Nr. 186. RbonnementS'ßtdingungcn: fBonncmcntä- Preis pränumerando: Liertcliährl. 3£0 Ml., Monat!. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags- nummcr mit illusiriertcr SoimtagS- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PostabonnemenIS nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 88. Jahrg. CrMtlnt fzgllch aufier montags. Vevlinev Volksblatk. Zentralorgan der rozialdemokratifcben parte» Deutfchlands. Die TntertlonS'GebaifP beträgt für die sechSgefpaltene Kolonel- »eile oder deren Raum 00 Pfg., sür politische und gcwerlschasMchc BcrcinS- und LersainmIungS-Anzeigen 30 Pfg. „Ktehu Anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 settgcdruckte Worte), jedcS weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlosstellena,!- geigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über lö Buch- slaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müisen biS K Uhr nachmittags in der«rpeditlo» �gegeben werden. Die Erdcditio» ist biS 7 Uhr abends gevssnet, Telegramm- üldreff«: „Zoaiaiiltmoltkal stcNIl»". Redaktion: SM. 63, I-indenstrasse 6g, Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Parteigenossen! Äuf Grund des Organiscrtionsstatuts beruft der �arteivorstand den diesjährigen Parteitag auf Sonntag, den 10. September, abends 7 Ahr, nach dem„Volkshaus" in Jena, Karl Zeißplatz, ein. An die 7 Uhr abends erfolgende Eröffnung schließen sich die Konstituierung des Parteitages, die Festsetzung der Geschäfts- und Tagesordnung und die Wahl der Mandatsprüfungskommission an. Die Verhandlungen der folgenden Tage finden in dem gleichen Lokale statt. Als vorläufige Tagesordnung ist festgesetzt'. 1. Geschäftsbericht des Parteivorstandes. Berichterstatter: H. Müller, F. Eber t. 2. Bericht der Kontrollkommission. Berichterstatter: A. Kaden. 3. Parlamentarischer Bericht. Berichterstatter A. Geck. A. Die ReichsversicherungSordnung. Berichterstatter: Hermann Molkenbuhr. 5, Die Reichstagswahlen. Berichterstatter: A. Bebel. 6. Die Maifeier. Berichterstatter W. Pfannkuch. 7. Sonstige Anträge. 8. Wahl des Parteivorstandes, der Kontrollkommission und des Ortes, an dem der nächste Parteitag stattfinden soll. Parteigenossen! Bewirkt die Vorarbeiten für den Parteitag— die Wahl von Delegierten und die Stellung von Anträgen— recht» zeitig. Wo mehrere Delegierte zu wählen sind, soll nach§ 7 des Organisationsstatuts unter den Delegierten möglichst eine Genossin fein. Die Anträge müssen spätestens am 14. August im Besitz des Parteivorstandes, Adresse: W. Pfannkuch, Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 sein, wenn sie entsprechend den Bestimmungen des Z 10 Abs. 2 des Organisationsstatuts im.Vorwärts' veröffentlicht werden und in der gedruckten Vorlage Aufnahme finden sollen. Anträge einzelner Parteigenossen bedürfen der Gegenzeichnung der örtlichen bezw. Kreisorganisation, falls sie zur Veröffentlichung und Beratung gelangen sollen. Den Anträgen etwa beigegebene Begründungen werden weder im.Vorwärts' noch in ber den De- legierten zugehenden Vorlage abgedruckt. Die Genoffen haben das Recht, ihre Anträge auf dem Partei tag selbst zu begründen oder durch befreundete Genossen begründen zu lassen. Die Vorstände der Wahlkreisorganisationen werden dringend ersucht, dem Parteivorstand die Namen der gewählten Delegierten unter genauer Adressenangabe alsbald mitzuteilen, damit ihnen die Vorlagen und sonstigen Mitteilungen zugehen können. Außerdem müssen sich die Delegierten beim Lokalkomitce melden. Die Adresse de» Lokalkomitees lautet: H. Leber, Jena, Magdelstieg s« Die Mandatsformulare werden vom lö. August ad durch das Parteibureau: W. Pfannkuch, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 versandt. vor dem Parteitage findet am 8. und 0. September im „Gewerkschaftshaus" zu Jena, Johannisplatz 14, eine Sozialdemokratische Frauenkonferenz statt.— Die vorläufige Tagesordnung dieser Konferenz lautet: 1. Geschäftsbericht des Frauenburcaus. a) Agitation, b) Frauentag, c) Die Kinderfchutzkommifsionen. Bcrichterstatterin: L. Zieh. ck) Die Leseabende, e) Die BcsckMerdekommisstonen. Berichterstatterin: O. Baader. 2. Die Frauen und die SteichStagswahlen. Berichterstattcrin: K. Zetkin. 3. Die Frauen und die Gcmeindepolitik. Berichterstatterin: K. Wehl. Zur Teilnahme sind die ParteitagSdelcgicrten berechtigt, die ein Mandat zur Fiaucnkonscrenz haben. Ter Frauenkonferenz geht am Donnerstagabend 8 Uhr eine geschlossene Sitzung im gleichen Saale voraus. Mit sozialistischen Grüßen Der Parteivorstand. > fromme Lekchichtsfälkcher. Man schreibt nnS: Auf dem Mainzer Katholikentage treibt die Gesellschaft geistlicher Demagogen, die dort in seltener Aus- lese versammelt ist. eben ein so unverfrorenes Spiel mit dem „sozialen Werk" Kettelers und der angeblich seit Anbeginn vom Zentrum in Erbpacht genoninienen Arbciterschutzpolitik. daß es geradezu eine Notwendigkeit ist, an ein paar geschichtliche Tatsachen zu erinnern, die die Lügenhaftigkeit jener Zcntruiuslegendcn in das hellste Licht stellen. Aus den Zoll- debatten, Steuerberatungen und Arbcitcrschutzdisklissionen des letzten Jahrzehnts im deutschen Reichstage weiß jedcrArbeiter, der politisches Interesse hat, welche antisozialen Schandtaten vom Zentrum verrichtet wurden. Nicht so bekannt sind die Anfänge der deutschen Sozialpolitik und die noch viel schmählichere Rolle, die der politische Katholizismus dabei spielte. Sie' mögen also gerade im Anschluß an die Mainzer Zentrums- Parade aufgefrischt werden. Das Sturmjahr 1848 hatte die erste organisierte deutsche Arbeiterbewegung gesehen und diese Bewegung hatte in Preußen die ersten gesetzgeberischen Angstprodukte gezeitigt. Durch Gesetz vom 16. Mai 1853 ging man au die erste Einschränkung der Kinderarbeit in Fabriken und des beispiellosen Raubbaus, der vom deutschen Kapitalismus der industriellen Frühzeit seit 1836 an der Gesundheit und dem Leben zahlloser kindlicher und jugcnd- lichcr Arbeiter getrieben ivorden war. Das Gesetz verbot vom 1. Mai 1854 ab die Beschäftigung von Kindern unter 12 Jahren und beschränkte die Arbeitszeit der Kleinen von 13 und 14 Jahren auf sechs Stunden täglich, wenn sie wenigstens drei Stunden täglichen Schulunterricht genossen. Von diesen schwäch- lichen Bestimmungen konnte der Minister auch noch Aus- nahmen für einzelne Fabriken gewähren. In der frommen rheinischen Stadt Aachen, damals noch mehr als heute reine Zentrumsdomäne, sollte ein Fabrikinspektor, dem zugleich die Kontrolle des Schulunterrichts übertragen wurde, über die Ausführung des neuen Schutzgesetzes wachen. Zwe preußische Forscher aus der Schmollerschule, die hoch erhaben über jeden Verdacht tendenziöser Darstellung sind, haben nach den preußischen R e g.i eru n g s a kt e n gc schildert, wie leicht die frommen Aachener Fabrikanten und die liebe katholische Geistlichkeit dem Schutzbeamten seine Arbeit machten.(Thun, Die Industrie am Nicderrhein und Anton, Geschichte der preußischen Fabrikgesetzgebung.) Die kirchentreuen und die von christlicher Liebe triefenden Aachener Tuchkapitalisten scheuten kein Mittel, Betrug. Gewalt und Beleidigung, die sie gegen den armen Fabrikinspektor verübten, um die schändlichste Ausbeutung kindlicher Arbeits kräfte nach wie vor durchzusetzen, und die Kapläne unter stützten sie dabei in der kräftigsten Weise. Während man heute seitens des Zentrums bis zum Ueber druß in der bekannten Bettelsuppenpolitik öffentlicher und privater Wohlfahrtsanstalten macht, klagt die Aachener Regierung im Jahre 1858 über den Widerstand, den die größere Zahl der Unternehmer der allgemeinen Beteiligung der Arbeiter an einer öffentlichen Spciseanstalt entgegensetzte; in den Akten wird die Vermutung ausgesprochen, daß die Aachener Unternehmer der Besserstellung der Arbeiter lediglich aus dem Grunde entgegenträten,„um ihn in fortwährender Abhängigkeit von sich zu erhalten". Das Aachener Prole- tariat durfte keine billige Suppe essen, wenn eS keine Zentrums- suppe war! Der neue Kinderschuh aber blieb im frommen Aachen trotz aller Mühen des eifrigen Fabrikinspcktors jahrzehntelang auf dem Papiere stehen, und am leb- haftesten trat der kapitalistische Widerstand der crzkatholischen Kreise hervor bei den Bemühungen des Beamten, für die Fabrikkinder unter 14 Jahren das gesetzliche Mindest maß eines täglich dreistündigen Unterrichts zur Ausführung zu bringen. Eine Kabinettsordcr vom 14. Mai 1825 hatte die Schulentlassung der Kinder vom Gutachten der Geistlichen abhängig gemacht. Statt diese Befugnis so zu benutzen, daß die ausgesogenen Aachener Fabrikkinder die Schonzeit des Unterrichts solange als möglich genössen, erklärte die katholische Geistlichkeit von Aachen dem kinder- mordenden Kapitalismus ihrer Glaubensgenossen vom Unter- nehmertnin zuliebe die Jugendlichen vielfach schon mit dem dreizehnten, ja sogar mit dem zwölftenJahre als schulentlassen. Diese wackeren Seclenhirten konnten die armen Kindesleiber dem Moloch Fabrik- ausbeutung gar nicht rasch genug ausliefern. Sie handelten damit zugleich im Interesse kurzsichtiger Arbeitereltern, die bei den elenden Löhnen für Erwachsene nach einem Neben verdienst ihrer Kinder geradezu angeln mußten und nun doppelt innig in der heiligen Messe beteten, da ihnen der Kaplan jene Möglichkeit so früh, als es nur anging, eröffnet hatte. Was aus den Jugendlichen wurde, die so zeitig der Fubrikarbeit ausgeliefert wurden, kümmerte weder die be schränkten Eltern noch die Klerisei. Nach 1865, also zwölf Jahre nach Erlaß des Schutzgcfetzes, strapazierte sich der der- lassene Aachener Fabrikinspektor ab. um der massenhaften Uebertretung der Borschriften planmäßig entgcgenzmvirken. Anton berichtet wörtlich darüber: .Er ließ cS sich nicht verdrießcn, mit dem Biirgermoister, den Siobiccrordneteu und dem Vorsitzenden der Handelskaninier mirnd- lich und schriftlich Rücksprache zu �«ehmeii sowie die öffentliche Meinung durch Aiifiäve in den TageSbläitern zu beeinstiiffeu, hatte jedoch nicht den geringsten Erfolg. Stadt, HaudelSkaiiinier und G e i ft l i ch k e i t waren nicht geneigt, den ftrbeiterfa milicn die Wohltat des Gesetzes vom IS. Mai 185 3 angcdeihen zu lassen, um diese so zu drm falsche» Schlüsse z» bringen, daß das Gesetz und in Verbiuduiig mit ihm der Schulzwana sie benachteilige. Auch in den letzlen Amtsjahrcn des JiispeklorZ wurde es nicht besser in A a ch e n. Es gelang dem Beamte« nicht, das Vorurteil der niaß- gebciideu Kreise zu überwinden.' So sab die Praxis der katholischen Sozialpolitik auS genau zu der Zeit, da der Mainzer Bischof Kcttclcr seine sozialen Programme und Schriften veröffentlichte, die man jetzt als Muster„charitativer Arbeiterpolitik" durch alle Vcr- Handlungen des Mainzer Katholikentages schleift. Schon da- mals wußte die linke Hand des Zentrums und seiner geistlichen Helfershelfer nicht, was die rechte Hand tat. Mit der Linken machte man die arbeiterfrenndliche Geste. Mit der Rechten hielt man gerade an allen jenen Stellen. wo man alles zu sagen hatte, wie in der Aachener Stadt-' Cxpeditisn: 8M. 68» I�lndensrrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Verwaltung und in den Aachener Schulen, das Proletariat wie mit eisernem Griff bei der schäbigsten und unmcusch- lichsten Ausbeutung durch katholische Kapitalisten fest. Der so erzielte Sündenlohn floß ja den Aachener Kirchen und geistlichen Anstalten in Gestalt reichlicher Geschenke und „frommer" Stiftungen wieder zu, mit denen sich die recht- gläubigen und zentrumsfesten Fabrikanten von ewiger Per- dammnis loskauften. Also ist der Anfang aller Sozialpolitik des deutschen politischen Katholizismus würdig des Endes, das sie heute im schwarzblauen Block genommen hat. Die schleimigen Reden der Katholikentage von damals und von heute sind und waren lediglich dazu bestimmt, die vom Zentrum beförderte Ausbeutung mit einem Schutzübcrzug zu versehen, der es reinlichen Händen verbietet, die ganze Sache anzufassen. Damals verriet man die Kindergencration eines ganzen Arbcitergeschlechts, heute verrät man Heimarbeiter, Zündholzproletarier und Brauerei- arbeiter, wenn es gilt, sie durch gesetzliche Maßnahmen vor dem ärgsten Elend zu schützen. Besser bestellt-war es 1865 mit der Einsicht der preußischen Regierung in das widerliche Getue. Im Berliner Handels- Ministerium machte man damals an den Rand der erschüttern- den Berichte des Aachener Fabrikinspektors die ebenso treffende als unvorsichtige Bemerkung:„Die Dummheit kon» v e n i e r t(paßt zu) den in Aachen herrschenden Tendenzen(Richtungen) allerdings mehr als die Bildung." Heute, nach beinahe 56 Jahren, macht die preußische Regierung„mit den in Aachen herrschenden Ten- denzen", d. h. mit dem Zentrum, Schulvcrpfaffungs- und Ausnahmeverordnungen gegen die Arbeiterjugend. So glor- reich hat sich die„Bildung" an den maßgebenden Stellen in Preußen entwickelt!