Dr. 195. BUonnementS'Bedingüffgen* llbonnements■ Preis pränumerando 1 Lierlcljährl. 330 fflit., monall. 1,10 Mä, Wöchentlich 28 Pfg. frei WS Haus, Ewzelne Nununcr 6 Pfg. Sonntags- nmnmer mit illustrierier Sonntags« Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- twonnemcnt: 1,10 Marl pro Monate Swoctragen in die Post-Zeitungs- Prc>slisle. Unter Kreuzband für Dcutjchland und Oesterreich, Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Lumänien. Schweden und die Schwei» 28. Jahrg. Gfötist tSsua außer msntaas. Verlinev Volksblatt. Zentralorgan der rozSaldcmokratifchcn Partei Doitfchlands. Die InfcrtionS'GebQJsf lelrägt für die scchsgespallene Kolons» eile oder deren Raun, 60 Pfg., säe .wlitische und gewcrlichastliche Vereins- lind Versaininlnngs-Anzeigen 30 Pfg. »Alcin- Hnitigcn", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(juläfsig 2 fettgedruckt» Worte), jedes weitere Wort>0 Pfg,, Stellengesuche und Schlasstellenan- »eigen das erste Wort 10 Pfg., jedes- weitere Wort 5 Pfg. Worte über ISBuch» ftaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer niügen bis B Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition W bis 7 Uhr abends geofsuei. Telegramm- Adresse: «SosIzllliilisIlkÄ Strlla". l�ectakrion: SM. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 22. August 1911. Gxpcdition; SM. 68, Lindcnotrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Die Friedenskundgebung Berlins. Die Vertretung der organisierten Arbeiter Groß-Berlins bildet an sich eine stattliche Versammlung. Und diese Ver- sammlung hat das Recht, im Namen von über Hunderttausend politisch organisierter Arbeiter zu sprechen, hinter denen ein weiteres Hunderttausend gewerkschaftlich organisierter Ar- beiter und nicht viel weniger als eine halbe Million Reichs- tagswähler steht. Die Entschließungen einer solchen Körper- schaft, die sich rühmen darf, die Vorhut der stärksten Partei der Welt zu sein, haben doch wohl ein anderes Gewicht und .eine andere Bedeutung als die wütigen Resolutionen, die eine Handvoll alldeutscher Schreier hinter verschlossenen Türen wssen. Die Verbandsgeneralversammlung Groß-Berlins pflegt sonst vor allem organisatorische Arbeit zu verrichten. Auch diesmal wurden die mannigfaltigen Aufgaben, deren Lösung der gewaltige Parteiapparat stellt, ernst und gründlich be- raten. Aber dos Hauptinteresse galt diesmal doch der wich- tigen politischen Kundgebung, die der letzte Punkt der Tages- ordnung bringen sollte: der Bekundung des u n e r s ch ü t t e r- lichen und entschlossenen Friedenswillens der Berliner Arbeiter. Und es war zur rechten Zeit, daß die Vertretung der Haupt- stadt der internationalen Sozialdemokratie ihrer MeinungAus- druck gab. Allzulautund allzuaufdringlich haben die Kriegshetzer in der letzten Zeit sich in den Vordergrund zu drängen ge- wüßt und mit den abscheulichsten Mitteln den Hochverrat am deutschen Volk betrieben. Kein Tag, an dem nicht daran gearbeitet wurde, die Regierung und vor allem den Kaiser einzuschüchtern und in den Kampf zu treiben. Die Monarchisten hatten sich plötzlich zum Sturmangriff auf den Monarchen gesammelt. Wozu in der Hauptstadt der Ton angegeben wurde, das wurde draußen in der Provinz noch gröber exekutiert. Man kennt die Beschimpfungen gegen Wil- Helm II., denen das Organ der freikonscrvativen Partei ein zustimmendes Echo lieh und der Freund der Preßfreiheit konstatierte mit Vergnügen, daß der Majestätsbeleidigungs- Paragraph außer Kraft gesetzt ist— wenigstens für die nationalistischen Kriegstreiber. Noch ärger triebenS die �..patriotischen" Provinzorgane. Ist doch, um ein Beispiel für viele zu geben, die..Freis. Ztg." in der Lage, aus der bündlerischen. agrarischen„Thüringischen Landesztg." fol- gendeS Zitat zu geben: »ES hat keinen Zweck, die Tatsache unerwähnt zu lassen. daß eS auch diesmal der Kaiser gewesen sein soll und ziemlich fraglos auch in Wirklichkeit gewesen ist, dem man diese traurige Politik, den jammervollen vorläufigen Abschluß der deutsch-französischen Marokkoverhandlungen verdankt. Das Aus- land rechnete so sicher damit, der Kaiser würde den Fran- zosen zu Willen sein und seinen eigenen Ministern wieder einmal in den Arm fallen, daß eS wohl aar nicht sehr ernst ge- nommen hat, was Kiderlen-Waechter forderte. Das ist natür- lich keine Hohenzollern-Politik. Alle diegroßenVorgänger Wilhelms II. würden in gleicher Lage wesentlich anders gehandelt haben. Aber der Kaiser hat sich in Friedensdnselercn eingelebt, die bei seinen verantwortlichen Ministem alle Verantwortungsfreudigkeit töten. Er hat sich mit Gesellschaftern und Beratern umgeben, die zum größten Teile nicht einmal deutschen BluteS sind, darum auch kein Wehen deut- s ch e n G e i st e S in sich spüren und die nur berührt werden von ihren internationalistischen Händlerinterrssen. Oft, sehr oft ist auf diesen wunden Punkt an der obersten Lenkung unserer Reichs- gefchicke hingewiesen worden; bisher war alles vergeblich. Und in den Besten droht allmählich die Hoffnung zu ersterben, daß die Dinge unter der Regierung des jetzigen Kaisers noch einmal anders werden könnten, daß noch einmal Mann- haftigkeit. schlichter Gcradsinn und Ablehnung alles volkSfremdcn WesenS an unseren oberen Stellen die Ideale werden könnten, aus denen sich die deutsche Tat baut." Gegenüber diesen dunklen Machenschaften, die darauf hinauslaufen, Wilhelm H. mit dem Abfall zu drohen, wenn er nicht eine kriegerische Politik einschlägt, war es hoch an der Zeit, der wirklichen Stimmung des deutschen Volkes Ausdruck zu verleihen. Und dies war um so mehr geboten, als die gefährliche Clique der Kriegstreiber sich angemaßt hat, den Namen des deutschen Volkes für ihre infamen Hetze- reien zu mißbrauchen. Wie das Volk wirklich denkt, wie die deutsche Arbeiterklasse und darüber hinaus weite Schichten in Wahrheit gesinnt sind, das bringt die Resolution der Berliner Sozialdemokratie zum scharfen und klaren Ausdruck. Sie lautet: .Die Verbandsgeneralversammlung von Groß-Berlin pro- testiert mit aller Entschiedenheit gegen den neuesten Kurs der imperialistischen Politik Deutschlands. Sie wendet sich ebensosehr gegen eine Festsetzung in Marokko wie gegen die Vergrößerung des deutschen Kolonialbesitzes durch ein unwürdiges Scljacher- aeschäft. Die Versammlung spricht die Ueberzeugung aus, daß weder die deutsche Arbeiterschaft noch die deutsche Volkswirtschaft durch neue koloniale Erwerbungen Vorteil hat, daß vielmehr durch solche die Lasten des Volkes vermehrt und unabsehbare Konfliktsgefahren geschaffen werden. Mit der größten Entrüstung wendet sich die Versammlung gegen die kapitalistischen Kreise, die aus Eigennutz oder um ihre Verbrechen in der inneren Politik zu verschleiern, das hinter- hältige Vorgehen der Diplomatie benutzen, um Deutschland in «inen europäischen Krieg hineinzuhetzen.,■ m Die Versammlung erklärt im Namen der gesamten Bcr- liner Arbeiterschaft, daß sie allen verbrecherischen Versuchen, die darauf hinauslaufen, Krieg. Blutvergießen und Vernichtung deS Nationalwohlstandes über die Nationen zu bringen, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln entgegentreten wird. Die Versammlung spricht ferner ihren Unwillen darüber aus, daß die deutsche Regierung die Enstcheidung über� die wichtigen und folgenschweren Fragen der Politik in die Hände einer kleinen Anzahl von Diplomaten legt und die berufene Ver- tretung des Volkes, den Reichstag, völlig ausschaltet. Di«. Ver- sammlung verlangt, daß das Volk selbst und seine parlamen- tarische Vertretung in allen sein Wohl und Wehe betreffenden Fragen zu entscheiden hat und nicht Diplomatenintrigen und absolutistische Willkür Deutschlands Geschicke bestimmen. Die Versammlung bekennt sich rückhaltlos zu den Forde- rungen der internationalen Solidarität und schließt sich daher allen Friedenskundgebungen und Friedensbestrebungen der fran- zösischen, englischen und spanischen Arbeiter an." Das ist freilich eine andere Sprache, als sie den Kriegs- Hetzern in ihr verbrecherisches Treiben paßt, und uns nimmt nicht wunder, daß die scharfmacherische Presse mit sinnloser Wut über diese Kundgebung herfällt. Als ob sie etwas anderes von den deutschen Arbeitern hätten erwarten dürfen, als ob nicht die arbeitenden Klassen einmütig in einein Kriege um kapitalistischer Interessen willen ein f l u ch w ü r- diges Verbrechen sehen, das zu verhindern sie ihre ganze Kraft einsetzen wollen. Nur daß sich diese angebliche Entrüstung noch komischer als sonst bei Leuten ausnimmt, deren Mund eben noch übergeflossen ist von den Schmähungen gegen die Regierung und den Kaiser, der im Verdacht steht, nicht ihre Geschäfte skrupellos besorgen zu wollen. Die Herren, die zu jedem Verbrechen sich bereit zeigen, wenn sie ihre Profite gefährdet glauben, die mit einer Palastrevolu- ti 0 n drohen, wenn ihr Wille nicht allein über Gut und Blut der Nation verfügt, die sollen sich nur ja nicht mausig machen. Die Erbitterung über ihr Treiben in den Massen ist wahrlich gerade groß genug. Verwunderlicher freilich ist es, daß gerade in der heutigen Situation, wo alle Kraft darauf zu konzentrieren ist, die Kriegsgefahr zu bannen und den Hetzern entgegenzutreten, das„Verl. Tagebl." in den alten liberalen Fehler der Rot- malcrei verfällt. Aus Grund eines stark gekürzten und schon deshalb ungenauen und mißverständlichen Berichtes richtet es Ermahnungen an die Sozialdemokratie, um Himmelswillcn nicht zu scharf zu werden und nicht den Massenstreik zu ver- künden. Die Ermahnungen mögen gut gemeint sein, abe» sie sind wirklich überflüssig. Daß in einer gespannten Situation für die Arbeiterklasse als entschlossener Verteidi- gerin des Friedens eine Reihe ernster Probleme auf- tauchen, ist eine historische Tatsache, mit der alle Einsichtigen rechnen. Dies kam auch in dem ausführlichen Referat zum Ausdruck, in dem Genosse D ä u m i g die Resolution be- gründete. Wollen die herrschenden Klassen das Auftauchen solcher Probleme verhindern, so gibt es dafür ein sicheres und unfehlbares Mittel I Sie müssen eine Politik befolgen, die dem Friedenswillen der Volksmasfen ent- spricht und müssen jede Kriegsgefahr ver- meiden. Die Mühe, die sich das„Verl. Tagebl." gibt, die deutsche Sozialdemokratie vor Gefahren zu bewahren, ist unnötig. Viel nötiger ist es, die wirklichen Gefahren zu bannen, die aus dem nationalistischen Getobe dem deut- schen Volke entstehen können. Gegen diese Gefahren gilt es nun gerade in diesen ent- scheidungsschwangeren Wochen gewappnet zu sein. Was die Berliner Arbeiterschaft gesprochen hat, das ist die Meinung der deutschen Sozialdemokratie. Wir wollen keinen Krieg, wir wollen den Frieden und dem Kriegs- geschrei der Kolonialinterefjenten setzen wir unerschütterlich unsere Parole entgegen: Marokko ist nicht die Knochen eines deutschen, nicht die Knochen eines französischen Arbeiters wert. Tie Friedensdemonstration in Leipzig. Am Sonntag veranstaltete die Leipziger Arbeiterschaft eine prächtige Kundgebung gegen die infame Marokkohetze. Wohl gegen 30 000 Menschen. Männer und Frauen, strömten am Nach- mittag nach dem Brauereigarten in Stötteritz, dem Lokal, in dem die Leipziger Arbeiterschaft ihre Maifeier und ihr Gewcrkschafts- fest abhält. Leider war es nicht möglich gewesen, die beiden fran- zösischen Genossen Gu eSd e und V a i l l a n t als Redner neben der Genossin Luxemburg(als Uebersetzerin) und den Ge- nassen L e n s ch zu bekommen. Guesde telegraphierte aus Jersey wegen schwerer Krankheit ab und Vaillant war leider verhindert zu kommen. Vaillant� schrieb jedoch folgenden Brief, den die Versammlung mit stürmischem Beifall aufnahm: Kurhaus Oberried, Bckp, Schweiz, 15. Aug. 1911. Lieber Genosse Lensch! Ich kenne Sie und unsere Freundin, die Genossin Luxemburg, ebenso die„Leipziger Volkszcitung" als Reprä- sentant der Avantgarde des revolutionären Sozialisnms, des aktiven und kämpfenden Marxismus, und keine Ein- ladung konnte für mich angenehmer sein, zumal es sich um die Demonstration für die Sache handelt, die mir am meisten am Herzen liegt, für den internationalen Frieden, gegen den Krieg, gegen die Infamien und Verbrechen der Politik und des kolonialen Kapitalismus. Ich wäre also glücklich gewesen, mit Ihnen zusammen in Leipzig zu sein, in dieser Metropole der Arbeiter und des Sozialismus, auf Eurer Demonstrationspersammlung. um mit Ihnen und Ihrem Vorstand Zeugnis dafür abzulegen, daß die Arbeiter und Sozialisten aller Länder mit allen ihnen zu Gebots stehenden Mitteln dafür arbeiten müssen, um einen Krieg zu verhindern. Die Arbeiter und Sozialisten in Deutschland»vie in Frankreich und England dürfen nicht zu- lassen, daß ihre Regierungen sich zu Agenten der kapitalistischen kolonialen Syndikate machen und, wie jetzt eben erst Frank- reich durch seine Marokko-Expedition. den internationalen Frieden gefährden. Zu diesem Zwecke haben die sozialistischen Parteien Deutschlands, Englands und Frankreichs die Pflicht, den Auftrag zu vollziehen, den ihnen die internationalen Kon- gresse von Stuttgart und Kopenhagen gegeben haben. Eure Versammlung wird dies tun, und ich bedaure außerordent- lich, daß ich nicht zugegen sein kann und Ihnen nur durch diesen Brief sagen kann, daß ebenso tvie Sie auch die Sozialisten Frankreichs entschlossen sind, sich mit Euch zu einer gemeinsamen Aktion gegen den Krieg zu vereinigen, gegen einen Krieg, der, wenn einer sich auf den anderen, wenn Deutschland auf Frankreich stürzen würde, ei» wahrer Bürger- und Bruderkrieg wäre, der ruchloseste von allen, der auf Generatioucn hinaus den Aufstieg der Arbeiterklasse und die menschliche Zivilisation zurückwerfen würde. Empfangen Sie, werter Genosse Lensch ebenso wie Ge- nossin Luxemburg, den Ausdruck meines Bedauerns und wollen Sie ihn allen unseren Freunden in Leipzig über- Mitteln mit der Versicherung treuer Freundschaft und sozial- revolutionärer Solidarität. Ed. Vaillant. Da die beiden französischen Genossen verhindert waren, sprachen nunmehr nur die Genossen Grenz und Lensch, die, vielfach von stürmischem Beifall unterbrochen, mit den Kriegshetzern scharf ins Gericht gingen. Die Versammlung nahm schließlich folgende N e« ss oluti on an: Die Versammelten sprechen ihre Entrüstung auS über den empörenden Versuch, Deutschland in eine» Krieg niit Frankreich hineinzuhetzen. Sie fühlen sich mit den klassenbewußten Arbeitern Frankreichs eins in dem Abscheu vor jedem Völkermord, dessen surchibare Folgen in erster Linie von der Arbeiterklasse beider Länder zu tragen wären. In der Marokkopolitik erbkicken die Versammelten nur daS notwendige Ergebnis einer Weltpolitik, die die ganze Welt in AuSbeutungSstätten de§ Kapitalismus verwandelt und die einer Handvoll Ausbeuter Rieseugewiune einbringt, für die große Masse deS arbeitenden Volkes aber steigenden Steuerdruck, Teuerung und stete Kriegsgefahr bedeutet. Die Versammelten protestieren gegen die entwürdigende Schmach, daß das Schicksal des deutschen Volkes abhängig ist von dem hinter verschlossenen Türen vor sich gehenden Schachcrgeschäfl einiger sogenannter Diplomaten, mit denen das deutsche Volk nichts gemein, für die es keine anderen Gefühle als die deS unbegrenzten Mißtrauens hat. DaS arbeitende deutsche Volk verlangt, über seine Geschicke selber beraten und ent- scheiden zu können. Es verlangt die sofortige Einberufung des Reichstages. So sehr jedoch da? arbeitende deutsche Volk den Weltkrieg verabscheut und ihn mit allen Mitteln zu verhindern gelobt, so erklären die Versammelleu dock, daß die herrschenden Klassen einen Welilrieg mehr zu fürchten bnben, als die unterdrücklen Massen. Ei» Welilrieg würde eine lange Periode von Revolutionen und Völkerkämpfen einleiten, die nur enden könnte mit dem Sturze des Kapitalismus und dein liebergang zum Sozialismus. Die Furctit vor dieser sozialen Revolution war bisher das sicherste Mitlei, den Welt- krieg zu verhindern. Die Versamnicltcn geloben, dafür sorgen za wollen, daß diese Furcht der berrschenden Klassen vor den sozialen Konscguciizen eines Weltkriegs auch in Zukunft lebendig bleibe. Das beste Mittel dazu erblicken sie in rastloser politischer Auf- klärung und in dem weiteren kraftvollen Ausbau der Arbeiter« organisationen. Mit einem donnernden Hoch auf die internationale Sozial- demokratie wurde die prächtige Kundgebung dann geschlossen. nie Streißdewegung in Lrokbritsnnie». London, 19. August.(Eig. Ber.) � London gleicht einer belagerten Stadt. In den Parks wimmelt es von Soldaten. An den Eisenbahn- stationen sieht man Militär mit ausgepflanzten Bajonetien. Berittene Polizisten jagen durch die Straßen. Extra- Polizei(special constalües) wird wie 1848 zur Zeit der Chartistenbewegung und wie im Jahre 1887 zur Zeit der Arbeitslosenunruhen in Massen angeworben. Und dennoch ist nicht der geringste sachliche Grund für diese extravaganten Maßnahmen beizubringen. Die Streikenden ver- halten sich ä u ß e r st ruhig, sie verspüren nicht die geringste Lust, die Geschäfte der Scharfmacher zu besorgen. Soldaten und Polizisten langweilen sich. Thomas, der unermüdliche Sekretär der Eisenbahner, eilt von Versamm- lung zu Versammlung, um die Streikenden aufzumuntern und die Kundschaft von dem von Stunde zu Stunde wachsen- den Heere der Ausständigen zu überbringen.„Laßt euch nicht provozieren," ruft er ihnen zu;„zeigen wir den Leuten, daß wir keine Liverpooler Hooligans sind. Bereiten wir der Polizei einen angenehmen Tag." Der Versuch der Regierung, die Eisenbahner durch ein Massenaufgebot von Militär einzuschüchtern, ist kläglich mißlungen. Augenblicklich versucht Regierung wie Presse— worunter in Großbritannien in Ermangelung einer Arbeiter- presse stets nur die bürMiche Presse zu verstehen rst-- Zue Streikenden durch Ausstreuung falscher oder tendenziös entstellter Nachrichten zu entmutigen. Es wird behauptet, daß der Streik der Eisenbahner nur einen recht mäßigen -Erfolg gehabt hat, daß die meistem Züiige laufen, daß in kurzer Zeit ein regelmäßiger, wenn auch etwas eingeschränkter Betrieb organisiert sein wird. Aber die Meldungen aus allen Landesteilen, die bei dem Streikkomitee einlaufen, sträfen diese Behauptungen Lügen. Ueberall stockt der Verkehr, ganze Eifenbcchnsysteme sind stillgelegt worden und stündlich mehrt sich die Schwierigkeit der Gesellschaften, auch nur den notwendigsten Verkehr aufrecht zu erhalten. Wie kritisch die Lage ist. beweist die Tatfache, daß die Eisen bahngesellschaften die Milch nicht mehr befordern können, die doch neben der Post unter allen Umständen nach London gebracht werden muß. Heute morgen erklärte mir mein Milchhändler, daß er morgen früh keine Milch liefer» könne. es sei denn, daß maw die Milch auf anderem Wege nach der Stadt schaffen könne...... m„ r. v � Die erdrückende Mehrheit der bürgerlichen Presse findet «ur Worte der schärf st en Verurteilung für die Eisenbahner: nur hier und da erheben bürgerliche So». zialpolitiker einen Protest gegen das tyrannische und auto krafische Gebaren der Eifenbahngesellschaften. Die„TimeS", die zahnlose Grotzmutter im britischen Blatter toofb, geifern:„Wir glauben nicht, daß die Streikenden ohne Schaudern die ungeheuerliche Verderblichteit der Handlungsweise betrachten können, die ihnen aufgezwungen wird. Wenn die Streik. führer darauf bestehen, der Allgemeinheit den Krieg zu erklären. so zweifeln wir sehr, ob der Erfolg ihres Aufiufs derart sein wird, wie fie in ihrem rückfichtSlosen und verräterischen Wahnwitz KU wünschen scheinen." Der„Daily Graphic" wetterte.WaS auch die Folgen der gestrigen Verhandlungen sein mögen, es ist klar, daß unsere Kriminalgesedgebung ohne Verzug abgeändert werden muh, so daß irgendeine Person, die einer derartigen Ver» schwörung hilft oder Verschub leistet, sich eine schwere Zuchthaus. strafe zuzieht. Die Nation muh sich gegen ihre Feinde(I) ver. teidigen, ob sie unter fremder Flagge kommen oder ob fie in unserer Miitte entstehen." Dies sind nur einige Proben zur Charakterisierung des �Geistes, der augenblicklich die große Masse der herrschenden Klasse Großbritanniens beseelt. Schuld allein an dem Streik sind die Arbeiter und besonders die Gewerkschaftsführer, die durch den Streik ihre Stellung befestigen wollen usw. Dies ist die Melodie, die mit einigen mehr oder minder blöden Varianten von der Presse gepfiffen wird. Eine ehrenvolle Ausnahme macht die„Daily News", die sich jetzt entschlossen zu haben scheint, die Streikenden zu unterstützen. Sie schreibt heute in einem Leitartikel sehr treffend: „Wer die EiseUbahnbirektoren müssen bedenken, daß da? Publikum ihnen gegenüber auch eine andere Stellung einnehmen kann als die des Bittstellers. Es ist noch zweiselhaft, welchen Umfang der Streik annehmen wird. Aber wie die Dinge sich entwickeln, besteht die Wahrscheinlichkeit, daß er eine Ausdehnung erreichen wird, bei der das Publikum gezwungen sein wird, Halt zu rufen. Und dann wird es den Eisenbahndirek koren schlecht ergehen, wenn unser Unglück sich darum dreht, daß eine der streitenden Parteien Unwillens ist, mit der anderen tn dasselbe Zimmer zu gehen. Die Gewerkschaften haben ihrer» seitS, obwohl sie durch„kleinliche Tyrannei" erbittert gewesen sein mögen, keine derartige Intoleranz bewiesen. Sie haben es nie abgeschlagen, mit den Direktoren dasselbe Zimmer zu betreten. Sie haben einfach die Direktoren als eine Fügung der Vorsehung betrachtet und versucht, sich damit abzu. finden. Aber sie mögen dies nicht immer tun. wie auch die Nation. Die Direktoren' sind von der Nation wie auch von den Aktienbesitzern beauftragt, einen großen öffentlichen Dienst« zu organisieren. Und wenn die Nation zur Ansicht gelangt, daß sie auch ohne die Direktoren fertig werden kann, so rann sie entscheiden, sich ohne sie zu behelfen. Schließlich machen das doch beinahe alle Nationen auf dem Festland. Unsere Privat» bahnen und Privateisenbahnleitungen mit ihrem Anspruch auf Unverantwprtlichkeit sind fast, obwohl nicht ganz, einzig in ihrer Zlrt in Europa." Unterdessen bekundet sich das SolidaritätSbewußtssin der Arbeiterklasse in immer stärkerem Maße. Gestern nahm die in Edinburgh tagende Generalversammlung der schotti. jdjen Bergarbeiter eine Resolution an, in der die Verwendung deS Militärs in Streiks scharf ver» urteilt wird und dem Erekutivkomitee des Verbandes die Vollmacht erteilt wird, mit anderen Arbeiterorganisationen über di» Inszenierung eines General st reirs zu per» handeln, um den Eisenbahnern zur Hilfe zu kommen. Während die vom Bürgertum gelesene Presse meist den krassen Klassenstandpunkt hervorkehrt und ihrer Wut keine Zügel anlegt, befleißigen sich die vom Volke gelesenen Blätter, daL Publikum gegen die Eisenbahner mobil zu machen. Aber 'die Anschauungen dieser Blätter entsprechen keineswegs den Ansichten des Volkes über den Streik. Das Volk ist allgemein der Ansicht, daß die Eisenbahner von den Gesell- schaften schäbig behandelt worden sind- Die Löhne und Arbeitsverhältnisse der Eisenbahner sind allgemein bekannt geworden. Es gibt 100 000 Eisenbahnangcstellte in Groß. britannien darunter viele Familienväter die weniger als 20 Schilling die Woche verdienen. Ich habe mit allerlei Leuten ans dem Volke über den Streik gesprochen, mit Ar» beitern, Beamten, Ladenbesitzern, Polizisten und Soldaten, � und überall fand ich dieselbe Meinung:„Es ist eine Schande, eine Schmach für das Land, baß solche Verhältnisse geduldet tverdsn. Ich hoffe, die Leute werden gewinnen." Unter den Ertrapolizisten, die sich anwerben lassen, um einen offiziellen Knüppel als Zeichen ihrer neuen Würde zu erhalten, befinden sich in großer Zahl Leute von der C i t y u n d der Börse. Auch viele Angehörige der„gol- denen Jugend" verspüren in sich den Drang,„die Gesellschaft zu retten". Auch die Geistlichkeit ist auf dem Plan erschienen, allerdings nur mit einem Gebet, da? das Haupt der anglikanischen Kirche erdacht hat. Wenn das nicht hilft.... ober sonstwie mit Strafen belegt werben. Artikel 3 enthält Einzel. heiten über die Einberufung von Einigungsämtern, welche über die strittigen Fragen beraten sollen. 