Ur. 190. nbonnementS'Bedtnaungen: Abonnements. Preis pränumerando i viertcljkhrl. 330 SKt., monatl. 1,10 Md. »vöchcntlich 2b Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags- nummcr nrit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZcitmigS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonncments nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. S8. Jahrg. VI« Insertion;-eevlih? beträgt für die sechsgespalieue Kolouel- geile oder deren Raum KO Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und BcrsamnilungS.Anzcigen 30 Pfg. „Ulein- Hnuigen", das settgedruille Wort 20 Pfg. tzuläfstg 2 fettgedruckte Worte>, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstcllcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Worts Pfg. Worte über 15 Luch- laben zählen für zwei Worte. Jnjcrnie ür die nächste Nnninier müssen bis I _ Uhr nachmittags in der Expedition gpgcgebcn werden. Die Expedition ist bis 1 Uhr abends geöffnet. «rlchcivt tsgll» aiißcr tilontags. Berliner Volksblnkl. Zentralorgan der rozialdemokrati fchen Partei Deutfcblands. Slelegramm- Adresse: .Sozlaldcmolirat Rtrli#" Redaktion: 8M. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprechcr: Amt IT, Nr. 1983. Mitttvoch, den 16. Angnst 1911. Expedition: 8Al. 68, I�indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981» Streik und Streikunruhen in Großbritannien. London, 14. August 1911. Seit Menschengedenken hat es in Großbritannien keine so gc- tvaltige Streikbewegung gegeben als heute, da der Wunsch nach besseren Arbeits- und Lebensbedingungen das ganze arbeitende Volk des Lande? aufs lebhafteste beschäftigt. Der Streik der See- lcute und ihr glänzender Sieg über den für unüberwindlich gehalte- nen Reederticrband hat wie ein Funke in einer Masse ausge- trockneten Brennstoffes gewirkt. Nicht allein die Transportarbeiter, sondern auch eine Menge anderer Berufe befinden sich augenblick- lich im Streik oder stehen dicht davor. Im Mittelpunkt des Interesses steht augenblicklich die Streik- bcwcgung in Liverpool, wo sich gestern aufregende Szenen ab- spielten und in dem Kampfe zwischen der Polizei und der Bcvölke- rung Ströme Blutes vergossen wurden. Stratzenkämpfe gehören zwar in Liverpool nicht zu den Seltenheiten, ist doch die Stadt das englische Zentrum der protestantischen Fanatiker, die den dort zahlreichen irischen Katholiken regelrechte Schlachten liefern. Aber die gestrigen Kämpfe übertrafen alles, �was man in den letzten Jahren gesehen hat. Eine aus 69 999 Köpfen bestehende Menschenmenge hatte sich auf einem großen Versammlungsplatze, dem St. Georges Hall Plateau, zusammengefunden. Tom Mann, Havelock, Wilson, Seddon und andere sprachen von vier Tribünen aus zugunsten einer Resolution, die unter tobendem Beifall ange- nommen wurde. Die Resolution lautete:„Wenn sich die Reeder und Eisenbahnen Montag nicht bereit erklären, mit den Vertretern der Arbeiter über alle strittige Angelegenheiten zu verhandeln, so werden alle Sektionen des Transportarbeiterverbandes Dienstag in den Streik treten." Ganz zu Ende der Versammlung kam es zu einem Zusammenstoß mit der Polizei. Was zu dem Zusammen- stoß führte, darüber geben die Londoner Blätter die buntesten Mcl- düngen. Den glaubwürdigsten Bericht gibt Tom Mann, der Führer der Bewegung in Liverpool. Er erklärte dem Livcrpooler Bericht- erstatter der Londoner„Daily News":„Vorige Woche sprach ich bei Herrn Tunning, dem Hauptmann der Polizei, vor und bat ihn. er möchte für heute alle seine Streitkräfte zurückziehen, da wir unsere Lcute selbst disziplinieren und vollkommen in Ord- nung halten könnten, wenn er von der Entfaltung der öffentlichen Gewalt absehe. Er sagte, daß er daS tun werde und daß sich die Polizei nicht sehen lassen werde. Keine Art Unruhe war bemerk- bar, bis einige Livcrpooler Polizisten etliche Leute mit Gewalt von dem Votsprung des North Western Hotel entfernten und mit ihren Knütteln auf sie einhicbcn. DicS verursachte einen Krawall an der Ecke der Lord-Nelsonstraße und dann schien die Polizei den Kopf zu verlieren und fing an, blindlings drcinzuhauen." In dem nun entstehenden allgemeinen Kampfe wurden viele Leute von den Knüppeln der Polizisten verletzt. In einem Hospital wurden allein 142 Mann verbunden. Wie die Wahnsinnigen schlugen die Polizisten auf alle, die ihnen in den Weg kamen. Selbst Krüppel verschonten sie nicht. Aber auch die Polizisten hatten ihre Verwundeten; 49 von ihnen wurden mehr oder min- der schwer verletzt. Tie Streikführer gaben sich die größte Mühe, das durch die Angriffe der Polizei gereizte Volk zum ruhigen Nachhausegchcn zu veranlassen. TaS wird selbst von dem Korre- spondcnten d-S„Daily Telegraph" zugegeben, der in seiner Schilde- rung der Vorgänge schreibt: „Wenn cS mir gestattet ist, die Beschreibung der Szene zu unterbrechen, so möchte ich sagen, daß sich die Strcikführer als tapfere Männer erwiesen. Ein wenig später, als der soeben er- wähnte Vorfall stattfand, schienen die Lcute von den Redner- tribüncn die vorderen Reihen der Menge erreicht zu haben und ich bemerkte, wie sich vcrschieoenc in ihren Versuchen, die Menge zum Fortgehen zu bewegen, den Polizeiknüppeln auf der einen Seite und den mannigfaltigen Waffen der Menge auf der anderen Seite aussetzten. Sie müssen keinen geringen Mut besessen haben, um diese Pflicht zu unternehmen." Lbgltich der Streik der Londoner Transportarbeiter mit dem Siege der Arbeiter endete, hat die Mehrheit der Arbeiter in den Docks die Arbeit noch nicht wieder aufgenommen. Einige triftige Punkte bedürfen noch der Erledigung. Nichtsdestoweniger kann der Sieg der Arbeiter nur als glänzend bezeichnet werden, lieber die Erfolge der Dockarbeiter ist hier schon eingehend berichtet wor- deji. Die Lichterschiffer haben ihre Forderung, die Arbeitszeit von 12 St'.ndcn auf 19 Stunden zu reduzieren, durchgesetzt; auch ihre Lohnforderungen sind bewilligt worden. Die Fuhrleute, die bisher 99—199 Stunden in der Woche arbeiteten, werden in Zukunft 72 Stunden in der Woche arbeiten. Ihr Lohn, der in der Vcr- gangcnheit je nach der Größe des Fuhrwerks und des Gespanns zwischen 21 und 39 Schilling die Woche schwankte, wird von nun an 27—38 Schilling betragen; auch werden ihnen die tkcbcrstunden zu dem Lohnsätze von 6 Pence bis 1 Schilling die Stunde bezahlt werden. Die ziemlich komplizierten Lohnforderungen der Kohlen- träger sind fast restlos bewilligt worden. Die Fischträgcr auf dem Fischmarkt zu Billingsgate haben sich eine Verdoppelung ihres Lohnes erkämpft. Bisher erhielten sie 1 Schilling die Stunde; jetzt erhalten sie 2 Schilling die Stunde bei einem Mindesttagclohn von 4 Schilling(2 Arbeitsstunden). Es ist äußerst schwer, sich ein vollständiges Bild von der Sticik- bewcgung zu machen. Nirgends hat man cS mit einer planmäßigen, von den Gewerkschaftsführern geleiteten Aktion zu tun; überall ist eS die Masse, die zum Kampfe drängt. Augenblicklich herrscht unter den Eisenbahnern im ganzen Lande eine fieberhafte Auf- regung. In riesigen Versammlungen erklären sie sich für den Streik, falls ihre Forderungen nicht bewilligt werden. Vor allen Dingen verlangen sie die Anerkennung ihres Verbandes, die Ab- schaffung der Einigungsämter, mit denen sie vor 4 Jahren von Lloyd George betrogen wurden, und eine Erhöhung der Löhne. Die Londoner Stratzenbahnangestellten drohen in den Streik zu treten, ebenso die Angestellten der elektrischen Untergrundbahnen. Die Fensterputzer streiken. Im Süden Londons befinden sich IS 999 Frauen und Mädchen, die in verschiedenen Fabriken arbeiten und Lohnerhöhungen fordern, im Ausstand. Die Zahl der eben statt- findenden oder drohenden kleineren Streiks ist Legion. Die Herr- schenken Klassen hat ein panischer Schrecken ergriffen; ihre Organe schreien nach dem Militär. Unter diesen Umständen kann man sich auf alles gefaßt machen. »«- Mobilisierung des Militärs. London, 14. August. In Liverpool treffen Truppenver- stärkungcn ein. In Aldcrshot stehen fünftausend Mann in Bereit- schaft, um nach Liverpool abzugehen. Ter Magistrat von Liverpool hat beschlossen, Leute im Alter zwischen zwanzig und vierzig Jahren aufzufordern, einen besonderen Polizeidiensd zu versehen. In Sheffield sind heute abend fünfhundert Angestellte der Midland Railway in den Ausstand getreten. Gewehrsalven. London, IS. August. Es bestätigt sich, daß die Truppen in Liverpool gegen den Mob von der Schußwaffe Gebrauch gemacht haben. Die Aufrührer versuchten Privathäuser zu zerstören und zu plündern. In den Höfen verborgen, bewarfen sie die Soldaten mit Flaschen und verwundeten mehrere von Hncn. Tarauf gaben die Truppen eine Anzahl Salven ab und rückten mit ausge- pflanztem Bajonett gegen die Angreifer vor. Die Zahl der Ver- wundeten ist noch nicht bekannt, 66 Verhaftungen wurden vor- genommen. Es heißt, daß die Aufrührer nicht zu den Ausständigen gehörten. Ter Mob auf der Straße. Liverpool, IS. August. Die Unruhen in der verflossenen Nacht wurden ausschließlich von den unsauberen Elementen eines der schlimmsten Quartiere hervorgerufen und durch die Verhaftung eines Mannes veranlaßt, der wegen Beleidigung einer Frau fest genommen worden war, und den seine Freunde befreien wollten. Dabei begann der Mob Privathäuser zu plündern und zu zer stören. Nachdem Militär requiriert worden war, das mit auf- gepflanztem Bajonett vorging und Schreckschüsse abgab, wurde gegen 2 Uhr nachts die Ordnung wiederhergestellt. Zwei Soldaten wurden schwer verwundet, viele Schutzleute und Ruhestörer leichter verletzt. Die Lage in London. London, IS. August. Im Unterhause erklärte der Staats- sckretär des Innern Churchill, daß sich die Lage in London merklich gebessert habe. In allen Betrieben kehrten die Hafenarbeiter, wenn auch noch nicht vollzählig, zur Arbeit zurück, und man habe Grund zu der Annahme, daß sämtliche Transportarbeiter sich die Vorteile, die ihnen zugesichert seien, vergegenwärtigen und einsehen, wie töricht es wäre, diese Vorteile durch eine Fortsetzung des Aus- standcs aufs Spiel zu setzen. Sodann erstattete Churchill einen eingehenden Bericht über die Ausschreitungen in Liverpool, und stellte die Meldung, daß Salven auf die Bevölkerung abgegeben seien, dahin richtig, daß nur zwölf einzelne Schüsse, die Niemanden verletzt hätten, abgegeben worden seien. Mi-Hmisabimd. Essen, den 14. August 1911. Der Austritt Nötgers aus dem Hansabund hat bekanntlich eine neue wirtschaftliche Interessengruppe erstehen lassen. Die ausgetretenen Großindustriellen haben sich unter Kirdorfs Lei- tung zusammengefunden in der„Niederrheinisch-wcstfälischcn Bc- zirksgruppc zum Schutze und zur Förderung der Interessen des Gewerbes, des Handels und der Industrie". Dem Gcheimrat Kir- dorf, dem anerkannten Führer der rhcinisch-westfälischcn In- dustrickonscrvativcn assistieren Stinnes und Thyssen. Im städtischen Saalbau, im Kruppsaal, fand am Montagabend die erste Mitgliederversammlung dieses Anti-Hansabundes statt. Obwohl der weitaus größte Teil der Schlotbarone den wenig vcr- lockenden Aufenthalt im russigen rheinisch-westfälischcn Industrie- bezirk um diese Zeit mit einem fashionablen Weltbad vertauscht, um sich von den Strapazen seines entbehrungsreichen Daseins zu erholen, war die Versammlung gut besucht. Die namhaftesten Großindustriellen waren erschienen und mit ihnen ein Heer von General- und anderen Direktoren, Prokuristen, Bctricbsinspek- toren und Zcchenbctricbsführern sowie ein paar Steiger und etliche kleine Handwerksmeister, die durch die Gnade der Arrangeure ein bescheidenes Dasein fristen. Gehcimrat Kirdorf, der Allgewaltige der Gelscnkirchener Bergwerks-Aktiengesellschaft, präsidierte. Für die Herren Stinnes, Thyssen. Kirdorf und Genossen ist es bei ihrem ungeheueren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Einfluß natürlich kein allzugroßes Kunststück, eine einigermaßen impo- nicrendc Veranstaltung zu arrangieren. Aber man kann nicht ohne weitere» die Stimmen zählen, sondern man mutz sie wägen; man wird dann sagen müssen, daß an der Wiege der neuen Or- ganisation wobl fast die gesamten maßgebenden Personen der rheinisch-wcsifälischen Montanindustrie standen. Diese Tatsache ist wegen der Tendenz der Gründung um so beachtenswerter. Den Hauptpunkt der Tagesordnung bildete das Referat des bekannten Landtagsabgeordnetcn, Handclskammersyndikus Hirsch- Essen über die Aufgaben der niederrheinisch-weftfälischen Bezirks- gruppe zum Schutze und zur Förderung der Interessen des Ge- werbes, des Handels und der Industrie. In einer recht bescheidenen Rede wütete Herr Hirsch gegen die Sozialdemokratie. Als roter Faden zog sich durch seine ganzen Ausführungen die Forderung der nachdrücklichsten Bekämpfung der Sozialdemokratie. Wenngleich sich das Referat vielfach nur auf dem trostlosen Niveau der Agi- tationspauken der M.-Gladbacher Phraseure bewegte, so verdienen doch immerhin einige Sätze festgehalten zu werden. Herr Hirsch betonte zunächst, daß die Leute vom Hansabund erklärt hätten, es sei nur eine Anzahl Werke mit ihren Angestellten aus dem Bund ausgetreten. Das sei aber durchaus unzutreffend. Es müsse demgegenüber betont werden, daß die neue Organ i- sation schon heute 2999 Mitglieder, Angehörige der Industrie, des Handels, des Handwerks und Angestellte in leitenden Stellungen, habe. Als Gründe, die zur„Sezession" führten, bezeichnete Herr Hirsch die einseitig links gerichtete Politik des Hansabundcs und seine Bc- kämpfung aller rechtsstehenden Parteien. Diese Taktik des Hansa- bundcs könne sehr leicht zu einer Zusammensetzung des nächsten Reichstags führen, die eine schwere Gefahr der Vis- marckschcn Wirtschaftspolitik und des Schutzes der nationalen Arbeit bedeuten könne. Bei der Stellungnahme des Hansabundes würden zweifellos viele Sozial- demokratcn in den Reichstag gewählt werden. Herr Riesser habe mit Stolz betont, in den stattgcfundenen Nachwahlen seien den Gegnern 11 Mandate abgenommen worden, es müsse hierbei aber auch gesagt werden, daß von diesen Mandaten 9 an die Sozialdemokratie gefallen seien. Die schon angedeutete Gefahr dürfe deshalb nicht unterschätzt werden. Die Abtrennung vom Hansabund sei übrigens auch nicht leichten Her» zens erfolgt, aber sie hätte aus Gründen der Selbsterhaltung er» folgen müssen. Man wolle auch keinen Anti-Hansabund gründen, man wolle lediglich die Interessen der verschiedenen Erwerbs- gruppen, unabhängig vom Hansabund, vertreten, sich seiner Haut nach links wehren und sich nach rechts die gebührende Stellung ver- schaffen. Als die beiden Hauptpunkte habe man sich die nachdrücklichste Bekämpfung der Sozialdemokratie und den Schutz der nationalen Arbeit gestellt. Herr Hirsch meint dann, man habe den„Sczcssionisten" den Vorwurf gemacht, daß sie nicht innerhalb des Hansabundes ihren Einfluß geltend gemacht hätten. Der Vorwurf sei unberechtigt, insbesondere habe im Vor st and Geheim rat Kir» dorf stets einen ausdrücklichen Kampf gegen die Sozialdemokratie gefordert, jedoch ohne Erfolg. Man habe den Gründern der neuen Organisation auch den Vor- Wurf gemacht, sie seien konservativ. Das sei falsch. Allerdings gehörten der Gruppe konservative und freikonservative Herren an, aber das Gros stehe auf dem liberalen Standpunkt. Mit einem Liberalismus allerdings, der mit der Sozial- demokratie auf gutem Fuß stehe, wolle man nicht» zu tun haben. Wenn den„Sezessionisten" ferner vorgeworfen wäre, daß sie von einer uncrbittcrlichen Feindschaft gegen jede Sozialrcform beseelt seien, so sei das einfach Unsinn. Die deutsche Industrie habe in dieser Beziehung ein gutes Gewissen. Herr Hirsch sang dann ein hoheS Lied auf die Schutzzollpolitik, die allein es der Industrie möglich gemacht habe, die Milliarden- lasten der Sozialreform zu tragen, bessere Löhne und Gehälter zu zahlen. Die Zusammensetzung des neuen Reichstages sei aber auch für die Neugestaltung des Zolltarifs von hoher Wichtigkeit, und aus diesem Grunde müsse die Sozialdcmo» kratie mit aller Entschiedenheit bekämpft wer- den. Die systematische Wühlarbeit der Sozialdemokratie müsse man richtig erfassen und man dürfe hieran nicht mit einem Achsel. zucken vorübergehen. Wenn auch zwischen den einzelnen Erwerbs- gruppen der neuen Organisation mancherlei Gegensätze beständen. so würden alle sich doch zusammenfinden im Kampfe gegen die Sozialdemokratie. Es sei von gewisser Seite empfohlen, die So- zialdemokratic innerlich zu überwinden. Ehe man sich aber vcr- sehe, sei man äußerlich überwunden, und dann sei cL vorbei. Wer die Sozialdemokratie bekämpfen wolle, der müsse energisch zugreifen. Das waren die Schlußakkorde der Hirschschcn Rede, die mit leb- haftem Beifall aufgenommen wurde. Nachdem Gcheimrat Kirdorf dem Redner für die„lichtvollen Ausführungen" gedankt hatte, nahm die Versammlung die Statuten an. in denen als Hauptausgabe der Organisation die nachdrücklichste Bekämpfung der staats- und gesellschaftsfeindlichen Sozialdcmo- kratie und daS Festhalten an der BiSinarckfchen Wirtschaftspolitik bezeichnet werden. Den Jndustriegewaliigen schlägt das schlechte Gewissen. Daß die neue Organisation nichts anderes als ein Bund zur Bekämpfung der Sozialdemokratie ist, bedarf keiner Begründung. Die Herren haben g-wältige Angst vor den kommenden Rcichstagswahlen. DcS. halb der Zusainmcnfchluß der Industriellen und ihrer Trabanten. Sie liiaroMwaMke. Es wird weiter geschachert. Paris, 15. August, lieber die deutsch-französischen VerHand» lnngcn hat das Ministerium dcS Acußeru heute mittag 12 Uhr folgende Note ausgegeben: Im Verlaufe einer neuen Unterhaltung. die gestern stattfand, haben die Herren Cambon und v. Kiderleii- Waechtcr fortgefahren, die Unterlagen der Verhandlung auSzu» arbeiten. Uurnhen im Mnlnyagebiet. Oran, 15. August. DaS französische Feldlager von Am Drissa zwischen Taurirt und Mcrade ist von einem öll Mann starken Trupp Marokkaner Lverfallen worden. Dem Schnellfeuer der kleinen französischen Besatzung gelang eZ jedoch, den Angriff abzuschlagein Die Marokkaner wurden verfolgt und über den Muhiya zurückgetrieben. Der Angriff fand in der Nacht vom 11. zum 12. August statt.__ poUtifchc dcbcrHcht. Berlin, den 15. August 1911. Höhere Landsknechte. Die„Post* setzt ihre Bemühungen fort, zum Kriege zu hetzen und zugleich den Beweis zu liefern, daß der RoyaliZmus bestimmter konservativer Kreise nichts als ein dekoratives Aushängeschild ist, hinter dem sich daS aufdringlichste Berlangen nach Profit und Avancement verbirgt. Besonders läßt sich die„Post* jetzt miS den sogenannten oberen Ständen, vornehmlich von„höheren* Offf zieren. Briefe schreiben, in denen unter den verrücktesten Begründungen die Kriegserklärung gegen Frankreich gefordert wird. So veröffentlicht fie z. B. folgenden Brief eines Offiziers, der an dem Kriege von 1870/71 teilgenommen haben soll und deshalb nach der kuriosen Logik der„Post* ganz besonders zu einem Urteil über die Marokko Affäre berechtigt ist: „Wir Kämpfer von 1870/71 und unsere gleichgearteten Söhne könnten uns nicht an den Gedanken gewöhnen, dah der Schande von 1805 und der Demütigung von Olmütz jetzt die schwerste, die schimpflichste Schande von Agadir folgen soll. Haben unsere regierenden und verantwortlichen Männer überhaupt noch Fühlung mit der Volksseele? Sehen sie nicht, daf; ein Weichen aus Marokko einen unheilbaren Riß zwischen Regierung und Volk bringt, daß eine derartige Angstpolitit, ein solches Verleugnen aller nationalen Würde, ein solcher Verzicht auf unsere Weltmachtstellung ein Schlag für das monarchische Prinzip sein würde, der in Menschenaltern nicht wieder gut zu mache» wäre? Sind wir wirklich so weit ge funken, datz wir nicht nur kein Blut mehr sehen. fondern schon nicht mehr an Blut denken können? Und dabei gehört wahrlich kein Staatsmann dazu, um zu sehen, dast eS sich hier nicht einmal um Blut handelt, da Frankreich sowohl wie England zum Kriege im gegenwärtigen Moment infolge ihrer inneren Zustände absolut unfähig sind. Wir allein sind kriegsbereit, und dabei tun wir nichts als das Mause- loch fuchcn, in' das wir uns mit unseren vier Millionen Soldaten verkriechen können, weil wir nicht mehr die Nerven haben, das zu wollen, was wirtschaftliche Notwendigkeit und deutsche Ehre ge- bieterisch zur Pflicht machen. Das deutsche Volk hat gottlob noch die Kraft zu wollen, national zu fühlen und die Ehre höher einzuschätzen als einen mit demütigender Schmach erkauften Frieden. Würde ihm dieser aufgezwungen, so würde das einen Sturm der E»t rüstung, der Empörung und der Auflehnung geben, wie er noch nie dagewesen.* Die Frage:„Haben unsere regierenden und verantwortlichen Männer überhaupt noch Fühlung mit der Volksseele?* und die kuriose Behauptung, daß. falls nicht das Deutsche Reich einen an« sehnlichen Fetzen von Marokko annektiert, ein„unheilbarer Ritz* zwischen Volk und Regierung entsteht, sind geradezu köstlich. Vielleicht glaubt der Herr„höhere Offizier* allen Ernstes, datz er die„Volksseele* kennt. Das dürfte nur dann zutreffen, wenn man unter Volk anSschlietzlich die Stahlfabrikanten, Armeelieferanten, Finanziers, avancegierigcn Offiziere und einige ähnliche Interessenten- koterien versteht._ Nltramontane Weltpolitiker. Die„Germania* versichert in ihrer letzten Nummer, datz „Togo kein Kompensationsobjekt* sei. Die deutsche Kolonialgesellschaft, der Verein wesiafrikanischer Kaufleute, und nicht zu vergessen die verschiedenen MissionSgessllschaften hätten gegen die Abtretung Togos wohlbegründeten Protest erhoben. In nahezu llSjähriger Arbeit habe daS deutsche Volk Millionen ge< opfert, hätten deutsche Beamte, Kauflcute und Missionare Leben und Gut eingesetzt, um dem Vaterland ein nützliches Siedclland zu schaffen. Dadurch sei Togo„deutsches Land' geworden.