_ Der ZagoMhe Schicßcrlaß hat nicht nur in der ganzen liberalen Presse, sondern sogar im .Rcichsboten' lebhaftesten Widerspruch gcfimden. Der.Reichs» böte' sagt: „Wir find durchaus der Meinung, daß die Verbrecherwelt mit aller Energie und Rücksichtslosigkeit verfolgt werden müsse. denn sie ist die Feindin der Menschheit, aber diese RücksichtSlosig- kcit kann doch erst da eintreten, wo cS zweifellos feststeht, daß die Beamten einen wirllickcn Verbrecher vor sich haben, an dem die Menschheit nichts verliert, auch wenn er im Handgemenge Leben oder Gesundheit einbüßt. Andererseits ist der Gedanke nicht von der Hand zu weisen, daß auch die Verbrecher, die bisher kaum an eine» Kampf auf Leben lind Tod gedacht baben, durch den Jagowschen Schicßerlaß, der sie ja gewissermaßen für vogelfrei erklärt, veranlaßt werden, sich mit einer Schießwaffe zu versehen und von dieser weitgehenden Gebrauch zu machen. Das war keine glückliche Stunde, die Herrn von Jngow diesen Erlaß diktierte, und wir hegen den dringenden Wunsch, daß diese Verordiiuiig so bald wie möglich rcdressicrt werde, da cS jedem friedlichen Bürger passieren kann, daß er sich durch irgend welchen Zufall plötzlich einem Schutzmann gegen- Übersicht, der also augenblicklich den Auftrag hat, ihn bedingungslos niederzuknallen, weil ja der Beamte sonst leicht— zu spät schießen lönme. Herr v. Jagow wird auch allmählich zu der Ucberzeugung gekommen sein, daß sein Schicßerlaß zwar ganz gut geuieint gewesen sein mag, in keiner Weise aber dem gewollten Zivcck Oient Herr v. Jagow wird auch daran denken müssen, daß die bevorstehende Wahlagitation solchen dankbaren SloffcS bereits übergenug hat, der doch sehr leicht den Anschein erwecken könnte, als sei den Staatsbehörden an den» Leben der Staatsbürger nur wenig gelegen.' Die.Deutsche Tageszeitung' ist über diese ausnahmsweise ver» ständigen Acußcrnngen des konservativen Blattes sehr geärgert. Namentlich wundert sie sich darüber, wie ein konservatives Blatt sagen kann, daß cS einem friedlichen Bürger auch einmal passieren könne. einem Schutzmann gegenüberzustehen, der augenblicklich den Auftrag habe, ihn bedingungslos niedcrzulnallen. So etwas sei denn doch ganz und gar ausgeschlossen. Das Agraricrblatt denkt wohl an die endlose Nachsicht, die Polizeibeamte randalierenden und exzedierenden Korpsstudenten gegenüber zu beobachten pflegen. Selbst tätliche Angriffe von Studenteir auf Schutzleute haben ja bis- her noch niemals zu dem Gebrauch des Säbels, geschweige beim zu dem des �Schießeisens geführt. Wie sollte da„einem fried. lichen Bürger', das heißt einem Angehörigen der bevorrechteten Klassen, jemals der Jagowschc Schicßerlaß verhängnisvoll werden können I Nun, der„NeichZbote' erinnert sich wohl daran, wie in Moabit unterschiedslos auf das Publikum loSgcprügclt wurde, wie die harmlosesten und loyalsten Staatsbürger mit Gummi» schlauch und Polizcisäbcl Bekanntschaft machten. Hätte damals der Schicßerlaß schon existiert, so hätten diese friedlichen Staalsbürger sicherlich auch blaue Bohnen zu kosten bekommen, wie ja vermutlich auch der Arbeiter Hermann unter iorchen Umständen nicht ein Opfer de-Z Säbels, sondern des Brownings geworden wäre. Tie.Deutsche Tageszeitung' freilich, wie auch die.Hamb. Nach- richten' und ähnliches Scharfmachergeschmeiß finden ja gerade des- halb den neuesten UkaS des Berliner Polizeipräsidenten so lobcnS- tvcrt. weil sie auf ein Moabit in neuer verbesserter Auflage hoffen. � | Dallwitz für Jagow! Nach einer Meldung der„Braunschweiger LandcSztg.» soll der preußische Polizeiminister den Schieß- besehl des Herrn v. Jagow durchaus gebilligt haben. Das sähe dem provozierend krähenden Erzreaktionär d. Dallwitz außerordentlich ähnlich. Hat doch Herr v. Dallwitz anch die Stirn gehabt, die vottt Gericht festgestellten unerhörten Aus- fchrcitungen der SchtttzntaiiNschaft in Moabit bedinguitgslo» zu verteidigen! Weiter Ivird noch gemeldet, daß das Polizeipräsidium vor einigen Tagen der rheinischen Metallwarenfabrik einen Auskrag auf Lieferung von 5000 Dienstrevolvern gegeben habe. Das soll vielleicht eine kleine Entschädigung für entgangene Kriegs- Uefcruiigsprositc sein! Uebrigens inUß jetzt die Zahl der vor- handelten Revolver und Brownings so groß sein, daß sich künftig jeder Schutzmann wie ein Tscherkesse niit einem ganzen Arsenal voll Schießeisen ausstaffieren kann. Bange machen gilt trotzdem nicht. Auch die Berliner Mörder werden sich durch den Schießcrlaß nicht allzu sehr einschüchtern lassen. Den» entdeckt werden sie ja schließlich doch nicht! Politik und Revolver. Von juristischer Seite toirv uns geschrieben: In den Erörterungen iibei den Iagowschei� Revötiier-Erlaß ist eine Seite, sozusagen die p o l i t t s ch- p s y ch o l o g i s ch e de? Falle?, bisher nicht gebührend geioiirdigt worden. Man erinnert sich des Moabiter Prozesses, der Nolle, die die Schutzleute dort spielten, des MordeS an dem Arbeiter Herrmann med des Winkes, welchen der Landgerichtsdirektor llnger in seiner NechtSbelehrung dem Berliner Publikum im Kampfe gegen die Polizei gegeben hat. Der„wohlgezielte Rcvolverschutz" erinnerte daran, daß es auch gegen Polizei Notwehr gebe. DaS war den Scharfmachern unbequem, der Justizminifter„stellte" bekanntlich Herrn Unger und bemühte sich im Abgeordnetenhause höchstselbst, den eiwrmen Eindruck der Ungerschen Worte zu verwischen, damit Nur ja Niemand— jenes Winkes eingedenk— sich etwa gegen polizeiliche Willkür wirklich einmal zur Wehr setze. Herr Beseler operierte damals mit allerlei ReicksSgerichtSentscheidungen, auf welche sich zu stützen vor einer im wesentlichen nicht juristischen Versammlung ja nicht besonders schwer ist. Herrn v. Jagow wurmte die„Affäre" aber noch gor lange; für ihn war und blieb„der Ehrenschild der Polizei kein" und daran änderte weder der Mord HerrmannS eiwas, noch die spätere schrist- liche Urteilsbegründung, welche die westntlichsten Ucbcrgriffe der Schutzlrute gewisfermatzen dokumentarisch festlegte. Es war die Möglichkeit vorhanden, daß die gesamte der Berliner Polizei nicht sehr günstige Situation, insbesondere die durch die Ungersche Neusterung hervorgerufene Stimmung auf die Schutzmanuschaft— namcutlich in politisch bewegten Verhältnissen I — eine mäßigende und hemmende Wirkung ausüben werde. Was sollte dann aus jder„Autorität der staat- lichen Gewalten" werden? AuZ jener Autorität", die sich die Scharfmacher nicht anders vorstellen können, als in Verbindung mit polizeiltchem Dreinhanen, Schimpfen, Schlagen, Schießen, womöglich mit Blutbädern? Aus jener„Autorität", welche die Scharfmacher, die Kriegshetzer und all die ähnlichen Gesellen zwar— wenn es ihnen gerade so in de» Kram patzt— für sich nicht als bindend anerkennen, die sie aber „schonungslos" gewahrt wissen wollen zur Einschüchterung, Nieder- Haltung und Unterdrückung aller freiheitlichen Bestrebungen, inS« besondere zur Knechtung der ihnen so verhaßten, machtvollen, modernen Arbeiterbewegung. Eine niätzigende, innerlich erzieherische Wirkung auf die Schutz« mannschast? Vielleicht in bewegter Zeit hier und da ein Auf- trumpfen eines sich seine? Staatsbürgerrechts bewutzten Bürgers? Eins Anwandlung a la Unger? Das kann, das darf nicht sein! Also: krinclpiis obata.«Beuge vor," sagte Miquel... Im Juni dieses Jahres ereignet sich der Fall Lucht. Auf der Fciedrichstratze wird ein Schutzmann von einem Verbrecher erschossen. Aendcrung deS§ 8 der allgemeinen Dienstvorschriften: Was bisher in zweiter Linie erst gestattet war sstatt zuschlagen zu schießen) ist in Zukunft gleich erlaubt. Bei„Gewalt oder Tätlichkeiten'� In„dazu geeigneten Fällen". Also Tür und Tor jeglichem rein subjektiven Ermessen geöffnet. Und waS damals als Recht statuiert worden ist, wird jetzt anlätzlich des Falles Hager(der hin- reichend geschossen hat) den Beamten bei Strafandrohung zur Pflicht gemacht. Den Herrn Polizeipräsidenten sollte es einigermätzen stutzig machen, dah die„Deutsche Tageszeitung" und die„Post" sich am meisten und lautesten über seinen Erlatz freuen. „Eine verni'mstige Verfügung" triumphierte neulich daS Organ des iwciland) Herrn v. Stumm und die„Deutsche Tageszeitung" wurde noch deutlicher. Als daS„Berliner Tageblatt" auf die Gefährdung des friedlichen Bürgers durch den Schietzerlah hin- wies, insbesondere bei möglichen Aufläufen usw., höhnte das Agrarierblatt:.... Der„friedliche Bürger" habe bei Volks- aufläufen, Strasicudemonstratioarn u. dgl. nichts zu suchen...." Dabei besitzt das Blatt die Frechheit, die den Erlatz Bekämpfenden dadurch anzupöbeln, daß eS so tut, als wolle man„Schutz den Apachen" gewähren. ES soll nicht behauptet werde», Herr v. Jagow habe politische Nebengedanken. Aber man kann sich deS Eindrucks nicht erlvehren, daß das Scharfmachergesindel gar nicht so sehr an den Kampf gegen das eigentliche Verbrechertum denkt, sondern Mißbrauch zu politischen Zweckel« erstrebt und erhofft. Dem Scharfmachergestndel aber, wenn eS sich je einfalle» lassen sollte, offen oder versteckt unsere zum Schutze des Publikums vor- handenen Schutzleute frivol gegen das Volk Hetzen zu wollen, sei die RechtSbelehrung deS Herrn llnger in warnende Ermilerung gebracht._ vom KatholiMag. Mainz, 9. August. Die geschlossene lt V c r s a>n in l u n g e n der Katholiken- tage dienen der Beratung der Anträge.„Beratung" ist eigentlich zu viel gesagt, man würde richtiger sagen: Gutheitzung der in den Ausschüssen angenommenen Anträge. Eine Aussprache findet in den geschlossene» Versammlungen nur in seltenen Fällen statt. Bei den meisten Anträgen»leidet sich niemand zu Worte und der Lorsitzcnde stellt die ctustlmmlge Annahme fest. Zu den AuSschutzsitzungen hat die Presse keinen Zutritt, und waS hier vorgeht, erfährt mau nicht oder nur in Andeutungen und auf Umwegen. Meist wird sich ja auch hier der UuIertänigkeitSslnn des christkatholischen Mannes bewähren, der gern oder ungern etwaigen Widerspruch unterdrückt, zumal wenn eiue weltliche oder geistliche Auloriiät in der Nähe ist. Nur hier mid da. wenn«S sich um die Gegensatze großer Gruppen handelt, die dein einzelnen als Rückhalt dienen, da findet dieser oder jener mal den Mut, seinen Meinungen offen und entschieden Aus- druck zu geben. DaS ist der Fall gewesen, alS im Ausschuß für soziale Fragen ein mittelständifcher Antrag verhandelt wurde, der eS für notwendig erklärt, daß der.selbständige Mittel- stand stets hinreichend Arbeit und Absatz" habe und der deshalb„unter Hinweis auf die Gebote der Nächstenliebe" alle Katholiken auffordert,„bei Vergebung von Arbeiten und bei Einkäufen zunächst die Handwerker und Kleingewerbetreibenden zu ve- rücksichtigen." Jin Ausschutz erhob sich über diesen Antrag ein er- regier Kampf zwischen Mittel st ands- und Arbeiter- Vertretern- Von Arbeiterseite lvurde geltend gemacht, daß es Unrecht sei, eine» Arbeiter mit geringen, Lohn und großer Familie unter Berufung auf die„chrlstliche Nächstenliebe" zu der- hindern, seine Bedürfnisse da zu befriedigen, wo er für eine Ware 19 Pf. weniger zahle. Die Erregung übertrug sich auch auf die Verhandlungen in der geschlossenen Versammlung. Die Debatte drehte sich um die„christliche Nächstenliebe", im Grunde handelte cS sich mu die wirtschasllicheii und sozialen Gegensätze der Mittel- ständler lind der Arbeiter, die ja vielfach, z. B. in der Frage der gewerkschaftlichen Organisation, der Konsumvereine usw., zu bemerken sind. Die Meinungen standen einander schroff gegenüber. Der Ab- geordnete Bachen, schlug vor, sich auf die allgemeine» Grundsätze zu einigen und die besonderen Differclizen auf dem nächsteu Katholiken- tag zu verhandeln. Da das Ergebnis. der Abstiimmiilg über den niittelständischen Antrag zweifelhaft war, erfolgte Auszählung durch „Hammelsprung"— eine ungewohute Erscheinung auf eiuein Katho- likeutag. Für den Antrag der Mittetständler ergaben sich 192 Stimme», darunter die Weilaus größere Anzahl der aliwesiNdeu Geistlichen; für einen im Sinne der Arbeitervertreier abgeänderten Antrag 99 Stimmen. Und»och einmal traten bei der Beratung der Anträge des Aus- schusses für soziale Fragen die Gegensätze im katholischen Lager her- vor. Die M ü n ch e n- G l adb a ch er hatten einen Antrag ein- gebracht, worin sie die Erwartung aussprachen, daß die katholischen Arbeite, vereine weiterhin in, Sinne KettclerS wirken und di« noch fernstehenden katholischen Arbeiter in ihren Reihen sammeln werden. Das brachte die Leute der Berliner Richtung auf die Beine, die eS sich nicht nehmen lasse« wollen, daß Ketteler von Gott und Recht? wegen zu ihnen gehört. Sie kamen mit einem Antrag, worin die Katholiken aufgefordert werden,„im Geiste Kettelers ihre soziale Tätigkeit auszuüben", daS heißt für eine„Arbeiterbewegung nach den Grundsätzen d e r k a t h o l i s ch e n K i r ch e" ein- zutleten. Fast schien cS, als ob es über der Leiche Kettelers zu einen» Kampf zwischen Berlin und München-Gladbach kommen sollte, als Leute, denen die Einigleit des Katholikenlagers an- vertraut ist, in Aktion traten und die Berliner veranlatzten, ihren Antrag zurückzuziehen. Die„Einigkeit" war gereitet t Zwei Anträge, die nachher in einen zusammengezogen wurde», beschäftigen sich mit der Jugendpflege. ES wird darin gefordert die tatkräftige Uuterstiitzung der Fürsorge für die schulent« lasse ne Jugend, zumal der katholischen Jugend- vereine durch Mitarbeit darin, durch Beschaffung der nötige» Geldmittel, Einrichtung von Jugendheimen, Erholungsplätzen, Ber- sammlnngsräume» usw. Selbstverständlich fehlt nicht ein Antrag, der die pflichtmätzige Einführung d e S Religionsunterrichts in der Fortbildungsschule fordert, da„nur mit Hilfe der Religion eine charakterstarle, sittenreine, lönigs- treue und vaterlandsliebende Generation herangebildet werden kann." Ein weiterer Antrag empfiehlt die Rekruten-, Soldaten- und Ll e s e r v i st e n f n r s o r g e dringend,»dem finanziellen Wohlwolle» der deutschen Katholilen". Weiter werden empfohlen der katholische Frauenbund äks die„Lrgani- sation der katholischen Frauen aller Schichten der Bevölkerung" und die von diesem geleiteten„Bestrebungen zur Förderung der lv eiblichen Jugend auf konfessionellerGrund- läge". Ein Autrag zum Schutz der jugendlichen I n d n st r i e a r b e i t e r i n empfiehlt die Fürsorge für die Mutter- schaft, die hauSwirtschastliche und berusliche Fortbildungsschule, natürlich auf konfessioneller Grundlage, die Anpassung des Berufs an die weibliche Eigenart, Belehrung über den häuslichen Berus in der Volksschule, für Fabrik- und Jndustriearbcitecimien Einführung von Matznahmen, die den weiblichen GesundheitSverhältnissen sowie der hauswirtschaftlichen und beruflichen Fortbildung Rechnung tragen. '.' Die dritte öffentliche Versammlung, deren Besuch schon Lücke» aufwies, gehörte der„christlichen Bildung". Der Haupt- Wortführer im Kampfe für die RückwärtSentwickelung der Schule, der ZentruniZabgeordnete Marx- Düffeldorf, redete über die Schulfrage. Er verkündete„auf Grund des Naturrechts, der Geschichte und des GewisienS" den Satz, daß zuerst die Eltern das Recht und die Pflicht hätten, über die Heranbildung und die Erziehung ihrer Kinder zu bestimmen. Diese» Recht sei„bedingt und begrenzt durch das Recht der Organisation, eS sei in Einklang zu bringen mit den Ansprüchen des Staates, der Gemeinde, aber auch, und zwar in nicht minderem Matze: mit dem Recht der Kirche". Mit allen Kräften muffe man dem Grundsatz widerstreben, daß die Schule eine Staatseinrichtung, dein Staate allein gehöre daS Regiment in der Schule. DaS Ziel des Unterrichts und der Er- ziehung sei ausgedrückt im Katechismus: Wir sind auf Erden. uniGott zuerkenne», ihm zu dienen, ihn zu lieben und dadurch in den Himmel zu l o m in e>,. Der Redner, ein Muster von Einseiiigkeit, UebertreibungSluust und Vedenkeiilosigkeit in der Verwertung aufgeleseue» Materials, versucht nun den Nachweis, wie schlimm eS mit der Glaubens- fcindlichkeit der Schulregierungen, der Parteien und der Lehrer in den