Kr. 183. RbonnementS'Bedingungen: Ubsiiliemcnts Preis pränumerando; Licrtcljährl. 3£0 Ml., monatl. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Ewielnc Nummer S Pfg. Sonntags- numnicr mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Post- tlbonncmcnu 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. Postabonneuiculs nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Ruiiinnicn, Schweden und die Schweiz. 38. Jahrg. VI« sniettioni-Lebllhf Beträgt für die scchSgcspaltene Kolons?- gelle oder deren Ramn 00 Pfg.. für politische und gewerkschaftliche Berel us- und Vcrsammlungs-Anzcigc» 30 Pfg. „Kleine Hnreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstcllcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über lö Buch- stoben zähle» sür zwei Worte. Inserate für die nächste blummer müiien Ins 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. klschtlnt täglich außer montags. Verlwev Volksblcttt. Zcntralorgan der foztaldemokrati fehen partd Dcutfchlands. Telegramm< Adresse! „Sozialdemoliral RtrllR". Rcdahtion; 8M. 68, Ltndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 19S3 Sxpcdition: 8M. 68, Ltndcnetrasac 69« Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Zum Katholikentag. 11. Freiheit der Kirche und Freiheit des Unterrichts waren die beiden einander ergänzenden For- derungen, die im Mittelpunkt der Verhandlungen des ersten Katholikentages, die an der Spitze der klerikalen Wahlprogramme und der zahlreichen, von klerikaler Seite an die Parlamente geschickten Petitionen standen. Aber die klerikale Bewegung, die sich aus der Revolution von 1848 entwickelte, hatte noch andere Wünsche. Ta war zunächst der schon er- wähnte Umstand, dag in den Ländern mit protestantischer Mehrheit die Katholiken in der Aemterbesetzung wie in gesell- schaftlicher Hinsicht vielfach zurückgesetzt wurden, woraus z. B. zu erklären ist, daß zahlreiche Sprößlinge des rheinisch-west- sälischen Adels im österreichischen statt im preußischen Heeres- dienst standen. Tie Forderung der Parität ertönt im katholischen Lager die ganze erste Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts hindurch, und Görres hatte ihr in seiner nach der Gefangensetzung des Kölner Erzbischofs(1837) er- schienencn Streitschrift„Athanasius" slanimenden Ausdruck gegeben, indem er neben der kirchlichen Freiheit verlangte „d i e volle Realisierung der politischen und bürgerlichen Gleichheit der Konfessionen in ihrem ganzen U in fange ohne Gefährde und ohne Hinterhalt". Und diese Forderung der Parität sicherte dem Klerikalismus die Anhängerschaft und die Mitarbeit aus dem besseren Bürgertum, dessen Angehörige unter ihrem Glauben namentlich als Beamte zu leiden hatten. Sie stimmten» mit ein in den Ruf nach der Freiheit der Kirche, die für sie die Abwendung politischer und gesellschaftlicher Minderberechtigung bedeutete und ihnen die Tore öffnen sollte zum aussichtsvollen Wettbewerb um die öffentlichen Aemter. Die Parität in klerikalem Sinne hatte indes ihre Reben- gedanken. Einer der Hauptmackfcr der Politisch katholischen Bewegung, der badische Hofrat Büß, der sich besonders um die Gründung der Piusvereine bemühte, gab zu diesem Zwecke eine Agitationsschrift heraus, worin hingewiesen wurde auf die dem katholischen Volke drohenden Gefahren. Es hieß da: „Bekanntlich hat die Regierung allgemeine Religions- f r e i h c i t und die Gleich st ellung der Nichtchristen mit den Christen in bürgerlichen und politischen Rechten zugesagt und der Landtag hat sie beschlossen. Danach darf jeder sich eine Religion machen, welche er will und bleibt den- noch zur Verwaltung von Staats- und Gemeindeämtern fähig. So- nach können Juden und Heiden und völlig Ungläubige die Leitung des katholischen Volkes in die Hände bekommen. Das aber will das katholische Volk nicht." Ter sehr ehrenwerte Hofrat Büß, der dem ersten Katho- likentag vorsaß und dort das große Wort führte, verrät damit, baß der Klerikalismus als Minderheit Parität fordert, daß er aber die Parität anderen Minderheiten versagt. Daß der Katholik über den Juden und Nichtchristen herrscht, ist selbst- verständlich, daß aber auch einmal ein Jude oder Nichtchrist an leitender Stelle steht—„daswilldaskatholische Volk nicht!" Auch für die katholischen Massen bot der.Klerikalismus noch etwas anderes als die Verteidigung des Glaubens. In dem Programm der katholischen Vereine, in den klerikalen Wahlaufrufen fehlt nicht die Erwähnung der sozialen Frage, und das Zentrum zehrt ja bis heute noch von dem Ruhm, daß auf dem ersten Katholikentag 1848 von den führenden Leuten des Katholizismus immer wieder auf die Bedeutung der sozialen Frage hingewiesen wurde. Der„Vor- wärts" hat vor einiger Zeit in einem Artikel über Bischof Ketteler dargelegt, daß es in jener Zeit, wo es von Volks- und Menschenfreunden, von Staats- und Gesellschaftsrcttern wimmelte, gerade kein sonderliches Verdienst für eine Partei war, wenn in ihrem Programm oder ihren Veranstaltungen sich ein Satz übet die sozialen Nöte des Volkes findet. Zudem muß man wissen, daß die soziale Frage bei' den Klerikalen jener Zeit und noch lange darüber hinaus nur Mittel- standsfrage war. Es galt, die Handwerker und die Bauern vor dem in Stadt und Land eindringenden Kapitalismus, vor dem Versin ken ins Prole- tariatzu retten. Tie fabrikarbeitende Bevölkerung in den Städten speiste man in Zeiten besonderer Not mit Armen- suppen und Almosen ab: im übrigen hielt man sie für eine verlorene Masse, die zu allem Schlimmen bereit war und der ein rechtschaffener Christenmensch recht weit aus dem Wege ging. Wohin die„soziale Frage" der Klerikalen strebte, zeigt uns Hofrat Büß, der Wortführer des ersten Katholiken- tages: „Am Bau der Staatsordnung sollen die tätig sein, welche die Leuchte haben, nicht die Masie. sondern welche die Masse als die rechten Männer dazu erkennt. Wir wollen die Demokratie, aber die ch r i st l i ch e. Große Körperschaften in freier selbständiger Gliederung müssen sich wieder gründen, gleich den alten Innungen, nicht mit dem Zwange, aber'mit der Ehrenhastig„ keit derselben. Die Gesellen müssen wieder am Tische ihreSMeistersesscn. aufdaßnicht, vonihmzurück- gestoßen, in ihnen eine Herde von Proletariern entstehe." ChristlicheDemokratie— das hieß mit anderen Worten: Mobilisierung der Massen unter geistlicher Führung ßMt Durchsetzung der klerikalen Ansprüche.„Demokratisch" I war in jener Zeit alleS und jeder, und namentlich im klerikalen Lager gab es niemanden, der nicht gegen den Staat, die Bureaukratie, die Polizei, die Steuern usw. revoltierte und nach Freiheit auf allen Gebieten verlangte. Mit unleug- barem Geschick hat es die klerikale Führerschaft verstanden, diese Stimmung �ihren Zwecken dienstbar zu machen, indem sie alles auf die Sache des Glaubens und der Kirchs münden ließ, wobei die Unterordnung unter das geistliche Kommando selbstverständlich war und die Selbstbestimmung der Masse unter der„christlichen Demokratie", d. h. der priesterlichen Autokratie, auf Nimmerwiedersehen verschwand. Was zu jener Zeit wirklich demokratisch war, fand die heftigste An- feindung von seiten der Klerikalen, die sich nicht genug tun konnten, auf den Radikalismus, Republikanismus und Kom- munismus zu schimpfen und sich nach oben hin als den Retter von Thron und Altar gegen die Angriffe von seiten der revolutionären Masse zu empfehlen. „Die Blutfahne der roten Republik stellt man vor uns auf, um zu zeigen, daß es eine Lüge war, wenn wir uns rühmten, die deutsche Ration sei die erste an Gesittung und Frömmigkeit... Wir haben es erlebt, daß der Abschaum der Bevölkerung sich zur Herrschaft erheben will, daß, begünstigt von jener Feigheit, die in großen Städten sich befindet, Knaben das Ruder geführt haben." So sprach der„christliche Demokrat" Hofrat Büß in Mainz auf dem ersten Katholikentage, und er pries die katho- lischen Vereine als Abwehr gegen die Feinde der Ordnung, als Keime für körperschaftliche Gliederungen und gemeindliche Verfassungen, die da st a n d h a l t e n, w e n n die Throne wanken und die Gesellschaft niederzufallen droht. Und bei derselben Gelegenheit pries sich der badische Junker Frei- Herr von A n d l a w als„Demokrat" an, denn er stehe ganz auf„volkstümlichem Boden", dem des Christentums, und er glaube, das sei„der Boden, auf dem Aristokratie und Demo- kratie sich begegnen und ihre Uebereinstimmung finden könnten". Derselbe„christliche Demokrat" war es, der kurz darauf in öffentlicher Sitzung des badischen Landtags als Ankläger der Minister auftrat und in staatserhaltendem Drange eine Untersuchung beantragte darüber,„ob nicht Mit- glieder der obersten Staatsbehörde oder der Regierung nahe- stehende Männer tatsächlich die Pläne der Revo- lutionspartei im Lande fördern und soweit ent- weder des Verrats an ganz Teutschland oder einer höchst strafbaren Vernachlässigung ihrer Pflichten, wo nicht des Eidbruchs schuldig seien... Tie badischen Landstände sind es ihrer Ehre schuldig, dem beleidigten Teutschland die Genugtuung zu geben, daß sie an den Mißgriffen und Ver- säumnissen keinen Anteil haben und keine Mitschuld daran tragen wollen. Sonst sehen wir den Thron s e l b st b e- droht, und wir geben der Welt das traurige Schauspiel eines Staates, der nicht regieren und nicht regiert werden kann, in welchem rücksichtslose Rebellen konservative Schwäch- linge tyrannisieren und der Wohlstand durch Halbheit und Haltlosigkeit zugrunde geht." Das waren die Leute, die in den Märztagen triumphierten, daß der Staat ohnmächtig am Boden lag, ge- bändigt von der siegreichen Revolution: die sich dann beeilten, von den Freiheiten, die„rücksichtslose Rebellen" errungen hatten, möglichst viel für sich einzuheimsen, und die dann, als die wirkliche Demokratie die Revolution zu Ende führen wollte, über Landes- und Hochverrat schrie. Von 1848 bis 1911 ist ein langes Stück auf dem Wege der Zeit. Vieles hat sich unterdes geändert. Nur der Kleri- kalismus ist derselbe geblieben, und wer einige der Proto- kolle der Katholikentage aus den verschiedenen Jahrzehnten gelesen hat, der erkennt, wie konservativ der Klerikalismus an Gesinnung und wie arm er an Gedanken ist. Es wird im August 1911 in Mainz nicht anders geredet werden als im Oktober 1848. Tie Freiheit der Kirche und ihre An- spräche auf die S ch u l e— das wird wie iminer der Anfang und das Ende der Verhandlungen sein, über P a r i t ä t s- sorgen wird geklagt und den Massen das Lied von der sozialen Mission der Kirche gesungen werden— mit denselben Worten, nur mit größerem Pathos und Stimm- aufwand, da man zu anspruchsvolleren, und größeren Masjen spricht. Vor allem aber wird man sich nach oben und nach rechts und links empfehlen als die Rettung vor dem Umsturz und als zuverlässigsten Bundesgenossen in Zeiten politischer Not, wie es die Reichs- tagswahlen sind. Nur etwas wird 1911 von 1848 unterscheiden. Damals waren sich die einig, die in Mainz das katholische Volk ver- traten. Heute ist man's nicht. Es kracht im Klcrikalismus an allen Ecken und Enden. Aber man darf's nicht eingestehen. Man muß einig scheinen um jeden Preis. Und die Art, wie nian es fertig bringt, den krachenden Klcrikalismus als ein von christlicher Brüderlichkeit erfülltes, aufs beste geordnetes Ganze erscheinen zu lassen, das wird vielleicht das Jnter- essanteste am Katholikentag 1911 sein. Sie nfcrMoaffSre. Tie„Verständigung", die nach den gestrigen fcierlickjen Mitteilungen der offiziösen Sprachrohre zwischen Herrn Kidcrlen-Wacchter und dcm Botschafter Cgmbon zustande gekommen sein soll, gibt den bürgerlichen Zeitun- gen wieder eine harte Ruß zu knacken. Kein Mensch weiß nämlich. worüber man sich nun eigentlich„verständigt" hat. Rur über Lon- von kommen einige Andeutungen über den Gegenstand der„Ver- . ständigung". Der Pariser„Ma tin" erhält von seinem Londoner Vertreter folgende Depesche: Die Kompensation, die zur Erreichung des Einvernehmens zwischen Frankreich und Deutschland gesimdeu ; worden ist, betrifft die Grenze von Kamerun und Französisch-Kongo. Die Küste, und zwar fast die ganze Küste, wird französisch bleiben, und der belgische Kongo wird in keinem Punkte an deutsches Ge- biet stoßen. Diese» Einvernehmen wird bei keiner fremden Macht Einspruch verursachen und den Vorteil haben, Deutschland eine hinreichende Kompensation zu gewähren. Von einer Abtretung Deutsch-Togos an Frankreich ist keine Rede mehr. Deutschland er- hebt keine weiteren territorialen Ansprüche auf anderen Punkten der Welt mehr, sei es in Tahiti(in der Südsce) noch anderswo. Der heikelste Punkt der Unterhandlungen aber bleibt die Einrüu- inung wirtschaftlicher Vorteile an Teutschland in Marokko. Eng- land besitzt dort nicht geringere Interessen als Deutschland und wird jedenfalls dieselben für sich beanspruchen. Der Berliner Korrespondent der„T i m e s" sendet seinem Blatte über die Berliner Verhandlungen ein Telegramm, in dem er bestätigt, daß die Forderung Deutschlands auf einen wichtigen Teil des französischen Kongos nicht mehr besteht. Ein Ersatz dieser Herabminderung der deutschen Forderungen ist durch eine Erweite- rung der Forderungen auf das Hinterland geschaffen worden. DaS genannte Blatt fügt hinzu, es sei möglich, daß auf Grund der jetzt- gen provisorischen Abmachungen eine Verständigung erzielt werde« würde, die in Deutschland vollständig befriedige. Das„Berliner Tageblatt" behauptet, daß es diese An- gaben auf Grund seiner Informationen als„ungefähr" zu- treffend bezeichnen kann. Mag das Resultat der„Verständigung" ausfallen wie eS will, die Sozialdemokratie und die deutsche Arbeiterschaft hat an dcm ganzen Schachcrgcschäft kein Interesse. Die Arbeiter machen mit aller Entschiedenheit gegen jede Kriegshetze Front, wie sie gegen die Besetzung eines Stückes von Marokko protestierten, sie wollen aber auch von den„Kompensationen" nichts wissen. Denn die Vergrößerung des deutschen Kvlonialbcsitzcs hat nur neue Lasten und Gefahren für die deutschen Steuerzahler im Gefolge. Zudem darf man nicht meinen, daß jetzt mit dieser„Verständigung" alle Konfliktsgefahr beseitigt sei. Die Wege des Imperialismus, der Börse und anderer kapitalistischen Faktoren sind oft wunderbar, so daß das internationale Proletariat sich nicht in eine falsche Sicherheit wiegen darf. Den attdeiitschen Kriegstreibern scheinen borläufig alle Hoffnungsblüten verhagelt zu sein. Die gestern von uns erwähnten Wutansbrüche der„P 0 st" zwingen sogar die„Norddeutsche Allgemeine Zeitun g", einen kalten Wasserstrahl auf das tobsüchtig gewordene Scharfmocherblatt zu richten. Leicht wird es dcm Ministcrblatt nicht geworden sein, der so wesensverwandten Schwester etwas anfs Dach zu geben. Die „Rordd. Allg. Ztg." schreibt: „Die„Post", die wir in diesem Falle nicht als Organ der freikonservativen Partei anerkennen, hat einen Artikel verösscnt- licht, worin sie, ohne über den Stand der Marokko-Verhandlun- gen im geringsten unterrichtet zu sein, von einem Augenblick unsäglicher Schande, von einer Demütigung Deutschlands, vom Rücktritt des Reick)skanzlers und des Staatssekretärs des Acußc- rcn und von einem neuen Olmütz phantasiert. Wir würden diesen Ausgeburten eines überreizten Gehirns keine Bcächtiing schenken, wenn die„Post" sich nicht am Schluß ihrer Ausführungen erdreistet hätte, Seiner Majestät dem Kaiser, unter der feigen Form rhetorischer Fragen, politische Schwäche, ja Begünjti- gung des Auslandes zum Schaden deutseber Interessen vorzuwerfen. Die„Post" eignet sich mit diesen Ausführungen Gedanken an. denen wir nur in ausländischen Schmähartikcln zu begegnen gewohnt sind. Der Versuch, solche Nichtswürdigkeiten unter dcm Schein patriotischer Besorgnis in der deutschen Presse zu ver- breiten, verdient die schärfste Zurückweisung." In der alldeutschen und nationalliberalen Presse grollt und murrt es weiter. In der„Nationalliberalen Korrespondenz" wird von einer Demütigung Deutschlands gefaselt und der Ruf nach dem— Reichstage ausgestoßen. Und das tut dieselbe Sippschaft, die nicht genug spotten konnte, als zu Anfang des Agadirbluffs in der sozialdemokratischen Presse die Einberufung des NcichstahS verlangt wurde. Jetzt, da die Schwerindustrie die erhofften Kriegs- Profite sich in Ranch auflösen sieht, denkt man an den Reichstag. Natürlich soll jetzt dieser nicht die Volksrechte wahrnehmen, sondern die Geschäfte der Marokko- und Kriegsinteressenten besorgen, Ein Protest der Marokkokapitalisten, Braunschweig, 6. August. Die in Marokko interessierten Hain- burger und Ncmscheider Großhandelshäuscr haben, wie die„Braun- schweigische Landcszeitung" erfährt, bei der Rcichsrcgicrung wegen einer Preisgabe Marokkos seitens Deutschland sowie gegen einen beabsichtigten Verzicht Deutschlands auf Besetzung eines Hafens an der marokkanischen Küste eindringliche Vorstellungen erhoben� Eine internationale Friedensdemonstration in Paris. Paris, 5. August.(Eig.©er.) Gestern abend fand in Paris im Wagram- Saale eine imposante Friedensdemonstration statt, die einen gewaltigen Eindruck hervorrief. Etwa 5000 Personen drängten sich Kopf an Kopf im Saale. Unzählige fanden keinen Platz mehr. Als die deutsche Delegation um halb neun auf der Tribüne er- schien, erscholl brausender Beifall. Rufe„Es lebe Deutsch- land",„Es lebe die Internationale" ertönten, während die Hüte geschwenkt wurden. Es war ein unvergeßlicher Eindruck. Bourderon von der Konföderation eröffnet die Sitzung. Genosse Bauer von der Generalkommission und Molken- buhr vom Vorstand der sozialdemokratischen Partei Deutsch- lands ergriffen dann das Wort. Die Reden der deutschen Delegierten weckten besonders starken Wiederhall. Nach ihnen redeten noch Tom Mann(England), B a r r i o N e g r e (Spanien), K o n l t e k(Holland). Namens der französischen sozialdemokratischen Partei legte Abgeordneter L a V a u d (Paris) und namens der Konföderation die Genossen Jon- H a ux und Ivetot die Bedeutung des Tages dar. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: Die am 4. August im Wagramsaale anivesendeu Arbeiter sind einmütig veriammelt, um laut gegen die Regierenden aller Nationen zu protestieren, die, um die moustriellen Gegensätze zu lösen, unter dem Druck der Finanzpiraten die Arbeiter in den internationalen Konflikt mitzureißen suchen. Dieser kapitalistischen Konkurrenz setzen die Arbeiter ihre Älassensolidarität entgegen. Die deutschen, spanischen, englischen. holländischen und französischen Delegierten der Arbeiterorganisationen erklären daher, bereit zu sein, sich jeder Kriegserklärung mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu widersetzen. Jede vertretene Nation übernimmt die Verpflichtung, gemäß den Beschlüsien ihrer nationalen und der internationalen Kongresse gegen alle verbrecherischen Um- triebe der herrschenden Klasse zu handeln. Unter dem Gesang der Internationale wurde die Versammlung geschlossen. Bierchrlichc Freude über den Marokkoschacher. Halle, 5. August. Tor Köscncr Kongreß deutscher Korps- st u d c n t c n hat folgendes Telegramm an Exzellenz von K i d c r- len-Waechter gesandt: Die in Halle zu außerordentlicher Tagung versammelten deutschen Korpsstudenten gestatten sich, Euer Exzellenz zu der tatkräftigen Vertretumg dcutschnationalcr Interessen ihre Begeisterung und ihr freudiges Vertrauen kundzugeben und geloben treue Gefolgschaft zur Wahrung und Mehrung vater- ländischcr Ehre und Größe. Ei. ei! Was werden„Post" und„Nationallibcrale Korre- spondcnz" zu diesem Jubel der Korpsicrs, dieser„Blüte der Na- tion". sagen! Nie«ler Sepsralkmu; den fozialdemo- krafifchen Charakter verdirbt! Aus Wien wird uns vom 3. August geschrieben: Daß der Separatismus— das„böhmische Staatsrecht" inner- halb der Sozialdemokratie— die Leugnung des echten Jnter- Nationalismus ist, unterliegt keinem Zweifel und ist auch in Kopen- Hägen von der gesamten Internationale bekräftigt worden. Aber die nationalistische Absonderung in der Gewerkschaftsbewegung, wie sie nun bei den tschechischen Genossen alleinselig- machendes Dogma geworden ist— die n a t i o n a I i st i s ch e: denn von dem ganz berechtigten Streben jedes Proletariats, seine Kraft als Ganzes und Einheit national zusammen- zufassen, hat sich der tschechische Separatismus nun himmelweit ent- weit entfernt— diese tschechische Abschließung und Sonderung muß untveigerlich auch zur Verschüttung des Klassenbewußt- s e i n S führen. Wer die tschechische Partei in den letzten Jahren am Werke gesehen und es beobachtet hat, wie die prinzipiell und programmatischen Auffassungen immer mehr den oberfläch- lichsten taktischen Bedürfnissen weichen mußten, wie das ganze Tun der Partei immer ausnahmsloser von dem Gedanken be- herrscht war, was die Gegner dazu sagen könnten, der wird über die Entwickelung, wie sie nun offenbart wird, freilich nicht überrascht sein und am wenigsten wird er sich über die tief- gehende Aenderung dieser einstmals stolzklassenbewußten Partei durch den Aufputz der radikalen Redensarten täuschen lassen, in denen die Separatisten dann am meisten exzellieren, wenn die Dinge ihnen am schroffsten widersprechen. Aber wer die mährischen Separatisten nun in einer förmlichen Gefangenschaft, der bürgerlichen Politik wahrnimmt, weiß leider genau, wie es um das Klassenbewußtsein der tschechischen Partei nun beschaffen ist. Was kommen mußte, ist in Mähren gekommen: der Separa« tiSmus, der einen Keil in die tschechische Arbeiterschaft hinein- trieb und sich den deutschen Sozialdemokraten bewußt entfremdete, der mußte dahin gelangen, bei den Bürgerlichen An- lehnung zu suchen. DaS ist in Mähren fast auf den Tag ein- getreten: kaum war der Separatismus ausgebrochen, wurde die bis dahin tobende Fehde mit den bürgerlichen Parteien sofort eingestellt mit ihnen Frieden geschlossen und allmählich ein komplettes Bündnis eingegangen. Wenn es nur. wie eS die tschechische Parteipresse ihrer Parteiöffentlichkeit berichtet, nur ein S t i ch w a h l k o m p r o m i ß mit den„freisinnigen" Parteien gegen die Klerikalen gewesen wäre, so wäre dagegen natürlich nicht« zu sagen und so lange eS aus ein solches beschränkt schien, hat auch niemand dagegen das geringste gesagt. Aber indem die Sozialdemokraten ihre Kandidaten so wesentlich nach den Bedürfnissen und Wünschen der alliierten Partei ausgesucht und bestimmt haben, war eS auch ein. wenngleich ver- stcckteS, Kompromiß für die H a u p t w a h l e n.— was sicherlich seine bedenklichen Seiten hat und das mangels ausreichender Gründe auch gewiß nicht gerechtfertigt werden kann. Auch das Kompromiß für die Stichwahlen hat des zweideutigen Charakters nicht entbehrt: um nämlich den Macher der„Volkspartei"(die die eigentlich tschechisch- bürgerliche Partei des Landes ist), einen gewissen Dr. Stransky zu gewinnen, wurde fem soziu.demokratischer Gegenkandidat, der ihm in geradezu absolut sicherer Stichwohl entgegenkam, zum Rücktritt gezwungen, was die Norm eines Stichwahlkompromisseö schon be- trächtlich überschreitet. Trotzdem hat sich die deutsche Partcipresse jeder rekriminierenden Bemerkung enthalten, weil sie der Ansicht ist. daß man sich in der Kritik gegenüber einer Schwester- Partei weit mehr Zurückhaltung auferlegen muß. als bei der Kritik der eigenen Partei. Aber dieses Kompromiß, das angeblich nur für die Stichwahlen abgeschlossen ward, hat sich nun immer deutlicher zu einer kompletten Alliance erweitert: die Separatisten sind in Mähren mit den Bürgerlichen ein Herz und eine Seele. Sie halten mit ihnen gemeinsame Versammlungen ab, in denen neben den Genossen Rem« und Tuser ständig auch Herr StranSky als Redner auftritt; sie bilden um diesen ihren Gönner eine förmliche Schutz- und Leibgarde, und der Krieg, den dieser mit dem Prager Juugtschechen Kramarsch führt(dessen Parteigenosse er vor kurzem now war, und von dessen Partei die mährische Volkspartei nur eine Spielart ist), ist auch ihr Krieg. Die Ausrede, daß Herr Kramarsch — vor kurzem übrigen« auch so eine Art von sozialdemokratischem Schutzheiligen— der Organisator des antisozialdemokratischen Kartells für Böhmen sei und mit dem StranSky hauptsächlich wegen jenes Bündnisses mir den Sozialdemokraten in Zwist geraten ist. ist nicht ausreichend, um den erstaunlichen Eifer der tschechischen Sozialdemo- traten in der Verteidigung und Behüwng des bürgerlichen Politikers zu erklären; ein Stichwahlbündnis ist eine Sache für die Stichwahl allein und tvenn es kein Aufgeben von Prinzipien sein soll, muß es mit der Stichwahl ein Ende haben. Die Wahrheit ist, daß die Separatisten, je weiter sie von der Internationale abrücken, desto näher au den bürgerlichen Rationalismus geraten müssen.! Dieser wahre, durch keine formalistischen Ableuginmgcn zu beseitigende Grund jener immer inniger werdenden Intimität tritt um s» deutlicher hervor, al» die mährische» Sozialdemokraten vor Jahr und Tag ihre heutigen Alliierten, den Mann und die Parier, noch leidenschaftlich befehdet und mit den verächtlichsten Worten belegt haben. Und dies knapp bis z um Tage des Ausbruchs des Separatismus! Wir können den Lesern die Details dieser Beweisführung nicht ersparen und müssen ihnen also aus der Kampagne, die das Organ der tschechisch- mährischen Partei, die „Rovnost"(deren Chefredakteur der jetzige Abgeordnete Tusar, der wahre Vater des Separatismus, war uud ist)' gegen den StranSky im Januar und Februar 1S10— im März brach in Mähren der Separatismus aus— unter dem bezeichnenden und immer wieder- holten Artikel„Der Gaukler" geführt hat. einige Stichproben vor- legen. DaS sind die Urteile über den Herrn Dr. Stransky, der heute zugleich Protektor und Prolege der mährischen Separatisten ist, dieser Genossen selber: Stransky hat das Schlagwort„Mähren in der Opposition" geprägt— die größte politische Narretei, die je die Welt gesehen hat. Jede Abstimmung dieses sonderbaren Schildes war eine fertige Komödie, die unS immer mit Widerwillen erfüllt.... Dr. StranSky ist wahrlich nur noch pathologisch interessant... Die„Volksparteiler" ver- höhnen gern die Klerikalen; aber wir find überzeugt, daß diese in ihren Reihen eine so verrückte Er- scheinung nicht dulden würden. Nun können auch seine Kollegen zu den verrückten Streichen des Dr. Stransky nicht mehr schweigen. Sie würden sich dann- oerart ernieorigen, daß sie sich selbst aus dem politischen Leben ausschalten würden. Wenn jemand in seinem privaten Leben immer„prinzipiell"(oder wegen des— Geschäftes) das Gegenteil dessen tut, was die andern tun, um damit mau auf ihn wie auf eine alternde Prima- donna nicht vergesse, wird er i» kurzem das Gespött der ganzen Gemeinde. Auf ein trauriges Ende eilt der alte Herr aus der Rudolfsgasse zu... Dann wird er ein„alter Bankrotteur" genannt,„der, weil er selbst nichts hat, gern auch den anderen das HauS über den Köpfen anzünden möchte", und gleich darauf heißt eS. daß die anderen Abgeordneten der Volkspartei„nur durch die Peitsche der „Lidovö Roviny"(des Blattes des Stransky) formell in der unangenehmen und unlieben Nachbarschaft des alten Seiltänzers gehalten werden. Man werde nicht gestatten. daß die Gauklerstiicklein des ZeitungöeigentümerS auch von seinem Personal wiederholt werden. Die Rede ist und wird sein von Stranskys Komödiant entum. und dieses werden wir nachweisen. Schritt um Schritt, Abstimmung um Abstimmung, alles hübsch geordnet. Mit ihren« B a n d i t'e n g e s ch r e i, daß Ivir ei»„RegicrringS- wisch" seien, werden sie das nicht abtun. Dafür, daß wir die Nieren des einzigen oppositionellen Politikers bloßgelegt haben. uns einen Regierungswisch zu schimpfen, ist sehr bequem, aber ebenso niedrig und lumpig. Wir wissen zwar, daß das nur aus Mangel an anderem Material geschieht, aber wenn Stranskys Gesellen noch lange mit diesem„Regie- rungs"vorwurfe herumwerfen, werden wir erst deutlicher und unangenehmer werden..