Kr. 188. flbonnemaitS'ßedindungen: NbonncmcnIS- Preis pränunierando i SicrtcljShrl. 3JIO SRI., monatl. 1,10 SRI, wöchentlich 2fi Psg. frei WS HauS. Ewzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nunimer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Reue Well" 10 Psg. Post. Sbonnemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.ZcitunqS. Preisliste. Unter tlreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, PorNigal, Siumänien. Schweden und die Schweiz, Crfittlnt täglid) auC«r montags. 28. Jahrg. Vevltnev VolKsblatl. Tentralorgan cler fo2ialäemokratifcken Partei veutfcklanäs. die snseetisns-l-edllhk bekägl für die scchSgespaliene kiolonel. zeile oder deren Raum 00 Pig., für politiiche und gewerlschaftlichc BercinS» und BerlanimlungS-Anzeigen M Pig. ..Alein« Unreigen", daS settgcdru-lie Wort 20 Psg.(julasstg 2 seltgcdruclle Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen daS erste Wort 10 Psg., jede? weitere'Wort ö Psg. Worte über lö Auch. staben zählen für zwei Worte. Jnseraie für die nächste Nummer NIÜII-N bis s Uhr nachmittags in der Erpedition Idaeaebcn werden. Die Expedition ist bi» 7 Uhr abends geostnet. Telegramm- Adresiet „Soalallitllomt kiriin". lteäakrlon: 6M. 68» �inäensrrasse 69» Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. CxpccUtion: 8M. 68, Ltndcnstrassc 69» Die ausivärtige(Politik des Deutschen Reiches und die Sozialdemokratie. L Ed. B. Der Streit um die Marottofrage hat der nationalistischen Presse als erwünschte Gelegenheit ge> dient, nach Möglichkeit die Geister des deutschen Volkes gegen England und Frankreich aufzustacheln, wobei ihr die liberale und bürgerlich-demokratische Presse zeitweilig einen gewissen Rückhalt bot. Es hat' sich von neuem gezeigt, wie sehr die hetzpntriotische Presse von Land zu Land einander in die Hände arbeitet und wie verhältnismäßig leicht es noch ist, bei auftauchenden internationalen Jntercssekonflikten große Teile des Publikums mit dem Gedanken an die Unvermeid- lichkeit kriegerischer Lösungen vertraut zu machen. Das Toben der Blätter vom Schlage der„Post", des„Daily Expreß" und„Matin" würde niemand tragisch zu nehmen haben, wenn das große bürgerliche Publikum nicht doch zuletzt in den gleichen Auffassungen befangen wäre, denen jene in plumper Form Ausdruck geben. In unerschütterlicher Gegnerschaft zu den Parteien des hetzerischen Nationalismus verhält sich von Deutschlands po- litischen Parteien nur die Sozialdemokratie. Wie stark die sozialistische Arbeiterschaft Gegnerin jeder kriegerischen Aus- tragung internationaler Streitfragen ist, habsn die geradezu leidenschaftlichen Beifallsaüsbriiche gezeigt, mit denen in der großen internationalen Friedensdemonstration am 28. Juli zu Berlin jeder Satz aufgenommen wurde, der gegen die Idee eines Krieges zwischen den Kulturbölkern Protest einlegte, sowie das begeisterte Echo, das diese Demonstration in der sozialistischen Presse Deutschlands gefunden hat. Nun isk jedoch der Wille, etwas zu erwirken, noch nicht die Kraft, es durchzusetzen. Die Sozialdemokratie wirft heute in. allen Ländern ein sehr starkes Gewicht in die Wagschale der politischen Entscheidungen, aber noch in keinem Groß- staat der Kulturwelt ist es ihr gegeben, allein die Schale nach der von ihr bestimmten Seite hin zum Sinken zu bringen. Sie kann hier mehr und dort weniger dazu bei- tragen, einen Krieg unpopulär zu mächen, sie ist aber nir» gends imstande, jedwelchen Krieg ohne Unterschied zu der- hindern. Wir haben z. B. von französischen Arbeitervertre- kern tapfere Worte über die Durchkreuzung einer von ihrer Regierung ausgehenden Kriegserklärung dnrch Gegenaktionen der Arbeiter ihres Landes, wie Streik, Sabotage usw., gc- hört und zlveifeln nicht, daß es in Frankreich eine gute Anzahl von Leuten gibt, welche das Herz haben würden, den tapferen Worten gegebenenfalls die tapfere Tat folgen zu lassen. Wenn wir uns jedoch erinnern, wie schnell in einem Kampf wie der Eisenbahnerstreik von 19l0, dem große Teile des nicht- sozialistischen Frankreich unberührt gegenüberstanden, andre aus Haß gegen die Eiscnbahngesellschaften im stillen sogar den Sieg wünschten, die Anwendung einiger verhältnismäßig unbedeutender Kriegsartikcl genügte, die Versuche revo- lutionären Widerstands auf ein ganz geringfügiges Maß �u reduzieren, dann werden wir uns sagen, daß auch in Frankreich mit seinen revolutionären tleberlieferungen der gute Wille der sozialistischen Arbeiterschaft Frankreichs noch nicht genügen würde, einen Krieg unmöglich zu machen, der beim übrigen Publikum papillär ist, bezw. ihm als ein Lebens- intereste der Nation erscheint. Tie Bekämpfung des Krieges erfordert eben mehr, insbesondere eine unausgesetzte Kontrolle und Kritik der auswärtigen Politik. Denn auf keinem Ge- biet sind selbst radikal gesinnte Leute mehr in Vorurteilen befangen und daher leichter zu täuschen als auf diesem. Inzwischen kann man sagen, daß selbst die wenigen F.iedensdemonstrationen, die schon stattgesnnden haben, gutes Werk verrichtet haben. Gilt es doch, bei den verantwort- lichen Politikern der drei am Marokkohandel beteiligten Großstaaten jenes Gefühl zu stärken, das von den Hetz- Patrioten dieser Länder als„F e i g h e i t" so bitter dennn- ziert wird: die Abneigung dagegen, es um Marokkos willen zu kriegerischen Aktionen kommen zu lassen, die gegebenen- falls sich zu einem Weltkrieg erweitern könnten. Die Sozial- demokrati? hat da wieder einmal das Gegengewicht gelielert gegen die Kriegstreibereien der Abenteurer, Geschäftspolitiker und Narren in den privilegierten Schichten der Nation. Und das war keine Kleinigkeit. Denn wie viel die Berliner„Post" auch sonst geflunkert haben mag. das sreikonservative Blatt hätte in der Hetze gegen England und Frankreich schwerlich den Mund so voll genommen, wie es getan, wenn seine Hinter- männer nicht in der Tat in den Regionen der heute noch ganz oben Stehenden zu finden wären. Das gute Werk dtr Brandmarkung der Kriegshetzern wird infolge des nun ergangenen Aufrufs des Parteivor- standes der deutschen Sozialdemokratie eine bedeutende Stci- gerung erfahret. Es scheint mir aber in einem wichtigen Punkt noch der Ergänzung zu bedürfen. Es ist recht und gut, zu sagen: wir wollen keinen Krieg; die Sozialdemokratie ist aber heute ein viel zu bedeutender Faktor im politischen Leben der vorgeschrittenen Nationen, als daß sie sich in diesen Dingen auf die bloße Negation beschränken dürfte. Sie muß der Politik, die sie verwirft, das Programm einer Politik entgegensetzen, wie sie nach ihren Begriffen den Bedürfnissen der beteiligten Völker am meisten gerecht wird. Den Frieden schlechthin wird unter Umständen der erste beste Strauchdieb gutheißen, der einen Raub vollzogen hat und sich ungestört dem Genuß seiner Beute hinzugeben wünscht. Es gibt ver- schiederte Arten von Frieden, und wenn die Sozialdemokratie Frieden sagt, so muß sie auch hinzufügen, wie nach ihren Grundsätzen der postulierte Friede beschaffen sein soll. Wenn z. B. diesmal der Friede dadurch gesichert wird, daß Frankreich Deutschland gewisse Landstriche im 5longogcbicl abtritt und dafür von Deutschland freie Hand für die Be- sestigung seiner Schutzmachtstellung in Marokko erhält, so wäre das zwar sicher ein kleineres Uebcl als ein Krieg, aber es ist keine Lösung, mit welcher die Sozialdemokratie sich befriedigt erklären kann. Aus Beweggründen, die sich von denen der Alldeutschen wie Feuer von Wasser unterscheiden, und in Hin- blick auf ganz andere Ziele, als die der Hetzpatrioten, muß die Sozialdemokratie gleich ihnen jenen Handel verwerfen. Jene tun es, weil nach ihrer Ansicht Deutschland sich seine Zu- stimmung zu Frankreichs Usurpationen durch das ganze Sus- gebiet bezahlen lassen sollte. Das heißt, sie sind nicht gegen ein Schachergeschäft in bezug auf Marokko, sie wollen nur einen höheren Preis, als ihn die deutsche Regierung einge- handelt hat. Tie Sozialdemokratie dagegen hat, wie das übrigens auch der Aufruf des Parteivorstands erklärt, keine Ursache, irgend einer Verschacherung von Teilen Marokkos zuzustiinmen. Und zwar aus sehr rcalpolitischcn Gründen. Handelte es sich nämlich nur um die Ausbeutung von Bahnen, Gruben. Plantagen usw. in Mckrokko durch Kapi- talistengruppen, so wäre verhältnismäßig wenig daran ge- legen, ob deutsche, englische oder französische Gesellschaften dies Geschäft besorgten. Kapitalmangel ist das letzte, woran die Volkswirtschaft irgend eines der Großstaatcn Europas heute leidet. Obendrein ist gerade das in Unternehmungen dieser Gattung machende Kapital heute so international, daß man oft genug im Unklaren darüber ist, in welches Land der größte Teil von den Profiten eines Kolonialunternchmens abfließt, das den Stempel einer bestimmten Nationalität trägt. Marokko ist aber keineswegs nur als Objekt der Ver- Pachtung seiner Erdschätzc und Betriebe wirtschaftSpolitisch von Interesse. Es ist auch Markt für die Produkte des Gewerb- fleißes anderer Länder und wird als solcher in um so höherem Grade Bedeutung erhalten, je mehr es selbst wirtschaftlich fort- schreitet. Wie die deutsche Ausfuhr in Marokko behandelt wird, ist nun eine Frage, an der nicht nur eine Handvoll Kapi- talisten, sondern auch die deutschen Arbeiter interessiert sind; die Absatzmöglichkeiten der deutschen Industrie sind keine Spezialangelegenheit der Unternehmerschaft als Klasse. Wer- den in Marokko Zustände geschaffen, auf Grund deren die Ausfuhr eines bestimmten Landes Vorzugsstellung gegenüber der Ausfuhr anderer Länder erhält, fo wird die deutsche Volkswirtschaft und werden mit dieser deutsche Arbeiter in entsprechendem Verhältnis benachteiligt. Das jedoch ist im Gange. Im Widerspruch mit den Bc- stimmungen der Algeciras-Akte suchte das offizielle Frank- reich sich Vorzugsrechte ij» Marokko zu sichern, die bei der ganzen schutzzöllnerisch-protektionistischcn Wirtschaftspolitik dieses Landes auf Handelsmonopole Frankreichs in Marokko hinauslaufen. Wenn die deutsche Rcichsregicrung das nicht stillschweigend mit angeschen hat, so kann man sie deswegen allein noch nicht tadeln. Sie hat das Recht und damit zugleich auch die Pflicht, darauf acht zu geben, daß die Bestimmungen der Algeciras-Akte, welche allen Nationen gleiche Handels- politische Behandlung in Marokko zusprechen, nicht hinten- herum znm Schaden von Deutschlands Industrie und Handel durchlöchert werden. Statt aber sich auf den Standpunkt der Wahrung internationalen Rechts zu stellen und zu verlangen, daß der internationalxs Recht gewordene Vertrag von Algeciras streng sinngemäß eingehalten werde, wodurch sie alle Welt außer einer verhältnismäßig kleinen Kliaue fran- zösischer Kapitalisten und Bentcpolitiker äuf ihre Seite ge- bracht hätte, hat sie einfach sich znm Hehler jener Einbruchs- Politik gemacht und Abfindung für die Zustimmung zur Durch- löchernng jenes Vertrages verlangt. Noch ist nicht bekannt, wie hoch oder niedrig die eingehandelte Abfindung ausfallen soll. Aber wenn die Hetzpatriotcn der„Post" und Konsorten darüber heulen, daß Deutschland sich anschicke,' ein mageres Trinkgeld zu nehmen, wo es beim Einbruch hätte kräftig mit zugreifen sollen, um einen fetten Bissen zu erhaschen, so müssen wir es verurteilen, daß Deutschland überhaupt sich quasi zur Rolle des Hehlers erniedrigt hat. Es hat sich nicht nur zum Mitschuldigen eines Rechtsbruchs gemacht, sondern sich auch an den besten handelspolitischen Interessen der Nation versündigt. ver ktstholiltentag. Wenn der ZentmmSobgeordnete Graf Galen die Präsident- sckiaft deS Mainzer Katholikentages mit den Worten annimmt: „Und so tkete ich denn mein Amt an im Vertrauen auf Gott, auf meinen Schutzengel und die aller- selig st e Jungfrau, die Patronin unserer Katho- likentage"— so dürfen wir fragen: sind das Gedankengänge. denen ein Angehöriger des zwanzigsten Jahrhunderts noch folgen kann? Und wenn ein anderer Zentriimsabgeordneter, Oberlandes» gerichtsrat Marx aus Düsseldorf, als Katholikentagsredner die Konfefsionalität der Schule aus dem Grunde fordert, iveil im Katechismus steht:»Wir sind auf Erden, um Gott zu erkennen, ihm zu dienen, ihn zu lieben und dadurch in den Himmel zukommen"— so drängt sich die Frage auf: ist mit einem solchen Manne eine Diskussion über die Schule oder sonst ein politisches Thema möglich? Das sind zwei Beispiele von hundert anderen, durch die sich die klerikale Welt- und LebcnSausfasiung auf dem Mainzer Katholiken- tage offenbarte, und wir haben mit Absicht zwei Laien heraus- gegriffen, weil man ähnliche Worte bei Geistlichen als selbstverständlich voraussetzt. Wenn man die Redner eines Katholikentages hört, so ist es, als ob man Menschen aus einem früheren Jahrtausend, Menschen auS einer anderen Welt vor sich hätte. Und doch handelt es sich nicht um verzückte Gcitzelbrüder oder um weltcntflohene Säulenheilige, es sind Menschen unserer Zeit, Leute, die im öffent- lichen und gesellschaftlichen Leben eine Rolle spielen. Und zu ihren Füßen sitzen Tausende, ebenfalls Menschen nnsercr Zeit, die bei solchen Worten in Bewunderung über so viel Weisheit und Wahrheit, in stürmische und anhaltende Bei- fallskundgcbungen ausbrechen. Und meist genügt ein Name, ein nichtssagendes Schlagwort, eine abgegriffene Phrase mit frommem Anklänge, um solche Bewunderung und Bcifallskuiidgchung hervor» zurufen. Man wird gestehen mkiffen, daß das für Parteiführer ein Mcnschcnmatcrial ist. mit dem sich leicht und bequem arbeiten läßt. Und die klerikalen Führer wissen das zu würdigen. Sie ersparen ihrem Gefolge das Denken und sind sogar eifrig bestrebt, eS von jeder Möglichkeit abzuhalten, sich ein eigenes Urteil zu bilden und eine eigene Meinung zu äußern. Alles, was im klerikalen Lager geschieht, liegt im Willen GotteS.„ Ornnia instaurare in Christo 1" Alles in Christo erneuern— diesen von Papst Pius X. verkündeten Grundsatz hat der KlcrikaliSmus zum Leit- gedanken seiner Politik gemacht. Es gibt kanm noch eine Rede auS ultramontanem Mniide, kaum noch einen Artikel in der Zentrums- presse, wo nicht auf das Papstivort Bezug genommen wird. Die „göttliche" Mission, alles in Christo zu erneuern, geht vorn Papst Über auf alle, die sich zum Verkünder seiner Gedanken machen, mag es sich nun um einen Bischof, einen Dorfkaplan oder einen Dutzcndagitatoren deS Zentrums handeln. Und so wandelt sich denn der Sinn des Papstwortes um in den richtigeren und handgreiflicheren: Alles im Interesse der römischen Kirche. deS Klerikalismus, des Zentrums er« n e u e r n! Man mag die von mancher Seite gehörte Meinung, daß die Macher und Redner der Katholikentage Komödie spielen, ans sich beruhen lassen. Eins steht fest, sie sind sich der Wirkung ihres heilig» mäßigen AustrelenS bewußt. Und cS steht weiter fest, daß sie ihr Pastorales Pathos nicht nur zu religiösen Zwecken, sondern auch im Jnteicsse ihrer recht irdischen und materiellen Bestrebungen aufwenden. Ihre Neigung, sich auf den Herrgott zu be- rufen, wird mit geleitet von der Erfahrnng, daß sie damit am besten die gläubige Menge ihren politischen und Wirt- schaftlichcn Zwecken dienstbar machen können, DaS zeigt sich in der Frage, die dem diesjährigen Katholikentage sein Gepräge gab, deren Wichtigkeit in den Reden immer wieder betont und der eine ganze Reihe von Beschlüssen gewidmet wurde: in der Schulfrnge, in dem Bestreben,, die ganze Erziehung des Volkes bis an die Grenze des ManncsalterS dem KlerikaliSmus auszuliefern. Der KlcrikaliSmnS sieht sich in anderen Ländern durch die auf Trennung von Staat und Kirche ausgehende bürgerliche Gesellschaft stark bedrängt und seines Einflusses mehr und mehr beraubt. In Deutschland wagen Regicrnng und bürgerliche Parteien mit der Kirche nicht anzubinden. Aber Deutschland hat nicht umsonst seine Wissenschaft und seine gebildeteVevölierung.cshat nicht umsonst seine S 0 z i a l d e m 0 krati e, als daß die Kirche nicht auch hier das Nahen gefährlicher Zeiten zu fürchten hätte. Namentlich ist es die Sozialdemokratie, die dem KlerikaliSmus zu schaffen macht, weil sie die Massen zu freierer Auffassung der Dinge erzieht und in KampfeSstellnng zu ihren bisherigen geistlichen und weltlichen jFührern bringt. Der KlcrikalismuS will vor- beugen, er will retten, was noch zu retten ist. Darum sein Bestreben, den Menschen in seiner Kinder- und Jugendzeit zn packen, wenn er unter dem Schulzwange sich nicht wehren kann gegen die Wunder» lichkciten einer überstände»?» Wclianschaumig, gegen die cnt- ivürdigende Lehre, daß der Mensch zur Bescheidenheit, zur Demut verpflichtet, zur Entsagung, zum Elend verurteilt und erst im Jen- seits zum Glück berufen sei. Wenn das acht Jahre in der Volks- schule, einige Jahre in der FortbildnngSschule und noch einige Jahre im Heeresdienst eingeprägt und eingebläut wird, kann es seine Wirkung, so rechnet der KlerikaliSmus, auf daS fernere Leben nicht verfehlen. Die„christliche Weltanschauung" ist gerettet I Die Mensch- hcit ist dem KlerikaliSmus wiedergewonnen I Und wenn'S nicht bei jedem anschlägt, bei einem Teil blcibts doch sitzen und man be- gnügt sich auch damit. DaS ist der wirkliche Grund, der die klerikale Führerschaft weit- sicher und geistlicher Art veranlaßt, ihre anmaßeitde Hand auf daS heranwachsende Geschlecht zu legen, um es zu gläubigen Anhängern der Kirche und zu willigen MeHrern der Kapitals- und der Grund- rcnte zu erziehen. Natürlich darf daS nicht gesagt werden, mid so beruft man sich dann auf den Willen GotteS, der nicht haben will. daß die Jugend im Unglauben aufwächst und die Menschheit dem Umsturz versällt. Der Papst, der Stellvertreter Gottes auf Erden, will es so— verkündete Fürst AloyS Löwenstein in seiner Rede über daS Pontifikat Pius Xi »Die Erneuerung der Menschheit sieht Pius X. in der möge lichsien Durchdringung de-Z einzelnen Menschen niit dem Geiste Christi. Er beruft sich da auf das Urteil des Völkerapostels PauluS.'„Einen anderen Grund kann niemand legen, als der gelegt ist, Jesus Christus." Diesen Grundstein will er in den Priestern legen, diesen Grundstein im Volke. Und da beginnt der Papst mit den Kinder». Schon in dem Rundschreiben„Äcerbo nimis" tiorn 15. April 1605 gedenkt er' der Kinder besonders und regelt ihren Religionsunterricht für die Länder, in deren Schulen er nicht erteilt wird. Den französischen Bischöfen ruft er zu: Opfert alles, aber erhaltet die christliche Schule! Die englischen Katholiken ermutigt er imKampfe für ihreSchulen. Der Hl. Vater sieht in dem Kampf um die Jugend den Kampf um die Zukunft: in dem Ausgang dieses Kampfes die Entscheidung für das Wohl oder Wehe der Menschheit. Und so greift er denn zu den stärksten Waffe», welche dem Arsenal der Kirche von ihreni göttlichen Stifter anvertraut find, und drückt sie den Kindern selbst in die Hand. Wo alle Wehren'zu zersplittern scheinen, wo alle Schutzmauern weichen und unsere Jugend, kleine Kinder schon, dem Ansturm des Unglaubens, des llinsturzes vvn allem Heiligen, der Sitten» l o f i g k e i t preisgegeben sind, da kann nur die Allmacht des göttlichen Kinderfrenndes noch retten. Die hl. Kommunion, die nicht eine Belohnung vollkommener Seelen, sondenr die Arznei schmacher Menschenkinder sein soll— mit strengen Worten hat Pius X. diese Wahrheit in unser Bewuhtsein zurückgerufen—, soll die Kinder schon im zarten Alter stärken, damit sie geheiligt seien, bevor sie den An- griffen ihrer„Feinde ausgesetzt werden." Natürlich, wenn ein klerikaler Führer sich aus den Papst, den Unfehlbaren, auf den heiligen Vater, den Stellvertreter Gottes, beruft, was bleibt da dem gläubigen Katholiken übrig, als dem Redner, der so hohe Dinge zu verkünden berufen ist. stürmischen Beifall zu spenden. Gott will es so! Und ob es sich um einen hochwürdigsten Herrn Bischof oder um einen klerikalen Landesherrn oder um einen hinterwäldlerischen Zentrumsagitator handelt, sie„instaurieren unter Berufung auf den Papst alles in Christo". Das ist eine Auffasiung für Kinder, und da sich Erwachsene nicht mehr dafür gewinnen lassen, sucht der Klerikalismus zeitlebens die Menschen im Zustande der Kindheit zu erhalten, indem er sich der Schule und der Erziehung bemächtigt. Es ist der letzte Versuch des Klerikalismus, seine Herrschast zu retten. ES wird ihm nicht gelingen, auch wenn unsere vor der Sozialdemokratie zitternden Regierungen ihm noch so sehr zu «Willen sind. Es ging durch die Reden des Mainzer Katholiken« tageS ein einziges Klagen über die Not der Kirche, die Zunahme deS Unglaubens, die wachsende Macht des AntichristS. Und es ging weiter durch die Verhandlungen die quälende Sorge um die Einigkeit im klerikalen Lager. Auf keinem Katholikentage ist so stark und so häufig die Notwendigkeit des Zusammenhalts betont worden— ein bedenkliches Zeichen, daß es mit der Einigkeit schlecht bestellt ist. Der Bohrwurm des Zweifels sitzt im Gebälk des Kleri- kaliSmuS und seine Quadern sind angefressen und zermürbt vom Geiste der neuen Zeit. Nicht in der christlichen Lehre von der Ent- sagung und Unterordnung wird die Welt erneuert werden, sondern im Geiste der Demokratie, der Gleichherechtigung und der Freiheit! Sie fflarohlioaffäre. Der Aufruf deS Parteivorstandes gegen die Kriegshetze und den Marokkoschacher w.rd von unserem französischen Brudcrblatt, der„Humanitö", vollinhaltlich wiedergegeben. Die„Humamte" schreibt dazu: „ES ist wertvoll, immer von neuem wieder der von der französischen Bourgeoisie verbreiteten Verleumdung entgegen- zutreten, nach der die Sozialisten Deutschlands als gelehrige Schüler der kriegerischen Absichten des Imperialismus hin- gestellt werden. Genau so wie die Herrschenden von da drüben— Genosse Bauer erinnerte erst kürzlich in der Ver- sammlung im Wagramsaale daran— unseren deutschen Ge- nosscn gegenüber den„Patriotismus" der französischen Sozia- listen nicht genug zu rühmen wissen. Ferner kann man kaum bestimmter und klarer als in diesem Aufrufe dartun« daß die Aktion des Sozialismus gegen den Krieg sich nicht auf rein platonische Friedens- beteuerungen beschränkt. Sie richtet sich vielmehr direkt gegen du» Ursachen