Ur. 180. kldoimements-Neckingungeai Abonnements- Preis pränumerandsZ Lierteljährl. o£0'SU., monatl. 1,10 Mb, wöchentlich 2a Pfg. frei ins Haus. Einzelne flummct 5 Pfg, Sonntags. nuuuncr mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat, Eingetragen in die Post ----------------— �...-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Austand 3 Mark pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien, Däncmarh Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rlmiänicn, Schweden und die Schweis, 28. Ichrs> kklchillit iaglliü außer Msutzg,. Berliner Volksblalk. Zentvalorgan der rozialdemokrati feben parte! Dcutfcblanda. Die InlertlonS'Gefiölif Behügl für die scchSgespaltene Kolonell- -eile oder deren Naum K0 Pfg.. für politische und gewerkschastliche Vereins. und Versammlungs-Anzcigcn M Plg. „Aleine Snoeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. szulässig 2 settgcdru-kt- Worte), jedcS weitere Wort 10 Plg. Stellengesuche und Schlasstellenan« »eigen das erste Wort 10 Psg.. jede» weitere Wort ö Pfg. W-"te über lö Bruch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis B Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis � Uhr abends geöffnet Telegramm-Adreflei uSoziaidcinoIirat Bsrlia". Redaktion: 839. 68, Linden Strasse 69. Fernsprcchcri Amt IV, Nr. 1983. Steuettragev. in. Innerhalb der im letzten Artikel nachcsewiesenen Schranke für die Besteuerung ergibt sich aber für die sozialdemokratische Steuerpolitik ein weites Feld. Es gilt erstens zu verhüten, das; der Arbeitslohn durch Steuern noch weiter gekürzt wird: also Mehrwerts steuern, keine Arbeits st euernl Zweitens aber müssen auch die Mehrlvertssteuern so ein- gerichtet Iverden, daß sie die Formen des Mehrwerts in Volks- wirtschaftlich zweckentsprechender Weise treffen. Der Lohn kann nun von zwei Seiten getroffen werden: durch die Bestcuerung des Einkommens(direkte Einkommen- steuer, vor deren Einführung auch durch spezielle Lohnstenern). oder durch indirekte Steuern auf den Aufwand des Haus- Haltes des Lohnarbeiters. Ueber die indirekten Steuern und die gleichartig belastend wirkenden Zölle braucht in diesem Zusammenhang nicht näher eingegangen werden, um so weniger, da wir nach der klassischen Darstellung Lassalles durch zwei Schriften von E. Wurm und I. K a r s k i über die seitherige Entwickelung und die Wirkung des Ausbaues des Systems der indirekten Steuern trefflich unterrichtet werden.") Hier genügt die Erinnerung, daß indirekte Steuern das Mittel der herrschenden Klassen sind, die Lasten der Erhaltung des Staates von sich abzu- wälzen; daß sie das Einkommen um so härter treffen, je ge- ringer das Einkommen ist; daß sie drittens einen Versuch darstellen, den Steuerträger über seine Leistung zu täuschen, indem der Steuerbetrag im Preis des Produkts verborgen bleibt. Aber nicht die Art der Steuererhebung ist das Wesent- liche, sondern ihre Wirkung. Und die Wegbesteuerung eines Teiles des Lohnes wird um nichts besser, wenn sie direkt durch Lohn- oder Emkommensteuer, als wenn sie indirekt durch Lebensmittelsteuern bewirkt wird. Mit Recht sagt Renner: „Die Summe der Löhne(das variable Kapital) einer Volks- Wirtschaft dient zur Konsumtion der notwendigen Lebensmittel, zur Wiedererneuerung der gesamten gesellschaftlichen Arbeitskraft. Steuern auf den Lohn beeinträchtigen diese Wiedererneuerung (Lteproduktion) unter allen Umständen, auch wenn sie direkt gezahlt werden. Eine allgemeine Einkommensteuer kann also niemals gerecht- fertigt sein, die Einkommensteuer mutz das Lohneinkommeu ausnehmen. Die klotze Freihaltung des Existenzminimumsessen, was wie Lohn aussieht, in Wirk- lichkeit aber kein Lohn ist, wie Gehalt, Provision, die Tantiemen usw. Höhere Besoldungen können der direkten Einkommensteuer unterworfen werden, das macht die direkte Besteuerung des Arbeitslohnes noch lange nicht gerechtfertigt. Aber die ungerechtfertigte Belastung der Arbeitseinkommen ist nicht der einzige Manßel einer allgemeinen Einkommen- steuer. Auch als Mehrwertsteuer haftet ihr der Mangel an, datz sie die verschiedenen Arten des Mehrwertes nicht unter- scheidet. Es ist aber klar, daß Grundrenten- und Zinsein- kommen eine höhere steuerliche Belastung vertragen können als der Unternehmergewinn, dessen Höhe unter sonst gleichen Umständen für die Akkumulation, die industrielle Eutsaltiiug unniittelbar entscheidend ist. Dabei darf freilich nicht verkannt werden, d a ß h e u t e immer mehr im Einkommen des Kapitalisten alle drei Einkommens- quellen zusammenfließen, von den Einzel- kapitalisten den Banken zur Verfügung gestellt und von ihnen wieder dem Akkumulationsprozeß zur Verfügung gestellt werden. Es gilt eben auch hier wieder, daß jede Steuer, wie immer sie erhoben wird, wenn der Staat sie unproduktiv verwendet, in letzter Instanz der Akkumulation entzogen wird. Zugegeben muß aber werden, daß der AkkuMulatiousdrang beim Industriellen und Leihkapitalistcn stärker ist als beim Groß- grundbcjitzer, so lange dieser noch mehr von der feudalen, alS von der rein kapitalistischen Ideologie beherrscht wird. Noch aus einem anderen Grunde kann eine rationell ein- gerichtete Besteuerung der Grundrente viel eher durchgeführt werden als eine Besteuerung des Unternehmergewinnes. Die Grundrente ist ein Extraprofit, der dem Grund e i g c n t ü m e r zufällt, ohne daß er etwas dazu zu tun braucht.-Dem Ve- b a u e r des BodenS, z. B. dem Pächter, schmälert die Ve- *) Die beiden vorzüglichen Schriften haben folgende Titel: I. Karski:.Die Brandschatzniig des Lölkes durch indirekte Steuern in Deutschland." Leipziger Buch- druckerei A.-G. 1909. Em. Wurm:.Die Finanzgeschichte des Deutschen Reiches." Hamburg 1910. steuerung der Rente durchaus nicht den durchschnittlichen Unternehmergewiim. Eine Steuer auf die Grundrente ver ringert also in keiner Weise die Bodenbebauung, sie hat keine schädlichen wirtschaftlichen Nebenwirkungen, außer denen, die jede Steuer bereitet, die zu unwirtschaftlichen Staatsausgabcn verwandt wird. Sie bewirkt nur, daß ein Teil des durch die Entwickelung der Gesellschaft entstandenen Extraprofits statt den Grundherren der ganzen Gesellschaft zugute kommt. Dagegen hemmt jede allzustarke Besteuerung des Unternehmergeivinns nicht nur unmittelbar die Akkumulation, sie ist überhaupt nur in einem beschränkten Maße möglich, soll nicht der Durchschnittsprofit so sehr gesenkt werden, daß Auswanderung des Kapitals ver- anlaßt wird. Die Einkommensteuer muß daher nach der Art des Ein- kommens verschieden gestaltet werden. Das anerkennen auch prinzipiell viele bürgerliche Steuertheoretiker; sie gehen aber in dieser Differenzierung nicht weit genug. Die herrschende An- ficht unterscheidet nicht die einzelnen Quellen des Einkommens jede nach ihrer Eigenart, sondern begnügt sich, das sogenannte fundierte, d. h. das aus Vermögen irgend welcher Art fließende Einkommen von dem unfundierten, das nur aus per- sönlicben Leistungen herstammt, zu unterscheiden. Sie will das aus Vermögen fließende Einkommen stärker treffen und er- gänzt daher die allgemeine Einkommensteuer durch eine so- genannte V e r m ö g e n s st e u e r, die sie deshalb Ergänzungs- steuer nennt. Wir sprechen von einer sogenannten Vermögens- steuer deshalb, weil diese Steuer nicht etwa wirklich aus dem Vermögen gezahlt wird, also eine Verminderung desselben verursacht, sondern aus dem aus Vermögen herrührenden Einkommen. Es ist klar, daß auch die Sozial- demokratie, so lange andere Verbesserungen der Einkommen st euer nicht möglich sind, dieseKorrektur der Einkommen st euer akzep- tieren wird. Die Einkommensteuer hat aber nicht nur den ökonomischen Mangel, die verschiedenen Einkommensteuerarten ganz gleich zu behandeln, sondern auch den finanztechnischcn der H i n t e r- ziehungsgefahr. Man weiß, daß soivohl das mobile Kapital, also der Aktien-, Obligationen- usw. Besitz, als auch das immobile Kapital, das Grundeigentum, alljährlich gewaltige Steuersummen unterschlagen. Die Debatten über die Finanz- reforin haben ja darüber massenhaftes Kapital zutage gefördert. Die Hinterziehungsmöglichkeit ist bei dem mobilen Kapital durch die ökonomische Natur des Besitzes gegeben. Das Ein» kommen aus den verschiedenenZinstiteln, Bankdepositen usw. usw. läßt sich eben außerordentlich leicht verbergen, ja es läßt sich ohne Mühe zuni Teil ins Ausland bringen, wodurch jede wirksame Kontrolle fast unmöglich gemacht wird. Bei dem im- mobilen Kapital sind es mehr politische Verhältnisse, die Macht und der Einfluß, den die Grundbesitzer aus die Staatsver- waltung ausüben, die die Hinterziehung ermöglichen. Man nehme dem Landrat den Vorsitz in den ländlichen Steuer- kommissionen und übergebe diesen Beamten mit gesicherter Unabhängigkeit und die Einkommensteuer aus dem flachen Lande wird sofort emporschnellen. Die Besitzenden freilich setzen jeder wirksamen Kontrolle erbitterten Widerstand ent- gegen und wissen nicht genug über das„Vexatorische" der Steuerkontrollen Klage zu führen. In Wirklichkeit bedarf die Steuerkontrolle nicht einer Milderung, sondern einer Ver- schärfung. Die Sozialdemokratie wird sich gewiß nicht durch die beweglichen Klagen der Steuerhinterzichungsinteressenten rühren lassen, denn je mehr die Neichen Steuern hinterziehen, desto mehr wächst die Steuerlast der Armen. Die Steuerhinterziehung ist nichts anderes als ein Massen- d i e b st a h l der reichen Klassen an den armen. Es ist kein Zweifel, daß die Steuerhinterziehung, die im allgemeinen im Verhältnis zur Größe der Vermögen zunimmt, ein ernster Mangel der Einkommensteuer ist. Sie verursacht, daß diese Steuer den Charakter einer Arbeitseinkommen- und M i t t e l st a n d s st e u e r annimmt und in viel zu geringem Grade eine Steuer der Neichen ist. Dieser Mangel ist aber entscheidend und führt zu dem Urteil, daß die Ein- kommen st euer auch mit der ergänzenden Ver- mögens st euer als einzige Steuer unzureichend i st. Sie bedarf der Ergänzung durch andere direkte Stenern. Als wichtigste Kontrolle der richtigen Einschätzung dient aber die Erbschaftssteuer. Diese Eignung, die Angaben des Einkommens objektiv nachkontrollieren zu können, war es ja, die den Widerstand der Agrarier heraus- gefordert hat, aber eben das macht sie zum unbedingt not- wendigen Bestandteil eines direkten Steuersystems. Aber auch der Erbschaftssteuer, die Progressiv nach der Höhe der Hinterlassenschaft und dem Grade der Verwandtschaft ein- zurichten ist, sind geivisse Grenzen gesteckt. Eine allzustarke Besteuerung würde, wenn sie Vermögen trifft, das industriell angelegt ist, stärkere Störungen in» Wirtschaftsbetriebe verursachen. Diese Grenze schiebt sich allerdings immer iveiter hinaus. Denn das kapitalistische Vermögen und namentlich die großen Vermögen nehmen immer mehr die Form des mobilen Kapitals. Aktien- und Rentenbesitz aller Art an. Dies erleichtert die Uebertragnng außerordentlich und macht selbst hohe Erbschaftssteuern möglich ohne jede Schädigung des Fortganges des WirtschaftSbetriebcs. Expedition: 839. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984» Die iozialdemohratische Partei und die ffiarotzkofrage. Man schreibt unS aus dem Parteibureau: In einem R. L. gezeichneten Artikel der„Leipziger VolkSzeitung" Nr. 174 werden eine Reihe unwahrer Behauptungen über das Ver- halten des ParteivorstandeS während der Maroktokrise aufgestellt. auf die eine Erwiderung nötig ist, weil sie in Parteiversammlungen weiterkolportiert wurden. Es heitzt in dem genannten Artikel, datz die deutsch-französische Friedensdemonstration, die am vergangenen Freitag in Berlin statt- fand,„lediglich den Führern unserer Gewerkschaftsbewegung zu ver« danke» war" und datz„ein Vertreter des Parteivorstandes als Gast bei dieser gewerkschaftlichen Veranstaltung zum Schluß das Wort ergreifen" konnte. ES wird weiter die Frage aufgeworfen:»Wo war aber die Partei bei dieser Gelegenheit?" Diese von R. L. aufgestellten Behauptungen sind unwahr. Die Demonstrationsversammlungen in der„Neuen Welt" waren gemeinsam von der Generalkommission der Gewerkschaften und dem Parteivorstand vorbereitet und die.VorwärtS"-Jnscrats und die Plakate an den Litfatzfäulen, durch die die Berliner Arbeiterschaft zur Teilnahme an der Demonstration aufgefordert wurde, waren vom Ausschuß der Berliner Gewerkschaflskommission und dem Aktionsausschuß der sozialdemokratischen Wahlvereine Grotz-VerlinS unterzeichnet. Es ist deshalb auch unwahr, daß ein Vertreter des Parteivorstandes lediglich als Gast zu Worte kam. Die Genossen Molkenbuhr und Ströbel waren vielmehr vom Parteivorstand als Redner für diese Versammlungen bestimmt. Es heißt dann weiter, datz der Berliner Demonstration eine solche in Paris folgen würde, die von den deutschen und französischen Gewerkschaften veranstaltet würde. Auch das ist unwahr. Zu der Pariser Demonstration, die am heutigen Freitag stattfindet, sind die sozialistischen Parteien und die Gewerkschaften Frankreichs, Deutsch- lands, Englands und Spaniens eingeladen. Es werden in Paris neben den Vertretern der deutschen Gewerkschaften auch vom Partei- vorstände delegierte Vertreter der deutschen Sozialdemokratie reden. Ferner heitzt es in dem Artikel, daß der Parteivorstand eine Zusainmenkunft des Internationalen Sozialistischen Bureaus ans« geschlagen habe. Auch das ist nicht wahr. Genosse Bebel erklärte als Vertreter der deutschen Sozialdemokratie im Internationalen Sozialistischen Bureau nur, datz ihm z u n ä ch st eine Konferenz des I. S. B. nicht empfehlenswert erscheine. Das I. S. B. hat dann in Uebereinstimmung mit dieser Ansicht entschieden, datz eS„unzweckmäßig sei, das Bureau in diesem Augenblick einzuberufen". Wenn nach dem Bericht deS„Vorwärts"(Nr. 179) Genosse Dr. Nosenfeld in einer Versammlung des sechsten Berliner Wahl- kreises diese Behauptungen des R. L.» Artikels der„Leipziger Volks- zeitung" wiederholte und ferner behauptete:„Das Internationale Bureau in Brüssel habe eine gewaltige Demonstration für den Frieden angeregt. Diese scheiterte an dem Widerspruch des deutschen Partei« Vorstandes", so ist das unwahr. Das I. S. B. hatte lediglich die oben erwähnte Konferenz der Delegierten des I. S. B. im Auge. » In der oben erwähnten Versammlung des 6. Berliner Wahlkreises hat es Genosse Dr. Kurt Rosenfeld auch für zweckmäßig und ersprietzlich gehalten, die„Leipziger Volkszeitung" wegen des R. D.-Artikels gegen den„Vorwärts" auszuspielen. Demgegenüber haben wir zu erklären, datz wir von dem R. R.-Artikel keine Notiz genommen haben, weil wir von dem Sachverhalte, wie er oben in dem Schreiben aus dem Parteibnreau geschildert ist, unterrichtet waren und es für eine politische Unklugbeit hielten, eine sich vor« bereitende Protestaktion durch kleinliche Nörgeleien und Auseinander- sctzungen abzuschwächen. Wir wurden zu dieser Stellungnahme noch ganz besonders durch die Erwägung veranlaßt, daß der R. D.-Artikel der„Leipziger BolkSzeitung" sich aus einer irreführenden Indiskretion aufbaut. Er enthält nämlich den Privatbrief eines Mitgliedes des Parteivorstandes, das ganz zuAnfang der Marokko- ossäre seine rein persönliche Meinung dem Internationalen Bureau in Brüssel mitteilte. Wir wußten, datz die in dem Schreiben gcäutzerle» und vom Schreiber als ganz unverbindlich bezeichneten Bedenken nicht die Auffassung deS Parteivorstandes darstellten, daher hielten wir eS aus politischem VerantwortlichkeitSgefühl siir unangebracht, in einer Situation, wie sie durch die Marokkoaffäre ge- geben war, die durch eine Indiskretion in die Oeffeutlichkcit ge« tragene private Meinungsäußerung an die große Glocke zu schlagen. Die Redaktion des„Vorwärts". Die Cords auf dem Sflehzuge. London, 1. Augnst.(Eig. Ber.) Was die englischen Liberalen vorausgesagt haben, ist eingetreten. Ein panischer Schrecken ergriff die edlen Hinterwäldlcr, als Herr ASquith erklärte, er habe das Versprechen desKönigs. cinenPeerschnb vorzunehmen, in der Tasche. 320 der wackeren Mannen haben schon da? Versprechen abgegeben, der Parlamentsvorlage keine weiteren Hindernisse in den Weg zu legen. Ihre Würden und gesellschaftliche» Vorrechte sind ihnen mehr wert als das Wohl des Vaterlandes, das doch durch diese„Revolution" vernichtet werden soll. Tie Situation ist nicht nur komisch, sonder» wirst auch ein tzellcS Licht ans das patriotische Monopol der Edelsten der Nation. Der cigenllich cnlscheidcnde Faktor in der Frage, deren Lösimg jetzt gemächlich vor sich geht, ist die ungünstige Lage der Konser» vativen in den Wahlkreisen. Ein konservativer Wahlsieg ist unter den herrschenden Verhältnissen schlechterdings unmöglich. Eine Fortsetzung des Widerstandes würde den Konservativen daher nicht den geringsten praktischen Vorteil bringen; denn selbst wenn sie eine Parlaments- auslosung erzlvlngen könnten, mklßte Köllig äftit Wahrschcilllichkeit nach gleich nach den Wahlen Herrn ASqnith wieder zurückberufen. Einige der Unentwegten unter den LordS haben vorgeschlagen, den Peersschub ruhig über sich ergehen zn lassen und nachher die Adels- Lriefe der„MarionettenpcerS" im Privilegienausschnß zu bean- standen. Nach der Ansicht der im juristischen Formellram be- wanderten Professoren dürfte ihnen dies aber wenig nützen. Denn der PrivilegicnanSschub kann wohl mit Genehnngung des Königs die Nechtslrciftigleit eineS ererbten Adelstitels, nicht aber die Gültigkeit eines eben erst geschaffene» prüfe». Auch würde diese Prozedur nicht verhindern, daß die neuen LordS im Oberhaus ihr Stimmrecht ausübten, das ihnen von der Krone durch königlichen Befehl(writ) eingeräumt wird. Unter den Vorrechten der Krone, die im Laufe der letzten zwei Jahrhunderte vom König auf das Kabiuctt übergegangen sind, befinden sich auch noch rnanche mittel- alterliche Gebräuche, mit deren Hilfe das Kabinett kurzen Prozeß mit den widerspenstigen LordS machen könnte. ES könnte eine genügende Zahl PcerS einfach durch die Zustellung deS„vrit", des Befehls, einen Sitz im Overhause einzunehmen, ernennen. Oder eS könnte PecrS auf dem alten Wege der Investitur schaffen. DieS würde den Glückspilzen unter den Liberalen vielleicht am angenehmsten sein, da auf dem feierlichen Wege der Investitur alle mindestens laut Präzedenz„EnrlS*(dritte Rangstufe des AdclS) werden müßten. Schließlich könnte die Krone auch von ihrem Recht Gebrauch machen, den nicht gewünschten Peers den Befehl, im Obcrhause zu erscheinen, vorzuenthalten. Wenn man auf so viele Arten mundtot gemacht werden kann, ist es doch besser, man schweigt. Lord LanSdowne hat sich bereit erklärt, bei der Ab- stimmung über die ursprüngliche Form der ParlamentSbill, nicht zu stimmen. Dieselbe Erklärung wird wohl auch für seine 325 Getreuen gelten. Trotzdem ist sich die Regierung ihrer Sache im Obcrhause noch nicht sicher. Das Oberhaus hat augenblicklich 325 Mitglieder, die sich an der Abstimmung über die Parlamentsbill beteiligen könnten. Man hat nun folgendes Rcchenexempel angestellt: Die Lansdownefche Gefolgschaft beträgt 325; 50 LordS sind entweder krank oder befinden sich außerhalb deS Landes, das macht zusammen 375. ES blieben mithin noch 250 Lordö, deren Gesinnung zu er- forschen wäre, um das Schicksal der Borlage vorhersage» zu können. Der ehemalige Lordkanzler HalSbury, der den Widerstand bis zum äußersten predigt, soll an der Spitze von 100 Rebellen stehen. Wie diele Liberale sich unter den übrigen 150 Lords befinden, ist sehr ungewiß. Zwischen Ll) und 100 Peers gelten als Liberale. Ihr Liberalismus scheint aber nicht sonderlich waschecht zu sein, denn bei den Abstimmungen über die ParlamentSbill im Hause der LordS konnte die Regierung im besten Falle nur 48 Mann aus die Beine bringen. An der Hand dieser Ziffern wird man die zögernde Hal- timg der Regierung verstehen. Herr Asquilh erwartet von Lord Lansdowe. daß dieser ihm die Versicherung gibt. daß die Parlamentsbill der Regierung bei ihrem nächsten Erscheinen im Obcrhause angenommen werden wird. Eine solche Versicherung gab der Herzog von Wellington im Jahre 1832 vor der Annahme der Reformbill. Augenblicklich heißt es, daß das Kabinett entschlossen ist. der Krone unverzüglich die Ernennung einer größeren Anzahl Peers vorzuschlagen. Die Auserlesenen der liberalen Partei werden also dennoch nicht um ihren AdelSbricf betrogen werden, eS fei denn, daß die Häuflein der konservativen Rebellen, die noch im Felde stehen, in den nächsten Tagen zum Entschluß kommen, daß die Diskretion der beste Teil der Tapferkeit ist, und daß es die Staudcsehre verlangt, sich seitwärts in die Büsche zn schlagen. Dk laroW?oa?färe. Wo» einer«eutit„Wendung" beim Marottoschacher wird heute in der bürgerlichen Presse orakelt. Natürlich geht die Meinung über die Art und das Wesen der„Wendung- weit ausein« ander. Die Leute, die die Verhandlungen führen, schweigen sich der Oesfentlichkeit gegenüber noch immer gründlich aus und geben da- durch der internationalen Presse Stoff zn den widersprechendsten Phantasien. Daß dadurch auch die Völker beunruhigt werden, kümmert die Herren Diplomaten sehr wenig. Wie verschieden die Situation beurteilt ivird, mögen folgende Preßäußernngen dartun. DaS„Verl. Tageblatt" läßt sich aus G a st e i n melden: Gast ein, 3. August. Oer Reichskanzler, dessen Ankunft in diesen Tagen erfolgen sollte, hat die bestellte Wohnung im Hotel Germania wieder abbestellt, da die Reise zunächst uninöglich geworden sei. Das„Verl. Tagebl." bemerkt dazu: „Diese Verschiebung der Reise dürfte mit den Marolkoverhand- klingen in Verbindung stehen und man könnte im ersten Augenblick versucht sein, ungünstige Schlüsse miS ihr zu ziehen. Das würde indessen, wie wir glauben, der wahren Sachlage nicht entsprechen. Auch eine von der„Wcser-Zeitung" an der Spitze ihres heutigen MorgeublatteS publizierte Mitteilung, wonach.die Situation nicht leichter geworden" fei, steht im Widerspruch zu den uns zugegangenen Informationen. Nach diesen Informationen waren die VerHand- lungcn allerdings Ende voriger Woche wieder auf den„toten Punkt" geraten, da sowohl die deutsche wie die französische Regierung auf ihrem Standpunkt beharrten lind eine Verständigung ans der bis dahin gewählten Grundlage nicht möglich schien. Seit Montag bc- wegen sich die Verhandlungen indessen aiis einer veränderten Basis und die Grundlage der geschäftlichen Unterhaltung ist der- schoben tvordcit." Worin diese„veränderte Basis" besteht, kann das Mosseblatt aber auch nicht sagen. Sollte e? sich doch um ein Stück Marokko handeln? In, folgenden noch eine französische und englische Meinung: Paris, 3. August.