Ur. 198. nbonntmentS'Bedlnsungen: •TEonntmtnt»• Prei» prSnumeranda! LierlcljShrl. 8�0 SRI., monatl. 1,10 Ml., wöchmlkch 28 Pfg. frei ins Hau?. einzelne Nummer 5 Pfg. Eonnlags. nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Well" 10 Pfg. Post- ilbonnemeM: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeiwngs- Vrcisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburgs, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 28. Jahrg. VIe InfertlonS'Gebübr teträgt für die sechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum 80 Pfg.. für politische und gewerlschastliche Vereins- und Versanimlungs-Anzeigen M Pfg. „Kleine Hnreigcn", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Etellenaesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Worts Pfg. Worte über IZBuch- ftaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nuinmer nillgen bis 5 Uhr»achinittags in der Expedition «pgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. CrtätlBt«glich jfißfr mcnUäJ. Verlinev Volksbletlk. Zentralorgan der rozialdemokratifcbcn Partei Deutfcblands Delegramm- Adresse: ,502ial(l?m»Krat Berlin". Rcdahtton: SRI. 68, Lindenetrasee 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Freitag, den 25. August 1911. Expedition: SM. 68, Lindcnstraesc 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Soziale Gliederung in der Cand* «Mlchast. Die bisherigen Ergebnisse der Berufszählung vom 12. Juni 1907 zeigen deutlich eine Umgestaltung der Existenzgrundlagen der Gesellschaft auch in der Landwirtschaft. Es ist die Zahl der landwirtschaftlichen Bevölkerung im Verhältnis zur Ge- samtbevölkerung erheblich zurückgegangen, ebenso die Zahl der Selbständigen innerhalb der Landwirtschaft sowie die Zahl der männlichen Arbeiter; die Zahl der weiblichen Arbeiter ist erheblich gewachsen. Die Proletari- sierung der ländlichen Bevölkerung hat zugenommen. Während die übergroße Anzahl der in der Landwirtschaft Beschäftigten ein kaum zur Fristung des Lebens erforderliches Einkommen haben, ist der Besitz der Großgrundbesitzer erheblich größer geworden. Einige Zahlen mögen dies unter Gegenüberstellung der Ergebnisse der Berufszählungen von 1882 und 1895 er- läutern. Die Gesamtbevölkerung Deutschlands betrug bei der Berufszählung vom 5. 6. 1882: 45 222113 Personen, vom 14. 6. 1895: 51770284 Personen und vom 12.6. 1907: 61 720 529 Personen. Die zur Landwirtschaft(einschließlich der Gärtnerei, Tierzucht, Forstwirtschaft und Fischerei) zu rechnende Be- völkerung(einschließlich der Familienangehörenden und der Dienenden) betrug im Jahre 1882 42,51 Proz., im Jahre 1895 35,74 und im Jahre 1907 nur 28,65 Proz. der Gesamt- bevölkerung, mit anderen Worten: Von 1000 Ein- w 0 h n e r n Deutschlands lebten von der Landwirtschaft im Jahre 1882 4 25, im Jahre 1895 3 5 7 und im Jahre 1907 nur 286 Personen. Die Zahl der von der Landwirtschaft lebenden Personen ist also vom Jahre 1882 bis 1907 von über*/« auf unter'/« der Gesamtbevölkerung herabgesunken. Sie umfaßt nur 17 681 176 Personen. Die Zahl der S e l b st ä n d i g e n in der Landwirtschaft hatte sich vom Jahre 1882 bis zum Jahre 1895 von 2 269 163 auf 2548791 vermehrt, die Zahl vom Jahre 1907 ergibt eine Senkung auf 2 482 567 Personen und das, wiewohl das kleinste Stückchen Land bis unter Ar bei dieser Statistik berücksichtigt ist und wiewohl ferner die l a n d w i r t s ch a f t- lich benutzte Fläche an Ausdehnung ganz erheblich, nämlich über Va, zugenommen hat. Die landwirtschaftlich benutzte Fläche be- trug, auf 5 Größenklassen zusammengezogen Größenklasse y g. 1832� l" 6�1895� fl.™. unter 2 Hektar.... 1 825 938 2-5 Hektar.... 3190203 5-20...... 9158 398 20—100...... 9 908 170 100 Hektar und darüber. 7 786 233__ insgesamt Hektar.., 31868972 32 517 941 48106 486 Als Z a h l der Betriebe weist auf die Berufszählung _„„ nach der Zählung vom Grotzenklasse B e 1882 14. g. iggg 12. 6. 1907 unter 2 Hektar.... 8 061 831 3 237 030 2—5 Hektar..... 981 407 6—20...... 926 605 20—100...... 281 510 100 Hektar und darüber. 24 991 Ter Großgrundbesitz. 1 808 444 3 285 984 9 721 875 9 869 837 7 831 801 1907 ! 492 002 1 306 421 13 768 521 12 623 011 9 916 531 d. 1016 318 998 804 281 767 25 061 h. die 3 378 509 1006 277 1 065 539 262 191 23 566 Betriebe mit 100 Hektar und darüber, hat also an Flachenzuwachs erheblich zugenommen: er weist nahezu ein Viertel (genau 23 Proz. gegen 24 Proz. im Jahre 1895) der ge- samten Betriebe auf und hat an F l ä ch e n i n h a l t eine Zu- „ahme von über 2 Millionen Hektar erhalten. Auch die Z et h l der Betriebe von 20 bis 100 Hektar hat abgenommen, und zwar um 19 576 Betriebe, und das, wiewohl der zu dieser Gruppe gehörige Flächeninhalt um 2 753174 Hektar größer geworden ist. Die Zahl der Selbständigen ist im Vergleich zu den Zählungen von 1882— 1895 absolut und relativ er- heblich zurückgegangen, hingegen ist die Zahl der landwirtschaftlich tätigen Arbeiter ge- wachsen. Die nachstehenden, der Neuhausschen Bearbeitung der Berufszählung entnommenen Zahlen zeigen, wie- viel Selbständige, Angestellte(d. h. Wirtschaftsbeamte, also Gutsverwalter, Inspektoren usw.. sowie das Aufsichtspersonal, Gutsaüfseher, Hofmeister, Vögte) und Arbeiter in der Land- Wirtschaft nach den Zählungen tätig gewesen sind. Hierbei ist di- Zahl der weiblichen Personen in Klammern an- aeaeben Es wurden in der Landwirtschaft gezählt- .. eSm" 1'■(276 817) 2 543 791 (346 564) 2 482 567 (327 884) fH zwischen der Zahl der Selbständigen, Angcstellten'und Arbeiter wird noch augenfälliger, wenn man �3�-1 wie aroß der Prozentsatz der Selb «äÄiaen der Angestellten und der Ar beiter zu'der Gesamtheit der in der Land (darunter weibl.) 1895...... (darunter weibl.) 1907...-- (darunter weibl.) Das Verhältnis Angestellte 49 713 (5 880) 78 546 <18 101) 80 183 (10 233) Arbeiter 5 801 642 <2 248 929) 5 528 703 (2 381 175) 7 169 722 (4 241 632) Wirtschaft tätigen Bevölkerung war. Dies zeigt die nachfolgende Tabelle, in der in Klammern der spezielle Prozentsatz der weiblichen Personen angeführt ist. Es betrug die Zahl der Selbständigen, Angestellten und Ar- beiter in Prozentsätzen nach der Zählung vom ~ Selbständige Angestellte Arbeiter 9 Proz. Proz. Proz. 1882..... 27,94 0,81 71,45 (weiblich)..(10,94)(0,23)(88,83) 1895..... 31,25 0,96 67,79 (weiblich)..(12,62)(0,66)(86,72) 1907..... 25,51 0,82 73.67 (weiblich)..( 7,15)(0,35)(92,50) Auf 10 0 0 Personen der landwirtschaftlichen Be- völkerung entfielen in: Jahre 1907 also 736 Arbeiter und nur 255 Selbständige. Auf lOOOweiblichePer- s o n e n der landwirtschaftlichen Bevölkerung gar 9 2 5 Ar- beiterinnen und nur 71 Selbständige. Und doch ist die arbeitende Klasse in der Landwirtschaft Wirtschaft- lich und rechtlich besonders schlecht gestellt. Die Zunahme der landwirtschaftlich tätigen Arbeiter- bevölkerung ist allein der stärkeren Berufsbeteili- gung der Frauen zuzuschreiben. Männer waren im Jahre 1907 in der Land- und Forstwirtschaft 219 443 weniger als im Jahre 1895 beschäftigt. Die landwirtschaftlichen weiblichen Arbeitskräfte haben sich dagegen um 1 860 457 ver- mehrt, während auch hier die Zahl der selbständigen weiblichen Personen gegen 1895 um 18 680, die der An- gestellten um 7868 gefallen ist. Der Hauptteil der stärkeren Heranziehung des weiblichen Geschlechts zur Landarbeit ent- fällt auf die Familienangehörigen, die hauptberuflich im Betriebe ihres Haushaltungsvorstandes tätig waren. Die Zahl solcher betrug im Jahre 1895 1 019 836, im Jahre 1907 2 831 977, hat sich also nahezu verdreifacht. Die Statistik teilt die in der Landwirtschaft tätigen Arbeiter in vier Gruppen ein, die sich in folgender Weise verteilen: Es wurden im Deutschen Reich gezählt:. mitgN»der landwirt. Tckgeiöhner Ses-mt. f. d. Wirisch. Knechte««t ohne am d. Familien- und eigenem oder gePacht. oberbauPteS Mägde landwirtschaftlichen tätig Betrieb 5.6.1882 1934 615 1 589 033 866 493 1373 774 6 831819 14.6.1895 1 893 867 1 718 885 332 872 1 445 300 5 627 794 12.6.1907 3 883 034 1 332 717 259 390 1 579 759 7 233 471 Die Zahl der Landarbeiter, die eigenes oder gepachtetes Land bewirtschaften, ist also auch vom Jahre 1895, wo sie 4,76 Proz. betrug, weiter nämlich auf 2,70 Proz. gesunken. Die ganz überwiegende Zahl der Land- arbeiter ist demnach landlos geworden. Auch sonst weisen die angeführten Ziffern(wenn man auch von den Familienangehörigen absieht), insbesondere unter Be- rücksichtigung der erheblichen Zunahme der landwirtschaftlich bebauten Fläche, eine immer wachsende Prole- tarisierung der Landarbeiter auf. »ahl der länd- lichen Arbeiter ver eilefibahneritreik Im eiiglilchen Parlament. London» 23. August.(Eig. Bei.) Je weniger in diesem Augenblick von der Vergangenheit ge- redet wird, um so besser ist es. Das ist der kurze Sinn der Rede, mit der Herr A S q u i t h die Debatte über den Eisenbahnerstreik im Parlament einleitete. Die Regierung hatte auch alle Ursache. zu versuchen, über die jüngsten Ereignisse, in denen sie eine so überaus klägliche Rolle gespielt hat, den Schleier der Vergessenheit zu breiten. Aber die Arbeitervertreter verspürten nicht die ge- ringste Lust, dem Ruhebedürfnis der Regierung Rechnung zu tragen. Als erster in der Debatte sprach der Führer der Arbeiter- Partei Macdonald. Er richtete seine Kritik namentlich gegen Churchill, den Minister des Innern, dem er gründlich die Leviten las..Das Ministerium," so rief er unter lautem Beifall der Arbeiterpertreter auS,.das die teuflischste Rolle in all den Unruhen gespielt hat, ist das Ministerium des Innern." Erstens habe der Minister durch sein tölpelhaftes Eingreifen den Abschluß der Friedensverhandlungen- ungemein erschwert, und zweitens habe er durch seine militärischen Maßnahmen alles getan, um daS Bestreben der organisierten Arbeiterschaft, die Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten, zu durchkreuzen. Die Er- klärung über den Gang des Streiks, die der Minister letzten Sonnabend veröffentlichte, habe bei den Arbeitern Entrüstung hervorgerufen. Die einleitenden Bemerkungen seien unrichtig, die Anschauungen unsinnig gewesen und der Eindruck, den die Er- klärung hervorgerufen habe, sei derartig gewesen, daß die Strei- kenden zum Entschluß kommen mußten, unter allen Umständen den Kampf fortzusetzen, wie günstig auch immer die angebotenen Ver- tragsbedingungen sein mochten. Der Minister des Innern habe Truppen nach Leicester(dem Wahlkreise Macdonalds) geschickt; wenn er Unruhen in Leicester hätte provozieren wollen, so sei daS gerade das rechte Mittel gewesen. Die wirkungsvollste Rede von den Arbeitervertretern hielt jedoch Keir Hardie. Sein Angriff auf die Regierung, der an Schärfe und Klarheit nichts zu wünschen übrig ließ, reizte Liberale wie Konservative zu wütenden Gegenangriffen. Er klagte die Regierung an, das Gesetz gebrochen zu haben. Sie habe ohne die Einwilligung des Parlaments an die Stelle der Zivilrcgierung die militärische Gewaltherrschaft gesetzt. Ehe ein einziger Eisenbahner in den Streik getreten sei, habe sie Truppen mit scharf geladenen Gewehren und Maschinengewehren abkommandiert und den Mili- tärs zur Aufrechterhaltung der Ordnung carte blancbe gegeben. Ganz England sei im Interesse der Eisenbahngescllschaften nieder» getreten worden. Die Eisenbahner hätten nur gefordert, daß die Gesellschaften ihre Gewerkschaften anerkennen und mit ihren Ver- tretern verhandeln sollten. Das sei eine billige Forderung gewesen. Die Regierung habe nach der Veröffentlichung des Manifests der Leute die Vertreter der Eisenbahngesellschaften zu sich geladen, die den Ministern versichert hätten, daß sie imstande wären, einen eingeschränkten Eiscnbahndienst im Falle des Streiks aufrecht- zuerhalten. Die Regierung habe den Eisenbahndirektoren darauf ihre Hilfe versprochen. Das habe bedeutet, daß die militärischen Streitkräfte der Nation in den Dienst der Eisenbahnen gestellt wurden, um cS den Direktoren zu ermöglichen, bei ihrer Weige- rung, die Vertreter der Eisenbahner zu empfangen, zu beharren. Als der Streik ausgebrochen war, habe die Regierung alle Streit- kräfte der Nation dazu verwendet, um die Leute einzuschüchtern, anstatt einen Druck auf die Direktoren auszuüben, um den Streit zu beenden. Die Regierung hätte den Direktoren sagen müssen: „Euch sind die Eisenbahnen vom Parlament anvertraut worden, und wenn Ihr darauf besteht, bei dieser ungeschickten und törichten Stellungnahme zu beharren, so wird das Parlament einschreiten und Eure Rechte wegnehmen." Das habe die Regierung nicht getan. Die Truppen sollten nur dazu verwendet werden, um Un- ruhen zu unterdrücken. Es sei nicht ihre Pflicht, fliehende Mengen zu verfolgen, die Straßen zu räumen und die Arbeit der Polizei zu verrichten. In Llanelly seien keine ernsthaften Unruhen vorgekommen, bis daß die Soldaten zwei Menschen tot schössen. Das sei der Anfang all der Unruhen gewesen. Der Minister des Innern habe zugegeben, daß sich die große Masse der Streikenden ruhig verhalten habe. Weshalb habe er sich nicht auf den Ordnungssinn der Leute verlassen, die alle Aus- schreitungen verhindert haben würden? Dort, wo sich die Polizei» behörden geweigert hätten, Truppen zu empfangen, wo sie an die Streikenden appelliert hätten, die Ordnung aufrechtzuerhalten, sei keine einzige Ausschreitung vorgekommen. Er klage die Regierung an. die Partei der Eisenbahndirek» toren gegen die Streikenden ergriffen zu haben. Sie habe den Direktoren gesagt:„Wenn der Streik stattfindet, so werbt Streikbrecher an. organisiert Euren eingeschränkten Dienst, weigert Euch, die Gewerkschaften der Leute anzuerkennen, und wir werden jeden Soldaten im Lande aufbieten, um Euch in Euren Bemühungen, die Leute zu schlagen, zu unterstützen." Die Er- schossenen seien von der Regierung im Jnter- esse der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ermordet worden. Breche wieder ein Eisenbahnerstreik ans, so würden nicht allein die Eisenbahner, sondern daS ganze organi- sierte Proletariat Englands die Arbeit so lange niederlegen, bis daß der letzte Soldat in die Kaserne zurückberufen worden sei. Die Unruhen seien noch nicht vorüber, die Untersuchungskommission habe ihre Arbeiten noch nicht begonnen, neue Gemetzel könnten stattfinden; das Parlament schulde es der Nation und den Eisen- bahnern, in diesem Augenblick nicht auseinanderzugehen. Er be- antrage daher, das Haus nicht bis zum 24. Oktober, sondern nur bis zum 29. August zu vertagen. Als Keir Hardie, dessen Rede von den Arbeitervertretern mit lebhaften Zurufen interpungiert wurde, geendet hatte, fielen Liberale wie Konservative unter Anführung des Schatzkanzleri wie eine Meute toller Hunde über ihn her. Lloyd George wagte es nicht, auf die klare Anklage unseres Genossen einzugehen. Er begnügte sich mit Entrüstungsrufen über eine Rede Keir HardieS vom letzten Sonntag, in der dieser gesagt haben soll, daß die Re- gierung bereit gewesen sei, jeden Streikenden niederzuschießen, um den Eisenbahnverkehr aufrechtzuerhalten. Diese Entrüstung steht einer Regierung schlecht, die die Soldaten gegen die Streikenden schickte mit dem ausdrücklichen Befehl, unverzüglich scharf zu schießen. Dann quälte sich der Schatzkanzler ab. um zu beweisen, daß die Regierung trotz der entgegenstehenden Behauptung einen Druck auf die Eisenbahngesellschaften ausgeübt hat. Aber das be» streitet ja auch niemand. Der Druck kam jedoch erst, als die Re» gierung angesichts des sich immer weiter ausdehnenden Streiks nichts anderes mehr tun konnte, als sie sah, daß sie durch Gewalt- maßregeln die Solidarität der Arbeiterschaft nicht brechen kckinte. Aber die wirksamste Verurteilung der liberalen Politik bleibt daS Gebaren der Erzreaktionäre, die der Regierung wegen ihrer „festen" Haltung nicht genügend Lob spenden können. Die libe. ralen und konservativen Seelen haben sich gefunden. Aber der liberale Gastgeber fühlt eine bedrückende Schwüle; die unsichtbare Hand hat schon ihr Menetekel an die Wand geschrieben. Die Lage in Liverpool. London, 24. August. Eine Abordnung des Livexpooler Streikkomitees kam gestern abend nach London, um mit den vereinigten Vertretern der Eisenbahnergewerk» schaften und des Nationalen Transportarbeiter» Verbandes über eine allgemeine Arbeitsein» st e l l u n g zu beraten für den Fall, daß die a u S st ä n d i g e n Straßcnbahnange st eilten von der Gesellschaft nicht wieder angenommen würden. Bei dieser Konferenz wurde beschlossen, an den Lordmahor von Liverpool, das Handelsamt und den Premierminister Telegramme abzusenden, worin dieses gemein- same Komitee der Eisenbahnangestellten eine Antwort auf die Frage verlangt, ob die zurzeit ausständigen oder ausgesperrten Straßenbahnangejtellten in Liverpool bis. morgen mittag . tvizder eingestellt»«den würden, Es befinden sich noch 66 000 Mann im Ausstand. Die Aus- ständigen hielten, erbittert über das Verbot eines Umzuges,, drei Straßenbahnwagen an. Polizei und Militär zerstreute die Ruhe- störer. Sieg der Streikenden! Liverpool, 24. August. Die Straßenbahnen haben be- schlössest, die Ausständigen wiedex einzustellen. Die Iflarokkoaffärc. Die Besprechungen, die Botschafter C a m b o n gegen- Wältig mit den französischen Ministern in Paris führt, nähern sich ihrem Ende. Das offiziöse Depeschenbureau meldet darüber: Paris. 24. August. Mehrere Blätter wollen wissen, bereits in der gestrigen Unterredung de? Ministers des Aeutzern mit den drei Botschaftern seien endgültige Beschlüsse über die Regelung der deutsch-marokkanischen Angelegenheit gefaßt worden, und es bestehe auch nicht die leiseste Meinungsver- s ch i e d e n h e i t. Es heißt, Botschafter C a m b o n werde die gefaßten Beschlüsse dem in Rambouillet weilenden Präsidenten heute vorlegen, und der morgen stattfindende Kabinettsrat werde die Beschlüsse endgültig genehmigen. Ferner meldet der„Matin", Cambon werde am nächsten Mittwoch oder Donnerstag seine Besprechungen mit terrn v. Kiderlen-Wächter wieder aufnehmen. as Blatt meint dann ziemlich optimistisch: Wenn die deutsche Regierung den aufrichtigen Wunsch hat, sich mit uns zu verständigen, wie es unbestreitbar von dem gesamten deutschen Volke gewünscht wird, so wird aus den wieder- aufgenommenen Unterhandlungen die Grundlage einer Ver- ständigung hervorgehen, da keinerlei Meinungsunterschiede zwischen den Ministern und den Botschaftern, welche den letzten Beratungen über die Marokkofrage beigewohnt haben, bestehen. Die Beschlüsse sind vielmehr einstimmig festgelegt worden. Wie das genannte Organ weiter mitteilt, soll der Vorschlag des Kabinettschefs Cailleaux den deutschen Wünschen in weitesten! Umfange Rechnung tragen. Er sei in sehr versöhnlichem Sinne verfaßt und soll von dem aufrichtigen Wunsche beseelt sein, den deutschen Standpunkt in dem weitesten Maße zu berücksichtigen, um zu einer Ver- ständigung zu gelangen. Auch die offiziöse Londoner„Westminster Gazette" rat nachdrücklich zur Verständigung. Das Blatt betont in einem Leitartikel, daß Deutschland Anspruch auf Kom- pensationen habe, wenn es Frankreich freie Hand in Marokko gewähre. Deutschland verfolge eine rein geschäftsmäßige Politik. und Frankreich müsse sich klar machen, daß es für das, was es haben wolle, zahlen müsse. Ein Freund Frankreichs könne ihm nur dringend raten, die vorteilhafte Gelegenheit nicht des- halb unbenutzt vorübergehen zu lassen, weil es nicht eine angemessene oder sogar anständige Kompensation zahlen möge. DaS Blatt weist die Idee zurück, daß England Frankreich aufreize, eine aggressive oder unvernünftige Haltung einzu- nehmen. Der Gedanke, daß England eine Verständigung ver- hindere, um Deutschland in eigenem Interesse in Westafrika vom Meere abzuschließen, sei ebenfalls völlig grundlos. Die a l l d e u.t s ch e n K r i.e as h e tz e r setzen unterdessen fljttz Wühlarbeit unentwegt fort. Die nationalistische, von den Panzerplatten- und Kanonenfabrikanten bezahlte Presse ver- öffcntlicht in den aufgeregtesten Lettern ununterbrochen energische„Entschließungen", die alle möglichen Skatklubs und im geheimen stattfindende Versammlungen von einigen Dutzend Leuten unentwegt beschließen. Da aber damit wirklich nicht viel Staat zu machen ist, so soll in Berlin doch eine Volksversammlung gewagt werden. Trotz der er- haltenen Absagen will das Komitee am 30. A u g u st sein Glück versuchen. Unterdessen scheint die„Post" eingesehen zu haben, daß ihre Taktik, Wilhelm II. durch Drohungen einzuschüchtern, doch ihre zwei Seiten hat. In einem langen Artikel sucht sie die Behauptung zu beweisen, daß ihr bekannter Drohartikel nur die Entgleisung eines stellvertretenden Redakteurs gewesen sei, der von dem Chefredakteur gleich nach seiner Rückkehr, bevor noch Herr v. Zedlitz eingegriffen habe, gemaßregelt worden sei. Viel Glauben wird diese übrigens so sehr ver- spätcte Erzählung nicht finden und wir denken, ganz umsonst ist die„Nordd. Allg. Ztg." nicht mit so grobem Geschütz auf- gefahren. Der Artikel war ja auch keineswegs eine vereinzelte Erscheinung, die Kampagne schien viel- mehr recht gut organisiert zu sein. Und was ist's mit den zahlreichen Zustimmungskundgebungen zu der angeblichen Entgleisung, die auch von hohen Militärs herstammten? Auch die Rolle des Freiherrn V. Z e d l i tz bei dieser Affäre ist durchaus nicht so klar, wie sie die„Post" heute gern darstellen möchte. Man erinnert sich, daß gegen den Protest, den Fürst Hatzfeld als Vorsitzender der freikonserdativen Reichstagsfraktion gegen den Artikel erhoben hatte, in der„Post" von„maßgebender Seite aus der freikonservativen Partei" eine Gegenerklärung er- schien, die als eine Verleugnung des Fürsten Hatzfeld aufgefaßt werden mußte und auch überall so aufgefaßt wurde. Heute muß nun die„Post" gestehen, daß der Verfasser der Erklärung niemand anders war, als eben der Herr v. Zedlitz! Der Herr bildet sich ja auf seine Schlauheit riesig viel ein, aber diesmal wird eS ihm nicht gelingen, die öffentliche Meinung zu verwirren. Er hat eben wieder einmal ein Doppelspiel getrieben. Dieser Monarchist soll uns nur noch einmal mit seinen aufgeregten Phrasen kommen I Daß Herr v. Zedlitz weiter Mitarbeiter des von den rheinischen Kapitalmagnaten aus- gehaltenen Blattes bleibt, vervollständigt das bekannte Charakterbild dieses Herrn. Interessant aber bleibt, daß die Kriegshetzer wieder den Rückzug ins Wilhelminische Lager suchen. Glauben sie, ihren Zweck erreicht und Wilhelm II. wirklich für ihre„energische" Politik gewonnen zu haben? Dafür würde fast sprechen, J5aß die von den Kriegs- interessenten bezahlte„Post" neueHoffnungen schöpfte und in einer sich offiziös gebärdenden, aber offenbar schwindelhaften Information den Franzosen damit droht, die Situation werde eine sehr ernste werden, wenn sie die deutschen Regierungsforderungen nicht fchleunigst erfüllen. Solche Treibereien, denen selbst derjenige Teil der bürgerlichen Presse. der die Verständigung will, nur allzu zaghaft entgegen- tritt, charakterisieren die„Hamb. Nachr." unter dem Titel„Der Schwindel in der Marokkostage" folgendermaßen: „Wiederholt müssen wir da« Publikum auch vor den Versuchen warnen, die gewisse Organe der deutschnationalen Presse, un- bekümmert um alle Abschüttelungen nrtd Bloß- st ellungen, die sie sich schon zugezogen haben, fortgesetzt dahingehend unternehmen, dem deutschen Volke einzureden, die marokkanische Frage sei eine Ehren» und Würdefrage des Deutschen Reiches, und zum Kriege gegen Frank« reich zu hetzen. Wir nehmen keinen Anstand, diese Machen- schaften endlich einmal mit der Bezeichnung zu belegen, die sie verdienen: sie sind im höchsten Maße frivol, wenn nicht Schlimmeres, denn eS fehlt bereits nicht an Stimmen, die auf nicht ganz lautere Motive bei den betreffenden Blättern hinweisen. Wir enthalten uns, darauf einzugehen. Jedenfalls läuft es auf direkte Ent- stellung der Wahrheit hinaus, wenn behauptet wird, daß die Ehre des Deutschen Reiches und Volkes in Marokko engagiert sei. Wichtige volkswirtschaftliche Interessen sind dort engagiert, aber nichts weiter. Darüber hinaus gibt es natür- lich auch noch die Interessen einzelner Unternehmer und daraus erklären sich zum Teil die ungeheuere Presse- mache, die in der Marokkostage entfaltet wird und die nationale Schaumschlägcrci, der man sich zur Irreführung der öffentlichen Meinung bedient.... Wenn man liest, daß gewisse Marokkoblätter ihre Gegner mit Redensarten wie folgenden an- fallen: was sei ihnen Ehre, Vaterlandsliebe, Würde. National- bewußtsein; Geschäft sei das einzige, was für sie maßgebend sei — so hält es allerdings schwer, ernsthaft zu bleiben. Was wohl z. B. die Gebrüder Mannesmann in Marokko lvollen? Doch auch nur Geld verdienen. Wir machen es ihnen wahrlich nicht zum Borwurf, aber sie sollten eS ihrer Presse verbieten, immer anstatt von Minerallagern und dergleichen von deutscher Ehre zu reden." Und für das Geschäft der Brüder Mannes- mann sollen die deutschen Arbeiter ihr Gut und Blutopfern? Ruhe in Tarudant. Paris, 24. August. Wie der„Agence HävaS" aus Mogador vom 22. d. M. gemeldet wird, sind die Unruhen in Tarudant be- endet. Die Deutschen, mit Ausnahme eines einzigen, haben Taru- dant verlassen. Der Kaid hat zwei Franzosen, welche dort ein- getroffen sind, einen guten Empfang bereitet. politische deberfickt. Berlin, den 24. August 1911. Eine Hilfsaktion für das Zentrum in Düsseldorf. In Düsseldorf haben die Blockbrüder deS Zentrums, um eine Stichwahl zu dessen Gunsten herbeizuführen, einen neuen Mischmasch- kandidaten aufgestellt. Der konservative Provinzialverein, die Christlichsozialen, der Bund der Landwirte und die Freie evangelische Volksvereinigung sind nach langen, im geheimen geführten Unter- Handlungen übereingekommen, daß der von den Christlichsozialen aufgestellte Pfarrer Tctzlaff-Solingen seine Kandidatur zurück- ziehen soll. An seiner Stelle soll als gemeinsamer Kandidat des gesamten reaktionären Düsseldorfer Klüngels der Stadtverordnete Malermeister Herkenrath, der kurioserweise bisher dem Vor- stand der liberalen Vereinigung angehörte, aufgestellt werden. Als Entschädigung für die Zurückziehung der Kandidatur TetzlaffS ist den Christlichsozialen zugesichert worden, daß sie für die Reichstags- wähl im Januar einen Kandidaten ihrer Richtung aufstellen sollen, den dann die anderen Rechtsparteien ohne weiteres zu unterstützen haben. Unser Düsseldorfer Parteiorgan, die„BoltSzeitung", berichtet darüber: Nun soll also doch noch ein weiterer Kandidat ernannt werden, ein Kandidat der„Deutsch- Sozialen",.Freien- Evangelischen", „Bund der Landwirte",.Deutsch- Nationalen"..Reichsparteiler" und Gott weiß was noch für-alen und-parteiler. Der Erkorene dieser vielfach verschlungenen und verhedderten Parteigriippchen soll wirklich Herr Peter Herkenrath, seines Zeichens Stadtvater und ehrsamer Anstreichermeister in Düsseldorf sein. Daß dieser Herr die geeignete Persönlichkeit wäre, als gemeinsamer Kandidat für etwa ein halbes Dutzend verschiedener Richtungen zu fungieren, gehl schon daraus hervor, daß er auch Mitglied der „Liberalen Vereinigung" und liberaler Stadt- verordneter ist. Damit Herr Herkenrath auch wirklich als Sammelsuriumkandidat ein bißchen Geltung bekommt, soll der Pastor Tetzlaff von den Christlichsozialen zurücktreten, worauf dann auch die Christlichsozialen für Peter Herkenrath eintreten werden. Ob die Christlichsozialen daS tun werden? Sie haben schon zweimal FlugbläUer verbreitet, freilich jedesmal dasselbe Blatt, und auch schon eine Versammlung abgehalten, natürlich in der Tonhalle.... Am 28. soll bereits eine große Versammlung der Herkenrath- Partei stattfinden— natürlich auch in der Tonhalle!