„Wir kämpfen gegen den dema- gogischen„Gaukler" und vertraulichen Berichterstatter der dentschnationalen Zeitungen, weil es ein guter Kampf für die Gesundung des politischen Lebens in Mähren ist... Dr. Stransky ist durch rasch fortschreitende politische Paralyse degeneriert." In dem Kampfe gegen den politischen und sozialen Feind der Arbeiterklasse kennen wir kein Ermatten und keinen Pardon. Besonders in« Kampfe gegen die„LidovK Nobiny" des Dr. StranSky wollen wir bis zu allen Konsequenzen gehen, weil wir wissen, daß dieses Organ eine Burg allen politischen S ch ni u tz e s und L ü g e n s ist. Es ist da? ein Revolver- blatt, dessen Heimtücke schon alle Parteien und alle möglichen Leute verspürt haben, ein Blatt, das häßliche Niederträchtigkeilen auch gegen Abgeordnete der Volkspartci verübt, eine Höhle von Banditen, die jeden Menschen mit schändlichen und verruchten Waffen bedrohen! In den Reihen der Arbeiterschaft herrscht die größte Be- friedigung. denn früher wurde uns von unseren Arbeitern oft vorgeworfen, daß wir uns gegen Dr. Stransky und seine Ge- sellschast allzu passiv verhalten. Zahlreiche unserer Vertrauens- männer haben von uns oft nachdrücklich verlangt, daß wir aus unserer Reserve gegen diese Leute hervortreten. Längst schon vor uns hat unsere Arbeiterschaft entschieden und wollte den Kampf mit der komödiantenhaften und hetze- rischen Politik des volksparteilichen Gauklers und seinesgleichen... Wir handeln also heute mit der vollen Zustimmung uud auf häufiges eindringliches Ver- langen unserer Arbeiterschaft. Je schärfer unser Kampf ist, um so lieber ist er der organisierten Arbeiterschaft... Und mit diesem StranSky und seiner Partei, die sie s o be- urteilt und verurteilt haben, find die Separatisten eine Allianz ein- gegangen, die auch, wenn es sich um die moralischeste bürgerliche Partei und Persönlichkeit handelte, für Sozialdemokraten höchst kompromittierende wäre l Man sage nicht, daß sich die Menschen im Verhältnisse„geändert" haben. Was soll und kann sich in anderthalb Jahren an dem Stransky und was an den mährischen Verhältnissen geändert haben? Gar nichts: die Menschen sind dieselben und die Verhältnisse die gleichen, G e- ändert hat sich die tschechische Sozialdemokratie, und die hat sich freilich von Grund aus geändert, denn aus der internationalen Partei des Klassenkampfes ist die separatistische Partei geworden, in der der nationale Ueberschwang längst alle fozialdemo- kratischen Traditionen überwuchert hat. Von der Allianz für die Agitation ist zu dem Bündnisse im Parlament ja nur ein Schritt, und auch den haben die Separatisten schon hinter sich. Dem, na? sonst undenkbar ist. ist ihnen selbst- verständlich uud so haben sich die tschechischen Sozialdemokraten aus Mähren mit den tschechischen bürgerlichen Abgeordnelen auf dem Boden des Parlaments zu einer„Vereinigung" zusammengefunden. die einer fraktionellen Gemeinsamkeit ähnlich sieht wie ein Ei dem andern. Den gemeinsamen sozialdemokratischen Verband hat der Separatismus unmöglich gemacht, aber da? gemeinsame Wirken alles TschechentumS auf nationaler Basis hat er begründet. Fürwahr, eine traurige Entwicklung I ES könnte im Auslände wohl die Frage entstehen, wie eS nun möglich fei, daß im tschechischen Proletariat selber, dessen Reife und sozialdemokratische Tugenden unbezweifelbar sind, gegen diese» Treiben keine Reaktion sichtbar werde. Revisionisten gibt es in der ganzen Welt, aber überall sieht man ihnen doch auf die Kqppen und über theoretische Ausschreitungen kommt ihr Unfug, infolge der Gegenwehr, nicht hinaus. Aber der nationale Revi- s i o n i S m u S der tschechischen Führer(der aber heute, wie da« n, ährische Excmpel zeigt, auch andere Prinzipien als„bloß" die Jntcrnationalilät über Bord geworfen hat) findet in der tschechischen Parteipresse keinen Widerspruch. Er ist eben heute die geistige Verfassung sämtlicher leitenden und wirkenden Genossen, und wo sich ein Widerspruch regen mag, wird er mit einer ganz autokrattsch geübten Disziplin. einfach erstickt; die tausende ausgeschlossenen Zentralisten zeugen dafür. Und damit steht in Uebereinstimmung, daß den tschechischen Genossen von ihren Zeitungen nur ein, um sich milde auszudrücken, höchst unvollkommenes Bild der Dinge geboten wird, und daß sie auf der anderen Seite ganz shstemalisch zum Gegensatz, ja zum Haß wider die deutschen Genossen erzogen werden, so daß ihr proletarisches Urteil sich trübt und der traurige Parteikonflikt sich immer mehr verschärft. Der Separatismus verdirbt eben den sozial- demokratischen Charakter. Oolitil'cke Geberlicbt. Berlin, den 5. August 1911. Wer nicht schiestt, wird bestraft! Nach einer Meldung des Wolffschen TelegraPhcnburcauS soll der Berliner Polizeipräsident v. Jagow den Polizei- bcamten bekannt gegeben haben, daß er fortan jeden Schutzmann, der zu spät von der Waffe Gebrauch macht, bestrafen werde. Den Anlaß zu diesem neuen Schießcrlaß sollen mehrere Vorfälle aus neuester Zeit, ins- besondore der im heutigen lokalen Teil berichtete Vorgang in der Gcnthiner Straß? gegeben haben, bei dem ein Schuß mann von einem Einbrecher angeschossen und schwer verletzt wurde, Dieser neueste Erlaß des Berliner Polizeipräsidenten in nur geeignet, das peinliche Aufsehen, das die vor 2 Monaten erlassene erste Anordnung hervorgerufen hat, zu steigern! Es ist gewiß bedauerlich, Ivenn Polizeibeamte in Aus- Übung ihres Dienstes zu Schaden kommen. Wenn Maßnahmen getroffen werden, die geeignet sind, die Beamten wirklich zu schützen, ohne das große Publikum in Gefahr zu bringen, so wird kein vernünftiger Mensch dagegen etwas einwenden. Das setzt aber voraus, daß die Beamten mit den ihnen er teilten Machtbefugnissen keinen Mißbrauch treiben. Nun hat sich aber wiederholt und besonders deutlich bei den Moabiter Vorgängen gezeigt, daß schon heute von zahlreichen Polizeibeamten der schwerste Mißbrauch mit den ihnen anvertrauten Waffen getrieben wurde und die schlimniftcn Ausschrciwngen vorkamen, bei denen Gesundheit und Leben zahlreicher Bürger gefährdet wurde! Der Mörder des erschlagenen Arbeiters Herrmann ist bis heute noch nicht ermittelt, obwohl feststeht. daß der Er schlagene durch mißbräuchliche Anwendung der Schutzmannswaffen zu Tode gekommen ist. In Zukunft sott das noch schlimmer werden. Es soll weniger der Säbel ak. vielmehr der Revolver eine Rolle spielen! TaS geht schneller und ist radikaler! Zeugen sind dann noch schwerer aufzutreiben als bei der Säbelci! Der Anlaß, den der Polizeipräsident für seine Maßnahmen ins Feld führt, begründet den Erlaß der Polizei in keiner Weise. ES soll sogar der Schutzmann noch bestraft werden, der zu spät von der Waffe Gebrauch macht. Wer entscheidet aber darüber, wann der rechte Augenblick zum Schießen da ist? Doch nur der Schutzmann selber! Und wenn der Beamte gewärtig sein muß, bestraft zu werden, wenn er zu spät zur Waffe greift. wird ein diensteifriger Beamter sehr leicht geneigt sein, liebc!- früher als später zn schießen, ja. er wird direkt angereizt, blindlings loszuknalle«! Wir wollen im Augenblick davon abschen, zu untersuchen. ob Herr v. Jagolv rechtlich befugt ist. derartige Anordnungen zu treffen. Wir bestreiten ihm dieses Recht! Auf alle Fälle aber ist Jagows neuester Schießcrlaß geeignet, die Rechts- und Sicherheitszuftände in Preußen in der grellsten Weise zu beleuchten. Die Stadt Berlin aber wird durch diesen Jagowerlaß in der Tat in einen Belagerungszustand versetzt. Der Bevölkerung Berlins wird das Standrecht oktroyiert! Wir haben es herrlich weit gebracht! Nur eins ist uns unverständlich. Glaubt denn Herr tagow wirklich, die Empörung über die gerichtlich festgestellten olizeibarbareien, speziell über die Ermordung deS Arbeiters Herrmann, sei im Lande bereits derart verflogen, daß sie durch den neuerlichen und noch unglaublicheren Schießerlaß erst wieder besonders angefacht werden müßte?! Glaubt der unsägliche Herr v. Jagow, der Sozialdemokratie noch be- sondere Wahlhelfersdicnste leisten zu müssen? Dann unter- schätzt er wirklich seine bisherigen Verdienste! Geplänkel im Zentrumslager. Der Zwist im Zentrum tritt zwar nicht mehr so deutlich in den Spalten der Zcntrumspresse hervor, wie noch vor wenigen Wochen: aber eingeschlafen ist er deshalb nicht. Die Leiter der Berliner(Koppschen) Richtung und der Kölner Richtung betrachten sich mit haßerfüllten Blicken, und nur die Rücksicht auf die nächsten Reichstagswahlen hindert sie übereinander herzufallen. So hat kürzlich das an- geblich von einem Herrn P. Richter redigierte. tatsächlich aber von dem früheren Gerichtsassessor Franz von Savigny, dem Reichstagsabgeordneten Dr. Fleischer und dem Liz. Fournelle geleitete Blatt der katholischen Fachvercinsbewegung, der„Arbeiter", die „Kölnische Volkszeitung" beschuldigt, daß sie in den letzten Jahren verschiedentlich modernistische Anschauungen vertreten habe. Die bekanntlich„interkonfessionelle"„Kö(n. Volksztg." fühlte sich darob tief beleidigt. Sie räsonierte über„Verleumdung" und forderte den„Arbeiter" auf. Beweise für seine Behauptungen zu liefen,. Zunächst schien sich der„Arbeiter" um diese ihm gestellte schöne Aufgabe herumdrücken zu»vollen in seiner jüngsten Nummer(von, 6. August) schreibt er jedoch: Das Beweismaterial, das die„Kölnische ValkSzeittu-g" von uns fordecr, scheint einem weitgehenden Interesse zu begegnen. Wen» jedoch gewisse Zeitungen der Erwartung Ausdruck geben, das Material möchte im„Arbeiter" veröffentlicht werden so können wir diesem Wunsche leider nicht nachkommen. Der„Arbeiter" erscheint wöchent- luh einmal. Schon diese Tatsache läßt ihn alö Publikationsorgan für das von der„Kölnischen Volkszeitung" gewünschte Beweis- Material als untauglich erscheinen i dazu kommt sein beschränkter Umfang, und schließlich hat er auch noch etwas andere, ihm näher- liegende Aufgaben zu erfüllen, als sich lediglich mit dem rheinischen Zentrumsblatt in seineu Spalten auseinanderzusetzen. Wir teilten deshalb in voriger Nummer mit, daß wir für die Veröffentlichung de» erwähnten BeweiLmaterials diejenige Form wählen würden, die uns zu diesem Zivecke geeignet erscheint. Die„Kölnische VolkSztg." wird sich nicht darüber zu beschweren haben, daß wir etwa nicht Wort hielten; im Gegenteil! Unsere Leser aber werden wir darüber gelegentlich des näheren informieren. Durch diese brüderliche Antwort fühlt sich aber die „Kölnische Volkszeitung" natürlich recht wenig befriedigt. Sie erwidert: Also der Arbeiter hat seit Jahren Raum gehabt, mn in fast zahllosen Artikeln die„Kölnische Volkszeitung' in seinen eigenen Spalten vor seinen 112000 Lesern zu verdächtigen und zu verleumden. Jetzt, wo er seine Behauptungen beweisen soll, lehnt er es ab, dieses Veweisverfahrcn vor demselben Forum. nämlich seinen 112 000 Lesern, anzutreten. In welcher Weise er da? Beivcisverfahrcn antreten will, ist immer noch nicht gesagt. Er will diejenige Form wähle», die„ihm zu diese», Zwecke geeignet erscheint". Soll etwa wieder daS„erdrückende Beweismaterial" unter Kuverts an die Intimen und oiustige Geistesverwandte versandt werden? Das würde doch eine sehr merkwürdige Art der öffentlichen Beweisführung sein. Die 112 000 Leser, welche seit Jahren die Verdächtigungen der.Kölnischen Volkszeitung" gelesen haben, haben ein Recht darauf, auch die Beweise kennen zu lernen, und der„Arbeiter" hat die Pflicht, diesen seine Beweise zu unterbreiten. Die beiden Streiter für die hehre katholische Moral werden, wie man sieht, durch diese Moral nicht im geringsten daran gehindert, sich gegenseitig der Verleumdung zu be- zichtigen— und sie habbn beide recht. Freisinn und Wahlrecht. Ter freisinnige Landtagsabgcordnete Hoff berosfentlicht im roten..Tag" einen Artikel über das Thema..Wahlrecht und Wahl- krciscinteilung". in dem er die preußische Wahlrcchtsschmach folgendermaßen charakterisiert: „Tos vor 60 Jahren unter gänzlich anderen Umständen eingeführte Treiklassenwahlrecht paßt ebensowenig zu der ver- änderten inneren Struktur des preußischen Volkes, wie die vor 50 Jahren eingeführte Wahlkreiseintcilung zu der äußeren patzt. Es ist unerträglich und ohne Vorgang aus der ganzen Erde, daß(nach der amtlichen Wahlstatistik vom Jahre 1906) 3.82 v. H. Wähler erster Klasse ebensoviel Wahlrecht besitzen als 13,87 v. H. zweiter Klasse und 82,31 v. H. dritter Klasse. Es ist unerträglich, daß der Preuße, welcher als deutscher Staatsbürger geheim und direkt wählt, als preußischer Staatsbürger indirekt und öffentlich zu wählen hat, so daß noch, im Jahre 1908 67,2 v. H. aller Wähler es voi�ezogen haben, von der Wahl fernzubleiben, und in einzelnen Fällen sogar weniger als 5 v. H. an dem Wahltischc erschienen sind. Es ist unerträglich und wird mit jedem Jahre unerträglicher und gefährlicher, wenn— wie ebenfalls die Statistik lehrt— aus Grund einer Wahlkreisein- teilung, welche auf der Volkszählung von 1858 basiert, schon jetzt 12 bis 13 Millionen Preußen, welche in den kleinen Wahl- kreisen wohnen, über die Mehrheit der Abgcordnetenmandate verfügen, tvährcnd die übrigen 27 bis 28 Millionen„Auch- Preußen", welche dabei zur Hauptsache die Lasten des Staates tragen(brachten doch im Jahre 1909/10 allein die Stadtkreise mit 210 Millionen Mark 62, l8 v. H. der gesamten Einkommen. steuer auf), sich mit der Minderheit der Mandate begnügen müssen." Tiefe Kritik ist ja nicht neu, aber es bleibt immer verdienst- lich, die ungeheuerlichen Skandalosa des preußischen Gcldsack- und Junkertoahlreclsts stets von neuem zu kennzeichnen. Vermerkt zu werden verdient auch, daß Herr Hoff zu der Einsicht gelangt ist. daß das preußische Abgeordnetenhaus aus sich selbst heraus schwerlich zu einer vernünftigen Wahlreform kommen werde. Es müsse hier eben„von außen nachge- Holsen" werden, nicht nur von unten, sondern auch von oben. Tie preußische Regierung, die von. sich behauptet, daß sie nicht ctwg der Handlanger der MehrheitSparieien sei, sondern über den Parteien stehe, habe die Pflicht, mit allem Nachdruck auf eine wirkliche Reform hinzuarbeiten und auch vor einer Auslösung des Hauses nicht zurückzuschrecken. Unserer Ansicht stünde es dem Freisinn besser an. wenn er sich nicht allzusehr auf den Rcformeifer � der Regierung verließe, sondern das Hauptgewicht auf die Nachhilfe von unten, aus deni Volke heraus, legte. Daß eine solche Nachhilfe notwendig ist,- gesteht ja Herr Hoff ein. Bester wäre es freilich gewesen, wenn der Freisinn in seiner Gesamt. lheit schon längst diese Einsicht bcsesten und durch eine kraft. volle WahlrechtSbewegung für die Verstärkung des Drucks von unten gesorgt hätte! Leider hat der Freisinn, das bis jetzt per- absäumt. Hoffentlich aber wird.endlich das Bekenntnisses Herpr Hofs zum Gemeingut der fortschrittlichen Volkspartci und damit huin Ansporn, nun endlich gleich der Sozwldeinokratie einen wirk. -lich fast, und kraftvollen W a h l r e cht S st ur m der Massen entfachen zu helfen? Aber auch bei den Reichstags wählen kann der Frei- sinn sehr viel zur Verstärkung des Drucks von unten beitragen. Bei den Hottcntottcnwahlen hat er durch seine skandalöse Unter- jtützung des traurigsten ScharfmachergesinVels sein redliches Teil zur Stärkung der.Reaktion auch. in Preußen beigetragen.. Bei den nächsten Wahlen wäre es deshalb die doppelte Pflicht des Flreisinns. der Reaktion eine schwere Niederlage bereiten zu Helsen. Je wuchtiger nicht nur der blauschwarze Block, sondern auch die nationalliberalcn Gegner eines wirklich freien Wahlrechts aufs Haupt geschlagen werden, desto aussichts- reicher wird auch die Situation für die neuen Wahlrechts- kämpfe in Preußen. Warten wir also ab, in welchem Maße der Fortschritt seine Wahlrechtsfreundschaft bei den nächsten Reichstagewahlen betätigen wird! Klerikale Verleumdungen. ES ist eine Spezialität der Zentrumspresse, wirkliche oder er. dichtete Vorgänge bei Beerdigungen gegen die Sozioldemo- kratie auszuschlachten. So geht auch jetzt wieder durch die ultra- montanen Blätter eine Räubergeschichte, die sich am Montag in dem Kölner Vorort Sulz abgespielt haben soll. Unter der Spitzmarke: Früchte sozialdemokratischer Erziehung" wird be- hauptet: Als ein Leichenzug in dem Vorort Köln. Sulz an.einem Neubau vorüberfuhr. sei auS einer Gruppe Arbeiter ein halbwüchsiger Beugel hervorgetreten und habe den amtierenden Geistlichen ver- spottet Als der ihm das verwies, sei der Bursche mit seinen Schmähungen fortgefahren. Nachher sei es dann noch zu einem Zu- sainmenstoß mit der Polizei gekommen, wobei letztere von ihrer Waste Gebrauch machte. Ter tatsächliche Hergang ist dagegeu dieser: Eine Anzahl Bau- arveiter hätte nachmittag vorzeitig Schluß gemacht, um sich die Be- erdigung eines ihnen bekannten WirlschaftSverwalterS anzusehen. Als die Geistlichen vor dem Beginn deS Begräbniste» herankamen. nahm ein zwanzigjähriger Arbeiter eine„militärische Haltung" an. riß die Mütze herunter und rief„Achtung!" Statt die Albernheit unbeachtet zu lasten, trat der katholische Pfarrer Becker aus den Arbeiter zu und verlangte dessen Namen zu wissen. Al» ihm der verweigert wurde, sagte der Pfarrer':„Sie sind feige l" Die Geist- lichen gingen weiter zum Trauerhause, sorgten aber dafür, daß ein Schutzmann geholt wurde. AI« dieser erschien, nahm ein Bruder des Zwanzigjährigen für diesen Partei; eS kam zu einem Zusammen- stoß und schließlich zu Krawall. WaS hat nun die Sozialdemokratie mit der gaiizen Sache zu tun? Die beiden Bauarbeiter, die im Vordergründe der Vorgänge stehen, haben mit der Sozialdemokratie nicht das allermi n beste gemein. Sie sind nicht einmal gewerkschaftlich organisiert, und ihr Vater bat sich mehrfach deS Slreikbruch« schuldig gemacht. Die ganze Geschichte ist in ihrer erlogenen Aufmachung und ihrer lusamen Ausschlachtung gegen die Sozialdemokratie eme Niedertracht. wie sie eben nur in der Zentrumspresse mag- �Von der Wahrheit werden die Leser der total verlogenen Zentrumspresse natürlich nie etwas erfahren. Herr Eickhoff als reaktionärer Schrittmacher. Unser Solinger Parteiorgan, die»Bergische Arbciterstinime", vcrSsscntlicht ein von dem Land- und ReichStagSabgcordnetcn Eickhoff unterzeichnetes Schreiben des Wahlkomitces der fort- schrittlichen Polkspartci für den Wahlkreis Rcmscheid-Lenncpp-Ntrit- mann, aus den, hervorgeht, daß Herr Eickhoff und seine Anhänger de» Austrit aus dem fortschrittlichen Bczirksvcrband Rhcinlgnd bfj schlössen haben. Tie Loslösung der WahlkreiSorganisation. aus dem rheinischen Verband soll erfolgen, weil Herr Eickhofs von einer energischen Bekämpfung des s chwär z- blia u e n Blocks nichts wissen will. Weil aber die Mehrheit der freisinnigen Organisation des Rhcinlandes mit der reaktionären Haltung des Herrn Eickhoff nicht cinverstanden ist. sucht dieser fortschrittlich verkappte nationolliberalc Herr die Organisation dieses Kreises dadurch den Einflüssen der liberaler denkenden rheini- scheu Parteiorganisationen zu entziehen, daß er den Austritt der Organisation des Wahlkreises Remscheid-Lennepp-Mettmann aus dem Bczirksvcrband Rheinland betreibt und ein Zusammengehen mit dem Bezirksvcrband Hagen anstrebt. Das„Berliner Tageblatt" erklärt, durch Erkundigungen an zuverlässiger Ktelle erfahren zu haben, daß die Zahl derer, die hinter dem von Herrn Eickhoff propagierten Austrittsbeschluß stehen, nur eine ganz geringe sein soll. Trotzdem werde das Schreiben weitere Kreise ziehen und auch bereits an diesem Sonntag eine Sitzung des rheinischen Provinzialvorstandcs der fortschritt- lichen Volkspartei beschäftigen. Man darf gespannt darauf sein, ob Herr Eickhoff für seine reaktionären Machenschaften viel Verteidiger und Anhänger unter dem rhcinisch-wcstfälischen Freisinn finden wird, Cnglanä. Liberale Sozialpolitik. London, 3. August.