner ausführlich über die Tä- figkeit der Preßkommission, wobei besonders darauf hingewiesen wurde, daß der der Redaktion des„Vorwärts" von den Genossen ge- machte Vorwurf, daß sie bei großen Bewegungen nicht schnell genug die Leser informiere, unbegründet sei. Die Genoffen sollten die Redaktion insofern unterstützen, indem sie bei wichtigen Vorkomm nissen telephonisch die Entsendung von Berichkrstattern an Ort und Stelle oerlangen. Zur Beurteilung der Tätigkeit der Agita- tionskommission und der Lokalkommission wurde auf den gedruckt vorliegenden Bericht verwiesen. Namens der Kinderschutzkommission berichtete die Genossin D ö l z, in wie erschreckend hohem Maße noch selbst in Berlin die Kinderausbeutung' in Blüte stehe. Die Beschwerdekommission, für die R i n t o r f den Bericht gab, hatte zu 11 Sitzungen zusammenzutreten, in denen 33 Ausschlußanträge, L6 Beschwerden und 2 andere Streitfälle, zusammen also 57 Sachen erledigt wurden. In 13 Fällen mußte auf Ausschluß erkannt Werden.. Der Vorsitzende Hoffmann gab alsdann'das Ergebnis der Nr- Wahlen bekannt. Es wurden gewählt: als 1. Vorfitzender Hoff- mann, 2. Borsitzender Brückner, 1. Kassierer Barenthin, 2. Kassierer Gcisler, 1. Schriftführer Peetzsch, 2. Schriftführer Graßmann und trau Fahrenwald als Beisitzerin. Zu Revisoren wurden gewählt: Ibers, Battner, Beier, Cwert, Wolf und Zieöler. Da Battner inzwischen wieder zurimgetreten ist, tritt an seine Stelle Gerndt ein. Zu Viertelsführern, die als Beisitzer dem Vorstand angehören, wurden David, Eue, Schmalbach, Bischoff, Herzog und Werk von der Generalversammlung bestätigt. Als Mitglieder zum geschäftsführenden Ausschuß des Verbandes wurden Ernst, B o e s k e und Liepmann in Vorschlag gebracht. Für die Wahl der Mitglieder zum Zentralvorstand hatte die letzte Generalversammlung bereits eine Vorschlagsliste aufgestellt, die dieser Versammlung als Stimmzettel gedruckt borlag. Die Wahl erfolgte durch Abgabe des Stimmzettels beim Verlassen deS Saales. Tie Feststellung des Resultats war aber am selben Abend nicht mehr möglich. Zuvor beschäftigte sich jedoch noch die Versammlung mit den Anträgen zur Generalversammlung, nachdem der Parteitag und die Provinzialkonferenz sowie die Wahl der Delegierten zu denselben der vorgerückten Zeit wegen von der Tagesordnung ab- gesetzt worden waren. Ein Antrag Nösch, welcher verlangte, daß den Landtagswahl- bezirken das Recht garantiert werde, ihre Kandidaten selbst auf- zustellen, wurde angenommen. Dagegen wurde ein Antrag Glaß, im 5. Berliner Larivtagswablbezirk für die jetzige Ersatzwahl einen polnischen Kandidaten aus der Landeskommission aufzustellen, ab- gelehnt. Ein Antrag, der eine Förderung des BildungswesenS und die Zentralisation des Bibliothekswesens verlangt, wurde dem Vorstand überwiesen. Die in den Abteilungen aufgestellten Delegierten zur Ver- bgndsgeneralversammlung wurden bestätigt. Fünfter Wahlkreis. Den Geschäftsbericht des Vorstände? erstattete der Vorsitzende Fried län der. Die Zahl der Mitglieder hat sich seit der letzten Berichterstattung nur um 5 vermehrt. Am 1. Januar 1911 hatte der Verein 2116 Mitglieder, jetzt sind eS 2115. Am 36. Juni 1916 be- trug die Mitgliederzahl 1815, sie stieg biS zum 36. Juni 1911 auf 2115 sI866 männliche und 255 weibliche Milglieder). Die Mitglieder- bewegung zeigt immer noch eine starke Fluktuation. ES sind im Laufe des Jahres mehr als 866 Mitglieder aufgenommen, davon sind aber rund 660 wieder aus den Listen verschwunden. Ueber den Besuch der Zahlabmde vom Januar bis ein- schließlich Juni ist eine Statistik aufgenommen worden. Deren Ergebnis, nach Abteilungen geordnet, liegt der Versammlung vor. Daraus ergibt sich, daß der Besuch, wen» alle Abteilungen zusammengerechnet werden, in den einzelnen Monaten zwischen 34.8 und 46 Proz. der Milglieder schwankt. Im Geschäftsjahre wurden acht Vereinsvcrsammlungen abgehalten, nußerdem eine Anzahl öffentlicher Versammlungen anläßlich aller von der Berliner Partei- Organisation getroffenen Veranstaltungen. Zahlreiche Flugblattver- breitungen fanden statt, meist in einer Auflage von 42 666. Die Zietziche Brolchüre über Mutterschutz wurde in 266 Exemplaren an die weiblichen Mitglieder abgegeben.— Die Verbreitung der Porteipresse durch die drei für den Kreis in Betracht lammenden Speditionen ist aus folgenden Zahlen ersichtlich: „Vorwärts" 3566 telwa 866 mehr als am Schluß des vorigen Ge- schästSjabreS).„Gleichheit" 76,„Wahrer Jakob" 620,„Neue Zeit' 23. „Freie Stunden" 152,„Ärbeiterjugend" 28. Der Redner bemerkt hierzu, die Verbreitung der„Gleichheit" sei im Verhältnis zur Zahl der weiblichen Mitglieder doch sehr gering. E« müsse für eine weitere Verbreitung des VlatteS der Genossinnen agitiert werden, auch müßten die Genossen dafür sorge», daß die„Arbeiterjugend" weiteren Eingang bei der proletarischen Jugend fände.— M» Rück- ficht auf die»V-ichStagswahlbewegung hat der Borstand die erste Ab- teilung in drei AgitationSbezirle geteilt. Diese Einrichtung hat sich schon jetzt gut bewährt. Der vom Kassierer Kirste erstattete Kassenbericht zeigt eine Einnahme von 6285.58 M., eine Ausgabe von 5434,66 M. und einen Bestand von 856,98 M. Der Vorstandsbericht wurde ohne Debatte entgegengenommen und der Kassierer einstimmig entlastet. Zum zweiten Punkt der TageSordming.-„Der Parteitag in Jena' bemerkte Robert Schmidt nntsr anderem: Die Tagesordnung de« Parteitags ist kurz bemessen, wohl deshalb, weil sich der Partei- vorstand mit volleui Recht sagte, daß gegenwärtig nicht die Zeit sei zu theoretischen Erörterungen und Auseinandersetzungen, weil wir kurz vor den ReichstagSwahlen stehen und jetzt nur auf diese unser Hauptaugenmerk zu richten ist. In der Parieipresse ist zwar gesagl worden, daß die Tagesordnung des Parteitages allzu mager ausgefallen sei. Dem müsse entgegengehalten werden, daß Debatten über theoretische Meinungsverschiedenheiten jetzt wirk- lich nicht angebracht wären.— Zwei Punkte interessieren besonders: Es gilt, die Lücke auszuiüllen, die durch den Tod deS Genossen Siirger im Parteivorstande entstanden ist und ihm neue Kräfte zuzufübren, die den neuen Aufgaben, die an sie heran- treten, gewachsen sind.— Es scheint in der Partei die Stimmung zu herrschen, daß innere Differenzen auf diesem Parteitage nicht er- örtert iverdcn, sondern daß nur die Reichstagsivahl im Vordergrunde der Erörterungen zu stehen und alles andere zu schweigen hat. Wir sind uns der Verantwortung bewußt, die uns die bevorstehende Reichs tagswahl auferlegt. Dr. Wehl: Auch ich bin der Meinung, daß wir die Einheitlichkeit der Reichstagswahl nicht durch Erörterung von Paiteisiagen stören sollten, aber ich möchte doch einer Auffassung Ausdruck geben, die in Parteikreisen besteht. Es handelt sich um die Taktik unserer Reichstagsfraktion bei der zweiten und dritten Lesung der Reichs- Versicherungsordnung. Anzuerkeunen ist die gründliche, sachkundige Arbeit, welche unsere Genossen, namentlich der Abgeordnete unseres Kreises, in der Kommiision geleistet haben. Aber die Art, wie die Reichsversicherungsordnung im Plenum angenommen wurde, das hat, wie ich glaube, nicht den Beifall der Parleigenossen gefunden. Die Erledigung ging viel zu schnell vor sich. Es hätte doch möglich sein müsse», die Verhandlungen zu verlängern, indem unsere Genosse» zu jedem Paragraphen Reden gehalten hätten, um den Gegnern die Sache nicht gar zu leicht zu machen. Es macht den Ein- druck, als ob sich unsere Genossen mit Absicht sehr kurz gefaßt haben, was doch sonst nicht unsere Gewohnheit ist. Abgesehen von den großzügigen Reden der Genossen David und Bebel sah es ganz so aus, als ab eine Verabredung bestanden hätte, so schnell wie möglich zu Ende zu kommen. Wir haben den Gegnern die Annahme der Reichsversicherungsordnung zu leicht gemacht. Da es die Gegner darauf abgesehen hatten, uns zu vergewaltigen, fo hätten wir ruppiger auftreten müssen. Wir hätten Obstruktion treiben sollen. Es ist eigentlich ei» Vorwurf für uns. wenn der Staatssekretär sagte, die Sozialdemokraten hätten mit ritterliche» Waffen gekänipst. Selbst die Möglichkeit, daß die Gegner auch ruppig geworden wären und uns die Geschäftsordnung verbarrikadiert hätten, durfte uns nicht ab« halten, Obstruktion zu treiben. Wir würden dadurch große agitatorische Erfolge erzielt haben. Wenn uns Rechte, die wir haben, genommen werden sollen, so müssen wir uns mit den schärfsten Mitteln dagegen wehren, hat Bebel einmal gesagt. Durch die Reichsversicherungsordnung ist uns die Selbstverwaltung gcnoinmen. Da wäre also die Obstruktion durchaus berechtigt gewesen.— Um dem Verlangen einer besseren Witwen- und Waisenfürsorge Nachdruck zu geben, hätte eS doch bei der guten Organisation in Berlin möglich sein müssen, einen De- monstrationszug der Frauen zu veranstalten. Mit den Kindern auf dem Arm hätten die Frauen am Reichstagsgebäude vorüberziehen müssen. Eine solche Demonstration hätte nach außen einen großen agitatorischen Erfolg gehabt. fBeifall.) Robert Schmidt: Alle unsere Abgeordneten waren einig über die Taktik, welche bei Beratung der Reichsversicherungsordnung eingehalten werden sollte. Sie können glauben, daß die Abgeordneten auch alles das erwogen haben, was der Vorredner angeführt hat. Ich bin kein Freund der Obstruktion, denn ich glaube, mit Sachlich- keit kommt man weiter. Aber selbst wer die Obstruktion an sich billigt, muß sich doch sagen, daß die Annahme der Reichsversiche- rungsordnung nicht verhindert werden konnte, wenn wir Obstruktion getrieben hätten. Durch Obstruktion konnte nicht einmal die Ver« Handlung verlängert werden. Die Geschäftsordnung braucht nicht erst verschlechtert werden, denn sie ist bereits so gestaltet, daß mit ihrer Hilfe jede Obstruktion unterdrückt werden kann. Wenn die Gegner es hätten durchsetzen wollen, dann konnte die ganze Beratung, die' drei Wochen gedauert hat, in einer Woche erledigt werden. Beiden, einmütigen Willen der bürgerlichen Parteien, die ReichsverficherungS- ordnung anzunehmen, war es unmöglich, die Annahme zu verhindern. Daß man uns drei Wochen lang Monologe halten und unsere Forde- rungen zur Reichsversicherungsordnung darlegen ließ, dadurch haben wir wertvolles agitatorisches Material gewonnen. Das konnte gar nicht bester werden, wenn wir Obstruktion getrieben hätten. Eine Obstruktion, bei der man von vornherein damit rechnen muß, daß sie elend versagt, wirkt nicht agitatorisch, sondern macht den Eindruck der Schwäche. Mit 52 Abgeordneten kann ja gar keine Obstruktion getrieben werden. Dazu gehört die gustinunung anderer Parteien. wie es bei der Lex Heinze der Fall war. Weil die Obstruktion nach der Geschäftsordnung nicht möglich ist, so hat die Fraktion von vornherein davon abgesehen. Wir würden uns die Möglichkeit, über- Haupt zu reden, genommen haben, wenn wir eine andere als die von uns befolgte Taktik betätigt hätten.— Die vom Vor- rediier gewünschte Frauendemonstration macht den Eindruck der Lächerlichkeit. Das ist keine politische Demonstration.(Beifall.) Dr. Wehl: Luch ich bin für Sachlichkeit und habe nicht der- langt, daß wir von vornherein ruppig auftreten sollten. Aber nach- dem un» die Gegner in solcher Weise behandelt hatten, nachdem sie zuerst ruppig geworden waren, da hätten wir auf einen Schelmen anderthalbe setzen müssen.— Einen DemonstrationSzug der Frauen halte ich für sehr wirkungsvoll in agitatorischer Hinsicht. Gewiß sind die Reden, welche nnseree Genossen gehalten haben, sehr wert- voll, aber sie werden nicht von denen gelesen, die wir erst gewinnen wollen. Ei» Ereignis aber, wie ein DemonstrationSzug der Frauen. wird im ganzen Lande bekannt und da fragt man sich selbst in den entlegensten Kreisen: WaS ist denn eigentlich loS, daß sie in Berlin solche» Klamauk machen. Robert Schmidt: Wenn Genosse Wehl die Frauen- demonstratio» für so wichtig hält, dann hätte er. als es seiner Meinung nach Zeit dazu war.«inen entsprechenden Antrag an die Organisation stellen müssen. Ich glaube aber, die Partei hätte dem „Klamauk", wie es Genosse Wetzl ganz treffend bezeichnet, nicht zu- gestimmt, denn mit„Klamauk" erzielt man weder politische noch agitatorische Erfolge. Demonstrationen wirken nur unter gewissen Umständen. Stärkung der Organisation ist die beste und wirkungS- vollste Demonstraiion. Zucht erstattete den Bericht der AgitationS- k o m m i s s i o n. Er konstatierte einen erfreulichen Fortschritt der Organisation und deS ParteilebenS in der Provinz. Sowohl die Zahl der Wahlvereine als auch die Zahl der Mitglieder haben zu- genommen. Die Zahl unserer Gemeinde- und Stadtverordneten mehrt sich, unser AgitationSmaterial wird gern entgegengenommen. Unsere Parteigenossen in der Provinz arbeiten für die Partei mit anerkennenswertem Eifer und großer Opferwilligkeit, so daß sie den Berlinern als Muster vorgehallen werden können. H a h n i s ch gab den Bericht der Lokalkommission: Im Kreise stehen der Partei 23 meist kleine Säle zur Verfügung. Unterhandlungen mit den GcichästSleitiingen vom ZirkuS Busch und Zirkus Swumann haben ergeben, daß der entere nur dem Bund der Landwirte als Versammlungslokal überlassen wird. Der ZirknS Schumann soll jeder Partei überlassen werden, doch nur gegen eine jedesmalige Entschädigung von 1466 M. Damit war die Berichterstattung erledigt. Folgende Wahlen wurden vollzogen: Delegierte zum Parteitag: Friedländer und H u n s ch e d e. Delegierte zur Provinzialkonferenz: Benz, Panten. Huhn- l e i>' ch......... Borstand des WahlvereinS: I.Vorsitzender Fr, edlander, 2. Vorsitzender Timm. 4. Schriftführer H u n>' ch e d e. 2. Schriftführer Roth. 1. Kassierer Kirste. 