„Die Ab- tretung Togos würde das nationale Empfinden des deutschen Volkes aufs empfindlichste verletzen*. Die Wcltpolitik des Zentrums scheint unter erheblichen Un- stimmigkeiten zu leiden. Vor vierzehn Tagen wenigstens erklärte sich der Abgeordnete Erzberger ohne weiteres damit ein- verstanden, datz bei der Auseinandersetzung mit Frank- reich autzer einem Nordzipfel von Kamerun auch die Kolonie Togo in französischen Besitz übergehe, wenn dafür nur Deutschland mit einem entsprechenden Fetzen des Line volliZZUZgabe des„Kapital" ist, wie der Verlag von I. H. W. Dietz- Stuttgart mitteilt, in Vorbereitung. Dieser Ankündigung werden folgende Ausführungen Mit auf den Weg gegeben: Am 14. März des Jahres 1913 kehrt der Todestag unseres Meisters Karl Marx zum dreitzigstcn Male wieder. Ein bedeu- tungsvolleS Datum für die sozialistische Literatur, denn eS besagt, datz Ende dcS Jahres 1913 die Werke, die Karl Marx verfatzt und selbst herausgegeben hat, frei werden und jedem ihr Nachdruck gestattet ist. Tie raschere Verbreitung seiner populäreren Schrif- ten wird dadurch sicher gefördert werden. Gleichzeitig ist damit eine BasiS gegeben, auf der einmal eine Gesamtausgabe der Werke von Marx und Engels erstehen kann: beider Arbeiten waren zu eng miteinander verknüpft, als datz man eine Gesamtausgabe der Werke des einen ohne die des anderen veranstalten könnte. Die nächste und wichtigste Aufgabe, die unS durch daS Frei- werden der Marxfchen Werke zufällt, ist aber die Veranstaltung einer Volksausgabe de» ersten Bandes des„Kapital". Im gewöhnlichen Sinne das„Kapital" populär zu machen, ist freilich unmöglich. Dazu find die inneren Schwierigkeiten zu grotz. Diese können nur überwunden werden durch bestimmte Vor- studien. Darüber wird an anderer Stelle noch etwas zu sagen sein. Aber neben den inneren Schwierigkeiten, die aus der Natur der Sache hervorgehen und mit ihr unzertrennlich verknüpft sind, bietet das„Kapital" in seiner jetzigen Form auch eine Reihe Schwierigkeiten rein äußerlicher Natur, die sein Verständnis für viele Leser erschweren und die sich leicht beseitigen lasten. Marx sprach mit gleicher Leichtigkeit englisch und französisch wie deutsch. Bei seinem„Kapital", das die Wistenschast umwälzen sollte, setzte er wissenschaftlich gebildete Leser voraus, denen die drei Weltsprachen gleich geläufig waren. Dem dürfte eS zuzuschreiben sein, datz Marx in seinem„Ka- pital" die meisten seiner Zitate im Original brachte und eS den Lesern überließ, sie zu übersetzen. Andererseits ist aber auch der deutsche Text stark mit Anglicis- men durchsetzt. Die Ockonomie Englands beherrschte zur Zeit der Abfassung des„Kapital" noch theoretisch, wie sie praktisch die ganze Welt europäischer Zivilisation beherrschte. Nur in Eng- band konnte man die Praxis dcS Kapitalismus in ihrer vollendet- sten Gestalt studieren; dort hatte aber auch die ökonomische Theorie französischen Kongogebietes entschädigt werde. So noch vor vier- zehn Tagen Herr Erzbergerl Heute aber soll der Kompensatious- plan dieses genialen Zentruniskolonialpolitikers„daS nationale Empfinden des deutschen Volkes empfindlich verletzen" l Noch etwaS früher freilich wollte ein anderes ZcntrumSlicht, der preutzifche Landtagsabgcordnete Bart scher, von Kompensationen überhaupt nichts wissen, vielmehr forderte er schlankweg die Eni- schädigung Deutschlands in Slldmarokko selbst. Herr Bartscher besaß also entschieden das ausgeprägteste„nationale Empfinden*. Er konnte in diesem Artikel noch mit Herrn Horden und der„Post" konkurrieren. Die„Germania" ihrerseits besitzt wenigstens soviel nationales Empfinden, datz sie Togo nicht als AuStauschobjekt be- handelt wissen will. Herr Erzberger aber war so sehr allen nationalen Empfindens bar, datz er gegen ein Stück Französisch-Kongo ohne weiteres Togo abtreten Wolllei Nach alledem scheinen sich die Weltpolitiker dcS Zentrums unter- einander sehr wenig einig zu sein. Das Eintauschobjekt. Ueber den Wert von Französisch- Kongo wird der „Deutschen Warte" von unterrichteter Seite geschrieben: „Die zur Erforschung der Trasse einer Eisenbahn von Libre- ville nach dem Sangha entsandten Expeditionen konnten sämtlich ihren Marsch nicht in gerader Richtung durchführen, sondern muhten große Uniwege machen, da das Gelände vielfach so s u ni p f i g war. datz ein Weitermarschicren unmöglich wurde. Die Eingeborenen zeigten sich wild und kriegerisch. Wird hierdurch der Wert deS abzutretenden EabungebieteS recht merklich herabgesetzt— zu seiner vollen Erschlietzung werden langwierige kriegerische Operationen not wendig sein und waS ein Buschkrieg in derartigem Gelände bedeutet, haben uns ja die M a k k a u f st ä n d e gezeigt— so würde eine Ausdehnung Kameruns bis an den Sangha sich als ein wahres Danaer- g e s ch e n k entpuppen. Ein im Jahre 1908 veröffentlichter Bericht der französischen SchlafkrankheitSstudienkommission brachte er- schreckende Einzelheiten über den Siaud der Schlafkrankheit in diesem Bezirk: die schreckliche Epidemie herrschte im ganzen Bezirk Gabun(südlich Kameruns) mit Ausnahme des Distriktes Südkamerun. Das Sanghagebiet ist äntzerst stark infiziert, zwischen Nola, Pania und Carbod hat in manchen Dörfern die Bevölkerung seit vier bis fünf Jahren um ein Drittel abgenommen. Die Kommission stcllle besonders fest, datz die Krankheit zwar endemischen Charakter habe, aber leicht epidemisch werden und furchtbare Verluste verursachen würde. Je weniger Deutschland also bei seinem kolonialen Tausch Handel herausschlägt, desto besser! Mittelstandsrettung. In Dresden tagte Montag und Dienstag der Deutsche Zentral- verband für Handel und Gewerbe. Seine angeblich dem Wohl des Mittelstandes gewidmeten Verhandlungen verschönte die Anwesenheit eines Vertreters der konservativen Partei, die den kleinen Mittelstand bekanntlich bei den preußischen LandtagSwahlen entrechtet und feine Lage durch Wucherzölle und indirekte Steuern„verbessert" hat. Auf den Vreslaucr konservativen Abgeordneten Strosser war die Delegation der Junkerpartei gefallen. Tie Versammelten erwiesen sich dieser hohen Ehre würdig durch eine wüste Hetze gegen die Arbeiter-, Beamten- und Osfizierslonsumvercine. Besonders ver- drossen hat es die Herren, datz der große Hamburger Konsumverein Produktion" sich dem vom dortigen Geldsackparlament ausgeheckten Steuerausnahmegesetz durch Umbildung in eine G. m, b. H. ent- zogen hat. Jetzt fordert man eine progressive Umsatzsteuer sür alle Kaufläden ohne jede Ausnahme. Ob sich die geretteten Mittelständler nicht dafür bedanken werden? Für die Beamten dürfte die Flut von Beleidigungen, die sich auf der Dresdener Tagung gegen sie ergoß, jedenfalls recht lehrreich fein. Drei Bündler um ein Landtagsmandat. Das Mandat des kurhessischen Kreises Melfungcn-Fritzlar ist durch den Tod des bisherigen Abg. Gleim erledigt. Der Verstorbene war naiionallibcral, hatte aber die Stimmen der Landbündler auf sich vereinigt. Diesmal scheint ein solches Wahlübereinkommen nicht j zustande kommen zu sollen; denn schon kurze Zeit nach dem Ableben des bisherigen Vertreters hob«ine ergötzliche Katzbalgerei! unter den Mitgliedern des Bundes der Landwirte an, die auch heute! noch nicht beendet ist, obzwar eine vertranenSmäimerversamnilung de» Bundes sich für Aufstellung deS Gutsbesitzers Bluhm-Lohre auö- gesprochen hat. Neben diesem offiziellen Kandidaten bewirbt sich aber ein Guts« besitzcr Noll- Gudensberg um daS Mandat, der ebenfalls eine hervorragende Rolle im Kreise der kurhcssischen Landbündler spielt ihre vollkommenste Form erlangt; die Ausdrucksweise der eng lischen Oekonomie war die genaueste und klarste, ihre Terminologie wissenschaftlichen Bedürfnissen am ehesten angepatzt. Marx ent nahm daher nicht nur seine Beispiele und Beweise in der Regel der englischen Ockonomie; Matz und Gewicht sowie Geld, womit cr rechnet, sind englisch und ebenso auch seine ökonomische Termino logie. Auch wo er sie für seine Bedürfnisse neu schafft, ist sie in der Regel englischen Ursprungs. Niemand wird daran denken dürfen, diese Terminologie heute ändern zu wollen, soweit sie zum Bestand der Wissenschaft ge worden ist, etwa die Ausdrücke„Akkumulalion deS Kapitals" oder „Revenue" durch deutsche zu ersetzen. Aber daneben gibt eS doch eine Reihe von Ausdrücken, wie„SurpluSpopulation", die nicht eine stehende Bezeichnung im„Kapital" bilden, sondern nur ge leg?ntlich vorkommen, indes bei anderen Gelegenheiten im Kapital" selbst der deutsche Ausdruck dafür gebraucht wird. Hier läßt sich durch konsequente Verdeutschung der Text für einen beut schen Leser, der deS Englischen nicht kundig ist. leichter lesbar ge- stalten. Andererseits ist aber gerade der deutsche Charakter dcS Kapital" einer der Gründe, die mitunter feine Ausführungen schwerer verständlich machen. Marx hantierte hier mit der Ter- minologie der deutschen Philosophie, namentlich dcS Hegelianismus. In der französischen Ucbersctzung war das nicht gut angängig. Hier fühlte Marx sich gedrängt, manch-n Satz populärer zu fassen. Diese Ucbersctzung ist daher zu berücksichtigen, wenn man eine Volksausgabe des ersten BandeS herstellen will. Friedrich Engels hat bereits bei der dritten Auflage deS ersten BandeS. die cr 1833 nach Marx Tode herausgab, begonnen, die französische Uebcrsetzung zur Redigierung des Textes der beut- schen Ausgabe heranzuziehen und ihn von überflüssigen Angli- ciSmen zu befreien. Aber er hielt sich dabei in gewissen Grenzen. und mit Recht, weil eS eine Neuauflage dcS Werkes, nicht eine Volksausgabe war, womit er zu tun hatte. Eine Volksausgabe will die Originalausgabe nicht verdrängen. sondern nur für einen bestimmten Leserkreis ersehen. Eine Volks- auSgabe kann also in der Verdeutschung und Rcdigierung deS Textes erheblich weiter gehen, als es Engels tat. Dem Forscher bleibt die Originalausgabe nach wie vor zugänglich. Aber eine Volksausgabe kann noch eines tun, was sich eine Neuauflage deS Originals nicht herausnehmen durfte. Engels teilt in feinem Vorwort zur dritten Auflage mit: „Marx hatte anfangs vor, den Text des ersten BandeS großen- teils umzuarbeiten, manche theoretischen Punkte schärfer zu fassen, und der sich auf eigene Faust bereits mit einflußreichen National- liberalen ins Benehmen gesetzt und ihre Unterstützung bei der Wahl erbeten hat. In Briefen, deren Veröffentlichung von der Bündlerleitung angedroht wird für den Fall, datz Nöll seine Kandidatur aufrechterhalten sollte, hat dieser in Aussicht gestellt, sich im Fall seiner Wahl der nationalliberalen Fraktion ans ch l i e tz e n zu wollen I Demgegenüber aber erklärt der Bedrohte öffentlich, er komme der Aufforderung der Bundesleitung, auf seine Kandidatur zu verzickiten, keinesfalls nach, denn bei der Kandidatenaufstellung in der Vcrtrauensmännerversammlung sei es nicht mit rechten Dingen zugegangen. Als dritter Kandidat tritt der ebenfalls im Bund der Landwirte eine Rolle spielende Reaktionär v. Bodelschwingh auf, der die konservativen und antisemitischen Elemente hinter sich zu haben glaubt. Mit diesen drei Bündlern wird aber die Kandidatenliste kaum erschöpft sein, denn neuerdings haben auch die National- liberalen, veranlatzt durch die Zänkereien der mandallüsternen Bündler eine eigene Kandidatur in Aussicht genommen. Der Wahlkampf kann also recht ergötzlich werden I Die christlichen Gewerkschaften als Schutzwehr gegen die Sozialdemokratie. Sonntag, den 13. August, fand in Flensburg der 15. Katholiken- tag SchleSwig-HolsteinS statt. Nachdem einige holsteinische Zentrums- führer und ein leibhastiger Baron gesprochen hatten, erhielt Herr Dr. Sonnenschein von der München-Gladbacher Zentrale des katho- lischen VollsvereinS das Wort zu einem Vortrage über den Kleri- kalismuS. Er kam dabei auch auf die christlichen Gewerlschastcn zu sprechen. Da in der Versammlung viele Landwirte und Mittel« ständler anwesend waren, glaubte er wohl,� mit der Wahrheit berausrücken zu können. In bezug auf die christlichen Gewerlschastcn sagte er nämlich wörtlich: Der Kern und die Entwickelung der christlichen Gewerkschaften ist durchaus konservativ. � Wie die Sache augenblicklich liegt, kann ich ihnen versichern, datz die be- deuicndsten konservativen Führer und unsere bedeutendsten Staats- männcr— ich will keine Namen nennen— eingesehen haben, datz es unter allen Umständen gelingen mutz, die christlichen Gelverk- schaften hoch zu haltn, koste es, was es wolle, um die sozialdenio- statische Hochflut zurückzuhalten.' Russische Gepflogenheiten im Hamburger Untersuchungsgefängnis. Aus Hamburg wird uns geschrieben: Als am Sonntagvormittag die Untersuchungsgefangenen auf dem Hofe de? hinter dem Gerichtsgebäude am Holstentor gelegenen UntersuchnngSgefängniffeS sich in freier Lust ergingen, gelang eS einem 22jährigen Manne, auf die Mauer zu klettern, um ins Freie zu gelangen. Mehrere Gefangenaufseher vereitelten seine Absicht: Um nicht in die Hände der Beamten zu fallen, sprang er von der Mauer auf den Gerichtshof hinab, wo er mit gebrochenem Bein und anderen schweren Verletzungen liegen blieb. Hausbeamte deS Justizgebäudes schafften den Ver- unglücktcn auf den Treppenabsatz deS GerichtSgeväudeS. Nun kamen einige Gefangenaufseher hinzu, die mit Säbel- scheiden und mit Füßen und Fäusten den Verletzten mal- trätierten. DaS Protestieren der HauSbeamten nützte nichts, erst als der Obergefangenenaufseher hinzukam und dieser mehrmals den Befehl gab, es genug sein zu lassen des grausamen Spieles, lietzen die Beamten von ihrem Opfer ab. Sie verlangten von dem Verletzten, er solle auf den Beinen stehen, und als dieser stöhnend zurücksank, erhielt er abermals Futzstitte und Faustschläge ins Gesicht. In diesem Falle ist kein Vertuschen möglich, da er schon an die große Glocke* gekommen ist. Man wird wohl versuchen, diese an russische Gefäiigniszustände erinnernde Affäre als„Einzelfall* binzu- stellen, doch deutet das„bewußte und gewollte Zusammenwirken* darauf hin, datz System darin zu stecke» scheust. Und daS in der «publik* Haniburg!_ Tie Ruhr in der Kaserne. In Frankfurt a. O. ist in der Srtilleriekaserne die Ruhr auS- gebrochen. Bis Sonntag abend waren 30 Kranke in daS Lazarett eingeliefert. Durch Garnisonbefehl ist den Mannschaften der Feld« artllleriekaserne daS Wafferstinkcn verboten worden. Eine Blüte des Offizierstandes. DaS Kriegsgericht der 26. Division in Stuttgart verurteilte den Major Weier vom 1. unterelsässischen Infanterieregiment Nr. 132 wegen Mitzhandlung von Untergebenen in drei Fällen� und wegen Beleidiguug von Untergebenen i n neun Fällen, begangen als Kompagniechej im württembcrgischen Infanterieregiment Nr. 130, zu drei Wochen Stub e n a r r e st. neue einzufügen, daS geschichtliche und statistische Material b!S auf die neueste Zeit zu ergänzen. Sein KrankheitSzustand und der Drang, zur Schlutzrcdaktion dcS zweiten Bandes zu kommen. lietzen ihn hierauf verzichten.* Niemand wird eS wagen, die theoretische Umarbeitung vorzu- nehmen, die Marx im Sinne hatte. Wohl aber ist eS möglich für einen Herausgeber, in Fußnoten„das geschichtliche und statistische Material bis auf die neueste Zeit zu ergänzen*. Freilich wird man sich dabei eine große Sclbstbcschränkung auferlegen müssen. Einmal deshalb, weil das Material in den vier Jahrzehnten seit dem Erscheinen der letzten von Marx besorgten Auflage so ungc- heuer gewachsen ist, daß seine Verarbeitung ein gewaltiges Werk für sich erheischen würde. Dann aber deshalb, weil die Zwecke großenteils nicht mehr bestehen, denen die Vorführung dcS Ma- tcrials zu dienen hätte. England hat aufgehört, daS Vorbild zu sein, anS dem die anderen Länder deS Kapitalismus für ihren Ar- beiterschutz und für ihre sonstige Arbeiterpolitik zu lernen hatten. Weit wichtiger als die Ergänzung dcS im„Kapital* konzen- triertcn Materials wird die Erleichterung seiner Benützung. Tie Zitate des„Kapital" mit ihren Bemerkungen über deren Autoren bilden ein höchst wichtiges Stück Geschichte der ökonomischen Theorien. Andererseits umfaßt das„Kapital* eine Fülle von Einzelfragen, deren Beantwortung überall auf gründlichsten Siu- dien beruht und vielfach grundlegend und erschöpfend, stets be- deutungSvoll ist. So haben wir im„Kapital* nicht nur ein Werk. das in seinem Zusammenhang durchzuarbeiten ist, sondern auch ein Nachschlagewerk, daS der Oekonom und Sozialpolitiker bei den vrt» schieben sten Fragen immer wieder zu Rate ziehen muß. Dies zu erleichtern, ist ein NamenS- und Sachregister sehr Vonnöten. Tie Anlegung eines solchen Registers, die Reinigung dcS Texte» von AngliciSmen, die Berücksichtigung der französischen Aus- gäbe bei seiner Gestaltung, seine gelegentliche Ergänzung durch Fußnoten, die Uebcrsetzung der fremdsprachigen Zitate, sowie end- lich eine Einleltung. die dem Leser sagt, wie cr daS Buch studieren soll, das alle? ist bei einer NeuauSgabe dcS„Kapital* vorzu« nehmen, die eine Volksausgabe sein soll. Eine Ausgabe dieser Art ist in Vorbereitung. Der Parteivor- stand hat Karl Kautsky mit ihrer Herausgabe beauftragt, andere Genossen sind zur Beihilfe herangezogen. Tie neue Ausgabe deS ersten Bandes deS„Kapital* soll am 1. Januar 1914 erscheinen. Sie wird hoffentlich kräftig dazu bei- tragen, daß Kenntnis und Verständnis der theoretischen Grund- läge unserer Bewegung zum Gemeingut de» arbeitenden Volkes Verden, franhmd). Der Winzerprozeß. In Douai hat in den letzten Wochen die SchieZZtzerichtSöerhand- lung gegen etwa 100 aufständische Winzer der Champagnedistrikte stattgefunden. Am Montag wurde das Urteil über 30 Angeklagte gesprochen. Sechs Winzer erhielten Gefängnisstrafen in der Dauer von einem Monat bis zu � Lahren, die übrigen wurden frei- gesprochen. Lelgien. Die Riesen-Wahlrechtsdemonstration. Brüssel, 15. August. Die von den Liberalen und Sozial- demokraten veranstaltete Riesenkundgebung zu- gunsten des allgemeinen, gleichen Stimm- rechts und gegen das klerikale Schulgesetz wickelte sich ohne Zwischenfälle ab. Seit 10 Uhr morgens war der Verkehr der Straßenbahnen nicht mehr möglich und auch die anderen Fuhrwerke mußten den Betrieb einstellen. Um 11 Uhr setzte sich der Umzug in Bewegung. An der Spitze befand sich die Gruppe der liberalen und sozialdemokratischen Abgeordneten und Senatoren. Dem Zuge voran wurden Fahnen und Plakate mit Aufschriften getragen. Es folgten dann die Kundgeber der Provinz Brabant und dann die der übrigen Provinzen. Die Spitze des Zuges er- reichte kurz vor 1 Uhr den Saint Gilles-Park. wo zahlreiche Kundgebungen unter freiem Himmel abgehalten wurden. 28 Redner hielten mehrere Stunden lang Ansprachen an> die Menge. Der letzte Teil der Manifestanten gelangte erst um *�4 Uhr im Gilles-Park an, so daß der Umzug genau e i n e Z e i t v o n 41/2 Stunden in Anspruch nahm. Dies ist die größte Kundgebung gewesen, die in Belgien je veranstaltet worden ist. Die Lrd- nung während des Zuges sowie im Gilles-Park war eine musterhafte. Ueberall wurden die Manifestanten von der Be- völkerung akklamiert. Tie ZahlderDemonstranten stellte sich auf mindestens 200 000. Den Ansprachen der Redner im Gilles-Park wurde lebhafter Beifall gezollt. Imposant gestaltete sich die Eidesleistung, welche alle Kundgeber durch Erheben der rechten Hand ablegten. Die Formel der Eidesleistung war folgende: „Die Arbeiter und Demokraten Belgiens, welche am IS. August in Brüssel in feierlicher Kundgebung vereint sind, schwören, ohne Ruhe und ohne Einhalt zu kämpfen, bis das Schulgesetz Schollaerts zurückgezogen wird, sowie bis zur Durch- führung des allgemeinen, gleichen Stimmrechts und der Ein- führung des Schulzwanges." Die Wetterlage war glücklicherweise eine äußerst günstige. Es herrschte ein ziemlich starker Wind bei bewölktem Himmel, so daß die befürchteten Unfälle ausblieben. Portugal, Die Wahl des Präsidenten der Republik. Wenn die konstituierende Versammlung die Verfassung am 17. August annimmt, wird die Wahl des Präsidenten am 19. August stattfinden. Am Montag nahm die konstituierende Versammlung einen Antrag an. nachdem auch die jetzigen Minister für die Präsidentschaft der Republik wählbar sind. Cürkcl Tie Rückkehr der Malissoren. Die Malissoren entschlossen sich zur Rückkehr, well sie einsahen, daß ihnen keine Zufluchtsstätte in Montenegro mehr übrig bleibt. Sie fühlen sich enttäuscht und verraten. Und sie sind auch tatsäch- lich verraten worden. Sie setzten ihre Hoffnungen auf die Groß- mächte. Wa» sie eigentlich erhofften, war ihnen allerdings unklar. Aber wie auch das Ziel, das man ihnen vortäuschte, heißen mochte —„Autonomie" oder„Oesterreich"— so verstanden sie darunter W o h l st a n d und Freiheit. Und nun müssen sie in ihre abgebrannten Dörfer zurückkehren, wo sie die vernichtete Ernte und das alte Elend vorfinden. Sie werden allerdings für zwei Jahre von den Steuern be- freit. Aber die Verluste an Gut und Blut, die ihnen der Aufstand gekostet, sind doch weit mehr wert, als die Steuern für zwei Jahre! Und sie werden ihre Rekruten nach wie vor stellen müssen. Was noch? Es sind ihnen Schulen versprochen worden. Die Regierung hat sogar schon Geld bewilligt zum Bau von ganzen sieben Schulen! Ob mehr gebaut werden würden, das ist eine Frage der Geldmittel, die erst das Parlament zu bewilligen haben wird, also eine Frage des Budgets, das bekanntlich nicht an einem Ueberfluß an Mitteln für Kulturaufgaben leidet. Das Parlament wirb sich u. a. bei der Budgetberatung mit dem Bau von Dreadnougths zu beschäftigen haben. Daß die Schuiljugend über die Kriegsmarine siegen würde, ist kaum anzunehmen. Und die Selb st Verwaltung bedeutet nichts anderes, als daß man die Bevölkerung unter die Herrschaft ihrer H ä u p t» I i n g e stellt. Die Frage wird jetzt ganz offen erörtert: man spricht jetzt nicht mehr von dem albanischen Volke, man spricht von den al- banischen Familienchefs, denen die Verwaltung deS Landes ausgeliefert werden soll. Warum aber hat sich das Interesse der Großmächte, die die Freiheiten Albaniens und selbst die Steuerfreiheit mit so viel Eifer verteidigten, plötzlich verflüchtigt? Die Antwort darauf geben die Verträge über den Bau von Eisenbahnen in Albanien und Mazedonien. Tie in Aussicht genommenen Linien kommen Montenegro zugute, daß den längst gewünschten Eisenbahnanschluß von A n t i- vari nunmehr erhält, ferner Serbien und Oesterreich, welch letztere» schon jetzt eine vorherrschende HandclSstellung in Nordalbanien einnimmt und durch Eisenbahnen, die diese Provinz erschließen, gewinnen muß; außerdem erhalt Oesterreich einen neuen Eisenbahnanschluß über Monastir nach Saloniki; auch J t a- lien gewinnt durch die albanischen Eisenbahnen; Frankreich wird an der Anleihe und an den Eisenbahnkonzessionen verdienen; Deutschland erhält weitere kleine Zugeständnisse in Anatolien. Einzig Bulgarien beklagt sich. Es sei im Nachteil gegen- über den anderen geraten. ES bekommt zwar ebenfalls eine Eisenbahnverbindung, aber nicht die, welche cS erhofft hatte. ES wollte eine Verbindung Kustendil-Kumanovo. Dadurch würde es nämlich auf dem nächsten Wege nach der Adrig gelangen. DaZ gibt es nun aber nicht. Statt dessen soll eine Verbindung über Monastir hergestellt werden, die den bulgarischen Handel nach Saloniki lenkt. Das ist allerdings für Bulgarien weniger be- quem; denn von Saloniki müssen die Waren erlt die ganze Hill� ini'cl umschiffen, wenn sie ihren Weg nach Westeuropa nehmen wollen.. Dennoch stand Europa tatsächlich eine Zeitlang vor der Gefahr eines Krieges. Das zeigt unS, mit welchen Mitteln das moderne Kapital arbeitet. Nunmehr wird m Sudalbanien dasselbe Spiel wieder- holt wie im Nordem Der Aufstand nimmt auch dort bereits ernste Dimensionen an. Es find die italienischen Kapitalisten, die in jenen Gegenden das meiste Geschäft machen. Bus der Partei. Ein AuSschluhantrag. In einer politischen Notiz in Nr. 185 beschäftigte sich der „Vorwärts" unter oer Spitzmarke„Kolonialpolitik und Sozial- Demokratie" mit den kolonialen Eigenbrödeleien Gerhard Hilde- brands in Solingen. Unser Solinger Parteiblatt gibt die »Vorwärts"-Notiz wieder und bemerkt dazu: „Dieses Urteil des„Vorwärts" über Hildebrand deckt sich mit demjenigen der Parteigenossenschaft des Kreises Solingen, wo Hilde- brand seit einigen Jahren ansässig ist. Die gestrige Sitzung der erweiterten Parteileitung für den Wahlkreis Solingen hat denn auch einstimmig beschlossen, bei der am nächsten Sonntag stattfindenden Kreisgeneralversammlung den Ausschluß Hildebrands aus der Partei zu beantragen." Aus den Organisationen. Generalversammlung des Kreisses CJb e r- b a r n i m. Es sind anwesend außer dem Kreisvorstand die 6 Vorsitzenden der örtlichen Wahlvereine, 14 Delegierte, der Kandi- dat des Kreises Gen. Bruns, als Vertreter der„Brandenburger Zeitung" Gen. M i tz k a t und für den Wahlkreis Niederbarnim Gen. Lorenz. Den Geschäftsbericht des Vorstandes erteilt der KreisvereinSvorsitzende G r ä b e r t. Der Stand der Organisation und die Vercinstätigkeit in den einzelnen Ortsvereincn gibt zu mancherlei Ausstellungen Anlaß. Das Vereinsleben steht hinter deui Vorjahr zurück. Der Mitgliederstand ist von 1055 im Vor- jähr auf 957 zurückgegangen. Diese unliebsamen Erscheinungen sind teilweise auf den immer noch im Kreise herrschenden Lokal« mangel zurückzuführen. Dem Kassenbericht für das abgelaufene Geschäftsjahr ist zu entnehmen: Die Einnahmen betrugen 2351,33 M., die Ausgaben 1848,78 M., so daß am Schlüsse des Quartals ein Kasscnbestand von 602,55 M. verbleibt. Dem Kassierer wird auf Antrag Entlastung erteilt.— Ein Antrag des Ortsvereins Biesenthal, der Kreisvorstand habe zweimal im Jahre eine Revision der Ortskassen vorzunehmen, findet Annahme. Die Wahl des Vorsitzenden des KrciSvereins fällt wieder auf den Gen. G rädert.' Beim Punkt„Reichstagswahlen" erstattet der Reichtags- kandidat Bruns das Referat. Der Agitationsleiter für Oberbarnim, Genosse Jakobsen, will die Vorbereitungen zu den Wahlen früh genug betrieben wissen. Man müsse auch in den ländlichen Bezirken die gegnerische Agi- tation beobachten, um ihr erforderlichenfalls entgegentreten zu können. lieber den Besuch gegnerischer Versammlungen macht sich einige Meinungsverschiedenheit geltend. Während Jakobsen den ständigen Besuch für überflüssig hält, meint Schiele-Freienwalde, daß man, um an die kleinen Geschäftsleute und Handwerksmeister heran- zukommen, diese Versammlungen doch besuchen müsse. Jakobsen gibt einige Winke und Ratschläge, wonach auch die genannten Wähler ohne den Besuch gegnerischer Versammlungen unsererseits belehrt werden können. Nachdem noch mehrere Redner zu dieser Angelegenheit, teils für, teils gegen den Vorschlag Jakobsen ge- sprachen haben, wird die Versammlung sich auf Vorschlag von Gräbert und Liedtke lBiesenthal) dahin einig, von Fall zu Fall zu entscheiden, ob ein Besuch gegnerischer Versammlungen erfolgen soll oder nicht. Beim Punkt Parteitag und Provinzialkonferenz wird eine Debatte nicht gewünscht. Zum Delegierten des Parteitages wird Gen. Gräbert gewählt. Ersatzmann wird Schindhelm (EberSwalde). Die Genossen Gräbert, B 0 w i tz(Heegermühlc) und Zopf(EberSwalde) werden zum Besuch der Provinzial- konferenz bestimmt. DaS vorgesehene Referat über BildungSwcsen wird im Hinblick auf die vorgerückte Zeit und mit Rücksicht dar- auf. daß im kommenden Winter wenig Zeit für Veranstaltungen wissenschaftlicher und künstlerischer Art übrig bleiben wird, auf die Tagesordnung der �nächsten Generalversammlung gesetzt, r- Der Zentralwahlverein R u p p i n- T em p l in hielt am Sonntag in RheinSberg feine Generalversammlung ab. Erschienen waren 27 Delegierte, die 13 Ortswahlvereine der- traten, 8 Mitglieder des Zentralvorstandes, die Gen. Herbst und Zucht von der Agitationskommission, der Gen. Marschner als Vertreter deS ö. Berliner ReichstagSwahlkreifcS, der Gen. Den tz er aus Berlin und Redakteur Gen. Prien als Vertreter der „Brandenburger Zeitung". Der Voftitzende Gen. K r a s e m a n n- Neuruppin erstattete den Tätigkeitsbericht über das verflossene BereinSjahr. Die. erste Arbeit des Zentralvor- standes nach seiner Uebersiedelung von Zehdenick nach Neuruppin war die Einleitung einer umfassenden ZeitungSagitation. Die Zahl der Leser der„Brandenburger Zeitung" im Kreise ist dadurch um über 100 gestiegen. Jtn Laufe de» Berichtsjahres wurden bann noch häufig Taufende von Flugblättern verbreitet und zahlreiche verfamm- lungcn abgehalten, die fast ausnahmslos gut besucht waren. Bei den Stadtverordnetenwahlen erzielten die Genossen in Zehdenick. Lindow und K u r t s ch l a g bemerkenswerte Erfolge.