des Krieges, die im Kapitalismus ihre Wurzel haben, vor allem aber gegen die koloniale Entwickclungs- Politik als der Schöpferin der Konflikte. Wie man sieht, haben unsere deutschen Genossen nicht die Absicht, sich mit dem Erfolge der zivei oder drei internationalen Kundgebungen zu begnügen. Sie setzen in ihrer Heimat den Kampf fort, indem sie ihn verschärfen. Das ist die Pflicht der Arbeiterklasse in allen Ländern." Uebrr den Stand des SchachergeschäfteS weiß der„TempS" vom 12. August zu melden: Der Minister des Aeußcrn de SclveS hat heute vor» mittag den englischen Botschafter empfangen. Der Stand der sranzösisch-deutschen Verhandlungen ist absolut stationär. Ueber das Zustandekommen der nächsten Zusammenkunst ist zwischen Herrn v. Äiderlen-Waechter und Eambon nichts festgesetzt worden. Es ist nicht möglich vorauszusehen, ob diese Bc- sprechungen zu einer Festsetzung eines Einvernehmens führen werden. Die Franzosen„beruhigen" wieder. Tanger, 12. August. General Moinirr ist zu einem Strafzuge nach Sestu aufgebrochen. Der Gouverneur von Sefru hat dem Sultan mitgeteilt, datz die Stadt von Ausständigen umgeben ist, und daß er sich mit feiner geringen Truppenmacht ergeben muß, wenn ihm nicht bald �jilfe zuteil wird. General Moinier hofft, mit seiner Kolonne die vor Sefru lagernden Berberstämme zu unter« werfen und die Verbindung zwischen der Stadt und FeS endgültig zu sichern. Neue Truppeutrausporte der Spanier. Paris, 12. August.»Paris Journal" berichtet au? Tanger: Die Spanier setzen ihre Truppenlandungen in Larrasch fort. Gestern ist eine halbe Schwadron Kavallerie unter Führung deS Leutnants Machinez gelandet worden. Oolitifcbe(leberliebt. Berlin, den 12. August 1911. Ein Protest gegen die Marokkodelirien. Selbst den Getreuen deS Herrn Harden ist der kriegs- hetzerische Tobsuchtsanfall ihres Meisters denn doch zu toll gewesen. Sie haben seiner genialen Politikerstirn ivohl durch entsprechende Zuschriften die notwendigen Eiskompressen appli- ziert, denn in seiner neuesten Nuntmer ruft er nicht niehr zum Kriege gegen Frankreich auf, sondern er begnügt sich damit, über die diplomatischen Qualitäten der Kederlen-Waechter und Bethmani, Hollweg allerhand Witze zu reißen. Dazu langt's ja bei Herrn Harden. zumal bei so dankbaren Witzobjekten. Ganz ohne Anreizung zum Menschenmord en gros geht es freilich bei einem solchen Berserker lvie Harden nicht ab. Nur begnügt er sich diesmal mit der Forderung einer neuen südwe st afrikanischen Menschen- schlächterei, mit der Bekriegung der O v a m b o:„Warum wird das Ovamboland nicht, nach einem Vicrteljahrhundert schädlichen ZaudernS, erschlossen und den Bantuhäuptlingen der Spott über deutsche Ohnmacht ausgetrieben?" Der Gemütsmensch Harden möchte also nun auch den Norden des Landes entvölkert haben! Aber interessanter als Hardens bombastisches Kauderwälsch ist eine Zuschrift, die die„Zukunft" in der gleichen Numnier veröffentlicht. Diese Zuschrift stammt von einem ehe- maligen Offizier und jetzigen Kaufmann und lalltet folgendermaßen: „Ein Flottenstützpunkt an der marokkanischen Westküste: Das ist sicher zwar ein strategisch richtiger Gedanke, aber praktisch undurchführbar. Wenigstens müßten Engländer und Franzosen mit Blindheit geschlagen sein, wenn sie uns einen solchen Platz erwerben ließen, ohne die Kosten dafür durch große Eingeborenenaufslände in absehbarer Zeit ins Unbezahldare zu steigern. Weder England noch Frankreich hätte Grund, sich persön- lich gegen die Sache einzusetzen. Dazu genügen vollkommen ge- schickte Agenten im Lande selbst. Jeder Quadratkilometer maro kl anischenBesitzeSwürdegerade uns Millionen kosten, sogar bei völlig blauem europäischen Konzcrthimmel. Selbst die allerreich st en Minenschätze könnten also nieni als einbringen, was ihre Erwerbung uns gekostet hätte. Wenn man durchaus neuen Boden für deutsches Blut und Geld braucht, so liegt die Lüneburger Heide mit ihren sehr großen EniwickelungSmöglichkeiten uns ja wesentlich näher und bequemer; ist dabei erheblich billiger. Da- gegen liegt eS durchaus im Interesse Deutschlands, Marokko soviel wie möglich unter französischen Einfluß zu bringen, der in kurzer Zeit das französisch- englische Bündnis illusorisch machen muß und unS immer wieder Gelegenheit gibt, Frankreich in Marokko selbst so lästige lokale Schwierigketten zu bereiten, dgß man stoh sein wird, wenn wir unsere Gewehre und Kanonen nicht auf Paris richten. Die jetzt so oft gehörte An- kündigung des schwarzen oder berberisch- maurischen Armeekorps tst geradezu lächerlich. Frankreich wird, bei halbwegs geschickter Haltung Deutschlands, aus Nordwestafrika nicht nur keinen Mann gegen uns mobil machen können, sondern, im Gegenteil, noch in jedem Jahre zwanzigtausend Mann Elite- tr uppen aus der Heimat nach Marokko senden müssen, um dort Ruhe zu schaffen. Die Kosten solcher Expeditionen sind leickit zu berechnen. Ich will mich anheischig machen, mit einigen Mlllonen Mark in Marokko solche Unruhen zu stiften, daß den Leuten Hören und Sehen vergeht. Je mehr sich Frankreich dort festsetzt, um so besser für uns.'_ Fürst Hatzfeld und die„Post". Wie der Mg. Brunstermann, der Schriftführer der Reichspartei, mitteilt, hat er die.Post' um Aufnahme folgender Berichtigung ersucht: Die Veröffentlichung des Briefes des Fürsten Hatzfeldt an mich ist mit dessen ausdrücklicher Genehmigung erfolgt. Zur mecklenburgischen Verfafsungsreform. Die mecklenburgische BerfossungSreform kommt nicht vom Fleck. da die»R i t t er fch a ft' sich nicht im mindesten geneigt zeigt. auch nur einen geringen Teil ihrer Privilegien aufzugeben. Alle Borschläge, die sie bisher gemacht hat, lausen nicht nur darauf hinaus, ihr die unbestrittene Mehrheit im Landtage und das ab- olute Vetorecht gegenüber allen Beschlüssen der Städte und des großen mecklenburgischen DomaninmS zu sichern, sondern sie nebenbei auch noch in steuerpolitischcr Hinsicht günstiger zu stellen als bisher. Als echte extrem-konfervative Patrioten beanspruchen die Ritterguts- besitzer für sich die weitgehendsten politischen Vorrechte, während sie, großherzig wie sie seit alterSher sind, das Steuerausbringen gerne dem.Pöbel" überlassen. Auch die jüngst von den Führern der mecklenburgischen Rittergutsbesitzer auf dem allgemeinen ritterschaft- lichen Konvent zu Rostock aufgestellten Grundsätze einer VcrsassungS- reform tragen diesen Charakter. Der Großherzog von Mecklenburg- Schwerin hat diese kuriosen VerfassungSvorschläge bereit? abgelehnt, nicht aus„Liebe zu seinem Boll", sondern im wohl- verstandenen eigenen pekuniären Interesse; doch war seine Zurückweisung der getreuen und geliebten Ritterschaft ziemlich matt. Weit stärkere Töne hat heute nach einem Bericht der mecklen- burgischen„Landeszeitung" der Großherzog von Mecklenburg- Strelitz angeschlagen, als ihm eine Abordnung der Rittcrfchast beider Mecklenburg, die auf dem erwähnten ritterschaftlichen Konvent zu Rostock am 13. Juli d. I. angenommenen Resolution überbrachte. Er sagte: Meine Herren! Der mir bereits bekannte Inhalt der von Ihnen überreichte» Resolution meiner getreuen Ritterschaft erstillt mich mit Betrübnis und aufrichtiger SoM und zwar um so mehr, als dieser Beschluß nach dem Inhalt der Ansprache, mit der er mir soeben überreicht ist, unzweideutig Narlegen soll, zu welchen Opfern die Ritterschaft bereit ist, und welche Grenzen sie sich gezogen hat. Ich muß daraus entnehmen, daß meine getreue Ritterschaft zu einem weiteren Entgegenkommen bei der Lösung der für die Wohlfahrt meines Landes so wichtigen und bedeutungsvollen Frage der VcrfasiungSresorm zurzeit nicht willens ist. Ich be- bedauere daö um so mehr, da meine zu der Frage der BerfasiungS- rcform biSber eingenommene Siellung, inSbetondere auch die Ant- wort, die ich seinerzeit einer Abordnung von Mitgliedern beider Stände bei Uebcrreichung der sogenannten Güstrower Beschlüsse erteilt habe, keinen Zweifel darüber aufkommen lassen konnte, daß ich den mir jetzt überreichten Beschluß der Ritterschaft als eine geeignete Grundlage für weitere Verhandlungen über die Verfassungsreform nicht ansehen kann. Ich bin stets der Ueberzeugung gewesen, daß die Notwendigkeit einer Acnde- rung der bestehenden Landesversassung vor allem auS der Notwendigkeit entspringt, weitere Kreise der Bevölkerung zur Be- ratung und Beschlußfaffung über die wichtigsten Landesangelegen- heiten heranzuziehen, und zwar schon aus dem Grunde, weil die persönlichen und pekuniären Opfer, die für die Forderung der Landesinteressen gebracht werden ntiissen.lvie in allen deutschen Staaten, so auch bei uns von Jahr zu Jahr größere und be- fchwerlichere werden. Dieser Notwendigkeit trägt der ritterschaftliche Beschluß in nicht genügendem Maße Rech- nung. Weiter fordert dieser Beschluß die Uebertragung des vollen Budgetrechts an den neuen Landtag, der zum»yndestei, zu zwei Dritteln aus Vertreten, der jetzigen beiden Stände zusammengesetzt sein soll. DaS bedeutet unter anderem, daß ich auf das mir zustehende unumschränkte LandeSrcgiment, insbesondere auf mein uneingeschränktes landesherrliches Bcrwaktungs- und GesetzgcbungSrechr im Domanium zugunsten eines Landtags verzichten soll, in welchen, nach wie vor da« rein ständische Element von absolut ausschlaggebender Bedeutung sein würde. Wenn ich nun auch zu einein so schwerwiegenden Opfer und zur Aufgabe eineS in der ständischen Berfafiung begründeten wesent- lichen Teils der mir von meinen Vorfahren überkommene» landesherrlichen Gewalt bereit bin, so findet doch auch meine Bereit- Willigkeit ihre Grenze da, wo es sich weniger umdaS Wohl des Landes als in praktischem Verfolg um einen Machtzuwachs der jetzigen Stände handelt Eine Landesvertretung, deren Zusammensetzung westereu Kreisen der Bedörferung eine ihrer wirtschaftlichen und Intellektuellen Vi« deutung entsprechende Mitwirkung an der Erledigung der Landes- angelegenheiten gewährleistet, werde ich gern lind freudig ge- währen, was sie zu einer gedeihlichen Tätigkeit bei der Erledigung der ihr obliegenden Aufgaben bedarf." Gegen den Reichsfeind! Die„Mitteilungen aus der konservativen Partei" bringen einen .flammenden" Aufruf zum Kampfe gegen den„Reichofeind". Ter Reichsfeind ist natürlich die Sozialdemokratie. Und es schmerzt das staalSerhaltende. reicbstrcue Gemüt des BerfafierS bitter, datz die Regierungen, sogar die ReichSregierung, den volksfeindlichen Charakter der Sozialdemokratie so sehr verkennen, daß sie gelegentlich mit ihr „paktieren". Gesetze wie die Verfassungöreform von Elsaß-Lothringen, aus ihren Händen entgegennehmen, kurz, sie behandeln wie jede andere Partei. Die Sozialdemokratie, so deklamiert das konservative Organ. sei eben gar keine Partei, sondern„ein sich bildender ReuoluiionS- Herd", darum sei ihr auch das Recht abzusprechen,„als eine Partei des Landes bewertet zu werden". Wörtlich heißt es: „Die Sozialdemokratie ist heute eine durch und durch revolutionäre Partei. Sie hat noch nicht einen einzigen ihrer Grund- fätzeaufgegeben. Sie erstrebt die Vernichtung unseres National- st a a t e s zugunsten einer internationalen Republik. Sie erstrebt programmatisch die„Expropriation", d.h. die entschädigungslose Enteignung aller Pro- duktivmittel, der Fabriken so gut wie des Acker- b o d e n e. Sie ist stets bereit, das Deutsche Reich gegen daS Ausland wehrlos zu machen. Ja. viele ihrer Vertreter haben unzweideutig ihrer Hoffnung Ausdruck gegeben, daß Deutschland in dem nächsten großen Kriege möge besiegt werden, damit sie dann im Rücken der geschlagenen deutschen Armee ihre umsrürzlerischen Experimente beginnen können. Eine Partei, die sich so zu ihrem Vaterlande stellt, ist aber nicht eine Partei wie jeoe andere, sondern sie st e h t i h»i als Feind, d. h. nicht anders als ein feindliches Ausland gegenüber." Wir wollen uns nicht bei allerlei kleinen Ungenauigkeiten in diesem Erguß aufhalten. Sonst könnten wir die Frage aufwerfen. wieso denn die Republik den Nationalstaat gefährde I Sonst könnten wir Auskunft darüber verlangen, woher denn das Zentralorgan derjkonservativen Vereine Deutschlands so genau weiß, daß alle Produktionsmittel»entschädigungslos" enteignet werden sollen. Sonst könnten wir auch nachweisen, daß die von der Sozial- demokratie an Stelle des stehenden Heeres geforderte Volkswehr das Deutsche Reich viel wehrhafter machen würde, als das jetzige Militärsystem. Aber, wie gesagt, wir wollen unS damit nicht aufhalten. Nur das wollen wir feststellen, daß Gesetz und Verfassung keiner Partei verbieten, republikanische und sozialistische Ein- richtungen zu erstreben! Deshalb wollte man ja gerade das berüchtigte. Umsturzgesetz«inführen, um jeden Angriff gegen den heutigen Klassenstaat und die heutige kapitalistische Ge- sellschast zu verfemen. Aber ein solches Ausnahmegesetz er- 'chien denn doch selbst der ungeheueren Mehrheit deS Bürgertums o ungeheuerlich, daß die Umsturzvorlage kläglichen Angedenkens schleunigst verscharrt wurde. Gelüstet es also die Herren Junker nach einem neuen Umsturz- gesetz? Wenn sie sich aufS neue heillos blamieren wollen, mögen sie einen neuen Versuch machen. Aber möglichst noch im alten Reichs- tage, denn die Zusammensetzung des neuen Reichstages dürste ihren Absichten wenig günstig sein I Qstprcustischc Handwerksmeister. Die ostpreußischen Handwerkskammern haben ihre Forderungen formuliert, um bei den bevorstehenden ReichStagSwahlen den Parteien Gelegenheit zu geben, zu diesen Forderungen Stellung zu nehmen. Die Wünsche der bescheidenen ostpreußischen Handwerker die in puncto Bescheidenheit ihren einheimischen Junkern nacheifern, werden in der»Ostpreutzischen HandwerkSzeitung" in folgender Zusammen- stellung wiedergegeben: .1. Ausbau der Organisationen deS Handwerks. 1. Aufhebung deS ß 100� der Gewerbeordnung. 2. Die befriedigenae Lömng der Frage»Fabrik und Hand- werk" unter Heranziehung der Großbetriebe zu den Kosten der Lehrlingshaltung. 3. Die Errichtung eines ReichShandwerkSamtS, mindestens aber für Preußen einer besonderen Handwerksabteilung im Ministerium stir Handel und Gewerbe. II. Wirtschaftspolitische Mahnahmen. 1. Einsührung deS Befähigungsnachweises für einzelne, besonders geartete Gewerbe, besonders für das Bau- gewerbe. 2. Einführung des zweite« Teiles des Gesetzes zur Sicherung der Banforderungen. 8. Die gesetzliche Regelung des Submissionswesens. 4. Heranziehung deS Handeverlö zu staatlichen und öffentlichen Arbeiten aller Art. S. Bekämpfung der dem Hcrndwerk schädlichen und nachteiligen Konkurrenz der Gefängnisse, Arbeitshäuser, Konsumvereine, Warenhäuser und Warenbczugsvereine aller Art sowie der Wandcrlager. 6. Revision der Bäckereiverordnung. -III. Sozialpolitische Maßnahmen. I.Ablehnung jeder einseitigen, nur das Interesse der Arbeit- nehmer berücksichtigenden Sozialpolitik. 2. Ablehnung jeder irgendivie gearteten Arbeits- losenvers icher ung. 3. Ablehnung der A r b c i t S k a m m e r n in jeder Form. 4. Ablehnung jeder Art gesetzlichen oder staatlichen Ein- treteits für paritätische Arbeitsnachweise. 5. Der Erlaß eineS Gesetzes zum Schutze der Ar» beitswilligen. 6. Keine weitere Ausdehnung der Sonntagsruhe." Selbst in Ostpreußen dürften die brave» Handwcrlsmeisier mit ihren rückständigen Wünschen wenig Anklang finden: Die Arbeiter und jeder sozialpolitisch nur halbwegs Vcrstäudigdenkende muß den bandwerkerlichen Anmaßungen aufs schärffte entgegentrete»; und die Konservativen, die mit den Forderungen wohl sympathisieren, werden sich hüten, in einer Wahl bewegung, in der-sie alle realtionären Krallen weislich zu verstecken trachten müssen, solche Monstrositäten auf ihre Fahne zu schreiben. Nur die agrarische»Deutsche Tageszeitung" scheint die Forde- rungen zu den ihren machen zu wollen, sie druckt sie im Sperrdruck ohne jeden Vorbehalt ab, Vertagung des Wiimcwbergischen Landtages. Der württembergische Landtag wurde heute bis auf weiteres vertagt. Die Abgeordnetenkammer nahm die Schluß- abstimmung über den Etat vor. Als beim NamenOaufruf der betreffende sozialdemokratische Abgeordnete mit Nein ant- wortctc. wurde dicS auf der Rechten mit Lachen und dem Ruf„Magdeburg!" quittiert. Als dann der Präsident fragte, wie der Abgeordnete Lindcmann gestimmt habe, antwortete dieser gleichfalls unter Lachen der Rechten mit Nein. Der Etat wurde mit 62 gegen 14 Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Die Abgeordneten Dietrich und Hildenbrand erschienen, wie gemeldet wird, erst nach der Abstimmung. Kolonialpolitik»nd Sozialdemokratie. Bürgerliche Blätter gehen wieder einmal mit kolonialfreund- lichcn Auslassungen„ans dem sozialdemokratischen Lager" hausieren. Selbstverständlich handelt es sich wieder um ein Zitat aus den be- kannten rotgebundenen Monatsheften, und selbstverständlich ist der Verfasser wieder Gerhard Hildebrand, der sattsam bekannte Eingänger. Ilm der Sache ein wirksames Relief zu geben, wird Hildebrand schleunigst zuni„früheren Abgeordneten" gemacht. In Wirklichkeit haben die Ansichten Gerhard Hildebrands mit der sozial- demokratischen Partei nicht das mindeste zu tun. Hildebrand ist zwar seit einer Reihe von Jahren eingeichriebenes Mitglied der Partei, der er sich seinerzeit anschließen zu sollen geglaubt hat, ollein er ist seiner ganzen Anschauungslveise nach Nationalsozialer geblieben. Mit solchen Stimmen aus dem sozialdemokratischen Lager läßt sich wirklich nicht viel Staat machen l „Das grohe Licht". von welchem der„Vorwärts" in der DonnerstagSnummcr spricht, ist— so schreibt mein unS aus Baden— nicht der Kandidat der Volkspartei in Karlsruhe, sondernder fürden 5. Kreis Freiburg i. B. In Karlsruhe kandidiert ein Fmticbrittler Dr. Haas, der vielleicht ähnliche Ansichten über die Zöllnerei entwickelt, wenn er einmal vor Bauern spricht. Bei den Arbeitern wird Dr. Haas sich davor hüten. Er ist mit Vorträgen in den Gewerkschaften Karlsruhes betraut gewesen. Es ist eine ostene und nicht bestrittene Tatsache, daß man in unseren Parteikreisen an- fanas damit rechnete, daß in Karlsruhe die Kandidatur Haas eine Zersplitterung der Stimmen im Lager der modernen Arbeiter- bewegung zum Nachteil des sozialdemokratischen Kandidaten herbeiführen könnte. Heute ist diese Ansichi kaum mehr vorhanden. Der Freisinn beginnt in dem sich entwickelnden Kampfe eine Rolle zu spielen, welche die Arbeiterschaft abstoßen muß. In Freiburg. wo„das große Licht" Schultze-Gävernitz kandidiert, wett- eikert die liberale und freisinnige Presse in der Unterdrückung unseres neuen Parteiorgans„Vollswacht". Es sind bereits gerichtliche Klagen wegen Geschäftsschädigung angedroht. Dabei hat aber unsere parteigenössischc Presie einen recht unvorteilhaften, taktisch sogar zu mißbilligenden Standpunkt einge- nommen. Im„Vplksfreund" wenigstens wird den liberal- sreisinnigen Großblöcklern damit gedroht, daß bei der Reichstags- stichwahl, wo Schulze-Gävernitz uno die Sozialdemokratie zusammen- gehören wie„der Rettig und das Salz", unsere Parteigenossen sich durch eine nur ungenügende Beteiligung an der Wahl ' für die Angriffe der Freisinnigen rächen würden. Reserveoffiziere als politische Eunuchen. In der Diskussion über die vom preußischen Kriegsminister ge- forderte Gesinnungstüchtigkeit der Reserveoffiziere wurde mitgeteilt, daß der forlschritlliche Reichstagsabgeorduete Dr. Potthoff unan- gefochten bayerischer Reserveofsizier sein könne, ohne daß ihm die oppositionelle Haltung in dieser militärischen Stellung irgendwie schade. Diese Behauptung trifft nicht zu und die bayerische Regie- rung hat keinen Aiupruch aus das Lob. das darin für sie lag. Das „Berliner Tageblatt" veröffentlicht jetzt eine Stelle auS einem Briefe des Dr. Potlhoff, die folgendermaßen lautet: „Ich habe zwar ein Jahrzehnt lang die Uniform des Reserve- offiziers sin Boyern) getragen, aber seil einigen Monaten meinen Abschicv genommen, weil das B e z i r ks k o m m a n d o sich erlaubte, meine politische Tätigkeit zu kritisieren und das KriegSmini st erium dem zustimmte." Also in Boyern ivie in Preußen. Soweit ist die„Verprenßung" deö Südens also schon vorgeschritten, daß auch in Bayern trotz aller militärischen Reiervatrechto der Reserveoisizier eine politische Meinung nur haben darf, wenn sie der Regierung gut dünkt. Oeftemicb. Eiu f. u. f. Jntrigenwiukel. Der Sturz des Kriegsministers Schönaich, der nur noch durch den kaum zu erwartenden Widerstand des 80jährigen Kaiser? der- hindert werden könnte, lenkt die Aufmerksamkeit auf die verfassungs- rechtlich gar nicht existierende, in Wirklichkeit aber um so tätigere Militärkanzlei des„zur Disposition des aller- höchsten Oberbefehls" gestellten Thronfolgers Franz Ferdinand. Bon dort geht meist auch die ganze kolossale RüstungS- Politik ans, die daS Land Weißbluten läßt, sondern auch die anti- Ungarischen und großösterrcichisch-vatikanischen Wühlereien. Brosch von Aarenau heißt der große Unbekannte, der als Oberstleutnant Chef jener Kanzlei und Adjutant deS Thronsolgers diese Dinge schiebt. Aber auch der als Nock, nicht dagewesene Stratege gefeierte General- stabschef Konrad v. Hölzendorff hat seine Hand im Spiel. Dem Manne sind zwar vor einem Jahre die großen Manöver in Mähren trotz furchtbarster Soldatenschinderei greulich mißglückt, aber er kann an Rüstungen nie genug kriegen. Und so was macht Laune! Neuer Segeu. Nach dem deutsch-.freiheitlichen' Siege sehen die Junker ihren Weizen blühen. In Prag konstituierte sich eine junkerlich-pfäfsisch- tschechische Partei, die sich„katholisch-national" nennt und in Wien wurde von einigen Herreuhäuslern eine„staatSrechtlich-konservative Partei" gegründet. Itslien. Draugsalierung von Beamte». Wie der„ A v a n t i" erfährt, ist der Sekretär der Genueser Abteilung des Verbandes der Postbeamten, Genosse Lamazzi, vor ein Disziplinargericht geladen worden, weil er eine Versammlung des Post- und Telegraphenpersonals einberufen hat und sich überhaupt um die Interessen seines Verbandes bemüht. Diese Drangsalierung ist natürlich ganz und gar ungesetzlich und wird, falls das Disziplinargericht wirklich die Handlungen