tau BbonnemenfS'BedJngungsn; WdonnementS- Preis pränumerando i Viertcliährl. 3£0 Mi, monoll. 1,10 Mi, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. einzelne Swnuncr ö Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags« Beilage.Die Neue Weit" 10 Pfg, Post« ilbonnemcnl: 1,10 Mari pro Monat. Eingetragen in die Post-ZcitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mari, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnement» nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. Siumänicn, Schweden und die Schweiz, Crfödnt täalia aitBer montasi. S8. Jahrg. Berliner Volksblnlk. �entralorgan cler fo2»aläemokrati fcken Partei VeuttcKlanäs. vle lnserNonz-Lebl»»» deträgt für die scchsgespaltene Kolons« zeile oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerlschasUiche Verein»« Und Verlaininlungs- Anzeigen Zv Pfg. „Altine Znreigen". das fettgedruckte Wort 20 Pfg. izulässig 2 fettgedruckt» Worte). jcdeS weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlnfstcllcnan- zeigen daS erste Wort 10 Pfg, jede» weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- staben zähieti für zwei Worte. Jnseraie für die nächste Slummct müssen bi» 5 Uhr nachmittag» in der Expedition »baegeben werden. Die Expeditüin ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Delegranim. Adresse: «Soziaidemolsrat Ltklia". Redaktion: SM. 68» Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1S8Z. Expedition: SM. 68, �.indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. ISSI. Zm Uathslikentag. L „Als im Frühjahr der Sturm von Westen den Polizei- und Diplomatenstaat mit all' seinen stolzen Burgen und Wällen gleich Kartenhäusern über den Hausen warf, zugleich aber auch den ganzen Bestand der Gesellschaft bedrohte, da mußte es jedem einsichtsvollen Katholiken einleuchten, daß jetzt die Zeit gekommen sei. sich zu vereinigen und mit der- cinter Kraft zu handeln, daß er jetzt gelte, die neuerrungenen Freiheiten der Versammlung und Vereinigung, der freien Rede und Presse mit Entschlossenheit in die Hand zu nehmen und sich ihrer zugunsten der Religion und der Kirche zu be- dienen.". So beginnt die Einleitung zu dem Protokoll des ersten Katholikentages, der vom 3. bis zum 6. Oktober 1&18 in Mainz stattfand. Es klingt aus diesen Sätzen wie Genug- tuung, wie Schadenfreude über die Niederlage, die der Staat durch die siegreiche Revolution erlitten hatte. Und die Kirche hatte Grund zu dieser Genugtuung. Die Säkularisation am Anfange des Jahrhunderts, die der Kirche in Deutschland den Verlust von mehr als 1700 Ouadratmeilen weltlichen Besitzes mit 21 Millionen Einkünften gebracht hatte; das überhandnehmende Staatskirchentum mit seinen Schikanen und Ein- griffen in die religiöse Bewegungsfreiheit; die Zurücksetzung der katholischen Bevölkerung in Ländern mit evangelischer Mehr- heit; die vermeintliche Begünstigung des radikalen christentuins- feindlichen Zeitgeistes durch die Bureaukratie— alles das hatte dazu gedient, die Kirche mit großer Sorge um ihr Da- Jcin und ihre Zukunft zu erfüllen. Was wunder, wenn sie »en Umschwung der Dinge in den Märztagen begrüßte, ein- mal weil sie den Staat mit seinem Bureaukraten- und Polizei- regiment, unter dem sie so viel gelitten hatte, am Boden sah. dann weil sich ihr Gelegenheit bot, sich der ins Wanken ge- ratenen Gesellschaft als den Retter in der Not des Unisturzes anzupreisen und bei dieser Gelegenheit möglichst viel Rechte und Freiheiten für sich herauszuschlagen. Die Welt ist aus den Fugen— so hören wir es in den klerikalen Versammlungen und Blättern des Revolutionsjahrcs. Staat, Militär und Bureaukratie haben sich als machtlos er- wiesen, dem Verderben entgegenzuwirken, jetzt wird die Kirche ihre heilende, erziehende und erlösende Kraft beweisen, auf wirtschaftlichem, sozialem, politischem und sittlichem Gebiete. Zunächst galt es, dem Staat und der Gesellschaft die Macht der Kirche zu zeigen. Dazu war es erforderlich, die katholischen Massen zu organisieren, um den klerikalen Abgeordneten in den Parlamenten einen Rückhalt für ihre Tätigkeit zu geben und um weiter den Regierungen sagen zu können: Seht, soviel an politischer Energie haben wir hinter unS. Diese Massen voll Ordnungsliebe und guter Gesinnung stellen wir Euch zur Bekämpfung des Umsturzes zur Verfügung. Was gebt Ihr uns? Die Organisierung des katholischen Volkes durch die Kirche begann. Am 4. März schon beschwor der Mainzer.Katholik", das angesehenste bereits seit 1821 bestehende publizistische Organ dcS deutschen Klerikalismus, seine Gesinnungsgenossen, „in allen deutschen Gauen auf das schleunigste" überall Vereine zu bilden und dadurch die Rechte der Katholiken, das Recht der Kirche, der volkstümlichsten Institution der Welt, das Recht des Gewissens und der Gesinnung zu wahren". Mainz ging mit gutem Beispiel voran. Hier entstand am 12. März der Piusverein. und nach seinem Muster bildeten sich an zahlreichen Orten des katholischen Deutschland derartige Vereine, die sich ebenfalls PInsvcreine oder auch Vereine für religiöse Freiheit oder ähn- lich nannten. Fast überall waren es Geistliche, die die Gründung unternahmen und die Leitung in der Hand be- hielten. Bei dem Dombaufest in Köln(August 1818) kam eine Anzahl katholischer Abgeordneter übercin, baldigst eine gc- nicinsame Tagung der katholischen Vereine stattfinden zu lassen. Der PiuSvercin in Mainz wurde mit der Veranstaltung betraut, und so fand denn vom 3. bis zum 6. Oktober des genannten Jahres die G c n e r a l v e r s ck m m l u n g des katholischen Vereins Deutschlands, wie sich daS Ganze nannte, in Mainz statt. Später nannte sich das Unter- nehmen Generalversammlung der Katholiken Deutschlands oder mit dem kürzeren und geläufigeren Namen Katholikentag.„Die Katholiken Deutschlands — so heißt es in der Einleitung des Protokolls der Mainzer Tagung— stehen nun endlich als eine tvohlorgani- ficrte Einheit da.... Bisher waren wir zerstreut, ver- cinzclt, jeder in seinem Kreise von Widersprüchen umgeben, nüßkannt, angefeindet, beengt. Nun aber waren wir hier eins und einig; frei und freudig wie nicht seit Menschengedenken tagten wir in unserer eigenen Sache, ein geistiges Parlament des katholischen Volkes l" Der Verein, der von n»n cm alljährlich zu einer Tagung zusammentrat, wollte nicht politisch sein; er habe, so hieß cö, keinen Beruf, für irgend eine der Parteien in den Kampf zu treten oder sein LoS an das Schicksal dahinschwindender Institutionen zu knüpfen; er wolle in dieser chaotischen Zeit. wo alles trüge und breche, die Kräfte des Christentuins im Volke schirmen und pflegen; Führung und Leitung bei diesem Werke überla se er getrost dein Allerhöchsten. Gewiß,„unpolitisch" waren die ersten Katholikentage in- .sofern, als die Parteibildung damals noch im Fluß und eine klerikale Fraktion weder im Frankfurter Reichsparlamcnt, noch in den Einzellandtagen vorhanden war. Wie die einzelnen Katholikenvereine fast ausnahmslos geistlicher Leitung unter- standen, so überwog auch auf ihren jährlichen Tagungen der geistliche Einfluß, und es waren ja auch vorwiegend kirchliche Interessen, die hier erörtert wurden. Aber deshalb ist es doch verkehrt, die Katholikentage und auch die katholischen Vereine als unpolitisch zu bezeichnen. Das traf 1818 nicht zu, wo genug politische Fragen in den Vereinen, dem Gesamtverein und auf dessen jährlicher Tagung verhandelt wurden, und es trifft erst recht nicht zu von der Zeit ab, wo die Partei- bildung festere Form angenommen hatte und in den Parlamenten klerikale Fraktionen entstanden waren. Von da ab bestand derengsteZusamnienhang zwischenKatholikentagen und klerikalem Parteileben, so daß man später mit Recht die jährlichen Katholikenversammlungen als die Parteitage des Zentrums bezeichnet hat. An erster Stelle unter den Forderungen der katholischen Vereine stand die Freiheit des Glanbens und der Kirche. Im Anfang wurden, namentlich von Mainz aus, wo auch in dieser Frage ein radikaler Wind wehte, Stimmen laut, die nach der völligen Trennung von Staat und Kirche verlangten.„Nur das— so schrieb dazu der Mainzer „Katholik"— verbürgt der Kirche auch fernerhin das Ver- trauen des Volkes, daß sie ganz unabhängig vom Staate und allen und jeden politischen Parteien rein die ewigen Ideen des Christentums verficht." Und ein anderes, klerikales Mainzer Blatt bezeichnete die Trennung von Staat und Kirche als den„letzten Ausdruck alles dessen, wohin unsere Zeit in religiöserBe- zichung strebt und wohin sie zum Heile der Religion gelangen muß." Aber derartig weitgehende Pläne behagten den Bischöfen nicht. Kardinal Geisse! von Köln versammelte im Mai 1848 die Bischöfe von Trier, Paderborn und Münster um sich und gab der Frage die Formel: Unabhängigkeit der Kirche vom Staat. Die Versammlung des gesamten deutschen Episkopats. die im Oktober in Würzburg stattfand, erklärte sich ebenfalls gegen die Trennung von Staat und Kirche und forderte statt dessen,„für die Aus- und Durchführung ihrer göttlichen Sendung die v 0 l l st e Frei- heit und Selbständigkeit der Kirche." Diese Forderung hatte vor der Trennung von Staat und Kirche den Vorzug, daß sie der Kirche die öffentlich rechtliche Stellung, den Anspruch auf die Unterstützung und die Geldmittel des Staates ließ und andererseits ihre Rechte und Freiheiten er- wetterte. Die Bischöfe wußten, was diese Forderung für die Kirche wert war. und sie hatten denn auch die Genugtuung, in den meisten Staaten, Preußen voran, ihre Wünsche erfüllt zu sehen. Neben der Freiheit der Kirche stand unter den Forde- rungen des Klerikalismus als zweitwichsigste die Freiheit des Unterrichts. Es war das die Formel, in die man die Bestrebungen zur Herrschaft über die Schule kleidete. Grundsätzlich stand die Kirche auf dem Standpunkt, daß ihrer Aufsicht und Leitung das ganze Schul- Wesen mit Einschluß der Bildung, Prüfung und Anstellung der Lehrer unterworfen sein müsse. Weil das vorab nicht zu erreichen war, beschied sie sich mit der Freiheit des Unterrichts, d. h. sie beanspruchte für jeden Staatsbürger, wie allen Ge- meinden, Konfessionen und Korporationen die Befugnis, Schulen zu errichten und Unterricht zu erteilen; irgend ein Zwang zum Besuche gewisser Unterrichtsanstalten sollte nicht bestehen; jeder Familienvater hatte das Recht, seine Kinder der ihm passenden niederen und höheren Schule anzuver- trauen. Es ist klar, daß die Erfüllung dieser Forderung die Schule in den katholischen Gegenden vollständig der Kirche ausgc- liefert hatte. Sie hatte die Mittel und Kräfte, beliebig viel Privat- und Ordensschulcn zu errichten, und sie hatte weiter die Macht, die Eltern zu zwingen, ihre Kinder nur den unter kirchlichem Einfluß stehenden Schulen zu übergeben. Die öffentlichen Staats- und Gemeindeschnlen wären, wenigstens auf dem Lande und in den kleineren Orten, gegen die kirch- lichen Schulen gar nicht aufgekommen, und gründlicher noch, als wenn sie sick mit dem Staat in die Aufsicht über das Schulwesen geteilt hätte, wäre die Kirche zur völligen Herr- schast über die VolkSerzichung gekommen. Sie liiaroftlioaffäre. Es geht etwas vor! Natürlich weiß kein Mensch waS, aber nach den Berichten der bürgerlichen Preise stehen wir vor einem entscheidenden Wende- punkte in der Marokkoaffäre. Gestern abend setzte freilich die „National-Zcitung" noch die Aalarmnachricht in die Welt, daß die Verhandlungen auf eine„sehr bedauerliche Stockung" geraten seien, es wurde sogar von dem eventuellen Rücktritt dcö Herrn Kiderlen-Wächter gefabelt. Darob unruhiges Rauschen in dem großen internationalen Vlätterwalde. Die Gemüter haben sich aber heute im Laufe des Tages wieder beruhigt. Das offiziöse Wolffsche Telegraphenburcau brachte nämlich folgende Meldung: Berlin, 4. August. In den Unterredungen zwischen dem französischen Botschafter Cambon und dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes v. K i d e r l e n- W ä ch t e r hat eine Annäherung über den prinzipiellen Standpunkt stattgefunden. Die Ausarbeitung im einzelnen erfordert jedoch eine eingehende Prüfung, mit der zurzeit die zuständigen Reichsressorts befaßt sind. Das Er« gebnis wird dann durch den Reichskanzler dem Kaiser zu unter« breiten sein. Außerdem weiß das„Berliner Tageblatt" zu melden! Der Reichskanzler v. Bethmann Hollweg trifft heute obenö von Hohenfinow in Berlin ein. Morgen früh wird der Kaiser, der, engegen dem bisherigen Programm, heute abend Wilhelms« höhe verläßt, hier eintreffen und mit dem Reichskanzler v. Beth- mann Hollweg und dem Staatssekretär des Aeußeren kon- ferieren. Es wird ein offizielles Communigue vorbereitet, das vermutlich noch heute im Laufe des TageS erscheinen und folgendes besagen wird: eine prinzipielle Annäherung des deutschen Standpunktes und des französischen Standpunktes in der Marokkofrage hat stattgefunden, so daß eine Perständi- gung erhofft werden kann. Die Beratung über die Einzelheiten des Abkommens dürften noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Zum Ueberfluß verabreicht auch die„Kölnische Zeitung", jeden« falls in höherem Auftrage, folgende Beruhigungspille aus Berlin: „Neuerdings mehren sich die Kundgebnngen der verschiedensten Art, die Stellung zu den deutsch-sianzösischen Unterhandlungen nehmen. Um ihre Berechtigung nach der einen oder anderen Richtung prüfen oder beurteilen zu wollen, muß man doch, wie hier betont wird, darauf hinweisen, daß sie sich nur auf Ver« mntungen und Gerüchte stützen. Bei der nun einmal von deutscher Seite beschlossenen und streng durchgeführten Geheimhaltung wird man ein Urteil erst fällen können, wenn das endgültige Ergebnis veröffentlicht sein wird. Dieses Abwarten ist allerdings höchst unbequem, aber die deutschen Interessen laufen doch nicht Gefahr dabei. Denn die diplomatischen Abmachungen sind, im besonderen wenn es sich um den Austausch kolonialer Gebiete handeln sollte, an sich noch nicht rechtskräftig, sondern unterliegen der Genehmigung des Reichstages. In der Volksvertretung können dann die ver» schiedencn Auffassungen Vertreter finden. ES läßt sich nicht leugnen, daß die jetzige Art der Erörterung in der'Presse im Aus« lande den Eindruck der Nervosität macht und dadurch der deutschen Diplomatie Schwierigkeitea bereiten kann, die besser vermieden werden." Wie blusiger Hohn klingt in diesem BeschwichtigungSgestamniel der Hinweis auf den Reichstag. Der deutschen Volksvertretung wird allergnädigst gestattet, sich mit den Dingen zu befassen, wenn daS Schachergeschäft erledigt ist. Vorher fragt die Regierung den Teufel nach dem Reichstage. Im Gegenteil, man schickt ihn erst nach Hause. um bei der Anzettelung internationaler Konflikte ganz freie Hand zu haben. Als mildernder Umstand kommt für die Regierung frei» lich in Betracht, daß die bürgerliche Mehrheit des Reichstags, nach- dem sie stets in allen Fragen der auswärtigen Politik und des persönlichen Regiments jämmerlich zu Kreuze gekrochen ist, behandelt werden kann wie ein Hund, dem man„Kusch" zuruft. Ihre Wirkung versagen die offiziösen Beschwichtigungsmanöver bei einigen alldeutschen Kriegshetzern. So muß in der Redaktion der„Post" infolge der Hitze eine gefährliche Kombination von Tobsucht und Tropenkoller aufgetreten sein. Die Wut über das Schwinden der Kriegshoffnungen macht sich in dem Blatte des seligen Stumm in einem Leitartikel Luft, der unmöglich einem normal funktionierenden Gehirn entsprungen sein kann. Daß die Agadiraffäre mit einem neuen Olmütz verglichen wird, ist noch das gelindeste an diesem Wutgebelser. Eine kleine Probe der Postdelirien sei hier mitgeteilt: „Ist da» alte Preußentum zugnmde gegangen, sind wir ein Geschlecht von Weibern geworden, regiert von den Interessen einiger rassefrcmder Händler, die auch dann noch ihr Schäfchen ins Trockne bringen werden, wenn es den produktiven Ständen de» Reiche« noch so schlecht geht, ist bei uns jede» Gefühl für nationale Ehre, jede große politische Verantwortlichkeit, jeder weite Blick gestorben, sind wir nichts mehr als ein Spott für das Aus» lond? Was ist mit den Hohenzollern geschehen, auS denen einst ein Großer Kurfürst, ein Friedrich Wilhelm I.. ein Friedrich der Große, ein Kaiser Wilhelm I. hervorgegangen ist. Der Kaiser soll die stärkste Stütze der englischen und französischen Politik sein, eine Stütze, viel stärker als fünfzig französische Divisionen? Er soll die Hoffuung Frankreichs sein? Noch vermögen wir es nicht, wollen wir cS nicht glauben. Noch wollen wir es nicht glauben, was die französischen und englischen Zeitungen schon seit Wowen erzählen. Wartet nur ab, bis Euer Kaiser znrückkonmit, dann wird zum Rückzug geblasen, dann wird Deutschland nachgeben.... Brandenburg starb am gebrochenen Herzen. Wir� trösten uns mit ästhetischen Teckränzchen, Diners. Souper«. Reise», Besichtigungen. Feiern aller möglichen Art über die Schmach dcS Vaterlandes. Und ernten damit billiges Lob des Auslandes, hinter dem die Verachtung steht I" DaS mag genügen. Achnlich, wenn auch nicht ganz so toll treibt cS die„N h ei n i sch« W e st fälis ch e Zeitung", die gleichfalls ihre KricgSfelle fortschwimmen sieht. Sie bnlgariiche Fartelbewcgung. Man schreibt unS aus Sofia vom 1a.(28.) Juli: Vom 10.(23.) bis 14.(27.) d. M. wurde der Kongreß der ge- einigten sozialdemokratischen Partei Bulgariens abgehalten. Dem Jahresbericht ist zu entnehmen, daß die Mitglicdcrzahl von 242a im Vorjahre auf 3123 in 6ö Parteiorganisationen und 34 Partei- gruppcn gewachsen ist. Die Wahlen für die Große Nationalver. sammlung im vorigen Monat, die die Verfassung des Landes ab- geändert hat. haben den wesentlich erstarkten Einfluß der Partei auf die Arbeitcrmafic in Stadt und Land an den Tag gelegt. Den offiziellen Mitteilungen zufolge hat die Partei rund 23 000 Stimmen bekommen und fünf Kandidaten in zwei Wahlkreisen durchgcbracht. Zwar sind unsere Genossen im Wahlbündnis mit den Kandidaten des Vauernbundcs gewählt worden, aber, mit Aus« schluß von drei Wahlkreisen, ist überall sonst die Partei selbständig vorgszange?. Unsere AgikaZoren �a?cn die sozialdemokratischen Forderungen in dem Wahlkampf stark betont und sind besonders energisch für die demokratische Republik eingetreten. Diese Losung wurde auch infolge unserer Agitation in den Arbeitermasscn so populär, daß die Radikaldemokraten und die BauernbunMer in der Großen Nationalbersammlung selbst für die republikanische Staatsform eintreten mußten. Das ist einer aus den Reihen der sogenannten engherzigen Sozialisten herausgehenden in Nr. 160 vom 12. Juli des„Vorwärts" veröffentlichten Korrespondenz aus Sofia entgegenzuhalten. Die Engherzigen haben anfänglich die Zahl ihrer Wahlstimmen auf 13 000 angegeben, haben aber nachher selber diese Ziffer reduzieren müssen, bis sie in den offiziellen Mitteilungen auf 11 000 gefallen ist. Der einzige engherzige Ver- treter ist in einem Dorfwahlkreis auf Grund einer demagogischen Propaganda, in der kein Wort weder über Sozialismus, noch über Republik enthalten ist, mit den Stimmen sogar einiger Partisanen der Regierungspartei gewählt worden. Dagegen sind die LS 000 Stimmen für die Kandidaten der geeinigten Partei im Namen des Sozialismus und der demokratischen Republik abgegeben worden. Der engherzige Abgeordnete Vlaskowsky ist ein junger Mann mit sehr kärglicher sozialistischer Bildung, der mit seinen Entgleisungen seine Fraktionsgruppe in der Kammer kompromittiert hat. Dagegen haben die Vertreter der geeinigten Partei den Protest der Arbeiter- massen gegen die reaktionären Veränderungen der Verfassung nach- drücklich zum Ausdruck gebracht. Was das Wahlbündnis betrifft, so stellt es für die Partei kein taktisches Shstem dar, sie war aber dazu infolge ihrer Ausnahme- ftellung durch unser ungünstiges Wahlsystem gezwungen. Avar haben wir ein allgemeines Wahlrecht nach dem majoritären System, aber dank unserer Parteizersplitterung hatten wir vorläufig noch keine Aussicht, in irgendeinem Wahlkreis selbständig die absolute Majorität der Stimmen zu bekommen. Bei unserem ungerechten Wahlsystem stimmt die Mehrheit des Volkes oppositionell, gegen die Regierung, wird aber regierungstreu vertreten. Mit unseren L3 000 Stimmen hätten wir nach dem Proporz ein Anrecht auf 17 Mandate. Ohne Wahlbündnis hätten wir gar keins erhalten. Die Partei hat indessen einen großen Wert darauf gelegt, in der Verfassuitgskammer wenigstens durch ihren ersten Wortführer vertreten zu werden. Also wir haben das Wahlbündnis nur als «ein technisches Mittel betrachtet, unsere parlamentarische Stärke wenigstens teilweise zu wahren und zum Ausdruck bringen zu lassen. Es ist auch in diesem Abkommen, das übrigens erst in den letzten Tagen der Wahlkampagne zustande gebracht wurde, ausdrück- lich vereinbart worden, daß beide Parteien volle Kampfcsfreiheit einander gegenüber bewahren. Unsere Partei ließ ihre sozialistisch« Sonderkritik gegen die Grundlage der bürgerlichen Gesellschaft keineswegs einschränken. Das ist eher bei den Engherzigen ge- ffchehen, was gerade durch die Wahl ihres Genossen VlaSkowsky bestätigt ist. Aber besonders erfreulich war bei den Wahlen der Erfolg der geeinigten Partei in der Hauptstadt Sofia, der einzigen modernen Stadt des Landes nach westeuropäischem Muster, wo die Partei «üt ihren 1500 Stimmen als die stärkste Gruppe hervorgetreten ist.(Die Koalition beider Regierungsparteien hat die Wahl nur «üt rund 1800 Stimmen in dem 1. Wahlkreis der Stadt gewonnen.) Der Kongreß der geeinigten Partei hat in leidenschaftlichen Debatten die Frage der Wahltaktik verhandelt. Es haben sich zwei starke Strömungen gegeneinander gestellt. Die ehemaligen Eng- herzigen, die seitdem von ihrer Partei abgeschwenkt sind und sich imit den„Weitherzigen"«inigten, haben darauf bestanden, daß der Kongreß aus taktischen Gründen der Partei jedes Wahlbündnis verbietet. Man befürchtet, daß ein solcher Vorgang den Einfluß der Partei unter den Staatsarbeitern lahmlege und die Einigung «nit der engherzigen sozialistischen Fraktion, die den Kompromissen vbhold ist, verhindere. Die Mjehrheit des Parteitages hat jedoch einen Beschluß angenommen, worin der selbständige Klassen- «harakter der Partei und das selbständige Borgehen in dem bevor- stehenden Wahlkampf für die gesetzgebende Kammer bewnt wird; aber es wird dem Parteivorstande gestattet, angesichts der Not- wendigkejt für die Arbeiterschaft, gemäß ihrer Organisationsstärke im Parlament vertreten zu werden, nötiizrnfalls als Ausnahme Wahlbündnisse mit der radikalen Opposition einzugehen. Damit ist in der Praxis nur ein Wahlabkommen mit dem Bauernbund in einem oder zwei Wahlkreisen gemeint. Die Engherzigen bezeich- neu diese letztere Organisation schlechthin als eine reaktionäre Masse, wie sie diese Qualifikation jeder außer ihrer Partei stehen- den Gruppe anhängen, sogar der Fraktion der geeinigten Sozia- listen. Nun geben sich die letzteren keiner Illusion über den Eharakter der auf dem Boden der bürgerlichen Gesellschaft stehen- den Richtungen hin; es muß aber vom Bauernbunb gesagt werden. daß es sich um eine Berufsbowegung der schtvankenden demokrati-» scheu Masse der unaufgeklärten Landarbeiter und Kleinbauern ih«nd»lt. Der Jahresbericht der geeinigten Partei weist auf eine be- dauerliche Lücke tu der Finanzlage der Partei hin, deren Budget Mit einem Defizit von 6000 Frank abgeschlossen ist. Zum Teil ist auch die ÄUstreiigung der Partei bei de» Wahlen daran schuld, zum anderen Teil Mag aber die Obstruktion der Minderheit der Partei gegen die Zentralleitung verantwortlich sein. Der Kongreß hat eine Reihe von Maßregeln für die finanzielle Stärkung der Organisa» tiou in Aussicht genommen. Tie vorige Wöche hat in Philippopel auch der Kongreß der Engherzigen getagt. Die Partei zählt Nach dem Jahresbericht 2510 Mitglieder und erfreut sich einer gefestigten Finanzlage, wobei aber der größte Teil der Einkünfte aus EesclligkeitsveranstaltuNgen kommt. Die Partei ist innerlich dies geschlossener als die geeinigte Partei, jedoch bleibt auch sie von heftigen inneren Fehden nicht frei, wie ein Zwischenfall während der Kongreßverhandlungen ge- zeigt hat. Als Kolaroff den Ruf ausgegeben haben soll, die Partei müsse auch in die Dörfer ziehen, soll sich Blagosf mit heftigen per- zönlichcn Angriffen demselben widersetzt haben. Assen Zankoff. politische deberlickt. Berlin, den 4. August 1911. Schwerindustrie und Agrariertum. Wir haben schon wiederholt betont, daß die Versicherung deö Zentralverbandes deutscher Industrieller, er werde niemals seine Zustimmung zur Erhöhung der LebcnSmittelzölle geben. ganz wertlos ist; denn der Zentralverband wünscht dringend die Cr- höhung verschiedener Zölle für Siahlfabrikate, und diese Er- höhungen werden ihm niemals von den konservativen»nd zcntrmnsparteilichen Agrariern zugestanden werden, wenn er ihnen nicht als Entschädigung eiue Erhöhung und Erweiterung der Agrarzölle zubilligt. Dieselbe Anficht spricht die„Deutsche Jndustrie-Korrespondenz' als Bertreterin der sogen. Weiterverarbeitungs- und Feriigiirdustrie aus. Sie wirft die Frage auf, mit welchen Verheißungen die Schwerindustrie gerechnet habe, als sie sich vom Hansabund loslöste und mit dem Bunde der Landwirts zu liebäugeln Legan«. Die Antwort lautet: „Die Vorteile, die man zunächst erwartet, sollen angeblich auf dem Gebiete der Zoll- und Handelspolitik liegen. Man spricht von einer gewissen Interessengemeinschaft. Die konservative Partei soll mit dem Bund der Landwirte bereit sein, in der Zoll- und Handel?