„Matin" meldet über die jüngsten Unter- rednngen zwischen dem französischen Botschafter Cambon und Herrn v. Kiderlcn-Wacchter folgendes: Die Forderungen Deutsch- l a n d s bleiben nach wie vor übertrieben und die Ungewißheit über das Resultat der begonnenen Unterhandlungen dauert fort. Indessen werden die Unterredungen fortgesetzt. Der„Matin" fügt seiner Information die Drohung hinzu, wenn die Forderungen der deutschen Negierung sich nicht bald ändern, so würde Frankreich ent- sprechend handeln. London, 3. August. Der Berliner Korrespondent der„Times" berichtet seinem Blatte, man halte in gut informierten Berliner Kreisen dafür, daß durch die vorgestrigen Besprechungen die Unter- Handlungen zwischen Deutschland und Frankreich einen großen Schritt vorwärts gemacht haben; es sei möglich, daß diese letzten Unterhandlungen die praktische Grundlage zn weiteren Besprechungen geben würden.— Ueber die englische Auffassung teilt das genannte Blatt mit. man glaube, daß die Hoffnungen, die man in London an die Rede AsquithS und an die Unterredungen zwischen dem deutschen Kaiser und seinen verantwortlichen Ratgebern knüpfte, sich zu verwirklichen im Begriffe wären. Bezüglich der Kom- pensationen meinen die„Times", Frankreich besitze im Innern seines Kolonialreiches hinreichende Gebiete, die für Deutschland wertvoll wären. Diese Frage würde auch zurzeit besprochen. Konsequent und klar ist in diesem heillosen Durcheinander die Haltung des internationalen Proletariats. Am heutigen Freitag werden Vertreter der LtrSeiterfchast DeiitichlondZ. Frankreichs, Spaniens. Englands und Hollands in Pari« deutlich sagen, was das Proletariat von den Marolkohändeln und dem Verhetzen der Nationen gegeneinander hält. Ausweisung englischer Jonrnalistcu aus Agadir. London, 3. August. Im llnterhause fragte Gilbert ParkeS den Uilterstaatsfekretär Wood, ob seine Aufmerlsamkeit auf die Ausweisung deS Sonderberichterstatters des„Daily Expreß" aus Agadir gelenkt worden sei. Wood erwiderte, der englische Vizckousul in Mogador babe gemeldet, daß die Berichterstatter der.We st m i n st e r Gazette" und des„Daily Expreß" auf Befehl deS stellvertretenden marokkanischen Gouverneurs aus Agadir ans- gewiesen worden seien. Der augenscheinliche Grund für ihre Ausweisung sei, daß die Korrespondenten sich geweigert hätten, dem Vizekonsul den Anlaß zu ihrem Besuch an- zugeben, und daß sie den örtlichen marykkamschen Behörden keine EnipfehluugSbtiefe � mitgebracht hätten. Der Vizekonsul in Mogador habe bereits Vorstellungen bei dem Gouverneur erhoben. Der Kommandeur des deutschen Kreuzers habe die Berichterstatter zuvorkommend behandelt und sich erboten, bei dem stellvertretenden Gouverneur vorstellig zu werden, doch sei das Au- erbieten abgelehnt worden. London, 8. August. Das Reutcrsche Bureau erfährt über die Ausweisung der englischen Sonderberichterstatter Ostler und Ma- nullagh aus Agadir folgendes: Die britische Negierung habe die Angelegenheit energisch in die Hand genommen, nachdem schon der britische Bizekonsul bei den marokkanischen Behörden in Mogador nachdrücklich Protest erhoben habe, werden auch in Tauger Vor- stellungen gemacht werden. Es sei vollständig unrichtig, den Zwischenfall' auf deutschen Einfluß zurückzuführen. Der Koinman- dant des deutschen Kriegsschiffes in Agadir habe seinerzeit mit größter Conrtoisie und Rücksicht angeboten zu intervenieren, aber sein Anerbieten sei abgelehnt worden. Die Handlungsweise des stellvertretenden Gouverneurs stehe in keiner Weise im Zusammen- hang mit der Politik._ poUtifcbe üeberficbt Berlin, den 3. August 1911. Frivole Kriegshetze. Es ist kaum ein Dutzend Jahre her, als die Größen des Bundes der Landwirte von der Kolonialcrwerbungspolitik wie den Flottenrüstungen nichts wissen wollten, und der große Agraricrführer Diedrich Hahn das Wort von der„gräßlichen Flotte" aussprach. Jetzt ist das Blatt der Landbündler. die „Deutsche Tagcsztg.", diejenige unter allen deutschen Zeitungen, die in der Marokkoasfäre am gewissenlosesten zum Kriege hetzt und lieber heute als morgen einen Krieg Deutschlands gegen England und Frankreich ausbrechen sähe. Angeblich aus Patriotismus, um dem Deutschen Reich eine Stellung in der Welt zu der- schaffen, die„seiner Kraft und seinen Bedürf- nissen" entspricht— tatsächlich aber, um aus der Sack- gasse herauszukommen, in welche die Konservativen aller Schattierungen durch ihre frivole Jntercssenpolitik und Finanz- Mißwirtschaft gelangt sind, Hurra-Wahlen inszenieren zu können und Zeit für die Durchführung weiterer BolksausprcssungS- Pläne zu gewinnen. Daß der Krieg vielen Hunderttausenden junger kräftiger Männer das Leben kosten würde, quält sie nicht. Dafür ist doch das„untere" Volk da, um für die Interessen der Reichen und Herrschenden sein Leben auf den Schlachtfeldern zu lassen. Zudem erscheint den Herren die Aufrechterhaltung der Junkerherrschaft in Deutschland als ein so hohes, edles Ziel, daß eS nach ihren Begriffen mit dem Bllit einiger Hunderitaüfcnde kemMvegs zu hoch bezahlt ist. So ist denn jetzt fast täglich in der„Deutschen Tages- zeituug" zu lesen, daß Deutschland energisch vor- gehen müsse und nicht zögern dürfe, sein Schwert in die Wagschale zu werfen, das heißt einen Krieg heraufzicheschwören— denn das Ansehe» des Deutschen Reiches erfordere, daß es nicht lange mit England und Frank- reich verhandele, sondern zugreife, zumal das deutsche Volk durchaus triegsbegeistcrt fei. In der heutigen Morgcnnummcr des Vündlcrblattes heißt es zum Beispiel: Dieses Elementare ist der Wunsch und der Wille, daß das Deutsche Reich endlich einmal in einer auStoärligen großen Frage den Erfolg erreiche, der seiner Kraft, seinen Bedürfnissen und keiner Stellung unter den Völkern entspricht. Man muß weit zurückdenken, um sich eines solchen Erfolges zu erinnern, und der größte Teil der jetzt lebenden Generation kennt wirkliche Erfolge des Demschen Reiches nach außen nur aus Büchern, während die persönliche Erinnerung voll ist von mattem Wollen und halbem Vollbringen. DaS einzige Mal, wo ein Erfolg in neuerer Zeit vorhanden war, da hat Teutschland ihn nicht für sich, sondern für Oesterreich-Unganr er- rungen. Daß eZ auch für uns ein solcher sei, ist ohne Unterlaß verkündet worden; aber wir haben noch nichts davon bemerkt.... Die maßgebenden Personen in Deutschland mögen bedenken, daß sie den größten und besten Teil deS deutschen Volkes diesmal ge- schlössen für eine energische und vor keinen durch die Frage ge- gebencn Konsequenzen zurückschreckende Politik hinter sich haben. Wir denken sonst in diesen Dingen recht skeptisch; aber wer beute die Augen ausmacht, muß sehen, daß eS sich hier um kein politisches Strohfeuer handelt, sondern um die Aeußerung eines nationalen Willens zur Mehrung des dciilschen Vorteils und Ansehens. Die maßgebenden Stellen im Deutschen Reiche sollen sich stolz und stark durch das Bewuhiein fühlen, daß sie über diese Kräfte verfügen können; sie müssen aber auch die Kehrseite bedenken, wenn sie sich selbst ihnen nicht gewachsen zeigten. Vor einem halben Jahrhundert war der Vergleich deS innerlich zerrissenen Deutschlands mit Hamlet gebräuchlich. Soll heut« auf die auswärtige Politik des Deutschen Reiches das Wort des schwanken« den Däneuprinzcn gelten: »Der angeborenen Farbe der Entschließung Äkrd des Gedankens-Blässe angekränkelt; Und Unternehmungen voll Mark und Nachdruck Durch diese Rückficht auS der Bahn gelenkt, Verlieren so der Handlung Namen." Es gibt kein unerfreulicheres Bild, als eine hamletische Politik. Eine Frivolität sondergleichen! Wir sind Gegner der Prügelstrafe; aber ivcnrt jenen Skribifaxen, die nach reichlichen Diners solche Kriegshege betreiben, mit der Klopfpeitsche der edelste Teil ihres Körpers exemplarisch bearbeitet würde, hätten wir nichts dagegen. Wer nicht pariert, fliegt! Die Eisenbahndirektion Berlin hat folgende Ver- fügung erlassen: „Es iverden neuerdings lebhafte Anstrengungen gemacht, um die Beamten und Arbeiter der Staatöeiscnbahnverwaltung für die soziaidemokratischen Bestrebungen zn gewinnen. Zu diesem Zwecke werde» insbesondere Flugblätier und periodliche Agitationsschriften verbreitet. Von derartigen Drucksachen, die daS Ziel haben, Unzufriedenheit unter den Bediensteten zu errege» und das gute Verhältnis zwischen der Verwaltung und dem Personal zu stören, wird nachdrücklich gewarnt. DaS Mitbringen solcher Flugblätter und sonstiger ordnungSfeindkichcr Agitationsschristcn zur Dienst- oder Arbeitsstätte oder ihre Weitergabe wird als Förderung sozialdemokratischer Bestrebungen angesehen, die ebenso wie jede andere Beteiligung in dieser Richtung die EinlekAmg de? Disziplinarverfahrens auf Dienstentlassung oder die Kündigung des Dienstverhältnisses zur Folge haben wird." Dem Eisenbahnmiuister ist im preußischen Abgeordnetenhau!: von den sozialdemokratischen Abgeordneten wiederholt mit aller Schärfe nachgewiesen, daß jedes derartige Organisationsverbot vollständig gesetzwidrig ist und nichts darstellt als einen plumpen und brutalen Willkürakt der Eisenbahnverwaltung. Die Versuche, den EiscNbahnvrbeitcrn das freie KoalitionSrecht zu rauben, sind aber nicht nur eine Gesetzwidrigkeit, sondern auch eine schmähliche Torheit. Denn selbst wenn es geläuge, die Eisenbahner vom Anschluß an die der Regierung so verhagie freie Organisation abzuhalten, so ist doch die Verwaltung völlig außerstande, den wachsenden Geist der Empörung unter den Eisenbahnern zu dämpfen. Welche Stimmung unter den Eisen- bahuern herrscht, das hätte doch wahrhaftig jene große Eisen« b a h n e r v e r s a m m lu n g in der„Neuen Welt" beweisen sollen, wo von den Vertretern der Arbeiter eine so scharfe Kritik an der Verwaltung geübt wurde, wie sie je kaum aus sozialdemokratischem Munde geübt worden ist. Wenn die Regierung sich einbildet, diesen Geist der Empörung durch eine brutale und gesetzwidrige KnebelungS- takiik austreiben zu können, so wird sie noch einmal Wunder erleben!_ Bueck gegen den HÄnsabnnd. Der verbissene Oberscharfmacher Dueck, der Jahrzehnte hindurch den Zentralverband deutscher Industrieller geleitet hat, ist vor einigen Monaten in den Ruhestand getreten. Zwischen dem Hansabund und dem Zentralverband bestand damals noch schöne Eintracht und holder Friede. Mittlerweile ist das anders geworden, und Herr Bucck sah seinen geliebten Zentralverband in eine recht bedenlliche Situation gedrängt. DaS vcraulaßte ihn. aus seinem Altenteil heraus, nocki einmal in den Kampf einzugreifen. Er tut dies mit einer Broschüre, die gegen die Widersacher des Zentralverbandes Gift und Galle speit. Er weist die Behauptung zurück, daß der Zentralverband für höhere Agrarzölle zu haben sei und bezieht sich zuin Beweise dafür ans die Differenzen, die zwischen dem Zentralverband und dem Bund dcr Landwirte bestanden haben. Er sagt: „Da in den Versammlungen des ZentralverbandcS mehrfach die übertrieben hohen, vom Bunde für andere Lebensmittel und selbst für Rohstoffe der Industrie verlangten Zölle entschieden gemißbilligt und zurückgewiesen ivaren, so entwickelre sich im Bunde der Landwirte eine sottdauernde Gegnerschaft dem Zentralvcrbande gegenüber." Aber, so führt Herr Bueck weiter au?, Industrie und Landwirt- schaft müssen Solidarität üben. Damit kann er natürlich nur die Schwerindustrie und den agrarischen Großgrundbesitz meinen, denn diese Kreise haben ein ganz besondere« Jntercsie an der gegen- wärtigen Wirtschaftspolitik. AIS die zuverlässigsten Vertreter dieser Wirtschaftspolitik chezeichuct er die Konservativen und schließt: „ES ist bösartige Entstellung und Hetzarbeit, wenn behauptet wird, der gcntralverband sei in das Lager des Bundes der Land- Wirte übergegangen, wenn von Abmachungen über Zollschackicc zwischen Zcutralverband und Konservativen gesprochen wird. An allen diesen Behauptungen ist kein tvahrcs Wort. Aber nach wie vor werden die a» der Seite des Zentralverbandes stehenden ziel- bewußten Industriellen sicheren ÄlickeS prüfen, inwieweit sie unter Verteidigung unserer Bismarckschen nationalen Wirtschaftspolitik und in unbedingter Vcrücksickitigung der Anforderungen des Gemein- wohl«« mit ihren alten Verbündeten, den Konservaliven und Land- Wirten, gehen können." Diese„alten Verbündeten' machen aber nichts umsonst und die Zustimmung zu höheren Zöllen zugunsten der Schwerindustrie ist nur zu haben, wenn die Vertreter dieser Industrie auch für hohe Agrarzölle eintreten. Daß die Zentralverbändler jede Begünstigung dcr Agrarier ableugnen, ist begreiflich. Man muß ja bei den Wahlen schlechte Geschäfte mache», wenn man offen für den Lebens- mittelwucher eintritt. Wenn erst die Wahlen vorbei find, dann fällt die Maske ganz von selbst. Theologen-Parlament. Wenn nicht alles trügt, wird der nächste Reichstag eine recht stattliche Anzahl von Theologen unter feinen Mitgliedern zählen. Die„Deutschen Nachrichten" veröffentlichen eine Zusammenstellung der bis jetzt als NelchStagSkandidatcn aufgestellten Geistlichen. Bisher sind IS amtierende und Laicht mehr im Amt befind- liche katholische Geistliche als Kandidaten aufgestellt, und zwar 5 von den Polen, 2 von den Elsässcrn und die übrigen vom Zentrum. Für die Fortschrittliche Volkspartei kandidieren bis- her folgende evangelische Geistliche: Etralsund-Rügen: Pastor I. Hehn- GreifSwald; Mansfeld: Pastor F r i tz e- Kl. Kayunu: Sicgen-Witlgenstein: Pfarrer Spieß- Bottenhorn; Hamm-Soest: Pfarrer Liz. Traub- Dortmund; Oberivrsterlvald-Dillenburg: Pfarrer Dr. F r e s e n i u S- Escnheim; Kreuznach-Simmern: Pfarrer Krüger- Belthuse»; Meißen-Großenhain: Pastor K r u s p c- Meißen. Glauchau-Mrerane: Pastor Ende- Lickitcnstein; Holzmiiiden-GanderZheim: Pastor Keck- Hcrrhausen Z Bingcn-Alzcy: Pfarrer K o r e l l- Königstedten. Dazu kommt der Landtagsabgeordnete Prediger Rnnze in Berlin, der für Berlin 4 in Aussicht genommen fein soll, und der Pfarrer a. D. Naumann, der in Heilbronn wieder kandidiert. Tie N a t i o n a l I i b e r a l e n haben folgende evangelische Geistliche als Kandidaten aufgestellt: Naanit-Pillkallen: Pastor Lemke it; Ohlau-Nimptsch-Strcblcn: Pastor Kroepeliv� Beruburg-Köthen: Pastor B a u m e ck e r; Mitlweida-Rochlitz: Pastor Richter; DuiSburg-Mülheim a. Ruhr: Pfarrer Dr. Wessel; Neuwied: Pfarrer Schmidt. Außerdem kandidiert für sie der frühere Geistliche Liz. Ed er- l i n g, der Direktor deS Evangelischen Bundes, im Kreise Döbeln. Von den rechts st ehe n den Parteien sind bisher nachstehende Geistliche aufgestellt worden: Hanau-Gelnhausen: Pfarrer M? y e n s ch e i n skons.); Slade-Vlunienthal: Pastor Boß(ö-foz)* Borken-Recklinghaus«»: Pfarrer G l a u b e r t(christl.-soz.1; Miiiden-Lübbccke: Pfarrer Rüther tchr!'tl.-soz); DuiSburg-Mülheim n. Ruhr: Pfarrer Kendel(christk.-soz.); Lcuiiep-Nemfchcid: Pfarrer Stuhrmann(chrisll.-soz.); Wipperfütth-Müloeim a. Rh.: Pfarrer Hein(christl.-soz.si Außerdem kandidiert in Slegeu-Wittgcnstcin für die Christlich- Sozialen dcr Schwiegersohn StvckcrS. Liz. M u m m. So gut wie andere Berufe haben auch die Geistlichen das Recht, sich in den Reichstag wählen zu lassen. Aber die Zahl der als ReichstagSkandrdatcn aufgestelllen Geistlichen ist doch allzu groß. Fast sollte man meinen, der Reichstag wäre ein kirchliches Spruch- kollegium.' Ter Oberstleutnant z. D. als Tchtvindler und Hoch, stablcr. Bor dem Kriegsgericht dcr l. Division in München wurde die cmfarrgS Juli wegen weiterer Vernehmung von Zeugen vertagte Verhandlung gegen den Oberstleutnant z. D. Ludwig Stpitzel zu Ende gcMf, ppxLer GxgcrglkoMuqudo L ArMeekoM zügeleüt nelSe'cü ivar. TÄ auffcrjeBcfteg�hbcu Berhandlung lag folgender Sachverhalt zugrunde. Im Früh- fahr d. I. erschienen in einer Anzahl baltischer Zeitungen In- scrate, wonach ein höherer Staatsbeamter gegen Gewährung eines Darlehens von fünftausend Mark einem jungen Mann eine sichere Lebensstellung in Aussicht stellte. Ms die Redaktionen der große- rcn Blätter auf das Bedenkliche dieser Inserate hinwiesen, leitete die Behörde eine Untersuchung ein und ermittelte, daß der 32 Jahre alte Kauftnann Georg Hahn das Inserat aufgegeben hatte. Hahn wurde nach seinem Verhör wieder in Freiheit gesetzt. Nachdem er einige Tage in München umhergeirrt war, begab er sich nach Freilaising, entkleidete sich hier am Ufer des Mühlbachs und sprang in ven Fluß, nachdem er vorher 4 Revolverschüsse ans sich abgegeben hatte. Er konnte nur als Leiche geborgen werden. Ucber seine Persönlichkeit wurde festgestellt, daß er früher Unter- vffizier im 44. Infanterieregiment in Nürnberg gewesen war. Bei seiner Vernehmung hatte Hahn angegeben, daß ler nicht aus eigener Initiative, sondern im Auftrage einer anderen Person die Inserate aufgegeben habe; es sei dies der Oberstleutnant z. D. Ludwig Strich el. Dieser kommandierte seinerzeit eine Kompagnie des 14. In- fanterieregimcnts in Nürnberg und hatte Hahn als Unter- vsstzier unter sich S t r i tz e I, der jetzt im 23. Lebensjahr steht, 'ist aus dem Kadettenkorps hervorgegangen und wurde 1881 Laut- nant. Im Jahre 1908 wurde er mit Pension zur Disposition ge- 'stellt und dem Generalkomniando des ersten Armeekorps zugeteilt. Hier hatte er hauptsächlich mit Einberufungsangclcgenheiten zu tun; irgendeinen Einfluß auf die Vergebung von Stellen hatte er in keiner Weise. Seine pekuniären Verhältnisse waren in der letzten Zeit sehr mißliche. Von einer ihm nahestehenden Seite wurde vermutet, daß er das Opfer von Erpressungen geworden sei. In seiner bedrängten Lage soll er mit Hahn Wechselgeschäfte gemacht haben, die ihn aber auch nicht rangieren konnten. Im vorigen Jahre wurden ihm die sämtlichen Möbel gepfändet, wie er auch sowohl zu Hause, wie namentlich in seinem Bureau von Leuten mit Forderungen überlaufen wurde. Das aufgeregte und nervöse Wesen Slritzcls war seinen Bekannten schon lange ausgefallen. Er soll sogar versucht haben, sich auf sehr bedenklichem Wege, nämlich durch Anknüpfung intimer Beziehungen mit verheirateten Frauen— man sprach von einer MctzgermeisterSfrau— Geld zu ver- schaffen. Im Laufe der Untersuchung gegen Oberstleutnant Stritzel kam zutage, daß sich zahlreiche Wechsel von ihm im Um- lauf befanden. Hahn war in seinem Bureau ständiger Gast und hatte von ihm den Auftrag erhalten, die fraglichen In- serate aufzugeben. Nach dem Selbstmord« Hahns er- schien dessen Frau im Bureau des Stritzcl und teilte ihm mit, daß ihr Mann tot sei und daß er nach einem htnterlassenen Brief« den Tod gesucht habe, weil er fürchtete, in der Jnseratcnaffäre eine Stmfe zu erhalten. Stritzel erbat sofort seine Eni- lassung aus dem Offizier stände. Diese wurde ihn» nicht gewährt, vielmehr die kriegsgerichtliche Untersuchung gegen ihn eingeleitet. In der Voruntersuchung wurde bei Stritzel eine grosse Anzahl von Korrespondenzen beschlagnahmt, die auf feine geschäftlichen Transaktionen ein sehr bedenkliches Licht warfen.— In der neuerlichen Verhandlung wurde nun erhoben, daß Stritzel mit den Vertrauensseligen, die sich entweder im eigenen Interesse oder in jenem ihrer Söhne an ihn ivandtcn. ein ganz gewissenloses Spiel getrieben hat. Er trat mit den Leuten, die feine Vermittlung in Anspruch nehmen wollten, nie anders als in vo l l e r Uniform in Verbindung. Als Entgelt für feine Bemühungen forderte er nie weniger als fiOOO Mark; doch soll ein Bauer, dem er versprochen hatte, seinen Sohn beim Magistrat unterzubringen, die doppelte Summe fruchtlos geopfert haben. Unter Stritzels Opfern befinden sich fast nur sogenannte kleine Leute, die vielfach ihren letzten Spargroschen auf Nimmerwiedersehen dahin- gaben, ohne irgendetwas erreichen zu können. Auch mit den Frauen der bei ihm Hilfe Suchenden trat er in Beziehungen und fertigte sogar eine eigene Liste hierüber an. D i e s e L i st e ist aber auf unerklärliche Weise aus den Akten verschwunden. Stritzcl weist den Verdacht, als habe er dieselbe heimlich an sich genommen, als unbegründet zurück. Für die SkrupeUosigkeit des Mannes zeugt am besten der Umstand, daß er als ehemaliger aktiver Offizier es nicht verschmähte, mit Hahn zu verkehren und Geschäfte mit ihm zu machen, obwohl er wußte. daß Hahn bereits wiederholt bestraft worden war und obgleich ihm die eigene Frau Hahns dringend davon abgeraten hatte. Die Frau deponierte sogar unter ihrem Eid, daß Stritzel auch ihren Mann um ein Darlehen angegangen haba.