LamazziaS als strafbar bezeichnet, zu einer energischen Agitation der italienischen Post- beamten führen. EL sei daran erinnert, daß seinerzeit die wider« rechtliche Entlassung deS Genossen Campanozzi wegen angeblicher Verletzung deS Dienstgeheimnisses zu dessen Proklamation alS Protesilandidat und zu Campanozzis Wahl ins Parlament führte. Spanien. Der Republik entgegen! Im Anschluß an die„Rumancia-Afsäre" schreibt man unS auS Madrid: Wenn die Regierung des„Demokraten" CanalejaS die Wahrheit über die Meuterei auf der„Numancia" zu verschleiern sucht, so ge- schieht das, weil das Bekanntwerden der Wahrheit der Regierung sehr unangenehm ist. ES gibr nur zwei Möglichkeiten: entweder ist an Bord der „Numancia" etwas sehr Ernstes vorgegangen, dann hat CanalejaS gelogen, wenn er offiziös versicherte. eS handle sich um unbedeutende Borkommnisie; oder aber die Sache war wirklich ohne Bedeutung, dann wäre die Erschießung eines Matrosen und die Verurteilung anderer zu lebenslänglicher Zwangsarbeit völlig unnötig gewesen. Wenn die Matrosen wegen deS Rufes:„ES lebe die Republil!" erschossen worden sind, dann wäre das Ministerium CanalejaS brutaler und grausamer als das MauraS und das spanische Volk müßte eS davonjagen. Die Oeffentlichkeit ist die unerläßliche Vorbedingung der Gerechtigkeit. CanalejaS aber arbeitet sowohl in bezug auf alles, waS mit dem marokkanischen Abenteuer zusammenhängt, wie auch auf alle synstigen wichtigen Vorgänge in Spanien mit der strengsten Zensur. Er meint, dys spanische Volk habe das Regime Maura schon vergessen; deshalb läßt er sich von einer Handvoll von Salon- generalen und Salonadmiralen schieben. Aber Armee und Marine werden mehr und mehr rebellisch gegen die Generalsclique. Unter den Soldaten weht revolutionäre Lust, und obwohl wir nichts Bestimmtes über die Vorgänge auf der „Numancia" wissen, so haben wir die Ueberzeugung, daß�es sich hier um eine ausgesprochene Revolte von Leuten handelte, We man wie Tiere behandelte. Und CanalejaS meint, daß er das Feuer, das in einer Masse ausgehungerter und unzufriedener Menschen glimmt, mit dem Blute irgend eines Mannes löschen kann, den man auS der Masse herausgriff und niederschoß. In Wirklichkeit merkt der Ministerpräsident, daß Armee und Marine der Regierung auS der Hand gleiten, daß jeder Tag und jedes Ereignis Spanien der Republik näher bringt, obgleich sich seine Verfolgungswut besonders gegen die richtet, die anti- militaristische Anschauungen verbreiten oder die in der Armee zu agitieren versuchen. Unser Genosse Garcia CortöS, der Sekretär der spanischen sozialistischen Partei, mußte aus Spanien fliehen wegen einer Rede, die er am Sonntag gegen die Salongenerale gehalten hat. Die Erschießung des oder der„Numancia"rebellen ist ein ebenso schwerer politischer Fehler wie die Erschießung Ferrers durch Maura. Sie hat im spanischen Volke Schmerz und Zorn entfesselt. In Coruna, der Landschaft, aus der die meisten der auf der„Numancia" Verurteilten stammen, ist die Situation sehr kritisch. In San Fernando, in Cadiz sind die Arbeiter in den Generalstreik getreten, und das beweist, daß daS Volk für die Verurteilten und gegen CanallejaS Partei ergreift. Wenn man erst näheres über die Vorgänge an Bord der „Numancia" erfahren haben wird, wird der VolkSzom noch mehr anwachsen. Und in Spanien bedarf es nur eines Funkens auf daS Pulverfaß, um die Monarchie in die Lust zu sprengen. Japan. Japanische Barbarei. Ostasiaiischen russischen Zeitungen zufolge finden in den japanischen Gefängnissen entsetzliche Greuel statt. Die Koreaner. die wegen angeblicher politischer Umtriebe verhaftet worden sind, werden in den Kerkern den fürchterlichsten Folterungen unter- warfen. Tie Gefängnisse sind überfüllt und täglich finden neue Verhaftungen statt. Unter der koreanischen Bevölkerung herrscht die Ueberzeugung, daß die Mehrzahl der Verhafteten, ohne dem Gericht übergeben zu werden, infolge der Folterungen in den Ge- fängnissen sterben. In der Tat nimmt die Zahl der Gefangenen, ungeachtet der fortwährenden Verhaftungen, in der letzten Zeit ab. In dem in diesen Tagen bevorstehenden Prozeß der«koreanischen Verschwörer" werden an Stelle der 300 Angeklagten bloß 150 vor dem Kriegsgericht erscheinen köuncn. Tic übrigen sind während der Folterungen zu Tode gemartert worden I So sieht die„Kulturarbeit" aus, die Japan, unter der wohlwollenden Duldung der europäischen Staaten, im „annektierten" Korea verrichtet. Selbst die japanischen Zeitungen, die unter der Fuchtel der Polizei stehen, äußern ihre Entrüstung wegen dieser Verbrechen der japanischen Behörden in Korea. Die angeführten Tatsachen ergänzen das Bild der japanischen Regierungsbarbarei, die sich im jüngsien großen Sozialistenprozeß offenbarte, wo eine Anzahl unserer Genossen unter der lügnerischen Anklage des Hochverrats und der Verschwörung gegen den Mikado zum Tode verurteilt wurde. Das„siegreiche" kapitalistische Japan zeigt, daß es nicht bloß ans dem Gebiete der Sozialistenbetämpsung sondern auch auf dem der Kolonialgreuel seine europäischen Lehr- meister aus dem Felde schlägt. Auch in dem„Lande der auf- gehenden Sonne" wird mit diesen barbarischen Zuständen erst aufgeräumt werden, wenn das geknechtete japanische Proletariat als treibende politische Kraft in den Vordergrund treten wird, Hus der Partei. Der Bericht des Parteivorstandes an den Parteitag in Jena, der in den nächsten Tagen veröffentlicht wird, kann sehr erfreuliche Fortschritte aus allen Gebieten der Parteitätigkeit feststellen. Die Zahl der Parteimitglieder ist im letzten Jahre von 720 038 auf 835 öK2 gestiegen. Das ist eine Mitgliedcrzunahme von 11652 4. Die männlichen Mitglieder sind an der Zunahme mit 90 473, die weiblichen mit 25 051 beteiligt. In 19 Bundes- staaten hat die Partei 188 Landtagsabgeordnetc. Die Zahl der Vertreter in den Gemeinden hat sich erheblich vermehrt. Wir haben in 410 Städten 2016 und in 2240 Land- gemeinden 9646 Gemeindcvcrtreter. Außerdem hat die Partei in 31 Städten 95 Vertreter im Magistrat und in 83 Landgemeinden 154 Vertreter im Gemeindevorstand. Das sind zusammen 8910 parteigenössische Gemeindevertrctcr gegen 7729 im Vorjahre. Einblick in die rege Tätigkeit der Partei gewähren besonders folgende Feststellungen: Im letzten Jahre haben 35 644 Mitglieder- und 13163 öffentliche Versammlungen statt- gefunden. Flugblätter sind über 3 3 Millionen Exem- place und Broschüren und AgitationSkalcnder in 3 Millionen unentgeltlich verbreitet worden. Der Kassen- a b s ch l u ß kann als sehr gut bezeichnet werden. Die Einnahmen belausen sich auf 1,3 Millionen Mark, die höchsten, die die Partei bisher zu verzeichnen hatte. Die Partei geht also wohlgerüstet den kommenden Kämpfen entgegen. AuS den Organisationen. In Merseburg fand am Sonntag die diesjährige General- Versammlung des Sozialdemokratischen Vereins für den Wahl- kreis Merseburg-Querfurt statt. Der Vorstand könnt« einen recht günstigen Geschäftsbericht gebe». Vereinsversawm- lungcn fanden im Berichtsjahre 163 und öffentliche 63 statt. Mann- liche Mitglieder sind zurzeit 2056, weibliche 287 vorhanden. In 5 von 16 Distrikten befindet sich auch eine Genossin im Vorstand. So- zialdcmokratische Gcmcindevertreter zählen toir dort gegenwärtig 58, darunter 8 Stadtverordnete. Bestrafungen aus politischen An- lässcn hatte der Kreis zwei zu verzeichnen mit zusammen 212,72 M. Strafe und Kosten. Daneben sind aber noch 1311 M. Strafe und Kosten sowie 3 Monate Gefängnis aus gewerkschaftlichen Kämpfen zu tragen. Ein Bildung-ausschuß besteht in 6 Distrikten. Davon lxiben vier gleichzeitig die Aufgabe der Jugendbildung übernommen. In Schkeuditz besteht seit etlva 2 Jahren« ein« von der Partei und dem Gewerkschastskartell unterhaltene Auskunftsstcll« für Rechtsfragen oller Art. Sie ist nur an Sonntagen von 10 bis 12 Uhr vormittags geöffnet. Auskunft wird imcntgcltlich an jeder- man» erteilt. Diese Einrichtung hat sich sehr gut bewährt. Die Zahl der Leser der Parteiblätter hat ebenfalls zugenommen. Das „Volksblatt" hat 113 Abonnenten mehr wie im Vorjahre, nämlich 2101; die«Leipziger VolkSzeitung" wird in 671 Exemplaren ge« lesen. Flugblätter wurden im Berichisjahre zwei in emer Auflage von zusammen 56 000 verteilt. Dazu kommen noch 25 000 Volks- kalender. Durch die Einführung deS 10-Pf.-Wochcnbeitrages hat sich die Finanzlage des Vereins in erfreulicher Weife gehoben. Die Einnahme betrug 9194,29 M., die Ausgabe 5126,85 M. Die Ge- neralversammlung wählte als Delegierten zum deutschen Parteitag den Kandidaten des Kreiics, den Genossen PoUcnder-Leipzig. Zum Preußentag Ivurde Genosse Recknagel-Modelioitz gewählt. Ein Ap- trag, ein Flugblatt oder eine Broschüre über die ReichSversichc- rungsordnung herauszugeben, tvurde angenommen. »je In jtlostermansfcld fand am Sonntag die Gencralvcrsamm- lung deS Wahlkreises M a n» f e l d statt. Wie der Geschäftsbericht zeigt, hat sich ein Rückgang des Ver- eins trotz lebhaftester Agitation nicht verhindern lassen. Der Ter- rvrismus der Bergiverksherren konnte in diesem Jahre Iwch nicht ganz überwunden iverden. Nicht weniger als 65 öffentliche Ver- faminlungen haben im Berichtsjahre stattgefunden. Daneben fanden 165 Mitgliederversammlungen im Kreise statt. Schriftliche Agitation betrieben die Genossen mit 12 000 Vollskalendcrn. 4000 illustrierte Flugblätter wurden verbreitet, ebenso 28 000 Flugblätter,„Gleiches Recht" betitelt, 2000 Broschüren mit der Fischerschen Rede und 1000 Broschüren„Beamtenschast und Sozialdemokratie". Die Zahl der„Volksblalt"-Leser ist zurückgegangen, tvaS ja natürlich war. Waren doch unter den zirka infolge des Terroris- mus der Grubenherren ausgewanderten Leuten die Hälfte Leser des Blattes.— Im Oktober vorigen Jahres arrangierte die Kreis- leitung einen VortragskursuL von acht Abenden. Dazu war der Genosse Otto Rühlc-Halle a. S. gewonnen. Es nahmen daran 92 Personen, darunter 11 Frauen, teil. Gegenwärtig hat die Partei in 4 Städten 5 Stadtverordnete und in 13 Gemeinden 22 Vertreter. An Verfolgungen hat es in diesem Jahre nicht ge- fehlt, besonders nicht in Eisleben. Settstedt und Ermsleben. Ter Verein hat 820.80 M. an Strafen und Gerichtskosten bezahlt, wozu noch einige kleinere Strafmandate kommen. Wegen der besonders schwierigen Verhältnisse, unter denen die Arbeit im Kreise leidet, wurde vom Kreistag ein Antrag auf möglichst sofortige Anstellung eines Parteisekretärs einstimmig angenommen. Als Delegierter zum deutschen Parteitag wurde der Kandidat deS Kreises, Genosse Hoffmann, bestimmt. Zum Parteitag soll folgender Antrag gestellt werden: „Der Parteivorstand ist um drei Genossen zu vermehren, um besonders bei den Reichstagswahlen aktionsfähig zu bleiben." BildnngSarbeit. Der von Partei und Gewerkschaften in Köln gemeinsam unter- haltene Arbeiterbild ungSansschuß hatte im Geschäftsjahr 1910/11 einen Umsatz von 24 354 M. Es wurden n. a. ausgegeben: für 2 Serien- und 4 Einzelvorträge 654 M.. für 19 Theatervorstellungen 12 289 M., für 11 Konzerte 4995 M., für 10 Rezi- tationsabende 1064 M.. für 4 Märchenvorstellungen zu Weihnachten für Kinder 495 M.. für eine Weihnachtsstellung guter Bücher und künstlerischen Wandschmucks 1212 M. Die Ausgabe für letztere und für die Theatervorstellungen wurden durch die Einnahmen gedeckt. Gewerkschaftskartell und Partei gaben einen Zuschuß von je 500 M. DaS neue Programm für die nächsten vier Monate des Ge« schäftsjahreS 1911/12 sieht vor: Vier Serienvorträge des Genossen Dr. Erdmann über die politischen Parteien, einen Vortrag deS Theaterdirektors Haoß über das Theater als Volksbildungsstätte, einen Vortrag des Dramaturgen Dr. Simchowitz über die moderne Bühnentechnik, einen Lichtbildervortrag des Herrn Th. Mentzen (Dresden) über deutschen Humor in Vergangenheit und Gegenwart in Wort und Bild, je einen BolkSunterhaltungSabend im städtischen Festhause und im LolkShause, sechs Theatervorstellungen, einen Vor- trag über die Gesundheitspflege der Frauen, einen kulturgeschicht- lichcn Vortrag deS Herrn Karl Jatho, eine Wandschmuck- und Bücherausstcllnng vom 17.— 24. Dezember und einige Silvesterfeiern._ Bebels Memoiren. Der Verlag von I. H. W. Dich-Stutt- gart teilt mit. daß der zweite Teil- von August Bebel. „Aus meinem Leben" demnächst erscheinen wird. Wenn nicht nnvorhergosehene Hindernisse eintrete», wird er bis Anfang Oktober dieses Jahres zur Ausgabe bereit liegen. Der Autor entrollt vor dem Leser die innere Geschichte der Partei während der Jahre 1869 bis 1878, wie sie intimer nicht ge- dacht werden kann, unterstützt von einer fesselnden Darsiellungs- weise und Eindringlichkeit, die nur dem zu eigen sein kann, der nicht nur alles selbst erlebt, sondern in den Ereignissen eine ausschlag- gebende Rolle innegehabt hat. Zu gleicher Zeit wird der e r st e Teil des Buches in einer neuen, durchgesehenen Auflage erscheinen. Zur Abwehr von Be- fürchtungen, als könnte durch die zweite Auflage die erste entwertet werden, wird ausdrücklich festgestellt,, daß dies nicht der Fall ist. Acndcrungen wesentlicher Natur sind nicht vorgenommen worden. Ein beutsch-böhmischrs Parteisekretariat wird am 1. September errichtet. Das ist der erste Schritt zur Durchführung der Lehren, die die Neichsratswahlen in Deutschböhmen gegeben haben. Haben sie doch gezeigt, daß die Organisation viel zu schtvach ist, um dem infamen Terrorismus des deutschnationalen. Geldsacks und den Knechtesdienstcn der Behörden die Stange halten zu können!— Zum Sekretär wurde Genosse Karl Tschermak, bisher Redakteur der Teplitzer„Freiheit", bestellt. Der Sitz des Sekretariats ist bis auf weiteres Teplitz..Ä,.« Jugendbewegung. Gegen die Proletarische Jugendbewegung soll nun auch in Görlitz mit allen Mitteln angekämpft werden. Bor drei Wochen hatte Geiwssc Fritz Eichhorn, Mitglied deS Jugcndausschusses, eine polizeiliche Verfügung erhalten, nach der die seit 1908 hier bestehende Jugendorganisation„hiermit für aufge- löst" erklärt wurde, und bündig heißt es dann weiter: Die freie Jugendorganisation ist ein politischer Verein im Sinne des§ 3 Abf. 1 des Reichsvereinsgcsetzes, läuft aber in ihren Zwecken dem 8 17 dieses Gesetzes zuwider. Der Jugendausschuß hat sich als Vor, stand dieses Vereins betätigt. Die Görlitzer Polizeivcrwaltung tvandclt mit dieser Verfügung dieselben Wege wie die Kölner Polizei. Sie schuf sich eine freie Jugendorganisation, die natürlich ein politischer Verein sein muß, und gab diesem konstruierten Verein einen Vorstand, damit eine Auflösung erfolgen kann. Paßt diese„Auflösung" den Betroffenen nicht, dann konnte sie diese ja im PerwaltungSstreitversahren an- fechten. Das wurde allerdings nicht getan, weil in Görlitz weder eine Freie Jugendorganisation, noch ein politischer Verein be- steht, dem Personen unter 18 Jahren als Mitglieder angehören, noch Genosse Eichhorn Vorsitzender eines solchen Vereins ist. Die Veranstaltungen für die Arbeiterjugend wurden in der bisherigen Weise weitcrgepflegt, bis am Mittwoch, den 9. August, sich zu dem Untcrhaltungsabend der Jugend der Polizeiinspektor in Begleitung eines Schutzmannes sich einfanden mit dem Austrag, die Vensamm- lung zu überwache». Aus das Unrechtmäßige der beabsichtigten Ueberwachung hingewiesen, bestand dar Inspektor auf der Anwesen- heit der Polizeiorgane. Auch eine wiederholt an sie gerichtete direkte Aufforderung zum Verlassen des Lokals beachtete!: die Beamten nicht. Die zahlreich anwesenden Jugendlichen störte der seltene Besuch nicht im geringsten. Gerade als wären sie unter sich, sangen sie unter der polizeilichen Ueberwachung ihre Volkslieder, hörten sich aufmerksam einen belehrenden Vortrag über Geld und Geldes- wert an und lauschten der Rezitation von Goethes„Erlkönig". Anderntags hatte der Leiter des Abends, Genosse Eichhorn, eine ge- richtliche Vernehmung aus Grund einer schon früher erfolgten An- zeige wegen Uebertretung des Vcreinsgcsetzes. Es handelte sich um den von der Polizei bereits aufaelösieu»politischen Vercsii", ge, van»! Freie Jupendorgamsajion, vom Kampf in der tiietallindultrie. Der Stand der Aussperrung in Leipzig hat sich unwesentlich Verändert. Gegenüber den Meldungen der bürgerlichen Presse von einer angeblichen Aussperrung von 10— 12 000 Metallarbeitern muh nochmals betont werden, daß davon keine Rede sein kann. Nach de» einstweiligen Feststellungen des Metallarbcitcrverbaudes sind in Leipzig etwa 6000 Metallarbeiter ausgesperrt und zwar einschließlich der schon seit Wochen in der Gelbmctällbranche streikenden und auS- gesperrten Metallarbeiter. Die Aussperrung ist also nicht in dem von dem Unternehmertum angekündigten Umfang durchgeführt worden. Daran ändern auch die Behauptungen der von dem Unter» nehmertum inspirierten bürgerlichen Presse nichts. DaS Kartell des sächsischen Bezirlsverbandcs des Gesamtverbaudes deutscher Metall». industrieller teilt am Sonnabend mit, daß die Metalliudustrielleit- verbände von Chemnitz, Dresden und Leipzig Sounabcnd, den IL. August, in allen angeschlossenen Betrieben folgende Bekaunt- machung anschlagen werden: .Der Ausschuß des Kartells der sächsischen Bezirksverbände de? Gesamtverbaudes deutscher Metallindustrieller hat in seiner Sitzung vom 3. d. Mls. beschlossen, am 26. August 60 Proz. der Getamtbelcgschaft der kartellierten Verbände auszusperren, falls nicht bis zum 23. August die in Leipzig streikende Metallarbeiter- schäft von ihrem Standpunkt abgegangen ist, daß über die ein- gereichten Forderungen nur mir den Organen des Deutschen Melallarbeiterverbandcs verhandelt werden kann und falls irichl bis zum 25. August in die Wege direkter Verhandlungen zwischen den be leiligten Firmen und ihren Arbeitern eine Einigung über die eingereichten Forderungen zustande gekommen ist." Wenn den Herrschaften das Feuerchen, das sie anzit- zünden im Begriff sind, nur nicht über den Kopf zusammen- schlägt. Daß sie mit einem solchen provozierenden Utas, mit solchen beleidigenden Zuniiitungen nur die Empörung auf- stacheln, könnten sich die Unternehmer wirklich selber sagen. Streikbrecher werden gesucht. Die Firma I. A. John, Aktien- Gesellschaft, in JlverS- gehofcn versandte folgendes Schreiben an ihre Abnehmer und andere Leute: Eilt. Ilversgehofen, den 4. August 1S11. *• P. Bei uns streiken die Schwarzbleätklempner, weil wir in einer anderen Abteilung einen sozialdemokratischen Agitator entlassen haben.» Wir richten die höfliche Anfrage an Sie, ob Sie uns einen oder einige Schwarzblechklempner überlassen oder aber uns die Adresse geeigneter Lente frenndlichst nennen könnten. Es müßten Nichtorganisierte Leute sein und Leute, denen an dauernder Be schäfligung liegt: denn wir wechseln nicht gern. Die Leute haben seitens der Streikenden nichts zu befürchten, eS arbeiten in unserem We� schon wieder 400 Leute, und die, die in den Streik ge treten sind, bleiben entlassen bezw. werden nie wieder eingestellt. Im Akkordverdienst komme» die Schwarzblechklempner bei uns auf 50—52 Pf. Umzugskosten werden verheirateten Leute zur Hälfte vergütet, sobald sie vier Monate da sind. Wir brauchen auch Klempner, die zur Montage von Lüfluugsanlagen geeignet find. Ebenso Autogenschweißer auf schwache Schwarzblcche. sLohu bis zu 60 Pf.) Auch eiuige Schlosser tÄlkordverdieust bis zu 60 Pf.) können wir noch einstellen. Die vielleicht demnächst hier in Thüringen zu erwartende Aussperrung betrifft' unseren Betrieb nicht mit; unser Verband hat uns gestattet, unsere» Betrieb aufrechtzuerhalten, da wir schon bestreikt sind, und da wir jetzt ausschließlich Nichtorganisierte Ar beiter beschäfligen, die nicht ausgesperrt zu werde» brauchen. Wir würden Ihnen sehr dankbar sein, wenn Sie uns in der beschriebenen Weise— bald!— gefällig sein wollten. Geeignete Leute sollen sich in Erfurt beim ArbcilSuochweise des Memfr induslriellen-Arbeilgeber-VerbandcS, Grafeugasse 24, melden, Adresseuaugabe und Mitteilung des TageS der Ankunft au uns erwünscht. Mit Hochachtung 1 Freie ouvert. I. S. John. Aktien-Gesellschaft. " gez. Herrinann. P.S. Wir sind in unseren Spezialfabrikaten durch den Streik nicht mehr behindert, Lieferungen kö»nen prompt erfolgen. Nur Extraanfertigungen brauchen längere Lieferfrist." Die Metallarbeiter aller Branck)en werden dafür sorgen, daß kein Arbeiter auf das Angebot hereinfällt. GevperKlcbaftlicKes. Die rabiaten Ceighneter. Die Generalversammlung des Allgemeinen Deutschen Arbeit- geber�Schutzverbandcs für das Bäckcrgewcrbe fand am Mittwoch, den 9. August, anläßlich der Tagung des Zeutralverbandes deutscher Bächerinnungen„Germania" in Stuttgart statt. Die Herren hatten sich von der Oeffcntlichkeit hermetisch abgeschlossen. Nicht einmal die Redaktcure der Bäckerzeitungen, die kein formelles Man- bat hatten, wurden geduldet. So kam es, daß außer den 108 De- legierten einschließlich des Vorstandes nur der„rote" Bericht- erstatter der Tagung beiwohnte. Die Vertreter der bürgerlichen Presse mußten draußen bleiben. In der Sitzung ging es zu wie auf dem„polnischen Reichstag". Den Hauptpunkt der Tagesordnung bildete die Statuten- änderung. Referent war der Syndikus E r t e l. Äine lebhafte Debatte entstand über die Frage, ob Brotfabriken Mitglieder des' Schutzvcrbandes sein könyen. Es drang die Ansicht durch, daß man das'Geld der Großbetriebe sehr gut brauchen könne. Der Mün- chener Obermeister erzählte, daß sogar der Mümchener KöN' sum verein Mitglied der Zwmigsinnung und damit auch Mit glicd des Schutzverbandes sei. So bekomme man auch so z iald e m o k r a t i sche Gelder in die Kasse des Schutzverbandes. Den Steiiinern war der Beitrag von 10 Pf. zu hoch. Der Berliner Obermeister Fritz Schmidt erteilte den Nörglern den gemütvollen Rat, dann möchten sich die Stettiner Kollegen aufhängen oder ersäufen. Die Frage, was mit einem Schutzverbandsmitglied geschehen solle. da? Forderungen der Arbeiter'bewillige, bevor Vorhandlungen zwischen den beiden Parteien stattgefunden, beantwortete der Ber 'liizer Altmeister Müller, der ein sehr christlich gesinnter Herr sein soll, dahin:„Mit einem solchen Kollegen solle man bei geeigneter Gelegenheit im Wald allein spazieren gehen und..."