(Eig. Ber.) Mit dem Barometer fällt auch der Kredit der liberalen Sozial- Politiker. Von Tag zu Tag wird die Vcrsicherungsvorlage des englischen Schatzkanzlers schlechter anstatt besser. Der Ursprung- liehe Plan war jedenfalls derart, daß er sich getrost an der Seite irgend eines anderen von einer bürgerlichen Regierung vorgeschla- genen Sozialvcrsicherungssustcms sehen lassen konnte. Besonders vorteilhaft nahm, sich die Verwaltung aus,, die, wie Herr Lloyd George'selbst nie müde wurde, zu versichern, den Arbeitern selbst anvertraut werden sollte. Mit diesem Grundsatz hat der Schatz- kanzler jetzt gebrochen. Gestern wurde im Unterhanse beschlossen, die freie Aerztewahl einzuführen und den Kasten das Recht, ihre eigenen Aerzte anzustellen, zu nehmen. Es soll eine Liste von Kassenärzten aufgestellt werden, in die sich jeder Arzt eintragen lassen kann; die Führung dieser Liste und die Ausführung der Ueberwachung des ganzen Systems der ärztlichen Behandlung soll den Gesundheitsausschüsscn und den Versicherungskommissaren übertragen werden. Nicht etwa, daß ernstliche Bedenken gegen die Selbstverwaltung der Kassen in diesem Punkte vorlägen; die großen bestehenden Kassen stehen mit ihren Aerzten auf dem freundschaftlichsten Fuße und die Streitigkeiten unter ihnen ge- hören zu den Ausnahmen. Aber der Einfluß der Aerzte und ihrer Klassengenossen hat sich als stärker erwiesen als der der Arbeiter. Die freien Hilfskassen fühlen sich verraten und verkaust. Aus der Versichcrungsvorlage ist eine Vcrsorgungsvorlage für den Aerzte- stand geworden. ES ist kaum denkbar, daß die Krankenkassen der Regierungsvorlage weitere Unterstützung anacdcihen werden lassen. Und unter diesen Umständen scheint das Schicksal der Vor- läge endgültig besiegelt zu sein. Allem Anschein nach wird Lloyv George denselben Entwickelungsgang durchmachen wie Joseph Ehamberlain. Der Schrecken der Geldsäcke wird zum Liebling der Imperialisten. Man kann heute schon ohne Uebcrtrcibung sagen, daß Lloyd George bei den Konservativen ein Ansehen und eine Achtung genießt, wie kaum einer der konservativsten Staats- männer. Was Wunder, wen» er durch seine Taten und Worte die Berechtigung der konservativen Lobreden beweisen will. Portugal. Die republikanische Regierung gegen die Gewerkschaften. Man schreibt unS au» L i s s a 5» n: Die portugiesische Arbeiterklasse ist in diesem Aug«, blick da» Opfer einer Reihe von Verfolgungen durch die neue Bourgeois- republik, von Verfolgungen, die sie unter dem Königwm niemal» zu erdulden hatte. Die letzte Infamie der Regierung war die Auflösung der Arbeiterkonföderation von Oporto und de? Arbeiterzentralverbandes unter dem Vorwande, diese Organisationen seien ungesetzlich. Die konservative und reaktionäre Gesinnung der Republik tritt von Tag zu Tag mehr ans Licht. Die demokratische und kiberale Maske ist gefollen; es zeigt sich, daß das gegenwärtige Regime sich in keiner Weise von den anderen BourgeoiS-Regierungen unterscheidet. Dieser reaktionäre Kampf gegen die Arbeiterklasse kann, wenn er nicht rechtzeitig gehemmt wird, die Entwickelung des portugiesischen Proletariat? arg unterbinden. Beim Streik der Eisenbahner von Oporto konnte man erst kürzlich sehen, daß die Regierung auf Seite der Gesellschaft trat, ihre Truppen zur Verfügung stellte, so daß nach 20 Tagen die Arbeiter besiegt wurden, während sie ohne das Eingreisen der Regiemng siegreich gewesen wären. Die Republik denkt nicht daran, daß sie dem portiigiesischen Pro- letariat ihre Existenz verdankt. Die Bourgeoisie behauptet, daß die Arbeiter, wenn sie in den Streik treten, das Gesetz mißachten. ES ist einer Republik, die sich demokratisch nennt, unwürdig, den Streik zu verhindern, nachdem fie ihn in ihrer Gesetzgebung anerkannt hat. Aber weder die Auf- lösung der Gewerkschaften noch die Berfolgungen der Regierung können die Gegensätze unterdrücken, die die Entwickelung deS Kapitalismus und das erwachte Gewissen des Proletariats hervor» rufen. Seit einigen Moiiatcn herrscht in der Republik eine wahre Streikepidemie. Die Streiks werden fast alle vom Proletariat ver- loren. denn das ausstrebende Kapital stützt sich aus das Heer und die Regierung der jungen Republik. DaS Proletariat ist noch nicht genügend organisiert; diese Streiks sind daher zwar harte, aber sehr eindringliche OrganisationZlehren. Die treulose Regierung sucht die Arbeiterbewegung von ihrer Bahn zu drängen, indem sie die Anarchisten und AntiParlamentarier begünstigt. Sie hofft, und zwar durchaus nicht ohne Grund, daß, weilii sie die Arbeiterschaft in diese koiifuse Bewegung hineintreibt. deren Stoßkraft gebrochen lverdc. ES ist eine sehr ernste Zeit, und die sozialistische Partei hat eine schwere Aufgabe, wenn sie die Machenschaften der Regierung durchkreuzen will. Und zwar hat das schnell zu geschehen, ehe eS zu spät ist. An dem Tage, an dem Jean Jaurö» mit lautem Beifall im portugiesischen Parlamente begrüßt wurde, verweigerte man unserem Genosseil Silva, dem einzigen Sozialisten in der Kammer, das Wort zu einer Interpellation wegen der Auflösung der Gewert- schaften und der Vorgänge in Oporto. Dieser Republik gegenüber haben die Sozialisten einen schiveren Stand und eS bedarf all ihrer Energie und Umsicht, die Sache des Proletariats gegen die pharisäische Bourgeoisie zu verfechten. Amerika. AaSweisuugen von Sozialisten aus Havanna. Scberino Ehacon, der frühere Präsident der sozialislischeu Partei Kubas und Antonio VieteS, Vorsitzender der Gewerkschaft der„PconeS" Landarbeiter) sind dieser Tage in Santander, von Havanna kommend, gelandet. Im vergaitgeneit Monat wurden sie. als sie von der Arbeit kamen, von der Polizei verhaftet und gezwungen, sich sofort nach Europa einzuschiffen. Der Grund für diese gewalttätige Maßnahme ist darill zu suchen, daß die sozialistische Bewegung in Havanna sehr stark geworden ist und daß eine Anzahl Streiks von den Ausgewiesenen mit Erfolg durchgeführt worden waren. Hus der parte!. Die sozialdemokratische Partei und die Marokkafragä Man schreibt uns aus dem Parteiburcau: Zu unserer Erklärung in Nr. 180 des„Vorwärts" äußern ich im gestrigen„Vorwärts" die Genossen Dr. Rosenfeld �und Rosa Luxemburg. Soweit beide trotz unserer gestrigen Fest- sscllungen lediglich ihre früheren Behauptungen wiederholen, ver- zichten wir auf eine Erwiderung. Wir beschränken uns darauf, neue unwahre Behauptungen richtigzustellen. Genossin Luxemburg behauptet, daß der Parteivorstand eine auf Initiative der französischen Sozialistenführer und des Jnter- nationalen Sozialistischen Bureaus angeregte Demonstration vor drei Wochen ohne Folgen gelassen habe, ebenso wie die Ein- ladung, dio von den französischen Sozialistenführern zu einer Pariser Demonstration Mitte Juli ergangen wäre. Wir stellen demgegenüber fest, daß weder der Partcivorstand der Sozialdemokratischen Partei Frankreichs noch das Jnter- nationale Sozialistische Bureau beim deutschen Parteivorstand eine Demonstration angeregt haben. Das I. S. B. hat ledigliai am 6. Juli bei allen angeschlossenen Parteien angefragt, ob sie der Meinung seien, daß es Zeit ist, eine Zusammenkunft, wenigstens der Delegierten, der an der Marokkofrage beteiligten Länder ein- zuberufen. Hierzu hat Genosse Bebel als Vertreter der Sozial- demokratischen Partei Deutschlands und im Einverständnis mit dem Parteivorstand am 12. Juli geantwortet, daß zunächst eine Konferenz des I. S. D. nicht empfehlenswert erscheine. Zu der Demonstrationsversammlung, die am Mittwoch, dcu 12. Juli in Paris stattfand, und die nicht von dem Parteivorstand der französischen Sozialdemokratie, sondern von der Seine- Federation veranstaltet wurde, war der Parteivorstand, wie seiner- zeit im„Vorwärts" mitgeteilt wurde, eingeladen. Die tele- graphische. Einladung kam so spät in die Hände des Parteivor- standes, daß eine Delegation nicht mehr möglich war. Ter Partei- vorstand hat darauf das in Nr. 161 des„Vorwärts" abgedruckte BegrüßungSielegramm nach Paris gesandt. Die unabhängige Arbeiterpartei Englands und die englische sozialdemokratische Partei, die gleichfalls eingeladen waren, hatten ebenfalls durch Telegramm ihre Sympathie für die Friedensdemonstration der Pariser Arbeiter bekundet. Was den in Nr. 168 der„Leipziger Volkszcitung" abgedruckten Brief des Genossen Molkenbuhr anbelangt, so war dieser Brief keine Erklärung dcs Parteivorjtandcs. In dem Briefe heißt es einleitend: „In einer Vorstandssitzung habe ich Jhben werten Brief noch nicht vortragen können. Vorläufig will ich meine persönliche Ansicht mitteilen...." Der Inhalt des Briefes war also ganz ausdrücklich als private Meinungsäußerung bezeichnet. Die Methode, ihn trotzdem als Meinungsäußerung des Partcivorstandes zu deklarieren, ist eine Irreführung der Parteigenossen und charakterisiert sich selbst. Daß der Brief nicht zur Veröffentlichung bestimmt war, ist selbstverständlich. Die Rundschreiben deS I. S. B. sind lediglich zur Information der Parteileitung bestimmt. Mitteilungen, die für die Leffentlichkeit bestimmt sind, werden direkt der Presse übergeben. Tie teilweise- Verössentlichung des letzten.Rund- schreiben» war daher eine grobe Indiskretion. . Genosse Dr. Rosenfeld greift den Parteivorstand an, weil et sich zu den Artitelir der„Leipziger. Volkszeitung" nicht früher geäußert habe. Ob in einer gegebenen Situation der SensationS- artikel eines Parteiblattes für eine sofortige Erwiderung wichtig genug erscheint, darüber mögen die Meinungen auseinandergehen. Jedenfalls konnte für die Berliner Arbeiter, die die Einladung zu den Versammlungen in der„Neuen"Welt" gelesen und die vom Parteivorstand bestellten Redner gehört hatten, und für die Berliner Parteileitung, die von uns besonders informiert war, kein Zweifel über den wahren Sachverhalt bestehen, Jugendbewegung. Vom Kampfe gegen die Jugendorganisationen. Am Freitag hatte sich vor dem Amtsgericht in Lichtenberg Karl Kaßler, einer der Vorsitzenden des ehemaligen„Bildungsverein? jugendlicher Arbeiter und Arbeiterinnen zu Lichtenberg-Friedrichs- felde" wegen Uebertretung des Vereinsgesetzes zu verantworten. Die Beweisaufnahme ergab folgendes: Eye die Berliner freie In- gendorganisation aufgelöst war. gründete der Angeklagte in Gc- meinschaft mit anderen Anfang November 1909 den genannten Ver- ein. Diese hatte denselben Zweck wie alle Jugendorganisationen, nämlich die Mitglieder weiter zu bilden. Die gründende Ver- sammlung hatte einen provisorischen Vorstand gewählt und den» selben beauftragt, vorläufig'Sie Geschäfte zu führen, eine Agita- tionsversammlung abzuhalten und ans Grund eines beschlossenen Programms die Statuten auszuarbeiten und die konstituierende Generalversammlung einzuberufen. Der Verein wurde vom Lich- tenberger Polizeipräsidcntei, aufgelöst. Das Gericht hatte keine Be- weise für die polttische Tendenz des Vereins in Händen. Endlich fiel der Polizei das Glückslos in den Schoß. Sie sistierte eines TageS einige Jugendliche, hielt sie die Nacht über in Gewahrsam und— wer wundert sich?— sie hatte Protokolle nach Wunsch und Bedürf- nis. Der Kriminalbeamte Baumann, der vernehmende Beamte, erklärte unter Eid, einer der Jungen habe ihm freiwillig mehr er- zählt, als er zu wissen nötig gehabt. Dieser Jugendliche als Zeuge behauptete, er habe schließlich alles bekundet, ivas der Beamte habe» wollte, nur um bald wieder zu seinen gcängstigten Eltern zu ge- langen. Der Zeuge Baumann meinte dazu naiv, das könne dock, nicht wahr, sein, denn der Zeuge habe doch Angaben zu Protokoll gegeben, die er— Baumann— nicht wissen tonnte, und daher auch nicht vorsagen habe können. Heiliger Bimbam. Ein so naiver Beamter der politischen Polizei, wie B. sich dahinstellt, ist doch ein- fach unmöglich. In einer im November 1909 abgehaltenen öffentlichen unpolitischen Agitationsversammlung hielt Abg. Stadthagen einen Vortrag über das Thema„Ans Vaterland, ans teure, schließ dich an!" Er erklärte, daß die Wahrheit immer verfolgt worden sei, und führte als Beispiele große Männer an, wie Keppler, SokrateS, Reuter usw. und zeigte zum Schluß ati dem Sozialistengesetz und der Verfolgung der modernen Arbeiterbewegung, daß es jetzt noch genau so ist, wie es früher war. Das Vaterland sei nicht dort. wo die politischen Grenzen sind, sondern wo Wahrheit und Gerech- tigkeit herrschen. Aus diesem Grunde solle jeder helfen, die ge- samte Menschheit aus dem Bann jeder Unterdrückung zu befreien. Diese Schlußfolgerung sah das Gericht als politisch an. Ein junger Arbeiter, der in etwas scharfen Ausführungen die Unter- drückung der Arbeiterjugend kennzeichnete, wurde von dem Leiter der Versammlung verschiedentlich zurechtgewiesen. Statt dieses als einen Beweis anzusehen, daß der Verein keine Politik machen wollte, wertete das Gericht den Vorgang als einen Beweis für die politische Teichenz des Vereins. Das Verteilen der „Arbeiterjugend" mußte ebenfalls als Begründung dienen. Das Gericht sah den Verein auch als eine Fortsetzung der„Freien Ju- gendorganisation" an und erkannte auf schuldig. Das Urteil lautete auf 6 M. Geldstrafe öder 2 Tage Haft wegen Uebertretung des Vereinsgesetzes. Mit solchen Erfolgen gegen die freien Jugend» organisationen wird man dxxcn Wachsen gründlich fördern» GßWßvhrcbaftUchca. Kämpfe in der Metallindustrie. Allein Anscheine nach entwickeln sich in der Eisen- und Metallindustrie umfangreiche Kämpfe. Wer die Vorgänge von höherer Warte überblick� kann sich kaum des Eindrucks er- wehren, daß die Unternehmer nach einem geheimen Abkommen einheitlich vorgehen. Sie hoffen wohl, die Organisation lahm legen zu können. In nlehreren Bezirken haben sich fast über Nacht aus den: Vorgehen der Unternehmer große Känipfe ent wickelt, obwohl es sich ursprünglich nur um kleine lokale Differenzen handelte. In Thüringen waren in einigen kleinen Betrieben Konflikte ausgebrochen. Die Unternehmer stellten das Ultimatum: entweder Unterwerfung der Arbeiter oder große Aussperrung! In Leipzig war es in der Gclbmetall industrie zu kleinen Plänkeleien gekommen, die ebenfalls die Androhung einer Generalaussperrung im Gefolge hat. In Thüringen sind mittlerweile die dort ausgebrochenen, der hältnismäßig unbedeutenden Differenzen beigelegt worden. Nun erklärt das dortige Unternehmertum, es sperre aus wegen der Differenzen in Leipzig! Es wäre sonderbar, wenn hier kein Zusammenhang bestände. Merkwürdig ist auch, daß eine Streitigkeit in der Blechwarenspielindustrie Nürnberg den Unternehmern Anlaß gegeben hat, die Aussperrung von 60 Proz. der Gesamtarbeiterschaft zu erklären. Berücksichtigt man weiter, daß auch in Düsseldorf und im bergischen Lande ausgebrochcne Differenzen, die die Unternehmerorganisation auf den Plan gerufen haben, das Kartell sächsischer Unter nehmer mit Berufung auf Leipzig eine Aussperrung an kündigt und diese Aussperrungen merkwürdigerweise zu gleicher Zeit perfekt werden, dann wäre es doch ein ganz außergewöhnlicher Zufall, wenn es nicht das Resultat ge- heimer Abmachungen wäre. Insgesamt dürften bei den an- gedrohten Aussperrungen, � von der Ausdehnung der Kämpfe abgesehen, zunächst ca. 30000 Metallarbeiter in Betracht kommen. Nachfolgend geben wir einige telcgraphische und sonstige Meldungen aus den Kampfgebieten: Die vom Verband der Leipziger Metallindustriellen angekündigte AnZsperrung der Metallarbeiter wird nicht auf Leipzig beschränkt bleiben. Eine Versammlung der Leipziger Metallindustriellen be- schloß zunächst, den AbsperrnngZbeschluß vom 23. Juli durchzuführen. Dann wurde bekannt gegeben, daß das sächsische Kartell der Metall- industriellen, zu dem die Bezirksverbände Chemnitz. Dresden und Leipzig gehören, beschlossen hat, den bestreikten Leipziger Verbänden zu Hilfe zu kommen. Der Hauptverband in Berlin ist ersucht worden, in den Kampf einzugreifen. Weiter wurde bekannt gegeben, daß der Thüringer Bezirksverein der Metall- industriellen ebenfalls beschlossen hat, Sonnabend rund 9000 Arbeiter wegen Tarifdifferenzen, die nicht auf gütlichem Wege zu regeln waren, auszusperren. Danach werden Sonnabend in Leipzig rund 10000 und in Thüringen rund 9000 Arbeiter der Metall- industrie ausgesperrt und wenn, wie verlautet, in nächster Zeit eine Einigung nicht zustande kommt, von Dresden und Chemnitz weitere 2ö 000 Arbeiter ausgesperrt werden. Die Leipziger Metallarbeiter hielten Freitag abend elf große Versammlungen ab, die von etwa 15 000 Personen besucht waren. In allen Versammlungen herrschte frohe Kampfstimmung, die auch in der angenommenen Resolution zum Ausdruck kam, in'der es heißt: „Die Versammelten sprechen den seit dem 27. Mai im Kampfe um beffere Lohn- und Arbeitsbedingungen stehenden Arbeitern der Metallgießereien Anerkennung und Dank für ihre mutige Haltung aus und sind gewillt, mit derselben Begeisterung und Fähigkeit die Folgen der Aussperrung auf sich zu nehmen." Auch der christlichnationale Metallarbeiterverband und die Hirsch- Dunckerschen hielten zwei Versammlungen ab, in denen die For- derungen der Streikenden als berechtigt und zeitgemäß anerkannt wurden. Chemnitz, 5. August. Da die Einigungsverhandlungen zur Bei- legung der bei den einzelnen Mitgliedern des Verbandes Thüringer Mctallindustrieller schwebender Differenzen trotz weitgehender Zu- geständnisse seitens des Verbandes gescheitert sind, wird die Gesamt- auSsperrung im Verbände Thüringer Metallindustrieller heute nach- mittag 5 Uhr in Kraft treten. Der Verband Thüringischer In- dustrieller hat seine Mitglieder im Hinblick auf die grundsätzliche Bedeutung der Bewegung aufgefordert, die zur Aussperrung ver- pflichtete Metallindustrie in jeder Hinsicht zu unterstützen. Nürnberg, S. Augiist. Die Verhandlungen zwischen den Arbeit- gebern und Arbeitnehmern der Nürnberger Blechspielwarcnindnstrie find gescheitert. Nachdem vor einiger Zeit ein Teilstreik aus- gebrochen ist. beschlossen die Arbeitgeber, 60 Proz. der Arbeiter aus- zusperren. Die Arbeitnehmer haben als Antwort darauf den General- streik erklärt, der heute nachmittag einsetzen und über 3000 Arbeiter umfassen wird._ Brauereiarbeiterstreiks. Nach kurzem Streik erreichten die Arbeiter der Sozietätsbrauerei Zittau, Niederlage Hirschberg, den Abschluß eines TarifeS mit wesentlichen Verbesserungen. Einen Abwehrstreik führten die Arbeiter der Mtienbranerei Hirschberg wegen schlechter Behandlung. Tarifbruch und Lohnreduzierung mit vollem Erfolge. Der Formcrstreik im pommcrschen Judustriebezirk ist nunmehr vollständig beendet. Am 2. August fanden in U e ck e r- münde vor dem Gewerbegericht nochmals Einigungsverhandlungen statt. Es wurden die Bedingungen für die Wiederaufnahme der Arbeit bei der Firma Munter in Ücckermllnde festgelegt, bei der es sich in der Hauptsache um die Entlassung von zwei Leuten handelte, die entgegen den Abmachungen bei der ersten Einigung eingestellt waren, und ferner die Regelung einer Reihe von Akkordpreisen bei der Firma Kaiser it. Co. ebenfalls in U eckermünde. Beides wurde vollkommen dem Verlangen der Arbeiter entsprechend geregelt und hat die Wiederaufnahme der Arbeit nunmehr beschlossen werden können. Außerdeni waren noch die Erhöbung der Akkordpreise in den beiden Hufcisenfabrikcn R. Lenz und C. Nickelt seitens der Firmen rückständig. Da auch hier durch BetriebSverhandlungcn das Verlangen der Arbeiter erfüllt wurde, wird die Arbeit am Montag aufgenommen werden. Somit ist der Streik mit vollem Erfolg auf der ganzen Linie beendet. ZZuslanck. Moabiter Polizeikrawalle iu Kopeuhagen-�rederiksberg. Die Polizei von Fredcriksbcrg, der Nachbarstadt Kopenhagens, scheint sich jetzt bei dem Streik der Straßenbahner das Verhalten der preußischen Polizei in Moabit und auf dem Wcdding zum Muster genommen haben. Wo sich Menschen ansammeln, um sich den Streikbrecherbetrieb anzusehen, oder auch aus anderen Ursachen zusammenkommen, werden sie mit Schimpfworten und roher Ge walt, mit Püffen und Knüppelschlägen auseinander getrieben; ja, selbst wenn einzelne Personen auch nur eine Weile an einem Kreuzungspunkt vom Streik betroffener Linien stehen bleiben, wer- den sie von den Polizeibcamten mit roher Gewalt vertrieben. Am chlimmsten war es am Mittwoch, dem zweiten Tage des Streiks. Da wurde unter anderem ein junges Mädchen, das auch gar nichts Ucbles begangen hatte, von einem Schutzmann mit dem Knüppel über den Kopf geschlagen. Ein Stadtratsmitglied aus Helsingör, das in Kopenhagen zu tun hatte, am Rathausplatz von einer städti- chen Straßenbahn abstieg und eine Weile stehen blieb, wie gerade ein Streikbrecherwagen der Frederiksbcrger Linie eintraf, erhielt von einem Polizcimann einen Stoß, daß er in de» Rinnstein flog. Dergleichen Rohheitcn sind zahlreich vorgekommen. Obendrein wur< den Verhaftungen in großer Anzahl vorgenommen, und man hielt die Leute stundenlang, in einem Falle sogar 18 Stunden im Arrest est. Am Donnerstag war über ganze Straßenzüge gleichsam ein Belagerungszustand verhängt. Der Verantwortliche für diese Zu- tände ist der Polizeigewaltitje S y l o w in Fredcriksberg, ein Mann, der schon aus den Zeiten der Verfassungskämpfe als eifrige Stütze der Reaktion bekannt ist.„Socialdcmokraten" vergleicht ihn mit dem Berliner Polizeipräsidenten v. I a g o w, und schreibt zu den Vorgängen selbst unter anderem: „Die Polizei, die von den Bürgern bezahlt wird, um Gesetz und Ordnung aufrechtzuerhalten, hat diese selbst gebrochen. Mit ge- chwungencm Knüppel hat sie friedliche Spaziergänger; ja, Frauen und Kinder überfallen. Man hatte nicht geglaubt, daß dergleichen möglich sein sollte hier in Kopenhagen. Wir sind ganz gewiß keine Bewunderer der Kopcnhagencr oder Fredcriksbergcr Polizei— aber ein solches Auftreten, glaubten wir doch, läge außerhalb der dänischen Möglichkeiten und wäre nur innerhalb der Grenzen Preußens möglich." Zum Streik selbst ist zu berichten, daß die Streikenden sämtlich von der Direktion schriftlich aufgefordert wurden, bis Freitagmittag den Dienst wieder anzutreten, da sie sonst als dauernd entlassen angesehen würden. Das hat jedoch keinerlei Wirkung auf die Streikenden ausgeübt. Berlin und Qmzegenck. Achtung, Gastwirtsgehilfen! Die Inhaber der Lokale Tegel- ort-Leuchtturm(Weinrauch) und Havel schloß, Jörs- f e l d e(Kuhn), lehnen Verhandlungen mit der Organisation ab. Beide bezahlen die Kellner unter dem Tarif und betonen ganz bc- sonders den Hcrrnimhausestandpunkt. Diese Lokale sind daher für organisierte Kellner gesperrt. Verband deutscher Gast Wirtsgehilfen Ortsverwaltung Berlin l. Deutsches Reich. Aus einer„Gifthütte". zztt der Bleiweiß- und Mennigefabrik von Gebr. Müller, „Farbwerke Düsseldorf A.-G.", stehen die Arbeiter seit 14 Tagen im Streik. Im Juni wurden die Arbeiter wegen einer Lohnerhöhung vorstellig und wurden von feiten der Firma 20 Pf. Zulage pro Tag bewilligt. Zugleich wurde vereinbart, daß nach 4 Wochen eine noch- malige Erhöhung der Tagelöhne und eine Regulierung der Akkord- löhne vorgenommen werden solle. Als nun die Arbeiter den Dr. Müller an sein Versprechen erinnerten, wurden sie mit Hohn emp- fangen. An Stelle einer Aufbesserung wurden die im Juni ge- machten Zugeständnisse zurückgezogen und die Akkordsätze nach unten reguliert. Darauf legten sämtliche Arbeiter die Arbeit nieder. Tie Firma versendet an alle ähnlichen Betriebe schwarze Listen und sucht in ganz Deutschland nach Streikbrechern. Eine Kolonne dieser nützlichen Elemente ist auch bereits eingetroffen. Der ortsübliche Tagelohn in Düsseldorf beträgt 3, SO M.. Dr. Müller zahlt aber nur L.20 M. für die gesundheitszerstörende Arbeit in seiner Bleiweitz- fabrik. 40 bis 50 sind durchschnittlich beschäftigt, es werden aber jedes Jahr 500— 600 Arbeiter eingestellt, weil die meisten davon nach einigen Tagen wieder davonlaufen. Zuzug ist streng fern- zuhalten. Streikjustiz. Der Beamte des MetallarbeiterverbandeZ in Lüdenscheid Drux wurde auf Grund der 8§ 152, 153 zu einer Woche Gefängnis ver- urteilt, weil er den Logiswirt eines Streikbrechers darauf auf- merksain gemacht hatte, daß er Streikbrecher beherberge. Als straf- Verschärfend wurde die Eigenschaft als Angestellter des Metall- «ncbeiterverbandeS angenommen. Englischer Textilarbeiterkongrest. London, 4. August. Die Jahresversamnilung des Vereinigten Textilarbeiter- Verbandes(United Textile Factory Workcrs' Association) ist am Montag und Dienstag in Bolton, Lancashire, abgehalten worden. Ter Vorsitzende, W. M u I l i n, der Führer der Krempler und in diesem Jahre auch Präsident des Trade-Union-Kongresscs, sagte in seiner Eröffnungsrede: Tie Textilarbeiter sind bekannt durch die vorzügliche Arbeit, die sie im Unterhause geleistet haben, und wenn in diesem Jahre auch keine auffallenden neuen Gesetze errungen worden sind, so ist doch in mancher Beziehung Nützliches geschehen. Der Legislatrvrat des Verbandes hatte ein Interview mit dem Minister des Innern mit Bezug auf die Frage des „Z e i t k r i b b e l n s"(mit diesem Ausdruck werden die ver- schiedenen betrügerischen Vorrichtungen der Fabrikanten be- zeichnet, um die Arbeiter länger als die vereinbarte oder gesetzlich zulässige Stundenzahl arbeiten zu lassen), und die Fabrik- inspektoren haben sich bestrebt, dem Ucbcl zu steuern. Aber dieses ist noch lange nicht beseitigt und erfordert die unablässige Auf- merksamkeit der Arbeiter. Auch in der Frage des Staub» Übels in den Krempelräamen und Bleichwcrkcn ist der Minister interviewt worden, und wir freuen uns, melden zu können, daß die Anwendung von Entstäubungsvorrichtungen in den genannten Abteilungen obligatorisch gemacht worden ist. Ein weiteres Interview bezog sich auf den nötigen Zwischenraum zwischen den Maschinen, das zur Einsetzung einer Untersuchungskommission über Unfälle geführt hat. Diese Kam- Mission hat Vorschläge gemacht, die alle unsere Forderungen recht- fertigen, und gegenwärtig stehen wir mit den Fabrikanten in Unterhandlungen, um diesen Vorschlägen Geltung zu verschaffen. Mit Bezug auf die Achtundvierzig-Stundenwoche hat die Arbeiterpartei in unserem Auftrage eine Vorlage im Unter- Haus eingebracht. Die K r e m p l e r haben zwar gegen die Acht- undvierzig-Stundenwoche gestimmt, aber alle Ardetterkategoricn des Gewerbes zusammen haben sich mit 107 582 gegen 75 056 Stimmen bei 10 946 Stimmenthaltungen für diese Reform erklärt. Daß eine geringe Mehrheit der Krcmpler dagegen war, erklärt sich daraus, daß sie in guten Geschäftszeiten oft nur 45 Stunden arbeiten, aber die Folge davon ist, daß die Krempler die Arbeit übereilen und dadurch häufig an Lohn verlieren, während die Spinner und Weber unter dem verdorbenen Material zu leiden haben. Deshalb liegt die Achtundvierzig-Stundenwoche im Jnter- esse aller Kategorien. Ueber den Gegenstand der Strafabzüge von den Löhnen ist ebenfalls eine Vorlage im Unterhaus eingebracht worden. Zur Frage des H a l b z e i t l e r s h st e m s führte der Vor- sitzende aus, daß eine Urabstimmung der Mitglieder eine große Mehrheit gegen die Erhöhung der Altersgrenze für Jugendliche ergeben habe(eine alte Sünde der englischen Baumwollarbeiter). Aber ob wir es wollen oder nicht, wird die Altersgrenze, bei der junge Personen in die Fabrik eintreten können, durch eine Vorlage de» Unterrichtsministeriums erhöht werden. Alle Arbeiter außerhalb Lancashires sind für diese Maß- regel, und deshalb werde es am besten sein, wenn sich die Textilarbeiter beizeiten dem allgemeinen Wunsche mit Grazie beugen. anstatt daß er ihnen aufgezwungen wird. W. C. Robinson. Vorstandsmitglied der Arbeiterpartei, berichtete über die parlamentarische Tätigkeit der Partei und erklärte dabei, daß der Ministerpräsident die Partei ausdrücklich und definitiv versichert, habe, daß der Vorschlag der Diäten Zahlung an Parlamenismtiglied'ec innerhalb- der nächsten Wochen im Unterhause eingebracht werden würde. Er wies auch auf die Differenzen innerhalb der Arbeiter- f r a k t i o n hin und erklärte, der Vorstand der Partei sei ent- schlössen, größere Einheit herzustellen, und wer ihre Taktik nicht befolgen wolle, der werde die Partei verlassen müssen. Er fügte hinzu, daß die Gründung eines Ar- beiterblattes unmittelbar bevorstehe. Der Vorsitzende überereichte dann�dem früheren Führer der Weberorganisation und jetzigen Beamten im Ministerium des Innern, Shackleton, ein versilbertes Tceservice als An- crkennung der den Textilarbeitern geleisteten Dienste. In seiner Antwort führte Shackleton aus, daß er wisse, daß er nicht jeder- mann zufriedengestellt habe; das werde einem chrlicken Arbeiter- führer auch nie gelingen. Aber er habe sich stets bestrebt, ehrlich zu sein und seine Meinung offen auszusprechen, auch wenn sie unpopulär war. In feiner Eigenschaft als Regierungsbeamter sei er in seiner Uebcrzeugung nur bestärkt worden, daß die Gewcrk- schaftcn zur Erringung eines höheren Lebensstandards uncntbehr- lich seien. Ihre Bedeutung werde in Zukunft noch wachsen, und keine Regierung wird siir die Arbeiter das tun können, was ihre eigenen Organisationen vermögen. Er wies dann auf seine Bc- rufung ins Ministerium des Innern hin und erklärte, daß er vor der Annahme der Stellung den Vorstand der Wcbergewerkschafi befragt habe. Er(Shackleton) habe damals den Standpunkt ver- treten, daß er es vorziehe, seine Stellung in der Gewerkschaft und im Parlament zu behalten, aber der Vorstand habe es für wün- schcnSwert gehalten, die Gelegenheit zu ergreifen, einen Arbeiter- Vertreter ins Miinisterium des Innern zu bekommen. Seine kurze Erfahrung im neuen Amte habe ihm gezeigt, daß der Vorstand Recht gehabt habe. Die Gelegenheiten zu nützlicher Arbeit feien dort größer, als der Außenstehende wisse. Albert Smith, Mitglied des Unterhauses, sprach über die von ihm im Unterhaus eingebrachte Vorlage, welche alle Strafen und Lohnabzüge für mißlungene Arbeit usw. in den Webe- reicn verbietet. A. H. G i kl, Mitglied des Parlaments, betonte die Notwendigkeit, auf die bürgerlichen Abgeordneten der Baum- Wolldistrikte einen Druck auszuüben, damit sie die Vorlage unter- stützen. Marsland(Spinner) meinte, die Weber dürften sich nicht aufs Parlament verlassen, sondern direkt gegen diese Un- gerechtigkeit ankämpfen. Auch C r i n i o n(Krempler) machte den Webern den Vorwurf, daß sie dieses Uebel untätig ertragen. Die Kremplergewerkschaft verbiete ihren Mitgliedern strengstens, irgendwelche Lohnabzüge zu dulden. Die Weberorganisation, die ja stark genug sei, vernachlässige ihre Pflicht und verlasse sich dann aufs Parlament. Croß(Sekretär der Webergewcrkschaft) gab zu, daß die Weber in dieser Beziehung etwas nachlässig gewesen seien, aber das Uebel sei stetig gewachsen und jetzt bedürfe es der Hilfe der Gesetzgebung. Green halgh führte aus, daß ein Fabrikant seines Distrikts versuchsweise auf 6 Monate alle Strafen und Lohnabzüge abgeschafft habe. Das Experiment hat sich so gut bewährt, daß das alte System in der Fabrik nicht wieder eingeführt werden wird.