2. Kassierer L,epmann. Beisitzer: Paech. Rosch. Frau Holzapfel. Frau Blum. Revisoren: Rieger, Hildebrandt, Neppenhagen. Preßkoinmifsion: Wels. AgitativilSko», Mission: Zucht. Lokal- kommiision: H a h n i s ch. In den Aktionsausschuß wurde Friedländer delegiert. Für den geschäftsführenden Ausschuß von Groß Berlin wurden die Genossen Ernst» Liepmann und Bösle einstimmig vor» geschlagen. 16 Delegierte zivc Generalversammlung von Groß-Berlin wurden gemäß den Vorschlägen der Abteilungen bestätigt. AlS AbteilungSsührer wurden bestimmt für die Aoteilnng I Rosemann, Abt. la Blum, Abt. Id Eichmann, Abt. II Kirschke. Abt. III Wolf, Abt. IV Holzapfel,«bt. V Kasten. Abt. VI Stobbe, Abt. VI! Böttcher. Sechster Wahlkreis. Die in 13 Abteilungsversammlungen gewählten Delegierten zur Verbandsgeneralversammlung werden einstimmig bestätigt. H e n s ch e l gibt eine Erläuterung des gedruckt vorliegenden Ge- schästsberichts. Die Tätigkeit des Vorstandes war sehr rege. Ocssentliche Voltsversammlungen fanden im Berichtsjahr 77 statt. Diese waren sämtlich stark besucht, zum Teil sogar überfüllt, so daß sie abgesperrt werden mußten. Die Vorgänge in Mvabit ver- anlaßten die Genossen, am 9. Oktober in 7 überfüllten Versamm- lungen Stellung zu dem„Aufruhr" in Moabit zu nehmen, der von der Regierung gar zu gern als Wahlparole gegen die Sozial- demokratie benutzt worden wäre. Wie sehr�dieser Plan mißlungen, ist allgemein beka.nt. Die Fleischnot beschäftigte 5 überfüllte Vr--« sammlungen, während die Königsberger Kaiserrede zu 8 gut- besuchten Versammlungen Veranlassung gab. Besonders erfreulich war, daß die letzteren Versammlungen allein von zirka 16 666 Frauen besucht waren. Für erweiterten Kinderschutz demonstrierten die Genossen des sechsten Wahlkreises in 3 Versammlungen. Ter Kampf um das preußische Wahlrecht wurde am 22. Januar in 14 Versammlungen, die von über 26 666 Personen besucht waren, fortgesetzt. Die Forderungen der Arbeiterfrauen zur Witwen- und Waisenversicherung beschäftigten 16 gutbesuchte Versamm- lungen, während sich 6 weitere Veranstaltungen mit dem Zu- sammenbruch des Rabattsparvereins Norden beschäftigten. Die letzteren Kundgebungen gestalteten sich zu einer wicksamen Propaganda für die Gcnossenschaftsbewegung. Der internationale Frauentag am 19. März ließ die Frauen fünf der größten Säle des Kreises füllen. Gewiß eine wirkungsvolle Demonstration für die Berechtigung der Wahlrechtsforderung der Frauen. Auch die Reichsversicherungsordnung gehörte zu den Fragen, zu denen die Bewohner des sechsten Wahlkreises Stellung nahmen. In 3 Ver» sammlungen wurde zu den Forderungen der Bäcker Stellung ge- nommen und diesen die weitgehendste Unterstützung zugesagt. Tie Kundgebungen der organisierten Arbeiter dürften viel zu dem schnellen Siege der Bäcker beigetragen haben. Gewissermaßen die Einleitung zur Reichstagswahlbewegung bildeten 7 Versamm- lungen, in denen über die verschiedenen VerfassungSkämpse re- feriert wurden. In ö dieser Versammlungen referierte Genosse Ledebour, in je einer die Genossen Liebknecht und Emmel-Mül- Hausen. Ferner fanden noch Versammlungen mit anschließendem geselligen Beisammensein statt, die eine rege Beteiligung auf- wiesen. Zur Erledigung der Geschäfte wurden 5 Gcneralversamm- lungen und 2 Abteilungsversammlungen abgehalten. Der Besuch der Abteilungsversammlungen, in denen unter anderem stets Vor- träge über aktuelle Fragen gehalten werden, ist erfreulicherweise im Steigen begriffen. Die ständig wachsende Arbeit machte die Anstellung eines dritten Genossen notwendig. Zu diesem Zweck wurde eine Urtvahl vorgenommen. Die Entscheidung der Mehr. heit der Mitglieder fiel auf den Genossen Karl Fahrow. Die Zahl der Delegierten, die der sechste Kreis zur Verbandsgeneral- Versammlung zu stellen berechtigt ist. stieg von 189 aus 265. Im Berichtsjahre fanden 12 Flugblattverbreltungen statt. Die Ge- samtzahl der berteilten Flugblätter beträgt 3 741666 Exemplare. Außerdem wurden noch 83 996 Handzettel und Bersammlungs- einladungen verbreitet. Erfreulich ist die Zunahme der„Vorwärts"» Abonnenten. Im sechsten Kreis sind gegenwärtig 43 318 Abonnenten gegen 36 744 am Schluß des vorigen Berichtsjahres. Dieser Auf- schwung ist zum großen Teil durch eine umfassende Art der Agitation erreicht worden, und zwar wurde zum erstenmal den, jenigen Arbeitern, die luxh nicht Leser de»„Vorwärts" waren, an sechs aufeinanderfolgenden Tagen die Zeitung durch unsere Genossen kostenlos zugestellt. An Broschüren und Büchern wurden durch die Organisation 46 771 Exemplare vertrieben. Von ge- selligen und künstlerischen Veranstaltungen fanden eine ganze An» zahl statt. Lebhaftes Interesse fand ein Vortragszyklus, den Ge» nasse Baege abhielt. Es beteiligten sich an diesem 349 Personen, darunter 177 Frauen. Außerdem wurden noch 3 Urania- Vorstellungen abgehalten. Die Maifeier fand in 12 Lokalen statt und erfreute sich eines sehr guten Besuches. Maizeitungen wurden 27 600 Exemplare abgesetzt. In einer Nachwahl im 37. Kommunal, Wahlbezirk, die durch den Tod des Genoffen Borgmann notwendig geworden war. wurde Genosse Max Grunwald ins Stadtparlament gewählt. Der Vorstand hat die geschäftlichen und agitatorischer» Angelegenheiten in 34 Sitzungen erledigt, darunter waren 4 Sitzungen des engeren Vorstandes. Die Zahl der notwendig ge- weseneu Abteilungssitzungen beträgt 274. Die Zahl der Funktionäre hat sich von 441 aus 464 vermehrt. Die Frage der Beitrags- erhöbung fand durch eine Abstimmung in den Zahlabenden ihre. Erledigung. Für die Erhöhung des Beitrages stimmten 862? G(> Nossen, dagegen nur 2629. Die Leseabende finden bei den Q'/e» nossinnen wachsendes Interesse, so daß die Zahl der Besuche ringen ständig im Steigen begriffen ist. Aus diesem Grunde mußte» er- freulicherweise verschiedene Abteilungen einen zweiten Leseabend einrichten. Außerdem finden in vielen Bezirken noch außer» ordentliche Zusammenkünfte statt. Waren die Leseabende im ersten Halbjahr von durchschnittlich 356 bis 766 Personen besucht, so er- höhte sich diese Zahl im zweiten Halbjahr auf 1626 Personen. Eine rege Tätigkeit hat dw Kinderschutzkommission entwickelt. Bei einer vorgenommenen Feststellung in der Zeit vom 8. bis 9. Mai wurden 998 Kinder in der Zeit von 5 bis 8 Uhr morgens arbeitend angetroffen. Die Schiedskommission hat in 17 Sitzungen 56 An- träge erledigt. Nicht befriedigend ist der MitgliederzmvachS. Zwar konnten am Schluß des Beitragsjahres 30 534 Mitglieder, dar- unter 4169 weibliche, gemustert werden, gegen 28 981, darunter 3569 weibliche Mitglieder, am Schluß deS vorigen Berichtsjahres. doch ist diese Zahl im Verhältnis zur Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter viel zu gering. Die bevorstehenden ReichstagSwahlen verlangen von nn« die umfassendste Agitation und müssen alle Mitglieder bemüht sein, zum Ausbau und Wachstum der Organisation beizutragen. Den Kassenbericht erstattet Genosse Müller. Die Gesamt- einnahmen betrugen im Berichtsjahre 138 395.72 M. Für Beitrags- marken a 36 Pf. wurden vereinnahmt 44 723,46 M.. für solche a 46 Pf. 42 862,46 M. FrauenbeitragSmarken a 26 Pf. wurden für 8688,86 M. umgesetzt. Für Extramarken wurden 16 639,66 M. ver- einahmt. Auf ParteitagSlisten wurden vereinnahmt 9321,96 Ml Ein Beweis dafür, daß unsere Genossen auch bei freiwilligen Sammlungen gern ihr Scherflein beisteuern. Zu einer Abschaffung dieser Listen liegt also kein Grund vor. Die Ausgaben betrugen 164 556.26 M. Davon wurden an Groß-Berlin 169 269,81 M. abgeführt. Das sind 64 Hroz. der Gesamteinnahmen. Für allgemeine Agitation im Kreis wurden 24 467 M verausgabt. Der Kassenbestand betrug am Schlüsse des Berichtsjahres 3339.46 M. Im Namen der Revisoren beantragt Genosse Beuthiev- dem Kassierer Dccharge zu erteilen. Die Versammlung leistete dtchem Borschlage einmütig Folge. Nunmehr wurde die Wahl der Funktionäre vorgenommea. Die Versammlung akzeptierte durchweg die Borschläge, die Bor» stand und Kreiskonferenz unterbreiteten. Gewählt resp. wieder- gewählt wurden folgende Genossen und Genossinnen: 1. Vorsitzender: Rich. Henschel. 2. Vorsitzender: Otto Frank. 1. Schriftführer: Theodor Mischer. 2. Schriftführer: Karl Leio. 1. Kassierer: Herrnann Müller. 2. Kassierer: Karl Fahrow. Bei, sitzer: Eugen Ernst, Albert Wolgast. Wilhelm Seelig. Revisoren: Paul Beuthin, Hermann Heyse. Otto Booß. Geschastsführend« Ausschuß der Bezirksorganisation: Eugen Ernst. Leopold Liep- mann, Emil Bösre. Aktionsausschuß: Richard Henschel. Theodor Fischer. PießkommWon: Adam Bittork. TgitationSlomoiisjion: Tuflad Laukank. Lokalkommission: Wilhelm DamS. Mitglieder zum Zenlralvorstand: Richard Herbst. Hermann Müller, August Hintze, Minna Reichert. Revisor des Zentralvorstandes: Paul Dobrohlaw. Schiedskommission: Fritz Schmiedicke, Alfred Wei- mann, H. Teckhaus, Wilhelm Robbrrt, Adolf Bordasch, Gustav Thunack. Heinrich Sauerweier. 1. Abteilung: WteilungSführer: A. Burckhardt. AbteilungS- kassierer: HanS Bölsche. Frauen: Minna Lohse. 2. Abteilung: Abteilungsfuhrer: Paul Tobrohlaw. AbteilungSkassterer: Joseph Parr. Frauen: Emilie Schramm. 3. Abteilung: Abteilungsführer: Hermann Kriedemann. Abteilungskassierer: Hans WisdalSki. Frauen: Anna MarS. 4. Abteilung: Abteilungsführer: Wilhelm Baumann. Abteilungskassierer: Georg Zwirner. Frauen: Emma Reimann. S. Abteilung: Abteilungsfuhrer: Karl Matschke. Ab- teilungskassierer: Richard Henkel. Frauen: Anna Matschke. 6. Ab- teilung: ÄbteilungSführer: Salomon Joseph. Abteilungskalssiercr: Franz Voigt. Frauen: Regina Friedländer. 7. Abteilung: Ali. teilunySführer: Heinrich Umlauf. Abteilungskassierer: Ernst Krüger. Frauen: Amalie Hübner. 8. Abteilung: Abteilungsführer: Alfred Paersch. AbteilungSkassterer: Fritz Fröhlich. Frauen: Minna Reichert. 9. Abteilung: Abteilungsführer: Friedrich Staffier. Abteilungskassierer: Alfred Melzer. Frauen: Minna Schulze. 40. Abteilung: Abteilungsführer: Theodor Buchholz. Ab- teilungskassicrer Hermann Rietz. Frauen: Berta Lungwitz. 11. Ab- teilung: Abteilungsfuhrer: Albert Uckert. Abteilungskassierer: Bruno Mawe. Frauen: Rosa Schmidt. 12. Abteilung: Abteilungs- führer: Max Krustmann. Abteilungskassierer: Hermann Eckert. Frauen: Johanna Wabdhauer. 13. Abteilung: Abteilungsführer: Julius Ddarschner. AbteilungSkassterer: Gottlieb Hoffmann. Frauen: Elise Krell. Zum nächsten Punkt der Tagesordnung:„Anträge und Wahl der Delogierten zum Parteitag in Jena" unterbreitet der Vorstand vier Resolutionen zur Frauenkonferenz, die in einer Zusammen- kunft der tätigen Frauen beschlossen wurden. Die Röfolutionen nehmen Stellung zu folgenden Fragen: Kinderschutz und Fort- bildungsschulwesen— Mutter- und Säuglingsfürsorge— Straf- gesetzbuch— Krankenkassenwahlen. Nach einigen begeisternden Worten der Genossin Anna Matschke zugunsten dieser Resolutionen werden diese einstimmig yutgeheissen. Durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt wurde ein An- trag, den Genosse Eckardt im Austrage der 12. Abteilung gestellt hatte und der verlangte, daß die Parteitagsdelegierten in den Zahl- abenden gewählt werden, nachdem die Generalversammlung die Kandidaten nominiert hat. Zur Diskussion über den Parteitag wird folgendes ausgeführt: Genosse Dr. Kurt Rosenfeld: Während der Magde- vurger Parteitag deutlich bekundet habe, daß er eine Politik im Sinne des linken Flügels innerhalb der Partei wolle, habe der Parteivorstand dem nicht immer Rechnung getragen. Er wolle sich über innere Angelegenheiten jetzt nicht weiter verbreiten, möchte aber doch an den Fall Lindemann erinnern, bei welcher Gelegenheit der Parteivorstand viel früher und schärfer hätte zugreifen müssen. Der Brief war viel zu schwach. Unbegreiflich sei dem Redner jedoch die Stellung d«S Parteivorstandes zum Marokkoschwindcl. Das Internationale Bureau in Brüssel habe eine gewaltige Demonstra- �ron für den Frieden angeregt. Diese scheiterte an dem Widerstand des deutschen Parteivorstandes. Durch die„Leipziger Volkszeitung" hat Redner von einem Brief Kenntnis erhalten, den ein Mitglied dcS Partcivorstande» zur Begründung der Ablehnung geschrieben Hat. Aus diesem Brief geht hervor, daß der Parteivorstand daS Schwergewicht der Agitation nicht auf die Marokkofrage, sondern auf die Frage der inneren Politik, wie Finanzfragen usw. gelegt haben will. Redner verliest einige Stellen dieses Briefes. In:„Vorwärts" war von diesem Briefe nichts zu finden. ES bildet sich immer mehr der Zustand heraus, daß man die„Leipziger Wolkszeitung" lesen muß, um über die inneren Parteivorgänge aufgeklärt zu werden. Wenn auch der„Vorwärts" als Zentral- ovgan Rücksichten mancher Art zu nehmen hat, so muß man doch verlangen, daß er wenigstens über innere Parteifragen berichtet. wenn er schon nicht Stellung nehmen will. Für den Parteivorstand gibt es in den letzten Jahren nichts weiter wie die Vorbereitung zu den ReichStagSwahlen. So wichtig dieselben auch seien, lsv kann «ran doch das eine tun, ohne das andere zu unterlassen. Daß es nun doch noch zu einer Friedensdemonstration gekom- men sei, verdanken wir den Gewerkschaften. Die Kundgebung in der„Neuen Welt" war von größter Bedeutung, obwohl es in erster Linie ein« Gewcrkschaftslundgcbung war. Viel gewaltiger wäre die Kundgebung geworden, wenn man französische Parlamentarier wie JaureS, Gucsde, Vaillant, hierhergebeten hätte. Auch gegen die Ausweisung des Genossen flvctot hätte der Parteivorstand ent- schieden« Stellung nehmen müssen. Dvewt habe nur das gesagt, was von un« bei hundert Gelegenheiten ebenso gesagt worden ist. Auch die Wahlrechtsbcwegung hat man zugunsten der Reichstags- Wahl abgebrochen. Das entspricht durchaus nicht der Stimmung der preußischen und besonders der Berliner Genossen. Warum ist die Wahlrechtsbewegung nicht auf die Tagesordnung des Partei- tages gesetzt worden? Ueberlastung deS Parteitages ist doch diesmal nicht anzunehmen! Sogar die Maifeier befand sich ja zunächst— infolge eines Irrtum?