— Das Urteil des Kriegs- gerichtS lautete wegen vollendeten und versuchten Betrugs in mehreren Fällen auf S Monate Gefängnis und Entfernung aus dem Hecrr,_ Der Kampf um daö Mandat. Im Wahlkreis W a r b u r g tobt seit einiger Zeit ein heftiger Kampf um das Reichstagsmandat. Als vor Jahresfrist der lang- jährige Vertreter des KreiseS, Schmidt-Warburg starb, bot sich Professor Dr. Martin Spahn als Kandidat an. unter dem Vorgeben. er könne bei der Beratung der elsaß-lothringischen Ver- sassungsvorlage der ZentruinSfrallion wertvolle Dienste leisten. Die Kandidatur wurde schließlich akzeptiert; jedoch uuter der Voraussetzung, daß Spahn jun. nach Ablauf der Legislatur- Periode einem anderen Kandidaten Platz mache. Die Kämpfe, die sich wegen der Aufnahme des Professors Spahn innerhalb der Zentrumsfraklion abspielten, sind bekannt. Abg. Spahn hat nun aber anscheinend keine Lust, von der parlamentarischen Kampfbühne wieder zu scheiden und so läßt er im Wahlkreis Warburg seine Wiederaufstellung betreiben. Die Wahlkreisleitung des Zentrums bat nun durch den Landtagsabgeordueten Dr. Wiirmeling in einer Versammlung erklären lassen, daß für die kommende Wahl ein Kandidat aus dem Kreise aufgestellt werde. Damit ist dann die parlamentarische Tätigkeit des Herrn Spahn, eüistweile» wenigstens, abgeschlossen._ Wahlordnung für Elsas�Lothringci». Wie aus Straßburg i tf. gemeldet wird, hat die Wahlordnung zur Zweiten Kammer unter dem 31. Juli die kaiserliche Bestätigunz gefunden und wird übermorgen im„Gesetz- und Verordnungsblatt nir Elsaß-LothriNgeu veröffentlicht werden. Oeftemlcb. Erledigte Mandate. Nicht nur durch Doppelwahlen, sondern auch schon durch den Tod eine« Mitgliedes find einiKr Nachwahlen für das kaum zusammen- getretene Panament nötig geworden. Doppelt gewählt war u. a. Genosse DaSzyuZki in Krakau-Stadt und-Land. Da aber in den galizijchen Landbezirken gleichzeitig mit den Abgeordneten auch E r- s a tz m ä n ii e r gewählt werden und DaßzyiiSIi das Stadtmandat behielt, rückte schon in der kurzen Sommersession der Ersatzmann Genosse N l e m e n s i e w i c z ein. Genosse Franz S ch u h m e i c r. der in Wien zu seinem Oitakringer Mandat das eine der Lcopoldstadt erobert hat, behielt dieses. In Oltakring(Wien XVl) wird natürlich wieder unser Kandidat gewählt werden. Auf dem UnionStag der Textil- arbeiter betonte Genosse Dr. Bauer in seinem Referat über die Sozial- Politik unter einmütiger Zustimmung die Notwendigkeit, den Genossen Mathias Eld er sch« Brünn, de» besten Kenner der Fragen der Sozialversicherung, wieder ins Parlament zu bringen. Es kann an- genommen werden, daß die Wahl unter den tüchtigen Arbeitcrver- trctern, die diesmal in den Sudetenländern„deutschnationalem' AuS- beuterterrorismuS und zielbewußter„Unparteilichkeit' der Behörden weichen mußten, auf Eldersch fallen wird, der dem Parlament als eines seiner schlagfertigsten Mitglieder von 1901—1911 angehört hat. Weiter ist das eine der beiden Linzer Mandate, die wir diesmal verloren Haben, durch den unerwartet raschen Tod des neugewählten Deutschnationalen Dr. Reiniger erledigt und in Graz muß infolge Doppelwahl des Dentschnationalen Waslian eine Nach- wähl stattfinden, für die sich durchaus der auS Asch hinausgeworfene giftige Arb-iterfeind v. EtranSky den Grazern ausdrängen will. Die Abreise der Ausgewiesenen. Die aus Bosnien wegen ihrer gewerlschaftlichen Tätigkeit auS- gewiesenen Genossen Voronese und Dragolitsch wurden von Hunderten von Arbeitern— und Staatsorganen zum Bahnhof Serajewo be- gleitet. Drei Bataillone rückten aus und aus Wut über die brausenden Ovationen der Arbeiter schlug die Polizei mehrere Ge- nossen blutig. Bis an die Landesgrenze waren alle Stationen von Militär besetzt. Italien. Der italieiiisch-argentinische Konflikt. Die seit längerer Zeit währende diplomatische Spannung zwischen der italienischen und argentinischen Regierung hat nunmehr zu einer energischen Maßnahme des italienischen Kabinetts geführt: Am 30. Juli ist durch ein Dekret die italienische Auswanderung nach Argentinien verboten worden. Durch diesen Entschluß, der seh: weittragende Folgen hat, ist die Regierung durch das Verhalten der»befreundeten' südamerikanischen Republik gezwungen worden. Argentinien hat nämlich die eigenartige Forderung ausgestellt, die italienische Auswanderung nach der Republik auf ihren Gesuudheits- zustand durch argentinische Sanitätsbcamte prüfen und zu diesem Zwecke argentinische Aerzte auf den italienischen Kuswandererschiffen einschiffen zu lassen. In dieser Forderung liegt ein unverhohlenes Mißtrauensvotum gegen die Sanitätskontrolle Italiens und dieses Mißtrauensvotum ist um so unberechtigter, als bisher durch überseeische italienische Auswanderer auch nicht ein einziger Cholerafall eingeschleppt worden ist. Die italienische Regierung unterwirft die Auswanderer einer süiiftägigen Isolierung, ehe sie deren Einschiffung zuläßt. Die Reise erfolgt dann auf Schiffen, auf denen ein italienischer SanitätSbeamter Dienst tut. Unter diesen Umständen sollte eine 2Stägige Fahrt ge» nügen, um jede Gefahr der Einschleppung der Cholora ganz und gar auszuschließen. Hält sich die argentinische Regierung nicht für gesichert, so zeigt sie dadurch, daß sie der italienischen Regierung betrügerische Maßnahmen und bewußte absichtliche Verheimlichung von Tatsachen zutraut. In diesem Sinne mußte das italienische Kabinett es deuten, daß die am 30. Juli in Buenos Aires ein- gelaufenen AuSwandcrerschiffe zu fünftägiger Quarantäne nach Martingarna geschickt worden sind. Daß Verbot der Auswandening kann nach dem italienischen Gesetz vom 31. Januar 1901 auS Gründen öffentlicher Ordnung er» lassen werden, und auch in Füllen, wo daS Leben, die Freiheit oder der Besitz der Auswanderer ernstliche Gefährdung erleiden könnte. Den heutigen Fall rechnet man zu den verboten, die im Interesse der öffentlichen Ordnung erfolgen. Lorläufig wird die Maßnahme in Argentinien wenig fühlbar sein, da der Strom der Saison« auswandening, den die Erntezeit veranlaßt, noch nicht begonnen hat. Im September pflegen aber alljährlich rund 50 000 Süd- Italiener zur Ernte nach Argentinic» zufahren. Dieser Zuzug, dessen die argentinischen Grundbesitzer nicht entbehren können, beginnt drei Monate vor der Ernte. J�i diesem Jahre wird er um so nötiger sein, als die Ernte ganz besonders reichlich auszufallen verspricht. Auch sollen in Argentinien große öffentliche Arbeiten ausgeführt werden, zu denen die einheimischen Arbeitskräfte keinesfalls aus» reichen. Unter diesen Umständen darf man voraussehen, daß die argentinische Regierung ihre Forderungen nicht aufrecht erhalten wird. H119 der Partei. AuS den Organisationen. M Am 3V. Juli fand in Breslau die Generalversamm» lung des sozialdemokratischen Vereins Breslau- La n d- N c u ma r k t statt. Parteisekretär Schal ich gab den Geschäftsbericht. Aus demselben ist zu ersehen, daß der Verein im vcrflossciicn Geschäftsjahr gute Fortschritte gemacht hat. Die Zahl der Mitglieder hat sich um 938 vermehrt. Der monatlich erschci- iicnde..Landbote', der der Landbevölkerung durch Liadfahrertolon- neu zugestellt wird, erfreut sich der größten Beliebtheit. ES ist möglich gewesen, auf dem flachen Lande Volksversammlungen abzuhalten. Der Haß der Behörden macht sich in den Strafen bemerk- bar. Die„Volköwacht" hat an Abonnenten ständig zugenommen; die Zahl derselben beträgt jetzt 4500. Den Kassenbericht erstattete der Kassierer Genosse Hermann. Danach betrugen die Einnahmen 10 598,18 M., darunter befindet sich eine Sunune von 1000 M., welche uns der Parteivorstand schickte. Tie Ausgaben 9158,50 M., darunter allein für Strafen und Prozeßkosten 1993,47 M. Mithin bleibt ein Kassenbestand von 1107,98 M. Die Opfertvilligkeit der Genossen ist eine große. Der Erhöhung von 80 aus 40 Pss� pro Monat wurde nicht der geringste Widerstand entgegengebracht. Sam- -mellisten und Tellersatiimlniigen brachten die schöne Summe von über 400 M. Leider hatbie Agitation für den Landarbeiterverband nicht in dem Maße eingesetzt, wie es sein sollte. Auch mit der Jugendbewegung will es im Landkreise nicht so vorwärts gehen. Als Vorsitzende wurden Parteisekretär G. Sckolich und Zimmerer G. Srowy wiedergewählt. Ebenso der Kassierer. Parteisekretär R. Hermann. Als Schriftführer die Genoffen Meier und Klose, als Beisitzerin Genossin Aleck. Heber den Parteitag in Jena rcfe- rierie Gttioss« Scholick. Als Delegierter zum Parteitage wurde Genosse Scholich gewählt. Die Parteigenossen von Leipzig beschäftigten sich in zwei Parteiversammlungen am 28. Juli und am 1. August mit den JabreZbcrichtcn der Parteileitung, des PrcßkomitccZ, des Ar- beiterbildungsinstitüts usw. Dabei kam es zu scharfen AuStiN- andersetzuugen zunächst wegen der aus räumlichen Gründen not- wenigen Verlegung der Parteisekretariate aus dem Votkshaus nach dem Reubau der„Volkszeituiig". Einige Genossen— außer dem Geschäftsführer des VolkshauseS, Genossen Beyer, namekttlich GcwerkschaftSangestcllte— glaubten befürchten zu müssen, daß mit der Verlegung der Sekretariate,„dem Auszug der Partei aus dem Volkshaus', eine Trennung der beiden Teile der Arbeiterbewegung eintreten müsse. Die Versammlung stimmte aber in ihrer Mehr- heit den Rednern zu, die c6 als absonderlich bezeichneten, daß das räumliche Zusainmenliegea der Partei- und Gewerkschafisbureaus das wesentlichste Bindemittel zwischen Partei und Gewerkschaften sein solle und verwies die Angelegenhess zur nochmaligen Beratung an die Parteileitung zurück. Dieselbe Versammlung nahm auch zu dem Beschluß 90 des Nürnberger Parteitages den Antrag an: ..Der Beschluß 90 d s Nürnberger Parteitages ist aufzu- heben. Sollt- der Part.itog dem Antrag nicht zustimmen, dann ist der Beschluß 90 so zu süssen: Die Angestellten der Gewerkschaften, der Partei und sonstiger Arbeitcrorganisationcn, die Angestellten und Arbeiter der Ge- uosscnschaften und der privaten Betriebe sowie die selbständigen Gewerbetreibenden, die Mitglieder der sozialdemokratischen Partei sind und die am 1. Mai die Arbeit ohne Lohneinbuße ruhen lassen, jigd verpfliMet, vebeo cftpoigen Beiträgen zu dem VezirkÄnaifönds zugunsten ssek MalaMgefperrlen 1 M. ssfik 1000 M. Jahresverdienst an den Bezirksmaifonds abzuführen/ Fällt der 1. Mai auf einen gesetzlichen Ruhetag, dann ist lciik Anteil vom Jahreseinkommen abzuführen." In der Versammlung vom 1. August kam es dann zu weitereit Auseinandersetzungen beim Bericht des Arbeiterbildungsinstituts. Hier machte die Versammlung scharf Front gegen die vom Metall- arbeitervcrband gegründete Jugendorganisation, die man als'ein Konkurrenzunternehmen gegen die freien Jugendbildungsvereine bezeichnete. Diese Angelegenheit soll von der Parteileitung und dem Gewerkickaftskartell geregelt werden. Die Versammlung be- schloß dann im Prinzip die Anstellung eines Sekretärs sür das Bildungswesen. Am.Sonntag fand in Jena die Kreisgeneralver« sammlung des 3. w ei in arischen Wahlkreises statt. Vertreten waren 21 Orte durch 42 Delegierte. Außerdem waren anwesend der ReichZtagskandidat Genosse Lcutert, Parteisekretär Genosse Leber und 3 Genossen als Gäste aus Gera und Greiz. Die Organisation hat sich bedeutend gehoben. Die Mitgliederzahl stieg von 2701 auf 3281. Im Kreise bestehen 23 Ortsvcrcine. In 9 Ortsvereinen befinden sich 371 weibliche Mitglieder. Versamm- lungcn wurden abgehalten im Berichtsjahre 280. Davon waren 87 Volks-, 199 Mitglieder- und 27 Jrauenversammlungen. Die „Weimarische Volkszeitung' weist eine gute Vorwärtsentwickclung auf. Der Kassenbericht enthält folgende Zahlen: Einnahme— inklusive Kassenbestand vom vorigen Jahre— 9928,88 M-, Ausgabe 5788,34 M. Bleibt ein Ueberschuß von 4142,52 M. Dieser lieber» schuß ist allein dem 2090 Mitglieder zählenden OrtSvctei» in Jena zu danken, der seit dem 1. April d. I. einen monatlichen Extrabeitrag von 10 Pf. cingcsührt hat. Ten 40 Pf.-Beitrag im ganzen Kreise einzuführen, wurde leider abgelehnt. Nachdem noch über die bevorstehende Neichstagswahl, Bildungswcsen und Jugendbewegung Vorträge gehalten waren, wurde eine Genossin zur Frauenlonferenz delegiert und der Rcichstagskandidat und noch 5 weiter« Genossen zur Wahl als Parteitagsdelcgicrte in Borschlag gebracht._ Dcutschösterreichischer Parteitag. Ter Parteitag der deutschen Sozialdemokratie in Oesterreich wird am 29. Oktober und den folgenden Tagen in Innsbruck ob- gehalten werden. Die Tagesordnung liegt noch nicht vor. Sie dürfte auch die Aufstellung eines nationalen Programms umfassen. 8o2ia!es. Tom Rheinisch-Westfälischen Baugewerbe. Lebhafte Klage über imbribringliche Beiträge führt der Be« richt der Rheinisch-Westfälischen BcmgewcrkS-BcrufSgenossenschast. Im Berichtsjahre mußten insgesamt 59 419 Mahnungen um Zah- lung der Umlagen ergehen. Davon hatten aber nur 50 Proz. Erfolg, denn eS wurden„25 944 Anträge auf ZwangSbcitreibuiig' gf stellt... Der Bericht führt hierzu weiter auS:„ES ist sehr bedauerlich, daß eine große Anzahl Unternehmer erst dann ihrer Zahlungs- Pflicht genügt, wenn s.itens der Berufsgenossenschaft daS mit er- heblichen Unkosten verknüpfte Beitreibungsverfahren eingeleitet wurde. Die nebenbei entstehenden Unannehmlichkeiten, die durch Pfändung, Anblerauiiiung von Versteigerungsterminen usw. er- wachsen, werden vielfach vorher nicht berücksichtigt und der Berufs- gcnossenschaft nachher zur Last gelegt mit der unverständlichen Be- gründung, diese gehe zu sdharf vor gegen die säumigen Zahler und könne warten, bi» die Zahlung aus freien Stücken erfolge. ES gehört mit zu den schwersten Aufgaben der berufsgenosseiischaft» lichen Verwaltung, die auS freien Stücken nicht gezahlten Beiträge einzubringen." Unpfändbar waren 3290 Unternehmer und 284 Kleinmeister. Jrt 1196 Fällen versuchte man es mit Anträgen gemäß§ 101 des Gewerbe-Unfallgesetzes, die Bnuherren zur Zahlung heranzuziehen, nachdem von 891 Unternchmetn der Offenbarungscid geleistet war. Mit Anträgen auf Untersagung des Gewerbebetriebes hatte die Genossenschaft bisher wenig Glück. Sie bemerit bitter:„Die Pc- lizeibcrwaltungen haben den Anträgen auch häufig entsprochen und die Entscheidung der BezitkSanSschüsse herbeigeführt. Leider entsprechen die von den letztgenannten Stelle» ergangenen Entschei- düngen aber nicht den Wünschen und berechtigten Ansprüchen der Berufsgenossenschaft. Wie in dem vorjährigen Bericht vereitS ausgeführt. begründen die Bezirfsausschüsse ihre ablehnende Haltung gegenüber den vorerwähnten Anträgen damit, die Nichtzahlung der Umlagcbeiträge könne nicht als ein hinreichender Grund für die behauptete Unzuverlässigkcit auf wirtschaftlichem Gebiete angesehen werden, um damit ein solch schwerwiegendes Verbot zu reckstfeissi- gen. Im Berichtsjahre ist nur ein Fall bekannt geworden, Ivo der Bezirksausschuß zu Arnsberg seine Entscheidung aus die Tatsache stützte, daß die dauernde Nichtzahlung der Genossenschaftsbelträge den GeMfisinhnber nicht mehr befähige, seinen selbständigen Ge- Werbebetrieb weiter fortzuführen." Die braven Leute spielen also„Unternehmer" weiter, Ivenn sie auch ihre Arbeiter nicht bezahlen und sich um die Bcrufsgc- nossenschaft gar nicht kümmern. Versichert waren im Berichtsjahre 34 995 Baubetriebe mit 224 737 Arbeitern, gegen 33 742 Betriebe und 219 319 Arbeitern im Jahre 1909. Die Zahl der gemeldeten Unfälle stieg von 7253 im Jahre 1909 auf 7717. Seit dem Bestehen der Genossenschaft wurden insgesamt 118968 Unfälle gemeldet, darunter 3559 Todes- fälle. Der durchschnittliche Jahrcsarbeitsverdlenst betrug 1278 M. gegen 1281 M. im Jahre 1909. Der Lohn der Bauarbeiter in Rheinland-Westfalen ist also etwas gesunken. Im SchliißN'orte meint der Bericht mit Hinblick auf die Reichs- vcrsichcruiigsordnuna:„Einen wesentlichen Schlitz bringt daS neue Gesetz den BetrirbSinliaber«, indem es. gestattet, daß sie die ihnen durch die Unfallvcrbütuuggvorschrifteii zugewiesenen Pflichten auf ihre Betriebsleiter übertragen können, dermaßen, da{; bei Vernachlässigung diese an Stelle des BetriebSinhaberS in Strafe genommen werden können. Bei Anordnungen und bei der AufsichtS- tätigkcit können sogar die Pflichten auf die AufächtSpersonen und sonstige Angestellte übertragen werden, so daß also diejenigen, von welchen man eine gewissenhafte Befolgung der UnfallverhülungS- Vorschriften erwarten muß, auch bei Vernachlässigung dieser Pflicht zur Verantwortung gezogen werden können." Die ganze Verantwortung überträgt man also künftig den wo- möglich sehr schlecht bezählten..Vertretern" und zieht selbst den .Kopf aus der Schlinge. Der Unfallschutz wird dadurch sicher nicht besser werden und mit Reckt, vorn Standpunkt des reinen Profits, ruft die Aerussgenossenschaft zum Schluß aus, daß es der„unab- lässigen Tätigreit" des llniernehmerverbandeS zu danken sei, daß das Gesetz„besser" geworden sei als das,„was In Aussicht stand". Dem Unternehmertum, nicht de» Arberterklosse, nützt diese lvic manche andere neue Vorschrift der ReichsversicherungSordnung, die zum Nachteil von Lebe», Gesundheit und Recht der Arbeiter wirkt. Ersatz für künstliche Gebisse. Das Landgericht Bochum verurteilte dieser Tage die Kranken- fasse der Zwangsinnung der Bäcker in£>crne zur Zahlung der Kosten eines künsttichcn Gebisses. Ein Mitglied der Kalsc, die in ihrem Statut Lieferung von„Vorrichtungen, die zur Herstellung und Erhaltung der ErwcrbSfähigkeit nach beendetem Heilverfahren erforderlich sind" verspricht, hatte sich 20 Zähne ziehen und ein künstliches Gebiß anfertigen lassen. Die Kasse lehnte der. Anspruch auf Ersatz ab. Die AufsickstSbehörde(dir Magistrat von Herne) stellte sich auf denselben Standpunkt. Das Ämtsgerick't.«der"- wies den Kläger mit seiner Klage auf Erstattung der Kosten für das Gebiß ab, verurteilte dahingegen die Kass? zur Zahlung der Kosten für das Ziehen der 20 Zähne. Gegen t-eseS Urteil legte der Kläger Berufung ein mit dem Erfolge, daß das Landgericht in Bochum der Klage tm vollem Umfang stattgab, und die Kasse auch zum Ersatz der Kosten für das künstliche Gebiß verurteilte. Zur Begründung dieses Urteils wurde auf den eingangs wieder gegebenen Passus des Kranlenlassenstatuts Bezug genomiiMtz Gewerkfcbaftlicbce. Chn ftcn fcbreien nach Zucbthausgcretzcn 1 In der polnischen Ausgabe des„Bergknappen", Organ des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter, im„Garnik Polski", sowie im„Zwiazkowiec"(Der Gewerkschaftler), dem polnischen Organ sämtlicher Zentrumsgewerkschaften(Nr. 28 vom 13. Juli 1911) ist ein Artikel veröffentlicht, der sich mit dem 8. Kongreß der freien Gewerkschaften in Dresden bc- schäftigt. Darin wird u. a. gesagt: „Der sozialistische Rechtsanwalt Dr. Heincmann sprach dann über das Koalitionsrccht in Deutschland, klagte über Verfolgung der armen Sozialisten von feiten der Behörden, in einem Worte: er stellte die Sache so dar, als bestände in Deutschland über- Haupt kein Koalitionsrecht. Schon die sozialisti'chen Verbände alleine, die so laut mit ihrem grasten Mitgliederzuwachs prahlen und fortwährend einen brutalen Terroiismus gegen- über den nichtsozialdemokratischen Arbeitern ausüben, beweisen, dast Heinemann Fabeln erzählt hat und dast für die Sozia- listen die Koalitionsfreiheit jetzt schon zu grost ist. Die braven Arbeiter, denen es nur um die Verbesserung ihrer Lage geht, würden ja eine gröstere Koalitionsfreiheit verdienen. Für die sozialistische wilde Horde(äla dziozy socyalistyczney) dagegen ist die gegenwärtige zu grost und es wäre gut, wenn das zukünftige Strafgesetzbuch gegen ihren Terrorismus etwas ent- schiedenes tun würde... Das zukünftige Strafgesetzbuch soll die gesamte Arbeiter- schaft in Fesseln legen,— diese Forderung erheben fast zu gleicher Zeit die kapitalistischen Scharfmacher und— zwei christliche Gewerkschaftsblätter! Zwei Herzen und ein Schlag. Berlin und Umgegend* Metallarbeiter! Die Firmen Siemens u. Halske und Schuckert suchen für ihre Betriebe in den verschiedensten bürgerlichen Blättern gelernte Arbeiter mit dem Versprechen auf hohen Verdienst. Es wird in den Inseraten verschwiegen, dast der hohe Verdienst nur durch Ueberstunden in unbeschränkter Zahl erreicht werden kann. Austerdem wird verschwiegen, dast derjenige, welcher in den Siemenswerken Arbeit nimmt, feines Koalitionsrechtes beraubt und zu der Mitgliedschaft zum gelben Werkverein, genannt Unterstützungs- verein, gezwungen wird. Des weiteren must jeder Arbeiter, der im Sienrenswerk arbeiten will, den gelben Nachweis in der Holzmarkt- straste passieren, um dort für die gelben Agitatoren 50 Pf. zu opfern. Um die arbeitslosen Metallarbeiter vor Schaden zu bewahren, sei hiermit aus die Praktiken der Firma Siemens aufmerksam ge- macht. Wer das Koalitionsrecht nicht gefährden will, kann unter diesen Umständen in den SiemenSbetricben keine Arbeit annehmen. Ortsverwaltung Berlin des Deutschen MetallarbeiterverbandeS. Achtung, Bauarbeiter! Am Donnerstag, den Z.August, sind die im Deutschen Bauarbeiterverband organisierten Steinholzleger und Helfer zur Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen in den Streik eingetreten. Wir ersuchen alle Bauarbeiter für Femhaltung des Zuzuges zu sorgen. Der Zweigvereinsvorstand. Achtung! Stellmacher, Sattler und Lackierer! Bei der Firma Voll u. Nuhrbeck, Charlottenburg, Kaiserin-Augusta-Allee 101, befinden sich die Kollegen genannter Berufe seit 2. August wegen Lohndifferenzen im Streik. In der„Volkszeitung" werden Stellmacher, die als Streikbrecher Verwendung finden sollen, gesucht. Wir erwarten, dast etwaige Arbeitsangebote zurück- gewiesen werden. Die Ortsverwaltungen. veutfcbes Reich. Terrorismus-Lügen. Heber den Streik der mitteldeutschen Braunkohlenarbeiter verbreiten die kapitalsfreundlichen Blätter fortgesetzt den gröbsten Derrorismusschwindel. Den streikenden Bergleuten wird jetzt ein- fach alles in die Schuhe geschoben, was im Streikgebiet irgend passiert. Es fehlt nur noch, dast man sie auch für die herrschende Hitze und die andauernde Trockenheit verantwortlich macht. Den ausgesprochenen Unternehmerzeitungen stellt sich bei solchem Tun auch ein„Arbeiterblatt" würdig zur Seite. Das „Korrespondenzblatt" der katholischen Fachabteilungen schrieb näm- lich am 30. Juli in einer Betrachtung über den Streik: „Schon in unserer letzten Nummer wiesen wir auf mehrere Fälle des gegenüber den Arbeitswilligen ausgeübten Terroris- mus hin. Auch htzute sind wir in der Lage, auf zwei derartige Fälle hinzuweisen, welche sich beim Streik der Sächsischen Stein- kohlengruben(?) in OschersXeben zugetragen haben. Einem Bergmann, der sich nicht in das Joch der Sozialdemo- lratie bequemen wollte und bis zum 18. Juli gearbeitet hatte, verwüsteten die Streikenden 14 Morgen Kartoffelland vollständig. Einem anderen Bergmann aus Hornhausen hat man nachts seine grüne Gerste vom Feld abgemäht und einen Stock mit einem Schilde auf das Feld gesetzt mit der Aufschrist:„Gehe ruhig zur Arbeit, wir wollen Deine Gerste schon mähen!" Hieraus zeigt sich mit aller Deutlichkeit, wohin die Theorie und die Praxis der Streikorganisationen den armen betörten Arbeiter hintreibt, so dast er durch die Verhetzung und Aufreizung selbst vor dem Eigentum seines Nächsten und vor Gewalttätigkeiten nicht zu- rückscheut." Die nachstehende Berichtigung des Gewsien Bviewig entlarvt den Schwindel: „1. Es ist nicht wahr, daß streikende Bergarbeiter einem Ar- beitswilligen in OscherslebenJ)ie Kartoffeln verwüstet haben. Wahr ist, dast derartige Streiche in Oschersleben fast jedes Jahr vorgekommen sind, auch wenn kein Streik war. Die Strei- kenden haben damit nichts zu tun, was selbst die in Oschersleben erscheinenden Zeitungen anerkennen mußten. 