einzelnen Bundesstaaten stehe. Heraus aus dem liberalen Lehrer- verein und hineilt in den katholische» Lehrerverein— ruft er den Lehrern zu, und jedem Katholiken macht er eS zum Grundsatz:„In die gesetzgebenden Körperschaften, in die kommunalen Vertretungen gehört niemand hinein, der nicht für die A u f r e ch t e r h a l t u n g der konfessionellen Volksschule, für die Wahrung der Rechte der katholischen Kirche auf Durchdringung deS ganzen Unterrichts mit sittlich-religivsem Geiste stets mit ganzer Kraft einzutreten gewillt ist!" Aber daö genügt Herrn Marx«och nicht. Er will eine Organisation zur Verteidigung der konfessionelleit Schule, zur Förderung d e S christlichen Unterrichts und der ch r i st l i ch e n Erziehung schaffen. Der Schlachtrethe der Un> gläubigen und Unentschlossenen soll ein Bund der Kämpfer für E h r i st u s und seinen Glauben rntgegengrstellt werden. Morgen, in der letzten geschloffenen Versammlung, wird Herr Marx sein Wort wahr machen. Er wird einen vom AuSschntz bereits angenommenen Antrag einbringen, der die Gründung einer „Organisation der Katholiken Deutschlands zur Verteidigung der chrisilicheu Schule und Erziehung" ankündet und den katholischen Eltern de» Anschluß an diese„zeitgemäße und wichtige Gründniig" dringend empfiehlt. Der Antrag wird, nach der Aufnahm« der heutigen Marxschcn Rede zu urteilen, einstimmig und mit„siürmi- schein Beifall" angenommen werden. Die klerikale Rcaltio» ist um eine Waffe reicher! Ein schweizer Profiffor, Prälat Dr. Gislcr aus Chur redete sodami über Kirchlichkeit und Wiffeuschaft. Man kennt den Gedankengang unserer Fromme» in dieser Frage: Religion und Wiffenschaft widerstreiten einander nicht; beid» er« streben ja die Wahrheit, und da rS nur eine Wahrheit gibt, müssm beide zu denselben Ergebnissen komme». Deshalb tritt auch die Kirche für die Freiheit der Wissenschaft ein. Aber->« und jetzt mag Herr Gisler reden:„Eines verbittet sich die Kirche, nämlich E i»- brüche der Wissenschaft in ihr Glaubensreich. Und eines erlaubt sich die Kirche zu jeder Zeit, nämlich gewisse Sätze, die als Ergebnis der Wissenschaft gepriese» iv erden, die aber dieOffenbarung aufheben oder gefährden würden, zurückzuweisen". Das nemit dann Herr Gisler den„Bund der Kirche mit Vernunft und Wissenschasi". Arme Wiffenschaft, arme Vernunft, die sickz auf diesen Bund mit der Kirche einlassen würde!___ politifcbc(Teberlicbt. Äerlin, den 10. August 1911, Kriegshetze und Monarchismus. Die offene Hetze der ehrsamen„Post" gegen den Kaiser. den sie für Teutschlands„Schmach d. h. für die jetzigen Kompensationsvcrhandlungen zwischen der deutschen und sran- zösischcn Regierung Vcrantivortlich«lacht, scheint in den nicht nur nominell royalistischen Kreisen der Reichspartei eine der' artige Verstimmung hervorgerufen zu haben, daß der Vor sitzende dieser Partei, der Fürst v. Hatzfeldt, öffentlich den Abbruch aller Vcziehungen seiner Partei zu diesem Blatt verlangt. Er hat an den Schriftführer der Reichsparte» Reichs tagsabgeordneten Amtsgerichtsrat Dr. Brunstermann zu Stadthagen(Schaumburg-Lippe) das nachfolgende öffentliche Schreiben gerichtet: z. Zt. Ostendc, den 8. August 1911. Verehrter Freund und Kollege! Es drängt mich, Ihnen meine Meinung über den Artikel der „Post" vom 4. d. M. auszusprechen, wörin der Verlaus der Ber- Handlungen über die Marotkofrage alS nationale Schmach, viel schlimmer als Olmütz, bezeichnet wird. Dieser Artikel ist, da ich mich zurzeit auf Reisen befinde, erst nachträglich zu meiner Kenntnis gelaugt. Empörend ist die Leichtfertigkeit, ,nit welcher über Dinge abgeurteilt wird, welche der„Post"»licht bekannt sind. Sie selbst wird nicht behaupten könne», daß ihr die Details der Besprechungen zwischen dem Staatssekretär des Auswärtigen Amts und dem französischen Botschafter bekam:: wären. Noch schlimmer ist es, datz die Person Sr. Maj. des Kaisers hierbei in einen birelten Gegensatz zu dem Reichskanzler und dem Staatssekretär deS Auswärtigen Am» gebracht wird, ein Nmpand. den das Ausland ausbeuten und der unsere!» Auswärtigen Amt die Führung der Geschäfte erschweren mutz. Für das monarchische Gefühl tief verletzend ist die Art und Weise, mit welcher, in der Form theoretischer Fragen, über Seine Majestät den Kaiser zu Gericht geseffen wird. Wie Ihnen belauut ist, habe ich im Mai dieses JahreS Anlaß genommen, daS Verhalten der„Post" in unserer Fraktion zur Sprache zu bringen. Mit dem Artikel vom 4. August hat dieses Blatt alle Beziehungen zu der Reichspnrtei unmöglich genlacht, und wird cS nötig sein. nach Wiederznsammentritt deS Reichstag? hierüber einen Beschluß der Fraktion zu soffen und zur öffentlichen Kenntnis zu bringen. Ich erwarte bestimmt, daß die Partei mir hierbei zusiünmeu wird. Mt kollcgialischem Gruß Ihr ergebenster Hatzfeldt.»- Die»Post" hat bisher auf diesen Brief nicht geantwortet. Vielleicht gedenkt sie ihn zu ignorieren; vielleicht auch möchte die Redaktion zunächst mit ihren Hintermännern und groß industriellen Geldgebern Rücksprache nehmen, da deren pekuniäre Unterstützung ihr tvtchtiger erscheint, als daö wenig einbringende Wohlwollen der freikonservativen Parteileitunn. darf sie doch mit ziemlicher Zuversicht daraus rechnen, daß ihr bisheriger erster Mitarbeiter, Freiherr Oktavio v. Zedtib, gegen entsprechende Bezahlung ihr auch künftig seine Meuste zur Verfügung stellen tvird. Anstatt ihre Angriffe einzustellen, setzt die„Post" dem: auch vorläufig ihre Verhöhnung des Kaisers Und der R'e- gierung fort, indem sie ironisch die früheren deutsch-fraitzösi- schen Verhandlungen über die Algceirasakte, die Erklärungen der„Nordd. Allgem. Ztg." über den Einzug der Franzosen in Fez und die Entsendung deS„Panther" nach AgaSir als ein fortge setztes großes Mi ßverstSildni ö be zeichnet, da die Regierung niemals die ernstliche Absicht ge- habt habe, die Interessen deS deutschen Volkes und seiner Ehre zu wahren, sondert» nur darauf hätte vorbereiten wollen,„daß sie in dem Augenblick, wo Fraut- reich Fez oder ganz Marokko besetzen»vürdc, sich die Freiheit nehmen werde, still und höflich auf alle Rechte, die Deutschland bis- her in Marokko besaß, zu verzichte 1l". Nachdem sie in dicscni Ton weiter über die jetzigen Koni- pensationSvcrhaUdlnngo'.i gehöhnt hat, leistet sich zum Schluß die„Post" folgende Verspottung der Pegicruilg und der „Rordd. Allgem. Ztg.": „Unter diesen Umständen war eS natürlich auch ein Miß- Verständnis, wenn bei» neuen Leiter des Auswärtigen Amtes nicht nur von seinen KorpSbrüdrrn. sondern auch vo» Politikern, die ihm wenige? nahe stehen, Lorbeeren gereicht wurden für seine nationale Tat. Nörgler werden sich darüber er- Hitzen, daß der Leiter des Auswärtigen Amte? diese Lorbeeren aus dem deutschen Blätterwalde schmunzelnd pflückte und damit ans Reisen ging. Einsichtige Männer werde» auch hier!» Weisheit und Patriotismus erkennen. Das deutsche Volk wollte mid sollte einmal wieder eine nationale Freude erleben, die eS die Hitze der letzten Tnge besser er- tragen ließ. Es tain dann daS kalte Sturzbad von Swine- münde. Französische und englische Blätter, die einige Tag- vorher bereit? auf eine Schwenkung der auswärtigen Politik — heute mutz»nan sagen: auf die Aufklärung deS Miß- verständiiiffeS hinwiesen— haben recht behalten. DaS Sturzbad in Swineiniinde hat seine Wirkung getan. Die pokitischcn Hitzköpfe, die unmittelbar daran beteiltgt waren, sind bedeutend abgelählt und ernüchtert zimickge'ehrt. Heute halten sie eS für menschenfreundlich, dasselbe Sturzbad der Abkühlung dem ganzen deutschen Volke zukommen zu lassen. Es würde u i ch t ö w ü r d i g und un patriotisch im höchsten Maße sein, wenn irgendein Zeitungsschreiber oder Politiker mit seinem beschränkten Untertanenverstand bezweifeln wollte, daß eS sich hier tatsächlich nur um ei» Miß« Verständnis gehandelt habe. Wenn ei» Blatt von der Charakterfeftigkilt und Lauterkeit, von der Ueberzeugungsuene und Wahrhastigkait der„Kölnischen Zeitung" derartige Behauptungen aufstellt, dam» habe» eben all« Zweifel des Vorstandes und der Er- innrrung zu schweigen. Ein Blatt, das es fertig brachte, den ab- gesetzten Bismarck als„einen Greis, der polternd hinter dem Reichs- wagen herlaufe", zu charakterisieren, ein Blatt, das dieEharakterfestigleit besitzt, mit jeder Regierung bald nach rech», bald nach links zu fdjtöcnlcn, würde seine Spalten einer solchen Erklärung nicht öffne», wenn e-Z nicht vollständig von ihrer Nichtigkeit und Wahr- heit überzeugt wäre!" Wir habeil nicht den geringsten Anlaß, uns über diesen stänslichen Streit der scharfmacherischen großindustriellen Prozcntpatrioten, in deren Geschäftsinteresse sich die „Post" entrüstet, mit der Heuligen Regierung irgendwie auf- zuregen. Wir schauen vielmehr höchst vergnügt als lachende Dritte� den journalistischen Leistungen der„Post" und ihrer Widersacherin, der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", zu. Besser als durch diese prächtigen Stilübungen kann dem deutschen Bolk gar nicht demonstriert werden, daß der vielgepriesene Monarchismus der zum Krieg hetzenden großen Patrioten auf einem höchst wackligen Untergestell ruht und sofort in die Brüche geht, wenn der betreffende Monarch, mag er heißen, wie er will, nicht den Profitwünschen seiner„Getreuen" Rech- nung trägt. Und ferner zeigen diese Auslassungen deutlich, daß gc- tvissen Ktcisen der Stahl-,' Kanonen- und Panzerpatriotcn, von denen die„Post" begönnert wird» viel weniger an einer Vergrößerung des Kolonialbesitzes liegt als an einem frisch- fröhlichen Kriege, der ihnen schöne profitable Lieferungen für Heer und Marine einträgt. Wir sind deshalb auch durchaus damit einverstanden, wenn die„Post" noch einige so schöne Hetzartikel bringt. Bei den Antikriegsdemonstrationen und bei der späteren Wahlagitation lassen sich die Dinger recht nützlich verwerten._ Abg. Eickhoff in Nöten. Der konservativ-ullraniontan-nationalliberal schillernde fort« schrittliche Abg. Eickhoff läßt durch natioimlliberale Blätter eine Er- kläriing verbreiten, in der n den Professor Dr. Schlotzinonn in Düsseldorf heftig angreift. Dieser weist dagegen dem Abg. Eickhoff nach, daß er die llnwahrheit gesagt hat, denn er, Prof. Schlotzmann, sei nicht mit geringer Mehrheit, sondern in geheimer Wahl, ein- stimmig zum Vorsitzenden des Bezirks Rheinland gewählt worden. Dem„Verl. Tagebl." wird weiter berichtet: „Freilich patzte Herrn Eickhoff auch die sonstige Zusammen- setzung des Borstandes nicht. So wandte er sich gegen die Wahl von Arbeitern in den Provinz ial vor st and, wobei er die Zuverlässigkeit von Arbeitern in politischer Hinsicht bezweifelte. Die Angelegenheit der Wahlparole in Düsseldorf hat gar nichts mit der ganzen Affäre Eickhoff zu tun. Sie wird von Eickhoff herangezogen, um seinen Sonderbestrebungen einen sachlichen und politischen Anstrich zu geben. In Wirtlichkeit ist der Beweggrund seines ganzen Vorgehen« ausschlietzlich gekränkte Eitelkeit, weil sich um ihn nur«ine verschwindende Minderheit zusammenfindet und die rbeimsche Volkspartei von den Geheimkonvcntikeln, in denen Eickhoff Politik zu treiben liebt, nichts wissen will. Im übrigen will es unS anständiger erscheinen, einen Sozialdemokraten zu wählen, als, wie es der Abg. Eickhoff getan hat, zu sozialdemokratischen Abgeordneten zu laufen und diesen gegenüber feine eigenen Parteifreunde zu beschimpfen." Herr Eickhoff hatte auch betont, er sei froh, aus dem Bezirk Rheinland ausgeschieden und nun wieder seinem alten Bezirk Hagen angeschlossen zu sein. Diese Freude ist aber sehr einseitig, denn da! „Dortm. Tagebl." stellt fest, datz man im Bezirk Hagen von dem Llbg. Eickhoff absolut nichts wissen wolle, weil man seinerzeit froh gewesen sei, Herrn Profeffor Eickhoff an den Bezirk Rheinland ab- treten zu können, um so in Westfalen von seine» Quertreibereien verschont zu bleiben. Gefalle eZ Herrn Eickhoff nicht mehr in wahr- hast fortschrittlicher Gesellschaft, so möge er sie ganz meiden und seinem Herzen folgen. Die Fortschrittliche Bolkspartei brauche sich darum nicht zu gräme», denn sie verliere nichts als einen Querkopf an ihm. Einleitend meint die„Dortnmnder Zeitung": „Schon von jeher hat der Herr Profeffor die Rolle de? onkant tcn-ible in der Partei gespielt. Schon oft hat er durch seine meist unverzeihlichen Seitensprünge die Partei in»ine lvahrhaft peinliche Lage gebracht. Aber innner noch hat er eS verstanden, einesteils zu verhüten, daß er an die Luft gesetzt wurde, andern- teils die Dinge so zu schieben, daß seine„wichtige" Person i» den Bordergrund trat. Wenn seine Politik gar keine Gegenliebe bei den Vertrauensleuten aus den anderen westfälischen und rheinischen Wablkrcil'en fand, dann wußte er sich mit ancr- kennenswerter Virtuosität auf den uiiverstandenen Profeffor zurück« zuziehen." Zweifellos gehört der Abg. Eickhoff zu den widerwärtigsten Persönlichkeiten, die der Reichstag und Landtag auszuweisen haben. Der ServiliSniuS. den er der Regierung gegenüber bei jeder Ge- kegenhcit an den Tag legt, wirkt geradezu abstoßend. Ob freilich die Leitung der Forlschnttliche» Volkspartei den Mut hat, einem Rate der„Dortmunder Zeitung" folgend, dem Skandal in Lennep« Mettmann schleunigst ein Ende zu machen, Herrn Eickhoff also bei- feite zu schieben, muß abgewartet iverden. Landtagswahlen in Elsast-Lothringen. Als Tag für die allgeincinen Wahlen zur Zweiten Kammer des Landtages für Elsaß-Lothringen ist durch Anordnung des Statthalters der 22. Oktober d. I. festgesetzt worden. Etwa erforderliche Nachwahlen haben demgemäß am 29. Oktober stattzufinden._ Schwacher Trost. Offtubach a. M. ist die erste Stadt in Deutschland, in der die Unentgeltlichlcit der Feuerbestattung durchgeführt Ist. Vorbedingung ist»ur, daß ein Normalsarg beschafft wird, der etwa 30 M. kostet. Daß damit die Zahl der Feuerbestattungen steigt, das leuchtet auch der hochkonservativen„Schlcsiiche» Zsilmtg" ein, doch tröstet sie sich und ihre Anhänger mit dem Bemerken: „In Preuße» wird sich dieses Beispiel nicht ohne weiteres nachahmen lassen, da das preußische FeuerbestattungSgesetz vor« schreibt, daß durch die Gebühren die Verzinsung und Amortisation des Anlogekapitals der Krematorien zum mindesten gedeckt werden muß."