4. Es sollen sofort Schritte unternommen werden, um die Fragen zu regeln, die zwischen den Gesellschaften und denjenigen Kategorien ihrer An gestellten schweben, die in dem Einigungsabkommen von 1307 nicht mit einbegriffen waren, und zwar sollen diese Fragen durch eine Konferenz zwischen Vertretern der Gesellschaften und Vertretern ihrer Angestellten bis zur Berichterstattung durch eine b e s o n» dere U nt e r suchu nys kom m i s s io n geregelt werden. 5. Beide Parteien leisten dieser Kommission jode Unterstützung. 6. Jode Frage, die wogen der Auslegung dieses Vergleichs auftauchen könnte, soll dem Handelsamt vorgelegt werden. Die Regierung macht den Vorschlag, daß eine Kommission ein- gesetzt werden soll, die die Wirkung des EinrgungS- und SchiedS- gerichtsabkommens für die Eisenbahnen prüfen und.darüber Be- richt erstatten soll, welche Aendcrungen gegebenenfalls Wünschens. wert seien. Die Kommisston soll aus fünf Vertretern be- stehen, nämlich auS Vertretern der Arbeitgeber und Ar- beitnehmer in gleicher Zahl mit einem unpartei- ischen Obmann, und soll während der nächsten Woche zu- sammerrtreten. Sie soll ihre Arbeiten so schnell wie möglich er- ledigen. Beide Parteien haben die Versicherung gegeben, daß sie die Beschlüsse der Kommission annehmen wollen. Tie Regierung hat ferner den Eisenbahngesellschaften zugesichert, daß sie in der nach- sten Session dem Parlament ein Gesetz vorlegen wird, durch das wegen der Steigerung der Arbeits kosten, hervor- gerufen durch-die gegenwärtige Aufbesserung der Lage des ArbeitcrpersonalS. eine angemessene allgemeine Erhöhung der T a r i f e als gerechtfertigt erklart werden soll. Trotzdem die Meldung manches im unklaren läßt, scheinen die Arbeiter den Sieg davongetragen und die A n c r k e n- nung ihrer Vertreter bei den Gesellschaften durch- g e s e tz t zu haben, Im Londoner Hybepark hielten Sonntag 30000 Eisen- bahner eine Versammlung ab. die die Beendigung des Streiks beschloß. Die Wiederaufuahme der Arbeit. London, 21. August. Die Eisenbahner kehren im allgemeinen ruhig zu ihrer Arbeit zurück. Bei den meisten Londoner Hauptbahnhöfen wird für heute die Wieder- aufnähme des regelmäßigen Dienstes erwartet, nur in einigen Provinzialhauptstädten ergeben sich Schwierigkeiten, namentlich in Manchester, wo eine Versammlung der Eisenbahner eine Entschließung der- warf, die sie aufforderte, die Arbeit wieder aufzunehmen. Un- ordnung herrscht auch noch bei der N o r d w e st b a h n. die Leute nur nach Bedarf wieder einstellen will, womit sich die Eisenbahner nicht begnügen wollen. Die Linie wird daher noch von Truppen bewacht. Ans der Provinz werden Unruhen gemeldet, die hauptsächlich von Arbeitsscheuen hervorgerufen werden. In Lincoln kam es Sonnabend nachts und Sonntag früh zu ernsten Ausschreitungen. Mehrere tausend Unruhestifter griffen die Eisenbahnstationen und Läden an, zertrümmerten die Fensterscheiben und verursachten großen Schaden. Der Auf- rühr wurde erst durch die Ankunft von mehreren hundert Mann Truppen aus Nottingham unterdrückt. Normaler Berkehr. London, 21.«ugust. Der Personenverkehr aus den Eisenbahnen ist hier im allgemeinen wieder normal. Auch in den Provinzen kehren mit wenigen Ausnahmen normale Zustände zurück. Sehr unregelmäßig ist der verkehr auf der Northeastern Bahn, namentlich in M a n ch e st e r, wo die Eisenbahner noch streiken. Die Lage auf den dortigen Güterbahnhöfen ist ernst; große Mengen Lebensmittel verderben. Die Situation wird noch dadurch ver schlimmer», daß auch die Fuhrleute streiken. Eine heut« vor- mittag abgehaltene Versammlung verlief sehr stürmisch, da die Leute über eine Kundgebung der Eisenhahndireltion sehr aufgeregt find. wonach die Ausständigen nur yach Bedarf wieder«ingestellt werden sollen. Fortdauer deS Streik» in Liverpool. Liverpool, 21. August. In einer heute abend vom Aus standskomitee abgehaltenen Versammlung wurde beschloffen, alle Seeleute. Hafenarbeiter, Fuhrleute, Stewards und andere unter dem Einfluß heS Komitees stehende An gehörige des Schiffohrtsgewerbes anzuweisen, die Arbeit morgen nicht wieder aufzunehmen, da das Er aebnis der Verhandlungen mit den Verladern noch ausstehe. Dieser Beschluß erstreckt sich auf etwa 50000 Mann. Tumulte w Dublin. Dnili», 20. August. In der vergangenen Rächt kam eS hier zu einem Tumult, da die Zeitungsausträger sich weigerten, die Zei tunge» auszutragen und sich bemühten, die ZeitungStranSportwagen aufzuhalten. Große Menschenmengen sammelten sich an. die sich nicht zerstreuten. Die Polizei schritt ein; S1 Schutzleute und über 1P0 ZiMstell wurde» verwundet, 20 Personen festgenommen. Deutschen Regierung Mechirtrng Ircrgerr. Die bessisn Mgs«Mgen werden den internationalen Verkehr auf den Linien Khanekin— Teheran und K haue k i n—-Bagdad fördern und alle Maßnahmen ver- meiden, die ihn behindern könnten, wie die Einführung von Durch- gangszbllen oder die Anwendung von Differenzierungen. Sollte beim Ablauf von zwei Jahren nach Fertigstellung der Zweiglinie Sadidjeh— Khanekin der Eisenbahn Konia— Bagdad der Bau der Linie Khanekin— Teheran nicht in Angriff genommen sein, so wird die Russische Regierung die Deutsche Regierung davon benach- richtigen, daß sie auf die Konzession für diese letztere Linie ver- zichtet. Der Deutschen Regierung soll es in diesem Falle freistehen, ihrerseits die Konzessionen nachzusuchen. Artikel III. In Würdigung der allgemeinen Bedeutung, welche die Verwirklichung der Bagdadbahn für den internationalen� Handel besitzt, verpflichtet sich die Russische Regierung, keinerlei Maß- nahmen zu treffen, die den Bau der Bahn hemmen oder die Be- teiligung fiemden Kapitals an diesem Unternehmen hindern könn- ten, borausgesetzt natürlich, daß für Rußland daraus keinerlei Opfer pekuniärer oder wirtschaftlicher Art erwachsen. Artikel IV. Die Russische Regierung behält sich das Recht bor, die Herstellung des geplanten.Bahnanschlusses zwischen ihrem Eisen- bahnnetz in Persien und der Linie Sadidjeh— Khanekin nach ihrer Wahl einer fremden Kinanzgruppe zu übertragen, statt den Bau selbst ausführen zu lassen. Artikel V. Unabhängig davon, wie sich der Bau der in Rede stehenden Strecke vollziehen wird, behält sich die Russische Regierung das Recht vor, sich in jeder ihr erwünschten Form an den Arbeiten zu beteiligen und das Recht, gegen Erstattung der von dem Erbaue: tatsächlich aufgewendeten Kosten in den Besitz der Eisenbahn«in- zutreten. Die hohen vertragschließenden Teile v> rpflichten sich außerdem, sich gegenseitig an allen Tarif, oder sonstigen Privilegien teilnehmen zu lassen, welche einer von ihnen bezüglich dieser Linie erlangen sollte. Auf alle Fälle bleiben die übrigen Abmachungen deS vorliegen, den Abkommens in Kraft. Es handelt sich hier um ein Spezialabkommen über Persien. Rußland erhält das wichtige politische Zugeständnis. daß Nordperfien zu seiner Interessensphäre gehört, womit der russisch-englische Austeilungsvertrag auch von der deutschen Diplo- matte anerkannt wird. Ferner verzichtet Teutschland auf Eisen- bahn- und Schiffahrtskonzessionen in Nordpersien. Dagegen er- kennt Rußland die Gleichberechtigung des deutschen Handels an und verpflichtet sich, zur Herstellung jener Zweig- lini«, die eine Abzweigung der Bagdad bahn an die Persische Grenze mit der persischen Hauptstadt verbinden soll. Ein allgemeines politisches Ablommen mit Rußland ist da- gegen nicht veröffentlicht worden, obwohl die bekannte Erklärung Bethmann Hollwcgs, daß die beiden Mächte versprochen hätten, pn keiner gegen die anderen gerichteten Kombinationr» tiÜJzgwhrncn, ursprünglich eine solche Erwartung geweckt hgtte.®™ Veklegung des Eisenvahnerstreiks. Sonnabend um Mitternacht gelang es der Regierung, ein Uebereinkomnien mit den Arbeitervertretern und den Ge- sellschaften zustande zu bringen, wodurch der Generalstreik der Eisenbahner beendet wurde. Ueber das Uebereinkoinmen Wird vom Wolffschen Bureau gemeldet: London, 20. August. Ter Vergleich zwischen den Eisenbahnern und den Eisenbahngesellschaften enthält folgende Bestimmungen: 1. Der Streik ist sofort zu beeirden, und die Arbeiterführer sollen sich nach besten Kräften bemühen, die Leute zur unverzüglichen Wiederaufnahme der Arbeit zu veranlassen. L. Alle Ar bei t er, die durch Streik oder Aussperrung in den gegenwärtigen Streit verwickelt worden sind und sich innerhalb einer angemessenen Zeit wieder zur Arbeit melden, sollen von-den Gesellschaften sobald al» möglich tvi ed erei ng estell t werden. Niemand soll wegen Kontraktbruchs gerichtlich belangt Las cksutich- russische llebereinssommeo. Das Uebcreinkommen zwischen Rußland und Deuffchland, da» Resultat der vielgerühmten Potsdamer Zusammenkunft, ist am Sonnabend in Petersburg unterzeichnet worden. Es hat folgenden Wortlaut: Von dem Grundsatz ausgehend, daß der Handel aller Nationen in Persien gleichberechtigt ist. und in der Erwägung, daß Rußland in diesem Lande besondere Jnter. essen besitzt, während Teutschland dort nur Handelsziele ver- folgt, haben sich die Deutsche und die Russische Regierung über folgende Punkte geeinigt: Artikel l. Die Kaiserlich Deutsche Regierung erklärt, daß sie nicht die Absicht hat. nördlich einer Linie, die von Kasri— Thinn über Jsfahan, Jezd und Khakh führt und unter dem Breitengrade von Gbasik die afghanische Grenze erreicht, für sich selbst Eisen- bahn-, Wegebau-, Schiffahrt- oder Telegraphenkonzessionen nachzu- suchen oder solche Gesuche von Deutschen oder von fremden Staats. angchörigen zu unterstützen. Artikel II. Die Russische Regierung, die von der Perfischen Regierung eine Konzession für die Schaffung«ine» Eisenbabn. netzes in Nordperfien zu erlangen beabsichtigt, verpflichtet sich ihrerseits, unter anderen die Konzession für den Bau einer Bahn einzuholen, die von Teheran ausgehen und in Khane. k i n endigen soll, um jene« Eisenbahnnetz an der türkisch persischen Grenze an die Lini« Sadidjeh— Khanekin anzuschließen, sobald diese Zweigstrecke der Eisenbahn Konia— Bagdad fertiggestcllt sein wird. Nach Erlangung der Konzession müssen die Bauarbeiten auf der bezeichneten Bahnlinie spätestens zwei Jahre nach Fertig. stellung der Ztveigstrecke Sadidjeh— Khanekin begonnen und im Laufe von 4 Jahren vollendet werden. Di? Russische Regierung bcbält sich vor. seinerzeit die endgültige Linienführung der in Rede stehenden Bahn festzusetzen, wir» aber hierbei den Wünsche» der Da»„ßatholssche Volk" und der listholikeutsg. Die Leiter und Redner deS Katholikentages belonfen fei jeder Gelegenheit, daß sig sich als die„Vertreter de» k a t h o- lischen Volksteil L" in Deutschland betrachteten, und sie pflegten ihre Reden zu beginnen und ihre Forderungen zu stellen .im Namen der 22 Millionen deutscher Katho. l i k e n". Mit welchem Rechte? Was auf dem Mainzer Katholikentage getrieben wurde, war Zentrumspolitik. weiter nichts. Die Herren hatten also höchstens das Recht, im Namen derjenigen Katholiken zu reden, die zum Zentrum schwören. Wieviel sind das? Das Zentrum hatte hei der letzten ReichStagSwahl 2 158 000 Stimmen. Damals waren vorhanden 13 418 000 Wahlberechtigte bei einer Einwohnerzahl von 61� Mil- lionen, so daß also auf 4.8 Einwohner 1 Wahlberechtigter tsmmt. Demnach entspricht die Etimmenzahl de» Zentrum» einer Ein- Wohnerzahl von noch nicht 10 Millionen. Da eS IM rund 83 Mil- lwnen Katholiken in Teutschland gab, so besagt das: 12 Mil- lionen deutscher Katholiken stehen außerhalb d«S Zentrum»; sie svahlen entweder gar nicht, da» Zentrum und seine Politik ist ihnen gleichgültig, oder sie wählen sozialdemokratisch, liberal Usw., sie sind also Gegner des Zentrums— jedenfalls haben bis Macher der Katholikentage kein Recht, dies« 12 Millionen Kqtholikey für ihre Politik zu beanspruchen. Es ist nur der kleinere Tttl der deutschen Katholiken: 10 Millionen von 23 Millionen lweun wir den Levölkerungsstand von 1907 zu gründe lege»), in Heren Nqmcn di« Groß«» de» Katholikentage allenfalls zu rede» berechtigt wären. Aber auch das bedarf noch der Einschränkung. Wer sind die Führer und Redner der Katholikentage? Im Präsidium saßen ein Graf, zwei Fre jhexren.ein Kommerzienrat und zwei Justizräte. Die Redner von demselben Kaliber: ejn Graf begann am Montag und ein Für st schloß am Donnerstag den Kranz der erlauchten, gesalbten und gelehrten Paraderedner. Die amtliche Festzeitung des Mainzer Katholikentages hatte ein« stän. dige Rubrik:„Hohe Gäste", unter der jeder ankommende Graf und Abt verzeichnet stand, Und jeden Tag wurde im Etil«incs HofberichtS genau gemeldet, wer alle» von einem hohen Adel und einer hohen Geistlichkeit sich aus der Tribüne eingefunden hatte: „Wie gestern, so wohnten auch heute zahlreiche ver. treter des hohen katholischen Adel» der Versammlung bei, so Fürst Löwenstein, Frhr. Y. Thünefeld. Graf Valentin Ballestrem, Rechtsanwalt v. Brentano, Erbkämmerer Graf Galen. Graf Droste-Vischeringübrbdroste. Graf Wolsf-Metternich. Prinz Friedrich SolmS-BraunfelS, Graf Praschma, Graf Oppersdorf. Graf Spee(Friedrich), Graf Eltz�ltville. Baron Wcndt, Baron Hünfeld v. a."(Festblatt Nr. 4 vom 7. August.) Was haben, so fragen wir. diese Herren mit dem katholischen Volke, mit den kleinen Leuten in Stadt und Land, mit den von Elend und Not gebeugten Proletariern zu tun, die noch aus Unkenntnis und Ueber- lieferung zum Zentrum halten? Es war ein katholische» Blatt. das.Bayrisch» Baterland", das vor zwei Jahren schrieb: „Bei der großen Aufmachung und Zuschneidung der ganzen Sache bei den Katholikentagen handelt es sich mehr und mehr nicht um allgemein« Katholikentage, sondern um eine Ver» anstaltung zur höheren Ehre einer gewissen Kliqu». In dieser Klique dürfen einige Bürgerlich« neben Adligen und höheren Geistlichen mit am Draht ziehen... Adlige Grünspecht«, die al» höchste Kunst da» Monokelkneifen gelernt haben und kaum trocken hinter den Ohren sind. Leute, von deren Verdiensten niemand etwa» weiß. sie spiel«» bei der Katholikentagen di«größte Rolle. Junge Herrei, die inan in weiteren Kreisen kaum kennt und deren Verdienste ein neuer Diogenes am Tage mit der Laterne suchen müßte, sind in dem leitenorr Komitee. Ueberall springen sie vor und machen sich breit... Und so wird e» wohl am besten sein, wenn man in Zukunft nicht mehr von Katholiken- tagen spricht, sondern von Veranstaltungen zur Ver. herrlichung des Adel» mit gnädiger Heran, ziehung der Masse." Da»„Bahrische Vaterland", da» im Besitz des ZentrumSabge. ordneten Heim und zweier Geistlichen ist, kennt die ultramoniane Wirtschaft und kann als berufener Beutteiler gelten. politische deberffcbt Berlin, den 21. August 181L Freiherr v. Zedlitz««d die„Post". Auch Freiherr V. Zedlitz und Neukirch fühlt sich bewogen, den bekannten von Majestätsbeleidigungen strotzenden Artikel der„Post" zu desavouieren. Die„Kölnische Volkszeitung" erhält von ihm aus Tirol eine Zuschrift, toonach Freiherr v. Zedlitz nach Kenntnisnahme des ihn völlig überraschenden Artikels der„Post" dem beurlaubten Chefredakteur seine ernsteste Mißbilligung ausgesprochen und nachdrücklich Remedur verlangt habe. Die Sühne sei durch die Kündigung des Schuldigen erfolgt, noch bevor der offensichtlich ohne Kenntnis dieses Vorgangs geschriebene Brief des Fürsten Hatzseldt veröffentlicht worden sei. Die Pause m den Marokkoverhandlungeu. Pariser Meldungen zufolge erwartet man die Wieder- aufnähme der Verhandlungen für den 27. oder 28. August. Sonst liegen bemerkenswerte Meldungen natürlich nicht vor. Die Stimmung in der englischen und französischen Presse ist ziemlich pessimistisch und die Börsen wieder unruhiger. Die nationalistischen Organe dies- und jenseits des Ozeans be» nützen die Pause und die immer unerträglicher werdende Un- gewißheit, um ihre Hetzereien fortzusetzen. Daß in einer solchen Atmosphäre die tollsten Gerüchte Glauben finden— in London sprach man am Sonntäg von einer bevor- stehenden Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich—, ist unter diesen Umständen leider allzu begreiflich. Weiteres Umfichgreisen der Maul- und Klauenseuche. Die Maul- und Klauenseuche hat im Deutschen Reiche in der Zeit vom 1.— 15. August in steigendem Matze um sich gegriffen. Die Zahl der von der Maul- und Klauenseuche betroffenen Gemeinden und Gehöfte ist in dieser Zeit von 4808 auf 31926 und 5179 auf 37 737 gestiegen. Am stärksten von der Seuche betroffen sind in Preußen die Regierungsbezirke Schleswig, Breslau, Stade und Oppelns in autzerprcutzischen Ländern die Regierungsbezirke Olden- bürg, Schwaben und Oberbayern. Dagegen ist die Schweineseuche in derselben Zeit etwas zurückgegangen; während am 31. Juli 655 Gemeinden und 987 Gehöfte davon ergriffen waren, ist am 15. August nur noch in 626 Gemeinden und 967 Gehöften Schweineseuche fest- gestellt worden._ Die Wahlordnung für die Wahlen zur Ersten Kammer des elsast-lothringischen Landtags wird als kaiserliche Verordnung im„Gesetzblatt für Elsatz-Lothringen" veröffentlicht. Bekanntlich ist nach der neuen elsatz-lothringischen Verfassung der Kaiser bestigt, die Mitglieder der Ersten Kammer bis zur Hälfte auf Vorschlag des Bundesrats selber zu ernennen, woraus die Aufgabe dieser Institution als Bremse am elsatz-loth- ringischen StaatSwagen sich schon klar genug ergibt. Die Wahl- ordnung regelt nun das Wahlverfahren für jenen Teil der Mit- glieder, der durch daS Plenum der Kaiser-WilhelmS-Univerfität in Etratzburg, durch die israelitischen Konsistorien, durch die Gemeinde- räte der vier größten Städte(Stratzburg, Mülhausen, Metz und Kolmarf, durch die Handelskammern, den LandwirtschastSrat und die Handwerkskammer gewählt werden. Von allgemeinerem Interesse sind die Vorschriften über den eigentlichen Wahlalt in den Gemeinderäten, wonach der Bürgermeister den Gemeinderat als Wahlversammlung mittels eingeschriebenen Briefes oder durch Boten gegen Empfangsbescheinigung mindestens drei Tage vor dem Wahl- termin einzuberufen hat. .Gewählt ist derjenige, welcher mehr als die Hälfte der ad- gegebenen Stimmen erhallen hat. Sofern sich kein» solche Strouneumehrheit ergibt, findet alsbald ein»»na er« Wahl unter den drei Bewerbern statt, welche die meisten gültigen Stimmen erhalten haben. Ergibt auch dieser zweite Wahlgang keine unbedingte Stimnienmchrheit, so wird mit Beschränkung auf die zwei Bewerber, welche darin die meisten gültigen Stimmen erhalten haben, zu einer abermaligen engeren Wahl geschritten. In dem dritten Wahlgang ist bei Stimmengleich- heit derjenige als gewählt zu belrachlen, für den da« Los ent- scheidet; dasselbe gilt für den Fall, daß bereüs im zweiten Wahlgange nur auf zwei Bewerber gültige Stimmen gestillen sind und beide die gleiche Stimmenzahl erhalten haben. Auch entscheidet das Los darüber, wer etwa bei Stimmengleichheit in die engere Wahl kommt. DaS LoS wird durch die Hand des Bürgermeisters gezogen. Bei der engeren Wahl ist jede Stimme ungültig, die nickt auf einen der in der Wahl gebliebenen Be- Werber fällt. Zwischen den einzelnen Wahlgängen soll, wenn dies von einem der anwesenden Wahlberechtigten verlangt wird, eine Pause von Mindens einer Viertelstunde liegen." Die Wahl durch die Genicinderäre der vier grötzten Städte fiietet der Sozialdcmokrati« die einzig« Möglichkeit, auch in der Ersten Kammer eine Vertretung»u erlangen, wie dies bei ähnlichem Wahlperfahren für den seligen LandeöauSschutz von 1902 bis 1906 durch die Wahl des Genossen E m m e l im Gemeinderat von Mülhausen während der Zeit der sozialdemokratischen Ratsmehrheit der Fall war. Vor den HaupUvahIen zu den reichsländi'chen Ge- Mtinderäten im Jahre 1914 ist freilich auch da» ausgeschlossen. Ter Neue preußische Lehrervereiu« Die Gründung dieses Lehrervereins geschah durch einige reaktionäre Lehrer, um den Preutztschen Lehrerverein zu sprengen. Daß diese reaktionär« Schöpfung vom Bunde der Landwirte subventioniert wird. wurde vom Herrn Dr. Dietrich Hahn noch im letzten Winter im Reichstage abgestritten. Jetzt werden die Tatsachen aber nochmals einwandfrei festgestellt in einer Zuschrift, die ein Lehrer dem Hansabund zugehen läßt, und die in dessen Mitieilungen veröffenilicht werde». In der Zuschrift heiß» es darüber: „Die beabsichtigte NenMindung sollte vor allen Dingen der täglich erscheinenden.Preußischen Lehrerzeitung" ein Paroli bieten und ihr möglichst das Wasser abgroben. Freilich war auch hier, wie so oft. Denken und Tun zweierlei. Die wenigen Mitglieder de» neuen Vereins waren nicht imstande, eine solche Gründung zu finanzieren. Trotzdem trat diese Schöpfung mit dem Namen„Deutsches Lehrerblatl" ins Leben. Jeder Kenner der Verhältniffe suchte nun näch de» Hintermännern, die zweifellos da sein mutzten, und fand sie»»,.Deutschen Schriftenverlag", also im Bund der Landwirte. Die Herren Dr, Hahn. Pieper und Rotz hatten sich endlich gefunden. Diese Tatsache wurde»war zunächst noch nach berühmten Mustern schämig per- schwiegen und eine Zeitlang mit viel Aufwand bestritten. Es wurde dazu mitgeteilt, daß die Herren Rotz, Pieper und Schreck je 100 000 M. zur Gründung gegeben hätten. Auf An- zapfungen aus den eiginen Reiben aber mutzte der.Nene vreutzii»« Lehr-rv-rein' zugtbe». daß fftr das.Deutsche Lehrerblatt" jährlich IHVHO Mark aus der Kasse de» Bundes der Landwirt» und lövoo M. au» der Kaffe der.Deutschen Tageszeitung' gezahlt würden. Dah da» der Bund der Landwirte nicht nur um der schönen Augen der„N-oborussen" willen tat und tut. ist jedem «infichtigen klar. Mit der Annahme dieser Gelder hat sich der ,R«ue preutzisch» Lehrervertin' dem Bund» der Landwirt« politisch mit Haut und Haare« verschrieben und hierdurch die Schule zum Spielvall der Politik gemacht; dieses Odium wird ihm immer anhaften.' Der Bund hat an seiner Schöpfung aber doch wenig Freude; der.Neue preutzische Lehrerverein' soll bedenklich an Mitglieder- schwund