(Jubelnder Beifall.) Eine sehr wenig saubere Geichichte wurde sodann noch ein» geleitet. Wie kommt der Zentralverband zu einem Bertrage mit dem Hefesyndikat? Der Kasse des Zentralverbandes fließt ein Teil des Gewinnes zu. Sehr viele Bäckermeister sind jedoch mit der Syndikatshefe keineswegs zufrieden. Die Qualität wird stark bemängelt. Bis 50 Gramm fehlen nicht selten am Pfundstück. Einem Bäckermeister, der sich darüber beschwerte, wurde der gute Rat gegeben, die Hefe in kaltes Wasser zu stecken, dann werde sie schwerer. Die Erregung gegen das Syndikat ist gerade in den Kreisen der kleinen Bäckermeister begreiflicherweise sehr groß. Die Macher vom Schutzverbäild wollen aber die Geschäftsverbindung mit dem Syndikat nicht aufgeben, vielmehr einen Teil des Profits, der jetzt in die Zentralverbands- lasse fließt, in dieKasse des Schutzverbandes leiten. Der Antrag lautete zuerst dahin. 10 000 M. für die Kasse des Schutzverbandes zu verlangen. Er wurde später dahin abgeändert, ein Drittel des Profits zu beanspruchen. Der Schutzverband tagte von vormittags 8l4 Uhr bis 10� Uhr. Dann begann wieder die Hauptversammlung des ZentralverbandrS„Germania". die aber in Wirklichkeit nur eine Fortsetzung der Tagung des Schutzverbandes war. Nach Erledigum einiger untergeordneter Punkte— es wurde ausgesprochen, da das Bäcker- und das Konditorgcwcrbe als ein unzertrennliches Ganzes anzusehen und demgemäß einheitlich den gleichen gesetz- lichen Bestimmungen zu unterstellen seien, die Schaf'sung eines Zentralblattes für alle Jnnungsmitglieder wurde abgelehnt usw.— kam man zum Hauptpunkt der Tagesord- nung, dem Vertrag mit dem Hefesynditat. Anträge auf Aufhebung des Vertrages wie solcbe auf Revision der Vertrags- bestimmvngcn lagen vor. Als zum Beginn der Verhandlung mit- S teilt wurde, daß der Direktor des Hefesyndikats Florian er- üencn und im Saale anwesend sei. erreichte die Erregung einen bedenklich hohen Grad. Der Direktor lehnte mit verschränkten Armen am Türeingang und schaute kalt lächelnd auf die erregte Versammlung herab. Er mochte die Gewißheit haben, daß die Sache schon gemacht werde. Referent war K a m p m a n n- Köln. Man solle doch dem Syndikat nicht jeden Pfennig Verdienst nachrechnen, sonst könne den Bäckermeistern mal was AehnlichcS passierend! Schließlich beantragte er die Verlängerung bezw. Bestätigung des Vertrages mit dem Syndikat. Zur Verschönerung des Antrages wurden etliche Aenderungen vorgeschlagen. Die Diskussion ivar heiß. Die SchutzvcrbandStruppe operierte aber zielbewußt und geschlossen. Der Bäckermeister Frey- Gießen wurde niedergeschrien, er mußte vom Podium herunter. In seinem Schlußwort erzählte Referent Kampmann, vom Vorstand des Hesesyndikats sei der Kommission ein Brief eines Obermeisters vorgelegt worden, in dem per Mann Mitteilung mache, daß in seinem Bezirk die Erregung gegen das Syndikat groß sei. Er(der Obermeistcr) wolle aber die Erregung glätten, wenn ihm das Syndikat 400 M. zahle. Die Unterschrist des Briefes wie auch der Name der In- nung seien allerdings verwischt worden, weil der Vorstand I oer-oorwano des'.'t u) g e v o t von auswärtigen i>>enoari»r» orr» Nach seiner(des Re-> st ä r k t worden." Tie Wirte müssen schon um 10 Uhr abends ferenten) Meinung sei der Brief aus dem Westen Deutschlands. — Diese Mitteilung, die jeden Gegner des Syndikats aus dem Westen dem Verdacht aussetzte, sein Widerstand gegen den Vertrag resultiere aus der Verweigerung von Schmiergeldern, wirkte ganz im Sinne des Sckutzverbandes. Die Leitung der Ver- sammlung hatte mittlerweile an Stelle des Präsidenten Bernard der Vorsitzende des Ar- beitgeber-Schutzverbandes Milleville über- n o m m e n. Er ließ eilends über den Antrag auf Fortsetzung des Vertrages mit dem Hefesyndikat abstimmen, der nach Behauptung des Vorsitzenden denn auch mit Mehrheit angenommen wurde. I n. großer Erregung verließ aber die Hälfte der Delegierten den Saal. Am Journalistentisch ging das Sprüchlein von Mund zu Mund: „Man roch in allen Ecken Die wohlbeleibten Backen. Sie sprachen viel von Hefe Und sparten nicht die Scefe. Um sich den Kopf zu waschen Von wegen„offner Taschen". ■ Für di» Mitglieder des Arbeitgeber-SchutzverbandeS war nun die Gelegenheit günstig, sich ihren Anteil am Prosit des Hefesyndikats zu sichern. W e n d t» Dresden begründete kurz den An- trag, die vom Syndikat gezahlten Gelder nicht mehr der Zentral- Verbandskasse zuzuführen, sondern in eine besondere Kasse zu lsitcn. Ein Drittel der Summe solle dann dem Arbeitgeber-Schutz. verband zufallen, zwei Drittel„zur Hebung des Handwerts" usw. usw. dienen. Die Schutzvecbändlcr stimmten freudig zu. Bon dem Rest der Delegierten wurde der Gcsamtvorstand noch schnell wiedergewählt, der Vorstand wurde angehocht, der Verband — die wackere Milchkuh für den Arbeitgeber-Schutzverband— desgleichen. Die Tagung war zu Ende. Sei-lln und Qmgegend. Berliner Strafte nbahnerbewegnng. Die Berliner bürgerliche Presse, die alle Augenblicke SensationS- Meldungen aus der Arbeiterbewegung, insbesondere auch über eine Straßenbahnerbewegung bringt, wahrscheinlich mit dem Hinter- gedanken, die in Frage kommenden Arbeiter irrezuführen, ver- breitete am Sonnabend wieder eine solche Sensationsmeldung, nach der 5000 Angestellte der Straßenbahn geheime Beschlüsse gc- faßt haben sollten, die auf einen baldigen großen Kampf schließen ließen. An der Meldung ist kein Wort wahr. Es hat eine Quartals» generalversammlung des Transportarbeiterverbandes ftattgefun- den, die natürlich Beschlüsse zu fassen hatte, die aber keine Lust verspürte, diese Beschlüsse und jedes Wort, was gesprochen wurde. bürgerlichen Journalisten auf die Nase zu binden; daher die falsche Alarm Meldung. Sie tvoNe« erst fragen. Wir werden durch folgende Zuschrift beglückt: »Sehr geehrte Redaktion! Sie Idingen in Nr. 142 vom 21. Juni l. I. unter der lieber- schrift:»Ein Lohntarif für Cafehauskcllner" einen Bericht, der sich mit einer in dieser Angelegenheit stattgehabten Versammlung beschäftigt. In dem von Ihrer Redaktion hinzugefügten Kam- mentar,' der mir leider erst beute zu Gesicht kommt, befindet sich jedoch ein Passus, der nicht den Tatsachen entspricht. Ich ersuche Sie daher auf Grund des Z 11 des Prcßgesetzes um folgende Berichtigung:' Es entspricht allerdings den Tatsachen, daß der Vorstand des Cafekcllnervereins, Sitz Berlin, in der fraglichen Versammlung anwesend war und daß auch von uns das Wort ergriffen wurde, jedoch haben wir keine unbedingte Zusage zur Jnnehaltung der in der Versammlung gefaßten Beschlüsse gegeben. Wir haben vielmehr unsere endgültige Beschlußfassung in dieser Angelegenheit von einer Konferenz abhängig gemacht, die noch zwischen uns und den Prinzipalen stattfinden wird. Hochachtungsvoll Bernhard Burstin. 1. Vorsitzender des Cafekellnervereins, Sitz Berlin. Ein solch braves Verhalten werden die Prinzipale sicher zu schätzen wissen._ GasiwirtSgehilfen. Die zwischen dem Verband deutscher Gast- Wirtsgehilfen und dem Besitzer des Wcndcnschlosses bei Köpenick. vis-a-vis Grünau. Herrn Friedrich, bestandenen Tarifdifferenzen sind beigelegt. Herr Friedrich hat den Lohntarif und auch den Arbeitsnachlveis des Verbandes anerkannt. veutkekea Keicki» An die Gewehre. In dem badischen Orte Hockenheim bei Schwetzingen streiken die Maurer. Wie die nationalliberale»Bad. Presse" mit- teilt, ist die dortige Gendarmeriestation»durch ein größeres Aufgebot von auswärtigen Gendarmen ver. schließen. Das sei alles angeordnet zur Verhütung etwaiger AuS« schreitungen. Die Regierung hat schon bei den Lohnkämpsen in Pforzheim und Rastatt ein solches Gendarmerieaufgebot veran- staltet. So macht Vater Staat Unternehmerschutz und Arbeiter- trutzl Ausland. Durch Kampf zum Sieg! Die Londoner Hafenarbeiter haben den Erfolg für das Ausharren im Kampfe an ihre Fahne heften können. Am Freitag abend gegen 11 llht lvnrde der Spruch des Handels- amtes bekannt: Anerkennung aller Forderungen! Sofort hat dann das Streikkomitee durch ein Manifest, das erklärlicherweise stolzen Jubel und hochgestimmte Genugtuung über den errungenen Preis auslöste, den Kampf für beendet erklärt. Selbstverständlich wird die Arbeit nicht sofort in vollem Umfange wieder aufgenommen werden können, ehe alle Störungen überwunden sind, dürften wohl noch etliche Tage ins Land gehen. Die den Ausladern zugebilligte Lohnerhöhung beträgt 25 Prozent; außerdem ist ihre Arbeitszeit von 12 auf 10 Stunden herabgesetzt worden. Das Streikkomitee sprach den Arbeitern zu dem außerordentlichen Siege, den sie er- rungen hätten, seineu Glückwunsch aus und erklärte gleich- zeitig den Ausstand für beendet. Wie das Streikkomitee in seiner Veröffentlickumg bemerkt, bildete die Hauptschivierigkeit für den Friedensschluß die Frage der Wicdereinstellung der streikenden Arbeiter. Diese ist zu- gunsten der Streikenden so geregelt worden, daß alle Aus- ständigen wieder auf ihre Posten, die sie vor dem Streit innehalten, eingesetzt werden. «.' Streik der Gepäckträger. London, 12. August. 2000 Gepäckträger auf dem St. PancraS- Bahnhof sind in den Ausstand getreten. Ausständige Straßenbahner. Glasgow, 12. August. Der Betrieb der städtischen Straßenbahn ist infolge des Streiks der Fahrer und Schaffner vollkommen ins Stocken geraten. Die Zahl der Ausständigen beträgt etwa 2000. Die Eisenbahner streiken weiter. - Manchester, 12. August. Nachdem das Nachtpcrsonal der Central Railway Station die Arbeit niedergelegt hat, ist heute die Mchrzahl de» Tagpersonals ihrem Beispiel gefolgt. Die Arbeit der Gepäck- träger wird von Inspektoren und anderen Beamten verrichtet. Die Situation wird als sehr ernst ai�geiehen, da«S einen eigentlichen Grund für diesen Streik nicht gibt, sondern die Ausständigen lediglich aus Sympathie mit anderen streiken, die ebenfalls auS unbedeutenden Gründen die Arbeit niedergelegt haben. SÜjiSilatS den Mann nicht preisgeben wolle. �________________ Verantw. Äedakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: zh. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr.u. VerlagSanstast Paul Singer är Co.. Berlin LW, Letzte Nachrichten, Das Groftfeuer in Duderstadt. Ueber den großen Brand in der eichsfeldischen Stadt Duder» stadt(siehe»Aus aller Welt") wird noch gemeldet: Das Feuer kam Sonnabend mittag um �12 Uhr zum Ausbruch, und zwar in dem Stadtviertel, das von der Spiegelbrücke, der Sachsstraße und der Unteren Marktstraße begrenzt wird. Das Feuer griff mit großer Schnelligkeit um sich. Bald standen etwa 40 Wohnhäuser mit W Hintergebäuden und zahlreichen Scheunen in Flammen, die um Uhr nachmittags zum Teil vollkommen eingeäschert waren, teils noch brannten. Bon dem Feuer sind in der Hauptsache kleinere Leute in Mitleidenschaft gezogen. Auch zahlreiche Geschäfts- laden und Warenvorräte sind ein Raub der Flammen ge- worden. Spritzen und Löschmannschaften waren geuügend vor- handen, doch herrschte großer Wassermangel. Glücklicher- weise wehte Ostwind, der das Feuer nach der Außenseite der Stadt trieb und so ein Uebergrcifen des Brandes auf die anderen Stadt- viertel verhinderte. Sobald der genannte Häuserblock niederge- brannt ist, dürfte das Feuer auf seinen Herd beschränkt sein. Per« scnen sind nicht zu Schaden gekommen. Der Materialschaden wird auf etwa eine halbe bis dreiviertel Million Mark geschätzt? » Dessau, 12. August.(W. T. B.) Heute nachmittag brach in der chemischen Fabrik Coswig, G. m. b. H., Feuer auS, wodurch die Fabrik vollständig eingeäschert wurde. Oppeln, 12. August.aft erteilte der Großherzog vort Hessen. Der Nachlaschfleger lehnte dennoch die Herausgabe des Nachlasses ab. Das Reichsgericht hat in seinem jetzt vorliegenden Urteil vom 29. Juni die Klage auf Herausgabe des Nachlasses ab- gelehnt. Die Abweisung wird auf den erwähnten Artikel IS der preusuuben Verfassung gestützt, der durch Artikel 89 des Einsill>- rungsgesetzeS zum BGB. aufrecht erhalten ist. Die zutreffenden EntscheidungSgründe zeigen wieder einmal die prcnbische Rück- ständigkeit in hellem Lichte. In Hessen, Baden. Württemberg. Bayern, Sachsen haben die freireligiösen Gemeinden KorporationS- rechte, im unduldsamen Preußen nicht. Wer der freireligiösen Gemeinde letztwillig etwas zuwenden will, darf also nicht die Gemeinde als Erbin oder Leaatarin be- zeichnen, wenn er nicht will, daß an ihrer Stelle der FiökuS den Brocken schluckt. Er kann— ähnlich wie bei Zuwendungen an eine Partei— seinen Zweck nur dadurch erreichen, daß er eine der» trauenSwürdige Person mit der mündlich oder schriftlich auSge- drückten Bitte als Erben oder Lcgatempfänger einsetzt, der Ge- meinde eine Zuivendung zu machen. Hiis aller Melt. Gluthitze und ßrandepidemie, Frankfurt a. M. Im Regierungsbezirk Wiesbaden sind in den letzten 14 Tagen rund 29 Personen infolge Hitzschlages gestorben. Halle a. S. In der Nacht zum Sonnabend brach in der Nagelfabrik und in der Privatwohnung von L. Spitz ein großer Brand aus. Die bedrohte Familie konnte noch ge- rettet werden. Die Arbeit der Feuerwehr wurde sehr erschwert durch großen Wassermangel. Infolgedessen wurden die Fabrikanlagen zum größten Teil zerstört. Die Maschinen- einrichtungen sind vollständig vernichtet. L a i b a ch. Bei einem Brande in der Nähe von Laibach sind zwei Kinder in den Flammen umgekommen. Innsbruck. Das gestern mittag auSgebrochene Feuer hat vier Fünftel des OrteS ZamS vernichtet, 44 Anwesen samt Wirt- schaftSgebäuden und Scheunen, die Kirche und die Schule sind abgebrannt, 600 Personen sind obdachlos, e i n e ist bei dem Feuer umgekommen. Frankfurt a. M. Ein kolossaler Waldbrand wütet seit nunmehr drei Tagen in Beyenburg. Das Feuer brach mit elementarer Gewalt und solcher Schnelligkeit aus, daß die Feuerwehren der gesamten umliegenden Ortschaften machtlos ihm gegenüberstehen und ihre Tätigkeit darauf beschränken niüssen, die in Gefahr geratenen Gebäude zu schützen. Hunderte von Morgen wertvollen Tannen-, Buchen- und Eichenwaldes auch Niederwald und S.ch o n u n g e n sind den Flammen zum Opfer gefallen. Göttingen. Wie uns ein P r i v a t t e l e g r a m m meldet, stehen in Duderstadt(Eichsfeld) in der Sackgasse und auf der Spicgelbrücke über vierzig Geschäfts- und Wohnhäuser in Flammen. Infolge de? durch die Dürre eingetretenen Wasser- mangels ist das Löschen unmöglich. Die ganze Unterstadt wird wohl abbrennen. Auch die Volksschule ist in Gefahr. Antwerpen. Der B r a n d, der gestern in einem hiesigen Lagerhause wütete, hat einen weit größeren Schaden angerichtet, als man ursprünglich annahm. Außer Baumwolle und W l e zerstörte das Feuer eine größere Menge Salpeter.. Hierdurch wurde die Lage sehr gefährdet, da die Salpctermengen eine halbe Stunde lang explodiert en. Man beziffert den Schaden auf ungefähr sechs Millionen Frank. Nach einer anderen Meldung soll der Schaden sogar acht Millionen Frank betragen. Bei den Löschungsarbeiten wurden einige Personen der- letzt. Bern. In den unwegsamen Bergen oberhalb B o u v e r e t am Genfer See wütet seit dem 10. August ein W a l d b r an d, der vermutlich durch Höhcnseucr am BundeSfciertag verursacht worden ist. Am Monte B r e bei Lugano hat ein Waldfeuer beträchtlichen Schaden angerichtet. Bei L u c e n s im Waadtland ist durch Funkcnwurf einer Lokomotive ein Waldstreifen von 5 KilometA: Länge in Brand geraten. Im Solothurncr Dorfe Lbcrbuchsittcn sind gestern durch einen Brand sieben Bauern- Häuser eingeäschert worden. Paris. Infolge der Trockenheit ist die Seine derart ge» funken, daß die Schifsahrt stellenweise unmöglich ist. Brüssel. Sechs Personen sind heute infolge H i tz» s ch l a g e S erkrankt. Das Thermometer zeigt wiederum 35 Grad im Schatten, jedoch ist die Temperatur erträglicher, da eine leichte Brise weht. In der Gegend von Arle und Gram mo n t mußten mehrere Fabriken wegen Wassermangels den Betrieb ein- stellen. Madrid. Die Hitze ist auch in Spanien eine außer- ordentliche. Das Meerwasser erreichte teilweise eine Temperatur von 34,8 Grad. Auf dem Lande wurde im Schatten eine Temperatur von 41,6 Grad festgestellt._. Rom. Auch in Italien erreichte die Hitze am gestrigen Tage einen Stand von 43 Grad im Schatten. London. Sämtliche Hitzrrekorde sind in den letzten U Stunden geschlagen worden. Ausbreitung bcS Thphuß. Wegen der Typhusgefahr hat der Landrat des Kreises Wirsitz das Baden in der Netze verboten. Gestern wurden Fälle von Typhus in der Pro- vinzialirrenanstalt in Dziekanta festgestellt. In Grätz ist die Schule wegen Typhuserkrankung des Lehrers geschlossen worden. In Marienwerder sind bis gestern 44Erkrankungen an Typhus in 28 Haushaltungen, darunter vier Todesfälle» amtlich gemeldet worden._ Kinder, die der Hunger zum Selbstmord treibt. Unser römischer Korrespondent schreibt uns unter dem 10. Aggust: Ein selbst in der reichen Elendschronik Neapels noch nie verzeichneter Fall hat in der Nacht vom b. bis zum 6. August die Bevölkerung der Via Cirillo von Neapel in schmerzliche Aufregung und Empörung versetzt. Drei elende und zerlumpte Kinder im Alter von 10, 9 und 7 Jahre» bettelten die Vorübergehenden an, wurden aber in einer Stadt, wo die Berufsbettelei von Kindern so häufig ist, kaum beachtet. Plötzlich warf sich das älteste Mädchen vor den im vollen Laufe daherkommenden Tram. Mit offenbarer Lebensgefahr gelanc es einem Handelsangestellten, das Kind zu retten. Während man die Kleine zu trösten und auszufragen versuchte, umschlang sie plötzlich ihre beiden Brüder und w a r f s i ch, ehe es die vor Schrecken erstarrten Umstehenden verhindern konnten, mit ihnen vor einen daher sausenden Trambahnwagen. Auch diesmal war die Rettung schwierig, weil der Wagen schon sehr nahe war. Die unglücklichen Kinder leisteten heftigen Widerstand und riefen, man solle sie sterben lassen, ihre Mutter sei auch tot und sie könnten nicht länger hungern. Den ärmsten Geschöpfen, deren Mutter vor einiger Zeit ge- storben ist, und die dann voni Vater verlassen worden waren, gab man Brot, das sie mit Heißhunger verschlangen. Seit Wochen leben diese Kinder in dem großen Neapel wie wilde Tiere: kein Mensch weiß, wo sie schlafen und was sie essen. Abends rollen sie sich in einem Torweg zusammen, tagsüber suchen sie sich Nahrung unter den Abfällen und im Straßenkehricht. Kein Mensch denkt daran, daß die Gesellschaft gegen diese drei wehrlosen Geschöpfe Verpflichtungen hat. Der Hunger muß diese Kinder so weit treiben, daß sie ihr Leben wie eine Last wegwerfen wollen, damit daS Publikum Interesse und Ritleid empfindet. Eine prächtige Gesellschaftsordnung! Ein grostes Eisenbahnunglück in Baden verhütet. Die Schwarzwaldbahn fährt über die Fremdenstadt Hornberg auf einem Viadukt. Dieser wäre am 7. August beinahe zum Schauplatz eines Eisenbahnunglücks geworden, als der auS dem Wallfahrtsorte E i n s i e d e l N heimkehrende Pilgerzug dort rangiert wurde; die Wogen, welche 1000 Per- sonen enthielten, sollten in zwei Zugabteilungen zerlegt werden. 13 Wagen mit etwa 500 Reisenden fuhren auf dem hohen Viadukt. um das ncbenliegende Gleis zu gewinnen, allein es gelang dem Lokomotivführer nicht, über die Kurve zurückzukommen, als mit rasender Schnelligkeit der Schnellzug hevanbrauste. Da die Reisenden im Pilgerzuge teilweise zu den Fenstern hinaussahen und die Gefahr erkannten, so entstand eine furchtbare Panik u'Dd Hilferufe ertönten, da man jeden Augenblick einen Zusammenstoß der Züge erwartete, wobei sicherlich die Wagen in die große Tiefe gestürzt wären und kaum jemand mit dem Leben davongekommen wäre. Doch rechtzeitig, kurz vor einem Zusammenstoß, wurde der Schnellzug noch gestellt uno dadurch ein Unglück verhütet, bei welchem 600 Menschenleben auf dem Spiele standen. Leider der- lor ein Schaffner einen Fuß. indem er unter die Räder kam. Tie Wahlparole— gefunden. Ein unverhoffter Glücksfall hilft allen wahrhaft patriotischen Männern in höchster Not wundervoll über den Mangel einer Wahlparole hinweg. Dem Staatssekretär und Dattelkisten- mann a. D. Bernhard Dernburg sind im Londoner C a r l t o n» Hotel, da? am Donnerstag von einem großen Schadenfeuer heimgesucht wurde, die Kleider verbrannt. Wie wir hören, wird auf Beschluß der konservativ-nationalliberalen Ercku- tion und mit allerhöchster Vorsanktion HchdcbrandS, gegeben Klein-Tschunkawe, Kolonialsckrctär Lindcquist dem Reichstag die Nachtragsfordcrung unierbreiten, Dernburg in Ansehung seiner Verdienste um unsere Kolonialpolitik den Vrandschaden zu ersetzen. Man erwartet, daß Sozialdemokraten, Zentrum, Freisinn und Polen die Forderung bestimmt ablehnen werden und will dann unter dem Schlachtruf:„Deutschland, wahre deine heiligsten Wüterl" in die Wahlschlacht ziehen. Ein paar alte Hosen TernburgS sollen daS Pannier der guten Sache sein, Hurrahl——— Kleine Notizen. Die Explofionskatastrophe in Wandsbcck hat ein fünftes Opfer gefordert, indem am Donnerstag von den im WandSbcckcr Kranken- Hause untergebrachten Schwerverletzten der Arbeiter Smarga- z o w S k y aus Posen seinen gräßlichen Verletzungen erlegen ist. Ein sech.ster Arbeiter, der außer Knochenorüchen schwere Brandwunden erlitte» und das Augenlicht eingebüßt hat, ringt mit dem Tode. Fliegcrabsturz. AuS Aalborg wird gemeldet: AlS der Flieger Nielsen am Freitagabend 3Mi Uhr nach halbstündigem finge aus 500 Meter Höhe im Gleitflug landen wollte, stieß der pparat gegen eine Umzäunung. Das Flugzeug überschlug s i ch und wurde zertrümmert. Der Flieger erliit einen Bein- b r u ch. In den Berge» verunglückt. Nach einem Telegramm aus Innsbruck ist der Tourist S t r y c aus München von der Zugspitze abgestürzt und schwer verletzt liegen geblieben. Ferner ist der Landesschütze Oberleutnant M ü n z n e r vom Eol Cauro abgestürzt und ebenfalls schwer verwundet. Opfer deS Rheins. Gestern sind wiederum vier Personen im Rhein ertrunken, tags zuvor ertranken fünf Person«». Ein Zweitompf mit Sensen. Tie beiden Brüder Miodek in R i d b a ch in Württemberg, die wegen einer Wiese in gerichtlichem Streit liegen, gerieten beim Gras mähen in Streit. Beide gingen mit den Sensen aufeinander los und bearbeiteten sich dermaßen, daß der eine lebensgefährlich verletzt ins Krankenhaus gebracht werden mußte, während der andere mit leichten Verletzungen davonkam. Eine 60 Man starke bulgarische Bande durchstreifte in Ver- kleidung türkischer Soldaten und Gendarmen die Dörfer in der Umgebung von KotchanS(Vilajct Kossowo) und zwangen im Dorfe Lesak die Bauern, die ihnen vor kurzem von den Behörden ge- gcbcncn Gewehre abzuliefern. Tie Bauern merkten erst zu spät, mit wem sie es zu tun gehabt hatten. Marktpreise von Berlin am II. Slnguft l!)U. nach Srmlttelmig de» köntalilvc» VolizeiprShdiuniS. a r l l d a l l e n v r e 1 1 r(Klein b»»d«l.) 100 ftiloiiirniirn Elb e», gelbe, zum.Kochen 30.00—50.00. Sveiiebodne», ivritz» 30,00-50.00. Linien 20,00• 60,00.