— nicht auf der Tagesordnung. Auch die Strafgesetz- iwvelle durfte auf der Tagesordnung des Parteitages nicht fehlen. Auch in dieser Frage sind uns die Gewerkschaften mit gutem Bei- spiel vorangegangen. Wir müssen verlangen, daß auf dem Wege fortgeschritten wird, den die Mehrheit in Magdeburg als richtig be- zeichnet hat, und es muß verhindert werden, daß sich die Mehrheit von der Minderheit majorisieren läßt. Nathow hofft, daß für den durch den Tod ausgeschiedenen Genossen Singer ein recht guter Ersatz für den Parteivorstand gc- fuirden werde, und daß dann der Vorstand seiner schweren Aufgabe bei den bevorstehenden Wahlen gewachsen sein möge. Lededour: Es wird notwendig sein, den Parteivorstand zu verstärken. Redner wendet sich gleichfalls gegen die Stellungnahme des Parteivorstandes in der ZKarokioaffare. Bei verschiedenen Gelegenheiten habe sich die Reichstagsfraktion für internationale Zusammenkünste ausgesprochen, und zwar war die Ansicht einstim- mig. daß solchen Anregungen nachzukommen sei. Jede Gelegenheit dazu muh gegriffen werden, besonders wenn eine Gefährdung de« Frieden» am Horizont auftauckst. Nach den Verhandlungen in der Fraktion habe er geglaubt, daß bei dem Marokkoschmindcl die Anregung von DeutsMand ausgehen werde, um so überraschter war Redner über die Veröffentlichung des Briefes in der„Leipziger Volkszeitung". Das Hauptargument des«riefschreibers aus dem Parteivorstand sei die Befürchtung, die Agitation gegen den Ma- roktoschwindel könne unsere Wahlchancen beeinträckckigen. Er finde es unverständlich. Wir können gar nicht unterlassen, diese Frage zu diskutieren, da sie ja von anderer Seite zur Diskussion gestellt wird und wir unbedingt antworten müssen. Doch selbst wenn wir die Aufrollung dieser Frage verhindern könnten, so wäre e« eine Eztratorheit. wenn wir e» täwn. Nur nützen kann uns diese Agi- tation für den Frieden. Wir müssen uns freuen, die Gelegenheit zu haben, d:e Massen wieder einnial von einer anderen Seite zu packen. Bei jeder Gelegenheit müssen wir dem Volke sagen, daß es zu schade ist, um al» Kanonenfutter für die Krupp, Stinne», Mannesmann usw. gebraucht zu werden. Die Friedensdemonstration in Berlin war sehr erfreulich, doch war sie immerhin nur ein schwacher Ersatz für das. was man der- langen mutzte.. �. A u g u st Hintze ist der Meinung, datz dem Marokkorummel viel zu diel Bedeutung beigemessen werde. Der Parteivarftand werde wohl seine guten Gründe für sein Verhalten gehabt haben. Wenn Genosse Rosenfeld die Tagesordnung des Parteitages zu be- mangeln hatte, so hätte er ja dem sechsten Kreis diesbezügliche An- träge unterbreiten können. Redner hofft, daß der nächste Parteitag «»cht wieder in Revisionisten und Radikale geteilt sei, sondern daß «an eine einige und tampseSfreudige Sozialdemokratie vorfinde. »ach einer kurzen Entgegnung Ledebours auf die AuSführun- gen HintzeS zur Marokkofrag«, wird die Debatte geschlossen. Zu Delegierten werde» sodann einstimmig gewählt: die Ge« nossen Adam Bittorf, Wilhelm DamS, Fritz Fröhlich, August Hintze, Hermann Müller und Frau Anna Matschke. Zur Provinzialkonfereuz wird eine Debatte nicht gewünscht. AlS Delegierte werden bestimmt die Genossen Paul Bieting, Dr. Kurt Rosenfeld und Georg Zwirn«. Zum'letzten Punkt der Tagesordnung:„Sonstige Anträge" wird einem Antrage des Vorstandes und der Kreiskonferenz, bei dem Bezirksverband ein Ausschlußverfahren auf Grund des§ 23 des Organisationsstatuts gegen den Genossen Otto Frank zu beantra- gen, mit großer Mehrheit Folge gegeben. Sodann findet noch ein Antrag der Wahlvereinsleitung, der sich mit der Stellungnahme zu Anträgen, die bei der Verbandsgcne- ralversammlung im Laufe der Verhandlungen eingehen, befaßt, Annahme. *• Rixdorf. Den Bericht des Vorstandes und der Funktionäre erstattete der Vorsitzende Genosse S ck o l z. Der Berich: lag gedruckt vor. Aus demselben iei das Folgende bervorgeboben: Neben den bervorragen- de» politischen Kämpfen allgemeiner Natur wurde das Interesse der N'xdorfer Parteigenossen von dem sich schon 2>/z Jahr hinziehende» WahlrechtSkampf in der Kommune in Anspruch ge- nviiimen. Kurz bor Schluß deS vergangenen Geschäftsjahres hatte unsere Fraktion iin Ratbauie einen Antrag auf Aufhebung des berüchtigten Orlsstatuts eingebracht, der aber von der gesamten bürgerlichen Mehrheit in namentlicher Abstimmung abgelehnt wurde. Trotz aller inzwischen gefällten Gerichtsenlscheidnngen stellte der Magistrat die Wählerlisten wieder nach dem Prinzip des 1>/zfachen Durchschnitts auf. Der unablässige» Tätigkeit der Genossen auf dem Rathanse ist et gelungen, daS OnSsiatut. welches faktisch schon durch die Gerichte aufgehoben war, auch formell wieder z» beseitigen. Aufgabe der Partei- genojie» muß es nun sein, bei den bevorslebenden Stadtverordnetenwahlen den Wahlrechlsräuvern die noch in ihrem Besitze besindlichen Man- dato der zweiten Abteilung zu entreißen. Besteht doch darüber kein Zweifel, daß auch vom OberverwaltungSgericht dem Beschluß de? Bezirksausschusses zugestimmt wird, daß die im Herbst vergangene» tahres vollzogenen 28 Wahlen für ungültig erklärt werden, urchschnitttich war in der drillen Abteilung eine Wahlbeteiligung von 48,o Prozent, von denen 93 Prozent für die Sozialdemokratie stimmten. Die allgemeinen VerwaltungsgeschSfte wurden in 31 Vorstandssitznngen, 11 erweiterte» VorstaiidSsitzungen und 14 Funktionärsitzungen erledigt. Von allgemeinen Mitgtiederverfamm- lungen wurde Abstand genommen, statt dessen wurde» öS Bezirks- Versammlungen abgehalten. Diese Einrichtung der Bezirks- Versammlungen har sich als vorteilhafter erwiesen, General- Versammlungen haben im Lause des Betichlsjahres 6 statt- gefunden. Die Agitation für den„Vorwärts" ergab eine Zunahme deS AbonnentenstandeS von 2b8>Z, Nichtlefern wurde der„Vorwärts" eine Woche lang gratis ins HanS geliefert. Nach Verlauf von fünf Monaten konnte festgestellt werden, daß noch 7ö Proz. der auf diese Weise neugewonnenen Abonnenten Leser ge- blieben sind. Im Anschluß an die Stadtverordnetenwahlen fand eine um- fassende HauSagitation zur Werbung neuer Mitglieder statt. Das Resultat war eine Neuaufnahme von 453 Genossen. Ende April wurde nochmals nach diesem Prinzip gearbeitet mit dem Ergebnis von 479 neuen männlichen Mitgliedern. Der Gesainlmitglieder bestand beträgt jetzt 14 349, davon 2973 weibliche. Vom l. bis 3. Mai wurde eine intensive HauSagitation unter den Frauen betrieben. 594 neue weibliche Mitglieder wurden dabei für den Wahlverein gewonnen. Für jeden der 24 Be> zirke fanden 11 Leseabende mit je einem Vortrage statt. Für die weiblichen Funktionärinnen fand ein Unlerrichtskursus über das Erfurter Programm statt. 19 öffentliche Frauenversammluitgen wurden abgehalten, die sich alle eines guten Besuches zu erfreuen hatten. Die aus Anlaß des Frauentages slattgefundeneu vier Ver sammlungen ergaben 123 neue weibliche Mitglieder. Die Zahl der .Vorivärts"-Sescr beträgt 16 649 gegen 14 399 am Schlttsse des ver- gangenen Geschäftsjahres. Der Wahlverein Rixdorf feiert in diesem Jahre sein zehn- jähriges Best ehe n. Die Mitgliederzahl betrug am 1. April 1991 668 und ist seit dieser Zeit auf 14 349 gestiegen. Ein recht erfreuliches Ergebnis. Die Gcsaniteinnaiime ist seitdem von 2489.25 M. auf 45749,86 M. pro Jahr gestiegen. Den Ausgaben an die Zentral- kasfe stehen sich die Jahressummen von 1535,59 M. auf 39 656,34 M. gegenüber. Den Kassenbericht erstattet Genosse Hub e. Einnahmen und Ausgaben balancieren in Höbe von 45 749,86 M.. einschließlich deS Kassenbestandes von 319,32 M. Die Bibliothek hat einen Bücherbestand von 2293 Bänden. AnSgeliehen sind im letzten Jahre 15 979 Bücher. Der BildungSausschuß bat eine Eimiahme von 7713,39 M. und eine Ausgabe von 7692,22 M., so daß ein Be- stand von 111,98 M. verbleibt. In seinen mündlichen Darlegungen weist Genosse Scholz noch darauf hin, daß in den Kreisen der organisierten Rixdorfer Metall- arbeiter die Absicht besteht, eine eigene Bibliothek �u errichten. Daß sei eine Zersplitterung und er plädiert sür eine Zcntralisaiion mindestens der örtlichen Bibliotheken. Als erster DiskufstonSredner nahm Genosse Brinkmann das Wort. AuS dem Verhalten deS Oberbürgermeisters Kaiser an- läßlich des WahlrechtsraubeS. müsse unsere Fraktion die Lebre ziehen, bei allen Wahlen zu besoldeten Posten die größte Vorsicht lvalten zu lassen. Die Zahlabrnde bedürften unbedingt einer AuSgestallung. Jedem Zahlabendleiter solle die„NeueZeit" gratis geliefert werden. � � Genosse Skuhr: Nach seiner Meinung fasse der BildiingS- auSschnß seine Aufgabe ganz falsch aus. Die lheoretische» Artikel, die daS„MitleiluitgSblatt" deS öfteren bringen sollte gemäß einem Be- scbluß der Generalversammlung von Groß-Berlin, erscheinen nicht. Die Bildungöbestrebungen müssen größeren Kreisen zngängig gemacht werden. Die Theateraufführungen seien unter aller Würde, sie kommen gleich hinter die Vorstadtschinieren. Auch der „Vorwärts" sündige in der Erziehung des Volkes zur Kunst. AlS Beispiel führt Redner die Artikel von Heinz Sperber an. Nach Meinung des Genossen Heese lasse eS die Partei an der notwendigen Propaganda zugunsten der Konsumgenossenschaften fehlen. Gegen die Vorwürfe der Diskussionsredner wendet sich Genosse Fischer, der Obmann deS BilduugsauSichusseS. Die Kritiker ver- kennen zunächst die Schwierigkeiten, die der BildungSausschuß bei seiner Tätigkeit zu überwinden habe. Besser kann eS erst werden, wenn Rixdorf«in eigenes Theater habe, das den modernen An- forderungen entspricht. Leider hat die bürgerliche Mehrheit die dahinzielende» Anträge unserer Fraktion abgelehnt. Genosse Sknhr sei eS, der dem BildungSausschuß in seiner Tätigkeit die größten Schwierigleiten bereite und vielfach eine Gegenpropaganda entfalte. Genosse Reuschel bestreitet die Richtigkeit der Mitteilungen des Genossen Scholz bezüglich der geplanten Einrichtung einer Lokal- bibliothek des MetnllarbeiterverbandeS in Rixdorf. Die Mitglieder- zahl entspreche in keiner Weile der starken Bevölkerung RixdorfS. Genosse Wiese: Der BildungSausschuß geht bei seinen Ver- anstaltungen von dem Gesichtspunkte auS, die Darbietungen dem Fassungsvermögen der Hörer anzupassen, um allmählich zu größeren Höhen zu gelangen. Genosse K rille wendet sich gegen den VildungSaltSschliß und ist mit dem Gebotenen nicht zufrieden; besonders nicht mit den Dar- bietungen bei der Maifeier. In feinem Schlußwort geht Genosse Scholz aus die ver- schiedenen erhobenen Einwendungen ein und versucht die UnHaltbarkeit nachzuweisen. Auch selbst wenn jedem Zahlabendleiter die„Neue Zeit" zur Verfügung gestellt würde, ersehe er noch leine Garantie kür eine Besserung der gerügten Mißstände. Die LorftandSivahlen ergaben folgendes Resultat: 1. Borsitzender A. S ch o l z, 2. Borsttzender Karle, 1. Schriftführer A l s ch e r. 2. Schriftführer Feller, 1. Kassierer Hube, L. Kassierer BeyerSdors. Liertelsührer: Widulla. Rummel, Hell- wig. Bunzel. Beisitzer: Fischer. Gruvig und Frau Juchacz, Revisoren: Mllhlenderlein, Kupke, Hugo �2 c6 it I Der Bericht der Stadtverordnetenfraktion wurde auf eine be- sondere Versammlung vertagt.. Für den Kreisvorstand wurden folgende Vorschlage gemacht: 2. Vorsitzender Böske, Kassierer PagelS, Sekretär Groger, Revisor T b u r o w. Prctzkommission Heinrichs, weibliches Vor- standsmitglied Frau I u ch a c z. � Die B i b l i o r h e k s k o m m r s s r o n wurde auS 15 Mtgllebern gebildet, darunter vier Genossinnen. Lokalkommission: Rohr, Hendrrschke. Schröder. Zur Kreisgeneralvcrsammlung wurde folgender Antrag an- genommen:„ � „In allen örtlichen Organisationen bezw. Bezirken des Wahl- kreises, wo die Verhältnlsse es ermöglichen, finden vom September dieses Jahres ab Vorträge über das sozialdemolratische Pro- gramm statt. Bei diesen Vorträgen sind die Programme der gegnerischen Parteien zu berücksichtigen." Die Entscheidung über die Art der Veranstaltung bleibt den Verwaltungen der örtlichen Organisationen überlassen. Die Kosten trägt die BereutSkasse des Kreises. Huq aller Melt. Im Banne der Rundatagslritze. Eine Aenderung in der gegenwärtigen Hitze scheint vorläufig nicht einzutreten. Nach Mitteilungen einiger Wetterwarien macht sich zwar eine tiefere Depression bemerkbar, diese wird aber durch ein kräftiges Hochdruckgebiet, das über Europa und besonders der Ostsee lagert, an ihrer östlichen Ausdehnung verhindert. Dieses Hochdruck- gebiet setzt der Depression einen derartigen Widerstand entgegen, daß schwerlich noch in dieser Woche ein Umschlag der Witterung beziehungSlveise eine Abkühlung der Temperatur zu erwarten steht. Auch sind einige Gewitter zu erwarten, eine Abkühlung werden sie aber auch kaum bringen. Die Zahl der B r ä n d e. die besonders in Wald- und Heide- reichen Gegenden gewütet, haben unübersehbaren Schaden gebracht, der sich noch nicht einmal annähernd abschätzen läßt. Ein gewaltiger Waldbrand wütete bei O r t r a n d, der über 799 Morgen Waldbestand vernichtete.