leiden._ Die Essener Eisenbahndirektion gegen die Koalitions- freiheit der Eisenbahner. Die Effener Etsenbahndirektion hat folgendes Zirkular erlassen: „Von sozialdemokratischer Seite wird kein Mittel unversucht gelassen, Staatsbeamte und StaatSarbeiter in der dem Staat schuldigen Treuepflicht schwankend zu machen und zu sich herüber in das Lager ordnungsfeindlicher Bestrebungen zu ziehen. So werden neuerdings Flugblätter verbreitet, wie:„Beamtenschaft und Sozialdemokratie, ein Mahnwort an alle Beamten' und„Wohin geht die Reise?' Ein anderes mit der Ueberschrift.Was ist national?", das hauptsächlich für die Arbeiter bestimmt ist, wird vom Transportarbeiterverband verbreitet. In derartigen Flugblättern, die im Verlage der Buchhandlung Vorwärts oder bei W. Pfannkuch u. Co. in Magdeburg oder im Verlage des.Courier" erscheinen, wird versucht, für die Sozialdemokratie unier trügerischer Vorspiegelung ihrer Verdienste bei den Staatsbeamten und Arbeitern Stimmung zu machen. Wir erwarten von den Bediensteten, daß sie solche Machenschaften der Sozialdemokratie richtig einschätzen und von sich fern halten. Gleichzeitig warnen wir aufs neue, derartige Flugblätter zur Dienst- oder Arbeitsstelle mitzubringen oder weiterzugeben. Hierin würde eine Förderung sozialdemokratischer Bestrebungen gesehen werden müssen, die ebenso wie jede andere Belästigung im Interesse der sozialdemokratischen Partei unweigerlich die Einleitung des Disziplinarverfahrens auf Entfernung aus dem Amte oder die Kündigung de« Dienstverhältnisses zur Folge haben würde. Alle bediensteten Beamten und Arbeiter haben durch Namens- Unterschrift die Kenntnisnahme von dieser Verfügung zu be- scheimgen." Ueber den Inhalt deS Erlassee wird sich niemand wundern; denn in der Mißachtung des gesetzlich gewährleisteten KoalitionS- rechtes waren die preutzilchen Eisenbahnbehörden von jeher besonders groß. Sehr bezeichnend»st der Stil deS Zirkulars. Aus der Ent- Wickelung der Dinge haben die Herren von der Essener Eisenbahn- direktion nicht viel gelernt, sonst würde fie wissen, daß die von ihnen beliebten Maßnahmen sich im Kampfe gegen die Sozialdemokratie bisher allerwegen in geradezu glänzender Weise versagt haben. Ein Zentrumsblatt gegen die Zentrnmspolitik. Die.Ermländische Zeitung", ein ostpreutzischcs Zentrumsblatt, schreibt in einem Artikel über die wirtschaftliche Lag« des Handwerls in Ostpreußen: .Die fortlaufende Steigerung allerPreise für die notwendigsten Lebensbedürfnisse sowie die Erhöhung der direkten und indirekten Stenern und die Mehrbelastung von Handel und Gewerbe durch die Erhöhung der Beamtengehälter hat in den letzten Jahren zu einer empfind« lichen Einschränkung der allgemeinen Lebens- Haltung in allen Handwerkerfamilien geführt. Fast in allen Handwerkszweigen sind die Preise für Rohmaterial und Halbfabrikate gestiegen, zumal die neuen Stenern dem Zwischenhandel geeigneten Anlaß boten, die Preise für Roh- Materialien usw. ungewöhnlich in die Höh« zu schrauben." Das Zentrum hat zusammen mit den Konservativen die neuen Steuern sowie den Zolltarif, der die Verteuerung aller Lebensmittel brackite, dem deutschen Volke aufgebürdet, daS sollte die.Ermländische Zeitung' mit sagen, wenn es diese yyllsschädliche Politik verurteilt._ DaS Zentrum eine konfessionell« Partei! Auf dem 17. Delegiertentage dex katholischen Arbeiter- und Knapponvercine der Erzdiözese Köln wurde u. a. folgende Resolution angenommen: .Der Delegiertentag ersucht die Arbeitervereine, ihre Mit- lieber mehr als bisher zu erfolgreicher Mitarbeit im staats- ürgerlichen Leben heranzuziehen. Zu dem Zwecke mutz die Ver« Mittelung theoretischer Kenntnisse systematisch gepflegt werden durch Darbietung der notwendigen Kennwisse im lieberblick und Zusammenhang über die wichtigsten Gebiete. Auch müssen die Arbeitervereine dafür Sorge tragen, datz die Arbeitervereinsmitglieder in den Zentrums- organisatjonen vertreten sind, und datz eigene Konferenzen zur Ausbildung dieser Vertreter abgehalten werden." Demnach werden also die kgtholischen Arbeiterverein» ohne Be- denken als ZentrumSorgamsationen angesehen und benutzt. Polizei und Persammlnngsrochf. Vom preutzischen Minister des Innern wird nach der.Norbd. Allg. Ztg." in einem Erlaß darauf hingewiesen, datz daS Reichs- gench« durch Urteil vom 88. April 1911 zur Frage der A u S- legung des K 13 d»» R»> ch»v eH»insg,sytz«s Stellung aeitommsn hat. Nach diesem Urteil ist§ 13 des genannten Gesetzes lo aufzufassen, daß die Polizei befugt ist, Beauftragt» in jede öffentlilbe Versammlung zu einsenden. Demgemäß ist auch Z 14 deö Gesetzes(A u f l ä s u n g S r e ch t der Polizei w bestimmten Falle»! auf jede öffentliche Versammlung anwendbar. Der Minister hat die Polizeibehörde beauftragt, dieS in Zukunft zu brachten. � Unglücksfall oder Selbstverstümmelung'# Ein interessanter Prozeß, dessen Ausgang von vornherein nicht zweifelhaft fein konnte und der mst einer wohlverdienten Niederlage der Anklagcbehörde endete, beschäsligte dieser Tage daö D r» s d e n e r Kriegsgericht. Wegen A ch t u» g s v e r l e tz u n g und--- S e l b st v c r st ü m m e l n Ii g mutzte der Fahrer L e b m a n n vom Artillerieregiment Nr, 12 auf der Anklagebank Platz nehmen. Der Angeklagte soll eines Tags seine Pferde nichi sauber genug ge- putzt haben. Es wurde ihm deshalb befohlen, sich abends 9 Uhr beim Wachtmeister im Ordonanzanzug zu melden»nd am folgenden Morgen mit geputzten Pferden anzutreten. Bald darauf wurden mehrere Soldaten, darunter auch Lehmann, znm Häckselschneiden befoblen. lieber hie ihm kurz vorher erteilte Strafe war Lehmann aufgebracht, weil er seiner Ansicht nach die Pferde sauber genug geputzt haste. Er äußerte deshalb lvährend des Häcksel- fchiieidenS:„Ich weiß gor nickt, warum ich zum Wachtmeiner soll, ich lasse Mick doch nickst veralbern I" Darin wird eine Achtung»- Verletzung erblickt, obgleich kein Vorgesetzter anwesend war! Einige Zeit danach funktionierte die Häckselmaschine nicht. Lehman» rief einem Kameraden zu, mehr Stroh einzulegen. AIS auch jetzt die Maschine»och nicht gut ordeitete, ging Lehmann, der bisher gedreht hatte, an die Einlegestelle, um sich zu überzeugen, ob an der Maschine alles in Ordnung sei. Hierbei ist Lehmann mit der r e ck fiandins Getriebe gekommen, wobei ihm der Zeifffe� ingex fast völlig durchschnitten wurde. Die Ver- litzung ist derart, datz sich Lehmann jetzt noch im Lazarett befindet. Er mutzte deshalb mit dem Arm«» der Binde der Verhandlung folgen. Man glaubte den Finger durch ein neues Heilverfahren zu erhalten, aber nach dem Ausspruch des ärztlichen Sachverständigen wird wahrscheinlich doch noch eine Amputation de» schwerverletzten Fingers notwendig fem. Durch die Verstümmelnng ist Lehmann dienstunfähig geworben und dürste da- durch auch bei seiner beruflichen Tätigkeit»» er P Schmied— er« heblich geschädigt sein. Nicht genug, datz Lehmann durch daS Unglück schon ohnehin schwer getroffen ist— die Anklagebehorde machte ihm sogar noch den Prozeß wegen Selbst- Verstümmelung! Sie ist der Meinung, datz Lehmann die Hand absichtlich in das Getriebe gehalten hat, uin sich zu ver st üm mein und dadurch der Dienstpflicht zu entziehenl Der Angeklagte be- stritt die Selbstverstümmelung und erklärte, er tmsse � selbst nicht, wie sich das Unglück ereignet habe. Auch der Sachverständige bekundete, datz nach der Art der Verletzung er selbst nicht an Selbst- Verstümmelung gedacht habe. Derartige Verletzungen kämen an der Häckselmaschine sehr oft vor. Ungeachtet all' dieser Momente be- antragte der Anklagevertreter— ein Jahr Gefängnis l Wie nicht anders zu erwarten, wurde der Angeklagte wegen der„Selbst- Verstümmelung" freigesprochen, wegen der Achtungsverletzung aber zu drei Tagen mittleren Arrest verurteilt! Das Gericht hat angenommen, datz der Angeklagte versehentlich ia die Maschine gekommen ist._ Von der Militärjustkz. „Ich schlage gleich mit dem Säbel drein, verfluchte Schweine- bände!" Diese Worte richtete der Leutnant Egler vom Regiment „Hamburg" an seine Leute, weil er ungehalten war darüber, datz bei einer Nachtübung Schwierigkeiten bei der Orientierung entstanden waren. Der Musketier Burmester richtete an seinen Nebenmann die besorgte Frage:„Sind Sie auch in der Lebensversiche- rung?" Als Angeklagter erschien vor dem Kriegsgericht der 17. Division sHamburg) nicht der Leutnant, sondern der Musketier B., angeklagt wegen Beleidigung und Achtungsverletzung. Die Be- leidigung ließ der Ankläger fallen, wegen der angeblichen Achtungs- Verletzung beantragte er sieben Tage strengen Arrest. Strafmildernd kämen die Drohungen und Schimpfworte des Offiziers in Betracht, weshalb dem Angeklagten der Z 93 des Militärstrafgesetzbuches zur Seite stehe. Das Gericht versagte dem Angeklagten diesen Schutz, weil er die Bedrohungen und Schimpfworte des Leutnants nicht als solche empfunden habe. Das Urteil lautet auf vierzehn Tage strenge« Arrest. Dem beleidigenden Offizier wird, falls gegen ihn vorgegangen werden sollte, die Sache bedeutend billiger zu stehen kommen. Höchstenfalls erhält er einen oder zwei Tage Stubenarrest. Das ist MilitärgerichtspraxiS._ Schweden; Vor den Reichstagswahlen.' Am 3. September beginnen in Schweden die Neuwahlen zur Zweiten Kammer des Reichstags. Zum ersten Male soll hier das neue Wahlrecht erprobt werden, das durch die Wahlrechtsreform von 1907 zustande gekommen ist. Die Zahl der Wahlberechtigten hat sich gegen früher verdoppelt. Dennoch hat die Reform nicht, wie ihre Macher dem Volke einzureden suchten, daS allgemeine Wahl- recht zur Zweiten Kammer gebracht. Ganz abgesehen davon, daß das Wahlrecht, das für die Zusammensetzung der Ersten Kammer matzgebend ist, nach wie vor nach der Steuerleistung abgestuft ist. wenn auch nicht mehr in dem ungeheuerlichen Maße wie früher. Das Wahlrecht zur Zweiten Kammer war vordem davon abhängig, daß man in den letzten 5 Jahren für mindestens 300 Kronen Jahres- einkommen seine Steuern bezahlt hatte. Jetzt ist diese Steuer- grenze beseitigt, aber die Staats- und Gemeindesteuern müssen nach wie vor auf Heller und Pfenmg bezahlt fem, und zwar in den letzten drei Jahren. Allerdings sind auch diejenigen wahlberechtigt, die aus rechtmäßigen Gründen von der Steuerpflicht befreit sind. Im übrigen ist noch die Bestimmung zu erwähnen, daß man zwei Jahre in ein und derselben Gemeinde ansässig sein muß, um wähl- berechtigt zu sein, und daß die Altersgrenze für das Wahlrecht durch die Reform vom 21. auf das 24. Lehensjahr erhöht worden ist. Alle diese Einschränkungen treffen natürlich vornehmlich die Wähler der Arbeiterklasse, die ja wsmger langlebig sind als die Leute der besitzenden Klasse, die öfter genötigt sind, ihren Wohn- platz zu wechseln und die auch allzu leicht in die Lage komme», ihre schuldigen Steuern nicht zahlen zu können. Die letzten drei Jahre waren Krisenjahre, und obendrein wurde namentlich in den Jahren 1908 und 1909 die Arbeiterschaft wirtschaftlich geschwächt durch MassenauSsperrungen, die schließlich zu dem gewaltigen Ab- wehrlampfmittel des Generalstreiks führten. Groß war die Zahl derer, die ihre Steuern wicht zahlen konnten, und groß war auch die Zahl der Arbeiter, die wegen Verfolgungen durch da» Unter- nehmertum ihren Wohnplatz wiederholt wechseln mußte». Dadurch haben große Massen sonst wahlberechtigter Arbeiter ihr Wahlrecht eingebüßt. Das neue Wahlrecht zeigt sich deutlich als ei» Rachwerk der Klassenherrschaft, In den 6 Städten Göteborg, Malmö, Norr- löping, Gäfle, Helsingborg und Oerebro sind nur 49 972 der über 24 Jahre alten Männer wahlberechtigt und 42 300 haben k»in Wahl- recht. In Stockholm ist die Zahl der Männer, die ihr Wahlrecht eingebüßt haben, rund 30 000. Es ist unter diesen Umständen selbst- verständlich, daß die Arbeiterschaft sich mit jener Scheinreform nicht zufrieden gibt und nach wie vor eine gründlich demokratische Wahlrechts- und Verfassungsreform fordert. Die herrschende Klasse, und vor allem die regierende Clique, will natürlich nichts davon wissen. Der Ministerpräsident Liudman. der sich auf die Erste Kammer stützt und nun schon seit 5 Jahren das Staatsruder in Händen hat. erklärte jüngst in einer Wählerversammlung:„Wie müssen nun einmal gründlich ausruhen von den unfruchtbaren Ver- fassungskämpfen." Die Arbeiterschaft wird dafür sorgen, daß die Herren in dieser Ruh« immer wieder und immer gründlicher gestört werden, und auch der Ausfall der Wahlen wird jedenfalls dazu bei- tragen, daß sie nicht sobald zur Ruhe kommen. Die Wahlagitation wird mit einem Eifer betrieben, der alles übertrifft, was man bisher in dieser Hinsicht in Schweden erlebt hat, und je unverschämter die Reaktion ihr Haupt erhebt, je mehr der Kapitalismus dj» Massen des Volkes zu knechten und zu knebeln sucht, um so stärker hat sich hie Sozialdemokratie entwickelt. Durch die bevorstehenden Wahlen soll der Reaktion ein derber Schlag versetzt werden, und man er» wartet, datz die Sozialdemokratie, die es 1903 auf 33 Mandate in der Zweiten Kammer brachte, diesmal mindestens 50 bis 60 Ver- treter in die Kammer senden wird, JJrocHha, Sozialistische NeinigungSarbeit, Der GesundheitSkommissar Kraft in Milwauke«, gegen dessen Ernennung die dortigen Aerzte mit allen Mitteln angekämpft hatten, hat unerhörte Schmutzzustände in den Fabriken der drüben beionders ytel verbrauchten Zucker waren festgestellt. Ganze Ladungen wurden konfisziert, tausende Kilogramm vernichtet. DaS Gesundheitsamt hat nun energische Maßregeln zum Schutze der Reinlichleit in diesen Betrieben angeordnet: Ersatz hölzerner Gefäße durch metallene. Bedeckung der Tischplatten mit Zink, Tragen weißer Arßeitskleider, Verbot des Tabalkauens und-Rauchetts bei der Arbeit, peinliche Reinigmig aller Geschirre. Auch die kapitalistische Presse MilwaukeeS hat dieses Vorgehen begrüßt— was sie nachher nicht hindern wird, Kraft, wie die ganze sozialistische Verwaltung wieder mit Verleumdungen zu überschütten. Bon sozialistischer Seite aber wird darauf hingewiesen, datz cS autzerhalb MilwaukeeS und in den meisten anderen Lebensmittelindustrien um kein Jota reinlicher zugeht, alS bei den„caruty kactories" in Milwaulee. GewcrkfcbaftUcbcs. LobimrbaltmlTe bei der finna Locfer u. üdolff. Wer in Berlin oder in anderen Städten die vielen, mit allem Komfort ausgestatteten Läden der Zigarrcnfabrik Loeser u. Wolff in Augenschein genommen hat, oder gar zu der Kundschaft dieser Welt- firma zählt, hat wohl selten eine richtige Vorstellung, unter welchen Lohn- und Arbeitsbedingungen diese Fabrikate hergestellt werden. Ja, wer gar einmal etwas über die.allumfassenden' Wohlfahrts- einrichtungen gehört oder gelesen hat, kommt leicht zu dem Glauben, es handele sich hier um einen Betrieb, der nach jeder Richtung hin ein Musterbetrieb sei. Wer aber Gelegenheit hatte, die Lohn- und Arbeitsbedingungen etwas näher kennen zu lernen, der wird recht bitter enttäuscht. Es wird ganz nach Hamburger Art gearbeitet; so wird z. B. das Eortiment bis auf ein Zwanzigstel resp. ein Vierzigste! absortiert und mit Gewichten gepreßt usw. Man zahlt aber nicht Hamburger Löhne, sondern Löhne, über die man selbst in Süddeutschland lächelt. So wird z. B. hier für eine 100 M.-Zigarre für Sortieren in Vm gepackt 1,10 M. bezahlt, während in Hamburg 3 M. dafür gezahlt wird. Betrachten wir nun einmal die Löhne für Rollen und Wickel machen, so kann man auch hier sagen, daß die Arbeit der Hamburger und Bremer gleichgestellt werden inuß. Die Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine zahlt als Minimallohn für Formenarbeit in Hamburg 12 M. pro Mille. Die Firma Loeser u. Wolfs zahlt für die billigste Formenarbeit nur 5.80 M. und durchschnittlich nur 6.20 M. Folgende kleine Aufstellung gibt ein Bild von den Verhält Itissen: Preislage pro Mille Name der Sorte Rollerlohn Lohn f. Wickel- pro Mille AuS dieser Aufstellung ersehen wir, daß die Preislagen bis zur 100 Markzigarre ganz besonders schlecht bezahlt werden, aber selbst bei den teuren Preislagen läßt sich eben so wenig verdienen, da hier ja ganz besonders hohe Anforderungen an die Arbeiter gestellt werden. Wochenlöhne von 6—3 M. sind daher keine Seltenheiten; trotz der langen Arbeitszeit._ Berlin und Umgegend. Die Handschuhmacher der Firma G. Tengler, Willibald-AlexiS- Straße 40, haben ihr Arbeitsverhältnis gekündigt. Der vor zwei Jahren dort mit der Arbeiterorganisation abgeschloffene Tarifvertrag ist von beiden Teilen zum 1. September gekündigt worden, die Arbeiter haben einen neuen Tarif, der bei einzelnen Sorten Er- höhnngen von 3'/, bis 8 Proz. vorsteht, bei der Firma eingereicht. Die Firma erklärte jedoch, obwohl die Stücklöhne unter dem Durch- schnitt der ortsüblichen stehen, sich ans nichts einlassen zu können und will ihr Glück mit anderen Arbeitskräften, eventuell mit Heim- arbeitern, versuchen. In einem Inserat der.Berliner Berichte' (Organ der Lederindustriellens, wird unter Anführung eines angcb- lichen Mindest« und Höchstlohnes von genannter Firma Ersatz für die in Kündigung stehenden organisierten Arbeitskräfte gesucht, in- dem den etwaigen Reflektanten Lebensstellung in Aussicht gestellt wird. Kommentar hierzu überflüssig. Zuzug von Handschuhmachern ist streng fernzuhalten sowie jede Uebernahme von Heimarbeit zu unterlassen. Dentfebe» Reich. Zum Kampf in der Metallindustrie. Die Scharfmacher unter den Leipziger Metallindustriellen find doch tüchtige Kerle. Sie haben mit ihrer unterschiedslosen Aus- sperrung freigewerkschaftlicher, Hirsch-Dunckerscher, christlicher und .nationaler' Arbeiter nicht nur die.nationalen' auf die Beine gebracht, sondern nunmehr auch die Christlichnationalen. In einer Versammlung beschäftigten diese sich mit der Aussperrung und nahmen eine Resolution an, in der eS heißt, w a S die Leipziger Gelbmetallarbeiter auf materiellem Gebiel wünschten, sei anderwärts zum guten Teil läng st eingeführt. Wenn die Unternehmer der ideellen Forderung der Arbeiter, Anerkennung ihrer Organisationen, auch heute noch Widerstand entgegensetzten, so würde doch die Zeit kommen, in der auch in der Großindustrie die Anerkennung der Berufsverbände der Arbeiter durch VerhandlungS- und Vertrags- formen ihren Ausdruck fände. Beim Arbeitsprozeß ständen beim Arbeiter ideelle und persönliche Güter auf dem Spiele; seine Arbeits- kraft sei unlöslich mit ihm verbunden. DaS Streben der Arbeiter. ihre Arbeitskraft unter vorteilhaften Bedingungen zu veräußern, sei daher verständlich. Während die Unternehmer von dem Recht des Zusammenschlusses reichlich Gebrauch machen, wollen diese bei der gegenwärtigen Bewegung durch Geldunterstützungen an die Un- organisierten diese von der Ausübung ihres Koalitions- rechts zurückhalten, was einer Anwendung von zweierlei Maß gleichkomme. Haben die Christlichnationalen in Leipzig auch keine Bedeutung, so ist ihre Stellungnahme doch charakteristisch genug, um zu zeigen, wie das blindwütige Dreinschlagen des ScharfmachertumS das Gegenteil von dem erzielt, was erreicht werden soll. Statt die Arbeiter einzuschüchtern, erfolgt eine allgemeine Empörung, wie sie bisher noch nicht zum Ausdruck gekommen ist. Messerrcider im Streik. Die im Metallarbciterverband organisierten Federmcsterreider in Solingen sind am Mittwoch, den 16. August, in den Ausstand getreten. Der Ausstand erstreckt sich über alle Fabrikanten, die das neue Preisverzeichnis nicht anerkannt haben. Die Neider des Deutschen MetallarbciterverbandeS hatten ein Preisverzeichnis aus- gearbeitet, welches die jetzige, durch die technische EntWickelung ge- zeitigte Arbeitsmethode berücksichtigt. Der Jndustriearbeitcrverband stellte ein Preisverzeichnis auf der alte t Grundlage auf und nahm auch noch verschiedene Reduzierungen der Preise vor. Es war er- klärlich, daß das Preisverzeichnis des Jndustricarbciterverbandes mehr Gnade bei den Unternehmern fand, als das Preisverzeichnis des Metallarbeitcrverbandes. Die Fabrikanten erklärten, mit dem Metallarbeiterverband nicht mehr verhandeln zu wollen. Im Metallarbeiterverband sind 500 Federmessrrreider, im In- dustriearbeiterverband 130 und iin Christlichen Metallarbciterverband 56 organisiert. Weil die im Deutschen Metallarbeiterverband orga- nisierten Reider von den Verhandlungen ausgeschlossen wurden, traten dieselben in den Ausstand. Ter Jndustriearbeiterverband und unsere lieben Brüder in Christo(letztere haben unser Preisverzeichnis mit ausgearbeitet) arbeiten weiter. Aber ein großer Teil der im Jndustriearbeiterverband organisierten Reider sind dem Ruf ihrer Führer nicht gefolgt, sie haben ebenfalls die Arbeit niedergelegt. Wir ersuchen, Zuzug von Taschen- und Federmesserarbeitern zu verhindern. Deutscher Metallarbeiterverband. Karl Rapp, Solingen, Kölner Straße 43. Tarifbewegung im graphischen Gewerbe. In Zittau wurde zwischen den lithographischen Anstalten und Steindruckereien und dem Verband der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe ein fester Arbeitstarif abgeschlossen. Vev einbart wurde für Lithographen eine tägliche Arbeitszeit von acht Stunden und für Steindrucker von neun Stunden. Bei durch gehender(englischer) Arbeitszeit beträgt die Arbeitszeit auch für Steindrucker acht Stunden pro Tag. Eine bei Erneuerung des Buchdruckertarifes in Kraft tretende Arbeitszeitverkürzung erhält zu derselben Zeit sofort auch für die Steindrucker Geltung.— Der Mindestlohn beträgt im ersten Gehilfenjahre 24 M. und unter- liegt dann der freien Vereinbarung zwischen Prinzipal und Gehilfen I Akkord-, Prämien- und Hausarbeit darf nicht geleistet werden. Alle gesetzlichen und vom Geschäft angeordneten Feier« tage werden bezahlt. Ebenso alle Verhinderungen, welche sich aus Z 616 des B. G.- B. ergeben, sowie zwingende Gänge zum Arzt oder Krankenkasse.— Ueberstunden werden an Wochentagen mit 3Zl/z Proz. und an Sonntagen mit 50 Proz. Zuschlag bezahlt. — Auf je 1 bis 5 Gehilfen kann ein Lehrling gehalten werden, die Prinzipale und Gehilfen verpflichten sich zur bestmöglichsten Ausbildung der Lehrlinge. Muster selbstgefertigter Arbeiten werden geliefert. Allen Lithographen und Steindruckern wird bei fort- laufendem Lohn ein jährlicher Urlaub gewährt, und zwar nach einjähriger Tätigkeit drei Tage und nach dreijähriger Beschäftigung sechs Tage.—. Der Tarif hat Gültigkeit bis 31. Dezember 1914.