« Politik mit der schweren Industrie gemeinsame Sache zu machen. Nun, das wäre also eine realpolitische Leistung auf Gegenseitigkeit. Es fragt sich nur, wer bei dieser Rechnung im Vor- teil sein wird und welche Folgen sich ergeben werden. Wir können begreifen, daß die führenden Männer der Industrie im Westen einem Druck nach links widerstehen; nicht zu verstehen wäre aber, wenn sie sich über die wahren Absichten der konservaliv-agrarischen Annäherilngsversuche täuschen sollten. Was bezweckt die konservative Partei? Sie denkt gewiß nicht nur an eine Verständigung über eine Reihe von Zoll- fragen. Was sie offenbar will, ist die B e f e st i g n n'g und Stärkung ihrerAgrarpolitik. In der Begründung zu den letzten Handelsverträgen wurde ausdrücklich gesagt, daß dem Interesse der Landwirtschaft der Vorrang eingeräumt worden sei. Kein Zweifel — diese Bevorrechtigung will man nicht nur aufs neue bestätigt sehen: sie soll noch fester und unantastbarer als Wahr- und Merkzeichen der Wirtschaftspolitik des Deutschen Reiche? aufgerichtet werden. In diesem Zeichen will man siegen, und die schwere Industrie soll helfen, dieses Ziel zu erreichen. Um sie zu gewinnen, gebrauchte man ein sehr einfaches Mittel, Man tat so, als sei mit einem Abbruch der Schutz- zollpolitik zu rechnen, und da ein Teil der sebr weit link? stehenden Presse dem Haiisabund diese Abbruchspolitik täglich empfahl, war es leicht, ihn selbst als Träger einer schutzzollfeindlichen Bewegung hin- zustellen. Mochten sich seine Führer dagegen verwahren oder nicht— der Plan gelang. Dennoch ist eS sonderbar genug, daß dieses Mittel verfangen konnte. Die Regierung denkt nicht daran, die jetzige Wirt- schaftspolitik aufzugeben. Und der Reichstag? Wie soll eine frei- händlerische Mehrheit im Reichstage zustande kommen? Das Zentrum, das sicherlich wieder mit 100 Mann einrücken wird, ist zwar unbe- rechenbar; aber der landwirtschaftliche Einschlagt st viel zu stark, als daß dieser Partei die Neigung zu einem Abbruch der Schutzzollpolitik ankommen könnte. Die nationalliberale Partei hat durch'ihre Führer bei jeder Gelegenheit den Willen bekundet, für das gegenwärtige Shstem einzutreten. Wenn man Dr. Strcsemann als verkappten Freihändler verdächtigte, so waren dies Klopffechterkniffe, über die kaum noch ein Wort verlohnt. Nein, es ist schon so: die Industriellen, die sich in den Bannkreis konservativer Wirtschaftspolitik hineinziehen lassen, sind in einer Täuschung befangen. Sie denken an die Möglichkeit, in der Schutzzollpolitik gewisse Forderungen durchzusetzen: was sie selbst nicht wollen, nicht wollen können, die Stabilisierung der ein- seifigen Agrarpolitik der preußisch-konservativen Machthaberschaft— das ist das dicke Ende, das nachkommt." Das Zentrum in den Rcichslanden. Der am Donnerstag in Straßburg versammelte Delegierten- tag der elsaß-lothringischen Zentrumspartei befaßte sich eingehend mit dem Verhältnis zu dem neu gegründeten Nationalbund. ES wurde beschlossen, daß die Partei ihre volle Selbständigkeit und Unabhängigkeit gegenüber allen Parteien bewahren solle. Die Eni- scheidungZ der Frage, ob ein Zentrumskandidat dem Nationalen Bund angehören darf, soll von den Kreisorganisationen getroffen werden. Die Zugehörigkeit zum Nationalen Bund wird jedoch nur gestattet, wenn der Kandidat erklärt, daß er im Falle seiner Wahl Mitglied des Zentrums bleibt und wenn er sich verpflichtet, daß er im Landtage der ZentrumSfrakfion unter Ausschluß deS Beitritts zu jeder anderen FrakfionSbildung beitritt. Diese Beschlüsse bekräftigen aufs neue die Tatsache, daß der Nationale Bund lediglich dazu dienen soll, unsichere Mandate für das Zentrum zu erobern. Uebergeschnappt? Seitfieitt Hestr Ditkokski, qetcuift Warden, einmal einige hochgeborene Päderasten zur Strecke gebracht hat und dafür beinahe vier Monate ins Gefängnis spaziert wäre, hätte er sich nicht noch zu guter Letzt aufs Leugnen verlegt und durch leidenschaftliche Beteuerungen seine Harmlosigkeit versichert — kurz, seit seinem so heroisch begonnenen und so über die Maßen kläglich beendeten Feldzug gegen die Eulenburgerei fühlt sich Herr Witkotbski-Harden als mentor gerraaniae, als gotterwählten Hüter teutscher Ehre. Dieser Größenwahn hat unter der Einwirkung der abnormen Hundstagshitze den Charakter der Gemeiugefährlichkeit angenommen. Mit Herrn Ripler und anderen alldeutschen Narren um die Wette schreit dieser Nasse-Deutsche uach einem Kriege, der einzig die bedrohte oder gar schon beschmutzte deutsche Ehre reinwaschen könne. Im letzten Heft der„Zukunft" läßt er einen Kanzler, wie er sein sollte(„von rechtem Wesensmaß" heißt es im Hardenschen Jargon), folgende donnernde Moral- und Hetz- pauke an Wilhelm II. halten:.„„. „Der Inhaber allerhöchster Kommandogetvalt hat befohlen, ein Kriegsschiff Nach Agadir zu schicken. TaS sollte(und konnte nur) heißen: Deutschland ist fest entschlossen, den RechtSan- spruch, der ihw mit der Zuime bestritten wird, itz i t d em Schwert zu erfechten. So istS ringsum verstanden worden; nirgendwo anders. Geben wir dein Schritt, vcsseN mögliche Folgen uns doch leicht erkennbar waren, jetzt eine Jjarnuoie Deutung, so schwindet her letzte Schimmer altcir Respektes und wir dürfen über die dreisteste Zumutung fortan nicht mehr staufic». Die Verantworwng eines dein Reich nützlichen Tuns öder Unter- laffens werde ich, mag blinde Volks Wut noch so laut heulen, niemals scheuem Jeder Rückzug. der jetzt beschlossen imirdc, brächte dem Reich Ungeheuren Schaden: uNd kein Treu- gesühl könnte mich zwingen, ihn mit meiner Verantwortlichkeit zu decken. Wollen Sie Nicht lieber SlS Heißsporn uns Eisenfresser verschrien als den schüchternen Dtänntei» zugezählt werden, die bei de in Gedanken a» blutiges Würfel spiel unter dem Stahlpanzer schlottern? Wie Krün- kung klingt schon die Frage. Ich durfte sie stellen, weil ich der Antwort gewiß bin. Weil ich weiß, daß mein König und Kaiser in einer vor dem internationalen Ehrengerichtöhof anl�ngigen Sache nicht schwachgemut werden kann. Wenn ein Kaiser so unkriegerisch wäre, daß ihm auch der Versuch einer Denmtignng nicht die Hand ans Schwert zwänge, würde dos deutsche Volk, noch in Ungewittcrn, selbst sich sein Schicksal schmieden. Und der hitzigste Monarchist müßte sich solchen Entschlusses freuen." Wenn jemand diesem tollhäuslcriscbcn.Erguß etwa die Absicht unterstellen wollte, Herr Horden habe unter der Geste des Mordspatriotismus nur etliche Sottisen gegen Wilhelm II. zu Markte bringen wollen, so würde dieser Edelschmock vor sittlicher Entrüstung erplodieren! Wir müssen dem Geschwafel also schon d i e Absicht zuschreiben, Wilhelm II.„dieHandansSchwcrtzuzwinge n", Deutschland in den a b e r w i tz i g st e n und f r i v o l st e n allerKriegezustürzen! Und so ungeheuerliche Aurrcizilngen stößt das Männlein, das drohender vier Monate Gefängnis wegen so heldenhaft geknifsen ist, so seelenruhig aus, als kolportiere er seiner Gc- wohnheit gemäß irgendwelchen pikanten Lakaienklatsch! Oder verkennen wir vielleicht nur die wirkliche Absicht Hördens� Hat er am Ende nur durch seinen Appell an die „nationale Ehre" die alldeutschen Schreier und die Kriegs- lieferungöspekulanten vollends koinproinittierm und lächerlich machen Köllen? Herr Här5en hKke banst all? sebest die Rolle des Uebergeschnappten geradezu täuschend gespielt. Reichsmarineamt und Techniker. Mit dem Konflikt zwiscken dem Reichsmarineamt und den von ihm beschäftigten Technikern befaßten sich zwei Versammlungen des Deutschen Technikerverbandes in Wilhelmshaven und Kiel, die auÄ aus den Kreisen der Bürgerschaft zahlreich besucht waren. In Kiel referierte Schuber t-Bcrlin und führte aus. daß der Staatssekretär seinen Standpunkt unter dem Drucke der Organisation tvcrde ändern müssen. Die Verträge und die Behandlung der Tech- niker seien einer Reichsanstalt unwürdig und insofern staatsgefähr- lich, als an einer solchen Stelle so wenig wie möglich Unzufrieden- heit bestehen dürfe. Der Konflikt habe sich verschärft, da ein groß.: Teil der Angestellten ausgesperrt worden sei. Es liege nun die Gefahr nahe, daß das Ausland unsere Techniker im Gehalt über- biete zum Schaden des Reiches.— In beiden Versammlungen wur- den Resolutionen angenommen, in denen die Techniker von den Kollegen und der Bürgerschaft aufgefordert werden, im Kampfe auszuharren. Wie verlautet, soll das Reichsmarineamt jetzt geneigt sein, nachzugeben. Die Mittel, mit denen der Deutsche Technikervcrband seine ausgesperrten Mitglieder unterstützen wird, sind aus seinen Kreisen in den letzten Tagen sehr zahlreich geflossen; es ist anzu- nehmen, daß dies« Opferwilligkeit und die Geschlossenheit der Oc- ganisa.ti.on das Reichsmarineamt zum Nachgeben genötigt hat. Christlicher Anstand. Der bekannte Pfarrer Traub-Dortmund ist fortschrittlicher Reichstagskandidat im Wahlkreise Hamm-Soest. In einer seiner Reden hatte Herr Truub in bezug aus die Führer der christlichen Gewerkschaften durchaus zu Recht behauptet, daß diese bewußt oder unbewußt Trabanten des Zentrums seien. Diese Ausführungen Traubs hatten vier evangelische Gewerkschaftssekretäre(Angestellte der christlichen Gewerkschaften) auf den Plan gerufen, die in einer öffentlichen Erklärung Herrn Traub aufforderten,„seine Verleumdungen der christlichen Gewerkschaften" mit Beweisen zu belegen. Die Fortschrittliche Volkspartei berief deshalb eine öffentliche Versammlung nach Hamm i. W., in der Pfarrer Traub seine Aus- führungen über die christlichen Gewerkschaften und ihre Führer vertreten sollte. Die Versammlung, die vorgestern abend stattfand. war von über 1000 Pevsonen besucht. Ein großer Teil der Besucher gehörte den christlichen Gewerkschaften an. Die Christen hatten etwa ein Dutzend ihrer Sekretäre entsandt. In der Versammlung kam es während der Ausführungen Traubs und in der Debatte zu den ungeheuerlichsten Szenen, die mehrmals die Fortführung der Versammlung in Frage stellten. Bei jeder Kritik des Zentrums und der christlichen Gewerkschaften setzte ein wohlvorbereitetes Brüllen der„Christen" ein, das sich immer erst nach Minuten wieder legte. Damit uns aber nicht der Vorwurf tendenziöser Berichterstattung gemacht werden kann, seien hier einige Sätze ckuS dem Bericht eines Dortmunder bürgerlichen Blattes über den Vcr- lauf der Versammlung zitiert. In dev Einleitung des Veriwts heißt es:„Die Versammlung war von annähernd 1200 Personen besucht, zu einem Drittel von Mitgliedern der christlichen Gewcrl- schaften, die den Mangel an Interesse an einer sachlichen Erörtc- rung deS Themas durch Brüllen und Schreien zu ersetzen suchten. Minutenlang fetzten turbulente Szenen ein, die gewissermaßen ans Kommando der Oberführer hervorgerufen wurden und ein wenig erfreuliches Schlaglicht auf den christlichen Charakter der Ruhe- störer warfen." Der Sekretär Ufer stellte fest, doß auf das Winken gewisser Personen das Brüllen einsetze. Der Sekreiär Gräting, der mit den christlichen Gewerksckiaften sckiarf ins Eekicvi ging, wurde nach dem Bericht durch Brüllen am Wciterreden verhindert. Den gegnerischen Rednern riefen die„Christen" fortgesetzt„Ver- leumder" und dergleichen Worte zu. Niemand, der etlvas gegen das Zentrum und die christlichen Gewerkschaften sagte, konnte un- gestört sprechen. Daß auch jede? Wort der Kritik an dem Verhalten der ZentrumSpartei den Unwillen der christlichen Gewerkschaftler auslöste, ist besonders charakteristisch und bestätigt ganz besonders den engen Konnex, der zwischen beiden besteht und den zu wider- legen sich mehr al» ein halbes Dutzend christlicher Sekretäre ver- yebeNs abmühten. Zum Schluß der Versammlung gebcrdetdn sich die„Christen" wie die Tollhäusler. Tie Versammlung wurde unter allgemeinem Tumult und fürchterlichem Gebrüll der „Christen" geschlossen. Das Benehmen der„Christen" und ihtcr iführer ist uM so bezeichnender, als auch der politische Gegner dem Pfarrer Traub das Prädikat eines vornehmen Charakters nich: vorenthalte» kann.— Dieselben Leute aber, die sich in Hamm wie RowdicS geberdcten, Wersen sich tagtäglich als Lehret guter Sitten auf. Und tvir möchten nicht die Moralpauken hören, die diese Herr- schaften halten würden, wenn sozialdemokratische Arbeiter sich den zehnten Teil dieser Stoheiten erlaubt hätten. Schöne Aussichten für„Germania"-Redakteure. Die ottsllngferliche klerikale„Germania", die sich so häufig den Anschein gibt, als sei sie eine Meisterin auf dem Gebiete latho- ltscher Theologie, Hot wieder einen allerliebste» Neinfall erlebt. Ein elsässtscheS Zentrnmsblatt brachte kürzlich eine Berechnung darüber. wie lauge die Seele eines normalen Katholiken im Fegefeuer braten MUß. Der fromme Verfasser rechnete aus. daß ein erwachsener Normalkatholit im Jahre ungefähr 3000 Sünden begeht, in zivaiizlg Jahren also 60 000 kleinere und größere Sunden. Rund die Hälfte dagoir, so hieß es in dem Artikel, könne ein tllgeudhaster Mensch wohl durch Gebet und gute Werke im gleichen Zeitraum wieder austilge». Nehmen wir nun au— so kalkuliert« der geistliche MathematiknS— der Mensch gehe mit einer Lost von 30 000 Sünden ins Fegefeuer ein und die arme Seele habe, gelinde gerechnet, pro Sünde eine Stunde zu brennen, so ergäbe das eine gesamte Brenndauer von drei Jahren, drei Monaten und fünfzehn Tagen. Diese schöne Berechnung der Seclenschmorzeit erregte seltsamer- weise den Abscheu der sonst für alle religiösen Albernheiten ein- genommenen.Germania'. DaS elsäsfische Zentrumsblal», das „Journal d'Llsace", hatte als Urheber jener Berechnung„einen Jesuitenpater' genannt. Die.Germania' aber wollte das nicht wahr haben, und sie schrieb voller Empörung: „Da der Verfasser diese? Blödsinns nicht genannt ist, erkundigte sich die ZentralauskunftSstelle der katholischen Presse bei dem „Journal d Aliace' und erhielt die Antwort: die Notiz entstamme der Pariser„Preise Nsjoci�.'. Dieses Bureau wird aber ebenso wenig wie das„Journal d'Alsace-Lorraine' in der Lage sein, einen Jesuiten zu.nennen, der einen derartigen Unsinn zu- sammengeschrieben hätte, und hätte eS ein Geistlicher getan, so Ware seine BerechilUiig nicht in die Oeffentlichkeit gekommen, denn die Ordensoberen und kirchlichen Behörden hätten die Veröffentlichung verhindert.' Doch das Unglück schreitet schnell. Denn die Berechnung«ut- stammt, wie der.ReichSbote' feststellt, der Schrift deS Jesuiten» paterS Fr. Zc. Schouppe:„Die Lehre vom Fcgfeucr beleuchtet durch Tatsachen und Privatoffenbarungen'. Die Schrift aber ist „mit fürstbischöflicher Approbation" in deutscher Uebertragung aus dem Französische»(von Pfarrer G. Pletl) im Jahre ISSS in Srixen im Verlage von A. WegerZ Buchhandlung erschienen. Die finnreiche Berechnung über die Mndestbrand- dauer einer armen Seele im Fegefeuer befindet sich auf Seite 31 und 82. Was aber der Fürstbischof von Brixen approbiert hat, wird doch das Leibblatt des Fürstbischofs von Breslau nicht verdammen dürfen! Begreiflich ist allerdings, daß die«Germania" sich über die lange Dauer der Seelenbraterei entsetzt; denn wenn schon die Seele eine? gewöhnlichen Menschen so lange in der Pein des Fege- feuers ausharren muh, wie lange mag dann erst eine Redakteur- seele der„Germania' im Fegefeuer ausharren müssen, bis sie ent- lassen wird. In Anbetracht der bekannten Lügenhaftigkeit dieses Blattes kommen doch sicherlich auf jeden ihrer Redakteure mindestens 30 bis 40 Sünden täglich, vielleicht auch noch mehr. Schöne Aus- sichten._ Die militärische Demonstration in der Kirche. Pfarrer Kraatz, bei dessen Predigt in der Luisenkirche in Charlottenburg die Soldaten aus Befehl ihrer Ossiziere sich ostentativ entserntsn, hat das Konsistorium gebeten, die Namen der Offiziere festzustellen, damit Strafanzeige erstattet werden könne. Der Pfarrer erhielt nunmehr vom Konsistorium folgenden Bescheid: „Nach der besonderen Lage des Falles sind unseres Erachtcns in dem Verhalten der Offiziere, die an dem Hauptgottesdienste in der Luisenkirche zu Charlottenburg am 23. Juli d. I. dienst- lich teilgenommen und die Kirche vor Schluß des Gottesdienstes mit ihren Mannschaften verlassen haben, die TatbestandSmerk- male des 8 167 R. St. G. B. nicht zu finden.(Vergl. Urteil des Reichsgerichts, III. Strafsenat, vom 26. Mai 1882. Recht- sprechung des Reichsgerichts in Strafsachen, herausgegeben von den Mitgliedern der Reichsanwaltschaft, Band 4, Seite 436.) Wir lehnen deshalb ab, unsererseits mit der Militärbehörde wegen Feststellung der Namen der betreffenden Offiziere in Verbindung zu treten und gegen dieselben Anträge zu stellen. Gez. Zitelma nn." ' Uns sind Fälle bekannt, wo Sozialdemokraten wegen Reli- gionsvergehens bestraft worden sind, weil sie bei einer Leichenfeier, während der Geistliche da? Gebet sprach, den Hut nicht abnahmen. Hier stellt sich dagegen das Konsistorium auf den Standpunkt, daß in dem demonstrativen Verlassen der Kirche während der Predigt eine Störung einer gottesdienstlichen Handlung nicht zu erblicken ist. Was dem Militär recht ist, muh natürlich jedem anderen Sterb- liehen billig sein. Die' logische Konsequenz des Konsiswrial-Ent- scheides kann nur die sein, daß jeder Teilnehmer an einer gottes- dienstlichen Handlung den Schauplatz ostentativ verlassen darf, sobald er mit einer Redewendung des Geist- lichen nicht einverstanden ist. Wenn sonach künftig ein Geistlicher, sei es auf der Kanzel oder am Grabe, die Arbeiterbewe- gung beschimpft, dann haben nach der Ansicht des Konsistoriums Teilnehmer, die sich verletzt fühlen, das Recht, sich sofort zu ent- fernen...._ Die Ruhr unter de« Soldaten. Wegen Ausbruchs der Ruhr hat die Räumung des rheinischen Truppenübungsplatzes E l s e n b o r» bei Mulniedh verfügt werden müssen. Im Lager von D ö b e r i tz, wo gleichfalls Ruhrerkran- kungen in den letzten Wochen ausgebrochen sind, ist von einer Räu- mung des Platzes bisher Abstand genommen worden. Die auf dem Truppenübungsplatz Elsenborn befindlichen Truppen des 16. Ar- meekorps, der 63. Jnfanteriebrigadc und der 33. Aeldartillerie- Brigade kehren am b. und 6. August in ihre Garnisonen zurück. Oefterrdeb. Alberner Cchlvatz'. Dem deutsckmationalen Rechtsanwalt Dr. Sylvester, den die Salzburger Eples.er seit umnchem lieben Jahr nach Wien in» Par- lament schicken, ist seine neue Präsidentenwürde sehr zu Kopf ge- stiegen, obgleich er selbst erzählt, dah er deebalb Präside des Ab- geordnetenhauses wurde, weil kein anderes Mitglied des wackeren Deutschen NationalvcrbandeS wollte. Statt dah der Herr, der sich schon in der kutzen Sommersession elend blamierte, die Geschäfts- ordnung studiert, wofür ihm die„Arbeiterzeitung" schon wertvolle Anleitungen gab, hielt er in Salzburg eine Rede für den Hinaus- Wurf Englands auo dem Mittelmecr durch die vereinigten Kräfte Oesterreichs, Deutschlands, Italiens und Frankreichs, also jener zwei anmutigen Paare, die sich, täglich bereit zum Losschlagen, zärt- lich gegenüberstehen. In England weih man vielleicht Vicht, bah Herr Svlvester weniger als Null ist und das kann Oestetbeick ge- legentlich recht unangenehm werden. Das„germanische Deutsch- tum", für das der Herr Sylvester immerfort zu reden behauptete. braucht auch keinen Sachlvalter aus Salzburg, das übrigens selbst in Oesterreich ctlva die politische Bedeutung l>at wie Gera oder Offeubukg, Bant-Nüstringeu oder Bayreuth in Deutschland! Wenn Herr Sylvester schon nach England schauen will, dann blicke er ge- fälligst mal auf den gewöhnlich geschlossene« Muttd deS Speakers des machtvollsten Parlaments der WelU perficn. Eiu« persische Adresse an de» Deutschen Reichstag. Das liberale persische Komitee„Endjumani Seaheti" in K o n st a n t i n o p e l hat an den D e n t s ch e n R e i ch s t a g eine Adresse abgehen lassen, in der um Schutz gegen das Bordringen der Russen in Ptrsicn gebeten wird. Aus dem Wortlaut der Adresse, den das.Berliner Tageblatt' zu veröffentlichen in der Lage ist, entnehmen wie: „Die russischen Truppen hallen seit Mehr als zwei Jahren die wichtigsten persischen Städte besetzt unter dem Borwand, die Aus- lönder zu schützen, die indessen nach AuSiage aller europäischen diplomatischen Agenten niemals in einer Gefahr gcschwebl haben. Rußland hat formell versprochen, seine Truppen zurückzuziehen, sobald die Ruhe wieder hergestellt sei. Statt dessen fährt es fort. Unruhe zu erregen, in der Absicht, die Okkupation für alle Ewig- keit zu begründen. Das vergangene Jahr war traurig. Der Bandit Rahim Khan, der sich nach Rußland geflüchtet hatte, kam nach Persien zurück, um die Provinz Erdebil zu plündern und zu brandichayen. Jetzt erleichtert Rußland, trotz seiner offiziellen. von England garantierten. Zusicherung, daß eS den Exichah Mohammed Ali in seinem Exil Odessa überwachen und ihn ver» hindern werde, gegen die konstitutionelle Regierung PcrsicnS zu konspirieren, es dem abgcietzlen Schah, in das persische Gebiet zu gelangen, nachdem er dorthin von Baku aus Waffen und Munition geschickt hat. Trotz des Protestes der persischen Regierung hat Rußland soeben mit Hilfe seiner Kosaken aus dem Gefängnis in TSbriS den traurigen Reaktionär Reschid ul Mull befreit. Es hat die Revolte der Sibcichseveimcn zugunsten des abgesetzten Schahs organisiert.� Es hat soeben den russischen JnstrukssonSosfitieren der persischen Kavalleriebrigade verboten. die Kriegsmunition zu liefern, d�-en die gesetzmäßige persische Regierung bedarf, um die ExMition gegen den abgesetzten Herrscher auszurüsten." DaS persische Komitee hat offenbar eine sehr übertriebene Mei- nung von dem Einfluß, den der Reichstag auf die Leitung unserer auswärtigen Politik hat. In Wirklichkeit ist dieser Einfluß dank der Indolenz der bürgerlichen Parteien gleich Null, und deSbalb iverden auch die Perser erleben müssen, daß ihre Adresse im höchsten Fall den oder jenen bürgerlichen Parlamentarier zu ein paar Rede- Wendungen veranlassen, die zu nichts verpflichten und die auch nicht« Nützen. Am allerwenigsten wird aber die deutsche Regierung Nei- gung haben, dem linken russischen Nachbar irgendwie wehe zu tun. Amerika« Landung deutscher Matrosen in Haiti. Paris, 4. August. Nach einer Meldung des„New Uorl Herald" aus Port-au-Prince ging ein Offizier des Kreuzers„Bremen" mit 43 bewaffneten Marinesoldaten ans Land. Die Soldaten wurden auf die deutsche Gesandtschaft und auf die verschiedenen deutschen Kaufleute verteilt. Die Landung erfolgte auf Ansuchen einer Bau« unternehmergesellschaft. )Zus der Partei. Die sozialdemokratische Partei und die Marokkofrage. Zu der gestern unter dieser Spitzmarke veröffentlichten Erklärung erhalten wir vom Genossen Dr. Kurt R o j e n f e l d folgendes Schreiben: Auf die im heutigen„Vorwärts" veröffentlichten Erklärungen des ParteivorstandeS und der Redaktion des.Vorwärts" habe ich zu erwidern: Gegenüber der.auS dem Parteiburean" stammenden Mitteilung hebe ich hervor, daß ich es getrost dem Verfasser der R. iL.- Artikel der„Leipziger VolkSzeitnng" überlasse, den Inhalt dieser Artikel. auf die allein ich, wie der Bericht beweist, meine Ausführungen in der Parteiversammlung des 6. Kreises gegründet habe, gegenüber dem Parteibureauschreiber zu vertreten. Nur einen charakteristischen Punkt möchte ich hervorheben, der beweist, von welcher Beschaffenheit die Richtigstellung des Partei- bureaus ist. Es scbreibt: .Wenn nach dem Bericht deS.Vorwärts"(Nr. 17S) Genoffe Dr. Roscnfeld in einer Versammlung des sechsten Berliner Wahl- krcises diese Behauptungen des R. L.-ArtikclS der.Leipziger Volks- zeitung" wiederholte und ferner behauptete:.Da» internationale Bureau in Brüssel habe eine gewaltige Demonstration für den Frieden angeregt. Diese scheiterte an dem Widerspruch deS deutschen Partei- Vorstandes', so ist das unwahr. DaS I. S. B. hatte lediglich die oben erwähnte Konferenz der Delegierten deS I. S. B. im Auge.' Jedes Kind versteht, daß diese Konferenz nichts anderes zum Zweck haben konnte, als die Einleitung einer gewaltigen Deinon- stration für den Frieden. Denn wäre dies nicht der Fall, so bliebe der Brief deS Vorstandsmitgliedes unverständlich, der die Einleitung einer solchen Aktion gerade aus Rücksicht auf die Reichstagswahlen bekämpfte und sogar eine Zurückstellung„aller Fragen der inneren Politik hinter die Marokkofroge' besürchlen zu müssen glaubte. Eine Sitzung des Internationalen Sozialistischen Bureaus hätte die von dem Briefschreiber befürchteten Wirkungen niemals haben können. Das Parteibureau müßte sich doch wenigsten» über die Tatsachen informieren, die es selbst widerlegen und richtig stellen will. Zum Schutze der großen Masse der Parteigenossen, die nicht zu den.Wissenden' des.Vorwärts' und de? ParteivorstandeS gehören. muß sich ferner erklären: Wenn in der.Parteipresse ein aufsehen- erregender Artikel erscheint und viele Tage vergehen, ohne daß vom Parleivorstand eine Berichtigung erfolgt, so ist jeder Genosse voll- kommen berechtigt anzunehmen, dah der Artikel— was ja auch in diesem Falle zutrifft— die Wahrheit enthält. Unter leinen Um- ständen hat der Vorstand das Recht, gegenüber einem Parteigenossen, der offensichtlich diesem Gedankengange folgt, das gröbste Geschütz aufzufahren und zu erklären, die Behauptungen dieses Parteigenossen seien„unwahr". Wenn der Vorstand mir schließlich einen Vorwurf daraus macht, Artikel einer Parteizeitimg— um mich der.feinen Ausdrucksweise de» Vorstandes zu bedienen—«weiter kolportiert" zu haben, so weis« ich diesen Vorwurf entschieden zurück. Die Parteigenossen werden mir sogar dankbar sein, daß ich dadurch dem Borstand(den Mund geöffnet habe. Denn eS ist ein trauriger Zustand, daß der Parteivorstand bei wichtigen Ver- öffentlichungen in der Parteiptesse der Kopf in den Sand steckt und schweigt. Hatte er wirklich etwas zu berichtigen, so war er ver- pflichtet, die» sofort zu tun. ES ist überhaupt eigentümlich und ein Beweis für die Notwendigkeit meiner Ausführungen in der Parteiversammlung, daß in dem Schreiben ans dem Parieibuteau gesagt ist: Es sei eine Erwiderung auf die R. L.-Artikcl der„Leipziger Volksztg." lediglich deshalb„nötig" geworden,„weil sie in Partei- Versammlungen weiter kolportiert werden." Denn danach ist die Wiedergabe einer Äeußerung der Parteipresse in Parteiversamm- lungen die einzige Möglichkeit, den Vorstand zu einer Erklärung zu „nötigen". Zu den höchst diplomatischen Bemerkungen der Redaktion habe ich zu sagen, baß sich in diesem Falle Wiedtr einmal zeigt, wie»Veit man in der Partei mit staatSmännischen Gesichtspunkten kommt. Es ist mir zu bedauern, daß die Redaklion Uns ihrem Herzeit eine Mördergrube gemacht, von ihrem notorisch großen Wissen den nn- wissenden Lesern des.Vorivärts' nichts abgegeben und den Berliner Genossen, di«»och immer nicht wissen, ivormn sich der ganze Streit dreht, den Inhalt de» Brieses des Vorstandsmitgliedes und seine Bedtutmig nicht mitgeteilt hat. „Kleinliche Nörgeleien und Auseinandersetzungen" vermeidet man nicht dadurch, daß man wichtige Ereignisse, die sich in der Arbeiter« bewcgnng abspielen, bin Lesern des. Vorwärts" verschweigi. Schließlich verstehen die Berliner Genossen doch—- soviel sollte die Redaktion thrdn Lesern schon zutrauen— aus anderen Partei- zeitungcn zu ermitteln, was in der Welt vorgeht, und dann bleibt nichts übrig, als— ivaS der Redaktien scheinbar besonders unan- genehm ist und was auch jedem Berliner Parteigenossen schwer fällt. aber manchmal unvermeidlich ist— die„Leipziger AolkSzeitung" gegen den„Vorwärts" auszuspielen." Berlin, den i. August 1011. Kurt Rosenfeld. •.• Soweit sich die Erwiderung des Genossen Rosenseld gegen de» Parteivorstand wendet, müssen wie e» diesem überlassen, ob er zu den erhobenen Vorwürfen Stellung nehmen ivill. Wir selbst können nur ivicdcrholen. was wir gestern gesagt haben: eS war vor allem das politische VerantwortlichkeitSgefühl, da» uns abhielt, angesichts einer Proiesläklion gegen den Marokkorummel und die Kriegshetze die Privatmeinung eines Parteivorstandsmitgliedes, die in dem R. L.