__ Erkrankung des Papstes. Verschiedene liberale Blätter wußten dieser Tage zu berichten, daß der Papst bedenklich erkrankt sei. Darauf veröffentlicht der „Osservatorc Romano" heute abend folgende Note: Im Gegensatz zu den übertriebenen oder phantastische» Nachrichien, die von den italienischen und fremden Blättern verbreitet werden, können wir versichern, daß der Gesundheitszustand des Papstes sich bessert. Der Gichlanfall im rechten Knie hat beträchtlich abgenommen und ist in vollständiger Zerteilung begriffen. Indessen bedarf der Papst insbesondere ivegen der außerordentlichen Hitze noch mehrere Tage der Ruhe und Pflege... � � m.... Eine andere Meldung dementiert, dav der Papst von Bronchitis befallen sei. DaS geht auch hervor aus den Mitteilungen, die Staat-.sckretar Merrh del Val dem diplomatischen Korps gemacht hat. als dieies nach den gestrigen Feierlichkeitei, sich nach dem Be- finden des Papstes erkundigte und seine Glückwünsche zur Genesung darbrachte.— Heute früh besuchten den Papst seine Schwester und seine Nichte._ O welche Lust, Soldat zu sein! Ein bemerkenZwerler Militärprozcß. in de» auch einige politische Momente hineittspiele». wurde jetzt vor dem Kriegs. gericht in Dre Sd e n verhandelt. Wege» Erregung von Mißvergnügei«. Beleidigung von Vorgesetzten und aus» drvcklicher G e h o� s a m S v e r w e ig e r u n g hatte sich der Soldat zweiter Klais« und Militakgefangene Bartsch zu verantworten. Im Herbst lSOv wurde P. be, der I. Koinpagnie des Infnnierie-Rcgimentö Nr. 179 in Würzen ein« gestellt, aber bald danach wegen Fahnenflucht zu S Monaten und Versetzung in die zweite Klaffe verurteilt, weil er versucht hatte. nach seiner Aushebung in das Ausland zu gehen. Nach Ver- bllßung der Strafe kam P. ivieder nach Würzen zurück. Da er aber nun Soldat zweiter Klasse war, ivurde er verachtet und gemieden: auch verschiedene Ausdrücke mutzte er über sich ergehen lassen. Das wirkte so deprimierend auf P., daß er eines Tages dem Hauptmann die Bitte vortrug, i» die Arbeiterabteilung versetzt zu werden.„Ich bin Soldat zweiter Klasse und fühle mich nun auch als Mensch zweiter Klasse" erklärte der Angeklagte. Seinem Wunsche wurde aber nicht Rechnung ge- getragen. Eines TageS erklärte er plötzlich dem Feldwebel gegen- über, er mache keinen Dienst mehr mit und verweigere den Gehorsam: in ihm gehe etwas vor, daß er befürchtet, es könne noch mehr passieren. Dafür erhielt er acht Monate G e- f ä n g n i s I! Der ärztliche Sachverständige bezeichnete Partsch als geistig minderwertig und als einen Mensche», der an U e b e r- empfindlichkeit und Selb st Überschätzung leide. Un- mittelbar danach ereignete sich ein ganz gleicher Fall. Der Soldat Rosenthol von derselben Kompagnie trat ebenfalls vor und erklärte den Gehorsam verweigern zu müssen. Man setzte diesen Fall sofort auf das Konto des Partsch. Die Frage, ob er von P. aufgehetzt worden sei, verneinte Rosenthal: er gab aber an, datz P. einige Acutzerungen ihm gegenüber getan habe. So soll der Angeklagte nach Angaben R/s gesagt haben:„Ich lasse in i ch nicht mehr schinden, bei diesen Menschen« schindern ist es nicht anszuhalten!" Bei einer anderen Gelegenheit soll P. gesagt haben:„Du wirst es auch nicht aushalten, Dich werden sie schon noch zwiebeln I" R o s e n t h a l erhielt wegen Ge- horsamsverlveigerung neu»Monate Gefängnis! Auch ein dritter Soldat machte eine? Tages Miene, den Gehorsam zu ver« weigern, hier soll P. ebenfalls— verhetzend gewirkt haben! Nun wurde gegen Partsch ein neues Strafverfahren eingeleitet. Daß er verhetzend gewirkt habe, schließt nian aus den Aeußernngen und dem Borleben(!) des Angeklagten! P. ist vor seinem Dienst- eintritt in Leipzig gewesen und hat dort eifrig die Lesehalle be- sucht: außerdem hat er— hu hu— a n a r ch i st i s ch e Lektüre und sozialdemokratische Zeitungen gelesen. In den letzteren bat er inehrfach über Soldaten Mißhandlungen gelesen und im Anschluß daran einmal geäußert:„Wenn ich zum Militär muß, reiße ich aus!" P. steht sogar in dem Verdacht— Anarchist zu sein! DaS bestreitet der Angeklagte, gibt aber zu, sozialdemokratisch gesinnt zu sein; er habe viel gelesen und sei aufgeklärt. Di« ihm zur Last gelegten Aeußerungen bestreitet er, R. habe das nur vorgebracht, um eine geringere Strafe zu erhalten: verhetzt habe er niemanden. Der Ver- handlungsführer bemerkte darauf:„Wenn Sie derartige Zeitungen(sozialdemokratische) lesen, dann ist es Ivohl anzunehinen, daß Sie solche Aeußerungen getan haben!" Kein Zeuge vermochte zu bestätigen, daß P. ge- hetzt hat. Bezüglich der Gehorsamsverweigerung stellte das Gericht daS Verfahren ein. Dagegen hat es für erwiesen angesehen, daß der Angeklagte die zitierten Aeußerungen getan hat und zwar in der Absicht und mit dem Vorsatz— Mißvergnügen fu mache n. ES hat aus 4 Wochen Arrest erkannt und eine Ge- aintstrafe von 3 Monaten 3 Wochen Gefängnis gebildet, Oeftcmlcb. Der Sturz des KricgsmiuisterS. jeden bernünftigen Anlaß wird der KriegSminister Feld« zeugmeister v. Schönaich ein Jahr vor seinem fünfzigjährigen Dienstjubiläum in den Ruhestand geschickt. Seine Entlassung gerade in dem Augenblick, wo in Ungarn die Wehrvorlage obstruiert wird, ist sogar vom Standpunkt des Hauplmteressenten des Imperialismus und Militarismus, des allmächtigen Thronfolgers Franz Fer- diu and höchst ungünstig, denn man wird das allgemein als Sieg der Obstruktion und als Aufgabe aller Hoffnungen auf Erledigung der Wehrvorlage ansehen. Schönaich wird weiter entlassen wenige Tage vor den großen Manövern, die diesmal Franz Ferdinand zu „leiten" geruhen wird. Und hierin liegt auch die Ursache der ganz unmotivierten Fortschickung Schönaichs, der sich stets als getreuer Anwalt des Militarismus, als äußerst geschickten und in der Form einwandfreien Parlamentarier däzu erwiesen hat: Franz Fer- dinand will ihn abernichtn, ehrsehen. Vom Stapel- lauf des Dreadnought und von der Eröffnung des Artillericschieß« Platzes HajmaSker konnte der unbeliebte Minister sich drücken, bei den Manövern ginge das nicht. Also»nutz er fort in Pension. Die Völler zahlen sie ja. Spanien. Gärung bei der Kriegsmarine. Auf dem Kriegsschiff„Nomancia" kam eS vor einigen Tagen zu einer Meuterei, lieber Ursachen und Verlauf derselben läßt sich nichts Bestimmtes sagen, da die Zensur Ivieder einmal die Depeschen, die den wahren Sachverhalt darstellen könnten, zurückhält. Daß die Sache aber ernst war, geht daraus hervor, daß das Kriegsgericht sofort in Altion trat und einen Matrosen zum Tode, die anderen Meuterer— man spricht von einigen zwanzig— zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilte. DaS Todesurteil soll bereits Mittwoch- abend auf der Höhe von Cadiz vollstreckt worden fein. Auch auf anderen Kriegsschiffen soll eS unter der Mannschaft gären. Die Arbeiterbcvöllerung von Cadiz und dem benachbarten San Fernando hat als Protest gegen die Hinrichtung der Meuterer der„Nomancia"— in Cadiz ist daS Gerücht verbreitet, daß entgegen der Erklärung von CanalejaS nicht nur ein Meuterer, sondern alle htngerichtet worden sind— den General streik erklärt. Die Fabriken inußteu feiern, die meisten Geschäfte waren geschlossen, im Arsenal und in den Docks wurde nicht gearbeitet, Straßenbahn und Droschken verkehrten nicht. Die Stadt bot bei der allgcineinen Berlet, rSrnhe in den Straßen einen ungewohnten Anblick dar. In San Fernando hatte die ArOeiterschast gtcichfalls einen Llstündigen Proteststreik»»szeiiiert. Zu Ruhestörungen ist cS nirgend» ge- louunen. Cnglancl. DaS Tadelsvotum. London, S. August 1011.(Eig. Ber.) „Der Rat, der Seiner Majestät von Seiner Majestät Minister ge- geben wurde, wodurch sie von Seiner Majestät ein Unterpsand er- hielten, daß eine genügende Anzahl Peez« ernannt werden sollten, un» die ParlamcntSbill in der Gestalt, rn der sie dieses Hanö verließ, zur Annahme zu bringen, ist eine grobe Verletzung der kon« stitutioiiellen Freiheit, wodurch neben anderen üblen Folgen daS Volk davon ausgeschlossen sein wird, sich wieder über die Politik ber Homerule auszusprechen." Dieses Tadelsvotum, das mit 86? gegen L46 Stimmen in der englischen Volkevcrtretung abgelehnt wurde, gehört wohl zu den ungeschicktesten Operationen, zu denen Herr Balfour je seinen Namen hergegeben hat. ES ist ein öffentliches Geheimnis, daß Herr Balfour zu diesem Schritt von den konservativen Draufgängern gczivunacn luorden ist, die noch immer nicht begreifen wollen, daß sie die Partie um die Parlamentsdill verloren haben und die wie eingefleischte Spieler noch immer hoffen, daß sich_ in irgendeiner mysteriösen Äeiie das Glück ändern wird. Daß Herr Balfonr nicht mit dein Herzen bei der Sache war, bewies nicht allein die schwache Logik des sonst so gewandten Dialektikers, sondern auch da» erschreckend hohl klingende Pathos seiner Rede. Ilm seinen Ausführungen einen Schein der Stich- haltigkeit zu geben, versuchte er sogar eine GeschichtSfälschung, bei der er aber sofort zur Rede gestellt wurde. Der Ministerpräsident ASquith hatte daher ein leichtes Spiel, und in seiner zweiselloS meisterhaften, klaren und prägnanten AuSdruckSweise schilderte er die Anwendung de« Mittels der Peers- Ernennung als eine sich aus der eigentümlichen politischen Lage ergebende Notwendigkeit. Als von den konservativen Bänken auS verneint wurde, daß das Unterhaus augenblicklich den Willen des Voltes repräsentiere(und die LordS dein konstitutionellen Brauche nach nachgeben müßten), entgegnete Herr ASquith:„Bestreiten Sie die Tarsache? Dann will ich in einem Satze sagen, weshalb sie uilbestreitbar ist. Jedermann weiß, daß in diesem Augenblick keine andere Regierung niöglich ist. Unter einer anderen Regierung verstehe ich eine Regierung, der die Volksvertretung ihr Vertrauen schenken würde. � Es würde mich sehr erstaunen, wenn jemand verneinen würde, was ich sagen tverde. Jedermann weiß, daß eS kein verantwortlicher Minister, der von dem Herrscher zu Rate gezogen wird, in diesem Augenblick wagen würde, dem Lande unnötigerweise die Aus- regung, die Kosten und die Verwitnuig einer dritten allgemeinen Wahl innerhalb zweier Jahre zu bereiten, einer Wähl, von der niemand glaubt, daß sie ein wesentlich verschiedenes Resultat geben würde. Es nützt nichts, den Tatsachen nicht ins Gesicht zu sehen; dies sind die wirklichen Talsachen der Situation." Der klägliche Mißerfolg der Äonservation wird kaum dazu bei- tragen, die aus dem Leim gegangenen konservativen Freund- schaften, die das Tadelsvotuin wieder gut machen sollte, bald wieder herzustellen. London, 10. August. Oberhaus. Lorbprästdent des Ge- Seimen illateS Viseount M o r l e y gab in Erioiderung von An- fragen LaiiSdowneS und Midletons folgende Erklärung ab: Wenn die Parlamentsbill heute abend fallen follte, wird Seine Majestät ein- willigen, so viele Peers zu ernennen, daß ihre Zahl hinreicht, um jeder möglichen Kombination der Oppositionsparteieu zu begegne», durch welche die Parlamentsbill zum zweiten Male einer Nieder- läge ausgesetzt werden könnte. Jede Stimme, die gegen den Vor- schlag abgegeben wird, datz die LordS auf ihren Amendements bestehen. wird zugunsten einer ausgedehnten, beschleunigten Ernennung von PcerS abgegeben._ Eine Spionage-Affäre. London, 10. August. U n t e r h a n s. Mills fragte an, ob Grey auf die Verhaftung eines britischen U e o m n n r y- Offiziers jn Deutschland aufmerksam geworden sei und welche Schritte die Regierung i» dieser Sache zu unternehmen beab- sichtige. Grey erwiderte: Nach dein Bericht des stellvertretenden britischen Generalkonsuls in Hamburg ist ein britischer Untertan unter der Beschuldigung der Spionage bei Bremen verhaftet worden. Der Verhaftete hat den Beistand eines Rechtsanwalts und steht in Verbindung mit seinen Verwandten und Freunden in England. Es scheint, daß dieser Fall nach den Regeln des deutschen Gerichts« Verfahrens behandelt werden muß. Es liegt deshalb kein Grand für eine Eiinnischung der britischen Regierung vor. Die britische Bolschaft in Berlin ist angeiviesen, diejenige Unterstützung, die dem gesetzmäßigen Vertreter deS Angeklagte» billig gewährt werden kann, zu leisten. Abgeordneter Bull fragte an, ob ein Grund vorhanden iväre zu der Behauptimg, daß der Angeklagte mit den beiden wegen Spionage in Deutschland verurteilten englischen Oistzieren Handon und Trench in Verbindung gestanden habe. Grey ant- wortete, er habe eine solche Darstellung nicht gesehen. Soioeit er sehe» könne, sei sie unbegründet. Auf die Anfrage Ashleys, ob der Angeklagte tatsächlich Offizier der UeomanryS gewesen wäre, ant- wortete Grey: Ich weiß darüber nichts Gewisses. Ich habe keinen Grund zu der Annahme, datz diese Angabe falsch ist, aber ich kann sie nicht aus eigener Kenntnis bestätigen. Isapsn. Der Sozialismus marschiert! Man schteibt uns aus Yokohama vom tS. Juli: Gerade das, was die japanische Regierung durch daS Gicheimverfahren gegen Kotolu und dessen und elf setner Ge- nosseil Hinrichtung hat vermeiden wollen, ist eingetreten, nämlich daß sich fast jedermann in Japan mit der Frage des Sozialismus und Anarchismus beschäftigt, während früher nur die ivenigsten eine Ahnung davon hatten, dätz derartige Worte überhaupt existieren. Die Regierung wacht!