— in der terr Franz Behrens, christlichnationaler GewerkschaftSsekretär, eine anze für den neuen Kandidaten einlegen soll. Welchem Zweck diese nachträgliche Aufstellung eines konservativ- landbündlerischen-mittelstandSvereinlichen-antisemitischen Ragout-Kan- didaten dienen soll, ergibt sich deutlich daraus, daß die rheinische Zentrumspresse, die Kandidatur deS Herrn Herkenrath sehr wohl- wollend bespricht. ES sollen sich um diese Mischinasch-Kandidatur alle reaktionären Elemente scharen, die im Düsseldorfer Wahlkreis vorhanden sind, damit zunächst eine Stichwahl herbeigeführt wird. Ist das erreicht, dann sollen diese Elemente, auch die Mitglieder der anti-Iatholischen„Freien evangelischen Volksvereinigung', samt und sonders durch eine geschickte Mache zur Wahl des klerikalen Kandi- baten, de« HansabündlerS Friedrich, dirigiert werden. Die„Köln. BolkSztg." verrät diesen schönen Plan mit folgenden Worten: .Nachdem von linksliberaler Seite die sofortige Unterstützung der sozialdemokratischen Kandidatur proklamiert war, war eS für die rechtsstehenden Wähler kein Zweifel, daß unter Verwerfung der Wahlparole des liberalen Wahlvereins die entschiedenste Stellungnahme gegen die Sozialdemokratie für sie Pflicht sei. Wenn die Emichließung dahin ging, im ersten Wahlgange einen eigenen Kandidaten aufzustellen und erst in der Stichwahl den Hauptgeguer der Sozialdemokratie zu unterstützen, so ist die Erwägung maßgebend gewesen, daß die Agitation für eine rechts- stehende Kandidatur eine erheblich größere Zahl von Wählern zur Wahl und zur Stimmabgabe gegen die Sozialdemokratie ver- anlassen wird, als wenn die Wahlparole im ersten Wahlgnnge für das Zentrum gelautet hätte.... Bielleicht wird durch die Kandidatur der Rechtsparteien die Notwendig» keit einer Stichwahl herbeigeführt; aber die Aussichten in der Stichwahl sind dann für da« Zentrum günstiger als wie in der Hauptwahl. Das Kurioseste an der ganzen Sache ist jedenfalls, daß Herr Herkenrath bisher Mitglied der Liberalen Vereinigung in Düsseldorf gewesen ist und, wie eS heißt, sogar zeitweilig dem Vorstand an- gehört hat. Muß das ein seltsames Gemengsel sein, diese Liberale Vereinigung I DaS reinste Leipziger Allerlei. Mittelständler. Zünftler, Landbündler, Antisemiten: alleS scheint darin vereinigt zu sein, nur wirklich Liberale sind spärlich vorhanden. Vieh- und Fleischpreise. Die Dürre im Juli und Anfang August hat die Preis« für Viehfutter beträchtlich in die Höhe getrieben, so daß die Landwirte, die nicht selbst Futtermittel in größerer Menge angebaut haben, vielfach einen beträchtlichen Teil ihre« Viehes abstoßen und an die Viehhändler verkaufen. CS sind denn auch bielfach infolge der stärkeren Zufuhr die Preise für Rinder und Schweine an den deutschen Schlachtviehmärkten etwas zurückgegangen. Von einer Verbilligung der Detailpreise für Fleisch ist aber noch nichts zu spüren. Die Schlächter halten an de» meisten Orten mit Zähigkeit an den alten Preisen fest, ja, wie die amtliche Statistil für die fünfzig Hauptmärkte Preußens nachweist, ist sogar an manchen Orten der Preis für Rind- und Schweinefleisch in der ersten Hälfte des August in die Höhe gegangen. So ist zum Beispiel der Durchschnittspreis des Rindfleisches an diesen fünfzig Märkten in den ersten beiden Wochen des August von 168,0 auf 160.5 Pf. für das Kilogramm gestiegen. Neun Orte hatten eine Preiserhöhung und ebenso viele eine Preisherabsetzung. In Berlin ist der Preis von 175 auf 177 Pf. gestiegen. Am teuersten ist das Rindfleisch mit 180 Pf. in Wilhelmshaven, am billigsten mit 133 Pf. in Memel. DaS Kalbfleisch kostet im Durchschnitt aller Orte 185,3 gegen 185,5 Pf. im Juli. Vier Orte hatten einen höheren und zehn einen niedrigeren Preis. Die Extreme bilden Memel mit 136 und Altona mit 226 Pf. In Berlin hat sich der Kalbfleisch- preis von 18s Pf. nicht verändert. Das Hammelfleisch, dessen Durchschnittspreis von 183,7 auf 183,5 Pf. zurückgegangen ist, ist an 4 Orten billiger und an 5 Orten teurer geworden. In Berlin hat es seinen Preis von 192 Pf. behauptet. Potsdam und Krefeld hatten mit 200 Pf. den höchsten Hammelfleischpreis, Emden den niedrigsten mit 133 Pf. Der Durchschnittspreis des S ch w e i n e f l e i s ch s, der bisher gesunken war. ist zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder gestiegen und zwar von 145,8 auf 146,5 Pf. 13 Orte hatten eine Preis- erhöhung und nur 5 eine Herabsetzung. In Berlin i st der Preis von 132 auf 133 P f. g e st i e g e n. Am billigsten war daS Schweinefleisch in Memel mit 120 Pf., am teuersten in Frankfurt a. M. mit 189 Pf. Der Schinken ist beim Verkauf im Ganzen von 250,1 auf 250,8 Pf. gestiegen, beim Verkauf im Aus- schnitt von 341,0 auf 341,7 Pf. gesunken. Speck hat seinen Preis von 170,6 auf 160,0 Pf. ermäßigt. Vergleicht man die Preise mit denen der ersten Hälfte de? August v. I.. so sind billiger als vor einem Jahre Schweinefleisch um 15,6 Pf.. Speck um 16,1, Schinken beim Verkauf im Ganzen um 3,8 und beim Verkauf im Ausschnitt um 2,1 Ps., dagegen teurer Kalb- fleisch um 1,4, Rindfleisch um 6,2 und Hammelfleisch um 9,2 Pf. Reichstagswahltermin. Der„Verl. Lokal-Anz." meldete heute, daß vorläufig für die nächsten allgemeinen Reichstagsivahlcn der 15. Januar 1912, ein Montag, in Aussicht genommen sei. Darauf bringt das„Wölfische Telegraphen-Bureau" sofort folgendes Dementi: Gegenüber der Meldung eines hiesigen Blattes, daß der 15. Januar 1912 als Termin der Reichstags- wählen in Aussicht genommen sei, wird dem Wölfischen Bureau von amtlicher Seite mitgeteilt, daß darüber noch keinerlei Be- stimmung getroffen ist._ Eine studentische Spielerei. Bekanntlich hat der„Vorwärts" unlängst die Meldung, daß eine Anzahl von Studenten sich während der Universitätsferien als Landarbeiter auf das Land begeben wollten, mit kritischen Anmerkungen versehen. Inzwischen hat ein Mitarbeiter deS„Berliner Tageblatts" drei solcher Studenten interviewt und dabei originelle Feststellungen gemacht. Einer der akademisch gebildeten Land- Proletarier verband mit seiner eigenartigen Ferienbeschäftigung die Absicht. daS Leben der Landwirtschaft zu studieren und seine sozialen Beobachtungen zu einer Doktordissertation zu verwenden. Der zweite Student war poetisch veranlagt und wollte seine Milieustudien dichterisch verwetten. Der dtttte endlich, ein Mediziner, war ein so armer Teufel, daß er durch den Arbeitsverdienst(75 Pfennige täglich bei„freier Station") einfach seine miserablen Finanzen auszubessern gedachte. Zu diesen Feststellungen deZ.Berliner Tageblatts" nimmt nun in dem Oertel-Blatt ein gewisser Spier das Wort. Spier rühmt sich, die Idee der studentischen Ferienarbeit auf dem Lande schon vor zwei Jahren propagiett zu haben. Die Absichten der drei inter- viewten Studenten behagen ihm nicht— er verficht sein Projeft, dem, wie er dem„VorwättS" gegenüber bemerkt, auch keineswegs die Absicht der Lohndrücker« zugrunde liege, mit angeblich idealeren Motiven. Vier Gründe sprechen nach Spier für den neuesten studentischen Spott: die Pflicht der Akademiker. daS Wirtschaftsleben möglichst allseitig kennen zu lernen; das Streben, die Kultur der Stadt mit hinaus aufs Land zu ttagen; die Notwendigkeit, den verlorenen Kontakt mit dem Herzen der Natur wiederherzustellen; und endlich die Erwägung, daß„kräftigende Arbeit" den Körper mehr stähle, als irgend ein Spott. Wir müssen leider gerade diesen Darlegungen gegenüber bei der Meinung verharren, daß eS sich nur um jugendliche Phantasterei und wertlose Spielerei handelt. Wie will ein Student wirklich Leben und Lage de« Landproletariats kennen und nachfühlen lernen, wenn er, wie Spier vorschlägt,„ohne gegenseitige Vergütung", nur gegen„freie Etation' arbeitet, also gewissermaßen als Volomär. Erst dann würde der Student richtig die proletarische Existenz kennen lernen, wenn er restlos alle Pflichten des Landproletariats auf sich nähme und natürlich auch völlig unerkannt bliebe! Wen» sich aber der Student als Landproletatter ehrlich abrackern würde, würde ihm auch jeder Gedanke ausgetrieben werden,„die Kultur der Stadt mit auf« Land hinauSzuttagen". Oder glaubt Spier wirklich, daß die al» Landarbeiter sich verdingenden Studenten den Mitarbeitern ästhetische und pädagogische Vorlesungen halten könnten? Sehr problematisch würde es bei wirklich derbem Zupacken der Studenten auch mit dem.Kontakt mit der Natur" aussehen. Der im Sonnenbrand schwitzende Landbewohner pflegt sein Verhältnis zur Natur gemeiniglich höchst nüchtern aufzufassen! Was aber die „kräftigende Arbeit« anlangt, die als Ersatz für den Spott gepriesen wird, so sollte hier Herr Spier doch noch einen Schritt weiter gehen und gleich der Sozialdemokratie fordern, daß alle Glieder der Ge- sellschaft zu solcher Arbeit herangezogen würden und nicht nur während zweier Ferienmonate, sondern dauernd! Die geistigen Arbeiter würden sich dabei sehr wohl fühlen, und dem heute so schwer frondenden Proletariat würde dadurch die Arbeitslast der- artig erleichtett. daß auch ti an die Aneignung hoyerer geistiger Kultur denken könnte! Wenn die studentischen Befürworter der Landarbeit nicht der- attige Konsequenzen ziehen, wird die studentische Landarbeit nur als ein neuer Sport, al« bedeutungslose Spielerei be- ttachtet werden können. Und wenn der Spott, wa» wir freilich nicht befürchten, innerhalb der Studentenschaft wirklich Modesache werden sollte, so würde er schließlich auch auf eine verwerfliche Lohndrückerei hinauslaufen! Die Einberufung des preustischen Landtages verlangt nicht nur die.Nationalliberale Korrespon. denz". sondern auch die.Deutsche TageSztg.". Die letztere meint. die Einberufung de» Landtage» schon zum Herbst fei notwendig, tvenn sich nicht bei einem©nTtelcft parlaMniarischer Schwierigkeiten infolge eines verspöteten Einberufens die Regierung dem berechtigten Vorwurfe aussetzen wolle, daß sie selbst die Schwierig- ieitcn verschuldet habe. Zudem habe doch im März das Abge- ordnetenhaus die bekannte Entschließung gefaßt. In der die Re- gierung ersucht wurde, den Landtag noch vor Weihnachten einzu- berufen. Freilich bestreitet die«Deutsche Tagesztg." der«Nationallibe- ralen Korrespondenz" gegenüber mit Entschiedenheit, daß die frühere Einberufung an dem Einspruch des preußischen Landwirt schaftsmini st ers scheitere, der, wie von natio» nallibcraler Seite behauptet werde, die Einbringung des Par- zellierungsgesetzes möglichst hinausschieben wolle. Das Agrarier- organ wirft die mißbilligende Frage auf, was denn dieser«fort- währende Kleinkrieg" gegen den Landwirtschaftsminister eigentlich bezwecke. Die Frage ist sehr naiv, denn die«Deutsche Tages- zeitung" weiß sehr genau, daß die Nationalliberalen Herrn von Schorlcmer se.ne scharfe Absage an den HakatismuS nicht verzeihen können. Die Rationalliberalen sollten freilich von der Aussichtslosigkeit ihres Kleinkrieges gegen Herrn von Schor- lemer überzeugt sein, da dieser Herr dafür ja das umso größere Vertrauen der Agrarier gemeßt! Agrarisches über die Wahlparole. DaS Bündlerorgan bestreitet, daß die Marokko- frage zur„eigentlichen" Wahlparole gemacht werden soll. Gewiß werde die Marokkofrage bei den bevorstehenden Wahlen „unter allen Umständen im Vordergrund der Erörterungen stehen"; aber eine Wahlparole im eigentlichen Sinne könne sie deshalb nicht sein, weil die verschiedenen Parteien in diesem Punkte ja völlig einig seien, während sie sich doch auf anderen Gebieten heftig bekämpfen müßten. Nur insofern komme die Marokkofrage als Wahlparole in Be- tracht, als diejenigen, die„eine Frage der deutschen Ehre ge- ringschätzig" behandelten, von allen übrigen Parteien mit derselben Schärfe und Entschiedenheit be- kämpft werden müßten I Herr Oertel und seine Leute möchten sich also der Marokkofrage doch wieder in ähnlichem Sinne bedienen, wie sie seinerzeit den Kolonialrummel ausgeschlachtet haben. Das paßt den Junkern um so eher, als ja diesmal der Kampf nicht gegen, sondern mit dem Zentrum gemein- s a m geführt wird, und die Sozialdemokratie mit ihrem Protest gegen den Marokkorummel sich in zwar höchst ehrenvoller, aber auch totaler Isoliertheit befindet. Sei es drum: wenn unsere Gegner mit ihrem weltpolitischen Radau etwas ausrichten zu können glauben, so wollen wir ihnen gern auf dies Kampfgebiet folgen. Und wir sind sicher, daß die Kriegshetzer und Kolonialsexe diesmal sehr schlecht abschneiden werden I Als weitere Wahlparole bezeichnet das Bündlerorgan „Aufrechterhaltung und Ausbau des deut- schen Schutzzolles auf der einen und Bekämpfung der antimonarchischen, v a t e rl a n d s l o s e n Sozialdemokratie auf der anderen Seite". Auf diese Sammelparole war man gleichfalls längst gefaßt. Daß sie auch geeignet sein wird, Konservative, Zentrum und National- liberale zusammenzuführen, unterliegt kaum einem Zweifel. Daß aber trotz dieses schönen Bundes von Junker, Pfaff und Schlotbaron der Umsturz im Lande mächtig um sich greifen wird, bezweifelt das Agrarierorgan wohl auch selbst nicht! Eisenbahn-Kleinkrieg. „Die.Rord deutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: „In einem Teil der Presse ist neuerdings wiederum das Thema:«Eine deutsche Eisenbahngcmeinschaft" behandelt und behauptet worden, daß.ein erbitterter Kleinkrieg der bundeSstaat- lichen Eisenbahnen gegen einander stattfinde" und daß.ein Staat den anderen durch Umleitungen schädige und ärgere". DieS entspricht nicht den Tatsachen. Die Leitung der JnlandSverkehre ist von den diutfchen Regierungen mit StaatSbahnbesitz bereits 1905 im vollen Ein- vernehmen einheitlich nach dem Grundsatz geregelt worden, daß Umwege über 20 Proz. der Länge nicht gefahren werden dürfen, und daß innerhalb dieser Grenze im Interesse einer wirtschaftlichen Betriebsfnhrung stets der leistungSsähigste Weg zu wählen sei. Für diese Abrede war maßgebend, daß der kürzeste Weg nicht immer der wirtschaftlich beste ist, daß Umwege also schon aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und deS Betriebes nicht ganz zu vermeiden sind. Andererseits beruht die Annahme. daß den Schaden das Publikum zu trage habe, auf einem Irrtum. Die von dem Publikum zu zahlende Fracht berechnet sich stets über den kürzesten fahrbaren Weg. gleichviel welchen Weg der Verkehr in Wirklichkeit nimmt." Die Stelle, die diese Rechtfertigimg verübt hat. hätte auch bester getan, wenn sie geschwiegen hätte. Besonders die sächsische und die bayerische Staatsbahnverwaltung kann ein Lied singen von den .steund— nachbarlichen" Konkurrenzkniffen der preußischen Eisenbahn- Verwaltung, um den Durchgangsverkehr nach Möglichkeit auS diesen beiden Staaten abzulenken._ Ter Kampf um die Badezelle. In Orscholz a. d. Saar tobt um die große Frage, wie hoch die Wände der Badezellen für Schulkinder sein müssen, ein gewaltiger Kampf zwischen dem katholischen Pfarrer und dem Landrat: ein Kampf, der, da die Trierer Regierung für den Landrat, die Jen- trumspresse für den Pfarrer Partei ergriffen hat, sich vielleicht noch zu einem großen Weltereignis gestalten wird. Orscholz hat nämlich in seinem neuen Schulgebäude eine Badeeinrichtung an- gelegt, gegen die der Pfarrer sofort den Krieg eröffnete. Er verlangtecineErhöhungderZellenwändebiS zum völligen Abschluß von der Außenwelt. Man antwortete ihm, daß die Lchrpersonen das Baden überwachen müßten, kam ihm aber entgegen und brachte„Segeltuchvorhänge" an. Der Pfarrer aber konnte seine grundsätzliche Abneigung gegen die ganze überflüssige Baderei nicht überwinden, machte die Gemeinde mobil, drohte in einer neuen Eingabe, die an die Regierung weitergelcitet wurde, mit dem Verbot deSBadebefuchs und rief in einer Vereinsversammlung, die erbaulicherweise auf den Sonntag der- legt wurde, das katholische Volk gegen den Landrat von Saarburg zu den Waffen. Nun erfolgte, wie die«Frankfurter Zeitung" er- zählt, unter dem 8. Juli eine geharnischte Note der Trierer Regie- rung an den Pfarrer, der nebenbei Ortsschulinspektor ist, er möge Bericht einsenden und sich darüber äußern, wie er dazu komme, als LrtSschulinfpektor für Orscholz gegen eine behördlich genehmigte Anlage Propaganda zu machen. Der Pfarrer aber beruft sich jetzt auf seine Seelsorgerpflicht, lehnt den Bericht ab und rüffelt seinerseits die Regierung in einer Tonart, wie man sonst an Untergebene schreibt. Und die«Germania" fordert, falls den Schuldigen von der Regierung in Trier kein Verweis erteilt werde, das Abgeordnetenhaus auf, sich der Sache anzunehmen. Auf den Ausgang des Orscholzer BadezellcnkriegeS darf man jedenfalls gespannt sein._ . Eine dunkle Soldatenmifthandlnngsgeschichte. Wenn vor irgend einem Kriegsgericht ein Fall zur Verhandlung kommt, der geeignet ist, die Verhältniste im Heere bedenklich-r- scheinen zu lassen, dann gibt cS bekanntlich allerlei sogengnllte „mttitärMenstliche Gründe', die für den«uSfchluß der OeffenMchkeit herhalten mästen. Bei den Marinekriegsgerichten gibt eS noch ein anderes Mittel, Unberufene von den Verhandlungen fernzuhalten. Die Sitzung deS Kriegsgerichts wird einfach an Bord eines Kriegs- fchiffes verlegt. Will man ganz sicher gehen, dann bildet der AuS- fchluß der Oeffentlichleit der Verhandlunge» hierzu noch die Er- gänzung, wie es dieser Tage aus dem großen Panzerkreuzer .V. d. Tann" der Fall war. Der Tatbestand, aus dem die Anklage erfolgt ist, hat sich zu« getragen in Brasilien. Der Panzerkreuzer lag Mitte März d. I. im Hafen von Rio de Janeiro. In der Nacht zum 16. März starb der Hcizerrekrut Büch, der einzige Sohn eines EifenbahnwerlmeisterS in Saarbrücken. Büch batte erst 2'/z Monate gedient. Amtlich wurde belannt gegeben, fein Tod fei die Folge einer Hcrzlähmung. Büch wurde fern von seiner Heimat in Brasilien beerdigt. Bald verbreiteten sich aber Gerüchte, daß Büch infolge von Mißhandlungen von Kameraden gestorben sei. Dem Büch wurde nämlich der Heizerdieuft zu schwer, er meldete sich mehrmals krank, wurde aber nach ärztlicher Untersuchung immer wieder zum Dienst gesandt. Bei- einigen seiner Vorgesetzten und seinen Kameraden soll sich darauf die Meinung festgesetzt haben, er wolle sich nur aus Unlust drücken und sie müßten deshalb stärker zum Dienst heran. Der Vater des Verstorbenen ging der Sache nach, er erreichte, daß Untersuchungen eingeleitet und schließlich gegen die Heizer Kränzen, SieverS, Lange, den Maschinisteumaaten Krüger und den Maschinisten Seemann Anklage erhoben wurde. Die Verhandlung fand am Dienstag an Bord des Panzerkreuzers„v. d. Tann" statt. Der Wortlaut der Anklage bleibt ein Geheimnis, denu sofort nach Er- öffnung der Sitzung wurde die Oeffentlichleit auSgefchloffen. Nach siebenstündiger Verhandlung, in der eine große Anzahl von Zeugen und Sachverständigen vernommen wurde, erfolgte die Verkündigung deS Urleils. Die drei Heizer wurden wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung zu je einem Monat Gefängnis der- urteilt. Der Maschinistenmaat Krüger erhielt 14 Tage Mittel- a r r e st, der Maschinist Seemann wurde freigesprochen. In der Begründung des Urteils, die öffentlich gegeben wurde, heißt eS: Es sei bei den angeklagten Heizern die Frage zu prüfen gewesen, ob eine Körperverletzung mit TodeSerfolg vorliege. Diese Frage mußte daS Gericht verneinen, denn durch die Beweisaufnahme habe ein Zusammenhang zwischen der Körperverletzung durch die Angeklagten und den Tod des Heizers nicht festgestellt werden können. Die drei Heizer haben sich aber der gemeinfchaft« lichen Körperverletzung des Büch schuldig gemacht, sie haben bewußt zusammen gehandelt als sie ihm Ohr- feigen, Stöße und Püffe versetzten. Es mag ihnen zugute gerechnet werden, daß sie ärgerlich waren, weil sie wegen Büch mehr Dienst tun mußten. Durch die Beweisaufnahme konnte ferner nicht festgestellt werden, daß der Maschinistenmaat und der Maschinist vorher gewußt haben, daß die Heizer den Büch mißhandeln wollten. Von einer Beihilfe zu gemeinschaftlicher Körperverletzung könne also keine Rede sein. Dagegen habe der Maschinisten- maat sich abgewendet, um nichts von den Püffen und Schlägen zu sehen. Darin liege eine fchuldhaste Verabsäumung seiner Pflicht zur Beaufsichtigung Untergebener. Der Oberingenieur habe allerdings befohlen, wenn die Heizer schlapp werden, sollten sie auS dem Heizraum gebracht werden. Möglich sei, daß dieser Befehl nicht so scharf präzisiert worden sei, daß er den Maschinisten klar zum Bewußtsein gekommen. sei. Ob der Heizer Büch, der allgemein als«in kräftiger Mann geschildert wird, seinen Dienst nicht machen konnte, bleibt dahingestellt. Die Angeklagten konnten annehmen, daß Büch«in Drückeberger war. Die Ohrfeigen, Püffe und Stöße könnten als erhebliche Ausschreitungen nicht angesehen werden, deshalb wären den Angeklagten mildernde