« Artikel in sensationeller und indiLlreter Weise ausgeschlachtet worden war, zum Gegenstand einer Staatsaktion zu machen. Wir geben ober gerne zu. daß das politische Verantwortlichkeitsgefühl verschieden stark ausgebildet sein kann, so daß der eine in der gegebenen Situation einen häuS- lichen Streit für zweckdienlicher hält, während der andere auf eine geschlossene Stellungnahme gegen den gemeinsamen Feind Wert legt. Auch darüber, ob ein R. L.-Artikel in der„Leipziger Volkszeitung" ein„lvichtiges Ereignis" für die Arbeiterbewegung ist. gestatten wir uns anderer Meinung zu sein alz Genosse Dr. Rosenseld. Die Redaktion des„Vorwärts". «.» Außer dem Schreiben des Genossen Dr. Rosenfeld ging unS noch folgende Erklärung der Genossin RosaLuxemburgzu: � Zur Richtigstellung. Auf die im heutigen„Vorwärts" veröffentlichte Erklärung auS dem Parteibureau habe ich als Verfasserin deS an- gegriffenen Artikels der„Leipziger VolkSzeitung" folgendes zu er« widern: 1. Daß die Demonstrationsversammlung in der„Neuen Welt" unter Mitwirkung der Partei ausgeführt wurde, war nicht bloß in meinem Artikel nicht bestritten, sondern war von mir selbst hervor- gehoben. Trotzdem bleibt es strikteste Wahrheit, daß diese Demonstration „lediglich den Führern unserer Gewerkschaftsbewegung zu verdanken war', denn sie ist lediglich aus Anlaß des zufällig in dem Moment erfolgten Besuchs französischer Gewerkschafter auf Grund einer Ein« ladung deutscher Gewerkschafter zustande gekommen. Meine Frage also:„Wo war aber die Partei bei dieser Gelegenheit?" findet ihre Antwort nicht in der mir vom Parteiburean unterstellten Behaup- tung, als sei die Partei gar nicht dabei gewesen, sondern die Ant- wort lautet so. wie ich sie selbst klar und deutlich formuliert habe: die Partei war im Schlepptau der Gewerkschaften, statt an der Spitze der Protestaktion mit der Initiative voranzugehen. 2. Das Parteibureau erklärt: „ES heißt dann weiter, daß der Berliner Demonstration eine solche in Paris folgen würde, die von den deutschen und sranzösi» scheu Gewerkschaften veranstaltet würde. Auch das ist uuwahr.' Den Beweis dafür glaubt das Parteibureau damit zu erbringen, daß eS hervorhebt, zu dieser Pariser Demonstration seien„die sozia- listischen Parteien und die Gewerkschaften Frankreichs, Deutschlands, Englands und Spaniens eingeladen.' Diese„Widerlegung' geht wieder, wie im ersten Punkt, um die eigentliche Frage herum. Daß die sozialistischen Parteien eingeladen werden würden, habe ich nicht bestritten, bielmehr selbst die Erwartung ausgesprochen, daß dies geschehen würde. Der Kernpunkt der ganzen Sache ist aber der, daß auch diese Pariser Demonstration auS der Initiative der in Berlin zusammengekommenen französischen Gewerk- schafter und deutschen Gewerkschafter geboren wurde, während eine ganz analoge Initiative der französischen Sozialistcnführer und des Internationalen Sozialistischen Bureaus vor drei Wochen ohne Folgen gelassen worden ist, ebenso wie die Einladung, die von den fran- zösischen Sozialistenführern zu einer Pariser Demonstration Mitte Juli an den deutschen Parteivorstand ergangen war, bloß mit einer schriftlichen Sympathieerklärung beantwortet wurde. 3. Der Behauptung des Parteibureaus, eS sei„nicht wahr', daß der Parteivorstand«eine Zusammenkunft deS Intern. Soz. Bureaus ausgeschlagen habe', steht die nackte Tatsache entgegen, daß, nachdem die sozialistischen Vertreter Frankreichs, Englands und Spaniens ihre Bereitwilligkeit zu einer Zusammenkunft erklärt haben, vom deutschen Parteivorstande erst der Brief eine? Mit- gliedes erfolgte, der die Einleitung einer Aktion gegen die Kriegshetze auS Rücksicht auf die ReichStagswahlen ablehnte, dann eine kurze Erklärung des deutschen Mitgliedes des Internationalen Sozialistischen Bureaus, die Zusammenkunft sei zunächst nicht empfehlenswert. Daß diese Antwort als eine Absage aufgefaßt worden ist, beweist einfach die Tatsache, daß die geplante Zusammen- kunft trotz der Zustimmung der Franzosen, Engländer und Spanier abgesagt und die Marokloaffäre auf die nächste Jahrcssitzung des Internationalen Sozialistischen Bureaus verschoben, d. h. aä acta gelegt ist. und das unter ausdrücklicher Berufung auf die Antwort von deutscher Seite. Sämtliche Behauptungen meines Artikels also, die vom Partei- vorstand als.unwahr' hingestellt wurden, sind und bleiben in allen Punkten wahr.— Zum Schluß muß die Nachschrift der Redaktion des„Vorwärts" beantwortet werden. Die Redaktion unterstellt in ihrer eifrigen Dienstbeflissenheit, was das Parteibureau selbst nicht behauptet: Daß der erwähnte Brief des Vorstandsmitglieds an das Intern. Soz. Bureau„ein Privatbrief" und seine öffentliche Besprechung „eine irreführende Indiskretion" wäre. Dieser Angriff beruht auf unwahren Behauptungen: 1. Dieser Brief war so wenig ein Privat- brief, daß ihn das I. S. B. in einer Abschrift an sämtliche ihm an« gegliederten sozialistischen Parteien der Welt verschickt hat. 2. Die im Briefe dargelegte Auffassung war so wenig ein Privat- geheimüis und ihre öffentliche Besprechung so wenig eine In- diskretion, daß der Briefschreiber selbst eingangs seines Briefes ans- driicklich bemerkt, et habe dieselbe Ansicht„auch am Dienötag in einer Versammlung ausgesprochen". Weder der Schreiber noch der Empfältger des Briefes dachten also im geringsten daran, daß eS sich hier um ein zartes Geheimnis handelt, das keil, Licht der Oeffentlichkeit pcrtrSgt. 3. Der Parteivorstand ist mit ein gewählter Geschäftsführer der Sozialdemokratie. Sein Meinungsaustausch mit dem Jnrcruatio« nalen Sozialistischen Bureau Über die Frage, ob die Partei eine Aktion gegen die Kriegsbetze unternehtnen soll, ist eine Handlung. die ihrer Natur nach keine Privatangelegenheit der Vorstands- Mitglieder ist, in die sich die Partei nicht einzumischen hätte, solider» sie ist eitze Handlmtz im Auftrage, im Namen und im Interesse der Partei. Die Gesamtpartei. die Masse der Genossen also und ihr Organ, die Parteipresse hat nicht bloß da« Recht, sondern auch die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, sich für solche Handlungen zu interessieren und sie kritisch zu prüfen. Die von der Redaktion des Zentralorgans kund- gegebeUe Auffassung hat nur in den Beziehungen bürgerlicher Staats- diplomaten zu der bürgerlichen Oeffentlichkeit Platz, in sozialdemo- kratischen Kreisen war sie biS jetzt nicht üblich und wird es hoffentlich nicht werden. Berlin, 4. August 1011. Rosa O'rcmburg. In unserer„eifrigen Dienstbeflissenheit" müssen wir eS auch hier dem Parteivorstande überlassen, zu sagen, waS er zu der „Richtigstellung" der Genossin Rosa Luxemburg zu sagen hat. Wir selbst bleiben nach wie vor dabei, daß die Veröffentlichung und Ausschlachtung des bewußten Brieses eine Indiskretion war. Der Briefschrciber hat am Anfang seines Schreibens dem Internationalen Sozialiftischen Bureau klar und deutlich mitgeteilt, daß eS sich nur um seine Privatmeinung handle. Und etwas anderes als seine Privatmeimmg konnte er auch als Versammlungsredner nicht aussprechen. Ob diese Mei- nung richtig ist oder nicht, kommt hier nicht in Frag». DaS Jntcr- nationale Sozialistische Bureau hat den Brief des Parteivorstands» Mitgliedes nicht„sämtlichen ihm angegliederten sozialistischen Parteien der Welt' mitgeteilt, sondern nur den Vertretern der einzelncn Nationen beim Bureau mit dem ganze» in der Marokkoaffäre gepflogenen Briefwechsel zur Kenntnisnahme zugesandt. Solche In- formationen sind nicht für die Oeffentlichleit bestimmt. Wir be- zweifeln, daß die Verwendung deS Briefes, wie sie Genossin Rosa Luxemburg in ihrem Artikel für notwendig gehalten har, nn Sinne deS Internationalen Sozialistischen Bureaus lag. Mit ihrer Choral- lcrisierung des Stellung des ParteivorstandeS rennt Genossin Rosa Luxemburg offene Türen ein. Es ist selbstverständlich, daß der Parteivorstand als solcher der„gewählte GeschästSführer der Sozial- dcmokratie" ist. DaS hindert nicht, daß das einzelne ParleivorstandS- Mitglied zu bestimmte» Fragen seine persönliche Meinung äußern kann. Die Redaktion des.Vorwärt»". GewerklcbaftUcbca. Cm Urteil. Gelegentlich deZ Stcaßburger Straßenbahnerstreils, der nach elneinhalbtägiger Dauer mit einem vollen Erfolg der Streikenden endete, fanden vor dem Straßdurger Bürgermeisteramt unter dem Vorsitz des Herrn Bürgermeisters Schwander Verhandlungen statt, an denen außer der Streikleitung und der Straßenbahndirek- tion auch ein Mitglied des Aufsichtsrates, Herr Löwe(Direktor des Stratzburger Elektrizitätslverks) teilnahm. Jn> bezug auf die Anerkennung der gewerkschaftlichen Organisation führte Herr Löwe aus, daß er mit der Organisation in seinem Betriebe nur gute Erfahrungen gemacht hätte. Der vordem im Betriebe bestandene Ausschuß, hinter dem der Verband nicht ge>tanden sei. habe gar keinen Wert gehabt, erst nachdem der Verband selbst im Ausschuß mitwirkt, würde positive Arbeit geleistet. Derselbe Herr hat früher einmal den Ausspruch getan, daß derjenige Arbeiter ein erbarm- licher Feigling sei, welcher sich unter den heutigen Verhältnissen seiner gewerkschaftlichen Organisation nicht anschließt. Daß er dabei nicht etwa eine christliche Organisation oder gar einen gelben Verein im Auge hatte, beweist am deutlichsten die Tatsache, daß in der bctreffeitden Verhandlung für den Straßenbahnbetrieb als zw ständige Arbeiterverbände der Deutsche Transportarbeiterverband und der Deutsche Metallarbeiterverband als berechtigt zu den Ver- Handlungen im neugewählten Arbeiter- und Bcdienstetenausschuß bestimmt wurden. Ein vordem bestandener Ausschuß, welcher sich der Direktion gegenüber als mit den bestehenden Verhältnissen zw frieden erklärte, mußte seine Wirksamkeit einstellen. Im gleichen Sinne wie Herr Löwe sprach sich Herr Bürgen mcister Dr. Schwander aus, der darauf hinwies, daß für die städtischen Betriebe in Straßburg ebenfalls Arbciterausschüsse ge wählt seien, bei welchen die Vertreter der gewerkschaftlichen Ov ganisation mit zur Beratung herangezogen würden. Wir rcgl- stricren diese Tatsachen in der Erwartung, daß manche rückständige Stadtverwaltung gleichfalls den gewerkschaftlichen Verbänden etwas mehr Anerkennung zuteil werden läßt und nicht die gelben Arbeiter und Bedienstctenvereine direkt züchtet, wie es mancherorts geschieht. Verlin und llmgegenck. Tarifabschluß in der Mnsterbranche der Tamen- koufektion. Wie uns mitgeteilt wird, haben am Donnerstag die beider. feitigen Kommissionen über die Forderungen der Arbeiterschaft verhandelt. Sämtliche Forderungen mit wenigen Abänderungen sind bewilligt worden. Der Minimallohn für selbständige männ- lichc Arbeiter ist auf 36 und 46 M. festgesetzt worden-, für selb» ständige Arbeiterinnen auf 26 und 28 M.; für Zuarbeitcrinnen, w'nn sie zwei Jahre im Beruf tätig sind, auf 18 M. Die Abmachungen bedürfen noch der Zustimmung der beiderseitigen Mitgliederversammlungen._ Die Maschinisten deS Prüffeldes stehen im Kampf. Der Betrieb der A. E. G. Turbine ist für organisierte Maschinisten und Heizer bis auf weiteres gesperrt. Die Ortsverwaltung Berlin. Achtung Z Töpfer! Die Firma Paul Döring hat den Tarif an» erkannt und beschäftigt nur Organisierte. Die Sperre ist aufgehoben. Die Verbandsleitung. Dcutfches Reich. Die Metallarbeiter in Leipzig. In Leipzig streiken seit dem 27. Mai die Metallformer, Kernmacher und Gießereiarbciter. Trotz der äußerst bescheidenen Forderungen scheint dieser Kampf eine große Ausdehnung anzu- nehmen. Ter Mietallindustriellenverband. Bezirk Leipzig, kann sich im Gegensatz zu den Metallindustriellen anderer Großstädte noch nicht dazu aufschwingen, mit den Vertretern der Organisation zu verhandeln, wenngleich eine nicht unbeträchtliche Anzahl Unter- nehmer dagegen nichts einzuwenden hätte. In den ersten Wochen des Streiks fanden wiederholt Unterredungen zwischen dem Bevoll- mächtigten des Verbandes und einem der einflußreichsten Unter- nchmcr statt. Hatte eS den Anschein, daß durch diese Aussprache ein befriedigendes Ende deS Streiks herbeigeführt würde, so änderte sich die Situation, als der Bezirk Leipzig des Metall- industriellenverbandes wider Erwarten mit der Aussperrung drohte. Der Unternehmerverband hatte es nach außen so darzu- stellen versucht, daß sich in diesen Kampf die Organisationen nicht einmischen und die Verhandlungen lediglich durch die Streikenden und deren frühere Arbeitgeber geführt werden sollten. Durch die brüske Androhung der Aussperrung hat der Leipziger Bezirksver- band den gesponnenen Faden zerrissen I Wenn die Organisation der Unternehmer in d i es e r Weise eingriff, konnten auch die Ar- beitcr nicht anders verfahren und bestanden nunmehr darauf, daß auch die Vertreter der Organisation zu den Verhandlungen, die zwischen vier Unternehmern und einer Kommission der Streikenden stattfinden sollten, zum mindesten als Berater, zugezogen würden. Das lehnten die Metallindustriellen ab und ein weiteres Ver- handeln lvar dadurch zur Unmöglichkeit geworden. Als dann die in den bestreikten Metallgießereien beschäftigten Dreher in den Ausstand traten, entschlossen sich die Unternehmer dieser Betriebe, am 24. bezw. 26. Juli 66 Proz. ihrer sonstigen Arbeiter noch auszusperren. Von dieser Aussperrung Wurden 431 Arbeiter betroffen. Das Vongehen der Unternehmer wurde damit beantwortet, daß noch 224 Arbeiter die Arbeit niederlegten, so daß am 28. Juli 1116 Arbeiter im Kampfe standen. Die ausständigen Arbeiter stellten nunmehr noch Forderungen auf, Verkürzung der Arbeitszeit, Lohnerhöhung usw. Die Metallinduftriellen faßten dann den Beschluß, 66 Proz. ihrer Gesamtbelegschaft auszusperren. Jedenfalls Warden die Leipziger Metallarbeiter zeigen, daß sie bereit sind, den Kampf in aller Schärfe aufzunehmen. Chemnitz, 4. August. Das Kartell der sächsischen Metallindu- striellen hat nach einer Meldung der„Allgemeinen Zeitung" be- schlössen, eine gemeinsame Aussperrung vorzunehmen, falls es am 6. August in Leipzig tatsächlich- zu der angedrohten Aus- spcrrung kommen sollte._ Ter Kampf im Hamburger Holzgewerbe dauert nunmehr bereits 26 Wochen,, ohne daß ein baldiges Ende desselben abzusehen ist. Die Parteien(Ärbeitgeberschutzverband der Holzindustrie und Deutscher Holzarbeiterverband) sind sich in keiner Beziehung auch nur eine Fingerbreite nähergekommen. Ter Kampf wird demzufolge mit aller Entschiedenheit weiter- geführt. Ucbcr 1866 Holzarbeiter stehen noch im Kampfe. Es wird dringend ersucht, den Zuzug nach Hamburg unter allen Um- ständen fernzuhalten. Auch die von Hamburg während der Dauer der Bewegung abgereisten Holzarbeiter werden dringend gebeten, nicht nach Hamburg zurückzukehren, bevor nicht genaue Erkundi- gungen bei der Streikleitung eingezogen sind. An eine Beilegung des Kampfes ist in den nächsten Wochen nicht zu denken. Der Ärbeitgeberschutzverband versucht mit allen Mitteln, auch weiterhin Streikbrecher heranzuziehen. Holzarbeiter Deutschlands, seid auf der Wacht! Meidet jeden � Zuzug nach Hamburg und verweigert auch jede Strcikarbcit dorthin,' dann wird der Kampf zugunsten der Arbeiter entschieden werden müssen. Ku stand. Streik der Londoner Hafenarbeiter. London, 2. August 1911. 7—8666 Hafenarbeiter traten hier- gestern in den Streik. Die Streikenden, die ohne Einwilligung der Organisationslciter die Arbeit niederlegten, behaupten, daß die Arbeitgeber den Vertrag, der vor einigen Tagen zwischen den Vertretern aller Kategorien Hafenarbeiter und der Arbeitgeber geschlossen wurde, gebrochen babcn. Die Arbeiter und auch das Publikum waren nach dem Ab- schluß der Verhandlungen der Ansicht, daß die Arbeitgeber ein- gewilligt hätten, den Stundenlohn der Arbeiter, die bisher 6 Pence verdienten, auf 7 Pence zu erhöhen, und den Arbeitern, die bisher einen Stundenlohn von 7 Pence hatten, 8 Pence zu bewilligen. Ein derartiges Abkommen meldete zur Zeit auch die Presse. Die Arbeitgeber wollen nun den Stundenlohn von 8 Pence nicht be- zahlen und berufen sich auf eine Klausel im Vertrag, nach der an- geblich der strittige Punkt einem Schiedsgericht zur Erledigung überwiesen werden sollte. Die Situation ist sehr unklar. Eine Aus- dehnung des Streiks würde in wenigen Tagen eine Lebensmittel- teuerung in London hervorrufen, da die Hauptstadt fast nur auf dem Wasserwege mit Lebensmitteln versorgt wird. Wahrscheinlich wird es den Leitern der Organisationen in der Massenversamm- lung, die für heute abend angesagt ist, gelingen, die Zügel wieder in die Hände zu bekommen. Die Regierung hat als treue Hüterin der Arbeitgeberintercssen Polizeikolonnen nach den Hafendistrikten geschickt, die wohl für die nötigen Unruhen sorgen werden. »* Der Streik der Londoner Hosenarbeiter dehnt sich immer mehr aus. Augenblicklich mögen 16— 11666 Mann im Streik stehen. Wie schon berichtet, war ein Mißverständnis die Ursache des Aus- bruchs des Streiks. In dem vor einer Woche abgeschlossenen Ver- trage wurde bestimmt, daß die Frage, ob den Arbeitern, die bisher einen Stundenlohn von 7 Pence hatten, ein Stundenlohn von 8 Pence gewährt werden soll, durch ein Schiedsgericht zu ent- scheiden ist. Die in Betracht kommenden Arbeiter waren nun irr- tümlicherweise der Ansicht, daß der erhöhte Lohn ohne weiteres bezahlt werden würde. In zwei großen Massenversammlungen wurde den Streikenden gestern die Sachlage auseinandergesetzt. Man beschloß, loyal zu den Führern zu halten, die den Vertrag unterzeichnet hatten, ab»r vorläufig die Arbeit nicht wieder auf- zunehmen. In diesem letzten Beschluß wurden die Streikenden durch die Streikführer bestärkt. Vielleicht wird dieser Druck dazu beitragen, die Arbeiten des Schiedsgerichts, dem Vertreter der Handelskammer und der Gewerkschaften angehören, zu beschleuni- gen. Voraussichtlich wird die Arbeitseinstellung nicht von langer Dauer sein, denn die Arbeitgeber scheinen zu einem längeren Kampfe nicht aufgelegt zu sein. Zuerst verlangten sie, daß die Streikenden die Arbeit wieder aufnehmen sollten, ehe man das Schiedsgericht mit der Beilegung des Streites und der Entscheidung der Lohnfrage beaustrage. Jetzt haben sie diese Forderung fallen lassen.' v •*«!• London, 4. August. Die Lage in den Londoner Docks hat sich in keiner Weise gebessert. Die Stauer der Surrey Commcrcial Docks haben sich jetzt den Ausständigen angeschlossen, und nur wenige sind heute zu den Docks gekommen, um die gestern an- gefangenen Arbeiten zu vollenden. Die Zahl der ausständigen Stauer beträgt jetzt ungefähr dreitausend. London, 4. August. Der Hafenarbeiterstreik nimmt an AuS- dehnung ständig zu. Ein Dampfer, der gestern nach Neuseeland abging, mußte 2666 Tonnen seiner Fracht, darunter Rennpferde und zahlreiches Vieh, zurücklassen. Der Straßenvahnerstreik. Mit dem 1. August, demselben Tage, an dem die Kopenhagener Straßenbahnen in städtischen Betrieb übergingen, wodurch die Auge- stellten eine lange vergeblich angestrebte Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse erhielten, haben die Angestellten der Fre- deriksberger und der Tuborg-Klampenborger Straßenbahngesellschast die Arbeit eingestellt. Sie wollen nicht schlechter gestellt sein als die große Masse ihrer jetzt im Dienste der Stadt Kopenhagen tätigen Kollegen. Der staatsangestellte Vermittlungsmann für Arbeits- 'treitigkeiten hatte Ende voriger Woche versucht, eine Einigung unter wn Parteien zustande zu bringen, und den Angestellten den Vor« chlag gemacht, ihren Streik um acht Tage hinauszuschieben. Das lehnten die Angestellten ab, und zwar deshalb, um den Gesell- schaften nickt Gelegenheit zu geben noch mehr Leute zum Streikbrecherdienst auszubilden. Die FrederikZberger Gesellschaft halte schon vor einigen Wochen eine Anzahl von Leuten herangeholt und sie durch Probefahrten für den Dienst einüben lassen. AlS diese Leute am Dienstagmorgen in Tätigkeit treten sollten, weigerte sich jedoch ein großer Teil von ihnen, SrbeilSwilligendienste zu leisten. Um überhaupt einige Leute zu bekommen, mußte er den Tagelohn auf IS Kronen festsetze», ungefähr das Dreifache, was die Angestellten sonst erhalten. Die Menschen, die sich zum Streikbruch verleiten ließen, find angehende Techniker und andere junge Leute aus dem sogenannten guten Bürgertum. ES gelang dem Direktor nicht mehr als 8 Wagen in Gang zu bringen. Bei der Tuborg- Klampenborger Bahn war es der Direktor selbst, der den ersten Wagen hinausfuhr, und außerdem gelang e»»och mit Ingenieuren und Monteuren, drei Wagen in Gang zu setzen. Kondukteure hat man bei dieser Gesellschaft überhaupt nicht zur Verfügung, die Fahrgäste werden ersucht, das Fahrgeld in eine Büchse zu stecken. Die Massenaussperrung in Norwegen. ES wird jetzt in Deutschland versucht, Arbeiter nach Norwegen zu verlocken, um sie dort als Streikbrecher zu verwenden. So halte kürzlich die Firma Ernst PolezvnSki in Kristiania in deutschen Blättern Ziseleure gesucht. Ein Ziseleur, der sich auf eine solche Annonce ichriftlich bei der Firma meldete, erhielt die Antwort, daß er gleich kommen solle, daß er aber nicht Mitglied deS Eisen- und MelallarbeiterverbandeS werden dürfe, da alle Mitglieder dieses Ver- bandes ausgesperrt seien. Er könne jedoch der Organisation der Goldschmiede beitreten, auf die sich die Aussperrung nicht erstrecke. Der Ziseleur erkundigte sich beim Deutschen Metallarbeiterverband über die Sache und verzichtete dann aus die Reise nach Norwegen. Dieser Vorgang zeigt, wie notwendig eS ist. unter den gegenwärtigen Ver« hältnisscn vorZuzug nach Norwegen zu warnen. Vorläufig erstreckt sich die Aussperrung ans die Bergwerks-, Zellulose-, Papier- und Holzmasse« industrie auf die Hobel« und Sägewerkindustrie sowie auf die Eisen- industrie. ES ist aber damit zu rechnen, daß sie auch auf alle anderen Industriezweige ausgedehnt wird, sich also zu einer General- auSsperrung über das ganze Land entwickelt. Die norwegisch« Arbeitgebervereinigung ist auch bestrebt, daS schivcdische Unternehmer» tum, das ja eine allgemeine Aussperrung im Baugewerbe veranstaltet hat, zu unterstützen.„Socialdemokraten" in Kristiania verössentlichte oeben zwei geheime Rundschreiben der Arbeitgebervereinigung. In dem einen werden die Mitglieder aufgefordert, dafür zu sorgen, daß keiner der ausgesperrten Arbeiter in irgend einem andern Erwerbs- zweige Arbeit findet, und in dem zweiten werden die Mitglieder auf sie Aussperrung in Schiveden aufmerksam gemacht und ebenso dringend ersucht, keine schwedischen Bauarbeiter zu beschästigen. 8o2ia!es. Bon der Norddeutschen Holzindustrie. Welch gewaltige Entwickelung die Holzindustrie in Norddeutsch- land genommen hat, zeigt uns so recht deutlich der soeben erschienene Bericht ihrer BerufSgenossenschafk. �ach demselben zahlte dle Be» rufsgenossenschaft im Jahre 1836 nur 4266 Betriebe mit 17463 Arbeitern, während heute 47 733 Betriebe mit 286 471..rbeite�n ""��Versicher�sind allein 26 464 Kraftbetriebe. Der Bericht er« wähnt selbst, daß dieser Industriezweig..mehr und mehr von der rein handwerksmäßigen Bearbeitungsweise abgegangen und zur maschinellen Holzbearbeitung übergegangen ist'. In welcher-toeiie die Maschine in der Industrie Eingang gefunden hat, zeigt uns recht deutlich eine Ausstellung des Berichts, nach der un Jahre IööV nur 5824 Motore. im Jahre 1916 dagegen 36 725 Motore in Be- Nutzung waren, die heute 126 795 Arbeitsmaschlnen, gegen 2?«da im Jahre 1886, in Bewegung setzen. � � Ein Blick auf die einzelnen Arten dieser Maschinen und Motor» zeigt uns, daß heute eine förmliche Umwälzung der Betriebe gegen 1886 stattgefunden hol. So waren i... Jahre 1916: 11 932 Elektro. motoren vorhanden, während solche im Jahre 1836 noch völlig fehlten. Ebenso fehlten im Jahre 1386 Schmirgelschl-ifmalchinen; !m Jahre 1916 kamen deren 7566 zur Anwendung. Kreissägen gab eS 1886: 5586, im Jahre 1916: 18 269: Bandsägen lm Jahre 1886: 1435 gegen 14167 im Jahre 1916: Drehbänke waren im Jahre 1916: 11785 gegen nur 4689 im Jahre 1886 vorhanden. Von den erst nach 1836 zur Anwendung gelangten Maschinen sind noch die Maschinen zur Fabrikation von Steiunuß- und Perlmuttknöpfen hervorzuheben: deren gab es im Jahre 1916: 3676. Mit der Einführung der neuesten Maschinen ist natürlich auch die Unfallgefahr bedeutend gestiegen. Während im Jahre 1886 auf 1666 Versicherte durchschnittlich 31,7 Unfälle entfielen, kommen heute schon 51,4 in Frage. Im Jahre 1886 wurden z. B. 3176 Unfälle mit 47 Todesfällen gemeldet, im Berichtsjahre dagegen 14 468 Unfälle, darunter 168 Todesfälle.. Dabei sind 6 technische Aufsichtsbeamte tätig, die im Vorzahre allein 5862 Betriebe besichtigt hatten, die 56 692 Arbeiter beschaf. tigen. Anzuordnen waren 8818 ischutzmahnahmen,� darunter die meisten an den gefährlichsten Maschinen, wie Kre-.ssägen usw. Die Frauenarbeit hat im Holzberufe mehr und mehr Eingang gefunden. Wenn auch die Berufsgenosscnschaften leider keine An- gaben darüber machen, so ergibt sich diese auch aus den Unfall- ziffern. Während im Jahre 1886 nur 3 weibliche Personen Rente erhielten, mußte im Berichtsjahre schon an 41 Frauen Rente ge- zahlt werden, darunter 5 an jugendliche Arbeiterinnen unter 16 Jahren._ Versammlungen. Die Dachbecker und Dachdecker-Hilfsarbeiter beschäftigten sich am Mittwoch in einer gut besuchten Versammlung im Gewerk- schaftShause mit der Frage: Was gedenken wir zu tun, um zur Tarifbewegung im nächsten Jahre gerüstet zu sein? Der Vor- sitzende Görnitz führte aus, daß es mit Rücksicht darauf, daß der Tarifvertrag im nächsten Sommer abläuft, Aufgabe der Mitglieder sein mutz, beizeiten, und zwar jetzt schon für eine weitere Stärkung der Organisation und ihrer Kassen zu sorgen, da man ja auf jeden Fall darauf gefaßt sein müsse, daß es zu einem schweren Kampf mit dem Unternehmertum kommen könne. Aus diesen Gründen machte der Vorstand, der sich bereits mit der Frage befaßt hatte, der Versammlung den Vorschlag, zu beschließen, daß jedes Mitglied, das innerhalb des letzten halben Jahres gearbeitet hat 5 Extra- beitrüge in der Höhe des Wochcnbeitrages zu zahlen hat, und zwar im Laufe der 32. bis zur 41. Beitragswoche. Die Verrechnung soll in derselben Weise geschehen wie die der ordentlichen VerbandSbci- träge, so daß 86 Proz. in die Verbandskasse, 26 Proz. in die Lokal» lasse fließen.— Nach einer regen Debatte, in der sich zeigte, daß man allgemein zur Zahlung der Extrabeiträge gewillt war, auch ein Antrag gestellt wurde, statt fünf, zehn solcher Beiträge zu zahlen, nahm die Versammlung den Vorschlag des Vorstandes in allen Punkten an.