— Der Berickt wurde schließlich genehmigt und der Vorstand beauftragt, die Frage als dringend zu behandeln. Es folgte hierauf eine Diskussion über das Osborne-Ur» teil, und die folgende Resolution wurde angenommen:„Diese Konferenz von Textilarbeitern, die 200 000 Mitglieder vertritt. erklärt sich für die völlige Umstoßung des Osborne» Urteil s." Gill erstattete dann Bericht über den Versicherung?- e n t w u r f, der diesem im allgemeinen günstig war. Der Bericht wurde genehmigt. A. Smith sprach über daS Halbzeitkersvstem. Die Regierungsvorlage will die Kinderarbeit unter 13 Jahren gänzlich verbieten und für vollbeschäftigte Jugendliche bis zu 18 Jahren den obligatorischen Abendunterricht auf Staatskosten einführen. Ueber beide Fragen gingen die Meinungen auseinander. Schließlich wurde eine Resolution gegen den zwangS» weis e n Abendunterricht mit 80 gegen 63 Stimmen an- genommen. Mit Bezug auf die Frage der Halbzeitler wurde nach einiger Debatte eine Resolution angenommen, die die Frage dem Vorstand überweist mit dem Auftrage, die Interessen der Industrie und der Kinder vor Augen zu halten und eine neue Ur- abstimmuug über die Frage der Abschaffung vorzunehmen Winterthur. In der Schreincrausspcrrung ist noch keine Aende- rung eingetreten. Nur die Hetze der Gewcrbcvcrbändler gegen die Ausgesperrten nimmt stetig an Intensität zu. Sogar die Bundes- 'eier mußte dazu dienen, die ausgesperrten Schreiner zu vcrun- glimpfen, wohl um ihnen klarer zu machen, was das Winterthurer Unternehmertum unier der viclgerühmtcn Schweizer Freiheit ver- teht. Ter Arbeiterschaft soll durch alle, auch die schäbigsten Mittel für alle Zeiten der Mut genommen werden, ihr Recht, an der Festsetzung der Arbeitsbedingungen mitzuwirken, geltend zu machen. Das ist die Rechnung des Winterthurer Unternehmertums. Eine Rechnung, die ohne den Wirt gemacht ist, wenn die Genossen aller» orts sich bemühen, Zuzug von Schreinern nach Winterthur und Umgebung strengstens fernzuhalten. Das Aussperrungskomitoe. Letzte Ptadmebten. Traurige Stalistik. Frankfurt a. M., 5. August.(B. H.) Der abgelaufene Monat Juli weist die hSchste Selbstmordziffer auf, die in Frankfurt je erreicht wurde. ES schieden durch Ertränken. Erhängen und Erschießen aus dem Leben 23 Personen: hierzu kommen noch 24 plötzlich« Todesfälle, davon 5 beim Baden: Grubenunglück. Dortmund. 5. August.«(B. H.) Auf der Zeche stürzten zwei Bergleute in den Bremsberg hinab. „Schorbaul" Lerantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.': Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanstalt Paul Singer � Co.. Berlin L�V. Fürsterzbischof Gruscha tot. Wien, 5. August. Kardinal-Fürsterzbischof Gruscha ist heute auf Schloß Kranichberg bei Gloggnitz im Alter von 90 Jahren an Hcrzlähmung gestorben. Ter Waldbrand im Eisacktal. Wien, 5. August.(W. T. B.) Der ungeheure Wald- brand im Eisacktal hat gegen 6 Uhr abends, als neuerdings wiederholt heftiger Sturm einsetzte, wieder an Ausdehnung gewonnen und bedroht jetzt die äußeren Häuser von �ranzensfeste und Spinges. darunter die in Spinges stehende Villa Tefreggers. Telegraphisch wurden neue M i l i t ä r in a n n s ch a f t e n zur Hilfeleistung er- beten. Die Bevölkerung ist in großer Angst vor der kommenden Nacht._ Bon der Cholera. Saloniki, 5. August.(W. T. B.) In dem Gebiet von Jpek wurden 42 nene Cholerafälle festgestellt, von denen 32 tödlich ver. liefen. Die Aerzte erklären, daß sich strenge Matznahmen wegen des Verhaltens der Arnauten nicht durchführen lassen, die die Jsij» lierung der Kranken verhindern und die Annahme antiseptischer Mittel verweigern. Die Seuche könne nur erfolgreich bekämpft werden, wenn die Bevölkerung durch Militär gezwungen werde, sich den sanitären Maßregeln zu unterwerfen. Trieft, 5. August.(®. T. B.) Heute ist hier ein Ch-lerasall festgestellt worden. Hierzu 3 Beilage», Nr. 182. 28. Jahrgang. l. Iriloge Ks Jurmiitts" Knlim Holbliliitt. Spnntng, 6. Anguß I91L Aus dem ßrauDfcbwdger Gewerbe- berlcht. In einem merkwürdigen Gegensatze zu der schwerfälligen, reaktionären und arbeiterfeindlichen Bureaukratie, die das Herzog- tum Braunschweig regiert, steht der Vorsitzende der Gewerbe- Inspektion Braunschweigs, Gewerberat Mitgau. Mitgau ist zwar kein Wörrishofer, seine Jahresberichte sind sehr knapp, aber er sieht sich doch mit offenen Augen um und scheut sich nicht, die Wahrheit auch dann zu sagen, wenn sie der Regierung und den herrschenden Parteien recht unangenehm ist. So widerlegt der Jahresbericht dieses Gcwcrbeinspektors durch Aufzählung von Tat- fachen gerade die Licblingsbchauptungen des schwarzblauen Blocks und die immer wiederkehrenden Angriffe der Scharftnacher auf die sozialistische Wirtschaftslehre in einer Art und Weise, daß man sich die betreffenden Stellen des Berichtes für Agitation und Wahlkampf gut merken sollte. Da wird zunächst, gegenwärtig dreister als je, bom Zentrum bestritten, daß das arbeitende Volk durch die Finanzrcform des Schnapsblocks schwer geschädigt worden sei. Sogar das Elend, in das die Tabaksteuer die Tabakarbeiter gebracht hat, wird wcggclcug- net, und neulich wurde sogar bestritten, daß die Zündholzsteuer den Zündholzfabriken und den darin beschäftigten Arbeitern Verhängnis- voll geworden sei. Da ist es denn sehr interessant, daß die braun- schweigische Gewerbeinspektion über die Lage der Tabakindustrie folgendes zu sagen hat: „Infolge des TabaksteuergesetzeS haben einige kleinere bäuerliche Zigarrenmachcreien ihren Betrieb gänzlich eingestellt. Auch in mehreren größeren aus- wältigen Anlagen ist die Tätigkeit eine wesentlich vermin- derte... In der Stadt Braunschwcig herrschen zum Teil recht wenig erfreuliche Verhältnisse'. In einer hiesigen Zigarrenfabrik wird z. B. an den Sonnabenden überhaupt nicht, an den übrigen Wochentagen von den Diännern nur 8 Stunden und von den Arbeiterinnen nur 7 Stunden gearbeitet. Bei dieser Arbeitszeit verdienen dieMänneretwa8bis10Mark, dieFrauen nur etwa 6 Mark in der Woche. Das sind Löhne, welche als völlig unzureichend selbst für die anspruchsloseste Lebensführung bezeichnet werden müssen. Nach den Mitteilungen des Arbeitgebers sollen die billigeren Zigarrensorten zu 5 und 6 Pf. hier am Platze(Braunschweig) nicht mehr angefertigt werden können und daher von auswärts zugekauft werden müssen. Es sei das die Folge davon, daß das Publikum mit den infolge der Steuererhöhung gestiegenen Preisen nicht mitgegangen sei. Diejenigen Konsumenten, welche vor der Steuererhöhung Zi- garren für 5 Pf. geraucht hätten, rauchen auch jetzt noch Zigarren in derselben Preislage ohne Rücksicht auf ihre Verschlechterung. Eine Besserung in den wirtschaftlichen Verhältnissen der Zi- garrenarbeiter sei daher in absehbarer Zeit hier nicht zu er- warten." Ter Jahresbericht eines herzoglichen Beamten bestätigt also alles, was wir schon vor der Annahme der neuen Tabaksteuer prophezeit hatten. Der braunschweigische Staatsminister aber war im Bundesrat für die Tabaksteuer, und der Reichstagsabgeordnete des ersten braunschweigischen Wahlkreises, Kreisdirektor Langer- fcldt, hat im Reichstage, wie für die ganze Finanzrcform des Echnapsblocks, auch für die Tabaksteuer gestimmt. Die Folgen der Zündholz st euer schildert der Jahres- bericht also: „Sehr schlechte wirtschaftliche Verhältnisse hat auch die Zünd- holzsteuer für die einzige Zündholzfabrik des Herzogtums im Gefolge gehabt, welche naturgemäß auch nicht ohne Rückwirkung auf die Arbeits- und Lohnverhältniffe der Arbeiter geblieben sind. Ter Fabrik ist ein Kontingent von 3000 Paketen für den Tag zugewiesen. Da der Bruttovcrdienst an 1000 Paketen nach An- gäbe des Betriebsleiters nur etwa 6 Mk. und somit der Tages- verdienst nur ungefähr 18 Mk., die täglichen Generalunkosten dagegen etwa 60 M. betragen sollen, wird es einer wesentlichen Verminderung der Generalunkosten bezw. einer wesentlichen Er- höhung des Kaufpreises bedürfen, um bei dem geringen Kontin- gent den Betrieb der Fabrik ohne Verluste aufrechterhalten zu können. Die Arbeitszeit der Arbeiter, deren Zahl von 31 im kleines feuilleton. Berlins erste Zeitung. Die Vressc der Rcichshaupistadt kann in diesem Jahre ein vierteltausendjähriges Jubiläum feiern. Vor 250 Jahren, im Jahre 1661, erschien die erste Zeitung in Berlin, zur Zeit des Großen Kurfürsten, und sein Leibarzt, der Holländer Cornelius Bontekoe, redigierte sie. Nur die zwei Buchhändler in Berlin, Rupert Völker und Elias Lochcl, die das kurfürstliche Privileg besaßen,„mit nützlichen und gefahrlosen Büchern zu bandeln", hatten die Erlaubnis, jene Zeitung zu verkaufen; ihre Gehilfen trugen die einmal wöchentlich, am Sonnabend, erschci- nende Zeitung aus. Das geschah mittags nach dem unter freiem Himmel vor der Gertraudten- und Gcorgenkirche stattfindenden Gottesdienst, zu dem der Kurfürst und seine Gemahlin selbst er- schien. Diesem„durfte" Rupert Völker persönlich ein Exemplar der Zeitung überreichen. Ter Kurfürst gab oft die Anleitung zu dem, was der Leibarzt in die Zeitung ausnehmen mußte. Zunächst gab sie genauen Bericht über die Vergnügungen, die bei Hofe am Sonn- tag nach dem Mittagessen stattfanden, die oft in einer Maskerade bestanden, wobei dann auch die genauen Schilderungen der Kostüme in die Zeitung kamen, lieber die„Zeitläufte" durfte die Zeiwng nur wenig berichten, die Hofnachrichtcn und„absonderlichen Tinge", zu denen zum Beispiel die genaue Beschcribung einer einem Bauern zuteil gewordenen Teufelscrscheinung gehörte, füllten zumeist die Zeitung. Im Jahre 1670 kam dann der Leipziger Buchhändler Ehristian Kirchner nach Berlin und bemühte sich um ein Privileg, noch eine Zeitung gu begründen, aber vergeblich. Ter Kurfürst hielt die eine Zeitung für vollkommen ausreichend, für Berlin, und bis zu seinem Tode 1688 erschien auch nur diese eine Berliner Zeitung. Schülerfahrten in der Schweiz. Das Baterland Wilhelm Tells ist die Heimat der Schulausflüge. Schon vor Jahrzehnten hat man dort die Bedeutung dieser für die Gesundheit wie die Erziehung so förderlichen Einrichtung erkannt. Wer jetzt durch die Schweiz reist, wird fast täglich Gruppen von Schülern begegnen, die. den Rucksack auf dem Rücken, die herrlichen Gegenden ihreö Vaterlandes auf Schusters Rapvcn durchwandern. Namentlich die Stadt Basel hat sich große Verdienste um die Förderung dieser Fahrten erworben. Die Reisen dauern gewöhnlich zwei biö drei Wochen und kosten für den einzelnen Schüler selten mehr als 50 Frank. Diese mehr als bescheidene Summe wird verständlich, wenn man berücksichtigt, daß tve Schüler selten in Hotels übernachten. Wie Soldaten im Felde nächtigen sie im Freien. Ucbcrhaupt ist der ganze Zuschnitt streng militärisch. Ter Leiter dieser Wanderfahrten ist ein Lehrer, dessen Befehle für die Schüler maßgebend sind. Früh um 5 Uhr erheben sie sich, machen Toilette und frühstücken um 6>/r Uhr. der Abmarsch erfolgt um 7 Uhr. von 1—4 llbr ist Mittagsmahl und Ruhepause, dann folgt ein weiterer Marsch bis 8 Ubr, worauf nach dem Abend- essen um 0 Uhr die Feuer gelöscht werden und zum Schlafen ge- trommelt wird. Die Truppe besitzt nämlich auch eine Reihe von Trommeln und Pfeifen, die beim Passieren von Ortschaften gespielt Jahre 1008 auf 6 herabgesunken ist, beträgt jetzt nur noch acht Stunden." Die Zündholzsteuer vernichtet also die kleineren Betriebe und macht deren Arbeiter brotlos. Das sagt der herzogliche Gewerbe- Inspektor, der Mnister aber war im Bundesrate für die Zündholz- stcuer, und im Reichstage stimmten die Abgeordneten des ersten und dritten braunschweigischen ReichstagLwahlkrcises ebenfalls für die Zündholzsteuer. Weiter liefert der Jahresbericht der braunschweigischen Gc- Werbeinspektion einige sehr hübsche Beispiele zu der in Unternehmer- kreisen so sehr beliebten Legende von den stetig steigenden Löhiren der Arbeiter. Da finden wir im Jahresbericht eine Tabelle, nach der der Durchschnittstagelohn eines Bergarbeiters im Jahre 1007: 3,73 M.. 1008: 3,67 M.. 1000: 3,50 M. und 1010: 3,40 M. betrug. So sieht im Bericht eines herzoglichen Beamten die stetige Lohn st c i g e r u n g aus. Dabei ist natürlich noch die Steigerung der Lebensmittelpreise zu berücksichtigen, so daß der Kaufwert des Lohnes viel tiefer gesunken ist, als der auch schon gesunkene Nennwert. An einer anderen Stelle nennt der Jahresbericht die Löhne der Arbeiter in den Sandstcinbrüchcn besonders niedrig: „Acltere Hauer zwischen 50 und 60 Jahren, welche zudem in ungesetzlicher Weise zu lOstündiger Arbeitszeit herangezogen wurden, verdienten bei der Anfertigung von Sebweinetrögen im Akkord 2,70 M. täglich. Da die Arbeiter die Werkzeuge selbst zu stellen und auch die Kosten für das Schärfen„des Geschirres" zu tragen haben, konnte der Tagesverdienst höchstens auf 2,50 M. angeschlagen werden. Die Stoßer kamen auf einen Tagesverdienst von 2,60 M. Der Tagclohn der Stcinkipper schwankte zwischen 2 M. und 2,50 M. bei zehnstündiger täglicher Akkordarbeit." Bei dem Kapitel von den Lohnkämpfen ist zu lesen, daß selbst die meisten Lohnkämpfe des Jahres 1010 zu keiner Lohnerhöhung geführt haben. In verschiedenen Fällen ist der Lohn sogar gesunken. In der bürgerlichen Presse wurde kürzlich wieder mal ein Artikel verbreitet, der die Schuld an den Betriebsunfällen allein der Nachlässigkeit der Arbeiter in die Schuhe schiebt. Der Jahres- bericht der braunschweigischen Gewerbeinspektion widerlegt das ohne weiteres: an sämtlichen 11 tödlichen Unfällen hatte kein Arbeiter irgend welche Schuld. Da heißt es: „Die Ursache des Unfalles war das Nichtdichthaltcn des Dampf- zutrittsventil", oder„ein Kettenhaken brach und das hochgezogcne schwere Gußstück fiel auf einen zufällig darunter hindurchgehenden Arbeiter". Bei einem anderen Unfall stellt der Bericht fest, daß das Zugseil einer Seilbahn ganz falsch konstruiert war. Die Liefe- rantin hatte die BicgungSbcanspruchung nicht berechnet. Aber auch dort, wo von einer Vernachlässigung der Unfallver hütungsvorschriften durch die Arbeiter die Rede sein könnte, zeigt der Jahresbericht, wie begreiflich eine solche Vernachlässigung ist. In den Blcchwarenfabriken zum Beispiel ereignen sich des öfteren Unfälle an den Exzenterblechscheren. Der Jahresbericht bemerkt hierzu: „In einer dieser Anlagen arbeiten die Arbeiter nicht von der Vorderseite der Maschinen aus, wie es vorgeschrieben ist, sondern von der Seite aus und schieben die Blechtafcln abwechselnd mit der linken und rechten Hand unter das Messer. Es wird dabei leicht die auf der ungeschützten Rückseite der Maschine tätige Hand durch das Messer verletzt. Nach Angabe des Betriebs- inhaber» sollen sich die Arbeiter so sehr an die von der üblichen Arbeitsweise afeveichende Benutzung der Maschine gewöhnt haben, daß sie bei vorschriftsmäßiger Benutzung der Maschine allein von der Vorderseite aus nicht auf ihren bisherigen Vcr- dienst kommen würden." Also, um keine Lohneinbuße zu haben, setzen sich die Arbeiter der Gefahr aus. Der Unternehmer brauchte ihnen nur den Lohn so zu erhöhen, daß sie bei der vorschriftsmäßigen Benutzung der Maschine keinen Verlust haben, und es würde ihnen nicht mehr einsallen, die Unfallvcrhütungsvorschriften zu vernachlässigen. Das tut aber der Unternehmer nicht, womit er sich selbst zum Schul- digcn an den Unfällen macht. Weshalb leider Arbeiter ihre Gesundheit aufs Spiel setzen und wie sie von den Unternehmern dazu förmlich verleitet werden, zeigt folgende Stelle des Jahresberichtes: werden. Es ist ein schöner Anblick, die gesunden und kräftigen Knaben vorbeimarschieren zu sehen, wie sie gleichmäßig bekleidet, mit dem Rucksack auf dem Rücken und den Bergstock in der Hand im fröhlichen und frischen Tempo spielend und singend ihre Straße ziehen. Ueberall, wo sie hinkommen, werden sie von der schweizc- rischen Bevölkerung mit Enthusiasmus empfangen und bewirtet. Tie Ausflügler führen auch zwei Wagen mit sich, die immer eine Etappe vorausfahren. Der eine enthält die Feldküche, der andere fährt das schwere Gepäck und den Proviant. Außerdem hat jede Abteilung noch einen kleinen Karren, auf dem sich die für den Marschtag notwendigen Lebensmittel befinden, und der von Zeit zu Zeit auch die Rucksäcke trägt, wenn die Schultern erlahmen. Interessant ist die Folge der Speisen, die alle Tage mit Hilfe der Feldküche von den Schülern selbst bereitet werden. Am Morgen gibt es Milch mit Schokolade, Kakao oder Kaffee und frisches Brot; mittags eine kräftige Suppe, Fleisch und Gemüse; zum Abendessen Brot mit Milch oder Suppe. Es ist klar, daß diese Wanderfahrten von großem erzieherischen Einfluß auf die Schüler sind, die auf diese Weise nicht nur die schönsten Gegenden ihres Vaterlandes kennen lernen, sondern auch, an Körper und Geist gestählt, den regelmäßigen Schulunterricht mit desto größerer Liebe wieder auf- nehmen. Ein Rabiuminstitut in London. Aus London wird berichtet: Am nächsten Montag wird daS neue Radiuminstitut in Regent Street in seinem glänzend ausgestatteten Gebäude, dem ersten in der Welt, das nur für diesen Zweck errichtet ist, eröffnet werden. Es steht etwa für eine Million Mark Radium zur Verfügung, das sowohl zu Zwecken der Forschung als auch zur Behandlung von Kranken verwendet werden soll. Bedürftige Patienten werden un- cntgdltlich behandelt, während von wohlhabenden das übliche Honorar erhoben wird. Die Hälfte der Räume iit für die Untersuchung und Behandlung der Leidenden bestimmt. Mit ganz besonderer Sorg- falt sind die Laboratorien eingerichtet, in denen die Forschungen übcx das Radium und seine Wirkungen, besonders auf verschiedene Gewebe, ausgeführt werden sollen. Der Radiumvorrat selbst wird in kleinen GlaSflaschen aufbewahrt, die in starken Bleibüchscn in einem großen Safe in den Kcllerräumcn des Gebäudes auf- gestellt werden. Feinste Mikroskope und Apparate, mit denen kleinste Mengen, des kostbaren Stoffes abgelöst werden können, Räume für vhotographische Arbeiten, in denen Momentaufnahmen bei künst- lichem Licht gemacht werden können, vollständig ausgerüstete Werk- stättcn und Maschinenräume und eine außerordentlich seine Wage, die in einem besonderen Raum von einem starken Rahmenwerk getragen wird, das durch die Grundmauern des Gebäudes bis tief in den Untergrund hinabreicht, da? sind die wichtigsten Einrich- tungen diese» neuen Instituts, das ganz der Erforschung des Radiums und der Ausnutzung seiner Wirkungen gewidmet sein soll. Der verwundete Stierkämpfer. Vicente Pastor— so berichtet die„Köln. Ztg.".— hat in Bilbao Unglück gehabt. Ein von ihm angeinetzelter Stier bewegte im TodeZkainp; den Kopf und den ammr, zerfleischten Nacken. Pastor kam ihm aus Ungeschick „In der Sophienhütte zu Oker mußte 1006 ein Trockenofen- arbciter wegen leichter Bleilähmung von den unter die Ble>- Hüttenverordnung fallenden Beschäftigungsarbeiten ausgeschlossen werden, wodurch eine spätere ernstliche Erkrankung vermieden wurde. Das gleiche wiederholte sich 1000. Der Ausschluß aus diesen Betriebsabteilungen wird übrigens von den Arbeitern als schwere Benachteiligung angesehen, weil die mit der Einatmung von Blcistaub oder von Bleidämpfen verbundenen Arbeiten besser bezahlt werden als andere. Das hat naturgemäß den Nachteil zur Folge, daß von den Arbeitern leichtere Fälle von Bleierkran- kungen tunlichst verheimlicht zu werden pflegen. Der Gewerbe- inspektor hat daher der Hüttendirektion empfohlen, den früher mit Bleiarbeiten beschäftigten Arbeitern auch bei der Uebcrnahmc von anderen Arbeitsvorrichtungcn den bisher verdienten Lohn auszu- zahlen. Der Anregung ist werksseitig leider nicht entsprochen w o r d e n." Mit einem kleinen Lohnzuschlag könnte den Arbeitern jeder Grund genommen werden, die Blcierkrankung zu verheim- lichcn und sich selbst zugrunde zu richten. Der Unternehmer gibt jedoch diesen Lohnzuschlag nicht, zwingt damit die Arbeiter förmlich zur Verheimlichung und sagt nachher, wenn der Arbeiter rettungslos dahin siecht, er sei selbst an seinem Unglück schuld. Daß nur die Not, die Angst vor einem Lohnverlust die Arbeiter verleitet, sich Gefahren auszusetzen, zeigt sich auch in den Sand- steinbrüchen. Da heißt es in dem Bericht, daß sich die Ar- bester nur äußerst schwer zu einem vorschriftsmäßigen Abbau be- wegen lassen, weil sie den gefährlicheren Abbau für gewinnbringen- der halten. Gewinnbringend ist ein hübsches Wort für arme Teufel, die bei einer zehnstündigen Höllenarbeit 2,50 Mark verdienen. Würden sie den vorschriftsmäßigen Abbau wählen, so wäre ihr Lohn«, der jetzt schon kaum zum Leben langt, noch niedriger. Da bleibt ihnen nichts anderes übrig, als der Gefahr zu trotzen. Auch da zeigen sich die Unternehmer als die Schuldigen. In der Unternchmerpressc aber wird mit einer Dreistigkeit sonder- gleichen geschrieben, daß die Arbciter allein an den Unfällen schuld seien. Es ist solchen Behauptungen gegenüber immer gut, wenn man mit amtlich festgestellten Tatsachen dienen kann. Deshalb dürfte der braunschweigische Gewerbcinspektor ein gutes AgitationS- Material geliefert haben.