— Bei Abschluß des Tarifes wurde in zwei Firmen für Lithographen die Arbeitszeit um eine halbe Stunde und in einer Firma um eine Stunde täglich verkürzt und an 29 Gehilse» wurden insgesamt 64 M. Lohnzulage pro Woche bewilligt. Tie Klagen der Steiger. In K e t t w i g bei Essen tagte am vergangenen Sonntag die fünfte Generalversammlung des deutschen Steigerverbandes. Auf den früheren Tagungen waren wiederholt Klagen laut geworden über die zu lange Dienstzeit, die Strafschichten und die regel- mäßige Sonniagsarbeit. Es wurde in der Versammlung be- dauert, daß die königlichen Bergbehörden bis jetzt dagegen noch nicht eingeschritten seien, wahrscheinlich deswegen nicht, weil die staatlichen Gruben im Ruhrrevier selbst auf ihren Anlagen diese Dienstverhältniste mehr und mehr übernommen hätten. An- genommen wurde eine Entschließung, die sich dagegen richtet, daß trotz des vorhandenen Steigerüberflusses noch ungeschulte Leute als Beamte verpflichtet würden. Den Reichstag ersucht die Versamm- lung, die Grubenbeamten bei der Beratung des Privatbeamten- Versicherungsgesetzes in den Knappschaftskassen zu belassen. machen und zu erschrecken suchen. Im Zusammenhang damit inter« essiert eine Statistik des Internationalen Verbandes der Baumwoll« spinner- und Webervereinigungen über die Zahl der auf der Welt vorhandenen Baumwollspindeln. Die Statistik zeigt nämlich, daß gerade in Deutschland die Zunahme des Bauwollverbrauchs keines- Wegs mit besonderer Schnelligkeit vor sich geht, weder prozentual noch absolut, so daß gerade bei uns der angeblich drohende Mangel an Baumwolle mit am wenigsten drängt. Betrachten wir zunächst die prozentuale Vermehrung der Baumwollspindeln. Sie beträgt in Deutschland für die Zeit vom 1. März 1907 bis 1. Mär, 1911 10,3 Proz. DaS ist freilich mehr als in Großbritannien(6.3 Proz.) und in den Vereinigten Staaten von Amerika(3.6 Proz.). Aber in Belgien beträgt die Vermehrung 15,9 Proz., in Italien 20,4 Proz., in Schweden 27,6 Proz., in Oesterreich 29,6 Proz., in Rußland 32,3 Proz., in Japan 41,2 Proz. Wir sehen, wie weit Deutschland davon entfernt ist, bei der Zunahme des Baumwollverbrauchs an der Spitze zu marschieren. Nun besagen ja aber die Prozentzahlen in diesem Falle sehr wenig. Wenn jemand 1 M. befitzt und bekommt noch 1 M. dazu, so hat er sein„Vermögen' um 100 Proz. vergrößert! bei einem Vermögen von einer Million macht dagegen ein Zuwachs von 500 000 M. immer erst 50 Proz. aus. Wollen wir ein klares Bild haben, müssen wir folglich die absoluten Zahlen zu Hilfe nehmen. Da aber marschiert Deutschland unter den Ländern, die ernstlich in Betracht kommen, sogar ziemlich an letzter Stelle, wie folgende Tabelle zeigt. Es betrug die Anzahl der Baumwolljpindeln: am 1. März m 1907 Frankreich..« i. 6 800 000 Japan...... 1 483 497 Italien...... 3 600 000 Deutschland., 9 339 443 Oesterreich..... 8 618 434 Rußland..... 6 500000 Vereinigte Staaten.. 26 242 000 Großbritannien... 50 679 000 Man verbrauch 1. März Zunahme 1911 absolut iir'Vi, 7 200 000 400 000 5,9 2093 232 611733 41,2 4 215 000 716 000 20,4 10 299 597 960 149 10,3 4 686 433 1 069 999 29,6 8 600000 2100 000 32,3 28 500 000 2 258 000 8,6 63 859 247 3 179 606 6,3 sieht auf den ersten Blick, daß für wirklichen Massen« an Baumwolle eigentlich nur Großbritannien und die Soziales. Ein„human" denkender Arbeitgeber. Der Waschanstaltsbesitzer Jacob hatte der Expedientin R. auf ihren Antrag 14 Tage Urlaub gewährt und sie während des Nr- laubs entlassen. Die Entlassene klagte deshalb gestern beim Ge- werbegcricht. Sie forderte Lehnzahlung für die Nrlaubszeit mit 50 M. Der Beklagte machte durch seinen Vertreter geltend, der Urlaub fei nur unter der Bedingung gewährt, daß die Klägerin auf den Lohn verzichte Das gab die Klägerin zu, erklärte aber, sie habe den Urlaub unter der Voraussetzung begehrt, daß sie später wieder weiter beschäftigt würde. Ein Vergleichsvorschlag scheiterte am Widerstände des vom Beklagten entsandten Vertreters, der da meinte, daß seinem schon so„humanen" Chef weitere Zahlung an die Klägerin nicht zugemutet werden könne. Der Vorsitzende, Magistratsrat Dr. Leo, hielt ihm entgegen, daß der häufige Gebrauch des Wortes„Humanität' sich schon zum Unfug ausgewachsen habe, auch im vorliegenden Falle stelle er sich unter Humanität etwas anderes vor, als der Beklagte oder sein Ver- treter. Nach längerer Beratung gab das Gericht dann als seine Ansicht kund, daß nach§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs der Be» klagte zur Lohnzahlung für die Urlaubszeit, wenigstens bis zum Tage der Entlassung, das sind 1% Wochen mit 37,50 M., ver pflichtet sei. Darauf müsse sich die Klägerin noch daS während dieser Zeit für ihre Erkrankung von der Kasse bezogene Kranken geld mit 12 M. anrechnen lassen, so daß der Beklagte noch 25 M. zu zahlen habe. Nun erst erklärte sich der Vertreter deS Beklagten zu einem Vergleich auf diesen Betrag bereit. Berantw, Redakt.: Richard Vorth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Hue Induftrie und Ftandel. Gute Weltgetreideerute. Nach den Schätzungen des Internationalen landwirtschaft- lichen Instituts in Bern überwiegt die diesjährige Getreide- ernte der Hauptstaaten die vorjährige um zirka 5 Prozent. Das Institut gibt folgende Zahlen bekannt: Weizen: Groß» britannien 1 702 600(gegen 1 584 909 im Vorjahre), Italien 5 530000(4173200), Spanien 4 263000(3 740 752), Ru- mänien 2 600000(3016240), Vereinigte Staaten von Amerika 18092800(18 926864), Kanada 5 815 590(4082051). Roggen: Spanien 841 07i ja erst kürzlich bei den Erörterungen über die Herausgabe eine? Montagsblattes rechnerisch dargelegt worden. Die damals ange- führten Gründe für die Beibehaltung der gegenwärtigen Erschei- nungsweise beständen heute noch. Nach weiterer Diskussion wurde der Antrag abgelehnk. Ljög'ch begründete einen Antrag de» vierten Kreises, welcher lautet: „Die Verbandsgeneralversammlung von Groß-Berlin wolle beschließen, die Aufstellung der Kandidaten zum preußischen Ab- geordnelenhause jedem einzelnen Landtagslvahlbezirk resp. den- jenigcn Reichstagswahlkreisen selbst zu überlassen, die an der Landtagslvahl beteiligt sind." Liepmann trat dagegen für folgenden Antrag deS dritten Kreises und des Zentralvorstandcs ein: „Die Verbandsgeneralversammlung von Grvß-Berlin wolle beschließen, die Ausstellung der Kandidaten zum preußischen Ab- gcordnetenhause denjenigen RcickfstagSwahlkreisen selbst zu über- lassen, die an der Landtagswahl beteiligt sind. In strittigen Fällen, in denen sich die an der Aufstellung beteiligten ReickiStagStvahlkreise nicht verständigen können, ent- scheidet die Verbandsgeneralvcrsammlung durch Aufstellung der Kandidatur." Der Redner verwies darauf, daß die Berliner LandtagSwahl- kreise aus Teilen verschiedener Reichstagswahlkreise zusammcnge- setzt sind. Würde der Antrag des vierten Kreises angenommen', dann hätte über die Aufstellung der LandtagSkandidaten nicht die Kreisorganisation, sondern die Bezirke zu entscheiden, und es läge die Gefahr nahe, daß die Genossen, welche nur mit einem kleinen Teil ihres ReichStagLwahlkreiscs am LandtagSwahlkreise beteiligt seien, durch den mit einem größeren Anteil beteiligten Reichstags- kreis majorisiert würden. DaS Prinzip, wonach die Reichstags- Wahlkreise die Grundlage unserer Parteiorganisation bilden, würde durch den Antrag des vierten Kreises durchbrochen. Der Antrag deS dritten Kreises und des Zentralvorstandes trage den bestehen- den Verhältnissen Rechnung, er berücksichtige die berechtigten Interessen der Reichstagswahlkreise und empfehle sich deshalb zur Annahme. Der Antrag des vierten Kreises wurde ange, n o m in e n. H o r I i tz begründete eine Resolution von Teltow» e e s k o w, die fast einstimmig angenommen wurde und dem Parteitage eingereicht werden soll. Die Resolutron lautet: „Die Verhandlungen über die GenossenschaftSfrage und die fast einstimmige Annahme deS Antrages über daS Genossen» schaftSwesen auf dem Magdeburger Parteitag haben endlich die langersehnte Regelung des Verhältnisses zwischen Partei und Konsumgenossenschaften gebracht. Klar und scharf wurde her- vorgehoben, daß die Arbeiter die Hauptträger der Konsum- genossenschaftsbewegung sind und daß diese bemüht sein müssen, diese Bewegung mit sozialistischem Geiste zu erfüllen, damit auch die Konsumvereine als Waffen im proletarischen EmanzipationS- kämpfe Anwendung finden können. DaS fetzt aber auch voraus, daß die leitenden Männer der KonsumgenossenfchaftsbewMng dieser energischen Willenskundgebung der imposanten Masse politisch organisierter Arbeiter und Arbeiterinnen nicht entgegenarbeiten und diesen Wille» durch so widerliche Zerrbilder von Neutralität, wie sie der Ge- neralsekretär des Zentralverbandes deutscher Konsumvereiue Heinrich Kauffmann gezeichnet hat, geradezu verhöhnen. Die Tatsache, daß die Aeußerungen Kaufmanns bisher in der„Kon- sumgenossenschaftlichen Rundschau" unwidersprochen Rieben, spricht dafür, daß der Generalsekretär m führenden Kreisen nicht isoliert dasteht. Die VevbandSgeneralversammlung wendet sich mit aller Schärfe gegen diesen NeutralitätSfanatiSmuS und erhebt energischen Widerspruch. Sie spricht aber auch gleichzeitig aus, daß eine Wiederholung solcher Aeußerungen nur dann ausbleiben kann, wenn durch massenhaften Eintritt der Genossen und Ge- nossinnen in die Konsumvereine und rege Anteilnahme an der Beivcgung derselben die Möglichkeit geschaffen wird für die AuS« breitung sozialistischen Geistes in den Konsumvereinen. Nur dann können die tiefen Gegensätze zwischen Masse und Führer verschwinden und die auf dem Magdeburger Parteitag und dem internationalen Kongreß in Kopenhagen ausgesprochene» Erwartungen in Erfüllung gehen." Gegen Kriegshetze und Marokkoschacher lautete der letzte Punkt der Tagesordnung. Der Referenk Däumig entwickelte in anderthalbstündigem Vortrage ungefähr folgenden Gedankengang: Seit 6— 7 Jahren ist Marokko zu einem Wetterwinkel geworden, aus dem von Zeit zu Zeit Gewitterwölken aufsteigen, welche den politischen Horizont Europa? verdunkeln. Zuerst war es das Auftreten Wilhelm II. in Tai�cr, was beun- cuhigend wirkte. Später folgten dann die Vorgänge, die zum Ab» schluß der AlgeciraSakte führten. In diesem Jahre haben sich die schweren Wetterwolken entwickelt aus dem Rauch deS Kanonenbootes„Panther", welches die deutsche Regierung nach Agadir sandte. Dieses Gewölk hängt drohend über Europa. Es hat eiue Spannung erzeugt und eine Ungewißheit der Lage herbeigeführt, wie keines der früheren Ereignisse. Es ist eine Pflicht des Proletariats, die Marokkofrage ruhig und nüchtern zu betrachten und sich zu fragen, wie es den Verwickelungen, die aus dieser Affäre noch entstehen können, entgegentreten kann. 1906 ging der Ma- rokkohandel, der mit der Konferenz in AlgcciraS endet«, nicht zum Ruhme der Diplomaten aus. ES war von vornherein klar, daß das AlgeciraSabkommen keine Lösung der Angelegenheit bedeuten könne. Es ist töricht, wenn man glaubt, die Wiederherstellung der AlgeciraSakte werde den jetzt vorhandenen Zündstoff beseitigen und Ruhe herstellen. Das ist bei den entgegenstehenden Interessen der in Marokko beteiligten Kapitalistengnippen unmöglich. Frankreich und Spanien haben sich wenig an die AlgeciraSakte gekehrt. ES kam dahin, daß der jetzige Sultan von Marokko um Schutz gegen seine Untertanen ersuchte und Frankreich angeblich zum Schutze des Sultans Soldaten nach Maroiko sandte. Frankreich behauptet, cS habe dadurch die AlgeciraSakte nicht verletzt. Sein Vorgehen er- regte die Eifersucht Spaniens, welches Schiffe nach Larasch sandte und Truppen landete. ES handelt sich also um einen Interessen- gegensatz zwischen Frankreich und Spanien. Frankreich und England haben sich wegen ihrer nordasrika. nischen Politik verständigt. weil sich die Flotten, und Weltmachtspolitik Deutschlands gegen England richtet, Hierin ist also in letzter Linie die Ursache des gegenwärtigen Konflikts zu suchen. In diese Situation brach nun die Nachricht bin- cm. daß das deutsche Kanonenboot„Panther" vor Agadir erschien unter dem Vorgeben, es seien dort deutscl« Interessen bedroht. Tatsächlich war, wie jetzt feststeht, damals gar kein Deutscher in jenem Teile von Marokko. Erst später sind einige Agenten der Firma ManncSmann dorthin gegangen. Die Begründung für da» Eingreifen Deutschlands in den Marokkokonflikt war also unwahr. Als die Kunde von der Entsendung des„Panther" nach Deutschland kam, rief sie in der nationalen Presse großen Jubel hervor. Man frohlockte, daß sich Deutschland an dem Wettbewerb um Marokko beteiligte. Selbst linkslibe«fle Llgttex, wie t>a» ..Berliner Tageblait", kvareK mit dem Eingreifen Deutschlands gan� einverstanden. Man suchte nun diese Geschichte dem dcut- schen Volke möglichst schmackhaft zu machen.— Man kann wohl annehmen, daß die deutsche Negierung von Anfang an nicht die Absicht hatte, es zur äujzerstcn Konsequenz, einem Kriege mit Frankreich, zu treiben. Es ist vielmehr anzunehmen, dah sich die Regierung sagte: Bekommen wir ein Stück Marokko, so ist es gut. Wenn nicht, dann verlangen wir eine Entschädigung dafür, daß wir Frankreich in Marokko freie Hand lassen. Doch wie dem auch sein möge, das eine steht fest: Als die deutsche Regierung ein Kriegsschiff nach Agadir sandte, fing sie ein sehr gefährliches Spiel «ut dem Schicksal des deutschen Volkes an, denn sie konnte nicht voraussehen, zu welchen Konsequenzen ihr Eingreifen führen würde. Die ganze Aktion lief darauf hinaus, der deutschen Weltmachtspolitik einen neuen Impuls zu geben. Gelänge das nicht mit einem Stück Marokko, so wollte man darauf hinarbeiten, daß unsere afrikanischen Kolonien möglichst vergrößert, erweitert und miteinander verbunden würden. Also auf die Schaffung eines größeren dcutsch-wcstafrikanischcn Kolonialreiches will die Regierung hinaus. Die Verhandlungen mit Frankreich werden bekanntlich unter strengstem Ausschluß der Ocffentlichkeit geführt. Wenn auch seht eine Verhandlungspause eingetreten ist, so ist die Situation noch genau so ungewiß und gespannt, wie zu Anfang und in der bürgcr- lichen Presse wird nach wie vor das Verlangen nach einem stück Marokko aufrechterhalten. Man sucht auch der deutschen Arbeiter- klaffe klar zu machen, daß sie an einer solchen Erwerbung ganz hervorragend interessiert sei.— Ich bin der Meinung: Für die deutsche Arbeiterschaft, beionders für die Sozialdemokratie, liegt die Frage nicht so: Wie wird die Weltmacht Deutschlands gestärkt, isondcrn wir müssen die Frage stellen: Was hat die deutsche Arbeiterschaft und die Volksnnrtschaft von einem Stück Marokko oder von den Kompensationen zu erwarten. Es wird gesagt, Marokko sei geeignet als Ansiedelungskolonie für den Uebcrschuß der deutschen Bevölkerung.— Die Behauptung, daß wir an einem Bevölkerungsüberschuß leiden, der in Deutsch- ■land keine Existenzmöglichkeit finden könne, muß entschieden be- stritten werden. Wenn wir einen Bevölkerungsüberschuß hätten, dann brauchten die deutschen Unternehmer nicht IMi Millionen ausländischer Arbeiter beschäftigen. Gegen die Behauptung, wir hätten einen Bevölkcruirgsüberschuß, spricht auch die Tatsache, daß die deutsche Auswairderung seit Jahren wesentlich zurückgegangen ist. Die Auswanderung würde noch viel geringer sein, wenn man für ausreichende Löhne in- Deutschland sorgen würde. Ucbrigens ist es gar nicht wahr, daß Marokko, namentlich das hier in Frage stehende Südmarokko, sich als SiedelungSkolonic für Deutsche eignet. Das Klima und die Bodeiubeschaffenheit stehen der Ansiedelung von Kleinbauern entgegen. Dazu kommt noch, daß ja Marokko be- reitS Einwohner hat, die sich jeder Ansiedelung von Fremden ganz entschieden widersetzen würden. Zeigt uns doch die Kolonial- Geschichte Frankreichs, daß 80 Jahre Kämpfe, schwere Opfer an Gut und Blut nötig waren, um nur einen kleinen Teil von Algier der Siedclung zugänglich zu machen. So würden wir in Süd- Marokko mit den kriegerischen Berbern eine unabsehbare Reihe von Kämpfen bekommen, die das Tausendfache von dem ver- schlingen würden, was eine Siedelungskolonie einbringen könnte. Als zweites Argument für die Erwerbung eines Stückes Marokko wird angeführt: Deutschland sei ein so bedeutendes Industrieland, daß es für die Beschaffung von Rohstoffen ernstlich besorgt sein müsse. Einer der wichtigsten Rohstoffe, die Baumwolle, könne in Marokko gebaut werden.— Ich erinnere daran, daß wir seit 30 Jahren Kolonien haben, wo Baumwolle gebaut wird. Wir haben c» aber damit nicht weiter gebracht, als daß kaum der sechshundcrtste Teil des Bedarfs der deutschen Textilindustrie an Baumwolle durch die deutschen Kolonien gedeckt wird. Zu den Herstellungskosten dieser Baumwolle mutz man auch die Auftven- düngen rechnen, welche daS Reich für die betreffenden Kolonien macht. So wird diese Baumwolle für die deutschen Steuerzahler «in sehr teures Produkt.— Marokko eignet sich übrigens gar nicht für den Anbau von Baumwolle, weil es dem Lande an der nötigen Bewässerung fehlt. Eine solche müßte erst durch sehr kostspielige technische Einrichtungen ermöglicht werden.— Trotz alledem sucht man— leider sogar aus Parteikrcisen— den deutschen Arbeitern begreiflich zu machen, daß sie ein Interesse an der Kolonialpolitik hätten und in Konsequenz dessen auch die Militärkosten bewilligen müßten. Ferner wird gesagt, in gewissen Teilen Marokkos wären un- ermeßliche Schätze von Erz und Metall zu finden. Es mag sein, daß die deutsche Industrie ein Bedürfnis nach diesen Schätzen hat, es muß aber verneint werden, daß es im Interesse der deutschen Arbeiter liege, uns deshalb in koloniale Abenteuer zu stürzen und die Gefahr eines Weltkrieges auf uns zu nehmen. Wenn die Aus- beutung der Erzlager gelingen sollte— was noch sehr zweifelhaft ist—, dann haben wir nichts dagegen, wenn Deutschland im Wege friedlicher Verhandlungen daran beteiligt wird. Diese Möglichkeit vereiteln aber gerade die Leute, die nach einem Stück Marokko schreien, denn sie wollen ja, daß wir in Marokko einen strategischen Stützpunkt gegen Frankreich gewinnen. Wenn dieser militärische Ge- sichtSpuntt geltend gemacht Ivird, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn auch ein Gegensatz entsteht zwischen den fran- zösischcn und deutschen Kapitalisten, die sich zur Ausbeutung der marokkanischen Erzlager zusammengetan haben. Mit kriegerischem Säbclrassel« kann die Ausbeutung der Erzschätze nicht erzielt werden. Als weiteres Argument dafür, daß sich Deutschland in Marokko festsetzen müsse, wird gesagt, Frankreich wolle sich aus der afrikanischen Bevölkerung ein schwarzes Armeekorps bilden, um mit dieser Verstärkung seiner Streitkräfte die Revancheidee zu vcrioirtlichcn.— Nichtig ist, daß Frankreich die Absicht verfolgt, die Eingeborenen für seine Armee zu verwenden. Bekanntlich sind ja 1870 Turkos und Spahies gegen Deutschland ins Feld geführt worden. � Doch das sind Nordafrikaner. Die konnten wohl im heißen Sommer in Europa verwendet werden. Aber die Neger aus dem äquatorialen Afrika, um die eS sich jetzt bei dem schwarzen Armeekorps handelt, sind sowohl wegen des europäischen Klimas als auch wegen der europäischen Militärtechnik in einem euro- päischen Kriege �ar nicht zu verwenden. Die schwarze Armee haben wir also nicht zu fürchten. Alle Argumente, welche die Marokkopolitiker anführen, sind hinfällig. Weder ei» Stück Marokko, noch die statt dessen gefor- derten Kompensationen haben für die deutsche Arbeiterklasse und für die deutsche Volkswirtschaft etwas Verlockendes. Wir weisen deshalb solche Geschenke, die nur böse Folgen für uns haben können, entschieden zuriich Roch ein Gesichtspunkt kommt in Betracht. Man glaubt in der Marokkofrage eine Wahlparole gefunden zu haben, die den Regierungsparteien einen ähnlichen Erfolg bringen könnte wie der Hoiteniottenrummcl bei den Wahlen von 1007. Aber der Schwin- del zieh! heute nicht mehr. Daß er auch bei denen nicht zieht, die allenfalls noch darauf hincnmllen könnten, dafür müssen wir sorgen. Ich weise noch daraus hin, daß eine so wichtige Angelegen- hcit wie die Marokkofrage entschieden wird von einem Dreimänner- Kollegium unter gänzlicher Ausscheidung des Volkes und seiner Vertretung. Wir haben deshalb umsomchr Ursache, außerhalb des Parlaments gegen die Behandlung dieser Frage aufzutreten -und auch dagegen, daß eine Reihe bürgerlicher Blätter eine ganz frivole Kriegshetze betreibt. Gegenüber den gewissenlosen Forde- rungen der Alldeutschen treten alle anderen Fragen zurück. Wenn jetzt Friedensbeteuerungen laut werden, so darf man nicht glauben, j>atz die Möglichkeit eines Krieges schon beseitigt ist. Es können immer noch ernste Verwickelungen entstehen. Angesichts dieser Situation ist es selbstverständlich, daß die sSozicildcmokratie ihre Stimme erhebt und mit Nachdruck ausspricht: Wir wollen keinen Krieg, am wenigsten wegen einer Sache, die uns nicht den gering- sten Vorteil bringt. Je lauter und nachdrücklicher>vir diesen Ruf erschallen lassen, umsomchr werden wir zur Erhaltung des Friedens beitragen. Es ist erfreulich, daß Kundgebungen der Ar» beiterschafl gegen den Krieg schon in vielen Orten stattgefunden l�ben.— Man hört bei dieser Gelegenheit auch sagen, das Prole- tariat werde zu unterscheiden haben, ob es sich um einen Angriffs- ober einen ABlvehrkrieg handele.— Die Zeiten sind' vorbei, wo Völker durch fremde Horden überfallen wurden. Bei den heutigen Kriegen und der heutigen Militärtechnik kann man nicht mehr unterscheiden, wer der Angegriffene und wer der Angreifer ist. Wir sind grundsätzliche Gegner des Krieges. Sollte die gewissen- lose und verbrecherische Kriegshetze der großkapitalistischen und all- deutschen Kreise Erfolg haben, dann dürfte es nicht bei Protesten in Worten bleiben. Es kann sich nicht darum handeln, Demonstra- tionsversammlungen zu füllen, sondern jeder wird mit seiner Person für den Frieden einzutreten haben. Wenn es zur Mobil- machung kommt, so ist es in erster Linie die Arbeiterschaft, die das bitter empfindet. Di« Industrie wird lahmgelegt. Große Arbeitslosig- keit ist die Folge. Da zunächst für die Ernährung der Armee gesorgt wird, so steigen die Lebensmittel im Preise ungeheuer. Die Ge- wcrkschaften werden durch eine Mobilmachung sehr empfindlich getroffen. Ihre leistungsfähigsten Mitglieder müssen als Rc- servisten und Landwehrmänner zur Armee einrücken. Infolge- dessen fällt ein großer Teil der Einnahmen an Beiträgen aus, während auf der anderen Seite die Ansprüche an die Kasse wachsen. Auch die Konsumgenossenschaften haben unter einem Rückgang des Absatzes zu leiden. Wir haben in Deutschland über zwei Millionen gewerkschaftlich und politisch organisierte Arbeiter. Davon würden etwa 600 000 der MobilmachungSorder zu folgen haben. Sind unsere Anhänger geschult genug, um tn diesem Falle die richtige Lösung zu finden? 1870 haben unstre Genossen nach Scdan einen mutigen Protest erhoben. Aber was unter den damaligen Ver- Hältnissen als eine mutige Tat gelten konnte, das würde heut Feigheit, politischer Selbstmord sein.