2. Es ist nicht wahr, dast einem Arbeitswilligen in Horn- hausen von Streikenden die grüne Gerste abgemäht worden ist und auf dem Felde ein Plakat mit der Aufschrift:„Gehe ruhig zur Arbeit, wir wollen Deine Gerste schon mähen", aufgestellt wurde. Wahr ist, dast der Streikleitung und den Einwohnern von Hornhausen nichts von einem unbefugten Abmähen eines Ge- treidefcldes und dem Aufftcllen eines Plakates bekannt ist, so dast diese Notiz also nur der Phantasie eines einzelnen ent- sprungen sein kann. Hochachtungsvoll Die Streikleitung I. A.: Josef Briewig." Solidarisches Vorgehen der Marinctechuiker. Ter Konflikt der in der kaiserlichen Marine beschäftigten technischen Hilfsbeamten be- schränkte sich bisher hauptsächlich auf die bei den Jnteiidantuecn und den Garnisonbauämlern beschäftigten Bautech niker, denen getündigt worden war, weil sie den neuen Privatdienstvertrag seines rigorosen Inhaltes wegen nicht anerkennen lvollten. Die im Bunde der technisch- industriellen Be- a m t e n organisierten Techniker der Maschinen- Schiffbau- und Torpedoressorls halten sich aber von vornherein mit den Bau- technikern solidarisch erklärt und ebenfalls die Anerkennung dieses Dienstoertrages verweigert. Vor dem Bekaniillverden des Inhaltes dieses Dienstvertragcs waren von den Werften eine Aniahl neuer Techniker engagiert worden, die aus Unkenntnis der Verhältnisse den Dienstvertrag unterzeichnete». Diese Techniker haben nun, soweit sie dem Bunde angehören, ihrer vorgesetzten Behörde mitgeteilt, dast sie die durch ibre Unterschrift ausgesprochene Anerkennung des Dienst- Vertrages zurückzuziehen wünschen. Falls ihnen daS nicht gestattet wird, wollen sie am IS. August solidarisch ihre Mrantw. Nedakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.T~ Kündigung einreichen. Der Bund der technisch-industriellen Beamten gewährt für den Fall einer daraus sich ergebenden Siellungslosigkeit die für solche Fälle vorgesehene Solidaritätsunter- stützung._ Metallarbeiterstreik in Barmen-Elberfeld und Vohwinkel. Am 15. April haben der Metallarbeiterverband, der christliche Metallarbeitervcrband und der Gewerlvcrein der Maschinenbauer sH.-D.) dem Arbeitgcberverband im bergischen Jndnstriebezirl den Vorschlag unterbreitet, wegen Regelung der Arbeitszeit in den Be- trieben der Metallindustrie mit ihnen in Verbindung zu treten. Der Vorschlag ist von den Unternehmern unter nichtssagenden Gründen abgelehnt worden. Ein zweites Anschreiben blieb gänzlich ohne Antwort. In der Zeit vom 30. Juni bis 20. Juli wurden dann bei 35 Firmen, die etwa 2500 Arbeiter beschäftigen, Forderungen ein- gereicht. Es wurde eine wöchentliche Arbeitszeit von 51 Stunden und zum Ausgleich für die verkürzte Arbeitszeit eine Lohnzulage von 10 Proz. verlangt. Für gelernte Arbeiter sollte der Mindestlohn 50 Pf. pro Stunde und für ungelernte Arbeiter 15 Pf. betragen. Auch für die Akkordpreise sollte ein entsprechender Ausgleich ge- schaffen und die Löhne überhaupt einer Durchsicht unterzogen iverden. Ueberstunden sollten möglichst vermieden, sonst aber mit 25 bis 50 Proz. Zuschlag, Nachtarbeit mit 100 Proz. vergütet werden. Versuche der Arbeiter, in einzelnen Betrieben durch Entgegen- kommen die Differenzen in friedlicher Weise zu schlichten, blieben so gut wie ohne Erfolg. Für nur rund 300 Ar- heiter konnten befriedigende Abmachungen— wöchentliche Arbeits- zeit bis zu 56 Stunden und entsprechende Lohnerhöhungen— abgeschlossen werden. Am 27. Juli haben dann 200 und am 28. weitere 100 Arbeiter die Arbeit niedergelegt. Montag, den 31. Juli, hat der Unternehmerverbandes erneut abgelehnt, seinen Mitgliedern zu gestatten, eine wöchentliche Arbeitszeit von 56 Stunden bewilligen zu dürfen. Infolge dieses Beschlusses nimmt der Streik täglich an Ausdehnung zu, so dast bis Ende dieser Woche sich rund 2000 Arbeiter der am Streik beteiligten Organisationen im Ausstand befinden werden. Streik. Am Bau des WeserwchreS bei Dörverden haben vierzig Zimmerer die Arbeit eingestellt. Veranlassung gab dazu die unregel- mästige Arbeitszeit, welche bis zu 15 Stunden täglich betrug. Außerdem wurde auch des Sonntags gearbeitet. Die Zimmerer be- schlössen, in Zukunft nicht länger als 11 Stunden zu arbeiten. Für den Ausfall an Lohn soll ein Aufschlag desselben von 60 auf 65 Pf. pro Stunde gefordert werden. Da die Forderungen nicht akzeptiert wurden, nahmen die Zimmerer die Arbeit nicht wieder auf. Aus- geführt werden die Arbeiten von der Aktiengesellschaft für Beton- und Monierbau, Berlin, Filiale Kassel. Um Fernhaltung des Zuzuges wird ersucht. Zentralverbaud der Zimmerer. Gau Hannover. Schwindel über Streikunrnhen. Durch die bürgerliche Presse ging am Dienstag und Mittwoch eine Meldung, daß in einem Ort bei Halle 100 Streikende am Montag eine Zementfabrik mit Steinen bombardiert und Streik- brecher mit Revolvern beschossen haben. Diese Nachricht beruht auf Schwindel. Es sind bei dem Vorfall außer den paar ausgestellten Streikposten fast keine Streikenden zugegen gewesen, und diese haben nachweislich noch Leute vom Steinwerfen energisch abge- lialten. Die Streikbrecher aber haben seit einigen Tagen auf dem Fabrikgrundstück mit Sievolvern herumgefuchtelt und Personen be- droht. Am Montag sammelte sich infolge einer Auseinandersetzung mit einem Streikbrccheragenten und einem Gendarmen eine Menge Lteugieriger vor der Fabrik an. Streikbrecher bewarfen bei Ein- bruch der Dunkelheit die Menge mit Steinen und schaffen wieder- holt aus Revolvern. Aus der Menge wurde mit Steinwürfen ge- antwortet, wodurch in der Dunkelheit die Scheiben von etwa einem Dutzend Fenstern der Kantine und des Verwaltungsgebäudes zer- trümmert wurden. Weiterer Schaden ist nicht entstanden. Die Hallesche Polizei, die gerufen wurde, fand nichts mehr zu tun vor. Verhaftungen wurden nicht vorgenommen. Ausland. Drohender allgeuleiner Bergarbeiterstreik. London, Anfang August 1911. Nach zweitägiger Beratung hat die Bergarbciterfodcration folgende Beschlüsse gefaßt. Die Leiter der Föderation werden be- auftragt, eine Konferenz mit den Vertretern der Werksbesitzer des ganzen Landes anzuberaumen, um die Frage der Bezahlung des Minimallohns an Arbeiter, die an„abnormen" Stellen arbeiten. zu regeln. Falls die Arbeitgeber die Forderung der Arbeiter nicht bewilligen, so sollen die 600 000 Mitglieder der Föderation befragt werden, ob der Generalstreik erklärt werden soll. Die Frage der„abnormen Arbeitsstellen" ist durch den noch immer währenden erbitterten Kampf der Bergarbeiter des Rhonddatales in den Vordergrund gerückt worden. In Südwalcs kann eine Einigung nicht Zustandekommen, da sich die Werks- besitzer beharrlich weigern, den Hauern einen gewissen Minimal- lohn(6 Schilling und 9 Pence) zu garantieren. Obwohl in der britischen Montanindustrie ein sogenannter Minimallohn besteht, kann sich doch ein Arbeiter, der eine Arbeitsstelle bekommt, wo die Hindernisse und die Ausbeute klein ist, die ganze Woche lang abrackern und vielleicht nur die Hälfte des ihm nach dem Tarif zugesicherten Lohnes nach Hause bringen. Vor einigen Wochen desavouierte die Bergarbeiterföderation die Streikenden, da diese den zwischen den Leitern der Föderation und den Wcrksbcsitzern geschlossenen Vertrag nicht angenommen hatten. Seitdem haben sich aber die Dinge verändert. Die Leiter und die Konserenz der Bergarbeiterföderation waren im guten Glauben, daß die Ver- sprechungen der Arbeitgeber wirklich ernst zu nehmen seien und daß die Bergarbeiter den Minimallohn von 6 Schilling und 9 Pence erhalten würden. Dieser Glaube wurde bald durch die ungeschminkte Behauptung des Obersckarfmachers Thomas, des Leiters des Zcchensyndikais im Rhonddotale, dast die Versprechen der Werksbesitzer„keinen Gekdlvert" hätten, zerstört. Auch in anderen Revieren ist die Frage der„abnormen Ar- beitsstellcn" sehr akut. In Süd-DerbYjhire hat sich der Berg- arbeitervcrband mit den Werksbesitzern über den Punkt geeinigt und in einigen anderen Distrikten verhandelt man. Aber die große Masse der Werksbesstzer will von einem garantierten Mini- mallohn nichts wissen. Spricht man mit englischen Bergwerks- besitzcrn oder Bergwerksdirektoren, so hört man nur von der pre- kären Lage der Industrie und der Unmöglichkeit, noch weitere For- dernngcn der Arbeiter zu bewilligen. Nun darf man diese Klagen allevdings nicht zu tragisch nehmen: aber es ist zweifelsohne richtig, daß viele der kleineren und weniger produktiven Gruben am Rande ihrer Leistungsfähigkeit unker der jetzigen Pcivattvirt- schaft angelangt sind. So können manche Zechen in Lancashire sich gegen die Konkurrenz der reichen Gruben in Dorkshire nur noch unter großen Anstrengungen behaupten. Bei den Zechen- besitzern führt diese durch die innere Konkurrenz hervorgerufene Entwickelung zur Ausbreitung des G.dankcns, ein Kartell oder ein Syndikat zu gründen. Bei den Bergarbeitern wird die Forde- rung. die Gruben zu verstaatlichen immer lauter. Ties ist um so bomerkensiverter. als die britischen Bergarbeiter in den letzten Jahren, nachdem sie mit der Lage der Arbeiter in den preußischen und österreicknschen Staatsbergwcrken näher bekannt geworden waren, der Verstaatlichung der Bergwerke etwas skeptisch gegen- überstanden. Die Klagen der Werksbesitzcr, die in der rückständigen kapita- listischen Organisation ihrer Industrie ihren Boden haben, können d»e Arbeiter natürlich nicb-t daran hindern, ihre Interessen ener- gi fch zu verfechten. Der Schuh drückt sie an einem anderen Fuße, Und daß der Schuh augenblicklich einen ungewöhnlich harten Druck ausübt, darüber sind sich alle Arbcitervertreter einig. Ein Berg. arbcitervc'lreter, den man sicher nicht zu den radikalen zählen kann, versicherte mir, daß es augenblicklich nur eines Funkens be- dürfe, um das ganze Land in hellen Aufruhr zu versetzen. In TH.Glvckc, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u. VcrlagSanstalt allen Bergwerksrevieren predigt«fön den Generalstreik. Emissäre der walisischen Streikenden ziehen im ganzen Lande umher, um ihre Kameraden zu einem allgemeinen Streik der Bergarbeiter zu bewegen. Nach privaten Berichten ist ihre Propaganda sehr er- folgreich. Die bürgerliche Presse versucht, die Bewegung beharr« lich totzuschweigen; man wundere sich jedoch nicht, wenn innerhalb weniger Wochen der britische Bergknappe seine Drohung plötzlich in die Tat umsetzt._ Eine Lohnbewegung in Mexiko. Der Zusammenbruch der Herrschaft des Präsidenten Dioz bat auch in der Arbeiterschaft Kräfte ausgelöst, die längst auf eine Be- tätigung warteten. Unter Diaz wurden alle Lohnbewegungen mit größter Brutalität niedergeschlagen; der Streikende galt als Ver- brecher. Gegenwärtig siud Streiks in Massen ausgebrochen: di« Arbeiter der Industrie, des Bergbaus und des Verkehrs fordern höhere Löhne und bessere allgemeine Bedingungen bei der Arbeit. Zahl« reiche Streiks sind bereits nach kurzer Dauer gewonnen worden; die Arbeiter haben die öffentliche Meinung für sich, man sieht ein, daß die bisherigen Verhältnisse unhaltbar geworden sind. Vor zehn Jahren wurde für ungelernte Arbeiter ein Tagclohn von 1 M. gezahlt, der allmählich ans 1,40— 1,60 M. stieg. Jetzt werden 2 M. bis 2,10 M. verlangt und vielfach auch gezahlt. Diese Löhne must man messen an den Löhnen in den benachbarten Ver- einigten Staaten, um zu erkennen, wie niedrig sie immer noch sind. Auf die Landarbeiter hat sich die Bewegung noch nicht erstreckt. Diese arbeiten meist wie Leibeigene, in Schuldkncchtschast. Dieser Zustand ist ebenfalls in dem neuen Mexiko unhaltbar geworden, und man erwartet Maßnahmen durch die Gesetzgebung. Man wird dazu gezwungen sein, um gewaltsamen Ausbrüchen vorzu- beugen. Trotz der allgemeinen Lohnerhöhung, die zurzeit angestrebt wird, kann Mexiko immer noch sehr billig produzieren, da die Kosten des Lebensunterhalts sehr gering sind. Die Lohnerhöhungen werden von der öffentlichen Meinung auch insofern begünstigt, als man allgemein die Volksmassen auf ein höheres Llulturniveau bringen möchte, zum Nutzen des ganzen Landes. Die Unternehmer haben mit dieser Strömung zu rechnen, wenn sie sich sehr hartnäckig zeigen._ Versammlungen. 3. Wahlkreis. Zu dem Bericht über die letzte General- Versammlung ist folgendes zu berichten: Die als Beisitzer ausgeführten Genossen Müller, Wenzel und F. Schmidt sind als solche nicht gewählt worden, wohl aber R. Kawier. Sechster Wahlkreis. Berichtigung. In unserem Bericht von der Kreisgeneralversammlung befindet sich ein bedauerlicher Irr- tum. Nicht gegen den Genossen Otto Frank, sondern gegen den Genossen Richard Wagner beschloß die Versammlung auf Grund des§ 23 des Organisationsstatuts das AuSschlustverfahren zu beantragen. Genosse Frank war im Gegenteil Referent des Vorstandes in dieser Angelegenheit. Der Zentralverbaud der Fleischer erörterte am Mittwoch itt seiner Mitgliederversammlung die Frage:„Ist es angebracht, im Herbst in eine Lohnbewegung einzutreten?"— Wie der Ortsvorsitzende Bergmann ausführte, ist in der vorigen Versamm- lung der Antrag gestellt worden, im kommenden Herbst eine allge- meine Lohnbewegung ins Werk zu setzen. Infolgedessen haben sich der Vorstand und die Vertrauensmänner mit der Frage beschäftigt, ob es ratsam sei, dem Antrage Folge zu geben. Beide Körper- schaften haben sich nach eingehender Prüfung der Verhältnisse mit überwiegender Mehrheit dahin ausgesprochen, dast es nicht an- gängig sei, im Herbst in eine allgemeine Lohnbewegung einzutreten. Der Redner trug die Gründe vor, welche für den Vorstand und die Vertrauensmänner ausschlaggebend waren und ersuchte die Ver- sammlung, sich dem Entscheid dieser Körperschaften anzuschließen. — Es folgte eine längere Debatte. Eine Anzahl von Rednern hielt fest an dem Verlangen, daß durch eine Lohnbewegung im Herbst die Verhältnisse der Fleischer aufgebessert werden. Schließlich drangen aber die Gründe des Vorstandes, die Bergmann nochmals darlegte, durch und die Versammlung lehnte den Antrag auf Ein- tritt in eine Lohnbewegung mit allen gegen einzelne Stimmen ab. Hierauf gab Bergmann den Geschäftsbericht für das zweite Quartal. Daraus geht hervor, dast sich die Zahl der Berliner Mit- gliedschaft in dieser Zeit sehr bedeutend vermehrt hat. Während im 2. Quartal 1910 5090 Beitragsmarken abgesetzt wurden, sind im 2. Quartal 1911 bereits 11 012 Beitragsmarken verkauft worden. Die Zahlstelle Berlin steht mit ihren 1200 Mitgliedern als die stärkste des Verbandes da. Sie wird trotz aller Hindernisse, die ihr die Gelben im Bunde mit den Meistern zu bereiten suchen, weiter fortschreiten._ Hetzte ftachricbten« Schwerer Vauunfall in Chemnitz. Chemnitz, Z. August.(Privattclegramm des„Vor- wärts".) In der Reinhardstraße sind K Arbeiter und zwar 5 Maurer und ein Klempner TonnerstaMrbend kurz vor 6 Uhr schwer verunglückt. Das Unglück wurde durch dew Zusammenbruch einer Decke verursacht, die im Fallen die Treppenpodeste mit sich riß. Die Arbeiter wurden schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Soldaten als Streikbrecher. Augsburg, 3. August.(Pr.-E.) Seit drei Wochen streiken in 76 Werkstätten die Schlossergesellen. Mehrere Soldaten des hie- sigen 3. Infanterieregimentes benutzten ihren Ernteurlaub dazu. um in den von dem Streik beteoffenen Werlstätten zu arbeiten. Als der Vorstand dos Deutsehen MetallarbeiterverbandeS davon erfuhr, machte er dem Kommandeur des Regimentes hiervon Mit- teilung. Die Soldaten wurden daraus von ihrem Regiment aus dem Urlaub zurückgerufen,. , Die Cholera. Trieft, 3. August.(W. T. B.) Heute ist ein neuer Cholerefall festgestellt worden. Wien, 3. August. Wie die„Neue Freie Presse" erfährt, ist in der montenegrinischen Armee die Cholera ausgebrochen. « � wit„geistigen Waffen". Budapest, 3. August.(W. T. B.) Zwischen den Abgeordneten Pal und PvSzgay fand heute ein Säbelduell statt, bei dem Poszgah nach fünf Gängen einen scharfen Kopfhieb. Pal einen flachen Hieb auf die Schultcr erhielt. Die Gegner versöhnten sich. Bombenattcntat gegen einen Arbeiter. Saint Etienne, 3. August.(2). H.) In der vergangenen Nacht explodierte eine Bombe vor der Wohnung eines Arbeiters in Chambom-Fugerolles. Mehrere Arbeiter, die sich gerade in der Nähe befanden, wurden durch Holzsplitter nicht unerheblich verlebt. Die Urheber dieses Bombenattentats konnten nicht er.. mittelt werden. ».„ 2ie gefangenen Polizisten. Toulon, 3. August.(Pres>TelegraPh.) In la Verdiere (Dep. Var) drangen heute Nacht einige Gendarmen in ein Kaffee» Haus ein. in dem Bakkarat gespielt wurde. Als sie die Namen der Spieler feststellen wollten, entwichen einige von ihnen, schlössen die Tür von drausten ab und verbarrikadierten das Ge» bände. Die Sicherheitsbeamten mußten bis zum nächsten Morgen im Saal eingeschlossen bleiben* Jaul Singer& Co., Berlin SW, Hierzu 2 LrUage» v. vnterhaltunashl. Nr. 180. 28. ZahrMg. t Stilnje des Jotmätls" Kerlim öolfolilat!. FrMg,4.AWstlM 2. Verbandstag der Kureauangestellten und der Der- waltungsbemteu dtt Kraukenkassen mid Kelllfsgeuosstu- slhasten. Köln, S. August. Vom 7. bis S. August tagt hier im„Colonia-Haus" der zweite Eerbandstag des Verbandes der Burcauangestellten usw. Deutsch- lands. Die Delegierten haben den Bericht über die erste Geschäfts- Periode des Verbandes(1. Juli 1908 bis 31. Dezember 1910) ent- gegenzunehmen. In dieser Periode war es eine der wichtigsten Aufgaben der Verbandslsitung, die organisatorische Zusammen- legung des früheren„Zentralbereins der Bureauangestellten" mit dem„Verband der Verwaltungsbeamten der Krankenkassen und Be- rufsgenossenschaften" zur vollkommenen, geistigen und materiellen Verschmelzung zu verdichten. Der Vorstand konstatiert in seinem Geschäftsbericht mit Befriedigung, daß die Verschmelzung sich ebenso glatt vollzog, wie die vom ersten lBerliner) Verbandstag für den 1. Juli 1998 angesetzte geschäftliche � Zusammenlegung. Mit der Schaffung der Einheitsorganisation ist die Stellung des Verbandes in der deutschen Bureauangestelltenbewegung gefestigt. Er ist nicht nur ziffernmäßig allen anderen Verbänden überlegen, sondern ist die maßgebende gewerkschaftliche Organisation. Seit der Ver- schmelzung hat der Verband um 1549 Mitglieder zugenommen. Nach vollzogener Verschmelzung wurden am 1. Juli 1998 insgesamt 4234 Mitglieder gezählt. Das Jahr 1919 schloß mit einem Mit- gliederbestand von 5783, darunter 184 weibliche, ab. Auf sozialpolitischem Gebiete hat der Vorstand in der Berichtszeit eine sehr rege Tätigkeit entfaltet— entfalten in ü s s e n. An der Wciterentwickclung der staatlichen Sozialpolitik stich die Bureauangestellten ja besonders lebhaft interessiert. Die ungesunden Berufsverhältnisse, denen die Gesetzgebung durch ihre erschreckliche Tatenlosigkeit wirksam Vorschub leistet, verweisen das Gros aller Bureauangestellten auf die staatliche Hilfe wie keine zweite Gruppe unter den Privatangestellten. Entsprechend diesem Interesse hat der Vorstand des Verbandes durch ausführliche Petitionen an die gesetzgebenden Körperschaften zu allen Vor- gangen in der allgemeinen Sozialpolitk Stellung genommen und die Forderungen des Verbandes aufgestellt. Während der Berichts- Periode— so sagt der Vorstand in seinem Bericht— bot aber die deutsche Sozialpolitik das seit vielen Jahren gewohnte Bild derUnfruchtbarkeitunddesStillstandes. Der 1997 gewählte Reichstag, der infolge des Mandatsverlustes der Sozial- demokratie„nun erst recht Sozialpolitik" treiben wollte, hat durch seine die arbeitenden Volksmassen ausplündernde„Finanzreform" des Jahres 1999 zwar die Notwendigkeit sozialgesetzlicher Fürsorge ungemein gesteigert, hat ihr aber gar'nicht Rechnung ge- tragen. Den engherzigen Negierungsentwurf der R e i ch s V e r- sicherungsordnung hat die Mehrheit des Reichstages organi- satorisch noch verschlechtert und materiell nicht verbessert. Die Forderungen des Verbandes, die dieser gemeinschaftlich mit den angeschlossenen Verbänden durch mehrere eingehend begründete Petitionen der„Freien Vereinigung für die soziale Versicherung der Privatangestellten" beim Reichstag geltend machte, i g n o- rierte er vollständig. Diese Behandlung hatten die Privat- angestellten gemein mit der Industrie- und Landarbeiterschaft. Rückhaltlos wurden ihre Interessen— so konstatiert der Vorstand— allein durch die sozial de mokratische Reichstags- fraktion wahrgenommen. Neben dem Versuch, auf sozialpolitischem Gebiet Verbesserungen für seine Mitglieder zu erreichen, war der Verband aber auch aufs eifrigste bestrebt, durch wirtschaftliche Bewegungen die Lage der Bureauangestellten zu heben. Im Gegensatz zu den bürgerlichen Verbänden des Berufes legte der Verband großes Gewicht auf die unmittelbare Beeinflussung der Arbeitsbedingungen. Die gegnerischen Verbände beschränken sich bekanntlich auf die An- rufung der sozialpolitischen Hilfe des Staates. Rühren ste einmal an die Gehaltsfrage, so nur in der Form eines devoten Appells an die„soziale Einsicht" der Prinzipale. Was von der„sozialen Einsicht" der Arbeitgeber zu halten ist, zeigte die Behandlung der Forderung von Teuerungszulagen seitens der Rechts- a n w ä l t e. Der Verband schlug vor, Gehälter über 199 M. monatlich um 19 Proz., die niedrigeren um 29 Proz. zu erhöhen. iWer die miserablen Gehälter der Angestellten bei Rechtsanwälten lennt, muh zugeben, daß diese Forderung sicher nicht übertrieben war. Das unanfechtbare Zahlenmaterial des Verbandes, mit dem dwser die Notwendigkeit der Gehaltserhöhung nachwies, hat aber dw„soziale Einsicht" der Rechtsanwälte nicht wachgerüttelt. Nur ein winziger Teil der Anwälte besserte die Gehälter auf. Er kleines feuilleton- Die„unehrlichen Menschen" in Japan. Als vor einigen Mo- Itaten in Japan die berüchtigte„Anarchisten"jagd inszeniert wurde, hat es sich nur zu deutlich erwiesen, wie tief dieses Land, das gewiß auf manchen bewunderungswürdigen Fortschritt zurückblicken kann, noch in der mittelalterischen Barbarei steckt. Den drastischen Beleg dafür bildet eine merkwürdige soziale Erscheinung, wie sie sich wohl in einer solchen Reinheit in keinem Lande der Welt mehr erhalten hat und die uns lebhaft an unsere eigene mittelalterische Ver- gangenheit erinnert. Das ist die Existenz einer in sich geschlossenen Klasse der„unehrlichen Menschen", d. h. solcher Menschen, die den Berufen nachgehen, die in den Augen ihrer Mitbürger als un- würdig und unrein gelten. Die nähere Aufklärung über den Ur- sprung und kulturgeschichtliche Stellung dieser Klasse—„Etanennen sie die Japaner— verdanken wir Prof. Karl Florenz in Tokio, über dessen Forschungsergebnisse„Petermanns Mitteilungen" einen ausführlichen Bericht bringen. In der sozialen Gliederung des alten Japan, wo da? Prinzip strengster Sonderung der Stände eine unumschränkte Geltung ge- noß, waren die Eta durch eine tiefe Kluft von der übrigen„ehr- lichen" Gesellschaft getrennt. Sogar sprachlich galten sie nicht als Menschen; sie wurden z. B. nach„Stücken" gezählt. Zu den Eta wurden zunächst alle die gerechnet, die„unehrliche" Gewerbe trieben. Solche Gewerbe waren die des Kürschners, Gerbers und Abdeckers: ferner gehörten zu den Eta: der Totengräber, der Leichenverbrenner und der Henker mit seinen Gesellen. In älterer Zeit jedoch war der mit Verachtung belegte Kreis noch größer: Färber, Gießer. Kesselmacher. Töpfer. Mörtelarbeiter. Pinsel- und Tuschemacher. Barbiere. Marionettenspieler— sie alle wurden den Eta.gleichgestellt. Wir sehen hier übrigens dieselbe Erscheinung, wie sie uns auch in der europäischen Geschichte begegnet: gar mancher Beruf mußte, bevor seine soziale Notwendigkeit genügend erwiesen war, solche Unwürdigkeitserklärungen über sich ergehen lassen. Von dem Staat wurden die Eta als Mitglieder der Volks- gemeinschaft nicht anerkannt; noch bis tief in das 19. Jahrhundert hinein galten sie so gut wie vogelfrei. Das Volk verabscheute sie aufs äußerste und mied jede Berührung mit ihnen. Es bestand die Anschauung, daß ihr Blut unrein sei; der Stand der Eta galt als erblich. Es gab demnach für sie keine Möglichkeit des Empor- kommens, der Befreiung. Merkwürdig genug, daß neben diesen AuSgestoßenen eine noch liefer stehende soziale Schicht der sog.