__ Huö der Partei* AuS den Organisationen. Der sozialdemokratische Verein Breslau nahm in feiner letzten Mitgliederversammlung zum bevorstehenden Parteitage Stellung. Aus dem einleitenden Referat des Genossen Th. Müller sei crlvähnt, daß er die Stimmenenthaltung einzelner Fraktionsmitglieder bei der Abstimmung über die elsaß-lothringische Verfassungsfrage im Reichstage bedauerte. Nachdem die Mehrheit der Fraktion sich auf den Standpunkt gestellt, der Verfassung zuzu- stimmen, hätte dieser Staudpunkt auch einhellig zum Ausdruck ge- bracht werden sollen. Bei der Beratung der Reichsversicherungs- ordnung hätte die Fraktion schärfere Mittel, eventuell das der Ob- struktion anwenden sollen, um dieses arbeiterfeindlche Machwerk zu Falle zu bringen. In der Maifeierfrage wünsche Redner eine lebhaftere Propagierung der Arbeitsruhe. Die preußische Wahl- rechtsftage werde beim Punkt Reichstagswahlcn mit zu behandeln sein. Als besonderen Punkt brauche sie den Parteitag nicht be- schästigen, vielmehr sei es Sache des nächsten PrcußentageS, die genauen Richtlinien unseres weiteren Kampfes festzulegen. Als selbstverständlich erachtete es der Redner, daß bei der Hauptwahl alle Kompromisse ausgeschlossen bleiben. In der Diskussion brachte Genosse Lobe folgenden Antrag ein: „Der Sozialdemokratische Verein Breslau beantragt, als be- sonderen Punkt auf die Tagesordnung des Parteitages zu setzen: Die auswärtige Politik Teutschlands." Der Antrag wurde einstimmig angenommen und ebenso der nachfolgende Antrag des Genossen Schiller: „Der Sozialdemokratische Verein Breslau beantragt, vom Parteitag in Jena die Herausgabe einer populär gc- haltenen Agitationsschrift zu fordern, worin das Verhältnis der Sozialdemokratie zum land- Ivirtschaftlichcu Klein besitz dargelegt wird. Eine solche kurz gefaßte Schrift ist deshalb nötig, weil wir noch zahlreiche ländliche Agitationsdistrikte haben, in denen neben nahe, und ein Horn des verröchelnden Tieres verletzte ihn am Halse. Sein Henid war im Augenblick»von Purpur übergössen". Man brachte ihn ins Lazarett, wo er vor- bundcn wurde, und dann im Automobil in sein Hotel. Indes trug der Draht die Kunde durch Spanien. Den Eindruck. den dies Telegramm in Madrid hervorrief, schildern die Zeitungen wörtlich und zweifellos ohne Ucbertreibung so:„Der„Heraldo", das einzige Abendblatt, das die Nachricht noch brachte, wurde den Verkäufern aus den Händen gerissen. In CaföS und Klubs sprach man von nichts anderem und kommentierte die empfangenen Nach- richten. Es wurden so viele Telegramme mit der Aufrage nach dem Stande der Wunde nach Santander geschickt, daß der übrige telegraphische Dienst um drei Stunden verzögert wurde. Bis m die ersten Morgenstunden hinein waren die Fernsprecher der Zci- tungen ohne Unterbrechung besetzt, so viele Ivollten Gewißheit über den Zustand Biccnte Pastors haben. Eine Abordnung von Madrider Bürgern fand sick iin Ministcrium des Innern ein und ersuchte den UisterstaatSsekrctär, er möchte beim Zivilgouverneur in Santander amtliche Nachrichten einholen." Der Herr Unterstaats- sekretär hatte seine Pflicht bereits verstanden, ehe ihn die Mahnung traf, und er konnte der Biirgerabordnung bereits mit behördlichen Nachrichten aufwarten. Was ist nun aber Herrn Vicente Pastor ge- schehen? Schlimm muß die Wunde des Helden wohl sein, denn äl» er erklärte, er wolle ani 0. August Ivicder auftreten, da schüttelten seine Aerzte ihre Häupter. Wenn alles gut ginge, dürfte er vor dem 13. August kaum daran denken. Hniiior und Satire. -Der unsittliche Lebensretter. Hans H y a n beantwortet die Beschlagnahme seines Romans „Die Verführten" mit einer kleinen lehrsamen Geschichte: Ein junger Mann namens Schnitze, der sich zur Erholung in einen Badeort begeben hatte, schwamm eines Tages verbotener- weise ins offene Meer hinaus uud hatte dabei Gelegenheit, ein junges Mädchen dem sicheren Wcllentode zu entreißen. Bei der Rettung hatten sich die Bänder am Badekostüm der Jungfrau gelöst und fast nackt brachte der junge Schultze sie ans Land... Dieser Mensch glaubte nun, es würde ihm eine öffentliche Anerkennung zuteil werden. Er wartete und in der Tat kam nach 14 Tagen ein Schreiben von der Staatsbehörde an ihn. Dies Schreiben cnt- hielt eine Anklage gegen Schultze wegen Verbrechens wider die Sittlichkeit. Bei der darauf folgenden Verhandlung wurde er denn auch trotz aller Anstrengungen seines Verteidigers verurtcitt. In dem Urteil hieß es: Der Vater des geretteten Mädchen?, ein einem Geheimen Oberkirchenrat aus dem Jathoschen Sprnchkollc- gium nahestehender Herr, habe sich mit Recht beschwert gefühlt; denn ob die Absicht, ein Menschenleben zu retten, vorgelegen habe. das könne dahingestellt bleiben. Jedenfalls involviere die Berüh- rung eines nackten, noch unbescholtenen Mädchens eine grobe Un- sittlichkeit. Die' hohe Gesellschaftsklasse, welcher das Mädchen an- gehörte, rechtfertige es außerdem, daß von einer Geldstrafe ab- gesehen und guf Gefängnis erkannt sei... Seit SaubütBeifcüu auch die kleinen Bauern und Stellenbesihcr gewonnen werden müssen. Gerade diese beiden letzten Gruppen, die aus wirtschaftlichen Gründen viel mehr zu uns. den Besitz- losen gehören, werden in Wahlzeiten aber von den konservativen und liberalen Wortführern des kapitalistischen Großgrundbesitzes als dessen natürliche Bundesgenossen reklamiert und dement- sprechend gegen die Sozialdemokratie aufgehetzt. Eine solche Schrift müßte neben einer überzeugenden Darstellung der schäd- lichen Wirkringen unserer Agrarzollpolitik auch für den länd- lichen Kleinbetrieb eine kurze, klare Erläuterung unserer Pro- grammforderung der Bodenverstaatlichung enthalten." Ein Antrag, die Loka listen wieder in die Partei aufzuneh- wen, wurde gegen wenige Stimmen abgelehnt. Als Delegierte zum Parteitag wurden die Genossen Th. Müller und T i e tz e gewählt. Aus der Cntwickelung der Breslauer Parteiorganisation im verflossenen Jahre sei folgendes mitgeteilt: die Mitgliederzahl vcr- mehrte sich von 8137 auf 9075. Die Zahl der weiblichen Mitglie- der umfaßt 1100. Ist der Entwickelungsgang, den der Verein im letzten Jahrzehnt genommen hat(1900 zählte er 891 Mitglieder) ein sehr erfreulicher, so bleibt doch noch viel zu tun übrig, da bei der vorigen Reichstagswahl in den beiden Wahlkreisen Breslau-Ost und-West, die er umfaßt, 36 241 sozialdemokratische Stimmen ab- gegeben wurden und die freien Gewerkschaften im vorigen Jahre tn Breslau 26 334 Mitglieder zählten. Abgesehen von den Mitgliederversammlungen spielte sich ein gutes Stück des Brcslauer Parteilebens in den allmonatlichen Zahl. abcnden der Distrikte ab, in denen stets belehrende Vorträge ge- halten wurden. Die Zahlabende wiesen zusammen allmonatlich 916 bis 1277 Teilnehmer auf. Zur politischen Erziehung der Frafcen sind besondere Frauenabcnde eingerichtet worden, in denen etwa 400 Besuchcrinnen pro Abend über die Grundlagen unserer politischen Bewegung aufgeklärt wurden. In zahlreichen Volksversammlungen haben unsere Breslauer Genossen zu den verschiedenen Tagesfragen Stellung genommen. Auch für die Frauen fanden mehrere solcher Versammlungen statt. Am Frauentage versammelten sich 1600 Frauen und Mädchen, um vach einem Referat der Genossin Klara Wey! aus Berlin das Frauenwahlrecht zu fordern. Neben den Flugblättern zu den Stadt» verordnetenwahlcn und einer Landtagsersatzwahl wurde am 19. Ja- nuar das Flugblatt: Auf in /den Reichstagswahlkampf in 110 000 Szemplarcn verbreitet. Bei der borgenommenen Landtagsersatzwahl für den verstorbenen Zentrumsabgeordneten Z i e s ch e vermochte unsere Partei bei den Ersatzwahlen ihre Wahlmännermandate soweit zu vermehren, daß der Kandidat des schwarzblauen Blocks zu Falle gebracht werden konnte. Das Mandat fiel mit sozialdcnwkratischer Hilfe dem Freisinn zu. der es auf 473 Wahlmänner gebracht hatte. Unsere Partei besitzt 355 Wahlmänner, die in der Hauptwahl für den Genossen LJj b e stimmten. Bei den Stadtverordneten- wählen wurden sechs neue Mandate erobert und im reich- sten Villenviertel hätte nicht viel gefehlt, daß noch zwei weitere Genossen gewählt worden wären. In der Stichwahl gelang es aber nicht, auch diesen Bezirk noch zu holen. Ein Jugendheim ohne Wirtschaftsbetrieb mit einem kleinen Versammlungssaal, Lese- und Spielzimmern wurde im verflossenen Jahre gleichfalls eingerichtet. Die Bibliotheksbenutzung ist stark ge- stiegen. An einem B i l d u n g s k u r s u s des Genossen Graf beteiligten sich 1496(!) und an einem zweiten des Genossen Duncker im heißen Sommer 751 Besucher. Daneben wurden sechs wissenschaftliche Einzclvorträge, 19 Bolksvorstellungen, ein Volkskonzert und vier Dichter- und Künstlerabende abgehalten. Daß die so nach Freiheit und Bildung ringende Breslauer Ar- beiterschaft den schärfsten polizeilichen und gerichtlichen Verfolgun- gen ausgesetzt ist, ist bekannt und oft erläutert worden. So wurde die Vermehrung der Abonnentenzahl von 35 500 auf 38 000 da- durch erkauft, daß fast ständig mindestens ein Redakteur im Ge- fängnis war und ungeheure Geldstrafen gezahlt werden mußten. Und ganz ähnlich wurde auch sonst der Bewegung durch Polizei und Gerichte entgegengearbeitet, wie man sieht, aber ohne Erfolg. Hiis InduPtne und f)andcl Kohlenhändler und Bcrgarbciterstreik. Im Jahre 1908 ist auf Beschluß des N i e d c r la u s i tz e r Braunkohlenbrikett-Syndikats den Händlern durch Schreiben bekanntgegeben worden, daß derjenige, welcher andere Marken, als die vom Niederlausitzer Braunkohleubrikett-Syndikat hergestellten, vertreibt, auf drei Jahre von dem Bezüge der Nieder- lausitzer Briketts gesperrt wird. Nun hat sich in Berlin im vorigen Jahre eine Firma etabliert (Kaeber, Zeughofstraße), welche durch Einrichten von verschiedenen Niederlagen(zirka 10) es sich zur Aufgabe gemacht hat, die vom Mitteldeutschen Braunkohlenbrikett-Syndikait in den Handel gebrachte Einheitsmarke„Blitz" zu vertreiben. Durch den Streik der Arbeiter im mitteldeutschen Revier ist nun diese Firma, wie durch Anschlag an den Verkaufsstellen zu ersehen ist. durch Nichtlieferung der Marke„Blitz" durch das Mitteldeutsche Braunkohlcnbrikett-Syndikat in Verlegenheit ge- raten. Sie stellte nun an das Niederlausitzer Braunkohlenbrikett- Syndikat daS Ersuchen, Briketts von den durch das Niederlausitzer Araunkohlenbrikett-Shndikat vertriebenen Marken zu erhalten. Ihrem Ansuchen wurde auch anstandslos entsprochen. In der„Deutschen Kohlen-Zeitung". dem offiziellen Organ des Zentralverbandcs der Kohlenhändler Teutschlands, ist des öfteren in Scharfmachermanier über den Streik in Mitteldeutsch- land berichtet worden. In der.Nr. 30 des Blattes vom 29. Juli 1911 liest man: „Die aus der Arbeit geschiedenen Bergleute haben letzthin versucht, von den einzelnen Werksverwaltungen Zugeständnisse zu erlangen durch Entsendung von ehemaligen Arbeitern der betreffenden Werke; die Abgesandten waren in Versammlungen der Bergarbeiterverbände gewählt und also deren Vertreter. Den Werksverwaltungen gegenüber erklärten sie, der Tarif- cntwurf sei„vorläufig aus taktischen Rücksichten" zurückgezogen und brachten im übrigen Wünsche vor, die sich ungefähr mit dem Inhalt der Tarifverträge deckten. Entsprechend dem Stand- punkte, den die Arbeitgeber schon vor Abkehr der Leute klar und deutlich zum Ausdruck gebracht haben, verweigerten dieft Vcr- Handlungen mit den Verbändlern und erklärten ausdrücklich, daß der einzige Weg zu geordneten Verhältnissen der wäre. daß die abgekehrten Arbeiter wegen Wiederaufnahme bei den Bctriebsführern sich meldeten, unter denen sie vorher gearbeitet hätten. Nicht etwa die Meinung, daß„der Streik nicht mehr lange aufrecht zu erhalten sein werde", wie einige Zeitungen schrieben, sondern die Ueberzcugung von der Richtigkeit ihres Standpunktes ist für das Verhalten der Arbeitgeber maßgebend. Auch die Hauptstclle Deutscher Arbcitgeberverbände hat die Be- rechtigung und Notwendigkeit dieser Stellungnahme anerkannt und beschlossen,„dem Arbeitgeberverband des Deutschen Braun- kohlenindustrie-Vereins den vollen satzungsmäßigen Schutz der Hauptstelle und damit der hier vereinigten anderen Verbände und Industrien zuzubilligen"!! Mit diesen Nachrichten aus dem Streikrevier dient die Kohlen-Zeitung" verteufelt wenig den Interessen der Verbands- Mitglieder. Daß diese sich dem Gebote der Syndikate fügen müssen, diese selbst also ganz nach Belieben Geschäfte machen, hält da? Kohlenhändlerblatt anschoincnd für ganz in der Ordnung, weshalb ihm auch wohl die Niederknüppelung der Arbeiter sehr sympathisch ist. Vielleicht merken die Händler aber nun doch, daß ihr Blatt in Wirklichkeit eine Geschäftsvertrctcrin auch ihrer Ausbeuter ist. Daß die Handler erpicht darauf sein iollen, daß die Arbeiter ihre Lage nicht verbessern, tonnen wir uns nicht gut vorstellen. Berbandssegen. Der Ziukhüttenverband hat nun schon wieder die Zinkpreise um 10 Mark die Tonne erhöht. DaS ist in ganz kurzer Zeit die dritte Hcraufsetzung. Todes'Anzeigen ZmZijöllZciili'ztiÄd.Wmch tili' ifen Stralmier Viertel. (Bezirk 331 II.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genossin, Frau Marie Mucke FriedrichSselderstr. 3 gestorben ist. trhre ihrem Slndenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 8. August,»ach- mittags 4 Uhr von der Leichen- Halle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsseide aus statt. Um rege Beteiligung ersucht ver- V<»r»t»iick. SozlaWemoMscherWalterelii des 6. Herl. Reiebstags-WaMkrelses. Todca- Anzeige. Am 4. August verstarb unser Genosse, der Gastwirt (Zustav Wittix Pappelallee 12/13. Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet am Dienstag, den 8. August, nach- miitags 4 Uhr, von der Leichen- Halle deS Gethlemane-Kirchhose». Nteder-Schönhausen-Nordend, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht ver Vorstand. SozlaldemokratiseberWalilyerein Charlottenburg. 3. Gruppe. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse Franz Bojasch Kamminer Straße 1 am 4. August nach längerem Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 7. August, nach- mittags 0 Uhr, von der Leichen-' balle des Krankenhauses Westend aus, aus dem Luiscn-Kirchhoj, Fürfteiibrunncr Weg, statt. a Um rege Beteiligung ersucht I_ Der Vorstand. SozialiieBiokratisebJaiilvereiii Itankwitz. , den 4. August, lr, verstarb unser Am Freitag abends ö'/a U Mitglied Julius Hampel Gärtner. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 8. August, abends 7 Uhr. aus dem Kirchhos Lankwitz, Lulherstroß«, statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Mlilw Iransportarbaiter- Verband. Ortsverwaltung Spandau (Bezirk Staaken). Am Donnerstag, den 3. d. M., verschied unser langjähriges und treues Mitglied, der Platzarbeitcr .JosepK Platzeck im Alter von 37 Jahren. Wir werden seiner stets in Ehren gedenken. Die Beerdigung findet heute Sonntag, den K. August, nach- miltagS 4 Uhr, von der Leiche». Halle des Gemcinde-FriedhoscS in Siaaken aus statt. Die Gpandauer Kollegen treffen sich nachmittags 2 Uhr beim Kollegen H. Maitig, Rauener Straße 10. 63/12 Zahlreich« Beteiligung erwartet Tie Ortsverwalmng. iennit die iraurige Nachricht, mein lieber Mann, guter Vater, Schwieger- und Kroßvater Emil Kern nach langen Leiden gestorben ist. Die Beerdigung findet morgen Montag, den 7. August, nach- mittags 4 Uhr, auf dem neuen Jakobi-KIrchhos in Rixdorf, Her- mannslraße, statt. SIGIL Die trauernden Hinterbliebenen. Verband der Sattler und Porteteuiller. Ortsverwaltung Berlin. Dm Kollegen hiermit zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Täschner ]3mii Kern (Werkstatt W. Stmbe) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 7. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Neuen Jakobi-KirchhosS, Rixdors, Hermannstraße, ans statte Die Ortsverwaltung. Allen genossen Nachricht Kollegen und Partei- hierdurch die traurige t, daß am 3. August in Wiiienberae nach kurzen schweren Leiden mein inniggeliebter Mann, der Schlosser Sl7lL August Howe gestorben ist. DicS zeigt tiesbetrübt an prsu Wwe. Henriette Howe Charlolienburg. Hallerstr. 9. Todes- Anzeige. Am Donnerstag. 30. August verstarb plötzlich unser allvcrehrtcr Chef, Herr Alfred»8�. Wir verlieren in ihm einen ge- rechten Arbeitgeber und werden ihm Nets ein ehrendes Andenken bewahren. 19b DaS gesamte Personal der Firma A. Haase. Die Beerdigung findet an, Montag, den 7. AUhust, nachm. 5'/, Uhr, von der Leichenhalle des Georgen-Kirchboses, Landsberger Allee, aus statt. Beiilseder Holzarbeiter-Verband Dm Mitglied em zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Richard Kühl am 31. Juli gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Montag, den 7. August, nach. mittags 3'/, Uhr, von der Halle des LazaruS-AirchhoseS inAhrcnS. selde aus statt. 36/15 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltting. Am Sonnabend verschied nach kurzem Leiden unser lieber Vater, Großvater und Schwicgervaler, der Zimmermann 18b Otto Beschorner im 73. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Dienstag, nachmittags 3 Uhr, vom Heiligenkreuz- Kirchhof, Marien. dors, auS statt. Die trauernden Hinterbliebenen: Pamilie Schleuer, Berlin, Bopp- straße 2. Familie Werner. Rirdors, Allerstr. 3. Am 3. August, nachm. 6 Uhr, verstarb nach langen, schweren Leiden im 40. Lebensjahre meine liebe Frau und gute Mutter Bllsaheth Baumann geb. Breitaolil. Karl Banmann, 51692 Czarnikauer Str. 8. Die Beerdigung findet am Montag, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle der Gethjemane-Ge- meinde. Nordmd, aus statt. Voncn. II UllkUII Rmim». Mäuse ner. tilgen unlcr Garantie meine Spczial- mittel. Dosis 50 Pf., 1,00 u. 3,00 M. Bei Entnahni- von M. 3,00 aus ein- mal Gratisbeigabe von 50 Ps.* M. Schweikart, ÄÄÄ A Fernst»-.: IV, 1231. »««««S««»»««»»«»» Beeilen Sie sieb U; besichtigen Sie die letzten| 1] Parzelb in Zeperniek die ich s. bill. verk. Pläne grat| i. Rieger, Berlin, Gontardstr. 5. Reste Musterkilpons..Herbst-Neuheiten" für Anzüge. Kostüme, Meter 3, 4 Mark. Duchlager- Gesellschaft m. b. H. IblrallillLiKtr.ZHi.d.« SichhiHldlnilg Vswarts Lindenftr.«9, Laden. Sojinlttforin und Arbtitn- fmMMtit. Eine Abrechnung. Rede deS ReichstagSabgeord- ueten Richard Fischer zur dritten Beratung der Reichs. versichern„gsordnuiig. Preis 15 Pfennig. Roh-Tabak billigste Preise. 61462* Max Jacoby, Strelitzer Straße SS. Umde-IW* i G Bm Berlin, Königgrätzer Str. 90, Hj Tages-, Abendkurse. 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Wer über acht Wochen mit seinen Beiträgen im Rückstände ist, hat ebenfalls keinen Zutritt. _ Die Bezirksverwaltung. I. A.: A. Werner. BcrlincrM Ik-Trjo Flixdfüf-Cri'ltn U Lahh&.Vl. BBBSBS D Gsrdlnc-nlinna Bernhard Sclmurta Snrbinfn« und Pvliikrem Fabrik Wallftr. tZ LSukrrftoff« Sobelin». Sleui'deckm Felle. Killen u. Teppiche: VeiHfche «n» orientalische v. seltener Schönheit. BBQ BBBB a B Deutscher Heizarbeiter-Verband. Verwaltung Berlin. Montag, den 7. August 1931: iSr Mitglieder sYersatninlungen für folgende Bezirke und Branchen: archltr. Sfldwratrn: 5 Uhr in Habels Brauerei. Bergmannstr. 5—7. Sttden: 5 Uhr im.Märkilchen Hof", Abmiralstr� 18 o. Sttd-atv» 1: 5 Uhr in den RauiNiii Acstsälen. Naunynstr.«. Südosten II: 5 Uhr in den Strichciibergcr Hallen, Reichcnberger Dtrahe 117. Osten I: S'/j Uhr Bei Mcrkowoki. Andrea« sir. 26. Osten II: 6'/, Uhr bei Liifin, Memeler Zlr. 67. Osten III: 5'/, Uhr in den Prachisälcn des LsieuS. Franksurtcr All-- 151. Oestllche Torovte: abend« S'/, Uhr tglcich nach Feierabend) in der Löwcnbranerei. Franlsurier Allee 56—54. Nordosten: 5'/, Uhr bei Boekcr, Weberstr. 17. Ziorden: S>/, Ubr bei Obiglo, Schwedter Sirahe 2Z. Zlordsresten, Hb'eddlnx nndSIoablt: C Uhr bei KaczarowSki, Ravenöstr. 6. Welvensee: 6'/, Uhr im Prälaten, Lchderstr. 122. «Ixdort; B'/i Uhr bei Krönit«, Weichlelllr. 8(Fdeal-Vassage.) SodSneherer: 5>/, Uhr in den»Neuen NathauS-Sälen-. Mariin- Luther Str. 68. 1. Punkt der Tagesordnung: Vortrag über:„Da« KrankcnversicherungSgeletz in lcincr Nengeltaltung nach der Reich«- versichernngSordnung.- Relercnt: Genosse Atzmann. BautifcWer. Beslrk 1: Südosten, Süden, Südwesten 6 Uhr bei Raabe, Flchtcstr. 2S. Ileslrlr 2: Osten, Nordosten, Ostllcbo Vororte bei Zieh, Warschauer Str. 61. Oeslrl! 3: 6 Uhr bei Gliesche, Kopenhagener Str. 74. Ilealrli d: 6 Uhr bei Tchappau, Kolberger Str. 23. Deelrk Rlxdorf: 5'/, Uhr bei Gütig. Erlstr. 3. l�Uckenmöbelbrancke um 6 Uhr im„Englischen Garten«. Sllexanderstratze 27 o. l�öbelpoHmr» Beizer und JVIagazlnarbeiter. nach Feierabend) im„Märkischen Hof«. Feierabend) in FürstenbergS Aestsälen. über: Alte Südosten: 5 Uhr(gleich Slvmiralstr. lao. Osten: 61/, Uhr(gleich nm, Franksurter Allee 103 Ziortrag de« Kollegen König und neue Formell im Lohllkauipf. Vörden: 6 Uhr(gleich nach Feierabend) im Twinemllnder Gesell- schaftöhauö. Swincmlluder Str. 42. IMocUU- und fabrilitifcbUr "JalouflearbclUr™ a» Arbeit«. PinTetTev am Dienstag, abend« 6'/, Ubr, im GetvrrkschaftshanS, Eingang parterre(ArbcilSIoseiiraum). In den Mitgliederversammlungen müssen sämtliche Delegierten anwesend sein, da die Präsenzlisten verlesen und die Delegiertenkarten ausgegeben werden. kVoatag, den 18. August 8919; General �Versammlung. Sonnabend, den 36. September 1911: SKftungsfest m der Kenen Weif. Billett« find in den Zahlstellen sowie bei den Kollegen Schwein Ire, Schönleinstr. 24, und Zirkel, Idealpassage in Rixdorf zn haben. „Hoffnung" Berliner Schneiderei■ Genossenschaft E. G. m. b. H. Zwischen Ros.nlhiler firtititioticfl* 181 Zwischen Roienthsler Ter u. tmralidenstr. OlHIIItCWäll. 100 Tor u. Invalidenstr. Gegr.i.Febrniur 1906 v. organisiert Schneidergehillen Berlins. fÄ» Arbeitern, IParteigenossen lud fflitbürgern-u- an�ertixanx ole.Dntcr Herren-., Knabengarderolis Großes Lager fertiger Herren-, Knaben- u.Kinder-Anzüge. G Große Aaswahl in w Sommer-faletots, Ulster. RsdlaiiraDzügeo o. FanL-Westen® in allen Größen und Preislagen sowie Arbeiter- Berufs- Kleidung. Z Die Hcrstcllnng unserer Fabrikate erfolgt in V»r eigenen Betriebswerkstätten unter den von O unserer Organisation festgelegten Bedingungen. O Lieferanten 103/1* AS der Konsnm-Gonossenschaft Berlin n. Umgegend, Z des Charlottenburger Konanm-Vereins sowie des Arbeiter-lladfahrcrbundcs. 2 NB. Wir weisen besonders darauf hin, daß wir onr für V eigenen Bedarf fabrizieren und unsere Waren in keinem anderen Geschäft zu haben sind. Im Augnst bleibt unser Geschürt Sonntags von lO Uhr ab geschlossen. BB Auf der Reise entbehrt die Frau oft ihre Lysoform-Toilette-Seife. Deshalb ist es besser, 107/3_ dieselbe mitzunehmen! Stück 50 Pf., überall erhältlieh. Uchtung, Vereine! Sommer-„nd Kindersestc empfohlen: Stocklaternrn, Fackeln, Schärpen, Kopfdedeckuilge», Jlluminat.-Laternen,! Dekorailonegirfaudeil, Berlosungsartilel, Harken, Sensen, Keglerpreise Jnx- u. Scherzartikel, Fenerwerl, Festadzeich. Große Answnhl, billige Preise, kulante Bedienung i Pohl& Weber Nachf., Berlin,: 1 Am Spittclmarkt 4/5 I. Alexanderstr. 51.53< ' Fnh.: Otto Oeser. Jnh.: Ernst Herbst.' 1 Kataloge gratis und franko sowie Versand«ach außerhalb., Deutscher Tabakarbeiter-Verband i ii= Zahlstelle Berlin, i.» Donnerstag, den 10. August, abends pünktlich 9 Uhr: Klüglieder-Versammlung im„Rosenthaler Hof", Rosenthalerstr. 11/12. TageS-Ordnung: 1. Mrechnung vom zweiten Quartal. 2. Bericht vom achten Gcwcrf» schastSkongretz in Dresden. 3. Tarissragen. 4. Verschiedene«. ---------- Das Erscheinen aller Kollegen ist Pflicht!. m. 187/10 Die Ortsrui-waltnng. Arbeitsnachwels: VcrwaltnugSstclle Berlin Hauptbureau: Hos I. Amt 3, 1239._ CharitSstr. 3. Hos lll. Amt 3, 1987. Dienstag, den 8. August, abends 8 Uhr: Bezirks- Versammlung für die Bezirke 13 und 19 i» Obiglos Festsälen, Schwedter Straße W. Tage«»Ordnungi Fortsetzung der BezirkSversammlnug vom ZI. Juli« Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt! Mi«,! Elektromonteure! Den BertraucilSlnälliiern und Kollegen zur Nachricht, daß . die Allgemeine versammlmig am Donnerstag, den ltt. d. M. slattsiildet. Weitere Mitteilung ersolgt m den nächsten Tagen, durch Handzettel und ,VorwärtS--JnIerat. Die ivertrauenSmänner-Konferenz findet am Molltag im Englischen Garte» statt. Die Illhiiällmsnnmmr„.MOOh" ist erslhienea und Itttn preise von 50 ps. pro Emnvior im Kureau zu Huben. 1gl/S_ Die Ortsrerwaltung. Achtung. Bereine! rTPUhRot* QdCll Achtung. Vereine l KäSliner Str. 8 1�11 IlUOl ÄDCKll KöSliner Str. 8 für 1000 Personen, sowie schöner Naturgarten(1000 Personen) ist an Vereine, Gewerlschaslen usw. zu kulanten Bedingungen zu vergeben.— Sonnabende im September. Oktober, November frei.— Jeden Sonntag: Konzert. Theater und Spezialitäten. Vorstellung. 62682 Achtung! Achtung;! Gewerkschaften und Vereine. Zur gesälllgen Kenulni«nahme, daß der Musikunternehmer Fritz llonigmaiin aus dem Zentralvcrband der Zivilmusiker Teutschlands ausgetreten ist. OrtSvcrwaltnng Berlin 50/2» Der Vorftanb. Zeitungs-AnsgabesteUen und Inseraten-Attnahme. Sentruin: Awert H a b n i s< 2. IVohUa clM, W.: Aufl. . Augiistslr. 50,»ingang goachimstraße. b ch m i d t. Kirchbachsw. 14. Hochparterre. 8. und LW.: Hermann Werner. Gneisenaustr. 72. S.«'ahlhreis: St. Fritz. Prinzeustr. 3l. Hos recht» part. 4. ahlhrela: Ott e n: Robert W« n g e l«. Är. grantsmtrrstr. 120. — Richard H a ck e I b u s ch, PelerSburgerplatz 4(Laden). a. Vahlhreis, S ü d o st e n: Bant Böhm. Lausitzervlatz U/IS. 6. Wahlkreis: Leo Z u ch t. Jmmanuelkirchstr. 12(Hof). 6. Wahlkreis(Moabit): Karl Ander«. Salzwedelerstr. S. Wedding: Karl W e i tz« Rachf.. Razarethklrchstratze 49. Itosenthalor und Oranienburger Vorstadt: Wilhelm S a u m a n n, Bermmerstr. 9, vorn Parti Gesundbrunnen: F. Trapp. Stettinerstr. 10. «ehßnbanser Vorstadt: Karl Mar«. Lhch-nerstr. 123. A dlcrshof: Karl Schwarzlos«, Hofiinannsir. 9. Ait-GIlenioke: Wilhelm Dürre. Köpenickersir. 6. Itnurnsehiilenweg: H. Hornig, Marienthalerftr. 13, I. Bernau. libntgentaj, ieeperuieh,(Schünow und Schün» brück: Heinrich Brase. Hohesleinstr. 74. pari. Bohnsdork und Vaikenberg: Alois Laus, BoHnidors. Qu nossenlchastshaus.Paradies»._...... Uhariottenbnrg: Gustav Scharnberg. SeienHelmerstratze 1 F.ichwaldo: OSlar Mahle. Studenrauchstr. 99. Erkner: Ernst Hassmann. Friedrichshagener Chmtffee. Eredersdork-Uetershngvn: E. Höselbarth. Petershagm. Erledenan.8tegIitU-8üdOnde»Grt-ß-I,iehterlke1de-!,aiiIc- wita: H. B- r n s e«. Alsenstr. 5 in Steglitz. Frtedrichshagen: Ernst Werkmann, Kopmlcker Gtratze 1». Grünan: Franz Klein, Friedrichstr.tO. Johannisthal: Plelia«, Kaiser-WilHelm-Platz 0. Barlshorst: Richard Küler. Rädelstr. 9, ll. Künigs-W'nsterhnnscn: Friedrich B a u m a N N. BaHnHofstr. 13. Itüneniek: Emil W itzler. Kietzcrstr. 6, Laden. Lichtenberg, Ericdriclisfeldc, llohcnschünhaaseD: Otto Seilel, Kronprinzenstratze 4, I. Bahlsdorf, Kanlsdorf: P. Hetzberg. KanlSborf, Ferdinand- ftratze 17. Bariendork: August Lsip. Gbaujjcestr. 296, Hos. narienfcldc: Emil Weinert, Doristr. 14. h'euenhagen: Johann Hübscher, Wolterstratzo. > leder-hohüno weide: Gehet, Britzerstr. 6. Xowawes: Wilhelm Japp«, Friedrich str. 7. Obcr-SchOnewclde: Aisred Bader. Wllhelminenhofstr. 17 II. I'ankow-stliedersehünhausen: Ritz mann, MüHlenstr. 30. Ueinickondorf• Ost« Wllhclmsrah und Scbßnbols; P. G n r I ch, Provlnzstr. 56. Laden. Bin dort: M.Heinrich, Neckarftr. 2, im Laben! Rohr, Siegfried« stratze 23/29. 'agen 5«. M�BWBBW�BBW. adem Spandaa,"st/onnendamm, lStaaken, Seegeteld und Ealkenhagen: K ö p p en, Breitesir. 64. Tegel, Borsigwalde, Wittenau. Waidmannslast, llermsdorf und Itoinlckeudorf• West: Paul Kienast, Borsigwalde, Räujchstratze 10. Teltow: Wilhelm B o n o w. Teltow, Berliner Str. 16. Ternpelhok: Albert Tdiel, Berliner Stratze 41/42. Treptow: Rod. Gramenz. Kiesholzshatze 412, Laden. Weißensee: K. Fuhrmann, Sedanstr. 