— Von behördlichen Verfolgungen ist die Be- wegung auch im letzten Jahre wicht verschont geblieben. Außer den auf dem platten Lande üblichen Lokal ab- tretbungen waren mehrere Fälle polizeilichen Einschreitens gegen Verbreiter des Landarbeiterkalenders und der„Fackel" zu verzeichnen. Trotzdem sind zwei neue Wahlvereine, und zwar in Groß-Dölln und in Altruppin gegründet worden. Auch die Frauenbewegung hat Fortschritte gemacht. So waren in Zehdenick im Anschluß an eine Frauenversammlung 40 Neu- aufnahmen zu vollziehen. Im ganzen hat sich die Zahl der Parteimitglieder um etwa 80 vermehrt. Gewerkschaftlich organisiert sind im Kreise ungefähr 2000 Personen. Dem BorstanoSbcricht folgte der Kassenbericht. Einer Einnahme von 2936,93 M. stand eine Ausgabe von 21031,05 M. gegenüber, so daß sich der Bestand auf 405,88 M. belief. Angenommen wurden zwei Anträge der Wahlvereine Neuruppin und Altruppin. Nach dem ersten sollen zur bevorstehenden ReichStagSwahl Sammellisten herausgegeben werden. Ferner machte es die Versammlung auf Antrag des Gen. Fischer» Lindow den Deputierten zur Pflicht, dahin zu wirken, daß in den Wahlvereinen Extrabciträge in Höhe von 10 Pf. erhoben werden.— Nach einem Referat des Gen. Den her-Berlin über die nächsten Reichstagswahlen wurde zur Aufstellung des Reichstags- kandidaten geschritten. Die Wahl fiel auf den Gen. Emil V 0 e S k e- Berlin.— lieber die Bedeutung der bevorstehenden Provinzialkonferenz referierte Gen. H e r b st- Berlin. Als Vertreter deS KrciSwahlvereinS wurden gewählt zum Parteitag Gen. K ra fe ma ü n-Neuruppin und zur Pro- vinzialkonferenz die Gen. N e u m a n n« Neuruppin, Waldheim- RheinSberg und Meier- Lindow. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl in der bis- herigen Besetzung. ES werden also wieder fungieren als 1. Bor- sitzender Krasemann, als 2. Vorsitzender Neumann und als Kaf« sierer Hintze, sämtlich auS Neuruppin. Zu Revisoren wurden die Gen. Schmidt-Neuruppin, Meier-Lindow und Wegener-Menz ge- wählt. Zum Mitglicde der Preßkommisston ernannte die Vcr- sammlung wieder den Gen. Waldhcim in RheinSberg. Als Tagungsort der nächsten Kreisgeneralversammlung wurde Neuruppin bestimmt. � _ Die Parteikonferenz des KreiswahlvereinS Hoch st. Homburg-Usingen fand am Sonntag in Sössen- heim a. M. statt. Der Bezirk hat jetzt eine Mitgliederzahl von 3874, das bedeutet eine Zunahme von 1180 Mitglieder. Auch die Abonnentenzahl der„VollSstimme" ist im gleichen Verhältnis ge- stiegen. Bedeutend gehoben hat sich trotz der Anstellung eines Parteisekretärs daS Kassenwesen. Rund 125 000 Flugblätter und 20 000 Broschüren sowie 100 000 Laufzettel wurden unter die Massen gebracht. In vorzüglicher Weise ist daS BildungSwcsen organisiert worden und zahlreiche wissenschaftliche und künstlerische Vorträge trugen ihr Teil zur Hebung des geistigen Niveaus bei. Zu wünschen übrig läßt in dem Bezirk besonders die Frauen- organisation. Ten Parteiinstanzen wurde Decharge erteilt. Ueber die Presse referierte Parteisekretär Wolter, der darauf verwies, daß in dem letzten Jahr daS Parteigeschäft in Frankfurt 0. M. seinen höchsten Stand erreicht hat und über die allgemeine Haltung keine Differenzen bestanden. Nur über die Benutzung der verschiedenen nichtparteigenössischen Korrespondenz- bureaus habe es Auseinandersetzungen gegeben, doch habe darin schließlich die Preßkommssion nachgegeben. Reichstagse.bgeordneter Brühne meinte, daß es möglich sei, solche Korrefpondenzbureaus wie das Calwersche auszuschalten. Gen. H e i n i s ch- Frankfurt erklärte dagegen, daß die Notizen Calwers über den Arbeitsmarlt nicht zu entbehren sind. Mit Politik haben diese kleinen Sachen nichts zu tun. Ueber die nächsten Reichstagswahlen hielt Gen. Brübne, der Vertreter des Kreises, ein Referat, indem er ein- gehend die politische Lage kennzeichnete und jedes Kompromisseln mit den bürgerlichen Parteien zu vermeiden sei. Einstimmig wurde Gen. Brühne wieder als Reichstagskandidat nominiert. Begrüßt wurde die Mitteilung des Gen. Thomas- Frankfurt, daß der Zentralarbeiterbildungsausschuß eine Licht- bilderserie über die Wirkung der Steuern und die Entwicklung der Parteien zusammengestellt hat. Die Herausgabe einer Wahl- zeitung wurde angeregt und zugestimmt. Ueber den Parteitag in Jena referierte Gen. Weber-Höchst, der sich damit einverstanden erklärte, daß die Marokkofrage auf dem Parteitag verhandelt wird. Die Wahlen der Delegierten werden in der Urabstimmung er- ledigt. Der Bezirksvorstand wurde hierauf wiedergewählt. *• Die Generalversammlung des Zentralber- eins für den 8.(Altona-Stormarn) und 10.(Her- zogtum Lauenburg) Reichstags Wahlkreis fand am Sonntag in Sande statt. Nach Entgegennahme des Geschäfts- berichts nahm die von 62 Genossen und Genossinnen beschickte Generalversammlung zu Punkt:„Stellungnahme zur ReichStagSwahl" folgende Anträge an: „Die Wahl der Delegierten zum deutschen Parteitag geschieht einheitlich durch die Kreisorganisation nach gleichen Grundsätzen für männliche und weibliche Genossen. Als gewählt gelten die Ge- nassen oder Genossinnen, welche die meisten Stimmen auf sich der- einigt haben." „Die Delegiertenwahl zum deutschen Parteitag findet all- gemein für das ganze Gebiet des Zentralvereins statt. Ein jedes Mtglied des Vereins, ob Mann oder Frau, muß sich unter den- selben Bedingungen zur Wahl stellen." „Im Punkt 7 deS Organisationsstatuts der sozialdemokrati- scheu Partei Deutschlands wird unter 1 der letzte Satz, welcher lautet:„Wo mehrere Delegierte zu wählen sind, soll unter den Delegierten möglichst eine Genossin sein", gestrichen." Beide Kreise entsenden fünf Delegierte zum Parteitag; die Wahl muß bis zum 27. August vollzogen sein. Falls sich unter den Gewählten Genossinnen befinden, werden diese auch mit der Tele- gation zur Frauenkonferenz betraüt. Ueber die bevorstehenden Reichstagswahlen hielt Reichstagsabgeordneter Frohme ein mit großem Beifall auf- genommenes Referat. Zum Parteisekretär für beide Kreise wurde Genosse B i s ch 0 f f- Altona wiedergewählt. Der Sitz der Geschäftsleitung bleibt in Altona. * Jahresbericht der Hamburger Sozialdemokraten. Dem soeben erschienenen Jahresbericht der Landesorganisatiott und der drei Parteivereine Hamburgs entnehmen wir folgendes: Die Mitgliederzahl stieg von 5363 auf 48 593, wovon 7036 aus den ersten, 7918 auf den zweiten und 33 644 Mitglieder auf den dritten Wahlkreis entfallen. Im Verhältnis zu den bei der letzten Reichs- tagswahl abgegebenen 112 892 Stimmen sind rund 43 Proz. po- litisch organisiert. Die Zahl der weiblichen Mitglieder stieg um 871 auf 5024. Von 42 703 männlichen Mitgliedern sind 29 Proz. im Besitze deS zur Wahl zum Landesparlament berechtigenden Bürgerrechts. Die Zahl der Neuaufnahmen von Mitgliedern läßt mit 14 583 die der früheren Jahre weit hinter sich. An Beiträgen wurden vereinnahmt 196 878,75 M., wovon 104 000 M.— 64 624,25 M. über den Pflichtbeitrag— an den Parteivorstand in Berlin abgeführt wurden. Ferner wurden der Hauptkasse zu- geführt 18 000 M. aus dem Ueberschuß der„Echo"-Kolportage. Für das FortbildungSwesen und die Jugendorganisation sind 11232,91 Mark aufgewandt, dem Fonds zur Beschaffung von Vcrsammlungs- lokalen sind 28 400 M. zugeführt, im Gewerkschaftshause sind 50 000 M. investiert und diesem Unternehmen 10 000 M. darlehns- weise hergegeben. Die Abrechnung der Landeskasse bilanziert mit 47 191,07 M. Die Auflage des„Hamburger Echo" stieg im Be- richtsjahre von 63 600 auf 68 707; die SonntagSauflage beträgt zurzeit etwa 70 600. Die„Reue Zeit" wird gelesen in 815 Excm- plaren, der„Wahre Jakob" in 26 800, während die Zahl der Abonnenten auf die„Gleichheit" leider von 1910 auf 1261 ge- funken ist. Neben einer äußerst umfangreichen mündlichen Agita- tion, wurde eine ebensolche schriftliche betrieben, wie aus der großen Zahl der verbreiteten Flugblätter und der abgesetzten Broschüren erhellt. GorterS„Der historische Materialismus" fand 12 106 Ab- nehmer. Engels'„Die Entwickelung deS Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft" 11 825, KautskyS«Vermehrung und Entwickelung »N Natur und Gesellschaft" 610, Bebels„AuS meinem Leben" 520, Bebels„Die Frau und der Sozialismus" 370, Mehrings„Geschichte der deutschen Sozialdemokratie" 47, KautSkys„Theorien über den Mehrwert" 30, Zietz'„Zur Frage des Mutter- und Säuglings- schntzes" 400, KautSkys„Sozialismus und Kolonialpolitik" 2000, Protokoll vom Magdeburger Parteitag 3189. Protokoll vom Jnter- nationalen Kongreß 730. Maizeitung 45 000, Frauenwahlrechts- zeitung 11 000 und zwei polnische Agitationsbroschüren zusammen 4000. Zur Verbreitung gelangten beinahe drei Millionen Flug- blätter._ Sozialistenversolgung In der Türkei. Genosse Parvus schreibt uns aus Konstantinopel: Die Sozialistische Arbeiterföderation in Saloniki teilt mit, daß die Genossen Sabetai Lewi und Samuel Jona, die wegen ihrer organisatorischen Tätigkeit eine große Popularität genießen, von einer geheimen Or- g a n i s a t i 0 n. die ihren Tod beschlossen haben soll, bedroht werden. Ob es sich um ein Manöver handelt, um die junge Bewegung einzuschüchtern, oder um eine ernste Gefahr, daS läßt sich hier im Orient nicht auseinanderhalten. Die Organisation hat sich an die Oeffentlichkeit gewandt. Das Unternehmertum ist eS gegenwärtig, das Verschwörungen anzettelt und Mörder mietet, um die Arbeiterführer zu beseitigen, — das Treiben der Arbeiter liegt offen zutage: sie wollen ja bloß die junge Freiheit ausnützen, um das Interesse der Volks- massen wahrzunehmen. DaS aber steht gerade sowohl den kapi- talistische Cliquen wie den politischen Koterien im Wege. poUrelliches, Gcricbtllcbes uk«, Der beleidigte Reichsverbaud. Vor dem Schöffengericht in Braunschweig hatte sich am Montag Genosse O. Günther als Redakteur vom„Braun- schweizer Volksfreund" wegen Beleidigung des Reichsverbandes zu verantworten. Der Generalsekretär des Reichsverbandes Komoll in Hannover hatte, obwohl von ihm nicht die Rede war, Klage wegen öffentlicher Beleidigung angestrengt. Der„Welt am Montag" war von einem Leser ein auf der Berliner Reiseaus- stellung verteiltes Flugblatt zugegangen, das in Wort und Bild die Moabiter Vorgänge in der bekannten verlogenen Weise dar- stellte. In den kritischen Worten„stinkende Reichsverbandskloake" sowie in den Zeilen:„Der schmutzige Wisch verrät durch seine schamlose und niedrige Frechheit deutlich genug seinen Ursprung" sollte die Beleidigung des reichsvcrbändlerischen Agitators ent- halten sein. DaS Urteil lautete auf 50 M. Geldstrafe. Der Schutz des§ 193 wurde dem Angeklagten nicht zugebilligt. Die Klage- berechtigurm stützt sich auf ein Urteil des Reichsgerichts, nach dem jeder Angehörige einer geschlossenen Korpcration klagen kann, wenn die Korporation oder der Verein beleidigt ist. Als strafmildernd 'kam der die Sozialdemokratie beleidigende Inhalt des Flugblattes in Betracht. Im übrigen wurde die rcichsvcrbändlcrische Vater- schaft an dem Flugblatt abgestritten. Die sozialdemokratische Kritik sei. so meinte der den Vorsitz führende Amtsrichter, eine politische Brunnenvergiftung. Was b« Inhalt des Fluablatte» darstellt unterließ er j,» sagen. GewßrhfcbaftUcbea. ßcrUn und Utngcgcnd. Zum Lohntarif der Cafekcllner tvird unS zu der Berichtigung des Herrn Burstin vom Berliner Cafekellnerverein(in der Gehilfenschaft wohl besser bekannt unter dem Spottnamen„Schwimmender Sarg") von dem den freien Ge- werkschaften angeschlossenen Zwcigverein der Cafeangestcllten folgendes geschrieben: Herr Burstin glaubt noch jetzt berichtigen zu müssen, daß er in der öffentlichen Versammlung der Cafeangestellten am 19. Juni(!) nur eine bedingte Zusage seines Vereines betr. die Durch- führung des nur äusserst minimalen Lohntarifs für Cafe-Aus hilfskellncr(Pro 19— lästündige Arbeit 2 Mk Lohn und evtl. Trink- geld) gegeben habe und eine endgültige Stellungnahme von einer Konferenz zwischen seinem Verein und den Scharfmachern dcZ Cafetiervercins abhängig gemacht habe. Das entspricht durchaus nicht den wahren Tatfachen, es wurde bielmehr dur darauf hingewiesen, daß eine Versammlung der Mit- glicder des gelben Vereins noch die Einführung beschließen müsse. Diese sei aber, sicher dafür, wenn der Vorstand bezw. Herr Burstin es wünsche. Der jetzt behauptete Vorbehalt wurde erst später in einer darauffolgenden gemeinsamen Sitzung der Vorstände der Gc Hilfen erhoben. In der Versammlung jedoch spielte namentlich Herr Burstin den Ultraradikalen und es hatte den Anschein, daß ihm die aufgestellten Forderungen noch nicht einmal weit genug gingen. Bei dieser Gelegenheit bezeichnete er Mitglieder des Unternehmcrverbandes(!) als hergelaufenes� Volk, frühere Alt- kleiderhändler, Zirkusdirektoren und Komödianten. So der Herr Burstin in der Versammlung. Aber das Verhalten der Gelben ist uns durchaus verständlich und auch natürlich. Um nicht allen Kredit bei den Gehilfen zu verlieren, gebärden sie sich in Gehilfenversammlungen radikal; den Unternehmern gegenüber sind sie unterwürfig. Nach jener Versammlung haben sich noch folgende Vorgänge abgespielt: In einer Versammlung der Mitglieder des gelben Vereins am 7. Juli wurde die Durchführung des Tarifs beschlossen und hat sich der Verein uns gegenüber durch ein„Handschreiben" des Herrn Vorsitzenden Burstin verpflichtet, während der Einführung des Tarifs durch die Organisation keinen etwa durch den Tarif von deren Arbeitsnachweis abgesprungenen Betrieb unter dem be- schlossenen Lohnsatz zu placieren. Nach den in der Arbeiterschaft maßgebenden Regeln verstanden wir darunter die vollständige Solidaritätserklärung. Nach der jetzt vorliegenden Berichtigung hat eZ aber den Anschein, als wenn die Scharfmacher ihre Getreuen zurückgepfiffen hätten und„Nachtigall ick hör dir laufen", am kommenden Donners- tag in jener gemeinsamen Konferenz der Arbeitgeber und„Schwim- wenden Särgler"(die zu 79 Proz. organisierten Cafekellncr sind ausdrücklich vom Besuch ausgeschlossen) wie in Hamburg Verrat an der Gehilfenschaft geübt werden �oll. Doch die Herrschaften mögen sich nicht täuschen(es handelt sich jetzt nicht nur um ideelle, sondern materielle Vorteile für die Gehilfenschaft), eine solche Tat würde ihnen hier in Berlin, dessen sind wir sicher, ganz entschieden anders bewertet werden, als der Streikbruch in Hamburg. Der Tarif ist in den besseren und größe- rcn Betrieben, in denen die gewerkschaftliche Organisation durch ihren Arbeitsnachweis placiert, bereits anerkannt und so wäre denn zum Beginn der Saison genügend Zeit vorhanden, die Mitglieder des gelben Vereins als auch die gesamte Gehilfenschaft Berlins aufzuklären und von solchem Treiben zu unterrichten. Aber auch die organisierte Arbeiterschaft Berlins hat schließlich dann ein Interesse, etwas mehr als bisher in den in Arbeiterzentren be- findlichen Cafes die Kellner auf die Zugehörigkeit zur gewcrk- schaftlichen Organisation zu prüfen und wir wissen, daß die Ar- beiterschaft mit wenigen Ausnahiuen feststellen würde, daß sie bisher von Kellnern aus der Streikbrccherzentrale bedient wurde. Sind es doch gerade die Inhaber der Cafes: Mozart. Roland, T. N. Z., Frankonia, Edison und Skandinavia II, Welche sich als die größten Schreier gegen die organisierten Gehilfen Herbortun und wo die Gelben domizilieren!_ Achtung, Dachdecker Berlins und der Umgegend! Wegen Um- gehung des Tarifvertrages haben am Montag, den 14. August, die Dachdecker der Firma F. Neumann-Zeuthen(Mark) die Arbeit ein- gestellt. Herr Neumann führt augenblicklich die Dachdeckerarbeiten auf der Oper in Berlin in der Nürnberger Straße auS. Bei diesen Arbeiten will er den Dachdeckern nur noch 79 Pf. pro Stunde be- zahlen. Es ist dies der Lohn, welchen Herr Neumann sonst in Zeuthen bezahlt. Diese Werkstelle ist von allen Dachdeckern un- bedingt zu meiden. Zcntralverband der Dachdecker. Berlin. am Potsdamer Immer wieder auf die nächste Generalversammlung, über deren min jedoch nichts angegeben wurde. Da auch auf eine letzte Auf nur Termin... fordcrung des Bundes, bis zum 19. August zu den gemachten Vorschlägen Stellung zu nehmen, nur eine ausweichende Antworl gegeben wurde, sind nunmehr die Verhandlungen mit dem Arbeitgcberverband all gebrochen worden und die Eiseukonstrukteure haben ihren Vertrags� entwurf den einzelnen Firmen zur Anerkennung unterbreitet. Üm eine wirklich einheitliche Regelung der Arbeitsverhältnisse zu erzielen und außerdem zu verhindern, daß wieder versucht würde, die An- gelegenheit zu verschleppen, haben die Angestellten gleichzeitig ihre Kündigung zum 1. Oktober eingereicht. Gekündigt haben etwa 200 Angestellte, das sind rund 75 Proz. der in den Berliner Eisew konstruktionSwerkstätten beschäftigten technischen Angestellten. Kell«»erstreik im Schnltheift- Ausschank Platz. Am Montagabend legten im obengenannten Lokal 31 Kellner die Arbeit nieder. Sie fordern in der Hauptsache die Abschaffung der Kost und einen Lohn von L9 M. monatlich. Diese Forderung hatte die Firma bereits am zweiten Pfingsttage bewilligt, jedoch, nachdem für einen Monat 49 M. bezahlt lvorden waren, wieder zurückgezogen. Der Unternehmer, v. Fürich. legte den Kellnern an, 1. Juli einen Revers zur Unterschrift vor, wonach sie sich ver- pflichteten, wieder zu den alten Bedingungen zu arbeiten. Die 'Kellner, die zum großen Teil schlecht organisiert waren, unter- schrieben. Weiter lehnen sie die von ihnen verlangten Dienstvotenarbeiten ab. insbesondere das Gläserwaschen. Der Unternehmer glaubte nämlich, weil er keine weiblichen Angestellten bekommen kann, diese Arbeiten von den Kellnern, die nebenbei so schon 13 Stunden ar- beiten, verlangen zu können. Zum Frühstück wir zum Abendbrot gibt eZ wochenlang die so- genannte Athleten- oder Leutewurst. Am Abend des 14. August wollte der Unternehmer sieben Kellner entlassen, worauf die übrigen mit der ArbettSniederlegung ant- worteten. Als Dienstagmorgen die Vertreter des Verbandes deutscher GastwirtSgehilfen Verhandlungen anbahnen wollten, zeigte sich Herr v. Fiuich anfangs dazu geneig», später, nach Rücksprache mit den Vertretern der Brauerei Schultheiß, und nach einem Versuch, einen Vertreter des nationale» Kellnervercinö, den Herrn v. Plachckij hin- zuzuziehen, lehnte er jede Verhandlung ab, und„drohte" damit, die Tatsachen in der Innung zur Sprache zu bringen.— Zu den Streikbrechcrlieferanten gehören natürlich neben der Gastwirteinnung wiederum die gewerbsmäßigen Stellenvermiltler, die Herren Grosse lt. Sonnenberg.— Die Aschinger-Gesellschaft hat sich veranlaßt gesehen, dem bedrängten Untcrnehnicr dadurch, daß sie verschiedene ihrer Kellner zwang, dort Slreikbrccherarbcit zu ver- richten, beizuspringen. Erfreulicherweise können wir noch konstatieren, daß das Soli- darilätsgefühl der Gastwirtsgehilfen erstarkt, es war nicht möglich den Schulrheißbetricb in vollem Umfange aufrecht zu erhalten. Maffcnkiindigmig der Berliner Eiscnkonstrukteure. Bereits seit dem 11. April d. I. stehen die im Bunde der technisch-industriclleii Beamten organisierten technischen Angestellten der Eisenkonstruktionsfirmen Berlins mit der Arbcitgebcrorganisation, dem Verbände der Berliner Eisenbauanstalte», in Verhandlungen zwecks Einführung. einheitlicher VcrlragSbcstiminungen über Bezahlung Arbeitszeit, Sommernrlaub, Ueberftundenwesen usw. Ter Arbe..gebcrvcrband scheint jedoch diesen Verhandlungen nur sehr geringe Bedeutung beigelegt zu haben, demk auf einer Generalversammlung,' die sich damit beschäftigen sollte, wurde die Angelegenheit nur ganz nebenher erwähnt, ohne daß bestimmte Beschlüsse gefaßt wurden. Auch wiederholtes Drängen vermochte den Verband von seiner dilatorischen Behandlung der ganzen Angelegenheit nicht abzubringen. Er vertröstete den Bund Kleber! Die Sperre über die Firma R. Mielenz, Kuglerstr. 16, Vau Pankow, Ecke Wollank- und Spandauer Straße, und Nieder Schönhausen, Kaiserweg. ist hierdurch aufgehoben. Die Schlichtuiigskommission. VerbandSleitung der Tapezierer. veutkebes Reich. Der Ausstand in der Badischen Anilin- und Sodafabrik dauert nunmehr schon vier Wochen. Ausständig sind 2200 Arbeiter. Die wichtigsten Betriebe sind notdürftig mit Arbeitswilligen besetzt, andere mußten stillgelegt werden. Alle Einigungsversuche des FabrikarbeiterverbandeS wurden zurückgewiesen. Danach nahmen die noch im Betriebe tätigen Arbeiter in zwei großen Versammlungen zur Bewegung Stellung und beauftragten den Krankenkassenansscbuß, da ein Arbeiteransschuß nicht besteht, mit der Direktion zwecks Bei- legung der Differenzen in Verhandlungen einzutreten. Der Ausschuß wurde angehört und ihm anderen TagcS schriftliche Antworl zw gestellt. Darin hieß es, daß die Arbeiter sich zur Aufnahme der Arbeit melden sollten. Sie würden nach Bedarf eingestellt, aber die Direktion beHalle sich die Auswahl der Einzustellenden vor. „Hetzer" und„Wühler" würden vom Betrieb ferngehalten, Lohnerhöhungen nicht zugestanden und für die nächste Zeit auch nicht in Aussicht gestellt. Damit war die Situation ver- schärft. Einige Ausständige waren wankelmütig geworden, aber diese Antwort peitschte sie auf, und heute stehen sie einmütiger denn je im Kampfe. Die Handwerker nahmen nach der ver- änderten Sachlage nochmals Stellung und deren Organi- sationen griffen nunmehr ein. Wenn die Direktion sich jetzt zu Verhandlungen bequemt, dann besteht immer noch Aussicht, die Bewegung zu beenden. Wenn nicht, dann muß mit der Möglichkeit der Stillegung der ganzen Fabrik, es kommen ca. 7909 Arbeiter in Frage, gerechnet werden. Nachdem in den letzten Tagen die Arbeitswilligen in den Säurebetrieben die Arbeit wieder niedergelegt, versucht die Anilin- fabrik Streikbrecherfang im großen. Auftehcr und Beamte werden auf die Ortschaften der Pfalz und Badens geschickt, um Arbeiter anzuwerben. Aber selbst der Odenwald liefert diesmal keine oder nur vereinzelt Arbeitswillige. Darum müssen mehrere Agenten weit hinaus. Einer dieser Herren hat sich in Würzburg nieder- gelassen. Aber auch in Norddeutschland werden sie ihre Tätigkeit entfalten. Mehr denn 2999 Arbeiter lassen sich nur schwer ersetzen, imd am schwierigsten in der gefährlichen chemischen Industrie. Ob- wohl die Direktion den Arbeitern pro Woche 3 M. JudaSgeld ver- prach, ist der Erfolg äußerst minimal. Es dürften kaum 299 neue Arbeiter im Betriebe sein, und das sind fast ausnahmslos alte ge- brechliche Leute, die sonst keine Arbeit finden, oder Jungen von 15—17 Jahren. Mit diesen Leuten kann der Betrieb nicht aufrecht er- halten werden. Die Firma läßt täglich durch die Generalanzeiger- presse einige 29 Streikende in die Fabrik hineindickten, ohne daß der Stand der Streikenden sich je verringert. Dann sprengt sie wieder aus, es feien schon über 1999 friesische Arbeiter eingestellt worden. Nebenbei wird durch Eingesandts die Polizei gegen die Streikenden aufgehetzt. Die Haltung der Ausständigen ist musterhaft. Alle in die bürgerliche Presse lancierten Nachrichten müssen mit größter Vorsicht aufgenommen werden, sie entstammen meist der Dueklion und sind zur Stimmungsmache bestimmt. Zuzug von Fabrikarbeitern nach Ludwigshafen ist streng fern- zuhalten. Ausland. Arbeiterkäuipfc in Nustlnnd. Die7Streikbewcgung in Rußland hat in der letzten Zeit wieder mit erneuter Kraft eingesetzt. Während sie im Frühling ein wenig nachgelassen hatte, flammte sie in den letzten zwei Monaten in den verschiedensten Gebieten des Reiches in verstärktem Maße auf. Im zentralrussischen Industriegebiet sind in dieser Zeit eine Reihe großer Streiks zu verzeichnen: 1. Juni, Maschinenfabrik Bromley in Moskau <1299 Arbeiter), 19. Juni, Porzellonfabrik von Kusnctzoiv in Dulewo (2999 Arbeiter). 