Umstände zugebilligt worden. Aus der Urteilsbegründung geht hervor, daß die Anklage gegen die Heizer auf Körperverletzung mit TodeSerfolg und gegen die beiden Vorgesetzten auf Beihilfe gelautet hat. Ueber die eigentliche Todesursache sagt das Gericht nichts. Man sollte doch annehmen, daß die Todesursache Büch« ärztlich festgestellt, ja daß eine Leichen- öffnung zur Begründung der Todesursache erfolgt ist. Warum ver- schweigt daS Gericht daS Ergebnis? Wenn auS solcher Geheimnis- krämerei, die nicht daS geringste mit militärischen Interessen zu tun hat, die schlimmsten Vermutungen entstehen, mögen sich die Kriegs- gerichte selbst die Schuld daran zuschreiben. Oesterreich-Ungarn. Der entartete Sohn. Budapest, 24. August. K o s s u t h empfing heute eine Deputation der Sozialdemokraten seines Wahlbezirks Czegled, welche ihn zur Stellungnahme für das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht aufforderten. Koffuth erklärte, er könne das allgemeine Wahlrecht nur mit nationalen Kautelen akzeptieren. Ein Wahlrecht, das Ungarn den Feinden des Ungarn- tumS ausliefern würde, würde er niemals befürworten. ES ent- wickelte sich dann«in lebhafter Wortwechsel zwischen Kosiuth und dem Führer der Sozialdemokraten, welch letzterer darauf verwies, daß Koffuths Vater schon vor 60 Jahren für daS allgemein« Wahlrecht gewesen sei. Schließlich kehrte Koffuth der Deputation den Rücken. Portugal. Volkswehr und Schiedsgericht. Die Regierung hat eine Verordnung erlassen, die, nach Zustimmung des Parlaments, die Organisation der Volks- wehr regeln soll. Danach sind alle Portugiesen von 17 bis 45 Jahren zum Kriegsdienst verpflichtet. Der Einstellung (mit 20 Jahren) geht eine Ausbildung im Turnen und Schießen während drei Jahre voraus. Die aktive Dienst- zeit dauert, je nach der Waffe, 15— 30 Wochen, wozu Jnstruktionskurse von zwei Wochen und für die Reservisten zwei fünfzehntägige Wiederholungskurse hinzukommen. Eine gewisse Anzahl Freiwilliger wird für ein ganzes Jahr an- geworben. Nicht zum aktiven Dienst Ausgehobene haben sonntägliche Schießübungen mitzumachen. Für völlig Militärfreie besteht eine Wehrstcuer, die aus einem festen Mindestsatz und einein dem Einkommen entsprechenden Zuschlag besteht. Für internationales Schiedsverfahren spricht sich Artikel 63 der neuen Verfassung wie folgt auS: Die Republik erkennt, unbeschadet der Bestimmungen ihrer Bündnisverträge, den Grundsatz des Schiedsverfahrens, als besten Mittels zur Entscheidung internationaler Streitig- leiten, an._ Die Präsidentenwahl. Lissadon, 24. August. Die Nationalversammlung hat heute den Gesetzentwurf betreffend die Entschädigung der Deputierten und Senatoren angenommen und die Dotation für den Präsidenten der Republik auf 24 ContoS Reis festgesetzt. AuS Anlaß der Präsidentenwahl herrscht in der Um- gebung deS Parlamentsgebäudes lebhafte Bewegung. Bernardino M a ch a d o und Manuel A r r i a g o find die einzigen Präsident- schaftskandidaten. Die neue Verfassung wird morgen in Kraft treten. Sonnabend wird die Wahl von 71 Senatoren vorgenommen werden, die die Abgeordneten auS ihrer Mitte wählen. Die Senatoren müssen älter als dreißig Jahre sein. Arriga gewählt. Lissabon, 24. August. Arriaga ist mit 121 Stimmen ium Präsidenten der Republik gewählt worden. Hus der Partei. Preußische Redefreiheit. In Rathenow wurde Genosse Bruno Herzfekd aus Breslau unter der Anschuldigung, zum Klaffenhaß aufgereizt zu haben, verhaftet. Herzfeld soll sich in einer Volksversammlung in Rathenow in der Diskussion, in der er den preußischen Polizei- staat nach Gebühr kennzeichnete, deS erwähnten Delikts schuldig gemacht haben. Wenn etwas an den Ausführungen Herzfelds auf« reizend war, so sicher nur die preußischen Zustände, die er schilderte. Pom Fortschritt der Presse. Eine neue Parteizeitung soll nach den Beschlüffen der Kreis- generalverfammiung des 14. württembergischen Kreises am I.Oktober dieses Jahres in Ulm ins Leben treten. Das Blatt wird den Namen„Donauwacht" führen und in der Druckerei der Stutt- garter»Tagwacht" gedruckt werden. Uns Inäuftrie und Handel Die Baumwolle, die in Deutschland in ganz außerordentlichen Mengen verbraucht wird, hat in den letzten Jahren eine erhebliche Preissteigerung er« fahren. Im Jahre 190S betrug der Wert einer im Jnlande ver- brauchten Tonne Baumwolle 800 M., im Jahre 1910 aber 1170 M.. das ist eine Steigerung um 46,2 Proz. Im Jahre 1909 wurden 455 922 Tonnen Baumwolle im Werte von 532 Millionen Mark nach Deutschland eingeführt, im Jahre 1910 aber nur 402 428 Tonnen im Werte von 470 Millionen Mark. Die Ausfuhr aus Deutschland betrug 1909 zusainmen 61 355 Tonnen im Werte von 54 Millionen Mark, 1910 aber 46 479 Tonnen im Werte von 62 Millionen Mark. Während also daS Quantum erheblich zurück. ging, erhöhte sich der Wert der Menge. Die Handelskammern weisen schon darauf hin, daß sich die Steigerung des Preises der Baumwolle sehrbald inder VerteuerungderauS ihr hergestellten Waren äußern wird. Von der Einfuhr im Fahre 1910 kamen aus den Vereinigten Staaten von Nordamerika 279 850, Britisch-Jndien 82825, Aegypten 33 684 Tonnen. Die Gesamtproduktion an Baumwolle in den drei wichtigsten in Betracht kommenden Gebieten betrug im Jahre 1909/1910 in Amerika 10 650 961 Ballen, Ostindien 4 502 000 Ballen, Aegypten 5 000772 CantarS. Di« Lieferungen aus den deutschen Kolonim waren, so wird übereinstimmend be- richtet, wieder«außerordentlich bescheiden". Die AuS- sichten für die Ernte 1910/1911 sollen allenthalben wieder un- günstige sein. Auf dem Wege zum Fleischtrust. Genosse Compire« Morel berichtet in der„Humanite" von einer neuen Entwickc- lungsstufe der französischen Fleischversorgung, auf der daS amerika- nische Vorbild nach Europa übertragen wird. Seit Anfang dieses Jahres besteht bei Paris die Aktiengesellschaft«Nationale" mit einem Kapital von 1 Million Frank zur Betreibung der Fleischerei. Mit ihrer vollkommenen Maschinerie, die cS fertiggebracht hat, 188 Schweine in 55 Minuten zu töten und zu reinigen, werden Fleischwaren aller Art hergestellt. Sie ist auf eine Verarbeitung von etwa 40 000 Stück Schweinen im Jahre berechnet. Und schon geht man daran, neue Werke zu bauen, die das Mehrfache leisten. Die Erhöhung deS Kapitals auf 4 Millionen ist beschlossen. Bei St. Etienne wird ein Werk mit 36 000 Quadratmeter Grundfläche errichtet, das elektrischen Betrieb, unmittelbaren Gleisanschluß, Ableitung der Wfälle in die Loire usw. erhält. Und im Departe- ment Ober-Vienne wird eine Schweinemästerei mit 60 Hektaren Fläche geschaffen. So denkt man, den Umsatz, der schon vom 1. April 1910 bis 31. Januar 1911 4� Millionen Frank über« schritten hat. zu vervielfachen. Ein andere« Unternehmen ähnlicher Art ist die Französisch- Madagassische Nahrungsmittelgesellschaft, die mit% Million Frank gegründet worden ist, um namentlich Rinder und Rind- fleisch, gefroren oder sonst konserviert, aus MadagaS kar ein- zuführen. ES geht also rasch vorwärts mit dem Großbetrieb. Die Französische Landwirtschaftliche Gesellschaft hat vor kurzem fest- gestellt, daß die schlechte Organisation deS Fleischvertriebs geändert werden müsse.„Man muß im Zuchtgebiet schlachten und daS Fleisch auf die Märkte der großen Städte schaffen." Jetzt werde ein Ochse von 500 Kilo, der bei dem Züchter 400 Fr. wert sei, durch die mangelhafte Handels- und Vertriebsorganisation um 156 Fr. verteuert. Im großen, in modernen Schlachthäusern verarbeitet, würden die Kosten 61 Fr. geringer sein und zugleich für 52 Fr. mehr Produkte erzielt werden: eine Ersparnis von 103 Fr.» 20 Cent, auf daS Kilo! Compere-Morel erwartet, daß solche Aktiengesellschaften sich bald allgemein einbürgern und den ganzen Fleischereibetrieb in ihre Hände bringen werden. Alz festorganisierte Monopolbetriebe würden sie dann, wie schon heute in Amerika, als Käufer den Bich- und als Verkäufer den Fleischmarkt absolut beherrschen. Wunderbare Aussichten für Produzenten und Konsumenten— solange sie sich die Kapitalsherrschaft auf diesem wie auf anderen Gebieten eben noch gefallen lassen. Kein TerroriSmuS. Die zunebmende Verschärfung de« Klassen» kampfeS in Oesterreich läßt die Scharfmacher und ihre Fanghunde, die«nationalen Arbeiter", die gleichen Methoden wie in Deutschland anwenden. Also: schwarze Listen. Aussperrungen, Klassenjustiz, Revolverschießereien, Messcrattentate— kurz all da», was man dann bekanntlich roten TerroriSmuS nennt... Da ist eS nun ganz interessant, zu zeigen, wie der blaue oder schwarz-rot-gelbe sdaS ist der«heilige nationale Dreifarb") NichtterroriSmuS aussieht. Ein Beispiel gibt daS Kartell der Zuckerraffinerien, an dem zahl» reiche Patenldeutsche, auch Abgeordnete von GeldsackSgnaden hervor- ragend beteiligt sind. Man hat, um da« Entstehen und Bestehen kartellfreier Raffinerien zu hindern, dir Material sperre ein« geführt. Gegen einen Lohn von 3,60 Kr. für jeden Meterzentner haben sich die Rohzuckerfabrikanten, unter denen wieder viele „tschechische Erbfeinde" find, was aber in Geldsachen nichts aus» macht, verpflichtet, an kartellfreie Raffinerien keinen Rohzucker zu liefern. DaS Geschenk von 11 Millionen Kronen jährlich an die willigen Rohzuckerfabrikanten zahlen natürlich nicht die raffinierten Raffineure, sondern die Konsumenten. DaS Kartell hat durch entsprechend frühzeitige und ausgiebige Preiserhöhung hierbei natürlich noch weitere Millionen Sondergewinn eingesackt. Dem Kaufmann wird der Zucker gerichtlich so berechnet, wieviel er mit der Verpackung wiegt: also auch für Papier und Bind« faden muß die Humaue Verbrauchssteuer von LS Heller <81 Pfennig) pro Kilo entrichtet werden! DaS ist bei je 1000 Kilogramm 12 Kronen Extrarebbach. Nun aber, nach der Teilung der Beute zwischen den„Rohen" und„Raffinierten" hat man binnen der letzten sechs Monate den Verkaufspreis um 34 Prozl erhöht. Der Zucker kostete(ohne Steuer pro 100 Kilogramm)- vor sechs Monaten 36,50 Kronen und kostet jetzt 49 Kronen! Diese wahnsinnige Verteuerung wird durch die börsenmäßige Preissteigerung des Rohzuckers infolge de« ungünstigen Wetters noch lange nicht gerechtfertigt. Und es ist doch der billig eingekaufte vorjährige Zucker, nicht der teuere dieses Sommers, den die Wucherer jetzt so teuer verlaufen. Und zu guterletzt haben die Kartellisten nun auch noch den früher frei verkäuflichen und billigeren Zucker, der nicht ganz weiß geworden ist und der natürlich zur Verarbeitung sehr gern ver» braucht wurde, einbezogen und der Roh- sowohl wie der Kristallzucker werden künftig nur 1—3 Kronen pro 100 Kilogramm gegen 6—12 Kronen früher billiger sein als der weiße Zucker. Wenn Arbeiter unter dem Zwang der Not ein paar Groschen mehr Lohn fordern— roter TerroriSmuS, psui! Wenn Millionäre brutal die ganze Industrie knechten und ein ganzes große« Reich nach Belieben und Willkür brsindschatzeg v herrliche deutsche Tai Heih hoch, hurra j Gcwerfefcbaftlichea. ZwitrumsprefTe und chriftUche Gewerfifchaftcn gegen die Sirenbahnerorganiration. Die Lorbeeren. die die bayerische und die badische Zcntrumspresse sich durch ihre Hetze gegen die nicht völlig sozialistenrcine Eisenbahnerorgallisation erobert haben, lassen die christlichen Gewerkschaften und die Zentrumspresse im Elsaß nicht schlafen. In dem sichtlichen Bestreben, dem Kartell der freien Getvcrkschaften dabei zuvorzukomnien, hatte sich das christliche Gewerkschaftskartell i n M ü l h a u s e n i. E. niit den in der dortigen Eisenbahn- bctricbswerkstätte vorgekomnienen Maßregelungen be- faßt und dabei eine Eingabe an die Generaldirektion der ReichSeisenbahnen zu Straßburg wie an den Eisenbahn- minister v. Breitenbach beschlossen. Wie nun die„Ober- clsässische Landeszeitung" mitteilt, hat Minister v. Breitenbach auf die an ihn gerichtete„christliche" Eingabe gar nicht geantwortet, während die Generaldirektion der Reichs- cisenbahnen kühl bemerkte,„daß die nach einseitigen Dar- legungen gefaßte Resolution sie nicht beivegen könne, die wohlerwogene und wohlbegründete Kündigung gegen den Facharbeiter Schmitt und den Schmied Schalk zurückzu- nehmen". Der Servilismus der christlichen Gewerkschaftler läßt nun nicht zu. daß die christliche Gewerkschaftsorganisation und die Zentrumsprcsse auf diesen Hohn die richtige Antwort fänden. Vielmehr fällt das christliche Gewerkschafts kartest in der zentrümlichen„Oberelsässischen Landeszcitung in nachträglicher Empörung jetzt gehorsamst über die Eisen bahner her, indem es öffentlich erklärt, es sei der lieber zeugung,„daß die Verwaltung hauptsächlich durch die sozial demokratischerseits erfolgte einseitige agitatorische Ausschlachtnng dieser Vorfälle an dem Festhalten ihrer einmal erfolgten Stellungnahme bestärkt wurde". Die Nichtsnutzigkeit solcher Polemik beweist die Feststellung, daß die gemaßregelten Eisenbahner selbst und zwar mit vollem Recht die Vorfälle agitatorisch ausschlachteten und das christliche Gewerkschaftskartell ihnen durch Einberufung einer öffentlichen Protestversanimlung gegen die Maßregelung dazu die erste Gelegenheit bot. Noch beut licher tritt der feige Rückzug des christliche Gewerkschaftskartells vor derdasKoalitions recht mit Füßen tretenden Eisenbahnver w a l t u n g in der veröffentlichten Resolution zutage, die mit den Worten schließt: „Wollen die elsoß- lothringischen Eisenbahner dauernd die öffentliche Meinung auf ihrer Seite haben, dann werden sie gut tu», wenn sie so schnell wie möglich von der sozialde in�o kr a t i s ch e n Partei- und Gewerkschaftspropagand abrücken. Im anderen Falle wird es der Eisenbahn Verwaltung ein l ei ch l e s s e i n, d i e o r g a n i s i e r t e n Werkstättenarbeiter in der Öffentlichkeit in Unrecht zusetzen. Die Lage der Eisenbahnwerkstättcnarbeiter und ihrer Vereine in Elsaß-Lothringen ist sehr ernst. Unbesonnener Radi kalismus wird die Situation noch verschlimmern. Nur Ruhe. Besonnenheit und entschiedene Vertretung der Standesinteressen auf dem Boden der Ordnung und des Gesetzes führen zuni Ziel. . Das ebristliche Gewerkschaftskartell Mülhausen." u Dieser Sermon hat nur dann einen Sinn, wenn man t.,.l dahin versteht, daß er die vorgekoinmenen Maßregelungen weil sie Sozialdemokraten treffen, decken soll. Das haben die «n Eisenbahner denn auch sofort begriffen. Die zwei gemäß regelten Vorstandsmitglieder Schmitt und Schalk in Mülhausen i. E. veröffentlichen in der„Mülhauser Volks zeitung" eine geharnischte Erklärung, in welcher sie die Ver öffentlichung des christlichen Gewerkschaftskartells als Versuch, die Eisenbahnverwaltung in ihren unbegründeten Maßnahmen zu unterstützen, gebührend kennzeichnen, an die Haltung der Behrens und Becker im Deutschen Reichstag erinnern, welche die Staatsarbeiter durch Aberkennung des Streikrechts zu Bürgern zweiter Klasse stempeln wollen, und worin sie die Eisenbahner schließlich ausfordern, bei den bevorstehenden Wahlen sozialdemokratisch zu wählen;„Denn so lange Zentrum Trumpf ist, wird'S nicht besser werden." Berlin unck UmgcgcncU Die streikenden Elektromonteure und Hilfsmonteure versammelten sich am Donnerslagnachmittag im„Englischen Garten" Während die Unternehmer in bürgerlichen Zeitungen die Nachricht verbreiten lassen, daß ihre Geschäfte durch den Streik nicht sonderlich beeinflußt werden, haben sie die Streikenden durch Rohrpost- und Eilbriefe zur Wiederaufnahme der Arbeit aufgefordert i zugleich be mühen sie sich eifrig um die Heranziehung von Arbeitswilligen. Denjenigen Firmen, die am meisten bedrängt sind, sendet man zuerst die gewonnenen Arbeitskräfte zu. Und schwer bedrängt find nicht wenige der bestreikten Firmen, besonders ist die Situation auf den Bauten sehr ungünstig für die Unternehnier. Den bestreikten Firmen, die gestern im„Vorwärts" genannt wurden, haben sich noch die Firmen„Privat-Telephon-Gesellschafr und. Machol u. Marter" zugesellt. Handle betonte in seinem Bericht über die Streiksituation, daß die Unternehmer jederzeit den Frieden haben können, wenn sie den Tarifvertrag, der keinerlei unbillige Forderungen enthält, unterschreiben wollen. Zu Verhandlungen durch den Verkkand seien die Arbeiter stets bereit. Vor Sonderabmachungen warnte Handle die Streikenden und forderte sie auf, sich durch Drohungen nicht einschüchtern und durch Versprechungen nicht verlocken zu lassen, der gemeinsamen Sache untreu zu werden. Die Hinweise darauf hielt er für notwendig, da die Elektromonteure zum ersten Male einen großen Streik durchführen müssen und sie die Praktiken der Unternehmer in solchen Kämpfen noch nicht kennen. Mit Beifall nahmen die Streikenden die Mitteilung auf, daß in einigen Be- trieben die Streikarbeit, die von den Arbeitern verlangt wurde. strikte verweigert worden ist. � Die Unternehmer wollen in diesen Tagen in einer Versamm- lung die durch den Streik geschaffene Lage besprechen. Die Aussperrung der Galautericarbeiter und-Arieiterinnen bei der Firma E. Lochbaum, Sebastianstr. 1s, ist durch SchiedS- spruch der Schlichtungskommission beendet. Die Firma wurde ver- urteilt, das Personal wieder einzustellen und de» tarifmäßigen Auf- schlag von b Proz. auf den bisherigen Lohn zu zahlen. Die Ortsvcrwaltrmg Berlin des Deutschen Buchbinderverbandes. Schuhmacher. Unter Bezugnahme auf den Artikel, welcher gestern in Ihrem gelverkschoftlichen Teil unter„Achtung Schuh- niacher" meine Fabrik betreffend, veröffentlicht war. ersuche Sie höflichst, folgende Berichtigung i» denselben Teil einsetzen zu lassen, da der Artikel vom 23. August nicht den Tatsachen entspricht: »Am Sonnabend, den Ii). August, wollte ich einen Zwicker, über «-essen Arbeiten ich bereits schon des öfteren Anlaß zu Klagen hatte, /ntlassen, da mir seine Arbeit wiederum Grund zur Unzufriedenheit gab, und ist mir bei der Monierung der Arbeiter scharf entgegen- getreten. Da die anderen Arveiter mit der Entlassung nicht ein« verstanden waren, so legten sie sämtlich die Arbeit nieder und habe ich der Kürze halber daraufhin alle entlassen. Eine Lohndifferenz kam nicht in Frage und ist die Entlassung keinesfalls damit in Zu- sammenhang zu bringen. Auch ist von meiner Seite keine Maß- regelung erfolgt. Hochachtungsvoll Fedor Spiegel. Zur Berichtigung des Herrn Neumann. Auf dem Neubau der Oper in der Nßrnberger Straße zahlte Herr Nenmann seinen Dachdeckern bis zum 2g. Juli 70 Pf. Stunden- lohn. Als der Vorsitzende des Zentralverbandes der Dachdecker am 26. Juli mit Herrn Neumann Rücksprache nahm, erklärte dieser Bis jetzt haben meine Leute noch nicht mehr Lohn von mir verlangt, sie sind mit dem Lohn vollständig zufrieden. Am 31. Juli forderten die Dachdecker dann den tarifmäßigen Lohn. Anfänglich wollte Herr Neumann sich auf nichts ein- lassen und nur durch den Hinweis der Dachdecker, dann lieber aufhören zu wollen, erklärte sich Herr Neumann bereit, 8S Pfennig Stundenlohn zu bezahlen. Diesen Lohn bat er bis zum 12. Angust bezahlt, die anderen Bestimmungen des Tarifvertrages aber voll ständig unbeachtet gelassen. Am 14. August stellte er von neuem an die Dachdecker das Ansinnen, für 76 Pf. weiter zu arbeiten. Die Dachdecker stellten jedoch die Arbeit ein. Diese Werkstelle ist solange zn meiden, bis Herr Neumanu sich unterschriftlich bereit erklärt hat, bei Arbeiten im Geltungsbereich des Berliner Lohntarifs, diesen für sich als rechtsverbindlich anzuerkennen. Oeutlcbes Reich. Von der Leipziger Metallarbeiteraussperrung. Die Vertrauensleute der Streikenden und Ausgesperrten in der Metallindustrie haben Mittwoch dem Vorschlage zu gestimmt, Kommissionen zu wählen. Sie haben dem auch bereits entsprochen. Freitag früh soll die Kommission mit der der Unternehmer das erste Mal zur Beratung zusammen treten. Der gegenwärtige Stand der Aussperrung ist folgender: Von der Aussperrung betroffen wurden insgesamt 8490 Metallarbeiter. Davon sind streikende und ausgesperrte Gelbmetallarbeiter 1116, Ausgesperrte 5729 und aus den Betriebe» herausgezogene Streikende 1645. An der Bewegung istnd beteiligt 4858 Verbands- mitglieder._ Zentralschiedsgericht im Baugewerbe. Das seinerzeit unter großen Schivierigkeiten zusammen getretene Kollegiuni der Unparteiischen im Zentralschiedsgericht für das Baugewerbe setzte sich bekanntlich zusammen aus den Herren Geheimrat Dr. W i e d f e l d t, Oberregierungsrat M a y r- München und Magistratsrat W ö l b l i n gZ- Berlin. Infolge Ausscheidens des Herrn Dr. Wiedfeldt— der als wirtschaftlicher Berater zur japanischen Regierung berufen worden ist— sahen sich die Parteien veranlaßt, einen neuen Unparteiischen für das Zentralschiedsgencht zu gelvinnen. Der Arbeitgeberbund für das deutsche Baugewerbe, sowie sämtliche beteiligten Arbeitnehmerorganisationen einigten sich nunmehr einstimmig auf die Person des k. Gewerbegerichts direktors Dr. P r e n n e r- München. Nach längeren Perhand> lungen hat sich Dr. P r e n n e r bereit erklärt, das ihm aw getragene Amt unter gewissen Bedinguugen zu übernehmen. Dieser Wandel in der Gesinnung auf feiten des Arbeit- geberbundes ist um so bemerkenswerter, als sich im vorigen Jahre der Arbeitgeberbund gegen die Berufung Dr. Prenners und Magistratsrats Schul z-Bertin in das Zentralichieds- gericht ebenso ablehnend verhielten. Die Scharf- macher im Baugewerbe sind also wieder zur„alten Liebe" zurückgekehrt._ gehilfen unermüdlich propagiert und alle? darangesetzt vir?, dri Gehilfenorganisationen aktionsfähig zu machen. Die Konferenz fordert von den Gesetzgebungen dre Glerch- stellung der Gehilfen bezüglich ihrer öffentlich-rechtliche» Per- tretung mit den Meistern." Tie im Deutschen Transportarbeiterverbande, Mitgliedschaft Binnenschiffer und Flöster des Rheins und seiner Siebenflüsse organisierten Schiffer und Matrosen der Firmen„Frankfurter Atliengesellschast für Rhein- und Mainschiff- ahn, Frankfurt" und. Friedrich Asteroth, Ehrenbreilstein" haben ihren Arbeitgebern Forderungen auf Erhöhung der Löhne und Ver- besserungen der Arbeitsbedingungen gestellt. Erstgenannte Finna hat ihren Schiffer» daraufhin die Kündigung zugeben lassen. Kommt es zu keiner Einigung, so dürfte es zur Arbeitseinstellung bei beide» Firmen kommen. Zuzug von Schiffern oder Matrosen zum Rhein ist deshalb fernzuhalten. Versammlungen. Die Lohnbewegung in den Prellereien der LuxuSpaPcerbranche, die bereits Ende Mai eingeleitet wurde, hat sich bisher zremlech langsam entwickelt, was teils daraus beruht, daß die Konjunkiur nicht besonders günstig war, viele Arbeitgeber befanden sich auf Reisen. Nun scheint die Bewegung jedoch etwas lebhafter vor- wärts zu schreiten, und es ist mit Sicherheit darauf zu rechnen, dag sie auch zum Ziele führen wird. Am Dienstag fand im Geweri- schaftshause eine allgemeine Branchenversammlung der in den Prellereien beschäftigten Arbeitern und Arbeiterinnen in der K e m p k e über den Stand der Bewegung berichtete. Nachdem die Lohnkommission sich auf Beschluß der vorigen Versammlung nochmals an die Organisation der Unternehmer gewandt, Häven sowohl die Chromolithographische Vereinigung wie auch der Schutz- verband der Steindruckereibesitzer ablehnend geantwortet. In dem Antwortschreiben vom Schutzverband wird ausgeführt, daß man nicht in der Lage sei, über die Frage zu verhemdeln, da man sich lediglich mit Angelegenheiten befassen könne, dir die Lithographen und Steindrucker oder deren Hilfsarbeiter angingen. In ähnlicher Weise erklärt auch die Chromolithographische Vereinigung nicht in der Lage zu sein, Verhandlungen zu pflegen. Das sind selbstver» ständlich nur Ausreden, zumal wenn andererseits die einzelnen Unternehmer wieder erklären, daß man sich mit der Sache an ihre Organisation wenden müsse. Von den einzelnen Arbeitgebern sind übrigens jetzt auch Antworten in ziemlich großer Zahl einge- gangen. Von 41 Firmen haben nur 3 direkt ablehnend geant- wartet. Die meisten wünschen zu verhandeln oder berufen sich auf die Vereinigung selbständiger Pvetzvergoldeanstalten, von der fest- steht, daß sie zum Abschluß des Tarifvertrages bereit ist. Die Ver- Handlungen mit dieser Arbeitgeberorganisation sollen in der nach- sten Woche stattfinden.