— Zu dem Brande in der Lüneburger Heide wird noch gemeldet: Riesige Wald- und Heidebrände wüteten Dienstag und Mittwoch ün ganzen Gebiet der Liineburger Heide. Schon von weitem sah man mächtige Ranch- wölken und haushohe Feueriäulen emporsteigen. DaS Feuer griff mit rasender Schnelligkeit umsich, sodaßsichinfolge der großen Dürre und des anholteiiden ungünstigen Winde? alsbald ein großes Flantmemneer bildete. Es gelang nicht, das Feuer aus seinen Herd zu beschränken. Die verheerenden Feucrsäulen boten ein wunder« bares Naturschauspiel. Bis abends 19 Uhr waren über 1990 Morgen Heide, zum allergrößten Teile aber Waldbestand, ei» Raub der Flammen gewordeu. Die vereinigten ElbschiffahrtSgesellschaften geben bekannt, daß sie und die ihnen angegliederten Unternehmungen den Schiffahrtsbetrieb wegen des außerordentlich niedrigen Elbwasserstandes vollständig einstellen müssen. Schweres Bootöunglnck bei Warnemünde. Ein schweres Bvotsimglück, bei dem drei Personen, darunter zwei Berliner ertranken, hat sich gestern vor der Mole von Warnemünde ereignet. Mehrere Kurgäste, darunter der Ghmnasialdirektor R u ch h v f t mit seiner Tochter, der Gymtiasial- oberlehrer Professor Dr. Mie mit seinem Sohn und seiner Schwägerin, sowie der Oberlehrer Dr. Rensch ans Berlin, ließen sich gestern von dem Ingenieur Ullrich aus Warnemünde in einer Halb« jolle in See segeln. Das verhältnismäßig kleine, mit sieben Per- fönen besetzte Boot war ungefähr hundert Meter von der Westmole entfernt, als plötzlich ein böiger Ostwind ausfrischte und in wenigen Sekunde» das Boot zum Kentern brachte. Sämtliche In- fassen stürzten inS Wasser und riefen laut um Hilfe. Unter den größten Anstrengungen konnten die Tochter deS Direktors Ruchhöft und die Scbwägerin und der Sohn des Oberlehrers Mie gerettet werden. Die drei anderen Insassen des Bootes. Direktor Ruch- Höst, Professor Mie und Oberlehrer R e n s ch hatten inzwischen ihre Kräfte verloren und gingen unter. Die Geretteten wurden schließlich an Land gebrocht. Es gelang gegen 8 Uhr abends, das Boot zu heben und die Leichen der drei Ertrunkenen zu bergen. Aeroplan und Unterseeboot. Der Flieger Aubrun hat eine Reihe von Flügen overhalb der Reede von Cherbourg unternommen, um festzustellen, ob eS möglich sei, von einem Flugzeuge aus unter Wasser befindliche Unterseeboote und Tauchboote wahrzuilchmcit. Die Versuche ge- langen vortrefflich. Aubrun erkannte aus einer Höhe von 159 und 599 Meter die Periskope der Unterseeboote und dann diese selbst, die 6 Meter unter Wasser schwammen. Aubrun wird noch Flüge zum Aufsuchen schwimmender Sprcngmincn unternehmen. Auch soll der Versuch gemacht werden, vom Flugzeuge aus LufltorpedoS zu schleudern. » Todessturz eincS englischen Fliegers. Die Aviatik hat ein neues Opfer gefordert. Der Flieger Gerald Rapier stürzte gestern abend, wie uns auS London gemeldet wird, in B r o o k l a n d bei einem Probefluge ab und war sofort tot. Kleine Notizen. Panik in einer Kirche. In der Gemeinde B alsa, Komitat Szaboles, schlug während deS Gottesdienstes der Blitz in die dortige katholische Kirche ein. Da gleichzeitig auch ein Erdstoß erfolgte, entstand unter den Kirchenbesuchern eine fürchterliche Panik, wobei süns Frauen erdrückt und d r e i sch w e r v e r l e tz t wurden. Von einem Gastwirt erschossen. Vergangene Nacht weilten in einem Dortmunder Restaurant verschiedene Gäste, die sich ungebühr- lich benahmen und sich hartnäckig weigerten. daS Lokal zu verlassen. Da alles nichts fruchtete, holte der Wirt einen Revolver, schoß und verletzte elnen der Gäste so schwer, daß er bald darauf im Spital starb. Sechs Kinder verschüttet. Aus Bochum wird gemeldet: I» der Nacbbargemeinde Gerthe waren an dein Kläriingsbccken der Zeche Lothringen sechs Kinder damit beschäftigt. Kohlenschlamm fnr Prciiiizwecke zu holen, als ein Gewitter losbrach. Die Kinder suchten Schutz in einer ausgehöhlten Kohlenichlainmarube. die aber zusammenbrach. Fünf Kinder wurden verschüttet, während es dem sechsten gelang, sich in Sicherheit zu bringen und Hilfe zu holen Bei den Retlungsarbeiten wurden zwei Kinder im Aller von 12 und 13 Jahren erstickt aufgefunden. Auch die anderen Kinder waren bewußtlos und dem Ersticken nahe, doch waren bei ihnen die angestellten Wiederbelebungsversuche erfolgreich. Marktpretse von Berlin am I. August 191 1. nach Ermittelung des Königlichen PolizcipräfldiumS. M a r k t h a ll«» p r e i s e. lKleinbaiidell 199 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Koche» 30,00—50.00. Spcilcbolmcu WciBe 80,00— 50.00. Linien 20,00-60,00. Kartoffeln>0,00—15,00. I Siiloi gramm Rindflcilch, von der Keule 1,60—2.40. Nindfleiich, Bauchsln'ch 1 o0 bis 1,70. Schweinefleisch 1,20—1,80. Kalbfleisch 1,40-2,20. Haiiiinelflci'sch 1,50—2.30. Butter 2,20-2,80. 60 Stück Eier 3.00—4,80. 1 Kilogramm Karpsen 1,40—2,40, Aole 1,60—3,20. Zander 1.60— 3,60. Hechle 1 c-0 bis S.80«?a�eJ:2?_2'oa Schleie 1,40-3,50. Viele 0,80-1.60. 60 Stück srrebje ä400— 86�00. I Zwelgvoreln Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Aipmildphtt und-Träger. Heute DounerStag, 3. August, abd. 6 Uhr, gleich uach Feierabend: Firmen- Versammlung d» Saal 3 des Berliner WewerkschaftShauses, Engelnfer 13. TageS.Ordnung: I. DaS Verlangen des Firmeninhabers auf Nenderung deS ArdeltS' shstetuS, und wie ist dem entgegenzuwirken? 2. DlSkussion. Vollzähliges Erscheinen aller in Frage kommenden Kollegen erwartet 139/13 Der Vorstand der Sektion der Gips- und Zementbranche. RrbeitSnaMwetsi Hos I. Ami 3. 1239. BerwaltunaSitelle Berlin. Hanptdurean: l!bsrite»traSe 3. Hos Nl. Amt Z. 1987. Sonnabend, den S. August, abends Iii Uhr: Versammluas aller liiiio-opersteure GroB-ßerllns u. llmgeg. im Englischen Garten, Alexauderftr. 27c, unterer Saal. TageS-Ordnung: I. Vortrag. 2. Branchcnangelegenheiten. 8. Verschiedene». Zahlreichen Besuch erwartet 120/19 Bio OrtMverrvnltnng. Filiale Groß-Berlin. Freitag, de» 4. August, abends 6'/z Uhr, im Gewerkschaftshause, Eugelufer IS(großer Saal): Ordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: I. Bericht des GcsamtvorstandeS vom 2. Quartal. 2. Berdht von der heiztechnischm Konserenz m Dresden. 2 Bericht über die Urabstimmung betreffs der ArbeitSnachweissrage. 4. Verschiedenes. Erscheinen aller Kollegen ist Pflicht. 192/20_»_ Per Voratand. Sozialdemokratischer Wahlverein des LSerlmer steiehstagswahlhreises Am Sonntag, den 6. August, von 9 Uhr vormittags ab, findet per Urabstimmung die Wahl des gesamten Vorstandes, der Delegierten zum Parteitag in Jena und der fr'" Delegierten zur Brandenburger Provinzial-Konferenz in folgenden Lokalen statt: Nistle, Dennetvitzstr. 13. Meyer, Oranienstr. 103. Mast, Bergmannstr. 97. Riebke, Planufer 75. Lindemann, Moritzstr. 9. Ohnesorge, Markgrafcnstr. 102 Kenfner, Aorkstr. 61. Reim, Urbanstr. 29. Eicke, Schönleiilstr. 6. 211/7' t ist nur daS Mitglied, welches bis zum April d. I. feine Beiträge entrichtet hat.— Tos Mitgliedsbuch ist mitzubringen.— Die Wahlzeit beginnt um s Uhr vormittags und endet«m I Uhr nachmittags. Per Vorat»»«!. S teppdecken Spezialhaus EmilLefevre Berlin, Oranienstr. 1�8 [jachste| elstungsfatiigkeit durch Selbstfabrikatioa aller bessereu Qualitäten.* Stcppd. ä 2.50, 4, 6. bis 250 M. Schlafdecken ä 3, 4, 10 bis SO„ Ecbt Kameelbaar ä 10 bis 36„ Spezialkatalog gratis u. franko. Kändler- Speise-Sis Esaenzen, unerreicht fein, natürliches Fruchtaroma. Alle zugehörigen Substanzen.| Gate Rezepte gratis. 0. Reichel, Berlin 8013, Eisenbahnst.4 Thealer und Vergnügungen Donnerstag, den 3. August. Ansang 8 Uhr. Neues königliches Operuhau». Lohcngrin. Romürtie Oper. Der verbotene Kuh. Berliner, vummelstudenten. vteurs Schaufpitlhaus. Die keusche Susanne. NeneS. Geschloffen. Thalia. Polnische Wirffchast. Schalte'. Vharlottendurg. Der dunkle Punkt. Lessing. Glaube und Heimat. Lnftipielliaus. Die drute Eskadron. (Ansang 8.20 Uhr.) «leineS. Nomchen.(Ans. 8'/, Uhr.) Trianon. DaS Prinzchen.(Ansang 8'lt Uhr.) Neues Chcrrttrn. Eine Million. (Ansang 8'/, Uhr) Luise». Der Siebente.(Ansang 8'/. Uhr.) Rose. Kasernenluft.(Ans. 8'/t Uhr.) Metro-«i. Hoheit amüfiert sich! Folicö Goprice. Die letzte Nacht. Drei Frauenhüie.(Ansang 6'/, Uhr.) Boigt. Der Aktlenbudiker. NoackS. Er mutz aus'Z Land. Herrnscld. DaS Kind der Firma. Berliner Prater. Die 3 Grazien. (Ansang 7'/, Uhr.) ApuU«. svezialUäten. ivaiing». Eveziolitäten. ReichSbaNe». Stettiner Sänger. Spezialitäten. Winiergarrrn. Spezialitäten. »iaiser-Panorama. Neu! Besuch von Konstantinopel. Wanderung in den Dolomsten. Urania. Tnnbenftrahe 48/4». Abends 8 Uhr: Helgoland im Wechsel der Zeit. Gteruwartc. Jnvalidenstr. 57—82. Sehiller-Tliealer Ch>brX.en' Der dunkle Punkt. Lustspiel in 3 Alten o. G- kadelburg und Rudolf PreSber. Anfang 8 Uhr. Ende 10 Uhr. Morgen und solgende Tage: Per elunlile Punkt. Neues Kgl. Opern-Theater(Krot» DoimerStag. 3. August, abends 8 Uhr: Erstes Gastspiel ssrnrnzs Oeslinn i ItvIteiAKrilK. Freitag, 4. August, zum 3. Male: Per Rnslkant. Sonnabend, den 5. August, abends 8 Ubr, zweites Kastsp. Cmmy Oestinn: TaniihiiaHcr. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Bummelstudenten. Täglich: Bumiiielftudenten. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Die lustigen Hibelungen. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Wiedereröffnung am 3. Aug., 3 Uhr. Neu einstudiert: Die Dame von Maxim. Schwank in 3 Alten von George» Feydcau. Deutsch o. Benno Jacobsohn. lolksgaiten-Theater Donnerstag, den 3. August: Großes Gartenfest mit iialienischcr Nacht und Sommer« nachtsball. Grotze Elite. Theater« Spczialltäten-Vorstellung. Feenhafte Beleuchtung d. ganzen ElabltssemenlS. Groffcs Brillant-Feurrwert. Prczlosa. Urania. Wissenschaftliches Theater. TaubonstraOe 48/49, Abends 8 Uhr: Helgoland Im Wechsel der Zeit. OCISCHER «ARTEN Gr. Doppel-Konzert Gastspiel d. Philharmon- Blas-Orchestars. 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Schultz. ' Uhr. Aiffang 8 Rauchen gestallel. OSE-THEATE Grotze Franliurter Str Täglich: Slnsang 8'/� 3 Kasernenluft. Auf der Gartewbuhne: E» gibt nnr ein BerUn. Grotze Revue. ATEQ >tr 132. 1| ifT 1 i Moabiter Wintergarten Arius'Hof Perleberger Str. 26, Stendaler Str. 18 Direktion: Karl Plrnau. Er must tanzen. Lustlpicl in 1 Alt. Die Macht des Walzers. Grotesk Stctsch in 2 Bildern. Tb« 3 Cossett mit ihren Tauben und Hunden. IS neu« Nummern. Konzert 6 Uhr. Vorstellung'/£ Uhr. Turnverein �flehte Mitglied d. Arbeiter- Turner-Bundes. Sonnabend, den 5. August 1911: Großes Sommersest in der Neuen Welt imerikaniseher TergoDgungspark lomerl Spezi Ad. loraerisele iniiiigen Sommernachts-Ball. Um 9 Uhr: DM" Diejenigen Kinder, deren Eltern sich im Besitze der vom Verein verausgabten Einlaßkarten befinden. erhalten 1 Bon and 1 Btocklatcrnc gratis.-MD Kinderspiele von 2-5 Ubr. Von 6 Uhr ab: T 3 VI Zu Herren zahlen 60 Pf. nach Anfang 4 Ubr. X Programme an der Kontrolle gratis. DM" Einlaßkarten a 25 Pf. sind bei sämtl. Mitgliedern sowie in den mit Plakaten belegten Geschäften in haben Ein Billettverkauf findet an der Kasse seitens des Verein« nicht statt.-MD 293/11* DM" Die KalTcohttrhe steht den geehrten Damen von S Ubr ab zur Verfügung. bun Havelseen' über Pfaucuinsel mit Rnndsahrt Tampfer.Fcrienfahrten im Wannsce »citag und naäj mit Mustk durch " bin (tonneedtag. Freibad ounabenb"UUi nuMinaj RßlZlBrSCllSnZßi Abs. verlin ReichstagSuser a. d. Marschallbr. om. 9 U. . Charlottenburg Tegeler Weg. nahe Bahnhos Jungsernheide. 9»/, Uhr. Fahrpreis bin und zurück 80 Pf.. Kind 40 Pf. "tt" Oberbaumbrücke, �Wt-m. m Woltersdorf. Schleuse Strandpromenade. Abf. vm. 9 U u. nachm. S'/.U. Hin u. zur. 40, Kind 2V Pf. Sonnabend, den S. August:«roste Dampfer Mondscheinfahrt mit hinsik n°ch Sebmöokvrik, Seddinsee.®«» Ball. SäS'mS: 29786 Reederei Kleck, s>alckenst-instr. 48, Fenifpr Amt 4, 8197. 8 Uhr DaS neue August-Programm. En»en»b>e-«a»t»pfeK liVaRvtea in Sein Herzensjunge. Vaudeville mit Ges. u. Tanz in 2 Alt. von A. Neidhardt und R. Schanzer. Mufif von 88. Kollo. Schauspiel mit Gesang und Ballett in 4 Alten._________________ ~ Verantwortlicher Redakteur: Richard Barth, Berlin. Für den Jvserateoteil verantw.: Zd-Glmte, Berlin. Druck iL Verlag: BorwärtH Buchdruckerei u. BerlagSanstall Paul Singer u.Ea« Lerliu S�. � Arnerikaniecliee Vergnügung, park, Ba»cnbelcke. eilte Elitetag. Großes Parade- Gala-Feuerwerk. Große Speziaiitäten- Vorstellung. Herrorragende Belustigungei ron packender Komik. Elntrlttaprels 25 Pf. Folies Caprice. Täglich 8'/. Uhr: psrisiang-kasembie. I Frauenliüte. Sie ist eine Ausnahme. DaS Strumpfband. Coufiu Pampoulette. Gesundbrunnen, Baditratze 53. Heute sowie täglich: Oer WenduMer. Vollsstück mit Ges u. Tanz in 3 Alten. LSnzI. neu« erstklass. Spezialitäten. Donnerstag, 10. August: Benefiz sär Heinrich Bach: Preziosa« fAdbnll�bpalast [ Am BrntoboV fCkmfdidteiMe j Eis» Arena. Geöffnet v. 10 Uhr vorm. 