„Nichtmenschcn", der„Hinin". existierte. Das waren die„fahrenden" Leute Japans: Bettler, Schauspieler, Prostituierte und Landstreicher jeder Art. Obgleich diese Leute noch geringer galten als die Eta, besaßen sie den letzten gegenüber einen entschiedenen Vorteil. Sie konnten sich nämlich aus ihrem Stande in die bürgerliche Gesellschaft emporarbeiten. Voher dieser auffallende Unterschied?- Der genannte Lorscher folgreicher war das gleiche Vorgehen bei den Krankenkassen. Einen wirtschaftlich bedeutenden und organisatorisch wichtigen Erfolg brachte die Lohnbewegung bei der„Victoria". Wertvolle Gehalts- Verbesserungen wurden bei einigen Sterbekassen Nürnbergs erlangt. Die gesamten Lohnbewegungen von 1999 und 1919 brachten folgende Erfolge: Eine Verkürzung der Arbeitszeit für 183 Personen um 215 Stunden pro Woche, und eine Erhöhung der Ge- h ä l t e r für 1153 Personen um rund 11 559 M. pro Monat. Die Tarifgemeinschaft mit dem Zentralverband der Ortskrankenkassen wurde von der geschäftssührenden Kasse zu ihrem Ablauf am 31. Dezember 1911 gekündigt. Wie aus den VerHand- langen der Generalversammlung des Zentralverbandes der Orts- krankenkassen noch erinnerlich sein dürfte, beschloß diese, die Tarif- Verhandlungen mit dem Verbände der Bureauangestellten fortzu- setzen, wenn die Angestellten einige strittige Punkte fallen lassen. Eine Gehaltserhöhung um 199 M. pro Jahr wurde bereits zu- gestanden. Nach dem letztjährigen Bericht des Zentraltarifamtes wurden 152 Ortskrankenkassen mit 1 653 653 Mitgliedern als tariftreu bezeichnet, die insgesamt 1925 Angestellte und 221 Hilfsarbeiter beschäftigen. Nach dem Rechnungsabschluß balanzieren die Ein- nahmen und Ausgaben in der Geschäftsperiode mit 214 227,17 M. An Verbandsbeiträgen wurden 158 386,92 M. vereinnahmt. Für Unterstützungen wurden 45 593,23 M. aufgewendet, für Agitation 4116,33 und für die Verbandszeitschriften 58 739,33 M. Die Bei- tragsanteile der Ortsgruppen betrugen 26 249,26 M. Das Vermögen des Verbandes hat sich um 27 412,22 M. auf 58 157,78 M. erhöht. Auf der Tagesordnung des Verbandstages stehen neben den Geschäftsberichten Referate über das Angestelltenrecht in der Reichs- Versicherungsordnung, die sozialpolitische Gesetzgebung und über die Agitation. Ferner soll das Statut und das Regulativ der Pensions- unterstützungskasse einer Aenderung unterzogen werden. Zu den einzelnen Tagesordnungspunkten sind zahlreiche Anträge gestellt. Von diesen ist besonders einer vom Bezirk Hessen-Nassau wichtig, der verlangt, daß der Vorstand mit dem Verbände der Hand- kungsgehilfen und dem Verbände der Lagerhalter zwecks Verschmelzung zu einem gemeinsamen Verbände in Unter- Handlungen treten und dem nächsten Verbandstage hierüber Bericht erstatten soll. Huö Induftric und ftandeL Börse, Offiziere und Kriegsinteresse. Auf der Börse, wo die berufsmäßige Spekulation zurzeit ziemlich zurückgezogen lebt, lassen sich jetzt recht interessante Beobachtungen machen. Daß mit der Hitze die Hoffnung auf besondere Gewinne bei den Brauereien steigt und des- wegen die Kurse in die Höhe klettern, ist nicht weiter ver- wunderlich. Wenn aber die Aussicht auf gute Kriegs- geschäfte die Spekulation zu Ankäufen in Werten von Waffen- und Munitionsfabriken anreizt, so ist dies schon beachtenswerter. Aber noch größere Aufmerksam- keit verdient dies, wenn, wie in der„Deutschen Montags- zeitung" behauptet wird, höhere aktive Offiziere zu den Kauf- und Spekulationslustigen in solchen Papieren gehören. Im besonderen sollen zu den Aktionären der Deutschen Waffen- f a b r i k derlei Herren gehören. Die Aktien dieses Unternehmens haben in den letzten Tagen eine Kurshöhe von über 400 Proz. erklommen. Neben den Aktien der Deutschen Waffen- und Munitionswerke waren es auch die der ihr nahestehenden Dürener Metallwerke, die von dem Kriegslärm profitierten. Auch die Kasseler Feder- stahl-A.-G., die eine Kriegsmaterialienabteilung besitzt, die Böhler Stahlwerke, die Stettiner Vulkangesellschaft— sie sollte angeblich Staatsaufträge schon erhalten haben— gehörten zn den gesuchten Börsenpapieren. Daß die Papierbesitzer gehörig mit dem Säbel rasseln, um die Aussicht auf große Geschäfte zu steigern und damit die Kurse noch weiter in die Höhe zu treiben, ist erklärlich. So erhöht Beruf und Geschäft aber auch die Kriegsgefahr. Die Vorgänge zeigen das Treiben der Edelsten der-Nation in bengalischer Beleuchtung. Da erkennt man die heiligen Interessen und die„Ehre der Nation", die es angeblich zu sieht den Grund darin, daß die beiden sozialen Schichten verschie- denen Ursprungs waren. Während nach seiner Meinung die Hinin Zerfallsprodukte der japanischen Gesellschaft selbst darstellten. müßten die Eta von Anfang an den Japanern gegenüber eine ab- gesonderte Schicht gewesen sein. Und zwar lassen sich manche Be- sonderheiten der Eta am ungezwungensten dadurch erklären, daß wir in dieser Klasse die Nachkommen der tiefer stehenden Ainu er- blicken, die von den Japanern schon vor dem 9. Jahrhundert besiegt und im Lande angesiehxlt wurden. Ein stark hervortretendes Merkmal der Eta ist ihr Fleisch- genutz, der sie von der übrigen Bevölkerung schroff unterscheidet. Da ist es doch ein merkwürdiges Zusammentreffen, daß auch die Ainu stets Jäger und Fleischesser waren; sie kannten nie die Scheu der Japaner vor der Berührung mit toten Tieren, sie sind auch vom Buddhismus, der bekanntlich jeder Tötung außerordentlich ab- hold ist, kaum je berübrt worden. Auch ein anderer Umstand spricht zugunsten der von Florenz aufgestellten Hypothese. Die unter- worfenen Ainu wurden, wie schon erwähnt, in besonderen Sitzen angesiedelt. Auch die Eta finden wir von der umgebenden Gesell- schaft räumlich abgesondert. Sie wohnten entweder in besonderen Dörfern oder in abgeschiedenen Stadtteilen. Und noch ein drittes Moment— vielleicht das wichtigste— kommt hinzu: die Eta besaßen seit jeher dem Staat gegenüber ein großes Maß von Sclbstverwal- tung. Sie unterstanden den Behörden, die von den Gemeinden jedesmal auf 5 Jahre in geheimer und schriftlicher Wahl gewählt wurden. Alle Erlasse der japanischen Regierung in bezug auf die Eta ergingen an deren Oberhaupt, dessen Amt im Laufe der Zeit erblich wurde. An die Eta wurden große Ansprüche— vornehmlich aus dem Steuergebiete— gestellt. Trotz alledem und trotz sozialer Mißachtung brachten eS die Eta— insbesondere ihre Oberhäupter — zur großen Wohlhabenheit. Und so kam es nicht selten vor, daß der eine oder andere verarmte oder verschuldete Samurai lRitter) auf schlau ersonnenen Umwegen die Tochter eines reichen Eta mit seiner Hand beglückte. Die bürgerliche Revolution von 1373 brachte den Eta formale Gleichberechtigung. Selbst ihr Name wurde abgeschafft. Aber noch heute hält sich das japanische Volk von den ehemaligen Eta fern; mit einem Eta in demselben Räume zu weilen oder gar mit ihm zu essen, würde noch heute den stärksten Abscheu erregen. Ebenso bestehen noch die Etaviertel in den Städten und die Etadörfer, vollends lebt auf dem Lande die Verachtung der Eta in unvermin- derter Stärke. Es werden noch manche Jahre vergehen, bis der unerbittliche Gang der modernen Entwickelung diese mittel- alterischen Ueberresie gänzlich vernichtet haben wird. Ein Wandermusenm für Kunstgewerbe. Ein interessantes und verdienstvolles Unternehmen wird demnächst in der Schweiz seine Wirksamkeit beginnen: der Direktor der Züricher Gewerbeschule, M. de Praetere, organisiert gegenwärtig ein großes Wandermusenm für Kunstgewerbe, das bestimmt ist, den Handwerkern der kleinen Provinzstädte anschaulich vor Augen zu führen, was das moderne Kunstgewerbe hervorbringt. Das Wandermufeum umfaßt eine verteidigen gilt, um deretwegen des Volkes Söhne als Kanonen- futter dienen sollen._ Die HauSagrarier. Die„Deutsche Mittelstandszeitung" veröffentlicht ein Haus« besitzerprogramm. Unter anderen enthält eS die folgenden be- fcheidenen Forderungen: .ES ist anzustreben eine Beseitigung der Ueberprodultion im Häuserbau. Es ist die BedürfuiSfrage im Wohnungsbau einzu- führen. Forderung an Staat und Kommunen: die Begünstigung der Baugenossenschaften, insbesondere die Hergabe von Geld unter dem ortsüblichen Zinsfuß und die Beleihungsmethode bis zu 99 Proz. und darüber ist endgültig einzustellen." DaS könnte den Herren.Bedürfnis"-Hausbesitzern so passen, wenn die Möglichkeit, den Wohuungswucher zu hemmen, erdrosselt würde._ Zwei neue Riesentanks der„Union Oil Company". Die amerilanische Petroleumindustrie hat ohne Zweifel einen Zug inS Großartige. So dürften die sogenannten„pips lines", die 130 990 Kilometer langen Röhrenleitungen, in denen das Pe- troleum von der GewinnuligSstelle nach den Küstenhäfen gepumpt wird, ihresgleichen in der technischen Welt suchen. Im letzten Jahre wurden zwei neue Riesenanlagen geschaffen. ES sind dies zwei mächtige OeltankS, die die Union Oil Company of California in der Nähe von San Luis Obispo in Kalifornien erbaut hat. Jeder dieser Tanks faßt nicht weniger als 1,52 Millionen Hektoliter Oel. Der Durchmesser ist 183 Meter, die Höhe 6,25 Meter. Zum Pla« nieren und zur Herstellung der Fundamente mußten 61999 Kubik« meter Erdreich bewegt werden. Die Wände der Tanks sind unten 99 Zentimeter, oben 15 Zenti« meter stark, also verhältnismäßig dünn. Sie bestehen aus Beton, das in Formen gestampft und durch Rundeisenstäbe verstärkt wurde. Es wurden dabei 259 Tonnen Eisen und 9299 Kubikmeter Beton verbraucht und 439 999 Meter Holzbalken zur Konstruktion ver- wandt. Der Boden ist 6.3 Zentimeter stark und enthält Draht- geflechteinlage. Die Herstellung beider Tanks, bei der 699 Menschen tälig waren, wurde in der kurzen Zeit von vier Monaten vollendet. Die Tanks werden aus 29 Zentimeter weiten pixs lines gespeist. denen von den 299 Meilen entfernten Oelfeldern täglich etwa 33 999 Hektoliter herangepumpt werden. Aus den Tanks kommt das Petroleum in eine bei San Luis ObiSpo errichtete Pumpstation und wird von da aus durch große xipo Unos nach dem Hafen Harford, bezw. in die dort liegenden Schiffe geleitet, die auf diese Weise viel schneller gefüllt werden können und nicht mehr tagelang im Hafen zu liegen brauchen wie früher. Die Herstellungskosten eines jeden dieser Riesentanks beziffern sich, wie der„Prometheus", dem wir diese Angaben entnehmen, mitteilt, auf 250 000 Dollar. Hud der frauenbcweö[ung» Organisicrbarkcit der Arbeiterin. In einem interessanten Aufsatz über die„Organisierbarkeit der Arbeiter' in einer von Heinrich Braun herausgegebenen neuen Zeit- fchrift„Annalen für soziale Politik und Gesetzgebung", bespricht Adolf Braun auch die bei der Organisierung der Arbeiterinnen zu überwindenden Schwierigkeiten. Der bestehende ausfällige Unterschied in der Organisierbarkeit d�r Arbeiter stamme aus der Zugehörigkeit zum männlichen oder weiblichen Geschlecht. Es nehme zwar die Zahl der organisierten Arbeiterinnen jetzt gewöhnlich rascher zu als die der Arbeiter, aber jeder weiß, daß die Organisationen einen viel geringeren Anteil der Arbeiterinnen in der ganzen Volkswirtschaft umfassen, als der Arbeiter. Eine Erklärung für diesen Unterschied wird dahingehend gegeben: Bei seinem Eintritt in die Fabrik ist der Arbeiter sich dessen bewußt, daß er sein ganzes Leben in der Abhängigkeit vom Unternehmer bleibt, daß er niemals ein„Selbständiger" werden wird. Wohl mag er die Arbeitsstätte, manchmal auch seinen Beruf wechseln, aber nie die soziale Stellung. So wird ihm die Erkenntnis leicht, daß er seine Lage nicht verbessern kann, indem er vergebliche Anstren- gungen macht, zur Selbständigkeit zu gelangen, sondern indem er im Verein mit seinen Arbeitsgenossen eine Verbesserung der Arbeits« bedingungen anstrebt. Anders liegen die Verhältnisse bei der jungen große, leicht auseinanderzunehmende Halle, die 45 Meter lang und 39 Meter breit ist. Das Gerüst besteht im wesentlichen aus Eisen, und die Wanddekorationen sind sehr einfach gehalten. An der Außenseite dieses Gebäudes können leicht Glasschränke aufgestellt werden, in denen Kunstgegenstände zur Ausstellung kommen. Das Innere der Halle gliedert sich in vier Abteilungen, die je eine be- sondere Ausstellung vor Augen führen werden. Eine Reihe von Automobilen wird bei den Gastspielfahrten des Museums die Aus- stellungsgegenstände, in denen alle Zweige des Kunstgewerbes ver- treten sind, von Ort zu Ort befördern. Orchester. Es gibt zahlreiche Deutsche, die meinen, besonders gebildet zu erscheinen, wenn sie das Fremdwort Orchester Orschester aussprechen: sie glauben, damit zu zeigen, daß sie ihr Französisch verstehen. Aber o weh! Der Franzose spricht das Wort ja mit k, und nicht mit sch! Haben wir aber Anlaß, diese, die richtige fran- zösische— und auch italienische— Aussprache mit k bei diesem Worte anzuwenden, wie das fast die meisten Deutschen tun? Keineswegs, denn dann müßten wir auch Monarschie sprechen, weil der Franzose so spricht. Da wir das Wort aber wohl oder übel als ein unentbehrliches Fremdwort, ja als ein halbos Lehnwort betrachten müssen, so sollten wir es auch natürlich deutsch aus- sprechen, also Orchester, mit ch. genau wie es geschrieben wird. Diese Aussprache entspricht nicht allein den deutschen Sprachgesetzen. sondern auch dem griechischen Ursprung des Wortes. Ganz unsinnig ,st eS aber, den Orchesterraum Orkestra zu nennen, denn diese ganz griechisch gebliebene Form des Wortes darf selbstverständlich auch nur griechisch ausgesprochen werden, beileibe aber nicht französisch. Also nicht: Orkestra. sondern: Orchestra, und weder Orkester noch Orschester, sondern: Orchester._ Notizen. —©«flanliniS großes Triptychon„Leben, Natur und Tod wird nun, wie der„Cicerone" berichtet, im Segantini- Museum zu S t. M o r i tz als Eigentum der Schweizer Eidgenossen- schaft verbleiben. Obwohl die notwendige Summe von fast einer halben Million Frank noch nicht ganz beisammen ist, wurde der Kauf doch abgeschlossen.(Der Sohn Segantinis mußte Bilder fälschen, um existieren zu können. Die Kunsthändler sacken für das Bild seines Vaters eine halbe Million ein!) — Tierpark Hellabrunn. In München, svo eS nach emem gut bayerischen Ausdruck so viele„Viecher" gibt, fehlte dort bislang ein Zoologischer Garten. Seit Jahr und Tag wurde für die, es..Kulturbedürfnis" von dem unvermeidlichen Verein geworben und gesammelt. Die Stadt hat ein schönes, abwechsclungsreichcs Terrain in den Jsarauen zur Verfügung gestellt, und Hagenbeck hat dort nach Stcllinger Muster einen Tierpark inszeniert. Die Tiere sind möglichst im Freien untergebracht, ohne störende Cin- friödigungen. Man kann sich, ,n ihrer unmittelbaren Nähe(durch tiefe Gräben und Wasserflächen geschützt), als heroischer Mensch (mit einer danebenstehenden Maß) fühlen. Der Architekt Seidl hat einen prächtigen Landschaftsrahmen geschaffen; nur eins fehlt m>S: die großen Viecher. Dazu langt vorläufig dos Geld nicht. Arbeiten». Zunächst verrichte sie ja viel häufiger ungelernte, im- qualifizierte Arbeit, wechsele den Beruf häufiger, teilt also hier die Schwierigkeiten, die die unqualifizierte Arbeit der Organi- fation überhaupt entgegensetzt. Aber, so wird erwähnt. sie betrachtet auch die Periode ihrer Erwerbstätigkeit als U-bergangszeit, da sie glaubt, sobald sie einmal verheiratet ist, nicht mehr der gewerblichen Arbeit nachgehen zu müssen, und hat daher auch ein geringeres Interesse an einer erfolgreichen Tätig- keit der gewerkschaftlichen Organisation. Daß aber auch die der Organisation angeschlossene Arbeiterin sich derselben nicht in dem Maße wie der Arbeiter widmen kann, dafür hören wir diese Argu- mentation: Das späte Nachhausekommen, der Weg von der Ver- sammlung zur Wohnung in der Nacht auf weite Entfernung kommt hier hemmend zur Geltung. Ferner wirkt noch immer der durch eine jahrhundertlange Geschichte anerzogene Glaube nach, daß die Frau sich vom öffentlichen Leben fernhalten und hier alles dem Manne überlassen müsse. Daß auch die doppelte Belastung der Arbeiterin als Hausfrau und Erwerbstätige für die Organisation ein schwerwiegendes Hemmnis ist, bleibt nicht unerwähnt. Neben der Erwerbsarbeit trägt ein großer Teil der Arbeiterinnen auch noch die Sorge um die häusliche Wirtschaft. Schon vor Beginn der Arbeit muß sie sich bemühen, irgendwelche notdürftige Ordnung in den Haushalt zu bringen, kür Mann und Kinder zu sorgen, oft die Kinder zu fremden Leuten in eine entfernte Straße bringen, die erste Mahl- zeit, oft noch das Mittagessen herzurichten, an den Kleidern der Familie zu bessern, kleine Einkäufe zu machen usw. Kommt sie dann nach einer Arbeit, die gewöhnlich länger dauert als die deS Mannes, nach Hause, so muß sie sich wiederum weiter um das Haus kümmern, hat vielleicht noch für Aftermieter, Schlafgänger zu sorgen und anderes mehr. So fehlt ihr nur allzu oft Zeit und Kraft, sich für die gewerkschaftliche Organisation so zu interessieren wie der Mann, der ihr alle häusliche Sorge und Arbeit überläßt. Als weiteres hemmendes Argument gilt, daß die verheiratete, zum Erwerb gezwungene Arbeiterin sich zu entlasten sucht, indem sie Heimarbeit übernimmt. Dadurch wird sie aber von ihren Arbeits- und Schickfalsgenosfinnen völlig isoliert und der Organi. fation noch unzugänglicher. Als letztes wird noch in Betracht ge- zogen der überaus niedrige Lohn der gewerblichen Arbeiterinnen. der sie trotz der für sie eingeführten Staffelbeiträge die Leistungen für die Organisation viel schwerer empfinden läßt als die Männer Die vorhandenen Hemmnisse dürfen natürlich nicht von der Werbearbeit unter den Arbeiterinnen abhalten, im Gegenteil, sie sind ein Beweis für die Notwendigkeit intensiver AgitationS- und Orga nisationStätigkcit. Diese ist gerade auf die besonderen Verhältnisse einzustellen. Die Arbeiterin muß auf ihre in jeder Beziehung un- günstigere Position aufmerksam gemacht werden, um so die falsche» Anschauungen, die sie von der Organisation so leicht fern halte», erfolgreich bekämpfen zu können. Mit dem riesenhafte» Wachsen des Anteils der Frauen an der gewerblichen Gütererzeugung wächst auch die Wichtigkeit ihrer wirtschaftlichen Organisation. Dienstboten während der Reisezeit. Die Reisezeit ist besonbeeS geeignet, Studien über die Spar gepflogenheiten vieler Herrschaften zu machen. Hat sich dock in den letzten Jahren der.patriarchalische" Brauch, während der Reisezeit die Dienstboten zu entlassen, sehr stark eingebürgert. Schon die Tatsache, daß manche Herrschaften ihre Dienstboten nach dem Heimatsort zu Verwandte» schicken, ohne Entgelt zu bieten, fordert die Kritik heraus. Aber es gibt noch Schlauere, die ihre unbequemen Esser einfach vor die Türe fetzen. Täglich kann man von solchen Fällen hören. Ja. in der.Moigeiipost" verteidigte ein« Frau Dr. L., geb. von N.(ihren Namen verschweigt sie schämig) diese Unsitte. Ihr Mann sei hoher Beamter und erhalte sechs Wochen Ferienurlaub. Da entlasse sie regelmäßig ihr Mädchen an, 1ö. Juli und stelle dann an, 16. September wieder ein neues ein. So erspare sie die Kosten für zwei Monate, das mache alles in allem 170 M..