105, parterre. W ilnicrsdorf-Ualcnscc-Scbniargondorf: Paul Schubert, KihelmSaue 26. leeuthen, Blersdork: Emst Hütt ig, Zeuthen, Dorjstr. 15. Sämtliche Partellitcratur sowie alle wisseuschastlichen Werke werden geliefert. Rnmiuelsbnrg, Roxhngcn:A. Rosenkranz, Mt«B> hehünebvrg: Wilhelm Baum l er. Martin Luther str. 69, Die reellsten und bilUgsten Möbel und Polsterwarcn auf Teilzahlung zu Kassonpreisen und Zinsvergütung erhält man in der seit 33 Jahren bestehenden Möbelfabrik unter lOjähriger Garantie SC�llIZ Beichenll0rBCr 48081.» Ltrgntvortlicher Medukteur/«ichard»arth, iSetlin, gut dcv Inseratenteil vcrantw.: Th. wlocke, Berlin. Druckil-Bcrlag: Vorwärts Luchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u.To, Berlin SA. Zur üermcidung von Verwechselungen: Die Lintia Jj. lllertheim unlerbält in Berlin nur diese 3 geschalte d.HJeftficim Cr« m. Is» H* ücrsand'Hbteilung Berlin ttl.66 Teipzigerstr. 132/37. Bei Briefen ist genaue Adresse erforderlich. Ulmnthak? Str. itipzifyW /j32�3T Oromm Strohe grosser t�ertof %viMm Qmimm Steinet Wiktacha�e-ütMd Porzellan Weiss Speiseteller ti.r..... 15, flach 12 rr. Dessertteller 8, Kompotteller 5 pr. Terrinen............ 1.15, 1.35 Kartoffelnäpfe........... 75 pr. Bratenschüsseln ovai... 28 bis 90 pr. Lancieren................ 45 pj. 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Kompottieren........ 1.10, 1.35 Bratenschüsseln.... 1.35 bis 4.20 Kartoffelnäpfe............ 2.95 Terrinen............ 3.80, 5.20 Tassen.................. 33 pr. hierzu passend: Kaffee-Service für 6 Personen, 9 teilig . 4.25, für 12 Personen, löteilig .en: 7.50 12 Tassen 1 Kaffeekanne 1 Teekanne 1 Topf 1 Zuckerdose 12 Teller 48 teilig, für 12 Personen, Ot fein dekoriert...... m 1 Kaffeeservice 2.65 bis 5.00 Kaffeeservice is't.üi«".''.' 5 40 bis 9.50 Kaffeeservice mr 12 p.rs., sot.üig 10.50 Tafelservice d.'™' 30 17.00 Tafelservice dlfn! d-k"!»?'°''�. 54.00 Tafelservice. 77.00 Reslbeslände feiner denlscher u. französisch. Tafelservice IU"u"erordent,ieh billigen Preisen. Ein Posten dekorierter Ein Posten dekorierter Glaswaren Butterdosen e«xr»sst 15, 25, 32 pe Butterkühler.............. 45 pr. Bierbecher �dG.oM: 7. 10, ��„8 pr. Bierbecher mit starkem Boden.... 1 3 Pf Bierkannen....... 35, 45, 55 pr. Bierbecher„Victoria" giatt... 13 pr. Likörgläser............... 5 pr. Weissbierpokale...... 18, 25 pr. Wassergläser....... 5, 6, 7 pr. Bierbecher 15 pr. Biertulpen 27 pr. Zitronenpressen......... 7, 8 pr. Käseglocken.......... 35, 40 pr. ToUettengarnitur st.iiig...... 95 pr. Bierkannen gescbiioea.. 58, 63, 85 pr. kVuchtSchalen gesehURen...... 1.20 Likörschalen.............. 16 pr. Kompotteller.......... 20, 22 pr. Salatschalen......... 27 bis 95 pr. Neai Press-SerVice„Sonne" Nea Butterglocken 45, Käseglocken 63 pe Dessertteller 14, Kachenteller70,85 pe SchÜSSeln rund........ 14 bis 80 PE Salatschalen g»schw«i:t.. 1 6 bis 85 pe Blumenvasen...... 25, 45, 85 pe Konfektschalen........... 45 pe Miichsatz 3 teüig............ 85 pr. Zuckerschalen........ 23, 27 pe Zuckerstreuer............. 45 pe Milchtöpfe band 15 bis 30 pf. Kuchenteller 40, 60 pt Steingut Taf eh Geschirr Feston=Form mit Goldrand Trinkgarnitur Pota Talma Rot- od. Rheinweingläser 35 25 pe Süssweingläser........ 30 22 pe Likörgläser........... 28— pr. Sektschaien........... 50 35 pe Leiterbecher.......... 25 18 pr. Bierbecher............ 30 35 pe Speiseteller tiar und flach....... 18 pe Dessertteller.............. 13 pe Kompotteller.............. 10 pe Kartoffelnäpfe....... 1.35, 1.75 Salatschüsseln....... 16 bis 68 pe Kochgeschirre aus feuerfestem Ton, einfarbig Bratpfannen....... 65 pe bis 1.10 Eierpfannen........ 16 bis 60 pe Kasserollen........ 25 bis 80 pe Schmortöpfe ovai.... 85 pr%bis 2.25 Schmortöpfe rund.... 23 bis 95 pe Waschgarnituren modern» Form, steilig Waschgarnituren............. Toilette-Eimer mit Einlag» und Robrbügel Lancieren................ 85 pe Terrinen............ 1.75, 2.45 Bratenschüsseln ovai 20, 30, 40, 65, 80 pe. 1.05, 1.35 Bratenschüsseln rund, uer u. flach 55 pe Verkauf Von Restbeständen engl. Fayence und Majolika- Artikel Teller SÄt' 60, Desserlleller 50 pe Kompotteller............. 40 pe Wandteller..... j»ist 45 pe bis 1.20 früher 65 Pf. bis 1.70 2.45, modern dekoriert, Steilig 2.75 4.50, grosse Form...... 5.50 weiss 2.25, 2.65, creme 3.40 W irtschafts- Artikel Giesskannen'"'cJöfsen 80 pe bis 1.75 Giesskannen Grössen 2.00 und 2.75 Giesskannen �Grössen 1.20 bis 1.75 Giesskannen|väi 2.50 und 3.00 Gazeschränke f,1�' 5.75, 8.00, 10.50 Wringmaschinen 9.00 u. 10.00 WalztnUinge ca. 39 bis 42 cm. Fruchtpressen G3Ssort»nn 4.50 bis 6.00 Einmachkessel< Grössen 2.75 bis 4.00 Touristenkocher«San. 65 pe bis 1.20 2 Gasplätten vernickelt, m. Brhitrer 4.00 Gaskocher 2 Brenner mit Wärmer.. 5.85 Gaszuglampe 3*1*.. 13.50 Schirmdurchmesscr ca. 35 cm. Wandkaffeemühlen 1.60, 2.25 Fliegenschränke Hol» 5.25 bis 8.50 Papierhalter............. 65 pe Seifenhalter Porzellan mit Haken. 65 PE Teppichkehrer........... 7.50 Staubsauger... 13.09 Schnürböcke......... SOpe, 1.20 Handfeger sehwan..... 60 bis 90 pe Stubenbesen schwarz.. 1.10 bis 1.90 Teppichhandfeger... 35 bis 60 pe Teppichbesen...... 1.00 bis 1.20 Tischbestecke vernick. Heft. Paar 30 Pf. Tischbestecke sch warr. Heft Paar 40 PE Obstbestecke Perlmalt-Heil Paar 1.60 Butter- und Käse-Bestecke FcrImu"pll'£ 1.60 Kabarett-Gabeln Ferimutt-Hert... 80 pe Obstmesser 80*. Kupfer-Bowlen 12.00 t«, 22.00 Weinkühler Kupfer.......... 2.50 Flaschenuntersätze....... 1,25 Wasserkessel im eisernen Gestell. 6.75 Tortenplatten Steinguteinlage... 2.50 Gebäckkasten 5 Grössen 1.00 bis 3.25 Gebäckkörbe 2 Sorten 80 PE und 1.25 Spirituskocher 2 Surfen. 25 und 45 PE Spirituskannon........... 22 Pf Waschtische geschlossen..... 15.00 Windleuchter 4 Sorten 90 PE bis 1 1.00 Tabletts mit steinguteinfag« 2.00 bis 4.50 Kleiderbürsten 3 Sorten 75 Pf. bis 1.50 Hutbürsten mit Stiel... 30 und 40 Pf. Blankbürsten 6 Sorten.. 35 bis 80 PE Nur Leipziger Strasse: Ein Posten astreines Holz, lasiert, die lk uCfieamOÖel Garnitur bestehend aus Schrank, Anrichte, Tisch, 2 Stühlen, Handtuchhalter 1 26.00 Sämtliche Eisschränke sind im PreUe bedeutend ermässigt. Nr. 182. 38. Jahrgang. 2. Öfilijt des Jotiüöttf KMer öolkslilatt, Soiurfat}, 6. August 1911. E3 Soziales» Warnung vor einer Auswanderung nach Brasilien und Argentinien. Unseren mehrfachen Warnungen, sich durch Ueberredungen zur Answanderuns nach Brasilien-oder Argentinien verleiten zu lasicn. muffen wir auf Grund uns zugehender Berichte von Genossen, die sich zur Auswanderung entschlossen hatten, dringend wiederholen. Die übereinstimmenden Klagen der Briefschreiber gehen dahin, daß die Luftschlösser, die sich die Auswanderer auf Grund von Dar- legungen eines Frciherrn v. Goltz und eines Herrn Mirau oder der Genossenschaft südbrasilianische Landgesellschast und deren Agenten(Wolfram, Brückner und anderen) bauten, in kurzer Zeit zusammenbrachen. In wenigen Wochen wandert die gesamte Habe aus Nimmerwiedersehen ins Leihhaus. Im Arbeiterviertel von Bucnos-Aires(Poseo de Julio) suchen Taufende von Arbeitern vcr- geblich Arbeit. Wird Bahnarbcit für eine durch den Urwald zu bauende Bahn angenommen, so zeigt sich bald, daß das Holzfällen und.Urbarmachen des Waldes äuhcrst schlecht bezahlt wird. Als Tagelphn erreicht man, wenn man etwa 6—-8'Bäume gefällt hat (das Fortschaffen gehört mit zur übernommenen Arbeit), 13 bis M Cents, lebt nur von Wasser und Brot und entflieht nach höchstens' drei Wochen Arbeit, zum Skelett abgemagert, der Wildnis. Wenigen glückt es, auf einer Estantia eine Stellung zu finden, sie gehört zu den besten; der Lohn beträgt bei freier Kost 50— 60 Peso monatlich. Tie Baufirmen Holtmann," Weih und Freitag lassen erst in Akkord arbeiten. Kommt ein Arbeiter bei der Schufterei auf hohen Lohn, so wird ihm der einfach gekürzt. Ist die Hauptarbeit geleistet, so wird nur Stundenlobn von 10— 15 Cents gezahlt. Bei der über- großen Zahl Arbeitsloser finden sich stets Arbeitskräfte zu diesem völlig unauskömmlichen Lohn. Die meisten Auswanderer sind nicht organisiert. Wer organisiert ist, findet bei den langsam aufstreben- den Gewerkschaften und im politischen Verein„Vorwärts" nach Möglichkeit Hilfe durch Rat und Tat. Es versäume niemand, sofort seiner Organisation beizutreten. Die übergroße Anzahl der'Ein- lrandercr kommen als unorganisierte„Patrioten" oder Katholiken herüber. Nach den ersten vierzehn Tagen schon ersetzen sie ihre hochpatriotjschen und frommen Lieder durch Wehklagen, vier Wochen später hat ihnen der Hunger den letzten Patriotismus ausgetrieben.. Als Arbeitslose drücken sie die Löhne in jeder Branche. Der zweite Transport der Genossenschaft südbrasilianischc Landgesellschast fuhr am 5. April von Amsterdam ab. Die Vcr- pflegung der Kinder war schlecht. Eine Anzahl derselben starb. Von' Florinopolis liegt der Stadtplatz der Kolonie noch etwa eine Wochcnreise entfernt.� Zum Wege zur Stadt gebrauchen, die im Urwald verschickten Kolonisten meist 2—3 Tage. Tie Agenten beulen die Auswanderer nach dem Bericht arg aus. Ein großer Teil der Auswanderer schwenkte bereits in Florinopolis ab. Der Rest sieht mit Kummer einem mühevollen, hungcrreichen Leben ohne Rechtsschutz entgegen. Dringend warnt der Briefschrciber vor Auswanderung nach der Genossenschaft südbrasilianische Landge- scllschast. Die. Agenten für Brasilien sind recht rege. Ter Agent Leo Mirau fabelte in einem Vortrag in Bucnos-Aires nach der Zci- tung'„Prsnfa" von SM 000 Auswanderern aus Deutschland. Tat- sächlich erreicht die gesamte Auswanderung Deutscher aus Deutsch band auch nicht entfernt diese Zahl. Es betrug die Zahl aller beut- scheu Auswanderer uiber deutsche und fremde Häfen) im Jahre 1831 noch 120 000. Sie sank im Jahre 1892 auf 116 339, im Jahre 1893 auf 87 677, im folgenden Jahr auf 40 964, im Jahre 1895 auf 37 498. Sie ist dann in den Jahren 1897 bis 1901 auf durchschnitt- lich 22— 24 0M gesunken. In, Jahre 1902 stieg sie von 22 073 des Jahres 1901 auf 32 098, 1903 auf 36 310. Sic sank 1904 auf 27 984. Die Jahre 1905— 1907 weisen als Ausivandcrungszahlen auf: 28 075, 31 974, 31 696. Das-Jahr 1908 mit insgesamt 19 883 Aus- Wanderern zeigt den tiefsten Stand. Im folgenden Jahr wandcr- tcn 24 921, im Jahre 1910: 25'321 Deutsche aus..Von diesen Aus- Wanderern entfielen auf Brasilien im Jahre 1909: 367, im Jahre 1910e 353 Personen. Nach den Vereinigten Staaten von Amerika wanderten in denselben Jahren 19 930 resp. 22 773, nach dem übri- gen Amerika 4256 resp. 2184 Personen aus. Wiederholt sei darauf hingewiesen, daß die amtlich Auskunftstellc für Auswanderer in Berlfn, Schllingstr. 4, bereitwillig Auskunft über die Verhältnisse im?lnsland erteilt.'__■ Gerichts- Zeitung. Der Mord an. dem Arbeiter Hcrrmann ist noch immer ungesühnt. Zwar soll sich die Staatsanwalt- schaff die größte Mühe geben, die uniformierten lKiördcr, welche den bedauernswerten Hcrrmann unter Mißbrauch ihres Amtes niedermetzelten, zu ermitteln. Aber die angcb- lich großen Bemühungen der Staatsanwaltschaft haben noch keinen Erfolg gehabt. Ebenso erfolglos sind bis jetzt die Bcr- suche geblieben, welche die Witwe des Ermordeten macht, um im Klagewege für sich und ihre Kinder eine Rente zu er- streiten. Tie Klage der Witwe Hcrrmann richtet sich in erster Linie gegen den preußischen Fiskus, in zweiter Linie gegen- die Sladtgemeinde Berlin. Gestern fand in dieser Sache be- reits ein zweiter Termin vor der Zivilabteilung des Land- gerichts I statt. Es handelt sich zunächst darum, wie bewiesen werden soll, daß Herrmann wirklich durch Amtsmißbrauch von Schutz- leuten zu Tode gekommen ist. Der Vertreter der Klägerin, Rechtsanwalt Tr. Kurt Rosenfeld, berief sich auf das Urteil der dritten Strafkammer im Moabiter Prozeß, in dem aus- drücklich festgestellt ist, daß Herrmann, als er über die kurz vorher gesäuberte, zurzeit vollkommen menschenleere Straße ging, zuerst von einem Schutzmann einmal und dann noch von einem zweiten Schutzmann zweimal mit dem Säbel ge- schlagen wurde, so daß er blutüberströmt zu Boden stürzte und bald darauf starb. Diese Handlung der Schutzleute ist in dem Strafkammerlirteil als ein starker Amtsmißbrauch dizcichnet. Das muß genügen— meinte Rechtsanwalt Rosenfeld—, um dep Anspruch der Klägerin zu begründen. Anderenfalls bc- rufe er sich auf das Zeugnis der Jordanschen Eheleute. Rechtsanwalt Schumacher, der den beklagten FiÄ'us ver- trot, beantragte die Aussetzung der Verhandlung bis zur Er- ledigung. des Ermittclungsverfahrens, welches die. Staats- anwaltschaft gegen„Unbekannt" eingeleitet hat, um die des Amtsmißbrauchs schuldigen Schutzleute zu ermitteln. Das „rasche" und summarische Verfahren der Staatsannialtschaft werde erst eine sichere Unterlage für den gegenwärtigon Zivilprozeß bilden. Rechtsanwalt Rosenfcld wandte sich gegen diesen Antrag. Es sei unverständlich, wie der Gegner von einem raschen Ver- fahren der Staatsanwaltschaft reden könne. Unmitteflbarjzach der Tat habe die Staatsanwaltschaft nichts in der Sache getan. Erst als durch die Angaben von Zeugen im Moabiter Prozeß die breiteste Oeffentlichkeit auf den Fall Herrmann aufmerksam wurde, sei das Ermittlungsverfahren gc-jen„Un- bekannt" eingeleitet wordem Jetzt, wo bald ein Zt'hr nach der Niedermetzelung Herrmanns vergangen ist, seien die an seinem Tode Schuldigen immer noch nicht gefundei.k. Wie nun, wenn die Staatsanwaltschaft ihre Ermittluna/en noch jahrelang fortsetze oder dieselben ruhen lasse und das Ver- fahren erst nach zehn Jahren einstelle? Dann müßte fa, falls das Zivilgericht das Verfahren so lange aussetze, Froai Herr- mann ebenso lange auf die Anerkennung ihrer Ansprüche warten.. Er sei ein Verschulden der Behörden, daß sie die Er- mittlungen in Sachen Herrmann so spät begonnen ha neu, daß eine Feststellung der Tater kaum noch wahrscheinlich ist. Gegenüber den Feststellungen der Straftammer seien, die Er- gebnisse des Ermittlungsversahrens unerheblich. Mindestens müßte für die Aussetzung der Verhandlung, falls sie bezschlossen werden sollte, ein bestimmter Endtermin angesetzt werden. Das Gericht beschloß, die Verhandlung anszuscchen bis zur Erledigung des Strafverfahrens gegen„Unkcekannt", längstens jedoch bis zum 1. Dezember d. I. Tie Tragödie eines Brautpaares beschäftigte gestern unter Vorsitz des LandgcrichtsdKektoirtS Maß« mann die 2. Ferienstrafkamnicr des Landgerichts III. Aus der Untersuchungshaft wurde der 22jäl,rige Student der Zahn')eilkun0c Heinrich Apt aus Breslau porgenihrt, um sich wegen Vergehens gegen den§ 216 des Strafgesetzbuches(Tötung auf ausdrückliches und ernstliches Verlangen) zu verantworten. Der Angeklagte wurde beschuldigt, seine Braut, die 23jährige Studentin der Medizin Helene Löwcnson mit deren Einverständnis durch Chloroform ver- giftet und ihr dann außerdem noch die Pulsadern geößfnet zu haben. Der Angeklagte hatte in Breslau, wo er die Zahnheilkunde studierte, die 23jährige Helene Löwcnson kennen gelernt. Zwischen den beiden jungen Leuten entwickelte sich ein Licbesvarfhältnis, welches jedoch nicht die Billigung des Vaters fand, zumal d,:r junge Mann sehr leichtsinnig Ivar und Schulden machte. Wcgcm dieses Verhältnisses kam cZ häufig zu ernsten Auseinandersetzungen. Um seinem Vater einen Schrecken einzujagen, inszenierte Apt ssston vor längerer Zeit eine Sclbstmordszcne. Als der Vater sich weigerte, seine Schulden zu bezahlen, brachte sich der Angeklagte an dem Handgelenk einen Schnitt bei, nachdem er vorher fein säuberlich. damit es ja nicht wehe tue, die betreffende Stelle örtlich betäubt hatte. Damit man ihn auch noch rechtzeitig„in seinem: Blute schwimmend" auffinden sollte, ließ er dann im gegebenen llkoment eine Petarde los, worauf alles hinzustürzte und den„Unglück- lichen" fand. Leider gewann der Angeklagte über das junge Mädchen einen so großen Einfluß, daß es fast willenlos seinen Wünschen folgte. Als es wieder einmal einen heftigen Zwist zwischen ihm und seinem Vater gegeben hatte, überredete der An- geklagte die L., mit ihm nach Berlin zu fahren. Hier mietete sich das Pärchen unter falschem Namen in dem Hause Uhlandstratze 188 ein möbliertes Zimmer. In der Nacht zum 18. Februar d. I. vcr- nahm ein in dem nebenan liegenden Zimmer wohnhafter Herr einen dumpfen Fall und gleich darauf ein deutliches Stöhnen. Nach- d»in die Polizei benachrichtigt war, wurde das Zimmer gewaltsart! geöffnet. Den Eintretenden bot sich ein eigenartiger An- blick. In dem Bett lag die L. mit aufgeschnittenen Pulsadern, während der Angeklagte mit einer Chloroformmaske vor dem Gc- ficht auf dem Sofa lag. Es gelang, ihn wieder ins Bewußtsein zurückzurufen, dagegen konnte bei der Löwcnson nur der bereits eingetretene Tod konstatiert werden. Nachdem der Angeklagte wieder zur Besinnung gekommen war, erzählte er. daß er mit seiner Braut beabsichtigt habe, aus dem Leben zu scheiden, da ihnen von feiten der Verwandten zu viel Schwierigkeiten bereitet würden. Er habe der L. erst die Chloroformmaske aus das Gesicht gelegt und gewartet, bis die Atmung aufhörte; dann habe er ihr die Puls- ädern geöffnet. Er selbst habe sich ebenfalls die Pulsadern öffnen wollen; bevor er aber dazu kam, sei er durch das eingeatmete Chloroform bewußtlos geworden. Apt wurde als Polizcigcfangcner erst dem Kranienhause Westend und von dort dem Untersuchungs- gcfängnis zugeführt, wo er bald darauf einen zweiten Selbstmord- versuch unternahm, indem er versuchte, sich mit einem Scherben die Pulsadern aufzuschneiden. Wie sich später ergab, hatte Apt vor der Tat an die Redaktion einer hiesigen Zeitung einen Brief ge- richtet, in welchem er angab, daß ihn der Jähzorn und die tyran- nischc Strenge seines Vaters in den Tod getrieben habe. Briefe ähnlichen Inhalts wurden auch in dem Zimmer selbst gefunden. Von den Verwandten der Getöteten wurde von Anfang an in Ab- rede gestellt, daß die L. jemals Selbstmordgedanken gehabt habe. Tatsächlich hat der Angeklagte in einer Vernehmung auch selbst an- gegeben, daß er die L. ohne deren Einwilligung getötet babe. Vor Gericht erzählte der Angeklagte in wohlgcsctztcr Rede, ohne eine Spur von Reue zu zeigen, die Einzelheiten der Tat. Er er- läuterte, wie ein Dozent vor seinen Studenten die einzelnen Phasen der Tötung darlegte, ohne auch nur einer Spur von Bewegung'zu verraten.— Staatsanwalt Dr. Linde beantragte eine Gefängnisstrafe von 4 Jahren, da der Angeklagte mit einer gc- wissen Frivolität mit einem blühenden Menschenleben gespielt habe. Das Gericht erkannte diesem Antrage gemäß auf 4 Jabrc Gcfängnis, rechnete dem Angeklagten aber 5 Monate der erlittenen Untersuchungshaft als verbüßt an. Irrenhaus und Rechtsschut». Wiederholt hat die Weigerung von Irrenärzten, Rücksprachen internierter Personen mit den von ihnen gewählten Rechtsbeiständen zu dulden, die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gelenkt, da die Vcrsagung des Rechtsschutzes die schwersten Gefahren für die Jnter- nicrten mit sich bringt. Ein derartiger Fall beschäftigte kürzlich das Amtsgericht Charlottenbnrg. Der in der Wcilerschcn Privat- irrenänstalt internierte Student der Rechtswissenschaft Hermann Hagen, der Sohn eines Berliner Bankiers, hatte wiederholt ver- sucht, sich mit dem Rechtsanwalt Dr. Ehrcnfricd in Verbindung zu setzen. Der Anstaltsleiter Dr. Weiler weigerte sich jedoch, irgcnv- welche Nachrichten des Internierten an den. Rechtsanwalt weiter zu befördern. Hagen wandte sich schließlich an das Amtsgericht Schöne- berg mit der Bitte um Rechtsschutz unter Darlegung der ganzen Verhältnisse. Durch einen Zufall erhielt Rechtsanwalt Dr. Ehren- fried von diesem Briefwechsel Kenntnis. Nachdem ihm wiederholt die Sprecherlaubnis verweigert worden war, erwirkte Dr. E. bei dem zuständigen Amtsgericht Cbarlottcnburg eine einstweilige Bcr- fügung, durch welche dem Tr. Weiler aufgegeben wurde, den Besuch des Anwalts und die Aushändigung feiner Briefe an Hagen bei Vermeidung einer fiskalischen Strafe von 300 M. für jeden Fall der Zuwiderhandlung zu dulden. Trotz dieser Verfügung weigerte sich Dr. Weiler zu drei verschiedenen Malen, den Anwalt in die Anstalt hineinzulassen. Von dem Amtsgericht wurde daraufhin eine Strafe von 900 M. gegen Dr. W. festgesetzt. Außerdem ließ das Gericht wegen dieser Strafe bei Dr. Weiler pfänden. Als sich die Anstaltsärzte trotz vorangegangener Pfändung nochmals wet» gerten, den Besuch des Dr. Ehrcnfricd zu dulden, holte der hinzu- gezogene Gerichtsvollzieher einen Schutzmann. Erst in Begleitung der beiden Beamten gelangte Dr. E. endlich zu seinem Klienten. Der Anstaltsbcsitzcr zahlte dann auch die WO M. Geldstrafe an den Gerichtsvollzieher. Gegen diese einstweilige Verfügung erhov Dr. Weiler durch seinen Rcchtsbcisiand, Rechtsanwalt Severin Bch- rcndt, Widerspruch. Nach mehrstündiger Verhandlung beschloß das Gericht, die Entscheidung des Rechtsstreits in einem besonderen Termin zu verkündigen. Die Urteilspublikation findet schon in den nächsten Tagen statt. ! l-e�rüväet 1867| Grosser Saison-AusverKauf Um mit den noch vorhandenen Beständen der diesjährigen Sommer-Saison zu räumen, haben wir in unseren Verkaufsstellen grosse Posten von Schuhwaren aller Art zusammengestellt, und stellen diese mit einer Ermässigung : Zentrale und Versand:: : Jerusalemer Str. 38-39| • Potsdamer Straße 2; : Tauentzienstraße 19a i : Königstraße 25-26: • Schöneberg, uauptstr. 146: : Rixdori, Bergstr. 25*26\ : Rosenthaler Straße 5: •----- Charlottenburg:-----\ I Wilmersdorier Strasse 45: bis zu. zum vollständigen Ausverkauf. 33/- 3 Prozent Der Verhaut beginnt Donnerstag, den 10. August und findet in nebenstehenden VerKaufsstellen statt Man bittet das Donnerstass'Inserat zu beachten! IUI Theater und Vergnügungen ScMller-Theatef"ViSr Der dunkle Funkt. Lustspiel in 3 Alien d. G. Kadelburg und Rudols Presber. Anfang 8 Uhr. Ende 10 Uhr. Morgen und folgende Tage: ver dunkle Punkt. Theater des Westens. 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Sonntag. 6. August 1911. Mwoch. den 9. Ruguft: Zahlabend in den Bezirken Groß-Berllns. Partei- Hngelegenbeiten. Zur Lokalliste! Am IS. August hält der Gesangverein„Berliner Liederfreunde" ein Konzert in Krolls Etablissement(Zelten) ab und versucht bei organisierten Arbeitern Billett» umzusetzen. Da das Lokal der Arbeiter- schuft nicht zur Verfügung steht, ersuchen wir. die angebotenen Billetts zurückzuweisen._ Die Lokalkommission. Erster Wahlkreis. Sonntag, den 13. August, Ausflug zum„alten freund" nach Pichelswerder. Für Unterhaltung ist bestens gesorgt. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. Treffpunkt 10 Uhr in Pichels- Werder. Zweiter Wahlkreis. Bei der heutigen Wahl durch Ur- abstimniung können die Mitglieder ihr Wahlrecht in irgend einem der folgenden Wahllokale von früh 9 bis nachmittags 1 Uhr ausüben; Niffle, Dennewitzstk. 13; Meyer, Oranien- ftrafec 103; Matz, Bergmannstr. 97; Riebke, Planufer 75; Lindemann, Moritzstr.. 9; Ohnesorge, Markgrafenstr. 102; Keufner, Jorkstr. 61; Reim, Urbanstr. 29; Eicke, Schönlein- stratze 6. Das Mitgliedsbuch ist vorzuzeigen, die Wahl wird darin durch Stempel bescheinigt. Der Vorstand. 4. Wahlkreis. Das Ergebnis der Wahl zum Zentral- vorstand und für die Beschwerdekommission ist folgendes: Für den Aktionsausschutz P. Hoffmann, Pretzkommission M. Sassen, Lokalkommission F. Beiersdorf, Revisor P. Burghardt, Aspiranten P. Böhm, G. Davidsohn, G. Müller, Vertreterin der Frauen A. Fahrenwald, Beschwerdekomniission H. Maasch, E. Paulen, H. Rintorf, R. Rosenthal, M. Schiele, A. Schmidt. Der Lorstand. Charlottenburg. Achtung, Kietz! Die Bezirke 25 und 26 halten am 9. d. MtS. einen gemeinschaftlichen Zahlabend im Lokale des Genosien Fritz Kant, Tegeler Weg 32, ab. In demselben wird Reichstagsabgeordneter Genosse Emil Eichhorn einen Vortrag über:„Die bevorstehende» Wahlen" halten. Alt-Glienickc. An, DienStag, den 8. August, abends S'/z Uhr, findet im Restaurant Rudower Str. 54 die Mitgliederversammlung des hiesigen WahlvereiuS statt. Tagesordnung: 1. Vortrag der Genossin Lungwitz, Berlin. 2. Dislussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Vereinsangelegcnhciten, Verschiedenes. Königs-Wusterhanse», Drutsch-Wustcrhaiiscn und Wildau. Sonn- tag, den 6. August, nachmittags 3'/z Uhr. grotze Volksversammlung im Lokale der Witwe Wedhorn. Tagesordnung:„Die Arbeit der bürgerlichen Parteien und die Stellungnahme der sozialdeinokrati« scheu Fraktion zu den grotzen Gesetzcniwürfen im letzten Reichstag." Referent: Reichstagsabgeordneter Otto Büchner-Berlin. Nach der Versammlung gemütliches Beisammensein. ßerlirnv JMacbricbten» Von den Rabattsparvercincu. Seit dcni Zusammenbruch des Rabattsparvcreius„Norden" sind die Rabattsparvereine in weiten Kreisen des kaufenden Publikums in ein recht ungünstiges Licht geraten. Viele kaufende Hausfrauen haben den wahren Charakter der Nabattsparvereine erkannt und sind durch Schaden klug gc- worden. Sie haben sich als Mitglieder in die Konsum- genosscnschaft einschreiben'lassen und beziehen seitdem ihre Waren aus einer Verkaufsstelle der Konsumgenosseuschaft, wo sie die Garantie haben, reelle Ware und reelles Gewicht zu bekommen, ohne teurer als anderswo zu kaufen und autzer- dem noch die Gewähr, datz ihnen die Rückvergütung sicher ist. Die Nabattsparvereine empfinden das auch recht gut; sie wollen aber gerade ein Gegengewicht bilden gegen die Konsumvereine und die Warenhäuser und deswegen setzen sie alle Hebel in Bewegung, das Rabattsparwcsen auch ferner aufrechtzuerhalten. Einige„Vereine" sind an eine sogenannte„Reform" gegangen, nach der die Leitung von Rabattsparvcreincn nicht mehr in die Hände einer Person gelegt wird, die schalten und walten kann wie sie will, sondern es haben sich eine Anzahl Detaillisten zusanimen- getan, um die Verwaltung der Rabattsparvereine selbst in die Hand zu nehmen und dem Publikum wieder Vertrauen zu dielen Gründungen einzuflötzen. Um aber die Rabattsparvereine sicherer zu stellen, haben die Interessenten sich entschlossen, einen Zusamnienschlutz der Nabattsparvereine Berlins herbeizuführen. Ani 3. August tagten im Gcschäftshause der Handelskammer Vertreter von drei gemeinnützigen Rabattsparvereinen, nämlich des„Vereins vereinigter Geschäftsleute", des Vereins„Hand in Hand" und der„Rabattmarken-Gcwährungs-Genossenschaft «ii- � für Detailbetricbe in Grotz-Bcrlin", um über einen Zusammen- schnitz der Vereine zu beraten. Die Einigung wurde erzielt; es wurde beschlossen, die drei Vereine, die ihre Selbständigkeit im übrigen bewahren, in einen Verband zusammenzufassen. Anderen gemeinnützigen Rabattsparvereinen steht derBeitritt offen. Mit diesem Zusamnienschlutz ist an dem Wesen der Rabatt- sparvereiue nicht das mindeste geändert. Das kaufende Publikum wird durch das Rabattmarkensystcm übervorteilt und getäuscht. Wer das nicht will,» hat keine andere Wahl, als Mitglied der Konsumgenossenschaft zu werden. Und Parteigenossen sollten das um so eher tun, als der Parteitag in Magdeburg den Genossen den Beitritt zu den Kousunigenossenschaftcn besonders empfohlen hat. Das Kostgeld für die Dienstboten, da? zur jetzigen Reisezeit der Gegenstand lebhafter Erörterungen in Hausfrauen- und Dienstbotenkreiscn ist, wurde bekanntlich durch den Polizeipräsidenten vom 1. Juli ab auf 1,60 M. PI» Tag festgesetzt. Diese Verfügung, durch die eine kleine Er- höhung gegen den bisherigen Satz von 1,25 M. bewilligt wurde, tvar die Antwort auf eine Petition, die der Zentral- verband der Hausangestellten— Ortsgruppe Berlin im April beim Polizeipräsidenten eingereicht hatte. Die Haus- frauen, die das Kostgeld gern recht knapp bemessen, waren nicht sehr erbaut von der Neuerung, und der„Lokal-Anzcigcr" gab ihrer Meinung Ausdruck, als er schrieb, datz es schon besser wäre, wenn sich um die Kostgeldfrage niemand kümmere und den Parteien die„freie Vereinbarung" wie bisher über- lassen bleibt. In dieser Aeutzerung liegt zugleich der Gedanke, der allgemein vorherrschte, alö die Verfügung erlassen wurde, datz nämlich der„freien Vereinbarung" nach unten eine feste Grenze gesetzt wäre. Nun geht aber eine Notiz, offenbar vom Polizeipräsidium aus, durch die Presse, die„die große Unklarheit", die im Publikum ivcgen der Kostgeldfrage besteht, beseitigen will. An das Polizeipräsidimu seien verschiedene Anfragen des Kostgeldes wegen gerichtet worden.„Es wird des- halb darauf hingewiesen, datz es Herrschaft und Gesinde durchaus unbenommen ist, eine Vereinbarung über die Höhe des zu zahlende nKo st gelbes zu treffen, und datz nur dann, wenn eine solche Vereinbarung nicht ge- troffen ist und über die Höhe des Kostgeldes Streit entsteht, der von der Polizei nach§ 33 der Gesindcordnung festzu- stellende Kostgeldsatz zur Anwendung kommt."— Wenn diese Auslegung matzgebend ist, dann ist es dringend notwendig, datz alle Dienstboten darüber aufgeklärt werden. welchen gesetzlichen Anspruch auf Kostgeld sie haben, damit sie in Uwvissenheit, in Unkenntnis ihrer Rechte keine ge- ringeren Sätze vereinbaren. Bei allen Gelegenheiten, wenn angestellte Dienstboten für ihre eigene Kost zu sorgen haben, wenn die Herrschaft auf Reisen geht oder bei unberechtigter plötzlicher Entlassung, haben männliche Dienst- boten 1,75 M. und weibliche Dienstboten 1,60 M. als Kost- geld pro Tag zu verlangen.(Bei diesen Sätzen ist 30 Pf. für Wohnung angerechnet.)— Die Hausangestellten, die diese Sähe als Minimum an- gesehen haben, werden sich in dieser Auffassung durch irgend eine Auslegung der besprochenen Verfügung nicht beirren lassen, und wenn sie eine freie Vereinbarung treffen, so kann es sich nur um eine Verbesserung, um eine E r- h ö h u n g dieser Mindestsätze handeln. Vor anderen Verein- barungen mutz gewarnt lvcrden. Hundefreiheit im Tiergarten. Gin Hundebesitzer, der seit 20 Jahren den Tiergarten aufsucht, beklagt sich in einer Zuschrift an die„Vossische Zeitung" über die„Freizügigkeit der Po- l i z c i h u n d e, die ohne Leine frei die Anlagen durck�qucren und beschädigen dürfen und auch die Spaziergänger durch ihr„Baden" und Bespritzen belästigen. Die Hunde der Spaziergänger werden immer gleich notiert, wenn sie ohne Leine oder ruhig im Grase hinter der Ruhebank liegend angetroffen werden. Die Polizei- Hunde können ohne Maulkorb und Leine und wo sie wollen herum- laufen. Eine Beschwerde an die städtische Parkdeputation, die an die königliche Tiergartcn-Vcrwaltung und von dieser an den Poli- zeipräsidcntcn weitergegeben wurde, ist ohne Antwort geblieben.— Ferner erhebt der Einsender Klage gegen den nicht feststehenden Begriff des„Tiergartens".-„Ich benutze"— so schreibt er—„täglich auch das Gartcnufer zu meinen Spaziergängen, habe dort meinen Hund stets frei umherlaufen lassen und diesen erst dann angeleint, nachdem ich die Stadtbahnüberführung passiert hatte, mich also im Tiergarten befand. Kürzlich verlangte nun ein Hunde- fänger von mir 3 M., weil mein Hund dort auf der Straße frei umherlief. Ich sagte ihm, datz er sich wohl im Irrtum befinde, da wir hier noch nicht im Tiergarten seien. Meine Legitimation lehnte er ab, forderte 3 M. und drohte im Falle der Nichtzahlung mit gewaltsamer Fortnahme meines Hundes, den ich am Halsband fest- hielt. Ich machte der Sacke dadurch ein Ende, datz ich diese 3 M. unter Vorbehalt meiner Rechte zahlte. Meine Beschwerde beim Tierdepot wurde zurückgewiesen und mir mitgeteilt, datz der Fang- bcamtc seiner Instruktion gemätz gehandelt habe! Von der könig- lichcn Tiergarten-Verwaltung erhielt ich auf meine Anfrage den Bescheid, datz das Gartenuscr im Tiergarten liege, weil das an- grenzende Hippodrom zum Tiergarten gehöre. Es ist m. E. unbe- dingt nötig, den Begriff„im Tiergarten" zu präzisieren und öffent- lich bekannt zu machen. Der Berliner befindet sich im Tiergarten, wenn er sich in den Anlagen befindet, nicht aber, wenn er eine Zu- fahrtstratze zum Tiergarten benutzt." Eröffnung einer Nenbaustrecke der Strafscnbahn. Die Stratzen- bahn eröffnet am Mittwoch, den L. August, eine Neubaustrecke von der Irrenanstalt Dalldorf durch die Oranienburger Stratze bis zum Nordbahnhof Wittenau. Ueber die neue Strecke wird die Linie 28 verlängert. Im Süden ging diese Linie bisher bis zur Germaniaprcmcnadc in Britz. Sie wird auch hier bis zur Ecke der Chaussee- und Triftstratze in Britz verlängert. Die Fahrzeit für die ganze Strecke beträgt wochentags 92, Sonntags 99 Minuten. Von Britz bis zur Irrenanstalt braucht man wochentags 86, Sonn- tags 84 Minuten; bis West-Rcinickcndorf in der Woche 80, Sonn- tags 76 Minuten. Gleichzeitig wird der südliche Endpunkt der Linie 29 von der Ecke der Chaussee- und Triftstratze nach der Ger- maniapromenade verlegt. Die Linien 28 und 29 ergänzen sich zwischen der Ecke der Müller- und Seestratze und der Germania- Promenade zu einem Betrieb von 7Z4 Minuten. Die Einnahmen der städtischen Strafieubahuen im Juli betrugen 165 682,95 M. gegen 131 244,75 M. im Juli 1910, d. i. eine TageS- einnähme von 5544,61 M. gegen 4233,70 M. im Juli 1910. Es wurde» insgesamt 1785 319 Personen gegen 1426 173 Personen im Vorjahre befördert. Die Anzahl der im Juli gefahrenen Wagen- kilometer(Motorwagen und Anhängewagcn) ist von 241 7Qß deS Vorjahres auf 347 715 gestiegen. Die Einnahme für daS Wagen- kilometer beträgt 47,65 Pf. gegen 54,39 Pf. im Vorjahre. DaS HcilerzichungShcim für psychopathische Kinder, daS die Deutsche Zentrale s ü r Jugendfürsorge in T e in p- I i n i. M. errichtet. wird voraussichtlich zu A n s a n g d e s nächsten JahreS cröffuel werden. Es ist zunächst auSschiietzlich für Knaben im Älter von 6 bis 14 Jahren bestimmt. Schrift- liche Anmeldungen werden im Bureau der Deutschen Zentrale für Jugendsürsorge, Berlin C. 19, Wallitr. 89, schon jetzt enlgegen- genommen. Der Anmeldung ist ein Bericht über den Lebenslauf und die Krankheitserscheinungen de? betreffenden KindeS hinzuzufügen. Ueber die Aufnahme wird dann auf Grund einer ärztliche» Unter- suchnitg. die etwa im Oktober stattfinden dürfte, entschieden werden. Die Kosten werden voraussichtlich 2 M. für den Tag nicht über- steige». In besonderen Fällen ist eine Ermätzigung dieses Betrages möglich, auch sind einzelne Freistellen vorgesehen. Nächtlicher Rcvolvcrkampf zwischen Schnhlentcn und Ein- brcchcrn. Zwei Einbrecher drangen in der vorvergangencn Nacht in das Hans Genthinerstratze 9 ein. Ein Hausbewohner be- merkte jedoch ihr Treiben und verständigte die Polizei. Tie Schutzmänner Hager und Reimann stießen bei dem Absuchen des Hauses auf die beiden Einbrecher, von denen einer mehrere Schüsse auf die Beamten abgab. Der Schutzmann Hager wurde in die linke Brust getroffen. Der andere Beamte nahm einen der Ein- brccher, den 24jährigen wohnungSlosen Händler Willy Bernsee, fest, während dessen Begleiter,„Robert", sich durch einen Schutz in die rechte Schläfe tötete. Der Zustand des Schutzmanns Hager ist recht bedenklich. An Einzelheiten erfahren wir noch: Nachts gegen 1 ühr erwachte die im Hochparterre des Hauses Genthinerstratze 9 wohnhafte Porticrfrau Asmussen durch ein ver- dächtiges Geräusch an der Haustür. Sic öffnete die Tür ihrer Wohnung und sah zwei ihr völlig fremde Personen die Treppen hinaufgehen. Sic vermutete, datz es sich um Einbrecher handele, die der unbeaufsichtigten Wohnung des im zweiten Stockwerk wohnenden und zurzeit auf Reisen sich befindenden Rentier? Oettingerschen Ehepaars einen Besuch zugedacht hatten. Die Frau kleidete sich leicht an, verließ daS Hans, schloß CS ab und benachrichtigte den nächsten SchutzmannSposten von ihrer Wahr- nchmung. Dieser, der Schutzmann Hager, eilte sofort nach seiner Revierwache, um sich seine Schutzwaffe und einen zweiten Be- gleiter zu holen. Mit diesem, dem Schutzmann Reimann, der Portierfrau und einem Wächter begab er sich nach dem Hause. Die Einbrecher hatten das Weggehen der Portierfrau bemerkt: und wußten, datz ein Entkommen nicht mehr möglich sei. Sie beschlossen daher, mit den Beamten einen Kampf aufzunehmen. Kaum hatten diese das HauS und den Treppenaufgang betreten, als ihnen einer der Verbrecher schon zurief:„Halt, oder wir schießen." Den Worten folgte auch gleich die Tat. Nach- einander wurden auf die Untenstehenden sieben Schüsse abgegeben, die durch acht Schüsse der Beamten erwidert wurden. Während die Spitzbuben im Dunkeln standen und ein unsicheres Zie? boten, standen die Beamten im Schein eines Lichtes und konnten sehr gut gesehen werden. Der Erfolg war, daß die Kugeln der Beamten sämtlich fehl gingen, während drei Kugeln der Ver- brecher den Schutzmann Hager trafen. Er brach blutüberströmt und schwerverletzt zusammen. Nach einigen Minuten des Waffenstillstandes, während dessen die Verbrecher wohl eingesehen hatten, datz der Kampf aussichtslos sei, ertönte plötzlich ein Schutz. Einer der Einbrecher, der 27 Jahre alte„Robert", der erst kürzlich das Zuchthaus verlassen hatte, tötete sich durch einen wohlgezicltcn Schutz in den Kopf. Nun ergab sich sein Komplice, für den es doch kein Entrinnen mehr gab, ohne jeden Widerstand, indem er die Hände hoch hielt und die Treppen hinunterkam. Er kannte seinen Komplicen, mit dem er den Einbruch verabredet hatte, nur unter dem Namen„Robert". Gestern mittag erkannte er ihn, als ihm das Bild auf dem Polizeipräsidium vorgelegt wurde, nach diesem sofort wieder. Er will sich an der Schießerei aber nicht beteiligt haben, das sei lediglich das Werk des Robert. Wie später die Polizei feststellte, ist„Robert" identisch mit dem 1884 zu Heincrsdorf bei Licgnitz geborenen Schuhmacher Emil Jacob. Er betrieb früher den Fahrrad-, Kollidiebstahl und dann den Wohnungseinbruch, nicht bloß in Berlin, sondern auch in der Provinz. Am 29. Oktober 1908 wukde er in Potsdam zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 1. Mai 1998 erhielt er in Berlin noch ein Jahr Zusatz. Die Strafe verbützte er im Zucht- Hause zu Sonnenburg; vor 14 Tagen entsprang er dort. 100 Polizribeamte in ZicgruhalS. Eine ungewöhnlich große Streife veranstaltete der Polizeipräsident Wecherer von Rixdorf in der vergangenen Nacht in der Ortschaft ZicgenhalS zwischen Zeuthen und Königs-Wusterhansen. Es bestand die Vermutung, datz in Ziegcnhals auch Juwelen auS den großen Einbrüchen aus der PotS- damer Stratze zu finden sein könnten, nicht minder Teilnehmer an diesen Einbrüchen oder Mitwisser. Auf Veranlassimg des zuständigen AmtSvorsteherS fuhren Freitag spät abends Polizeipräsident Wecherer und Polizeirat Dr. Welsch mit 80Rixdorfcr und 20 Berliner Kriminalbeamten nach Zeuthen hinaus. Von dort aus zog die Kolonne durch den Wald bis in die Nähe der kleinen Ortschaft und hielt sich bis gestern früh verborgen. Dann umzingelte sie die Ortschaft und sah sich alle Insassen genau an. Diejenigen Sommergäste, die der Kriminal- Polizei noch nicht bekannt waren und'sich nicht ausweisen konnten, wurden, so weit sie im Verdacht standen, Beziehungen zu dunklen Persönlichkeiten in der Sommerfrische zu unterhalten, angehalten und nach Berlin mitgenommen, um hier festgestellt zu werden. Gestohlene Brillanten wurden in Ziegenhals nicht gestmden, ebensowenig die Einbrecher auS der Potsdamer Straße. Man glaubte aber dort einen Anhast für den Verbleib eines Teiles der großen Beute gefunden habxn. Brillanten aus der PotS- damcr Stratze sollten sich bei einem Handler in der Friedrichstratze befinden, der niit der Halbwelt Geschäfte macht. Bei einer HanS« suchung fand man denn auch bei diesem Manne einige Brillanten. Sie gehören aber den bestohlenen Juwelieren auS der Potsdamer Stratze nicht. Die Aktion der Rixdorfer Polizei ist eine außergewöhnliche»nd hat großes Aufsehen erregt. Auf Grund welcher Unterlagen ein ganzer Ort mit Polizeibeamtcn umstellt und fast jeder Bewohner an" gehalten wird, ist uns nicht bekannt; Verdachtsgründe allein sollten nicht ausreichend sein, zu einer solch ungewöhnlichen Maßnahme zu greifen. Nach einer anderen Meldung will man in ZicgenhalS Brillanten, die auS dem Diebstahl herrühren, gefunden haben. Ein Znsammenstos» zwischen eincin Geschäftswagen und einem Strahcnlmlinwagcn ereignete sich am Freitag mittag 12 Uhr in HohemSchönhausen. Dort versuchte in der Berliner Stratze ein GeschäslSivagen der Firma Lemke, Berliner Stratze 83, kurz vor einem Motorwagen der Nordöstlichen Berliner Siratzenbahn Hohen- Schönhauscn-Kurzcstratze zu krcuzeic, wurde jedoch erfaßt und so heftig zur Seite geschleudert, daß der Kutscher des Gefährtes. der 27jährige August Karbowskv vom Bocke geschleudert wurde und einen Bruch des Nasenbeins erlitt. Der Verletzte fand im Hohen- Schönhausener Krankenhaus Aufnahme. Ein seltener Fall von tödlicher Blutvergiftung wird auS der Pistoriusstratze in Wcitzcnsce berichtet. Der 40jährige Maschinen- mcistcr Ferdinand Heinrich, PistoriuSstr. 102, wurde auf dem Rück- weg von seiner Arbeitsstätte von einer Mücke gestochen. Er legte der Sache keine Bedeutung bei und als der Einstich zu schmerzen begann, kratzte H. daran herum. Es entstand Blutvergiftung, die von Stunde zu Stunde empfindlicher wurde, bis ein zu Rate ge- zogcncr Arzt schließlich die Einlieserung des Mannes ins Virchow- Krankenhaus anordnete. Jetzt war es aber bereits zu spät. Ob- wohl noch schleunigst eine Operation vorgenommen wurde, starb H, unter großen Qualen. Warnung! In der letzten Zeit sind zahlreiche Personen, besonders Berliner, wegen Rauchens, Anzünden von Streich- hölzern, Wegwerfen von brennenden Zigarren usw. usw. in Strafe genommen worden. Tie Straftaten sollen in Waldungen begangen und nach§ 44 des Feld- und Forstpolizcigesetzes verwirkt sein. Wie wir hören, sollen die betreffenden Beamten angewiesen sesn, jede Zuwiderhandlung unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen. Es ist also größte Vorsicht geboten. Im Grunewald erschossen hat sich ein unbekannter, etwa 20jäh- riger Mensch. Der Lebensmüde jagte sich in der Nähe des Bahnhofs Grunewald eine Ncvolverkugcl in den Mund. Der Tod scheint erst einige Zeit später eingetreten zu sein, denn aus der Lage der Leiche geht hervor, datz sich der Selbstmörder noch vorher ein Stück Wegs fortgeschleppt hat und dann zusammengebrochen ist. Der Tote ist zweifetlos ein junger Berliner. Er trug einen graugejtreiften Jackett. «mzug, braune Strümpfe, schtvarze Schnürstiefel und Weißen Stroh» Hut. Die Leiche wurde nach der Halle des Selbstmörderfriedhofes in Schildhorn gebracht. Beim Baden ertrunken. Im Oderberger See ertrank gestern die ILjährige Tochter des Arbeiters Wachholz aus Berlin. Das Mädchen hatte gemeinsam mit einer älteren Freundin ein Bad ge- nommen und sich dabei zu weit in das Gewässer hineingewagt. Plötzlich verließen die Schülerin die Kräfte und mit einem lauten Aus- schrei sank die W. vor den Augen der bereits am Ufer befindlichen Freundin in die Tiefe.— Ein Opfer des Badesports ist auch der Lbjährige Bahnarbeiter Kruse aus Neu-Lözow geworden, der ein Bad nahm. Der junge Mann wurde, als er weit in den See hin- eingeschwommen war, von einem Wadenkrampf befallen und ging unter, che ihm Hilfe gebracht werden konnte.— Die zurzeit in Hirschgarten auf Sommerwohnung weilende Familie Aroir heim aus Berlin hatte vor fünf Tagen ein aus Görlitz gebürtiges ISjähriges Mädchen in Stellung genommen. Gestern nachmittag ging das Mädchen mit dem achtjährigen Kinde der Familie baden. Im Wasser riß sich das Kind plötzlich vor Angst von dem Mädchen los. Dieses verlor das Gleichgewicht und fiel ins Wasser, wo es sofort versank. Während das Kind gerettet werden konnte, er- trank das Mädchen. Die Leiche konnte trotz eifrigen Suchens noch nicht gefunden werden. Betriebsunfall. Gestern vormittag quetschte sich der Stanzer Roggcr lStanzerei Brose) einen Finger der linken und zwei Finger der rechten Hand gequetscht. Vom diensthabenden Heilgehilfen wurde die erste Hilfe geleistet, worauf der Verletzte' nach dem Virchow-Krankenhause gebracht wurde. Brrschwuodrn ist seil dem 31. Juli vom Spielplatz zu Treptow der geistesschwache Knabe Willi Bolkmann, 17. Oktober 1301 in Berlin geboren, HauSburgstr. 7 bei den Eltern wohnhaft gewesen. Er ist 1,10 Meter groß, hat kurzes blondes Haar, kleine Stumpfnase und kann fast gar nicht sprechen. Bekleidet war er mit grauer Joppe, brauner Maitchesterhose, weißem Hemd und war barfuß. Er soll von zwei Frauen in Johannistal gesehen worden sein. Personen, die über den Verbleib des Vermißten irgend welche Angaben machen können, werden gebeten, ihre Wahrnehmungen der Kriminalpolizei oder einem Polizeirevier mündlich oder schriftlich zu den Akten 8402 IV. 55. 11 mitzuteilen. Bei dem Kellncrstreik bei Happoldt wurde, wie wir vor einiger Zeit mitteilten, ein Gewcrtschaftsangestellter bei Verteilung von Flugblättern von einigen Gästen mißhandelt, wobei dem Angestellten Kneifer und Hut ruiniert wurden. Als einer der Hauptbeieiliglen wurde mit vieler Mühe der Buchdruckereibesitzer Georg Klemm, Hasenheide 77, festgestellt. Zwecks Feststellung des HaupttäterS wollte der Angestellte die Histe der Polizei in Anspruch nehmen. Dieie aber versagte. Die wiederholt au Schutzleute gerichtete Auf« fordcrung zur Feststellung de» Angreifers stihrte ichließlich dazu, den Angestellten selber in der Jahnstraße zu verhaften und nach der Wache zwecks Feststellung seiner Person zu bringen. Wegen dieser Behandlung hat der Angestellte eine Beschwerde an das Polizeipräsidlinn eingereicht, in der das Verhalten der Beamten geschildert und Genugtuung verlangt wird. Anstatt dem Beschwerde- führer zu antworten, hat der Polizeipräsident den Spieß umgedreht und den Gelverkschaftsbeamten eine Verfügung zugeschickt, die ans B0 M. lautet. Der so Bedachte wird beschuldigt, am 22. Juli, abends gegen 1(1'/, Uhr, in der Jahnstraße vor dem Hause g laut geschimpft zu haben, daß die öffentliche Ruhe dadurch gestört worden fei. Gegen diese Verfügung ist gerichtliche Entscheidung beantragt worden. Zeugen, die den Vorgang in der Jahnstraße beobachtet haben, werde» um Angabe ihrer Adressen an A. Behr, KrauSnick straße 11, III recht«, gebeten. Wegen einer Gasexplosion in dem Eckhause Forster Str. 58 und der Wiener Str. 33a wurde am Sonnabend die Feuerwehr alarmiert. Dort war in einer Küche der Schlauch einer Gasleitung undicht ge- worden, so daß unbemerkt GaS ausströmen konnte. Dieses ent- zündete sich, wobei ein Arbeiter, ein Knabe und ein Mädchen Ber letzniigen erlitten. Alle drei«mißten ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Die für da? Postamt 36 entstandene Gefahr konnte von der Feuerwehr bald beseitigt werdcn. Fenster und Schaldecken waren beschädigt worden. Gesperrt. Die Straße Am KönigSgraben von der Alexander» straße bis zur Panoramastraße wird wegen Pflastcrarbcilen vom 7. bis IL. d. M. für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. gelaugt war. ging man daran, die zweite van! eben dorthin zu Ks- fördern. AIS jedoch mehrere Arbeiter, darunter der Werkführer Fr. Schneider dabei waren, den etwa 15— 20 Zentner schweren Gegenstand vom Fahrstuhl herunter zu transportieren, fiel zum Ent» setzen der aus den Nachbarhäusern dem Transport Zusehenden derselbe aus der zweiten Etage vom Fahrstuhl krachend in den Hof hinab und ritz den Werkführer mit in die Tiefe. Mit einem doppelten Schädelbruch wurde er mit dem Rettungswagen nach dem Schöneberger Krankenhaus übergeführt. Vorort- Z�aclmcKten. Charkottenbur,;. Ein dreister Einbnichsdirvstahl wurde Freitagnachmittag zwischen '/,5— S Uhr bei dem Kassierer des Deutschen Bauarbeiterverbandes, Genossen Olto Lehmann, verübt. Die Einbrecher öffneten, als sich Frau Lehmann aus der Wohnung eiilserni halte, mittels Nach- fchlüfsel die Korridorlür, erbrackieu die Stubenlür und öffneten dann in der Wohliimg alle Schränkeund Behälter und verstreuten deren In- halt in der Wohnung. Alle Verbandspapiere und Marken waren au§ dem Schrank herausgeworfen. Zum Glück find den Spitzbuben die am Abend zuvor tasjierren VerhandSgelder nicht in die Hände gefallen, denn auf etwas anderes scheinen eS die Diebe nicht ab- gesehen zu haben. Ilm nun nicht ganz>mit leeren Hände» ab- zugehen, uahmeu sie eine Taschenuhr und Kette und verschwanden damit. Nixdorf. Ein entsetzliches Branbunglück, bei dem drei Kinder schwer verletzt wurden, ereignete sich gestern in der dritten Nachmittags- stunde in dem Hause Warthestraße 70. Dort wollte das zwölf Jahre alte Mädchen der PortierSftau schulze, während diese die Treppe reinigte, in der Küche der im Parterre gelegenen Wohnung Aufwaschlvasser wärmen und zu diesem Zwecke den Spirituskocher anzünden. Hierbei kam das Kind der offenen Spiritusflasche mit dem brennenden Streichholz zu nahe, die Flasche explodierte, und im nächsten Augenblick stand das Mädchen in Flammen. Das Kind sprang in seiner Verzweiflung aus dem Fenster in den Hof hinab, wo ein Schlächtergeselle einen Eimer Wasser, den er gerade in der Hand hielt, über das Kind ausschüttete und so die Flammen löschte. Das Kind war inzwischen bewußtlos geworden. Seine beiden Geschwister, die sich noch in der Küche befanden, waren ebenfalls in Brand geraten. Herbeieilende Hausbewohner löschten die brennenden Kleider. Alle drei Kinder sind so sckfivcr verletzt, daß sie kaum mit dem Leben davonkommen dürften. Sie wurden nach dem Krankenhaus am Urban ge- schafft. Auch ein viertes Kind, ein sechsjähriger Knabe, hat leichte Verletzungen davongetragen. Aus der Magistratsfitzmig. Von der endgültigen Festsetzung des städtischen Polizeikostcnanteils für das Rechnungsjahr 1910 nimmt der Magistrat Kenntnis. Die durch die Mehrforderung veranlaßte Etatsüberichreitung wird genehmigt und soll bei Gelegenheit der Eainmelvorlage der Stadtverordnetenversammlung unterbreitet werden. Die Festsetzung soll im Klagewege angefochten werde».— Die Ausfübrung der Erdarbeiten für die Straße 204a zwischen Nene JonaSstraße und Schierkestratze, der Neuen Jonasstrabe zwischen Selke- und Jlsestraße und der Selkestraße zwischen Neue Jonas- und Thomasstraße wird genehmigt.— Der Zeichnung von 200000 Marl vierproz. Kommunalobligationen der Preußischen Zentral« Bodenkredit-Aktiengesellschaft. Berlin, zum Kurse von 100,60 8».