(Sehr richtig!) Man sieht also, daß die Sache nicht so leicht zu behandeln ist. Mit platonischen Erklärungen kommen wir nicht davon, wenn die Kriegshetzer daS Heft in die Hände bekommen. Unsere Parteigenossen müssen diszipliniert und entschlußsähig sein. Wir müssen daran denken. daß unsere Organisation nicht nur eine Maschine zur Betreibung von Wahlen, sondern eine Kampfeinrichtung ist, und daß sie zu handeln bereit ist, wenn der Ernst der Situation an sie herantritt. Von diesem Gesichtspunkte aus erscheint die Frage des politischen Massenstreikes in neuer Beleuchtung. Wir müssen immer mit der Möglichkeit rechnen, daß die letzten Fragen der Politik auf einem anderen Gebiete als an der Wahlurne entschieden werden. Wenn wir das unseren Genossen klar machen, wird ihr Geist ein anderer werden. Die Kleinlichkeiten werden dann in unseren Reihen nicht mekir die Rolle spielen, die ihnen heute manchmal noch zugestanden wird. Man wird sich klar darüber sein müssen, daß uns Situa- tionen aufgezwungen werden können, die uns nötigen, außer- ordentliche'Kampfmittel anzuwenden, wie das auch in bürgerlichen Revolutionen der Fall gewesen ist; natürlich mit anderen Mitteln und mit anderer Taktik. Man darf nicht glauben, daß die Zeit der Kriege vorbei ist. Die riesenhaften Rüstungen führen notwendig zu kriegerischen Konflikten und die Angst vor der wachsenden Macht des Prole- tariats zwingt die Regierungen im gegebenen Falle zu einem va b-cnquc-Spiel. Wir aber wollen dafür sorgen, daß der Krieg, der dann herausbeschworen wird, der letzte Krieg ist, der überhaupt zwischen den Kulturvölkern geführt wird und daß nie wieder die Waffen erhoben werden. Das erreichen wir dadurch, daß wir die Genossen, die in unseren Reihen stehen, zu wirklichen zielbewußten und zuverlässigen Kämpfctn erziehen.(Lebhafter Beifall.) Ohne Debatte nahm die Versammlung die im Leitartikel ab- gedruckte Resolution an. Bezugnehmend auf die letzten Ausführungen des Genossen Däumig schloß der Vorsitzende E r n st die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf die internationale Sozialdemokratie. 12. Msilidstag der Köttcher«ud Köttchertihilfsarbeiter. Dresden, 21. August 1911. Im hiesigen BolkshauS begann heute der 12. BerbandStag des Zentralverbandes der Böttcher und Böttchereihilfsarbeiter. Auf der Tagesordnung des Kongresses stehen neben dem Geschäftsbericht des Hauptvorstandes unter anderem Referate über die Stellung des Verbandes zum Brauerei- und Mühlenarbeitcrverbande sowie über Agitation und Organisation. Zur Berschmelzungsfrage mit dem Brauereiarbeiterverband liegen eine Reihe Anträge vor, die den Anschluß an einen größeren Jndustrieverband verlangen, und zwar soll darüber eine Urabstimmung vorgenommen werden. Falls sich hierbei eine Mehrheit für die Verschmelzung ergibt, soll der Hauptvorstand mit den hauptsächlich in Betracht kommenden Or- ganisationen: Verband der Brauerei, und Mühlenarbeiter Deutsch- lands und Deutscher Holzarbeiterverband in Unterhandlung treten, um eine Verschmelzung anzubahnen. In diesem Sinne haben sechs Verwaltungsstellen Anträge gestellt. Acht Zahlstellen hingegen verlangen, daß alle Anträge, die auf eine Verschmelzung hinzielen, abzulehnen sind. Der Geschäftsbericht des Vorstandes erstreckt sich auf die drei Jahre 1908— 1910. In dem Bericht, der gedruckt vorliegt, wird eingangs daran erinnert, daß nunmehr 25 Jahre seit der Gründung der Organisation verflossen sind. Im ersten Dezennium entwickelte sich der Verband trotz des niedrigen Beitrages nur sehr langsam. Ende 1897 waren eS erst 3700 Mitglieder. Fünf Jahre später 6010 und Ende 1907 tonnten 7819 Mitglieder ge- mustert werden. In den letzten drei Jahren stieg die Zahl der Mitglieder um nur 230, sie betrug 1910 8049. Das bedeutet, daß fast alle in Faßfabriken, Böttchereien, Weinhandlunaen, verbunden mit Küferei, beschäftigten Gesellen und Arbeitern bereit? organi- siert sind. Die Weinhandlungen mit Küfereibctricb sind im über- wiegenden Teile ein noch unbcackertes Feld. Die Agitation war eine intensive. ES sind in der Ge- schäftspcriode 4380 Neucintritte erfolgt. Diesen stehen aber eine sehr hohe Zahl von Austritten gegenüber. waS auf eine lebhafte Fluktuation schließen läßt. Die Hauptursachen der geringen Steigerung der Mitgliedcrzahl liegen wohl größtenteils in der hinter uns liegenden schlechten Wirtschaftsperiode, unter der auch die Küfer stark zu leiden hatten..... An Lohnbewegungen war die Periode ziemlich reich. Es fanden 47 AnoriffSstreiks, 11 Aussperrungen und Abwehrstreiks sowie 123 Lohnbewtgungen ohne Arbeitseinstellung mit insgesamt 4407 Beteiligten ihre Erledigung. In 58 Fällen kam eS zu Ar- bcitseinstcllungen. woran 707 Kollegen beteiligt waren. Von den Streiks und Aussperrungen endeten 12 mit vollem Erfolg, 26 mit teilwcisem und 21 ohne Erfolg. Durch sämtliche JBeivegiingeii wurden erreicht: für 3956 Kollegen eine Lohnerhöhung um 23 011 M. pro Woche und für 1835 Kollegen eine Arbeitszeit. Verkürzung um 419 Stunden wöchentlich. In 83 Fällen wurden mit den Unternehmern Tarifverträge abgeschlossen, an denen 2161 Kollegen beteiligt sind. Der Kassenbericht weist an Einnahmen und Ausgaben inklusive der Vcrmögeusbestände 715 162,67 M. für die Jahre 1908 bis 1910 auf. An Beiträgen wurden 607 434.52 M. in den Verwaltungsstellen und 8708,60 M. in der Hauptkasse eingezahlt. Von den Ausgaben seien hervorgehoben: Arbeitslosenunterstützung 08 859 M.. Krankenuntersiützung 191 963 M.. Rciscuntcrstützung 12 118 M. und Streikunterstützung 63 429 M. Für Agitation wur- den 26 451 M. aufgewandt. Das Vermögen stieg in der Be- richtSzeit um 42 858.03 M.; es betrug Ende 1910: 121018,37 M. Hus der parteL Die Landesversammlung der Sozialdemokratie Sachsens wurde Sonntag abend eröffnet. Es sind 75 Delegierte, die ReichStagsabgeordncten und die LandtagSfraktion anwesend. im ganzen 122 Personen. Der Partcivorstand ist durch den Genossen Pfannkuch vertreten, der eine Ansprache hielt, in der er besonders auf die bevorstehenden Reichstags- Wahlen hinwies und die Pflicht des Parteivorstandes gegenüber den erfolgten Angriffen der Presse detonte, alles genügend vor- zubereiten, um in dem großen bevorstehenden Reichstagswahlkampf erfolgreich zu bestehen.>» Am Montagvormittag S Uhr wurde die Sitzung fortgesetzt. Den Bericht des Zentralkomitees erstattete Genosse Schultz«. Der Bericht konstatiert auf allen Gebieten der Parteibewegung einen mächtigen Fortschritt. Die politische Organisation hat um zirka 20000 Mitglieder zu- genommen, ,n besonders erfreulicher Weise auch die Zahl der organisierten Frauen. Nach dem Bericht des Kassierers des Zentralkomitees sind die Finanzen gute; man hofft, ohne Hilfe des Partcivorstai�dcs die Neichstagswahlen durchführen zu können. Eine Debatte über die Berichte wurde nicht beliebt. Genosse Sindermann bespricht dann den neuen Organi- sationSentwurf. Die Debatte dreht sich vor allen Dingen um drei Punkte. Einmal um die Beaufsichtigung der Presse in taktischer und prinzipieller Hinsicht; dann um Abführung von 10 Proz. an die Komitees und drittens um das Stimmrecht der Komitees in den einzelnen Kreisvorstandssitzungen. Die Debatte darüber füllt fast den ganzen Tag aus. ES werden besonders die angeführten Punkte umstritten. Schließlich wird auf Antrag des Genossen Geyer- Leipzig eine Kommission gewählt, die den Ent- Wurf noch einmal durcharbeiten und Dienstag Bericht erstatten soll. Es wird dann noch ein Antrag angenommen, der die Landtags- fraktion beauftragt, Anträge auf Erweiterung des Bauarbeiter- schütze? in Sachsen einzubringen. Eine Entgegnung Maurcnbrechers. Als Antwort auf unsere Notiz über die von Max Mauren- brecher, Hulda Maurenbrecher und Gerhard Hildebrand verfaßte Resolution über unsere Stellung zur Kolonialpolitik sendet uns Genosse Max Maurenbrccher eine Entgegnung, in der er bestreitet, daß eS sich um eine Resolution Maurenbrecher handele; sein Freund Hilde» brand habe als der Sachkundigere in Kolonialfragen den größeren Anteil an der Formulierung der Resolution. Weiter betont Genosse Mourenbrecher, daß es sich bei Einbringung der Resolution um kein Reklamebedürfnis gehandelt habe; viel- mehr sei die wohlbegründete Ueberzeugung, daß die Haltung der Partei in Kolonialfragen falsch sei und der Partei zum Ver- hängnis werden könne, für die Einbringung der Resolution maß- gebend gewesen. Am Schluß seiner Zuschrift beteuert Mauren- brecher, daß er in aller Seelenruhe es dem„Vorwärts" überlasse, sich weiter moralisch zu kompromittieren. Es freut uns, Genossen Maurenbrecher in seiner Seelenruhe nicht gestört zu haben. Wir versprechen dem Genossen Mauren- brecher aber, daß wir auch in Zukunft durch Abweisung Partei- genössischer Kolonialfcxcreien sein Mißfallen erregen, oder wie er sich auszudrücken beliebt, uns„moralisch kompromittieren" wcrdcnr Ter Sozialismus im Polargebiet. Das Parteibureau in Chicago wurde von den Genossen in Alaska um die Absenkung eines Organisators zu einer Agitationsreise im Eislandc ersucht. Gleichzeitig trafen 107 Dolla» in Gold staub ein._ Ans den Organisationen. Die Generalversammlung des Sozialdemo» 'ratischen Vereins für den Wahlkreis Bochum fand am Sonntag in Langendreer statt. Die Organisation in diesem Wahlkreise mit seinen rund 760 000 Einwohnern hat auch im letzten Geschäftsjahr eine erfreuliche EntWickelung gezeigt. Die Mitgliederzahl betrug Ende des Geschäftsjahres 6274(darunter 1484 weibnche) gegen 5480 im Vorjahre. In den verschiedenen Orten des Kreises fanden 555 Mitgliederversammlungen und 98 öffentliche Versammlungen statt. Außerdem 11 spezielle AgitationSversaminlungcn für Frauen und 8 Versammlungen zum Frauentag. An Flugblättern wurden insgesamt verbreitet 561 000, Kalender 30 000 Stück und rund 26 000 Broschüren. Tie Gesamteinnahme betrug inklusive 4346 M. Kassenbestand 40 775 M. Die Gesamtausgabe rund 32 775 M. Wobei zu bemerken ist, daß daS Geschäftsjahr 15 Monate umfaßt. Zum deutschen Parteitag wurde der Antrag gestellt, am Tage der ReichStagswahl im ganzen Lande die Arbeit ruhen zu lassen. Als Delegierter zum Parteitag wurde der Partei- sekretär Genosse Scheibe gewählt. Die Generalversammlung des Sozialdemo- kratischen Vereins für den Kreis Kaffel-Mel- f u n g e n hat am Sonntag im Gewcrkfchaftshause zu Kassel stattgefunden. ES waren 90 Delegierte anwesend. Nach dem er- statteten Geschäftsbericht zählt der Verein 3300 Mitglieder in 40 Orten; die innere Erstarkung der Organisation kommt deutlich in der Abrechnung zum Ausdruck. ES wurden vereinnahmt 19 828,50 M., davon 14 500 M. an Beiträgen. Ausgaben waren in Höhe von 14 858,91 M. vorhanden, so daß ein Kassenbestand von 5469,59 M. verbleibt. Vor Eintritt in die Verhandlungen wurde von der Versamm- lung eine scharfe Protestresolution gegen die Maroklo-KriegShetzer angenommen. Darin heißt eS, daß die Versammelten jedwede koloniale Raub- und Beutepolitik ver- werfen und die sofortige Einberufung des Reichstages zur Mit- entfcheidung fordern. Weiter fand eine Resolution an den Parteitag in Jena Annahme, in der die RcichstagSfraktion ersucht wird, sofort nach Zusammentritt deS Reichstages im Jnter- esse des notleidenden Volkes, namentlich auch der Kleinbauern und Viehzüchter, zu beantragen die Aufhebung der Zölle auf Getreide. Futtermittel, Schlachtvieh und Fleisch, eine Aenderung der Be- stimmungen des Schlachtvieh- und FleischbeschaugcsetzcS, durch die die Einfuhr von frischem und zubereitetem Fleisch schikanös er- schwert oder gänzlich unmöglich gemacht wird, und endlich die Oeff, nung der Grenzen zur Einführung von Schlachtvieh unter Auf- rechterhaltung unerläßlicher Vorsichtsmaßnahmen zur Verhütung von Seucheneinschleppung gefordert wird. Zum Parteitag wurde der Genosse Struve-Kassel delegiert. Nach dem Bericht des Zentralvorstandes des Sozialdemokratischen Vereins Dortmund- H verde an die Generalversammlung wurden im verflossenen Jahre 2327 männliche und 556 weibliche Mitglieder neu aufge- nommen. Durch die große, im Bezirk herrschende Fluktuation hat sich der Mitgliederbestand aber nur um 453 Mitglieder ver- mehrt. Ani 30. Juni war ein Mitgliederbestand von 9073, nämlich 7418 männlichen und 1653 weiblichen Mitgliedern, vorhanden. Die Mitglieder sind über 68 Filialen im Wahlkreise verteilt. Einnahmen und Ausgaben bilanzieren mit 59 143,77 M. Ter Kasscnbcstand betrug am Jahresschluß über 30 000 M. Tic Einnahmen aus Bei- trägen sind im Jahre um 5679 M. gestiegen. ES haben insgesamt 82 öffentliche und 690 Mitgliederversammlungen stattgefunden. Außerdem fanden noch 294 Bezirkssitzungen in den Bezirken der Stadt Dortmund statt. In den Mitgliederversammlungen sind 294 Borträge gehalten worden. Von den öffentlichen Versamm- lungen waren 25 besonders für Frauen einberufen. An Flug- blättern, Broschüren, Kalendern, Extraausgaben der„Arbeiter- zeitung* und sonstigen Drucksachen sind 731 919 Nummern verteilt worden. ES fanden 128 ZeitungSagitatianen statt, wobei ca. 3000 neue Abonnenten gewonnen wurden. Durch die schon erwähnte Fluktuation ist der Abonncntcnstand jedoch nur um 512 gestiegen. Die Beteiligung an der Maifeier war stark, ebenso stark wie im Jahre vorher, wo die Feier auf einen Sonntag fiel. Bei den GemcinderatSwahlcn machte die Partei Fortschritte und eroberte neue Mandate. Insgesamt hat der Wahlkreis 87 sozialdemo- kratische Gemeindcvcrtrcter oder Stadtverordnete und zwar 5 in den Städten Dortmund und Lünen, alle übrigen in den Land- gemeinden. Der Jahresbericht für den 11. badifchen ReichstagSwahlkrcis meldet im Gegensatz zum Borjahre erfreuliche Fortschritte im Mitgliederbestände und in der Zahl der Leser der Parteipress«. Während die Mitgliederzahl am 1. Juli 1910 5930 betrug, musterte die WahlkreiSorgMisation am 30. Juni 1911 7204 Mitglieder, darunter 584 Frauen. Die Kreisorganisation ist eine fast lückenlose, in 30 von 33 Orten des Kreises bestehen selbständige Mitgliedschasieit. Die Zahl der Abonnenten der„Mannheimer Volksstimme" hat im Berichts- jähre eine Zunahme von 1132 zu verzeichnen. In den K a s s« n v e r h ä l t n i s s e n der Kreisorganisation ist gegen das Vorjahr eine merkliche Besserung eingetreten. An Beiträgen wurden 9488 mehr abgesetzt als in der Berichtszcit des JahreS 1909/10. Den Beitragsmarkenumsatz der letzten drei Jahre veranschaulichen die Zahlen; er betrug für: 1908/09 67 577. 1909/10 59 419, 1910/11 68 008 Monatsbeiträge.— Der Kassenbestand der Kreiskasse hat sich um 395,36 M. gehoben und unseren Reserven wurden 600 M. zugeführt. Das Barvermögen der KreiSkasse betrögt 2988,46 Mk., in den Mitgliedschaften sind 4758,64 M. bareS Geld vorhanden, so daß dem 11. Kreis 7747,10 M. an Barmitteln zur Verfügung stehen. Unbefriedigend ist der Um- satz van Extraveiträgen. Während der Berichtsperiode wurde eine umfangreiche Werbearbeit für die Organisation betrieben und lebhafte AgitationSarbcit geleistet. In 35 öffentlichen Versammlungen wurden die aktuellen politischen Vorgänge oes letzten Jahres be- leuchtet. Wie der Bericht betont, sind alle Anzeichen vorhanden, daß im kommenden Geschäftsjahre die Arbeit eine sehr umfang- reiche werden wird. Die Wahlkämpfe werden eine ziemliche Heftig- keit annehmen, denn heute schon arbeitet daS Z e n t r u m mit ~ o ch d r u ck, um zu ermöglichen, das; wir nicht schon im ersten hlgang das Reichstagsmaudat erhalten, sondern in die Stich- Wahl gedrängt werden. Ist dies erreicht, dann soll unser seit- heriger Vertreter aus dem Reichstag hinausgewählt werden; an der Zcntrumsunterstützung würde es hierbei sicher nicht fehlen.— Haben wir zu irgendwelchen Befürchtungen keinerlei Anlaß, so haben wir aber auch keine Ursache, uns allzu großer Siegeszu- versicht hinzugeben, vielmehr macht es die Situation allen Mit- gliedern zur Aufgabe, aufklärend zu wirken, neue Kämpfer zu werben. Tut hierin jeder einzelne seine Pflicht, dann braucht bor den kommenden Kämpfen nicht bange zu sein; vir werde» dieselben stets mit Erfolg bestehen. Au» dem JahrleSbericht d�eS BezirkSvor- stände» der Provinz Ostpreußen geht hervor, daß von den 17 vorhandenen Reichstagswahlkreisen 11 Wahlkreise Krcisorganisationcn besitzen. Diese 11 Kreisvereine und die übrigen Nichtorganisierten Wahlkreise haben ins- gesamt 7817 Mitglieder, darunter 1106 weibliche. Gegen daS Vorjahr ist eine Zunahme von 1749 Mitgliedern zu verzeichnen. Unter den Mitgliedern befinden sich über 2000 Landarbeiter. Daß die Kreisvcreine sich auch finanziell sehr gut entwickelt haben, daraus hervor, daß sie aus ihren Einnahmen von Mitglieder� Beiträgen 2870,23 M. an die Zentralkasse, 638,65 M. an die Bezirks- lasse, 1817,23 M. zu den Kosten des..Landboten", insgesamt also 5335.19 M. zahlen konnten. Im Vorjahr betrug diese Summe 3984.66 M. Der Kreisverein KönigSberg-Stadt trug die Kosten für die sehr umfangreiche Agitation selbst, ohne irgendwelche Zu- schüsse. Ztvei Kreisvcreine brauchten zur allgemeinen Agitation geringe Zuschüsse. Die anderen Organisationen erforderten größere Zuschüsse. Auf deni Lande und in den kleinen Städten wurden 65 000 Kalender. 48 000 sonstige Flugschriften sowie 4500 Broschüren verbreitet. Ter Bczirkssckretär machte 53 Agitation?- touren zu Versammlungen, Besprechungen, Kassenrevisioncn und Abrechnungen. Im Bezirkssekretariat wurde in 384 Fällen münd- lich, in 313 Fällen schriftlich, im ganzen in 697 Fällen Rat und Auskunft allein an die Landbevölkerung erteilt. In allen 17 Wahlkreisen sind nur 11 Versammlungslokale für die Partei vorhanden. In einigen Wahlkreisen gelang es jedoch, eine Reihe von Versammlungen unter freiem Himmel ab- zuhalten, die in der Hauptsache von der Landbevölkerung zahlreich besucht waren. In dem rein agrarischen Wahlkreise Labiau-Wehlau wurde das Abhalten von Versammlungen unmöglich gemacht. Mitgliederversammlungen wurden von der Polizei als öffentliche gestempelt und erfolgte wegen Nichtanmeldung Bestrafung. Zu Versammlungen unter freiem Himmel wurden trotz günstiger Eni- schcidungen des Obervcrwaltungsgerichts die Genehmigungen von Amtsvorstehern, Landrat und Regierungspräsidenten versagt. Aber trotzdem stieg die Mitgliederzahl in diesem Wahlkreise um 181. Verfolgungen durch unsere Gegner und durch die Behörden hatten unsere Genossen auch in den anderen Kreisorganisationcn zu erdulden, trotzdem hat die Bewegung fast überall ganz be- deutende Fortschritte gemacht und stehen die vorgeschritteneren Organisationen zum Wahlkampf gerüstet da. polleeiUcKes, GmchtUcheo ufw. „Ein Bildchen aus dem Rechtsstaat". Unter dieser Uebcrschrift veröffentlichte am 7. November 1910 die„Leipziger Volkszcitung" einen Artikel, worin mit Bezug auf einen gegen unser Elbcrfelder Parteiorgan geführten Prozeß wegen Beleidigung von Polizeibcamten die Tatsache erwähnt wurde, daß der ehemalige Bürgermeister Pfeiffer mit in diesem Prozeß vernommenen Polizeibeanrten vorher Rück- spräche genommen hatte, so daß die Aussagen der Polizeibeamten tufolgedessen nach einer Schablone erfolgten und der Redakteur verurteilt wurde. Diese Aussagen standen aber in striktem Gegensatz zu denen der Zivilzeugen. Es seien also, so hieß es, zahlreiche Falschcide geleistet worden. Es wurde nun gegen den Redakteur der„Leipziger Volkszeitung", Genossen Herr«, An» klage wegen Beleidigung erhoben. In der Verhandlung vor dem Landgericht Leipzig wurde erörtert, daß Bürgermeister Pfeiffer später aus seinem Amt entlassen worden ist. Das Landgericht erkannte auf eine Geldstrafe von 150 M. Dem Bürgermeister Pfeiffer sei der Vorwurf gemacht worden, er habe die Polizei» bcamten zu objektiv falschen Aussagen verleitet. •inpii Alwine Lubcke Franz Xtartiuardt Kixdorl Todes-Anzeigen| SozialdemokratisciierWalilyereiii für den Frankfurter Viertel. Bezirk 307. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Maler Karl Kühne gestorben Ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 22. August, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Georgen« ttirchhofe», Landsberger Allee, aus statt. Ttralaucr Viertel. Stadtbez. 177 b. Wahlbcz. 350 I. Ferner starb unser Genosse, der Gastwirt LmH Melchert RäderSdorjer Straße 64 am 20. August. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Mittwoch, de» 23. August, nach. mittags 3 Uhr, von der Halle des ZentraisriedhoseS in Fried- richSsclde aus statt. Uni rege Beteiligung ersucht I Der Vo' 221/11 «oritand. zirrliand der Malkr, Fackitrer, Anstreichtlusui. Filiale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unler Mitglied, der Maler Ksrl Kühne am 19. August verstorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet heute DienStag, den 22. August, nach- millagS 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Georgen- Kirchhofes, Landsberger Allee, au« statt. 129/13 Tie tLrtövrrwnltnng. iilr den 8. Berliner Heiehstapahllüm Todea- Anzeige. Am Sonntag, den 20. August. verstarb unser Genosse, der Schanhvirt Zrast Knimmrekd Straisundcr Str. 67. Ehre sctvem Andenken! Die Beerdigung findet am MIttivoch. den 23. August, nach- miltag« 4'/, Uhr. vom Traucrhause auS nach dcmFriedhoj der Zürnt- gemeinde in Nordend statt. Um rege Beteiligung ersucht ver Toratand. Deutsctier Melallarbeifer-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Hobler fsleSricli Seluielller am 16. August durch Freitod ge- storben Ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am DienStag, den 22. August, nach- mittag« 4 Uhr, von der Leichen- alle de« Lichtenbelger Gcmeindc- Fricdhose» in Marzahn aus statt Rege Bcleiligung erwartet '21/18 Ole Orteeerwaltung. 1 Hierdurch mache ich allen Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann (justav Fues am Sonnabend, den 19. Augllst, nachmittag« 5 Uhr, verstorben ist. Um stillt Teilnahme bitten Ole trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Mittwochliachmitiag 5 Uhr in FricdrichSsclde statt. 191b Am Sonnabend, de» 19. d. M., verstarb plötzlich unser Kollege Gustav Fues im 31. Lebensjahre. F» der Blüte de» Lebens dahin- gerafft, verlieren wir in dem Verstorbenen einen lieben und werten Kollegen, deffen Andenken wir allezeit m Ehren halten werden. Die Beerdigung findet am Mittwoch, de» 23. August er., nachmittag« 5 Uhr, von derLcichcn- halle des städiischen Friedhofe- in Friedrichsselde au« statt. 196b Tie Bcamten der Ortö- kraiikcnkasse für den Gewerbe- betrieb der Kaufleute usw. MnMerBiireauaD|estellteii Ortsgruppe GroS-Berlin. Am Sonnabend verstarb unser Mitglied Lustgv Fues Kassenangestelltcr(O.-K.-K. der Kaufleute). Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 23. August, nach- mittags 6 Uhr, aus dem Zentral- Fnedhose in Friedrichsseide statt. Die Ortsverwaltung. E? Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege (iustsv Fues am 19. d. MtS. im Alter von 31 Jahren verstorben ist. 70/4 Ehre seinem Andcukcu! Die Beerdigung findet am Mitiwoch, den 23. August, nach- mittags 5 Uhr von der Leichen- 'alle de» Zentral- Fricdhosct üi riedrichSselde, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die OrtSvcrwaltnng. Zentral-Verband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk l. Den Bernssgenoffcn zur Nach- richt, daß unser Mitglied Kurl Miscdler am 19. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nachmittag 3 Uhr von der Leichen- Halle de« städtischen Zentrai-Fned- hoses in Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 254/18 Der Vorstand. Zentral-ßranheu- und Kterbehassk der Zimmerer. (i. H. Nr. 2 Hamburg.