„auf die wir nicht verzichten können I"— wie die _ � 1., selbst gesteht. Mit Recht hat ihr eine Frau ans dem Volke geantwortet, ob es ihr vielleicht an- famose Frau Dr. L., geborene v. R., genehm wäre, wenn der Staat ihrem Manne für die Zeit, in der er nicht arbeite, das Gehalt abziehen oder ihn entlassen würde. Aber daran denken solche Herrschasten nicht. Ja. eS geht doch nichts über patriarchalische und christliche Sitten l Der erste weibliche Fabrikarzt in Oesterreich. Die Organi- fation der österreichischen Tabakarbeiterinnen hat«inen neuen Erfolg zu verzeichnen. Endlich ist es gelungen, die Anstellung eines weiblichen Fabrikarztes für die Wiener Tabakfabriten in Rennweg und Ottekring durchzusetzen. Bor allem sträubten sich die christlichsozialen Tabakarbeiterinnen gegen diese Anstellung. Im Jahre 1S08, als sie die Majorität im Krankenkassenausschuß hatten, lehnten sie die Forderung hat. Diesmal wagten sie es nicht mehr. dagegen zu stimmen. Auch der Chefarzt Dr. Karl Schmiedel har sich jahrelang gegen die Anstellung einer Aerztin gewehrt, vielleicht weil er im Interesse seiner männlichen Kollegen dvm weiblichen Element nicht Eingang in die Stellung eines Fabrikarztes ver- schaffen wollte. Jedenfalls ist es zu begrüß-»!, daß nun Bresche gelegt wurde. Hoffentlich findet das Beispiel bald überall Nach- ahmung._ Bersammlungen— Veranstaltungen. Bezirk Borsigwalde. Montag, den 7. August: Dampferpartie nach Heiligcnfee-Sandhausen, Restaurant Waldschloß. Die Genossinnen und Gäste treffen sich morgens 3«/, Uhr im Cafö Zülcke. (3md)ts- Leitung. Eine Bande von Kollidieben, die längere Zeit Berlin und die Vororte unsicher gemacht Halle, wurde von der 11. Ferienstrafkammer des Landgerichts I auf ge- räume Zeit unschädlich gemacht. Wegen wiederholten Diebstahls im strafschärfenden Rückfalle waren angeklagt: der Kutscher Otto Berndt, der Kutscher Richard Meier, der Arbeiter Albert Meier, der Arbeiter Fritz Kistenmachrr und der Restaurateur Martin Kurz- man». In den Monaten März bis Mai d. I. wurden in Berlin und den näheren Vororten eine große Anzahl von Kollidiebstählen ver- übt, bei denen es sich zum Teil um recht wertvolle Waren handelte. Die Diebe, die anscheinend mit der Art der Verpackung der ver- schiedcnen Waren genau vertraut waren, stahlen hauptsächlich Tuche und Seidenballen sowie Zigarren. Die Beamten der ltollidiebs- Patrouille ermittelten schließlich eine Spur, die nach der Schank- Wirtschaft des Angeklagten Kurzmann in der Fürstenberger Straße führte, welche den Namen„Athletenzentrale" trägt. Die Kriminal- beamten beobachteten dieses Lokal längere Zeit und stellten dabei fest, daß Kurzmann die Rolle des„SchärferS"(Hehlers) spielte. Als eines schönen Tages bis ganze Gesellschaft beisammensaß. griffen die Beamten zu. Der Angeklagte Albept Meier spielte den ..wilden Mann" in der Hoffnung, sich hierdurch der Bestrafung zu entziehen. Vor Gericht setzte er dieses Treiben fort. Auf eine Frage, was er mit den Stoffen gemacht habe, erwiderte er, er habe sie zu dem Papst Pius getragen, der gerade Hochzeit machte. Das Gericht mußte schließlich die Sache gegen ihn abtrennen, um ihn erst noch auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Gegen die übrigen Angeklagten lautete das Urteil gegen Berndt auf i Jahre, gegen Rich. Meier auf VA Jahre und gegen Kurzmann auf 1 Jahr Gefängnis und 3 Jahre Ehrverlust. Gegen den nicht erschienenen Angeklagten Kistenmacher wurde Haftbefehl erlassen. Das Plakatgesetz und der Zar. Ein Plakatanschläger hatte gegen das Versprechen der Bezah- lung für seine Tätigkeit von dem Zigarrenhändler Staad den Auf- trag übernommen, am 3. November 1910 an die Anschlagsäulen in Potsdam ein Plakat folgenden Inhalts anzuheften:„Große Protest-Volksversammlung für Männex und Frauen. Tagesord- nuna: Warum protestieren wir gegen den Zarenbesuch? Referent: Lanvtagsabgeordneter Adolf Hoffmann. Bürger Potsdams, be- kündet euren Abscheu gegen alle Gewaltherrschaft und Greuel des russischen Despotismus! Zum zahlreichen Besuch der Versamm- lung ladet ein der Einberufer." Als an einzelne Säulen daS Pla- kat angeheftet worden war, wurde die Polizei darauf aufmerksam. Sie verlangte die Ueberklebung der bereits angehefteten Plakate und verbot das weitere Anheften von ihnen. Demnächst wurde, so- weit Staad in Frage kommt, gegen ihn aus den§Z 0 und 41 de? vreußifchen PreßgefetzeS vom IL. Mai 18S1 in Verbindung mit dem die Anstiftung betreffenden Z 48 des Strafgesetzbuchs die Anklage erhoben. Der Z 0 verbietet das Anschlagen, Anheften oder sonstige öffentliche Ausstellen von Plakaten, die einen anderen Inhalt haben als die Ankündigung von gesetzlich nicht verbotenen Versamm- lungen. Nach Eröffnung des Hauptverfahrens verurteilte da? Schöffengericht und die Strafkammer den Angeklagten. Seine Sie- Vision hat der Ferien-Strafsenat des Kammergerichts jetzt zurück- gewiesen. Der Senat nahm an, daß zum Begriffe der Ankündi- gung einer Versammlung die Mitteilung des Gegenstandes, der Versammlung, der Tagesordnung, der Redner zu rechnen sei. Es möge auch erlaubt sein, zum zahlreichen Besuch der Versammlung einzuladen. DaS sei aber alles, was zur Ankündigung einer Ver- sammlung gehöre. Ueber ihren Rahmen gehe hinaus die Auf- forderung an das Publikum, eine bestimmte Anschauung über die politischen Verhältnisse eines fremden Staates zu bekunden, gleich- viel von welcher politischen Richtung aus diese Bekundung erfolgen solle._ Bereinsgesetz und Polizeistunde. Bekanntlich hat das Reichsgericht vor einiger Zeit entgegen dem Vereinsgesetz entschieden, daß die Polizeistunde dem Ver- sammlnngsrecht vorgehe. Diese irrige Entscheidung ist uns bislang im Wiortlaut noch nicht zugänglich gewesen. Hingegen wird uns ein Erkenntnis deS OberlandesgerichtS Hamm vom 10. August 1910 mitgeteilt, das mit Recht den entgegengesetzten Standpunkt wie daS Reichsgericht vertritt. Der Wirt Tiemeier zu Südlengern war wegen Uebertretung der Polizeistundenvorschrift angeklagt. DaS Schöffengericht ver- urteilte ihn,' das Landgericht Bielefeld sprach ihn frei und das Qberlandesgericht Hamm schloß sich den Ausführungen des Land- gerichts vollinhaltlich an, bestätigte die Freisprechung und legte auch die notwendigen Auslagen des Angeklagten, weil seine Un- schuld klar aus dem Gesetz sich ergibt, der Staatskasse auf. Die Urteilsgründe des Landgerichts gehen dahin: »In der Wirflschaft des Angeklagten tagte am 21. Januar 1910 eine öffentliche Bei sammlung, in welcher über die Errichtung eines Gewerbegerichts in Herford verhandelt wurde. Um 10 Uhr abends machte der Polizeisergeant Grottettstek, welcher mit der Ueberwachung der Versammlung beauftragt war, den Angeklagten darauf aufmerksam, daß die Polizeistunde auf 10 Uhr abends für sein Lokal festgesetzt sei, wie dies tatsächlich der Fall ist. Der An- geklagte stellte hierauf den Schankbetrieb ein und machte durch einen Kellner den Redner, Gauleiter Schlüter aus Bielefeld, aus die Polizeistunde aufmerksam. Schlüter erwiderte, eine öffentliche Versammlung sei nach dem ReichsvercinSgesetz nicht an die Polizei- stunde gebunden; es blieben daher die Gäste noch bis kurz vor 11 Uhr im Gastraum. Auf Grund dieses Sachverhalt? hat das Schöffengericht tat- sächlich festgestellt, daß der Angeklagte zu Südlengern am LI. Januar 1910 bis nach 10 Uhr abend«, also über die festgesetzte Polizeistund» hinaus. Gäste in«feinem Lokale geduldet hat, und hat den Angeklagten aus 8 366 des Strafgesetzbuches zu einer Geldstrafe von drei Mark, im Nichtbeitreibungsfalle zu einer Haft- strafe von einem Tage verurteilt. Die gegen dieses Urteil vom Angeklagten rechtzeitig eingelegte Berufung erscheint begründet; denn nach§ 1 des Reichsvereins. gefetzes vom 19. April 1908 unterliegt das Recht der ReichS- angehörigen. sich zu versammeln, polizeilich nur den im Reichs- vereinSgesetze und anderen Reichsgesetzen enthaltenen Beschrän- kungen; nun treffen die im Reimsvereinsgesetze gegebenen Beschränkungen ans den vorliegenden Fall, in dem eS sich um die Besprechung der Errichtung eines GewerbegettchteS handelte, offen- bar nicht zu, und namentlich würde der vorliegende Fall nicht unter diejenigen eingereiht werden können, welche im 8 14 a. a. O. den Beauftragten der Polizeibehörde die Befugnis zuv Auflchung der Nersaminlung gewähren. ES kann sich deshalb nur fragen, ob in dem 8 366 des Reichs- strafgesetzbuches eine Beschränkung des Versammlungsrechtes enthalten ist. Ties ist zu verneinen; denn die angezogene Geifetzes- stelle bedroht zwar die Verletzung der gebotenen Polizeistunde mit Strafe, setzt aber selbst die Polizeistunde nicht fest, sondern räumt nur der zuständigen Polizeibehörde die Festsetzung einer solchen ein; somit ist die Anordnung einer Polizeistunde lediglich eine polizeiliche Maßregel, und die Ueberschreitung der Polizeistunde die Verletzung einer polizeilichen Anordnung.(Vergleiche An- merkuna 7 zu 8 365 des Reichs-StrafgefetzbucheS.) Auch Frieden- thal erklärt in Anmerkung IIa des Kommentars zum Rcichsver- einsgesetz vie Ueberwachung der Versammlungen des 8 1 unter die für öffentliche Lokale eingeführte Polizeistunde für unzulässig. Der Angeklagte hat sich sonach durch Duldung der bei ihm ver- ämmelten Gäste über die gebotene Polizeistunde hinaus der lebertretung einer durch ein Reichsgcsetz angeordneten Beschrän- kung deS Versammlungsrechts nicht schuldig gemacht, weshalb das erstinstanzliche Urteil aufzuheben und der Angeklagte freizu- sprechen war." Erwähnt sei, daß denselben Standpunkt wie dies Gericht u. a. auch die Professoren Anschütz und Stier-Somlo vertreten. Es dürfte auch allein dem Wortlaut und Zweck des Reichsvereins- gefetzes entsprechen. Wir behalten uns vor. sobald daS Reichs. gerichtserkenntnis uns im Wortlaut vorliegt, nochmal auf diese wichtige Frage einzugehen. Ein netter„Arlieiterführer" wurde in Gotha in der Person des Bäckergesellen Bartek entdeckt. Bartel kam vor% Jahren von Danzig nach Gotha und betätigte sich eifrig im Interesse der Bäckermeister, hetzte und verleumdete gegen die gewerkschaftlich organisierten Bäcker und tat sich mit seinen angeblichen Erfolgen für den gelben Bund groß. Dieser Bartel wurde nun am Dienstag von der Gothaer Strafkammer zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt.(Der Staatsanwalt hatte zehn Monate beantragt.) Die Verurteilung geschah wegen grober Sitt- lichkeitsvergehen gegenüber den im gleichen Geschäft angestellten Lehrling, der von Bartel in der Dachkammer und Backstube in der gemeinsten Weise verfolgt und verschandelt worden war. Vor einigen Wochen noch ließ dieser Bartel eine Bettelliste zirkulieren, um ein solennes Bäckermeisterfest zu inszenieren. Das schlechte Sittenbeispiel des Professors. Die Strafkammer zu Heidelberg verurteilte den Professor Dr. K. Treiber zu vier Tagen Festungshaft, weil er in einer Duellafsäre den sogenannten Kartellträger, d. h. den Uebermittler der Forderung zum Duell, spielte. Unter Anerkennung des Bestrebens des Angeklagten, die Streitigkeiten friedlich beizulegen, kam das Gericht, wie bürger- liche Blätter mitteilen, zu einer höheren Strafe, als sie den Duellanten zuteil geworden, weil man das schlechte Beispiel er- schwerend anrechnete, welches der Professor durch sein gesetzwidriges Verhalten der Jugend gab. Vier Tage feines Leben im allen Schlosse zu Rastatt! Man vergleiche damit die Strafen, welche über Arbeiter verhängt werden, die im Kampfe um besseres Brot für ihre Familien einem ehrlosen Streikbrecher die Wahrheit begreif- lich machen!_ BrnfkaftcTi der Redaktion. Sit lurmischt Sprechstunde findet Linpensteege es, vorn vier Treppe» — F n e r st n h l—, wochenta«stich von 4>4 ii« IMi Uhr abend», Sonnabend», von 4Z4 bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Briefkasten besttmmtru ilnfraae ist ein Buchstabe und eine Zahl als Mertzeicheu bcijafügea. Beieslichc Antwort wird nicht erttUt. Anfragen, denen keine Abounemenisguitwng beigefügt ist, werben nicht»eantworttt. CUigc Fragen trage man in der Sprechstunde»or. Tch. III. An Herrn Ingenieur Hrabowski, Großbeeren- Str. LS. Direktor der städtischen Fachschule ssir Maschinenbauer usw.— M. B. 33. Nein.— Sl. B. 7Z, Uns nicht bekannt. Vielleicht durch den Tcxiil. arbeiter-Verband. Andreassir. 17.— Sauderftrafte P. ArbeitcrbildungS- schule Grenadierstr. 37.— H. B. Das ist wohl ein bißchen zu viel ver» lanat. Wo ist übrigens Ihre Quittung.— M. Z. l7. Friedrich-Wilhelm- Anstalt iür Arbcitiame, RatbauS Zimmer 90 Ill.f— K. 8. lOO.«0 Jahre. — 31. P. 23. Von den BerschlechlerungSanträgen wurden einige durchgesetzt. — H. 131«. l. und 2. Nein. 3. und 4. Ja.— A. B. N. 2. Di« Söhn« sind zablungspflichtig, salls ihnen nicht auch da» Armenrecht bewilligt ist.— Alimente. 1. Bis zur Vollendung des 14. Lebensjahre». 2. Ja. Sie können aber für die Zeit, die länger als 4 Jahre zurückliegt, den Ver» jährungscinwand erheben. 3. bis 6. Ja. 7. Die Erben hasten. 8. Nein. 9. Mäglicherweiie aui Veranlassung des VormundschajtSgcricht». 19. Etwa 409 bi» 500 Mari. 11. Ecscheint nicht nolwendig. Die Kosten sind erheb» lich.— M. 8. 3L». Nein.— 3S. B. 7. Soweit ersichtlich, wirken die Bestimmungen de» alten Vertrages weiter— F. 2. Ihre Angaben reichen nicht aus. Komme» Sie in die Sprechstunde.— G. 2«. 1. Ja, sofern er älter als 14 Jahre ist. 2. Bei dem Amt-geiicht anmelden.— H. I. Nur im Wege der Kiage. Sie können im Termin«ine Näiimimgsjrist bean« tragen. Es dürste» etwa 14 Tage veistreichen.— W. B. 18. Machen Sie nochmal» eine Eingabe an die Steuerdcputatian des Ma.iislrats. Di» ZahlungSpflicht wird dadurch nicht ausgehalten. Das Geld ist Ihnen zurück- zuersiatten.— A. S. 777. ES empfiehlt fich, hte Ansrage de» Gerichts tn bejahendem Sinn« zu beantworten.— H. G. 87. Ohne Einfluß, falls der GerichtSoollzieher, wie anzunehmen ist, zugestellt hat. holen Sie Ihr Ohne Einfluß, jalls der — A. S. 82. Wieder» hre Anfragen. Reinhalz. Schliemaunstraße. Rem. Eingegangene Druchfdmften. von der„Sicueu Zeit- ist soeben da» 44. Hest de» 29. Jahrgang« """' Ion ifoertroq. Von Gart, Warum hat Rußland zu erschienen. Aus dem Inhalt de« Helte» heben wlr hervor- Di«_______ — Au» der Lorgeschichte der Marxschen Oekanomie. von Rudolf Hils« ding.(Schluß.)— Der englische ArbeiterverficherungSeutwurs. V. I. Sachse.— Ein Beitrag zur Diskussion über den Tarisoertrag. V> August Winnig.— Literarisch« Rundschau M wanken begonnen? Von o. t. Die Zustände im deutschen Fabrikwohnunäs- wesen. Von R. Woldt.— Zeilschristenschau. kvahlkampf k Die Sozialdemokratie und ihr« Gegner. Bon Dr. Georg Aradnauer. Kaden u. Co., Dresden. 174 Seilen 8«. Preis SM— Di« Schrift umfaßt jalgend« Hauptabschnitte: 1. Die nastonal« Entwickelung und daä_ NüstungSwesen. L. Schutzzoll und Areihandek. 3. Reichsfinanzen und Steuerpolstit. 4. Der Kamps um die Verfassung, 5. Die Lage der Arbeiterklasse und die Sozialrejarm.«. Die wirtschajilich« Entwickelung und der Sozialismus. Besonder» ist daraus zu verweisen, daß in dieser Schrift die Einwände und Verleumdungen unserer Gegner(ReichSverband sowie Parteien) wärt- lich zitiert werden und eine gründlich« Widerlegung erfahren. »Der Kampf-. Sozialdemokratische Monateschrist(Sien), Heft 11 (4. Jahrg.). Karl Kautsty- Eine Frage.— E. Burian-Brünn- Die ge- werkichasllichen EinheUSbeslrebuiigen nach den Wahlen.— Juliu» Deutsch: Nationale oder internalloiiale Gewerkschasten?— Friedrich Adler- Minder. werlig im Internationalismus.— Emmy Freundlich. Mähr.-Schänberg: Wahltampf und Klafieiilamps.— S. Semkowski: Rußland in der Reoa- lulian.— Adolf Braun- Finanzfragen der Gewertschajlen.— Franz Die« dertch-DreSden: Emlle Berhaeren. esttterungsüberstm« vom 3. lllngust 1V11. II Lwmemd« 760 NNW i6b mo 765 Still 766 N« 766 SB ctliti Franks a vi Münch» Wien Gettei 2 wölken! 2 wollig woltcul 1 Dunst 4 wolttg »K C« U w« I5 SS £1 *|l tt t* *k joranda 764 NO i 2 wölken! etrrSburg 769 WSS Iwalkenl Scilli) .'Gerbe«» Bar,» 763 BS® 3 heiler 759 SSO; 3 wollen! 767 SSO| Iwalkenl ■ ii 20 19 16 17 20 762«NW! 3 Heller «Wetterprognose für Freitag,»ea 4, August IBIL � was�fuhlcj:, vielfach wollig mu Gewiilerneigung und mäßig« Berliner Wetterbureau. westlichen Wind«. WaficrstaiidS-Nackirtchte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau Wasserstand A« m» l. TUM 3 r e g e l. Jnfterbmg Weichsel. Thoru Oder, Ratibor , Krofien , Frantiurt Warth«,«chriimu , Landsbelg Netz«, Borvamm Elb,. Leilmeritz , DreSd« , varbq , Magdeburg K 4- b-v-utei Such,.- Fall.-•) UnterveaA. Wer einmal• 3 bis 5 Pfennig- Mit Gold-Mundstück— Ohne Mundstück— Mit Mundstück raucht keine andere Ci�arette mehr! Man verlange deehalb überall die Marke uHaloppi" Todes-Anzeigen 8 Jugendaussebuß für Qroß- Berlin. Am Sonntag, 30. Juli, verschied infolge eines Unglücksfalles unser Freund und Jugendgenosse Karl Seblemminger im vollendeten 17. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute, Freitag nachmittag 7 Uhr von der Halle des Frievhoses Friedrichshagen aus statt. Ziege Beteiligung erwartet Der JuqendauSichutz fSr Grost-Berlin. m Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unsere iiebe Tochter und Schwester Ida Qummelt am Dienstag, den I. August, im IS. Lebensjahr sonst entschlasen ist. Die trauernden Eltern Paul u. Knima Gammelt nebst Geschwistern. Die verdigung findet am S. August, nachmittags 4 Uhr. von der Leichenhalle des Getbsemane. Kirchhofs, Nordend, aus statt. Hiennil die traurige Nachricht, dag unser langjähriger Kollege, der Schlosser Hermanu Hermicheo am 2. August verstorben ist Wir werden seiner stets in Ehren gereuten. 29926 Das Personal der Firma Süstrrmann u. Co. Die Beerdigung finde! So>m> abend, den 5. August, nachinUtags 8 Uhr, von der Halle des Pauls. Kirchhofes, Scestraste, aus statt. Mm irMtßr- Raifalirer-Vereiir Mitglied de» Arbeitet» Radsahrer-Bunde» .Solidarität'. Touren zum Sonntag» d. 6. August. 1. Abt.: 7 Uhr: Freibad Wannsce. 3 Uhr: Anhalter Ressource, Möckern- strajje 114. Start: Bülowstr. 58. 2. Abt.: 6 und 91/, Uhr: Werlsee (Zum Seeblick). Start: Schönlein» stratzc S. 3. Abt.: 2 Uhr früh: Frankfurt a. O. 6 Uhr: Lanie(Seeschlotz). 12 Uhr: Bernau(Schützenhaus). Start: Lausitzer Platz 12. 4. m; 7 und VI, Uhr: Hirsch. garten(Böhnisch). Schnitzeljagd. Start: Rüdersdorser Str. 50. 6. Abt: Am 5. 12 Uhr nachts: Neu-Rupvin. Am 8. 8 und 12 Uhr: Wandlitzsee. Start: Oderberger Strahe 28. 7, Abt.: Am 5. 9 Uhr abends: Lübbenau. Bahnsahrer S.55 früh: (Särlitzer Bah» bis Lübbenau. Am S. 1 Uhr: Birkeilwerder(Paradies- garten). Start: Köslincr Str. 8. 8. Abt.: 2 Uhr früh: Neu-Ruppi». 1 Uhr: Wannlee(Fürstenhoj). statt: B-uficlstr. 22. 9 Abt.: 12'/, Uhr: Wannsce (Fürstenhos). Start: Schillingstr 22. 10, Abt.: 3'/, Uhr früh: Neu- Ruppin. 1 Uhr: Wannsee(Fürstenhos). Start: Weberftr. S. Heute, Vonvaltaiis Borila.===== Freitag» abends S1/, Uhr, im Gewcrkschaftshause» uscr 14/15, Saal 4(Arbeitslosensaal): Engel- Liixung Ävi' OH:svSnwsItam|]. Zentralkrankenkasse([.Maurer usw. Grundstein zur Einigkeit. Zahlstelle Charlottenburg. Sonntag, den 6. Arigust. vormittags 10 Ubr: Mitglieder-Versammlung im Bolköhaus, Nosincnstr. 3(kleiner Saal). Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal. 2. Bericht von der Generalversammlung und Äassenangelcgenheitenl ——. Mitgliedsbuch legitimiert.—— 149/9 Die Ortsvcrwaltuug. I. A.: SS. Strahl. k'elaer Agitationstour nach WaiiMchiec-SUofterfelbe(öffentliche politische Versammlung). Sam- mclstart 2 Uhr in Wandlitzsee(Rirger). Die Abteilungen werden ersucht, die» zu berücksichtigen. Slm Donnerstag, de« 10. Fahrwartsttznug. Aug. Allen Freunden und Bekannte» die traurige Nachricht, datz mein lieber Mann, der Gastwirt WUK. Schnitzer am Mittwoch, den 2. August, nachmittag« L>/, Uhr, im Aller oon 57 Jahren, an den Folgen einer Darmoperation sanst etil- schlafen ist. Dies zeigt tiesietrübl an die trauernde Witwe Ataris Schnitzer, Rixdors. Steimnetz-Strade 35. Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittag« 3 Uhr, oon der Halle des neuen Jakobi-Kirch- Hofes in der Hermannstrasie aus statt. Ö144L Zenlral-KFankEn-Unterstätzungs- Verein der Sclnniede it. verwandten Ocwerbe Ocutaehl. Zahlstelle Berlin O. Kachraf. Am 80. Juli starb unser Kollege Klber! Villbopl in der Charitä. Ehre seinem Andrnkeu i 17S/1S Die Ortsvertvaltung. Lichtenberg und Umgegend. Achtung! Der SammeliMrt des Verein« sowie des Bezirk» 21 ist um 2 Uhr»achm. im Restaurant See- terraffe am Wandlitzsee. 12/4 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Bezirksvorstand. Dänischer Kapitän-Kautabak| in Köllen, BUndcl und Enden. General- Vertrieb: Karl Röcker, Berlin O, 27. MnoaMM GrUncr Weg 11»(Amt VII, 38SI). Ortskrankenkasse der Klempner. Die Abänderung der ZK 13 und 29 des Statuts ist unter dem 18. Juli d. I. vom BezirlSausichus genehmigt worden und tritt am Montag, den 7. August cr., in Kraft. Das Krankengeld ausschl. SonntagS Bon da ab beträgt der wöchenil. Beitrag» 2987b für Mitglieder der 1. Klaffe 98 Pf. »-- 2.„ 75, ». a. 54, . 4.. 42. ,. 6., 33„ 2.50 Mark 1.95, 1.40, 1.1». 0,85.. Der Borstand. Verhnnl aar Im Fabrlkgebttnde! Reste Musterkupon»,.Herbst.Reuheiien' für Anzüge, Kosttime, Meier 3, 4 Mark. Duchlager< Gesell, chasi m. b. H. l-ertraudle�lr.Zll-ZI.b.P-wtt.che. i Wenn Sie MSiesparen Qeld! � Engrospreisen 1 in der Möbelfabrik •IB . Ow |H. Walter m: Willi Maaß,--. siK. 7 Tel.: A. III, 5157 n kaufen. Verkauf nur im Fabrikgebttude— nur P eigenes Fabrikat.— Auf Wunsch Teilzahlung. B 35 KB Permanente Musterzimmer-Ausstellung. 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Neckar str. 2, im Laden: R 0 h r, Eieghied. straffe 28/2». Itnuiniclhbiirg, Boxhagea: A. R 0 s e n lr a n Alt-Voxhagen 58. ochöneberff: Wilhelm©aumlct, Martin Lutherstr. 69, ikn Uaden. Hpandaa, b'onaendamm, Staaken, Hceweleld und Falkenbagren: fte|)pe,i, Sreiteftr. 