— aber sie ist ohnmächtig und so inacht sie denn jetzt gute Miene zum bösen Spiel und sucht elneii Unterschied zwischen theoretischen und praktischen Sozialisten zu machen, doch muß der Unterschied zwischen beiden so sein sein, daß ihn die Polizeiorgaue nicht erkennen können und am liebsten jeden Menschen, sei es, wer es sei, einstecken möchten, der nur das Wort Sozialisnuts ausspricht. Das wäre beinahe dem Professor der Volkswirtschaft Okaniura an der Kyoto-Nniversität verhängnisvoll geworden, der so unvorsichtig war, in einer seiner Vorlesungen auch über Sozialismus zu spreche«, weshalb man ihm an den Kragen wollte. Da legte sich aber die Prosse ins Zeug tind verlangte endlich die uneingeschränkte Freiheit der Rede und der wissenschaftlichen Forschung, die durch die Konstitution gewähr- leistet seien, daraufhin gab die Regierung klein bei und die Polizei mußte als Prügeljunge herhalten. weil sie es nicht verstände zu unterscheiden, was Freiheit der Wissenschast- lichen Forschung(!1) und was Freiheit sei, zu reden, was man wohl dürfe, aber nicht solle. Profeffor Okamura hatte nämlich in seiner Rede die alten Institutionen„Ahnenvcrehrung" und„Familiengeineinschaft" als überlebt bezeichnet und deren Abschaffung gefordert, indem er die westländischett Einrichtungen zum Muster iiah»l. Er hatte auf die Verschiedelton Nachteile deS japatsischen Familieu- rcches aufnierksam gemacht, des Erbrechtes. Adoptiv- rechtes usw., worauf einzugeben hier zu weit führen würde; nicht genug aber damit, hatte er sogar die große Verwegenheit, zu erklären, daß die Ideen der Sozialisten der Abendländer sehr ivohl durchführbar seien, ohne die Ver- fassung zu verletzen. DaS war daS schlimmste, und so kam er aus die von der Polizei geführte schwarze Liste— Sozialisten- liste— und Ivurde überwacht. Diese Liste existiert tatsächlich und es befinden sich klangvolle Nauieil darauf, so auch der oberste Abt der buddhistischen Gemeinde, Nishi Hoitgnnji, Graf Otani und viele andere. Nun schlug Profeffor Okamura, der sich durch die Ueber- wachimg belästig fühlte. Lärm und die Presse, soweit sie nicht im Solde der Regierung, sekundierte ihn und erklärte den UnterrichtLministcr Koniatsubara und den Minister des Innern Baron Hikata für unfähig, und beschuldigten sie die Verfassung zu verletzen. Diese schoben natürlich alle Schuld auf die unteren Organe, denen zu den unzähligen Sozialisten- Verfügungen, ivieder einmal eine neue zuging, scharf zwischen wissenschaftlichen und praktischen Sozialismus zu unterscheiden. Wie die Leute dies tun sollen und können, darum schiveigt sich die Regierung aus. Es ist eigentlich von dem sonst nicht unintclligenten „gelben Jap" zu verwundern, daß er in den gleichen psehlcr verfällt wie früher dir europäischen Regierungen und Maßregeln ergreift, die an die Bisrnarck-Aera seligen Angedenkens erinnert. Nun, dein Sozialismus kann dies nicht nur recht sein, denn gerade dadurch werden die breiten Massen des Volkes, die hier stumpfsiimtg dahinvege- tieron, mit dem Sozialismus bekannt und er wird in Japan ebenso tapfer vorwärts schreiten als in anderen Ländern: es wird aber auch hier, darüber möge sich niemand täuschen, noch viel mehr JÖlut als das der zwölf„Hingerichteten" sließe», che der Sozialisnius auch in Japan die Anerkennung seiner Existenzberechtigung durchgesetzt hat. > Cew�kfchaftUchea. Internationale Gewerftfcbaftehonferenz. In Budapest trat am Donnerstag eine internationale Geiverkschaftskonferenz zusanimen, an der 29 Delegierte aus 18 Ländern teilnahmen. Die Delegierten vertreten über K Millionen Arbeiter. Am ersten Tag wurde nach langer Debatte der Anschluß der Worksrs'Work) gegen die Stimmen der Franzosen abgelehnt._ Berlin und Umgegend. Teppichweber. Wegen Lohudifferenzen befinden sich die Velour- rutenweber der Teppichsabril Schwendy, Verlin, Köpenicker Str. 7a, im Ausstand. Achtung, Maler! Die Werkstelle Schwenicke in Bernau ist Wegen Nichtanerkennung des neuen Tarifs bis auf weiteres gesperrt. Die Ortsverwaltung Berlin. Zahlstelle Bernau. Oeutkcbes Beicd. Konflikt auf der Schichauwerft. Eine Versammlung, die von mehr all 4099 Arbeitern der Schichauwerft in Elbing besucht war, hat Donnerstag be- schlössen, der Firma Lohnforderungen einzureichen. Es wird verlangt: für die Arbeiter, die unter 39 Pf. Stunden- lohn haben, 3 Pf. Aufschlag, für diejenigen, die über 39 Pf. haben. 2 Pf. Aufschlag: ferner 19prozentige Erhöhung der Akkordpreise, Ausstellung von Akkordzetteln, Einsetzung eines Arbeiterausschusses und Lohnzahlung am Freitag. Weitere Aussperrung von Metallarbeitern. In Saalfeld in Thüringen wurde am Mittwoch in 18 Metall- Warenfabriken eine Bekanntmachung angeschlagen, wonach die Fabri- kanten am 26. August 60 Proz. der organisierten Arbeiter aussperren, wenn bis dorthin die Aussperrung in Thüringen nicht beendet ist. ES kommen etwa 1000 Metallarbeiter in Betracht. Christliche Gewerkschaftsführer als Kronzeugen der Scharfmacher. Daß unsere Brüder in Christo eifrig bemüht sind, Material zur Begründung eines neuen Ausnahmegesetzes herbeizutragen, ist all- gemein bekannt. Die Scharfmacher müßten ja Narren sein, wenn sie das Gewinsel über den Terrorismus der Gewerkschaften, das die Spalten der christlichen Gewerkschaftspresse füllt und in keiner Agitationsrede eines christlichen Agitators fehlt, nicht für ihre arbeiter- feindlichen Zwecke benutzen würden. Immerhin durfte man bisher annehmen, daß die Christen der Reaktion diese Helfershelfer- dienste unbewußt und unfreiwillig leisten, daß sie die Wirkung ihrer Worte nicht abwägen, die Tragweite ihrer Handlungen nicht er- messen. Diese»mildernden Umstände" niüssen den Christen jedoch versagt werden, wenn das richtig ist, was der Syndikus der Haupt« stelle Deutscher Arbeitgeberverbände, Dr. Tänzler, am 15. Juli auf der Generalversammlung des Vereins Deutscher Papier- fabrikanten erzählte. Tänzler. der dort ein Referat über die »nationalen Arbeitervereine" hielt, stützte seine Ausführungen über den »TerroriSmuS der klassenkämpferischen Gewerkschaften" mit der Be- hauptung, daß Führer der christlichen Gewerkschaften ihm über solche Fälle Mitteilung gemacht hätten. Wörtlich führte er auS: „Mir ist persönlich von Führern von Arbeitern anderer Gewerkschaften, speziell der christ- lichen, eine Fülle von Tatsachen vorgebracht worden, die man einfach für unglaublich hält." Christliche Gewerkschaftsführer bei den Beamten der Unter- nehmer über den Terrorismus der Arbeiter flennen— das fehlte gerade noch!_ Alldeutsche Gewerkschaften. Daß die christlichen Gewerkschaften die Zentrumspolitik be- dingungsloS mitmachen. zeigt erneut ihre Stellungnahme zur Marokkofrage. Allerdings die ganze Sache hat einen starken Stich ins Komische, denn die ZentraUeitung der christlichen Gewerk« schaften kommt mit ihrer Auffassung einen Posttag zu spät, das Zentrum hat schon wieder einen anderen Kurs genommen. Sie kommt erst jetzt mit der Begründung der Notwendigkeit deutscher Jnteressenschützerei im Nordzipfel Afrikas, nachdem offiziell schon wieder erklärt worden ist, daß Deutschland nur »Kompensationen" haben will. Hören wir, was das christliche GewerkschaftSzentralblatt sagt: „ so ist das Land in wirtschaftlicher Hinsicht sehr wichtig. Und darin liegt der Grund, warum wir uns in Marokko enga- gieren. Marokko ist ein überaus reiches Wirtschaftsgebiet. Es hat eine Zukunft. Darum streiten sich die Völker um den Einfluß auf dieses Land, darum verlangt Deutschland freien Wettbewerb für alle.(WaS überdies nicht wahr ist, denn es verlangte nur für sich Agadir, und jetzt, soweit bekannt. Kompensationen! D. R.) Nur wenn wir unsere Einflußsphäre hinsichtlich des Außen- Handels erweitern können, werden wir auch in Zukunft in den Stand gesetzt sein, unser rasch anwachsendes Volk zu ernähren. D a rum/k o nnte D eut sch lan d es nicht einfach ge- schehen lassen, daß Frankreich diese« reiche Wirtschaftsgebiet zu einer französischen Ko- lonie macht und so den deutschen Handel be- schränkt." DaS sind dieselben Redensarten, wie sie in der ZentrumSpresie wochenlang alle Tage gefunden wurden. Nur sind sie dort jetzt verschwunden, denn Deutschland will ja gar nichts in Marokko, eö möchte nur fein Kolonialgebiet in Ostaftika erweitern. Aber die christliche Leitung der christlichen Gewerkschaften betet auch heute noch ihren Mitgliedern vor. was die Zentrumöalldeutschen früher hergesagt haben. Und das nennt sich dann Vertretung der Arbeiter« iiiteresien! In der nächsten Woche wird man wohl die neue Zentrums- Meinung hören. Armer GiesbertS I Die guten Sitten. Die Arbeiter der Leinen und mittleren Betriebe in der M ü n ch e n e r M a s ch i n e n i n d u st r i e sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Die bisher gepflogene» Unterhandlungen sind ergebnis- loö verlaufen, da die Fabrikanten sich weigern, E i n st e l l ö h n e festzulegen. Der Vorsitzende des Münchener GewerbegerichtS, Ge- richtSrat Sartorius, bot den Maschinenfabrikanten seine Ver- Mittelung an. Diese antworteten, daß sie das, was sie erreichen wollen, auch ohne Gewerbegericht erreichen würden. Er, der Ge- werberichier, möge erst dem Metallarbeilerverband klarmachen, daß sein Vorgehen gegen die kleinen Betriebe unmoralisch(l) fei und gegen die gut-.n Sitten verstoß--.(!!)-- Zunächst werden die Ar- beiter in sechs Fabriken die Arbeil am Donnerstag niederlegen. Die Fabrikanten drohen hierauf mit eiirer A n S s p e r r n n g.. J» diesem Falle würden zirka 8 Oestinn: Carmen. Sonntag, den 12. August, abends 8 Uhr: Lohengrin. Residenz-Theater. Direktion Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Sommcrpreise, neu einstudiert: Die vsme von Msxim. Schwank in 3 Akten von Georges Feydcau. Deutsch o. Benno Jacobsohn. Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Helgoland im Wechsel der Zeit. Eintritt 1 mark, von abends 0 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. B Dritter Wahlkreis- Sonnabend, den 12. August 1911. in der„Neuen Welt", Hasenheide: Großes Somstier=Fest Konzerf, Spezialitätenvorstellung, Turnerische Aufführungen. In den Pausen: Ülarionctten-Tbeater. FaCkelsPolonäse, wozu jedes Kind eine Stocklaterne gratis erhält. |»MMMMMMMMMMMMMMMM» Von 7 Uhr an:! Großer Ball! Daran teilnehmende Herren zahlen 50 Fl nach. P ASS AGB:::: ANOPTIKUM Das größte Scbauetablissement des Kontinents. §■?** Liebend"VQ der Mann mit der elserneii Zunge. Ein Fakir ohne Nerven. ACA die schwebende Jungfrau. Alles ohne Eztra-Entree. Passage-Theater. Abends 8 Uhr: Der erste Komiker d. Jetztzeit. IEmanuel Steiner Kochenphänomen und das große • Variete- Eröffnungsprogramm Metropol-Theater. Zum 105. Male: Operette in 3 Akten von I. Freund, Musik von Rudolf Nclion. In Szene gefetzt vom Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestaltet B Anfang des Konzerts 5 Uhr. 9 Programme an der Kasse gratis. 9 Kasseneröffnnng 3 Uhr. 213/17* Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. IOSE=THEÄTE Grosse Frankiurlcr skr. 132. Zum 177. Male: J] Kaserneuluft. Li Auf der Garteudiihue: Es gibt nnr ein Ucrlln. Grosse Revue. Reichsliallen-Tlieater. Stettiner Sänger Anfang wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Koacks Theater. Direktion: Robert Dill. Berlin N., Brnnncnstrasse 16. Konzert, Theater, Spezialitäten. Am Brunnen vor dem Tore. Liederspiel mit Dir. Di» ln den Hauptrollen. Tumm«. gelehrt. Eine schlaue Wirtin. Bei schlechtem Wetter Vorstellung im Saale._ 8 Uhr: Die grossen Spezialitäten 8-/. Uhr: Nnr noch kurze Zeit! Ensenible-Gastspiel Harry Waiden in Sein Herzensjunge. Vaudcvillc niit Ges. u. Tanz in 2 Akt. von A. Neidhardt und R. Schanzet. Musik von W. Kollo. Verantwortlicher Nedakreyr: M»tl Lubiläums-Saison 20jährig,DircItion Anton und Donal Hcrrnfelds. Seit 20 Jahren der grösste Erfolg die Novitäten nes Kind der Firma Verwandlungskomöd. in 2 Akten mit den Autoren A. Herrnfeld a. Tobias Tschepperneck. Oonat Herrnfeld als Philipp Katzenfell. Schmerzlose Behandlung Ansang 8 Uhr. Varverk. 11—2 Uhr(Theaterkasse). Prachtvoller Sommergarten. _ Lustige Pergola._ Richard Barth. Berlin. Si-r des Zentral-Verband der Zimmerer Zahlstelle Berlin und Umgegend. -»- Sonnabend, den 12. August 1911 firosses �ommer-fot zur Feier des 28. Stiftungsrestes in den Gesamträumen der Aktienbrauerei Friedrichshain, Am Eönigstor. Konzert:: Spezialitäten-Vorstellnng:: Turnerische Möhrungen Auftreten des Berliner Ulk-Trio:: Kasperle-Theater:: Xinder- fackelzng:: Brillant-Jeuenoerk:: Kinetnatbograph. In den beiden Sälen: Gr. 80MMVPNSvKKsKsN. Die Kaffeekfiche steht den geehrten Damen von 3 Uhr ab zurVerfügung. AUe Mitglieder nebst Familie sowie Freunde und Bekannte XXX sind hierdurch ergebenst eingeladen. XXX Anfane des Festes 4'/, Ehr. X X X X Entree 30 Pf. 254/15» Oer Vorstand. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Bummelstudenten. Täglich: Bummelstudenten. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Die lustigen Nibelungen. B. d. A.-S.-B. Sonntag, den 13. Augnst 1911: Gr. Sommerfest verbunden mit Instrumental- und Vokalkonzert sowie Spezialitaten ersten Banges in Neumanns Volksgarten t früher Mente), Lichtenberg-Berlin, RöderstraGe 28/29. Großes Preiskegeln Volksgarten-Theater Konzert, Theater- u. Spezialitäten- Borstellung. Margot Jackson X 0. 0. Boston Tim-Tom X Willi SchBnburn Henry Trio. Die Soff mb Japan. Kinderbclustigungen aller Art; Schaukel, Karussell, Bonbonregen etc. Bei eintretender Dunkelheit OroBcr Fackclsag, wozu jedes Kind eine Stocklateme gratis erhält. Von 5 Uhr ab TaHZ. Eröffnung 2 Uhr, Anlang 4 Uhr. Eintritt 20 Pf., an der Kasse 30 Pf. Die Kaffeeküche steht den geehrton Damen von 3 Uhr ab —— vi:---- 1--- �------ Freunde und zur Gönner wvvuw V4ÜU güCIll 1*344' v,.. w w m«.< Verfügung,— Hierzu Ladet Genossen, Freunde m ner höflichst ein 61/10 Dan Komitee. »MS Will Am Königstor. Am Friedrichshain. Jeden Abend'1,10 Uhr: Nie man Weiber fesselt Posse mit Gesang in 2 Allen. Spemlitäleii. Knatoorapb. Mmwoch: Kinderfest. Ans. wochcnlacis �. sonnt. 4 Übe. «oRdilei' WiBlergmeo �rtus-ttok Peeledeeger Str. 28, Ltendaler Str.lS Direktion: Karl Pirnau. Eeenksaed» n. Ueetean Tie Macht des Walzers. 3 Gossels mit Hunde» und Tauben Milardo, daS tanzende Kcrlchen. Ada u. Vltriod Belay, Duett. 7? Kie 7 7 der mhsteriHt Würfel, The Willuhns phantastischer Akt ujw, Ansang 4 Uhr. Vorstellluiz 6 Uhr Eolies Espriee. Täglich S'l, Uhr: Parisiana-Ensemble. 3 Franenhnte. Sie ist eine Ausuahme. DaS Strumpfband. Cousin Pamponlette. ! Lis-Arens. Geöffnet v. IG Uhr vorm. In der beiöen Jahreszeit angenehm kühler Aufenthalt. I Allabendlich: [ D. prunkvolle Eisballett| Montreal Die Stadt auf Schlltt- schoben. Neu: Pnsh- BaU-Spiel Zahlreiche Knusllaufproduktloneo. Exquisite Restanratlon bis 1 Uhr nacht». Bis 7 Uhr u. von 10'/. Uhr| abds.: halbe Kassenpreise. V oigt-Theater Gesundbrunnen, Badstrasse SS. Heute sowie täglich: �rezios». Schauspiel mit Ges. und Tanz Vo« Wolss, Musik Karl Maria von Weber. Gänzl. neue erslklass. Spezialitäten. Kasseneröffnung 2, Ansang 4'/, Uhr. Königstadl-SasiDO. Holzmarktstr. 72, Ecke A! exanderstr. Jnh.: Kar Lchindelhauer. 1.—16. August: Riese»> Welt- stadt-Programm. U. a.: Kurf Armand!, Humorist. GIIII Schwarzenberg, Tanzsoubr. Harry Bienensteins mob. Skestch. Charles Seiler, Delphischer Malakt Larc Reels, Musik- ErentriqueS. Fleurleon Terzett, Ges. u. Tanz. «nlickes Badereise. AU»x «omzner-'rJiknter Rudelf Krüger, Hasenheide 13—15. Täglich: Erstklassige Theater» und Svezialifäten-Borftellungeu. Zeltbedachter Theaiergarten, bei ungünstiger Witterung Schutz bietend. Jed. Mittwoch: Gr. Kinderfest. Donnerstag: EIJt«t»s. Lsje Bellevue. Knmmelsdnrg am See. Ind.:<1. Tempel. Jeden sonnlag: Spezialitäten-forstell. u. Garten-Konzert. Jeden Sonnabend und Donnerstag: Boireen 6er Mmanns Sänger Puhlmanns Theater Schönhauser Allee 148. Täglich im herrlichen Raturgarten: Konzert— Throttr Sptn'oiitättn. Aar oeu Inhalt ver Iuleraee Ndrrnimm: die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Inseratenteil verantw.: TH. Glocke, Berlin. Druck u-Berlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. BerlagsanMt Paul Singer u.Co.. Berlin ZW. Kr.W. 28. Iahrgavg. 