««8 verfügbaren Mitteln der Stadthauptkasse wird zugestimmt. Schönebcrg. Ei» gräßlicher Anblick bot sich am Donnerstag nachmltlag V«* Uhr den Bewohnern der Hinterhäuser der Bahn- und Helm- straße in Schöneberg dar. Im zweiten Hof in der Hauptstraße wurden auf einem Fahrstuhl zwei Drehbänke nach der zweiten Etage befördert. Nachdem die erste Bank an ihrem Bestimmungsort an» Den Bock zum Gärtner gemacht. Ein empfehlenswerter Wächter ist von der Steglitzer Kriminalpolizei verhaftet worden. Seit einigen Wochen wurden auf Neubauten fortwährend Bleirohr- und andere Matcrialiendiebstähle verübt, so daß eS den Eindruck machte, als ob eine gewerbsmäßige Bande ihre Hand im Spiele habe. Es gelang der Polizei jetzt auch, die Ucbeltäter, drei an der Zahl, zu ermitteln und festzunehmen. Gleichzeitig erfolgte auch die Verhaftung eines Wächters, der auf Neubauten„Wache" hielt und den Dieben bei den Einbrüchen behilflich war. Auch bei dein „Verschieben" der Beute half der Wächter fleißig mit. Die ganze Bande wurde dem Moabiter Untersuchungsgefängnis zugeführt. Petershagen bei Fredersdorf. Aus der Gemeindevertretung. In der am 3. d. M. statt- gefundenen Gemeindevertreterfitzung stand zunächst die Pflasterung des Eggersdorfer Wege», von der Dorfstraße bis zur NüderSdorfer Bahn, auf Tagesordnung. Der übrige Teil der Straße bis zum Giebelpfuhl hat anscheinend für einige Personen weniger Interesse, obwohl gerade hier ein großer Teil der Anlieger bereit ist, die Pflasterkosten zu zahlen, was bei der ersten Strecke nicht gesagt werden kann. Der Antrag wurde bis zur nächsten Sitzung verlagt. da inzwischen vom Landrat dieserhalb eine Einladung an den Gc- meindevorsteher ergangen war und das Nähere abgewartet werden soll. Der Antrag beweffend Umwandlung deS nördlich der Bahn gelegenen WieiengelSiides in einen Park wurde wiederholt ab gelehnt. Beschlossen wurde, eine Anleihe in Höhe von 30 000 M. aufzunehmen. Hiervon sollen verwandt werden für den Schulhaus bau 24 000 und für Fertigpflastermig des Bruchmühlenweges 6000 M Ein Antrag. Errichtung einer Diakonissenstation sowie Errichtung einer gewerblichen Fortbildungsschule, wurde vertagt. Versammlungen. Huö cler frauenbeivegung. Rassedamen. Das„Berliner Tageblatt" vom 28. Juli veröffentlichte einen Artikel, in dem es nachweist, von welcher ungeheuren Wichtigkeit die Ovambo als Arbeiter und Arbeiterinnen in Südwestafrika in Betracht kommen. Es gehe das aus den amtlicherfeits veröffcnv lichten Zusammenstellungen über die Ab- und Zuwande- rung von Ovamboarbeitern im April hervor. Diese Art Sachsengänaerei würde durch die Ovambohäupb linge hoffentlich bald noch mehr gefördert werden, wünscht das kolonialfreundliche„Berliner Tageblat". Da allenthalben der Be- darf an Arbeitern in der Kolonie noch groß fei, so könne mit Leichtigkeit die doppelte Anzahl Beschäftigung finden. Fragt sich nur. wie mit diesen eingeborenen Arbeitern und Ar- beiterinnen umgesprungen wird? Ein interessantes Schlaglicht wirft eine kleine Mitteilung dar- auf, die unter den kolonialen Neuigkeiten des Organs des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft:„Kolonie und Heimat" veröffentlicht wird. Der Artikel trägt die Heber "cheift:„Rassen st andpunkt" und lautet: „Von Lüderitzbucht wird den„D. A. N." geschrieben:„Hier wurde vor dem Bezirksgericht ein Urteil gefällt, das mit seinem Drum und Dran die größte Erregung in Lüderitzbucht hervor gerufen hat.— Ein aufsässiger Ovambo wurde von seinem Auf "eher mit einem Schlag bestraft. Der Schwarze setzte sich zur Wehr und schlug und bedrohte den Aufseher mit einer Siebstützc. Dieser rief um Hilfe. Drei Diamantensortierer eilten herbei, befreiten den Aufseher und verprügelten den Ovambo. Sie mögen darin etwas zu weit gegangen sein. Dies selbst zugegeben, er- 'cheint das Urteil ungewöhnlich: Der Aufseher 6 Monate Gefäng niS, die Sortierer 600, 400 und 100 M. Geldstrafe. Aber dann das Sonderbarste: Der Richter, der allerdings erst wenige Monate im Schutzgebiete weilt, ließ nach Verkündigung des Urteils den Ovambo hereinrufen und ihm durch einen Dolmetscher daS Urteil mit teilen.(Hört! hört!) Daß der Ovambo, der auch geschlagen hat, bestraft wurde, ist bisher nicht bekannt geworden.— Wers nicht ühlt. wie durch diese Art der Rechtsprechung die Unbotmäßigkeit und Aufsässigkeit der Eingeborenen systematisch gezüchtet wird, der wird es nie begreifen. Wie die Bedeutung und Kraft deS deutschen Heeres zum großen Teil in seiner unnachahmlichen Disziplin be gründet ist, so auch die wirtschaftliche und nationale Bedeutung der Kolonien im scharfen Rasse st andpunkt e. Wer ihn untergräbt, gräbt den Kolonien das Grab."— Soweit die Mitteilung. Di« Redakrion des Frauenbundes fügt noch hinzu: Die Richtigkeit der Tatsachen vorausgesetzt, kann man dem nur zustimmen." Mit anderen Worten. Diese zarten hochgeborenen Frauenseelen des kolonialen Frauenbundes, die den Mund immer so ungeheuer voll davon nehmen, wie wichtig es sei. den Heid »ischen Eingeborenen den Segen eines edlen Christentums zu bringen, ärgern sich, daß ein gerecht empfindender Richter einen armen hilflosen Ovambo in Schutz nimmt, der, dem Urteil nach, wahrscheinlich von einem rabiaten Aufseher durch Haue zum Widerstand gebracht, diesen Aufseher seine durch gerechte Wut gc teigertcn Körperkräfte fühlen läßt. Ter Aufseher schreit um Hilfe und nun fallen sie zu vier über den einen Ovambo her. So gar der Bericht des Frauenblatts sagt:„sie mögen darin etwas zu weit gegangen sein". Wie mag der arme Teufel dann wohl nach der Katastrophe ausgeschaut haben? Ob er eine Glieder überhaupt wieder heil bekommen? Ob er Krüppel geblieben? Darüber sagt der Bericht des Frauenblattcs nichts. Aber die Höhe der Strafe läßt Böses vermuten. Und nun d?r Richter, von dem allerdings entschuldigend hinzugefügt wird, daß er er st wenige Monate im Schutzgebiete weile. Der Richter begeht das Verbrechen, dem klagenden Ovambo durch einen Dolmetscher das Urteil mitteilen zu lassen. Ja, war das denn nicht des Richters Pflicht? Durfte der arme Ovamboarbeiter denn nicht wissen, daß seine schweren Leiden eine Sühne gefunden hatten? Sollte die Geschichte heimlich, wie unter dem Mantel der Inquisition erledigt werdcn? Sollte der heilige Christenglaube des Ovambo. hier auf Erden erschütternd erprobt, erst im Jenseits Ver- geltung antreffen? Und das schreibt ein Frauen blatt, ein deutsches Frauenblatt!! Arbeiterinnen aller Länder, vereinigt euch, ehart euch um die rote Fahne des Sozialismus, vermehrt durch eure Hilfe, besonders jetzt bei den bevorstehenden Wahlen, die Kräfte des völkcrbefreienden internationalen Sozialismus. Nur er wird diesen degenerierten Zuständen ein Ende bereiten. Und alle die bürgerlichen Frauengruppen verfolgen nur egoistische, elbftsüchtige Klasseninteressen und, wie obiges Beispiel zeigt, jämmerliche Rasseninteresssenl Kontrolleurin der Kinderschutzkoinmission für den 5. Wahlkreis die Genossin Holzapfel. GrcifSwaldcr Straße 45 IV. Sprech- stunden: Freitags von 8 bis 10 Uhr abends.— Kontrolleurin für Britz ist die Genossin Studt, Germania-Promenade 20. Versammlungen— Veranstaltungen. Sechster Wahlkreis. Fünfte Abteilung. Tiensiag. den 8. August, Ausflug nach Schulzendorf. Treffpunkt früh 9)4 Uhr, Bahnhof Gesundbrunnen. Abfahrt 9 Uhr 54 Minuten nach Herms- dorf, von dort nach Schulzendorf. Lokal Hubertus, Inhaber Mosch, gleich so her Mhn- Lür Nachzügler hortselbst, ist Maßregelung im Birchow-KrankenhauS. Das Betriebs-, Haus- und Pflegepersonal des Virchow« Krankenhauses nahm am Freitag in den Pharussälen, Müller- straße. zu der Entlassung des Arbeiterausschußob- mannes Baude Stellung. Schulz, der Vertreter des Ge- meindcardeitcrverbandes, berichtete: Der Entlassene war vier Jahre lang als Schlosser im Virchow-Krankenhaus tätig, und an seinen Leistungen hatte man nicht das geringste auszusetzen, wie auch sein Abgangszeugnis beweist. Er war in seiner fre-en Zeit bestrebt, die Organisation zu fördern und wurde auch zum Obmann des Arbej- terausschusses gewählt. Das hat aber offenbar den Vorgesetzten sehr mißfallen, man �ersuchte das Emporkommen der Organisation im Betrieb zu verhindern. Der Stadtverordnete Dr. Weyl bemerkte in einer Verlvaltungsdeputationssitzring, er habe in dieser Sitzung den Eindruck gewonnen, daß man Baude entlassen werde, wenn er sich nicht vorsehe. Am 14. Juni kam eS dann zu Differenzen zwi- scheu Baude und dem Maschinenmeister Herford. Darauf erhielt Baude von dem Geheimrat Ohlmüller wegen ArbeitSvernachlässi-- gung und wegen seines Verhaltens gegenüber Herford einen Ver- weis. Baude protestierte dagegen und wurde darauf gekündigt. Von den 54 im Krankenhaus beschäftigten Handwerkern richteten 53 ein mit ihren Unterschriften versehenes Gesuch an die Direktion, die Kündigung zurückzunehmen. Es hatte aber keinen Erfolg. Baude wurde am 22. Juli entlassen. In einem Schreiben, das Baude nachträglich, am 4. August, zur Rechtfertigung der Kündi- gung erhielt, heißt eS: „Ihre Beschwerde über die Kündigung kann nicht als be- gründet erachtet werden. Es kommt einmal in Betracht, daß Sie auf den nach Lage der Sache berechtigten Verweis Ihres Vor- gesetzten, des Herrn Gcheimrat Ohlmüller, diesem erwidert haben. Sie lehnen den Verweis ab. Das ist ungehörig und würde allein Ihre Kündigung begründen. ES stand Ihnen gegen den Ver- weis allein die Beschwerde an uns zu. Ihre Zugehörigkeit zu einer gewerkschaftlichen Organisation kommt für unS bei der Be- urteilung der Sache und auch sonst in keiner Hinsicht in Be- tracht." Wie man sieht, will die Direktion den Arbeitern und Angestell- ten gegenüber ein rein militärisches Regiment durchführen. Man hatte seitens der Vertreter des Personals und der Organisation angeregt, statt der Entlassung eine Versetzung nach einem anderen Krankenhaus und einen Austausch der Arbeitskräfte eintreten zu lassen, wie es schon früher einmal bei Differenzen einzelner An- gestellter mit ihren Vorgesetzten zur Zufriedenheit beider Teile ge- macht wurde, aber auch dieser Vorschlag fand keinen Beifall bei der Direktion.— Nach einer regen Diskussion nahm die Versammlung einstimmig folgende Resolution an: „Das zahlreich versammelte Personal deS Virchow�ranken- Hauses erklärt, daß die Entlassung des Kollegen Baude nur als eine Maßregelung anzusehen ist. Seine Tätigkeit für die AuS- breitung der gewerkschaftlichen Organisation ist die eigentliche Ursache der Entlassung. Die Versammlung erhebt einstimmig Protest dagegen, daß das dem Personal zustehende KoalitionS- recht in der Praxis auf so hinterhältige Weise bekämpft wird. In der Gewißheit, daß eine starke gewerkschaftliche Organisation die beste Waffe gegenüber allen derartigen Maßregelungsversuchen ist, fordert die Versammlung alle Kollegen und Kolleginnen auf, sich ihrer gewerkschaftlichen Organisation anzuschließen.* Arbeiter, Samariter-Rolonne Gross- verlin. Am Montag, de» 7. August, abends S Uhr, Dresdener Str. 45: Lehrabend. Gäste will. kommen. Neue Mitglieder zu dem Ansang September beginnenden neue» LehrkursuS können schon jetzt eintreten. Hilfskassc der Graveure, Ziseleure und dertvandten BerufSgenossen in Berlin tagt jeden 1. Montag im Monat Restaurant Braunett, Luisen» user 1, abends 3—10 Uhr. Hiid aller Melt. Das große Clünder. AuS München wird uns geschrieben: Irgendwo in Bah er n, dort wo es recht dunkel ist— sagen wir in D-hofen-» herrschte fieberhafte Erregung. Mit der großen Herrgottsfigur übet dem Altar in der Kirche trar es nicht geheuer. Schon seit einiger Zeit hatte man eigentümliche Veränderungen daran zu bemerken geglaubt; schien es doch, daß der Christusbart— es ist ein echter, aus richtigem Menschenhaar— immer länger und länger würde. Schließlich konnte kein Zweifel mehr obwalten: der Bart wuchs in der Tat. Ein Wunder! ein Wunder! raunte man ein- ander zu und: in T-hofcn geschieht ein Wunder! hieß es bald in der ganzen Gegend. Schon sah man im Geiste X-Hofen als weit» berühmten Wallfahrtsort, zu dem Tausende und Abertausende an- dächtiger Pilger strömten. PilgerhotelS, Basare standen in der Phantasie an Stelle der bescheidenen Bauernhäuschen und die schlich. ten S-Hofcner fühlten sich bereits als wohlhabende Villenbesitzer. Aber nun fehlte noch einS: die Welt da draußen mußte davon er- fahren. Wie konnte das besser und wirksamer geschehen als durch da» bayerische Weltblatt, den.Hochberühmten"„Altöttinger Liebfrauenboten*. Eine Jungfrau des Dorfes— Mathilde ist ihr Name— die mit der hohen Kunst des Schreibens am besten vertraut ist, setzte sich hin und schrieb an„H o ch w ü r d e n". den Herrn Redakteur dieses Blattei, einen schönen Gruß von ihrer Gemeinde, und sie hätten in X.Hofen jetzt auch ein Wunder, einen Herrgott, dem der Bart wachst, und der Herr Pfarrer möchte doch so freundlich sein und das in sein Blatt setzen. Mit größter Spannung warteten die X-hofcner auf den nächsten.Liebfrauen- boten". Endlich kam er an. Man fliegt ihn durch— da. halt, in der Plauderecke de* Redaktion, da steht waS:„Mathilde" ist eS überschrieben. Das muß es sein. MathildenS Blicke leuchten. Sie sieht sich zum erstenmal gedruckt. Es flimmert ihr vor den Augen, und nur langsam vermag sie vorzulesen, was da steht: „Wenn dem großen Herrgott in Eurer Kirche der Bart wächst, so brauchen Sie dahinter nichts Wunderbares zu suchen. Haare wachsen leicht fort, wenn sie irgendwo Feuchtigkeit finden, wie das in der Kirche der Fall ist. Solche Barthaare find meistens hingeleimt und haben dadurch fruchtbaren Boden. Denken Sie mich an die Totenmasken, welche von berühmten Personen ab- genommen worden. Die dabei in die Gipsmasse einklebenden Kopfhaare wuchern darin üppig fort, weil eben Gips immer Feuchtigkeit anzieht." Kraftlos läßt Mathilde das Blatt fallen. Alles ist sprachlos. Endlich faßt sich Mathilde und steht auf.„Und es ist doch a Won- der!"„Ja, es is doch a Wurrder!" rufen die Bauern.„Der Holzhauser-Bogl iS a Modernist I I fahr' na RcgenSburg und de- nunzier' ihn beim Herrn Bischof!" ruft einer aus der Menge. Der Holzhauser-Vogl. damit meint er den geistlick>cn Redakteur deS WallfahrerblatteS. Der Bürgermeister erhebt sich, schlägt mit der Faust auf den Tisch:„Und l geh' zum Orter er, der wo in Minka regiert!" Und wenn da« nicht hilft, dann wollen die X-Hofener bei der ReichStagswahl zum Protest alle miteinander rote Stimm« z e t t e l in die Urne legen._ Einsturz einer spanischen Festung. Nach einem Telegramm aus Valencia ist gestern ein Teil der alten Festung Vunol eingestürzt und begrub dreißig Häuser unter sich. Neun Personen wurden ge» tötet, zahlreiche verletzt, darunter eine Anzahl schwer. Ein Sonderzug ist zur Hilfeleistung an den Ort der Katastrophe abgegangen._ Ein neuer Flug London— Paris. Der bekannte Sieger de» Wettflug«» Paris— Madrid. V ö» d r i n e». hat am Freitag eine» bemerkenswerten Flug von London nach Paris auSgefiihrt. Er flog am frühen Morgen von London ab / und üktrquerte von Folkestone aus nach Boulogne den Kanal, um nach einem längeren Uebermeerflug die Küste entlang in D i e p p e eine Zwischenlandung vorzunehmen. Er hatte eine Strecke von 300 Kilometer durchflogen, wovon er 120 Kilometer über dem Meere zurücklegte. Nach Absolvierung einiger Schauflüge setzte er am Spätnachmittage seinen Flug nach Paris fort, wo er abends glücklich ankam. VedrincS hat damit an einem Tage eine Strecke von 470 Kilometer zurückgelegt, und zwar die letzte Strecke nach Paris, die 170 Kilometer beträgt, in einer Zeit von 1 Stunde 20 Minuten. Der Moranepilot VedrineS hat damit eine neue glänzende Leistung vollbracht, die um so höher zu veranschlagen ist, als dieser Flieger in der letzten Zeit sich an einer ganzen Reihe von Wett- und Schauflügen beteiligt hat. Große Ueberschwemmungen in Nikaragua. Nach einem Telegramm aus Nikaragua sind die Ueberschwemmungen zwischen der Küste und dem Innern die bedeutendsten, die seit 15 Jahren zu der- zeichnen waren. Nach bisherigen Meldungen sind 50 Personen in den Fluten umgekommen. Die Stadt R a m a steht vollständig unter Wasser. Da die Telegraphen- stanzen von den Fluten fortgerissen wurden, ist die Ver- bindung im Lande vollständig unterbrochen. „Die Ueberwinder des Sumpfes." AuZ T h o r n wird uns von einem Augenzeugen ein heiteres Zensur st ückchen mitgeteilt, daS sich in einer nahen russischen Grenz st ation zugetragen hat und daS so recht zeigt, wie in Ruhland verbotene Bücher.konfisziert" werden. Ein Moskauer Kommissionär hatte eine grotze Anzahl Bestellungen auf ein angeblich von einem deutschen Universitälsprofessor verfaßtes, in einem Berliner Verlage er- fchieneneS und in Ruhland verbotenes Buch:.Die Ueberwinder deS TodeS' erhalten. Um das Buch über die russische Grenze zu schaffen, lieh der Kommissionär die Titels eite entfernen und ein an d eres Titelblatt mit folgendem Ausdruck herstellen:„Die Ueberwinder deS SumpfeS". Militärische Vorschläge zur strategischen Ueberwindung deS zwischen den Generalgouvernements Wilna und Kiew liegenden Sumpfgebietes des Pripjet. Autorisierte Uebersetzung aus der amtlichen Militärzeitung.Ruhki Invalid". Die russische Kontrollbehörde, an solche Umtaufen gewöhnt, entdeckte jedoch den Schwindel, kon- fiSzierte die Ballen und lieh sämtliche Bücher auf echt russische Art vernichten durch Unterbeanite, die die Bücher Stück für Stück zu einem Rubel an das Publikum.abgaben". ES war ein lustiger Anblick: überall, im Speisewagen, im BahnhofSrestaurant und auf den Perrons lasen Hunderte von Menschen mit neugierigem Eifer das„verbotene" Buch„D i e U e b e r- winder des Sumpfes"._ Ungarischer Parlamentarismus. In der Donnerstagsitzung des obstruierten ungarischen Abgeordnetenhauses ereignete sich folgende? kurze ritter- Zwiegespräch liche 8 Ab bg. PozSgay: Leg Deinen Kopf als Spucknapf hin! Abg. Pal: Unverschämtes Schwein» Dann versäbelten sich die Herren. Ucberflüssig zu bemerken, daß dieses Parlament gänzlich fozia- listenfrei und höchst patriotisch-national ist. Kleine Notizen. Der ungeheure Waldbrand im Eisacktal hat, einem Telegramm aus Innsbruck zufolge, am Sonnabend bei heftigem Stunn seinen Höhepunkt erreicht. Die Flammen drangen zeitweise bis unmittelbar an die Ortschaften heran. In den Morgenstunden lieh der Wind nach. DaS Feuer konnte auf die Waldbestände an der Berglehne beschränkt werden. Etwa S000 Hektar wurden ver- nichtet. Wenn nicht neuerdings Sturmwind eintritt, kann der Riesenbrand als lokalisiert angesehen werden. da die benachbarten Wälder durch tiefe Schluchten und Wasserläufe vom Feuerherd getrennt sind. Der bisherige Schaden wird aus eine bis l'h Millionen Kronen geschätzt. Neun Knaben beim Baden ertrunken. AuS Mailand wird gemeldet: Als gestern neun Knaben in der Nähe der Stadt Stradella im Po badeten, gerieten sie in die Strömung und ertranken sämtlich, ehe ihnen Hilfe gebracht werden konnte. Ein Attentat. In die Parterrewohnmig des Grubenhäuers Krzitza in Brynow bei Kattowitz warfen zwei Feinde des Krzitza eine Dynamitpatrone, durch deren Explosion zwei Kinder des Krzitza im Alter von S und 11 Jahren sehr schwer ver- letzt wurden. DaS Mobiliar wurde zum größten Teil zerstört. daS Haus selbst stark beschädigt. Was die Tränen einer Frau vermögen. Einen außerordentlichen Erfolg hatten nach einem New Jorker Telegramm die Tränen der jungen und hübschen Frau L a n g l e y, die sich vor Gericht wegen M ord e S an ihrem Gatten zu verantworten hatte. Unter Tränen erklärte sie, daß sie von ihrem Mann schlecht behandelt worden wäre, trotzdem sie ihm nie Anlaß dazu gegeben hätte. In einem Anfall von Verzweiflung habe sie die unselige Tat begangen. Es gelang ihr, die Richter von der Wahrheit ihrer Worte zu über' zeugen, und sie wurde von der Jury freigesprochen. Aus dem Operationstisch ermordet. In einer Klinik zu Charleroi tötete ein Mann seine Geliebte, die sich einer Operation unterzog und beging darauf Selbstmord. Die Zahl der Verbrechen, die in den letzten Tagen verübt wurde, wird größten- teils der Hitze zugeschrieben. Metropol- Theater. Täglich: Hoheit aniusierlsich.(Ansang 8 Ulm) Folies Caprice. Täglich: Drei Frauenhüte. Sie ,st eine Ausnahme Anfang 8'/, Uhr.)_ Herrrnfeld- Theater. Täglich: Das Kind der Firma. Schmerz- lose Behandlung.(Anfang 8 Uhr.).... Berliner Prater-Theatcr. Bis aus weiteres täglich: Die drei Grazien.(Ansang 71/, Uhr.) Boigt-Theater. Täglich: Der Aktienbudiker...... Apollo-Tbeater. Täglich: Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Passage- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Tag- I: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Täglich: Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Steichöhallcn-Theater. Täglich: Slcttiner Sänger.(Ansang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr.),„.. m, Kaiser-Panorama. Neu: Wanderung im Harz. Letzte Woche. Dolomiten., Earl-Haverland-Theater. Täglich: Ein hastiger Junge.(Ansang VI, Uhr.) Luisen-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Glöckner von Notre Dame. Abends bis Sonnabend: Der Siebente. Nächsten Sonn- tag: Unbestimmt. Montag: Der Siebente.(Ansang 8H, Uhr.) Urania« Theater, Taubenstr 48/S9. Sonntag: Die Insel Rügen. Montag: Helgoland im Wechsel der Zeit. Dienstag: In den Dolomiten. Mittwoch: Helgoland im Wechsel der Zeit. Donnerstag: In den Dolomiten. Freitag: Helgoland im Wechsel der Zeit. Sonnabend: In den Dolomiten. Sonntag: Helgoland im Wechsel der Zeit. Montag: Unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte, Jnvalidenstr. 87—32. Mocden-Spielplan der Berliner Cheater. (Ansang Neue« königliches Opernthcater. Sonntag: Die Meistersinger von Nürnberg. Montag: Lohengrin.(Ansang 8 Udr.) Dienstag: Das Zlheingold.(Ansang 3 Uhr.) Mittwoch: Die Wallüre. Donnerstag: Tannhäuser.(Ansang 8 Uhr.) Freitag: Siegsricd. Sonnabend: Unbestimmt. Sonntag: Lohengrin.(Ansang ö Uhr.) Montag: Götterdämmerung. "' 7 Uhr.) Lesstug< Theater. Täglich: Glaube und Heimat.(Anfang 8 Uhr.) «komische Lper. Täglich: Der verbotene ftuß.(Ansang 8 Uhr.) Kleine» Theater. Täglich: Norachen.(Ansang 8'/, Uhr.) Berliner Tbeater. Täglich: Bummelstudenten.(Ansang 8 Uhr.) NeneS Schauspielhau». Täglich: Die keusche Susanne.(An- fang 8 Uhr.) Neues Theater. Geschlossen. Schiller. Theater«harlottenburg. Täglich: Der dunlle Punkt. (Ansang 8 Uhr.) Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Geschlossen. Reue» Qprretteu-Thcater. Täglich: Eine Million.(Ansang 8H, Uhr.) Trianon-Theater. Täglich: Das Prinzchen.(Ansang 8H, Uhr.) Thalia-Tbrater. Täglich: Polnische Wirtschast.(Ansang 8 Uhr.) LuftspielhauS. Täglich: Die goldene Schüssel.(Ansang ö Uhr 20 Min.) Rose-Theater. Täglich: Kasernenlnst.(Ansang 8'/, Uhr.) Marktpreise von Berlin am 4. August 1V11, nach Ermittelung des Königlichen Polizeipräsidiums. Markthallcnp reise.(Kleinhandel.) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 30.00— 50,00. Speiscbohncn, weiße 30,00-50,00. Linsen 20,00-60,00, Kartoffeln 10,00-16,00. 1 Kilo- gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Ruidsleisch, Bauchfleisch 1,20 bis 1,70., Schweinefleisch 1,20—1,80. Kalbfleisch 1,40—2,20. Hammelfleisch 1,50— 2,30. Butter 2,20—2.80. 60 Stück Eier 3,00—4,80. 1 Kilogramm Karpfen 1,40—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,60—3,60. Hechte 1,20 bis 2,80. Barsche 1,00-2,00. Schleie 1,40-3,50. Bleie 0,80-1, 6a 60 Stück Krebse 2,00-36,00._ Wetterprognose für Sonntag, dru 6. August 1911. Ein wenig wärmer bei meist schwachen südwestlichen Winden, vielfach heiter, aber veränderlich, Gewitter nicht ausgeschlossen, sonst trocken. Berliner Wetterbureay. WasserstandS-Notvrtchte» der Landesanstalt für GewSssertunde, mitgeteilt vom Berliner WeUerburean Wasserstand Kemel, TUM Bregel, Jnfterburg Weichsel, Thoru Oder, Ratibor , Krosjen , gransturt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Dordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , varby , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Svandau») , Ratbenow') Spree, Svremberg'h , Beestow Weser, Münden , Minden Rhein. MaximilianSau » Kaub , Köln Neckar, HeUbran» Main, Werlheim Mosel, Trier 4- bedeutet WuchS,— Soll.—«) llnteroeael. Sa�onMsverKauf 3 und mehr haben wir grosse Posten unserer schwarzen und farbigen Sommervorräte, die teils unsortiert sind und teils nicht mehr weiter greführt werden, im Preise herabgesetzt.— In Anbetracht dieser ganz bedeutenden Preisermässigung war der bisherige Erfolg unseres Saison-Ausverkaufs ein so ausserordentlich grosser, dass unsere verehrte Kundschaft teilweise nicht bedient werden konnte. Wir haben für die folgenden Tage Massnahmen getroffen für prompteste und aufmerksamste Bedienung; trotzdem empfiehlt es sich, auch die Vormittagsstunden zum Einkauf zu benutzen. Verkauf solange Vorrat.— Besichtigung ohne Kaufzwang erbeten. Bitte beachten Sie unsere Schaufenster! r�od» ZentraIe und Versand: Oranienslrasie 34— Tauenlzienslraae 20— Leipziger Strasse 65— Oraniensliasse 47a— Konigstrasse 34— Rixdorf, Bergstraase 7-8— Müllerstrasse 3a ____________ Phänomen-Gold Feinste Stck. 2, 3, 4, 5 Pf. Cigarette= Ueberau zu haben= Jedes Wort 10 Pfennig. Das fetlgedruckls Wort 20 Pfg.(zulgsslg 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlalslcllen-Anzeigen S Plg.: das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zdhlen doppelt. ) Kleine Anzeigen(j ANZEIGEN für die nlchste Nummer werden in den Annahme- stellen für Berlin bis I Uhr. für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Llndenstrasse 69, bis S Uhr angenommen. Verkäufe. Teppiche(Farbenfehler) Gelegen. beilsknus. FadriNager Mauerbost. Nur Grob» Kraiilinrferstrabe S, Flur. emgang. Gegründet 1874. Borwarts. leiern>0 Prozeiit. Sonntag» geöffnet. Steppbecte» billigst Fabrtf Grotze KranNiivlerlliatze 3. Fltiretngnng Gardinenbans. 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Zuzug ist streng sernzuhalten. vie Ortsrervaltviiz llerlin des Ueuttchen Holzarbeiturvcrbandes. scvssGESssessessEssEGASGsssezosssssesssso •Itanf- nml Arbcitsbnrscheu i im Alter von 14—15 Jahren verlangt sofort der � Zentral-Arbeitsnachweis-: Engclnfcr 15, vorn III, Zimmer Xo. 48. von 9—6 Uhr geöffnet. 69/8* ••••••••••••••MGGGGGCGGOGaMOGGGGGGGG— 3 Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verüntw.: Th. Glocke. Berlin. Druck».Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. VerlagsanstältHaul Singer u. Co.. Berlin SVV7