— Nach reger Diskussion, in der noch ver- schiedene Einzelheiten der Bewegung besprochen wurden, wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und billigt die weitere Taktik in unserer Lohnbewegung. Obwohl die Versammlung die Verschleppung eines allgemeinen Tarifabschlusses auf das lebhafteste bedauert. erklärt sie auf das bestimmteste, durch keine Verschleppungstaktik der Unternehmer von ihrer Forderung auf Anerkennung eines allgemeinen gleichen Tarifes abzusehen und nicht eher zu ruhen, bis ein solcher abgeschlossen ist. Aus dieser Erkenntnis heraus appelliert sie nockmals an die große Zahl unserer Berufsange. hörigen, unablässig und energisch für die weitere Gewinnung von Mitgliedern für unsere Organisation Sorge zu tragen, da hierin die beste Gewähr liegt, auch mit den letzten und schärfsten Mitteln ihre gerechten Forderungen erfolgreich zu vertreten." Letzte Nachrichten« Hiieland. Drohende Metallnrbeiteraussperrung in Westböhmen. Infolge einer lokalen Arbeitsiiiederlegung sollen am 4. September die Metallarbeiter von 22 Firme» in Weslböhnien ausgesperrt werden Die Unternehmer sind international geeint, die Arbeiter— national zersplittert I Zweite internationale Friseurgehilfenkonferenz. In Zürich begann am 22. August die zweite internationale Konferenz der Friseurgehilfen. Anwesend waren Vertreter Deutsch landS, Oesterreichs, Frankreichs und der Schweiz. Der internationale Zusammenschluß der Friseurgehilfen läßt»och nianci'erlei zu wünschen übrig. Die Organisationen in Dänemark, Schweden und Norwegen halten sich noch'von der Internationale kern. Einen eigen artigen StandpunttnimmtdieOrgaiiisatioii der Vereinigten Staaten von Nordamerika ein. Sie hält sich, obwohl inzwischen die Amencan Federation of Labour ihren Anschluß an die internationale Ge werkschaftSbewegung vollzogen hat� geflissentlich fern, weil sie be ürchtete, daß dadurch der Zuzug von Friseurgehilfen aus den europäischen Ländern nach den Vereinigten Staaten begünstigt werden löemte. Dabei ließ sich aus einer amtlichen Statistik feststellen, daß die größte Einwanderung von Friseurgehilfen nach den Vereinigten Staaten aus solchen Ländern erfolgt, in denen keine Organisation der Friseurgehilfen besteht. Unter 13 685 Friseurgehilfen, die in den iechs Jahren 1905—1910 nach Nordamerika auSivanderten, befanden 'ich allein 9820 Italiener und 2731 Juden aus Rußland usw. Die Bestrebungen, die Organisationen zu icnlerdrücken, zeigen sich in allen Ländern. So wurde i» Ungarn die Organisation durcb Polizeiniaßregeln. die sich hauptsächlich gegen das Fachblalt richteten, vollständig verniebtel. In St. Gallen fand die erste Aussperrung orgamsierler Ge- ilfen statt, weil sie sich weigerten, einen ihnen wäbrend einer Lohn- bewegung von den Meistern einseicig diktierten Tarifvertrag zu akzeptieren. In N i m e s fSüdfrankreich) hatien gemaßregelle Ge- Hilfen ein Genossenschaltsgeschäf: errichtet. Durch ein Klassemirteil 'chlimmster Art Wierde die Einstellung deö Betriebes verfügt und die Gehilfen zu 2000 Frank Eulschädigiiiig sowie zic je 16 Frank Geld- träfe verurteilt. Bemerkenswert ist. daß die Meister sich auch bereits ein internationales Sekretariat erri.biet haben. Mannsbarth-Wien referierte über:„Die Bestrebungen der Meisterverbände zur Unterdrückung der Gehilfen und zur Mono- polisierung de? Gewerbes". Nach längerer Debatte fand folgende Resolution Annahme: „Die Konferenz konstalieri. daß sid, unter den zünftlerischen Verbänden der Arbeitgeber des Friseurgewerbes, iiiSbeiondere aber den Innungen in Deutschland und den Genossenschaften in Oesterreich Bestrebungen geltend machen, die daraus hinauslausen, die Konkurrenzfolgen der kurzsichtigen Lobnpolilik der Unternehmer deS Gelverbes durch Unterdrückung der Gehilfen, Verdrängung der älteren Gehilfen aus dem Berufe, sowie durch Konzessionierinig des Gewerbes abzuwehren. Der Selbsterhaltungstrieb zwingt daher die Gehilfenschaft, sich energisch gegen olle derartigen Bestrebungen zu wehren, wozu erforderlich ist, daß der Organisationsgedanke unter den Friseur- ?erantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw,: TH.Glocke, Berlin. Drucku.Verlag:VorwärtsBuchdr.u Perlagsanstalt Wer hat geschossen? Zu einer Schießerei kam es am gestrigen?lben8 in 8er Schulstraße anläßlich der beabsichtigten Festnehmung eines Fürsorgezöglings. Von glaubwürdiger Seite wurde !?ei den von uns gleich hernach an Ort und Stelle eingezoge- nen Erkundigungen der Vorgang übereinstimmend folgender- maßen geschildert: Im Hause Schulstr. 34 wohnte der 19jährige Fürsorgezögling Eule bei seinen Eltern. Der- 'elbe war in einer auswärtigen Fürsorgeanstalt untergebracht, wo er jedoch vor etwa einem Bierteljahr entwich. Seitdem wohnte er unbehelligt bei seinen Eltern. Am gestrigen Abend erschienen nun auf Veranlassung und in Begleitung des Spediteurs O t t o W r e e. Schulstraße, ein Schutzmann, nebst einem Kriminalbeamten, um den jungen Eule festzlllichluen. Die Eltern des Jungen kamen gerade hinterher, als die Beamten den Hos betraten. Da die chlüssel zur Wohnung nicht gleich zur Hand waren,. stieg der Kriminalbeamte mit bereitgebaltener Pistole in die zu ebener Erde gelegene Wohnung. Gleich daraus fiel ein Schup, dein ein weiterer folgte. Nun stieg der Bater des Eule eben» alls durchs Fenster ein und fand seinen Sohn, mit einer chußwunde an der Stirn, am Boden liegend, der ihn mit den Worten empfing: „Vater, gib mir Wasser, ich muß sterben!" Inzwischen war auch der zweite Beamte eingestiegen und beide riefen dein Vater zu:„Zurück! Gehen Sie zurück!" Ter Sohn war nun in dem Gedränge plötzlich spurlos verschwunden, während die Mutter und noch andere Frauen vor Schreck und Aufregung ohnmächtig geworden waren. Die Schutzleute erklärten später in größter Auf- regung:„Wir haben nicht geschossen, hier sehen Sie unsere Revolver!" Ter Fuhrmann Wree hatte noch Verstärkung herbeigeholt, doch war dies überflüssig, da der Auflauf sich schon vorher zerstreut hatte und keinerlei Gefahr für die beiden Beamten bestand. Ein Arbeitgeber, bei dem der junge Eule vorübergehend beschäftigt war. schildert diesen als durchaus fleißig und ehr, lich. Er sei sehr zufrieden mit ihm gewesen. Von anderer Seite erhalten wir über die Attacke auf den enk- flohenen Fürsorgezögling noch folgende Meldung, die ihrer ganzen Aufmachung nach auf Informationen aus Polizeikreisen beruhen dürfte. Wir wollen sie aber trotzdem unseren Lesern nicht vorent- halten. Sie lautet: In der Schul st r. 34 spielte sich gestern abend eine auf- regende Szene ab. Dort sollte ein Fürsorgezögling Eule, der sich unangemeldet in dem Hause aufhielt, von einem Kriminal- schutzmann des zuständigen Polizeireviers festgenommen werden. Als der Beamte in der Wohnung Eules erschien, gab dieser schein- bar klein bei und erklärte, mit zur Wache gehen zu wollen. Plötz« lich griff er aber nach einem Behälter und zog einen geladenen Re- volver hervor, den er im nächsten Augenblick auf den Kriminal« schutzmann richtete. Die Kugel ging aber fehl. Hierauf schoß Eule auf sich selbst, doch brachte er sich nur eine unbedeutende Wunde bei. Inzwischen hatten sich vor der Wohnung eine Menge Hausbewohner eingefunden, die sofort gegen den Schutzmann Partei nahmen, da sie glaubten, er habe geschossen. In der allgemeinen Aufregung ge- lang cS dann dem Fürsorgezögling, zu entkommen. Alle Nach« forschungen waren gestern abend vergeblich. Aufgabe des Polizeipräsidiums'ist eS, eine genaue Untersuchung einzuleiten, damit vor allen Dingen ooje!« t i v festgestellt wird, wer geschossen hat. Tie Cholera in Konstantinopel. Konstantmopel, 24. August.(W. T. B.) Heule find hier 26 Cholerafälle vorgekommen, von denen acht tödlich verlaufen sind. Zwischen dem Bürgermeister und dem Präsidenten eines Munizipalarrondissements Konstantinopels ist ein i entstanden, weil der Bürgermeister den Präsidenten wegen sigkeit in der Bekämpfung der Cholera absetzen will. & Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. UaterhaltungSbl. it. 198. 28. Jahrgang. L KtilM Its Jotmfirts" Wim ÜMIitt. fm(»5, 25. JnguS l'JQ. Gartenftädte- Cinfamilienpuicr. In der Nr. 194 vom 29. d. Mts. ist eine Entgegnung auf etiitn Artikel obigen Titels vom S. August enthalten, zu welchem Schreiber erstercn Artikels sich noch einmal äuszern will. Er schreibt: Man könnte hier mit dem Sprichwort sagen: wer schimpft, befindet sich im Unrecht. In der Entgegnung wird von gewundener, verworrener Weise des ersten Artikels geredet. Nun, der erste Artikel war in Rücksicht auf den Raum des„Vorwärts" etwas kurz, enthielt aber etwas. VieUeicht hätte man mit etwas mehr Ausdehnung manches deutlicher sagen können. Der Artikel der Entgegnung ist noch ein- mal so lang wie der erste und besagt, wenn man absieht von der Belobigung, um nicht zu sagen Reklame für die Landwohnstätten- Gesellschaft, an der sogar einige Parteigenossen beteiligt sein sollen, sehr wenig, bor allem widerlegt er nicht die Kritik des ersten Artikelschreibers an den Häusern. Es heißt in der Erwiderung, der Kritiker steht wahrscheinlich den Einfamilienhäusern sehr skeptisch gegenüber. Das trifft nicht zu; derselbe ist sogar Mitglied einer solchen Baugenossenschaft und ein großer Freund solcher Gebäude. Für ihn handelt es sich nur darum, und das sollte der erste Artikel besagen:„Kann der Ar- beiter solche Einfamilienhäuser bewohnen?" Mit keinem Wort ist der Schreiber der Entgegnung auf den wichtigsten Teil des ersten Artikels, der Wvhnungsmiete, eingegangen. Kann ein Durchschnittsarbeiter pro Monat 37 M. oder jährlich 444 M., dazu das Fahrgeld für eine oder zwei Personen von 100 bis 150 M, Wohnungsmiete bezahlen? Darauf kommt es an. Wenn man die allgemeine Regel des Mietsatzes zum Etat eines Arbeiters heranzieht, so nimmt man den fünften, im äußer- sten Falle den vierten Teil des Einkommens als Miete an. Legt man diesen Satz zugrunde, so müssen die Mieter solcher Wohnungen mindestens 2400 M. Einkommen haben. Man ist auch nicht auf die Feststellung eingegangen, daß der Durcbschnitts-Mictpreis einer Wohnung in Berlin und Vororten durchschnittlich 7 M. pro Quadratmeter kostet, währenddem sie in der Landwohnstätten-Gesellschaft 8,50 Ml fordern. Auch nicht darauf, daß man selbst in dem Hauptort Grünau im Wvlde und am Wasser, mit Schule, die sie nicht haben, zu Berliner Preisen wohnen kann. Demnach kann ein Durchschnittsarbeiter schon des hohen Mietpreises wegen solche Häuser nicht bewohnen. Dem hält man bielleicht den besser bezahlten Arbeiter entgegen. Würden diesem aber die Wohnräume gefallen? Man bedenke: keine Wohnstube, nur zwei Schlafttuben, und so klein, daß man in die eine kaum zwei Bettstellen stellen kann. Nun ist allerdings die bequeme Wohnküche vorhanden; in dieser sollen die guten Möbel stehen. Welcher Hausftau würde das ge- fallen? Es heißt in der Entgegnung, allerdings mühte man der niedri- gen und kleinen Räume wegen mit den neuen in der Ausstellung gezeigten Möbeln rechnen, die alten unpraktischen Möbel abschaffen und die neuen glatten niedrigen anschaffen. Abgesehen von der Geschmacksrichtung, muß man hier doch sagen, daß das nicht so leicht ist. Der Schreiber der Entgegnung müßte eigentlich wissen, daß sich der Arbeiter nur einmal in seiner Ehe Möbel kaufen kann. Und oftmals das noch nicht einmal; er muß vielmehr vom Trödler alte Möbel kaufen, wenn er nicht den Abzahlungsgeschäften mit ihren harten Verträgen in die Hände fallen will. Um nicht den Anschein zu erwecken, als ob irgendwelcher Ronkurrenzneid die Triebfeder de? ersten Artikels gewesen ist, soll nicht näher auf die ungefähr 2 mal 2 Meter großen Keller, die kleinen Ballons und die Böden eingegangen werden. Nur eins soll hier noch festgestellt werden, daß der Verwalter selbst zugegeben hat, die Treppen seien zu schmal und nicht geeignet. Möbel alten Kalibers auf diese hinauf zu transportieren. Auch sollten die Bodentreppen, weil zu leicht und steil gebaut, abgeändert werden. Es sei hier noch einmal hervorgehoben: Schreiber dieser Zeilen will nur die Grundlagen und Einrichtungen solcher an sich lobens- werten Unternehmungen so geschaffen wissen, daß sie für die Ar- heiter brauchbar, nutzbar und bezahlbar sind. Die Arbeiter haben auch kein Interesse daran und geben ihren Namen nicht gern dazu her, um reichen oder bessersituierten Per- sonen Vorteile zu verschaffen. Auch wird oftmals mit ihrem Namen allerlei Spielerei getrieben, an der sie zum Schluß keine Freude erleben. Deshalb war die Berufung auf„unsere" Partei und kleines feuilleton. Sfl August im Sprichwort. Wir haben im diesjährigen August vlle Tücken des Wetters ausgekostet und eifrig von Tag zu Tag die metereologischen Berichte studiert, sehnsüchtig auf einen endlichen Witterungsumschlag harrend. Wir haben das böse Luftdruckmaxi- mum gehaßt, von dem all unsere Qual herkommen sollte, und haben auf ein Minimum gehofft, das endlich Linderung bringen müßte. Unsere Vorfahren konnten sich noch nicht an die alltäglichen Wetterberichte halten, die uns heute so prompt von den meterolo- aischen Stationen übermittelt werden, sie mußten Auskunft über diese wichtigen Fragen aus der Weisheit des Volksmundes holen, wo in alten Sprichwörtern und Bauernregeln ein Schatz der Er- fahrung aufgespeichert war. Die Beobachtungen des Landmannes, dessen ganzes.Seil ja von dem Segen des Himmels. abhängt, sind der wissenschaftlichen Forschung vorausgegangen, sie haben auch heute noch ihre Geltung und so wird man sich denn gern einmal in der bunten Fülle praktischer Regeln umsehen, die das Sprichwort für den Monat August bereit halt. Mit Recht ist die A u g u st- sonne gefürchtet.„Die Sonne im August foppt die Magd im Gemüsegarten", heißt es da, weil sie alles versengt und nichts zum Kochen übrig läßt. Darum sehnt man allgemein den ersten Regen herbei:„Beim ersten Regen im August hat sich die Hitze gelegt." Doch erfolgt danach meist ein so empfindlicher Temperatur- Wechsel, daß der Italiener dann für die Gesundheit fürchtet und ausruft:„Nach dem ersten Regen im August hüte dick, du armes Menschenkind I" Gute Wirkung kann dieser erste�Augustregen aber nur dann haben, wenn er vor dem 10. August, dem St. Rochustag, eintrifft:„„Zu Laurentii(10. August) ist's noch Zeit. An der Ma- donna(15. August) ist'S noch gut. An St. RochuS ist'S zu spät. An Bartolomäi(24. August) gib dem Regen einen Fußtritt." Auch das Ungeziefer soll durch den ersten Augustregen vermindert werden:„Der erste Regen im August trägt dinen Sack mit Flöhen und einen Sack mit Mücken davon." Große Fruchtbarkeit wird diesem Himmelsnaß zugeschrieben:„Wenn's regnet im August, regnet'S Honig und Most," sagen die Bergamasken und wollen da- mit andeuten, daß die Trauben dann saftreich werden und die Wiesen sich mit Blumen, der Hauptspeise der Bienen, bedecken. Der August ist für den Bauern kein Ruhemonat, denn er muß eiftig bei der Ernte sein.„Wer im August schläft, schläft auf seine Kosten," ruft man dem Faulpelz zu und dem Gesinde wird verkündet, eS gebe weder Feste noch Sonntage. JFn der Ernte sind die Damen HauS- mädchen," meint der Franzose, denn die GutsbesitzerSftau muß dann im Hause selbst mit angreifen, weil alle Dienstboten auf dem Selde beschäftigt sind. Von der Witterung des August behauptet '» phrophetische Sprichwort, daß sie das Wetter des Februars be- einilusse. Und die Deutschen sagen noch außerdem vom August: »Ist'S in den ersten Wochen heiß, so bleibt der Winter lange wech. so daß wir also in diesem Jahre Aussicht avf viel Schnee hätten. Gewerkschaften in dem Gegenartikel unangebracht, weil diese solche Unternehmungen, die gewöhnlich nur dem einzelnen dienen, nicht unterstützen. Im übrigen sei es jedem empfohlen, sich die Häuser, die von außen einen schönen Eindruck machen, selbst einmal anzusehen und dann zu prüfen, ob Schreiber des Artikels vom 5. August recht hatte. Ganz einverstanden ist der Verfasser dieser Zeilen mit der ausgesprochenen Meinung, daß, solange nicht Staat oder Gemeinde bessere Wohnungspolitik betreiben, auf andere Wesse praktische Wohnungsverbesserung getrieben werden müsse. Unpraktisch ist es aber, wenn jeder für sich anfängt, ohne eine genügende Organisa- tion hinter sich zu haben. Man schaffe Grundlagen, die es km Arbeiter ermöglichen, bei seinem kargen Lohn eine seinen Verhältnissen entsprechende Wohnung mieten zu können, und die Befürworter dieser Ideen werden Anhänger in genügender Anzahl finden. « Gegen die Darlegungen des Artikels vom 5. August wendet sich noch folgende Zuschrift: „Daß das Wohnen im Einfamilienhaus das Ideal vieler Ar- beiter ist, ist ganz begreiflich— begreiflich vor allem beim Berliner Arbeiter, der, aufgewachsen und lebend in den öden Massen- quartieren, den riesigen Speichern für Lebewesen, die man Miets- kasernen nennt, mit unbeschreiblicher Sehnsucht strebt nach einem Heim im Kleinhaus, wo er unter seinem Dache sein eigener Herr sein kann und statt des luft- und lichtarmen HofeS ein wenn auch nur kleines Gärtchen zur Verfügung hat. Nun stellt der Artikelschreibcr vom Sonnabend in Frage, ob der Arbeiter in der Lage sei, den Mietpreis für ein Ginfamilien- haus zu bezahlen. Gleichzeitig stellt er die Behauptung auf, das Einfamilienhaus verursache selbst als Reihenhaus so viel Kosten mehr, daß es schwer sein dürfe, die Wohnung im Einfamilienhaus billiger herzustellen als die Wohnung in der Mietskaserne. Daß die Wohnung im Einfamilienhaus billiger werden könne als die Wohnung in der Mietskaserne, hat wohl noch niemand be- hauptet; daß sie aber nicht teurer zu werden braucht, ist nicht nur Theorie, sondern in Hunderten von Fällen in Deutschland durch die Praxis b e wi e s e n I Ein Aber ist allerdings dabei. Dieses Aber ist jedoch zu überwinden, und dieses Aber ist der Architekt. der Baumeister! Von dessen Kunst hängt es ab, ob die Wohnung im Einfamilienhaus teurer wird als die Wohnung im großen Ge- fchotzhaus. Ein Einfamilienhaus billig zu bauen ist eine besondere Mnst, die auf ganz speziellem Studium und vor allem auf langjähriger Erfahrung beruht, nicht angeboren zu sein braucht, aber erlernt sein muß. Und in der Tat gibt? bis jetzt in Deutschland nur einige solcher Künstler. Die bekanntesten Namen sind Theodor Fischer, Richard Riemerschmidt, Muthesius, Heinrich Lötz, Tessenow, Hugo Wagner u. a. Sie alle haben in vielen Orten Deutschlands in der Praxis den Beweis erbracht, daß man der Baukosten wegen nicht zum großen Mietshaus zu greifen braucht, um für den Arbeiter billige Wohnungen herstellen zu können. Die besondere Kunst besteht darin, die Anordnung der Flure, des Treppenhauses, der Schornsteine, der Türen und der Fenster, kurz den ganzen Grundriß des Einfamilienhauses so zu gestalten, daß die bebaute Fläche möglichst gering wird und doch geräumige Zimmer herauskommen. Wer hätte sich beim Mieten einer Woh- nung nicht schon gefteut über„diese großen Zimmer", um nachher beim Einziehen die Erfahrung zu machen, daß die vielleicht kleine- ren Zimmer in der alten Wohnung doch praktischer waren für das Stellen der Möbel, also für die Praxis größer als die großen in der neuen Wohnung. So gehtS auch beim Einfamilienhaus. Ist der Grundriß ein Produft eingehender Studien und tieferen Den- kens, wußte der Architekt von den Lebensgewohnheiten und Wohn- sitten der in Betracht kommenden Mieter Bescheid, und kannte er deren gebräuchlichsten Möbelmaße, kurz— war dem entwerfenden Künstler bewußt, daß das Einfamilienhaus unter total anderen Voraussetzungen und nach einem ganz anderen Schema gebaut werden muß als dos große Geschoßhaus, dann kann die Wohnung im Einfamilienhaus für den Arbeiter— in den Baukosten— zum gleichen Preis hergestellt werden wie die in der Mietskaserne. Ein sehr wichtiger Teil ist im ArbeitereinfamilienhauS der B o d e n l Fn der Mietskaserne muß man erst einige Treppen steigen, erst einige Türen auffperren, bis man in seine, zudem sehr kleine Bodenkammer gelangt, die aus diesen Gründen für den täg- lichen Gebrauch nicht in Betracht kommt und lediglich als Lager- stätte für altes Gerumpel, Kisten usw. dient. Anders beim Ein- familienhauS. Da bildet der g r o ß e Boden in einer Ausdehnung von etwa 40 Quadratmeter einen Teil der Wohnung, unmittelbar Der starke Nachttau. der im August fällt, soll schädlich sein, und man rät daher, die Früchte nicht unabgewaschen zu essen. Nach dem ersten Augustreaen gilt auch das Baden für ungesund:„Wer dann schlvimmen geht, tut'S auf seine Kosten." Als„Los tage", die auf die Witterung von besonderem Einfluß sind, erscheinen vor allem der St. Lorenztag(10. August) und der Bartholo- mäuStag(24. August). Das Wetter von St. Lorenz soll eine Zeitlang anhalten; wenn es kühl ist, behauptet man daher, eS sei „der erste Herbsttag".„St. Lorenz bringt eine Hölle oder Spreng" (Regen), heißt es in der Eifel. Für die Weinernte ist der Tag ebenfalls von Bedeutung:„Folgt an Laurentii Regen auf Sonnen- schein, dann gibt eS vielen und guten Wein." Oder:„An St. Lan- renzi Sonnenschein, verheißt ein gutes Jahr dem Wein," heißt es in der Pfalz.„Regnet's am St. Lorenztag, so gibt es viele Mäuse", wollen die Deutsch-Böhmen wissen. Noch wichtiger ist der Barths- lomäustag:„Wie sich das Wetter um Bartholomä stellt ein, so soll'S den ganzen Herbstmonat sein." Oder:„Wie St. Bartholomäus sich verhalt, so ist der ganze Herbst bestellt." Am 24. August soll nach Deutschen wie Engländern die kühlere Jahreszeit beginnen. Die Tage werden kürzer, das„Vierührbrot", da» während der Erntezeit den Leuten gereicht wurde, hört auf, Leinenhosen und Strohhüte verschwinden.„BartelmieS spart Botter enn Kies (Käse), Lingenhosen onn Strüh-Höt," sagt man daher im Platt- deutschen. Am 28. August, meint der Venezianer, solle man sogar schon an die Winterkleidung denken:„An St. Augustin setz dir'n Flick auf die Jacke." Da» Museum de» Wort». Der Gedanke an eitle Arl von wissenschaftlicher Ausnutzung des Phonographen hat nahe genug gelegen, um zur Begründung von Museen und Archiven zu führen, wo phonographische Platten mit allerhand Aufzeichnungen, deren Erhaltung aus irgend welchen Gründen wünschenswert erscheinen kann, aufbewahrt werden. Es ist gewiß von noch höherem Wert, z. B. die Rede eines hervorragenden Mannes nicht nur im Wort- laut, sondern auch mit der Stimme de» Sprechers selbst für die Nachwelt zu erhalten, als Briefe und ähnliche Urkunden. Als eine weitere Aufgabe derartiger Archive kommt die Sammlung von Dialekten oder ftemden Sprachen hinzu, namentlich wenn sie in ihrem Bestände durch da» Aussterben von Völkern oder durch den nivellierenden Einfluß der Kultur dedroht sind. Das sind die höheren und mehr wissenschaftlichen Zwecke, die durch phonogra» phische Museen erfüllt werden können. Aber eS gibt noch andere. die vielleicht weniger ernst, darum nicht weniger interessant sind. So ist jetzt seit etwa einem Jahr Professor Ponge in Paris bemüht gewesen, eine Sammlung phonographischer Aufzeichnungen zu» sammenzubringen, denen er überall im Volksleben nachgegangen ist. Sein bereits ziemlich großes Material hat er dann in einem „Museum des Worts" vereinigt und alles mögliche hinzugefügt. was daneben zur Veranschaulichung der Sprache in ihrer Ent- stehung und Ausübung dienen kann. Es finden sich also in diesem Musewv Vicht nur phooogrsphische Plgtjeo, sonders auch Lhota» von dieser aus zugänglich. Man gehe durch die Einfamilienhaus- Siedlungen und man macht die Erfahrung, daß dieser große Boden als Garderobenraum, als Abstellraum für alles verwendet wird, was man nicht gerade stündlich braucht. Die Kleiderspinden findet man fast immer auf dem Boden; man kann ja im Hemd hinauf- gehen, um die Kleider zu holen, ohne von einem Fremden gesehen zu werden. Fallen aber in den Schlafzimmern oder Kammern die in ihrer Grundfläche sowohl als auch in ihrem Kubikumfang nicht immer kleinen Spinde und diverse andere Gegenstände fort, so können diese Räume ohne Bedenken um das kleiner sein, wo- durch sich die Baukosten gleich wesentlich verbilligen. Wo ferner, wie im Einfamilienhaus, der Verkehr ins Freie(Einfamilien- Häuser liegen in der Regel in Gärten und an Gartenstraßen) u»« mittelbar erfolgt, also der Zutritt ftischer Lust fortgesetzt statt« findet, da können auch aus diesem Grunde schon— die Hygieniker sind sich alle darin einig— die einzelnen Räume kleiner sein. Und schließlich ist es doch nach verschiedenen Seiten hin vorteilhafter, wenn beispielsweise eine Familie, die heute mit 5 Personen in einem schlecht durchlüftbaren großen Raum zusammenschläst, sich auf zwei kleinere, tagsüber aber der Ouerlüftung ausgesetzten Schlafräume verteilen kann.