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Zimmerer Kasi Mischler Kochhannstr. 17 wohnhast, am IL. August verstorben ist. Tie Beerdigung findet am DienStag. nachmittag« 3 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-Fried- hoses in Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 253/8 Ter Borstand. Bezirk 3. Am 19. d. MtS., 5 Uhr früh. verstarb nach langem schwere» Leiden mein lieber Gatte und Baler, der Tischlerincister .lokannes Bosse. DieS zeigen ticsbetrübt au Dir traucrndeWitwc Anna Bosse nebst Tochter. Die Beerdigung findet heute DienStag, den 22. d. MtS, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen. Halle des St. MatthiaS-Kirchhoie», Jüdcnde, aus statt. ISVb Deutsctier Holzarbeiler-Verband Den Mitgst.'dern zur Rachticht, daß unser Kollege, der Tischler Gustsv Untermann am 19. August gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 23. August, nach mittags 4 Uhr. von der Halle de« Andrcai-Ki.chhoseS in Äib helmsbcrg. aus statt. Tie QrtSverwaltuug Lvsuvlrt Radfabrer als Vertreter für Berlin und Umgegend, welche fleißig und gesund sind, um mit ihrem eigenen Zweirad, in einem ihnen zuzuteilenden Bezirk, wo zirka 1000 Familien wohnen, jeder Familie unsere Artikel feinate Marjgnrlne nnd volltctten Mavgnrinc- Kiine, von 1 Pfund an, wöchentlich frisch ins Haus zu bringen. Es wird angemessene Provision vergütet und ein Minimol-Einkomroen von 150 Mark monatlich garantiert, doch kann sich dieses bei genügendem Fleiß in wenigen Monaten auf den doppelten Betrag steigern. Oflerton mit Angabe des Alters, bisherigen Eebons- laufes und Aufgabe von Ko- ferenzen und ob kautionsfähig an 195b AltonaerMargarine-Werke Mohr& Co. 0. m. d. H. Altona-Ottensen. Danksagung. Beim Heimgänge unseres lieben Entschlasenen, meine» geliebten Manne« und Sehne«, de» Karton- zuschiieider» TV l 1 1 1 11 t n t x c, find un» in reichem Maße so viel ausrichtige Teilnahme und Kranz- spenden erwiesen worden. Wir sagen allen Freunden und Bekannten, ins- besondere sciiic» verehrten Herren Chcs«, den Herren Olle, scincn Kol- legen und Mitarbeitern genannler Firma sowie dem Buchbinderverband unsere» herzlichsten Danf. 1931b Im Namen der hcstrauerndea Hinterbtiebenen Frau Witwe Dttlll« lilntze nebst Schwiegereltern. 4- W ! pcUmanna Sandagerc ift, nebft Artikel zur Oefdiäft,----------- Gesundheits- u. Krankenpflege, /erbaadstoffe. 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Angesichts der brennenden Wichtigkeit der Frage ist es Pflicht namentlich aller in Zigarren sabriken deschästtgten Kollegen und Kolleginnen, zu dieser Versammlung zu erscheinen I _ Pie Ortsvcrwaltnns. 8- A.: Alwin Schulze. Deutscher Ketallarbeiter-Verband. — Verwaltnngsstelle Berlin.===== Arbeitsnachweis: Hos I. Amt III, 1239. CharitHftrasie 3. Hauptbureau: Hos Iii. Amt HI, 19S7. Aonverstag, den Zit. August, ubeuds 8 ilhr, iu der Krauerti Friedrichshuiu Gesellschaft m. b. H. fit j» HM H. xa M H �.unjioger< Wiitiiiaja,» u..y. Jdnsihmstrutnenten- Arbeiter! Mittwoch, de» 23. August, abends 8 Uhr: �ZulZeroräentUcke yertrauenswämier- Verla wml ung im GetverkschaftShauS. Eingang U. parterre, Zimmer 5 (Arbeitslofensaal). Bei der besonderen Wichtigkeit der Tagesordnung darf kein Betrieb der Branche ohne Vertretung sein. ===== Mitgliedsbuch legitimiert.-— 87/10 Die Branchenleitnng. Kennen Sie sie? 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Jahrgang. 2. Itilnp des Jotmiitfo" Krlim WldsdlM Dienstag. 22. Anguß 1911. Kreis-Generalversalumlnug des Kreises Zpandan- Notsdaul-Osthaveiland. In der Kreis-Generalversammlung am Sonntag in Seegefeld, Im Lokal von Nikolai, gab der Kreisvorsitzende Genosse Sohn- biert zunächst den Bericht des Vorstandes. Aus demselben ist zu entnehmen: Zu geschäftlichen Erledigungen waren im verflösse- nen Jahre 30 Sitzungen erforderlich. Der Märkische Landbote wurde in 11 550 Exemplaren, der polnische Kalender in 665 Exem- plarcn, der Schiffer-Kalender in 665,„Die Fackel" in 43 600 Exem- plaren verteilt. Ferner wurden berteilt 343 850 Flugblätter. Sozialdemokratische Stadtverordnete sind vorhanden in Spandau 3, sozialdemokratische Gemeindevertreter haben Bornstedt 1, Bötzow 2, Cladow 2, Hennigsdorf 3, Marwitz 3, Tiefwerder 1, Velten 4 und Vehlefanz 2. Die Beteiligung an der Maifeier war eine verhält- nismätzig starke. Die sozialdemokratische Presse wurde gelesen: „Vorwärts" 1580 gegen 1325 im Vorjahre,„Brandenburger Zei- tung" 2145 gegen 2101 im Vorjahre. Der„Wahre Jakob" wurde in 076, die„Neue Zeit" in 10, die„Gleichheit" in 104 Exemplaren gelesen. In den Berichtsorten wurden im letzten Jahr 149 Vor- standssitzungen, 103 Vereinsversammlungen und 70 öffentliche Ver- sam.nlungen abgehalten. Bildungsausschüsse bestehen 7, welche 74 Veranstaltungen unternahmen. Die Jugendausschüsse haben sich von 7 auk 8 vermehrt. Die Mitgliederzahl der Wahlvereine betrug 2577 männliche gegen 2460 im Vorjahr und 262 weibliche gegen 255 im Vorjahre. Gewerkschaftlich organisiert waren 9015 Per- sonen gegen 8700 im Vorjahr. Den Kassenbericht gab an Stelle des verhinderten Kreiskassierers Genosse Stahl der Genosse Hornig. Die Einnahmen betrugen 7144,22 M., die Ausgaben 5803,56 M., Ueberschuh 1340,66 M. Dazu Bestand vom Vorjahre 2991,09 M., crgiebt einen Kassenbestand bog 4331,75 M. Nach längerer Debatte gelangte folgender Antrag des Genossen Paris- Vellen zur Annahme:„Im Herbst ist möglichst in allen Orten des Kreises eine energische Hausagitation für die Parteipresse vorzu- nehmen." Nach dem Bericht der Mandatsprüfungskommission sind anwesend 24 Delegierte, der Kreisvorstand, die Revisoren, 1 Ver- treter der Presskommission, 1 Vertreter des Jugendousschusses, 2 Vertreter der Agitationskommission, 1 Vertreter des„Vorwärts" und 1 Vertreter der„Brandenburger Zeitung".— Ein Antrag Velten,„Mitglieder, welche länger als eine Woche krank oder er. werbslos sind, sind während dieser Zeit vom Beitrag befreit", wurde nach längerer Debatte mit Stimmengleichheit abgelehnt.— Bezüglich eines Anerbietens der Berliner Arbeiterbildungsschule, dass.15 Genossen aus dem Kreise an 4 5hirsen des Reichstagsseminars teilnehmen können, entschloss sich die Versammlung dahin, dass zunächst die Ortsvereine dazu Stellung nehmen und dann dem Kreisvorstand geeignete Vorschläge machen sollen. Ueber den dritten Punkt der Tagesordnung, Reichstagswahlen, referierte an Stelle des verhinderten Genossen Dr. Liebknecht der Genosse lvchubert. Er schildert in?sstündiger Rede die allgemeine politische Lage, namentlich die Marokko-Angelcgenheit und meinte, dass das Haupt- gewicht der Agitation auf die Hauptwahl zu legen sei. Man solle es dem Wahlkomitce überlassen, wann mit dem Wohlkampf be- gönnen wird. An diese Ausfuhrungen schloss sich eine längere Dis- kussion. Beschlüsse wurden hierzu nicht gefasst. Ueber Provinzial- konferenz und Parteitag referierte ebenfalls Genosse Schubert. Folgende von ihm eingebrachte Resolution gelangte nach längerer Debatte zur Annahm«:„Die Parteigenossen werden aufgefordert, um den Kampf der Regierung gegen die sozialistische Jugend zu- nichte zu machen, ihre Kinder aus den bürgerlichen Vereinen her- auszuziehen." In den Kreis-Vorstand wurden gewählt die Ge- nassen Schubert zum 1. Vorsitzenden, Pieper zum 2. Vor- sitzenden, Stahl zum 1. Kassierer. Hornig zum 2. Kassierer. Grögerchen zum Schriftführer, Böhl« und Reichardt zu Beisitzern. Zu Revisoren wählte die Versammlung die Genossen Paris. Stab und Lehmann. In die Prcsskommission wurden die Genossen Stab, Dolibois und Winter, zum Obmann des Jugendausschusses der Genosse Dolibois gewählt. Ein Obmann des Bildungsausschusses wurde nicht gewählt, son- dern es wurde beschlossen, dass der Bildungsausschuss des grössten Ortes, das ist Spandau, den Obmann stellt, der sich mit dem neu- gewählten Bezirks-Bildungsausschuss zwecks Regelung einheitlicher Vorträge in Verbindung setzen soll. Als Delegierte zum Partei- tag wurden die Genossen Dr. Karl Liebknecht und Schubert und als Ersatzmann � Genosse Stahl gewählt. Als Delegierte zur Provinzialkonferenz wählte die Versammlung die Genossen Doli- b o i s, F i e l i tz und Stab. Als Obmann der Lokalkommission fungiert weiter der Kreis-Vorsitzende. Als Ort der nächsten Kreis- Generalversammlung wurde Nauen gewählt. Nach einigen Schluß- Worten schloß Genosse Schubert um%5 Uhr die Versammlung mit einem Hoch auf die internationale Sozialdemolraiie, �' Kleines feullleton. Eine dichterische B-rauSschau deS englischen Generalstreiks. Die jetzigen Borgänge in England find nach einer Mitteilung der „Franks. Ztg." schon vor Jahren geschildert worden. Ein Dichter — in diesem Falle ein sozialistischer— war wieder ein Seher, nämlich der geniale William Morris, der in seinen, auch inS Deutsche übersetzten Roman.Neues aus Nirgends- land' in dem Kapitel„Wie der Umschwung eintrat", den Ausbruch des Generalstreiks und seine Folgen mit glänzender Phantasie beschrieb, als sei er dabei gewesen. Er verlegt ihn allerdings erst in das Jahr 1952..Der Eisenbahnverkehr stockte, die Telegraphendrähte wurden nicht bedient; Fleisch und Gemüse, das zu Markte gebracht worden war. blieb zusammengepackt liegen und war dem Verderben ausgesetzt; die Taufende von Familien auS dem Mittelstände, die für ihre nächste Mahlzeit gänzlich von den Arbeitern abhängig waren, machten durch ihre tatkräftigen Mitglieder wütende Anstrengungen, sich die täglichen Bedürfnisse zu verschaffen usw." ES wird dann erzählt. wie zuerst die Streikenden, dann aber kräftige Leute auS den be- sitzenden Klassen die Bäckerläden plündern, wie die Torh-Regierung, welche die liberale ablöst, mit Waffengewalt nichts ausrichtet und endlich»ach einem Bürgerkriege die von einem.Wohlfahrtsausschuß" geleiteten Arbeiter den Sieg erringen und eine neue Gesellschafls- ordnuug einführen. Bom Wagnerthcater in Bayreuth. Am letzten Sonntag wurden die Bayreickher Festspiele niit der Anfsiihrung des„Parsifal" beschlossen. E» ist diesmal insofern ein glänzendes Geschäft erzielt worden, als nicht bloß zu sämtlichen zwanzig Borstellungen alle Plätze im vorn- hinein verhökert worden waren; man mußte sich sogar entschließen, auch in den Wagnerschen Privatlogen noch zwei Reihen Verkaufs- Plätze herzurichten. Darüber geraten nun gewisse Drahtzieher für WagnerS glückliche Erben vor Entzücken aus dem Häuschen. Es sei nämlich— so quaken sie— gleichzeitig auch zum allerersten Male der„nationale" Charakter der Festspiele zutage getreten; den» nach' den genauen statistischen Aufstellungen des VerwaltiuigSrates seien unter 100 Besuchern 88 D e u t s ch e, jedoch nur 12 Fremdländer gewesen. Ist diese.Statistik" richtig— und wir lvollen sie nicht an« ziveifeln— dann wäre damit doch nur bewiesen, daß das Interesse der Nabobs auS oller Herren Länder an den Bahreuther Festspielen mehr und mehr gefallen ist. je näher der Zeitpunkt heranrückt, an dem«WagnerS Musikwerke tantiemenfrei werden. UcbrigenS sind die Amerikaner schon eifrig dabei, sich.drüben" ihre eigenen Wagner- Theater zu errichten. Und schltcvlich'uchen die den europaiichenKontinent durchrasenden Globetrotter nach Abwechslung und neuem Nerven- kitzel Entgegen seitherigem Brauch, nur in jedem zweiten Jahre Vorstellungen zu veranstalten, sollen nun doch bereits ,ni nächst- jährigen Sommer die„Meistersinger" lowie der.Parsifal" und .Ring de« Nibelungen" wiederholt werden. Die Familie Wagner will angeblich etwaigen Demonstratlonen auS dem Wege gehen, die mit dem Freiwerden der Werle WagnerS sowohl als mit der etwas Ivkite Kochrenz des Krankenpflege-, Massage- und Kadepersonals. Berlin, 21. August 1911. Am Montag trat die von 59 Delegierten inkl. dreier Vorstands- Mitglieder besuchte Konferenz, die insgesamt 2326 Mitglieder ver» treten, im Saale des Gewerkschaftshauses zusammen. � Die General- lommission war durch Umbreit vertreten. Stadtv. M a n a s s e- Berlin begrüßte die Erschienenen namens der sozialdemokratischen Stadtverordnetenfraktion mit dem Wunsche, daß die Konferenz dazu beitragen möge, daß das echte proletarische Zusammengehörigkeitsgefühl sich unter dem Pflegepersonal mehr aus- breite und dadurch der Standesdünkel ausgerottet würde.— Gemeindevertreter Ohl« Reinickelidorf begrüßt ebenfalls die Dele- gierten. Es erhält nunmehr Herr Dr. med. Rabe das Wort zu seinem Vortrage über die Krankenpflege. Redner schilderte, wie aus der Samariterpflege der Geistlichkeit früherer Zeit sich die moderne Krankenpflege entwickelt habe. Die moderne Krankenpflege kenn- zeichnet sich erstens durch das Eindringen des weltlichen Pflege- elenicnts, zweitens durch den großen Einfluß, den staatliche und soziale Erscheinungen auf die Medizin ausüben, drittens durch die Anwendung der medizinischen Technik auf die Krankenpflege. Analog diesen Fortschritten sei heute eine theoretische und praktische Aus- bildung des Pflegepersonals notwendig, denn der Pfleger sei zu einem Gehilfen des Arztes geworden. Redner verbeilel sich dann weiter über die Beschaffung der Krankenzimmer, auf Ernährung und Behandlung der Patienten, übertragen, beobachten, anfassen und umbetten der Kranlen usw. Die weiteren AuZführungen tragen den Charakter eines instruktiven Lehrvertrages für das Pflegepersonal, der sich aus die Krankenpflege, auf die Krankheitsverhütung wie auf die Desinfektionslehre erstreckte. Ueber die Irre»pflege referierte Herr Oberarzt Dr. I u l i u s b u r g e r. Redner betonte, daß um die Mitte des letzten Jahrhunderts eine Aenderung in der Ansicht über die Geisteskrankheit und in der Jrrenpflege eingetreten sei. In früherer Zeit glaubte man, der Geisteskranke sei ein böser, von Dämonen be- herrschter Mensch, der nur durch moralischen und physischen Zwang geheilt werden könne; heute weiß man, daß Geisteskrankheiten aus Defekten im Gehirn resultieren und dem angepaßt ist heute die Jrrenpflege. Der Redner entwickelte die Leistungen deS Gehirns und er- läuterte die Zusammenhänge, die das Gehirn mit dem Seelen- leben hat. Im weiteren verbreitet sich der Redner über die durch die Er- kenntnis der Krankheil bedingte beränderte Behandlung der Kranken. Arzt und Pflegepersonal müssen in der Jrrenpflege viel Geduld haben und üben, sie müssen ein offenes Ohr und Zeit für den Kranken und seine Klagen haben. Auch kann das Pflege- personal gut wirken, wenn es die Kranken zu einer nütz- lichen Beschäftigung anleitet, wodurch eine wohltuende Ablenkung ihres kranken Zustandes erzielt werden kann.— Es muß neben der körperlichen auch die seelische Behandlung der Kranlen gefördert werden. Es muß ferner versucht werden, den Kranken neue Lebens- ziele und Inhalt zu geben und durch Borträge nach Neigung der Individuen über Fragen der Kultur, über Religion, Politik, Stand der Arbeiterbewegung usw. das Interesse aufs neue zu wecken, um einerseits den Kranken in der Anstalt das Leben angenehmer zu ge« stalten und andererseits den entlassungSfähigen Kranken eine Stütze und Vorbereitung für das neue Leben zu geben.(Lebhafter Beifall.) Ueber Badewesen und Radiumbehandlung referierte dann Dr. Fürstenberg- Berlin. Seine instruktiven Ausführungen wurden sehr wirksam durch 'Lichtbilder unterstützt. Der Bortragende erklärte die Wirkung der Radiumbehandlung, die vorzüglich sich bewerte, obgleich es auch kein Allheilmittel sei.(Lebhafter Beifall.) Ueber die rechtliche Stellung de? Pflege- Personals sprach sodann Riedel- Wilmersdorf. Er bezeichnete das Pflegepersonal als Stiefkind der Sozialgesetzgebung. Zum Teil untersteht das Pflegepersonal der Gewerbeordnung, teils dem Bürgerlichen Gesetzbuch und zum Teil noch der Gesmdcordnung, Das hat dazu geführt, daß selbst in einigen städtischen Bade« anstalten, die doch der Gewerbeordnung unterstellt sind, das Weib- liche Personal länger am Sonnabend beschäftigt wird, als wie es die Gewerbeordnung erlaubt. In den Hamburger Krankenanstalten wird dem Personal die rechtliche Stellung, die das Bürgerliche Gesetzbuch ihnen gibt, durch die Hausordnungen der Anstalten arg geschmälert. I» weiteren Beispielen erörtert Redner die Unfallgefahr des Pflege- Personals und die Notwendigkeit der staatlichen Schaffung eines Unfallgesetzes für das Pflegepersonal. Eine Debatte fand nicht statt, doch wurden nachstehende Leitsätze einstimmig angenommen: „Das gegenwärtige Rechtsverhältnis des Krankenpflege-, Massage- und Badepersonals entbehrt jeglicher Einheit. Durch die verschiedenartige Unterstellung unter die Gewerbeordnung' bezw. Bürgerliches Gesetzbuch oder sogar Gesindeordnung ist eine äußerst ungünstige Rechtslage geschaffen. Es muß deshalb von der Gesetzgebung gefordert werden, daß das gesamte Personal der Reichs-Gewerbeordnung unterstellt wird. Damit ist aber auch gleichzeitig die Aufhebung der im§ 154 der G.-O. für Heil» anstalten und Genesungsheime enthaltenen Ausnahmebestimmungcu bedingt, um das Personal nicht der in den ZZ 133 bezw. 139a enthaltenen Bestimmungen verlustig gehen zu lassen. Die im§ 160 der Reichsversichernngsordnuug vorgesehene Befreiung von der Versicherungspflicht ist für das Personal eine Zurücksetzung den sonstigen Versicherten gegenüber. Die als Regelleistungen der Krankenkassen vorgesehene Krankenhilfe birgt eine nicht unwesentliche Schlechterstellung den übrigen Versicherten gegenüber in sich. Die Beseitigung dieser Einschränkung ist deS» halb notwendig. Den vielen Gefahren gegenüber, welchen das Pflegepersonal zurzeit ausgesetzt ist, bestehen weder ausreichende Schutzmaßregeln noch sonstige gesetzliche Bestimmungen, um den Angestellten bei eintretenden Unfällen eine ausreichende Entschädigung zu gewähr» leisten. Von den gesetzgebenden Körperschaften ist infolgedessen die Ausdehnung der gesetzlichen Unfallversicherung für das gesamte Personal zu fordern." In letzter Stunde referierte D it t m e r-Berlin über Pr ü f un gS- Vorschriften, worüber wir ntorgen berichten werdcti. Die Sitzung wurde auf Dienstag vertagt. vorauseilenden Hundertjahrfeier feines Geburtstages(1913) allent- halben verknüpft sein dürften. Das hyperideale Pietätsgefühl der Erben in allen Ehren I Aber man könnte doch auch vermuten, daß es sich in erster Linie darum handeln mag, noch vorher ein— und vielleicht das letzte Mal I— soviel Gewinn als nur möglich unter Dach und Fach zu bringen; denn die übernächsten Festspiele(im Sommer 1914) dürften wohl weit weniger„klingende" Erfolge aufzuzeigen haben. Bon dort ab kann sich nämlich jedes Opcrnunternehmen seine Wagneraufführungen leisten. Das wird sicher ein fürchterliches Tohuwabohu geben; aber so gute oder miserable Darstellungen zustande kommen sollten:— das ganze Volk wird Wagners Musikschöpfungen genießen! Nicht, wie es bisher gegen die soziale Absicht des Meisters ging, bloß die oberen Zehntausend mit dem großen Geldbeutel und dem noch größeren Dünkel, als sei alle Kunst nur für sie da. Ein Hochschullehrer, wie er in Preußen nicht sein soll. Am 15. August starb der Chemiker Albert L a d e n b u r g in Breslau. Zwei Dezennien hindurch(1889—1909) wirkte er an der dortigen Universität als Professor. In seinen wissenschaftlichen Arbeiten hat er namentlich die organische Chemie gefördert; außerdem hat er sich eingehend mit der Geschichte seiner Wissenschaft besaßt und auch eine Entwickelungsgeschichte der Chemie herausgegeben. Ueber den Kreis seiner engeren Fachgenossen hinaus wurde Ladenburg bekannt, als er im Jahre 1903 auf der Naturforscherversammlung in Kassel einen Vorlrag„Ueber den Einfluß der Naturwissenschaften auf die Weltanschauung" hielt. Er nahm darin sehr entschieden Stellung gegen den Unsterblichkeitsglaube» und gegen alle sogenanntcir „offenbarten" Dogmen. Von der Offenbarung eines übernatürlichen Wesen» könne bei der Bibel gar keine Rede sein,.sie sei vielmehr das Werk phantasiereicher Menschen. Für die Zerstörung deS Glaubens geben die Naturwissenichaften als Ersatz eine feste Grundlage für alle humanen Bestrebungen und erheben die werktätige Menschen- liebe zum Wahlspruch... In unserer frömmelnden Zeit, in der auch die offiziellen Vertreter der Wissenschaft ängstlich vor jedem Anstoß bei der Regierung sich in Acht nehmen und vor jedem Kon- flikt mit kirchlichen Kreisen schey zurückschrecke»— das könnte ja der Karriere oder mindestens dem Knopfloch schaden— war dieses ehrliche Bekenntnis eines Naturforschers immerhin eine mutige Tat. Ein moderner Auöftellnngsturm. Auf der zurzeit in Posen stattfindenden Ostdeutschen Ausstellung ist eine Art Eiffelturm im kleinen zu sehen, den die Bereinigten Oberschlcsischen Jndustriewerke allda haben errichten lassen. Der„Oberfchlesische Turm", der imposant das oberfchlesische Gruben- und Hüttenwesen repräsentiert, ist das größte und teuerste Bauwerk am Platze und toll gleich seinem mächtigeren Rivalen in Paris auch für die Zukunft erhalten bleiben. Der in seinem Oberbau ans Eisen montierte Turm ruht auf einer Grundfläche von 2700 Ouadrätnietcrn, ist 52 Meter hoch und mißt 58 Meter im Durchmesser. Es läßt sich also leicht raten, daß er im Verhältnis zu seiner Höhe stark im die Breite geht und die Form eines ungefügen Wasserturms haben muß. Was in seinen Windungen, Füßen und dem Dache steckt, mögen«in paar Ziffern erläutern. Es waren erforderlich: 1300 Soziales. Ziegeleiarbeiter.. Zu den schlechtgelohntesten Arbeitern mit schwerer und langer Arbeitszeit gehören unstreitig die armen Ziegeleiarbeiter, die gar schwer zu organisieren sind. Deshalb muß man ihre sozialen Ver- Hältnisse doppelt beobachten, zumal ihre Zahl eine ganz gewaltige ist. Der uns vorliegende Bericht der Ziegelei-Berufsgenossenschaft für 1910 erwähnt, daß die Zahl der beschäftigten Ziegeleiarbeiter von 260 092 auf 268 346 gestiegen sei. Dagegen hat die Zahl der Betriebe gegen das Jahr 1909 wieder erheblich abgenommen. Wahrend ,m Jahre 1909 noch 11 192 Betriebe geführt wurden, ist diese Zahl auf 10 875 gesunken. Das Großkapital macht sich also immer fühlbarer. Die beitragspflichtigen Löhne sind um mehr als 9 Millionen Marl gestiegen. Dies findet seine einfachste Lösung in der Steigerung der Arbeiterzahl. Der Bericht erklärt aber, daß auch„ein weiteres Steigen der Arbeitslöhne" neben einer„schwach einsetzenden Besserung in den Absatzverhältnisscn" beobachtet worden sei. Berechnet man aber die Durchschnittslöhne der beschäftigten Arbeiter, so kann man wahrlich nicht gut von einer gesunden Steigerung der Arbeitslöhne reden. Im Jahre 1909 betrug der Durchschnittslohn eines Ziegeleiarbcikcrs 708 M. und im Berichtsjahre ganze 722 M. pro Jahr. Bei schwerer und langer Arbeitszeit und oft widerlichen Logisverhältnissen ein Lohn von 722 M. in diesen teuren Zeiten! Jubelnd verkündet der Be- richt, daß seit Bestehen der Genossenschaft zum ersten Male eine „fühlbare Verminderung" der Rentenlasten eingetreten sei. Nicht allein die Unfälle sind an der Zahl zurückgegangen, sondern auch „die durch die Sektionsvorstände ausgeübte Kontrolle der Renten. empfänger" habe den Rückgang verursacht. Die meisten Verletzten Kubikmeter Fundamente. 