64. *eßel, Borolwwalde• Wittenau, Waldmannalaat, Herniedorf und Belnlekendorf• West: Vaui Kienast, Borsigwalde. Räuichstraffe 10. Dolto«: Wilhelm Bonow, Teltow. Berlin« Str. 18. Dempelbok: Albert Thiel, Berliner Straffe 41/42. Treptow; Rod. Gramen,, lliesholzslraffe 4l2, Laden. W'eiüenvee: k. Fuhrmann, r>-«da»str. 105, parle«». W ilnrervdorr-Ualcai-ec-bcbmargeadorj': Paul Schubert, Wihelmsaue LS. iLentbeu, SUcrachoiT; Ernst Hütt ig, Zeuthen, Dorsstr. IS. Sämtlich« ParlellileratiN! sowie alle Viffenschastlichen Werke werden gellesert. ZhcztCY. Freitag, den 4. August. Ansang 8 Uhr. ReueS königliches Opernhaus. Der Musikant. Komische Oper. Der verbotene Kcch. Berliner. Bummelstudenten. Residenz. Die Dame von Marim. Westen. 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Die Bewerber, welche sich über längere Zugehörigkeit zur Poll» tischen und gewerkschasilichen Organisation auswcsi.n können, sollen die doppelt« Buchführung beherrschen und müssen de« fähig! sein, einem größeren Restaurationsbclrieb verbunden mit Saalgcschäst vorzustehen. Anfangsgehalt ca. 2200 Mark nebst teilwciscr Beköstigung. Meldungen unter Angabe der Gchaltsansprüche und der scilherigen Tätigkeit mit der Auf» schrist.Geschäftsführer* sind bis 10. August zu richten an Die Verwaltung des Volkshauses in Leipzig, _ Zcitzer Straße 32._ 106/16_ 293/16* für Worms wird ein AMkl-MM gkliillj!, der die Geschäfte eines Parteisekretärs mit zu erledigen hat Antritt sofort! Rednerische Befähigung erforderlich. Bewerbungen sind bis 10. August d. I. an die Adresse Josef Gertner» Worms, Goetheftt. 2S, einzusenden. 'VuÄdruckerei u. i!ZerlagSa»jtaU laut Siogrr u. S», Lttl» äW, Nr.M. 28. Jahrgang. 2. Kilagc des Jotroirts" Freitag. 4. August 191L parte!- Angelegenheiten. Weißensee. An, Sonntag. den 6. d. Mts., findet in Malchow bei W a n g e r o f s k i. D o r f st r. ö0. eine öffentliche V e r- s a in in l u n g statt. Die Genossin Maria Jucharz-Rixdorf referiert über: Die nächsten ReichstagSwahlen'und di. Landarbeiter. Wilhelmsruh. Die Parteigenossen, die gewillt sind, an der am Sonntag, den 6. August, nachmittags 3 Uhr, in Klosterfelde statt- findenden Versammlung unter freiem Himmel teilzunehmen, treffen sich Sonntag früh 8/48 Uhr im Lokal von Feind„Zur Wariburg- am Kleinbahnhof Rcinickendorf-Siosenthal. Fahrkarte 1,40 M. hin und kanntet. Abfahrt deS Zuges 8 Uhr. In Wandlitz aussteigen; um 12 Uhr Abmarsch nach Klosterfelde. Für Nachzügler Abfahrt um 1 Uhr bis Klosterfelde. _ Die Agitationskommission. Berliner JVacbricbten. ZcitungSträger. Es ist drei Uhr niorgcns.— Kaum ist die vicltausend- lauiige, die Weltstadt bis in die kleinsten Winkel erfüllende Brandung verebbt, so beginnt schon wieder die Lebensflut des neuen Tages zusteigen. Noch glaubt man, fast den Atem der schlafenden Stadt durch die dicken Mauern der Häuser zu hören; noch tritt der von Gelagen und Vergnügen mit vielleicht etwas unsicheren Schritten heimkehrende Nachtschwärmer unwillkürlich leiser auf. erfüllt doch auch ihn der Gedanke, daß die Minuten des so köstlichen Morgenschlafes bald gezählt sind, mit einer gewissen Scheu.— Der eiserne Rolladen einer Bäckerei schiebt sich kreischend in die Höhe und aus einem Milchladen tönt das Klappern der blechernen Milchkannen. „Na— man los, Trude! Du schleefst woll noch?"— »Ick weer dia jleich wach machen!"— Mit schriller Stimme werden diese Worte von einer dahin- hastenden, hageren Frau einem kleinen Mädchen von etwa acht Jahren zugerufen. Es war nämlich etwas zurückgeblieben. Noch müde, trottet sie verdrossen einher. Ihr Wohl einige Jahre älterer Bruder, der neben der Mutter einhertrabte, glaubt nun das Recht zu haben, seiner Schwester einen tückischen Puff zu versetzen. Hilfloser, gemütverbitternder Hast lag auf dem niageren, jetzt zum Weinen verzerrtem Gesicht des Mädchens. Vor einer Zeitungsansgabestelle machen sie Halt. Eine Anzahl Frauen— mit dem typischen hageren, abgehetzten Gesichtszügen und den eckigen, fast männlichen Korperformen — sind schon dabei die erhaltenen Zeitungen nachzuzählen. Noch mehrere von ihnen sind mit ihren Kindern erschienen; andere treffen erst später möglichst unauffällig mit ihnen zusammen. „Morjen, Frau Müller l Na, heute alleene?— Wo ham se denn ihren Jungen?—" „Den ham se doch nach ne Heilstätte jebracht; er soll lungenkrank sinn. Die Leite sagen, det hätte er von dct Treppen renn'n. Det jlobe ick nich. Det hat er von sein'n Vätern. Der is och an Schwindsucht jestorben.— Na ick sage schon, nischt alS Aerger hat nian mit de Jöhr'n. Vorn Paar Wochen bin ick doch anjezeicht worn wejen den Jungen; da mufft ick ooch nach de Schule komm'n. Da ham se mir wat erzählt von Kindcrschutzjcsctzjebung und wat sonst noch vorn Quatsch. Nötiger wäre n' Jesetzjebung jejen det Hungern. Ick habe och arbcetcn müssen als Kind und det dichtig, und et hat mir nicht jeschahd.— Wie ick heute wer fertig wer'n, wccff ick och nich; nu ohne den Jung'n, und wissen sc. mit mir will det och nich mehr so sehen: erstens de Puste seht ma aus und denn alle Oogenblicke dicke Füffe. Na det beste iS, man nimmt een Strick und hängt sich uff! Man is schon zu alt. et seht nich mehr." „Na se könn'n doch noch nich so alt sinn, Müllern— se ham doch noch kleene Kinder. Wie alt is'n det Jingstc?—" „Meine jingste, die Marie, die is jetzt drei Jahre jcwesen. Und wat denken Se denn?— ick wer im Herbst schon vierzig; na un in dem Alter is unser ecner fertig mit'n Leben. Wenn't man crs alle wer--." Keuchend kommt eine jüngere Frau angestürzt. ..Beinah' Hütt' ick doch heute die Zeit verschlafen. Det war ne Nacht— es jeht nu bald nich mehr. Alle Oogen- blicke aus'm Bett. Die beede Klcensten ha'm doch'n Stick- husten. Mein Mann hat schon sein Bette in de Küche uf- gestellt. Mpf, kann's ihm ja och nich übel nehmen, denn wenn der abends gegen zehne nach Hause kommt is er hundniüde und morgens muff er schon wieder un, fünfe in'n Stall sind. Und bei de Hitze den janzen Dag uf'n Wagen sitzen oder Manersteene ab- und ufladen, na det macht och nich Spatz." „Haben Sie denn keinen Arzt bei den Äüiöern, Frau Eiffner?" fragt teilnehmend der Spediteur. „I wo l— Wo soll'n wer denn det Jeld dazu her- nehmen?— Und bei'n Armendokter war ick cenmal, aber nie wieder. Die Leute schein'n een det ordentlich verekeln zu wollen. Wenn man nich wieder kommt, desto besser, dann lost et der Stadt nich so ville." „Na. Schmidtn, ham se �hnen jestern och abgefaßt, die Von de Kinderschutzkonimission?" „Nee— na mir soll'n se man kommen, die„Roten"!— Wovon soll ick denn meine vier Jöhren ernähren? Die müssen alle mit ran. Die Stadt jibt mir uf dreie uf'n Kopp un'n Monat vier Mark und fünfzig Beihilfe; wat soll ick'n damit anfangen?-- Ick wer se schon ausschmieren I" Eine Stunde später.— Eine Helferin der Kinderschntz- kommission hat einen kleinen Knirps beini Zeitungsaustragen envischt. Teilnehmend sucht sie Namen und Wohnung zwecks Rücksprache mit den Eltern zu erfahren. Aber sie merkt schon. der Kleine macht es so wie so viele seinesgleichen: er gibt einen falschen Namen und eine falsche Wohnung an. Zufällig kommt die Mutter dazu. Eine Flut häßlicher Schimpfworte prasselt auf die Helferin nieder. Doch die ist daran schon gewöhnt. Ruhig und eindringlich zeigt sie der Frau den zweifelhaften Gewinn, den die Kinderarbeit den Eltern wie überhaupt der Allgemeinheit brächte, welcher nie wieder gm zu machende Schaden dadurch der heranwachsenden Generation an Leib und Seele zugefügt würde. Erstaunt blickte der kleine Junge zu der fremden Frau auf. die ihn. wie ihm gesagt wurde, nur dem Schutzmann übergeben wolle, und die nun doch so ganz anders war. Die Vom Spielen sprach und ihn dabei so mitleidig anblickte. Auch der Mutter drangen die Worte ins Herz; sie schämte sich der harten Worte, mit denen sie die Frau angefahren hatte; sie empfand, daß die Frau sehr wohl wußte, wo der Schuh drückte. Na— sie wollte mal sehen, ob es nicht ohne ihren kleinen Jungen ging. Es tat ihr ja auch immer leid, wenn sie ihn des Morgens aus dem tiefen Schlafe reißen mußte. Ein stummer Händedruck des Versprechens, ein dankbares Lächeln des kleinen Jungen.-- Wie zahlreich sind aber auch die Fälle, wo der beste Wille jener für eine gute Sache eintretenden Frauen an dem allzu großen Elend zusammenbricht. Tatenlos müssen sie zu- sehen, wie eine hoffnungssrohe Jugend zertreten wird, weil Staat und Kommune ihre Pflicht versäumen. Ein englischer Staatsmann sagte einst im dortigen Parlamente von der Baumwolle, daß sie in 90 Jahren drei Generationen englischer Arbeiter verschlungen hätte. Nun, auch der kapitalistisch geleitete Zeitnngsbetrieb in den Groß- städtcn hat sein vollgerütteltcs Maß dazu beigetragen, wenn taufende und abertausende Prolctarierkinder vor der Zeit dahinsiechen!—_ Kinder alS Helfer bei den Blumcntagen. Als der BlumentagS- rummel mit allen seinen Abarten und Unarten auch in und um Berlin in vollster Blüte stand, hatten wir es gerügt, dag als Blumenvcrkäufcr auch zahlreiche schulpflichtige Kinder zu bemerken waren. Wer diese Kinder zum öffentlichen Wohltäligkeitsbettel an- gehalten hatte, konnte damals nicht festgestellt werden. Jetzt erst gibt darüber in der„Vossischen Zeitung" die„Haupistelle für Mutter- und Säuglingsfürsorge in Grog-Berlin" einige Aufklärung. Unter den verschiedenen Wohlfahrtseinrichtungen selbst waren über den sozialen Wert dieser Blumentage und auch über deren Organi- sation erhebliche Streitigkeiten ausgebrochen. Das ging so weit. dag man vor einander warnte und sich gegenseitig die Helferinnen abtrieb. Aus der Polemik der genannten Wohlfahrtsstclle mit Gegnern derartiger Groffbetteleien erfährt man nun auch die Gründe für die Beteiligung von Kindern. Hiernach hatte die Hauptstelle für Mutter- und Säuglingsfürsorge augeordnet, daß keine Kinder als Helferinnen beschäftigt werden sollten. Da ging in letzter Stunde aus gegnerisckem Kreise eine Flugschrist durch Berlin, und auf diese hin, aus FuriO vor Skandalizencn, blieben zahlreiche Helrerinnen zu Hause. Eifrige Gruppenführerinnen er- setzten diese durch ihre eigenen Kinder und die ihrer Bekannten. „Wo unsere Kontrolleure", heißt es dann wörtlich,„Kinder als Helferinnen antrafen, sorgten sie für deren Entfernung. Allerdings war die Durchbrechung unserer Weisung insofern von Stutzen, als die Tatsachen zeigten, dag unsere Befürchtungen über die Mitwirkung der Kinder unberechtigt waren." Sollte der BlumentagSrummel sich wiederholen, was wir nicht wünschen wollen, so wird man sich die Hinzuziehung von Kindern von vornherein energisch verbitten müssen. Der Dicnstbctrirb der Schiedsgerichte für Arbciterversichcrung Stadtkreis Berlin, Regierungsbezirk Potsdam und Eisenbahn- Direktionsbczirk Berlin ist von Berlin, Lützowstr. III, nach Char- lottenburg, Berliner Str. 11, verlegt worden. Die von der LandeSversichcrung eingerichtete Heilstätte für Geschlechtskranke in Lichtenberg ist aufgelöst worden. An ihrer Stelle ist auf dem Heilstätten-Grundstück bei Beelitz eine Station für Geschlechtskranke mit 20 Betten in einem besonderen Pavillon eingerichtet worden. Der Sündenbock für den Eisenbahnunfall bei Jüterbog ist ge« funden. Der arme Weichensteller, der täglich bei 30 Grad Hitze Weichen zu stellen hat, die von mehr als 300 Zügen benutzt werden, wird die Suppe auslöffeln müssen, die man dem armen Teufel ein« gebrockt bat. Wenn man erwägt, dag es auf derselben Strecke noch ein Dutzend solcher Weichensteller gibt, die sich in derselben Lage befinden, dann mutz man Mitleid mit ihnen haben, ob man will oder nicht. Sie sind beklagenswerte Opfer ihres Berufes. Der Beamte, der seinerzeit bei dem Eisenbahnunsall in der Nähe von Teltow auf einem Bahnhof sich dahin äußerte, daß sie alle nicht mit einem, sondern mit beiden Beinen im Gefängnis ständen, hat ganz mit Recht nicht den Personen, sondern den Zuständen die Schuld an dem Unfall beigemessen. Hoffentlich kommt es zu einer eingehenden Gerichtsverhandlung und werden dort einmal die Zu- stände auf der Anhalter Eisenbahn vor aller Oeffentlichkeit beleuchtet, damit endlich gründlich für Abhilfe gesorgt werden wird. Von der Hitze. Hitzschläge werden auch vom gestrigen Tage wieder gemeldet. Auf dem Älepandcrplaü brachen die 70, 57 und 48 Jahre alten Arbeiter Louis Müller. Karl Kugelberg und Gott lieb Woihbsek zusammen. Letzterer erholte sich bald auf der Ret tungswache in der Keibelstratze und konnte nach seiner Wohnung in der Weberstr. 10 gehen. Die anderen mutzten nach dem Kranken- Haus am FricdrichShain gebracht werden. Ihre Wohnungen sind nicht bekannt.— Vor dem Hause Alte Schönhauser Straße 8 wurde vorgestern abend um 10 Uhr ein unbekannter Mann von etwa 40 Jahren, anscheinend auch ein Arbeiter, vom Hitzschlag getroffen. Er liegt ebenfalls im Krankenhaus am Fricdrichshain. In der Brauhausstratze in Weitzcnscc brach ein alter Mann vom Hitzschlag getroffen auf dem Fahrdamm zusammen. Man schaffte ihn ins Auguste-Viltoria-Krankenhaus, wo er bald nach der Ein- lieferung an den Folgen eines Hitzschlages verstarb. Es handelt sich um den 62jährigen Invaliden Gustav Radünz aus der Lang- bansstr. 62.— In der Lindenstratze wurde der Bäckergeselle Friedrich Börner vom Hitzschlag getroffen. Er erholte sich aber bald wieder unter den Händen eines Arztes.— Ein durch Hitzschlag hervorgerufener schwerer Unglücksfall wird aus Fürstenwalde gemeldet. Auf dem Grundstück Wilhelmstr. 113 wurde die Ehefrau des Eigentümers Schmidt beim Einernten plötzlich vom Hitzschlag getroffen. Die Verunglückte, die in diesem Augenblick gerade im obersten Fachwcrk der Scheune stand, stürzte in die Tiefe und zog sich eine schwere Gehirnerschütterung sowie innere Zerreißungen zu, so daß sie in äußerst bedenklichem Zustand nach dem Kranken- haus gebracht werden mußte.— In der Wollankstraße wurde gestern vormittag der 87 Jahre alte Mühlenbauer Lichtenberger vom Hitz- schlag getroffen und zur Rettungswache gebracht. An die Adresse der städtischen Straßenreinigung richtet sich fol- gende Zuschrift, die wir erhalten:„Wenn Reinlichkeit schon an sich eine Tugend ist, die jeder gesittete Mensch als Wohltat empfindet und Pflegen soll, so um so mehr, als es jetzt bei dieser abnormen Hitze jeder Mensch doppelt angendhm empfindet, wenn überall peinlichste Reinlichkeit herrscht. Wie wohltuend wirkt es doch, wenn von den mit Wasser be- sprengten Straßen des Nachts der Staub durch die Kehrmaschinen beseitigt ist; alle die Menschcnknäucl, welche bei diesen Hitzegraden sich tagtägl'ch durch die Straßenzüge winden müssen, werden es doppelt angcncbm empfinden. Anders sieht es in den Straßenzügen des Nordens aus. Dem Schreiber dieser Zeilen führt der Weg jeden Morgen durch die Stadtteil- der Gegend der JSrenzlauer Allee, auch direkt durch die Prenzlauer Allee an den Siechen- und Altfrauenhänsern vorüber. Da liegt nun der von den Kehrmaschinen zusammciigefegte Staub zu beiden Seiten des Fahrdammes, und Straßenrciniger fegen, ohne zu sprengen, diesen mehligen Staub zu kleinen Haufen zusammen, wodurch ungeheuere Wolken aufsteigen und das Pas- sieren dieser Straßenzügc geradezu zur Gefahr machen. Dieser mit allen möglichen zu Staub zerriebene Unrat legt sich auf die Lungen und in ganz feinen Staubschichten aus die Kleider per Passanten. Er zieht durch die geöffneten Fenster in die Wohnungen und ist so direkter Verbreiter von Krankheiten. Um diesem skandalösen Zustand, der nicht erst jetzt, sondern schon seit langer Zeit und auch schon in früheren Jahren beobachtet worden ist, bekümmert sich anscheinend niemand. Oder soll hie« vielleicht Wasser gespart werden? Oder sind nicht genügend Ar- beitskräfte vorhanden? Aus Faulheit oder Bequemlichkeit können doch die Arbeiter es kaum unterlassen, zu sprengen, denn sie selber sind doch der am stärksten leidende Teil dabei, indem sie doch in diesen ekelhaften Wolken kaum atmen können. Es ist doch dringend zu wünschen, daß angesichts der jetzt berrschendcn Temperatur von den dazu berufenen Stellen alles nach Möglichkeit getan wird, um solchen Zuständen abzuhelfen." BctrugSvcrsuch bei der Rcichsbank. Betrügereien wurden soeben bei der NeicbSdank entdeckt. Ein Hilfsarbeiter Wilhöfer hatte ver- suckst, Depotscheine zu unterschlagen und einzukassieren. Er schrieb gefälschte Briefe an die Depotinhaber und versuchte mittelst dieser sich in Besitz der Depotscheine zu setzen. In einem Falle ist ihm dies auch gelungen. Der Depotinhaber kam aber hinter den Schwindel und wurde deshalb heute morgen bei der Reichsbank vorstellig. Der Reichsbankdirektor ließ darausbin gegen Mittag die Bank schließen. Kein Beamter durfte sich entfernen. Der Depot- inhaber, dem alle Beamten vorgeführt wurden, erkannte den Hilfsarbeiter wieder, der dann gegen 1 Uhr abgeführt wurde. Bon seinem eigenen Fuhrwerk überfahren und schwer verletzt wurde am Mittwochnachmirtag 5 Uhr der Kutscher der Firma Walter, Schliemannstr. 40. Die Pferde des Wagens gingen in der Fehr- bcllinerstraße durch, der Kutscher wurde vom Wagen geschleudert und über den Leib gefahren, auch erhielt er noch Verletzungen am Kopf und am rechten Arm. Das Fuhrwerk wurde von zwei jungen Leuten aufgehalten und der verletzte Kutscher von Passanten ausgehoben und mit dem Rücken gegen den Laterncnpfahl auf die Bordschwelle gesetzt. Ein in der Nähe wohnender Arzt legte dem Verletzten den ersten Not» verband an, zugleich wurde nach einer Droschke gesandt. Der Führer der Droschke erklärte aber nur fahren zu dürfen, wenn ein Beamter der Polizei dabei ist. Da das aber nicht der Fall war. fuhr der Kutscher nicht. Nun wurde nach dem in der Brunnen- straße befindlichen Polizeirevier gesandt, von dort kamen dann auch gleich zwei Beamte und sandten nach einer Droschke. Bevor dieselbe kam, verging eine ganz geraume Zeit. Jetzt wurden von Passanten Entrüstungsrufe laut. ES wurde gesagt, es wäre hier doch wohl angebrachr, in allererster Linie einen Krankenwagen zu requirieren, da der Verletzte stöhnte und allem Anscheine nach auch innere Verletzungen erlitten hatte. Die Beamten reagierten darauf aber gar nicht und warteten ruhig bis die Droschke endlich kam. Nun wurde der vor Schmerzen Siöhncnde von zwei Arbeitern und den beiden Beamten uit Mühe und Not in die Droschke gehoben, und die beiden Beamten fuhren mit dem Schwerverletzten davon. Unbegreiflich blieb den vielen Augenzeugen, warum nicht gleich von der Polizei nach einem Krankenwagen rclephoniert worden ist, der doch wohl bedeutend schneller dagewesen wäre und den Kranken auf der Fahrt wohl nicht so durchgeschüttelt hätte, wie das in der Droschke möglich ist. Durch einen Sturz in einen Lichtschacht ist in der vergangenen Nacht der 19 Jahre alte Chauffeur Max Kaziel aus der Ebersstr. 84 tödlich verunglückt. Der junge Mann war früher Schornsteinfeger« lehrling und wurde dann Kraftwagenführcr bei der Stdöneberger Brauerei. Von seiner ehemaligen Beschäftigung her hatte er noch eine Liebhaberei für Kletterkunststücke. Diese scheint ihm Verhängnis- voll geworden zu sein. Der junge Mann hat wahrscheinlich auf den Dächern Kühlung suchen wollen und ist in der Dunkelheit in den Schacht gefallen. Bor der Tür feiner Geliebten erschossen hat sich der 41 Jahre alte Bügler Gustav«schwarzer aus der Pappelallce 34. Seine Geliebte hatte ihm einen Korb g-acben und Sch. glaubte sich in die neue Situation nicht finden zu können. Ein Zusammenstoß zweier Straßenbahnwagen, durch den eine einstündige Verkehrsstörung hervorgerufen wurde, ereignete sich am gestrigen Donnerstage am Kurfürstendamm. Dort fuhr gegen 8/45 Uhr nachmittags ein Zug der Linie 79 auf den an der Halte- stelle Augsburger Straße haltenden Motorwagen 2951 der Linie 54 auf. Der Zusammenstoß erfolgte mit solcher Heftigkeit, daß der an- gefahrene Wagen mit dem Hintertruck aus den Schienen sprang, während der Vorderperron dcS Wagens der Linie 79 stark beschädigt wurde. Personen sind bei dem Unfall glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen. Infolge des Zusammenstoßes mußten während der Zeit von 4.45 bis 5.35 Uhr die Linien A, 76, 79, G und II über die Kantstraße, Savignyplatz und WilmerSdorfcr Straße ab- gelenkt werden. Nachdem der entgleiste Waggon durch den Reitlings- wagen der Straßenbahn wieder in die Schienen gehoben worden war, konnte der Betrieb an der Unfallstelle wieder aufgenommen werden. Ju einem Anfall von Wahnsinn versuchte gestern morgen gegen 7 Uhr die Arbeiterfrau Oilze im Hause Kastanienallee 75 ihren llljährigen Sohn im Bett mit dem Beil zu erschlagen. Blutüber» strömt lief der Junge im Hemd die Treppen hinunter zum Verwalter, der die Polizei verständigte und den Jungen der Unfallstation zuführte, wo ihm Verbände angelegt wurden. Die Geistesgestörte wurde von Schutzleuten nach der Revierwache in der Wörther Straße gebracht. Eine unbekannte weibliche Leiche wurde vorgestern früh in der Dahme in der Nähe des Restaurants Ulrich aufgefunden und gelandet. Die Tote war etwa 23 Jahre alt. ist 1,60 Meter groß, von statt- licher, voller Figur und hat blondes Haar. Bekleidet ist die Verstorbene mit weißem Kleid, braunen Strümpfen und schioarzen Schnürschuhen. An der rechten Hand trug das Mädchen zwei goldene Siegelringe und an jedein Arm ein goldenes Armband und um den Hals eine goldene Kette. Allem Anscheine nach handelt eS sich um einen Unglücksfall, doch wird auch seitens der Behörden mit einem Selbstmord gerechnet. lieber die Persönlichkeit der Toteil. die keinerlei Legitimationspapiere bei sich führte, kvimte bisher noch nichts er» miUelt werden. Apollothcatcr. Trotz der Hundstage wird in unfern größeren Variötes luftig weiiergefpielt. Im Schweiße ihres Angesichts mühea- sich die einzelnen Künstler, unter denen Akrobaten und Tänzerinnen die am wenigsten beneidenswerten Rollen zugewiesen sein dürften. Im Apolloiheater treten die paar Spezialitätennummern in den Hintergrund; hier beherrscht seit Monatsfrist Harry Walden tn seinem Gastspiel:„Sei» Hcrzensjunge" das Repertoir. Der Sprung von der Bühne zum Brettl, den vor Walden schon Schildkraut unternommen. bekommt dein crstercn gar nicht so übel. Der neue Bretllmenscki stellt sich uns zunächst als ein Lebemann ersten Ranges vor, der das Geld seines Onkels vertut und wegen seiner allzu großen Leichtlebig- keit schon den bunten Osfiziersrock ausziehen mußte. Wir lernen im Verlaufe des Spiels Walden als eine Art Allerweltskerl kennen, der in der Rolle eines Kellners, eines Varistefängers und Detektivs sich veriucht und im Berein mit einer als russische Fürstin auftretenden Partnerin Frl. Kretfchmer manche hübsche Sachen zum Vortrag vruigt, unter denen die Vorträge:„Frauen und Bücher" und„Ein Walzer klingt!" lebhaften Beifall hervorrufen. cro-, Sm Passagethe ater ist der bekannte GroteSkkomiker Rudolf Malzer wieder obenanf. Malzer bringt feine Typen und Figuren in icuier drolligen lachsischen Urt mit so überwältigender Komik zur Geltung, dag das Publikum aus dem Lachen nicht mehr heraus» kommt. Ueber ein phänomenales Gedächtnis muß Emanuel Steiner verfugen, der alS Rechenkünstler austritt. Mt»blitzartigec Schnellig. feit erhebt er drei-, bier-, fünfstellige Zdjlen zur vierte», fünften und sechsten Potenz. Zun, Schluß sogt er dem Publikum, wieviel Minuten jeder bis zun, Tage gelebt hat und nennt auf jedes gesagte Datum aus der Geschichte dos zur Zeit geschehene Ereignis. Daneben fuhrt Mme. Gilton einen amüsanten Taubendressurakt vor und drei Nor- wegerinnen Sisters Salveig bringen ihre heimatlichen Sänge und Tänze zur Anerkennung. Reichlich ist im Program», die Akrobatik Und Gymnastik durch tüchtige Kräfte vertreten. Der Partiewarenhändler Herr Max PineuS, Kaiser-Wilhelm- Straße 20, ersucht uns unter Bezugnahme ans die gestrige Notiz von der Festnahme einer schwarzen Bande, daß er mit dem in jener Rotiz erwähnten Partiewarenhändler PinkuS nicht identisch ist. Der Brandschaden bei den, Feuer im Medizinischen Warenhaus erstreckt sich fast ausschließlich auf die elektrische Abteilung und das Lnstrumentcnlager. welches durch eigene Fabrikanlagen sHeidestraße) sofort ergänzt werden kann. Die Abteilung für Krankenhansmöbel, sowie die gesamten Ausstellungsräume für Mcdieo-Mcchanik, ferner die Verbandstoffräume sind von Feuer und Rauch verschont geblieben. Der Betrieb wird in vollem Umsange ausrecht erhalten. Der Schade», der sich auf zirla 3S000 M. belauft, ist durch Bersicherung gedeckt. Die Chronik der Waldbrände bat auch am gestrigen Tage wieder eine Bereicherung erfahren. In, Forst bei Nassenheide an der Berlin-Oranicnburger Chaussee geriet eine ausgedehnte Säsonung durch Selbstentzündung in Brand. Obwohl die freiwillige Feuerwehr der nächsten Ortschaft bald zur Stelle war, fiel doch eine größere Fläche Baumbestand den Flammen zum Opfer.