«arioiieln 11,00—16.00. I Kilo. aramm Zliudfleilch, von der Keule 1.60—9.40. Rindfleisch,?>iuchfleilch 1,20 bi« 1,70. Schii'rincflcisch 1,20—1.80. Kalbfleisch 1.30-2,40 Hainmelfleilch 1,50—2.30. Buller 2,20—2,80. 60»rück Eier 3,00-5.20. 1 Kilogramm Knrpieu 1,40—2,40. Aale 1,60-3.20. Zander 160—3,60. Hechle 1,40 dl« 2M Barsch» 1.00—2,00. Schleie 1,40—3,50. Bleie 0,80—1,60. 00 Stück frtcble 2,00-36,00. | Todes-Anzeigen| SozialiieinckratisctiEP WanivereiD: für den l Berl. ttM-VMek.! Görliver Ltertel. Bezirk 83. Den Mtslkiedem zur Nnchricht. j dag unser Genosse, der Tischler Ulbert EStäng | am 10. Augasl gestorben ist. C-Hre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 14. Slugusl. nach» mittags 4 llbr, von der Leichen- Halle des Thomas-Ztirchheses in Rixdors, Hermamistrajze. aus statt. 221/S Der Vorstand. SoziaideniGkradscIierWäjiiYeFejD Charlottenburg. Am 4. August ist unser Mit» glied, der Schlosser August Houve nach langem, schwerem Leiden in Wittenberge verstorben. Ehre seinem Zlndeuken! Die Bcrdigung bat bereits in voriger Woche stattgesunden. 250/17 Der VorBtnnd. DeuL�fier Banffteiterrertanil. JÄwcIsrvcreln Berlin. Sektion der Putzer. Den Mitaliedern zur Nachricht. daß unser Mitglied 183/16 .Julius Kleuß am 10. August in der Irren- anslalt zu Teupitz verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 14. August, nach- mittags 2'/, Uhr, daselbst statt. Die örtliche Verwaltung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Mit- letlung. daß uicin lieber Mann. der Picher «InHus Kleuß am 10. August verstorben ist. Die Beerdigung findet morgen Montag, den 14. August, nach- mittags 2»;, Uhr, aus dem An» stalts-Kirchbos in Teupitz stall. Abjadrt vom Görlitzer Vahnhos 12.80 Minuten. 84b Frau Klcnß nebst Kindern. Deutscher Metallarbeiter-Verband VerwaltntigSslekle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dafi unsci Mitglied, der Schleiscr Paul herman» am 10. August verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 18. August, nach» mittags S Uhr, von der Leiche». Halle des neuen Luisen-Kirch- hoscs in Rixdors, Hermatuislrasje, aus statt Rege Betelligimg wird erwartet. Ten Kollegen jerner zur Nach- cicht. dag unser Mitglied, der Klempner Hans Meißner am 10. d. am gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 14. August, nach- mittags 3 Uhr. von bei Leichen- halle des Zentral-Friedhoset m Friedilchsselde aus statt. biege Beteiligung erwartet 121-8 Die Ortsrwwaltung Verband der Gemeinde- u. Siaatsarbeiter. Filiale Gvoß-Bevlln. Durch den Tod ist uns einer unserer Mitlämpser, der Kollege Franz Franke oon der Settion der Kvhleuplatz- arbeiter entrisse» worden. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Becioigung findet am Montag. den 14 August. nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle de? neuen MichacIS-Kirch. hoscs(Marieudorser Weg)«uS statt. 3"6 Die ertSverwaltung. Für die vielen Beweise her,. ichcr Teilnahme an der Be> -rdtaung unseres lieben unver- testlichei- Vater», de« Tlschler« �Vilk. Sonnenschein sagen wir allen Freunden und Betannten,».«besondere den Kollegen de, Firma Bell u. So. sowie dem-spar- und Kredn- Berein Vorwärts unseren herz» lidjfleii Dank 112/106 de trauernden Kinder Zenlraiverband der Schuhmacher Deutschlands. Todes- Anzeige. De» Mitgliedern zur Nachricht, dag der Ballschubmacher Samuel Earal gestorben ist. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet am i Tiensiag, den 15.' August, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- balle des Zenlral-Friedhoses in I Friedrichsselde aus statt. 163/ 15_ Ter Vorstand. Gesangverein„Immergrün" M. d. A.-S.-B. Am 10. August starb unser Mit- glied, der Zleslauraleur Karl höhlich im 47. Lebensjahre. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Sorntag, nachmittags 4'/, tlbr, von der Leichenhalle des Tegeler FriedhojeS aus statt. 8gb Der Borstand. Am 10 August starb nach langen, schweren Leiden mein inniggelieb- ter Mann, unser guter Vater, der Buchdrucker V3b pichard Schölske. Di«» zeigen hiermit tiesbetrübt an Augusts Schölske und Kinder. Die Beerdigung findet am Montag, den 14. August, um 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des städlilchen Friedhofe« in Friedrichs- leide aus statt. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die schönen Kranz- spriide» bei der Beerdigiiug meines lieben ManueS sage ich-allen Bc- leiiigten, stiSbe-onder« dem Trans- Portarbeiter> Verband, der Firma Bellter u. Schneevogel. Vereinigte Kammerichsche Werke, meinen berz- lichsten Dank. 5228L Im Namen der trauernden Hinter« bliebenen:- Witwe F. Sciiiuollng nebst Kindern. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und Kranzspenden bei dem Hinscheiden meines lieben unvergeßlichen ManneS Reiuliold Henning sag« ich allen Freunden und Ver- wandten, sowie dem Verband der Brauerei- und Müdlenarbeiler, dem Fadr- und Stallpersonai der Schult- h.ijjdrauerel Abt. i und II, der Laubentoloui« Hermanns ruh, Eipla nade, und den Genossen des 6. Wahl- kvciseS»leinen innigsten Dank. Wwe. Ernestine Henning 52302 nebst Kindern. Es ist und blribtundkstrMtN, daß Sie In der Wald- und Gartenstadt Neu- Meffina nahe Bahnhos gelegen, bei geringer 'Anzahlung zu den günstigsten Be- dingungen die billigsten Grundstücke kaufen können. 52152* Kau-, Wald-«.llmdpurMu von denen in ganz kurzer Zeie ca. 300 verkauft wurden, find noch von ca. 300 M. an auswärts zu baden. Auskunst und Pläne kostenlos. R. E. Günther, X, SS, Illddrnsoerstr. 10. 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Mtö., abends 8 Uhr: Mitglieder-Versammlung in den Musikersäle», Kaiser-Wilhclm-Straßr 18 d. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Wehl: Was sollen wie essen«nd trinken? 2. Diskulsion. 3. Verschiedenes. 102/14 Zahlreiches Erscheinen erwartet Die OrtSverwaltung. r mii Verwaltung Berlin« �timg! Sitzmöbeltischier! ZVms! Montag, den 14. August, abends 0 Uhr, gleich nach Feierabend, im„Märtischeu Hof", Aduiiralstr. ISc: Tages. Ordnung: 1. Die Lage der Stuhlarbciter und ihre Kämpfe. Referent: Kollege 11. TVubtlicIi, Rabenau. 2. Diskussion. 3. LerbandSangel.gcnheit. LZUSZVWZVFSI!'. Montag, den II. Angust, abends 0 Uhr(gleich nach Feierabend)« Srancken im Gcxverkscliuftshanse, Saal L Tages-Orduung: Bericht über de» Stand des Streiks. DeS- Für die Streiltnden findet eine Besprechung um 4 Uhr statt. AMI Xlsten- uns KMsrmLLher. Montag, de» ll. August, abends 8 Uhr. Audreasstraße Sil MMsfwmgMin Extra-Abtolliine I. Gesch.: BerlinW.. Hohren- StrsGc 37a C2 Haus von der| Jerusalemer Straße). | II. 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Die von der G e n e r a l v e r- s a m m l u n g am 25. April 1011 beschlossene 10. A b ä n d e r u nsg de« Statuts ist durch Beschluß de? Be- zirksausschusses vom 18. Juli d. I.. genehmigt worden. 278/2 Die Abänderung betrifft§ 20 des Statuts und tritt am Montag, den 14. August 1311, in Kraft. vor Vorstand. F M a v h a r d t, Vorsitzender. R. T eichmann, SchÄstsührer. Berlin. Xoandorstr. S Technikum. Bauschule. Direktor: Kgl. Reg,-Baumeister a. D. Arthur Werner. WA Prospekt« koslenlrei. SgSjF Ein Idyll am See j Kolonie Eiaenhorst ca. 30 km östl. von Berlin. See-. Watd-� Fließ- u. landparrellen I zum Spottpreis. J. Ricg/cr,[ Berlin C., Gontardttr. 5(S§2fllH FralT-�iliitnaNchlnon, auch Tcilz., ältestes Geschält in Moabit, Reparat-Werkst aller«vsteme. CS. Webt. Wilsuackcr Str. SS. Man verl. Preisbuch._* jßoh-Tabak billigste Preise. 51462* Max Jacoby, Etrelitzer Straffe SS. Theater, Ausgabestelle des.Vorwärts, Bcrnauer Straße 3. 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LS?- Gleichzeitig machen wir daraus aujincrlsam, daß der»Verband deutscher GastwiriSgehiisen' und der »Gastronomisch« Gehilsenverband- nitlst identisch sind. Her Vvrsland» Versammlung Wettbewerb 4000 Mark PrAiuieu verteilen wir an die Baucher unserer 5227L* 3 Pf.-Cigarette ,Very Weil' Prospekte über die Bedingungen des Wettbf erhältlich.— Die bei diesem Wettbewerb leer-— 0--------— EntschSdigung jeder SO Stück Cigaretten gratis. Clgaretienfabrik„Elfe**, Berlin-Halensee. mit Gold ohne Mundstück dick rund mit PappmundstDek ren des Wettbewerbs in allen Cigarrengeechäften ausgehenden Raucher erhalten als Tages-Ordnung: 1. Die DertragScrncuei uug und die Stellung der Fabrilanten. 2. Wie stellen sich die Kisteiimacher dazu? 3. Verbaiidsangciegcuhciten und Verschiedenes. Stoell- und Zelluloid-Arbeiter. Donnerstag, den 17. August, abends 6 Uhr t Branchen»Versammlung in deu„Kltterslllen" Muh. Beichl), Riltcrstr. 75. TageS-Orduuug: Bericht bo» deu lefftcu Verhandlungen. Freitag, den 18. Angust 1911 1 General-Vcrlammlung. Sonnabend, den 16. September 1011: �tiftnaag�s-Fest in der„Neuen Welt". BtllettS find in den ZahtstcUen, sowie bei dm Kollegen Schwemke, Schöniemstr. 24, und Zirkel. Jdcaipassage in Rixdors, zu haben. 87/2__ Die Ortsvom altnnij. Zsvcigvcrcin Bcrlia. Sektion der Gips- und Zementbrancfae. LesiBovililzer mit Trär! t°i»°ßi! Montag, den 14. August, abends 0 Uhr: Firmen- Vers ammlnug im Gewerkschaftshause, Engeluser 15. Tages-Ordnung: Sind nusrre Slrbeitöbedingungen ideal und voMomme» bc- friedige,>d für die dort beschäftigte» Bauarbeiter? Das Erscheinen aller bei der Firma beschäsligtcn Arbeiter erwartet 133/ lS_ Die Sekrionsleitung. Zcntral-Krankenkassc der Maürer, Gipser, WeiBbinder u. Stukkateure Deutscht. Cirundntein zur Einigkeit - VorwaltnngbBtclle Berlin. Mittwoch, den 23. August 1911, abends 8'/., Uhr, im GcwerkschaftöhauS: »�«nsammluaag. TageS-Ordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung. 2. Kassenbericht vom 2. Quartal I3II. 3. Wahl der HilsSkassierer. 4. Kassen- augelegenheiien. 149/11 Die Vrtnverwnltnng-. ir in Telephon: Amt IV 9737. Sebastiaustr. 37/38. Klnsfer'Konfektioti! Montag» deu 14, Angust, abends 8 Uhr, in der„Berolina", Schönhauser Allee S»: W&T Versammlung. Sage«. Ordnung: 163/13 1. Bericht der Taristommilsion über die Verbandlungen mit dm Ar- bcitgeberu. 2. Die Agitation in der Mustertonseltion und Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht I»lc Ortns crwaltang. Sonntag, den 20. August, vormittags punktl. 11 Uhr,] im Qewerkschaftshaus(Saal 1): Ausschuß-Sitzung. Tages-Ordnung; 1. Aufnahme von Verainen. 2. Bundosangelegenheiten. mr* Abrechnung der Billetts vom S&ngerfest IQ tt/II Der Tontand. Zur Ucrmeidung von üerwcdjsclungcn: Die Firma fl. lüertbcim unterhält in Berlin nur diese 3 geschalte CLMwihüm Cr« xn. 1>« H« Üersand-Hbtcilung Berlin CÜ.66 Ccipzigerstr. 132/37. Bei Briefen ist genaue Adresse erforderlich. T&mMakv Str. tdpziqw 132�31 Ckmm Strafe Extra-Preise Montag, Dienstag, Mittwoch Extra-Preise Kinder-Bedarf s-ArtiKel Sf.'Ksils Artviirffa Joop.n• Fanon, mit Gürtel and faltnn, eraa and braun meliert ffir au 3-6 Jhr. Ö.OO, 7-9 Jhr. 7.50 Kran and blaa Cheviot, mit Soatache-Cara. jt IS «r ca. 3-8 Jhr. Loden-Pelerinen«KÄ mit Trät*rn "sÄr. 5«00, 9-11 Jhr. 6.50. 12— 14 Jhr. 8.00 Matrosen- Anzüge and weis.em Lau........... Matrosen-Kleider 2.75". 7.25 au« blau-welcs gestreiftem Kretoana. blauer Krauen mit Bänd« eben garniert, für ca. 2-14 Jahre, Länge ca. 50—104 cm Matrosen-Kleider 5*00 m. 9.00 aas Pa.(e.treiflem Satin-Angu.U, mit DrellUberkrasen and Hanichetien,(hr ca. 2—11 Jahren, lünte ca. 50—104 cm Matrosen-Kleider 3.75"» 8.25 aa. weiscem Satin-Auea-ta, mit blaaem Ucberkraxen, für ca. 2—14 Jahre, Lüne* 50—104 cm Matrosen-Kleider 6.00 w. 10.50 an. meinem Satln-Drell, mit extra Drell-Garnitar, kür ca. 2— 14 Jahre. 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DienStag: Die Welt, in der man sich langweilt. Mitt. woch: Die Rabenstcinerin. Donnerstag: Der Störensried. Freitag: Wie die Alten sungcn. Sonnabend: Prinz Friedrich von Homburg. Sonntag: Ein Schritt vom Wege. Montag: Die Karolinger.(Ansang 71/, Uhr.) Neues königliches Qperntheatcr. Sonntag: Lohcngrin. Montag' Carmen. Dienstag: Die Meistersinger von Nürnberg. Mittwoch und weitere Tage: Geschloffen. Lcssing- Theater. Täglich: Glaube und Heimat.(Ansang 8 Uhr.) Komische Oper. Täglich: Der verbotene Kuß.(Ansang 8 Uhr.) Kleines Theater. Bis Mittwoch: Norachen. Ab Donnerstag: Der Leibgnrdift.(Ansang 8'/, Uhr.) Berliner Theater. Täglich: Bummelswdenten.(Ansang 8 Uhr.) Neues Schauspielhaus. Täglich: Die keusche Susanne.(An- fang 8 Uhr.) Neues Theater. Geschloffen. Schiller- Theater(kharlottcnbnrg. Bis Mittwoch täglich: Der dunkle Punkt. Ab Donnerstag täglich: Panne.(Ansang 8 Uhr.) Schiller> Theater v. Geschlossen. Ad Donnerstag täglich: Der dunkle Punkt. Friedrich-WilhelmftädtischeS Schauspielhaus. Geschlossen. Theater des Westens. Täglich: Die lustigen Nibelungen.(Ansang 8 Uhr.) Luisen-Thcatcr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Glöckner von Notre Dame. Abends: Lorbeerbaum und Bettelstab. Montag: Der Siebente. Dienstag: Lorbeerbaum und Bettelstab. Mittwoch: Der Glöckner von Notre Dame. Donnerstag bis Sonnabend: Der Siebente.(Ansang 8'/« Uhr.) Siencs Operetten-Theater. Täglich: Nne Million.(Anfang 8'/, Uhr.) Trianon-Theater. Täglich: Das Prinzchen.(Ansang S'l, Uhr.) Thalia-Theater. Täglich: Polnische Wirtschaft.(Ansang 8 Uhr.) LustspiclhauS. Täglich: Die goldene Schüssel.(Ansang 8 Uhr 20 Min.) Rose-Theater. Täglich: Kascrncnlust.(Ansang 81:/1 Uhr.) Mctropol. Thearcr. Täglich: Hoheit amüsiert sich.(Ansang 8 Uhr) Folies Gaprice. Täglich: Drei Frauenhüte. Sie ist eine Ausnahme. Anfang 8'/. Uhr.) Hcrrrnfeld- Theater. Täglich: DaS Kind der Firma. Schmerz- lose Behandlung.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Pratrr-Thcater. Bis aus weiteres täglich: Die drei Grazien.(Anfang 7'/. Uhr.) Voigt- Theater.'Täglich: Preciosa. Zlpollo-Tbcarcr. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Passage- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Täg- lich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Reichshallcn-Theater. Täglich: Stcttiner Sänger.(Ansang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr.) Kaiser-Paiiorama. Neu: Eine Tour in den bayerischen Hochalpen. Oberitalienische Seen: Lago Maggiore, Luganer und Lecco-Ice. Garl-Haverland-Thcatcr. Täglich: Ein kräftiger Junge.(Ansang ?'/. Uhr.) Urania- Theater- Taubenstr 48/43. Sonntag: Helgoland im Wechsel der Zeit. Montag: Lebende Tierbilder von nah und serm. Dienstag: Helgoland im Wechsel der Zeit. Miltwoch: Lebende Ticrbildcr von nah und scrn. Donnerstag: Helgoland im Wechsel der Zeit. Freitag: Lebende Tierbilder von nah und fern. Sonnabend: Helgoland im Wechsel der Zeit. Sonntag: Lebende Tierbilder von nah und scrn. Montag: Unbestimmt. (Ansang 8 Uhr.) Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62. Witternnqsüversicdl vom 18. August 1911. BUUtonoi i« £= L- LwMemde. erlir Frants.a VI. München Dien BZ e (Bettet 768 NO 767 O 766 D 765 NO 764 D 764 Still am »il i? «i 2 heiter 1 wolkenl 1 halb bd. 23 2wolkc»l 22 4 heiter| 18 Regen CtoXtanen £ E t 8 2= c 3 ig Havaranda 76SN Petersburg 768 Still Scillh 760 D etbervecn 7703(0 PanS|7620 (Bettet 4 wolkenl 16 wolle»! 20 2 Dunst I 18 2 Dunst 14 1 wollenl 22 I Wetterprognose'iir Sonntag, den 13. Angnft 1911. Vielrach heiler, am Tage wieder sehr warm bei mätzigcn östlichen Winden, später bei stärkerer Bewölkung etwas Gewitterneigung, sonst trocken. Berliner Wette rbnreau. Grosser Saison-Ausverkauf Der Verkauf findet nur in folgenden Geschäften statt. Zur Vermeidung von Verwechselungen achte man genau auf Strassennamen und Hausnummern der alten Still er-Firma. Haupt-Geschäft: Jerusalemer Strasse 38-39, am Dönhofiplatz Potsdamer Strasse 2 c Tauentzienstrasse 19 a □ Königstrasse 25-26 □ Rosenthaler Strasse 5 Schöneberg, Hauptstr. 146 q Rixdorl, Bergstr. 25-26 □ Charlottenburg, Wilmersdorler Str. 45 Der enorm grosse Erfolg unseres diesjährigen Saison-Ausverkaufs ist der beste Beweis für die stadtbekannte Preiswürdigkeit und Reellität unserer Ausverkaufs-Angebote. Im Interesse einer prompten Bedienung wird höflichst gebeten, zum Einkauf möglichst auch die Vormittagsstunden zu benutzen. -einen-Stiefel -einen-Schuhe Sandalen •• •• Tennis-Schuhe daus- Schuhe Schnür-Schuhe „ack- Schuhe Grosse Posten mod. Herren- u. Damenstiefel Erstklassige Fabrikate! hauptsächlich braun Vorzügliche Qualitäten! Serie II Serie III Serie IV Serie 1 8T3 100 14 früh. 10.50*.......>- 75 früher 12.50 75 früher 15,50 75 früher 18.00 Nur Jerusalemer Str. Grosse Restbestände von Damen- u. 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Opern-Tiieaterocroii) Sonntag, 13. August, abends 8 Uhr: Gastspiel Marga Junker-Burchardt: XiOltengrlii. Montag, 14. August, abends 8 Uhr, zu ermäßigten Preisen: Carmen. DienStag, 15. August, abend? 7 Uhr: Die Meistersinger von Nürnberg. Idealer des Westens. Abends 8 Uhr: Die lustiyen Nibelungen. Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Helgoland Im Wechsel der Zelt. Montag 8 Uhr; Lebende Tierbilder von nah u. fern. EACiSCHER GARTEN HcuteSonntag Ell Bf Eintritt.... SU Tl. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Ab nachmittags 4 Uhr: Gl*. Konzert. Morgen sowie täglich: UljUItär-Doppel-Bon�ert. Folies Canriee. Täglich 8'/, Uhr: Parisiana-Ensemble. 3 Frauenhüte. Die ist eine Ausnahme. Das Strumpfband. Cousin Pampoulette. Metropol-Theater. Zum 107, Male: Kcheit aimijicrl jiih! Operette in 3 Akten von I. Freund. Musik von Rudols Nelson. In Szene gesetzt vom Dir. N. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. 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Volkfbelustlgnngen— Kinderspiele— Kasperle- Xlieater— Fackelzug— Brillant Feuerwerk. _«93>S Eintritt 20 Pf./, Uhr nach Prieeosdrv-k. Preis hin 50 n. zurück fO Ps. Anherdem Montag u. Bennerstag 9'/, Ubr nach viettersders u. Rüdersdorf. Preis hin u, zurück 43. 50, SR. 60 Pf. Dienstag 9'/. Uhr nach Moue Mühle. 2'/, Uhr nach Wollerdorf. Mittwoch 91/, Ubr nach Woltersdcrt. 2'/« Uhr nach Neue Mühle, Kramponburg« Schmöckwitz. Preis hin und zurück 40 Ps. Feden freitag 9 u. 2'/, nach Nessenwinket. Preis hin und zurück 35, Kinder 20 Pi. 113/14 Reoderol Zachow. Tel. VR, 6965 Uhr «rSeHiissMi 'd&L&sac&fPS-'(am Schlesischen Bahnhof), TUglich mit«ufii früh 9, mittag» 2 Uhr nach Woltcrsdorfcr MehleuMe, früh 10 Uhr naih Vene Mühle. Jeden Dienstag. Mittwoch, Freilag mit 30 Mann Musik, 2 Kapellen, früh 10 Übt nach Sfcnc Mühle. Jeden Millwoch Jlinbcrfcft, nachmittags mit llusif nach dem h Walde, borljclbit Verlosung» Spiel. Hin u. zurück nur 50 Ps. 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Friedrichstraße 110/112(Passage-Kaufhaus) Potsdamer Straße 10, 11»°8 13® Leipziger Straße 75/76-KÄ'"' ��Verantwortlicher Redakteur; Richard Sari!». Berlin. Kr'deq Jnserafenteil vcranfw7sTh7GwckVBcrltn. Trucku.Berlag-Horwärtö'Äuchdrufkerci u. Verlagßanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SWT Zlr. Ib8. 28. Zahrgang. 3. Icilnjf iles Jitmitle" Kcrlim Öolliötilalt. ZMtllg. 13. August 1911 Partei-?Zngelegenkeiten. Zur Lokalliste! In Birkcnwerdcr steht der Partei und den Gewerkschaften da? Lakal.Restaurant Japan", Jnh. Gädicke, zu allen Veranstaltungen zur Verfügung. Wir weisen ferner nochmals darauf hin. daß am 19. August der Gesangverein.Berliner Liederfreunde 1907' ein Konzerl in KrollS Etablissement(Zelteni abhält und versucht bei organisierten Arbeitern Billetts umzusetzen. Da das Lokal der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung steht, ersuchen wir, die angebotenen Billetts zurückzuweisen._ Die Lokalkommission. Schonerlinde. Am Sonntag und Montag findet hier ein grofies Erntefest statt, bei welchem die Wirte auch auf Besuch der Arbeiter und nicht zuletzt der Berliner Arbeiter rechneu. Da uns am Orte nur das Lokal von SpcrlinSki zur Verfügung steht, die anderen Wirte aber ihre Räume nicht freigeben, so ersuchen wir die Partei- genofien. diese Lokale zu meiden und nur das freie Lokal von Epcrlinski zu besuchen. Borfigwalde-Wittenau. Am DienStag, den 15. August, abends 8'/« Uhr. findet im Saale von Richter, Borsigwalde, die Mitglieder- vcrfaminluug des Wahlvereins statt. Nicdcr-Schöncwcide. Am DienStag, den 16. d. Mts., abends 8'/, Uhr, findet die Mitgliederversaummilung deS Wahlvereins beim Gcuossen Stahlberg. Berliner Straße 124 statt. Rcinickcndorf-Wcst. Dienstag, den 16. d. Mts., abends 8'/z Uhr, findet im Lokale von Wohlfahrt, Eichborustraße IS, die Mitglieder- Versammlung des BezirlSwahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Vortrag über»Grundsätze und Forderungen der Sozialdemokratie'. 3. Bericht von der Kreis- griieralversamnilung. 4. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Bezirksleitung. Potsdam. Sonntag, den 13. August, mittags 1 Uhr, bei Wilhelm, Kaiser- Wilhelm- Straße: Volksversammlung. Tagesordnung: 1. Gegen die Kriegshetzer. Referent Genosse Erich Baroit-Brandenburg. 2. Freie Aussprache. Tempelhof. Dienstag, den 15. August, abends S'/s Uhr, bei Thiel, Berliner Str. 41/42: Mitgliederversammlung. Vortrag des Genossen U ck o über:„Bcrfassungsfrageu".— Verschiedenes. Spandan. Wir weisen hiermit nochmals auf das heute in den gesamten Räumen der Brauerei Pichelsdorf statisindende Volkssest, bestehend in Konzert, Gesang und turnerischen Aufführungen, hin Anfang des Konzerts um 3 Uhr. Emtritt a Person 20 Pf. Gleichzeitig geben wir bekannt, daß die Wählerlisten zur Einsichtnahme für jedermann vom 15. bis 31. August im RathauS, Zimmer 14, auSliegen. Versäume keiner, sich davon zu überzeugen, ob er in der Liste eingetragen ist. Die außerordentliche Generalversammlung des WablvereinS findet am DienStag, den 15. August, abends S'/i llhr, bei Koepnick, Pichelsdorfer Str. 39, statt. Tagesordnung lautet: 1. Die am 20. August in Seegefeld stattfindende Kreisgeneralversammlung. 