21. Juni,.Internationale Gesellschaft für Mäh- Maschinen" in Ljubcrtzi(1599 Arb.), 17. Juli, sämtliche Fabriken des Fabrikdorfes Jakowlewskoje(Gouvernement Kvstromo) uftv. Bei allen Streiks wurden in erster Linie wirtschaftliche Forderungen aufgestellt, ferner aber auch solche, die daS Verhalten der Admi- nistralion zu den Arbeitern und die Betriebsordnung betrafen. Ein hartnäckiger Kampf wird von den Arbeitern der Chludow- l'chen Manufaktur in Jarzewo(Gouvernement Smolenök) geführt. Hier streiken 5999 Arbeiter und Arbeiterinnen bereits seit einigen Wochen. Den unmittelbaren Anlaß zum Streik bildete das Pascha- regiment, das der Obermeister A. WassilewSki auf der Fabrik ein- geführt hatte. Er unterhielt besondere Agenten, die ihm stets „frisches Menschenfleisch" lieferten, und zwang die Arbeilerinnen, ihm zu Willen zu sein. Während der ersten Streikwoche wandten die Arbeiter die sogenannte„italienische Methode" an, d. h. sie er- schienen pünktlich auf der Fabrik, stellten sich bei ihren Maschinen auf, arbeiteten aber nicht. Seit dem 28. Juli aber ist die Fabrik geschlossen. Mit spontaner Macht ist in der vorigen Woche der Hafen- arbeiterstrcik in Petersburg ausgebrochen. ES gärte dort bereits seit einiger Zeit, da die Arbeitsbedingungen immer mehr verschlechtert wurden und die LcbenSmittelleuerung den Real- lohn immer mehr herunterdrückte. Infolge deS englischen ScemannstrcikS häuften sich im Petersburger Handelshafen eine enorme Anzahl von Schiffen an. Zudem wurde die Ernte- zeit und die Einstellung von 3990 Arbeitern beim Bau der neuen vier DreadnougHtS den Petersburger Handelsherren ver- hängnisvoll. Die Hafcuarbeirer verlangten eine Neuregelung der ArbeitSstkknden, die der ungeheuerlichen Exploitation einen Riegel vorschieben sollte(von 3 bis 3 mit einer L'/, stündigen Mittags- pause), ferner Erhöhung des Arbeitslohnes auf 2'/, Rubel pro Tag und einen Aufschlag von 59 Proz. für Ueberstunden(jetzt beträgt der Maximallohn 2 Rubel pro Tag inklusive Ueberstundenl und endlich Entfernung der Frauen von den männlichen Arbeiten und Erhöhung der Frauenlöhne auf 99 Kopeken pro Tag. Da diese Forderungen nicht bewilligt wurden, waten 12 990 Hafenarbeiter in den Ausstand. Am 3. August fand im Handelsministerium eine Sitzung der Berti cter der Exponfirmen stall, um die durch den Streik geschaffene Lage zu beraten. Der Chef des Handelshafens Pippcr verlas die Forderungen der Streikenden und teilte u. a. mit,- daß er von der Hamburger Firma„Ludwig Knosch Koppel" ein Telegramm er- halten habe, in welchem sich die Firma erbiete, sofort 1999 deutsche S t r e i kB r e ch e r zu liefern! In Riga stehen die Bauarbeiter schon seit längerer Zeit in dem heftigsten Lohnkampfe, der selbst die weiter abliegenden Strand- badcorle ergriffen hat. ES streiken aber nicht nur die Holzarbeiter und Maurer, auch die Maler, Klempner und sonstige Handwerker und Arbeiter besinden sich im Kampfe um bessere Lohn- und Arbeits- bedingungen. Das Baugewerbe liegt bereits lahm, und die bürger- liche Presse verbreitet Schauergerüchte, die Bauherren� hätten be- schloffen, die angefangenen Arbeiten bis zum nächsten Jahre liegen zu lassen und neue gar nicht zu beginnen. Mit welchen unglaublichen Schwierigkeiten die Streikenden zu kämpfen haben, beweist der llmstand, daß sie, da sie in der Stadt keine Versammlungen veranstalten können, eine Masienversammlung zirka 15 Kilometer außerhalb der Sradt in einem Walde abhalten mußten! Die erloähnte Versammlung beschloß, die Namen von Streikbrechern festzustellen und durch Flugblätter und daS sozial» demokratische Parteiorgan zu veröffentlichen. Wir sehen also, auch die grausamsten Verfolgungen reichen nicht aus, um die Arbeiterbewegung, de» aus den wirtschaftlichen Ver- hältnissen naturnotwendig erwachsenden Klassenkampf niederzuringen. DaS Proletariat bewegt sich doch I Mrbeiterverhältnisse in Mexiko. Ueber eine allgemeine Lohnbewegung in Mexiko haben wir kürz« lich berichtet, die durch die fteigcwordenen Kräfte der Arbeiterschaft sich über das ganze Land verbreitet hat, seitdem der starke Druck der Herrschaft des Präsidenten Diaz aufhörte. Aus Anfrage» von Arbeitern ersehen wir, daß die außerodcntlich niedrigen Löhne, die in dem erwähnten Bericht angeführt werden, Verwunderung erregt haben. Mancher, der von den amerikanischen Arbeitslöhnen gehört hat(worunter immer nur die Löhne in den Vereinigten Staaten oder in Kanada zu verstehen sind), mag um eine Erklärung verlegen sein, warum in dem zu Nordamerika gehörenden Mexiko so schlechte Verhältnisse herrschen. Wer den Gründen nachforscht, wird zuerst auf den Mangel einer jeden nennenswerten gewerkschast- lichen Organisation in der Arbeiterklasse stoßen. Wo der Widerstand gegen den Druck der Unternehmer so schwach organisiert ist wie in Mexiko, da fallen die Löhne und da sinkt die Lebenshaltung der Arbeiter. Der amerikanische Arbeiterbund(.Ärnericair Federation of Labor), der über Kanada seine Fäden spinnt, der in Kuba, Porto- Rico und den Philippinen auf die Arbeiterverhältnisse einzuwirken sucht, sieht in Mexiko ein fremdes Gebiet, das zu erobern sich nicht lohnt; er hat fast keinen Einfluß dort. Es war auch bisher nicht leicht, dort Einfluß zu gewinnen. Jede Arbeiterbewegung wurde durch Diaz und seine Werkzeuge mit Gewalt niedergehalten. Wo «treiks ausbrachen, ließ man Militär aufmarschieren.� die leitenden Personen wurden erschossen und Streikende in Massen verhaftet. Gegen die Arbeiter bestand eine Schreckensherrschaft in dieser Re- publik, und. Diaz hatte seine Gründe dafür. Handel und Industrie, die Bergwerke, die Eisenbahnen, alles wird beherrscht von dem in Riesensummen angelegten Kapital der großen Finanziers aus den Vereinigten Staaten. Diesen war Diaz ein ergebener Bundesgenosse; sie schützten ihn und er wachte über ihre Interessen. Erst als er ihnen durch Verträge, die er heimlich mit Japan schließen lvollte, unbequem, sogar gefährlich wurde, ließen sie ihn schnell fallen und die schon lange gärende Revolution konnte siegreich werden. Wo die amerikanischen Untemehmer in der AuZbeutnng der Schätze des Landes ans Werk gingen, da taten sie es auf ainerikanische Art, daS heißt in der gründlichen und praktischen Ausnutzung aller sich bietenden Gelegenheiten. Hier konnte man die Ware Arbeits- kraft so billig wie nirgends haben. Man stellte eine Anzahl amcri- konischer Arbeiter in Dienst, die gut bezahlt wurden und die als Werkflihrer, als Vorarbeiter usw. die Massen der äußerst schlecht cnt- lohnten Mexikaner anspannen, anleiten, antreiben mußten. Wider- stand gab es nicht, oder er wurde niedergeschlagen. Und zu dem schlechten Lohn kam noch die tiefe Verachtung der mexikanischen Arbeiter durch die Amerikaner. Die Mexikaner antworteten mit einem bitteren Haß gegen alles. was amerikanisch heißt, aber sie blieben die Gedrückten, die Ge- knechteten. Am schlimmsten erging eS freilich den Landarbeitern. die von amerikanischen wie auch von den mexikanischen Großgrund- besitzern wie Leibeigene gehalten wurden; doch das wäre ein eigenes Kapitel zu erörtern. Die Revolution hat die Fesseln der Arbeiter in der Industrie und im Verkehrsgewerbe gelockert und auch in den Landarbeitern ist die Hoffnung auf eine Aenderung der bisherigen Verhältnisse er- wacht. Die allgemeine Lohnbewegung hat in vielen Fällen schon einige Früchte getragen. Sehr niedrig sind die Löhne trotzdem noch. weil die Lebenshallnng der Arbeiter dürftig ist und weil das Notwendigste, die Nahrungsmittel, bei den Ansprüchen wie sie die Ar- beiter erheben, billig sind. Im allgemeinen liegen die Arbeiter- Verhältnisse in Mexiko so, daß sie keineswegs zur Auswanderung verlocken können._ Hetzte Nachrichten» 800 000 Mark unterschlagen. Darmstadt, 15. August.(W. T. B.) Bei einem Versuch, den Spar- und Kreditvercin, eingetragene Genossenschaft m. b. H., N i e d e r m o d a u, zu sanieren, ergab sich ein Fehlbe, trag von 899 999 Mark. Wie weiter mitgeteilt wird, wurde bereits vor drei Jahren ein Fehlbetrag von 328 999 Mark festgestellt, der damals aber ge- deckt worden ist. Bei dem Versuch der Sanierung der Bank durch den Verband der hessischen Landwirtschaftsgenossenschaften hat die Darmstädter LandwirtschaftSgenossenschast feststellen lassen, daß neucrdingS ein Fehlbetrag von 599 999 Mark vorhanden ist, wofür zweifellos der Kassierer Adam verantwortlich ist, da er eine große Zahl von Einnahmeposten nichtgebuchthat. Der Kassierer ist flüchtig. Neusatz', 15. August.(W. T. B.) Der Kassierer der serbischen literarischen Ges ellschaft, Lazar M a n o j l o v i c, hat 499 999 Kronen von dem VercinLvermögcn unterschlagen. Er wurde verhaftet. BootSunfall. Swinemünde, 16. August.(W. T. B.) Der Fischer A u g u st L a a b s und der Bootsmann Albert Luethke, beide aus W o l l i n. sind heute mittag etwa 5 Seemeilen oberhalb Swine- münde infolge Kentern des Bootes durch eine Böe ertrunken. Unaufgeklärter Lcichcnfnnd. Köln, 15. August.(W.T.B.) Hinter dem Kalker Schlacht- Hof fanden spielende Kinder einen Sack mit einer halb verkohlten Leiche, der Kopf, Arme und Beine fehlten. Ter Staats, anwalt hat eine Untersuchung eingeleitet. Tie Streikbcluegnng iu England. Liverpool, 15. August.(W. T. B.) Die Müller haben den Lordmayor darauf aufmerksam gemacht, daß, wenn die augenblick- liche Lage noch länger anhalte, die Stadt in wenigen Tagen ohne Brot sein würde. In den Krankenhäusern macht sich der Mangel an Lebensmitteln schon recht fühlbar. Cardiff. 15. August.(W. T. B.) Tie Z a h l der a u s st ä n d i- gen Hafenarbeiter beträgt heute 1599. Die Menge leidet große Not. Eine Anzahl von schwarzen Matrosen geriet mit der Polizei zusammen, die von ihren Stöcken Gebrauch machte. Zwölf Neger mußten in das Kr a n k e n h a u S gc- schafft werden. Bon der Cholera. Konstantinopel, 15. August.(W. T. B.) In den letzten 24 Stunden sind 65 Cholera fälle amtlich gemeldet worden, von denen 24 tödlich verlaufen sind. Die am meisten betroffenen Stadtteile sind Haskoei, Balat, Kassimpascha und S k u t a r i. Tie Regierung hat zur Bekämpfung der Seuche 30 000 Pfund ausgesetzt. Aus Saloniki wird ein neuer Cholerafall beim Militär gemeldet. Im übrigen Albanien sind 63 TvdeS- sälle vorgekommen. Brüssel, 15. August. Nach den Abenblättcrn sind in zw-i Dörfern unweit von Monö fünf choleraverdächtige Fälle fest. gestellt worden. Berantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.; xh, Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts BuÄdr.E BerlagSanslait UaglSingcr�Co.«BerlinSVV. Hierzu Z Beilagen«.UnterhaltnnoSbL' Kr. 190. 28. Iahrgltvg« l Keilize dks Jotmärts" Kerlim Oolhtilitt. Mtt«ch. 16. Av? 1911. flletallinduftrielle auf dem Kricgspfade. Erpresser an der Arbeit. ' Wie wir gestern mitteilten, hat der Bezirksverband der Metallindustriellen die Verbandsmitglieder, die sich seinem Terrorismus nicht fügen, mit Geldbußen bedroht. Diese Drohung erfüllt den vollen Tatbestand der versuchten Er- Pressung im Sinne des§ 253 Str. G. B., der da lautet: „Wer, um sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Ver- mägensvorteil zu verschaffen, einen Anderen durch Gewalt oder Drohung zu einer Handlung. Duldung oder Unterlassung nötigt. ist wegen Erpressung mitGefängnisnichtuntereinem Monat zu bestrafen. Der Versuch ist strafbar." Einen Anspruch auf Zahlung einer Buße hat der Ver- Hand, auch wenn seine Statuten die Festsetzung einer solchen zulassen, nicht, weil nach§ 152 Abs. 2 der Gewerbeordnung eine solche Vereinbarung nichtig ist. Nach der vom Reichs- gericht gegen Arbeiter gebilligten, übrigens von der Leipziger Staatsanwaltschaft zuerst(im Jahre 1887) gegen Arbeiter angewendeten Auslegung des Z 253 des Str. G. B. ist rechtswidrig der Vermögensvorteil, auf den jemand kein klagbares Recht hat. Die Metallindu- striellen, die am Freitag die Kollegen, welche mit der Sperre nicht einverstanden gewesen sind, mit Bußbelegung bedrohten, um sie zur Sperre zu veranlassen, haben also alle Tatbestands- Merkmale des Erpressungsversuchs erfüllt. Wird die Leipziger Staatsanwaltschaft gegen diese Fabrikanten einschreiten? Sie darf nach dem Gesetz nicht etwa abwarten, bis die versuchte zu einer voll- endeten Erpressung geworden ist! Schreitet sie nicht ein, so hat die Oeffentlichkeit wohl das Recht, zu erfahren, wes- halb gegen die Erpresser nicht eingeschritten ish Unternehmeransicht. Der Leiter eines großen sächsischen Betriebes gab auf die in der Generalversammlung des Unternehmens aus Aktionärkreisen gerichteten Anfragen, ob und in welchem Umfange die gegenwärtige Aussperrung das geschäftliche Ergebnis des laufenden Jahres bc- einslussen werde, folgende Auskünfte: Es handelt sich bei dem Kampfe in der Metallindustrie um zwei Hauptforderungen, und zwar 1. Anerkennung der Organisation und Verhandlung mit deren Leitung über die eingereichten Forderungen, und 2. Einführung eines Lohn- und Arbeitstarifes, ähnlich wie im Baugewerbe. Hier- gegen haben die Arbeitgeber einmütig Stellung genommen. Sie sind zu Verhandlungen mit ihren eigenen Arbeitern nach wie vor bereit, nicht aber mit der Verbandsleitung der Metallarbeiter. Es handelt sich also um Fragen von prinzipieller Bedeutung. Die Unternehmer bilden Verbände. Durch diese geben sie für alle Betriebe, für das ganze Gewerbe Anweisungen über Arbeits- Verhältnisse usw. und sie verlangen, daß die Arbeiter solcher Jen- tralgewalt sich fügen sollen. Gleichzeitig erklären sie, es sei Prin- zip, mit den von den Arbeitern bestimmten Vertretungen nicht zu verhandeln. Das zeugt von einer sozialen Auffassung, die noch in den patriarchalischen Verhältnissen wurzelt und in schroffem Wider- spruch steht zu der„Freiheit des Arbeitsvertrages". Solche An- schauungen müssen natürlich zu Konflitten führen. Mit allen Drohungen, mit noch so bös gemeintem Terrorismus wird man die Arbeiter nicht mehr in ein formales Hörigkeitsverhältnis hinein- Avingeiu Kampfbereit.' In verschiedenen bürgerlichen Blättern werden die Unternehmer ernstlich ermahnt, den Bogen nicht zu überspannen, den Herren» Standpunkt nicht so sehr, nicht so provokatorisch herauszustellen. Die „Metallarbeiterzeitung" glaubt aus den Auslassungen schließen zu können, daß„die Ermahnungen zum Frieden von einer einsluß- reichen Seite aus der Metallindustrie herrühren und für die Unter- nehmer eine Mahnung zum Einlenken sein sollen. Ob sie diese Mahnung beherzigen oder den Bogen überspannen werden, darüber fverden die nächsten acht Tage Gewißheit bringen". ,, Dazu bemerkt das Blatt weiter:„Wie sich die Dinge aber auch kleines f euilleton. Joseph Israels. Zum Tode Israels schreibt uns unser Kunst referent: ES ist mehr als ein Paradoxon, es ist ein psychologisches Mysterium: die Liebe der Modernen zum alten Israels. Warum eigentlich ehren wir ihn als einen Vater und Patriarchen? Er war kein Impressionist; keine Schule der Gegenwart konnte ihn ihr Haupt nennen. Er malte Genre, Episoden, sentimentale Literatur. Jeder andere, der ähnliches gewagt hätte, wäre mit Gleichgültigkeit gestraft worden; er wurde gefeiert. Er malte sehr ungleich- mäßig, er malte zuweilen schlecht: dennoch beugte sich auch der Erkennende dem kleinsten Dokumente dieser Menschlichkeit. Er war schlechthin der Mensch inmitten unserer Maler. Er war ein Schweigender unter Lärmenden, ein Wurzelfester unter Hastenden, der Mann des alles verzeihenden, alles umfassenden Mitleides. Er war das strikte Gegenteil eines Fachmannes, kein verknöcherter Spezialist. Er war ein Mann des Volkes. Er war mehr: das malende Volk, deS Volkes Instinkt zur Romantik und zur Schönheit. Und wurde von den Kapitaliften mit Gold aufgewogen. Eine feine, eine geistige Rache: sie kauften die Schmerzen, die sie geschlagen und er geheiligt. Hier wurzelt das Mysterium unserer Liebe zu ihm, der zu den Problemen, die uns spezifisch bewegen, kaum irgendein Verhältnis hatte. Er war ein Brunnen des Friedens. Sein Werk ist wie ein uralter, wettergefurchter Baum, m dessen Schatten die Menschen das Wunder erleben: sich selber zu finden. Er malte alte, jämmerliche, zugrunde gegangene Juden, Aus- gestoßene. Heimatlose. Er malte sie als Glaubende, Hoffende. Selige. Der verfolgte, verhöhnte, den Hunden glcichgezählte Trödler, inmitten seiner Lumpen und seines Jammers, wird rhm zu einem Träger der Verheißung. Es fault ringsum, der Gestank der Gasse kriecht aus den Winkeln: das Ghetto lastet mit der Schwere des Todes. Der Getretene aber lächelt wie ein Träumender: er sieht sein Kanaan. Das Tier aus den Finsternissen des Amsterdamer Judenviertels horcht in sich hinein und erlebt den Menschen. Das ist es. Israels Hilst zur Geburt des Menschlichen. Er malte die greise, verarbeitete Fischersfrau, die einsam blieb, der das Meer nahm, was zu nehmen war. Er malte die Stunde, da sie einen hinaustragen, ihn zu versenken. Er malte die von der Arbeit Gekrümmten, die Sonnenlosen. Er malte sich selber als einen Greis, den der Sturm geschüttelt und die Vergänglichkeit zerfurcht. Wit ein Acker ist das Antlitz des Malers auf diesen AlterSbildern, wie ein Stück Erde, das vom Leide aufgerissen wurde und lebendige Frucht trug. Man braucht nur eines dieser Selbstbildnisse anzu- schauen, ihm in die Seele zu blicken, und man begreift die Liebe der Modernen, der Suchenden zu einem Priester des Ewigen in Kunst und Leben. E. B. Die tägliche Sonnenschrriimenge in Deutschland. In den heißen Tagen, die jetzt seit langen Wochen schon über Deutschland brüten, dürste eS wohl nicht ohne Interesse sein, an der Hand einer vor nicht langer Zeit hcranSgcgebenen wissenschaftlichen Untersuchung des Pfarrers August Eichhorn M Taupadel bei Jena festzustellen, welche Orte in Deutschland die größte Menge täglichen Sonnenscheins be- sitzen, und damit die Hitzegrade der letzten Wochen zu vergleichen. Nach Eichham, der seinen Untersuchungen«ine übersichtliche Sannen«* ferner gestalten, welche Maßregeln die Unternehmer auch ergreifen werden: die Metallarbeiter müssen einig und geschlossen zusammen- stehen und strengste Disziplin üben. Und überall mutz jetzt eifriger denn je in Wort und Schrift, in Versammlungen und in der Werk- statt durch Gewinnung neuer Mitglieder für die Stärkung unserer Reihen gewirkt werden. Die gegenwärtigen Kämpfe in der Metall- industrie sind für die uns noch Fernstehenden der beste Anschauungs- Unterricht!" Eine Stärkung des Verbandes werden die Unternehmer zwei- fellos erzielen, aber sie werden auch finden, daß sie auf Granit beißen, wenn sie glauben, durch Drohungen und sonstige Provoka- tionen die Arbeiter in die Flucht schlagen zu können. Sicherlich wird die übrige Arbeiterschaft nicht Fuß beim Male halten, wenn sich die Ueberzeugung aufdrängt, daß die Unternehmer von hier aus mit dem von dem Generalissimus des Scharfmacherverbandes, dem Herrn Bueck, unter tosendem Beifall der Getreuen proklamierten Vernichten der gesamten Gewerkschaftsbewegung beginnen wollen. Die Aussperrung in Leipzig hat trotz der Beschlüsse der Unternehmerorganisation am Dienstag kaum mehr an Ausdehnung gewonnen. Es sind bisher wenig mehr als die Hälfte der 12 000 Mann, die ausgesperrt werden sollten, von der Matzregel betroffen worden. Eine Demonstration. Eine imposante Demonstration veranstalteten am Montag die ausgesperrten Erfurter Metallarbeiter. Mittags um 1%. Uhr wurde der verantwortliche Redafteur der Erfuter„Tribüne", Genosse Petzold, aus dem Gefängnis entlassen, wo er vier Wochen wegen angeblicher Beleidigung eines Arbeitswilligen verweilen mußte. Die Ausgesperrten nahmen den entlassenen„Sträfling" in ihre Mitte und marschierten dem Gewerkschaftshause zu. Im Garten des„Tivoli" hielten die Genossen Petzold und Ritz Ansprachen an die Ausgesperrten._ Iutmatiovalt Konferenz gemächlicher Landes- Zentralen. In Budapest findet gegenwärtig die 7. internationale Konferenz der Vertreter der gewerkschaftlichen Landeszentralen statt. Die Konferenz ist von 26 Delegierten, die 18 Länder vertreten, besucht. Die Delegierten repräsentieren 6 Millionen organisierte Arbeiter. Außerdem sind anwesend drei Vertreter einer nicht angeschlossenen Landeszentrale in Bulgarien und ein Vertreter der nicht angeschlossenen Workers of the World. Bei der Fest' stellung der Präsenzliste protestiert der Vertreter der letzteren Organisation gegen die Anwesenheit von James Duncan, dem Vertreter der Federation of Labor, die angeschlossen ist. Es ent spinnt sich eine sehr lange Debatte über den Anschluß der Workers of the World, die sich aber wesentlich in eine prinzipielle Aus- einandersetzung verläuft, ob es zulässig ist. daß der Delegierte der Federation of Labor gleichzeitig Mitglied der Civic Federation, einer Organisation ist. deren Tendenzen auf den Ausgleich der Gegensätze zwischen Unternehmer und Arbeiter gerichtet sind. Die Franzosen Jouhaux und Zvetot, sowie der Oesterreicher Hueber wenden sich gegen die Zugehörigkeit zu einer solchen Organisation. Legien, die englischen und der holländische Vertreter wollen die Frage überhaupt ausgeschieden wissen, da es niemanden was angehe, welcher Organisation ein Vertreter außer seiner Ge- werkschaft noch angehöre. Auf Antrag der Holländer wird mit allen gegen 5 Stimmen beschlossen, die Frage nicht zuzulassen. Die Dis« kussion wendet sich dann der Frage zu, ob die Workers of the World den internationalen Gewerkschaften angeschlossen werden kann. Hierbei wird die ganze amerikanische Gewerkschafts- und Parteifrage aufgerollt. Die Vertreter der beiden amerikanischen Organisationen geraten scharf aneinander. Nach langen Auseinandersetzungen wird der Antrag auf Anschluß der WorkerS of the World einstimmig ab- gelehnt. In der Freitag-Sitzung wurde der Bericht deS intemationalen Sekretärs diskutiert und die bulgarische Streitfrage behandelt. In Bulgarien bestehen auch zwei Landeszentralen, deren eine bisher nicht zugelassen wurde. Auf Antrag der Delegierten aus Oesterreich, Ungarn, Kroatien, Bosnien und Serbien wird beschlossen, bis zur nächsten internationalen Konferenz beide bulgarische Landeszentralen nicht zuzulassen und ihnen aufzugeben, sich zu einigen. Zu der Frage der inrer nationalen Unter st ützungS- aktiv nen liegt ein längerer Antrag der Landeszentrale Schweiz vor, der für die internationalen Hilfsaktionen einheitliche Normen schaffen will. Der Antrag hat folgenden Wortlaut: ,s.) Das Internationale Sekretariat hat sich an internationale:: Hilfsaktionen nur dann zu beteiligen, wenn gleichzeitig mehrere Berufs- und Jndustrieverbände eines Landes derart in wirtschaftliche Kämpfe verwickelt sind, daß die zu deren Durchführung erforderlichen Mittel im eigenen Lande oder von den internationalen Branchen« organisationen, denen die beteiligten Verbände angehören, nicht auf- gebracht werden können. b) Die Einleitung einer internationalen Hilfsaktion hat ferner nur dann zu erfolgen, wenn folgende Bedingungen erfüllt find: 1. Von der Landeszcntrale, der die zu unterstützenden Organi- sationen angehören, ist ein motiviertes Gesuch an das Jnter- nationale Gewerkschaftssekretariat einzureichen. Die Motivierung soll enthalten: Einen summarischen Bericht über Ursachen und bis- herigen Verlauf des fraglichen Konfliktes, ferner eine Uebersicht über die Organisationsstärke und die finanzielle Leistungsfähigkeit der hilfesuchenden Organisationen. 2. Die zu unterstützenden Organisationen müssen Mitglieder einer dem Internationalen Gcwerkschaftssekretariat angeschlossenen Landeszentrale sein, insofern nicht besondere politische Verhältnisse des Landes dies verunmöglichen. 3. Die zu unterstützenden Organisationen müssen ihrer inter« nationalen Branchenorganisationen angeschlossen sein und sich in erster Linie an diese um finanziellen Beistand wenden. 