— Weitere Waldbrände entstanden bei Fürstenwalde und bei Zühlsdorf. In dein letzteren Falle glaubt man. daß böswillige Brandstiftung vor- liegt.— Kleinere Forstbrände kamen in den Waldungen an der Ostbahn, in den Müggelbergen sowie im Joachimsthaler Forst zum Ausbruch.— Ferner wurden erhebliche Wiesenbrände durch Selbst- entzündung hervorgerufen, wobei ganz empfindliche Schäden ver- ursacht wurden. Auch da? Baden hat gestern wieder seine Opfer gefordert. So ertrank im Kalkberger See der SLjährige Bergarbeiter Konrad Krause aus Schulzenhöhe. K. war in überhitztem Zustand ins Wasser gegangen, so daß er einen Schlaganfall erlitt und den Tod in den Fluten fand.— Im Lehnitzsee fand ein unvorsichtiger Schwimmer, ein etwa ISjähriger Mensch, der sich weit über seine Kräfte in hen See Mausgewagt hatte, den Tod durch Ertrinken. Vorort- l�acbridrten. Nixdorf. Der Rauvaiifa?, über den wir vorgestern berichteten, ist jetzt aufgeklärt. Jener junge Mann, der die Althändlerin Frau Gerth in der Thüringer Straße 4 unter Drohungen mit dem Revolver zu vergewaltigen suchte und ihr dann mehrere Sachen raubte, wurde gestern früh in dem Hause Brandenburgstr. 7 von der Rixdorfer Kriminalpolizei festgenommen. ES ist ein 24 Jahre alter Arbeiter Bernhard Schulze, der erklärte, daß er ganz betrunken gewesen sei. Er wisse nichts mehr. Was die Frau sage, werde wohl stimmen. Ein aufregender Straßen, mfall ereignete sich Mittwochabend um >/zS Uhr in Nixdorf auf dem Hern, annplatz. Die bei den, Schlächter- m'eister Paul Linke. Hermannplatz 4. beschäftigte Verkäuferin Hilde gard Kliehrs wollte den Platz überschreiten und wurde dabei von einem Wagen der Großen Berliner Straßenbahn erfaßt und zu Boden geschleudert. Der in voller Fahrt befindliche Wagen konnte erst nach einigen Meten, zum Halten gebracht werden. Das be- wußtlose Mädchen wurde mit schweren äußerlichen Verletzungen unter dein Wagen hervorgezogen. Die Verunglückte wurde auf Wunsch ihres Chefs nach dessen Wohnung geschafft. Wilmersdorf-Halensee. Stadtverordueten-ErgänzungSwahlen. Der Magistrat von WikinerS- dorf hat auf den 11. Oktober dieses Jahres dre, Ergänzung«- wählen zur Stadtverordnetenversammlung an- beraumt. Da diese Wahlen in der dritten Abteilung und zwar in nicht ganz ungünstigen Bezirken stattfinden, so werden auch unsere Parteigenossen zu ihnen Slellung zu nehmen haben. Es handelt sich zunächst um das Mandat des vor einigen Tagen verstorbenen Hausbesitzers Dr. Vogeler. der den 9. Bezirk vertrat. Es ist dies derselbe Bezirk im alten Ortsteil, wo eö unseren Partei- genossen im gemeinsamen Vorgehen mit den Demokraten a», 3. November vorigen Jahres gelang, einen Sieg zu er- fechten. Sodann kommen im 10. Bezirk am Kalserpkatz zwei Mieterkandidaturen in Betracht. Der eine Vertreter dieses Bezirks. Stadtverordneter Kletke, ist zur Stadtratswürde gelangt, während der andere Vertreter, B i e l e r mit Namen, nach auswart« verzogen ist. In diesem Bezirk schnitt der von unseren Parteigenossen unterstützte demokralische Hausbesitzerkandidat vorige» Jahr allerdings nicht so günstig ab. wie die Opposilion im 8. und S. Bezirk; indessen ist ja bekannt, daß die Sozialdemokratie sich durch anfängliche Mißerfolge noch nie hat einschüchtern lassen. Bei dieser Gelegenheit weise» wir schon jetzt daraus hm, daß die Wählerliste zur Stadtverordnetenversamm- lung vom 1. bis IS. September in Wilmersdorf öffentlich ausliegt. Es ist Pflicht jedes wahlberechtigten Parteigenosse» am Ort. sich zu vergewissern, ob sein Name in der Liste verzeichnet ist. Näheres wird noch mitgeteilt. TchSnederfl. Zweierlei Maß. Der Arbeiter-Radfahrerverein„Solidarität" wollte, wie vor zwei Jahren, auch diesmal seinem am Sonntag, den <5. August, in den Neuen RathauSsälcn, Meininger Str. 8, statt- findenden SliftnugSfeste eine Korsofahrt vorausgehen lassen, die sich durch de» ivenigec belebten Teil SchönebergS erstrecken sollte. ES wurden Straßen mit nur ganz geringem Verkehr ausgesucht, so daß jede Verkehrsstockung von vornherein ausgeschlossen war. Diese Aus- slellung wurde der Polizeibehörde eingereicht— und was noch vor zwei Jahren möglich war. ohne daß Schöneberg deshalb eingestürzt wäre. was jedem Schützen- und Bäckerverein anstandslos genehmigt wurde— selbst die verkehrsreiche Hauptstraße konnte benutzt werden— das wurde den Arbeiter-Radfohrern verweigert. Ver- kehrttcchnische Gründe mußten herhalten, um die Versagung der Ge- nchmignng zu begründen. „Wem, zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe." Dieser Stand- punkt' des verflossenen JustizministerS Schönstedt wird noch heute von den Behörden geleilt. Unserer Bclvegung wird durch eine solch kleinliche Nadelstich- Politik nicht geschadet. Friedenau. Sturz in eine« Keller. Ein schwerer llnflkückSfall hat sich an, gestrigen Nachmittag ereignet. Der zwölfjährige Erich Paul, der Sohn eines Laulerstr. 29 wohnenden Steinsetzers, war von seiner Mutter in da? in derselben Straße belogene Bnttergeschäft von Reit», eher geschickt worden. Der Kleine übersah eine in, Laden bc- sindliche, nach den, Keller führende offenstehende unvergitterte Fall- tür und stürzte mehrere Meter in den Keller hinab. Der Kleine P. wurde bewußtlos aufgesiindei, und in sehr bedenklichem Zustande nach dem Krankenhaus in Britz geschafft, wo ein komplizierter Schädelbruch, sowie schwere innere Verletzungen festgestellt wurden. Es sind sofort polizeiliche Ermittelungen eingeleitet worden, wer an dem Unfall die Schuld trägt. Hohen-Tchöiihaltseu. Den Gemeindcwahlkampf haben die Parteigenossen als erste er- öffnet. Der Wahltag ist zwar noch nicht bekannt, doch steht fest, daß die Wahl in allernächster Zeit ausgeschrieben wird. In einer zu diesem Zweck abgehaltenen öffentlichen Versammlung referierte Genosse K l o t h über„Kommunale Aufgaben". Das von großer Sachkenntnis zeugende Referat fand starken Beifall. In der Dis- kufsion nagelten die Genossen Obermeyer und Hintze das Verhalten der Bürgerlichen fest, welche in einer von den Sozialdemokraten geführten Protestaktion die radikalsten Forderungen aufstellten und jetzt so überaus kleinlaut geworden sind. Die Gegner haben bisher über ihre Maßnahmen noch nichts verlauten lassen, doch tragen sie sich mit den größten Hoffnungen, die dritte Klaffe zu erobern. Diese Hoffnung muß den Gegnern zuschanden gemacht werden. Wir müssen bei dieser Wahl, welche nach der Eingemeindung des ehemaligen GutSbezirlcS stattfindet, eine Stimmenzahl auf unsere Kandidmen Reyher, Engel und Siebenwirth erreichen, daß den Bürger- lichen für die Zukunft die Lust vergeht, sich überhaupt noch an den Wahlen in der dritten Klaffe zu beteiligen. Darum, Parteigenossen, heißt es, für die nächste Zeit alle Kräfte bereit halten. Borgsdorf. ES geht vorwärts l Am Sonntag, den 30. Juli, konnte hier die erste öffentliche Versammlung unter freiem Himmel stattfinden. Dem eifrigen Bemühen unserer Genossen war es gelungen, einen Grundbesitzer zur Hergabe einer Parzelle zu bewegen. Obtvohl der Aufenthalt in der sengenden Soniwnglut keineswegs zu den An- nehmlichkeiten gehörte, waren etwa 250 Personen aus Borgsdorf und den umliegenden Ortschaften dem Rufe der Bezirksleitung ge- folgt, um an der Versammlung teilzunehmen. Nach einem stim- mungsvollen Liebe de« Arbeätergefangvereins von Birkenwerder hielt Genossin Frau Matfchke ihren Vortrag über:„Grundsätze, Forderungen und Ziele der Sozialdemokratie", der mit großem Beifall aufgenommen wurde. Äußer den beiden überwachenden Beamten waren noch der Herr Amtsvorsteher Kühn und ein Kriminalbeamter erschienen und verlangten während des Vortrages die Entfernung einiger Kinder, die durch ihre Anwesenheit das Vaterland in Gefahr brachten. Nach einigen drastischen Bemcrkun- gen des Vorsitzenden wurde dem entsprochen. An das Referat schloß sich eine Diskussion nicht an. Nachdem die Arbeiterfänger noch die Arbeitermarseillaise gesungen, wurde nach einigen anfeuernden Worten des Vorsitzenden die Versammlung Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Mittenwalde. Bater und Kind ertrunken. Ein tragischer Vorgang ereignete sich auf dcr Kronen-Ziegelei bei Mittenwalde. Der Ziegel meister Gödelt hatte sich selbst ein kahnähnliches Fahrzeug zurecht gezimmert, um damit auf der ausgedehnten Tongrube fahren zu können. Als er nun mit feiner zehnjährigen Tochter Charlotte eine Strecke auf die Wasserfläche hinausgefahren war, kippte das Fahr- zeug plötzlich um und beide Personen stürzten in die Fluten. Die am Ufer stehende Ehefrau des G. mußte nun Augenzeuge sein, wie ihr Mann und ihre Tochter den Tod im Wasser fanden. Vergeblich versuchten sich die beiden an dem primitiven Fahrzeug anzu- klammern, doch ehe Hilfe zur Stelle sein konnte, waren beide in der Tiefe verschwunden. Die Leichen der Ertrunkenen konnten bald darauf geborgen werden. Zossen. Erhängt. Mittwoch früh wurde der über 70 Jahre alte Renten- empfänger Otto in der Stubenrauchstraße an einer Telegraphen- siange erhängt aufgefundeit. Nahrungssorgen sollen den Mann in den Tod getrieben haben. Allgemeine Verwunderung erregte die Tat- fache, daß der Tote den ganzen Vormittag bis ungefähr 1 Uhr bei der glühenden Sonnenhitze, dos Gesicht nur mit einigen Baum- zweigen verdeckt, bei der Unglücksstelle liegen bleiben mußte. Bus aller Melt. Sxplofton in einer Hamburger fabnk. Eine schwere Explosion ereignete sich Donnerstag gegen mittag in den Wandsbecker Hart st einwerfen von Wulff und Stavenow. Die Explosion eines 16 Meter langen Dampfkessels erfolgte mit solcher Gewalt, daß der Deckel des KeffelS unter Zerstölrung von Gebäudeteilen über die Straße hinwegflog und ein gegenüberliegendes Haus derart demolierte, das» es einznstürzen droht. Einem vor überfahrenden Radfahrer wurde durch einen abgesprungenen Eisenteil der Kopf zerschmettert. Unter den Trümmern der Werke wurden zwei Tote, vier Schwerverletzte und vier Leicht verletzte hervorgezogen. Ob sich noch weitere Verunglückte unter den Trümmern befinden, konnte bisher nicht festgestellt werden.— Die Unglücks st ätte bietet ein Bild der grauenhafte st cu Verwüstung. Die Telegraphen- und die Telephonleituizacn sind zerrissen und Bäume sind cnt- wurzelt Ivorde«. Weiger Kalkstaub bedeckt den Boden, als ivenn eine Mühle in die Lust geflogen wäre. Unmenschliche Behandlung einer Frau. Ein unerhörter Fall von Verwahrlosung wird aus N e u ö t t i n g berichtet. Seit 16 Jahren befand sich die nunmehr 44 Jahre alte und geistesschwache Franziska Huber auf Kosten ihrer Heiinatögemeinde Toging bei den Katzenschwanz'fchen Eheleuten in P f l e g e. Da man die Person seit Jahren nicht mehr gesehen hatte und im Orte Gerüchte über ein Verbrechen um- gingen, wurde die Gendarmerie mit der Nachforschung beauftragt. Das Ergebnis der Untersuchung war entsetzlich. Die Unglückliche befand sich in einem engen unmöblierten Raum, der von keinerlei Licht erbellt wurde und von Schmutz starrte. Die arme Hilflose, die unfähig war, sich zu bewegen, lag auf einem Strohlager ohne jegliche Bekleidung und im eigenen Kot. 16 Jahre lang mußte die Unglückliche in diesem Raum, in dem ein ent- ietzltcher Modergeruch herrschte, zubringen. Das unglaublichste an der ganzen Sache aber ist, daß die Anfgefundene die Schwester ihrer Pflegerin ist. Die unglückliche Kranke, die vor Schwäche kein Glied rühren kann und das Tageslicht nicht mehr verträgt, wurde ins Krankenhaus gebracht. Die Hitze in Belgien. Die Hitze hat gestern weitere Unfälle verursacht. Im Laufe des TageS sind 20 Personen vom Hitzschlage getroffen worden; 5 nahmen eine» tödlichen Verlauf. Infolge der Hitze ist von den verschiedenen Ministerien verfügt worden, daß sich die Arbeits- zeit der Bureanbeamten auf vormittags von 7—12 Uhr be- schränken solle. Verschiedene Gemeindeverwaltungen haben ähnliche Anordnungen erlassen. Heftige Gewitter sind gestern im Norden von Belgien niedergegangen; dcr Blitz bat vielfach gezündet. In Osten de macht sich ein Mangel an Eis zur Verpackung von Fischen bemerkbar. In Wetteren und Umgebung fehlt es an Wasser, so daß verschiedene Industriebetriebe, speziell die Textilindustrie, ihre Arbeiten haben ein st eilen müssen. Hierdurch wurden 1500 Arbeiter bcschäftigllngslos._ „Welche alleinsteheNdß. gebildete Dame, gesund. robust, wäre vorurteilsfrei genug, Bedienung und Reinigung eine? Wohnwagens bei einer Schriftstellerin zu übernehmen? Zeichnerische Fähigkeit. Maschinennähen nötig. Näheres bei Frau Geh.-Nat H., B— str." Dame, Schrubber und Zeichenstift wie reimt sich dos zu- sammen?_ Ein Kulturbild i An der Westküste Afrikas, in St. Pierre, waren zwei Banditen zum Tode verurteilt. Die Guillotine, mit der die Banditen gelötet werden sollten, ist 1 1 0 I a h r e a l t und war von Napoleon nach der Kolonie gesandt worden, als dieser dort Konsin war. Da kein Scharfrichter zur Hand war und niemand in der Kolonie dieses Amtes walten wollte, entschloß sich der Gouverneur. das Anerbieten eines Gefangenen Malbrouck anzunehmen- der die Hinrichtung vornehmen wollte. Ter eine der Verurteilten, Sitarome. ging übermütig zum Schafott, nachdem er Brot und Zucker gegessen hatte. Er scherzte mit dem Scharfrichter, sang ein Lied aus der Heimat und legte seinen Kopf uuter das Fallbeil. Der Verurteilte Fontaine, erst 26 Jahre alt, zitterte vor Schreck und war vollständig betäubt, auch dachte er weder daran, sich zu verteidigen, noch dagegen zu protestieren, als man ihm die Hände fesselte. Als er auf das Brett gelegt wurde, zappelte er und wollte feinen Kopf aus dem Loch, das denselben festhält, herausziehen. Dadurch wurde, als das Beil fiel, nur ein Teil feines Halses durch- schnitten. Ilm den ganzen Kopf abzuschlagen, mußte der„Scharf- richter" mit einem Handbeil nachhelfen und so die Hinrichtung beenden! » Da? geschah im Jahre des Heils 1911 in einer Kolonie des zivilisierten Frankreich! Kleine Notizen. VootSunglück bei Sellin. Gestern ertranken vor der Seebrücke in Sellin zwei Zimmermädchen und der Postbote Alfred Koch aus Stralsund, die zusammen mit dem Hausdiener der Villa Mogdalcne eine Bootfahrt unternommen hatten. Beim Plätze- Wechsel kenterte das Boot, der Hausdiener hielt sich am BootSrand fest und wurde gerettet. Auf der Kleiubuhiistrecke Ekeiwitz- Ratibor stürzte zwischen Schyinoyytz und Reusa eine Draisine um, auf der mehrere Arbeiter die Strecke abfuhren. Einer blieb t«t, drei wurden schwer verletzt. Autounfall. AuS Elberfeld meldet ein Tckegramin: In der vergangenen Nacht rannte ein mit sechs Personen besetztes Automobil in Varresbeck infolge schnellen Fahrens an einen Baum an und wurde vollständig zertrümmert. Die sechs In- fassen erlitten teils schwere Verletzungen. Felseiirinsturz. In G r a n v i l l e stürzte einem Telegrannn aus Paris zufolge, ein Teil des K ü st e n f e l f c n» in der Nähe deS Kosmos in sich zusammen und versperrte den Zugang zu diesem vollständig. Eine Anzahl Telegraphen- und Tclephonstanaen wurde» umgerissen. Bor dem Eingänge des Kasinos liegen zirka 500 Tonne» Geröll. Glücklicherweise waren zu der Zeit des Einsturzes keine Menschen in dem vollständig verschütteten Verkaufsraum für Ein- trittskarten zu dem Kasino. Großfeuer. Aus La räche wird von gestern gemeldet: Ein Brand zerstörte vollständig den Materialfchnppen der deutschen Hafen- bauunternehnmng. Die Wohnräume der Angestellten blieben vom Feuer verschont. Der spanische Kreuzer„Cataluna" schiffte eine Abteilung zur Hilfeleistung ans. Em Branduiiglück bat sich in Driesen(Mark) zugetragen. In dem dortigen Hotel„Zum schwarzen Adler" hatte der Grundstücks- Makler Albert Otto aus Berlin Wohnung genommen. O. zündete in seinem Zimmer ein Licht an nud legte sich halbentkleidet auf die Chaiselongue, wobei er einschlief und jedenfalls die brennende Kerze unistieß. Als O. erwachte, stand das Zimmer vollständig in Flammen und auch feine Kleider waren bereits voin Feuer ergriffen worden. Mit Aufbietung feiner letzten Kraft schleppte er sich bis zur Tür und rief um Hilfe. Als der Besitzer und die Angestellten deS Hotels herbeieilten, fanden sie den Gast als Leiche vor; er war zum Teil völlig verkohlt._ Touristenverei»„Die Naturfreunde-'. Ortsgruppe Berlin. I. FrcdcrSdors, Bruchmühle, Hohe» Fließ, EqgerSdors, Stienitzsee. Abknhrt Mcxanderpwh 7,1g, Schief. Bhf. 7,19 nach Fredersdorf— 2. Strausberg, Tannengrund, Stleiiitzjce, Abs. Mexanderplaß 12,23, Schief. Bhs. 12,29 nach Strausberg. Eine S— 9 tägige Tonr wird durch den Thüringer Wald veranstaltet. ?lbsahrt am 27. August, vormittag» 20,30 nach Jena. Parteigenossen und cycnossinnen, die gewillt sind, daran teilzunehmen, erhalten Au»tlmlt durch E- Hösclbarth, PcterShagcn(Ostbahn) und And. Müller, Charlollenburg, Dankclmainiftr. 47. Arbeiter- Züanderverei».Berlin-'. Wanderfahrten am S. August nach: 1. Friedrtchswalde, JoachiinSIbal. Abfahrt 6 Uhr Steltlner.Haupt- Bahnhof.(Da diese Tour eine Agitationstonr, ist zahlreiche» Erscheinen erwünscht.) 2. Spiel- und Badetour nach Rahnsdorf, Müggelsee, Navcnsleiner Mühle. Abfahrt 12,23 Uhr Schlesischcr Bahnhof. Marktpreise von Berlin am 2. Aug» st 1011, nach Ermittelung de» Königlichen Polizeipräsidiums, lttarkt Ballen presse.(Meinhaiidel> 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30,— S0.V0. Epeisebobnen. weiße 30.00—90.00. Linsen 20.00—00,00. Kartosselll 10.00—16.00. 1 Kilo« gramm Ziindfleisch, von dcr Keule 1,60—2.40. Rindfleisch. Pau-bfleisch i 20 vis 1,70. Schweinefleisch 1,20—1,80. Kalbfleisch 1,40-2,20. Hammelfleisch 1,60—2,30, Butler 2,20—8,80. 60 Stück Eier 3,00-4,80. 1 Kilegraiiun Karpfen 1.40—2,40. Aale 1.60-3,20. Zander 1.60—3,60. Hechte 120 bis 2.80. Barsche 1.00— 2.00. Schleie 1.10-2.60. Bleie 1,10-1,60. 60 Stück Krebse 2,00—36.00. Orts-Krankenkasse der Vergolder und Bernfsgcnosse». Die 6. Abänderung deS Statuts ist vom Bezirksausschuß genehmigt und tilil laut Beschluß deS Vorstandes am 7. August d. I. in Kraft. Das Krankengeld wird danach von 50 auf 60 Prvz. crhöhl, Wöchnerinnen.. Heb- ommengeld und FainilienangchSrigeii. Sterbegeld gewahrt. Eintrittsgeld wird nicht mehr er- hoben. 277/20 Ter Vorstand. Von der Reise zurück[181112 Dr. Erost Gebert, Ärast für llantlciden etc., lindenstr. 7. Syphilis- Nachweis in allen trisoh. u. veraltet, rwelfollialt. Fäll, durch ivlffen'chaftk. UNtcrsuchtNkg. foiort; drSgl. Harn-(fpez. auf«io. norrhoe-gädcn) u. SpirMm-Analuscir. 0e. Homeyer A Ca., Spezial-Laboval, Friedrlchstr. 189, zw. Kronen- mib Mobrrnstraße), I. 8724. Per f. Nück-pr. dlskr. u. kostcnl. Geöffnet von 8—6 Sonntag» von 12— 1. Friedrichöhagcn. Die Arbeiter-Saniarlterkolonne errichtet bis auf weiteres jeden Sonntag am Freibad Müggelsee eine Hilfsstation. Wie notwendig die Einrichtung ist, beweist der letzte Sonntag, wo von der Kolonne in über 50 Fällen Hilfe geleistet wurde, darunter waren 19 Schnitt- wunden, durch Glassplitler und Konservenbüchse» herbeigeführt, die LeMltivortliZer WeMteias Richard Barth, Berlig, iFrir dß, Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck g. Verlag: Vorwärts tLMdrucket3:i"ü. VcrlagsaujtaIt�Äl Sipger u7Eo.,'Becl!n Z.V� (Sebildet, gesund, robust und vorurteilsfrei. Auch eine Folge der abnormen Hitze dürfte ein Inserat der Frau Geheimrat H.(der volle Name ist unS leider nicht bekannt geworden) fein, das sich i» der»Verl. A e r z t e k o r r." befindet und wie folgt lautet:___ Buclihanöluiig Vorwärts, Lindenstr. 69 ■(Laden) Wir empfohlen: foaws IKehrittg deutsche Qesehiehte Vom ünsgange des Mittelalters I Ein liCittadcn tür Eclirendo and Eorncnde i Teil I und II je 1,8.» Mark.— Beide Teile zu einem Bande voreinigt, gebunden 8,30 Mark