2. An die Kreis- generalveriammlung zu stellende Anträge. 3. Wahl von drei Dele- gierte». 4. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. _ Der Vorstand. Berliner JVacbricbteno Auf dem Vieh- und Schlachthofe. Cs ist Mittwoch: ein Markttag. Lange Eiseubahnzuge rollen zwischen breiten Rampen heran. Eine blökende, quiet- schende, trappelnde, stainpfende, vieltauscndlautige Masse ent- quillt ihnen, um in den mächtigen Verkaufshallen unter- gebracht zu werden. Ein gräßlicher Lärm umgibt uns. Dort wird eine An- zahl gravitätisch daherschreitender Rinder durch das schrecken- erregende Schreien und die Stockhiebe hin und hergeheßter Treiber in ein schnelleres Tempo gebracht. Hier gerät eine gemächlich dahintrottcnde Hammelherde durch eilten der- sehentlich zwischen sie geratenen fremden Hund in eine grenzenlose Verwirrung: nach allen Seiten stieben die Tiere auseinander: zwischen den Gebäuden, Waggons. Fuhnverken, Rindern und Menschen jagen Hammel und nochmals Hammel angsterfüllt umher. Ihr hilfloses„Bääh— Bääh" geht unter in dem wütenden Schintpfen der Treiber, dem tiefen„Munh" der Rinder und dem Peitschenknallen der Kutscher. Zu alle- dem setzt plötzlich noch ein Trommelfell zerreißendes Gequietsche ein. Eine Anzahl Schweine wird auf bereitstehende Wagen verladen. Ist es nun schon an und für sich eine ganz eigen- sinnige, widerhaarige— oder richtiger: widerborstige—, radausüchtige Gesellschaft, so werden sie jetzt rabiat. Es mag auch für ruhigere Naturen, als sie sind, unangenehm sein, ausgesucht gerade an Schwanz und Ohren angepackt und auf den Wagen geworfen zu werden. Und sie protestieren mit der ganzen Kraft ihrer melodischen Stimme gegen eine solche Behandlung. Vom Viehhofe getrennt liegt der Schlachthof. Vor uns liegen die in einzelne, remisenartige Räume abgeteilten und an Engros-Schlächter vermieteten langen Schlachthallen für Rinder und Kleinvieh außer Schweinen. Ein widerlich-süßer Blutgeruch lastet sinnverwirrend zwischen diesen Gebäuden. Hastig, über und über mit Schweiß und Blut bedeckt, ver- richten die Schlächter ihre schwere Arbeit. Kaum daß dann und wann ein Wort gesprochen wird. Ueberall dasselbe Ge- räusch: die dumpfen Hammerschläge, der krachende Fall, das blutgurgelnde Röcheln durchschnittener Kehlen, das Schlagen. der Gliedmaßen auf dem Fließenboden. Schon wird mit schnellen und doch vorsichtigen Schnitten die Haut vom Körper abgelöst und nach einer unglaublich kurzen Zeit trennt schon die Säge die Rückenwirbel auseinander. Zwei Mann haben diel» Arbeit besorgt, während ein dritter sich mit den heraus- genommenen Eingeweiden zu schaffen macht. Von Zeit zu Zeit kommt der Tierarzt, der das Fleisch, vor allem die Lunge, untersucht. So manche von der Tuberkulöse zer- flkssene Lunge fliegt hinaus aufs Pflaster, wo sie ein An- gestellter zur Vernichtung in einen verschlossenen Karren wirst. Wehe, wenn er nicht aufpaßt, sofort sucht sie irgendein herumlungernder kleiner Knirps beiseite zu schaffen, damit sie zu Hause von Muttern zu einer..schmackhaften" Mahlzeit zubereitet wird: vielleicht auch manchmal nur zu Hundcfutter. Wir wenden uns den Sck)weineschlachthäusern zu, doch nicht den alten, sondern den moderneren, die auf dem jen- seits der Thaerstraße liegenden neuen Teile des Schlachthofes liegen Durch einen unter der Straße hindurchführendcn Tunnel gelangen wir dorthin. Dieser Teil macht einen sauberen, großzügigen Eindruck._ Noch einmal tief Atem holend, schnell noch den Nerven- apparat kontrollierend, treten wir mutiy in das Schweine- schlachthaus ein. Ein seuchtheißer, mit dem prägnanten Schiveineduft geschwängerter Dunst benimmt uns fast den Atem. Doch das war nicht das schlimmste: aber das Gc- schrei! Wir wunderten uns, daß die harten Klinker nicht zu Brei zerflossen. Aus den niederen Buchten, die sich an den Außenwänden der Halle hinzogen, ertönte— nein, dos war kein„Tönen" mehr— von dorther schmetterte ein gräß- lich kreischendes Quieken, von einer großen Anzahl mit dem Tode ringender Schweine hervorgebracht, an unser Ohr. Mit einer unglaublichen Schnelligkeit und einem noch größeren Mordsspektakel suchen sie den tödlichen Hammerschlägeu zu entwischen, wobei es ihnen auch mal gar nicht darauf an- kommt, ihre großen Eckzähne an den starken Stiefelschästen ihres Feindes zu probieren. Endlich etwas Ruhe. Die In- fassen einer Bucht liegen betäubt am Boden. Mit einem starken Haken werden sie in den mit weißen Fliesen belegten Jnnenraum gezogen und bald quillt aus den durchschnittenen Kehlen das Blut in flache Blcchsatten. Tann gehts in die mit überhitztem Tanipf beschickten Brühkessel, damit die borstige Gesellschaft sich uns hübsch glatt„rasiert" vorstellen kann. Und es dauert nicht lange, so hängen sie gleich Klei- dungsstücken an eisernen Ständern. Zwei mächtige Schornsteine und ein gewaltiger Kühl- turnt streben vor uns in die Höhe. Schienenanlagen führen zu diesen Kühlräumen. Fast glaubt man einem technisch so hoch organsiierten Betriebe gegenüber zu stehen, wie sie die Schlachthäuser der großen Parkers Compagnie Chikagos darstellen. Riesige Kapitalien hat die Stadt Berlin in ihrem Schlachthofe festgelegt, hat sie gegen eine Vergütung dem Privatunternehmer zur Verfügung gestellt. Trotz der teil- weise sehr vorzüglichen Einrichtungen stellt das Ganze doch nur einen unvollendeten Torso dar. Gebäude und Einrichtungen einer großen Fabrik, bewirtschaftet von Klein- krämern: nach jeder Seite eine Karikatur. Und der Erfolg? Tie Qualität des Fleisches, sofern es durch eine rationelle Ausschlachtung verbessert werden kann, entspricht nicht dem, was wir, im Besitze eines solchen Institutes, beanspruchen können. Unser Fleisch„hängt nicht aus", es kommt zu frisch auf den Markt, weil jene Leute die vorhandenen Kühlräume nicht genügend benutzen, wie man auch sonst nicht rationell arbeitet. Da gibt es nur einen Ausweg: die Stadt nimmt die Schlachtung, die Fleischvcrsorgung in eigene Regie. Dann werden wir besseres und billigeres Fleisch bekomnien, Zur Freigabe wegen Hitze. Uns wird geslbrieben:»Infolge der großen Hitze ist für die Volksschulen und für die PflichtfortbildungSichulen eine Verringerung der Stundenzahl bcziv. ein teilweiser Ausfall der Unterrichtsstunden von den niaßgebenden Stellen angeordnet worden, und zivar ist die endgültige Regelung den Rektoren bezw. den Direktoren überlassen worden. So vernünftig und notwendig die Anordnungen betreffs des Ausfalle? jedermann erscheinen werden, so wird aber der Ein- geweihte die Anordnung der Behörden, daß in letzter Linie die Rektoren und Direktoren die Entscheidung über Ausfall oder Ver- kürzung haben, als unvollkommen ansehen. Man hat es schon zu oft erlebt, daß nicht alle Schulleiter einen Ausfall des Unterrichts gern sehen und wenn irgend möglich verhindern. Maßgebend ist für sie in erster Linie daS Thermometer ihres Amtszimmers, das oft genug die günstigste Lage im ganzen Schulhause hat. d. h. kühl liegt und unter desien Fenstern die Schuldiener aus begreiflichem Dteusteifer besonders nachdrücklich sprengen. Besteht dann noch zwischen doN Leitern mehrerer Änstalleu auf demselben Grundstück eine Spannung, ivas gerade nicht selten vorkommen soll, so bedingt auch dies oft eine unangebrachte Zurückhaltung bezüglich des Ausfalles von Stunden wegen Hitze. Rechnet man nun noch eine gewisse Aeiigstlichkeil oder Uebercisrigkeit der Leiter hinzu, so liegen genügend Gründe vor, eine Regelung des Ansialles von Stunden wegen Hitze durch die Rcltoren als nicht wünschenswert erscheinen zu lassen. «ehnlich ist eS in den PflichtfortbildungSichulen. Hier kommt noch hinzu, daß man sich allzu viel von dem Gedanlen beeinflussen läßt, daß die Schüler ja an sich schon so wenig Untcrrickit haben, 6 Stunden pro Woche in 40 Arbeitswochen im Jahre. Aber nia» muß auch in Betracht ziehen, was für Wege die Schüler oft zurück- zulegen haben nnd daß eS etwas ganz anderes ist, schulmäßig gelleidet oft vierzig und mehr in eincm sonnendurchglühie» Räume ans zu kleinen Bänken dem Unterrichte zu folgen als leichibeklcidet oft nur mit Hemd und Hose sich frei bewegen zu können. Wer da sitzen muß erschöpft und er« müdet, der kann eS ermessen, wie fürchterlich es oft ist bei dieser Hitze im Schulzimmer. Daß die Schüler oft genug ein- schlafen oder daß ihnen unwohl wird, ist kein Wunder. Da nützen auch nicht längere Pansen, denn die toenigsten Schulhöfe bieten auS reichenden Schotten und Erfrischungen sind fast ganz unmöglich. Solange aber diese fürchterliche Hitze anhält, sollte die Behörde in liberalster Weise selbst den Ausfall des Unterrichts regeln für beide Schnlgattungen, damit alle Schüler gleichmäßig in den Genuß der Erleichterung kommen.' BcrISngening der Schulferien in Charlottenburg. Infolge der andauernden Hitze fällt der Schnliiiiterricht an der Bürger-Mädchen- schule, in den Gemeinde- und Hilfsschulen, in der Waldschule und in den der königlichen Regierung unterstellten Privatschulcn bis ein- schließlich Sonnabend, de» 19. August d. I., aus. Ebenfalls sind auch in sämtlichen Fortbildungsschulen für männliche und weibliche Personen die Ferien bis zum 20. August verlängert worden. Der Unterricht beginnt hier ebenfalls am Montag, den 21. August. Der Magistrat behält sich vor. den freiioilligen Besuchern der Fort- bildungöschule» die ausgefallenen UirterrichtSstunden>, acherteilen zu lassen._ Die Ferienspielc der Berliner Gemelndrschulkinbrr sind am gestrigen Sonnabend mit dem Erntefestakt geschlossen worden. Die Stimmung war überall sehr gehoben, zumal sich auch viele Eltern und sonstige Angehörige der Kinder eingefunden hatten, die an diesem Schlußtage ausiiahmSweise die Spielplätze betreten und an den Spielen der Kinder teilnchnien dürfen. Wenigstens ist den Spiel- leitcrn diese» freundliche Entgegenkommen so lange gestattet, als sich nicht an» dersBeteiligmig Erwachsener größere llnzulräglichkeiten ergeben. Hierbei wird es ja viel auf das Taktgefühl des einzelnen ankommen. Wünschcnölvert wäre eS, daß die Spielaufsicht nicht so häufig wechselt. Manche Lehrer und Lehrerinnen verlieren schon die Lust, nachdem sie die Sache einen Ferienmonat hindurch mitgemacht haben. Sie sind dann zu abermaliger Beteiligung, obwohl dafür eine Extraentschädigung von 150 Mark gezahlt wird, nicht zu bewegen. Andere bringen den'Spielen so viel innerliches Interesse eutgegen, daß sie sich, wie wir unerkannt beobachten konnte«, förmlich für die Kinder aufopfern und dafür bei ihnen außerordentlich beliebt sind. So hat sich schon ein gewisser Stamm besonders geeigneter Aufsichtskräste herausgebildet, der aber noch vergrößerungSfähig ist. Der Wechsel liegt nicht im Interesse der Kinder, weil Neulinge auch stets neue und nicht immer die besten Ideen mitbringen. Um die Spiele ruhig zu leiten, nirgends anzustoßen nnd bei aller nötigen Disziplin doch die weiteste Freundlich- keit, die in nichts an den Schnlhof erinnert, zu beobachten. dazu gehört f eine starke Anpassungsfähigkeit an den Geist dieser segensreichen Eiilrichtung, die allerdings noch erst in der Eiitwickelung steht. Es müssen für daS nächste Jahr auch von der Stadt praktische Maßregeln getroffen werden, um eine viel größere Beteiligung der Kinder herbeizuführen. So unglaublich eS klingt— viele Tauicnde von Eltern haben von dem Wesen dieser Ferienspicle noch lange nicht das richtige Verständnis. Andere Eltern, deren Kinder gewiß gern mitgehen möchten, müssen längere Zeit vor Ferienbeginn persönlich aufgerüttelt werden. In den ersten Jahren, als die Sache noch ganz neu war und nicht recht klappen wollte, war der Zuspruch so gewaltig, daß zahlreiche Kinder zurück- gewiesen wurden. Speziell im Vorjahre war der Andrang so groß, daß sich eine Einschränkung notwendig erwies. Dabei wurde aber in einer Weise verfahren, die durchaus nicht gebilligt werden konnte. In zahlreichen Fällen wurden die ausgestellten Freikarten annulliert, von vielen Lehrern vor den Augen der Kinder zerrissen. Von dieser Maßnahme wurden zahlreiche arme Fanrilien betroffen, die uns in der bittersten Weise ihre Klagen vorgetragen haben. Noch nie sind uns so viele Klagen zugegangen wie gerade im Vorjahre. Das hat dann in weiteren Kreisen verstimmt und die Einrichtung in Mißkredit gebrächt. Man soll aber nicht, weil anfangs Fchly: begangen wurden, sich abschrecken lassen und noch weniger so? man gleich schimpfen, wenn mal nicht alles wie am Schnürchen z-cht. In diesem Jahre hätten ohne erhebliche Schwierig- keilen reichlich noch eininal so viele Kinder befördert und verpflegt werden können._ Jagow und die Verwaltung der Stadt Berlin. Wir haben kürzlich anläßlich des neuesten Schießerlaffes deS Herrn Jagow daraus hingewiesen, welch skandalöser Zustand in Berlin darin besteht, daß die Berliner Bürger jährlich mehr als acht Millionen Mark für die Polizeiverwaltung bezahlen müssen, ohne auch nur das Geringste über die Polizei zu sagen zu haben. Denn wir haben in Berlin keine städtische, sondern eine königliche Polizei. Dieser Zustand und die sonderbaren Maßnahmen der leitenden Polizeigeister haben inimer mehr zu einer Gegnerschaft zwischen Polizei und Bürgerschaft geführt. In der neuesten Nummer der„Kommunalen Praxis' wird vom Standpunkt der städtischen Interessen die Jagow-Politik einer scharfen Kritik unterzogen. In einem„Jagvtv' überscbriebencn Artikel heißt es dort u. a.: „Welche mächtige Rückendeckung muß der Polizeipräsident haben, wenn er trotz alledem und trotz einer peinlichen persön- lichen Affäre noch immer seines Anites walten darf! Wie stark muß dieser Mann sein, daß kein Minister des Innern und kein Ministerpräsident ihm in den Arm zu fallen wagt, obichon doch ihnen nicht verborgen bleiben kann, daß sich unier der Präsident- scbaft des Herrn b. Jagow die Dinge in Berlin allmählich ge- sährlich zuspitzen. Wer es aufrichtig mit dem Wohle des Bolkes meint, wer eine ruhige und organische Entwickelnng unserer Verhältnisse anstrebt, der kann nur mit tiefem Bedauern die Folgen der polizeilichen Wirtschaft von heute betrachten. Der Gegensatz zlvischen Polizei und der iveitauS größten Masse unserer Bevölkerung hat infolge der Maßnahme des Polizeipräsidenten nnd infolge des Geistes, aus dem diese Maßnahmen erflosien, eine Schärfe angenommen, die kaum noch zu überbieten, sicherlich ans die Dauer nicht zu erlragen ist. Wir habtn in der letzten Zeit erfahrene, ruhige und gewissenhafte Männer aus allen politischen Par- teien über dieseDinge befragt und von ihnen die ganz g l e i ch n» ä ß i g e A u s k u n s t erhalten, die Er» bitterung über daSprovolatorischeSystemJa�ow schädige nach ihrer Meinung die Interessen derSradt soschiver, so unmittelbar, daß die städtischen Vertretungskörperschaften nicht länger mit, energischen Maßregeln dagegen zögxrn dürften." Leider versagen unsere freisinnigeii Kommunalpolitiker, wenn eS ernsthaft gilt, gegen die heutige Polizeiwirtschast Front zu machen. und überlassen den Kampl.der Sozioldeinolratie. Sollten die Herren sich jetzt wirklich ernstlich aufraffen wolle», so würde das beweisen, welchen Grad der Erbitterung das System Jagow ge- zeitigt hat.__ Freibad Müggelsee. Uns wird geschrieben:„Tie seit Wochen fast unerträgliche Hitze trieb den Groß-Berliner aus den schwülen Räumen hinaus ins Freie. Viel Taufende suchten Kühlung und Erfrischung im Wasser. Ein gewaltiger Strom pilgerte in die Freibäder Wannsee und Grünau oder suchte den Müggelstraiid auf. Obgleich ein staatlich anerkanntes Freibad am Müggelsee nicht vorhanden ist, jegliche Einrichtung daher auch fehlt, benutzten Tausende die günstige Gelegenheit, im Müggelsee zu baden. Die Behörden haben seit Jahren stillschweigend das Baden in der Müggel ge- duldet; jetzt wuchs der Zustrom zu einem ungeheuren Massen- ansturm. Ucber 30 000 Menschen fanden sich an den letzten Sonn- tagen ein; selbst des Alltags kommen tausende Berliner zum See heraus. Ter lange, sandige Nordstrand vermag die Badegäste kaum zu saffen; der angrenzende Wald gleicht einer großen Lager- stadt. Zelte werden zu Hunderten aufgeschlagen; andere Bade- gäste bauen sich primitive Hütten: zwei kurze Leinen, zwei Bett- decken bilden die schützende Badekabine. Die größte Zahl aber entkleidet sich hinter einem Strauch oder ungeniert am Ufer. Weit hinein in den See ist das Ufer seicht, knietief das Wasser. Tort hüpfen und springen nach den Schweißbädern im Häuser- mecr die frohen Menschen; im heißen Strandsande liegen die braungebrannten Gestalten, und noch ungebrannte wollen möglichst bald die gleiche sonnverbrannte Hanl ihr eigen nennen. Manch Schclmenstück wird ausgeheckt; ein übermütiges Völklein freut sich des wahren Freibades. Leider haben sich mit dem Massenandrang am Müggelsee auch verschiedene Mißstände eingestellt, die von allen ständigen Besuchern des Bades bedauert werden. Die größte Zahl der Besucher läßt rücksichtslos im Walde und am Strande alle Reste der mitgebrachten Speisen und Stullen, alle Stullen- papicre, Flaschen, Konservenbüchsen an der Lagerstätte liegen. Wie ein wildes Chaos bietet sich der Wald am Abend dar. Ohne Rücksicht auf den leicht entstehenden Waldbrand rauchen viele ihre Zigarren und Zigaretten. Es fehlte« bisher jegliche Sjchcrheitsmaßregeln im Bade;— keine Zeichen wiesen auf den an den meisten Stellen im Bade plötzlich steil abfallenden Badegrund hin.� Wie mancher Unkundige, der eben noch kaum bis zur Brust benetzt im Wasser vorwärts schritt, sank lautlos in die Tiefe. Wehe dem Nichtschwimmer I Kein Rettungsboot war vorhanden, keine sachgemäße Hilje im Freibadc bereit. Diese Mißstände im Freibade Müggelsee haben Freunde des Dades in Fricdrichshagcn veranlaßt, eine»Vereinigung zur Orb- nung des Freibadlvesens am Müggelsee" zu bilden. Die Ver- cinigung hat am Strande ein Samariterzelt aufgestellt; 10 bis 12 Samariter sind zur Hilfeleistung an Sonntagen anwesend. Mitglieder der SanitätLkolonne pcrtrouillieren am Badestrände. An die Badegäste werden Flugblätter mit Verhaltungsmaßregeln unentgeltlich abgegebene Tie' Vereinigung sorgt für schnelle Säuberung des Strandes. Ein Rettungsboot der Rettungsgcscfl- schaft steht am Ufer zur Hilfeleistung bereit. Die Vereinigung hat sich erst vor 14 Tagen gegründet. Ihre Flugblätter haben manchen Unkundigen zur Vorsicht gemahnt; in 100 Fällen ist Ver. letzten und Erkrankten Hilfe geleistet worden. So ward verhütet. «Jß bei dem Massenbesuch todliche Unfälle, besonders Ertrinken. fast völlig verhütet wurden. Wöhrend bei viel geringerem Besuch an früheren Tage»» b.S 4 Todesfälle durch Ertrinken vorkamen, 'st am letzten.Sonntag nur eine Person ertrunken, die trotz der 9 Warnungen die liefe Stelle aufsuchte Und.lautlos versank. Zwar wurde der Versunkene sofort herausgezogen, doch waren die Wieder- betedungsversuche ohne Erfolg. Auch am heutigen Sonntag werden alle Hilfseinrichtungen von der Vereinigung in noch weiterem tytaße gestellt werden. Möge jeder Freibadbesucher selber mitarbeiten, das; möglichst jeder Unfall vermieden und Ordnung im Baöe geschaffen wird." Hoffen loir. daß die zum Schutze des Freibades geschaffenen Einrichtuiigeli der«achc nützen und die Besucher sich an die Ord- rmnsvorschlage kehren. Dann wäre ja die Möglichkeit vorbanden, daß in Friedrichshagen ein wirkliches Freibad zur Verfügung stände. Tcnn jetzt gibt es so gut wie keine Freibäder mehr. Tie Freibäder, die sich heute so nennen, wie die in Wann s c e und Grünau und dergleichen, können doch im Ernst keinen Anspruch auf die Bezeichnung„Freibad" erheben. Es ist ein grober Unfug von einem Freibad zu reden, wenn bei Lenutzung desselben nicht unerhebliche Gebühren zu entrichten sind. Wenn die in Friedrichs- bogen gegründete Vereinigung zur Ordnung des Ireibadwesciis sich in der Tat darauf beschränkt, ein wirkliches Freibad zu erhalten, so dürfte dieses Streben nur anzuerkennen sein. In Wannsee entivickcltcn sich die heutigen Zustände zwar auch 10, als anfänglich ein Verein zur Ordnung des Freibadwesens sich badete, um in der Folge sich dahin auSzuwachscn, daß ein kleiner RrciSJjon Privatpersonen erheblichen Nutzen aus der Etablierung des„Freibades" zog. Von Friedrichshagen wird uns berichtet, daß man eine solche Entwickclung, wie sie sich in Wannsee vollzogen hal, gerade vermeiden will. Es sollte uns das freuen. Die„Tanz-Rcform". Eine Versammlung des Vereins der Berliner Saalbesitzer, die gestern abend bei Ballschmieder in der Badstraße stattfand, nahm Stellung gegen das unschöne und unanständige Tanzen in den öffentlichen Tanzlokalen Groß-Berlins. Der Verein hat schon bor längerer Zeit dem„Apachentanz"— oder vielmehr den häß- lichen Verrenkungen, die unter diesem Namen in den Berliner Tanzlokalen vorgeführt werden— den Äampf angesagt und die Vereinsmitglieder haben in ihren Lokalen durch Plakate den „Apachentanz" verboten. In der gestrigen Versammlung führte der Referent G u st a v u s aus, die. Plakate hätten zwar vielfach eine kleine Besserung herbeigeführt, aber viele Saalbesitzer hätten auch den Beschluß des Saalbesitzervereins zu Kvnkurrenzmanövern ibenützt und durch weitgehendste Toleranz die Verehrer und Ber- ehrerinnen des Apachentanzes in ihre Lokale gezogen. In den meisten Sommerlolalen würden auch jetzt noch alle möglichen Tänze, besonders vom„schönen Geschlecht", in einer Weise auf- geführt, die durch die Gliederverrcnkungen, das Beugen und „Schieben" nicht nur durchaus häßlich und ungraziös, sondern auch im höchsten Grade unanständig wirken. Da die Konkurrenz der Wirte untereinander eine Besserung durch Selbsthilfe wenig aus- sichtsreich erscheinen lassen, empfahl der Referent, der Verein möge die Polizeivertvaltung um ein Verbot solcher Tänze ersuchen.