4. Ferner wird die Unterstützungsaktiou nur für solche Orga- nisationen weitergeführt, die das Internationale Sekretariat durch regelmäßige Information über den Verlauf der Kämpfe orientieren und sich zur Veröffentlichung der Abrechnung über die Kosten des Kanipses verpflichten. v) Sind die in Abschnitt b) bezeichneten Bedingungen erfüllt, so hat das Internationale Gewerkschaftssekretariat die Hilfsaktion ein- zuleiten. Das an die Landeszentralen gerichtete Unterstntzungsgesuch soll enthalten: Eine kurze Begründung, ein Gutachten des Jnter- nationalen Sekretariats und. soweit dies möglich erscheint, bestimmte Vorschläge über die Art und Weise, wie die Unterstützung am zweck- mäßigsten erfolgen könnte. ä) DaS Internationale Sekretariat hat ferner dafür zu sorge», daß bei länger andauemden Kämpfen die an der Hilfsaktion sich be- teiligenden Landeszentralen von Zeit zu Zeit über die Situation unterrichtet werden, daß in allen Fällen baldmöglichst nach Abschluß des Kanipses den betreffenden Landeszentralen Bericht und Abrech- imng über den Kampf erstattet werden." Zu diesem Antrage sind einige AbänderungSanträge gestellt. karte beigegeben hat, find die sonnenscheinreichsten Gegenden Deutsch- lands ein Teil des SaaletaleS bei Jena, dann ein Gebiet in der Gegend von Leobschütz in Oberschlesien und der Landstreifen, der sich von Kolbergermünde bis nach Samter im Regierungsbezirk Posen hinzieht. Hier beträgt die Zahl der täglichen Sonnenstundeu im Durchschnitt 4,8, aber nur wenig bleiben hinter ihnen die Landstriche zwischen Meldorf und Celle im Hannöverschen und das als heiß be- kannte Rheintal von Bonn bis Basel zurück, das auch in diesem Jahre wieder seinen Ruf bewährt hat. Während in Hannover und am Rhein täglich 4,7 Sonnenstunden im Durchschnitt berechnet werden können, sinkt die Zahl in Aachen, Chemnitz und Kassel auf 4,2, auf dem Jnselsberg in Thüringen auf 4 und erreicht in Hanl- bürg mit 3,5 Stunden täglichen Sonnenscheins ihren tiefsten Punkt. Die Erklärung für diese schwankenden Zahlen sucht Eichhorn zunächst in der Einwirkung der Höhenzüge auf die Wolkenbildung, während in großen Städten und in ausgesprochenen Jndustrieorten die mit Ruß und Dünsten verschiedenster Art geschwängerte Luft das Licht verdeckt und die Bildung trüber Nebel befördert. Im Zusammenhang damit weist Eichhorn noch darauf hin, daß ein Kubikzentimeter Luft auf dem atlantischen Ozean nur 72 Staub- teilchen enthält, in den Hochalpen bereits 381, im Binnenlande je nach der Lage des Ortes 500—5000 und in den großen Verkehrs- zentren wie etwa Paris oder London, und natürlich auch in Berlin, 160000—480 000 Staubteilchen. Im weiteren Verlaufe seiner Darstellung geht Eichhorn auch auf die Sonnenscheinmenge im übrigen Europa außerhalb Deutsch- land ein und zeigt dabei, daß die poetifchen Schilderungen des sonnigen Südens im Gegensatz zu dem düsteren und kalten Norden auf tatsückilichcr Grundlage beruhen. England wie Dänemark haben eine durchschnittliche Sonnenscheinmenge von nur 3.3 Stunden, Deutschland von 4,2—4.8, die Schweiz schwankt zwischen 4,7, die in Basel, und 6,1, die in Lugano gemessen worden sind. In Oberitalien steht Padua mit 5,6 Stunden an der Spitze der oberitalienischen Städte, in Mittelitalien hat Rom mit 6.7 die längste Sonnenscheindauer, und an der Küste des Adriatischen Meeres sind in dem österreichischen Kriegshafen Pola gar 7,6 Stunden gemessen worden. Nur wenig wird er darin von Madrid, der sonnenscheinreichsten Stadt Europas, übcrtroffen, das sich im Durchschnitt volle acht Stunden im Tage des reinsten Sonnenscheines erfreut. Flicgcr-Eindrücke. Beaumont, der Sieger im Weltfluge Paris- Rom und im europäischen Rundfluge, gibt in einer französischen Zeiffchrift wieder, was er während des FliegenS empfindet.„Die Eindrücke der Flieger sind in Wirklichkeit sehr prosaisch. Sie denken an nichts, vollauf damit beschäftigt, ihren Weg zu finden, das Gleichgewicht zu halten und auf die verschiedenen Apparate Obacht zu geben. Wo bleibt da die Poesie? Man blickt nur auf die Land- schast, um sie mit der Karte zu vergleichen, man wischt sicki von Zeit zu Zeit mit einem fettigen Handschuh die Brillengläser, wo- durch sie noch schmutziger werden: die Schläfen werden vom Winde gepeitscht, vom Regen getroffen, dazu kommt das Hineingeraten in Luftwirbel und der Lärm des Motors.... Endlich bemerkt der Flieger mit erschlafften Annen, ein- geschlafenen Beinen und sausenden Ohren das Fliegerfeld, sein End- ziel, aus das er niederstürzt, wie der Falke auf feine Beute. Und nur in diesem Moment hat er Zeit, einen erstaunten und entzückten Soziales. .„ Negierung und Waldarbeiter. � � � Bekanntlich jammern die Agrarier, daß sie keine tüchtigen Landarbeiter mehr halten können. Die Industrie ziehe alle Kräfte an sich und sei eine große Notlage eingetreten. Beschränkung der Freizügigkeit usw. statt Besserung der sozialen Verhältnisse dieser Arbeiterschaft ist natürlich der einzige Ausweg dieser Herr» schaften. Nun jammert auch die Regierung, daß sie keine geeigneten Waldarbeiter mehr halten könne. Eine amtlich bediente Kor- respondenz schreibt nach der„Franks. Ztg.": „Die Schwierigkeiten der Verwaltung, geeignete Arbeiter für die Waldarbeiten zu beschaffen, sind in letzter Zeit immer mehr gewachsen. In einzelnen Bezirken Ostpreußens ist eö sogar notwendig geworden, die Arbeiter auf Leiterwagen meilcn- weit an die Arbeitsstellen hcranzuschaffen. Dieser Mißstand hat zu neuen Verfügungen der Regierung an die nachgeordneten Stellen geführt, in denen eine weitgehendere und energischere Blick auf die Landschaft zu werfen und daran zu denken, daß er zum erstenmal durch die Luft in einer Stadt ankommt, die er nie« mals gesehen, von deren Existenz er nur durch die Geographie oder Geschichte wußte. Aber er fühlt sich sehr müde, und wenn nach einer letzten Anstrengung die Landung geglückt ist, ohne daß ihm ein Malheur passiert ist, wenn die Menge sich auf ihn stürzt, ihn an den Arm zerrt, ihm die Hände schüttelt und ihn mit Fragen be« stürmt, dann ist seine einzige Antwort:„Ich bin sehr glücklich, da zu sein." Das ist alles, woran er denkt." Man sieht: der Berufsflieger denkt über die Schönheit des Flicgens anders als der Laie, der sich für alles begeistert, wobei er selber nichts riskiert. Wie Ziere verunglücken. Man neigt im allgemeinen zu der Ansicht, daß Unfälle nur eine Begleiterscheinung der menschlichen Kultur und im Schöße der guten Mutter Natur so gut wie un- denkbar seien. Eine treffende Widerlegung dieser Meinung, zugleich aber eine Reihe anmutigster Tierbilder bringt der Aufsatz vjln H. Otto im 6. Heft des„Zoologischen Beobachters". Die ausgiebigste Quelle der Unfälle im Leben der Tiere ist allerdings die Kulturarbeit des Menschen, die in die Natur Ver- änderungcn hineinträgt. Aber eS gibt auch Fälle genug, wo an dem Zugrundegehen der unvorsichtigen Tiere den Menschen absolut keine Schuld trifft. Gar seltsame Unglücksfälle kommen z. B. beim Er- haschen der Beute bor. Vor einigen Jahren fand der Verfasser einen etwa 20 Zentimeter langen eingegangenen Hecht, der einen Stichling im Maule halte. Der unvorsichtige Raubfisch hatte die Stacheln des Stich- lingS in feine Kiemen festgeklemmt und war so den Hungertod gestorben. Den gleichen Tod sterben manchmal die Wasservögel, die sich im Winter ins kalte Wasser begeben und mit den Füßen im Eise festfrieren. Beim schnellen Laufe» und Fliegen kommen die Unglücksfälle in verschiedenster Gestalt vor. Ein Hase hat, von den Hunden ver- folgt, sich auf dem Glatteis beide Vorderläufe gebrochen: ein Hirsch verunglückte auf dieselbe Weise im weichen Torfboden: nicht selten find die Fälle, � wo die Hühner infolge von Schneeblindheit gegen harte Gegenstände stoßen und sich die Schädel zerschmettern. Aber auch bei friedlichen Beschäftigungen sind eigenartige Un- glücksfälle beobachtet worden. Als ein nistender Pirol dainit be- tchäftigt war, einen Faden für die Grundlage seines Nestes um ver- schiedcne Zweige zu winden, verwickelte er sich mit seinem Halse in einer Schleife und erhängte sich. Liegt auf den bis jetzt betrachteten Unglücksfällen ans dem Tier» leben so etwas wie ein romantifcher Hauch der Ursprünglichkeit, so sind die Fälle, die durch die menschliche Kultur verschuldet werden. aller und jeder Romantik bar. Wir wollen der sausenden Ungetüme von Automobilen sowie der Eisenbahnen gar nicht gedenken, die tag- täglich ungezählte Opfer aus der Tierwelt fordern. Aber auch die andern minder gewaltsamen Veränderungen, die der Mensch in die Umwelt der Tiere bringt, erweisen sich für die letzteren als verhängnisvoll. Nicht weniger als 750 000 Feldhühner kommen jährlich in Deutsch- land an den Telegraphendrähten zu Tode, viele Fasanen. Feld- Hühner, Wachteln. Lerchen, aber auch Hasen und Rehe werden von der Mühmaschine verstümmelt und getötet. Auch an Draht« geflcchten von Schonungen haben nicht wenige Tiere ihr Leben lassen müssen. Durchführung ber Ansiedclung von Waldarbeitern gefordert wird. ES ist ferner alS Grundsatz aufgestellt worden, daß die Waldarbeiter nicht schlechter zu stellen sind als die der Arbeiter der gewöhnlichen Industrie und in der Stadt. AuS den Unter- stützungZfonds sind Beihilfen an solche Leute zu zahlen, die längere Zeit hindurch Arbeit geleistet haben. Ferner soll ein angemessener Urlaub gewährt werden und an vaterländischen Festtagen sind die Löhne wie gewöhnlich zu zahlen. Für das übliche Arbeitszeug wird zur eigenen Herstellung von Holzteilen Holz geliefert, während die Gerätschaften in den Kulturbetrieben von der Verwaltung gestellt werden. In den abgelegenen Forst- teilen wird auf die Errichtung von Schutzhütten und das Auf- stellen von Zelten Gewicht gelegt, um den Arbeitern gesundheits- schädliche Einflüsse fernzuhalten. Wo sich von der Ansiedelung «ine Resultate erwarten lassen, werden von der Staatsforst Verwaltung Arbeiterhäuser errichtet." Das Eingeständnis, daß der Fiskus.Schwierigkeiten" hat. geeignete Waldarbeiter zu erhalten, kommt etwas sehr spät. Im Winter sind Tausende armer Bauarbeiter gezwungen, Wald arbeiten zu verrichten. Da werden die Akkordlöhne von den Ober förstern gedrückt, Gesinnungsschnüffelei getrieben usw. Kommt das Frühjahr, dann bleiben natürlich diese brauchbaren Kräfte wie�e aus und wenden sich ihrem Berufe zu, der ihnen doppelt höhere Löhne und kürzere Arbeitszeit bietet. Die Absicht, nun die Waldarbeiter„nicht schlechter zu stellen als die Arbeiter der gewöhnlichen Industrie und in der Stadt", ihnen also die gleichen Löhne zu zahlen usw., ist sehr verständig. Verdächtig ist jedoch die Bezeichnung„der gewöhnlichen Industrie". Hat man damit die Tagelöhner in Fabriken im Auge, die oft nur nach dem orts- üblichen Tagelöhnen bezahlt werden, nicht aber solche Arbeiter, die als Zimmerleuie usw. die besten Waldarbeiter abgeben könnten? An die Beseitigung der gegen ländliche Arbeiter, ein- Schließlich der Waldarbeiter, gerichteten Ausnahmegesetze denkt die Regierung, wie es scheint, noch immer nicht. Wir erinnern an das Gesetz von 1854, das Ungehorsam und Vertragsbruch mit Strafe bedroht, an die Einschränkung des Koalitionsrechts und an die Schlechterstellung der ländlichen Arbeiter in der Ver sicherungSgesetzgebung. Diese stellt die ländlichen Arbeiter be kanntlich erheblich schlechter als die Industriearbeiter. Man denke nur daran, daß bei einem Unfall eines Waldarbeiters— und Unfälle kommen ja häufig vor— die Rente nicht nach dem jetzt zu„erhöhenden" Verdienst deS Verletzten, sondern nach der jammer- vollen, behördlich als Jahresverdienste land- und sorstwirtschaft- licher Arbeiter festgesetzten Summe sich richtet. Die Rente eines Waldarbeiters ist daher sehr oft dreimal niedriger als die eines Bauarbeiters. Bedenkt man ferner die lange Arbeitszeit und die Behandlung der Leute durch die schneidigen Forstbeamten, so kann es nicht wundernehmen, daß ein großer Mangel an geeigneten Waldarbeitern eintritt und dieser Mangel sich von Jahr zu Jahr noch vergrößert. Daran ändern auch die„Mittelchen", wie„Zelte, Schutzhütten, Urlaub, Arbeiterhäuser" und dergleichen nichts. Jetzt wird gar als besonderer Vorzug die Zahlung des Lohnes an den vaterländischen Festtagen ermähnt. Die Nichtzahlung, wie sie nach der Notiz bisher erfolgte, ist eine grobe, ist eine grobe, ungesetzliche Verkürzung des nach§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs den Land arbeitcrn zustehenden Lohnes. Tie Regierung sollte die ländlichen und Forstarbeiter den ge werblichen gleichstellen: dann hätte sie nicht mehr über Arbeiter- Mangel zu klagen._ Steckbriefe gegen ländliche Arbeiter. Die LandwirtscbaftSkammern veröffentlichen in den Kreisblättern bekanntlich die zu ihrer Kenntnis gekommenen angeblichen Kontraki- brüche, die Arbeiter begangen haben sollen. So veröffentlicht die Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg in der letzten Nummer des.Niederbarnimer KreiSblatteS" die Personalien von 28 Arbeitern und Arbeiterinnen, die in den Kreisen LebuS, Niederbarnim. West-Sternberg, Templin. Ruppin, Ostpriegnitz, Anger münde und Teltow in den Monaten Mai und Juni kontraktbrüchig geworden sein sollen. 20 von diesen öffentlich in Verruf getanen Personen sind Ausländer<17 Galizier, S Russen), 19 werden als Wanderarbeiter, 2 als Dienstmädchen. 4 als Kuechte, eine als.Dienst- magd, einer als Stellmacher bezeichnet. Bei 21 ist der Aus enthalt der Kammer unbekannt, 3 hat daS Amt Planitz sRuppin) ausgewiesen, ein Knecht ist mit 14 M. bestrast, die Dienst- magd in den Dienst zurückgeführt. Eine derartige Ver- öffentlichung, die einer Verrufserklärung nahe kommt, ist schon um deswillen im höchsten Grade unbillig, weil die Land- wirtschaftSknmmer die Namen der kontraktbrüchigen Arbeit- g e b e r nicht veröffentlicht, weil ferner das Gericht von einem Fall abgesehen»och nicht gesprochen und auch in diesem Fall da» Gericht keineswegs auf Publikation des Urteils erkannt hat, und weil endlich die Veröffentlichung von Personalien zu dem Zweck erfolgt, die einzige Ware, die der Verrufene hat, seine Arbeitskraft lahmzu- legen. Naturgemäß muß solche Praxis der Landwirtschaftskammern die Leutrnot vermehren. Sinb die LandwirischaftSkammern der An- ficht, damit Verträge gehalten werden, sei solche Veröffentlichung er- forderlich, so sollten sie auch die Namen und Personalien aller Guts- besitzer veröffentlichen, die ihren vertragsmäßigen Verpflichlunge» gegen die von ihnen beschäftigten Arbeiter nicht erfüllt oder die ihre Weinrechnungen usw. nicht bezahlt haben. Die Publikationen sind um f overweiflicher, als Vertreter der LandwirtschasiSkaiumern alljährlich bei Vereinbarungen der.,LiescrungS"-Bedingnngen mit der Feldarbeiter- Zentrale auf eine möglichste Tiefe deS Lohnes dringen und als daS Rechtsverhältnis der Laudarbeiter in Preußen bei der Mißhandlung der Reckte der Landarbeiter durch Gutsbesitzer in der Tat oft treffend mit Professor Lolmar als.Absolutismus, gemildert durch Vertrags- bruch", zu bezeichnen ist._ Von ber Paplerverarbeitungs-Berufsgenossenschaft. Der soeben erschienene Geschäftsbericht dieser Berufsgenosscn- schaft zeigt uns, daß die Arbeiterschaft dieser Branche wahrlich nicht gut gestellt ist. Versichert Ivaren im Berichtsjahre 1916 insgesamt 4171 Betriebe mit 137 597 Arbeitern. Die Zahl der Arbeiter hat sich gegen das Vorjahr um 4266 erhöht. Der Durchschnittsverdienst der beichäftigten Arbeiter betrug nur 956 M. pro Jahr lgegen 931 M. im Vorjahre). Den höchsten Lohnsatz hat wieder die Sektion Berlin mit 1996 M., den niedrigsten Cassel mit 817 M. aufzuweisen. Gemeldet wurden 3896 Unfälle. Bon diesen wurden nur 491 entschädigt. An Kosten für Fürsorge der Verletzten in den ersten 13 Wochen dcö Unfalles wurden 17 327 M. verausgabt. Die technischen Auffichtsbeamlen haben im Berichtsjahre 556 Betriebe besichtigt und in diesen 4825 Anordnungen treffen müssen, welche 9473 Mängel betrafen. Die meisten Mangel wurden ver- hälinismäßig in den Buntpapierfabriken und Grobpapierfabriken vorgefunden. Unter den im Jahre 1916 wiederbesichtigten Betrieben hatten sich 65 Proz. hinsichtlich der Unfallverhütung gar noch verschlechtert. Laut Bericht sind 52 Proz. der gemeldeten und 69 Proz. der cnt- schädigten Unfälle als Majchnienunfälle anzusehen. Trotzdem bringt es die Berufsgenossenschast fertig zu schreiben:„Ein großer Teil dieser Mängel fällt, wie gewöhnlich, der Gleichgültigleit. der Un- achtsamkeit und dem Leichtsinn der Arbeiter zur Last." Einige Zeilen weiter wird aber den Unternehmern ans Herz gelegt, nur erfahrene Arbeiter an den Maschinen zu beschäftigen, die speziell in dieser Branche so gefährlich sind. Die Statistik belehrt uns aber, daß dies nicht geschieht, denn von den 3396 gemeldeten Unfällen entfallen 15,7 Proz. auf jugendliche Arbeiter unter 16 Jahren, und 24 Proz. aller Unfälle auf Arbeiter unter 17 Jahren. 18 Proz. aller W-aschinenunfälle betrafen jugendliche Arbeiter unter 16 Jahren und 29 Proz. unter 17 Jahren. Gcricbts- Zeitung. Straflosigkeit bei gesetzwidrigen Berfemnuge« Arbeitswilliger. S 184 deS JnvalibenversicherungSgesetzeS schreibt zum Lchuge der Arbeiter gegen Lahmlegung ihrer Arbeitskraft vor. daß, wer Eintragungen in die Ouittungskarlen in der Absicht macht, den Inhaber der Ouittungskarte anderen Arbeitgebern gegenüber zu kennzeichnen, mit Geldstrafe bis zu 2000 Mark oder Gefängnisstrafe bis zu sechs Monaten zu bestrafen ist. Diese Strafvorschrist ist nötig, um den Arbeiter gegen Verfemungen zu schützen. Was nützt aber die beste Vorschrift, wenn sie Arbeitgebern gegenüber nicht zur An Wendung gelangt? Ein drasttscher Fall strafloser Gesetzwidrigkeit eines Fabrikanten wird uns aus Baden mitgeteilt. Die Pforzheimer Firma Kollmar u. Jour d a n hatte bei einem Teil ihrer Arbeiter in die Invaliden karten den Vermerk eingestempelt:„Ausgetreten wegen Streik". Ein an die Staatsanwalt s ch a f t eingereichter Antrag hatte nicht den Erfolg, daß eine Verfolgung der an dieser ungesetzlichen Brandmarkung der Arbeiter schuldigen Personen eingeleitet wurde. Die Begrürn dung der Staatsanwaltschaft ging dahin: „Das Verfahren wird e i n g e st e l l t. Die Erhebungen haben keinen bestimmten Nachweis dafür ge geben, daß die Vermerke„Ausgetreten wegen Streik" auf Anordnung einer zur Vertretung der Firma Kollmar u. Jourdan g e- setzlich befugten Person in den OuitlungSkorten einiger Arbeiter angebracht wurden, so daß eine solche Person auch strafrechtllsch nicht verantwortlich gemacht werden� kann. ES fehlt aber mich weiterhin jeder Nachweis dafür, daß der fragliche Vermerk den OuittungSkarten in der Absicht beigesetzt wurde, den Inhaber der Karte anderen Arbeitgebern gegenüber zu kennzeichnen, wie dieS der ß 184, Abs. 2 Vers,-Ges. verlangt. Bielmehr steht fest, daß die genannte Firma den Stempel nur für ihre Personal- alten angeschafft hat. Die Verwendung desselben in den Jnvalidenlarten durch das Bureaupersonal ist offenbar nur des halb geschehen, um eine Erklärung für die plötzliche Unterbrechung der versicherungspflichtigen Arbeit in kurzer und rascher Weife zu bewirken Wenn eine Kennzeichnung der Arbeiter beabsichtigt gewesen wäre, dann wäre der Vennerl auch in den OuittungSkarten aller streikenden Arbeiter— etwa 266— beigefügt worden, waS jedoch nickt geschah." Eine Beschwerde gegen die Ablehnung der Verfolgung der leicht zu ermittelnden Schuldigen bei der O b e r st a a t s anwaltschaft blieb erfolglos. Die Pforzheimer Fabrikanten jubilieren aufs neue über den Schutz, den der b a d i f ch e M u st e r st a a t i h r e r Arbeiterunterdrückung gewährt. Die Pforzheimer Arbeiter gelangen durch solche Bescheide aber immer mehr zu der Einsicht, daß das„badische Musterländle" nicht minder wie andere deutsche Vaterländer den Arbeiter schutzlos läßt. WaS die Berliner Stadtmissiou alles verlangt. Die von dem Hofprediger Stöcker begründete Berliner Stadt» Mission hatte, wie bereits früher an dieser Stelle mitgeteilt, einen von mehreren hochstehenden Persönlichkeiten unterzeichneten Aufruf, in welchem um die Gewährung von Geldbeträgen für die Stadt Mission gebeten wurde, auch einem hiesigen Fabrikbesitzer D. zu gesandt. Dieser erklärte hierauf, daß er an sich zur Gewährung von Beiträgen für wohltätige Zwecke stets bereit fei, es aber ablehnen müsse, Geld an die Kasse der Berliner Stadtmission abzuführen, da, wie ihm und auch weiteren Kreisen bekannt sei, dort jahrelang ür wohltätige Zwecke eingezogene Geldbeträge in großen Summen unterschlagen worden seien, ohne daß eine Verfolgung der Schul- digen stattgefunden hätte. Einer der Schuldigen wäre sogar als Geschäftsführer und Kassenrendant angestellt gewesen, obgleich er ein bereits wegen Unterschlagung im Amte vorbestrafter ehemaliger Eisenbahnsekretär war, dessen Bestrafung dem Vorstande der Stadt Mission bei seiner Anstellung bekannt gewesen war. Das wiederholte Ansinnen der Stadtmission, diesen Vorwurf zurückzunehmen, hatte der Fabrikbesitzer abgelehnt. Von der Stadtmission wurde trotzdem nichts gegen D. unternommen. Dieser äh sich dann, in der berechtigten Annahme, daß den Unterzeichnern des Aufrufs diese groben Verfehlungen unbekannt seien, veranlaßt, ihnen von diesen Mitteilung zu machen. Gleichzeitig wurde von D. darauf hingewiesen, daß die Stadtmission auf milde Gaben ftber� Haupt nicht angewiesen sei, da sie einen ihr entbehrlichen Teil ihre? Grundstücks am Johannistisch an die Stadt Berlin für Straßen zwecke sehr vorteilhaft verkaufen könne. Die Stadtmisston beantragte hierauf bei dem Landgericht III den Erlaß einer einstweiligen ver- fügung, durch welche dem Fabrikbesitzer bei einer Strafe von 1666 M. ür jeden Fall der Zuwiderhandlung untersagt werden sollte, ferner Angriffe der vorstehenden Art gegen die Stadtmission zu richten Dieser Antrag wurde vom Landgericht abgelehnt. Auf die hiergegen eingelegte Berufung hat jetzt auch daS Kammergericht den Antrag der Stadimission, welche die Unterschlagungen zugeben mußte, abgewiesen. Milde Gaben könnten wohl eine bessere Verwendung finden, als zur Kostendeckung für aussichtslose kostspielige Prozesse. Jude» die Berliner Stadtmission geht ihre eigenen Wege. Sie glaubt berech- tigt zu sein, die wahre Mitteilung von Unterschlagungen, die sie elbst zugestehen muß. unterdrücken zu dürfen, um desto erfolgreicher den Klingelbeutel schwingen zu können. Ungünstige Auslegung des ReichSvereinSgesetzeS. Ende vorigen Jahres wurde in Hettstedt(Provinz Sachsen) ein Handelsmann welcher der sozialdemokratischen Partei angehört hatte, beerdigt. An dem Leichenbegängnis beteiligten sich auch der Gesangverein„Freiheit" und der sozialdemokratische Verein aus Hettstedt. Während im Traucrhause im Beisein eines Geistlichen eine Trauerfeier abgehalten wurde, nahmen Mitglleder der Vereine und andere Leidtragende auf der Straße vor dem Trauerhause Auf- tellung. ES kamen dann auch der Schuhmacher Dauerhin und der Maurer Hildebrandt mit Kränzen, an denen große rote Schleifen befestigt waren. Es waren die Kränze deS Gesangvereins„Frei- heit" und des sozialdemokratischen Verein?. B. und H. nabmen so Aufstellung vor den auf der Straße wartenden Leidtragenden, daß zwischen ihnen und dem Leichemvagen genügend Zwffchenraum blieb sowie für den Geistlichen und für die Angehörigen des Ver- lorbenen, mtlT warteten so das Ende der Leichenfeier im Hause ab. Ein Polizeikommissar Fischer verlangte die Entfernung der Schleifen von den Kränzen. B. und H. hielten sich dazu nicht berechtigt und trennten die Schleifen nicht ab; sie widersetzten sich aber auch nicht, als der Kommissar nun die Schleifen abschnitt, wobei B. und H. die Kränze entglitten. B. und H. wurden angeklagt. D-S Landgericht Halle a. S. prach sie frei sowohl von der Anklage der Ucbertretung einer ManS- eldifchen Kreispolizeiverordnung. als auch von der Anklage der Uebcrtretung der ZZ 7, 9 und 19 Ziffer 1 des RcichSvereinSgefches. WaS die Verordnung angeht, so wurde angenommen, daß eine Widersetzlichkeit gegen die Anordnung deS Kommissars auf Eni- fernung der Schleifen nicht vorliege, so daß auf die Frage der Gültigkeit der Polizeiverordnung nicht eingegangen werden brauche. Dann wurde in vereinSrcchtlicher Beziehung ausgeführt: Durch§ 19 Ziffer 1 des Reichsvereinsgesetzes in Verbindung mit den ZZ 7 und 9 desselben Gesetzes sei nicht nur die Beranstal-. tun, öffentliZer Bersammsuugen unter freier Himmel u»d. öffent- brünstigem Sebet... licher Aufzüge ohne polizeiliche Genehmigung unter Strafe gestellt, sondern auch die Veranstaltung ungewöhnlicher Leichenbegängnisse, wenn sie ohne Genehmigung erfolge. Es sei auch anzunehmen, daß hier die Mitführung der Kränze mit den großen roten Steifen das Leichenbegängnis zu einem außergewöhnlichen gemach�chaben würde, zumal Beerdigungen mit roten Schleifen in Hettstedt bisher nicht vorgekommen seien und zweifellos das Gange den Charakter einer sozialdemokratischen Demonstration erhalten haben würde. Auch als Veranstalter des ungewöhnlichen Leichenbegängnisses würden B. und H. dann anzusehen sein nach der ganzen Art und Weise, wie sie Aufstellung nahmen mit ihren Kränzen. Aber durch das Dazwischentreten des Kommissars sei die Mitführung der Kränze im Leichenzuge verhindert worden. Somit sei das außergewöhnliche Leichenbegängnis nicht zustande gekommen. Nur deshalb könnten die Angeklagten nicht bestraft werden. DaS Kammergericht hob am Montag auf die Revision der Staatsanwaltschaft das Urteil des Landgerichts Halle auf und ber- wies die Sache zu nochmaliger Verhandlung an daS Landgericht zurück.