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August: Riesen> Welt» ftadt-Progeninm. U. a.: Kurt Armand!, Humorist. CIIH Schwarzenberg, Tonzsoudr. Harry Bienensteins med. Ekelsch. Charles Seiler, Delphilcher Mala» Larc Beels. Musik. Erenlriques. Fleurison Terzett, Ges. u. Tanz. KulickeS Badereise. puhlmaaas Theater Schönhauser Alisa 145. Täglich im Herrlichen Naturgarim: Konzert— CHeater Spezialitäten. LH Selleoue. Rummelsburg am See. inb.: Q. Tempel. Jeden Sonntag: Spezialitäten-Hörstel]. u. Garten-Kunxert. Jeden Sonnabend und Donnerstag: 8olreen der Koffinanns Sängsr Iflax Kiiems dionimcr-Thoater Rudolf Krüger, Hascnhrid- 13—15. Täglich: Sestflaisige Theater- und Speziaiitäten-Borstellungen. Zeltbcdachter Th-aiergarlen, bei un- günstiger Witterung Schutz bietend. Jcd. Mittwoch t Gr. Kinderfest. Donnerstag: Elitetag. Am Königstor. Am Erledrlckshaln. Jeden Abend'/,10 Uhr: Sie man Selber\mi\l Posse mit Gesang w 2 Akten. Spaiitäten. Kinematopph. Mittwoch: fttiibcrfcft. Ans, wochentags 5, Sonnt. 4 116c. NiOies Fest-Säle Dennewitzstraße 13* Schöner Naturgarten. Jeden Ponnerstag Canzkränzcljcn. bei freiem Enstee. C. 5,101«. Für den Inhalt der Jnicrate übernimmt die Redaktion Pen» Publikum gegenüber ketucrlet veraarwortuna. »..m. 2. KeillP des Dmiilts" Derlilttt KIKsIllM. Z'-Mtt-I-S.I z°g«i>lM vereinshauscs, erlitt die 80 Jahre alte Arbeiterfrau Berta Foß- berg aus der Elisabethstr. LS das gleiche Schicksal. Sie erholte sich aber aus der Rettungswache in der Keibelstrahe bald soweit, datz sie nach Hause gebracht werden konnte.— Ein Opfer der Hitze sollte der in der Schillerstraße 35 zu Rummelsburg wohnhafte Arzt Dr. Werner werden. Gestern wurde Dr. W. nach der Köpenickcr Chaussee gerufen, wo ein Kind ins Wasser gefallen war. Während der Arzt in der Sonnenglut bemüht war, das bereits bewußtlose Kind wieder ins Leben zurückzurufen, brach er Plötz- lich von einem Hitzschlag getroffen zusammen. Der Erkrankte mußte nach seiner Wohnung gebracht werden. Besorgnisie für das Leben des Arztes liegen vorläufig nicht vor.— Vom Hitzschlag wurde ferner der Steinsetzer Karl Buhlicke aus Rixdorf betroffen. Beim Passieren des Königsplatzes in Ober-Schöncweide stürzte B. plötzlich um. Man brachte ihn schleunigst nach dem Königin- Elisabeth-tzospital, wo die Aerzte feststellten, daß er einen Hitzschlag erlitten hatte.— Ein weiterer Hitzschlag wird aus der Lothringer Straße gemeldet. Dort brach die 23jährige Verkäuferin Erna Koppe vom Hitzschlag getroffen zusammen. stu Bedenken gibt ein Vorfall, der sich gestern naämstttag in der Pankstraße abspielte, Veranlassung. Die neunzehnjährige Fabrik- arbeiterin Gertrud Schultze, Bellermannstr. 94 wohnhaft, wurde auf dem Heimwege von ihrer Arbeitsstätte vom Hitzschlage getroffen. Das junge Mädchen brach auf der Straße leblos zusammen. Vor- überkommende Passanten nahmen sich der Verunglückten an und trugen sie in den Flur eines Hause«. Dort mußte die Besinnungs- lose zwei Stunden liegen bis ein Polizeibeamter hinzukam und die Sch. nach der Rettungswache transportierte. Inzwischen hatte sich das Befinden des jungen Mädchens derart verschlimmert, daß es in fast hoffnungslosem Zustande nach dem Moabiter Krankenhause ge- bracht werden mußte.— Ein Hitzschlag mit tödlichem Ausgange er- eignete sich gestern nachmittag am Tegeler See. Ein etwa vierzig- jähriger Spaziergänger, der eine auf den Namen Georg Hermann lautende Visitenkarte bei sich trug, brach beim Promenieren um den See plötzlich zusammen und verschied nach kurzer Zeit. Die brutalen Mißhandlungen eines Dienstmädchens durch den Gastwirt Leibnitz, Swinemünder Straße 69. haben unter der Be- völkerung der Gegend große Erbitterung gegen den Rohling hervor- gerufen. Diese Empörung steigerte sich noch, als bekannt wurde, daß da? Mädchen Dienstag abend auf eigene Verantwortung das Krankenhaus verließ, um nach ihrem im Hause in Pflege gegebenen Kinde zu sehen und dabei von neuem von den Rowdies mißhandelt wurde. Als das Dienstmädchen das Haus wieder betrat und den Gastwirt antraf, forderte sie ihr Gehalt unter der Begründung, daß sie für ihr Kind sorgen muffe. Anstatt einer Antwort fiel der Wirt nun wiederum über das Mädchen her, schlug eS zu Boden, kniete mit den Beinen auf der Brust der Unglücklichen und bearbeitete die Wehrlose so lange mit einem Schläger, bis sie das Bewußtsein verlor. In der Nachbarschaft, die bereits über die Borgänge des Montags entrüstet war, hatte sich bald die Nachricht von der neuen Gewalttat des Gastwirtes verbreitet und es kam nun zu ge- waltigen Aufläufen. Man wollte die Gastwirtschaft stürmen und den Wirt samt seinen Angehörigen lynchen. Schutzleute schützten den Bedrohten vor dem schlimmsten. L. wurde mit seiner Schwester und der Ehefrau unter polizeilichen Schutz genommen und das Restaurant geschloffsn. Die Verletzungen, die die K. diesmal erlitten hatte, sind so schwerer Natur, daß Lebensgesahr vorhanden sein soll. DaS junge Mädchen mußte sofort wieder nach dem Virchow-KrankenhauS zurück- gebracht werden. Die Menschenansammlungen, die bis in die Mitternachtsstunde andauerten, wurden durch Polizcibeamte schließ- lich untersagt. Bon einem Unglücksfall wurde der von Marienbad-FranzenSbad Über Leipzig-Bittcrseld nach Berlin fahrende D-Zug betroffen. Bei Nieder-Görsdorf kurz vor Jüterbog sprang während voller Fahrt plötzlich die Lokomotive aus den Schienen und kippte um; der darauf folgende Packwagen schob sich über die Lokomotive. Ob das Unglück infolge falscher Weichenstellung eintrat oder sich durch Verbiegen der Schienen infolge der großen Hitze ereignete, ist noch nicht genau festgestellt. Von dem mitfahrenden Eisenbahn- personal wurden der Lokomotivführer, der Zugführer und der Pack- mcister getötet, der Heizer schwer verletzt. Von den Passagieren des Zuges ist anscheinend niemand ernstlicher verletzt worden. Der zufällig im Zuge anwesende Schöneberger Arzt Dr. ChajeS, welcher mit einer schwerkranken Patientin aus einem böhmischen Badeorte nach Berlin zurückreiste, legte dem schwerverletzten Heizer einen Not- verband an. Ein sofort telephonisch herbeigerufener Hilfszug brachte die nötigen Hilssmannschaften zur Stelle, die noch durch eine aus Jüterbog beorderte Abteilung Eisenbahner verstärkt wurde. Die Fahrgäste wurden mit einem Personenzuge weiter befördert und langten mit einer dreistündigen Verspätung um ö Uhr auf dem An« Halter Bahnhof an. Das Haupt einer schwarzen Bande wurde von der Kriminal- Polizei unschädlich gemacht. In dem Hause Mirbachsrr. 49 betrieb ein Kaufmann Hermann August Dircks seit Mai dieses Jahres ein Partiewarcngefchäft.©eine Waren, Handschuhe, Kleiderstoffe usw. usw. bezog er von Großhändlern und Fabrikanten in der Provinz, besonders im Rheinland. Die Lieferanten, die Aus- kunft verlangten, wies er an das Bureau von Rafael, das eigenS zur Unterstützung des Schwindels aufgemacht worden war. Tie auf Kredit gelieferten Waren ließ Dircks durch einen Partiewaren- Händler Pinkus und andere Helfershelfer, die zum Teil entflohen sind, sofort verschieben. An eine Bezahlung dachte er nicht. Eine Firma aus Barmen, die sich vergeblich bemühte, 4000 M. für die erste Lieferung zu bekommen, trotzdem aber auf die glänzenden Auskünfte Rafaels hin, doch noch wieder geliefert hatte, kam jetzt nach Berlin, um sich hier einmal von dem Stand der Dinge zu überzeugen. Als ihr Vertreter sah, daß auch von der letzten Sendung nichts mehr vorhanden war, ging er zur Kriminalpolizei und diese deckte jetzt den Schwindel auf. Dircks wurde verhaftet; Rafael und anderen Spießgesellen gelang es, im letzten Augenblick zu entschlüpfen. Die Bande hat nach den bisherigen Ermittelungen Geschäftsleute in der Provinz um mindestens 25 069 M. betrogen. Für 6000 M. Ware konnte die Kriminalpolizei durch Beschlagnahme noch retten. Dircks stand mit einem gewissen Stein zusammen an der Spitze einer Bande, die die Mittagspausen im Konfcktions- viertel ausnutzte, um sich von ungetreuen Hausdienern Waren aller Art zustecken zu lasten. Auch auf diesem Wege pflegte er seine Vorräte zu ergänzen. Ein schwerer Unfall hat sich am Mittwoch ans der Baustelle der Untergrundbahn an der Stralauer Straße 48/50 gegenüber dem Stadthause zugetragen. Dort stürzte unverhofft eine alte Mauer ein, wobei der Arbeiter Volkmann zum Teil verschüttet wurde. Er wurde bald befreit und von der Feuerwehr nach der Krankenanstalt am Friedrichshain gebracht. Die übrigen Arbeiter kamen mit dem Schrecken davon. Reiscdicbe bereiteten dem Leutnant Härtel, der zum Luft- schifferbataillon kommandiert ist und in der Scharnweberstr. III zu Reinickendorf wohnt, eine unangenehme Ueberraschung. Ter Offizier war seit Sonntag vor acht Tagen von hier abwesend, ebenso sein Bursche. Als er jetzt zurückkehrte, fand er seine Wohnung aufgekantelt und seine Behältnisse ausgeräumt. Die Einbrecher erbeuteten mehrere Doppelflinten, eine Selbstspanner- büchse, 24 silberne Likörbccher, Widmungen, die jede den Namen eines Offiziers tragen, einen großen silbernen Becher mit dem Gardestern und einer Inschrift, einen silbernen Becher mit Tannen- zweigen, ein Hubertusgeschenk, silberne Aschenbecher und Reit- gerten, eine schwere goldene Herrenpanzerkctte, ein goldenes Herrenkettenarmband, zwei goldene Halskettchen, einen silbernen Sektkühler, Bowlelöffel. Eierbecher mit Löffeln, eine Kassette mit Dokumenten, barem Geld und alten Münzen, endlich Anzüge und Wäsche. Verbrechen oder Unglücksfall? Der unter eigenartigen Begleitumständen in der Sonntagnacht erfolgte Tod eines jungen ManneS, des 24 Jahre alten Arbeiters Paul Ouentz aus der Gerichtstraße, beschäftigt die Kriminalbehörden. Bei der zuständigen Staatsanwalt- schaff ist Anzeige erstattet worden, daß Ouentz wahrscheinlich einem Verbrechen zun: Opfer gefallen sei. Die Staatsanwaltschaft hat, weil der Verdacht sehr begründet erscheint, sofort eine Untersuchung eingeleitet und die Leiche, die bereits zur Beerdigung freigegeben war, beschlagnahmt. Beim Baden ertrunken. Uns wird nachträglich berichtet: «Am Freitag, den 28. d. M.. nachmittags gegen 5 Uhr, waren einige Knaben im Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal kurz vor der Töberitzer Brücke beim Baden, als plötzlich ein elfjähriger Knabe in die Tiefe verschwand. Ein anderer Knabe, welcher den- selben noch retten wollte, wäre um ein Haar auch noch unter- gegangen. Trotzdem gleich Rettung zur Stelle war. konnte nur noch die Leiche des Knaben aus dem Master gezogen werden. Auf der entgegengesetzten Seite des Kanals kam ein Charlottenburger Sckutzmann und ein Strommeister, welche die Meldung entgegen- nahmen, daß man die Leiche des Knaben auf den Treidelweg hin- gelegt habe. Sonderbarerloeise kümmerten sich die beiden Be- amten nicht um die Leiche des Knaben, sondern telephonicrten wahrscheinlich an ihre Dienststelle, gingen dann ihren Weg weiter Partei-?Znge!egenkeiten. Königs-Wusterhausen, Wildau nnd Dcutsch-Wusterhausen. Den Parteigenossen und Genossinnen zur Kenntnis, daß am Freitag, den 4. August, abends 8 Uhr, eine wichtige Flugblattverbreitung von den bekannten Bezirkslokalen aus stattfindet. Rudow. Der Wahlverein hält am 6. August, abends 8 Uhr, im Lokale von R. Bolle eine Mitgliederversammlung ab. berliner JVaebnebten. Verbotene Wege. Es gibt wenige Gebiete in unserem mit Verbotstafeln gesegneten deutschen Vaterlande, in denen so viel verboten ist, als in der Umgebung von Berlin. Plakate mit Dutzenden von Paragraphen, von denen man die ersten vergessen, wenn man den letzten gelesen, Pfändungsandrohungen und dergl., man ist schon zienilich viel gewöhnt. Wem aber das Geduld- seil noch nicht gerissen ist, dem raten wir, einmal eine Wände- rung im Süden von Berlin zu unternehmen. Es ist eine wundervolle Gegend da unten, köstliche Waldeinsamkeit, träumerische Seen, endlos scheinende Wiesen und dann wieder Höhenzüge, die ans Mittelgebirge erinnern. Die Waldungen zwischen'Saarmund und Gröben, Gröbener und Siethener See, Pechpfuhl, Rangsdorfer See. Man könnte sich nicht satt sehen, wenn— protzige Agrarier einem die Naturschönheiten gönnen würden. Aber kaum einen Schritt kann man gehen, ohne sich in den Schlingen eines Verbots zu fangen. In Saarmund sängt es an, in Blankenfelde hört es auf: da- zwischen ist rein alles verboten.—„Das Betreten sämtlicher Wege und Brücken in der Gröbener Gemarkung ist verboten. Der Gutsvorstand." Dasselbe in Siethen, dasselbe in Gens- Hägen usw. Fehlt einmal eine Warnungstafel, läuft einem sicher ein Förster oder Inspektor in den Weg:„Betreten ver- boten."— Am tollsten ist es in Jühnsdorf; an der Kirche führt ein Weg links ab, 200 Meter weiter eine Tafel:„Das Betreten sämtlicher Wege, Accker, Wiesen ist bei gesetzlicher Strafe verboten. Der Gemeindevorsteher." Wir lassen uns nicht abschrecken. 100 Meter weiter ein Gatter und eine zweite Tafel:„Forstweg; Betreten bis auf weiteres gestattet." 600 Meter weiter wieder eine Tafel:„Ende deS erlaubten Weges." Dahinter eine neue Tafel:„Das Betreten der Ufer und der Umgebung des Rangsdorfer Sees ist streng verboten." Dazu Stacheldraht usw. Und warum? Damit die Herren hübsch ungestört jagen können, damit nicht ein fröhlicher Wanderer ihnen das Wild verscheucht— protzig— unverfroren hat es uns einer dieser Ninirode ins Gesicht gesagt._ Neue Opfer der Hitze. Vor dem Hause Waßmannstr. 4 brach gestern nachmittag eine 60 bis 65 Jahre alte, unbekannte Frau zusammen und wurde be- wußtlos nach dem Krankenhaus in der Gitschinerstraße gebracht. Sie ist 1,60 Meter groß, hat graues Haar und trug unter anderem eine fchwarze Bluse und schwarze Schnürschuhe.