— Wiese vom Vorstand des Bundes der Saal- und Konzertlokal- inhaber wandte sich unter dem Beifall der Versammlung gegen den Vorschlag, die polizeiliche Hilfe anzurufen. Die Saalbesitzer ständen. jetzt schon viel zu sehr unter polizeilicher Aufsicht. Die Auswüchse beim Tanzen würden am besten beseitigt, wenn die Saalbesitzer von ihren Tanzmeistern ein energisches Einschreiten dagegen verlangen würden. In der weiteren Debatte wurde darauf hingewiesen, daß nicht nur das Stammpublikum der Tanzlokale. sondern in den Ausflugsorten vrelfach auch bessere Damen in Ulk- stimmung ihren Stolz darein suchten, möglichst extravagant zu tanzen. Die Rundtänze in der herkömmlichen Form gelten den jetzigen Besuchern der Tanzlokale schon als überlebt und lang- weilig.— Der Borsitzende des Vereins, Wolter, wies auf die Gefahren hin, denen sich die Saalbesitzer aussetzten, wenn fie un- anständige Tänze in ihren Lokalen dulden. In letzter Zeit sei die Polizei schon vielfach in solchen Fällen eingeschritten und habe den Saalbesitzcrn die Tanzerlaubnis deswegen beschränkt.— � Die Versammlung beschloß, sich mit den. Tanzmeistern zur Abstellung der bestehenden Mißstände in Verbindung zu setzen, die Saalbesitzer vor dem Dulden unanständiger Tänze zu ivarnen und durch Aus- hängen weiterer Plakate ig den Tanzlokalen solche Tänze zu ver- bieten._ Zentralverein für Arbeitsnachweis. Den von der Reise zurück- gekehrten Hausfrauen bringt der Zentralverein für Arbeitsnachweis seine kostenlose Vermittlung von Aushilfspersonal sWaichfrauen, Rein- machefrauen, AuShilfSmädchen. Ausbesserinnen, Plätterinnen) in freundliche Erinnerung. Bestellungen erfolgen durch Postkarte iBerlin C. 54, Rückerstr. 9) oder durch telephonischen Anruf: Anit 3, 3791—3797. Das Bureau ist täglich von 7—1 Uhr geöffnet. Stäbtische Försterei. Die Försterei in der W u h l h e i d e ist jetzt, nachdem einige bauliche Aenderungen borgenommen sind, von einem städtischen Förster bezogen worden, dem die gesamte Wühl- Heide zur Beaufsichtigung unterstellt worden ist. Eine unangenehme Uebcrraschung erlebte gestern abend ein Dresdener Kraftdroschkenführer auf dem hiesigen Polizeipräsidium. Als er auf seiner Haltestelle in Dresden auf Fahrgäste wartete, trat ein Mann an ihn heran, zeigte ihn, eine Medaille und erklärte ihm, daß er Staotsdeteltiv sei und sofort einen Staatsverbrecher vom Polizeipräsidium in Berlin abzuholen habe. Der Mann solle, weil er krank und schonungsbedürftig sei. nicht auf dem gewöhnlichen Wege mit der Eisenbahn, sondern mit dem Kraftwagen befördert werden. Der Staatsdetektiv bot für die Fahrt 150 M., und der Chauffeur war sehr froh, einen fo guten Fahrgast bekommen zu haben. Er hatte Benzin genug, kurbelte sofort an und fuhr loS. In Berlin lenkte ihn der„StaatSdctektiv" zunächst nach der Weißenburger Straße. Dort stieg er aus. ging in ein HauS hinein, kam nach kurzer Zeit wieder heraus und sagte, Onkel und Tante seien an- gekommen, er könne also nun hier übernachten, vorher aher müsse er die Angelegenheit auf dem Polizeipräsidium ordnen. Der Mann fuhr dann mit dem Sachsen nach der Dircksenstraße, ließ ihn am Ein« gang des Polizeipräsidiums halten und gab ihm die Weisung, auf ihn zu warten. Dann ging er hinein, um sich, wie er sagte, im Zimmer 86 zu melden, ein Beweis, daß er in den Räumen des Polizeipräsidiums Bescheid weiß. Der biedere Chauffeur wartete vergeblich von 10— ll'/a Uhr. Dann dauerte eS ihm doch zu lange mit der Meldung. Er ging auch einmal nach dem Zimmer 36 und erfuhr jetzt zu seinem Schrecken, daß ihn ein Gauner gründlich geprellt hatte. Der StaatSdetekliv war durch das Gebäude bindurw- und an der Alexanderstraße wieder hinausgegangen. Von einem Staats- detektiv und einem Staatsverbrecher wußte man im Polizei- Präsidium nichts. Leider kann der Betrogene den Schwindler nur sehr unvollkommen beschreiben. Er weiß nur, daß er mittelgroß ist und etwas hinkt. Nachtlager in den Wäldern um Berlm. Das„Philadelphia Tageblatt" läßt sich unterm 31. Juli folgende sensationelle Nachricht aus Berlin kabeln.' „Man hat hier ganz ausgezeichnete Erfahrungen mit den Nachtfauitarien gemacht, welche hier eingeführt worden find. Berlin ist stark von öffentlichen Wäldern umgeben, welche durch Schnellverkehrsbahnen zu erreichen sind. Nun hat man gefunden, daß Leute, welche während des Tages durch harte Arbeit in der Hitze körperlich herabkommen, sich in den Nachtlager» in den Wäldern sehr schnell erholen und am nächsten Tage gesund und munter sind. Drei solcher Nachtsani- tarien sind eingerichtet worden. Es gibt keinen Luxus dabei. Sie sind auf die Mafien berechnet. Das Fahrgeld aus dem Zentrum der Stadt nach den Wäldern beträgt bloß einige Pfennige. Bei Eichkamp und Schönholz sind solche Lager für Frauen, bei Johannisthal ist eines für Männer errichtet worden. Bei ihrer Ankunft aus der Stadt können die Leute eine einfache, aber sehr gute und billige warme Mahlzeit bekounneii. Die Ruhestätten bilden einfach Hängematten unter Holzdäckern. Jever Gast bekommt einen Schlafsack, iu den er hineinschlupft. Wände gibtS nicht. Man schläft im Freien. Auch Vorhänge werden nicht geduldet.(Und die Stechenden?) Um 10 Uhr muß jedermann in seiner Hänge- matte sein. Um Vzb Uhr morgens wird Frühstück serviert. Dann können die Leute wieder an die Arbeit fahren. Diese Unterkunfts« stellen haben sich bereits so tüchtig bewährt und find so populär geworden, daß eine große Ausdehnung derselben nötig wird." Nach dieser Meldung müssen die Leser des„Philadelphia Tage- blatt" annehmen, daß zahlreiche Berliner Arbeiter nach ihrer Tages- arbeit in die Wälder fahren und dort wegen der großen Hitze ihr Nachtlager aufschlagen. Das ist natürlich Unsinn. In Wirklichleit handelt es sich im vorliegenden Falle um die Erholungsstätten vom Noten Kreuz, in denen sich am Tage Arbeiter, Frauen und Kinder aufhalten, die vom Arzt als erholungsbedürftig bezeichnet worden sind, nicht aber um solche Arbeiter, die am Tage arbeiten und nach Beendigung ihrer Arbeit die Erholungsställen aufsuchen. Davon kann gar keine Rede sein._ Waldbrand im Bernaucr Forst. Tie Stadt Bernau ist Freitag und Sonnabend von mehreren großen Waldbränden heimgesucht tvorden. Der schöne, den meisten Berlinern bekannte Stadtforst von Bernau an der Chaussee nach dem Liepnitzsee und Wandlitz, ist in einer Ausdehnung von ungc- fähr 800 bis 1000 Morgen niedergebrannt. Eine Menge Wild soll in den Flammen umgekommen sein. Das Feuer kam Freitag nach- mittag, vermutlich durch Brandstiftung, an zwei Stellen westlich der Wandlitzer Chaussee in einer Schonung zum Ausbruch. Trotz sofortiger Hilfe aus Bernau, Wandlitz, Zepernick, Schmetzdorf und Buch usw. konnte der Brand erst in später Abendstunde gelöscht werden. Gestern früh entstanden abermals an zwei verschiedenen Stellen größere Brände, die erst gegen Mittag auf mehrere hundert Morgen Hochwald und Schonung beschränkt werden konnten. Etwa 500 Morgen Hochwald mit 80jährigen Kicfernbeständen sind ver- nichtet und müssen abgeholzt werden. Der Schaden für die Stadt Bernau ist ganz ungeheuer. Der unmittelbar cm die Brandstelle angrenzende 4000 Morgen große Forst von Schönwalde, der erst vor einiger Zeit vom Berliner Magistrat angekauft worden ist, blieb dank den Schutzmaßregeln der Administrationen von Schinetzdorf und Buch unversehrt. Man hat jetzt Wachen ausgestellt, um bei neuen Bränden sofort gerüstet zu sein. Milch mit chemischen Konservierungsmitteln. Das Polizeipräsidium erläßt folgende Warnung: „In der heißen Jahreszeit'pflegen durch Zeitungsinserate und gedruckte Rundschreiben allerlei chemische Präparate, nieist unter Phantasicnamcn und ohne Angabc der Zusammenstellung, als Zu- sätze zur Milch, um deren Gerinming zu verzögern, empfohlen zu werden. Vor dem Ankauf und der Verwendung dieser Mittel wird dringend gewarnt. Es ist keine chemische Substanz bekannt, die imstande wäre, die Milch frisch zu erhalten und vor dem Gerinnen zu bewahren, ohne ihr gleichzeitig gesundheitsschädliche Eigen- schasten zu verleihen. Das einzig empfehlenswerte Verfahren, um im Haushalte die Milch vor dem Sauerwerden möglichst lange zu schützen, ist: die Milch so frisch wie möglich zu kaufen, sofort nach dem Ankauf 5 bis 10 Minuten etwa bis zum Kochen zu erhitzen und sie alsdann schnell abgekühlt an kühlem Orte in einem Gefäße mit überfassen- dem Deckel, und zwar am beste» ohne Umgießen in dem Gefäße, das zum Aufkochen diente, aufzubewahren. Milch, die kleineren Kindern gegeben wird, sollte vor Vcrabfolgung an sie jedesmal erst von einem Erwachsenen gekostet werden, um festzustellen, ob sie auch nicht sauer oder bitter schmeckt. Wer Milch, die mit chemischen Konservierungsmitteln versetzt ist, einführt, feilhält oder verkauft, hat Bestrafung auf Grund von K 3k der Polizeiverordnung vom 15. März 1902 und Verfolgung auf Grund des Nahrungsmittelgesetzes zu gewärtigen." � Ein Kirchendieb hatte am Donnerstag früh die katholische Lieb- frauenkirche in der Wrangelftr. 50/51 heimgesucht. DaS Gotteshaus, das in die Straße hineingebaut ist. steht Tag siir Tag für den Besuch der Gläubigen auf. Am Donnerstag früh hat sich nun jemand diese Gepflogenheit zunutze gemacht und, während er allein iw der Kirche war, von einem Nebenaltar von drei Kanontafeln, die dort standen, zwei gestohlen. Die Tafeln sind 20 Zentimeter breit und 40 Zentimeter hoch. Sie haben Bronzerabmen und tragen die Inschriften: Initiuin saneti evangelii und Sacerdos infundit vinum. Stach den bishengen Ermiltelungen hat niemand den Dieb gesehen. AuS Furcht vor einer Operation hat sich der 49 Jahre alte Arbeiter Ernst Claus aus der Manteuffelstr. 21 daS Leben ge- nommen. Der Mann war feit längerer Zeit ohrenleidend und sollte sich einem ärztlichen Eingriff unterziehen. Um dem zu ent- gehen, erhängte er sich gestern, während seine Frau auf ihrer Arbeitsstelle war. Straßenbahnunfall. Am Sonnabendnachmittag 4 Uhr wurde der 41 Jahre alte Straßenbahnschafsner Rudolf Schulz aus Char- lottenburg, Sophie-Charlottenstraße 80 wohnhast, von dem Motor- wagen 206 der Linie P Westend— Dönhofsplatz angefahren und zu Boden gerissen. Schulz erlitt einen rechten Oberschenkelbrnch sowie Verletzungen am rechten Auge, auch klagte er über linksseitige Brustschmerzen. Der Verunglückte wurde zunächst mit einer Droschke nach der Rettungswache am Spittelmorkt gebracht. Die Leiche einer weiblichen Person wurde am Sonnabend nach- mittag m der Röhe der Insel Hasselwerder bei Tegel ge- landet. Die Tote ist etwa 25—30 Jahre alt und 1,65 Meter groß. Bekleidet war sie mit schwarzem Rock und weißer- Stickereibluie, langen dünnen schwarzen Strümpfen und hohen braunen Schnür- stiefeln. An den Händen trug sie schwarze bis zu den Ellenbogen reichende Handschuhe sowie zwei Ringe! der eine derselben stellt eine Schlange mit zwei Köpfen dar, in der andern ist ein kleiner Stein gefaßt. An der Bluse war eine goldene Uhr mit einer Spange be- festigt. Die Leiche kann noch nicht lange im Wasser gelegen haben. Die Leiche eine« neugeborenen Knaben wurde gestern auf dem unbebauten Grundstück Schöningstr. 14, gefunden. Wie sie dorthin gekommen ist, weiß man noch nicht. Sie war in Zeitungöpapier eingewickelt. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend hatte im Juli. dem ersten Monat ihre« 18. Geschäftsjahres, einen Umsatz von 540 458,88 M. gegen 329 894,90 M. in ihren 66 Verkaufsstellen, daS sind 210 563,98 M. mebr. Trotz des heißen Wetters und dem erfahrungsgemäß schlechtesten Umsatz dieses Monats, kommen noch immer über 3100 M. auf die Verkaufsstelle. In diesem Monat werden noch drei Verkaufsstellen eröffnet und zwar: Beilin dl. Stolpilche Straße 24 die 67.. Wilmersdorf, Auguftastr. 3 die 68. am Montag, den 28. August, und Baumschulenweg, Baumschulenstr. 93a die 69. Verkaufsstelle wahrscheinlich auch noch im August.— Der SelterS- und Branielinionadenumfatz stieg in vielen Verkaufsstellen auf das zehnfache des bisherigen Bedarfs, so daß augenblicklich knapp der Bedarf gedeckt werden kann. Vorort- jVacbricbten. Charlottenburg. Die Gemeindewählerliste CharlottenburgS liegt zur Ein- ficht vom 15. bis einschließlich 30. August d. I. im städtischen Wahlamt, Lützower Str. 8a(Portal I, Vorderhaus 3 Treppen links, Zimmer 39/40). öffentlich aus und zwar:>v o ch c n» tags von 8 bis 3 Uhr; außerdem am Sonnabend, den 19., und Sonnabend, den 28. August, nachmittags von 5 bis 8 Uhr, Sonntags von 8 bis 12 Uhr. Einsprüche gegen die Richtigkeit der Liste können in dieser Zeit erhoben werden. Die Liste umfaßt 53020 Wahlberechtigte mit einem Gesamtsteucrbetrag von 14923513 M. gegen 50151 Wähler mit einem Steuerbetrage von 13 845 422 M. im Jahre 1910. Die Zahl der Wähler ist um 2863 gewachsen. Die I.Wähler- abteilung wird gebildet von 790 Wählern(1,49 Proz. aller Wähler), die zusammen 6058156 M. Steuern aufbringen. Um Wähler in der I. Abteilung zu sein, muß man in Charlottenburg mindestens 2979 M. Stenern zahlen. Der II. Ab- teilung gehören 6825 Wähler(12,87 Proz.) an, deren Steuer- betrag sich auf 6053678 M. belauft. Das Wahlrecht in der II. Abteilung wird erwirkt mit einem Mindeststeuersatz von 290.40 M. Der Rest der Wähler. 45 405(85.64 Proz.), übt sein Wahlrecht in der III. Abteilung aus. Demnach haben 790 Wähler I. Abteilung genau so viel politische Rechte wie 45 405 Wähler Hl. Abteilung. Diese Zahlen kennzeichnen da�. Dreiklassenmahlrccht in der Gemeinde recht deutlich. Rixdorf. Ein Gartenfest der arbeitenden Ingen« veranstaltet am heutigen Sonntag der Jugcnd-Ausschutz der Arbeiterschaft Rixdvrfs im Gesellschaftshaus Felsch, Änesebeckstraße 48/49. Festrede. Männerchöre, Konzert, turnerische Aufführungen. Theater, lebende Bilder und ein kleines Tanzkränzchen bilden das Programm des Festes, dessen Besuch allen Freunden der Jugend nur dringend empfohlen werden kann. Eintrittskarten für Jugendliche(bis zu 18 Jahren) 20 Pf., für Erwachsene 30 Pf., sind allabendlich Von 7 bis Oftj Uhr im Jugendheim. Jdcalpassage 8, zu haben. Britz. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sick am Freitag gegen 7 Uhr abends auf dem Neubau der Firma Riedel in Britz. �Tort waren einige Arbeiter mit dem Bau der Rüstung beschäftigt. Plötzlich fiel ein Balken von 6 Meter Länge herunter und traf den Arbeiter Lange ins Genick. Dieser stürzte aus einer Höhe von 5 Metern in den Keller, schlug mit dem Kopfe auf eine eiserne Säule und erlitt dabei eine erhebliche Verletzung. Bkulüberftrömt wurde der Verunglückte von einigen Arbeitern hinausgetragen und ins Britzer Krankenhaus geschafft. Jedenfalls hat er bei dein Sturze noch innere Verletzungen erhalten. Wenn man die Arbeitsweise betrachtet, so muß man sich wundern, daß es bei dem Antrcibestistcm überhaupt noch so glimps- lich abgeht und nicht noch mehr Unglück passiert. Wie leichtsinnig gearbeitet wird, dewe.st der vorliegend« Fall. Vom Poliex wurde die Anweisung gegeben, die schioere Rüstung auf einen 7 Zentner schweren Träger zu legen, welcher nicht vorschriftsmäßig befestigt ist. Ebenso ist es mit den Eisenarbeiten. Arbeiter sitzen zuweilen in einer Höhe von 10— 12 Metern(1. Etage und Kellergeschoß), ohne daß genügende Abdachung vorgesehen ist. Jedenfalls wäre es ratsam, wenn hier Abhilfe geschaffen würde. Der Bau Wird von der Firma Arnold Küthe ausgeführt. Zehlendorf(Wannseebahn). Volksfest. Heute, Sonntag, den 13. August, findet im Etablissc- ment Paul Schwarz, Rennbahn, Alsenstraßc, ein großes Volksfest statt. Dasselbe besteht aus Kopzert, Gesang, turnerische und Rad- fahr-Aufführungen; für Kinder Kasperle-Theater, Fackelzug. Großes Brillant-Feuerwerk. Die Parteigenossen werden ersucht, diese Ver- anstaltung in Massen zu besuchen. Der Vorstand. Marieadorf. Ein ebenso unglaublicher, wir empörender Vorgang, den man vor den Toren Berlins gar nicht für möglich hält, spielte sich dieser Tage hier ab. Hatte sich da in der Strelitzstraße ein alter Mann erschossen, angeblich ein Kriegsveteran, dessen Leiche nun am Abend abgeholt wurde. Ein Kohlenwagen, auf dem eine Tragbahre stand. diente als Transportmittel in der üblichen Begleitung eines Polizei- beamten. Es ist außerordentlich beschämend für eine Gemeinde wie Mariendorf, die bei ihrer schnellen EntWickelung wohl daran ge» dacht hat, zwei Pfarrer anzustellen und dementsprechend ein schönes Pfarrhaus zu erbauen, aber für ein geeignetes Gefährt für Leichen, die polizeilich beschlagnahmt werden, hat man noch keine Mittel gehabt. Da nimmt man einen Kohlenwagen oder ein anderes xbcliebigeS Gefährt, um den Leichnam nach der Halle auf dein Friedhof der— Kirchcngemcinde zu schaffen. Es wird sich der alte Veteran gewiß nicht haben träumen lassen, daß er. einst für die Ehre seines Vaterlandes sein Leben mutig eiiisetzend, nunmehr als Leiche auf einem Kohlenwagen zum Friedhof hinausgefahren wird. —„Das dank ich dir, mein Vaterland!.., Hohen-Schönhauseo. Achtung, Gemeindewähler! Die Wahlen für die dritte Ab- teilung sind auf Freitag, den 18. August, von nachnttttagS 3 Uhr bis abends 8 Uhr im Lokal von Robert Schulze, Hauptstr. 9, an- gesetzt. Berliner Parteigenossen werden gebeten, die in Berlin ar� beitenden Wähler auf die Wahl aufmerksam zu machen. Wir müssen alles daran setzen, eine Stimmenzahl auf unsere Kandidaten Fritz R e y h e r, Ludwig Engel, Max Siebenwirth zu ver- einigen, welche die erdrückende Majorität ergibt. Zum erstenmal ist auch von bürgerlicher Seite eine öffentliche Wählerversammlung einberufen worden. Die Parteigenossen lvaren auf dem Posten. Im gesdstossenen Zuge marschierten sie dorthin, besetzten das Bureau und am Schluß wurden die Kandidaten der Sozialdemokratie proklamiert. Dem Vernehmen nach wollen die Bürgerlichen nochmal, aber nur unter sich, zusammenkommen. Am Sonntag findet eine Flugblattveroreitung von den Bc- zirkslokalen aus statt und am Dienstag eine ftudertzustellung an die Wähler. Mittwochabend ist nochmals Flugblattverbreitung. worauf Donnerstag, abends 8 Uhr, im Lokal von F. Reyber, Ber- liner Straße 93, in einer öffentlichen Wählerversammlung der letzte Appell an die Wähler gerichtet wird, und am Freitag müssen wir siegen. Neu-Zittau(Kreis BeeSkow). „Die Taten des alte» und dir Aufgaben des neuen Reichs- tages" war das Thema, welches Genosse istörmer am letzten Sonn- tag vor gut besuchter Versammlung in Burig behandelte. Dem beifällig aufgenommenen Referat folgte eine Diskussion, in wcld>cr Genosse Wiczorick den Anwesenden die herrschenden Zustände vor Augen führte und recht warm an die Versammlungsteilnehmer appellierte, die Ausführungen des Referenten auch zu beherzige». Die Rcicksversicherungsordnung wurde vom Genossen Schulz einer scharfen Kritik unterzogen. Nach einem begeisterten Hoch gingen die Versammelten befriedigt nach Hause. Potsdam.' Die Ruhrerkrankungen in der Potsdamer Garnison geben zu Befürchtungen keinen Anlaß. Todesfälle sind bisher nicht borge- kommen.'Das erlassene Badeverbot, das sich u. a. auch auf die Zöglinge des Militär-Waisenhauses erstreckt, ist lediglich eine Sichcrhcitsmaßregcl. Ucbcrtragung der Krankheit durch Fluß- Wasser ist nicht zu befürchten. Im Garnisonlazarett außerhalb der Stadt am Bornstedler Felde sind die strengsten Vorschriften über den Besuch der Kranken erlassen. Außerdem ist für strengste Jso« lierung der Ruhrkranken und-verdächtigen gesorgt. Wieder ein ueucs Denkmal. In der mit Denkmälern so reich gesegneten Residenzstadt wird am 2. September ein weiteres Deut- mal„enthüllt" werden. Als GegengesdKnk für das vom deutschen Kaiser Amerika geschenkte Standbild Friedrichs des Großen hat der amerikanische Kongreß Teutschland das Denkmal eines ehe- maligen Deutschen, der sich um militärische Vcrbä.tniffe in Amerika verdient gemacht hat, übergeben. Sieuben heißt der ehemalige preußische Offizier.— Potsdam wird auf diese Weise wieder seine besondere Scdanseicr haben. Der Enthüllungsfcier werden sogar mehrere amerikanische Vertreter beiwohnen. Die öffenilid'cn Plätze send sd)0!i alle mit Denkmälern besetzt; man Hai daher den Gartm vor der KommgsdgntLr M Aufftelluvssort gewählt,, 3 bis 5 Pfennig- Mit Gold- Mundstück— Ohne Mundstück— Mit Mundstück 7'y vA' r y■' probiert Man verlange deshalb Überall die Marke„Haloppi" Geöffnet 8—8 Moebel-Boebel Gegründet 1879 - Kein Laden! Verkauf nur im Ftrk� Berlin!. 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Wahlkreis: Ott e n: Robert W e n g e IS, Gr. Frankfurterstr. 120. — Richard H a ck e l b u I ch, Petersburgerplatz 4(Laden). 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Lausttzerplatz 14/15. 5. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmaiiueltirchstr. 12(Hos). B. Wahlkreis(ZRoahltl: Karl Anders, Salzwedelerstr. 8. WeddlnA: I. H ö n t i ch, Nazaretbkirchstraste 4g. Itesenthaler und Oranteahnrj-er Vorstadt: Wilhelm B a u m a n», Bernauerstr. g, vorn Part. Slesnndhrnanen: F. Trapp. Itettitterstr. lv. ViehOnhaaser Vorstadt: Karl MarS, Lychcnerstr. 123. •Adiershof: Karl Schwarzlose, Hoffmannftr. S. 4It>t!Ileiiieke: Wilhelm Dürre, Köpenickerilr. S. BaiimsehnleiiweN: H. Hornig, Marienlbalerstr. 13, I. Werna», Wöntxental, ISenerniek, tSehttaow und GehSn� hrttok: Heinrich B r o s e, Hohesteinstr. 74, Part. Wohnsdorf und Valkenherg: LUoiS Lauf, Bohnsdorf, fflea nossenschastShauS.Paradies'. Charlottenbur�: GiiftnD Scharnberg, Seienheimerstraße 1 Wlehnalde: Oskar Mahle, Stubenrauchstr. 39. Wrkner: Ernst H o s f m a n n, Friedrichsbagener Chaussee. Vredersdort-R'etershaeen: E. Hölelbarth, PeterShagen. Vrle«Ieiiao-S»texIlt»-!»i>>d«'»de-t»r»U-0lehtert'eIde.U.aak rrltn: H. B e r n I e e, illsenstr. 5 in Sieglitz. Vrledriehshaxen: Ernst Werkmann, Köpenicker Straße 18. «riinan: Franz Klein. Friedrich str. lv. Johannisthal: P i e l i ck e. Kaiser-Wilhelm-Platz ö. Warlshorst: Richard K ü t e r, Rödelstr. 9, ll. tziOnixs-W ilsterhansen: Friedrich B a u m a n N, BaHnHofstr. 13. Ittioenirk: Emil W i ß l e r, Kictzerslr. ö, Laden. Udentenherx, Fricdrichsiclde, Hohcnschfinhansen: Oliv S e i l c i, Kronprinzenstraße 4, l. Zlahlsdork, lianlsdort: P. Heßberg, Kaulbdorj, Ferdinand- straße 17. Zlariendori-: August Leip, Cbausseestr. 29S, Hof. Zlarlenfelde: Emil W e i n e r t, Dorsslr. 