— Begründend wurde ausgeführt: Ohne Rechtsirrtum habe das Landgericht angenommen, daß vorliegend die Voraussetzungen eines ungewöhnlichen Leichenbegängnisses gegeben seien, und daß den Angeklagten die Rolle der Veranstalter zufalle. Unzutreffend sei aber die Annahme deS Landgerichts, daß das außergewöhnliche Leichenbegängnis noch nicht begonnen gehabt habe. Das Kammer- gericht nehme an, daß der Begriff deS Leichenbegängnisses im Sinne des Z 9 deS Vereinsgesetzes d«S Leichenbegängnis als Ganzes um- fasse, und daß nicht bloß die Zeit gemeint fei, wo sich der Trauerzug vom Trauerhause nach dem Friedhof bewege. Es sei früher schon ausgesprochen, daß die Versammlung am Grabe zum Leichen- begängniS gehöre, und daß das Leichenbegängnis noch fortdauere, wenn die Leiche bereits in die Erde gesenkt worden sei, so daß die Sichtbarkeit der Leiche bezw. des Sarges nicht zur Erfüllung des Begriffs deS Leichenbegängnisses gehöre. Daraus müsse gefolgert werden, daß ein Leichenbegängnis auch bereits dann begonnen habe, wenn während einer Trauerfeier im Haufe die daran nicht teil- nehmenden Leidtragenden bereits vor dem Haufe Aufstellung ge- nommen hätten, wie das hier der Fall gewesen sei, bevor der Beamte die Entfernung der roten Schleifen herbeiführte. Die Leute» die sich draußen aufgestellt hätten, nähmen ebenso gut bereits an dem Leichenbegängnis teil wie diejenigen, die im Hause seien und der Rede eines Geistlichen oder irgend eines anderen lauschten. Aus den Feststellungen des Vorderrichters ergebe sich auch, daß dieser Teil deS Leichenbegängnisses bereits begonnen gehabt habe, als die Angeklagten hinter dem Leichenwagen und vor dem Trauerzuge Ausstellung genommen hatten und als der Polizeikommissar die Entfernung der Schleifen verlangte. Die Freisprechung der An- geklagten sei daher� nicht zu rechtfertigen und die Sache müsse zur anderweiten Entscheidung an das Landgericht zurückverwiesen werden. Das Leichenbegängnis wurde wegen Mitführung roter Schleifen zu einem außergewöhnlichen gestempelt, weil in Hettstedt gewöhnlich Kränze mit roten Schleifen nicht mitgeführt werden. DaS ist aber eine durchaus unlogische Feststellung. Wäre sie richtig, so wäre a danach auch ein Leichenbegängnis, bei dem keine Kränze mit- getragen, ein außergewöhnliches, weil das Tragen von Kränzen üblich ist. Danach müßte man dem Gesetzgeber also imputieren, er habe ein Begräbnis ohne Kränze nur von polizeilicher Genehmigung abhängig gemacht. Das Landgericht übersteht, daß eS nur darauf ankommen kann, ob bei Leichenbegängnissen von Sozialdemokraten Kränge mit roten Schleifen üblich sind. Die fortgesetzt gemachten Versuche, die bei Leichenbegängnissen von Sozialdemokraten übliche Art zu einer außergewöhnlichen zu stempeln� übersehen, daß der Gesetzgeber das Pictätsgcfühl der Trauernden schützen, aber nicht verletzen wollte. Auf eine Verletzung des Pietätsgefühls kommt aber der für zulässig erachtete polizeiliche Eingriff und die gericht, li(f|e Verfolgung Leidtragender hinauf £[us aller Melt. Cm KultiirbUd aus franhreicb. vor etwa zwei Wochen brachten wir an dieser Stelle bfe Notiz über eine Hinrichtung, wie sie nach französischen Berichten kürzlich im„kultivierten" Frankreich vollzogen wurde, und zwar in einer Weise, daß e« in absehbarer Zeit schwer fallen dürfte, an Barbarei und Roheit ein Gegenstück zu ihr zu finden. In- zwischen sind in Toulon am 9. August an den des Mordes chuldig gesprochenen Matrosen Gueguen und Lemaröchal zwei weitere Todesurteile vollstreckt worden, und, war eS im vorigen Falle die unmenschliche Roheit, so ist eS nun neben dieser die geradezu beispiellose Schamlosigkeit und Heuchelei der herrschenden Klassen, die einem die Glut der Empörung in die Wangen treibt. So berichteten die Pariser Morgenbläiter, die sich, ihrem Publikum Rechnung tragend, am Tage der Hinrichtung spaltenlange SeusationS» artikel drahten ließen, unter anderem: „Beide Deliqucnlen erlvieien sich dem geistlichen Zuspruch zu- gängiich. Sie beichteten, jeder in seiner Zelle, den AbböS Bruno und Gourdon, und wurden sodann in die Gefängniskirche geführt, wo sie. je zwischen zwei Aufsehern, vor dem Hochaltar Platz nahmen. Der eine der Priester laS. der andere bediente die Messe, worauf die Verurteilten daS Abendmahl nahmen..." Im Morgengrauen werden sie dann zur Richtstätte geführt.„Im Osten", beißt es weiter,.anlern auf der Reede die Kriegsschiffe, im Westen ziehen ich die Häuser deS Viertels am Schießplatz entlang, und schon öffnen sich ollerorten die Fenster: die Anwohner werden zweifellos die besten Plätze einnehmrn. Ueberall in der Dämmerung wimmelt es von Leuten, die in lärmenden Haufen herbeiströmen.... Eine Abteilung deS 16. SrtilleriereginientS rückt an. Die Zahl der Neu- gierigen wächst von Minute zu Minute. Auf dem Wege von Mou- rillon rollen in unabsehbarer Reihe Fialer und Automobile heran. Neue Truppen marschieren auf. Die Menge strebt mit aller Gewalt der Mitte deS Schießfeldes zu, aber der diensttuende Major, der das vordringen bemerkt, läßt sie auf den Weg zurücktreiben. und es fetzt ein wildes Gcdiänge. Pfiffe und EntrüstungS- rufe.... Um'/z5 Uhr werden in der Ferne zwei Schaluppen ficht- bar.... Fünf Minute» später legen sie am Schießplätze an.... Die EmpfangStruppen bilden Karree und nehmen die Delinquenten in die Mitte. Der Sbbö Bruno stützt Gueguen. der vorangeht, eine Zigarette im Munde. Der Sbbö Gourdon führt Lemaröchal.... Bei den Schießpfählen angelangt, find beide käst bewußtlos; die Priester leisten ihnen Beistand, und nach einem letzten Gebet verbindet ihnen der Feldscher Olivier die Augen.... Tiefe Stille tritt ein, während die zur Exekution be- ohlene Rotte sich in zwei Reihen gliedert, die vordere in kniender, die Hintere in aufrechter Stellung. Ein Marineoffizier tritt vor, hebt den Säbel und läßt ihn jäh sinken. Ein Knattern zerfetzt die Luft, während die Köpfe der Gerichteten sich neigen. DaS Urteil ist vollstreckt I Trotzdem beiden Delinquenten die Augen verbunden waren, ge- lang eS Gueguen, noch bevor die Salve ertönte, sich der Binde zu entledigen. Während sich diese Szenen abspielten, die keine Feder zu beschreiben vermag, fcsseten unweit die beiden Abb öS in in» Fürwahr, ein Schauspiel, würdig einer„Kulturnation' im zwanzigsten Jahrhundertl Zwei Menschen, frisch und fröhlich in aller Oeffentlichkeit hingeschlachtet, ringsum ein sensationslüsterner Pöbel, Photographen. Zeitungskorrespondenten und daneben zwei betende Pfaffen auf den Knien I Rußland ächzte ein Vierteljahrtausend unter dem Joch der Tataren. Frankreich aber—. Wer wollte da heute schelten auf Väterchens Reich?!_ Ausdehnung der Cholera m Konstantin opel. Die Nachrichten über den Stand der Choleraepidemie in Konstantin opel lauten immer bedrohlicher. Selbst die amt- lichen Stellen müssen zugestehen, daß die Epidemie in starkem Zunehmen begriffen ist: Nicht weniger als 59 Personen sind nach den Ermittelungen der Stadt- behörde in den letzten 49 Stunden der Seuche erlegen. Im ganzen wurden während der Berichtszeit 114 Cholera- erkrankungen festgestellt. Doch nur ein Teil der Gesamterkrankungen kommt zur Kenntnis der amtlichen Organe; in ihrer Indolenz und aber- gläubischen Furcht verschweigen die Bewohner Erkrankungen in ih�en Familien und tragen damit zur Weiter- Verbreitung der Seuche bei. Um die Flucht der Einwohner aus dem Seuchengebiet und damit die Uebertragung der Krankheit auf noch nicht verseuchte Gebiete zu verhüten, ist die stark gefährdete Borstadt Hasköj durch einen Militärkordon abgesperrt worden. Ein Jndivi- duum, das den Kordon durchbrechen wollte, wurde von den Soldaten erschossen. Auch in der am BoSporuSufer gelegenen europäischen Vorstadt Bujuk-dere breitet sich die Cholera aus. Bisher sind dort zwanzig Erkrankungen gezählt worden, darunter einer in der Sommerrestdenz der russischen Botschaft. Schwerer Unfall in einem Vergnügungspark. Im vielbesuchten englischen Seebade Blackpool entgleiste am Dienstag der aus drei Wagen bestehende Zug der Gebirgsbahn eines Vergnügungsparkes. Von den 3» Insassen der drei Wagen gerieten drei Frauen so unglücklich unter deren Räder, daß sie mit gebrochenen Beinen und schweren inneken Verletzungen hoffnungslos dem Kranken- haus zugeführt werden mußten. 20 Personen, darunter zahlreiche Kinder, erlitten mehr oder minder schwere Verletzungen. Kleine Notizen. Ein schwerer Junge ausgebrochen. Zum zweitenmal ist in der letzten Nacht aus dem Heilbronner Untersuchungsgefängnis der Kaufmann Max Schiemangk ausgebrochen, der unter dem Namen eines Grafen de Paffh umfangreiche Hochstapeleien begangen hat. Der Ausbruch ist nur mit Hilfe von mit den Gefängnisverhältnissen genau vertrauten Helfershelfern möglich gewesen. Diese drangen durch einen benachbarten Neubau in den Hof des Gefängnisses, von dort durch das Treppenhaus, wo sie ein Gitter durchsägten, in das Gebäude. Die Zelle wurde mit Dietrichen geöffnet und der Gefangene, der mit Fußfesseln an die' Wand an- geschlossen war, befreit. Bisher hat man noch keine Spur von dem Entflohenen und seinen Kumpanen. Schwere Explosion in einem russischen Militärlager. Im Truppen- lager bei KarS explodierte während militärischer Uebungen eine Kartätsche, durch die IS Soldaten verwundet wurden. Von ihnen sind drei völlig in Stücke zerrissen worden. Vier von den Verwundeten starben während deS Transportes in das Krankenhaus. Auch die übrigen find schwer verletzt. Familiendrama. Wegen zerrütteter Vermögensverhälwisse hat ein Wärter der städtischen Irrenanstalt in Trieft seinen IS jährigen Sohn und seine 12 jährige Tochter erschossen und sich dann selbst durch Revolverschüsse tödliche Verletzungen beigebracht. Ausbruch eines Vulkans in Japan. Wie«in Telegramm aus Tokio meldet, erfolgte am DienSiagmorgen ein Ausbruch deS Vulkans Asama. Man befürchtet den Tod von 30 Touristen, unter denen sich mehrere Ausländer befinden. Vom Blitze erschlagen. In dem schlesischen Orte Laband wurde während eines Gewitters ein Gymnasiast beim Baden vom Blitz er sch la g en.' Ungefähr zur selben Zeit schlug der Blitz in eine V i e h h e r d e. Der Vieh h üt er war sofort tot. DaS Vieh blieb unverletzt. Schwere Gewitter in Frankreich. In der Umgebung von Per» p i g n a n sind gestern schwere Gewitter niedergegangen. Der Blitz zündete mehrmals, wodurch ernster Schaden angerichtet wurde. LrUfKasten der Redaktion. Tie lurlsttsche Sprechstunde findet Linden st raste SS, vorn vier Treppen — Fahrstuhl—,«ochentiiglich von biS 7>4 Uhr adendS, Sonnabends, von 4% biS 6 Uhr adendS statt. Jcder fii, den Bricslaften bestimmte» Ansn-gc ist ein Buchstade und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briestiche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Adoiinrmcntsguitinug beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. fu B. 42. Der Hauseigentümer erscheint in erster Linie schad cnerfah- tig.— B. livv. 1. Ja. 2. Nein. 3. Der Minister des Innern. 4. Ja. S. Eingabe an den Polizeipräsidenten.— X. B> 00. Sie können die Anfechlungsllage durch einen Rechtsanwalt erheben. Die Höhe der Kosten richtet sich nach dem vom Gericht sestzusetzenden Objekt.— A. T. Ja.— — C. M. Sch. 1911. Wir haben ichon wiederholt gewarnt.— M. W. R. 57. Vermögen wir nicht sestzustellen.— N. E. W. 31. 1. Ja. 2. Sprechen Sie mit dem Rektor der Schule, die Ihre Tochter zur- zeit besucht.— ft. D. Weise 11. Vielleicht fragen Sie mal im Gewerbesaal, Strasimannstrasie 6 an.— G. 44. An das für Ihren Wohnbezirk zuständige Polizeirevier.— R. S. 0. I. Parteischule. II. Gewcrkschasls. schule. Die Teilnehmer werden nur durch die Partei» und GewerlickastS- organifationen bestimmt.— Paris. Dcuticher sozialdemokratischer Leseklub Paris, g Rue de Valois.— A. R. An Private nur durch Vcrmitleluug der Säuglingssürsorgestellen, insoweit diese in Anspruch genommen werden. — B. K. 1548. Fordern Sie schristenverzeichnis der Buchhandlung Vorwärts.— F. S. 23. Eine solche Schule ist uns nicht bekannt. Unter den Annoncen deS ArbeilSmarlteS dürsten Sie das Gesuchte finden.— Rix- darf 160. Lamms, Rixdors, Stcinmetzstrasie 57.— I. Pick. Pastor Bodelschwingh, Bethel bei Bielefeld, HosinungStak und Gnadental.— K. F. 16. Unsere wiederholten und motivierten Warnungen sollten Ihnen beziehungsweise Ihrer Frau zur Vorsicht Veranlassung gegeben haben. Sehen Sie sich die Statuten mal genauer an. Todes-Anzeigen Sozialdemckratisclier WablYereiii■ fUr den I. Berl. BeicklW-MW' Görlivcr Viertel. Bezirk 227 II. Den Mitgliedern zur Nachricht, dasi unser Genosse, der Tischler EBrnil Grimberg am 13. August gestorben ist. Ehre seinem Audcurcn! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den IS. August, nach- mittags i'l, Uhr, von der Halle deS ZentralsriedhoseS in Fried- nchSsclde auS statt. Um rege BeteUizung ersucht Der Vorstand. Am Montag, den 14. August, verschied nach kurzem, schwerem Leiden mein vielgeliebter Mann Schulz im 54. Lebensjahre. Die Bestattung erfolgt am Donnerstag, den 17. August, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zeuttal-Friedhofes, Friedrichsfclde. 120b In tiejer Trauer Hettack« Schulz geb. Wey mann, Alte Jalobstrahe 147. I SoilaWemoMsclierWalilYErEln dos {6. Berl. Rtttags-WaltrelSES. Tod es- Anzeigen. Am 13. August verstarb unser Genosse, der Uhrmacher Lrnst Kuntze Wiclesstr. 44. Ehre seinem Slndoiike»! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den IS. August, nach. mittags 4'/, Uhr. von der Leichen- Halle deS städtischen Friedhofe». Seestraße, Ecke Müllerslrabe, aus statt._ Am 12. August verstarb unser Genosse, der Kutscher Gustav Falk Dunckerstr. 77. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den lS Aügust. nach- mittag« 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle der Eliasgemeinde, Nieder- Schönhansen, au» statt. Um rege Beteiligung ersucht 30/S Der Vorstand. s SozialüeniokratiSEtiEFWaiilverelD für den 1 Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, datz unser langjähriges Mitglied, der Kasjenbcamte Molk Schulz Alte Jakobstr. 147(Bezirk 237) gestorben ist. Ehre seinem Andenke« k Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 17. August, nachmittags 4 Uhr. von der Leichenhalle d«S Zentral- Fried- hoseS in Friedrichsseide au» statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Allen Freunden, Verwandten und Bekannten die traurige Nach- richt, dag unser lieber Vater, der Krnnkenlontrolleur Paul Kelbel nach langem Lelden verschieden ist. Im Namen der HInterbllebenen zeigt dieS tiejbetrüot an Georg Kelbel. Die Beerdigung findet Mittwoch. nachmittag 4 Uhr von der Halle der ZionS- Gemeinde(Nordend) auS statt. 106b Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Mechamler R-ieäricb Böhling am 12. b MtS. an Rippenfell. entzündung gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 16. August, nach- mittag« 5 Uhr. von der Leichen. balle des Panlower Kirchhofes in Schönholz aus statt. Den Kollegen ferner zur Nach- richt. daß unfer Mitglied, der Dreber Karl Frenzel gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 16. August, nach. mittag« 6 Uhr. von der Leichen. balle des Karlsborster Kirchhofe« in Karlihorst bei Berlin auS statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung wird erwartet. 121/11 Die crlöverwaltnng. Für die vielen Beweise b-rzlich-r Teilnahme fowi« für die trostreichen Worte de« Herrn Dr. Schütte am Sarge unsere» lieben Sohne« und Bruder«, de« Klempner« Hob llans Meißner lagen wir allen Betetllgten unfern Velten Dank. Hm Austrage sämtlicher Trauernden Anna Helftas?. Verband der Schneider und Schneiderinnen. Filiale I. Todesanzeige. Den Mitgliedern geben wir hiennit bekannt, datz der Kollege litolk Schulz am 14. August im Mter von 54 Jahren tnsolge eine» Schlag- ansalle« verstorben ist. Der Verstorben« war einer der Mitbegründer unsere« Verbände« und gehörte schon vom Februar 1686 dem damal» bestehenden Fachverein der Schneider an. AI« eisrigem Förderer de« Zentral- verbände« wurden ihm von der Berliner Mitgliedschast eine Reihe Ehrenämter übertragen; so ge- Hörle er von Begründung de« Berliner Gewerbegertcht« vi» zu seinem Tode diesem als Beisitzer an; der Berliner Gewerkschast«. kommisfion gehört« er bis vor einigen Jahren als Delegierter an und imHauploorstand« unsere« Verbandes hat er einige Jahr« mitgewirkt. Wir verlieren i» dem Verstorbenen einen allzeit eifrigen Mitarbeiter und werden sein An> deuten w Ehren halten. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 17. August, nach- mittag« t Uhr, von der Leichen- halle de» Zcntral-FriedhosS in FricdrichSselde au« statt. 163/15 Ol« Ortsverwaltung. Nach jahrelangem Leide» ver- starb am 12. d. M. unser lang- jähriger Kastenbcamter pstil Kelbel im sünsundsechzlgsten Lebensjahre. Derselbe war stets ein gewissen. hasier und pflichttreuer Beamter, dessen Andenlen wir in Ehren halten werden. 119b Der Vorstand der OrtSkranken- lasse der Maschiuenbauarbetter und verwandten Gewerbe zu Berlin. I. A.: kröne Schuldt, Vorsitzender. Die Beerdigung findet am M Uwoch, den 16. August, nach- mittag« 4 Uhr, von der Halle de« ZlonS> Kirchhofs(Nordend) auS statt.___ Wenunterstlitzungsliiiiiii der Seimeider. Todes- Anzeige. Am Montag, den 14. August. verstarb an den Folgen eine» SchlagansalleS unser erster Bevoll. mächtigter 163/14 Adolf Schulz im Alter von 53 Jahre». Der Verstorbene war Bevoll- mächttgler der hiesigen Fillalr seit dem Jahr« lS!>4'Wir verlieren w ihm einen gewlflenhasten Vor- fitzenden und werden sein Andenken stet« in Ehren hallen. Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 17. August, nachmittag um 4 Uhr von der Leichenball- de» Zentral-FriedhoseS in Frieorichsfelde au« statt. Die OrtSverwaltuug. VerdzinlllergurelliiWe�IIleii OeUgnipp« GroB-Berlin. Den Kollegen zur Kenntnis, datz unser langjähriges Mitglied ]>aul K.clbel Pensionär d. Malchinenbauerkafie) am Sonnabend, den 12. d. MtS., verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 16. August, nach- mittags 4 Uhr. von der Halle de« ZionS.gttedhoseS w Nordend au» statt. 45/11 0lo Ortsverwaltung. Am Sonnabend, den l2. August. verstarb nach langem, schwerem Leiden unser langjähriger Kolleg« Paul Kelbel im sünsundsechzlgsten Lebensjahre. Der Verstorbene war immer ein ausrichtiger und entgegen» kommender Kollege und werden wir sein Andenlen stet» in Ehren hallen. 1186 Dir Beamten der OrtSkranken- lasse der Maschlnenbauarbeiter und verwandten Gewerbe zu Berlin. Danksagung. Für die vielen Beweise der Teil« nähme aus«nlatz der Beerdigung meine» lieben Manne« sage ich allen Freunden und Bekannten herzlichsten Dank. inSbesondeie dem Berein Ber- liner Buchdrucker und Schlittgießer, dem Berliner FaNorenverein und dem Personal der Firma Grüymacher. �uxuste Schölshe und Kinder. 1175 Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unS unser lieber Sohn und Bruder �lax Klepsch am Montag durch Hitzschlag nach kurzem, schwerem Leiden im 10. Lebensjahre entrissen wurde. DieS zeigt betrübt an Familie H. Klepsch, Bodenleger. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle deS Doro- thecnstadt- Kirchhofes, Berlin- Reinickcndorf'West, Scharnweber- straße 12. au« statt. 5240L I Am Sonntag früh verschied nach kurzem Leiden unser Ches Hermann Wutha. Wir werden ihm stet» ein ehrendes Andenlen bewahren. vis Arbeiter der Firma Kantorowlcz& Wuthe. Danksagung. Für die hetzlich« Teilnahme und Kranzspenden bei dem Hinscheiden meine» lieben unveigefilichcn ManneS Karl Fröhlich sage ich allen Freunden und Ver- wandten, sowie dem Verein der freien Gast- und Schankwirte, dem Wahl- verein und dem Gesangverein .Immergrün' meinen herzlichsten Dank. llöb Berta Fröhlich, nebst Kindern. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und Kranzspenden bei dem Hinscheiden meine» lieben, unvergeßlichen ManneS Franz Franke sage ich allen Freunden und Ver» wandten sowie dem Verband der Ge« meinde- und EtaatSarbeiter, den Kollegen de« städt. KohlenplatzeS und der Laubenlolonie KahlSselde meinen innigsten Dank. Wwe. Anna Franke �"o". f III Verwaltung Berlin Stock- und Zelluloid-Arbeiter. DounerStag, den 17. August, adendS« Uhr: ßraneben-Versammlung in den„Rlttersttlcn"(Jnh. Bercht), Ritterstr. 75. TageS-Ordnung! Bericht von den letzten Verhandlungen. 87/4 Freitag, den 18. Angnst 1911, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engclufer IS: Seneral-verlammlung. Extra- Abteilung 1 1. Gesch.: BerlinW., Mohren- 1 Straße 37a(2. Haus von dar j Jerusaterner StraSe). II. Gesch.: Berlin NO., Grolle j Frankfurt. Str. IIS(2. Haus[ von der Andreasslralle). j Sehrgr.Ausw. fert. Kleider, I HQte, Handschuhe, Schleier{ etc. v. einfachsten bis zum 1 hochelegant Genre z.&oQerst j niedrigen Preisen. Sonder-Abteilang; BaOanfcrtigung in 10 bis 12 Stunden. Syphilis-Nachweis in allen frisch, u. veraltet, eweifelhait. FSH. durch wissenschastl. Untersuchung. sosort i deSgl. Harn-(spez. aus Go- norrhoe-Fädcn) u. Gputum-Anulysen. Or. Hornever& Co., Spczial-Ladorat., Friedrichslr. 189, zw. Kronen- und Mohrenstraße), I. 8724. Peti.Rückspr. IHSlr. u. toftenl Geössnet von 8—8 Sonntag» von 12—1.• XEINT-BA»! Man füge zu dem Waschwasser einen Teelöffel voll Lyso- lorm. Las Wasser wird dadurch weich und antdseptisch, ein ausgezeichnetes Mittel zur Teintpflego. Lysofonn ist überall erhältlich(grüne Flasche mit weißer Umhüllung). auf Teilzahlung SpicgcIselirMe Am. S Mk. an ÜEttstEllen„ 4„„ RlEidErscMnke„ S„„ iVErtikows I Riictocliränke„ 5„ etc. eto. Abzahlung 1 Harb. Zinuncr-ElnrlEbtnng Anzahlung 10 1. an| Wohnnngs-Einriehtiing Wittkopp, RosenthalerStrJa -a-vis Neue Schlnhauser St. Haarfärbemittel, unübertroffen, waschecht, Probeftasche 0,60. Winter- seldt, Steglitzcrstraße 25. 165/4 «•fl Soweit der Vorrat reicht werden aue der dleejährlgen Sommer-Saison verkauft: Wunder KtaeffllaMO ru 14°° 1760 2250 28°° 40°° bare KmVwaUlllaS resul., T.:*5,«S, HO. fe U. usw. ifl 8 N« a I zu 8°° II00 2500 38°° J| 3 Q Hl B(S 1 regul s. T.j 25, 36, 60. 85 U. usw. xu 17°° 23°° 23°° 44°° regul. s, T. das Dreifache. Ein Poeten Röcke all4Vln.7,/t iura Aimsii beo Einsepungs- u Prßlungs-Kleider ■In Posten r.übtcher Batlstblusen ZU M. 3'/. tum Aussuchen WESTMANN MohrenstP« 37a(nahe Jerusalemer Strasse) Grosse Frankfurter Str. IIS(nahe Andreaestr.) Neu eingetroffen: Aasgesucht vornehm wirkende Herbst- n. 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Grund- u, Bodenkonto...! i i! 318 409,04 Hinterlegungskonto........ 1 350,— Mvcntarkonto...... 1 251,64 Abschreibung..... 58,05 1 193,59 Kafsakonto........... 779,56 Kautionseffekten......... 400,— Neubauten........... 705,20 Konto f. rückständige Mieten, Pachten usw. a) Mieten...... 230,25 b) Pachten...... 380,68 o) Sonstige Forderungen 281,08 892,01 Summa Mitgltederbewegung Am 31. 3. 1910 Eingetreten bis 31. März 1911. Zusammen ieden am 31. März 1911: >urch Kündigung... 52 Gen. , Uebertragung.. 2, .Tod..... 3. 57 561 260,14 756 Genoffen Ji_. 830 Genossen Summa. 561 260,14 Haftsumme Dieselbe betrug am 31. 3 1910..... 18 144 M. Vermehrte sich im Lause des Jahres um. 408, Beträgt mithin am 31. 3. 1911..... 18 552 M. Geschäftsguthaben Dasselbe betrug am 31. 3. 1910.... 16 869 M. Verringerte sich im Lause des Jahres um. 508, Beträgt somit am 31. 3. 1911..... 16 361 M. Mithin am 31. März Mi..... 773 Genossen flrbcitcr=ßauflcnoffenf(l)aft„(Paradies" zu Berlin. (Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht.) Der Aufsichtsrat: Der Vorstand: Die Revisionskommisston: VI. Peschel, Vorsitzender. G. Dorner, Vors. P. Schiffke. P. Müller. A. Langer. Ch. Schulie. E. Miersch. Fol. Mark 6 Darlebnkonto.......... 43 433,36 9 Gcschästsanteilkonto........ 16361,— 13 Grundftückhypothekenkonto I..... 146 000,— „ n..... 43 755,- 15„. ZmSkonto I... 1 338,30 älssreservesonds......... 158,28 Hypothekenkonto..... 161 975,— davon getilgt..... 2 336,— 159 639,— Konto sür verwaltete Sicherheiten.. 400,— Pslichtspareinlagenkonto...... 80 525— Reseroesondskonto........ 432,31 Schuldverschreibungskonto..... 13 840,— Zinskonto.... 634,40 SparfondSkonto......... 54 165,41 HauShvpotheken-ZinSkonto..... 