2. Kcilqe des Jonuitlö" Sttlinn WIM«. kreitlig. II. Avgnß 1911. partci- Hngelegenbeiten* Zentral-Wahlverein für Teltow-Bceskow-Ttorkow- Charlottenburg. Am Sonntag, de« 13. August, mittags 1 Ustr, findet im „Volkshaus" in Charlottenburg. Rosinenstr. 3. die statt. Kreis-Generalversammlnng Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes, des Kassierers und der Funktionäre. 2. Neuwahl des Vorstandes und der Funktionäre. 3. Die bevorstehende Reichstagswahl. 4. Der Parteitag in Jena. 5. Wahl der Delegierten. 6. Provinzialkonferenz und Wahl der Delegierten. 7. Anträge und Verschiedenes. Wir ersuchen die Delegierten zur Kreis-Generalversamm- limg pünktlich zu erscheinen. Die Mandate sind am Eingang des Saales abzugeben. Gegen Vorzeigung des Mitglieds- buches ist auch Nichtdelegierten der Eintritt gestattet. Der Zentralvorstand. A.: Mar Groaer. o* Erster Wahlkreis. Sonntag, den 13. August: Ausflug nach Pichclswerder zum alten Freund. Treffpunkt von 10 Uhr an Pichels- Werder. Steglitz-Friedenau. Am Sonntagnochmittag Familien» a u s f l u g nach dem Grunewald. Abmarsch nachmittags 2l/2 Uhr von Ecke Kleist- und Grunewaldstraße. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Bildungsausschutz. Stralau. Von der gelegentlich des Sommerfestes am Sonntag veranstalteten Verlosung sind noch drei Gewinne nicht abgeholt ivorden. Dieselben sind auf die Nummern 86, 443 und 512 ent fallen und können Markgrafendamm 19, 2. Hof II bei Voigt ab geholt werden. Wannsee. Sonnabend, den 12. August, abends'/,S Uhr, im »Fürstenhof': Wahlvereinsversammlung. Lichtenrade. Am Sonnabend, den 12. August: Zahlabend im Lokale des Herrn Jantke. Da auf der Tagesordnung unter anderem der Bericht der letzten Gemeindevertretersitzung steht, ist das Er- cheinen aller Mitglieder angebracht. Falkenhagen-Seegefeld. Sonntag, 13. August, nachmittag? 2 Uhr, treffen sich alle Genossen mit Familie bei Nikolai. Ausflug nach den Bergen am Falkenhagener See. Daselbst Vortrag über: .Der Arbeiter als SonntagSwanderer und Naturschönheiten der Mark." Referent Genosse Scheld-Berlin. Gaste willkommen. Der Vorstand. berliner JSadmcbtem Angnst. Der Monat hat den Namen gewechselt, aber die Hitze ist geblieben. Wer frisches Grün sehen will, muß sich in die An- lagen begeben, wo die Gärtner und Parkwächter im Schweiße ihres Angesichts unmifhörlich die Hydranten in Bewegung setzen und durch künstliche Regengüsse Grasmatten erzeugen, die— gegen ihre verdorrte Umgebung gehalten— wirklich schon einen künstlichen Anstrich bekommen haben. Denn die sonst so gelobte Natur ist— wenigstens um die Mittagszeit— nur noch in der Entfernung zu ertragen. Fast scheut man sich, den Bahnhof Grunewald zu verlassen, wenn man nach dem Aussteigen den gelb verdorrten Grasboden erblickt, der unter den licht stehenden Kiefern fast schattenlos erscheint. Nur die alten Eichen, die noch immer vereinzelt unter den Kiefern von den alten Zeiten träumen, da der Grunewald ein mächtiger Eichenwald war, nur sie bieten noch etwas Schatten und man sieht ihren Grund daher auch ständig mit Beschlag belegt. Auch wenn endlich stürmender Regen mit Donnern und Brausen über die versengten Fluren gegangen sein wird, werden sich die Spuren einer ungcdämmten Hochsommersonne für dieses Jahr nicht mehr verwischen lassen. Sie sind zu tief eingebrannt. Man muß aber allen Respekt hegen vor einer Pflanzenwelt, die es fertig gebracht hat, diese schaudcr- hafte Reihe von schönen Tagen ausznhalten. ohne ihren Geist dabei ganz und gar aufzugeben. Wie sie das macht, ist ihr Geheimnis und nur einiges davon können wir sehen. Wie alle überzähligen oder entbehrlichen Blättchen vergilbend ab- gestoßen werden, damit das bißchen Tau oder das bißchen Wasser im Erdboden wenigstens für den Rest reiche. Wie der Wuchs kurz und gedrungen bleibt, um die verdunstende Oberfläche so klein wie möglich zu erhalten. Wie sogar der Staub, der sich über das Ganze legt und die Vegetation so mißfarbig niacht, doch wieder als Schutz vor Sonnenbrand unv Verdunstung bis zu einem gewissen Grade wirkt. Nur bis zu einem gewissen Grade, denn selbst in den Anlagen unter den Händen des Brausewasser spendenden Gärtners kann man Sträucher erblicken, die ihre allzuzarten Blättchen trüb- selig im Sontlenbrande hängen lassen. Wie in nässen Jahren eine Unmenge schädlicher Tiere. von kleinen Insekten bis zu Feldniäusen, die in ihren Löchern ertrinken, zugrunde gehen, so züchtet der heiße Sommer um- gekehrt das Geschmeiß in Hülle und Fülle. Nicht bloß im Freien, sondern auch in Berlin bekommt man das zu spüren. In den Vororten vollends gibt es z. B. keinen Bäckerladen, der nicht von Wespen wimmelt, die alles mit ebenso viel Eleganz wie Aufdringlichkeit benagen und sich als Herren der Situation fühlen. Der Höhepunkt des Sommers ist überschritten. Auch der ausgiebigste Wasscrnachschub kann uns wohl einen schönen Herbst vorbereiten, abcr�das Verblühte nicht inchr zurück- holen Schon stehen die Sonnenblumen im Flor, weit früher als sonst, und ihre leuchtenden Scheiben künden den kommenden Herbst. Um Wochen ist der Reifcprozeß durch die ungeheuere Wärmestrahlung beschleunigt worden, und aus allen Teilen des Reiches kommen die Nachrichten von der ungewöhnlich verfrühten Erntezeit. Viag eine gute Ernte diesen Hunds- tagen wenigstens den versöhnenden Stempel aufdrücken: Ende gut, alles gut l_ Die neue Grunewaldbahn zwischen Heerstraße und Spandau ist gestern vormittag landcspolizeilich abgenommen worden. Von den neuen zum Teil recht stattlichen Brücken der Grunewaldbahn ist nur der gewaltige Eisenviadukt über das Gelände der Hamburg- Lehrter Bahn bei«pandau noch nicht fertig. Die Arbeiten nähern sich aber auch hier ihrem Ende, so daß die Betriebseröffnung vor- � aussichtlich am 5. September stattfinden wird. Da die Bahn durch den hügeligsten Teil des Grunewaldes führt, mutzten ihre beiden Gleise, die den viergleisigcn Ausbau der vom Bahnhof Heerstraße nach Norden abzweigenden Fernbahn nach Spandau ersetzen soll, auf Dämme bezw. in Einschnitte bis zu 22 Meter Höhe resp. Tiefe gelegt werden, und so ist hier in der- hältnismätzig kurzer Zeit eine Gebirgsbahn en rninisture ent- standen, welche prächtige Ausblicke auf die märkische Landschaft bis Spandau hin gestattet. Im Süden, wo die Grunewaldbahn mit der Döberitzer Heerftratze fast parallel läuft; wird sie den Be- wohnern der geplanten Villenkolonie eine willkommene Schnell- Verbindung zur Stadtbahn bieten, denn die Station„Rennbahn", die mit Rücksicht aus das später hier zu eröffnende Stadion heute schon so eingerichtet ist, daß acht Züge gleichzeitig aufgestellt werden können, besitzt auch einen Bahnsteig für den nach Pichelsberg und Spandau durchgehenden Vorortverkehr, der künftia vom Fernver- kehr völlig getrennt sein wird. Der Stock des Lehrers mutz schon ungewöhnlich eifrig als ErziehungSinstrnment gebraucht worden sein, wenn seine Leistungen das Interesse eines Staats- a n w a l t s rege machen sollen. Diese Erkenntnis ist jetzt einem Arbeiter St. aufgegangen, dessen neunjähriger Sohn in der 183. Kn a b en- G emei n d es ch ule sMüllerstratze) von seinem Lehrer mit Stockhieben bestraft worden war. Nach der Prügelexekution wurde der Junge von seinem Vater besichtigt und dann einem Arzt zugeführt, der auf dem Körper sol- gendeS feststellte: auf dem rechten Oberarm einen Striemen, auf dem rechten Schulterblatt einen Striemen, auf der linken Gesätzhälste zwei blaue Flecke, umgeben von bläulichgelblicher Hautverfärbung, auf der rechten Gesätzhälste vier Streifen und weiter unten zwei Streifen, das Ganze umgeben von bräun- lichbläulicher Hautverfärbung, oberhalb dieser Partie noch zwei Streifen, in Verbindung mit bräunlicher Hautverfärbung, auf dem rechten Hüftgelenk zwei Striemen, umgeben von bläu- sicher Hautverfärbung. Der Vater erstattete gegen den Lehrer eine Strafanzeige und legte als Beweisstück ein Attest des Arztes bei. Jetzt hat der Erste Staatsanwalt beim Landgericht HI Berlin dem Vater den folgenden ablehnenden Bescheid erteilt: „Ich lehne es ab. gegen den Lehrer Raute der 183. Gemeinde- schule wegen Körperverletzung im Amt einzuschreiten. Nach den Angaben des beschuldigten Lehrers, dessen Glaubwürdigkeit zu bezweifeln keine Veranlassung vorliegt, ist Ihr Sohn gezüchtigt worden, weil er trotz mehrfacher Ermahnung eine Schularbeit nicht angefertigt hatte. Der Lehrer war daher im vorliegenden Falle zur Ausübung des Züchtigungsrechtes befugt. Eine lieber- schreitung dieses Rechtes liegt nach den gesetzlichen Vor- schritten nur dann vor, wenn die Züchtigung eine Gesundheits- beschädigung deS Gezüchtigten zur Folge hat. Dies kann durch daS von Ihnen überreichte ärztliche Attest nicht als dargetan erachtet werden. Die auf dem Körper des Jungen befindlichen Striemen sind die natürliche Folge einer jeden Züchtigung, die mit einem dünnen Stock ausgeführt ist. Die außerdem vorgefundenen dunkel gefärbten Flecke sind offenbar älteren Ursprungs und durch die Züchtigung nicht hervorgerufen." Weshalb es der Staatsanwaltschaft als„offenbar" gilt, daß die dunkel gefärbten Flecke„älteren Ursprungs und durch die Züchtigung nicht hervorgerufen" sind, darüber steht in dem Bescheid nichts. Beurteilen könnte das vielleicht der Arzt, dem der Junge zur Unter- suchung vorgeführt worden war. Der Bescheid sagt nicht, daß auch der Arzt oder überhaupt noch irgendwer außer dem beschuldigten Lehrer Raute vernommen worden sei. Ein Opfer der Hitze ist der 52 Jahre alte Posamentiec Alexander Kalkhof aus der Hascnheide 95 geworden. Der Mann brach gestern spät abends vor dem Haufe Blüchcrstr. 37 bewußtlos zusammen und wurde nach dem Kranlenhause am Urban gebracht. Als man hier mit ihm ankam, war er schon gestorben, nach ärzt- lichem Gutachten vermutlich am Hitzschlag. Unglücksfall auf dem Fcrienfpielplatz Blankenfelde. Am Mitt- woch ist eine der mit dem Abkochen für die Ferienspielkinder in Blankenfelde beschäftigten Frauen, als sie auf. den gemauerten Kllchenherd gestiegen war, um eine Unreinlichkeit zu beseitigen, ausgerutscht und in den großen Kessel mit siedendem Wasser gc- stürzt. Sie wurde nach Anlegung von Notverbänden nach dem Virchow-Krankenhause gebracht. Ihr Zustand ist bedenklich. Die Abkochfranen werden in Brankenfelde aus den rcgcl- mäßigen Gutsarbeiterinnen, die pro Dag 1,35 M. verdienen, ent- nommen. Auf dem Ferienspielplatz Blankenfelde erhalten sie neben Beköstigung 2. M. Das ist eine Ungleichheit gegenüber anderen Spielplätzen, aus denen für die recht anstrengende Tätigkeit 3 M. pro Tag gezahlt werden. Unter den Kindern hatte der Unglücksfall nicht geringe Auf regung hervorgerufen. Es dürfte sich empfehlen, für das nächste Jahr Vorkehrungen zu treffen, um diejenigen größeren Spiel- linder, welche in der Küche als freiwillige Helfer tätig sind, vor ähnlichen Unglücksfällen zu bewahren. AuS Pastor Pfeiffers Kindcrfürforge teilten wir Anfang Juni in Nr. 129 eine neue Probe mit, die ein Kind einer Frau E. betraf. Pastor Wilh. Pfeiffer ist der bekannte Masse»Vormund, mit dem wir nnS schon oft zu beschäftigen gehabt haben. Da er für etwa 2000 Kinder die Vornnmdschaft irnd außerdem noch für'etwa 600 Kinder die Pflegschaft sich hat übertragen lassen, so muß er bei der Ausübung der ihm Pflicht- gemäß' obsiegenden Fürsorge sich seines„KinderrettungSvereinS" bedtenen. Frau E., die mit ihren vier Kindern von ihrem Ehemänner- trennt lebt, hat den Pastor Pfeiffer zum Pfleger für die mei jüngsten Kinder, weil dem Ehemann das Sorgerccdt über diese ent- zogen worden ist, und zum Vormund für das älteste Kind, das sie bei ihrer Verheiratung mit E. in die Ehe mitgebracht hat. In Sir. 129 berichteten wir. datz der Herr Pastor auf Grund der ihm als Pfleger zustehenden Machtbefugnisse der Frau E. t h r zwölf- jähriges Mädchen hatte abnehmen lassen, um eS außerhalb Berlins in Pflege zu geben. Eine Helferin de?„Kinder- rettimgSvereinS" bestellte die Kletne nach dem in Treptow siegenden Viktoriastist(Frau E. wohnt mit ihren Kindern auf dem Wedding) und schrieb dann plötzlich der Mutler, sie habe Austrag erhalten, das Kind nach dem Potsdamer Bahnhof zu bringen. Als das Kind nicht zurückkehrte, lief Frau E- bestürzt zum Bureau des„Kinder- rettungsvcreins", um die Auslieferung zu fordern, aber dort war man taub gegen ihre Bitten. Am anderen Tage machte sie in ihrer Verzweiflung einen Selb ft Mordversuch, wobei nur durch rechtzeitiges Dazwischentreten einer Rachbarsamilie das Schlimmste verhütet ivurde. Die Mutter hat seitdem bis auf den heutigen Tag ihr Kind nicht wiedergesehen. Zunächst wurde ihr nicht mal gesagt, wohin cS gebracht worden wav Erst später erfuhr sie, daß man das Kind in Ballenftedt am Harz in eilt Erziehungsheim gesteckt hatte. Unklar war. womit der Herr Pastor diese Maßregel, durch die die Mutter zur Ver- zweiflung getrieben wurde, begründen wollte. Zum Pfleger war er bestellt werden nicht wegen der Mutter, sonder» wegen des VaterS, der die Mutter samt den Kindern verlassen hatte, so datz sie mit ihnen allein dastand. Frau E. genießt im Hause den Ruf einer sehr fleißigen Frau und erfreut sich allgemeiner Achtung, die ihr von 36 Mietern deS Ham'eS in einer schriftlichen Ehrenerklärung be- stätigt wurde, als die durch den Pastor veranlaßte Wegnahme ihres Kindes bekannt geworden war. Weshalb der Herr Pastor daS Kind nicht bei der Mutter belassen zit sollen geglaubt hat. darüber wurde die Mutter belehrt durch einen Bescheid des Vormundschaftsgerichts, an das sie sich mit einer Beschwerde gewandt hatte. Das VormundschastSgericht schrieb ihr: „Ihrem Antrag, Ihnen Ihre Tochter Marie E.... wieder in Erziehung und Pflege zu geben, kann vorerst nicht entsprochen werden. Der Pfleger Pastor Pfeiffer ist, nachdem Ihrem Ehe- mann die Personensorge für Ihre Tochter entzogen worden ist, als Pfleger für ihre Tochter zur Ausübung der Sorge für die Person bestellt worden und hat in dieser Eigenschaft das Kind in einem Erziehungsheim in schöner Gebirgsgegend untergebracht, wo sehr gut aufgehoben ist. Da Sie selbst dem Pfleger wiederholt geklagt haben, daß Sie sich in der größten Not