> Man braucht sich also nur in die Materie zu vertiefen, um zu der Ueberzeugung zu kommen, daß an sich kleinere Räume im Einfamilienhaus nicht unter allen Umständen ein„Uebelstand" sein müssen, wie der Artikelschreiber vom Sonnabend meint. i Es hieße aber den Beweis für die Behauptung, daß die Woh- nung im Einfamilienhaus nicht teurer zu sein braucht als die Wohnung im großen Geschoßhaus, nicht vollständig, erbringen, würde ich nicht auch darauf verweisen, daß sich die Baukosten beim Einfamilienhaus nicht bloß absolut, sondern auch relativ der- ringern. Bei der fünffach überbauten Mietskaserne kostet der Quadratmeter bebaute Fläche weit über 300 M., beim Einfamilien- HauS(Reihenhaus) bei ganz solider Arbeit im höchsten Falle 125 Mark, welche Summe sich noch wesentlich verringern kann, wenn man nicht nach der für das Einfamilienhaus unfinnigen Bauord- nung, die auf die Mietskaserne zugeschnitten ist, zu bauen gezwungen ist. Nicht ganz nebensächlich zu erwähnen ist die Taffache, daß beim Einfamilienhaus dieMieteum ein volles Proz ent niedriger kalkuliert werden kann infolge des Wegfalls der Treppenbeleuchtung, der HauSreinigung, der Hausverwaltung usw. Die Abnutzung des Hauses im Innern ist ebenfalls erheblich ge- ringer, und von großer finanzieller Tragweite ist der Wegfall des starken Wohnungswechsels in der Mietskaserne, der den Unterhalt deS Hauses erheblich verteuert. Wer einmal der glückliche Be- wohner eines Einfamilienhauses ist, verläßt eS nicht, solange ihn Nicht Gründe gang gewichtiger Art dazu zwingen. Die Beweisführung für meine Behauptung, daß die Wohnung im Einfamilienhaus bei gleicher Nutzfläche ebenso billig sein kann wie die in der Mietskaserne, ist mit den bisherigen Darlegungen noch lange nicht erschöpft. Ich möchte nur noch auf eine Broschüre hinweisen, die auch in Nr. 30 der„Kommunalen Praxis" eingehend behandelt ist:„Kleinwohnungsbauten". Verlag Sächsischer Heimat. schütz, Dresden-A., Schießgasse 24. Dieses reich illustrierte Büchlein (Preis 50 Pf.) erbringt an der Hand von tatsächlichen Angaben über die Baukosten verschiedener Hausformen den klaren Beweis, daß eS ein Irrtum ist, zu glauben, die Wohnung im Einfamilien- haus für den Arbeiter müsse in den Baukosten teurer zu stehen kommen, alS die Wohnung in der Mietskaserne., . i Maul Schlegel. Rixdorf, Jdealpassage.'j �»1 M Von dritter Seite erhalten tvlr zu diesem Thema noch folgende Zuschrift i: Daß die Landwohnstätten-Gesellschast mit ihrem Versuch, Ein- familienhäuser für Miuderbemittelte zu errichten, sich eine außer- ordentlich schwierige Aufgabe gestellt hatte, war für jeden, der nur einigermaßen mit den einschlägigen Verhältnissen vertraut ist, im vornherein klar.,, Zunächst spieli der Preis des Grund und Badens eine große Rolle, und der stellt sich dort, wo die Ausnützung durch Errichtung vierstöckiger Häuser möglich ist, für das Einfamilienhaus enffchiMn zu hoch. Weiter kommt in Betracht, daß die Schaffung der not- wendigen hygienischen und sonstigen Einrichtungen, auf die heute niemand mehr verzichten will— Gas. einwandfreies Trinkwasser. Wasserklosett mit Kanalisatwn, eine Befestigung der Straße, die möglichst wenig Staub verursacht— jedes Häuschen mit hohen Generalunkosten belastet.. Soll unter solchen Umständen einerseits das im Bau angelegte Kapital wenigstens den üblichen Zins bringen, andererseits der graphien und andere bildliche Dafftellmigen, die auf die Sprach-. organe und auf das Zustandekommen der Sprache Bezug haben. Das Unternehmen stellt sich jedenfalls als nachahmenswert heraus. Professor Ponge hat auch bereits einen Plan entworfen, um diese Schatze zu verarbeiten. Ein Ergebnis dieses Museums des Worts soll z. B. eine„phonetische Karte" von Frankreich fein, durch die aufs genaueste die Unterschiede der Dialekte und der Aussprache verdeutlicht werden sollen. Man dürfte also auf vorgenanntem Wege nicht nur zu einer objektiv vollkommenen Aufnahme und Festlegung der dialektischen Unterschiede gelangen, sondern auch zw einer genauen Feststellung ihrer Grenzen. Das Geschäft der Ein- sammlung solcher Urkunden muß felbstverftändlich im Umherziehen betrieben werden. Wenn man eine ideale Vollständigkeit des Materials erzielen will, muß man die Ortseingesessenen jede» Wohnplatzes vor den Phonographen fordern, zum wenigsten in Gegenden, die sich durch sprachliche Eigenarten auszeichnen, fei e» durch den Bestand eines besonderen Dialekts, fei es durch die Ver- Mischung oder Nachbarschaft mehrerer Idiome. Die Aueführung eines solchen Planes kann und muß vielleicht lange Zeit in Anspruch nehmen, ist aber wohl der Mühe wert, und wer sich dieser Aufgabe», widmet, wird sich sicher nicht über Langeweile zu beklagen haben, Noch amüsanter mag das Einsammeln von Phonogrammen sein», wie eS Professor Ponge in den Straßen und Höftn von Paris be- trieben hat. Beispielsweise stellte er seinen Apparat in dem Hoft einer Mädchenschule auf, um den ganzen Lärm, die Ausrufe un!» vielleicht auch die Einzelheiten mancher Gespräche auf diesem Wege. für sein Museum zu gewinnen. Oder er zog mit dem Phrnw». graphen auf einen Markt und belauschte damit die Marktweiber, wie» sie sich miteinander unterhielten oder dem Käufer ihre Waren an- priesen. Vorausgesetzt, daß die Frauen aus dem Volk sich diese Verewigung gefallen lassen, müßte dadurch eine unerfckwssftiche Quelle von volkstümlichem Humor erschlossen werden können. Auch in Deutschland sind Versuche, die auf etwas AehnlicheS abzielten� wohl schon gemacht worden. So erschien vor einiger Zeit ein an» mutiges Heftchen, das sich bemühte, die melodischen Rufe von „fliegenden Marktweibern" in den Straßen Königsbergs in Worten und Noten wiederzugeben. ES liegt auf der Hand, wieviel voll, komsener der Phonograph diese Aufgabe zu erfüllen verWöcht� 4 Humor und Satire. Kompensation. Endlich will der Schleier sich nun lüften. Und wir wissen, was sie ausgeheckt. «ottlieb wiegt sich freudig in den" Denn er kennt vaS erfte Kiderlen, so friedlich er gesunnen, Hat die Mona Lisa abgehängt, — Seht nur morgen, ob der Rolandibrunneu Roch den guten alten Platz besprengt! Sottnev� Weis bei zll MlchküSK W'oMnM Vicht zu weik m. Kcft Normalpreisen der MetZkaserne abweichen und für Arbeiter noch erschwingbor sein, dann muß eben bei der Bauausführung in jeder nur denkbaren Weise gespart und geknapst werden. Das sollte man rund und nett zugeben, und die sich mit Notwendigkeit ergebenden Mißstände nicht in einer Weise zu vertuschen und beschönigen suchen, die zur schärfsten Kritik herausfordert. So rechtfertigt der Verfasser des Artikels über den gleichen Gegenstand, in der Nummer des„Vorwärts" vom 20. August, die steilen und schmalen Treppen zu den Bodenräumen in den Häusern bei Grünau damit. daß diese Treppen nicht oft begangen werden. Was würden wir wohl über einen Unternehmer sagen, der halsbrecherische Anlagen ztn solcher Weise oerteidigte? Mutz eine Treppe überhaupt begangen werden, dann muß sie so hergestellt werden, daß auch nicht akrobatisch veranlagte Men- schen sie benützen können. Für kurzsichtige Personen, schwangere Frauen usw. sind die gedachten Treppen direkt lebensgefährlich, und die Londwohnstätten-Gesellschaft kann von großem Glück sagen, wenn diese Treppen nicht Anlaß zu schweren Unfällen mit allen daraus sich ergebenden Weiterungen und Folgen werden. Bei dieser Aachloge drängt sich förmlich die Frage auf, ob unter obwaltenden Umständen, d. h. solange Staat und Gemeinde nicht großzügige, sozialistische Wohnungspolitik treiben, das Einfamilienhaus für den Arbeiter der Großstädte überhaupt zweckentsprechend ist. Nehmen wir eins der größeren Häuser der Landwohnstätten-Gesellschaft, in dem vier Einfamilienhäuser unter gebracht sind, als Beispiel. Es ist bei den gegebenen Raumverhält «issen noch ein recht bescheidenes Häuschen, und doch bedingt die Anlage als Viereinfamilienhaus vier Treppen von ebener Erde nach dem ersten Stock, und von diesem wieder vier Treppen nach den Bodenräumen. Etwas Unrationelleres und Unökonomischeres läßt sich kaum denken. Streiche» wir dagegen das„ein" fort, und machen wir aus dem gleichen Hause statt einem Viercinfamilien ihauS einfach ein VierfamilienhauS, dann genügt eine Treppe von Parterre nach dem ersten Stock und dort wiederum eine Treppe uach den Bodenräumen für alle vier Familien. Diese zwei Treppen. statt der jetzt vorhandenen acht, können so ausgeführt werden, daß sie allen Anforderungen entsprechen, und es bleibt dann, neben der Material- bezw. Kostenersparnis noch eine Menge Raum zu anderen Zwecken verfügbar, an dem bei der jetzigen Anlage bitterer Mangel -ist. So ist in den Häusern bei Grünau nicht das kleinste Speise Zämmerchen vorhanden; nicht einmal zu einem dürftigen Wand spindchen unter dem Fenster im Küchenraum hat es gelangt. Aus Sparsamkeitsgründen hat man auch auf das Einbauen eines solchen verzichtet. Es kann daher bei allen, welche die Häuser eingehend tbesichtigt haben, nur Heiterkeit auslösen, wenn in dem Artikel des ».Vorwärts" vom 20. August ruhmredig gesagt wird,„die Mieter eines solchen Hauses haben Küchenräume, in denen sie Vorräte halten können". D. h., die Mieter können vorbereitete oder übrig- gebliebene Speisen usw. in ihr Küchenspind stellen. Der Verfasser des erwähnten Artikels ist offenbar der Meinung, daß man so etwas in der Mietskaserne nicht tun kann oder darf. Anderenfalls könnte er es doch unmöglich als einen Vorzug der Grünauer Ein- familienhäuser anpreisen. Es fehlt nur noch, daß uns erzählt wiro, die Mieter dieser Häuser können ungestört und ungeniert husten, niesen und gähnen; sie haben die Möglichkeit, sich täglich Hände und Gesicht zu waschen, sie können sich die Zähne putzen, die Haare kämmen usch. Ein Unikum in seiner Art ist auch der ebenfalls mit aufgezählte Keller, zu dem der Zugang an einer der Außenseiten des Hauses liegt. Er besteht aus einem kleinen viereckigen Loch, in das man aus einer Treppe, ganz nach dem Muster der nach den Böden führenden, hinabsteigt. Schreiber dieses hat in diversen Miets kasernen als kleiner Mieter gewohnt, aber er würde dem Wirt, der ihm einen solchen„Keller" angeboten hätte, augenblicklich das bekannte drastische Kompliment gemacht haben, das in einer Generalversammlung des Bundes der Landwirte den preußischen Miuistern an den Kopf geworfen wurde. Nun wird freilich mit Emphase eingewendet werden, wenn wir ein gewöhnliches Vierfamilienhaus machen, dann ist ja der ganze„Segen" des Einfamilienhauses futsch, und alle die Quellen des Haders und Zankes, die wir eben verstopfen wollen, sprudeln wie in jeder Mietskaserne. Merkwürdig! Dieselben Menschen, die eben gemeinschaftlich die gleiche Eisenbahn benützt, friedlich in demselben Straßenbahn- wagen, in demselben Omnibus gefahren, den gleichen Weg daher- gewandelt sind, sie sollen sich plötzlich in die Haare geraten, wenn sie eine gemeinsame Treppe benützen müssen. Und noch eins: Auch bei der gegenwärtigen Anlage, wie die Landwohnstätten-Gesellschaft sie geschaffen hat, kann der Mieter des Einfamilienhauses die Welt. in der er seine Individualität ausleben will und soll, nicht mit hohen Palisaden umgeben. ES verbleiben für kratzbürstige Naturen, für Leute, die sich nicht ineinander schicken können und wollen, noch so viele Reibungsflächen, daß schon acht Tage nach Be- zug der Häuser der schönste Zank und Stank im Gange sein kann. Weiter: Jedes der Einfamilienhäuser in dem gemeinsamen iHause besitzt eine Badeeinrichtung. Sie ist so primitiv, unrationell und unzulänglich wie nur möglich. Auf einem eisernen Oefchen steht ein großer Kessel zur Erhitzung des Wassers. Die Heizfläche ist gegenüber der zu erwärmenden Wossermenge und der Wärme- ausstrahlungsfläche des Kessels eine minimale. ES dauert also unter Verschwendung von Brennmaterial lange, ehe daS zum Bade nötige Wasser selbst für die vorhandene Liliputaner-Badewanne erhitzt wird. Der Baderaum soll gleichzeitig als Waschküche dienen. Er ist so beschaffen, daß die Hausfrau in ihm wohl schnell ein paar Taschentücher oder Windeln auswaschen kann. Für jede größere Wäsche, auch nur für die Normalfamilie, unter Benützung der Hilfsmittel, wie sie die Technik heute der Hausfrau bei der Wäsche an die Hand gibt, ist er viel zu klein. Würde statt der vier Bade- Vorsichtungen eine für alle vier Familien hergestellt, dann könnte ein Badeofen mit rationeller Jnnenfeucrung, durch die mit wenig Bronnmaterial in kürzester Zeit eine große Wassermenge erhitzt wird, nebst Warm- und Kaltwasscrbrause aufgestellt, auch der Raum in seinen Dimensionen so genommen werden, daß er wirklich als Waschküche zu dienen vermochte, und außerdem durch den Fortfall der Einzelbadevorrichtungen, die in Wirklichkeit doch keine sind, Raum für die Wohnungen gewonnen werden. Wo immer man also prüft, schafft das JndividualitätSprinzip. ........:n gegebenen Verhältnissen Zweckwidriges, dke Eigenbrödelei unter den.. WWW I Unzulängliches, Unrationelles, gegenüber zweckentsprechenden, vor- teilhaften, rationellen Einrichtungen, die daS Gemeinfamkeits- Prinzip ermöglicht. �» UebrigenS hat auch die Landwohnstätten-Gesellschaft sich diesem Prinzip gebeugt. Der Verfasser des bereits erwähnten Artikels in Nr. 1L4 des„Vorwärts" rühmt zwar den Wohnungen nach, daß sie Querlüftung— zweifellos die beste Form der Lüftung— er- möglichen, doch tvifft das nur für die einfachen Doppelhäuser zu. In den Häusern, in denen vier Einfamilienhäuser untergebracht sind, hört die Ouerlüftung sofort auf. Die Landwohnstätten-Gesell- schaft hat sich offenbar gesagt:„Wenn wir zwei der Doppelhäuser gegeneinanderstellen, dann sparen wir für eins die ganze Rück- wgnd. Und diese Ersparnis ist so groß, daß ihr die Querlüftung geopfert werden muß. weil wohl auch ohne sie eine genügende Lüftung der Wohnung erreicht werden kann." Nebenher gesagt: Bei dem VierfamilienhauS wäre die Ouerlüftung sofort möglich, während die Konstruktion der in einem Hause untergebrachten vier Einfamilienhäuser sie nicht mehr gestattet. Noch ein Wort über die Verteilung der Räume über zwei Etagen, die in dem bereits mehrfach erwähnten Artikel ebenfalls als wertvoll für die Mieter bezeichnet wird, schon weil sie die Mög- lichkeit gewähre, daß ein Familienmitglied aus Lust an der Ein- samkeit sich mal ans eine Stunde von den airderen absondern könne. Auch bei Krankheiten soll daS Unten und Oben werwoll sein. Bei dem VierfamilienhauS würde diese Verteilung der Räume über zwei Etagen allerdings schwer möglich sein; bei ihm würden... tztc Räume jeder Wohnung sämtlich in einer Etage liegen. Aber! Hessen verfallen. Er arbeitete bei der Stadt BenSheim zuletzt als jede erfahrene Hauöfräu ivird uns besteitigffi, tele bsrlellhafi es ist, wenn die zu einer Wohnung gehörenden Räume sämtlich in einer Flucht liegen. In Krankheitsfällen kann die meist in der Küche be- schästigte Hausmutter dann schnell einmal nach dem Kranken sehen und eine Handreichung bieten. Liegen aber die Küchcnräume unten und die Schlasräume oben, dann muß die Vielgeplagte jedesmal orst eine Treppe, im vorliegenden F-alle noch obendrein eine steile und unbequeme, hinaufrennen. Uns sind zahlreiche Fälle bekannt, in denen kleine Häuser einzig und allein aus dem Grunde verkauft wurden, weil die Wohnräume in zwei Etagen lagen und die Frauen die Plackerei des ewigen treppauf und treppab nicht länger ertragen konnten. Man dient eben einer Sache nicht damit, wenn man nur ihre winzigsten, vielfach nur eingebildeten Vorzüge ungebührlich heraus- streicht, wie es in dem bereits mehrfach zitierten Artikel geschieht, die schweren Schattenseiten aber unberücksichtigt läßt. Selbstverständlich soll eS jedem, der eben der Meinung ist, feine Persönlichkeit nur in der Eigenbrödelei ausleben zu können, un- benommen sein, sich in einem Einfamilienhaus, wie es unter den heutigen Verhältnissen hergestellt werden kann, glücklich zu fühlen. DeS Menschen Wille ist ja bekanntlich sein Himmelreich. Aber von dem„Segen" dieser Einfamilienhäuser soll man kein Aufhebens machen,_ Dritte Kollfemz der Casarbtttcr. Berlin. 24. August Ml. Zweiter BerhandlungStag. Wuhky» Berlin schilderte an der Hand des Verwaltungs- berichte? der Stadt Berlin die Rentabilität der Gaswerke. Bei bedeutender Ersparung von Kohlen und Arbeitskräften ist die Gas- Produktion ganz gewaltig gestiegen, im Gegensatz dazu ist der Ar. beitslohn für die Arbeiter geringer geworden. 1907 wurden für die Herstellung von 1000 Kubikmeter Gas 16,70 M., im Jahre 1909 aber nur noch 15,32 M. bezahlt. Auch die Unfallgefahren für die Arbeiter sind in den modernen Großbetrieben mit ihrer Satz in der Arbeitsweise nicht geringer geworden. Der Fortschritt der Technik in der GaSproduktion hat nicht der Arbeiterschaft, sondern nur den Kommunen und Privatgesellschaften Vorteile gebracht. Den Forderungen dcS Referenten, die wir gestern bereits brachten, wurde zugestimmt. Dr. med. Hanauer- Frankfurt a. M. referierte über„Be- rufSkrankheiten". Früher habe man die Arbeit in der GaSerzeu- gung nicht für so besonders gesundheitsschädigend gehalten, aber seit zirka 10 Jahren sei eine Aenderung dieser Anficht eingetreten. nachdem ein Wiener Arzt eingehende Beobachtungen veröffentlicht habe. Danach erkrankten von 100 GaSarbeitern 48, von 100 Ar- beitern anderer Berufe aber nur 28. Die Haupterkrankungen er- strecken sich weniger auf Tuberkulose als auf Erkrankungen der Atmung?- und V e rda u u ng S or ga n e, sowie auf rheu« m a t i s ch e Erkrankungen aller Art. Selbst die Handwerker in Gasanstalten stellen einen größeren Prozentsatz Erkrankungen. als wie ihre Berufskollegen, die außerhalb der Gasanstalt be. schäftigt sind. Als Ursachen der Erkrankungen kommt die hohe Tempe. ratur, der Schicbtenwechsel, der Uebergang in niedrige Temperatur(die Erkältungen hervorruft), die schwere Ar- b e i t, die oft Muskelzerrungen und Unterleibsbrüche erzeugen, sowie die lange Arbeitszeit in Betracht. Vom hygienischen Standpunkte aus ist die lange Arbeitszeit entschieden zu verwerfen. Schon vor 15 Jahren wurden gesetzliche Untersuchungen über die Einführung des sanitären Arbeitstages von 8 Stunden angestellt und auch für die Gasbetriebe angeordnet. Die noch borkommende 18 bis 24stündige Arbeitszeit fei vom hygienischen und kulturellen Standpunkt aus entschieden zu bevlverfen. Ein Berliner GaS- direktor habe erklärt, er sei betreffs des Achtstundentags von einem Saulu» zu einem Paulus geworden, feit er gesehen, wie praktisch sich die Arbeiter während ihrer freien Zeit beschäftigten. Redner verbreitet sich dann weiter über die Massnahmen, die die ErkrankungS- und Unfallgefahr mildern können. Vor allem müssen die Anforderungen, die die moderne Gewerbehygiene for dert von den Gasbetrieben genau durchgeführt werden, wenn Besserungen erzielt werden sollen. Arbeiter- Organisationen und Aerzte könnten auf diesem Gebiete viel tun. Lebhafter Beifall.) Dr. med. Hanauer beantwortete in seinem Schlußwort die i» der Diskussion gestellten Anfragen, er betont, daß die Berufs genossenschaften im allgemeinen nur ein plötzlich eintretendes Er cignis als Unfall betrachten, daß aber auch schon Vergiftungsfälle als Unfälle beurteilt worden sind. ES findet eine Resolution An- nghme, in der nochmals der Achtstundentag gefordert und den Ver- waltungcn der Gasanstalten zur Pflicht gemacht wird, die ein tretenden Arbeiter auf die LergiftungSgcfahren aufmerksam zu machen und die Behörden aufzufordern, strikte auf Jnnehal- tung der Vorschriften der Gewerbeordnung gegen Verhütung von Unfällen zu achten. ES sprachen noch Max H e i n tz- Düsseldorf über„GaSfernver, orgung" und Vorsitzender M ohS- Berlin über„OrganifationS- ragen". An Beispielen aller Art zeichnete dieser Redner ein Bild, wie die Dezentralisation der Organisation eine einheitliche Be wegung der GaSarbeiter erschwere. Bei Stellung von Forde- rungen habe sich oft die Organisationszersplitterung als schädlich erwiesen, es feien in einzelnen Betrieben 14, 15, 16, sa 33 ver- 'chiedene Organisationen in Frage gekommen, wodurch ein Vor- gehen unmöglich würde. Nachstehende Resolution gelangte nach kurzer Debatte ein- kimmig zur Annahme: „Zur nachdrücklichen Vertretung der Interessen der deutschen GaSarbeiter hält die dritte deutsche GaSarbeiterkonferenz eine einheitliche gewerkschaftliche Organisation, wie solche der Ver- band der Gemeinde- und StaatSarbeiter ist, für eine unbedingte Notwendigkeit. Vorbedingung für ihr Wirken ist die unein- geschränkte Gewährleistung und praktische Durchführung deS Koalition», und Streikrechtes. Die Konferenz verurteilt daher alle von den Verwaltungen geübten Schmälerungen dieses Rechtes. Ganz energisch protestiert die Konferenz aber gegen alle neuerlichen Versuche, den Arbeitern öffentlicher Betriebe das Koalitions- und Stretkrecht zu entziehen, wie das im Vor- entwurf zum Strafgesetzbuch besonder« durch seinen Pars- graphen 184 geschehen soll. Deshalb müssen seitens der Gaß. arbeiter alle Maßnahmen ergriffen werden, die verhindern, daß dieser Entwurf Gesetzeskraft erlangt. In diesem Kampf ins- besondere wie überhaupt in ihrem Wirken fühlen sich die GaS- arbeiter Deutschlands einig mit den in der modernen Arbeiter- bewegung organisierten Proletariern und sind entschlossen, mit ihnen gemeinsam ihre Rechte zu wahren und ihre Lage zu der- bessern." Damit waren die Arbeiten der 3. Konferenz der GaSarbeiter beendet,__ Sozialed* Hintertüren der Jnvalibenversicheruns. Bekanntlich hat die Invalidenversicherung, nicht minder die Reichsversicherungsordnung, ihren Versicherungsanstalten 100 Hintertüren gelassen, um sich von der Rentenzahlung zu drücken. Fehlt nur eine Beitragsmarke an der vorgeschriebenen Zahl, so ist der Anspruch auS diesem Grunde nicht begründet. Sind die Marken alle vorhanden, die einen Anspruch begründen, so wird wieder die Invalidität bezweifelt. Fehlen noch einige Marken an der vor- geschriebenen Zahl, so wird wieder nachgeforscht, ob die Invalidität deS Antragstellers nicht schon früher eingetreten und die zuletzt geklebten Marken für ungültig erklärt werden können. Diesem Schicksal ist der städtische Arbeiter B. zu BenSheim Straßenkehret und erhielt, tele amtlich festgestellt Kurde, einen Tagelohn von 2 M. Als er aber einen Rentenantrag stellte, weigerte sich die Versicherungsanstalt Großherzogtum Hessen, die Rente zu gewähren, weil die Invalidität schon längst bestanden habe. Die seit November 1909 verwendeten Beitragsmarken seien daher zu Unrecht verwendet worden. Der Invalide erhob Bc- schwerde dagegen, da er täglich seinem Dienste nachgegangen sei und immer als fleißiger Arbeiter, wie sein Arbeitszeugnis besage, seinen Lohn auch verdient habe. Die Invalidität sei also erst seit seiner letzten Erkrankung eingetreten und die verwandten Beitrags- marken zu Recht verwendet worden. Das Kreisamt zu Bensheim entschied zugunsten des Arbeiters, daß„der Taglöhner H. W. zu B. berechtigt war, die Marken, die er nach- träglich verwendet habe, zu Recht verwendet habe, da er„erwerbs- fähig" im Sinne des JnvalidenversicherungSgesetzeS und daher als Lohnarbeiter versicherungspflichtig nach§ 4 des Invaliden- Versicherungsgesetzes war". Gegen diese Entscheidung erhob die Versicherungs- an st alt Beschwerde. DaS Landesversicherungsamt zu Darmstadt entschied am S. August zuungunsten des Invaliden, weil nach dem eingeholten Obergutachten des Kreisgesundheitsamtes zu Bensheim die Invalidität schon längst bestanden habe. Nachdem das umfangreiche Arztgutachten wörtlich abgedruckt wurde. welche? die Invalidität schon vom November 1909 attestiert, bemerkt das Lcmdcsversichernngsamt zum Schlüsse:„Deshalb konnte den Zeugenaussagen, die für die kreisamtliche Entscheidung maß- gebend waren, eine ausschlaggebende Bedeutung ebensowenig bei- gemessen werden, wie der Tatsache, daß W. vorübergehend gegen Tagelohn von 2 M. beschäftigt war. Hierbei muß insbesondere auch berücksichtigt werden, daß die Arbeiten, die W. im Dienste der Stadt Bensheim verrichtet, häufig von Rentenempfängern vorübergehend arsgeführt werden. Hieraus erhellt, daß diese Tätigkeit als eine sehr schwere nicht angesehen werden kann. Daß W. ein fleißiger Arbeiter war, soll nicht bestritten werden. Anderenfalls hätte der damals schwer leidende Mann die ihm übertragenen Arbeiten nicht ver- richten können. Aber gerade dieses Erschöpfen der im Körper wohnenden Energie darf nach der Rechtsprechung des ReichsversicherungSamtes für die Beurteilung der körperlichen Fähigkeiten zur Arbeit nicht gewertet werden." DaS soll„soziale Rechtsprechung" sein. Ist eS nicht gerecht. fertigtet, solche Rechtsprcchungsorgane als jeder sozialen Empfin- dung freie Behörden zu bezeichnen, die es für ihre Pflicht halten, dem Arbeiter durch die Hintertür der Rechtsprechung zu nehmen, was das Gesetz ihm scheinbar wenigstens versprochen hat? Krankenpflegerinnenkongreß. Am 6. Oktober findet in der internationalen HhgiencauS- stellung in Dresden ein Kongreß der Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands statt. Es werden folgende Re- ferate mit anschließender Diskussion gehalten: Schwester Charlotte von Caemmerer: Die Schwester im Krankenhaus in Gegenwart und Zuknnft! Frl. Charlotte Reichel�Berlin: Krankenpflegerin und So- zialpolitik; Schwester Agnes Karll, Vorsitzende der Berufsorgani- sation der Krankenpflegerinnen Deutschlands und Präsidentin deS „International Council of NurseS": Vergleich zwischen der Or» gnnisation der Krankenpflegerinnen in Teutschland und im Aus» land. Die Verhandlungen finden im VortragSsaal dcS Aus- stellungSgebäudes statt und sind öffentlich. /Jus der frauenbewegung, Arbeiterinnen-, Mutter- und Säuglingsschutz. Die Erwerbsarbeit befreit die Frau nicht von der Hausarbeit. Für sie ist nach vollendeter Tagesarbeit in fremdem Sold keines- wegs Feierabend. Nach dem statistischen Ergebnis der Berufs- und Gewerbezählung von 1907 gab es 131 988 Frauen, die im Hauptberuf Jndnstriearbeiteriu, im Nebenberuf Landarbeiterin, Hausfrau und Mutter waren. Aber selbst wo das nicht der Fall, wo zur Erwerbsarbeit die häuslichen und mütterlichen Pflichten kommen, ist das ein Zuviel an Arbeit, das nach allen Richtungen schädigend wirkt, die Gesundheit der Frau gefährdet und zerstört und fortwirkend die des Kindes, das sie gebiert. ES sterben jähr- Uch in Deutschland 10000 Frauen im Wochenbett, davon 70Ö0 an Kindbettfieber. 