— Der 44 Jahre alte Landwirt Martin Hühnisch aus Schinne im Kreise Garde- legen wurde im Bereich des 113. Reviers besinnungslos auf- gefunden und nach der Königlichen Klinik gebracht.— Vor der Markthalle in der Zossener Straße wurde gestern abend um 9?t Uhr eine unbekannte Frau von etwa 45 Jahren vom Hitzschlag getroffen. Sie ist 1.65 Meter groß, hat dunkelblondes Haar und trug eine weiße Bluse, einen grauen Rock, einen weißen englischen Strohhut, schwarze Strümpfe und Hausschuhe. Die Frau wurde nach dem Krankcnhausc am Urban gebracht.— Dort liegt auch noch eine unbekannte Frau von etwa 22 Jahren, die gestern nachmittag kurz vor 4 Uhr vor dem Hause Kasparstr. 1 zusammenbrach. Sie ist 1.70 Meter groß, hat schwarzes Haar, trug eine weiße Bluse, einen schwarzen Rock, einen schwarzen Hut und gelbe Halbschuhe und hatte eine Handtasche bei sich.— Stach der Charite kam ein wohnungsloser Arbeiter Paul Schulze, der am Goldfischteich im Tiergarten bewußtlos aufgefunden wurde, nach dem Krankenhause am FriedrichShain ein 20 Jahre alter Konditor Alfred Hcßner. desten Wohnung noch nicht bekannt ist. Ihn traf der Hitzschlag auf dem Alexanderplatz. Nicht weit davon, in der Pastage des Lehrer- kleines feirilleton. AuS dem Leven Rouget de LiSleS, des Dichters der Marseillaise. berichtet Andrü JbelS in„llo snis taut" interessante Details. Es ist bekannt, daß der Schöpfer der.Kriegsgesänge für die Rheinarmce" — wie der ursprüngliche Titel des revolutionären Hymnus lautete— zeitlebens ein überzeugler Monarchist war. In der Zeit, da sich sein Lied bei den Freiheitskämpfern Bahn brach, schrieb er in der„UWIIs de Strasbourg", dem Organ des Bürgermeisters Dietrich, heftige Artikel gegen die Jakobiner. Während beim Fest des„höchsten WeienS" 300 000 Palrioten die Marseillaise sangen, fast ihr Ver- fasscr im Gefängnis. Der 9. Thermidor gab ihm die Freiheit wieder. Späier schloß er sich dem Kaiserreich an. Napoleon machte ihn zum Gesandten. Aber nach der Revolution dichtete und lompo- nierle er Hymnen zu Ehren Karls X., wie„Gott schütze den König", ja er hat sogar„Verse an Seine Majestät den Kaiser von Rußland" verfaßt, die sich bei dem Dichter der Kampsrufe gegen die ein- dringenden Tyrannen besonders merkwürdig ausnehmen. Er spann übrigens dabei keine Seide. In dürftigen Verhältniffen im Quartier Latin lebend, bestritt er seinen Lebensunterhalt hailpisächlich durch Ueberkctzungen und Zeitungsnotizen. Er brachle als Erster„Macbelh" und„Othello" in eigene» Uebersetzungen auf das Theater und war einer von denen, die am früheftei, die Bedeutung Berlioz' er- kannten. 1826 kam er wieder ins Gefängnis— aber diesmal war e« wegen Schulden. Er verließ es physisch und moralisch gebrochen. Böranger und seine Freunde setzten sich nun für ihn ei», und er sand ein Asyl bei zwei Freunden in Choisy-le-Roi bei Paris. Als die Revolution von 1830 ausbrach, sagte er zu Beranger:„Die Dinge stehen übel— o, sehr übel I"„Und warum?" fragte dieser. Nun hören Sie doch I Man singt die Marseillaise!'— Louis Philipp bewilligte Rouget eine Pension. Rouget starb 1836. Eine große Volksmenge folgte seinem Sarge und an seinem Sarge ent- bläßten hundert Arbeiter ihr Haupt und sangen die Marseillaise. Heute ist die Marseillaise zur offiziellen Hymne des Klasten- staatS der Bourgeoisie und gelegentlich sogar zum Trutzlied der Pfäfftinae geworden. Sie ist also etwa dort angelangt, wo ihr Autor zeitlebens stand, mit Ausnahme der Augenblicke, da ihn der junge Freiheitsrausch emponrug. Dafür singen die französischen Arbeiter jetzt auch nicht mehr die Marieillaise. sondern die Jnlcr- nationale des PcoletarierdichterS Pottier. Ter Berfaffer deS„Robinson Crusoe". Daniel Defoe. der Schöpfer eines der meist verbreiteten Bücher der Weltliteratur. hat vor einem Vierteljahrtausend das Licht der Welt erblickt; sein Geburtstag ist aber nicht mehr auf den Tag festzustellen. Defoe w«r mehr als der Dichter des Weltbuches von„Robinson CrusoS: er war zugleich auch der erste Begründer der öffentlichen englischen Banken, der Begründer unserer Hagel- und Fcuerassekuranzen und unserer Sparkasten; er war auch gleichzeitig der hauptsäch- lichste Befürworter der politischen Vereinigung von England und Schottland. Er wurde im Jahre 1661 als der Sohn eines reichen Fleischers in London geboren und widmete sich, nachdem er eine sorgfältige Erziehung genossen, dem Kaufmannsstande. Doch drängte es ihn, am öffentlichen Leben seiner Nation teilzunehmen. In einer Tissidentenfamilie aufgewachsen, war er ein heftiger Feind der Kirche, mehr aber noch der katholischen Stuarts, gegen die er mit der Feder und dem Scheverte kämpfte. Eine Zeitlang muhte er sein Vaterland meiden. Später finden wir ihn als An- Hänger Wilhelms von Oranien wieder, lieber diesen Interessen am Staate bliebe» freilich seine Gesckiäftsinteresten zurück, er machte Bankerott und mußte nach Bristol flüchten. Dort schrieb er ein nationalökonomischcs Buch, in dem er die ersten Anregungen zu den genannten praktischen Einrichtungen gab. Das Werk ver- schaffte seinem Verfasser die Gunst des englischen Königs Wilhelm, der es ihm ermöglichte, sich mit seinen Gläubigern zu rangieren. Nach dem Tode Wilhelms aber kam er in Konflikt mit dem Tory- Ministerium der Königin Anna; er erließ Streitschriften über Streitschriften, ward der Störung des öffentlichen Friedens an- geklagt, an den Pranger gestellt, wobei das Volk Lobhymnen auf ihn sang und ihm Rosen streute, endlich ins Gefängnis getvorfen; erst nach zwei Jahren befreite ihn das Ministerium Harlcy daraus. Jetzt durfte er als Staatsmann seinem Lande große Dienste leistchi. Er war es, der im Jahre 1707 die staatliche Einigung von England und Schottland zustande bringen half. Die letzten Regie- rungsjahre der Königin Anna brachten ihm wieder viel Verdruß und Mißgeschick, und als im Jahre 1713 das Haus Hannover zur Regierung und mit ihm die Whigpartei zu ganz entschiedenem Einflüsse kam, da vergaß man ihn. Nachdem Dckoe in seiner letzten politischen Schrift ein öffentliches Bekenntnis über seine Tätigkeit im StaatSleben abgelegt hatte, setzte er sich nieder, um den„Robinson" zu schreiben, den er im Jahre 1719 vollendete. Der Mann, der durch seinen„Robinson" Millionen Kindern selige Stunden bereitet hat. starb aber im Jahre 1731 aus Gram über seinen eigenen Sohn. Der neue Gaußturm auf dem Hohen Hagen. Man schreibt uns au? Hannover: Ein bedeutsames Bauwerk ist am 31. Juli d. I. voll- endet und der Oeffentlichkeit übergeben: der zur Erinnerung an den großen Phvsiker Gauß auf dem Hohen Hagen, der höchsten Er- Hebung(508 Meter) in den Bergen zwischen Weser nnd Leine er- baute Turm. Genau vor zwei Jahren wurde der Grundstein zu diesem imposanten Bauiverk gelegt, da? aus Basalisteinen errichtet wurde, sich in der stattlichen Höhe von 35 Metern erhebt nnd eine überaus reizvolle Aussicht über einen der schönsten Teile Mittel- deutschlands gestattet. Nicht weil von der Stätte seiner Wirksamkeit, der Universität Göttingen, aus dem Gipfel deS Hohen Hagen, hat der Erfinder des Telegraphen, der Mathematiker und Astronom Karl Friedrich Ganß seine praklischen Versuche angestellt. Vor neunzig Jahren hat er hier ein Signal errichtet zur Festlegung eines der Endpunkte seine? klassischen geodänschen Dreiecks Hoher Hagen, Brocken, JnselSbcrg. Von hier aus sandte er damals die Zeichen des von ihm erfundenen Heliotrops, daS hier zuist ersten Mate praktische Verwendung fand. »ach den anderen beiden Endpunkten dieses Dreiecks. Genau vor neunzig Jahren, am 29. Juli 1321, beendete er seine Be- obachtniigen. Der Gedanke, auf dem Hohen Hagen einen Turm zur Erinnerung an den Gelehrten zu errichten, hat greifbare Gestalt erst vor etwa fünf Jahren im Schöße des VerschönerunasvereinS der nahe bei dem Berge gelegenen hannoverschen Stadt Dransfeld erhalten. Die Universität Göttingen, die Behörden deS Landes, wissenschaftliche Vereine, die Reichspost- und Telegraphenverwaltung usw. nahmen den Gedanken fördernd und unterstützend auf. Im Turm befindet sich da« von Gauß erfundene Heliotrop, so- dann eine Nachbildung deS ersten, von Gauß und Weber erfundenen Telegraphen und in einer Nische deS GaußzimmerS hat eine Gauß- büste Aufstellung gefunden. Der Mclograph. Unter diesem Namen hat der schwedische Ingenieur W. N y st r ö m in Karlstad einen Apparat erfunden, der auf mechanischem Wege in Schrift aufzeichnet, was auf einem Klavier gespielt wird, und dann dem Klavier wieder ermöglicht, die Schrift exakt und mit vollständiger Niianzierung wiederzugeben. Der Apparat besteht demnach in einem AufzcichnungS- und Rcproduktionsapparat sowie in einem chemisch präparierten, mit wachsartigem Stoff über- zogenen Notcnband, das aulomatisch durch einen elektrischen Motor von einer Rolle auf eine andere überführt wird. Das Klavier kann das gespielte und registrierte Stück unmittel- bar automatisch wiedergeben. Der Komponist kann sofort wieder kören, was er soeben komponiert hat, man kann die künstlerischen Darbietungen des Konzertsaales jederzeit im eigenen Hanfe hören. Und schließlich bietet der Melograph eine ausgezeichnete Hilfe beim Unterricht im Klavier« und Orgelspiel, insofern als der Schüler nachher selbst hören kann, welche Fehler er gemacht hat. Der Apparat erwicS sich bei den jüngsten Versuchen, deren erste mit Unterbrechungen 20 Jahre zurückliegen und zunächst nur für Orgel in Betracht kamen, als ausgezeichnet funktionierend. DaS seelenlose Hämmern. daS von den felbstspielenden Pianinos unzer- trennlich zu sein scheint, war durchaus nicht vorhanden, das Klavier gab vielmehr das.hineingespielte" Stück exakt mir all seinen Vor» zügcn wie Mängeln wieder. Nach einigen geringfügigen Verbesse- rungen, die sich alö notwendig herausgestellt haben, wird ein neuer Modellapparat konstruiert werden und der Musikalischen Akademie in Stockholm vorgeführt werde». In Schweden verspricht man sich von der Erfindung einen großen wirtschaftlichen Umichivung in der be- troffene» Industrie. Da Nyströmö Apparat für die Hälfte dessen hergestellt werden kann, was die jetzt gebräuchlickien pneumatischen Autopianos kosten, so scheint er allerdings dazu bestimmt, jene zu verdrängen. 0*5 gläuNeN föfitt! i�rSe Pflicht geiwgt zu Mich pecion- lich esipöüte die Hache, daß man die Leiche ohne jegliche Aussicht und unbedeckt liegen ließ. Da gerade an dieser Stelle gar keine Menschen dorbeikamen. so konnten die Krähen ydex anderes Getier an die Leiche heran, da dieselbe äVj Stunden liegen blieb. Erst um SZiZ Uhr holten zwei Leichenträger vom AmtZvorstand von Plötzensee die Leiche ab." Im Tegeler See ertrank der Wjährige Dreher Seng aus der Körnerstr. b. S. hatte sich ins Wasser begeben und er wollte einem Boot, in dein einige Freunde von ihm saßen, nachschwimmen. Dabei verließen ihn plötzlich die Kräfte und vor den Augen der Freunde ging er unter und kam nicht wieder an die Oberfläche.— Ferner ertrank im Müggelsee ein unbekannter, etwa LOjährigcr Mensch beim Baden. Er hatte seine Kräfte weit überschätzt und war zu tief in den See hineingeschwomnien, so daß er beim Zurückschwimmen schlapp wurde und ehe Hilfe zur Stelle sein konnte, unterging und ertrank. Ei» unv-rschämter Bauernfänger, der an Bahnhöfen sein Un« toesen treibt, hat einen Durchreisenden in der dreistesten Weise betrogen. Ter Mechaniker Otto Gretschel aus Stettin wurde anr Stettincr Bahnhof von einem ihm unbekannten, etwa 30jährigen Mann gebeten, ihm doch beim Fortschaffen eines Koffers zu helfen. An seiner Gutmütigkeit half ihm auch G. Als die beiden mit ihrer Last an der Ecke der Weinmeister- und Gormannstraße an- gekommen waren, tat der Fremde so, als wohne er dort rm Eck- hause und er bat G., ihm doch einen Hundertmarkschein zu Wechsel», damit er seiner Wirtin die Zimmcrmiete zahlen könne. G. ver- mochte dies aber nicht und er händigte dem Unbekannten auf dessen Bitten ein Zwanzigmarkstück aus. Vergeblich wartete er dann aber auf die Rückkehr deS Reisenden. Dieser hatte durch einen zweiten Ausgang das Haus inzivischen längst wieder verlassen. Uebersall auf einen Arzt. Zu dieser auch von uns gebrachten Notiz sendet der Vertreter eines Beteiligten, Walter Heidschmidts, der„Vosstschen Zeitung" eine Darstellung, die die Sache in anderem Lichte darstellt. Danach habe der Arzt in einem Eoupe gleich nach dem Einsteigen das Fenster geschlossen, und als Coupe- insassen sich das verbaten, diese mit Schimpfworten traktiert. Daraufhin sei eS zu tätlichen Auseinandersetzungen gekommen, wobei allerdings der Arzt nicht gerade gelinde angefaßt worden ei. Bon schweren Mißhandlungen und Verletzungen könne aber eine Rede sein, auch hätten die„Rowdies" keineswegs die Flucht ergriffen, vielmehr hätten gerade sie salles Leute aus gut bürger- lichen Kreisen) auf Feststellung der Personalien des Arztes und der Zeugen durch einen Stationsvorsteher gedrängt. � Einen schrecklichen Ted fand die Ehefrau des Besitzers V. Heyden. Frau v. H. weilte in letzter Aeit in ihrer Sommerwohnung bei Freienwalde, wo infolge UmsturzenS einer Petroleum- lampe gestern ein Zimmerbrand ausbrach. Frau v. H. erlitt dabei so schwere Brandwunden am ganzen Körper, daß sie nach einem Krankenhause gebracht werden mußte. Auf dem Transport nach dort wurde sie im Krankenwagen durch den Tod von ihren Qualen erlöst. Aus der Brandchronik. Gestern mittag gegen l Uhr brach in der Oldenburger Straße 47 an der Pauluökirche in Moabit ein großer Dachstuhlbrand aus. Als die Gefahr bemerkt wurde, hatten die Flammen schon sehr an Ausdehnung gewonnen. Die Feuerwehr rückte mit zwei Löschzügen an und griff sofort unter Leitung des Brandmeisters Firsbach mit drei Schlauchleitungen ein. Trotzdem dauerte es über eine Stunde, bis die Gefahr be» seitigt war. Der Dachstuhl ist größtenteils zerstört. Ueber die Ursache deS Brandes konnte noch nichts ermittelt werden.