befänden, voll- ständig abgerissen und ausgehungert, also außerstande seien, dem Kinde den notwendigen Unterhalt zu gewähren, so erscheint Ihr Verlangen auf Wiederzuführung Ihrer Tochter als durchaus un- begründet, da das leibliche Wohl derselben bei Ihnen gefährdet sein würde." Daß nicht eine Gefährdung des sittlichen Wohles zu be- fürchten fei, hatte von vornherein denen als selbverständsich ge- gölten, die die Frau näher kennen und sie täglich zu beobachten Ge- legenheit haben. Aber wie Hohn wirkte es auf Frau E., daß ihr jetzt geantwortet wurde, Pastor Pfeiffers Sorge für das leib« liche Wohl ihrer Tochter sei diesem ein hinreichender Anlaß ge- wesen, der Mutter ihr Kind abzunehmen. Gerade das hatte sie von dem Pastor erwartet, daß er es ihr ermöglichen werde, ihre Kinder bei sich zu behalten und an ihrem eigenen Tisch satt zu machen. Jawohl, sie hatte ihm geklagt, daß sie sich mit ihren Kindern in großer Not befinde. Aber diese Klage hatte sie ihm vorgetragen, weil sie wünschte, datz er als Pfleger ihren Ehe- mann nötigte, die Unterhaltsmittel für die Familie herzugeben. Frau E. versichert, daß ihr von ihrem Ehemann feit Monaten mir gelegentlich ganz unzureichende Geldbeträge zugeflossen seien. In dieser Hinsicht habe ihr, sagt sie, des PastorS Beistand nicht viel mehr als nichts genutzt. Dafür hat er ihr aber die Tochter abgenommen! Nach dem Bescheid deS Vormund- schastsgerichts muß man fast annehmen, daß er fürchtete, bei der Mutter könnte das Kind verhungern. Gibt es, um daS zu ver- hüten, kein anderes Mittel als die Trennung deS Kindes von der Mutter? Aus dem Wirken deS Pastors Pfeiffer für die Familie E. haben wir noch ein anderes Vorkommnis mitzuteilen, das im Gegensatz zu jener traurigen Angelegenheit erheiternd wirkt. Frau E. wollte thren ältesten Sohn aus seiner ungeeigneten Lehrstelle heraus- nehmen und einem anderen Lehrherrn übergeben. Auf die an Pastor Pfeiffer gerichtete Bitte, die Ausstellung eines Arbeitsbuches zu veranlassen, schrieb dieser nach längerer Wartezeit:„Als gerichtlich bestellter Pfleger des am 9. Dezember 1399 geborenen Max E... gebe ich meine Einwilligung dazu, daß demselben ein Arbeits- buch ausgestellt wird." Frau E. war über dieses Schrift- stück nicht wenig erstaunt; sie hat nämlich keinen Sohn Max E..., der am 9. Dezember 1899 geboren wäre. Der betreffende Knabe, den sie in die Ehe mitgebracht hat, ist am 9. Dezember 1896 geboren und führt den Namen Max W..., der z. B. noch auf dem Konsirmationsschein vom Herbst 1910 zu lesen steht. Nun ist es ja selbstverständlich, daß einer, der sich zu m Vormund für 2000 Kinder und zum Pfleger für 600 Kinder machen läßt, sich nicht persönlich um diese Schar kümmern kann, sondern aus sein Personal angewiesen ist. Pastor Pfeiffer hat aber diesen Brief selber unterschrieben, während er daS bei minder wichtigen Briefen seinem Personal zu überlassen pflegt. DaS Amüsanteste dabei ist, daß er seine Unterschrift sogar amtlich als eigenhändig hat beglaubigen lassen. Zum Zehlendorfer Leichcnsund. Der Leichenfund im Teltow» Kanal hat gestern morgen seine Aufklärung gefunden. ES handelt sich um einn Doppelselbstmord. Im Teltowkanal Ivurde gestern die Leiche deS Bräutigams deS Mädchens, deS Arbeiters Klomfaß, gefunden und zwar in der Nähe der Stelle, an welcher die Leiche der Räther gelandet wurde. Eine Untersuchung der Leiche ergab, daß Klomfaß am Schädel ähnlich, wenn auch nicht so schwere Verletzungen aufwies, wie feine Braut. Am rechten Unterarm fand man eine Schnur, die in der Mitte ausgefasert und durchgerissen war. Hierdurch bestätigt sich die Annahme, daß das Liebespaar sich aneinander gefesselt hatte und dann in den Tod gegangen ist. Die Leiche deS K. wurde nach der Leichenhalle gebracht, wo sie heute nachmittag zusammen mit der des Mädchens obduziert werden soll. Von Treptower Laubcnkolonisten geht uns folgender Notschrei mit der Bitte um Veröffentlichung zu: „Eine große Rücksichtslosigkeit gegenüber Hunderten und Taufen- den von Spaziergängern und Laubenkolonisten sowie deren Kindern besteht nun schon seit über 5 Wochen in Treptow. Hier wird die Köpenicker Landstraße kanalisiert und ist infolgedessen für den Fuhr- Werksverkehr gesperrt. Für den Verlehr nach Baumschnlenweg benutzen nun die Kutscher nicht etwa die wenige Minuten weiter gepflasterte Nene Krugallee, sondern die armen Pferde werden die Privatstraße der Stadt Berlin, die sogenannte Poppelallee, welche zwischen Köpenicker Landstraße und Neuen Krugallee von der Parkstraße abgeht, hindurch getrieben. Da diese Straße nicht gepflastert ist, so verursacht der geringste Verkehr die mächtigsten Staubwolken, in denen die Fuhrwerke so- wohl wie die zahlreichen Laubenkolonisten aus lange Zeit nicht zu erkennen sind. Erst wenn die Staubwolken einigermaßen verflogen find, die von weitem wie eine mächtige Feneröbrunst erscheinen, wagen sich die Laubenkolonisten, welche hier mit ihren Kindern frische Luft schnappen wollen, aufzuatmen; dann kommt aber ein Auto angerast, dahinter ein Bierwagcn. ein Mörlelwogen usw. und der Wüsten- fand beginnt von neuem seine Wanderung auf die Pflanzen und Lungen der bedcniernSwerten Kolonisten. Erst kürzlich ist durch Preistreibereien der Gcneralpächter, welche von der Stadt Berlin immer noch begünstigt werden, den Kolonisten eine Erhöhung de« Pachtzinses um 50 Proz. aufgebürdet worden. Daß die Stadt Berlin hierfür die Verpflichtung übernehmen sollte, diese Sandstraße, welche„widerruflich benutzt werden darf", zu sprengen wünschen wohl Tausende von Kolonisten und Spaziergänger. Aber die Stadt Berlin hat hieran scheinbar kein Interesse, ebensowenig wie die Gemeinde Treptow, in deren Bezirk diese.Prachtstraße Pr.ppelallec' liegt. Echt kriegerisch sieht da« Bild jener Wüstenstraße ans, wenn all« morgendlich unsere Soldateska hier entlangjagt. Die umliegenden armseligen Holzhäuser der Laubenkolonisten sind dann mit einer Staubschicht bedeckt, baß erst ein vierwöchiger Regen dazu ge- hört, um jene Schmutzmassen wegznwaschen. Auch jenen von uns Kolonisten mit erhaltenen Leuten im bunten Rock dürfte empfohlen werden, die Nene Krugallee, welche anr neuen Nathans in Treptow entlang führt, zu benutzen. Hier finden die Lastwagen eine gepflasterte Straße, die reichlich gesprengt wird und wo Menschen und Pferde nicht so unter der Sonnenglut zu leiden haben." Im Tiergarten erschossen hat sich gestern früh ein unbekannter Mann von etwa 26 Jahren. Schutzmänner hörten gegen 2 Uhr einen Schuß fallen und fanden den jungen Mann auf dem Spiel» platz am Rosengarten regungslos auf einer Bank sitzen. Er hatte sich mit einer Pistole eme Kugel in die linke Schläfe geschossen und war schon tot. Ter Unbekannte macht den Eindruck eines Dieners. Er ist ziemlich groß und trug einen grauen Jackettanzug flili Westengürsel, ciftc schTarzsveis; foriccl« Sporlmüh'e, Elact- Handschuhe und eine Krawattcnnadel mit einem Ainethyst. Bei ihm fand man eine Eisenbahn fahrkarte Trebnitz— Pötschen und eine Postkarte mit der Unterschrift Julius tvkajunke. Tie Karte ist an das Kindersräulein bei Wolf im Grunewald gerichtet, ohne nähere Wohnnngsangabe. Selbstmord eines Schutzmanns. Im Plänterwald erschossen sich gestern morgen der 42 Jahre alte Schutzmann Iiedler vom 7. Revier in Nixdorf. Eine Arbeiterin fand ihn gegen Sl/a Uhr im Park liegen. Er hatte sich aus seinem Dienstrevolver eine Kugel in die Brust geschossen und muh sofort tot gewesen sein. Eine neue Spezialität von Taschendieben, die sich die an- haltende Hitze zunutze machen, hat sich in Berlin gebildet. Bei der herrschenden außerordentlich warmen Witterung strömen mehr denn je abends große Mcnschenmasscn nach den beliebten Ausflugsorten wie Tegel. Treptow usw.. wo dann bei der Rückkehr an den End, Haltestellen der Straßenbahn ein starker Ansturm der Ausflügler auf die Züge entsteht. Dieses Gedränge machen sich gegenwärtig Spezialisten der Langfingerzunft in ausgiebigstem Maße und mit sehr gutem Erfolge zunutze. Die Taschendiebe arbeiten in der Weise, daß sie beim Besteigen der Straßenbahnwagen Herren oder Damen, die goldene Uhren, Halsketten, Armbänder und ander« Wertbolle Schmucksachen bei sich tragen, umringen und bedrängen, während einer der Burschen in dem herrschenden Gewühl mit großer Geschicklichkeit die Wertsachen sich aneignet, ohne daß die Be- tressenden etwas merk«». In dieser Weis« haben die Taschendieb« mit besonders gutem Erfolge namentlich in Treptow und Tegel gearbeitet, wo bekanntlich stets der größte Andrang der Ausflügler herrscht. So hatten am letzten Sonntag zahlreiche Damen den Verlust ihrer Uhren und Armbänder zu beklagen und am Mittwoch wurde einem Rechnungsrat B. aus der Grohbeerenstrahe die wert- volle goldene Taschenuhr wahrend des Gedränges an der Straßen- bahnhaltestelle in Treptow gm Sprxetunnel gestohlen. Am Mittwochabend gelang es zlvei Kriminalbeamten in einem Lokal in Treptow mit großer Mühe einen dieser Spitzbuben festzu- nehmen. Es handelt sich um einen LS Jahre alten Ungarn Paul Weiß, der schon in allen größeren Städten wie Papis, London, Petersburg usw. gewesen und dort bestraft ist. Straßcnbehimnfälle, Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich gestern mittag gegen 1 Uhr an der Ecke der Turm- und Otto- straße. Dort wollte der Radfahrer Isidor Rowapolsky aus Dramen- bürg einem Kohlenivagen ausweichen und fuhr vor dem in rascher ffahrt herannahenden Motorwagen 33ö7 der Linie 18 auf dem Gleis. Der Radfahrer wurde umgestoßen und geriet so unglücklich unter »e» Borderperron, daß er mit dem Kopf gegen di» Schutzvorrichtung anschlug. Man zog den Verletzten hervor und brachte ihn nach der nächsten Unfallstation, wo festgestellt wurde, daß St. eme» Schädel- �nch, Gehirnerschütterung, Bruch des UnterlieserS und Aerletzugg der Weichteile erlitten habe. In hoffnungslosem Zustande wurde der Verletzte nach dem Moabiter Krankenhaus« übergeführt.— Vor dem Sause Gwinemüuder Str. 75 geriet gegen Ill'/z llhr der vierjährige tto Hossmgnn. der die Warnungsfignale des Motorwagens 2004 der Linie 27 nicht beachtet hatte, unter den Vorderperron des Straßen- bahnwagenS, mit den Beinen unter den Schutzrahmen. Das Kind wurde durch das Fahrpersonal aus seiner schrecklichen Lage befreit und zu einem in der Nähe wohnenden Arzt gebracht, der eine Quetschung de« rechten Unterschenkels feststellte. Der Knabe wurde in die elterlich- Wohnung geschafft. Vom Zug zermalmt. Zwei schwere Unfälle auf Babngleiseu von Berlins vorortstrecken haben sich vorgestern ereignet. Mittwoch abend um ö Uhr kam auf dem Bahnhofe Rahnsdorf der Weichen- steller Lemke ans Wilhelmshagen, der verheiratet und Bater von vier Kindern ist, mit dem Zuge aus Wilhelmshagen in Rahnsdorf an und wollte seinen Dienst antreten. Er schritt über die Gleise, um nach seiner Arbeitsstelle zu gelangen; im gleichen Augenblick kam ein au« Friedrichshagen einlaufender Zug. L. wurde erfaßt und überfahren. Der Tod trat auf der Stelle ein. Dem Verunglückten wurden Füße und Kopf fast gänzlich abgeschnitten und auch der Körper in der schwersten Weise verstümmelt.— Unter die Lokomotive eines Berliner Eilzuges geriet der 42 Jahre alte Rangierer Karl Kleinmstcin aus der Küstriner Straße. K. hatte auf dem Haupt bahnhof in LandSberg a. W. Wagen eines Güterzuges zusammen zukoppeln, dabei trat er unvorsichttgerweise auf das Nebengleis, auf dem gerade ein Berliner Eilzug herangefahren kam. K. wurde von der Lokomotive erfaßt und überfahren. Beide Beine wurden dem Verunglückten zermalmt, so daß sie im Kraukeiihaus« amputiert werden mußte». Beim Fciisterpiitzen abgestürzt und schwer verunglückt ist gestern nachmittag das IS Jahre alte Dienstmädchen Elf» Schnitzer, das in der Großen Frankfurter Str. 11 bei Pastor Schultz in Stellung ist. Beim Putzen eines Hofseusters im ersten Stock trat sie auf dem Gesims, auf dem sie stand, fehl, fiel rücklings in die Tiefe und brach sich beide Oberschenkel. Die Verunglückte wurde von Hausgenossen auf einer Tragbahre nach der Rettungswache I in der Koppenstraße gebracht, von dort nach Anlegen eine« Notverbande« nach dein KraulenhcmS am Friedrichshain. Beim Bade» ertrank am DonnerStagnachmittag der Drechsler Karl Dähne aus Rixdorf. Wissmannstraße 24 wohnhaft. Der in den zwanziger Jahren stehende junge Mann weilte in dem alten Studentenbad in der Ratiborstraße. wo er im Nichtschwimmerbaisin badete. Plötzlich sank Dähne im Wasier unter. Da er nicht wieder zum Vorschein kam. suchte man das Bassin ab und fand D. bereits bewußtlos auf. Ein schleunigst hinzugerusener Arzt stellte Wieder- belebungsversuche mit dein Verunglückten an, die jedoch feinen Erfolg mehr hatten. Ertrunken im Freibad bei SpindlerSseld ist am Mittwochabend der 42jährige Arbeiter Gehrisch auS Köpenick. Gehrisch hatte sich überbitzt ins Wasser begeben, wurde vom Herzschlag getroffen und versank in den Fluten. Die Leiche de» Ertrunkenen wurde am Donnerstagmittag gelandet. Bom vierten Stock abgestürzt hat sich gestern die Läivesiraße 6 wohnhafte unverehelichte Ennny Marrowstti. Mit schweren Ber- letzungcn wurde die Aermste in das Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Die Ursache zu dem Schritt soll in einem Liebesverhältnis zu suchen sein. Wer ist der Tote? Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 17. Juli er. wurde im Siestaurcmt Schröder zu Schildhorn ein un- bekannter Mann erschossen aufgefunden. Derselbe war 1,- sucht, nicht aus dieser Sohle arbeiten zu müssen. Am 29. Juli hat einer der Sicherhcitsniänner den Betriebsführer darauf aufmerksam gemacht, daß die Förderuugsanlageu uicht intakt seien. Man gab ihm zur Antwort, er solle das nicht so tragisch nehme».— Die Aufregung unter der Bevölkerung wurde noch dadurch vermehrt, daß die Zechenverwaltung jede Auskunft ablehnte, insbesondere auch der Presse k e i„ e r l e i R a ch- richt gab. Bon den Bergleuten find 18 schwer. 