50 000 erkranken schwer an den Folgen der Mutterschaft und fast 400000 Säuglinge fallen jährlich dem Würgeengel zum Opfer. Auf dem Lande nimmt die Kinder- sterblichkeit rapide zu. Damit ist die Notwendigkeit einer weit- reichenden Fürsorge für Mutter und Kind gegeben. Aber trotz wärmster Befürwortung durch die sozialdemokratischen Abgeord- neten ist sie bisher von der arbeiterfeindlichen Reichstagsmehrheit verhindert worden. Upd die Regierung, als Sachwalterin der kapitalistischen Interessen, stärkte der reaktionären Mehrheit bei Verabschiedung der ReichSvcrsicherungSordnung noch den Rücken durch die Erklärung des Staatssekretärs Delbrück, daß sie die ganze Reichsversicherungsordnung scheitern lasse, wenn ein besserer Mutter, und Säuglingsschutz beschlossen werde. Die bürgerliche Ablehnungsmaschinerie hat dieses skandalöse Verhalten noch über- trumpft, indem sie Verschlechterungsanträge einbrachte. 128 822 Frauen entbinden jährlich in Preußen allein ohne Hcbammenhilfe. Trotzdem ist der sozialdemokratische Antrag auf Einführung einer obligatorischen freien Hebammen- und ärztlichen Hilfeleistung niedergestimmt worden, desgleichen das Obligatorium einer Fa» milienverficherung. Niedergestimmt wurden ferner die Anträge: obligatorische Schwangeren- und Wöchnocinnenunterstützung zu gewähren für je acht Wochen in der Höhe des durchschnittlichen Tagelohnes für Arbeiterinnen; ein Stillgeld zu gewähren für 26 Wochen in der Hohe bei durchschnittlichen Krankengeldes(um den Säuglingen die Mutterbrust zu sichern und damit die enorm hohe Säuglingssterblichkeit herabzumindern). Das einzigste, was an obligatorischem Säuglings- und Mutterschutz beschlossen wurde, ist eine Wöchnerinncnunterslützung für acht Wochen— in den Landkrankenkassen vier Wochen— in der Höhe des Krankengeldes für die weiblichen Mitglieder, die mindestens sechs Wochen der Kasse angehören. Von dieser Unterstützung kann der Betrag für zwei Wochen vor der Entbindung, also als Schwangerenunter- ftützung, gegeben werden. Alle weitergehenden Leistungen sind nur fakultative. Selten ist die Brutalität kapitalistischer Interessenvertretung und das Fchlcit jeder Rücksichtnahme auf die arbeitende Klasse so grell beleuchtet worden, als durch die Behandlung, welche die For- dcrungcn des Mutter- und SäuglinaSschutzcS von der Regierung und den bürgerlichen Parteien im Reichslage erfahren Hadem' Ein traurige? Bild der Opfer, die das kapitalistische beutegierige Arbeitsfeld fordert, gibt uns die Unfallstatistik, obwohl sie auf Boll- kommenhcit keinen Anspruch machen kann. 6372 Witwe« beklagten den Verlust ihres Gatten, 13283 Kinder den Verlust ihres VaterS. Wieviel entsetzliches Elend bergen diese Ziffern? Wieviel zcr- störteS Familienglück, wieviel vernichtete Existenzen, welch un- fäglichc Schmerzen und Qualen? In der Landwirtschaft verun» glückten 1909 138 785 Personen. Von diesen wurden 1823 getötet, 433 dauernd und völlig erwerbsunfähig. Von den Schwerverletzten waren 1792 männliche und 589 weibliche Kinder unter 16 Jahren! Göttliche Weltordnung! Unter den Schwerverletzten waren ferner 18 236 weibliche Personen. Frauen, die Invalidenversicherung verlangten, wurden als noch nicht invalide abgewiesen. Eine Frau, die an beiden Beinen gelähmt war, eine andere, die sich nur müh- sam mit Hilfe einer Krücke fortbewegen konnte, wurden abgewiesen. weil sie noch stricken könnten oder Kinder tvarien. womit sie noch ein Drittel ihres früheren Verdienstes zu erwerben vermöchten! Am schlimmsten trieb es die arbeiterfeindliche Mehrheit bei der 8tTl so viel Versprechungen angekündigten Wittven- und Waisen- Versicherung. 1302 wurde sie versprock)en, als man den Witwen und Waisen das Brot in so unverschämter Weise verteuerte. Aus den Erträgnissen der Agrarzölle sollten sie geschaffen werden. Aber der ZenrrumSabgeordncte Trimborn goh bald Wasser in den Wein »sozialer Fürsorge", man sprach nur noch von bedürftigen und schliehlich gar nur noch von invaliden Witwen, die zu berücksichtigen seien. Und so ist es auch gekommen. Invalide Witwen sollen „Renten" haben, die sich zusammensetzen aus SO M. jährlichem Reichszuschutz und drei Zehntel des Grundbetrages und der Steige- rungssätze der Invalidenrente, auf die der Berstorbene Anspruch hatte. Für eine Waise' sollen drei Zwanzigstel und für jede weitere Waise ein Vierzigste! de? Grundbetrages und der Steige- rungSsätze und je 25 M. Reichszuschuh als Waisenrente berechnet werden. Das sind keine Renten, sondern Bettelpfennige, die weit hinter den Armenunterstützungen zurückbleiben, die eine ganze Anzahl deutscher Städte zahlen. Und es kam noch schlimmer! Im Einführungsgesetz wird bestimmt, daß die Steigerungssätze, die auf Grund der bis zum Jahre 1012 geleisteten Beiträge zur In- validcnversicherung zu beanspruchen sind, bei der Witwen- und Waisenrente nicht in Anrechnung kommen sollen, sondern nur der Grundberrag der ersten Klasse(60 M.) für alle Hinterbliebenen, ganz gleich, welcher Klasse der Verstorbene angehorte. Demnach wird eine Witwe, deren Mann 1012 verstarb, 68 M. JahreSrente oder zirka 18 Pf. pro Tag erhalten; für ein Kind 34 M. jährlich und für jedes weitere Kind ganze 26,50 M. pro Jahr oder 9 und 7 Pf. pro Tag. Der helle Zorn ob dieser empörenden Tatsachen muß dem Volke die Augen öffnen und es hinaustreiben auf das Kampfes- fcld der Politik. Und namentlich für die Frau ist es eine Lebens- Notwendigkeit, sich um Politik zu kümmern, damit sie Einfluß ge- winnt im Staate. Politisch rechtlos sein bedeutet noch nicht, Po- litisch machtlos sein. Die Ueberwindung des Kapitalismus mutz für sie ebenso wie für ihren männlichen Klassengenossen eine brennende Frage sein._ Leseabende. Sechster Wahlkreis. Für den ganzen Kreis gemeinschaftlich sn den Königssälen, Neue Königstr. 26, Eingang Wadzeckstraße. Lichtenberg. Montag, den 28. August, bei Schutze. Kronprinzen- straße: Vortrag. Genosse Schwenk-Friedrichsselde:.Die Ur- fachen der Teuerung." Bei Simon. Wilhelmstr. 86, spricht Ge» nosse F. Kaßlcr über:»Was uns die Bibel lehrt." Eericdts- Leitung. Sittlichkeit auf dem Lande. Die Ferienstrafkammer des Landgericht III verhandelte gestern unter Ausschluß der Oeffcntlichkeit gegen den Nittergutzbefitzer Max Schröder und das Dienstmädchen Marie Wenthin wegen der- suchten Verbrechens gegen da» keimende Leben bezw. Anstiftung dazu. Der Angeklagte Schröder ist Besitzer eines großen Gut«? in der Nähe von Prenzlau. Dort war die Mitangeklagte Wenthin bedienstet. Zwischen beiden entwickelte sich ein intimer Verkehr, der nicht ohne Folgen blieb. Der Angeklagte veranlaßt« die W-, sich an eine»weise Frau" zu wenden. Diese nahm dann an dem Mädchen Handlungen vor, die nach Z 218 des Strafgesetzbuches strafbar sind. Einige Tage darauf erkrankte die W. schwer und mußte in ein Krankenhaus überführt werden, wo die an ihr vorgcnomme- ucn strafbaren Eingriffe entdeckt wurden. Da di« W. eingestand. von ihrem Dienstherrn verleitet worden zu sein, wurde gegen diesen Anklage wegen Anstiftung erhoben. Die Fericnstrafkammer erkannte nach längerer Verhandlung gegen beide Angeklagten auf je 7 Wochen Gefängnis. Armes Kind: erst verführt, dann ins Krankenhaus und alsbald in? Gefängnis._ yrrenrecht. In der JnternierungSangelegcnheit des Studenten Hagen ist die bekannte einstweilige Verfügung, welche die Freilassung d«L Studenten H. anordnete, vom Landgericht aufgehoben worden. In den UrbeilSgründcn heißf eS:„Zwar ist der Rechtsweg für die einstweilige Verfügung zulässig— der§ 10 der Anweisung über Unterbringung in Privatanstalten vom 26. 3. 1901, tvelcher die Weitergabe von Entlassungsanträgen internierter Kranker durch den Vorstand an den für die Stellung dcS Entmündigungsantrages zuständigen Ersten Staatsanwalt fordert, begründet nicht die Zu- ständigkeit dieser Belstirde für di« Entscheidung des Rechtsstreits— dennoch war die Verfügung aufzuheben, denn der Nachweis der Antraggegner, daß die durch die erwähnte Verordnung aufgestellte Voraussetzung für die zwangsweise Jnternierung— nämlich kreis- ärztlicheS Zeugnis— formell erfüllt ist, schließt die Annahme einer Widerrechtlichkeit und daher die Anwendung des§ 623 des Bürger- lichen Gesetzbuches aus."— Das Gericht hat mithin ausdrücklich den Rechtsweg für zulässig erklärt. DaS Urteil stützt sich aber auf das vorhandene Kreisarztzeugnis, während das Landgericht II bei der Aufhebung der vorläufigen Vormundschaft über H.«in solche? Zeugnis für unzureichend erklärt hatte, eine Beschränkung deS freien SelbstbestimmungSrechtS zu rechtfertigen. Gegen das er- gangene Urteil hat Rechtsanwalt Dr. Ehrenfried Berufung ein- gelegt und Bedenken gegen die Gültigkeit der Minifterialerlassc für das Jrrcnwesen wie folgt begründet: Artikel 5 der preußischen Verfassung bestimmt:„Die persönliche Freiheit ist gewährleistet. Die Bedingungen und Formen ihrer Beschränkung werden durch ein Gesetz bestimmt." Nach Artikoi 62 der preußischen Verfassung wird die gesetzgebende Gewalt gemeinschaftlich durch den König und zwei Kammern ausgeübt. Die Uebereinstimmung de? König? und beider Kammern ist zu jedem Gesetz erforderlich. Mintsterialerlass« haben nur dann Wirksamkeit, wenn ihnen ein verfassungsmäßig zustande gekommenes Gesetz ein bestimmt abgegrenztes Gebiet der RechtSmatcrie zur Regelung im Wege der Ministerialverfügung überläßt. Eine solche Vollmacht der gesetzgebenden Gewalt an die Ministerien bestehe aber für das Gebiet dcS Jrrenwcsens nicht. Zur weiteren mündlichen Verhandlung in dieser für den Rechts- schütz auf dem Gebiete des Jrrenwesen, wichtigen Frage ist Termin «ruf den 4. September angesetzt worden. Die Frage der Gültigkeit der Ministcrialverordnung wird unseres Erachtens mit Unrecht zu verneinen gesucht. Sie wäre rechtsungültig, wenn ihr Inhalt dahin ginge, daß auf das Attest eines Kreisarztes hin eine Jnternierung erfolgen müsse. Das ist aber keineswegs ihr Inhalt. Sic gibt zum Schutz gegen ungerecht- fertigte Jnternicrungcn das Mindestmaß der«Bedingungen an, unter denen eine Jnternierung erfolgen darf. Interniert ein Anstaltsleiter ohne Erfüllung dieser Minimalkautelen, so handelt er stets rechtswidrig. Aber auch wenn die vom Ministerium, als Aufsichtsinstanz der Irrenanstalten, zum Schutz gegen unbercch- tigte Aufnahm« in einer Irrenanstalt ausgestellten Mindestbedin- gungen erfüllt sind, ist der Anstaltsleiter noch keineswegs von der Prüfung z. B. des Inhalts des KreiSarztattesteS entbunden. Keineswegs ist ß 823 des Bürgerlichen Gesetzbuches— Haftung deS Anstaltsleiters aus unerlaubten Handlungen— vor allem nicht auS§ 826 und 832 des Bürgerlichen, Gesetzbuches in solchem Falle außer Anwendung zu bringen. Es ist zu begrüßen, daß diese Frage itn letzter Instanz dem Reichsgericht unterbreitet werden soll. Welche offensichtlich irrige Ansicht in Attesten von Kreisärzten sich vorfinden, zeigte der Fall des Reisenden MechlivSki. MechlivSki wurde in der Nacht vom 0. zum 10. August 1807 wegen einer gering. fügigen Straßenpolizeiverordnung auf die Polizeiwache gebracht. Tort wurde er ohne jeden Grund in roher, feiger und schamloser Weise mißhandelt. Am Vormiiiag SeS 10. August beschstsevie er sich über die ihm widerfahrenen Mißhandlungen auf dem Polizeirevier beim Polizeileutnant. Er wurde auf den folgenden Tag nach der Polizeiwache bestellt und dann auf Grund eines Attestes eines Bezirksphysikus al»„gemeingefährlich geisteskrank" nach Herzfelde gebracht. Die dortigen Aerzte drangen darauf, daß der offensicht- lich völlig normale Mann entlassen wurde. Nach 14 Tagen wurde dann MechlivSki entlassen. Und was hatte der Bezirksphysikus als Grund seiner völlig haltlosen Ansicht angeführt: MechlivSki habe sich bei derselben Polizei beschwert, von der er mißhandelt war— daS sei ein Beweis für Geisteskrankheit und Gemeingefährlichkeit. Als dies horrende Verfahren am 7. Oktober 1808 vor der Berliner Strafkammer zur Besprechung gelangte, erklärte der damalige Palizripräsident von Windheim zum Staunen des GerichtSvor- sitzenden unter seinem Eid: auch er sei der Ansicht, wer sich über Polizeimißhandlungen bei dem Leutnant des Reviers, in dem er mißhandelt ist, beschwert, habe die Vermutung der Geisteskrankheit gegen sich. Diese gemeingefährliche Ansicht hat nicht gehindert, daß Herr von Windheim ostpreußischer Oberpräsident wurde. Es zeigt dieser Fall, wie notwendig eine Verschärfung der Ministerialver- ordnung, aber auch wie nötig ein« Nachprüfung deS Inhalts deS PhysikatSgutachtenS ist. Blumenhandel in Restaurationen. In allen größeren Orten ist es üblich, daß Händler eine be- stimmte Anzahl Restaurationen aufsuchen und dort Blumen. namentlich Rosen, den Gästen zum Kauf anbieten. Verstößt daS gegen§ 55» und 130e der Gewerbeordnung, die den Gewerbe- betrieb auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen oder an anderen öffentlichen Orten an Sann- und Festtagen sowie in der Zeit nach Ladenschluß verbieten? Dieser Tage hatte sich das Kammergcricht mit dieser Frag« zu beschäftigen. Einen Händler Kappel hatte das Landgericht verurteilt, weil er an Wochentagen in verschiedenen Restaurants in der Gegend des Potsdamer Platzes in Berlin spät abends(ge-�n 10 Uhr) und Sonntags in den gleichen Restaurants gegen 10 Uhr abends Blumen feilgeboten hatte. Sein Handel in den Lokalen, führte das Gericht aus, könne nicht dem Betriebe der betreffenden Rcstaurantionen zugerechnet werden. Die hiergegen eingelegte Revision verwarf das Kammergcricht mit folgender Begründung: Allerdings habe das Kammergericht in einem bestimmten Falle den Handel mit Blumen in einem Restaurant als Teil des RestaurationSbetriebcs erachtet und ausgesprochen, daß dann die Bestimmungen über den Ladenschluß usw. keinen Einfluß hätten, der Blumenhandel also während der Betriebszeit des Restaurants gestattet gewesen sei. Damals habe eS sich aber um einen gepachte- tcn festen Stand im Lokal gehandelt und ein objektiver und nach außen erkennbarer Zusammenhang mit dem RcstaurationSbetriebc habe festgestanden. Ganz anders hier. Hier liege ein ambulanter Handel vor; nicht ein in einem einzelnen Lokal von einem festen Stand aus betriebener, sondern ein Handel, bei dem der Ange- klagte inncrbalb einer Anzahl von Lokalen von Lokal zu Lokal ge- zogen sei. DaS Landgericht habe nun im zweiten Rechtsgange noch nachgeprüft, ob Kappcl etwa von den Restaurateurrn beauftragt ivar, bei ihnen mit Blumen zu handeln, so daß er in diesem Punkte als ihr Vertreter erscheinen könne. Irgend«n derartiger Auftrag sei aber nicht erteilt worden. Ter Mangel werde auch nicht ersetzt dadurch, daß dieselben Gastwirte, zu denen K. täglich kam, seinen Handel in ihren Lokalen duldeten. Somit habe ein Zusammenhang dcS Handel# mit dem Gewerbebetrieb der Gast- wirte gefehlt. Somit rechtfertige sich bei dem festgestellten Tat- bestand die Verurteilung._ Milchpimtschereien im großen Umfange hatte sich seit Jahren die Familie des Schwiedemeisters und MolkercibesitzerS Stanislaus Cliwincki aus der Hamburger Straße 72 zuschulden kommen lassen. Die Familie, bestehend aus den Eheleuten, zwei erwachsenen Töchtern und einem Sohn, hatten sich deswegen vor dem Spandauer Schöffengericht zu verantworten. Den angeklagten Kindern wurde zur Last gelegt. die Milch wissentlich verfälscht zu haben, während die Eltern des Vorteils wegen das Treiben ihrer Kinder duldeten. Sämtliche Angeklagten bestritten jede Sebuld. Der Ehemann will mit der Molkerei gar nichts zu tun gehabt haben, sondern nur in seiner Schmiede beschäftigt gewesen sein; die Ehefrau will nicht# wahr- genommen, die Kinder nich-ts verfälscht haben. Zeugen und Sachverständige bekundeten das Gegenteil. Auf Grund der Beweisaufnahme hielt das Gericht die Angeklagten für überführt, die Milch jahrelang verfälscht zu haben. Es verurteilte die Eheleute zu je 100 M. und die drei Kinder zu je 30 M. Geld- strafe. DaS Verhalten der Angeklagten sei ein recht dreistes und ehrloses. Zunächst sei die Milch 15 Prozent, später 30 Prozent und zuletzt sogar 50 Prozent gewässert gewesen. Nur der Umstand, daß die Angeklagten noch nicht vorbestraft wären und«in Nachweis- barer Schaden nicht entstanden sei, habe sie noch einmal vor einer erheblich höheren Strafe geschützt. Drakonische Strafe. Die Nürnberger Strafkammer verurteilte, wie wir der»Frank- furtcr Zeitung" entnehmen, den Arbeiter Psifter wegen Beleidi- guug eine# Offizier» zu einem Monat Gefängnis. Pfister hatte sich darüber geärgert, daß der Artillerie-Oberleutnant Fuchs bei einem Spaziergange einige, ihm den Weg versperrende Knaben unsanft zur Seit« schob, und er hatte im darob entstehenden Wort- Wechsel den Oberleutnant einen„Simpel" geheißen. Würde der Offizier, wenn er einen Arbeiter oder einen Sol- baten, über den er sich ärgert,«inen Simpel nennt, überhaupt oder gar mit einem Monat Gefängnis bestraft werden? Gilt der Rechtsgrundsatz„gleiches Recht für alle" oder die seiner Terenzschcn Umkehrung:»wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe"? Alle Allensteiner Offiziere beleidigt. Wegen angeblicher Beleidigung der Offiziere der Allensteiner Garnison wurde Genosse MrrtinS von der Tilsiter Strafkammer zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt. Genosse MertinS soll in einer Volksversammlung in Scckenburg am 14. August 1010 gesagt haben, alle Offizi.'re in Allenstein hätten der Frau Major v. Schönebeck nachgestellt. Genosse MertinS bestritt, sich in dieser Weise geäußert zu haben. Der überwachende Gendarm erklärte, daß er glaube, vi« inkriminierte Stelle der Rede laute so. wie die Anklage be- Haupte. V-reits im Dezember v. I. hatte sich die Strafkammer mit der Angelegenheit zu beschäftigen. Sie erkannte damals auf Freifprechr-g, weil sie den Darlegungen de# Verteidigers, Genossen Haafe. fost e. daß der von d«m Garnisonältesten für alle Offiziere von Allcns' in gestellte Strafantrag nicht rechtsverbindlich fei, weil die Bezieh ngen der Offiziere zu der Frau v. �Schönebeck nicht in Verbindun gebracht werden könnten mit ihrem Beruf. Der S natSanwalt legte gegen das freisprechende. Urteil Revi- sion beim R ichSgericht ein. Dieses erkannte auf Aufhebung des Urteils und Zurückweisung der Strafsache ap die Tilsiter Straf- kammer. Diese war an die Ansicht des Reichsgerichts gebunden, daß der P wurf der Nachstellung nach der Gunst der Majorsfrau »in Bezieh nq auf den Beruf" der Offiziere gefallen sei. Da eS ferner aul em Glauben deS Gendarmen, wiewohl dieser etwas weiteres ü' er den Vortrag nicht zu bekunden vermochte, entnahm, daß der Vorwurf gefallen sei. gelangte e# zu der Verurteilung. Was d'ch der Beruf eine# Offizier# nach Ansicht des Reichs- gerichteS alles umfaßtl Hiid aller Gleit Oer unfitt liehe Schiller. Die gestreng« Geistlichkeit von St. Tönis, einem Vororte von Krefeld, hatte vor einiger Zeit durch ihre klerikale Sittenstrenge Snlaß zu allerlei spaßigen Bittachtungen gegeben. Damals handelte e# sich um da# Verbot des Beitritts der katholischen Jung« frauen zu einer zu gründenden Damenturn- abteilung. Aber trotz deS Ausspruches deS Präses der Jungfrauen-Kongregation, daß von seinen 000 Jungfrauen keine mittue. kam die im Interesse der körperlichen Sntwickelung liegende Neugründung zustande. Aber der Mißerfolg der Geistlichkeit auf dem Gebiete deS TurnwesenS spornte die fitten- strengen geistlichen Hirten nur noch mehr an, die bedrohte Sittlichkeit und damit da» Seelenheil ihrer Schafe zu verteidigen. Ein dramatischer Lesezirkel des Ortes wollte gelegentlich einer Wohl- tätigkeitsveranstaltung zum Besten des Kranken» hauSneubaue# Schillers bürgerliche# Dramc »Kabale und Liebe" aufführen. Der Bürgermeister versicherte den Veranstaltern seine vollste Sympathie, Pro- gramme und Plakate wurden gedruckt— aber man hatte nicht mit dem ganz besonders fein ausgeprägten sittlichen Empfinden der klerikalen Geistlichkeit gerechnet. Sie erklärte„Kabale und Liebe" für ein unsittliches Stück und drohte, gegen die Aufführung nötigenfalls von der Kanzel Einspruch zu erheben. Da auch der Bürgermeister vor dem Pfarrer umklappte und meinte, daß er unter diesen Umständen den Erlös des Abends für den Krankenhausneubau nicht verwenden dürfe, wurde St. Tönis vor dem Genutz des unzüchtigen Dramas bewahrt. Vielleicht schreibt Reichstagsabgeordneter Roeren, der ja auf dem Gebiete der Sittlichkeit und Kunst unerreichter Meister ist, den St. Tönisern als Ersatz für da# unsittliche Schillersche Machwerk ein klerikales Musterdrama?