— In der Ahornallee 26/27 in Westend brannte e? gestern vormittag in einein Mädchen Pensionat. Die Charlottenburger Feuer- wehr war bald zur Stelle und löschte das Feuer, dos die Decke eines Zimmers erfaßt hatte, in kurzer Zeit ab. so daß größerer Schaden nicht entstanden ist. Unter den Pensionärinnen brach anfangs eine Panik auß, doch legte sich die Aufregung bald wieder, als die Feuerwehr erschien.— Wie eine spätere Meldung besagt, sind bei dem Feuer in der Oldenburger Straße zwei Feuerwehr- leute zu Schaden gekommen, da eine Deck« teilweise einstürzte. Die Verunglückten sind der Oberfcuermann Schutte und der Jeuermann Gleicher vom IS. Zuge.— Ein Ladenbrand kam gestern nachmittag in einem Eeisengeschäft in der Badstraßc, nahe der Buttmannstraße. auS. Das Feuer fand an den Seifenvorräten, an Petroleum, Benzin und dergleichen reiche Nahrung und er» faßte auch das erste Stockwerk. Der Qualm legte sich infolge der Hitze so stark in die Straße, daß man kaum die Hand vor Augen sehen konnte. Die Wehr wurde des Feuers bald Herr. Es ver- lautet, daß die Ursache des Brandes in einer Explosion zu suchen sein soll. Der Laden ist vollständig ausgebrannt. Wer ist der Knabe? Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 30. Juli er., nachmittags gegen 3 Uhr. fiel«in unbekannter, etwa neun Jahre alter Knabe vor dem Grundstück An der Fischerbrncke 1 beim Spielen in die Spree und ertrank. Die Leiche wurde heute gelandet und nach dem Leichenschauhause geschafft. Der Knabe hat blond« kurze Haare, blaue Augen, volles rnndcS Gesicht und ist be- kleidet mit brauner Manchesterhose und brauner Jacke. Etwaige Rekognoscenten wollen sich nach dem Leichenschauhause, Haniioversche Straße 6. bemühen oder zu 3381 IV SS. 11 dem Polizeipräsidium, Zimmer 330, Mitteilung machen. Im Zoologischen Garten ist kürzlich ein eigenartiger Raub- Vogel, ein südafrikanischer Sekretär, eingetroffen, der als Bodenvogcl neben den Wildpfauen in dem alten Hause am Haupt- restaurant Platz gefunden hat. In seiner Gestalt ähnelt dieser große, grau und schwarz gefärbte Vogel wegen seiner ungemein hohen Beine einem Stelzvogel, dem er auch in seiner Lebensweise ähnlich ist, da er seine Beute, jkricchtiere und besonders Schlangen, zu Fuß jagt und ein ausdauernder Läufer ist. Seinen Namen verdankt dieses in seiner Heimat sehr nützliche Tier einer Anzahl langer schmaler Nackenfcdern, die. wenn er sie sträubt, an einen Schreiber erinnern, der sich den Federhalter hinter das Ohr gc- steckt hat. In den kolke, Caprlco fand gestern die Erstaufführung verschiedener kleiner Einakter statt, deren Handlung, wie es sich bei diesem Theater von selbst versteht, in Paris spielt und sich um pikante LiebeSabentener sowie allerlei Ehebrüche dreht. DaS erste dieser Stücke, das kleine Lustspiel.Drei Frauenhüte" ist ziemlich leicht zusammengezimmert und seine komischen Situationen sind allzu gesucht und gekünstelt, als daß eü den Anforde- rungen eines kritischen Geschmacks genügen könnte. Dagegen bot der flott geschriebene, durch seinen Schluß verblüffende Schwank von Adolf Glaß.Sie ist eine Ausnahme", wie auch Julius Horsts kleine Posse.DaS Strumpfband' pikante Skizze» aus der Pariser Lebelvelt. Da im ganzen gut gespielt wurde— vornehmlich zeichneten sich Fräulein Maryn FuggenS sowie die Herren Beckinann und Jiinkerman» durch ihr Spiel aus— so fehlte es nicht an fröhlichem Beifall. Gesperrt. Die Kiautschoustraße von der Samoastraße bis zur Torsstrah« ist wegen Pflasterarbeiten vom 31. Juli d. I. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Vorort- JVadmcbtem Eharlottenburg. Ein entsetzliches Branduugluck, durch welches der Tod eines Kindes herbeigeführt wurde, hat sich am gestrigen Mittwochnach- mittag in Eharlottenburg zugetrageu. Dort spielten auf dem Hofe des Hauses Krummcstraße 73 mehrere Kinder, unter denen sich auch der 2 jährige Franz MankowSki befand. Die Kleinen kamen aus den Einfall. Feuerwehr zu spielen. Sie schleppten mehrere Bündel Stroh und Heu, sowie im Stalle lagernde Holzscheit« zusammen und einer kx Junge» holten damit«S schneller ging, aus der elterlichen Wohnung eine Kaffeeiasse SpirituZ. Dann wurde das Feuer angezündet und die Kleinen flüchteten nun vor den hervorschlogenden Flammen. Nur der kleine MankowSki vermochte sich nicht rechtzeitig zu entfernen, er stolperte und fiel in das Feuer hinein. Im Nu bedeckten die Flammen das leichte Gewand des Kindes und als mehrere erwachsene Personen hinzukamen, vermochten sie nur noch den mit Brandwunden über und über bedeckten Knaben bewußtlos hervorzuziehen. Der Kleine wurde nach der Unfallstation in der Berliner Straße gebracht und von dort nach dem Kranken- Hause Westend übergeführt,'wo er bald nach der Einlieferung unter entsetzlichen Qualen verstarb. Strohhüte für die Straßenreiuiger hat der Charlottenburger Magistrat eingeführt, um diesen Angestellten die Arbeit während der großen Hitze zu erleichtern und sie vor Hitzschlag zu schützen. Nieder-Schöneweide. In der Generalversammlung am 2Z. Juli gab Genosse Dehme! den Vorstandsbericht. Im vergangenen Jahre haben stattgefunden 4 Generalversammlungen, 6 Mitglieder-, 2 öffentliche Bersamm- lungen, 10 Frauen-Leseabende, Der Mitgliederbestand ist 174, darunter 29 weibliche. Durch die Parteispedilion bezogen den .Vorwärts" 318 Personen. Der Kajsenberichl weist eine Einnahme von 159,10 M. auf, dem«ine Ausgabe von 73.97 M. gegenübersteht. An die Zentralkasje wurden 106,05 M. abgeliefert. Die Wahl des Vorstandes hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Genosse Dehmel. 2. Vors. Genosse Unruh, Schriftführer Genofle Günther. Beisitzer Genossin Wiwjorra, Revisoren die Genossen Fraßeck. Mielenz, Schröder. Spediteur Franz Gehrt. Bibliothekar Gen, Johr, Agitattons- kommisston die Genossen Tilche, GromnS, Kreks, Springensgut. JugendauSschnß die Genossen Springensgut und Wegener. Beschwerde- kommisston die Genossen Rötel, Gräbnitz. Bart, Mielenz. Bezirks- führer 1. Bezirk Otto Priebke, 2. Bezirk Töllner; die Wahl des Kassierers und des Bezirksführers für den 3. Bezirk wurde bis zur nächsten Versammlung zurückgestellt. Delegiert zur Generalversamm- lung Groß-Berlin wurden die Genossen Fraseck und Wegener. als Ersatzmann Rätcl. Zur Generalversammlung de» Kreises die Ge- nossen Voß und Fraieck, als Ersatzmann BonakowSky. Als Leiterin der Frauenleseabende wurde die Genossin Wiwjorra wiedergewählt. Pankow. Ein netter Vormund und Stiefvater scheint der Schneidermeister P. aus der Herthastraße zu Pankow zu lein. P. ist seit vierzehn Tagen spurlos verschwunden. Die Polizet fahndet nach ihm, weil er mit seinem Mündel und seiner Stieftochter in straf- ltchem Verkehr gestanden hat. Die letztere, ein fünfzehnjähriges Mädchen, sieht in allernächster Zeit der Geburt eines Kindes ent- gegen. Vceskow. In Premsdvrf, im schwarzen Winlel deS Kreises Teltow- BeeSkow, bei Beeslow, tagte am Sonntag eine Volksversammlung ür die Orte Premsdorf. Ahrensdorf, GörSvors und Falkenberg. An Stelle des leider durch seinen Unfall verhinderten Genossen Zubeil referierte Hildebrandt- Rixdorf über das Thema:.Di« Sünden der ReichStagsmehrheit und die bevorstehende» Wahlen". Die Ber- ömmlung, welche unter freiem Himmel stattfand, war von ungefähr 120 Personen, in der Hauptsache Landarbeitern und einige» kleinen Eigentümern, besucht, welche mit gespannter Ausmerksamkeit die Ausführungen des Redners verfolgten. Der mehrfache Beifall be- wies das BerstäudniS, das die Versammelten den Darlegungen ent- gegenbrachten. Hoffentlich gelingt es. dieser ersten Versammlung dort andere folgen zu lasten, damit auch hier mehr wie bisher für die Ausbreitung unserer Ideen gewirkt werden kann. Friedenau. Die Freie Turnerschaft Friedenau und der Friedenau- Steglitzer Männerchor veranstalten am Sonntag, den 6. August, im Restaurant zur Klause Wilmersdorf, Hildegardstraße, gemeinsam ein Sommer- fest, bestehend in turnerischen und GesangSvorführungen, satirischen und humoristischen Vorträgen, Preiskegeln, Kinderfackelzug u. a. m. Programm 20 Pf. Kinder erhalten Etockloterne gratis. Da beide Bereine bei Arbeitersestlichkeiten immer mitwirken, so wäre ein reger Besuch zu wünschen. Bei ungünstiger Witterung findet das Fest am 13. August statt. Mahlow(Teltow-Beeskow). „Die Junkerwillkitr in Preuße» imfc die Diktatur der Amtsvvr steh«" lautete das Thema, über das Genosse Groger-Rixdorf am letzten Sonntag hier in einer Versammlung unter freien Himmel referierte. Trotz der großen Hitze war die Versammlung von rund 300 Personen besucht, die die trefflichen Ansführunge» de« Referenten mit wiederholten Enlrüstungslundgevungen und großem Beifall be- gleiteten. ES war die erste Versammlung. die wir in dem Amtsbezirk deS Herrn Amtsvorstehers Spicker- mann- Rangsdorf abhalten konnten, der es über ein Jahr ver- standen hat, un« solche Versammlungen zu unterbinden. An der Hand einwandssreier BeweiSdolumente rechnet« Genosse Groger mit dem KmtSvorsteher ab und kennzeichnete in scharfen Worten die gesetzwidrigen Maßnahmen gegen un», aus denen heraus wir jetzt ein Erinittelungsverfahren eingeleitet haben. In der besten Stimmung gingen die Teilnehmer auseinander, die bei Bekannt- machung einer baldigen neuen Versammlung mit dem Genossen Zubeil nochmals freudig zustimmten. So hat der Herr LintS- Vorsteher gute Agitation für uns geleistet. Gerichts-Zeitung* Mißlungene Feldzüge gegen Jugendliche. Wegen Teilnahme an einer öffentlichen politischen Versammlung hatte auf Grund des Reichsvereinsgesctzes zu Anfang dieses Jahres eine große Anzahl jugendlicher Arbeiter und Arbeiterinnen Straf- befehle über 3 M. Geldstrafe oder einen Tag Haft erhalten. Hiergegen legten sie, bis auf einzelne, die. um den mit der Unter- Haltung vor Gericht verbundenen Scherereien zu entgehen, die zu Unrecht ihnen auferlegte Strafe zahlten, Widerspruch ein. Sie hatten sich deshalb gestern vor dem Jugendgericht am Amts- gericht in derNeuen Friedrich st raße wegen vermeint- sicher Frevel gegen das Vereinsgesetz zu verantworten. Die Ein- sprüche wurden in zwei Prozessen verhandelt. Beide endeten mit Freisprechung. 1. An dem ersten Prozeß waren 24 Sttgellagte beteiligt. Die nach Behauptung der Anklage.politische" Versammlung hatte am IS. Januar im Lokale von Hecker, Samariterstr. 11, statt- gefunden. Die Angeklagten ließen durch ihren Verteidiger. Rechts« anwalt Dr. Kurt Rofenfeld. erklären, daß sie von ihrem Recht, zur Anklage sich nicht zu äußer», Gebrauch machen. Sie täten das, weil eine Reihe von Dinge», die sie bei der polizeilichen Vernehmung gesagt hattet,, nicht richtig waren. Der Verteidiger gibt sodann einen Ueberblick über die Sachlage. Er betont zunächst, daß die Jugendausschüsse mit der aufgelösten Jugendorganisation nichts zu tun haben, jedoch von der Polizei als Fortsetzung jener Organisation angesehen werden. Deshalb betrachtet die Polizei auch die von den Jugendausschüssen einberufenen Versammlungen ohne weiteres als politische. Die Versammlung, um die eS sich hier handelt, war nun nicht einmal vom JugendauSschuß veranstaltet. Dieser hat wohl zur selben Zeit erst eine Versammlung einberufe»,, sie aber dann abbestellt, weil kurz vorher»n ähnlichen Versammlungen die Be» sucher durch die Polizet belästigt worden waren, und der Jugend- auSschuß die jungen Leute, die meist alz Lehrlinge in sehr abhängiger Stellung find, dergleichen Unannehmlich» ketten nicht aussetzen wollte. Einige Jugendliche hatten dann auf eigene Faust die Versammlung einberufen. Der bestellte Re- feient war nicht erschienen. Als ein junger Mann, Kirste, um die Versammlung zu unterhatten, einige Worte gesprochen hatte, kam die Polizei. Ohne sich zu vergewissern, w a S da gesprochen wurde, löste sie die Versammlung auf und stellte die Personalien eines Teile? der Besucher fest. Die Angellagten behaupten, daß eS keine politische Versammlung war. Als Zeugen wurden der Kriminalbeamte Zapp» und der Schutzmann F r i t s ch e vernommen. Der erste sagt auS, daß den, Revier bereits am 14. Januar der Befehl gegeben wurde, die am nach st en Tage, nachmittags 3 Uhr. stattfindende Versammlung aufzuheben und die Personen unter 13 Jahren festzustellen. Die Beamten haben dann, wie auch der zweite Zeuge bestätigt, den Befehl ohne weiteres ausgeführt, so daß sie von dem, was in der Versa», mlung gesprochen wurde, nichts vernommen haben. Auf A-'.