14. Aienenhasen: Johann Hübscher, Wolterktraß«. Xleder-Siehöiierveide: Gcbrt. Britzcrstr. 6. Xo« an es: Wilhelm I a p p e. Friedrichilr. 7. Vl,er-kiehO»eirelde: Alsred Bader, Wilhelmincnhofstr. 17 II. I'ankon-Xledersrhönhansen: Riß niann, Rtüdlenstr. 30. Keinickcndorf- Ost, Wilhciiusrub und üctaUnhols: P. G u r i ch. Provinzstr. SS, Laden. Wlxdort': M. Heinrich, Ncckarstr. 2, im Laden z R o h r, Siegfried- strage 28/29. NninntelshnrN. Boxhaxen: 81. R o f e n I r a n z, 8rit-Bo�haaen 56. Keliiinebcrf: Giihelin Baumlet, Martin Lutherltr. 09, im Laden. hpandan, Xonncndumm, Staaken, Seegefeld und Faikenhasou: Koppen, Breiteslr. 64. Tegel, Itorsigivaldc, Wittenau, Waidmannslast, Hennsdorr und Iteinickendorf- West: /Paul Ktenast, Borsigwalde, Ztöuichstraße lv. Teltow: Wilhelm B o n o w, Teltow, Berliner Str. 16. Tenipelhof: Albert Tbtcl, Berliner Straße 41/42. Treptow: Rob. Grauienz, Kieshoizstratze 412, Laden. W eiUcnscc: K. Fuhrmann,«edanstr. lvö, parterre. W lliiiersdorr-Ualensee-Sehmargoadorr: Paul Schubert, Wibclmsaue 26. ZIenthen. Zllersdorf: Ernst Hütt ig, Zeuthen, Dorfftr. IS. VSmtlichc PartcMteratur iomic alle wilsenlchastlichen Werke werden gelicsert. 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(Ohne Gewähr.)(Nacbdracfc verboten.) 29 122 39 283 432 36 38 67 821 1048 239 371 [400] 423 1300] 932 81 2009 973 3073[400] 108 540 689 768 94 4236 417 21 870 838 5320 411[600] 95 601 84 707 87 842 6423 509.47 667 7534 3066 318 625 91 979 9433 665 80 835 68 774 10210 829 11131 467 642 607 716 12085 96 [200] 479 669 970 13200 97[300] 408 535 14048 159 397[200] 411 856 1 5145 62 377 604 658 807 13 16047 146 335 453 83 532 700 69 1 7079 406 40 888 18184 203 338 423 1 9178 462 612 65 702 87 20225 429 930 53 2 1024 38 t 457 690 911 22270 671 23168 308 74 469 571 917 24162 89 316 32 862 945 63 25179 220 51 303 749 822 28401[400] 806 950 90[200] 2 7060 155 415 870 90 2 8077 293 330 414 13 36 648 98 331 29258 75 443 564 653 809 3O063 104 66 72 848 98 31056 177 382 419 60 92 633 915 915 33049 227 665 80 863 961 34301 33 927 35105 301 639 711[200] 88 36148 201 360 588 703 66 992 3 7039 140 406[400] SOS 49 3 8005 42 100 529 870 3 9342 610 732 948 67 40120 201 45 313 75 527 652 998 4 1 013 391 401 70 531 71 643 722[300] 870 4 2005 117 469 623 684 43283[300] 817 976 4 4069 207 23 54 482 70« 960 45002 209 47 77 320 69 403 739 90 833 62 4 6081 207 98 369 406 525 47168 265 702 939 73 48025 181 394 604 711 883 4 9053 70 142 212 29 75 320 61 684 732 50232 308 745 899 999 51163 286 508 83 680 870 73 52142 45 414 597 698 782 53102.317 927 54066 121[2001 84 476 91 666 662 763 55086 608 56133 366 77 439 506 27 730 5 7 268[300] 384 666 58023 201 28 401 780 59053 428 706 60054 169 721 45 841 61051[1000] 214 60 99 344 92 444 59 6 2071 377 607 93 932 63149 56 374 455 81 609 45 608 780 96 6 4402 31 94 583 814 6 5353 79 99 829 987 66110 331 500 3 681 847 91 67459 650[200] 732 913 6 8503 6 9002 246 340 97 687 790[200 70152[400] 296 528 816 71719 925 72129 354 714 35 831 911[200] 58 73179 381 761 74141 65 66 651 75113 215 479 603 912 58 7 6389 400 735 89 77262 629 78139 43 45 210 421 91 624 53 79148 [200] 205 362 447 697 3O021 70 277 310 93 487 99 661 903 4 41 72 81004 127 222[300] 406 61[300] 667 776 553 8 2030 205 449 506 91[300] 765 83181[500] 402 8 4017'68 «M 910 59 85038 bO 221 29 412 48 803 64 77 86185 649 641 819 914 87130 277 578[200] 607[400] 27 88056 74 185 89192 625 — Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, 99212 370 499 574 808 880 99 9 1 072 452 85 712 881 65 938 70 9 2559 819 788 839 93125 48 854 914 94392 483 542 52 688 829 47 BT BOT 95633[200] 852 OOS 27 96133 420 577 99 736 9 7021 338 69 600 98027 68 269 87 429 56 638 621 905 199020 215 361 615 95 767 Sil 91 96 1 01040 1300] 168 88 389 643 616 44 192034 94 134 267 364 807 27 1200] 90 998 98 193412 621 849 1 94017 435 621 83 606 56 105228 511 753 823 106217 365 448 755 815 994 1 07113 95 297 651 640 95 738 913 60 1OB039 527 109214 650 119350 66 403 17 768[300] 964 111056(2001 296 616 606 776 942 112349 920 48 113194 676 782 1200) 963 67 71 114074 222 403 1200J 97 867 945 115531 33 665 74 744 116063 196 221 34 64 317 52 493 554 641 920 117139 356 615 40 657 963 118030 54 231 361 520 119210 545 91 120246 03 687 747[400] 848 1 2 1 000 65 408 769 77 122004 182[200] 89 214 447 992 791 123160 679 731 879 947 40 64 124843[200] 125045 101 94 219 348 464 656 917 54 126406 7 11 66 70 127739 922 128162 1300] 360 440 71 632[400] 735 1 29198 208 846 1SO054 178 295 704 61 90 131014 57[300] 191 344 461 600 906 1 32073 480 539 1 33590 740 897 990 134025 189 504 24 923 135332[400] 593 1 36429 [2001 728 68 920 1 3 7036 168 1200] 138188 238 83 1200] 604[200] 727 28 847[400] 138044 384(6001 405 716 930 149015 203( 200) 52 618 865 86 1 41136 222 31 339 92 753 901 12 142215 315 437 57 609 759 893 143699 851 144102 518 28 1500) 762 1 45076 522 686 146445 621 12001 79 80 609 92 147156 305 699 758[300] 83 1 48134 364 489 832 1 49197 455 95[1000] 1511306 732[500] 67 965 1 5 1 256 673 836 1 52081 540 662 763 975 153092 249 402 547 57 872 981 154054[200] 272 316 680 819[200] 155076 143 1200) 208[300] 73 95 406 677 667 841 166271 157064 90 428 02 713 1 58047 162 79 287 512 926 1 58441 70 632 40 607 788 857 180173 299 622[200] 701 161509 752 72 914 182238 608 733 872 1 63334 461 646 56 1 64095 383 600 810 923 89 1 65218 460 72 1 66394 663 772 873 167067 133 244 300 438 668 683 877 1 68333 47 818 [3000] 169096 1300] 680 956 97 176085 443 637 44 870 1 71105[200] 358 468 172-85 634 Tis es 173173[400] 507 84 607 15 11000] 68 1200] 792[200] 174033 822 1 7 5040 III 97 249 95 338 498 545 639 65 922 74 1 76024 946 1 77019 99 142 32 335 98 684 849 963 1 78080 355 503 1 76299 434 186043 400 651 75 763 894 934 86 1 8 1331 422 73 1 82019 263 309 497 1200] 645 651 183027 1200] 804 1 84023 1200] 168 360 477 611 833 1 85005 C83 421 622 651 GS 720 1 86256 316 41 531 84 949 53 187000 50 109 210 18 50 31 426 540 44 829 900 49 188050 299 712 1200) 65 1 89177 722 42 2. Ziehung 2. KI 225. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 12. August 1811, nachmittags. Kur die Gewinne Uber 86 Mark sind den betreffenden Nummern In Klammern beigefügt Die Gewinne fallen auf die bereichneten Los« beider Abteilnneen. (Ohne Gewähr.)(Kacbdniek verboten.) 65 369 469 30 1177 271 347 431 652 63 90 783 801 2131 269 348 98 656 74 986 74 3?12 723 61 839 83 947 70 98 4083 129 492 549 6182 313 49 539[200] 760 843 929 6033 89 220 553 624 BT 938 7426 83 617 784 363 8196 362 480[200] 791 939 8189 223 383 [300] 435 755 85? 901 10394 635 843 11005 19 151 221 32 403 45 517 12294(200) 446 931 40 1 3048 174 239 301 424 54S 782"828 1 4216 71 432 626 904 22 15011 54 437 503 825[400] 16010 149 348 586 751 17148[300] 73 284 439 616 703 810 1 8178 323 401 47 81 505[200] 81 602 765 1 8141 47 585 652 66 20822 38 733 814 2 1203 79 349 513 611 22358 882 980 23116 C03 24323 67 412 890 975 2 5462 510 707 79 2 6057 191 484 799 80t 27101 88 412 548 89 28198 367 485 660 814 922 29115 360 452 505[400] 13 59 954___ 30257 422 630 690 760 SlISZ* 253 341 430 628 886 3 2045 164 275 SSO 33100[200] 355 67t 671 726 847 34172 253 693 678 TOT 16 35050 IIS 266 382 421 787[200] 36406 660 713 42 37714 50 829 38053 230 497 898 3 9449 661 736 40194 306 41010 40 69[300] 265[200] 650 42088 128 318 739 4 3054 102 580 874 86[200] 44174 480 604 42 712 839 970 77[200] 45240 521 706 838 40 65 4 6232 413 653 634 94 998 4 7000 293 675 923 64 48310 614 985 4 9081 473 TT 613 31 93 945 48 50189 5 1 056 174 263 64 487 659 916 5 2233 38 68 400 90 577 890 5 3350 415 27 97 663 979 5 4259 55302 67 86111 441 738 843 57118[200] 229 848 58001 329 440 688 006 5 9008 37 145 73 262 528 680 60092 343 671 649 893 095 6 1000 475 96 716 906 6 2018 406 12 656 88 755 910 63178 308 23 696 64 208 13 473 756 6 5196 340[200] 62 656 780 844 66128 223 637 706 6 7 276 315 28 85 515 38 90 878 708 91 68046 125 206 28 577 820 6 9000[200] 161930 70243 944 71111 204 Ol 803[200] 74 72132 610 15 30 45[200] 764 885 73012 34 123 45 286 405 63 655 947 74366 527 79 677 720 895 7 5024 410 80 7 6061 326 46 67 81 909 7 7156 72 74[200] 403 35 766 846 7 8033 53 716 33 83 906 7 9459 509 74 80555[500] 820 43 988 8 1 0�8 105(200) 307 58 620 736 77 8 2013 91 219 59 519 728 96 827 910 15 83737 84163 310[200] 76 646 48 740 69 873 85 233 396 571 761 556 8 6 071 144 542 710 867 87373 92 509 823 33 934 8 8226 399 505 63 85 8 9403 16 75 952 99105 414 648 694 987 91143 224 498 821[200] 992 9 2382 488 542 823 915[200] 93380 591 734 94179 440 74 732 9 5034, 457 980.96041 109 475 623 85 746 60 87263 324 86 733[300] 53 59 98065 644 99468 81 96 579 937 89 83 87 92 98 100012 250 612 46 830 10X017 116 371 1200] I 437 782 1 02G63 397 614 66 662 91 955 1O3003 168 I 860 1 04579 853 905 1 05024 331 402 53 535 6 7 631 697 SSO 100213 19 36 508 23 345 915 17 1 07105 246 623 735 88 836 1 08231 639 667 1 09065 7? 178 404 733 864 931 110166 215 35 91 111009[2001 154 94 257 331 446 65? 71 93 819 85 1200) 112032 171 95 493537 799 858 963 113124 414 30 T'9 957 114463 582 653 66 754 854 950 64 1X5023 38 413 648 49 725 32 116311 529[300] 729 46 975 117095 249 660 1300] 118010 713 118019 149[200] 86 270 534» 710 120050 125 298 656 800 2 954 121075[200] 193 284 70 373 569 695 733 88 943 1 22043 237 303 532 631 502 1 23151 223 453 93 BOT TBS 880 1 24175 357 419 722 892 125352 602 92 703 126069 142 253 558 907 73 12 7 014 443 773 83 98 1 28530 650 93 129013 67 354 130419 761 972[20000] 13 1 363 465 697 843 913 20 88 132348 693 887 967 73 1 33161 232 68 478 671 134144 611 743 65 897 1 35 078 151 621 94 827 1 36 542 832 1 3 7443 87 700 56 330 941 138441 139254 06 603 1200] 35 64 654 749 890 148434 538 05 141042 67! 200J 319 603 720 907 1 42037 281 492 627 65 1 43101 606[200] 725 39 867 99 144632 58 743 839 1 45684 716 18 826 86 1 47073 484 630 819 OOS 148272 418 535 873 976 148099[200] 136 912 ,, 150014 305 13 BOT 67 1 5 1 014 153 317 794 820 152022 118 350 03 431 857 271 153004 164 687 154188 506 841 155236 375 432 538 1 58120 274 369 40" 43 76 546 68 660 783 1 5 7 030 161 78 237 9"-35 1 58069 290 369 SO 411, 638 93 777 853 1 59266 346 520 84 623 721 985 16OC02 321 44 643 63 841 16 1 601 162049 319 493,5Ü 315[400] 18 96 827 63 1 83065 1 64293 467 75 16550! 29 673 846 976 1 66001 246 65 902 30 167165 339 456 87 665 754[400] 989 1 66098 253 344 421 8/ 883 909 66 1 69091 225 17 0448 53 702 95 994 1 71154[3001 382 603 989 172003[ 200] 53 75 123 469 510 74 613 65 1 7 3064 117 261 456 924 1 74029 79 1300] 136 868 1 7 5062 86 150 670 773 90 897 1 76338 649 694 709 801 1/7057 176 213 324 439 178093 1200] 477 79 643 1790)5 43 654 794[ 200] 808 180462 717 19 664 89 1 8 1 230 615 97 665 868 182468 684 958 1 83011 38 284 583 641 703 164851 185675 1 86043 50 161 274 83 300 657 710 847 997[800] 187012 521 38 344 99 502[300] 27 64 70 808 16 72 718»68 1200] 96 1 88153 12001 504 636 788 904 5 1 89477 588 602. Die Ziehung der 3. Klasse 125. KSnlgL Preuss, Klassen-Lotterie findet statt am 8. u. 9. Septemb. lau. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin LW. Hr. 188. 28. Jahrgang. 4. KeilU ilrs Jmwtts"{Ittlintt Dolliolilolt. Sonnlag, 13. Augnst 1911. Lltcranfcbca. ßns Genossenschaftswesen in Teutschland. Von Professor Dr. W. Wygodzinski..Verlag von B. G. Teubner, 1911. 284 Seiten. Die Produktion der Genossenschaftsliieratur war in Deutsch- and in den letzten Jahren recht ergiebig. Man braucht sich dar- Iber nicht zu wundern, denn es gibt kein Land, das ein so vielsei- tiges und ausgebreitetes Genossenschaftswesen aufwiese, wie Oeutschland. Und das Aufblühen der Arbeiterkonsunivereine in den ätzten zehn Jahren hat die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf das vichtige Gebiet dieser Art wirtschaftlicher Organisation gelenkt.— Das vorliegende Werk stellt sich, wie der Verfasser im Vorwort sagt, die Aufgabe, zu zeigen, welche Rolle die Genossenschaft im Wirt- srhaftsleben der Gegenwart spielt. Die Untersuchung erstreckt sich ruch auf Genossenschaftsbildungen, die man nicht eigentlich als solche bezeichnen kann. Die Gesellschaften m. b. H. werden als die aristokratische, das Kartell als die oligarchische, die Aktien- zescllschaften als die bürgerliche Unternehmungsform bezeich- net, während die Genossenschaft m. b. H. die demokratische Form genannt wird. Diese Unterscheidung und Rubrizierung trifft nicht nur die äussere Form, sondern auch das Wesen und den Zweck. Die Aktiengesellschaft und das Kartell sind in der Hauptsache Organisationen, die die Wirkungen und Ergeb- Nisse privatkapitalistischer Wirtschaft rücksichtslos ins Ungemepcne und Gemeingefährliche steigern, sich„ausleben" lassen. Demgegenüber sollen die Genossenschaften ein die Jnterepen der Wirtschaft- lich Schwachen förderndes Gegengewicht sein. Zwischen beiden steht die„Gesellschaft": sie kann in leichter beweglicher Form das Wesen der Genossenschaft heben, sie kann aber auch grosskapitalistischen Charakter annehmen. Die Form der„Gesellschaft" allein ist also ziemlich indifferent; ihre Anpassungsfähigkeit ermöglicht denn auch den sehr häufig zu beobachtenden Missbrauch zu geschäftlich unlaute- ren Zwecken. In vielen Kapiteln untersucht der Verfasser Wesen und Bedeu- tung aller einzelnen Genossenschaftsarten in leicht verständlicher und instruktiver Weise und gibt wertvolle Aufschlüsse über ihre go- schichtliche Entwickclung. Er holt weit aus dabei und meint, dah die Genossenschaft die ursprüngliche Wirtschaftsform, besonders in der Landwirtschaft gewesen ist bis zur Periode der Städtebildung. Das ist richtig, steht aber in keinem Zusammenhang mit der ganz anders gearteten GenosscnschaftSorganisation innerhalb der bürger- lichen Gesellschaft. Damals war die Genossenschaft überhaupt die Grundlage, die ungeschriebene, aus den Verhältnissen heraus sich er- gebende Form mcnschlich-gcsellschaftlicken Zusammenlebens. Die moderne Genossenschaft ist ein Behelf bestimmter Volkskreise gegen sie bedrückende gesellschaftliche Einrichtungen. Dieser grosse Unter- schied muh hervorgehoben werden gegenüber der viclverbrcitcten sicsart, die heutigen Genossenschaften stellten eigentlich etwas dar, was schon in grauer Vorzeit bestanden habe. Sehr treffend sagt der Verfasser im Kapitel über die EntWicke- lung im 19. Jahrhundert, dah man sich hüten müsse,„das Genossen- schaftswesen sowohl zu über- wie zu unterschätzen", dah es aber Leistungen ersten Ranges hervorbringen kann, wo die nötigen Vor- bedingungen gegeben sind. Das wird dann näher dargelegt. Viele Partien des Buches ähneln dem vor einiger Zeit an dieser Stelle besprochenen Finkschen Buche, das der Herr Professor allerdings zu temperamentvoll, zu subjektiv und zu parteiisch geraten erklärt. Er selbst aber schreibt, bei allem Bemühen, recht sachlich zu bleiben, sehr anfechtbare Sätze nieder. So, wenn er gegenüber Lassalles Genossenschaftsplänen sagt, dass„unsere ganze Arbeiterbewegung vielleicht eine andere Richtung erfahren hätte," wenn Lassalie nicht so früh gestorben. Dass auch Lassalle in erster Linie den Arbeitern den politischen Kampf empfahl und propagierte, wird aber ganz ausser acht gelassen. Es spukt auch in diesem wissenschaftlichen Gcnossenschaftsbuche die stille Sehnsucht nach einer anderen Ar- beiterbewegung. Im Einklang damit steht, wenn gesagt wird, dass „die moderne Konsumvereinsbewegung eine durchaus unzweideutige Klassenbewcgung ist, welche die Macht der zusam menge- fahten Konsumenten zu einer Neuregelung des Wirtschaftslebens benutzen will". Die Unterstellung von der Staats- und Gesellschaftsordnung umwälzenden Tendenz der Konsumvereine ist im Schlusswort noch schärfer ausgesprochen; sie scheint nachgerade in bürgerlichen Kreisen epidemisch zu werden. Das Falsche, bezw. Uebertreibende dieser Ansicht ist schon oft dar- getan worden. Den„staatserhaltenden" Konsumvereinsfeinden aber kommt sie immer gelegen. Längere Ausführungen werden den in Deutschland sozial wich- tigsten Genossenschaften, den Kredit- und den Ko n s u m V e r- einen, gewidmet. Von allgemeinem Interesse ist die Feststellung, dass die Kreditvereine von ihrer ursprünglichen Aufgabe. Bekämp- fung des Wuchers und die Geldbeschaffung für den kleinbürgerlichen Geschäftsbetrieb, merklich abgedrängt worden sind. Die kapitalistische Wirtschaft gestaltet die Verhaltnisse allenthalben grösser, intensiver, vielseitiger. Besonders was Kredit- und Geldverkehr anlangt. Die mehr lokale Wirksamkeit der Kreditgenossenschaften kann dieser Eni- Wickelung nicht mehr entsprechen. Sie sind mehr oder weniger gc- zwungen. sich den Einrichtungen des modernen Bankwesens anzu- passen, mit Grotzbanken in Verbindung zu treten. Dabei geht na- türlich ein grosser Teil der Selbständigkeit verloren.„Die Ge- schichte der ländlichen Kreditgenossenschaften ist bis in die neueste Zeit zugleich eine Geschichte des Kampfes gegen den Wucher und eine Geschichte der Erziehung des Landwirts zu den Formen und dem Wesen der modernen Geldwirtschaft". Eine vermittelnde Rolle zwischen alter und neuer Form spielen die genossenschaftlichen Jen- tralkassen und Genossenschaftsbanken. Der grosse Krach der Sörgel- bank vor einigen Jahren, bezw. das Einspringen der Dresdner Bank, zeigte augenfällig das Hinüberpendeln nach den Grohbanken. Heute bat die Dresdner Bank bereits eine besondere Genossen- schaftSabteilung. Aus dieser Entwickelung, die allerdings erst be- ginnt, ergibt sich eine wichtige und höchst interessante Tatsache: während die kapitalistische Entwickelung die bedeutsamste bürgerliche Genossenschaft, den Krcditvercin, mehr und mehr ausschaltet oder seinem Wesen entfremdet, unwirksam macht, wirkt sie auf die Arbeitergenossenschaften, die Konsumvereine, geradezu stimulierend, schafft sie die Vorbedingungen ihrer Aufwärtsbcwegung. Solche Schlüsse zieht der Verfasser freilich nichl, aber sie ergeben sich natur- notwendig. Von den Konsumvereinen heisst es treffend, dass sie die genossenschaftliche Organisation der Arbeiterschaft und der sozial mit dieser gleichstehenden Bevölkerungsschichlen sind. Durch Zahlen wird nachgewiesen, dass die Entwickelung besonders in den letzten Jahren in dieser Richtung sich bewegte. Die Zahl bürger- licher Mitglieder geht zurück, während die Prozentziffer der Ar- beiter wächst. Und„die starke Beteiligung der einkommcnschwäche- ren Volksschichten an den Konsumvereinen gibt ihnen ihre Volks- wirtschaftliche Bedeutung". Das wirtschaftliche Prinzip dieser Genossenschaften sei fstr die minderbemittelten Klassen ungleich Genossenschaften sei für die minderbemittelten Klassen ungleich Dr. W. will nichts wissen, von der einen grossen„Konsumgcnojsen- schaftsfamilie", einer Utopie, von der in leitenden Konsumvereins- kreisen noch immer geschwärmt wird. Die Tatsachen sprechen ja auch zu deutlich dagegen.— Die Bedeutung der Konsumvereine wird im einzelnen anerkannt und nachgewiesen, Ausführungen über Entwickelung, technische und organisatorische Einrichtungen geben ein gutes und erschöpfendes Gesamtbild der Bewegung. Einige Schiefheiten der Angaben über die Stellung der Sozialdemokratie zu den Konsumvereinen fließen mit unter, was nur nebenbei be- merkt sei. Sehr zweideutig bleibt der Verfasser in dem Kapitel: Die G e g- nerschaft der Konsumvereine. Er erklärt diese Geg- nerschaft ganz richtig aus den Verhältnissen, wird aber unbestimmt gegenüber dem Verhalten der Behörden. Es sei verständlich, wenn letztere auf die Seite der Konsumvereinsgegncr träten, weil sich eine Annäherung zwischen Sozialdemokratie und Konsumvereinen sichtlich genug vollziehe. Und eine weitere ähnlick)e Bemerkung klingt noch verlegener. Da der Herr Professor jm allgemeinen den Kon- sumvcrcinen Verständnis entgegenbringt, ist diese Jnkonscguenz um so aufälliger. Einseitig beurteilt er auch die zentralen Tendenzen, die Entwickelung zu grossen Bezirkskonsum» vereinen wenn er schreibt:„Von einer genossenschaftlichen Verwaltung kann keine Rede mehr sein; es herrscht hier unbedingt ein Beamtcnrcgimcnt, das gut oder schlecht sein kann. Die Großcinkaufsgcscllschaft begünstigt diese Konzen- trationsbewcgung, weil sie ihrer eigenen Arbeit und Alssicht cnt- gegenkommt; die Zentralisierung des Warenbezuges läßt sich selbst- verständlich viel leichter durchführen, wenn man nur mit einigen grossen, statt mit einer grossen Anzahl kleiner Vereine zu tun hat." Nichtig ist, dass eine Zentralisierung ins Ungemessene ihre Nach. teile hat. Die Grenze ist dort, wo keine wirtschaftlichen Vorteile durch Vergrößerung mehr zu holen sind, oder wo sie durch Irnreau- kratische und andere Nachteile absorbiert werden. Jeder andere Standpunkt mutz in die Irre führen. Ebensowenig wie die an die Wand gemalte„Beamtenherrschaft" der Vczirkskonsumvercine be- hagt dem Verfasser aber auch„die brutale Herrschaft der kompakten Majorität", die etwa in kleinen Konsumvereinen das Heft in den Händen hat. Die Konsumvereine werden sich über diese Sorgen anderer zu trösten wissen. H.?. SaisouMsveriiffl Schluß den 17. dieses Monats. Verkauf so lange der Vorrat reicht Dur di die weitere Preisermässigung eines Teils der Restbestände unserer zum Ausverkauf gestellten Waren bis zu Selten günstige Kaufgelegenheit ist der Zuspruch in unseren Verkaufsstellen ein so großer, daß wir das geehrte Publikum bitten, zu ihren Einkäufen möglichst auch die Vormittagsstunden zu benutzen. Besichtigung ohne Kaufzwang Zentrale u. Versand: Oranien• Strasse 34 Tauentzienstrasse 20 Leipziger Strasse 65 Oranienstrasse 47a König» Strasse 34 RIxdorf, Bergstr. 7-8 Muller-Strasse 3a Jedes Wort tO Pfennig. Das fellgedruckte Wort 20 Plg.(zulSssIg 2 lettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlalstcllcn- Anzeigen S Plg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Plg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen.[ ANZEIGEN (Dr die nächste Nummer werden In den Annahmestellen(Qr Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupl-Expeditlon, Undenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. 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