_ Zur Freilassung des Ingenieurs Richter. Die Nachricht, daß der aus Räuberhänden wieder freigewordsne Ingenieur Richter gegen Zahlung von 4000 türkischen Pfund(etwa 72000 M.) ausgeliefert sei, scheint sich nicht zu be- stätigen. Nach Depeschen deS MutessarifS von S e r f i d s ch e und de# Kommandeurs der Diviston von K o s a n erklärte Richter bei seiner Ankunft in Elassona, er habe zunächst einige Tage auf türkischem Gebiet in der Umgebung des Kloster# SparpoS verbracht und sei später auf griechische« Gebiet übergeführt worden, wo er in den Dörfern Misalar und Karapunar bisher verborgen gehalten worden sei. Gestern nacht sei er von den Räubern bis an die Grenze geführt und sodann freigelassen worden. Ein Lösegeld wurde, wie die Depeschen im Gegensatz zu der Meldung aus Saloniki besagen, nicht entrichtet, nur soll Richter den Räubern von Deutschland aus eine angemessene Summe senden._ Unwctterschäden in Frankreich. Au# verschiedenen Teilen der französischen Provinzen, Haupt- sächlich aus dem Süden, laufen neuerdings Meldungen über vor- heerende Gewitterschäden ein. In den Weinbergen des Distriktes B e a uj o l i s hat der Hagel ungeheuren Schaden an- gerichtet. Die Ernte ist in einem Umkreise von drei Meilen vollständig zerstört. Auch in den Departements Loire und A r d s ch e werden ebenfalls große Gewitterschäden ge- meldet. In St. Andre schlug der Blitz in ein Wohnhaus ein und tötete die Frau eine# Landwirts und ihren Sohn. In Puh de Dome sind mehrere Wohnhäuser durch Blitzschlag in Brand geraten. In D o r m a S zündete der Blitz ebenfalls in einem Wohnhaus und tötete den Eigen- t ü m e r. Ein Hirtenknabe ist in G i v a r I a v e S von einem Blitz erschlagen worden. Er hatte Schutz unter einem Baume gesucht. In St. Bonnet wurde ein Landwirt auf seinem Wagen vom Blitze erschlagen. Auch die Pferde sind getötet worden. Bei Ruffac hatten sich zwei Landarbeiter auf dem Felde ein Feuer angezündet, das jedoch infolge der großen Trockenheit einen so großen Umfang annahm, daß die beiden von den Flammen bald umringt waren und in denselben elend umkamen. Ihre verkohlten Leichen wurden später aufgefunden. Kleine Notizen. Von der Irrenanstalt in# Wasser. Eine tranrsge Aufklärung hat daS Verschwinde» eine# Insassen der LandeSirrenanstalt zu Eberswalde gefunden. Der Geisteskranke wurde schon seit längerer Zeit vermißt und jetzt fand man seine Leiche im S t a d t s e e. Zweifellos licat Selbstmord vor. Der Leichnam war bereits vollständig in Verwesung übergegangen. Der Tod in den Flammen. Bei einem Großfeuer, das in der oberfräukischen Ortschaft Wallenfels 11 Wohnhäuser einäscherte, kam eine hilflose Greisin in den Flammen um. Blitzschlag in eine Kindcrgruppe. Während eines Gewitters, dos auf dem Eichsfelde niederging, schlug ein Blitz zwischen eine Anzahl auf dem Felde arbeitender Schulkinder. Ein zehnjähriges Mädchen wurde getötet, mehrere andere Kinder betäubt. Absturz in den Bergen. Vier junge Leute, die von Gre noble aus einen Ausflug in die französischen Alpen unternahmen, sind dabei abgestürzt. Ein Fräulein rniS Lyon war sofort tot, die drei anderen Teilnehmer wurden schwer verletzt. Briefkasten der Redaktion. Sit(nrlftllAt eprcchstilNde slndkt Linden st raste 09, dorn vier Treppe» — Fahrstuhl—, Wocijciitägiiih van 4V4 bis TA Uhr atcudS, Sonnatends, van i'A vis 6 Uhr abends statt. Jeder skr de» Brleflaften bestwiniten Rnsraae ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen betznftigen. vrtesltche SIntwart wird»icke crlcUt. Anfrage», denen keine AbounriucnlSguittung bcigcfiigt Ist, wrrde» nicht beantwortet. Eilige Frage» trage man in der Sprechstunde vor. Kinderschutz. Varenthin, Straiauer Platz 1—2, 2. Etage.(Bcässnct von 9—2 und 5—8 Uhr.— Tenpitzfahrer. Wir halten Sie für bcsugt, 2,4S M. pro Person erstattet zu oerlangen.— p. LS.£5. Der die Kosten übersteigende Betrag von 1200 M. koinmt Ihnen zu.— H. P. 10«. Kommen Sie In die Sprechstunde oder wiederholen Sic brieflich die An- frage unter Beifügung des Mictsvertragcs.— Erbschaft III. Die Hälfte.— 1668. 1. Die entbehrlichen Sachen kann die Wirtin für die bis zum Ablauf des Pertrages zu zahlende Miete einbchalten. 2. Geldstrafe ist»ullifsig; in der Regel wird aber aus Gefängnis erkannt. 3. Das ist Anssaslungslache. 4. Nein.— E. H. 65. Ansprüche aus einem Darlchn verjähren in 30 Jahren.— G. G. S7SS. I., 2., 4. bis S. Die Anzeige kann von jeder beliebigen Person erstattet iverden. 3. Nein. 7. Ja. 8. Legitimation durch nachfolgende Heirat, EhclichkcitserNämng, Adoption. 9. Die Mutler ist gesetzlich zur Erziehung verpfiichtet.— W. B. 106. Einen Monat, soweit Staatseinkommeiisteuer in Frage kommt.— F. K. Sil. 1. Nein. Nur die Zeit außerhalb der üblichen stlrbcitszeit 2. Wahrend der Zeit, zu der dem Mieter das Benutzungsrecht zusteht, ja. 3. Ja. — R. R. 37. Die Frau nicht, wohl aber die Kinder; Höhe des Miter» haliSbetrages- etwa 18 M. wöchentlich.—«s L. 66. A» die Kranken- lasse, eventuell an die Jnvalldenversicherungsanstait.—(8. K. SS. Etwa 30 bis 35 M.— A. I. 60. Es liegt Verjährung vor.— A. St. «harltb. 17. 1. und 3. Ja. 2. 5 Jabre.—(g. St. 316. Sie müsse» dem Schuldner eine Frist setzen zur Einlösung der Uhr unter der An» drohung, daß nach fruchtlosem Ablauf dle Versteigerung erfolgt. Die Adresse des Schnidners müssen Sie durch Nachsrage beim Einwohner- Meldeamt und bei Ihnen etwa bekannten Verwandten zu ermitteln ver- suchen. Iii die Adresse nicht zu ermitteln, so kann die Androhung unter- bleiben. Die Verstetgerung muß durch einen Gerichtsvollzieher eilolgen. Ist die Adresse des Schuldners bctannt, so muß derselbe vom Ver- steiaerungstermin— der nicht früher als einen Monat nach Empfang der Androhung statlsinden darf— Kenntnis erhalten.— P. S. 33. Ja.— «. R. 16. Sie können Klage aus Zahlung des Restes mit Aussicht ans Ersolg erhebe». Zuständig ist das Amisgericht, in dessen Bezirk Schuldnerin ihre» Wohnsitz bat.— Ober-Schönewetde. 1. bis 3. Ja. — Alimeiike. UnterhaltSforder-ungen, auch wenn sie durch Urteil rechts. 'lästig festgestellt find, verjähren nach KZ 197, 218 Abs. 2 Bürgerl. Gesetz. buchS in 4 Jahren.— G. O. 64. Ja, soweit Staatseinkommensteuer in Betracht kommt.— St. B. 60. Sie persönlich find nicht sordcrungs- berechligt, wohl aber kann Ihr« Braut Zahlung verlangen. Letztere hat auch Anspruch aus angemessene Aussteuer.— TS. A. 11. Der Mann kann durch Erllärung beim Standesamt dem Kinde seinen Namen geben. Heinrich II. 1. Antrag beim Landrat, unter Ueberreichung der Auf- rechnungsbes�elnigungen«utz der letzten OuilwngSkarte. L. Notar oder Zur üertttefdth/g von Verwechselungen: Die Iirma fl.(Verthelm unterhält in Berlin nur diese 3 Geschäfte ((.WeMeim C. m. b. H. Owand-HWdftmg Berlin(U.66 Ceipzigerstr. 132/37. Bei Briefen ist genaue Messe erforderlich. 3{a»etttft«&rStr. StrOMC 132-31 Ovnnm StraMC Freitag und Sonnabend Lebensmittel-Angebot Die mit* bezeichneten ArtiKel sind von der Zusendung ausgeschlossen. soweit vorbanden •Rotwurst........ rrund 45 u. 70 Pf. •Landleberwurst...... Pfund 85 pt •Jagdwurst........... ptund 90 pt •Feine Leberwurst.... Pfund 95 Pf. Mettwurst mit KnobUueh.... Pfund 1.00 Zervelat* u. Salamiwurst Pfd. 1.15 Schinkenspeck fpSJSS. pmnd 95 pr. Mausschinken"hwir�P.f"n.dPfund 115 Landschinken Jlhw7rt0.P.fu.nd Pfund 1 20 Ochsenzungen pÄ".«hw.*»«: 2.50 Dose 6 Paar 12 Paar Delikatess-Brähwürstchen 80 pr. 1.50 Frankfurter Würstchen Don ZV,» 10 P«»r 85 Pf. 1.40 2.50 Fetter Speck m s,0ck" von" 58 Pf. Magerer Speck �°k'° � 70 pu 'Qkt Veroneser Pfirsiche..... Pfd. 25 pc Tomaten............. s Pfd. 25 pt: Bananen............. ptund 24 pt. Grosse Kochäpfel...... Pfd. 10pf. Ananas............ p» 70. 88 pt Weintrauben.......... prd. 20 pr. Williamsbirnen........ 15, 18 pr. Kochbirnen........... s prd. 30 pr. Malvasier Birnen....... Pfd. 10 pr. Ungar. Melonen...... prund 10 pr. Pflaumen............. prund 15 pr. Kartoffeln.......... io prund 35 pr. Weiss-, Rot- und Wirsingkohl.. s KSpf. 20 pr. Maiskolben....... s stock 20, 30 pr. 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August: Fahrwart- fihung in Friedrichsselde.__ 12/3 Schöne«, rentable« Landhäuschen in Strausberg-Stadt mit drei Woh- nungen. größere und kleinere, vom �genossen selbst errichtet, umstände- er sosortzu verkaufen. 2056* Orts-Krankenkasse für daS Tapezierergewerbe zu Berlin. Mittwoch, den 3t). August 1911, abends 8'/, Uhr, Im Gewerkschaftshause. Engelufer 15, Saal III: �.ovei-oi-deiltllods venera!-Versammlung wozu die Herren Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer ergebenst eingeladen werden. Tagesordnung: 1. Weitere Stellungnahme zu den Beschlüssen der ordentlichen General- Versammlung vom 28. April er. 2. Statutenänderung(§ 31). 3. Verschiedenes. 278/5 Um zahlreiches Erscheinen ersucht vei- Voratand. I. A.: N. Lobitz, Vorsitzender. «nnstftopferei von Frau KotoSky. Schlachtensee, Zkurstraße 8 III. -Die Grundbegriffe der Wirt- schastSlehre. Ein« populäre Einfüb. rung von Julian Borchardt. Preis SO Pf. Expedition Vorwärts, Linden- ftraße SS. Verrvaltalie Svrllii.=== abends S'.'j Uhr, im Grwerkschaftshause, Engel- Heute, Freitag, uvci»,» o-;. u�c,«» ufer 14/15, Saal 4(Arbeitslosensaal): Sitzung der Ortsverwaltung. gm s Jeder Herr s 35 Terkanf nur Im Fabrikgebäude! I I Wenn 35 M Sie sparen Geld!"sir i nhal"iS" Engrospreisen? M«S I � d„ Möbelfabrik: jü. Waller».Willi Maaß, Jä®! 5157"5. kaufen. Verkauf nur im Fabrikgebäude— nur eigenes Fabrikat.— Auf Wunsch Teilzahlung. 35■■ Permanente Musterzimmer-Ausstellung, wm 35 I s ft % % % % % % raa. An- welch. r fobön and billig«ich kleiden wül, •inen Poeten gebraoobter, ehem. gereinigter Harr« «Aga, Paletot« etc., für jede Figur peeiend. Die •iod aas prima Maßitoffen angefertigt, teile tos Firmen, einzelne ans Abonnementeb&aeera etanunend, frOber bia 100 Mark, jetzt za folgenden extra billigen Freiaan: Jackett- Anzüge.. 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August, findet in Reinickendorf- O st Erntefest statt. Wir machen darauf aufmerksam, daß da-Z Lokal Kurmanns Gesellschaftsgarten der Arbeiterschaft zu Versammlungen nicht zur Verfügung steht und deshalb streng zu meiden ist. _ Die Lokalkommission. Köpenick. Das Stiftungsfest des WahlbereinS findet am Sonn- abend, den 26. August, in den Gesamträumen des„Stadttheaters' statt. Der Vorstand. Bezirke Pankow und Wilhelmsruh. Wir fordern die Partei- genossen auf, sich recht zahlreich an der R u h l s d o r f e r Versamm- lung zu beteiligen.(Siehe Notiz vom Mittwoch unter.Bernau'.) Treffpunkt: Sonntag, den 27. ct., mittags 12 Uhr, bei Feind am Bahnhof Reinickendorf-Rosenthal. Abfahrt 12.23 Uhr nach Kloster- felde und gemeinsamer Marsch zur Versammlung. Die Agitationskommissionen. Staaken. Sonntag, den 27. August, nachmittags 4 Uhr, in Gnädig« Gasthof: Große öffentliche Versammlung. Thema: Konsum und BolkSernährung. Sonnabendabend 6'/z Uhr: Handzettelver- breitung hierzu._' Die Bezirksleitung. Berliner Nachrichten« Tie Gleichlegung der Ferien abgelehnt. Tcr„Vorwärts" berichtete seinerzeit, daß der„Geschäfts- führende Ausschuß des Preußischen Lehrervereins" eine Petition an den Minister gerichtet hatte, in der er unter Darlegung der Gründe gebeten hatte, die Ferien in den der- fchiedenen Schulgattungen gleichzulegen. Es wurde schon damals vermutet, daß die Petition keinen Erfolg haben würde. Tiefe Vermutung hat sich bestätigt. Dem„Geschäfts- führenden Ausschuß des Preußischen Lehrervercins" ist vom Ministerium folgender Bescheid zugegangen: „Auf die Vorstellung vom 22. Juni d. I. eröffne ich dem„Gefchäftsführenden Ausschuß des Preußischen Lehrer- Vereins", daß ich zu meinem Bedauern dem Antrage nicht zu entsprechen vermag. Nachdem durch die Ferienordnung vom 19. März 1994 die im Interesse des Schulwesens dringend gebotene Einheitlichkeit in den Volksschulferien durchgeführt ist, muß ich Bedenken tragen, die festgesetzte Ordnung wieder abzuändern. Im Auftrage: Müller." Kein Wort darüber, wie man sich zu den angeführten Gründen stellt, ob man ihre Berechtigung anerkennt oder sie für zu unbedeutend hält, als daß es nötig erschiene, eine vor sieben Jahren erlassene Ferienordnung abzuändern. Die Ablehnung stützt sich nur auf Bedenken formeller bczw. äußerlicher Art. Ist denn die Abänderung einer sieben Jahre alten Ordnung etwas so Bedenkliches, wenn noch dazu so viele Gründe dafür sprechen? Es ist doch kaum glaublich, daß man sich im Ministerium der Wucht der vom Preußischen Lehrerverein angeführten Gründenverschließen kann. Wenn man es aber dennoch getan hat. und ganz nichtige äußerliche Be- denken geltend macht, so folgt daraus, daß man die Ferien der Volksschulen mit denen der höheren Schulen nicht gleich- legen will, um eben einen Unterschied zu konstatieren. Es soll eben auch schon den Kindern zu Gemüte geführt werden, daß es erstklassige und zweitklassige Menschen gibt. DaS Freibad Müggelsee ist ein lehrreiches Beispiel dafür, daß öffentliche Einrichtungen, für die ein Bedürfnis vorhanden ist, sich durchsetzen können nicht nur ohne den Beistand der Behörden, sondern sogar gegen alle ihre Verbote. Am Nordufer des Müggelsees, wo in den letzten Jahren ganz von selber ein vielbesuchtes Freibad entstanden ist, haben in diesem heißen Sommer allsonntäglich Zehntausende gebadet— und die in Frage kommenden Behörden haben untätig zugesehen, weil sie begriffen, daß solchem Ansturm gegenüber selbst die Allmacht des Gendarmen versagt. ES wird aber de- fürchtet, daß im nächsten Jahr diese Behörden sich zu entschlossener Tat aufraffen werden, um dem ohne Erlaubnis einer hohen Obrig- keit ganz respcktswidrig aufblühenden Freibad Müggelsee gewaltsam ein Ende zu bereiten. Begründen könnten sie solches Vorgeben, nteint man. mit einem Hinweis auf m a n ch e r l e i Mißstände, die besonders unter dem Massenandrang dieses Jahres sich dort herausgebildet haben, weil eS ja dem nur inoffiziell existierenden Freibad noch an all dem fehlt, waS ein Kulturmensch als unenlbehr- liche Beigabe jeder zugelassenen Badeanstalt ansieht. Wie man diese Mängel beseitigen und so ein Verbot des Freibades abwenden könne, das wurde in der am Mittivoch abgehaltenen öffentlichen Versammlung für Besucher des Frei- badeS Müggelsee(in der„Konkordia', Slndreasstraße) erörtert, über die wir schon in der Donnerstagnummer kurz berichtet haben. Das Bild, das der Referent F e l i s ch- Friedrichshagen von den im Frei- bad herrschenden Zuständen entwarf, war nicht gerade rosig. Mit scharfen Worten geißelte er die Gewohnheit vieler Freibadbesucher. Stnllenpapiere und leere Konservenbüchsen und Flaschen umherliegen zu lassen, ja, in frevelhafter Leichtfertigkeit sogar Flaschenscherben ins Wasser zu werfen, so daß schon oft Verletzungen, zum Teil mit dauerndem Schaden, vorgekomnten sind. Eine Gefahr bilden auch die tiefen Stellen im See, die schon vielen Badenden zum Verderben geworden sind und verschiedene Todesfälle durch Ertrinken herbeigeführt haben. Be- fonders dieser Mangel des Freibades Müggelsee hat Veranlassung dazu gegeben, daß die Badenden zur Selbsthilfe griffen. Eine„Ber- einigung zur Ordnung des Badewesens im Müggelsee', die ins Leben gerufen wurde, stellte Warnungstafeln auf, die die Behörde zwar nicht erlaubte, aber dann auch nicht beseitigte. Geklagt wird auch, daß— so führte Referent auS— tnattche Badende, namentlich junge Leute, allerlei törichten Unfug treiben, wie wenn ihnen das Freibad eine Vogeliviese oder ein Rummel- platz sei. Gegenüber solchen Ungehörigkeiten sei mehr Selbstzucht der Besucher zu fordern, nötigenfalls werde man Ausschreitungen durch das Eingreifen freiwilliger Ordner zu verbülen suchen müssen. Referent machte dann allerlei Vorschläge für die äußere Einrichtnug des Frei- badeS, das z. B. ohne Abortanlagen und Garderobenzelte schwerlich werde weiterbestehen können und auch besserer Vorkehrnngen für erste Hilfe bedürfe. Um die Beseitigung der Mängel zu erreichen, sei für die„Vereinigung zur O r d n u tt g des Bade- wesenS im Müggelsee' eine Ortsgruppe Berlin zu bilden, die natürlich ihren Mitgliedern auch die Aufbringung der Geldmittel zumuten müsse. In der D i S k u s s i o n wurde mehrfach der Wunsch geäußert. daß man daS Freibad Müggelsee nicht eiiva nach Art deS Freibades Wattnsee zu einer Erwerbsquelle für fittdige Ge« fchäftSleute werden lassen solle. Ein Turner regte an, daß die Arbeiterschaft Berlins durch ihre die Leibesübungen pflogeiideit Vereine, wie A r b e i t e r- S ch w i m m e r b u n d. Arbeiter- Turnverein„F i ch t e', R u d e r k l u b„Vorwärts", sich be- teiligen möge. Die Unruhe, mit der ein Teil der Zu- Hörer diese Ausführungen atifnahm, steigerte sich zu lärmenden Unterbrechungen, als dieser Redner. auch eine Beteiligung des Jugendausschusses der Berliner Arbeiterschaft wünschte. Vom Vorstandstisch aus wurde gewarnt, nur nicht das „Politische" hineinzuziehen, sonst werde man die Be- yörden gegen sich haben, und diese Sorge der Veranstalter kam dann in der weiteren Diskussion noch mehrfach zum Ausdruck. Auch der Referent erklärte in seinem Schlttßwort:„Mit so etwas dürfen wir den Behörden nicht kommen. Wenn er st gemerkt wird, daß die Sache von links kommt, dann ist's vorbeil" Man sieht, was preußischen Behörden zugetraut wird. Ein Verbot des Freibades, weil Sozialdemokraten sich dafür interessieren, es der Bevölkerung zu erhalten I Der Referent machte zuletzt noch eine sonderbare Andeutung. Indem er von der Möglichkeit einer Schließung des Freibades, einer Absperrung des Ufers durch Stacheldraht sprach. fügte er hinzu, ihm sei„von hoher Stelle gesagt worden:„Wenn'S fein muß, steht e i n Bataillon Soldaten dal' Die«hohe Stelle" ist vermutlich nur ein kleiner Amtsvorsteher, der seiner Würde und Macht sich all- zubewußt war. aber kennzeichnend für preußische Zustände bleibt die Aeußernng auch so. Die Versammlung nahm die von uns bereits mitgeteilte R e- soluiion an und setzte einen aus Einwohnern Berlins und Friedrichshagen bestehenden Arbeitsausschuß ein, der die Gründung der Ortsgruppe Berlin beweiben und die angeregten Re- formen des Freibades in die Wege leiten soll. In ihm sind auch Arbeiter-Turn- und Sportvereine vertreten. Hochsaison in der städtischen FleischvernichtungSanstalt. Die Fleischvernichtungsanstalt der Stadt Berlin, die sich bekanntlich in der Gemarkung des Dorfes Rüdnitz bei Bernau befindet, ist in diesem Sommer infolge der großen Hitze ungemein viel in Anspruch ge- nommen worden. Es sind in den Lagerräumen noch inimer große Mengen verdorbenen Fleisches aufgespeichert, die der Vernichtung harren. Täglich treffen dort aus Berlin eine Anzahl hermetisch verschlossener Eisenbahii-Waggons mit zur Vernichtung bestimmtem Fleisch und Tierkadavern ein. Die Marktpolizei beschlagnahmt alle Fleischware, deren Genuß gesundheitsschädlich sein könnte. All dieses Fleisch, gefallenes Vieh usw. kommt in die Fleischvernichtuugs- anstatt. Die Behandlung und Verarbeitung ist äußerst interessant. Zunächst gelangeit die gesunden Kadaver in den EnthäntungS- und Zerlegungsraum. Während die gewonnenen Häute der Berliner Häuteverwertung zugeführt werden, gelangt das Fleisch in die Koch- ableilung, woselbst ihm zunächst in Extraktoren, die je 50 Zentner fassen, das Feit entzogen wird. Dieses wird im Kühlraum geklärt und weiter bearbeitet. DaS gekochte Fleisch wird getrocknet und dann mittels Walznillhlen fein gemahlen. Das Mehl enthält durch- schnittlich 57 Proz. Eiweiß und 17 Proz. Fettstoff und bildet eine vorzügliche Beigabe zum Viehfntter. Der Nachfrage kann kaum ge- uügt werden, namentlich jetzt, wo infolge der Futternot große Be- stellnngen erfolgten. Ein Teil des Fleisches liefert das Gallert für die Zubereitung des Leimes. Die Kadaver der einer Seuche zum Opfer gefallenen Tiere werden nicht etwa als unbrauchbar ver- brannt oder sonstwie verttichtet, sondern durch sachgemäße Be« Handlung ebenfalls für weitere Verwendung zubereitet. Diese Kadaver werden zunächst desinfiziert und enthäutet. Dann wird das Fleisch in besonderen Kesseln unter solch starkem Druck gekocht, daß alle Gift- und Krankheitskeime ge- lötet werden, zumal die Abkochung mehrmals erfolgt. Auch dieses Fleisch wird dann getrocknet und gemahlen und kann dann ebenfalls unbedenllich als Viehfntter verwendet werden. Auch die Häute dieser Kadaver werden durch besondere Behandlung nutzbar gemacht. Die Abwässer der Anlage werden ans eigene Rieselfelder geleitet. Ter Betrieb ruht nie. Fast täglich treffen dort Fleischer- und auch andere Vereine und Korporationen zur Besichtigung ein, und vielfach haben andere deutsche und auch ausländische Gemeinden diese An- läge zum Muster für eigene Betriebe genommen. Zwischen den Puffer» zermalmt. Einen entsetzlichen Tod fand am gestrigen Doiinerstagvorinittag gegen 10'/z Uhr der Maurer Ladis- lauS Elaez. E., der in einem Berliner Baugeschäft angestellt ist, war um die genannte Zeit beschäftigt, auf dem Anhalter Güter- bahnhof Mauersteine aus einem Waggon auf sein Fuhrwerk abzu- laden. Als er die Arbeit beendet hatte, sollte der Güterwagen von einer Rangierlokomotive auf ein anderes Gleis gebracht werden. Elacz hatte sich über das Gleis hinweg nach einem Schuppen ent- fernt, wo er mit einem Bekannten sprach. Als nun die Lokomotive herannahte, wurden die Pferde des Gespanns unruhig und der Maurer wollte zu den Tieren hineilen, um die scheugewordenen Pferde am Zügel zu halten. In dem Augenblick, als er die Gleise zu überschreiten im Begriff stand, stolperte er jedoch und fiel so im- glücklich, daß der Kopf zwischen die Puffer der Lokomotive und des Güterwagens geriet. Der Schädel des Unglücklichen wurde voll- ständig zermalmt. Bahnbeamte schafften den Verletzten nach dem Urban-KrankenhauS, wo er jedoch bald nach feiner Einlieferung verstarb. Der falsche Staatsanwalt, über deffen Auftteten im Kriminal- gcricht wir gestern berichteten, ist aus der Untersuchungshaft ent- lassen worden, weil ihm Betrügereien nicht nachgewiesen werden konnten. Er wird sich also nur wegen Führung eines falschen AmtS- titelS zu verantworten haben. Tatsächlich soll er in Amerika an Gerichten amtlich tätig gewesen sein und so glaubte er auch hier sich einen entsprechenden Titel beilegen zu können. Taschendiebe im Lunapark. Die Spezialisten auf dem Gebiete deS Taschendiebstahls haben im Lunapark schon recht fette Beule gemacht. Die dreisten Burschen benutze» das Gedränge an einzelnen Stellen deS Etablissements, um Zuschauern unbemerkt daS Portemonnaie aus der Tasche zu rauben. Auch Taschenuhren ver- schmähen die Diebe nicht. So büßte beispielsweise einer der Be- sucher eine goldene Taschenuhr im Werte von 300 M. ein. Tariskuriosa der Stadt- und Ringbahn. Zu diesem Themaffchreibt ntaii uns im Anschluß an nnsere kürzlichen Veröffentlichungen:„Seit September 1910 wohne ich in Fichtenau(Station Rahnsdorf). Ant Schlesiichen Bahnhof löte ich mir jede Woche eine Arbeiterivochen- karte, welch« für Berlin Stadt- und Ringbahn bis Erkner gültig ist, zum Preise von 2 M. Nicht wettig erstaunt war ich, als ich bei Lösung einer neuen Karte eine andere bekam, welche Westend— Erkner lautete. Benutze ich die Bahn von Nixdorf, vom Wedding oder von sonst einer Süd- oder Nordringstation, so muß ich bei dieser Karte erst ein Billett für 10 oder 20 Pf. kaufen und bis RummelSburg fahren, wo ich dann umsteigen kann und von wo meine Wochenkarte datnt erst Gültigkeit hat. Bei der Karte: Berlin Stadt- und Ring- bahn— Erkner habe ich das nicht nötig. Als ich vor einiger Zeit wieder solch eilte Karte bekam, beschwerte ich tnich beim Over- vorstehcr. Derselbe konnte ntir keine Aufklärung darüber geben und verivies inich an den Fahrkartenvorsteher. Dieser war aber ebenso ratlos ttnd riet mir, mich bei der Eisenbahndirektion Berlin, Ab- teilnng Drnckfachen zu beschweren. Das habe ich nicht getan, da ich in Zukunft inimer richtige Karten bekam, bis vorige Woche und ebenso ani letzten Montag, wo ich wieder die Karlen Westend— Erkner erhielt. Die Fahrkarieitverkättferin machte ich auf die falsche Karte auffnerksam. Dieselbe gab ntir zur Antwort,„dies sind alte Karten, welche aufgebraucht werden". Also nur um Drucksachen, welche einen Bruchteil eines Pfennigs ausmachen, attfzitbratichen. muß der Arbeiter, wenn seine Arbeitsstelle an einer Süd- oder Nordring- station liegt, 00 Pf. bis 2,40 M. mehr bezahlen". Eine längere Bettietsstöriing im Strastcubahitvcrkchr trat M Üivochabend in Moabit ein. In der Turmstraße in der Nähe der Bandelstraße, wo gegenwärtig AnSbesserungsarbeilen an den Straßen- bahnschienen vorgenoinmen werden, sprang ein Wagen der Linie 5 beim Verlassen des NotgleiseS auS den Schiene» und mußte durch Mannschaften des herbeigerufenen Rettungswagens der Straßenbahn wieder eingegleist werden. Während der Störung, die von 8.28 bis 9.15 Uhr dauerte, mußten die sämtlichen die Tnrmstraße passierenden Straßenbahnwagen in beiden Richtungen über Alt-Moabit und die Stromstraße abgelenkt werden; die Wagen der Linie 5 fuhren durch die Perleberger und Stromstroße.— Eine zweite, kürzere Verkehrs« störung ereignete sich gegen sli\0 Uhr abends an derselben Stelle. Es entgleiste dort wieder ein Wagen der Straßenbahnlinie 5 und konnte erst nach 22 Minuten wieder in die Schienen� gehoben werden. Während dieser Zeit wurden die die Unfallstelle passierenden Wagen in der oben erwähnten Weise abgeleitet. Der verhaftete Rechtskonsulent. Unter dem Verdachte der Zuhälterei, des Betrüge? und de? Meineides ist ein 23 Jahre alter Rechtskonsulent Ewald v. HaeuSler von der hiesigen Kriminalpolizei festgenommen worden. Der junge Mann betrieb in der Veteranenstr. 