— Sodann gab der Vorsitzende das Ergebnis der Ur- abstimmung über die Verschmelzung mit dem Deutschen Bauarbeiterverband bekannt. Es haben sich leider kaum zwei Drittel der Mitglieder der Filiale Berlin an der Abstimmung beteiligt, und es stimmten 113 für und 494 gegen die Ver- schmelzung. Hetzte Nachrichten* Infolge einer Benzinexplosion kam am Freitag in der Wohnung de» Hauptmann» Leopold Friedemann, Jnvalidenstraße b, Feuer au», wobei der Wohnungsinhaber Brandwunden an der rechten Hand und am A r m erlitt, die ihm von Samaritern verbunden wurden. Die Flammen konnten auf ihren Herd beschränkt werden. Gleichzeitig wurde die 2. Kompagnie wegen einer Epiritu»» Explosion nach der Wrangelstraße 7 alarmiert. Dort war der Frau J-Szimkowsky ein Kanister mit Spiritu» ex- plädiert, als sie etwa» Spiritus abfüllen wollte. Sie erlitt dabei Brandwunden am rechten Arm und muhte deshalb nach dem Krankenhaus Bethanien gebracht werden, Streik der Klempner«nd Installateure in Frankfurt a. M. Frankfurt o. M., 4. August.(Pribattelcgramm des„Vor- wärt»".) Die Klempner und Installateure haben heute abend beschlossen, in den Streik zu treten. Am 24. Juli wurde der Innung ein Tarif unterbreitet, der im wesentlichen die neunstündige Arbeitszeit fordert, sowie einen M i- nimallohn für Junggesellen im ersten Jahre nach der Lehre nicht unter 46 Pf., nach einem Jahre bis zum 21. Jahre nicht unter 45 Pf., für Gesellen vom 21. bis 24. Jahre nicht unter 55 Pf. und für Gesellen über 24 Jahre nicht unter 62 Pf. Die Innung hatte nur nebensächliche Wünsche den Arbeitern zugestanden und Lohnzulage von 3 Pf. pro Stunde bis zum Höchstbetrage von 66 Pf. bewilligt. Durch allerhand Ausreden hatte die Innung die Verhandlungen in die Länge gezogen; in» folgedcssen beschlossen die Arbeiter den Streik. Es kommen etwa 566 Arbeiter in Betracht. Zwei Kinder vom Zuge getötet. Karlsruhe, 4. August.(B. H.) Auf der Strecke G e r- Mersheim— Bruchsal wurden heute nachmittag zwei Mädchen im Alter von lt. und 13 Jahren vom Zuge über- fahren und getötet._ Fünf Arbeiter verbrannt. Baku, 4. August.(W. T. B.) In den Balcharrr Naphthawerkcn ist eine Naphthafontäne in Brand geraten; fünf Arbeiter kamen in den Flammen nm. Cholera und Pest. Konstantinopel, 4. August.(W. T. B.)' Gestern sind hier 22 Erkrankungen an Cholera vorgekommen, von denen 12 tödlich verlaufen sind. Ucsksib, 4. August.(B. H.) In Djacova wird ein leichtes Ansteigen der Zahl der Cholerafälle gemeldet. In UeSküb herrscht die Epidemie weiter fort. Odessa. 4. August.(W. T. B.) In Bazarrayon sind zwei neue Pesterkrankungeu festgestellt worden. Eine davon verlief tödlich._ Verantw. Rcdakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: zh.GIockc, Berlin. Drucku.VcrIag:VorwärtsBuchdr.u Verlagsanstalt PaulSingerö-Eo.,Berlin5W. Hierzu 2 Beilagen mUnterhaltungsbl. Ar. 181 28. Ichgaug. t KeilU des LmSrls" Kerlim WksM ZaUMlld> S. Aug»? lSll. Mehr yiittensrbeiterichut?. Llm 1. April 1909 ist die Hüttenarbeiterschutzverordnung(Bekanntmachung des Bundesrates für die Betriebe der Großeisenindustrie vom 19. Dezember 1998) in Kraft getreten. In ihren Jahresberichten für 1909 und für 1910 haben die Fabrik- inspektoren Preußens eingehend über die Durchführung der Scbutz- Verordnung berichtet. Danach fielen im Jahre 1999 in Preußen 182 8S3 Arbeiter unter die Hüttenarbeiterschutzverordnung. Die Ver- Ordnung schreibt ein Ueberstundenverzeichnis vor. Im Jahre 1999 wurden 40 Prozent der beschäftigten Arbeiter durchschnittlich zur Ueberarbeit herangezogen. In den im Jahre 1999 beobachteten acht Monaten(vom 1. April bis zum 3V. No- dember) waren 7 538 571 Ueberstuuden geleistet worden. Dabei ist zu beachten, daß die massenhaft vorkommenden sogenannten Wechselschichten, die meist in die Zeit von Sonntag früh bis Montag früh fallen und 24 Stunden dauern, seltsamerweise nicht ins Ueberstundenverzeichnis kommen und damit der öffentlichen Kenntnisnahme entzöge» werden. Und das, obschon auch für diese unmenschlich langen Wechselschichten in der Regel keine Ersatzruhelage eingelegt werden. Bei ihren Berichten für das Jahr 1999 erwähnten die Fabrik- inspektoren vielfach, daß aus den mitgeteilten Zahlen nur in be- fchräuktem Umfange Schlüsse gezogen werden könnten, da einmal die Berichtszeit nur, wie schon erwähnt, acht Monate umfaßte und diese in eine Zeit der Geschäflsflaue fielen. Auch wurde der Erwartung Ausdruck gegeben, daß der Zwang des Ueberstundenverzeichnisses an sich schon eine Einschränkung der Ueberstundenzahl herbeiführen würde. Nun liegen die Jahresberichte der Fabrikinspektoren für das ver- gangene Jahr vor und es ist angebracht, zuzusehen, wie es mit dem Hülieuarbeiterschutz steht. Da sei gleich bemerkt, daß von einer Besserung gar keine Rede sein kann, daß sich die Ucber- stundcnwirtschaft vielmehr noch sehr verschlimmert hat. Die Zahl der in Preußen unter die Schutzverordnung fallenden Hütten- und Walzwerksarbeiter ist auf 199 363, also um 16 619 gleich 8 Proz. gestiegen. Durchschnittlich zur Ueberarbeit heran- gezogen wurden 88 966 Arbeiter, das sind 45.7 Prozent! Die Zahl der geleisteten Uebcrstunden betrug 19 066 372, davon fielen aus. Sonntage 7 691 779! Auch wenn berücksichtigt wird, daß die Be- obachtungszeit im Jahre 1919 sich auf das ganze Jahr erstreckte, fällt doch sofort die riesige Zunahme der Ueberarbeit auf. Rechne» wir vergleichsweise die Zahl für 1999 auf 12 Monate um, so konimt eine Vermehrung der Ueberstunden um 68,6 Prozent heraus! Das ist eine ungeheure Steigerung! Allerdings waren die Werke im Vorjahre im allgemeinen flott beschäftigt. Als Gründe der Ueberstundcuwirtschaft werden von den Gewerbeaufsichtsbeamten angegeben: Wünsche nach Produktions st eigerung, eilige Aufträge, mangelnde D i s p o si t i o n s f ä h i g k e i t der Werks- beamten, Widerstand der Arbeiter bei Einschrän« kung der Ueberarbeit wegen des Lohnausfalls, Mangel an gelernten Arbeitern usw. Der.Mangel an gelernten Arbeitern' rührt, soweit er zutreffen sollte, zum Teil daher, daß die Werke vielfach mit Absicht eine zu geringe Zahl dieser Leute einstellen, weil die qualifizierte Arbeit(Dreher, Mecva- niker, Elektriker usw.) zu verschiedenen Zeiten verschieden stark vor- liegt. Die Hüttenhcrren wollen aber jede Stunde, die nicht gerade mit höher gelohnter Arbeit verbracht wird, auch gleich geringer bezahlen. So werden denn die gelernten Leute zu Zeiten über alle Maßen abgehetzt, so daß sie die Woche über oft kaum aus dem Werke kommen. Die Arbeiter sind im allgemeinen froh, wenn sie nach zwölfstündiger Rcgclschicht— in der Juliglut vor der Hölle der Oefen und Walzen I— ihre müden Knochen ausruhen können. Wenn ein kleiner Teil noch an der Ueberarbeit hängt, so liegt der Grund an der Niedrigkeit der Regellöhne, die es vielfach unmöglich macht, einigermaßen in der Hauswirtschaft auszukommen. Die Unternehmer— besonders die der Hüttenwerke— lassen lieber überarbeiten, ehe sie den Regel- lohn ettvas erhöhen. Und das wuchtige Kampfmittel der Pression durch die Organisation ist von den Arbeitern der Großeisenindustrie bis jetzt immer noch nicht genügend gewürdigt worden. Der Haupt« grund der Ueberarbeit liegt in der Profitgier der Unter- nehmer, in der geradezu Wahn sinnig gestiegenen K i l o h a tz. I Neben der ungeheuren Zahl der Ueberstunden ist die Aus- tnahmewir tschaft in die Augen fallend, besonders bei den �Pausen. Die Schutzverordnung sieht als Regel eine ein- stündige Hauptpause während der Schicht vor. AuSnahms- weise kann sie bis auf eine halbe Stunde herabgesetzt werden. Wie die Ausnahmebewilligungen aus die Pausen wirken, dafür ein paar Zahlen. Im Bezirk Oppeln haben 799 Arbeiter nur eine stündige und 4399 nur eine l/z stündige. im Bezirk Arnsberg- 3929 eine �ständige und 4689 eine Vzstündige, im Bezirk Trier 2469 eine �«stündige, 849 eine �stündige und 1336 eine Vestündige Hauptpause. Die Dauer der Regelschichten beträgt ganz überwiegend zwölf Stunden. 993 Hüttenleute hatten noch längere Regel- schichten, 3769 Arbeiter arbeiteten.nur' 3 Stunden. Im Bezirk Köln waren 4>/z Prozent der Arbeiter der Großeisenindustrie lIVs Stunden, 84 Prozent 12 Stunden und II�/i Prozent drei- zehn Stunden täglich beschäftigt l O h n e die Uebcrstunden, wohlverstanden I Die Fabrikinspektoren berichten, daß durch das Ueberstundenverzeichnis auch die Verstöße gegen die Sonntags- arbeitsbestimmungen besser festgestellt werden können als wie vordem. In der Stadt Düsseldorf kamen bei sieben Firmen 86 Arbeiter in Frage, die in 66 Fällen an je drei Sonn- tagen, in 31 Fällen an je fünf Sonntagen und in elf Fällen an je sechs Sonntagen hintereinander länger als drei Stunden be- schäfligt worden waren. Jämmerlich.hoch' sind wieder die Strafen, die verhängt wurden. 3, 6, 10 Mark Strafe gibt's für Verstöße gegen die Schutz- Verordnung. 29 Mark ist schon.viel'. Trotzdem stehen die Hütleu- Herren der Schutzverordnung nach wie vor mit grimmigem Haß gegenüber, und so unzulänglich der den Arbeitern gewährte Schutz auch ist. Gegenüber dem Geschrei der Unternehmer von der an- geblichen Gefährdung der deutschen Eisenindustrie durch Arbeiterschutz und Sozialpolitik ist es angebracht hinzuzusetzen, was aus Ober- s ch l e s i e n über die Durchführung der Hüttenarbeiterschutzverordnung und ihre Folge» von den Gewerbeaufsichtsbeamten berichtet wird. Da heißt es: .Im schonenden, allmählichen Vorgehen ist ein alle Be- teiligten leidlich befriedigender Zustand geschaffen worden. Die Arbeiter, denen Inhalt und Zweck der Bekanntmachung nun allmählich klarer geworden ist, empfinden das Vorhandensein gesickerter Pausen wohltuend, wenn ihnen auch noch gar manchmal die Einschränkung der Ueberarbeit keineswegs zusagt. Unverkennbar ermöglichte solches Ueberarbeiten den Arbeitern bei ihrem Leben aus der Hand in den Mund, zeitweilig auftretende größere Ausgaben durch erhöhte Einnahmen aus gut gelohnter, offenbar nicht drückend empfundener Ueberarbeit zu decke». Es ist daher auch heute noch sehr oft den Werkslcitern nicht leicht, sich dem Drängen mancher Arbeiter nach Ueberarbeit zu entziehen. Der zunächst von den neuen Bestimmungen herbeigeführte Erzeugungsausfall hat sich durch veränderte Betriebseinrich- tungeu oder eine veränderte Betriebsregelung ,im großen und ganzen abstellen lassen. Bisweilen sind inzwischen sogar Leistungssteigerungen oder andere Vorteile zu ver- zeichnen gewesen, die von den sonst mit der Bekanntmachung immer noch nicht recht ausgesöhnten Werksleitern angeuehm empfunden wurden. Beispielsweise ist in einem Walzwerke die täglicke Walzgutmenge unter dem Einflüsse der Bekanntmachung zunächst von etwa 229 Tonnen auf rund 299 Tonnen gesunken, neuerdings aber wieder auf mehr als 239 bis 249 Tonnen ge- stiegen. Die Steigerung ist durch Einstellung einer genügenden Zahl von Ersatzleuten und durch Einführung von zwei achtstündigen Schichten statt der früher üblichen zwei zwölfstündigen erzielt worden. Dabei ist besonders bemerkenswert, daß die erhöhte Leistung schon in zweinial 3 ist 16 Stunden erreicht wird, und daß das Werk für die übrigen 8 Stunden deS Tages die Ausgaben für den Betrieb der Walzenstraße erspart und diese Zeit für eine weitere Leistungssteigerung noch verfügbar hat.' Damit ist aufs neue erwiesen worden, daß in einer kürzeren Arbeitszeit die Leistungen der Arbeiter verhältnismäßig steigen. Allmählich finden jedoch auch die Arbeiter der Großeisenindustrie den Weg zur kämpfenden Organisation. Bitter not tut es, daß der schwächliche Schutz der Bundesrats- Verordnung entschieden erweitert wird. Grundforderung bleibt der Achtstundentag. kleines Feuilleton- Neinholb Begas. Nun, da er tot ist— er starb am Donnerstag abend im 81. Lebensjahre—, den wir so oft und so heftig be- kämpften, fragt man sich: haben wir ihm auch nicht unrecht getan? In voller Bestimmtheit kommt die Antwort: nicht wir taten ihm das Unrecht, er hat es sich selber zugefügt. Und wenn nicht er, so das Wilhelminische Zeitalter, das über ihn kam. Er ist zugrunde gegangen, als er seine Menschlichkeit gegen höfische Romantik ver- tauschte. Er wäre solchem Tausch aber kaum zugänglich gewesen, hätte er nicht von vornherein die Maßlosigkeit in sich getragen. Es ist darum eigentlich falsch, von einem guten und einem schlechten Begas zu reden, von einem, der aus eigenem Empfinden die schöne Leidenschaft gestaltete, von einem anderen, der gewaltsam brauste, weil er sich verleiten ließ, die Kunst als ein Arrangeur von Festen zu betreiben. Demgemäß: es gab immer nur einen mittelmäßigen Begas. Mittelmäßig zum mindesten in der Selbstbeobachtung: ohne die indes noch nie ein dauernder Wert geschaffen wurde. Mittelmäßig im Charakter, an dem sich noch immer entschied, ob einer zum Sklaven oder zum Stern bestimmt ist. Man erinnere sich, wie Michelangelo dem Papst entlief, weil er fürchtete, die Kunst bedrängt zu sehen. Begas bat sich den absolutistischen Befehlen zum Gefangenen gegeben und hat damit drastisch bewiesen, daß er nichts weniger war als„unser" Michelangelo. Er ivar ein talentvoller Knecht; er hatte, und das ist das Schlimmste, die Erkenntnis für solche Hörigkeit völlig verlören. Er lachte nicht über seine Drom- metenstöße, er freute sich an ihnen. Er war kein Zyniker, vielmehr ein Pathctiker. Die alten Zauberkünstler und Goldmacher, die bei aller Beflissenheit doch nie vergaßen, daß im Grunde sie die Herren und die Fürsten die Genarrten wären, haben der Menschheit mehr geleistet.. Als er anfing, schien es so. als wollte er einem Dämon ge- horchen; er rebellierte gegen die berlinische Klassik und schwelgte im Fleisch. Als dann aber später das Orchestrion seinen Mäcen fand, schwoll es zum Paroxysmus, der alles fraß und nichts neben sich gelten lassen wollte. Begas war eine Seuche. Noch lange wird Deutschland an ihm zu tragen haben, wenngleich mgn sagen kann, daß die eigentliche Begasschule bereits zertrümmert wurde. Das architektonische Prinzip hat den kannibalischen Naturalismus aus- geschaltet. Schon heute empfinden alle Wissenden den Begas als eine Episode.., Wir haben ihm nicht unrecht getan, er hat das Malheur sich selber zugefügt. Warum begnügte er sich nicht mit der Art seiner Menzclbüste, des Schillerdenkmals und der seiner frühen Frauen- alte. Warum begnügte er sich nicht damit, den Ringkämpfen als Preisrichter zuzuschauen, warum begann er selber zu ringkämpfcn »nd zu boxen? Br* Ein Welt-Rassenkongreß. In den letzten Wochen deS Juli fand in London der„Erste Welt-Rasseukougrcß statt. Obwohl sich die Veranstalter alle Mühe gaben, der Welt die Abhaltung des Kon- gresies zu verkünden, hat die Oefsentlichkeit der Zusammenkunft doch herzlich wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Der Zweck des Kongresses war,„im Lichte der Wissenschaft und deS mo- deinen Gewissens die allgemeinen Beziehungen. die zlvstchen Ich verfchiedenm Rassen bestehen, zu diskutieren, um em vollständigeres Einverständnis, freundschaftlichere Gefühle und ein herzlicheres Zusammenarbeiten zu fördern'. Die alles umfassende Prinzipienerklärung enthielt die ausdrückliche Be- mcrkung, daß politische Diskussionen von Aktualität eine unter- geordnete Rolle spielen müssen. In der Praxis waren die brennen« den politischen und wirtschaftlichen Fragen, die sich aus dem Zu- sammenstoß deS modernen Kapitalismus mit den weniger entwickelten Rassen ergeben, Tabu. Man wollte die britische Regierung nickt vor den Kopf stoßen. Unter diesen Umständen kann man es ver- stehen, daß unter den Gönnern der Bewegung die Häupter deS aggressivsten Imperialismus zu finden sind. Abgesehen von den sackwissenschastlichen Erörterungen der Anthropologen und anderer Wissenschaftler waren daher die Arbeiten deS Kongresses von keiner Bedeutung. Mancher Vertreter der farbigen Nassen war auf dem Kongreß erschienen in dem Glauben, daß sich hier eine Gelegenheit bieten würde, die Beziehungen zwischen den verschiedenen Nassen und namentlich die grundlegenden wirtschaftlichen Beziehungen ernsthaft zu diskutieren. Zu diesen gehörte auch der Genosse Honorö Joseph I a x o n. ein Mestize a»S dem Nordwesten Kanadas. Er kam als offizieller Vertreter seiner Nasse und besaß auch Mandate von der Nation der Apachen(Vollblutindianer) und den proletarischen Elemenien der indianischen Mischlingsrasse MexikoS. Auf dem Kongreß schien man sehr besorgt zu sein, Jaxon nicht zu Worte kommen zu lassen. Genosse Jaxon nahm die Gelegenheit wahr, sich mit andere» gleickgesinnten Vertretern farbiger Nassen in Verbindung zu setzen, um einen ständigen Ideenaustausch zu organi- sieren. Er steht auf dem Standpunkt, daß die von dem europäischen und amerikauischen Kapitalismus ausgebeuteten farbigen Raffen dem- selben Feinde gegenüberstebcn als die proletarischen Schickten der weißen Rasse, daß diese Interessengemeinschaft zum gemeinschafilichen Vorgehen führen muß und daß das ideelle Bindemittel der Sozia- lismus ist. Jaxon ist eine sehr interessante Erscheinung. Als junger Student der Universität Toronto»ahm er an der Rebellion Niels(1886) teil. in der seine Slaiiimesgenossen einen letzten verzweifelte» Versuch machlen. das Joch der weißen Landspekulanten abzuschütteln. Der Anführer Niel wurde gehenkt und dasselbe Schicksal würde auch Jaxon erreicht haben, wenn eS ihm nickt gelungen wäre, nach den Vereinigten Staaten zu entkommen. In den Vereinigten Staaten schloß er sich bald der Arbeiterbewegung an, studierte Marx und die sozialistische Literatur und fand im Sozialismus das Mittel zur Be- freiung aller von der kapitalistischen Ausbeutung und Beraubung unterdrückten Menschen. Genosse Jaxon wird in den nächsten Wochen auch den, Festlande einen Besuch abstatten. Aus der Hitzcchronik alter Zeiten. Bei der gegenwärtigen, uns ganz ungewohnten Hitze und Trockenheit haben nachstehende Be- richte alter Schriftsteller über ähnliche Zeiten in früheren Jahr- Hunderten ein besonderes Interesse:„Anno 1136 war so ein dürr Jahr, daß die Bäche und ziemliche Flüsse ausdruckneten, die Wälde sich entzündeten, der Rein umb Cölln so klein wurde, das man durch waten können."(M. Henichen, Von der Dürre). „Anno 1473 ist solche große Hitze und heißer Sommer gewesen, das die Bäche und Wasser nicht allein ausgetrocknet, das man fast Licht mghleo lömtß, syflderv es hat sich guch von solchex Hitze dep SericKts- Deining» Unzüchtige Annoncen. Wegen Vergehen gegen§ 184, Absatz 3 des Strafgesetzbuches hatte die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Kaufmann Otto Bade erhoben, weil er durch Annoncen in der„Zeit am Montag' sowie in einem Witzblatt und durch Versendung von Preislisten und Broschüren„Gegenstände, die zu unzüchtigem Gebrauch be- stimmt sind, dem Publikum angekündigt oder angepriesen" haben sollte. Es handelt sich um Präservativs und andere antikonzeptio- nelle Mittel. In den Annoncen heißt es:„Hygienische Gummi- artikel.— Bester Schutz gegen Infektion. Hervorragend für Ehe- leutc. Preislisten gratis und franko." Auf Grund des Inserats hatten Beauftragte der Polizei unter dem Namen E. Just und E. Kühn ohne Darlegung, ob sie Eheleute seien, sich die Preislisten von-dem Kaufmann kommen lassen. Dann war die Anklage er- hoben worden. Der Mitangeklagte Redakteur Weigand von der „Zeit am Montag' war zu dem gestrigen Termin vor dem Land- geeicht wegen Krankheit nicht erschienen. Die Verhandlung gegen ihn wurde vertagt. Der Staatsanwalt beantragt 29 M. Geldstrafe oder 4 Tage Haft. Er bezog sich auf ein in einem analogen Fall vom Reichs- gericht getroffene Entscheidung. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Halpert, äußerte Bedenken gegen die Auslegung, die das Reichsgericht jenem Paragraphen ge- geben hat. Das Reichsgericht habe einfach statt der Worte„be-' stimmt sind", gesagt:„geeignet sind". Trotz jenes Reichsgerichts- urteils hätten z. B. das Landgericht in Köln, das Landgericht in Hannover und als Berufungsinstanz das Oberlandesgericht in Celle in solchen Fällen auf Freisprechung erkannt, und vermutlich haste daraufhin dort die Staatsanwaltschaft von weiteren Anklagen solcher Dinge wegen Abstand genommen. Herborragende Juristen wie Liszt und andere ständen durchaus nicht auf dem Ständpunkt des Reichsgerichts. Auch hervorragende Aerzte, wie der Geheimrat Reißer in Breslau und mit ihm die Deutsche Gesellschaft zur Be- kämpfung der Geschlechtskrankheiten betrachteten es als eine schwere Schädigung der Volksgesundheit, wenn die Verbreitung solcher Ar« tikel durch das Gesetz behindert wird. Nun sage man, daß durch die Anpreisung solcher Gegenstände der außereheliche Geschlechts- verkehr gefördert werde. Aber wer die Verhältnisse kenne, werde schwerlich behaupten, daß auch nur ein einziger derartiger Fall weniger vorkomme, wenn man der Judikatur des Reichsgerichts folge. Wenn man aber gar die Anwendung antikonzeptioneller Mcttel in der Ehe treffen wolle, so sei das doch ein ungeheuerlicher Eingriff in die intimsten Verhältnisse. Auch dürfe in dem hier vorliegenden Falle nicht unerwähnt bleiben, daß das Vorgehen der Polizei doch auch als antimoralisch und gewissermaßen als An- stiftung zu einem Delikt erscheinen könne. Außerdem aber sei die Versendung der Preislisten und Broschüren nicht als Anpreisung im„Publikum" anzusehen, denn es könne hier, möge die Zahl der Reflektanten auch groß sein, nur von Individuen, und nicht von dem allgemeinen Begriff„Publikum" die Rede sein, da in allen Fällen ein individueller Wunsch vorliege. Aus Gründen der Logik und der- Volksgesundheit sei es sehr zu wünschen, daß die Instanzen- gerichte zu einer anderen Rechtsprechung als die des Reichsgerichts kämen. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu 29 M. Geldstrafe oder 2 Tagen Haft und erkannte ferner auch dem Antrage des Staatsanwalts entsprechend auf Unbrauchbarmachung der Schriften und Annoncen. Die Ansicht des Verteidigers,-daß das Reichsgericht seine An« ficht ändern werde, vermögen wir nicht zu teilen. Bereits vor der jetzigen Fassung deS§ 184 St. G. B., eines Teiles der sogenannten Lex Heinze, sind auf Grund des minder fpezialisierte» älteren § 184 Verurteilungen wegen Versendung derartiger Preislisten und Broschüren erfolgt, wenn die Versendung ohne Rücksicht auf die Person des Empfängers geschah. Die Gerichte prüften von Fall zu Fall, ob solche Listen und Inserate dem außerehelichen Verkehr dienen sollten und verurteilten, wenn sie zur Bejahung dieser Frage gelangten. Die Lex Heinze hat diese Praxis bestätigt und vev- schärft. Derartige Inserate unterliegen also stets der Gefahr straf. rechtlicher Verfolgung. Der Verkauf von Palliativmitteln ist straf- los, unter Strafandrohung steht aber ihre öffentliche Ausstellung. Ankündigung und Anpreisung. Neulich legten wir dar, daß der Ausschluß der Ausstellung solcher Dinge aus der Dresdener Hy- Böhmer Walt entzündet, und gantzer 18 Wochen gebrennet, des- gleichen der Hartz ist auff 4 gantzer Meilen hinweg gebrennet, daß das Land Volk auffgeboten worden, welches viel Bäume nieder- fellen und Graben auffwcrfen müssen, damit den Fcwer gewehret worden."(Sachsen Chronica.) „Anno 1669 ist ein kalter Winter gewesen, darauff ein heißer Sowmer erfolget, das es in etlichen Monaten nicht geregnet, da- durch nicht allein das Gras verdorret, und die Sommer Früchte ausblieben, sondern auch ein großes Sterben, bchdcS an Menschen und Vieh erfolget, also das zu Abend offt das dritte Theil des Viehes kaum wieder zu Hause kommen, das andere ist draußen blieben und gestorben. Bcy den Menschen haben sich gefunden hitzige Fiber, großer Häuptwehe. Item schtvcrliches Husten und Blutspeien, etliche werden im Leibe auch anrüchig und stinken so übel, das fast niemand umb sie bleiben kann. So hellt auch die gifftige Seuche der Pestileich, welche Anno 1649 sich angefallen, noch immerdar hart an." Der oben angeführte M. Henichen bringt seinerseits wieder ältere Berichte und Erzählungen über dürre Jahre in Erinnerung. So heißt es:„Anno 964 gedenket Beda, das binnen dreyer gantzer Jahr kein Regen geschehen, darauf eine solche Thewrung erfolget. da zu 49 und 69 Menschen mit gefalteten Händen gelauffen. sich für großen Hunger miteinander ins Meer gestürtzet." Gesprochene Zeitungen. Das einfachste chinesische Buch zu lesen, erfordert die vollkommene Kenntnis von wenigstens dreitau- send verschiedenen Schriftzeichen, und so darf ein Sohn des Himm- tischen Reiches, der lesen und schreiben kann, mit Fug und Recht als ein Hochgebildeter angesehen werden. So ist es auch begreiflich, daß der„King Pao" und andere Zeitungen nur diesen Gebildeten zugänglich sind. Für die große Mehrheit derer, die nicht zu lesen verstehen, gibt es in Peking Lesesäle, in denen einer dieser Ge- bildeten die Zeitung laut vorliest und der stets zahlreichen Zuhörer- schaft ihren Inhalt erklärt. Diese Lesesäle erinnern, so berichtet die italienische Zctschrist„Attualita". an die evangelischen Gebet- säle, und die Männer, die hier die Zeitungen vorlesen, geben auch zu, daß sie durch die Methode der Missionare auf den Einfall ge- kommen wären, es ihnen nachzutun. Vielleicht ist die Kunde von diesen gesprochenen Zeitungen aus China zu uns gekommen und hat hier die Nachahmung gefunden, die natürlich bei der sehr viel entwickelteren Technik, über die da? Abendland gebietet, eine ganz andere Ausgestaltung erfahren hat. Budapest kann sich rühmen. den Traum Bcllamys von einer telcphomerten Zeitung in die Wirklichkeit übersetzt zu haben. Der„Telefon Hirmanda" hat mehr als 299 Redakteure, die mit Hilfe eines Telephonnctzes von drei- hundert Kilometer Drahtlänge mit über 16 999 Abonnenten in Ver- bindung stehen. Alltäglich wiederholen von morgens früh um acht Uhr bis abends um 19 Uhr acht Stentorstimmen Wort für Wort die Artikel, die von dem Chefredakteur ausgewählt sind, und sprechen sie in die Apparate, die in einem großen Saal zusammen- laufen. Zur selben Zeit werden die erhaltenen Meldungen wieder- gegeben: Telegramme aus dem Ausland. Lokalnotizen. Parlaments- berichte, politische Reden. Börsennotizen, Handelsnachrichten und Gerichtsberichte: kurz, alle die Dinge, die ein großes Tagesblatt zu bringen pflegt. Auch in Rom arbeitet gegenwärtig eine ge- sprochene Zeitung tziejer Arfc gienS-AuZstellMg avs dsw Z 184 elünsmmenen Bedenken unzerechl fertigt war, weil die Frage, ob die zur Ausstellung bestimmten Gegenstände unzüchtigem Gebrauch dienen sollten, schwerlich von irgendeinem Gericht, einschliehlich des Reichsgerichts, bejaht wäre. Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten hätte gerade, weil sie auf Verbreitung der Kenntnis von Krankt heitsschützcrn mit Recht dringt, die Präventivmittel ausstellen oder, was bei der Tendenz der Dresdener Ausstellung gegen Hygiene viel- leicht ratsamer gewesen wäre, auf jede Beteiligung an einer so ge- leiteten Ausstellung verzichten sollen. Ein schweres BootSungliick, bei welchem«in junges Mädchen ums Leben gekommen war, be- fchäftigte gestern unter Vorsitz des Landgetichtsdirektors Zimmer mann die 2. Fcrienstrafkammer des Landgerichts II. Wegen Ver gchenS gegen den ß 323 des Strafgesetzbuches und fahrlässiger Tötung war der Tampferführer Wilhelm Guvlaff angeklagt, weil er beschuldigt wurde, durch Fahrlässigkeit das Sinken eines Bootes verursacht zu haben, wodurch der Tod eines Menschen herbeigeführt worden war. Am v. August vorigen Jahres hatte der Mechaniker Schwuchow, welcher bei dem Direktor Schneider angestellt war. mit dessen Motorboot„AgneS" eine Fahrt nach dem Restaurant „Ostend" in Oberschöneweide unternommen. In seiner Begleitung befand sich ein Student und drei junge Mädchen. Als sich das Motorboot auf der Rückfahrt in der Nähe des Spindlerschen Bade- Hauses in Köpenick befand, folgte ihm in einiger Entfernung der Dampfer„Kyffhäuser" von der Reederei Tismer, der erheblich schneller fuhr wie das Motorboot. Wie die Anklage behauptet, hatte der Angeklagte, welcher Führer des Dampfers„Kyffhäuser" war, nach§ 21 der Strom- und SchiffahrtSpolizeiverordnung die Pflicht, sich in mindestens zwei Bootslängen Abstand von dem bor- auffahrenden Boot zu halten, und ferner mit der Dampfpfeife Signale zu geben ,wenn er die Absicht hatte, das Boot zu überholen. Beides soll der Angeklagte unterlassen haben. Durch diese Unter- lassung sei herbeigeführt, daß daS Motorboot von hinten angefahren wurde. Das Motorboot ethielt ein großes Leck und ging sofort unter. Während es gelang, die beiden männlichen Insassen und zwei der jungen Mädchen von dem Dampfer aus zu retten, ver- schwand das dritte Mädchen, namens Emma Beichle, welches sich in der Kajüte aufgehalten hatte, mit dem Boot in der Tiefe und ertrank. Bor Gericht behauptete der Angeklagte, daß ihn keine Schuld an dem Unglück treffe, da er das sich nur wenig über dem Wasser- spiegel erhebende Motorboot überhaupt nicht gesehen habe, weil es entgegen den polizeilichen Vorschriften keine Hecklatcrne gehabt habe und dadurch von hinten überhaupt nicht sichtbar gewesen sei. — Der Staatsanwalt beantragte dennoch eine Gefängnisstrafe von '1 Monat. Rechtsanwalt Dr. Granemann hielt die Freisprechung unbedingt für geboten, da den Angeklagten keinerlei Verschulden treffe. Es sei in Wassersportkreiscn allgemein bekannt, daß gerade von den kleinen Motorbooten, die wenig sichtbar sind, es unter« lassen werde, am Heck das vorgöfchriebene Warnungslicht anzu- bringen. Das Gericht folgte nach kurzer Beratung den Aus- führungen der Vsrteidigung und erkannts auf Fr«is»rechung des Angeklagten. Schwere Verfehlungen eines Briefträgers lagen clncr Anklage wegen Unterschlagung im Amte und Urkunden- fälschung zugrunde, die gestern die 1. Fcrienstrafkammer des Land- gerichts lll beschäftigte. Angeklagt war der Briefträger Karl RSck. — Der Angeklagte, welcher feit dem Jahre 1300 in Postdiensten stand, war zuletzt auf dem Postamt 65 als Briefträger beschäftigt. Hier führte er sich sehr gut und war allgemein beliebt. Um so größer war das Erstaunen, als sich eines Tages ergab, daß der An- geklagte sich nicht nur an den ihm amtlich übergebenen Geldern vergriffen hatte, sondern auch noch verschiedene Fälschungen verübt hatte. E« ergab sich, daß der Angeklagte einer Frau Sauerwald, die ein Zigarrengcschäft besaß, vorgeredet hatte, er sei auch zur Empfangnahme von Geldern berechtigt. Frau S. übergab ihm daraufhin eine über 185 M. lautende Postanweisung zur Ein- Zahlung auf dem Postamt. Röck zahlte jedoch nur 85 M. ein und dehielt den Rest für sich. Auf dem Postabschnitt fälschte er den Namen der Frau S., nachdem er vorher in deren Namen die Bitte ausgesprochen, der Empfänger des Geldes möge ihr den Rest bis zum November stunden. In gleicher Weife fälschte der Angeklagte mehrere andere Postanweisungen, wodurch er sich in den Besitz von 473 M. setzte. Das auf diese Weise erlangte Geld brachte der Angeklagte zum größten Teil auf der Rennbahn durch. Vor Gericht gab der Angeklagte an, daß er durch Schulden, die in einem von seiner Frau geführten Papiergeschäft entstanden seien, verleitet worden sei, sich an fremdem Gelde zu vergreifen. Das Gricht erkannte, dem Antrage des Staatsanwalts gemäß, auf 4 Monate Gefängnis unter Anrechnung von zwei Monaten der erlittenen Untersuchungshaft._ Ein Wiederaufnahmeverfahren, welches einen interessanten Beitrag zu der Frage der Glaubwürdig- seit der Aussagen jugendlicher Personen liefert, liegt zurzeit der 10. Strafkammer des Landgericht» I zur Entscheidung vor. Bor dieser Strafkammer hatte sich vor einiger Zeit der Schau- spieler Willi G. und der 17jährsge Schriftsetzerlehrling Joh. H. unter der Anklage des Vergehens gegen den§ 176 de? Strafgesetzbuches zu verantworten. Die Anklage stützte sich im wesentlichen auf die Angaben dcS 17jährigen jungen Mannes, der aus der Lehre gelaufen und allllgemein als Tunichtgut bezeichnet war. Der Erst- angeklagte G. bestritt die Angaben des H. auf das entschiedenste und behauptete, es sei ihm unerklärlich, wie H. zu dieser Beschuldigung komme. DaS Gericht hielt die Angaben des jugendlichen Angeklag- ten jedoch für glaubwürdig und erkannte gegen G. auf 2 Monate und gegen H. auf 2 Wochen Gefängnis. Kurz nach der verHand« lung brach H. auf dem Korridor des GerichtSgebäudeS in Tränen aus und erklärte in Gegenwart mehrerer Personen, daß er den ß). zu Unrecht beschuldigt habe. Ihm fei auf der Polizei gesagt worden, wenn er möglichst alleS sage, komme er am besten weg, da eS dann heiße, er fei der Verführte. Er habe dann alles über- trieben und mehr erzählt, als sich tatsächlich zugetragen habe. Da er glaubte, es sei strafbar, wenn man vor der Polizei etwas Falsches aussage, sei er dann vor Gericht bei den falschen Angaben geblieben. Unter Tränen bat er dann den G. um Verzeihung. Auf Grund dieses Vorganges hat Rechtsanwalt Dr. Puppe, der die Verteidigung des G. geführt hatte, die Wiederaufnahme des Ver- fahrenS beantragt. Die Staatsanwaltschaft hat schon die Erklärung Abgegeben, daß sie per Wiederausnahme zustimme Soziales» Achtet, baß die JnvalidenversicherungSansprüche nicht verfallen? Der erweiterte Senat des ReichSversicherungsamis hat eine für die Frage der Erfüllung der Wartezeit erhebliche Entscheidung DaS JnvalidenverficherungSgefetz schreibt vor, daß ein Ver- sichert« nur Dann Anspruch auf Invalidenrente oder Altersrente chat wenn er die tm Z 29 dcS Gesetzes vorgesehene Wartezeit er- lsüllt bat. Die Wartezeit beträgt, wenn der Versicherte mindestens 100 Pflichtbeiträge geleistet hat. 200 BeitvagStvochen. im anderen Falle jedoch 500 Wochen. Die Wartezeit ist dann nicht erfüllt, wenn innerhalb zweier Jahre nicht mindestens 20 lSci Sclbstversscherern nicht 40) Marlen geklebt wordrn sind. ES gelten dann alle An- isprüche auch auS den früher geklebten Marken alS erlofckien. Die KZersicherten. die also auS«in« versicherungspflichtigen Beschäfti- gung ausscheiden, müssen dafür Sorge tragen, daß sie ihren An- spruch aufrecht erhalten; wenn auch nur eine Marke zu wenig ge- klebt ist. gilt infolge der erwähnten Bauern fangvorschrift der«n- gsug) als erlojchea» Der Buchbinder Wilhelm H. wurde Anfang Januar 1910 voll' ständig erwerbsunfähig. Der von demselben bei der Landesvcrsiche rungSanswlt Berlin gestellte Antrag auf Bewilligung der Jnva lidenrente wurde abgewiesen, weil H. die Wartezeit nicht zurück gelegt habe. Die LandeSversicktcrungsanstalt stellte fest, daß H. 515 Beitragsmarken geklebt hat, daß weiter 9 als Bcitragswochcn anzu- rechnende Krankheitswochen vorhanden sind, daß aber von diesen insgesamt 524 Wochenbeiträgcn nur 31 angerechnet werden können weil die vor dem 6. April 1909 zurückliegenden Marken wegen Er- löschen der Anwartschaft keine Berücksichtigung finden könnten. Für den zweijährigen Zeitraum vom 6. April 1907 bis zum 6. April 1909 seien nur lü Beitragswochcn als nachgcwitsen angeschen. Das Schiedsgericht verurteilte auf eingelegte Berufung die LandeSvcrstcherungsanstalt zur Zahlung der Invalidenrente. Es wurde für festgestellt erachtet, daß H. in dem in Betracht kommenden Zeitraum nicht 19, sondern 20 Marken geklebt habe. H. hatte seine Karte, in der 7 Marken enthalten waren, auf dem Polizeirevier umtauschen wollen. Hier wurde ihm aber gesagt, daß er, um seinen Anspruch aufrecht zu erhalten, noch mindestens 13 Marken kleben mühte. Diesem kam H. nach. Die Landesversicherungsaustalt Berlin hat nun eine am 17. April 1909 entwertete Marke nicht mit in Anrechnung gebracht, weil für die Woche vom 12. bis zum 17. April 1909 in der nächsten Karte eine Marke mit gleichem Ent- wertungsdatum bereits vorhanden war. Das Gericht hielt eine der beiden Märken als Pflichtbeitrag geklebt, die andere wurde als freiwilliger Beitrag in Anrechnung gebracht. Dadurch war die Wartezeit erfüllt, denn nunmehr hatte H. für den zweijährigen Zeitraum 20 Marken geklebt. Gegen diese Entscheidung legte die Landesversicherungsanstalt Berlin Revision beim Reichsversicherungsamt ein. Sie bemängelte, daß däs Schiedsgericht eine der am 17. April 1909 entwerteten Marken als freiwilligen Beitrag für rückliegende Zeiten angerechnet habe. Beide fraglichen Marken seien verwendet, um der Beittags- Pflicht für die Woche vom 12. bis zum 18. April 1909 zu genügen. Ter Arbeitgeber hätte die in der nächsten Karte vorhandene Marke nicht mehr verwendet, wenn er gewußt hätte, daß in der alten umgetauschten Karte für die gleiche Woche bereits geklebt wor- den sei. DaS ReichSüersicherungSamt verwies die Entscheidung an den erweiterten Senckt. Der erweiterte Senat des ReichsverficherungS- amteS wies die Revision der LandesversicherungSanstalt zurück. AuS den Eutfchcidungsgründcn seien der Wichtigkeit deS Falles entsprechend einige Stellen wörtlich wiedergegeben: „Nach der ständigen Rechtsprechung des Reichsversicherungs- amtes können Beiträge, die auf Grund einer irrtümlich angcnom- menen Verpflichtung geleistet und deshalb als Pflichtbeiträge un- gültig sind, als frcilvillige WeiterversichcrungSbeiiräge angesehen werden. Dazu bedarf es nicht eines von vornherein auf die Wer- terversicherung gerichteten Willens, vielmehr genügt der allgemeine Wille, die Beitragsmarken überhaupt zur Versicherung desjenigen zu verwenden, für den sie geklebt sind. Dieser allgemeine Wille ist auf feiten des Arbeitgebers, der die überschüssige Marke auf Feld 1 der Karte Nr. 11 offenbar in der Annahme verwendet hat, daß er für die Woche vom 12. bis 15. April 1909 noch keinen Beitrag entrichtet habe, zu vermuten, solange er den Betrag für den über- schüssigen Beitrag nicht zurückgefordert hat, was bisher nicht ge- schehcn Ist und jetzt gegenüber d«r Versicherungsanstalt auch nicht mehr geschehen kann. ES bleibt nur noch zu prüfen, ob es nicht zulässig ist, den Bei- trag rüiflvärts auf den am 6. April 1909 abgelaufenen Anwart- chastszeitraum anzurechnen. In dieser Beziehung ist das Revi- ionsgericht der Rcvisionsentschcidung 1367 sAmtliche Nachrichten >cs R. V. A. 1009, S. 419) gefolgt, wo ausgeführt ist, daß das Ee- dtz den freiwillig Versichernden innerhalb der durch die 46, 146 yes Jnvalidenversicherungsgesetzes gezogenen Grenzen die weiteste Bewegungsfreiheit lasse hinsichtlich der Zeit, in welcher und der Zeiträume, für welche die BeitragSleistung zu erfolgen habe, und >aß es in dieser Beziehung weder eine Erklärung noch einen be« timmten Willen des Versicherten verlang«, anch dann nicht, wenn es sich um hie Nachbringung von Beiträgen für zurückliegende Zei- ten handele. Rur auf den auS den Umständen zu entnehmenden mutmaßlichen Willen des freiwillig Versichernden kommt es an. Dieser Wille ging aber bei dem Kläger, wie das Sckiedsgericht auf Grund der Verhandlung vom 16. Juni 1910 zutreffend angenommen hat, unzweifelhaft dahin, die Anwartschaft für den Zeitraum vom 6. April 190? bis dabin 1909 z» erhalten, und war daher an sich geeignet, den überschüssigen Beitrag aus der Karte Nr. 11 für diesen Zweck dienstbar zu machen. Wenn auch nicht feststeht, wann der überschüssige Beitrag der Karte Nr. 11 entrichtet worden ist, so ist doch anzunehmen, daß dies spätestens Ende Oktober 1909, als der Kläger feine Arbeit einstellte und jedenfalls nicht erst nach Ablauf eines JahreS feit dem auf der Karte vermerkten Ausstellungstage(6. April 1909) geschehen ist. Die Anrechnung dieses Beitrages aus die AnwartschafiSfrist vom 6. April 1907 biS dabin 1908 ist daher unbedenklich. Damit sind aber 20 Beiträge für Liefe Frist nachgewiesen, so Laß die An- wartschaft erhalten ist." Hiid aller Älelt. Cm gcnoITenrcbaftUcbcö Marenbaus. errichten sich jetzt für über 3 Millionen Frank die Zürich« Arbeit«. Ihr Konsumverein fLedenSmittelverein) zählt jetzc über 21 000 Mitglied« au« fast ollen Kreisen der Bevölkerung und ver- zeichnet für da« letzte GeschäflSjahr einen Umsatz von rund 7 Mill. Fr. Die finanzielle Grundlage für dieses Millionenprojekt ist somit ge- gegeben, weSbald es denn auch die letzte Generalverfammlcing sanktionierte. DaS Warenhaus, im modernsten Sinne gedacht, tomml an die„teuerste Stelle von Zürich' zu stehen, im Zentrum der Stadt, des Bank- und Geschäftsviertels, in» Herz der besten Kauf« läge, dahin, wo Arm und Reich von allen Seiten in die Waren- häus« zusammenströmt. Für den Quadratmeter Bauland wurden 562 Fr., für den gesamten Komplex 1900000 Fr. gezablt. Der Verein, der im steten Aufblühen begriffen ist und von allen polizeilichen und gesetzlichen Schikanen k la Preußen verschont bleibt, sich somit nach jeder Richtung hin voll ent- wickeln kann, genießt das Vertrauen der große» Masse der Züricher konsumierenden Bevölkerung und vertritt die Ansicht, daß die Idee des genoslenichaftlichen Warenhauses entschieden in der Richtung der natürlichen Entwickelung des Koniumvereiiiswesen« liegt und daß e« ein Gebot der Klugheit ist, die Idee beizeiten zu reo- lisieren. Um sich das günstige Aussichten versprechende Geschäft zu sichern, hat der Verein— ein Beweis feiner Leistungsfähigkeit— bereits vor einigen Tagen 600 000 Fr. in bar ausgezahlt. Er bat ferner für den Bau bereils weitere 1", Mill. Fr. zur Verfügung, so daß sich Ende nächsten JahreS im Herzen der internalionolen Fremdensiadt Zürich ein Nutz- und Prachlbau erheben irnrd. auf den die weitblickenden Leiter des sozialistischen Geiiossenschaitsweseiis in Zürich stolz sein dürfen und der vielleicht andere leistungsfähige Vereine zu ähnlichen Unternehmungen anspornen wird. Weitere Folgen der Hitze. Köln. Nicht weniger als vier Bnkcttlager im Vorgebirge find infolge der trockenen Hitze in Brand geraten. Die Loschvei. suche hatten nur geringen Erfolg. Paris. Ein blutiges Drama, da» b« Hitze zugeschrieben wird. wird auS A n t o i» e unweit Tournai gemeldet. Ein Buchbinder tötete aus unbekannten Grsiiidnn feine 46 jährige Wirts- fr au und deren Tochter. Hierauf flüchtete er und beging Selbst- mord. indem er sich eine Kugel in die Schläfe jagte. Brii siel. Die Hitze hat in Belgien weitere Opfer gefordert. Mehrere Todesfälle, verursacht durch die Hitze, sind hier wieder zu verzeichnen. Madrid. Jn Matara(Kalabrien) sind drei Personen plötzlich verstorben. Man glaubte, daß e» sich um Cholera handelte: eine jetzt beendete Untersuchung hat jedoch ergeben, daß die Berstorbenen Opfer der Hitze geworden find. London. Ein 77jShriger Mann, der stark unter der Hitze litt, beging Selbstmord durch Vergiften, ein anderer 65jähriger durchschnitt sich auS demselben Grunde die Gurgel. In der Umgebung von Rotts sind alle W a s s e r l ä u s e aus- getrocknet und die Landbevölkerung muß daS Wasser meilenweit herholen. Die Milchpreise sind um 10 Pfennige gestiegen. Seit 43 Jahren ist die Ernte nicht so frühzeitig eingeholt worden wie in diesem Jahre. m Ein ungeheurer Waldbrand, der zwischen Mittenwald und Franzensseste im Eisocktale ausbrach, nahm vergangene Nacht bei stürmischem Wetter eine große Ausdehnung an und be- droht jetzt die ersten Häuser von Franzens feste. Jeder Versuch, den Brand einzudämmen, ist aussichtslos, da die fliegenden Funken alle Schutzgräben überspringen. DaS Militär mußte wegen der Gefahr von den Höhen zurückgezogen werden. Die vernichtete Hoch- waldfläche wird auf 350 bis 400 Hektar geschätzt. In der Ortschaft Runatepewa im ungarischen Komitat Gömör sind 110 Wohnhäus« niedergebrannt. Zwei Kinder sind in den Flammen umgekommen, 800 Menschen sind obdachlos. Zahlreiches Vieh und viel Getreide ist verbrannt. Tragisches Ende eines SchulausflugrS. Auf einem Schulausflug von New Castle nach Swalwell erkrankten, einem Telegramm aus London zufolge. 30 Kinder nach dem Genuß von Beeren, so daß 15 von ihnen unverzüglich ins Krankenhaus geschafft werden mußten und nur die übrigen die Rückfahrt nach New Castle antreten konnten. Drei der im Krankenhaus befindlichen Knaben konnten nach einem Tag wieder entlassen werden, die 12 noch im Krankenhans von Swalwell Weilenden schweben dagegen in Lebensgefahr. Der Lehrer, der die Schüler bei dem Ausflug führte und beaufsichtigte, soll von den Eltern der erkrankten Kinder wegen Fahrlässigkeit zur Rechenschaft gezogen werden. Traurige Eheschließung. In artionlo mortis fNottrauung wegen Todesgefahr) ist dieser Tage in Rom ein Zuchthäusler namens Marchetti mit feiner im St«bcn liegenden Geliebten getraut worden. Diese Ziviltraumig fand statt, um das im Jahre 1904 aus dem Verhältnis der beiden Ünglücklichen hervorgegangene Kind zu legitimieren. Marchetti wurde wegen Totschlag? zu zehn Jahren Zucht- Haus verurteilt. Seine Geliebte, die nunmehr allein für das Kind zu sorgen hatte, wurde daraufhin Kranlenwärterin in einem römischen Hospital und holte sich, wie viele ihrer LrbeitSgefäyrtinnen die Lungentuberkulose. Auf ihrem Totenbett wünschte sie die Eheschließung, und der Sträfling ließ sich aus seinem Zucht- hauS in Sardinien nach Rom schicken. Die Frau lag tatsächlich in den letzten Zügen während die TrauungSzeremome vor sich ging: sie verlor zweimal da« Bewußtsein. Der römische„Meffaggero" macht darauf aufmerksam, daß in dem Zimmer der Schwindsüchtigen vier Personen außer dem sieben- jährigen Kinde schlafen, und fragt sich, warum die Gesell- schaft, die so eifrig die Verbrechende st raft, an ihren eigenen Verb rechen teilnahmlos vorüber- geht._ Kleine Notizen. Die ExplofionSkatastrophe in Wandsbek hat ein weiteres Opfer gefordert. Von den in das Krankenhaus eingelieferten Schwer- verletzten ist der hier wohnende Arbeiter W e g n« r gestorben. Der Zustand zwei anderer Schwerverletzter mutz noch als sehr ernst angesehen werden. Betd« haben schwer« Brandwunden und außer- dem Beinbrücbe erlitten. Wohnsinustat eines ArzteS. AuS Brügge wird gemeldet: Ein Landarzt, der vor einiger Zeit eine Witwe mit zwei Kindern geheiratet hatte, bat gestern die Frau und einrS der Kind« in einem Anfalle von Tobsucht«mordet. Mit der Axt hatte « den beiden Unglücklichen den Schädel gespalten. Der Mörder ergriff nach der Tat die Flucht und konnte bisher nicht er- mittrlt werden.— Ein ähnlicher Fall wird au? Halle gemeldet: Der Geisteskranke Fuchs stieß auf einem Tpaziergange in Eisen» b e r g seine neunjährige Tochter trotz ihres heftigen Sträubens in einen Teich und sprang ihr dann nach. Vater und Kind«trauten. Hungersnot in China. In der Provinz S n h u i steht, wie uns aus Schanghai depeschiert wird, eine Hungersnot infolge starler lleberschwemmungen bevor. Unfall während ein« Schießübung. Während einer Schießübung in der Nähe d« Oedenburger Militärschietzstände flogen mehrere Kugeln in eine V«g»iigungsgesellschaft. Di« Frau eineS Ingenieurs wurde von ein« Kugel getroffen und sofort getötet. Der Kampf um die Hutnadel wird in München energisch durchgeiührt. Heule waren nicht weniger als— sechzig Straßenbahn- schaff»« vor die Direktion geladen, weil fie laut Anzeige der Kontrolleure Damen mit offene» Hutnadeln nicht auS dem Wagen gewiesen hatten. Wenn die Schaffner nun bestrast werden, dann haben die Damen daS auf dem Gewissen. Ein Mustcti« beim Schwimmunterricht«trunken. Ein schwerer Unfall hat sich gestern in der Mililärschwimmanstalt in Neu- r u p p i n zugetragen. Der Musketier Bremer von der zweiten Kom- pagnie des 24. Jnfanterie-RegimentS hatte Schwimmunterricht er- halten sollen. ES war ihm zu diesem Zweck vom Schwimmlehrer ein Gurt angelegt worden, dessen Leine der Lehrer in den Händen hielt. B. sprang ins Waffer, wodurch dem Lehrer die Leine auS der Hand glitt, und versank in die Tiefe. Sofort angestellte Rettungsversilche waren erfolglos. Wirrrrnnasüoersiwl vom s. August 1911. £1 [iiUi ,, � Ii ?ivm-int>e 76! NNW Hnmomg i76:J WSW Kxlit 176191® ijx.mfl a ffl 763®0 iRilmäeri ,763 SW Wien 760 WNW Ihelt« 3k»Ibbd. 3 wollig 1 Dunst 4 wolkig 1 heiter B» t" k? Mü «tattaae» II 01 «■=1 -§||l 91 Bl Ii IBetUt B« 5» t- Havaranda 760 NO( 2 bedeckt Petersburg 764 SA Sctllp ,764 S •idcrr-toi i750 51(11 «an« 765 NW 19 19 16 1 wolkrnl 2 bald bd. bell«« 15 bedeckt' 13 2 «Veeirrvrognose 6»r Sonnabend, den S.«nguft IUI1. Etwas tüdler, veränderlich, vieljach wollig mit leichten RegensSllcn und madigen iudwesUichen Winden. Berliner Wetterbuceaa. Marktpreise von Berlin am S. Anglist 1911. nach ErmIIIellmg de, Königlichen Polizeipräsidiums. M a r t l b a l l c» p r e i I«.(Kleinbandel.) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Köchen 30.00—5000. Eveilcbobncn, meid- 80,00- 60,00. Üinscn 20.00- 60,00. Kartoffeln 10,00-16,00. t Kilo- aranim Rindfleisch, von der Keule 1.00—2.40. Rindfleisch. S-uichfl-isch 1.20 bis 1.70. Schweinefleisch 1,20-1,60. Kalbfleisch l. 40- 2,20. Hammelfleisch 1,50—2,30. Butter 2,20—2,80. 60 Stück Eier 3,00—1,80. 1 Kilogramm Karpfen 1,40—240. Aale 1.60- 3,20. Zander 1.60—3,60. Hechte 1,20 bis 2,80. Barsche 1,00-2,00. Schleie 1,40-3,50. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 2,00—36,00.__ ßrieflurten der Redahtfon. In der Zeit von Montag, den 7. bis Freitag, den 11. August: Sprechstunde abends zwischen 7 und 3 Uhr. «S. H. 79. 1. Nur dann, wenn dl« Wartezeit zum vezug d«Mer». rrnte noch nicht zurückgelegt ist und n Invalidenrente beansprucht. 2. BiS zur Rentengewährung ja. Alsdann kann Besreiung beantragt werden,-m E. B. a. La.- St.«. 100. Klag« ist auSstchtSlo«.— I. 29. Ja. feetin die Kranlheit eine Folge dcZ Dienstes ist.— O. S. S7. ES I a n n Zuschuß bewilligt werden. Antrag an die Eijenbahndirettion.— 100 G. fi. 1. Nein. 2. 22,40 monatlich. 3. Polizeirevier, in dessen Bezirk das Restaurant liegt.— H. 99. 1. 6 Wochen vor jedem Ersten eines Kalender- quartals. 2. Etwa zweimal wöchentlich.— B. H. IVO. Nein.— R. 1000. Sie haben leinen Anspruch.— O. P. Cnvrystr. 12. Die Angaben reichen nicht aus. Es ist zweckmäßig, die Angelegenheit in der Sprechstunde vorzutragen.— O. F. 215. Die Eheschließung ist zu- lässtg.— Spandau R. S. In beiden Füllen leider ja.— K. G. 5. Der Gläubiger kann auch Möbel, soweit sie entbehrlich sind, psönden lasten. — M. d60. In einem Möbelspeicher. Näheres Adreßbuch, Band II, Teil IV, Seite 410. Preis persönlich feststellen.— M. H. Nixdorf. Un- entgeltlich nicht. �Derartige Kataloge liegen auch in Bibliotheken aus. Ge nannt sei hier: Scherl u. Daube, Kürschner, Handbuch der Preste. enstein u. Vogler usw. Vor allem daZ Berliner Adreßbuch, Bd. II. j ist es sehr zweiselhast, ob derartige Verzeichniste aus Vollständigkeit Anspruch Machen können.— C. D. X. Filiale uns unbekannt. Schreiben Sie direkt nach Dresden.— A. K. 200. Nein, nicht unbedingt. Fragen Sie bei der Direktion direkt und rechtzeitig an.— 19. O. S. Zu cr- sahren in jeder größere» Vogeihandlung.— F. P. 25. Es sind I und 3 richtig. Zu 2 soll es heißen: Name der treffliche» Vcrsasscrin Adelheid Popp, sehr bekannt in der österreichischen und inler- nationalen Frauenbewegung.— A. 10. Nein.— M. S. Ja. — F. F. 66. Die Leibrente ist steuerpflichtig. Wiederholen Sie Ihre Ansrage und geben Sie noch an, wie alt die Einpsängcrin ist. Nach Kenntnis des Alters kann die Ansrage erb beantwortet werden.— W. 8. 1336. 1. und 2. Hat mit dem Alter gar nichts zu tun. 3. Bis er Dezember 1912. 4. Längstens süns Jahre.— Rixdorf G. 100. Ja. F. S. 8. Durch die NeichSversicherungSordnung ist der Ersiattungs» ansprach beseitigt.— Golz, Swinemünderstrasie. Ja.— M. M. 88. Ja. etwa 3 M.— H. M. 19. Unseres Erachtens nicht.— K.. Star« garderstr. 78. Wenn das Kind in Berlin erzogen wird, ist 25 M. der Mindestsatz.— Rixdorf, Friedelstraste. Ob eine Strasvsisolgung er« reichbar ist, erscheint zweiselhast. Teilen Sie immerhin den Sachverhalt der Staatsanwaltschajt mit; es ist möglich, daß dort schon weiteres Material vorhanden ist.— H. 5. Ihr Sohn.— E. 8. 6. Ja.— Biiith. 1. 1,80 M. pro Tag. 2. Magistrat.— 923. R. 6. Ja.— W. T. 5555. 1. Gesetzlich I4tägige Kündigungsfrist. 2. Ja, für 14 Tage. 3. Für drei Tage kann Lohn gesordert, außerdem für den angesangenen Tag. 4. Auch bei Stundenlohn gilt die vereinbarte, mangels einer solchen die 14tägige Kündigungsfrist. Die Papiere müssen jedoch ausgehändigt werden. Ii. Nicht verständlich. 6. Nein. i—— ÜüSilll Todes-Anzeigen� WM Statt Jeder besonderen Uleldnng. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten hiermit die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau Wilhelmine(Minna) Mittmann geb. Trätow am 30. Juli abends, infolge Sturzes aas dem Fenster, plötzlich verstorben ist. Berlin, den 4. August 1911. Albert Klttiuann, Pankstr. 9. Die Beerdigung findet hentc Sonnabend nachmittag i'l, Uhr von der Halle des St. Philippus-Apostel-Fried- "em städticchen Friedhof in der Jlüller- 2991B Straße statt. jSoziatileniokralisclieFWalilverein liixdorf. Den Parteigenossen zur Nach- l richt. daß unser langjähriges �Mitglied, der Gastwirt Wilöelm Scimilzcr SteinMetzstr. 35(18. Bez.) 1 am 2. August nach langem Leiden j verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet morgen i Sonntag, den 6. August, nach. | mittags 3 Uhr, von der Leichen- i halle des Jakobi-Kirchhofes, Her- I mannstraße, aus statt. i Rege Beteiligung erwartet > 235/19 Ter Vorstand. Veta! der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Ortsverwaltung Rfxdorf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied Mühelm Sclmitzer am 3. August verschieden ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am\ Sonntag, den 6. August, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des neuen Jatobi-Fried- Hofes, Hcrmannstraße, aus statt. I Um zahlreich« Beteiligung er- sucht 75/13 1 Die OrtSverwaltung. »n>!!>»— ii■■mm Ii Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der stock- arbeiter Withelni Schnitzer am 2. August gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet morgen Sonntag, den ß. August, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Neuen Jatobt-KIrchhoses, Her- mannshaße, aus statt. L«j/13 Um rege Beteiligung ersucht Tie Ortsvertualtung. ip-MeHÄtei rt-tieutscheo Drechsler B,„Bo.r,t: ®. H. 86 Verwaluingsst Berlin 8 Am 2. Aug. verstarb unser Mitglied j Wilhelm Schnitzer. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag. 6. August. nachu>.3Ubr. I von der Leichenhalle des Jatobi-! KirchhosS.Hermannstr., aus statt. I 293/18 Tie QrtSvertoaitnng. i Äd der Buch- uüd SteiDdriitoi-HMeiter ü.