212,67 Gewinns aldo......... 365,41 Gänfe! Ganse! Mit dem heutigen Tage beginne wieder, wie alljährlich, mit dem Verkauf sämtlicher 114/3 fiänse-Artikel und empfehle täglich frisch in grober Auswahl: Oderbrneber Fellgänse, sowie Gänseblein, Gänselebern, Gänsefleisch, Gänsekeulen usw. Hermann Leißner, Berlin G., Klosterstr. 95, Eckhaus Kaiser- Wilbelm-Str. Zentral-Markthalle: Stand 26. Von'der Reise zurück Dr. Magnus Hirschfeld Nervenarzt. In den Zelten 16. Dr. mi C. S. Eniiel Innere Krankheiten. FrledrichstraBc 4Ä. Laboratorium: Friedrichstratze 125. Reste Musterkupons,.Herbst-Neuheiten" für Anzüge, Kostüme, Meter 3, 4 Mark. Duchlager- Gesellschaft m. b. H. MM�M.d.°P�Ke. r Haben Sie Stoff9 Ich fertige davon Anzug od. Pi nach Ai SSS, schick, datier h. Mumien von 25 Mzrk an. Moritz Lab and, V Nene Promenade 8, U.(StadiL Bon.) Jpreegotd- TKargarine Vom£ uteri Uhr ab 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die'' Hälfte. Ufflfsm JubUäums-Saison Wjährig.Direktion Anton und Donat Herrnselds. 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Jahrgang. 2, Kilagt dcs„ilstniiitts" fiftlinct öulteliliilt. Pittinodj, 16. August 1911. Tagungen der deutschen Arbeitgeberverliände iin Malergeiverbe. Am Sonnabend, Sonntag und Montag tagten in Hamburg internationale und nationale Kongresse der Malermeister sowie die Hauptversammlung der Scharfmacherverbände im Malergewerbe, sämtlich sehr zahlreich besucht, um zu ivichtigen, die Gehilsenschaft interessierenden Fragen Stellmrg zu nehmen. Die seit drei Jahren bestehende„Internationale" beschäftigte sich außer rein gewerblich- technischen Fragen auch mit der «Stellungnahme z n r B e k ä m p f u n g der Bleifarben- gefahren in den verschiedenen Ländern". Diese Frage hat Sekretär Sutherland- Manchester in einem gedruckt vorliegenden„Referat" behandelt. Nach Aufzählung der von den einzelnen Staaten und Regierungen getroffenen Maßnahmen gegen diese Gefahren, die der Verfasser gering einzuschätzen scheint, gelangt er zu der Ansicht, daß das Bleiwciß durch kein anderes Material er« setzt werden könne. Wenn in sogenannten trockenen Ländern die Verwendung von Bleifarben erlaubt sei, könne dies auch in anderen Ländern geschehen. Lägen Gefahren gesundheitlicher Art vor, dann solle man ihnen durch entsprechende Maßnahmen zu begegnen suchen. Obermeister Hansen eisert gegen die Hygieniker und Sozial- Politiker, die keine Ahnung von der Praxis hätten, und beantragt eine gemeinsame Adresse an die Regierungen aller Staaten, in der die Ansicht der„Malermeister aller Länder" niedergelegt werden sollen, uni so eine praktische, den Interessen des Gewerbes Rechnung tragende Lösung zu erzielen. Der Antrag fand Annahme. Die„Bedeutung der internationalen Be- Ziehungen der Malerineisterorganisationen" be- handelt Obermeister Hansen- Hamburg, der eine Parallele zog zwischen den internationalen Beziehungen der Arbeiter,„denen wir den nötigen Lohn zahlen müssen zur Führung ihrer Streiks und Förderung ihrer internationalen sozialistischen Zwecke", und den inter- nationalen Bestrebungen der Arbeitgebervcrbände. Alle Länder hätten gcmcinsanr das Slrebeu nach größerer Leistungsfähigkeit in Industrie, Gewerbe und Handel, und da gebe es viele Bcriihrungs- punkte, wie die Arbeiter,„die Proletarier aller Länder", sich schon lange international vereinigt und erkannt hätten, daß jenseits der Berge auch noch Leute wohnen. Was das syndizierte und ver- trustete Kapital und die Arbeiterorganisationen schon längst getan hätten, müßten auch die Kollegen aller Länder tun. Zur Sicherung deS Völkerfriedens trage es bei. wenn bei Beschlüssen von Handels-, Verkehrs- und Wirtschaftsinteressen die Bedürfnisse des Mittelstandes berücksichtigt würden. Denn nicht allein die Diplomaten und Ar- beiter hätten das Vorrecht, den Frieden uiiter den Völker» anzu- streben.(Lebhafter Beifall bei den ausländische» Delegierten,.von denen über 40 Engländer sind.) Auf dem Allgemeinen Deutschen M a l e r t a g wurde namentlich der K 10 d e S Reich StarifvcrtragcS i n seiner praktischen Handhabung erörtert. Dieser Paragraph be- zweckt die gemeinsame Bekämpfung der Schmutz- tonkurren z. Der Referent. Malermeister»nd Gau« Vorsitzender Stolz- München klagt, daß von beiden Seiten viel gesündigt werde. Als der Rcichstarif abgcschloffeu war, glaubten viele Arbeitgeber, daS goldene Zeitalter sei herangekonnnen. Es werde aber noch geraume Zeit verstreichen bis zur Erfüllung dieser Hoffnungen. ES gebe Arbeiterführer, die die Bekämpfung der Schinnykonkurrenz mitmachten, soweit eS ihren Bestrebungen diene. Ost sei cS schwierig gewesen, eine Verhandlung mit der freien Organisation herbeizusührcn, so daß das Haupttarisamt angerufen werden mußte. Nach der Rechtsprechung höchster Gerichte seien Sperren und Boykotts, wenn sie nicht gegen die guten Sitten ver- stoßen, erlaubte Mittel im wirtschaitlicheu Kampfe. Durch Veröffent- lickning in Zeitungen und Fachblätter» wurde mit Hilfe der Gehilsen-Organisation gegen die Schmutzkonkurrenz vorgegangen. Aus den genannten Gründen feien im 1. Gau 17, im 2. Gau 2, im 3. Gau 40, im 4. Gau 68, im 5. Gau 6 und im 6. Gau 2 Sperren verhängt worden. Die Sperren dürften nicht so spät verhängt werden. Selbst- verständlich müsse in allen Fällen mit großer Gclvisscnhafligkeit Versahren werden. , Auf der Hauptversammlung Deutscher Arbeitgeberverbände im Malergewerbe ivar es die Frage der„Paritätischen Arbeitsnachweise", die stundenlange Debatten auslöste. Der Vorsitzende dieses Verbandes, Kruse- Berlin, verweist auf Z 11 deS ReichStarif- vertrages, nach dem paritätische Arbeitsnachweise„angestrebt" werden sollen. Dieser Paragraph bestehe zu Recht, eS dürfe daran nicht gerüttelt werden. ES seien schon in mehreren Orten solche Arbeitsnachweise zur Einführung gelangt. DaS Wvrtchen„anstreben" sei keine zwingende Verpflichtung. Entsprechend dem An- trage deS GaueS III habe der Vorstands ein Regulativ zu pari- täuschen Arbeitsnachweisen ausgearbeitet, für das die für die Arbeit- geber g ü n st i g st e n Bestimmungen an bestehenden Regulativen herausgesucht seien. Redner erörtert nachstehende Vorschläge über Normen, die für die Errichtung von paritätischen Nachweisen maß- gebend sein sollen: 1. Verwaltung. Im Kuratorium die gleiche Zahl Arbeitgeber wie Arbeitnehmer. Der Vorsitzende soll nach Möglichkeit ein unparteiischer Gewerbe- richter oder eine sonstige Person, die ein öffentliches Amt be- kleidet, sein. Er muß von beiden Parteien gewählt sein. Kommt eine Wahl nicht zustande, so ernennt die Ortsgruppe den Vorsitzenden. Berufung gegen die Wahl eventuell beim Ganlarifamt. Der Vorsitzende hat nur beratende, jedoch keine beschließende Stimme. Wahl der Meisterbeisitzer erfolgt durch die Ortsgruppe, die der Gehilfenbeisiyer durch die Organisationen. Jede Gehilfcnorganiiation am Orte, die den Vertragsparteien angehört, muß im Kuratorium vertreten sein. Kann einer Organi- fation auf Grund des StärkeverhältiiisfeS das Amt eines Beisitzers im Arbeits, lachwciSknratorium nicht zuerteilt werden, so hat die be- treffende Organisation doch daS Recht, einen Vertreter mit beratender Stimme zu den Sitzungen zu delegieren. 2. Vermittlung. Der Sprechmeister(Arbeitsvermittler) wird von der örtlichen Organisation der Arbeitgeber gewählt; ergibt sich die Notwendig- keit, einen zweiten Arbeitsvermittler einstellen zu müssen, so ist die Gehilfeno�ganisation am Platze zu ersuchen, diese Wahl vor- zunehmen. Der Sprechmeistcr(Arbeitsvermittler) führt die Hausordnung und haben sich die Arbeitsuchenden seinen Anordnungen zu fügen. Der Sprechmeister(ArbeitSvermittler) führt Listen, in denen die «rbeiffuchcnden nach ihrer Qualität(mittlere Gehilfen. Jung- gehilfcn, Anstreicher. Dcckenmaler usw.) der Reihe»ach, wie gemeldet, «inzutragen sind. Die ArbottZvernnttelung erfolgt m jeder Kategorie der Reihe nach. Der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, die vom Nachweis ent- sandten Arbeitnehmer einzustellen; er kann dieselben ohne Angabe von Gründen abweisen; dasselbe Recht steht aber auch den Arbeit- nehmern zu. Die Arbeitnehmer haben auf Verlangen dem Sprcchmeister (ArbeitSvermittler) einen Ausweis zu erbringen, daß sie gelernte Malergehilsen oder Hilfsarbeiter(Anstreicher) find. Arbeitnehmer, welche sich zu Arbeiten anbieten, denen sie nicht gewachsen sind, sind dem Arbeitsnachweis zu inelden, und ist der Sprechmeister(ArbeitSvermittler) verpflichtet, diese in einer anderen Arbeitcrkatogorie an letzter Stelle einzutragen. Der Sprechmeister(ArbeitSvermittler) ist berechtigt, auf be- sonderen Wunsch des Arbeitgebers bestimmte Arbeitnehmer außer der Reihe zu verinitteln. Das Umschauen soll im allgemeinen unterbleiben; wird jedoch ausnahmsweise ein Arbeitnehmer ohne Vermittclnng des Arbeits- Nachweises eingestellt, so ist der Arbeitgeber verpflichtet, dieses dem Arbeitsnachweis zu melden, damit der so Eingestellte in die Listen des Arbeitsnachweises eingetragen werden kann. Die Einschreibe- und VermittclungSgebührcn sind trotzdem zu entrichten, und haftet für den richtigen Eingang der Arbeitgeber. K o ft e n. Arbeitgeber wie Arbeitnehmer haben zu gleichen Teilen zu den Kosten beizusteuern. Der Arbeiter hat eine Einschreibegebühr von mindestens 25 Pf., der Arbeitgeber eine VermittelungSgebühr von mindestens 25 Pf. zu entrichten. Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, bei Ueberweisung einer Arbeit den gesamten Betrag(50 Pf.) zu entrichten, der Arbeitgeber ist jedoch verpflichtet, beim ersten Lohn- zahlnngStermin den auf ihn entfallenden Betrag dem Arbeitnehmer zu ersetzen. Unorganisierte Arbeitnehmer zahlen dieselben Einschrcibegebühren wie die Organisierten. Unorganisierte Arbeitgeber haben eine Ver- mittelungsgebühr von mindestens �2 M. vorher zu entrichten. Die Debatte trug einen überwiegend scharfmacherischen Eharakter. — K e i ß l e r- Mannheim erblickt in diesen Arbeitsnachweisen eine Vorschublei st ilng sozialistischer Bestrebungen. L a c r o i x- Karlsruhe betrachtet sogar die städtischen Arbeitsnach- weise mit argwöhnischen Blicken. Die Gehilfcn benutzten die„Pari- lätischen" zur Stärkung ihrer Position. Obermeister R e t t i g- Berlin: Durch ihre größere Gesetzeskenntnis domi- n i e r t c n die Gehilfen in den paritätischen Arbeitsnachweisen und hätten dann die Führung. Die Städte haben die soziale Pflicht, etwas zu schaffen, wir nicht. Warten wir ab, waS bei der Beratung des neuen Reichstarifs herausspringt, aber hüten wir uns vor dem Obligatorium. Elegisch teilt P i e h l- Worms mit, daß in seinem Ort beschlossen worden sei, nur noch organisierte Gehilsen einzu- stellen.„Da ist nichts mehr zu machen." Ein anderer B e r- l i n e r D e l e g i e r t e r rät zur größten Vorsicht, weil die Gehilfen die gesamte ArbeitSvermittelung in die Hand bekommen möchten.— G r o ß m a n n- Hannover: DaZ beste wäre der Anschluß an die städtischen Institute. Verständiger steht Schäfer- Frankfurt a. M. dieser Frage gegenüber. Der„Paritätische" sei hier als„schwarzer Mann" hingestellt worden. Mit Unrecht. Wir sind zufrieden mit unserem Nachweis, der bis zu 600 Stellen monatlich verniittele. Die Hauptsache sei die Verständigung mit den Gehilfen. Mit dem Kopf komme man nicht durch die Wand.— G e l b k c- HildeSheim: Wir haben den„Paritätischen", den ich früher bekämpft habe; jetzt bin ich anderer Meinung. Am besten würde cS sein, wenn alle Gehilfcn Soziali st en wären; init diesen würden wir a m besten fertig, besser als mit den Christlichen und mit den Unorganisierten. Nur durch den obligatorischen, paritätisch geleiteten Nachweis und niit Hilfe der Sozialisten können wir bei Submissionen der Schmutz- konkurrenz begegnen.(Hört! hört!) Ja, daS ist nun einmal so. (Beifall bei einem Teil der Delegierten.) Die Vorschläge werden angenommen. Bei Einführung paritätischer Arbeitsnachweise soll die Einwilligung des H a u p t v o r st a n d e s, der unter Zugrundelegung der Vorschläge das Regulativ für den betreffenden Ort zu prüfen hat, eingehölt werden. Es soll danach hingestrebt werden, daß zu unparteiischen Vor sitzenden der OrtSIarifämter Gewerbegerichtsvorsitzende ernannt werden._ Huö Induftnc und Handel. Die SpirituS-Zeutrale hat die Verkaufspreise für Primasprit zur prompten Lieferung von 52,90 M. auf 58,50 M. erhöht und ihre Angebote auf spätere Lieferung eingestellt. Sie schreibt dazu: Es handelt sich dabei nur um eine Zwischcnmaßregcl angesichts der durch die Dürre auf das Ernsteste bedrohten Kartoffelernte. Der Umfang der kommenden Spiritusproduktion ist völlig ins Un- gewisse gestellt. Es fehlt vorerst noch die Sicherheit, daß die neuen Zufuhren für den Ertrag des nächsten JabreS ausreichen werden. Die Vorsicht gebietet deshalb, bis zur Klärung der Verhältnisse die VerlanfStätigkeit einzuschränken, um, gestützt auf die Vorhände- nen Bestände, die weitere Entwtckelung abzuwarten. Könnten diese Vorräte auch unter normalen Verhältnisseii als beträchtlich angesehen werden, so dürfen sie doch— um der Zentrale als eine Reserve für die ungestörte und gleichmäßige Versorgnng aller ihrer Afr nehmcr im kommenden Jahre zu dienen— jetzt nicht einer Ver ringcrung durch größere spekulative Ankäufe ausgesetzt werden. Von der Festsetzung eines� Abschlagspreises für das nächste Brennjahr hat der GesainlauSschuß bei der ungeklärten Sachlage noch absehen müssen. Der Umstand, daß die PerkaufSpreise vor- läufig eine Erhöhung erfahren haben, bietet keinerlei Maßstab für den kommenden Preisstand. Vielmehr wird die Entscheidung von der ferneren Entwickclnng der Kartoffel» und dem Gutachten des HauptvorstandeS des Verwertnngsverbandes Deutscher Spiritus� fnbrikantcn, außerdem aber von � der Gestaltnug der alljähr lich durch den Bundesrat festzusetzenden Vetrieböbedingungen (Kontingent. DurchschnittSbrand usw.) abhängen. Erst dann wird fich auch beurteilen lassen, ob gesetzliche Maßnahmen zur Er- lcichterung der Produktion überhaupt � wünschenswert erscheinen. Vorerst steht der Gesamtausschuß aus dem Standpunkte, daß das Are» nereigc werbe sich bemühen soll, der Sachlage aus eigenen Mitteln Herr zu werden. DaS ist zweifellos ein Versuchsballon. Die Spirituszentrale hofft wohl, die durch die Dürre geschaffene Situation erfolgreich zu neuen Liebesgabenforderungen ausnutzen zu können, um so die Verluste wieder auszugleichen, die der Schnapsboykott den Schnaps junkern verursacht. � Angesichts der schon recht früh einsetzenden Verteuerung gewinnt auch die Ein- und Ausfuhr von Kartoffeln anS dem An§ lande an Bedeutung. In den Jahren 1907—1910 belief sich die Ein- und Ausfuhr in Doppelzentnern auf: 1907 1903 1009 1910 J Einfuhr... 3 367 118 3 291278 3 466 172 3106 520 Ausfuhr... 1 105 215 1 156 771 1239 993 3054 611 Demnach ergibt sich für daS Jahr 1907 ein U e b e r s ch n ß der Einfuhr über die Ausfuhr von 2 261 903 Doppelzenlnern. Im Jahre 1908 belief sich der Teil der Einfuhr, der dem inländischen Konsum zugeführt wurde, auf 2 137 507 Doppelzentner und im folgenden Jahre auf 2 226 179 Doppelzentner. Im Jahre 1910 trat eine ganz nngewöhnliche Steigerung deS Exports ein, so daß der Uebcrschuß der Einfuhr über die Ausfuhr nur noch 51 909 Doppel- zentner ausmachte._ Nhcinisch-Wcstfälischcs Kohlensyndikat. Aus dem der Zechenbesitzcrvcrsammlung deS Slheinisch-West- fälischen Kohlensyndikats erstatteten Bericht ist folgendes zu ent- nehmen: Der rechnungsmäßige Absatz an Kohlen betrug im Juli 1911 bei 26(im gleichen Monat des Vorjahres 26> Arbeitstagen 5 919 836 (Vorjahr 5 766 832) Tonnen oder arbcitStäglich 227 686(Vorjahr 221 801) Tonnen. Die Förderung stellte sich insgesamt auf 7 331 514(Vorjahr 7 099 410) Tonnen oder arbeitstäglich auf 233 904(Vorjahr� 273 054) Tonnen und im Juni 1911 auf 6 732 315 oder arbeitstäglich auf 288 013 Tonnen. Der Juli hat demnach einen ziemlich bedeutenden Rückgang gegenüber dem Juni gebracht. In der Beiratssitzung, die zusammen mit der Zechenbesitzer« Versammlung stattfand, wurde beschlossen, die bisherigen Preise für Hochofenkoks und Kokskohlen für daS Winterhalbjahr 1911/12 un- verändert bestehen zu lassen. Sodann wurde die Umlage für Kohlenkoks und Briketts für das dritte Vierteljahr 1911 in der bisherigen Höhe festgesetzt. Zu dem Antrage der Gewerkschaft„Deutscher Kaiser" ans Durch- sührung der von ihr beantragten Rechnungslegung des Vorstandes an den Beirat wurde beschlosien, den schon jetzt bestehenden Prü« fungöauSschuß durch einige Mitglieder zu erweitern und ihn zu beausrragcn, die Vorschläge der Gewerkschaft„Deutscher Kaiser" zu prüfen und dem Beirat entsprechende Vorschläge zu machen. In der Zechenbesitzcrversammlung wurden noch die vom Vorstand für den August in Anspruch genommenen BeteiligungSantcile nach- träglich genehmigt und diese für September und Oktober für Kohlen auf 87VzProz.(wie bisher), für Koks auf 65Proz.(wie bisher) und für Briketts auf 80 Proz.(wie bisher) festgesetzt. Eine beantragte Ersatzbenennung zum Beirat wurde genehmigt. DaS Filinmonopol perfekt. DaS vom Zncker-Paaschc geförderte Projekt eines FilmmonopolS scheint perfekt geworden zu sein. Wenigstens läßt darauf ein vertrauliches Rundschreiben schließen, das die öErste internationale Film-Ztg." veröffentlicht. ES richtet sich an die Fabrikanten und stellt die Behauptung auf, die Kapitalisierung der Gesellschaft zur Zentralisiernng deS Filmgeschäfts sei durch- geführt, ein Beauftragter bereits unterwegs, um mit den Fabrikanten Lieferungsverlräge abzuschließen. Das genannte Blatt beruft die Jntereffcnten zu einer Besprechung für Mittwoch, den 16. August, nachmittags 3 Uhr, nach dem Weihcnstephan, Friedrichstraße. Bus der frauenbewecfung« Die„Arbeiterin" kneift. Die„Arbeiterin" faucht den„Vorwärts" an.... Unsere Kritik ihrer Verteidigung der Verlegung katholischer Feiertage auf Sonn- tage durch den Papst hat es ihr angetan. Von keinen Gewissens- skrnpeln beengt, lciignet sie einfach, daß die neue päpstliche Sozial- Politik eine Verbeugung vor kapitalistischen Anforderungen sei. In der Irreführung der Leserinnen schwindelt sie noch mehr. Sie ver- sucht, von der Kernfrage abzulenken, auch die freien Gewerkschaften hätten schon mit Unternehmern über die Aushebung von Feiertagen verhandelt. Warum nicht? Wenn das geschieht bei der Regelung der Arbeitszeit, die tägliche Frondauer ent- sprechend verkürzt wird, läßt sich schon darüber reden. Die Gewerkschaften akzeptieren ja auch die Sonntagsarbeit, soweit sie betriebstechnisch sich notwendig macht. Wenn die„Ar- beiterin" leugnet, daß die Verlegung her Feiertage auf Sonntage ein Geschenk an daS Kapital bedeutet, dann verrät sie eine erstaun- liche Unkenntnis der Verhältnisse oder sie— lügt. Die Frage ist schon seit längerer Zeit in wissenschaftlich-katholischen und zwar auch in bischöflichen Kreisen erörtert worden. Hier stieß die Forderung der Industrie vielfach auf Widerstand. Auch am Erscheinungsort deS katholischen ArbeiterinnenorganS. Wie freie Organisationen sich zu der Feiertagfrage stellen, darüber kann die„Ar- beiterin" sich aus der Geschichte deS Kampfes am PicS- berge Belehrung holen. Die Zechenverwaltnng wollte dort christliche Feiertage abschaffen. Der christliche Bcrgarbeiterverband trat dieserhalb in einen Streik ein. Der alte(freie) Bergarbeiter- verband erklärte mit den Christen und deren Kampfziel sich soli» darisch. Allerdings, nicht aus religiösen Motiven. Er verfocht die Erhaltung der Feiertage aus hygienischen und kulturellen Gründen. Trotz der erwähnten Widerstände hat nun der Papst die Verlegung der Feiertage angeordnet. Das ist jedenfalls arbeiterfeindliche, gewerkschaftliche Arbeit. Ueber den Kern der Sache, soweit die Haltung der„Arbeiterin" dabei in Frage kommt, geht das so- genannte Arbeiterinnenblatt mit Stillschweigen hinweg, es kneift und erklärt keck und kühn, der„Vorwärts" schimpfe. Die„Arbeiterin" hatte nämlich behauptet, der Papst habe darum die Feiertage praktisch abgeschafft, damit die Arbeiter auf diese Weise einen Ausgleich für die kolossale Verteuerung der Lebenshaltung fänden. Darauf hatten wir uns z« bemerken gestattet, daß die Verteuerung der Lebenshaltung eine Folge der ultraniontancn Wirtschaftspolitik sei. Es zeuge mithin von einer herzerhebenden Arbeiterfrcundlichkeit, wenn das Zentrum deni Volke daS Brot verteuere, der Papst dann herkonime»nid den Arbeitern die Arbeitszeit verlängere, damit sie zu teuerem Brot auch länger schuften könnten. Dazu hätte die„Arbeiterin" sich äußern müssen. Sie zieht eS vor zu— kneifen. Womit als bewiesen und eingc- standen betrachtet werden kann, daß daS Zentrum und der Papst eine ganz eigenartige Arbeiterfrcundlichkeit bekundeten. Rassedamen. Zu unserer Notiz unter vorstehender Stichmarle in der Nunimer des„VorivärtS" vom 6. August d. I. schreibt man uns, daß die Zeitschrift„Kolonie und Heimat" ivohl daS Organ des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgeiellickiaft sei, daß der Frauen- bund jedoch lediglich und ganz ausschließlich nur für diejenigen Artikel verantwortlich sei, die unter der Ucberschrift:„Mitteilungen deS Frauenbundes der Deutschen Kolonialgcscllschast" erscheinen. Im übrigen habe der Frauenbund, der sich mit politischen und religiösen Fragen absolut nicht befasse, keinerlei Einfluß auf die sonst in„Kolonie und Heimat" erscheinenden Artikel. Der Frauen- bund habe deswegen auch nichts mit dem erwähnten Artikel im „Berliner Tageblatt' vom 23. Juli d. I. zu tun. Für diesen ist lediglich die Redaktion„Kolonie und Heimat" verantwortlich. DZ a 6 e rst an d S< Nfbn«j, keil Extrakt. Wtll- »tr.70;7 1.LIef.».Iu«.S«n-ColIs«.W.6,8 Bad Frankfnrt, Gr.Frkft.Str. 136. Lieferant sämtl. Krankenkassen AdlershoferBäckereLH. ZagvanL Arnold Beuster'n ■ Landbrotfabrik■ Alt-Gl!enlcke bei Berlin Llcforaag fjtl Iis», Bsrli»». l'ingrg. Max Backer, r.anilerstr. 36. Wilb. Behrend, Manteuf felatr. 99. Bäckerei und Konditorei Wilh. Toerllti, ätariannenatr. 5. ftmll Beyer, Thornerstr. 6. Brotfabrik E. zum Bruch, Tegel, ßchulstr. 1 Buehl& Sohn, KU? Willy Delor, Prenzlauer Allee 42. Hermann Carl, Kixdf., Ueraianislr. 231 Herrn. Eder, Schonenschestr, 1 ES Engel's Landbrot| i-: Heinersdorfer Mühle:-i Yerklistell.iKoIoDicst.g. Rode» bergst 2. LHdsrilzst. 5 5, Schirelbeiiersl. 41, Sirine- niiidentr. 48, Pankow, Plersstr, 80. Willi.EBgelw.ÄÄ,4 Verkauf in Milchgeschäften Borlins. Bekmat gegcM». d. Plakale. Gustav Fenske, Elbingcrstr. 90. Ciacher, Görhtzcrstr. 55. T Fiikeiuleiosir. 20, KSpeoicterstr. 172 H e go Kranken«) ein, Soldincrstr. 63 Liieeli.Krartijroi,Yi9lI.pram.u.«nil.enpr Ferotiia AIIeinig.Fabr. Gebr.Hagen Nchf. Max Hagen, Dalldorferstr. 16. I FpitSpflP Bo:ihg.1N.ß.ilinhof8t9. 1, Ii llüi.io O. Kronprinzenstr. 13. Gaecicke's Bäckerei Ober- n. Niederschöneweide Karlshorst, Baumschulenweg. W. Gerlaeh, Schüncbj. Scdaastr. 6/7. WaldemarGeske, Treptow, Eljenslr.38. Gonsior, Graetzatr. 66 n. 57. Alfred Graf, Beusselstr. 24. Karl Giesmann, Wittstockstr. 7. H. GlOtk.Wilhelmshavenerstr. 51. Angnst Hühner, Sehwedterstr.52. Angust Haudt, Cöpenick. US 7S Ge»chdfte | in allen Stadtteilen Berlins| und in Rixdorf. ftegründ et 189«. Herberg'g?hu1, Ämsisrd.-Fir. 29. VtrechtcrLtr.17. Burgdorkstr. 14. Osesr Hildedrsndt, Langestr.LS Ü!t«!str.13. Schved.- ! Zj is! M vs St.19.8oldiner8t.30, UlniUtjJjJZEl Reinickend.-St, 1 18 AugQKt Kuumiclg Pankstr, 46. Mml Köpsnidi Gcschäfto in allen Staditeilen. L. Klerzkowskl, Wichertstr. 6 Killca-GroBbäckerct. Boßestr. 8. H Krause, TegtlerMr. 32>. Trlftstr. 43. Carl Laudabn, Weberstr. 30. Landbrot» Großbäckerei O. Senf, Nehf. Krug, Waldstr. 4 Hermann Lebelt, Hussittenstr.gS Alfred Lier, Wielefstr. 38. llMterser»tirik ä Rieh. Liebenow llixdorf, Bergstr. 143 ätrotfabrik. Filialen In allen Stadtteilen. Ubertmanlhcy, Falkensteinstr.l?.' E, Marth», Gleimstr. 55. Noilweide's bew. Bätkerel BadFriedridisbaln.lsodBbAIInlSl Gfinzels Bade- Anstalt, Bneieutr. 126, Badeanstalt, Hasenheide 18. H o hennta irf an-Ba d-Gelusuts Am NoUendorf-Wintorfeldplatt. BSraen-Bad, Dlrckienstr. 54 Am Hackeschen Markt. Lieleraat aller Kassen. Iffland-Bad, Marsüiusstr. 9. Junobrunnen-Bad Baumsch uion wog, Klofbolisir. 177/76 Kur-Bad, Pelenborgerst 64, Lief.-Kr. Kaiser Friedrichs Bad. Chsrl.s.Bkf. Köpenicker Bad, Köpenick-St.176 ||[|||B-Antalt„LÖ8er" _ Rosentalerstr. 70. Kuranstalt M. Schulz Elsssserstr. 71 äbr. I. Assistent d. ehemals weltberühmt. Jakob! Heilanstalt BV Pflanzenhell verfahren-WD Atteste von Geheilten. Röhn's Samariter-Bad Franks. Alle, 32. Rigaerstr. 39. Bad„Meyers" Hot, Ackerstr. 13t. MaHenbad, Chausseestr. 42. National-Bad, Brunnenstr. 9. Neander-Bad, Noanderstr. 12. Neptun-Bad, ScbeabsBHr-AUes 164. BOO Nora-Ost Lis�Ä.tK. Bad Ostend M � Ost-Bad, Palllsadenstr. 76. Bad Pankow, WoIIankstr. 