38 leicht verletzt; einige der schwer Verletzten dürften kaum mit dem Leben davon kommen. Der Untergang des französischen Dampfers„Emir". lieber die Katastrophe des französischen Dampfer«„Emir", die sich am Mittwoch tu der Röhe von Tarifa ereignete und 93 Todesopfer forderte, wird noch gemeldet: Die Zahl der bei dem Zusammenstoß bei Postdampfer«„Emir" und des englischen Dampfers„SilverStowu" in der Meerenge von Gibraltar umgekommenen Personen wird jetzt auf 93 angegeben. Darunter befinden sich zahlreiche Marokkaner, die als Erntearbeiter nach Algier gegangen waren und in ihre Heimat zurückkehrten. Man glaubt, daß höchsten» sechs Europäer ertrunken sind. Der untergegangene Postdampfer „Emir" war ein alte« Schiff, da» die Eigentümerin, die Schiffahrtsgesellschaft Touache in Marseille, nicht mit dem Dienst i» der gefährlichen Meerenge von Gibraltar hätte betrauen sollen. Die Katastrophe trat übrigens nach dem Zusammenstoß nicht so plötzlich«in, als es nach den ersten Depeschen den Anschein hatte. Ein Franzose, der sich an Bord befand, erzählt, dnß er, als er die Dampfsirene hörte, an Deck stieg und den„SilverStown" mit mäßiger Geschwindigkeit auf den„Emir"' zukommen sah. Er hatte„och Zeit, in die Kabine hinabzusteigen und einen RettungS- gürtel anzulegen._ Verheerende Grostfener. Ein schweres Brandunglück wird aus Briefen bei Fürsten. Walde gemeldet. Dort geriet am Mittwoch gegen Mitternacht das der Firma Leimann gehörende am Oder— Spreekanal belegene Wohnschiff plötzlich in Brand. Da» Feuer griff mit solcher Schnelligkeit um sich, daß es bald da» ganze Bauwerk erfaßt hatte. Die Arbeiter und Frauen, die in dem Schiff hauste», konnten nur das nackte Leben durch fckleunige Flucht retten. Die Köchin Marie L e ch n e r vermochte sich jedoch nicht mehr in Sicherheit zu bringen, wurde von den Flammen erfaßt und verbraunte vollständig. Ter verkohlte Leichnam der Unglücklichen wurde später vorgefunden. » In Lücke» lv aide ist bei einem G roßfeuer die Bau- tischlerei von Neumai, n, Ecke Bahnhof- und Beelitzer Straße, voll st än big niedergebrannt. Dabei gerieten 69 Arbeiter in ernste Lebensgefahr. Das Feuer kam in dem Räume aus, in dem eine große Dampfmaschine aufgestellt war. Aus der Maschine flogen Funken i» die aufgespeicherten Holzvorräte und entzündeten sie. DaS Feuer griff mit großer Schnelligkeit um sich und breitete sich bald über das ganze Fabrikgebäude auS. Die in der Fabrik beschäftigten Arbeiter konnten bei der rasenden Geschwindigkeit, mit der das Feuer um sich griff,«ur ihr Leüeit retten. Ihre Kleidung und ihr Handwerkszeug mußten sie den Flammen überlassen. DaS Feuer sprang auf daS neben dem Fabrikgebäude liegende Wohnhaus de-Z Fabrikbesitzers Ncuniann über und äscherte e>3 vollständig ein. Auch eine angrenzende Hut- sabrik war bereits in Feuer geraten. Es gelang jedoch, daS Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Bei den Löschorbeiten erlitten mehrere Feuerwehrleute Ohnmachtsanfälle. Die Höhe des Schadens, der durch Versicherung gedeckt ist, beläuft sich auf über 100000 Mark. • In Offenvach brach Donnerstag früh gegen 1 Uhr Groß- scucr in dem Lederwerk vorm. Jakob Philipp Spicharz A.-G. aus, daS den ältesten Teil des FabrikctablissementS völlig ein- äscherte. Bei dem Brande ereignete sich cur schwerer Unfall, als der Arbeiter Jakob Werner sich in einen brennenden Raum begab, um seine Schuhe zu retten. Er trug schwere Brandwunden am Kopfe davon. Eine ganze Ortschaft niedergebrannt. Nach einem Telegramm auS Innsbruck ist das Dorf Lusern, die südlichste deutsche Sprachinsel Tirols, bestehend aus 135 Häusern, fast gänzlich ein Raub der Flammen geworden. Verbrannt sind Gemeindehaus, Postamt, Spitzeullöppelschule und beide Gasthäuser. Nur die italienische Trotzschule der Leng nazionale blieb verschont, weil sie abseits stand. Der Ort hat 754: deutsche und 14 italienische Einwohner. Die meisten männlichen Bewohner sind auswärts auf Arbeit. Ballonunfall. Der Ballon„ M a g d e b u r g". der am DonnerStagvormittag in Magdeburg aufgestiegen war,' mußte gegen 11 Uhr auS etwa S00 Meter Höhe bei Langenweddingen mir ungeheurer Geschwindig- keit durch die meteorologischen Verhältnisse der oberen Lustschichten l'l..... in"*>«> I II INI auf einem Ackerfeld« eilig landen. mehr vorbereitet werden konnte, Gardelegen die Beine Knöchelvruch erlitt. Da die Gondel hierfür nicht wurden dem Gastwirt Schulz- eingeklemmt, so daß er einen schweren Ein Dancrrekord. Der Moranefliöger VedrhreS hat an, Mittwoch in Paris trotz der Gluthitze den Rekord der Distanz, die bisher an einem Tage zurückgelegt worden ist, gebrochen. Der Flieger blieb von 4 Uhr 30 Min. 36 Sek. morgens bis 3 Uhr 18 Min. 18 Sek. nachmittags in der Luft und hat während dieser zehn Stunden und 06 Minuten 808 SHloinetcr zurückgelegt._ Kleine Notizen. Panik bei einer Kindcrparabe in New-Aork. Während einer Kinderparade im Badeort R o ck a w a y bei Netv-Aork brach ein Plankensteg am Strand ein. Es entstand eine große Panik. 75 Frauen und Kinder stürzten von dem Steg herab und wurden verwundet. Der Anblick der durcheinandergeworfenen Menschen er- schien zuerst als ein großes Unglück, jedoch verhütete der weiche Strandsand und die geringe Höhe des Falles eine schwerere K a t a st r o p h e. Die Explosion auf dem Dampfer„Gutcnberg". Wie ans Rotterdam gemeldet wird, ist von den durch die Explosion Um- gekommenen inzwischen noch die Leiche einer Frau geborgen. Vermißt wird dagegen noch die Leiche ihres Töchterchcns und die des Heizers Keil. Selbstmord. Der Dresdener Branddirektor Wollmar Keller hat sich gestern mit einem Revolver erschossen. Die Folge» der Hitze. In Basel und Lugano macht sich Wassermangel bemerkbar. In den westlichen Teilen de, Schweiz ist die Getreideernte schwer bedroht. Di? Früchte fallen von den Bäumen und der zweite Grasschnitt ist nicht mehr möglich._ Arbeiter Wanderverein„Berlin«. Wandersahrten am Sonnlag. den 13. August: 1. nach Schlachtensee, Freibad Wannsee, Römerschanze, i Nedlitz. Aysahrt 6,30 Uhr Wannseebahnhos. 2. Tiesensee, Gamensee, j Leuenberg. 8. Spreewald. Achtung! Treffpunkt bis 6,30 Uhr Wartesaal 4. Klaffe(bestellter Wagen). Allgemeine Familienfterbckasse. Sonntag von L— 6 Uhr Acker- straßc 123 bei Wernicke Zahlung und Ausnahme. Marktpreise von Berlin am 9, August 1911, nach Ermittelung de* Königlichen Polizeipräsidiums. W a r I t h a l l e n 0 r c i f c.(Kleinhandel.) 100 Kilogramm Erbfen, gelb«, zum Kochen 30,00—50,00. Speifcbobncn, weiße 30,00-50,00. Linien 20,00-60,00. Kartoffeln 1 1,00-16,00. 1 Kilo- gramm Nindfleifch, von der Keule 1,60— 2,40. Rindfleisch, Bauchsleisch 1,20 bis 1,70. Schweincfleifch 1,20—1,80. Kalbfleifch 1,40—2,30. Hammelfleisch 1,50—2,30. Butter 2,20—2,80. 60 Stück Eier 3,00—5,20. 1 Kilogramm Karpfen 1,40—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,60—3,60, Hechte 1,40 bis 2,80. Barsche 1,00—2,00. Schleie 1,40—3,50. Bleie 0,80—1,60. CO Stück Krebse 2,00-36,00._ Wetterprognose für Freitag, den 11. August 1911. Nacht kühler, am Tage wieder recht warm, ziemlich heiter und bor- wiegend trocken bei schwachen, veränderlichen Winden. Berliner Wclterbureau. WasserstandS'Nachrtwten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburcan ') ch- bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unterveael. I Todes-Anzeigen Am 8. August, vormittags 9'/, Uhr, verstarb»ach lange», schweren Leiden unsere liebe gute Tante 5Z03L Luise Grube im 65. Lebensjahre. Die Beerdigung findet heute Freilag, dy 11. August, nachmittags 6 Uhr, von der Halle de? alten Kakobi-KirchhoseS aus statt. Jünmllle Schmidt, Nixdorf, Weserstr. 183. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann und guter Vater, der Buchbinder 4gb 0sksn Cteong nach langen, schweren Leiden am 8.'August saust entschlasen ist. 9!» tesuvvnrlon tiintoi'bliebsnen. Witwe Anna Georg geb. Hertel und Sohn. Beerdigung am Sonnabend, nachmittags 3'L Uhr, von der Halle des städtischen Friedhoses m Friedrichssclde auS. Am 9. d. MS. verstarb unser Milarbeitcr, der Buchbinder Oskar Georg. Ehre seinem Andenken? DaS Personal der Buchdruckerci KI. S. Hermann. DieBccrdigung findet am Sonnabend. den 12. August, nachmittags ■Milhr, von der Leichenhalle des Zenlralsriedhoscs in Friedrichssclde aus statt. 59b velllseder Zahlstelle Berlin. Am 8. August verstarb unser Kollege, der Buchbinder 25/2 Osksr Georg. Ehre seinen» Andenken k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 12. August,»räch- mittags S'/, Uhr, qu( dein Zen- trol-gricdhoi in FriedrichSielde statt. Zahlreich« Beteiligung erwartet Die Ortovenvaltnng. Devtsejisr kolzsrbejler-Völ'M Den Mitgliedom gut Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Hsfinznn Konszewski am 7. August gestorben ist. Ehre seinem Andenke»; Die Beerdigung findet heute, Freitag, den 11. August, nach- mittags 3 Ubr. von der Halle des neuen Rtxdorser Gemeinde- sriedbofeS, Mariendorscr Weg. auS statt. 86/ 19 Um»regc Beteiligung wird er- sucht. Am Dienstag, den S. August. starb unser Kollege, der Klavier- arbclter Villi. Sonnenscbeiu. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Freitag, den 11. August, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle de» EmmauS-Kirchhoses in Rix- dort aus statt. Die OrtSderwaltnug. Todes-Anzeige. Am Mittwoch, den 9. d. MtS., entichlics»ach langen, schweren Leiden unsere inniggeliebte Mutler, Großmutter und Schwiegermutter karoüne Märzke geb. Schulz im Alter von 62 Jahre». Im Namen der Hinterbliebenen Robert' Rürzkc. Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 12. August, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle de» Heilands« KirchhoseS(Plötzensee) au» staii. 52062 Alle» Verwandten und Be< kannten die traurige Nachricht, daß unser lieber Bater, der Kellner Marli Xtauge nach kurzen, schweren Leiden ver- schieden ist. DicS zeigen tiefbetrübt an Erna und Karl Eange. Familie Wlczorock. Schöneberg, Koburger Str. 12 Die Beerdigung findet am Freitag, nachmittags 3 Uhr, aus dem Friedhos der AuscrflehungS- Gemeinde, Wcißensee, statt. 48b llölllLvjief �stsIIgsböiigs-Vkrdgnl! Berwaltnngsstellc Berlin. Tode«- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Willi Zeidler am 8. August verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Frcitqg, de» 11. August, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Gemeinde-Kirchhojcs in Öber-Schöncweide aus statt. biege Beteiligung erwartet 121/7 die Ortsvorwallung Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines Mannes, unseres Vaters sagen wir allen Ver- wandten und Bekannten sowie den Kollegen der A. E.-G. und dem Ehar- lottenburger Wahlverein unseren beste» Dank. 520411 Fr«» Pauline Bojaseh und Kinder. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie für die überaus reichen Kranzspenden bei der Be- erdigung meiner innigst geliebten, unvergeßlichen Fran, unserer Herzens- guten Mutter Harle Mtikke allen sagen ww sav nten, Aerivandten, Be< "innen und Ge, »ossen, überhaupt allen denen, wrllbe sich an dem sür»mS so unendlich Ichmcrzlichen letzte» Gange beteiligt baden, unseren tiesgesühlten, herz. ltchen Dank. 506 Der trauernde Gatte Friedrich Mükke nebst Kindern, Fricdrichsscldcr Straße 3. Bon der Reise zurück 111/14 Dr. Gustav Birsciifeld, Tischler«Verein zu Berlin te.» s®) Sonnabend, den Iii. August. abends Uhr, Melchiorsir.' 15- vei'iSWMlllNg. BerciusangelcgeuheUen.-- Zahle» der Beiträge. iss/is Der Vorstand. Bon der Reise zurück: ?rok.Dr.7!i.8ommerke!l!. Arzt sür Lungenkranke, 271/17 Turmstr. 3. Jerüner irtieitep- IMalirer-iereiir Mitglied deS Arbeite» Radsahrcr-Buiidet »Solidarität«. Tonren zum Sonntag, d. IS.Slugnst. Sämtliche Abtcilnnaen IS'/, Ubr nach Oher-Sehuaeweld« zum O Volksfest. K Sammclitart in Oier-Schöncweide VI, Uhr(Maritplatz, Edisonstraße). Starts an den bekannten Stellen. Lichtenberg und Umgegend. 1. und 6. Abt.: 5 Uhr: Zerpen- schleuse(Neubauer). Vereinstour zum Volkssest nach Hohen-Schönhausen. Starts an den' bekannten Stellen !>/, Uhr. Sammelstart 2 Uhr: Psarr- straße 74.. 12/6 Gäste willkomme»! R i x d o r f. �itiÄ-llmtleiihWeliel'ilani'. Gipser u.MäteiireDeMaiiiis „Grundstein zur Einigkeit". Sonntag, den 13. August, vor. mittags 10 Uhr, bei 0. V/»Ik, Kirchhosstr. 41: �itglieller- Versammlung. T ygesordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal. 2. Berichterstattung von der General- Versammlung. 3. Verschiedenes. Zu zahlreichem Besuch ladet ein 149/10 Die örtl. Berwaltung. Sozialdemokratischer Waidverein für dg» 4. Berliner{teichstagswaltlkreis. Freitag, de» 11. August 1011, abends S'/a Uhr, bei Borgmann, AndreaSstratze 21: General-Bersammlnng. Tagesordnung! 1. Der Parteita« in Jena. Referent: Landtagsabgeordneter Genosfe Ströbel. 3. An» träge. 3. Aufstellung oer Delegierten. 4. Die Brandenburger Konferenz und Anträge. 5. A»f- stslliuig der Delcgiertpfl. 6. Bereinsangelegenheiten. Tas Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Am Sonntag» den 13. Angnst, findet per Urabstimmung die Wohl der Dkttgiertkll zum Porteitag und zu der Krondenl'nrger Konsexeuz in folgenden Lokale» statt» Gesche, Oranienstr. 188 Laaser, Lausiücr Straße 23 Schulz, Förster Straße 17 Freihöfer, Gloqauer Straße 4 Grundmann, Pücklerstr. 29 Boeker, Wcbcrstr. 17 Fellenbcrg, Caprivistr. 2V Grust, Liebiqstr. 14 Einhorn, Mirbachstr. 48. Krause, Bötzowstr. 8 NZählisch, Skalitzer Straße 22 Mix, Skalitzer Straße 59 Ehlert, Wiener Straße 25 Engel, Oppelner Straße 47 Bohr, Mantenffelstr. 12 Merkowski, Andrcasstr. 26 Zieh, Warschaner Straße 61 Kirsch, Petersburger Straße 81 Fischer, Kochhaunstr. 31. „Elysinm", Landsberger Allee 49/41 Wulff, Ebelingstr. 4. � Wahlberechiigi ist nur da» Milgli-d. welches bis zum Mai d. I. seine Beliräge cnlrichiet bat. ic Wahlzcit beginnt uin V Uhr vormittags und endet um 1»hr nachmittags. Das Zentralwahlbureau befindet sich bei P a u l H o f f m a n n. Köuigsberger Straße S«. vor Vorstsnc!. 221/S' Bon der Reise zurück 620211 I>r. Silkerstein _ Berliner Str. 03. Bon der Reis« zurück: Dr. Mai Jacobsobn, 111/6 Blumenftr.«. iniqpn mm Dpamo- ii MHalmärler — aller Zentralen und Unterstationen der B. E. Sonntag, den 13. Aiigust, präzise 9'7a Uhr vormittags. Arminhallen,«ominandautcnstr. K8/SS: Vsrssmmiung. TageS-prdnung Sind die Lohnverhältnifie bei den Elektrizitätswerke» de« B. E. W. als auskömmlich zu bezeichnen 7— Ericheinen aller Bc- schäsligten ist notwendig. 145/20 Der Einberufer. Verrraltnns Berlin Heute, Freitag, abends 8'/s 9h'> im BcwerkfchaftShanse, Engel- ufer 14/15, Saal 4(Arbrltslofrnsaal) i Ltt-ung üev Ontsverwaltung. deiner Dänischer Kapitän-Kautabak in Bollen, Bündel und Enden. General-Vertrieb: Karl Röcker, Berlin 0. 27. «riiner Weg 11»(Amt VII, 3861). 1&2 OderBiruch«Gänse a Pfd. 70 u. 75 Pf. Rieins, Leber, Keulen, Liesen, Haut, Rümpfe von 2.75 an. StückcnflciHch a Pfand 65 Pf. Diese Woche besonders preiswert: ia ßratgänse 4.25, 4.50 bis 5 M. Max Schönwald Luckaoer Str. 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