| Ärhciteriicn DeulMM. ? Ortsvem aitung Berlin. Am 21. Juli starb nach langer, s r wer« Krankbeit die Kollegin iArmn Sommer. Die Belietzung der Ascheiireftr findet am Sonntag, den 6. August. nachmittags 4 Uhr. in der Urnen- halle des städtischen FriedhoseS, KerichtSstraßr, statt. 2ft8>b vi« Ortsverwaltuw Am Dienstag, den 1. August. starb plötzlich nach kurzem Leiden mein ehemaliger Lehrhcrr, der Schlossermeisler Robert ttünicke. Di« Beerdigung findet heute nachmittag 4 Uhr von der Halle des Sophienkirchhoses. Bergstraße. aus statt. SI54L nclnhald Garth. SozialiiefliokratisehJalilYereiD für den UerliDerBeichstaiswatilkreis. Landsberger Viertel. (Bezirk 401 I.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Metall- arbeiter Otto Schulz Kochhannstr. 14 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nachmittag 5 Uhr von der Leichen- hall« der Auscrstehungsgemeinde in Weißensee aus statt. Um rege Beiciliaung ersucht He»- V«»r«tai,d. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- An zeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß � unser Mitglied, der Gürtler Otto Schulz am 3. August gestorben ist. Ehre seinem Audenken! Die Beerdigung findet am ! Sonnabend, den 5. August, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Auferstehungs- Kirch- | hoseS in Weißensee aus statt. Rege Beteiligiing erwartet ''ßi Qie Ortsvarwaltung Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes und Bruders August Bredow sagen wir allen Freunden und Bekannten, insbesondere den Kollegen der N. A.°G. Klempnerei, Kupserschiniede, Schleijerei unseren tiesgefühlien Dank. 5751L August Bredow. Ernst Bredow. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes ktanl Monien sagen wir allen den herzlichsten Dank. Frau �uxuste Momeu 51562 nebst Kinder. wSchentüche Teilzahlung elegante Kra-Hn fertig und nach Mass, feinste Verarbeitung Herren-Schneiderei nur Fiaif.lilee7U Eineang Tilaller Sit Heste Musterkupons,.Herbst-Neuheiten" sür Anzüge, Kostüme, Meier 3, 4 Mark. Tuchlager- Gesellschaft m. b. H. Dkrtraiidle�lr.�-ZI.d.PriAkhche. 1 Mark ÜB» iSoziaidcinokratlscherWatiivereiQ! des |B. Bert. Reldislags-WjlillfrElsES.| Todes- Anzeige. Am 1. August verstarb unser | Genosse, der Zigarrensabrikant August Wagner, Schulzendorser Straße 18a. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am I Freitag, den 4. August, nach- mittags 4'/, Ubr, von der Leichen- halle deS städtischen Friedhofe», Müllerslr. 44/45, Ecke Seestraße, s aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Her Voestond. wöcftenliiche Teilzahlungen liefereelogant. fertige HeiM- haiMen rsatz lür Mass • nfertig, n. Mass radellos.Austühr JqIIds Fabian Schneidermeister 8r. Frankfuner Strasse il, II ingang Siraus- uerger Plats fl. Geschäfi Turmstr.18 nur erste Etage. ikeln Laden rei- ■.......' und verwandter Berufsgenossen-------------- ZahlstoUc Berlin. Sonntag, den 6. August, vormittags 10 Uhr: lltüljlfiiartifitrr-- �cifoinmliii!!) in Fritz Wiikes Festsäle», Sebastianstr. 39. TageS-Ordnung: Bericht von der Lohttkommission. Kollegen! Es ist dringendste Pflicht der Vertrauens« lente und der Mitglieder, für einen recht zahlreichen Ver- sammlungsbefuch zu agitieren! 43/29 Unorganisierte mitbringen. Die Ortöverwaltnag. Verband der Steinsetzer, Pflasterer und Berufsgenossen Bcntsehlands. ====== Filiale Groß-Borlin.===== Achtung! Achtung! Den Mitgliedern zur Kenntnt«, daß dle Monatsversautmrung siirBezirk Berlin I w den Sosihicn-Sälen» Sophienstr. 47/18, und für Bezirk Berlin II im Saal S des Geiverkschaftshaufes amSonntag�dena�d�Mts�vortm� stattfindet. 17S/V Regen Besuch erwartet vor Toratand. Sozialdemokratischer Wahloerein des II. Berliner Keiehstagswahlkreises Am Sonntag, den«. August, von S Uhr vormittags ab, findet per Urabstimmung die Wahl des gesamten Vorstandes, der Delegierten zum Parteitag I« Jena und der . m""" Delegierten zur Brandenburger Provinzial-Konferenz w folgenden Lokalen statt: Nitzle, Dennewitzstr. 13. Meyer» Oranienstr. 193. Mast, Bergmannstr. 97. Riebke, Planufer 75. J Keufner, Aorkstr. 61. Lindemann, Moritzstr. 9. I Reim, Urbanstr. 29. Ohnesorge. Markgrafenstr. 192 1 Eicke, Schönleinstr. 6. «1/7» J ist nur das Mitglied, welches bis»um April d. I. feine Betträge entrichtet hat.— Das Mitgliedsbuch ist mitzubringen.— Die Wahlzeit beginnt um 9 Uhr vormittags und endet«m 1 Uhr nachmittags. Der Vorstand. I T Großer Anzug-Verkauf Schluß morgen Sonntag ca. 40000 Anzüge für Herren, Jünglinge, Burschen und Knaben darunter Restbestände einzelner Serien, •:: Modelle und Musteranzüge a 1. Herren- Anzüge Gestreifte o. karierte Cheviots Serie II. Herren-Anzüge Serie III. Jünglings-Anzüge rA Serie IV. JünglingS-AnZÜgC Graue, grüne a. braune Cheviots Serie v. Burschen- Anzüge.fa. Serie vi. Burschen- Anzüge 0:T:tt. Serie Vit. Knaben- Wasch-Anzüge Serie viii. Knaben- Sport- Anzüge oXf-e1;.sÄS 21« 33« 11« 17« 750 « 10« 95« 6« I Lüsteranzüge. 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Msrc-s».., iw-, 8'/, Uhr.) Rose. Kasernenlust.(Ans. 8'/, Uhr.) Metrovoi. Hoheit amüsiert sichl Folies Capriee. Drei Frauenhüle. Sie ist eine Ausnahme.(Ansang 8'/. Uhr.) Voigt. Der Aktienbudiker. Noacks. Der kalte Leichnam. Herrnfelb. Das Kind der Firma. Berliner Prater. Die 3 Grazien. (Anfang 7'/- Uhr.) Apollo. Spezialitäten. Baiiage. Spezialitäten. Reichslinlle». Stettiner Sänger. Spezialitäten. Svintcrgiirte». Spezialitäten. Kniser-Panorama. Neu! Besuch von Konstantinopel. Wanderung in den Dolomiten. llrania. Taubenstraste 48/49. Abends 8 Uhr: Helgoland im Wechsel der Zeit. Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—52. Leliiller-Ilienler"ür" Der dunkle Punkt. Lustspiel in 3 Alien v. G. Kadelburg und Nudolj PreSber. Anfang 8 Uhr. Ende 10 Uhr. Morgen und folgende Tage: Der dunkle Pnnkt. Neues Kgl. Opern-Theater(Krou) Eonnabend. 5. August, abends 8 Uhr, zweites Gastspiel Emmy Dostlnn: Tannhäuser. Sonnlag, 5. August, abends 71/, U., Gastspiel Marga Junker- Burchardt: Die Meistersinger von Nürnberg. Montag 8 Uhr: Lohengriit_ Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Bummelstudenien. Täglich; Bummelstudenten. Residenz-Tlieater. Direltion Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Reu einstudiert, Sommerpreise: Die Dame von Maxim. Schwank in 3 Akten von George» Keydeau. Deutsch«.Benno Jaeobsohn. Urania. Wissenschaftliches Theater. laubenstraßo 48/49. Abends 8 Uhr: Helgoland im Wechsel der Zelt. LOGISCHER GARTEN Großes Militär- Doppel-Konzert. Heute Große FestbeleuebtiiDg Eintritt 1 Mk.; Kinder 10 Jahren die Hälfte. unter Theater des Westens. Abends 8 Uhu: Die lustiyenNibelungen. OSE=THEATE Grojje Franliurtei Str. 132. Täglich: Ansang 81/, Uhr. J Kasernenluft. Li Auf der Gartenbühne: En gibt nur«in Berlin. Große Revue._ PASSAGE:::: ANOPT1KUM Das größte Schauetablissement des Kontinents. AM- Ecbcnd-MQ der Mann mit der eisernen Zunge. Ein Fakir ohne Nerven. AGA die tchwebenda Jungfrau. Alles ohne Extra-Entree. Passage-Theater. Abends 8 Uhr: Der erste Komiker d. Jetztzeit. Emanuel Steiner Kechenphänomen und das große • Varietd- Eröffuungsprogramm i LUMA- PARK. Sensationelle Attraktionen. Jobnstowns Untergang. Calro. Lachhaus. Hippodrom Lehmann. Tanagra■ Idealer. Teufelsrad. Moniin• Rouge. Gebirgsbahn. Wasserrufschbahn. Eintrittspreis 50 Pf.(mit Ausnahme der Elitetage). Elätetag! Hentc l Elitetag! Prachf-Höhen-Feuerwerk. Apotheose: Der Michel weint, /f XZ.. der Michel lacht. � AlkaptJllCil Sonntag: Wiederholung des Pracht-Höhen-Feuerwerks. Metropol-Tlieater. Zum 99. Male: Operette in 3 Sitten von I. Freund. Musik von Rudols Nelson. In Szene gesetzt vom Dir. N. Schultz. Ansang 3 Uhr. Rauchen gestatlet. Vtoseks Nlsater. Direktion: lloheri Gill. Berlin N.. Brumienstraße 16. Graste Extra-Borstellung. Am Brunnen vor dem Tore. Liederspiel mit Dir. Dill in den Hauptrollen. Dazu die neuen vor- znglichen Spezialitäten. Ansang 6 Uhr. Kaffeeküche von 3 Uhr ab. Volgt-Tlieater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Heute sowie täglich: Ler Ähtienbudiker. Volksstück mit Ges. u. 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Morgen sönntag�lbs. 9 Uhr nach Freibad Grünau, llrampenburg u. SchmSckwitz. fi1/, Uhr nach Neue Mühle, Freibad Grünau, Krampenburg u, Schmückwitz. Preis hin und zurück 90 Ps., einsache Fahrt 50 Ps., Kinder die Hülste. 109/3 Reederei Zachow. Tel. 7, 6965. ist der schönste Ausflugsort? Immer noch Vichelswerder, °H«rst7ast7 beim Alten Freund. Polles Cannes. Täglich 8'/. Uhr: Parisiana-Ensemble. 3 Frauenhüte. Sie ist eine Ausnahme« Das Strumpfband. Coustn Pamponlette. 8 Uhr: DaS neue August-Programm. 8-/. Uhr: Ensemblc-Gnstaplcl Harry Waiden in Hein Herzenöjunge. Vaudeville mit Ges. u. Tanz in 2 AlL von A. Neidhardt und R. Schänzel. Musil von W. Kollo M"MII JubiiäumS-'Laison 20 jährig. Direktion Anton und Donal HerrnseldS. Heute und lolgende Tage HC D i e N o v i t ä t e II Das Kind der Firma Komöd. In 2 Alt. v. A. u. D. Herrnfeld mii den Auloren in den Hauptrollen. 8cliliiöi2l08ö ösliznlllllng Schwank in 1 Ali von Robert Pohl. Ansang 8 Uhr. Vorverl. 11—2 Uhr. ReicliLlmllLii-TIlealei'. Stettiner Sänger Anfang wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Hax Klieius Sonimcr.Thcater Rudolf Krüger, Hasenheide 13—15. Täglich: Grstriassige Theater. und Spezialitäten-Borstelliingen. Zeltbedachter Theatergarten, bei un. günstiger Witlerung Schutz bietend. Jed. Mittwoch: Gr. Kinderfest. Donnerstag: Elitetag. Volksgarten-Tlieator Sonnabend, den 5. August: Konzert, Theater- u. SpezialitSten. �ontuierS'est deS tilfSvereinS der Angestellten der llg. Berliner OmnibuSgesellschast. puklrnanns Tdeater Sehünhauser Allee 148. Täglich im Herrlichen Naturgarten: Konzert— Clienter SptMlitäten. ttälligZlSlll'ÜAZino. Holzmarktstr. 72, EckeAlexanderstr. JnH.: Mar Schindelhauer. 1.— 16. August: Riesen< Weltstadt-Programm. U.a.: Kurt Armand!, Humorist. C!I» Schwarzenberg, Tanzsoubr. Harry Bienensteins mod. Sketsch. Charles Seiler, Delphischer Malakt Larc Beels, Musil- ErentriqueS. Fieurison DerzeN, Ges. u. Tanz. Kulickes Baderetse. Mosdiler Vivlergkrtell �rtus-Kiot Perlederger Slr. 26, Stendaler Str. 18 Direktion: Karl Pirna». Bernhnrdo n. Mertens Die Macht des Walzers. Z Gossels mit Hunden und Tauben. Milardo, das tanzende Kerlchen. Ada u. Citri ed Relay, Duett. ?? Kio?? der imhiteriöse Würfel The Willuhns phantastischer Alt usw. Ansang 4 Uhr. Vorstellung 6 Uhr. Am Künigsicr. Am Friedrichshain. Jeden Abend'/,10 Uhr: Nie mäll Wer telt. Posse mit Gesang in 2 Akten. Kineisatograpti. Mlltivoch: Ans, wochentags 5, Somit. 4 Uhr. Cafe Selleeue. Rummelsbnrg am See. Inb.: G. TempeL Jeden«onntag: Spezialitäten-tetelL u. Garten-Konzert. Jeden Sonnabend und Donnerstag:» Soireen der Möllmanns Sänger gftr den Inhalt hie der Inserate übernimmt hie Redattian dem Publikum gegeuüber keinerlei Berantwortnug. Verantwortlicher Redakteur: Richard Barth. Berlin. Für den Inseratenteil vergfitw./ Th. Glocke, Berlin. Dritck.». Verlag: Vorwärts Mchdruckerei u. Verlagsanstalt Uaul Singer».Cg« Berlin SW, Dt. 18t. 28. Iahkgang. 2. Keilage Ks Jon» W Inlinn MM AMkbtttd. 5. ZW? 1911. sei Tarifvertrag und Klantnkanpf.: Erst ttcni� Jahre sind c3 her, feit die Jmle, Haver?-bru:n«er nnd andere bürgerliche Ideologen eine Anzahl akademische ab- Handlungen auf den Markt brachten, in denen die sich mehr und mehr einbürgernden Tarifverträge als„gewerbliche Friedensdokumente" und ähnliche schöne Sachen hoffnungsvoll gefeiert wurden. Diese von der Erkenntnis des tieferen Wesens des Klassenkampfes meilenweit entfernten Elemente, wähnten durch ein paar urkundliche Abmachungen die ganze soziale Frage gelöst, und jede? ihrer Bücher klang aus in den salbungsvollen Wunsch, dah es sein Teil zu dieser löb- lichcn Sache beitragen niöge. Die Guten. Doch verdient vermerkt zu werden, das; man sich auch in Arbeitcrkreisen hier und da jener keineswegs entschuldbaren Naivität hingab. Als dann der in diesen Dingen'mehr beflissene Genosse A. Braun die erste selbständige Schrift über das Tarifvertragswesen im deutschen Reich erscheinen liest, betonte er sofort, dast sich die deutschen Arbeiter keiner gefähr- kicheren Täuschung hingeben könnten, als wenn sie in den Tarifverträgen den Anbruch einer Periode des sozialen Friedens, eines Ausgleichs zivischeu Unternehmcrintcressenstmd Arbeiterbestrebungen sehen würden. Die Zahl der Tarifverträge nahm mit jedein Jahre zu und man durfte in der Tat gespannt sein, in welcher Weise diese äustere Fonn des gewerblichen Arbeitsvertrages sich mit den innerlichen Gesetzen des proletarischen Klassenkampfes abfinden würde. Die Aufklärung über diese Dinge sollte nicht allzu lange auf sich warten lasten. Tie gröstte Zahl der ortS- oder gebietsweise ab- geschlossenen Tarife entfiel von Anfang an aus das Baugelverbe. Also war es nur natürlich, dah die baugewerblichen Organisationen hierbei das Versuchskaninchen abgeben würden. Schon vom Jahre ISWZ an hatte sich für die mit der Gesanttlage vertrauten Leiter dieser Organisationen gezeigt, dast die Unternehmer des Baugewerbes planmästig darauf hinarbeiten, eine gröstere Anzahl Tarife an einem besliinmten Tage ablaufen zu lassen. Die Unternehmer suchten das Tarifgebiet immer mehr zu zentralisieren, um so leichtere? Spiel zu gewinnen. Die Nominicrung aller Tarife aus einen Tag war ihr stetes Bestreben. Die in Frage kommenden Organisationen wehrten sich gegen diese Taltik so gut sie konnten. Das Jahr 1908. in dem diese Frage sehr akut wurde, war aus wirtschaftlichen Gründen nicht dazu angetan, es wegen dieser Dinge zu einem umfangreichen Kampfe kommen zu lassen. Aus taktischen Gründen nahmen die beteiligten Organisationen, auch die der Zimmerer, was betont zu werden verdient, damals den zentralen Vertragsentwurf in den Kauf. Die Entscheidung war nun aus das Jahr 1910 verschoben und in den ersten Monaten desselben rüsteten beide Parteien an- gestrengt für den Kampf. Die Augen der gewerkschaftlich und politisch interessierten Ar> bester und Unternehmer nicht nur Deutschlands, sondern man kann wohl sagen der ganzen Welt, richteten sich nun auf das, was sich nach langen Borbereitungen hier zum erstenmal austragen sollte. Und die Sachlage war austerordenllich wichtig. War doch nicht lange vorher das schwedische Experiment, der Äroststreik mifv glückt, und hatte man in Deutschland, der festen Heimat der modernen Arbeiterorganisationen, auster dem nur drei Wochen dauernden, aus Mangel an Mitteln verunglückten Kampf der Berg arbeiter im Jahre 1906, noch keine derartige Bewegung gesehen, wie sie fich hier zwischen zwei mächtigen Gegnern vorbereitet hatte. Nicht wenige pessimistische Stimmen erhoben sich, und das war klart hier sollte ein Schulbeispiel versucht werden, denn wurden die van- arbeiter niedergeworfen, dann schwoll den Scharfmachern auch in den anderen Gewerben sofort der Kamm und ein wüstes Schlagen um den letzten Pfennig in den Gewerkschaftslasten hätte angefangen. Bekanntlich wurden die Pessimisten angenehm enttäuscht, die organi> sierten Arbeiter siegten auf der ganzen Linie, und sie durften noch obendrein den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, durch die wohl- durchdachte, geschickt« Parierung dieses BorstosteS, die Macht und die Ehre der deutschen Gewerkschaftsbewegung gerettet zu haben. Bei der fundamentalen Wichtigkeit, die diesem Vorgang von feiten der gesamten Arbeiterschaft beigemesten wurde— handelte eS sich doch um Sein oder Nichtsein der Gewerkschaften— ist eS daher wohl zu begrüsten, dast sich der vorstand de« Deutschen Bauarbeiter« Verbandes entfchlosten hat, in einer authentischen Schrift") diese Dinge festzuhalten und so auch weiteren Kreisen das Studium dieses bis jetzt interestautesten deutschen Arbeitskampfes zu er möglichen. In seinem Auftrage hat der hierzu in erster Linie be< rufene Leiter des„Grundstein". A. Winnig, eine umfangreiche Darstellung diese? Kampfes in allen seinen Phasen gegeben, und man must. nachdem man das Buch aufmerksam durchgelesen, willig anerkennen, dah hier in präziser Form ein abgerundetes Bild entstanden ist, das an innerlichem Gehalt wie au äusterem Ausbau und Form der Sprache einen hervorragenden Platz in der deutschen gewerkschaftlichen Literatur beanspruchen darf. In zehn Kapiteln führt uns der Verfasser durch alle Einzelheiten des Kampfes. Er zeigt uns an der Hand von Zahlenbcispielen wie die beiden Par- teicn sich entwickelten, wie der Gedanke de? Tarifvertrages mehr und mehr in den Vordergrund trat, und eS allmählich klar wurde, dast es kein Ausweichen mehr geben könne. Die ergebnislosen VerHand lungen und die ebenso verlaufenen VermittelungSvrrsuche der Bc Hörden ziehen vorüber und die Aktivität deS Kampfes steht vor un« da, um nachher zu sehen, wie unternehmerseitS allmählich der schöne Rausch verfliegt und ein ganz solider Katzenjammer bei ihnen ungewünschie Einkehr hält. Nachdem die Kräfte entscheidend gemessen, sind die erst so starren Unternehmer, die da glaubten, in gewisten loser Manier mit den Arbeitern und ihren Geldern Schindluder spielen zu köuuen, einigermahen besänftigt und beginnen klein bei zugeben. Bis nach erneuten VerntiltelungSversuchen der Friede folgt. Bor besten Festsetzung lernen wir noch einmal die durch die Schematisierung der Tarifverträge notwendig gewordene schwere Arbeit der Lohn- und Arbeitszeitfestsetzung in den einzelnen Orlen kennen, die durch die Vermittelung der zentralen Leitung er« folgen muhte. RühmenSivert für die organisierte Arbeiterschaft ist, was im sechsten Kapitel über deren Solidarität gesagt wird. Trotz der viel gelobten und zuweilen auch uützlichcn.llffenilicheu Meinung' hat sich doch gezeigt, dast mit Ausnahme der sozialdemokratischen Presse, deren entschiedenerBeistand im schiverenKampf rühmend hervorgehoben wird, eS nur zwei oder drei liutt liberale Blätter ivaren. die der Wahrheit die Ehre gaben und unparteiisch und leidlich gerecht den Kampf beurteilten. Alle die vielen tausende bürgerlicher Blätter nahmen ffonst unbesehen die ihnen von den Unternehmer teituugen zugesandte» Waschzettel auf. Im entscheidenden Moment verrieten sie ihre eigene Kundschaft. toorauS die Arbeiter lernen uud manch nützliche Konsequenzen ziehen sollten. Aber dast sich die ge« samtc deutsche Presse, von der vornchmsten Zeitschrift bis zum letzten Käseblättchen mit diesem Kampf besagte, dokumentiert, dast sich auch das Bürgertum, vom gerisseneii Scharsmacher bis zum sonst ind'ffe- reuten Spiester, der Tatsache bewustt war, das; hier ein Schlagen um mehr als TageStoerte augehoben hatte. Ebenso tun dieses die Auf« ru°e des Parteivorstandes und der Generalkommission, die zu fincbcncr Zeit die Blicke der Klastengcnosten auf die Nöte der im Feuer stehenden Avantgarde richteten. ' luch der leidige Streit, der nach dem Kampfe zwischen dem Grundstein" und dem.Zimmerer" einsetzte, findet seine Beurteilung. DaS letzte Kapitel gib; einen theoretischen Ausblick für die Zukunft der ArbeitSkämpfe, austcrdem sind dem Buche»och eine Reihe Anlage» beigegeben, in denen alles Wünschenswerte über den Kampf dokumen« tarisch niedergelegt ist. •) August Winnig: Der groste Kampf. 288®. HerauSaeaeben vom Deutsche-! Dauarbeiterverband. Hamburg 1911. Preis S M. Vertrieb durch die Buchhandlung Vor» VärtS, Berlin S�. 63. Natürlich konnten wir den reichhaltigen Inhalt des Buches hier nur skizzieren, aber wir fühlen uns verpflichtet, auf alle Fälle zu be- tonen, dah die Lektüre desselben nicht nur den baugewerblicfieu Arbeitern, sondern überhaupt allen denen zu empfehlen ist, die sich mit der deutschen Arbeiterbewegung bcfasien. Letztere ist zwar nicht arm an theoretischen Publikationen, doch ist auS dem Studium dieser praktischen Vorgänge manche reiche Lehre zu ziehen. ES war eine Notwendigkeit, diese umfangreiche, altenmähige Darstellung zu veröffentlichen, um vielen zu zeigen, dast auch unter der Aera der Tarifverträge die Klassengegensätze nicht emilbert werden, sondern bei erstbester Gelegen- eit um so wuchtiger aneinander geraten und zum ÄuStrag gebracht werden müssen. In solchen entscheidcnden Situationen hilft keine kleinliche Komproniissclei und kein Ausweichen, nur der gebietenden Stunde fest ins Auge scheu uud vorbereitet sein, ist die Losung in solchen Momenten. Das geht aus dem Studium des Wiimigschcn Buches mit aller Deutlich- keit hervor. Und weil, wie der Verfasser ganz richtig betont, der Kampf auf zentraler Grundlage der Kampf der Zukunft ist, kann der denkende Arbeiter, an den sich das Buch in seinem Vorwort wendet, nicht an der Darstellung dieses Schul- beispiels vorübergehen. Ans ihr Ivird er einmal lernen, den Blick fest auf daS Unvermeidliche zu richten und die zukünftige Taktik der gewerblichen ArbeitSkämpfe verstehen, und des ferneren aber auch bei allen TageSuöten den erhebenden Trost gewinnen, dast auch bei solchen grosten AuS- einandersetzungeu die organisierte Arbeiterschaft, sofern sie nur ge- schloffen und tatbereit in die Arena tritt, zu siegen fähig ist. Uud gerade in unserer Zeit ist das Durchdrungensein von einer solchen Einsicht mehr als je von Nöten. Nicht ohne Grund wies der Vor- sitzende der Gcneralkommission der deutschen Gewerkschaften Legten auf dem eben verfloffenen Gewcrkichaflslongreh darauf hin, dast man nicht wiffen könne, waS der Ablauf der Tarife in zwei bis drei Jahren der deutschen Arbeiterschaft bescheren könne. Uud der»Vor- wärtS" hat erst bor kurzem mitgeteilt, mit welcher Eile die Scharf- macher bereits wieder bemüht sind, ihre etwas mitgenommenen Kasten aufs neue zu füllen. Hinter der äußeren Maske der Tarifverträge(lies:„gewerblichen Friedens") agieren die Kräfte deS Klassenlampfes weiter. Dieses an der Hand der gewerkschaftlichen Erfahrung an dem besten Schulbeispiel auch dem blödesten Aug« unwiderleglich mit aller Schärfe bewiesen zu haben, ist das schätzenswerte Verdienst dieses Buche». Aus allen diesen Gründen können wir daS Buch deS Vau- arbeiterverbandes nur empfehlen. Durch sein Studium wird jeder gewinnen. AuS den Erfahrungen deS ersten grosten Tarifkampfes auf zentraler Grundlage ward es auS dem täglichen Leben heraus geboren, ward es im Kampfe gezeugt, im Kampfe, in dem der Proletarier sein Recht finden soll. I. K l i ch e. Lartenitsdte— einfamilitlihäuier! Uns wird unter vorstehender Spitzinarke geschrieben:„Das ist jetzt vielfach der Gesprächsstoff der Arbeiter und der kleinen Leute. Ist dieses Ideal zu verwirklichen? Kann der Arbeiter den Mietspreis für ein Einfamilienhaus bezahlen? Darauf kommt es aber wesentlich an. Wohl sind in Deutschland schon in mehreren Städten Garten städte errichtet, auch aus England hat mau davon gehört, aber es besteht darüber noch nicht genügend Anfklärung, welche Mittel dazu notwendig sind. Ohne Zweifel gehören in erster Linie graste Kapi talien zu billigem Zins dazu, um überhaupt bauen zu können. Der Neuankauf von Land zu teuerem Preis, um Daugelder zu bekommen, ist ein falsches Mittel und zieht oft böse Folgen nach sich. Staat liche und städtische oder sonstige groste Organisationen, die mit Wohlwollen zur Sache stehen, müssen herangezogen werden, damit vor allem ein Fundament zur Existenz vorhanden ist. Dann ist zw nächst zu berücksichtigen, dast der Miet'prciS sich nicht höher stellt als in der Grohstadt. Bon Billigerwohnen als in der Stadt kann keine Rede sein, umsoweniger, wenn man das Fahrgeld nach dem Vorort hinzurechnet, und Leute, die dieses behaupten, kennen die obwaltenden Verhältniffe nicht genügend. Das Einfamilienhaus selbst als Reihenhaus verursacht so viel Kosten inehr gegenüber der Mietskaserne, dast es sehr schwer sein dürfte, billiger als bisher zu bauen. Aber daS Allcinwohnen hat auch seine Vorteile, für die mancher gern etwas mehr bezahlt. Er entgeht dem Trubel des GroststadthauseS, kann Unliebsamletten mit den Nachbarn vermeiden, die gewöhnlich auS Differenzen der Kinder entstehen, hat seinen Garten und kann seinen eventuellen Liebhabereien für Tiere, Pflanzen oder sonstigem huldigen. DaS Prinzip deS AlleinwohncnS kostet aber Geld und der Anhänger desselben muh sich mit der Mehrzahlung abfinden. Ein zweites ivichtigeS Moment kommt hinzu: Die Anhänger des Einfamilienhauses wollen gewöhnlich auch mehrere Räume haben. Das tst gewist ein schöner Wunsch, aber ihn erfüllen ohne Verteuerung ist schon schwerer. Hier wollen wir ein setzen, um auf«inen Uevelstand aufmerksam zu machen, den leider schon mehrere Gartenstädte resp. derartige Unternehmungen gemacht haben, damit er nicht fortgesetzt ivird. Und zwar betrifft cö daS Bauen der zu kleinen Zimmer. Schon die Ausstellung der Baugenossenschaft„Ideal" in der Hasenhaide zeigte auf den Tafeln solche kleinen Zimmer, 3 mal 4 und 3'/, mal 8� Quadratmeter usw. Solche Zimmer sind zu klein und paffen vor allem die Möbel der Jetztzeit, die unsere Arbeiter besitzen nicht in die 3 Meter hohen kleinen Zimmer. Noch kleinere als die auf den: Bilde gezeigten Räume fand der Schreiber dieser Zeile» vor kurzem in einer Änsiedelung bei Grünau(nicht die Baugenossenschaft „Paradies"), die für die bisher in Gebrauch der Arbeiter gewesenen Möbel viel zu klein sind. Hier sind mit wohlwollender Unterstützimg eines bekannten Berliner« mehrere Arbeiterhäufer erbaut worden und harrt man jetzt der Mieter. Aber was fanden wtrl 2 und 4 Familienhäuser, aber n» klein und auch zu teuer. 2 Schlafzimmer und 1 Wohnküche nebst Zubehör und Garten zuin Mietspreise von 37 resp. 85 M. monatlich für je eine Wohnung, liest man auf dem angeschlagenen Schilde. Vorsichtigerweise hat man schon nichts von Wohnzimmern geichrieben. Wir fanden auch keine. 2 Räume zirka 2'/« mal 4 resp. 3'/« mal 4�Mcter und in den Vierfamilienhäusern 2,25 mal 4,25. 