20 eine Zeitlang ein„Rechts- bureau". Er hatte viel Zulauf, beschränkte sich aber darauf, den Leuten Vorschüsse von zehn, zwanzig tmd mehr Mark abzunehmen, statt ihnen, wie er versprach, auch mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Weil die Betrogenen„Krach" machten, so wurde ihm dieser Geschäftsbetrieb zu ungemütlich und er trachtete danackt, noch bequemer zu Geld zu kommen. Zu diesem Zwecke ließ er Mädchen für sich„verdienen". In einem Eafö in der Brunnen- straße saß er ganze Nächte, um die Mädchen mit ihrem Sündenlohn zu erwarten. Brachten sie nicht genug, so bekamen sie Prügel. Eines dieser Geschöpfe brachte er mit Gewalt in seine Wohnung, um es ganz in der Hand zu haben. Nachdem er es auf der Sttaße kennen gelernt und eine Zeitlang mit ihm verkehrt hatte, versuchte er vergebens, es zu überreden, zu ihm zu ztehen. Da fuhr er eines TageS mit einigen Freunden in einer Droschke bei der Widerspenstigen in der Wetumeisterstraße vor, � packte ihre Habseligkeiten zusammen, schleppte auch sie in die Droschke und fuhr mit ihr und ihren Sachen nach seiner Be» hausung. Kürzlich lernte nun v. Haeusler eine schwerreiche Dame kennen, die sich durch Heirat gern einen adeligen Namen verschafft hätle. Jetzt versuckte er, seinen„Schützling" los zu werden, und um das zu erreichen, prügelte er das Mädchen nock mehr als sonst. Die Miß- handelte ging jedoch nicht, erstattete vielmehr Anzeige, nachdem auch Haus« genossen die Polizei schon auf v. Haeusler aufmerksam gemacht hatten. Die Ermittelungen führten dahin, daß die Knininalpolizei den Be« schuldigten gestern festnahm. Die Anschuldigung wegen Meineids hängt ebenso wie die Betriigercien mit den„Rechtsgeschäften" de» Verhafteten zusammen. Sticht wenig erstaunt war die heiratslustige Dame, als ste erfuhr, wem sie Herz und Hand hatte schenken wollen. — Ter Vureanvorsteher v. Haeuslers war ein gewisser JuliuS Rietz, der vor einiger Zeil schon verschwunden ist. Rietz sollte für eine Dame in Charlottenburg, die von ihm ein Zigarrengeschäft gekauft hat, 300 Mark von der Bank holen. Er steckte jedoch das Geld in seine eigene Tasche und ließ sich nicht mehr sehen. Nach den bisherigen Ermittelungen ist er wahrscheinlich nach Holland entflohen. Wie weit er an den Straftaten v. HaeuslerS beteiligt ist, steht noch nicht fest._ Ein gefährlicher Fabrikbrand beschäftigte die Berliner Feuerwehr gestern früh in der P r i n z e n st r. 26. Dort war auf noch nicht ermittelte Weise im ersten Stock des linken Seitenflügels in der Bau- und Kunstglaserei von Gustav Schulze u. Jost Feuer auS- gebrochen. Als die Gefahr gegen 4l/z Uhr morgens bemerkt wurde, tchlugen aus den Fabrikfenstern der Glaserei schon helle Flammen hervor. Bei Ankunft der Feuerwehr hatte das Feuer durch einen Kabelschacht auch schon einen Weg nach dem Ouergebäude gesunden, wo die Fabrikräume der Metallwarenfabrik von Emmrich u. S ch o e n i n g liegen. Der Brandmeister ließ daher sofort mit drei Schlauchleitungen eingreifen, doch gestaltete sich der Löschangriff sehr schwierig, da die Hitzeentwickelung geradezu enorm war, Die Eisen» und Metallteile waren in den brennenden Räumen schon glühend geworden. Erst nach einstündigem Wassergebcn konnte die Gefahr als beseitigt gelten. Die Kunstglaserei ist größtenteils ausgebrannt, während in der Metallwarenfabrik der Brandschaden nur gering ist. Die königliche Eiscnbahndircktion schickt uns folgendes Schreiben: „Die in Nr. 185 vom 10. d. M. gebrachte Notiz über die Erkrankung eines Arbeiters im Stadtbahnzuge ist insofern unrichtig als sich das Stationspersonal weder auf Bahnhof Bellevue noch auf dem Lehrter Stadtbahnhof geweigert hat, sich des Erkrankten anzunehmen. Die amtliche Untersuchung hat folgendes ergeben: Am Abend deS 9. August nach Einfahrt des Zuges 2927 machten Reisende einen Stationsarbeitcr auf Bahnhof Bellevue darauf aufmerksam, daß in einem Abteil des vordersten Wagens ein Arbeiter bewußtlos ge« worden sei. Bevor jedoch der Türschließer dies dem Aufsichts» bcamten gemeldet hatte, hatte sich der Zug bereits wieder in Be» wegung gesetzt. Der Anfsichtsbeamte verständigte aber sogleich die nächste Station(Lehrlcr Bahnhof), wo dann der bewußtlose Arbeiter ans dem Abteil geschafft wurde. Nachdem man dem Erkrankten zu trinken gegeben hatte, erholte er sich und fuhr nach ca. 20 Minuten weiter. Dem Anschein nach handelte eS sich um einen durch die große Hitze verursachten leichteren Ohnmachtsanfall." Nach unseren Informationen trifft die Berichtigung insofern nicht zu, als auf dem Lehrter Bahnhof sich zunächst niemand von den Beamten um den Erkrankten kümmerte, erst auf energische? Fordern des Publikums geschah dies. Im Grunewald erschossen hat sich gestern nachmittag ein un» bekannter Mann von etwa 30 Jahren, der den Eindruck etneS Kaufmanns macht. Als man ihn gegen 5�g Uhr in der Nähe des Segler« Hauses auffand, lebte er noch, im Krankenhause zu Westend aber, in das man ihn brachte, verschied er bald nach der Ausnahme. Er hatte noch angegeben, daß er Kubitz heiße und in der Löwestr. 15 wohne. Diese Angabe hat sich jedoch, wenigstens soweit sie die Wohnung betrifft, als unrichtig erwiesen. Ob der Name richtig ist. weiß man nicht. Der Tote, ist etwa 1,70 Meter groß, hat hellblondes Haar mit Stirnglatze und einen kleinen rötlichblonden Schnurrbart und trug einen kleinkarierten braunen Jackettanzug. Am linken Hand« gelenk hat er eine 2 Zentimeter lange Narbe. Seine Taschentücher sind A. S. gezeichnet. Zeugen gesucht, welche den Antomobilunfall am 12. August, l/z2 Uhr mittags, in der Lennö-, Ecke Königgrätzer Straße, be- obachtet haben. Adressen werden mündlich oder schriftlich an Dr. N e u m a n n, Gledttschstr. 31, vorn I erbeten. Vorort-Nachrichten. Nixdorf. Die Stlidtvrrordiictcitversnmmlung stimmte am Dienstag in ge« heimer Sitzung dem Magistratsantrag auf kostenlose Ueberlassung eines städtischen Grundstücks am Mariendorfer Weg an den FiSku» für die Errichtung der königl. Taubstummen« und Taubstummen« lehranstalt zu. Unsere Genossen sprachen sich durch ihren Redner Dr. S i l b e r st e i n im Grunde für die Errichtung einer solche» Anstalt ans, bekämpften aber entschieden den vom preußischen FiSku» der Stadt Rixdorf diktierten einseitigen Vertrag. Nach letzterem werden der Stadt Ivohl Pflichten auferlegt, ihr aber nicht die Mög« lichkeit gegeben, auch Gegettsorderungen geltend zu machen. Diese echt preußische Art, sich auf Kosten einer armen Stadtgemeinde, wie es Rixdorf ist, glänzende Lorteile zu sichern, wurde von unserem Redner in aller Schärfe gegeißelt. Der Bürgermeister Dr. Weinreich suchte den kraffen einseitigen Vertragsbestimmungen eine möglichst harmlose Auslegung zu geben z hiermit hatte er denn auch ien gewünscht?» Erfolg. Mit 24 gegen 23 Stimmen unserer Genossen, worunter sich noch drei bürgerliche befanden, wurde dem Vertrage zugestimmt. Danach schenkt Rixdorf dem Fiskus ein Grundstück im Werte von 200000 M. und hat außerdem noch eine Reihe anderer Bei pflichtungen zu übernehmen, die gleichfalls noch mit knappen 100 000 M. in Rechnung zu stellen sind. Dafür darf Rixdorf die paar taubstummen Schüler in der zu errichtenden Anstalt unentgelt lich unterrichten lasten. Hierzu ist noch zu bemerken, daß es dem Direktor der Anstalt vorbehalten bleibt, welche Schüler in der Anstalt Aufnahme finden. Die Bürgerlichen suchten ihre Zustimmung zu dem Bertrage damit zu rechtfertigen, daß wenn erst eine staatliche am Orte sei, auch weitere für die Stadt gewinnbringende folgen würden. Der preußische Fiskus wird über diese kindliche Naivität nur ein hämisches Lächeln übrig haben. Wilmersdorf. Ein schwerer Bauuufall ereignete sich gestern mittag im Bismarck- ghmnafium in der Pfalzburger Straße 30/31. In der Turnhalle der Anstalt werden zurzeit bauliche Veränderungen vorgenommen. Unter anderen wird eine zweite Etage aufgebaut, die ziemlich fertig war. Als gestern mittag die Schalung der Decke des zweiten Stocks entfernt wurde, gab die Decke plötzlich nach und stürzte in ihrer ganzen Ausdehnung in sich zusammen. Drei Arbeiter, die gerade in dem Raum beschäftigt waren, wurden von den Trümmermasten verschüttet. Da die Verunglückten nicht so ohne weiteres befreit werden konnten, wurde die Wilmersdorfer Feuerwehr alarmiert, die unter Führung de§ Brandinspektors Dannehl schnell mit zwei Zügen zur Stelle war. Unter Benutzung einer sogenannten Marineirankentrage wurden die drei Arbeiter aus dem ersten Stock nach dem Hof an Leinen hinabgelassen. Zwei der Verunglückten waren schwer und der dritte nur leicht verletzt. Sie wurden zunächst nach der WilmerS- dorfer Rettungswache gebracht und dort verbunden. Dann erfolgte ihre Ueberführung nach dem Kreiskrankenhaus in Groß-Lichterfelde. Die Schwerverletzten sind die Arbeiter Hermann Rostin aus der Lück- straße 24 zu Rummelsburg �komplizierter Unterschenkelbruch) und Valentin Mos aus der Friedrichsfelder Str. 10 lHüftquetschungen), während der Leichtverletzte Albert BuSke heißt und in der WilmerS- dorfer Str. 40 zu Charlottenburg wohnt. Die Unfallstelle wurde von der Feuerwehr aufgeräumt. Die Ursache deS Einsturzes ist noch nicht festgestellt. Wahrscheinlich war die Entfernung der Decken- schalung zu früh erfolgt. Schulkinder hielten sich zurzeit deS Einsturzes nicht in der Turnhalle auf. Eharlottenburg. Eine sonderbare Klage geht unS über die Unfallstation in der Kaiser-Friedrich-Straße zu. Am Freitag, den 21. Juli, fuhr an der Ecke der Wilmersdorfcr und Bismarckstraße der Arbeiter Adolf G. mit seinem Zweirade gegen drn Hinterperron eines Straßenbahn- Wagens, er wurde dabei von seinen, Rade geschleudert und zog sich erhebliche Verletzungen am Kopfe zu. G. wurde mittelst Droschke nach der Uufallstationsin der Kaiser-Friedricb-Straßesgcfahren. wo ihm die klaffende Wunde an der Stirn zugenäht wurde; sein Rad hatten Paffanten inzwischen nach dem Polizeirevier in der Kaiser-Friedrich- Straße gebracht. Wie uns G. jetzt mitteilt, ist er nach erfolgter Be» Handlung aus der Unfallslation entlassen worden mit dem Bemerken, daß er sich nun nach Hause begeben könne. Beim Heraustreten auf die Straße sei er jedoch halb bewußtlos gewesen und eS sei ihm nur unter äußerster Anstrengung möglich gewesen, sich aufrecht zuhalten. In einer Ouerstraße der Kaiser-Friedrich-Straße habe ihn ein Schutz- mann des Polizeireviers der Kaiser-Friedrich-Straße angerufen und ihn ersucht, sich das Rad von der Wache abzuholen. Obwohl hierzu völlig außerstande, sei er nach der Wache gegangen. Hier habe ihm, da er arbeitslos und ohne jede Barmittel gewesen, der Wachtmeister 20 Pf. gegeben, damit er nach Rixdorf zu seiner Schwester fahren könne. Dort sei er dann auch in recht schwachem Znstande angekommen. Nach der Darstellung des G. hätte die Leitung der Unfallstation fahrlässig gehandelt, daß sie ihn in einem solchen Zustande den Heimweg antreten hieß. Der ihn behandelnde Arzt hätte wissen müssen, daß es ein gewagtes Stück ist, einen schwerverletzten Menschen allein dem Straßengetriebe preiszugeben. Der städtische Arbeitsnachweis Charlottenburg eröffnet Anfang September seine dritte Frauenableilung in der Kantstr. 60 unweit des Amtsgerichts und des Bahnhofes Charlottcnburg. Da in dieser Gegend bisher kein gemeinnütziger Nachweis besteht, soll die Neu- einrichtung einem dringenden Bedürfnis Abhilfe schaffen. Di« neue Abteilung ist nach dem Muster der beiden bereits bestehenden ein- gerichtet, sie hat außer dem Bureau getrennte Warteräume für Stellungsuchende und Stellunggeber; auch Besprechungszimmer für die Dienstbotenvermittelung sind vorgesehen. Alle drei Abteilungen beschäftigen sich mit der Bermittelung von Hauspersonal jeder Art, d. h. es werden sowohl Dienstboten als auch Aufwärterinnen, AuS- Hilfe», Wasch- und Reinemachefrauen, Plätterinnen, Näherinnen Usw. nachgewiesen.— Dagegen wird die Bermittelung von Fabrik- arbeitermnen ausschließlich von der Abteilung Berliner Str. 8l, der Nachweis von Berkäuferinnen von der Abteilung Wittenbergplatz 4 besorgt.— Die Bermittelung des Arbeitsnachweises geschieht kostenlos. Eine Eifersuchtsszene, die mit einer Revolverschießerei endete, spielte sich gestern nachmittag in der GervinuSstr. 12 ab. Dort wohnt im vierten Stock des Hofgebäudes der 3Sjährige Arbeiter Karl Pausch mit einer 32jährigen Wirtschafterin Margarete R e y n e. Die Frau nmßte durch Abvermieten von Zimmern zum Lebensunterhalt beitragen. Trotzdem kam es zwischen den beiden Leuten oft zu Streitigkeiten, da Pausch der Wirtschafterin vorwarf, sie führe einen unsittlichen Lebenswandel. Auch gestern nachmittag ent- stand aus dem gleichen Anlaß ein Zwist, in dessen Verlauf Pausch zum Revolver griff. Er feuerte einen Revolverschuß auf die Frau ab. die vor ihm flüchtete. Die Kugel drang der Unglücklichen ins Genick ein und verletzte sie so schwer, daß sie bewußtlos zu- sammenbroch. Hierauf richtete Pausch die Waffe gegen sich selbst und verletzte sich durch einen Schuß in die Herzgegend gleichfalls sehr schwer. Beide wurden mit einem Krankenwagen»ach dem Krankenhaus Westend gebracht, wo sie in bedenklichem Zustande Aufnahme fanden. Friedeilau. Heber de» Parteitag in Jena referierte in der letzten Mitglieder- versaminlung des Wahlvereins Genosse Richter.— Den Bericht von der Krcisgeneralversammlnng gab Genosse Pöhlmann und den von der Berbändsgeneralveriammlung Genosse Slorch.— Am Schluß der Bersamnilung verwies Genosse Richter aus das Programm des Bildungsausschusses; zugleich teilte er mit, daß die GewerbegerichtS- Wahlen voraussichtlich am 18. September stattfinden werden. Alt-Glieniife. Eine iinposautc, von etwa S00 Personen besuchte öffentliche Versammlung hörte am Dienstag ein Referat des ReichstagSabgeord- neten Otto B ii ch n e r über die Sünden des alten und welche Auf- gaben stehen dem neue» Reichstag bevor. Die eingehende Rede, in welcher der Referent die gesamte politische Lage einer� kritischen Erörterung unterzog und zugleich das Marokkoabenteurer ins rechte Licht rückte, wurde von den Versammelten niit großem Interesse verfolgt. Vor und nach der Versammlung hatte der Llt-Glienicker Arbeiter- gesangverein zwei stimmungsvolle Lieder zum Vortrag gebracht. Alt-Landsberg. In einer gutbesuchtcn Volksversammlung am Sonntag beleuchtete Genosse U ck o- Berlin die gegenwärtige politische Situation. Dem mit lebhaftem Beifall ausgenommenen Bortrag folgte eine Diskussion, an der sich die Genossen Frank und Mohaupt im Sinne deS Referats beteiligten. Die Versammelten gingen hierauf unter begeisterter Stimmung auseinander. Weiftevsee. Einen selten glücklichen Ausgang nahm der Sturz eines Kindes aus dem dritten Stockwerk, der sich vorgestern in dem Hause Gäblerstr. 30 zutrug. Die zweijährige Tochter Erna deS dort wohnenden Kalkulators Kirsten hatte unter Aufsicht der Mutter aus dem Fenster der Küche hinausgesehen. Als plötzlich das im Neben zimmer befindliche jüngste Kind erwachte und nach der Mutter rief, übertrug Frau K. die Aufsicht über die kleine Erna deren fünf- jährigem Bruder und begab sich nach dem Nebenzimmer. Kaum aber hatte sie sich entfernt, als das Mädchen sich zu weit über das Fenstersims hinausbeugte und kopfüber in die Tiefe auf den Hof hinabstürzte. Von Hausbewohnern wurde das veriniglückte Kind, das besinnungslos war, sofort nach dem Auguste-Viktoria-Kranken hause übergeführt, wo die Aerzte feststellten, daß das Kind keinerlei Schaden genommen halte.. Die Kleine, die nur durch den Fall be- täubt worden war, kam wieder zu sich und gab auch nicht einen SchmerzenSlaut von sich. Waidmannslust. Gegen die Kriegshetze. In einer außerordentlich gut besuchten öffentlichen Versammlung am Montag im ForsthauS zu Hermsdorf legte die Arbeiterschaft energischen Protest ein ge-gen die aus Anlaß der Marokkoaffäre von den Geldsackspatrioten und der chauvinistischen Presse entfachte Kriegshetze. Nach einem stimmungsvollen Liebe des Gesangvereins Nordische Klänge als Einleitung folgten die An- wesenden den vortrefflichen Ausführungen deS Genoffen Emil Hnger Berlin, welcher in seinem fünsviertelstündigen Referat die gegen- wärtige Situation beleuchtete. Am Swluß der Versammlung richtete der Versammlungsleiter einen ernsten Mahnruf an die Versammelten, der politischen sowie gewerkschaftlichen Organisation beizutreten. NowatveS. Die Gemeindevertretung beschäftigte sich am Montag in einer außerordentlichen Sitzung mit der von der Eisenbahnbehörde ge planten Verlegung der Bergstraße. Die dichtgedrängte Zuhörerschaft bewies, mit welchem Interesse ein großer Teil der Einwohner dem Gange der Angelegenheit folgt. Zunächst gab Herr Gemeinde- baumeister Kunert in kurzen Zügen ein Bild über die Entstehung und Bedeutung der zur Verhandlung'stehenden Streitfrage. Der zwischen dem Eisenbahnfiskus und der Gemeinde seinerzeit geichloffene Vertrag bezüglich der Höherlegung deS Eisenbahnkörpers sieht— so führt« Redner aus— unter anderem auch eine Unterführung im Zuge der jetzigen Bergstraße vor. Jetzt nun, nachdem mit den Höherlegungsarbeiten beziehungsweise der Abtragung der Bergstraße begonnen wurde, hat sich der Eisenbahnfiskus eines anderen besonnen und will— wie er vor einigen Tagen der Gemeinde mitgeteilt hat— diese Straße, die ja sein Eigenium ist, entgegen den beiderseitig beschlossenen Vertragsbedingungen kassieren, um dafür an anderer Stelle, und zwar zwischen den Junkerschen und Scibtschen Grundstücken, eine neue Straße anzulegen. AuS Verkehrs technischen Gründen kamr gegen diese wenig eingewendet werden, da sie vor der Bergstraße, die ein förmliches S bilde und wegen der Unübersichtlichkeit geradezu eine VerkehrSgefahr auch späterhin be> deuten würde, unbedingt den Vorzug verdient. Die Kassierung der Bergstraße würde hauptsächlich für die Firma Ritsch von großem Nutzen sein, welche dann ihren gegenwärlig durch die Straße getrennten mdustriellen Grundbesitz vereinigen könnte. Das für die Anlage der neuen Straße, die übrigens um einige Meter breiter sein würde als die Bergstraße, erforderliche Gelände hat die Firma dem Eisenbahnfiskus unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Gleich- zeitig mit der Bergstraße will der EisenbahnsiSlu« jedoch auch die BiSniarckstraße kassieren, die er während der Höherlegung unbedingt braucht. Es bleibt nur ein Fußsteig übrig, der an einer Stelle wegen der Weigerung bei Anliegers, von dem Vorgarten ein ent- sprechendes Stück zur Verbreiterung herzugeben, nur eine Breite von einem Meter hat. Sollte die Bi-marckstratze in ihrer gegen- wältigen Breite erhalten werden, so müßten die Anlieger einen Teil ihrer Vorgärten opfern.— In der hierauf folgenden Diskussion kam der Groll gegen den Fiskus wegen der bewiesenen Mßachtung der gemeinsamen Beschlüsse allgemein und in scharfer Weise zum Aus- druck. Genoffe N e u m a n n wies darauf hin, wie lange eS gedauert habe, bis sich der Fiskus seiner Pflicht denr Orte gegenüber bewußt wurde und endlich die Höherlegung des Bahnkörpers beschloß. Schier unüberwindliche Schwierigkeiten stellten sich oft ein, wenn die Gemeinde bei den langwierigen Verhandlungen versuchte. ihren großzügigen, der Entwickelung des Ortes Rechnung tragenden Vorschlägen Geltung zu verschaffen. Dieselbe Behörde, die zur Verwirklichung des Projekts beinahe ein Jahrzehnt ge- braucht habe, stelle jetzt an die Gemeinde das Ansinnen, sich in einer so bedeutungsvollen Frage in der lächerlich kurzen Frist von fünf Tagen zu erklären. Gegen eine solche Zumutung müsse schärfster Protest erhoben werden. Die Gemeindevertretung müsse gegen die Kassierung der Berg- wie auch der Bismarck- straße eintreten und evenwell den Klagrweg beschreiten.— Sehnlich, teilweise noch schärfer, sprachen sich auch die übrigen Redner auS. Allgemeine Entrüstung rief eS hervor, als bekannt wurde, daß der EiienbahnfiSkuS wohl mit der Firma Ritsch bezüglich der Straßen- Verlegung seit längerer Zeit in Verhandlungen gestanden, eS jedoch nicht für nötig erachtet habe, der Gemeinde als Vertragskontrahent irgendwie davon Mitteilung zu machen. Gemeiudevertreter Quappe legte gegen die Kassierung der Bismarckstraße im Namen der Anlieger Protest ern und machte darauf aufmerk- sam, daß bei ausbrechendem Feuer nicht die nötige Lösch- Hilfe geleistet werden könnte, weil kein Fahrweg für die Spritze vorhanden wäre. Gegen die geplante neue Straße wurde von einigen Seiten auch geltend gemacht, daß sie zur Verunstaltung des OrtSbildeS beitragen müßte, weil auf beiden Seiten nur kahle Mauergiebel vorhanden seien.— Nach etwa ein- stündiger Beratung wurde schließlich einstimmig der Beschluß ge- faßt, gegen die vom Eisenbahnsisküs geplante Kassierimg der beiden Straßen sofort Protest einzulegen, und zwar unter Vorbehalt einer innerhalb 8 Tagen einzureichenden ausführlicheren Begründung. Alles Nötige wurde einer verstärtten Kommission übertragen, die auch einen geeigneten Rechtsanwalt mit der juristischen Vertretung der Gemeinde betrauen soll._ Jugendveranstnltunge«. FriedrichShagen. Die Abonnenten der»Arbeit er-Jugend' der- anstalten am Sonntag, den 27. August, einen Ausflug nach Schmetterlings- luft. Treffpunkt nachmittags 3 Uhr im Jugendheim, Wilhelmsw. 74. » Marktpreis« von Berlin am SS. August ISlI. nach ErmMelung de» Königlichen Polizeipräsidiums. Marktballenpreis«.(Kleinhandel.) 100 Kilogramm Erbjen, gelbe, zum Kochen 30.00— 50,00. Speiscbobnen, weiße, 30,00—50,00. Linsen 20,00-60,00. Kartoffeln 9,00—14,00. 1 Kilo. gramm Rindfleisch, von der Keule 1,60— 2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,20 bis 1,70. Schweinefleisch 1,20—1,80. Kalbfleisch 1,40-2,40. Hammelfleisch 1,50—2,30. Butter 2,40—3,20. 60 Stück Eier 3,20—6,00. 1 Kilogramm Karpsen 1,40—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40-3,60. Hechte 1,40 bis 2,80. Barsche 1,00—2,00. Schleie 1,40—3,50. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 2,25-36,00._ WitterungSüberii-v» vom 84. Avgust 1911._ Zlrvciter- Wauderverci»»Berlin«. Wandcrsabrtcn am Sonntag, den 27. August: I. nach Storkow, Springsee, Scharmützelse«. Abfahrt Sonnabendabend 9.40, Soni tag ftüh 4.40 Görlitzer Bahnbos.— II. Thar- lotlcnbos, Ferch, Potsdam. Abfahrt 6.50 Potsdamer Hauptbahnhos.— III. Neuhof, Gr. Zeschsee, Töpchin. Abs-ihrt 6 Uhr Anhalter Bahnhof. Ein<7es?ani?ene vruckfckriften. Bon der»Neuen Zeit« ist soeben da» 47. Heft deS 29. Jahrgangs erschienen. AuS dem Inhalt des Hefte» heben wir hervor: Sklaveret und Kapitalismus. Von K. KaulSky.— Was kümmert uns das humanistische Gymnasium? Von Heinrich Schulz.— Landflucht und Lcutenot. Eine Untersuchung über Ursache» und Mittel zur Rbhilse. Von Dr. Wilhelm Erumach.— Zeitschlistenschau. Feuilleton derNeuenZeitNr. 43: Technische Kunftsorgen und OslwaldS neue Monumentalmaltcchnil Bon Felix Linke. Ein ver- cssener Frauenanwalt. Bon Anna BloS.— Bücherschau: Dr Karl Grün- erg. Archiv für die Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung. Ludwig Gurlitt, ErziehungSIehre. Emil Eichler, Elemente der Kunst- bewachtung. � �„ Die»Neue Zeit« erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch« Handlungen, Poslanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,83 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch lavn dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Da» einzelne Hest kostet 83 Pf. selbstnuzetge« Geisteskranker. Von Dr. H. Hahmann. 1 M.— Bekeitiaung der Zeuguugsfähigkeit und Körperverletzung.— Die künstliche Zeugung beim Menschen und ihre Beziehung zum Recht. Von Dr. E. Wilhelm. 2,50 M. C. Mnrhold, Halle a. S. etatwnen LS ch S fo °= 02 Ä i - 3 öS i Swmemde. 760 W Hamburg 761 NO Serlw 760 O Franks.» R. 760 NO München i760SW Wien! 758 NNO »etter I 1 heiter 2wolkeiil 1 heiter 3 heiter 2 halb bd. 1 wolkig «ich »» E» £» «tattouen Haparanda Petersburg Scilly überveeu ParrS h «Ä II Bf 758 SSW 758 SO 754 SSO 756 S 759 Still Setter 2 bedeckt bedeckt Nebel 1 Dunst wollenl ** c* trf 12 13 17 13 17 rSettcrvrognose für Freitag, den 85. August 1911. 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