ßrag des Amts- anwalts wurden dann auS den Gerichtsprotokollen von, 24. April die damals von zwei der Angeklagten gemachten Aussagen verlesen. Die Aussage» gehen dahin, daß in der Versammlung über die Jugendbewegung, über Bildung, gegen den Alkohol und gegen die Schundliteratur gesprochen sei und daß sich der Redner gegen das Rauchen gewandt habe, daß aber politische Fragen nicht behandelt seien. Der SmtSanwalt führt in längerer Rede ans: Die Sozialdcmolratie habe ans ihrem Parteitage in Starnberg 1903«ine Resolutton angenommen, wonach die Jugend- organisatton mit allen Mitteln unterstützt werden solle. Als dann hier in Berlin durch daS Urteil des Ober- verwaltungSgerichtS vom 14. Okiober 1910 die Aufhebung der Jugendorganisation bestätigt wurde, habe man sich auf fetten der Sozialdemokraten gesagt: Wenn eS nicht mit dem Gesetz geht, dann gegen das Gesetzt Die Versammlungen im Januar 1911 hätten in denselben Lokalen stattgefunden, wo früher die Jugend- organisatton tagte, und eS hätten auch eine Reihe früherer Mit» glieder dieser Organisatton daran teilgenommen. ES liege die An- nähme nahe, daß die Versammlungen eine Fortsetzung der für politisch erklärten Jugendorganisation seien; der Nachweis dafür lasse sich allerdings nicht erbringen. Daß aber in der fraglichen Versammlung politische Erörte- rungen stattgefunden hätten, dafür spreche daS ganze Milieu. Die Angeklagten seien größtenteils Abonnenten der.Arbeiterjugend", die Einladungen zu der Versammlung zeigten die Worte.Werte Jugend- genossen" und.Mit freiem Jugendgruß". DaS seien die alten Formen, in denen die Sozialdemokratie mit den jungen Leuten zu verkehren pflege. In den Versammlungen werde die Sache natürlich so gemacht, daß man, wenn die Polizei vertretet» sei, sich hüte, über politische Dinge zu sprechen, tatsächlich aber würden eine ganz« Reihe politischer Fragen erörtert. Wenn das Thema lautete:„Die Entwickelung der Jugendbewegung" so genüge daS eigentlich schon als Beweis für den polittschen Charakter der Versammlung, denn der Sozialdemokrat.könne" diese Frage nur auf politischem Wege erörtern; das sei natürlich nach der Tendenz der sozialdemokrattschen Partei.— Er beantrage deshalb gegen jeden Angeklagten eine Geld st rase von 3 Mark oder einen Tag Haft. Der Verteidiger beantrag,, alle Angeklagten frei zu- sprechen. ES hat sich um keine politische Versammlung gehandelt. Der Nürnberger Parteitag habe im Gegensatz zu dem, waS der Amtsanwalt behauptete, ausgesprochen, daß man gerade wegen deS ReichSvereinsgesetzeS von der Jugendorganisation Abstand nehmen»nüfle. Die Partei habe aber natürlich de» Jugend- lichen nicht verbieten können, sich zu organisieren. Die Jugend» ausschüsse bemühten sich genau im Nahmen deS Gesetzes zu arbeiten. Wenn der Amtsanwalt behauptete, wenn die Polizei nicht dabei wäre, beschäftige man sich in den Versammlungen mit Politik, so sei daS einfach eine ohne jeden Beweisantritt gemachte Unterstellung. Der Amtsanwalt möge doch einmal unversehens auf die Spielplätze kommen, die die Stadt Berlin de» Jugendlichen zur Ver- fitgung stellt, und sich überzeugen, ob da etwa» andere» getan wird, als gespielt I Nun meinte der Amtsanwalt. daS Lokal, da« Milieu und die EinladungSzettcl sprächen dafür, daß die Versammlung politisch war. Der Verteidiger verttat die Hinfälligkeit dieser Deduktion und der weiteren Behauptung, weil die Jugendbewegung eine Einrichtung der Sozialdemokratte sei, müßte sie notwendig politisch sein. Merkwürdig sei auch das Verhalten der Polizei. Sie habe eS doch so leicht gehabt, die Versammlung, wenn sie fie für unzulässig hiell, einfach zu verhindern und ein paar Schutzleute vor �>e>n Lokal aufzustellen, aber statt dessen die Jugendlichen gleichsam in eine Falle zu locken. Eventuell sei„och hervorzuheben, daß die An- geklagten nicht dse nötig» Einsicht in die doch unter erwachsenen und juristisch gebildeten Leuten vielumstrittene Frage haben konnten, wa» politisch ist und was nicht. Weil man ihnen nicht die nötige Ein» jicht zutraute. Hab« man ja von vornherein einen der festgestellten jungen Leute, der Mitglied de» tatholt scheu Vereins St. AlohsuS war, ausgeschaltet. Da» Urteil deS Gerichts lautete aus Freisprechung und Uebernahme der Kosten deS Verfahrens auf die Staatskasse. ES habe sich nicht feststellen lassen, daß in der Versammlung politische Dinge erörtert wurden. In dem zweiten Prozeß handelte eS sich um 14 An« geklagte und um eine Versammlung am 8. Januar bei Bclz in der Sllensteiner Straße. Die Angellagten waren nicht erschienen. Sie hatten dem Rechtsanwalt Kurt Rosenfeld Vollmacht erteilt, sie zu vertreten. Diese Versammlung war vom JugendauSschuß ein» berufen. Der Referent hatte kaum 10 Minuten gesprochen, als die Polizei erschien, die Versammlung ohne weiteres auflöst«. In der Ver» Handlung wiederholte sich dasselbe wie im ersten Prozeß. Der Amts» anwalt behauptete steif und fest, eS sei eine politische Versammlung ge« Wesen, ohne irgendwelche beachtenswerte Gründe dafür anführen zu können; ProtolollanSzüge werden verlesen, die da» nicht beweise», was der AmtSanwalt sagt, vielmehr für den nichtpottttschen Charakter dr» Versammlung sprechen; der Verteidiger widerlegte die Be» hattptungen deS LmtSanwalts und das Gericht sprach die An» geklagten frei. Die Kosten hat die Staatskasse zu tragen. '.* Welch' großer Aufwand ward vertan, um 33 Jugendliche als „Bestrafte" führen zu können. Warum verwendet die Anklage- behörde nicht wenigstens einen Teil so nutzlos vergeudeter Energie zur Anklageerhebung gegen die Mörder de» Arbeiter« Herr mann? Wäre eine Versammlmrg, die diese Gründe erörtut», auch eine .politische"?__' BfUffeartcn der Redahtfon. wie(utiRlfiye S»reWun»e findet LtodenftreSeSS. vorn»«er rre»»en — N«hrstu»I—, NntqmSallch va» 4',i»IS 7Vj Udr-i-ndS, SonnadendS, v»» Uj bi» 6 Uhr adendS ftait. Jeder stir den SritfTntten»efiimmlen«Infrooe Ist ein Biichsiabc und eiue Zahl alS Mettzetchen deijutühtn. VNefltche Antwor« wird ni»t erteilt. Ausragen, denen icinc A»anucmenlS«uitt»n»»clgefSgt 1», werden nicht deantwortet. EU-ge Kragen trage man in»er«»rechsennde vor. (?. L. 18. 1. Bei Auscut holt in Deutschland— gleichgültig, in tv eichen, Bundesstaat— andauernd nicht. 2. Rein. 3. Rur dann, wenn es nicht vom Patentamt geschützt ist,— Schöncberg XXI. Fragen Sie bei der Steuerbehörde an, wer der Sessher des HaMS ijtz und diel es verklag« ®f.— M.eS Krieges. 3 Wird alsdann festgesetzt.— Gtvald 1. fie giojsiäi 1. und 2. Nein. 3. Nicht anzunehmen. 4. Wenn fie [jährig ist, nicht, andernfalls möglicherweise ja.— I. W. 17. Nur dann, wenn ein Arzt die Gefundheitsgesährdung bestätigt. Jedenfalls haben Sie ein Recht, Abhilfe zu verlangen.— Reklame 13. 1. Der Gewerbedeputation. 2. Nur dann, wenn mehr als 1500 Mark Reinverdienst. 3. Nein. 4. Ja, wenn kein Vorbehalt gemacht ist. 5. Nein.— 1000. Das PensionSoersicherungsgesetz für die Privatangestellien, das Sie anscheinend meinen, ist im Reichstag noch nicht verbandelt und deshalb auch noch nicht Gesetz.— A. ft. Nein. — M. W. 300. Das zweckmäßigste ist, die Sache mit Stillschweigen zu übergehen.— A. L. 113. 1. Ja. 2. Da anscheinend im Zwangsvoll- streckungsiuege nichts einzuziehen ist, empfiehlt es jich, mit der ZahlungS- weife zufrieden zu fein.— I. N. 35. 1. 30 Jahre. Bei einem höheren Alter als 27 Jahre empfiehlt sich die Meldung nicht mehr, da etwa drei Jahre bis zur Anstellung vergeben. 2. Insgesamt etwa 400 M. 3. Sechs Monate. 4. Nein. 5. Polizeipräsidium.— I. A. Nur dann, wenn Sie einen gesetzlichen Grund zur Lösung haben.—„vorwärts�lefer. Fleiu- mingstraste. Wenn Sie Ihre Behauptungen nachweisen können und der Vermieter nach Aufforderung und Setzung einer angemessenen Frist nicht für Abhilfe sorgt, halten wir Sie zur vorzeitigen Lösung des Mietsverwages für berechtigt.— H. 8. Sie müssen selber einen Anwalt bestellen. In dnarftgcn Fällen besieht, kein Anspruch aus Rechtsschutz. Koldberg- H ahnai!. 1. und 2. Ja. 3. Erst nach besonderer Klage.— Ri. 3. 1. und 2. Nein. 3. u. 4. Ja.— Wahlrecht. Leider ja.—&. ff-. 38. 1. Ja, sofern die Wohnung auch für Familienangehörige ausreicht. 2. Keithstr. 15, Berlin. Eingegangene Dmckrdmfww. Arbeiter-Ge sundheits-Bibliothek. Band 1. Herausgegeben von Dr. Zadel. Wie bekannt, erscheinen seit einer Reihe von Jahren im Verlag der Buchhandlung Vorwärts jortlausend Abhandlungen zur Gesundheits- p liege des Arbeiters, die sich eines beständig wachsenden Zuspruchs der Arbeiter erfreuen. Bis jetzt sind nicht weniger als 27 solcher Einzelheste erschienen, an deren Abfassung mehr als zwanzig Aeizte und andere Zach- verständige beteiligt sind. Der Erfolg der Hefte legte den Gedanken nahe. die Abhandlungen in einem Bande zu vereinigen, der an Stelle der losen und darum leicht abhanden kommenden und unansehnlich werdenden Einzel- beste sich besser zur dauernden Benutzung jür die Familie, sür Vereine und Bibliotccken eignet. Dieser erste Band der Arbeiter-Gesimdbeiis-Biblioihek. der die �ersten 20 Heiie umsaßt, liegt jetzt vor. ES ist ein stattlicher Band von 400«eilen, überaiu geschmackvoll und dauerhaft gebunden und aus gutem Papier ge- druckt, mit zahlreichen, zum Teil prächtigen Originalzeichnungen und einer '"~ ifel(ü*"~---*- sehr zustatten kommen wird. Die Arbeiter-Gesimdheits-Bibliothek legt die Betonung aus die per. jönliche Gesundheitspflege, aus dasjenige, was der einzelne Arbeiter tun und lasleii kann und darum tun und lassen soll, um sich gesund und arbeiissähig zu erhalten, um sich und seine Familie vor Krankheiten zu jchützen. � Die Arbeiter-Kesundheits-Biblioihek will diesen Zweck erreichen, indem sie ihre Leser den Bau und die Funktionen des gesunden Körpers und seine einzelnen Organe kennen lehrt, fie über das Entstehen und Wesen der Krankheiten auszuklären und an Stelle von Aberglauben und Vorurteilen richtige, dem derzeitigen Stand des medizinischen Wissens entsprechende Vorstellungen zu setzen sucht..... Der Band ist zum Preise von 4.50 M. durch alle Buchhandlungen und Speditionen zu beziehen. Geschichte der Revolutionen, Vom niederländischen Ausstand bis zum Vorabend der srnnzöfischen Revolution. Von Dr. A. Conrady. Mit zahlreichen Bildern und Dokumenten aus der Zelt. Verlag Luchhandlung Vorwärts, Berlin BW. 68. Eilcheint in 50 Äeserungen a 20 Pf. Das Abonnement kann jederzeit beginnen. »Kommunale Praxis». Wocheiilchrijt jür Kommunalpolitik«nd Ge- meindesoziaiismus. Jede Woche erscheint 1 Heft. Adomiementsprcis 3 M. pro Quartal. Einzelnummern 30 Pf. Wettervroauol« kür Donnerstag, de« 3. üln Sehr heiß und schwül, vielfach heiter, aber veräti schwachen südöstlichen Winden und etwas Neigung zu Gewittern. Berliner Wetterbur»«» llugust 1911. ränderlich bei meist WafferktaiidS-Racvrtchten der Landesanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wciierbureau. Wafferstand M- m e l. Tilsit P r e g e l, Jnjterburg Weichsel, Tborn Oder. Rattbor , Kroffen , Frankfurt Warthe, Schrmn« , Lanbsberg Netz«, Lordamm Elbe, Letttneritz , Dresden , Bardo . Magdeburg 0+ bedeutet Wuchs,--- Fall.—•) tlnlerveqel. ZllMMMckWmM tue den UerlinerReiehstagswalreis. Köpenicter Viertel. (Bezirl 205 II.) Den Milgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gastwirt Ksr! Neidhardt Görlitzer str. 4s gestorben ist. Ehre feinem Zludenkenk Die Beerdigung findet am Freitag, den 4. August, nachmittags b Uhr, von der Leichenhalle des Zeutral-Friedhoses in Friedrichs- fclde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Hvr Vornteend. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Borlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Droschken- sührcr Richard Weiarich am 3!. Juli imMier von 32 Jahren verstorben ist. 09/17 Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 3. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Urban- Krankenhauses nach dem EmmauS-Kirchhos, Rix- dors, Hermannstraße, statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Dt« Bezirksvermaltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, Mutter, Tochter und Schwester Klara Jacob geb.Jeck-l am Dienstag im 39. Lebensjahre gestorben ist. 2S17b Dies zeigen tiesbetrübt an Robert Jacob nebst Tochter. Di« Beerdigung findet am Freitag nachmittags 4 Uhr von der Halle ocS Kcmeinde-Fried- hoseS in Friedrichsselde auS statt. Reparaturen, Spez.r Un- erläßlich saubere Mensur für Schüler. Tonverbesse. rung, aus Wunsch auch solche, die dem alt.itaiieniichen Tone täuschend ähnlich ist, Wesent- liche Vorteile und eventuelle Ratenzahlung sür Vorwärts- Abonnenten, Ungewöhnlich ehrende Anerkennungen, Lmtt Toussaint. Werkstätte iür Kunstgeigenbau in Berlin C., Joachimstr, llc, PutchPu Iii Paketon d 5,10 u. 20 Pf.« Reste Musterkupons,.Herbst-Neuheiten- für Anzüge, Kostüme, Meter 3, 4 Mark. Tuchtnger«Geselttchast m. b. H. l-eMlldlö�tf.zv'ZI.d.Pettikttche. Tefdattd der Goch- Bnd Steiadnietoei-Bilfsapbeiter n ÄriiEitenaaen Deiitseiilaiiiis. Ortsverwultanf Berlin. Am 81. Juli starb nach schweren Leiden unser Kollege Hans Ostrog im Alter von 32 Jahren. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet henke Donnerstag, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Dankes- Kirchhofes, Blanlestraße, aus statt. 28/1 0!» Ortsverwaltung. Deutscher Metaliarbeiter-Verband Ber>v.il:»ingastelle Berlin. Todes- Anzelfpo. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Anschläger Uidvvix Mania am 1. August gestorben Ist. Ehre feinem Andenken: Di« Beerdigung findet am Freitag, den 4. August, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen. ball« de» St, Corpus- Kirchhose» in Hohenschönhausen au» statt. Rege Beteiligung erwartet 120/20 Die Ortjverwaltuii|_ Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Braut Gertrud Deutsch sage ich allen Berwandten, velamiken, insbesondere den Kollegen der Finna Bergmann(Abt. 38, Jl) meinen [teu Dank. 613�2 Karl Hinz* Zuschneideschule „IiO Grand Chic" Berlin, Friedrichstraße 61. Faebwißsenficlialtlioh geleitete Hochschule für alle Fächer. Lehrkurso für 50841.* Herren- a. Damengarderobe üniformon. 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