2000 Quadratmeter Massivdecken. 2400 Quadratmeter Betonflächen und 3600 Quadratmeter Dachfläche. Im Fundament stecken 130000 Klinker, 400000 Kilogramn, KieS und 450000 Kilogramm Zement. Zur Eisenkonstruktion wurden 1375000 Kilogramm Eisen benösigt. An den Turmarbeiten waren längere Zeit über 300 Arbeiter gleichzeitig tätig. Die Ausführung dauerte etwa fünf Monate. Der Turm enthält einen Personen- aufzug und geräuniige Emporen. Unter seinem Kuppeldache, daS ein riesiger Scheinwerfer krönt, befindet sich ein großes Restaurant. Die inneren Dekorationen sind prunkend, wie es sich eben die großen Jndustriewerke leisten konnten, von denen die Donnersmarckhütle die Führung übernahm. Die inneren Wandungen sind zum Teil mit Plänen und Zeichnungen geschmückt, die für die oberfchlesische Industrie Reklame machen. Den gleichen Zweck erreichten eine Anzahl AuSstatwngSgegenstände, für deren Heranbeförderung zusammen mit dem Baumaterial und den Kunst- geräten nicht weniger als 1000 Eisenbahnwagen zu 10 000 Kilo- gramm erforderlich waren. Nach beendeter Ausstellung wird der Turm von der Stadt Posen übernommen werden. An Stelle des jetzigen Restaurants wird ein riesiger Wasserbehälter von 4000 Kubikmeter Nutzinhalt eingebaut werden, und der leistung«- fähigste Wasserturm Deutschlands ist fertig. Denn ein Behälter von solchem Umfange existiert bei unS bis jetzt noch nicht. Die Stadt hat dann für das Werk den verembarten Preis von 280 000 M. zu zahlen. Der Entwurf stammt von Professor Poetzia, Direktor der königl. Kunstakademie in Breslau. Humor und Satire. Rvl». Ueberall hört man von Hitze. Manchen trifft sogar der Schlag, Naß wird man am Hosensitze Schon am frühen Vormittag. Damen, denen man begegnet, Leiden sehr am Ambopoäng: „Gott! Wenn es nur endlich regnet I' Ist der ewige Refräng. Oberlehrer und Pastoren Baden sich in diesem Jahr. Ihre Scham geht auch verloren, Und man nimmt sie nackicht wahr. Busen, Hintern, Waden, Bäuche Zeigt man heuer lächelnd her, Und wir kriegen schon Gebräuche Wie die Neger ungefähr. Wenn das Barometer sänke, Käme eine beßre Zeit In bezug auf die Gestänke Und ia puncto Sittlichkeit. Peter Schlemihl. haben sich die Renkenqueischerei aus RechtiunkennIniS Md keil sie picht organisiert waren, leider ruhig gefallen lassen. Denn im Be» richtsjahre hatte die Genossenschaft insgesamt S710 berufungsfähige Bescheide erlassen, von denen allein 1099 eine Ablehnung der An- spräche und 2482 eine Minderung der Renten zur Folge hatten und trotzdem haben nur 1928 Verletzte Berufung dagegen erhoben. Natürlich hatten wieder von den Berufungen nur 316 Erfolg für die Verletzten. Reue Unfälle wurden im Berichtsjahre 6SS0 gegen 6677 im Vorjahre gemeldet. Wie„geregelt" die Arbeitszeit dieser armen Teufel ist, ergibt sich aus der nachstehenden Tabelle, die viele Unfälle auch zur Nacht- zeit aufweist. Es fielen Unfälle in die Zeit von(in 43S Fällen fehlt eine Angabe): Bormittags Nachmittags 12-3 S-S 6-9 9-12 12—3 3-6 6-9 9-12 38 162 1293 1705 1135 1448 301 62 Den Unfällen fielen viele jugendliche Personen zum Opfer. Bon den verletzten standen im Alter von: 14—20 Jahren 21—40 Jahre» 41—60 Jahren über 60 Jahren 1259 3088 1941 271 In 71 Fällen ist daS Alter nicht angegeben. Wie wenig der Berufsgenossenschaft die Unfallverhütung am Kerzen liegt, geht auch aus einer Bemerkung des Berichts hervor „Nach Revision deS Betriebes durch den technischen Aufsicht� Beamten wurde dem Gewerbeinspektor vorgestellt, dah die von ihm geforderte Sicherheit deS Walzwerks zwar einen durchaus wirk. famen Schutz gegen Unfälle biete, daß sie aber auch eine vage- wohnliche Behinderung des Betriebes bedeute." Natürlich wrfc die von der Genossenschaft angeordnete Siche- xung„praktischer". Trotz aller Zurückhaltung der von der Genossenschaft ja direkt abhängigen Aufsichtsbeamten melden diese doch manches, welches einen Einblick in die elende Lage der Ziegelciarbeiter gestattet: „In mehreren Ziegeleien deS KreiseS Kehdingen herrschte .früher grosser Mangel an brauchbarem Trinkwasser. Diesem Uebel- stände ist durch die Gewerbeinspektion Stade in den letzten Jahren Dadurch abgeholfen worden, dah sämtlichen in Frage kommenden Unternehmern aufgegeben wurde, in Zement gemauerte Zisternen anzulegen, die durch das auf den Dächern der Gebäude gesammelte Regenwasser gespeist werden. Wenn durch diese Anordnung den Unternehmern auch eine beachtenswerte Ausgabe(von ungefähr V00 M. für eine Zisterne) erwachsen ist, so wurde den Arbeitern doch eine grosse Wohltat erwiesen, die unter ihnen überall Aner- ckennung gefunden hat. DaS Wasser soll erfrischend und wohl- schmeckend sein." „Vereinzelt liehen sich die Unternehmer auch durch mehrmalige Aufforderung nicht zu der Erstattung der Erledigungsanzeige be- wegen; die Betriebe dieser Unternehmer wurden dann im Laufe des Jahres einer Nachrevision unterzogen. Ergab sich hierbei, dah die früheren Mängel nicht beseitigt waren, so wurde von den Strafbestimmungen Gebrauch gemacht und auch die durch die nochmalige Revision entstandenen Kosten wurden dem Unter» pehmer auferlegt.- Ueber die bedauerliche Vernachlässigung eines Betriebes be- richtet der technische Aufsichtsbeamte aus der Sektion II. Dieser stellte auf einer neuerbauten Ziegelei im Kreise Kolmar fest, dass an den Maschinen nicht eine einzige Schutzvorrichtung vorhanden war. Nur die Versicherung deS Unternehmers, dah sofort alle Mängel abgestellt würden, verhinderten eine Sperrung deS Betriebes. Jede einzelne Schutzvorrichtung wurde nunmehr genau mit dem Unternehmer durchgesprochen und ihm hierüber noch schriftlich Mitteilung gemacht. Etwa zwei Monate später verun- glückte der Meister dieses Betriebes dadurch schwer, dass er in die ungeschützten Zahnräder der Ziegelvresse geriet. Die sofortige Nachrevision ergab, dass von den seinerzeit angeordneten Schutz. Vorrichtungen auch jetzt noch keine angebracht war. obwohl der Unternehmer nach der ersten Revision eine Erledigungsanzeige eingesandt hatte. Der Borstand setzte gegen den Unternehmer .eine erhebliche Geldstrafe fest. Auch daS Gericht hat sich mit der Dache befasst." Geklagt wird im Bericht, dass die ausländischen Saisonarbeiter gar kein Interesse für Schutzvorrichtungen haben und mit un- glaublichem Leichtsinn zu Werke gehen. So wurde ein polnischer Arbeiter am Walzwerkeinwurf dabei betroffen, als er mit blossen Füssen den Ton in die im Gange befindlichen Walzen drückte. „In einigen Betrieben wurden Unfälle durch Platzmangel hervorgerufen, der die Bewegungsfreiheit der Arbeiter beschränkte. Derartig« Zustände haben ihren Grund meistens in der baulichen Beschaffenheit der Anlagen; sie lassen sich in der Riegel nur durch erhehliche Umbauten beseitigen. Aohilfe ist namentlich dort schwie- rig. wo der Unternehmer nur Pächter des Betriebes ist, und der Besitzer sich weigert, notwendige Umbauten auszuführen. In solchen Fällen wird die Mitwirkung der Gewerbeinspektoren er- beten. Der Zustand der Kesselarmaturen liess vielfach zu wünschen übrig. In einer Kalksandsteinfabrik der Sektion II war das Manometer mit Kalk und Schmutz bedeckt und völlig unleserlich. Der Hahn am Kontrollflansch hatte sich festgefressen. An einigen Härtekesseln fehlten Verschluhschrauben. Nur selten hingen in den Kalksandsteinfabciken die Vorschriften für die Dampssass- Wärter aus. Im Herzogtum Anhalt wurde da» gänzliche Fehlen von Schutzhülsen für die Wasserstandsgläser an Dampfkesseln besonders häufig beobachtet. Hin und wieder wurden noch unzureichende oder unsaubere Arbeiter-Schlafstätten vorgefunden.— Geeignete geuerschutzvor- kehrungen fanden sich in der Regel nur in grossen Betrieben. Eine dem oberschlefischen Jndustriebezirk eigene Einrichtung bildet wegen des dort herrschenden Mangels an männlichen Ar» beitskräften die Berwendung weiblicher und jugendlicher Arbeiter bei verbotenen oder gefahrbringenden Tätigkeiten. In einer Ziege- lei bei Rybnik arbeiteten Frauen in der Siesgräberei. In Betrie- ben bei Zabrze und Kattowitz bedienten Frauen die Walzwerke uud Kollergänge, jugendliche Arbeiter waren beim Transport von Rohmaterial aus der Gräberei und als Aufleger an den Revolver- pressen beschäftigt. In ein-r bei Gravenstein gelegenen Ziegelei wurden Frauen im Ofen beschäftigt. In einer ostpreussischen GutSziegelei hatte der Ziegelmeister mehrere Jahre seine jugendlichen Dienstmädchen in den Nächten von Sonnabend zum Sonntag mit Bedienung des Ringofens be- traut, da er aus Sparsamkeitsrücksichten nur einen Brenner hielt, der in diesen Nächten nach seinem weit entfernt liegenden Wohn- ort ging. Ein Mädchen, das am Tage schon schwere Arbeit vec» richtet hatte, schlief in der Nacht vor Uebermüdung auf dem Ofen ein und zog sich schwere Verbrennungen zu." Gerichts-Zeitung. Gegen ben Messerstecher Bennewitz, der bekanntlich in dem Verdacht steht, die zahlreichen Messer- attentate auf Frauen und Mädchen im Jahre 1909 verübt zu haben, hatte gestern die Ferienstrafkammer des Landgerichts eine Anklage zu verhandeln, in welcher es sich ebenfalls um Messer- attentate handelte. Die Verhandlung Segen den aus der Unter- suchungShaft vorgeführten 29jährigen Maler Richard Bennewitz fand unter Ausschluß der Ocfscutlichkeit statt, doch wurde den Vertretern der Presse auf Antrag die Anwesenheit gestattet. Der fchon wehrfach vorbestrafte Angeklagt« ist ein kleiner, unscheinbarer und schwächlicher Mensch, dessen Gesicht durch fortwährende nervöse Zuckungen entstellt ist. Ihm wird im einzelnen folgendes zur Last gelegt: In der Nacht zum 24. November v. I. sprach der Angeklagte in der Borsig. strotze die damals unter stttenpolizetlicher Kontrolle stehende jetzige Kassiererin F. an. mit der er sich in ein Hotel in der Eichendorff. ttrasse begab. Der Angeklagte riegelte sofort die Tür hinter sich ab und schlug, als die F. infolge feines sonderbaren Benehmens die Flucht ergreifen wollte, ohne weiteres mit einem Messer auf sie ein. Hierbei stieß er die Drohung auS, er werde die I. tot- überhäuften Arbeiterviertel, noch mehr übervölkert durch den Zu- drang der Abgebrannten, sind zum Herd der Choleraepidemie geworden. Die Häuser, die hier von Menschenmassen überfüllt sind, verdienen oft überhaupt nicht den Namen einer menschlichen Behausung. Es sind elende, vom Wind schief gewehte Baracken» die den Regen durchlassen und bei jedem Windstoß neue Lücken zeigen. Gelegentlich dient ihnen eine Felsenwand als Mauer. Ein elender, von schmutziger Nässe triefender Verschlag zwischen zwei Stockwerken bildet den Abort für mehrere Familien. Von Kanalisation keine Spur. Ein Bach flieht durch die ungepflasterte Strasse, bildet stinkende Wassertümpel, in die der Unrat der ganzen Umgebung geworfen wird. Hier nun, in Schmutz und Elend drängen sich die Menschen in einer Menge zusammen, daß ich, mitten im Zimmer stehend, mich verwundert fragte: wie finden sie denn alle nebeneinander Platz, wenn sie sich hinlegen? Wenn da einer an Cholera erlrankt, müssen unbedingt auch die anderen krank werden. Die ganze Nahrung dieser Armen— es find Lastträger, Handwerker, Fabrikarbeiter, kleine Händler— besteht im Sommer aus Gemüse, Früchten und Fischen der billigsten Sorte. Das machen ihnen die reichen Leute, deren eigenes Leben durch die Epidemie jetzt bedroht ist. zum Vorwurf. Man verbietet ihnen diese Ernährungsweise, man entzieht ihnen die billigen Nahrungsmittel mit Gewalt. Aber wo wollen sie das Geld zu anderem, besserem hernehmen? Darum wird auf geheimen Wegen der Handel mit schlechten Früchten und Fischen weitergetrieben. Zugleich verbirgt die Bevölkerung die Kranken. Aber einen Augenblick gibt es, wo kein Verstecken mehr hilft: daS ist. wenn der Tod eintritt. Tann wird die Leiche einfach vor die Tür gelegt, wo sie oft auf offener Strasse stundenlang daliegt, bis die Sanitätskommission sie wahrnimmt. Immer von neuem erscheint die Tragbahre der Sanitätskommission und die Nachbarn schauen aus den Fenstern zu. ES ist ein grosse?, ein furchtbares Elend, und der Hauptgrund diese? Elends ist— das Elend. Die Cholera ist die Krankheit der Armen und zugleich die Rache, die die Armut an dem Reichtum nimmt. Konstantinopel, LI. August. An Cholera sind bisher insgesamt SS3 Personen erkrankt, von denen 502 gestorben sind.. Ncsküb, 21. August. Die von der Cholera in Alt-Serbien und Mazedonien angerichteten Verheerungen sind ungeheuer. Die Anzahl der Toten beläuft sich entgegen den Angaben, welche amtlicherseits gemacht werden, in der eu ropäischen Türkev auf fast 1500, worin die Konstantinopeler Fälle nicht ein- begriffen sind.; Paris, LI. August. Wie aus Montpellier berichtet wird, find irt Nefsiach mehrere Personen unter choleroverdächttgen Symptomen erkrankt. Drei Personen sind bereit» ge stor- ben. Der Präfckt des Departements hat unverzüglich umfassende Vorsichtsmassregeln angeordnet, um eine Verbreitung der Seuche zu verhindern. Sämtliche Erkrankten sowie die mit ihnen in Be- rührung gekommenen Personen sind isoliert worden,, stechen und wenn er zehn Jahre Zuchthaus bekomm?. Durch ble s ES ist gekoMMeck, wie eS anders«ich! zS erfvarfen war: die Hilferufe der F., die sieben Messerstiche im Gesicht und an den-'''«... Armen davontrug, eilte der Hotelportier herbei. Als der Auge- klagte trotz wiederholter Aufforderung nicht öffnete, schlug der Portier mit einem Beil die Tür ein. Der Messerstecher wurde fest genommen und zur Polizei gebracht. Im Laufe des Verfahrens ergab es sich, daß Bennowitz im Oktober eine ganz ähnliche Tat be- gangen hatte. Er hatte mit der Prostituierten Bicneck ein Ab- stcigequartier einer Frau Kahl aufgesucht und war auch in diesem Falle über das Mädchen hergefallen und hatte es mit einem Messer und einem Revolver bedroht. Als die B. auS dem Zimmer flüchtete, lief er ihr nach und bedrohte auf dem Flur die Frau Kahl mit dem Tode, als diese sich ihm in den Weg stellte.— In der gestrigen Ver- Handlung behauptete der Angeklagte, dass er sich auf Einzelheiten überhaupt nicht mehr besinnen iönne, da er s. Z. angetrunken ge- Wesen sei. Er sesimit der F. wegen der Bezahlung in Streit geraten in dessen Verlauf sie ihn ins Gesicht geschlagen habe. Wie er dazu gekommen sei, mit seinem Messer zu stechen, wisse er nicht. Wäh- rend das Versahren gegen Bennewitz schwebte, tauchte der Verdacht auf, daß er mit jenem unheimlichen Messerstecher identisch sei, der im Jahre 1909 zahlreiche Frauen und Mädchen in den Unterleib gestochen und dadurch in einem Falle den Tod einer Frau herbei- geführt hatte. Wegen dieser Attentate schwebt zurzeit noch ein besonderes Verfahren gegen Bennewitz. ES sollen, wie behauptet wird, Kvölf Frauen und Mädchen den Angeklagten als jenen Messerstecher wiedererkannt haben. Als diese Tatsachen in der ersten Verhandlung gegen Bennewitz, die im April d. I. stattfand, berannt wurden, stellte Medizinalrat Dr. Hofftnann den Antrag, den Angeklagten erst noch auf die Dauer von sechs Wochen in einer Irrenanstalt auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Der jetzt w Wuhlgarten tätige. Oberarzt Dr. Hesse nahm in der Irren-- anstatt Herzberge diese Untersuchung vor, die, wie der Sachverstän- dige vor Gericht erklärte, ergab, dass Bennewitz zu der Klasse der Psychopathen zähle, sehr leicht durch äußere Einflüsse erregbar sei. nicht aber im Sinne des§ 51 geisteskrank sei. Derselben Ansicht war Medizinalrat Dr. Hoffmann, der den Angeklagten einige Zeit im Untersuchungsgefängnis beobachtet hatte. Die Staatsanwalt-- schaft beantragte mit Rücksicht auf die von dem Angeklagten an den Tag gelegte Roheit eine Gefängnisstrafe Von 3 Jahren unter Freisprechung von der Anklage des Diebstahls. DaS Gericht erkannte auf 1 Jahr und 9 Monate Gefängnis unter Anrechnung von 3 Monaten der erlittenen Untersuchungshaft. Ausstellen von Ware« am„goldenen Sonntag". Ein Kaufmann in Lüneburg hatte mit Rücksicht darauf, dass er sein Geschäft am Sonntag vor Weihnachten, dem sogenannten goldenen Sonntag, den ganzen Nachmittag offenhalten durfte, auch bis nachmittags um 4 Uhr verschiedene Gegenstände vor der Ladentür ausgestellt und aufgehängt. Dadurch sollte er die Ver- ordnung über die äussere Heilighaltung der Sonn- und Feiertage vom 22. August 1900 ubertreten haben, welche gleich ähnlichen Ver- ovdnungen in anderen Provinzen ein derartiges Ausstellen und Aushängen von Sachen an den Sonn- und Feiertagen nach dem Beginn des HauptgotteSdiensteS am Vormittag verbieten. DaS Schöffengericht sprach ihn frei, indem eS sich seiner Auf- fassung anschloß, daß die fragliche Bestimmung über die Heilig- Haltung der Sonntage nicht auf den goldenen Sonntag Anwendung finden könne, weil der Geschäftsbetrieb an solchen Sonntagen über- Haupt gestattet sei. Das Landgericht verurteilte ihn jedoch mit folgender Begrün- dung: Die Vorschrift über das Aushängen und Ausstellen von Waren beziehe sich auf alle Sonntage ohne Unterschied. Der An- geklagte könne sich deshalb nicht auf die AuSnahmevorfchriften über >en Geschäftsbetrieb an den Sonntagen vor den grossen Festen be- rufen. Wenn« den Glauben hatte, eS zu können, so fei daS ein Rechtsirrtum, der ihn von Strafe nicht befreie. Das Sammergericht verwarf dieser Tage die vom Angeklagten dagegen eingelegte Revision. ES führte auS: Nach der Polizeiver- ordnung fei daS Gebot, dass die Sachen nicht ausgestellt oder au». gehängt werden dürfen, als gesondertes Gebot zu betrachten. Es hänge damit, ob und wieweit Sonntags verkauft werden dürfe, in keiner Weise zusammen. Darum se, es unzutreffend, daß das Verbot nicht gelten könne für die Fälle, wo auch Sonntagnach- mittckgS der Verkauf freigegeben sei. Mit Recht sei Angeklagter verurteilt worden. Also: am goldenen Sonntag darf verkauft, aber eine ver- kaufsware nicht ausgestellt werden, weil der Verkauf die Sonn- tagsheiligung bedrohe: erkläre mir, Graf Oerindur, diesen Awie- spalt der Natur._ Sparta sie« mar der. Wege» Betruges und Nrkundrnfälfchung hatte sich in der letzten Sitzung des Amtsgerichts zu kalkberge der Heilgehilfe Paul au» Wattersdorf zu verantworten. Der Angeklagte hatte früher den Posten eine» Kassierer» bei der WolterSdorfer Spar- und Dar- lehnskasie inn«. Von diesem Vertrauensposten wurde Paul, nach- dem Liquidation beschlossen worden war. infolge mangelhafter Buchführung abberufen. Der Arbeiter Klemke schien von der Auf- lösung der Kasse nicht» zu wissen, denn er sandte an Paul noch zweimal Sparbeträge. Statt ihm nun die Angelegenheit klar- zulegen, nahm er das Geld an sich und verwendete es für eigene Zweck«. DaS Urteil lautete auf eine« Monat Gefängnis, Hus aller Melt. Die Cholera mid die Armut. Aus Konstantinopel schreibt uns Genosse ParbuS: .Der Mensch gewöhnt sich an alle?. Wenn der Tod offen auf der Strasse seine Opfer holt, täglich und stündlich, dann ver- liert er den Schrecken des Ungewohnten und man blickt dem gefaht, fast gleichgültig in die Lugen. DaS habe ich während der russischen Hungersnot bei der Skorbutepidemie wahrgenommen. Das sehe ich jetzt in der Türkei bei der Choleraepidemie. Ich kehre soeben von einer Wanderung durch die Cholera- Herde von Konstantinopel zurück. Meine Journalistenkarte öffnete mir alle Absperrungen. Und da? ist der unheimlichste aller Eindrücke, die ich hinwegtrug: die Gleichgültigkeit. mit der die Bevölkerung aus den Fenstern zusah, wie man Sterbende und Tote hiuwegschaffte. Man hat sich eben daran gewöhnt. DaS ist die Cholera: sie kommt und holt sich ihre Opfer. Jetzt kennt man das und registriert einfach die Tatsache. Und wenn man sich beklagt, so beklagt man sich nicht über die Cholera, sondern über die sanitären Massnahmen. Die Aerzte und Be- Hörden entrüsten sich darüber, und alle Welt schimpft über den Stumpfsinn der Massen. Die Sache hat aber ihren tieferen Grund. „Die haben es gut"— sagte mir ein Arbeiter in einer choleraverseuchten Strasse und zeigte auf ein Hau?, das. weil sich darin Cholerakranke befanden, abgesperrt wurde—„denen gibt man zu essen; wir aber gehen halbverhungert umher." Das hängt so zusammen: wird ein Cholerafall konstatiert, so wird das Haus abgesperrt; niemand darf hinein oder hinaus; da die Leute mfolgedessen nichts verdienen können, gibt ihnen die Munizipalität Nahrungsmittel. Die Einwohner der Häuser, in denen noch kein Cholerafall vorgekommen ist und die folglich nicht abgesperrt sind, erhalten selbstverständlich keine Unterstützung. Da aber da? ganze Stadtviertel wegen der Choleraepidemie in Verruf geraten ist. so haben viele ihre Arbeit verloren; andere kamen um ihren Verdienst, weil der Strassenhandcl mit Obst und Getränken verboten wurde; alle schliesslich leiden unter der Teuerung, die durch die sanitären Massnahmen gesteigert wurde. Tie Cholera bedeutet den Tod— diesen fürchtet das Elend nicht; die sanitären Maßnahmen bedeuten Hunger, und den Hunger möchten diese Un- glücklichen vermeide«! Von der Hochzeit in den Tod. Ein Automobil, in dem der Leutnant g i m d a r S vom Feld« artillerieregiment Nr. 71 in Graudenz in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend von seiner HochzeitSseier in Graudenz nach T h o r n fahren wollte, fuhr bei DierrichSdorf gegen«inen Baum. All« vier Insassen wurden k, erausgeschleudert. Der Leutnant wurde leben»- gefährlich, die junge Frau, der Chauffeur und ein Kellner wurden leichter verletzt. Ueber ein zweites schwere? Automobilunglück wird auS Halle a.S. berichtet, dass eine Automobildroschle in der Nähe von Naundorf gegen eine Telegraphenstange fuhr. Die drei Insassen, eine Dame, ein Herr und der Chauffeur wurden herausgeschleudert und erlitten schwere Verletzungen. Bei einem dritten Sutomobilunglück, da» sich auf einer Chaussee nach Kassel zutrug, wurde ein Kind deS Direktors E m m i n g- hau« au» Osnabrück getötet. Ein zweites Kind erlitt einen Schädelbruch. Tie Frau de« Direktor» erlitt inner« ver- letzungen, so daß sie bewuhtlo« vom Platze getragen werden musste. Emminghau« kam mit einer leichten Handverletzung davon, während der Chauffeur unverletzt blieb. Ueberall Brandkatastrophen. Am Sonntagmorgen brach in den Opel-Werken zu Rüssels« heim ein furchtbarer Brand aus, der in die an der Eisenbahnlinie entlangliegenden Bauten, in denen sich die Nähmaschinen- und Fahrradabteilung befinden, zerstörte. Die Feuerwehr der Fabrik sowie die auS Rüsselsheim und Frankfurt a. M. konnten nach vier Stunden des Feuers Herr werden. Die Eisenbahnzüge konnten nicht verkehren, da ein Ueberlpringen deS Feuers zu befürchten war. Durch den Brand wurden 20000 Räder und 30000Näh- Maschinen vernichtet. 8000 Arbeiter sind brotlos. Der Schaden wird auf vier bis fünf Millionen Mark geschätzt. In der Kammgarnspinnerei in Bietigheim(Württemberg) brach am Sonntag, wahrscheinlich durch Selbstentzündung, Gross« feuer aus, dass die Kämmerei vollkommen einäscherte.