3,25 mal 4,25. Dazu eine bequeme Wohnküche nebst Klosett und Baderaum. Ferner einen um das HauS schmal herum- liegenden zirka 100 Ouadratmeier großen Garten. Wenn auch das ganze einen guten Eindruck macht, so must doch gesagt werden, dast die Räume dem Preise entsprechend zu Kein und die Treppen zu ichmal sind. Die Stufen z» den Böden sind lebensgefährlich steil und keine Frau ist in der Lage, mit einem Korb voll Wäsche herauf- noch weniger herabzugehen. Ein breite? Stück Möbel kann nicht die Treppe herauf in dw obere Etage befördert werden. Auf eine diesbezügliche Anfrage wurde uns erklärt, dast diese von außen durch die Fenster heraufgezogen werden müßten. tirka 50 Quadratmeter Gcsamtrmim kosten 444 resp. 420 Mark. elbst wenn man noch 25 Mark MietözinS für daS Gartenland rechnet, so macht daS immer noch 8,50 Mark pro Ouadratmeter. Die Berliner DurchschnittSmieten berechnet inan mit 7 bis 7�/, Mark pro Ouadratmeter. In Hellcrau bei Dresden kostet die Miete in einem EinsamilienhauS für 78 Ouadratmeter 390 Mark oder 5 Mark pro Ouadratmeter und zirka«0 Ouadratmeter Land 20 Mark MietSzin« extra. In„Paradies" 0 Mark pro Ouadratmeter. Von Hellcrau ganz abgesehen, so must man hier doch l1/« Mark pro Ouadratmeter mehr bezahlen als bei uiisercn HanSagrariern, die doch immer aus gute Preise halten. Es ist unverständlich, wo hier eine angebliche Vergünstigung liegt, von der man bei der Er-' richtung sprach. Eine nähere Betrachtung der Bauten gegenüber den Bauten ähnlicher Siedelungen konnte uns auch nicht überzeugen, dast ein derartiges Doppelhaus mit Grund und Boden mehr als 12 000 1 Mark kosten könne. Demnach käme eine recht erträgliche Verzinsung heraus, mit welcher mancher unserer Hauswirte recht zufrieden wäre. Unsere Befürchtung, daß eS unter solchen Umständen dem Arbeiter viel zu teuer werden würde, stieg noch, als wir nach Grünau zurück- gekehrt, an den Anschlagsäulen zirka 20 Wohnungsangebote lasen, wo eS unter anderem in 10 bis 12 Anzeigen hieß:„4 bis 5 Zimmer mit Zubehör Mädchengelast, Badestube, elektrisch Licht und Garten- benutzung zum Preise von 750 Mark" oder andere,„3 bis 4 Zimmer, Zubehör Badestube, Garten für S00 Mark" und kleinere. Also hier im Ort, im Wald und am Waffer Berliner Preise. Woran mag das liegen, dast diese fern liegenden Arbeiterwohnungen so sehr abseits von der gebräuchlichen Art und zu einem andern Preise erbaut wurden.' Vielleicht lernen die Nachfolger daraus, um es anders und besser zu machen." £Ii?s Induftm und Handel Frühzeitige Ernte als Folge der Hitze. Im Fürstentum Lübeck und Ost-Holstsin ist infolge der abnormen Hitze daS Getreide fast einen Monat früher gereift als sonst. Die Roggenernte ist schon überall beendet. Auf den Feldern der großen Güter arbeiten die Dreschmaschinen. Hafer, Gerste und Weizen können gemäht Iverden. Ein trauriges Bild bieten die Weiden, dieser sonst von Milch und Butter überfließenden Landstriche. Das Gras ist welk. Bon einer Grnmmeternte kann gar keine Rede sein. Erbsen, Bohnen und Kohl verschmachten auf den nach Regen lechzen- den Feldern. Und daS in einer äusterst wafferreichen Gegend. Dazu grassiert noch die Maul- und Klauenseuche in unheimlicher Weise. Die Milchknappheit wird von den Agrariern benutzt, neue Beute- zeuge zu machen. Der MilchpreiS ist fast überall um zwei Pfennige pro Liter verteuert worden. Natürlich wird das nach der Knappheit nicht gehoben, sondern bleibt dauernde Einrichtung notabene« wenn es sich die groste Masse gefallen lästt. Walfisch-A.-G. Die drei Städte Sandefjörd, TönSverg und L a r b i k in Norwegen bildeten von jeher daS Zentrum deS Walfanges. Sie haben gewiffermasten das Monopol, weil hier die besten Walfisch« sänger leben und auch die dort domizilierenden mechanischen Werk« stätten auSschliestlich ans daS Walfischgejchäst eingerichtet sind. Ucber die Entwickelnng der Walfang-Akticngesellschastcn gibt die folgende Zusammenstellung Auskunft. Dabei must beachtet werden, daß viele derartige Unternehmungen als geschlossene Handelsgesell- schaften existieren nnd daher genaue Einblicke über die Höhe der in- vestierten Kapitalien und der Profite nicht möglich find. Innerhalb der letztbergangenen Jahre wurden insgesamt ge- gründet: 29 Walfang-A.-G. mit 18,0 Mill. Kronen Aktienkapital, dazu kamen 1909. 6„„ 3,4„„„ 1010.5.„ 4,2, 1911.„ 1.u 2 Ouart. J'„ v.a„ Juli 1011 3, 2,6„ Die Gründungen zeigen, dast im Walfischfang viel ver- dient werden muß. Die oben genamiten 29 Walfang- Aktien» gcsellschastcn erzielten 1910 rund 20 Millionen Mark Brutto« einnahmen. Die niedrigste Dividende betrug 30 Prozent, im Durchschnitt werden 40 biS 60 Proz. ausgeschüttet, vier Gesell» schaften konnten sogar 100 Proz. verteilen I Der eigentliche Aufschwung des WalfanageschäftS hängt mit den Trankochereien in fliegenden Betrieben zusammen. Das Walfang- gebiet kann weit ab von den Küstenstrichen liegen, der Verwertung liegt nichts mebr im Wege. Neben dem nördlichen Polar- m e e r wird jetzt auch der S t i l l e Ozean und das südliche EiSTneer als Jagdgebiet stark ausgebeutet. Die amerika- irischen Walfänger haben ihr Hauptjagdgebiet in der Un, gebung von Britisch-Kolumbia. Jetzt werden auch immer mehr die Nebenprodukte deS Wales systematisch verwertet. Wa ist der Wal» guano ein von den australischen Landwirten gern abgekauftes D ü n g e ni i t t e l. � Die Gesellschaften werden in wenigen Jahren alle Walgebiete gründlich abgejagt haben, der UebergründimgSpcrtode folgt ein all- gemeiner Zusammenbruch. Für die Walfangarbeiter, die in den kalten und unwegsamen Gegenden jahraus jahrein sich geschnnden nnd abgemüht haben, ivobci ihre Bezahlung zu den hohen Divi- denden in schreiendem Widerspruch steht, beginnt dann eine Periode allgemeiner Arbeitslosigkeit, die nicht so leicht behoben werden kann. Ob der Wälfisch selvst ausgerottet wird und ob viele Arbeiter Nachteile in Kauf iiehmen müssen, das ist dem Kapitalismus völlig gleich, er ist ja nicht scittimental veranlagt. Saatenstand. Zu den letzten Saatenstandsnotierungen für Preußen bemerkt die„St. Korresp.": Auch im Juli war die Witterung vorherrschend trocken und heiß. Die Trockenheit wurde allmählich, besonders als im ztveilcn Monatsdrittel die Temperatur tropische Grade erreichte, besorgniserregend. Obgleich sich in allen Landesteilen zahlreiche Ge« wiltcr entluden, waren die Niederschläge überivicgend wirkungslos. Als tierische Schädlinge werden die schwarzen Blaltlänfe, die gerade;» verheerend wirkten, beinah- in allen Berichten hervorgehoben. Auch Mäuse treten wieder zahlreich auf. namentlich in Sachsen und Rheinland. Die Trockenheit konnte jetzt den Getrcidefrüchien nicht inehr schaden, da sie mit Ausnahme des HascrS mit dem Wachstum bereits abgcschkoffen hatten. Wae das Wintergctrcide anlangt, so kann von dem Roggen gesagt Iverden, dast er kau», noch in Frage kommt: denn so weil er nicht schon geborgen war, stand er in Mandeln. Beim Mähen' stellte sich heraus, dast er durch den Junifrost geschädigt ist. da sich vcrhältniSmästig viele taube Nehren fanden. Weizen nnd Roggen sollen, waS die trockene Witterung an Menge schädigte, an Güte durch sie ersetzt erhalten haben. Ihre Strohergebuisse sollen in den wenigen Fallen, in denen Berichte vorliegen, nicht ergiebig sein. Ueber den Spelz liegen besondere Nachrichten nicht vor.' Von dem Sommergetreide ist die Gerste in der Reife am Iveiteften vor- geschritten. In vielen Gegenden ist sie sogar schon geschnitten. Auch das übrige Sommerkorn. mit Ausnahii« de» spät bes.ellten � Hafer?, ist dem Reifen nahe: leider ist davon viel bei der Gluthitze und Trockenheit notreif geworden. Die Erträge an Korn beim Sommergetreide Wersen, abgesehen von der Gerste, in vielen Gegenben sehr gering -"t Sv" Ull!) kic an Stroh noch geringer. Von den Hülsenfrüchten imd die Ackerbohnen und Wicken von den schwarzen Blattläusen derart vernichtet, daß sie teilweise keine Schoten o„setzen konnten Wintcrraps und-Rübsen sind gut eingebracht und werden etwas mehr als einen Normalertrag bringen. Der Flachs soll der Ungunst der Witterung nicht lange mehr widerstehen können. Ziemlich allgemein migünsiig lauten die Nachrichten über die Hackfrüchte, bei denen aller- dingS die Hoffnung auf Befferung nicht ganz aufgegeben wird. Kartoffeln wie Zuckerrüben fangen an, welk zu werden. Die Kar- löffeln sollen'zwar gesund sein, aber zu wenig Knollenansatz haben. Die Zuckerrüben haben furchtbar unter den schtvarzen Blattläusen zu leiden. Ganz trostlos sind m diesem Jahre die Futterverhält» mffe. Klee. Luzerne und W.esen lasse» einen zweiten Schnitt kaum mehr erhoffen. Hier und da ist der Futtermangel schon jetzt fühlbar. Stellenweise'st man bereits zur Trockenfütterung ge» schritten,«chon jetzt müffen die auf den Winter berechneten Heu» vorrate angegriffen Iverden. c JtbuhlunosnBschSft« Credit-Haus »LellvalliÄveo" BelloalllÄiico-Str. 100, I. EUg«. faren u.Jlobel z. knlaat Beding. Berliner Credit-Haus IW Kommandantenstr. 67. 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Gorlchtstr. 84. Ernst Trotz, Reichenbergerstr.tll. Ferd. Tischetzach, W rangelst. 46 Ulbrich"'SSS™' { ArbeHer-Bckletdung � FC 1 hr y Zossenerstr. 33 «H k_2 r fk.» BerwuutS« Rzunburger Laden, Charl�Wallst.SS Hohnsn Döring aÖÄ Landsb. A llee 148. Rixd.. Borgst. 66. RoterLaden,Schöneb ,Hinpigtr.lti8 BSckgreSen, Konditor, j Blottner's GroSbäckerei Geschäfte In Berlin, Chcrlottenburg. Schönoberg, Wilmeradorf.! AdlershoferBäckerel, M. Zigirml. Arnold Beuster's_ I Landbrotfabrik■ Alt-GUcnicke bei Berlin Lieferann frei ilftns Börlla a. Ficgeg. Max Bacher, Ramlerstr. 36. Wilh. RchrcndtManteuffelstr. 99. Bäckerei und Konditorei WUb. ToefUj, Maria nnenatr, 6, ißrail Beyer, Thornoratr. 6. DrUllut/rill Bifkeü«lorf,Hansastr-L. E. zani Krach, Tegel, Schulstr. 1 BuehlÄSohn, Willy Belor. Prenzlauer Allee 42. Hermann Carl, hixdf., Ilermanflslr. 231 Herrn. 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Koficrfabrlken: niirkischc Holnwarenln- dtiMtrie(I.elnunnn), Blumenstraffe 81. Wagner. MnrknSltr. BÄ. Helohclt. Krautftr. 39. Cireulieh(KrUgor), Grüner Weg 28. Plndeinen, Plumenstr. 65. Goldleistenfabrit Tnchierley in Rixdorf. Tischfabrtk II netto, Stralsnuder Straffe»9. WngMfabrit HeNmnth, Dtra- lauer Straffe. TSageiifabrit V«I-, A Rnhr- beck, Kaiserin Nugusta-Rllec, GHarlotienburg. Kammfabrik Bloch, BSarlchauer Straffe 41/ tK und Revaier Straffe t. Bautischlerel Paul, Monumenten, iraffe£3 und Hagel- berger Straffe 4. Jalniisiefabrik Melnr. Frccse, Berlin Niederschönbauseu. Sargfabriken Iloslnnkl, Lichtenberg und Ruinmelöburg. Pianofabrik Spttehv, PotS- damer Str. 29 und Spiithe in Gera. Säiutliehc Betriebe in Hain- bürg. Lteqnth, yorft. Das Perliner SlrbettSwilligen- verinitteluiigSdureau d. gelbeu ..Haudwerkerschiiffberbaiides». Arbeitsnachweis d. Stellmacher- iiiiintig und der TLagenfabri- rnnten» Kaiser-Franz-Greiiadier» Platz. Zuzug ist streng sernzuhalien. vis Ortsvervalinag lZerlia des Deutschen Holzarbeitervcrbandes. Nr. 181. 28. Iahrg KtilU Ks.Armrts"• lüjrip für(Mm, Silkii. Wchi. 5. August 1911. Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste! Auf wiederholte Anfragen erklären wir, daß in Steglitz daß Lokal„AlbrechtShos" der Partei nicht zur Verfügung steht und daher streng zu meiden ist. In Friedenau sind der„Kaiser-Wilhelins- garten" und das Lokal„Hohenzollern" gesperrt. In beiden Orlen steht der Partei kein einziges größeres Versanimlungslokal zur Ver- fügung. Es wird dringend gebeten, obige Lokale zu meiden. Der Besitzer des„Strandschloß" in Tegel hat seine erst am letzten Sonntage gegebene Unterschrift wegen Hergabe seines Saales ichon wieder zurückgezogen. Die Genossen werden ersucht, bei ihren Ausflügen das„Strandschloß" streng zu meiden. _ Die Lokalkommission. Nowawes. Mittwoch, den S. August, abends b'/z Uhr, findet die Versammlung des Wahlvereins im Schnüdtschen Lokal, Wilhelm- stratze 41/43, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Geschäftliches. 2. Der Parteitag in Jena. Referent: Genosse Harder-Wilmersdorf. 8. Bericht der ZeitnngSspedition. 4. Wahl von Delegierten zur Kreisgeueralversammlung und Verbandsversammlung Groß-Berlin. v. Verschiedenes. Stralau. Das diesjährige Volksfest findet am Sonntag, den 6. August, in den Gesamträumen der Witwe Schonert, Neu- Seeland, statt. Großes Vokal- und Jnstrumentalkonzert, große Spezialitätenvorstellung, Gesang und turnerische Aufführungen. VollSbelustigungen aller Art, Verlosung, Fackelpolonäse(jedes Kind erhält eine Stocklaterne). Saale großer Tanz. Billetts: Vor- verlauf 20 Pf., an der Kasse 2S Pf. Berliner JVacfmcbten. I« den Zelten. Von den zahlreichen Tiergarten-Restaurants des vorigen Jahrhunderts haben die ältesten, die„Zelte" an der Spreeseite, es iinmer noch verstanden, sich in das moderne, anspruchs- vollere Zeitalter hinüberzuretten. Vor einem halben Jahrhundert bedeuteten sie für das waschechte Berlinertum etwas ganz Besonderes. Man hatte noch so gut wie gar keine Verkehrs- Verbindungen nach den Vororten, die damals durch die Bank elende Dorfnester waren oder überhaupt noch nicht existierten, scheute auch lange Fußwanderungen und betrachtete einen Spaziergang � vor die Stadtmauer, in den verwilderten Tier- garten hinein, als eine Landpartie. Das war die eigentliche Blütezeit der Zelte, nach denen die Berliner ebenso arg waren wie heute nach weitentlegenen, oft erst in stundenlanger Eisen- bahn- oder Dampferfahrt erreichbaren Wald- und Seeidyllen. So erlangten diese höchst einfach eingerichteten Baulichkeiten, die einstmals wirkliche Zelte waren, eine ungeahnte Volks- tümlichkeit. Wer damals als Fremder nach Klein-Berlin kam. wurde sicher darauf hingewiesen, nicht einen Abend in den Zelten zu versäumen, wo man Berlin im Freien wie kaum an einer anderen Stelle studieren könne. Das hat sich gewaltig geändert. Von der Volkstümlichkeit ist immer mehr abgc- bröckelt. Aber doch zeigt sich hier in drastischer Form noch manches, das mit dem modernen Berliner Leben eng ver- knüpft ist und diesen Lokalen unter ihresgleichen in der Zwei- Millionenstadt eine Ausnahmestellung einräumt. Die Zeltenrestaurants öffnen ihre Pforten schon in aller Herrgottsfrühe. Da kommen als Erste die zahlreichen Früh- aufsteher, die um spätestens sieben Uhr schon die gewohnte Frühpromcnade im Tiergarten hinter sich haben und nun nach einem Mokka lechzen. Da drüben am langen Tisch läßt sich eine lustige Gesellschaft nieder, der man es ansieht, daß sie überhaupt noch nicht schlafen gegangen ist. Die spülen den Bicrmagen mit dem niederschlagenden schwarzen Trank aus, machen einen Mordsspektakel und beratschlagen, wie der angebrochene Vormittag am besten totzuschlagen ist. Parasiten sindS, die vom grünen Baum des Lebens die besten Früchte pflücken und der arbeitenden Welt das Fallobst überlassen. Auch Ewigweibliches in wenig dezenter Kleidung mit wirren Frisuren und überlebten Gesichtern ist darunter, tributheischend von der Freude, und um die jetzige Zeit so mancher Strohwitwer, der unter dem Gaudium der Korona lallend seiner Herzallerliebsten im Ostseebade das Morgen- ständchen darbringt:„Du hast ja keene Ahnung...!" Traum- verloren hält sich am versteckten Eckplatz ein versprengtes Pärchen umschlungen, das unter den Tiergartenbäumen mit dcu Nachtigallen um die Wette jubilierte, die Welt und den Kaffee zu vergessen scheint. Mit der höher steigenden lieben Sonne gibt es eine ganze Weile Ruhe. Die weißgeschürzten Kellner räumen auf, säubern die Kieswege, decken die Tische. Höchst solide Leute treten zum Frühstück und Mittagstisch an. llnd schon gegen drei Uhr erscheinen mit unfehlbarer Sicherheit die Heldinnen der Kaffeekanne mit Romanband. Strickstrumpf und Kritisierbrille auf der Bildfläche. Gibts denn wirklich noch so etwas im modernen Berlin? Ja doch, in den Zelten kann man es sehen und auch noch im Cafö Gärtner ein Stückchen weiter die Spree hinauf oder bei jftstenmacher hinter den Zelten beim Ankerplatz der MietSboote. Da leben die Hciratskonzerte des seligen Kapellmeisters Bilse, mit Kaffee und Kuchen umbrämt, im Freien wieder auf. Ucber die Stickerei hinweg angeln hundert suchende Mädchen- äugen nach dem Zukünftigen, indes Mama sorgsam Wache hält, daß alles zünftig hergeht und möglichst doch der bohe Zweck, nach dem man nun schon so lange vergebens fischt, erreicht wird. Wie mancher hartgesottene Junggeselle bat hier bei den lockenden Klängen � der Musik schon ange- bissen und seine Freiheit verloren! Kichernd, mit viel Gc- schuatter macht es sich eine Schar von Pcnsionsgänscn inmitten des würdevollen Anstandswauwaus bequem. Ein Quartett von alten Damen kloppt unentwegt Sechs- undsechzig, natürlich für einen wohltätigen Zivcck. Zwischendurch placieren sich nicht zu wenig meist schon angejahrte Abenteuerinnen, die in den Zelten ebenso Stanimgast sind wie auf dem Parkett der Witwcnbälle. Dann gegen Abend kommt Zuzug aus den Geschäften. Viel junges Volk, das ehrlich arbeitet und seine Jugend genießen will. Worüber man sich nicht aufregen soll. Aber auch mancher alte, ausgekochte Don Juan, der hier auf Raub ausgeht und mit' dem vollen Portemonnaie dem„Kalbfleisch" Fallen stellt. Und drinnen im dunstheißen Tauzsaal ist„Schwoof." Da fcherbelt man mit Charme und Feuer, mit Grazie und— Gemeinheit. Nur am schönen Sommersonntag wird es noch mal wieder volkstümlich. Da sind die Gärten und die Säle zum Platzen voll. Immer neue Tausende füllen die„Lästcrallec" vor den Gittern und forschen vergebens nach einem freien Stuhl. Am Eingang thront wie vor einem halben Jahr- hundert die Kuchcnfrau, beim Fahrdamm der Händler mit Kinderluftballons. Drüben auf der Promenade bilden feiste Spreewälder Ammen im Sonntagsstaat Chaine, nassauern Musik und kokettieren mit dem zweierlei Tuch, das hier seine „Wurstliebsten" sucht und findet. Die juristische Sprechstunde findet vom Montag, den 7., biseinschliestlich Freitag, den 11. August, von 7 bis 9 Uhr statt. Ein ehrwürdiges Amt. Während die Fischerei in und um Berlin immer mehr zurückgeht, hat sich eine mit ihr zu- sammenhängende behördliche Einrichtung durch die Jahrhunderte erhalten, sodaß sie bereits auf ein recht ansehnliches Alter zurückblicken kann. Es ist das Amt des„Pritzstabel", dessen Ursprung bis in die graue Vorzeit geht und der seinen Namen vom slawischen„Pristav", d. i. Aufseher, herleitet. Die Pritz- stabel, die sich nur bei den Spree- und Havelfischern finden, spielten hier eine sehr umfangreiche Rolle. Sie waren nicht eigentliche Beamte, da sie von keiner offiziellen Stelle ernannt, sondern von den Fischern selbst gewählt wurden. Gerade deshalb aber hatten sie viel weitgehendere Befugnisse. Sie revidierten nicht nur das Fischzeug, den Fischmarkt und den täglichen Fang, sondern sie wurden wohl auch als Schiedsrichter bei gewerblichen Differenzen der Fischer angerufen. Bereits im 17. Jahrhundert versuchte jedoch die Negierung, besondere Amtsvorschriften für den Pritzstabel zu erlassen und es existieren seitdem mehrere Dekrete, in denen der Wirkungskreis des Beamten bestimmt wird. Damit wurden auch allmählich die Einkünfte des Pritzstabcls, die vorher sehr schwankend und ungleich waren, präzisiert und es wurden ihm neben einem festen Gehalt gewisse Neben- einnahmen gesichert, z. B. die Erträge aus Schilfverkäufen, Prüfungsgebühren für Fischnetze, Pfändungsgelder, wenn Netze nicht vorschriftsmäßig waren und dergleichen. In der Mark waren vier Pritzstabel vorhanden, davon einer in Köpenick für den Bezirk Berlin. Nach vielfachen Versuchen, das Amt über- Haupt eingehen zu lassen, hat man sich 1867 entschlossen, den Pritzstabel in die Domänenverwaltung zu übernehmen, wo er als Fischmeister noch jetzt seinen Platz im Etat hat. Aller- dings ist vieles von dem ehemaligen Amt des Pritzstabel ver- loren gegangen, je mehr die Berliner und überhaupt die Spree- fischerei von ihrer einfügen Bedeutung verloren hat. Die Anlegung deS neuen städtischen Wasserwerks in der Wühl- Heide beschäftigte den Magistrat in seiner gestrigen Sitzung. Es soll in der Wuhlheide, wie wir bereits früher meldeten, ein weiteres Grundwasserwerk errichtet werden. Der Magistrat stimmte den Vor- schlagen der Deputation für die städtischen Wasserwerke über die Größe und Art der neuen Wassergewinnungsanlagen zu. Ueber die Frage, ob der Betrieb durch elektrische Kraft, durch Dieselmotoren oder Dampfmaschinen erfolgen soll, wurde die Beschlußfassung aus- gesetzt; sie soll noch in einer Kommission geprüft werden. Der Stadtverordnetenversammlung wird alsbald eine Vorlage über das neue Projekt zugehen. Berliner Asyl-Verein für Obdachlose. Im Monat Juli nächtigten im Männerasyl 15 470 Personen, wovon 8327 badeten, im Frauen- asyl 3708 Personen, wovon 1214 badeten. Arbeitsnachweis wird erbeten: für Männer Wiesenstr. 55/59, für Frauen Kolberger Str. 30. Mit welcher Rücksichtslosigkeit preußische Militärbehörden ihren Drill ausüben, lehrt folgender Fall, der aus Treptow berichtet wird: Um der jetzigen Tropenhitze etwas zu entgehen, ist der Dienst bei dem Telegraphen-Bataillon in die frühesten Morgenstunden verlegt. Auf dem Exerzierplatz in der Elsenstraße wird schon in der fünften Stunde geritten. Hierbei wird aber ein derartiger Staub auf- gewirbelt, daß derselbe weitab von dem Platze noch die Luft ver- unreinigt. ES ist den Anwohnern infolgedessen unmöglich, auch nur ein paar Minuten die Fenster zu öffnen. Der Staub fliegt in der- artigen Mengen umher, daß Leute, welche von ferne die Staub- wölken ziehen sahen, glaubten, es wäre irgendwo ein Brand aus- gebrochen. Die Elsenstraße war gestern früh um>/z7 Uhr überhaupt nicht zu passieren, denn der Staub setzte sich in die Atmungsorgane und beranlaßte starken Hustenreiz. Etwas mehr Rücksicht hätte doch das Publikum zu verlangen. Hoffentlich führen diese Zeilen dazu, diesem Uebelstand in geeigneter Weise abzuhelfen. Tie Krankenhausbevölkcrung der größten Städte. In die Krankenhäuser von Berlin sind in der Woche vom 10. bis 22. Juli insgesamt' 1018 Kranke aufgenommen worden, in Altona 101, Breslau 825, Charlottenburg 198, Düsseldorf 221, Essen 90, Frank- furt a. M 550, Hannover 328, Stettin 134, München 095, Nürn- bcrg 201, Chemnitz 150, Leipzig 334, Hamburg 1123. Der Bestand an Kranken betrug somit am Ende der Woche in Berlin 0539, Altona 442, Breslau 3042, Charlottenburg 721, Düsseldorf 002, Essen 353, Frankfurt a. M. 2107, Hannover 1218, Stettin 578, München 2549, Nürnberg 093, Chemnitz 029, Leipzig 1204, Ham- bürg 4535. Bon den Neuaufgcnommenen litten nach einem Aus- zug der„Urzcitung" an Diphtherie und 5irupp in Berlin 07. Altona 4, Breslau 4, Charlottenburg 4, Düsseldorf 2, Essen 1, Frankfurt 3, Hannover 3, Stettin 2, München 2, Nürnberg 1, Chemnitz 2, Leipzig 1, Hamburg 37. An Lungenschwindsucht litten in Berlin 90, Altona 5, Breslau 22. Charlottenburg 7, Tüssel- dorf 11, Essen I, Frankfurt a. M. 24, Hannover 3, Stettin 0, München 38, Nürnberg 18. Chemnitz 5. Leipzig 29, Hamburg 19. An Magen- und Darmkatarrh sowie Brechdurchfall waren erkrankt in Berlin 07, Altona 3, Breslau 37, Charlottenburg 5, Düsseldorf 19, Essen 5. Frankfurt a. M. 32, Hannover 22, Stettin 2, München 29, Nürnberg 22, Chemnitz 9, Leipzig 25, Hamburg 20. An den anderen Krankheiten der Atmunysorganc litten in Berlin 154, Altona 7, Breslau 52, Charlottenburg 20, Düsseldorf 7, Essen 2, Frankfurt a. M. 38, Hannover 14, Stettin 14, München 71, ZLirn- berg 7, Chemnitz 9, Leipzig 13, Hamburg 83. DaS Ergebnis des KornbluincntageS in Charlottcninrg liegt nunniehr vor. Darnach sind am 16. Juni nach Abzug der Unkosten netto aufgekommen 25 916.15 M. Veicranen, die ans diesem Ertrage Unterstüyungen zu Badekuren wünschen, wollen sich wenden an daS Zentralkomitee des preußischen LandeSvereinS vom Roten Kreuz, Berlin 40, Roonstr. 9. Die Zahl der in der letzten Zeit im Müggelsee, der Dahme usw. Ertrunkenen ist iiugcwöhnlich groß. Gestern wurden allein in der Nähe des biologische» Instituts drei Leichen angeschwemmt, darunter die deS Maschinisten Kuhlmann und des Kaufmanns Schlemminger- Berlin. Bei Neptunshain lvurde die Leiche des ertrunkenen Thiele, und am Wilhelmsstrand die Leiche des Kutschers Ullrich gelandet. Auch die Leiche des Kaufmanns Alex Neumann, Berlin, konnte ge- borgen werden. Die warme Witterung und der Gasverbrauch. Die große Hitze kommt den Berliner Gaswerten nicht uncrlvünscht. Das Publikum wendet sich in einem Maße. von dem heißen Kohlenhcrde ab und dem Gaskochherdc zu, wie noch nie zuvor. Schon im vorigen Jahre war der Zuwachs an neuen Gasabnehmern bei den städtischen Berliner Gaswerken mit gegen 30 000 eine Rekordziffcr. Dieses Jahr wird dieser Zuwachs noch weit höher werden; denn im ersten Halbjahr waren es schon 14 Proz. mehr als im ersten Halbjahr 1910. Jetzt ist die städtische Gaswerksver- waltung genötigt, wöchentlich 1000 Gaskocher aus den Fabriken zu beziehen, um den augenblicklichen und den noch zu erwartenden Ansprüchen der neu hinzutretenden Gasabnehmer gerecht werden zu können. Hierbei spielen die breitesten Bevölkerungsschichten, die diese Kocher in Verbindung mit Münzgasmesseranlagen miet- oder leihweise beziehen, eine Hauptrolle. Selbstmord eines Soldaten. Auf dem Truppenübungsplatz Döberitz hat sich der Gardefüsilier Rahm mit einem Dienstgewehr erschossen. Ter Grund zu der Tat ist anscheinend Furcht vor Strafe, weil er sich außer Dienst betrunken hatte. Vom Hitzschlag getroffen wurde gestern auf dem Alexanderplatz der 49 Jahre alte Arbeiter Paul Rausch aus der Templiner Str. 12 und ein unbekannter Mann von etwa 50 Jahren, seinem Aeußercn nach auch ein Arbeiter, vor dem Hause Elisabethstr. 18. Beide ivurden von der Rettungswache in der Keibelstraße nach dem Kranken- Hause am Friedrichshain gebracht. Bon einem Ackerwagen überfahren und schwer verletzt wurde Donnerstagnachmittag die 28 Jahre alte Kassiererin Frau Martha Neinecke, die in einer Seifenhairdlung in der Bachstr. 2 beschäftigt war. In der Nähe des Geschäftes geriet sie beim Ueberschreiten des Stratzendamms unter das Fuhrwerk, das ihr über die Brust ging. Die Verunglückte wurde mit einem Koppschen Wagen nach dem Krankenhauise Moabit gebracht. Der Polizeipräsident teilt mit: Systematisches Schreiben von Bettelbriefen führt in Berlin immer nocki zu Lebensunterhalt ohne Arbeit. Kein Briefempfänger sollte geben, ohne vom Polizei- Präsidium(Abteilung II) Auskunft eingeholt zu haben. Tragödie auf dem Kirchhof. Auf dem städtischen Kirchhof in der Seestraße erschoß sich Donncrstagnachmittag der 23 Jahre alte Arbeiter Adolf Müller aus der Schulzendorfer Straße am Grabe seines Bruders. Müller kaufte einen Kranz, begab sich damit nach dem Kirchhof und schoß sich, nachdem er den Kranz am Grabe seines kürzlich gestorbenen Bruders niedergelegt hatte, eine Kugel in die rechte Schläfe. Tödlich verletzt wurde Müller am Grabe aufgefunden. Er wurde in einem Krankenwagen des Verbandes für erste Hilfe in das VirchowlrankenhauS gebracht, wo er bald nach seiner Einlieferung starb. Die Motive für den Selbstmord sind noch nicht ermittelt worden. Eine aufregende Szene spielte sich in der Nacht vom Donners- tag zum Freitag in der Belle-Alliancestratze ab. Dort wurden vier Personen, die eine Vergnügungsfahrt nach Mariendorf unter- nommen hatten, infolge Scheuwerdens des Pferdes aus dem Wagen geschleudert und zum Teil schwer verletzt. Wir erfahren zu dem Vorfall folgende Einzelheiten: Der Schneidermeister Löwendorf, Gneisenaustr. 