26. Passage- Bad S2Ä Prinzen-Bad, Prinsenstr. 41. Reform-Bad, Wiener Str. 65. RöM-Bad Russ.-röm. Bad, Stephanstr. 40. Schiller-Bad fesv Schönhauser Bad, Sehüst. Allee 23. Cl■} a e i-H-Bad a w na■■ 0 1 1 C S 1 9 Schleaische Str. 31. Spandau er Bad, Neuendorf. Str. 96 "IKlovia- Bad Span v; Kottbuser Damm 75 FpledrichWilhelmsbad Chausseestr. 87. Viktoria- Bad, BBiiunels))..rr.-ill�Kft. Dresdenerst. 97, Blflcherstr. 11 Reichenbergerstr. 18 u. westl. Vororte. Vorzugspreise. luntrock, W. Dünkler, Otto, 11 Filialen. Ä.Däfferitz,goÄÄ Fistlier. Erost �r�- CarlFranke?."� Fried. Göseke, 7 Filialen. | F. Hagen 22'SS:| WWmMWW>nWWWn�mWn»P»WWsH Verkaufsstellen. August Holtz Säfte. Hoffmann.R. ,Ober-Schönewcide. 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Der unbekannte Tote ist 1,70 Meter groß, hat dunkles Haar und Schnurrbart und trug einen dunkelgrauen gestreiften Jakettanzug, ein dlaurotweitz gestreiftes Hemd und Sab datenschnürstiefel. Jugendspiele. Die vom Berliner Jugendausschuh veranstalteten Spiele auf dem Exerzierplatz finden bis auf weiteres nicht statt. DachstuhlbrLnde ohne Ende. In der letzten Zeit häufen sich in Berlin und den Vororten Dachstuhlbrände in erschreckender Weise. Gestern nachmittag brachen kurz hintereinander in der Gleditsch- strahe 30 und in der Goltzstr. 30 wieder zwei große Dachstuhlbrände aus. An der ersten Stelle ging der Dachstuhl des Vorderhauses in Flammen auf. Auf mehrfachen Alarm rückten die Schöneberger und die Berliner Feuerwehr an. Da das Feuer schon weit vor- geschritten war, griffen beide-Feuerwehren mit vereinten Kräften ein. Die Schöneberger Wehr nahm drei Schlauchleitungen und die Berliner Wehr zwei Rohre vor. Gute Dienste leistete hier die Pittlerpumpe, die ber der Schöneberger Feuerwehr probe- weise eingestellt ist. Nach einstllndiger Lölchtätigkeit konnte die Gefahr als beseitigt gelten. Der Dachstuhl ist größtenteils zerstört. Bei den Löscharbeiten hatten die Mannschaften sehr unter der Verqualmung zu leiden, da der herrschende Wind die Rauch Wolken in den Hof hinabdrückte. In der Goltzstraße stand der Dachstuhl eines Seitenflügels in Flammen. Auch hier mußte die Schöneberger Feuerwehr mit drei Rohren vorgehen, um den Brand einzudämmen. Die vollständige Ablöschung und die Aufräumungs- arbeiten zogen sich mehrere Stunden hin..lieber die Ursache beider Brände konnte nichts festgestellt werden. Lei dem Sommerfest der 7. und 8. Abteilung des VI. Kreises im Insel-Restaurant, Plötzensee, ist eine Ledertasche, enthaltend einen blauen Monteuranzug und einen Zollstock, verloren gegangen. Der Finder wird gebeten, obiges bei Paersch, Oldenburger Straße 10, abzugeben. Zeugen gesucht. Die beiden Arbeiter, welche am Sonnabend, den 5. d. M., von Johannisthal kommend auf dem Bahnhof Pape- straße um 12.15 Uhr ausstiegen und von denen einer ein Renkonter mit einem Beamten hatte, werden gebeten, ihre Adresse an P. Nickel, Rixdorf, Bergstr. 58, zu senden. Vorort-JVacbiicbteih Pankow. Das hiesige OrtSblättchen, die.Neue Vorortzeiwng�, die nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch ihres früheren Verlegers Hinrichfen im Frühjahr dieses Jahres bereits ihr Erscheinen ein» gestellt, dann aber wieder mit Ach und Krach von den Verlagsnach- folgern am Leben erhalten wurde, scheint fich's zur besonderen Auf- gäbe gemacht zu haben, seinen im übrigen recht dürftigen Inhalt neben eifriger Pflege hiesigen OrtS- und VereinSklaifcheS für die Pankower Spießer auch dadurch genießbarer zu machen, daß es bei jeder paffenden und unpassenden Gelegenheit sich an der Sozialdemokratie zu reiben trachtet. Bald ist eS unsere Partei im allgemeinen, bald der .Vorwärts" oder unsere Gcnoffen in der Gemeindevertretung usw. im besonderen, die das Blättchen glaubt anrempeln und beschimpien zu müffen. So bietet ihm auch die letzthin in Nr. 153 de?»Vor- wärtS" gebrachte Notiz über die unhaltbaren Zustände im hiesigen Nachtsanitätsdienst wiederum Anlaß, in einer fulminanten Schimpf- epistel sich mit der sehr berechtigten Kritik des.Vorwärts" zu be- fchäfttgen. Soweit das Geschwafel sachlich sein soll, ver- lohnt es sich nicht darauf einzugehen. Bemerkt sei nur, daß der vom„Vorwärts" gerügte Mißstand selbstverständlich be- schönigt und in der Ordnung befunden wird. Auch könnte man— wie bisher stets— angesichts der Bedeutungslosigkeit der Auslaffungen der.Neuen Vorortzeitung" für die Oeffentlichkeit deren geistloses Gebelfer ruhig hingehest laffen, wenn dem„Vor- wärtS" darin unter anderem nicht der Rat erteilt würde:.er solle nur seine Nase in seine sozialdemokratischen Krankenkaffen hinein- stecken. Dieser Ratschlag nimmt sich gerade bei der.Neuen Vorort- zeitung" recht sonderbar auS, unter deren früheren ge- schäftlichen Leitung es mit der Erfüllung der Verpflichtungen gegenüber der zuständigen OrtS- krankenkasse herzlich schlecht bestellt war. Wir ver- zichten auf ein näheres Eingehen auf Einzelheiten und wollen nur bemerken, daß eS für da» Blätichen ratsanier gewesen wäre, aus seinem GlaShause nicht mit Steinen zu werfen. Und das ist dasselbe Blättchen, das fortgesetzt die Arbeiterschaft und im vorliegenden Falle auch die„sozialdemokratischen Krankenkaffen" begeifert. Bedauerlich ist nur, daß dasselbe immer noch einen Teil der von ihm ständig beschimpften Arbeiter zu seinem Leserkreise zählen darf. Für unsere Parteigenoffen in Pankow ergibt sich hieraus die dringende Verpflichtung, mit aller Energie dafür zu agitieren, daß im Haufe jedes Pankower Arbeiters die Arbeiterpresse gelesen und Blättern vom Schlage der„Neuen Vorortzeitung' ein für allemal die Tür gewiesen wird. Schöneberg. Folgende Gegenstände sind von den Ferienkolonisten verloren worden und von Frau M.Böhm, Goltzstr. 26, abzuholen: «ine Müye, eine Kanne, ein Becher, ein Schlüstel, eine Knaben- und eine MädÄenschürze, zwei Broschen, ein Paar Handschuhe. Dagegen ist ein in der Straßenbahn verloren gegangener Rucksack noch nicht abgeliefert worden und möge dies umgcheud geschehen. Die Schulferien sind bis Freitag verlängert worden. Sollte es dann noch heiß sein, werden weitere drei Tage zugegeben. Diese Nachricht erregte bei den Kindern, die nach den Ferien daS erstemal die Schule wieder besuchten, ungeheure» Jubel, und freudig wanderte alles wieder heim. Grünau. Recht miserable Zustände sind seit einiger Zeit auf dem hiesigen Bahnhof eingerissen. Zwischen 4 bis 6 Uhr nachmittags ist der Verkehr so stark geworden, daß die Bahnverwaltung auf der Gör- litzer Bahn sowie auf der Stadtbahn durch Einlegung einiger Zuge diesem Rechnung getragen hat. Beim Verlassen der stets vollbesetzten Züge staut sich an der Bahnhofsperre das Publikum dermaßen an. daß Leute, welche nach dem Bahnsteig wollen, warten müssen, bis sich die Menge verlaufen hat. Dadurch passiert es tag- lich Dutzenden von Reisenden, daß sie den für sie in Betracht kommenden Zug versäumen und auf den nächsten warten müssen. Dem könnte leicht abgeholfen weroen, wenn für verkehrsreiche Zeiten der Zugang zur Stadtbahn sowohl wie der Görlitzer Bahn freigegeben würde. Es ist dringend notwendig, daß die Eisenbahn- Verwaltung diesem Mißstand abhilft. Ein anderer Verkehrsmißstand versetzt nicht nur die Einwohner von Grünau in Aufregung, sondern bringt auch sämtliche Aus- flügler in Zorn, die nach dem hiesigen Freibad wollen. Der Weg dorthin befindet sich jetzt infolge der anhaltenden Regenlosigkeit von dem Forsthaus Steinbinde an in einem Zustand, der jeder Be- Verantwortlicher Redakteur: Richard Barth, Berlin. Für den schreibung spottet. Namentlich bei dem starken SonnkaaSverkehr entwickelt sich ein solcher Staub, daß alles wie in eine Wolke gehüllt erscheint. Und dann noch die Automobile----. Wer das zweifelhafte Vergnügen hat, diesen Weg zurückzulegen, und das sind Sonn- tags viele Tausende, der hat von der„Großstadtlunge" dermaßen genug, daß er sich besinnt, ob er sich das„Vergnügen" noch einmal leisten soll. Hier würde eine tägliche mehrmalige Sprengung sehr am Platze sein, was dem Verkehr sicher nur sehr förderlich sein würde. Weißensee« Die Uferpromenade um den Weißen See ist fast fersig hergerichtet bis auf den Teil vor den Lokalen der Besitzer Pastorino und Heerdt, wo die Spaziergänger besondere Aufmerksamkeit an- wenden müssen, um nicht Gefahr zu laufen, zu verunglücken. Alle Welt glaubt, an dieser Stelle sei der Gemeinde das Geld für die weitere Regulierung ausgegangen. Die Sache liegt aber so, daß gerade die beiden Lokalinhaber der Gemeinde Schwierigkeiten be- reiten. Der Besitzer Heerdt hat eine einstweilige Verfügung des Landgerichts erwirkt, wonach die Gemeinde eine Strafe von 500 M. täglich zu zahlen hat, wenn der jetzige Zustand geändert wird, eben- so liegen die Verhältnisse bei dem Nachbar Pastorino; hier ist die Gemeinde bereits mit 1000 M. in Strafe genommen und ist richter- liche Entscheidung beantragt. Eine Kommission unter Leitung des Bürgermeisters verhandelte vor kurzem mit dem Besitzer des Lokals „Seeterraffe" Herrn Heerdt, er möge gestatten, vor seinem Grund- stück die Promenade zu planieren, um Unglücksfälle zu vermeiden. Diese einfache Arbeit verweigerte er rundweg mit den Worten: „Da hat ja Keener nischt»ich zu loofen!" Die letzte Gemeinde- Vertretersitzung befaßte sich mit der Angelegenheit und beschloß ein- stimmig, Klage gegen die einstweilige Verfügung zu erheben.— Der Gemeindevertreter Laugsch besitzt ebenfalls ein Grundstück am See. Dieser Herr hat sich noch ein ganz besonderes „Entgegenkommen" geleistet, er hat einfach die Gemeinde verklagt, die Promenade vor seinem Grundstück zu beseittgen und den allen 'ustand wieder herzustellen. Herr Langsch will also den von der iemeinde beseitigten Morast, Schutt und Müll, alte? Gestrüpp, Kletten und dergleichen mehr auf fein Grundstück zurück haben. Da aber photographische Aufnahmen über diese ehemalige Wildnis fehlen, so muß die Gemeinde erst daS Gericht entscheiden laffen. waS die Vertretung ebenfalls einstimmig mit Ruhe entgegensieht. Herr Laugsch mußte während dieser Verhandlung abtreten, so daß er die Schmeichelworte, die die Vertreter aller Parteien für ihn übrig hatten, leider nicht hören konnte. Im übrigen ist noch zu erwähnen, daß die Uferpromenade auf ehe- maligem Seegelände angelegt ist, welches durch das Zurücktreten des Sees sich gebildet hat und der See ist durch den Ankauf des Schloßgrundstückes Eigentum der Gemeinde geworden; die erwähnten Herren icheinen in dem Glauben zu leben, ihre Grundstücke haben keine Grenzen. Lankwitz. Bei der Beerdigung des Genoffen Hampel am letzten Dienstag erregte das Benehmen des Totengräbers Walter großen Unwillen bei den Leidtragenden. Nachdem der Gesang verklungen war, wurde der Sarg in die Gruft gesenkt. Wie daS auf den Kirchhöfen bei Beerdigungen geht, drängte sich auch eine Anzahl Kirchhofsbesucher. die verschiedentlich mit Schürzen angetan waren, in die Nähe der Gruft. Diese fuhr der genannte Herr Walter mit den Worten an: „Schert Euch nach Hause I Stoppt Strümpfe, kocht Kaffee!" Diese Worte stieß der Herr mit einem Stimmenoufwand hervor, daß alle Teilnehmer der Trauerfeier ob dieser Störung des Traueraktes empört waren und den Herrn zurechtwiesen. ES ist gewiß unschicklich, wenn bei Beerdigungen sich Neugierige an der Gruft einfinden, die mit dem Toten in gar keiner Berührung gestanden haben, aber noch mehr zu verurteilen ist das Betragen des Totengräbers. Der Mann benahm sich auch sonst wenig einwandfrei. Weil er eS unterlassen hatte, der Witwe die Nummer des Grabes zu verkünden, wurde er von anderer Seite aus seine Pflicht aufmerksam gemacht, der er dann allerding« in recht anfechtbarer Weise nachkam. Die Teilnehmer der Beerdtgung machten sich über das Benehmen des Herrn ihre eigenen Gedanken. insbesondere darüber, daß die Kirchenbehörde einem Mann mit der- artigem takl- und pietätlosen Betragen das Amt eines Kirchhofs- Verwesers überträgt. Die Verantwortung für die den Trauernden zuteil werdende Behandlung kann die Kirchenbchörde nicht abwälzen. Der Kirche wird dadurch recht geschadet. Mancher, der noch der Kirche angehört, wird derselben nach solchen Vorkommnissen baldigst den Rücken kehren. Die Gemeinde Lankwitz sollte aber sobald als möglich ihre Verpflichtung erfüllen und einen eigenen Gemeinde- Friedhof errichten, damit nicht die Gemeindeangehörigen einer kirch- lichen Religionsgemeinschaft willenlos ausgeliefert werden. Oranienburg. Der Srllistmord eines Schülers der Gärtner-Lehranstalt ruft hier großes Aufsehen hervor. Der 18jährige Gartenbauschüler Krüger, der Sohn eines Berliner Beamten, war Kassierer des von Schülern der Lehranstalt gegründeten Vereins„Pomona" und versah dieses Amt schon seit einem Jahre in gewissenhaftester Weise. Bei der letzten am vergangenen Sonnabend vorgenommenen Revision der Kasse wurde jedoch ein Fehlbetrag in Höhe von 45 M. entdeckt. der sich aus von den VereinSmitgliedern gezahlten Strafgeldern zusammensetzt. K. hat die Gelder auch eingezogen, sie jedoch nicht der Kasse zugeführt. Obwohl eS ihm eine Leichtigkeit gewesen wäre, sich das fehlende Geld sofort zu verschaffen und obwohl ihm seine Kameraden, die den äußerst tüchtigen und liebenswürdigen junge» Mann nicht die geringsten Schwierigkeiten gemacht hätten, geriet Krüger in eine derartige Bestürzung und Auf- regung, daß er aus Scham seinem Leben ein Ende zu machen be- schloß. Der junge Mann verschaffte sich einen Revolver und schoß sich in der Nacht zum Montag eine Kugel in das Herz, die seinen sofortigen Tod herbeiführte. Am Montag früh wurde die Leiche hinter der Gärtner-Lehranstalt aufgefunden. Der Fehlbetrag ist un- verzüglich von de» Angehörigen deS Verstorbenen gedeckt worden. Das Fehlen des Geldes ist weniger auf ein beabsichligteS Vergehen des Krüger, als vielmehr wohl darauf zurückzuführen, daß er in etwas zu sorgloser Weise daS VereinSgeld auS Bequemlichkeit mit seinem Taschengelde vermischt und dann ausgegeben hat. da er ja den Betrag jederzeit sofort ersetzen zu könneil glaubte. Nowatves. Eisenbahnminister kontra Gemeinde. Als eS der Gemeindever» tretung vor etwa einem halben Jahre bei den Verhandlungen über die Eisenbahnböherlegung gelungen war. auch die Unterführungen in dem gewünschten Sinne vertraglich festzulegen, da glaubte man allgemein den schwierigsten Streitpunkt deS großzügigen Projekte» beseitigt zu haben. Doch diese Annahme war eine trügerische. Der Eisenbahnminister hat dieser Tage der Gemeinde mitgeteilt, daß die ursprünglich im Zuge der jetzigen Bergstraße gedachte Unterführung wegfällt und dafür an anderer Stelle, etwa 50 Meter weiter nach dem Bahnhof hin, eine solche zur Ausführung kommen soll. Diese plötzliche Aenderung dürfte den schärfsten Protest der Gemeindevertretung herausfordern, die seinerzeit einstimmig be- schloß, an der Unlersührung im Zuge der Bergstraße unbedingt fest- zuhalten. Es bat den Anschein, als ob diese Abweichung von dem Vertrage lediglich mit Rücksicht auf die WahNlNg von Privat« interessen bedingt ist. denn die Firma Adolf Pilsch würde nach Verlegung der Bergstraße in die Lage gesetzt sein, ihren jetzt getrennten Grundbesitz zu einem ganzen zu vereinigen. Daß die Firma den stir die geplante neue Straße notwendigen Grund und Boden als Acquivalent hergeben will, ändert an der bedauer« lichen Tatsache nichts. DaS Verhalten deS Eisenbahnministers er- scheint um so unverständlicher, als durch die geplante Verlegung zwei dicht nebeneinander laufende Straßen geschaffen würden, was doch völlig zwecklos wäre. Ein neues Freibad. Der in diesem Jahre infolge der andauernden Hitze sich besonders fühlbar machende Mangel an ausreichender Bade gelegenheit hat die Einwohiterschast zur Selbsthilfe veranlaßt. Am Havelufer, in der Nähe der Nuthemündung, hat sie sich ein Freibad geschaffen, dessen Frequenz von Tag zu Tag im Steigen begriffen ist. Am letzten Sonntag soll das Bad von etwa 3000 Pertonen besucht gewesen sein. Bedauerlicherweise ist das Freibad am Montagabend von der Polizei ausgehoben worden, da die Pächter der Wielen bei der Behörde dieserhalb vorstellig wurden. Der starke Besuch des BadeS dürste ein Beweis sein, wie berechtigt die hauptsächlich seitens der Arbeiterschaft seit Jahren erhobene Forderung nach Schaffung einer größeren, allen Ansprüchen der Neuzeit entsprechenden Bade- anstalt ist. ES muß die schwersten Bedenken erregen, wenn ein Ort mit 25000 Einwohnern und von ausgesprochen industriellem Eharakter sich mit einer Privatanstalt mit wenigen Wannen- und Brausebädern sowie einer höchst priinit'ven Flußbadeanstalt, die wegen der chronischen Versumpfung eher eine Gefahr in gesundheit- sicher Beziehung bedeutet, begnügen muß. Vielleicht sieht sich die Gemeinde nun veranlaßt, die Frage der Errichtung einer neuen großen Flußbadeanstalt etwas näher ins Auge zu fassen. Unüber- windlich sind die Schwierigkeiten nicht, die sich der Verwirklichung des ProjeltS entgegenstellen Versammlungen. Der neue Tarifvertrag für die Musterbranche der Tamenkon« fektion. Wie wir bereits in Nr. 181 des„Vorwärts" kurz berichte- ten, ist für die Musterbranche der Damenkonfektion ein neuer Ta- rifvertrag zustande gekommen. Am Montag hielten die Schneider und Schneiderinnen der Musterkonfektion eine gut besuchte Ber- sammlung ab, um über Annahme oder Ablehnung des Tarifs zu entscheiden. Der Vertrauensmann der Branche berichtete über den Verlauf und das Ergebnis der Verhandlungen, die am Donnerstag der borvorigen Woche zum Abschluß gekommen waren. Die Löhne find in dem neuen Tarifvertrag im allgemeinen so festgesetzt, wie sie gefordert wurden. Die Arbeitgeber verlangten jedoch, daß bei Neueinstellungen eine bestimmte Probezeit festgesetzt werde, che sie gezwungen sein sollten, dem betreffenden Gesellen oder Büglcr den Minimallohn zu zahlen. Man einigte sich in dieser Hinsicht dahin, daß den Gesellen bei dem ersten Stück Arbeit 5 M. Tagelohn gezahlt werden kann, während jedoch bei Weiterbeschüstigung des Gesellen der tarifmäßige Wochenlohn, auch für die Probearbeit, gezahlt werden muß, der in der 1. Tarifflasse 40 M., in der 2. Klasse 36 M. beträgt. Den Büglern kann unter derselben Vor- auSsetzung in den ersten drei Tagen 5,50 M. Tagelohn gezahlt we» den, während ihr Wochenlohn auf 40 M. in der ersten, auf 38 M. in der zweiten Klasse bemessen ist. Für Anfänger, die auS anderen Branchen übertreten, ist der Lohn in den beiden Klassen auf 33 M. und 30 M. festgesetzt; in der ersten Woche können 50 Pf. die Stunde gezahlt werden, aber nach vier Wochen der Beschäftigung muß der Mindestlohn für Gesellen in Kraft treten. Für selbständige Kostüm-, Jackett- und Paletotaöbeiterinnen und ebenso für perfekte Ver- schnürerinnen und für die Stepperinnen ist der Wochenlohn in den beiden Klassen auf 28 und 26 M. festgesetzt, für Rockarbeiterinnen auf 26 M. und 24 M., und für Zuarbeiterinnen nach zweijähriger Tätigkeit im Beruf auf 18 M. Für Ueberzeitarbeit werden in den ersten 2 Stunden 33 Proz., danach sowie für SonntagSarbeit 100 Prozent Aufschlag gezahlt. Die Arbeitszeit ist täglich 0 Stunden. an den Sonnabenden sowie am Tage vor den Feiertagen für Ar- beiter 8, für Arbeiterinnen 7 Stunden. Die im Tarif festgefetzten Löhn« gelten selbstverständlich als Mindestlöhne. Wo bereits bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen als die des Tarifs bestehen, dürfen sie nicht verschlechtert werden. Zutaten und Arbeitsgeräte werden vom Arbeitgeber geliefert. Als Dauer des Tarifvertrages hatten die Arbeiter zwei Jahre vorgeschlagen, die Arbeitgeber wünschten vier Jahre, man einigte sich auf drei Jahre. Zur Schlichtufffz von Streitigleiten au» dem Tarifvertrag wird ein Schiedsgericht au» je zwei Vertretern der beiden Parteien mit einem unpartei- ifchen Vorsitzenden eingesetzt, und als Berufungsinstanz gilt das EinigungSamt des GewerbegerichtS. Der Tarif ist in den Werk- statten sichtbar auszuhängen. Gegenüber dem alten, vor 5 Jahren abgeschlossenen Tarifver- trag sind die Wochenlöhne um 4 bis 6 M. erhöht. Der neue Tarif wird"zwischen dem Schneidervevbond und dem Verband selbftändi- ger Meister des Damenschneidergewerbes abgeschlossen, wohingegen der alte vom Schneidcrverband mit den einzelnen Firmen verein- bart worden war. ES ist somit zu erwarten, daß daS Tarifver- hältniS nur auf eine weit größere Anzahl von Firmen ausgedehnt wird. Die nicht organisierten Arbeitgeber werden selbstverständlich auch zur Anerkennung des Tarifs veranlaßt werden. Daß der neue Tarifvertrag in vellem Umfange allgemeine Geltung erhält, hängt natürlich hauptsächlich davon ab, daß die Arbeiter und Arbeiterinnen ihre ganze Kraft dafür einsetzen und treu zu ihrer Organisation halten.— Die Versammlung erklärte sich, obwohl in der regen Diskussion namentlich gegen die lange Tarifdauer Bedenken er- hoben wurden, mit dem neuen Vertrag einverstanden. Tarifbewcgnng der Kisten- und Koffermacher. Der jetzige Tarif läuft am 31. Zlugust d. I. ab. Die Fabrikanten waren gewillt, mit der Organisation in Verhandlungen zu treten, doch stellten sie der- artige Bedingungen, daß die Kommission der Arbeiter nicht darauf eingehen könnt«. Die Verhandlungen sollten bis 15. Oktober hin» gezogen werden. Die Kommission erklärte, daß wenn der Vertrag am 31. August nicht abgeschlossen sei. die Arbeiter die Konsequenzen daraus ziehen würden. Dies Ergebnis teilte der Obmann der Kommission in einer am Montag abgehaltenen und sehr stark bo- suchten Versammlung mit. Die Stimmung der Arbeiter in der Versammlung ließ keinen Zweifel darüber, daß sie die Sache nicht bis zum 15. Oktober verschleppen lassen würden. Die Fabrikanten hätten Zeit genug gehabt, ihren Entwurf auszuarbeiten. Die Versammlung beschloß einstimmig, daß der Vertrag am 31. August abgeschlossen sein müsse, andernfalls würden die Arbeiter die Konsequenzen ziehen.__ Eingegangene Druchfchnften. Jahresbericht der Landesorganisation und der drei sozial- demokratischen Bereine in Hamburg 1S10/11. 102 S. E. Tubber, Hämburg. Jahresberichte 1910/11 der sozialdemokratischen Partei- orgnnisationen im Bezirke des Herzogtums Braunschweig, bö S. Ricke u. Co., Brannschweig. Dir Neugestaltung unserer kolonialen Aufgaben von Tr. M. I. Bonn. 1 M. I. C. v. Mohr, Tübingen. Marktpreise von Berlin am 14. August 1911, nach Ermlttelimg deS Königltchen PoUzcwiäsidiums. Marllballeuvreise. tKleinbandel.) lOO Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen 36.00— 50,00. Speis ebobnen, «eitz«. 30,00-50.00. Linien 20.00- 60,00. Kartoffeln 11,00-16,00. 1 Kilo. gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch. Bauchfleisch t.20 bi« 1,70. Schweinefleisch 1,20—1,80. Kalbfleilch 1,30- 2,40. Hammelfleisch 1.50—2.30. Butter 2,20—2,80. 60 Stück Eier 3.00—5,20. 1 Kilogramm Karpfen 1,40—2,40. Aale 1,60- 3,20. Zander 1,60-3,60. Hechte 1.40 bi« 2.80. Barsche 1,00-2,00. Schleie 1,40—3,50. Bleie 0,60-1,60. 60 Stück Krebse 8,00-36,00.__ _ I!?ttterunqsji«>ersted» vom 15. August 1911._ Gtattoiuä || z eittrt StDtnctndt 754 38 öambirr g, 7 57 NNW derlir j 756 NW Ar.mfloM 760 NO München j760$S Dien 75? W 3 bedeckt 6 wölkst »>> Prf 2 wolkig 4 bald bb. 4 halb bd. II 2| Havaranda 750 NO Petersburg 750ONO Sctllv •lbereeev Barr» 765 O 769 3238 Bettei ä* £i n 2 Gewitt. 2 bedeckt S balb bd. 2 bedeckt 14 14 19 12 Settervrognote ttir Mittwoch, den 19. August 1911. Ziemlich fühl, veränderliche Bewölkung mit etipoß Regen und mäßigen nordwestlichen Winden.. Berliner«« t» e r b u r« a u. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Trucku.Verlag: Vorwärts Snck'd. ::c: u :. VcrlagSanstalt Paul finget u.Eo, Berlin SW. Kr. 190. 28. Jahrgang. 3. KtilW des Joreittö" Knlim WllisM Wtvoch. 1k. Angnst 1911. Partei-?Zngelegenkeiten. Hohenschönhausen. Heute Mittwoch abend von 7 Uhr an Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen aus. Morgen Donnerstag abends 8 Uhr öffentliche Versammlung bei Reyher. Um recht rege Beteiligung bei beiden Veranstaltungen ersucht Die Bezirksleitung. Biesdorf. Heute abend S'/z Uhr: Zahlabend bei Gustav Berlin, Marzahner Str. 24. 1. Vortrag des Genoffen Walter Zimmermann. 2. Ortsangelegenheiten. Tegel. Den Mtgliedern zur Mitteilung, daß die Bibliothek wieder geöffnet ist. Die Ausgabe der Bücher erfolgt Montags und Donnerstags von 8—'/UO Uhr. Dabendorf bei Zossen. Am Sonnabend, den 19. d. M., abends V Uhr, findet bei Wiese unsere Mitgliederversammlung statt. Auf der Tagesordnung steht u. a. Bericht von der Kreisgeneralversammlung. Wahl eines Lokalkommissionsmitgliedes und Verschiedenes. Der Vorstand. Trebbin. Am Sonnabend, den 19. August, abends 8'/z Uhr, im Schützcnhaus