— Ferner brach in W a l d h a u s e n bei Lorch Feuer auS, dem sieben Wohnhäuser zum Opfer sielen. Ausserdem wurden verschiedene Stallungen eingeäschert, darunter das ehemalige Schulhaus und daS frühere Rathaus. Acht Familien sind obdachlos. In D i l l st e i n in Baden äscherte ein Brand da« Sägewerk von Gangenbach und zehn Wohnhäuser ein. 24 Familien., teilweise ihrer Habe beraubt, sind obdachlos. Ein sckweres Brandunglück, bei dem zwei Menschen de« Tod in den Flammen fanden, wird auS D o r n b i r n(Vorarlberg) gemeldet. In der Nacht zum Sonntag brannten dort vier Häuser nieder. Der Kaufmann Lug er, der ein Dienstmädchen retten wollte und ein anderer Mann kamen in den Flammen um. In der französischen Ortschaft Flins brach am Montag»ine FeuerSbrunst aus, die einen Pachihof vollständig einäscherte. Zwei kleine Kinder, die sich nicht mehr rechtzeitig retten konnten, kamen in den Flammen um. Ihre verkohltenLeichen wurden später aufgesunden. Kleine Notizen. Opfer der Berge. Auf d:r Kleinen Scheidegg(Bern) ist ein Tourist aus Bayern bei dem Versuche, ohne Führer den Weissen Mönch zu besteigen, abgestürzt. Seine Leiche wurde nach Lauterbrunncn gebracht.— Auch in Z i n a l(Wollt») ist eine achtzehnjährige Tomisttn aus Strassburg beim Edelweissp stücken ab- gestürzl und hat den Tod gefunden. Beim Bade» ertrunken. Wie ein Telegramm auS Elving meldet, ertranken au, Sonntag beim Baden in der offenen See bei Kahlberg der Werkmeister S-h i k o r r auS Elvi, ig und zwei er- wachsene Töchter. Der Vater war an eine tiefe Stelle geraten. die Töchter hatten versucht, ihn zu retten. Folgenschwere Explofio». In M u d o n erfolgte Montag vor- mittag eine Explosion eincS WaffcrstoffbehälterS. wodurch zwei Arbeiter getötet und mehrere erheblich verletzt wurden. Die Leichen sind bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt worden. Proben and Prolslloton kootonfrel. OÜtodOl�lft■■■ WK mit MWM Betriebe BERLIN S Frinzen«Str. 46 o. 47 Bettfedern «u 0 55, 1.00, 1.25, 1.50. 1.75, 2.00, 2L5 2 50, 3.00, 3.50 bis 0.00 M. per Pfund Daunen SU 2.85, 3.50, 4.50, 5.00, 6.50 bis 0.00 M. Fertige Betten bestehend«ua Oberbett, Unterbett, 2 Kissen iu 12, 15, 20, 23.50, 28 50, 32.50, 30—, 46.-. 55—, 63— b. 120— M. 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D c r schuldige Arzt hil.lt es nicht für nötig. Frau S. vm Verzeihung zu bitten. Nur der Oberarzt sagte ihr. sie möchte das Vorkommnis nicht übelnehmen und nichts daraus machen. Frau S. verlieh mit dem Kinde die Klinik, ohne dah der Jahn gezogen worden war. Noch an demselben Tage lieh Herr S. seine Tochter von einem Nrzt besichtigen und ihn durch ein Attest die zurückgebliebenen Spuren der Hand des prügelnden Herrn Doktors bescheinigen. Am anderen Tage ging S. nach der Klinik, um dem Oberarzt das Attest vorzuweisen. Dieser bat nochmals um Entschuldigung, aber S. forderte die sckjristliche Zusicherung, dast für etwaigen Schaden, den das sehr empfindliche Kind von der Prügelei haben könnte, die Klinik aufkomme. Der Oberarzt lehnte daS rundweg ab, verneinte auch die Moglicihfcit eines Schadens, verweigerte die Nennung des Namens des prügelnden Arztes und verabschiedete den Beschwerdeführer:„Wollen Sie klagbar werden, dann bin ich für Sic nicht mehr zu sprechen. Adieu, Herr S-! Hinterher nahm der Oberarzt selber das Gespräch noch einmal auf. verweigerte wieder die geforderte Bescheinigung und brach ab: »Verklagen Sie eventuell die Klinik. Adieu! Zwei Tage nach dieser Prügelaffäre, über die Frau S. sich sehr aufgeregt hatte, stellte sich bei ihr eine Fehlgeburt ein. Frau S hatte eine Schwangerschaft von vier Monaten gehabt. Gegen den prügelnden Arzt will S. bei der Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige wegen vorsädlicher Körper. Verletzung einreichen unter Beifügung des Attestes, das die Gouren bescheinigt Er nimmt an, dast die SiaatLanwflltsdhast, da der Arzt in einer Anstalt tätig ist und Tag für Tag vielleicht an Hunderten von Patienten seine Kunst zu erproben hat, ein össent- lichcs Interesse alt vorliegend erachten wird. Den Namen deS Arztes kann S. der StaatSantvaltschaft nicht angeben, doch hofft er, dah sie ein ErmittekungSvcrfahren einleiten und durch die Direktion der Klinik den betreffenden Oberarzt zur Nennung seines klollegen nötigen wird. Daß ein Arzt kein ZüchtigunaSrccht gegenüber seinen Patienten hat, ist durcliaiis zutreffend. Aber die Staatsanwaltschaft wird vielleicht zu der Ansicht kommen, dah der Arzt das sich sträubende Kmd nicht habe züchtigen, sondern nur beruhigen wollen. Pr ü g e l als Beruhigungsmittel, das wäre allerdings eine sonderbare Bereicherung de» Arzneischatzes. Eigenartige Tarifvcrhiiltnisse im Varortverkehr, die dem Nicht» «ingeweihten die Fahrpreise verteuern, bestehen bei der Eisenbahn. direktion. Löst man z. B. in Rixdorf ein Billett nach Neuenhagen. so erhält man dasselbe für den Preis von 40 Pf. Da nun die nach Neuenhagen führenden Züge in Stralau-Rummelsburg nicht halten und weder auf dem Billett noch auf dem Fahrplan die £nhrrichtung angegeben ist, so fährt man natürlich nach dem chlesischen Bahnhof, um von dort den Stransbergcr Zug zu bc- nutzen. Hier erfährt man aber, dast man 10 Pf. Strafe in Form eines ZusatzbillcttS zu zahle» hat, weil man nicht in Stralau» Rummelsburg umgestiegen ist, um � zunächst nach Kaulsdorf zu (ahren und dort erst die Weiterfahrt mit dem Strausberger Zug ortzusctzen. Zurück über den Schlesischen Bahnhof zu fahren, isj gestattet ohne Zusatzkarte. Auch auf der Hinfahrt kann man un- gestraft die bequemere Fahrtrichtung über den Schlesischen Bahn» Hof einschlagen, nur muh man zunächst ein Billett für 10 Pf. bis Sehlesischen Bahnhof und dort für 30 Pf. ein Billett nach Ncucnhagen lösen. Achnlich geht es, wenn man ein Billett von Rixdorf nach Dabendorf löst. Hier beträgt der Fahrpreis 70 Pf. Fährt man aber zunächst nach Papestraste für 10 Pf. und löst dort «in Billett nach Dabendorf, so kostet daSjelbe nur noch öb Pf. Die Fahrt wird also 5 Pf. billiger. Von Rixdorf nach Grünau lann man bis abends 9.15 Uhr für 20 Pf. bei Benutzung des direkten ZugeS Potsdamer Bahnhof— Grünau gelangen. Wer aber abends nach 8 Uhr an Wochentagen zurückfahren will, muh die umständ» liche Fahrt über Treptow antreten und hat die Mühe des Um» steigen» mit 10 Pf. verteuertem Fahrpreis zu zahlen. Die Eni» fernung von Rixdorf nach Grünau über Treptow ist sicher nich� weiter als von der Jannowihbrücke nach Grünau, und doch kostet «rstcre Fahrt 30 Pf. und letztere nur 20 Pf. Diebstahl im Kunstgewerbemuseum. Am Sonntag ist im könig» lichen Kunstgewerbemuseum aus dem Haldensieinzimmer ein Kissen» bezug mit figürliche» Darstellungen in bunter Stickerei und Uin- rohmung mit Ronkenwerk in der A röste von bS X öS Zmtr. gestohlen worden. Der Kissenbezug war am oberen Rande mit vier an» genähten Ringen in einer Nische befestigt. Die abgeschnittenen Ringe befinden sich noch an der Wand. Der Diebstahl wurde erst kurz vor Schlust der Besuchszeit gegen ö Uhr nachmittags bei der Revision von den, Sammluiigsaufseher entdeckt. Von dem Täler fehlt bisher jede Spur. � Hierzu wird noch von anderer Seite berichtet: Der enl» wendete Kissetibezug hing im Haldensteinsaal in Fenstcrhöhe und wurde von den vier Meisingschraubcn, mit dem er auf der Wand befestigt war. abgeschnitten. Eine zugehörige Decke, die viel gröster ist. liest der Dieb hängen. Es handelt sich um eine dänische Arbeit, die etwa 120 M. wert ist, ein« Gobelinarbeit in farbiger Wolle. Nur das Mittelfeld ist quadratisch, ei befinden sich darin die Figuren eines Ritters und einer Frau, zwischen denen Amor steht. Ein- gewebt sind die Buchstaben A., M. und P. und die Jahreszahl 16S3. Aus dem Rande stehen bunte Blüten in Aasen auf schwarzem Grunde eingewirkt. Trotz zahlreicher Aufsichtsbcamten. die das Kunstgewerbemuseum zur Verfügung hat, sind daselbst doch schon häufiger Dieb» stähle verübt worden. Der am Sonntag must mit groster Schncllig- keit anSgesührt worden sein. Der Dieb trennte in einem nnbewachte» Aligenblick den Bezug mit einem scharfen Messer von de» vier Schraube», die ih» a» der Wand hielten, slcckic ihn in die Tasche und verlieh dann sofort daS Museum. Ter Diebstahl wurde bereit» nach ungefähr fünf Minuten entdeckt, doch war von dein Diebe keine Spur mehr zu finden. Eine aufregende Szene spielte sich am Sonnavendnachmittag Segen 6 Uhr auf der Hallcschen Torbrücke ab. Dort bemerkten iassanten eine etwa 30— Löjährige Frau, die ihrer Kleidung nach den mittleren Ständen angehörte und welche aufgeregt hin und her lief. Plötzlich schwang sich die Fra» über das Brückengeländer und stürzte sich mit de» Worten:„Zn Hilfe! Er will»»ch erschiestc»!" in den Kanal. Ei» Schatz», an» zog voni Nctluagslah» ans die bc- reit» bewustlos gewordene Fra» an» de» Finte» inid brachte sie nach der Unsallstation am Teinpelhoser Ufer. Ivo sie sich bald erholte. Da die Unbekannt« wirr« Reden führte und sich fortwährend verfolgt glaubte, wurde sie nach dem städtischen Krankenhause am Urban gebracht, wo sie in Tobsucht verfiel. Die Unglückliche, die an Ver» �»lguiiastvahnsi»» zu leiden scheint, wurde von dort auS nach der Irrenanstalt Dalldorf übergeführt.— Gegen 10'/, Uhr abends stürzte sich der 21jährige Kaufmann Willi Ullrich von der Möckernbrückr in den Landwehrkanal. Der LebenSniüde wurde von Passanten, die den RettungSkahn flott machten, aus dem Wasser gezogen und nach der Unfallstation am Tempelhofcr Ufer gebracht. Das Motiv zu dem Selbstmord ist in Arbeitslosigkeit zu suchen. Eine Störmig im Straßcnbahudetriebe ereignete sich am gestrigen Bormittag gegen 11 Uhr im Südosten der Stadt. Infolge Kabel- brande» in der Zentrale der B. E.-W. in der Rathausstratze trat um lO.bö Uhr eine Stromstörung bei dem Speisepunkt 41 ein. Durch Hinzuschalten benachbarter Speisepunkle wurde die Störung bereit» eine Viertelstunde später gehoben. Durch da» plötzliche An fahren aller Wagen, die während der Stromunterbrechung hatten stehen bleiben müssen, trat anscheinend eine zeitweise Ueberlastung ein, so dast noch bis gegen'/,12 Uhr einige kleinere Störungen zu verzeichnen waren, die sich über die Seydel-, Alte und Neue Jakoh-, Prinzen- und Ncanderstraste erstreckten, An de» Prckcn erkrankt und in die Charitö eingeliefert ist der Techniker Bräöler. Ter Patient, der an echten Pocken leidet, befindet sich den Umstände» nach wohl. Es ist nach ärztlichem Urleil auffallend, dast B., obwohl er vcrhältnismästig lange mit der unerkannte» Krankheit behaftet frei umhergegangen ist, bis jetzt der einzige Pockenkranke geblieben ist. Auch unter den. soweit sie zu ermitteln waren, isolierten Personen seines Umgange«, ist bisher eine weitere Erkrankung au der gefährlichen Seuche nicht festgestellt worden, wie denn überhaupt keinerlei Grund zu irgendwelcher Be« unruhigung vorliegt. Mit dem Freibad am Müggelsee wird sich eine öffentliche Ver- sammlung beschäftige», die am Mittwoch, den 23. August, abends 8 Uhr, in den Konkordiasälen,«ndreasstr. 64, beschäftigen. Es handelt sich darum, Mittel und Wege zu suchen zur Beseitigung von Mistständen im Freibade zur Erhaltung desselben. Gesperrt. Die Fchrbelliner Straste von der Christinenstraste bis uir Schönhauser Allee wird wegen Pflasterarbeiten von heute ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiler gesperrt. Der jetzt fichtbare BrookSsche Komet im Siernbilde des Schwan nimmt stelig a» Helligkeit zu und kann am günstigsten abends gegen 10 Uhr auf der Urauia-Sleruwart« in der Jnvalidenstraste beobachtet werdcu. Zeugeitgesuch. Personen, die an, Freitag, den 18. August, abends das Rcnkoiiter vor dem Hause Pücklerstr. 4 zwischen den Portier- lcutcn und einem Manne gesehen habe», werden um Abgab» ihrer Adresseu an Fechner, Pücklerstr. 4, ersucht. Vorort- l�acbricdten. Schöneberg. Zu einer wüsten Eifersuchtsszene kam eS in der gestrigen Man» tagnacht in der Wielandstraste. Dort war der Servierdiener Rudolf Machander in Begleitung seiner 35 jährige» Ehefrau gegen 2 Uhr nachts von einer Ballsesliichkeit in die in, Gartenhause des Grund» tücks Nr. 23 belegene gemeinschaftliche Wohnung zurückgekehrt, ol« sie Frau, die sich bis dahin vollkommen ruhig verhalten hatte. Plötz» lich unter» gellenden Rufen aus einem offenstehende» Fenster in den Hof hiiiabzuspringen versuchte. Nur unter Anwendung der äustersicii Gewalt gelang cS dem Ehemann, die Frau, die in einer Anwandlung von Eifersucht, zu der sie Grund zu haben glaubte, in eine wahre Raserei verfallen war. an ihrem Vorhaben zu ver« hindern. Nachdem inzwischen daS ganze HauS aus den, Schlafe ge« schreckt und Hilfe herbeigerufen worden war, beruhigte sich die Fra» cheinbar. Bald entstand jedoch wiederum ein Wortwechsel zwischen den Eheleute», der ichliestlich in schwer« Tätlichleiten ausartete und auss neue die stille Straste in Alarmzustand versetzte. Als hierauf in Befürchtung einer bevorstehenden Bluttat Houöeinwohner und Polizeibeamte in die Wohnung einzudringen und Ruhe zu stiften versuchte», ergriff die Frau eine Lhiolflasche und trank, bevor ihr Ehemann sie daran hindern konnte, von der giftigen Flüssigkeit. Es gelang jedoch, das Schlimmste zu verhüten. Ein mittlerweile er- chienciier Arzt der Rettungswache beseitigte weitere Gefahr und gab »er aufgeregten Frau Beruhigungsmittel. Nur allmählich verlief ich der trotz der späten Nachtstunde entstandene ungeheuere Meuschen- auflaiif, innerhalb dessen die ivildesUn Gerüchte von einem statt» gefundenen Morde verbreitet waren. Lichtenberg. Grofifeuer kam gestern früh um 7'/, Uhr auS bisher noch nicht ermittelter Ursache in dem vielen Berlinern bekannten Konzcrtgarten von Mente an der Rüderstr. 28/29. Ecke der Bnggenhagcnstraste und nahe der Landsberger Chaussee, zum Ausbruch. Die OrtS- cuerwehr von Lichtenberg sowie die Webren von WilhelmSbcrg und Hohcn-Schönhausen wäre» bald zur Stelle. Auch die Berliner feilerwehr entsandte den 7. Zug zur Hilfeleistung. Wacker wurde von den Wehren vorgegangen. Trotzdem konnte aber nicht verhindert werden, dast der groste Tanzsaal ein Raub der Flammen wurde. Die Flammen fanden an den Dekorationen, der Holzkonstrnltion und den vielen Tischen, Stühlen, Fustböden usw. so reich» Nahrung, dast in kurzer Zeil der Bau ein groste« Flammen- meer bildete. Weithin waren diese» und der Oualm, der sich über da« freie Feld und die dortigen Laubenkolonien wälzte, sichtbar. Die Ausdehnung des �Brandes vcranlastte auch noch die Feuerwehr von Weistensee u. a. Orten zum Ausrücken. Um 8'/« Uhr stürzte ein Teil deS BaucS krachend zusammen, etwas später folgte der übrige Teil. Da nicht viel zu retten war. suchten die Wehren die aiigrciizenden WirtschastS- und Wohngebäude zu schützen, waS ihnen auch gelang. Ueber die Ursache de« großen Brande? werden ver« ckiedene Angaben gemacht, die nicht zu kontrollieren sind. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Mit dem Wiederaufbau deS Saales soll so schnell wie möglich wieder begonnen werde». Tempelhof. Die Abonnenten des„Vorwärts" seien nochmals darauf hin- gewiesen, dast der Gcnoiie Frantz, Berliner Str. 76, Laden, die Ausgabe unseres Blattes ttbenionimeir hat. Wir bitten, alle Be- 'tellungen und Juseratcnaufträgc borthin zu richten. Dir Hauptcxpedition. Treptow-Baumschlileuweg. Ein größeres Schadenfeuer kam am Sonntagnachmittag in der Kicfholzstr. 288. zum AnSbnich. Durch Funken an« einer Lokomotive wurde daS Stollgebäude des GärlnercibcsitzerS Ernst NeiSke in Brand gesetzt. Den vereinten Kräslen der freiwilligen Feuerwehren von Treptow und Baumschulenweg gelang es nach cn, ständiger Arbeit die Macht des FeurrS zn breche». Die in dem Stall unter- gebrachten Pferde konnten gerettet werden, während zahlreiches Kleinvieh, Hühner und Tauben, in den Flammen umkam. Der Schaden ist nur teilweise durch Versicherung gedeckt. Pankow. Ein gewaltiger Dachst, ihlbrand wütete gestern in den frühen Morgenftundcn in der Kaiser-Friedrichstraste 53. DaS Feuer war in, Dachgcschost deS OuergebändcS entstanden und hatte sich, als cS kurz nacki 2'/, Uhr morgens bcmcrkt wurde, schon auf den ganzen Dachstuhl dieses Hause» anSgedchilt. Reben der OrlSwehr rückten auch die Feuerwehren von HciiicrSdorf, Weisteusee, Nicdcr-Schou» hausen und ein Löschzug der Berliner Feuerwehr �zur Hilfe» leistung an. Die Berliner Wehr ging von der Straße auS über eine große mechanische Leiter vor, während die anderen Wehren den Löschangriff über die Treppen ausführten. Obgleich un» ausgesetzt mit fünf Schla uchleitungen Wasser gegeben wurde, konnte doch nicht verhindert werden, daß die Flammen auch auf den Dach« stuhl des Seitenflügels übersprangen. An mehreren Stellen brannte auch die Decke nach unten durch, so daß die Wohnungen des Obergeschosses stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Der Dachstuhl des OuergebändeS ist vollständig, der Dachstuhl deS Seitenflügels zur Hälfte zerstört. Erst in der achten Vormittagsstunde konnten die Wehren unter Zurücklassung einer Brandwache in ihre Depots zurückkehren. Ueber die Ursache des Feuers»st nichts ermittelt. Unfälle kamen bei den Löscharbeiten nicht vor. Gerichts-Zeitung« Bürgermeisters„Flegel"— drei Mark. In Herne i. W. fand am 6 und 7. Dezember v.£5. die Stadt» verordnetenstichwahl zwischen unserer Partei und den Zechen- liberalen, die vom Zentrum unterstützt wurden, statt. Ter zweite Bürgermeister, Dr. Sporlcder, als Wahlborsteher fuhr in barschem Tone Arbciterwählcr an, die den Hut auf dem Kopfe behalten hatten und wies sie, ohne ihnen die Ausübung des Wahlrechts zu gestatten, aus dem Lokal. Ein Genosse machte ihn aufmerksam, daß der Wahlvorsteher am andern Tische auch nicht danach frage, ob die Wähler den Hut aufhielten. Da trat die ganze Bildung des Herrn Bürgermeisters in Erscheinung. Die Zigarre im Munde, nannte er unseren Genossen zweimal einen Flegel und wies ihn aus dem Lokal. Eine Beschwerde sowie Strafanzeige gegen den Bürgermeister wurden zurückgewiesen, so daß Privatklage erfolgen mußte. Am Freitag wurde das Urteil gefällt. Nach anderthalb Stunden Bc» ratung— 3 M. Geldstrafe. Sollte durch die auffallend niedrige Strafe etwa dem Bürger» meister attestiert werden, daß er zu Beleidigungen geneigt sei und deshalb eine Beleidigung von seiner Seite nicht so schwer ins Ge- wicht falle? Das wäre eine interessante Umwandlung eines Um» stände», der in der Regel als ftraferfchwercnd angeseher. wird, in einen Strafmilderungsgrund. Würde ein Arbeiter, der einen Bürgermeister öffentlich wiederholt einen Flegel nennt, auch mit 3 M. fortgekommen fein? Lese- und Tisluticrklub„Wilhelm Liebknecht«. Heute. Dien». taq. äb-nds 9 Uhr, bei Karl Eichhorn, Danziger Str. SSi Vortrag. Gäste tpillkommen._ ßnefhaften der Rcdahtion. Tie(nrifitfAc SpreqNunde findet Ltndcnftraft« KS. vor»»ier»re»»«« — g a b rft» h l—> woitiennigltld von di« 7zd Uhr nhendS,«»nnndendS, h»,i 4Mi bis ö Uhr abendS(in«. Jeder für den«riestofte» deiiiinwten«nfrnge ist ein Buldiinbe und eine Suhl als Merticichrn deijnfugen. vrtefliihe A»tni»r« wir»»Ilt» erteilt, tliisragc». denen keine?lbo»ne>nc»,s>iuittnn, hliglfitgt ig, werden nicht beantwortet. Eilige gragen trage man in der«Prechstunde»or. H. K. Z. 1. Ja. wem, die Versicherungsanstalt das Hcilversahren an- ordnet. 2. In Höhe der Hälste des statutenmäßigen Krankengeldes. — E. T. 25. Ter Anspruch nach dem Verstorbenen lebt nicht wieder ans. Für den TadeSsall de» zweiten ManneS hat die«itwe nur Anspruch enifprechend dem Dienstalter desselben.—<£,. W. 771, 1. Sllhnetermin ist in einem solchei, Falle nicht erforderlich. ES kann gleich die Klage beim Schöffengericht erhoben werden. 2. Die Wahrheit« widrige« Be- bauptungcn sind strafbar. 3. Nein.— Cr. 12. Beschweren Sie sich bei dem Regierungspräsidenten.— St. T. 1. Garnhoferstratze. Bis 3 Uhr geöffnet.— Bannoch, Rixdorf. Fordern Sie die Eigenlümerw unter Setzung einer aiigemesscncii Frist— etwa 14 Tag« zur Befeiiigung de« Mangels auf unter der gleichzeitigen Androhung, daß Sie nach fruchtlofem SIblauf der Frist sofort räumen und Schadenerfatz verlangen werden. Dementsprechend können Sie dann auch handeln, falls Sie Ihr« Behauptungen beweisen können.— 31. R. Nein.— K K. Nein. — A. 100. Nein.— P. P. 100. 1. Da««in« kann unabhängig vom andern zugebilligt werden. Für die Frage der Selbstbelöstigung isl in de* Regel ärztliches Gutachten auifchlamiebend. 8. Selbstbifchäftigung 3 22., Selbstbeiöfligung 2,50 pro Tag. 3. Ministerielle Verfügungen.— Urgroft- Vater. Für die Frage ist die FriedhosSordnung maßgebend. Die Frist beträgt in der Siegel l5 bis 20 Jahre: sie kann aus Anirag gegen Zahlung besonderer Gel'llbren verlängert werden. Ist ein solcher Antrag nicht gestellt und ist der Snlseniüng eine BekannNnachung vorausgegangen, s» war die Enticinuiig allerdings zulässig. Di« weitere» Angaben geben«ine» Grund zur Beschwerde. Handelt es sich— waS anlcheinend der Fall ist— um eine der poliiischen Gemeinde gehörige Begräbnisstätte, so ist die Beschwerde an den llandrat zu richten: gehört der Fttcdhos der kirchknaemeinde, an da« Konsistorium.— Ö. B. 1877. Nicht das Landgencht, sonder« da« Amts« gericht Berlin-Mitte, Neue Friedrtchstr. 12/15, ist zuständig. ßm�kasten der Expedition. Patienten in Beelitz, Buch und anderen Heilstätten. Dlejenlgen unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der Ueberwejsnng von Frei- exemplaren sofort ihre Zldress« einsenden, da bei verspäteter Bestellung dt« ersten Ruminern des neuen Monats von der Post nicht geliefert werden, Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden, Marktpreise von Berlin am lg. August 1911, nach Ermittelung de» Königlichen Polizeipräsidiums. Markthallenpreise. Havaranda 750NO Petersburg 752 S Sally 1751 NW Nbereeca 756 NNW BarrS 753 3 1 heiter 17 2 halb bd. 13 1 wolkig 1 16 IDiinit 18 2 bedeckt| 18 heiter| 18 evcttorprognose fiit Tienstag. den 22. August Etwas warmer, zuncbmende Bewölkung und vereinzelte sälle bei mäßigen südwestlichen Winden. Berliner Wetterb «tattonen � S � e ßß il 6 bedeckt 1 wolkig 1 wolkig 2 Dunst 1 wollig k* Hk 18 12 18 13 1» 1911. leichte Regen» ur» a u. B3aslerIta»d»,Stact>rtch»e>> der Landesansialt für Gewässerkunde, miigeteilt vom Berliner Neitcrbureau vasserilanb M« m e l, TUM P r e g e l, Jnsterbmg Weichsel, Tborn Oder, Rattbor , Kronen , Franllnrt Warth«. Schnmm , Landsberg Netze, Bordamm Elb«, Lcitmcrig t Dresden , varb? , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlttz Havel, Spandaus , Ratbenow«) Spree, Svreuiberg«) , veeskow Leser, Münden . Minden Rhein. Maximilian«au , K«uu> Köln R e ck a r, Heilbrom» Main, Wertbeuu Mosel. T rrer am 20. 3. cm 30 —12 -30 >W 81 -131 -63 341 131 93 10 79 -23 lest 19.8, am*) 0 —4 +5 0 0 49 —2 -2 -5 -2 -11 0 -i uiiqSlvahnstiin zu leiden scheint, wurde von dort au« nach der ausgesetzt mit fünf Schla uchleitungen Wasser gegeben wurde, konnte 9 4 bedeutet Wuchs,— ftall.— 1 Unierveqel. Herantwortlicher Redakteur: Richard Barth, Berlin. Für den Lnscratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt» Buchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer u. Co., Berlin 5