21, hatte mit seiner Gattin und einem seiner Bekannten und dessen Gattin in mnem Break, den er vor einigen Tagen gekauft hatte, eine Spazier» fahrt nach Mariendorf unternommen. Gegen 11)4 Uhr nachts kehrte L., der selbst lenkte, mit seinen Gästen nach Berlin zurück. In der Nähe der Bockbraucrei am Tempelhofer Feld scheute daS Pferd, ein junges feuriges Tier, vor einem vorübersauscnden Auto- mobil und rannte in rasendem Tempo den Berg hinunter. Der Lenker des Wagens verlor jede Herrschaft über das Tier, ließ die Leine fallen und klammerte sich am Sitz fest. Ter außerordentlich kleine und leichte Wagen schleuderte bedenklich und drohte mebr- mals umzukippen. An der Ecke der Dorck- und Bellc-Alliancestraße wurde Frau Haedicke, die ans dem Vordersitz saß. vom Bock gc- schleudert und stürzte so unglücklich, daß ihr die Räder des schwer beladencn Wagens über beide Beine hintoeggingen. Das Pferd raste indessen weiter, ohne daß es L. gelungen wäre, das Tempo des Tieres auch nur einigermaßen zu mätzigen. In der Nähe der Lortzingoper sprang Frau Löwendorf, als das Pferd für einen Augenblick seine Geschwindigkeit verlangsamte, vom Wagen, kam jedoch ebenfalls zu Fall und verstauchte sich den rechten Fuß. Vor dem Hauptportal der Dragonerkaserne versuchte ein junger Mann, dem Pferd in die Zügel zu fallen, dieses bäumte sich, schlug nach hinten aus und traf den Barbier Haedicke so«schwer, daß er in weitem Bogen auf das Straßenpflaster geschleudert wurde. Er erlitt eine tiefe Fleischtvunde am linken Bein und eine Verletzung des Schienbcinknochens. An der Teltower Straße gelang es einem Schutzmann, das rasende Tier, das den Beamten noch eine Strecke weit schleifte, zum Stehen zu bringen. In dem Augenblick, als Löwendorf die Zügel wieder ergreifen wollte, schlug das Pferd nochmals hinten aus und fügte dem Lenker eine tiefe nicht un- gefährliche Fleischwunde am linken Bein zu. Die vier verletzten Personen wurden nach der Unfallstation am Tempelhofer Ufer ge- bracht, wo drei derselben nach Anlegung von Notverbänden in ihre Wohnung geschafft wurden. Frau Haedicke. der beide Oberschenkel gebrochen worden waren und die außer einer tiefen Wunde am Hinterkopf auch eine Gehirnerschütterung erlitten hat, mußte in das Krankenhaus Am Urban übergeführt werden. Der Wagen war bei der rasenden Fahrt fast vollkommen zertrümmert worden. Eine einträgliche Neppcrci betreibt in der Provinz ein Mann von etwa 40 Jahren, der sich Möbclreiscndcr Richard Gumpel aus der Bahnstraße in Schöneberg nennt. Er wendet sich besonders an Uhrmacher und Juweliere,«schwindelt ihnen vor, daß ihm äugen- blicklich zur Einlösung eines Wechsels 150 M. oder noch mehr fehlten, lockt ihnen Darlehen aXund gibt dafür Schmucksachen zum Pfand, die er in Hamburg gekauft haben will. Mit 10 M. Aufgeld will er die Pfänder in 8 bis 14 Tagen wieder einlösen. Die ver- trauensseligcn Leute warten aber vergeblich darauf und erkennen zu spät, daß sie für ihr gutes Geld nur Nepp- und Schicberwaren bekommen haben. Wer ist die Tote? Das Königliche Polizeipräsidium teilt mit: Am 2. August gegen 11'/« Uhr vormittags wurde am Bellevue-Ufer. in der Nähe der Lutherbrücke, die Leickie eines jungen Mädchens aus der Spree gelandet. Sie ist 18— 24 Jahre alt, zirka 1,56 groß, hat volles dunkelblondes Haar, volles, rundes Gesicht, geneigte Stirn, dunkle Augen, dunkelblonde, bogenförmige Augenbrauen, kleine, dicke Nase, spitzes Kinn, vollständige Zähne. Bekleidet ist sie mit schwarzem Obcrrock, weißer Bluse, mit weißem Korsettschoner, einem weißen »nd einem hellblauen Unterrock, weißleincnein Hemde, Baribentleib- binde, braunem Korsett, grauen Strümpfen und gelben Halbschuhen mit Schnalle. Personen, welche Angaben über die Persönlichkeit der gelandeteiljLeiche machen können, wollen sich bei der Kriminalpolizei. Polizei-Präsidium, Zimmer 346, melden oder ihre Wahrnehmungen zu Nr. 3162 IV. 38 11 einem Polizeirevier mitteilen. DaS Gebrüder Herrnfeld-Thcater hat am Donnerstag seine 20. Spielsaison eröffnet. Den Theaterbesuchern wurde eine illustrierte JubiläimiSfestschrift überreicht, in welcher der Werdegang der Herrn- fcldS dargelegt ist. Zu Beginn der Vorstellung sprach Herr Pollack einen Prolog, in dem der Tätigkeit der Gebrüder Herrnfeld während der 20 Jahre gedacht und in welchem dem Berliner Publikum fiir daS erwiesene Wohlwollen gedankt wird.— Als Jnbilänmsgabe gelangte eine zweiaktige Komödie:„Das Kind der Firma" zur Auf« führung, welche die beiden Hcrrnfeld zu Verfassern hat. Wie früher so hatten auch diesmal die Autoren die Rollen als Haupt- darstcllcr übernommen. Der Inhalt deS Stückes baut sich auf einem an die Firma Tscheppernek gerichteten Briefe ans, in dem ein Teilhaber als der Vater eines unehelichen Kindes bezeichnet wird. Die Firma besteht aus drei Kompagnons, Herrn Tscheppernek und seinen beiden Schwiegersöhnen, die alle schon in einem Hoiel in Plauen gewohnt haben, deren Eelvlssen aber nicht ganz rein ist. Einer schiebt die Vaterschaft auf den andern, wodurch die drolligsten Situationen heraufbeschworen werden. Der Knoten löst sich, indem schließlich der Vetter eingesteht, daß er der Schwerenöter ist, der mit dem Stubenmädchen in Plauen angebandelt hat. Den Darstellern wurde reicher Beifall zu teil und die Bühne wurde mit Blumen und Kränzen für die Jubilare wie für die Mitwirkenden überschüttet. Vorausgegangen war der Komödie ein netter Einakter bon Robert Pohl„Schmerzlose Behandlung", der in einem Zahnatelier spielte und einen Don Juan in die größten Verlegenheiten brachte, weil er sich als Vertreter eines Zahnarztes ausgab. Der Zahnarzt half dem Poussierstengel aus der Patsche, in die er geraten war. llebrigens bewies der als Zahnarzt wirkende Herr Gadiel, daß er auf diesem Gebiete eine große Gewandtheit hat, so daß man ihn mit einem richtig gehenden Zahnarzt durchaus verivechseln konnte. Eine kleine Anzahl Beitragsmarken find gefunden worden und im Verbandsbureau, Lindenstr. SS, abzuholen.' Vorort- Mcbricbtem Rkxdorf. Die Freie Tnrncrschaft Rixdorf-Britz veranstaltet am Sonntag, den 6. August, ihr Sommerfest bei Felsch, Knesebeckstr. 48—49. DaS selbe besteht in turnerischen und humoristischen Aufführungen unter Mitwirkimg des„Berliner Ulk-Trio". Da der Verein bei Partei festlichkeiteil stets mitgewirkt hat, wird gebeten, die Veranstaltung durch Besuch zu miterstützen. Zwei große Dachstuhlbrände verursachten vorgestern nachmittag und gestern früh der Rixdorfer Feuerwehr schwere Arbeit. Um S Uhr iiachmittags brannte es an der Ecke der Hermann« und Thomasstraße. Der Dachstuhl des großen Hauses ging ganz in Flammen auf. Bei den Löscharbeiten, die über zwei Stunden dauerten, wurden drei Feuerwehrleute erheblich verletzt. Gestern früh in der vierten Stunde wurde die Wehr nach der Niemetzstraße Nr. 16 gerufen. Als sie an- lam, brannte der Dachstuhl schon lichterloh. Auch hier wurde er ganz vernichtet. Die Wehr hatte wieder L'/g Stunden mit 4 Rohren zu tun, um des Feuers Herr zu werden. In diesem Falle wurde vorsätzliche Broildstiftung festgestellt. Alle Bodenverschläge waren mit Petroleum begossen. Der Eigentümer Kaufmann Riemetz weilt augenblicklich im Bade. Zu dem Raubanfall in der Thüringer Straße werden wir ge- Beten mitzuteilen, daß der Fabrikmaurer Benihard Schulze, Ossa- straße 34/35, dessen Eltern Juliusstr. 67/SS wohnen, mit dem verhafteten Täter Schulze nicht identisch ist. Oranienburg. Den Arm in einem Motor zerrissen. Schrecklich zugerichtet wurde der ISjährige Zimmerlehrling Franz Hermann, der bei dem Zimmermeister Menzel in Oranienburg in Stellung war. Auf dem Neubaugrundstück der Traubaschen Brauerei sollte ein drei Zentner schwerer Motor nach dem vierten Stockwerl emporgewunden werden. Der junge H. war im vierten Stockwer! aufgestellt und er sollte hier das Zeichen geben, sobald der Motor am Endpunkt war. Statt dessen zog er an der Reißleine mit, und als die unten stehenden Arbeiter plötzlich etwa» nachließen, geriet H. mit dem rechten Arm in das Getriebe de? Motors. Der Unglückliche wurde mit hoch» gerissen und schwebte in dieser Lage in freier Lust. Der Motor stürzte in die Tiefe und der Lehrling wurde mitgerissen. Der Unter- arm ist dem Verunglückten bei dem Unfall vollständig zermalmt worden. Spandau. Spanbau gegen Professor Ebetstaitf."" Eins Feriensitzung hielten die Stadtverordneten trotz der großen Hitze am Donners- tag ab. Um die Temperatur im SitzungSsaale einigermaßen er- träglich zu machen, hatte man an den Seiten und sogar auf dem VorstandStisch Behälter, in welchen sich Eis befand, aufgestellt; i�nützt hat dir Geschichte auch nicht viel, denn es blieb noch reich- lich heiß. Gleich als erste Nummer beschäftigte die Versammlung die Angelegenheit mit dem Professor Eberstadt. Die Stadtverord. nctenversammlung hatte in einer ihrer letzten Sitzungen eine ge, mischte Kommission gewählt, welche sich mit der Prüfung der Sache und mit geeigneten Vorschlägen und Erklärungen beschäs- tigen sollte. Der Magistrat scheint aber dieser Kommission vor- gegriffen zu haben. Zunächst war der als Referent bestellte Stadt- verordnete Tr. Baumerl nicht erschienen. Der Vorsteher Lüdicke erklärte aber, daß die Angelegenheit doch beraten werden könnte. Ter Magistrat habe nämlich beschlossen, gegen den Pro- fessox Dr. Eberstadt Strafantrag zu stellen und ersuche die Versammlung ihr« Zustimmung zu erteilen. Der Oberbürgermeister K o e l tz e bemerkte hierzu erklärend, daß der Magistrat die Beleidigung, in dem bekannten Aufsatze des Pro- fessor Eberstadt in den Preußischen Jahrbüchern darin erblicke, daß er dem Magistrat vorwerfe, er habe einseitig Partei für die Hausbesitzer genommen. Es sei daher nach Ansicht des Magistrats zweckmäßiger, gegen den Professor Eberstadt Strafantrag zu stellen, damit bor Gericht eine Prüfung der Angelegenheit statt- finden kann und Professor Eberstadt in die Lage gebracht werde, den Beweis für seine Behauptungen zu erbringen. Allerdings könnten dem Professor Wahrung berechtigter Interessen zur Seite stehen. Nach Ansicht des Magistrats gehen aber die Ausdrücke in dem Artikel weit über den Rahmen der berechtigten Interessen hinaus. Hierauf verliest der Oberbürgermeister vine zirka 4l> Seiten lange Niederschrift, in welcher er die Ausführungen des Professor Eberstadt zu widerlegen veriucht. Außer der Ansicht, daß der Ma- gistrat einseitig Hausbesitzerinteresse» vertrete, wird in dieser Niederschrift eigentlich alles zugegeben, ivas Dr. Eberstadt der Stadt Spandau zum Vorwurf macht, nämlich, daß eine große An- zahl schlechter Wohnungen vorhanden sind und daß selbst die Stadt solche schlechte Wohnungen vermiete. Aber, so wird in der Nieder- schrift gesagt, wenn die Wohnungen, die selbst der Kreisarzt nicht für ganz einwandfrei erklärt hat, hübsch sauber gehalten werden, dann machen sie keinen schlechten Eindruck und den Mietern, die darin wohnen, gefalle es so wohl, daß sie gar nicht ausziehen lvollen, namentlich weil die Wohnungen so billig sind. Außerdem lmbe der Fiskus ja auch das ehemalige Zuchthaus für eine Kaserne verwendet. Solch« Fälle lvären noch mehrere nachzuweisen. In der sich anschließenden Diskussion spricht der Stadtverordnete Genosse Pieper seine Verwunderung darüber aus, daß in. der Sache so schnell gearbeitet l norden sei. Professor Eberstadt müsse dem Magistrat doch wohl bittere Wahrheiten gesagt haben. Es sei auch mal nicht wegzuleugnen, daß in dieser Beziehung Miß- stände in Spandau bestehen. Es existieren Wohnungen hier, die den Namen Wohnungen nicht verdienen und wenn sie nicht der- mietet werden dürften, dann wäre sicher eine Wohnungsnot vor- Händen. Er spricht dann die Befürchtung aus, daß bei dem Straf- etntrag nicht viel herauskommen werde, denn der Professor werde schließlich den Beweis der Wahrheit antreten und dann bezahle die Stadt die Kosten. Die Versammlung stimmt schließlich dem Antrag des Magistrats auf Strafverfolgung zu. Ucber die künf- tige Versorgung der Stadt Spandau lagen der Versammlung die Verträge vor. Danach soll zur Versorgung der Stadt Spandau, sowie der Landkreise Osthavelland, Westhavelland und Ruppin imt Elektrizität eine Gesellschaft mit bcschräntter Haftung unter der Finna„Städtisches und Kreis-Krastwerk Spandau G, m. d. H." errichtet werden. Das Stammkapital der Gesellschaft be- trägt'2 Millionen Mark. Der Mindestbetrag einer Stamineinlage beträgt 50 909 Mr. Auf das Stammkapital haben nach dem Per- trag bar einzuzahlen: die Siadigeincinde Spandau 1 Million Marl, der Landkreis Osthabellalld 500090 Mk.. der Landkreis West- Havelland 250 090 Mk. und der Landkreis Ruppin 250 000 Mk. Der Auffichtsrat besteht aus 6 Personen, die jedesmal auf sechs Jahre ernannt werden. Drei davon sind vom Magistrat der Stadt Spandau, je eine von den beteiligten Landkreisen zu ernennen. Ter Magistrat von Spandau wählt den Vorsitzenden und die Vcr- treter der Landkreise den stellvertretenden Vorsitzenden. Die Mit- glieder des Aufsichtsrats erhalten als solche keine Vergütung, sondern nur den Ersatz ihrer baren Auslagen- In dem Strom- lieferungsvertrag wird der Preis für die Kilowattstunde bis zum 31. März 1925: für die ersten in einem Geschäftsjahr abgrnom- menen 3 Millionen Kilowattstunden auf 6 Ps., für die 4. und 5. Million in einem Geschäftsjahr abgenommenen Kilowattstunden auf 5lh Pfennig und für die darüber hinaus abgenommenen Kilowattstunden auf 5 Pf. festgesetzt. Vom 1. April 1925 ab bleiben weitere Vereinbarungen vorbehalten. Nach ganz kurzer Debatte stimmte die Versammlung sowohl dem Gescllschaftsver- trag wie auch dein Stroinlicferungsvcrtrag zu.— Für den Ausbau der Pionicrstraße, die sich in einem sehr schlechten Zustande befindet, bewilligte die Versammlung 146 300 Mk. Ferner ge- nehmigte die Versammlung den Entwurf und den Kostenanschlag der Hafenonschlußbahn und bewilligte bie Mittel in Höhe von 1213 000 Mk. Das ist die vierte Million, die für den Hafen aus- gegeben wird, welcher der Stadt bisher so gut wie gar keinen Nutzen bringt.— Endlich soll eine alte Spanoaucr Berühmtheit, der sogenannte„Deutsche Rhein", ein kleiner Mühlengraben, der der Stadt nicht zur Zierde gereichte, verschwinden. Es wurden für die Zuschüttung desselben 21 500 Mk. bewilligt. Es wurden trotz der großen Hitze noch eine ganze Anzahl kleinerer Vorlagen teils erledigt teils vertagt. Von den sozialdemokratischen Stadtverord- neten ist der Antrag eingebracht worden, die Stadtverordneten- wählen für die 3. Abteilung an einem Sonntag stattfinden zu lassen. Dieser Antrag wird in der nächsten Versammlung ver- handelt werden. Merkwürdigerweise hörte man noch nichts von einem Ausliegen der Wählerlisten. Nowalves. Ein gefährlicher Brand kam am Donnerstag nachmittag in dem Hause Großbeerenstraße 61 auf unaufgeklärte Weise zum Ausbruch und vernichtete innerhalb kurzer Zeit den gesamten Dachstuhl und das oberste Stockwerk des vierstöckigen Vorder- sowie eines Teiles des Seitengebäudes. Zwei Züge der Feuerwehr griffen die lammen mit vier Rohren an und vermochten die unteren itockwerke sowie den neuangebauten Teil des Seitenflügels zu halten. Bei den schwierigen Löscharbeiten zog sich der Zenerwehrmann Dübel eine Rauchvergiftung zu und wurde von einen Kameraden in bewußtlosem Zustande auf das Nachbar- gnmdstück gebracht, wo sich sofort einige Mitglieder beider SanitätSkolonne» um ihn bemühten. Als der hinzugerufene Arzt erschien, hatte der Erkrankte bereits das Bewußtsein wieder erlangt, nach einigen Stunden Ruhe konnte er nach Hause geleitet werden. Die etwas später eingetroffene Freiwillige Feuerwehr aus Wannsee beteiligte sich gleichfalls an de» Löscharbeitrn. Der Betrieb der elektrischen Straßenbahn über die Bergstraße bis zur Plantagenstraße ist wegen der in Angriff genommenen Eisen- bahnhöherlegungsarbeiten eingestellt worden. Die Straßenbahn ist bis auf weiteres von dem setzigen Endpunkte vor dem Grundstück Kaiser-Wilhelm-Stratze 26 zu benutzen. Die provisorische Weiter- führung derselben über den Lutherplatz bis zur Eisenbahnstraße ist in Angriff genommen und wird in Kürze fertiggestellt sein. Da die Kaiser-Wilhelm-Straße wegen Tiefcrlegung gesperrt ist, wird der Durchgangsverkehr vorläufig durch die Babelsberger Straße geleitet. Di« Freigabe der Fußgängerbrücke im Zuge der Wilhelmstratze, die bis zum 5. August höhergelegt werden sollte, wird sich etwas ver- zögern._ Jugendveranstaltunge«. Rixdorf. Sonntag, den 6. August. Havelwanderang. Treffpunkte früh 6>/, Uhr an den Ringbahnhöfen Berg- und Hermannstrotze. Fahrt dB Grunewald, von da Wanderung über Schildhorn, Gatow, Cladow Sacrow (Römerschanze. Piaueuinlel nach Wannsee. Fahrgeld mit Iledersetzen 75 Pf. Die Teilnehmer werden ersucht, Proviant mitzubringen, speziell etwas Trinkbares.______ Aus der frauenbewegung. Eine Reform der Wiener„Sitte". Die Polizeidirektion in Wien hat sich veranlaßt gesehen, die Vorschrifien, die für die unter sitienpolizeilicher Kontrolle stehen- den Prostituiertem gelten, in fortschrittlichem Sinne zu ändern. Der sanitäre Zweck dieser Uebecwachung wird in den Vordergrund gestellt. Direkt verboten bleibt das gemeinsame Herumstreifen mehrerer Liebesverkäuferinnen und die Aufent« baltSgewährung an Zuhälter. Sonst sollen nur die gleichen An- standsreaeln gelten, wie für jedermann. Das bisherige Verbot für Prostituierte, sich vor Einbruch der Dunkelheit zu zeigen, fällt. Nur ganz ausnahmsweise können für Häuser, in denen mehrere Dirnen wohnen, Sondervorschriften erlasse,» werden, die sich aber aller kleinlichen und ins einzelne gehenden Beschränkungen ent- halten sollen. Bei erstmaliger Uebertretung soll nicht gesttaft werden. Die Beziehungen der Prostituierten zu ihren Wob» nunjjSgebern müssen sich auf das M i et v e r h ä l tn i S beschranken, die Wohnungsgeber dürfen keinen Einfluß auf die Ausübung des UnzuchtsgcwerbcS nehmen. Eine weitergehende Verhinderung der schandvollen Ausbeutung der Liebesverkäufc- rinnen durch die WohnungSgeber ist im Entwurf zum Strafgesetz geplant. Für Minderjährige soll an Stelle der Kontrolle ein nicht bureaukratischcs Fürsorgeverfahrcn treten, auch soll die Ber- hängung der Kontrolle nur unter besonderen Bedingungen zu- lässig sein und familiäre Rücksichten nickst außer acht lassen. Die Errichtung von Bordellen ist untersagt, die bestehenden — in Wien nur wenige— sollen streng beaufsichtigt werden. Eine ambulatorische Nachbehandlung nach Heilung jeder geschlecht- lichen Erkrankung soll der Vorbeugung dienen.— Der Wille dieser Verordnung mag ja recht gut sein; die gräßliche Begleiterscheinung unserer Zeit wird dadurch kaum sehr gemildert werden können. Die Prostitntion in Chikago. In Chikago hat die sogenannte L a st e r k o m n, i s s i o n die Sittlichkeitöverhältnisse im allgemeinen und die Bordellzustände im besonderen untersucht. Die Ergebnisse der Untersuchung werden geheim gehalten: nichtsdestoweniger ist vieles durchgesickert, und der „Daily Soeialist" fordert völlige Veröffentlichung der Resultate jener Enquete, vor allem verlangt das sozialistische Blatt, daß die„Laster- kommission' durch die Staatsanwaltschaft gezwungen werde, die Namen der durch die Untersuchung bloßgestellten Herrschaften preiszugeben ohne Ansehen der Person und der demokratischen oder republikanischen Parteifreundschaft! Wie gesagt, trotz aller Vertuschungsversuche ist gar manches ve- kannt geworden, was einen Einblick in die Schrecken dieser entsetz- lichen weißen Sklaverei gestattet und zeigt, wie die jungen Mädchen zu Tausenden und Abertausenden aus den Heimarbeitsbuden, den Warenhäusern, den Bureaus mit ihren Hungerlöhnen in die Fang- arme der Prostitution gelockt werden. In Chikago be- steht ein.hochvornehmer" Klub, vergleichbar der Eulenburg- fchen„Tafelrunde" homosexuellen Angedenkens. Die Namen der Kluvmitglieder werde» von der„Lasterkommission" ebenso wenig verraten wie die jener„noblen" Kupplerinnen, die die junge„Ware" heranschleppen? Diese zorte Rücksickn- nähme dürft« allerdings wenig nützen, denn der„Daily Soeialist" verspricht, daß er bald die Liste her Herrschaften veröffentlichen wird. Elegante Bordelle, deren Besuch fich nur die„bessere Klasse" leisten kann, sind in Hülle und Fülle vorhanden. Hand in Hand mit den Besitzern und Besitzerinnen der„Freudenhäuser" arbeiten hochangesehcne Chikagoer Herren, die in der Gesellschaft und in den — Kirchen gemeinden eine große Siolle spielen I Diese Edelmenschen treten bei allen möglichen Gelegenheiten für Er- lcichterung der Bordellbetriebsbedingungen ein, da dieses„Gewerbe" ihnen ja reiche Zinsen abwirft I Mehrere Bordelle gehören„vor- nehmen" Damen, und eine sehr geachtete Gesellschaft er- freut sich des Besitzes von vier der berüchtigsten Häuser Chikagos! Von 65 GrniideigentumSagenten wollten auf der Süd- und Westseite der Stadt 44, aus der Nordseite von 12 Hausbesitzern 11 gern Kontrakte zur Führung von Bordellbetrieben in ihren Häusern abschließen i Endlich noch einiges über die Einnahmen aus den Bordellen: Die„Madame" eines dieser Institute smit sechs Zimmern und zehn Mädchen) nimmt jede Woche durchschnittlich 1000 M. ein! Das sind im Jahre etwa 52 000 M. Für ihre SechSzimmerwohnung zahlt sie 10000 M.; bleiben 42 000, von denen die„Madame" den Hauptteil und die Chikagoer Polizei einen hübschen Posten schluckt, während die Mädchen sich mit dem schäbigen Rest begnügen müffen. Eine Bordellbesitzerin erklärt, sie habe 24 Mädchen, deren jedes wöchentlich 400 bis 2000 M. abwerfe I--- Die moderne Prostitution samt ihrem Kasernenwesen, die dem Kapitalismus ihre Existenz verdanken, sie werden nicht eher vom Erdboden verschwinden, als an die Wurzeln des Kapitalismus selber die Axt gelegt ist._ Allgemeine Kranken- und Sterbekasie der Metallarbeiter zu Hamburg.(E. H. 29.) Filiale Berlin 6. Sonnabend, 5. August, abends 8>/, Uhr, im Gesellschastshaus, Swinemünder Str. 42: Mitglieder- Versammlung. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 6. August, vormittags 11 Uhr, Kleine Fraiilsnrtcr Str. 6: Vortrag von Herrn M. H. Barge: „Die Eroberung Gottes." Damen und Herren als Gaste sehr willkommen. Eingegangene Druckfchnft«!. Sozialdemokratie uud Weltgericht. Von O. Feuerstein. 1,50 M. K. Rohm, Lorch(Würlicmberg). Jahresbericht des Soztaldemokrattschrn BereinS Nürnberg- Altdorf. 1. Juli 1910 bis 30. Juni 1911. 35 S. Selbstverlag. Bcrklungrne Weife». Lebenscrinnerungeu von B. Scholz. Geb. 3,50 M.. brosch. 2,50 M. Jos. Scholz. Mainz. Nach Norde». Roman von I. Mcier-Graefe. 4 M., geb. S M. R. Piper u. Co., München. Grundriß der WirtschaftSknnde. Von Leo Wulssohn. vuchhandl. des Schweiz. Grütlivereins. 89 Rappen. Ist das Zentrum eine christliche Partei? Von C. Wieland. 32 S. Th. Lainpart, ilugsburg. SchcrmS Reisehandbuch für wandernde Arbeiter. Tourenbuch für Radfahrer. 189 E. I. Scherm, Stutlgart. Wissenschaft»nd Bildung. Bd. 83. Die Aegäilche Kultur. Von Pros. Dr. R. Frhrn. v. Lichtenberg.— Bd. 92. Leib und Seele. Grund- zöge der Pliystologie des Nervensystems und der physiologischen Psychologie. Bon Pros. Dr. H. Boruitau.— Bd. 93. Unser Garten. Von F. Zahn. Einzelband 1 M.. geb. 1,25 M. Quelle u. Meyer. Leipzig. Deutschland«nd die ModeruismuSbeweguug. Zur neudeuffchen Kwchengeschichte. Von O. Frank. H. Rauch-Wiesbaden. Brosch. 75 Pf Napoleon Bonaparte. Von A. Duma». 2 M., geb. 2,7o M. Franckh, Stuttgart. Jahresbericht des Sozialdemokratischen Vereins für die Reichs- taaswahlkretse München I.U.II. 39 S. Verlag des ParteisekretariatS München. Großdeutschland, die Arbeit deS 29. Jahrhundert». Von R. Tannen« brrg. B. Volgcr, Lelpzig-Gohlts. 4 M., geb. 5 M. Die Gewerkschaftsbewegung tu Ungarn. Bon S. JäSzai.»SS. Viläaossäg. Budapest Vitt- Der Strom. Nr. 4. Organ der Wiener Freien Volksbühne. Heraus« gegeben von E. Pernerstorser, St. Großmann und A. Rundt. Jähr«. 8 M. Oesterheld u. Co., Wien-Berii». Ter Gras als Wüstling! Ein bayerische» Justizgeheimnis. Nach Origiiialakten. 1. M. K. Siaubli, Zürich. Bericht für das Geschäftsjahr 1g1v/1I de» Sozialdemokratische» Vereins Magdeburg. 29 S. W. Psannluch u. Co., Magdeburg. DätigteitSbericht für die Zelt vom 1. Januar 19(9 bis 30. Jmif 1911 der Sozialdemokratische« Partei Heilbrom,. 39 S. B. Baylcr. Hellbronn. Gonnod<1818—1893). Von I.®. Prod'homme u. 9L Dandclot(in französ. Sprache). 2 Bde. mit 40 Taseln. Paris, Lidrairie Ch. Delavigue. 7 Frank. 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Juni 1911. 30©. Mannheimer Atiiendruckerei, Mannheim. .... WasierftaudS'NatSrichte» der LandeSanstaU für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Detlerhureau Wasserstand R e m e l, Tilsit B r e g e l. Jnfterdltrg Weichsel, Tboru Oder, Ratibor » Kroffeu . Frantwr« Warthe. Schrimm » Landtberg Netz«, Lordamm Elbe, Leilmeritz , Dresden . varby , Magdeburg >,+ bcdeulel Wuchs.- ftag._ f) llMerv-ael. Buchhanfllüng YorwäHs, Lindenslr. 69 (Lacken)■ Wir empfehlen: Trawz flTehrina Deutsehe Geschichte Vom jlusgange des Mittelalters Ein Leitfaden lür Lehrende nnd Lernende j Teil I und TI je 1,25 Mark.— Beide Teile zu einem Bande vereinigt, gebunden 2,50 Mark Schnh-ssaus»ftmerlka" Aw«' � beweisen wiederum unsere und f.-Taee Hierunter eine Ideine Auslese: 3 Teller, tief od. flacb, blau Zwbba. LZ 3 KompottHchilsoeln....... 1 Bratcnochüsscl......... ] Milchtopt. ocht Porzellan, dekor... L fsar 1pi*nen,,,.. 8 Teller, echt Porzellan, tiel oder flacb 1 Knchontcller, ocht Porz., dekor... 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Anhang: Die Verhütimg der Schwangerschast.— Vom medizinischen Aberglauben.— Das Wasserheilvcrsahren in der Gesundheitspflege des Arbeiters.— Verhütung und Heilung des StottcrnS.— Geschlechtliche Er» ziehnng in der Arbeitersamille.— ZZHne und Zahnpflege.— Bau und LebenSlätigkcit dcS menschlichen KSrperS.— Der GeschlechlSIricb.— Die Krankenpflege ii M Proletarierkrankhelt. nn Hause.— Die preis 4,5 o JVIarlt. Buchhandlung Vorwärts, �" 69 Sibliothekleitev seien darauf hingewiesen» daß soeben ein neuer Band der gern gelesenen Zeitschrift„In freien Stunden" zur Husgabe gelangt ist. Vielen MiinTchen folge gebend, hat sich der Verlag entschlossen, eine Hnzahl Bände auf gutem papicr drucken zu lassen. Der preis beträgt in Dalb- franz gebunden 5 M.» auf geringerem Papier ßalbfranz 4 I�-> Keinen 3,50 W. HU Rauptroman ist in dem Band der rfibmlichst bekannte Roman von KartBpindUr „Der Jude" enthalten.— Der weitere Inhalt ist wie sonst reichhaltig und interessant. äs Buchhandlung Vorwärts, Linden rtr. 69, Kaden. Warenhaus Hermann Tietz Von Sonnabend dk Mittwoch Frankfurter Allee Extra- Verkauf«.kÄuÄÄi zu Einheits-Preisen Soweit Vorrat Kleiderstoffe Blusenstoffe koii ll-tr-in.....] ntT Kleiderstoffe doppeltbrel�gemust.| H J p| 1V0II6. rein« Wolle, ca. 110 cm brettf (Voile mit eleganten Seldenctreifen| 425 KflStUmStOffe grau meliert.,,..! 1 Kleider-Alpaka moderne Streifen) Waschstoffe Musseline CA. so cm breit., ssOUlapdlne eeldengl-inaend. Blusen-�epfllr In verecb. Streifen Mako- Batist � Pu",,t- StreKenati Hungen Foulardlne.r"! Kleiderleinen Imitation, farbig.. Schweizer Stickereistoffe... Lhlffon-Volles In vornehm. Deaslne WelSS MUll gestreift und gepunkt. "ISO" reifen) 145.. j65» Strumpfwaren 30 55 80 Damenstrümpfe SÄÄTT! 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